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AISCIEIV
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NATURGESCHICHTE
GIÜGUIJNDET VON A. F. A. \V[EGMANN,
FOUTGESKTZT VON W. F. Ell IC IIS ON.
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TROF. Dr. LEÜCKART IN tilESSEN,
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Du F. H. TROSCaEZi,
PnOFRSSOIl AN DKI) FRIEURICU-WILUBLUS-UHIVKRSITÄT XU BONN.
DREI UND ZWAMZiaSTER JAHRGAMG.
Kr«ter lliinil
mit vierselin KuprurtafKln.
BERLIN, 1857.
VERLAG DER NICOLAI 'SC II EN OUCIIIIANnLUNfJ
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13.
-7
Inhalt des ersten Bandes.
Seite
Das Genus Cyclops and seine einheimischen Arten. Von Dr.
C. Claus in Giessen. (Hierzu Taf. I— III) ... 1
Bemerkungen über die ("ephalopoden von Messina. Vom Her.
ausgebe r. (Hierzu Taf. IV und V) . . . . 41
Beitrag zur Anatomie von Nautilus Pompilius L. , besonders des
mftnnlichen Thieres. Von Prof. J. van der Hoeven.
Aus dem Holländischen übersetzt vom Herausgeber 77
mikroskopische Untersuchung der Spermophoren von Nautilus
Pompilius. Von Dr. J. A. Boogard. Aus dem Hollän.
dischen übersetzt vom Herausgeber. . . . 99
Einiges über Milben. Von A. Scheuten in Bonn. (Hierzu
Taf. VI und VII) 104
Lumbricus corethurus, ßürstcnschwanz. Von Dr. Fr. Müller
zu Itajahy in Brasilien 113
Einige Worte über die Entwickelung der Medusen. Vortrag
gehalten in der Versammlung der skandinavischen Natur.
forscher in Christiania im Juli 1856. Von M. Sars . 117
Abrote , ein neues Geschlecht der Crustaceen, aus der Familie
der Hippaceen. Von Dr. R. A. Philippi in Santiago
de Chile (Hierzu Taf. VIII) 124
Vier neue Echinodermen des Chilenischen Meeres. Von Dr.
R. A. Philippi 130
Ueber den Guemul von Molina. Von Dr. R. A. Philippi . 135
Beitrag zur Kenntniss der Dipteren Afrika's. Vom Director
Loew in Sleseritz. Uebersetzt von Dr. Creplin . 137
Ueber einige Fische und Crustaceen der süssen Gewässer Ita-
liens. Von Dr. Ed. v. Martens in Berlin. (Hierzu Taf. IX
und X) 149
Weitere Mitlheilungen über die einheimischen Cyclopiden. Von
Dr. C. Claus in Giessen. (Hierzu Taf. XI) . . 205
Versuch einer systematischen Auseinandersetzung der Gattungen
Eumorphus Web. und Endomychus Payk. Von Dr. A.
Gers ta ecke r in Berlin 211
Inhalt.
Seite
Ueber Erziehung des Distoma echinatiim durch Fülterun«;. Von
Dr. H. A. Pagen siech er in Heidelberg . . . -244
Fernere Nachträge zu dem Aufsätze über die Echinospira, nebst
Ueobachtungen über eine ihr verwandte Larve. (Hierzu
Taf. XII.) [im Texte steht fälschlich Taf. Xi] . . . 252
Ueber einige Chilenische Vögel und Fische. Von Dr. Philippi
in Santiago de Chile 262
Pteroptochus albifrons n. sp. Von Ludwig Landbeck in
Collico bei Valdivia 273
Verzeichniss der Thiere, auf welchen Schmarotzer-Insekten leben.
Von Gurlt, mit Hinzufügungen von S c h i H i n <j. . 276
Ueber den männlichen Apus cancriformis. Von Prof. A. Ko-
zubowski in Krakau. Vorgelegt der Versammlung der
deutschen Naturforscher in Bonn. (Hierzu Taf. XIII) . 312
Kurze Beschreibuug einiger neuen Crustaceen. Von Dr. R. A.
Philippi. (Hierzu Taf. XIV) 3l9
Ueber einen lebenden afrikanischen Lepidosiren im Krystallpa.
laste. Von Dr. J. E. Gray. Aus dem Englischen über-
setzt vom H era usg eb er 330
Diagnosen einiger neuen Echinodermen. Von Prof. Dr. E.
Grube in Breslau . . . . . . . . 340
A ,H ,tii
Das Oeiius Cyclops und seine einlieimi-
seilen ilrten.
Von
Dr. ptiilos. C« €l*aus
in Giessen.
(Hierin Tab. I. II. 111.)
Einleitung.
Die ersten g-ehallvollen Untersuchungen über Bau und
Lebensweise der Entomoslraken verdanken wir ausser Leeu-
wenhoek, DeGeeru. A, besonders der wissenschaftli-
chen Thäligkeit des berühmten dänischen Naturforschers 0.
F. Müller, der ungeachtet der Schwierigkeilen, die ihm
das damals noch so unvollkommene Mikroskop in den Weg
stellte, in seinem bekannten Werke „Entomostraca seu In-
secla teslacea etc.«« eine Reihe vortrefflicher Beobachtungen
über diese interessanten Thierformen niederlegte. In späte-
rer Zeit wurde die Kenntniss derselben durch Juri ne's Mo-
nographie: „hisloire de monocles etc.«* ergänzt und in wür-
diger Weise bereichert. Es war nicht nur eine Beschreibung
der Organisation und Lebensweise dieser Thiere , mit der uns
der Verfasser hier beschenkte; auch mit zahlreichen interes-
santen Thatsachen aus der Entwickelungsgeschichte werden
wir durch das Werk Jur ine's in eben so einfacher, wie
ansprechender Weise bekannt gemacht. Die späteren Arbei-
ten, derer sich unser Gebiet zu erfreuen hatte, bezogen sich
hauptsächlich auf strenge Sonderung und Eintheilung der be-
kannten Formen , sowie auf Beschreibung neuer Arten und
Archiv f. Naturgesch. XXIII. Jahrg. 1. Bi 1
2 Claus:
Gattungen. Freilich wurde auch physiologisch Bemerkens-
werlhes entdeckt (v. Siebold), auch der innere Bau man-
nichfachen Untersuchungen unterworfen, allein die hauptsäch-
lichsten und bei weitem die zahlreichsten Beobachtungen hat-
ten doch die Unterscheidung der Species zum Gegenstande
(Dana, Liljeborg U.A.).
Ein ähnlicher Gang zeigt sich auch in der Bearbeitung
des eng begrenzten Genus Cyclops , das bei Müller und
Jurine nur in der einzigen Art „quadricornis^^ vertreten
war. Während wir über die innere Organisation fast nur bei
Zenker (Archiv für Naturgesch. 1854. I. S. 88) ein Nähe-
res erfahren, besitzen wir mehrere Arbeilen, in welchen ver-
schiedene Arten aufgestellt und beschrieben werden. Schon
0. F. Müller und Jurine hatten manche Abweichungen
in Farbe , Grösse der Formen , in Haltung der Eiersäck-
chen u. s. w. beobachtet, mit Rücksicht auf diese Abwei-
chungen auch eine Unterscheidung mehrerer Varietäten gel-
tend gemacht, indess war es denselben bei der nur allge-
meinen Kenntniss von Bau und Organisation entgangen, dass
in der genannten Art eine ganze Reihe von abgeschlosse-
nen, stets in derselben Weise wiederkehrenden Lebensfor-
men enthalten sind. Erst später gewann man die Ueber-
zeugung, dass eine Trennung von Cyclops quadricornis in
mehrere Species nothwendig sei, allein es will fast schei-
nen, als wenn die früheren Versuche, diese Trennung wirk-
lich auszuführen, mehr oder weniger misslungen seien. Ei-
nerseits war es wohl der Mangel an gründlichen Beobachtun-
gen über den Gesammtbau der betreffenden Thiere, sowie eine
besondere Betonung gewisser unwesentlicher Unterscheidungs-
merkmale, andererseits aber auch das Ausserachtlassen der
Entwickelungsformen , die es verschuldeten, dass die Resul-
tate jener Arbeiten nur unbestimmt und unsicher ausfielen.
Ausser den Beobachtungen Fi seh er's, die in dieser Hinsicht
noch am meisten Anerkennung verdienen , erwähne ich nur
die oberflächliche Arbeit Koch's, die schon längst durch das
Urtheil compelenter Forscher verworfen ist.
Jedenfalls ist die Menge der Fehler, die auf diesem
Gebiete untergelaufen sind, ein Zeichen, dass die Möglichkeit
des Irrens hier eine ziemlich grosse ist. Desshaib konnte ich
Das Genus Cyclops upd seine einheimischen Arten. 3
mich auch einer weiteren Verfolgung des betreffenden Gegen-
standes nur mit einer gewissen Scheu unterziehen, mit ängstli-
cher Besorgniss, es möchten meine Bemühungen an derselben
Klippe scheitern und zu keinem genügenden Ergebnisse hin-
führen. Indess die Zuspräche meines hochverehrten Lehrers,
des Herrn Professor Leuckart, sowie dessen freundliche
Unterstützung mit Ralh und That, für die ich ihm hier offen
meinen innigsten Dank bringe , nahmen mir einen grossen
Theil jener Besorgniss und ermuthigten mich, die schon un-
ternommenen Beobachtungen fortzusetzen. Sie sind es auch,
sowie das Interesse , das derselbe an meinen Untersuchungen
nahm, die freudige Theilnahme, mit der er die ihm mitgetheil-
ten Beobachtungen prüfte und respective bestätigte, wodurch
ich allmählich das Vertrauen gewonnen habe^ eine nicht ganz
nutzlose Arbeit in die Hände sachverständiger Forscher zu
überliefern.
A. lieber das System der Crustaceen, sowie über
die Stellung der Cyclopiden in demselben.
Die Eintheilung der Crustaceen in die zwei Gruppen
Malacostracea und Entomostracea , wie sie sich in dem von
Latreille aufgestellten Systeme findet, wird mit vollem
Rechte von den heutigen Zoologen als eine natürliche aner-
kannt und würde sich gewiss noch jetzt unverändert erhal-
ten haben, wenn nicht die Resultate neuerer Untersuchungen
zur Aufstellung einer Reihe von weiteren Gruppen geführt hätte,
die zwar dort schon als Untergruppen zum Theil aufgenom-
men , indess in ihrem gegenseitigen Verwandtschaftsverhält-
nisse nicht richtig erkannt waren. Besonders ist es das Ver-
dienst Zenker's, der die neuen, zum Theil eigenen For-
schungen zur Umgestaltung des Systemes von Latreille
benutzte, eine in der That auf natürliche Verwandtschaft be-
gründete Einiheilung der Cruslaceen geliefert zu haben (siehe
„Zenker's System der Crustaceen a. a. 0. S. 108). Bei
aller Naiürlichkeit , die diesem Systeme nicht abzusprechen
ist, erscheint jedoch die Bedeutung einzelner Gruppen in ih-
rem Zusammenhange mit den übrigen nicht gehörig gewür-
4 Claus:
digt. Ich meine hier zunächst und vor allen Andern die
Stellung der Cirripedien. Das überraschende Vorkommen des
Hermaphroditismus, auf welches unser Verfasser bei der Be-
stimmung der natürlichen Verwandtschaft ein so besonderes
Gewicht gelegt hat, soll eine liefe Kluft zwischen dieser und
allen übrigen Gruppen begründen ; ja es scheint fast, als ob
Zenker nur durch die analoge Stellung der hermaphrodi-
tischen Tardigraden bei den Arachnoiden die Stellung der
hermaphroditischen Cirripedien bei den Cruslacecn gerecht-
fertigt finden konnte. Diese ßedeulung des Hermaphroditis-
mus in ihrer Anwendung auf Systematik tritt aber zurück,
wenn wir nur der Lebensweise einige Rechnung tragen.
Bei Geschöpfen, die in ihrer entwickelten Lebensform der
freien Bewegung entbehren und an Steine oder Felsen ange-
heftet ein von Geschöpfen ihrer Art ziemlich isolirtes oder
doch nur wenig berührtes Leben führen , werden wir das
Vorhandensein des Hermaphroditismus weit eher als einen
natürlichen Ausfluss der Lebensweise, denn als ein über-
raschendes Vorkommen aufzufassen berechtigt sein. Dass
man aber auf Verhältnisse , die zunächst durch die Lebens-
weise berührt und respective modificirt werden, bei der Be-
stimmung der natürlichen Verwandtschaft kein allzu grosses
Gewicht zu legen hat, dass man über diese nicht den in
Form und Bau sich aussprechenden Typus vergessen darf,
das findet ja auch Zenker vollkommen begründet, wenn er
(in der nämlichen Abhandlung) den Ausspruch thut: „bessere
Zeichen für ursprünglich natürliche Verwandtschaft sind solche,
die sich möglichst unabhängig von der Lebensweise erhal-
ten.^* Können wir daher dieses Principes halber der Diffe-
renz in der Art und Weise , wie die Erhaltung der indivi-
duellen Lebensform zu Stande kommt, keinen so hohen systema-
tischen Werth zuschreiben, so werden wir hierin noch durch
die allerdings erst jüngst (von Darvin) entdeckte, höchst
merkwürdige Thatsache bestärkt, dass neben dem Hermaphro-
ditismus bei einigen Formen der Cirripedien zugleich ge-
trenntes Geschlecht, wenn auch in etwas beschränkter Weise,
sich vorfindet. Es sind nämlich nicht den hermaphroditischen
Thieren isomorphe Formen , die das männliche Geschlecht
repräsentiren , sondern gleichsam nur individualisirte mann-
Das Genus Cyclops und seine einheimischen Arten. 5
liehe Geschlehtstheile, Hoden mit Austuhrungsgang und Be-
gnllungsapparaf, aus denen sich die ganze Organisation jener
Männchen zusammensetzt, indessen Aohnliches finden wir ja
auch bei zahlreichen anderen Geschöpfen. Dazu kommt
schliesslich noch die bekannte Thatsache , dass auch sonst
mitunter nicht nur bei nahe verwandten Formen , sondern
selbst bei Geschöpfen derselben Galtung (Peclen, Cardium,
Distomum u. a.) in der Produclion von Eiern und Samenkör-
perchen, so wie in dem Verhältnisse derselben zu den ein-
zelnen Individuen mancherlei Verschiedenheiten gefunden
werden.
Aber nicht nur aus solchen Gründen wollen wir die Cirri-
pedien in einem weit näheren Verwandtschaftsverhältnisse zu
den übrigen Entomoslraken betrachtet wissen, sondern dess-
halb besonders, weil der Zusammenhang in Hau und Orga-
nisation viel einfacher und natürlicher ist, als es bisher be-
kannt war. Die Thatsache, dass die zu einem Stücke ver-
schmolzenen Haftapparate einiger parasitischer Entomoslraken
morphologisch den Ruderantennen der Clyclopiden entspre-
chen , scheint die meisten der heutigen Zoologen zu einer
analogen Zurückführung des Baues der Cirripedien auf den
der Daphnoideen veranlasst zu haben. Der mächtig enlwik-
kelte Stiel, der sich auf der Rückenseite der Cirripedien fin-
det, wird den zurückgeschlagenen Ruderantennen der Daph-
nien gleich gesetzt — unbekümmert darum, dass hiermit für
die Erklärung der übrigen Abweichungen in der Organisa-
tion so viel als nichts gewonnen ist. Einen viel natürliche-
ren Ausgangspunkt zum Versländniss jener Abweichungen
erhalten wir aber , wenn wir die temporär festsitzenden
ßranchiopoden in*s Auge fassen , jene Geschöpfe , die sich
mit Hülfe eines am Rücken befindlichen Saugnapfes beliebig
an feste Gegenstände vor Anker legen, um dann ganz in der
Weise der Rankenfüssler durch Strudelbewegung Nahrung
herbeizuführen und aufzunehmen. Denken wir uns diesen
Saugnapf, wie er sich bei einigen Species des Genus Lyn-
ceuSf Daphnia, insbesondere auch bei Sida, Evadne und Po-
lyphemus findet*), in einen langen Stiel erweitert und aus-
^) Dieser Rückensaugnapf gewisser Branchiopodcn ist schon
(t : '<■ Claus:
g-ezo^en, so sind hiermit schon alle Schritte zur Erklärung
des Baues der Cirripedien gethan. Sehr natürlich erscheint
uns jetzt die Lage des Eierstocks, der aus Raumersparniss,
wenn wir so sagen dürfen, in die Höhlung des Stiels zurück-
gedrängt ist, sehr natürlich auch die hiermit in Verbindung
stehende Verschmälerung des Abdomens. Das Verschwinden
der grossen Ruderantennen erklärt sich aus der Lebensweise
dieser Thiere, die bei Mangel der freien Bewegung natürlich
des entsprechenden lokomotorischen Organes entbehren kön-
nen, ja sogar entbehren müssen, wenn sich für dieselben kei-
nerlei weitere Functionen finden. Eine besondere Stütze er-
hält diese Art der Zurückführung noch durch die Angabe
Thompson's, dass sich die jungen Balanen nicht mit den
Fühlern, sondern mit einer eigenen, vorn zwischen den
Schalen gelegenen Scheibe festsetzten , die erst später all-
mählich zu dem bekannten kegelförmigen Gehäuse heran-
wachse.
Ein Zweites, was ich im System Zenker's für nicht
vollkommen gerechtfertigt halte , ist die Trennung der Argu-
lina von den übrigen Parasiten und die Zusammenstellung
derselben mit den ßranchiopoden. Die Uebereinslimmung,
welche diese Thiere allerdings in einzelnen Organen mit den
ßranchiopoden zeigen , berechtigt , glaube ich , noch nicht
zu einem natürlichen Anschlüsse an jene Gruppe, zumal der
ganze Bau, die Entwickelung und Lebensweise sie viel näher
und natürlicher auf die höheren parasitischen Formen hin-
weist. Ich möchte daher jene Thiere in ihr früheres Recht
wieder einsetzen und ihnen die ältere Stellung in der Reihe
der höheren Parasiten zurückgeben.
früher oft genug gesehen und auch zum Theil — wie bei Sida von
L i e V i n und Zaddach — als Haftapparat erkannt, seine eigen-
thüinliche Beschaffenheit indess, sowie seine Beziehung zu dem Stiele
der Cirripedien ist den Beohachtern bis jetzt entgangen. (Lilje-
borg beschreibt denselben sogar irrthümlicher "Weise als „Secretions-
organ.«) Das Verdienst, dies Verhältniss zuerst in der besprochenen
Weise aufgefasst zu haben, kommt Herrn Prof. Leuckart zu, der
das betreifende Gebilde zuerst bei Evadne, wo dasselbe sehr deutlich
ist — Loven's „kreisförmiger Muskel« — , dann auch bei Sida u.a.
als einen Saugnapf erkannte und dem Cirripedienstielc parallelisirlc.
Das Genus Cyclops und seine einheimischen Arten. 7
Um so glücklicher ist Zenker in der Aufstellung der
übrigen Gruppen gewesen. Die Daphnien, die bisher mit den
Cyclopiden und Cypridoideen unter dem gemeinschaftiichen
Namen f,Lophyropoda'^ zusammengestellt waren, erhalten ihre
gebührende Stellung in der Gruppe der Branchiopoda , und
ebenso ist die Vereinigung der Cyclopiden mit den Parasiten,
wie sie schon vor C. Vogt von Burmeister angedeutet
worden ist , als eine nalüriiche zu bezeichnen. Ich möchte
mir hierbei nur die eine Bemerkung erlauben, dass es wohl
zweckmässig erscheint, die Auffassung der gleichwerthigen
Verwandtschaft, wie sie sich in der Aufstellung der drei Un-
tergruppen, Cyclopida, Siphonostoma und Lernaeoda ausspricht,
in Etwas umzuändern. Da nämlich die unter der Bezeich-
nung „Siphonostoma^ begriffenen höheren Parasiten in einem
viel näheren Verhältnisse zu den Cyclopiden als zu den
zeitlebens parasitischen Lernaeaden stehen, da sich unter den
erstem sogar Formen finden, die von den Cyclopiden in nichts
als in der Umbildung der Antennen zu Haftapparaten ver-
schieden sind (was ja auch schon bei den männlichen Cy-
clopiden vorkommt), so möchte ich dies Verwandtschaftsver-
hältniss auch in der systematischen Stellung ausgesprochen
wissen und daher die Entomosiraca Zenker's nur in zwei
Unlerabtheilungen bringen: 1) in die Copepoda, unter denen
ich neben den Cyclopiden und Verwandten alle nur temporär
als Parasiten lebenden niederen Crustaceen, die doch auch
mehr oder weniger durch den Besitz von Ruderfüssen aus-
gezeichnet sind, zusammenfasse, und 2) in die Parasita^ die
dann die übrigen zeitlebens schmarotzenden Formen in sich
begreifen.
B. Ueber den Bau und die Organisation des
Genus Cyclops.
Die Gattungen , welche in der Gruppe der Cyclopiden
aufgestellt worden , sind sehr zahlreich und nach verschie-
denen systematischen Principien entworfen. Es wird eine
verdienstliche, aber auch schwierige Arbeit sein, das auf
diesem Gebiete zu Tage Geförderte einer genauen Revision zu
8 Claus:
unterwerfen, identische Genera zu reduciren und solche, de-
ren Charaktere nicht bestimmt und erheblich sind, zu streichen.
Eine gesicherte Stellung- unter diesen Gattungen hat
sich das Genus Cyclops erhalten, dessen Unterscheidungs-
merkmale einfach und bestimmt gegeben sind und auch
überall in gleicher Weise festgehalten werden. Vorläufig
möchte ich mit Dana *) die hierher gehörigen Formen zu
einer eigenen kleinen Gruppe erheben und als Charaktere
derselben, mit den von Liljeborg **) aufgestellten ziem-
lich übereinstimmend, folgende angeben:
Corpus Cyclopum annuKs undecim compositum, Caput
cum annulo primo thoracico coniunctum. Antennae secundi
paris simpHces, quadriarticulatae. Palpus mandibularum tii"
berculo bisetoso formatus. Maxillae aculeatae palpo prae^
ditae duplici. Rami pedum quatuor partum primorum friar-
iiculati. Pedes quinti paris antecedentibus dissimiles, rudimen.
taril, Oculus unicus, Sacculi oviferi duo,
a. Allgemeiner Körperbau.
Der Körper der Cyclopiden besteht, wie der der Arthro-
poden überhaupt, aus einer Reihe von Segmenten, die von
einer harten Chitinhaut gebildet sind. An den Verbindungs-
stellen der Segmente ist die Chilinhaut mehr oder weniger
weich und biegsam, so dass dadurch eine grössere oder ge-
ringere Beweglichkeit ermöglicht wird. Indess ist auf der
Rücken - und Bauchseite in der Entwickelung der Chitinhaut
ein Unterschied zu beobachten. Während dieselbe nämlich
auf dem Rücken glatt und von minder harter Beschaffenheit
ist , bildet sie auf der Bauchseite eine viel dickere und här-
tere Bedeckung, ein förmliches äusseres Skelet, welches so-
wohl zum Schulze der inneren Organe dient , als auch zur
Befestigung der Muskeln , sowie zur Einlenkung der Glied-
massen geschickt erscheint. Zenker ***"•), welchem wir eine
*) Dana, conspectus Crustaceorum etc.
**) Wilh. Liljeborg, de Cruslaceis ex ordinibus tribus:
Cladocera, Ostracoda , Copepoda in Scania occurentibus.
***) Vergl. den Aufsatz Zenker's „über die Cyclopiden des süs-
sen Wassers« Archiv f. Nalurgpsch. 1854.
Das Genus Cyclops und seine einheimischen Arten. 9
ausführliche Beschreibung dieser Skelet-Theile verdanken,
giebt den regelmässigen Bildungen der veniralen Chitinhaut an
den vorderen Segmenten recht passend den Namen der
„Bauchwirbel^^ und unterscheidet an einem jeden dieser Theile
einen Körper, zwei seitliche Flügel und ein Paar Zapfen,
welche letztere eine innige Verbindung mit dem benachbar-
ten Bauchwirbel herstellen und die Beweglichkeit der Seg-
mente dadurch bis zu einem gewissen Grade beschränken.
Wie schon bemerkt, tritt diese Bildung indessen nur bei den
ersten und zwar den fusstragenden Segmenten auf, so weit
das Vorhandensein von Gliedmassen eine bestimmte Stütze
zur Einlenkung verlangt ; am fünften Segmente, welches das
rudimentäre Fusspaar trägt, ist sie ebenfalls nur rudimentär
und verschwindet endlich am folgenden ganz, so dass von
da an Rücken- und Bauchseite eine gleiche Beschaffenheit
zeigen. Hierin, so wie im geringeren Durchmesser der letz-
ten Segmente ist die Ursache zu suchen , wesshalb bei den-
selben eine viel leichtere Verschiebung und grössere Beweg-
lichkeit möglich ist.
Indess auch noch in einer anderen Beziehung kommt
den ersten fünf Segmenten eine Auszeichnung vor den fol-
genden zu. Die Chitinhaut derselben verlängert sich nämlich
an der Stelle, wo Bauch- und Rückenseite einander begren-
zen, zu zwei seillichen Falten oder Wülsten; es schlägt
sich die untere Seile des Ringes nach Innen ein , so dass
die Segmente anstatt der Cylinderform die Bildung einer sehr
cönvexen Rinne annehmen , deren nach unten zu gekehrte
Höhlung flach und fast eben ist. Mit Rücksicht auf diese
Verschiedenheit in der Bildung der Leibessegmente, die mit
dem Vorhandensein oder Fehlen der Gliedmassen Hand in
Hand geht , sind wir wohl berechtigt in der Auffassung der
Gleichwerthigkeit einen Unterschied zu machen und die fünf
ersten Segmente unter der Bezeichnung „Kopfbruststück",
die letzten unter dem Namen „Abdomen'* zusammenzufassen.
Das erste Segment des Kopfbruststücks ist durch einen
bedeutenden Umfang ausgezeichnet, indem es an Grösse meist
die vier folgenden erreicht oder gar übertrifft. Indess wird uns
diese Grössendifferenz erklärlich , wenn wir festhalten, dass
dasselbe nicht eigentlich einem einzigen Segmente entspricht,
10 Claus:
sondern aus der Verwachsung einer ganzen Reihe von Rin-
gen hervorgeht. Der Beweis liegt unzweideutig in der An-
zahl der Gliedmassenpaare , die sich in Gestalt von vier
Antennen, einem Oberkiefer- und einem Unterkieferpaare,
von vier Maxillarfüssen und einem Fusspaare am ersten Seg-
mente vorfinden. (Siehe tab. I. fig. 1.) Die Form dieses Kör-
pertheils ist im Allgemeinen als die eines halben Ovals zu
bezeichnen , das nach vorn mehr oder weniger abgerundet
ist. Ausser den schon erwähnten seitlichen Längswülsten ist
derselbe mit einen» unpaaren Vorsprung (rostrum) versehen,
der durch die umgeschlagene vordere Chitinhaut gebildet zu
sein scheint und morphologisch wohl die beiden in der Me-
dianlinie verwachsenen Wülste des ersten und vielleicht auch
zweiten Ringes vorstellt.
Die folgenden vier Segmente des Kopfbruststuckes nehmen
allmählich an Breite ab, den vorhergehenden Körperlheil zu
einem fast vollständigen Oval ergänzend , und tragen je ein
zweiästiges Fusspaar, von denen jedoch das letzte verküm-
mert ist.
Das Abdomen umfasst stets sechs unter einander ziem-
lich bewegliche Segmente von cylindrischer Gestalt und ge-
ringem Durchmesser. Die beiden erstem sind jedoch Um-
formungen unterworfen , die bisher nicht gehörig in ihrer
Bedeutung gewürdigt waren und mannichfache Widersprüche
der einzelnen Autoren hervorgerufen haben. Während Ju-
rine *) , der freilich die Grenze zwischen Kopfbruststück
und Abdomen nicht richtig aufTasst, für beide Geschlechter
die gleiche Zahl von Abdominalsegmenten angiebt, finden wir
bei Fischer **) und auch bei Liljeborg dieselbe beim
Weibe um eins geringer als beim Manne. Obgleich man in der
That durch Untersuchung der geschlechtsreifen Thiere sich
veranlasst sehen könnte, der Angabe Letzterer beizutreten, so
führt doch die Berücksichtigung der Entwickelungsformen zu
der Ueberzeugung , dass Jurinedas Richtige getroffen hat.
*} Jurine's histoire des Monocles. Paris 1820.
**) S. Fisch er's Arbeiten im Bulletin de la societe imperiale
des naturalistes de Moscou 1851 u. I8d3.
Das Genus Cyclops und seine einheimischen Arten. 11
Betrachtet man zunächst einen männlichen Cyclops , so
stellt das erste Abdominalsegment ein verhältnissmässig brei-
tes und grosses cylindrisches Gebilde dar, das fast eben so
breit, wie lang ist und an seiner Ventralfläche einen mit drei
Borsten versehenen Vorsprung trägt, unter welchem sich die
GeschlechtsölTnung befindet (s. tab. I. fig. 1 a' u. tab. II. fig. 10).
Bei dem Weibe tritt dieses Segment nur oben in seiner Länge
sehr zurück. Es beschränkt sich auf ein kurzes, nach hin-
ten zu erweitertes Glied, fast von umgekehrt conischer Ge-
stalt, das seitlich ebenfalls einen mit mehreren kurzen Spit-
zen versehenen Vorsprung trägt, der jederseits über die Ge-
schlechtsöffnung hervorragt. Der hintere Rand dieses Rin-
ges ist jedoch nicht frei, sondern mit dem Vorderrande des
folgenden Ringes verwachsen, so dass jederseits nur unter
dem genannten Vorsprunge eine Oeffnung zum Austritte der
Eiersäckchen übrig bleibt. Diese Verschmelzung tritt indess
erst mit der letzten Häutung ein; auch die Entwickelungs-
formen der letzten Stadien zeigen bei Mann und Weib eine
fast gleiche Bildung der betreffenden Segmente.
Wenn es sich also um eine Vergleichung der Segmente
in beiden Geschlechtern handelt, so muss man diese That-
sachen der Enlwickelung berücksichtigen ; man darf nicht
schlechthin behaupten , dass der Körper des Mannes aus elf,
der des Weibes nur aus zehn Gliedern zusammengesetzt sei.
Das zweite Abdominalsegment hat beim männlichen Thier
dieselbe Gestalt, wie das vorhergehende, nur ist es in Folge
des bedeutend verminderten Querdurchmessers etwas schlan-
ker und gestreckter. Beim Weibe dagegen ist dasselbe drei
ja vier Mal so lang, als das erste, mit dem es, wie schon
bemerkt, mehr oder weniger innig zu einem oberhall^ bauchig
aufgetriebenen Gliede verwachsen ist. Die folgenden Seg-
mente stimmen ziemlich überein, wenn man nicht etwa noch
darin einen bestimmten Unterschied sehen will , dass diesel-
ben beim Manne schlanker und gestrecker sind, als beim
Weibe. (In einem Falle, bei C\ coronatus n. sp. ^ lässt sich
jedoch gerade das umgekehrte Verhältniss beobachten.) Sie
stellen cylinderlörmige Glieder dar, deren Durchmesser all-
mählich nach dem Ende zu abnimmt.
Beim fünften Abdominalsegment, welches zugleich das
11 Claus:
kürzeste ist, tritt auf der Dorsalflache eine eig-enthümliche
Bildung der Chitinliaut auf, die bisher nicht richtig aufgefasst
war und in der That auch leicht missverstanden werden kann.
Ein Theil der Dorsalfläche bleibt nämlich von ihr unbedeckt;
es entsteht hierdurch ein fast viereckiger Ausschnitt, der
sich auch noch auf das folgende Segment fortsetzt. (Siehe
tab. I. fig. 2 u. 3, tab. III. fig. 8 u. 16.) In diesem Ausschnitte
verläuft nun das Ende des Darmkanals, der sich kurz vor-
her in zwei Rinnen spaltet, die durch besondere Muskeln von
einander entfernt werden können und dann eine freie OefT-
nung zum Austritte des Kothes bilden. Das hier frei zu
Tage liegende Endstück des Darmkanals ist noch von einer
eigenen Membran umgeben , die meist stark entwickelt ist
und sich zu förmlichen Chitinklappen verdickt. In einem
Falle, bei Cyclops canthocarpoides Fisch., wächst dieselbe
in der Medianlinie zusammen und lässt nur am äussersten
Ende eine kleine OefFnung, die aber immer noch gross ge-
nug ist, um die Ausfuhr des Darminhaltes zu gestatten (tab. I.
%. 8).
Was nun endlich das letzte Segment betrifft, so ist die-
ses stets in zwei cylindrische Theile gabelförmig gespalten
und führt daher nicht unpassend den Namen „Furca.^^ Jeder
Theil ist mit zwei kleinen Seitenborsten versehen, von
denen die eine am innern , die andere am äussern Rande
aufsitzt. Es trägt ausserdem am Ende vier mächtige, meist
befiederte Schwanzborsten , die in ihrer verschiedenen Ge-
staltung ein vortreffliches Merkmal für die Unterscheidung
der Arten darbieten. Die beiden äusseren Schwanzborsten
sind am kleinsten und einfach gebildet, die mittleren dagegen
nicht nur von bedeutenderem Umfange , sondern auch aus
zwei besonderen Stücken zusammengesetzt, einem kurzen Ba-
salgliede und einem langen, borstenförmigen und mehr oder
weniger befiederten Endtheile (tab. I. fig. 1). Die Anwesen-
heit dieser Borsten ist für die lokomotorische Thätigkeit die-
ser Theile von hoher Bedeutung. Durch willkürliche Ver-
änderung ihrer Lage geben sie der Bewegung unserer Thier-
chen im Wasser eine bestimmte Richtung und fungiren so zu
gleicher Zeit als Steuer und Balancirslangen.
Das Genus Cyclops und seine einheimischen Arten. 13
b. Glied rnassen der Cyclo piden.
13 Die Antennen.
Zu beiden Seilen des unpaaren Vorsprungs der vorde-
ren Chilinhaut, der meist mit dem Namen „rostrum** bezeich-
net wird, finden sich am ersten Segmente zwei Gliedmassen-
paare eingelenkt, die ihrer Lage und Bildung nach mit vol-
lem Rechte als Antennen betrachtet werden. Die ersten
Antennen (les antennes de la premiere paire M. Edw. ,
les antennes Jur. ) , die an ihrer Basis durch besondere
Chilinsläbe mit den zweiten Antennen in Verbindung sind
(flg. 3 auf lab. HI), bestehen bei den entwickelten Weibchen
aus einer Reihe cylindrischer, durch Verbindungshäute ver-
einigter, mehr oder weniger gestreckter Glieder, deren Zahl
bei derselben Species constant ist. Die ersten Antennen der
meisten Arten sind 17gliedrig; bei Cyclops serrulatus Fisch,
sind sie 12gliedrig und bei Cyclops canthocarpoides Fisch.
sogar nur aus 10 Gliedern gebildet. 1 Igliedrige Antennen, wie
sie Liljeborg bei seiner Species C. gracüis gefunden hat
und Fischer bei Cyclops diaphanus beschreibt, habe ich nur
bei unentwickelten Cyclopiden angetroffen und zwar bei allen
denjenigen Arten, die im geschlechtlich ausgebildeten Zu-
stande 17gliedrige Antennen tragen. Ich selbst hielt diese
Formen — auch mit Rücksicht auf andere Eigenlhümlichkei-
ten — anfangs für besondere Arten, da ich bei ihnen indess
nie Eiersäckchen und entwickelte Geschlechtsorgane antraf,
wurde ich zweifelhaft und gelangte schliesslich bei weiterer
Verfolgung zu der üeberzeugung, dass in ihnen nur be-
stimmte Stadien der Entwickelung vertreten seien *}. Noch
mehr muss ich mich gegen die Annahme solcher Arten er-
klären, die im ausgebildeten Zustande eine noch geringere
Anzahl von Anteiinengliedern besitzen sollen. Die Möglich-
keit der Existenz solcher Formen ist allerdings nicht zu leug-
^) Mit einer genaueren Untersuchung dieser Entwickelungsfornien,
mit Verfolgung derselben vom Eic an bis zur vollkommenen Ausbil-
dung, bin ich gegenwärtig beschäftigt, und wird sich aus dieser hof-
fentlich ein sicherer Aufschluss über noch zweifelhafte Punkte ergeben.
t1^ Claus: ii^Q B«0
nen, indess macht mich die sonstige Beschreibung jener Cy-
clopiden weit mehr geneigt, sie gleichfalls für Entvvickelungs-
formen, und nicht für Vertreter besonderer Arten zu halten.
Die lOgliedrigen Antennen des Cyclops canthocarpoides
Fisch., um mit diesen den x\nfang zu machen, besitzen im
Allgemeinen die Gestalt, wie sie die Abbildung (tab. I. fig. 9)
zu erkennen giebt. Das erste Glied ist am umfangreichsten;
ihm folgt ein viel kürzeres Glied, das auf der Rückenfläche
ebenso wie das vorhergehende, mit Borsten verschiedener
Grösse versehen ist , deren nähere Beschreibung ich indes-
sen, als unwesentlich, übergehe. Eine viel längere, ge-
strecktere Form zeigt das dritte Glied, an das sich dann zwei
kürzere anschliessen. Das sechste Glied ist wieder bedeu-
tend länger und gleich den früheren mit mannich fachen
Anhängen ausgestattet. Ihm folgen zwei gleichgestaltete kür-
zere, und diesen zwei längere, aber schmälere Glieder, von
denen das äusserste am Ende mehrere büschelförmig grup-
pirte Borsten trägt.
Der Bau der llgliedrigen Antennen, die wir noch bei
unentwickelten Formen finden (tab. I. fig. 11), ist mit den
eben betrachteten ziemlich übereinstimmend. Nur finden wir
hier an der Stelle des siebenten Gliedes zwei längere , mit
vielen Borsten ausgestattete Glieder. Bei den 12gliedrigen
Antennen, deren Bildung sich wieder aus den letzteren sehr
einfach entwickeln lässt, schiebt sich noch ein kleines Glied
zwischen das zweite und dritte ein, während das Grössen-
verhällniss der übrigen Ringe im Ganzen unverändert bleibt.
Durch Theilung endlich des siebenten Gliedes in vier und
des achten in drei Glieder , erhalten wir die Zahl und das
Verhältniss , welches sich an den Ringen der 17gliedrigen
Antennen beobachten lässt. Gleichzeitig tritt denn noch,
was auch für die 12gliedrigen gilt, eine grössere Streckung
der drei letzten Glieder ein.
Während wir in diesen weiblichen Antennen nun eine
Organisation ausgedrückt sehen, die dieselben ausschliesslich
zu lokomotorischen Leistungen befähigt, während wir in ihnen
die Organe finden , die wesentlich zur progressiven Bewe-
gung des Thieres dienen, erkennen wir in den entsprechen-
jde» männlichen Antennen die Träger einer noch anderen
Das Genns Cyclops und seine einheimischen Arten. 15
Function , einer Funktion , die eich auf die Erhaltung des
Geschlochtcs bezieht. Diesem Zwecke gemnss zeigen die
männlichon Antennen denn auch einen abweichenden Bau,
der freilich erst vollkommen im geschlechtsrcifen Zustande
auftritt. Ihre Entwickelung geht bis zu einem bestimmten
Stadium mit der der weiblichen Antennen ganz übereinstimmend
vor sich und zwar so lange, bis sich 11 Glieder gebildet
haben. Mit der Ausbildung der Geschlechtsorgane nimmt
dann aber die Antenne eine der entwickelten Form immer
ähnlichere Gestalt an und stellt endlich, wie schon Jurine
richtig erkannt , ein durch zwei Gelenke in drei Abschnitte
getheiltes Organ dar, das sich vor dem des Weibchens auch
noch durch einen gedrängteren Bau auszeichnet. Die übri-
gen Angaben Jur ine's über die Zahl und das Grössenver-
hältniss der Glieder sind spärlich und meist unrichtig. Ebenso
wenig findet man bei Fischer, der freilich eine detaillirte
Beschreibung der männlichen Antennen von Cyclops strenuus
giebt, ein genaues Verständnis« von der Organisation dieser
Gebilde. Auch mir ist es bis jetzt nicht geglückt, alle Ein-
zelnheiten des Baues mit der betreffenden Leistung in Ein-
klang zu bringen ; ich kann gegenwärtig nur ein mehr
schemalisches Bild derselben entwerfen, hoffe indess mit
Hülfe der Entwickelungsformen bald zu einer tieferen Ein-
sicht in diese so interessanten Organe zu gelangen und spä-
ter eine ausführlichere Mittheilung erstatten zu können.
Zunächst verdient hier hervorgehoben zu werden, dass
die Zahl der Ringe bei allen von mir beobachteten Arten
dieselbe ist, abgesehen freilich von einer mehr oder minder
vollkommenen Verwachsung der zwei letzten Glieder, wie
sie \)e\Cyclops canthocarpoides Fisch, auftritt (tab. I. fig. 10).
In Bildung und Gestalt weichen die entsprechenden Glieder
bei verschiedenen Species nur wenig ab , und man kann
wohl die männlichen Antennen als weit gleichmässiger ge-
baut bezeichnen, als die weiblichen. Alle sind aus 17 Glie-
dern zusammengesetzt, die jedoch den betreffenden Gliedern
der Weibchen nicht morphologisch gleich bedeutend sind,
sondern, wie ich dies später nachweisen werde, durch eine
abweichende Umlormung ihren Ursprung genommen haben.
Das erste Glied stellt ein cylindrisches, breites, dem
16 Claus:
entsprechenden des Weibchens gleichgestaltetes Gebilde dar,
welches, wie dieses, neben mehreren kleinen Borsten eine
sehr lange , starke Borste trägt. Ihm folgen zwei kürzere,
ebenfalls mit Anhängen versehene Ringe , denen sich dann
drei sehr kleine , fast ganz ineinander eingeschachtelte an-
schliessen, die sich durch besondere Länge ihrer Borsten
auszeichnen. Die zwei nächsten Glieder haben einen viel
bedeutenderen Umfang und stellen mit Hülfe ihrer sehr aus-
dehnbaren Verbindungshäute eine knieförmige Beugung her,
vermittelst derer die Gesammtheit der folgenden Ringe gegen
die vorhergehenden eingeschlagen werden kann. Das näch-
ste kurze Glied dient zur unmittelbaren Verbindung des un-
teren und mittleren Abschnittes und kann eben sowohl als
das letzte Glied des unteren, wie auch als das erste des mitt-
leren Abschnittes betrachtet werden. Sodann folgt ein Glied
von glockenförmiger Gestalt, das zu einer förmlichen Rota-
tion geschickt ist und das nächste Glied fast ganz in sich
einschliesst , dasselbe bald mehr bald weniger überdeckend.
Letzteres ist ausserordentlich aufgetrieben und trägt am In-
nern Rande einen mit zwei Borsten besetzten Vorsprung.
Die zwei folgenden kürzeren Ringe entbehren der bauchigen
Auftreibung des vorhergehenden Gliedes, sind dafür aber an
der inneren Seite mit kurzen Anhängen dicht besetzt. Das
letzte Glied des mittleren Abschnittes endlich ist cylindrisch,
von bedeutender Länge und macht durch seine rollenförmige
Abstutzung gegen den folgenden Ring das Einschlagen des
letzten Abschnittes in ginglymischer Bewegung möglich. Zu
diesem Zwecke befindet sich im mittleren und unteren Theile
der Antenne ein sehr starker Muskel, dessen sehniger End-
theil über die Rolle des besagten Gliedes hinläuft und sich
am ersten Gliede des dritten Abschnittes befestigt. Bei je-
der Contraction dieses Muskels wird natürlich der nachge-
bende letzte Theil der Antenne gegen den mittleren einge-
schlagen. Der dritte Abschnitt besieht aus einem schma-
len, langen, cylindrischen Gliede, das am obern Ende eine
lange und mehrere kurze Borsten trägt, so wie ferner aus
einem spitzen Endtheil, der gleichfalls bis zu einem bestimm-
ten Grade eingeschlagen werden kann, so dass man streng
genommen an der männlichen Antenne drei Gelenkbewegungen
Das Genus Cyclops und seine einheimischen Arten. 17
ZU unterscheiden hat. Er wird aus zwei Gliedern gebil-
det, die, den drei letzten Ringen der weiblichen Antenne
gleichwerthig, bei einigen Arten vollkommen getrennt sind,
bei Cyclops canthocarpoides Fisch, jedoch mehr oder weni-
ger mit einander verwachsen. Auf der Dorsalseile trägt ein
jedes dieser beiden Glieder einen kurzen Büschel zum Theil
gegliederter Borsten, die durch Muskelbewegungen in ihrer
Lage verändert werden können. — Was nun den Effekt dieser
Bildung anbetrifft, so dient das zwischen dem letzten und
mittleren Abschnitte befindliche Gelenk zur Herstellung eines
Greif- und Fangapparates für die Zwecke der Begattung,
während das erste Gelenk durch die in ihm mögliche Rota-
tion die Wirkung dieser Werkzeuge auf verschiedene Rich-
tungen zu übertragen im Stande ist. Ausserdem aber hat
dasselbe bei der Begattung selbst noch die besondere Funk-
tion, den tiefer liegenden Körper des Männchens zu heben
und so ohne allzugrosse Verschiebung und Biegung der Ab-
dorainalsegmente das Ankleben der Spermatophoren möglich
zu machen.
Das zweite Anlennenpaar (les antennes de la
seconde paire M. Edw. , les antennules Jur. ) ist (tab. 11.
flg. 4, tab. III. fig. 5u. 14 und tab. I. fig. l) stets; wie Jur ine
richtig angiebt, viergliedrig und zeigt bei den verschiedenen
Arten eine grosse Uebereinstimmung, wenn auch das Grös-
senverhältniss der einzelnen Glieder zu einander sowie das
der Antennen zum Körper manche Verschiedenheiten bietet.
Das erste mit verschiedenen Borsten versehene Glied
ist im Allgemeinen cylindrisch und von etwas geringerem
Durchmesser , als das Basalglied der ersten Antennen, dem
es an Länge ziemlich gleichkommt. Seine Einlenkung am
Skelet gestaltet arlhrodische Bewegungen , die indess durch
Chitinstäbe, welche die Verbindung mit dem ersten Anten-
nenpaare bewerkstelligen, in ihrer Ausdehnung beschränkt wer-
den. Das zweite Glied, welches nach der Medianlinie des
Thieres bogenförmig ausgeschweift und hier mit einer Reihe
feiner Härchen besetzt ist, steht dem vorigen an Grösse etwas
nach. Das dritte an seiner Einlenkungsstelle sehr schmale
Glied kann gingen das vorige nach Innen eingesehlagen
werden, so dass wir auch bei den kleinen Antennen eine
Archiv f. Naturgesch. XXIII. Jahrg. 1. Bd. 2
18 ' »iiA fldiloaimbriiiia Claus* sq^Iat^ ma&t) 0*^1
ziemlich vollkommene ginglymische Gelenkverbindung an-
treffen. Es hat meist eine länglich glockenförmige, bei Cyc.
corofiatus rein cylindrische Form und trägt an der äusseren
Seite in besonderen Einkerbungen eine grössere oder gerin-
gere Anzahl von Borsten, sowie am Ende ein Büschel von
gebogenen, ziemlich langen Haaren, auch an der inneren
Seite sehr oft eine Reihe kurzer, dicht stehender Wimpern.
Das letzte Glied endlich ist von cylindrischer Gestalt und
am äussersten Ende mit einem Büschel stels von aussen ge-
bogener Borsten versehen , die an Länge stufenmässig zu-
nehmen.
Die Funktion dieser Antennen ist die Unterstützung der
progressiven Bewegung, zu welchem Zwecke sie mit den
grossen Antennen und Füssen gleichzeitig wirken. Während
der Ruhe des Thieres sollen sie nach Jurine auch zur Er-
regung eines Strudels dienen. Ausserdem scheinen sie noch
andere Thätigkeiten auszuüben, die jedoch bis jetzt noch un-
bekannt sind.
2) Die Mundtheile (tab. 1. fig. 1).
Jurin e liefert Im Gegensatze von Milne Edwards
eine richtige Beschreibung dieser Theile , freilich ohne die
Einzclnheiten in der Bildung vollkommen m verstehn. Aus-
ser den von ihm angegebenen Mundtheilen kommt übrigens
noch ein unpaarer Vorsprung des Skelets in Betracht, wel-
cher über der Mundöffnung gelegen ist und von Fischer
mit Recht als „labrum* aufgeführt wurde (tab. II. fig. 17,
tab. III. fig. 9, 15). Derselbe zeichnet sich im Ganzen durch
eine viereckige , nach der vorderen Seite spitz zulaufende
Form aus und trägt hier in einer bogenförmigen Ausschwei-
fung eine Reihe spitzer, schräg nach aussen gestellter Zähne,
deren Zahl und Gestalt bei den verschiedenen Arten, auch
bis zu einem bestimmten Grade bei derselben Species , zu
variiren scheint. Die beiden äussersten Zahnpaare sind die
grössten , die inneren nehmen nach der Mitte zu an Grösse
gleichmässig ab. Oberhalb der Zahnreihe findet sich jeder-
seits ein unpaarer Zapfen.
Die eigentlichen Mundtheile , die mit den Gliedmassen
morphologisch gleichwerthig sind, bestehen aus zwei Kiefer-
Das Genus Cyclops und seine einheimischen Arten. 10
paaren und zwei Paaren sogenannter Maxillarfüsse (les mains
Jur., los pates inachoires M. Edw.) und keineswegs, wie dies
Milne Edwards bohauplet, aus drei Kieferpaaren und drei
Paaren von Maxillarfüssen.
Am ersten Kieferpaare (les mandibules internes Jur.
(tab. II. fig. 5, tab. III. fig. 1), welches am einfachsten gebil-
det ist, unterscheidet Jur ine mit Recht drei Theile : den
Basallheil oder sogenannten Körper, die hornige dünne Ver-
längerung desselben und zuletzt den Palpus.
Der Körper hat in natürlicher Lage eine fast rhombi-
sche Gestalt und trägt einen kurzen eingliedrigen Palpus, der
stets mit zwei sehr langen und oft mit noch mehreren kur-
zen Borsten versehen ist (Cyc. coronatus). Er verlängert
sich in ein hartes rinnenförmiges Chilingebilde, das am Ende
eine Anzahl grosser und kleiner Zähnen , oft auch ausserdem
noch einen fadenförmigen Anhang erkennen lässt.
Auch am zweiten Kieferpaare (les mandibules
externes Jur.) können (tab. II. fig. 6, tab. IH. fig. 2.) drei
Theile unterschieden werden: zunächst ein mächtig entwickel-
ter Basaltheil, sodann ein Kautheil und schliesslich, als Ver-
längerung des ersteren, der Maxillarpalpus.
Der erstere ist in seiner natürlichen Lage von fast
eiförmiger Gestalt und durch besondere Grösse ausgezeichnet.
Der Kautheil, der als die schmälere Verlängerung des Basal-
theils anzusehen ist, trägt an der Basis auf einem besondern
Vorsprunge zwei starke Zähne und oft noch mehrere Bor-
sten. Ebenso ist derselbe am Ende mit zwei noch stärkeren,
gebogenen Zähnen versehen, neben welchen ebenfalls Borsten
und Wimpern eingelenkt sind. Mit Rücksicht auf die Grösse
und Gestalt der Zähne kommen übrigens bei den verschie-
denen Arten manche Modifikationen vor, die bei der Beschrei-
bung der Species zum Theil und möglichst allgemein be-
sprochen werden.
Der Maxillarpalpus stellt strenggenommen ein aus zwei
Palpen bestehendes Gebilde dar, das auf der äusseren Seile
des Basaltbeils eingelenkt ist. Der grössere, in drei Borsten
auslaufende Theil ist als der Träger des zweiten anzusehen,
insofern dieiser, der am Ende ebenfalls mit drei langen be«*
20 Claus:
weglichen Borsten versehen ist, an der Basis des ersten sich
einlenkt.
Die Maxillarfüsse betrachtet Jurine (und ebenso
auch Ralhke) als ein einziges Gliedmassenpaar, das aus
zwei Aeslen zusammengesetzt sei. Wenn man indess die Art
der Einlenkung berücksichtigt , so stellt sich hier ein ähnli-
ches Verhältniss heraus, wie bei den Antennen; sie sitzen
nicht auf einem gemeinschaftlichen Basalgliede, sondern sind
neben einander an dem Skelete befestigt und mittelst Chi-
tinstäben in Zusammenhang gebracht. Es gebührt diesem Ap-
parate demnach dasselbe Recht, wie den zwei Antennen, und
wenn man berechtigt ist, letztere als zwei gesonderte Glied-
massen anzusehen , so muss man Gleiches auch den Maxil-
larfüssen widerfahren lassen. Dazu kommt noch die ganze
Bildung, der Bau derselben, der uns ihre Trennung in zwei
besondere Gliedmassenpaare natürlicher erscheinen lässt ^'}.
Der innere, kleinere und zugleich schlankere Maxillar-
fuss (tab. II. fjg. 7, tab. III. fig. 3) besteht aus vier Gliedern,
von denen das erste eine lange cylindrische Gestalt hat. Es
trägt an dem inneren Rande auf einer besonderen Erhöhung
eine lange, oft befiederte, und eine zweite kleinere, ebenfalls
oft mit Haaren besetzte Borste. Desgleichen befindet sich
nahe dem Verbindungsrande mit dem folgenden Gliede, eben-
falls an der der Medianlinie des Thieres zugekehrten Seite,
eine Borste, die meist mit Wimpern ausgestattet ist. Das
zweite, dem ersten ziemlich gleichgeslaltete Glied trägt neben
mehreren kleineren seitlichen Anhängen eine lange Borste,
und zwar stets auf einem besonderen Vorsprunge der inne-
ren Seite. Dem viel kleineren dritten Ringe, welcher nach
der Medianlinie des Thieres zu in einen gebogenen langen
Haken ausläuft und mit mehreren kleinen Borsten versehen
ist, gestattet dasselbe eine beschränkte ginglymische Bewe-
*) Eine bestimmte Entscheidung möchte ich indess nicht eher
geben, als bis ich die Entwickelung genauer verfolgt habe. Möglich
ist es immerhin, dass die betreffenden Gebilde nur einem Gliedmas-
senpaare entsprechen, besonders wenn es sich bestätigen sollte, dass
dieselben dem dritten Gliedmassenpaare der Waupliusformen morpho-
logisch identisch sind.
Das Genus Cyclops und seine einheimischen Arten. 21
giing. Auch das letzte, noch kürzere Glied trägt aussen zwei
starke, in gleicher Weise gebogenen Haken, die scheercn-
förmig einander genähert werden können, mehrere kleine
Borsten.
Der zweite, viel kräftiger und stärker gehaute Maxil-
larfuss (tab. II. fig. 8, tab. lli. r.g. 4) besteht aus fünf Glie-
dern. Von ihnen trägt das erste, kurze aber sehr breite
Glied an der inneren Seite einen eingliedrigen Palpus, auf
dem zwei lange, oft befiederte Borsten aufsitzen. Weit län-
ger ist das hierauf folgende zweite Glied, das nach dem Ende
zu in einen ziemlich grossen und spitzen Vorsprung aus-
läuft, an welchen sich eine starke meist gleichfalls gefie-
derte Borste anheftet. Auf dem oberen Theile desselben sind
die zwei folgenden Glieder eingelenkt, das dritte, welches
dem dritten des kleinen Maxillarfusses analog gebaut, jedoch
bei weitem mehr in die Länge gezogen ist, nach Innen, das
vierte nach Aussen. Letzteres trägt, ebenso wie das auf sei-
ner oberen Seite eingelenkte fünfte Glied , nebst mehreren
Borsten zwei lange stets gebogene, fingerförmige Haken, die
gegen einander bewegt werden und oft mit Wimpern dicht
besetzt sind.
Die Funktion der betrachteten Mundlheile ergiebt sich
aus dem Baue und der Gestaltung derselben. Es unterliegt
keinem Zweifel, dass die zwei Kieferpaare zum Zermalmen
und Zerkleinern der zugeführten Speise dienen, während die
Ma.xillarfüsse damit beauftragt sind, die Nahrung zu ergreifen
und den ersteren zu übergeben , sie auch vielleicht während
der Bearbeitung festzuhalten.
3) Die Füsse (und ihre Befestigung). Skelet tab. L fig.l,
mit Rücksicht auf den speciellen Bau lab. H. fig. 9 sowie
tab. HL fig. 10, U, 12, 17.
Die vollkommen entwickeilen Füsse , deren Zahl stets
vier Paar beträgt, sind an den vier ersten Segmenten des
Kopfbruststücks eingelenkt und zeigen im Ganzen einen über-
einstimmenden Bau. Das erste Paar zeichnet sich indess durch
eine gedrungenere, kürzere Form aus, während die folgen-
den und besonders das letzte schlanker und gestreckter er-
scheinen. Sie bestehen aus einem plattgedrückten zweiglie-
2Ü Claus:
drigen Basallheile, an welchem zwei ebenfalls platte, dreiglie-
drige Aeste eingelenkt sind. Bei jungen Entwickelungsformen
finden sich auch zweigliedrige Aeste, es ist dann die Tren-
nung der beiden letzten Glieder (tab. I. fig. 12) noch nicht
eingetreten. Das erste Glied des Basallheiles stellt die Ver-
bindung mit dem Chitinskelet her und zeichnet sich durch
eine breite, in der natürlichen Lage ifast viereckige, plattge-
drückte Gestalt aus, sowie durch eine spitze Borste, die am
Ende der nach der Medianlinie des Thieres zugekehrten Seite
aufsitzt. Das zweite, fast ebenso breite , aber kürzere Glied
ist an der inneren Seite nach aussen gewölbt und hier meist
mit einer Borste versehen. An derselben Seite trägt es das
erste Glied des inneren Astes , das zwischen zwei kurzen
dornförmigen Vorsprüngen angebracht ist, während die Ein-
lenkung des zweiten Astes an der viel schmaleren äusseren
Seite oft gleichfalls neben einer kurzen Borste, aber ohne die
zwei umgebenden Vorsprünge, zu Stande kommt.
Was nun zunächst den äusseren Ast anbetrifft, so trägt
dessen erstes fast glockenförmiges Glied an der inneren
Seile eine lange, meist befiederte Borste, die beweglich auf
einer besonderen Kerbe eingelenkt ist, an dem äusseren Rande
dagegen zwischen zwei kurzen dornförmigen Vorsprüngen
einen spitzen Stachel, der oft seitlich noch mit feinen Zähn-
chen versehen ist. Nach demselben Typus sind auch die
Äwei folgenden Glieder gebaut, während das letzte Glied
nicht nur grösser ist und eine ovale oder, wie an den letz-
ten Fusspaaren, selbst langgestreckte Form besitzt, sondern
auch an der inneren Seite vier oder fünf lange Borsten, so
wie an der äusseren drei oder vier spitze Stacheln trägt.
Ausserdem ist es am Ende noch mit einem sehr starken,
zwischen zwei kurzen Vorsprüngen eingelenkten, meist be-
zahnten Stachel versehen, der zuweilen unmittelbar neben der
letzten inneren Borste und dem letzten äusseren Stachel seine
Insertion findet.
Der innere Ast, mit dem eben betrachteten fast von
gleicher Grösse , besitzt an der äusseren Seite der beiden
ersten Glieder nur einen kurzen Vorsprung, an der des drit-
ten (meist sehr langgestreckten) Gliedes aber eine ziemlich
lange Borste. Ebenso ist derselbe an der inneren Seite des
Das Genus Cyclops und seine einheimischen Arten. 23
ersten Gliedes mit einer, auf einer besonderen Kerbung ein-
gelenkten, Borste versetien. Das zweite Glied trägt an sei-
ner inneren Seite zwei Borsten und das dritte deren drei,
letzteres auch noch am Ende zwischen zwei kurzen spitzen
Vorspröngen zwei Stacheln, einen äusseren, grösseren, meist
befiederten und einen inneren, einfachen, kleineren, der in-
dess hin und wieder zu fehlen scheint.
Neben den vier Paar vollkommen ausgebildeten Fusspaaren
unterscheidet man noch zwei rudimantäre Fusschen (lab. II.
flg. 9, tab. III. flg. 11, 12), welche am fünften Leibessegmente
eingelenkt sind. Es bestehen dieselben in der Regel aus zwei
Gliedern, einem grösseren, fast viereckigen Basalgliede, das
an der äusseren Seile eine Borste trägt , und einem zweiten
kleineren Gliede, welches mit drei, in einem Falle (Cyc. bre-
vicaudatus) auch nur mit zwei Borsten versehen ist. Bei Cyc.
brevicornis ist das zweite Glied fast ganz verkümmert und
nur durch eine einfache, an der Basis verdickte Borste, die
an der inneren Seile des grossen ersten Gliedes eingelenkt
ist, vertreten. Noch rudimentärer werden diese Fässchen
bei Cyclops serrulalus Fisch, (lab. I. fig. 1), bei dem diesel-
ben in Form eines einzigen (drei) Borsten tragenden Glie-
des auftreten , und bei Cyc. canthocarpoides Fisch, (tab. I.
flg. ö) , bei dem dieselben Nichts , als einen mit drei befie-
derten Dornen versehenen einfachen Vorsprung des fünften
Segmentes darstellen. Die vollkommene Gleichheit, die dieses
letztere Gebilde mit dem borslentragenden Vorsprunge des
folgenden Segmentes zeigt, das wir als das erste AbdominaU
Segment bezeichnet haben , führt uns zu der Ueberzeugung,
dass dieser in morphologischer Beziehung gleichfalls als
Extremität zu betrachten sei , dass also mit anderen Worten
die Trennung zwischen Kopfbrustslück und Abdomen keines-
wegs von der Natur gegeben, sondern von uns gemacht
ist. Im vorliegenden Falle (bei Cyc. canthocarpoides), wo
das fünfte Leibessegment vollkommen die Bildung und Ge-
stalt zeigt, die wir sonst am sechsten erkennen, ohne dass
darum die Zahl und Form der folgenden Segmente eine ab-
weichende geworden, müssten wir nach unserem, früher in An-
wendung gebrachten Principe die Grenze von Kopfbruststück
und Abdomen zwischen das vierte und fünfte Leibessegment
24 ifA flsffos; Claus: ^obtD mmQ hiiü
verlegen ; ein neuer Beweis , dass die Trennung des Körpers
in Cephalthorax und Abdomen eine vollkommen künstliche ist,
und das Princip, welches wir zur Auffassung der Gleichwer-
thigkeit einzelner Segmente festhalten müssen, sich kaum bei
den nächst verwandten Thierformen durchführen, geschweige
denn auf ganze Gruppen und Classen ausdehnen lässt.
Die Funktion der Extremitäten im Allgemeinen betref-
fend, so dienen die vier ersten Fusspaare dazu , gleichsam
durch Ruderschläge die progressive Bewegung des Thieres
zu bewerkstelligen. Die Borsten legen sich dabei dicht an
die plattgedrückten Glieder an, sie vergrössern die drückende
Fläche, erhöhen also den Gegendruck des Wassers und be-
schleunigen die Ortsbewegungen. Die rudimentären Füss-
chen scheinen in manchen Fällen zum Tragen der Eier-
säckchen verwandt zu werden und sind ausserdem auch viel-
leicht noch mit bestimmten Leistungen bei der Begattung
betraut.
c. Die Kiltdrüsen der männlichen und Weib-
chen Cyclo piden.
Auf die inneren Organisation der Cyclopiden gehe ich
desshalb nicht näher ein, weil dieselbe in Zenker's Arbeit
fast erschöpfend behandelt ist. Es bleibt mir nur eine etwas
ausführlichere Betrachtung der oben genannten Drüsen, die
bei Zenker eben nur erwähnt sind und bisher kaum einmal
als solche gekannt waren.
Um mit den Drüsen der männlichen Cyclopiden zu be-
ginnen, so schreibt schon Jurine bei diesen im ersten Ab-
dominalsegmente zwei ovale Körper, die in Verbindung mit
zwei dreigliedrigen, borsteniragenden Organen ständen und
ihrer Funktion nach zu den Geschlechtstheilen gehörten. Nach
Fischer besitzen die männlichen Cyclopiden an derselben
Stelle ein äusseres Genilalorgan, ein länglich rundes, testikel-
förmiges Gebilde, welches rückwärts mit zwei starken Dornen
und einer langen Borste , sowie etwas nach oben mit einem
kleinen Dorne bewaffnet wäre. Beide, Jurine sowohl als
Fischer, vereinigen hier fälschlich zwei ganz verschiedene
Gebilde zu einem einzigen Apparate. Der länglich ovale
Das Genus Cyclops und seine einheimischen Arten. 25
Körper Jur ine's sowie das hiermit idenlische Organ Fi-
scher's, das er länglich rund, testikelförmig nennt, ist
eine im Innern des Segments gelegene Drüse, welche den
Klebstoff zur Bildung der Spermatophorenhülle absondert.
Die damit in Verbindung gebrachten borstentragenden Kör-
per, die Jurine fälschlich als dreigliedrig bezeichnet, ge-
hören dagegen zum äusseren Chitinskelet und sind die schon
oben erwähnten beiden Vorsprünge des ersten Abdominal-
segmenles, unter welchen sich jcderseits die Geschlechts-
öffnung befindet (tab. II. fig. 10).
Die den Klebstoff absondernde Drüse, die allerdings
eine länglich runde, teslikelförmige Gestalt hat , besteht aus
einer Menge dicht neben einandergelagerter , runder oder
polygonaler Zellen , die deutlich eine Membran und einen
Inhalt unterscheiden lassen. Sie werden von einer gemein-
schaftlichen Haut umschlossen, die jedoch nichts als die er-
weiterte Wandung des Samenganges zu sein scheint. Unter
dieser, rings um die Zellen herumgelagert, befindet sich eine
lichtbrechende Flüssigkeit, die mit dem Inhalte der Zellen
identisch (wohl nur durch Zusammenfliessen des Inhalts ge-
sprengter Zellen entstanden) ist und den Klebstoff zur Bil-
dung der Spermatophoren liefert. Wie diese vor sich geht,
habe ich bis jetzt noch nicht beobachten können, doch
scheint der Umstand, dass das ganze Segment und die Wan-
dungen des Samenganges, in der diese Zellen eingebettet
sind , vor der Begattung weit mehr aufgetrieben erscheinen,
als nach Ablegung der Spermatophoren, dafür zu sprechen,
dass dieselbe eben in diesem Theile des Geschlechtsappa-
rates geschehe. Unterstützt wird diese Annahme durch die
Analogie der Spermatophorenbildung bei Cyclopsine , die ja
gleichfalls in dem letzten, freilich nicht, wie hier bei Cy-
clops , testikelförmig aufgetriebenen , sondern länglich ge-
streckten Theile des Samenganges zu Stande kommt, sowie
durch die Gestalt der Spermatophore, der bei unserem Thiere
ein ovales Gebilde darstellt und somit die Form jenes Drü-
senendes wiederholt.
Um hier etwas näher auf die Samenschläuche einzugc-
hen , so unterscheidet man in denselben , ähnlich wie bei
denen von Cyclopsine, 1) einen Klebstoff, der aus den be-
26 M9hA n9{f98imr»ifffi» Claus: ^«wCnvIi
schriebenen Drüsen stammt ; 2) jenen körnigen , schwach
contourirten StofF, den Auslreibestoff v. Siebold's; 3) eine
Masse schärferbegrenzler Körperchen, die Spermalozoen.
Die Befestigung der Spermatophoren an dem Weibchen
geschieht übrigens nicht auf dieselbe Weise, wie bei Cyclo-
psine, bei denen überhaupt die ganze Art der Begattung eine
andere ist. Bei Cyclops, wo die letzten Fusspaare des Man-
nes, ebenso wie die des Weibes verkümmert sind, können
dieselben nicht in gleicher Weise benutzt werden , wie bei
Cyclopsine, wo die betreffende Extremität bei dem Manne zu
einem förmlichen Greifapparate umgebildet ist. Es sind bei
Cyclops vielmehr die beiden grossen Antennen, die bei der
Begattung zum Festhalten des Weibchens verwendet wer-
den und, wieJurine richtig darstellt, das vierte Fusspaar
des Weibes umklammert halten. Die Spermatophoren wer-
den gleich in den ersten Augenblicken der Umarmung ab-
gesetzt und zwar mit Hülfe (]es ganzen Abdomens, den das
Thier bei der grossen Beweglichkeit der Segmente sehr weit
nach vorn zu biegen im Stande ist. Ob die rudimentären
Fässchen hierbei irgend eine Rolle spielen, habe ich nie be-
obachten können, jedenfalls aber kommt hierbei die Wirkung
des knieförmigen ersten Gelenkes der grossen Antennen in
Betracht, die mit der des Abdomens, wie schon oben ange-
deutet wurde, in sofern Hand in Hand geht, als dadurch eine
Hebung des tieferliegenden männlichen Körpers und auf sol-
che Weise eine Annäherung der betreffenden Leibessegmente
ohne allzugros^e Biegung des Abdomens möglich wird. Die
Stelle, an der die Spermatophoren angeklebt werden, ist eine
ganz bestimmte. Dieselben werden keineswegs, wie Zen-
ker meint, durch die Vulva in die Eierstöcke hineingescho-
ben, sondern vielmehr an der unteren Seite des zweiten Ab-
dominalsegments befestigt, von wo dann der Inhalt derselben
durch eine am Verbindungsrande mit dem vorhergehenden
Segmente gelegene Oeffnung, die sich leicht erkennen lässt
(lab. HI. flg. 7), in das Innere des Weibchen eindringt. Wel-
chen Weg hierbei das Sperma nimmt, wo ferner die Befruch-
tung zu Stande kommt, dies sind Fragen, die wir erst durch
spätere Beobachtungen werden lösen können.
Die Drüsen, die Wit bei deto Weibe im ersten und
Das Genus Cyclops und seine einheimischen Arten. 27
zweiten Abdominalsegmente vorfinden , sind als die analogen
Gebilde der Klebestoff secernirenden Drusen des Männchens
zu betrachten. Schon Jur ine scheint dieselben gesehen zu
haben, wenigstens beschreibt er unter dem Namen „Papillen**
drei Gebilde, von denen das eine transversal am ersten, die
zwei anderen der Länge nach neben einander am zweiten
Abdominalsegmente gelegen sein, ganz übereinstimmend mit
der Lage unserer Drüsen, die in der That bei einigen Arten
durch Jurine's Beschreibung ganz passend bezeichnet ist.
Auch Fischer hat die Umrisse der betreffenden Drüsen
gesehen, aber von ihrem Baue und ihrer Funktion so wenig
eine Idee gehabt, dass er sie mit dem Namen „operculum
vulvae« bezeichnen konnte. Selbst Zenker, der diese Or-
gane ihrer Function nach richtig als Kittorgane bezeichnete,
konnte sich von ihrer Gestalt keine vollständige Rechenschaft
geben. Und in der That lassen die verschiedenen Arten,
sowie bis zu einem gewissen Grade auch dieselben Species,
solche Modifikationen zu, dass es schwer ist, die betreffenden
Drüsen auf eine bestimmte Form zurückzuführen.
Ursprünglich scheinen dieselben paarige Organe zu
sein , die jedoch bei der Kleinheil des ersten Segmentes in
diesem nicht Platz genug zu ihrer Enlwickelung finden und
desshalb in das zweite Segment hineinrücken , wo sie dann
den mannichfachsten Umbildungen unterliegen. Bei Cyclops
Leuckarli (n. sp.) sind dieselben (tab. l fig. 4) beide in der
Medianlinie zu einer unpaaren , ovalen Masse verschmolzen,
die an ihrem oberen Ende, gleichsam als Rudimente der ur-
sprünglichen Duplicität, zwei Anschwellungen erkennen lässl,
welche sich in einen Ausführungsgang nach den Geschlechts-
öffnungcn hin zu verlängern scheinen. Durch Erweiterung
der Anschwellung und gleichzeitiges Ausdehnen des unpaa-
ren Theils in die Breite werden wir von da zu der Form
geführt, die wir bei Cycl. coronalus (n. sp.) — tab. L fig. 5 —
und brevicornis (n. sp.) vorfinden. Bei Cyclops serrulatus
Fisch, (tab. 1. fig. 1) erscheint der unpaare Theil durch einen
in der Medianlinie befindlichen Einschnitt mehr oder weniger
in zwei Hälften getrennt und an Gestalt und Grösse dem
oberen Theile , der den beiden Anschwellungen gleichbe-
deutend ist, sehr ähnlich. Bei Cyclops tenuicornis (n. sp.)
28 Claus: ijm{) »ftü
verschmelzen endlich (lab. ill. fig. 7) die beiden oberen, sonst
paarigen Theile zu einem einzigen grossen, hier ebenfalls im
ersten Abdominalsegmente gelegenen Organe, während die
beiden unteren , paarigen und kleineren Gebilde die obere
Hälfte des zweiten Segmentes theilweise einnehmen. Eine
sehr charakteristische Form, die sich jedoch gleichfalls leicht
auf die ursprüngliche einfache Gestalt zurückführen lässt,
zeigt die Kittdrüse von Cyclops canthocarpoides , wie sich
aus der tab. U. fig. 6 erkennen lässt.
Was den feineren Bau dieser Drüse anbetrifft, so be-
steht diese aus einer Menge kleiner Zellen , welche in ei-
ner gemeinschaftlichen Wandung eingebettet sind. Im Um-
kreise der Zellenmasse finden wir oftmals dicht unter der
gemeinsamen Membran eine lichtbrechende Flüssigkeit, die
auch hier, wie bei dem Männchen, den zusammengeflossenen
Inhalt zersprengter Zellen darstellt und das Material zur Ver-
fertigung der Eiersäckchen abgiebt. Die Art und Weise,
wie diese Flüssigkeit zur Bildung der Eiertaschen verwandt
wird, scheint freilich der direkten Beobachtung nicht zugän-
gig zu sein , jedoch ist es mir sehr wahrscheinlich , dass
durch den Druck, welchen die Eier beim Herabgleiten auf
die Drüse ausüben, ein Theil der Drüsenzellen zerstört wird,
deren Inhalt sich dann in grösserer Menge ansammelt, um
die austretenden Eier schliesslich, in Form eines Sackes er-
härtend, zu umhüllen.
C. Die einheimischen Arten des Genus Cyclops.
Um Wiederholungen so vielals möglich zu vermeiden,
habe ich in Folgendem nur diejenigen Charaktere bespro-
chen, durch welche sich die einzelnen Arten besonders aus-
zeichnen. Eine Darstellung des Gesammtbaues bei denselben
schien mir um so weniger nöthig, als ja die vorausgeschick-
ten Betrachtungen uns schon ein , wenn auch nur allgemei-
nes Bild der einzelnen Species gegeben haben. Nach guter
alter Sitte lasse ich der Beschreibung überall eine kurze
lateinische Diagnose vorangehen, die, wie ich hoffe, allein
schon zur Bestimmung der Arten ausreichen wird.
Das Genus Cyclops und seine einheimischen Arten. 29
1. Cyclops coronatus n, sp, (tab. II. fig. 1 — 11).
Antennae primi paris sepiendecim- ariiculalae , ultimo
annulo crista praedilae serrata, corpus anticum (cephalolho-
racem) minime superantes; antennae secundi paris inagnopere
elongatae ; annulus earum secundus brevis margine inferiore
convexus, ciliatus tertius ienuis cylindricus, quartum longitU"
dine fere superans.
Longit. fem. (inclusis setis apicalibus quatuor) 3,5mm.
Die grossen Antennen dieser überaus schönen Form
sind etwa von der Länge des Kopfbrustslückes und tragen
am letzten Gliede eine sägeförmig gezähnte Firste. Die bei-
den vorhergehenden Glieder sind ebenfalls durch eine Längs-
lirsle ausgezeichnet, die indess der Zähnchen entbehrt und
als einfacher gerader Skeletvorsprung über die ganze Länge
der Glieder sich hinzieht. Auch an den früheren Ringen
unterscheidet man eine scharfcontourirte Längslinie, die in
gleicher Richtung mit den betrachteten Firsten und auf gleicher
Seite verläuft, aber nur der Ausdruck eines inneren Skelet-
vorsprunges zu sein scheint, der zur Befestigung der einge-
schlossenen Muskeln dient. Ein ausgezeichnetes Merkmal für
die Antennen dieser Art , dem ich auch die Bezeichnung
„coronatus^^ entlehnt habe, ist eine Reihe von Zähnchen, wel-
che die oberen Verbindungsränder des 14., 13., 12ten sowie
des 10., 9. und 8len Gliedes besetzen und denselben eine
kronenförmige Verzierung verleihen (fig. 3).
Das zweite, ziemlich lange Antennenpaar (fig. 4) besteht
aus einem mit mehreren Borsten versehenen Basalgliede,
dem sich das zweite als ein kurzes, nach innen bogenförmig
ausgeschweiftes und hier mit einer Reihe feiner Spitzen be-
setztes Glied anschliesst. Das dritte Glied ist ungewöhniich
bmg und cylindrisch , an der inneren Seite mit kurzen Spit-
zen versehen , an der äusseren mit drei oder vier Borsten
und einem Borsenbüschel, das am Verbindungsrande mit dem
vierten Gliede eingelenkt ist. Letzteres ist lang und dünn,
sonst jedoch ebenso wie das vorhergehende gestaltet und
trägt am Ende ein Büschel gebogener Borsten , von denen
zwei durch besondere Länge hervortreten.
Die Oberlippe ist mit am vorderen Rande 13 Zähnchen
besetzt, von denen jederseils die zwei äusseren am stärksten
30 Claus:
entwickelt sind. Das erste Kieferpaar besitzt einen Palpus,
der ausser den zwei stets vorhandenen langen Borsten noch
einige kurze trägt , die oft auf eckigen Vorsprüngen ange-
bracht sind. Besonders schön tritt bei dieser Art das zweite
Kieferpaar hervor , einmal wegen der langen starkgebogenen
Zähne am Kautheile und seiner schlanken Form, dann aber
auch weil es durch seine bestimmt ausgeprägte Gestallung
uns eine Einsicht in die morphologische Verwandtschaft der
Kiefer und Kieferfüsse gewinnen lässt. Denken wir uns näm-
lich die beiden ersten Glieder des inneren Kieferfusses (fig. 7)
verwachsen und zugleich mächtig entwickelt, während die
Borsten in starke, gekrümmte Haken sich umbilden, so er-
halten wir im Wesentlichen die Gestalt des zweiten Kiefers
(flg. 6), wo dann der doppelte Palpus nichts als die nur
w^enig veränderten beiden letzten Glieder des inneren Ma-
xillarfusses vorstellt. Was die Maxillarfüsse selbst anbe-
trifft , so sind diese durch ihre befiederten Borsten , sowie
durch die Länge der ebenfalls mit Wimpern versehenen Ha-
ken ausgezeichnet. Unter den Fusspaaren bietet das fünfte
rudimentäre ein charakteristisches Merkmal , indem es am
inneren Rande des Basalgliedes einen Besatz feiner Spitzen
trägt und ebenso am Verbindungsrande mit dem zweiten
Gliede durch eine Reihe von spitzen Zähnchen ausgezeichnet
ist. (flg. 9). Die Abdominalsegmente sind von ziemlicher
Breite, die stufenförmig mit jedem folgenden Gliede abnimmt.
Das fünfte Segment ist kurz und am Verbindungsrande der
ebenfalls kurzen, aber breiten Furca mit feinen Wimpern
versehen. Die Furca, die an der inneren Seite ziemlich
lange, dichtstehende Haare trägt, läuft in vier Schwanzborsten
aus , die folgende Beschaffenheit haben. Die äussere Borste
(flg. 1) ist die kürzeste und ebenso, wie die übrigen, ziem-
lich dicht bis an's Ende befiedert. Die benachbarte ist um
ein Bedeutendes grösser und erreicht fast die Länge des
Abdomen, wird aber von der dritten noch um ein Beträcht-
liches übertreffen. Die innere fast ebenso starke Borste ist
etwa so lang, wie die Furca mit den beiden vorhergehenden
Abdominalsegmenten.
Das Männchen ist fast ein Dritttheil kleiner als das
Weibchen und hat in allen Stücken die Charaktere mit dem
Das Genus Cyclops und seine einheimischen Arten. 31
letzteren gemein, natürlich die Theile ausgenommen, die ge-
schlechliclier Zwecke halber eine andere Bildung zeigen
müssen. Dies gilt tlberhaupl für die Männchen aller Arien;
sie zeichnen sich stets durch eine, mil den zugehörigen Weib-
chen übereinstimmende Form der iileinen Antennen , der
Mundl heile, der Füsse und der Schvvanzborslen aus, so dass
ihre Bestimmung mit Hülfe der angegebenen Charaktere hnchl
ausführbar ist.
Als besondere Eigenthümlichkeit für das Männchen die-
ser Species mag hier noch erwähnt sein, dass es ungewöhn-
lich kurze und breite Abdminal^egmente trägt, in Folge
derer der Hinterleib als ein gedrungener Leibesabschnitl er-
scheint.
Mit blossem Auge I«sst sich di^se Art erkennen, einmal
an der blauen Färbung der letzten Abdominalsegmente, sowie
anderer Körpertheile , dann aber besonders durch die Hal-
tung der Eiersäckchen, die <\^s Thier nicht unter einem Win-
kel zu beiden Seiten des Abdomens, sondern dicht neben
einander auf der unleren ßauchfläciie trägt, so dass hier
beim ersten Anblick mitunter der Ansehein hervorgerufen
wird , als tröge das Thier nur einen einzigen Eiersack , wie
die Arten des Gen. Cyclopsine.
2. Cyclops tenui cornis n. sp. (tab. IJl. %. 1
bis 11). ''-^'"^ '^ ' ;
Antennae primi paris septendecim - articulatae, elonqa^
tae ; ultimi tres annuli tenuissimi cristam simplicem gerentes,
Abdominis segmenta in longitudinem extensae.
Longit, femin. Sf2mm.
Diese im Allgemeinen schmaler und schlanker gebaute
Form lässt sich sehr leicht an der Gestalt der grossen An-
tennen erkennen. An der Basis breit, in der Mille allmäh-
lich verschmälert, laufen dieselben in drei dünne lange End-
glieder aus , von denen jedes eine unbezahnte Längsfirste
tragt (flg. 6). An den früheren Gliedern sind sie nach der
inneren Seite zu mit sehr kleinen Zähnchen reihenweise be-
setzt und an der Basis des ersten Gliedes durch eine halb-
kreisförmig gestellte Reihe kurzer Haare ausgezeichnet. Sie
erreichen die Länge des Kopfbrustslückes. Das zweite An-
32 iiiA nftd^^rmifiiitth Claus: ?tini'\yr\ pfr?t,n puff
tennenpaarbe steht aus einem cylindrischen, etwas gekrümm-
ten und platigedröckten ßasalgliede, welches am Ende des in-
neren , mit feinen Haaren verzierten Randes eine sehr lange
befiederte Borste tragt. Auf der gegenüberstehenden Dor-
salseite linden sich zwei kürzere Borsten. Das hierauf fol-
gende ovale Glied ist am inneren nur wenig gebogenen Rande
mit einer Reihe feiner, etwas längerer Haare besetzt. Das
dritte glockenförmige , wie die früheren etwas plattgedrückte
Glied trägt auf der Dorsalseite in besonderen Kerben fünf
oder sechs Borsten , zu denen sich am Ende noch ein Bor-
stenbüschel , am inneren Rande dagegen wieder eine Reihe
dicht stehender, kurzer Spitzen gesellt. Zuletzt schliesst
sich noch ein ziemlich langes, cylinderförmiges Endglied an,
auf dem gleichfalls ein Büschel starkgekrümmter Borsten von
verschiedener Länge aufsitzt (fig.7}. Die gleiche Bildung zeigen
die Antennen aller übrigen Species, die höchstens durch den Um-
fang und die Länge der Glieder unter sich difTeriren. Die Ober-
lippe trägt lO bis 12 starke Zähne, von denen die zwei äus-
seren jederseits am meisten entwickelt sind (fig. 9). Die
Kiefer und Kieferfüsse sind gedrungener gebaut, als die der
vorigen Art und zeichnen sich weniger durch lange , als
starke Haken aus (s. fig. 1, 2, 3. 4). Die Fusspaare tragen
an den Verbindungsrändern der einzelnen Glieder sehr kurze
feine Spitzen und zeigen eine undeutliche Befiederung der
Borsten. Das rudimentäre Fusspaar stimmt mit dem von
Cyclops coronatus überein, bis auf den Besatz der Haare und
die Reihe von Zähnchen , durch welche sich das dort be-
schriebene Fusspaar auszeichnet. Ein besonderes Unterschei-
dungsmerkmal findet sich in der Gestalt und Grösse der
Schwanzborsten, die hier bei weitem nicht so dicht und stark
befiedert sind, wie die der vorher betrachteten Art. Die nä-
heren Verhältnisse ergeben sich bei Betrachtung der Fig. 8.
3. Cyclops brevicornis n sp. (tab.HL fig. 12
bis 17).
Aniennae primi paris septendecim-articulatae breves ,
primum cephalothoracis segrnentum paullulum super antes. Fe-
des quinii paris riidimentarii , simpUces, bisetosi. Abdominis
segmenta in postremo margine parvulis dentibus praedita.
Longit. fem. 3,5mm.
I
Das Genus Cyclops und seine einheimischen Arten. 33
Die Antennen des ersten Paares (fig. 13) sind sehr ge-
drängten Baues und übertreffen an Länge kaum das erste
Leibessoguient. Während bei den übrigen Arten die drei
letzten Glieder der Antennen sich durch grössere Länge und
geringeren Durchmesser auszeichnen, sind dieselben hier
ziemlich dick, nicht viel länger als breit und von den vor-
hergehenden Gliedern eben nicht sehr verschieden. Die An-
tennen des zweiten Paares stimmen vi^esentlich mit denen von
Cyc. tenuicornis überein , unterscheiden sich von denselben
jedoch durch den gedrängteren Bau, sowie durch eine Reihe
kleiner Spitzen, die hier die innere Seite des letzten Gliedes
besetzen (fig. 14). Die Mundtheile haben ebenfalls grosse
Aehnlichkeit mit denen der vorher betrachteten Art, sind
aber ein wenig gestreckter und mit längeren Borsten und
Haken versehen. Die Füsse zeichnen sich durch starke
Zähnchen aus, die über dem Verbindungsrande der einzel-
nen Glieder befestigt sind, sowie durch die Länge und
Stärke der Borsten und Dornen. Ein besonderes Gewicht
muss auf die Bildung des rudimentären Füsschens gelegt
werden , das eine durchaus charakteristische Gestalt hat.
Während wir bei den übrigen Arten mit 17gliedrigen An-
tennen an demselben ein ziemlich langes Basalglied und
ein nicht unbedeutend entwickeltes , mit drei Borsten verse-
henes zweites Glied unterscheiden , finden wir hier nur ein
einziges breites, borstenförmig auslaufendes Glied, welches an
der inneren Ecke eine an der Basis verdickte Borste trägt,
die wohl als das Analogon des zweiten Gliedes angesehen
werden darf. Diese Bildung des rudimentären Fusspaares bietet
uns auch ein Mittel, solche Entwickelungsformen unserer Art
zu unterscheiden , an denen die übrigen Charaktere noch nicht
so bestimmt ausgeprägt sind , dass auf Grund derselben eine
Bestimmung ermöglicht würde; sie leistet uns also dieselben
Dienste, wie bei Cyclops coronalus der Bau der zweiten An-
tennen. Ein ebenfalls wichtiges Merkmal für die Erkennung
dieser Art liegt in der starken Zähnelung, die an den Ver-
bindungsrändern besonders der Abdominalsegmente sich fin-
det und noch stärker in den Entwickelungsformen auftritt
Gab. I. fig. 13 und tab. IIL fig. 16). Die Furca ist ziemlich
lang und trägt vier schwach befiederte Schwanzborsten, de-
Arcbir f. Natuigescb. XXII I. Jahrg. 1. Bd. 3
ren Gestalt (fig» 16) für die Unterscheidung unserer Art von
Wichtigkeit ist.
^. Cy dop s hrevicaudatus n,s\). (iah. U.ügA^'),
Antennae primi paris septendecim-articulatae, secundum
cephalothoracis segmentum superantes. Pedis rudimentarii,
secundus annulus bisetosus. Setae apicales parum ciliatae,
hrevissimae, furcam longitudine paulo antecedentes.
Longit. fem. 2,4mm,
Die Antennen des ersten Paares stehen in ihrer Grösse
zwischen denen von Cyo. brevlcornis und lenuicornis und
erreichen kaum das dritte Leibessegment. Durch ihren Bau
verdienen sie indess den ersteren nähergestellt zu werden,
denn auch in ihnen kommt eine ähnliche Kürze und Ge-
drungenheit zur Anschauung. Die zweiten Antennen gleichen
denen von tenuicornis in hohem Grade. Die Mundtheile
zeichnen sich durch ihren breiten , gedrungenen Bau und
die starke Entwickelung der Zähne und Haken aus, entbeh-
ren jedoch entscheidender Charaktere für die Erkennung der
Species. Auch die Füsse verdienen keine specielle Betrach-
tung; es mag die Bemerkung genügen, dass sie des Besatzes
von Spitzen an den Verbindungsrändern entbehren, sonst aber
die gewöhnliche Bildung erkennen lassen. Das rudimentäre
Fusspaar trägt am zweiten Gliede nur zwei Borsten, eine sehr
lange und eine kurze , stellt also gewissermassen ein Zwi-»
schenglied dar zwischen dem rudimentären Fusspaare der
übrigen Species mit 17gliedrigen Antennen einerseits und
dem von Cyc. brevicornis andererseits.
Die Furca (fig. 12) ist ausserordentlich lang, drei Mal so
lang, als das fünfte Abdominalsegment und am inneren Rande
jederseits mit feinen, dünnen Haaren versehen. An der Spitze
sitzen vier Schwanzborsten auf, die ausser der Furca das
wesentlichste Erkennungsmerkmal darbieten. Die äussere ist
die kürzeste und ebenso wie die übrigen schwach befiedert.
Die hierauf folgende ist kaum etwas länger als die Furca
und wird von der benachbarten nur um ein kleines Stück
überlroffen. Die innerste endlich ist halb so lang wie die
vorhergehende und dicht über der oberen Seitenborste ein-
gelenkt. Anfänglich schien mir diese Art seltener zu sein.
Das Genus Cyclops und seine einheimischen Arten. 35
als die vorherbetrachlelen , denn während der Sommerzeit
wurde sie nur wenige Mal von mir bei Giessen aufgefunden,
allein später, im November, fand sie sich in grosser Menge.
5. Cyclops Leuckarti n. sp. (tab. III. fig.l3u.l4.)
Antennae primi paris annulis septendecim aequaliter
formatis et eiusdem fere ampUtudinis compositae ; cephalo-
thorax satis elongatus , nee minus abdomen aliquanto an-
gustius maximeque attenuatum.
Longit. fem. circ, 2mm.
Eine kleine, niedlich geformte Art mit schlankem Körper
und gestrecktem Abdomen. Die Farbe ist, wie bei allen
Species , mehr oder weniger grün , nach Alter und nach
mannichfachen Umständen in der Intensität variirend. Die
ersten Antennen erreichen kaum die Länge der drei vorde-
ren Thoracalsegmente und zeichnen sich durch eine sehr
gleichmässige Breite der einzelnen Ringe aus. Nachdem
diese bei den ersten Gliedern von der Basis aus allmählich
etwas abgenommen hat, erhält sie sich dann bei den folgen-
den fast auf derselben Stufe (fig. 14). Ein besonderes Kenn-
zeichen der ziemlich entwickelten Mundlheile ist eine Reihe
kleiner Einkerbungen, die sich auf der Dorsalseite an der
Basis des zweiten breiten Maxillarfusses findet und das An-
sehen einer geperlten Contour bietet. Charakteristisch ist
ferner die lange Furca , die das sehr gestreckte Abdomen
beschliesst (fig. 13). Die äusseren Seitenborsten gehen ziem-
lich weit vom Ende ab , während die inneren , viel dünne-
ren und längeren weiter nach der Spitze zu aufsitzen. Von
den vier schwach befiederten Borsten erreicht die äussere
fast die Länge der Furca; die hierauf folgende kommt
den drei letzten Abdominalringen sammt der Furca gleich,
wird aber von der dritten noch um ein Bedeutendes über-
ragt. Die innere endlich ist ungefähr doppelt so gross wie
die äussere.
6. Cyclops pennatus n. sp. (lab. III. fig. 15 bis 17).
Antennae primi paris septendecim- articulatae, corpus
anticum longitudine aequantes , solide conformatis compositae
36 .aoJ'iA odilollcnioilflii» Gl au s: .qMo^O
annulis. Setae apicales ciliis inagnis , frequentissime positis,
praeditae, pennae fere formam praebentes.
Long. fem. 3,5mm.
' ^ ' Da diese nur zweimal von mir gefundene Form in
Gestalt und Bildung der einzelnen Körperlheile eine grosse
Uebereinstimmung mit Cyclops tenuicornis zeigt, war ich an-
fangs geneigt, sie für eine durch Aufenthalt und Lebensweise
modificifle Varietät jener Art zu halten. Indess fand ich bei
näherer Untersuchung doch Unterschiede genug , die mich
zur üeberzeugung führten, dass in ihr eine bestimmte, in
sich abgeschlossene Lebensform repräsentirt sei. Die ersten
Antennen haben gleiche Länge mit denen der erwähnten Spe-
cies, sind indess viel kräftiger gebaut und durch besondere
Entwiclielung in die Breite ausgezeichnet; auch entbehren,
wie es scheint, die drei letzten Glieder der einfachen Längs-
firste (flg. 16). Eine ebenso kräftige , massige Bildung ist
für die zweiten Antennen charakteristisch. Die Oberlippe (fig. 17)
hat am vorderen Rande einen Besatz von 13 Zähnchen, von
denen die drei mittleren sehr spitz und klein, die vorletzten
aber am grösslen sind. Eine besondere Auszeichnung liegt
in der dichten und starken Befiederung, die vornehmlich an
den mittleren Schwanzborsten zur Anschauung kommt. Da
zugleich der untere Theil derselben kahl ist, so liegt der
Vergleich mit einer langgestreckten Feder nahe genug, um
den Namen, den ich dieser Art gegeben habe, zu recht-
fertigen.
7. Cyclops serrulatus Fisch. (tabL fig. 1 bis 3).
Antennae primi paris annulis duodecim compositae, elon-
gatae. Pedes rudimentarii uniarticulati. Corpus anticum
elongatum; abdomen maxime attenuatum^ furca praeditum
longissima.
Long, fem. 2mm.
Die ersten Antennen sind langgestreckt und erreichen
etwa die Mitte des dritten Leibessegmentes. Die letzten drei
Glieder sind bei geringem Durchmesser sehr lang und mit einer
wenig hervortretenden Längsfirste versehen. Bei starker
Vergrösserung sieht man sie mit unregelmässigen Reihen
Da« Genus Cyclops und seine einheimischen Arten. 37
sehr kleiner Stachelchen besetzt, wie auch Fischer in sei-
ner sonst nicht vollkommen ausreichenden Beschreibung rich-
tig" hervorhebt. Die Mundlheile sind deullich zu erkennen,
aber verhällnissmässig klein , und ihre Anhänge sind zum
Theil befiedert. Das rudimentäre Fusspaar ist eingliedrig
und trägt drei lange Borsten. Das Abdomen ist sehr schmal
und langgestreckt, hier und da auch unregelmässig mit klei-
nen Spitzen besetzt, die wohl Fischer zu der Bezeichnung
„serrulatus" veranlasst haben *). Weit charakteristischer ist
die Länge der Furca , die fast um das Fünffache ihre Breite
übertrifft **}. An dem Verbindungsrande der Furca mit
dem vorhergehenden Segment ist eine Reihe feiner Stachel-
chen befestigt und am äusseren Rande eine sehr kurze dichte
Bezahnung angebracht. Von den mit kurzen Spitzen versehe-
nen Schwanzborsten ist die äusserste die kürzeste, indem sie
nicht mehr als die halbe Länge der Zinke erreicht, auch
zugleich die kräftigste. Die benachbarte ist an Grösse den
drei letzten Abdominalringen sammt der Furca gleich, wäh-
rend die dritte so lang wie das ganze Abdomen ist. Die
vierte innere endlich ist sehr dünn und nur wenig länger
als die äussere. , «hwj »
8. Cyclops canthocarpoides Fisch* '^^k^9l
fig. 6 bis 10). Jw;;.- !ij.il- v>U
Antennae primi paris decem-articulatae, primum , am-
plum corporis segmentum minime superantes. Loco pedis
rudimentarii (res setae, quarum duae ciliatae. Abdomen pa^
rum antenuatum, corpore antico paulo angustius.
Lonqit. fem. 2mm. ' ' , ' . "*^!
Die ersten Antennen sind klein und erreichen nicht einmal
die Länge des ersten kurzen, aber breiten Leibessegmentes.
*) Da diese Zähnchen indess erst bei sehr starker Vergrösse-
rung zu erkennen sind, während bei anderen Arten z. B. bei C. can-
thocarpoides Fisch,, sowie bei C, brevicornis (n. sp.) schon bei viel
geringerer Vergrösserung regelmässige Bezahnungen zur Anschauung
kommen, so kann die Bezeichnung leicht zu Verwechselungen führen
und ist daher nicht passend gewählt.
**) Bevor mirFischer's Arbeit bekannt war, hatte ich dess«
halb denn auch unsere Art als C. furcifer bezeichnet.
38 .ttQhh mfimitnhi' Claus: »q<»Iox9 loiidO mQ
üeber ihre Bildung- und über das Grössenverhäitniss der ein-
zelnen Glieder ist das Nähere bei der allgemeinen Betracht
tung angeführt, auf die ich daher zurückweise. Die zweiten
Antennen zeichnen sich durch ausserordentliche Gedrängt-r
heit und Kürze ihres Baues aus und sind , ebenso wie die
Füsse, an ihrem inneren Rande mit starken Wimpern besetzt,
die fast die Gestalt von feinen Zähnen annehmen. Der Bau
der Mundtheile bietet nichts Abweichendes , jedoch ist ihre
Dicke und Kürze , sowie die gedrängte Stellung derselben
hervorzuheben. Eine abnorme Enlwickclung zeigt das letzte
Thoracalsegment, das zu einem einfachen, sehr breiten, nach
dem Abdomen zu sich erweiternden, conischen Ringe um-
geformt ist und als Analogen der rudimentären Füsse zwei
starke befiederte, sowie eine schwächere unbefiederte Borste
trägt, auch an dem unteren Verbindungsrande nach Art der
folgenden Abdominalsegmente mit einer Reihe feiner Zähn-
chen besetzt ist. An Breite steht das Abdomen dem Cepha-
lothorax nur wenig nach, so dass hierdurch eine gewisse
Aehnlichkeit mit dem Genus Canthocarpus bedingt ist , die
durch die Gestalt der Furca und der Schwanzborsten noch
etwas erhöht wird. Sehr kurz erscheint das fünfte Abdo-
minalsegment, an dem die schon früher besprochene Bildung
der Chitinhaut ein charakteristisches Merkmal bietet. Die
etwas längere Furca lenkt sich unterhalb eines Besatzes fei-
ner Zähnchen ein und wird auf der Dorsalseite unterhalb der
AfteröfTnung von drei Reihen schräg laufender Spitzen über-
zogen. Am Ende findet sich nochmals eine Reihe von kranz-
förmig um die Schwanzborsten herumgestellten Wimpern.
Die näheren Verhältnisse und Eigenthümlichkeiten der letzte-
ren ergeben sich aus der Figur 8.
.am^isii Erklärung der Abbildungen,^-'/,,, ^„„,
Tafel I.
Fig. 1. Cyclops serrulalus Fisch, von der Bauchseite aus gesehen.
Fig. 2. Das fünfte Abdominalsegment mit der Furca in seitlicher Lage.
Fig. 3. Dasselbe von der Dorsalseite aus gesehen.
Fig> 4 Die Kittdräse von Cyclops Leuckarli (n. sp.).
Das Gemus Cyclops und seine einheimischen Arten. 39
Fig. 5. Dieselbe von Cyclops coronatus (n. sp.). ^
Fig. 6. Das letzte Thoracalsegment und Abdomen von Cyclops can-
thocarpoides Fisch.
Flg. 7. Dasselbe von dem mäntilichen Thiere derselben Species.
Fig. 8. Das fünfte Abdominalsegment nebst der Furea Vom Rücken
aus gesehen. *'"'«^I '"- \
Fig. 9 u. 10. Die weiblichen und männlichen ersten Antennen derJ
selben Species.
Fig.ll. Die Antenne des ersten Paares von Cyclops brevicornis (n. sp.y
im letzten Stadium der Entwickelung. , '^
Fig. 12. Ein Fusspaar derselben Form. ^V^
Fig.l3. Das letzte Thoracalsegment nebst dem Abdomen, ebenfalls Ini-
letzten Stadium der Entwickelung, von Cyclops brevicorni»
Fig. 1 bis 11. Cyclops coronatus (n. sp.).
Fig. 1. u. 2. Das fünfte Abdominalsegment nebst der Furca vom
Bauche und der Rückenseite aus gesehen.
Fig. 3. Die ersten Antennen in ihrem Zusammenhange mit den zweiten.
Fig. 4. Die zweite Antenne.
Fig. 5. Das erste Kieferpaar.
Fig. 6. Das zweite Kieferpaar.
Fig. 7. Der innere Maxillarfuss.
Fig. 8. Der äussere Maxillarfuss.
Fig. 9. Das rudimentäre Füsschcn.
Fig. 10. Die Drüse, in welcher die Bildung der Spermatophoren vor
sich geht in ihrem Zusammenhange mit dem Hodenausfüh.
rungsgange.
Fig.ll. Die männliche erste Antenne.
Fig. 12. Der letzte Theil des Abdomens nebst den Schwanzborsten
von Cyclops brevicaudatus (n. sp.).
Fig. 13. Dasselbe von Cyclops Leuckarti (n. sp.).
Fig. 14. Die erste Antenne derselben Species.
Fig. 15. Eine der mittleren Schwanzborsten von Cyclops pennatus(n. sp.).
Fig. 16. Die erste Antenne derselben Art.
Fig. 17. Das Labrum derselben.
Tafel III.
Fig. 1 bis 11. Cyclops tenuicornis (n. sp).
Fig. 1. Der Oberkiefer.
Fig. 2. Der zweite Kiefer.
Fig. 3. Der innere kleine Maxillarfuss.
Fig., 4. Der ftusscre grosse Maxillarfuss.
40 Clans: Das Genus Cyclops u. s. w. nc:
Fig. 5. Die zweite Antenne, , noti»?) w
Fig. 6. Die erste Antenne.
Fig. 7. Die Kittdrüse.
Fig. 8. Das fünfte Abdominalsegment nebst der Furca und den Schwanz.
borsten.
Fig. 9. Das Labrum.
Fig. 10. Der erste Fuss.
Fig. 11. Das rudimentäre Füsschcn.
Fig.l2 bis 17. Cyclops brevicornis (n. sp.).
Fig. 12. Das rudimentäre Füsschen.
Fig. 13. Die erste Antenne.
Fig. 14. Die kleine Antenne.
Fig. 15. Das Labrum.
Fig. 16. Das letzte Abdominalsegment mit der Furca.
Fig. 17. Ein Fuss des vierten Paares.
tfjiaif
>ä aanslllim lab ania .c i .§i'»I
!i9rf0 loa .1 .^i^
Bemerkuiig^eii über die Ceplialopoden
von niesslna.
Vom
■M% k>'4 M'^ e b « r.
(Hiewa Taf. IV. und V.)
Die interessante Abhandlung* von Steenstrup, wel-
che ich in dem vorigen Jahrgange dieses Archivs in der
Uebersetzung mitgetheilt habe, und welche ein klares Licht
auf die seltsamen Geschlechtsverhältnisse der Cephalopoden
wirft, so dass ich dem Scharfblicke des berühmten Verfas-
sers meine Bewunderung nicht versagen kann, ist die Ver-
anlassung gewesen, dass ich das ziemlich reiche von mir in
Messina gesammelte Cephalopoden -Material und die darüber
gemachten Notizen, mit Unterbrechung anderer Untersuchun-
gen, wieder vorgenommen habe, um daran die von Steen-
strup geschilderten Verhältnisse mit eigenen Augen zu se-
hen. Ich gab mich dieser Untersuchung um so eifriger hin,
als ich bereits Einzelnes, auf das Steenstrup hingewie-
sen, vorher gesehen halte, ohne zu wissen was damit an-
zufangen, wie es zu deuten sei. So lialte ich die Greifplatle
von Octopus (meinem Scaeurgus titanotus s. unten) und die
Umbildung des hectocotylisirlen Armes bei Sepiola und Se-
pia gesehen; ich hoffte bei weiterer Nachforschung, die ich,
beschäftigt mit anderen Untersuchungen, hinausschob, Auf-
klärung darüber zu gewinnen , und diese ist mir nun durch
die ausgezeichnete Arbeit Steenstrup's geworden.
42 Troschel:
Durch die folgenden ßemerkungen möchte ich mein
Schärflein zur Kennlniss dieser Thiergruppe beitragen. Ich
citire überall die Uebersetzung der S teen strup'schen Ar-
beit, weil diese allen Lesern des Arcbives zugänglich ist.
Fm- Pliilonexidae*
Bei der gegenwärtigen Kenntniss kann man nicht an-
ders , als der Absonderung der wirklichen Hectocolyliferen
als besondere Familie beitreten. Die schwimmende Lebens-
weise, das Vorhandensein des Organe de resistance d'Orbig-
iiy's, welches nicht unpassend Schliessknorpel heissen möchte,
die beträchtliche Ungleichheit der Arme , unter denen das
oberste Paar besonders entwickelt ist, die glatte Oberfläche,
das Fehlen von Läppchen über den Augen, — alles das tritt
den abfallenden Hedlocdlylert höifreich iUr Seite, um die Fa-
milie zu einer natürlichen zu machen. Es scheint mir ge-
boten zu sein, dass man neben Argonauta auch die Gattun-
gen Pbilonestis und Tremoctopus tnetant» und zwar in der
Weise, dass Philonexis die Arten umfasst, bei welcheft die obe-*
ren Arme ohne grosse Schwimmhäute sind , und bei denen
der Heciocotylus keine Zolten , die sogenannten Kiemen be-
sitzt, also auch den Oclopüs Caretiae, während zu Tremocto-
pus die Arten mit grossen Schwimmhäuten zwischen den
oberen Armen und mit zottigem Hectocotylus gehören. Zu
dieser Auffassung scheint sich auch Steenstrup (vergl.
^ae Note p. 245) zu neigen. .- <«.« ^mk <;, u^nn-n
'. »rnniOiis^iov 'itjb'jiw
-0. OS fla^ü/ Argonauta Argo.^ „.,j,abJirfo8ox> qmJ
'"' Bei meinem Aufenthalte in Messina' Im Herbl!t6 1853
sind mir mehrere männliche Exemplare von Argonauta Argo
vorgekommen. Sie waren von sehr verschiedener Grösse,
aber alle leicht an der Hectocotylus-BIase an der linken Seite
zu erkennen. Der Gegenstand ist zu vielfach besprochen
worden, als das ich etwas Wesentliches hinzuzufügen hätte.
Von dem Vorhandensein der Spermatozoiden selbst bei ver-
hältnissmässig kleinen Exemplaren in dem weissen, strotzen-
den Hoden höbe ich mich überzeugt; sie zeigten jedoch nur
wenig Bewegung. In dem in seiner Blase eingeschlossenen
Bemerkungen über die Cephalopoden von Messina. 4ft
Heclocolylus war noch keine Spur von Samen aufzufinden.
Nur auf ein Verhältniss möchte ich noch aufmerksam machen,
weil ich desselben nirgends Erwähnung" gelhan finde. Die
Hectocolylen-Blase war nämlich nicht selten, und namentlich
bei den kleinsten Exemplaren immer , tief in «ine Höhlung,
die sich innerhalb der Haut, welche den dritten nnd vierte»
Arm verbindet, öffnete, eingesenkt, so dass von ihr zwischen
den Armen in der Nähe des Mundes gar nichts zu sehen
war. Dagegen wurde äusserlich und unterhalb der Arm«,
zwischen Auge, Trichter und Armen eine wulstige Anschwel^
lung sehr deutlich wahrgenommen, welche gan« die Lage
hatte, wie sie Steenstrup bei Philonexis Quoyanus geschil-
dert und in Fig. 7 der zweiten (in unserem Archiv XI.) Tafel
abgebildet hat; natürlich auf der entgegengesetzten Seite. AHf
den ersten Blick schien hierin eine grosse Verschiedenheit
zu liegen. Ich überzeugte mich jedoch , das man leicht den
Inhalt der Höhlung aus der erwähnten Oeffnung an der in*-
nenseite der die Arme am Grunde verbindenden Haut her-
ausdrücken und herausziehen konnte, als welcher Inhalt sich
denn die gestielte Hectocotylen-ßlase ergab. Ob sich beim
lebenden Thiere diese Blase nach Willkühr in die Höhlung
zurückziehen kann, oder ob sie einmal hervorgetreten stets
ausserhalb bleibt, darüber habe ich keine Beobachtung ge-
macht. Ich zweifle jedoch nicht daran, dass sie sich ab-
wechselnd in der Höhlung verbergen kann, da ich an einem
so grossen Exemplare, wie das von H. Müller (Zeitschr.
f. wiss. Zool. IV. Taf. 1) abgebildeten, die Tasche völlig zu-
rückgezogen fand. Hiernach glaube ich annehmen zu kön-
nen, dass die Verschiedenheit der Entwickelung des Hecto-
cotylus von Philonexis Quoyanus, auf welchen Steenstrup
besonderes Gewicht legt, zerfällt, indem derselbe nur ein Exem-
plar untersucht hat, bei welchem die Hectocotylenblase sich
im zurückgezogenen Zustande befand. Da Philonexis Quoya-
nus entschieden zur Gattung Tremoctopus gehört, wie sich
auch aus dem mit sogenannten Kiemen versehenen Hectoco-
tylus ergiebt, so lässt sich mit ziemlicher Sicherheit vorher-
sagen, dass der Hectocotylus von Tr. violaceus sich in ähn-
licher Weise und an der rechten Seite entwickeln werde,
üeber die inneren Theile der kleinen Argonauta-Männ-
44 iai«fi[ BOY ü»[ Troschel: ndijitftrfimmsa
chen, will ich beiläufig" bemerken, dassOber- und Unterkie-
fer, sowie die Radula vorhanden sind. Ich fand den Bau
der letzteren ganz wohl übereinstimmend mit der Radula der
Weibchen, wie ich sie in diesem Archive 1853. I. Taf. 1
abgebildet habe. An dem hierauf untersuchten kleinen Männ-
chen sind 41 Glieder in der Radula vorhanden, die nach
hinten schnell an Grösse zunehmen, so dass die Radula hin-
ten mehr als die doppelte Breite hat als an dem vorderen
Ende; ein Beweis, dass diese kleinen Thiere in der Jugend
ein schnelles Wachsthum haben. Von der Mundmasse führte
ein Oesophagus zum Magen , der mit brauner Masse erfüllt
war. Die beiden Kiemen waren sehr zart und durchsichtig*
in der Kiemenhöhle. Das arterielle Herz ist ein eiförmiger
Schlauch, empfängt an jeder Kieme durch eine Kiemenvene
das Blut, hat beim Eintritte jeder Vene zwei Klappen, die den
Rücktritt des Blutes verhindern, und ergiesst dasselbe in eine
vordere Arterie. Gleich beim Austritte g-iebt dieselbe einen
dünnen Seitenstamm ab; auch nach hinten tritt aus dem Her-
zen zwischen den beiden Kiemenvenen ein feines Gefäss ab.
Philonexis microstomus d'Orb.
Taf. IV. Fig. 1—3.
Wie schon oben erwähnt, fasse ich in der Gatlungf
Philonexis alle diejenigen Arten dieser Familie zusammen,
welche keine Zotten an dem Hectocotylus, und keine Schwimm-
häute zwischen den Armen besitzen. Demnach gehört auch
0. Carenae, von dem ich leider kein einziges Exemplar in Mes-
sina habe erhalten können , in diese Gattung. Dagegen kam
mir dreimal ein sehr kleiner Cephalopode dieser Gattung vor,
der dadurch meine besondere Aufmerksamkeit erregte, dass
er nur sechs Arme besass. Ich würde nicht im Stande sein,
sichere Merkmale anzugeben , um ihn von Philonexis mi-
crostomus d'Orb. zu unterscheiden , und muss ihn also dafür
nehmen.
Diese Art wurde zuerst von Reynaud am 19. Novem-
ber 1828 unter 33» n. Br. und 35° w. L. gefunden, in Gue-
rin's Magasin de Zoologie 1831 als Octopus microstomus
beschrieben und pl. 23. fig. 1 — 6 abgebildet. Hiernach ist
Bemerkungen über die Cephalopoden von Messina. 45
sie 4 Linien lang , röthlich , niil kleinen Augen , kleinem
Munde mit nicht papageischnabelarlig gekrümmten Kielern,
die oberen Arme sind länger als der Körper, die folgenden
haben nur eine Länge von zwei Drilteln des Körpers, das
dritte Paar ist sehr klein, kaum sichtbar bei den jüngsten; das
vierte etwas kürzer als das zweite. — In dem Werke von
Ferussac und d'Orbigny (;Ceplialapodes acelabuliferes)
wurde die Art Philonexis näcrostomus genannt, p. lOO be-
schrieben und Oclopus pl. 10 nach Keynaud copirl. - Ich
halte es für sehr wahrscheinlich, dass auch Octopus Kolli-
keri Verany (Mollusques mediterraneens p. 33. pl. 11. Fig.il.
B, C) dieselbe Art darstellt, und zwar ein etwas grösseres
Weibchen.
Unsere Thierchen schwammen sehr lebendig im Was-
ser umher, indem sie das Wasser aus dem Trichter aussties-
sen , und bewegten sich stossweise. Am Eingauge in die
Kiemenhöhle sieht man jederseits die Bewegung eines häu-
tigen, klappenarligen Vorsprunges, der offenbar die Aufgabe
erfüllt, Wasser in die Kiemenhöhle zu befördern, und zu-
gleich als Ventil dient, um den Rücktritt desselben zu hin-
dern. Ein sehr zierlicher Anblick. Man sieht drei schwarze
zu einander gehörige Punkte sich im Wasser bewegen; das
sind die beiden Augen und die dunkle Eingeweidemasse.
Hinter der Eingeweidemasse sieht man deutlich die beiden
Kiemenherzen pulsiren. Der Kopf ist wenig kleiner als der
kurze abgerundete Körper, der breiter ist als lang. Der Trich-
ter ist ziemlich spitz, und ragt weit aus der Kiemenspalte
hervor, bis vorn zwischen die Augen.
Die Arme sind von sehr verschiedener Länge. Wenn
man nicht sehr genau untersucht, bemerkt man nur sechs
Arme, indem das drille Armpaar so winzig ist, dass man es
leicht übersieht ; es ist jedoch vorhanden. Das erste Arm-
paar ist fast so lang wie das Thier selbst mit Einschluss des
Kopfes; das zweite Paar erreicht noch nicht die Hälfte des
oberen und das vierte Paar ist noch kleiner. Alle sind am
Grunde durch eine kleine verbindende Haut vereinigt, und an
der Innenseite mit zwei alternirenden Saugnapfreihen besetzt.
Die drei untersten Saugnäpfe der längsten Arme stehen in
einer Reihe, der dritte ist der grösste von allen, von da an
46 . iiasaM iioY na Troschel: h^^hwjIi?
sieben sie alternirend und nehmen an Grösse bis zur Spitze
ab. Die Zahl der an jedem Armpaare vorhandenen Saug-
näpfe hängt von der Grösse des Individuums ab. Am ge-
ringsten sind die Aermchen des dritten Paares, oder viel-
mehr der linke Arm des dritten Paares , denn wir haben es
mit jungen Männchen zu Ihun. Diese Arme hat schon Rey-
naud als kaum sichtbar bezeichnel. Nachdem ich am le-*
benden Thiere das in Rede stehende Armpaar ganz vermisst
halte und keine Spur davon aufzufinden im Stande war, habe
ich doch an den Exemplaren in Weingeist schon am Tage
nach dem Einsetzen den einen dieser beiden Arme wahrneh-
men können. An einem sehr kleinen Exemplare waren an
diesem linken dritten Arme, der kaum sichtbar war, nur
zwei Saugnäpfchen vorhanden, und an der gegenüberliegenden
Seite, an der Stelle des dritten rechten Armes stand auch
ein Saugnäpfchen auf der Innenseite der die Arme am Grunde
verbindenden Haut. Möglicherweise könnte dies das erste
Beginnen eines neu hervorwachsenden Armes sein. Von
einer Hectocotylusblase war keine Spur wahrzunehmen, und
es bleibt also zweifelhaft, ob dieses Exemplar ein ganz jun-
ges Männchen oder Weibchen war. Dass auch bei den Weib-
chen der linke Arm den rechtrn an Grösse übertrifft, könnte
aus der Betrachtung der Abbildung bei Perus sac et d'Or-
bigny 1. c. pl. 10. fig. 5 e hervorzugehen scheinen. Diese
Vermuthung zerfällt aber sogleich, wenn man diese Copie
mit der Reynaud'schen Abbildung in Guerin's Magasin de
Zoologie vergleicht, von der der Lithograph sie gerade auf
den Stein gezeichnet hat, so dass der Abdruck natürlich ver-
kehrt geworden ist. Die Verschiedenheit in der Grösse der
beiden Arme muss also auf eine Ungenauigkeit des Zeich-
ners geschoben werden, der vielleicht ein männliches Indi-
viduum vor sich hatte, und den unsymmetrisch fehlenden Arm
ergänzte. Ein anderes Individuum , welches mit Ausschluss
der Arme knapp 4mm. misst, besitzt an dem dritten linken
Arme fünf Saugnäpfe; an ihm ist auch bereits die kleine
Hectocotylen-BIase, zwischen Auge, Trichter und Pühler, ganz
wie bei Argonaula, nur auf der anderen Seite, sichtbar; sie
befindet sich im zurückgezogenen Zustande, und ist noch
sehr klein. ,cin^ r
Bemerkungen über die Cephalopoden von Messina. 47
Denken wir uns ein Indiriduum ans einem nt)ch jagend-
licheren Alter , so dürfen wir wohl erwarten in der That
nur sechs Arme zu find'en.
Es möchte hier am Orfe se?n anf eine Abbildung hin*
zuweisen, die manches Räthselhafte darzubieten scheint. Als
ich vor Kurzem mit meinem Freunde, dem Dr. Krohn,
ober die S t eenstrup's^che Arbeit sprach, erinnerte er sich
an eine Abbildung von Souleyet in der Voyage de la Bo-
nife (vergl. dies Archiev 1853'. If. p. 101), welche wir lei-
der in Bonn nicht nachsehen^ und daher auch nicht enlschei-
d'en konnten , in welcher Beziehung sie etwa zu den durch
Steenstrup aufgeschlossenen' Thalsa-chen stehen möchte.
Krohn hat mir nun darüber aas Pj^is imKtr dtem $9; Octo-
ber 1856 folgende brieflich«' E^iWheilung gemacht:
„Der in di-r Südsee (6'» n. ßr. , 103o w. !/.> m zwei
Exemplaren angelroflPene Cephakyp^de ist ei» noch sehr jun-
ges Thier, nach Fig. 21 von' etwa 2'" Grösse. Die Zahl der
Arme- belauft sich auf sechsw Die Arme sind sehr kurz und
ftrsf von der nämlichen Grösse , mit glockenförmigen Saug-
iräpfen in einfa-cber Reihe besetfeli Da« vierte Armpaar fehlt,
dligegen findet i?ich gleichsam als' Stellvertreter desselben ein
rftsselförmiger Anhang oder Forlsötz , welcher die Arme an
Länge und Dicke bedeutend übertrifft. D^s> Ende des Fort-
Sttizes ist mit' einer membranösen Ausbreitung versehen, die
durch eine kreisförmige Einschnürung von dem Fortsatze ab-
gesetzt erscheint-. Nach Souleyet Ifest sich der Fortsatz
weder als Rest des Dotlersackes^ wofür ihn ßlain ville ge-
halten, noch als Stiel des Doltersackes ansehen, da er allem
Anscheine nach- vollkommen muekuiös ist, auch viel weiter
rückwärts am Kopfe angebracht ist, als der Doltersack. Sou-
leyet stellt den Cephalopoden, obwohl nur provisorisch, in
die Nähe derOctopoden , führt indess an, dass der Rücken-
rand seines Mantelsackes, wie bei den meisten Decapoden,
frei vorsteht. — Nach dieser Beschreibung dürfte es wohl
sehr schwierig sein ,. über die eigentliche Bedeutung des
Fortsatzes zu entscheiden. Doch möchte ich glauben, dass
er mehr dem Stiele des Doltersackes als einem hectocotyli-
sirten Arme entspricht. Dafür scheint einerseits das Fehlen
der Saugnäpfe, andererseits die häutige Ausbreitung auf dem
48 .fjnia^ Tr ose hei: . i) a^^auÄtQtabB
Ende des Fortsalzes, die ich als Ueberrest des früheren ent-
weder auf normale Weise eingegangenen oder gewaltsam ab-
gerissenen Dottersackes zu halten geneigt wäre, zu sprechen.
Auch die Lage des Fortsatzes in der Mittellinie des Leibes,
neben und unter dem Munde, scheint dieser Meinung nicht
ungünstig. Bei dieser Voraussetzung bleibt aber die enorme
Länge des Dottersackstieles und seine muskulöse Beschaffen-
heit immerhin auffallend.«
Dieser Ansicht von Krohn muss ich vollkommen bei-
treten, und werde darin besonders durch die Vergleichung
mit unserem jungen Philonexis microstomus bestärkt, der
ihm in gewissen Beziehungen so ähnlich ist, dass ich auch
den Souley et'schen Cephalopoden für einen jungen Philo-
nexis halte. Der letztere hat nur sechs Arme , auf jedem
zwei glockenförmige Saugnäpfe in einer Reihe. Auch bei
Philonexis microstomus stehen die ersten Saugnäpfe in einer
Reihe, erst später werden sie alternirend ; es ist daher höchst
wahrscheinlich, dass bei dem jungen Thiere des südlichen
Oceans die Arme eben erst hervorwachsen , dass sie also
einem noch jüngeren Stadium der Entwickelung angehören,
als die von mir beobachteten , und dass die Saugnäpfe bei
weiterem Fortwachsen der Arme gleichfalls alternirend in
zwei Reihen sich stellen werden. Dass hier die drei oberen
Armpaare gleich kurz sind, und dass das vierte Paar noch
fehlt, das kann nur auf eine specifische Verschiedenheit ge-
schoben werden, und der junge Südseebewohner wird also
einer Art angehören , bei der das vierte Armpaar das kür-
zeste sein muss. Es ist wohl kaum zu bezweifeln, dass das
vierte Armpaar bald hervorspriessen werde. Ich halte es
nicht für unmöglich, dass der Souley et'sche Cephalopode
ein junger Philonexis hyalinus Rang sei; denn bei diesem
sind die Arme nicht sehr verschieden an Länge, und sie
nehmen von oben nach unten an Länge ein wenig ab. Ue-
brigens hat Souleyet weibliche Exemplare beobachtet, da
die beiden Arme des dritten Paares deutlich vorhanden sind.
Eine grosse Schwierigkeit für die richtige Deutung dieses
kleinen Cephalopoden scheint darin zu liegen, dass Sou-
leyet den Mantelrand am Rücken frei hervorstehend nennt,
wie bei den meisten Decapoden; doch glaube ich auch diese
Bemerkungen über die Cephalopoden von Messina. 49
Schwierigkeit beseiligen zu können. Das grosseste von mei-
nen Exeinplaren von Philonexis nncrosloinus, wie es in Wein-
geist aulbewalirt wird , hat ebopfalls einen freien Rand des
Mantels, der über den ganzen Rücken hin läuft , und unter
den man mit einem s{)ilzen Alesserchen ziemlich tief hinein-
geiien kann ; die beiden anderen Exemplare zeigen diese
Eigenlhümlichkeit nicht. Die Erscheinung erklärt sich ein-
fach dadurch, dass die äussere Haut den Körper ziemhch lose
umoiel)t, und dass also leicht, wenn das Thierchen lebend
in Weingeist geworfen wird , der Kopf sich so kräftig zu-
rückzieht, dass sich am Rücken eine beträchtliche Falte der
äusseren Haut bildet, die eine Fortsetzung des freien Mantel-
randes an der Kiemenspalle rund um den Körper herum dar-
stellt. So vereinfacht sich denn der rälhselhafte Ccphalopode
der Südsee zu einem jungen noch mit dem Doltersackstiele
versehenen Philonexis.
Ueber die Farbe unseres Cephalopoden verdient noch
bemerkt zu werden, dass die Arme farblos, durchsichtig
sind ; ebenso die ganze den Körper umgebende Haut, welche
mit feinen punclförmigen Chromatophoren besetzt ist. Unter
der äusseren Haut liegt eng am Körper anliegend eine weiss-
liche Haut , die mit Chromatophoren von besonderer Grösse
versehen ist, verschieden von denen der Körperhülle. Die
Augen sind irisirend in blau und grün , mit einem Kreise
dunklerer rother Flecken umgeben.
Es fiel mir auf, dass alle Exemplare, die ich an ver-
schiedenen Tagen im October und November empfing, auf die
zierlichste Weise ein fadenförmiges Wesen mit den beiden
langen Armen trugen, gleich einer geschlängelten an beiden
Enden herabhängenden Guirlande. Die Enden derselben sind
abgerundet, und wenn ich ein Stück abriss, so rundete sich
das Ende immer von selbst wieder. Die Saugnäpfe der Arme
haben eine sehr liefe Höhlung, und saugen die Guirlande so
fest an sich, dass die Masse derselben tief in die Saugnapf-
höhle eindringt. Dieselbe haftet ausserordentlich fest, und
bleibt so selbst nach dem Tode des Thieres. Sie ist ein durch-
sichtiger Schlauch, an welchem man sehr deutlich eine Wan-
dung und einen inneren durch eine doppelte Linie abgegrenz-
ten Raum unterscheidet. (Vcrgl. Taf. IV. Fig. 2.) In der
Archiv f. Nalurgesck XXIIL Jahrg. l.Bd. 4
5Ö troschel:
Wandung liegen zahlreiche kuglige Bläschen eingebettet, mit
weiter OelFniing, in denen man einen eng gewundenen Spi-
ralfaden und in deren Axe ein Stäbchen wahrnimmt. Wenn
der Inhalt dieser Bläschen hervorgeschnellt ist , sieht man
von dem umhüllenden Bläschen nichts mehr. Es entspringt
dann von dem Schlauche ein sehr langer anfänglich unge-
mein dünner kaum sichtbarer Faden, der allmählich mit der
Entfernung vom Schlauche dicker wird und nun deutlich er-
kennen lässt, dass es ein platter gedrehter Faden ist. An
seinem Ende trägt dieser eine sehr scharf conturirle hohle
gestielte Kugel. Der Stiel ist dicker als der Faden und ist
auf der Oberfläche mit mehreren , meist sechs äusserst fei-
nen borstenartigen Fortsätzen bewaffnet, die schräg nach
aussen gerichtet sind. (Vergl. Taf. IV. Fig. 3.)
Da meine sämmllichen Exemplare solche Schläuche in
der angegebenen Weise mit sich herumschleppten , und da-
hieraus sich wohl ein Schluss auf die Lebensweise unserer
Thierchen ziehen lässt, dass sie nämlich in inniger Beziehung
zu gewissen medusenartigen Thieren stehen , an deren An-
hängen, als welche die zierlichen Nesselorgane sie ausweisen,
sie sich mit dem oberen Armpaare ansaugen , und dann
schwimmend solche Anhänge mit sich foriführen, so hielt
ich es für nicht überflüssig , sie näher zu beschreiben und
abzubilden.
Tremoctopus violaceiis.
Obgleich ich eine grosse Zahl von Weibchen dieser Art
gesammelt habe, so habe ich doch nur einmal am 21. Sep-
tember einen Hectocotylus in der Kiemenhöhle gefunden. Der-
selbe war erst unten in der Kiemenhöhle, verkroch sich je-
doch, als ich ihn da ergreifen wollte, in die Höhlung, welche
rechts neben dem Trichter unter der Kopfhaut liegt. Auch
H. Müller fand nach Mitte August keine Hectocotylen mehr
(Zeitschr. f. wiss. Zoologie IV. p. 32). Von den merkwür-
digen Zotten, die man als Kiemen gedeutet hat, habe ich
mich überzeugt, dass sie nicht flimmern, was gegen die Kie-
mennatur spricht.
Bemerkungen über die (^ephalopoden von Messina. 5t
Farn. OctofiOfla.
Den Philonexiden gegenüber werden diejenigen acht-
armigen Cephalopoden eine besondere Familie zusammenset-
zen müssen, bei welchen kein eigenlliclier Hectocotylus, son-
dern nur ein heclocolylislrler Arm vorhanden ist. Dieser
findet sich immer am drillen Paare, und zwar rechts bei Octo-
pus und Eledone. Ich glaube diesen beiden Gallungen eine
neue drille hinzufügen zu müssen.
Scaeurgus titanotus nov. Gen. et nov. spec.
Taf. IV. Fig. 4 und 5.
Bei Messina habe ich zwei Exemplare eines Cephalo-
poden in meinen Besitz gebracht, welche ganz das Ansehen
eines Oclopus haben , welche ich aber auf keine der von
Verany beschriebenen Arten mit Sicherheit beziehen kann.
Das eine der beiden Exemplare ist entschieden ein Männ-
chen; es hat die den Oclopus -Arten eigenlhümliche Greif-
platte, aber nicht wie erwartet werden mussle, am dritten
rechten Arme , sondern vielmehr am dritten linken Arme.
Somit würde denn innerhalb der Gattung Oclopus der hecto-
colylisirte Arm bald rechts , bald links im drillen Armpaare
vorkommen können, öderes müsste der vorliegende Cepha-
lopode den Typus einer neuen Gattung bilden, dem alle die-
jenigen Arten, die etwa den hectocolylisirlen Arm gleichfalls
an der linken Seile trügen , folgen müssten. Es fragt sich
nun, ob eine solche generische Trennung sich anderweitig
rechtfertigen Hesse.
Durch die warzige Oberfläche des Körpers, die langen
Arme, die ßeschafl'enheit der Augen, sowie durch den gan-
zen Habitus gehört unser Cephalopode in diejenige Abthei-
lung, welcher d'Orbigny den Namen Oclopus lässt , und
wird von der Gattung Philonexis ausgeschlossen, der ja auch
bekunnlermassen ein wirklicher Hectocotylus zukommt, der
sich an der Stelle dos drillen Armes der rechten Seite ent-^
wickelt; ebenso von Tremoctopus, welche Galtung gleichfalls
den Hectocotylus an der rechten Seile trägt.
5!l Troschel:
Die zunächst auffallende Erscheinung bei diesem Ce-
phalopoden war mir die warzige Oberfläche des ganzen Kör-
pers, und namentlich der oberen Seile, und das rauhe An-
fühlen der Haut, wenn ich mit dem Finger darüber hinslrich.
Wenn man mit einem Messerchen über die Oberfläche des
Thieres hinstreichf, fühlt man bestimmt, dass diese Haut nicht
so weich ist, wie sonst bei Cephalopoden. Ich habe die
Haut von mehreren Stellen des Körpers und von beiden
vorliegenden Exemplaren genau unter dem Mikroskope unter-
sucht, und darin eine ziemlich dichte Schicht von rundli-
chen Kalkschüppchen gefunden. Ich habe sie vermittelst An-
wendung von Aetzkali von ihrer Umgebung gereinigt, und
mich überzeugt, dass sie in Berührung mit verdünnter Schwe-
felsäure brausen. Ein solches Brausen unter dem Mikroskope
habe ich bei der Haut keiner anderen Octopus - Art sehen
können, obgleich ich mehrere Arten ganz ebenso unter dem
Mikroskope mit Schwefelsäure behandelt habe. Unser Ce-
phalopode ist also durch diese Einlagerung von Kalktheilchen
von den eigentlichen Oclopus-Arten wesentlich ausgezeichnet.
Diese Kalkschuppen finden sich überall auf der Ober-
fläche des Thieres, jedoch sind sie etwas sparsamer an der
Bauchseite vorhanden, und am dichtesten gedrängt, fast zu
einer zusammenhängenden Lamelle vereinigt , finden sie sich
oben auf dem Rücken und vorzugsweise über den Augen.
Die einzelnen Kalkschüppchen liegen immer flach in
der Haut, in der Ebene der Hautoberfläche , und haben eine
unregelmässig rundliche Gestalt; zuweilen nehmen sie auch
wohl eine hexagonale Gestalt an , wenn sie sich sehr dicht
aneinander drängen. Sie scheinen überall nur eine Lage zu
bilden. Man bemerkt an ihnen eine unregelmässig slrahlige
Streifung, welche wohl die Folge von ihrem Krystallisations-
Verhalten ist. Die Grösse der einzelnen Kalkschüppchen
schwankt zwischen 0,04 und 0,05mm. Ich habe auf Taf. IV.
Fig. 5 einige solche Schüppchen in ihrer natürlichen Lage
gegen einander gezeichnet.
Die Bedeutung dieser Kalktheilchen möchte sich viel-
leicht als eine rudimentäre Kalkschale ansprechen lassen,
die sich nicht als ein besonderes Organ frei vom Thiere ab-
löst, sondern in der Haut, die alle Theile des Thieres, den
Bemerkungen über die Cephalopoden von Messina. 53
Hinlerleib, den Kopf, die Arme u. s. w. überzieht, eingebet-
tet bleibt. Sollte sich diese Deutung rechtfertigen lassen, dann
würde sich zugleich eine interessante rarallele ziehen lassen
indem die mit einer Schale (oder deren Rudiment) versehe-
nen achtfüssigen Cephalopoden den hectocotylisirtcn Arm
links, die völlig schalenlosen rechts trügen , alle im dritten
Armpaare. Unsere Gattung würde sich dann zu Octopus
ebenso verhalten, wie Argonauta zu Tremoctopus.
Es war sehr nahe liegend, auch die Haut von Argo-
nauta Argo auf diese Kalkschüppchen zu untersuchen. In
der Haut, welche den Körper überzieht, konnte ich weder
bei männlichen noch bei weiblichen Individuen dergleichen
entdecken, dagegen sind in der Segelhaut des obersten Arm-
paares zahlreiche Kalkstückchen vorhanden, welche sich wohl
unzweifelhaft mit denen von Titanotus vergleichen lassen.
Sie sind im Allgemeinen kleiner (0,02— 0,04mm.), sind aber
dicker, weniger schüppchcnähnlich , in mehreren Lagen un-
regelmässig, mehr haufenweise zusammengedrängt, zeigen
übrigens gleichfalls allerhand Streifen, die durch die Kry-
stallisationsverhältnisse erklärt werden können.
Ich habe eine Zeillang geglaubt , das Vorhandensein
dieser Kalktheilchen in der Haut möchte eine Auszeichnung
derjenigen Octopus - Arten sein, welche ihr Brachium copu-
lator an der linken Seite tragen , und hatte daher für die
Gattung den Namen Titanotus (riTuvwiog mit Kalk angestri-
chen) beabsichtigt. Ich hatte diesen bereits in einem Vor-
trage in der Niederrheinischen Gesellschaft für Natur- und
Heilkunde, so wie brieflich in Anwendung gebracht. Durch
freundliche Mitlheilung des Prof. Leuckart in Giessen er-
fahre ich nun aber nachträglich , nachdem dieses Manuscript
bereits vollendet war, dass bei Octopus Cocco Verany gleich-
falls der hectocotylisirle Arm links liege, ohne dass jedoch
die Kalkschüppchen in der Haut aufzufinden gewesen wä-
ren. Da mithin die Kalkschüppchen keinen generischen Cha-
rakter bilden, so habe ich mich entschlossen, noch zur rech-
ten Zeit, ohne die Wissenschaft mit unnützen Namen zu be-
lästigen , don beabsichtigten Gattungsnamen fallen zu lassen
und ihn durch einen Namen, der die Lage des hectocolyli-
sirten Armes bezeichnen soll, zu ersetzen. Die Gatlung mag
64 Troschel:
nun Scaeurgus heisscn (g/«foc, links, oy.uiovQytco ich handle
linkisch, verkehrt), und ich erhalle den früheren Galiungs-
nanien unserer Art.
Von dem zweiten vorhandenen Exemplare ist es mir
nicht ganz unzweifelhaft, ob es männlichen oder weiblichen
Geschlechts ist. Bei ihm ist nämlich der dritte linke Arm,
welcher die Entscheidung geben müsste, an seinem Ende
unvollständig; er erscheint bei dem öOsten Saugnapfpaare ab-
gerissen oder abgebissen. Da jedoch auch die Haulfalte
welche sich an dem Rucken des Armes hinzieht, weniger
entwickelt ist, als an dem anderen Exemplare, so halte ich
es für ein Weibchen. Die Kalkschüppchen in der Haut be-
sitzt es gleichfalls. Ich habe auch das Gebiss unseres Scae-
urgus untersucht und dasselbe iwit mehreren Octopus-Arten
verglichen. Ich habe jedoch hierin bisher keine auffallende
Differenz finden können, und enthalte mich hier um somehr
einer näheren Beschreibung und Abbildung der Radula, als
ich die Absicht habe am Schlüsse meiner Arbeit über das
Gebiss der Schnecken , von welchem bereits die erste Lie-
ferung erschienen ist, meine Untersuchungen über die Cepha-
lopoden allgemeiner auszudehnen.
Von der in Rede stehenden Art Scaeurgus titanolus füge
ich hier eine nähere Beschreibung hinzu.
Der Körper ist oval, nach hinten abgerundet, mit einer
geringen Neigung zu einer Zuspitzung ; seine Länge verhält
sich zur Breite wie 5 : 4. Die ganze Oberfläche ist dicht
granulirt und fühlt sich etwas rauh, wie klettend an. Letz-
teres hat seinen Grund in den bereits oben erwähnten Kalk-
schüppchen, die in der Haut eingebettet liegen. In der gan-
zen Breite der Oberseite geht die Rückenhaut des Körpers
unmittelbar in die des Kopfes über ; an der Bauchseite ist
die Spalte von ganzer Breite des Körpers, so dass man von
oben jederseils die Seitenecken derselben wahrnehmen kann.
Der Kopf ist schmaler als der Körper, sonst aber we-
nig deutlich von demselben geschieden , da das Oval des
letzteren sich nach vorn verschmälert, und so unmerklich in
den Kopf übergeht. Die Oberseite ist ebenso granulirt, wie
der Körper, die Unterseite nebst dem Trichter sind glatt. Die
Augen sind klein, wenig vorstehend, von der sie umgeben-
Bemerkungen über 4w Ceplialopoden von Messina. 55
den wulstigen Haut fast ganz verdeckt. Ueber und dicht hin-
ter jedem Auge erhobt sich ein konisches Tenlakclchen.
Die Arme sind etwa doppelt so lang wie Kopf und Kör-
per zusammengenommen. Die drei oberen Paare sind an
der Rücken- oder Aussenseite gleichfalls granulirt, das un-
tere Paar glatt. Ihre Länge ist nicht sehr auffallend ver-
schieden. Der zweite Arm ist um ein Geringes länger als
der erste, und dieser wieder ein wenig länger eis der vierte.
In Beziehung auf den dritten Arm findet sich zwischen den
?)eiden vorliegenden Exemplaren eine Verschiedenheit. Bei
dem Männchen is* der rechte dritte Arm 0001^ kürzer als der
vierte, also der kürzeste von allen ; bei dem zweiten Exem-
plare ist der rechte dritte Arm der längste von allen. Die
Zahl der Satignapl^e beläuft sich am ersten Arme auf 140,
am zweiten auf löO, am dritten auf 164, am vierten gleich-
falls auf 164. Die Saugnäpfe sind mit einer kurzen dicken
Basis versehen, gleichsam ein wenig gestielt. Sie nehmen
vom Munde aus an Grösse zu, so dass der i'2te oder 13le
der grosseste von allen ist , und von da nn nehmen sie bis
eur Spitze des Armes wieder allmählich ab bis zwm sehr klei-
nen. Die einzelnen Saugnäpfe stellen eine kreisrunde napf-
förmige Ausbreitung dar, welche auf ihrer inneren Fläche
strahlig gefurcht ist. In der Mitte ist ein weites Loch, wel-
ches in die Höhlung des Saugnapfstieles führt. Dieses Loch
ist von einer weisslichen Leiste umgeben , welche mit perl-
arligen Höckerchen sehr regelmässig besetzt erscheint, indem
die slrahligen Furchen der inneren BauchnapPfläche hier aus-
laufen. An den grossesten Saugnäpfen zähle ich 15 solcher
Perlen am Umkreise des mittleren Saugnapfloches.
Was die Greifplalte betrifft, welche das Ende des drit-
ten Armes auszeichnet (Taf. IV. Fig. 4), so unterscheidet sie
sich ein wenig von denen, wie sie bei den echten Octopus-
Arten vorkommen. Der löffelförmigc Endtheil ist am Ende
melir abgerundet, während er bei Oclopus sich nach der
Spitze zu verschmälern ptlegt. In seiner Höhlung bemerkt
man eine mittlere longitudinale Leiste, die sich jedoch nur
wenig erhebt , und jedcrseits neben ihr etwa ein Dutzend
Ouerfurchcn, die jedoch auch nur schwach angedeutet sind.
Zu ein-cr besonderen Entwickelöng ist hier der »Haullappen*
56 liwdM fl< Troschel: «$^Rwiftdai«a
gelangt, welcher den Endlheil von dem saugnapftragenden
Theile des Armes abgrenzt. Er Irilt als eine nicht unbe-
trächtliche Spitze in den Grund des Endlheiles vor und ist
selbst in ähnlicher Weise löffeiförmig ausgehöhlt, indem eine
breite Längsfurche auf ihm bis zu der äussersten Spitze ver-
läuft. So wird dieser Lappen dem Endtheile ähnlich und bildet
gleichsam eine zweite Greifplatte, die jedoch kürzer und zu-
gespitzt ist , während ihr die mitllere Längsleiste und die
Querfurchen ganz fehlen. Die Haulfalte oder der Halbkanal,
welcher längs dem Arme verläuft und wahrscheinlich zur
Leitung der Spermalophoren bestimmt ist , führt in die zu-
letzt beschriebene löfFelförmige Vertiefung, so dass es den
Anschein gewinnt, als ob die Endplatte nur zum Festhalten,
die löfFelförmige Hautfalte, hier sehr muskulös ausgebildet,
zur Aufnahme und Uebertragung der Spermalophoren be-
stimmt seien.
An der Basis sind die Arme durch eine Haut mit ein-
ander verbunden , die etwa den fünften Theil der Armlänge
einnimmt; die Haut zwischen den beiden unteren Armen ist
weiter als zwischen den übrigen Armen, so dass die unteren
Arme sich weiter von einander entfernen können.
Die Farbe ist an den Weingeistexemplaren oberhalb
rothbraun, unterhalb bleich. Die rolhbraune Farbe der Ober-
seite setzt ziemlich scharf gegen die ungefärbte Unterseite
ab. Sie reicht vom Rücken auf die Seite herab, so dass die
dunkle Färbung die grössere Hälfte des Körpers einnimmt.
An den Armen ist die äussere Seite ebenfalls rothbraun ge-
färbt, die innere farblos. Die beiden ersten Armpaare sind
oberhalb ganz dunkel gefärbt , auf dem dritten Paare zieht
sich nur ein schmaler Streifen zur Spitze , die Baucharme
sind auch auf der vom Munde abgevvendelen Seite ungefärbt.
Ebenso ist die Haut zwischen den drei oberen Armpaaren
rothbraun gefärbt ; am Rande ist sie von einem helleren Saume
umgeben.
Bei genauer Vergleichung mit den von Verany be-
schriebenen Arten könnte möglicherweise unser Cephalopode
mit Octopus Coccoi identisch sein ; die Beschreibung passt
so ziemlich dazu, wenn man von dem Verhältnisse der Arm-
längen absieht, welches nicht genau stimmt. Von den bei-
Bemerkangen über die Cephalopoden von Messina. 57
den Hauplrnerkmalen. nämlich dem hectocolylisirten Arme an
der linken Seile, und von der mit Kalkschüppchen geschvvän-
fiferlcn Haut ist nalürlich in der Vera n y'schen Beschreibung
keine Rede. Ich würde noch eher geneigt sein , die Iden-
tität mit Octopus Coccoi Ver. anzuerkennen , wenn ich nicht
in Messina auch einen kleinen Octopus erhalten halte , den
ich für identisch mit der von Verany gegebenen Abbil-
dung (Moll, medilerr. pl. 12. b, c) halte. Auf der Abbil-
dung ist er als 0. tuberculalus Blainv. bezeichnet, im Texte
jedoch zu 0. Coccoi gezogen. Dieses Exemplar besitzt keine
Kalktheilchen in der Haut. <mälL bf
Scaeurgus Coccoi Nob
'^ Octopus Coccoi Verany.
Taf.IV. Fig. 6.
Nachträglich werde ich in der Ansicht, meinen Scaeur-
gus tilanolus von Octopus Coccoi für verschieden zu halten
bis fast zur Gewissheit bestärkt. Mein Freund Leuckart
in Giessen schreibt mir nämlich , dass er ein männliches
Exemplar des letztgenannten Cephalopoden aus Verany's
eigener Hand besitzt, und versichert, dass in der Haut keine
Kalkschüppchen vorhanden seien. Wenn gleich der hectoco-
tylisirte Arm gleichfalls der dritte linke ist, so unlerscheidet
sich doch der Endapparat, von welchem mir Leuckart
Zeichnung und Beschreibung mitgetheilt hat, hinlänglich, um
auf specifische Verschiedenheit hinzuweisen. Leuckart
beschreibt den Arm folgendermassen:
„Der Hectocotylusarm ist zunächst um ein Viertel kür-
zer, als der entsprechende Arm der rechten Seite (der löOMm.
misst, während der Hectocofylus nur 120), hat aber weder
mehr Saugnäpfe noch grössere, denn die Zahl der Saugnäpfe
auf 12ÖMm. des rechten Armes ist 84, die am Hectocolylus 83.
Die letzten zehn Mm. des Hectocolylus sind ohne Saugnäpfe.
Eben so wenig zeigt der Hectocotylusarm eine beträchtli-
chere Dicke. Die Auszeichnungen desselben bestehen ein-
mal in der slarkeren Entwickelung der Rückenfalte, sodann
aber und vorzugsweise in der Anwesenheit eines Doppel-
löffels am Ende , der im Gegensatze zu der gewöhnlichen
h.
tS M «ov 0 Troschel:
Endbildung" des hectocotylisirlen Armes bei den übrigen
Octopus-Arten sehr auffallend in die Augen sficlit. Der ge-
sammte Löffelapparat misst lOMm. in Länge, o% in Breite,
während das Ende des saugnapflragenden Armes nur SVjMm.
breit ist. Man kann denselben vielleicht dadurch mit der ge^
wohnlichen Bildung des Endstieles bei Octopus in Uebercin-
«timmung bringen, dass man annimml, die grubenförmig ver-
tiefte Bauchfläche dieses Endstieles sei hier niur von einer ein-
zigen Querfalte durchsetzt. ^^
„Bei näherer Betrachtung sieht man übrigens, dass die
Löffel, und namentlich der obere, nicht in der Verlängerung
der mit Saugnäpfen versehenen Bauchfläche liegen, sondern
etwas zur Seite, nach dem Trichter zu, gewandt sind. Man
überzeugt sich sogar, dass der äusserste (hintere) Rand des
oberen Löffels in die Rückenfalte des betreffenden Armes
sich fortsetzt, gewissermassen das lelzle Ende dieser Rücken-
falte darstellt. So kommt es denn , dass die Rinne, die hin-
ten an der Rückenfalle des Hectocolylusarms liegt, in die
Höhlung des oberen Löffels hineinführt, während umgekehrt
die vordere Rinne mit dem letzten Löffel in einer ähnlichen
Beziehung steht. Die Spermatophore also , die neben dieser
Rückenfalte forlbewegt wird , kommt am Ende beständig in
einen Löffel zu liegen, möge sie nun an der vorderen oder
an der hinteren Fläche der betreffenden Falte fortgleiten. Dass
diese Falte nach einer bestimmten Richtung umgeschlagen sei,
also einen geschlitzten Kanal begrenze, wie Steenstrup
es beschreibt , kann ich bei 0. Coccoi eben nicht finden."
Man ersieht aus der Leu cka rt'schen Abbildung und
Beschreibung, im Vergleiche der von mir gegebenen, dass
abgesehen von specifischen Verschiedenheiten, die Löffelnp-
parate der beiden Arten viele üebereinstimmung haben. Bei
der Verschiedenheit unserer Ansichten über die Deutung der
einzelnen Theile dieses Apparates habe ich mich natürlich
veranlasst gesehen , nochmals mein Exemplar recht genau
zu betrachten. Hiernach muss ich aber, was den Scacuigus
tilanolus betrifl't, dabei bleiben, dass der den Saugnäpfen zu-
nächst liegende Löffel dem die Endplatte begrenzenden Haut-
lappen Steenstrup's entspricht, und nur viel mehr entwickelt
ist. Dies besläligt sich auch durch die Bemerkung , welche
Bemerkungen über die Cephalopoden von Messina. 59
ich an Octopus inacropus gemacht habe (s. unten). Auch
ist bei meinem Thiere die Rückenfalte entschieden nach einer
Seite gelebt , so dass der durch sie gebildete Kanal aus-
schliesslich in den Basal-Löirel führt. Ein Hingleiten der
Spermatophore auf der anderen Seite der Rückenfalte, so
dass sie in den End-Löffel gelangen könnte , erscheint bei
meinem Exemplare kaum möglich.
Octopus macropus Risso.
Unter dreizehn von Messina mitgebrachten Exemplaren
dieser Art finde ich neun Weibchen, an denen der dritte
rechte Arm keine Abweichung zeigt. Vier Exemplare da-
gegen sind Männchen und tragen am Ende des dritten rech-
ten Armes die eigcnlhümliche Greifplatle. Steenstrup
hatte nur ein schlaffes und daher weniger deutliches männ-
liches Individuum untersuchen können. Bei meinen Exem-
plaren ist die Zahl der an dem in Rede stehenden beträcht-
lich kürzeren Arme stehenden Saugnäpfe verschieden, ich
zähle 48, 57, 58 und 64 Paare. Die letztere Zahl findet
sich gerade bei dem kleinsten, den anderen beträchtlich
nachstehenden Exemplare. Bei allen fehlen in der Vertiefung
der Greifplatte, in deren Mitte sich der Länge nach eine er-
habene abgerundete Leiste hinzieht, die Querfalten oder Quer-
runzeln , wie sie auch schon Ste ens trup vermisst hatte.
Die Haulfalte, welche sich an der unteren Armseite bis zum
Grunde des Armes hinzielit, ist sehr deutlich vorhanden. Sie
erstreckt sich in die Mitte des kleinen am Grunde der Greif-
platte vorspringenden Hautlappens , der die Greifplalte vom
Arme absondert, in der V^^eise hinein, dass dieser Lappen
der Länge nach gefurcht ist und gleichsam das Ende des
durch die Falte gebildeten Halbkanales darstellt.
Von anderen Arten dieser Galtung Octopus habe ich
den Sleenstrup'schen Beobachtungen nichts hinzuzufügen.
Eledone moschata Leach.
Unter mehreren in Messina gesammelten Exemplaren
dieser Art, so wie einigen anderen im Bonner Museum be-
findlichen Exemplaren , befindet sich nur ein einziges Mann-
60 a«»«M tfn Troschel:
chen. Bei diesem ist der rechte dritte Arm kürzer als der
linke desselben Paares ; ersterer hat 52 Saugnäpfe, der letz-
tere 84. Von den durch Steenstrup erwähnten zweirei-
higen Hautläppchen am Ende der übrigen Arme ist keine
Spur vorhanden. Der hectocolylisirte Arm besitzt die an sei-
ner unleren Seite verlaufende Hautfalte , die zu einer unbe-
deutenden Greifplalte führt, welche jedoch einen Vergleich
mit der Greifplatte von Oclopus zulässt.
Farn, jflyopsidae.
Wenn man die Gattungen, wie es Steenstrup thut, in
der Familie Myopsidae bei einander lassen will, so wird man
doch genöthigt sein, möge man über den Begriff der Fami-
lie noch so verschiedener Ansicht sein, die Gattungen Se-
piola und Rossia als eine besondere Gruppe näher an einan-
der zu schliessen, als an die übrigen Gattungen. Sie stim-
men auch darin mit einander überein , abgesehen von der
Aehnlichkeit im Habitus, dass der hectocolylisirte Arm dem
ersten Paare angehört.
Sepiola Rondeletii Gesner.
Im BonnerMuseum sind 24 männliche und 12 weibliche
Individuen vorhanden, die ich grösstentheils in Messina ge-
sammelt habe. Zu der Beschreibung, welche Steenstrup
in so klarer Weise von dem linken Rückenarme der Männ-
chen gegeben hat, kann ich bestätigen, dass er bei allen 24
Exemplaren länger und breiter ist als der neben ihm lie-
gende rechte Arm , so wie dass stets der eigenthümliche
muskulöse Anhang in der Nähe des Armgrundes und an der
dem Munde zugewendeten Seite vorhanden ist, den Steen-
strup sehr passend mit einer Zange vergleicht; denn an
der rechten Seite liegt ein muskulöser Vorsprung, der dem
eigentlichen Anhange gegenübergesetzt ist. Eine Drüse, wie
sie (vergl. unten) bei Rossia dispar vorkommt, ist hier nicht
vorhanden. Ich habe mich auch überzeugt, dass es wirk-
lieh die männlichen Individuen sind, denen diese abweichende
Bildung des erslen linken Armes zukommt. In einem Falle
fand ich den Spermatophorensack (vergl. Leuckart in die-
Bemerkungen über die Cephalopoden von Messina. 61
sein Archiv 1847. I. p. 23. Taf. I. Fig. III. i) von einer un-
geheuren Menge von Spermatophoren so dick aufgeschwol-
len, dass dieselben aus einer ziemlich weiten Oeffnung her-
vorquollen und zum Theil bereits in der Keimhöhle lagen.
In einem anderen Falle waren die Spermatophoren massen-
haft bereits aus ihrem Sacke ausgetreten und befanden sich
zum Theil im Trichter, alle in bestimmter Richtung, mit dem
stumpfen Ende voran. Dieser Fall beweist, dass die Sper-
matophoren ihren Weg durch den Trichter nehmen , um zu
dem hectocotylisirten Arme zu gelangen.
Wenn jedoch Steenstrup der Meinung ist, dass er
auch ein Männchen einer anderen Species aus dem Mittel-
meere vor sich gehabt hat (p. 227) , weil an dem hectoco-
tylisirten Arme ebenso grosse Saugnäpfe vorhanden waren,
wie am zweiten und vierten Armpaare, so muss ich nach
Untersuchung meines Materiales anderer Meinung sein. Ich
finde nämlich, dass freilich am zweiten und vierten Paare
bei allen meinen männlichen Exemplaren grosse kuglige Saug-
näpfe stehen , während das dritte Paar, obgleich an sich
dicker und breiter, nur kleinere Saugnäpfe trägt, und hierin
scheint eine Eigenthümlichkeit der Sepiola Rondeletii zu lie-
gen; aber der hectocotylisirte Arm variirt in Hinsicht der
an ihm befestigten Saugnäpfe ungemein. Oft sind alle Saug-
näpfe klein und regelmässig in zwei Reihen gestellt, zuwei-
len sind aber auch einzelne Saugnäpfe gross und kugelig,
so dass sie denen des zweiten und vierten Armpaares an
Grösse nicht nachstehen. In einem Falle finde ich sogar
unterhalb des muskulösen Anhanges drei sehr grosse kug-
lige Saugnäpfe, in einem anderen Falle sind die Näpfe sehr
zahlreich und bilden gegen das Ende des Armes hin mehrere
unregelmässige Reihen. Wollte man diese Abweichungen
für specifische Verschiedenheiten nehmen, so wurde man eine
ganze Reihe neuer Species aufstellen müssen, was doch bei
der sonstigen Uebereinslimmung unthunlich ist. Auch den
muskulösen Anhang finde ich bei verschiedenen Exemplaren
von sehr verschiedener Grösse; am grossesten durchschnitt-
lich bei den grossesten Thicren. Daher kann auch dieses
Verhältniss nicht als specifisches Merkmal benutzt werden.
Bei allen meinen weiblichen Exemplaren sind die Arme mit
62' Troschel: : '
ihren Saugnäpfen gleichartiger, und nirgends so grosse kug-
lige Saugnäpfe zu finden, wie bei ihren Männchen. Glückli-
cherweise hat Steenstrup seiner vermeintlichen anderen
Species keinen neuen Namen gegeben.
Rossia dispar Rüpp.
Es ist mir besonders interessant gewesen in Folge der
Bemerkung von Steenstrup (p. 230), von dieser Art zehn
Exemplare untersuchen zu können, von denen drei mit den
auffallend grossen Saugnäpfen versehen sind , die ich also
nach der Angabe Verany's als Weibchen bestimmt halte.
Jedenfalls sind die Gattungen Sepiola und Rossia zunächst
mit einander verwandt, und es muss freilich auffallen, dass,
während bei Sepiola Rondeletii die grossen Saugnäpfe eine
Auszeichnung der Männchen sind , diese bei Rossia dispar
den Weibchen eigenthümlich sein sollen. Ich habe mich sehr
leicht und mit vollster Bestimmtheit an einem meiner Exem-
plare mit grossen Saugnäpfen überzeugen können , dass es
ein Männchen sei, denn ich fand den Hoden mit einer festen,
in grössere Stücke zerbröckelnden Masse erfüllt, die sich
unter dem Mikroskope als lediglich aus Samenthierchen be-
stehend erwies, die sehr deutlich in den Weingeistexem-
plaren erhalten waren. Sie bestehen (Taf. IV. Fig. 7) aus
einem länglichen, etwas wellig gekrümmten Kopfe und einem
ziemlich langen Faden. Die Länge des Kopfes beträgt 0,0 12oMm.,
während die Breite kaum 0,0020 Mm. misst.
So ist es also festgestellt, dass in der Verany'schc^n
Angabe eine Verwechselung vorgekommen ist. Derselbe hat
die Angabe nach einer brieflichen Mittheilung von Krohn
drucken lassen. Ich habe sogleich nach meiner Untersu-
chung hierüber mit meinem Freunde Krohn gesprochen.
Derselbe hat mir mitgetheilt, dass es ihm damals haupt-
sächlich darauf angekommen sei , die Identität der beiden
Species Rossia dispar und affinis nachzuweisen, er habe den
Inhalt der Geschlechtsorgane ir*ikroskopisch untersucht , und
sei der Meinung, soweit sein Gedächtniss ihn nicht täusche,
auch die Exemplare mit grossen Saugnäpfen als Männchen
erkannt zu haben. Es ist demnach keinem Zweifel unter-
Bemerkungen über die Cephalopoden von Messina. 63
woi fcn , dass die Verwechselung beider Geschlechter aus
einem Schreibfehler entweder Kr oh n's oder Verany's her-
vorgegangen ist.
Die männlichen Exemplare von Rossia dispar besitzen
also an den beiden Armen des dritten Paares (nicht wie
Steenstrup p. 230 Note irrlhümlich angiebt, an dem ober-
sten Seilenpaare,, welches das zweite Paar sein würde), auf-
fallend grosse kuglige Saugnäpfe , und bilden daher hierin
einen Gegensalz zu Sepiola, bei welcher gerade das dritte
Armpaar mit kleinen Saugnäpfen besetzt ist, während das
zweite und vierte Paar grosse Näpfe tragen.
Als den hectocotylisirten Arm hat sich der rechte des
ersten Paares ausgewiesen, gleichfalls im Gegensalze zu Se-
piola. Auch zeigt sich hier eine Eigenthümlichkeit.
Fig. 8 auf Taf. IV stellt die obersten beiden Armpaare
dar, von der Wundseite aus gesehen. Zunächst fällt in die
Augen, dass die Arme der rechten Seite länger sind als die der
linken ; alle sind mit zwei Saugnapfreihen besetzt. Der erste
und zweite Arm der rechten Seite sind ferner am Grunde
durch eine Anschwellung, welche sich namentlich an der
Mundseite bemerklich macht , mit einander verbunden , so
dass diese Arme unten verwachsen zu sein scheinen. Man
sieht schon ohne die Körperhaut zu verletzen , einen rundli-
chen polsterförmig erhabenen Körper durch die Haut hin-
durchschimmern, welcher zwischen den beiden in Rede ste-
henden Armen liegt, und welcher allseitig an den ihn um-
gebenden Wänden mit einem feinfaserigen Gewebe befesligt
ist. Er lässt sich leicht aus seiner Höhlung frei herausprä-
pariren, ist noch von einer besonderen zarten Haut umgeben
und besteht aus einer ziemlich grossen Anzahl von weichen
Körperchen , die ihrerseits wiederum aus sehr kleinen mit
zahlreichen Körnchen erfüllten Schläuchen zusammengesetzt
sind. Der Körper ist offenbar eine verhältnissmässig grosse;
Druse. An dem erslen rechten Arme scheint dieselbe fester
befestigt zu sein, und hier liegt die Ausführungsöffnung die-
ser Drüse, denn es zeigte sich hier bei gelindem Drucke
auf dieselbe einige ausirelende Flüssigkeit. Ob dieselbe durch
eine oder durch mehrere kleine Oeffnungen austrat , liess
sich nicht mit Sicherheit ermitteln. An der Austrittsstelle
64 T r 0 s c h e 1 : ' n'»^fi« jJ-rAmi»?!
der Drüse in der Nähe des Grundes des ersten rechten Ar-
mes bemerkt man eine kleine Vertiefung , welche oberhalb,
d. h. auf der vom Munde enifernleren Seite durch eine mus-
kulöse Erhabenheit begrenzt wird, die wohl dem dillenförmi-
gen Muskelfortsatze bei den Sepiola-Männchen zu entsprechen
scheint, und die sich in einer muskulösen Leiste über den
Arm auf die zwischen den beiden Armen des ersten Paares
liegende Haut fortsetzt, sich der Basis der Arme nähernd,
und zuweilen selbst bis über den linken ersten Arm hinreicht.
Diese Leiste bildet eine Art Kanal, welcher zur Leitung des
Samens oder des Drüseninhalts geeignet sein möchte.
Bei den weiblichen Exemplaren findet sich von der er-
wähnten Drüse und von der Leiste keine Spur.
Die geschlechtlichen Unterschiede bei Rossia dispar bil-
den somit einen recht vollständigen Gegensatz zu Sepiola
Rondeletii , und die Gattung Sepiola würde sich demnach
zu Rossia verhalten wie Argonaula zu Philonexis und Tre-
moctopus , oder wie Scaeurgus zu Octopus und Eledone, in-
dem auch Sepiola den hectocotylisirten Arm links trägt. Da-
bei ist jedoch nicht zu übersehen, dass die Männchen unse-
rer Rossia dispar wichtige Abweichungen von denen der
übrigen Rossia - Arten , wie sie Steenstrup beschrieben
hat, darbietet, bei denen ja die beiden Arme des oberen
Paares umgebildet sein sollen, und bei denen auch die Umbil-
dung selbst eine andere ist. Ob sich dadurch eine generische
Trennung der Rossia dispar rechtfertigen lässl, wofür dann
der Gray'sche Name Heteroteuthis zur Geltung kommen
müsste, wage ich nicht zu entscheiden, da ich keine andere
Art zu vergleichen Gelegenheit habe. Man wird allerdings
auch hier zugeben müssen, das beide Arme des oberen Paa-
res an der Geschlechlsverrichtung Theil nehmen , weil die
Hautfalte oder der Kanal sich schräg über beide Arme hin
erstreckt ; es ist jedoch hier der rechte Arm , an welchem
der Kanal endigt, und der also vorwiegend in Function tritt.
Bei Rossia MöUeri scheint nach der Ste en st rup'schen Schil-
derung ein wesenllicher Unterschied zwischen dem rechten
und linken Arme des ersten Paares nicht stattzufinden.
ßemerkungen über die Cephalopoden von Messina. 65
Als eine zweite Gruppe unter den Myopsiden sind nach
Sleenstrup die Gattungen Sepia, Sepioleuthis, Loligo und
Loliolus anzusehen. Bei ihnen ist der vierte linke Ann hec-
tocolylisirt. 'mhm
Sepia officinalis Linn.
Von Sepia olficinalis besitzt das Bonner Museum ein
grosses männliches Exemplar, welches vortrefflich mit dem
von Steenslrup beschriebenen übereinstimmt, indem hier
die angegebene Stelle des hectocofylisirten Armes verbrei-
tert und mit sehr kleinen Saugnäpfen besetzt ist, so dass
die Runzeln und Falten auf das Deutlichste sichtbar sind. An
einem anderen kleineren Exemplare von 5 Zoll Länge, wel-
ches ich aus Messina milgebracht habe , ist die Umbildung
weniger auffallend. Hier stehen die Saugnäpfe an der hec-
tocolylisirten Stelle vollständig in vier Reihen , sind jedoch
merklich kleiner als an den übrigen Armtheilen, und lassen
zwischen sich grössere runzlige Räume, was theils von einer
geringen Verbreiterung dieses Armtheiles, theils von der
grösseren Kleinheit der Saugnäpfe herrührt. Von einer Drüse
an dieser Stelle habe ich nichts auffinden können. Bei zwölf
kleinen Exemplaren von 1—2 Zoll Länge habe ich nirgends
einen Anfang zur Hectocotylisirung wahrnehmen können. Es
wäre doch auffallend, wenn alle Weibchen sein sollten.
Sepia bisserialis Montf.
Von Sepia bisserialis Montf. habe ich in Messina drei
Exemplare gesammelt, unter ihnen sind zwei Männchen und
ein Weibchen. Die Männchen unterscheiden sich auf den
ersten Blick durch die bei weitem grösseren Saugnäpfe an
den Armen von den Weibchen. Die letzleren tragen an allen
acht Armen gleichmässig kleine Saugnäpfe in zwei Reihen;
bei den Männchen zeichnen sich jedoch die sieben gewöhn-
lichen Arme von dem hectocolylisirten Arme aus, an dem
die beiden Saugnapfreihen weiter von einander entfernt ste-
hen, und noch sehr viel winziger sind, als an den weibli-
chen Exemplaren. Der hectocotylisirle Arm ist derselbe wie
bei Sepia officinalis, nämlich der vierte linke , aber die um-
gebildete Stelle hat eine weil grössere Ausdehnung, und
reicht weit über die halbe Länge des Armes hin , indem
Archiv f. Naturjiescil. XXlll. Jahrg. 1. Bd. 5
kaum am Grunde einige grössere Näpfe vorhanden sind, und
gegen das Ende des Armes hin gar keine dergleichen fol-
gen ; das letzte Drittel des Armes trägt ganz in derselben
Weise winzige Näpfchen wie der ihm entsprechende Arm
der rechten Seite. Auch hier habe ich keine besondere
Drüse gefunden.
üeber die Gattungen Sepioteuthis, Loligo und Loliolus
finde ich nichts Wesentliches hinzuzufügen. Sepioteuthis si-
cula, welche bei Messina vorkommt, habe ich nicht gesehen.
Von der Gattung Loligo habe ich nur L. vulgaris, Marmorae
und Bertheloti gesammelt. Ich muss jedoch bekennen, dass
ich an meinen Exemplaren die von Steenstrup geschil-
derten Verhältnisse nicht habe wahrnehmen können.
Oigfopsiflae.
In dem grossen Cephalopoden-Werke theilt d'Orbigny
diese Abtheilung wieder in zwei Familien : Loligopsidae
und Teuthidae. Von ersterer kenne ich keine Art aus eige-
ner Ansicht. Die letztere Familie vereinigt die Gattungen
Onychoteuthis und Ommalostrephes, auffallend genug dadurch
unterschieden, dass erstere Haken an den Armen besitzt, die
der letzleren mangeln. Schon jetzt , wo man die erstere in
drei Gattungen mit Recht hat trennen können, und wo ich der
letzteren eine zweite neue Gattung, gleichfalls ohne Haken,
an die Seite stellen kann, zeigt es sich, dass sich nicht un-
passend zwei Gruppen unterscheiden lassen , die vielleicht
bei vermehrtem Materiale die Bedeutung zweier Familien er-
langen dürften.
Was zuerst die Gruppe der Onychoteuthiden betrifft, so
habe ich aus der Gattung Onychoteuthis Licht. , welche nur
an den beiden längeren Armen Haken trägt, eine Art 0.
Lichtensteinii dem Bonner naturhistorischen Museum einver-
leibt. Die Gattung Verania , welche dagegen nur an den
acht kürzeren Armen mit Ilaken versehen ist, ist in meiner
Sammlung nicht vertreten.
Von beiden unterscheidet sich die Gattung Enoploteu-
this d'Orb. dadurch, dass sie an allen zehn Armen Haken
besitzt. Verany beschreibt in seinen Mollusques mediter-
raneens drei Arten der Gattung : E. margiritifera Rüpp. , E.
Bemerkungen über die Gephalopodcn von Messina. 67
Veranyi Rfipp. und E. Owenii Verany. Alle drei haben sehr
viel Achiilichkcit mit einander, und es wäre leicht möglich,
dass bei Untersuchung zahlreicherer Exemplare durch Ueber-
gänge nachgewiesen werden könnte, dass sich diese Ar-
ten vereinigen Hessen. So lange dies nicht geschehen ist,
müssen aber dieselben gelrennt gehalten werden. Unter
ihnen besitze ich von Messina nur ein Exemplar, welches
ich für E. Veranyi Röpp. halle, denn die allgemeine Körper-
geslalt und die Ausdehnung der Flossen stimmen so ziem-
lich in allen drei Arten überein , und die Beschaffenheit der
Keule der längeren Arme passt noch am ersten zu der ge-
nannten Art. Es ist eine Reihe von Haken vorhanden, und
daneben eine Reihe Saugnapt'e , die sich an beiden Enden
zu einem Haufen vermehren. Auf ein Paar Saugnäpfe mehr
wird es wohl nicht ankommen, und dass mein Exemplar aus-
ser den drei grösseren Haken unterhalb noch einen vierten
kleineren Haken besitzt , darf man gewiss nicht als specifi-
sche Differenz deuten wollen, wenngleich die Arme beider
Seilen hierin vollkommen übereinstimmen. — Dagegen habe
ich einen anderen Enoploteulhis in zwei Exemplaren bei Mes-
sina gefunden , der viel auffallender abweicht, und der sich
schwerlich , durch Uebergänge verniillelt, als identisch mit
einer der genannten drei Arten ausweisen wird. Ich sehe
ihn als eine neue Art an, weil er auch in Ferussac und
d'O r b i g n y Cephalopodes acetabuliferes nicht beschrie-
ben ist.
Enoploteiithis polyonyx n. sp.
Taf. IV. Fig. 9.
Corpore conico acuminalo , alis triangularibus angulo
externo rolundalo, corporis dimidiam longitudinem superan-
tibus; brachiis duplice serie unguium, et ad extremitatem
acetabulorum arniatis; tentaculis acelabulalis et unguium du-
plice Serie armatis.
Der konische Körper ist vorn abgestutzt und unter dem
Trichter ausgebuchtel; die Ausbucht nimmt etwa den fünften
Theil der Körperlänge ein. Die Flossen sind abgerundet
dreieckig und bilden ein abgerundetes Rhomboid, welches
breiter als lang ist , und von der hinteren Körperspitze bis
über die Hallte der Körperlänge reicht. — Der Kopf mit den
fid
. toJasdlS ttor naboc • T r o s c h e 1 :
^4flirj(i9iinoa
Augen ist ziemlich von derselben Breite wie der Körper,
aber viel kürzer. Der Durchmesser der Augen ist fast so
gross wie die Länge des Kopfes vom Körper bis zu den
Armwurzeln; die AugenöfTnung ist höher als breit, hinten
fast gerade , vorn in einen kleinen , spitzen Sinus lacrimalis
vorgezogen. — Die acht sitzenden Arme sind etwas kürzer
als der Körper mit dem Kopfe, unter ihnen sind wiederum
das zweite und dritte Paar länger als das erste und vierte.
Die Tentakeln sind an Länge gleich dem Körper mit Ein-
schluss des Kopfes. Die sitzenden Arme sind mit zwei Rei-
hen alternirender Haken besetzt, die mit einer Haut umge-
ben sind, am Ende der Arme stehen zwei Reihen Saugnäpfe.
Die Tentakeln tragen an dem etwas erweiterten Ende zwei
Reihen Haken, sechs in jeder Reihe und gleichfalls von einer
Haut umhüllt, unterhalb derselben zieht sich am Rande eine
Reihe massiger Saugnäpfe hin, denen sich an der Spitze und
an der Basis der Keule je ein Haufen kleiner Saugnäpfe an-
schliesst ( Fig. 9). An dieser Fühlerkeule zieht sich ein
durchsichtiger breiter Hautsaum hin, welcher die oberen zwei
Drittel der Keule einnimmt.
Die Farbe des Weingeistexemplares ist röthlichgelb, mit
vielen dunklen Chromatophoren besetzt. Längs der Aussen-
seite der Tentakeln zieht sich eine Reihe entfernt stehender
kleiner erhabener Tuberkeln, die aus einem linsenförmigen
Körper bestehen , und in der überziehenden Haut mit einem
Kranze von meist sechs kleinen Flecken (Chromatophoren?)
geziert sind.
Maasse in Millimetern.
Ganze Länge ohne Tentakeln .... 35
Länge des Körpers und Kopfes .... 21
Länge des Körpers allein 17
Länge des ersten Armpaares .... 12
Länge des zweiten Armpaares .... 16
Länge des dritten Armpaares .... lö
Länge des vierten Armpaares .... 12
Länge der Tentakeln 21
Breite der Flosse 12
Länge der Flosse 8
Breite des Körpers 8.
I
I
Bemerkungen über die Cephnlopoden von Messina. 69
Diese Art könnle wohl am ersten mit der unvollständig
beschriebenen E. Morrisii d'Orb. (Onychoteuthis Morrisii Ve-
rany) verglichen werden, welche von Verany im atlanti-
schen Ocean unter 39^^ n. Br. und 20« w. L. gefangen wurde.
Ueber die Bewaffnung der Tenlakelkeule findet sich keine
Angabe. Da jedoch die untersten Arme die längsten sein
sollen, so ist unsere Art nicht mit ihr zu identificiren.
In der zweiten Gruppe, welche nur Saugnäpfe, keine
Haken an den Armen hat, kennt man bisher nur die Gattung
Ommatostrephes d'Orb., die früher mit Loligo vereinigt war.
Ihr kann ich jetzt eine neue zweite Gattung an die Seile
setzen, welche zu ihr in dem Verhältnisse steht, wie Sepio-
teulhis zu Loligo.
Thysanofeuthis nov. gen.
In Messina habe ich zwei Cephalopoden in meinen Be-
sitz gebracht, die specifisch verschieden in den generischen
Charakteren übereinstimmen. Sie scheinen in der Strasse
von Messina sehr selten vorzukommen, da sie vor mir noch
Niemand gefunden oder doch beschrieben hat , und ich sie
nur in je einem Exemplare habe sammeln können. Ich er-
hielt den einen im August des Jahres 1853, den anderen im
October desselben Jahres. Ich habe sie lebend beobachtet,
und mich namentlich an dem lebhaften Wesen des ersterhal-
tenen kleineren Exemplares ergötzt. Sie fallen sogleich da-
durch auf, dass sie recht munter in dem Glasbehältnisse
umherkriechen, sich fest mit ihren Armen an den Wänden
ansaugend und abwechselnd durch Ausstossen von Wasser
aus dem Trichter sich halbschwimmend fortbewegen. Das
Ansaugen wird dadurch um so leichter und kräftiger bewerk-
stelligt, als sich breite flossenartige Säume an den Armen
befinden, die sich ausgebreitet flach an die Glaswände an-
legen, und so die Haftfläche vergrössern. Gleich bei der
ersten Beobachtung erschien mir das Thier so eigenlhümlich,
dass ich meine besondere Aufmerksamkeit auf dasselbe ver-
wendete. Das eine zuerst beobachtete kleine Exemplar con-
servirte ich in Liqueur cons. , das andere grössere in
Weingeist. »' ><f.
70 T r 0 s c h e 1 :
Die allgemeine Körpergestalt deutet auf die nächste
Verwandtschalt zu Sepioteuthis hin, denn die Flossen nehmen
die ganze Länge oder doch last die ganze Länge des Man-
telsackes ein. Ich würde auch durch die eigenthümlichen
Flossen an den Armrändern allein mich nicht zu generischer
Trennung entschlossen haben , weil ähnliche Bildungen auch
bei der Gattung Ommatostrephes vorkommen, ohne dass man
sie für generische Trennung benutzt hat. Ich finde solche
Flossensäume z. B. bei Ommatostrephes aequipoda Rüpp. und
0. sagittata, wenngleich in minderer Ausdehnung, und nach
den Abbildungen in dem grossen Cephalopodenwerke von
Peru SS ac und d'Orbigny zu schliessen, sind die Arm-
säume bei Ommatostrephes Barlramii Lesueur und oualanien-
sis Lesson in ähnlicher Weise organisirt. Bei ihnen ist je-
doch das Schalstück im Rücken mit denen anderer Loligineen
übereinstimmend. Bei unseren Thieren, (ich habe dasselbe
aus beiden Exemplaren herausgeschnitten), zeigt das Schal-
stäck eine sehr abweichende Gestalt sowohl von Sepio-
teuthis wie von Loligo und Ommatostrephes; es wird von
der hinteren Spitze nach vorn allmählich breiter und endet
vorn in zwei abgerundeten Lappen, die neben dem vorderen
Stiele liegen, und von ihm nicht sehr weit überragt werden.
Man kann die Form unter! Anwendung der Terminologie der
Pflanzenblätter als pfeilförmig bezeichnen. Die wesentlichste
Entscheidung giebt jedoch das Verhalten der Augen, welche
frei hinter einer grossen Oeffnung der Haut in einer weiten
Höhle liegen, wie es der Familie der Teuthiden in d'Or-
bigny'scher Auffassung zukommt. Diese neue Gattung ist
mit demselben Rechte von Ommatostrephes zu trennen, wie
Sepioteuthis von Loligo. Die Charaktere sind die folgenden :
Oculi aperti ; brachia et tenfacula acetabulata , ungui-
bus nullis ; alae longitudini corporis aequantes ; lamina dor-
salis sagitliformis.
Thysanot euthis Rhombus n. sp.
Taf. IV. Fig. 12 und Taf. V. Fig. 1 -4.
Der Körper ist cylindrisch, vorn abgestutzt mit unbe-
trächtlicher Spitze in der Mitte des Rückens, seicht ausge-
schweift an der Bauchseite, nach hinten etwas verschmälert
Bemerkungen über die Cephalopoden von Messina. 71
und am Ende abgerundet. Die Flossen nehmen die volle
Länge des Körpers ein, sind dreieckig, und bilden so zusam«
men einen Rhombus, dessen vordere Seiten kurzer als die hin-
teren sind, und dessen vorderer Winkel abgestutzt ist. Der
Kopf ragt mit etwas verschmälertem Halse aus dem Körper-
sacke hervor, ist mit dem Körper gleich breit und trägt je-
derseits ein Auge, das unter einer weiten Oeffnung der Haut
liegt, deren Durchmesser fast die Hälfte der Kopflänge be-
trägt; diese Oeffnung ist birnförmig, nach vorn zugespitzt.
Auf dem Rücken des Halses finden sich zwei langslreckig
dreieckige tiefe Gruben, die durch eine Längsbrücke getrennt
sind. — der Trichter reicht fast bis unter die Mitte der Au-
gen; er ist an der Basis tief ausgeschnitten, nach vorn mas-
sig verschmälert und durch zwei Muskelseile am Kopfe be-
festiort. Jederseits an der Basis des Trichters ist ein rund-
lieber Knorpel angebracht, der in eine knorplige Vertiefung
im Innern des Mantelrandes eingreift (organe de resistance
d'Orb. , Organe restricteur Verany). — Die acht den Mund
umgebenden Arme sind von verschiedener Länge. Die des
dritten Paares sind bei weitem die längsten, das zweite Paar ist
viel kürzer, das erste Paar noch kürzer und das vierte Paar ist
unbedeutend länger als das erste. Alle diese Arme sind mit
zwei Reihen gestielter Saugnäpfe besetzt, und von jedem
Saugnapfstiele entspringt nach aussen an der Basis ein ten-
takelför.Miiger Fortsatz, der an den verschiedenen Armen und
an verschiedenen Seiten der Anne von sehr verschiedener
Grösse ist. Am längsten sind diese Cirren oder Fransen am
dritten Arme und an den drei oberen Armpaaren sind die
an der äusseren oder unteren Seite befindlichen vorzugsweise
entwickelt. Die einzelnen Fransen sind an den drei oberen
Armpaaren durch eine Haut verbunden, so dass sie einen
schmaleren oder breiteren Flossensaum bilden. In Taf. V.
Fig. 2 habe ich ein Stück des dritten Armes der linken Seite
dargestellt , um die Verbindung der Fransen mit den Saug-
näpfen zu verdeutlichen. Jede solche Franse ist von einer
Hautscheide umgeben , aus welcher sich der Inhalt an dem
in Weingeist conservirten Exemplare ausdrücken lässt. Der-
selbe zeigt ein Gewirre von Fäden, die wie Muskelfasern
aussehen, und ich denke^ dass dies das Ueberbleibsel der in
72 Tf?««*»!! ?T^v rr Troschel: f i^r'^ffvf?
Weingeist etwas zersetzten Muslielmasse ist , aus der die
Fransen bestehen. Da sich jeder Saugnapfsliel an seiner Basis
in zwei Aeste theilt, deren einer den Saugnapf tragt, deren
anderer am Rande des Armes liegender gleichsam als Flos-
senstrahl zur Spannung des Hautsaumes dient , so muss die
Zahl der Girren oder Fransen mit der Zahl der Saugnäpfe
genau übereinstimmen, und es ist begreiflich, dass die Thä-
tigkeit der Saugnäpfe mit der ihrer Fransen und dadurch
der ganzen Flossensäume in innigster Beziehung steht. Am
vierten oder untersten Armpaare sind die Fransen schwach
entwickelt und bilden keine wirklichen Flossensäume. — Die
beiden längeren Arme oder Tentakeln sind ausgestreckt nicht
völlig so lang wie der Körper mit dem Kopfe, sie sind überall
gleich dick und die Keule zeigt kaum eine merkliche Ver-
dickung. An der letzteren stehen vier Reihen gestielter Saug-
näpfe, von denen die der beiden mittleren Reihen grösser als
die sehr winzigen in den beiden Aussenreihen sind. An dem
Tentakelstiele bemerkt man eine Reihe weitläufiger gestellter
Saugnäpfchen, gleichfalls gestielt und von derselben Winzig-
keit wie die am Rande der Keulen stehenden. Am Anfange,
d. h. dicht neben der Keule stehen diese Näpfchen noch deut-
lich alternirend, weiterhin sind sie weiter auseinandergerückt,
und erscheinen dann vollkommen einreihig bis in die Nähe
der Basis. — Die Saugnäpfe sind an allen Armen mit Horn-
ringen versehen, welche leicht verloren zu gehen scheinen.
An den grossen Näpfen des dritten Armes zeigen sich diese
Ringe (Taf. V. Fig. 3) als ziemlich schmale Reifen mit umge-
bogenen Rändern, so dass dadurch eine oben ofTene Rinne
entsteht; an der vorderen Seite ist der Reifen verbreitert.
Hier trägt er am Rande sieben konische, spitze, etwas ge-
bogene Zähne, während der übrige schmale Theil des Rin-
ges völlig zahnlos ist. An den Tentakeln habe ich nur Halb-
ringe (Taf. V. Fig. 4) vorgefunden, welche schmal und zahn-
los waren, und die also den Ringen der übrigen Arme ent-
sprechen , wenn man sich das zahntragende Stück fehlend
denkt. — Die Haut, welche den Mund umgiebt, trägt keine
Saugnäpfe, ist aber auf der inneren Fläche mit zickzackartig
gefalteten Runzeln dicht l)esetzt, die sich von der Basis zum
Rande hinziehen. Dadurch wird die ganze innere Oberfläche
Bemerkungen über die Cephalopoden von Messina. 7S
dieser Haut wulstig- und uneben. Der Rand der Haut springt
in sieben grösseren Zipfelchen vor, zwischen denen noch
durch das Auslaufen der Zickzackrunzeln andere kleinere
Zipfelchen liegen. Von den Hauptzipfeln ziehen sich ausser-
halb sieben Muskelhäute zur Basis der Arme hin, von denen
eine unpaarige zwischen dem ersten Armpaare sich spaltet
und an beide Arme sich heftet; die folgende jederseits hef-
tet sich oberhalb an das zweite Armpaar; die dritte jeder-
seits unterhalb an das dritte Armpaar, sich in die grosse
Flossenhaut fortsetzend ; die beiden untersten liegen nahe an
einander und heften sich unterhalb an das vierte Armpaar.
— Die die Kiefer umgebenden Lappen sind mit zahlreichen
Zotten besetzt, die in mehreren Reihen stehen.
Die Rückenlamelle (Taf. IV. Fig. 12) ist einglashelles
sehr dünnes Blättchen, welches hinten spitz ausläuft. In der
Mitte erhebt sich der ganzen Länge nach eine Falle, welche
sich bis vorn hinzieht, wie die mittlere Rippe eines Blattes,
und vorn frei hervorragt wie der Blattstiel. Die Fläche der
Lamelle wird nach vorn allmählich breiter und bildet am
vorderen Ende zwei von der mittleren Falte getrennte neben
ihr liegende vorn abgerundete Lappen, So lässt sich die
Form der Lamelle im ganzen mit einem pfeilförmigen Blatte
vergleichen. Die Abbildung stellt sie in natürlicher Grösse dar.
Maasse in Millimetern :
Länge des Körpers mit dem Kopfe . . 115
Länge des Körpers 92
Länge des ersten Armes 34
Länge des zweiten Armes 53
Länge des dritten Armes 100
Länge des vierten Armes 35
Länge der Tentakeln 104
Breite des Körpers 26
Breite der Flossen 84
Länge der Rückenlamelle mit dem Stiele 102
Breite der Rückenlamelle 18
Länge des Stieles derselben .... 25
Länge der vorderen Lappen derselben . 16.
74 !« «0? n Troschel:
Die Farbe dieses merliwürdig-en und sellenen Cephalo-
poden ist roth , und auf dem Rücken des Kopfes und Kör-
pers, namentlich in der Mitte dunkler.
Vaterland ; Strasse von Messina.
Thysanoteuthis elegans n. sp.
Taf. IV. Fig. 10 und 11.
Das zweite Exemplar dieser Gattung muss ich für spe-
cifisch verschieden halten , da einige Differenzen die Mög-
lichkeit, dass dies ein jüngerer Zustand sei , ausschHessen.
Vor allen Dingen hat der Körper mit seinen Flossen eine
sehr abweichende Gestalt. Ersterer ist gleichfalls cylindrisch,
vorn abgestutzt, hinten verschmälert und abgerundet, aber
verhällnissmässig kürzer; letztere erreichen den vorderen
Rand des Körpers nicht , und haben eine mehr abgerundete
Gestalt, so dass sie dem Ganzen eher die Gestalt eines Ovals
als eines Rhombus geben. Der vordere Theil des Körpers,
der frei vor den Flossen hervorragt, beträgt ein Viertel der
ganzen Körperlänge. Die Länge der Arme steht in ähnli-
chem Verhältnisse wie bei der vorigen Art, wie sich aus den
unten angegebenen Maassen ergiebt, auch die Stellung der
Saugnäpfe und der mit ihnen zusammenhängenden Flossen-
säume zeigt keine auffallende Abweichung. An der Tenla-
kelkeule stehen die Saugnäpfe in vier regelmässigen Reihen,
die beiden mittleren sind aber kaum merklich grösser als
die beiden seitlichen und die Näpfchen, welche an der inne-
ren Seile des Stieles angebracht sind, sind zahlreicher, dich-
ter gestellt und deutlicher alternirend bis zur Basis hin.
Dass diese Art zur Gattung Thysanoteuthis gehört, trotz-
dem die Flossen nicht die völlige Länge des Körpers einneh-
men, geht aus der Beschaffenheit und Gestalt der Rückenla-
melle (Taf. IV. Fig. 1 1) hervor. Sie ist äusserst zart, dünn
und biegsam, glashell wie bei der vorigen Art, auch ist sie
pfeilförniig , erscheint jedoch an der Spitze etwas mehr ab-
gerundet. Die vorderen Lappen sind weiter vom Stiele ge-
trennt, ihre Länge beträgt etwa die Hälfte der ganzen Lamelle.
Bemerkungen über die Cephalopoden von Megsina. 75
Maasse in Millimetern:
Länge des Körpers mit dem Kopfe . . 19
Länge des Körper^ 15
Länge des ersten Armes 8
Länge des zweiten Armes 10
Länge des dritten Armes .... .,.;.* i.il>3
Länge des vierten Armes . . . •ViFnv' 7
Länge der Tentakeln 13
Breite des Körpers 6
Breite der Flossen 9.
Die Farbe des Thierchens ist röthlichgelb und die ganze
Oberfläche ist mit zahlreichen dunklen Chromatophoren bedeckt,
Vaterland : Strasse von Messina.
Erklärung der Abbildungen.
Tafel IV.
Fig. 1. Philonexis microstomus d'Orb. in jugendlichem Zustande, von
der Bauchseite gesehen und vergrössert.
Fig. 2. Stück des Fadens , welchen Philonexis microstomus mit sich
herumtragt, denselben guirlandenartig zwischen den bei-
den dorsalen Armen tragend; einige Wesselorgane sind her-
vorgeschnellt, stark vergrössert.
Fig. 3. Ein Nesselorgan aus demselben Faden, sehr stark vergrössert.
Fig. 4. Die Greifplatte des hectocotylisirten Armes von Scaeurgus
titanotus, zweimal vergrössert.
Fig. 5. Kalkschüppchen aus der Haut von Scaeurgus titanotus, sehr
stark vergrössert.
Fig. 6. Die Greifplatte des hectocotylisirten Armes von Scaeurgus
Coccoi (Octopus Coccoi Verany) um die Hälfte vergrössert
(gezeichnet von Prof. Rud. Leuckart).
Fig. 7. Ein Spermatozoid von Uossia dispar bei einer Yergrösserung
von 920 gezeichnet.
Fig. 8. Die oberen vier Arme einer männlichen Rossia dispar Rüpp.,
von der Mundseite gesehen, etwas vergrössert.
Fig. 9. Keule des linken Tentakels von Enoploteuthis polyonyxn. sp.
Fig. 10. Thysanoteuthis elegans nov. spec. nat. Grösse, vom Rücken
gesehen.
Fig. 11. Rückenlamelle von Thysanoteuthis elegans gleichfalls in na-
natürlichcr Grösse.
Fig. 12. Rückenlamelle von Thysanoteuthis Rhombus in natürlicher
Grösse.
76 Troschel: Bemerk, üb. die Cephalopoden von Messina.
Tafel V.
Fig. 1. Thysanoteuthis Rhombus vom Rücken gesehen, in natürlicher
Grösse.
Fig. 2. Ein Stück des dritten Armes der linken Seite von Thysano-
teuthis Rhombus , um die Beziehung der Saugnapfstiele zu
den durch eine Membran verbundenen Fransen zu zeigen,
etwas vergrössert.
Fig. 3. Ein Ring aus einem Saugnapfe des dritten Armes von Thy-
sanoteuthis Rhombus, stark vergrössert.
Fig. 4. Ein Halbring aus einem Saugnapfe der Tentakelkeule von
Thysanoteuthis Rhombus, ebenfalls stark vergrössert.
A ^^^■ift^,
Roitrag^ zur ^Unatomic von IVaiitilus Poiti«
piliusl^.^ besonders des Biiäuiilielieii Tliieres.
Y^jj i3id nßni do
Prof. J. van der Hoeven*
Aus dem Holländischen *) übersetzt
vom
IIcrau§geber.
Seit das Thier, welches die längst bekannte Schale von
Nautilus Pompilius bewohnt, durch R. Owen beschrieben
worden war, blieb hier noch besonders die Frage zu unter-
suchen, wie sich bei dieser Art die Geschlechts-Verschieden-
heit stelle. Das Exemplar, welches Owen so vortrefflich
uniersucht hat, war weiblich, ebenso wie die, welche Va-
lenciennes und W. V r o 1 i k beschrieben haben. Die Frage,
in wieweit hier die allgemeine Bildung und die äussere Ge-
stalt bei beiden Geschlechtern abweicht, war um so wichti-
ger, als Nautilus sich in so mancher Hinsicht von allen übri-
gen Cephalopoden , die zu der gegenwärtigen Periode der
Geschichte unseres Erdballs gehören , unterscheidet und nur
in fossilen Arten seines Geschlechtes und in der zahlreichen
Familie der Ammoniten , einer ausgestorbenen Thiergruppe
längst verflossener Zeiträume, seine nächsten Verwandten
hat. Vor einigen Jahren glückte es mir , ein männliches
*) Wis-en natuurk. Verh. der koninkl. Akademie Deel III,
Amsterdam 1856. Die Abhandlung enlhäU 5 Tafeln. loiiqaodq
78 vanderlloeven:
Exemplar dieser Art in meinen Besitz zu bekommen, welches
jedoch in so verstümmeltem Zustande war , dass die Unter-
suchung der inneren Theile unmöglich wurde Das was ich
bei jenem Exemplare als abweichend in den äusseren Thei-
len bezeichnete, könnte gleichwohl eine zufällige Missbildung
sein, die eben so wohl bei einem weiblichen Individuum hätte
vorkommen können. Bei der Beschreibung, welche ich von
diesem Exemplare entwarf, und dem vormaligen Instituut van
Welenschappen, Letterkunde en schoone Künsten mitgetheilt
habe *), glaubte ich daher es zweifelhaft lassen zu müssen,
ob man hier eine individuelle Missbildung, oder eine nor-
male Geschlechtsverschiedenheit annehmen müsse. Ich sprach
das lelzte nur als eine Vermuthung aus , welche mir aber
sehr annehmlich erschien , da unter der bereits grösser ge-
wordenen Zahl nach Europa*"gebrachter Exemplare, derglei-
chen Missbildungen noch nicht beobachtet waren.
Meine Aufmerksamkeit blieb seit 1847, als ich dieses
Exemplar untersucht hatte, stets auf diesen Punkt gerichtet,
*) Eenige afwijkingen in den vorm van het hoofd, waargeno-
men by een niannelijk voorwerp van Wautilus Fompilius. Tijdschr.
voor de Wis-en Natuurkundige Wetenschappen , uitgegeven door
de Eerste Klasse van het Koninkl. Nederl. Instituut. I. 1848. p. 67— 73.
pl. I. fig. 1 — 3. Später habe ich diese Beobachtungen auch in einen
Aufsatz unter dem Titel : Contributions to the Knowledge of the Ani-
mal of Nautilus Pompilius aufgenommen, welcher durch R. Owen's
Vermittelung der Zoological Society zu London überreicht worden
ist. S. Transactions of theZool. Society Vol. 1\. part. L London 1851.
p. 21— 29. PI. 5 — 8. In jener Abhandlung bin ich besonders bemüht
gewesen, bessere Abbildungen von dem weiblichen Thiere zu geben,
und einige Nachlese auf dem Felde zu halten, welches bereits durch
Owen und Andere beinahe abgemäht war. (Was die dort gemeldete
Eigenlhümlichkeit betrifft, dass ich in den Räumen, welche die fol-
liculären Anhänge der vordersten Kiemenarterie ümschliessen, ein
steinartiges Concrement antraf, muss ich bemerken, dass mir dies spä-
ter noch in einem anderen Exemplare vorgekommen ist. Das Stein-
chen, durch Herrn Dr. L. C. Levoir auf meinen Wunsch untersucht,
wog, 0,47 Gram (getrocknet 0,438), hatte ein specifisches Gewicht
von 1,66, enthielt einige Spuren von Fett und Eiweiss , aber keine
Harnsäure, 70,4y^) anorganische ßestandtheile, hauptsächlich neutralen
phosphorsauren Kalk.
Beitrag zur Anatomie von Nautilus Pompilius. 79
lind ich l)in jetzt im Stande, diese Frage mit völliger Sicher-
heit zu entscheiden. Im vorigen Jahre 1855 empfing ich
(Uirch die wohlwollenden Bemühungen Sr. Exe. des damali-
gen Generalgouverneur's des niederländischen Indiens, von
dem Ministerium der Kolonieen einige Exemplare von Nauti-
lus Pompilius, worunter sich mehrere männliche in verschie-
denem Erhaltungszustände befanden ; obwohl sie daher zur
Untersuchung der inneren Theile nicht alle gleich geeignet
waren, zeigten sie doch alle die äusseren Theile unverlelzf,
und stimmten bis in die kleinsten Eigenlhümlichkeilen mit
dem 1847 beobachteten Exemplare überein *).
Ich brauche mich daher nicht länger mit einer Vermu-
thung zu begnügen , sondern kann mit völliger Sicherheit
zeigen, dass in den äusseren Theilen bei beiden Geschlech-
tern von Nautilus Pompilius eine merkwürdige und beständige
Verschiedenheit besteht. Diese Verschiedenheit vollständig
kennen zu lehren und durch Abbildungen **^') zu erläutern,
ist der Hauptzweck der gegenwärtigen Mittheilung. Zur Be-
lörderung der Deutlichkeit enthalte ich mich einer Verweisung
auf meinen früheren Aufsatz. Mit mehr Hülfsmilteln ausge-
rüstet, erscheint es mir passender, eine neue und zusammen-
hängende Beschreibung zu entwerfen, als nur das früher Be-
schriebene zu verbessern, und so meine Untersuchungen für
die, welche die früheren nicht genugsam kennen, minder
fruchtbar, und selbst für die, welche sie zu Ralhe ziehen wol-
len, minder deutlich zu machen. Ich werde dabei auch die
Beschreibung der inneren männlichen Geschlechtstheile hin-
zulügen, die ich jetzt zuerst anatomisch untersucht habe.
Hier ist aber viel für die nähere Untersuchung übrig geblie-
*) Sind bei Nautilus Pompilius die männlichen Individuen min-
der zahlreich als die weiblichen? So sollte man fast vermuthen, um
so mehr, da es von anderen Cephalopoden angegeben ist, z. B. von
Delle Chiaje. Duvernoy fand unter 200 Exemplaren von Loligo
nur 30 männliche Individuen.
***) Anmerk. des Herausgebers. Leider war es nicht
wohl thunlich, die Abbildungen des Originals, welche fünf Quartta-
feln einnehmen , auch in unserem Archive dieser Ueberselzung bei-
zugeben. Ich holl'c jedoch dieser Mangel werde das Verständnis»
der Abhandlung nicht wesentlich beeinträchtigen.
80 r>,,Ui-lr»f^'l • yaii d G i II 0 c V e 11 :
ben, und manche Punkte werden wahrscheinlich immer dun-
kel bleiben, so lange die Untersuchung allein auf Exemplare,
die bereits Monate lang in Weingeist aufbewahrt waren, be-
schränkt bleibt. Es ist daher zu wünschen, dass diese, so
wie viele andere Eigenthümlichkeiten in der Anatomie der
Thiere, am Orte selbst durch sorgfältige Beobachter, die in
unseren Kolonieen leben, früher oder später erforscht werden
mögen. Ich schätze mich gewiss glücklich, durch diese Ab-
handlung wenigstens einige neue Thatsachen an das Licht
gebracht, und etwas der Anatomie des Nautilus hinzugefügt
zu haben, die durch einen so vortrefflichen Forscher, wie
R. Owen, ein Gegenstand allgemeinen Interesses für alle
Zoologen geworden ist; aber ich kann dennoch die Befürchtung
nicht unterdrücken, ihm haud passibus aequis nachzulreten,
und bin überzeugt, dass eine geübtere Hand und ein scharf-
sichtigeres Auge von der mir zu Gebote stehenden Gelegen-
heit einen fruchtbareren Gebrauch gemacht haben würden.
'. lihm iUl _ .s]«J»liiA ri«)i^.rifti1 m^nktm Inu
Aeussere Gestalt des männlichen Nautilus Pompilius.
Bei dem männlichen und weiblichen Nautilus ist der
allgemeine Bau des Körpers derselbe. Er besteht aus zwei
Haupttheilen, einem festeren und mehr muskulösen, dem vor-
dersten Theile, welcher die Werkzeuge der Bewegung und
der Sinne trägt und den hornartigen Schnabel umschliessl,
und einem dünnhäutigen Sack , worin die Eingeweide ent-
halten sind. Dieser Sack geht in seinem vordersten Theile
in einen starken Hautlappen, Mantel genannt, über, und
öffnet sich nach aussen unter dem ersten Theile, durch den
aus zwei über einander liegenden Lappen gebildeten Trich-
ter ^M.
*) Bald ist iH dem Trichter der rechte , bald wieder der linke
Lappen über den anderen geschlagen. Dieser von unten offene Trich-
ter ist eine auffallende Eigenthümlichkeit, da bei den übrigen (zwei-
kiemigen) Gophalopoden der Trichter ein geschlossener Kanal ist.
Beitrag zur Anatomie von Kautilus Pompilius. 81
In der ersten Abtheilung^ unterscheiden wir erstens
t%]\e Kappe. So nennt Owen eine häutige Scheibe, die die
lOeffnung- der Schale einnimmt, hinten höher ist, sanft ab-
1 gleitend noch vorn läuft und daher eine keilförmige Gestalt
►hat. Sie ist ungefähr 1 Decimeter lang und an dem breite-
«sten Theile bei männlichen Individuen 1% bis 9 Centimeter
■ breit. Von hinten ist die Kappe in der Mille ausgeschnitten;
dieser etwa 4 Centimeter tiefe Ausschnilt entspricht der in
die Oeffnung vorspringenden Windung der Schale. Eine läng-
-iiche Grube auf der Oberfläche trennt diese Kappe in zwei
J seitliche Theile; die Oberfläche ist oberhalb mit queren Gru-
ben gerunzelt, welche sich, besonders nach vorn, mit ande-
ren feineren Längsrinnen kreuzen ; sie ist mit vielen zer-
^ streut siehenden Wärzchen von ungleicher Grösse bedeckt,
i deren grosseste den papillae vallatae der menschlichen Zunge
i ahnlich sind. Unter dem Vorderrande der Kappe sieht man an
rder jeder Seite der Mittelgrube, in einem Abslande von fast
•1 Cenlimeter, einen queren Einschnitt der Oefi'nung, woraus
tfein grau-schwärzliches geringeltes Fühlerchen hervorgestreckt
werden kann; innerhalb der Kappe dehnen sich diese Füh-
, Ich habe schon früher darauf aufmerksam gemacht, dass diese Ein-
'richlung bei den Cephalopoda tetrabranchiata (Kautilus) als eine blei-
^)end embryonale Structur betrachtet werden kann, da, nach den
Beobachtungen Kölliker's, der Trichter bei den zweikiemigeu
Cephalopoden anfangs aus zwei seillich getrennten Theilen besteht.
Entwickelungsgescbichte der Cephalopoden von Dr. A. Kölliker.
Zürich 1843. p. 4l.
Ich will hier beiläufig nochmals hervorheben , dass die Oeff-
nung, wodurch nach Owen der Slanlel zum Durchlassen des Trichters
durchbohrt sein sollte (Memoir an Ihe Kaulilus p. 9) durchaus nicht
exislirt. Der Mantel hat einen geraden freien Uand, worauf das Ende
des Trichters ruht. Ich muss also der Aulfassung widersprechen,
wozu leichllich die später als meine Conlribulions erschienene zweite
Ausgabe von üwen's Lectures on ihe comparalive Analomy of the
invertebrated Animals. London 1855 Veranlassung geben kann, wo
wir p. 579 nochmals lesen: „The margin or collar of the mantle . . . .
is perforated below for the passage of the muscular expiratory aud
excretory tube called the funnel " Diese Worte scheinen aus Verse-
hen aus der vorigen Ausgabe der Lectures (1843. p. 31ü) übergegan-
gen zu sein.
Archiv (. Naturgesch. XXIU. Jahrg. J. Bd. 5
go .taiiiqmo^ w'^^n der Hoeven:
lerchen zu etwa 4V3 Cenlimeler aus. An jeder Seile der
Kappe liegt die dicke ausscrsle Umkleidung des Kopfes in
achtzehn Einkerbungen verlheilt *). Diese Einkerbungen oder
Zipfel sind nach hinten zusammengewachsen und wie zu
einem Kelche verbunden; die untersten Einkerbungen schlies-
sen über dem Trichter aneinander, und sind hier durch einen
dicken , nach vorn ausgeschnittenen Rand verbunden. Vier
''dieser Zipfel liegen mehr nach aussen und nach hinten; die
übrigen bilden gleichsam einen Verticillus; an der Innenfläche
bilden alle diese Zipfel mit der Kappe ein zusammenhängen-
des Ganze, welches als auswendige Bekleidung die fleischige
Mundmasse , worin die Kiefer liegen , kreisförmig umgiebt.
Der erste Zipfel, der an beiden Seilen auf die Kappe folgt,
schliesst sich daran unmittelbar an, und bildet von oben und
vorn gleichsam einen Saum um die Kappe , von derselben
Farbe und Oberfläche wie dieser Theil; die übrigen Zipfel
liegen zur Seite und nach unten, und sind in der Oefl'nung
der Schale nicht sichtbar, von welcher sie zur Seite bedeckt
werden; sind blasser von Farbe, und zeigen wohl Runzeln,
aber keine Wärzchen und Tüpfelchen. In jedem der Zipfel
ist ein kleines Fühlerchen eingeschlossen ; von derselben Farbe
wie die zwei Fühlerchen der Kappe. Diese Fühlerchen stek-
ken nun mehr oder weniger aus den Oeff'nungen der Zipfel
hervor, in welcher Hinsicht eine grosse Verschiedenheit zwr«
sehen verschiedenen Exemplaren herrscht; sie können sich
aber ganz in die Zipfel zurückziehen. Owen hat richtig
angegeben , dass die Kappe aus der Verwachsung der zwei
obersten Zipfel dieser kranzförmigen, fleischigen Umhüllung
des Mundes gebildet ist.
' In diesen Theilen ist kein merklicher Unterschied von den
■iveibiichen Exemplaren, welche bisher uniersucht waren. Der
'tJnterschied zeigt sich nicht in der Anzahl der fühlerlragen-
den Zipfel; aber es scheint dagegen, dass hierin einige Ver-
schiedenheit, unabhängig von dem Geschlechle, vorkommen
kann. Owen zählte wenigstens ausser der Kappe neunzehn
•Gipfel an jeder Seile an dem Exemplare, welches er unter-
*) Bei einem Exemplare sah ich an der rechten Seite nur
siebenzehn.
Beitrag zur Anatomie von IS'autHus Poropilius. 83
suchte ^). Achtzehn scheint hier aber die Normalzahl zu
sein , welche ich sowohl bei mönnlichen als bei weiblichen
Individuen beobachtete, und welche auch Valenciennes
bei seinem Exemplare fand **). Es ist mir übrigens nicht
unwahrscheinlich, dass in der Gestall der Kappe eine sexuelle
Verschiedenheit liegt, und dass sie, bei derselben mittleren
Länge , bei weiblichen Individuen etwa zwei Centimeter
schmaler ist. Damit ist auch eine Verschiedenheit in der
Gestalt der Schale verbunden ; bei männlichen Exemplaren
ist sie an der Apertur breiler und gewölbter, bei weiblichen
Thieren mehr zusammengedrückt. Auch ist der Rand der
Apertur der Schale bei dem männlichen Thiere, wie es mir
vorkommt, stärker buchtig, bei dem weiblichen mehr gerade.
-I Diese Unterschiede sind aber von geringer Bedeutung
im Vergleiche zu denen, welche uns die Untersuchung der
mehr inwendig angebrachten Zipfel gewährt, die Owen Pro-
cessus labiales nennt. Wenn wir bei dem Nautilus, von
welchem Geschlechte er auch sein möge, die Dicke der
Kappe durchschnitten haben, und nun die auswärtigen Zipfel
nach jeder Seile von einander entfernen, dann sehen wir,
dass die glatte Innenhaut, welche die ganze durch diese
Zipfel und die Kappe gebildete Scheide inwendig bedeckt,
eine Hautfalle abgiebt , woran sich fleischige Verdickungen
anheften. Diese sind in Zipfel vertheill, welche Köcher bil-
den, in denen retraclile Fühler, wie an den äussersten, aber
kleiner als diese, eingeschlossen werden. Betrachten wir
nun diese Einrichtung zuerst bei männlichen Exemplaren
etwas genauer. ..., Die, Haul[aUe,.woy.OÄ wir sprajchen, heftet
tm od'jl'jv/ htm JA^^Und v\if\ui\?U}vA ,
*) Memoir on Ihe Nautilus p. 13. nfA'JiÄ i ):
**) Wenn ich früher angegeben habe, Transact. <iftfce'Zot)l.
Soc. IV. I. p.24, dass Valenciennes nur siebenzehn zählte, muss
ich solches jetzt als einen Irrthum widerrufen. Mein Irrthum ent-
stand dadurch, dass ich nicht bedacht hatte, das Valenciennes
den an dem Ausscnrande der Kappe liegenden ersten Zipfel als einen
Theil der Kappe ansah, der also bei ihm an jeder Seile zwei Füh-
lerchen durchliess. Ich vermuthe, dass es auf dieselbe Weise erklärt
AVerden muss, Avenn \V. Vrolik auch von siebenzehn grossen Ta-
stern an jeder Seite spricht, Tijdschrift uitgegeven door de Eerste
Klasse van hct Koninkl. ?? ederl. Instituut II. p. 323. ; ^
84 .«»Hiqmo van der Hoeven:
sich hier nach unten zu mit einem freien Rande an die In-
nenseile des auswendigen Kranzes von Tastern ; die Anhef-
tungsränder der linken und recliten Seite der Haulfalle stehen
etwa 15 Millim. von einander entfernt. An dieser Falte ist
nach oben zu ein fleischige Verdickung (labial process) von
nahe 3 Centimeter Länge zu bemerken, die sich an dem
Vorderrande in acht platte fingerförmige Scheiden spaltet.
Durch jede dieser Scheiden geht ein kleines Fühlerchen.
Die beiden obersten Zipfel sind kurz , liegen unten an dem
Fussstücke der plattenförmigen Verdickung, und sind nach
hinten umgebogen ; die sechs übrigen Zipfel sind höher ge-
stellt und länger. An der rechten Seite ist dieser gefingerte
Lappen breiter als an der linken ^0- An der Aussenscile
derselben Hautfalte, aber gleichwohl mit aus ihr entsprin-
gend , liegt nach unten zu , am rechten Rande , ein kleiner
fleischiger Lappen, der sich in vier fühlertragende Zipfel
spaltet. An der linken Seite liegt auf derselben Stelle, aber
sich nach hinten weiter ausstreckend und deutlicher von der
Falte getrennt , ein grosser und dicker Körper , der aus der
Vereinigung von vier ungemein entwickelten und bemerk-
lichen Tentakeln besteht. Wir nennen diesen Theil, worauf
wir später zurückkommen, den Spadix. Es ist der bezeich-
nendste Theil des männlichen Nautilus.
Ausser diesen Lappen und den darin enthaltenen Füh-
lerchen findet man zwischen dem auswendigen Kreise gros-
ser Tasterzipfel keine andere Theile. Die mehrfach erwähnte
Fälle geht von oben nach innen in die Haut über, die die
fleischige, grosse, runde Muskelmasse, welche den Schnabel
umgiebt, kreisförmig bedeckt, und welche rund um den Punkt
der Kiefer in vielen kurzen und gekrümmten Fädchen , wie
in einer Borde von Fransen, endigt. An dem nach unten
liegenden Verbindungstheile der äusseren grossen fühlerlra-
genden Zipfel findet man von innen viele Gruben, die an
dem ausgeschnittenen Vorderrand der Commissur parallel
sind, und zur Seite und mehr nach hinten sind kleine Höh-
lungen, wodurch dieser Theil ein netzförmiges Ansehen be-
kommt. Kine, Fortsetzung der Haut klimmt , auf etwa ein
*} Die Breite beträgt linlis ungefähr 1 , rechts 2 Centimeter.
Beitrag zur Anatomie von T^autiliM Pompilius. 85
Centiineler Abstand hinler jenem ausg-eschnillenen Rande,
als dünne Brkleidung- nach oben, um das von Owen soge-
nannle Zungenbein und den ganzen Muskelapparat der Kie-
fer zu bedecken , und geht in die von der Rückseite ent-
springende Haut über, oder vielmehr macht damit ein Ganzes
aus. Nach unten zu bildet diese Haut aber noch eine Du-
plicalur, einen blinden ovalen Sack, der ein zusammenge-
setztes Organ umkleidet. Aus der Querspalle, oben an der
Duplicatur, kommt dieses Organ zum Theii mit seinem Ober-
rande zum Vorschein. Dieser Theil ist etwa 14mm. breit
und 18mm. lang-, hat eine eirunde, an der Oberflache ge-
wölbte, an der Unterseite platte Gestalt, und liegt als ein
kleines Polster unter und hinter dem Zungenbein, und gegen
die Unterfläche des Anfangs des Schlundes. Oefl'net man die
Haulfalle, worin es eingeschlossen liegt, dann sieht man, dass
das Organ aus zwei seitlichen Theilen von bohnenförmigor
Gestalt besteht, die vorn mit einem rundlichen Rande einan-
der zugekehrt sind. Diese zwei Ränder sind durch 7 oder
mehr Einkerbungen *") , zwei bis drei mm. lief, in platte,
viereckige, nach innen zu schmaler werdende Zipfel gelhciltr
Wenn man durch einen Längsschnitt die zwei seillichen
Theile von einander trennt, dann sieht man in jedem dieser
Thcile noch etwa vierzehn sehr dünne Piällchen , die schief
nach dem Innenrande und nach innen laufen ; das unterste
dieser Plättchen liegt gegen einen keulenförmigen , glatten
Theil, der nach unten zu breiter wird. An der Aussenseile
dieses Theils liegt eine kleine Höhle zwischen der freien
dicken Aussenvvand , die durch quere lose Fasern gebiK
det wird.
Vergleichen wir nun diese Organisation mit der, welche
bei den weiblichen Exemplaren von Nautilus vorkommt. Hier
sind an jeder Seite zwei Lappen, die in fingerförmige Zipfel
verlheilt sind **}. Das oberste Paar ist breiter und tragt
— a/i'»**-!!
*) In dem 1847 von mir untersuchten Exemplare fand ich zehn
bis elf von diesen tetragonalen Zipfeln. Transact. of the Zool. Soc.
IV. I. p. 27. pl. 8. Fig. 9.
**) „Kour processcs, which may be termed labial« Owen, Mem.
oa the Kantilus p. 14. Val enci enu es, der sich bemüht eine gc-
86 .«oiliqm' van der Hoeven:
gewöhnlich oder fast immer zwölf Fühlerchen *). Die Haul-
falle, die diese Lappen an der Unterseite mit den äusserslen
grossen Tasterzipfeln vereinigt, ist durch eine Menge fein-
häutiger Blältchen bedeckt, die in zwei Gruppen getrennt
sind. Das unterste Paar liegt innerhalb des Kreises des ober-
sten Paares und unmittelbar gegen die fleischige Masse, die
die Kiefer umgiebt. Diese untersten Lappen sind schmaler;
sie entstehen mit einem slielförmigen Thcile , der nach vorn
zu in einen breiteren, bandförmigen Theil übergeht, und sich
seitlich gegen die fleischige Mundmasse aufrichtet. Ich fand
hier sechzehn Fuhlerchen an der rechten, vierzehn an der
linken Seite ^*'^). Zwischen diesen innersten fühlerlragenden
Zipfeln liegt, unter der fleischigen Mundmasse, ein aus acht-
zehn oder siebzehn Fallen gebildeter Theil, welchen Owen
für das Geruchsorgan hielt, welcher aber nach meiner Mei-
nung für eine Fortsetzung des Kreises der inneren Tentakeln,
die hier in rudimentärem Zustande vorhanden sind, angese-
hen werden muss. Dieser Theil liegt auf den feinhäuligen
Blältchen der Commissur der vorigen Zipfel.
Man sieht folglich, dass hier ein sexueller Unterschied
Statt findet. Dieser Unterschied muss aber in seiner Be-
schaffenheit noch näher untersucht werden. Man könnte an-
nehmen, dass sowohl bei dem männlichen als bei dem weib-
liche Nautilus zwei Paare von processus labiales anwesend
wären. Das erste Paar würde dann bei dem Männchen oben
und inwendig angebracht sein, und acht Fühlerchen tragen,
während es bei den Weibchen oben und auswendig gelegen
zwungene Analogie mit den Armen der Dibranchiala zu verlheidigen,
nennt diese Theile Lras internes.
*) Hier fanden Owen und W. Vrolik zwölf Tcntacula, wo-
mit auch meine Beobachtungen immer übereinstimmten; Valencien-
nes fand dreizehn Tcntacula, p. 274.
**) Bei einem Exemplare fand ich vierzehn rechts, dreizehn
links. Owen giebt an diesen Zipfeln, gleichwie an den äussersten
labialen Zipfeln, zwölf Fühlerchen an. Älemoir p. 14; Valencien-
nes giebt für diese Anzahl jederseils dreizehn an; W. Vrolik vier-
zehn. Es scheint daher hier einige individuelle Verschiedenheit stall
zu finden, aber eine grössere Zahl als bei den äussersten labialen
Zipfeln muss dennoch als Regel betrachtet werden.
Beilrag lur Anatomie von KauliluB Pompiliu». 87
wäre und zwölf Fühlerchen trüge; das zweite Paar würde
sich durch die greringe Zahl von nur vier Tentakehi, und
mehr noch weil es ausserhalb der obersten Zipfel liegt, von
den untersten processus labiales des Weibchens unterscheiden.
Früher habe ich die Verschiedenheit in diesem Sinne,
»
aufgefasst *). Nähere Untersuchung brachte mich jedoch zu,
einer anderen Auffassung, die mir mehr annehmlich erscheint.»
Beide Zipfel sind bei dem männlichen Exemplare an dersel-
ben Haulfalte befestigt, wie sehr auch der unterste Zipfel an
der Aussenseite der Hautfalte liegt. Ich glaube daher, dass
diese beiden Fühlergruppen bei dem männlichen Nautilus nur
einem Paare der labialen Zipfel des weiblichen Nautilus ent-
sprechen, und dass sie auf Kosten des anderen Paares ent-
wickelt sind. Die Commissur an der Unterseite lehrt, dass
das Paar, welchem sie entsprechen, das der äusserslen labia-
len Zipfel des weiblichen Nautilus ist. In dieser Auffassung
kommt auch die Zahl der Fühlerchen in beiden Geschlechtern,
überein (8 + 4 bei dem Männchen, 12 bei dem Weibchen.
Die sexuelle Verschiedenheil kann nun klarer angege-
ben werden, ßei dem männlichen Thiere sind die äusser-
sten labialen Zipfel in zwei Abtheilungen getrennt, wovon die
unterste nach unten liegt und vier Fühlerchen trägt. An
der linken Seite ist diese Gruppe von 4 Tastern zu dem Spa-
dix entwickelt. Die untersten oder innersten labialen Zipfel
scheinen bei dem männlichen Thiere zu fehlen. Als rudi-
mentäre Processus labiales inlerni oder inferiores können
jedoch vielleicht die Theile angesehen werden , die an der.
innersten Commissur, das unter der Zunge und den Kiefern
liegende Organ zusammensetzen. Die vorragenden ßlättchen
in diesem Theile entsprechen dann in einer grösseren F'ein-
heit den Plätlchen, welche bei Owen, in seiner Beschrei-
bung des weiblichen Nautilus den Namen von Riechorganen
tragen. Die feinen häutigen Theile dagegen, die bei der
Commissur der äusseren labialen Zipfel bei dem Weibchen
vorhanden sind, fehlen bei dem mannlichen Thiere ganz, und
*) Tijdschr. uilgeg. door de eerste Klasse van het Koninkl. Ke-
derl. Instituut. I. 71 j Tiansact. of the zool. Soc. IV. I. p. 26, 27.
8S vah der Iloe veti: T"* SrnJi«*«
werden durch das netzförmige Gewebe vcrlrclen , das die
Vereinigungf der äussersten tastertragenden Zipfel von innen
bedeckt.
Kehren wir nun zu dem Spadix an der linken Seite des
männlichen Nautilus zurück. Dieser Körper ist 6 bis 7 Cen-
timeter lang, 4y2 bis 5 Centimeter hoch, und am Grunde d
Centimeter breit. Ein Querdurchschnitt beweist deutlich, dass
er aus vier Tentakeln besteht , wovon sich besonders drei
durch bedeutenderen Umfang unterscheiden, und deren Schei-
den untereinander verwachsen sind *). Das unterste Fühler-
chen hat nur eine kurze, häutige Scheide am Grunde, und
liegt übrigens frei längs dem Unterrande an der Aussenseile
des durch die drei übrigen Fühler gebildeten Hauptkörpers des
Spadix. An der Aussenseite der häutigen Scheide des ober-
sten Tentakels des Spadix liegt, dicht bei dem Vorderrande,
ein platte Scheibe von länglich runder Gestalt, deren kleine-
rer Durchmesser 'i'/j, deren grösserer 3 Centimeter beträgt.
Diese Scheibe ist von vielen kleinen, runden Löchern durch-
bohrt, die durch etwas erhabene Ränder umsäumt sind; sie
liegen auf ungefähr 1mm. Absland von einander, auf einigen
Stellen aber dichter beieinander. Ein Längsdurchschnitt der
Dicke der Scheibe zeigt, dass sie aus vielen folliculi besteht,
welche senkrecht auf ihrer Oberiläche stehen , sich durch
sackförmige Erweiterungen an den Wänden auszeichnen und
ihre Oeffnungen in den eben erwähnten Löchern haben.
An dem Mantel, um etwas von dem zweiten Hauptlheile
des Körpers hinzuzufügen, fehlen die beiden Hervorragun-
gen, die an seinem unteren Theile bei dem weiblichen Thiere
vorhanden sind *"•), Der drüsenarlige, aus vielen Plallen
zusammengesetzte Theil, der bei dem weiblichen Nautilus an
der Stelle an die Innenseile des Mantels gcheflel ist, fehlt
*) Diese TcnlaUeln zeigen dem «nbewaffneten Auge eine Slruk-
tnr, welche mit der, wie sie bei den gewölinlichrn Tentakeln unter
dem Mikroskope wahrgenommen wird, übereinstimmt. Vgl. R. Owen,
Od ihe slruclure and homology of Ihe cephalic tcntacles in the pcarly
TN'aolilus. Annais and xVag. of nat. bist. Xll. 1813. p. 308.
•"*) Ovven ]\kmoir p. 9. Tl. T. e PI. H. f. 1. e ; vergl. meine Ab«
ktlJungcn Transact. of tbc zool. Sjc IV. I. Tl. 5 h. Fl. 6. fig. 3 h h.
Beilrag zur Anatomie von Nautilus rompilius. 89
I)ei dem männlichen Nautilus, wodurch also Owen's Meinung"'
hestäligt wird, der diesen Theil als in Verbindung mit den
Forlpflanzungsorgancn betrachtete und ihm die Absonderung^
einer Dmkleidung der Eier zuschrieb *). Ferner kommt
es mir vor, dass der Mantel bei dem männlichen Nautilus
kurzer ist, und die Augen fast unbedeckt lässl, während der
Rand des Mantels bei den weiblichen Exemplaren über die
Mille der Vorderfläche der gestielten Augäpfel hinläuft **).
';«19 tob i':f;i
II.
Männliche Fortpflanzungsorgane des Nautilus.
Wenn wir, nach Zurückschlagung oder Wegschneidung
des Mantels , den Nautilus an der Unterseite betrachten, dann
finden wir bei diesem Thiere einen Raum oder eine Höhle,
die von der Eingeweidehöhle abgeschieden ist , und die vier
Kiemen enlhält. Die Lage der in diesem Kiemensacke sicht-
baren Theile kommt bei dem männlichen Nautilus im Ganzen
mit der der gleichnamigen Theile bei dem weiblichen Thiere
überein. Die Ruthe liegt aber nicht oder kaum zu unserer
*) „A glandulär apparatus . . . ., which , if not peculiar to,
is in all probabilily more strongly developed in the female than in
the male Nautilus Pompilius," p. 9. S. ferner die Beschreibung die-
ses Theiles cbend. p. 43.
**) Anmerkung des Herausgebers. Als der Verf. diese Ab-
handlung veröfTentlichte , kannte er die Arbeit von Steenstrup
noch nicht, M'elche ich im vorigen Jahrgange in der Uebersetzung
milgetheilt habe. Er würde sonst unzweifelhaft in dem Spadix einen
hectocotylisirlen Arm erkannt haben, der hier an der linken Seite im
ersten Paare liegt. Diese Thatsache redet der Val encien n es'schcn
Ansicht sehr das AYort, nach welcher die inneren acht Zipfel den
Armen der Dibranchiaten, die sogenannten Tentakeln oder Fühierchen
den Saugnäpfen entsprechen. Selbst diejenigen, welche, wie unser
Verfasser, bisher der Val en ciennes'schen Deutung abhold waren,
möchten sich durch die Vcrgleichung der von Steenstrup söge*
nannten hectocotylisirten Arme mit dem Spadix van der Hoeven's
umstimmen lassen.
90 vanderlloeven:
Linken, wie die EierleiteröfFnung oder Vulva bei dem Weib-
chen^), sondern beinahe genau in der Mittellinie, zwischen
dem After und dem Trichter. Diese Ruthe ist von einer
stumpf kegelförmigen Gestalt ; an der Rückenfläche ist sie fast
bis an ihr Ende an die Haut festgevvachsen, welche zwischen
zwei grossen Muskelsäulen (den grossen Schalenmuskeln) aus-
gespannt ist , und wodurch die Eingeweidehöhle von dem
Kiemensacke getrennt wird. Zu unserer Linken, also — da
wir das Thier hier von der Unterseite sehen . — an der rech-
ten Seite des Thieres, unterscheidet man, zwischen dem After
und der ersten Kieme , an dem Grunde des Penis, eine ge-
wölbte Erhabenheit, welche durch eine darunter liegende
Blase (dem Spermatophoren-Sack) verursacht wird.
Betrachten wir ferner, bevor wir diese äusseren Theile
ferner verfolgen, die inneren Fortpflangungsorgane. Sie be-
stehen hauptsächlich aus zwei Drüsen , beide von ansehnli-
cher Grösse. Wenn wir den Sack, der die Eingeweide ent-
hält, von der Rückseite öffnen, dann finden wir in dem Hin-
terende dieses Sackes , links von dem Muskelmagen , die;
grösste dieser beiden Drüsen, die jedoch grossentheils durcl^
die Leberlappen und rechts auch ein wenig vom Magen be-7
deckt ist. Diese Drüse, welche nach Analogie mit den übri-
gen Cephalopoden für den Hoden gehallen werden muss **),
ist in eine dünne weisse Haut eingeschlossen, wie auch die
übrigen Eingeweide durch eine solche Umkleidung alle be-
sonders eingeschlossen sind *^'^ ), Diese Drüse hat eine
*) Das ist an der rechlen Seite des Thieres, welches in dieser
Lage den Rücken von uns abkehrt. S. meine Abbild. Transact. of Ihe
j^ool. Soc 1. 1. PI. 7. flg. 4.
**) An derselben Stelle, wo bei dem männlichen Pfautilus der
Hode liegt, ist bei dem weiblichen Thiere das Ovarium angebracht,
Owen sagt zwar, dass der Muskelmagen im Grunde des Eingeweide-
sackes links und der Eierstock rechts liege (Memoir on Ihe pearly
Nautilus p. 26. §.4), aber dies ist nur auf die Lage bezüglich, in der
das Thier untersucht und abgebildet ist, nämlich auf dem Rücken lie-
gend und von der Bauchseite gesehen.
="**) Das Mikroskop zeigt in dieser Haut feine Lüngsfasern und
einige, wenig zahlreiche Querfäden, mit zerstreuten Körnchen oder
Kernen.
rtmcttitunu
I
Beitrag zur Anatomie von Kautiliis Pompilius. 9t
Länge von etwa 7 Cenlimetern, und an ihrem breiteste» Theile
eine Breite von 4 Centimelern ; sie übertrifft alle übrigen
Eingeweide, die grosse Leber allein ausgenommen, an Um-
fang, und reicht mit ihrem Vorderrande bis an das Herz,
nimmt also fast die ganze Länge des Eingeweidesackes ein.
Sic hat eine platte eiförmige Gestall und ist an der linken
oder Aussenseite durch einen , besonders von oben kugelig
hervortretenden Rand umschrieben. Hat man die dünne, aber
feste Bekleidung von diesem Theile weggenommen, dann er-^
scheint der Hode von einer bräunlichgelben Farbe, und man
sieht, dass er in eine untere und obere Hälfte, und durch
schiefe Qu^rgruben in einige lose verbundene Lappen ge-
lheilt ist. Er ist aus einer Menge Acini zusammengesetzt,
die sich auf der Oberfläche mit ihren blinden Enden als
weisse Flecken darstellen. Die eigentliche Zusammensetzung
des Gewebes dieser Acini ist mir nicht deutlich geworden;
das Mikroskop zeigte nichts als eine körnige Masse. Inner-
halb des Hodens sieht man weisse Röhren, die in einen
rechts verlaufenden Kanal (vas efferens) zusammenlaufen. Die-*
ser Kanal verlässt das Gewebe des Hodens , verläuft eine
kurze Strecke in dem ümhüllungssack und endigt in eine
platte, kegelförmige Hervorragung mit einer kleinen schiefen
Oeffnung. Der Rand dieser Papille zeigt strahlenförmige
Falten und ist mit der Umhüllung des Hodens innig verbun-
den, welche von der erwähnten Oeffnung durchbohrt ist.
Ueber und rechts vom Hoden liegt eine zweite Druse von
platter Gestalt, länglichrund und kleiner als die erste *). Sie
besteht zum Theil aus vielen kleinen , an plattenartige quere
Zwischenwände gehelteten Läppchen, die aus mikroskopischen,
fingerförmigen blinden Schläuchen gebildet sind, deren Wände
aus cylinder- oder kegelförmigen Zellen (Cylinderepilhelium)
bestehen. Im Vorderende dieser zweiten Geschlechtsdrüse
ist ein quergestelltes Säckchen eingeschlossen , das von un-
*) Es ist jetzt klar geworden, dass es diese zweite Drüse war,
welche ich an dem unvollständigen Exemplare, das ich 1847 unter.
sucht habe, für den Hoden ansah („eine runde Masse, die aus der
Bauchhöhle fiel." Tijdschr. uitgeg. door de eerste klasse van het kon.
Nederl. Instituut L p. 72).
02 «öiUqmol .i^an derlloeven:
ten von ihrem Gewebe frei umgeben wird. Hinter diesem
Bläschen zeigt sich ein milchwcisser Körper, worin ich erst
später, aufmerksam gemacht durch Dr. J. A. Bogaard,
Prosector an der Leydener Universität, der mit mir die
Geschlechtslheile des Nautilus untersuchte, die Windungen
einer Röhre erkannte. Es ist mir geglückt, den Verlauf die-
ser Röhre weiter zu verfolgen, was, da sie innig mit dem
Gewebe der Druse zusammenhängt, und grossentheils im In-
nern dieses Gewebes verborgen liegt, einige Schwierigkeit
hat. Mit ihrem Vorderende kommt diese Röhre zwischen
einem zweizipfeligen Wärzchen rechts von dem oben er-
wähnten Bläschen hervor , nimmt dann erst gegen den Hin-
terrand des Bläschens ihren Verlauf nach links, bildet dar-
auf starke Verwickelungen, die nach unten und oben gehen,
und dicht bei einander liegen, geht dann weiter, dicht längs
dem rechten Rande der Drüse, nach hinten, dringt wiederum
mehr in die Tiefe und endet endlich als ein feiner Kanal von
etwa Vjmm. Durchschnitt. Die für das blosse Auge kaum
sichtbare Oeffnung dieses feinen Kanalcs liegt an der linken
Seite der Drüse, welche daselbst eine längliche Grube zeigt
gegenüber der kegelförmigen Hervorragung, worin das Vas
deferens des Hodens ausmündet. In dieser Grube wird das
erwähnte kegelförmige Ende in der natürlichen Lage der
Theile aufgenommen , und in ihrer Tiefe ist eine längliche
Spalte, welche zu einer kleinen Höhlung der Drüse führt,
die mit einer Haut, die schwache Längsfallen besitzt , jedoch
übrigens glatt ist, bekleidet wird. Oben in diesem Räume
öffnet sich das dünne Ende iles verwickelten Kanales. Die-
ser Kanal ist also die abführende Röhre (vas deferens), und
die zweite Drüse ist deshalb zum Theil als die Umhüllung
dieser abführenden Röhre anzusehen. Aber diese Röhre ist
zugleich der Abzugskanal der Absonderung dieses Drüsenge^
webes, durch welches es hindurchtrilt, und unzweifelhaft ist|
sie noch ausserdem selbst der Sitz einer Absonderung, weil!
ihre Wände dasselbe Cylinderepilhelium darbieten , wie diel
Acini der umgebenden Drüse. Diese Wände sind, besonders
in dem oberen Theile , sehr dick, so dass der innere Raum
in keinem Verhältnisse zu dem äusseren Umfang sieht. Die-
ser hat im Mittel zwei Millim. im Querschnitt; nach vorn zu
Beitrag zur Anatomie von Nautilus Tompilius. 93
wird die Röhre von grösserem Umfange, obwohl nicht gleich-
massig; zwei Haupterweilerungen , die sie zeigt, haben im
QuerschniKe drei Miilim. Weile.
Das Bläschen, wovon wir oben sprachen, bildet ein
nach links blind endigendes Diverliculum. Die Innenfläche
dieses Bläschens hat an der rechten Seile viele vorspringende
Qucrfallen, und zeigt hier eine kleine zweile Oeffnung, die
unmiltclbar über dorn Ende öes Vas deferens liegt; rund um
diese OefTnung bilden die erwähnten Fallen einige Kreise.
Sie ist das unterste Ende einer 4 bis 5 Miilim. langen Röhre,
deren Umfang etwa drei Milüm. beträgt. Diese Röhre hat
ziemlich dicke Wände, und zeigt auf ihrer Innenfläche Längs-
falten. Sie führt zu dem Spermophoren -Sack '0? einer run-
den Blase, mit ziemlich festen Wänden, so dass sie auch im
völlig leeren Zustande nicht zusammenfällt. Die innere Höhlung
dieser Blase besitzt zahlreiche vorspringende Längsfallen,
und wird durch eine schiefe Zwischenwand mit einem freien
Vorderrande in zwei von oben mit einander zusammen-
hängende Höhlen getheilt. Diese Blase geht unmittelbar in
den Rulhenkanal (Urethra seminalis) über, welcher auch stark
vorspringende Längsfallen zeigt. Die dicken Wände dieses
Kanales, die den Penis bilden, bestehen aus einem ziemlich
festen Gewebe; auf der zerspallenen Oberfläche bemerkt man
einige runde Löcherchen, die durchschnittene Blutgefässe
zu sein scheinen. An dem Ende des Penis zeigt sich das
Ende der Urethra seminalis als eine Queröfi'nung, von einem
dicken Rande umgeben, der durch Einkerbungen in einige
Höckerchen getheilt wird; an der nach unten gekehrter^
Fläche sind besonders zwei dergleichen Höcker deutlich zu
unterscheiden. »^tj
In einem von mir untersuchten Exemplare , welches in
der Periode der Geschlechtserregung gestorben war, sah ich
den Spermophoren-Sack durch seinen Inhalt stark gespannt,
den ganzen Raum zwischen dem After und dem Grunde der
Ruthe neben der vorderen rechten Kieme einnehmen, wäh-
*) Die französischen Schriftsteller über die Anatomie der Ce-
phalopoden nennen diesen Theil poche ncedhamienne, nach Need-
ham, den man als den Entdecker der Spermophoren anzusehen pQegt.
9^ .tf??5}trr'; *| ^ ^^^ ^^^ Hoeven: r- ,,; <t
rend eine Spermophore den Penis anfüllte und zum Theil
aus seiner Oeffnung zum Vorschein kam.
Die von mir bei Nautilus gefundenen Theile zeigen im
Ganzen denselben Typus, welchen wir in den männlichen
Geschlechlstheilen der zweikiemigen Cephalopoden bemerken.
Der Kanal , den wir als Vas deferens angedeutet haben,
kommt in seinem obersten weiteren , mit dicken Wänden
versehenen Theile mit dem Theile überein, welchen Cuvier
bei Octopus als Vesicula seminalis anspricht. Das Bläschen,
worin diese Röhre endigt, kann mit dem Theile verglichen
.'werden , den dieser berühmte Anatom und Andere nach
ihm als Prostata betrachten, obgleich es mit mehr Recht
für eine Vesicula seminalis gehalten werden kann. Das Drü-
sengewebe, welches das Vas deferens umgiebt und bedeckt,
scheint bei den übrigen Cephalopoden zu fehlen. Durch die
Kleinheit des Spormophorensackes und einige andere Ei-
:genthümlichkeiten nähert sich Octopus, mehr als Sepia und
Loligo, an Nautilus an; auch in den Spermophoren ist eine
nähere Verwandtschaft von Nautilus mit Octopus, als mit den
2ehnarmigen Cephalopoden anzugeben.
In dem Oberende des abführenden Kanales (dem Theile,
welcher der Vesicula spermatica der Schriftsteller entspricht)
fand ich bereits unvollkommene, noch sehr weiche Spermo-
phoren; sie waren mehr entwickeil in der kleinen Blase,
worin der Kanal endigt; aber eine grössere Festigkeit und
eine bestimmte Verwickelung in spiraligen Windungen be-
kommen sie erst in dem Sack, worin sie sich unter dem Penis
..ansammeln.
ux d Aus diesem Needhamschen Sack, der unzweifelhaft con-
tractu ist, werden die Spermophoren in den Kanal des Penis
und von da in den Kiemensack gebracht. Daraus gelangen
sie, sei es durch den Trichter, sei es längs dem freien Man-
telrande, nach oben zu den verschiedenen Theilen, die als
fühlertragende Zipfel die muskulöse Mundmasse umgeben.
-iUiv Dass dort die Spermophoren, bevor sie aus der Schalen-
Öffnung herausgehen, um in die Schale eines weiblichen Nau-
tilus zu gelangen, einige Zeit verbleiben, ist mir zur Gewiss-
heit geworden. Bei drei Exemplaren habe ich sie dort an-
getroffen, und in allen an derselben Stelle. Es war nament-
Beitrag zur Anatomie von Nautilus Pompilius. 95
lieh an der Rückseite, unter der Kappe, und zwar zwischen
den beiden kleineren ersten Fühlerchen der beiden Pro-
cessus labiales, während die der linken Seile sie als zwei
Fingier umgaben, und davoH^ eine Höhlung am Grunde des
rechten fühlertragenden Lappens, durch eine die Spermopho-
ren umschliessende Blase eingedrückt war. Also liegen
die Spermophoren hier nicht unbedeckt, son-
dern sind in einer runden braunen Blase einge-
schlossen, die etwa 18 Millim. lang und 15 Millim. breit
ist, und deren Wände aus drei bis vier auf einander liegen-
den slruclurlosen Häuten bestehen. ■ '^^*"» odutM il
Ich halle diese Umhüllung der Spermophore für eine der
bemerkenswerthesten Eigenlhümlichkeiten, welche ich bei der
Untersuchung des männlichen Nautilus kennen gelernt habe.
Das Einschliessen der Spermophoren in dieses Bläschen muss
nolhwendig staltgefunden haben, nachdem sie durch den Pe-
nis gegangen sind. Selbst wenn ich nicht, wie oben er-
wähnt, Spermophoren in dem Kanal des Penis wirklich an-
getroffen hätte, die nech nicht in einem solchen Bläschen
eingeschlossen waren, so würde doch die ansehnliche Grösse
der Blase gegen die Möglichkeit eines Durchganges durch
den Kanal streiten. Die Häute dieser Blase werden also aus-
serhalb der Eingeweide abgeschieden. Aber durch wel-
che Theile geschieht diese Abscheidung? Auf diese Frage
kann ich nur durch eine Vermulhung antworten. In dem
Kiemensacke sieht man nichts, was die Abscheidung bewir-
ken könnte. Aber an dem anderen Haupttheile des Körpers
sind zwei Organe, welche hier in Betracht kommen können.
Alan könnte erstens meinen, dass die vielen Falten des hin-
ter dem Unterkiefer unter dem Schlünde liegenden Organes
zur Abscheidung dienen könnten. Zweitens muss hier die
runde drüsige Scheibe in Betracht kommen, die auf der Aus-
senfläche des Spadix liegt. Während es unsicher ist, ob der
erstgenannte Theil eine secernirende Verrichtung ausübt,
kann über eine solche Verrichtung bei dem zweiten kein
Zweifel sein. Daraus folgt aber nicht, dass die Abscheidung,
die in der erwähnten Scheibe slaltfindel, gerade zur Bildung
des Bläschens, welches die Spermophoren einschliesst, dienen
muss. Wäre es mir geglückt, in einem Exemplare Spermo-
£•6 .»omoflio*! . van der Iloeven: r.^.....^jf
phoren auf dem Wege von dem Kiemensack nach der Rück-
seite des Thieres anzutreffen, dann würde diese Sache einer
näheren Entscheidung fähig sein.
Ich bin niclit im Stande ^u erklären, wie das Bläschen
mit Spermophoren aus der Schale des männlichen Thieres
ausgeworfen wird. Eine wirkliche Begattung kann hier nicht
stattfinden; nicht allein ist hierzu der Penis zu tief im Man-
tel gelegen und zu kurz, sondern ausserdem zeigt die Um-
hüllung der Spermophoren , dass das Auswerfen des Sperma
durch den Penis bereits einige Zeit der Befruchtung vorher-
gehl. Ich glaube mich nicht zu irren, wenn ich in der Ein-
hüllung der Spermophoren ein Mittel sehe, um das Sperma
einige Zeit zu bewahren und gegen die Wirkung des See-
wassers zu beschirmen, bis es auf den Ort seiner Bestimmung,
den Kiemensack des weiblichen Nautilus, gekommen ist.
Wir wollen zum Schlüsse noch etwas über die Struktur
der Spermatophoren *) oder Spermophoren mittheilen, soweit
diese bei Exemplaren, die lange in Weingeist gelegen haben,
untersucht werden können. Es ist bekannt, dass das Sperma
der Cephalopoden in besondere grosse Körperchen einge-
schlossen ist, welche unser Swammerdam zuerst bei
Sepia olficinalis als „weisse und zarte Federchen, die sich
im Wasser bewegen und aufplatzen" **) beschrieb, und wel-
che Needham bei Loligo näher untersuchte, wodurch sie
auch später den Namen Corpora Needhamiana bekommen
haben. Ich fand in dem eben beschriebenen Bläschen, wel-
ches unter der Kappe lag, stets nur eine einzige Spermo-
phore, und darf sieht annehmen, dass es deren zwei fassen
könnte. Die Spermophore ist von einer ungewöhnlichen
Länge und liegt in dem Bläschen in vielen Windungen auf-
gerollt, wie ja auch die Spermophoren bereits in derVesicuIa
seminalis aufgewunden sind. Es ist mir geglückt, eine vonrJ
ihnen zu entrollen, aber nicht ohne dass einige Stücke ab-
brachen, und ich kann daher die Länge auf reichlich 27 Cen-
tüsA ii^lvnfx im.
*) Duvernoy verändert diesen IVamen in den von Spermo.
phoren; mit einer geringen Modificirung, gemäss der Erläuterung einefj
berühmten Hellenisten, schreiben wir lieber Spermophoren.
**) Biblia naturac p. 896.
Bertrag znr Anatomie von Nautilus Pompilius. 97
limcler foslselzen. Dr. Boogaard setzt die Länge einer
anderen durch ihn gemessenen Spermophore selbst auf 34
Centimelor. Diese ansehnliche Länge ist nicht ganz ohne
Beispiel bei den übrigen Cephalopoden; Milne Edwards
(und die Sperinophoren bei Octopus vulgaris 8 Centimeter
lang *) und R. Leuckart fand bei Octopus Carenae die
Spermophore drei Fuss lang**). Die Spermophore von Nau-
tilus ist ein walzenrundes Röhrchen, nicht überall gleich dick,
durchschnittlich 1mm. ; an beiden Enden läuft es schmal aus.
Das schmälste Ende zeigt eine kleine Umbiegung unter einem
spitzen Winkel; dieser umgebogene und dünne Theil ist etwa
3mm. lang. Die Spitze endlich bot in einem Exemplare noch
einen mikroskopischen Anhang dar, der in zwei Zipfelchen
gespalten zu sein schien und unter einem rechten Winkel
von dem früher genannten dünnen Theile abging.
Die Farbe der Spermophore, so wie sie ausser dem
Penis vorkommt, ist braungelb. Innerhalb der Höhle der Sper-
mophore liegt ein bandförmiger, mit dem blossen Auge schon
sichtbarer Faden von etwa Yi^mm. Breite. Dieser Faden ist
platt und in dichten Kreisen spiralförmig gewunden, wie der
Spiralfaden in den Tracheen der Insekten. Sie besteht gros-
sentheils aus Spermatozoiden , die mit ihren haarförmigen
Enden an den in der Mitte liegenden structurlosen Faden
geheftet sind **<^). In Betreff des Uebrigen verweise ich
meine Leser auf die sorgfältigen, hinter dieser Abhandlung
folgenden Untersuchungen des Dr. Boogaard, und lasse
meine nicht vollendeten Aufzeichnungen lieber ganz weg,
als dass sie bei dem Leser durch verschiedene Auffassung
vielleicht zu einer unsicheren Ansicht und zu Verwirrung
führen möchten.
*) Annales des sciences nat. , sec. S6rie, Tom. XVIIL 1842.
Zool. p.339. pl. 14. flg. 1.
***) Zoologische Untersuchungen, drittes Hefl, Giessen 1854. p. 98.
Note 2.
***} Was ich früher als platte, länglich eirunde, mikroskopische
Körper, die an dem Faden hingen, beschrieb (Tijdschr. van de Eerste
Kl. van het Koninkl. Nederl. Instituut. L p. 72) betrachte ich jetzt als
abgerissene Fasern des Spiralbandes.
Archiv f. Naturgesch. XXlIl. Jahrg. 1. Bd. 7
99' van der Hoeven:
^**' Der Bau der Corpora Needhamiana bei dem Dinten-
fische (Sepia officinalis) ist genau untersucht durch C. G.
Carus, der aber seine Beschreibung unicr dem Eindrucke
einer verkehrten Vorstellung verfasst hat, als habe er hier
ein thiorisches Wesen, einen parasitischen Wurm vor sich *).
Vielleicht kann man mit dem, was er als Vormaorn und Ma-
gen [seiner Needhamia expulsoria beschreibt, die Theile in
dem dünnen Ende der Spermophore von Nautilus vergleichen.
Nach dieser Beschreibung haben wir von Peters und
Milne Edwards ^^} und von dem bis zu seinem Tode
unermüdeten Duvernoy"***) vortreffliche und ausführliche
Beobachtungen über die Spermophoren bei verschiedenen Ce-
phalopoden erhalten. Bei dem nicht frischen Zustande der
von uns untersuchten Exemplare kann aber eine Vergleichung
mit diesen Beobachtungen nicht sehr fruchtbar sein. An Ue-
!)ereinstimmungspunkten fehlt es sicher nicht , und, so weil
ich nach dem gegenwärtigen Zustande unserer Kenntniss ur-
theilen kann, sind es besonders die Spermophoren von Octo-
pus, welche die nächste Analogie mit denen von Nautilus
haben. Durch ihre aussergewöhnliche Länge unterscheiden
sich aber die Spermophoren von Nautilus von (]en meisten,
und durch ihre Aufrollung in dichten Windungen von allen
bisher beobachteten Needham'schen Körpern.
*) Needhamia expiilsoria Sepiae officinalis. Beschrieben und
abgebildet von Dr. C. (i. Carus, Act. Acad. Lcop. Carol Vol. XIX.
Pars I. 1839.
•*) Durch den Letzteren mitgclheilt in den Annales des Sc. nal.
Y'V)p. 331—347.
***) Mein, de l'Acad. des sciencos XXIII. 1850. Besonders ab-
gedruckt unter dem Titel: Fragments sur les organes de generalion
de divers animaux p. lll — ll4, wo man auch eine vollständige hi-
storische üebersicht über diesen Gegensland antrifft, womit man das
vergleichen kann, was vor mehreren Jahren von F. S. Leuckart
in seinen Zoologischen Bruchstücken, H. Stuttgart 1841. p. 93— 103
gegeben ward. Bei Nautilus ist die Spermophore fast ganz von dem
rcservoir spermalique eingenommen, welches spirnl gewunden ist; der
appareil cjaculatoire nimmt, wenn überhaupt anwesend, nur einen
kleinen Raum ein.
Beitrag zur Anatomie von INautilus Pompiliuf. 99
Bll.
3Iikroskopische Unlersuchung der Spermophoren
von Nautilus Porapilius.
Von
Or. J. A* Boog^aard.
Die Geslalt der Spermophoren ist im Allgemeinen wal-
zenförmig, während sie nach den beiden Enden spitz zulau-
fen ; öfters sieht man aber (besonders an der concaven Seite
der zahlreichen Windungen) eine oder mehrere Längsfalten in
ihrer Umhüllung. In der Nähe der Enden sind die Spermopho-
ren weniger oder mehr abgeplattet, und an dem einen Ende,
das sich durch eine geringere Dicke unterscheidet, obenein
hakenförmig gebogen; sie endigen, wie es scheint, an bei-
den Seiten mit einem feinen aber ziemlich festen, spitz aus-
laufenden Anhange von ungefähr 1,5mm. Länge und an sei-
nem Ursprünge 0,3mm. Dicke.
Die Windungen der Spermophoren haben eine gewisse
Regel inässigkeit: die beiden Hälften sind jede besonders ge-
wunden und so zu einander gebogen, dass der mittelste
Theil der Spermophore an einem der Enden der länglichen,
gewundenen Masse liegt; dieser Theil kommt auch zuerst
aus dem Penis zum Vorschein. — Die Ursache dieser Eigen-
thömlichkeit ist offenbar in der Gestalt des Spermophoren-
sackes zu suchen , der unmittelbar hinter dem Penis liegt;
wenn die Spermophore in diesen Sack kommt, wird das Ende,
welches zuerst aufgenommen wird, allmählich über den Rand
der Zwischenwand in die zweite Abtheillung des Sackes ge-
drängt, während das andere Ende später die erste Abiheilung
anfüllt; der millelsle Theil der Spermophore kommt dann von
selbst in das vorderste Ende des Sackes bei dem freien Ende
der Zwischenwand zu liegen und muss also auch wohl zuerst
in den Penis und wieder aus diesem zum Vorschein kommen,
da die längliche Gestalt des Knäuels , welche die gewundene
Spermophore bildet, und das enge Anschlicssen der Penis-
wand eine Umdrehung verhindern.
100 .amliqw^ v an d e r II o c v .;n : "'
Zwischen den Windungen liegt ein weisser, schleimi-
ger Stoff. — Die Länge einer von mir gemessenen Spermo-
phore betrug 34 Centim., die Dicke in der Mitte ungefähr
1,25 Millim. — Die Farbe wechselt zwischen Graugelb und
Dunkelbraun ab: diese letztere Farbe findet man aber nur an
Spermophoren , die in oder bereits ausser dem Penis sind.
— Die Festigkeit der Spermophoren ist sehr verschieden nach
der Stelle, wo sie angetroffen werden; kurz nach ihrer Bil-
dung sind sie äusserst weich, wenn sie in den Penis gekom-
men sind, werden sie viel fester, und die, welche in dem
Bläschen ausser dem Penis angetroffen werden, sind ziem-
lich hart und einigermassen elastisch, aber brechen doch sehr
leicht. Dies alles gilt natürlich nur von in Weingeist auf-
bewahrten Exemplaren, da ich keine andere untersuchen
konnte.
Die Theile, woraus die Spermophore zusammengesetzt
ist, sind: eine äussere und eine innere Hülle und ein
Inhalt, worin sich ein grossentheils aus Spermatozoen ge-
bildetes Spiralband und einige meist amorphe Stoffe, die
den Raum zwischen dem Spiralbande und den Hüllen der Sper-
mophore anfüllen, unterscheiden lassen.
Die äussere Hülle ist eine structurlose, ziemlich harte
aber zugleich zerbrechliche, sehr wenig dehnbare Haut, im
Mittel 0,03 Millim. dick (die Dicke wechselt zwischen 0,1
und 0,005 Millim. ab); sie ist bald farblos und dann heller
durchscheinend , bald gelb oder auch wohl dunkelbraun ge-
färbt. Die äussere Oberfläche dieser Haut ist glatt, die in-
nere zeigt öfters quere Hervorragungen , die zwischen den
Falten der inneren Hülle liegen. Diese letzte ist eine viel
dünnere (0,001—0,003 Millim.) und auch structurlose Haut,
die aber zahllose Querfalten zeigt. Sie lässt sich sehr schwer
anders als in kleinen Fragmenten absondern , da sie ziemlich
fest mit der äusseren Hülle zusammenhängt, und sehr leicht
in der Richtung der Falten zerreisst.
Der Raum , welcher zwischen diesen Hüllen und dem
Spiralbande übrig bleibt, wird grossentheils durch einen
helleren , vollkommen farblosen , ziemlich festen Stoff ange-
füllt, der überall zwischen die Fallen der inneren Hülle
id die Windungen des Spiralbandes eindringt. In diesem
Beitrag zur Anatomie von TS^auliliis Fornpilius. 101
Stoffe liegen zahllose, meistens längliche und zuweilen ab-
geplattete Körperchen von sehr verschiedener Grösse (0,002 —
0,01 Älillim. breit und 0,002—0,04 Milliin. und selbst 0,06 Mil-
lim. lang), die aus einem festen, stark lichtbrechenden, farb-
losen Stoffe bestehen ; der grosseste Durchmesser dieser Kör-
perchen liegt immer quer. — Ausser diesen Stoffen kommen
noch zwei andere vor, die vielleicht nur bei in Weingeist
aufbewahrten Exemplaren gefunden werden, und die ich also
nur beiläufig erwähnen will, nämlich: 1) ein feinkörniger,
wenig durchscheinender Stoff, der besonders öfters auf der
inwendigen, aber zuweilen auch auf der auswendigen Ober-
fläche der inneren Hölle gefunden wird; und 2) ein hellerer,
stark lichlbrechender , fester Stoff, der in unregelmässigen
Stücken von allerlei Grösse und Gestalt, meist dicht an dem
Spiralbande anliegt, und aus diesem seinen Ursprung zu neh-
men scheint.
Der wichtigste Theil des Inhaltes der Spermophorenis^
unzweifelhaft das Spiralband , das in queren aber übrigens
sehr unregelmässigen Windungen den grössten Theil der Höh-
lung der Spermophoren erfüllt. Die Breite dieses Bandes
beträgt 0,04— 0,06 Millim. , die Dicke 0,012 Millim. ; die
Farbe ist bei auffallendem Lichte gelblich weiss, bei durch-
fallendem Lichte dunkelgelb. Seine Festigkeit ist sehr an-
sehnlich; man kann bequem Stöcke von zehn und mehr Cen-
limetern Länge an dem einen Ende aufnehmen, ohne dass
der Faden bricht. Dieses Spiraiband liegt, wenn es nicht
den ganzen Raum einnimmt, selten mitten in dem Lumen der
Spermophore, sondern fast immer dicht an eine Seite gedrängt.
Man kann an dem Spiralbande eine Hülle und einen
Inhalt unterscheiden; die erste wird durch ein feines (höch-
stens 0,002 Millim. dickes) vollkommen structurloses Häut-
chen gebildet, welches ziemlich fest mit dem Inhalte zusam-
menhängt: dieser letzte besteht grossenlheils aus Spermato-
zoen , deren sogenannte Schwänze mit einem, in der Mitte
des Bandes liegenden Faden so gunz verschmelzen, dass sie
in den nieishui Spermophoren nicht mehr sonderlich wahrzu-
nehmen und auch nicht zu isoliren sind: nur bei kaum gebil-
deten Spermophoren konnte ich an einzelnen Stellen einen
struclurlosen Faden und die daran liegenden Spcrmatozoen
102 Tan der Hoeven:
unterscheiden. Die vorderen Enden liegen an der Obernüthe
unmittelbar gegen das umhüllende Fläutchen des Spiralbandes:
man kann von da ab die Spermatozoen als sehr feine, aber
scharfgezeichnete Fädchen noch eine Strecke weit nach der
Mitte des Bandes mit dem Auge verfolgen; sie laufen erst
schräg nach innen und dann fast longiludinal. An ihrem
freien Ende sieht man keine deutliche Grenze zwischen ei-
nem Kopfe und Schwänze, sondern nur eine sehr geringe,
kaum merkliche Verdickung und zugleich eine Art von Va-
ricosität.
Was das Verhalten der verschiedenen zusammensetzenden
Theile an den Enden der Spermophoren betrifft, so muss ich j
erstens bemerken, dass die beiden Enden darin keine sehr
bemerkenswerlhe Verschiedenheit darboten. Das Spiralband
erstreckt sich von einem Ende zum andern , und lässt sich
am dünnen Ende bis zu der erwähnten hakenförmigen Krüm-
mung, bei dem anderen Ende bis unmittelbar an die Basis
den Anhanges, der nicht gebogen ist, wie an dem dünnen
Ende, verfolgen. Die Höhle der Spermophore schien sich,
allmählich enger werdend, zu diesem Anhange zu erstrecken :
ich habe dies Ende aber nur einmal in einem gut conservir-
ten Exemplare untersuchen können, und kann also nicht be-
haupten, ob die dort bemerkten Eigenthümlirhkeiten bestän-
dig vorkommen. An dem anderen ( dünnen) Ende ver-
engt sich die Höhlung bei der kakenförmigen Krümmung
plötzlich zu einem sehr feinen, spiralig gewundenen Kanal,
der sich nach wenigen Windungen an der Basis des An- i
hanges dem Auge entzog. Vielleicht ist daher dies dünne
Ende geschlossen und das andere offen , oder wird we-
nigstens leicht durch das Abbrechen des feinen Anhanges
geöffnet. Die innere Hülle schien mir sich eben so weit wie
das Spiralband zu erstrecken; weiterhin sah ich nur noch
die äussere Hülle; die Dicke der Hüllen ist in der Nähe
der Enden sehr veränderlich. — Von einem Ejaculations-Ap-
t)arate (wie er in den Spermophoren anderer Cephalopoden
vorkommt), habe ich nichts gefunden; ich kann jedoch kaum
glauben, dass die Aufbewahrung in Weingeist daran Schuld
sein sollte, weil doeh irgend eine Spur davon übrig geblie-
ben sein würde. Ob dieser Mangel eines Ejaculationsappara-
Britrag zur Anatomie von ISaulilus Pornpilius* 103
Il'S in irgend einer Verbindung mit dem Bläschen slehl, worin
die Spcrnioplioren des Nautilus, nachdem sie aus dem Penis
gekommen sind, eingeschlossen werden, lässt sich vermu-
llien , aber vorläufig schwerlich beweisen.
Die Bildung der Spermoplioren findet unzweifelhaft gros-
sentheils in dem Vas delerens statt, da sie bereits in dem
Säckchen, in welches dieser Kanal mündet, alle zusammen-
setzenden Theile besitzen; jedoch sind daselbst die Hüllen
noch sehr weich, und ebenso der Stoff, welcher zwischen
diesem und dem Spiralbande liegt, woher es kommt, dass man
dieses Band in langen Stücken aus der Spermophore hervor-
ziehen kann, was bei den festeren Spermophoren ohne Hülfe
von Keagenlien nicht möglich ist.
Die Stoffe, woraus die Spermo^3horen bestehen, sind im
Allgemeinen nicht sehr empfindlich gegen Reagentien. Es-
sigsäure, verdünnte Schwefelsäure und selbst Salzsäure blie-
ben fast ohne einige Wirkung. Salpetersäure giebt allen
Theilen der Spermophore (ausser, wie es scheint, den erst-
erwähnten , zwischen den Hüllen und dem Spiralbande lie-
genden Stoffen) eine heller gelbe Farbe, die später durch
Zusatz eifier Kaliauilösung in Orange übergeht, während
fast Alles aufgelöst wird. Bei einzelner Behandlung mit Kali
Cl + 20 aq.) wird erst der so eben erwähnte Stoff auf-
gelöst, wodurch die darin liegenden länglichen Körperchen
frei werden; später werden auch die Hüllen aufgelöst; das
Spiralband bietet den längsten Widerstand , aber wird sehr
durchscheinend und scheint dann ganz slructurlos zu sein. —
In Aether gekocht erleidet das Gewebe der Spermophoren
keine Veränderung.
Das Bläschen, worin die Spermophoren ausserhalb des
Penis eingeschlossen sind, wird, seihst nach 24 Stunden, durch
eine Aufiöüung von 1 Theil Kali in 9 Theilen Wasser wenig
oder gar nicht verändert; ebenso wenig durch die meisten
Säuren , Salpetersäure aber bringt Gasenlvvickelung hervor.
Bei der Behandlung des Gewebes der drüsigen Scheibe an
dem Spadix mit den genannten Ueagentien nimmt man das-
selbe wahr.
ni'j
£inig^es über milbeii.
Von
A. Seil eilten
in Bonn.
(Hierzu Taf. VI und VII.)
In schwarzen pustelartig aufgetriebenen Flecken von
Birnbaum-Blättern entdeckte ich unter der Epidermis kleine,
wurmförmige, weissliche Thierchen, die ich nicht zu deuten
wussle. Herr Professor Troschel, dem ich sie zeigte,
hielt sie für Milben-Larven. Darauf untersuchte ich die Aus-
senseite meiner Blätter und fand da auch bald Milben, die
sich wohl aus jenen Thierchen entwickelt haben konnten.
Ich schloss dieses nicht bloss wegen des gemeinsamen Fund-
ortes, sondern auch wegen der Aehnlichkeit ihrer Mundtheile
und besonders aus zwei starken Borsten am Hinlerleibe der
beiden Thiere. Da ich reichliches Material hatte, indem wohl
ein Drittel der Blätter eines Birnbaumes meines Gartens so
gefleckt und alle meine übrigen Bäume dieser Art, sowohl
frei stehende wie Spaliere, mehr oder weniger so angeslcckt
waren, so selzte ich meine Untersuchungen llcissig fort. In-
nen fand ich immer die Larve und aussen, wenn auch nicht
immer, doch sehr häufig, die Milbe. Und zwar immer die-
selbe Larve und dieselbe Milbe mit einer einzigen Ausnahme.
Ich fand nämlich an einem anderen Birnbäume meines Gartens
eine sehr ähnliche, aber doch etwas abweichende Larve und
einige scllene Male eine andere Milbe ;, die aber mit meiner
Sc heulen: Kiniges über Milben. 105
Birnbaum-Milbe nichts gemein zu haben seheint. l(h werde
später darauf zurückkommen und halte mich nun an meine
eigentlichen Birnbaum-Thiere.
Meine erste Entdeckung machte ich Ende Juli vorigen
Jahres in Bonn, im August war ich in Harlem in Holland
und fand da, auf der Campagne des Herrn Bunge, eben-
falls schwarzgefleckte Birnbaum -Blatter, die ich kurz nach-
her in Amsterdam mit Herrn Dr. D u s s e a u mikroskopisch
untersuchte und wir fanden auch da dieselbe Larve und die-
selbe Milbe.
Später untersuchte ich, durch Erineum rubigo, rolhbraun
gefleckte Blätter einer Linde und fand darin ganz ähnliche
Larven und auf den Blättern Milben.
Diese übereinstimmenden Erscheinungen machten es
wahrscheinlich , wo nicht gewiss, dass Larve und Milbe zu-
sammen gehören. Wenn diese Frage an und für sich nicht
ohne Belang ist , so wird sie dadurch noch interessanter,
dass Duges bereits annimmt, dass diese aus jener_^ entstan-
den, welches Dujardin bestreitet und die Larve für eine
vollendete Milbe nimmt, weil er glaubt Eier darin gesehen
zu haben. Hätte er Recht, so hätten wir vierbeinige Milben,
denn unser Thier hat vier Beine. Seine ganze Behauptung
beruht übrigens bloss darauf, dass er durch die opake Haut
eines dieser Thiere, rundliche Gebilde hat durchschimmern
gesehen, die er für Eier annimmt.
in den Annales des sciences naturelles 1834. t. IL sec.
Serie p. 104 finden wir von Duges dieselbe Larve beschrie-
ben und abgebildet. Identisch dieselbe ist sie zwar nicht,
aber doch so ähnlich, dass Dujardin sie mit der seini-
gen , die auch wieder von der meinigen abweicht , für
demselben Genus angehörend nimmt. Duges vermuthet,
dass es die Larve einer achlbeinigen Milbe, des Tetranichus
Dufour sei, und zwar, theils wegen der Aehnlichkeit der Mund-
theile und der Beine , theils wegen des gemeinsamen Fund-
ortes. Auch sah er die Larven unbeweglich werden und sich
in Puppen verwandeln, den Körper sich zusammenziehen,
indem er die Exlremiläten seiner Hülle verliess. Zwei- oder
dreimal sah er in Gallen der weissen Weide und der Linde
kurze, Hinke, achlbeinige Milben, mit den Palpen und Beinen
106 Scheuten:
des Tetranichus, dem grösseren rölhlichen Telraniclius voll-
kommen ähnlich, die er auch mehrmals in grösseren Gallen
gefunden hat. Dujardin beschreibt das Ttner in den An-
nales des sciences naturelles 1851. lome XV. 3. Serie p. Itiö.
Wegen der vermeinilichen Eier hält er es lür eine ausge-
bildete vierbeinige Milbe und legt ihr den Namen Phyloptus
bei. Für diese Eier hat er keinen anderen Beweis, als dass
er durch die Hülle des Thieres hindurch rundliche oder runde
Gebilde hat durchscheinen sehen. Nach seiner Zeichnung
kann man sie lür Eier hallen, aber auch für etwas anderes.
Er beschreibt das Thier als weiss, also nicht durchsichtig,
gestreift und daher noch undeullicher. Bei auffallendem Lichte
unterscheidet man vom Innern auch gar nichts und bei durch-
fallendem bekommt man nur ein sehr trübes Bild davon; wie
auch seine eigene Zeichnung es darstellt. Man sieht darin
das was er für Eier annimmt, aber durchaus nichts anderes
von Eingeweiden, wofür doch noch Kaum genug übrig bleibt-
Bei meinen Larven sieht man bei durchfallendem Lichte in-
wendig verschiedene runde Conlouren , besonders bei An-
wendung von Glycerin. Namentlich ist im oberen Körper? 1
theile constant ein runder lichter Raum, den man auch an
derselben Stelle bei der Milbe wiederfindet, dann folgen un-
regelmässige Rundungen, die man nach Belieben deuten kann,
die aber wohl ohne Zweifel Ernährungs- Organe sind. Im
Uebrigen ist meine Larve, wie schon erwähnt, nur unwesent-
lich von derjenigen von Duges sowohl wie von der von
Dujardin verschieden, so dass man sie nur für eine andere
Species desselben Genus halten kann. Dujardin beschreibt
sie als ein sehr kleines und weisses Würmchen 0,15 bis
0, '23mm. lang; Ü,0o5 bis 0,04omm. breit. Die meinige (Fig.lj
ist 0,10 bis 0,18 zu 0,025 bis 0,040. Der ganze Körper ist
mit Querstreifen bedeckt, die bei Dujardin 0,0025 breit
sind, bei der meinigen 0,00205mm. Bei sehr starker Ver-
grösserung fand ich diese Streifen als sehr derbe höckerige
Rippen , einen starken Panzer bildend , den ich durch kein
Reiben und Drücken zum platzen bringen konnte. Das Thier-
eben bewegt sich langsam mit seinen vier kurzen Beinei
die am Oberkörper nahe beim Schnabel eingelenkt sind, da-^^
mit einen stumpfen Winkel bildend. Bei Dujardin end«
Einiges 'über Mill)t'ii. "I#7
(1er sich versclmiälornde Körper mit einem zwüilappigen Saug-
napr (ventouse}. Bei dem meinigen findet weder das eine
noch das andere Statt. Da verlault der Körper gleichmässig
und endet stumpf mit zwei sehr starken Borsten , die haar-
und wellenförmig lang ausgezogen sind. Bei Umwendungen
stützt sich das Thier auf diese Verlangerungen. Zwischen die^
sen charaktcristisihen Borsten, die wir au(h bri der Milbe
wiederfinden , sieben zwei kleiner©. Am Oberkörper ist an
jeder Seite, auf einer Warze, eine starke unbewegliche Borste,
dahinter einige weniger starke aber bewegliche, die beim Ge*
hen den langen Körper zu unterstützen scheinen. Die Beine
der beiden Species sind fünfgliedrig, durch einen langen Na-
gel oder eine Klaue beendigt. Bei Dujardin ist dieseKIaue
spitz und gebogen, darunter ein federarliges, dreizackiges Ge-
bilde. Bei mir abgestutzt, eine kurze steife Borste darunter
(Fig. 2). Der Schnabel bildet einen abgestutzten Kegel, der
eine Saugröhre enthält. D u j a rdin sagt: „il doit contenir
un sugoir.« Duges nennt den ganzen Schnabel SiK^oir, und
sagt, dass er einmal eine Lamelle, courbe elroite et longue
herausgepresst habe. Diese Lamelle, zwar nicht geb(/gen,
sondern gerade, habe ich mehreremal g-esehen , nebst dem
ganzen Saug-Apparat wie in Fig. 3.
Diiges hat seine Larve in Gallen von weissen Wei*
den und Linden gefunden, Dujardin in den letzteren, wo
sie von der Oberseite und nicht von unten hinein gekom-
men. Meine Birnbaum-Blätter haben unten eine Oefi'nung, und
die der Linde haben ihre larvenbergenden Auswüchse auch
auf der Unterseite. Beide sind aber keine Gallen, sondern
wahrscheinlich schimmelige Trodiikle. Das auf der Linde ist
Erineum rubigo. Die Milbe legt also ihre Eier nicht in das
gesunde Blatt, wodurch die Galle entsteht, sondern in den
vorgelundenen Schiujmel oder in eine Galle, wie sie es ge-
rade vorfindet. n t*u
Meine Milben fand ich auch stets auf der Unlt^rseile der
Blätter. Diejenige des Birnbaums (Fig. 4) ist so klein , dass
man sie mit blossen Augen auf dem Blatte schwer sieht, so
schnelllüssig, dass sie sich nur mühsam fangen lässt und so
dünnhäutig und zart, dass es ein Glück ist, wenn man sie
unverletzt unter das Mikroskop bringt, wo dann erst die
1 08 S c li c u l e n :
grössle Schwierigkeit beginnt um sie zu fixircn , denn auf
tlcm Glase läuft sie ohne Stillstehen, mit einer Geduld er-
schöpfenden Schnelligkeit, welches um so mehr zu verwun-
dern ist , da sie keine Augen hat. Die Vorderbeine schei-
nen ihr die zu ersetzen , denn damit tastet sie beständig
herum, während die hintern sechs das Laufen allein verrich-
ten. Dabei sind ihre langen Palpen auch in beständiger Be-
wegung und nach unten umgebogen als auch zum Tasten
beitragend. Im Tode zieht sie Taster und Beine eng zusam-
men und wird dadurch ganz undeutlich , so dass die Beob-
achtung in jeder Weise erschwert ist.
't!/ ,; Die Gestalt dieser Milbe ist eiförmig, die Länge 0,30 bis
0,3^mm., die Breite 0,17 bis 0,1 9mm. Die Mundlheile sitzen
kegelförmig auf, sind spitz und fernrohrartig einziehbar. Die
fünfgliedrigen stark behaarten Palpen enden stumpf, das End-
glied mit Borsten besetzt. Am lebenden Thiere habe ich
nie Kieferfühler unterscheiden können, wohl manchmal bei
Giycerin- Präparaten zwei scheerenförmige ( Fig. 5 ). Die
Palpen sind halb mit dem Schnabel verwachsen. Von den
vier Paar sieben<?Iiedri<fen Beinen ist das erste merklich län-
ger als die übrigen, die mittleren zwei sind am kürzesten.
Das Tarsal-Glied ist mit einem kleinen trichterförmigen Haft-
läppen versehen, der zusammengezogen werden kann, so dass
derselbe an dem ersten Beinpaare wie eine einfache Kralle
erscheint, wenn das Thier dasselbe, wie gewöhnlich beim
Laufen, zum Tasten gebraucht. Am Oberkörper, hinter dem
Schnabel, ist eine durchscheinende Stelle, so auch am Hin-
lertheile, das Uebrige ist undurchsichtig und Iheilweise rölh-
lich gefärbt. Eingeweide und Säftebewegung sind am leben-
digen Thiere nicht zu unterscheiden.
Bei Giycerin - Präparaten habe ich manchmal das Tra-
cheen-System sich bis in die Beine erstrecken gesehen.
Der Körper ist wenig behaart, aber die charakteristi-
schen zwei starken Hinterborsten der Larve finden wir auch
hier sehr prononcirt wieder, nur haben sie die haarförmige
Verlängerung verloren.
für erwähnungswerth halle ich noch, dass mir einmaL
eine merkwürdige Zwischenform (zwischen Larve und Milbe) •
vorgekommen ist (Fig. 6). Sie hat die Gestalt der Milbe, ist
Einiges über Milben. i^
aber viel kleiner. Von ihren vier Beinpaaren sind die zwei
vordem stuinmelartig, die zwei hintern slilettförmig- und davon
ersteres zweio-üedrig, das andere ung-egliederl mit zwei Bor-
sten endig-end.
Die oben erwcähnle andere Larve, welche ich an einem
anderen Birnbäume fand, weicht von der beschriebenen durch
ihre Gestalt merklich ab (Fig-. 8) , denn sie ist nicht wurnn-
förinig", sondern doppelt konisch, eine unregelmässige Raute
mit abiT^erundeten Ecken bildend. Die Grösse ist nahegenug
dieselbe , Beine und Schnauze gleich gestellt. Die Streifen
oder Rippen des Panzers verlaufen ausgeschweift oder wel-
lenförmig. Die Borsten sind anders verlheilt. Uebrigens
habe ich diese Form nur selten und einzeln gefunden, zu-
letzt auch auf meinem ersten Birnbäume zwischen den sehr
zahlreichen ersten. Eine entsprechende Milbe ist mir noch
nicht vorgekommen.
Die auf den Linden * Blättern gefundene Larve (Fig. 9)
gleicht in ihrer Gestalt wieder mehr der ersteren , denn sie
ist wurmförmig, aber ni(;ht weisslich, sondern dunkelbraun,
so dass man die Streifen, welche auch hier den Körper be-
decken und nur 0,00l75mm. breit sind, erst nach Anwen-
dung von Glycerin sieht. Sie ist 0,10 lang und 0,0375 breit,
also weniger gestreckL Die vier fünfgliedrigen Beine sind
länger und ragen weit über den Schnabel heraus. Die Stel-
lung zu einander ist bei beiden Species gleich. Auch hier
sah ich an einem Individuum eine 0,01mm. lange Saug-
röhre vorstehen. Der Körper ist wellenförmig ausgebogen,
nach hinten etwas schmäler und endet ebenfalls mit zwei
starken haarförmig verlängerten Borsten, dazwischen zwei
kurze. Am Vorderkörper sind an jeder Seite eine starke
und zwei schwächere Borsten. Die Kralle an den Beinen
ist etwas gebogen und darunter ein dreizackiges Gebilde,
ähnlich dem, welches Dujardin an seiner Larve gefunden
(Fig. 10), darüber eine starke lange Borste.
Die hierzu gehörige Milbe (Fig. 1 1) ist kurz und stumpf
birnförmig, 0,40mm. lang, vorn 0,22 und hinten 0,11 breit,
also vorn doppelt so breit wie hinten. Zwischen dem zwei-
ten und dritten Beinpaare sind zwei Ausbuchten oder Wel-
len auf jeder Seile, wie bei der Larve. Von den vier Paar
t|lj^ ^,,,iSch c u t en :
siebenglicdrigen Beinen sind die zwei Mitlclpaarc etwas kür-
zer als die andern. Die Tarsal- Glieder enden mit zwei
dünnen geraden Klauen und einer kleinen Haflscheibe. Die
Palpen sind undeuUic li gegliedert. Das letzte Glied trägt sie
fast immer nach innen umgeschlagen, so dass man es nur
seilen sehen kann. Sie sind halb mit dem kegelförmigen
Schnabel verwachsen, woraus ich einmal die Saugröhre her-
vorstehen sah. Der Leib endet mit sechs kurzen, papillen-
artigen Borsten. Zwischen dem zweiten und dritten Bein-
paare auf den wellenförmigen Ausbuchtungen sitzt auf jeder
eine einfache kurze Borste und so mehrere an den Beinen.
Augen sind nicht vorhanden. Die Farbe ist bräunlich weiss,
durchaus undurchsichtig. Zerquetscht sind sie durchscheinend
braun , welches wieder an die braune Larve erinnert. Sie
bewegen .^ich weit weniger lebhaft als die erst beschriebenen.
Endlich muss ich noch einiges erwähnen über die Milbe,
von der ich oben sagte , dass sie mir einige Male vorge-
kommen wäre, obschon sie mit unseren Larven nichts zu Ihun
haL Ich glaube, sie verdient es ihrer schönen Farben wegen
und weil sie noch nicht bekannt zu sein scheint. Im Gan-
zen habe ich sie nur viermal gesehen, und zwar in drei ver-
schiedenen Stufen der Entwickelung und Grösse (Fig. 12. 13,
14). Die kleinste war 0,24mm. lang und 0,18mm. breil, die
andere 0,32 zu 0,24 und die grösste 0,48 zu 0,34, also
bedeutend grösser als die beiden beschriebenen Species.
Ausser der Grösse ist diß erwachsene von den jungen noch
in manchen anderen Stücken verschieden. Der Leib der er-
sleren ist oval, der Schnabel kegelförmig, die dreigliedrigen,
spitz endenden Palpen sind halb damit verwachsen. Die vier
Paar siebencjliedrigen Beine enden mit zwei Krallen und
einem kugellörmigcn, mit Borsten besetzten Hafllappen. Was
das Thier besonders auszeichnet sind seine schönen Farben.
Per Leib ist grün mit schwarzen Punkten besetzt. Ucber die
Mittellinie hinaus verläuft eine breite weisse Binde mit einem
grossen dreieckigen rothen Flecken. Ueber dem zweiten
Fusspaare steht jederseits ein grosser rother augenähnlicher
Fleck, hinter welchem ein oval weisser liegt. Ausserdem
ist der Körper noch regelmässige mit kleinen weissen Punk-
ten oder Papillen besetzt. Der Leib der Jungen ist nicht
Kiniges über Alilben. 111
regelmässig oval, sondern ab^-erundet rautenförmig. Farben
und Zeichnung sind im Wcsenlliclien dieselben. Die diffusen
rolhcn Augeiiflerke aber sind hier zirkelrund und deullich
wie Augen einii^crmassen vorlrclend. Statt der weissen Punkte
auf dem Leibe der Alten, sind es hier trianguläre Papillen
mit einer Spitze angewarhen. Hiervon stehen sechs neben-
einander am Hinterleibe , zwischen dem zweiten und dritten
Beinpaare je zwei, auf jeder Palpe eine , auf der Spitze des
Schnabels zwei und viele besetzen symmetrisch den Leib,
so dass das Thier gleichsam mit diesen Gebilden bedeckt
ist, welches sonderbar genug aussieht.
Zum Schlüsse bleibt mir nun noch übrig, meinen Mil-
ben ihre Stelle im Arachniden- Systeme anzuweisen. Die
Birnbaum- und Linden - Milben passen mit ihren spindelför-
migen Tastern, plattem ungelheilten Körper, Abwesenheit von
Autren, mit Haftlappen und Krallen versehenen Beinen in die
Familie der Gamasei Duges. Die grüne dagegen hat Taster
und Beine, so wie die Augen derFamile der Trombidici des-
selben. Für Geschlecht und Art finde ich aber keine passende
Diagnose oder Abbildung weder bei Panzer, Duges,
Koch noch Herrich -Seh äffer. Auch beschreibt Duges
die Milbe nicht, die er bei seinen Larven gefunden, sondern
sagt nur, dass sie klein, achtbeinig, flink, mit Palpen
und Beinen der grösseren röthlichen Tetranichen versehen,
aber eine andere Species sei, so dass ich nicht wissen kann,
ob sie mit einer der meinigen identisch ist. Ich muss diese
daher für unbeschrieben oder neu hallen, und sehe mich ge-
rechtfertigt und gewissermassen gezwungen ihnen Namen
beizulegen. So habe ich dann die Birnbaum -Milbe TyphlO"
dromus Pijri genannt, nach ihrem Fundorte und weil sie sich
trotz ihrer Blindheit ganz besonders durch ihr unermüdliches
Rennen auszeichnet. Die Linden -Milbe, Ftexipalptis Tiliaey
auch nach ihrem Fundorte , und weil sie ihre Palpen ganz
eigenthümlich zusammenschlägt. Die grüne endlich nenne
ich Sannio rubrioculus, durch ihre rothen Augen und aus-
gezeichnetes buntscheckiges Kleid dazu veranlasst
112 Scheuten: Einiges über Milben.
Erklärung der Abbildungen.
Alle stark vergrössert.
Tafel VI.
Larve von Typhlodromus Pyri.
Deren Fussspilze I
> stärker vergrössert.
Deren Schnabel \
Typhlodromus Pyri.
Deren Schnabel mit Kieferfühlern.
Halb entwickelter Typhlodromus.
Typhlodromus-Larve in gleicher Vergrösserung mit der Milbe
und Zwischenform um das richtige Grössenverhältniss zu
zeigen.
Fig. 8. Andere Specier einer Typhlodromus-Larve.
Tafel TU.
Fig. 9. Larve von Flexipalpus Tiliae.
Fig. 10. Deren Fussspitze stärker vergrössert.
Fig.ll. Flexipalpus Tiliae.
Fig. 12 13. 14. Sannio rubrioculus in drei verschiedenen Entwicke-
lungsstufen.
Liimbricus coretlirurus, Bürsteiischvt'diiz.
Von
Dr Fr« mUller.
Der gemeinste der hiesigen Regenwurmer und fast in
jeder Scholle urbaren Landes zu finden; ziemlich schlank,
weich, leicht zerreissend ; die Haut fast farblos, durchschei-
nend, so dass die Körperfarbe hauptsächlich durch Darm und
Blutgefässe bedingt ist, daher meist am Vorderende mehr rölh-
lich, in der Mitte mehr grau , hinten blass rölhlichweiss er-
scheint. Der Gürtel ist oben bräunlich gelb. Die Messung
von 9 güreltragenden Thieren , — in Weingeist getödlel,
weil im Leben die Länge stets wechselt — ergab im Mittel
28'" Länge, wovon 3'" auf den Gürtel, 4'" auf die davor lie-
genden Ringe kommen. Der Körper ist cylindrisch , vom
Gürtel nach vorn verjüngt, hinterwärts ziemlich gleichmässig
dick. Die Zahl der Ringe ist etwa 200 — 250; vor dem
Gürtel liegen 13; der Gürtel, den man oft vermisst, umfasst
8. Der vorderste Ring ist längsgerieft, wie die drei vorderen
bei Geoscolex maximus Leuck. Wenn das Thier lastend das
Kopfende vorstreckt, scheinen aus dem ersten Ringe noch
ein oder zwei ähnliche vorzutreten nebst einem langgcstieU
len keulenförmigen Kopflappen. — Die Borsten zeigen an den
allervordorsten Ringen die gewöhnliche Stellung, dass die 4
Borsten jeder Seite paarweise genähert sind ; so bleibt das
obere Paar bis zum Gürtel, während die beiden Borsten des
unteren Paares immer weiter auseinander rücken; vom Gür-
tel hinterwärts sieht man jederseits nur noch 2 Reihen ein-
zelner Borsten; es sind das, von unten nach oben gezählt,
die erste und dritte Reihe ; letztere verläuft ziemlich in der
Milte zwischen Bauch und Rücken; die 2te und 4te Borste
Archiv f. Nahirgescb. XXI] I. Jahrf 1. Bd g
114 Müller:
haben eine mit jedem Ringe wechselnde Höhe der Insertion,
ohne dass dabei eine bestimmte Norm in die Augen fiele;
bald z. ß. sieiit man sie abwechselnd höher und liefer gestellt,
so dass also die des Isten, 3len, ölen. . . und wieder die des
2ten, 4len, ölen... Ringes in derselben Längslinie liegen;
bald sleigen 3 auf und 2 wieder nieder, so dass die am
Islen und 5ten Ringe gleich hoch stehen , die am 2ten und
4ten höher und noch höher die am drillen; bald auch be-
haupten sie an mehreren Ringen hintereinander dieselbe
Höhe u. s. w. Nach einer grösseren oder geringeren Zahl
z. B. 20 oder 30 Ringen hören auch die beiden noch beste-
henden Borstenreihen auf regelmässig forlzugehen , erst die
unlere, dann die obere in der Älille der Seilen verlaufende;
auch diese Borsten schwanken nun von Ring zu Ring in der
Höhe der Insertion. Diese anscheinend vollkommen chaoti-
sche Bofslenslellung regelt sich nun in der Nähe des Hin-
lerendes wieder in der Weise, dass jeder Ring 8 in nahezu
gleicher Entfernung von einander siehende Borslen trägt, die
mit denen der nächslanliegenden Ringe allerniren, wodurch
denn 16 Längsreihen (oder auch 3 Schraubenlinien) von Bor-
slen enlslehen. Merkwürdig ist, dass diese sonderbare Bor-
slenslellung bei jüngeren Thieren sich noch nicht findet; diese
haben am Vorderende jederseits zwei Reihen gepaarter Bor-
slen , die sich weiter hinten in 4 Reihen einzeln stehender
Borslen auflösen.
Die Borslen am vorderen Theile des Körpers sind zar-
ter und scheinen schwach hakenförmig gekrümmt, die am
hintersten Theile sind sehr stark, gerade, bernsteinfarbig,
sieben auf deullichen Höckerchen und scheinen nicht voll-
ständig zurückgezogen werden zu können. Der ganze Schwanz
erhält durch diese löreihigen starken Borsten ein bürstenar-
tiges Ansehen. — Der Magen ist stark muskulös. Die Eier-
hüllen sind fast kugelrund, farblos, opaüsirend; ich fand da-
rin nie mehr, als ein Junges.
Diese kurze Beschreibung wird genügen , eine unge-
fähre Vorstellung von unserem Regenwurme zu geben und
ihn wenigstens von den bisher beschriebenen Arten leicht un-
terscheiden lassen. Obwohl man die Anordnung und Gestalt
der Borsten als wesentliche Gattungsmerkmale der Regen-
Enihbricai cöttthturtis'. ' Üi
Würmer anzusehen pflegt und dötfiriach oniiet^' hiei'?H so ei-
genlhümlicher Wurm die Aufstellung Mes rtc'ueii Geriüs ge-
bieterisch zu fordern scheint , so habe ich iriich dOch, na-
mentlich der regelmässig beborsleten Jungen wegen , nicht
dazu entschliessen mögen , ehe nicht irgend ein erhebliches
anatomisches oder physiologisches Moment diese Trennung
rechtfertigt, wie es z. B. bei Euaxes und dem einer näheren
Untersuchung so werthen Criodrilus der Fall ist. Vielleicht
dürfte sich ein solches Moment herausstellen bei weiterer
Verfolgung einer Eigenthümlichkeit, die mich veranlasst hat,
dicss unscheinbare Thierchen dem zoologischen Publikum
vorzuführen. Fast bei allen grösseren Exemplaren fällt so-
fort etwa zu Ende des dritten Viertels der Körperlänge eine
kleine Stelle auf, die lebhafter geröthet, wie entzündet aus-
sieht; oft erscheint hier auf derliückenseite die zartere Haut
aufgetrieben um gleichsam einen kleinen Bruchsack zu bil-
den. Bei in Spirilus getödteten Exemplaren nimmt sich diese
Stelle aus, wie ein zweiter nur viel kleinerer Gürtel, indem
sie sich scharf abgesetzt ein wenig über die davor - und da-
hinterliegenden Ringe erhebt, wohl weil bei der Zusammen-
ziehung des Körpers die hier schwächere Haut- und Muskel-
schicht weniger Widerstand leistet. Betrachtet man nun diese
Stelle, die ich an keinem der sehr zahlreichen erwachsenen
Thiere , die ich in diesen Tag^n darauf angesehen, vermisst
habe , mit der Lupe , so findet man , dass sie aus 5 bis 10
mehr oder weniger deutlich geschiedenen, schmalen, bor-
stenlosen, allem Anscheine nach neugebildelen Ringen besieht.
Eine beginnende Querlheilung war beim Anblick dieser
Neubildung mein erster Gedanke; allein dann hätten sich
doch Exemplare finden sollen , die aus solcher Querlheilung
hervorgegangen wären , denen entweder ein gehöriges Vor-
derende oder der Bürstenschwanz, gefehlt hätte; solche habe
ich vergeblich gesucht. Bei einer an 9 Exemplaren vorge-
nommenen Zählung der Ringe fanden sich zwischen Gürtel und
dieser Stelle nahezu gleichviel Ringe, etwa 110; die unbedeu-
tenden Differenzen können aus Verzählen entstanden sein;
dagegen schwankte die Zahl der dahinterliegenden Ringe von
60 bis fast zum Doppelten. So könnte denn vielleicht diese
Stelle eine Bildungsstätte neuer Schwanzringe sein.
116 Müller: Lambricus corethrurus.
Eine durch alle Jahreszeilen fortgesetzte Beobachtung
mag vielleicht auch ohne lilikroskop darüber Gewissheit geben.
Itajahy, Anfang Juni 1856.
Die obige Miltheilung ist mir im Januar 1857 mit fol-
gendem Schreiben des Hrn. Prof. Max Schultze in Halle
zugegangen, welches manchem Leser des Archives von In-
teresse sein dürfte:
Mit besten Grussen sende ich Ihnen anbei die Beschrei-
bung eines neuen Regenwurmes von Dr. Fritz Müller in
Cülunie ßlumenau in Brasilien^ Huien bekannt durch seine
früheren Beiträge zu Ihrem Archiv , in welchem auch diese
Zeilen wohl einen Platz finden dürften.
Nachdem Müller mehrere Jahre Landbauer in der ge-
nannten Colonie gewesen und kaum Zeil zu nalurwissen-
schalllichen Beobachtungen, geschweige denn dazu halle, sol-
che in einer mitlheilbaren Form niederzuschreiben, dürfen
wir jetzt auf reichlich erfolgende Millheilungen und Samm-
lungen von ihm hotFen. Er ist seit Kurzem als Lehrer der
Mathematik an einer neugegründeten Schule in Desterro auf
der Insel St. Calharina angestellt, wohnt unmittelbar am Meere,
dessen Fauna er mir in beredten begeisterten Worten als
eine ausserordentlich mannichfallige schildert, und wird sich
zoologischen Studien nunmehr so viel es seine Zeit erlaubt
widmen. Ich freue mich ungemein , dass eine so lüchlige
Kraft der Wissenschaft wiedergewonnen ist. Ein Mikroskop
habe ich ihm jetzt auch durch Burmeister hinüber ge-
schickt.
Einigte Worte über die Entwickelang^ der
Hlediisen.
(Vorlrag gehallen in der Versammlung der skandinavischen
Naturforscher in Chrisliania im Juli 1856.)
Von
m* S li r «•
Die von mir im Jahre 1835 Iheilweise (Beskriv. og Jagt-
lag. over Dyr ved den Bergenske Kyst p. 16. Tab. 3) und im
Jnhre 1841 vollsfändig (Archiv für Naturg. 7. Jahrg. p. 9.
Tab. 1—4) gelieferte Darstellung der Enlwickelung der hö-
heren Medusen , namentlich der Medusa aurila und Cyanea
capillata , wurde bekanntlich später von J. Reid (Annais of
Natural History, Januar 1848. p 25. Tab. 5, 6) bis in die
geringsten Details aufs Vollständigste bestätigt. Ausser meh-
reren werthvollen Beobachtungen über die feinere Struktur
der polypenförmigen Amme, giebt Reid auch Aufklärung
über das unterste oder angeheftete Stück des Ammenkörpers,
welches nicht geringelt oder in Abschnitte getheilt wird, und
dessen Schicksal mir unbekannt geblieben war (Beskr. og
Jagtt. p. 18). — „Dieser Theilungsprocess in junge Medusen,«
sagt er (1. c. p. 31) „erstreckt sich niemals durch die ganze
Länge des Larvenkörpers ; denn ein Theil , häufig ein sehr
kleiner, an seinem angehefteten Ende wurde nicht geringeil
(Tab 6. flg. 14, a), trieb neue Tentakeln hervor, ehe die letzt
gebildeten neuen Medusen abgelöst waren, und fuhr fort als
Larve zu leben.« — üebrigens ist diese merkwürdige That-
sache eigenllicli zuerst vouJ.Dalyell entdeckt, wie ich aus
118 Sars;
seinem mir erst später zu Händen gekommenen Buche: „Rare
and remarkable Animals of Scotland, 1847,« ersehe.
In einer Abhandlung betitelt: „Sur la generation medu-
siparc des Polypes Hydraircs<< (Annales des Sciences natu-
relles, Oclober 1849. p. 204. Tab. 2. fig. 1—6) hat endlich
Desor in Boston eine Darstellung der Entwickelung der
Medusen geliefert, welche er auf eine ganz andere als die
von mir angegebene und von Reid bestätigte Weise zu er-
klären sucht. Die Arbeit von Rcid kennt er nicht, wenig-
stens erwähnt er deren mit keinem Worte.
Mit ziemlich vieler Zuversicht behauptet er nun, dass
iglj, und auch Daly eil, dessen ßieobachlungen ihm bekannt
sind, die MecliJsenpvoduction aus der polypenförmigen Amme
missgedeulet haben, und erlaubt sich sogar Thatsachen, die
von mir sowohl als Daly eil durch selbslständige und von
einander unabhängige Beobachtungen festgestellt, ja von uns
beiden abgebildet sind , auf eine merkwürdig leichtsinnige
Weise hinwegzuräsonniren. Wenn ich nicht lange schon
seine Einwendungen gege« meine Darstellung widerlegt habe,
so hat dies se4neo Grund darin, dass ich überhaupt derglei-
chen Streit nicht liebe, und, wenn ich micli endlich in Dis-
cussion. einliesse, gern neue Thatsachen ^n dieser Sache, wo
noclji vieles zu entwirren übrig ist, vorbringen möchte; aber
leider ist meine Hoffnung, den Theilungsprocess der polypen-
förmigen Medusenammen noch einmal zu beobachten, bisher
fehlgeschlagen.
Ich benutze daher die gegenwärtige Gelegenheit, um in
gedrängter Kürze zu zeigen, wie sich die Beobachtungen von
Desor sehr gut mit der von mir früher gegebenen Dar-
stellung vereinigen lassen.
Gleich im Anfange seines A*?fsatzes (1. c. p. 211) drückt
^ sich folgendermasscn aus: j,pie Entwickelung der wahren
Medusen (Aurelia, Cyanea) scheint b^i dem ersten Anblicke
sehr verschieden von der medusenerzeugen^en (Jeneralion (la
generation medusipare, so nennt er das Hervprsprossen der
Medusengemmeri aus den Hydroiden-Ammen), besonders weRi\
man sich m die von Herrn Sars gegebene Erklärung der-
selben hält. Dieser tüchtige Beobachter stellt nämlich die
Catwickeiutig der Aurelleu als eine ßeihe von ^leta«
Einige Worte über die fenlWickelung der Medusen. lli
Äiorphosen dar, indem die junge Meduse, nach ihm, suc-
cessive von dem Zustande des Infusoriuins zu dem des Po-
lypen, und darnach zu dem der vollkommenen Meduse über-
gehe."
Es scheint nur durch ein sonderbares Missverständniss mei-
ner Beobachtungen oder eine sonderbare AulTassung des Begrif-
fes von Metamorphose erklärlich, dass Herr Desor mir eine
solche Anschauung zuschreiben könne, da ich doch deutlich
genug in meiner Darstellung hervorgehoben habe, dass sich
die polypenförmige Amme niemals in eine Meduse verw^an-
dele, sondern dass es deren durch Quertheilung entstandene
Brut sei , die zu Medusen gebildet werde — demnach nicht
durch Metamorphose, sondern durch Metagenese oder Gene-
rationswechsel. „Es ist nicht das Individuum , sondern es
ist die Generation, die sich melamorphosirt, hälfe ich schon
damals, ehe noch die fruchtbare Lehre Steenslrup's vorn
Generationswechsel erschienen war, mit Besliraihlheit ausge-
sagt (1. c. p. 29).
MitDalyeli sieht auchÜesor die piolypenförmige Me-
dusenamme „als einen wahren Polypen an (p. 211), der
durch seinen Bau mit unserer gewöhnlichen Süsswasser-Hy-
dra sehr nahe verwandt sei (p. 216), ja so nahe, dass Kei-
ner daran gedacht haben sollte, ihn generisch von dieser zu
trennen (siel); Dalyell habe ihn daher aus diesem Grunde
unter dem Namen von Hydra luba beschrieben.«
Allein, schon im Jahre 1829 (Bidrag lil Södyrenes Na-
turhistorie p. 7) hielt ich es für nöthig, diese von mir zuerst
entdeckte Form generisch von Hydra zu trennen, von wel-
cher letzteren sie dadurch abweicht , dass sie angeheftet ist
und ihre Stelle nicht ändern kann, so wie durch ihren her-
vorslreckbaren röhrenförmigen Mund, und ich führte sie da-
her damals als ein besonderes Geschlecht (das ich allerdings
im Jahre 1835, nachdem ich es als einen Jugend- oder Am-
menzustand einer Meduse, Beskriv. og Jagtt. p. 16, kennen
gelernt hatte, wieder aufgeben musste), unter dem Namen
von Scyphistoma auf. Diese Annahme wurde auch spater
von Steenstrup (Ueber S^eh Generationswechsel p. 7),
Reid (I.e. Tab. 5. fig. 6) und mir selbst (Archiv JTürNäturg.
1841. Tab. 1. üg, 33) durch die Euldeckung ihres Gefässsy-
120 • San;
Sterns — dieses constanteri Kriteriums um Medusen von Po-
lypen (Hydroiden) zu unterscheiden — bestätigt. Es ist
hiermit bewiesen, dass diese Form nicht ein wahrer Polyp
(Hydroide), sondern ein polypenähnlicher oder Ammenzu-
stand einer Meduse sei.
»Aber, fährt Desor fort (p. 211), das Sonderbare bei
diesem Polypen ist, dass er von Zeit zu Zeit grosse Knospen
von einer eigenlhumlichen Gestalt hervorlreibt , welche aus
seinem Munde hervorzukommen scheinen. Es sind diese
Knospen, die sich zu Medusen entwickeln. Herr Dalyell
hat sich inzwischen, indem er auf diese wichtige Thalsache
aufmerksam macht, von dem Irrlhume, in welchen Herr Sars
gefallen ist, nicht ganz befreien können, indem er noch im-
mer eine partielle Metamorphose des Polypen annimmt, so dass
von letzterem nach jeder Knospung nichts mehr übrig bleibe
als die Basis, welches folglich einen Hauptunterschied zwi-
schen der Entwickelung dieser Knospen und der medusener-
zeugenden Generalion der Syncorynen und Campanularien
bilden würde. Solch ein Unterschied exislirt aber nicht in
der Wirklichkeit.«
Herr Desor betrachtet also, wie man hieraus ersieht,
die Medusenproduction als eine Knospung, er ist aber den
Beweis für diese Annahme schuldig geblieben. Nirgends in
seiner Abhandlung erwähnt er des Hervorwachsens dieser
Knospen — und eine Knospe muss ja doch immer als ein
Minimum anfangen und nach und nach sich vergrössern — ;
nach seiner Darstellung scheinen sie auf einmal in ihrer
vollen Grösse fast wie mit einem Zauberschlage zu entste-
hen. „Sie scheinen, sagt er selbst (p. 211) aus dem Munde
des Polypen hervorzukommen«^, eine ziemlich unwahrschein-
liche Conjeclur, die wenigstens aller Analogie entbehrt.
Desor fand im Meere bei Boston diese polypenähnli-
chen Medusenammen in dem Theilungsprocesse, so wie ich
ihn dargestellt habe, oder, nach seiner Annahme, in der Kno-
spung. „Die Knospe, sagt er (p. 212), halle gewöhnlich das
Doppelte oder zuweilen Dreifache von der Höhe des Stieles
oder des Polypen ; sie war von lelzterem durch einen Kreis
von Tentakeln getrennt, welche in jeder Beziehung denen,
die böi Individuen gefunden werden , die keine Knospen ha-
Einige Worle über die Enlwickelung der Medusen. 121
ben, ähnlich waren. Es ist folg^lich ausgemacht, dass die
Tentakeln dem Polypen und nicht der Knospe angehören."
Alles dies verhält sich allerdings vollkommen richtig.
Wenn er aber ferner sagt: „dieser Schluss stimmt inzwischen
nicht ganz mit der Anschauung des Herrn Dal y eil über-
ein, welcher behauptet, dass sich, wenn die Knospung an-
fängt, eine Einschnürung am Polypenkörper unter dem Kreise
der Tentakeln bilde ; dass die Tentakeln solchermassen nach
dem Gipfel der Knospe gebracht gefunden werden, während
ein neuer Kreis von Tentakeln an ihrer Basis sich bilde,** —
so wird ein Jeder , der sich mit den Beobachtungen von
Dalyell, Reid und mir bekannt gemacht hat, leicht er-
kennen, dass die von Desor beobachteten Medusenammen
offenbar sehr weit in dem Theilungsprocesse vorgerückt wa-
ren, dessen erster Anfang, der durch ringförmige Einschnü-
rungen am Körper unterhalb des Tentakelkreises geschieht,
welche oben anfangen und nach und nach weiter nach un-
ten sich erstrecken , wonach die Tentakeln am Gipfel ver-
schwinden , von ihm gar nicht gesehen worden ist. Es ist
nur das letzte Stadium des Theilungsprocess« , das er be-
obachtet hat, in welchem das unterste Stück des Ammenkör-
pers, welches nicht geringelt oder in Querschnitte getheilt
wird, nach den Beobachtungen von Dalyell und Reid an-
fängt neue Tentakeln hervorzutreiben , und zwar ehe sich
noch die lelztgebil leten neuen Medusen abgelöst haben.
Es ist folglich nichts Ueberraschendes in dem , was er
ferner anführt (p. 212): „Unter einer Anzahl von hundert
knospentragenden Individuen, die ich untersucht, habe ich
kein einziges bemerkt , das einen Tentakelkranz am Gipfel
der Knospe trüge. Im Gegenlheile, immer habe ich die Ten-
takeln an der Basis der Knospe persistiren gesehen, und ich
habe sie an dieser Stelle sogar bei Individuen, deren Polyp
noch sehr klein im Vergleiche mit der Knospe war, wieder-
gefunden.«
Und fer^ler (p. 213): „Ich frage mich denn, ob Herr
Dalyell nicht die Lappen der obersten Scheibe der Knospe,
welche bisweilen, besonders bei sehr entwickelten Kno-
spen , sehr lang und schmal , und ausserdem durchsichtiger
m Sar»:
als der Körper sind, so dass sie gewissermassen Tentakeln
ähneln, für Tentakeln angenommen liabe."
Herr Desor scheint hier vergessen zu haben, dass
auch ich ganz dasselbe wie Dal y eil gesehen und sogar
die beobachteten Verhältnisse in Fig. 43 und 44 in meiner
Abhandlung abgebildet habe, so dass hier nicht von einer
Irrung die Rede sein könne, und zumal von einer so groben
wie der Verwechselung der fadenförmigen Tentakeln der
Amme mit den eingeschnittenen Scheibenlappen der jungen
Medusen.
Als völlig überzeugend und entscheiden<l in dieser Con-
troverse fuge ich noch schliesslich hinzu, dass ich in meiner
Sammlung sehr wohl conservirle Exemplare in W^eingeist
von M-edusenammen in verschiedenen Stadien der Querlhei-
lung besitze, einige mit anfangenden ringförmigen glatten
Einschnürungen oder Abschnitten, andere, bei denen letzlere
rings herum in acht zweitheilige Lappen (Randlappen) her-
vorgewachsen sind; in beiderlei Formen sitzen noch die lan-
gen fadenförmigen Tentakeln der Amme an dem oberste«
Abschnitte auf^ Bei noch anderen sind diese Tentakeln ver-
schwunden und die jungen Medusen im Begriffe sich abzu-
lösen. (Alle diese Medusenammen wurden hier den anwe-
senden Zoologen vorgezeigt.) Bei der Revision meiner auf-
bewahrten Medusenammen fanden sich auch unter ihnen ei-
nige wenige, deren unterstes ungeringeltes Stück neue Ten-
takeln, wie es Dalyell und Reid bemerkt haben, produ-
zirt hatte.
Späterer Zusatz.
Lange nachdem der obige Vortrag gehalten war, er-
hielt ich das zweite Heft des Jahrganges 1856 von v. Sie-
bold's und Kölliker's Zeitschrift für wiss. Zoologie, wo
Herr Gegenbaur in seinem interessanten Aufsatze: „Ver-
such eines Systemes der Medusen« p. 209 auch die obeÄ
abgehandelte, für die Physiologie so wichtige Frage berührt.
Es ist mir eine Freude und Befriedigung, daraus zu verneh-
men, dass dieser scharfsichtige Forscher, d'er ehedem („Züt
Lehre vom Generationswechsel.«^ 1854» p. 8) mehr geneigt
Einige Worte Aber die Entwickelung der Medusen. 123
war der Erklärungsweise von Desor beizupflichten, jetzt,
nachdem er die Darstellung Dal yelTs (Rare and remarkable
animals of Scolland 1847) mit der meinigen hat vergleichen
können, das wahre Verhällniss ganz richtig aufgeCasst hat,
so dass „das ganze Rälhsel befriedigend gelöst wird> —
Dalyell, sagt er, stimmt in der Angabe von der Bildung
der Medusen aus dem Ammenkörper ganz mit Sars uberein,
nur hat Dalyell noch spätere Stadien zur Beobachtung ge-
habt , untJ desJialb vollständiger diesQ Verhältnisse erfp.rschl.
Auch die Desor'^che Beobachtung hannonirt hiermit, denn
Desor hatte, wie es nunmehr mir augenscheinlich vorliegt,
nur spätere Stadien , in welchen der Tentakelkranz an dem
Ammenreste schon gebildet war, und lies^ sich, indem er den
letzleren für unverändert nahm, dazu verleiten, die daran
sitzenden jungen Medusen ats aus einer Knospung hervorge-
gangen anzusehen.''
Uebrigens bin ich nüi Herrn Gegenbaur ganz einig
in dem Schlüsse, welchen er daraus zieht: „Das Wichtigste
ist hierbei , dass die Amme in der Medusenerzeugung nicht
aufgeht , sondern nach jeder Ammenperiode sich gewisser-
massen rehabililirt und zu neuer Erzeugung von Medusen
sich anschickt, so dass sie bezüglich ihrer Lebensdauer ganz
den ammenden Hydrinen gleichgestellt werden kann.«
Christiania im November 1856.
itbrote^), ein neues Geschlecht der Crusta-
ceen, aus der Familie der Hippaceen.
Von
^'f ' »r. R. A. Pllilippi.
v^3 fr^ ^Professor der Zoologie und Botanik an der Universität Santiago
de Chile.
(Hierzu Taf. VIII.)
Der Conservator des Nationalmuseums von Santiago,
Herr Philibert Germain, fand im Oktober 1855 am
Strande von Tome im Meerbusen von Talcahueno mehrere
Exemplare eines zur Familie der Hippaceen gehörigen Kreb-
ses ausgeworfen, welcher, ein neues Geschlecht bilden muss.
Ich vermulhe, dass dieser Krebs sehr selten ist , da er den
Naturforschern entgangen ist, welche bis jetzt Chile erforscht
haben, ungeachtet die Mehrzahl derselben gerade im Meer-
busen von Talcahueno längere Zeit verweilt haben. Dieser
Umstand , so wie die Betrachtung, dass die kleine Familie
der Hippaceen zu der interessantesten ihrer Ordnung gehört,
haben mich bestimmt, das Thier zu untersuchen und zu be-
schreiben, wenn auch die Exemplare ziemlich beschädigt
waren.
Das Kopfbruststück ist oval, in der Mitte am brei-
testen, hinten ausgerandet , von vorn nach hinten eben, von
einer Seite zur anderen aber stark gewölbt, beinahe dach-
förmig abschüssig. Der Schnabel ist klein', dreieckig, und
*) ^^mpbe, lochte]: de» Poseidon und der Oenope.
Philip pi: Abrote, ein neues Geschlecht der Crustaceen. 125
kürzer als zwei dreieckige Spitzen, welche die Augengegend
von der der äusseren Fühler trennen. Der dadurch jeder-
seils gebildete Einschnitt ist sehr fein gekerbt. Von den
eben erwähnten seitlichen Spitzen fällt der ümriss schräg
nach aussen und hinten ab, und hierauf folgt eine Einbucht,
welche den vorderen Rand des Kopfbruststückes von den
Seitenrändern trennt. Diese sind ziemlich convex, und zei-
gen in ihrer vorderen Hallte bis zur Mitte vier Dornen, von
denen die drei ersten in gerader Linie nach vorn gerichtet
sind, während der hinterste stumpfer und mehr nach aussen
gewendet erscheint. In der Höhe der beiden vordersten Sei-
tendornen findet sich in der Mittellinie ebenialls ein kurzer
horizontal nach vorn gerichteter Dorn , und vor demselben
eine erhabene, mit Körnchen besetzte Querlinie. Eine zweite
ebenfalls mit Körnchen besetzte Querlinie erstreckt sich vom
eben genanntem Dorne nach seitwärts, hört aber auf halbem
Wege zum Seitenrande auf. Vermuthlich haben alle Körn-
chen Borsten getragen. Eine vertiefte nach vorn convexe
Linie, etwas hinler der Mitte der Länge gelegen, welche
sich ebenfalls nur über die halbe Breite erstreckt, deutet die
Gränze der Magengegend an. Von jeder Seite ziehen sich
zwei Ouerfurchen nach innen bis in die Mitte zwischen der
Seitenlinie und der Mittellinie; die vordere in querer Kichlung
von der Bucht vor dem dritten Zahne aus; die andere, schräg
nach vorn verlaufend, von der Bucht vor dem vierten Zahne
aus. Das Kopibruststück hat hinten keine lamellenarligen
Verlängerungen, um die Füsse zu bedecken, sondern nur eine
scharfe Kante, welche die obere Seile\on der unleren trennt.
Diese ist in ihrem hinteren Theile von der Kante bis zu den
Beinen hin weich, fein gekörnelt und durch eine Menge häu-
tiger Linien in unregelmässige Täfelchen getheill. Siehe Fig. c.
Die Augenstiele sind unmittelbar unter dem Schna-
bel des Kopibruststückes befestigt, stehen nahe bei einander
und zeigen drei Glieder, von denen die beiden ersten sehr
kurz und unter dem Kopfbruststück verborgen sind; das
drille Glied ist cylindrisch an seiner Basis etwas aufgeschwol-
len und so lang, dass es über die Seilenspitzcn des Kopf-
brustslückes hervorragt. Die kleinen Augen stehen am
finde desselben.
1^ Pbilippi:
Die äusseren Fühler sind von der halben Länge des
Kopfbruststückes und stehen noch ausserhalb der erwähnten
Seilenspilzen. Das erste Glied ihres Stieles ist Iturz und
breity ragt aber doch noch etwas über das Kopfbrustslöck
herv^xr?;; das »weite Glied ist tiamrn länger als breit und zeig*
nach innen einen beweglichen Dom ; das dritte Glied ist so
lang wie das zweite, aber weit dünner, cylindrisch; es hat
drei erhabene mit Borsten besetzte Querlinien: das vierte
Glied ist anderthalbmal so lang wie das dritte, ebenfalls cy^
lindrisch, und trägt etwa sieben, mit kurzen ßorslen verse-
hene Höcker. Die Geissei ist beinahe so lang wie die
beiden letzten Glieder des Stieles und besteht aus lä ver-
kehrt kegeiCörmigen Gliedern, welche unmittelbar vor ihrer
oberen Gelenkfläche naeh aussen mit langen Borsten gewim-
pert sind, welche auf einer erhabenen Querlinie stehen^
Die inneren Fühler sind massig gross. Das erste
Glied, des Stieles ist kurz und diicky di<e beiden folgenden
bilden ein nach unten gebogenes Knie und sind beinahe gleich»
lang und cyliiadrisch. Die Geis sei fehlte an allen drei
Exemplaren.
Die äusseren Kaufüsse siinid gross und im Ganzen
ziemlich cylindrisch. Siehe Fig.d Das erste Glied ist sehr
kuiiz^ diiie vier folgenden sind beinahe gleich l^ng: das zweite
hat nach innen eine S€harfe , mit kämm formigen Zähnen be-
setzte Kani«, welche nach vorn mit einer sahnartigen Ver-
längerung weit vorspringt D^s dritte Glied ist beinahe*
stumpf dreikantig und zeigt auf seiner unteren Kante eine
Reihe zahnartiger Körnehen. Das vierte und fünfte Glied
zeichnen sich, durch die langen Wimpern ihrer Aussenseite
aus; das letzte Glied, ist aber zusammengedrückt, lanzettför-
mig und; beiderseits stark gewimpert. Dier Paslpus ist pfrie-
menförmigv dicht und lang bewimpert.
Das zweite Paar Kaufüsse, s. Fig. d^ hat cylin-
drisehe Glieder., von denen die letzten drei zusammengenom-
men so lang sind., wie die vorhergehenden.-*- Die folgen-
den Kauf US se sind lamellenartig^
Die ächten Füsse berühren sich unmittelbar in der Mit-
tellinie der Brust; das erste Paar ist vom folgenden ziemlich
entfernt, s. Fig. c. Die Sehe eren sind nicht viel länger
Abrote, ein neues Geschleeht der Crnstaceen. 127
als die anderen Füsse, aber weil dicker, zumal in den er-
sten Gliedern. Die Hüfte, s Fig. c. 1, zeigt nach hinten und
aussen einen abgerundeten Vorsprung; der Trochanter, s. c. 2,
hat die Gestalt eines Dreiecks, in welches ein rechter, ja
beinahe spitzer Winkel hineintrilt, welcher der Gelenklläche
der Cüxa und dem äusseren Rande dieses Gliedes entspricht;
der Schenkel, s. Fig. c. 3, ist gross und dick, und zeigt nach
vorn und unten etwa in halber Länge einen grossen spitzen
Dorn' Das [olgende Glied hat die Gestalt eines stumpfwink-
ligen Dreiecks, s. Fig. /. 1 , dessen stumpfer Winkel nach
aussen und hinten gerichtet ist und dessen Grundlinie , nach
oben gerichtet, eine scharfe stark bewimperte Schneide bildet,
die mit einem spitzen Dorne endet, und davor einen zweiten,
kleineren Dorn zeigt. Die Gelenkfläche, wodurch dies Glied
mit dem Carpus verbunden ist, nimmt nur die untere Hältte
der vordem Seite der Tibia ein. Die Hand ist ebenfalls drei-
eckig, allein fast in Gestalt eines gleichseitigen Dreiecks, des-
sen Spitze nach unten und vorn gerichtet und stark zusam-
mengedrückt ist. Sie endet ebenfalls mit einem spitzen
Dorne; in der Alitte der unteren Kante steht ein zweiter spit-
zer Dorn und zwei andere stehen an der äusseren Fläche in
der Linie, welche man zwischen beiden Gelenken ziehen kann.
Endlich stehen drei Dornen auf der scharfen stark bewim-
perten Kante, welche dem Daumen zugekehrt ist, die von der
Spitze nach der Gelenkfläche hin an Grösse allmählich ab-
nehmen. Der nicht von der Gelenkfläche eingenommene
Thell der Basis ist zusammengedrückt und stark gewimpert.
Der Daumen ist stark zusammengedrückt, schmal und spitz.
Seine innere, der Hand zugekehrte Kante ist geradlinig und
ganzrandig, die äussere schwach gekrümmt, und mit zwei
starken Dornen besetzt, wozu oft noch ein dritter, kleinerer
an der Basis kommt.
Die folgenden drei Fusspaare sind ziemlich
übereinstimmend gebildet; Hüfte und TÄchanter sind kurz
und zeigen nichts Auffallendes; der Schenkel ist zusammen-
gedrückt, halb so breit wie lang, seine obere Kante sowohl
wie seine unter« schwach convex und gewimpert* Die Tibia
verbreitert sich nach unten, und läuft unten und aussen in
eine starJi zusammengedrückte Spitze aus, wodurch sie beinahe
128 Philippi:
dreieckig erscheint ; die äussere Kante, die längste, ist so lang
wie der Femur und gelvörnt. Die Verschiedenheiten, welche
diese beiden Glieder an den drei Fusspaaren zeigen, beste-
hen hauptsächlich darin, dass die obere Fläche des Femur
beim dritten und vierten Fuss glatter, flacher, und in der
Mitte sogar beinahe häutig ist, und dass dieTibia des zwei-
ten Fusspaares einen stärker hervortretenden Winkel hat. Der
Tarsus ist an diesen drei Fusspaaren breiler als lang, zu-
sammengedrückt, und aussen mit einem Kiele versehen, wel-
cher der Länge nach von Gelenk zu Gelenk verläuft; allein
die Breite dieses Gliedes nimmt vom zweiten Fusspaare bis
zum vierten zu, und namentlich ist die grössere innere Hälfte
des Gliedes beim vierten Fusspaare sehr verbreitert. — Das
Kagelolied ist bei den genannten drei Fusspaaren zwar stets
lamel.enarlig und sichelförmig, allein beim vierten Fusspaare
ist es breit und schwach gebogen ; beim zweiten zeigt es
statt der sanften Kinbiegung des vierten Fusspaares eine Ein-
kerbung, wodurch die Spitze mehr nach aussen gerichtet ist,
und beim dritten Fusspaare ist das Nagelglied sehr stark ge»-
bogen und sehr schmal. Die convcxen Seiten des Nagelglie-
des sind stark gewimpert.
Das fünfte Fusspaar ist unter dem Seitentheile des
Kopfbrustslückes verborgen, und einem besonderen Ringe
des Leibes entsprossen , welcher mit dem Hinterleibe enger
verbunden erscheint, als mit dem Kopibruststück, s. Fig. ö.
Dieses Fusspaar ist schlank und dünn, s. Fig. k. Das Nagel-
glied ist stark zusammengedrückt, beinahe lamellenartig, drei
Mal so lang wie breit, stark gewimpert. Der Tarsus ist an-
derthalb Mal so lang als das Nagelglied aber schmaler; der
Femur eher kürzer als der Tarsus, aber stärker.
Der Hinterleib besteht aus sechs Gliedern: die vier
ersten sind jederseits in einen queren blaltartiger Fortsalz
verlängert, s. Fig. b, welche Fortsätze von vorn nach hinten
immer kürzer werdln, und am Vorderrande stark gewimpert
sind. Das fünfte Glied ist beinahe quadratisch. Das End-
glied ist fast zweimal so breit wie das vorhergehende, ziem-
lich eiförmig, so breit wie lang, und zeigt zwei eingedrückte
Längslinien, welche es in drei ziemlich gleiche Theile Ihei-
len^ die OefTnung des Afters schimmert durch. Die falschen
Abrote, ein neues (jleschlecht der Crustaceen. I2d
Füsse des vorlelzlen Gliedes haben einen nach vorn gerich-
teten Stiel, welcher so lang- ist, wie das erwähnte Glied des
Hinterleibes und zwei linealische, abgerundete, stark gewim-
perte Flossen trägt, an denen die äussere am Ende des Stie-
les, die innere aber davon entfernt, fast in der Mitte des
Stieles, eingelenkt ist. — Die falschen Füsse der vorherge-
henden Glieder des Hinterleibs sind fadenförmig.
Durch die eben gegebene Beschreibung ist klar, dass
dieses neue Genus durch die Form des Kopfbruslstückes mit
Remipes oder Hippa übereinkommt, und letzterem Geschlechte
auch durch die ziemlich grossen äusseren Antennen nahe
steht; durch den Umstand, dass die Vorderfüsse Scheeren
tragen, stimmt Abrote mit Albunea und Ranina überein, von
welchen beiden Geschlechtern letzteres auch Dornen an den
Scheeren trägt. Mit Albunea stimmt auch die Form des End-
gliedes des Hinterleibes und die Form der Klauen überein,
während die Form des Kopfbruslstückes, der Augenstiel, die
äusseren Fühler u. s. w. eine bedeutende -Verschiedenheit
darbieten.
Die Art nenne ich A. spinimana, und habe zu der obi-
gen Beschreibung nur hinzuzufügen, dass die Farbe des Ge-
häuses ein blasses schmutziges Rosenrolh ist, ganz so wie
ich es bei einer Albunea symnista fand , die ich einst nach
einem Sturme am Strande von Catania auflas, oder wie sie
Hippa zeigt. Die Dimensionen sind leicht auf der Abbildung
zu entnehmen: das Kopfbruststück ist in der Mittellinie 13 Li-
nien lang und 10 y^'" breit; der Hinterleib ist 11 Linien lang,
und sein erstes Glied 7 72'" breit, das letzte Glied ist fast
3'" lang. Die äusseren Fühler messen 9"', die Augensliele
ausgestreckt 2%. An den Scheerenfüssen ist der Femur 5'"
lang und 3y2'" dick ; die Tibia incL des Enddorns 7'" lang,
in der Mitte Sy^'" hoch ; der Carpus in seiner unteren Kante
6y/" lang und 3y,/" hoch. Der Femur der folgenden Füsse
ist 3y2~4'" lang, 2— Sy^'" hoch; die Tibia 4y2'" lang, am
unteren Ende 2y2 — 3'" breit; der Tarsus fast 2'" lang
2—^72'" breit, das Nagelglied endlich ist 4V2'" l«ng.
Archiv f. Nalurgesch. XXlIl. Jahrg. 1. Bd.
Vier neue Echiiioderiiieii des Cliilenischeii
Heeres.
Von
l»r It, A, Pllilippi
in Santiago de Chile.
Bei der grossen Arinuth der Chilenischen Fauna wird
es, glaube ich, doppelt interessant sein, dass ich im Stande
bin, zu den bisher aus Chile bekannten Echinodermen vier
neue Arten hinzuzufügen.
1. Echinus magellanicus Ph. Klein, ziemlich niederge-
drückt, unten eben; die Ambulakral-Felder sind etwa zwei
Drittel so breit, wie die Zwischenfelder. Je drei Paare von
Poren bilden in den Ambulakren gezähnte Linien. Die Höcker
sind verhältnissmässig ziemlich gross; die grösseren bil-
den in den Ambulakralfeldern zwei Reihen die nach aussen,
also dicht an den Poren, liegen , und zwei Reihen kleinerer
Höcker zwischen sich haben. In den Zwischenfeldern bemerkt
man ebenfalls zw^ei Reihen grösserer Höcker , allein diese
nehmen die Mittellinie der einzelnen Täfelchen ein und haben
jederseits eine Reihe kleinerer Höckerchen. Die MundöfFnung
des Gehäuses nimmt etwa den halben Durchmesser desselben
ein, ist kaum winklig, und ohne Einschnitte; die Ohren sind
inwendig breit, niedrig mit eiförmiger, verhältnissmässig klei-
ner Oeffnung. Die Lamellen , welche die AnalöfFnung des
Gehäuses verschliessen , sind gross, fünf an der Zahl, un-
gleich, zwei aneinanderstossende sind kleiner , drei grösser,
so dass der After nicht im Cenirum liegt, allein die Linie,
welche diese Afterplalten in zwei symmetrische Hälflen Iheilt,
trifft nicht auf die Labyrinth-Platte. Die Stacheln sind ver-
Philipp!: Vier neue Echinodermen d. Chilenischen Meeres. 13t
lällnissmässig lang. — Durchmesser des Gehäuses 8 Linien.
lohe 4'/27 Durchmesser der Mundöffnung- ;% der Analöffnung
y, Linie ; Länge der Stacheln 'iy^ Lin. — Die Färbung ist
ild violett, bald grün, die Ambulakra sind weisslich , die
Stacheln sind an der Spitze weiss.
Aus der Magellans-Strasse in mehreren Exemplaren von
lerrn S c h y t h e geschickt.
Der ßeschreibung nach muss £chinus minimus ßlainv.
Dict. sc. nat. 37. p. 80 dieser Art sehr ähnlich sein, allein
bei E. minimus liegen zwei Reihen kleinerer Höcker nach
aussen von der Reihe grösserer Höcker, welche die Täfel-
chen der Zwischenfelder durchzieht („oulre une double ran-
gee extreme dans les ambulacraires**). Auch der kleine
an den Sicilischen Küsten so überaus häufige Seeigel , wel-
chen ich für E. miliaris L. genommen habe, ist der Magella-
nischen Art zum Verwechseln ähnlich, unterscheidet sich aber
wesentlich durch ein wichtiges physiologisches Kennzeichen :
die Platten, welche die Afteröffnung des Gehäuses verschlies^
sen, sind viel kleiner und zahlreicher. Aui;h E. patagonicus
d'Orb. Voy. Amer. mer. Paleont. p. 135. t. ö. fig. 14—16 ist
dieser Art sehr ähnlich, aber fast zweimal so gross; die vom
Eierleiter durchbohrten Platten und die Stellung der Poren in
den Ambulakris , so weit sie aus der Figur zu erkennen
sind — die Beschreibung schweigt darüber! — sind indes-*
sen verschieden.
2. Arbacia oder Echinocidaris Schythei Ph. Nieder-
gedrückt kegelförmig, schwärzlich; die Höcker in dem obe-
ren Theile der Interambulakralfelder nur vierzeilig, so dass
in der Mitte des Feldes ein breiter , gänzlich höckerfreier
Raum ist; während die Höcker im Umfange des Gehäuses in
demselben Felde acht Reihen bilden , ohne freien Zwischen-
raum. Die grösseren Stacheln sind nach der Spitze hin nicht
verdickt oder verbreitert, und enden mit drei kurzen glatten
Schneiden; die unmittelbar um die Mundöffnung herum ge-
stellten Stacheln sind gegen das Ende breiter, an der Spitze
selbst zusammengedrückt platt und mit Längsleisten verse-
hen; die vier Klappen, welche den After verschliessen, bilden
eine Ebene, indem ihre freien Spilzen rechtwinklig sind; die
Alleröffnung im Gehäuse ist oval. Die fünf Ovarial -Platte«
132 Philippi:
sind ausgezeichnet runzlig-, und die Oeffnung der Eierleiter
selbst liegt in einer Grube. — Der Durchmesser beträgt 27
Linien, die Höhe 15 Linien; die grösseren Stacheln sind 12
Linien lang. Die Farbe der Stacheln ist am Grunde grau,
gegen die Spitze hin schwärzlich.
In der Mageilans- Strasse von Herrn G. Schythe
entdeckt.
Im Norden Chiles kommt ein Echinocidaris spathuliger
vor, dessen Beschreibung bei Gay nicht genügend ist (die
daselbst cilirte Figur kann ich nicht nachsehen). Der See-
igel, welchen ich für E. 'spathuliger halte, ist von dem eben
beschriebenen durch folgende Merkmale leicht zu unterschei-
den : der sehr auffallende freie Raum im oberen Theile der
Interambulakralfelder fehlt; die Afteröffnung des Gehäuses ist
kreisförmig, nicht oval; die vier Klappen, welche dieselbe
verschliessen, haben die Gestalt eines gleichseitigen Dreiecks,
oder sind sogar noch etwas spitzer, so dass sie eine Pyra-
mide und nicht eine ebene Fläche bilden ; endlich ist die
Gestalt der Stacheln verschieden , so wie die Skulptur der
Ovarial-Platten, denen auch die Grube fehlt, in welcher bei
E. Schythei die Eierleiter münden. Nach Gay sollen gar
bei E. spathuliger die um den Mund herum gestellten Sta-
cheln die längsten sein, allein dies ist offenbar eine von den
zahllosen Flüchtigkeilen des Werkes, und heisst es denn auch
wenige Zeilen weiter bei E. niger, dass die Stacheln im Um-
fange des Gehäuses bei E. spathuliger die längsten seien.
3. Goniodiscus verrucosus Ph. Fünf Arme. Das Ver-
hältniss des kleinen zum grossen Radius wie 1:2; die Win-
kel zwischen den Armen sehr stumpf und gerundet. Es sind
19 bis 20 dorsale und ventrale Randplalten jederseits an den
Armen vorhanden, ausserdem eine unpaare Bauch- und Rük-
kenplatte. Die Furchenpapillen stehen in 3 bis 4 Reihen wie
bei Goniodiscus singularis Müll. u. Tiosch. — Die Platten
der Bauchseite sind mit cylindrischen Papillen dicht bedeckt;
die Randplatten haben niedrige Papillen, die so dicht stehen,
dass sie sich wie Pflastersleine berühren. Der Rücken ist
mit dicht granulirten Warzen besetzt , fast genau wie bei
Linckia mamniillala. Die Labyrinlhplalle ist nicht grösser
als eine dieser Warzen, etwa halb so gross wie bei Gon.
vier neue Echinodermen des Chilenischen Meeres. 133
singularis, und von sechs Warzen umgeben , von denen ab-
wechselnd drei kleiner und drei grösser sind. — Die Farbe
ist rolh. —Grösse, Durchmesser der Scheibe 17 Linien, des
ganzen Sterns 3 Zoll.
Diese interessante Art ist an der Küste zwischen Val-
paraiso und der Mündung des Rio Maipu gefunden.
4. Cuvieria antarctica Ph. Der Körper ist eiförmig,
oben convex, mit gelblichen Schuppen bedeckt, die am Rande
sehr klein sind, nach der Mille des Rückens hin aber grösser
werden; so dass etwa fünf Schiippenreihen zwischen Afler und
Mund liegen. Fünf bis sechs dreieckige Klappen verschlies-
sen die MundöfTnung , fünf weit kleinere Klappen die Afler-
öffnung. — Die Länge beträgt ^% Linie, bei einer Breite von
3 Linien.
Mein verehrter Freund, Herr Georg Schythe sandle
ein getrocknetes Exemplar aus der Magellans-Strasse.
Diese Art ist der Hololhuria squamata'ÄfFr. Müll, so
ähnlich , dass ich lange gezweifelt habe , od ich sie nicht
ohne Weiteres dafür ansprechen sollle. Wenn indess die
Figur Encycl. melh. 87. p. 11. 12. getreu ist, so sind bei der
Art des nordischen Meeres die Schuppen, welche die Mund -
und Afteröffnung verschliessen, weniger regelmässig als bei
der analogen der Südspilze Amerikas, und es sind wenigstens
zehn Schuppenreihen zwischen Afler und Mund. Sollle eine
Unlersuchung zahlreicherer Exemplare aber auch herausstel-
len, dass beide Arien zusammenfallen müssen , so bleibt es
nicht minder eine interessante Thatsache , dass sich diese
merkwürdige Holothurienform an beiden Polarmeeren wieder-
holt, so wie sich identische Formen von Seesternen und ähn-
liche analoge Formen von Seeigeln zeigen.
Bis jetzt sind folgende Seesterne und Seeigel von Chile
bekannt:
Seeigel.
Echinus albus Mol.
— magellanicus Ph.
Echinocidaris spathuliger Val.
— Schylhei Ph.
— niger (Echinus n.) Mol.
Heliocidaris erylhrogramma.
134 Philippit Vier neue Echinodermen d. Chilemschen Meeres.
Tripylus excavatusPh. Archiv j
1845. p. 344 sq. ( „ ^
DU uj / von Hrn. Gay verffessen.
— cavernosus Ph. ibid.J ^ »
— australis Ph. ibid. )
Seesterne.
Asteracanthion gelatinosus Meyen.
— helianlhus.
— aurantiacus Meyen.
— rubensL. Archiv 1843. p. 123 von Herrn
Gay vergessen.
Goniodiscus singularis. Archiv 1843. p. 116, ebenfalls
von Herrn Gay vergessen.
— verrucusus Ph. nov. sp.
Asleriscus calcaratus Val.
Während Herr Gay also nur acht Arten See-Igel und
See-Sterne aus dem Chilenischen Meere aufzählt, stellt sich
die Zahl derselben hiernach auf 16 heraus, von denen ich
sechs zuerst beschrieben habe.
b
Ueber den Oueniiil von Ülolinä.
Von
lir. R« it. Philippi
in Santiago do Chile.
Der Guemuli Huemul, Guamul, Huamul der Chilenen
imiss ein sehr seltenes Thier sein. Molina könn ihn un-
möglich selbst gesehen haben, sonst wurde er keine so grund-
falsche Beschreibung von demselben gegeben und ihm, um
nur eins zu erwähnen , namentlich keinen Eselschwanz bei-
gelegt haben. Er scheint offenbar durch die Nachricht von
Wallis irregeführt zu sein, der dies Thier in der Magel-
lans-Strasse zuerst gesehen hat, ohne es schiessen zu kön-
nen, (Hawkesworth Voy. tom. I. c. 2. p. 38). Herrn Gay ge-
lang es bei seinem mehrjährigen Aufenthalt in Chile nur, sich
das Weibchen zu verschaffen , welches er in hisloria de Chile
p. 159 als Cervus chilensis beschreibt und t. 13 abbildet, nach-
dem er nebst Gervais zuerst in den Annales des Scien-
ces Naturelles Fevr. 1846 eine Nachricht davon gegeben. Das
Exemplar, nach welchem vermuthlich die Abbildung gemacht
ist, existirt noch im Museum von Santiago. Schon Gay ist
die Aehnlichkeit seines Cervus chilensis mit dem zwei Jahre
früher, von d'O r b i g n y aufgestellten Cervus antisensis aufge-
fallen. Nachdem Herr Ga y Chile bereits verlassen, gelangte,
ich weiss nicht in welchem Jahre, ein Mäjinchen des Guemul
an das Museum, welches in der Cordillere der Provinz Col-
chagua geschossen war. Es wurde leider in einer wun-
derlichen Stellung ausgestopft, um als Wappenhalter eines
auf Blech gemalten grossen Chilenischen Wappens zu dienen,
136 Philipp i: Ueber den Guemul von Molina.
und zu dem Ende auch mit einer blechernen Krone verse-
hen. Als ich vor Kurzem das Werk von d'Orbigny Vo-
yage dans l'Amerique meridionale etc. erhielt und in dem-
selben die ausführliche Beschreibung des Cervus anlisicnsis
nebst einer Abbildung des Männchens fand , überzeugte ich
mich sogleich , dass der Chilenische Guemul durchaus iden-
tisch mit diesem Hirsche ist. Die Beschreibung von d'O r-
bigny passt Wort für Wort auf das ausgestopfte Exemplar
des Museums, und ebenso die Figur ; nur ist das Colorit zu
helli unser Exemplar ist braun, nicht falb, wie die Abbildung
bei d'Orbigny, die einzelnen Haare sind aber genau be-
schaffen, wie sie d'Orbigny beschreibt, graubraun mit gelb-
lichem Ring vor der dunkelbraunen Spitze. Unser Chileni-
sches Exemplar ist etwas grösser als das von d'Orbigny,
wie die Zusammenstellung der Maasse zeigt.
Longueur du corps et
deia tete bei d'Or-
bigny . . . . 1,200™ bei diesem Exemplare 1,575™
Höhe des Geweihes von
wobei ich bemerke , dass ich meine Messungen mit einem
Bandmaasse und der Krümmung derTheile folgend angestellt
habe. Die Beschreibung von d'Orbigny a.a.O. ist so ge-
nau, dass ich derselben nichts hinzuzufügen habe; höchstens
möchte ich bemerken , dass das Geweih an seinem Grunde
eine Anzahl erhabener Längskanlen besitzt, die sich vor der
Gabelung bereits verlieren, und dass die Perlen der Rosen
einen ziendich stark hervortretenden Kranz 4)ilden.
Beitras: zur Koiintiilss der Dipteren
i%frika's.
Von
Director lioe^v
in Meseritz.
(A. d. Öfversigt af K. V. Ak. Förhandl, §rg. 13. p. 255—264).
Uebersetzt von
1fr. Creplin.
Afrika, seit Jahrlausenden das Ziel von Besuchern,
besonders an seinen Küsten , seit Jahrhunderten der Begräb-
nissplatz unerschrockener Reisender, welche ihr Forschungslrieb
seinen inneren Theilen zuführte , hat während der letzteren
Jahrhunderle durch fortgesetztes Durchforschen seiner vor-
her unbekannten Gegenden einen reichen Schatz wichtiger
Erläuterungen geliefert. So wie das geographische Bild vom
Innern dieses Welttheils klarer und klarer hervortritt, ebenso
wird seine Fauna und Flora uns bald einen nicht geahnten
Reichthuin und Mannichfalligkeit darbieten.
Was seine Fauna betrifft, so hat sich die Kenntniss
der höheren Thierklassen viel weiter und nach ausgedehnle-
ren Gegenden erhoben, als die Bekanntschaft mit den nie-
deren Thieren. Während die erstere grosse Theile des in-
neren Landes umfasst, hält die letztere sich fast ganz und
gar an die Küstenländer, ja oft nur an gewisse Punkte von
diesen. Auch aus den Ländern, durch welche bereiste Wege
führen, wissen wir von den niederen Thieren Wenig oder
Nichts. Was von ihnen angeführt worden ist, berührt haupl-
138 Loew:
sächlich unsere Kenntniss der afrikanischen Insekten, wenn
auch nicht alle Classen derselben in gleichem Maasse. Unsere
Kenntniss von den Koleopteren ist die bedeutendste , wovon
die Ursache ist, dass diese unter den gewöhnlichen Ver-
hältnissen einer Reise in Afrika am leichtesten gesammelt
und heimgebracht werden können. Besonders geringe ist
dagegen die Kenntniss der Dipteren, welche die Aufmerk-
samkeit der Sammler wenig auf sich ziehen, und deren Auf-
bewahrung während des Transportes mit so manchen Schwie-
rigkeiten verknüpft ist.
Die erste Kunde von Afrika's Dipteren begann mit
der Aufstellung einiger Arten von Linne, de Geer u. m.
A. Eine darauf folgende, etwas reichhaltigere Benachrich-
tigung von denselben ertheilte Fabricius durch die Be-
schreibung von 77 Arten. Um eine Uebersicht der all-
mählich erweiterten Kenntniss und ein deutli-
ches Bild vom gegö iiwäi*tigen Standpunkte der-
selben zu liefern, ist es nöthig, Afrika in Distrikte zu
theilen. Diese sind auf keine Weise durch natürliche Grän-
zen bestimmt, sondern sind durch den Handel entstanden,
mit welchem die naturgeschichtlichen Forschungen Hand in
Hand gegangen, und sind zufolge der Zeit und deren Dauer
mehr oder weniger ausgedehnt worden. Der erste dieser Aus-
gangspunkte ist Aegypten, der zweite A 1 g i e r nebst den
angränzenden Küstenländern , der dritte sind die Handels-
plätze an der Westküste, der vierte ist das Capland
und der fünfte Mosambique. Ausserdem müssen noch
zwei besondere Distrikte angenommen werden, einer besteht
.aus den azorischen und canarischen Inseln, ein an-
derer, umfassend Ma da gas car, Isle de France und
Bourbo n.
Der erste oben genannte Distrikt umfasst die in Osten,
am rothen Meere liegenden Länder, also Aegypten, Nu-
biien und Abyssinien, und erstreckt sich von den Küsten
des Mittelmeers bis zum nördlichen Ende der Bucht von Aden.
Er ist anzusehen als der nordöstliche Distrikt. Aus-
ser 7 von Olivier in der Encyclopedie methodique bekannt
gemachten und 6 von Ehrenberg und Hemprich ent-
deckten Arten, welche von lilüß in den ^Symbolae plysi-
Beitrag lur KennlnJss der Dipteren Afrika's.
139
cae« beschrieben sind, hat Wied e mann 65' von da ange-
führt , welche zum grössern Theile von dem unermüdlichen
Rüppell entdeckt worden sind. Macquart hat ihnen 33
neue hinzugefügt, Walcker in verschiedenen Werken 7 an-
dere, und ich habe 36 Arten aus Aegypten beschrieben, de-
ren einige von Rüppell, alle anderen von Frauen feld
gesammelt worden sind. Rechnet man hierzu 2 oder 3 von
anderen Schriftstellefn veröffentlichte Species , so ergiebt es
sich, dass bisher etwa 157 Arten aus dem nordöstlichen Afrika
bekannt gemacht sind. Um das Bild von der Dipterenfauna
dieses Distrikts zu vollenden , so weit Solches bei uiiserfcr
gegenwärtigen Kennlniss geschehen bann, sind jenen 157 *)
dort zuerst entdeckten Arten noch 43 hinzuzufügen , welche
theils dort gemeinschaftlich mit anderen Gegenden in Afrika
oder Europa, oder auch in Arabien und Syrien, vorkommen.
Hieraus folgt sonach , dass wir mit Sicherheit nur etwa 200
Species kennen, welche in diesem Distrikte einheimisch i'mA,
Es ist ziemlich unsicher, bei einem so geringen Materiale den
Charakter der Fauna bestimmen zu wollen ; doch kann hin-
sichtlich derselben mit einiget* Gewissheil gesagt werden, dass
die Anzahl der Arten , welche die nördliche Hälfte dieses
Distrikts gemeinschaftlich mit Europa besitzt, nicht geringe,
noch grösser aber die Anzahl ist, welche der ganze Distrikt
mit Arabien theilt. Die ihm mit der Berberei gemeinsame
Artenanzahl scheint für jetzt nicht viel grösser, als die an
den südeuropäischen Küsten zu sein. Mit Afrika's Westküste
und südlicher Spitze hat er nur wenige identische Species
aufzuweisen.
Der zweite Distrikt umfasst die ganze nördlichö
Küste von Tripolis bis Marokko. Die canarischen Inseln
wären füglich hieher zu rechnen , keineswegs aber die azo-
rischen, deren Fauna man dann mit der europäischen würde
*) Ich gebe hier, wie überall, bestimmte Zahlen, nach der
mir zugänglichen Litteratur , an. Ansprach auf absolute Richtigkeit
können dieselben nicht machen, da einige Veröffentlichungen, beson-
ders in englischen Zeitschriften, mir nicht zugänglich waren, Dass
sie keineswegs bedeutend von der Richtigkeit abweichen, glaube ich
veruchern zu können.
140 Loew:
vereinigen müssen. Ich halte es somit für passlicher, sie
beide zusammen einen eigenen Distrikt bilden zu lassen, den
der westlichen Inseln, dessen Mittelpunkt Madera mit
einer Fauna von völlig südeuropäischem Charakter ist. Ge-
wiss ist das Verhalten auf allen nördlicher gelegenen Inseln
sich gleich , während es dagegen auf den canarischen nicht
unbedeutend modificirt erscheint, wo die Fauna sich weit
mehr der nordafrikanischen nähert, lieber die Dipteren-
Fauna von Madeira werde ich mich nach den mir zu Gebote
stehenden Materialien binnen kurzem ausführlicher äussern.
Ueber die Fauna der canarischen Inseln hat Macquart in
Webb's und Berthelot's bekanntem Werke die vollstän-
digsten Aufklärungen gegeben. Er beschreibt dort- 41 ei-
genthümliche Arten und zählt dazu noch eine ziemlich grosse
Anzahl auch in Europa und Nordafrika gefundener auf. Von
anderen Schriftstellern sind ferner 8 Arten und eine geringe
Anzahl auf diesen Inseln vorkommender europäischer Arten
ebenfalls angemerkt worden. Der von Tripolis bis Marokko
sich erstreckende Nordküste ndistrikt hat die Sahara zur
Gränze gegen Süden. Schon von den 77 Fab rici'schen
Arten gehören demselben , und vorzugsweise seiner westli-
chen Hälfte, 94 an. Durch Wiedemann sind 9 Arten
hinzugekommen. Für die vollständigste Ausforschung ist die
Dipteroiogie Macquart verpflichtet, welcher theils in sei-
nem Werke über exotische Diptera, theils in seiner Bearbei-
tung der Diptera in der „Exploration de l'Algerie^« nicht allein
127 neue Arten von Algier beschrieben, sondern auch eine
grosse Menge dort vorkommender europäischer Arten aus-
gemi^telt hat. Mit Hinzufügung der wenigen von Walker,
Erichson, Lucas, Leon Dufour und einigen Anderen
charakterisirten Arten kennen wir zur jetzigen Zeit 172 erst
im Nordküstendistrikte entdeckte Arten. Rechnet man hierzu
die dort vorkommende grosse Anzahl europäischer Arten und
die wenigen, welche dieser Distrikt mit anderen Gegenden
in Afrika gemein hat, so steigen die dort einheimischen Ar-
ten auf 310. Ungefähr die Hälfte dieser Arten gehört auch
Europa's Fauna an. Wie weit die Verbreitung der in diesem
Distrikte gefundenen, Europa nicht angehörenden Arten sich
erstreckt, lässt sich noch nicht ermitteln , und zwar ebejnso
Beitrag zur Kenntniss der Dipteren Afrika's. 141
wenig, als ob sein westlicher Theil eine von der östlichen
besonders abweichende Fnuna besitzt. Bcmcrkenswerlh ist
übrigens die geringe Uebereinstiminung zwischen den nicht
europäischen Arten Algier's und der canarischen Inseln, und
so in die Augen fallend, dass die Vennulhuiig entstehen »luss,
die Identität sei in vielen Fällen übersehen worden. Die
Anzahl der dem Nordküslendislrikte und Aegypten gemein-
samen Arten dürfte nicht unbedeutend sein. JVlit Afrika's
tropischer Westküste und südlicher Spitze besitzt dieser Di-
strikt nur sehr wenige, theils auch nach Europa verbreitete
Arien gemeinschaftlich.
Der dritte Distrikt umfasst die tropische Westküste von
Senegambien bei ßenguela. Er ist reich an ausge-
zeichneten Formen. Wir haben Fabricius zu danken für
die Kenntniss von 31, Wiedemann von 24, Macquart
von 47 und Walker von 81 Arten, unter welchen letzteren
sich eine ziemlich grosse Anzahl befindet , deren Vaterland
ungewiss ist. Andere Schriftsteller haben ferner 20 Species
beschrieben, so dass überhaupt 174 Arten von dorther be-
kannt geworden sind. Hinsichtlich des Vorkommens euro-
päischer und nordafrikanischer Arten in diesem Distrikte
ist fast Nichts bekannt; dagegen besitzt er, und selbst seine
nördlich vom Aequalor liegende Hälfte, eine grössere Anzahl
von Arten, die sich auch am Cap finden, als man Grund ge-
habt hätte wegen des grossen Abstandes, der Ungleichheit
der geographischen Breilengrade und der davon herrühren-
den klimatischen Verschiedenheiten zu vermulhen.
Der Distrikt der südlichen Spitze oder des Cap-
landes reicht bis zum südlichen Wendekreise oder wenig-
stens bis zum 20° S. Br. Aus ihm sind von Fabricius 14,
von Wiedemann 179, von Macquart 154, von Wal-
ker 95 und von verschiedenen Anderen etwa 32, oder zu-
sammen 47 1 Arten beschrieben worden. Ausserdem sind,
theils als in Europa vorkommend, theils früher in anderen
Theilen von Afrika entdeckt, 30 Species bekannt, so dass
die Anzahl aller als einheimisch in diesem Distrikte antje-
gebenen Arten mindestens auf 500 angesetzt werden kann,
eine Anzahl, welche bedeutend grösser ist, als die aus irgend
einer anderen Gegend von Afrika. Dieses Verhalten dürfte
142 Loew:
nicht SO sehr seinen Grund im Reichthume dieser Fauna ha-
ben, als in der länger dauernden und engeren ßerührung,^ in
welcher Europa mit dem genannten Lande gestanden hat.
So gewiss es ist, dass durch diese mehrere von den im Cap-
lande gefundenen europäischen Arten dahin versetzt worden
sind, ebenso gewiss ist es, dass Solches mit mehreren an-
deren nicht der Fall gewesen ist.
Zu dem rücksichtlich der Diplerenfauna am wenigsten
bekannten Theile von Afrika gehört die tropische Ostküste
von Mozambique bis Bäb el mandeb. Ich habe oben
als Hauptpunkt für diesen Distrikt Mozambique angegeben,
d. h. nicht als durch seine geographische Lage , da es die
südliche Gränze des Distrikts bildet , dazu berechtigt , son-
dern weil es bisher die einzige Gegend ist , von deren Di-
pterenfauna wir einige Kunde haben. Peters' Bemühungen
haben wir diese Kenntniss zu danken. Sie beschränkt sich
auf 37 von ihm dort entdeckte Arten, welche ich in seiner
7,Reise« beschrieben habe^'*}, und auf 13 Arten, welche Mo-
zambique mit dem Cap, einige auch selbst mit der westlichen
Küste, gemein hat.
Schliesslich ist noch Madagascar mit den östlich von
ihm biegenden Inseln übrig, welche ich als einen eigenen
Distrikt betrachte. Von dorther, besonders von Isle de France,
sind durch Macquart 77 und durch andere Schriftsteller
13, oder zusammen 90 neue Arten bekannt geworden, denen
kaum ein halbem Dutzend, als auch in Europa oder dem Cap-
lande vorkommend, hinzugefugt werden kann.
Die Anzahl aller bisher bekannten afrikanischen Arten
beläuft sich sonach auf 1,190^ von denen zwar einige, als
doppelt beschriebene , abgerechnet werden können , denen
jedoch auch wieder wenigstens 200 europäische Arten, wel-
che ebenfalls in Afrika gefunden worden, hinzuzufügen sind,
so dass das verhällnissniässig unbedeutende Fragment von
Afrika's Dipterenfauna , welches durch die vereinigte Bemü-
hungen Vieler bekannt geworden ist, sich auf 1,400 Arten
beläuft.
, Berichten d. Verhandl. d. K. Ak. d. Wiss.
in Berlin v. J. 1852. S. 658—661 ," die Loew'schen Diagnosen von >|
35 Arten. Creplin.
Beitrag zur KenntnUs der Dipteren Afrika's. 143
Von den 1,190 Afrika eig"enlhümlichen Arten sind von
Fabricius 77, von Wiedeinann 296, von Macquart
479, von Walker 193, von mir 87 und von anderen
Schriftslellern 164 Arten, und von diesen die grössle Anzahl
von Weslwood, die übrigen vonLinne, Olivier, La«
treille, Palisot, Leach, Ol fers, Kiug,Erichson,
L. Dufour, Guerin, Lucas und M. beschrieben worden.
Diese Arten können nach den Gegenden, in denen sie zuerst
entdeckt worden sind, folgendermassen vertheilt werden;
Nordostdistrikt . . . 157
Nördliche Küste . . 172
Westlicher Inseldistrikl 49
Westküste .... 194
Sudliche Spitze . . 471
Oestlicher Inseldislrikt 90
Oestliche Küste . . 37.
Berechnen wir die Arten, welche in mehreren Distrik-
ten gefunden worden sind , bei einem jeden von diesen mit
Beifügung der dort bemerkten europäischen Arten , so weist
sich das Verhalten in den 7 von mir angenommenen Lokal-
Faunen in runden Zahlen folgendermassen aus :
Nordostdistrikt ... 200
Nördliche Küste . . 300
Westlicher Inseldistrikt 180
Westliche Küste . . 200
Südliche Spitze . . 500
Oestlicher Inseldistrikt 100
Oestliche Küste . . 50.
Da die Dipterenfauna von Afrika uns so wenig bekannt
ist, so muss jede Vermehrung derselben willkommen sein.
Dass alle Gegenden dieses WelUheils , selbst die bisher am
meisten lintersuchten, einem fleissigen Sammler die vorlheil-
haflesle Gelegenheit zu einer reichen Ernte neuer und inte-
ressanter Arten darbieten, ist offenbar. Besonders reich wird
sie ausfallen, wenn die Aufmerksamkeit den kleineren Arten
zugewendet wird, welche bis dahin den Sammlern ganz und
gar enigangen sind. Das Verdienst des Samraelns bat sich
inzwischen vor allen Anderen, welche es in Afrika betrieben
144 L o e w :
haben, in ausgezeichnetem Grade J. A. Wahlberg erwor-
ben. Ich habe zur Grundlage für den Beilrag, welchen ich
über die afrikanischen Dipteren müzutheilen beabsichtige, die
von ihm im Cap- und Kaffernlande gesammelten Arten die-
ser Clässc, mit Ausnahme der Nemocera gemacht. Sie ma-
chen unter 477 Nummern etwa 450 Arten aus , von denen
ungefähr 50 früher schon mit Sicherheit beschrieben worden
sind. Wie viele der übrigen 400 Arten zu bereits bekann-
ten Species zu bringen seien , lässt sich nicht bestimmt an-
geben, ehe die Bearbeitung derselben abgeschlossen ist ; doch
schätze ich ihre Anzahl auf ebenfalls 50. Meine Berechnung
slülzt sich auf folgende Gründe : Alle die Arten gehören
Afrika's südlicher Spitze an. Fabricius und Wiede-
mann haben von dorther 173 Arten beschrieben. Unter den
Wa hl berg'schen sind kaum 40 Fa b ri c i'sche oderWie-
demann'sche Species. Macquart, Walker u. A. haben
278Diptera aufgenommen, von denen etwa 60 mit den Wah 1-
berg'schen identisch sein müssen; von diesen finden sich
jedoch 10 unter den vorher genannten , wesshalb man ver-
mulhen kann, dass höchstens 50 andere bekannt seien. Die
W ahlb er g'sche Einsammlung an der südlichen Spitze von
Afrika bereichert die Dipterenfauna dieses Welttheils mit min-
destens 350 Brachycera - Arten , ein Zuwachs , welchen die
Diplerenfauna vorher nie auf einmal aus irgend einer nichl-
europäischen Gegend bekommen hat. Die mir anvertraute
Bearbeitung einer solchen Menge neuer Enideckungen heischt,
wenn sie der Wissenschaft wirklich nützen soll , eine Ab-
weichung von der Art und Weise , nach welcher die exoti-
schen Dipteren-Arten bis jetzt bekannt gemacht sind. Die
meisten neuen Schriftsteller haben Alles als neu angenom-
men, welches sich nicht in ihren eigenen Sammlungen vor-
fand oder sich nicht sogleich aus alleren Autoren ermitteln
Hess. Insonderheit hat man sein Augenmerk nicht auf die
Beschreibungen solcher Arten gerichtet, welche an weit ent-
fernten Orten gesammelt wurden. Dies ist jedoch bei keiner
Classc nothwendiger, als bei der der Dipteren, deren Arten
oft ausserordentlich weit verbreilet sind. Ich habe desshalb
nicht allein die Beschreibungen aller veröffentlichten Arten
sorgfältig verglichen , (mit Ausnahme einiger , welche ich
Beitrag zur KenDtniss der Dipteren Afrikas. 145
nicht Gelegenheit gehabt habe zu sehen), sondern vor Allem
die Typen zu erforschen gesucht, so weit diese mir zugäng-
lich waren. Die grosse Menge solcher , welche sich in der
W i e d e m a n n - W i n t h e m'schen Sammlung in Wien befin-
det, habe ich genau mit den Wahlberg'schen Dipteren ver-
glichen, wie eben auch einen grossen Theil der im Berliner
Museum stehenden Typen zu den von VViedemann be-
schriebenen capischen Arten, so dass meine Arbeit sich nä-
her, als irgend eine andere, an das, was Wiedemann ge-
meinkundig gen^acht hat, anschliesst. Was die vielen von
Macquarl und Walker beschriebenen Arten betrifft, so ist
eine Vergleichung mit deren Typen nicht möglich gewesen,
welches ich um so mehr beklage, als die Beschreibungen
dieser beiden Schriftsteller zweifeln lassen, ob man eine von
ihnen beschriebene Art wirklich vor sich habe oder nicht.
Ich hoffe vor der Vollendung meiner Arbeit diesem Mangel
einigermassen abhelfen zu können. Da die schliessliche Voll-
endung dadurch einen Aufschub erleidet, so erlaube ich
mir, zum voraus familienweise die Diagnosen der neuen Ar-
ten bekannt zu machen. Unter diesen werden hier und da
Diagnosen einer oder der anderen schon bekannten Art auf-
genommen werden, wo sich dann in deren Charakteren ent-
weder eine Berichtigung zu den Angaben des ersten ße-
schreibers finden wird , oder ich auch zum Aufstellen jener
durch die Entdeckung verwandter Arten genöthigt worden
bin. ich habe auch einige andere beschriebene Species auf-
genommen, weil Berichtigungen in der Synonymie oder eine
Aenderung ihrer Stelle im Systeme nothwendig waren. Mich
ausschliesslich an die von Wahlberg mitgebrachten Dipte-
ren zu halten, dazu konnte ich keinen Grund finden , indem
das Interesse der Wissenschaft es erheischte, dass ich alle
mir zugänglichen Materialien benutzte. Wahlb er g's Ver-
dienst um die Diptcrenclasse ist so gross , dass es keiner
weiteren Auseinandersetzung desselben bedarf, als die, wel-
che sich aus dem ganzen Inhalte meiner Arbeit ergeben wird.
Indessen habe ich es für meine Pflicht gehallen, bei jeder
von ihm milgebrachlen Art dies ausdrücklich anzuführen und
die von ihm gefundenen , auch von früher her bekannten,
Arten nicht auszuschliessen. Letzteres ist die Ursache^ aus
Archiv f. Nalurgescb. XXIU. Jabrg i. Bd, JQ
146 Loew:
welcher einige, selbst allgemeiner bekannte Arien mit aufge-
führt worden sind.
Diptern, bracliycera.
Fam. I. Stratiomyidae.
A. Sargina,
Gen. 1. Ptecticus Loew.
Sp. 1. Pt. elongatus Fabr. J^.
Synon. : Musca elongata Fabr. Ent. Syst. IV. 338. 19.
Sargus posticus Wied. Zweifl. II. 34.
Guinea, Prom. b. sp., CafFraria. (Wahlb.)
Gen. 2. Chrysonotus Loew.
Sp. 2. Chr» flavamarginatus, n. sp. Q.. — Chr. bipun-
ctato similis , angulis thoracis posterioribus
scufellique margine flavis ; abdom. rufotesla-
ceo, segm. 5to macula violaceo-nigra signato.
— ■ Long. corp. SYö'".
Mauritius.
Gen. 3* Chrysomyia Macqu.
Sp. 3. Chr. bella, n. sp. $. — Violacea, antennis,
pedib. halteribusque nee non limbo thoracis
laterali et sculelli margine abdominisque ma-
culis lateralibus flavis. — - L. corp. 3'".
Prom. b. sp. n
Gen. 4. Microchrysa Lw.
Sp. 4. M. circumscripta^ n. sp. $. — Viridis , abd.
violaceo, limbo maculaque magna basali le-
staceis. — L. corp. IVö'".
Caffraria. (Wahlb.)
Sp. 5. M. scutellaris, n. sp. $. — Virescenti-viola-
cea , antenn. totis pedibusque flavescenlibus,
femoribus tibiisque posticis nigro-aanulatis;
scutello anguste flavomarginato. — Long,
corp. l'/j"'-
Caffraria. (Wahlb.)
B. Odontomyina.
Gen. 5. Odontomyia Meig".
Beitrag zur Kennlniss der Dipteren Afrilias. l47
Sp. 6. 0. quadrinotafa, n. sp. $. — Cap. pallide fla-
vescenle, facie fronteque rnaculis binis atris
verliceque alro; thor. nigro, slria laterali pal-
lida parum distincla; scutello flavesc; abd.
pall. flavo , fasciis 3 atris, margini anteriori
segm. 2di, 3lii et 4(i contiguis, latis, poslice
rotundalis , lalera versus acuminalis ; pedib.
nigro flavoque variis. — < L. corp. Ö'/j'".
Mozambique.
Sp. 7. 0. adusta, n. sp. $. — Thor. laterib. et scul.
flavis; spinulis scut. valde minutis; abd. fasciis
nigris latissimis signato; alar. parte anter. ni-
gricante, cellula disco'idali aperla. — L. corp.
42/3'".
Caffraria. (Wahlb.)
Sp. 8. 0. frontalis Macq. (^. — Faciei carina sub
antenn. rotundata; abdominis vitta longitu-
dinali nigra lateribiis parum angulata, poslice
subatlenuata; pedib. flavesc, immaculatis. —
L. corp. 5'".
Synon. : ^. Od. frontalis Macqu. Dipt. exot. I. 1. p. 185.
l^rom. b. sp.
Gen. ö. ^emotelus Geoffr.
Sp. 9. A. dissimilis, n. sp. c^i et $. — ^ niger, $
lutea; oculis nudis ; facie valde oblusa, lu-
teola^ in ^^e puncto apicali nigro ; thor. Stria
laterali punctoque laterali ante scut. pall. fla-
vescentib. ; abd. luteolo, maculis intermed.
magnis, postice rotundalis nigris. — L. corp.
Caffraria. (Wahlb.)
S. 10. N. haemorrhous^ n.sp. ^/^ et $. — Ater, summe
abd. apice tarsisque posler. rufo-ferrugineis,
oculis (/lis dislincte pilosis. — L. corp.Sy^ —
Caffraria. cWahlb.)
Gen. 7. Oxycera Meig.
Sp. U. 0. nubifera, n. sp. c?» — Atra, alis hyali-
148 Loew: Beitrag zur Kenntniss der Dipteren Afrikas.
nis, macula apicali magna nigricanle. - - L.
corp. 3%/".
Caffraria. (Wahlb.)
Gen. 8. Ephippium Lalr.
Sp. 12. E, maculipenne, n. sp. (/». — Nigrum, Iho-
racis slriis lalis abdominisque maculis albu-
lomenlosis , pedib. albido nigroque variis;
aus hyalinis macula permagna subapicali iiia-
culaque magna posteriore triangulär! nigro-
brunneis. — L. corp. 4%'".
Guinea.
C. Pachygastrina.
Gen. 9. Sternobrithes n. gen.
Oculi immarginati. Antennar. articuli 2 prio-
res parvi , 3tius angustus, 6-annulatiis ; Sty-
lus terminalis , 2-arliculatus. Thorax latus,
lumidus. Scutellum permagnum, tumidum, in- |
erme, marg. aculo. Abdomen breve, tumi- ^
dum, segm. posleriorib. connalis. Pedes
breves.
Sp. 13. St. tumidus n. sp. $. — Aler , pilis breviss.,
albido-micanlib. vestitus; antenn. rufescentib.;
tibiis et tarsis brunnescentib. ; aus pallide
cinereis. — L. corp. 2— 27^'".
Guinea, Caffraria. (Wahlb.)
Gen. 10. Ptilocera Wied*
Sp. 14. Pt. quadrilineata Fabr. ^ ei ^. — Scutelli
spinis et pedib. obscure testaceis, sectionib.
articuli 3lli antcnnarum 8 subaequalibus, qua-
rum 3lia, 4ta et 5la breviter radialis, radio
infero distinctiore. — L. corp. S'/o— 4V2'"-
Synon. : Stratiomys quadrilineata Fabr. Ent. Syst.
IV. 268. 23. Fabr. Syst. Antl. 86. Nro. 34.
Wied. Zweifl. II. 72. 19.
Sierra Leona. Caffraria. (Wahlb.)
lieber einl8:e Fische uiicS Crustaceeii der
süssen Oewässer Italiens.
Von
Eduard v» oVIartens 9
Dr. med. in Berlin.
(Hierzu Taf. IX und X.)
Durch meinen Vater aufmerksam gemacht auf die An-
gabe des Veroneser Botanikers Pollini über einen Blennius
und einen kleinen langschwänzigen Krebs im Gardasee, von
denen der erste dem gegenwärtigen Stande der Wissenschaft
zweifelhaft, der andere unbekannt geblieben war, V\'andte ich
bei einer Familienreise nach Italien im vorigen Sommer meine
Aufmerksamkeit auf die höheren Süsswasserthiere dieses Lan-
des , namentlich solche, welche^ sonst meerbewohnenden Gat-
tungen Und Familien angehören; ich hatte dabei die doppelte
Freude, jenes wackeren Forschers Beobachtungen bestätigt
zu finden und neue daran knüpfen zu können.
Aber nicht nur die erste Anregung, sondern auch we-
sentliche Hülfe durch Sach- und Sprachkennlniss verdanke
ich meinem Vater, der in Italien geboren und herangewach-
sen, die Erforschung seiner Natiirverhältnisse sich zur Le-
bcnsnufgabe gemacht hat. Möge daher dieser Aufsatz als ein
kleiner Nachtrag zum zweiten Bande seines „Italien* (Stutt-
gart, bei Schciblcund Rieger 1845. 8.) betrachtet werden.
150 V. Märten s:
A. Vorkommen und Landesnamen,
1. Der Gardasee,
Die Cabazza (Blennius vulgaris Pollini) und Avola
(Leuciscus alburneilus Filiippi).
Caboza oder Cagnota soll nach Valenciennes am
Lage maggiore ein Blennius heissen, welchen derselbe unter
letzterem Namen in der histoire nal. d. poiss. beschrieben
hat. Dieselben Namen mit kleinen Abänderungen halle schon
früher Pollini für den von ihm entdeckten Blennius des
Gardasees angegeben, bei einem früheren Aufenthalte am
Lago maggiore konnte mein Vater trotz aller Erkundigungen
nichts von einem solchen Fische im letztgenannten See erfah-
ren, die Fischer kannten den Namep gar nicht, die ihnen
gezeigte Abbildung erkannten sie ebenso wenig oder glaub-
ten, es handle sich um eine Grundel. Ganz anders hier am
Gardasee. Unser Schiffer in Malcesine kannte die Cabazza
sehr gut und sagte, als wir darnach fragten, wir sollten nur
hinab ins Wasser sehen; bald erkannte auch das Auge die
niedlichen Thierchen, welche ein paar Fuss tief schattenähn-
lich ruhig über die Steine am Boden hinglitten und bei jeder
Störung sich rasch zwischen denselben verbargen oder auch
hinter einer Paludina fasciata Mll. , wenn gerade kein ande-
rer Schutz nahe war; in kurzer Zeit mittelst eines kleinen
Handnelzes hatten wir viele beisammen. Auffallend war mir
dabei, dass sie dicht an der senkrechten Mauer, welche eine
Art Miniatur-Molo bildet , in seitlicher Lage hinschwammen,
den Bauch der Mauer zugekehrt , so dass seine helle Farbe
von oben sichtbar wurde, in der Stellung eines Pleuronectes
(schwimmen diese auch so? oder liegen sie bloss seitlich
auf dem Boden? jedenfalls mögen sie wenig schwimmen);
wahrscheinlich um rasch in die horizontalen Ritzen hin-
einschlüpfen zu können, denn am Boden oder mitten im Was-
ser sah ich diese Lage nie. Ruhend spreizen sie Brust-
und Bauchflossen unter einem Winkel von etwa 60— 70^ aus,
und halten den Schwanz bald gerade gestreckt, bald seitlich
wellenförmig gebogen; im Trocknen springen sie in die Höhe,
bis Fuss hoch und zwar um so höher , wenn sie vorher auf
lieber einige Fische und Crustaceen Italiens. 151
der Seile lagen , der Sprung wird also wohl durch Sei-
lenschlag des Schwanzes ausgeföhrl. Auch aus dem Wasser
sprangen sie mehrere Zoll hoch und weit über den Rand
einer Schüssel hinüber. Einer hiss mich in den Finger, es
war nur ein leichtes Klemmen, wie bei den kleineren El-.
dGchsen. Die lebenden Fische zeigen eine blass ßraungelbe
Farbe, oben mit dunkelgrünen grossen Flecken marmorirl,
in einem Gefässe mit mehrmals erneuertem Wasser wurden
sie innerhalb '/^ — ^ Stunde bleicher und einfarbig, starben
auch alle bald und zeigten sich alsdann trübaschgrau , die
früher weisse Kiemenhaut und Analis röthlich. Lebend in
Branntwein gesetzt, da kein Weingeist in Malcesine zu haben
war, haben viele ihre Farben gut erhalten. Das rasche
Sterben fiel mir um so mehr auf , da ich den verwandten
Gunellus, welcher bei Helgoland ähnliche Stellen im Salzwas^
ser bewohnt, als lebenszäh kennen gelernt hatte; selbst ein-
zelne isolirte lebten nicht länger. Sie werden von den Omni-
voren Italienern gegessen, wie auch die Magnaroni (Cottus).
Auf einer Fahrt über den See an einem sonnigen Nach-
mittage sahen "wir oft in geringer Entfernung vor dem Boote
kleine glänzende Fischchen , wie silberne Pfeile , in einem
flachen Bogen über die Wasserfläche emporspringen, meist
mehrere hintereinander , wie wenn sie durch unser Nahen
aufgestört wären, und ebenso rasch wieder unter Wasser
verschwinden. Das seien die Avole, sagton unsere Schif-
fer. Einen Begriff von ihrer Menge erhielten wir am folgenden
Morgen in Malcesine, als wir mit Tagesanbruch zum Netzplatze
(Retelino) gingen, d.h. der Stelle ausserhalb des Städtchens,
wo die Netze und Boote aufbewahrt, die Fische gelandet und
getrocknet werden. Eine kaum erst verlassene Matraze, auf dem
Kiessande ausgebreitet, mit einem Netze statt der Bettdecke,
bewies, dass hier, am Fusse des Monte Baldo, keine Malaria
existire. Ebenfalls im Freien neben einer kleinen Hütte für
den Wächter standen zahlreiche inannslanfje und längere aus
Schilfrohr gefertigte Platten oder flache Wannen mit höl-
zernen Rahmen, auf denen die Avole an der Sonne dörren;
für die Nacht werden die Platten aufeinander geschichtet und
die oberste bedeckt; Streifen grober Leinwand, an demeinen
Rande mit Kork, an dem entgegengesetzten mit Bleistücken
152 V. Martens:
besetzt, dienen zum Umstellen und Zusammentreiben dieser
die Oberfläche liebenden Fische , eine aus Bindfaden und
Holzreifen verfertigte Reuse, mehrere in einander steckende
Trichter darstellend , ist , der Todlenkammer des Thunfisch-
nelzes entsprechend , der letzte Zufluchtsort und Kerker der
schwachen Thiere. Schon lag eine grosse Partie diese Nacht
gefangener bereit, um auf neue Platten ausgebreitet zu wer-
den, mehrere fischende Boote waren in Sicht, eines, die Reuse
und noch einen grossen Korb voll Avole, landete eben, und die
Leute meinten, das sei ein geringer Fang. Unter den vielen
Tausenden dieser Art sah ich nur ein Exemplar eines ande-
ren Fisches, eine Cavazza, die sich von ihren Ufersteinen
in die hohe See verirrt haben mochte. Der Fang im Grossen
dauert von Ende Mai bis 26. Juli; je nach der Witterung
wird mehr oder weniger Salz zugesetzt. Die gedörrten Avole
werden unter dem Namen Pesatte (geringe Fische) weithin
in die Provinzen Oberitaliens verschickt und bieten dem ge-
meinen Manne eine wohlfeile Zuspeise.
Nun erkundigte ich mich auch nach den anderen Fi-
schen des Sees und Hess mir zeigen, was die Fischer davon
aufzuweisen hatten. Es sind überhaupt, so viel mir bekannt,
drei Specialverzeichnisse der Fische dieses Sees veröff"ent-
licht worden, deren Vergleichung Interesse bieten dürfte, da
keiner der Verfasser die anderen kannte oder wenigstens er-
wähnte. Das erste gab der schon genannte Cirro Pollini in
seinem „Viaggio al lago di Garda e al monte ßaldo. Verona,
Mainardi 1816. 8. p. 20 in Linne'scher Nomenclatur und mit
Beifügung der einheimischen Namen; das zweite, nur letztere
enthaltend, L. Ga m b a aus Sermione bei Persico descrizione di
Verona e della sua provincia. Verona 1820. 8. Bd. IL p. 205.
Beide wurden von meinem Vater bei Gelegenheit einer Mo-
nographie dieses Sees (in Berghaus Hertha Bd. XIII. 1829.
p. 230) zusammengestellt und mit Anmerkungen begleitet. Das
neueste , vollständigste und in den Bestimmungen zuverläs-
sigste verdanken wir dem W^iener Ichthyologen He ekel in
dessen Reisebericht (Sitzungsberichte der mathematisch -na-
turwissenschaftlichen Klasse der K. K. Akademie der Wis-
senschaften zu Wien 1851). Ich erlaube mir an dieses die
Synonymen seiner Vorgänger und einige Bemerkungen anzu-
lieber einige Fische und Cnistaceen Italiens. 153
reihen. Die betreffenden Buchslaben P, G und H bezeichnen
die genannten Autoren.
Acanthopteri 4.
1. Cottus i^obio var. fcrrugineus. Scazzone H. Colt. g.
Magnarone. P. und G. ; audi ich hörte nur letzteren Namen,
welcher „Fresser" bezeichnet, wohl wegen des weiten Maules.
2. Gaslerosteus brachycentrus Val. Spinarella H.
3. Gobius fluvialilis Bonclli. Bollina H.; P. u. G. ken-
nen ihn nicht, wahrscheinlich lebt er nur im unteren flachen
lind schlammigen Theile des Sees , da er um Malcesine un-
bekannt, aber ki der Venezianischen Ebene (s. unten) vor-
handen ist.
4. Biennius vulgaris Pollini. Cagnetla, Cabazza P. Von
H. als B. cagnola nur genannt.
Anacanfhini 1.
5. Lota fluvialilis auct. Nur von Gamba unter dem
Namen Boza erwähnt; sie ist in den andere« Seen Oberita-
liens unter ähnlichen Namen bekannt.
Salmones 2?
6. Fario carpio (Salmo) L. Salviani aquat. bist. 1554.
lab. 23. Carpione P., G. Von Heck eil c. ausführlich erör-
tert. Pollini unterscheidet einen Salmo umbla als „Carpione
femina« vom S. carpio „Carpione maschio'' ohne sich weiter
darüber zu erklären; auch sonst wurde dieser Fisch öfter mit
dem Ombre Chevalier des Genfersees zusammengeworfen.
7. Fario argenleus Val.? Schon Pollini und Gamba
kennen neben dem vorigen eine Lachsforelle , Trotte, Trulta,
vom Gardasee. Mein Vater erfuhr , dass sie am häufigsten
bei Torbole (Nordende des Sees) gefangen werde, indem sie
zur Laichzeit die Sarca (welche hier einmündet) hinaufziehe,
und dass man sie als guten Fisch weit verschicke. Auch ich
sah eine neunpfündige schwarz getüpfelte Lachsforelle, die aber
leider zum Verspeistwerden bestimmt war, so dass ich über
die Arlbestimmung nicht ins Reine kam ; nur am Vomer konnte
ich mich überzeugen , dass es ein Fario Val. sei. Weder
He ekel noch Bonaparte führen sie an, und letzlerer
kennt den Namen Trota nur für die Bachforelle.
Cyprinoidei 12.
8. Cyprinus carpio L Bulbero (von seinem schmat-
154 V. Märten s:
zenden Ton). P., G. Bon aparte erwähnt ihn, ohne ihn
zu einer der drei von ihm unterschiedenen Arten (regina,
elatus, carpio) zu bringen, Heckel nennt ihn gar nicht.
9. Tinea chrysitis Ag. Tenca, die grösseren Tencone.
(Bonaparte's T. ilalica kann ich nicht für verschieden halten.)
10. Barbus plebejus Bonap. Mit dieser Art des Ko-
mersees stimmt das Exemplar, das ich vom Gardasee mit-
'brachte. PoUini nennt ihn einfach Cyprinus barbus, Hek-
kel hat ihn nicht aufgeführt. Barbo.
11. Gobio venatus Bp. Wahrscheinlich diese von Pie-
mont bis Bologna verbreitete Art ist es, welche Pollini als
Cyprinus Benacensis (Benacus ist der alte Name des Garda-
sees) beschreibt und abbildet (Fig. 2). Diese Abbildung zeigt
die grossen seitlichen Flecken, welche Bp. nur bei fluvialllis
zeichnet, aber im Texte auch bei venatus erwähnt. Er führt
bei den Fischern den Nartien Temolo, der eigentlich der Aesche
(Thymallus) angehört und soll nach Polli ni nicht häufig und
nur im Winter gefangen werden, vielleicht dass er sich dann
aus den Bächen in den See zurückzieht. Heckel erwähnt
ihn nicht.
1 2. Leuciscus (Leucos) Cisalpinus Heckel, Triotto. H.
13. Leuciscus (Squalius) Cavedanus Bp. , H. Cyprinus
idus P., Cavazzino (Grosskopf) , nicht selten bei Malcesine,
erinnert durch die Körpergestalt und Grösse der Schuppen
an den süddeutschen Schuppfisch oder Alet (dobula), welcher
auch bei früheren Autoren dieselben Namen capito und ce-
phalus führt.
14. Leuciscus (Scardinius) Hesperidicus Heckel (ery-
throphthalmus Bp. 116,2), Cypr. rutilus P., Scardola (Pollini
und Gamba schreiben Scardova , was sich der römischen
Aussprache Scardafa nähert). Denselben Namen führt aber
auch in der venezianischen Ebene eine dem L. rutilus L.
nahe stehende Art, in Rom L. scardafa Bp.
15. Leuciscus (Alburnus) Alburnellus Filippi, 'Cypr.
alburnus P., Avola G. Dieser Name bedeutet der gleichbe-
deutende Arbureo (am Lago maggiore Arboreilo) „der oder
die kleine Weisse,« aus dem lateinischen Albula oder Albur-
nellus; er muss demnach schon alt sein, da jetzt die Italie-
ner bianco statt albus sagen.
Ueber einige Fische und Crustaceen Italiens. 155
16. Leuciscus (Telestes) Savignyi Bp. , H. Cypr. pho-
xinus c'O P. Varone (von varius , bunt, wegen des violetten
Seilenbandes, daher von P olli ni für unsere Eileritze gehal-
len). Wird bei Malcesine häufig an der Angel gefangen,
NB. PüUini nennt noch Cyprinus grislagine, eben-
falls als scardova, C. aphya als roncone, C. orfus als dorala
und C. virnba als musella; Gamba dieselben italienischen
Namen, nur statt des letzten njajella. Museita ist nach ßo-
naparte der römische Name für L. (Telesles) muticellus,
welcher auch in der Lombardei vorkommt; orata, eigentlich
der Name des Goldbrachsens, Chrysophrys aurata L., wird der
schönen Farbe wegen von römischen Fischern auch der schon
erwähnten scardafa gegeben. Aus den lateinischen Bezeich-
nungen lässl sich nicht schliessen , was für Fische gemeint
seien, gewiss nicht die, welchen diese Namen zukommen.
17. Chondrostoma soetta Heckel loc. eil. lab. 7. fig.
1—3 (rysela ßp.) Savetta.
18. Cobilis barbalula L. H., Strega P. G.
19. Cobilis (Acanthopsis) taenia L Foraguada (wohl
gleichbedeutend mit dem paduanischen Foracesta, Netzdurch-
bohrer, weil sie zwischen den Maschen durchschlüpft) P., G.
Ussellina (der mailändische Name) H.
Esoces 1.
20. Esox luoiws L. Luccio oder Luzzo. P., G. Von H.
nicht erwähnt.
Clupeoidei 1.
21. Alosa finla (Cuv.) Troschel. Clupea alosa *) die
grösseren Agone oder Alosa, die kleineren Sardene, die
ganz kleinen Scarabina, bei Pollini und Gamba, letzterer
schreibt Sardella für Sardena; von Heckel als A. vulgaris
aufgeführt. Wird namentlich im Frühjahre in Menge ge-
fangen.
Muraenoidei I.
22. Anguilla acutirostris Risse. H. Muraena anguilla P.
Anguilla. Der Aal ist im unlcren Theile des Sees häufig und
*) Auf diesem Fische beruht vermuthlich die Angabe von Vtoi.
S China r da (die geographische Verbreitung der Thiere p.59), dass
Clupea-Arlm im Gardasee leben. Schon Bclon kennt sie unter dem
Namen agoni von unserem See (p. 305).
156 V. Martens:
wird namentlich bei Peschiera, das vom Fischfange den Na-
men hat^ seit Plinius *) Zeilen häufig gefangen. Doch auch bei
Malcesine begegneten wir einem Boote, das nur Aale fing.
Cyclostomi 1.
Q3. Petromyzon Planeri Bl. , H. , P. liranchialis P. Lam-
preda. Durch Dr. Aug. Mulle r's Entdeckung, dass der
Querder die Larve des Neunauges ist, fallen diese zwei An-
gaben zusammen.
Unter den Seen Oberitaliens ist der Gardasee nicht nur
der grösste , sondern er liegt auch bei weitem tiefer , nur
212' über dem Meere, und diesem in horizontaler Richtung
weit näher, als die Seen vonl,ugano, Como und der Lago
maggiore. Dennoch sind von seinen 23 Fischen 17 mit Be^
stimmtheit aus den eben genannten Seen bekannt geworden,
zwei andere , vorzugsweise in Flössen (Chondrostoma) oder
kleineren Wasserbehältern (Gasterosteus) vorkommende, mö-
gen denselben wohl mit demselben Rechte, wie unserem See,
zukommen, so dass diesem nur drei vor jenen vorausbleiben,
die beiden marinen Gattungen Blennius und Gobius^ und der
berühmte Carpione, letzterer allein ihm ganz eigenthumlich ;
aufTallend ist es, dass der in den anderen Seen häufige Barsch
im Gardasee nicht bekannt ist.
Unter den Seen am Nordrande der Alpen wurde der
Bodensee, seiner Stellung und Grösse nach, mit dem Garda-
see in Parallele gestellt, er zeigt aber gemäss seiner Lage
am Nordabhange der grössten europäischen Gebirgsscheide,
wie auch der fast sechsmal grösseren Erhebung bei der glei-
chen Zahl einen verschiedenen Habitus seiner Fischfauna, so
namentlich durch 3 Arten der Gattung Coregonus , welche
für den Norden beider Halbkugeln charakteristisch ist und
in Italien vielleicht ganz fehlt **), ferner besitzt der Boden-
♦) Hist. nat. IX. 22.
**) Nur Bonaparte sagt in der allgemeinen Aufzählung ita-
lienischer bische in der Einleitung zum III. Bd. seiner Fauna italica,
dass in den Seen Überitaliens auch die Aesche und ein oder der an-
dere (qualche) Coregonus nicht fehle. Aus don grossen Seen ist mir
keiner bekannt geworden, und ob die Gattung in den kleineren hoch-
gelegenen Alpenseen und Bächen vorkommt, weiss ich nicht, es wäre
dieses aber nur eine Bestätigung ihres nordischen Charakters.
Ueber einige Fische und Crustaceen Italiens. 157
See den ebenfalls nordeuropäischen Brachsen, als Rarität den
mehr osteuropäischen, ganz Italien lehlenden Wels, endlich
zwei auch sonst in Oberitalien nicht seltene Fische , Barsch
und Aesclie. Zu den Fischen, welche der Gardasee voraus
hat, gehören namentlich wieder der Blennius und Gobius,
ferner Alosa , welche im Rheingebiele auch vorkommt, aber
nicht die Meereshöhe des Bodensees erreicht, und der Car-
pione. Gemeinschafllich beiden Seen sind 8 Arten (Cottus
gobio, Cyprinus carpio, Tinea, Cobitis barbalula, Esox, Fario
argenteus?, Lola, Anguilla) , 6 andere sind zu derselben
Gruppe gehörig und erst in neuerer Zeit unterschieden , so
entspricht :
im Gardasee: im Bodensee:
der ßarbus plebejus Bp. dem B. fluviatilis Flem.
„ Leuciscus cavedanus ßp. „ L. dobula L.
„ „ Hesperidicus H. „ „ erythrophthalmus L.
„ „ alburnellus Fil. „ „ alburnus L.
„ Gobio venatus ßp „ G. fluviatilis Val.
„ Chondrostoma soella Bp. „ Ch. nasus L.
2. Wassergräben um Padua.
Marsion und Schila d'acqua dolce (Gobius sp. und Pa-
laemon lacustris.
Zwei Süsswasserlhiere, welche ich im Gardasee ver-
geblich gesucht halte, fand ich in den Wassergräben um Vil-
lanova, ein paar Stunden nördlich von Padua. Beide mögen
wie hier, so im südlichen flachen Theile "des Sees leben.
Der erste war ein noch nicht fingerslanger Gobius, den
ich nur einmal in der Negozza (einem groben Hand-Netze
an langer Stange) mit zahlreichen Scardole (Leuciscus cisal-
pinus Heckel) , Spinarelie (Gaslerosleus leiurus Cuv.) und
Foracesle (Cobitis laeniaL.) in den stehenden Wasser-Gräben
fing, welche mit der Tergola, einem Zuflüsse der ßrenia, zu-
sammenhängen und später im Sommer ganz austrocknen sol-
len. Der Fischer erkannte ihn gleich, nannte ihn Marsion
(das ist in Venedig der Name des Gobius jozo), wusste, dass
er eine gute Zuspeise zurPolenta sei, konnte mir aber keine
158 V. Martens:
weiteren verschaffen. Bis ich nach Hause kam, waren die
Thierchen schon todt.
Nach Pollini (1. c.) kommt neben dem Flusskrebs und
der Geize (Gammarus F.) im Gardasee, namentlich in dessen
flachem sumpfigen Theile und in den Reisfeldern von Verona
noch ein dritter Krebs vor, den die Einwohner Gamberozolo
(Diminutiv von Gambero, Namen des Flusskrebses, Gammarus
der Alten) nennen und Pollini für Cancer squilla L., (h. z.
Tage Palaemon, im Meere) hält. Auch mein Vater erinnerte
sich, in der venezianischen Ebene eine Schila d'acqua dolce als
Köder beim ^Angeln benutzt gesehen zu haben, Schila (das
alle Squilla) ist aber der venezianische Name für die Garnele
der Norddeutschen (Crangon). Bei Malcesine wusste man
nichts davon, aber die Bauern in Villanova kannten diese
Schila wohl , einer habe einmal ein halbes Pfund davon auf
einmal gefangen und selbst mit ihren weitmaschigen Fisch-
netzen, besser aber mit einem kleinen Schmetterlingskescher
brachten wir eine bedeutende Anzahl aus den mit Pflanzen,
namentlich Vallisneria, bewachsenen Wassergräben zusammen.
Es ist richtig ein Palaemon , viel kleiner, aber sonst nahe
verwandt dem Palaemon squilla des Meeres. In Weingeist
wurde er wie dieser krebsroth, lebend war er blass grün,
ganz durchsichtig, so dass er im Wasser oft nur an den
grossen schwarzen Augen und den am Bauche befestigten
dunkleren Eiermassen zu erkennen war, auch die Gelenkver-
bindungen des Abdomens sind etwas dunkler; die Geissein
der äusseren Fühler orangeroth. Ich erhielt einige in täg-
lich erneuertem Brunnenwasser mehrere Tage am Leben,
ohne dass ich sie weder ihre Kameraden, noch kleine Schnek-
ken und Insekten angreifen sah. Ruhend, gehend und schwim-
mend hielten sie sich ganz gerade, die sechs langen Endfä-
den der Fühler (je zwei am inneren, einen am äusseren
Paare) fächerförmig ausgestreckt, um einen möglichst gros-
sen Raum im Bereiche ihrer Em[)rindHng zu haben, die Kie-
ferfüsse unter dem Kopfe in beständiger zitternder Bewegung.
Die Fühler bewegten sie zuweilen langsam hin und her, zu-
weilen ganz nach hinten; an den Augenstielen konnte ich
nie eine Bewegung bemerken. Ihre Ortsbewegung war drei-
facher Art, erstens ein langsames gleichmässiges Fortschrei-
Ueber eiuige Fische und Crustaceen Italiens. 159
ten am Boden, vor- oder rückwärts, milleist der langen
dünnen Thoraxfüsse; zweitens ein rasches, slossweises Schwim-
men, nur vorwärts, wie es mir schien , mittelst der flossen-
arligen Abdominalfüsse und der Schwanzflosse; endlich ein
kräftiges Emporschnellen, durch Ausstrecken des vorläufig
eingebogenen ganzen Abdomens und Schwanzes , wodurch
er mehrere Zoll hoch und weit springt. Die am hinteren
Ende des Körpers angebrachten Locomotionsorgane ergeben
also eine raschere und ausgiebigere , aber weniger anhal-
tende Bewegung , als die in der Milte , ebenso z. B. beim
Känguru.
3. Die Seen von Albano und Nemi.
Granzo (Telphusa fluviatiiis Latr.) und Laltarina (Alhe-
rina lacustris Bp.).
Neue Freunde wie alte Bekannte unter den Fischen und
Crustaceen boten mir im vulkanischen Albanergebirge un-
weit von Rom die beiden genannten Seen, 917 und 1019
Fuss über dem mittelländischen Meere, nur 5 und 3 ital. Mei-
len im Umfange. Keine Flussseen, wie die berühmten Seen
Oberitaliens, sondern nahezu kreisrund, nur wenige und nicht
beständige Rinnsale aufnehmend, nur durch unterirdische Emis-
säre unter sich und mit dem Bache bei Albano in Verbin-
dung, scheinen sie ein Bild der Abgeschlossenheit zu sein;
auch werden sie nur von wenigen (8 u. ö) Fischerkähnen be-
fahren, der gefürchleten Malaria wegen steht nur je ein Haus
oder richtiger Hütte am Ufer jedes Sees, selbst die Fischer
ziehen sich über Nacht in die höher am I^raterrande gele-
genen Orte zurück (Castello Gandolfo, wornach der Albaner-
see jetzt lago di Caslello heisst, — Albano selbst liegt ent-
fernter, am Abhänge gegen dicCampagna — Nemi und Gen-
zano) und nur ein kränkelnder VVald-Wächter trotzt der Fie-
berluft. Aber Tl.iere und Pflanzen haben diese Abgeschlos-
senheit überwunden. Wo unser Scirpus lacustris, M^rio-
phyllum spicatum, Lemna gibba und Nostoc lichenoides in
Menge sich findet , da leben auch ebenso behaglich unsere
grünen Wasserfrösche, unsere Nephelis vulgaris Sav., unsere
kleinen Wasserschnecken (Ancylus fluviatiiis, Limnaeus ova-
lus, Planorbis albus), schreitet Gerris paludum F. und flie-
160 V. Martens:
gen unsere bekannten Wasserjungfern (Aeschna, Agrion) über
die Wasserfläche hin. Aber auch der Blennius vom Garda-
see findet sich wieder, in beiden Seen wie dort zwischen
den Steinen umherschlüpfend und der entgegengehaltenen
Hand von weitern ausweichend. Ebenso fand ich den oben-
genannten Palaeinon lacuslris wieder zahlreich im Albaner-
see und auch in dein von Nemi sollen nach der Versi-
cherung eines Fischers die Gammarelli (diese dem Lateini-
schen treuere Form ist hier ihr Name) häufig vorkommen.
Nicht mehr eigenthümlich , sondern mit südlichen Gegenden
Unlerilaliens und Griechenlands gemein ist die sonderbare
Flusskrabbe, Thelphusa *) fluviatilis Latr.; längst im Aller-
thume bekannt, führt sie auch einfach den alten Namen
Granzo (Cancer), wie an den Küsten die iiäufigste Meer-
krabbe, Carcinus jnaenas L. Sie lebt hauptsächlich an den
steileren Ufern zwischen Steinen und Baumwurzeln, wird oft
ausserhalb des Wassers gefunden , flüchtet aber bei Störung
unter dasselbe **). Den Fischern ist der Granzo verhasst,
weil er die gefangenen Lattarine in den Netzen anfressen
soll, sie fangen dieselben mit der Hand und bringen sie dut-
zendweise an eine Schnur gereiht _, damit sie sich nicht ge-
genseitig Scheeren und Füsse abkneipen, was doch mitunter
geschieht, zum Verkaufe, selbst bis nach Rom, wo die frisch-
gehäuleten als Granci teneri auf den Speisezetteln der Trat-
torien figuriren. Er lebt lange Zeit im Trockenen , selbst
dem Sonnenscheine ohne allen Schutz mehrere Stunden aus-
gesetzt, am Faden im Luftzuge hängend, blieben einige noch
am Leben. In der Gefangenschaft zeigt er die allgemeinen
Taschenkrebsmanieren, geht immer seitwärts, ungestört lang-
sam, behaglich und leise, erschreckt sehr rasch und mit
*) Milne Edwards sehreibt Thelpheusa. Der Name dürfte,
nach einer freundlichen Älitlheilun^ des Hrn. Prof. Passovv, einer
bei Pausanias erwähnten Nymphe Arkadiens, Thelpusa, entlehnt sein.
**) Ganz wie Grapsus marmoratus Olivi in den Lagunen und
an den Lidi von Venedig. Diesen fanden wir namentlich an den
Pfählen, welche das Fahrwasser zwischen den bei der Ebbe enlblöss-
ten Schlammbänken d«r Lagunen bezeichnen , an jeder Pfahlgruppe
nur Einen, über Wasser.
lieber einige Fische und Crustaceen Italiens. 161
klapperndem Lärmen. Bei jedem fremden Geräusche, wie
z. B. beim Sprechen oder lautem Gehen im Zimmer, hält er
sogleich an und richtet sich schief aufwärts; dieselbe Stellung
mit drohend aufgesperrten und emporgehobenen Scheeren nimmt
er an, wenn er nicht mehr entfliehen kann , und behält sie
minutenlang bei; glaubt er aber einen Moment sich unbe-
achtet, so versucht er rasch sein Heil in der Flucht.
Schwimmen kann er gar nicht; an einem Faden in einen
Brunnen gesenkt, blieb er ganz ruhig, bis er den Grund er-
reichte, dann suchte er davon zu laufen. Stets zog er den
Aufenthalt in der Luft dem im Wasser vor, erkletterte in
einer Wasserschüssel alle Gegenstände, die sich ihm boten,
in einer Büchse mit glatten Wänden arbeitete er sich lange
vergeblich ab, um über Wasser zu kommen, und wurde über
Nacht so schwach und apathisch, dass ich an seinem Auf-
kommen zweifelte, erholte sich aber an der Luft bald wie-
der. Bei zweimaliger Wiederholung des Experimentes gieng
aber der Scheintod zuletzt in wirklichen über. So oft ich
ihn ins Wasser brachte, bemerkte ich, dass am Munde Luft-
blasen sich zeigten und oft längs des vorderen Thoraxran-
des bis zur Einfügung der Arme fortgleiteten, wahrschein-
lich ist es aber nur die zwischen den Fresswerkzeugen hän-
gen gebliebene atmosphärische Luft. Milne Edwards'
bemerkt von den westindischen Landkrabben, (hisL nat. de
Crustaces IL p. 16) man könne sie auf dem Wege der Asphy-
xie tödten, wenn man sie längere Zeit unter Wasser halte,
und unsere Süsswasserkrabbe hat bekanntlich wie diese die
Kiemenhöhle sehr geräumig und gewölbt '^).
Die Lattarina, Atherina lacustris ßp. , spielt in die-
sen Seen eine ganz ähnliche Rolle wie die Avola im Garda-
see, sie ist ein nur kleiner silberglänzender Fisch , der das
ganze Jahr hindurch in Menge vorhanden, des Morgens frühe
vor Sonnenaufgang, vom Ufer entfernt, an der^Oberfläche ge-
fangen wird. Der charakteristische Silberstreifen an der
Seite erscheint beim frischen Fische, bei dem der ganze Kör-
per glänzt, viel weniger aull'allend, als in Spiritus. Der Name
*) Nach Belon (aquatil. 1553. p. 365) kann die Flusskrabbe
Wochen, ja Monatelang ausser Wasser leben. ^
Archiv T Naturgesch. XXUI. Jahrg 1. Od H
102 V. Märten s:
gleicht aüfFäll0»d dem altgriechischen Atherina bei Aristate-
les, und gilt nach Bonaparte an der Küste auch für die
marinen Arten, wie ebenso bei den Neugriechen (alherno);
in Toscana ist er zu Laltaja umgeändert und ihm damit eine
andere Etymologie (von Latte, Milch) untergelegt. Oder
sollte dieses die ursprungliche Bedeutung und der Gleichklang
mit dem Griechischen ein zufälliger sein? Ein acht lateini-
scher Name ist nicht bekannt, in Venedig, Südfrankreich
und Spanien führen diese überall bekannten Meerfische ganz
andere Namen, dort angaela *), hier sauclet^ chucleto.
Die Fischarten, welche ich an beiden Seen zu Gesichle
bekam, sind überhaupt folgende :
Spinareila : Gasterosteus feiurus Ciiv. var. ? s. unten.
Laltarina : Atherina lacustris Bp.
Capociulo oder Capocaciulo , dei* oben erwähnte Blen-
nius vulgaris Pollini (anticolus BonapO, bauplsächlieh an den
seichteren Stellen. Der Name rührt, wie cabazza, von caput
her, wie ja so viele Fische den Namen von der Grösse ihres
Kopfes führen. Die andere von Bon aparte angeführten
Namen anticolo und lupelto (Wölfchen) hörte ich nie; letz-
teren führt nach demselben auch ein verwandter Blennius der
toskanischen Küstenflüsse.
Tenca. Bonaparte nennt sie (im Artikel über Athe-
rina lacustris) eine neue Art, ohne sie näher zu charakteri-
siren; mir schien sie wie die oberitalienischc , welche er
italica nennt, nicht von unserer deutschen Schleihe verschieden.
Barbo. Bo naparte erwähnt desselben nicht, in Nemi
zeigten ihn mir die Fischer, in Castello sprachen sie davon;
vermulhlich ist es derselbe wie der der Tiber, den B. für den
nordeuropäischen fluviatilis hielt.
Rovione oder Roviglione, (von ruber, roth). Leuciscus
(Squalius) rubilio Bp. Ich sah ihn auch vom Albanersee,
welchem Bonaparte ihn abspricht.
Ferner kommt nach Angabe der Fischer noch der Aal,
Anguilla, in beiden Seen vor; die sehr grossen nennen sie
Capitoni , ganz klein komme er nie vor, (wie ja auch sonst
*) Die iii Ve»cdi^ awf dem Fisehmarkte wi Menge vorhandene
Art ist A. Boyeri Risso, Bp.
Ueber einige Fische und Crustaceen Italiens. 163
im Binnenlande) ; eine Einwanderung vonn Meere aus ist
vermittelst der Emissäre nicht ganz unmöglich *). Neben die-
sen acht gemeinschaftlichen Fischen sprach man mir in Nemi
noch von zwei Fischen, die nur hier und nicht im Albaner-
see vorkämen, der Reina und dem Cefalo; wie viel Werlh
aber solchen Behauptungen zuzuschreiben ist, ergiebt sich
daraus , dass dersell>o Fischer mit denselben noch den Capo-
caciulo nannte, den ich Tags zuvor mit eigenen Händen im
Albanersee gefangen halte. Reina ist der Name des Kar-
pfens und dieser könnte eingesetzt sein, Cefalo sei ein gros-
ser weisser Fisch , über den ich nichts näheres erfahren
konnte ; sollte es etwa der Leuciscus (Scardinius) scardafa
sein, den Bonaparte vom Nemisee ^^) angiebt, ohne den
Albanersee zu erwähnen? Die Atherina kommt nach dem-
selben auch in den Seen von Bolsena und Bracciano , der
Rubilio in dem letzteren vor. Es ist also keine Art mit
einiger Sicherheit einem oder beiden Seen ausschliesslich
eigen ***).
*) Das Aufsteigen der jungen Aale aus dem Meere haben über-
einstimmend Spallanzani in Comacchio (s. Georg v. Martens
Italien II. p. 334) , Couch in Cronwales (Transact. Linn. soc. XIV.
1825. part. I. p. 69), Ürcwsen und Kröyer am Sunde (diese Zeit-
schrift 1837. bd. II. p. 212) beobachtet.
**) Valenciennes (bist. nat. des poiss. XIV. p. 124) schreibt,
indem er die Angabe des Vorkommens aus Bonaparte übersetzt,
Venise statt Nemi.
***) Das Vorkommen des Hechtes wurde ausdrücklich verneint,
dieser Fisch, noch in Oberitalien häufig (es ist nur ein unabsichtli.
ches Versehen, dass er in meines Vaters Reise nach Venedig im Ver-
zeichnisse der venezianischen Fische fehltj, scheint nach Süden sehr
bald seine Verbreitungsgränze zu finden: Bonaparte sagt nichts
über sein Vorkommen in Mittel- oder Unteritalien, auf den römischen
Speisezetteln fehlt er, ebenso in den Faunen von Syrien (Heckel),
Morea (üxped. en Moree) und Andalusien (Rosenhauer) trotz des
Guadalquivir, ebenso soll ihn Cornide nicht aus Galizien nennen.
Aristoteles sagt nichts von ihm und auch die römischen Schriftsteller
erwähnen ihn nur aus dem Rheine (Plinius, Esox? IX, 15) und Mosel
(Ausonius). Seine südlichsten mir bekannt gewordenen Wohnorte
sind der See von Montepulciano (Repetti), Trasimenersee (Val.),
Asowsches Meer (Krynicki) und Portugal? (Vandelli mem. acad. Lis-
164 V. MartensJ
4. Pontinische Sümpfe. (Sphaeroma fossarum.)
Bei der Locanda del Foro Appio, dem Appifer der Apo-
stelgeschichle , Station der Strasse von Vellelri nach Terra-
cina durch die pontinischen Sümpfe, benulzte ich die kurze
Frist des Aufenthaltes , noch durch einen Platzregen beein-
trächtigt, um aus dem nahen Wassergraben, Fossa delle Bolle,
Pflanzen herauszuholen und auf die dazwischen steckenden
Thiere zu untersuchen. Es waren nahe dem Ufer die auch
bei uns häufigen Polamogelon peclinatus , Nasturtium ofF.,
Myriophyllum spicatum und Ceratophyllum demersum , aber
einige Fuss tief, am Rande der Hauptslrömung des Wassers,
fast nur die grasähnliche Zannichellia palustris, bevölkert von
den bekannten deutschen Paludina (Bithinia) tentaculala L.,
Planorbis carinatus Müll, und Physa fonlinalis L. ; nur die
kleine schwarze Neritina meridionalis Phil, und eine in ganz
Unleritalien häufige , der vorgenannten Paludina verwandte
Art, P. rubens Mke. zeigten italienischen Boden an; daneben
die nie fehlenden Phryganeenlarven , zahllose Geizen (Gam-
marus fluviatilis Gervais, der auch in den Brunnen Roms häufig
ist} und ein anderes Crustaceum, das sich durch sein Zusam-
menkugelii, wie ein Armadill, sogleich als Sphaeroma erwies ;
leider konnte ich nur drei Exemplare davon bekommen. Das
Wasser ist vollkommen süss, wie ich mich jetzt selbst durch
Kosten überzeugte , dazu für den Monat August empfindlich
kühl und langsam fliessend; es kommt vermittelsl eines künst-
lichen Kanalsystems aus den Küslenflüssen zunäxihst aus der
Fossa cavata , vom Meere in gerader Linie 6 , dem Ablaufe
des Wassers nach 15 italienische Meilen entfernt.
bon. I). In Schweden ist nacli Nilsso n unter allen unseren Süsswas-
serfischen lieiner allgemeiner und er bleibt bis Finmarken häufig.
In Island fehlt er.
üeber einige Fische und Cruttaceen Italiens. 165
B. Beschreibung einzelner Arten.
1. Gasterosteus leiurus C. V. var.
vom Albanersee.
Körper lanzettförmig, die Höhe am Ursprünge der Bauch-
stacheln am bedeutendsten und hier 4y2mal in der Tolallänge
(ohne Schwanzflosse) enthalten, die Dicke hinler dem Kopfe
die Hälfte dieser Höhe. Das Röoltenprofil steigt von der
Schnauze bis zu den Augen bedeutend, dann schwächer und
gleichmässig an, bleibt zwischen den Rückenslacheln gerad-
linig und fällt von dem Beginn der weichen Ruckenflossen
an stärker als es angestiegen ist, wird aber im letzten Viertel
des Schwanzes wieder nahezu horizontal; dieselben Verhältnisse
zeigt die Bauchlinie , aber alle Krümmungen sind hier stärker.
Der Rücken wie der Bauch sind stumpfkanlig, ersterer nur
gleich hinter dem Kopfe, letzterer vor den ßauchslacheln
flach, der Rücken etwas breiter. Die Kopflänge (bis zum
Rande des Kiemendeckels) ist kaum etwas über 3mal in der
Totaliänge (ohne Schwanzflosse) enthalten. Der obere Au-
genrand erreicht beinahe das Profil , die Distanz beider Au-
gen ist in der Kopflänge 4'/4mal enthalten, der Durchmesser
SVjmai und dieser ist gleich der Entfernung des Auges von
der Schnauzenspitze. Mundspalte schief nach oben, der Un-
terkiefer überragt den obern ; in beiden Kiefern die Zähne
in drei concentrischc Reihen hinter einander gestellt, inner-
halb jeder Reihe von innen nach aussen an Grösse abneh-
mend; im Oberkiefer jederseits 8 — 10, im Unterkiefer 13 bei
gcöfl'netem Munde von aussen sichtbar. Operculum feinge-
streift, silberglänzend. Brustflossen abgerundet, lOslrahlig,
% der Kopflänge oder V5 der Totallänge, reichen mit ihrer
Spitze über die Basis des zweiten Rückenstachels hinaus und
bis zur Mitte der Bauchstacheln. Diese liegen an ihrer In-
sertion dem zweiten Rückenstachel näher als dem ersten,
sind um V5 kürzer als die Bauchflossen und gezähnell; der
mit dem Bauchslachel verbundene kleine Strahl ist y^ so
lang als der Bauchstachel selbst. Die zwei ersten Rücken-
stacheln sind gleich lang, V^ der Länge der Brustflosse oder
^ , der Leibeshöhe, der erste gerade, der zweite nach rück-
166 V. Martens:
wärts gebogen, beide schwach gezähnelt ; der dritte, unmit-
telbar vor der weichen Rückenflosse , aber nicht durch eine
Membran mit ihr verbunden , kaum Va so lang als die zwei
ersten. Wenn zurückgelegt, berührt der erste Rückenstachel
die Wurzel des zweiten, dieser aber nicht die des dritten und
reicht auch nicht so weit nach hinten als der Bauchstachei.
Hinter jedem Stachel eine Membran, die nur bis zu sei-
ner Hälfte heraufreicht. Die weiche Rückenflosse zählt 12
Strahlen, welche von vorn nach hinten an Länge abnehmen,
vom sechsten bis zum elften nur unbedeutend , so dass der
obere Rand der Flosse schwach concav wird; der 12te ist
viel kürzer; alle Strahlen ausser dem ersten sind gegen die
Spitze verzweigt *) ; die vorderen übertrefl'en die zwei ersten
Rückenstacheln um y^ der eigenen Länge. Die Afterflosse
hat gleiche Höhe mit der Rückenflosse, beginnt etwas hinter
ihr und endet ebenda, wo die Rückenflosse endet. Sie besitzt
auch einen kleinen Stachel und dann 9 gleichmässig an Länge
abnehmende Strahlen, die acht hintern ebenfalls an der Spitze
verzweigL Die Schwanzflosse zeigt 13 Strahlen, fast alle von
der Basis an gegabelt, die mittleren um y^ — y^ kürzer als
die äusseren. Die Seitenlinie verläuft in -/^ der Höhe und
nahezu dem Profil des Rückens parallel.
Fünf Rückenschienen. Die erste (slachellose) bedeu-
tend schmäler als die zweite, welche den ersten Stachel
trägt; alle fünf länger als breit, die seitlichen Fortsätze der
zweiten und dritten (die sonst zur Artikulation der Seiten-
schienen dienen) klein und abgestumpft. Die vom Bauche
aufsteigende seitliche Platte reicht über den oberen Rand der
Brustflossenach oben. Bei dem einen Exemplare gar keine
*) Wie es auch Cuv. und Val. angeben, ebenso an vier Exem-
plaren des G. trachurus von der Insel Föbr. Dr. Günther (Neckar-
fische p. 30) nennt die Strahlen der liüclienflosse und Afterflosse bei
G. leiurus aus dem Neckar ungegabelt, unter mehreren Exemplaren von
leiurus aus der Umgegend von Berlin finde ich solche mit gegabel-
ten und mit ungegabelten Flossenstrahlen, auch Uebergänge zwischen
beiden, wo der 3te und 4te Strahl stark, 6te und 7te an der Spitze
gegabelt sind; dagegen zeigen zwei von J. Müller aus Triest mitge.
brachte die Flossenslrahlcn einfach, nur bei dem einen die ersten
Strahlen der Analis gegabelt.
Ueber einige Fische und Grustaceen Italiens. 167
Seilenschienen, bei dem anderen nur links eine vor
dem aufsteigenden Aste der Bauchplaüe, der drillen bei der
gewöhnlichen Form von leiurus entsprechend. Farbe silberr-
glänzend, in Spiritus rothgrau, mit schwarzen Punkten besä*,
welche auf dem Rücken dichter stehen. Lange (incl. Schwanz^
flösse) 67 Mill.
Die Exemplare aus der Umgegend von Padua weichen von
den beschriebenen in Folgendem ab: die Höhe nur 4.-4y^mfll
in der Totallänge, die Distanz beider Augen nur 3y2mal in
der Kopflänge enthalten; der erste Rückensta che! etwas kür-
zer als der zweite und erreicht zurückgelegt nicht dessen
Wurzel ; beide gleich gerade. (Dorsalis und Analis eben-
falls mit gegabelten Strahlen). Die Strahlen der Schwanzflosse
theilen sich erst in ihrer halben Länge; 5—6 Seitenschienen
jederseits , die letzte hinter der vom Becken aufsteigende«!
Platte.
G. brachycentrus unterscheidet sich nach Cuv. und Val.
durch die kürzeren Rückenstacheln (der zweite nicht einmal '/j
der Höhe), an denen sich die Membran bis zur Spitze er-
streckt. ■ iVj(yinivh '
G. argyropomus derselben Autoren ist mögWchetweisp.
derselbe mit dem unsrigen, aber die dort angegebenen Cha-
raktere ungenügend für die Identification ; die Anzahl der
Seitenschienen wird nicht erwähnt.
2. Atherina lacustris Bp. Bonaparle t'aun£| ilnlr Ulr)}
tab. 1 18. fig, 3,
Aus dem Albanersee. Taf. IX. Fig. l. 2.
Der Körper ist lang und schmal , seine grössle Höhe,
gleich hinter dem Kopfe, 7mal in der TotaUango (jijil Aus^
schluss der Schwanzflosse), die Dicke längs des ^^mm Köri-
pors kaum V,, ^^^ enisprechenden Höhe. Der Rücken ist in
der Mille platt und geht abgerundet in die Seitenflächen über;
sein Profil in den vrsimn zwei Dritteln ties Rumpfes (ȧ\ fjPr-
radiinig , dasjenige de^ Kopfes bildet mü deniiSeJben einen
stumpfen Winkel und dacht s'wh gleicjimiüsig gegep dio
Schnauzenspitzc ab. Der Bauch ist slumpfkanlig, sein Profil
etwas mehr gebogen als das des Rückens. Die Kopflänge ist
168 V. Martens:
etwas über 4inal in der Totalläng-e enlhallen , der Scheitel ist
plaU, zwischen den Augen verläuft eine mittlere Längskante,
welche vor denselben durch eine Einsenkung unterbrochen
wird und sich gegen die Schnauzenspilze hin verliert; jeder-
seils vom oberen Augenrande an erstreckt sich eine fortlau-
fende Kante bis zur Oberlippe. Das Auge liegt mit seinem
oberen Randein der Profillinie, seine Entfernung von der
Schnauzenspitze gleicht 2/3 seines Durchmessers, dieser ist V5
der Kopflänge; der Zwischenraum zwischen beiden Augen ist
etwas weniges mehr als 2/3 ihres Durchmessers.
Die MundöfTnung liegt nach oben, indem der Unterkie-
fer bei geschlossenem Munde länger als der Oberkiefer ist,
und seine Spitze in gleicher Linie mit dem Profil des Kopfes
liegt, aber wenn die beiden Kiefer ausgestreckt werden,
überragt der obere den unteren. Der Angelpunkt des Unter-
kiefers liegt nach hinten vom vorderen Augenrand , in etwa
Va des Augendurchmessers , die Oeffnung der Mundspalte
erstreckt sich aber nicht so weit nach hinten als der vordere
Augenrand liegt. Bei geschlossenem Munde ist der Ober-
kieferknochen ganz verdeckt; die Mundöffnung ist entspre-
chend der messerförmigen Gestalt des Fisches fast doppelt so
lang als breit, gegen den Mundwinkel zu verschmälert.
Eine einfache Reihe sehr kleiner spitzer Zähne im Zwi-
schenkiefer und Unterkiefer. Die vorderen länger als die
hinteren ; im Gaumen und auf der Zunge keine Zähne. Die
Kiemenbogen an der concaven Seite kammartig mit kurzen,
starken , weissen , zahnähnlichen Fortsätzen besetzt , welche
zwei anfangs sich parallel gegenüberliegende :, nach oben zu
alternirende und sich zwischen einander einschiebende Reihen
bilden, in jeder Reihe am unteren grösseren Stücke des Kie-
menbogens unterhalb der Biegung 12 — 16; am ersten Kie-
menbogen ist die eine Reihe in biegsame , dünne, borsten-
ähnliche Fortsätze umgewandelt; ihre Länge beträgt etwa '^
der des ganzen Bogens; beide, die borsten- und die zahn-
förmigen sind wieder mit kleinen Stacheln besetzt. Die un-
tern Schlundkiefer mit starken dichtgedrängten Zähnen be-
setzt, von denen die am äusseren Rande beträchtlich grösser
sind; es lassen sich in der Mitte bis 6 nebeneinander, am
Aussenrande 14 hintereinander zählen. Der Suborbilalknochen
lieber einige Fische und Crustaceen Italiens. 169
ist ganzrandig und zeigt eine Reihe Grübchen nach vorn vom
Auge. Praeoperculum rechtwinklig, der Winkel abgerundet.
Wangen und obere Hälfte des Kiemendeckels beschuppt, der
Schädel bis zu den Augen, von da nach vorn schuppcnlos.
Kiemenöffnung gross , nach vorn bis zum vorderen Drittel
des Augendurchmessers sich erstreckend. Sechs Kiemen-
hautstrahlen. Eine Reihe Kiemenblätter an der Innenseite
des Deckels.
Die Zahlen der Flossenstrahlen sind im Durchschnitte:
D. 7—12. P. 15. V. 5. A. 13—15. C. 17—20.
» ^? » »
» » » »
» » » n
« » » »
170 V. Martens:
also für die erste Rückenflosse bei 1 Exempl. 9
7 n 8
38 „ 7
8 , 6
4 , 5
für die zweite Rückenflosse bei 2 „ 13
»»» » «^^» *2
11 , 11
für die Analflosse »6 „ 15
»» » »"2 „ 14
29 , 13
3 . 12
» » ?>
» » »
w >' ?> »
» » » f)
Nur in einem Falle also hatte die Analis gleich viele
Strahlen wie die zweite Dorsalis und in keinem weniger,
obgleich sich der Spielraum beider durchkreuzt. Grösse (oder
Alter) des Individuums steht in keinem direkten Verhältnisse
zur Flossenzahl, da die Mehrzahl der Individuen unter T'/j
Centimeler lang ist, so finden wir auch unter diesen die am
meisten abweichenden Zahlen; 5, 12, 14, dagegen findet sich
bei einem ungewöhnlich grossen Exemplar.
Die Brustflosse ist spitzig, ihre Länge gleicht y^ der
Kopflänge. Die Bauchflossen sind um wenig kürzer und ihre
Insertion liegt vor der Spitze der Brustflossen. Die erste
Rückenflosse beginnt um 2 — 3 Schuppenreihen hinter der Ein-
fügung der ßauchflossen ynd um eine Kopflänge hinter dem
Rande des Kiemendeckels, die zweite um ebenso viel hinter
dem Beginne der Afterflosse, Der Zwischenraum zwischen
der ersten und zweiten Rückenflosse ist länger als die zweite
selbst. In dieser wie in der Afterflosse ist der erste Strahl
halb so lang als der zweite, die folgenden nehmen rasch an
Länge ab, von der Mitte an bleiben sie ungefähr gleich und
die letzten sind wieder etwas länger, was der ganzen Flosse
eine ausgebogene, flügeiförmige Form giebt; in beiden sind
die Flossenstrahlen nicht verzweigt. Die Schwanzflosse ist
gegabelt; die mittlem Strahlen etwa % so lang als die läng-
sten, die beiden Enden spitzig, die Strahlen verzweigt.
Die Seitenlinie läuft nahezu horizontal und enthält 46—
Ueber einige Fische und Cruslaceen Italiens. 171
60 Schuppen, welche alle stark silberglänzend sind und leicht
ausfallen; ebenso leicht die unterhalb dieses Silberbandes
gelegenen. Die Schuppen des Rückens haften fester , sind
blass olivengrün und am freien Rande mit mehreren schwar-
zen Punkten besät , namentlich in der Mitte sind diese
Punkte zahlreich und bilden im Ganzen eine maschenförmige
Zeichnung. Die Querscliuppenreihe enthält über der Seiten-
linie 4, unter ihr 6—7 Schuppen. Die Schuppen sind ganz-
randig, breit fünfseitig mit abgestumpften Ecken; der Durch-
messer der Miltelschuppe beträgt nur »/^ desjenigen des Au-
ges. Wirbel 43—44; mit dem 19ten bis 20slen beginnen
die das Ende der Schwimmblase umschliessenden Forlsätze.
Die grössten Exemplare aus dem Albanersee haben eine Län^e
von 79Mill. (incl. der Schwanzflosse), eine Höhe von 10 uncl
eine Kopflänge von 15. Am See von Nemi erhielt ich noch
etwas grössere, 102 Mill. lang, 15 hoch und 10 breit.
Unsere Art steht der A. Boyeri Risso aus deni adrialischen
Meere in den Verhältnissen des Kopfes zunächst, diese ist aber
verhältnissmässig höher cHöhe nur 5mal in der TotalJänge,
die Dicke zweimal in der Höhe enthalten); auch besitzt sie
nach Val. Zähne „au devant du vomer/< die ich an lacustris
vergebens suchte. Die Spitze der Brustflosse steht bei A.
lacustris um 2—3 , hei Boyeri nur um l Schuppenreihe vor
dem Beginne der ersten Rückenflosse. A. hepselus L, (Val.,
Bp.) gleicht ihr in der Körpergestalt, hat aber einen spitzir
geren Kopf, wie sich auch aus den von Valenciennes «Ut
gegebenen Verhältnissen ergiebt; von dem Wenigen , was
Valenciennes über die drei anderen europäischen Arten ver--
gleichsweisp mit hepsetus angiebt, passJ weder die breitere
Stirn und das grössere Auge derA. mochon, noch der spit-
zigere Kopf der A. Rissoi oder der kürzere Körper der A.
sarda , abgesehen von den Zahlen der Flossenstrahlen und
Wirbel. Auch Rafinesque hat drei sicilianische Atherinen,
freilich sehr oberflächlich, beschrieben (Caratteri di alcuni
nuovi generi e nuove specie di animali e plante della Sicilia
Palermo 1810. 8!); alle drei unterscheiden sich durch Strah-
lenzahl der Flossen , die zwei abgebildeten auch durch die
Stellung derselben und den angeblichen Mangel der Zähne
von der unsrigen, sind also wohl ganz andere Fische.
172 V. Marlens:
3. Blennius vulgaris Pollini
aus dem Gardasee Taf. IX. Fig. 3.
Pollini viaggio al lago di Garda. Verona 1816. 8.
p. 20. Tab. unica fig. 1.
Bl. cagnotaVal. bist. nat. d. poiss. XL 1836. p. 249.
Körper lang und scbmal, nacb binten gleichmässig an
Höhe und Dicke abnehmend; grösste Höbe b%msL\ in der
Totallänge enthalten, grösste Breite % der Höbe. Kopflänge
V4 der Totallänge. Das Profd des Kopfes fällt sanft vom
Nacken bis zu den Augen und viel steiler von hier bis zu der
Schnauzenspitze, das der ünterkinnlade und Kehle nahezu ge-
radlinig. Auf dem Scheitel ein Hautkamm mit continuirlicbem
Rande, w^elcher sich nach vorn zwischen die Augen erstreckt;
(subgen. Ichthyocoris Bonap.). Am oberen Augenrande, etwas
nach hinten von seiner Mitte, ein häutiger konischer Faden
von der Länge des halben Augendurchmessers. Das Auge
nahe der ProfiUinie, sein Durchmesser Syjmal in der Kopflänge
enthalten. Hinteres Nasenloch dicht vor dem Auge in der Höhe
der Pupille, vorderes nach vorn und unten auf die halbe Ent-
fernung zur Schnauze, beide kreisrund, mit einfachem Rande.
Mundspalte wenig von der Horizontallinie abweichend, bis un-
ter die Mitte des Auges oder y^ der Kopflänge reichend.
Zähne im Oberkiefer jederseits 10, im Unterkiefer 9, mit schma-
ler Basis, nach oben breit, meisselförmig, die Schneide oft gelb-
lich gefärbt; sie nehmen von innen nach aussen an Grösse
ab und bilden eine anschliessende Reihe; nur der vorletzte
ist in der Regsl etwas entfernter von den anderen, und der
letzte (äusserste) ist konisch rückwärts gekrümmt, länger als
die, auf welche er folgt (dens caninus). Gaumen zahnlos.
6 Kiemenhautstrahlen. Durchschnittlich 10 kleine, an der
Spitze gegabelte knöcherne Fortsätze an den Kiemenbogen.
Die unteren Schlundkiefer zeigen 10 in ein schiefes Oval
gestellte Zähne , wovon die 4 — ^5 hinteren bedeutend grös-
ser sind.
Die Zahl der Flossenstrahlen ist im Durchschnitte :
D. 29. P. 15. V. 2. A. 19. C. 13.
Von 62 Individuen haben neun und zwanzig in der Dor-
Ueber einige Fische und Cru8taceen Italiens. 173
salis 29 und in derAnalis 19 Strahlen, neun 30 und 19, sechs
29 und 20, fünf 30 und 20, ebensoviel 28 und 19, vier 29
und 18, zwei 31 und 19, je eines 31 und 20, 28 und l7.
Die Dorsalis liat demnach in 39 Fällen dieselbe Anzahl , in
14 um eine vermehrt, in einem um zwei vermehrt, in 6 um
eine vermindert; die Analis in 45 dieselbe, in 12 um eine
vermehrt, in 4 um eine, in einem um zwei vermindert;
nie ist, wenn die Zahl der einen vermehrt ist, die der an-
deren vermindert, sondern entweder normal oder auch ver-
mehrt; ebenso bei der Verminderung. Die Grösse des Indi-
viduums macht keinen Unterschied, Exemplare von 30 Mill.
Länge zeigen 29 und 30 Strahlen der Dorsalis.
Die Rückenflosse beginnt über der Wurzel der Brust-
llosse und ist durch einen kleinen Zwischenraum von der
Caudalis getrennt, die vordersten 8 Strahlen und dann wieder
von 20. — 27. sind die längsten , so dass ihr oberer Rand in
der Mitte "etwas ausgeschnitten ist; die Membran reicht bis
zu ihren Spitzen. Die Analflosse ist beinahe ebenso hoch, be-
ginnt etwas hinter der Hälfte der Tolallänge (ohne Schwanz-
flosse) und endigt mit der Rückenflosse. Die Membran er-
streckt sich nicht bis zu ihrer Spitze und bildet vor dem er-
sten Strahl zwei abgerundete isolirte Läppchen. Alle Strah-
len der Dorsalis- und Analis sind biegsam und ungetheilt, die
Gliederung der Strahlen in der zweiten Hälfte der Rücken-
flosse und in der Afterflosse nur dem bewaß'neten Auge sicht-
bar. Die Schwanzflosse zählt 13 grössere Strahlen, die 8 mitt-
leren gegabelt , wenig kürzer als die äussern, so dass die
Flosse im ausgebreiteten Zustande nur sehr schwach gabel-
förmig isl. Die Brustflosse, deren Länge 4 — ^4y2»nal in der
Totallänge enthalten ist, hat eine ovale Gestalt, länger als
breit; ihre Strahlen sind gegliedert und nicht verzweigt. Die
schmalen zugespitzten Bauchflossen sind Ygmal so lang als
die Brustflossen und reichen, da sie vor ihnen inserirt sind,
nur bis an das erste Viertel derselben; ihre Längeist öVjmal
in der Totallänge enthalten.
Die Seitenlinie beginnt im oberen Viertel der Höhe,
steigt gegen das Ende der Brustflosse hinab und verläuft
dann in gerader Linie ungefähr in der Hälfte der Höhe,
Die Haut ist schuppenlos, glatt, schleimig.
174 V. Martens:
Wirbel 35 — 36 an der Zahl. Der letzte Interspinalkno-
chen der Rückenflosse zwischen den obern Fortsätzen des
31. und 32. Wirbels. Die Länge des grössten Individuums
beträgt 66 Mill. , die meisten, welche ich fieng , sind nicht
über 50 Mill. lang, die Abbildung bei P ollin i 70. Die Farbe
ist gelblich mit breiten grünschwarzen Flecken und Punkten,
welche auf dem Rücken die Grundfarbe fast ganz verdrän-
gen ; unter dem Auge oft zwei schiefe breite schwarze Li-
nien. Rückenflosse einfarbig oder fein schwarz punktirt,
^der mit einzelnen grösseren schwarzen Flecken, besonders
auf den Strahlen ; zwischen dem ersten und zweiten Strahl
stets ein grosser schwarzer Fleck; Afterflosse dunkel ge-
säumt, die über die Membran vorragenden Spitzen der Strah-
len blass. Einfarbige sah ich keine lebend , aber während
des Absterbens erblassten viele zusehends und einige we-
nige , welche nicht lebend in Spiritus kamen, so sehr, dass
sie einfarbig wurden.
Bei kleinen Exemplaren (30 — 35 Mill. Länge) Höhe nur
5mal in der Totallänge; auch das Auge verhältnissmässig
grösser, nur 2y2mal in der Kopflänge enthalten. Noch keine
Augenfäden oder Scheitelkamm. Beide finden sich schon bei
Individuen von 40 — 44 Mill, aber der Kamm noch nicht bei
allen von dieser Grösse. Die Zähne verhalten sich bei den
kleinen in der Regel wie bei den Erwachsenen ; zuweilen
finden sich weniger, selbst nur 7 oder b jederseits im Ober-
kiefer.
4. Bl vulgaris var. anticolus
aus dem Albanersee.
Bl. anticolus Bonaparte fauna ital. III. 1832—41.
tab. 106. fig. 4.
Derselbe unterscheidet sich hauptsächlich durch die An-
zahl der Zähne und die Färbung. An den meisten Exempla-
ren stehen nämlich im Oberkiefer jederseits 11 statt 10 Zähne,
indem an der Stelle des vorletzten kleinsten und isolirten Zah^
nes zwei dergleichen vorhanden sind. Die Beständigkeit
dieses Charakters brachte mich anfangs auf den Glauben, er
möchte eine eigene Species sein , bis ich , über ein halbes
Dutzend der Untersuchung unter starker Vergrösserung opfernd,
Ueber einige Fische und Crustaceen Italiens. 175
bei einem Exemplar rechts 10, links 11, bei einem anderen
jüngeren beiderseits 10 fand. Unterschiede in der Zahl der
Zähne sind also vorhanden, aber nicht scharf genug, um
darauf specifische Verschiedenheit zu gründen. Schlundkno-
chen, VVirbelzahl und die äusseren Charaktere stimmen mit
denen der Gardascefische überein, der Kamm auf dem Kopfe
ist nur bei grossen Individuen recht deutlich, ebenso der Fa-
den über dem Auge. (Bonap arte's Figur zeigt den ersten
nicht, überhaupt ist der Umriss des Kopfes nicht richtig, aber
in der Beschreibung wird desselben erwähnt.) Unter 21
Exemplaren linde ich bei neun in der Dorsalis 29, in der
Analis 19 Strahlen, bei fünf 30 und 19, bei zwei 31 und 19,
bei ebensovielen 29 u. 18, bei je einem 29 u. 20, 30 u. 18,
30 u. 20. Die Färbung ist im Allgemeinen etwas mehr rölh-
lich , die obere Hälfte des Kopfes und Rumpfes, namentlich
schön die Infraorbitalgegend und der Kiemendeckel, mit run-
den schwarzen Tropfen besetzt, ein Ansehen, das lebhaft an
gewisse Serranus-Arten (die sog. Jakob Evertsen), erinnert.
Am Rumpfe gruppiren sie sich namentlich zu einer Reihe
grösserer Flecken längs der Seitenlinie, während sie bei den
Gardaseefischen mehr vom Rücken herablaufende Querbinden
bilden. Doch finden sich ähnliche, etwas weniger scharf ge-
zeichnete Tropfen an den Wangen und dem Operculum auch
bei einigen Exemplaren aus dem Gardasee mit 20 Zähnen im
Oberkiefer.
Es sind seit Pollini mehrere Süsswasserblennius aus
Süd-Europa charakterisirt worden. Die Beschreibung des BI.
cagnota von Toulon beiValenciennes (XI. p. 184) weicht
von unserem Fische nur dadurch ab, dass er in der Unlerkinn-
lade 10-12, also jederseits nur 5-6 statt 9 Zähne zählt; es ist
daher möglich, dass seine Art dieselbe mit der unsrigen ist, die
ja auch in der Zahl der Zähne variirt. Dagegen unterscheidet
sich Risso's Bl. Sujefianus aus dem Var (Ichthyologie de Nico
1810. p. 131, in desselben Verfassers bist. nat. d. principales
product. de l'Eu. merid. zu Salarias Varus umgetauft und von
Val. zu seinem cagnota citirt ) neben der bedeutenderen
Grösse (2 Decimeter) wesentlich dadurch, dass die Rücken-
flosse mit der Schwanzflosse zusammenhängt , und damit
176 V. Martens:
stimmt ß 0 na p arte's Beschreibung und Abbildung (I.e.
106, 7) überein.
Der von As so (Introductio in oryctographiam et zoo-
logiam Aragoniae 1784. 8.) beobachtete Blennius frater im
Ebro bei Saragossa, den ich nur aus Schneider's Angabe
(syst, ichthyol. p. 171; Cuv. Val. XI. p. 252) kenne, scheint
dem unsrigen verwandt zu sein, er hat auch einen Scheilel-
kamm, aber jederseits eine doppelte Spina (doch kaum ein
weicher Faden, wie bei unserem?) über dem Auge, und in
der Analis 21 Sirahlen, eine Zahl, welche ich bei Bl. vulga-
ris nie fand.
Auch Rafinesque (caratteri di alcuni nuovi generi
e nuove specie di animali e pianle della Sicilia 1810. 8.
p. eil) kennt einen Bl. lluvialilis aus Sicilien , derselbe soll
aber keinerlei Fortsätze am Kopfe haben, die beiden Strah-
len der Bauchflosse seien gleichlang, der Körper einfarbig,
ohne Flecken oder Bänder ; es ist also nicht unsere Art.
Ebenso unterscheidet sich Bl. lupulus Bp. (fn. ital. i06, 5)
in der Fiora an der römisch - toskanischen Gränze und der
in die Tiber aufsteigende Bl. ocellaris L. schon durch den
Mangel des Scheitelkammes, worauf Bona parte für Bl. ca-
gnota das subgenus Ichthyocorys gründete.
5. Gobius fluviatilis Bonelli ?
von Villanova bei Padua. Tab. IX. fig. 4. 5.
Val. hist. nat. d. poiss. Xil. p. 52.
Val. et Cuv. regn. an. ed. illustr. tab. pl. 80. fig. 2.
Körper nahezu cylindrisch , Kopf wenig verschmälert,
nur der Schwanz höher als bi^eit. Breite und Höhe in der
Gegend der Brustflossen nicht ganz 6mal in der Körperlänge
ohne Schwanzflosse enthalten. Kopflänge 4mal in derselben
enthalten, seine Höhe y^ seiner Länge, seine Breite in der
Augengegend gleich der Höhe derselben Stelle. Augen nach
oben gerückt, so dass etwa ihr Mittelpunkt in der Profillinie
liegt , ihr Durchmesser V3 der Kopflänge und das Doppelte
der Entfernung. Obere ProfiUinie von den Augen an fast
horizontal, untere von der Basis des Unterkiefers an ebenso,
tJeber einige Fische und Crustaceen Italiens. 177
Wangengegend gewölbt. An den Nasenlöchern kein Faden.
Die Mundspalle reicht nicht bis zum Auge , die Spitze des
Unterkiefers sieht bei geschlossenem Munde gerade vor der
des Oberkiefers. Im Ober- wie im Unterkiefer eine Reihe
spitziger Zähne (bei dem grösseren Exemplar zählte ich unten
jederseits 16, oben 12); die vordem Zähne des Oberkiefers
gewöhnlich von der Lippe beiieckt, die des Unterkiefers über
dieselbe vorstehend. Zunge dick, stumpf, zahnlos. Kiemen-
öfTriung etwas weiter als die Basis der Brustflossen. Kie-
menhaut mit 5 Strahlen. Flossenstrahlcn D. 6 — 10. P. 13 — ^lö.
V. 5. A. 8. C. 18. Brustflossen y^ so lang wie der Kopf, zu-
gespitzt. Die in der Mittellinie vereinigten Bauchflossen ent-
springen unter den Brustflossen und bestehen aus 2mal 5 ver-
zweigten Strahlen; der Zwischenraum der 2 mittleren ist grös-
ser, als zwischen den anderen; an jeder Seite ein einfacher
Strahl, von dem aus eine Hautfalte vor der ßauchflosse selbst
zu demjenigen der anderen Seite sich hinzieht. Die erste Rük-
kenflosse steht über der hinteren Hälfte der Brustflosse, der
letzte Strahl ist durch einen grösseren Zwischenraum von den
übrigen geschieden ; die Höhe der vordersten Strahlen ist
die Hälfte der entsprechenden Körperhöhe; die zweite Rük-
kenflosse entspringt gleich hinler dem After und erstreckt
sich bis y, der Entfernung zwischen After und Ursprung der
Schwanzflosse; ihre Höhe übertriff't die der ersten Rücken-
flosse. Die Analis entspricht in ihrer Lage und Höhe der
zweiten Rückenflosse. Schwanzflosse so lang wie die Bauch-
flosse; die Strahlen nehmen von oben und unten nach der
Mitte zu allmählich an Länge zu.
Der ganze Körper ist schleimig; die Schuppen klein, am
Rande mit 5 Kerben; die Farbe grauweiss, auf der Oberseile
durch zahlreiche schwarze Punkte dunkler. An den Seiten
gruppiren sich diese zu dunkelgrauen Bändern, welche durch
gleichbreite Zwischenräume getrennt, von oben nach unten ver-
laufen und am Schwänze am schärfsten ausgeprägt sind ;
selbst auf der Schwanzflosse noch Spuren davon. Unterseite
weiss, nur am Kinn mehrere schwarze Punkte.
Länge meiner Exemplare 39 Mill.
Diese Beschreibung, wozu mir nur 3 mangelhafte Exem-
plare vorlagen, weicht von der bei Cuv. u. Val. (XH. p. 53)
Archiv f. Naturgesch. XXIU. Jahrf . 1. Bd 12
178 .?,?r)i1olI t. Älartenst
und dessen Abbildung in der neuen illustrirlen Ausgabe von
Gu V ie rs regne anitnal (Poissons pJ. 80. fig. 2) mehrfach ab ;
einige Differenzen, wie die Grösse der Augen, könnten auf
dem Jugendzustande meiner drei Exemplare beruhen , welche
all6 einen sehr angeschwollenen Bauch wie junge Fische zei-
gen ; schon wichtiger ist, dass er die Strahlen in der zwei-
ten Rückenflosse um 1 mehr angiebt, und noch mehr, dass
in der Abbildung die Stellung beider Rückenflossen eine etwas
verschiedene ist. Bonelli selbst hat diese Art nirgends
beschrieben, wenigstens fand ich in den Abhandlungen der
Turiner Akademie , wo sonstige kleinere Arbeiten, z. B. über
Trachypterus, von ihm stehen, Nichts, ausser bei Gelegenheit
seines Elogio (Lob- und Grabrede) die Erwähnung dieses
Fisches unter seinen nicht publicirten Entdeckungen *). Noch
zwei weitere Gobius-Arten wurden als Bewohner der süssen
Gewässer Italiens angegeben, G» Iota Val. u. Panizzae Verga.
Letzlerer ist mir nur durch die kurze Diagnose bekannt, welche
der Autor in den Verhandlungen der Naturforscherversamm-
lung (Atti delia terza riunione degli scienziati itaüani. Firenze
1841. fol. j>. 379) mittheilt: corpore minimo, maxilla inferiore
macula aira notata (bei dem unsrigen mehrere schwarze
Punkte), pinna dorsali anteriori öradiata (bei unserem 6), linea
laterali utrinqüe maculis irregularibus nigris indicala (sollen
das die punklirten senkrechten Bänder der unsrigen sein?).
Er soll aus den Lagunen von Comacchio stammen; diese, be-
rühmt durch ihre Aale , sind übrigens gesalzen und durch
einen Damm vom süssen Wasser abgesperrt (s. meines Va-
ters „Italien« Bd. L p. 275) , was der Wahrscheinlichkeit
einer Identität mit unserem Fi&che wieder entgegentritt und
jenen in die Reihe der Meerfische zurückweist. Aehnlich
dürfte es sich mit dem G. lola verhalten. Ich habe mich
an mehreren mitgebrachten Exemplaren überzeugt, dass der
häufigste Gobius des venezianischen Fischmarktes, schlecht-
weg Go genannt weder G. niger L. noch G. gutlatus Val.
ist , welche Namen schon auf ihn angewendet wurden,
») Nardo in Configliachi's Giornale di fisica VIL 1824. p. 228
schreibt G. flat. iwbJs und giebt ihm auch 11 Sirahlen in der zwei-
Ifen Dorsalis.
Üeber einige Fische und Crustaceen Italiens. 179
aber genau auf Valenciennes' Beschreibung seines C
Iota passt, und dieser Name, auf die Farbenähnlichkeit
mit Gadus Iota sich beziehend , wurde mir jetzt erst klar.
Von einem Vorkommen dieses Fisches im süssen Wasser
konnte ich weder in Bologna, wo ihn Savigny erhielt,
noch sonst wo etwas erfahren; im Museum dieser Universi-
tätsstadt, wo sonst die Süsswasserfische der Umgegend ver-
treten und bezeichnet sind, darunter auch G. fluviatilis, be-
findet sich kein Fisch dieses Namens und Prof. Bertoloni
daselbst konnte mir keine andere Auskunft geben, als die
Vermuthung, Savigny habe ihn auf dem Fischmarkte be-
kommen , wohin er frisch mit anderen Meerfischen kömmt,
wie ebenso nach Verona, wo ich ihn selbst sah. Denn die
Italiener kennen die Regel der Holländer nicht, nur lebend
gekaufte und lege artis todtgeschlagene Fische frisch zu es-
sen, sind daher nicht, wie diese selbst in Lagunenstädten
wie Amsterdam, auf die lebenszähe Pleuroneclesfamilie be-
schränkt.
6. Leuciscus alburnellus Filippi *)
vom Gardasee. Tab. IX. Fig. 6.
Aspius alburnus Bonap. fn. ilal. III. tab. 1 16. fig. 5,
(aus den oberitalienischen Seen im Allg.).
Leuciscus alburnus var.? an propr. sp.? Val. bist. nat.
d. poiss. XVII. p. 284.
Aspius arborella Filippi (v. Lago Maggiore).
Alburnus alborella Heckel Reisebericht (Sitzungsbe-
richte d. math. naturw. Gl. d. k. Ak. zu Wien)
1851. p. 37. (ohne Beschreibung).
Körper schmal , unten schmäler als oben , hinter den
Bauchflossen slumpfkantig. Der Rücken setzt sich vom Kopfe
ab und verläuft bis zur Dorsalis in einer äusserst schwachen
*) Da der r^ame doch aus dem Lateinischen stammt, so zog ich
es vor ihn in der lateinischen Form au schreiben , statt der halbla-
tinisirten alborella aus dem italienischen arborello. — In der Be-
schreibung folge ich, der Vergleichung mit alburnus wegen , Wort für
Wort derjenigen, welche mein Freund, Dr. Günther, für letztge-
nannten in seiner Arbeit über die Neckarfische (Jahresheft des Vereins
f. Naturkunde in Württemberg 1853 p.311) gegeben hat.
180 .^r. V. Martens:
Curve, von da an senkt er sich nur iinbedeulend in gerader
Linie l>is zur Schwanzflosse. Das untere Profil vom Kopfe
bis zum Knde der Analis ist dagegen ziemlich gebogen. Die
Höhe des Leibes ist 472 — 5mal in der Totallänge enthalten
(diese ohne Schwanzflosse, welche Dr. Günther wohl mit-
rechnet , denn nur in diesem Falle stimmt seine Zahl „über
ö'/jUial" zu Exemplaren des alburnus von Berlin, wie auch
zu unserem alburnellus) , die Länge des Kopfes 4mal oder
diese ist gleich zwei- und einhalbmal die Distanz der Augen
genommen. Das Maul ist der Grösse des Fisches proporlio-
nirt (wenigstens in demselben Verhältnisse wie bei alburnus),
seine seillichen Ränder steigen schief von hinten und unten
nach vorn und oben. Der Unterkiefer, länger als der obere,
hat vorne eine Andeutung eines wulstigen Hakens, welche in
eine Vertiefung des Oberkiefers passt. Der Durchmesser des
grossen Auges ist ändert halb mal so gross als seine
Entfernung von der Schnauzenspitze und 2y2mal in der Länge
des Kopfes enthalten. Der äussere membranöse Opercularrand
ist nicht besonders stark entwickelt. Die Brusiflossen mit 16
Strahlen und fast geradem Rande sind etwas länger, als die
Dorsalis hoch ist, und noch länger als die ßauchflossen. Diese
mit 9 — 10 Strahlen und schwach convexem Rande sind ebenso
lang, als die Analis hoch ist. Die Rückenflosse, deren Höhe
IV4 der eigenen Länge ist, beginnt am Ende der (nach hin-
ten gelegten ) Ventrales (ebenso bei alburnus von Berlin)
und das hintere Ende ihrer Insertion fällt noch hinter das
vordere der Afterflosse; ihre Entfernung vom Kopfe ist um
sehr wenig grösser als die von der Schwanzflosse; von ihren
10 Strahlen ist der erste nicht halb so gross als der zweite;
der obere Rand dieser Flosse ist gerade. Die Afterflosse,
deren Länge ihrer eigenen Höhe gleichkommt und die Höhe
der Dorsalis nicht erreicht, hat einen concaven Rand und
16 — 18 Strahlen. (Unter 22 Exemplaren zählte ich an fünf-
zehn 17 , an sechs 18 und an ebenso vielen 16 Strahlen).
Die Schwanzflosse mit einem Ausschnitte und 20 Strahlen, ihr
oberer Lappen selten kurzer als der unlere. Die Seitenlinie
fällt von der Schulter, wo sie über der halben Körperhöhe
entspringt , in einem Bogen gegen die Brustflossen hinab,
steigt viel allmählicher wieder in die Höhe (wie bei den
lieber einige Fische und Crnstaceen Italiens. 181
hiesigen alburnus) und verläuft auf dem Schwänze unter der
Mitte bis zur Caudalis. Sie besteht aus 44 — 48 Schuppen,
die Ouerschuppenreihe zählt über der Seitenlinie 9 — 10, un-
ter ihr 4 — 5 Schuppen ; die Miltelschuppe ist etwa die Q4ste
der Seitenlinie und kaum etwas grösser als die Pupille im
Auge. Die Schuppen sind alle dünn und gehen sehr leicht
ab. Die grünbraune Farbe des Rückens schneidet sich scharf
von dem reinen Silberglanze der Seiten ab; vereinzelte
schwarze Pigmenlflecken kommen an den Seiten, namentlich
in der hinteren Körperhälfte, nicht so selten, aber nicht bei
allen Individuen, vor. Das grösste Exemplar misst mit Ein-
schluss der Schwanzflosse 78 Mili.
Auf jeder Seite linden sich zwei Reihen Schlundkiefer-
Zähne, die äussere besteht aus o seitlich zusammengedrück-
ten etwas krummen Zähnen, (Fangzähnen nach Heckeis Ter-
minologie), welche an ihrer Spitze mit einem Haken verse-
hen sind und von denen die vier hinleren an der concaven
Seite bald bis zu 2/3 ihrer Länge, bald bis nahe zur Spitze
unregelmässig zackig sind ; in der innern Reihe zwei sehr
unbedeutende Zähnchen. Anzahl der Wirbel 36— .38. Die
Interspinalknochen der Rückenflosse stehen zwischen den Forl-
sätzen des Uten und 18len Wirbels, die der Afterflosse zwi-
schen denen des 18ten und 25slen Wirbels. Rippen 12.
Soviel mir bekannt, ist dieser Fisch noch nirgends ge-
nauer beschrieben und mit dem deutschen alburnus vergli-
chen worden. Dr. Günther, welchem ich einige zuschickte,
ist auch eher geneigt ihn für eine eigene Art zu halten, we-
gen der noch viel stärker als bei Alburnus von oben nach
unten gehenden Richtung der Mundspalte, der Gestalt und
Sirahlenzahl der Analis, endlich des bedeutenden Grössenun-
terschiedes. Der verhältnissmässig grössere Durchmesser des
Auges könnte auf den Gedanken führen, dass ich nur junge
Thiere vor mir hatte, aber ich halte hinreichende Müsse mir
unter den vielen Tausenden der an demselben Morgen ge-
fangenen Fische schöne und grosse auszuwählen ; auch bei
anderen Thiercn wiederholt sich die Erscheinung, dass die
Schädelverhällnisse kleinerer Arten im ausgewachsenen Zu-
stande den jugendlichen Verhältnissen verwandter grösserer
Thiere ähneln , z. B. bei dem Katzengeschlechle.
t82 V. Martens:
7. Leuciscus Savignyi Val.
vom Gardasee.
Bp. faun. Italic. III. 115, 1.
Val. hisl. nat. d. poiss. XVII. p. 238 pl. 494.
Da dieser Fisch schon von obigen Autoren beschrie-
ben ist, vy^ill ich nur die Unterschiede anführen, welche eine
Vergleichung mit Dr. Günther's Beschreibung des verwand-
ten L. muticellus Bp. von Heilbronn ergab :
Der Körper erscheint, von oben und unten betrachtet,
schmal, der Rücken steigt wenig an, das untere Profil ist
stärker gebogen als das obere, die Höhe des Leibes ist kaum
ein Fünftel der Totallänge (einschliesslich der Schwanzflosse,
wie bei Günther) enthalten. Die Entfernung des Auges
von der Schnauzenspitze des überragenden Oberkiefers ist
geringer als die Distanz beider Augen, die Länge der Brust-
flossen übertriffT; zwar die der Ventrales, erreicht aber nicht
die Höhe der Dorsalis (bei Valen cienn es. ist sie sogar
länger). Die Rückenflosse beginnt unmittelbar hinter der In-
sertion der Ventrales, ihre Entfernung vom Kopfe ist gleich
der von der Schwanzflosse. Die Länge der Afterflosse er-
reicht nur 2/3 derjenigen der Dorsalis. Die Seitenlinie fällt
von der Schulter an sehr unbedeutend, bleibt nahe der Mit-
tellinie und verläuft schon von der Mitte der Brustflossen an
gerade zum Schwänze. Peritoneum nicht schwarz.
8. Alosa finta (Cuv.) Troschel.
Mehrere in Verona auf dem Fischmarkte gekaufte Fi-
sche, welche von dem Händler als Agoni aus dem Gardasee
bezeichnet wurden und nach der Anzahl der Fortsätze am
ersten Kiemenbogen zu Troschels A. finta (s. dieses Ar-
chiv Jahrgang 1852)' gehören, weichen von dem bei Gün-
ther beschriebenen Maifische aus Heilbronn in Folgendem ab:
Die Höhe des Leibes ist gleich der Kopflänge und etwas we-
niger als Ya der Totallänge (einschl. Schwanzflosse). Der
hintere Mundwinkel liegt noch vor dem Vorderrande des
Auges. Die Spitze des Unterkiefers greift nicht in den am
Oberkiefer befindlichen Ausschnitt ein , dessen Seitenränder
beim Schliessen des Mundes sich aneinanderlegen. Die Ent-
lieber einige Fi^ohe und Crustaceen Italiens. 183
fernung des Auges von der SchnauKenspilze ist wenig grösser
als sein Durchmesser. Die Brustflossen sind kaum länger ais
die Dorsalis hoch ist. Die Bauchflossen erreichen y^^ der
Länge der ßrusltlossen , Höhe und Länge der Dorsalis sind
sich nahezu gleich. Ein deutlicher und mehrere balberlo*-
schene schwärzliche Seitenflecken.
Auch die relative Grösse des Kopfes und 4er Augeo
deutet auf jugendliche Exemplare. Die Lange derselben l»e-
trägl nur 22 Centimeter.
9. Palaemon lacustris M.
vom Albanersee. Taf. X. Fig. 1—9.
Der Schnabel (rostrum) ist schwach aufwärts gebogen
und zeigt am oberen Rande 6 — 1 Zähne , das Vorderende
nicht eingerechnet, welches einfach zugespitzt ausläuft, auf
seinem unteren Rande nur 2; von den oberen Zähnen steht
der letzte hinter, der vorletzte über deli Augen, von den un-
teren in der Regel der erste hinter dem ersten oberen, sel-
tener Cnamentlich wenn ausnahmsweise drei vorhanden sind)
unter ihm *). Die Höhe des Schnabels ist y^ seiner Länge;
seine seitliche Längsleisle tritt stark hervor. Seine vordere
Spitze überragt in den meisten Fällen den Stiel der inneren
Fühler und erreicht ganz oder beinahe den vorderen Rand
der blattförmigen Anhänge der äusseren Fühler, die Behaa-
rung derselben nicht mit eingerechnet. Seine Länge von der
*) An 105 Exemplaren zählte ich die Zähne des Schnabels und
fand darunter:
bei 59 oben 6, unten 2
„22-5-2 '
„10-7 - 2
„ 5-6 - 3
„3-7-3
„2-6-1
„1-8-2
„1-6-4
„1-5-1
„1-4-2
die unteren Zähne sind in der Regel schwächer ausgeprägt, oft nur
Wellenlinien,
184 V. Martens:
Spitze bis zum Augenhöhlenrande ist ^'^/|^ — ^Ömal in der To-
tallänge des Thieres von der Schnabelspitze bis zur Spitze
der Schwanzflossen enthalten.
Die inneren (oberen) Fühler zeigen das erste Glied mit
einer Ausbuchtung für die Augen und an der Aussenseite
mit einem Stachel versehen , wie es dem Genus überhaupt
zukommt , von ihren drei Endfäden ist der kürzeste zu y^
seiner Länge an den äussersten längsten angewachsen. Die-
ser letztere erreicht V3 der Länge des folgenden Fühler-
paares.
Diese, die äusseren oder unteren Fühler, haben einen
kürzeren Basaltheil , aber ihr (vielgliedriger) Endfaden er-
reicht nahezu die Länge des ganzen Körpers; ihr blattförmi-
ger Anhang zeigt den vorderen Rand abgerundet, ohne Spit-
zen, nur mit Haaren dicht besetzt ; der innere Rand zeigt
eben solche Haare , der äussere ist unbehaart , zeigt nach
vorn einen Zahn von der Länge jener Haare und vor dem-
selben eine schräg nach hinten und innen laufende Spalte.
Das ganze Blatt ist ungefähr dreimal so lang als breit oder
als das letzte Basalglied des Fühlers lang ist.
Der Thorax erscheint in seinem vorderen Drittel, zuwei-
len in der vorderen Hälfte, durch eine Forlsetzung des Schna-
bels gekielt, sonst ist er ganz glatt; seine Randslacheln, je
einer über und einer unter der Einfügung der äusseren Füh-
ler, sind klein, schlank und spitzig, gleich gross unter sich
und mit dem Stachel am äusseren Rande des ersten Gliedes
der genannten Fühler. Das Rückenprofil des Thorax ist zwi-
schen der Mille und dem Schnabel eingebogen, in der hin-
teren Hälfte convex.
Aeussere Kieferfüsse fussförmig, reichen nach vorn etwas
über die Spitze des Stiels der äusseren Fühler hinaus und
endigen mit einem lanzettförmigen am Innenrande behaarten
Gliede. Das erste Fusspaar klein und dünn, reicht nach vorn
bis zum Vorderrande der blattförmigen Fühler-Anhänge und
endigt mit einer Scheere, deren innere Ränder geradlinig
aneinanderschliessen ; an dem der Mittellinie zugewandten
Rande ist sie mit kleinen Büscheln schwarzer Haare bedeckt.
Das zweite Fusspaar ist das längste, reicht nach vorn bis
zur Spitzendes dritten Endfadens der inneren Fühler und en-
lieber einige Fische und Crustaceen Italiens. 185
digl ebenfalls mit einer Scheere, diese ist ebenso dick, aber
doppell so lang als die am ersten Paare; der Daumen der-
selben ist kürzer als die Hälfte der Länge des Metacarpus-
gliedes; die Handwurzel (Carpus) ist einfach (wie bei den
übrigen Palaemonarten) und nicht vielgliedrig (wie bei Hip-
polyle). Die drei folgenden Fusspaare nahezu gleich lang,
zwischen dem ersten und zweiten die Mitte haltend, mit ein-
facher Endklaue. Das letzte Paar reicht nach vorn bis zum
Beginne des Scheerengliedes des zweiten und bis zum vor-
deren Ende der blattförmigen Anhänge der äusseren Fühler.
Die Abdominalsegmenle alle glatt, mit rundem Rücken;
die Seilenstücke des ersten bis dritten gerundet , scheiben-
förmig, die Eier bedeckend, das des zweiten deckt nach vorn
und hinten seine Nachbarn; die Seilenstücke des vierten und
fünften Abdominalsegments zeigen hinten einen abgerundeten
Winkel von etwa 60», das sechste zwei seitliche stumpfe
Zähne zu beiden Seiten der Insertion der seitlichen Flossen-
blätter; das siebente (mittleres- Flossenstuck) ist etwas länger
als das sechste, aber kürzer als die seillichen Flossenblälter,
schmal dreiseilig, von rechts nach links stark gewölbt, im
Profil geradlinig, und endigt mit 3 Zähnen, zwischen denen
zwei Büschel längerer heller Haare sich befinden. Die bei-
den Flossenblälter sind oval, am hinteren Rande behaart, das
innere auch an beiden Seiten , das äussere zeigt am Aus-
scnrande den Zahn und die schiefe Spalte, wie der blattför-
mige Anhang der äusseren Fühler. Totallänge bis 38 Mill.
Das ganze Thier lebend durchsichtig, Endfäden der Fühler
röthlich, schwarze Punkte auf den Abdominalsegmenlen, na-
mentlich dem Hinterrande des dritten. Die Exemplare von
Padua sind etwas kleiner und ihre äussere Fühler länger als
der Körper.
ßelon, (de aquatilibus 1553. p. 359) beschreibt diesen
Krebs schon ziemlich deutlich als Squilla fluviatilis; er unter-
scheidet sich von der Squilla marina (Palaemon squilla) in
der Grösse, wurde bei den Römern Gambarella genannt und
erscheint auf den vornehmsten Tafeln (?). In Frankreich
komme er nicht vor. Da Beton ihn nicht abbildet, so ist
er seitdem ganz in Vergessenheit gekommen. Er steht dem
bekannten P. squilla aus den europäischen Meeren nahe,
i^ ..-if.-flf:;' V. Martensj
unterscheidet sich von ihm aber neben der geringeren Grösse
schon durch die Charaktere des Schnabels. Auch der adria-
lische P. antennariüs M. E. (Schnabel unten mit drei Zähnen)
und longirostris Mil. Edw. von der Mundung der Garonne (mit
längeren Beinen) stehen ihm nahe. Symethus fluviatilis Raf.
(Precis des decouvertes somiologiques. Palermo 1814. 8.
p. 22.) aus den Bächen von Sicilien unterscheidet sich nach
der kurzen Diagnose schon dadurch, dass die inneren Füh-
ler nur 2 Endfäden haben und nur das erste Fusspaar sich
in Scheeren endigt (bei Mi Ine Edwards), nach Po ux
nur der eine Fuss des ersten Paares ; Rafinesque 1. c. sagt
nichts davon, so "wenig wie von „scheerenförmigen* Kiefer-
füssen.
10. Sphaeroma fossarum M.
von Foro Appio. Taf. X. Fig. 10—12.
Der Leib massig gewölbt, zu einer Kugel sich einrollend,
die Segmente des Thorax nahezu gleichbreit. Der Kopf etwas
schmäler als diese, vorn stark gebogen. Die Augen in einem
Ausschnitte hinten am Seitenrande desselben , oval , gross,
lief schwärz. Die Fühler gewöhnlich unter dem Kopfe ver-
borgen. Das vordere Fühlerpaar besteht aus 3 Basalglie-
dern, wovon die zwei ersten kurz angeschwollen, das dritte
etwas länger und doppelt so dünn, cylindrisch ist, und aus
8 oder 9 Endgliedern, welche allmählich an Dicke abneh-
men, das letzte endet zugespitzt; die ganze Länge dieser Füh-
ler gleicht der Distanz zvvischen beiden Augen, Das zweite
oder hintere Fühlerpaar ist um das Anderthalbfache länger*),
zeigt 4 Basalglieder , von denen die zwei ersten kaum län-
ger als breit, das dritte cylindrisch, doppelt so lang als breit,
das vierte ebenso lang, aber an der Basis (gegen das dritte
zu) schmäler, i§t und 17 allmählich kleiner werdende End-
glieder.
*) Ist es vielleicht nur ein Druckfehler, dass Mil ne Edwards
(III. p. 203) das zweite Paar „viel weniger lang« nennt. Auch bei
Sph. serratum F. von Venedig und einer anderen Art von Amsterdam
finde ich das zw^eite Fühlerpaar länger, wie es auch schon Pallas
angiebt und Rathke (zur Fauna der Krym, io Mem. d. savans etr.
petersb. III. p. 301) bestätigt.
Ueber einige Fisclie und Crnstaceen Italiens. 187
Die 7 Thoraxsegmenle laufen an den Seiten je in einen
stumpfen rückwärtsgewandten Zahn aus (wie bei Armadillo,
wodurch das Einkugeln möglich gemacht wird), das siebente
ist von vorn nach hinten um die Hälfte schmäler als die
vorhergehenden, hat, wie alle vorhergehenden, der Hinter-
land einfach ausgeschweift ohne besondere Fortsätze. Das
mm folgende Abdominalstück zeigt an den Seilen 4 schiefe
Furchen oder Nälhe, welche seine Zusammensetzung aus ver-
schiedenen Segmenten zeigen. Das letzte Segment endlich,
dessen Länge von vorn nach hinten beinahe derjenigen von
) Thoraxsegmenten zusammen gleicht , ist kugelförmig ge-
wölbt, sein Hinterrand schwach bogenförmig. Alle Segmente
mit Einschluss des Kopfes sind mit ziemlich dicht gestellten
konischen gleichmässigen Höckerchen besät, welche auf den
schmalen Segmenten, wie dem siebenten Thoraxglied und den
rudimentären des Abdomens, sich deutlich in Querlinien rei-
hen. Diejenigen der Abdominalsegmente sind nicht grösser
als die des Thorax. Das letzte (kugelförmige) Segment zeigt
ausser diesen Höckern zwei durch eine Mittelfurche geschie-
dene Anschwellungen, welche in der Längenrichlung vom
vorderen Rande bis zur Mitte des Segments sich hinziehen.
Die beiden Schwanzflossen jederseits von nahezu gleicher
Form, lanzettförmig, der Aussenrand stärker gebogen , ohne
Zähnelung; sie reichen über den Hinterrand des letzten Ab-
dominalsegments hinaus. Die obere ist dicht an dasselbe
angelegt , theill dessen Farbe und Körnelung, die untere ist
leichter beweglich , glatt und durchsichtig. Die Farbe des
ganzen Thiers ist ähnlich der der Ligia oceanica, auf der
Oberseite gelblich dunkelgrau, in der Mitte des Rückens
ziemlich scharf abgesetzt schwarz, unten schmutzig gelblich.
Länge 7, Breite 4 Millimeter.
Von dem im adriatischen und tyrrhenischen Meere ge-
sammelten Sphaeroma ( serratum Fabr.? aber nicht ganz
glatt, sondern mit schwach erhabenen Punkten und Längs-
linien versehen) unterscheidet sich unsere Art durch die
ganzrandigen Schwanzflossen, die viel stärkeren Höcker, um
die Hälfte geringere Grösse und die verschiedene Färbung. Die
andern von Milne Edwards aufgezählten Sphaeromen un^
terscheiden sich alle durch die Sculpturverhältnisse. nanient-
^88 V. Marien s:
lieh des letzten Segments. Sehr nahe kommt ihm dagegen
eine Art, welche ich früher im Hafen von Amsterdam zahl-
reich unter nassen Steinen gefunden habe, doch sind bei
letzterem die Schwanzflossen kürzer , das letzte Segment ist
an den Seiten deutlich eingezogen und daher abgestumpft
dreieckig, das ganze Thier ist bei gleicher Ausdehnung stär-
ker gewölbt, daher Kopf und letztes Segment steiler abfallen,
endlich ist die Farbe einfach dunkelgrau , wie bei manchen
Armadillo *).
C. lieber das Vorkommen mariner Formen im süssen
Wasser überhaupt.
Die Gattungen Sphaeroma und Palaemon , Gobius und
Blennius sind in der Nordsee häufig, aber in den süssen Ge-
wässern Nord- und Mittel -Europas ganz unbekannt. Dass
dagegen in Süd -Europa mehrere Blennius- Arten im süssen
Wasser vorkommen, wurde schon oben bemerkt, die Familie
der Gobioiden zählt in Ostindien zahlreiche Süsswasserfische,
mehrere zur Galtung Gobius selbst gehörig; was Palaemon
betrifft, so ist schon seitSIoane undParra ein Süsswasser-
krebs (Camaron de agua dolce, Palaemon Jamaicensis A.) aus
Jamaika und Cuba bekannt, nach einer mündlichen Mittheilung
von Dr. Engelmann lebt auch bei St. Louis in Nordamerika
ein (noch nicht beschriebener?) Krebs dieser Gattung, zu
derselben Familie gehören Symethus fluviatilis Rafinesque aus
Sicilien , wenn auch noch so unvollkommen beschrieben und
wieder verschollen , doch auf irgend einer Beobachtung be-
ruhend, ferner die schon seit einiger Zeit entdeckte Hippo-
lyte Desmarestii Millet in der Mayenne, Sarthe und anderen
Flüssen des nordwestlichen Frankreichs (Ann. sc. nat. XXV.
1832. pl. 10. fig. B) , Dana's chilesischer Süsswasserkrebs
Cryphiops spinulosomanus, endlich die blasse augenlose Höh-
lengarnele (Troglocaris) von Adelsberg. Genossin der letz-
*) Die beschriebenen Arten sind im K. zoologischen Museum
zu Berlin und die Mehrzahl auch im K. Naturalienkabinet zu Stuttgart
aufgestellt.
Ueber einige Fißchc und Crustaceen Italiens. 189
teren ist die auch erst seit Kurzem entdeckte Monolislra; diese
war bis jetzt im süssen Wasser der einzige bekannte Reprä-
sentanl der Isopodes nageurs M. Ed. (Cymolhoidea Dana),
wohin Sphaeroma gehört.
Ebenso sind mehrere Familien, welche noch im Millel-
meergebiete wie in dem der Nordsee rein marin sind, z. ß,
am auffallendsten die Scomberoiden , Haien und Rochen, in
der Tropenwelt auch durch Süsswasserformen vertreten (Mo-
nocirrhus polyacanthus Heckel im Rio Negro, Carcharias gan-
geticus M. H., 60 Stunden oberhalb des Meeres, Fristis Per-
roteti M. H. im Senegal, Raja fluvialilis Harn. Buch, bei Käm-
pur 1000 engl. Meilen oberhalb des Einflusses der Fluth, der
von S c h 0 m b u r g k im Magdalenenllusse gefundene Trygon).
Die ganze Abiheilung der kurzschwänzigen Krabben , im
Meere bis Grönland und Spitzbergen vorhanden , ist erst im
subtropischen Klima durch unsere Thelphusa im süssen Was-
ser vertreten und erhebt sich in Westindien durch die Ge-
carcinus gar zu einem bleibenderen Verweilen auf dem Lande.
Unter den Muscheln lebt Area scaphula Bens, bei Humerpoor am
Jumna, „1000 engl. Meilen« vom Meere entfernt, und Pho-
las rivicola Sow. im süssen Wasser des Flusses Panlai, 12
engl. Meil. über seiner Mündung, in schwimmendem Holze.
So modificirl sich die aus den Verhältnissen unseres Vater-
landes uns angewöhnte Anschauung von der Vertheilung der
Meer- und Süsswasserthiere in verschiedene Familien bei
der fortschreitenden Kenntniss mehr und mehr, und es er-
hebt sich uns die Frage, welche aus den zahlreichen Formen
der Wasserthiere überhaupt dem einen der beiden Medien
ausschliesslich eigenlhümlich bleiben, wie weit überhaupt der
Aufenthalt mit der systematischen Stellung, d. h. mit den Mo-
difikationen der Organisation, Hand in Hand gehen , eine
Frage, die namentlich auch für die Geologie von Interesse
ist. Um nicht zu einem ganz negativen Resultate zu gelan-
gen, wird es passend sein, von den manchfalligen Mischun-
gen und Uebergängen beider Elemente, wie sie Flussmün-
dungen und Salzseen im Kleinen, die Ostsee und das kaspi-
sche Meer im Grossen darbieten , ganz abzusehen und nur
den Gegensatz von Flüssen und Binnenseen süssen Wassers
mit dem offenen Meere festzuhalten. Auch auf die Unter-
lÖO V. Märten äi
Scheidung der Familien, deren Arten alle im Meere leben und
von denen nur zeitweise einige in das süsse Wasser auf-
steigen (z. B. Alosa) , von denen ,, welche einzelne stSndige
Repräsentanten in diesem Medium besitzen (z. B. Lota), müs-
sen wir absehen, da von manchen und theilweise gerade den
interessantesten fremden Flussfischen, es nicht bekannt ist, ob
sie aufsteigend oder ständig sind. Mit diesen Einschränkun-
gen und natürlich mit der noch bedeutenderen unserer ge-
genwärtigen Kenntnisse ergiebt eine Zusammenstellung der
Süsswasserthiere unter den Fischen, Crustaceen und Mollus-
ken nach Familien einerseits und klimatischen Zonen ande-
rerseits folgende Tabelle, zunächst für die alte Welt, wobei
aber die nur in der anderen Hemisphäre vorkommenden mit
der entsprechenden Bezeichnung N.-Am., S.-Am. oder Auslr.
(Nordamerika , Südamerika , Australien) eingeschaltet, sind.
Island schliesst sich in Beziehung auf Süsswasserthiere noch
an die hochnordischen Länder an ; Mittel - Europa ist nach
Süden bis zum Hauptzuge der Alpen , Aegypten und auch
Syrien (wegen Mastacemblus) zur heissen Zone gerechnet.
0 bedeutet, dass diese Familie in dieser Zone gar nieht
vorkommt.
m bedeutet , dass diese Familie in dieser Zone nur
im Meere vorkommt.
— bedeutet, dass diese Familie in dieser Zone in Meere
und Süsswasser vorkommt.
f bedeutet, dass diese Familie in dieser Zone nur im
süssen Wasser vorkommt.
Die Klammern bedeuten seltenes, mehr zufälliges Vor-
kommen.
Die cursiv gedruckten sind ausschliessliche Süsswas-
serfamilien.
üeber einige Fische und Crastaceen Italiens.
191
11
111
IV
m
V. Martenst
1 II
III
IV
B emerkungen.
1. Tropische Sässwasser- Gasterosteus oder — Collus
sind mir nicht bekannt.
2. Schmarda (geogr. Verbreitung d. Thiere p. 59)
spricht von Meeräschen im Teiche bei Arcach, dieser ist mir
unbekannt; in einem See bei Arquä (unweit Padua, in den
Euganeen) sollen nach einer Volksage Meerfische leben. Mu-
gilarten werden in Italien oft in ßrackwasserteichen gehegt,
so bei Malamocco und ziehen in Frankreich häufig in die
Üeber einige Fische und Crtistaceen Italiens. 193
Flussmündungen (s. Val e nciennes) , aber ich weiss nicht,
wie weit in rein süsses Wasser hinauf. In den Tropenlän-
dern kommen Mugil liza, Neslis und Dajaus im süssen Was-
ser vor.
3. Campylodon im Grönländischen Meere, Maslacemblus
in indischen Flüssen und schon bei Aleppo (Russell).
4. S. oben p. 189.
5. Plalessa flesus steigt in Schweden nach Nilsso n
bis zu den Torfmooren von Jaeravallen, vermuthlich dieselbe
im Rheine bis Bonn, wie mir Dr. Günthernach Fischer-
aussagen mitzutheilen die Güte hatte , die nahe verwandte
Passara (PI. passer Bp.) den Po herauf bis in die kleinen
Flüsschen Tartaro und Molinella, worauf schon Pol lini (I.e.
p. 22) aufmerksam machte, lieber PI. limanda und solea s.
Schmarda 1. c. p. 148. Ob in der heissen Zone auch auf-
steigende Arten vorkommen, ist mir nicht bekannt, im Brack-
wasser des Ganges sind einige Arten nach Hamilton-Bu-
chanan häufig und gehen nach demselben aufwärts so weil
die Fluth reicht. i ißiüit ;
6. Betone cancila Ham. Buch und caudimacula Val. in
Ostindien. Hemirhamphus far Rüpp. steigt nach Prof. Pe-
ters in Mossambique in die Flüsse auf. .:>t»li
6l>. Galeichthys marinus Mitchili (Parrae Val.) bei Cuba
und New-York, G. feliceps am Gap, Plotosus lineatus Yal.
vom rothen Meere bis zu den Freundschaftsinseln sind
Meerfische.
7. Tetrodon fahaca Forsk. im Nil , andere Arten im
Ganges.
8. Sygnalhus deocata Ham. Buch im Kawarlayiflusse
(nördl. Bengalen), S. Zambezensis und argulus Peters in Mos-
sambique.
9. üeber die Vertheilung der Meer- Crustaceen hat
Dana am Schlüsse seines grossen Werkes die reichhaltigste
Uebersicht gegeben, die ich hier mit Freuden benutzte; seine
frigid Zone entspricht hier Nro. I , subfrigitl II, cold-tempc-
rate und subtemperate 111, temperate (das mittelländische Meer,
und warm-temperate IV, subtorrid und torrid V.
10. Chaetilia ovata Dana in Chile ist ein Süsswas-
serthier.
Archiv f. Xatargescb. XXlIl. Jahrg. l.Bd. ^3
lt>4 V. M a r l c n 8 1
11. Jaera Leach , ein marines Genus der Unterablhei-
lung Asellidae, dessen Arien von Grönland bis in die warme
gemässigte Zone sich finden. Das Vorkommen des Asellus
in Grönland ist zweifelhaft; Fabricius sah ihn nicht selbst ;
v-on den Tropengegenden weiss man. gar nichts aus dieser
UnlerabtheiluHg.
12. Die „Salzkrebse" (Artemia) sind allerdings keine
Susswasserthicre , aber leben ebenso wenig im Meere. Die
übrigen Glieder dieser Abtheilung sind Süsswasserlbiere z. B.
Branchipus.
4i. Ich folge hier Wo 0 dward's Einlheilung, wonach
der Spirale Deckel den Unterschied zwischen beiden Familien
macht , (hiernach müsste Hydrobia Hartm. und Lithoglyphus
Mhlfld zu den Mclaniaceen) , glaube aber, d«ss die Abgrän-
ÄUng derselben von den Litoriniden kaum zu billigen ist und
nur wegen des Unterschiedes im Vorkommen gewagt wurde.
Naraenilich durfte eine so weite Trennung zwischen den
glatten Rissoen (Paludinello Loven, Beck) von Hydrobia flarlm.
(Amnicola Haldeman, Paludinella J. C. Schmidt) nicht zu biU
ligcn sein.
14. Hieher nach Woodwood die afrikanische Gala-
thea. Die Aelherien stellt derselbe zu den Najaden.
15. Novaculina gangelica Bens., vielleicht auch nur iin
Brackwasser , wie Potamomya (Corbulacea) und Gnalhodon
(Mactracea).
An diese Tabelle knüpfen sich folgende Betrachtungen:
A. Rechnet man nun für jede Zone die in derselben
vorkommenden marinen Familien hinzu, (bei den Crustaceen
nahm ich, um nicht zu sehr zu zersplittern, nur Dana's
nächsthöhere Abtheilungen auf- inea oder oidea , nicht die
Familien auf-idae) so ergiebl sich als Anzahl der Familien:
hn Ganzen, gemein- ausschliesslich im
schaftl. Meer Süsswasser
für di^- Fische ... 55 23 16 16
„ Crustaceen . . 44 10 29 3
, Schnecken und
Muscheln . . 52 6 40 6
Üeber einige Fische und Cruslaceen Italiens. 1Ö5
Also nur bei den Fischen ist die Anzahl der Süsswasser-
und Meerfische gleich, und lösen wir hier die Plagioslomen,
die oben der Uebersicht halber nur als Rajae und Squali auf-
geführt sind, in die 16 oder 21 Familien J. Müller's auf;
wovon nur 4 auch im süssen Wasser vorkommen, so ergiebt
sich auch hier ein entschiedenes Uebergewicht der Meerthiere.
Nach den Zonen verlheilen sie sich folgendermassen:
n. Für die kältere gemässigte Zone:
a) gemein- b) ausschliesslich im Verhältniss von
schaftlich Meer Süsswasser a zu b.
bei den Fischen .8 19 2 1 : <i%
» „ Crustaceen 7 24 1 1 : '6%
ff ff Schnecken
und Muscheln 0 34 5 I : oo
III. Für die mittlere gemässigte Zone:
a) gemein, b) ausschliesslich im Verhältniss von
IV. Für die wärmere gemässigte Zone :
a) gemein, b) ausschliesslich im Verhältniss von
1Ö6 V. Martensl
V. Für die heisse Zone:
a) gemein- b) ausschliesslich im Verhältniss von
schaftlich Meer Süsswasser a zu b. .
1 ; 2
1 : ÖV.?
1 : 7% -
Wir sehen demnach von der kalten zur heissen Zone
eine Zunahme der gemeinschaftlichen Familien; die Ausnahme
für die Crustaceen der heissen Zone dürfte eine nur schein-
bare sein, durch die Unvollsländigkeil unserer Kenntnisse über
die tropischen Süsswasserthiere bedingt. Diese Zunahme ist
nicht nur eine absolute, wie sie auch die ausschliesslichen
Meer- oder Süsswasserfamilien zeigen und wie von vorn
herein zu erwarten war, sonderji eine relative, auf Kosten
der ausschliesslichen. Die gemeinschaftlichen bilden einen
grösseren Bruchtheil der Gesammtzahl der in derselben Zone
überhaupt vertretenen Familien.
ß. Aber auch die Zahl der ausschliesslichen Süss-
wasserfamilien nimmt im Verhältnisse zu den auch oder nur im
Meere lebenden von der kalten zur heissen Zone zu , sehr
entschieden bei den Fischen (1 l : oc. II 1 : IS%, III 1 '.9%,
IV I : 42/7 , V 1 iSy^i), immerhin merklich auch bei den
Schnecken und Muscheln (I 1 : 9, II 1 : 6%, III 1 : 6V3, IV
1 : 7%) und bei den Krebsen (I 1 : QO, III 1 : 12, IV 1:8%,
V 1:6V,).
C. Ebenso nimmt die Zahl der im süssen Wasser über-
haupt vorkommenden Familien im Verhältnisse zu den im
Meere überhaupt vorkommenden zu, so
in I II III IV V
bei den Fischen . 1:6 l:3yio 1:2 1 : IV3 1 : 1 V3
y^ •„ Crustaceen 1:5 1:3% I : 3%^ 1 : 11%, I : 'M/,o
„ „ Schnecken
und Muscheln 1:9 1 : 675 1 i 5 V? 1 : ^% 1 : ^%
Wieder bilden also die tropischen Süsswassercrustaceen
(wohl in Folge mangelnder Kennlnisse) die einzige Ausnahme.
Ueber einige Fische und CrUstaceen Italiens. 197
Es ist diese Zunahme, wie die unter B. die Bestätigung eines
ollgemeinen Salzes, welcher auch schon folgendermassen aus-
gedruckt wurde : das organische Leben zieht sich gegen die
l*oIe zu von dem extremen Klima des Landes in das gleich-
massigere des Meeres zurück. Wo, wie in Grönland *) , das
(ranze Binnenland eine beständige Eismasse ist, nur an den
Küsten und Buchten der^ Wechsel von Aufthauen und Gefrie-
ren eintritt, da wird die Süsswasserfauna nicht sehr reich-
haltig sein.
D. Unter den Familien des süssen Wassers selbst ver-
halten sich die ausschliesslichen zu den gemeinschaftlichen
in I II III iV V
bei den Fischen . 1 : co 1:4 1 : Sy^ 1 : ly? tri ^/j;
„ „ Cruslaceen . 1:3 (1:7) 1:2% \:2% 1:1?^'
»
Schnecken
und Muscheln .1:0 1:0 l:% \:y^ 1:1
Es findet also hier ein auffallender Gegensatz zwiscbßn Fi-
schen und Mollusken Statt,, bei ersteren überwiegen überall
die gemeinschaftlichen Familien über die ausschliesslichen
(allerdings nicht an Artenzahl) , aber dieses Uebergewicht
nimmt von der kalten Zone, wo es gar kein Gegengewicht
findet, zum Aequator fortwährend und bedeutend ab, bei den
Mollusken überwiegen die gemeinschaftlichen nie die aus-
schliesslichen, aber ihr Verhällniss zu diesen nimmt in der-
selben Richtung von 0 bis zur Gleichheit zu; bei beiden Klas-
sen also findet in der Richtung zum Aequator eine fortschrei-
tende Ausgleichung, aber nach den Polen eine Divergenz in
entgegengesetztem Sinne statt , indem hier unter den Fischen
die gemeinschaftlichen Salomonen , unter den Mollusken die
ausschliesslichen Limnaeen und Pisidien herrschen, jene ge-
rade durch ihr Wandern, diese durch den Winterschlaf vor
dem Froste geschützt.
E. Es giebt Familien , welche in der einen Zone ge-
meinschaftlich, in einer anderen ausschliesslich sind, von den
4 hier möglichen Fällen finden sich
^) S. R i n k , Grönland geographisk og Statistik beskrevct.
Kjöbnhavn 1857. 8.
198 V. Martens;
bei den Crusta- Mollus-
Fischen ceen ken.
a) ausschliesslich marin in einer käl-
teren Zone, als in der, wo sie ge-
meinschaftlich sind 17 6 5
b) ausschliesslich im süssen Wasser
in einer kälteren
c) ausschliesslich marin in einer wär-
meren 5 2
d) ausschliesslich im süssen Wasser
in einer wärmeren 1
. Von diesen mag das Vermisstwerden der Blennioiden,
Pleuronectiden und Apodoiden, vielleicht auch das der Athe-
rinen, Idoleiden und Cymolhoiden in den süssen Gewässern
der Tropenzone, so wie das der Sciaenoiden in der subtro-
pischen , der Lernaeoiden und Cyclopoiden in der kalten,
nur auf dem Mangel unserer Kenntnisse beruhen, wodurch in
a) zwei, in c) und d) alle Beispiele wegfallen würden. Für
b) liefert auch der Wels in der alten Welt einen eclalanten Fall,
aber in Amerika findet sich in derselben Zone auch ein Meer-
wels (Galeichthys marinus Mitch.). Ueberhaupt bieten die
Siluroiden und etwa noch Pelromyzon die einzigen Beispiele
einer vorwiegend im süssen Wasser lebenden Familie mit ein-
zelnen Repräsentanten im Meere; die anderen gemeinschaft-
lichen Familien verhalten sich in der Regel umgekehrt.
Von den unter a) begriffenen Familien treten in den
einzelnen Zonen zuerst im süssen Wasser auf
in II m IV V
bei den Fischen 4 2 3 8
Crusta ceen 3 2 1
Schnecken und Muscheln 12 3
_ Diese Erscheinung ist also bei den Fischen am auffal-
lendsten und regelmässigsten (Gadini, Clupeoidei, ßlennioidei,
Lophobranchii); sie tritt bei den Cruslaceen nach unseren ge-
genwärtigen Kenntnissen schon in der gemässigten Zone (Ca-
rideen, Idoteiden, Cymolhoiden), bei den Mollusken erst in
der Tropenzone deutlicher hervor: dass sie in Zone II und V
die meisten Beispiele zeigt , beruht wohl darin , dass IWIV
lieber einige Fis<;he imd Crustaceen Italiens. Ii99
nur Ünterablheilungen der einen gemässigten Zone sind, »Iso
nur II und V das Auftreten einer neuen Hauplzone be-
zeichnen.
Hieraus lassen sich folgende Salze für die genannten
vier Klassen formuliren :
1. Die Mehrzahl der Familienformen sowohl überhaupt
als in jeder Zone ist einem der beiden Medien ausschliess-
lich eigen (A).
2. Die Süsswasserbewohner sind sowohl überhaupt als
in jeder Zone einförmiger (und weniger zahlreich) alsi die
Meerbewohner (C).
3. Die Süsswasserbewohner nehmen vom Pole gege»
den Aequalor nicht nur absolut , sondern auch relativ im
Verhältnisse zu den Meerbewohnern, an Mannichfaltigkeifc dor
Formen (und an Zahl) zu (C).
4. Diese Zunahme beruht ebensowohl auf Entwioke-
hing neuer eigentbümlicher Formen , als auf Theilnahme an
den marinen (D).
5. Die Aehnlichkeit der einzelnen Süsswasserthiere
mit einzelnen Meerthieren nimmt vom Pole ^egen den Aequa-
lor ab (B).
6. Die Aehnlichkeit der gesammten Süsswasserfauna
iiiil der gesammten Meerfauna nimmt vom Pole gegen den
Aequator zu (A).
Der scheinbare Widerspruch der beiden vorhergehen-
den Sätze erklärt sich dadurch, dass im ölen die ausschliess-
lich marinen Familien gar nicht in Betracht kommen, im ölen
aber so gut wie die ausschliesslichen Süsswasserformen den
negativen Faktor bilden.
7. Zahlreiche Familienformen sind in kSfllcren Gegen-
den ausschliesslich ruariji, in wärmeren (auch vorherrschend
marin , aber durch einzelne Arten) auch im süssen Wasser
vertreten (E).
Hieher gehören namentlich auch diejenigen Thiere, welche
die Veranlassung zu vorliegendem Aufsätze geworden sind.
Obige Sätze gelten natürlich nur insofern, nls die der
Rechnung zu Grunde gelegten Familien- Innerhsib jeder Klasse
für gleichwerlliig in Bezug auf die Aehnlichkeit ihres Baues
gellen können. Fortschritte in der SysteraaliU können daher
200 V. Martensj
ebensowohl als solche in der Faunenkenntniss, die nament-
lich für die Tropenwelt noch so sehr mangelhaft ist, diesel-
ben modificiren. Eine Vergleichung der drei Klassen unter
sich , wonach innerhalb jeder Zone die Aehnllchkeit zwi-
schen der Molluskenfauna des Meeres und des süssen Was-
sers geringer, als die der Crustaceen und diese geringer als
die der Fische sich ergiebt , würde auch die Gleichwerthig-
keit der angenommenen Abtheilungen in allen vier Klassen
zugleich voraussetzen, was allerdings eine Sache des subjek-
tiven Urlheils bleiben wird. Hätte ich z. B. für die Crusta-
ceen die zahlreichen Unterabtheilungen , welche Dana Fa-
milien nennt, zu Grunde gelegt, so wären die Zahlen für
die Süsswasserbewohner um weniges, die für die Meerbe-
wohner bedeutend grösser ausgefallen, weil auch unter diesen
Unterabtheilungen wieder die Meerthiere vorherrschen; in-
nerhalb jeder einzelnenZone wäre daher die Verhältnisszahl
der Süsswasser- zu den Meerbewohnern eine kleinere gewor-
den , das Zu- oder Abnehmen nach den Zonen hätte sich
aber nicht oder nur unwesentlich geändert. Steigt man noch
höher in der Stufenleiter der Eintheilungen , so wird die
Uebereinstimmung zwischen beiden Medien nmnerisch immer
grösser, aber die noch bleibenden Differenzen immer wesent-
licher. So schon bei Betrachtung der Ordnungen : unter den
14, welche J. Müller für die Klasse der Fische angenom-
men hat, sind nur fünf und gerade ^lie sehr artenarmen (zu
1 — 3 Genera mit nicht viel mehr Species) auf das eine der
beiden Medien beschränkt, die Sirenoidei und Ganoidoi ho-
loslei auf Süsswasser, die Holocephali (Chimaera) , Hypero-
Ireti (Myxine) und Leptocardii (Amphioxus) ''*) auf das Meer.
Unter Dana's grösseren Abtheilungen der Crustaceen
sind zwar der Zahl nach die Hälfte, 7, dem Meere eigen-
thümlich: Anomura, Stomapoda, Schizopoda, Aploopoda, Ani-
sopoda, Merostoma , Cirripedia , aber es sind dieses durch-
gängig die weniger artenreichen ; keine ist dem süssen Was-
ser eigenthümlich , von den drei Hauptabtheilungen Podoph-
thalma , Edriophthalma und Cirripedia sind 2 gemeinschaftlich.
Bei den Anneliden finden wir im Gegentheile nicht nur die
*) Einen leider nicht vollständig erhaltenen Aniphioxus aus
Ceylon hat das öerliner Äluseuni durch Hrn. Nietner erhalten.
1
Ueber einige Fische und Crustaceen Italiens. 201
Mehrzahl der Ordnungen (3 gegen 2 nach Grube), sondern
unter diesen auch die bei weitem entwickeltste und zahl-
reichste ausschliesslich marin. Bei den Gasteropoden über-
wiegen ebenfalls die ausschliesslich marinen Ordnungen und
halten den gemeinschaftlichen und den dem Meere fremden
zusammen die Waage, so nach TroscheTs Einlheilung
die 5: Heleropoda-, Cyclo-, Noto-, Monopleuro - und Hy-
pebranchiata, gegen die 2 gemeinschaftlichen Ctenobranchiata
und Rhipidoglossata sammt den dem Meere fremden Pulmo-
nata und Pulmonata operculata, (or schliesst aber die Hele-
ropoda aus), in den neueren englischen Systemen, z. B. bei
Woodwar d, die 2 marinen: Nucleobranchiata und Opislho-
branchiata, gegen die gemeinschaftlichen Prosobranchiata und
die dem Meere fremden Pulmonifera, aber doch zählen immer
von den zwei zahlreichsten Ordnungen die eine zu den ge-
meinschaftlichen , die andere zu ,den dem Meere fremden,
(abgesehen von den an der Gränzscheide lebende Auriculen,
Onchidien und Amphibola). Eine wesentliche Verschieden-
heil nach den Zonen findet für die Ordnungen nur noch
bei den Fischen stall, indem gerade die zwei ausschliesslich
dem Süsswasser eigenen (Sirenoidei, Ganoidei holostei) den
kälteren Gegenden fehlen; unter den Gasteropoden fehlen der
kalten Zone ebensowohl die marinen Heleropoden (Nuclebran-
chiala) als die dem Meere fremden Lungendeckelschnecken,
unter den Crustaceen nur die artenarme Abtheilung der Me-
rosloma (Limulus), denren nördlichster bei Boston vorkommt.
Von den wesentlich im Wasser lebenden Thierklassen
überhaupt (oder Unterklassen, je nach den verschiedenen Sy-
stemen) finden wir II: die Polycystinen, Anlhozoen, Acale-
phen, Clcnophoren und Siphono'phoren, Echinodermen, Tuni-
calen, Brachiopoden , Pteropoden, Heleropoden und Cepha-
lopoden ausschliesslich' marin, und ebenso viele, nämlich ne-
ben den 4 schon erörterten noch die Infusorien und Rhi-
zopoden, Hydroidpolypen, Räderlhiere, Bryozoen, Turbellarien
und Anneliden beiden Medien gemeinschaftlich , worunter
übrigens wieder sehr artenreiche Abtheilungen rein marin,
(Sertularinen, die Bryozoa stematopoda *) und die zahlreiche,
*) Doch soll nach D u m o r t i e r und vanBenedeij das Süss»
wasscrgenus Paludicella hieher gehören.
202 V. Mar t engt
höchst entwickelte vielriamige Ordnung der Aijnelidcn), wäh-
rend nur wenige artenarme Abtheilungen dein süssen Was>
ser eigen sind wie die Arm- und Federbuschpolypen (lly-
drina und Bryozoa lophopoda), dann die Planarie« im eng-
sten Sinne.
Die Batrachier sind das einzige Beispiel einer Thier-
klasse, welche dem Meere ganz fremd ist, und doch sind sie,
wenigstens zeitweise, wasseralhmend; denn man kennt wohl
Meerschildkrölen, Meereidechsen (Darwin's AmMyrhynchus
cristalus auf den Galtapagosinseln) und Meerschlangen (Hydro-
phis, nicht die berüchtigte norwegisch - amerikanische), aber
trotz Seba und Schillers Taucher keine Meerkröle oder Meer-
molch. Bei den nur luftathmenden Klassen endlich leben
von Reptilien und Säuglhieren Repräsentanten beständig im
Meere , von den Vögeln und Insekten wagen sich nur ein-
zelne zeitweise in und unter das Wasser, sowohl süsses wie
salziges, leben aber wesentlich über demselben; von den In-
sekten gehart hauptsächlich der von Audouin beobachtete
kleine flügellose Cara^bicine (Blemus fulvescens Nouv. Ann.
du Mus. 111. p. 117) hieher, welcher unter Steinen während
der Fluth verborgen bleibt und an Stellen lebt, die nicht bei
jeder Ebbe entblösst werden; die anderen sogenannte» Meer-
insekten leben meist nur in Brackwasser oder treiben sich
auf seiner Oberfläche herum , wie Halobales analog unserer
Hydrometra. Für die Arachniden hängt die Beantwortung der
Frage nach Meerthieren von der anderen ab, ob die Pyeno-
goniden einbegriffen werden, die neuesten und gewichtigen
Stimmen bejahen dieselbe. Bei den Myriapoden ist das Vor-
kommen von Glomeris ovalis im Meere sehr problematisch,
jedenfalls lebt er nicht in Oceano Europaeo , wie Linne
saffte; auch Süsswasserthiere kennen wir unter ibnea nicht.
Für die Klassen würde also die Zahl der ausschliess-
lichen und der gemeinschaftlichen sich nahezu ausgleichen.
Von den elwa 7 Haupttypen des Thierreiehs dagegen ist nur
einer, der der Echinodermen, ausschliesslich marin, die an-
deren mit dem süssen Wasser lünd die Mehrzahl (4} andi
mit dem Laftde gemeinschaftlich, keiner fehlt dem Meere.
Wir dürfen also im Allgemeinen den Satz aufstellen, duss
auy der Familien-Uebereinstimroung eines Thiers unbekann-
Ueber eii>ige Fische und Crust^ceen Italiens, 203
ter Herkunft mit einem bekannten in der Mehrzahl (bei den
Cruslaceen in drei Viertehi , bei den Mollusken in beinahe
neun Zehnteln) der Fälle ein Wahrscheinlichkeits - (-Induk-
tions-) Schluss auf das Vorkommen des unbekannten erlaubt ist,
dass dasselbe für einen Bruchtheil der Ordnungen und Klassen
gilt, welcher je nach dem sie umfassenden Hauptlypus oft
bis zur Hälfte, bei den Echinodermen bis zur Einheit steigt.
Umgekehrt, in der Stufenleiter der Systematik herab-
steigend , ist nur eine unbedeutende Anzahl der Genera
(im heuligen Sinne = Artengruppen), selbst hei den Fischen
wahrscheinlich nicht über Ein Procent, beiden Medien eigen-
Ihümlich, und bei denSpecies sinkt dieselbe bei den Mollus-
ken und Crustaceen , einige noch zweifelhafte Fälle (Paludi-
nella thermalis oder acuta, Gammarus locusta) ausgenommen
auf 0 herab, bei den Fischen wird nicht nur das Vorkom-
men des Gasterosteus trachurus Cuv. in der Nordsee selbst
von den dortigen Ichthyologen seit Gronovius bis Nils-
s.on behauptet, sondern wir finden auch als eigenlhümliche
Erscheinung das Wandern von Meerfischen die Ströme auf-
wärts um zu laichen, und seltener das der Flussfische in das
Meer zu demselben Zwecke (der Aal, vergl. Spallanzanis
Beobachtungen in Comacchio, Georg v. Martens Italien H.
p. 334). Hier sind es also sogar dieselben Individuen, wel-
che abwechselnd beide Medien bewohnen, und vielleicht nicht
einmal alle, den» man erzählt von mehreren Seea, dass die
aus dem ^eere eingewanderten Zugfische wegen Mangels der
Strömung den Rückzug nicht mehr finden und so wie ihre
ganze Nachkommenschaft im süssen Wasser bleiben; ande-
rerseits erwähnt Nilsson in seiner skandinavischen Fauna
bei unserem Maifische (Alosa) mit keinem Worte des Auf-,
steigens in süsses Wasser, dagegen dass-sie nach Hr. Mal m's
Beohachlungen zwischen den Scheeren von Gothenburg (Gö-
theborg's skärgard) laiche. Meersäugethiere ziehen auch zu-
weilen ia Flüsse hinauf, doch weniger regelmässig, haupt-
sächlich die Fischzüge verfolgend, wie es G. Simpson
(^Narralive of a jouruey round Ihe world Wl — ^42. Aus dem
Engl, Leipzig 1848, 1. p. 219) an Robben im Oregonflusse bis
zu den Slüomschnellen les pctites Dalles beobachtete , ob der
nach E. Roll (in dessen Archiv' des Vereins für Naturkunde
204 V. Martens: Ueber einige Fische und Crustaceen Italiens.
in Meklenburg 10. Heft 1856. p. 73) bei Dessau an der Elbe
erlegte'Seehund auch hieherzu rechnen ist, oder vielleicht ein
durch Menschen Iransportirter und aus deren Gewahrsam ent-
kommener war, blieb bei der grossen Entfernung vom Meere
für den vereinzelten Fall zweifelhaft.
Der überwiegende Reichlhum des Meeres erklärt sich
neben seiner bedeutenderen Ausdehnung durch seine gleich-
massiger bleibende Temperatur. Die süssen Gewässer ver-
halten sich hierin zu ihm, wie Continental- zum Insularklima,
ihr Temperaturwechel ist das Haupthinderniss ihrer Bevölke-
rung, das in den kälteren Zohnen durch Gefrieren sein Ma-
ximum erreichl, mit der Zunahme der Temperatur nimmt die
Süsswasserbevölkerung zu , in der subtropischen Zone noch
gehemmt durch theilweises Austrocknen. In der Tropenzone
nähern sich die Temperaturverhältnisse der süssen Gewässer
am meisten denen des Meeres und damit auch die Bevölke-
rung derselben.
Erklärung der Abbildungen.
Tafel IX. Fig. 1. Atherina lacustrisBp. vom Albanersee von der Seite.
« » « 2. „ „ ,, » von oben.
„ „ „ 3. Blennius vulgaris PoUini vom Gardasee.
„ „ „ 3a. Dessen Gebiss.
„ „ „ 3b. Gebiss des Bl. vulgaris var. (anticolus Bp.) vom
Albanersee , abnorm die Zahl der Zähne ungleich.
„ „ „ 4. Gobius fluviatilis Bonelli ? von Padua.
„ „ „ 4a. Dessen Gebiss.
„ „ „ 4b. Eine Schuppe desselben.
„ „ „5. Derselbe Fisch von unten.
„ „ „ 5a. Dessen vereinigte Bauchflosse.
ü „ „ 6. Leuciscus alburnellus Filippi vom Gardasee.
„ „ „ 6a. Schlundluefcrzähne desselben.
Tafel X. Fig. 1. Palaemon lacustris M. vom Gardasee.
2. „ Kopf von oben.
3. ^ - „ Fühler des ersten Paares.
4. „ „ „ „ zweiten Paares.
5. jj „ Fuss des ersten Paares.
n n
)i n
„ „ 6. „ „ « » zweiten Paares
„ „ 7. „ „ „ « dritten Paares.
n n
n
8. ^ „ mm' fünften Paares.
9. „ „ Schwanzflosse.
„ 10. Sphaeroma fossarum M. von Foro Appio in den
pontinischen Sümpfen,
j, 11. „ „ Fühler des ersten Paares.
12. „ „ „ „ zweiten Paares.
Weitere mittlieilung^eii über die eiiiiieiitii«
sehen Cyelopideii.
Von
Dr- C* Claus
in Giessen.
(Hierzu Taf. XI.)
Die Untersuchungen, die ich im vergaflgenen Jahre über
Bau und Organisation der Cyclopiden begonnen halle, soll-
ten zu einer genauem Kennlniss der Formverhällnisse die-
ser Geschöpfe hinführen und zugleich Anhaltspunkte bie-
ten, die schon längst als nolhwendig erkannte Zcrlheilung
von Cyclops quadricornis in verschiedene Arten auszufüh-
ren. Wenn es mir nun, wie ich glaube, geglückt ist, eine
Anzahl in sich abgeschlossener Lebensformen aus der Reihe
jener Thiere zu sondern und auf Grund bestimmter , stets
wiederkehrender Eiffcnthümlichkeiten als neue Arien zu be-
schreiben, so konnte ich mir doch nicht im Enlfernlesten
einfallen lassen, die zoologische Kenntniss jener Geschöpfe
bis zu einem bestimmten Abschlüsse gebracht zu haben, zu-
mal ich ja nur an wenigen Lokalilälen, und nicht einmal das
ganze Jahr hindurch, sondern nur im Sommer und Herbst, be-
obachtet hatte. Es wird daher nicht befremden können ,
dass ich jetzt, nachdem ich auch im Winter und Frühling
Gelegenheit fand, die Unlersuchungen forl-zusetzen, eine An-
zahl neuer Species hinzuzufügen im Stande bin.
Man sollte allerdings vermulhen, dass alle Arten unse-
rer kleinen Geschöpfe bei so geringen Lebensbedürfnissen zu
jeder Zeit und in gleich günstigen Zahlenverhältnissen zu
finden seien , dass das Auftreten der einzelnen Species wohl
206 C 1 a u s t
an bestimmte Gegenden, weniger aber an verschiedene Jah-
reszeilen gebunden sei. Indess entliält jede Jahres-
zeit ihre eigenen Formen, freilich nicht aus-
schliesslich, aber doch in vorwiegender An-
zahl und Entwickelung. Während ich im Sommer Cy-
clops brevicornis, tenuicornis, auch hiir und wieder serrulatus,
coronalus, Leuckarti, canlhocarpoides, pennatus beobach-
tete , fand ich im Herbst C. coronatus , Leuckarti , serrulatus
in grösserer Mengö und zuWeileh auch €yc!ops brevicaudatus,
eine Species, die zur Winterzeit in den Gräben der Gies-
sener Umgegend fast ausschliesslich sich zeigte. Ende Februar
und im März traten massenhaft die neu beobachteten Arten auf,
die zugleich mit Cyclops serrüfattiö, brevicaudatus und Cyclo-
sine Castor die Gewässer belebten ; allmählich stellten sich auch
die Species coronatils, tenuicornis ein, die früheren verschwan-
den, und die Fauna des Frühjahrs näherte sich der des Som-
mers mehr und mehr *). Aber auch auf die relative Menge
beider Geschlechter übt die Jahreszeit einen unverkennbaren
Einfluss aus, und ich kann der Beobachtung Zenker's,
das zahlreichere Auftreten der Daphnienmännchen im Winter
betreffend, auch eine ähnliche über die Cyclöpiden hinzufü-
gen. Während nämlich im Sommer die Zahl der Weibchen
ganz bedeutend die der Männchen überwiegt und man oft
förmlich suchen muss, um einiMännchen aufzufinden, tritt im
Winter ein weit günstigeres Verhältniss für letztere ein. Ob-
wohl die Menge der auftretenden Cyclöpiden natürlir.h in
Folge der ungünstigen Lebensverhältnisse bedeutend redu-
cirt ist, kann man doch mit Bestimmtheit behaupten, dass
die Zahl der vorhandenen Männchen im Winter sogar ab-
solut grösser ist, als im Sommer. Worauf diese Abwei-
chung beruht, lässt sich kaum sicher entscheiden, es liegt
*) Ich möchte jedoch merae Behauptung nicht so verstanden
wissen, als ob die in der bestimmten Jahreszeit von mir nicht gefunde-
nen Arten überhaupt auch nicht vorhanden seien; im Gegentheile ist
CS mir wahrscheinlich, dass Vertreter jeder Species zur Arterhaltung
stets existiren und nur bei ungünstigen Bedingungen auf eine sehr
geringe Zahl zurücksinken, so dass sie dann leicht der Beobachtung
entgehen.
Weitere Mitlheilungen über diö feinheimischcH'Cyclopiden. 207
aber die Vermuthung' nahe, dass die Weibchen den Störun-
(Ton , welche die eintretende Kälte selbst im Haushalle der
kleinsten Geschöpfe hervorruft, geringeren Widerstand leisten
und weit mehr zu Grunde gehen, als die Männchen. Möglich
ist es auch immerhin, dass die Bedingungen, «nlor denen
die Embryonen sich zu männlichen Cyclopiden entwickeln,
zu dieser Zeit vorzüglich erfüllt sind , dass überhaupt ein
nolhwendiger Zusammenhang der hervoTgehobcncn Eigen-
Ihümlichkeit mit der Erhaltung der Art besteht.
Die neuen Arten sind folgende ;
1. Cyclops gigas n. sp. (Fig. 1 bis 5.)
Antennae primi paris septendecim ^articulatae, annulum
secundum corporis minime superantes. Pedes quinti
paris bisetosi. Furca in longitudinem extensa , ultima
tria abdominis segmenta aequans»
Long. fem. 5,5mm.
Bei weitem die grössle aller bei uns einheimischen Ar-
ten, durch ziemlich massigen Bau aller Körperlheile ausge-
zeichnet. Die Antennen des ersten Paares sind etwas mehr
gestreckt, als die von Cyclops brevicornis und an ihrem End-
Iheile bedeutend schmaler als an der Basis. Die Kauwerk-
zeuge tragen schwach befiederte Anhänge und sind kräftig
entwickelt. Besonders in die Länge gezogen erscheint der
innere Maxillarfuss (Fig. 3}. Die Oberlippe (Fig, 1) trägt am
Rande 10 ziemlich unregelmässig gestaltete Zähncben und
über denselben auf der oberen Seite einen Besatz langer
Haare. Das rudimentäre Füsschen (Fig. 2) gleicht dem von
Cyclops brevicornis; ebenso wie dort ist das zweite, innen
hingelenkte Glied sehr wemg entwickelt und nur mit einer
Borste und am inneren Rande mit einem kleinen Hälichen als
Andeutung einer zweiten Borste versehen. Das erste und
zweite Abdominalsegment ist beim Weibchen zu elftem oben
nur wenig erweiterten, fast cylindrischen Gliede von glei-
chen Längs- und Querdurchmessern verschmolzen. Am un-
teren Verbindungsrande dieses und der folgenden Segmente
sitze« kleine Zähnchen auf, die nur an dem des letzten
Gliedes fehlen ; statt ihrer finden sich aber an der genannten
Stelle feine Spitichen, ähnlich wie sie Cyclops brevicornis
208 Clau8i
an gleichem Orte trägt. Ueberhaupt stimmt der Körperbau
unserer Art mit dem der erwähnten Species in vielen Stücken
überein ; wenn wir indess schon in der ausserordentlichen
Grössenverschiedenheit, wie in der Bildung der ersten Anten-
nen genügende Unterscheidungsmerkmale finden, so ist es noch
besonders die Gestaltung der Furca, die eine Verwechselung
mit jener Art unmöglich macht. Die Furca ist hier sehr ge-
streckt und erreicht fast die Länge der drei letzten Abdo-
minalsegmente. Von den vier Schwanzborsien ist die äus-
sere jederseits die kürzeste, etwa von der Länge der Furca,
und wird von der innersten um das Doppelte überlroffen.
Von ziemlich gleicher Grösse sind die beiden mittleren, die,
ebenso wie die anderen nur schwach gefiedert, die Länge des
Abdomens wiederholen. Die Körperfarbe ist braun, in Folge
der ebenso gefärbten Dottermasse; die Eier sind licht grün,
die Embryonen sehr hell und durchsichtig.
2. Cyclop s furcifer n. sp. (¥ig, \A — 16).
Antennae primi paris septendecim-arüculatae, tenues, pri-^
mum corporis segmentum magnitudine disünctum parum
super anies. Pedis rudimentarii internus* annulus seta et
hamulo praeditus. Furca tenuiSy longa.
Longit. fem. circ. 3mm.
Diese stets rölhlich gefärbte, im Frühjahre ziemlich häu-
fige Art, zeichnet sich durch dünne und zugleich nicht sehr
in die Länge entwickelte Antennen aus , denen ein ebenfalls
schmächtiges zweites Antennenpaar folgt (Fig. 16). Die Kie-
fer und Füsse sind lang gestreckt mit nur schwach befieder-
ten Anhängen versehen. Das rudimentäre Füsschen (Fig. 14)
bildet gewissermassen einen üebergang zwischen den bei-
den Species gigas und brevicaudatus, indem das kleine Häk-
chen, welches sich dort am inneren Ringe findet, bei un-
serer Art in eine Spitze umgebildet ist und endlich bei Cycl.
brevicaudatus die Gestalt einer Borste angenommen hat. Das
erste und zweite Abdominalsegment ist zu einem fast cylin-
drischen, oben kaum erweilertehi Gliede verschmolzen, das
an Länge den drei folgenden Segmenten gleich kommt, von
der dünnen, ausserordentlich schlanken Furca indess noch
I
Weitere Mittheilungen über die ciniieimischen Cyclopiden. 209
um Einiges überlroffen wird. Diese trägt dünne, mit langen,
aber sehr feinen Härchen besetzte Schwanzborsten, deren
nähere Gcstaltungsverhällnisse die Fig. 15 deutlich macht.
3. Cyclops bicuspidatus n. sp. (Fig.öu. 7.)
Antennae primi paris septendecim^articulatae, breves. Fe-
dis rudimentarii annulus secundus tenuis , in longitudi-
nem exlensus, bisetosus. Seta in interno longae furcae
margini adhaerens, brevissima,
Longit. fem. 2mm.
Die grossen Antennen dieser kleinen, niedlichen Art
sind von unbedeutender Länge und yiel gedrungener gebaut,
als die von Cyclops Leuckarli , mit der eine Verwechse-
lung wegen der gleichen Grösse wohl möglich wäre. Ein
sicheres Unterscheidungsmerkmal bietet uns auch hier das
rudimentäre Füsschen, so wie nicht minder die Furca mit
ihren Schwanzborsten. Während ersleres bei jener Species
ein sehr breites Basalslück besitzt; dem sich ein kurzes nur
«ine Borste tragendes tJlied anschliesst (Fig. 17), ist dasselbe
bei unserer Art durch ein schmales und gestrecktes Dasalglied
und ein langes , sehr dünnes mit zwei Borsten versehenes
inneres Glied ausgezeichnet (Fig. ö). Die Furca, welche dort
das letzte Segment kaum um das Doppelle überragt , erlangt
hier fast die vierfache Länge bei viel geringerem Durchmes-
ser. Unter den Schwanzhorsten ist die innere die kürzeste
und ebenso wie die äussere als kleine haarförmige Spitze
entwickelt. Von den zwei mililern viel stärkern ist die innere
am grössten und kommt dem Abdomen an Länge gleich
CFig. 7).
4. Cyclops insignis n. sp. (Fig. 8 — 12).
Antennae primi paris quatuordecim - articulatae , tenues.
Corpus elongatum magna praeditum furca, Pedes ma-
xiltarii magnopere extetisi setis frequentissiine ciliatis
instrucli,
Longil. paene 4inm.
Wenn die Species Cyclops serrulalus mit Rücksicht auf
die ersten Antennen desshalb eine besondere Beachtuno- ver-
o
Archiv f. Naturgesch. XXIII. Jahrg. I lld. | ^
210 Claus: Weitere Mittheilungen über die Cyclopiden.
dient, weil die Theilung des 8len langgestreckten Gliedes in
vier und die des 9ten ebenfalls bedeutend entwickelten Ringes
in drei Glieder mit der letzten Häutung nicht mehr zu Stande
kommt, so ist die vorliegende Art dadurch ausgezeichnet, dass
die Trennung des 9. Ringes wohl eintritt, die des 8. aber in
allen Fällen unterbleibt und nur durch das Vorhandensein der
betreffenden Borsten gewissermassen angedeutet erscheint. So
trefTen wir denn in den langgestreckten, ziemlich dünnen ersten
Antennen nur 14 Glieder an, die übrigens mit Berücksichtigung
der erwähnten Abweichung das bekannte Grössenverhällniss
zeigen (siehe Fig. 10). Ein ausgezeichnetes Merkmal findet
sich in der Gestalt der Maxillarfüsse, die im Ganzen sehr ent-
wickelt und mit langen , stark befiederten Borsten versehen
sind. Das Nähere lässt sich an den Figuren 11 u. 12 ersehen.
Das rudimentäre Füsschen (Fig. 8) charakterisirt sich durch
ein mit einer langen Endborsle und einer kürzeren starken
Seitenborste besetztes inneres Glied. Das erste Segment des
langgestreckten Abdomens ist ausserordentlich in die Breite
aufgetrieben und durch weit klaffende Oeffnungen zum Aus-
tritte der Eierschläuche ausgezeichnet. Ziemlich scharf ab-
gesetzt vom zweiten Abdominalsegmente , welches ebenso
wie die folgenden cylindrisch geformt ist, schliesst es die
breite in zwei flügeiförmige Seitenfortsätze ausgezogene Kill-
drüse ein. Die Furca ist mächtig entwickelt, etwa von der
Länge der drei vorhergehenden Abdominalringe und trägt
auf der Dorsalseite eine sich über die ganze Länge erslrek-
kende Firste. Die stark befiederten Schwanzborsten zeigen
ein Grössenverhällniss, wie sich aus Fig. 9 erkennen lässt.
Versuch einer systeitiatiselien iliuseinaii-
dersetzung: der CKattuiig^eii Euitiorphus W^eb«
und Encloiuyclius Payk«
Von
l>r. A, Oerstaecker
in Berlin.
Seit längerer Zeit mit einer monographischen Bearbei-
tung der Familie Endomychidae Leach beschäftigt, sehe
ich mich veranlasst, einen Theil derselben, der bereits ab-
geschlossen vorliegt, vorläufig in kurzem Abrisse zu veröf-
fentlichen, hauptsächlich aus dem Grunde, um den nach um-
fassenden Untersuchungen von mir festgestellten Galtungen
und Arten die Priorität des Namens zu sichern. Die Erfah-
rung hat es zu wiederholten Malen gelehrt, dass die Verfasser
monographischer Arbeiten, sobald ihr Vorhaben bekannt wird,
durch kurz zuvor in die Welt geschickte Beschreibungen ein-
zelner Arten, denen dann in der Regel gerade das mangelt,
worauf es vorzüglich ankommt, gestört und dadurch gezwun-
gen werden, ihre Arbeit von Neuem zu beginnen. Naturlich
sind es in diesem Falle stets die durch Grösse, Form und
Färbung ausgezeichneten Arten, welche die Ruhmsucht der
Beschreiber am ersten mit Namen zu versehen trachtet, so
dass dem Monographen neben der Zurechtsetzung dessen,
was von seinen Vorgängern versehen worden ist , nur das
Heer der winzigen und schwer zu sichtenden Arten übrig
bleibt. Dies zur Begründung der Veröffentlichung einer Ar-
beit, die zum grössten Theile nur aus kurzen Diagnosen von
Gattungen und Arten besteht; letzlere sind übrigens der Art
212 Gerstaecker:
«bgcfasst, dass eine Bestimmung schon nach ihnen allein in
den meisten Fällen zu ermöglichen sein wird , indem sie
durchweg die charakt erislisch en Merkmale einer Art
und besonders im Gegensalze zu den nächst verwandten
hervorheben. Einzelne Arten sind allerdings stets nur durch
ausführliche , vergleichende Beschreibungen auseinanderzu-
setzen und über diese wird die später zu veröffentlichende
Bearbeitung der Familie Aufschluss geben müssen.
Die Familie der Endomychiden steht durch die Tarsen-
bildunor in der nächsten Verwandtschaft mit den Coccinelli-
nen, mit denen sie auch noch von Latreille (Gen. Crust.
et Insect. IIL p. 71) als erste Gruppe vereinigt wurde. Als
eigene Familie wurde sie später von demselben (Nouv. Di-
ctionn. d'hist. nat. 1817 undFamillcs naturelles du regne animal
p. 406) unter dem Namen Fungicolae und von Leach
(Brevvster*s Edinburgh Encyclopaedia IX. p. 116) unter dem Na-
men Endomychidae abgegränzt. Bekanntlich hat Latreille
in seiner auf die Zahl der Tarsenglieder basirten Eintheilung
der Coleopteren die Coccinellinen und Endomychiden nebst
einigen anderen sehr heterogenen Familien als Trimera be-
zeichnet, in der irrigen Annahme, dass den beiden ersteren
wirklich dreigliedrige Tarsen zukämen. Dass dem nicht so
ist, sondern dass hier deutlich viergliedrige Tarsen vorlie-
gen, hat schon im Jahre 1805 Müller (llliger's Magaz. d.
Insektenkunde IV. p. 218) und nach ihm im J. 1826 Mac
Leay, welchem jene Beobachtung unbekannt geblieben war,
(Transactions of the Linnean society^ XV. 1. p. 70) dargelegt.
Um so weniger ist es zu begreifen , dass von den meisten
Schriftstellern nach jener Zeit, nämlich von Latreille (Fa-
milles naturelles p. 406) , Leach (Edinburgh Encycl. IX.
p. 116), Dumeril (Considerat. gener. sur la classe des In-
sectes p. 197), Newman (Entomol. Magaz. II. p. 420), Ger-
mar (Ersch. u. Gruber Allg. Encyclop. d. Wissensch. Th. 39.'
]).85), ßlanchard (Histoire des Insectes I. p.3l0), dd
Castelnau (HisL nat. d. Ins. Coleopt. IL p. 522) die Tar-
sen jener Familien immer wieder als dreigliedrig angegeben,
werden. Die Betrachtung der Füsse mit einer nur massig
vergrössernden Lupe lässt leicht zwischen den seitlichen Lap-
pen des grossen zweiten Gliedes das kleine dritte, welchesj
Vers, einer syst. Anseinanders. d. Galt. Eumorphus u. Endomychus. 213
dem langgestreckten Endgticcie vorhej*gelit, erkennen und die
tetramerische DeschafTenheit der Füsse ausser Zweifel treten.
Dass in sofern auch der allgemein gebräuchliche Gruppen-
name „Trimera" durchaus unangemessen ist , um so mehr,
als die Lathridier, zu denen Dasycerus Brongn. und Hido-
paramecus Curt. gestellt werden muss, wirklich dreigliedrige
Tarsen haben und al^o jenen Namen mit viel grösserem
Rechte für sich in Anspruch nehmen könnten , versteht sicli
von selbst. Schon Westwood hat dies eingesehen und
(Inirod. to the mod. classif. of Insects I. p. 390) die Lalreil-
le'sche Benennung in^Pseudolr imcra'' umgeändert; in
Betracht dass die in Rede stehende Fussbildung sich nur als
eine Modifikation der tetramerischen , wie sie bei den Cur-
culioncn, Cerambyciden und Chrysomelinen auftritt, zu er-
kennen giebl, möchte der Name Cryplotelramera der
bezeichnendste sein.
üebrigens wird weder bei den Coccinellinen noch bei
den Endomychiden diese cryptotetramerische Fussbildung aus-
schliesslich angetroffen; unter letzteren ist sie vielmehr nur
dem Hauptstamme der Familie, die ich als Endomychi-
dae genuin i bezeichnen werde, eigenthümlich, verschwin-
det dagegen bei einer kleinen, sich jener ersten in der Go-
sammtbildung des Körpers eng anschliessenden Gruppe, wel-
che die Gattungen Leicstes Redt., Rhanis LeConte, Phyma-
phora Newm. , Trochoideus Westw., Mycetaea Stcph. und
Symbiotes Redt, umfasst, und welche ich unter dem Natneu
Endomychidae adsciti begreife. Im Grunde kann man
die Fussbildung der letzteren kaum als wesentlich verschie-
den von derjenigen der eigentlichen Endomychiden bezeich-
nen, sondern es findet nur eine Modifikation dahin stall, di^ss
das zweite Glied in seiner Entwickelung zurückbleibt uml
daher das dritte, welches hier im Gegentheile deullicher her-
vortritt , in weit geringerem Grade umschliesst. — Was die
Coccinellinen anlangt, so ist es die Galtung Lilhophilus Frölil.,
welche zu Coccinella gerade in demselben Verhällnisse sieht,
als z. B. Leiestes zu Lycoperdina ; welche Stellung auch im-
mer dieser Gattung von den verschiedenen Autoren ange-
wiesen worden ist, so kann sie nirgends naturoeuiässcr als
unter den Coccinellinen untergebracht werden, mit denen sie
214 Gerstaecker:
in der Mundbildung, ider Einlenkung der Fühler und der
Schenkelgrube des Melalhorax und ersten Abdominalringes
vollkommen übereinstimmt.
Bei der Feststellung der Familien-Charaklere der En-
domychiden wird es hauptsächlich nothwendig sein , einen
scharfen Gegensatz gegen die ihnen am nächsten stehende
Coccinellen- Familie hervorzuheben, wie ich ihn in der fol-
genden Diagnose zu geben versucht habe.
Familia Endomychidae.
Coleoptera cryplolelram era aut telramera,
capite ante oculos constricto, prolongalo, an-
tennis frontalibus, elongatis, haud retractili-
bus, palpis maxillaribus articulo ultimo subcy-
lindrico; coxis anticis globosis, p ed i bus ple -
rumque elongatis, gracilibus, unguiculis sim-
plicibus, epimeris rhomboideis, parapleuris an-
tice oblique productis, metas ter no a bdominis-
qua segmento primo foveis femoralibus nullis.
Die Familie zerfällt nach der Tarsenbildung in zwei
HauptgruppeUj nämlich:
1. Endomychidae genuini. Tar so r um arti-
culo secundo triangulari, dilatato, ter-
tium minutissimum includente.
2. Endomychidae adsciti. Tarsorum arti-
culo secundo parum dilatato, tertio
1 i b e r 0.
Der ersteren Gruppe gehören die beiden im Folgcndei
auseinandergesetzten Unterabtheilungen , welche den altei
Gattungen Eumorphus und Endomychus entsprechen , an.
Tribus Eumorphini.
Antennarum articulus tertius elongatus
clava dilatata, compressa. Maxillaru
lamina externa acuminata, antrorsu
membranea.
Vers, einer syst. Auseinanders. d. Gatt. Eumorphua u. Endomychua. 215
Die Gallungen dieser Gruppe enlhallen die grösslen und
schönslen Arten der ganzen Familie und sind auf die Tro-
pengegenden Asiens, Afrilias und Süd -Amerikas besckränkt;
mit Benutzung itirer wesentlichsten Charaktere lassen sie sich
in folgende analytische Tabelle bringen.
I. Palpi labiales articulo ultimo Iransverso.
A. Prosternum latum, apicc furcatum . . . Amphisternus.
B. Prosternum anguslum, apice integrum, coxas
retrorsum superans.
1. Mandibulae intus unidentatae, apice truncato.
a. Mandibulae apice longissimo, antennarum
clava solida Spathomel cg.
b. Mandibulae apice brevi, antennarum clava
perfoliata Engonius.
2. Mandibulae intus unidentatae , apice fisso Trycherus.
3. Mandibulae intus haud dentatae.
a. Mandibulae acuminatae Eumorphus.
b. Mandibulae obtusae, rotundatae . . . Pedanus.
C. Prosternum coxas retrorsum non superans.
1. Prosternum aequaliter latum Dioedes.
2. Prosternum inter coxas lineare, vix perspi-
cuum Encymon.
II. Palpi labiales articulo ultimo cylindrico, late
truncato Coryno malus,
III. Palpi labiales articulo ultimo ovato . . . Cymbachus.
!• Ampliisterniis Germar.
Eumorphus Guerin, Thomson.
Prosternum latum, apice furcatum,
Mandibulae apice fisso , dente interno subapicali,
Palpi labiales articulo ultimo transterso.
Femara clavata.
Die Arten sind sämmtlich Bewohner der Sunda - Inseln
und von eigenlhümlichem Habitus, der sie von den verwand-
ten Galtungen leicht unterscheiden lässt. Die Flugeidecken
sind an der Basis stets beträchtlich breiler als der verhäll-
nissmässig kleine Thorax, stark gewölbt, von eiförmigem
Umrisse und nach hinten mehr oder weniger zugespitzt; ihre
Oberfläche mit scharfen Leisten, schwielenartigen Höckern
216 Gerstaecker:
oder lang^en abstehenden Dornen besetzt. Die Schenkel
sind am Ende keulcnarlig verdickt , bei den meisten Arten
sehr langgestreckt , übrigens in gleichem Maasse wie die
Fühler beträchtlichen Längsverschiedenheiten unterworfen. — •
Goschlechtsunlerschiede an den Schenkeln und Schienen sind
nur bei einigen bemerkbar.
Von den 10 hier aufgeführten Arten sind drei bereits
beschrieben, die übrigen neu, sie lassen sich unter folgende
Abtheilungen bringen:
A. Flügeldecken mit scharf erhabener, in einen zahnarligen
Vorsprung endigender Schulterleiste, ihre Oberfläche mit
Tuberkeln und scharfen Leisten besetzt.
a) Fühler und Beine langgestreckt.
1. A. hamatus. Oblongo-ovatus, niger, opacus, ely-
tiis callis tribus corallinis, inlermcdio humerisque alte cari-
natis. Long. lin. 5.
S Tibiis anticis ante apicem dente parvo armatis, Iro-
chanteribus anticis mucronatis, segmento abdomi-
nis ultimo basi biluberculato, apice exciso.
Eumorphus hamnlus Dejean Cal. — Guerin , Iconogr. du
regne animal, p. 316. pl. 50. fig. 7. ($)
Amphisternus inaequalis Germar in Ersch. u. Gruber, All-
gemeine Encyclop. d. Wissensch. 39. Bd. p. 85. ($)
Eumorphus coralUnus * de Haan i. lit.
Patria: Java.
b) Fühler und Beine kurz, gedrungen.
2. A. corallifer. Niger, opacus, elytris forliler
punctalis, carinula ante medium disci alle elevata inslructis:
tuberculis duobus anterioribus , altero basali, altero lalcrali,
maculisque duabus ante apicem Iransverse disposilis coralli-
nis. Long. lin. 3%.
S Tibiis anticis infra medium dente intcrno aculo
armatis.
Patria: Birma.
3.- A. tuberculatus. Thorace lateribus rolunda-
to-ampliato, supra niger, fere opacus, elylrorum carina hu-
merali, tuberculo basali, sutura , margine lalerali, Ihoracis
laleribus , antennarum basi, coxis, femorum basi apiceque
Vers, einer syst. Auseinanders. d. Galt. Euraorphusu. Endomychua. 217
rufo- brunneis, elytrorum tuberculo ante, maculaque post me-
dium auranliiicis. Long. lin. 3y/,.
J Tibiis anlicis infra medium dente brevi armatis.
Amphisternvs luberculalus Germar in Erscli und Gruber
AUgem. Encycl. d. Wissensch. 39. Bd. p. 85.
Palria: Java.
B. Flügeldecken hinter den Schultern und auf der Mitte der
Scheibe mit langen abstehenden Dornen besetzt.
a) Vorderecken des llalsschildes kurz, zugerundet.
4. A. mucronalus. Niger , opacus , Ihorace mar-
gine lalerali reflexo, elytris irrcgulariler slriato-punclatis, tu-
berculo basali maculisque duabus ante apicem sanguineis,
Spina lalerali antica alleraque disci conoidea inslrucUs. Long,
lin. 3%— 4.
J Thorace anguslo, laleribus subreclis.
$ Thorace amplo, anlrorsum rolundato.
Palria: Borneo.
b) Vorderecken des Halsschildes weit hervortretend,
scharf zugespitzt.
5. A. satanas. Scabrosus, cyaneus, nitidus, thorace
Iransverso, angulis anlicis longe mucronalis, elytris luber-
culis duobus, allero pone basin, allero anle apicem, spinisque
qualuor longis, una poslhumerali, duabus basi coniunclis disci,
ullima apicali, inslruclis. Long. lin. 4'/2»
Eumorphus satanas ^ Thomson , Rev. et Magas. de Zoo-
logie 2. ser. T. VllL p. 476. pl. 23. fig. 6.
Palria: Borneo.
6. A. aculealus. Nigro-cyancus, nitidus, forliler ru-
goso-punclalus, Ihorace profunde canaliculalo, angulis anlicis
planis, acuminalis : elytris spinis duabus longissimis , extror-
sum versis , luberculisque duobus , allero basali, allero anle
apicem, inslruclis. Long. lin. 4'/-, — 474.
J Elylris apice singulalim acuminato-produclis.
2, Elytris apice oblique Irunialis.
Palria: Borneo.
7. A. auri culalu s. Obscure cyaneus, fere opacus,
sublililer punclatus, Ihorace obsolete sulcato , angulis anlicis
reflexis, aculissiinis: elylris spinis duabus longissimis (discoi-
218 Gerstaecker:
dali fere reclo) tuberculisque duobus , allero basali , altero
ante apicem, instructis. Long. lin. Syij — ^4.
J Antennarum clava angusla, elylris apice oblique
truncatis.
$ Antennarum clava dilatata^ elytris apice recte
truncatis.
Patria: Borneo.
^"^ 8. A. belli cos US. Niger, opacus , thorace amplo,
angulis anticis acutis , prominenlibus , elylris disperse forli-
terque punctatis, apice mucronatis, spinis duabus validis ar-
matis: tuberculis duobus, altero basali, altero ante apicem,
laete sanguineis. Long. lin. 3 — Sy^.
Patria : Sumatra, Pulo Penang.
9. A. hystric osus. Niger, cyaneo-micans, thorace
anguslo, angulis anticis brevibus, acutis, elytris irregulariler
punctatis, apice breviter mucronatis, spinis duabus (discoidali
conoidea) armatis: tuberculis tribus, uno basali, duobus ante
apicem sanguineis. Long. lin. 3 — 3y^.
var. a. Femoribus rufo-brunneis.
Patria: Borneo, Pulo Penang.
10. A. sp in ic Ollis. Thorace angusto, bispinoso,
niger, fere opacus, femoribus piceis, elytris irregulariler pun-
ctatjs, apice aculeatis, spinis duabus longissimis instructis:
tuberculis duobus, allero pone basin, allero ante apicem ru-
bris. Long. lin. 3.
Eumorphus spinifex de Haan i. lit.
Palria; Sumatra.
2* Spathomeles n. g.
Prosternum angustum, obtuse lanceolatum,
Antennarum clava solida,
Mandibulae intus umdentatae, apice longissimo.
Palpi labiales articulo ultimo transverso,
Femora clavata.
Auch diese Gallung ist auf die Sunda-Inseln beschränkt;
sie steht der vorigen in der Körperform, besonders in der
Vers, einer syst. Auseinanders. d. Gatt. Eumorphus u. Endomychufl. 219
beträchtlichen Wölbung des Hinlerkörpers sehr nahe, unter- .
scheidet sich aber abgesehen von dem merklich plumperen
und gedrungeneren Bau sogleich durch die Bildung des Pro-
sternum , welches hier schmal und nach hinten stumpf lan-
zettlich zugespitzt ist. Besonders bezeichnend für diese Gat-
tung ist die Bildung der Mandibeln, deren Spitze sehr ver-
längert und unter einem rechten Winkel nach innen gekrümmt
ist; der Zahn am Innenrande ist von der Endspitze, welche
gerade abgestutzt ist, weit entfernt. An der Fühlerkeule
sind die drei Glieder eng mit einander verschmolzen. — Die
Geschlechtsunterschiede sind sehr in die Augen fallend; das
Männchen zeichnet sich durch einen hakenförmigen Fortsalz
auf dcrMMte des Rückens und ausserdem durch Zahnung der
Schenkel und Schienen aus.
Die vier hier aufgeführten Arten sind neu und fallen
nach der Bildung des Thorax und der Fühlerkeule zwei Ab-
theilungen zu :
A. Oberfläche des Thorax durch Vertiefungen und Wulste
uneben, Fühlerkeule kurz.
1. Sp. anaglyptus. Oblongus, niger, nitidus, cre- 3 5Öi
bre punclatus, elytris cyaneis, maculis tribus, basali minore
rotundata , intermedia et posteriore magnis, transversis au-
ranliacis. Long. lin. öVj— 6.
J Elytris medio dorso prope suturam spina recurva
armatis, femoribus anlicis tibiisque posticis basi,
tibiis mediis apicem versus dentalis.
var. a. Maculis, elytrorum rufis, maioribus.
Palria: Java, Sumatra, Pulo Penang.
2. Sp. Dohrnii. Oblongus, niger, nitidus, confertim
punclatus, elytris cyaneo-micantibus, fasciis duabus abbrevia-
tis, flexuosis maculaque basali cum fascia anteriore coniuncta
rufis. Long. lin. 52/3 — 6.
S Elylris dorso prope suUiram obtuse hamatis, femo-
ribus anlicis tibiisque posticis basi dentalis, tibiis
mediis ante apicem angulato-dilatatis.
Palria: Sumatra.
3. Sp. decoralus. Oblongus, niger, subnilidus, ely- "^^^j^
Iris cyaneis, callis tribus , uno basali, duobus tranverse dis-
220 Gerstaecker:
posilis ante medium fasciaque ante apicem undulala croceis.
Long. lin. 52/3 — 6.
J Elylris spina dorsali suturae approximala inslruclis,
femoribus anlicis basi, tibiis mediis ante apicem
dentalis.
Patria: Ins. Sundae.
B. Oberfläche des Thorax ohne Vertiefungen und Wulste,
Fühlerkeule langgestreckt.
4. Sp. turritus. Oblongo-ovatus, niger, sublus ni-
tidus, capite thoraceque opacis, elylris cyanescenlibus, macu-
lis duabus rufis, altera ante medium obliqua , altera post me-
dium transversa. Long. lin. 5.
2J Elylris medio dorso prope suturam processu pyra-
midalis cornu recurvum emitlente, inslruclis, tibiis
leviter curvalis, ante apicem angulalo-dilalalis.
Patria: Pulo Penang.
3» Kng^ouius n. g.
Prosternum angustum, apice rotundatum.
Antennarum clava perfoliata,
Mandibulae intus unidentatae, apice brevi,
Palpi labiales articulo ultimo transversa,
Femara subclavata.
Die Arien leben auf Ceylon und den Sunda-Inseln; von
denen der vorigen Galtung unterscheiden sie sich habituell
durch flach gewölbten Hmlerkörper , verhäilnissmässig grös-
seren und besonders breiteren Thorax und kürzere Beine, an
denen die Schenkel nur schwach gekeull sind. Die in der
Diagnose angegebenen Verschiedenheiten der Mandibeln und
der Fühlerkeule bilden ihren wesenllichslen Charakter; an
ersteren ist die Spitze kurz, gerade abgestutzt und der Zahn
des Innenrandes ihr nahe gerückt; lelzlere ist lose geglie-
dert, so dass die einzelnen Glieder deutlich von einander ge-
trennt sind. — Die Geschlechslunlerschiede liegen in der
Zahnung der Vorder- und Mittel-, oder nur der Vorder-
schienen beim Männchen; hiernach lassen sich die sechs bis
Verg. einer syst. Auseinanders. d. Gatt. Eumorphus u. Endomychus. 221
jetzt sämmtlich unbeschriebenen Arten folgendermassen grup-
piren .
A. Beim M&nnchen sind Vorder- und Mittelschicnen gezähnt,
erstere in der Milte des Innenrandes.
1. E. sex gut latus. Oblongus, niger, nitidus, gla- ^ p
ber , thoracis disco lacvigato , elytris violaceo - micanlibus^
maculis tribus rotundatis croceis, intermedio laterali. Long,
lin. 5.
^ Tiblis anterioribus dente interno medio armatis,
abdominis segmenlo ultimo deplanato , apice pro-
funde exciso.
Palria: Pulo Penang.
Q. E. Klugii. Oblongus, niger, subnitidus, glaber,
Ihorace basi subsulcato, elytris cyanescentibus, maculis dua-
bus auranliacis, anteriore obliqua, maiore. Long. lin. 4— 4y2»
J Tibiis anterioribus dente inlerno medio armatis,
abdominis segmenlo ultimo deplanato, apice pro-
funde exciso.
Palria: Pulo Penang. «
3. E. perspicillaris. Oblongo-ovatus, niger, sub- ^,t\/T
nitidus, glaber , thoracis disco leviler convexo, aequali, ely-
tris annulo humerali , ramum internum et posticum emitlente
fasciaque post medium undulala rufis. Long. lin. 4'/2'
% Tibiis anlicis denle medio acuto armatis, mediis
infra dentem parvum profunde excisis: abdominis
segmenlo ultimo late impresso, apice profunde
emarginalo, penultimo Irifoveolalo.
Palria: Java.
4. E. rubropiclus. Oblongus, niger, opacus, Iho-
race maculis sex sanguineis, elytris violacco-micanlibus, prope
suturam obsolete Iricostatis, maculis duabus anterioribus fas-
ciisque duabus sinuatis anguslis auranliacis. Long. lin. 5.
Palria : Borneo.
B. Beim Männchen sind nur die „Yorderschienen und zwar
nahe an der Spitze gezähnt.
5. E. annularis. Oblongo-ovalus, niger, subnitidus,
lusco-pubescens, thoracis disco anirorsum profunde canali-
culalo , elylris annulo humerali anlice aperto fasciaque post
medium irregulari, abbreviala sanguineis. Long. lin. 4— 4'/2.
222 Gerstaecker:
J Tibiis anticis dente apicali bifido armatis, abdomi-
nis segmento ultimo luberculo lato, tricarinato.
Patria: Ceylon.
6. E. lunu latus. Oblongo - ovalus , niger, nitidus,
glaber, thoracis disco canaliculato, elytris cyaneo-micanli-
bus, lunula infrahumerali , retrorsum sinuata fasciaque posl
medium flexuosa abbreviata sanguineis. Long. lin. 4V2.
J Tibiis anticis apicem versus profunde excisis,
dente supra excisionem minuto nee non apicali lato,
bifido armatis, abdominis segmento ultimo tuberculo
angusto, bicarinato.
Palria: Ceylon.
#• Trydierus n. g.
Olenus Dejean Cat.
Prosternum angustum, apice rofundatum,
Mandibulae intus unidentatae, apice fisso,
Palpi labiales articulo ultimo transversa,
Femora haud clavata.
Die Galtung scheint auf das tropische Afrika und zwar
auf die Westküste (Guinea, Senegal) beschränkt zu sein; es
sind Käfer von sehr flach gewölbtem Körper mit kurzen Bei-
nen, deren Schenkel in der Mitte leicht erweitert, an der
Spitze dagegen wieder verschmälert und nicht verdickt sind.
Wie bei Amphisternus ist die Spitze der Mandibeln gespalten
und der deutlich ausgedrückte Innenrandszahn derselben sehr
nahe gerückt; die Mandibeln sind jedoch hier ganz flach,
blaltarlig, mit fast schneidendem Aussenrand. Das Proster-
num ist schmal, an der Spitze leicht abgerundet. Die Form
des Prothorax ist schwankend, indem er an der Basis bald von
der Breite der Flügeldecken, bald beträchtlich schmaler ist.
— Geschlechtsunterschiede sind entweder nur an den Vor-
der-, oder auch zugleich an den Miltelschienen wahrzunehmen.
Nach der Form des Halsschildes sondern sich die fünf,
sämmtlich neuen Arten in folgender Weise:
A. Körper länglich eiförmig, Halsscbild in der Mitte breiter
als an der Basis, mit fast rechtwinkligen Hinterecken.
Vers, einer syst. Auseinanders. d. Gatt. Eumorphus u. Endomychus. 223
1. Tr. bifasciatus. Oblonge - ovatus, ferrugineus,
glaber, subnitidus^ capite^ antennis , thoracis basi punclisque
duobus lateralibus, scutello, elytrorum sutura fasciisque dua-
bus flexuosis, posteriore latissima, pectoris abdominisque la-
teribus nee non pedibus, femorum basi excepta, nigris. Long,
lin. 41/2—5.
S Tibiis anticis apicem versus retrorsum angulato-di-
latatis, antennarum clava lata.
Patria : Guinea, Senegal.
2. Tr. appendiculatus. Oblonge - ovatus^ rufo-
ferrugineus^ glaber^ subnilidus^ capite^ antennis, pedibus ely-
trisque nigris^ bis fasciis duabus abbreviatis sinuatis, altera
ante medium^ altera subapicali flavis: thoracis angulis posti-
cis rectis, antennis elongalis. Long. lin. 5.
J Tibiis anticis apicem versus angulalo-dilatatis, ab-
dominis segmento penultimo appendicibus duabus
erectis triangularibus instructo^ ultimo basi profunde
excavato.
Patria: Guinea.
B. Körper eiförmig, Halsschild an der Basis am breitesten,
mit spitzwinkligen Hinterecken.
3. Tr. erolyloides. Ovatus, ebscure ferrugineus,
glaber, subnitidus, caplte, antennis, pedibus, thoracis disco
punclisque duobus, scutello elytrisque nigris, his fascia un-
dulata, intus abbreviata apiceque late flavis: thoracis angulis
posticis acutis, antennis brevibus. Long. lin. SVa«
Patria: Guinea.
4. Tr. senegalensis. Ovatus, niger, supra glaber,
nitidus, elytrorum fasciis duabus abbreviatis, sinuatis abdomi-
neque rufo-ferrugineis. Long. lin. 472.
J Tibiis anticis retrorsum ante apicem profunde emar-
ginatis, mediis intus cxcisis denteque magno ar-
matis.
Olenus senegalensis * Dejean Catal. 2. edit. p. 439.
Patria: Guinea, Senegal.
C. Körper länglich, fast gleich breit. Hinterecken des Hals-
schildes rechtwinklig; das 4. bis 8. Glied der Fühler
kurz, fast knopiTörmig.
'^^2 Gerstaecker:
5. Tr. tricolor. Oblongus, subparallelus, rufo-Lrun-
neus, nitidus, antennis, femorum apice , tibiis elylrorurnque
macula oblonga nigris, hac fascia sinuata aureo- flava inler-
rupta. Long. lin. 3%-
Patria: Guinea.
5« Eumorplm« Weber.
0
Eumorphus et Olena Castelnau.
Prostenium angustum, lanceolatum.
Mandibulae apice integro, dente interno nullo.
Palpi labiales articulo ultimo transversa,
Femara compressa.
Diese Gattung ist wieder ausschliesslich oslindisch,
hauplsächlich auf den Sunda-Inseln^, ausserdem auch auf Cey-
lon und den Philippinen einheimisch; nur einzelne Arien sind
bisher vom Festlande bekannt geworden. Ihr vvesenllicher
Charakter liegt in der Bildung der Mandibeln, welche bei
allen Arien darin übereinkommen , dass der Innenrand nicht
gezähnt und die Spitze von oben nach unlen gerade abge-
stutzt ist ; dagegen variirt die grössere oder geringere Länge
der letzteren nach den Arten. Diese zeigen in der äusse-
ren Körperform mannigfache Verschiedenheiten; bei den einen,
welche im Ganzen flacher gewölbt sind, ist der Seilenrand
der Flügeldecken erweitert und flach ausgebreitet, Schenkel
und Schienen platt gedrückt, letzlere beim Männchen ge-
krümmt und das erste Paar ausser der Zahnung stark um seine
Axe gedreht; die anderen sind höher gewölbt, von mehr
eiförmigem Umrisse, ohne erweiterten Flügeldeckenrand, die
Beine schlanker, weniger platt gedrückt, die Schienen fast
gerade. — Die Geschlechtsunlerschiede sind überall deutlich
ausgedrückt; stets sind es die Vorder- und zuweilen auch
die Älillelschienen, welche beim Männchen gezahnt sind.
Von den 22 hier angeführten Arten sind fünf bisher
bekannt gemacht worden; sie lassen sich folgendermassen
anordnen :
Vers, einer syst. Auseinanders. d. Gatt. Euinorphus u. Endomychus. 225
A. Flügeldecken mit stark erweitertem Seitenrande , beim
Männchen sich der Kreisform nähernd ; Mittel . und Hin.
terschienen des Männchens stark gekrümmt.
a) Flügeldecken beim Männchen in der Mitte des Rük.
kens bucklig erhöht.
1. E. marginalus. Sublus niger, supra cyaneus, 3i^
fere opacus, elylris maculis duabus subrolundis flavis. Long.
lin. 7—8.
c^ Thoracis angulis posticis aculissimis, elylris sub-
orbicularibus : tibiis antiris dente magno ^ obtuso
armalis.
Eumorphus marginalus ¥^hr. Syst. Eleuth. II. p. 12. no. 2.
— Olivier, Entomol. VI. p. 1065. no. 1. pl. 1. fig. l.
— Cuvkr, Regne animal (ed. Massen) pl. 74 bis, fig. 1.
— Castelnau, Bist. nat. d. Ins. Coleopt. IL p. 522.
Eumorphe de Stimatra Dumeril, Consid. gen. sur la classe
des Insectes, pl. 21. fig. 3.
$ Thoracis angulis posticis oblusis, elylris ellipticis.
Eumorphus rolundipennis * Dejean Cat. 2. ädit. p. 438. —
Chenu, Encycl. d'hist. nat., Coleopt. I. p. 10. fig. 30.
Palria : Java.
2. E. dilatalus. Piceus , subnitidus, thoracis mar- ;^ ^
ginibus elytrorumque basi et sutura rufis, his margine lale-
rali testaceo, disco violaceis, guttis duabus subrolundis flavis.
Long. lin. öyo — öy^.
c^ Thoracis angulis posticis acutis, tibiis anticis dente
longo, acuminato armalis.
$ Thoracis angulis posticis fere reclis.
Eumorphus dilatalus Perty , Observat. in Coleopt. Indiae
Orient, p. 42. ($)
Eumorphus eburalus Dejean Catal. 2. 6d. p. 438.
Patria: Java.
3. E. turritus. Piceus, nitidus, elylris disco melal-
lico-micantibus, maculis duabus subquadratis croceis, margine
laterali apice acuminato. Long. lin. 6 — 673.
c/^ Thoracis angulis posticis aculissimis, tibiis anticis
dente recto , acuto armalis.
Patria : Borneo, Singapore, Pulo Penang.
b) Flügeldecken des Männchens ohne buckelartige Er-
höhung.
Archiv f. Nalursesch. XXUI. Jahrg. 1. Bd. |5
226 Gerslaecker:
^,yl^^ 4, E. quadrino t a tus, Niger, nitidus, elytris vix
cyanescenlibus, maculis duabus magnis subquadratis croceis.
Long. lin. 6 — öy^.
c^ Thoracis angulis posticis acuminatis.
$ Thoracis angulis posticis rectis.
Eumorphus quadrinotalus * Dejeai^ Catal. 2. ed. p. 438.
Patria : Java.
B. Flügeldecken mit weniger erweitertem Seitenrand, in
beiden Geschlechtern von eiförmigem Umrisse; Miltel-
schienen des Männchens stets , Hinterschienen zuweilen
gekrümmt.
5. E. eburatus. Oblongo-ovatus, piceus, fere opa-
cus , elytris disco cyanescentibus , margine pallido , maculis
duabus magnis eburneis , anteriore subquadrato , posteriore
orbiculari. Long. lin. 5.
Patria: Java.
6, E. pol i tus. Oblongo-ovalus, piceus, nitidissimus,
elytris cupreo - micantibus, maculis duabus rotundalis aureo-
llavis , margine laterali retrorsum forlius dilatato. Long,
lin. 5—6.
(/Tibiis anticis dente infra medium valido armatis,
posterioribus arcualis.
Patria: Singapore.
«jx-- 7. E. cyanescens. Oblongo-ovatus, niger, subniti-
dus, elytris cyanescentibus, maculis duabus aurantiacis. Long,
lin. öy'j.
cT libiis anticis dente interno medio triangulari, acuto
armatis, posticis fere rectis: thoracis angulis po-
sticis acuminatis.
Patria: Ins. Philippinae.
8. E. tetrasp ilotus. Ovatus , rufo-piceus, subme-
tallicus , elytris apice obtusis , violaceo-micantibus , maculis
duabus rotundatis flavis. Long. lin. 4y2 — 5.
c/'Tibiis anticis ultra medium crislato-dilalalis, dente
longissimo, curvato instructis, segmenlo abdominis^
ultimo semicirculariter exciso.
var. minor. Dente tibiarum breviore , vix curvato,
elylrorum macula anteriore transversa.
Vers, einer syst. Auseinanders. d. Gatt. Eumorphus u. Endomychus. 227
Eumorphus telraspilotus Hope in Griffith, Animal Kingd.
pl. 60. flg. 6. (^)
Palria : Pulo Penang.
9. E. austerus. Oblongo-ovalus, sublus nig^er, supra g t
piceus, opacus, elytris violaceo-micantibus, maculis duabus
rotundatis croceis , anlennarum articulo primo femorumque
apice laete corallinis. Long. lin. 5— öVj.
(^ Tibiis anticis dente interno medio aculissimo.
Palria : Birma. \^ ^^'
10. E. CO 1 um bin US. Oblongo-ovalus , piceus, niti- 3J
dus, elylris disco aeneo- micanlibus, maculis duabus rotun-
datis flavis : capile, anlennarum articulo primo, thoracis ely-
trorumque marginibus, coxis, Irochanteribus, femorum apice
tarsisque rufis. Long. lin. 5 — 6.
c/ Tibiis anticis dente triangulari lato, acuto armalis,
abdominis segmento ultimo' profunde exciso.
Eumorphus columbinus Reiche i. lit.
Patria: Java.
11. E. oculatus. Oblongo-ovalus, piceus, nitidus, 3.
etylris disco violaceo-micantibus, maculis duabus transversis
flavis : capile , anlennarum arliculis duobus primis , thoracis
elylrorumque marginibus nee non pedibus, rufo-testaceis, fe-
moribus tibiisque fusco-annulatis.
cT Tibiis anticis dente angusto , acuto armalis, abdo-
minis segmento ultimo apice integro.
Eumorphus oculatus * v. d. Linden i. lit.
Eumorphus laetus de Haan i. lit.
Patria: Java.
C. Flügeldecken ohne erweiterten Seitenrand, höher ge-
wölbt, von eiförmigem Umrisse.
a) Beim Männchen sind die Vorder'- und Mittelschienen
an der Innenseite geeähnt.
12. E. quadrigutlatus. Oblongo - ovatus , niger,
fere opacus, elytris cyanescentibus, maculis duabus transver-
sis flavis, anteriore maiore: Iho'Vace deplanato, subopaco.
Long. lin. 4 — 5.
cT Tibiarum anlicarum dente supra medium orlo, ad-
iacente: abdominis segmentis ultimis medio rufo-
pilosis.
228 GerStaecker:
Erotylns quadriguttatus * lUiger in Wiedemann, Archiv f.
Zool. und Zoot. I. 2. p. 124. no. 18. Taf. I. fig, 4.
(1800).
Eumorphus Sumatrae Weber, Observat. entom. p. 59. (1801.)
— Illiger, Magaz. f. Insektenk. I. p. 246.
Eumorphus immarginatus Fabr. Syst. Elenth. II. p. 11.
no. 1. (1801.) — Illiger, Magaz. f. Insektenk. III. p. 160.
— 'Olivier, Enlom. VI. p. 1065. no. 2. pl. 1. fig. 2. —
Latreille, Gen. Crust. et Insect. Tab. XI. fig. 12. —
Schönherr, Synon. Insect. II. p. 329. no. 1.
Palria : Sumatra, Java.
1^ 13. E. pulchripes. Oblongo-ovatus, niger, subniti-
dus, elytris cyanescentibus, maculis duabus transversis, flavis :
femoribus basi excepta carallinis. Long. lin. 4»/, — 5.
cT Tibiarum anticarum dente supra medium orlo, ad-
iacente: abdominis segmentis ultimis medio rufo-
pilosis.
Patria : Ceylon.
14. E. convexicollis. Oblongo-ovalus, niger, ni-
tidus, elytris cyanescentibus, maculis duabus transversis fla-
vis: thorace convexo, nilido. Long. lin. ö'/a— öV^.
(^ Tibiarum anticarum dente medio, distante , abdo-
minis segmentis duobus penultimis pilis erectis
nigris.
Eumorphus confusus Dejean i. lit.
Patria : Ins. Philippinae.
b) Beim Hlännchen sind nur die Yorderschienen an der
Innenseite gezähnt.
15. E. alboguttatus. Oblongo-ovatus, niger, niti-
dus, elytris aeneo-micantibus, maculis duabus magnis flavis,
rotundato-quadratis: thorace parum convexo, angulis posticis
acuminatis. Long. lin. 4y2— 5.
(^ Tibiis anticis rectis, infra medium dente acuminalo
armatis. »
Eumorphus alboguttatus * de Haan i. lit.
Eumorphus 4maculatus Dejean Catal. 2. edit. p. 438.
(i)Eumorphus Sumatrae Castelnau, Hist. nat. d. Ins. Coleopt.
II. p. 522.
Patria: Java.
Vers, einer syst. Auseinanders. d. Gatt. Eumorphus u. Endomychus. 229
16. E. consobrinus. Oblongo-ovatus, niger, niti-
dus, elytris vioIaceo->micantibus, niaculis duabus rotundato-
quadratis tcstaceis : thorace convexo, angulis posticis acutis-
simis. Long. Jin. öYj.
d^ Tibiis anticis curvatis, dente raedio aculissimo ar-
matis, ante apicem profunde excisis.
Patria: Java.
17. E. sybarila. Oblongus, niger, nitidus, elytris
cyanescentibus, maculis duabus aurantiacis, anteriore trans-
verso, posteriore rotundato. Long. lin. 5 — 6.
cT Tibiis anticis dente medio acutissimo armatis, ante
apicem profunde excisis.
Patria: Singapore.
18. E. bipunctatus. Oblongo-ovatus, niger, niti-
dus, elytris albidis, basi, sutura, margine externo niaculisque
duabus mediis, tran^verse disposilis nigris. Long. lin. 4V2.
(^ Tibiis iinticis dente medio tenui, distante: abdomi-
nis segmento ultimo triangulariter exciso.
Eumorphus bipunctatus Perty, Observat. in Coleopt. Ind.
Orient, p. 42.
Eumorphus <im(u<ftis de Haan, Dejean Catal. 2. ed. p. 438.
Patria: Java.
19. E. assamensis. Oblongo-ovatus^ niger, sub-
nitidus , thorace lato , longitudinaliter sulcato , elytris hume-
ris carinatis, supra disperse punctulatis, maculis duabus Irans-
versis, calloso-elevatis flavis. Long. lin. 4.
</ Tibiis anticis dente medio acuto armatis, ante api-
cem carinatis.
Patria: Assam.
20. E. s üb gut latus. Oblongo-ovatus, niger, opa-
cus, thorace angusto , basi sulcato , elytris carina humerali
elevata , gutlis duabus subrotundis flavis , callosis. Long,
lin. 3y3.
Eumorphus subguttalus * de Haan i. lit.
Patria: Java, Singapore.
21. E. carina tus. Oblongo-ovatus, rufus, fere opa-
cus, antennis , tibiis elytrorumque villa lata nigricantibus:
thorace ante medium angulato - dilatalo , basi apiceque alte-
230 i '>x^^ (nhftd .u f^.- Gerstaecker:
nualo, disco subsulcato: elylris carina humerali alte elevala,
maculis duabus aureo - flavis , anteriore obliqua , posteriore
rotundata. Long. lin. 3%.
Eumorphus guttatus * de Haan i. lit.
Patria: Java.
22. E. coloratus. Oblonge - ovatus , rufus, opacus,
antennis basi excepta, tibiis elytrorumque vitta lata nigrican-
libus: thorace lateribus leviter rotundato, disco vix sulcato,
elytris carina humerali obsoleta, maculis duabus aurantiacis,
anteriore transversa, posteriore rotundata. Long. lin. 3%.
var. a. Thoracis elytrorumque disco nee non femo-
rum basi nigricantibus.
Palria: Java.
6. JPedanius n. g.
Eumorphus Dejean.
Prosternum angustum, apice rotundatum,
Mandibulae obtusae, late rotundatae.
Palpi labiales articulo ultimo transverso.
Femora simplicia.
Diese Gattung umfassl einige kleine Ostindische Arten
von flachgewölbtem Körper, kleinem quadratischen Halsschilde
mit schwach hervortretenden und daher den Kopf kaum ein-
schliessenden Vorderecken und massig entwickelten 13einen,
welche sich durch die Bildung der Mandibeln von allen übri-
gen Eumorphiden- Gattungen sehr auffällig unterscheiden.
Dieselben endigen nämlich nicht in eine dünne, nach innen
gerichtete Spitze, sondern sind sehr kurz und am vorderen
Ende abgestumpft und breit abgerundet ; ihr Aussenrand ist
an der Basis stark verdickt, flacht sich jedoch nach vorn
allmähiig ab, so dass er am Ende schneidend scharf er-
scheint. — Geschlechtsunterschiede zeigen sich an den Mil-
telschienen, welche beim Männchen gezähnt sind.
Die drei aufgeführten Arten sind neu:
1. P. quadrilunalus. Nigro-piceus, punctalus, sub-
nitiduS) thorace transverse quadrato, elytris subtiiiter puncta-
Vers, einer syst. Auseinander», d. Galt. Eumorphus u. Endomychus. 231
lis, cyaneis, macuMs duabus flavis: anlennarum clava angu-
sla. Long. lin. 2V2--3V2.
^ Tibiis mediis inlus dente parvo arrnatis, abdominis
segmento ultimo apice emarginato.
Patria : Pulo Penang.
2. P. affinis. Nigro-piceus , punctatus , subnitidus,
Ihorace hasi apiceque dilalato, elytris crebre forlilerque pun-
ctatis, viridi- cyaneis, maculis duabus magnis aurantiacis: an-
tennarum clava latiore. Long. lin. 3%.
Palria: Borneo.
3. P. Westermann i. Nigro-piceus, punctatus, sub-
nitidus, elytris cyanescentibus^, fasciis duabus abbreviatis, fle-
xuosis aurantiacis, anteriore humerum includente. Long. lin-Sy^.
c^ Tibiis mediis intus dente parvo arrnatis, abdominis
segmento ultimo apice emarginato.
Eumorphus Weslermanni '^ Dejean Catal. 2. 6d. p. 438.
Patria: Jav^.
Vielleicht gehört dieser Gattung ebenfalls eine mir un-
bekannte Art: Eumorphus Schneider! Schönherr, Sy-
nonym. Insect. IL p. 329. no. 4 an.
7. Dioedes n. g.
Aploscelis (Chevr.) Dejean. — Eumorphus Klug.
Prosternum angustum^ truncatum, coxas retrorsum
non superans.
Mandibulae intus unidentatae, apice integro,
Palpi labiales articulo ultimo transverso,
Femora subclavata, compressa.
Eine auf Madagascar beschränkte, bis jetzt nur zwei
Arten umfassende Galtung, bei der das Prosternum nicht nach
hinten über die Vorderhüften hinaus verlängert, sondern zwi-
schen diesen abgestutzt ist; es legt sich daher auch nur ge-
gen den Vorderrand des Mesosternum an und nicht, wiii sonst,
auf dasselbe auf. Die Bildung der Mandibeln ist ähnlich wie
bei Engonius; sie haben nämlich einen Zahn am Innenrande,
welcher der senkrecht abgestutzten Spitze nahe gerückt ist.
232 Gerstaecker:
Die Beine sind ziemlich langgestreckt, die Schenkel gegen
die Spitze verdickt, aber dabei zusammengedrückt. — Ge-
schlechlsunterschiede zeigen die Vorderschienen, welche beim
Männchen entweder mit einem kurzen Haken an der Spitze
besetzt oder winklig erweitert sind.
1. D. atratus. Niger, subnitidus, thoracis angulis
anticis acutis , elytris concoloribus, subtililer coriaceis. Long,
ling. 5 — 6.
c^ Elytris retrorsum dilatatis, depressis, lateribus ob-
tuse carinatis , tibiis omnibus elongatis, anticis
unco terminali lato, truncato, poslerioribus curvatis.
$ Elytris convexis, acuminalo-ovatis, tibiis omnibus
simplicibus.
Eumorphus atratus * Klug, Coleopt. v. Madagascar p. 126.
no. 210. Taf.V. fig.l2. ($)
Patria : Madagascar.
2. D. columbinus. Oblongo-ovatus, niger, sub-
nitidus, thoracis angulis anticis obtusis, elytris violaceis vel
aurichalceis. Long. lin. öVj.
^ Tibiis anticis ante apicem angulato-dilatatis, poste-
rioribus leviter arcuatis.
Patria: Madagascar.
9. Encymon n. g.
Prosternum inter coxas lineare,
Mandibulae breves, intus unidentatae, apice am--
tissimae.
Palpi labiales articulo ultimo latissimo.
Palpi maxillares articulo ultimo late truncato.
Femora gracilia.
Die Vorderhüften sind in dieser Gattung so dicht an-
einander gerückt, dass das Prosternum zwischen ihnen nur
als feine scharfe Leiste sichtbar ist , welche überdem noch
tief zwischen den Hüften eingesenkt liegt; nach hinten er-
weitert es sich wieder in Form eines Dreiecks, ist aber in
gleicher Linie mit den Hüften quer abgestutzt und legt sich
Vers, einer syst. Auseinanders. d. Gatt. Eumorphus u. Endomychus. 233
also nicht- dem Mesoslernum auf. Hierin liegt auch die ein-
zige Uebereinslimmung mit der vorigen Gattung, von der die
vorliegende habituell sehr abweicht; durch die eigenlhumli-
che Form des Halsschildes reiht sie sich an Pedanus^ durch
den verkürzten, hochgewölblen Hinterkörper an Corynomalus
an. Die Mandibeln fallen durch ihre Kürze und Breite auf
und dadurch dass die Spitze nicht gestutzt^ sondern wie die
Spitze eines Messers fein zugeschliffen ist. An den Lippen-
tastern ist das Endglied von ganz besonderer Breite, fast dop-
pelt so breit als das vorhergehende, welches selbst schon
stark in die Quere gezogen ist ; das Endglied der Kieferta-
ster ist breit abgestutzt und von gleicher Länge mit den bei-
den vorhergehenden. — Die Gattung ist auf eine einzelne
Ostindische Art gegründet.
1. E. violaceus. Niger, subtus nitidus, thorace
opaco, deplanato , basin versus anguslato, ante medium ro-
tundato-ampliato , apice utrinque lobato , elytris hemisphaeri-
cis, laete violaceis, nitidis , confertim at obsolete punclatis.
Long. lin. 32/3.
Patria : Sumatra.
Cymbachus n. g.
Prosternum inter coxas ahhrematum, furcatum.
Mandibulae angustae , intus unidentatae ^ apice
elongato, integro.
Palpi labiales arliculo ultimo ovato.
Palpi maxillares articulo ultimo elongato, subulato,
Pedes brev)iusculi.
Durch die angegebenen Charaktere unterscheidet sich
diese Gattung sehr auffallend von allen vorhergehenden; be-
sonders ist es das längliche, eiförmige, nur an der Spitze
leicht abgestutzte Endglied der Lippentaster, in welchem ein
diametraler Gegensatz zu der bisherigen Bildung dieses Thei-
les bemerkbar ist. Das Prosternum ist in ähnlicher Weise
wie bei Dioedes zwischen den Hüften abgekürzt, aber nicht
wie dorl gerade abgestutzt , sondern tief eingeschnitten und
234 Gerstaecker:
daher gabelförmig. Die Körperform ist sehr gedrungen und
kurz, das Halsschild quer, herabgebogen, die Flügeldecken
von herzförmigem Umrisse, bucklig gewölbt. — Geschlechls-
unterschiede zeigen sich bei der einzigen bekannten Art an
den Trochanteren der Vorderbeine und am Hinterleibe.
I. C. pulchellus. Subglobosus, niger, supra coe-
ruleo-raicans, elytris tectaceis, basi, sulura, margine laterali,
apice punctoque medio cyaneis. Long. lin. 3.
c^ Trochanteribus anticis breviter mucronalis, abdo-
minis segmento primo profunde Iriangulariter im-
presso.
Patria: Java.
f lO« Corynomalas Dejean.
Amphix Castelnau.
Vrost&rnum inter coxas abbreviatum^ apice emar-
ginatum,
Mandibulae intus unidentatae, apice integro.
Palpi labiales articulo ultimo cylindrico , late
truncato.
Palpi maxillares articulo ultimo subulato.
Femara compressa.
Die Eumorphiden der neuen Welt, v^^elche unter dieser
Gattung vereinigt sind , zeichnen sich äusserlich durch kur-
zen, gedrungenen, mehr oder weniger hoch gewölbten Kör-
per aus. Der Thorax ist durchweg beträchtlich schmaler als
die Basis der Flögeldecken und stark herabgeneigt, ein Um-
stand , der durch die Bildung des Prosternum hervorgerufen
wird; dieses ist nämlich verkürzt, zwischen den Hüften en-
digend und an der Spitze ausgerandel; seiner Ausrandung
entspricht das in eine kurze Spitze ausgezogene Mesoster-
num, an welches es sich anlegt. Von den Mundtheilen sind
besonders die Lippentaster charakteristisch, deren Endglied
nicht quergezogen, sondern fast ebenso breit als lang, fast
cylindrisch mit breit abgestutzter Spitze erscheint. An den
Kieferlastern ist das letzte Glied länglich, gegen die Spitze
Vers, einer syst. Auseinanders. d. Gatt. Eumorphus u. Endomychus. 235
hin pfriemförmig verdünnt. Die Mandibeln haben einen Zahn
am Innenrande , welcher der Spilze, die nicht gespalten ist,
nahe gerückt ist. Die Beine sind massig lang, einfach, die
Schenkel etwas zusammengedrückt. — Geschlechlsunterschiede
finden sich an den Millelschienen, welche beim Männchen vor
der Spilze am Innenrande ausgeschnitten sind.
Die Arten sind zum Theil vielfachen Abänderungen in
Farbe und Zeichnung unterworfen und die Synonymie der
bereits beschriebenen daher in grosser Verwirrung; eine na-
turgemässe Gruppirung derselben ist folgende :
A. Flügeldecken gleich von der Basis aus hoch kuglig ge.
wölbt, seitlich hinter den Schultern bauchig erweitert
und daher den Seitenrand von oben her überragend; ihre
Oberfläche mit abgekürzten ^ Punktreihen , im Uebri.
gen glatt.
1. C. rufipennis. Subglobosus, niger, nitidus, gla-
ber, thoracis disco polito, elytris rufis , punctorum seriebus
tribus abbreviatis : tarsis basi ferrugineis. Long. lin. 4—4 V3.
Palria : Nova Granada.
2. C. femoral is. Subglobosus, subtus niger, supra
metallicus, nitidus, antennarum basi , femoribus, tarsis abdo-
minequc rufo-ferrugineis : elytris punctorum seriebus quinque.
Long. lin. 3—^%.
Corynomalus femoralü* Dejean i. lit.
Patria: Bogota.
B. Flügeldecken vorn und hinten schräg abfallend, der Sei.
tenrand in seiner ganzen Ausdehnung von oben her
sichtbar ; ihre Oberfläche dicht und unregelmässig punktirt.
3. C. margi natus. Ferrugineus, antennis basi ex- ]g f/j
cepta fuscis, clava nigra, elytris fortiter rugoso -punclatis,
nigro-viridibus vel cyaneis, vix nitidis, margine omni sutura-
que ferrugineis. Long. lin. 4.
Erotylus marginatus Fabr. Entom. syst, suppl. p. 101.
no. 18—19.
Aegilhus marginatus Fabr. Syst. Eleuth. II. p. 10. no. 2.
Eumorphus Hmbatus Oliv. Entom. VI. p. 1066. no. 4. pl. I.
fig. 4.
Amphix binotatus de Castelnau, Hist. nat. d. Ins. Coleopt.
IL p. 522.
Palria; Guyana.
236 Gerstaecker:
4. C. ferrugineus. Totus ferrugineiis , anlennis
basi excepta nigris: thorace opaco, angulis posticis fere acutis,
elytris vix nitidis , crebre fortilerque rugoso-punctalis. Long,
lin. 4.
Patria: America meridionalis.
5. C. discoideus. Rufo - ferrugineus , anlennarum
clava nigra , elytris crebre punctalis , viridibus, nitidissimis,
margine externo testaceo. Long. lin. SVa — 4.
Aegithus discoideus Fabr. Syst. Eleuth. 11. p. 10. no. 4.
var. a. Corpore sublus, capite , thorace, sciilello,
elytrorum margine pedibusque paliide teslaceis, an-
tennis basi excepta infuscatis.
Palria: Guyana, Brasilia septemtrionalis.
6. C. aurichalceus. Rufo-ferrugineus, anlennarum
clava nigra^ elytris metallico-micantibus , nitidissimis, crebre
punctalis, margine externo testaceo. Long. lin. 37^ — 373.
Patria: Brasilia interior.
7. C. apicalis. Rufo-ferrugineus, anlennis basi ex-
cepta nigris , thorace angusto", angulis posticis fere reclis,
elytris cordalis, crebre subtiliterque punctalis, lucidis, viola-
ceis, margine apicali flavo. Long. lin. 32/3.
Patria: America meridionalis.
8. C. speciosus. Laote ferrugijieus, nitidus, anlen-
nis apicem versus infuscatis, clava nigra, elytris fortiter pun-
ctalis , macula discoidali magna communi, medio utrinque
profunde excisa, violacea. Long. lin. Syj.
Patria: America meridionalis.
9. C. la e vigalus. Laete ferrugineus, laevigatus,
nitidus, anlennis pedibusque nigris: thorace Iransverso, an-
gulis posticis fere reclis , elytris disperse punctalis. Long,
lin. 373.
Patria : America meridionalis.
10. C. q ua drim acuta tivs. Ferrugineus, fere opaous,
anlennis basi excepta elytrorumque macuUs duabus magnis
fusco-nigris, bis cyaneo-micantibus. Long. lin. 373.
Corynomalus quadrimaculatus * Erichson , Schomburgk's
Reisen in British Guyana III. p. 570-
Palria : Guyana.
Vers, einer syst. Auseinanders. d. Gatt. Eumorphus u. Endomychus. 237
11. C. tarsatus. Niger, subnKidus , elytris crebre
punclatis, viridescentibus, anlennis apice tarsisque laele ferru-
gineis. Long. liii. 372.
Corynomalus tarsalus* Erichson, Gonspect. Ins. Coleopt.
Peruan. p. 181. no. 1.
Patria: Peru.
12. C. subcordatus. Rufo-brunneus, fere opacus,
antennis basi excepta tibiisque nigris, elylris fuscis, sublili-
ter coriaoeis, crebre punclatis. Long. lln. Sy^ — Sy^.
Eumorphus cinctus var. 6. * Hoffmannsegg in Wiedemann»
Zoolog. Magaz. l. 2. p. 74.
var. a. Elytris viridi vel violaceo-inicanlibus.
var. b. Thorace, capile, antennarum basi femoribus-
que dilute ferrugineis.
Eumorphus cinctus var. 5. * Hoffmannsegg 1. c.
var. c. Totus rut'o-ferrugineus, antennis basi excepta
tibiisque nigris.
Eumorphus cinctus var. 7, * Hoffmannsegg 1. c.
Patria : Parä ßrasiliae.
13. C. in terruptus. Rufus, subnitidus , pedibus con- y^y.
coloribus, antennis basi excepta infuscatis , elylris disperse ^
punclatis, nigris, margine omni, sutura fasciaque media fer-
rugineis. Long. lin. 3 — Sy^.
Eumorphus cinctus var. i. * Hoffmannsegg 1. c.
var. a. Fascia elytrorum suturam versus interrupta.
Eumorphus cinctus Oliv. Entom. YL p. 1067. no. 5. pl.L
fig. 5.
var. b. Fascia elytrorum extrorsum abbreviata.
Eumorphus cinctus var. 3. ♦ Hoffmannsegg 1, c.
var. c. Fascia elytrorum extrorsum abbreviata , an-
tennis rufis, clava nigra,
var. d. Elytris fascia nulla^ antennis rufis , clava
nigra.
Eumorphus cinctus var. 4. * Hoffmannsegg 1. c.
(?) Chrysomela ccstifa Voet, ed. Panzer IV. p. 105. no. 15.
Tab. XLVI. fig. 15.
Corynomalus marginellus Dejean Catal. 2. ed. p. 439.
Patria: Bahia et Parä ßrasiliae.
14. C. cinctus. Thorace ferruginco maculis duabus
238 Gerstaecker:
nigris, elylrorum margine, sutura fasciaque media nee non
antennarum articulis duobus primis rufis, libiis basi nigris.
Long. lin. 2V3— 3%.
A^githus cinclus Fabr. Syst. Eleuth. II. p. 10. no. 3.
Eumorphus cruciger Latreille, Recueil d'observat. p. 355.
no. 46. pl. XXII. fig. U.
Eumorphus cinclus var. 2. * Hoffmannsegg 1. c.
var. a. Elylris fascia transversa nulla, sutura nigra,
var. b. Elytris fascia altera ante apicem dentata,
ferruginea.
var. c. Elytris fasciis duabus strigisque duabus lon-
gitudinalibus ferrugineis.
var. d. Elytris ut in var. c, at slriga interna basin
versus maeuiatim dilatata.
var. e. Elytris ferrugineis, maculis 3. 3. 1. nigris.
Patria: Columbia.
C. Flügeldecken sehr flach gewölbt, länger gestreckt, fast
eiförmig; deutliche Geschlechtsunterschiede am Hin-
terleibe.
15. C. dentalus. Rufo-ferrugineus, nitidus, anten-
narum articulis octo ultimis, thoracis maculis duabus quadra-
lis scutello elytrisque nigris : bis fortiter punctatis, aeneo-mi-
cantibus, margine omni fasciisque tribus dentatis ferrugmeis.
Long. lin. 3V3— 4.
J" Tibiis posterioribus elongatis, curvatis, mediis ante
apicem late excisis: abdomine carina media acuta,
segmento quinlo utrinque tuberculalo.
var. a. Elytris testaceis, maculis Septem nigris.
Erolylus dentalus Fabr. Syst. Eleuth. II. p. 7. no. 23. —
Lacordaire, Monogr. d. Erotyliens. p. 516. no. 3.
Corynomalus pantherinus * Dejean i. lit.
Corynomatus coccinelloides Hope i. lit.
Patria: Columbia.
16. C. perforatus. Rufo-brunneus^ subnitidus, an-
tennis basi excepta, thoracis maculis duabus scutelloque ni-
gris, elylris fortiter cribrato-punctalis, cyaneis , margine ex-
terne fasciaque media rufis. Long. lin. 3%-
(^ Tibiis mediis intus emarginatis, abdominis segmento
Vers, einer syst. Auseinanders. d. Gatt. Eiunorphus u. Eudomychus. 239
prirno breviter carinato, ultimo impressione cruci-
formi notato.
Corynomalus Leprieuri^ Buquet i. lit.
Patria : Cayenna.
Tribus Endomychini.
Antennarum articulus tertius haud elonga-
tus (i. e. quarto non longior). Mandibulae intus
non dentatae. Maxillarum lamina externa tota
Cornea, haud elongata. Ligula an gus t a, apice
rotundata. Palpi labiales articulo ultimo ovato.
Die vier dieser Gruppe angehörigen Galtungen zeigen
zwar in der äusseren Körperform wenig üebereinstimmendes,
werden aber durch die Bildung der Unterlippe , an welcher
die Zunge länger als breit und an der Spitze abgerundet er-
scheint, eng mit einander verbunden. Hierzu kommt die allen
gemeinsame Form der äusseren Maxillarlade, welche die innere
an Länge kaum übertrifft, vorn abgerundet ist und nicht wie
bei den Eumorphiden in eine häutige Fahne endigt, sondern
durchweg eine hornige Beschaffenheit zeigt. — Eine analyti-
sche Tabelle der Gattungen ist folgende;
I. ProsternuDi dilatatum, mesosterno parum an-
gustius.
1) Corpus oblongum, antennarum clava la-
tissima, compressa, mandibulae apice 6sso. Eucteanus.
2) Corpus hemisphaericum, antennae articulis
tribus ultimis vix incrassatis, oblongis:
mandibulae apice oblique truncatae . . Meilichius.
iL Prosternum mesosterno multo angustius.
3) Prosternum carinatum, retrorsum scnsim
dilatatum, antennae breves, clava longis.
sima: corpus hetnisphaericum . . . . Panomoea.
4) Prosternum planum, spatuliforme, anten.
nae elongatae , clava mediocri : corpus
ovatam, leviter convexum Endomychus.
240 Gerstaecker:
JL. Kucteanns n. g.
Prosternum latum, apice rotundatum, coxas retror-
sum superans.
Antennae elongatae , clava compressa , dilatata,
articulo ultimo fere securiformL
Palpi articulo ultimo late truncato.
Mandibulae apice fissae.
Pedes elongati^ graciles.
Eine sehr ausgezeichnete Form vom Himalaya, welche
nicht nur durch die Körperform , sondern auch ganz beson-
ders durch die flachgedrückte und blattartig ausgebreitete
Fühlerkeule, so wie' durch die langen und schlanken Beine
lebhaft an einige Eumorphiden-Gattungen erinnert, jedoch in
der Bildung der Mundtheile sich von ihnen entfernt. An den
Fühlern sind alle Glieder länglich, das dritte und vierte gleich
lang, doppelt so lang als das zweite , das fünfte bis achte
allmählig an Länge abnehmend; die drei Glieder der Keule
nehmen an Breite zu , das letzte ist aussen stark gerundet,
innen stumpfwinklig erweitert. — Geschlechtsunterschiede
fehlen an den Beinen gänzlich, dagegen bietet solche die
Hinterleibsfläche dar.
Die einzige bekannte Art ist:
I, E. coelestinus. Coeruleus, crebre punctatus,
fere opacus, elytris maculis duabus magnis aureo-flavis, infra
cum pedibus antennisque obscure cyaneus. Long. lin. 5 — 6V3.
(/ Abdomine longitudinaliter bicarinato, segmento
quinto profunde exciso»
Patria : Himalaya.
3* Ufeilicliius n. g.
Prosternum latissimum , apice lemter rotundatum.
Antennae mx clavatae, articulis duobus basalibus
abbreviatis.
Mandibulae angustae, apice obUque truncatae.
Palpi maxillares articulo ultimo bremter ovato.
Palpi labiales articulo ultimo subulato.
Pedes breviusculi.
Vers.einer syst. Auseinanders. d. Gau. Eumorphus u. Endomychus. 241
Die Gattung erinnert im äusseren an Corynomalus, von
der sie sich aber sogleich durch das kurze Fühlerglied un-
terscheidet. Das Prosternum ist hier fast so breit als lang
und die Vorderhüften daher weit auseinanderstehend; mit sei-
nem Hinterrand, der leicht gerundet ist, legt es sich an das
Me&osternum an , das in entsprechender Weise ausgerandel
erscheint. Die Zunge ist länger als breit, nach vorn all-
mählich erweitert, an der Spitze stark gerundet; die Mandi-
beln verlängert, schmal, am Ende schief abgestutzt; das End-
glied der Kieferlasier verkürzt, stumpf eiförmig, das der Lip-
penlaster länglicher, pfricmförmig verdünnt, leicht abgestutzt.
— • Geschlechtsunterschiede sind an der einzigen Art bis jetzt
nicht bemerkbar.
1. M. n igricol lis. Hemisphaericus, glaber, nitidus,
rufus, antennis apice excepto, thorace, pectoris lateribus pe-
dibusque nigris : thorace elytrisque crebre at obsolete pun-
ctatis, antennarum articulo apicali tarsoruraque duobus primis
testaceis. Long. lin. 2.
Patria: Pulo Penang.
3* Panomoea n. g.
Prosternum carinatum, apice rotundatum,
Antennae breves clava longissima^ articulis prae-
cedentibus longitudine aequali.
Mandibulae breves, apice acutissimae.
Palpi articulo ultimo truncato.
M» Corpus coccinelliforme.
Wk. Die Art, aufweiche diese Gattung gegründet ist, hat
^Burchaus das Ansehen einer Coccinella und zwar um so mehr,
^Kils auch die Fühler in ihrer Länge weit hinter denen der
übrigen Endomychiden zurückbleiben. An denselben ist das
erste Glied länglich, verdickt, die folgenden bis zum achten
sehr kurz und dicht aneinander gedrängt, die Keule langge-
zogen, von der Länge der vorhergehenden Glieder zusam-
mengenommen. Die Mandibeln sind breit und kurz , innen
tief ausgeschnitten, am Ende scharf zugespitzt. Das Endglied
Archiv f. Nfttiugescb. XXIH. Jjüirg. 1. Bd. J(j
242 Gerstaecker:
beider Palpen ist abgestutzt. — Geschlechtsunterschiede sind
äusserlich nicht bemerkbar.
1. P. coccinellina. Hemisphaerica , rufo - ferrugi-
nea, glabra, nitida, antennarum clava elylrorumque maculis
Septem nigris. Long. lin. 3 — 3\/^.
Patria : Ins. Philippinae.
4. Endoniyclius Paykull.
Chrysomela Linne. — Galleruca Fabricius.
Prosternum spatuUforme, deplanatum.
Antennae elongatae, articulis tribiis ultimis dilalatis.
Mandibulae apice bißdae.
Ligula rotundata, lemier sinuata,
Palpi maxiUares articulo ultimo oblique truncato.
Von den vier bis jetzt bekannten Arten dieser Gattung
gehören zwei Europa , eine dem westlichen Asien und die
vierte Nord-Amerika an ; sie stimmen in Form, Grösse und
Färbung sehr mit einander überein. Aeussere Geschlechts-
unterschiede scheinen bei ihnen nicht vorhanden zu sein.
A. Querfurche der Basis des Halsschildes vom Hinterrande
entfernt, dieser hinter derselben schräg aufsteigend.
1. E. coccineus. Laete coccineus, capite, antennis,
thoracis disco , scutello , elytrorum maculis duabus, pectore
pedibusque nigris. Long. lin. 12/3 — SVV
var. a. Corpore dilute rufo vel testaceo, pectoris la-
teribus pedibusque piceis.
var. b. Thorace unicolore , rufo.
Endomychus coccineus TsL-^knUf Faun. Suec. IL p. 112. no. 1.
Chrysomela coccinea Linne, Syst. Nat. IL p. 592.
Patria : Europa.
2. E. thoracicus. Laete coccineus, capite, anten-
nis, thorace, sculello, elytrorum maculis duabus magnis , pe-
ctoris lateribus pedibusque nigris. Long. lin. S'/j — 3«
var. a. Thoracis margine anlico rufo-piceo.
Endomyehus thoracicus Kollar i. lit. — Charpentier, Ho-
1
Verg. einer syst. Auseinanders. d. Call. Eumorphus u. Endomychus. 243
rae entomol. p. 245. — Germar, Faun. Insect. Europ.
XX. tab. 13. — Küster, Käfer Europa's IV. no. 100.
Falria : Hungaria, Transsylvania.
3. E. armen iacus. Thorace deplanalo, dilute rufus,
antennis basi excepta elytroruiiique maculis duabus nigris.
Long", lin. 2 — 3.
Endomychus artneniacus Motschulsky, Nouv. Mem. de la
soc. imp. d. natural. deMoscoulV. p.321. no. 17. Tab.
XI. fig. K.
Endomychus Scovitiii Faldermann, ibidem V. p. 4ll. Tab.
XX. fig. 8.
Palria: Armenia, Georgia.
B. Querfurchc der Basis des Halsschildes unmittelbar am
Hinterrande verlaufend.
4. E. bigut latus. Rufus, capite, antennis, thorace,
sculello , elylrorum macuHs duabus , anteriore minuto, pedi-
busque nigris. Long. lin. \% — 2.
Endomychus biguUalus Say, Journal of the acad. of nat.
scienc. of Philadelphia IV. p. 96. — Le Conte, Proeeed.
of the acad. of nat. scienc. of Philadelphia VI. p. 359
no. 1.
Patria; America septemtrionalis.
lieber ISrzieliiing: dei§ Distotna echiiiatum
flureli Fütterung^.
Von
Dr. H« A» Pag^ensteclier,
Docenten in Heidelberg.
Die bisher bekannt gemachten Versuche, aus bestimm-
ten unreifen Formen reife Distomen bis zu vollendeter ge-
schlechtlicher Entwickelung zu erziehen, sind wohl sämmt-
lich — diejenigen , welche ich in meiner Arbeit über Tre-
matoden miltheilte , nicht ausgenommen — ' nicht als in der
Weise gelungen und zuverlässig zu betrachten, wie wir dies
einer grösseren Reihe von Experimenten zur Erziehung von
Cestoden zugestehen müssen, ich säume deshalb nicht, das
Gelingen eines Versuches mitzutheilen , welcher einerseits
ganz zum Musterversuche bei der Demonstration geeignet ist,
andererseits aber auch eine vielleicht nur wenig schwierige
Gelegenheit bietet, weiterhin auch die Entwickelung der Em-
bryonen zu Ammen und somit die ganze Lebensgeschichte
der Art zu verfolgen.
Wie ich in der oben genannten Schrift bereits mit-
theilte, hatte ich ebensowenig, wie La Valette bei seinen
Versuchen an Fringilla, in Anas ßoschas domestica aus der
als Distoma echiniferum Paludinae bezeichneten Trematoden-
cyste ein reifes Thier erziehen können. Ja ich war unglück-
lich genug, nicht einmal die Cysten ausfallen zu sehen. Und
doch konnte ich mich nach Vergleichung der vorhandenen
Beschreibungen des Distoma echinatum nicht des Gedankens
entschlagen, es müsse dieses als reife Form zu jener Cyste
Pagenstecher: Ueber Erziehung des Distoma echinatum etc. 245
gehören , und das von mir gewählte Versuchsthier für die
Entwickelung der betreffenden Parasiten weit mehr sich
eignen , als die Finken und Sperlinge (bei denen dasselbe
auch nach längerem Aufenthalte niemals zur Geschlechtsreife
gelangt). Da ich indessen nicht wohl annehmen durfte, dass
der Gesundheitszustand der Versuchsenle , welche an der
Theilung der Trachea ein Geschwür hatte und wenig Nahrung
erhielt, das Misslingen verschuldet habe , so blieben mir zur
Erklärung des früheren negativen Resultates zwei andere Hy-
pothesen: die eine, dass nicht die Cyste aus Paludina, son-
dern die sehr ähnliche kleinere aus Anodonla die geeignete
sei ; die andere, dass in jener Jahreszeit, nach vorausgegan-
genem Froste, bei Nahrungsmangel der Wohnthiere, die Disto-
macysten ihre Vitalität eingebüsst gehabt hätten.
Als ich am Ausgange des Winters, bei reichlichem En-
tenfange, helminthologische Nachforschungen anstellte, traf ich
bei einem Exemplare von Anas ßoschas fera in der That
erwachsene , ausgezeichnet grosse Exemplare von Distoma
echinatum , und die Untersuchung befestigte in mir die alte
Vermulhung, das gereifte Distoma echiniferum hierin wieder zu
finden. Es gelang mir damals nicht, wilde Enten lebend zu
erhalten , wie ich es zur Anstellung des Versuches wünschte,
und ich beschloss durch eine den Gewohnheiten der wilden
Ente entsprechende Nahrung bei zahmen Enten die Verschie-
denheit auszugleichen, die allein in Betracht kommen konnte.
Zuyor suchte ich noch über einige Fragen in's Klare
zukommen, welche die unreife Form betrafen und über Diffe-
renzen , die zwischen mir und den anderen Forschern be-
standen. Ausser in den traubigen Conglomeralen am Her-
zen der Paludina fand ich jetzt auch zahlreiche Exemplare
zerstreut in den verschiedenen Organen dieser Schnecke;
ebenso fand ich einzelne bei Limnaeus slagnalis und häufiger
bei Planorbis corneus. Ich kann nicht umhin, auch jetzt
noch anzunehmen , dass in den meisten Fällen hier eine
Einwanderung staltgefunden hat behufs der Encystirung. Bei
dieser herrscht eine grössere Freiheit für die Wahl des
Wohnthiers , als sonst auf irgend einer Entvvickelungsslufe,
wie ich denn jetzt z. B. auch Cysten von Cercaria ornala in
Hydrachna concharum, so wie Tetrakolylecyslen in eine feste
246 Pagenstecher:
Hülle eingeschlossen nicht nur in verschiedenen Mollusken,
sondern auch in den Halsmuskeln der wilden Ente und in
den Darmhäuten von Leuciscus dobula und Cyprinus Carpio
gefunden habe. Dennoch glaube ich mit Philippi und La
Valette annehmen zu-dürfen, dass in derThat die Ammen-
bildung und die Produktion der Cerkarien auch in der Palu-
dina vivipara stattfindet, aber in weit weniger Exemplaren,
deren Fruchtbarkeit ausreicht, weil und breit Alles mit Cy-
sten zu versorgen.
Als ich nämlich Anfangs April wieder etwa 300 Palu-
dinen öffnete , welche im März gefangen waren , halten einige
gar keine Cysten, die meisten nur wenige, nur einzelne etwa
die Zahl , welche ich im Herbst und Winter zu finden ge-
wohnt gewesen war. In einer einzigen glaube ich die Am-
menform gefunden zu haben, obwohl die grosse Aehnlichkeil
der Ammen und Cerkarien mit Cercaria magna mich anfangs
zweifelhaft machen konnte. Es lagen die jüngeren Formen
zwischen Tausenden von mehr und weniger gereiften Cy-
sten. Als jüngste Formen erschienen kugelförmige Haufen,
in denen auff'allender Weise eine sehr lebhafte, wimmelnde
Molekularbewegung, ähnlich der der Spermatozoen, stattfand.
Von diesen Formen an fanden sich alle die gewohnten Zwi-
schenformen in Grösse und Entwickelung bis zur vollendeten,
sackförmigen Redie mit gelbbraunem Darme. Aus dieser
traten die Cerkarien, unter denen die reifsten am meisten
vorn lagen, bestimmt durch eine besondere seitliche OefFnung
nahe dem Vorderende aus. Sie haben nie einen Mundstachel,
lassen aber zuweilen schon bei der Geburt den Beginn des
Stachelkragens erkennen. 'Der Bauchnapf prominirt stark,
der Darm ist abgetheilt, dunkler als in der Cyste, die Kör-
persubstanz von bräunlichen Zellen mit dunklem Contour ge*-
bildet. Der Schweif ist von einem hellen Saume eingefasst.
Bei den frisch encystirlen Thieren erkennt man anfangs die
gleiche Färbung des Darms und der Körpersubslanz. Lang-
sam jedoch wird die Färbung blasser und gleichmässiger, die
Darmäste werden unsichtbar, dagegen füllen sich die Ge-
fässe mit den scharfkontourirten , stark lichtbrechenden Ex-
krementkörnchen. Als Vorbereitung zur Encystirung wurde
eine Einrollung bemerkt.
Ueber Erziehung des Distoma echinatum durch Fütterung. 247
Im Juli stellte sich das Verhällniss der Encystirung ganz
anders. Von allen Paludinen , welche ich uniersuchte, etwa
160 an der Zahl, war auch nicht eine, die nicht mit Disloma
echiniferum inlicirt gewesen wäre, alle besessen wenigstens
die traubigen Conglomerate am Herzen. Jetzt sowohl, als
im April wurden die deutlichen Beweise des Lebens an vie-
len der eingeschlossenen Thiere erkannt. Alle die Trauben
wurden von den Herzen der Schnecken abgelöst und der
ganze Vorralh von Cysten, zu schätzen auf 8000 — 10000 Stück
an zwei junge, kräftige zahme Enten am öten und 9ten Juli
verfüttert. Bis zum 24sten Juli wurden die Enten mit ge-
mischter Nahrung gefüttert , welche jedoch , so weit sie aus
ungekochten Thieren bestand, helminthologischer Durchsu-
chung unterworfen gewesen war.
Bei der bedeutenden Anzahl von Distoma echinatum,
welche sich im Darme beider Thiere ohne Mühe fand, wurde
nicht speciell genug der ganze Darminhalt durchforscht und
es lässt sich annehmen, dass besonders bei dem erstun-
tersuchten Thiere eine grössere Zahl Dislomen ungezählt
blieb. Dennoch gewann ich aus diesem über fünfzig, aus
dem anderen Thiere an 200 geschlechtlich vollkommen ent-
wickelte Distomen. Die beiden Enten waren dabei in ganz
gutem Zustande, wie ja diese Thiere auch ohne besonderen
Nachtheil Tausende von Echinorhynchen mit sich tragen
können.
Die Distomen waren in der Färbung dem Speisebrei
im Dünndarme gleich , aber ein der Anhäufung der reifen
Eier entsprechendes bräunliches Pünktchen Hess sie leicht
finden. Bei geringerer Reife mögen sie ohne gehörige Aus-
breitung des Darminhalts leicht übersehen werden. Haupl-
sitz der Parasiten war der Dünndarm, in etwa ein Fuss Ent-
fernung vom Magen, auf einer Strecke von einem Zoll Länge
fanden sich hier über 100 Stück; die grössten aber sassen
an der Stelle, wo die Blinddärme in den Darm münden, ein-
zelne zerstreut durch den ganzen Darm bis hart an den Ma-
gen. Exemplare so gross , als die sechs oder acht Stück,
welche ich im Frühjahre bei der wilden Ente gefunden hatte,
von 2 Cm. Länge, fanden sich nicht; die vorhandenen Hes-
sen sich in zwei Kategorien Iheilen, die, in der Grösse nicht
248 Pagenstecher:
unwesentlich differirend, den beiden Fülterungsterminen ent-
sprachen. Die grössten, durch die Fütterung erzielten, Thiere
massen 5mm. an Länge auf 1^3mm. Breite, die kleineren
im Durchschnitte 4mm. an Länge und 1mm. an Breite. Jene
enthielten bis über 100 reife Eier, diese meist 10 — 14 der-
selben. Die im Vergleiche mit der an den beiden Versuchs-
tagen ziemlich gleichmässig vorgenommenen Fütterung auf-
fallend geringe Zahl der reiferen Thiere ist wohl die Folge
allgemeiner Bedingungen, welche kontinuirlich die Zahl der
parasitischen Würmer während des Heranwachsens schmä-
lern. Gefüllt mit den Produkten geschlechtlicher Thätigkeit
verlieren die Thiere an Behändigkeit und Energie, ihre Saug-
näpfe wachsen nicht im gleichen Verhältnisse mit dem Volu-
men des Körpers, der in der Cyste erworbene Slachelbesatz
des Vorderleibes geht immer mehr verloren und wenn auoh
die Stacheln des Kragens von der Wurzel aus wachsend an
Länge und Stärke gewinnen , so brechen sie doch meist ab
und die ausgefallenen werden nicht wieder ersetzt. So spült
die Bewegung des Darms die Thiere immer weiter hinab und
nach und nach verschwinden immer mehr von ihnen, mit den
Speiseresten, den Steinchen weggerissen, ganz aus dem Or-
ganismus und es dürfte als ein genügendes Resultat erschei-
nen, nach zwei bis drei Wochen von einigen Tausend Cy-
sten, welche schwerlich alle vollständig entwickelungsfähig
waren , einige Hundert reife Distomen zu finden. Da die
Distomen an Grösse in der Cyste nicht zunehmen , so kön-
nen bei gleichzeitigem Einbringen in den Magen nicht solche
Differenzen im Wachsthume beobachtet werden , als bei der
Finnenfütterung; es scheint überhaupt ein langes Verweilen
in der Cyste nicht Bedürfniss. Die Cyste ist der Schutz ge-
gen die zu lebhafte Wirkung der Magenverdauung , wie sie
bis dahin überhaupt als Schulz geg^n die Aussenwelt die Er-
haltung bei sehr beschränkter Ernährung ermöglichte, und es
ist mir wahrscheinlich , auch nach wiederholten Versuchen
mit nicht encystirten Amphistomen, dass sie allen Tremato-
den nöthig sei, welche den Magen passiren.
Ein Bild von der Massenzunahme des Distoma während
seines Heranwachsens geben die angeführten Flächenmasse
der verschiedenen Lebensperiaden , wobei zu bedenken ist,
Ueber Erziehung des Distoina echinatum durch Fütterung. 249
dass trotz der möglichsten Abplattung des Objektes durch
den Druclc des Deckgläschens gewiss bei den grösseren
Thieren eine Dicke anzunehmen ist^ die das drei- und mehr-
fache der kleineren, besonders der Cerkarien erreicht.
Quadratmillimeter
der Oberfläche
die Cercaria echinata misst ohne den
Schweif etwa 0,3
das aus der Cyste genommene Distoma 0,44
(las Distoma 15 Tage nach der Fütterung 3,0 — 4,0
das Distoma 18 Tage „ , „ 6,0—7,0
die in Anas Boschas fera gefundenen Distomen 0,5 — ^^0,8 Qua-
dratcentimeter. Demnach kann man etwa in 3 — 4 Tagen eine
Verdoppelung des Flächeninhaltes statuiren und annehmen,
dass in einem Monate jene bedeutendste Grösse erreicht
werden kann. Die Nahrung des Thieres, sein Gesundheits-
zustand , die Jahreszeit können hier jedoch ebensowohl in-
fluiren, als das Alter und der Entwickelungszustand der ver-
futterten Cysten.
Nur weniges möchte ich zur Charakteristik des Distoma
echinatum beifügen. Die grossen Stacheln am nierenförmigen
Kragen massen je nach der Grösse der Thiere 0,07, 0,08 bis
0,1mm. an Länge, 0,013 bis 0,03 an Dicke, diekleinen Stacheln
des Leibes 0,015 — 0,027 an Länge; der letzteren sind, wo
sie noch vollständig sind, etwa 30 Reihen von je 40 Slück. Sie
gehen dann noch über den Bauchnapf hinaus. Der Bauchnapf
missl von 0,4 — 1mm. an Länge und % der Länge an Breite.
Vor demselben ist der Körper löffelarlig ausgehöhlt und im
Grunde dieser Rinne liegen die Geschlechtsmündungen. Bei
den ganz grossen Thieren ist der Penis nicht mehr erkenn-
bar , sehr schön hingegen bei den jüngeren. Er misst hier
von der Wurzel an 0,5mm. und überragt, wenn vorgestreckt,
weil den Rand des Körpers. Er ist von einem deutlichen,
mit muskulösen VV^andungen eingefassten, Kanal durchsetzt
und verhältnissmässig feiner als der von Distoma variega-
tum , bei welchem ich ihn nunmehr auch deutlich erkannt
habe. An der Wurzel 0,06mm. dick , spitzt er sich zuletzt
auf 0,01mm. zu. Man darf aber einen vorgestreckten Penis
bei den Trematoden - wie bei den Cestodengliedern nicht
250 Pagenstecher:
leicht in den mit Eiern bereits überfüllten Stücken zu fin-
den hoffen. Die männliche Geschlechtslhätigkeit geht immer
voraus und mindert sich hernach. Weder in der Samen-
blase nach in der sogenannten inneren Samenblase , welche
eher Samentasche heissen könnte, da sie zu den weiblichen
Sexualorganen gehört^ konnte ich gestreckte, bewegliche Sa-
menfäden sehen, die bei anderen Dislomen so deutlich wa-
ren; im üebrigen ganz der bekannte Process des Austretens
der Keime und des Zutritts der Doltersubstanz. Der Keim-
stock ist nicht gross , die Dotterslöcke liegen in sehr zahl-
reichen Läppchen an den Seitenwänden des Körpers. Die
beiden Hoden stossen anfangs in der Längsaxe an einander,
in den ganz grossen Thieren sind sie deutlich gelrennt und
lappig. Das Gefässsystem beginnt mit feinen Verästelungen
dicht an der Oberfläche, welche mit Körnchen gefüllt sind
und keine deutlichen Wandungen besitzen. Die grossen Ge-
fässe bilden so wie vorn auch hinten Schlingen, weil die
Mündung derselben in die weiter in den Körper hineinra-
gende Caudalblase mehr vorwärts gelegen ist. Die Flimme-
rung ist stellenweise sehr stark, grosse Lappen, in der Längs-
richtung gelegen, schwingen in die Quere. Eigenlhümlich ist
die Neigung des Thiers den Vorderkörper einzubiegen, was
vielleicht wie die Neigung männlicher Nematoden, das Schwei-
fende einzurollen , mit den Geschlechtsfunktionen zusammen-
hängen dürfte. Die bräunlichen Eier haben eine nachgiebige
Schale. Sie sind 0,095mm. lang und 0,07mm. breit , der
helle Fleck in denselben misst 0,019mm.
Für Wiederholung des Versuches glaube ich nun em-
pfehlen zu müssen, um auch jeden Verdacht einer anderen
Quelle der Distomen zu entfernen, künstlich ausgebrütete En-
ten ausser mit den auspräparirten abgewaschenen Cysten nur
mit gekochter , jedoch gemischter Speise zu füttern und in
gleicher Art sie nur mit gekochtem Wasser zu versehen.
Man wird nicht leicht irgend ein anderes helminthologisches
Experiment reiner machen können. So möchte ich auch zu
Fütterungsversuchen mit den geeigneten Nematoden junge
Hühner vorschlagen, weil auch diese von Anfang an künst-
lich gefüttert und vor unfreiwilliger Infektion leicht bewahrt
werden können. Hat man nun hinlänglich reife Distomen
Ueber Erziehung des Distoma echinatum durch Fütterung. 251
erzogen, so muss der Versuch begonnen werden, die Eier
dieser wieder zur Entwickelung zu bringen. Man wird dazu
sich junger, aus dem Tragsacke der Muller ausgeschnillener
Paludinen, die nicht seilen hinlänglich kräftig sind, bedienen
müssen, weil die Alten immer inficirt sind. Es scheint nicht
unmöglich, sich vegetabilische Nahrung zu erziehen, welche
ihrerseits keine Gefahr der Ansteckung bieten kann.
Selbst in diesem Augenblicke in die Unmöglichkeit ver-
setzt, diese Versuche anzustellen, hoffe ich, sie in den Hän-
den Ander glücken zu sehen.
Fernere JVachträg^e zu dem itufsatze über
die Echinospira, nebst Beobachtung^en über
eine ihr verwandte liarve*
Von
I9p ü« H. r o Ii n«
(Hierzu Taf. XI.)
Die letzten Beobachtungen über die Echinospira hatten
zu dem Resultate geführt, dass selbige die Larve eines mög-
licherweise zu den Kammkiemern gehörenden Gastropoden
sei (dies. Arch. 1855. Bd. I. p. 1). Es ist mir nun im ver-
flossenen Winter, an einem wiederum bei Messina erhaKenen
Exemplare geglückt , nicht nur höchst befriedigende Auf-
schlüsse über das weitere Schicksal dieser Larve , sondern
auch manche zuverlässige Anhaltspunkte zur näheren Ermitte-
lung ihrer Abkunft zu gewinnen.
An der am 18ten Februar mit dem Netze gefischten
Larve, Hess sich während der ersten Tage nach dem Ein-
fangen , keine irgend bemerkenswerthe Erscheinung -wahr-
nehmen. Nur am dritten Tage fiel es mir auf, dass sie nicht
mehr herumschwamm, sondern in ihr Gehäuse zurückgezo-
gen, fortwährend auf dem Boden des Glasgefässes verweilte.
Während der beiden ersten Tage hatte ich indess Gelegen-
heit, die früheren Beobachtungen in Betreff des Wimperse-
gels und anderer Organe zu ergänzen. Es sei mir geslat-
tet, ehe ich weiter berichte, diese neueren Ergebnisse mitzu-
theilen.
Kr oh n: Fernere Nacht, zu dem Aufsatze üb. die Echinospira. 253
An dem Segel lässt sich leicht ein doppelter Wimper-
saum , ein oberer mit mächtigeren und ein unlerer mit weit
zahlreicheren , feineren und kürzeren Cilien versehener un-
terscheiden. Beide Säume sind durch eine furchenarlige
Aushöhlung der Aussenränder sämmtlicher Wimpel, die sich
gegen den Mund herabzieht , von einander geschieden. Der
obere Saum setzt sich am Vorderrande des Kopfes, conti-
nuirlich über den Mund weg, von der einen Hälfte des Ve-
lum auf die andere fort. Den unteren Saum kann man zwar
noch deutlich bis in die Nähe des Mundes verfolgen, aber
darüber hinaus ist sein weiteres Verhalten nicht mehr ganz
sicher zu ermitteln. Nach den frühem, freilich noch unvoll-
ständigen Beobachtungen über die ßewimperung des Segels,
scheint es jedoch , als setze auch dieser Saum , unter dem
Munde , von der einen Seite auf die andere über (1. c.
p.3)*).
Die schwärzlichen Augen der Larve liegen an der Aus-
senseile der Fühler, dicht neben der Basis derselben. Letz-
tere sind ziemlich lang und überall gleichmässig cylindrisch.
Die Hörbläschen schimmern hinter und unter den Augen
durch die Hautdecke und scheinen dem Schlundringe des
Nervensystems unmittelbar aufzuliegen. Der Magen liegt als
rundliche Erweiterung ganz zur Linken und hat rechterseils
den oberen oder vorderen Theil der Leber neben sich. Die
hintere Portion der Leber reicht noch lange nicht bis an den
Grund der Schale. Es nimmt somit die Larve nur den obe-
ren weiteren Theil der letzteren ein. Der Fuss ist länglich,
schmal , am breiten Vorderrande mit einer seichten Quer-
furche versehen. Ich gehe nun in meinem Berichte weiter.
Am Morgen des vierten Tages war ich nicht wenig
überrascht, das Thierchen aus seiner Schale herausgelöst zu
finden. Es hielt sich nach Art der Limnaeen, mit nach oben
gekehrtem, zu einer ovalen Scheibe ausgebreitetem Fusse,
*) Die eben berührten Struklurverhältnisse des Segels finden
sich, nach meinen Beobachtungen, in gleicher Weise bei allen Ce-
phalophorenlarven. Auch sind sie bereits vonGegenbaur bei den
Larven der Pteropoden und Heteropoden nachgewiesen worden (vergl.
dessen Untersuchungen über Plerop. und Heterop. p. 35, 36, 98 u. 128},
254 K r 0 b n -.
dicht an der Wasseroberfläche , schien aber nicht merklich
von der Stelle zu rücken. Die leere Schale wurde alsbald
auf dem Boden des Gefässes entdeckt. Das Wimpersegel
fehlte. Es war demnach ofiPenbar, dass die Larve ihre Mcr-
tamorphose, die nach dem bereits erwähnten ruhigen Verhal-
ten schon am Tage zuvor begonnen haben mochte, während
der Nacht überstanden hatte. Diese Ansicht wurde denn
auch bei der sogleich vorgenommenen näheren Untersuchung,
trotz des nun in seiner Ruhe gestörten und in Folge dessen
fortwährend contrahirten Thieres bestätigt.
Zunächst Hess sich äusserlich um den Hinterleib eine
äusserst zarte , durchsichtige Schale mit einem deutlichen
Ansätze zur Windung, unterscheiden. Aus der weiten Oeif-
nung derselben ragte der Mantel in Form einer über Kopf
und Fuss allseitig vorspringenden , durch die starke Cbn-
traction über beide zusammengeschlagenen und sie so fast
gänzlich verdeckenden Scheibe, hervor. Am Kopfe Hess sich
nicht die geringste Spur mehr des früheren Wimpersegels
entdecken. Was die im Hinterleibe enthaltenen Organe an-
langt, so fiel zunächst deutlich die auf der Rückseite gele-
gene, schon früher näher beschriebene Kieme in die Augen.
Sie zog sich von vorne und rechts nach hinten zu dem ganz
linkerseits liegenden Herzen. Den Darm, dessen Richtung
gegen die Kiemenhöhle zu, schon aus der Larve bekannt ist,
sah ich entschieden rechterseils verlaufen. Die hintere Ab-
iheilung der Schale zeigte sich ganz von der Leber aus-
gefüHt.
Nachdem die Schale, über die sogleich das Nähere,
unversehrt abgelöst worden war , richtete ich mein Augen-
merk vorzüglich auf die Mundtheile, namentlich aber auf die
Reibmembran oder Radula, über deren Bewaffnung die frü-
heren Angaben noch Manches zu wünschen übrig gelassen
hatten. Es gelang mir die ziemlich entwickelte Mundmasse
sammt der langen spiralig zusammengerollten Zungenscheide
glücklich herauszulösen. An der unter das Mikroskop ge-
brachten Radula, Hess sich denn auch sofort in jeder Querreihi
oder in jedem Gliede, unter den nach innen gerichteten Spitzer
der beiden Seitenplatten , die früher vermisste Miltelplatl«
deutlich erkennen. Sie lag mittelst einer ansehnlichen^ nacbj
Fernere Nachtrage zu dem Aufsätze über die Echinospira. 255
hinten zu allmählich sich verbroilcrnden Basis der Reibinem-
bran auf. Ihr vorderer in die Höhle der Mundmasse aus
der Zungenscheide frei vorragender Theil, zeigfe sich nach
rückwärls umgebogen und lief in eine scharfe Spitze oder
Zahn aus. Dicht unter letzterem Hess sich an den beiden
Seitenrändern, noch eine deutliche sägeförmige Zähnelung
wahrnehmen.
Was die Form der Schale betrifft, so glaube ich den
Leser am fuglichsten sogleich auf die beifolgenden Figuren
(1 und 2) verweisen zu müssen. Wie man sieht, ist sie
ziemlich stark gewölbt, besitzt eine verhältnissmässig sehr
weite Oelfnung und läuft ziemlich rasch in eine sehr enge,
spiralig nach der rechten Seite umgebogene Spitze aus. Man
könnte sie, der Terminologie zufolge, ohrförmig nennen. Sie
ist durchsichtig, bei auffallendem Lichte ins Bläuliche schim-
mernd, durchweg membranös, biegsam aber zugleich ela-
stisch. Sie misst der Länge nach etwa 1% Millim. und ist
wie aus einem Gusse, ohne Spur von Anwachsstrelfen.
Durch die obigen Milthcilungen über die Anordnung des
Respirationsapparats und den Verlauf des Darms gegen die
Kiemenhöhle zu, ist es wohl hinlänglich dargethan, dass die
Echinospira die Larve eines Ctenobranchiaten ist. Es handelt
sich also jetzt um die Frage, zu welcher Familie oder Gat-
tung dieselbe wohl gehören möchte. Es bedarf wohl keiner
besonderen Rechtfertigung, wenn ich bei dem Versuche diese
Frage zu entscheiden, das meiste Gewicht auf die Radula und
die Schale lege.
Schon in dem ersten Nachtrage (p. 2. Anmerk.) machte
ich bei Besprechung der Radula , auf die auffallende Ueber-
einstimmung der Seitenplatten mit denen der Gattung Marse-
nia Leach (Coriocella Blainv.) aufmerksam, indem ich mich
auf die trefllichen Abbildungen Lov en's in dessen bekann-
ter Abhandlung bezog. Da Marsenia conspicua bei Messina
nicht selten ist, so habe ich seitdem Gelegenheit gehabt, den
Vergleich in natura anzustellen, und mich so auf das Voll-
ständigste von jener Uebereinstimmung überzeugt. Was die
Miltelplallen betrifft, so ist zwar die Formähnlichkeit mit de-
nen der Marsenien nicht minder gross, allein es fehlen, oder
scheinen wenigstens die beiden divergirenden Schenkel zu
256 K r 0 h n :
fehlen^ in welche die Basis der Mitlelplatten bei Marsenia
getiieilt ist. Ich zweifele indess nichts dass sich bei genaue-
rer Untersuchung eine völlige Uebereinslimmung auch in die-
sem Punkte herausstellen wird *).
Die Schale, so rudimentär sie auch ist, zeigt, ihrem
Habitus nach, doch ebenfalls eine nicht geringe Aehnlichkeit
mit der Schale der Marsenien. Auch schien sie mir nicht
nur in der Gestalt, sondern auch in den Grössenverhältnis-
sen, der Spitze des Gewindes, oder nach der Terminologie,
dem Nucleus der Marsenienschale vollkommen zu entvSpre-
chen. Wie bekannt besteht nun die letzlere aus zwei Schich-
ten, dem Periostracum und der eigentlichen Schalenmasse
oder Kalkschicht. Bei ihrer membranösen Beschaffenheit ist
also die Schale des jungen, aus der Echinospira hervorge-
henden Gastropoden, noch ganz^ Periostracum und es muss
sich die Kalkschicht erst später ablagern.
Die Form der äusseren, so wie die Anordnung der in-
neren Organe , weit entfernt den aus der Radula und der
Schale gezogeneu Belegen für die Abstammung der Echino-
spira von Marsenia zu widersprechen , unterstützt und be-
kräftigt vielmehr diese Ansicht. Ich erinnere nur an die
Form und den Umfang des Mantels, an den langen, schma-
len, am Vorderrande ausgefurchten Fuss, an die Gestalt der
Fühler, die Lage der Augen, des Herzens, des Magens und
die Anwesenheit eines einzigen sphärischen Otolilhen in
den Hörkapseln. Es müssen jedoch noch manche wichtige
Veränderungen vor sich gehen, ehe das junge Thier seiner
muthmasslichen Mutter vollkommen ähnlich wird. So z. ß.
rauss, abgesehen von den noch fehlenden Zeugungsorganen,
*) Dass ich der Basisschenkel nichl ansichtig geworden , mag
abgesehen von der winzigen Grösse der Miltelplatten und der Schwie-
riglieit sie bloszulegen, hauptsächlich wohl der bedeutenden Trans,
parenz der letzteren zuzuschreiben sein. An den noch nicht völlig
erhärteten , innerhalb der Matrix gelegenen Mittelplatten von Marse.]
nia conspicua, Hessen sich die Basisschenkel aus demselben Grunde'
kaum unterscheiden, und schien die Basis hinten mit einem ausgebuch-
teten Bande sich abzugränzen, gerade so wie ich es auch an den
Miltelplatten der Echinospira gesehen.
Fernere Nachträge zu dem Aufsätze über die Echinospira. 257
der Mantel die Schale umwachsen und in sich aufnehmen^
so das Alhmungsorgan zu einer Doppelkieme sich gestalten.
Ich habe die Besprechung der Kiefer auf die Letzt
verspart, weil sie die einzigen Theile sind, die ich mit mei-
ner Ansicht nicht recht in Einklang bringen kann. Bei Mar-
senia ist die Schneide der Kiefer bekanntlich ganzrandig,
ohne alle Bezahnung, während doch nach meinen früheren,
noch neuerlich bestätigten Erfahrungen, die Kiefer der Echi-
nospira eigenlhümlich ausgezackt erscheinen (1. c. Tab. L
Fig. I). Zur Lösung dieses Widerspruchs bieten sich vor-
läufig zwei Auswege dar. Entweder nämlich gehen die ur-
sprünglichen Kiefer mit der Zeit ein und werden durch an-
dere ersetzt, oder sie bleiben und nehmen erst allmählich die
spätere Form an *).
Ich habe in dem ersten Nachtrage einer von d'Or-
bigny beschriebenen, Helicophlegma Candei genannten
Schale erwähnt, die mir nach der kurzen Charakteristik in
Troschel's Jahresberichte, mit der Schale von Echinospira
identisch schien. Ich habe seitdem die ausführlichere Be-
schreibung d'Orbigny's in dem damals citirten Werke von
Ramon de laSagra (Mollusques p. 100. Tab. IL Fig. 15
— 17) vergleichen können. Die Uebereinstimmung bei der
Schalen ist in der That so gross , dass sie fast an Identität
streift. Ich sage fast, indem die einzige Abweichung (nach
Figur 16) nur darin zu liegen scheint, dass die grossen Zak-
ken oder Stacheln am Mundungsrande weniger ausgewirkt
erscheinen. Doch mag dies vielleicht von einer Stellung der
Schale herrühren , bei welcher jene Zacken in starker per-
spectivischer Verkürzung erscheinen.
Neuerlich hat auch John D. Macdonald eine
mit der Echinospira äusserst übereinstimmende Larven-
form beschrieben , jedoch mit völliger Verkennung des
Wimpersegels, dieselbe zu einer neuen Galtung und Art
*) ?Iach den Abbildungen in E. ßergh's wichtiger Schrift
(Bidrag til en Monographi af Marseniaderne. Kjöbenh. 1853), deren
Text mir leider nicht verständlich, scheinen in der Familie der Mar.
seniaden nur die (iattungen Onchidiopsis und Marsenina gezähneite
Kiefer zu besitzen.
Archiv f. Naturjesch. XXIU. Jahrg. 1. Bd ^^
258 Krohn:
gestempelt. (S. The Lond. , Edinb. and Dubl. pliilosophic.
Magazine Fourlh S^ries. Vol. X. p. 142). Er nennt sie Ja-
sonilla Macleyiana. Diese Larve scheint im Wesentlichen nur
durch den Besitz von vier Paar Wimpeln am Velum abzu-
weichen, und muss sonach von einer anderen Species stam-
men. Sie soll in der Nähe von Port Jackson häufig vor-
kommen *).
Ich gehe nun zur Beschreibung einer der Echinospira
zwair weniger nabestehenden , doch unzweifelhaft zu dersel-
ben Familie gehörenden Larve über. Sie kam mir erst in
diesem Frühjahre in zwei Exemplaren zur Beobachtung. Das
eine erhielt ich am 2§sten , das andere etwas weiter in der
EHtwickelufi'g' vorgeschrittene am 31slen März.
Die Larve steckt ebenfalls in einem doppellen Gehäuse,
vow welchen das innere (das erste Rudiment der bleibenden
Schale) mit dem der Echinospira gänzlich übereinzukommen
scheint, während das äussere (die eigentliche Larvenschale)
folgeftde Eigenthümlichkeiten zeigt.
Obwohl eben so durchsichtig und von der nämlichen
Gonsislenz, fällt sie doch sogleich durch ihre starke seitliche
Verflachung und eine deutlich spiralige Einrollung auf (Fig. 3}.
Sie ist durchaus in derselben Ebene gewunden und besitzt
etwa zwei Umläufe. Mitten auf der Rückseite des zweiten
Umlaufes sind auch hier zwei parallele Reihen dichtgedräng-
ter Stacheln oder Zähne zu bemerken, doch in weit grösse-
rer Menge als bei Echinospira. Die Stacheln nehmen in
*) Von dem genannten Verfasser sind in den Ptiilosopliic. Trans-
aclions (Vol. 145. Part II. 1855. p. 289 u. 295) zwei Abliandlungen
erschienen, in welctien eine ganz neue Ordnung von Gastropoden auf-
gestellt wird, deren wesentlicher Charakter in der Anwesenheit be-
wimperter Arme am Kopfe liegen soll. Ausser mehreren vom Verf.
beobachteten Arten, werden auch MacgilHvrayla pelagica und Chele-
Iropis Iluxleyii E. Forb., über welche der Verf. übrigens interessante
Beobachtungen mitlhcilt, in diese angeblich neue Ordnung eingereiht.
Man wird sich aber leicht überzeugen, dass es sich hier nur um
junge, zwar weit entwickelte, aber noch mit dem Wimpersegel ver-
sehene Gastropodfen handelt. Beispiele der Art habe ich bereits in
meinem ersten N-achtrage, nach Loven's, v. Nörditlann's und eige-
nen Beobachtung^eii aiigefährt, und auch schon daitiäls angedeutet, däss
sie keinesweges zu den Ausnahmen gehören dürften.
Fernere Nachträge zu dem Aufsätze über die Echinospira. 259
Höhe und Breite um so mehr ab, je näher sie dem unteren
oder hinteren Möndungsrande rücken. Statt der beiden seit-
lichen Stachelreihen findet sich jederseits auf dem schon
genannten Umlaufe , eine mit breiter Basis aufsteigende
Leiste, deren scharfliantiger Rand auf einer kleinen Strecke
hinter der Mundung , fein ausgezackt oder gezähnell er-
scheint. Ueber diese Strecke hinaus verliert die Leiste
die ßezahnung und setzt sich nun, immer niedriger und un-
scheinbarer werdend , auf die erste Windung fort. Bei
der starken seitlichen Abplattung ist die Mündung länglich,
fast sechseckig. Der Rückentheil der Schale springt über
der Mündung in Gestall eines kurzen dachförmigen Fortsat-
zes vor. Die Schale misst von der Spitze dieses Fortsatzes
bis zum diametral entgegengesetzten Punkte des Rückens,
etwas über 2 Mlllim.
Die Larve , um weniges kleiner als die Echinospira
nimmt gleich dieser, nur die obere Hälfte des stachligen Ge-
häuses ein. Auch stimmt sie in Bezug auf die äusseren Or-
gane und die Disposition der inneren, völlig mit jener über-
ein. Der erheblichste Unterschied liegt in der Anwesenheil
eines (zum Verschluss der Innern Schale dienenden) Deckels
am Fusse. Minder wichtig ist die verhältnissmässig gerin-
gere Länge der Velumwimpel und die nur auf vier bis fünf
sich belaufende Zahl der Kiemenblälter. Der Deckel ist äus-^
serst dünn,' rundlich , von aussen, wie es scheint, concav,
und zart concenlrisch gestreift. Da der innere Bau, wegen
des viel flacheren und an den Seiten stachellosen Gehäuses,
sehr viel leichter sich überblicken Hess, so sei noch Folgen-
des in BelrefT einzelner Organe erwähnt.
Der Magen ist länglich rund, liegt ebenfalls linkerseits,
mit dem längern Durchmesser der Leibesachse parallel. Die
Speiseröhre erstreckt sich an der Bauchseite zum Magen und
senkt sich in dessen hintere Portion, dicht vor dem hinleren
blindsackarligen Ende desselben , ein. Der Darm entspringt
vom vorderen Ende des Magens und zieht sich , bei ausge-
strecktem Leibe, in fast gerader Richtung, aber vorwiegend
rechlerseils, zur Kiemenhöhle, in welcher er mit dem After
ausmündet. Die Hörkapseln hängen offenbar mit den beiden
unleren Schlundringknoten (Pedalganglien} zusammen.
260 Krohn:-
Ich habe schon angezeigt, dass von den beiden Larven
die später eingefangene etwas v^^citer entwickelt war. Am
Abend des vierten Tages beinerlite ich nun , dass sie sich
zur Hälfte aus der Larvenschale herausgearbeitet hatte. Das
Velum zeigte sich eingezogen. Es waren dies wohl die er-
sten Anzeichen der bevorstehenden Umwandlung. Am fol-
genden Tage fand ich die Larvenschale in der That abgelöst.
Bei näherer Untersuchung wurden nur noch geringe Ueber-
reste des früheren Velum bemerkt. Der Deckel fand sich
nicht mehr vor. Die Radula , auf deren Beschaffenheit ich
ganz besonders gespannt sein musste, wurde leider nicht
aufgefunden, vielleicht in Folge nicht genug vorsichtiger Ma-
nipulation. Dagegen Hessen sich die beiden Kiefer leicht
nachweisen. Sie ähneln denen der Echinospira (s. Fig. 4).
Das stachlige Larvengehäuse hat eine überraschende
Aehnlichkeit mit der schon früher gedachten, von Souleyet
beschriebenen Calcarella spinosa. Doch ist diese Schale viel
grösser, in drei Windungen aufgerollt, und an der letzten
Windung, statt der doppelten, nur mit einer einfachen Reihe
Rückenstacheln versehen. Zudem springt das Gewinde sicht-
lich vor und ist auch die Mündung anders ^'•).
Durch die oben beigebrachten Belege glaube ich es
mehr als wahrscheinlich gemacht zu haben, dass die Echi-
nospira die Larve einer Marsenia sei. Man hat demnach
allen Grund, die Abkunft der eben beschriebenen Larve, von
irgend einer anderen Gattung der Marseniaden , oder we-
*) Ich muss hier noch einer winzigen, nicht völlig ausgebilde-
ten, im Spätherbste des vorigen Jahres eingefangenen Larve erwäh-
nen, weil sie mir der Schale nach, zu derselben Familie zu gehören
scheint. Die glashelle, weiche Schale besteht aus einer einfachen
Windung und misst etwa yg Mill. Sie ist durch zwei Paare scharf-
kantiger, mit breiter Basis sich erhebender Leisten ausgezeichnet.
Das eine Paar der Leisten nimmt die Mitte des Rückens ein, die bei-
den anderen Leisten sind lateral, auf die entgegengesetzten Seiten-
flächen der Schale vertheilt. Die Larve schwamm mittelst eines aus
zwei einfachen, fast scheibenförmigen Lappen bestehenden Segels leb-
haft umher. An dem länglichen, flachen Fussrudimente Hess sich ein
Deckel entdecken. Die Augen zeigten sich schwärzlich, verhältniss-
mässig gross, während die Fühler noch nicht angelegt schienen.
Fernere Nachträge zu dem Aufsätze über die- Echinospira. 261
nig-stens von einer nahe verwandten Familie herzuleiten.
Diese Vermulhungen gelten in gleichem Maasse auch für die
Calcarella. Jedenfalls aber stellt sich aus den vorstehenden
Millheilungen so viel als sicher heraus, dass es unter den Cte-
nobranchialen eine Gruppe giebt, deren sämmtliche Mitglieder,
im Larvenzustande, durch den Besitz einer provisorischen,
nach einem eigenlhümlichcn überall durchaus conformen Ty-
pus gebauten Schale, sich in auffallender Weise auszeichnen.
Es giebt unter den Cephalophoren nur noch eine, zu einer
anderen Ordnung gehörende Familie , deren Repräsentanten
im frühesten Jugendaller ebenfalls mit einer vergänglichen,
von der spätem ganz abweichenden Schale versehen sind.
Ich meine die Familie der Cymbuliaceen unter den Pteropo-
den. (s. meine briefliche Mittheilung in Müller's Archiv für
Anatomie und Physiolog. 1856. p. 515).
Erklärung der Abbildungen.
Fig. 1. Rudiment der bleibenden Schale des aus der Echinospira
sich enlwicitelnden Gastropoden, (natürl. Gr. c. lya Millim).
Ansicht von der Seite.
Fig. 2. Dass.elbe mit der Mündung nach oben.
Fig. 3. Die mit der Calcarella verwandte Larve, tief in ihr Gehäuse
zurückgezogen. Profilansicht.
An der Larve ist: a das Wimpersegel. — b der Fuss.
— c der Mantel. — d das Rudiment der den Hinterleib
Aberkleidenden bleibenden Schale.
Am Larvengehäuse (natürl. Gr. c. 2 Millim.) ist : e die
linke Reihe der Rückenstacheln. — f die linke Seiten-
leisten. — g der dachförmig über der Mündung vorra-
gende Fortsatz des Rückentheils.
Fig. 4. Die beiden Kiefer des jungen Gastropoden, zu dem sich die
Larve ausbildet.
Bonn, d. 18. Juli 1857.
Späterer Zusatz. In den Annais of natur. history (Vol. 19.
p. 373) beschreibt Herr Arthur Adams eine stachlige Schale, die
er zur vermeintlichen Gattung Macgillivrayia zieht und M. echinata
bezeichnet. Es scheint mir diese Schale in den meisten Beziehun-
gen mit dem Gehäuse der in dem vorstehenden Aufsatze zuletzt er-
wähnten Larve übereinzustimmen.
lieber einigte Chilenische ^ög:el und Fische«
Von
Dr. R« A» Pliilippl
in Santiago de Chile.
Das Museum von Santiago besitzt jetzt 133 Arten Chileni-
scher Vögel, so dass demselben noch 63 Arten fehlen, von
denen ich bis jetzt weiss, dass sie wirlilich in Chile einheimisch
sind. Ich rechne hierbei die nur in der Magellanslrasse be-
obachteten Vögel ab. Unter obigen 133 Arten befinden sich
16, welche in dem bekannten Werke von Herrn Gay nicht
beschrieben sind, und die ich, so weit meine allerdings sehr
mangelhaften literarischen Hülfsmittel reichen, für neu halte.
Ich begnüge mich gegenwärtig die folgenden zu beschreiben.
1. Rallus Salinasi Ph.. Der Kopf ist oben graubraun und
geht diese Färbung nach dem Nacken hin allmählich in zimmt-
braun über : der Rücken ist schwarzbraun. Die Flügel ha-
ben dieselbe Grundfarbe , sind aber weiss gefleckt , indem
jede Deckfeder mehrere quergestellte weisse Flecke zeigt.
Die Schwungfedern sind braunschwarz aber mit weisslichem
Aussenrande, und zeigen ebenfalls weissliche Flecke, die aber
sehr klein sind. Die Steuerfedern sind ähnlich gefleckt, wie die
Deckfedern, aber ihr Grund ist dunkler, schwärzer. Die Kehle
ist rein weiss; diese weisse Färbung verliert sich allmählich
nach den Seiten des Halses und nach der Brust hin, welche
Theile aschgrau sind. Die Seiten des Leibes und der Bauch
sind hellbraun mit weissen Querbinden; der Unterschenkel
zeigt dieselbe Färbung, nur sind die weissen Querbinden we-
niger deutlich. Die Füsse sind grünlich; der Schnabel mehr
braun als grün. — ■ Dimensionen: die Länge des Körpers von
der Schnabelwurzel bis zum Ende des Schwanzes beträgt
4y2Zoll; der Schnabel misst 773 Linie, der Tarsus liy2 Linie,
der Daumen 5, die Innenzehe 11, die Mittelzehe 12, die
Aussenzehe wieder 11 Linien.
Philipp!: lieber cinigic Cbilepiiche Vögel und Fische. 263
Dieser Vogel muss sehr seilen sein, da Herr Eulogio
Saunas, der sich seit vielen Jahren eifrig mit der Orni-
thologie von Chile beschäftig!, nur das einzige Exemplar ge-
sehen hat, welches ich oben beschrieben habe, und welches
er dem Museum von Santiago verehrt hat. Der Vogel lebt
im Röhricht.
2. Upuarthia atacamensis Ph. Der Oberkörper ist
rolhbraun , mit Ausnahme des Kopfes, welcher mehr grau^
braun ist. Ein weisser Streifen fängt über den Augenbrauen
an, ynd zieht sich von dort nach hinten, wie bei ü. nigro-
fumosa. Die Federn in der Ohrgegend sind einfach grau,
die unter dem Auge grau mit weissem Schafte. Die Kehle
ist rein weiss, und geht diese Färbung allmählich auf der
Brust in ein helles rölhliches Grau über. Die Federn dieser
Theile sind durchaus einfarbig, ohne die Querslreifen, welche
U. dumeloria und vulgaris zeigen, und ohne die Längsstrei-
fen, welche bei U. nigrofumosa vorkommen. Die Seilen des
Leibes, der ßauch und die uniern Declifedern des Schvvanzes
sind hell graubraun, letztere mit weissen Spitzen. Die gros-
sen Deckfedern der Flügel sind am Grunde schneeweiss, an
der Spilze schwarzgrau. Die erste und zweite Schwungfeder
sind einfarbig schwärzlichgrau, die dritte hat einen langen
rostgelben Fleck, der vom Grunde bis zur Mitle der Länge
reicht, aber die Ränder nicht berührt, und durch den schwar-
zen Schaft getheilt wird; die vierte Schwungfeder hat den-
selben Fleck aber von weisser Farbe; von der fünften an
ist die ganze Basis der Federn einschliesslich (des Randes
weiss. Die Schwungfedern der zweiten Ordnung haben eben-
falls eine weisse Basis, sind aber bräunlich, und namentlich
ist ihr Aussenrand rolhbraun. Die drei äusseren Schwanz-
federn jederseils haben an der Spitze einen breiten weissen
Fleck; die beiden folgenden haben an der Spitze einen
schmalen rölhlichen Rand, die inneren sind einfarbig grau-
schwarz. Schnabel und Füsse sind schwarz. Erslerer ist
wenig gebogen, ähnlich wie bei ü. vulgaris.
ü. dumeloria, vulgaris und nigrofumosa unterscheiden
sich auf den ersten Blick durch die gestreiften oder gebänder-
ten Federn der Kehle, erslere ausserdem durch den stark ge-
krümmten Schnabel. Durch dasselbe Kennzeichen unterschci-
S64 Philipp!»
det sich auch Ochetorrhynchus ruficaudus Meyen (den Des-
murs geneigt ist, mit dem geradschnäbligen Eremobius phoe-
nicurus Gould zu vereinigen!). U. antaretica ist einfarbig
russbraun, U. chilensis hat eine weisse, dunkelpunktirte Kehle,
und die Federn der Unterseite haben weisse Schäfte; ü.
melanura endlich ermangelt der weissen Flecke auf der Kehle.
Die Dimensionen der U. atacamensis sind : Länge
von der Spitze des Schnabels bis an das Ende des Schwan-
zes 8 Zoll; Länge des Oberschnabels Q'/j Linie, der Schna-
belöffnung 12y2 Linie. Der Tarsus misst 15 , der Daumen
ohne den Nagel 5y2, die Innenzehe und ebenso die Aussen-
zehe 6, die Mittelzehe 10 Linien.
Diese Art wurde von mir an den Ufern des Flusses von
S. Pedro de Atacama beobachtet.
3. Totanus chilensis Ph. Kopf, Hals und Brust sind
graulich weiss, mit schwärzlichen Längsstreifen ; Kehle, ßauch
und die untern Deckfedern des Schwanzes schneeweiss; die
Seiten weiss mit schwärzlichen Querwellen, der Rücken grau-
braun mit weissen und schwarzen Flecken, indem fast sämml-
liche Federn einen weiss- und schwarzgegliederten Rand
haben. — Die Schwungfedern sind schwärzlich; die kleinen
Deckfedern schwärzlich mit einem schmalen, weissen Rande,
die anderen Deckfedern braun, am Rande schwarz und weiss
gegliedert; die Steuerfedern sind in der Mitte grau, an den
Rändern rein weiss, mit etwa 10 Querbinden, die in der
Mitte wenig von der Grundfarbe verschieden sind, nach den
Rändern hin aber allmählich tiefschwarz werden. Die obern
Deckfedern des Schwanzes sind weiss mit schwärzlichen
Querbinden. Der Schnabel ist schwarz, die Füsse braungelb.
Ersterer ist in seiner zweiten Hälfte etwas aufwärts ge-
krümmt, die Spitze dagegen ist wieder etwas abwärts gebo-
gen ; die Basis ist anderthalbmal so hoch wie breit.
Die Länge des Vogels von der Spitze des Schnabels
bis zum Ende des Schwanzes beträgt 14 Zoll. Der Ober-
schnabel misst 25 Linien, der nackte Theil der Tibia 14 Lin.,
der Tarsus 2 Zoll 7 Lin., der Daumen 3 Lin., die innere
Zehe 13, die Mittelzehe 17 und die Aussenzehe 14 Linien.
T. chilensis steht dem T. glottis offenbar sehr nahe,
unterscheidet sich aber durch bedeutendere Grosse, durch
üeber einige Chilenische Vögel und Fische. 265
die weiss und schwarz geränderten Deciifedern, den asch-
grauen Schwanz, der weit weniger Ouerbinden hat, die am
Rande der Federn schwarz werden. Bei T. glotlis ist der
Grund der Schwanzfedern weiss; die Querbinden sind zahl-
reicher, schmaler, durchaus blassgrau. Der Schaft der er-
sten Schwinge ist weiss, wie bei T. gloltis.
An der Küste der Provinz Valparaiso heisst dieser Vo-
gel Pitoiloi grande.
4. Culicivora Fernandeziana Ph. C. grisea ; crisla e
plumis strictis, elongalis, nigris , albido variegalis formala;
gulture pectoreque albidis, nigro flammulatis ; abdomine albo;
alis nigrÄ, leclricibus albo-marginatis; remigibus recfricibus-
que exlerioribus albo limbalis: roslro pedibusque nigris. Ha-
bitat in Insula luan Fernandez.
Diese Art unterscheidet sich schon auf den ersten Blick
von der im grössten Theile Chiles vorkommenden C. paru-
lus durch die Färbung. Sie hat nämlich nichts Olivenfarbe-
nes an sich, sondern Rücken, Flügel und Schwanz sind
graulich schwarz; die Federn der Holle sind mit weniger
Weiss gemischt, und scheinen auch breiter, mehr auseinan-
dergezasert zu sein, Brust und Bauch sind rein weiss, ohne
Spur von gelber Beimischung, und die schwarzen Längsstri-
che der ersteren sind viel breiter und intensiver. Noch we-
sentlicher ist aber der Unterschied , dass der Schnabel im
Verhältnisse weit grösser ist, wie die Vergleichüng der Di-
mensionen bei beiden Arten zeigen wird.
266 Philippit
Velasia chilensis Gray,
In der Ichthyologie des Gay'schen Werkes über Chile
wird kein einziger Fisch aus der Ordnung der Cycloslomen
aufgeführt, ungeachtet schon Dombey die Haut eines Chi-
lenischen , in diese Ordnung gehörenden Fisches nach Eu-
ropa gebracht hatte, welcher von Lacepede als Gastro?*
branchus Dombeyi und von Dumeril als Heptatretus Dom-
beyi beschrieben ist. Die neueren Ichthyologen rechnen diese
Art, glaube ich, zu Bdellostoma. Girard beschreibt in der
U. S. naval astronomical Expedition vol. II. p. 252. ta^.XXXlfl
eine neue Art Bdellostoma, Bd. polytrema von der Küste von
Valparaiso. Dieselbe Art hat dem Museum von Santiago von
der Magellans-Slrasse der Gouverneur der dortigen Colonie,
Herr G. Schythe zugesendet, doch sind die Exemplare lei-f
der sehr verdorben, indem der Weingeist zu schwach war.
Eine dritte Art ist der Aal der Chilenen, ihre Anguila. Schon
Moli na sagt in seinem Saggio sulla storia naturale di Chili
p. 226, dass im Gebiete der Araukaner Aale, anguille, vor-
kämen, und während ich in der Provinz Valdivia zubrachte,
habe ich oft von den dortigen Aalen erzählen hören, ohne
dass es mir gelungen wäre, einen davon zu sehen. Kürz-
lich aber hat mir Herr L. Landbeck von dort ein^ Exem-
plar desselben in Weingeist übersendet , und die oberfläch-
lichste Ansicht zeigte mir sogleich, dass dieser Fisch nichts
weniger als ein Aal, sondern vielmehr eine Lamprete, Pricke
oder Neunauge ist, jedoch ein eigenes Genus bilden muss.
Der Körper ist sehr verlängert und cylindrisch, ohne Schup-
pen, ohne Brust-, Bauch- und After-Flossen, aber mit zwei
kleinen Rückenflossen und einer Schwanzflosse versehen, wie
die Lampreten. Wie diese zeigt er sieben Kiemenlöcher und
eine kurze Röhre auf dem Scheitel. Jedoch zeichnet er sich
auf den ersten Blick durch eine sackförmige Erweiterung der
Kehle und die sonderbare Beschaffenheit der Lippen aus. Der
Kopf ist schief abgestutzt, der Mund kreisförinig, die Lippen
aussen von einer Furche umgeben und mit einer grossen
Anzahl quergestellter, halbkreisförmiger, gekerbter oder ge-
franster ßlältchen besetzt; ausserhalb welcher noch eine Zahl
üeber einige Chilenische Vögel und Fische. 267
kleiner kurzer Fühlfäden erkannt wird. Die Zähne, welche
den von den Lippen gebildeten Trichter bedecken, bilden
wenigstens sieben concentrische Reihen und nehmen von aus-
sen nach innen an Grösse zu. Im Gaumen stehen vier kräf-
tige Zähne, von denen die beiden mittleren kaum halb so
breit wie die beiden äusseren sind , auf der Zunge befindet
sich ein quergestellter neunspitziger Zahn. Zwei kräftige
Zähne sieht man endlich auf dem Schlünde. — Dieser son-
derbare Fisch ist einfarbig schiefergrau und wird einen Fuss
lang. Er findet sich in den Flüssen und nicht im Meere.
Ich habe das einzige Exemplar nicht zergliedern wol-
len, hoffe aber bald von Herrn L. Landbeck mehrere
Exemplare zu erhalten, welche mich in den Stand setzen
werden , die Beschreibung dieses Fisches zu vervollständi-
gen *}.
*) Nachdem ich diese Beschreibung entworfen , ersehe ich aus
der von Giebel und Heintz herausgegebenen Zeitschr. für die
gesammten Naturwiss., dass Gray in den Ann. and Mag. of nat. hi.
Story, eine Chilenische Cyclostome als YeUsia chilensjs beschrieben
hat. Ist dies vielleicht dieselbe Art?
Anmerkung des Herausgebers. Die Frage nach der
Identität des Philippi'schen Fisches mit Velasia chilensis Gray glaube
ich bejahend beantworten zu müssen. In beiden Beschreibungen ist
nichts geradezu widersprechendes enthalten, wenngleich die Beschrci.,
bung des Gebisses in beiden in anderem Sinne aufgefasst ist. Die
Gray'sche Beschreibung (Annais and Magazine of natural history. Se-
cond series Vol. XIII. p. 62; vergl. auch dies Archiv 1854. II. p. 144)
lautet vollständig in der Uebersetzung so : „Velasia. Die oberen in-
neren Zähne gross, quer, mondförmig , in vier flache längliche Lap-
pen getheiit; die äusseren Lappen die grossesten. Die unteren in-
neren Zähne gross, quer, mondförmig, convex, am Rande gezähnelt.
Die Lippenzähne sehr zahlreich, abgestutzt, in gedrängten, geboge-
nen Reihen, die vom Schlünde aus divergiren; die inneren gross,
nach dem Rande zu allmählich an Grösse abnehmend. Zunge mit
zwei sehr grossen langen gekrümmten Zähnen, mit einer dreieckigen
Platte unten an ihrer Basis. Die beiden Rückenflossen weit von ein-
ander entfernt. Mund massig, mit queren Blältchen (foliations) ge-
randet. Velasia chilensis Hab. Chili, in süssem Wasser." Wenn ich
Gray's obere innere Zähne mit Fhilippi's Gaumenzähnen, seine
unteren inneren Zähne mit dem Fhiiippi'schen Zungen^ahn , seine
268 Philippij
Genypterus Ph.^}» Neues Geschlecht der Blennioiden.
Unter den Chilenischen Fischen sind wenige im Lande
so bekannt wie der Congrio, der häufig in den mittleren
Provinzen auf den Markt kommt, und in noch grösserer Menge
in den nördlichen Provinzen gefischt wird , wo man ihn
trocknet und in grossen 0"a"titäten nach Peru, den Argen-
tinischen Provinzen, zum Consum der Schilfe und zur Fa-
stenspeise verkauft. In früheren Zeiten war der Fang des
Congrio fast die einzige Nahrungsquelle der Kustenbewohner,
der s. g. Changos , bis ihnen die Bergwerke eine vorlheil-
haftere Beschäftigung gaben. Es ist daher sehr sonderbar,
dass dieser Fisch den Naturforschern unbekannt geblieben
ist. Herr Gay meint, die Ursache hiervon sei die Grösse
des Fisches, welcher zur Aufbewahrung ein ziemlich grosses
Gefäss und eine ziemliche Menge Weingeist verlange. Dies
mag dann auch wohl die Ursache sein, welche ihn verhin-
dert hat, Exemplare nach Frankreich mitzunehmen, so dass
er sich damit begnügt hat, den Congrio nach einer von ihm
nach dem Leben entworfenen Zeichnung zu beschreiben. Er
nennt den Fisch Conger chilensis. S. Zool. der bist, de Chile
vol. IL p. 339. Hierin irrt er sich aber gewaltig: der Con-
grio der Chilener gehört gar nicht zunv.Geschlechle Conger,
ja nicht ein Mal zur Ordnung der Malacopterygii apodes, da
er^Bauchflossen besitzt, obgleich diese an einem ungewöhn-
Zungenzähne mit den Philippi'schen Schlundzähnen identificire, und
wenn ich ferner die Uebereinstimmung der Gray'schen „transverse
foliations« am Mundrande mit den „gefransten Blättchen« Philip pi's
in Betracht ziehe, so kann ich an der Uebereinstimmung beider Fi-
sche nicht mehr zweifeln. Wenigstens ist die generische Ueberein-
stimmung erwiesen. — Da jedoch die Beschreibung Philip pi's die
von Gray ergänzt, und die Kenntniss des seltenen und merkwürdigen
Fisches fördert, so habe ich sie unverändert abdrucken lassen. Da
aber der Gray'sche Käme die unbezweifclte Priorität hat, und ein
Thier nur einen Namen braucht, so habe ich um eine unnütze Syno-
nymie zu vermeiden den von Philipp i gegebenen ?famen, Thysa-
nochilus valdivianus, unterdrückt. Ich denke sowohl der Herr Verfasser
wie die übrigen Ichthyologen werden mich darum nicht tadeln.
*} Von yiyv^i das Kinn und ntegoyt die Flosse.
üeber einige Chilenische Vögel und Fische. 269
liehen Orte, nämlich an der Spitze des Kinnes stehen und
von Gay ül)ersrhen sind, und ausserdem eine sehr grosse
Kiemenspalte hat , während diese Oeffnung bei den Aalen
und Meeraalen bekanntlich seiir klein ist. Die Stellung der
Bauchflossen vor den Brustflossen, und der Umstand, dass die
unpaaren Flossen keine Stachelsirahlcn führen , könnten uns
veranlassen , den Congrio in der Ordnung der Malacopterygii
jugulares zu suchen bei den Gadoiden , allein die geringe
Zahl der Strahlen der Bauchflossen und die grosse Länge
der Rücken- und Afterflosse erinnern vielmehr an die Blen-
nioiden, welche, obgleich zu den Stachelflossern gerechnet,
doch einige Geschlechter mit weichen Strahlen enthalten,
und eine genauere Untersuchung überzeugt uns in der That,
dass der Congrio der Chilenen in diese Abtheilung, und na-
mentlich neben Zoarces gehört. Von diesem Geschlechte un-
terscheidet er sich jedoch sogleich dadurch, dass seine
Rückenflosse in gleicher Höhe ohne Unterbrechung verläuft,
und dass er Zähne auf dem Vomer und auf den Gaumen-
knochen besitzt. Der Körper ist verlängert , jedoch weit
weniger als bei den ächten Meeraalen, zusammengedrückt
und mit sehr kleinen Schuppen bedeckt. Der Kopf ist nackt;
der Unterkiefer zeigt conische, etwas gekrümmte Zähne, die
vorn mehrere, auf den Seiten aber eine einzige Reihe bilden.
Zähne von derselben Gestalt in mehreren Reihen gestellt,
sieht man auf dem Oberkiefer; gleiche Zähne, aber mit klei-
neren vermischt, auf dem Pflugschaar- und den GaumSi-
beinen. Die Lippen sind dick und fleischig. Die Rücken-
flosse und die Afterflosse sind sehr verlängert und verflies-
sen ohne Unterbrechung mit der Schwanzflosse; sie zeigen
nur weiche Strahlen , so viel man durch die dicke Haut
durchfühlen kann, welche sie bedeckt. Die Augen sind ziem-
lich gross; das Praeoperculum endet mit einem in der Haut
versleckten Dorn. Die Brustflossen sind eiförmig ; ihre Strah-
len lassen sich ohne Zergliederung nicht zählen , wegen der.
dicken Haut , die sie bedeckt ; die Bauchflossen stehen am
Kinn senkrecht unter den Augen und bestehen jede aus zwei
Strahlen, die fast bis zur Basis getrennt sind. Die Kiemen-
spalte ist, wie gesagt, sehr gross, und die Kiemenhaut zeigt
Ö Strahlen. Ich nenne die Art G, nigricans, Ihre Färbungf
a7ö Philippit
ist schwarz; die Seiten und die Afterflosse sind schwarz mit
weissen Flecken; die Lippen, die Kehle und der vordere
Theil des Bauches ziegelrolh, der hintere Theil der Bauches
weiss. — Die Länge des vorliegenden Exemplares beträgt
18 Zoll; die grösste Höhe etwas hinter den Brustflossen 3
Zoll 2 Lin. ; die Dicke des Körpers beinahe 2 ZolL Der Kopf
misst 4 Zoll , die Brustflosse 2 Zoll. Die Fischer nennen ihn
Congrio negro.
Raja sc ob in a Ph.
Herr »Gay erwähnt eine einzige Rochenart, die er R.
chilensis nennt, und der er drei Reihen Stacheln auf dem
Winkel der Brustflossen und eine einzige Stachelreihe auf
dem Schwänze zuschreibt. Es ist sonderbar, dass Herr Gay
sich nicht die Mühe gegeben hat, die Reise von Popp ig
nachzusehen, in welcher er Vol. L p. 148 einen Chilenischen
Rochen unter dem Namen R. lima gefunden hätte. Unser
Museum besitzt diese Pöppig'sche Art, und eine andere neue,
welche ich R. scobina nenne, beide von der Küste der Pro-
vinz Valparaiso. Die letztere hat einen abgerundet rauten-
förmigen Körper mit stumpfer Schnauze , der oben grau mit
weissen Flecken ist. Unter diesen zeichnet sich einer von
dreieckiger Gestalt auf der Schnauze aus. Die untere Seite
ist weiss. Die Zähne sind breiter als lang, dicht gedrängt,
ui#ewehrt. Der obere Theil des Körpers zeigt drei Arten
Stacheln ; die grössern bilden zwei Reihen auf dem Rücken
in der Nähe der Mittellinie, und drei auf dem Schwänze, ein
oder zwei solcher Stacheln sieht man auch nach hinten und
innen von den Augen. Stacheln von der zweiten Grösse be-
decken in grosser Menge die Peripherie des Körpers und den
Schwanz, kleine, oft zu blossen Körnern reducirte Stacheln
endlich bedecken sonst die ganze obere Seite des Körpers.
Der Schwanz hat keine Schwanzflosse, und gehört unsere
Art daher in die Abtheilung Uraptera Müll, und Henle. Es
ist übeiflüssig, die Unterschiede zwischen dieser Art und den
beiden, R. chilensis und R. lima, besonders hervorzuheben;
schon die drei Reihen grösserer Stacheln auf dem Schwänze
S&eichnen sie auf den ersten 3lick aus.
Ueber einige Chilenische Vögel und Fiistfae. 271
Rhynchobatis^ Schnabelrochen n. Gen.
Auf der Reise, welche mein Präparator, Herr Ger-
main^ nach der Insel Juan Fernandez machte^ g^lung es
ihm, einen sonderbaren Rochen zu bekommen, welcher ein
neues Genus bilden muss. Unglücklicherweise erlaubte ihm
die Eile, mit welcher er umkehren musste, indem das Schiff
nicht die nöthigen Lebensmittel mitgenommen hatte, nicht den
Fisch zu präpariren, und nur der trockne Kopf desselben ist
in meine Hände gelangt. Dieser zeichnet sich von dem aller
übrigen Rochen dadurch aus, dass er in einen langen, li-
nealischen, platten, an der Spitze abgerundeten Schnabel aus-
läuft, welcher auf 6 Zoll Länge 10 Linien breit isL Die un-
tere Seite dieses Schnabels zeigt den nur 4 Linien breiten
knöchernen Theil, welcher sich gegen die Spitze hin ver-
flacht, und einen Zoll vor derselben gänzlich aufhört, so wie
jederseits einen 3 Linien breiten Hautsaum: diese Unterseite
ist an der Basis glatt, übrigens aber mit kleinen, rückwärts
gekrümmten Stacheln dicht bedeckt. Die Oberseite ist ganz
und gar mit kleinen Stacheln bedeckt, die eine sternförmige
Basis haben. Aehnliche aber grössere Stacheln bedecken
ebenfalls den Kopf; ihr Durchmesser beträgt beinahe 1 Linie,
und ihr Centrum hat eine senkrecht grade Spitze. Etwa
sechs grössere Dornen, deren Basis 4 Linien lang und 3 Li-
nien breit, und deren Spitze rückwärts gekrümmt ist, begleiten
auf der Innern Seite und in der Entfernung von etwa einem
halben Zoll die Augen, indem sie eine etwas gekrümmte Li-
nie bilden. Am Vorderrande des Kopfes bemerkt man jeder-
seits einen rundlichen, oben gewölbten Vorsprung; welcher,
wie man auf der unleren Seite des Schädels sieht, durch
einen oval-elliplischen Körper gebildet wird, der grosse in
vier Reihen gestellte, durch ein fibröses Gewebe unvollkom-
men getrennte Zellen enthält. Ich bekenne, dass ich nicht
weiss, wolür ich dies Organ halten soll. Zu einem elektri-
schen Organe scheint es mir zu klein. Die Zähne sind ziem-
lich dicht geslelll, sie haben eine beinahe rhombische Grund-
flache von IV4 Lin. Durchmesser und eine geneigte nach in-
nen gerichtete Spitze.
272 Philippi: üeber einige Chilenische Vögel und Fische.
Die Breite des ganzen Kopfes beträgt beinahe 6 Zoll;
die Mundöffnung so weit sie mit Zähnen besetzt ist, misst
3 Zoll 3 Lin. , die Entfernung des Mundes von der Spitze
des Schnabels beträgt beinahe 8V2 Zoll. Die beiden räth-
selhaften Organe am Vorderrande des Kopfes sind iy2 Zoll
von einander und etwa V/n Zoll vom Munde entfernt; ihr
Längsdurchmesser beträgt fast V/r^ Zoll, ihr Querdurchmes-
ser 8 Linien.
Santiago im März 1857.
Pteroptociios albifrons n. sp.
Von
, liudwig^ liandbeck*
Arlkennze ichen : Eine runrde Platte auf
Stirn und Scheitel atlasglänzend weiss.
Länge von der Schnabel- bis Schwanzspilze
(altparis. Maass) (4" chil.) .... 3" 6'"
„ des Schnabels vom Winkel an . . — 6'"
„ n 7) von der Slirne an . . — 5'"
„ „ Schwanzes V —
Breite 5" 9'"
Flügel vom Bug bis zur Spitze 1" 6"'
Schienbein — iV"
Tarsus — 8'"
Hinlerzehe sammt Nagel — 7'"
Vordere Innenzehe — 5"'
Miltelzehe — 8'"
Aussenzehe — 6'"
Der Schnabel ist kegelförmig, scharf zugespitzt, die
Nasenlöcher von einer aufgetriebenen Haut bedeckt, horn-
schwarz, der Winkel gelb. Das Auge von verhältnissmässi-
ger Grösse, ist dunkelbraun, der nackte Tarsus auf der In-
nenseite lehmweisslich , aussen schwarzbraun genetzt; die
Nägel weiss.
Slirn und Scheitel am Grunde der Federn schwarzbraun,
an den Spitzen wie Alias prachtvoll weissglänzend; die übrige
Oberseite braun und schwarz gebändert und gefleckt, was
auch bei allen schmalen Kanten der Flügel und des Schwan-
Archiv f, Nftturgcsch. XXIII. Jahrg 1. Cd. 18
2?4 L a n (1 1) e c k :
2es der Fall ist. Kopfseilen, Kehle, Gurgel und Brust glänzend
aschgrau, gegen den Bauch und die Seiten in helles Rost-
gelb übergehend , auf den Seiten und unter dem Schwänze
fein schwarz quergebändert. Die Unlerseile der Schwung- und
Schwanzfedern glänzend grauschwarz. Unlerflügeldeckfedern
silbergrau. Männchen und Weibchen sind in der Grösse und
Befiederung nicht wohl zu unterscheiden , ebenso wenig ist
das Sommer- vom Winterkleide verschieden. Die reiche Be-
fiederung des Winterkleides wird durch das ümherschlöpfen
abgerieben, dadurch die Federn kürzer, da der Vogel aber
fast niemals sich dem Sonnenlichte aussetzt, so verbleichen
die Farben seines Gefieders sehr wenig.
Die Jungen tragen ein von den Alten verschiedenes
Kleid. Die ganze Befiederung ist grau und rostbraun quer-
gewellt und gebänderl und es fehlt die weisse Kopfplatte.
Dieser niedliche Vogel , welcher noch kleiner als der
deutsche Zaunkönig und der kleinste seiner Gattung ist, ge-
hört in der Umgegend von Valdivia keineswegs zu den sel-
tenen Vögeln; vielmehr findet man ihn in den meisten tief-
schattigen mit altem Holze von gefallenen Stämmen oder
dürrer Quila bedeckten feuchten oder sumpfigen Wald- und
Gebüschparlieen paarweise. Er lebt jedoch so verborgen
und treibt sein Wesen so heimlich, dass es nur selten ge-
lingt, ihn zu Gesicht zu bekommen, weshalb er auch sehr
schwierig zu schiessen ist. Am ehesten ist dieses während
der Paarungszeit im Frühlinge, im September möglich, wo er
manchmal auch auf Gebüsche hinaufsteigt und seinen äusserst
laut tönenden Ruf , der genau wie „Gotllieb« klingt , halbe
Stunden lang ertönen lässt. Ausser dieser Lockstimme, die wohl
sein Gesang genannt werden kann, lässt er während des Um-
herhüpfens im Gebüsche noch mehrere quikende Töne hö-
ren , die an die Töne des Zaunkönigs erinnern. Seine Be-
wegungen sind sehr behende; er trägt gewöhnlich Kopf und
Hals erhoben vorgestreckt und den Schwanz aufgerichtet.
Er läuft mit grossen Schritten mit locker gehaltenen Flügeln
unter liegenden Hölzern weg und wer ihn zum erstenmal
sieht, glaubt eher ein kleines Säugethier, etwa eine Maus,
vor sich zu haben, als einen Vogel. Am muntersten ist er
beim Regenwetter, wahrscheinlich ist ihm da seine Tafel am
Pteroptochos albifrons. 275
reichsten gedeckt. Er frisst kleine Wurmer und Insekten,
Käfer, Spinnen, Mücken.
Sein Nest findet sich an den Rändern von steilen be-
moosten Felsabhängen und alten Mühlkanälen, wo es '/^ bis
2 Fuss tief in Seitenlöchern angebracht wird, seltener unter
Baumwurzeln und in liegenden hohlen Bäumen. Es ist gross^
gut gebaut und besteht äusserlich aus Würzelchen und Moos,
innerlich aus Haaren und Federn , es ist ziemlich lief und
daher sehr warm. Er legt 3 — 4 schneeweisse ziemlich grosse
etwas kugelige Eier , welche an beiden Spitzen ziemlich ab-
gestumpft sind.
Wie lange die Brütezeit dauert, ist noch nicht beob-
achtet.
Dem Verfasser dieser Zeilen ist keine auf diesen Vogel
passende Beschreibung bekannt, wesshalb er denselben für
neu hält und ihm die obige sehr bezeichnende Benennung
gegeben hat.
Collico bei Valdivia d. 16. März 1857.
Verzeiciliiiss der Tliiere« aufweichen
Schmarotzer- Insekten leben*
Von
O 11 r 1 t.
Mit Hinzufügungen von Schilling.
Vorbemerkung des Herausgebers. Vor meh-
reren Jahren halle der Conservator Dickert eine Anzahl
Schmarolzer-Inseklen von Thieren, die für das Bonner Mu-
seum ausgestopft wurden, gesammelt. Ich sandle sie an den
Geh. Med. - Rath. Gurlt, Director der Thierarzneischule,
nach Berlin , der nicht nur die Freundlichkeit halle sie zu
bestimmen, sondern auch durch reichliche Hinzufugung aus
seinen Doublelten , eine Grundlage für eine derartige Samm-
lung im Bonner Museum zu legen. Später halle ich Gele-
genheit von dem früheren Conservator des Greifsw^alder Mu-
seums, Dr. Schilling in Naumburg an der Saale 110 Ar-
ten von Schmarotzern in Glycerin - Präparalen für das Bon-
ner Museum zu erwerben. Als ich nun in diesem Sommer,
1857, wieder eine Partie gesammelter Schmarolzer-Inseklen
an Gurlt schickte, um sie bestimmen zu lassen, bat ich ihn
um ein Verzeichniss sämmllicher Schmarotzer nach den Wohn-
thieren geordnet. Gurlt gab sogleich meiner Bitte Folge
und übersandte mir das beifolgende Verzeichniss. Darin
sind die Schmarotzer -Arachniden nicht berücksichtigt; die
W^ohnlhiere sind alphabetisch geordnet , jedoch die Säuge-
thiere für sich und die Vögel für sich. Da in den von
Schilling gekauften Schmarotzern sich einige Hinzufügun- ^
Gurlt: Verzeichn. d. Thiere, auf welchen Schmarolzer-Ins. leben. 277
gen zu dem Verzeichnisse ergaben , so schickte ich unter
Zustimmung von Gurlt das Verzeichniss an Schilling,
um Ergänzungen , die ihm seine reiche Erfahrung möglich
machten, in das Verzeichniss einzutragen. Diesem Wunsche
hat derselbe bereitwilligst genügt, und so hat das Verzeichniss
seine gegenwärtige Vollständigkeit erlangt. Mit dem Wunsche,
es möchte auch andere Sammler zu Nachträgen veranlassen,
und so ein ebenso nützliches Verzeichniss bilden , wie das
von Gurlt mit den Creplin'schen Fortsetzungen für die Ein-
geweidewurmer in den früheren Jahrgängen unseres Archivs,
lasse ich es jetzt abdrucken. Es möchte vielleicht besser
gewesen sein , die Wohnthiere in systematischer Ordnung
aufzuführen ; indessen Jeder kann ja leicht es in eine belie-
bige Anordnung umstellen, wenn es etwa darauf ankommt
zu vergleichen, in welcher Verwandtschaft die Schmarotzer
mit einander stehen^ die verwandte Thiere bewohnen. Hier
soll es hauptsächlich das Auffinden der Wohnthiere erleich-
tern , um bei der Bestimmung einen Fingerzeig zu erhal-
ten. Das angehängte gleichfalls von Gurlt angefertigte Ver-
zeichniss sämmtlicher Genera , Subgenera und Species wird
ihm gewiss auch den Dank des betreffenden Publicums er-
werben.
Möchte doch dieses Verzeichniss die Conservatoren und
Ausstopfer an den Museen auf die Schmarotzer-Insekten auf-
merksam machen, und sie zum Sammeln derselben anregen!
Es ist mit wenig Mühe und sehr geringen Kosten verknüpft.
Für die Sammler , die noch keine üebung im Anfertigen
der Präparate haben , nur noch ein Paar anleitende Worte.
Ich finde die Aufbewahrung in Glycerin-Präparaten ganz be-
sonders zu empfehlen, weil das einmal eingeschlossene In-
sekt durch die Glashülle vollständig geschützt ist, und für
jedesmalige Untersuchung nur unter das Mikroskop gescho-
ben zu werden braucht. In Weingeist aufbewahrt, muss man
immer erst bei der Beschauung die Thierchen selbst behan-
deln, und wird so leicht Fühler und Beine abbrechen. Ich
empfehle es als zweckmässig, die Schmarotzer zunächst in
Weingeist zu werfen und zu tödten. Dann darf man sie aber
nicht unmittelbar in Glycerin übertragen , sondern wird gut
thun , sie erst für kurze Zeit in Wasser zu legen, um den
278 Gurlt:
Weingeist abzuspulen. Nun trage man auf eine Glasplatte
einen Tropfen Glycerin^ bringe das Schmarotzer-Insekt in den-
selben^ und lege, nachdem man sich von der günstigen Lage
des Objectes überzeugt, und etwa die Fühler oder Beine ein
wenig zurechtgerückt hat, ein Deckgläschen auf. Man wird
für die Grösse des Glycerin-Tropfens bald und nach einiger
Uebung das richtige Augenmaass erlangen. Liegt das Deck-
gläschen so auf, dass die ganze untere Fläche desselben mit
Glycerin benetzt ist, und dass kein Glycerin über den Rand
hervorsteht^ dann verkitte man den Rand des Deckgläschens.
Als Kitt wende ich den so billigen gewöhnlichen Eisenkitt
an , und trage ihn in Syrupsdicke mittelst eines Drahtstiftes
auf. Objectgläser sowohl wie Deckgläschen sind für denjeni-
gen , welcher sie gleichförmig und elegant haben will , vom
Dr. Oschatz in Berlin, so wie von dem Giessener Tausch-
verein zu beziehen.
A* mensch»
Homo,
Pediculus Capitis L.
Pediculus Vestimenti L.
Pediculus Tabescentium ?
Phthirius inguinalis Leach.
Pulex irritans L.
R* Säug^ethiere«
Antilope Dorcas,
Trichodectes Antilopes Gurlt.
Antilope Rupicapra.
Staematopinus Rupicaprae G.
Bos Bubalus.
Haematopinus Bubali G.
Bos Taurus,
Haematopinus eurysternus Nitzsch.
Haematopinus Vituli Stephens.
Trichodectes scalaris N.
Oestrus Bovis Meig. (larvae).
Verzeichniss derThiere, auf welchen Schmarotzer-Insektea leben. 279
Canis familiaris.
Haematopinus piliferus Burm.
Pulex Canis Bouche.
Pulex Marlis Bouche.
Trichodectes latus N.
Canis Vulpes.
Pulex Canis Bouche.
Pulex Melis G.
Trichodectes Vulpis Denny.
Capra Hircus.
Haematopinus stenopsis B.
Trichodectes Climax N.
Oestrus Ovis Moig. (larvae).
Cavia Cobaya.
Gyropus gracilis N.
Gyropus ovalis N.
Cervus Capreolus.
Melophagus Cervi Meig.
Trichodectes longicornis N.
Cervus Dama.
Melophagus Cervi Meig.
Trichodectes longicornis N.
Cervus Elaphus,
Melophagus Cervi Meig.
Haematopinus crassicornis B.
Trichodectes longicornis M.
Trichodectes similis D.
Equus Asinus.
Haematopinus Asini Steph.
Trichodectes Equi N.
Equus Cahallus.
Haematopinus Asini Sleph.
Trichodectes Equi N.
Gaslrus Equi Meig. et aliae species (larvae).
Erinaceus europaeus.
Pulex Erinacei Bouche.
Felis Calus dorn.
Pulex Felis Bouche.
Trichodectes subroslralus N.
280 G u r 1 1 :
Bystrix dorsata.
Trichodectes Hystricis B.
Lemmus obensis.
Pediculus hispidus Grube.
Lepus Cuniculus.
Haematopinus venlricosus D.
Lepus timidus,
Haematopinus lyriocephalus ß.
Lutra vulgaris.
Trichodectes exilis N.
Meles vulgaris.
Pölex Melis G.
Trichodectes crassus N.
Mus agrarius.
Haematopinus affinis ß. i
Mus agrestris. i
. Haematopinus acanlhopus ß. r
Mus (Hypudaeus) arvalis. I
Haematopinus tumidus Schill. 1
Mus decumanus.
Pulex Musculi Bouche.
Haematopinus spinulosus ß.
Mus Musculus.
Pulex Musculi Bouche.
Haematopinus spinulosus B.
Mus Rattus.
Haematopinus spiniger B.
Mus sylvaticus,
Haematopinus affinis B.
Mustela Erminea.
Trichodectes dubius N.
Mustela Foina.
Trichodectes dubius N.
Trichodectes retusus N.
Mustela Furo.
Haematopinus piliferus B.
Verzeichniss der Thiere, auf welchen Schmarotier-Insekten leben. 281
Mustela Maries.
Pulex Marlis Bouche.
Trichodectes retusus N.
Mustela sibirica.
Pulex penicilliger Grube.
Mustela vulgaris.
Pulex Mustelae Schill. (Schill.). Vt- fitAli
Trichodectes dubius N. ^
Myoxus Nitela.
Pulex fasciatus ßosc.
Ovis Aries»
Oestrus Ovis Meig^. (larvae).
Melophagus ovinus N. '^uiiwu t«:
Trichodectes sphaerocephalus N.
Phoca groenlandica.
Haematopinus setosus ß.
Phoca hispida, '^ t^^h
Haematopinus annulalus Schilling.
Sciurus vulgaris.
Pulex Sciurorum Schrank.
Haematopinus sphaerocephalus B.
Spermophilus Eversmanni.
Pediculus laeviusculus Grube.
Sus Scrofa dorn.
Haematopinus Suis Leach.
Talpa europaea,
Pulex Talpae Bouche.
Ursus arctos,
Trichodectes pinguis B.
Ursus (Procyon) Lotor.
Trichodectes Vulpis D.
Vespertilio aiiritus.
Pulex Vesperlilionis Bouche.
Nycleribia Vesperlilionis Fabric.
Vespertilio harbastellus.
Pulex Vesperlilionis Bouche (Schill.)
282 ' Gurlt:
C. VÖK^el.
Accentor modularis.
Docophorus modularis D.
Alauda arvensis.
Docophorus communis N.
Menopon minulum N.
Alca Tor da.
Docophorus celidoxus ßurm.
Nirmus Alcae D.
Menopon lulescens N,
Menopon nigropleurum D.
Menopon Iransversum D.
Alcedo coromandeliana.
Docophorus mystacinus B'.
Alcedo ispida.
Docophorus AIcedinis D.
Anas acuta.
Docophorus icterodes N. (Schill.).
Lipeurus squalidus N. (Schill,)-
Trinoton gracile Grube.
Trinoton luridum B.
Anas Boschas.
Docophorus icterodes N.
Nirmus tessellatus D.
Lipeurus squalidus N.
Lipeurus variabilis N.
Menopon leucoxanthum N.
Anas Clangula.
Docophorus Chrysophlhalmi D.
Trinoton luridum N.
Anas clypeata.
Docophorus icterodes N.
Lipeurus squalidus N.
Trinoton squalidum D.
Anas Crecca.
Docophorus icterodes N.
Menopon leucoxanthum N.
Trinoton luridum N.
Verieichniss der Thicre, auf welchen SchmaroUer-Insekten leben. 283
Anas falcata.
Trinolon gracile Grube. r
Anas ferina.
Docophorus iclerodes N.
Lipeurus squalidus N.
Trinoton luridurn N. (Schill.).
Anas glocitans.
Trinolon gracile Grube.
Anas Marita.
Docophorus iclerodes N. mimiii
Nirmus obscurus B.
Lipeurus squalidus N.
Anas nigra,
Lipeurus squalidus N. "' ****** ^'
Anas Penelope,
Docophorus iclerodes N. * '
Trinolon luridurn N. ^^^^H^*" "
Anas rußna. ' Umö^ctmyU
Nirmus slenopyx B.
Anas Stelleri.
Docophorus iclerodes N.
Lipeurus squalidus N.
Anas Tadorna.
Lipeurus Tadornae D.
Anastomus coromandelianus.
Docophorus completus B.
Colpocephalum occipitale B.
Anastomus lamelligerus.
Docophorus completus ß.
Lipeurus Anastomi G.
Colpocephalum occipitale B.
Anser aegyptiactis,
Docophorus Anseris G.
Docophorus Chrysophlhahni D.
Lipeurus jejunus N.
Menopon Anseris G.
Anser albifrons.
Docophorus iclerodes N.
284 Gurlt:
Lipeurus jejunus N.
Trinoton squalidiiin D.
An$er Bernicla.
Lipeurus jejunus N.
Anser einer eus dorn.
Docophorus adustus B.
Lipeurus jejunus N.
Lipeurus 'Tadornae D.
Trinoton conspurcatum N.
Trinoton squalidum D.
Anser ruficollis.
Trinoton conspurcatum N.
Anser Segetum.
Docophorus Cygni ü.
Lipeurus jejunus N.
Aquila Albicilla.
Docophorus aquilinus D.
Nirmus discocephalus N. 43. ^nßt
Lipeurus quadripustulatus N.
Lipeurus sulcifrons D.
Colpocephaluin flavescens N.
Laemobothrium giganteum N. . ,,, .
Aquila Chrysaelos.
Docophorus aquilinus D.
Lipeurus quadripustulatus N..j^^j|„^,j;^ ;
Colpocephalum flavescens N.
Aquila leucocephala.
Lipeurus sulcifrons D.
Aquila tiaema.
Docophorus aquilinus D. (Schill.)
Nirmus fuscus N. (Schill.)
Lipeurus sexmaculalus Seh. (Sciüll.)
Colpocephalus flavescens N. (Schill.)
Ardea cinerea.
Docophorus tricolor N.
Lipeurus leucopygus B.
Colpocephalum iraportunum N.
Verzeichniss der Thiere, auf welchen Schmarotzer.Insekten leben. 283
Ardea Nyclicorax.
Lipeurus Nyclicoracis G.
Colpocephalum Nyclarde D.
Ardea purpurea.
Colpocephalum Zebra N.
Ardea stellaris,
Nirmus tessellalus D.
Lipeurus sleilaris D.
Colpocephalum trochioxum B.
Laemobolhrium gilvum N.
Argus giganteus.
Goniodes curvicornis B.
Colpocephalum appendiculatuiri B.
Bombycilla garrula.
Physoslomum Bombyclllae D.
Buceros abyssinicus.
Colpocephalum produclum B.
Buceros limbaius.
Lipeurus Buceri G.
Colpocephalum ailurum B.
Calidris arenaria.
Nirmus obscurus B.
Menopon icterum B.
Caprimulgus europaeus.
Nirmus hypoleucus N.
Centropus Philippinarum,
Nirmus subcuspidatus B.
Charadrius cantianus.
Docophorus Canuli D.
Docophorus cephalus D.
Nirmus obscurus B.
Charadrius Biaticula,
Docophorus cephalus D.
Docophorus plalygasfer D.
Nirmus fissus N.
Nirmus Hiaticulae D.
Colpocephalum ochraceum N.
286 Gurlt:
Charadrius minor.
Nimius fissus N.
Charadrius Morinellus.
Docophorus platygaster D.
Nirinus attenuatus N.
Charadrius pluvialis (auratus),
Docophorus Charadrii pluvialis Seh.
Docophorus conicus D.
Lipeurus Charadrii pluvialis Seh.
Ciconia Abdimii.
Colpocephalum occlpitate B.
Ciconia alba.
Docophorus incompletus N.
Lipeurus versicolor N.
Colpocephalum quadripuslulalum B.^
Colpocephalum Zebra N.
Ciconia Ärgala.
Docophorus breviloratus B.
Ciconia Maguari.
Docophorus subcompletus B.
Ciconia nigra,
Docophorus tricolor N.
Lipeurus versicolor N.
Colpocephalum?
Cinclus aquaticus,
Docophorus Cincli D.
Columba domesiica,
Pulex Columbae Bouche.
^ Nirmus claviformis D.
Goniocoles compar B.
Lipeurus Baculus N.
Colpocephalum longicaudum B.
Columba Oenas,
Nirmus claviformis D.
Goniocoles compar B.
Lipeurus Baculus N.
Menopon giganteum D.
Verzeichnisfl der Thitre, auf welchen Schmarotzer-Insekten leben. 287
Columba Palumbus.
Lipeurus Baculus N.
Columba tigrina. wU)^iu;
Colpocephahim longicaudum B*
Columba turbinata,
Colpocophalum lurbinalum D.
Columba Turtur.
Goniocotes compar B.^
Colymbus arcticus.
Docophorus colymbinus D.
Colymbus bicornis.
Docophorus colymbinus D.
Colymbus glacialis.
Docophorus colymbinus D.
Colymbus septentrionalis.
Docophorus colymbinus D.
Coracias garrula.
Nirmus subcuspidatus B.
Corvus Corax.
Docophorus semisignatus ß.
Nirmus argulus N.
Colpocephaium subaequale N.
Menopon gonophaeum N.
Corvus Cornix,
Docophorus aculofrontalis Seh. (Schill.)
Docophorus alralus N. »
Docophorus ocellalus N.
Nirmus uncinosus B.
Colpocephaium subaequale N.
Menopon gonophaeum N.
Menopon mesoleucum N.
Corpus Corone.
Docophorus ocellalus N.
Nirmus varius B.
Colpocephaium subaequale N.
Menopon mesoleucum N.
Cortus Coryocatactes.
Docophorus crassiccps B.
Nirmus olivaceus B.
288 {0?sio'f5t?r: Gurlt:
Corvus frvgilegus.
Docophorus atratus N.
Nirmus argulus N.
Nirmus fuscus N.
Colpocephalum subaequale N.
Menopon mesoleucum N.
Corvus glandarius,
Docophorus fulvus B.
Nirmus fuscicollis B.
Nirmus Glandarii D.
Corvus Graculus.
Colpocephalum Fregili D.
Corvus Monedula.
Docophorus guttatus B.
Nirmus varius B.
Corvus Pica.
Docophorus Picae D.
Colpocephalum euryslernum D.
Corythaix porphyrocephala. ~
Lipeurus brunneus G.
Crex pratensis.
Nirmus atlenualus B.
Nirmus Fulicae D.
Cuculus canorus.
Docophorus lalifrons N.
Nirmus Cuculi D.
Nirmus feneslralus N.
Nirmus lalirostris B.
Menopon phanerosligmalon.
Cygnus Bewickn.
Docophorus Cygni D.
Ornilhobius Cygni D.
Ornilhobius atro-marginalus D.
Trinoton conspurcalum N.
Cygnus canadensis.
Ornilhobius atro-marginatus D.
Ornilhobius goniopleurus D.
Verzeichniss der Thiere, auf welchen Schmarotzer-Insekten leben. 289
Cygnus ferus.
Nirmus junceus D.
Ornilhobius Cygni D. ^
Cygnus musicus,
Ornilhobius Cygni D. ,,q
Ornilhobius minor Schill. ,^, ^^^^■g^ .
Trinoton conspurcatum N.
Cygnus Olor,
Ornilhobius Cygni D.
Trinolon conspurcatum N.
Menopon?
Cypselus Apus.
Anapera pallida Meig.
Stenapleryx Hirundinis Leach. ' ^
Docophorus excisus ß. '^^^ ooiu'»!
Nitzschia Burmeisteri D.
Eureum cimicoides N.
Dacelo giganteus,
Docophorus Delphax B.
Nirmus bracteatus N. vj-, s^oiui
Diomedea chlor orrkyncha. . , ; . . ,
Lipeurus Diomedeae N.
Diomedea culminata.
Lipeurus intermedia G.
Diomedea exulans,
Docophorus Diomedeae G.
Docophorus Exulanlis G.
Docophorus Gigas G.
Goniodes Diomedeae G.'
Nirmus Diomedeae G.
Lipeurus brevis N.
Lipeurus Diomedeae N.
Menopon Diomedeae G.
Dromas Ardeola.
Nirmus brunneus B.
Emberiza citrinella.
Docophorus Cilrinellae Seh. (SchiU.)
Docophorus communis N.
Archiv f Naturgesch. XXIH. Jahrg. I. Bd. jQ
290 Gurll:
Menopon Cilrinellae l).
Physostomum nitidissimum N.
Emberiza müiaria.
Docophorus Cilrinellae Seh. (Schill.) Hi^
Docophorus communis N.
Emberiza nivalis.
Docophorus Rubeculae Leach.
Physostomum Bombycillae D.
Epimachus reqius. , - . ^
Nirmus salelles N. r, ^^ . ,,.»,.
Falco aeruginosus. . . - «^ \
Laemobothrium giganleum N/^^^^g^^
Colpocephalum?
Falco Äesalon.
Nirmus rufus ß. mg uiii
Falco apivorus. iiuojinjb nii)y'U»2i
Docophorus aquilinus D. - ' ^ - tyll
Colpocephalum flavescens N.
Falco ater.
Colpocephalum ailurum B.
Colpocephalum productum B.
Nirmus lunalus Seh. cSchill.) ^bamoia
Falco brachydactylus. '
Nirmus leucopleurus D. ...m»!
Falco Buteo. ^^^^
Docophorus aquilinus D.
Docophorus plalystomus ß.
Nirmus fuscus N.
Laemobothrium giganteum N.
Colpocephalum Zebra N.
Falco cyaneus.
Colpocephalum dubium Seh. (Schill.)
Falco Haliaetos.
Colpocephalum Haliaeti D. rmöitj'd
Falco ictinus,
Nirmus fuscus N.
Verieichniss der Thiere, auf welchen Schmarotzer-Insekten leben. 291
Falco lagopus,
Docophorus plalystomus B.
Nirmus fuscus N.
Falco Macei.
Colpocephalum ailurum B.
Falco Milvus,
Laemobothrium laticolle D.
Falco Msus.
Docophorus Nisi D.
Nirmus rufus B. ' .''""ll''.
Nirmus subfuscus Seh. (Schillf ^^^^ ^^"*^^*'^
Colpocephalum? rio.^oooU
Falco palumbarius. ''^"
Docophorus plalyrrhynchus N.
Docophorus Nisi D.
Falco peregrinus,
Colpocephalum flavescens N.
Falco rufus,
Nirmus fuscus N.
Colpocephalum flavescens N. ,t^ Bi)i\\s\
Falco subbuteo.
Laemobothrium laticolle N. •
Falco Tinnunculus. .)mm J'
Nirmus rufus B. '
Laemobothrium hasticeps M.
Fratercula arctica.
Docophorus celidoxus B.
Fringilla coelebs.
Docophorus communis N.
Docophorus Rubeculae Leach.
Physostomum irascens B.
Physoslomum Myslax B.
Fringilla carduelis.
Docophorus anceps Seh. (Schill.)
Menopon carduelis D.
Fringilla cucullata.
Nirmus trithorax B.
2Ö2 1 • , i.[ , .: Gurlti
Fringilla domeshca.
Docophorus communis N.
Docophorus Fringillae D. (Schill.)
Docophorus Rubeculae D. (Schill.)
Menopon minulum N. > ^'^^^
Fringilla montana.
Docophorus Fringillae D.
Nirmus cyclothorax B.
Fringilla montifringilla,
Nirmus cyclothorax B. ' "i*'Ui> - -
Fulica atra. .v^ ^
Docophorus perlusus B.
Nirmus Fulicae D.
Nirmus minutus N.
Nirmus Numeniae D.
Lipeurus Fulicae G.
Lipeurus luridus N.
Laemobothrium atrura N.
Colpocephalum Fregili D.
Menopon tridens N. ^
Fulica tnitrata. * i
Docophorus pertusus B, ' j
Gallinula Chloropus. |
Nirmus cuspidatus D.
Lipeurus luridus N.
Colpocephalum Gallinulae G.
Menopon scopulacorne D.
Gallus Bankiwa.
Docophorus Galli G.
Gallus domesUcus.
Pulex Gallinae Schrank.
Goniocotes hologaster ß.
Goniodcs dissimilis N.
Lipeurus heterographus N.
Lipeurus variabilis N.
Menopon pallidum N.
Gracula gallinacea.
Nirmus Graculae G.
Yerzeichniss der Thicre, auf welchen Schmarotzer-Insekten leben. 293
Gracula rosea.
Docophorus Leonlodon N.
Gracula tristis,
Nirmus Graculae G.
Grus cinerea,
Lipeurus Ebraeus N.
Menopon Gruis G.
Haematopus ostralegus,
Docophorus Oslralegi D.
Nirmus Haematopi Steph.
Lipeurus brevicornis D.
Colpocephalum ochraceum N.
üalieus brasiliensis. ♦
Docophorus Bassanae D.
Docophorus humeralis D.
Nirmus Haliei G.
Goniodes Haliei G.
Halieus Carbo. Tödifoijo«/. ■
Docophorus Bassanae D.
Himantopus rufipes,
Nirmus fusco-marginatus D.
Nirmus Haematopi Slcph.
Lipeurus brevicornis D.
Colpocephalum ochraceum N.
Hirundo riparia,
Docophorus excisus B.
Nirmus tenuis ß.
Hirundo rustica.
Hirundo ttrbica.
Docophorus excisus B.
Nirmus elongalus D.
Nirmus gracilis B.
Eureum Malleus N.
Menopon Hirundinis G.
Ibis aethiopica.
Lipeurus albus G.
294 Gurlt:
Ibis Hagedasch,
Lipeurus fasciatus G.
Lipeurus Ibis G.
Colpocephalum Ibis G.
Lagopus vide Tetrao.
Lamprotornis aurata.
Nirmus Lamprotornis G.
Colpocephalum Lamprotornis G.
Menopon Lamprotornis G.
Lanius Collurio.
Nirmus cruciatus B.
Menopon fusco-cinctum D.
Lanius Excubitor,
Docophorus fuscicollis B.
Larus arcticus.
Docophorus Cephalus D.
Docophorus melanocephalus B.
Larus argentatus.
Docophorus Lari D.
Docophorus melanocephalus B.
Nirmus sellatus B.
Larus cahirinus.
Docophorus melanocephalus B.
Nirmus sellatus B.
Menopon Iransversum D.
Larus canus.
Docophorus Lari D.
Docophorus platygaster D.
Nirmus melanonyx Schill.
Nirmus ornatus Grube.
Trinoton conspurcalum N.
Larus fuscus.
Docophorus Canuti D.
Docophorus Cephalus D.
Nirmus sellatus B.
Colpocephalum Lari G.
Larus islandicv.s.
Docophorus Lari D.
Verzeichniss der Thiere, auf welchen Schmarotzer-Insekten leben. 295
Larus leucophaeus.
Docophorus Canuli D.
Nirmus sellatus B.
Lipeurus pelagicus D. ■{
Colpocephalum Lari G.
Larus marinus.
Docophorus Lari D.
Nirmus sellatus D.
Larus minutus.
Nirmus eugrammicus B.
Larus ridibundus.
Docophorus Lari D.
Nirmus punclatus B.
Nirmus sellatus B.
Menopon Ridibundus D.
Larus Risso.
Docophorus Lari D.
Larus tridactylus.
Docophorus Lari D. z^,,^r^
Nirmus lineolatus B.
Nirmus sellatus B.
Menopon nigropleurum D.
Menopon transversuro D.
Lestris arctica.
Docophorus Cephalus D.
Lestris pomarina.
Docophorus Cephalus D.
Lestris Richardsonii.
Docophorus Cephalus D.
Nirmus normifer Grube.
Limosa melanura.
Docophorus Limosae D,
Nirmus cingulalus B.
Nirmus obscurus B.
Menopon lutescens N.
Limosa rufa.
Docophorus Limosae D.
Nirmus cingulalus B.
296 Gurlt:
Nirmus obscurus ß.
Nirmus Phaeopi D.
Colpocephalum ochraceum N.
Lophophorus impayanus.
Nirmus ?
Goniocotes haplogonus N.
Loxia curvirostra.
Docophorus communis N.
ISirmus limbatus ß.
Loxia Pyrrhula.
Docophorus communis N.
Macrorrhamphus grisea,
Colpocephalum ochraceum N»
Meleagris Gallo-pavo,
Goniodes stylifer N.
Lipeurus polytrapezius N.
Menopon stramineum^ N.
Menura superba,
Nirmus submarginalis N.
Mergulus Alle,
Docophorus Merguli D.
Mergus albellus.
Docophorus icterodes N.
Trinoton luridum N.
Trinoton lituratum N.
Mergus Merganser.
Docophorus icterodes N.
Lipeurus temporalis N.
Ornithobius goniopleurus D.
Trinoton luridum N.
Mergus Serrator.
Lipeurus temporalis N.
Trinoton luridum N.
Merops aegyptius.
Nirmus Apiaslri D.
Nirmus Meropis G.
Merops apiaster.
Docophorus Meropis D.
Nirmus Apiastri D.
i
Verieichniss derThiere, auf welchen Schmarotzer.Insekten lebei'. 297
.Insekten
Motacilla alba.
Docophorus passerinus D.
Mcnopon Citrinellae D.
Motacilla flava.
Docophorus passerinus D.
Nectarinia lucida.
Docophorus Neclariniae G.
Numenius Arquata.
Docophorus humeralis D.
Docophorus testudinarius N.
Nirmus Numenii D.
Nirmus obscurus B.
Menopon nigropleurum D.
fiumenius Phaeopus.
Docophorus humeralis D.
Nirmus Phaeopi D.
I^umida Meleagris.
Nirmus Numidae D. «aboinr
Goniodes numidianus D. *^
Goniocotes Numidae G.
Menopon slramineum N.
Oedicnemus crepitans.
Nirmus annulatus B.
Nirmus Oedicnemi D.
Oedicnemus mexicanus.
Docophorus Oedicnemi G.
Lipeurus Oedicnemi G.
Opisthocomus cristatus,
Nirmus Opislhocomi G.
Goniocotes curlus B.
Oriolus Galbula.
Docophorus lalifrons N.
Docophorus Leontodon N.
Nirmus Orioli G.
l^hysostomum sulphureum B.
Ortyx mrginiana.
Goniodes Orlygis D.
Otts tarda.
Nirmus turmalis N.
298 ^ Gurlt:
Palamedea cornuta,
Lipeurus macrocneinis B.
Paradisea regia.
Nirraus satelles N.
Parus ater. / *
Docophorus Pari D.
Parus caudatus.
Docophorus Pari D.
Parus caeruleus.
Docophorus Pari D.
Parus maior,
Docophorus pallescens D.
Menopon sinualum B.
Parus palustris,
Docophorus pallescens D.
Pavo cristatus.
Goniocotes rectangulus ß.
Goniodes falcicornis N.
Pelecanus Onocrotalus. ?')i»c)Mi;>t
Lipeurus forficulatus B.
Colpocephalum eucarenum B.
Perdix cinerea,
Goniocotes microlhorax B.
Goniodes dispar D.
Menopon Perdicis D.
Perdix Coturnix.
Nirmus argentatus Seh. (Schill.)
Goniocotes aslrocephalus B.
Goniodes paradoxus N.
Menopon fulvo-maculalum D.
Perdix petrosa.
Goniocotes pusillus B.
Goniodes securiger N.
Perdix rubra,
Goniocotes microthorax B.
Lipeurus polylrapezius N.
Phalacrocorax africanus.
Nirmus semicinctus G.
Lipeurus brevicornis D.
VcrzelchniM der Thiere, auf welchen Schmarotzer-Insekten leben. 299
Phalacrocorax cristatus.
Lipeurus brevicornis D.
Phalaropus lohatus.
Nirmus Phalaropi D.
Phasianus colchicus,
Goniocoles hologasler B.
Goniodes Colchici D.
Menopon fiisco-maculatum D.
Phasianus nycthemerus,
Goniocoles Phasiani G.
Phoenicopterus ruber.
Docophorus Phoenicopteri G.
Docophorus pygaspis B.
Docophorus tesludinarius Child.
Lipeurus Phoenicopteri G.
Picus canus,
Docophorus scalaris B.
Picus major.
Docophorus superciliosus B.
Nirmus slramineus D.
Picus Martius.
Colpocephalum inaequale B.
Picus medius.
Docophorus scalaris B.
Nirmus slramineus D. (Schill.)
Picus minor,
Physoslomum Mystax B.
Picus robustus.
Nirmus slramineus D.
Colpocephalum inaequale D.
Menopon Pici D,
Picus viridis.
Docophorus scalaris B.
Nirmus slramineus D.
Menopon Pici D.
Platalea leucorrhodia.
Docophorus Plalaleae D
Lipeurus Tadornae D. i
Menopon giganteum D.
300 Gurlt: ur, ,rv)id'lrjbmiiÄoi')\
Plotus Anhinga, > xöto')o*!OiiiftA*l
Docophorus Ploli G. - /oid^amijyqU
Nirmus Ploti G. '.\ti\i(5Q\ ^iJqo'vv^\1;^A^
Podiceps auritus. ulrA^ ?a-
Nirmus fusco-marginalus D.
Nirmus Podicipis D.
' Podiceps cristatus.
Nirmus fusco-marginatus D.
Nirmus Podicipis D.
Podiceps minor,
Nirmus Podicipis D.
Menopon «copulacorne D.
Podiceps rubricollis,
Nirmus Podicipis D.
Prionites Momota,
Nirmus marginalis B.
Procellaria capensis.
Lipeurus Procellariae G.
Procellaria chlororrhyncha. , ,
Lipeurus pelasicus D. , .
Procellaria LeachiL
Lipeurus pelagicus D.
Procellaria pelagica.
Docophorus Thalassidromae D.
Lipeurus pelagicus D.
Psittacus frenatus,
Lipeurus Psiltaci G.
Colpocephalum lurbinalum D.
Psittacus Macacuanna.
Nirmus Psiltaci G.
Psittacus undulatns.
Colpocephalum Psiltaci G.
Menopon Psiltaci G.
. Pterocles Lichtensteinii.
Nirmus Pteroclis G.
Rallus aquaticus.
Docophorus fialli D.
Verzeichniss derThiere, auf welchen Seh marolzer-Insekten leben. 301
Nirnius cuspidatus D.
Nirmus rallinus D.
Menopon scopulacorne D. .nv 4ju\a»r,
Recurvirostra Avocetta. .üif liVi
Docophorus aduslus B.
Nirmus decipiens N. •^'
Nirmus furvus ß. H «oiöo^do
I Nirmus piceus N. .3fq-\<jU\i doi.
Nirmus Recurvirostrae G. - i^.
Lipeurus Recurvirostrae G. ■ r.iVi
Colpocephalum ochraceum Nl'*^ ^mm'iVl
Menopon Recurvirostrae G.
Regulus auricapillus.
Docophorus Reguli D.
Rhamphastos chlor orrhynchus.
Docophorus Rhamphasli G. • - -
Rhea Novae HoUandiae. ^^^^n^\^^^ ^'^^^
Nirmus asymmetricus B. Jiodqoo;
Scolopax Gallinago. ' '^^**^ "^^^ "
Docophorus ambiguus B. ^^»^^'<1«^öÖ
Nirmus Scolopacis D. "^'"^^^^^ ""^^
Scolopax rusticola.
Docophorus auralus N.
Lipeurus helvolus B.
Lipeurus Scolopacis G.
Menopon iclerum B.
Sitta europaea. ^'^^'''
Docophorus communis N.
Sterna cantiaca.
Docophorus melanocephalus B.
Colpocephalum piceum D.
Sterna fissipes,
Nirmus nyclhemerus B.
Sterna Uirundo.
Docophorus Bassanae D.
Docophorus melanocephalus B.
Nirmus sellalus B. ^^'n^iiqo'H'ii
Lipeurus gyricornis D.
soft .nsffof ji {.-^-'pnT.v
Gurlt:
Sterna maxuriensis.
Menopon transversum D.
Sterna minuta. ßiuqooa noqonsM
Nirmus nycthemerus D. - >'>R
Colpocephalum ochraceutn N.
\iooh aOßiii>i
aJOi^H aumilK
aoqofiyli
odqc»aoü
> Tr:ölto\\^OH
sterna nigra.
Nirmus obscurus B.
Strepsilas int er pr es,
Nirmus furvus B.
Nirmus holophaeus B.
Nirmus Strepsilaris D.
Nirmus Vanelli D.
Menopon Strepsiiae D. *
Strix africana.
Docophorus ceblebrachys N.
Nirmus fuscus N.
Strix Brachyotus.
Docophorus Cursor ß.
Strix Bubo.
Docophorus helerocerus B.
Strix flammea.
Docophorus rostratus ß.
Colpocephalum Haliaeli D.
Strix nyctea,
Docophorus ceblebrachys N.
Nirmus hexophlhalmus B.
Strix Otus.
Docophorus Cursor ß.
Docophorus plalystomus Bm. (Schill.)
Strix uralensis.
Docophorus heterocerus N.
Sturnus vulgaris.
Docophorus Leontodon N.
Nirmus nebulosus B.
Menopon cucuUare N.
Sula Bassana,
Docophorus Bassanae D.
Docophorus humeralis D.
Lipeurus staphylinoides D
lOfiqeoD'
ftinaV?.
Verzeicbniss derThicre, auf welchen Schmarotzer.Insekten leben. 303
Sylvia Phragmiiis. ,^-, ...,v, ..
Docophorus passerinus li>nrfoO. ÄunniVI
Sylvia rubecula. i fifjiuo^do ?.\
Docophorus Rubeculae Leach.
Sylvia suecica.
Nirmus Sylviae G...
Physostomurn Myslax B.
Tachydromus isabellinus,
Nirmus lotus B.
Tantalus Ibis. ,mm ^H\:
Menopon Tantali G.
Tetrao (Lagopus) albus.
Nirmus cameralus N. \ • • v
Goniodes Telraonis D. ^ ^ *
Tetrao (Lagopus) alpinus. *^ \^
Nirmus cameratus N. ^^ *
Menopon Lagopi Grab«. i - »
Tetrao Saliceti, ^ ^müozdo gürmi/.
Goniodes Tetraonis D. .xöst^wq ts)^m'<\"
' Tetrao scoticus. >iiJgni'j ?v:v-''
Nirmus cameralus N. -<^vlüi j;
Goniodes Telraonis D. od amirü/,
Teirao Tetrix.
Nirmus cameralus N.
Goniodes Colchici D. »öiir^ö^wa «P.tth'^
Goniodes Tetraonis D.
Tetrao Urogallus.
Nirmus cameralus N.
Nirmus pallido-villalus Grube.
Lipeurus Tetraonis Grube.
Goniodes chelicornis N.
Totanus hypoleucus.
Docophorus Cephalus D,
Nirmus obscurus ß.
Colpocephalum ochraceum N.
Totanus maculatus. , .^^o «iiisi^oütl -
Nirmus furvus ß. ">
Menopon lulesccns N.
304 G u r 1 1 :
Totanus ochropiis,
Nirmus Ochropi D.
Nirmus obscurus B.
Tragopan Satyrus.
Goiiiocotes diplogonus B.
Goniodes spinicornis B.
Tringa Canuti.
Docophorus Canuli D.
Nirmus holophaeus B.
Tringa cinerea.
Nirmus fulvo-fascialus Grube.
Nirmus Vanelli D.
Tringa islandica,
Docophorus Lari D.
Tringa minuta.
Docophorus fusiformis D.
Nirmus obscurus B.
Tringa pugnax,
Nirmus cingulatus B.
Nirmus fulvo-fasciatus Grube.
Nirmus holophaeus B.
Menopon lutescens N.
Menopon nigropleurum D.
Tringa subarquata.
Nirmus fulvo-fascialus Grube,
Nirmus holophaeus B.
Nirmus obscurus B.
Nirmus Phaeopi D.
Colpooephalum umbrinum B.
Tringa tariabilis,
Docophorus variabilis D.
Nirmus obscurus B.
Colpocephalum ochraceum N.
Menopon icterum B.
Trochilus ater,
Nirmus Trochili G.
Physostomiim Trochili G.
Verzeichniss der Thiere, auf welchen Schmarotzer-Insekten leben. 305
Troglodytes europaeus.
Menopon Troglodylis D.
Physoslomum frenalum N.
Turdus iliacus,
Docophorus Turdi D.
Nirmus Iliaci D.
Turdus Merula.
Docophorus Merulae D. ^'■^'^'^
Ninnus merulensis D.
Turdus musicus.
Docophorus Turdi D.
Turdus pilaris,
Docophorus Merulae D.
Nirmus marginalis B.
Nirmus marginalus B. .<,,^^
Physoslomum Myslax B.
Turdus roseus.
Docophorus Pastoris D.
Nirmus Iliaci D.
Turdus ruficollis. -ssV\^-\^ -mSU-i
Physoslomum Mystax D. loqiJ
Turdus torquatus. \ t\«'i\w'^
Docophorus Merulae D. ...nfj
Nirmus calenalus Schilling. ^
Nirmus marginalis ß. \\ ^>i
Physoslomum Mystax B.
Turdus viscivorus.
Docophorus Merulae D. ^ \nui<
Nirmus marginalis B. : iniVA
Nirmus Viscivori D.
IJpupa Epops.
Docophorus Upupae D.
Nirmus Upupae G.
Uria Grylle.
Docophorus megacephalus D.
Uria Troile,
Docophorus celidoxus B.
Docophorus humeralis D.
Docophorus platygaster D.
Archiv f. Naturgesch. XXIII. Jahrg. 1. Bd. 20
306
Gurlt:
Vanellus cristatus.
Docophorus Vanelli Seh. (Schill.)
Nirmus junceus D.
Colpocephalum ochraceum N.
Vanellus griseus.
Nirmus Vanelli D.
Vultur Aura.
Docophorus brevifrons B.
Nirmus Vulluris G.
Colpocephalum ailurum B.
Menopon Vulturis G.
Laemobothrium laticolle N.
Laemobothrium Vulluris G.
Vultur cinereus,
Docophorus brevicollis N.
Lipeurus quadripustulatus N.
Laemobothrium Vulluris G.
Vultur Gryphus.
Lipeurus quadripustulatus N.
Vultur Papa.
Docophorus brevifrons B.
Lipeurus ternalus B.
Vultur Percnopterus.
Menopon Vulluris G.
Vultur Rüppellii.
Nirmus fuscus N.
Lipeurus quadripustulatus N.
Colpocephalum flavescens N.
Colpocephalum Haliaeti D.
Laemobothrium laticolle N.
Yunx Torquilla.
Docophorus latifrons N.
Docophorus serrilimbus B.
«joari;
to\st\ ^öVi'tWV
rüdq{»30<l
i jOOoCI
■■■'"■ u" ■"
7 kum'iiV.
.^iQtT »Vv
'öt. .iujL/. .ib«3c
Verzeicha is0 der Thiere, auf welchen Schmarotzer.Iosekten leben. 307
Genera, Subgenera et Species.
Anapera«
pallida M.
Colpocephalum N.
ailurum B.
appendiculutum B.
dubium Schill,
eucarneum B.
eurysternum D.
flavescens N.
Fregili D.
Gallinulae G.
Haliaeti D.
Ibis G.
imporlunum N.
inaequale B.
Lamprotornis G.
Lari G.
longicaudum B.
Nyclarde D.
occipitale B.
ochraceum N. ^»'rzn^
piceum D.
productum B.
Psillaci G.
quadripustulatum B.
subaequale N.
Trochioxum B.
turbinalum D.
umbrinum B.
Zebra N.
liocopliorus N.
acutofronlalis Seh.
adustus B.
Alcedinis D.
ambiguus B.
aneeps Sehill.
Anseris G.
aquilinus D.
atratus N.
auratus N.
Bassanae D.
brevicollis N.
brevifrons B.
breviloratus B.
Canuti D.
cephalus D.
ceblebrachys N.
celidoxus B.
Chrysophlhaimi D
Cincli D.
Cilrinellae Seh.
eolymbinus D.
eommunis N.
completus B.
conieus D.
erassiceps B.
Cursor B.
Cygni D.
Delphax B.
Diomedeae G., ^ '^
excisus B. ^' '^' -^
Exulantis G.
Fringillae D.
fulvus B.
fuseicollis B.
fusiformis D.
Galli G.
Gigas G.
guttatus B.
helerocerus B.
humeralis D.
ieterodes N.
incompletas N.
Lari D.
lalifrons N.
Leontodon N.
Liinosae D.
megacephalus D.
melanocephalus B.
Merguli D.
Meropis D.
ida8 eilßivui
308
Gurlt
Merulae D.
modularis D.
mystacinus B.
Neclariniae G.
Nisi D.
ocellalus N.
Oedicnemi G.
Ostralegi D.
pallescens D.
Pari D.
passerinus D.
Pastoris D.
perlusus ß.
Phoenicopteri G.
Picae D.
Plalaleae ü.
plalygasler D.
platyrrhynchus N.
Ploti G.
pluvialis Schill,
pygaspis B.
Ralli D.
Reguli D.
Rliamphasti G.
roslralus B.
Rubeculae Leach.
scalaris B.
semisignatus B.
serriiirnbus B.
subcomplelus B.
superciliosus B.
testudlnarius N.
Thalassidromae D.
tricolor N.
Turdi D.
Upupae D.
Vanelli Schill,
variabilis D.
Eureniii N.
cimicoides N.
inalleus N.
Ooniocotes B.
aslrocephalus B.
compar B.
curfus B.
diplogonus B.
haplogonus B.
hologasler B.
Microthorax B.
Numidae G.
Phasiani G.
pusillus B.
rectangulatus B.
Groniodes M.
chelicornis N.
Colchici D.
curvicornis B.
Diomedeae G.
dispar D.
dissimilis N.
falcicornis N.
Haliei G.
numidianus D.
Ortygis D.
paradoxus N.
securiger N.
spinicornis ß.
stylifer N.
Telraonis D.
Gry r opus N.
gracilis N.
ovalis N.
Haematopinus Leach.
acanthopus B.
affinis B.
annulatus Schill.
Asini Steph.
ßubali G.
crassicornis B.
euryslernus N.
lyriocephalus ß.
piliferus B.
Rupicaprae G.
serratus B.
setosus B.
sphaerocephalus B.
spiniger B.
spinulosus B.
Verzeichniss der Thiere, auf welchen Sclimarolzer-Ingekten leben. 309
slenopsis B.
Suis Lcach.
turnidus Schill,
ventricosus D.
Viluli Sleph.
Ijaeiiiobotliriiiiii N.
alriim N.
gi^nmleum N.
gilvum N.
hasliceps N.
laticolie N.
Vulluris G.
liipeurus N.
albus G.
Anastomi G.
Baculus N.
bilineatus Steph.
brevicornis D.
brevis B.
brunneus G.
Buceri G.
Diomedeae G.
ebraeus N.
fascialus G.
forficulalus B.
Fulicae G.
gyricorrtis D.
helvoius B.
helerographus N.
Ibis G.
inlermedius G.
jejunus N.
leucopygos B.
luridus N.
macrocnemis B.
Nycticoracis G.
Oedicncmi G.
pelagicus D.
Phoenicopteri G.
pluvialis Seh.
polylrapezius N.
Procellariae G.
Psillari G.
Recurvirostrae G.
quadripuslulatus N.
Scolopacis G.
Süxmaculatus Seh.
squalidus N.
slaphylinoides D.
stellaris D.
suicifrons D.
Tadornae D.
temporalis N.
variabiiis N.
versicolor N.
üelopha^us N.
Cervi Meig.
ovinus N.
JXfenopoa N.
Anseris G.
Carduelis D.
Cilrinellae D.
cucullare N.
Cygni G.?
Diomedeae G.
fulvo-rnaculalum D.
fusco-cinclum D.
giganteum D.'
gonophaeuin N.
Gruis G.
llirundinis G.
icterum B.
Lamprotornis G.
leucoxanthurn N.
lutesccns N.
mesoleucuin N.
minutum N.
nigropleurum D.
pallidum N.
Perdicis D.
phanerostigmaton N.
Pici D.
Psillaci G.
Recurvirostrae G.
Ridibundus D.
scopulacornc D.
sinuatum B.
stramirieum N.
Strcpsilae D.
310
, Gurlt
Tantali G.
transversum D.
tridens N.
Trogloditis D.
Vulluris G.
Alcae D.
annulatus B.
Apiastri D.
argulus N.
asymmelricus ß.
attenualus N. flol«»^^
bracteatus N.
brunneus B.
cameratus N.
calenalus Schill,
cingulalus B. :,) aji«j?<,
claviformis D. < . ;
cruciatus B.
Cuculi D.
cuspidatus D.
cyclolhorax B.
decipiens N.
Diomedeae G.
discocephalus N.
elongalus D.
eugrammicus B.
fenestratus N.
fissus N.
Fulicae D.
furvus B»
fusco-marginatus D.
fuscus N.
Glandarii D.
gracilis B.
Graculae G.
Haematopi Steph.
Haliei G.
hexophthalmus B.
Hiaticulae D.
holophaeus B.
hypoleucus N.
Iliaci D.
junceus D.
Lamprolornis G.
lalirostris B.
leucopleurus D.
limbatus B.
lineolatus B.
lotus B.
lunatus Schill,
marginaiis B.
inarginalus B.
melanonyx Schill,
Meropis D.
merulensis D.
minutus N.
nebulosus B.
Numenii D.
Nurnidae D.
nyclhemerus B.
obscurus B.
Ochropi D.
Oedicnemi D.
olivaceus B.
Opislhocomi G.
Orioli G.
Phaeopi D.
Phalaropi D.
piceus N.
Ploti G.
Podicipis D.
Psitlaci G.
Pteroclis G.
punctatus B.
rallinus D.
Recurvirostrae G.
rufiis B.
satelles N.
Scolopacis D.
sellatus B.
semicinclus G.
slenopyx B.
slramineus D.
Strepsilaris D.
subcuspidalus B.
submarginalis N.
Sylviae G.
tenuis B.
tessellatus D.
trilhorax B.
Trochili G.
Verzeichniss der Thiere, auf welchen Schmarotzer-Insekten leben. 311
turmalis N.
uncinosus B.
Upupae G.
Urogalli G.
Vanelli D.
varius ß.
Viscivori D.
Vulluris G.
IVitzicliia D.
; Burmeisleri D.
IVycterlbia Fabr.
' Vespertilionis Fabr.
Ornitliobiufi D.
alro-marginalus D.
Cygni D.
gonopleuros D.
minor Schill.
Petliciilus L.
Capitis L.
laeviusculus Grube,
hispidus Grube.
Tabescentium?
Veslimenti L.
Plitirius Leach.
inguinalis Leach.
Pliysostoinum N-
Bombycillae D.
frenatum N.
irascens B.
Pnlex L.
["Canls Böuche.
Coliimbae Bch.
Erinacei ßch.
fasciatus Bosc.
Felis Bch.
Gallinae Bch.
irritans L.
Marlis Bch.
Melis G.
Musculi Bch.
Mustelae Seh.
penicilliger Grube.
Sciurorum Schrank.
Talpae Bch.
Vespertilionis Bch.
Stenapteryx Leach.
Hirundinis Leach.
Trichodectes !(•
Anlilopes G.
Climax N.
erassus N.
dubius N.
Equi N.
exilis N.
Hystricis B.
latus N.
longicornis N.
pinguis B.
retusus N.
scalaris N.
similis D.
sphaerocephalus N.
subrostratus N.
Vulpis D.
Trinoton I^'
conspurcalum N.
gracile Grube,
liluratum N.
luridum N.
squalidum D.
lieber den männlichen ilpus cancriforinis.
Von
!•■':, • ■ ;
Dr. A. Rozubowski,
Prof. an der Universität au Krakau.
Vorgelegt der Versammlung der deutschen Naturforscher
in Bonn.
Hierin Taf. XIII.
Mit wahrem Vergnügen bringe ich der geehrten Ver-
sammlung eine neue Entdeckung im Bereiche der verglei-
chenden Anatomie zurKennlniss, und hoffe, dass diese Nach-
richt für die Forscher im zoologisch -anatomischen Gebiete
nicht uninteressant sein dürfte. Im Laufe des verflossenen
Monats entdeclile ich Männchen der Gattung Apus cancrifor-
mis, welche unter den Crustaceen bis zur Stunde nicht be-
kannt waren. Um aber keinen Zweifel darüber obwalten zu
lassen , und der geehrten Versammlung die Möglichkeit zu
geben von der Richtigkeit meiner Aussage isich selbst zu
überzeugen, übersende ich hiemit mehrere in Spiritus auf-
bewahrte Exemplare *) dieser Männchen, so wie auch abge-
sondert die männlichen Geschlechtsorgane mit beiliegenden
Zeichnungen und einer kurzen Beschreibung.
Ehe ich aber zur Beschreibung selbst schreite , sei es
mir erlaubt, die Aufmerksamkeit der geehrten Versammlung
auf den Umstand zu lenken, dass diese meine Entdeckung
gerade mit der hundertjährigen Jahresfeier der ersten über
^) Dieselben sind im Naturhistorischen Museum zu Bopn aufbewahrt.
I,
Kozubowski: Ueber den männlichen Apus cancriformid. 313
den Apus cancriformis erschienenen Monographie zusammen-
trifft. — Im Jahre 1756 hat nämlich der berühmte und un-
ermüdete Naturforscher Schaeffer sein Werk unter dem
Titel: ^ Der krebsartige Kiefenfuss,** veröffentlicht. Es ist ihm
aber ungeachtet seiner mühseligen und langwierigen For-
schungen doch nicht gelungen, Männchen zu entdecken, wes-
halb er angenommen hat, dass diese Crustaceen Hermaphro-
diten seien. Dass spätere, nicht minder fleissige Untersuchun-
gen ebenfalls zu keinem anderen Resultate geführt haben,
überzeugt man sich leicht, wenn man die Handbücher über
vergleichende Anatomie von Leu ckart und Siebold nach-
schlägt, und die Worte von Grube, die man in seiner im
Jahre 1853 verfasslen Beschreibung anderer Phyllopoden
findet, beweisen zur Genüge, dass seit Schaeffer die in
Rede stehende Frage nicht im mindesten aufgeklärt und ihrer
Lösung enigegengeführt wurde.
Grube sagt nämlich: „Schaeffer, der sich vier Jahre
lang mit dem Apus cancriformis beschäftigt, so wie Ber-
thold und Zaddach waren in ihren Bemühungen nicht
glücklicher, woher sie vermulhen, dass diese'Cruslaceen Zwit-
ter seien, doch zweifelt Sieb o 1 d, ob die Organe, die Zad-
dach für männliche hält, nicht zu dem weiblichen Geschlechts-
apparate gehören.«
Siebold blieb jedoch fortwährend bei seiner Meinung,
dass der krebsartige Kiefenfuss auch Männchen besitzen müsse,
die jedoch wegen ihrer Seltenheit bis jetzt nicht entdeckt wer-
den konnten, und da wir jetzt diese seine Meinung vollkom-
men bestätigt finden, so gebührt volle Achtung der durch-
dringlichen Auffassungsgabe dieses berühmten Naturforschers.
— Das erste Männchen entdeckte ich zufällig am I3ten Juli
1. J. und als ich mich unter dem Mikroskope von seinem
Geschlechle überzeugte, demonstrirte ich es allsogleich den
geehrten Professoren der Anatomie und Zoologie an der hie-
sigen Universität Hrn. Prof. Voigt und Hrn. Prof. Schmidt,
und da es mir später gelungen ist, eine grössere Menge von
Männchen zu bekommen , so habe ich nach sorgfältiger Un-
tersuchung ihres Geschlechtsapparales dieses wichtige und
interessante Resultat in der am 31. Juli 1. J. abgehaltenen
Sitzung der Krakauer gelehrten Gesellschaft vorgetragen.
314 Kozubowski:
Ich theile hier aus diesem Voitrfige in Kürze die nach-
folgenden wichtigen Daten mit. — Unter 160 untersuchten
Thierchen; der Gattung Apus cancriformis befanden sich 16
Männchen, es bilden somit die Männchen im Verhältnisse zu
den Weibchen zehn Procent — ich zweifle aber sehr, ob
dieses Verhältniss in den nachfolgenden Jahren sich erhal-
ten werde.
Jedes vollkommen ausgebildete Männchen ist um ^/^ der
Körperlänge kürzer als ein reifes Weibchen und in seiner
ganzen Grösse betrachtet, ist das Männchen beinahe um die
Hälfte kleiner als das Weibchen.
Der Rumpf des Männchens ist sehr schmal und sein
Rückenschild mehr plattgedrückt. — Das Männchen ist un-
geachtet seiner geringeren Grösse weit stärker als das Weib-
chen, denn in einem Gefässe aufbewahrt, bleibt es länger am
Leben als das Weibchen , und aus dem Wasser herausge-
nommen, auf einen Tisch gelegt, springt es auf seinen Vor-
derfüssen oder indem es den Schweif unter sich zieht , wirft
es sich auf diese Art in die Höhe. — Der wichtigste Un-
terschied besteht jedoch in der Bildung des elften
Fusspaares; denn da beim Weibchen am elften Fusse
beiderseits sich kleine zarte Eierbehälter befinden , durch
welche die rothen Eierchen hindurchschimmern, besitzt das
Männchen keinen solchen Behälter , und das elfte Fusspaar
unterscheidet sich in nichts von den nächst anstossenden
Paaren. — Dieses einzige Unterscheidungsmerkmal reicht
also bereits aus, auf (\cxi ersten Augenschein das Männchen
vom Weibchen unterscheiden zu können.
Die Lage der Hoden beim Männchen entspricht genau
der Lage der Eierstöcke beim Weibchen ; sie erstrecken sich
nämlich vom Kopfe bis zum hinteren Theile des Körpers ohne
die letzten Ringe desselben zu erreichen; denn sie endigen
an der Stelle, wo der Mastdarm anfängt. — Beide Hoden
liegen an den Seiten des Darmkanales und bedecken ihn
theilweise von oben und unten mit ihrem mittleren Theile,
nämlich unter dem Herzen und an dieser Stelle nähern sich
in der Mittellinie die geschlossenen Enden der Saraenröhr-
chen beider Hoden so sehr, dass sie sich beinahe gegensei-
lig berühren; — jeder Hoden ist mittelst einer feinen Mem-
üeber den männlichen Apus cahcriformi«. 315
bran an die Seitenwand der Bauchhöhle angewachsen und
ausserdem schieben sich zarte von dieser Wand entspringende
Muskelbündel zwischen die einzelnen Windungen der Samen-
kanälchen des Hodens.
Der Bau der Hoden ist ähnlich dem Baue der weiblichen
Eierstöcke , sie bestehen nämlich aus verästelten Kanälchen,
welche in gewissen Abständen unter einem rechten Winkel
in einen gemeinschaftlichen Gang münden, welcher längs der
Seitenwand der Bauchhöhle verläuft. Dieser gemeinschaft-
liche Samenleiter entspricht also genau dem gemeinschaftli-
chen Eileiter der Weibchen, nur ist der erstere weit schmä-
ler als der letztere. An diesen Stellen, wo in gewissen Ab-
ständen zahlreichere Samengänge in denselben einmünden, ist
er weiter und verengert sich dann trichterförmig.
Indem nun die feinen Samenkanälchen in bestimmten
Abständen in den gemeinschaftlichen Samengang einmünden,
ist der ganze Hoden, von der Seitenwand der Bauchhöhle
aus, in Läppchen abgetheilt, zwischen welche sich lange
warzenförmige Muskeln hineinschieben (musculi papilläres).
Diese Muskeln entspringen von der Seitenwand der Bauch-
höhle, schieben sich zwischen die einzelnen Hodenläppchen
hinein, und schicken von ihrem freien Ende zarte fadenför-
mige Fortseizungen zu den Hodenkanälchen, welche zur Erhal-
tung derselben in ihrer Lage dienen. — Ob diese fadenför-
mige Fortsetzungen nicht bindegewebig wären, und zugleich
als Leiter der Blutgefässe dienen, konnte ich bis jetzt nicht
ermitteln. Diese den Hoden in seiner Lage erhaltenden Pa-
pillarmuskeln sind so stark, hingegen die Samenkanälchen
so schwach und brüchig , dass, wenn man den Hoden, ohne
zu zerreissen, in seiner ganzen Länge von der Seitenwand
der Bauchhöhle lostrennen will , man zuerst trachten muss,
sämmtliche Papillarmuskel zu durchschneiden , oder dieselben
vorsichtig aus den Zwischenräumen zwischen den Hodenläpp-
chen herauszuziehen, was am besten gelingt, wenn man den
ganzen Rumpf der Länge nach von der Rückgratsfläche
durchschneidet , und alsdann diese Crustaceen auf einige
Stunden in schwachen Weingeist hineinbringt.
Sämmtliche Samenkanälchen sind im frischen Zustande
blass milchfarben, fast halbdurchsichlig, und in dem aus den-
316 Kozubowski:
selben herausgedrückten Samen sieht man unter dem Mikro-
skope bei einer starken Vergrösserung zahlreiche Spermalo-
zoen , welche bei diesen Thierchen Zellen darstellen, ohne
Schwingbewegungen. Eine jede Zeile ist flach gedrückt, und
ihre sehr durchsichtige ümhüllungsmembran steht bedeutend
von dem körnigen Inhalte ab. Diese Zellen stellen verschie-
dene Enlwickelungsstufen dar, die kleinsten von ihnen enthal-
ten bloss zwei Körnchen, die grösseren 10—12; einige von
diesen Körnchen sind ganz dunkel , die anderen hell und
durchsichtig. Diese Körnchen haben also das Besondere,
dass sie je nach dem verschiedenen Lichtheerde unter dem
Mikroskope sich bald dunkel, bald hell und durchsichtig dar-
stellen, was auf ihr starkes Lichtbrechungsvermögen, vermit^
telst ihrer Dichtheit hindeutet.
Aus der Mitte des gemeinschaftlichen Samenganges, dem
Uten Fusspaare gegenüber, entspringt ein kurzer Ausfüh-
rungsgang, welcher an der hinteren Fläche des Uten Fusses
mit einer sehr feinen Oeffnung mundet, welche sich an dem
Hüftstücke des Fusses an der Basis des Kieferfortsatzes be-
findet — an der äusseren Seite dieser Oeffnung liegt eine
viereckige schiefe Grube.
Die Mündung dieses Ausführungsganges ist so enge,
dass eine Borste in denselben nicht hineingeführt werden kann.
Diese Mündung kann man nicht einmal mit Hülfe einer Lupe
sehen, weil sie taschenförmig ist, so dass bloss ihre hintere
Wand beweglich und die vordere mit der Fussbedeckung
verwachsen ist, — man gelangt somit erst dann in diese
Oeffnung, wenn man ein Rosshaar auf dem Fusse, in schiefer
Richtung gegen die Medianlinie des Bauches schiebt, und
sobald nur das Haar hineingeht, fliesst gleich der Same her-
vor. Schiebt man das Haar weiter hinauf, so sieht man deut-
lich den Aüsführungsgang durch die allgemeinen Körperbe-
deckungen hindurchscheinen, welche an dieser Stelle durch-
sichtig sind. Dieser Gang verläuft gegen den oberen Win-
kel des Kieferfortsatzes (processus maxillaris) des Fusses,
welcher an den Bauch angewachsen ist.
Schon seit einigen Jahren beschäftige ich mich mit die-
sen Crustaceen, doch habe ich sie niemals während des Tages
puf der Wasseroberfläche schwimmen gesehen, — sie zeigen
Ueber den männlichen Apus cancriformis. 317
sich auf der Oberflache des Wassers erst während eines
warmen und ruhigen Abendes, und einige von ihnen, indem
sie unter die Obertläclie des Wassers kommen , wenden sich
mit dem Bauche nach oben, hallen sich in dieser Lage einige
Zeit auf, und machen mit allen Füssen eine leicht wellen-
förmige Bewegung, die sich auch der Wasseroberfläche mit-
theilt. — Es kann gegenwärlig mit grösserer Sicherheit vor-
ausgesetzt werden, dass dies lauter Weibchen sind, während die
übrigen, und zwar die Männchen, schnell auf der Wasserober-
fläche schwimmen , den ruhigen Weibchen nachjagen und
fortwährend von einer zur anderen überlaufen. Diese den
Weibchen gemachten Besuche sind gewiss nichts anderes,
als eine Befruchtung derselben; denn selbst der Bau und die
Art des OefTnens der Eierlaschen erlauben den Schluss zu
machen , dass das Weibchen während der Befruchtung mit
dem Bauche nach oben gewendet sein muss, damit der her-
ausfliessende männliche Same leichter in die dazu ofl'ene
Tasche gelangen könne. Nachdem jetzt die Männchen entdeckt
und die überwiegende Anzahl der Weibchen constalirl ist,
so ist nicht zu verwundern, dass die Männchen sich fortwäh-
rend bewegen müssen.
Wenn die Weibchen in einem mit Wasser gefüllten Ge-
fässe gehalten werden, so lassen sie die Eier aus ihren Ta-
schen heraus. Diese Eier behielt ich in demselben Wasser, und
stellte sie am lOten Juli I. J. ans Fensler in die Sonne um
die Erfahrung zu machen, ob nicht daraus Junge ausgebrü-
tet würden. Und in der That bemerkte ich am Isten Au-
gust I. J. fünf ausgebrütete Junge, welche aus Mangel der
entsprechenden Nahrung oder aus einer anderen unbekann-
ten Ursache nur kurze Zeit lebten , während welcher die
Häutung einige Male eingetreten ist. Dieser Umstand könnte
den Beweis liefern, dass nicht alle gelegten Eier dieser Cru-
slaceen zur Ausbrütung bis zum nächsten Frühjahre warten
müssen, sondern dass aus denselben unter günstigen Um-
ständen im Laufe desselben Jahres Junge auskriechen kön-
nen. Von der Wahrheit dieser Voraussetzung überzeugte
ich mich noch mehr, als ich am lOten August I. J. an einem
Orte, wo früher sehr viele erwachsene Crustaceen waren, von
denselben kaum einige fand , wofür ich einige sehr kleine
318 Kozubowski: Ueber den männlichen Apus cancriformis.
traf, welche ich früher gar nicht gesehen habe; dies waren
junge Weibchen, welche kaum den sechsten oder fünften Theil
der Erwachsenen betrugen. Doch merliwürdig ist der Um-
stand, dass obgleich sie so klein waren, ihre Taschen schon
mit Eierchen gefällt waren. Nach dem 15. August 1. J. sind
alle diese Crustaceen spurlos verschwunden.
Erklärung der Abbildungen.
Fig. 1. Das hintere Ende des rechten Hodens, frisch. 2ömal vergr.
„ 2. Hodenfollikel noch stärker vergrössert mit durchscheinenden
Zellenliörnchen.
„ 3. Samenzellen.
„ 4. Ein Stück vom Eierstock. 26mal vergr.
Kurze Besclirelbung^ einig^er neuen
Crustaceen.
Von
Or. !!• A» Pliilippi ,
Professor der Naturgeschichte an der Universität Santiago de Chile.
Hierzu Taf. XIV.
1. Thysanopus australis Ph.
Bei dem Versuche einen Fisch zu bestimmen, welchen
Herr Dr. Fonk auf einer Expedition von Chiloe nach der
Halbinsel Tresmonles_gesammelt hat, sah ich mich veranlasst,
die Bauchhöhle desselben zu öffnen, und den Magen aufzu-
schneiden. Ich fand in demselben zwei Eingeweidewür-
mer, ein Dutzend kleiner Flohkrebse, Amphithoe ähnlich,
und 18 Exemplare des Krebses, den ich jelzt beschreiben
werde, die Crustaceen natürlich mehr oder weniger verdaut,
so dass es mir nicht gelungen ist, alle Organe zu erkennen.
Da jedoch meines Wissens erst eine *) Art Thysanopus bekannt
ist, und zwar aus den Europäischen Meeren, so ist die Ent-
deckung einer zweiten, beinahe bei den Antipoden lebenden
Art eine Thatsache , die wohl verdient , bemerkt zu wer-
den, wenn auch die Beschreibung derselben nicht ganz voll-
ständig ist. Ich nenne sie Th. australis. Der Körper ist
acht Linien lang, wovon 27^ Linie auf das Bruststück kom-
men, das vorn in einen sehr kurzen Dorn ausläuft. Der
Kopf, welcher die Augen und Fühler trägt, wird von dem
Brustslücke bedeckt. Die Augen zeigen nichts Besonderes.
*) Brandt zfthlt in v. Middendorf s Reise 7 Arten dieser Gattung
auf. Vergl. Archiv 1855. II. p. 294. D. Herausgeber.
320 P h i 1 i p p i :
Die äusseren Fühler tragen am Grunde eine, 1 Linie
lange, längliche, abgestutzte, am inneren Rande gewim-
perle Schuppe; ihr Stiel ist dreigliedrig, fast so lang wie die
Schuppe, und nur wenig von der Geissei verschieden; diese
ist bei allen Exemplaren unvollständig, und kann ich daher ihre
Länge nicht angeben. Der Stiel der innern Fühler ist
so lang wie die Schuppe der äussern, dicker als der Stiel
der äussern Fühler, und trägt zwei Geissein; die eine, halb
so lang wie der Stiel und vielgliedrig, die andere sehr kurz,
rudimentär, zweigliedrig. Bei Thysanopus tricuspis sind beide
Geissein gleich und lang. Es sind acht Fusspaare vor-
handen, die sich nur in der Grösse unterscheiden, indem die
längeren 2'/^ Linie, die kürzeren ly^, Linie lang sind. Sie
sind zweiästig; der eine Ast fadenförmig, fünfgliedrig, wie
bei Thysanopus, aber nur auf der einen Seite und zwar sehr
lang gewimpert; der zweite Ast ist zweigliedrig, kaum viel
länger als» das erste Glied des anderen Astes , das zweite
Glied länglich , beiderseits kurz gewimpert. An der Basis
der Füsse sitzen die büschelförmigen Kiemen. Der Hin-
terleib besteht aus 6 Gliedern, von denen das letzte schmal
und spitz, das Mittelglied der Schwanzflosse ist. Die Blätter
der Seitenglieder sind nicht viel länger als das Mittelglied,
1% Linie lang und schmal, besonders das innere. Ausser-
dem sind fünf Paar I72 Linie lange Bauchfüsse vorhanden;
die beiden Lamellen derselben sind so lang wie das Grund-
glied, schmal und gewimpert. Von Fresswerkzeugen habe
ich nur die erste Maxille erkannt; sie ist dreigliedrig; das
Mittelglied ist das stärkste, mit sieben graden Zähnen besetzt,
die beiden andern Glieder sind eiförmig, und mit gekrümm-
ten Borsten von der Länge der erwähnten Zähne besetzt.
Diese Bildung ist also etwas verschieden von der, wie sie
Th. tricuspis zeigt, und erinnert mehr an die des folgenden
Geschlechtes. S. Tafel XIV. 1. g.
Hop Utes, novum genus ex ordine Stomatopodorum.
Tai. AiV. rjg. 1. a — 1.
^ jj.j,, Den 2Qslen August 1851 fing ich mitten im Atlantischen
Öce^n in 25^ N. ß. und 22<^ 50' W. L. von Greenwich eine
Kurze Beschreibung einiger neuen Cruslaceen. 321
grosse Menge kleiner, nur 4 Linien langer Krebschen, farb-
los, (lurchsichlig, rnil himmelblauen Augen ^ und azurblauer
Eingeweide- Masse. Die ßrusl wird von drei Segmenten
gebildet, und verdeckt den Kopf, welcher nur die Augen und
Fühler trägt. Das erste Segment der Brust ist so lang wie
die beiden folgenden, und läuft — ähnlich wie bei Palaemon
u. s. w. — vorn in einen langen , schwach nach oben ge-
bogenen Schnabel aus, der an seinem Ursprünge oben noch
ein kleines nach vorn gerichtetes Zähnchun zeigt. Die bei-
den folgenden ßrustglieder sind gleich lang und das dritte
endet mit einem langen, horizontalen Dorn. Das folgende
Segment des Körpers ist nach unten gebogen , und so lang
wie die beiden nächstfolgenden ; das vorletzte Glied ist fast
doppelt so lang, und beinahe cylindrisch. Das Mittelglied
der Schwanzflosse ist schmal, spitz, etwa 2 Drittel so lang
wie das vorhergehende Glied ; die beiden Lamellen der Sei-
tenflossen sind wenig länger als das Mittelglied, gleich gross,
schmal. Die Augen sind dick; ihre Stiele ungefähr von
der Länge des Augapfels. Die inneren oder oberen
Fühler sind kaum drei Yierlel so lang wie der Dorn des
Kopfbruststücks, und ihr Stiel nimmt zwei Drittel von der
Länge der ganzen Fühler ein; er trägt zwei, gleich langem
Geissein. Die unteren oder äusseren Fühler sind halb
so lang wie das ganze Thier; die Schuppe am Grunde der-
selben ist etwas länger als der Stiel der oberen Fühler ; die
beiden Basalglieder des Stieles sind kurz, das dritte Glied
desselben sehr lang, so dass es fast bis zur Spitze der Schuppe
reicht, aber kaum dicker als die Geissei. Die Mandibel
s. Fig. f. hat innen eine Spitze, und in der Mitte ihres äus-
seren Theiles eine lange , hakenförmig gekrümmte Borste.
Die erste Maxille zeifrt drei Glieder: das mittlere endet
mit vier starken Zähnen ; das obere ist weit kleiner und cy-
lindrisch, es endet mit drei Borsten; das unlere ist ein rund-
licher gewimperler Lappen, etwa der Taster? s. Fig. g. Die
zweite Maxille? s. Fig. h ist zweigliedrig, das Endglied
oval, mit starken, langen Borsten besetzt. Die Unterlippe
s. Fig. i ist vierspaltig mit abgerundeten Lappen und lang
gewimperl. Es sind wie bei Mysis zwei Paar Kaufüsse vor-
Archlv f. Nftlurgescli XXIII. Jahrg. 1. üd 21
Sn Philippi:
banden, beide zvveiäslig. Der innere Ast des ersten Kau-
fusses ist dick und kräftig, s. Fig. b, und besieht aus 5
Gliedern ; das erste ist kurz, das zweite verlängerl, die- drei
folgenden sind unter einander gleich lang, halb so lang wie
das zweite Glied, und, zumal das letzle, mit starken kralli-
gen Borsten besetzt. Der äussere Ast ist etwa halb so lang,
beinahe fadenförmig stumpf, fünfgliedrig? gegen das Ende
hin mit langen zarten Borsten bekleidel; die Kaufüsse des
zweiten Paares, s. Fig c, sind etwas länger. Beim inneren Asle
sind die beiden ersten Glieder gleich lang und zusammen etwa
so lang wie die drei folgenden, die ebenfalls unter einander
ziemlich gleich lang sind. Der äussere Ast ist nicht viel
kürzer als der innere, aber weit schwächer, und dem äus-
seren Aste des ersten Kaufusses ähnlich. Die folgenden
drei oder vier Fusspaare sind unter einander gleich
gebildet. Beim inneren Asle, der ziemlich dick ist, sind die
vier ersten Glieder gleich lang, das fünfte Glied aber kurz und
so eingelenkt, dass es (nit dem vorhergehenden eine kleine
Scheere bildet , s. Fig. d. Der äussere Ast ist so lang wie
der innere, fadenförmig, gegen das Ende sehr stark gewim-
perl, und, wie es scheirit, ßur zweigliedrig. Das erste Paar
ist beinahe so lang wie das zweite Paar Kaufüsse, die bei-
den folgenden haben zwar einen ebenso langen äusseren
Asf, allein ihr innerer Ast ist kürzer. Die beiden fo 1 gen-
den Fuss paare unterscheiden sich von den vorhergehenden
dadurch, dass ihr innerer Ast weit dünner, nur viergliedrig
ist, und keine Scheere trägt, s. Fig. e. Kiemen oder blatt-
artige Anhänge an den Füssen habe ich nicht bemerkt.
Der Hinterleib besteht aus sechs Gliedern, von de-
nen das erste unter dem letzten Segmente der Brust versteckt
ist; die ersten haben — ebenso wie bei Mysis — keine
blatlartige Vorsprünge an den Seiten, welche den Ursprung
der falschen Füsse verdecken. Von diesen sind fünf
Paar vorhanden. Das erste besteht (vielleicht nur bei einem
Geschlechte) aus einem sehr kräftigen Basalglicde, und einem
einfachen, beinahe hakenförmig gebogenen Endgliede, s,
Fig. k; — die folgenden enden mit zwei linealischen, fast
vollkommen gleich langen, nicht gewimperlen Aeslen, die
ziemlich so lang sind, wie das Grundglied, s. Fig. 1. — Die
Kurze Beschreibung einiger neuen Cruslaceen. 323
Schwanzflosse zeigt nichts Auffallendes; sie besteht aus
einem Miltclgliede und zwei Lamellen jederseits.
Ich habe diesem merkwürdigen Krebschen den Artna-
men longirostris gegeben.
Leucifer Zybrantsii Ph.
Diese neue Art Leucifer, welche ich zum Andenken des
Herrn Capilains Peter Zybrants benenne, der das Schiff
führte, auf welchem ich nach Chile gereist bin, wurde von
mir im Atlantischen Ocean unter 25^ N. ß. und 22^ 50' VV. L.
von Greenwich am 2i2sten August 1851 in 7 Exemplaren ge-
fischt. Das Krebschen ist 7 Linien lang, vollkommen was-
serhell, schwach ins Rölhliche ziehend, mit schwarzen Au-
gen. Das Segment, welches die Augen und Fühler trägt", ist
vom eigentlichen Kopfbrustslücke deutlich abgesetzt, schlank
und oben vor seinem Ende mit einem kleinen Dorn versehen.
Die Augenstiele sind etwas länger als die Hälfte dieses
Segmentes. Ich finde drei Paar Fühler: die oberen sind
ziemlich dick, viergliedrig, fast anderthalb Mal so lang wie
die Augen: ihr erstes Glied ist cylindrisch und nimmt zwei
Drittel der Fühlerlänge ein; das zweite Glied ist solang wie
das dritte und vierte zusammengenommen; das vierte ist
spitz, etwas kleiner als das dritte. Das zweite Paar Füh-
ler ist fast so lang wie das erste Glied der obern, borsten-
artig, anscheinend vielgliedrig. Das unterste Fühler-
paar ist kürzer als das zweite, dreigliedrig; das Grundglied
dick und kurz; das zweite walzenförmig, fast 'i^^mal so
lang; das Endglied hat die Gestalt eines kleinen Knöpfchens,
und unterhalb desselben hängen zwei kurze Fädchen. Das
eigentliche K opfb ru sts tu ck ist etwas kürzer als das erste
Segment, und wird nach hinten allmählich dicker. Es sind
zwei Paar Kaufüsse und vier Paar eigeniliche Füsse vorhan-
den, die ziemlich regelmässig von vorn nach hinten an Länge
zunehmen. Das erste Paar Kaufüsse ist klein, die bei-
den letzten Glieder sind gleich lang, nach vorn gebogen und
auf der hinteren Seite mit kurzen, steifen Borsten besetzt.
Das zweite Paar Kaufüsse ist wohl drei- oder viermal
so lang wie das erste; das lelzte Glied klauenförmig, nach
324 P h i 1 i p p i :
hinten umgeschlagen, reichlich so lang wie die beiden vor-
Iiergehenden Glieder; der ganze Fuss ist mit längeren, wei-
chen Borsten besetzt. Die vier Paar eigentlichen Füsse
nehmen dergestalt an Länge zu, dass das letzte so lang wie
Kopfbruststück und Augenstück zusammengenommen ist, doch
ist der zweite Fuss etwas kürzer als der erste. Sie sind
sämmtlich sehr schlank und fünfgliedrig; das Basalglied ist
kurz ; das zweite Glied ist das längste ; das dritte und vierte
Glied werden allmählich kürzer und sind nach vorn hin mit
sehr langen Borsten besetzt; das Endglied ist einfach, jedoch
das der letzten scheinbar mit einem kurzen, leicht für ein
Klauenglied anzusehenden Fortsatz , so dass man eine Art
Scheere zu sehen glaubt.
Der Hinler leib besteht aus sieben Gliedern; die
fünf ersten Segmente sind beinahe gleich, halb so lang wie
das Kopfbruststück , das erste jedoch etwas länger. Das
sechste Glied ist reichlich zwei Mal so lang wie das vorher-
gehende, walzenförmig, unten unbewehrt. Das siebente oder
das Mittelslück der S ch wan zflosse, ist kurz, aber schmal
und spitz, und zeigte in der Mitte einen etwas aufgetriebe-
nen rothen Fleck; das innere Blällchen des Seitentheiles ist
ly^mal so lang, schmal lanzettförmig, spitzlich; das äussere
ist abgestutzt und aussen am Ende mit einem kleinen Spitz-
chen versehen. Es sind fünf Paar Abd o minal füsse vor-
handen, die von hinten nach vorn an Länge zunehmen; die
beiden gleich langen, schmalen, spitzen Flossen sind so lang
wie das Grundglied.
Die Fresswerkzeuge habe ich nicht untersucht. — Es
ist wohl unnöthig , die Merkmale noch besonders hervorzu-
heben, welche diese Art von dem vier Zoll langen L. Rey-
naudii des Indischen Oceans, oder von dem L. typus des Eu-
ropäischen Meeres unterscheiden; ob eine der beiden von
Krusenstern in der Russischen Ausgabe seiner Reise abge-
bildeten Arten mit gegenwärtiger zusammenfällt, kann ich, da
mir dieses Werk nicht zugänglich ist, nicht sagen.
Alima valdiviana Ph.
Den 24sten Januar 1852 fischte ich zwei Arten dieses
sonderbaren, bisher noch nicht an den Küsten Amerikas be-
^Kurze Beschreibung einiger neuen Crustaceen. 325
obachlelen Geschlechtes dicht vor dem Hafen von Valdivia,
also linier 39« 45' S. Br. Die eine Art, welche ich A. taldi-
viana nenne, ist 9 Linien lang. Das Kopfbrustsliick hat vorn
jederseils, hinler dem Auge einen kleinen Dorn, und läuft
hinlen in zwei parallele Dornen aus. Die grossen birnförmi-
gcn Augen sind so lang wie der milllere Dorn des Kopf-
brustslückes. Die Hand der Greiffüsse trägt unten zwei
ziemlich grosse Dornen, und der innere Rand oberhalb der-
selben ist mit feinen Zähnchen besetzt. Das Klauenglied selbst
ist massig gekrümmt und zweispilzig. Der Garpus ist kaum
den vierten Theil so lang wie die Hand , s. Fig IV. c. Das
lelzle Glied des Hinterleibes ist fast so breit wie lang, in
der Mille ausgeschnitten, jederseils mit drei in ein Spitzchen
auslaufenden Winkeln ; der ganze hinlere Rand ist gezähnt,
und die Oberfläche rauh von flachen, strahlenförmigen, am
Rande gekerbten Leisten ; ähnlich wie bei Squilla. Das erste
Fusspaar, s. Fig. IV. d zeigt nichts besonderes.
A. ctenura Ph.
Dieses gleichzeitig mit dem vorigen in einem Exemplar
gefangene Krebschen misst nur Sy^ Linie in der Länge, und
hat gleichfalls vorn dicht hinter den Augen jederseils einen
nach aussen gerichteten Dorn, und einen Dorn jederseils am
hinteren Ende des Kopfbrustslückes; allein diese beiden letzleren
Dornen wenden sich etwas nach auswärts, und der Dorn der
Stirn ist verhällnissmässig etwas länger. Die Antennen des
zweiten Paares tragen drei kurze Geissein , von denen zwei
bis auf die beiden Endglieder verwachsen sind, s. Fig. HL a.
Die Hand der Greiffüsse zeigt unten am inneren Rande einen
sehr schwachen Zahn , und ist oberhalb desselben am in-
nenrande gezähnelt; das Klauenglied ist unbewehrl. Der
Carpus ist kaum halb so lang wie die Hand. Das letzte
Glied des Hinlerleibes ist hinten ausgeschnitten, sonst ver-
kehrt trapezförmig, ziemlich so breit wie lang, und am hin-
teren ausgeschnittenen Rande mit lö Zähnen kammarlig be-
setzt, woher ich den specifischen Namen entnommen habe.
S. Fig. HL
326 P h i l i p p i ;
Euacanthus Ph. nov. genus ex ordine Stomatopodum,
Taf. XIV. Fig. II. a-k.
Das kleine Krebschen, welches dieses neue Genus bil-
den muss, wurde von mir gleichzeitig mit den beiden vori-
gen und mit der folgenden Art in mehreren Exemplaren ge-
fischt. Das Kopf brüstst ück ist nach hinten dicker^ birn-
förmig, und endet vorn in einen graden, cylindrischen, enorm
langen Dorn, der mehr als die Hälfte der gesammlen Länge
einnimmt. Hinten endet das Kopfbruslslöck in zwei eben-
falls cylindrische Dornen , welche nur wenig divergiren und
etwa die Länge des birnförmigen Theiles haben. Die Au-
gen sind ziemlich gross und kurz gestielt. Es sind zwei
Paar Fühler vorhanden. Die ersten Fühler, s. Fig. IL h,
sind dreigliedrig, und etwa doppelt so lang wie die Augen;
das Grundglied ist kurz, fast so dick wie lang ; das folgende
Glied ist etwa viermal so lang wie dick, und endet mit einer
stumpflichen Spitze; das dritte Glied ist unter dieser Spitze
eingesetzt, etwa den dritten Theil so lang wie das zweite,
und an seinem, der oben erwähnten Spitze zugekehrten Rande
etwas gekerbt, so dass man den Fühler ganz füglich mit
einer Scheere vergleichen kann. Das zweite Fühler-
paar, s. Fig. IL i, reicht bis zur Spitze des ersten Paares,
und ist zweiästig ; die beiden Aesle sind gleich lang, der
unlere Ast aber ist kaum den dritten Theil so dick wie der
obere; beide Aeste sind ungegliedert. Es sind nur zwei Paar
Brustfüsse vorhanden, wenigstens habe ich an vier Exem-
plaren, die ich untersuchte, nicht mehr finden können. Die-
selben sind zweiästig; der gemeinschaftliche Stamm ist zwei-
gliedrig, das Hüftglied kurz, das folgende ziemlich cylin-
drisch , fast dreimal so lang wie dick. Der längere Ast ist
etwa anderthalb Mal so lang, wie das letzte Stielglied, und
zweigliedrig : das zweite Glied ist etwas kürzer und dünner
als das erste und am Ende mit fünf Borsten besetzt, die die
Länge des Astes haben. Der zweite Ast ist beim ersten
Fusspaar kaum den dritten Theil so lang wie der erste Ast,
sehr dünn und dreigliedrig, s. Fig. IL c, beim zweiten Fuss bei-
nahe halb so lang wie der erste Ast, fast ebenso dick und vier-
gUedng ; das dritte Glied ist hier ebenso lang wie die beiden
Kurze Beschreibung einiger neuen Crustaceen. 327
vorhergehenden, das Endglied s. Fig. II. d kurz und spilzlich.
Der Hinterleib ist wenig länger als das Kopfbrustslück,
welches grösstentheils leer erscheint , und kann ganz nach
unten umgeschlagen werden. Er ist sechsgliedrig und endet
mit einer fast fünfeckigen Schwanzflosse, deren bogenförmi-
ger Hinlerrand 13 grösstentheils lange und gefiederte Borsten
trägt; die mittlere und die beiden äussersten sind kurzer
und nicht gefiedert. Das vorletzte Glied hat jederseils ein
Spitzchen am Seitenrande. Ich finde drei Paar Afterfüsse
oder Abdominal-Fusse, Fig. H. k, die aus einem Grundgliede
und einem einfachen, beinahe cylindrischen, nicht blattarti-
gen Endgliedc bestehen. Was die drei kugligen Auswüchse
bedeuten, die ich vor dem Ursprünge der ersten Afterfüsse,
zwischen diesen und den ßrustfüssen gesehen habe, wage
ich nicht zu sagen.
Von Kauwerkzeugen habe ich nur die Mandibeln?
und ein Paar Maxillen deutlich unterscheiden können. Die
erstere, s. Fig. II. f, ist dreilappig; der erste Lappen endet
mit einem starken Dorne, der zweite trägt fünf etwas schwä-
chere Dornen oder Zähne , der dritte etwa acht gewimperte
Borsten. Die Maxil le Fig. li. e ist fünflappig , und jeder
Lappen mit drei bis vier Zähnen besetzt; sie trägt einen
blatlarligen, eiförmigen, gewimperten Taster.
Das Kopfbruststück ist mit seinen Dornen 6V2 Linie
lang, und wie das ganze Thierchen wasserhell: die beiden
hinleren Dornen , die Spitze und ein Ring in der Mitte des
vorderen Dorns waren aber lebhaft roth ; die Augen des
Thierchens waren schwarz.
Dasselbe gehört offenbar wegen seiner gesliellen Au-
gen u. s. w. zu den Slomapoden , und die Geslalt seines so
stark mit Dornen besetzten Bruststückes erinnert an Erich-
thus. Allein auf der andern Seite weicht es wesentlich ab.
Die Fühler haben keine deutliche Geissei, und die äusseren
keine Schuppe. Das Fehlen der Greifl'üsse ist wie bei Am-
phion, allein die geringe Zahl der Füsse ist sehr eigenlhüm-
lich, und die Bildung derselben erinnert mehr an die Cope-
poden als an Slomapoden. Auch die Kiefern haben eine
grosse Aehnlichkeit mit denen der Copepoden.
328 PhUippi:
Megalopa valdiviana Ph.
Taf. XIV. Fig. Y. a-b.
Ich fing mildem vorigen zusammen ein einziges Exem-
plar dieses Krebschens, dasselbe ist 3 Linien hing, vollkom-
men wasserhell. Das Kopfbruststück nimmt die halbe Länge
des Körpers ein, ist ziemlich trapezförmig, ohne den vorde-
ren in eine Spitze auslaufenden Theil und läuft hinten in
einen Dorn aus, welcher bis an das Ende des zweiten Hin-
terleibssegmentes reicht. Die birnenförmigen Augen sind sehr
gross. Die äussern Fühler haben einen dreigliedrigen Stiel
und eine doppelt so lange, achtgliedrige Geissei; die innern
Fühler sind unter der Stirn versteckt: die zehn Füsse sind
so lang wie das Kopfbruststück, und ihre Hüftglieder sind
unbewehrt. Die Scheere ist ziemlich klein, der Daumen hat
eine gekrümmte Spitze, der innere Rand ist ungezähnelt. Das
sichelförmige Nagelglied der beiden folgenden Fusspaare ist
am inneren Rande gezähnt ; dergleichen Zähne habe ich aber
nicht an dem Nagelgliede der beiden letzten Fusspaare be-
merkt. Das letzte Glied des Hinterleibes hat die Gestalt eines
Kreisabschnittes ; die beiden Seitenflossen jederseits sind ab-
gerundet und kürzer als das Endglied. Die Abdominalfüsse
tragen jeder zwei ovale sehr lang gewimperte Flossen. — •
Von M. Montagui unterscheidet sich diese Art durch das Vor-
handensein des Doms am hinteren Rande des Kopfbruststük-
kes ; von M. armata durch die Kürze dieses Dornes, mit M,
mutica ist keine Verwechselung möglich.
Wenn meine Beobachtung dieses Thierchens auch nicht
das Mindeste zur Entscheidung der Frage beitragen kann,
ob Megalopa ein ausgewachsenes, vollkommenes Thier oder
nur der Jugendzustand eines anderen Geschlechtes ist, so
ist es nichts desloweniger eine interessante Thalsache, dass
diese Krebsform auch in den Chilenischen Meeren vorkommt.
Kurze Beschreibung einiger neuen Crustaceen. 329
Erklärung der Abbildungen.
Fig. I. Ilopliles longiroslris Ph., 9mal vergrösserl. b der erste Kau-
Fuss , 0 der zweite Kaufuss , d einer (der ersten ßruslfüssc,
e einer der letzten BrustfQsse , f die Mandibel, g die erste
Älaxille, h die zweite Maxille?, i die Unterlippe, k der erste
Abdominalfuss, I einer der folgenden.
„ II, Euacanthus longispinus Ph. 5mal vergrössert, a vom Rücken,
b von der Seite gesehen, c ein Fuss des ersten, d des zwei-
ten Paares, f Mandibel?, g Maxille? mit ihrem Taster, h
oberer, i unlerer Fühler, k Abdominalfuss.
„ in. AUma clenura Ph., 7mal vergrössert, a einer der inneren
Fühler. "^
„ IV. AUma valdiviana Ph. , 2mal vergrössert; c ürciffuss, d der
erste Fuss.
„ V. Megalopa valdiviana ?h., 5mal vergrösserl; b die Scheere.
Heber einen lebendesi afrikaBil@cheti Lepi
flosiren im Krysiallpalaiste.
Von
»r. J. K. Oray.
Aus dem Englischen uberselzt vom Herausgeber.
(Proceedings of the Zoological Sociely 1857},
Dieses Thier ist während einiger Monate im Krystall-
palasle ausgestellt gewesen , scheint sich in ^ulem Gesund-
heitszustände zu befinden, und hat an Grösse zugenommen.
Mr. W. Hawkins hat in den lUustrated News (Supp.
20. Sept. 1856) eine sehr gute Abbildung des Thieres gege-
ben, und bemerkt dazu:
„Die drei lebenden Exemplare dieses Thieres wurden
aus dem Gambia nach England gebracht, eingeschlossen in
Kugeln von hartem Thon , worin sie sich acht Monate lang
befanden, ohne ein Zeichen von Leben zu geben, bis diese
Thonkugeln in Wasser gelegt wurden , wodurch sie platzten
und zerfielen, und dunkel gefärbte eiarlige Körper enthüll-
ten, welche auch sogleich barsten und ihre Insassen befrei-
ten, die lebhalt schwammen oder vielmehr durch das Was-
ser hinschossen, und unverkennbare Lebenszeichen erblicken
Hessen, indem sie gefrässig grosse Würmer, kleine Frösche
und Stücke Fleisch verzehrten, die ihnen vorgelegt waren.«
Der Lepidosiren braucht seinen Schwanz um sich vor-
wärts und aufwärts nach der Oberfläche des Wassers zu be-
wegen. Die pfriemförmigen Gliedmassen sind sehr verlän-
gert; die Vordergliedmassen sind am ganzen Hinlerrande mit
einem schmalen fast gleichbreilen Haulsauiuc versehen; die
Gray: Ueber einen lebend, afrikan, Lcpidosiren im Krystallpal. 331
Hinlergliedmassen haben eine schmale Membran an der Mille
der Aussenseile; sie sind ausserordentlich beweglich und
biegsam , werden von dem Thiere zur Richlung der Bewe-
gungen benulzt , und gleichen mehr Füssen als Flossen,
namentlich wenn sie sich im Bereiche fester Körper befinden,
die das Thier als Stütze brauchen kann.
Jedersoits über der Basis der Yordergliedmassen be-
finden sich zwei Fortsätze , welche von einigen Autoren als
Kiemen angesehen worden sind *) , sie sind von derselben
Farbe wie der übrige Körper, und ich konnte selbst mit einer
Hand-Lupe von I Zoll Focus nicht entdecken , dass sie von
besonderen Gefassen durchzogen , oder mit Cirren oder än-
deren Fortsätzen versehen wären, wie m9n sie gewohnlich
an den äusseren Kiemen der Balrachier findet. Während ich
das Thier beobachtete, wurden sie kaum bewegt, ausser
wenn das Thier schwamm , wobei sie wie die grösseren
Gliedmassen benutzt wurden und offenbar zur Richtung der
Bewegungen hülfreich waren ; sie bilden also einen Theil der
vordem Gliedmassen. Sie befinden sich ziemlich dicht an-
einander über dem Grunde des langen Flossenfadens. Diese
Gliedmassen dienen dem Thiere um es in einiger Höhe über
der Kiesfläche zu erhalten , wenn es ruht.
Wirklich glerchcn alle Bewegungen des Thieres mehr
einem Triton oder Lissolrilon als einem aalförmigen Fische.
Die obere und untere Flächt des Kopfes sind mit Linien
von Schleimporen versehen, symmetrisch an beiden Seiten,
ähnlich den Poren , welche sich an Kopf und Kinn mancher
Fische und von Triton und Lissotrilon finden. Es ist auch
eine deutliche conlinuirliche Porenlinie, ähnlich der Seiten-
linie der Fische und Trilonen , vorhanden, welche an dem
Schwänze etwas hinter der Basis der Hintergliedmassen ver-
läuft, aber nach hinten zu undeutlicher wird.
Die Augen sind von massiger Grösse, kaum über die
Oberfläche hervorragend, rund, ohne Augenliedcr; die Pu-
pille ist schwarz, klein, kreisrund, kleiner als ein Driltel des
Augendurchmessers, mit einer schmalen goldfarbigen Iris,
Man sieht den Fisch gewöhnlich unter dem Wasser um-
*J Peters Ann. and Mag. Nat. Ilist. XVL p. 348.
332 ^ Grayt
hcrschvvimmen , oder auf dem Boden des Wasserbehälters,
gestützt auf seine Gliedmassen, anderthalb oder zwei Zoll
über der Kiesfläche ruhen, mit der Nase meist m der Ecke,
niedergebogen und zum Theil in dem Kiese verborgen.
Der Mund ist fest durch die überhängende Oberlippe
geschlossen, ausgenommen vorn, wo sich eine kleine läng-
liche, quere, horizontale Oeffnung am Aussenrande der Lip-
pen befindet , die dem Wasser den Zutritt zu den kleinen
äusseren NasenöfTnungen gestaltet, welche in der Mitte der
Unterseite der Oberlippe liegen. Diese Oeffnung erstreckt
sich nicht zu dem hinteren Theile der Lippen, welche hinter
ihr geschlossen sind, so dass^ das Wasser in dieser Richtung
nur durch die Naslöcher in den Mund dringen kann.
In diesem ruhenden Zustande ist die seitliche Kiemen-
öffnung gewöhnlich geschlossen, aber zuweilen ist sie schwach
erhoben und ein kleiner Wasserstrom scheint dann und wann
aus ihr ausgestossen zu werden, als wenn eine kleine Was-
sermenge durch die Nasenlöcher eingenommen und durch
die Kiemenspalle ausgestossen würde ; aber dieser Vorgang
ist weder continuirlich, noch sehr deutlich wahrzunehmen.
So lange das Thier unter Wasser ist, öffnet es zuwei-
len den Mund weit, lässt ihn einige Zeit offen, erweitert die
Kehle vermittelst des Zungenbeins; ist diese vollständig er-
weitert, dann schliesst es den Mund, öffnet die Kiemenspalte
und stösst durch die Contraction der Kehle einen starken
Wasserstrom durch die seitliche Kiemenöffnung hervor.
Periodisch, aber in ungewissen Pausen, erhebt es sich
senkrecht zur Oberfläche des Wassers, bis der Vorderlheil
des Kopfes und der ganze Mund sich über dem Wasser
befindet; dann öffnet es den Mund, hält ihn einige Zeit offen,
erweitert die Kehle , füllt sie mit Luft , schliesst den Mund,
steigt unter Wasser zurück und contrahirt die Kehle um die
Luft in die Lungen zu treiben (wobei zuweilen eine oder zwei
sehr kleine Luftblasen aus der Kiemenspalte hervortreten)
und nimmt dann seine alte Stellung in der Nähe des Bodens
des Behälters, wieder ein.
Ich sah einmal das Thier aufsteigen und Luft einneh-
men, nachdem es unmittelbar vorher die Kiemen mit neuem
Wasser versehen hatte. Als ich es beobachtete, schien es
Uebcr einen lebend, afrikanischen Lepidosiren im Krystallpalaste. 333
häufiger Luft als Wasser einzunehmen ^^). Es richtet sich
oft mit seinem Körper senkrecht auf , als wenn es an die
freio^ Luft kommen wollte, steigt aber wieder hinab, ohne
die Überfläche des Wassers erreicht zu haben.
Die Respiralionsorgane dieses Thieres sind zwiefach :
1. Wühlorganisirle Kiemen am inneren Rande derKic-
menbogcn, wie bei Fischen, und ein regelmässiger Kiemen-
deckel mit einer kleinen länglichen OeiTnung vor der Basis
der Vordergliedmassen (vergl. Owen, Trans. Linn. Soc. XVIIL
t. 25. f. 3. t. 26. f. 1).
2. Zwei wohl entwickelte zellige Lungen von fast glei-
cher Grösse (vergl. Owen, Trans. Linn. Soc. XVIiL t. 25.
f. 3. t. 26. f. 1. 2).
3. Die Naslöcher liegen dicht bei einander an der Un-
terseite der inneren Lippe, mit ihrer inneren Oeffnung an
der Seite des Mundes zwisclien den Lippen und dem Aus-
senrande der grossen inneren Zahnreihe; der Durchgang ist
kurz, so dass eine Sonde leicht von einer Oeffnung zur an-
deren geführt werden kann, und- die inneren Naslöcher sind
sehr deutlich beim lebenden Thiere zu sehen, wenn es den
Mund öffnet, um Luft zu schöpfen.
Bise hoff erwähnt dieser inneren Naslöcher auch bei
dem Curamuru oder Lepidosiren paradoxa aus Brasilien.
Das Thier ist also mit wohl entwickelten Organen für
Luflalhmung und Wasserathmung verschen, und die Ath-
mungsweise ist vollkommen angemessen dieser Organisation,
es ist daher das vollkommenste amphibische Thier, gleich
geschickt auf dem Lande und im Wasser zu leben, das ich
je beobachtet habe.
Der Charakter, welcher am besten die Batrachier, —
*) Mr. W. Hawkins bemerkt in den Illuslrated News: „Man
sieht ihn zuweilen an die Überfläche des Wassers steigen, um viel
almosphjirische Luft einzunehmen, indem er seinen ofTenen Mund über
die Ohirnächc hervorstreckt."
Dr. llolbrook scheint dasselbe bei Neclurus maculosus (wahr-
scheinlich die Larve von Protonopsis horrida) beobachtet zu haben.
Kr sagt, dass dieses Thier in der Gefangenschaft an die Oberfläche
des Wassers steigt um einen Mund voll Wasser zu nehmen , und dann
wieder auf den Boden sinkt. Amcr. Herpet. I, p. 113,
334 Gray:
Krölen, Frösche, Salamander — von den Fischen trennt, ist
dass sie sowohl im Larven- wie im vollständigen Zustande
mit äusseren und inneren Naslöchern versehen sind , durch
welche diese Thiero die Luft zur Athmung einnehmen oder
ausstossen; während bei Fischen das Wasser zur Athmung
durch den Mund eingenommen und nachdem es an den Kie-
men vorbeigegangen ist, durch die seilliche Oeffnung des
Kiemendcckels ausgestossen wird; während dasNasloch bloss
ein Sack ohne irgend welche Communication mit der Mund-
höhle ist.
Wenn ein Batrachicr alhmet, wird der Mund geschlos-
sen, die Kehle wird wie ein Paar Blasebälge benutzt, um die
Lull in die Lungeii zu pressen, und wenn der Mund offen
gehallen wird, stirbt das Thier, weil es nicht athmen kann.
Bei den Fischen dagegen ist der Mund immer mehr oder
weniger offen; und der Fisch schluckt entweder beständig
Wasser ein , welches dann bei verschlossenem Munde und
Lippen durch die seitlichen Spalten ausgestossen wird; oder
der Mund bleibt theilweise offen, und das Thier braucht seine
Zunge und den hinteren Innenrand der Lippe als eine Art
Klappe, durch welche die Mundhöhle geschlossen wird, und
das Wasser ist genölhigt an den Kiemen vorbei zu strömen.
Der Lepidosiren scheint das Wasser durch die Naslö-
cher einzunehmen , und gleichzeitig Luft zu athmen wie ein
Batrachier und Wasser wie ein Fisch.
Die meisten Amphibien, wie Krölen, Frösche und Sala-
mander, sind in ihrem Jugendzuslande für Wasserathmung
organisirt, in ihrem ausgebildeten Zustande für Luftalhmung;
aber dieses Thier hat beide Arten von Organen in einem
völlig dienstfähigen Zustande zu derselben Zeit, und das Thier
braucht sie offenbar gleichzeitig.
Es scheint mir , dass der Lepidosiren den Amphibien
näher verwandt ist, als irgend ein anderer mir bekannter
Fisch ; zugleich bildet er offenbar eine besondere Gruppe in
der Klasse.
Dr. Daniel, welcher einige Jahre in Gambia und auf
den Macarthy^s-lnseln gelebt hat, theilt mir mit, dass der
Lepidosiren , wie der Schlammaal oder echte Siren, nur in
den Reisfeldern gefunden wird, welche die grössere Hälfte
Ueber einen lebend, afrikanischen Lepidosiren im Krystallpalaste. 335
des Jahres unter Wasser stehen, und dass man sie nur von
den Eingebornen gegen das Ende der trockenen Jahreszeit
erlialten kann, wenn sie aus dem fast getrockneten Schlamme
ausgegraben werden. Sie werden gebraten verspeist und
haben einen kräftig öligen Geschmack.
Die Lebensweise im Schlamme kommt auch einigen Am-
phibien zu; so lebt der Schlamm -Aal oder Siren lacertina,
welcher Lungen und äussere Kiemen hat, hauptsächlich im
Schlauime, und wird ausgegraben^ wenn die Gräben der Reis-
felder in Carolina gereinigt werden. Der Höllenspanner
oder Schlammteufel (Protonopsis horrida) , und die Congo-
Schlange (Amphiuma) , welche innere Kiemen und Lungen
und eine kleine Seitenöffnung haben, leben oft zwei oder drei
Fuss tief im Schlamme, besonders im Winter; und sie und
Siren lacertina können einige Zeit ausser dem Wasser leben,
und sie sollen es zuweilen freiwillig verlassen.
Wasserlhiere graben sich häufiger in den Schlamm ein,
als man gewöhnlich annimmt. Die gemeinen Frösche Eng-
lands und die grossen Salamander verbergen sich während
des grössten Theils des Winters in dem Schlamm, und ebenso
die Dytisci und andere Wasserinsekten.
Aber auch einige Fische, welche bloss Kiemen für die
Wasserathmung besitzen, haben dieselbe Lebensweise. Dr.
Hancock sagt im Zool. Journ. IV. p. 2-13: „Wenn das Was-
ser in den Pfützen austrocknet, in denen der Yarrow (eine
Art Esox L.) und der rundköpfige Hassar (Callichthys litlo-
ralis) zu leben pflegen, graben sich diese Fische in den
Schlamm ein , während alle übrigen Fische aus Mangel an
ihrem natürlichen Elemente sterben, oder von den Raubvögeln
verzehrt werden. Der flachköpfige Hassar (Doras costala)
dagegen verlässt den Ort und wandert über Land um Wasser
zu suchen,- er wandert nach Angabe der Indianer die ganze
Nacht hindurch, um seinen Zweck zu erreichen. Ich habe mich
überzeugt, dass sie Stunden lang ausser Wasser leben kön-
nen , selbst wenn sie den Sonnenstrahlen ausgesetzt werden.
Ihre Bewegung wird mit der einer Iwo-pollet Eidechse ver-
glichen: sie stürzen sich vorwärts auf ihre dornigen Arme
durch die Elasticilät ihres seitlich vorgestreckten Schwanzes;
sie bewegen sich so schnell wie etwa ein Mensch bequem
336 Gray:
geht. — Die Indianer erzählen , dass diese Fische Wnsser
in sich aufnehmen , als Vorralh für ihre Reise. An dieser
Behauptung- scheint etwas wahres zu sein, denn ich hshe
bemerkt, dass die Körper der Hassar nicht Irochen werden
wie die anderer Fische, wenn sie aus dem Wasser gezogen
werden ; und wenn die Feuchligken verdunstet ist, oder wenn
sie mit einem Tuche abgetrocknet werden , dann haben sie
eine solche Secretionsfähigkeil , dass sie sogleich wieder
feucbt werden; es ist in der That kaum möglich die Ober-
fläche trocken zu machen, so lange der Fisch lebendig ist.
Dr. Hancock giebt ferner an , dass ein Fisch , wel-
chen er für Loricaria plecoslomus hält, seine Flossen nicht
bloss zum Schwimmen benutzt , sondern dass er mit vier
Knochenstützen, je einer an Brust- und Bauchflossen, näm-
lich den ersten Strahlen dieser Flossen^ versehen ist, um auf
dem Boden dt?r Flüsse, und da, wo das Wasser knapp ist
oder fehlt, zu kriechen ; so dass er zum Theil amphibisch zu
sein scheint.
Nach diesen Angaben scheint die Lebensweise dieser
Fische sehr wenig Aehnlichkeit mit der des Lepidosiren zu
haben.
Es ist bekannt, dass manche Süsswassermollusken, wel-
che freie Luft athmen, und auch einige von den mit kamm-
förmigen Kiemen für Wasserathmung versehene Schnecken,
wie Paludinen und Valvaten, in den wärmeren Klimaten, wie
in Indien, wo die Flüsse oder Teiche austrocknen, sich wie
Lepidosiren beträchtlich tief in den Schlamm eingraben, und
gleich ihm darin bis zur Rückkehr der Regenzeit in einem
Zustande <ler Erstarrung verharren.
Sir William Jardine hat die Art Cocon in dem
Thone, in welchem der Lepidosiren nach England gebracht
worden ist, beschrieben; aber ich habe von Mr. Bartlett
erfahren , dass die Höhlung immer an der Stelle , wo die
Nase des Thiers liegt, mit einer kleinen OefFnung verse-
hen ist.
Diejenigen Forscher, welche dieses Thier in die Klasse
der Fische setzen, iiaben grosses Gewicht darauf gelegt, dass
es mit einer Seilenlinie versehen ist. So erwähnt Dume-
ril, in seiner letzten Mittheilung über diesen Gegenstand, der
Ueber einen lebend, afrikanischen Lepidosiren im Krystallpalaste. 337
Linie, „welche an den Seilen des Kopfes sich verzweigt wie
bei Chimaera ,* hat aber das Factum übersehen , dass auch
Triton crislatus , der gemeine Wasscrsalamander ähnliche
Linien an beiden Seilen und am Kopfe besitzt. Er vergleicht
die Kiemenbogen und die Kiemenöffnung mit denen von Mor-
myrus und Cobitis , aber sie sind ganz ähnlich denen von
Protono[)sis ; er vergleicht ferner die Naslöcher mit denen
der Lampreten, hat aber nicht beachtet, dass das Thier mit
Naslörhern versehen ist, die mit der Mundhöhle commmiici-
ren. Vergl. Erpetologie generale IX. p. 213.
Ich habe in Erfahrung gebracht, dass diese Gattung in
versrhiedenen Gfgenden Afrikas gefunden wird, wie im Se-
negal, wo sie Tobat genannt wird, und im weissen Nil, von
wo Armaud im Jahre 1843 Exemplare an das Pariser Mu-
seum sandte; Peters fand eine Art in Quellimane, welche
er und J. Müller Rhinocryptes amphibia genannt haben.
Als Antwort auf ein Schreiben von mir habe ich von
Mr. Oartlett die folgende interessante Miltheilung erhalten.
Kryslall-Palast, Sydenham den 17. November 1856.
»In Erwiederung Ihres Schreibens in Betreff des le-
benden Lepidosiren, erlaube ich mir Ihnen mitzutheilen,
dass ich im letzten Juni von West- Afrika eine Kiste mit
vier Exemplaren dieser Thiere erhielt; jedes Exemplar war
in einem Klumpen von trockenem schlammigen Thon enthal-
ten, von der Grösse eines Brods (quartern loaf) ; jeder die-
ser Klumpen war in ein Stück Leinwand eingenäht, um das
Zerbröckeln oder Zerfallen des Thones zu verhindern. Zu-
folge der Anweisungen, welche ich von dem Absender Ca-
pitain Chamberlayne erhalten hatte, legte ich sie in ein Bek-
ken mit Wasser von 83<* = SiV^o Reaum) ; hierbei zerbrök-
kelle der Thon des einen und legte zum Theil die Höhle
offen, in der das Thier enihallen war. Ich beobachtete den
Vorgang, als plötzlich der Behälter oder Cocon an die Ober-
fläche des Wassers stieg. Ich dachte erst das darin ent-
haltene Thier müsse todt sein, aber bald darauf bemerkte ich
eine leise Bewegung. Offenbar wtir d is Thier bemüht sich
herauszuwickeln , und das gelang ihm auch bald darauf , in-
dem es die Seite seiner harten Hülle durchbrach ; es schwamm
Archiv r. XAtiircfscb. XXIII. Jahrg. 1. Bd. 22
338 Gray:
sogleich umher, und durch sein Eintauchen in den Schlamm
und Thon, der nunmehr aufgeweicht war, erschwerte es die
ferneren Beobachtungen. Ich nahm den Behälter oder Cocon
fort, der noch schwamm, und den ich Ihnen nun zur Unter-
suchung sende. Am folgenden Morgen fand ich , dass aus-
serdem noch zwei Thiere sich herausgearbeitet hatten; ihre
Behälter waren jedoch nicht zu sehen, — sie waren offenbar
in dem weichen Thone eingehüllt geblieben. Im Laufe des
nächsten Tages hob sich plötzlich das vierte Thier, in seinen
Behäller eingehüllt, an die Oberfläche. Da es kein Lebens-
zeichen von sich gab, nahm ich es fort und fand, dass das
Thier seit einiger Zeit todl war, da es stark in Fäulniss über-
gegangen war. Als diese Thiere ankamen , waren sie sehr
dünn und etwa 9 Zoll lang; sie fingen sogleich an, Regenwür-
mer, kleine Frösche, Fische, zuweilen auch rohes Fleisch zu
fressen. Ich sah sie zuweilen einander angreifen, und eins von
ihnen , wahrscheinlich um zu entfliehen , schlüpfte aus dem
Becken in das grosse Bassin in dem Krystall-Palast, wo das
Becken stand. Dieses Exemplar ist noch frei zwischen den
Wasser-Lilien. Die beiden zurückbleibenden lebten eine Zeit
lang offenbar in guter Freundschaft; aber im Monat August
überfiel das noch jetzt in dem Becken befindliche Exemplar
seinen Gefährten, und verzehrte fast die hintere Hälfte von
ihm. Beim Fressen kaut dieses Thier die Nahrung stark,
stösst sie häufig nach vorn fast ganz aus dem Munde her-
aus, kaut sie dann allmählich wieder herein, und oft (wenn
es rohes Fleisch frisst) wirft es dasselbe alles wieder her-
aus, nachdem es dasselbe einige Zeit gekaut hat. Das Wachs-
Ihum dieser Thiere ist ausserordentlich schnell: im Juni wa-
ren sie, wie oben bemerkt, etwa 9 Zoll lang, in drei Mona-
ten erlangten sie ihre gegenwärtige Grösse, welche nicht
weniger als 18 Zoll betragen kann. Das Thier erhebt sich
oft senkrecht an die Oberfläche um zu athmen, und zuweilen
stützt es sich auf seine flossenähnlichen Anhänge, und hebt
mit Hülfe seines Schwanzes den Körper vom Grunde auf,
wobei die Flossen rückwärts gekrümmt werden. Die Bewe-
gung dieses Thieres ist im Allgemeinen sehr langsam, und
konnte den Verdacht erregen, dass es sehr träge sei; ich habe
jedoch guten Grund anzunehmen, dass dies nicht der Fall^ ist.
Ueber einen lebend, arrikanischen Lepidosiren im Krystallpalaste. 339
denn als ich versuchte das Exemplar in dem freien Bassin
zu fangen, schoss es mit der Schnelligkeit eines Pfeiles da-
von. Ich habe auch Grund zu glauben, dass das Thicr seine
Nahrung mehr durch den Geruch als durch das Gesicht wahr-
nimmt. Was den Cocon betrifft, so ist das Ende, welches
die Nase des Thieres bedeckt, etwas zugespitzt, und hat eine
Oeffnung etwa von der Grösse eines Stecknadelknopfes, wo-
durch ohne Zweifel das Thier alhmet, so lange es sich im
Zustande der Erstarrung befindet. In dem Behälter ist das
Thier fast zweimal zusammengefallet , und ich bemerkte in
jedem der Thonklumpen eine kleine Höhle von der Grösse
eines Mauselochs, welche innen ganz glatt war, als wenn
das Thier durch dieselbe gekrochen wäre.*
]>lag:no9cn einiger neuen Echinodermen«
Von
Prof. Dr. Ed. Ornbe
in Breslau.
Ästropecten ciliatus Gr.
Radiis 5, tesseris dorsualihus aequaliter granulatis, circum
circa spinuüs ciliatis aculeis iongioribus nullis, aculeis U
Dentralium marginalibus binis, aeque ma^nis , coinplanHtis,
brevioribus ternis infra eos, similibus senis ad marifinein tes-
serarum aboralem positis, aculeis ambulacralibus biseriaübus
interioribus ternis^ exlerioribus sub- octonis, quos inter
sinffulus longior; radio disri 1, brachiali 4^2) t«sseris dor-
sualibus ulrinque 45, venlralibus 42.
Diam. 4^5 unc.
Puerto Cabello.
Asteropsis imbricata Gr^
Radiis 5 subbrevibus, obluse carinalis, angulo interra-
diali rolundato, tesseris marginalibus imi)ricatis , inlerioribus
superiorurn iriarginern paulisper tHiilum excedcnlibiis, iessellis
ventralibus imbricalis, dorsualibus iuxla posilis (inediis ra-
diorum iiiiposilis); cute cr^ssissiiiia aruU'is nullis; aculeis am-
bulacralibus disli<his, cuiusque seriei cnle coniunclis, singu-
lis, interioribus lon^'ior'ihus, llberis; radio disci, brarhiali 2*4
vel 2V3; tesseris marginalibus (et dorsualibus et venlralibus)
ulrinque c. .55.
Diamolcr ad 7^/2 ""c.
Silcha. (Dr. W. v. Bock).
Scyiaster cancellaius Asm. Gr.
Corpore romplanalo, dorso siibliliter granulafo, radiisb
supra seriebns transv«»isis 6 distanübiis bullanini ornalis, bul-
lis complanatls, orbioulatis, ad basin granulalis, quinis, porid
Grube: Diagnosen einiger neuen Echinodermen. 34t
in ordines longiludinales et Iransversos disposilis; tesseris
marginalibus rotundatis, minoribus et maioribus dorsualiutn
alternantibus, illis omnino , his ad basin tanlum granulatis,
ventralibus omnino granulatis, aequalibus : aculeis ambulacra^
Uhus truncalis, anhuste rectangulis, uniserialibus. binis, bul-
lis 5 penlagoni instar anum circumdantibus, radici radiorum
impositis; radio disci 1, brachial! paene '6^2*
Diameler 2 unc.
Palria? (Eschschollz>
Echinaster deplanatus Asm. Gr.
Corpore supra piano, sublus leniter rolundato, radiis 5
basi latis, apicem versus sensim attenuatis, cute crassiuscula,
fusca, supra rele trabcubirum, sublus tessellas obdujenle^
trabeculis ex parle subliliter granuialis, pallidioribus, spinuli-
feris, sphiulis ^Inbris, brevibus, a« utis, sin^ulis^ in dorso ra-
diorum e longiludine ordines 3 flrxuosos, in venire series re-
clas ulrinque 4 vel 3 componenlibus; margine radiorum Irun-
calo, Serie spinularum dorsuali arinalo , aculeis ambulacrali-
bus spissis, ulrinque dislirhis, ternis ad marginem, singulo
in pnriete sulci brachialis; radio disci 1, brachiali 2%,
Diam. 4'^ unc.
Palria? CHischschoItz).
Echinaster rigidus Asm. Gr.
Radiis 5 cylindratis, sub-heptagonis, apicem versus minus
altenualis, reti trabecularum dorsuali et lalerali pallido, ma-
xime perspicuo, areis fusois plus minus reclanguiis, mullipo«
ris, spinulis brevibus, ereclis, oblusis, asperis, albidis, dorsi
Irisltchis, parietis lateralis monostichis, ventralibus utrinque
subdistirliis, subacuiis, aculeis ambulacralibus externis con-
slipalis biserialibus vel Iriserialibus, pauIo longioribus, leniler
compressis, inlernis {in sulco branchiali alflxis) binis; radio
disci 1, brachiali 5.
Diameler ad 4% unc.
Palria? (Eschschollz).
Echinaster lacunosus Gr.
Radiis 5 complanalis, basi constrictis, apicem versus
attenuatis, quinquies longioribus quam latis, trabeculis retis
dorsualis serie spinularum simplici continua consitis, maculas
342 <i r u b e :
parvas numerosas continenlibus , poris macularum qualcrnis
vel quinis, apicem radii versus binis vel singulis, ventris nul-
lis; spinulis obtusis, dorsi minoribus, '/j lineam longis, ven-
tris 1 lineam longis utrinque fere tetraslichis, aculeis ambu^
lacralibus externis similibus paulo longioribus , distichis,
utriusque seriei paulo distantibus, internis multo minoribus,
obtusis; radio disci 1, brachial! 6 vel ö'/j.
Diameler fere 6 unc.
Patrta?
Oreaster lapidarius Gr.
Badiis subbrevibus 5 , obtuse carinatis, trabeculis dorsi
crassis , brevissimis, truncato fusiformibus vel cylindratis, ela*
tis , aculeos singulos ferentibus, aculeis crassis subovatis vel
conoideis, obtusis, fuscescenlibus, areis poriferis parvis, aegre
dislinguendis, tessellis venfralibus elatis, ad basin radiorum
utrinque sexserialibus, ad exlremilatenn Iri-serialibus, praeter
granula plurima minuta 2 ad 5 maiora fei'entibus, pedicellariis
bivalvibus, inlervalla tessellarum explentibus, aculeis ambula^
cralibus distichis , interioribus ternis vel quaternis , coinpla-
natis, obtusis (medio longiore), exterioribus singulis; Tdidlo
disci J, brachiali plus 2.
Diameter 11 unc.
Palria?
Ophiocoma variabilis Gr.
Disco quinquelobo, sublus squamuloso (haud granulato),
aperturis genitalibus verruculis nuliis, scutellis radiorum dor~
sualibus transversis subovalibus, utrinque aculis, ventralibus
subquadratis, angulis aboralibus angusle truncatis, spinis la~
teralibus flabellatis quaternis, vel ternis, longitudine deorsum
decrescente, supremo quaternorum longiludinem scutelli dor-
sualis Irienle vel quadrante excedente, sqamulis ambulacra^
libus singulis , anterioribus , saepius binis, scutellis oraUbus
subpenlagonis ovatis , os versus anguslioribus; disco supra
colore brunneo, interdum maculis ocularibus distincto, ra^iis
supra brunneis , interdum maculis lacteis marmoratis , sublus
albidis ; radio disci 1, brachiali 16 ad 18.
Diameler ad 8 unc.
Woahu cEschscholtz).
Diagnosen einiger neuen Echinodermen. 343
Ophiolepis limbata Gr.
Pallide brunnea, disco quinquelobo, haud spinoso, squa^
mis dorsi parvis, subaequalibus^ seriei marginalis pauIo maio-
ribus, veniralibus niinimis puncliformibuSj,^ scuiis radialibus
conspicuis, cuiusque paris suico lanlum lineari (inlerdurn cen-
trum disci versus dilalato, hie squamulam excipiente) seiun-
ctis , figuram rotundato-rhomboideam exhibentibus, squama
duplici a radice radioruin separalis, scutellis radiorum dorsua^
libus transversis , Irigonis , dimidio brevioribus quam lalis,
margine aborali paulo convexo^ a lateralibus minus seposilis,
ventralibus subrectangulis, sese non tangentibus, paulo latio-
ribus quam longis, margine adorali saepius obtusangulo ; ^spi^
nis lateralibus acutis, tcrnis, subaequalibus, latitudine radio-
rum paulo mlnoribus squamulis ambulacraübus binis ; scutellis
oralibus rhombicis, parvis, lineis rectis pentagoni instar inier
se iunctis , fissuris oralibus utrinque 3 tanlum spinulis arma-
lis , basiiari (maiore) et secunda trigonis, tertia apicali ob-
longa, truncata; radio disci 1, brachiali 8.
Diameter ad 4 unc.
Rio Janeiro. (Dr. W. v. Bock).
Ophiolepis sexradia Gr.
[ iji Albida supra viridi variegala, disco rotundato, squamis
dorsi parvis, subaequalibus, spinulis singulis sparsis, scutis
radialibus viridibus apice albo, oblongis, cuiusque paris serie,
squamularum angustissima seiunclis; scutellis radiorum do^r.
sualibus ovalibus margine aborali obluse trilobo, anterioribus
dimidio brevioribus quam latis posterioribus angustioribus,
alteris albis, alleris viridi distinclis, ventralibus ovalibus ve
suborbiculalis, albidis , sese tangenlibus, lateralibus sublus
satis, supra vix perspicuis, spinis lateralibus minulis senis,
laliludine radiorum brevioribus , supremo et infimis brevissi-
mis, oblusiusculis, viridi alboque variegalis, squamulis ambu-
lacralibus singulis, scutellis oralibus aegre distinguendis, par-
vis rolundalis margine adorali paulo acuminato, fissuris ora^
libus utrinque 2 tanlum vel 3 squamulis armatis; radio disci 1,
brachiali 12.
Diameter ad 3 unc.
Horolulu (Dr. Ed. Lenz).
'344 Grube: Diagnosen einiger neuen Echinodermen.
0 phiotrix alba Gr,
Alba , disco supra spinulis longioribus et brevioribus
echinulatis, subtus brevissiinis, papillaribus armato, scuHs ra-
dialibus nudis, semiovalis, cuiusque paris taeiiia angusta spi-
nulifera seiunclis , scutellis radiorum dorsualibus roluiidalo-
rhombicis leviter carinatis, ulrinque uiiibone aduiiibrato oriiatis,
lateralibus vix dislinclis , ventralibus traiisversis, subrectan-
gulis rotundatis , niargine oboiali excavato^ asperulis; inter-
stitiis laevibus, spinis lateralibus compressis, oblusis , ple-
rumque septenis, longltudine sursuin et deorsum decrescente,
3. et 4. ceteris longiore, latiludinem radii superanle, pediceU
lis verruculosis , scutellis oralibus Iransverse ovalibus, ae-
gre distinguendis, fissuris genitalibus basi miniine dislanlibus;
radio disci 1^ brachial! ö vel ö.
Diameter 3 unc.
Oceanus pacificus (Eschschollz).
Brissus panis Gr.
Testa bruniiea, ex cordato ovala, ambulacro antico leniter
einarginata , apice paulo elato in initio trientis secundi sito,
planilie postica obliquissinie iiniiiinente, 0i>>')>nt6 recte trun-
caia), ano iain paene ventrali, ambulacris paribus salis exca-
vatis, anticis angulo fere IJö^ lunclis, ad marginem lateralem
descendeiiUbus , poslicis iis paulo longioribus, intervalio ad
apiceui (anlum subcarinato^ suiro lonoitudinaii ad aimm de-
scendenle ; fasciola ambulacra ambeunte maxiuie angulosa,
subirregulari , in ambulacro iinpari lobi instar prominente,
inier posleriora relrorsum inlrante , area fasciolae subanalis
latissima, supra vix dislinguenda , area inter haue et os sita
vitta latissima circumdata.
Longiludo 6 unc, iatitudo 5 unc, altitudo 3 unc
Palria?
Bonn, gedruckt bei Carl Georgi.
i
ARCHIT
pOr
IVATURGESCHICHTE
GEGRÜNDET VON A. F. A. WIEGMANN,
FORTGESETZT VON W. F. ERICHS ON.
IN VERBINDUNG MIT
PROF. Dr. L euch AßT IN GIESSEN.
HERAUSGEGEBEN '
VON
Db.F. h. TROSCSEX.,
PROFESSOU AN DER FRIBDRICU-WILHBLMS-UNIVBRSITAT ZU BONN.
DREI UND ZWANZIGSTER JAHRGANG.
Zureiter Band«
BERLIN, 1857.
VKKLA(; DER NICOLA ISCHEN EU C H H A N D L U N fi.
Inhalt des zweiten Bandes.
Bericht über die Leistungen in der Itaturgeschichte der Säuge-
thiere während des Jahrps 1856. Vom Herausgeber .
Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte der Vögel
während des Jahres 1856. Von Dr. G. Hartlaub in
Bremen . . ...
Bericht über die Leistungen in der Herpetologie während des
Jahres 1856. Vom Herausgeber . . . .
Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie während des
Jahres 1856. Vom Herausgeber
Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte der Mollusken
während des Jahres 1856. Vom Herausgeber .
Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte der niede.
ren Thiere während des Jahres 1856. Von Prof. Leu.
ckart in Giessen
Seite
1
29
62
77
tu
165
171
174
192
211
214
224
226
230
246
251
256
Inhalt.
Bericht üher die wissenschaftlichen Leistungen im Gebiete der
Entomologie während des Jahres 1856. Von Dr. A
Gerstaecker in Berlin ....
1. Insekten .
Coleoptera
Orthoptera
Physopoda
Thysanura
., ^^Hyraenoptera
Diptera
Lepidoptera
Hemiptera
2. Myriapoden
3. Grustaceen
4. Arachniden
b rif u(i-gaut?j'jd 3ih
Seite
273
273
311
375
383
383
383
401
423
453
462
463
480
nainaiä
citlu in
'■'.-ff:!.
niirlT
,i.-.r-.n
Verbesserungen zuKrohn's Aufsatz: Fernere Nachträge zu dem
Aufsatze über Echinospira im ersten Bande dieses Jahrganges:
S. 255. Z. 2 u. 3 von oben sind die Worte: aus der Zungen.
scheide zu streichen.
„ 257. „22 von oben: statt bei der lies: beider.
„ 261. „ 11 von unten: statt Seit en 1 eis ten lies S eitenleiate.
Bericht über die lieistuiig^en In der üfatur-
g^escliiclite der Säug^etliiere Avälireiid des
Jaiires 1S56.
Vom
Für die Abfassung der Jahresberichte ist es mir un-
gemein wichtig, ja unerlässlich , alljährlich eine Reise nach
Berlin zu unternehmen, um dort manche neuere Schriften
einzusehen , die mir sonst nicht zugänglich sein würden.
Die dortige Königliche Bibliothek befriedigt mein Bedürfniss
von Jahr zu Jahr mehr, und ich kann es nicht unterlassen,
beim Beginne meines diesjährigen Berichtes die zuvorkom-
mende Freundlichkeit und Gefälligkeit der Beamten jenes In-
stitutes dankbar zu rühmen. Namentlich muss ich die auf-
opfernde Bereitwilligkeit des Herrn Dr. Pritzel anerkennen,
der mir ausser den Fächern der Königlichen Bibliothek auch
die Bibliothek der Academie der Wissenschaften zugänglich
machte, die er als deren Bibliothekar in die vortrefflichste
Ordnung gebracht hat. — ■ Auch den Verfassern spreche ich
öffentlich den Dank dafür aus , dass sie mir mit grosser Li-
beralität ihre Schriften zugesandt , und dass sie mich da-
durch in den Stand gesetzt haben, meine Berichte an Voll-
ständigkeit gewinnen zu lassen. V^^enn ich nicht jedem Ein-
zelnen in besonderen Briefen gedankt habe, so bitte ich dies
damit zu entschuldigen, dass ich alle empfangenen Abhand-
lungen auf dem Umschlage der Hefte des Archives habe ab-
drucken lassen, um dadurch den Gebern den richtigen Empfang
zu melden. Namentlich an die Verfasser von Abhandlungen,
Archiv f. Naturgesch. XXIII. .lahric. 2. Rd. \
2 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Nalurgeschichle
die in Zeilschriften erscheinen, richte ich die Bitte, mir Ab-
drücke zusenden zu wollen, da dies kein grosses Opfer for-
dert und die Garantie giebt, dass sie in den Berichten nicht
übersehen werden.
Von Dahlbom ist eine Lieferung als Anfang eines
grösseren Werkes (Lundae 185Ö. 8.) erschienen : Studia zoo-
logica , familias regni animalis naturalis tractanlia, in usum
studiosae iuventutis accommodata.
Diese erste Lieferung des ersten Theiles enthalt eine allgemeine
Eintheilung der Thiere in Klassen , deren Verf. 18 annimmt, so wie
eine Uebersicht des Körperbaues der Säugethiere. Auf einer ange-
hängten Tabelle sind die Ordnungen der Säugethiere folgendermassen
verlheilt ;
L Mammalia quadrupedia., 1. Mammalia placenlaria. A. Dentes
difformes: Primates, Chiroptera, Glires, Insectivora , Ferae,
Phocacea, Ruminantia , Solidungula, Pachydermala. B. Dentes
conformes: Bruta. C. Dentes nulii: Edentata. — 2. Mammalia
eplacentaria: Marsupialia, Monotremata.
IL Mammalia pisciformia : Sirenacea , Cetacea.
Hier möchte es vielleicht am Platze sein , öuf ein sehr
interessantes Buch hinzuweisen, „Aristoteles Thierkunde. Ein
Beitrag zur Geschichte der Zoologie, Physiologie und alten
Philosophie von Jürgen Bona Meyer. Berlin 1855. 8."
Es hätte eigentlich in einem allgemeinen Berichte über die
Thiere erwähnt werden müssen, wenn wir einen solchen lie-
ferten. Das Buch ist mit ausserordentlichem Fleisse und
grosser Klarheit geschrieben , und nimmt jedenfalls eine der
ersten Stellen unter den Schriften ein, welche beabsichtigen
uns die Anschauungen des Aristoteles versländlich zu ma-
chen. Eines Auszuges ist das Buch für unseren Zweck na-
türlich nicht fähig, und müssen wir auf das Studium dessel-
beo verweisen.
Von Karsch erschien in der 25. Lieferung der neue-
sten Sammlung ausgewählter Griechischer und Römischer
Classiker : Aristoteles über die Theile der Thiere. Stutt-
gart 1855. in deutscher Uebersetzung.
Lenz hat eine Zoologie^ der alten Griechen und Römer,
Gotha 1856 herausgegeben.
In diesem Buche hat Verf. mit grosser Sorgfalt alle griechischen
I
der Säugethiere während des Jahres 1856. 3
und römischen Schriften benutzt , und die für die Naturgeschichte
der Thiere nur irgend brauchbaren Beobachtungen und Notizen wört-
lich übersetzt, deren Ursprung in die Jahre von 1000 vor Chr. bis
400 nach ihm fallen. Es kann keinem Zweifel unterliegen, dass eine
Zusammenstellung dieser Art ein besonderes Interesse für den Zoo-
logen darbieten muss, da sie ein Bild von dem Bereiche der Vorstel-
lungen des Alterthums über unsere Wissenschaft giebt. Das Eigen-
thüinliche des Buches besteht darin, dass die zahlreichen übersetzten
Stellen systematisch geordnet sind. Es enthält folgende Abschnitte :
Das Weltall, die Erde p. l, der Mensch p. 3, Allgemeines von den
Thieren p. 35 , Säugethiere p. 76, Vögel p. 262 , Amphibien, p. 413,
Fische p. 479, Kerbthiere p. 523 , Würmer p. 612, die Thierhatzen
p. 644, Auszug aus dem Corpus iuris lustiniani p. 645, die Allegorie
p. 647. — Ein deutsches Register erleichtert das Aufsuchen; gewiss
würde ein lateinisches und griechisches Register auch sehr nützlich
gewesen sein, wenn Verf. auch im Texte die alten Benennungen bei-
gelugt hätte.
Ueber den Winterschlaf der Säugethiere hat v. Rapp
Beobachtungen angestellt. Wärtembergische Naturw. Jahres-
hefle 1856. p. 23.
Nach des Verf. Beobachtungen hält Procyon lotor und Psam-
momys obesus keinen Winterschlaf. Augen und Ohren sind bei dem
Winterschlafe geschlossen ; selbst die lasthaare liegen dicht an. Ue-
ber die Lufttemperatur, bei welcher der Winterschlaf eintritt, lässt sich
keine allgemeine Regel feststellen. Der Hamster widerstand der Kälte
am längsten. Bei stärkerer Kälte sterben die Winterschläfer; die
kleine Haselmaus, der Hamster und Spermophilus citillus erfroren l)ei
— 8« bis — 10" R. Die im Winterschlafe liegenden Thiere zeigen
eine etwas höhere Temperatur als die der Luft. Bei einer Tempe.
ratur von + 2«» zeigte der Hamster in der Gegend des Herzens eine
Temperatur von +5°, die grosse Haselmaus +60 u. s. w.
Eines Abschniltes über Hauslhiere im Report of theCom-
missioner of palenls for Ihe Year 1855. Agriculture. Wa-
shington 1856. p. 1 — 63 sei hier kurz Erwähnung gethan. Nach
einer Einleitung über den Einfluss des Orts- oder Klima-
Wechsels auf Thiere, und der Nahrungsänderung, wird vom
Hornvieh, von Molltereien , Pferden, Schafen, Ziegen und
Schweinen gehandelt, was natürlich mehr auf Zucht, als auf
wissenschallliche Zoologie Bezug nimmt.
Langer stellte Untersuchungen über die Mechanik des
Sprunggelenkes der Säugethiere und des Menschen an; in
den Sitzungsberichten der Wiener Academie Bd. 19. p. 117
4 Troachel: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
ist ein Auszug der für die Denkschriften bestimmten Abhand-
lung gegeben.
Jacquart hat ein neues Instrument angegeben, um
den Gesichtswinkel des Menschen und der Säugelhiere zu
messen. Annales des sc. nat. V. p. 283.
Von Schriften, welche sich auf einzelne Faunen bezie-
hen, sind die folgenden zu nennen:
„Die Thiere Andalusiens nach dem Resultate einer Reise
zusammengestellt, nebst den Beschreibungen von 249 neuen
oder bis jetzt noch unbeschriebenen Gallungen und Arten.
Von Ro senh auer. Erlangen 1856.
Die Säugelhiere sind auf den ersten 7 Seiten des Buches ver-
zeichnet. Verf. nennt die Säugethierfauna Andalusiens eine in man-
cher Beziehung auffallende. Sie weist einzelne Arten auf, die bis
jetzt nur in dieser Provinz oder in Spanien überhaupt gefunden wur-
den, so den Inuus Sylvanus L. , Lepus granatensis , Capra hispanica,
dann einige, welche dem Süden Europa's angehören, wie Yiverra ge-
netta und Hystrix cristata. Im Freien lebende Arten sind 19 auf-
geführt; nämlich ausser den genannten Vesperugo pipistrellus, Vesper-
tilio?, Erinaceus europaeus, Sorex vulgaris, Ursus?, Mustela vulga-
ris, Canis familiaris, Canis vulpes, Canis lupus. Felis domestica, Mus
decumanus, Mus musculus, Hypudaeus arvalis, Lepus cuniculus, Lepus
timidus? (der vom Gebirge ist L. granatensis Schimper s. unten), Sus
scrofa, Equus, Cervus dama ? Capra hircus, Capra hispanica Schimper
(s. unten}, Ovis aries, Bos taurus, Delphinus delphis.
Einen Bericht über die Säugethierfauna des badischen
Landes erhielten wir von H. Fischer. Berichte über die
VerhandL der Gesellsch. zu Freiburg in Br. I. p. 71 u. 113.
Hiernach kommen folgende Arten in Baden vor: Vesperugo
noctula, Leisleri, pipistrellus, Nathusii ; Vesperus serotinus, discolor;
Vespertilio murinus, Bechsteinii, mystacinus; Plecotus auritus; Syno-
tus barbastellus ; Bhinolophus ferrum equinum, hipposideros ; — Eri-
naceus europaeus; Sorex fodiens, vulgaris, araneus ; Talpa europaea;
— Ursus arctos ist erst seit 100 Jahren in Baden völlig ausgerottet;
Meles taxus ; Mustela Putorius, erminea, vulgaris, Foina, Martes; Lu-
tra vulgaris ; Canis Vulpes, Lupus kommt nur in kalten >Yintern aus
den Vogesen über den gefrornen Bhein, familiaris; Felis catus fe-
rus, Lynx war noch in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts in den
Gebirgen des Murg- und Neckarlhales nicht selten ; — Sciurus vulgaris;
Myoxus Cfis , Nitela, muscardinus ; Cricetus frumentarius ; Mus mus-
culus, rattus auch in Baden selten geworden, decumanus, sylvaticus,
der Säugethiere während des Jahres 1856. 5
minutus (agrarius ist noch nicht gefunden); Hypudaeus amphibius,
terrestris, arvalis, glareolus; Castor fiber ist mit Ende des 17. Jahr,
hunderts ausgestorben; Lepus timidus, cuniculus; Ca via cobaya ge-
sähmt ; Sus scrofa zuweilen im Mooswalde bei Freiburg; Equus cabal-
lus, asinus; Cervus elaphus selten, dama nur noch in Thiergärten,
capreolus noch so häufig, dass zuweilen wegen des Schadens, den sie
anrichten, bedeutendere Jagd auf sie gemacht werden soll^ Alces und
Tarandus längst ausgestorben; Carpa hircus; OvisAries; Bos taurus.
Im zweiten Bande von demWerko: „der nördliche Ural
und das Küstengebirge Pae-choi, untersacht und beschrie-
ben von einer in den Jahren 1847, 1848 und* 1850 durch
die Kais, russische Geographische Gesellschaft ausgerüsteten
Expedition,* welcher, verfassl von dem Leiter der Ural-Expe-
dition E. Hofmann, im Jahre 1856 zu St. Petersburg er-
schien, ist ein Abschnitt- „I^emerkungen über dieWirbelthiere
des nördlichen europäischen Russlands, besonders des nörd-
lichen Ural's« von Brandt erschienen. 75 Seiten.
Es werden zuerst die Säugethiere aufgezählt, und zwar 64 Ar-
ten. Nämlich : 3 Chiroplera, 5 Insectivora, 15 Carnivora, 22 Uoden-
tia, 2 Ruminantia (C. Alces und Tarandus), 7 Pinnipedia, 10 Cetacea.
Viele eingestreute Bemerkungen , namentlich über die geographische
Verbreitung der interessanteren Arten, machen diese Schrift für die
Kennlniss der Säugethiere wichtig. Daran schliessen sich Bemerkun.
gen über die Haussäugethiere des nordöstlichen Europa.
Kiprijanoff hat über Wirbellhiere geschrieben, wel-
che sich im aufgeschwemmten Boden der Flussthäler des Dniepr
und der Wolga finden, zwischen Orel und Charkoff in den
Gouvernements Orel, Tschernigoflf und Kursk. Bull, de Mos-
cou 1855. p. 185.
Die dort aufgefundenen üeberreste gehören folgenden Thieren
an : Elephas primigenius, Rhinoceros tichorhinus , Equus fossilis, Bos
priscus, Cervus tarandus priscus, Meles vulgaris, Spalax typhlus, Arc-
tomys Bobac. Von Schädeln der letzteren Art sind genaue Älaasse
gegeben.
In Lindermayer's naturhistorischer Skizze von der
Insel Euboea (Bullet, de la soc. imp. des nat. de Moscou 1855)
ist auch p. 444 von der Thierwelt die Rede.
Die Insel Euboea wird in zoologischer Beziehung ein Minia.
turbild Griechenlands genannt, indem sie Alles aufzuweisen hat, was
in Griechenland vorkommt. Von Hausthieren werden gehalten : Pferd,
Esel, Maulthier; Kameel und Dromedar nur noch selten , dagegen
6 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
bilden Rind, Büffel, Ziege und Schaf den Reichthum der Bewohner.
Von Säugelhieren, die nicht Hausthiere sind, werden folgende aufge-
zählt: Cervus Elaphus, Dama, Capreolus; Capra Aegagrus; Lepus cu-
niculus und timidus; Sciurus vulgaris; Felis catus, lynx; Canis lu-
pus, aureus, vulpes; Meles taxus; Mustela foina, vulgaris; Erinaceus
europaeus ; Talpa coeca, üinops Cestoni Sar. ; Vesperugo noctula,
Kuhlii, marginatus Crelschm. , pipislrellus ; Vesperus serotinus, Savi,
Leucippe; Vespertilio maximus ; Rhinolophus ferrum equinum, clivo.
sus Cr., Hippocrepis; Mus Rattus, decumanus, musculus, sylvaticus.
In den Annals of nat. bist. XVIII. p. 16ö ist ein Auszug
aus Hodgson's Bemerkungen über die geographische Ver-
breitung der Säugethiere und Vögel des Himalaya (Journ.
Asiat. Soc. Bengal for 1849) durch Moore gegeben. Des-
gleichen von Torrens Vorstellungen der Eingebornen in
Betreff der Naturgeschichte einiger indischen Säugethiere (aus
demselben Journ. for 1849).
Die Revue de zool. brachte p. 49 den Schluss der „Es-
quisse sur la Mammalogie du continent africain« von Pu-
cheran, vrorüber im vor. Berichte Nachricht gegeben wor-
den ist.
Blyth erstattete im Journ. As. Soc. 24. p. 291 Bericht
über eine Sammlung desLieut. Speke von Somali in Afrika
an der Küste des rothen Meeres, welche zehn Säugethiere
enthielt.
Es finden sich Motizen über die einzelnen: Canis variegatus
Rüpp., Hyaena crocuta, Mungos fasciatus, Felis caracal, Xerus (Sciu-
rus) rutilans, Pectinator Spekei (n. gen. s. unten), Hyrax habessini-
cus, Gazella — ?, Madoqua (Antilope) saltiana , Oreotragus saltatrix.
Von Gould's „The Mammals of Australia erschien im
Jahre 1855 Part VH, im Jahre 185Ö Part. VIII.
Die siebente Lieferung dieses grossartigen Werkes enthält die
Abbildungen folgender Säugethiere: Ornithorhynchus anatinus Shaw,
Phascolomys Wombat Per. Les., Petrogale xanthopus Gray Proc. zool.
soc. Nov. 14 1854, Halmaturus brachyurus Q. G., Bettongia (Hypsi-
prymnus) Graii Gould , Bettongia rufescens Gray, Perameles nasuta
Geoffr., Scotophilus Gouldi Gray, Scotophilus Morio Gray, Vespertilio
macropus Gould n. sp. s. unten, Mus Gouldi Waterh. und Mus deli.
catulus Gould. — Die achte Lieferung enthält: Perameles obesula
GeolFr. , Phalangista vulpina Desin., Phalangista canina Ogilby, Pha-
langista viverrina Ogilby, Phalangista Cooki Desm., Dendrolagus inu.
stus Müll., Dendrolagus ursinus Müll.) Halmaturus Bennetti Waterh.
der Säugelhiere während des Jahres 1856. 7
Halmaturus Parma Gould, Petrogale concinna Gou]d , Phascogale la-
nigera Gould n. sp. s. unten, Mus Novae Uollandiae Waterh., Rhino,
lophus niegaphyllus Gray , Scotophilus nigrogriseus Göuld n. sp.
s. unten.
Die Zoologie in der „Voyage of H. M. S. Herald un-
der Ihe Command of Capt. Kellett,** bearbeitet von Ri-
eh ardson ist im Jahre 1854 beendet.
Ueber .einen Theil ist schon früher von Wagner berichtet
worden. Diejenigen Abschnitte, welche unserem gegenwärtigen Be-
richte zufallen, p. 101 und folgende, enthalten osteologische Unter,
suchungen aus den Ordnungen der Vielhufer und Wiederkäuer,
8. unten.
Von Burmeister erschien ein Band mit hübschen Ab-
bildungen: „Erläuterungen zur Fauna Brasiliens. Fol. Leipzig-
1856 mit 32 Tafeln. Der Inhalt, soweit er die Säugelhiere
anseht, bezieht sich auf die Gattungen Iclicyon, Canis und
Didelphys. Bei diesen siehe das Nähere.
Als ein wichtiges Reisewerk ist hervorzuheben : „Expe-
dition dans les parlies centrales de l'Amerique du Sud, de
Rio de Janeiro ä Lima, et de Lima au Para, executee sous
la direction du Comte Francis deCastelnau. Septieme
parlie. Zoologie. Paris 1855. Der Inhalt der Abschnitte über
die Quadrumanen, Chiropteren, Beutelralten , eine neue Na-
ger-Gattung und eine neue Nager-Art wird unten näher an-
gegeben. Den Schluss macht p 107— 116 eine Aufzählung
säinmllicher auf der Reise gesammelter Säugelhiere, die nicht
in den erwähnten Abschnitten besprochen sind. Es werden
namentlich 14 Nager aufgezählt, von denen eine Art als neu
angesehen wird.
In dem Abschnitte über die fossilen Säugelhiere Süd-
amerikas in dem eben erwähnten Reisewerke des Grafen v.
Castelnau, welcher von Paul Gervais bearbeitet ist, wer-
den folgende Arten abgehandeil, die wir hier aufzählen, da
wir im Verlaufe des Berichtes nicht wieder darauf zurück-
kommen :
Von Uaubthieren Ursus bonariensis, eine grosse Katze von
Tarija; von Nagern ein Hydrochoerus von Tarija ; von Vielhufem Ma-
slodon Andium, Toxodon platensis , welche Gattung in Uebereinstim.
mung mit Owen als eine besondere Ordnung der Hufthiere angese.
hen wird, und der ^c6odon beiaugeselleti w äre, Equus neogaeus. De-
8 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Kaiurgeschichte
villei (principalis Lund??), Slacrauchenia patachonica ; von Wieder-
käuern Äuv.henia Weddelii n. sp., Caslelnaudii n. sp., intermedia n. sp. ;
von Edentaten L^stodon armalus n. sp. , myloides n. sp. beide nach
Kieferfragmenten, Scelidotherium , Megatherium americanum und von
einer verwandten Species das Calcaneum von Tarija ; endlich Reste
von Glyptodon und Euphractus.
duadriimana.
Simiae catarrliinae. Blyth beschäftigte sich wie-
der (vergl. den Bericht über das Jahr 1853. p. 7) inil der
Frage über die Verschiedenheit der Arten der Orang-
Utan's. Journal of the Asiatic Soc. of Bengal Vol, 24. 1856.
p. 518.
Er hatte Gelegenheit sieben Skelete von grossen Orang-Utan's
zu untersuchen, welche das Museum in Calculta von James Brooke
in Sarawak erhielt. Fünf Skelete gehörten dem Mias Rambi Brooke
(Pithecus Rambi) an, das sechste war ein altes Weibchen von Mias
Fappan (Pithecus satyrus) das siebente hält er für eine neue Art Pi-
thecus curtus (Mias Chapin?). Das Exemplar ist männlich und von
vorgerückten Jahren ; der Schädel ist menschenähnlicher als irgend
ein anderer Orang. Das kommt hauptsächlich von der geringeren
Verlängerung der Schnauze, während die Backenknochen beträchtlich
vorragen , was dem Schädel einen Kaimucken - Ausdruck geben soll.
Die Verschiedenheit der Art würde in den verschiedenen Maassen der
einzelnen Knochen des Skeletes liegen.
Wallace beschäftigte sich durch Untersuchung von 17
Exemplaren, die er bis auf eines selbst erlegte, nach einein
von Sarawak datirfen Aufsalze in den Annais nat. bist. XVII.
p. 471 und von denen er sieben Skelete anfertigte, mit dem-
selben Gegenstande.
Er kam zu dem Resultate, dass die von Blyth unterschiedene
neue Art nicht berechtigt sei, da grosse Differenzen im Skelet bei Thie-
ren verkämen , deren äussere Charaktere identisch sind. Auch er
nimmt jedoch zwei verschiedene Arten auf Borneo an. Die Ver-
schiedenheiten sind deutlich in den männlichen Individuen , weniger
in den Weibchen ; alle Weibchen sind durch kleine Schädel ohne
vorspringende INähte und durch abgestutzte erweiterte Eckzähne aus-
gezeichnet; die Männchen beider Arten besitzen grosse conische Eck-
zähne ; die Gestalt, Grösse und Verhältnisse der Schädel, und Grösse
und Stellung der Zähne variiren so, dass diese Abweichungen allein
zur Unterscheidung der Arten nicht ausreichen.
der Säugelhiere während des Jahres 1856. 9
Brühl „Zur Kennlniss des Orangkopfes und der Orang-
arten. Mit 2 Tafeln. Wien 1856. Selbstverlag des Ver-
fassers.
Bereits im Jahre 1852 hat der Verf.^ in der Wiener medicini-
schen Wochenschrift von Dr. Witteis höf er No. 37. p. 592 unter
dem Titel „neue Befunde an ürangköpfen" kurz die Resultate sei-
ner Untersuchungen an 1 1 ürangköpfen aus Borneo bekannt ge-
macht. Hierauf die Priorität stützend werden diese Untersuchungen
jetzt ausführlicher dargelegt. Kach der Schilderung einzelner Kno-
chen, namentlich des Schläfen- und Keilbeins, geht Verf. auf die Frage
ein, ob mehrere Arten zu unterscheiden seien. Er nimmt zwei,
vorläufig osteologisch verschiedene, Arten von Orang-Köpfen an,
leisten hafte und leistenlose; erstere sind zugleich die gros-
sen, letztere die kleinen. Er stützt sich besonders darauf, dass es
Orangs gicbt, die ihr ganzes Leben hindurch keine Schädelleisten
entwickeln. (Nach der Arbeit von Wallace würden die leistenhaf-
' ten Männchen, die leistenlosen dagegen Weibchen sein.)
Wal lade schilderte einen ganz jungen Orang-Utan
(Mias) , dessen Alter er auf einen Monat schätzte , als er
durch das Tödten der Mutter in seinen Besitz kam. Er ver-
suchte ihn durch Reiswasser aufzuziehen, gab ihm auch einen
jungen Macacus cynomolgus zum Gefährten, aber der kleine
Zögling, dessen possirliehes Betragen beschrieben wird, starb
nach drei Monaten. Annais nat. bist. XVII. p. 386.
Wallace schilderte auch die Lebensweise der Orang-
Utans von Borneo. Annais nat. bist. XVIII. p.26.
Da beide Arten in der Lebensweise ganz übereinstimmen, so genügte
es, von der Gattung z*u sprechen. Sie lieben den Hochwald in nie-
drigen feuchten Gegenden, und klettern an den Zweigen der Bäume
von einem zum andern. Sie hüpfen oder springen niemals. Verfolgt
brechen sie Zweige und Früchte ab, um sie herabzuwerfen. Verwun-
det machen sie sich ein Nest, um nicht herabzufallen. Solches Nest
legen sie auf einem horizontalen gabiigen Zweige an, auf welchem
sie alle abgebrochenen Zweige der Nachbarschaft legen und so ein
Laubbett bereiten, welches sie von unten schützt. Auch Nachts schla-
fen sie auf ähnlichen Betten, 50 — 60 Fuss über der Erde. Verf. sah
nie zwei Erwachsene bei einander, wohl aber ein Männchen oder
Weibchen mit den Jungen , oder 2—3 Junge beisamipen. Auf die
Erde kommen sie selten, wohl nur um Wasser aufzusuchen. Die Weib-
chen werfen nur ein Junges, welches sich an den langen Haaren der
^lütter anklammert. Sie nähren sich ausschliesslich von Früchten,
die sie unreif vorzuziehen scheinen. Verf. erklärt die Ansicht, die
10 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Orang-Utan's vertheidigen sich mit ihren grossen Eckzähnen gegen
Tiger, Bären und andere Kaubthiere, für falsch. Die Dyaks behaupten
einstimmig, dass sie nie ein Thier angreifen oder von einem solchen
angegriffen werden , mit einziger Ausnahme des dortigen Krokodil's
(Cr. biporcatus) , das sie jedoch nicht mit den Zähnen, sondern mit
den kräftigen Armen bekämpfen.
Jeffries Wyrnan berichtete in den Proceed. Boston
Soc. V. p. 274 über eine Seclion des Troglodytes niger, be-
sonders mit Rücksicht auf die Vergleichung der Muskeln mit
denen des Menschen.
Mayer hat in unserem Archiv 1856. I. p. 281 Beiträge
zur Anatomie des Orang-Ülang und des Chimpanse geliefert,
und besonders dem Schädel, den Eingeweiden der Brust und
des Unterleibes, so wie den weiblichen Genitalien seine Auf-
merksamkeil zugewendet. Schliesslich führt er einige Bemer*-
kungen über den Gorilla nach eigener Conjeclur hinzu. Wenn
Verf. neue Namen für die drei menschenähnlichen Affen ein-
führt, indem er den Orang-Utang Satyrus Knekias, den Go-
rilla Satyrus Adrotes und den Chimpanse Satyrus Lagaros
nennt, so ist es zu bedauern, dass dadurch die Synonymie
vermehrt und erschwert wird.
Pucheran gab die Diagnosen zweier neuen Affen
an. Revue et mag. de Zoologie p. 96.
Cercopithecus Erxlebenii Dallbet Puch. Subparvus , cati dome-
slici magnitudinis; olivaceo, fulvo, ferrugineo, griseo nigroque varie-
gatus; subtus et artuum lateribus internis luteus fundo albido; cau-
dae parte basali infra olivaceo et nigro varia; vittis capitis tribus,
intermedia cristam efficiente, regione lumbo sacrali, caudae parte su-
pera et toto apice, artubusque anticis externe nigris ; manibus Omni-
bus facieque fuscis, ore carneo. Westafrika ?
Cynocephalus Doguera. Puch. et Seh. maior, brunneo-olivaceus;
manibus anticis nigro irroratis. Abyssinien.
Siuiiae platyrrliinae. In der Rßise des Grafen v.
Ca stein au beginnt der den Säugelhiercn gewidmete Ab-
schnitt mit einer Abhandlung von Geoffroy St. Hilaire
über die Affen, in der im Ganzen 27 Affen beschrieben und
zum Theil abgebildet sind , die sich in 1 1 Galtungen ver-
theilen.
Derselbe hatte bereits 1848 in den Comptes rendus die neuen
Arten dieser Reise veröffentlicht, und das Material ferner 1852 Archi»
der Säugethiere währeod des Jahres 1856. 11
ves du Mus V. p. 529 benutzt, liier ist nun Lagothrix Castelnaui
Geoffr. et Dev. pl. l abgebildet und ausfübrlich beschrieben. Cebus
elegans Geoflr. , Callithiix discolor GeolTr. Dev. sind beschrieben,
ferner Nyclipilhecus Oseryi pl. 2. f. 1. , Pithecia albinasa Geoffr. DeV.
pl. 2. flg. 2, und Pithecia monachus Geoffr. pl. 3 , Brachyurus calvus
Geoffr. pl. 4. fig. 1, Brachyurus rubicundus Geoffr. Dev. pl. 4. ßg- 2
abgebildet. — Aus der Gattung Ilapale sind, abgebildet oder nur be.
schrieben : 11. pygmaeus Spix pl. 5. fig. 1. 2, Jlidas pilealus Geoffr.
Dev., Midas rufoniger Geoffr. Dev. pl. 5. fig. 3, Älidas flavifrons pl. 6.
fig. l, Midas Devillei Geoffr. pl. 0. fig. 3, Midas Weddellü Dev. pl. 6.
fig. 2.
VolUantla.
Paul Gervais hat in Caslelnau's Voyage Maramife-
res p. 25 — 8b unler dem Titel „Documenis zoologiques pour
servir ä la nionographie des Cheiropt^res sud-anierirains*'
eine Monographie dieser Abtheilung niedergelegt. Vergl.
dazu auch die Berichte des Verf. in der Pariser Academie
vom 24. ^März lb56 und Annales des sc. nat. V. p. 204. —
Diese Ordnung der Chiroptera liefert ein Beispiel von einer
grossen Säugelhierablheilung, deren obere Glieder in ihrer
geographischen Verbreitung ebenso begrenzt sind, wie bei
den Affen , während dagegen ihre letzten Glieder , die auch
die unvollkommensten in ihren zoologischen Charakteren
sind, mehr oder weniger cosmopolitisch sind. In Amerika
exisliren jedoch gewisse Arten dieser Familie, welche sich
generisch von denen der anderen Halbkugel unterscheiden.
— Verf. hat für seine Arbeit besonders die von Castel-
nau und De vi lle gesammelten Materialien benutzt. Wir
geben hier eine Uebersichl der Einlheilung des Verfassers.
I. Phyllostomi da e m'ii ^ Trihüs.
a. Desmodina. Die einsige Art Desmodus rufus ist pl.8.
fig. 6, pl. 9. fig. l abgebildet.
b. Stenodermina. Gattungen: Brachyphylla Gray 1 Art;
Ft er 0 derma n. gen. für .Phyllostoma perspicillatum Geoffr. gegrün-
det; — Arlibaeus Leach 3 Arten; — Der manu ra n. gen. mit
Schenkelflughaut aber ohne Schwanz. Dahin eine neue Art D. eine-'
reum aus Brasilien; — Stenoderma E. Geoffr. 1 Art, St. rufum, deren
Vaterland unbekannt war, die jedoch höchst wahrscheinlich aus Süd-
amerika stammt ; «- Sturnira Gray 2 Arten.
12 Troschel: Bericht Aber die Leistungen in der Naturgeschichte
c. Glossophagina. Dahin die Gattungen Phyllophora Gray,
— Glossophaga Gray, — Monophyllus Leach, — AnouraGray, — Hemi-
4 ^
derma n. gen. — - Vorderz. ~ Backenz. Schenkelflughaut von mittle-
rer Grösse mit einem Rudiment von Schwanz , auf Phyllostoma bre-
vicaudum gegründet.
d. Vampyrina, Dahin die Gattungen Vampyrus Leach l Art,
— Phyllostoma E. Geoffr. (hastatum , elongatum und eine neue Art
angusticeps von Bahia. Zimmetfarhig grau, Ohren ziemlich gross,
Schwanz bleibt in der Schenkelhaut eingeschlossen). — Lophostoma
d'Orb. Gerv. 1 Art. — Tylostoma n. gen. auf Phyllostoma bidens
Spix und crenulatum E. Geoffr. gegründet: Kopf ziemlich lang, Kinn
warzig, Schenkelflughaut gross, vollständig, bis zum Hacken reichend,
Schwanz kürzer , mit freier Spitze über der Haut. ^ Vorderzähne.
^ Backenzähne. — Schizosloma n. gen. Kopflänglich, Gesicht schmal,
5
Mund tief gespalten, Schenkelflughaut weit, bis zum Hacken reichend,
aber am freien Rande mehr oder weniger ausgeschnitten ; Schwanz
viel kürzer mit freier Spitze über der Haut. Schädel angeschwollen,
Kiefern lang, _?. Vorderz. _^ Backenz. Unterscheidet sich besonders
2 6
von Lophostoma durch die Zahl der Vorderzähne, die dortJ_ ist. Eine
neue Art Seh. minulum von Bahia. Die kleinste Art der Familie,
oben braun mit hellgrauem Haargrunde, unten hellgrau, Seiten rölh-
lichgrau. — Macrophyllum Gray 1 Art. Am Schlüsse dieser Familie
wird eitle neue Gattung Spectrellum aufgeführt: Zahnbau und Ha.
bitus ähnlich mit Tylostoma und Macrophyllum, aber ohne Nasenblatt.
Vorderzähne klein, die des Unterkiefers rudimentär, die innern kaum
sichtbar. _^ Backenzähne. Schenkelhaut gross, bis über die Knöchel
6
reichend, seitlich durch ziemlich starke Spornbeine gestützt. Schwanz
stützt die Schenkelhaut in ganzer Länge, hat 5 Wirbel, von denen
die drei mittleren sehr lang und schlank sind. Schenkel lang und
dünn. Nur eine Art Sp. macrourum n. sp. Pelz weich, ziemlich lang,
unten blond, oben hellkastanienbraun. Gliedmassen zimmetfarhig und
mit zahlreichen regelmässigen Streifen verseben , die durch kleine
reihenweis gestellte Follikeln gebildet sind. Naslöcher nahe dem
Lippenrande, schief gespalten; Ohren rundlich, am äusseren Rande
ausgeschnitten. Kinn schwielig und auf der Mittellinie schwach ge-
furcht.
IL V espertilionidae inii b Tribus.
B. Noctilionina. Gattung Noctilio.
der Säugelhiere während des Jahres 1856. 13
b. Molossina mit den Gattungen: Molossus 2. Arten; —
Promops n. gen. auf Molossus ursinus Spix gegründet. Aeusserlich
den Molossus ähnlich, Kopf wie bei Nyctinomus. JL Vorderzähne,
2
^ Backenzähne, die oberen Schneidezähne hakenförmig und denen
ö
von Noctilio ähnlich, die unteren Schneidezähne zweilappig; — Nycti«
nomus 3 Arten.
c. Emballonurina mit den Gattungen: Urocryptus Tcmm.
1 Art; — Diclidurus Neuw. 1 Art; — Saccopleryx 111. 1 Art; —
Emballonura Kühl 2 Arten, darunter £. brunnea neu von Bahia. pi. 15.
flg. 1 Gebiss. Ohren rundlich, Ohrdeckel messerförmig , Naslöcher
ziemlich genähert; Pelz rauchbraun , ziemlich hell und einförmig;
Flughäute mit vielen punktirten Linien, die durch Reihen kleiner
Follikeln gebildet sind ; die Schenkelflughaut reicht über die Knöchel,
sie ist dunkler als die übrigen Häute , und unten mit fast unmerkli.
ehern Flaum; Spornen ziemlich gross, aber sie begrenzen nur '/a der
Flughaut, der freie Raum dazwischen ist gerade abgeschnitten; —
Proboscidea Spix. Dahin ausser F. saxatilis Spix eine neue Art P,
villosa pl. 11. flg. 1. pl. 13. fig. 3 Zähne, aus der Provinz Goyaz. Die
Ilaare sind länger, seidenartig weich; die der Stirn sind aufgerichtet
und bilden einen Schopf; die Farbe ist rauchbraun oben etwas dunk-
ler. Die Nase springt vor wie bei der anderen Art; der Schwanz
reicht nicht über das Drittel der Schenkelflughaut, welche zwischen
den Spornen gerade abgeschnitten ist; die Flügel sind schmal, und
die beiden letzten Phalangen des rechten Fingers und die letzte der
beiden folgenden fallen sich in der Uuhe zurück, wie bei saxatilis.
Unter der Mitte der Schenkelflughaut stehen einige aschgraue Haare. —
Centronycteris Gray, der ausser Vesp. calcaralus Neuw. auch Em-
ballonura lineata Temm. beigezählt wird. — Furi^.
d. Nycticeina. Dahin die Gattungen Atalapha Rafin. und
Nycticejus haf. Aus letzterer wird eine neue Art beschrieben iV.
Ega pl. 14. fig. 1 Schädel und Gebiss. Pelz gelblich kastanienbraun,
unten etwas heller, oben etwas glänzender. Ohren rundlich, mit
messerförmig gebogenem Ohrlappen, von der Gestalt eines Gartenmes.
nicssers (serpette). Naslöcher an den Seiten einer kleinen in der Mitte
etwas ausgeschnittenen Schnauze und röhrig. Schenkelflughaut gross,
über das Niveau der Knöchel als Spitze ausgedehnt. Schwanz reicht
bis zur Spitze. Oben auf der Basis der Haut einige Haare, ihre un-
tere Fläche mit einigen Querlinien kleiner Follikeln. Bei der Stadt
Ega in Brasilien.
e. Vespertilionina. Sie werden folgendermassen einge-
theilt : 1. Solche mit 30 Zähnen. Gatt. Scotophilus Leach. — 2. mit
3i Zähnen. Gatt. Vesperus, — Hisiiotu$ n. gen. auf Vlecotus ve-
14 Troschel r Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
latus Geoffr. gegründet. Grosse Ohren, aber nur «i. ßackenzäbne.
Auch die afrikanische V. leucomelas Cretschm. soll dahin gehören. —
Harpiocephalus Gray. — 3. mit 34 Zähnen. Gatt. Murina Gray. —
Synotus Keys. Blas. — Vesperugo Keys. Blas. — 4. mit 36 Zähnen.
Galt. Plecotus Geoffr. — Miniopterus Bonap. — 5. mit 38 Zähnen.
Galt. Myotis Kaup. Darunter eine neueArt M. hinnamon pl. 15. fig. 1.
Gebiss. Pelz zimmetroth, oben etwas dunkler ; Basis der Haare blei.
farbig; der nackte Raum zwischen den Naslöchern etwas ausgehöhlt;
Ohren spilzlich , Ohrdeckel spitz messerförmig , am Innenrande ge.
rade, am Aussenrande gekrümmt. Von Capeilanova in Brasilien. —
Nictice llus n. gen. auf Vesp. lepidus Gerv. von Cuba gegründet,
stimmt im Gebisse mit Myotis, unterscheidet sich aber durch die ei-
genlhümliche Form des Schädels, der im Gesichtslheile langstreckig
ist, und durch die Anordnung der Schneidezähne, die dünn, einfach
und gleichweit von einander abstehend sind.
Zu diesem Abschnitte über die Fledermäuse gehören 9 Tafeln
^7 — 15). Auf Taf.7 ist abgebildet: fig. 1 Schizostoma minutum, fig. 2
Macrophyllum Neuwiedii ; aufTaf. 11. flg. 1 : Proloscidea villosa, fig.2
Furia horrens, ßg. 3 Dermanura cinereura. Alle übrigen Abbildungen
sind Schädel und Gebisse. <
Die Untersuchung von Peters über die Gattung Mor-
mops Leach ist aus den Monatsberichten der Berliner Aca-
demie vom Juli 1856 in unser Archiv p. 305 aufgenommen
worden. Die Gattung Mormops würde sich hiernach mit
Chilonycteris an Brachyphyllum anschliessen, und eine Gruppe
bilden, die den Vampyrus unter den eigentlichen Phyllosto-
men am nächsten stehen würde.
Eine neue Fledermaus von Gould in dessen Mammals
of Australia Vli, Vesperlilio macj^opus , stammt aus Süd-Au-
stralien.
Sie ist ein ächter Vespertilio, hat sehr lange und elegant ge-
bildete Ohren, grosse Flügel, sehr lange Hinterfüsse und unterschei-
det sich ferner durch die greise Färbung des Pelzes, der besonders
am unteren Theile des Bauches fast weiss ist. Die Farbe scheint
jedoch etwas zu variiren. Die allgemeine Farbe des Pelzes ist grau-
bräunlich, nach hinten weisslich werdend.
Scotophilus nigrogriseus Gould ib. VUi lebt in der Nähe
der Morelon-liai.
Er ist von der Grösse des Sc. picatus, dem er auch ähnelt. Sc.
picatus lebt mehr im Innern, Sc. nigrogriseus an der Küste. Pelz
weich und sammetartig anzufühlen ; allgemeine Farbe graulichschwarz,
der Säugethiere wählend des Jahres 1856. 15
etwas heller am hinteren Thcile der oberen Fiftrhe; der Bauch ist
braun, am After in ein sehr helles Braun verschiessend; Flügel und
Sehenkelhaut purpurbraun.
Ifliscctivora.
Tornes bat in den Annais na!, hist. XVII. p. 1 1 die
Abhandlung- von Blyth über indische Spitzmäuse (vgl. vor.
Bericht p. 42) auf den Wunsch des Verfassers wieder ab-
drucken lassen, und eigene Bemerkungen hinzugefügt.
Cr hat zwei von Horsfield beschriebene Arten, eine neue
Blyth'sche Art S. fuliginusus von Pegn und eine neue Art S. Horsfieldii
von Ceylon hinzugefügt. — Was die Synonymie betrifft, so erklärt
Tom es S. caerulescens Shaw und indicus Horsf. für identisch, mu-
rinus sei davon nur durch längeren Pelz verschieden, (sriffithii dage-
gen sei eine gute Art. Ferner werden S. Sikimensis Hadgs., socca.
tus Hodgs. und aterrimus Blyth als Synonyme zu Soriculus nigfescens
gebracht. — Crossopus caudatus Hodgs. soll von dem Europäischen
C. alpinus kaum zu unterscheiden sein.
Die von Dehne als neu beschriebene Sorex chrysothorax wird
von Blasius in. diesem Archiv 1856. I. p. 266 als Identisch mit Cro«
cidura leucodon nachgewiesen.
Ayres beschrieb Proc. California Academy nat. sc.
San Francisco 1. p. 54, May 21. 1855 einen neuen Scalops,
der in Californien sehr gemein und den Gärten schädlich
sein soll.
Scalops californitvs. — Vorderz. — Lückenz. _ Backenz. =
44 Zähne. Dunkelbraun, fast schwarz ; die sparsam behaarten Fasse
hell fleischfarbig. Knorpelschnauze verschmälert, unten abgeflacht.
Kaslöcher halten in ihrer Lage die Mitte zwischen denen von Sc.
ßreweri und Sc. aquaticus, sre sind nicht so terminal wie beim ersten,
und nicht so nach oben gerückt wie beim letzteren. Sohle breit, nicht
länglich; Schwanz nicht flach, fast stielrund, am Körper etwas einge-
schnürt, dann dicker werdend und von da an zugespitzt, schwach mit
Haaren besetzt. Länge von Kopf und Körper 5,1 Zoll. Länge der
Schwanzrübe 1,2 Zoll. Breite der Sohle 0,65 Zoll, Länge derselben
0,8 Zoll. Länge des Schädels 1,3 Zoll. — Diese Art ist nahe verwandt mit
Sc. Breweri, jedoch kleiner, die Hand verschieden, der Schwanz nicht
abgeplattet, mehr nackt und länger, der Schädel ist breiter. Von Sc.
aquaticus unterscheidet sie sich durch geringere Grösse und durch
die Zahl der Zähne. Von Sc. Townsendi, der einzigen bisher von der
Westseite Amerika's bekannten Art unterscheidet sie sich durch Grösse
und Farbe, obgleich sie in der Zahnformel übereinstimmt.
16 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Carnivora.
F<eiina* Valenciennes beschrieb in der Pariser
Academie eine neue Art Felis Tulliana von Smyrna.
Der Pelz ist grau, wenig bedeckt mit grossen Rosenflecken an
den Seiten; an den Schultern und Schenkeln sind diese Flecke etwas
kleiner, an Hand- und Fusswurzel werden sie grosse schwarze Punkte,
die man am Kopfe und ein wenig am Halse wiederßndet. Die Flecke
setzen sich auf den Rücken des Schwanzes fort. Dieser ist länger
als der ganze Körper des Thieres, das Haar wird gegen das Ende im-
mer länger, was als besonders charakteristisch hervorgehoben wird.
Vergl. Revue et mag. de zool. p.286.
Canina. ßurmeister hat sich in seinen „Erläute-
rungen zur Fauna Brasiliens** p. 19 vorzüglich auch mit den
Hunden Südamerika's beschäftigt. Er unterscheidet 7 Arten,
die er in drei Abtheilungen bringt. Es sind folgende:
I. Chrysocyon Ham. Smith. Schwanz kurz, reicht nur
bis zum Hacken; Schädel mit abgesetztem Scheitelkamm auch im hö.
heren Alter ; obere Kauzähne zusammen viel länger als der Fleisch-
zahn, Pupille rund.
1. C. jubatus Desm. (C. campestris Pr. Wied).
II. Ly ca lopex Burm. Schwanzbis über die Hacken hinab-
reichend; Schädel ohne Scheitelkamm auch im höheren Alter; obere
Kauzähne zusammen viel länger als der Fleischzahn. Pupille rund.
2. C. cancrivorus Desm. (C. brasiliensis Lund, C. melampus
Wagn. Schwanz miltellang; Schnauze schwärzlich.
3. C. velulus Lund (^C. Azarae Pr. Wied) Schwanz sehr lang;
Schnauze röthlich gelbbraun; untere Seite des Schwanzes blassgelb.
4. C. fulvicaudus Lund. Wie voriger ; untere Seite des Schwan-
zes rothgelb.
III. Pseudalop ex ßurm. Schwanz lang über den Hacken
herabreichend; Schädel mit schwachem Scheitelkamm im Aller; obere
Kauzähne zusammen kaum oder sehr wenig länger als der Fleisch-
Kahn. Pupille im Lichte elliptisch.
5. C. Äiarae Hengg. Vorderbeine aussen bis zur Hand grau,
Kusssohle schwarzbraun.
6. C. griseus Gray. Vorderbeine ganz rothgelb , Fusssohle
rothbraun; kleiner, röthlich gelbgrau, Beine rothgelb.
7. C. magellamcus Gray. Wie voriger; grösser, fuchsroth,
Rücken schwärzlich.
Alle diese Arten sind beschrieben , mit Ausnahme von Azarae
und niagellanicus auch abgebildet. Von letzteren ist jedoch, wie auch
der Säugethiere während des Jahres 1856. 17
von den übrigen der Schädel abgebildet. Bemerkungen über die Le-
bensweise sind beigebracht, und die Synonymie ist erörtert.
Burnie ister ist ebenda nach eigener Anschauung
von Balg und Skelet der Ansicht van der Hoeven's bei-
getreten, dass Iclicyoii venalicus nicht zu den Mardern, son-
dern zu den Hunden gehöre. Der von der Zahl der Höcker-
zähne hergenommene Charakter sei für Familienunlerschei-
dung nicht ausreichend. Verf. definirt nun die Hundefamilie so,
dass ihre Lückenzähne ungleich (oben 3, unlen 4) seien, dass
ihr Fleischzahn im Oberkiefer nur zwei Höcker in der äus-
seren Reihe der Zahnkrone besitze, und dass die oberen Kau-
zähne sich nach innen entschieden verschmälern. Im Un-
terkiefer hat der Fleischzahn zwar drei Höcker, wie derselbe
der Viverren, aber der innere hintere Höcker ist viel kleiner
als der äussere , während bei den Viverren beide hinleren
Höcker ziemlich gleiche Grösse besilzen. — Iclicyon vena-
licus ist auf 4 Tafeln im Balg, Skelet, Schädel und Skelel-
Iheilen abgebildet.
Crisp hat Annais nal. hisl. XVllI. p. 178 den Lycaon
pictus anatomisch untersucht, mit besonderer Rücksicht auf
das Gewicht der einzelnen Organe.
Viverrina. Loche beschrieb eine neue Art Zorilla
Vaillanüi. Rev. de zool. p. 497 aus Algerien.
Sie wird dadurch von Vivcrra zorilla unterschieden, dass sie
kleiner ist (44 Cenlim. gegen 55— CO Cenlinl., dass der Pelz weicher
ist, dass das Weiss der Stirn ein Band bildet, welches den ganzen
Kopf einhüllt, während es bei zorilla nur ein weisser Längsfleck zwi-
schen den Augen ist, dass die Lippen weiss sind, bei zorilla schwarz,
dass der Schwanz oben weiss und unten schwarz ist, bei zorilla
oben schwarz.
ülarsupialia.
In den „Erläuterungen zur Fauna Brasiliens'* p. 55 lie-
ferte Bur meist er eine Monographie der Gattung Didelphys.
Er behält die Zusammenstellung, wie sie in seiner systema-
tischen Uebersicht der Thiere Brasiliens 1. 1Ö54. p. 122 ge-
geben War, bei, erweitert sie aber durch einige neue Grup-
pen. Er Iheilt die Galtung in folgende sechs Untergal-
lungen :
Archiv f. Nalurgescb. XXIII Jahrg. 2. Bd. ß
18 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
1. Didelphys ausgezeichnet durch das lange » steife, ziem,
lieh starke Grannenhaar, welches weit über das lange gekräuselte
Wollhaar hervorragt. Dahin D. virginiana, Azarae, albiventris, cali-
fornica, aurila, cancrivora.
2. Melachirus Burm. Haarkleid kurz, glatt anliegend,
fein; Grannen wenig vorragend, Ohren gross, einfarbig; ein heller
Fleck über jedem Auge; Schwanz halb schwarzbraun, halb weiss
am Ende. Dahin M. Opossum, myosurus und Quica.
3. Chironectes HI.
4. Phil ander Burm. Unterscheidet sich von Metachirus
durch stumpfere Schnauze, wolligeren Pelz, längere Grannen; auf
dem Scheitel ein dunkler Längsslreif, kein heller Fleck über dem
Auge; Schwanz gewöhnlich scheckig gefleckt. — Am Schädel fehlt
ein erhabener Scheitelkamm, dem knöchernen Gaumen fehlen die offe-
nen Lücken ; der erste und dritte Lückenzahn sind sehr klein. Dahin
Ph. Cayopollin und dichura.
5. Grymaeomys Burm. Kleinere Arten von mäuseartigem
Ansehen mit langen dünnen Schwänzen und unvollständigem Zitzen,
sack. Haarkleid weich, ohne Grannen, nicht wollig. Schwanz fast
nackt. Farbe röthlichgrau am Rücken, gelblich weiss am Bauche und
Kopfe, Augengegend von einem dunklen Fleck umgeben, der sich
als Streif gegen die Nase hinzieht. Dahin G. cinereus , scapulalus
Burm. (Waterh. I. 505) nach dem Berliner Museum beschrieben, dor-
siger, murinus, impavidus, agilis, elegans.
6. Microdelphis Burm. Nase kleiner und spitziger als bei
der vorigen, auch die Augen und Ohren kleiner, Pelz kürzer aber
sehr weich, Schwanz viel kürzer und dichtbehaart. Dahin M. tri-
striata, tricolor, brachyura und velutina.
Die meisten Arten sind abgebildet, alle beschrieben. Am Schlüsse
.werden einige dem Verf. unbekannte hinzugefügt.
Paul Gervais hat die amerikanischen Beutelrallen,
namentlich in Beziehung auf das Gebiss genauer uniersucht.
Sur quelques points de l'histoire zoologique des Sarigues et
plus parliculierement sur leur Systeme dentaire. Voyage de
Caslelnau Mammiferes p. 95— 103. — Es kam ihm besonders
darauf an, zu unterscheiden, ob die fossilen Reste des Mont-
marlre mit den amerikanischen übereinslimmen. Er spricht
sich dahin aus : dass die Beulelralten, deren Reste man in
Europa gefunden hat, weder in Amerika noch anderswo
exisliren.
Das Gebiss ist von Didelphys derblana , philander, opossum,
der Säugelhiere während des Jahres 1856. 19
virginiana und Azarac abgebildet, ferner von Chironectes palmata,
Micourcus pusillus und Didclphus Hunteri, welche letztere der Gattung
Hemiurus Geofl'r. beigesellt wird. Von dieser Art ist auch das Thier
pl. 16 in natürlicher Grösse abgebildet.
Crisp hat in den Annais of nat. bist. XVIII. p. 177
einige Nofizen über die Anatomie von Thylacinus Cynoce-
phalus gegeben , wobei er besonders auf das Gewicht der
einzelnen Organe Rücksicht nahm.
Gould beschrieb in seinen Mammals of Australia Part
VUI eine neue Art Fhascogale lanigera.
Dieselbe unterscheidet sich durch Grösse und Färbung von Ph.
calura , ist kleiner und hat keine Spur von der rothbraunen Färbung
am Grunde des Schwanzes. Der Pelz ist weich und etwas mehr wol-
lig als bei calura. Die allgemeine Färbung ist aussen braun, an der
Haut grau, wird greis an den Uinlerlheilen, unten grauweiss; Augen
von einem schmalen schwarzen Ringe umgeben; Ohren sparsam mit
kleinen braunen Ilaaren bekleidet; Vorder, und Uinterfüsse weiss,
an den Zehen braungrau, Basaltheil des Schwanzes braun wie der
Körper; Haare der letzten Schwanzhälfte lang und schwarz.
Rodeiitla.
Hansel schrieb in den Verhandlungen des Schlesischen
Forstvereins 1855 über die forstlich schädlichen Nagelhiere
Schlesiens.
Es werden Sciurus vulgaris , 3 Arten Myoxus , 3 Arten Mus,
4 Arten Arvicola abgehandelt. Der Verf. und in einem Zusätze der über-
forstmeisler v. Pannewitz, meinen, die Galtung der Nagethiere,
welche den Schaden verursachen, sei aus der Art und Weise des Scha-
dens zu erkennen. Im \Yinter verübt kann er nicht von den Schlä.
fern herrühren, sondern ist von Wühlmäusen verursacht, wenn er
dicht über dem Boden stattGndet, von eigentlichen Mäusen dagegen,
wenn mehr oder weniger hoch über der Erde, da diese klettern. Im
Sommer verübt und dicht über dem Boden ist er lediglich den Wühl-
mäusen zuzuschreiben , mehr oder minder hoch über der Erde und
bei Nacht hat er die Mäuse oder die Schläfer zu Urhebern, bei Tage
dagegen nur die Mäuse, da die Schläfer nur während der Nachtzeit
arbeiten. Auf einer zugehörigen Tafel sind die Gebisse der verschie-
denen Alten dargestellt.
Die Uevue et mag. de zool. bringt auf Taf. 17 eine
nach dem Leben gezeichnete Abbildung eines jungen Ayc-Aye,
Chiromys madagascariensis , und der Herausgeber jener Zeil-
20 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Schrift, Guerin Meneville, inachle dazu p. 312 einige
historische Bemerkungen.
inyoxina. Poniel beschrieb Bevue de zool. p. 188
Myoxus munbyanus aus der Provinz Oran als neue Art.
Pelz schieferbraun, röthlich auf dem Kopfe, mit Weiss melirt
hinter den Ohren, unterhalb weisslich ; ein schwarzer Augenfleck
erstreckt sich bis zum Scheitel, und unter das Ohr, wo er einen klei-
nen weisslichen Fleck einfasst; Schwanz zweizeilig, nach dem weis-
sen Ende schwärzlich. Körper 0,085 M., Schwanz 0,075 M.
Eine von Dehne in der AUg. deutschen Zeitung I. S. 180 als
Myoxus speciosus beschriebene Art hält Blasius nicht verschieden
von M. avellanarius. Dies Archiv 1856. I. p. 275.
Castorina. Nach ßoli wurde der letzte Biber in Mek-
lenburg 1789 erlegt , und zwar bei Dömitz in der Eibe.
Archiv des Vereins in Meklenburg 1856. p. 73.
HCurina. Nach Krauss wird auch in Stuttgart die
Hausratte sehr selten; seit 15 Jahren kamen ihm zuerst wie-
der zwei Exemplare vor. Würlembergische naturw. Jahres-
hefte 1856. p. 117.
V. Köniff-Wart hausen vermehrte die Fauna Wür-
tembergs um' zwei Nagethiere, Mus minulus und Hypudaeus
rutilus lllig. Fall., die beide beschrieben werden. Zu erste-
rer zieht er auch Micromys agilis Dehne; letztere nistet
nicht wie ihre Galtungsverwandten unter der Erde, sondern
in einem rundlichen Nest über dem Boden. VYürtembergi-
sche naturwiss. Jahreshefte. 1856. p. 72.
Der Ansicht, dass Dehne'« 1841 aufgestellte Micromys agilis
nichts weiter als Mus minutus sei, ist auch Blasius in diesem Ar-
chiv 1856. I. p. 272. — Musculus mollissimus Dehne hält Blasius
ib. p. 277 für nicht verschieden von Mus musculus.
v. König- Wart hausen beschrieb die noch blinden
Jungen von Hypudaeus arvalis, und sieben auffallende Farben-
varietäten. Würlembergische nalurw. Jahreshefle 1856. p. 88.
Pomel stellte eine neue Mäuse- Art auf und beschrieb
sie, so wie zur Vergleichung Mus alexandrinus Geoffr. Revue,
et Mag. de zool. p. 189.
Mus alexandrinus Pelz oben rothbraun , aus drei Arten von
Haaren gebildet; die einen lang, steif, die andern fein, weich, noch
andere ebenso lang, platt, stark und stechend; unten weisslich; Oh-
der Sfiugethiere während des Jahres 1856. • 21
ren fast nackt, braun; Schwanz schuppig mit Ringen steifer Haare.
Körper 0,2 M., Schwanz 0,2 M. Lebt in Häusern. — M. algirus Po-
mel ib. Pelz braungrau mit einem Stich ins Gelbe oder Röthliche,
untermischt mit einigen langen schwarzen Haaren ; unterhalb weiss-
lich; bisweilen ein rother Fleck an der Brust; Ferse braun; Uhren
fast rund, kurz, mit einem kleinen Büschel vor dem Gehörgange;
ein weisslicher Fleck hinter dem Ohre; Schwanz grau, gegen das
Ende bräunlich. Körper 0,075 M , Schwanz 0,06 M. Provinz Uran.
Blasius hat sich in diesem Archiv 1856. I. p. 261 überzeu-
gend dahin erklärt, dass Arvicola leucurus Gerbe Local. Rasse von
Arvicola nivalis Marl, oder Hypudaeus alpinus Wagner sei ; ebenso
Arvicola Selysii Gerbe von Arvicola subterraneus. Arvicola ibericus
Gerbe ist sehr wahrscheinlich gleichfalls nur Local-Rasse von Arvi-
cola incertus de Selys, und mit dieser von A. Savii nicht specifisch
verschieden.
Gervais beschrieb in der Castelnau'schen Reise eine
neue Art Hesperomys macrurus pl. 16. fig. I, die zu Trixas
gefangen wurde.
Sie ist gelb, oben etwas röthlich , unten gelblich weiss, Füsse
gelblicli weiss, Basis der gelben Haare bleifarbig braun; Schwanz
schuppig und fast nackt in seinen letzten zwei Dritteln, am Ende wird
er jedoch etwas haarig; diese Haare sind zimmetgrau, aber nicht lang
genug um einen wirklichen Pinsel zu bilden; grosse zimmetfarbige
Barthaare.
Nach D a w s 0 n (Report of Ihe 25. Meeting of the British
Assoc. held at Glasgow p. 110) kommen m Neu -Schottland
zwei Arten Meriones vor. ,
' Die eine ist M. Labradorius Richards., die zweite ist kleiner,
dunkler gefärbt, und hat gröbere Haare. Verf. giebt ihr den Namen
M. Acadicus für den Fall, das^ sie sich als neu ergeben sollte. Diese
Art bewohnt Kornfelder. — Von Arvicola kommen auch zwei Arten
vor: A. pennsylvanica und novaboracensis. — Ebenso lebt dort Mus
leucopus.
Pomel beschrieb Rev. et Mag. de zool. p. 189 eine
neue Art Gerbillus Sellysii.
Pelz weich, glänzend, hellbraun mit gelb verwaschen, dunkler
auf Kopf und Kruppe, röthlicher an den Seiten, unterhalb rein weiss;
Unterseite drs Schenkels braun; ein grosser blasser Augenfleck, deut-
licher markirt vor dem Ohre , Schwanz von Farbe des Rückens am
hinteren Drittel mit langen braunen Haaren. Provinz Oran.
Hensel hat in der Zeilschr. der deutschen geologischen
22 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Gesellschaft 1856. p. 279 über das Gebiss des lebenden Mi-
sothermus lorqualus geschrieben, nach einem aus dem Tai-
myrlande slammenden Exemplare. Verf. vergleicht ihn mit
einem früher beschriebenen diluvialen Schädel desselben Thie-
res, und erklärt die kleinen Abweichungen für individuelle.
Orycteriiia. In dem Reisewerii von Gast ein au ist pl. 17
Lasiuromys villosus Deville abgebildet, über weiche Galtung bereits
in dem Berichte über das Jahr 1852. p. 15 Nachricht gegeben wurde.
Pectinator Blyth ein neues Genus, welches schon
oben erwähnt ist, gehört mit Ctenodaclylus Gray in dieselbe
Gruppe von Nagern.
Die Thiere dieser Gruppe haben einen weichen Pelz, sehr lange
Barthaare, und nur vier Zehen an jedem Fuss ; die Fusssohlen sind
nackt ; über jeder Kralle ist ein Büschel steifer Borsten, hesonders
an den Hinterfüssen, und die innerste Zehe der Hinterfüsse hat einen
eigenthümlichen Kammapparat. Ctenodactylus hat ^ Backenzähne ;
bei Pectinator tritt ein kleiner einfacher Zahn oben und unten vor
den anderen hinzu; der Unterkiefer von Pectinator hat keine Spur
von Kronfortsatz. Aeusserlich ist Pectinator von Ctenodactylus durch
wohlentwickelten Schwanz und Ohrmuscheln , kleinere Augen und
mehr diurne Lebensweise verschieden. Die Art P. Spehei ist 6 Zoll
lang, nud der Schwanz 2y4 Zoll. Die Farbe ist graubraun.
Duplicidentata. Historische Notizen über „gehörnte Ha.
sen" finden sich im Archiv des Vereins in Meklenburg 1856. p. 75.
V. König-Warthausen beschrieb eine Monstrosität eines
Hasen. Würtembergische naturw. Jahreshefte 1856. p. 86.
Von Lepus granatensis Schimper, der in den aadalusischcn Ge-
birgen lebt, und den Verf. fraglich als eine Varietät von Lepus medi-
terraneus Wagn. ansieht, giebt Rosen hauer (Thiere Andalusiens
p. 4) folgende Diagnose: Auriculis capite multo longioribus , apice
nigris, cauda alba supra nigra; Stria flavescenti post oculos; nucha
colloque sordide, abdominis lateribus arlubusque saturate ferrugineis,
his linea alba ; gula, mento ventreque niveo-albidis.
V. Klein hat den Apparat zur Bewegung der Zunge
bei Manis macroura Desm. (crassicaudala Griltilh) beschrie-
ben. Würtembergische nalurvv. Jahreshefte 1856. p. 96.
der Säugelhiere während des Jahres 1856. 23
Itliiltuiigula«
Vulpian und Philippeaux untersuchten und be-
schrieben das Herz, die Leber und die Lungen eines im Aller
von 33 Jahren zu Paris gestorbenen weiblichen Elephanten.
Annales des sc. nat. V. p. 183.
In der Zoology of H. M. S. Herald machte Richard-
son p. 101 Bemerkungen über ein Paar fossile Schulterkno-
chen eines Elephanten, die am Swan River in Ruperts Land
gefunden wurden ;, und die der Verf. , obgleich er nicht die
Absicht hat, eine Species nach den Abweichungen eines ein-
zelnen Knochens zu charakterisiren , doch für passend hält
unter einem besonderen Namen Elephas Rupertianus zu be-
schreiben.
Rutiiinaiitia.
Cerviua. Nach einer Schilderung des Elenn's und
seiner Jagd (Blätter über Pferde und Jagd von Vogler
1856. December) ist das Elenn in Schweden jetzt wieder häu-
figer, namentlich in Wermeland und Dalekarlien.
Richardson hat in der Zoology of the Voyage of
H. M. S. Herald p. 102— 114 das Skelel von Alces Muswa,
das Muswa der Cree- Indianer ausführlich beschrieben und
auf pl. 20, 21, 22. fig. 1 und 24 abgebildet. — Ebenda
p. 115 — 119 sind die Maasse des Skeleles eines Rennthieres,
Cervus tarandus, welches bei Fort Confidence in der Arcti-
schen Zone getödtet wurde, gegeben.
Cavicornia. In der Zoology of the Voyage of H. M.
S. Herald p. 131. pl. 16— 19 hat Richa rd s on das Skelet
der Antilope von den Rocky Mountains Rupicapra americana
beschrieben und abgebildet.
Gray sieht ein Hörnerpaar in dem Derby.Museiim zu Liver-
pool, wenigstens vorläufig, als einer neuen Art der Gattung Antilo-
capra an, verschieden von A. americana. Er nennt die Art A. anle^
flexa. Die Ilörner sind «usammengedrückt , hinten abgerundet und
gekrümmt, vorn zusammengedrückt; die dreieckige Spitze ist wink-
lig nach vorn gebogen etwas über dem comprimirten Slirnfortsatr,
■wogügea die Spitze bei A. americana nach hinten gebogen ist. Verf.
24 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
vermuthet , dass auch diese Art aus Amerika stamme. Proc. zool.
soc. 1855. Jan.; Annais nat. hist. XVll. p. 424.
Von Capra (Aegoceros) hispanica hat Uosenhauer (Thiere
Andalusiens Taf. l und 2. p. 4 Abbildungen geliefert und dazu eine
Beschreibung und Diagnose entworfen : Supra fusco-fulvescens, ventre,
collo capiteque subtus, pedibus intus sordide albidis, his antice nigris ;
cornibus triquetris, interne carinatis, erectis , mox divergentibus, in-
curvis, apice sursum versis; cauda brevi, apice nigro ; barba minima,
brevi, nigra; femina imberbis, cornibus minutis , parum compressis.
Eine Notiz über den afrikanischen Mouflon Ovis trage-
laphus Cuv. findet sich von Aucapitaine in der Revue et
Mag. de Zoologie 1856. p. 3.
Valenc^iennes beschrieb in der Pariser Academie
eine neue Art Mouflon, Ovis anatolica von Bulgardagh, die
die Mitte zwischen Ovis musimon und Ovis tragelaphus hal-
ten soll. Vergl. Rev. et Mag. de zool. p. 346.
In der Zoology of the Voyage of H. M. S. Herald p. 1 19
hat Richardson nachträglich zu p. 66 die Mäasse eines
lebenden und fossilen Ovibos moschalus vergleichend an-
gegeben.
Ebenda p. 122 finden sich die Maasse des Skeleles vom
Auerochsen, wozu die Abbildungen auf pl. 6 — 9 gehören.
Kawall hat im Correspondenzblall des naturforschen-
den Vereins zu Riga 1854 — 55. p. 114 eine Mitlheilung zur
Geschichte des Auerochsen gemacht, der früher auch über
Kurland verbreitet war , wie aus aufgefundenen Skeleltheilen
hervorgeht, jetzt aber bekanntlich auf den Bialoweschaer
Wald beschnänkt ist, wo 1853 nach den Berichten 1543 Stück
dieser Thiere gehegt wurden.
Breve descrizionc analomica di un vilello ciclopc di
Andrea Verga. Memorie dell IstilutoLombardo di scienze
lettcre ed arti. V. 1856. p. 391 mit einer Tafel.
Piiiiii|iedia.
A. Koch berichtete im Archiv des Vereins in Meklen-
burg 1856 p.7l, dass im Jahre 1838 zwei Seehunde, Männ-
chen und Weibchen durch die Recknitz in die Trebel, und
von da in die Peene gelangt waren.
der Saugelhiere während des Jahres 1856. 25
Ayres legte (Proc. Californ. Acad. San Francisco 1.
p. 61. 25. Juny 1855) einen Schädel vom Seelöwen (Olaria
jubala?) von den Farallon-Inseln vor, in dessen Jochbein sich
eine Bleikugel fand, welche an gewissen Eigenlhümlichkeilen
als eine solche erkannt wurde, welche erfolglos auf einen
Seelöwen an denselben Felsen im Sommer 1854 abgefeuert
wurde. Die Knochensplitter waren durch Absorbtion fast
ganz geglältet. Verf. schliesst hieraus, dass diese Seelöwen
alljährlich zu denselben Lokalitäten zurückkehren. Sie ver-
lassen die Farallon-Inseln im November, und kehren im Mai
zurück. Wie weit sie in der Zwischenzeit wandern, ist noch
unbekannt.
Cetacea*
Van der Hoeven hat in dem Album der Natuur
1856. 12. Aflev. p. 371 eine populär gehaltene Abhandlung
„über wallfischartige Thiere im Allgemeinen und Delphine
ins Besondere'* veröffentlicht, die in anziehender Darstellung,
freilich in holländischer Sprache, ein Bild dieser Thierklasse
giebt, erläutert durch die Darstellung mehrerer Delphin-Ar-
ten in Holzschnitt. ^
Emmanuel Rousseau schrieb in der Rev. de zool.
p. 193, 257, 305 und 353 über den Zahnbau bei den Cela-
ceen (de la dentition des Cetaces , et de la place qu'occupent
les fanons dans la bouche des Baleines.
Bei der Gattung Alanatus finden sich oben jederseits 10 drei-
wurxelige, unten 10 iweiwurzelige Backeniähne, die mit Ausnahme
des ersten, denen des Tapir vergleichbar sind. Die vorderen Zähne
fallen allmählich aus, ohne ersetzt zu werden, hinten treten neue
hinzu; so erklärt sich die verschiedene Anzahl der Zähne bei den
Individuen. Die Vorderzähne sind rudimentär und gehen schnell ver-
loren. Bei einem jungen Thiere fand Verf. zwei in flachen Alveo-
len des Zwischenkiefers liegende Zähne, bei einem anderen sechs
solcher Schneidezähne unter einer Knorpelplalte , welche die Sym-
physe des Unterkiefers bedeckt. — Halicore dugong hat zwei Milch-
zähne und zwei bleibende im Zwischenkiefer, unten sind acht Yor-
derzähne vorhanden, entwickeln sich jedoch nicht, und kommen beim
lebenden Thiere nicht zur Ansicht. — Bytina borealis hat Verf. nicht
selbst beobachtet. — Aus der Gruppe der Delphine werden die Ge-
bisse der Gallungen Delphinus, Delphinapterus, Hyperoodon und JMo-
26 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
noden kurz beschrieben. Ebenso von Physeter , in dessen Oberkie-
fer Verf. keine Zähne beobachtete. — Als den Haupttheil der Ab-
handlung betrachtet Verf. selbst die Entscheidung der Frage über die
Lage der Barten innerhalb des Unterkiefers, wenn der Mund geschlos-
sen wird. Diese Frage wurde durch einen Schädel der Pariser
Sammlung angeregt, der so aufgestellt war, dass die Barten aussen
an dem Unterkiefer vorbei herabragten. Verf. bringt mancherlei Ci-
tale und Zeugnisse für die Richtigkeit seiner Ansicht bei.
Oliphant machte eine Notiz über Manalus Senegalen-
sis, welcher bis 15 Fuss lang wird, dessen Fleisch von den
Eingebornen vorzüglich geschätzt wird, und dessen Erlegung
Bedingung für die Mitgliedschaft der Egbo-Gesellschaft ist.
Report of the 25. meeling of the British Assoc. held at Glas-
gow, p. Uö.
In der mehrfach erwähnten Reise des Grafen Gaste 1-
nau finden sich p. 114 auch einige Notizen über Manalus
australis und dessen Skelet.
Unter der üeberschrift ,,Notices mammalogiques" giebl
Pucheran die Resultate seiner Untersuchungen über die
Delphine im Pariser Museum. Rev. et mag. de zool. p. 145,
315, 362, 449 und 545.
Er sucht zunächst zu erweisen, dassDelphinus plumbeus Duss.
von D. delphis, malayanus Less. et Garn., capensis Rapp , specißsch
verschieden sei, was er jedoch von dubius zweifelhaft lässt, und
stellt die Diagnose von ü. plumbeus folgendermassen fest: Gross,
bleifarbig grau; das Ende und die Unterseite des Unterkiefers
weisslich ; Rückenflosse niedrig, aber länglich; Brustflossen und
Schwanzflosse wohl ausgebreitet und wohl entwickelt. Zahnformel
. ^ Hr' In der Jugend ist der Rand des Oberkiefers, der Ün-
32__33-34— 37
terkiefer und die Unterseite des Körpers bis zur Hälfte des Schwan-
zes weisslich. Vaterland Älalabar. — Zweitens wird hervorgehoben,
dass D. longirostris Gray, mit welchem Schlegel D. capensis ver-
einigt, Zweifel übrig lasse, und fordert Schlegel auf von Neuem
Untersuchungen anzustellen, ob hierunter zwei oder drei Arten con-
fundirt seien. — Die dritte Notiz bezieht sich auf D. velox Duss. und
werden einige Maasse von ihm gegeben. — Die vierte Notiz ent-
hält eine Vergleichung von D. fraenalus Duss. und D. frontalis Duss.,
deren letztere noch verschiedener von D. dubius erscheint, als erstere.
— fünftens wird D. marginatus Duvernoy beschrieben und auf pl. 23
abgebildet. — Unter 6. werden die ilaasse von Phocauna capensis an-
der Säugelhiere während des Jahres 1856. 27
gegeben. — 7. endlich werden einige Zweifel überNeomerig phocae-
noides Gray besprochen.
Uober den Bau der Magenschleimhaut von Delphinus
phocaena schrieb Ecker Berichte der Gesellsch. zu Frei-
burg in Br. Heft II. p.2l2.
Historische Notizen über den Whalekiller oder Tresher,
erwähnt von Tradescant 1618 finden sich Proc. Amer. Assoc.
8. meeting, held al Washington. 1854. p. 259. Es ist PeJ-
phinus orca.
Descriptron des trois especes de Dauphins qui vivent
dans la region du haut Amazone par Paul Gervais. —
In Castelnau Voyage Mammiferes p. 89—94. (Vergl. Comptes
rendus 1856. p. 806; Annais nat. bist. XVII. p. 521).
Für die eine Art D, Geoffrensis Blainv. wird der d'ürbigny'-
sehe Gattungsname Inia erhalten, die beiden anderen sind von Ger.
vais neu aufgestellt. Delphinus fluvialilis ist zuerst im Bull, de la
80C. d'agric. de l'Herault 1853. p. 148 beschrieben. Er gehört zu den
eigentlichen Delphinen. Der Kopf ist aufgetrieben , der Schnabel
ziemlich deutlich abgesetzt, die Brustflossen ziemlich gross. Er ist
1,1 Metre lang. Oben ist die Farbe grauschwarz ; Unterkiefer und
die ganze Unterseite sind rosenfarbig Lila. Das Auge liegt im schwar-
zen Theile, und eine breite schwarze Binde, welche schief vom Auge
zu den Brustflossen herabsteigt, vereinigt diese Flossen mit dem
schwarzen Theile. Dieser Delphin ist im oberen Amazonenflusse bei
Pebas in Peru gefangen, wo er in Truppen von 20—30 Stücken vor-
komfJit. Delphinus pallidus Gerv. Zuerst beschrieben in der Acade-
mie des scienc. de Montpellier 1855. Auch er gehört zu den eigent-
lichen Delphinen. Die Trennung der Stirn von dem Schnabel ist
weniger schief als bei vorigen, der Schnabel ist etwas länger, der
Unterkiefer überragt den Oberkiefer. Die liückenflosse ist weniger hoch
und mehr ausgeschnitten , die Brustflossen sind weniger gross, we-
niger spitz. Das ganze Ihier ist hell gefärbt, oben gelblich weiss,
unten weiss. Er ist 1,65 Meter lang und wurde bei Naula in der
Gegend des Amazon , welche Maranon heisst, gelangen. — Alle drei
Arten siud abgebildet. Sie gehen nie ins Meer.
Auch das Britische Museum in London erliielt von
Herrn Bates die Schädel von zwei Delphinen aus den obe-
ren Thoilen des Amazonenflusses, die J. E. Gray Annais
nat. bist. XVIII. p. 157 beschrieb.
Den einen, welchen die Eingcbornen Bouta nennen, erkannte
Gray für Delphinus Geolfroyü Dem., den anderen, von welchem
28 Troschel: Bericht über die Leistungen in d. Naturgeschichte etc.
Schädel von Männchen und Weibchen vorlagen, und den die Einge-
bornen Tucuxi nennen , hält er für eine neue Art der Galtung Steno
und nennt ihn St. Tucuxi. Das Thier soll schwärzlich oder braun
von Farbe sein. Die Nase des Schädels ist niedrig an der Basis,
convex und verschmälert an der Spitze, etwas länger als der Kopf;
das Stirndreieck länglich, beträchtlich vor die Linie des Einschnittes
vorgezogen ; dreissig schlanke konische Zähne oben und unten ; Un-
terkiefer ziemlich schlank und an der Spitze schwach aufgebogen ;
Symphyse unten und vorn etwas gekielt.
Bericht über die Ijeistang^en in der Hatur-
S:escliiclite der VOg^ei iväiirend des
Jaiireii 1$50.
Von
Dr« O« Hartlaub
in
Bremen.
Auch das verflossene Jahr hat der Ornithologie von
Seiten zahlreicher schriftstellerisch thätiger Verehrer Nutzen
und Zuwachs gebracht. Bonaparte und Gloger haben
sich über die schwer zu definirenden Begriffe von Art und
Abart vernehmen lassen, und der Engländer Wall ace, dern
das Glück sehr zahlreiche tropische Vögel in ihrer Lebens-
weise beobachten zu können, in ganz ungewöhnlichem Maasse
zu Theil geworden , veröffentlichte interessante und eigen-
Ihüinliche Ansichten über ein natürliches Arrangement der
Vögel. Wir glauben hier ferner besonders hervorheben zu
müssen, dass mit der wissenschaftlichen Nutzbarmachung
einer der reichsten Sammlungen der Welt, der Wiener näm-
lich, endlich der Anfang gemacht ist, und zwar durch A.
von Pelz ein, Assistenten am zoologischen Cabinete, der
mit Benutzung von Johann Natterers schriftlichem Nach-
lasse in sehr ansprechender und gründlicher Weise über selt-
nere Arten derselben berichtet hat. — Die weit überwie-
gende Mehrzahl der als neu bekannt gemachten und gröss-
tentheils auch wirklich neuen Arten lieferte das unerschöpf-
liche Amerika; dann folgen Afrika mit noch ziemlich zahU
30 Hartlaub: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
reichen und dann Asien und Australien, beide mit nur we-
nigen. Auch Spanien hat. Dank sei es den Anstrengungen
Alfred Brehms, einige für mich unzweifelhaft neue Arten
geliefert, und unsere wachsende Bekanntschaft mit der Orni-
thologie dieses südlichsten und westlichsten unter den Län-
dern Europa's verspricht noch fernere Früchte. Der deutsche
Ornithologen-Verein war in Köthen versammelt , und erfreute
sich der ihn ehrenden Gegenwart eines mit Recht gefeierten
Gastes^ Bon ap arte's nämlich^ der, wenngleich körperlich
schwer leidend, mit ungetrübter Geistesfrische an den Ver-
handlun":en Theil nahm.
L. T. Filzinger „Ueber das System und die Charak-
teristik der natürlichen Familien der Vögel« ßrochüre von
44 Seiten , besonders abgedruckt aus den Sitzungsberichten
der malhem.-naturwiss. Klasse der Kais. Academie der Wis-
senschaften zu Wien.
A. R. Wallace: „Attempts at a natural arrangement
of Birds'* in Ann. and Mag. of Nat. Hist. p. 193. Der durch
seine Reisen in Südamerika und Südindien vortheilhaft be-
kannte Verfasser halte, wie schon bemerkt, Gelegenheit, eine
grosse Menge der verschiedensten Vögel in ihren natürlichen
Lebensäusserungen während längeren Aufenthaltes in der
Wildniss zu beobachten, und gerade auf diese Beobachtun-
gen stützen sich seine geistvoll entwickelten systematischen
Ansichten. Die Passeres werden vorzugsweise behandelt.
G. R. Gray's System wird in einzelnen Punkten siegreich
widerlegt. So z. B. finde Todus seine einzige natürliche
Stellung neben Todiroslrum , die Cucconiden seien nächst-
verwandt den Rhamphastiden; die Musophagidae seien Scan-
sores und keineswegs, wie bei Gray, den Conirostren bei-
zuzählen. Die Colibri's will Wallace bei den Fissirostren
belassen wissen. Mit vollstem Rechte wird gegen systema-
sche Versuche geeifert , welche nicht die ganze Summe un-
serer Kenntnisse von den Vögeln , also ihre äusseren und
inneren Charaktere sowohl als auch ihre Lebensweise, be-
rücksichtigen wollen.
J, Michelet: „Aus den Lüften. Das Leben der Vö-
der Vögel während des Jahres 1856. 31
gel." Aus dem Französischen. 1 Vol. 8. Berlin. Ein ganz
hübsches geislreiches Buch, aber nicht eigentlich unser Ge-
schmack. In der Manier Toussenel's und C. Vogt's wer-
den philosophisch -politische Betrachtungen an zoologische
Thatsachen geknüpft.
Harrisson Weir: „Stories about Birds« by a young
naiuralist. VVith Illustratious. 4. 46 S. London.
T. C. Eyton: „A Catalogue of Ihe species of the
ßirds in his possession.* Brochüre in 8. S. 1 — 46. Eyton's
Sammlung ist eine der reichsten und der Gedanke, dieselbe
zu cataiogisiren lag nahe genug. Ausser dem Hauptnamen
einer Art wird nur deren Fundort und eine Abbildung der-
selben angegeben. Die Behandlung ist also leider eine ziemlich
dürftige. Uns scheint, es hätte einem Manne von Eyton's or-
nithologischcr Bildung nicht schwer fallen können, das Ver-
zeichniss einer mit Liebe und Geschmack von ihm zusam-
mengebrachten Sammlung durch kritisches Beiwerk für die
Wissenschaft nützlicher zu machen. Mit blossen Namenska-
lalügen ist heutzutage verzweifelt wenig gedient.
C. L. Bonaparle: „Ornithologie fossile servant d'in-
troduction au tableau comparativ des Ineptes et des Aulru-
ches.'* Compt. rend. des seances de TAcad. des Sc. lome43.
Eine treffliche Zusammenstellung , welche die Universalität
von des Verfassers ornilhologischem Wissen unter einem
neuen und glänzenden Lichte erscheinen lässt. Es scheint,
als ob fast sämmtliche sogenannte antediluvianische Vögel
den Ordnungen der Inepti und Rudipennes angehört hätten.
Das Studium der fossilen Ornithologie ist übrigens ungemein
schwierig und scheitert in den meisten Fällen an dem Man-
gel nothwendigen Materials zur Vergleichung.
A. V. Pelz ein: „Ueber neue und wenig gekannte Ar-
ten der kaiserl. ornithologischen Sammlung" nebst Auszügen
aus Johann Nalterer's handschrilllichem Catalog über
die von ihm in Brasilien gesammelten Species der Familien
Trogonidae und Alcedinidae." Separat-Abdruck aus den Sit-
zungsber. der malhem. naturw. Classe der Kaiserl. Acad. der
Wissensch. Band 20. S. 492 und 153. Darüber mehr im
speciellen Theile dieses Berichts.
32 Hartlaub: Bericht fiber die Leistungen in der Naturgeschichte
J. Cabanis „Journal für Ornithologie" enlhäll im 4len
Bando von hierher Gehörigem: 1) G. Hartlaub „Index zu
Pucherans Etudes sur les lypes peu connus du Musee de Pa-
ris.<* 2) J. J. von Tschudi: „Beiträge zur geographischen
Verbreilung der Meeresvögel.« S. 134 und 177. Unter vielen
guten Beiträgen und Arbeiten dieser Zeitschrilt eine der be-
sten und interessantesten. Unbekannt blieb dem sonst mit
der hier einschläglichen Lilteralur vollständig vertrauten Ver-
fasser nur das treffliche Memoire Ja cquinot's über die See-
vögel und in specie die Procellarien , welches Pucheran
im dritten Theile der „Zoologie du voyage au Pol Sud'« ver-
öfFenliicht. v. Tschud i schildert die Lebensweise und geo-
graphische Verbreitung der von ihm auf weiten Seereisen
beobachteten Meeresvögel und theilt von den erlegten gute
Beschreibungen und Messungen nach den frischen Exempla-
ren mit. Seine Arbeit behandelt 44 Arten. 3) Verzeichniss
lebender Vögel der zoologischen Gärten in London" von Dr.
C. Bolle. Sehr instrucliv und soviel uns bekannt, die erste
einigermassen vollständige Mittheilung über diesen Gegen-
stand. Aber wir konnten uns dabei des Gedankens nicht er-
währen, wie überaus gering doch noch immer die Zahl der in
den zoologischen Gärten Europa's gehaltenen Vögel sei ge-
genüber der ungeheuren Masse beschriebener Arten. 4) Prinz
C h. L. B 0 n a p a r t e : „Betrachlungen über die Species," p. 257.
5) „Ueber den Begriff von Art« von C. Gloger p. 260. 6)
„üeber Grundsätze zur Beurtheilung wirklicher Arten und
blosser Abänderungen« von C. Glog^er. 7) „Ausgestor-
bene Vögel« von Dr. C. Bolle. 8) „Der Begriff von Rage in
specieller Anwendung von C. Gloger p. 353. 9) „Zur Ver-
färbung der Vogelfeder,« von Dr. D. F. Weinland. p. 125.
Die „Naumannia« brachte unter Anderem : l) „Aphori-
stische Bemerkungen füi: Ausstopfer,« von B. AI tum. Viel,
Richtiges und Beachtung Vwdienendes. 2) Prof. Blasius
„Ueber die verdächtigen Arten im Verzeichnisse der euro-
päischen Vögel.« Es that Noih, dass in dem zunehmenden
Unfuge fremde Elemente in die Vögelfauna Europa's einzu-
schwärzeh , einmal streng und schonungslos mit kritischer
Geissei dreingesclilagen wurde , und das thut Freund Bla-
der Vögel während des Jahres 1856. 33
sius mit humoristischem Behagen und, was die Hauptsache,
mit überlegener Sachkenntniss. In der Reduction der Arten
geht er aber, nach unserem Geschmacke, zu weit.
Jeder Freund der valerländischen Ornilhologie wird mit uns
dem Erscheinen des die Yögel behandelnden zweiten Ban-
des seiner „Wirbellhiere Europa's* mit Verlangen entge-
gensehen. >
H. Barkow: „Syndesmologie der Vögel." Breslau 1856.
Fol. Erste Abtheilung mit 3 Tafeln. Keines Auszugs fähig,
aber sehr lleissige und werlhvolle Arbeit.
F. W. Bädekcr beschreibt und bildet trefflich pb die sehr
seltenen Eier von Nucifraga cathacactes , Garrulus melanocephalus,
Cyanopica , Coolii, Melizophilus provincialis, Pyrophthalma sarda,
Phyllopncuste Nallereri, P. sylveslra, Regulus salrapa, Tichodroma
muraria, Certhia Nattereri, Parus alpestris, P. ultramarinus , Euspiza
aureola, Terakia cinerea und Himantopus melanopteras.
Europa.
H. D. J. Wallengren's Arbeit „Ueber die Brutzonen
der Vögel innerhalb Scandinaviens" kam zum Schlüsse: Nau-
mania p. 100. Dieselbe ist reich an trefflichen geographisch-
zoologischen Bemerkungen im Allgemeinen , behandelt ihren
Gegensland in möglichst erschöpfender Weise, und gehört
zu dem Besten, was die Naumania bis jetzt brachte.
CA. VVestelund „Öfversigt af Öland's Foglar och
Amphibier.« Götheborg's Kongl. Velensk. Acad. Handl. III.
p. 67—72.
„Beitrüge zur Ornithologie Südrussland's^« insbesondere
die Vögel Taurien's belreflend, von Gustav Raddc. Bul-
let. Soc. Imp. Natur. Mose. 1854. p. 131. Hübsche instructive
Arbeit, welche namentlich auch über den Zug und die' Ver-
breitung der Yögel in jenen Gegenden Aufschlüsse bringt.
Einzelne Arten werden ausführlicher behandelt, so z. B. Otis
tarda und tetrax, Grus virgo, Anas tadorna und rutila. Die
taurischen Dohlen haben alle einen deutlichen weissen Ring
um den Hals , der selbst bei jungen Vögeln schon sehr
bemerklich ist.
A. Bielz: „Fauna der Wirbellhiere Siebenbürgens,«
Archiv f. Naturgesch. XXIU. Jahrg. 2. Bd. Q
34 Hartlaub: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
eine syslemalische Aufzählung der in Siebenbürgen vorkom-
menden Säugelhiere, Vögel, Amphibien und Fische. 1 Vol.
8. Hermannsladt. Vom Vereine für siebenb, Landeskunde ge-
krönte PreisschrifL Jede Art wird kurz beschrieben. Für
den ornithologischen Theil ist die Angabe der Standorte von
Wichtigkeit. Zawadsky behandelte bekanntlich mit Er-
folg denselben Gegenstand.
Dr. Lindermayer: „Verzeichniss der in Griechenland
vorkommenden Vögel,« im Moniteur grec 1856. No. 20. Sehr
reichhaltig. Es werden an 300 Arten namhaft gemacht. Vgl.
Giebel Zeitschr. für Naturw. 1857 p. 91.
L. Brehm: „Uebersicht der europäischen Vögel in Be-
zug auf ihr Herbst- und Frühlingskieid." Gab. Journ. IV.
p. 370.
W. C. Hewitson: „Coioured illustrated eggs of Bri-
tish Birds, with descriptions of their nests and nidification.«
2 Vol. Dritte Ausgabe eines Buches , das über 30 Thaler
kostet. So etwas ist in England möglich.
Rev. F. C. Morris: „History of British Birds.« Vol. 5.
Mit 57 colorirlen Abbildungen. 320 S.
Rev. F. 0. Morris: „A natural History of the nests
and eggs of British Birds. Vol. 3. 21 Sh.
V^. Yarrell: „A History of British Birds.« Dritte
Ausgabe mit Zusätzen. Kostet 30 Thaler.
Von Schlegels ,5Fauna van Nederland, Vogels," liegt
das 36sle Heft vor. Jedenfalls eines der hübschesten Ku-
pferwerke über europäische Vögel, und glücklicher Vi^eise
bis jetzt ohne erhebliche Unterbrechung seinem Schlüsse zu-
eilend. Der Text holländisch.
A. A. van Bemmelen: „Liyst van Vogels in de
provincie Groningen en op het eilandRottum waargenomen etc.*
in Herclots BouwstofTen Faun. Nederl. p. 119. Enthält zahl-
reiche Bemerkungen über die Lebensweise und Verbreitung
der beobachteten Arten. Es werden deren 254 namhaft
gemacht.
Heinrich Gaetke, der unermüdliche ornithologische
Beobachter auf Helgoland , hat in Cabanis Journal wiederum
der Vögel während des Jahres 185G. 35
interessante Milllieilungcn über diesen merkwürdigen Stand-
ort gemacht.
Von Emberiza pusilld und Regulus modeslus stehen jetzt zahl,
reiche Exemplare in seiner Sammlung. Ausserdem figuriren noch in
derselben Anas dispar, Anlhus ccrvinus, Emberiza ciclus, Turdus ru-
ficoUis, Charadrius pyrrhothorax, Limicola pygmaea, am 39sten Mai in
6 Exemplaren erlegt, ferner Pastor roseus. Um Mitte Juli bis Mitte
August Itanien wieder 8 bis 10 alte Vögel vor. Zum ersten Male er-
hielt Gaetke Lanius phoenicurus Fall, und Hinindo daurica Fall.
Auf S. 70 äussert sich derselbe über das gelegentliche Vorkommen
und den Weg nordamerikanischer Vögel nach Europa. Sehr merk.
würdig is,t die Beobachtung, dass Landvögel, von weitem Fluge er-
mattet , auf dem Wasser ausruhen und dann gekräftigt weiter fliegen
können. Gaetke beobachtete dies bei Turdus musicus, Emberiza ni-
valis und Fringilla montifringilla.
B. AI tum: „Ornllhologische Beobachtungen auf einer
Excursion in Vorpommern.« Naum.
V. Preen: „Beobachtungen aus der Vogelwelt. Brut-
und Zugvögel der Umgegend von Schwerin.« Naum.
Jack ei; „Ornithologischer Jahresbericht aus Baiern.«
Naumannia.
W. Pässler: „Die Bruivögel Anhalt's« in Gab. Journ.
für Orn. p. 34.
H. Albin; „Mährens und Schlesien's Fische, Repti-
lien und Vögel ," ein Beilrag zur Fauna beider Kronländer.
8. Brüm.
H. Mohr: „Die Singvögel der Umgegend von Brixen.«
Ornithologische Skizze. 36 S. 8.
Dr. Jauberl's „Leltres sur TOrnilhoIogie de la France
meridionale'* sind mit dem I4(en Briefe zum Schlüsse ge-
kommen. Diese geist - und kenntnissvollen Beiträge zu un-
serer Bekanntschaft mit den südfranzösischen Vögeln haben
bereits in früheren Jahrgängen dieses Journal's ihre gerechte
Würdigung gefunden. Ausführlicher werden diesmal behan-
delt die Pterocles- Arten, Perdix gambra und (?) Lahatei,
Tiirnix africanus , Fulica cristata und verschiedene andere
Arten. Rev. et Mag. de Zoo), p. 64 , 97, 149, 262, 322
und 403.
Baron v. Müller: „Beiträge zur Fauna des Mittelrneer-
36 Harllaub: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
beckens. Ausflug in die Carnargue.« Cab. Journ, p. 205.
Der Veifas^ser beschreibt seinen „Ausflug" recht anziehend
und giebt dann zweitens ein systematisches Verzeichniss der
provengalischen Vögel mit Bemerkungen über geographische
Verbreitung, Zug u, s. w. Fleissige Arbeit.
Dr. W. G. Rosenhauer: yj)ie Thiere Andalusien's,«
nach den Resultaten einer Reise zusammengestellt u. s. w.
1 Vol. 8. Erlangen.
Darin ein liurzcs und ziemlich dürftiges Verzeichniss von 70
Arten auf S. 8. Stur7ius vulgaris sass am ersten Älärz in Schaaren
auf der Thurmspitze von St. Lucar , wurde aber sonst niciit wieder
beobachtet. Merops apiasler war im Juni und Juli häufig um Gra-
nada. Neophron percnoplerus ist in ganz Andalusien gemein. Gijpae^
tos barbatus (nicht var. meridionalis') nistet in der Sierra Nevada.
Perdix rubra die gewöhnlichste Art.
„Verzeichniss der Vögel, welche von Dr. Antonio
Machado in einigen Provinzen Andalusien's,, zumal Sevilla,
beobachtet worden sind, mitgelheilt von Oskar de Ola-
varria-Lozano aus Bilbao.« Allgem. naturh. Zeitung II.
p.241.
Behandelt 140 Arten, mit hinzugefügten biographischen Notizen.
Ueber das herbstliche Wandern vieler europäischer Vögel nach Afrika
enthält diese Arbeit werthvolle Angaben. Ein bevorzugter Abreise-
punkt ist zu Ende September und in der ersten Hälfte üctobers das
Cap von Länder en Uota, gegenüber Cadix. Ausserdem können als
solche gelten: Gibraltar, Cap Trafalgar, 'larifa und Algesiras. Vultur
cinereus und fulvus sind ziemlich gemein , ebenso Cathartes percno-
pterus. (iypaetos kömmt einzeln in der Sierra Morena vor. Aquila
imperialis ist nicht selten. Caprimulgus ruficollis ist Standvogel, ebenso
Pica cyanea. Cuculus canorus scheint zu fehlen, aber Coccystes glan-
darius ist gemein, Älerops apiaster nistet bei Colonien an den ab-
schüssigen üferwänden des Guadalquivir. Slurnus vulgaris hält sich
vorzugsweise in üiivenwaldungen auf u. s. w.
E. Hasse: „Heimische Vögel,« zum Nachzeichnen und
Ausmalen. 50 Holzschnitte von H. Brückner 4.
J, G. Fa lio-ßeaumonjt: „Verzeichniss der Vögel,
welche sich im Thale von Genf und an den Seiten der das-
selbe einschliessenden Berge finden." Naum. Von den 306
namhaft gemachten Arten sind 213 Stand- oder regelmässige
Zugvögel, 93 dagegen von mehr zufälligem Vorkommen. Als
der Vögel während des Jahres 1856. 37
nistend kennt der Verfasser 146 Arten. Laras Cabini wurde
zweimal geschossen, und zwar beide Male im Winterkleide.
Asien.
VonGould's Praohtwerk : „The Birds of Asia« erschien
der 8le Theil. ^
Er enthält meist sehr gelungene Abbildungen von Phasianus
torquntus , Ncctaiinia asiatica und lotenia, Ibidorhyncha Struthersii,
Cursorius coromandelicug, Trogon Kasuniba, Myzornis pyrrhoura, Pte-
rulhius erythropterus , Pterulhius rufiventris , Cutia nipalensis, AUo-
trius mclanotis und xeinlhochloris, Alerops quinticolor , Cuculus stre.
♦ nuus, Cuculus hyperythrus, Ruticilla erylhroprocta von Erzeroun.
Lieulnant Burgess fährt fort sehr interessante Millhei-
lungen über „die Lebensweise indischer Vögel« und nament-
lich über deren Fortpflanzung zu machen: Proc. Zool. Soc.l835.
p. 32, 70, 79, 184.
Er kennt Eier und Nest von Rhynchops orientalis, Sterna mela.
nogastra, Podieeps phiiippensis, Vanellus goensis, Ibis papulosa, Tan-
lalus leucocephalus, Ciconia leucocephala, Ardea caboga, Turtur cam-
bayensis, Otis aurita und nigriceps, Colurnix argoondah , Francoli.
nus_ ponticerianus, Fterocles exustus, Pavo crislatus, Hirundo filifera,
Cypselus affiuis u. s. w.
Bonaparte berichtet in den Comptes rendus der Aca-
demie über eine nicht umfangreiche aber sehr interessante
vom Herzog von Vallombrosa in Palästina zusammengebrachte
Sammlung von Vögeln.
Sie scheint zu beweisen , wie unvollständig es eigentlich noch
um unsere Kennlniss der Ornithologie jener so oft und vielseitig be-
suchten Gegenden aussieht. Wer hätte in der Ebene von Jericho
eine Nectarinia , wer an den Ufern des Tiberiassee's bei Nazareth
eine Crat erop us_ Art vermulhet? Ammoperdix Heiji wurde in den
Gärten von Damascus erlegt. Als neu erkannte Bonaparte Neda'
riiiia osea ^ Crateropus ckalybaeusy Ixos Vallombrosae und Cercomela
aslhenia von Jericho , der melanura nahe verwandt. Ausserdem be-
fanden sich in der Sammlung Saxicola enjlliraea Ehrenb., Ceryle ru~
dis und Gavia brunneiceps.
Afrika.
J. A. Wahlberg, der zu früh für die Wissenschaft
in Afrika umgekommene ausgezeichnete schwedische Gelehrte,
38 Hartlaub: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
beschreibt einige von ihm im Damaralande gesammelte neue
Vögel : „Nye foglararter fran Damara-landet i soedra Africa/«
Öfvers. Kongl. Vetensk. Acad. Förhandl. April 1855.
Diese sind: Alauda Grayi , Eremomela damarensis, Erithacus
Schlegelii, Saxicola albicans, Prionops ßetzii , Taida Mevesii, Platy-
stira affinis, Carbo neglectus, Carbo coronatus und Otis Rüppellii. Aus
der von Baron Gustav v. Düben verfassten höchst interessanten
biographischen Notiz über Wahlberg wissen wir, dass sich der-
selbe im Allgemeinen über die Ornithologie Südafrika's getäuscht
fühlte. Er hatte mehr erwartet, und musste unwillkührlich mit den
ihm so wohl bekannten überreichen östlichen Gebieten vergleichen.
(Zeitschr. für allgem. Erdkunde, April 1857.)
Th. V. Heuglin: „Systematische Uebersicht der Vö-
gel Nordostafrika's," mit Einschluss der arabischen Küste,
des rothen Meeres und der Nilquellenländer südwärts bis zum
4ten Grade Nördl. Br. Separatabdruck aus den Silzungsber.
der mathem.-nalurw. KI. der Kais. Acad. der VVissensch.ßd. 19.
p. 255. Zählt ohne Zweifel zu dem Wichtigsten, dessen die-
ser Jahresbericht zu gedenken hat. Erreicht, obgleich kei-
neswegs vollständig, die hohe Ziffer von 754 Arten. Sehr
werthvoll ist der die geographische Verbreitung umfassende
Theil der Arbeit. Was die Bestimmung ,der Art anbetrifft,
so erfüllt uns die Masse der überall angebrachten Frage-
zeichen mit grossem Misstrauen. Mit der Litteratur ist Heug-
lin offenbar nur unvollständig vertraut. Er kennt z. B. we-
der die wichtige Arbeit C. Sunde valTs über Hedenborg's
Sennaarvögel, noch Lefevre's Voyage en Abyssinie, noch
de Filippi's Brief an ß onap arte über ßrun Rollel's neue
Vögel vom oberen weissen Nil. Manches ist positiv falsch,
so z. B. die Angabe, dass die madagascarische Colurnix
striata bei Ben-Ghasi eingesammelt sei. Unmöglich !
„Report on a ^oological colleclion from the Somali coun-
try made by Lieuln. Speke." By E. ßlytli: Journ. Asiat.
Soc. of ßeng. Es ist dieses die erste Nachricht, welche uns
von den Vögeln des so wenig bekannten Somaligebieles zu-
kömmt, und schon darum beansprucht dieselbe ein besonde-
res Interesse.
Die grosse JVIehrzahl der namhaft gemachten Arten kennen wir
bcreils aus Abyssinicn oder Schoa, Die neuen sind eine kleine Trappe
der Vögel während des Jahres 1856. 39
Sypheotides humiliSf Spreo albicapillus, Ihjphantornis Spehei nob. (? ba-
glafecht Bl.) un(\ Passer caslajioplcrus. Die einzige Papageienart, auf
die man slicss , war PsUlacus rufivenfris Uüpp. Von Musophagiden
wurde nur Chizaerhis leucogaster angetrofFen, von Glanzvögeln noch
Amydrus Rüppelli und Lamprocolius superbus, von Honigsaugern Neda»
rinea habessijnica und albiventris Strickl. u. s. w. INur ein europäi-
fichcr Vogel figurirt auf der Liste, nämlich: Coccystes glandarius. Der
Strauss ist in der Somali - Gegend überall gemein , aber sehr scheu.
Der wissenschaftliche Werth -dieser Mittheilung wird erhöht durch
hinzugefügte biographische Notizen.
„Contribulions to Omilhology. Naial colleclions" by Sir
William J ardine. New-Edinb. Philos. Journ. Vol. II.
p. 238. Jardiiie, einer der rüstigsten Veteranen unter den
schriftstellerisch thäligen Förderern der Ornithologie, berichtet
in dieser nicht unwichtigen Arbeit über 57 um Natal gesam-
melte Vögel.
Wir begegnen auf diesem ganz östlichen Gebiete verschiedenen
westlichen Arten, so z. B. Vholidanges leucogaster, der somit über den
grösseren Theil des Continents verbreitet zu sein scheint, Centropus
senegalensis, Columba guinea , Cuculus nigricans Sw. und unserer
Coracias garrula. Die Ornithologie von Natal ist jetzt, man kann
dies wohl sagen, vollständig bekannt.
Dr. G. Harllaub: „Beschreibung einiger neuen von
Herrn H. S. Pcl auf der Goldküsle gesammelten Vögelarlen.«
Cab. Journ. 1855. p. 353.
Id. „Systematisches Verzeichniss der von Herrn H. S.
Pel auf der Goidküste zwischen Cap tres Punlas und Accrah
gesammelten Vögel. ^* Cab. Journ. 1855. p. 360. ümfasst
150 Arten der Leydner Sammlung.
V. Müller: „Systematisches Verzeichniss der Vögel
Afrika's.« Cab. Journ. ,1856. p. 113. Schliesst mit den Co-
nirostren.
A. Brehm: „Die Fundorte des Ornithologen in Nord-
ostafrika.« Cab. Journ. 1855. p. 362 und 481. Anziehende
lebensvolle Schilderungen aus des Verfasser's afrikanischen
Nalursludien.
A. Brehm: „Blätter aus meinem ornilhologischon Ta-
gebuche.« Cab. Journ. 1856. p. 328.
A. Br e h m : „Beiträge zur Ornithologie NordoslafrikaV*
40 Ha rllaub: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
mit besonderer Rücksicht auf die in Europa vorkommenden
Vögel.'* Naum. Heft 3. Sehr reichhaltig und -interessant.
R. Vierthaler : „Ornithologische Beobachtungen auf
einer Reise in Aegypten, Sennaar u. s. w. Naum. Jahrg. 6,
Heft 1.
C. Bolle: „Die Vogelvvelt auf den Inseln des grünen
Vorgebirges.« Cab. Journ. 185Ö. p. 17. Der Verfasser schil-
dert in sehr ansprechender Weise die Natur und das Thier-
leben auf den capverdischen Inseln. Man weiss von den die-
selben bewohnenden Vögeln verhäUnissmässig nur wenig, und
Bolle's Nachrichten sind daher, wenngleich mangelhaft, doch
sehr willkommen. Es scheint darnach, dass die Ornithologie
jener Westafrika so nahe gelegenen Inseln noch immer eine
starke Beimischung europäischen Gepräges zeigt, wenngleich
einzelne Arten deutlich genug die faunische Verwandtschaft
zu Afrika verrathen.
Als solche mögen hier nur Numtda RendaUi und Halcyon ruß-
venlris genannt werden.' Den von Bolle systematisch unbestimmt
gelassenen „Curvo« der Creolen möchten wir für Corvus umbrinus
halten. Von europäischen Arten sind Milvus ater, Tinnunculus alau-
darius, Strix flammea, Sylvia cinerea und atricapilla, Columba livia
und Coturnix vulgaris von häufigem Vorkommen. Phaeton aelhereus, der
Rabo de Tunco der Creolen , nietet auf Santiago und wahrscheinlich
auch auf Sal.
Ca SS in fährt fort die von Du Chaillu aus dem äqua-
torialen Afrika eingesandten Vögel zur Kenntniss des Publi-
kums zu bringen ; Proc. Acad. N. Sc. of Philad. Aug. 1856 u.
„Calalogue of Birds collecled at Cap Lopez elc. ib. Decemb.
Diese Sammlungen sind im hohen Grade interessant, nicht bloss
der in ihnen enthaltenen Novitäten halber, sondern auch weil sie uns
mit den Verbreitungsgrenzen der südlichen Arten bekannt machen.
So z. B. befinden sich Fringillaria lahapisi und Merops bullockioides
in der Sammlung. Die merkwürdigste ornithologische Entdeckung
Du Chaillu's ist die neue Numidinenform Phasidus.
Amerika.
a. Nordamerika.
Dr. E. K. Kane's zweite Reise „Arctic Explorations elc.<*
enthält neben zahlreichen nalurgeschichilichen Notizen ande-
der Vögel während des Jahres 1856. 41
ror Art auch Manches über die Vögel des höchsten Nordens.
Morton traf auf seiner ewig denkwürdigen Expedition den
Kennedykanal aufwärts am offenen Polarmeere unter dem 82.
Grade N. Dr. noch ein reges Vogelleben von Larus trydacty-
lus, eburneus und glaucus, Sterna arctica und Uria grylle.
Etwas südlicher, am Ausgange des Kanals, zeigten sich grosse
Schaaren von Anser bernicla, Somaleria niollissiina und spe-
ctabilis. Der einzige unter so hohen Breiten beobachtete
Sturmvogel war Procellaria glacialis.
Nach mundlichen Millheilungen von Dr. Kane berich-
tet auch V. Müller in Caban. Journ. p. 304: „über die Vö-
gel des hQchsten Nordens von Amerika.** Darnach halle Kane
Anser bernicla und Uria grylle für die am nördlichsten ge-
henden Vögel.
Dr. Rufus Haymond: „Birds of Soulh-easlcrn In-
diana.« Proc. of the Acad. of Philad. Nov. 1856. p. 286.
Nur kurz aber ganz übersichtlich behandelt, und als Beitrag
zu den Lokalfaunen nicht unwichtig.
Alexander Gerhard: „Lebensweise der nordame-
rikanischen Vögel im Staate Georgien.** Naum. p. 1 — 18.
Behandelt in ganz ansprechender Weise Icterus baltimore, Gar-
rulus cristatus, Caprimulgus vociferus, llirundo purpiirea, H. riparia,
Parus canadensis, Silta caroiinensis, Trochilus colubris, Cuculus ame-
ricanus und crythrophlhalmus, Colaptes auratus, Columba caroiinensis,
Orlyx virginianus, Ardea virescens und Scolopax minor.
Dr. J. Cabanis fährt fort die ungemein reichen und
wichtigen ornilhologischen Arbeilen J. Gundlach's auf
Cuba unter Mitwirkung des Herrn Bez. -Dir. Sezekorn in
Kassel zur Kennlniss des Publikums zu bringen : Journ. für
Ornilhol. 1856. p. I, 97, 337 und 417. Von allen uns be-
kannten Arbeilen über westindische Vögel ist diese die werlh-
vollste, selbst Gosse nicht ausgenommen, dessen reizendes
Buch über die Vögel Jamaika's in streng wissenschaftlicher
Hinsicht hinler Gundlach zurücksteht. Was über die Le-
bensweise, Fortpllanzung u. s. vv. der meisten Arien milge-
Iheilt wird, ist zum grossen Theile neu und offenbar das
Resultat selbständiger Beobachlung. Wir wünschten sehr
Gundlach's Arbeiten über die Ornithologie Cuba's in zu-
42 Hartlaui): Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
sammenhängender Form als elg-enes Werkchen cdirt zu se-
hen. Einzelnes im speciellen Theile dieses Berichtes. Bis
jclzt wurden 211 Arten behandelt. Der nächste Jahrgang
des Journal's wird den Schluss bringen.
,,Calalogiie of Birds collecled by M. Auguste Salle
in Southern Mexico , with descriptions of New Species" by
P. L. S etat er. Proceed. Zool. Soc. p. 3^6. Die Bestim-
mung und Catalogisirung der so bedeutenden Sammlungen
Salle's hätte keinen besseren Händen anvertraut werden
können, als denen Sclater's, dessen Bearbeitung sie recht
eigentlich erst zum Eigenthume der Wissenschaft gemacht hat.
Die grosse Mehrzahl der gesammelten 233 Arten stammt aus
der Umgegend der Stadt Cordova im Staate Veracruz. Während ei-
nerseits die ganz südamerilianischen Formen : Nyetidromus , Pipra,
Anabates und Formicarius vertreten sind , wurden andererseits die
nördlichen Gattungen Parus und Certhia bisher nicht so weit südlich
angetroffen. Auch Bonaparte hat in den Comptes rendus der Aca-
deinie eine kurze Notiz über diese ausgezeichnete Sammlung veröf-
fentlicht , welche unter zahlreichen bereits früher in Mexico zusam-
mengebrachten einen hervorragenden Rang einnimmt. Tabl. parallel,
des Gallin. p. 16,
Sir William Jardine berichtet über eine nicht
umfangreiche aber höchst interessante Sendung von Vögeln,
welche Prof. W. Jameson in Ecuador auf einer Expedition
von Quito nach dem Gebirge Cayamba gesammelt hat: Edinb.
new Philos. Journ. II. p. 90.
Jameson beschreibt seine Reise und fügt Notizen über die
beobachteten Vögel hinzu. Diese waren diesesmal Tanagra lunulata,
Catamblyrhynchus diadema , Carpornis rubrocristatus , Tyrannus fumi-
gatus, Grallaria monticola, Thryothorus unibrunneus, Merulaxis orlho-
nyx, Tetragonops rhamphastiuus und Arremon leucopterus n. sp.
„List ofMammals and Birds collecled by Mr. Bridges
in the vicinily of Ihe town of David in the province of Chi-
riqui in the State of Panama." Proceed. Zool. Soc. p. 138.
Die sehr interessante Localität, von welcher diese 46 Arten
umfassende Sammlung stammt, war bisher ornilhologisch un-
durchforscht. Hinzugefügte kurze Notizen über die Lebens-
weise, wie sie Bridges an Ort und Stelle antraf, erhöhen
den Werth der Miltheilung.
der Vögel während des Jahres 1856. 43
Der prachtvolle Tharomachrns mocinno wurde in den dichten
Waldungen der sogenannten Boqueti beobachtet, einer etwa 4000 Fuss
über dem Meere gelegenen Savanna am westlichen Abhänge des Vul-
kans von Chiriqui. Es kann nicht befremden , dass wir in dieser
Liste vielen Namen begegnen, die Bon aparte als von Delattre in
Nicaragua gesammelt aufführt. Von seltneren Arten nennt sie z. B.
Nomotus Lessoni, Rhodinocichla rosea, Trogon aurantiiventris, Calliste
Franciscae, Embernagra conirostris (Bp.) , Chloronerpes Cecilii , eine
neue Geotrygonart u. s. w.
H. Burmeister's ,,Syslemalische Uebersicht der Vö-
gel Brasilien's« ist mit der zweiten Ablheilung des zweiten
Bandes vollendet.
Dr. J. T. Descourtilz: „Ornilhologie Bresilienne« ou
histoire des oiseaux du Bresil remarquable par leur plumage
leur chanl et leurs habitudes. Dieses in Farbendruck ausge-
führte dem Kaiser Dop Pedro dedicirte Werk ist auf 7 Lie-
ferungen zu je 12 Tafeln berechnet und soll 25 fr. kosten.
Ohne allen wissenschaftlichen Werth und als ouvrage de
luxe nicht schön genug. Farbendruck eignet sich überhaupt
nicht für ornilhologische Darstellungen.
„On some additional species of Birds reeeived in col-
lections from Bogota" by P. L. Sclater: Proceed. Zool. S.
p. 25. Sclater kennt jetzt 451 Arten aus den Umgebungen
von Bogota. Dieser Nachtrag umfasst grösstentheils neue
Arten. Davon Näheres im speciellen Thcile.
„Expedition dans los parlies centrales de l'Amerique
du Sud, de Rio Janeiro ä Lima et de Lima au Para elc." par
le cointeFr. de Gas lein au. Zool. Oiseaux par P. 0. Des-
murs. 1 Vol. 4. 98 S. und 20 Kupfertafeln. Sehr wichtig
und als Beilrag zu unserer Kennlniss der Vögel Südamerlka's
von grösslem Interesse.
Allgemeine geographisch - zoologische Einleitung. Abgebildet
sind: Cymindis magarhjnchos Kaup, Maracana Weddcliiy Maracana
Luciani, Conurus jugularis , Ära primolif Chrysotis hypochondriacaf
Cullrides Pacherani^ Micropogon amaT,onicus , Micropogon aurifrons,
Galbula ckalcocephalay lacamcrops Jsidoriy Capito pvlnicnhtm y Trogon
ramonianus , Trochilus Caslelnaudi , Dendrornis muliiguUaliiSy rostripal-
Uns y gullaloides , pallialuSf Kieneri und WeddcUii, Dendrocolaptes De~
villei, Ghjpkorhynchus Castelnaudii , Siltasomus amazonus y Conopophaga
erurianai C, tkeresaey Ueteroenemis hicolor ^ SarochaUmts ruftgularis^
44 Hartlaub: Bericht über dio Leistungen in der Naturgeschichte
Herpsilochmus argenlatus , Rhopothera guttata , Casiornh lyptis , Schiff
fornis majore Cassicus Oseryij Detillei und Alfredi ^ Arremon DeviUei
und Pipilopsis rußceps.
„The U. St. Naval aslronomical Expedition to the Sou-
thern Hemisphaere diiring the years 1849—59/^ by Lieiitn.
Gilliss. Vol. II: Chile. Birds by Cassin. 1 Vol. 4. Der
Text ist ziemlich dürftig-. Nur spärliche biographische No-
tizen. Der Verfasser scheint weder unsere Arbeit über 50
von Philippi um Valdivia gesammelte Arten zu kennen
noch Reichenba ch's Mitlheilung über chilesische Orni-
thologie.
Ausführlicher wird nur Pkoenicopferus ancUnvs (jetzt in Eng-
land) behandelt. Abgebildet in gutem Farbendruck sind Falco nigri-
ceps, Psarocolius curaeus, Agelajus Ihilius, Slurnella «lilitaris, Chry-
somitris marginalis, Calliste cyanicollis, C. larvata, C. gyroloides,
C. Desmareslii, Euphone rufiventris, Chlorophonia occipitalis, Enicor-
nis inelanura, Scytalopus fuscus , Psiltacus ochrocephalus. Bernicla
anlarctica , B. inagellanica , Anas melanocephala, Querquedula crec-
coides, Q. metopias; Phalacrocorax brasilianus.
A. Raimondi: „lieber die Chinchainseln an der Küste
Peru's und über die Vögel, von denen der Guano kömmt.«
Als solche werden namhaft gemacht: Pelecanus thajus, Phala-
crocorax Gaimardi , Ph. albigula , Sula variegata , Plotus anhinga,
Rhynchops nigra , Larus modestus , Spheniscus Humboidtii, Fuffinus
Garnotii und Sterna inca.
„Note on some Birds from the island of Ascension by
P. L. Sclaler" in Proeed. Zool. Soc. p. 144. Die beobach-
teten Arten sind : Phaeton aethereus und flamrosiris, Sterna
fuUginosa und Tachypetes aquilus, Sula fusca und Sula pis-
catrix.
Australien.
„Note on the Natural History of the province of Can-
terbury in the Middle Island of New-Zealand" by Sir Tho-
mas Tancred Bar. New-Edinb. Philos. Journ. Vol. III.
p. 5. Ganz interessant. Die neuseeländische Landschaft und
das sie belebende Treiben der Vögel wird geschildcrt_, und
dabei, nierk.würdig genug, noch immer die Vermuthung aus-
gesprochen, dass eine Dinornis-Art noch leben könne.
der Vögel während des Jahres 1856. 45
Rev. Rieh. Taylor: „The Ika a Maui, or Nevv-Zea-
land and ils inhabilunls etc.« logelher wilh the Geology, Na-
tural Hlslory, produclions and clirnalo of the counlry. 1 Vol. 8.
Enthält in Text und Abbildungen einiges Ornilhologische.
i%ccipitre9«
Prinz Max vonWied schreibt ausfülirlich und sehr instructiv
über den rolhliöpGgen nordamerilianischen Urubu (Calhartes aura L.)
Cab. Journ. p. 119. Derselbe unterscheide sich constant von denoi
brasilianischen (C. brasiliensis Bp.).
„Der Jagdfalke und die Falltenbaize« von Bar. v. Müller.
Cab. Journ. p. 497. Bringt nur Bekanntes.
Sehr anziehend schildert Falco lanarius in seiner Lebensweise
und namentlich in seinem Brutgeschäft Graf VVodzi c ky : Cab. Journ.
p. 7j. Derselbe über Ualiäetos albicilla ib.
Ausführlich behandelt „die Raubvögel Nordafrikas" Alfred
B r e h m, Kaum. p. 194.
Julius Verraux erhebt y. Tschudi's Circaelos soUtarius zum
Typus seiner neuen Gattung Urubitornis, Proc. Zool. Soc. p. 145.
Sämmlliche Kleider werden beschrieben. Verreaux erhielt den Vo-
gel von St. Martha in Bolivien.
J. Gas sin schreibt über Buleo montanus. Proc. Acad. Philad.
18j6. p. 39.
Neue Arien. Buleo Cooperi ^ Cass. Proc. Acad. N. Sc. Philad.
Oct. Iböö. Calilornieu. — Accipiter nisoides Autinori, von Smyrna.
ISaumannia. — Circaelos orientaliSf A. Brehm ib. p. 203. Aegypten.
— Circ. ionurus f Herzog v. VVürtemb. ib. p. 205. über blauer und
Weisser Fluss. — llaliaelos funereus , A. Brehm ib. Aegypten. —
Falco gracüiSf A. Brehm ib. 232. Aegypten mit Abbild, von mas juv.
— F. cyanoslolos, B. ib. 234. Abyssinien. (Üb diese sämmtlichen
neuen Arten A. Brehm's nicht vielmehr nur lokale Varietäten, muss
ich zunächst dahiu gestellt sein lassen.) — Aslur macrouruSf Temm.
Dabocrom. Cab, Journ. p. 353. — A. Temminkii, Pel ib. Rio Boutry.
A, macrocelides f Temm. ib. Ashantee. — Nisus erylhropus , Temm.
Bio Boutry.
Abbild. Falco nigriceps, Cass. in Gilliss U. St. Exped. Chile.
Birds pl. l. — Cyinindis megarhynchosf Kaup (Wilsoni, Cass.) in Ca-
steln. exped. Amer. cenlr. üis. pl. 1.
Eulen. Neue Arten sind Bubo leucosliclus, Temm. Gab. Journ.
p. 351 von Dabocrom. Ist Erascr's yoensis. — B. fasciolalus^ Temm,
Dabocrom. ib.
46 H a r 1 1 a u b : Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Gundlach s hreibt über Gymnoglaux nudipes: Cab. Journ. III.
465, und ebendaselbst über Strix furcata.
Passeres.
CapriBiBitlg^idae. Burineister behandelt ausFührlich in
seinen „Vögel Brasiliens" : Nyclibius grandis und aelhereus, JV. cornu"
ius, JV. leucoplerus , Hydropsalis forcipalus Beske , //. psalurus, Eleo^
threples anomaliis, Anlrostomus rulilus Licht. (Caprini. cortapao Kalt.),
A. ocellaltis, A. longirostris Bp. , Nyclidromus albicoUis , JV. gujanensis,
Chordeiles leucopijgos , Ch. rupeslris , CA. pruinosus , Ch. acutus, Ch.
semilorqualus, Ch. Naltereri und Podager nacimda. S. 370— 400.
Neue Arten. Caprimulgus Gundlachii, Lawrence Ann. Lyc. Nat.
Hist. Newy. vol. 6. p. 166, von Cardenas auf Cuba. — Chordeiles
texensis, Lawr. ib. p. 167. — Ch. minor, Cab. Journ. IV. p. 5. Cuba.
Vielleicht nur kleine Rasse von virginianus.
Caprimulgus h4notalus Temm, ist ausführlich beschrieben: Cab.
Journ. p.355. Stammt von Ashantee und nicht von Borneo, wie irr-
thümlich bei B o na parte angegeben.
Cyp§clittae> Cypselus Yradii Lembeye ist gleichartig mit
Gosse's Tachornis phoenicobia, nach Gundl. Cab. Journ. IV. p. 5.
Burmeister ist ausführlich über Acanlhylis oxyura, A. spini..
cauda , A. colearis und Panyplila cajanensis : Vogel Brasiliens I.
p. 361 u. s. w.
IBirundiniclae. „Beitrag zur Ptilographie und Anatomie der
Hirundo rustica" von Dr. A. Hell mann: Cab. Journ. p. 360.
Eine sehr interessante und wenig bekannt gewordene Abhand-
lung über die Gruppe der Rauchschwalben (Cecropis) schrieb d e S e 1 y s
Longchamp: Bull. Acad. Sc. Brux. XXII. Nr. 8. Er kennt und
beschreibt C. senegalensis , Gordoni, capensis , abyssinica, Korlhatsif
hyperyllira^ ruslica, melanocrissus, rufula^ daurica, japonica und slrio-
lala, also 12 Arten. Wir kennen eine dreizehnte aus Senegambien
»lammend, C. lucida Verr.
H. A. Bernstein: „Beiträge zur näheren Kcnntniss der Gat-
tung Collocalia," 4. Bonn. Mit einer Tafel. Die specielle vom Verf.
behandelte Osteologie bestätigt die Verwandtschaft dieser Form zu
den Cypselidcn. Viel Splanchnologisches.
Neue Arten. Hirundo obscura, Temm. Cab, Journ. p.355. von
Dabocrom in Ashantee. //. subfusca Gould von den Fejee- Inseln.
Proc. Zool. Soc. p. 137.
A. Salle fandAudubon's Cotyle serripennis \m südlichen Mexiko
um Cordova: Proc. Z. S. p. 285.
Hirundo daurica Fall, erhielt Gaetke auf Helgoland.
der Vögel während des Jahres 1856. 47
Trog^onidae. Neue Arten sind: Trogon Sallaei, Bp. Compl.
rend. de l'Ac. Scr. parall. Gallin. p. 16. — Tr. aurantiiventrisj Gould
Froc.Zool. Soc. p. 107, 139, 285.Veragua. — Tr. Eylunif Fräs. Proc.
Z. S. p. 368. Rio Janeiro. — Tr. crysochloros, Natt. v. Pelzcln. „Neue
oder wenig gekannte Arten« u. s. w. p. 7. Ypanema. Die Unter-
schiede dieser letzteren Art von Tr. alricollis entwickelt v. Pelzein
sehr ausführlich, und beschreibt mehrere Kleider beider Arten.
V. Pelz ein ausführlieh über Trogon violaceus Gm. und dessen
Unterschiede von Tr. viridis L. und melanoplerus Sw. I.e. — Die sehr
interessanten aus J o h. Natter er's Cataloge mitgetheilten Auszüge
behandeln : Trogon viridis , aurantius , surucura, chrysochloros, mela.
nurus, variegatus , collaris, meridionalis, atricollis, citreolus , Calurus
pavoninus.
Abgeb. Trogon ramonianus f Dev. Casteln. Exped. Ois, pl. II.
Eine gute Beschreibung dieser Art giebt auch Bonaparte in den
Compt. rend. de l'Acad. 1. c.
Ducconidtfte. „Characters of some apparently new species
of Bucconidae, accompanied by a geographical table of the family«
by P. L. Sclater: Proceed. Zool. Soc. 1855. p. 193. Der Verfasser
kennt jetzt 40 Arten dieser mittel- und südamerikanischen Form,
nämlich: 19 BuccOj 11 Malacoplilay 3 Honnula, 5 Monasa und 2 Che^
lidoplcra.
Einen zweiten interessanten Beitrag zu unserer Kenntniss dieser
Familie liefert v. Pelz ein in seinen Arbeiten über neue Arten der
Wiener Sammlung p. 9. Nach ihm wurde der ungemein seltene B.
Ordii Cass. von Natterer am Rio I^anna erlegt. Die sehr wichti-
gen aus Job. Natter er's Cataloge mitgetheilten Auszüge behandeln:
IK chacuru, Swainsoni , maculatus, striolatns , tamatia , macrodactylus,
collaris, melanoleucus, Ordii, macrorhynchus, giganteus; Monasa alra,
nigrifrons, leucops, ruficapilla, rubecula, torquala, fusca, rufa, Chell-
doptera tenebrosa, Capito peruvianus.
Neue Arten. Bucco hyperrhynchuSf Dp. Consp. Zygod. p. 13 und
Sclat. Proc. Z. S. p. 193. pl. 105. Oberer Amazonas. — B. Dysoni,
G. R. Gray , ib. p. 193. Honduras. — B. pulmentum Bp. Oberer
Amazonas, ib. p. 194. pl. 106. — Monasa peruana^ Sei. ib. Oberer
Amazonas. -- Bucco picatusy Sei. ib. Oberer Amazonas. — Malacoplila
nigrifusca, Sclat. ib. 195. St. Fe de Bogota. — B. giganteus ^ Natt.
v. Pelzein 1. c. p. 9. Inneres Brasilien. Nach v. Pelzeln doch
wohl nur grosse Lokalform von macrorhynchusi — B. slriolalus,
Natt. Brasilien 1. c. p. 11.
Auch von B. melanoleucus beschreibt v. Pelzeln eine grös-
sere Rasse : 1. c. p. 10.
Abbild. Bucco pulmeiihim in Casteln. Exped. Ois. pl. 11. —
CapHo amaionicus, ib. pl. 8. — Capilo aurifronsy ib. pl. 9.
48 Hartlaub: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Alccfliuidsfte« Ueber die von Johann Natterer in Bra.
silien ^esamtnellen Ga i b ul a- Arten theilt v. Pelz ein aus dem
handschriftlichen Cataloge desselben wichtige ISolizen mit. Es waren
G. viridis j G. ruficauda, G. maculicauda, G. cijanicoUis , G. chalcoce-
phalUf G. leucogastra^ G. faradisea, G. melanosloma ^ G. inornata, G.
tridaclyla und Jacamerops grandis. . Bei diesen Natterer'schen An-
zeichnungen ist namentlich die genaue Angabe aller Fundorte und die
Färbung gewisser Theile sowie die Maasse an frischen Exemplaren
von grossem Interesse, 1. c. p. 27.
Galbula nielanoiloma Sei. wurde von Natter er am Rio Pa-
rana gesammelt und von ihm G. lugubris genannt, v. Pelz ein hält
G. albigularis Sp. für den jüngeren Vogel dieser Art, 1. c. p. 15.
v. Pelz ein meint Urffgalba amazonum für Altersstufe von U.
paradisea hallen zu müssen. Die Wiener Sammlung zeigt Uebergänge,
1. c. p. 15.
V. Pelz ein über Halcyon abyssinica Licht. (Ceryle abyss. No-
mencl. av. 1854. p. C7). Noch nicht beschrieben. Ich sah
den Vogel in Paris und hielt ihn für polynesischen Ursprungs, üb
= chlorocephala Gm.?
Auch über Halcyon venerata Gm. veröffentlicht v. Pelz ein
eine sehr interessante Notiz. Die Originalexemplare der Latham'schen
Beschreibung gelangten nämlich aus der Lavarianischen Sammlung
nach Wien. v. Pelz ein beschreibt ein Exemplar von den Sand-
wichinseln und sucht dieSynonymie festzustellen. Ist auch Todirham^
phus divinus Lcss 1. c. p. 13.
Aus dem Manuscripte Nattercr's wird dann noch berichtet
über Ceryle lorquata^ C. amazona ^ C. americana ^ C. bicolor und C.
superciliosa,
Ca SS in möchte Eyton's Halcyon varia für gleichartig mit cotu
creta T. halten.
Abbild. Galbula chalQOcephala in Casteln. Exped. Ois. pl. 9. •—
Jacamerops Isidorif ib. pl. 10.
Neu ist Ispidina Leconlei, Cass. Proceed. etc. Philad. Aug. 1856.
von Gaben.
Temairostpes.
li^^eciariniailae. Neu. Cinnyris osea, ßp. Compt. rend. de
l'Acad. von Jericho. Eine Entdeckung des Herzogs von Vallombrosa.
In Verreaux's Sammlung. — Vacnis nigripes , v. Pelz ein, neue
und wenig gek. Art. der Wien. Samml. Sitzungsber. Bd. 20. p. 153.
Taf. 1. Fig. </ $. Brasilien.
TjrwcliiSidae. Neue Arten. Eugenia imperatrix, Goul
Proc. Z. S. 1855. p. 192. Ecuador. — Pygmornis amaura Bourc. Rev.
der Vögel während des Jahres 1856. 49
et Mag. d. Zool. p. 552. — Tholucania coelhia, Id. ib. p. 553. Beide
Ncugranada. — Amazilius cervinivenlris, G. Proc. p. 150. Cordova. —
A. caslaneivenler y G. ib. St. Fe de Bogota. — Phaelornts Advlphi,
S a 1 1 6 Proc. p. 287. — Mell'miga albocoronata , Lawrence Ann.
Lyc. N. U. Newy. vol. 6. pl. 4. von Veragua. Die Lebensweise die-
ser Art schildert Dr. Merritt. — Tr. Castelnaudii ^ Desm. Exped.
Casteln. Ois. pl. 11.
Ebenderselbe ib. über Trochilus aquila Bourc. Veragua.
Synonymische Aufklärung über Phaetornis superciliosus giebt
V. Pelz ein in seiner Arbeit über neue oder wenig bek. Vögel der
Wiener Sammlung.
A. G. Adamst „Humming Birds described and illustrated with
an inlroductory sketch of their slructure, plumage, haunts, habits etc.«
wilh 8 coloured plates. 18mo. 104 S. London.
Einen Schatz interessanter Notizen über die Lebensweise zahl-
r ei eher Trochiliden enthält der von Desmurs verfasste Text zu
Caslelnau's Reise, Ornithol.'
Gould's Prachtwerk über die Colibri's enthält in part. 10 die
Abbildungen von Lophornis ornatus , Gouldi, magnificus, regulus, re-
ginae und Helenae , Helianthea eos und violifera , Eriocnemis Aure-
liae, Campylopterus Delattrei und pampa, Gouldia Laetitiae, Phaetor-
nis Philippii, Leucochloris albicollis und Adelomyia castaneiventris.
Und in part. II: Eugenia imperatrix , Heliactln cornuta , Avocetlula
rccurvirostra, Avoceltinus eurypterus, Calypte anna, Helenae und Co-
slae, Rhodopis vespera, Lamprolaima Rhami, Cyanomyia cyanocephala,
Coeligena Wilsoni, Glaucis hirsutus , Thalurania Watertoni und glau-
copis, Adelomyia inornata. Und in part. 12: Aglaeactis cupripennis,
A. pamela, Thaumatias albiventris und Linnaei, Chrysolampis moschi-
tus, Calothorax Fanni, Eugenia fulgeus , Lesbia Gouldi, Campylopte-
rus lazulus, C. Cuvieri, Urochroa Bongueri, Lampornis mango, Leu-
cippus i'allax, Calliphlox amethystina, Saucerottia cyanifrons.
IVIelipUag^idae* Neu scheinen zu sein: Phyllomis frontalis,
Kalter, von Khelgal bei Goa (Bar. Hügel). Sitzungsber. d. Wiener
Aead. vol. 20. p. 157. pl. 2. üg. 1.
Certliitltie. Sclater schreibt über die westindische Gattung
Legriocinclus (Cinclocerlhia G.) und deren Synonymie : Proc. Z. S.
p. 212. Er kennt drei Arten : 1) C. tremulus = Stenorhynchus rufi-
cauda Gould. 2) C. gulturalis La fr. und 3) C. brachyura (Vieill.) =
Zoolhera cinclops Bp.
Ebenderselbe über Bnglodyfes albicilius Bp. Proc. Z. S. p. 97.
Ist = Fttrnarius griseus Sw. u. s. w.
B r e h m sen. über Cerlhia familiaris und Consorten: Naum«
p. 557.
Neue Arten. Certhiola mexicann , Sei. Proc. Zool. S. p. 286«
Archiv f. NaUugcscl«. XXIIl. Jahrs- 2 Bd. £)
60 Hartlaub: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Cordovu. — Squallaxis Spixu^ Sei. Proc. Zool. Soc. p. 98. Brasil. —
S. caniceps, Sei. ib. p.98. — S. castanea ^ Sei. ib. Caraeeas. Nähert
sich Sylviorlhorhynchus. — S. elegans, Sei. ib. p. 25. St. Fe de Bo-
gota. — S. moesta, Sei. ib. 26. Ebendaher. — S. fuUginosa , Sei. ib.
Ebendaher. — S. Kollarif v. Pelzela Sitzungsber. d. Wiener Acad.
vol. XX. p. 158. pl. 1. fig. 3. Brasilien. — S. striolala^ Natt. v. Pelz,
ib. Brasilien. — S. albilora , v. Pelz. ib. Brasilien. — S. inornala,
V. Pelz. ib. Brasilien. — S. vulpina^ Natt. v. Pelz. ib. Brasilien. —
Anabales rubiginosus ^ Sei. ib. p. 288. Cordova Mex. — Ä. cervinigula-
riSf Sei. ib. Cordova. — A. variegalieeps^ Sei. ib. p. 298. Cordova. —
A. erylhroptcnis, Sei. ib. St. Fe d, ß. — A. infuscatus , Sei. ib. Peru.
— A. linealiceps , Sei. ib, Peru. — Diglopopis caeriilesccnsy Sei. ib.
Caraeeas. — ßiglossa indigolica. Sei. ib. Eeuador. — Xenops mexicanuSf
Sei. ib. p. 289. — Margarornis bruunescens , Sei. ib. p. 27. pl. 116.
St. Fe d. B. — Scleruriis mexicanuSf Sei. ib. p. 290. Cordova. — Fur^
narius longirostris v. Pelz. 1. c. Taf. 2. fig. 2. — Dendrornis roslripatlens,
Lafr. Exped. Casteln. Qis. pl. 12. ßg. 2. Oberer Amazonas. — D. Kie~
neriif Lafr. ib. pl. 14. fig. 1. Ega in Brasilien. — D. Weddelii, Lafr. ib.
pl. 14. fig. 2. — Glyphorhynchus Caslelnaudii, Lafr. ib. pl. 15. ßg. 2. —
Scytalopus prostheleucus , Sei. Cordova. 1. c. — Cüia aculeala , Cass.
Proc. Ac. Philad. Oct. 16. Californien.
Abbild. Enicornis melanura , G. ün. Stat. Exped. South He-
misph. Chile, pl. 22. — Scylalopus fuscusy G. ib. pl. 22. — Dendroco-
laples DeviUeif de Casteln. Exped. Ois. pl. 13. fig. 1. — Dendrornis
guUaloides, Lafr. ib. pl. 13. fig. 2. — D. mulliguUalus, Dev. ib. pl. 12.
fig. 1. — D. pallialus, Dev. ib. pl. 15. fig. 1. — SiUasomus amazonus,
Dev. ib. pl. 15. fig. 3.
Cabanis berichtet in seinem Journale sehr interessant über
die Forlpflanzungsgeschichte der Meniira svperba, nach Mitthcilungen
von Herrn L. Becker. Fig. ovi : Tab. 2. fig. 18. Das Ei ist sehr
verschieden von dem der M. Alberli.
]>eiitarostres.
V<usciuiadae* Graf v. d. Mühle: „Monographie der curo.
päisehen Sylvien." Nach dem Tode des Verfassers herausgegeben von
dem zool.-mineral. Verein in Uegensburg. (Bildet das 7te Heft der
Abhandlung des Vereins) 150 S. Sehr zweckmässig von Pfarrer Jä-
kel bearbeitet. Sämmlliche Arten sind ausführlieh behandelt. Abge-
bildet sind auf Taf. 1: Sylvia erylkrogastra, Güld. und S. erythronotoSf;^
Evcrsm. ^ ad. und juv., ferner auf Taf. 2 : S. olitclorum und fig> 2
S. elaeicOf beide mit Nest und Eiern ; auf Taf. 3. fig. 1 : Calamoherpe
scila, Eversm. und fig. 2, 3: S. melanopogon 'l'em. Endlich auf Taf. 4
Cisticola schoenicola und celti. Gute fleissige Arbeit.
Brehm sen. über die „Blaukehlchen": Naum. p. 373.
der Vögel während des Jahres 1856. 51
Id. Ueber „Meisen'* und deren Unterarten: Kaum. p. 367.
Id. Ueber die „Anthusarten" : Waum. p. 337.
J. S. Fatio-B ea umont: „Ueber die Gruppe der Graumeisen.«
Naum. p. 160. Fünf europäische Arten : Sibiriens , lugubris, "palustris^
borealis, alpeslris. Letztere wird sehr ausführlich beschrieben.
Baron v. Müller schreibt über die Unterschiede zwischen Syl~
via rtibricapilla Landb. und S. Naumanni v. Müll. Cab. Journ. p. 255.
W. Kidd: „The INightingale, the Blackcap and the Garden.
Warbier.« London. 12mo. 32 S.
Neue Arten. Regulus kimalayensis Gould, Bp. Compt. rend.
p. 13. — R. surinamensis G. , Bp. ib. — 71. mader ensis , Harc. Proc.
Z. S. 1854. p. 153. — Eremomela damarensisf W'ahlb. Öfvers. Kongl.
Vetensk. A. F. Apr. 1855. Damaragegend. — Erilhacus Schlegelii,
Wahlb. ib. Ebendaher. — Helinaea Sallaeif Bp. collect. Salle p. 19.
Mexiko. — Sylvicola pilyophila, Gundl. Cuba. — Cercomela aslhenia,
Bonap. Compt. rend. Jericho. — Saxicola albicans^ Wahlb. 1. c. Da-
maragegend. — Orthotomus derbianus , Moore Ann. and Mag. N. H.
p. 430. — 0. maculicollis , Moore ib. von Malacca. — Parus meridio~
nolis. Sei. Proc. Z. S. p. 293. El Jacale in Mexiko. — Calatnophilus
Sibiriens j Bp. Compt. rend. Acad. Tome 43. (Nur Rasse.) -^ Cala^
moherpe obscurocapilla , Dubois Cab. Journ. .p. 240. bei Löven ge-
schossen (?)
Sclater verweist Aegilhalus flavieeps Sundev. in die Gattung
Psallria : Proc. Z. Soc. p. 37. Aber wir müssen uns durchaus dagegen
erklären, der typischen Psallria e2;i/ts Java's eiuen Vogel von derNord-
vvestküste Amerika's generisch beizugesellen.
Tiirdidae. Ueber Lebensweise und Fortpflanzung von Tur~
dus rubripes vergl. Gundlach in Cab. Journ. p. 470.
W. K i d d : „The Blackbird, the Songthrush and the Misselthrush.«
London. 12mo.
L. Brebm: „Ueber die Cinclus« : Kaum. p. 178.
Neue Arten. Carochalinus rufognlaris, Desm. Casteln. Exped.
üis. pl. 17. fig. 1. Peru. — Conopophaga pernviana^ Id. ib. pl. 16. fig 1.
Oberer Amazonas. — C. cucuUata , Sei. Proc. Z. S. p. 29. pl. 119.
St. Fe de Bogota. — C. Theresae y Desm. ib. pl. 16. fig. 2. Bio Ja-
vari. — Heterocnemis bicolor^ Desm. ib. pl. 16. fig. 3. — Herpsilochmus
urgenlatus f Desm. ib. pl. 17. fig. 2. Oberer Amazonas. — Rhopotera
punclulala, Desm. ib. pl. 17. fig. 3. Oberer Amazonas. — Furmicarius
moniligerf Sei. Proc. 294 von Cordova. — Mimus Gundlaehii^ Caban.
Journ. p. 471. Cuba. — Malacocichla mexicana, Bp. Compt. rend.
Dec. 1856. p.35. — Merula dadylopterOf Bp. ib. von Smyrna. Schwarz-
drossel mit Flügelsporn ! — Craleropus chalybeiis, Bp. Compt. rend. 14
von Nazareth. — Ixos Vallombrosae , Bp. ib. Jaüa. — Trichophoxus
52 Hart 1 au b: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
nivosuSf Temm. Cab. Journ. 111. p. 31C. Uio Boutry. — Tr. eximiuSf
Harll. ib. Daboerom. — Tr. simpteXf Temm. Bio Boulry. ib. — Tr.
calurus , Cass. Proc. Acad. Philad. Aug. 1S5Ö. Moondafluss. — Tr.
nolaluSf Cass. ib. ebendaher.
jflu§cic»pidae« ßrehm sen. verbreitet sich in Caban. Jour-
nal über die europäischen Fliegenfänger; p. 191.
N«ue Arten, (Amerikanische) Phyllomanes harhalulus, Cab.
Journ. p. 4ö7. Ist Vireo olivaceus Lembeye. Cuba. — Vireo Gund-
lachiif Cab. ib. p. 468. Cuba. — Elaenia affinis Lund , Burm. Vögel
Bras. p. 477. Brasilien. — Thamnophitus Bridgesii y Sei. Proc. p. I4l.
Panama. — Tyrannula sulfureipygia , Sei. Proc. Zool. Soc. p. 296.
Cordova. — Elaenia variegala, Sclal. ib. p. 297. Cordova. — Casior"
nis lypus, Bonap. Exped. Casteln. Ois. pl. 18. fig. 1. Gojaz Brasil. —
Todiroslrum cinereogulare , Sei. 1. c. p. 295. Cordova. — Muscivora
mexicanOf Sei. 1. c. 295. Cordova. — Ochlhoeca fumicolor , Sei. 1. c.
pl. 117. p. LV. Neugranada. — Euscarlhmus agilisj Sei, ib. 28. pl. 118.
Ebendaher. — Granalellus Sallaei, Sei. Bp. Proc. 292. pl. 120. Cor-
dova. — Polioptila melanunif Lavvr. Ann. Lyc. N. H. Kewy. VI. 168.
(atricapilla Svv. und mcxicana Bp.?j. — (Afrikanische): Muscipela
nigricepSf Tem.m. Guinea. Cab, Journ. p. 355. — Stiplirornis erythro.,
thorax, Temm, Daboerom. 1. c. 355. — St. svperciliaris , Temm. ib.
Westafrika. — Platyslira afßnis, VVahlb. Öfvers. K. Yet. Ac. Förh.
1855. Damaragegend.
Ueber die brasilischen Tyranninen verdient auch Burmei-
ßter verglichen zu werden: Vög. Brasil. I. p. 458 u. s. w.
Jiinpelidae. Eine erschöpfende JMiltheilung über die Ana-
tomie der Coracina sculala verdanken wir H. Burm ei st er: Ab-
handl. Nat. Gesellsch. zu Halle, Bd. 3. (Auch Separalabdruck.)
Ueber Myiadestes EUsabethae , Cab. (Lemb. Ac. de la Isla de
Cuba t.5. fig. 3) vergl. Gundl. Cab. Journ. IV. p.2.
Neue Arten. Myiadestes teneziielensis , Sei. Proc. Z. Soc. 1855.
— M. unicolor , Sei. ib. 1856. p. 299. Cordova. — Pipra coracina,
Verr. (= leucocilla, Sei. Proc. 55. p. 152). — P. mentalis, Sei. Proc.
Z. S. p. 299. pl. 121. Cordova- — Pipreola melanolaema ^ Sei. Ann.
Älag. N. H. p. 56. Caraccas. — Chiroxiphia regina, Nalt. Rio Madeira.
Borba. ib. — Scliiffornis major, Bp. Exped. Casteln. Ois. pl. 18. fig. 2.
Sarayacou. — Eiopsallria cinerea, Cass. Proc. Ac. Philad. Oct. 1856.
von Gaben. (Ohne Zweifel einer anderen Form angehörig!)
Sehr ausführlich und instructiv schreibt Desmurs über die
Coracina -Arten (er nimmt deren nur zwei an) und über Cepha.-,
lopterus ornatus: Exped. Casteln. Ois. Desmurs hält, vielleicht mit
grossem Rechte, C. glabricollis Gould's für das ganz alte Männchen
von ornatus.
der Vögel wührend der Jahres 1856. 53
I^aniadae. Neu scheint zu sein : Lnnius lugubris Hartl. von
China. Gab. Journ. III. p. 302. — iViono^M Tle/ju, Wahlb. Gab. Journ. V.
p. 1. Am Doughc-Fiusse im Damaralande. Mit rothem Schnabel. —
I^apoihera ca$lanea^ Gass. Proc. Ac. N. Sc. of Phil. Aug 1856. Gabon.
Lanius phoenicurus wurde auf Helgoland erlegt: Gaetke.
Conirostrcs.
Corviflae« Graf Wodzicki erzählt von Angriffen des Cor-
vus corax auf Hasen : Gab. Journ. iV. p. 80.
Prinz Max von VVied: „Ueber die nordamerikanische Elster
(Pica hudsonicaj : Gab. Journ. p. 197. Schöne ausführliche Mitlheilung.
Neue Arten. Cyanocorax Heckeliiy v. Pelzeln Sitzungsber. der
Wien. Acad. Vol. XX. p. 163. Rio ßoraxado. Dem azureus zunächst
stehend. — C. Diesingii, v. Pelz. ib. von Borba in Brasilien. Dem
pilealus ähnlich. — C. affinis, v. Pelz. ib. von Bogota.
Salle brachte eine reiche Suite von Psilorhinus morio aus
Mexiko, die alle üebergänge der Schnabel färbung vom reinsten Gelb
bis zum Schwarz zeigen: Donap. und Solater.
Jiturnidlae« Ausführlich über Agelajus assimilis schreibt
Gundlach: Gab. Journ. IV. p. 12.
Neue Arten. Spreo albicapilluSf Blyth Journ. As. Soc. of Beng.
Somaligegend. — Juida ßletesii, Wahlb. Öfvers. K. Vet. Ac. Förh.
Damaragegend. — Cassicns Devillei, Bp. Casteln. Exped. Ois. pl. 19.
flg. 1. — C. Alfrediy Desm. ib. pl. 19. fig. 2. Thal von St. Anna.
Abbild. Cassicns Osenji ^ Dev. et Gastein. Exped. Ois. pl. 18.
fig3. — Psarocolitis varaetts ^ (Mol.) Gilliss Exped. South. Hemisph.
Bi^ds, pl. 15. — Agelajus thiliuSf (Mol.) ib. pl. 16. — Sturnella mili'
tariSf ib. pl. 17.
Friiig^illidae. Eine Abhandlung Fr. Moorc's über seltene
nordindische Fringilliden behandelt Propasser thura Bp. von Nepal, P.
pulcherrimus Hodgs., Himalaja und Linola brevirostris Gould , von Er-
zerum und Afganistan: Proc. Z. S. 1855. p. 216.
tBoiiaparte will Pyrenestes ostrinus und sanguineus als Arten
unterscheiden: Gompt. Rend. Tabl. parall. Gallin. p. 18.
Neue Arten. Sycobius nigrifrons, Temm. Ashantee. Gab. Journ.
p. 356. — Passer Hausmanniy Bolle Gab. Journ. p. 22. — P. castano^
fleruSf Blyth Journ. As. Soc. Beng. Somaligegend. — Ploceus bagla-
fecht, ßl. (nee liüff.) ib. Somaligegend. — Vidua hypocherina^ Verr.
Rcv. et Mag. de Zool. p. 260. pl. 16. Westafrika. — Petroica albigu-
laris, Brehm Naum. p. 37 7. Sennaar. — Geospiiopsis melanotis ^ Bp.
Tabl. parall. Gallin. p. 17. Mexiko. — Passerculus zonariiis , Bp. ib.
p. 18. — CaUirhynchus masesusy Bp. Gompt. rend. Ac. — Emberha
54 Hartlaub: Bericht über die Leistungen in der Katurgeschichte
Stracheyij Moore Proc. Zool. Sog. 1855. p. 215. Kumaon. — E. ca^
staneicepSf Gould MS. Kintang in China, ib.
Cassin über Sphella pallida Sw. (= Shattuclui Aud.): Proc.
Ac. Philad. 1856. p.40. Audubon's Sp. pallida ist eine andere Art:
Sp. Brewerij Cass. von Californien und Neumexiko. — Kach Cassin
wäre Oriturns mexicanus Bp. = Aimophila superciliosa Sw. und C,
Wrangelii Bp. = Pipilo crissalis Sw. Und Passerculus zonarius Bp.
= Zonotrichia conspurcata Licht. Und endlich Zotiotr, plebeja Licht.
= Embernagra ruBvirgata Lawr.
Abbild. Chrysomilris tnarginalis Bp. in Gilliss Exped. South*
Hemisph. Birds pl. 18.
Tanag-ridae. P. L. Sclater: „A monograph of the birds
forniing the Tanagrine genus Calliste, illuslrated by coloured plates
of all the known species.« Ist auf 4 Theile zu je 12 Tafeln berech-
net. Jeder Theil kostet 10 Shill. Der vor uns liegende erste Theil
giebt die wohlgelungenen Abbildungen von C. tatao , C. coelicolotj
C. geni, C. trtcolor, C. fasluosa^ C. festiva, C. cyaniventris, C. thora~
cicOf C. xanlhogastra, C. rufigula , C. Sclaleri, C. aurulenla, C. icle-
rocephala und C gyroloides. Der Text ist ganz in unserem Sinne
abgefasst, läuft aber nicht immer conform mit den Abbildungen. Alle
Arten sind gut und mit genügender Ausführlichkeit beschrieben, und
der synonymische Theil ist ebenso vollständig als kritisch. Scla-
ter's Arbeiten über die Vögel Süd- und Mittelamerika's bilden ge-
radezu einen Wendepunkt in der Geschichte der beschreibenden Or-
nithologie.
P. L. Sclater: „Synopsis avium Tanagrinarum a descriptive
catalogue of all known species of Tanagers.« Proceed. ZooL Soc.
p. 64, 108 und 230. Eine der bedeutendsten und jedenfalls die um-
fangreichste von allen Arbeiten Sclater's. Dieselbe behandelt in
möglichst erschöpfender Weise die Beschreibung, geographische Ver-
breitung und Synonymie von nicht weniger als 272 Arten, und giebt
zum Schlüsse ein sehr instructives Schema der Vertheilung aller die-
ser Arten über die süd- und mitlelamerikanischen Ländergebiete. In
der Annahme von Arten geht Sclater für mich mitunter zu weit.
Neue Arten. Buarretnon leucopterus, Jard. Proc. Z. S. p. 214.
pl. 1 09. Quito. — B. phaeopleurus , Sei. ib. p.85. Venezuela. — Du-
busia auricrissOf Sei. Proc. 227. pl. HO. Neugranada. — Iridornis por^
phijrocephala f Sei. ib. 227. pl. 110. Ecuador. Bestimmt verschieden
\on analis Tschudi. — Chlorospingus xanthophnjs, Sei. ib. p. 30, 93.
Neugranada. — Chi. LichtensteAnii, Sei. ib. p. 30, 93. Neugranada. —
Cid. ßavivcntris, Sei. ib. p. 91. Trinidad. — Arremon Devillei, Bp. Ca-
steln. Exped. Ois. pl. 20. fig. 2. — Calliste cyanescens, Sei. Proc. Z.
S. p. 260. Venezuela. — C. rußgenis , Sei. ib. p. 311. Venezuela. —
der Vögel während des Jahres 1856. 55
Rhampkocelus unicoloi\ Sei. Proc. 128. Neugranada. — Nemosia auri-
coUis, Sei. Proc, p. 111. Cajcnne, Oslpc.ru. — N. insignis^ Sei. ib.
p. HO. Südhrasillen. — N. guirinay Sei. ib. 110. Neugranada. — Pt-
pridea tenezuelensis, Sei. ib. p. 265. — Euphonia fuhicrissa^ Sei. ib.
p. 276. St. Martha. — E. crassirostrisy Sei. ib. 277. Neugranada.
Abbild. Callisle cijanicoUis, GiliissExped. South. Hemisph. ßirds
pl. 19. — C thalassinaf Slrickl. ib. — C. gyroloides, Sw. ib. pl. 20.
— Euphorie rufiteniris^ ib. pl. 20. (Eine instruclive Notiz über diese
Abbildungen giebt Selater: Proc. Z. S. p. 18.) ~ Vipilopsis ruficeps,
Str. Exped. Casteln. Ois. pl. 20. fig. 1.
jtlaudiclae. Brehm sen. : „Ueber die Melanocorypha.Ar-
ten.« Naum. p. 374.
Neu sollen sein: Oloconjs longirostris Gould, Moore Proc. Zool.
Sog. p. 215. Agra. — Melanocorypha rufescens , Br. Sudahn. 1. e. —
Calandra ferruginea^ A. Brehm ib. 375. — Corydalla Vierthaleri^ Br.
Naum. p. 338. Nordostafrika. — C. Ilassellii Br. Java. — AI. Grayi,
Wahlb. Öfvers. Damaragegend. Cab. Journ. 57. p. 2. — Anlhus orten,
talis, Br. ib. p. 343. Nordostafrika.
IScaiisores.
Ifiiceridae« Neue Arten sind: Buceros semifasciatus, Temm.
Cab. Journ. p. 336. Rio Boutry. — B. camurus , Cass. Proc. Aead. of
Nat. Sc. of Philad. Dec. 1856. von Cap Lopez: Du Chaillu.
niiampliastiilae. G. R.Gray hat in einem eigenen Bänd-
chen die Rhamphastiden des Britischen Museums verzeichnet.
PüittaGidae. „Catalogue des Perroquels de la collection du
prince Massena d'Essling, et observations sur quelques especes nou-
velles ou peu connues de Psittacidae« par Ch. deSouanc6. Sehr
wichtig. Behandelt 218 Arten. Zahlreiche gute Bemerkungen.
Ch. L. Pr. Bonaparte: „Tabellarische Uebersicht der Papa-
geien." Beil. zur Naum. Heft 4. Jahrg. 6. 330 Arten. (Asien 13,
Afrika 24, Amerika 134 und Australien 159.)
Dr. David Lyale: „Ueber die Lebensweise des Nachtpapa-
geien Neuseelands (Slrigops habroptilus).« Aus den Ann. and Mag.
of N. II. übers, von Ref. in Caban. Journ. p. 503.
Neue Arten. Nestor notabilis, Gould Proc. Z. Soc. p. 94. Neu-
seeland. — N. Esslingü , de Souance Perr. p. 29. Beschr. ib. — La.
riculus Bonaparlei, Id. ib. p. 28. Solo-Archipel. — L. regulus, Id. ib.
Woher ? — L. apicalis , Id. ib. p. 26. Mindanao. — L. puniculus, Id.
ib. Südasien. — Geoffroyus Fucherani, Id. ib. p. 24. Moluccen. — Vhaeo^
cephalus auiryanus. Id. ib. p. 22. Gabon. ~ Lorius chlorocerctiSy Gould
Proc. Zool. Soc. p. 137. Insel St. Chriatoval. — FsUtacara Hahnij de
56 llartlaub: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Souance Cat. Perr. ist Ps. nobilis Hahn. — rs. ililoropleraj hl. ib.
St. Domingo. Ps. Maugei, Id. ib. — Microsittace Luciani Dev. Peru.
Myiopsilla ligrinay de Souance Uev. p. 144. Venezuela. Ist = lineo-
lata Cass. Salle brachte diese Art von Cordova in Südinexiko. —
Chrysolis chloronolOy Id. ib. p. 153. — Chr. coccincifrons, Id. ib. Co-
lumbien? — Psiltacula oyanopygia, Id. ib. p. 157.
Abbild. Ära frimoli, Bp. Casteln. Exped. Ois. pl. 4. — Mara-
cana Weddeliij Dev. et Casteln. ib. pl. 2. — Conurvs jtigiilaris, Id.
ib. pl. 3. flg. 2. — Chrysolis hypochofidriaca, (Licht.) ib. pl. 5. — PsiU
tacus ochrocephaluSf U. St. Exped. South, Hemisph. pl. 23.
Üeber Melopsiltacus undulaluSf vergl. de Souance Perroq.
Ueber das Originalexemplar von Latham's Psiltacus pugmaeus
in der .Wiener Sammlung schreibt kritisch und instructiv A. v. Pel-
zeln: 1. c. dasselbe stammt von Otaheite.
A^icidae« Eine neue Artist Picus cruentalus Antinori : Naum.
p. 411, mit guter Abbild. Umgegend von Damascus. Anatolien. Steht
zu P. medius wie numidicus zu major.
Die von Salle im südlichen Mexiko gesammelten Spechte sind
nach Sclater's Untersuchung die folgenden: Dryocopus scapularis
Vig , D. erythropsCuy.f Colaptes mexicanus Sw.j Melanerpes formicivorus
Sw., Centurus St. Cruci Bp., Chloronerpes yucatanensis Sabot (= aeru-
ginosus Licht.) , Chi. oleagineus Licht. , Picus scalaris Wagl., P. va~
rius L., F. Jardinei Malh. und P. cancellalus Wagl.
Cuculidae» Neue Arten sind : Cuculiis slrenuus, Gould. Proc.
Zool, Sog. p. 96. Philippinen. — C. hyperythrus, G. ibid. von China.
Beide sind abgebildet in den „Bilds of Asia.« — Centropus milo,
Gould Proc. Z. S. p. 136 von Guadalcanar. — Melignothes coniroslrisy
Cass. Proc. Ac. Philad. Aug. 1856. Moondafluss. — M. exilis, Cass. ib.
Ebendaher. — Hetaerodes insignis, Cass. ib. Moondafl.
Abbild. CuUrides Pucherani , Dev. Casteln. Exped. 01s. pl, 6.
und 7. Ist sehr wahrscheinlich = C. rufipennis G. R. Gray, Illuslr.
Proeeed. 1849. pl. 10. üesmurs beschreibt die verschiedenen Indi-
viduen der C«slelnau'schen Reise und sucht die Gleichartigkeit bejdcr
mit C. Geoffroyi zu beweisen.
de Castelnau bestätigt die nahe Verwandtschaft von Guira
piririgua zu den Ani's (Crotophaga).
Colutnbae.
G. R. Gray: „List of Specimens of Birds in the collect. Brit.
Mus. Columbae." 73 S. 8. Die Taubensammlung im britischen Museum
musg eine der reichsten sein.
Bonaparte giebt in den „Comptcs rendus de l'Academic«
der Vögel während des Jahres 1856. 57
vielfache und wichtige Nachträge, Berichtigungen und Zusätze zu
seinen umfassenden Arbeiten über die Tauben. Tome 43. Nov. 1856.
Neu sind: Sphcnoeacus yhasinnellus I51yth. Himalaja. — Jolveron
Eugeniae Gould. Salomoninseln. Proc. Zool. Soc. p. 137. — Carpo-
fhnga (Janthoenas) hypoenochroa Gould. Isle of Pines, ib. — Plilino->
pus Greyi Gray. Catal. Loyalty-island und Isle of Pines. — Turacoena
crassiroslriSf Gould Proc. Z. S. p. 136. Guadalcanar. — Columba gym^
nocyclus j G. R. Gray Col. Senegambien. — Palumbus excchus, Hp.
Algerien. Dr. Buvry. — C. chalcauchenia^ G. R. Gray Col. von Ga-
ben ist av. jun. von Malherbii. — C. iridilorques , Cass. Proc. Ac.
Philad. Oct. f)6. St. Pauls- und Moondafluss. — C. plumipes, Gray ib.
Persien. — Macropygia crassiroslris Gould. Guadalcanar. (Salomon-In-
seln.) — Geolrygofi chiriquensisj Sei. Proc. Z. S. p. 143. Panama. Da-
vid. — Perislera mondelovra, Bp. Compt. rend. von Caraccas. — Ca-
loenas Stairii. Gray Proc. Z. S. p. 6. pl. 115. Navigatorinseln. — Ser-
ressius galealus^ Bp. 1. c. Kev. et Mag. de Zool. p.401. pl. 18. fig.bon.
Jedenfalls eine der allernierkwürdigsten Formen unter den Tauben,
Mus. Par. Marquesasinseln. — Turtur ceylonensiSf Reichb. — Zenaida
bimaculata Gray. Barbados. — Z. noronlia Gr. von der Ins. Fernando
Noronha. — Z. rtißcauda Gray, Comb. ßril. Mus. Neugranada. — P.
bretipenniSf Gray ib. Trinidad (= Verreauxi ßp.) — P. enjlhropareia
Bp. Ecuador.
Gl^allliiae«
Ch. L. Bonaparte: „Tableaux paralleliques de l'ordre des
Gallinacees. Compt. rend. de l'Acad. 1856. Fleissige ausführliche Ar-
beit des unermüdlichen Verfassers ; reicb an kritischen Bemerkungen
über zahlreiche Arten.
Neue Arten. Agelastus meleagrideSf Temm. Cab. Journ. p. 316.
Dabocrom. — Numida plumifera ^ Cass. Proc. Ac. Philad. Dec. 1856.
Cap Lopez. Du Chaillu. — Phasidus niger, Cass. ib. Cap Lopez. Steht
Agelastus nicht fern. — Francolinus squamalus, Cass. ib. Cap Lopez.
— Fr. asiae Bp., kleine Rasse vom Frankolin Europa's. — Fr. Hen^
rici Bp., grosse Rasse aus Scinda. — Fr. trislrialus Bp. Cypern. ib.
— Perdix llodgsoniae G. ib. Himalaja. — Meleagris mexicana , Gould
Proceed. Z. S. p. 61. — Odonlophoriis veraguensis ^ Gould ib. p. 143.
— Diardigallus prelatus, Bp. Compt. rend. Vol. 43. Borneo. — Aco^
mus Cratcfurdii, J. E. Gray 1. c. Borneo. — ?iothocercus Sallaei, Bp.
Tabl. parall. p. 16. Mexiko. — Tinamus Blasii ^ Bp. 1. c. — T, Wed~
dein, Bp. ib. von La Paz. — Cryptnrus megapodius Bp. Cajenne. —
Cr. cervinus Bp. von Chiquilos. Vielleicht nur bleiche Rasse von
laiaupa. — T. peruvianus Hp. ib. — Crypturus pallescens Licht., Bp.
ib. — Pipila argyrotis Bp. von Caraccas. — Orlalida Montagnii Bp.
68 Harllaub: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Neugranada. — Eupsichorlyx Sclaleri l?p. ib, p. 11. — Penelope ery^
throptera Licht., Bp, L c. Gute Art.
ßonaparte ebendaselbst über Penelope caracco Poepp.
Und ebenderselbe über die „Bartavelle der Dauphine (Perdix
graeca Briss.).
Sehr instructiv und ausführlich schreibt über Opislhocomus cri-
slalus der Vicomte Uesmurs: Expedit. Casteln. Ois. Anatomie. Nahe
im Systeme bei Penolope.
Ntriitliioiies.
Ch. L. Fr. ßonaparte: „Conspectus Ineptorum et Struthio-
num." Compt. rend. de l'Acad. Nov. 1856. Der Verfasser nimmt
hier 4 Apteryx-Arten und 2 Dromaius-Arten an, nämlich: 1) D. no-
vae HoUandiae 6 pedal. und 2) D. ater Yieilh triped.
Neue Arien sind : Olis Rüppelti , Wahlb. 1. c. Damaragegend. —
Sypheoiides humilis, BlythJourn. As. Soc. of ßeng. Somaligegend. Auf
dem Hochplateau zwischen Haide.
„Einiges über Otts Macqueeni Hardw." von Ch. F. Dubois:
Cab. Journ. p. 301 , mit guten Abbildungen auf Taf. 3. Mehrmals in
Belgien erlegt. Wurde sehr häufig mit 0. houbara verwechselt. Sy-
nonymische Auseinandersetzung und genaue Beschreibung. Uecht
verdienstliche Arbeit. Die eigentliche Heimath des Ol, Macqueeni ist
Beludschistan und Kabul.
Orallae.
Ch. L. Fr. Bonaparte: „Tableau parallelique de l'ordre des
Ecbassiers.« Compt. rend. de l'Acad. Aug. 1856. Giebt 432 Arten in
144 Gattungen.
Charadridae. Uef. beschrieb zum ersten Male Chettusia
crassirostris j eine schöne neue Art vom weissen Flusse: Caban.
Journ. IIL 427.
Ardeidae« Jules Verreaux: „Ueber die systematische
Position und Lebensweise von Balaeniceps lex." Edinb. New Philos.
Journ. uew ser. Vol. IV. p. 101. Detaillirte Beschreibung und Mes-
sung. Verreaux weist dem Balaeniceps seine Stellung in der un-
mittelbaren Nähe von Leptoptilos an. Der merkwürdige Vogel liebt
vorzugsweise auch Schildkröten zur Nahrung. Sein colossales Nest
von nahe an 12 Fuss im Umfange steht auf hohen Bäumen und ent-
halt zwei schmutzig weisse mit einigen verwaschenen röthlichen
Flecken gezeichnete Eier. Beide Geschlechter brüten. Die Jungen
verlassen das Nest nach Ablauf des zweiten Monats. Der aus Lehm.
der SäugüthtoTO während des Jahres 1856. 59
und vegetabilischen Trümmern ziemlich kunstvoll gearbeitete Horst
dauert mehrere Jahre.
Gr. Wodzicki: ,jUeber Ardea cinerea." Caban. Journ. IV.
p.82,
üeber die drei Psophia -Arten Südamerikas vergleiche man D es-
murs in Casteln. Exped. Ois. P. leucoplera kommt nur auf dem rech-
ten Ufer des Amazonenflusses vor, crepilans nur auf dem linken.
Castclnau sah iWycterirt americnna in Schaaren von mehr als
100 Individuen an den Ufern des Araguay.
Scolopacidae« Pfarrer Jäckel: „Ueber das Schnurren
der Becassine." Cab. Journ. IV. p. 85.
Cassin schreibt in Proceed. Acad. Nat. Sc. of. Philad. p. 40.
über Tolanus brevipes Vieill., welche Vögel er für gleichartig mit T.
glareola Pall., fuliginosus Gould , Polynesiae Peale, puherulentus Müll,
und ScoL undulala Forst, erklärt. Wird richtig sein.
Neue Art. Gallinago nobilis^ Sclat. Proc. Zool. Soc. p. 31. Neu-
granada.
Palamedeidae* Ueber Palamedea cornula schreibt sehr
instructiv Desmurs in Casteln. Exped. Ois. Der Flug ist trappen-
artig. Keine Affinität zu den Ralliden. Ei schmutzig weiss , unge>
fleckt, oval. Nach Desmurs Ansicht habe man den Vogel wohl am
richtigsten mit Lesson zu den Megapodius , Penelope u. s. w. zu
bringen.
P. L. Sclat er: „On the species of the American genus Parra.«
Proc. Z. S. p.282. 1) P. ja^ana, 2) P. intermedia ßp.? Venezuela,
3) P. melftnopygia Sei. von St. Martha in Neugranada. 4) P. hypome-
laena Gray. Neugranada. Carthagena, Chiriqui. 5) P. gymnosloma Wagl.
Mexiko, Neugranada, Honduras.
Ilallidae* Eine hübsche Abbildung von Pulica crislata giebt
die Naumannia im 5ten Hefte des 6ten Jahrg.
Neue Arten. Himantornis haemalopus, Temm. Cab. Journ. p. 357.
Dabocrom. — Gallinula ocutea Temm. ib. Rio ßoutry. — Hydrornia
porphyrio (Temm.) ib. Elmina. — Rallus semiplumbeus^ Sei. Proc. Zool.
Soc. p. 31. Neugranada. — /.apornia umbrina, Cass. Proc. Acad. Philad.
Oct. 1856. Fejee-Inseln.
Ueber Eurypyga helias vergl. man Desm. Casteln, Exped. Ois.
Ebenso über Aramus guarauna. Oologisches.
Ueber Altum's Schwan (Cygnus üewickii mas. ad.) vgl. Naum.
p.363. AI tum will seinen Schwan noch nicht ganz aufgeben. Uns
bleibt kein Zweifel.
„Encorc un mot sur la Fuligula Homeyeri« par Leon Olph-
60 Hartlaub: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Gaillard, INaum. und flieg. Dlatt von 6 S. Die Beziehungen die-
ser vermeintlichen Art zu ferina und nyrocn wurden im Einzelnen
nachgewiesen, aber der Verfasser äussert keine bestimmte Ansicht über
die Artselbständigkeit jener Ente. Jedenfalls nur ein Bastard. Wir
begreifen unsererseits gar nicht , wie ein mit dem Umfange unseres
ornithologischen Wissens einigermassen vertrauter Forscher überhaupt
anderer Ansicht sein kann.
Ca s sin unterscheidet verschiedene Unterarten von Anser hy-
perboreus, nämlich: l) A. albalus Cass., kleinere Form mit etwas ab-
weichender Schnabelbildung, von Oregon. 2) Anser hyperboretis ve~
rus. Ausführlich beschrieben, und 3) A. caerulescenSf das von Wil-
son und Audubon als jüngerer Vogel beschriebene Farbenkleid.
(?? Ref.)
Keue Arten. Anas cyanoplera Temm. Rio Boulry. Cab. Journ.
p. 357. Eine Querquedula. Ein Exemplar in der Leydener Samm-
lung. — Spatula variegala, Gould Proc. Zool. Soc. p. 95. Neuseeland.
Abbild. Somaleria V nigray G. R. Gray : Proceed. illustr. Z. S.
1855. pl. 107. p. 212 von Kotzebuesund. — Lampronelta Fischeri, ßr.
ib. pl. 108. Beschr. des Weibchens. Nortonsund. — Bernicla antarctica
^ ^: Gilliss Expedit. South. Hemisph. Birds pl. 22. — B. magella-
nicOf ib. pl. 25. cj^ $• — Anas melanocephaluy Vieill. ib. pl. 26. Erste
und sehr gute Abbildung. — Querquedula creecoides, ib. pl. 27. — Q.
melopias, Poepp. ib. pl. 28.
Procellaridae. Neu isl Prion brevirostriSf Gould Ann. and
Mag. of Nat. Hist. p. 17. von den Desertas. Abgebild. Illustr. Proc.
Z. S. pl. 93.
Weiterer Bestätigung scheinen uns die folgenden von y. Ts chu d i
beobachteten und aufgestellten Arten zu bedürfen : l) Thalassidroma
fasciolala, v. Tsch. Gab. Journ. p. 180. — Procellaria lugubris, v. Tsch.
ib. p. 185. — Procellaria inaculata , v. Tsch. ib. p. 185. — Puffinus
bicolor^ v. Tsch. ib. p. 187. und Diomedea adusta, v. Tsch. 1. c. —
Wie trefflich und instructiv im Uebrigen diese Arbeit v. Tschudi's
über die Meeresvögel, ist bereits im allgemeinen Theile dieses Be-
richtes gewürdigt worden.
Der noch unvcröflentlichte zweite Theil von Bonapart e's
„Conspectus generum avium" behandelt auf S. 184 bis 200 die Pro-
cellariden.
fjaridae« Sehr interessant ist was Lieutnant Burgess über
die Lebensweise von Rhynchops orientalis auf den Flüssen Indiens
mittheilt: Proc. Zool. Soc. 1855. p. 1S4.
Fatio-Beaumont beschreibt ausführlich ein auf dem Genfer
See gelödtetes Weibchen von Larus Sabinii Kaum. p. 172. Ebenda-
der Vögel während des Jahres 1856. 6l
selbst wird ein jüngerer ebenfalls auf dem Genfersee erlegter Vogel
von Latus ichlhyaelos Fall, beschrieben.
Bonnparte bestreitet, nicht völlig, sine ira et studio, dass sein
Procellarus negleclus der jüngere Vogel von Latus Heermanni sei, wie
dieses Kaup behauptet.
Desmurs zweifelt an der Artselbsländigkeit von Laras coraU
linus, lionap. Exped. Casteln. Ois.
C h. L. Pr. Bon aparte: „Conspectus Gaviarum systematicus."
Compt. rend. de l'Acad. Sehr wichtig.
Pelecaniflae* Der die Pelecanidcn umfassende Theil von
Bonap arte's „Conspectus gencrum avium II, << (bekanntlich bis jetzt
nicht in den Buchhandel gekommen) gehört zu dem Besten, was je
aus des berühmten Verfassers Feder hervorging. S. 160 — 180.
ßonaparte: „Ueber Felecanus - und Garbo -Arten" im TabT,
parall. des Echass. p. 4. Kritische und ergänzende Bemerkungen über
sehr viele Arten, l'halacrocorax Delalandi sei = lucidus Licht. —
Urile mageltanicus Bp. ib. — Graculus mexicanus Bp. ib.
Neu scheinen zu sein : Graculus neglectuSf Wahlb. Öfvers. Kongl.
Vetensk. Acad. Förhandl. Inseln an der Südwestküste Afrika's — Gr.
coronatuSf Wahlb. ib. ib.
Abbild. Phalacrocorax brasilianus : Gilliss Exped. South. Uemispb.
liirds pl. 29.
Gas sin vindicirt Speciesrang für Tachypeles Palmerstoni Lath.
Gm. Proceed. Acad. Nat. Sc. of Philad. Oct. 1856.
Bericht über die lieistuiig^eii in der Herpe-
tolos:ie Träiireiid des Jahres 1850*
Vom
Heraitsg-eber.
Von dem Handbuche der vergleichenden Anatomie von
V. Siebold und Stannius ist die zweite Lieferung der
zweiten Ausgabe erschienen. Sie behandelt die Klasse der
Amphibien, bearbeitet von Stannius, und bietet durch zahl-
reiche neue Beobachlungen bereichert ein ausgezeichnetes
Hölfsmittel für das Studium dieser Thierklasse. Auf das
Einzelne einzugehen, ist wegen der Fülle des Neuen kaum
möglich.
Eine Abhandlung von Joseph Jones ,,Investigations
chemical and physiological, relating to certain american Ver-
tebrata'^ im 8. Bande der Smithsonian contributions to know-
ledge mag hier erwähnt werden, weil es vorzugsweise Repti-
lien sind , mit denen sich Verf. beschäftigt hat. Das Blut,
das Pancreas, die Leber, die IVIilz, die Nieren von einer Zahl
von Thieren sind untersucht , zum Theil in Holzschnitt ab-
gebildet.
Alphonse Milne Edwards hat die Blutkugelchen
mehrerer Amphibien und Fische gemessen. Annales des scienc.
nat. V. p. 164.
Ein älterer Aufsatz von Thomas Allis, der bereits
1849 gelesen wurde, erschien in den Proc. of the Yorkshire
philosophical Society. London 1855. p. 114. Ueber den Au-
Troschel: Bericht über die Leislimgen in der Ilerpetologie etc. 63
genring bei Vögeln und lleplilien. Derselbe ist Taf, IV. von
Iguana, Gecko und Chamaeleon abgebildet.
Lichtenstein gab mit Wein! and und v. Marlons,
einen „Nomenciator Reptiliuin et Amphibiorum , Namensver-
zeichniss der in der Zoologischen Sammlung der Königlichen
Universität zu Derlin aufgestellten Arten von Reptilien und
Amphibien nach ihren Ordnungen , Familien und Galtungen.
Berlin 1856« heraus. Derselbe ist nicht in den Buchhandel
gekommen , sondern gratis verlheilt, und wird auf Verlangen
bereitwillig mitgetheilt. Bei solchen Arten , die abgebbar
sind, sind Preise verzeichnet, so dass dieser Nomenclalor
zugleich als Doublellen-Verzeichniss dient. Eine ganze An-
zahl neuer Arten ist durch lateinische Diagnosen charakte-
risirl worden; dadurch erhält der Nomenciator auch einen
wissenschaftlichen W^erth. Diese neuen Arten sind unten
namhaft gemacht.
Unter dem Titel : „Descriptions des Reptiles nouveaux
ou imparfaitement connus de la collection du Museum d'hi-
stoire naturelle et remarques sur la Classification et les ca-
racteres des Reptiles* hat Auguste Dumeril in den Ar-
chives du museum d'histoire naturelle VIU. p. 437 — 588 eine
zweite Abhandlung gleichsam als Supplement zu der Erpeto-
logie generale von Dumeril und Bibron herausgegeben.
In derselben sind die Familien der Geckonen, Varanen und
Iguanen abgehandelt. Das Nähere s. unten bei den einzel-
nen Familien.
In der Zoology of the Voyage of H. M. S. Herald un-
der the command of Capt. Kellett. London 1854. 4. ist
p.. 143 — 156 ein Abschnitt über Reptilien enthalten von Ri-
chardson bearbeitet.
Daselbst ist Lophosaura Goodridgii Gray nebst Skelet pl. 26
abgebildet und ausführlich beschrieben. Ebenso Craneosaura See-
manni Gray pl. 25 und Gecko Ueevesii Gray pl. 27. Auch Anniella
puIchra'Gray ist pl. 28 abgebildet.
Rosenhauer führt in seinem Werke, die Thiere An-
dalusiens, Erlangen 1856, 19 Amphibien als dieser Fauna an-
gehörig auf:
Emys Siegrizii Michh. ; Lacerta ocellala Daud , pardalis Lichlst.,
64 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Herpetologie
Algira L. ; Chamaeleo africanus Cuv. ; Platydaolylas fascicularis Daud.;
Cygnis chalcidica Cuv.; Blanus cinereus Vand. ; Coluber lessellatus
Schinz, laevis Merr. , Aesculapii Wagl. , hippocrepis L. , l)ilincalus
Scliinz, Monspessulanus Herrn. , fuscus Fleischm, ; Pleurodeles VVaitli
Michh. ; Euproctus Rusconi Schinz, Bana esculenla L. , Rufo varia.
bilis Gm.
Auf der Uralexpeclition (1. c. p. 71 vergl. oben p. 5)
wurden von Reptilien nur zwei Arien beobachtet, nänilicli:
Zooloca vivipara Jacq. und Rana temporaria.
Edward Blytti beschrieb Journal of the Asiatic So-
ciety of Bengal Vol. 23. 1855. p. 287 eine Anzahl neuer oder
wenig bekannter Amphibien , die ausser einigen Balrachiern
zur Ordnung der Schlangen gehören. Alle sind unten nam-
haft gemacht.
Aug. Dumeril hat in Revue et mag de zool. p. 369,
417, 460 und 553 die Amphibienfauna von Gabon behandelt,
wozu ihm namentlich die Sendungen des Herrn Aubry Ver-
anlassung gegeben haben.
Es wird hervorgehoben, dass neben Arten, die allgemein über
den Afrikanischen Boden verbreitet sind , wie Yaranus niloticus und
Naja Haje, andere den in den südlichsten Gegenden dieses Continen-
tes lebenden analoge, wenn nicht identische, vorkommen. Die ver-
wandteste Localfauna mit der des Gabon ist die von Liberia. Alle inter-
essante Arten des Gabon werden durchgegangen, und manche neue
Arten und Gattungen aufgestellt, die unten namhaft gemacht sind.
Guichenot hat in der Expedition dans les parties
centrales de l'Ameriqi^e du Sud, de Rio de Janeiro ä Lima,
et de Lima au Para, executee sous la direction du Comle
Francis de Gastelnau. Septieme partie. Zoologie 1855
den in der 6. Lieferung enthaltenen Abschnitt über die Am-
phibien bearbeitet. Auf 96 Seiten Text und 18 Tafeln sind
die beobachteten Arten beschrieben und abgebildet. Die we-
nigen neuen Arten gehören den Familien der Geckonen und
iguanen an; sie sind unten genannt.
Cheloiili.
Agassiz hat sich mit der geographischen Verbreitung
der nordamerikanischen Schildkröten beschäftigt. Er ist der
Ansicht, dass sich für dieVertheilung kein allgemeines Gesetz
während des Jahres 1856. 65
aufstellen lässf. Sie verlheilen sich durch vier grosse Land-
striche, einen nordöstlichen, einen südlichen, einen westli-
chen und einen pacifischen ; die Thatsachen der geographi-
schen Verbreitung seien jetzt wohl ermittelt, aber keineswe-
ges die Ursachen. Proc. Boston Soc. VI. p. 6.
Gray hielt in der Zoological Society vom Novembe
1855 einen Vortrag über einige neue Arten von Süsswasser-
Schildkröten von Nordamerika, Ceylon und Australien. Annais
nat. bist. XVIII. p. 263.
Der Verf. zerrällt zunächst die Gattung Emys in zwei Gattun-
gen, die er folgendermassen charakterisirt : 1. Emysy Unterkiefer un.
ien abgerundet und mit dem hinteren Theile des hornigen Schnabels
bedeckt ; Zehen kräftig , mit breiten bandartigen Schuppen bedeckt.
Dahin E. ornata, scripta, Holbrookii und andere asiatische und ame.
rikanische Arten. — 2. F seudernys^ Unterkiefer unten flach und
mit einer weichen Haut bedeckt; die Zehen schwach, dünn, oben
mit kleinen Schuppen bedeckt, und mit sehr breiten Schwimmhäuten.
Dahin Ps. concinna und serrata.
Die Gattung Cistudo zerlegt Verf. in zwei Gruppen und vier
Gattungen, die durch abweichende Lebensweise und geographische
Verbreitung natürliche genannt werden: A. Die mehr auf dem Lande
lebenden haben die Vorderseite ihrer Beine mit dicken, dachziegel-
förmigen, dreieckigen Schuppen bedeckt , die Zehen nur schwach mit
Schwimmhaut versehen, das ßrustbein breit, die Beine im zurückge-
zogenen Zustande verbergend: 1. Cistudo^ Kopf rhombisch, Vor-
derkopf flach, Augen seitlich, auf ^Nordamerika beschränkt; dahin
G. carolinensis mit vier und mexicana mit nur drei Zehen an den
Ilinterfüssen. — 2. Lutremys^ Kopf länglich, niedrig, Augen am
oberen Theil der Wangen, in Europa ; dahin L. europaea. — B. Die
mehr dem Wasser angehörigen Arten haben die Vorderseite der Beine
mit kleinen Schuppen und einigen breiten queren mondförmigen Plat-
ten bedeckt; Zehen mit Schwimmhäuten; alle auf Asien beschränkt.
— 3. CuorOf Kopf rhombisch, Augen seitlich, Bruslbeinlappen breit,
die Beine im zurückgezogenen Zustande verbergend; dahin C. amboi-
nensis und trifasciata. — 4. Cy clemys, Kopf niedergedrückt, Au-
gen fast oben, die Brustbeinlappen ziemlich schmal, die zurückgezo-
genen Beine nicht verbergend ; dahin C. dentata und platynota.
Ohne die Arbeit von Le Conte Froc. Philadelphia IV. p. 180
zu berücksichtigen unterschied Verf. drei Arten von Kinosternon, näm-
lich : K. pennsylvanicum, hippocrepis und punctalum. Aus odorata und
carinata bildete derselbe eine neue Galtung Aromochelys.
Die beiden Arten der Galtung Chelydra sieht er als die, Typen
Archiv r. NAturgesch. XXIII. .labrg 2. Ud- Jj)
66 Troschel: Bericht ühtf die Leistungen in der Herpetologie
zweier Gattungen an: 1. Chelydra, Kopf massig, etwas deprimirt,
mit einer weichen Haut bedeckt, Kinn mit Bartfaden, Nacken gekörnt;
Kücken mit zwei schwachen Kielen, Seitenplalten in einer Reihe.
Ch. serpentina. — 2. Macrochelys, Kopf gross, winklig, vorn zu-
sammengezogen , mit symmetrischen Uornschildern bedeckt , Nacken
mit einigen Reihen dorniger Warzen, Rücken mit drei scharfen hök-
kerigen Kielen, Seitehplatten in zwei Reihen. M. Temminckii.
Ferner werden zwei neue Arten der Gattung Chelodina , Ch.
Colliei vom Swan River und Ch. sulcala, beschrieben. — Ebenso end-
lich zwei Arten der Gattung Emyda, E. puncläla aus dem Ganges und
E. ceylonensis von Ceylon.
Hai low eil beschrieb zwei neue Schildkröten von Gabon :
Penlonyx Galonensis und Cryplopodus Aubryi. Revue et mag. de zool.
p.373.
Hallo well hatte Gelegenheit eine grössere Anzahl von Ster-
nothaerus odoratus Holbr. zu vergleichen. Er stellte die Differenzen
zwischen den Geschlechtern und einige Varietäten fest. Kinosternon
guttatum Leconte hält er für Varietät dieser Art. Er stimmt Dume.
ril und Bibron bei, die Art in die Gattung Staurotypus zu setzen.
Proc. Philadelphia VIII. p. 106.
^aurii.
Taranini« Aus der Familie der Varanen , über welche sich
1. c. p. 491 der Bericht A. Dumeril's erstreckt, werden keine neue
Arten beschrieben. — Dagegen stellte Hallo well Proc. Philadel-
phia VIII. p. 150 eine neue Art Varanus olivaceus von Manilla auf.
riiamaeleonte«. Studiati schrieb über die Ursa-
che der Farbenveränderuung" in der Haut des Chamaeleo
africanus. Memorie della reale Accadenüa delle scienze di
Torino. Serie seconda. Tomo XV. p. 89.
Chamaeleo granulosus von West- Afrika und Ch. ßurchelli von
Fernando Po sind neue Arten von Hallo well Proc. Philadelphia
VIII. p. 147.
ۊeckones* A. Dumeril, nachdem er die Kinlhei-
lung der Geckonen von Filzinger und Gray dargestellt, zählt
die Arten auf, durch welche die einzelnen Gallungen dieser
Familie seit dem Erscheinen des enlsprechenden Bandes der ^
Herpetologie generale bereichert worden sind.
Er beschreibt mehrere Arten ausführlich. Unter ihnen ist eine An
zahl vom Verf. aufgestellt und bereits früher publicirt; neu sind: Pia
tydactylus ßoivini von Madagascar , Hemidachjlus atcles von den Phi.
I
wahrend dos Jahres 1856. 67
lippinen, Gymnodnchjltis varius von Cayenne, G. persicus aus Persien.
ÄU'hrcre Arten sind abgebildet. Archives du Museum d'hist. nat. \lll.
Hernidaclylus furmosus von Liberia in Afrika und Gymnodaclylus
tenuis von Manilla sind von IlalloweU Proc. Philadelphia VIII.
p. 149 als neue Arten beschrieben.
Hemidaclylus puslulosus von Ceylon , Sphaeriodactylus lineolalus
von Veragoa , Gymnodaclylus alropunctatus aus der Tartarei , sind in
Lichlenstein's Nomenciator als neu beschrieben. Ebenda sind Gj/m-
nodactylus viltatus Wiegm. und Slenodactylus pipiens Pall. durch Dia-
gnosen charakterisirl.
Gymnodaclylus kumeralis Gaichenot ist in der Castelnau'schen
Reise Lief. 6. pl.3. fig. 1 aufgestellt.
Ig^uanini* In dieser Familie beschreibt A. Dum er 11 (Ar-
chives du Museum d'hist. nat. VIII) , nach einer Einleitung, in der
namentlich die Classificationen von Fitiinger und Gray besprochen
werden, ausser manchen Arten, die schon früher von ihm publicirt
waren und manchen Piachträgen und Berichtigungen^ zur Erpetologie
generale auch folgende neue Arten und Gattungen aus der Abthei-
lung Pleurodonles: Corylophanes percarinatus aus Central- Amerika,
Sauromalus (n. gen.) aler unbekannten Vaterlandes, P hymatolem
pis (n, gen.) bicarinalus aus Mexiko. Zu dieser Familie gehören die
Tafeln XiX-— XXIV. Auf ihnen sind abgebildet Anolis transversalis
und heterodermus, Corylophanes percarinatus, Basiliscus galerilus,
Ophryessoides tricristalus , Sauromalus ater , Holotropis trachycepha-
lus, Phymalolepis bicarinalus, Cenlrura quadrimaculata, Mecolepis tri-
spinosus, hirsutus, sulcatus.
Die beiden erwähnten neuen Gattungen haben folgende Cha-
raktere :
Säur 0 malus. Körper stark deprimirt, ohne Kamm, an den
Seilen mit einer Ilaulfalte; Schuppen klein, viereckig, nicht dachzie-
gelartig und in regelmässigen Querreihen geordnet; Kopf platt, mit
kleinem Occipitalschilde ; eine Querfalte unter dem Halse, welcher je-
derscils eine andere halbkreisförmige mit Stachelschuppen besetzte
liägt ; keine Gaumenzähnc ; vorderer Ohrrand gezähnelt; Schenkel-
jioren , keine Analporen ; Gliedmassen kräftig mit kurzen Zehen ;
Schwanz lang und kräftig , am Grunde deprimirt, weiterhin rund.
Phymalolepis. Rumpf ohne Kamm, mit feiner Granulation
bedeckt, dazwischen mit grossen gekielten Schuppen ; Schwanz ziem-
lich kräftig, mit gekielten Schuppen; Kopf kurz; Occipital- und
obere Augenschilder gross; keine Gaumenzähne; eine doppelle Falle
unter dem Halse, welcher seillich gefaltet ist; Schenkelporen, keine
Analporen.
Aus derselben Familie finden sich in Li chtentein's Nomen«
68 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Herpelologie
clalor folgende neue Arten : Atiolis laeviceps ohne Angabe des Vater-
landes, Tropidurus (Proctotretus D. ß.) cuhensis von Cuba, Phrynoce^
phalus inier scapularis aus der Bucharei. Ausserdem sind einige Wieg-
mann'sche Arten, die von Dumeril und Bibron z. Th. mit anderen
confundirt waren, wieder hergestellt, so: Anolis hiporcalus yi . von
Mexiko, Tropidurus plychopleurus W, von Chile, Microlophus helerom
lepis W. von Chile, Hisliurus puslulalus W. Mscr. von Manilla.
An neuen Arten finden sich von Guichenot bei Castelnau I.e.
aus dieser Familie: Enyalus laliccps pl. 5. a, b. von Fontebra am
oberen Amazon, Enyalus planiceps pl. 6. a. b. ebendaher , Doryphorus
flaviceps pl. 3. fig. 2. von der Mission Sarayacu in Peru, Doryphorus
spinosus pl. 7. fig. 1, 2 von Bahia.
Holotropis vittalus Hallowell Proc. Philadelphia YIII. p. 151.
von Cuba.
Eine neue nächtliche Eidechse von Mexiko beschrieb J. E. Gray
unter dem Namen Cubina grandis. Annais nat. bist. XVIII. p. 270.
Eine neue Gattung von Eidechsen stellte Gray unter dem Na-
men Corucia auf, Annais nat. bist. XVIII. p. 345; sie gehört in die-
selbe Section wie Ateuchoglossus, von der sie sich durch die glatten
Schuppen, die beschildete Unterseite des Schwanzes und dergl. unter.
scheidet. C. iebrala von Neu-Guinea.
liacertini* Cncmidopkorus fesliviis von Veragoa ist in Lich-
tenstein's Nomenciator als neu beschrieben.
Eine grüne Eidechse verzehrte nach Erber Verhandl. d. zool.-
bot. Vereins in Wien VI. p. 396 vom Februar bis November 2040 Mehl-
würmer, 112 Heuschrecken , 58 Celonia aurata, über' 200 UegenwOr-
mer , 408 grosse Fliegen , 40 Mantis religiosa und mehrere hundert
kleine Käfer.
Ptycliopleuri. Der Lichtcnstein'sche Nomenciator enthält
zwei neue Arten: Gerrhonolus poecilochilus von Veragoa und Puerto
Cabello und Chalcides heleropus Wiegm. Mscr. von Laguayra und
Venezuela.
Scincoidei* Hallo well hat vier neue Arten von Eupre-
pis beschrieben : E. surinamensis von Surinam, microcephalus von Me-
xiko , dissimilis von Bengalen und longicaudala von Siam. Proc. Phi-
ladelphia VIII. p. 154.
Tiliqua Burloni wird von Blyth als neue Art von Somali in
Afrika beschrieben. Journ. As. soc. 24. p. 306.
Studiati schrieb über die Verbindung des Eies mit dem Ovi<J
duct bei Seps tridactylus. Memorie della reale accademia dclle scienzc
di Torino. Serie seconda. Tomo XV. p. 101.
Eine neue Galtung Anisolerma charakterisirte A. Dumerilj
Revue et mag. de zool. p. 421: Vier Füsse , die vorderen kurz und!
während des Jahres 1856. 69
schlank, mit zwei Zehen, die hinteren mit vier Zehen; Schnauze ab-
gerundet, mit dünnem und schneidendem Rande; Seiten unten wink,
lig. Eine neue Art A. sphenopsiforme vom Senegal.
Die von Ilallowell beschriebene Acontias elegans sieht Aug.
Dumeril für drn Typus einer neuen Gattung Anelytrops an, die
er folgendermassen charakterisirt : keine Spur von Augenliedern, keine
Gliedmassen, ^aslöcher seitlich in dem Schnauzenschildc mit gekrümm-
ter Furche, deren Concavität nach unten und vorn gewendet ist; Gau-
men nicht gezähnt; Zähne konisch, Zunge pfeil förmig , schuppig, an
der Spitze schwach ausgeschnitten; Schuppen glatt, keine Präanaipo-
ren. Rev. et mag. de zool. p. 420, pl. 21. fig. 1.
fSerpeiites.
Bei den jungen Ringelnallern, die aus dem Ei schlü-
pfen, fand Weinland einen sehr vergänglichen Zahn am
Zwischenkiefer, der zum Durchschneiden der Schale benutzt
wird. Einen solchen halle J. Müller 1841 im Archiv für
Anal. p. 329 zuerst bei Schlangen und Eidechsen beobachtet.
Verf. hat diesen Eizahn dann bei allen einheimischen Schlan-
gen und Eidechsen gesehen , überall von ziemlich überein-
stimmender Form. Das Fehlen dieses Zahnes bein> Krokodil,
wie schon Müller fand, wird bestätigt. Abbildungen sind
beigegeben, Würtembergische naturwiss. Jahreshefte 1856.
p.90.
Bemerkungen über die ;Carotiden der Schlangen schrieb
Rathke im XI. Bande der Denkschriften der Wiener Aca-
demie. Er fand bei einer Anzahl von Schlangen zwei deut-
lich erkennbare Carotiden, bei anderen gleichfalls zwei, von
denen jedoch die der rechten Seite kaum erkennbar war, bei
noch anderen nur eine an der linken Seite.
J. G. Fi s eher beschrieb im S.Bande der Abhandlun-
gen des naiurvvissenschaftlichen Vereines in Hamburg p. 79
eine Anzahl neuer Schlangen des Hamburger Museums, unter
denen auch einige neue Gattungen aufgestellt sind. Alle sind
unten namhaft gemacht.
Mulsant erzählt von einem merkwürdigen Kampfe zwischen
einer Vipera Borus und einer Colubcr viridiflavus, welcher über eine
halbe Stunde währte, ohne dass die Kämpfenden durch die umstehen-
den Zuschauer sich zur Flucht bewegen Hessen. Bei einem erneuten
70 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Herpetologie
Angriffe umschlang die Natter mit ihrem weit geöffneten Rachen den
Kopf der Viper, der zwei bis drei Zoll in den Schlund eindrang, so
dass man beide Schlangen forttragen konnte , ohne dass sie sich von
einander trennten. Annales de la Soc. Linneenne de Lyon Tome IL
1855. p.75.
Opoterodontes. Aug. Dunieril beschrieb Onychocepha.
lus coecus in ßevue et Mag. de Zoologie als neue Art, die auf pl. 21
Fig. 4 abgebildet ist.
jigriypiiodontes. ßorland hat in Boston Proceed.V.
p. 309 die Genilo-Urinal- Organe von Boa conslrictor kurz
beschrieben.
In der Boenfamilie hat Hallo well Proc. Philadelphia VIII.
156 eine neue Gattung JNotophis aufgestellt: Kopf klein, dreieckig,
oben flach; Augen massig, seitlich, Augenrandplatten nicht vorsprin-
gend; vordere Kopfhälfte mit Schildern , die hintere mit Schuppen
bedeckt; zwei Internasalia ; zwei vordere und zwei hintere Frontalia,
die ersteren erreichen die oberen Labialia; Naslöcher in einer Platte,
11 Platten an der Spitze des Kopfes, nämlich 2 Internasalia, 2 vordere
und 2 hintere Frontalia, ein Verticale und 2 Occipitalia mit einigen
kleinen Platten dazwischen; l Zügelschild, 1 vorderes und 3 hintere
Orbitalschilder ; eine Reihe grösserer hexagonaler Schilder längs der
Mittellinie des Rückens ; Präanal - und Subcaudalplalten einfach ; Bauch*
platten ganz schmal. JV. bicarinatus von Cuba.
Auch von Fischer wurde diese F'amilie durch zwei' neue Gat-
tungen von Westindien in den Abhandlungen des Hamburger Vereins
111. p. 94 bereichert:
Epicarsius zwischen Xiphosoma und Epicrates W^agl. Schwa-
che Lippengruben , durch Einziehung der seitlichen Grenzen der Lip-
penschilder gebildet; nur die Schnauzenspitze mit symmetrischen Schil-
dern gedeckt; Stirn zwischen den Augen mit unsymmetrischen Schil-
dern ; Schnauze niedrig , seitlich abgerundet, mit stark nach aussen
divergirenden Seitenflächen, daher die Nasenlöcher eine subverticale
Lage erhalten ; Nasenlöcher zwischen zwei Schildern ; Schuppen glatt;
Schwanzschilder ungetheilt; Körper wenig zusammengedrückt, ohne
Neigung zu spiraliger Eindrehung. E. cupreus aus Porto- Cabello.
Taf. IL Fig. 1.
Homalochilus. Nasenlöcher seitlich zwischen drei Schildern ;
Augen seitlich mit verticaler Pupille ; Oberseite des Kopfes halb mit
Schildern, die nur an der Schnauze eine symmetrische Lage haben,
halb mit Schuppen gedeckt; keine Lippengruben ; Schilder und Schup-
pen glatt; Schwanzschilder einfach. //. slrialus von den Antillen.
Taf. II. Fig. 2.
Aus der Gattung Calamaria hatßlyth Journ. Asiatic Soc. of
während des Jahres 1856. 7i
Bengal XXIIl. p. 287 mehrere neue Arten beschrieben: C. catenala
(monlicola Cantor ?) von Assaip, reticulala von Assam, tenuiceps von
Darjiling, fusca von Darjiling, obscuro^striata von Rangoon , bicolor
von Assam.
Zwischen Coryphodon und Ablabes Dum. gründete Fischer
Abhandl. des Hamburger Vereins III. p. U2 eine neue Gattung Mei-
iodon. überkieferzähno vorn klein, dichtgedrängt, nach hinten all-
mählich aber merklich an Grösse zunehmend; keiner derselben ge-
furcht; Kopf klein, massig abgesetzt vom Rumpfe; dieser drehrund,
nach vorn und hinten gleichmässig dünner werdend; Schwanz klein
(Ys — % der Totallänge) nicht abgesetzt, allmählich zugespitzt; neun
Kopfschilder; Schuppen rhombisch, glatt; Bauchschilder paarig. M.
reyularis von Peki in West-Afrika. Taf. III. Fig. 3.
Blyth bes*cbreibt 1. c. p. 292 eine Varietät von Herpetodryas
Helena Daud.
Eine neue Gattung von Baumschlangen in der Nähe von Her-
petodryas stellte Fischer Abh. des Hamburger Vereins p. 110 auf:
H apsidop hrijs y Körper dünn, sehr schlank, nicht höher als brei|,
mit langem Schwänze und kantigem Bauche; Augen sehr gross, Stirn
zwischen den Augen stark von hinten nach vorn gewölbt ; Schuppen
gekielt, diejenigen der Mittellinie des Rückens nicht von den übrigen
verschieden; Bauchschilder jederseits in einer Kante umgebogen;
Schwanzschilder paarig; Oberkieferzähne sämmtlich gleich lang, un-
gefurcht, ohne Zwischenräume. //. lineatus Taf. II. Fig. ö und H. coe~
ruleus ib. Fig. 6. Beide von Elniine in West-Afrika.
Boütedou nigrtim ist eine neue Art desselben Verf. aus West-
Afrika 1, c. Taf. III. Fig. 2.
In der Familie Lycodontini gründete Aug. Dumeril Rev. et
Mag. de Zool. p. 460 eine neueGattung H o luroph olis. Die ersten
5 oder 6 Oberkieferzähne länger als die übrigen, von denen sie durch
einen kleinen Raum gelrennt sind; die ersten Gaumen- und Unter-
kieferzähne gleichfalls länger als die auf sie folgenden; untere Schwanz-
schilder nicht gelheilt. Durch letzteres Merkmal ist diese Gattung
von Boaedon verschieden. Die einzige Art //. olivaceus von Gabon.
Ueber Leptophis rubescens (Dipsas rubescens Gray) von Mer-
gui und L. ornatus Shaw Var. von Ceylon findet sich bei Blyth
Journ. Asiat. Soc. of Bengal p. 293 eine Notiz.
Hallo well stellte eine neue Art Tropidonolus annularis VtOd
Philadelphia Vlll. p. 151 von Ningpo in China auf. — Auch Blyth
stellte l. c. p. 295 mehrere neue Arten dieser Gattung auf: Tr. zebri^
nus (Tr. chrysargos Schi. Var.?) von Mergui, amjusticeps aus Assam
und Arakan , macropSf dipsas und platyceps von Darjüing. Er beschrieb
ferner Tr. subminiatus? SchU von Assam.
72 Troschel: Bericht 'über die Leistungen in der Herpetologie
Kennicott beschrieb eine neue Schlange Regina Kirllandii
von Illinois. Proc. Philadelphia Vill. p. 95.
Ebenda p. 151 beschrieb Hallowell als neu Coronet/« striata
von Ningpo. — Von Blyth wurde Coronella callicephalus Gray von
Assam detaillirter beschrieben 1. c. p. 289.
Blyth beschrieb ferner p. 290 als neu: Coluber nigromargina^
tus von Darjiling und Coluber prasiniis von Assam. — Ebenso wurde
C. hexagonatus? Cantor Var. von Arakan und C. diadema Schlegel
(C. Oppelii Wagl.) beschrieben, so wie über C. pictus Daud. eine
kurze Notiz gegeben.
Erb er hat Beobachtungen überZamenis Aesculapii in der Ge-
fangenschaft angestellt, und namentlich verzeichnet, wie viel sie fras-
sen. Ein Exemplar von 4 Fuss Länge verzehrte in 4 Monaten 40
Mäuse und zwei Eidechsen, ein anderes von 5 Fuss Länge in dersel-
ben Zeit 31 Mäuse. Verhandl. des zool.-bot. Vereins in Wien VI.
p. 393.
Von Xenodon purpurascens Schlegel sind durch Blyth Journ.
Asiat. Soc. of Bengal p. 289 mehrere Varietäten beschrieben werden.
Opistliog^Iyplii* Aug. Dumeril hat Hev. et Mag. de Zool.
p. 467 die Uebereinstimmung seiner Oxybelis Lecontei mit Leptophis
Kirtlandii anerkannt , und nennt die Art nunmehr Oxybelis Kirllandii.
— Oxybelis violacea ist eine neue Art von Fischer aus West-Afrika.
Hamb. Verein 1. c. Taf. II. Fig. 7.
Elapomorphus gabonensis A. Dumeril ist eine neue Art von
Gabon l. c.
Psammophis irregularis Fischer aus West-Africa. Hamb. Verein
1. c. Taf. II. Fig. 4. — Ps. condanarius Gray ist von Blyth 1. c.
p. 293 beschrieben.
Blyth stellte auch 1. c. p. 300 zwei Arten der Gattung Ho-
malopsis auf: H. crassa und H. parviceps von Nord-Carolina.
Fischer hat vier neue Arten Dipsas aus West-Afrika im 3ten
Bande der Abh. des Hamburger Vereins aufgestellt: Dipsas puheru^
lenta Taf. 3. fig. I, D. fasciala ib. fig. 5, D. valida fig. 4, D. globiceps
fig. 6. — Blyth beschrieb in Journ. Asiat, soc. p. 293 Dipsas ferru-
ginea und monticola Cantor von Assam und fügte eine neue Art D.
nigromaculata, ebenfalls von Assam hinzu.
Proterog-lyplii. Elaps personalus Blyth von Assam l. c.
p. 298.
Pseudoelaps superoi/tosMS Fischer Abbandl. des Hamb. Vereins III.
p. 107. Taf. II. Fig. 3 von Sidney in Neuholland.
Aug. Dumeril lieferte nach neuen Untersuchungen die Dia-
gnose von Dendraspis Jamesonii Fischer, Revue et Mag. de Zool.
p. 467.
während des Jahres 1856. 73
Solenoij^lyplii. ßlyth macht Journ. Asiat. Soc. of Bengnl
XXIII. p. 302 die Bemerkung , Parias maculala Gray sei identisch mit
Trigonocephalus nilgiriensis Jerdon Journ. As. Soc. XXII. p. 524.
Ueber (hm schallerzeugenden Apparat von ^Crotalus hat
C z e r m a k geschrieben (Zeitschr. lür wiss. Zoologie Vllf,
p. 294).
Die Schwanzwirbelsäule, deren letzte Wirbel zu einem koni-
schen Knochenstöcke verschmolzen sind , sind beschrieben und abge-
bildet. Die kräftigen Aluskeln sind mit der Klapper nicht in unmit-
telbarem Zusammenhange. Die Cutis, welche die Epidermis absondert,
wächst an dem Endkörper der Wirbelsäule unmittelbar fest, indem
sie sich zugleich beträchtlich verdickt. Dieser verdickte Hautüber-
zug ist kegelförmig und hat zwei tiefe ringförmige Furchen, die ihn
in drei quere Anschwellungen theilen. Diese Gestalt haben denn auch
die einzelnen Glieder der Klapper, die so in einandergeschachlelt sind,
dass jedes folgende Glied die hintere und mittlere Anschwellung in
seine mittlere und vordere Anschwellung aufnimmt. Die vordere
OefTnung jedes Gliedes ist verengt und dadurch wird ein Auseinan-
derfallen der einzelnen Glieder verhindert. Bei der Entwickelung
nimmt Verfasser an, dass die zweite Anschwellung der Hautverdickung
allmählich an die Stelle der hintersten, die vorderste an die Stelle
der zweiten rucken müsse, und dass sich unter den letzten Haut-
schuppen eine neue Anschwellung erheben müsse, welche die erste
Ausbuchtung des neuen Gliedes absondern wird. Er möchte dies
einer fortschreitenden Wellenbewegung vergleichen.
Batracliia.
Ranae* In den Proc. Philadelphia VIII. p. 142 berichtigt
Hallo well die Angabe von Dumeril und Bibron, dass Rana
halecina keine Stimmsäcke im männlichen Gcschlechte besässe, und
erklärt diesen Irrthum dadurch, dass in den südlichen Staaten eine
ähnliche Art ohne Stimmsäcke vorkomme, die er als Rana oxyrhyn^
chus beschreibt.
Borland hat Scaphiopus solitarius Holb. auch in der Ptähe von
Cambridge gefunden. 'Das Männchen umfasst nur das Becken des
Weibchens während der Begattung ; beim Schwimmen bewegen sich
die rechten und linken Beine nicht gleichzeitig, sondern abwechselnd
wie bei den Schildkröten; sie sind nächtliche Thiere, graben sich bei
Tage tief in die Erde, mittelst eines breiten hornigen Randes an den
Füssen. Proc. Boston Soc. V. p. 381.
Aus dieser Familie wurden an neuen Arten beschrieben: Rana
albolabris Hallowell Proc. Philadelphia VIII. p. 153 von West-Afrika,
— Rana subsigillata Rev. etMag, deZooJ. p. 560 von Gabon, — Rana
robusta Blyth Journ. Asiat. Soc. XXIII. p. 298 von Ceylon, — Mcßa^
74 Tro$chel: Bericht über die Leistungen in der Herpetologie
Ivphrys gigas ib. p. 299 von Sikim Hiinalaya , — Bombinalor Sikim-.
mensis ib. p. 300 von dem Ansehen des ß. igneus, von Sikim.
Hylue* Burmeister veröffentlichte in seinen „Er-
läuterungen zur Fauna Brasiliens." Berlin 1856. p. 90 eine
Uebersicht der Brasilianischen Arten der Galtung Hyla.
Er fügt zunächst als Gatlungscharakter der Gattung hinzu, dass
die Pupille geschlossen eine horizontale Spalte, geöffnet kreisrund
ist. Zur Unterscheidung der Arten legt er Gewicht auf die Form der
Beine, namentlich auf die leistenartige Kante am äusseren Rande des
Armes und Hinterfusses; dann auf die Form des Gaumenhöcker und
ihre Stellung gegen die Choanen (was schon Baird und Girard
benutzt haben). — Er unterscheidet dann vier Subgenera.
1. Lophopus V. Tschudi. Laubfrösche mit ausgezacktem,
warzigem Randsaum am Vorderarm, der Hand und dem äusseren Fuss-
rapde, deren erste Warze am Hacken höckerartig vorragt. Dahin H.
marmorata Daud., H. corlicalis Burm. bei Neu- Freiburg gefangen.
2. C entrotelma Burm. Laubfrösche mit langgezogenen, nach
vorn gegen einander geneigten, also schief gestellten Gaumenhöckern
und scharfer leistenförmiger Randfalte am Vorderarme wie am äus-
seren Fussrande , welche sich am Hacken zu einer frei abstehenden
spitzen Warze ausbildet. Dahin H. infulata Wied , H. geographica
Spix , H. calcarata iroschel, H. Langsdorffii Dum. Bibr. , H. Lundii
Burm. von Lagoa santa.
3. Hylom edus a Burm, Laubfrösche mit ähnlichen, längli-
chen, nach vorn convergirenden Gaumenhöckern und etwas vor ihnen
befindlichen Choanen, denen die spitze Warze am Hacken fehlt, wäh-
rend die seitliche Randfalte am Fusse noch in einer Andeutung vor-
handen sein kann, aber nie leistenförmig vortritt. Dahin H. palmata
Daud., H. crepitans Wied.
4. üxjla Burm. Laubfrösche mit kleinen runden, halbkugeli-
gen Gaumenhöckern, die in einer geraden Linie neben einander genau
zwischen den Choanen stehen und sehr wenige (6—8) feine Zähn-
chen tragen. Dahin H. punctata Daud., H. leucophyUata, H. auran-
liaca Daud., H. venulosa Daud., //. prasina Burm., H. luteola, H.
boans Daud. , H. rubra Daud., H. pumila Dum. Bibr.
H. inflata, corlicalis, marmorata, prasina, luteola, leucophyUata,
Lundii, sowie Phyllomedusa bicolor sind nach lebenden Exemplaren
abgebildet, fast alle sind ausführlich beschrieben.
Jxalus leucorhinus und poecilopleurus beide von Ceylon und Hyla
alhotiUala von Brasilien sind neue Laubfrösche des Nomenciator Lich-
tenstein's.
Lecontehat durch Abbildung und Beschreibung eine neue
Art Hyla gratiosa aus Georgia bekannt gemacht. Proc. Philadelphia Vlll.
p. 146. pl. 6.
wahrend des Jahres 1856. 75
Hyla Aubnji A. Dumeril Rev. et Mng. de Zool. p. 560 ist eiqe
Art von Gabon.
Blyth beschrieb Journ. Asiat. Soc. XXIII. p. 299 zwei neue
Arten: Lymnodyles macularius von Ceylon und L. lividus vonColombo.
Bleeker hat in Natuurk, Tijdschr. Wed. ludie XI. p. 469 eine
neue Art Folypedates Junghuhnii beschrieben. Sie unterscheidet sich
von den beiden anderen javanischen Arten P. mystax und rugosus
durch merklich kleineren und minder eckigen Kopf; die Vomerzähne
bilden mehr von einander entfernte Gruppen ; die Handfläche mit zwei
länglichen Warzen; 5 Wärzchen an der Unterseite des dritten Fin-
gers, drei an dem des zweiten Fingers. Das weisse Oberlippenband
verlängert sich hinter dem Trommelfell in zwei längliche weisse
Flecken. Der dritte Finger ist beträchtlich länger als der vierte im
Vergleiche mit leucomyslax und rugosus. Uebrigens ist die Farbe oben
olivengrün mit dunklerem Grün gewölkt, während die Schenkel mit
dunkelgrünen Querbinden gezeichnet sind. Die Unterseile ist gelb.
Junghuhn entdeckte diese Art bei dem See Patenga» auf Java.
Uul'oues. In den Proc. Philadelphia VIU. p. l42 erwähnt
Ha 11 GW eil der Larven von Uufo americanu», die mit Schwanz nur 9
Linien lang sind, der junge Frosch ist dann nur 6 Linien lang.
Lichtenstein's Nomenciator bringt auch p. 40 eine neue
Gattung von Kröten, unter dem Namen thrynidium, mit folgenden
Charakteren : lingua oblongo. lanceolata, ihtegra , lateribus et postice
libera ; maxillae palatumque absque dentibus ; tympanum nullüm ; pa-
rotides nullae; digiti apice tumidi, subdilatati, pedum anteriorum noa
palmati, posteriorum primus et secundus ad apicem usque, ceteri ad
dimidiam longitudinem palmati; tuberculum solitarium molle, sub
flexura metalarsi situm; apophyses transversae vertebrarum sacralium
in laminas trianguläres dilalatae; habitus gracilis Hylarum, cutis lae-
vis. Unterscheidet sich von Uhinoderma durch die einfach stumpfe
Schnauze, von Atelopus durch den deutlichen Höcker am Metatarsus
und durch die langen am Ende erweiterten Zehen, von Phryniscus
durch den Habitus und die Zehen. Zwei neue Arten ¥h. varium und
crucigerum beide von Veragoa.
Caiidata. Ha 11 o w el 1 machte in Proc. Philadelphia
VIU. p. 101 Bemerkungen über die Häufigkeit des Vorkom-
mens der Arten der geschwänzten Balrachier in der Umgebung
von Philadelphia.
Hallo well fügte der „Beschreibung einiger Arten ge-
schwänzter Batrachier mit Bemerkungen über die geographi-
sche Verbreitung der Caducibranchiata und ihre Classifi-
kation.« Proc. Philadelphia VHI. p. ö eine Eintheilung der
Urodeles atretoderes hinzu;
76 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Herpetologie
a. Mit longitudinalen Zähnen.
I. Salamandrldae. 1 Gatt. Salamandra mit 3 Arten. II. Sei.
ranotidae 1 Galt. Salamandrina mit 1 Art. III. PleurodeJidae. IV.
Tritonidae 5 Galt. Euproctus, Cynops, Diemyctylus, Taricha, Triton mit
10 Arten. V. Ellipsoglossidae 1 Gatt. Eliipsoglossa mit 1 Art.
b. Mit transversen und longidutinalen Zähnen.
VI. Plethodontidae 3 Gatt. Desmognathus, Aneides, Plethodon
mit 6 Arten. VII. Bolitoglossidae 4 Gatt. Batrachoceps , Spelerpes,
Pseudolriton , Geotriton mit 9 Arten. VIII. Hemidactylidae 1 Gatt.
Hemidactylium mit 1 Art.
c. Transverse, aber keine longitudinale Zähne.
IX. Ambystidae 2 Gatt. Onychodaclylus , Ambystoma mit 15
Arten.
Beschrieben sind in diesem Aufsatze Ambijstoma laterale n. sp.
vom Obersee, A. porphyriticum (Sal. porphyritica Green) und Aneides
lugubris (Sal. lugubris Hall.). — Die Gatlungsmerkmale von Aneides
Eaird , welche in der Iconographic Encyclopaedia Vol. II. 1849 first
edition p. 25ö gegründet war, werden folgendermassen gegeben: Kopf
breit, anöden Schläfen geschwollen, Schnauze winklig, Augen sehr
vorspringend ; Zunge herzförmig , hinten abgestutzt, vorn und mitten
angeheftet, seitlich und hinten frei; Kieferzähne stark entwickelt,
besonders die unteren, welche speerförmig, scharfspitzig, vorn con-
vex, hinten concav sind; Vomerzähne in zwei convergirenden Bei-
hen, hinter den inneren Nasenlöchern sich hinten treffend; sehr zahl-
reiche scharfspitzige Sphenoidalzähne, bürstenartig in zwei Reihen.
Beine schlank, Finger und Zehen schwach comprimirt, frei. Haut
glatt, Costalgruben deutlich, 12 — 14; Schwanz rund, zugespitzt, am
Ende schwach comprimirt, so lang wie der übrige Körper.
Hallo well beschrieb ferner Proc. Philadelphia VIII. p. 130
als neue Arten : Pseudolriton marginalus und flavissimus aus Georgia.
Girard stellte Proc. Philadelphia VIII. p. 140 eine neue Gat-
tung der Urodelen in der Wähe von Aneides auf, H ere dia y Kopf
fast elliptisch, breiter als der Körper; Schnauze stumpf und rund,
über den Unterkiefer vorragend ; Mundspalte schief und geradlinig;
Kiefer;Kähne sehr klein , kaum wahrnehmbar; Vomer-Gaumenzähne
in einer doppelten >Völbung von der Mittellinie des Gaumens längs
dem vorderen inneren Rande der Augenhöhle ; Sphenoidzähne in zwei
länglichen Haufen; Zunge gross, elliptisch, durch einen länglichen
centralen Stiel angeheftet, und im hinteren Drittel frei ; Augen gross ;
Beine dünn, die vorderen länger; vier Finger, fünf Zehen, alle frei
und zugespitzt; Schwanz subcylindrisch, schwach comprimirt nach der
Spitze verdünnt; Haut glatt und weich. H. oregonensis. Soll sich
von Aneides durch die Gestalt des Mundes, die kleinen Zähne und
durch die Anordnung der Gaumenzfthne unterscheiden.
Bericht über dieLeistuiig^eii in der Iclif liyo«
log^ie vrähreiid des Jahres 1S56.
Vom
Herausg-elier«
In der Zoology of the Voyage of H. M. S. Herald.
London 1854. p. 157 — 171 hat Richardson aus einer grös-
seren Sammlung von Fischen einige hervorgehoben , um sie
zu beschreiben und abzubilden. Sie gehören den Familien
der Telrodonlen , Pleuronecten und Salmonen an, bei denen
sich unlen nähere Angaben finden.
Rosen hauer zählt Q3 von ihm beobachtete See-
fische auf, die der Küstenfauna Andalusiens angehören. Süss-
wasserfische sollen wenige vorkommen. Dieses Verzeichniss
hat kaum einen Werth, da es nur einen sehr geringen Theil
der dort lebenden Fische enthält. (Thiere Andalusiens. Er-
langen 1Ö56. p. 15).
Eine vorläufige Anzeige von einer Arbeit über die Fi-
sche des Departement de la IVIanche findet sich in den Me-
moires de la Soc. imp. des sciences naturelles de Cherbourg.
111. 1855. p. 375. Die Arbeit selbst ist mir noch nicht be-
kannt geworden.
Zur Ichthyologie des südlichen Russlands hat Kess-
ler einen Beitrag geliefert. Bullet. deMoscou 1856. p. 335.
Der Kiew'sche Lehrbezirk umfasst einen beträchtlichen Theil
dreier zum Becken des schwarzen Meeres gehöriger Flussgebiete,
nämlich des Dojestr^ des südlichen Bug und des Dnjepr; von diesen
78 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie
sind die Gewässer des letzleren vorzüglich vom Verf. durchforscht
worden. Der in die Weichsel sich ergiessende nördliche I3ug ist ganz
unberücksichtigt geblieben. Neue Arten sind nicht aufgestellt. Das
Verzeichniss enthält im Ganzen 57 Arten, die zum Theil beständig
jene Gewässer bewohnen, zum Theil periodisch dieselben besuchen.
Davon gehören ungefähr 30 Arten der östlichen Hälfte Europas, ver-
breiten sich nach Westen nicht über den Rhein hinaus, und von die-
sen wieder sind an 20 Arten den Becken des schwarzen und des
Caspischen Meeres, oder auch ausschliesslich nur dem ersteren eigen-
ihümlich. Die Familie der Karpfen hat 33, die der Salmones nur einen
Repräsentanten. Der Mangel der lachsartigen Fische erklärt sich wohl
durch die Abwesenheit von Gebirgszügen und den davon herstammen-
den Mangel an kalten Seen und Bächen.
Tchihatcheff legte der Pariser Akademie am 3len
März 1856 eine Abhandlung über die Fische der Flusse Don,
Dniepr, Dnieslr, Bug und Donau vor. Danach besitzt der
Don 34 Arten in 19 Gattungen, der Dniepr 51 Arten in 24
Gattungen, der Bug 33 Arien in 50 Galtungen, der Dnieslr
47 Arten in 22 Galtungen, die Donau 44 Arten in 23 Gat-
tungen.
Von der Uralexpedition 1. c. p. 72 wurden zwar nur 8
Arten mitgebracht, es waren jedoch ausserdem viele russi-
sche Namen verzeichnet, wonach Brandt ein Verzeichniss
der dort lebenden zusammenstellte.
Dieses zählt denn 20 Arten: 2 Acipenser, 2 Saimo, 6 Corego-
nus, 1 Osmerug, 1 Thymallus, 1 Esox, 1 Cyprinus (carassius), l Leu-
ciscug (Idus), 1 Lota, l Perca, 1 Acerina, 1 Cottus. Die Lachsfamilie
scheint demnach hierüber die Karpfenfamilie beträchtlich überwiegend
zu werden.
Von Bliceker sind auch im Jahre 1856 wieder werth-
volle Beiträge zur Ichthyologie derSundainsoln und der Mo-
luliken erschienen, und es wird wohl keinen begründeten
Widerspruch finden, dassBleeker derjenige Ichthyologe ist,
welcher sich in dem letzten Decennium um die Keiintniss der
Fische jenes Theiles unseres Erdballs die hervorragendsten
Verdienste erworben hat, ja, dass er unter allen Ichthyolo-
gen, die sich die Kennlniss der Arten zm\ Aufgabe gemacht
haben, den Preis verdient.
Ich erwähne zuerst diejenigen Abhandlungen, welche
im 1. Theile der Acta Socielatis Scientiarum Indo-Neerlan-
dicae, welcher zu Batavia 1856 erschien, enthalten sind:
wahrend des Jahres 1856. 79
1. Beschrijvingen van nicuwe weinig bekende Visch-
soorlcn von Amboina, verzamcld op eene reis door den Mo-
liikschcn Archipel gedaan in het Gevolg van den Gouverneur
General Diiyrriaer van Twist , in Sepleinber en Oclober 1855.
Verf. hat in Amboina eine Sammlung von 318 Arten zusammen-
gebracht, von denen ihm 131 Arten noch nicht von Amboina bekannt
waren. Das Verzcichniss sämmtlicher nunmehr von Amboina bekann-
ter Fische beläuft üich auf 560 Arten. Neu sind darunter 17 Arten,
welche unten namhaft gemacht sind. Unter ihnen finden sich auch
zwei neue Galtungen.
In einem Anhange werden fernere 64 Arten von Am-
boina aufgezählt, wodurch die Gesammtzahl auf Ö24 steigt.
2. Beschrijvingen van nieuwe en weinig bekende Visch-
soorlen van Manado en Makassar, grootendeels verzameld op
eene reis door den Molukschen archipel ct.
Durch den diesmaligen Beitrag ist die Zahl der von Celebes be-
kannten Fische auf 622 erhöhl worden , unter denen eine ziemliche
Anzahl neue, deren Namen unten ihre Stelle finden werden.
3. Tiende Bijdrage tot de kennis der ichthyologische
Fauna van Borne o. Visschen van de Rivieren Barito, Kahajan
cn Kapoeas.
Es werden nunmehr 258 Arten von Bornco aufgezählt. Von
ihnen sind als nähere Fundorte angegeben: Sambas 65, Pamangkat 30,
Pontianak 73, Sintang 11 , Sampit 36, Kahajan 8, Bandjermasin 126,
Pengaron 23 und Prabukarta 10 Arten. Einige neue Arten sind be-
schrieben, s. unten.
4. Zesde Bijdrage tot de kennis der Vischfauna van
Sumatra. Visschen van Padang, Troessan, Priaman, Sibogha
en Palembang.
Die Zahl der aufgezählten Arten von Sumatra beträgt 720. Aus-
serdem hat aber Verf. 392 Arten aufgezählt , die in der Inselgruppe
von Sumatra vorkommen , jedoch noch nicht an den Küsten von Su-
matra selbst gefangen worden sind. Dadurch wird sich die Zahl der
Sumalranischen Fische voraussichtlich auf 1112 erhöhen. — Eine be-
sondere Tabelle für die Verbreitung der 160 Süsswasserfische ist bei-
gegeben. Die neuen Arten s. unten.
Als ein sehr nützliches und die Erleichterung der Be-
nutzung der Bleeker'schen Forschungen förderndes Verzcich-
niss muss erwähnt werden: Index specierum piscium in Vo-
80 Troschcl: Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie
luminibus XXI — XXVI Aclorum societalis arliuin et scicnliarum
Bataviensis descriptarum, adieciis citalionibus ubi descriplio-
nes Bleekerianae recenliores emendalaeque rcperiunlur. Es
enthält 906 Arten.
Im 10. Bande der Natuurkundig Tijdschrift voor Ne-
derlandsch Indie. Balavia 1850 sind folgende Abhandlungen
von Bleeker enthalten:
p.345: Tvveede Bijdrage tot de kennis der ichthyologi-
sche Fauna van het eiland Bintang.
Durch eine neue Zusendung von Fischen von Riouw konnte
Verf. die Zahl der von dieser Insel bekannten Fische auf 142 steigern.
Neue Arten sind nur zwei Plagiostonien dabei.
p. 357: Zevende Bijdrage tot de kennis der ichlhyolo-
gische Fauna van Ternate.
Dieser so wie die folgenden Beiträge sind die Frucht einer
Reise nach den Molukken im Gefolge des General -Gouverneurs von
Niederländisch-Indien Herrn Duymaer van Twist. Während eines drei-
tägigen Aufenthalls auf Ternate brachte er 133 Arten zusammen. Von
ihnen waren 82 neu für Ternate, 26 neu für die Molukken und 8 neu
für die Wissenschaft. Im Ganzen sind nun 233 Arten von Ternate
bekannt.
p, 467 : Ein neuer Haifisch , in der Nähe von Solombo
gefangen, v^'ird beschrieben; siehe unten.
p. 469: Fische von Saparoea. Es werden 18 Arten
namhaft gemacht, die ersten von dieser Küste; keine neue
Art unter ihnen.
p. 472. Als besonders wichtig ist ein Index specierum
piscium in Voluminibus I ad X Diarii societatis scienliarum
indo-batavae descriptarum zu erwähnen. Dasselbe weist 1 150
Species nach, die systematisch geordnet sind, und macht da-
durch eigentlich erst die in den zahlreichen Aufsätzen ver-
streuten Fische für die wissenschaftliche Benutzung zu-
gänglich.
Im 11. Bande derselben Zeitschrift sind ferner ent-
halten:
p. 81: Verslag omtrent eenige Vischsoorten gevangen
aan de zuidkust van Malang in Oost-Java.
Enthält 33 Arten, welche sämmtlich neu für die Fauna des süd.
dstlichen Java sind; drei unter ihnen sind neu.
während des Jahres 1856. 81
p.93: Vljfde Bijdrage tot de kennis der ichlhyologische
Fauna van de Banda-eilanden.
Verf. sammelte daselbst 86 Arten und brachte dadurch die Zahl
der von dort bekannten Fische auf 176. Alle sind Seefische. Süss,
wasserfische fehlen auf den Bandainseln gänzlich. Mit Ausnahme von
Gross-Banda besitzen die Inseln der Banda-Gruppe keine Flüsse und
Bäche, und selbst die Bächlein von Gross.Banda sind wenig nennens-
werth. Zwei neue Arten.
p. 5253 : Ein Verzeichniss von 27 bei der Insel Baijan
gesammelten Fischen, wodurch die Gesammtzahi auf 149
steigt.
p. 383 : Bijdrage tot de kennis der ichthyologische fauna
van het eiland Boeroe.
Durch die Reise des Schilfs Uranie und durch Cuvier und
Valenciennes sind nur 23 Arten von Buru bekannt geworden.
Verf. konnte diese Zahl durch seine Forschungen auf lo7 erhöhen.
Unter den neuen Arten sind auch drei neue Gattungen enthalten.,
p. 415: Verslag van eenige verzanielingen van zee- cn
zoelwatervisschen van het eiland Banka.
Den früher bekannten wurden 38 Arten hinzugefügt und da.
durch die Gesammtzahi auf 251 gesteigert.
p. 48ü : Durch einen kleinen Zuwachs brachte Verf. die
Zahl der von Ceram bekannten Arien auf I8ö.
Vom 12. Bande derselben Zeitschrift erschien auch schon
im Jahre 185Ö die erste Hälfte. Sie enlhält die folgenden
ichthyidogischen Arbeilen Bleekers :
p. IVU : Achtste Bijdrage tot de kennis der ichlhyolo-
gische Fauna van Ternate.
Line neue Fischsendung von Ternate, die 113 Arten enthielt,
brachte die Gesammtzahi der dieser Fauna angehörigen Arten auf 284.
Einige neue Arten s. unten.
p. 211 : Bijdrage tot de kennis der ichthyologische Fauna
van het eiian«! Nias.
Durch Hrn. von Rosenberg erhielt Verf. 217 Arten Fische
und wurde dadurch in den Stand gesetzt, diesen ersten Beitrag zu
liefern Die meisten Arien wurden an der Südküste der Insel ge-
sammelt, die Süsswasserfisrhe sind meist von Goenong - siloli an der
Oslküsle. NVie. zu veriiiulhen war, hat die Fauna von Kias grosse
Uebereinstimmung mit der Westküste Sumatra's. Fünf neue Arten und
darunter eine neue Gattung.
Archiv f. Naturgesch. XXIII. Jahrg. 2. Bd. P
82 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie
p. 229 : Derde Bijdra(,^c tat de kennis der ichlhyologi-
sclie Fauna van de Baloc-eilanden,
Hierdurch wurde die Zahl der Fische, welche dieser Fauna an-
gehören auf 145 gebracht. Zwei neue Arten.
p. 273: Bericht über einige Fischarten von Taboali auf
der Insel Banka.
Eine Zusendung von diesem Orte erhöhte die Zahl der aus den
Gewässern von Banka bekannten Fische auf 2G5...
Neuerlichsl, jedoch ohne Angabe der Jahreszahl ist
wieder eine Forlselzung der Historia lisica , polilica y natural
de la Isla de Cuba publicada por Ranion de la Sagra erschie-
nen. In den Lieferungen 80 — 83 ist der Abschnitt über die
Fische enthalten , der jedenfalls nach dem Jahre 1853 er-
schienen ist. Diese Thierklasse war ursprünglich von Bi-
bron übernommen, und ist nun durch Guichenot bear-
beitet worden. Viele Arten sind nur mit Namen und Syno-
nymen aufgezählt, bei vielen wird durch lateinische Diagno-
sen und spanische Beschreibung naher eingegangen. Die
neuen Arten sind auf 5 hübschen Tafeln abgebildet.
Girard liefert^ interessanle Beiträge zu der Ichthyo-
logie der Westküste der Vereinigten Staaten nach Exempla-
ren des Museums der Smilhsonian Institution, darunter auch
mehrere neue Gattungen s. unten.
In dem ersten Bande der Proceedings of the California
Academy of natural history, welclie seil dem September 1854
in San Francisco erschienen , finden sich zahlreiciie kleine
ichthyologische Beiträge von Ayres. Die neuen Galtungen
und Arten sind unten namhaft gemacht. Hier möge nur er-
wähnt werden, d.iss Ayres p. 74 über eine Sannnlung von
Fischen berichtete, die Lfeut. Trowbridge bei CapFlattery W.
T. zusammengebracht hatte. Sie enthält fast nur Arten, die
auch bei San Francisco vorkommen. Hervorgehoben wird
ein Ammodytes der nicht von dem Europäischen tobianus zu
unterscheiden sein soll. Dies wird als ein Beispiel dafür
angenommen, dass geographische Entfernung nicht nothwcn-
dig specifische Verschiedenheit bedinge. Bei dieser Gelegen-
heit wird erwähnt , dass aucli Felamys sarda in Californien
vorkomme, wenigstens sei sie von der atlantischen Form nicht
zu unterscheiden.
während des Jahres 1856. 83
In dem Reisewcrk(3 „Expedition dans Ics partics centra-
les de TAinerique du Sud, de Rio de Janeiro ä Linie, et de
Lima au Para, executee sous la direclion du Comte Fran-
cis de Ca st ein au. Septieme parlie, Zoologie Paris 1855''
nimmt die Abllieilung der Fische p. 1 — 112 fünfzig Tafeln in
Anspruch.
Verf. hat die Fische noch nach dem Cuvier'schen Systeme geord-
net. Die zahlrcichenncuen Arten sind unten genannt. Verf. sammelte
die Arten während einer fünfjährigen Reise im centralen Brasilien
und Peru und während eines siebenjährigen Aufenthaltes in Bahia.
Die bereits bekannten Arten sind nicht von Neuem beschrieben , je.
doch hat Verf. Notizen über die Färbung und das Vaterland einge-
streut. Die Zahl der verzeichneten Arten beträgt 275 , unter de-
nen 100 neu , wozu noch zwei Lepidosiren kommen , die der alten
Welt entstammen und nur beiläufig aufgestellt sind. Die Arbeit von
Heckel in dem ersten Bande der Wiener Annalen ist dem Verf. erst
nach Vollendung des Druckes bekannt geworden, wie denn überhaupt
die Literatur des Auslandes nicht besonders die Aufmerksamkeit des-
selben in Anspruch genommen hat. Er hat erkannt, dass einige
Ilcckcl'sche Arten wieder als neu beschrieben sind , behauptet aber,
dass dies leicht zu erledigen sei, weil er wie Heckel meist die
einheimischen Namen zu ihrer Bezeichnung angewendet habe. Es
würde den Dank der Leser erworben haben, wenn Verf. sich her-
beigelassen halte, in der Einleitung, wo er hierüber spricht, durch
Berichtigung der Synonymie diesen Uebelsland zu beseitigen. — Die
Irische des Stromgebietes des Amazonenflusses sind im Allgemeinen
von denen des Plata specifisch verschieden, worin Verf. eine Bestä-
tigung eines früherert Ausspruches sieht, dass überall, wo die Indi-
viduen einer Species völlig einer Communication mit anderen Indivi.
duen derselben Species beraubt sind , sie das Bestreben haben , sich
zu ntodificiren, selbst wenn man anniuimt, dass sie von einem einzi-
gen Typus abstammen. Er ist überzeugt, dass wenn eine künstliche
Verbindung zwischen diesen beiden Stromgebieten hergestellt sein
Nvird, die Arten sich in mancher Beziehung verändern werden , und
dass man bei Para und Buenos-Ayres tische wird erscheinen sehen,
die bisher diesen Gegenden fremd waren. In der Einleitung p. IV
wird ein interessanter und grossartiger Fischlang in einem See am
Ucayale beschrieben , bei dem nach der Schätzung des Verf. über
50,000 Pfund Fische gelödtet wurden. Verf. erwähnt wieder des
eigenlhümlicheu Tons, den eine kleine Art von liypostoma hervor-
bringen soll (vgl. Schomburgk Ueisen im Britisch Guiana IL p. 33).
Vorherrschend im süssen Wasser sind die Sciaenoiden, wobei freilich
die Cbromidcn nvitgezählt werden, die Siluroiden und Salmonoiden,
84 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie
unter welchen letzteren die Characinen verstanden werden. Bei sol-
chen allgemeineren Angaben tritt es besonders bedauerlich hervor,
dass Verf. auf die neuere Systematik so wenig Rücksicht genom.
men hat.
In einer Jubelschrift der Universität Freiburg* „Unter-
suchungen zur Ichthyologie. Freiburg in B. 1857. 4." findet
sich p. 17 eine Abhandlung von Wilhelm Manz über den
wahrscheinlichen Accommodations- Apparat des Fischauges,
wofür die Campanula sammt dem Ligamentum Suspensorium
gehalten werden.
Ueber die Enden der Nerven im elektrischen Organe
der Zitterrochen schrieb Remak in Müller's Archiv 1856.
p. 467.
M e i g e n hat Betrachlungen „über die Function der
Schwimmblase bei den Fischen" angestellt. Programm der
Realschule zu Marienburg 1856.
Er kommt zu dem Resultate, dass ein Fisch nur innerhalb einer
Wasserschicht von bestimmter Dicke Unterstützung von der Schwimm-
blase beim Schwimmen habe ; und dass ausserhalb dieser Schicht die
Schwimmblase nicht nur unnütz , sondern sogar gefährlich sei , indem
er zu tief sinken, oder zu hoch steigen könne, ohne jemals wieder
die ihm zusagende Schicht erreichen zu können. Wach des Verf.
Erörterungen ist die Einrichtung der Schwimmblase entscheidend für
die Verbreitung der Fische in den verschiedenen Wassertiefen.
Brühl hat unter dem Titel: „Osleologisches aus dem
Pariser Pllanzengarlen. Mit 11 Tafeln. Wien 1856. Selbst-
verlag des Verfassers* eine Reihe Untersuchungen über das
Skelet der Fische bekannt gemacht. Die Tafeln sind vom
Verf. selbst recht hübsch radirl.
Ein Eingehen auf die Einzelnheiten verbietet der diesen Bc«
richten gesteckte Raum. Ich erwähne daher nur im Allgemeinen,
dass sich der Inhalt auf ein bisher unbekanntes accessorisches Bo-
genelement derüccipitalgegend einiger KnochenGsche (Megalops, Thyn-
nus, Ostracion etc.), auf das Occipitale superius des Lophius pisca-
torius, auf den Lepidosteus.Kopf, und dessen Wirbelsäule, ferner auf
die Osteologie von Aspredo, Loricaria , Hyposloma, Aulostoma, Esox,
Clupeiden, Salmoniden, Batistes etc. bezieht. Da die mühevollen Un.
tersuchungen Zeit und Kosten des Verfassers in Anspruch genommen
haben , so möchte ich demselben einen recht reichlichen Absatz
wünschen.
Paul Gervais hat in Cnslelnau's Reisewerk, Anatomie
¥
während des Jahres 1856. 85
p. 96 — 98 pinige osteologisclie Bemerkungen über den Schä-
del von Vastres und Myleles beigebracht.
In einer „Monographie der fossilen Fische des siluri-
schen Systems des Russisch - ballischen Gouvernements St.
Petersburg 185Ö« beschrieb v. Pander zahlreiche Zahnge-
bilde, die er für Fischzahne hält. Der Vergleichung wegen hat
er die Zähne einiger lebender Fische, nämlich Lucioperca
Sandra, Perca fluvialilis, Osmerus eperlanus, Esox lucius mi-
kroskopisch untersucht, und gezeigt, dass auch hier die Zuhn-
substanz aus Lamellen, wie bei seinen Conodont en, zu-
sammengesetzt ist. Ich kann die Vermuthung nicht unler-
drücken , dass diese fossilen Zähne nicht Fischen , sondern
vielmehr Schnecken angehört haben. — Beiläufig wird p. 13
in einer Note ein Verfahren angegeben, die feinsten Tubuli
der Zähne zu färben. Man legt das Präparat 14 Tage in
eine wässrigc Auflösung von Cyankalium und bringt dasselbe
dann einige Wochen in eine concentrirle Auflösung von
Sublimat.
üeber die Mikropyle der Fischeier und über einen
bisher unbekannten, eigenlhümlichen Bau des Nahrungsdot-
ters reiferund befruchteter Fischeier (Hecht) von Reichert
vergl. Müller*s Archiv für Anatom. 1856. p. 83.
Ebenso p. 125 über die Müller-WolfT'schen Körper bei
Fischembryonen und über die sogenannten Rotationen des Dot-
ters im befruchteten Hechteie von Reichert.
In der deutschen Vierleljahrsschrift No. 73 März 1856
findet sich ein Aufsatz über künstliche Fischzucht.
Dipnoi.
Ueber Lepidosiren annectens findet sich eine Notiz von
Edward New man in Journal of the Proceedings of the
Linnean Society I. p. 73.
Verf. picht die enge Kiemenspalte, die beiden vorderen Zähne
in dem Oberkiefer, die Vereinigung der senkrechten Flossen und die
Schuppen mit der Seitenlinie als entscheidend für die Fischnatur an,
und ist in Verlegenheit, ob er diese Fischgattung zu den Knorpel,
fischen oder Knochenfischen bringen soll. Ihm scheint das Müller'sche
System unbekannt.
86 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie
Der Graf Castelnau führt in seinem citirlen Werke
die Gattung Lepidosiren als eine besondere Ordnung „Ich-
thyosireneß" am Schlüsse des Abschnittes über die Fische,
und sieht sie als eine Mittelstufe zwischen Fischen und Ba-
trachiern an.
Er zählt fünf Arten auf, nämlich: L. paradoxa IVatt, annectens
Owen, dissitnilis n. sp. pl. 50. flg. 1 aus einem See des Ucayale, wo
er äusserst selten zu sein scheint, da Verf. nur ein Exemplar fing,
und wo ihn die Indianer mit den Aalen, Carapus u. s. w. confundiren,
L. lobal Adanson Ms., ein Adanson'sches Exemplar in getrocknetem
Zustande, schlecht erhalten, aus dem Senegal, L. Arnaudü n. sp. nach
einem Exemplare aus dem weissen Nil.
Teleostei.
A canthop teri.
Percacei. Die bereits im vorigen Berichte p. 75 an-
gedeuteten Untersuchungen vonDufosse, welche das Zwit-
terlhum von Serranus scriba und cabrilla bestätigen, und das
von S. hepalus hinzufügen, sind nunmehr in einer ausführ-
lichen Abhandlung Annales des sc. nat. V. p. 294 erschienen.
Das anatomische Verhalten ist durch Abbildungen erläutert.
Die beiden früher von Girard als Labrax nebulifer und cla-
ihralus beschriebenen Fische sieht derselbe nunmehr (Proc. Philadel-
phia Vill. p. 131) als die Typen für eine neue Gattung an, die er Pa-
ralabrax nennt, und weist ihr die Stellung neben Serranus an. Die
Charaktere sind folgende: Allgemeine Physiognomie wie Labrax. aber
die erste Rückenflosse ist mit der zweiten vereinigt, wie bei Serra-
nus; das Profil des Körpers ist spindelförmig, die Schwanzflosse ab-
gestutzt oder schwach ausgerandet; Kopf subconisch, Unterkiefer etwas
länger als der Oberkiefer, Mund ziemlich gross; hecheiförmige Zähne
an den Kiefern, Vomer und Gaumin, mit einer Ueihe schmaler Hunds-
zähne längs der Kieferränder; Zunge glatt; kleine gleichartige Dor-
nen am Aussenrande des Praeoperculums ; zwei kleine Dornen am
llande des Kiemendeckels; Suborbitalknochen ganzrandig; Humerus
gezähnt; Deckel und Wangen mit Schuppen bedeckt, an den Wan-
gen kleiner als am Deckel ; Kiemenspalten unter der Kehle vereinigt,
sechs Kicmenhautslrahlcn ; Schuppen klein hinten gesägt.
In der Trachinus-Gruppe stellte (J i rar d Proc. Philadelphia VIII.
p. 132 eine neue Galtung II omalop o mn s auf: Körper langstreckig,
Jttund gross, Unterkiefer vorstehend; über- und Unterkiefer mit Hunds-
I
während des Jahres 1856. 87
Zähnen, hechelförmigc Zähne am Vomer; Gaumen zahnlos, Zunge
glall ; Rückenflossen getrennt, die vordere klein und dreieckig, die
hintere lang bis fast zur Schwanzflosse; Afterflosse länger als hoch,
weit hinten. Deckel. Apparat dornlos und schuppig; Wangen glatt
und schuppcnlos; obere Fläche des Kopfes mit kleinen Schuppen be-
deckt; Schuppen am Körper n)ä8sig entwickelt, hinten ganzrandig und
glalt; Kiemenspalten unten vereinigt, sechs Kiemenhautstrahlen. //.
Trowbridgii von Oregon.
Heterophthahnus ßleeker. Manado 1. c. ist eine neue
Gattung aus der Gruppe der Trachichthyoiden in der Barschfamjlie.,
Corpus oblongum compressum ; pinnae dorsales 2 seiunctae, anterior
spinosa, posterior radiosa; ossa capitis granuloso-rugosa et, regione post.
niaxillari trigona excepta, alepidota; dentes maxillis ossibusque palatinis
pluriseriati, vomerini nulli; oculi maximi inferne lobo stipitato oblonge
mobili muniti ; squamae corpore ctenoideae ; membrana branchiostega
radiisS; praeoperculum, suboperculum interoperculumque denliculata ;
pinnae ventrales anacanthae radiis omnibus fissis; squamae linea ven.
tris media scutiformes carinam efficientes. Merkwürdig ist diese Gat-
tung durch den Mangel des Bauchflossenstachels und durch einen ge-
stielten Auswuchs an jedem Auge, den Verf. mit einem Spiegelchen
vergleicht, und der hinten schwarz, vorn goldig rosenfarbig und
schwarz cingefasst ist. Eine neue Art //. katopron von Manado.
An neuen Arten wurden in dieser Familie aufgestellt:
Von Ayres in den Proc. California Acad. p.8 Centrarchus ma-
culosus aus dem Sacramento und San Joaquin, p. 9 Grystes lineatus
aus der Bai von San Francisco.
Von Guichenot in der Historiade la Isla de Cuba : Piedra^
poina melanorhina pl. l. flg. 1. p. 154 , Apsilus denlatus pl. 1. fig. 2.
p. IGO, Ilolocenlrum relrospinis pl. 1. fig. 3.
Vom Grafen de Castelnau in seiner Reise in Südamerika:
Apogon americanum ip\. 3. fig. 2 von Bahia, Centropristis nebulosus pl. 1.
fig. 4 von Rio de Janeiro.
Von B lecker: Apogon kaUoplerus ^ monochrous (nigripinnis
C. V.) , tiemalopleruSf zoslerophorus alle von Manado 1. c, leptacanthus
von Ternate 1. c. p. 204, Apogonicluhys gntcilis Nat. Tijdschr. X. p. .>7l
von Ternate, Ambassis buruensis ib. XI. p. 394 von Buru, Cheilodiplerus
apogonoides von Monadol.c, buruemis unA aniblyuroplenis ^al. Tijdsch.
XI. p. 394 von Buru; Bogoda luacrolepis von Borneo 1. c, Scrranus
dikliophorus von Manado 1. c, microdon Kat. Tijdsch. XI. p. 8ö von Ba-
tavia, Anlhias manadensis von Manado 1. c.
Centrarchus uiaculosus Ayres ist nach Girard identisch mit C.
interruplus Girard Proc. Philadelphia VHl. p. 132.
»der o|ittrei. in ^011 Proceedlngs of tliü Calilorni
88 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie
Acaflemy hat Ayres einige auf diese Familie bezügliche
Notizen geliefert.
Er beschreibt p. 2 eine neue Art Hemitripterus marmoralus,
die 20 Zoll lang wird, und die Girard Proc, Philad. VIII für iden-
tisch mit Scorpaenichlhys marmoratus Girard erklärt.
Unter dem Namen Rockfish (p. 2) kommen vier Arten der Gat-
tung Sebastes auf den Markt: S. nebnhsus , paucispinhy ruher und rrt-
riabilis Cuv. Auch von diesen hat Girard 1. c. die Synonymie be-
richtigt. Er erklärt S. ruber Ayres für S. rosaceus Gir., nebulosua
Ayres für fasciatus Gir., variabilis Ayres (non Cuvier) für S. auricu-
latus Gir,
p 10 beschrieb Ayres als neue Gattung einen Fisch C^y-
peocoltus robustus f den er jedoch nachher als den Aspidocottus
bison Girard erkannte.
Ferner berichtigte Ayres die Synonymie der Arten der Gat-
tung Acanlhocotlus von Piew - England. A. mucosus Ayres (Coltus
groenlandicus Rieh., Acanlhocoltus variabilis Gir.), A. variabilis Ayres
(not Girard), A. virginianus Girard (Cottus Ibspinosus lü'itch. Cottus
virginianus Storer. und Dekay.)
p. 47 wird eine neue Art Gasleroslens serraius Ayres aus der
Bai von San Francisco beschrieben ; sie jjehört in die Gruppe mit 2
freien Stacheln vor der Rückenflosse, aus welcher Verf. nunmehr 8
Arten namhaft macht.
p. 75 stellte Ayres in der Nähe von Hemilepidotus und Scor-
paenichlhys Gir. eine neue Galtung C ahjcilepid olus mit folgenden
Charakteren auf: Kopf mit Knochenplatten bedeckt, etwas dornig, be-
sonders an den Kiemendeckeln. Zähne fein und haufenförmig in den
Kiefern , am Vomer , den Gaumenbeinen und Schlundknochen. Die
stachligen und weichen Strahlen mehr oder weniger vollständig ge-
trennt. Kopf breiter als hoch , die Seilen des Körpers und zuweilen
der Kopf mit Flecken von doppelt concaven ciliirten Schuppen, die
mit Räumen glatter Haut abwechseln. Haullappen an verschiedenen
Stellen des Kppfes. Dahin gehören zwei Arten C. spinosus Ayres und
C. lateralis (Scorpaenichlhys lateralis Girard) beide aus der Bai von
San Francisco. Vergl. hierzu die spätere Bemerkung von (iirard.
Girard hat in Proc. Philadelphia VUl. p. 132 einige
neue Gatlungen in der Familie der Panzerwangen gegründet
und sonstige Bemerkungen über Mitglieder dieser Familie be-
kannt gemacht.
Die Gattung Ölig o cottus gehört der Cottoidengruppe an, und
ist auf eine sehr kleine Art gegründet: Kopf glatt , ausser einigen
Dornen an Vordcckel und Schnauze ; Oberkiefer etwas vorstehend,
k
während des Jahres 1856. 89
Zähne an Kiefern, Vomer und Gaumen; Kiemenspalten unlen verei-
nigt, sechs Strahlen in der Kiemenhaut; Uüekenflossen vereinigt,
Schwanzflosse abgerundet, Insertion der liauchflossen hinter der Basis
der Brustflossen , Anfang der Afterflosse vor dem Vorderrande der
zweiten Uüekenflosse; Haut glatt, Seitenlinie ununterbrochen in der
ganzen Länge des Körpers. 0. maculo$us von San Francisco.
Die Gattung Lei o cotlus hat einen völlig glatten Kopf, nur
am Vordeckel Dornen; Mund massig gespalten, Kiefer gleich; Zahne
in den Kiefern und vorn am Vomer, keine am Gaumen; Bartfäden an
den Uberkiefern; Kiemenspalten unten vereinigt, 5 Strahlen in der
Kiemenhaul; Uückenflossen fast vereinigt an der Basis, Bauchflossen
hinter der Basis der Brustflossen eingelenkt, vSchwanzflosse abgestutzt;
iJaut völlig glatt ohne Höcker und Schuppen; Seitenlinie deutlich und
ununterbrochen. L. hirundo von San Miguel in Californien hat gans
das Ansehen einer Trigla.
Früher hatte Ayres (vergl. oben) eine Gattung Calycilepido-
tus aufgestellt mit zwei Arten. Die eine C. spinosus erklärt (iirard
für der Gattung Hemilepidotus Cuv., die hier aufs Neue charakterisirt
wird, angehörig; die andere C. lateralis ist nicht identisch mit Scor.
paenichthys lateralis Girard. Auf diese letztere gründet (i. nun eine
neue Gattung Artediusi Kopf rauh, mit häutigen Supraorbitallappen;
Dornen nur am Vordeckel ; Mund massig gespalten, Überkiefer etwas
vortretend; Zähne an hiefern, Vomer und Gaumen; Kiemenspalten
unten vereinigt, fünf Strahlen in der Kiemenhaut; Bückenflossen ge.
trennt, Schwanzflosse abgestutzt, Bauchflossen unter der Basis der
Brustflossen eingelenkt; eine dorsale Binde gekämmter Schuppen. Da-
hin ausser Scorpaeniehthys lateralis eine neue Art A. nulospilutus aus
der Tomales-Bay in Californien. ;
Auch in der Gruppe der Heterolepiden (Chirus und Ophiodon)
wird eine neue Gattung Oplopoma gegründet: Körper langstreckig,
häutige Lappen über den Augen, und Dornen am Vordeckel ; Schnauze
konisch, Mund gross, Unterkiefer länger; Hundszähne an den Kie.
fern, Vomer und Gaumen; Kiemenspalten vereinigt, sechs Kiemen,
hautslrahlen ; Rückenflossen vereinigt, Schwanzflosse halbmondförmig,
Bauchflossen ein wenig hinler den Brustflossen inserirt ; Körper mit
kleinen Cycloidsehuppen bedeckt. 0. pantherina vom Cap Flaltery.
Von neuen Arten hat Verf. in dieser Familie ib. aufgestellt:
Sebasles nicluuops^ Gaslerosteus intermedius und Vugetti sämmtlich von
Californien.
Die Berichtigung einiger Synonyme ist schon unten bei Gele-
genheit der Arbeiten von Ayres angegeben worden.
Pleroidic klhys n. gen. Bleeker Amboina i. c. Caput
corpusque compressa; praeoperculum et operculum posticc aculcala;
90 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie
Vertex, orbitae, ternpora, rostrum ossaque suborbitalia anacantha; cirri
capite plures ; dentcs maxillis vomerinique pliiriseriati, palatini nuUi ;
corpus squamosum ; pinna dorsalis unica partem spinosam inter et
radiosam profunde incisa, membrana interspinosa integra, radii pin-
nis dorsali, anali , caudali pectoralibusque omnes simplices, liberi
nullij membrana branchioslega radiis 7. Ft. amboinensis n. sp.
Ausserdem stellte Bleeker in dieser Familie noch folgende
neue Arten auf: Apislus leucoprosopos An)boina 1. c. , Scorpaena cya..
nosUgma Kat. Tijdschr. XI. p. 400 von Buru , Plalycepkalus Quoyi ib.
XII. p. 206 von Ternate.
Pseudoclironiicles. Bleeker siaWie Pseudochromis polya-
canlhtts Watuurk. Tijdschr. X. p. 375 von Ternate als neue Art auf.
Sciaenoidei. Leioslomus lineatus ist eine neue Art von
Ayres Proc. California Academy I. p. 25.
Caslelnau bildete in seinem Reisewerke 1. c. Johnius crou^
vina pl. 5. fig. 1. aus dem Flusse Crixas und aus dem Araguay, J.
amazonicus pl. 4. fig. l aus dem Amazonenflusse, J. auralus pl.4. fig. 2
aus dem Ucayala als neua Arten ab. — Die übrigen von ihm als
Sciaenoiden beschriebenen neuen Arten gehören den Familien La-
broidei ctenoidei und Chromides an , woselbst sie unten aufgeführt
werden.
Guichenot lieferte in der Historia de la Isla de Cuba 1. c.
pl. 2. fig. 1. p. Ib3 eine Abbildung von Latilus chrysops Cuv. Yal. IX.
p. 496.
Sparoidei« Neue Arten : I'agellus microps Guichenot Histo-
ria de la Isla de Cuba pl. 3. fig. 1. p. 188; und die folgenden von
Bleeker: Upeneus Jansenii und oxycephalus von Manado 1. c. , Le-
thrinus kaltoplerus ib., Caesio gymnopleius Nat. Tijdschr. X. p. 372 von
Ternate, Dentex zysson ib. XII. p. 219 von Nias.
Sqitamipeunes. Ausser einer neuen Art llolacanlhus for-
mosus pl. II. fig. 2 von ßahia hat Castelnau in seinem Ueisewerke
eine neue Galtung dieser Familie aufgestellt:
Plalaxoides. Keine Zähne am Gaumen; im Oberkiefer je-
derseits neun, ziemlich stark und spitz, die des Unterkiefers fein, je-
derseits und vorn ein grosser gebogener im Unterkiefer ; Körper sehr
hoch, sehr zusammengedrückt ; Rücken - und Bauchflossen mit langen
Fäden versehen. Die Gattung findet ihre Stellung neben Platax.
Die neue Art PI. Dinnerilii von Para ist pl. 11. fig. 3 abgebildet.
licoinüfieroidei. Ayres beschrieb Proc. California Academy
I. p. 62 eine neue Art Caranj; symnielricus aus der Bai von San Fran-
cisco, den ersten Scomberoiden , welcher von Californien bekannt
wird. Die Seitenlinie krümmt sich unter der zweiten Rückenflosse
I
während des Jahres 1856. 91
plötzlich abwarl?, und ist mit 44— 46 Schildern bewaffnet ; sehr kleine
Zähne in den Kiefern, an den Gaumenbeinen, am vorderen Theile des
Vomer, längs der Mittellinie des Vomer und an der Zunge. Die an
der Zunge und an dem vorderen Theile des Vomer sind gedrängt, die
übrigeu fast in einer Reihe geordnet. Die Art soll noch am ersten
mit C. punctatus verwandt sein.
Auch Guichenot beschrieb eine neue Art Caranx pisquelus
in der Historia de la Isla de Cuba pl. 3. fig. 2. p. 204.
Neue Arten von B lecker sind: Scomber moluccensis, Thyrsi^
tes promelhoides , Caranx tapeinosoma und janlhinospUos j sämmtlich
Amboina 1. c.
Naucrates ductor wurde bei Falmuth gefangen, wie Cooks be-
richtet. Annais nat. hisl. XYIIl. p. 496.
Teufliides. Neue Art : Acanlhurus Bahiamts Casteloau 1. c.
pl. 11. fig. 1. von Bahia.
jttlierinacei. Nach Girard ist Atherina Storeri Ayres =
Atherinopsis calü'orniensis Gir. Proc. Philadelphia VIII. p. 136.
Ulennioidei. Pholidichlhys Bleeker n. gen. Natuurk.
Tijdschr. XI. p. 406. Corpus valde elongatum compressum poslrorsum
sensim gracilescens cauda gracili acuta; pinna dorsalis, caudalis et
aualis distinctae sed unitae, radiis simplicibus flexilibus; dorsalis unica
indivisa anali multo longior; ventrales filiformes biradlatae , vix ante
pinnas pectorales inscrtae; apertura branchialis ampla; membrana bran.
chiostega radiis 6; cutis alepidota ; dentes maxillis pluriseriati inae-
quales, vomcrini vel palatini nulli ; operculum anacanthum. Zwischen
Pholis und Petroskirtes , aber durch das Gebiss und die vereinigten
Flossen unterschieden. Eine neue Art Vh. leucotaenia von Buru.
Ausserdem beschrieb Bleeker zwei neue Arten: Salarins ver^
miculaloides Sumatra 1. c. und Opistognalhits Ro$cnbergn Nat. Tijdschr,
Ned. Indie. Xil. p. 220 von Nias.
Clinus fascialus Castelnau 1. c. pl. U. fig. 2 von Bio de Janeiro.
Lep lo gu 7in ellu s nov. gen. Ayres Proc. California Acad. I.
p. 26. Körper verlängert, stark comprimirl, Vorderkopf nicht abschüs-
ig, Muud massig, kleine gleiche Zähne in den Kiefern und an den
Gaumenbeinen, Vomer zahnlos, alle Strahlen der Uückenfiosse stach.
lig, Bauchllosseu wohl entwickelt, Kiemenspalte frei. L. gracilis aus
der Bai von San Francisco.
Apodiclithys virescens Ayres ib. p. J5 aus der Bai von San
Fraucisco.
Eine neue Galtung zwischen Zoarces und Anarrhichas gründete
Ayres ib. p. 5b unter dem Namen C ebedi c klhy $. Kopf glatt,
rundlich, Schnauze stumpf, Körper iaugstreckig mit klciucn uingcbcU
92 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie
teten Schuppen, Rücken-, Schwanz- und Afterflosse vereinigt, keine
Bauchflossen; Lippen fleischig, Mundöfl'nung schief aufwärts ; Zähne
klein in beiden Kiefern und an Vomer und Gaumenbeinen ; sechs Kie-
nienhaulstrahlen, ein fleischiger Kamm auf dem Kopfe. C. crislagaUi
aus der Bai von San Francisco ist abgebildet.
Eine andere neue Gattung in der ^ähe von Anarrhichas ist
Anarrhichthys Ayres ib. p. 31. Kopf glatt, gewölbt, stumpf,
Körper sehr langstreckig; Schuppen klein, Rücken-, Schwanz- und
Afterflosse vereinigt. Hundszähne vorn in den Kiefern, stumpfe rund-
liche Zähne an Vomer, Gaumenbeinen und gm Unterkiefer, keine am
Oberkiefer; keine Bauchflossen. Unterscheidet sich von Anarrhichas
durch die aalartige Verlängerung des Körpers und die vollständige
Vereinigung der verticalen Flossen. A. ocetlalus aus der Bai von San
Francisco.
Oobioidei. Gobiodon Bleeker n. gen. Natuurk. Tijdschr.
ned. Indie XL p. 407. Pinnae dorsales 2 basi continuae, ventrales in
discum unitae ; dentes maxillis erecti pluriseriati, inferiore serie in-
terna symphysin versus caninis 2 magnis; apertura branchialis verti-
calis ; membrana branchiostega radiis 4. Verf. hält es für geeignet
das artenreiche Geschlecht Gobius zu zersplittern und grfiudet auf
Gobius histrio K. v. H,, quinquestrigatus C. V. und coryphaenula C. V.,
welche schon Valenciennes wegen des grossen Kopfes, der klei-
nen Augen, des stumpfen Profiles und des schuppenlosen I'iackens als
besondere Gruppe zusammenbrachte, die neue Galtung, der er noch
Gobius erylhrophaios Blkr. und eine neue Art G. helerospilos von Buru
hinzufügte.
Als neue Arten der Gattung Gobius sind beschrieben : G. hemU
gymnopomus Bleeker Macassar 1. c, G. javanicus Bleeker Nat. Tijdschr.
XL p. 88 von Patjitan im südlichen Java, G. ophlhalmonema Bleeker
ib. p. 208 von Ternate. — Ferner Cr. Newberti Girard Proc. Philadel-
phia VllL p. 13(j von Californien.
Gobius crista galli Cuv. Val. ist von Guichenot Historia de
la Isla de Cuba pl. 3. fig. 3 abgebildet.
Auf Kosten der Gattung Eleotris bildete B 1 eek er Nat. Tijdschr.
ned. IndieXL p. 41 1 eine neue Galtung Cu/ius, die leicht an dem nach
unten gerichteten Dorn des Vordeckels zu erkennen ist. Die Cha-
raktere sind: Pinnae dorsales 2; dentes maxillares pluriseriati; pala-
tum totum edentulum ; praeoperculum spina deorsum spectante arma-
tum ; membrana branchiostega radiis (3; nares anteriores tubulatae.
Dahin Eleotris nigra Q. G. , acanthopomus lilkr , pseudacanthopomus
Blkr. und melanosoma Blkr.
Als neue Art beschrieb B 1 e e k er Eleotris microlepis Nat.
Tijdschr. XL p. 102 von Banda. — Eleotris Ilasscitii, welche Blee«
während des Jahres 1856. 93
ker früher nach einer nachgelassenen Abbildung von Kühl und van
Hasselt aufgestellt hatte, konnte er nun ib. \i. p. 412 nach Exempla-
ren beschreiben.
In der Gruppe Discoboli stellte Ayres Proc. California Acad. I.
p. 23 zwei neue Arten auf: Liparis yulchellus und mucosus von San
Francisco.
Pediculntio Anlennarius Lacepedii ist eine neue Art bei
Bleeker Amboina 1. c.
■«^■HtuInreH. Gast ein au beschrieb 1. c. p. 148. pl.9. (ig. 3
als neue Art Aulosloma Margratii von Brasilien mit dem Bemerken,
dass (lies wahrscheinlich der^ Patimbuaaba des Marcgrav sei. Der
Fisch ist olivengrün mit vielen runden blauen Flecken; am Körper
einige blaue Längslinien, von denen sich eine jederseits auszeichnet.
D. 14. A. 14. V. 6. P. 14.
Anacanthini,
Oadoidei. Agassi z zeigte in der Boston Proc. VI.
p. 9 an, dass er in dem Eierstocke des Haddock (Gadus ae-
glefinus?) die Eier bereits gefurcht beobachlel habe, und
setzt voraus, dass die Embryonen sich im Eierstocke ent-
wickeln. Ebenso bei anderen Fischen (Cod, Whiling und
American Hake).
Ayres stellte einige neue Arten dieser Familie in Proc. Ca-
lifornia Academy 1 auf, nämlich: Morrhua catifornica p. 9 unJ Bros-
mius marginatus p. 13 aus der Bai von San Francisco ; ferner Aler^
langus productus von der Californischen Küste. Die letztere Art soll
weiter nördlich an der Küste von Oregon häufiger vorkommen, und
ist ausser dem kleinen Gadus proximus Gir. der einzige Repräsentant
der Gadoiden-Familie in diesem Meere.
Pleur<»nect»e. Rhomboidichthys Bleeker nov. genug.
Alanado en IMacassar 1. c. Pinnae dorsalis, analis, caudalis, pectora-
les, ventrales; dorsalis rostro incipiens et analis a caudali seiunctae;
OS anlicum ; dentes maxillis biseriati acuti ; rostrum cornutum ; oculi
val;ie dislantes; membrana branchiostega radiis ü. Durch die zwei-
reihigen Kieferzähne von Bhombus verschieden. Dahin Rhombus my-
riaster Temm. Schi. Fauna japon.
Platessa stellata und glacialis Pall. sind von Richardson in
der Zoology of the Voyage of H. M. S. Herald. London 1854. p. 1(34.
pl. 32 abgebildet worden. Die Figuren sind auf dem Stein nicht um-
gekehrt gezeichnet, daher auf der Tafel verkehrt abgedruckt.
Neue Arten: Solea heterorinnus und Synaptura heterolepis Blee-
ker Amboina 1. c. , Flatichthys umbrosus von Cap Flallery und Pleum
94 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie
ronichthys gultulalus von der Tomalcs-Bay Girard Proc. Philadelphia
VIII. p. 136. — Monochir linealus Guichenot Mist, de Cuba p. 235,
wird mit M. maculipennis Ag. verglichen. — Rhombus buhianus pl. 41.
flg. 1 von Bahia und Monochir punclifer pl. 41. fig. 3 von Bio Ga-
st ein au I.e. — Plalessa bilineala Ayres Proc. California Ac. I. p. 40
aus der Bai von San Francisco.
€>p]tidini* K a u p lieferte einen Beitrag zur Familie der
Ophidinen in diesem Archiv p 93. Er zählt 14 Arten in 5 Gattungen
auf. Die neuen Arten s. daselbst.
Ausserdem stellte Bl eeker eine neue Art Oj;i/6e/es gracilis Nat.
Tijdschr. Ned. Indie XI. p. 105 von Banda auf.
Aoiiinodytides. Girard brachte einen neuen Ammodyles
personatus von Cap Flattery Proc. Philadelphia VIII. p. 137.
'Pharyngog nathi,
liabroiflei cycloidei. D tiy maeria Bleeker n. gen. Acta
Soc. scient. Indo.Neerl. I. Dentes maxillia uniseriati conici, utraque
maxilla antice canini 4 magni; linea' lateralis continua ; caput prae-
operculo operculoque squamosum ; praeopcrculum denliculatum ; pin-
nae dorsalis et analis basi squajnosae, caudalis basi squamis 3magnis;
Spinae anales 3, dorsales 9; membrana branchiostega radiis 5. Unter-
scheidet sich von Cossyphus durch einreihige Kieferzähne, von Cre-
nilabrus und Ctenotabrus durcli die beschuppte Basis der Bücken- und
Afterflosse, und die geringe Anzahl Uückendornen, von Acanlholabrus
durch einreihige Zähne und geringe Zahl der Rücken - und After-
flossendornen. Dahin gehören Ctenolabrus flagellifer C. V., Crenila-
brus flagellifer T. Schi. (D. japonica Blkr.) , Ctenolabrus aurigarius
Richards., Ct. rubellio Richards., Cr. nematoplerus, enneacanthus und
spilogaster Blkr. und eine neue Art D. amboinensis.
Xipho citeilus Bleeker n, gen. Nat. Tijdschr. Ned. Indie XII.
p.223. Dentes maxillis e crista comniuni oriuntes, uniseriati vel sub-
bisseriati , obtusi ; canini insuper utraque maxilla antice 4 extcrni
magni divergentes; dentes pharyngeales conicograniformes; labia lala
sed lenuia , superius subensiforme, ore clauso totuin fere sub cutc
suborbitali occultum ; caput, regione oculo-niaxiliari, rostro et maxilla
inferiore exceptis, squamis tectum ; maxilla superior vix vel non pro-
tractilis; praeopcrculum denliculatum; linea lateralis continua; pinnae,
caudalis excepla, alepidotae; membrana branchiostega radiis (i; Spi-
nae dorsales 12, anales 3. Eine neue Art: X typus von Nias. Die
Gattung wird in die ?tähe von Cossyphus gestellt und unterscheidet
sich besonders durch die eigenlhümliche Bildung der Lippen.
?!eue Arten von Bleeker: Labroides xanthurus Manado 1. c,
während des Jahres 1856. 95
— Tauloga notophlhalmus ib., — ^otacnla Hoedlii Amboina , celebica
Macassar , Twislii Nat. Tijdschr. X. pi 381 von Ternate, — Anampses
Tttislii Amboina 1. c, — Julis (Julis) Jansenii Manado, leucorhijnchos
ib., ainblijcephnlus Nat. Tijdschr. XI. p. 83 von Malang in Südosljava,
— Julis fUalii'hoeresJ amboinensis Amboina , pseudominiatus ib. , ßet-
chei Sumatra, baluensis Nat. Tijdschr. XII. p. 240 von den Batu-
Inseln.
Castelnau beschrieb eine neue Art XyriQhthys splendens 1. c.
pl. 5. flg. 2 von Bahia.
Ayres desgleichen Labrus pulcher von San Diego Proc. Cali-
fornia Acad. I. p. 1.
Holconoti. Embiotoca argyrosoma Girard Proc. Philadelphia
VIII. p. 136 von San Francisco.
T^abroiclei ctenoiflei. Neue Arten : Heliases mnllilinealus
Guichenot Hist. de Cuba p. 184. pl. 2. (ig. 2. — von Castelnau I.e.
Pojnacentrus variabiiis pl. 3. flg. 3 von Bahia , P. pictus pl. 2. fig. l
ebendaher, vielleicht nur Varietät des Vorigen; Heliases marginala
pl.3. flg. l von Bahia. — von B lecker Pomacenlnis taeniuvus Am-
boina 1. c. , tapeinosoma Nat. Tijdschr. Ned. Indie X. p. 376 von fer-
nate, cyanomos und simsiana ib. XI. p. 89 von ßatavia, Heliases ler~
nalensis ib. X. p 377 und Glyphisodon melanopus ib. XI. p. 82 von Ma-
lang in Südostjava.
diromide»!. DerGraf Castelnau beschrieb auch aus die-
ser Familie eine Ueiho von Arten: Chromis (Verf. schreibt Chromys)
unipunctala pl. 8. fig. 2 von Bahia , Ch unimaculala pl. 7. fig. 2 von
Bio Janeiro, Ch. obscura pl. 6. fig. 3 aus dem Flusse Paraguassu in
der Provinz !5ahia, Ch. oblonga nach einem verstümmelten Exemplare
aufgestellt aus dem Flusse Tocantins Pravinz Goyaz, Ch. proxima pl.7.
fig. 1 aus einem See bei Ucayale in Peru, Ch. ucayalensis pl. 6. fig. 2
von Sarayacu in Peru, Ch. unioccllata pl. 6. fig. 1 von Ucayale, CA.
appendiculata pl.7, fig. 3 ebendaher, Ch. lapidifera pl. 8. fig. 1 von
Araguay, CA.? acora pl. 9. fig. 1 von Araguay, CA.? fasciala pl. 9.
fig. 2 von Araguay. Cichla (Verf. schreibt Cycla) Touconnnrai pl. 10.
fig. 1 aus dem Lac des perles in der Provinz (ioyaz, aus dem Tocan-
tins und dem Amazoncnllusse, C. muUifasciala pl. 10. fig. 2 von Uca-
yale in Peru, C. conibos pl. 10. fig 3 von Ucayale, C. lacuslris pl. 8.
fig. 3 von Bahia. Es lässt sich vermuthen, d^ss manche dieser Arten
mit denen von Ileckel in den Wiener Annalen beschriebenen zu-
sammenfallen werden , so wie es einer neuen Untersuchung bedarf,
um sie mit Sicherheit den Ileckerschen Galtungen einzuordnen.
Chromis fuscomaculala Guichenot Uist. de Cuba p. 185. pl. 2.
ßg. 3.
96 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie
Sromberesoces. Neue Art: Belone macrolepis Bleeker Kat.
Tijdschr. Ned Indie XII. p. 125 von Wias.
Belone timucu Cuv. Val. und Exocoetus spilopus Cuv. Val. sind
bei Guichenot in der Hist. de Cuba pl.4 abgebildet.
Physostomi,
Siluroi«lei, Zunächst mögen hier die reichen Beiträge
des Grafen Ca siel na u 1. c. zu dieser Familie hervorgeho-
ben werden.
Die Bagrus -Arten, welche Verf. erwähnt, haben alle 6 Bart-
fäden, und er theilt sie in zwei Gruppen, je nachdem sie einen Helm
auf dem Nacken haben oder nicht. In die erste Gruppe gehört eine
neue Art B. Vulenciennei pl. 13 fig. 1, in die zweite drei neue Arten
B. flavicans pl. 13. fig. 2, Bousseauxii pl. l4. fig. 1, punctulalus pl. l4.
fig. 2, alle vier aus- dem Amazonentlusse.
Aus Bagrus genidens nebst einer neuen Art bildete Verf. eine
eigene Gattung Genidens^ die durch den Mangel der Gaumenzähne
und die (Gegenwart eines Zahnsystems jederseils auf dem oberen Theile
der W'angenhaut, zu Tlalten oder Händeln vereinigt, charakterisirt wird.
Es scheint als ob diese (Gattung mit Ariodes Müll. Trosch. Horae
ichthyol. zu vereinigen sei. bafrus genidens erhält den Namen G.
Cutierif die neue Art heisst G. granuloius pl. l6. fig 1 und stammt
aus dem Flusse Araguay in der Provinz Goyaz in Brasilien.
Fimelodus Bahianus pl. l6. fig. 2 aus Bahia, P. versicolor pl. 16.
fig. 3 aus dem Araguay; Anus'i longibarbis aus dem Amazonenstrome;
Galeithihys araguayensis pl. 17. fig. 3 aus dem Araguay, G. bahiensis
pl. 18. fig. 1 von Bahia sind neue Arten. — Ebenso Callichlhys chU
quUos pl. 18. fig. 2 aus der Provinz Chiquitos, C. splendens pl. 18.
fig 3 aus dem Tocantins , C. Toasch pl. 19. fig. 1 vou Chiquitos und
Platystoma punclifer pl. 19. fig. 2 aus dem AmazonenQusse.
Die Gattung Hypostomus theilt Verf. in zwei Abiheilungen:
1. Hypostomus ohne Dornen am Zwischendeckel, wohin als neu:
H. alatus pl. 20. fig. 1 von Minas Geraes in Brasilien, aspemlus pl. 20.
fig. 2 aus dem Araguay, parduUs pl. 20. fig. 3 aus dem Amazonen.]
flusse, su6cärma(us pl. 21. fig. 1 aus der Provinz des Mines. 2. Acan^^
tho d emu s mit langen Dornen am Zwischeudcckel, der erste Strahl
der Brustflosse sehr stark und mit langen Dornen bewaffnet, wohin
als neu: H. auranliacus pl. 21. fig. 2 von Ucayale, mveaius pl. 21,
fig. 3 aus dem Araguay , mgricam pl. 22. fig. 1 aus dem Amazonen,
flusse, piclus pl. 22. fig. 2 aus dem Ucayale, spinosus ^\.12. fig. 3 aus
dem Amazonenflusse, vicinus pl. 23. fig. 1 aus dem Ucayale. Auch
hier ist es wieder zu bedauern, dass Verf. die Arbeit von Kner
während des Jahres 1856. 97
(vergl. den Bericht über 1854. p. 443) nicht gekannt hat , wo der-
selbe bereits dieselben Abtheilungen als Inermes und Lictores unter,
schieden hat. Auch von den Arten beider Verfasser werden sich wo^l
manche identificiren lassen.
Ferner werden noch an neuen Arten beschrieben : Loricaria
amaionica pl. 23. fig. 2 und carinata pl. 23. fig. 3 aus dem Amazonen,
flusse, caslanea pl. 23. fig. 4 von Rio de Janeiro. — Boras WeddelUi
pl. 17. fig. 1 aus der Provinz Chiquitos. — Ageneiosus ucayalensis
pl. 17. fig. 2 aus dem Ucayale. — Trichomycterus Penllandi pl. 24.
fig. l aus dem Apurimac, yunclalissimus pl. 24. fig. 3 aus dem Araguay,
wobei Verf. die Vermuthung ausspricht, dass Pygidium dispar Tsihudi
Fauna peruana der Tr. punctulatus Val. sei , piclus pl. 24. fig. 2 aus
dem See iiticaca, pusillus pl. 24. fig. 4 aus dem Araguay.
Die Gattung Vandellia endlich, welche Valenciennes zu den
Hechten stellt, hält Castelnau für verwandt mit Trichüiiivclerus
und beschreibt eine neue Art V. Plaz,aii pl. 28. fig. 3 aus dem Ucayale
in Peru.
B lecker stellte Sumatra 1. c. eine neue Gattung Helico-
phagus auf: Pinnae dorsales 2, anterior radiosa , posterior adiposa;
cirri 4 carnosi, maxillares et inframaxillares ; dentes maxillis pluri-
geriati setacei aequales in vittam curvatam bipartitam dispositi; den-
tes vomerini, palatini vel pterygoidei nulli; oculi superi ; membrana
branchiostega cum membrana lateris opposita unita , radiis 9 ; pinna
ventralis radiis 1.4 vel 1.5; pinna analis elongata ; vesica nata.
toria cellulosa; Spinae dorsalis ei pectorales dentatae. Soll sich von
Pimelodus durch die 4 Fühlfäden und die lange Afterflosse unterschei-
den. //. typus aus dem Flusse Mussi bei Palembang. Den Magen
fand Verf. mit zahlreichen Schnecken erfüllt.
. Ebenda beschrieb B 1 e e k e r auch als neue. Art Arius go^
nia$pi$.
Miirray erzählt von einem Zitterwels von der West-
küste Airika's, den er früher, Edinburgh New philosophical
Journal, als Malapterus Beninensis beschrieben hat, dass die
Eingebornen ihn zur Heilung ihrer kranken Kinder verwen-
den, indem sie dieselben veranlassen, mit den Thieren zu
spielen, oder sie mit ihnen in ein Geläss mit Wasser setzen^ l
Report of the 25. Meeting of Ihe British Association ct. held ;
at Glasgow p. 1 14. ;
CypriDoidei. Ecker beobachtete zwei Fälle von
wirklichem Zwitterlhum beim Karpfen. Jubelschrift der Uni-
versität Freiburg i. B. 1857.
Arcbiv f. Naiurgescb. XXUl. Jähtg, 2. Bd. Q
98 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie
Einige neue Cyprinoiden von der Westseite Nordame-
rikas beschrieb Ayres bereits in den Jahren 1854 und 1855
Proc. Califoriiia Acädemy I.
Daselbst finden sich p. 18 Catoslomus occidentalis aus dem Sacra-
mento und San Joaquin, p. 19 Gila grandisy p. 20 Lavinia gibbosa und
compressa aus dem Sacramento und San Joaquin, p. 21 Gila macrolepi^
dota^ p. 32 Calostotnus labiatus von Stockten, p. 33 Mylophar odon
n. gen. Schuppen, Flossen und Seitenlinie sehr ähnlich wie bei Lavinia;
Alund ziemlich gross, Lippen nicht gerunzelt, eine verdickte schwach
runzlige Schicht längs der inneren Überfläche jeder Lippe, Schlund-
zähne in zwei Reihen, die der äusseren Reihe plump, abgestutzt.
M, robuslus aus dem San Joaquin.
Einen bedeutenden Beitrag zur Kenntniss der nordame-
rikanischen Vertreter der Karpfenfamilie hat Girard in den
Proc. Philadelphia VIII. September 1856 geliefert: Resear-
ches upon the Cyprinoid fishes inhabiting the fresh waters
of the united states , west of the Mississippi Valley, frorn
specimens in the Museum of the Smithsonian Institution.
Dem Verf. hat ein reiches Material zu Gebote gestanden, her-
vorgegangen aus den verschiedensten Sendungen ; auch die Literatur
scheint er sorgfältig benutzt zu haben. Die bereits vonAgassiz her.
gestellten Raiinesque'schen Gattungt^-n sind angenommen, zahlreiche
neue hinzugefügt. Alle besprochenen Arten hat Verf. selbst unter-
sucht. Somit dürfen wir die Abhandlung als eine wichtige begrüs-
seo. Es werden in der Cyprinenfamilie 5 Gruppen unterschieden.
'^ l. Cyprini. Dahin die Gattungen Mylocheilus Agass. mit 3
Arten, worunter M. fralerculus von Monterey in Californien neu; und
Mylopharodon Ayres. mit 2 Arten.
2. Catostomi. Aus Mangel an Material ist Verf. nicht näher
auf die Besprechung der hierhergehörigen Gallungen Carpiodes, Ictio-
bus, Bubalichthys und Cycleptus eingegangen. Eine neue Art Car-
piodes damalis ans dem Milk -River, einem INebenflusse des oberen
Missouri ist beschrieben. — In der Gattung Moxostoma Raf. sind 4
neue Arten aufgestellt : M. claviformis aus einem Webenflüsschen des
Canadianriver , M. Kennerlii, Victoriae und Campbelli aus Texas. —
Von Ptychostomus Agass. werden 3 Arten aufgezählt, worunter Pt.
albidus von Monterey in Californien und hnydeni aus dem Missouri
neu. — Die neue Gattung Minomus ist auf Catustomus insignis, ple.
bejus und Clarkii Baird und Girard gegründet, die ebenfalls neue Gat-
tung Acomus auf Catostomus Forsterianus Rieh., aurora Agass. und
latipinnis B. et G., wozu 4 neue Arten kommen ; A. guzmaniensis aus
dem Janos-River, der sich in den Guzman-See ergiesst, A. generoius
w&hrend des Jahres 1856. 99
aus einem Bach beim See Utah, griseus aus dem Platte-River und
lactarius aus dem Milk-ßiver. — Die Gattung Catostomus Lesuear ist
hier durch 7 Arten vertreten, von denen 3 neu: C. tnacrocheilus von
Astoria, Suchlii aus dem Milli-River und Bernardini aus Mexiko.
Die beiden neuen Gattungen haben folgende Charaktere:
Minomus : Körper langstreckig und spindelförmig; Kopf län-
ger als hoch, Rückenflosse mindestens so hoch wie lang; Lippen
höckerig, massig zweilappig; Schlundzähne nicht seitli h ausgedehnt,
aber beträchtlich einwärts gebogen; die Zähne comprimirt, zweispit.
zig, aber der innere Vorsprung mehr entwickelt als der äussere^'
Schuppen fast gleich gross, aber vorn ein wenig kleiner als hinten.
Acomus: Kopf sehr verlängert, Rückenflosse höher als lang,
Schuppen vorn kleiner als hinten ; Lippen mit Papillen besetzt, und
sehr tief gespalten; Schlundknochen zierlich gebogen und nicht er.
weitert ; Zähne comprimirt und zweihöckerig, der innere Yorsprung
deutlich, der äussere obsolet.
3. Chondroslomi. Verf. nimmt sie in weherer Begrenzung,
und charakterisirt sie durch den Mangel von Bartfäden, messerförmige
Schlundzähne in einer Reihe, herabhängenden Mund. Dahin gehören
folgende Gattungen: Campostoma Agass. mit 4 Arten, C. omatum
aus dem Chihuahuafluss, formulosum aus Texas, nasutum von Monterey.
— Dionda n. gen. mit 10 neuen Arten : ü. episcopa aus dem Quell.
Wasser des Rio Pecos, serena aus dem Rio Sabinal in Texas, texensit
aus dem Rio Nueces in Texas, papalis aus dem Delavarebacb, der
sich in den Rio Pecos ergiesst, argenlosa aus Bächen des Rio Grande
del I*(orte (Rio Bravo), chrysitis aus Bächen des Rio Pecos, melanops
von Buena Vista in Coahiula, Couchi aus dem Rio San Juan, plumbea
aus dem Canadian. River, spadicea von Arkansas. — Hyborhynchus
Agass. mit 4 neuen Arten: //. perspicuus aus dem Arkansas. River,
teneUus 20 Meilen westlich von Choctaw Agency, puniceus aus Bä.
eben am Canadian-River , confertus aus dem Hurrah. I3ach beim Rio
Pecos. — Pimephale s Rafin. mit 2 neuen Arten: F. maculosus aus
dem Arkansas, fascialus aus dem Yellowstone. River. — Algoma n.
gen. mit 2 neuen Arten A. amara aus einer Lagune am Rio Grande
del Norte und ßuviatilis von Monterey, New. Leon. — Cocklogna"
thus B. et G. mit einer Art. — Hybognathus Agass. mit 3 neuen
Arten: H. argyrilis aus dem Milk.River , Etanai von Nebraska, pla-
ciius aus den Schleusen des Arkansas. — 0 riho d o n n. gen. auf
Gila microlepidota Ayres begründet. — Alg ansea n. gen. wohin Leu.
ciscus tincella Val. und 3 neue Arten : A. biculor aus dem Klamath.
See, obesa aus dem Humboldt.River, formosa aus de.n Mercede- und
Mohaveflusse. — Lavini a B. et G. (Acrocheilus Agass.) mit 3 Arten,
von denen L, harengus von Monterey in Californieu neu.
100 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie
Die. neuen Gattungen sind folgendermassen charakterisirt: Di^.
onda. Ganz iileine Fische, die sich von Campostoma Agass. durch
(Jie Lage der Hauchflossen unterscheiden, die unter oder hinter dem
Anfange der Rückenflosse inserirt sind, nicht vor derselben wie bei
Campostoma; von Hyborhynchus unterscheiden sie sich durch kleineren
spitzeren Kopf und kleineren Mund ; der Körper ist schlanker; Schup-
pen gross oder massig, die Seitenlinie in der Mitte der Seiten; Bük-
kcnÜosse höher als lang, und kürzer als bei Hyborhynchus, und der
Vordere Strahl ist enger mit dem zweiten vereinigt; Schwanzflosse
gabelig; Sohlundknochen kräftiger als bei Hyborhynchus^ der untere
Ast eben so lang wie der obere, beide mehr gekrümmt ; Zähne com-
priniirt, nicht hakig, 4 in einer Ueihe.
' Älgoma. Durch sehr grosse Schuppen von Hyborhynchus und
Pimepliäles unterschieden. Zähne messerförmig , 4 in einer Reihe,
Kaufläche fast linear; Kopf und Mund klein, Unterkiefer kürzer; In-
sertion der Bauchflossen hinter dem Vorderrande der Rückenflosse;
letztere höher als lang, vorn ohne kurzen und dicken Strahl; After,
flösse j wie die Rückenflosse, Schwanzflosse gabiig; Schuppen sehr
gross, Seitenlinie mitten, schwach abwätts gebeugt.
' Ortho don. Kopf konisbh, vorn verschmälert; Mund terminal,
schief, beide Kiefer gleich, keine Fäden; ein Höcker an der Sym-
physe des Unterkiefers wie bei Hybognathus; Auge mittel, Isthmus
klein; Bauchflossen unter dem Vorderrande der Rückenflosse inserirt,
Schwanzflosse gabiig; Schuppen kliein, Seitenlinie mitten etwas her-
abgebogen ; Schlundknochen dünn , senkrecht erhoben, oder ziemlich
breit in senkrechter Richtung, wie gewöhnlich gebogen und gegen
den oberen und inneren Rand erweitert, der untere Ast ist viel schma-
ler ; Zähne messerförmig, zusammengedrückt, lanzettförmig, aufrecht,
sehr schwach nach innen gebogeni, ö in einer Reihe.
Alg an sea. Kopf subkonisch, spitz; Mund mittel, schwach
aufwärts gebogen, nicht bis unter die Augen gespalten, ohne Bartfä-
den, Kiefer gleich; Augen massig, Isthmus schmal; Körper kurz und
kräftig, comprimirt , mit mittleren oder grossen Schuppen bedeckt,
Seitenlinie mitten, schwach herabgebogen; ßauchflossen unter dem
Vorderrande der Rückenflosse inserirt, der Hinterrand der Rücken-
flosse erreicht den Vorderrand der Afterflosse nicht; Schwanzflosse
ausgerandet ; Schlundknochen massig stark, die beiden Aeste gleich
stark, der untere etwas länger; Zähne messerförmig, 4 oder 5 in
einer Reihe.
4. Diese vierte Gruppe, in der die Schlundzähne in 2 Reihen
stehen, sonst aber verschieden sein können, und stets Bartfäden vor-
handen sind, finden sich in vorliegender Arbeit folgende Gattungen;
Argyreus Heck, (identisch mit iihinichlhys Agass. j mit 9 Arten
während des Jahres 1856. 101
unter denen neu: A. duicis von Nebraska, nubilus von Sleilacoom,
Füget Sound, osculus aus dem Bobocomor!, Kebenfluss des San Pedro,
der sich in den Rio Gila ergiesst, nolabilis aus dem Rio Santa Cruz,
Sonora. — Agosia n. gen. mit 2 neuen Arten: A. chrysogaster aus
demfRio Santa Cruz und metallica aus dem Rio San Pedro. — Po-
gonichthys B. et G. mit 4 Arten, unter denen F. communis von
TSebraska neu. — Gobio Cuv. mit 3 neuen Arten: G. gelidus aus dem
Miik.River, aestivalis aus dem Rio San Juan, vernalis aus dem Ar^-
kansasfiusse. — Leucosomus Heck. (Cheilonemus Baird) mit drei
neuen Arten : L. dissimilis aus dem Milk-River, pallidus aus dem An-
telope Creek in Arkansas, incrassalus westlich von Choctaw agency.
— Nocomis n. gen. mit einer neuen Art: JV. nebraeensis aus einem
Nebenflüsschen des Nebraska.
Die Charaktere der neuen Gattungen sind: iljjfos ia. Schnauze
rund, schwach vorspringend über den Unterkiefer, Mund mittel mit
schmalen und glatten Lippen, am Winkel mit einem sehr kleinen Bart-
fäden; Isthmus massig breit; Insertion der Bauchflossen unter dem Vor-
derrande der Rückenflosse , die höher als lang ist ; Schwanzflosse
gabiig; Schuppen klein; Schlundknochen an ihrer Krümmung erwei-
tert; die Zähne sind hakig mit einer Kaufläche, 4 in jeder Reihe.
Nocomis. Körper kurz, kräftig, comprimirt, mit grossen Schup-
pen; Bauchflossen unter dem Vorderrande der Rückenflosse, Schwanz-
flosse gabiig; Kopf gross, an der abschüssigen Schnauze gerundet;
Mund gross , terminal ; ein Faden am Hinterende des Kiefers ; Augen
klein, Isthmus ziemlich weit ; Schlundknochen kräftig, etwas an ihrer
Convexilät erweitert, Zähne hakig ohne Kaufläche in einer Reihe 1,
in der anderen 4. Diese Gattung schliesst sich durch die Schlund-
zähne an Semotilus, von der sie sich durch den nicht so tief gespal.
tenen Mund und die Bartfäden unterscheidet.
5. Die fünfte Gruppe ist zahlreich an Gattungen und unter-
scheidet sich von der vorigen durch den Mangel der Bartfäden: Exo-
glossum Raf. mit 2 Arten , wovon E. mirabile aus dem Arkansas
neu. — Meda n. gen. mit einer neuen Art M. fulgida aus dem Rio
San Pedro. — Cliola n. gen. wohin Leuciscus vigilax B. et G. und
zwei neue Arten: C. velox und vivax aus Texas. — Alburnus Rond.
mit 5 neuen Arten : A. dilectus aus dem Arkansas, umbratiUs aus einein
Nebenflusse des Arkansas, amabilis aus dem Rio Leone, Nebenfluss
des Rio Nueces, megalops aus Texas, socius Texas. Für den Fall,
dass diese amerikanischen Arten generisch zu trennen seien, beab-
sichtigt Verf. sie Alburnell us zu nennen. — Alburnops n. gen.
mit drei neuen Arten: A. blenniusj Shumardi und illecebrosus, alle 3
ans dem Arkansas. — Codoma mit 2 neuen Arten: C. ornala aii^
dem Chihuahua und villata aus Mexiko. — Plargyrns Rafln. (syno-
nym mit Hypsolepis) mit sechs Arten, worunter !\ Bowmatii neu ans
102 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie
einem Nebenflusse des Nebraska. — Cyprinella n. g. wohin Leu-
ciscus bubalinus B. et G. und 13 neue Arten: C. umbrosa Canadian-
River, Gvnnisoni Cottonwood Creck, der in den See Utah fliesst,
Beckwilhi Schleusen des Arkansas , Whipplii Arkansas, suavis Texas,
lepida Texas notaia Texas, macrostomn Texas, renusta Texas, texana
Texas, luxUoides Texas , lugubris und ludibunda ohne Angabe des nä-
heren Fundortes. — Montana n. gen. mit Leuciscus lutrensis B. et
G. und 15 neuen Arten: JM. leonina , deliciosa , proserpina , auratUy
complanata y laetabilis ^ pulchella , frigida. Couchi , rutiltty nitida^ for-
mosa f gracilis y gibbosa^ tristis meist aus Texas und Mexiko. — Ri"
chards onius n. gen. gegründet auf Abramis balbeatus Richards,
und einer neuen Art : R. lateralis von Fort Steilacoom, Fuget Sound.
— Luxilus Rafin. mit 7 Arten, wovon L, leptosotnus und seco aus
Texas und lucidus aus einem Nebenflusse des Canadianriver neu. —
Setnotilus Rafin. mit 5 Arten, worunter macroce/;&a/us und speciosus
von Nebraska. — Tiaroga n. gen. mit einer neuen Art T. cobilis
aus dem Rio San Pedro. — Gila B. et G. mit 5 Arten — Tigoma
D. gen. mit 13 Arten, unter denen neu: T. bicolor aus dem Flamath-
See, purpurea aus dem Rio Huagui , intermedia Rio San Pedro, obesa
Salt I.ake Valley, Humboldti Humboldtriver, lineata und gracilis eben-
daher, nigrescens ßocagrande und Janosriver, pulchra Chihahuariver,
crassa Sacramentoriver. — Cheondan. gen. mit 2 neuen Arten:
Ch Cooperi Columbiariver und caerulea Lostriver. — Siboma n.
gen. auf Lavinia crassicauda ß. et G. und eine neue Art S. alraria
gegründet. — P lychocheilus Agass. mit 5 Arten, von denen Pl.
rapax von IMonterey in Californien, lucius aus dem Rio Colorado und
vorax ohne nähere Angabe des Vaterlandes.
Die neuen Gattungen dieser Gruppe sind folgendermassen cha-
raktcrisirt: Meda ist von allen Amerikanischen Cyprinoiden durch
die Gegenwart eines kräftigen ungetheilten , obgleich gegliederten
Strahles am vorderen Bande der Rückenflosse unterschieden, der hin-
ten nicht gesägt, sondern gefurcht ist. — Cliola. Kleine Arten,
die sich von Dionda durch die Schlundzähne unterscheiden , die ge.
krümmt und ohne Kaufläche sind. — Alburnops. Von Alburnus
unterschieden durch den kleineren Mund und durch eine Verdickung
der Schnauze, welche den Unterkiefer schwach überragt. — Co-
dotna von Cyprinella durch eine einzige Zahnreihe, von Moniana
durch den Mangel der Zähnelungen an dem Zahnrande , von beiden
durch kleinere Schuppen und den kurzen rundlichen Kopf unterschieden.
— Cyprinella hat die Schuppen höher als lang, unterscheidet sich
von Plargyrus durch die Schlundzähne und die Lage der Bauchflossen,
von Moniana durch die doppelte Reihe der Schlundzähne ; die Schnauze
ragt über den Unterkiefer vor, obgleich der Mund terminal ist. —
Moniana bat ähnliche Schuppen wie Plargyrus und Cyprinella. Die
während des J«hreg 1856. 103
Bauchflossen sind vor dem Vorderrande der RäcHenflosse inserirt;
Schlundzähne in einer Reihe. — Richardsonius ähnelt Luxilus,
aber der Vorderrand der langen Afterflosse liegt vor dem Hinterrande
der Rückenflosse ; die SchlundzAhne sind schmal mit einer schwachen
Ausdehnung an ihrer Convexität. — Tiarogn unterscheidet sich von
Gohio , mit dem sie einige Analogie zeigen, durch den Mangel der
Bartfäden. — Tigoma von Gila durch kleineren IVIund und grössere
Schuppen, von denen die des Rückens nicht so aufl'allend kleiner als
an den Seiten sind ; der Mund ist terminal. Die Zähne haben bei
einigen Arten keine, bei anderen eine mehr oder weniger deutliche
Kaufläche. — C ho en da. ßauchflossen vor dem Vorderrande der
Rückenflosse inserirt wie bei Gila und Tigoma ; Schuppen massig,
Seitenlinie stark gebogen. — Siboma mit Lavinia Yerw;|indt; Kör-
per kräftig, Schuppen gross. j.,^.
In einem Anhange wird eine neue Art Hybognalhus regius aus
dem Potomakriver hinzugefügt. — Eine neue Gattung Hudsonius
ist auf Clupea hudsonia Clinton gegründet, nebst einer neuen Art //,
amarus. — Die Gattung Hybopsis Agass. wird charakterisirt unc}
auf Rulilus Storerianus Kirtl. bezogen, nebst einer neuen Art H. Win~
chelli aus dem Black Warrior.River in Alabama. — Clinostomus
ist eine neue Gattung, verwandt mit Ptychocheilus, wohin Luxilus
elongatus und drei neue Arten CL funduloideSf afßnis, carolinus gehö-
ren. — Alhurnus lepidulus aus dem Black VVarrior-River und Plargy^
rus argenlalus aus dem James.River sind neue Arten. — Ceratichm
thys Baird wird charakterisirt und um eine neue Art C. leptocepha-
lus von Salem vermehrt. — Endlich wird Nocomis bellicus aus dem
Black Warrior-River als neue Art beschrieben.
Von Südamerika ist eine neue Art von Ca stein au 1. c. zu
erwähnen: Oreslias Tschudii pl. 27. fig. 1 aus dem See Titicaca.
ßleeker endlich stellte einige neue asiatische Arten auf, näm.
lieh : Barbus tetraionaj Leuciseus Helfrichii, Rohita borneensis^ hahaja^
nensis und Kappenii Borneo 1. c, Leuciseus Schtoenkii Sumatra 1. c.
C/yprinoilontes. Guichenot beschrieb in der Hist. de
Cuba p. 224. pl. 5. fig 1 eine neue Art Poecilia vittata ; sie ist dun-
kelgrün mit einer breiten seitlichen Silberbinde, unten hellgrün; alle
Flossen durchsichtig, die Rückenflosse braun punctirt.
Cliaracini* Neue Arten von Castelnau 1. c. Leporinus
bimaculatus pl. 29. fig. l aus dem Rio Vermelho de Goyaz, — Tetra,
gonopierus sawa pl. 33. fig. l aus dem Rio Crixas, Nebenflusse des
Araguay, T. fuscoauratus pl. 33. fig. 2 und viilatus pl. 33. fig. 3 von
Bahia, — Chalceus Detillei pl. 36. fig. 2 von Rio de Janeiro, — ChaU
cinus trifurcatus pl. 37. fig. I aus dem Araguay, — Serrasalmus gib-,
bus pl. 38. fig. 1 aus dem Araguay, — Xiphosloma Oseryi pl. 40. fig. 1
aus dem Tocantins.
104 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie
Scopelinl. Saurus lucioceps Ayres Proc. California Acad. I.
p. 66 aus der Bai von San Francisco.
Scopelus brachygnathus und Dumerilii Bleeker Manado 1. c.
Salmones. John Davy hat Versuche über die Le-
bensfähigkeit der Eier der Salmoniden von verschiedenen
Altern angestellt, und seine Resultate der Royal Society am
7. Februar 1856 mitgetheilt. Annais XVII. p. 420.
Spencer Cobbold beschrieb eine monströse Forelle (trout)
die im Jedflusse bei Jedburgh geangelt war, und die sich äusserlich
durch eine überwiegende Höhe des Körpers kenntlich machte. Die
Monstrosität der einzelnen Theile der Wirbelsäule wird beschrieben.
Report of the 25. Meeting of the British Association held at Glasgow.
London 1856. p. 109.
Ayres beschrieb Proc. California Acad. I. folgende neue Ar-
ten : p. 17 Osmerus elongatus. p. 36 Salmo iridea Gibbons aus der San
Leandro. Bucht, p. 43 Salmo rivularis von Martinez am Fusse des
Monte Diavolo.
Girard hat in den Proc. Philadelphia October 1856 die nord.
amerikanischen Arten der alten Gattung Salmo in die von Valencien-
nes unterschiedenen Gattungen Salmo, Fario und Salar vertheilt, be-
sonders die in Oregon und Californien beobachteten. In die Gattung
Salmo Valenc. gehören S. Scouleri Rieh., quinnat Rieh, und specta-
bilis n. sp, von Oregon; — in die Gattung Fario Valenc. F. aurora
n. sp. von Astoria, S. tsuppitch Rieh., F. argyreus n. sp. von Fuget
Sound, S. Gairdneri Rieh., S. Clarkii Rieh., F. stellalus n. sp. ; — in
die Gattung Salar gehören S. Lewtsi n. sp. von den F'ällen des Mis-
souri, S. tirginalis n. sp. aus Nebenflüssen des Rio grande del Norte,
S. iridea Gibbon«,
Richard son stellte in der Zoology of the Voyage of H. M.
S. Herald zwei neue Lachse auf: Salmo consuetus p. 167. pl. 33. fig.
1-2 steigt in dm Fluss Yukon bis zu den Fällen oberhalb des Ein-
flusses des Porcn[)ine. — p. 169 wird ein Lachs ohne Warnen aus dem
Kupferminenfluss um nördlichen Eismeer beschrieben, der sich vom widely
spread Salar nur durch grössere Mundspalte und durch etwas kleinere
Schuppen unterscheiden soll. — p. 169 Salmo dermatinus Richards,
pl. 33. fig. 3— 5, der aus dem Beering's-Meere in den Yukon aufsteigt.
Er wird in Wehren, die zwischen Insel und Insel des Stroms ange-
legt werden, in grosser Menge gefangen und für den Winter getrock-
net. Aus der Haut werden Kleidungsstücke gemacht.
Eine neue Art Coregonus Williamsi ist in einem Nebenflusse des
Columbia entdeckt worden und von Girard Proc. Philadelphia VIII.
p. 136 beschrieben.
während des Jahres 1856. 105
Nach Jardine kommen in Schottland drei Arten Coregonus
vor: C. Willughbii, clupeoides und lavaretus. Report 25. Meeting Bri-
tish Assoc. held at Glasgow p. 111.
Clupeacei« Wyman hat Proc. Boston Soc. V. p. 394 eine
Notiz über die Entwickelung der Chorda dorsalis und das Eierlegen
von Alosa vernalis bekannt gemacht.
Bleeker beschrieb zwei neue Arten dieser Familie: Coilia
Lindmani Sumatra 1. c. und Harengula Kunzei Nat. Tijdschr. XII. p. 209
von Ternate.
Mormyri. Hyrtl lieferte in den Silzungsberichtcn der
Wiener Acad. Bd. 19. p. 94 einen Auszug aus einer für die
Denkschriften bestimmten Abhandlung über anatomische De-
tails der Galtungen Mormyrus und Gymnarchus.
Er spricht darin über die Diverticula am Bulbus der Kiemen-
arterie, die bei Mormyrus einfach, bei Gymnarchus mehrfach vorkom-
men ; — über die Verdauungsorgane, wo hervorgehoben wird, dass alle
Mormyri phytophag sind, wovon nur M. anguiilaris als Raubfisch ab.
weicht; die Form des Gebisses, die Gestalt des Magens, die Weite
des Schlundes, die Kürze der zwei Appendices pyloricae unterschei-
den diesen so auffallend, dass die auf ihn gegründete Gattung Mormy.
rops Müller's dadurch gerechtfertigt wird; auch M. zambecensis ist
ein Mormyrops, und Gymnarchus hat dieselben Verdauungsorgane; —
dann über die Schwimmblase, deren Arterien durch die Venen des 3.
und 4. Kiemenpaares zusammengesetzt werden, während die Venen
des ersten und zweiten Kiemenpaares die Aorta bilden. Demnach
wäre die Schwimmblase keine Lunge. Allein die Lebensweise des
Thieres wird es nicht unmöglich erscheinen lassen, dass, wenn wäh-
rend des Aufenthaltes im Trocknen die Kiemenrespiration unter-
bleibt, die 3. und 4. Kiemenvene kein arterielles, sondern venöses
Blut zur Schwimmblase führt und hier oxydirt werden muss ; in die-
sem Falle functionirt die Schwimmblase als Lunge; — ferner über
die Gemmingerschen Knochen der Mormyri ; sie gehören accessori-
schen Seilenmuskeln des Stammes an , deren Fleisch sie vertreten,
damit die an den Schwanzseiten gelagerten elektrischen Organe ge-
hörigen Platz finden; mit der Befestigung der elektrischen Organe
haben sie nichts zu thun ; — endlich über Osteologisches.
Muraenoidei. K a u p hat in unserem Archive p. 41
eine Uebersicht der Aale gegeben. Er zählt darin 5 Fami-
lien mit 52 Gattungen und 210 Arten auf. Die kurzen Cha-
raktere der neuen Gattungen und der neuen Arten sollen
nur die Vorläufer einer grösseren Arbeit bilden , welche in
London erscheinen soll , wo der Verf. das reiche Material
106 Troscliel: Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie
des British Museums benutzt hat. In Betreff des Einzelnen
wird auf die allen Lesern des Archivs zugängliche Arbeit
selbst verwiesen. Auf den Wunsch des Herrn Verfassers
spreche ich hier den TrusteeS des britischen Museums den
wärmsten Dank für die bedeutenden Geldopfer aus, die sie an
die Arbeiten des Verf. gewendet haben, was beim Erschei-
nen derselben in unserem Archiv in einer Redaclionsnote
hätte geschehen sollen, damals aber übersehen ist. , Meiner
Meinung nach hat das Britische Museum durch die fleissigen
Bestimmungen des Verfassers einen hinlänglichen Ersatz für
seine Geldopfer bekommen, da eine Sammlung ja erst dadurch
einen wirklichen Werlh bekommt , dass sie zu wissenschaft-
lichen Würden erhoben wird. Mögen auch, wie mir von meh-
reren Seiten bemerkt worden ist, einige Berichtigungen in
den Arbeiten des Verf. nothwendig werden , was bei der-
gleichen Arbeiten kaum zu vermeiden ist, so ist doch jeden-
falls der Wissenschaft durch die Zusammenstellung des rei-
chen Materials ein dankenswerther Beitrag geliefert, und die
Trustees haben sich mittelbar auch den Dank der Wissen-
schaft erworben.
Neue Arten von Bleeker: lUuraena amblyodon Manado 1. c,
M. monochous Tijdschr. Ned. Inrlie X. p. 384 von Ternate, M. Diäten^
bodei ib. X. p. 385 von Ternate, M. Velelli ib. XI. p. 85 von Malang,
M. baluensis ib. XII. p. 241 von Batu. — Ophisurus celebicus Manado
1. c. und 0. Broektneyeri Macassar 1. c.
Neue Arten von Castelnau: Muraenophis curvilineata pl. 42.
fig. 2 von Bahia, Ticitta pl. 42. fig. 4 von Bahia , caramura pl. 43.
fig. l von Bahia, punctata pl. 42. fig. 3 und variegata pl. 43. fig. 2 von
Rio de Janeiro , — Conger limbatus pl. 43. fig. 3 , microstomus fig. 4,
multidens fig. 1 von Rio de Janeiro. -— Ophisurus Gomesii pl. 44. fig. 2
von Rio de Janeiro.
Symbraucliii. Symbranchus vittatus ist eine neue Art von
Castelnau pl. 44. fig. 3 von Rio de Janeiro.
Oymnotini. Auch von dieser Familie hat Kaup in
diesem Archive p. 78 eine üebersicht gegeben. Er führt 19
Arten in den bekannten fünf Gattungen auf, von denen er 10
durch Abbildung der Kopfprofile ausser den Beschreibungen
kenntlich gemacht hat. In Betreff der neuen Arten wird auf
die Arbeit selbst verwiesen.
wahrend des Jahre« 1856. 107
Ueber die Schwimmblasen von Cerapos inaeqnilabiatus Val. von
Kaup mit einem ZusaUe des Referenten vergl. gleichfalls dies Ar^
chiv p. 88.
Castelnau giebt eine Uebersicht der amerikanis<;hen Gattun.1
gen und Arten dieser Familie und beschreibt an neuen Arten : Cara^
pus sanguinolenlus pl. 44. flg. t aus dem Flusse Urubamba , welcher
weiter unten Ucayale heisst; — Rhamphichlhys marmoratus pl. 46.
fig. 2 aus dem Araguay , pantherinus pl. 46. flg •'^ und lineatua pl. 47.
fig. t aus dem Ucayale; — Slernarchns Bonapärlii pl. 45. fig. 2 au^
dem Ucayale, Lacepedii pl. 45. fig. 3 von Surinam, Maximiliani^ ^]. ^b.
fig. 4 aus dem Urubamba. — Aus dem Sternarchus oxyrhynchus Müir.
Trosch. bildete Verf. eine eigene Gattung Sternarckor hynch us,
die er von Sternarchus durch den in einen Schnabel, vorgezikgenen
Mund unterscheidet. ni'n^')^ ^nnJJK^il-j<ini«ll
Helmiclitliyidei* Bleeker beschfidb "Mänddo !." c. 'eiinid
neue Art Leptocephalichlhys hypselosoma , in welche Gattung wegen
der Zahnlosigkeit auch des Verfassers früher beschriebeit^k' Leptötie^
phalus taenia tu gehören scheint.
PHctü'^naithu
Richardson hat in der Zoology of the Voyage of If. M. S.
Herald mehrere Arten beschrieben und abgebildet : Anehisomu$ geo»
metricus Kaup pl. 30 von den Gallapagos. Inseln, angusliceps Jenyns,
tnultislriatus Kaup pl. 29 aus der Südsee, reticularis Kaup pl. 31. fig.
4 — 6 von Südamerika; — Prilonolus vel Anchisomus caudacinclus
Richards, pl. 30. fig. 1—3. — Tetrodon virgalus Rieh. pl. 28. fig. 6,
war zuerst in der Reise des Erebus and Terror aufgestellt.
Neue Arten von Bleeker: Ostracion Renardi Amboina 1. c. —
Monacantkus macrurus Ned. Tijdschr. Xll. p. 227 von Nias.
Neue Arten von Castelnau: ManacanthusRüppeUi ^\,^7. fig. 2
und Telraodon bojacu pl.47. fig. 3, beide von Bahia.
Lophobranchii.
Neue Arten von Bleeker Manado 1 c. Syngnathus tnentOf
Retzii, polyacanlhus, budiy manadensis und Hippocampus manadensis
Ayres beschrieb Proc. California Acad. I. p. 14 als nene Art
Syngnalhus griseo.lineatus D. 36. P. 12. A. 3. C. 10.
Hippocampus punctulatus Guichenot Hist. de Cuba pl. 5. fig. 2.
p. 239. D. 22. A. 5. P. 10.
Oanoidei.
eil o m dr oute! . Ayres beschrieb Proc. California Acad. I.
108 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie
p. 15 drei neue StOre von Californien, nämlich: Acipenser acutiroslris
D. 45; P. 49; A. 29; V. 28; C. 22-88. -^ Ä. mediroslris D. 35;
A. 24; V. 27; P. 42: C. 20— 75. — A. brachyrkynchus D. 49 ; A. 31;
V. 36; P. 45; C. 20—86.
iSelachli.
Squi»|i* Neue Arten von Bleeker: Careharias (Scoliodon)
Dumert7ü Amboina I.e., C, (Scoliodon) fFd^6eeAme Nat. Tijdschr. Ned.
Indie X. p. 353 von ßiQtaii|^, (;, (frionodonj amblyrhynchos ib. p. 467
von Solombo. . ., ,
Ayres hat Proc. California Acad. I. p. 17 einen neuen Hai.
fisch Jlus(e^us felis beschrieben, und ausserdem ib. p. 72 eine neue
Haifischgattung gegründet, die No tor hynchus genannt ist< Eine
Rückenflosse; sieben Kiemenöffnungen jederseits ; zwei Spritzlöcher;
r^aslöcher doppelt, subterminal; Schnauze breit, deprimirt; Schwanz
sehr verlängert, die Flosse unterhalb ; Zähne in mehreren Reihen,
die des Unterkiefers flach, gebogen, gesägt, die des Oberkiefers von
verschiedener Gestalt, die mittleren schlanker, die äusseren denen
des Unterkiefers ähnlicher. N. maculatus aus der Bai von San Francisco.
Prionodon falciformis Müll. Henle ist von Guichenot Uist.
de Cuba pl. 5. fig. 3 abgebildet. ' <;; ^i- ;n;! n « ■ :■•» .; -^ . ?;
■ i^ ^ n rt ;>;'*I'»h''')ü;"l fi'1'iA ^•»'.•;;!'w».
Rajae« Der Graf Castelnau glaubt, dass alle Rochen,
welche im süssen Wasser Südamerikas leben, der Gattung Taeniura
angehören. Er hat eine grosse Menge solcher Fische gesammelt, von
denen jedoch leider die meisten zu Grunde gegangen sind. Die
glücklich erhaltenen bilden vier neue Arten : T. Dumerilii pl. 48. fig. l
aus den) Araguay, Mülleri pl 28. fig. 2 aus dem Crixas und Araguay,
^en/e» pl. 28. fig. 3 aus dem Tocantins, d'Orbignyi pl. 49. fig. 1 aus
dem Tocantins.
Torpedo californica ist eine neue Art von Ayres Proc. Cali-
fornia Acad. I. p. 70 , von der auch das elektrische Organ beschrie. «
ben ist. *
Trygon dadong Bleeker Nat. Tijdschr. Ned. Indie X. p. 355 von
Bintang.
Rhinoplera vesperlilio Girard Proc. Philadelphia VIII. p. 137 aus
der Tomales.Bay.
Cyclostomi«
Ecker sah bei Eiern von Petromyzon Planeri zahlrei-
che Samenläden in der Eiweissschicht, dagegen keine durch
die Doüerhaut gedrungen, üeber die Furchung beinerkle er.
wahrend de« Jahres 1856. 109
Hass dieselbe eine totale sei, was in der Klasse der Fische
noch nicht beobachtet wurde. Berichte über die Verh. der
Gesellsch. zu Freiburg i. B Heft 1. p. 42.
Max S i g m. S c h u 1 1 z e hat die Enlwickelungsgeschichle
von Pelroniyzon Planeri verfolgt. Naluurkundige Verhande-
lingen van de Hollandsche Maatschappij der Wetenschappen
le Haarlem. Xll. 1856. 49 S. mit 8 Tafeln. (Vergl. auch
Comptes rendus Feb. 1856 und Annais nat. bist. XVII. p.446):
Die Eier und der Furchungsprocess , welcher ein totaler ist,
werden zunächst sorgfältig beschrieben. Dann die Veränderungen der
Eier bis zur Ausbildung des Embryo und seinem Auskriechen aus der
Eischale, und die Veränderungen des jungen Neunauges durch einen
Zeitraum von sechs Wochen nach dem Auskriechen aus dem Ei. Hier
wird besonders von der Enlwickelung des Nervensystems und der
Sinnesorgane, von der Ausbildung des Darmkanals und dem Auftreten
der Kiemenspalten , von der Entwickelung einJger Skelettheile, von
der Ausbildung einiger drüsigen Organe , von dem Blutkreisläufe und
der Ausbildung von Haut und Muskelsystem gehandelt. In dem Schluss-
Abschnilte wird eine Vergleichung der Entwickelungsgeschichte de»
Neunauges mit derjenigen anderer Fische angestellt. Die Verschie-
denheiten beruhen zum Theil auf dem totalen Furchungsprocesse, so
dass Alles von vorn herein in Embryonalzellen zerlegt wird. Eigen-
thüiiilich ist ferner die Furchungshöhle des Neunaugen. Eies. Hierdurch
und durch die Bildunir der primitiven Nahrungshöhle tritt eine grosse
Uebereinslimmung mit dem Frosch-Ei entgegen. Abweichende Ver-
hältnisse finden sich in Betreff des Hirns und des Auges u. s. w.
Eine der interessantesten Entdeckungen in der Ent-
wickelungsgeschichte der Fische haben wir August Mül-
ler (Müller's Archiv für Anat. 1856. p. 323, übersetzt in An-
nais nat. bist. XVlll. p.298 und Annales des sc. nat. V. p.375)
zu verdanken. Er hat nachgewiesen, dass der Querder (Am-
mocoetes) nur der Larvenzusland der Neunaugen (Petromy-
zon) sei.
Er sah die Eier der Neunaugen, die er während der Begattung
auffing, sich entwickeln. Die Furchung ist eine tolale, und beginnt
10 Stunden nach der Befruchtung; am 18. Tage sprengt das Thier-
chen das Ei. Die so erzogenen Jungen sind Querder. Verf. hat aber
auch die Verwandlung der Querder in Neunaugen nachgewiesen. Er
hat sowohl die Querder der kleinen (P. Planeri) als der Flussneun.
äugen (P. fluviatilis) aufgefunden, die sich sehr ähnlich sehen, woher
es erklärlich ist, dass sie nicht specifisch unterschieden worden sind.
110 Troschel: Bericht Ober die Leistungen in der Ichthyologie etc.
Es wird wahrscheinlich gemacht, dass das Larvenleben mindestens drei
Jahre dauert, dass die Verwandlung rasch vor sich gehe, und dass
die Lebensdauer des ausgebildeten Thieres nur kurz , wohl nur dem
Akte der Zeugung gewidmet sei. Die Frage , ob wegen der Meta-
morphose die Rundmäuler den Amphibien zuzuzählen sein möchten,
wird vom Verf. verneint, namentlich gestützt auf die Differenz der
Rippen der Fische von denen der Amphibien. Die Gattung Amraocoe-
tes wird also fortan einzuziehen sein, und nur den Larvenzustand
der Neunaugen bezeichnen dürfen.
Zwei neue Arten sind von Ayres Proc. California Acad. I be.
schrieben worden: p. 28 Peiromyion plumbeus und p. 44 P. cUiatuSf
beide Von San F^rancisco.
ihtiiU H'.,^m:iiu^^yi l^eptocardii.
Cocks berichtete über einen Amphioxus lanceolatus , den er
von Gwyllyn Vase.Bay erhalten, und den er lebend beobachtet hatte.
Annais nat. bist. XVllI. p. 350.
f]lt\S itoi
■ yi^'iU^^doii'^"U" \-
'.Virtli.iUiiÜi
.'i'.SU iJ'*H ) ii'.i
Bericht über die E<ei9tuns:en in der IVaiur-
g^escliiciite der ülolluslieii iwäiirend des
Jalires 1§56.
Vom
Heranaffeb er«
n ; Von der K ü s t e r'schen Ausgabe des M a r t i n i - C h e m-
nitz'schen Conchylien-Cabinets erhielten wir irn Jahre 1856
die Lieferungen 149 — 152. Sie enthalten den Text von Lit-
torina (no. I — 26), von Ünio (no. 91 — ^115 mit 2 Hyria) und
die Forlsetzung von Murex (no. 11 — 46). Eine ziemlich grosse
Zahl neuer Unionen-Arten ist unten zu nennen.
Von Pfeiffer's Novilates conchologicae , Abbildung
und Beschreibung neuer Conchylien, sind im Jahre 1856 die
Lieferunoren 5 bis 7 erschienen. Der Inhalt der Lieferungen
ist folgender :
In Lief. 5 sind die auf Cuba vorkommenden Ampullarien (reflexa
Swains., conica Wood und teres Phil.) in zahlreichen Ansichten und
Varietäten abgebildet; ebenso HelixDennisoniPfr. — In Lief. 6 sind
abgebildet: 13 ßulimus, 2 Helix, 3 Ennea, 3 Partula, ] Anaulus, 1
Achatina. In Lief. 7 : 5 Megalomastoma , 1 Aulopoma , 1 Amphipe.
plea, 2 Bulimus, 4 Ennea, 2 Pupa, 1 Raphaulus, 6 Helix, 1 Clausilia«
Mehrere von diesen Arten sind im Jahre 1855 in den Proceedings Zool.
Society London aufgestellt, die mir nicht zugänglich geworden sind.
Daher habe ich diese Arten als neu unten angeführt. Die Proc. vom
Jahre 1856 habe ich für diesen Bericht benutzt.
In der Sonographie der Land > und Süsswasser- Mol-
lusken Europa's 111. Band, 3. und 4. Hefl. Leipzig 1856 hat
Rossmaessler alle zehn Tafeln ausschliesslich den Clau-
silien gewidmet. Neben der Figur in natürlicher Grösse sind
112 T rösche 1: Bericht über die Leistungen in der
meist vier Ansichten des letzten Umganges abgebildet, die
Mündungs-, Rücken-, Nacken- und Nabelansicht. Einige
neue Arten , welche in diesem Doppelhefte aufgestellt sind,
sind unten genannt. Im Ganzen sind hier 41 Arten abgebil-
det und ausfuhrlich beschrieben.
Unter dem Titel: „Noliliae malacologicae oder Beiträge
zur näheren Kenntniss der Mollusken" ist von Shutlleworth
ein erstes Heft Bern 1856 erschienen. Dasselbe enthält als
Einleitung grundsätzliche Bemerkungen zur Systematik und
Nomenclatur der Mollusken, so wie Monographien der Heli-
ceengruppen: Limicolaria, Orthälicus, Porphyrobaphe, Peride-
ris und Pseudachatina.
Nähere Angaben über diese Monographien dem speciellen Theile
des Berichtes vorbehaltend, will ich hier nur kurz erwähnen, dass
Verf. in der Einleitung ausfährt, wie bei der Gründung von Gattun.
gen die geographische Verbreitung besondere Beachtung verdient, und
wie unpassend es sei, jeder Species immer die Autorität hinzuzufü-
gen, welche dieselbe zuerst beschrieben hat. Ich bekenne mich gern
zu B<*ideii, und unterschreibe namentlich auch das auf die Nomencla-
tur Bezügliche, indem ich in, diesem Archiv 1847. II. p.368 bereits
ganz dasselbe ausgesprochen habe.
Das „Journal de Conchyllologie ," welches für einige
Zeit zu erscheinen aufgehört halte , ist im Jahre 1850 von
Fischer und Bernardi wieder aufgenommen worden,
indem im genannten Jahre zwei Hefte erschienen sind. Nach
Format und Ausstattung schliesst es sich genau an die früher
erschienenen 4 Bände an.
Part. XY von Sowerby's Thesaurus Conchyliorum or
figures and descri])lions of recent shells ist bereits im Jahre
1854 erschienen und enthält die Monographien der Genera
Petricola, Venerupis, Cyprina und Astarte von Sowerby,
wodurch die Familie der Veneriden zu Ende gebracht ist;
ferner der Gallungen Pyramidella, Obeliscus/ Monoptygma,
Leiostraca, Eulima und Niso, so wie der Familie der Sloma-
tellinen mit den Gattungen Stomalella , Stomatia, Gena und
Microtis bearbeitet von Arthur Adams. Dieses Helt wird
den Conchyliensammlern um so wichtiger sein, als es Gallun-
gen enthält , deren Bestimmung bisher viele Schwierigkeilen
darbot. Wir werden unten näher auf den Inhalt desselbe
eingehen.
Naturgeschichte der Mollusken während des Jahres 1856. US
Part. XVI desselben Werkes ist im Jahre 1S55 erschie-
nen, und enthält die Gattung Cerilhiuin mit 184 Arten, die
aul 1 1 Tafeln abgebildet sind. Verf. hat eine nicht völlig
vüllendele Monographie von A. Adams benutzen können, und
hat eine Eintheilung der Gattung Cerithium gegeben, die Be-
achtung verdient. Daher werde ich unten hierauf zurück-
kommen.
,Von*Lovell Reeve's „Conchologia iconica" erschie-
nen im Jahre 185Ö zwölf Lieferungen als regelmässige Fort-
setzungen (151 — 162). Sie enthalten die Monographien von
Spondyius mit 68 Arten, worunter viele neue auf 18 Tafeln,
Neritina mit 173 Arten auf 3 Tafeln, Siphonaria mit 36 Arten
auf 7 Tafeln, Navicelia mit 33 Arten auf 8 Tafeln, Latia mit
2 Arten auf der 8. Navicellen-Tafel^ Ampullaria p:iit 134 Ar*.
ten auf 28 Tafeln, Cancellaria mit 86 Arten auf 18 Tafeln,
Capsa mit 2 Arten auf l Tafel, u^'d tlen Anfang von Psam-
mobia. Von allen diesen genannten Gattungen sind, zum
Theil zahlreiche, neue Arten aufgestellt worden, die unten
namhaft gemacht sind.
Von Woodward's Manual ofthe .Mollusca ist 1856
die dritte Lieferung erschienen. Sie enthält zunächst die sy-
stematische Uebersicht der Tünicalen. Nach den Angaben
des VerL sind jetzt 16792 Arten lebender Mollusken bekannt.
Es folgt dann ein ausführliches Kapitel über die geographi-
sche Verbreitung der Mollusken ; ferner ein Kapitel über die
Verbreitung in geologischer Beziehung (onthe dislribution
on the Mollusca in time) ; dann spricht er über das Sammeln
der Mollusken, wobei ein Schleppnetz und ein Aquarium ab-
gebildet sind. Zuletzt folgt ein Supplement mit Abbildungen
über die Entwickelung der Cephalopoden, Mundlheile der
Schnecken u. s. w.
Henry et Arthur Adams: The genera of recent
Mollusca, arranged according lo their Organization 1853—
1856 ist mir leider noch nicht zu Gesicht gekommen.
Von dem „Giornale di Malacologia compilato per cura
di Pelle grino Strubel« ist der zweite Jahrgang Pavia
1854. 8. erschienen, mir jedoch erst in diesem Jahre durch
den Buchhandel zugekommen, wesshalb ich ihn auch erst in
diesem Berichte nach seinem Inhalte besprechen kann.
Archiv f. ^alurgesch. XXIII. Jahrg. 2. Bd. ^
114 Trosctiel.: B&rjcld über die Leistungen in der
. , .. Jn dem zweiten Theile' von Burmeisler's zoonomischen
Briefen, Leipzig 185ö ist p. 18 — 172 eine Schilderung der
Mi()IJu«ken enlhallen, tiie V«rf. als „symmetrische «ngegliederte
Thiere'< bezeichnet. Wir dürfen uns wohl um so eher be-
gnügen, dieses Werk ohne näheres Eingehen zu nennen, als
es iZ+v jenen sogenannten pofiiiiären Darstellungen gehört, die
die Resultate der Wissenschaft in weiteren Kreisen zu ver-
breiten beabsichtigen. Leider werden diese weitenen Kreise
nur zu oft mit falschen, haibwahren, missverstandenen oder
längst v.eralteten Resultaten abgespeist , die der Leser gläu-
big als Warhrheit aufnimmt. Auch der Mollusken- Abschnitt
Burmeister is ist nicht frei von diesem Vorwurfe.
^'i«' ipetit de la Saussaye machte Bemerkungen über
eihlge Conchylien , welche in den vier ersten Bänden des
Journal de Conchyliologie beschrieben worden sind, in dem-
selben Journ. 1856. p. 30. Sie beziehen sich auf die Syno-
nymie einer Anzahl Arten aus den Gattungen Melania, Na-
tica , Trichotropis , Fusus , Melongena, Marginella, Phos und
Helix. Es kann um so eher von näherem Eingehen hierauf
abgestanden werden, als Pfeiffer sie in den Malakozoolo-
gischen Blättern, die wohl allen deutschen Conchyliologen zur
Hand sind, sämmllich angegeben hat.
In Rücksicht auf geographische Verbreitung und als
einzelne Faunen behandelnd sind die folgenden Schriften zu
erwähhäi^^^:^'''^
'' '"' 'Telii ^macjite auf die Auswanderung von Mollusken an
^htifeVHte Öesläde" aufmerksam, und fand diese Erscheinung
duvbh die Haridefsbeziehungen der Völker erklärt. Journ. de
eöÄlsm p. 7b.;:^''' ;
In (Ters'elben Zeitöchr. p. 72 machte Fischer auf den
Einfluss der Inseln auf die Species aufmerksam. Er hebt
f'olgen'de Sätze hervor:. Jede einigermassen beträchtliche In-
sel 'besitzt eigenlhümlicheLandschnecken; die ponchyliologi-
sche Fauna einer Insel ist verhältnissrnsissig reicher als die
des kontinentes; auf einer Insel findet man einige Formtypen
li'rid eine Menge Modifikationen dieses Typus; auf benach-
barten Inseln findet man wenige gemeinsame Arten \ der Ver-
breilungsbezirk der mehreren Inseln gemeinsamen Arten ist
Nalurgeschichle der Mollusken während deb Jahres 1856. 115
viel begrenzter als der der continenlalen Arten; auf den
nieislen Inseln findet man Arten fremden Ursprungs.
Rossmässler fordert in den JVialakozoologischen Blat-
tet*^ p. 53 zu Excursionsberichten auf und hofft darin, wenn
sie naöh einem von ihm vorgeschlagenen Schema eingerich-
tet wurden, ein treffliches Material zu einer Arbeit über die
geogi^Bphische Verbreitung der Binnenmollusken.
M'Andrew und Barrett haben ein Verzeichniss von
Mollusken veröffentlicht, welche zwischen Drontli ei m und dem
Nord-Cap beoba€htet wurden (Annais nat. bist. XVII. p. 378).
Die Beobachtungen et^trefcken sich atif* 700 Meilen Küstenlänge,
von denen 300 südlich, 400 nördlich vom nördlichen Polarkreise lie-
gen, und auf eine Küstenzone bis zur Tiefe von 200 Faden. Es
wurden 103 Gasteropoden beobachtet, von denen 91 zu den Prosobran.
chiata und 12 zu den Opisthobranchiata gehören; 1 Pteropode, 4 Bra.
chiopoden, 94 Conchifera, 6 Tunicala, also zusammen 20b Arten. Alle
sind tabellarisch aufgeführt und bei jeder in der ersten Columne die
Tiefe in Faden angegeben , in der die Art überhaupt gefunden , in
der zweiten bis zu welcher Tiefe sie lebend gefunden wurde , in der
dritten die Beschaffenheit des Grundes, in der vierten die Häufigkeit,
in der fünften das Vorkommen in den Norwegischein Provinzen.
Ed. V. Martens hat in den Malak. Bl. p. (39 eine Ar-
beit „über die Binnenmollusken des mittleren und sudlichen
Norwegens" geliefert. Er hat darin seine Beobachtungen mit
denen von Friele in der Schrift Norske Land- og Ferskvands-
Mollusker, som findes i Omegnen af Christiania og Bergen,
Christiania 1853 niedergelegten zusammefi^es'ftlll , und das
liihzD^efugt, was er in den Sammlungen dier flerrn 'Korfeh
und Sars gesehen hat. Es kam dem Verf.' weniger darauf
an,' die überhaupt vorkommenden Arten aufzuzählen, als viel-
mehr diö Verbreilungsbezirke der einzelnen Arten genau fest-
zustellen. In dieser Arbeit werden überhaupt 64 Binnenmol-
kiskert aufgezählt, 36 des Landes und 28 des süssen Was-
sers. Schliesslich wird ein Vergleich mit 4en Malluskenfau-
i>en der Schweiz , der russischen Ost^eeprovinzen , Schwe-
dens, Scholllands, der Schellandsinseln , derPäröer, Island's
und Grönland's angestelU. Für das Einzelne verweisen wir
auf die hübsche Abhandhung selbst.
Malm schrieb einen Aufsalz über Schwedische Land*
HO , Tro^jchel:,Bericfit über die Leistungen in der
und Süsswassermollusk^en , mit Ijesonderer Rucksicht auf die
Arten, welche in d^r Nachbarscljaftii von Chrislianstadt und
Gpthenburg vorkommen (Kongl, Ve^; o. ViH. Samhällets i
Götheborg Handlingar för är 1853—54). Es ist 1855 er-
schienen und schliesst sich an eine frühere Abhandlung des
Verf. in derselben Zeitschr. für das Jahr 1851. In der ersten
Abhandl. waren nur Landschnecken , hier die Muscheln und
Süsswasserschnecken enthalten. Holzschnitte im Text. Drei
neue Arten Pisidium s. unten.
In einem besonderen kleinen Werke: ,,Finnlands Mollus-
ker. Helsingfors 1856. 8.« mit 7 Tafeln beschrieben Nor-
de nski öl d und Nylander die Mollusken Finnland's. Die
Verf. geben an^^ dass diese Molluskenfauna in Betreff der
Land - und Süsswasserformen nahe mit der Norwegischen
übereinstimme, sie enthält 77 Arten, während Norwegen 62
besitzt. Schweden hat etwa 90, Petersburg 70 und Lilfland
78 Arten. Die Seemollusken sind sehr geringe an Arten;
denn an den Küsten Finnland's leben nur 6 Arten. Bei Re-
wal finden sich 8 oder 9 .und im Kattegat steigt die Zahl
auf HO. Im Finnländischen Meerbusen östlich von Hogland
und im Bottnischen Meerbusen nördlich von Quarken findet
man keine Seeformen mehr, ausser solchen Schnecken, wel-
che im Süsswasser leben. Die Finnischen Seemollusken, wel-
che ^m Anhange p. 93 beschrieben sind, sind folgende: Palu-
dinella stagnalis, Littorina rudis, Mya arenaria, Tellina soli-
^ula^ Cardium edule und Mytilus edulis. Die Abbildungen
^jeziehen, sich nur auf die Land- und Süsswassermollusken
und sind meist nur Umrisszeichnungen.
Dem Cataloge der französischen Land- und Sösswas-
ser-Mollusken fügte Fischer zwei Arten, Paludina rufcscens
Küst und Helix micropleuros Pajel, hinzu. Journ. de Conch.
p, 158. — Ebenso brachte Gwyn Jeffreys 20 Arten bei,
die in dem Cataloge von Petit fehlen und um die also die
französische Fauna bereichert wird. Annais nat. bist. XVUI.
p. 471.
Eine Schrift von de Liesville „Catalogue des Mollus-
ques vivants aux environs d'Alengon Paris 1856 ist mir nicht
j5U Händen gekommen. Verf. zählt darin 61 Arten auf.
Naturgeschichte der Mollusken während des ifahres 1856. 117
Die beiden folg-enden conihyliologischen Schriften sind
mir nur aus einer Anzeigte in der Revue de zool. bekannt
geworden.
Tableau slatistique et geograjihique du nombre d'especes
de mollusques terrestres et fluviatiles observees, soit ä Tetat
vivanl V soit ä Tetat fossile, dans les differentes regions et
conlrees (departements, provinces, bassins ct.) de ia Franc^
continentale ret insulaire, pour servirala» Faune malacologi-
que frangaise dispose selon l'ordre geographique par M.Gra-
te loup et M. Raulin. Bordeaux 18ö5 und Deuxieme ta-
bleau ct. Bordeaux 1855. "'' ";*^'
Catalogue des Mollusques terrestres et fluviatiles, vivants
et fossiles, de Ia France continentale et insulaire, par ordre
alphabetique par MM. Grate loup et Raulin.
Die drei in dem Verzeichnisse enthaltenen neuen Arten sind
nach Drouet, der über diese Arbeit Rev. p. 143 berichtet, nicht
neu, sondern Helix aquilanica =. H. fusca Mont., H. burdigalensis und
H. cestasiensis sind Varietäten von H. variabilis Drap.
Verzeichniss der bis jetzt in der Rheinprovinz und West-
phalen beobachteten Land- und Wasser- Mollusken , nebst
kurzen Bemerkungen über deren Zungen^ Kiefer und Liebes-
pfeile. Von Otto Goldfuss. Verhandl. des naturhistori-
schen Vereines derpreuss. Rheinlande und Westphalens. 1856.
p. 29-8(3.
Nach diesem Verzeichnisse kommen in den Provinzen Rhein,
land und Weslphalen 138 Arten vor, die sich in 30 Galtungen ver-
theilen. Diesen fügt Verf. noch neun Arten hinzu, die muthmasslich
im Vereinsgebiele vorkommen, von denen Amphipeplea glutinosa als
in der Sieg vorkommend dem Referenten bekannt ist. In der Ein-
leitung sind zahlreiche Bemerkungen über die Kiefer, die Reibmem-
branen und die Liebespfeile gegeben, auf welche Organe Verf. viele
Arten untersucht hat. Abgebildet sind die Mundtheile von Limax
maximus, cinereoniger , marginatus, agrestis , sylvaticus, Arion hor-
tensis und ater, Zonites cellarius, Daudebardia brevipes, Vitrina Dra-
parnaldi, Succinea putris, Ilclix pomalia, ßulimus monlanus, Clausilia
bipUcata, Limnneus stagnalis, Planorbis corneus, Physa fontinalis, An-
cylus fluvialilis, Cyclostoma elegans, Bythinia Icntaculata. — Beson-
dere Beachtung haben die Arten der Gattungen Arion und Limax ge-
funden , von denen auirh die ganzen Thiere recht hübsch abgebil-
det sind.
^13 Tr ose hei: BericH über die Leistungen in der
in den Verbandlungen des zoologiscii-botanischcn Ver-
ei«s in Wien VI. p. 25 ist enthalten: Tirols Land- und Süss-
wasser-Conchylien von Prof. Gredler. :/o
: . Im Vorliegenden sind nur die Landconchylien beachtet, von
denen allen die Gehäuse beschrieben sind mit Bemerkungen über
Aufenthalt und Verbreitung. Uebergangen sind die Limaceen. Auf-
geführt sind 4 Succinea, 3 Vitrina, 50 Helix, 4 Achatina, (aciculoides,
acicula, Hohenwarti, lubrica) , 3 Bulimus, 29 Pupa worunter 3 neue
Arten, 1 Balea, 15 Clausilia, 1 Carychium , 1 Cyclostoma, 2 Poma-
tias, 3 Acicula. Die Molluskenfauna Tirols erreicht demnach mit In-
begriff zweier dem Vorarlberg eigenthümlicher Conchylien, so wie 10
Arten von Nacktschnecken im Ganzen 128 Arten Landschnecken. Bet
sonders tritt der Reichthum von Pupa hervor. Kach einer tabellari-
schen Uebersicht kommen auf das Gebiet von Innsbruck 52, auf das
von Botzen 76 Arten.
Rosen hauer führt in seinem Werke „die Thiere An-
dalusiens, EHangen 1856« p. 423, 40 Mollusken-Arten, die
in Andalusien gesammelt wurden, auf, darunter filiert er eine
kleine Paludina als neu an.
Die marinen Schallhiere der Piemontesischen Küste hat
Gwyn Jeffreys untersucht und verzeichnet. Annais of
nat, h{sn XVlI. p. 155.
Zunächst schildert der Verf. seinen Aufenthalt am Mittelmeere
überhaupt, und geht dann zu dem wissenschaftlichen Theile der Ar-
beit über. Nach einigen Bemerkungen über Species und Varietäten
lässt er sich in Betrachtungen über die geographische Verbreitung
der» Mo)XuÄ^eJ9, , ?'*^ ^^ si«lit, die IVlitlelmeer- I^auaa nicht, als eine
.eiuenthümliche,, sondern als eine gemischte an. Eine grosse Anzahl
«Jen Arten komme a^uch an den Britischen Küsten vor, während an-
dere mehr südü-ch und selbst, tropisch sind. Er schätzt die Zahl der
Mittelmeer- Arten auf 850, wovon 250 auch britisch sind. Das fol-
gende Verzeichniss enthält 350 Arten , unter denen zehn neue , die
unten verzeichnet sind.
Giacomo Tassinari hat im Giornale di Malacologia
H. 1054. p. 65 und 100 ein Verzeichniss der Land- und
Sösswasser-Mollusken aus der Romagna veröffentlicht. Mol-
luschi tcireslri ed aquallci raccolli nella Romagna.
Es fasat 4, Limax , 1 Testacella, 2 Succinea, 31 llclix, 8 Buli-
mus, 2 Glandina, 12 Pupa, 1 Balea, 9 Clausilia; 1 Carychium, 1 Au-
ricula, 1 Cyclostoma (also 73 Landschnecken in 12 Gattungen),; '—
6 Lininaeus, 1 Physa, 5 Pianorbis, 2 Paludina, 1 Bythinia, 1 Hydro«
NaturglBSchichle der Molluskei^ wdhferfd <tes Jahres 1856. 119
b|^), 1 Neritina y 2 AncyluS (aliso 18 l^üsswasaerschnecken In 8 Galt«'
tungen) ; — 2 Anodonta, 1 Alasmodonta, 2 Unio, 2 Sphaerium, ,1,J|*^,.
sidium (also 8 Muscheln in 5 Gallungen). Dies ergicbt für die Ro-
magna eine Totalsümme von 99 Arten in 25 Galtungen. Durch eine
Hinzufögung des Herrn Strobcl wird die Zahl der Arien ' auf Vto,
die Zahl der Gattungen auf 2*6 gesteigert, indem Melarapha saxatilii
Olivi daruntec »ich befindeiu *-« ;lbi>^i.yl54 sind >wiedier.«inig0 Arte^
hinrugefügUrr'' !f 0 |,,;;j yjl l\ i n uj"') •'•t'iu :".!'i/v ' I iflinH
De Betta theille im Giornale di Malacologie II,; «p :129
ein Verzeichniss von Mai)u$;l^,e(^»i0iifi,^,i die, anp Mqptp.iß^do in
der Provinz Verona leben. ' '>..fo?f ]r. ..f^;-» .^f «,.;;. ^ ,..fi io ln;i
Dasselbe besteht aus t Limax, 1 Vitrina, 1 Succinea) 26 Ilelix^
1 Achatina, 4 Bulimus, 6 Fupa, 4 Clausilia, 1 Acicula, 2 Pomati£|S»
1 Cyclostoma, 1 Limnaeus und 1 Pisidium, also aus 50 Arten. Helix
insubrica lebt isolirt auf dem Gipfel in einer Höhe von 21ÖÖ'^. Von
vielen anderen Arten sind specielle Höhenangaben gemacht, Wel6h^
sie nicht übersteigen. Die Zahl der Landschnecken (48) beträgt mebir
als die Hälfte aller aus der Provinz Verona bekannten (85) Arten. '
In derselben Zeilsclirift II. 1854. p. 49, 114, 136 und
145 findet sich ein Verzeichniss von Mollusken aus Dalma-
lien, Molluschi terreslri raccolli da Crisloforo ßellolti
nel 1853 in Dalniazia, con note ed aggiunte di P. Strubel,
Dieses Verzeichniss enthält 87 Clausilia, 3 Limax, 1 Succinea,
61 Helix, 5 Achatina, 1 Azeca, 17 Bulimus, 16 Pupa, 5 Auricula,
1 Truncatella, 1 Goniostoma , 6 Pomatias, 1 Cyclostoma, also zusam«
men 205 Landschnecken.
In einem Beitrage zur Fauna Dalmatiens hat Frauen-
feld (Schriften des zoologisch-botanischen Vereins in Wien
1856. p. 445) auch ein Verzeichniss der Land- und Süss*
wasser-Conchylien dieses Landes gegeben.
Es sind 24 Paludina (mit Einschluss von Bythinia, Lithoglyphus
und Paludinella), 1 j^lelania, 2 Neritina, 1 Succinea, 48 Helix, 1 Bu.
limus , I Achatina, 1 Glandina , 4 Pupa, 32 Clausilia, 1 Auricula,
2 Limnaeus, 2 Planorbis, 1 Ancylus, 1 Cyclostoma, 1 Pomatias, 1
Uydrocaena, 1 Pisidium , 8 Unio , 5 Anodonta, also zusammen 138
Arten- ,>.9hr^o.
Pfeiffer hat ein Verzeichniss von Conchylien gelie-
fert, welche Zelebor auf einer zweiten Reise nach Serbien
und auf einer Reise nach Aegypten gesammelt und ihm über-
sendet halte. Es sind 16 Arten von der Insel Syra, 7 von
Smyrna, lij aus Aegypten, 8 aus der Umgegend von Rove-
!20 Troschel: Beiirht ühei' die Leistungen in der
redo, 23 aus Serbien. Mehrere darunter befindliche neue
Arten sind unten namhaft gemacht. ^
"^ '' Descriplion des coquilles univalves, terre^tres et cl|eau
douce, envoyes d'Algerie ä la societe linneenne de Bordeaux
par Äl. Gassies. Bordeaux 1856. Ist mir nur aus einer
Anzeige im Journal de Cpnchyliologie bekannt geworden.
Enthält 19 Arten unter denen 1 Helix und 2 Melanopsis neu,
s. unten. ' '
Unter dem Titel : „Chusan Shells« hat B en s on im Jour-
nal of theAsiaticSoc. of Bengal Vol. 24. p. 119 die Beschrei-i
bung einer Anzahl Mollusken veröffentlicht, welche bereits
im Jahre 1841 angefertigt, aber noch nicht publicirt war.
Von Landschnecken fehlen in Chusan, abgesehen von den ech-
ten Limaces , Pupa , Vertigo, Carychium und Cyclostoma, ferner die
bauchigeren Formen von Buliinus und Achatina. Auch Succinea fehlt,
kommt aber weiter südlich bei Älacao vor. Von Süsswasserschnecken
fehlen Ampullaria, Neritina und Kavicella, unter den Muscheln Pisi-
dium. Die zahlreichen als neu beschriebenen Arten, so wie einige
neue Gattungen sind unten angegeben.
Wo od ward hat ein Verzeichniss von 22 Arten Land-
und Süsswassermollusken gegeben^ welche durch Thomson
in Kashmir und Tibet gesammelt waren. Die Hälfte dersel-
ben sind europäische Arten und die übrigen gehören zu den
weit verbreiteisten Indischen Formen. Proc. zool. soc. 1856.
firif;85, .-; ..... ,: .
, ,;.^ine Anzahl neuer, gedeckelter Landschnecken von Bur-
mah beschrieb i^enson Annais nat. bist. XVII. p. 225.
Benson hat bei Gelegenheit der Beschreibung eini-
ger neuer Landschnecken von Ceylon ein Verzeichniss der
bekannten Ceylonesischen Landschnecken bekannt gemacht.
Annais nat. bist. XVIll. p. 97.
Es enthält 3 Vitrina, 1 Succinea, 46 Helix, 2 Streptaxis, 3 Pupa,
13 Bulimus, 8 Achalina, 12 Cyclophorus , 8 Leptoponia, 4 Aulopoma,
10 Cataulus, 1 Cyclostomus, 5 Pterocyclos, zusammen 117 Arten.
Einen Beilrag zur Fauna der Admiraliläls-Inseln (Au-
stralien) lieferte Pf ei ff er Malak. ßl. p.237 und Proc. zool. soc.
p. 381, indem er eine Anzahl neuer Arten von dort beschrieb.
Isaac Lea beschrieb einige neue Süsswasserschnecken
von Californien. Proc. Philadelphia VIII. p, 80. — Car'jJeii-
Naturgeschichte der Mollusken während des Jahres 1856. 121
t er lieferte nPar^Ci.aool. soc. 1^56. p. 198 ein Verzeichniss
von 68 Arten aus dem Golf von Caüfornien und den pacifi-
sehen Küslert Von Mexiko und Californien, die ihm Dr. Goul4
zugesehickt hatte. — Diesem folgt ib. p. 209 ein Verzeich^
niss von 117 Arien, welche Nuttall an der Californische^
Küste gesammelt hatte. Aus beiden werden die neu^n jArlöft
unten namhaft gemacht. ' t . , .>?f?
James Lewis verzeichnete 87 Land- und Susswas-
sermollusken als in Herkimer und Otsego Counlies, New-York
vorkommend, und l^nüpfte daran einige kritische Bemerkun-
gen. Proc. Boston Soc. VL p.'2.; ' ,; ^r
In der mexikanischen Provinz Chiapa hat Ghies-
b regilt 45 Arten von Landschneoken für die bekannte Cu-
ming'sche Sammlung gesammelt. Darüber ertheilte Pfeiffer
Walak. Bl. p. 229 Bericht. , , , ^
Dieser für die Molluskenfauna Mexiko's wichtige Zuwachs ver-
theilt sich folgendermassen in die Gattungen : 1 Simulopsis, 5 Helix,
8 Bulitnus, 9 Spiraxis, 3 Achatina, 6 Oleacina (Glandina) , 3 Cylin-
drella, 1 Cyclolus , 1 Cyclophorus, 1 Cistula, 1 Schasicheila, 6 He-
licina. Die zahlreichen neuen Arten (vergl. auch Proc. zool. soc.
1856. p. 377) sind unten genannt.
Pfeiffer beschrieb ferner 27 neue Arten Landschnecken,
welche von Salle im Mexikanischen Staate Vera Cruz gesam-
melt waren. Proc. zool. soc. 1856. p. 318.
P^lit veröffentlichte eiti zweites Supplement zu dem
Verzeichnisse der Conchylien von Guadeloupe, Journ. de
Coneh. p. 149, welches 76 Arten enthält, und fügte einig«
Bemerkungen über die Synonymie der früheren Verzeichnisse
hinzu. ^!lt!»':iri; M'7HnMi<M
P h i 1 i p p i Mi in der Zeilschr; fflf die gesanimten Natur-
wissenschaften 1856. p. 94; Malakozoologische Biälter p. 157
über die Conchylien der Magellansirasse geschrieben.
Nachdem derselbe zuerst die von der Magellansirasse bekann-
ten Conchylien der älteren Conchyliologon aufgezählt, dann die von
King, Philippi, lloinbron et Jacquinot und Andern beschrie-
benen Arten hinzugefügt und kritisch besprochen hat, wobei manche
Arten idenlificirt werden konnten, giebl er das Verzeichniss einer
Sendung, welche das Chilenische Kalionalmuseum von dem Gouver-
neuT Schythe aus der Magellansirasse ertiielt. ' Unter diesen befan.
den sich sieben neue Arten, s. unten, die düi'ch Diagnosen cHAWktte-
1^2 Troschel: Bericht über die Leistungen in der
risirt sind. — Somit kennt man jetzt 60 Gasteropoden, 22 Bivalven
und 6 Brachiopoden , zusamitien $8 Arten. Sie gehören folgenden
Gattungen an : Margarita , Trochus, Scalaria, Cerithiura, Canceliaria,
Fusus, Tritonium, Monoceros , Buccinum, Voluta , Pfaticaj, Crepicji^la,
tJ'älypii-aeä, Fissurella, Siphonaria, Acmaea, Patella, Chiton, — Pectcai.
tVma', Pectunculus, Mytilus , Phaseolicama , Venus, Mactra, Lulraria,
Euciiiä, C'yamium, Kellia, Solen, Saxicava, Teredo, — Terebratuta. -^
Diese geringe Zahl von Ä'ollusken steht im Verhältnisse zu Cbilev
welch.e& auf 510 geogr. Meilen nur 261 Arten Mollusken; ernährt,
"Während das Königreich Neapel 667 Schalthiere darbietet. Verf. gekt
ferner in einen- Vergleich mit Groenl?ind , dem Cap der guten HoiE..
nung und Massachusetts ein, und hebt schliesslich die Eigenthümlich.
keiten der Chilenischen Molluskenfauna hervor.
, ) Ceplialoiiocla«
Eine der interessantesten Erscheinungen in der Mala-
kologie ist die Arbeit von Steenstrup über die Hectocoty-
lenbildung bei Argonauta und Trernoclopus, erklärt durch ßcr
obachtung ähnlicher Bildungen bei den Cephalopoden im All-
gemeinen. Kong. Danske Vidensk. Selskabs Skrifter. 5.
Räkke, 4. Bind. 1856; übersetzt in unserem Archiv 1856. I.
p. 211.
Während bisher die in den letzten Jahren bekannt gewordenen
Verhältnisse der sogenannten Hectocotyli bei Argonauta und Tremo-
ctopus diese Formen von den übrigen Cephalopoden völlig isolirten,
ist durch die schönen Beobachtungen des Verf. eine Brücke über
diese Kluft gefunden, indem er gezeigt hat, wie auch bei sehr vielen
anderen Cephalopoden die Erscheinung ins Leben tritt, dass bei den
Männchen ein Arm irgend eines Paares unsymmetrisch entwickelt der
Geschlechtsfunktion dienstbar wird, indem er dazu bestimmt ist, den
Samen oder die Spermatophoren auf das Weibchen zu übertragen.
Auch auf die Classification wird dieses Verhalten von Einfluss, wie
der geneigte Leser aus der üebersetzung dieser Arbeit entnehmen wolle.
Pliilonexidae. H. Müller hat in einer Notiz über
das Männchen von Argonaula Argo (Verb, der phys. medic.
Gesellsch. in Würzburg 1855. p. ci32) angegeben, dasS die
Reibmembran des Männchen in der Form mit der vom Weib-
, chen derselben Grösse ganz genau übereinstimmt. Ferner hat
er die vonLeuckart nachgewiesene Communicalion zwischen
der pigmentirten Tasche und der Samenbiase auch für den
männlichen Argonaulen bestätigt.
Nalu»|^e»chichle der MoUiisketi Während d«s Jahrcä 1856. 123
John Warren: hat in Proc. Boston Soc. V. p. 369
über das Thier von Argönauta gesc hrk^ben ; es w<?rt|en die
Fragen über den Parasitismus, Hectocotylus it ^l .>v> vorge^
trageni. Neues; enthält der Aufsatz nicht, der waehiideiip Tode
des Verf. abgedruckt wurde. -■ i^» ,Jll..'v -aüui -ux .'xMJignj^^u)
Parkinson stellte ib. p." 3^^ iisr^'xieHk^Kncri^^A'rj/^n^^
rrtdi von New-Nantucket im stillen Oceaii' uti^'-Ä.'fth'jiii'i'ohiitfi'i^
gäbe des Vaterlandes auf. Ersterb hat im mittleren DrUtel'j ed er 'Ma-
rina 7 sehr grosse Höcker, bei der zweiten ist der iS'ueleus derSchal'e
nicht eingerollt, wie gewöhnlich, sondern steht cylindrisch einen Hal-
ben Zoll hervor. i >
]fIyop»>i(1ae« Nach Jonathan' Co uc^ kömmt Sepia bfs^i
rialis auch in Cornwall vor. Verf. hält es jedoch für möglich, däss
die Schalstücke, welche er gefunden, von einem vorüberfahrenden
Schiffe über Bord geworfen seien. Journal of the Proceedings of tho
Linnean Society I. p. 100.
^aiifilacea« Van der Hoeven hat die Kenntniss
des Nautilus Pompilius durch die Beschreibung des Männchens
ansehnlich gefördert, ßijdragen tot de ontleedliundige Ken-
nis aangaande Nautilus Pompiiius L.., vooral mel betrekking
tot het raannelijke dier. Wis en natuurk. Verh; der konliiM.
Akademie deel III. üebersetzt in unserem Archiv |8ö7* iL
p. 77 untJ Annales des sciences nat. VI. p. 291. "^ ^Killori)
Hiernach wird wohl nicht mehr daran gezweifelt werden kön-
ne», dass auch bei Nautilus ein hectocotylisirter Arm im dritten Paare
vorkommt, den Verf. Spadix nennt. Auch wird durch diese Untersu-
chungen die Valenciennes'sche Ansicht, nach welcher die Tentakeln
nur modificirte Saugnäpfe sind, so dass dem Nautilus auch acht Arme,
wie den übrigen Cephalopoden zukommen, bestätigt. ' *'^" "'
An diese Abhandlung schliesst sich dann ein Bericht
über die mikroskopische Untersuchung der Spermalophoren
des Nautilus Pompiiius von Boogaard, welcher gleichfalls
an den angeführten Orten übersetzt ist.
Die Abhandlung von Macdonald über das Thier von
Nautilus umbilicatus (vergl den vorigen Bericht p. 98) ist in
den Philosophicül Transactions of the Royal Society of Lon-
don Vol. 145. p. 277 niit zwei Tafeln Abbildungen erschienen.
Coplialopliora«
Referent gab die erste Lieferung einer grösseteii
124 Troschel: Bericht über die Leistungen in der
Arbeil: „das Gebiss der Schnecken zur Begründungf einer
natürlichen Classification untersucht; mit 4 Kupfertafeln von
Hugo Troschel. Berlrn 1856. 4.« heraus.
In einer Einleitung ist das wichtigste Historische über diesen
Gegenstand zusammengestellt, der Bau der Mundtheile im Allgemeinen
erörtert, die chemische Zusammensetzung ermittelt, wo sich ergab,
dass sowohl Kiefer wie Radula , aus Chitin und 6 — 7yo Knochenerde
lj.e8t^heii;; -ferner wird eine Anleitung, zur Präparation und Aufbewah-
r-u.ng so Wie einige Notizen zur Entwickelung der Mundtheile gege-
ben. — Die Arbeit selbst ist dann mit den Ileteropoden , Pteropoden
und dem Anfange der Gasteropoden begonnen. Da diese Untersuchun-
gen einflussreich auf die Classifikation sind, so werde ich unten an-
gemesseoeQ Ortes einige Resultate aus der Arbeit mittheilen. .
Heteropoda«
Ueber die Entwickelung einiger Heteropoden hat Krohn
in Madeira Beobachtungen gemacht. Müller's Archiv f. Anat.
1856. p.519.
Bei Atlanta sind die Wimpersegel anfangs einfach , zerfallen
dann in zwei Wimpel und zuletzt kommt das dritte, hinterste Wimpel
hinzu. — Firoloides hat nach der Ansicht des Verf. die Eigenthüm-
lichkeit, dass den Weibchen Saugnapf und auch die Fühler fehlen.
(Sollte sich dies bestätigen, dann würde meine Gattung Firolella, als
die Weibchen darstellend, eingehen müssen). Die ausgebildete Larve
besitzt eine Schale mit zwei Windungen, einen Deckel und ein mäch-
tiges Wimpersegel, gessen Lappen aus zwei langen schmalen Wimpeln
bestehen. Der Kiel erscheint sehr früh, ist cylindrisch mit flimmern-
dem Ende, und wandelt sich erst gegen das Ende des Larvenlebens
in den Kiel um ; der Saugnapf der Männchen entwickelt sich erst
viel später. Bei den reifen Larven nimmt man auf dem Kusse einen
Zapfen wahr, der sich in den Schwanz umwandelt. — Die Schale von
Pterotrachea unterscheidet sich dadurch, dass die letzte Windung frei
von der vorhergehenden absteht. — Eine Larve mit zierlich querge-
rippter Schale möchte Verf. für die Larve von Carinaria ansprechen.
iii / Von den Heteropoden hat Referent in seinem Gebiss
der : Schnecken Lief. 1. p. 39 — 46 nachgewiesen, dass alle
Gattungen 7 Zahnplattcn in jeder Querreihe besitzen, und
dass Kiefer überall fehlen. Die meisten Gattungen sind un-
tersucht, und Verschiedenheiten der Radula nachgewiesen.
Hervorgehoben zu werden verdient , dass die hintereinander
folgenden Glieder, der Radula gchnell an Grosso zunehmen,
Naturgeschichte der Mollusken während des Jahres 1856. 1!^3
mehr als bei allen übrigehMolIuskeh*^^^ Woraus Uef. auf ein
sehr schnelles Wachslhum dieser Tbiere schliessen zu können
Oasteropotla. ^ «^ *'v ,
•loös '.0014 TjIHbi'.
no J. E. Gray hat eine Reihe von Schneckenlhieren, vor-
zug-sweise in Beziehung auf das Gebiss und den Deckel, frei-
lich ohne Abbildungen, beschrieben, aus den Gallungen Fu-
sus, Pisania, Triumphis, Cyclope, Cuma, Fasciolaria, Leucozo-«
nia, IVlalea, Ranelia, Imperator, Callopoma , Tegula, Aplysia,
Tylodina, Umbrella, Proserpina. Proc. zool.soc.lb56. p.41.
- ■' ■" ■ " •.■.•.«.• • v; ■
Pulmonata operculata,
.ii/Ä »',.s;n«/-, fiü>än'i«) /.^ww-'V'/.^ »jtio*^- '■
Bei der Unlersucliuiig des Gebisses der' uasYeropoden
hat Referent, Gebiss der Schnecken I. p. 64, mit den Pul-
monata operculata den Anfang gemacht, und die Cyclostoma-
ceen untersucht, von deren Mundtheilen früher nur sehr we-
nig bekannt war.
Ich konnte mich, überragen, ;,.dass die Gattung Pomatias eine
eij^ene Familie bilden müsse ; ebenso die Galtungen, welche bei Pfeif-
fer die Series prima der Cyclostomacecn bilden. Die übrigen. Gat-
tungen, PfeifTer's series secunda und terlia mit Ausnahme von Poma-
tias bilden eine dritte Familie, in der Cyclostomus und Leonia eine
besondere Gruppe den anderen gegenüber darstellen.
In den Malakozoologischen Blättern p. 118 zählte Pfeif-
fer die: bisher bekanntgewordenen gedeckelten Landschnek-
ken von Cuba auf, und verlieh dem Verzeichnisse durch Be-
merkungen über das Vorkommen, und Angaben über das
die Schale bewohnende Thier ein erhö*htes Interesse.
Es enthält 7 Trunoatclla , 13 Mcgalomastoma, 3 J^hoanoporna^
G Ctenopoma, 1 Cyclostomus , 4 Tudora, 6 Cislula, 21 Chondrppoma,
li Trochatella, 35 llelicina, 3 Alcadia, zusammen 1 1ö Arten..
Cyclotaca« Diese Familie wurde um zwei neue Gal-
tungen und eine ganze Reihe neuer Arten wermehrt.
• Cyclolus daucinum PfeifTer Proc. zool. soc. p. 337 von den Sa-
lomonsinseln ; C. Lindsledti ib. p. 391 von Älalacca. ' '
Alycacus pyramidalis ^ unibonalis, Amphora ^ sculpliliSf armillalus
Benson Annais nat. bist. XVII. p. 225 von Burmah. ^
126 Trosphel: ßemhl über 4i& L«istungen in der
Diplommalina Cantori EfQifFei|JPrap. , jiopl. soc. 1556. p.336 von
den neuen Hebrideu, , ' . 1 ., "" r ,
Fterocyclos pullatus und Cetra Benson Annais nat. hist. XVII.
von Burmah ; teuer Menke Malakozool. Bl. p. 69 aus Cochinchina.
Opislhoporus cochinchinensis von Cochinchina, euryomphalus von
Borneo Pfeiffer Proc. zool. soc. 1856. p. 337.
4ulopoma grande Pfeiffer Proc. zool. soc. 185^. p. 104 von
Ceylon ist in depßeii Novitates conchol. Taf. 19. Fig. 11— 13 öbgeiDildel,
!i i iCyclophorus scissimargo und Cö/j/a; Benson Annals nat. hist. XVII.
Il.,2^!^:Von Burmah; C. Parma und Cratera Benson it. XVIII. p. 94
von Ceylon; C, Boucardi Salle Pfeiffer Proc. zool. soc. p. 323 von
Cordova in Mexiko; C. Shiptayi Pfeiffer ib. p. 337 vom INilgherriie-Ge-
birge — Cyclosloma cucullala Gould Proc. Boston soc. VI. p. 14 von
den Mergui-lnseln scheint hierher zu gehören.
Leptopoma aspirans Benson Annais XVII. p, 229. von Tenasse-
rim ; L. apicalum Benson ib. XVIII. p. 94 von Ceylon; L. signaium
von Borneo und duplicalum Pfeiffer Proc. zool. soc. 1856. p. 338; L.
Hanteyänum Tfeif[eT ib. p. 381.
Megalomasloma gravidum Benson Annais nat. hist. XVII. p. 229
von Burmah ; M. Gu?idlachi und leoninum Pfeiffer Malakozool. ßl. p. 48
von Cuba ; M. complanalum Pfeiffer Proc. zool. soc. 1856, p. 36 und
M. ungula Poey von Cuba sind Novit. Conchol. Taf. 19 abgebildet.
Gould hat Proc. Boston soc. VI. p. 14 ein neues Cyclosloma
pöllex von Tavoy beschrieben; er vergleicht es mit Megalomasloma
chrysalis Pfr. und M. Myersii Haines, und sieht diese Arten als eine
neue Gattung an, die ei P'ollicaria nennt. Ihre Charaktere sind:
Shell subperforate", chirysalidiform , venirälly flaltened',' spire secund;
aperture subcircular, truncate posteriorly within the p>eritreme.
Calaului Cummgi Pfeitfer Pruc. zool. soc. 1856. ip. 338 ; C. hae»
maslomus ib. p. 391.:; beide von Ceylor». j
^< In den Prpc. zool. SiQc. 1,85p, welche roi^'. Jeijle* ini^ht zugang-
lich geworden sind^ hat Pfeiffer p. 105 eine neu^ Galtung Anau-
lus gegründet. Die Art Ä. bombycinus von Borneo ist in dessen Ko-
vilätes toncliol. laf. 17; Fig. 12, 13 bbgebiidet.' ■ In denselben Pro-
ceediiij^S l85t). p. 36 hat T f e^iff er e?ne zweite Art ^. Ijorraini auf-
gestellt; di^Si^lbe' ist Nov.'coiioh: Taf. 20. ^t^fg. 21, 22 abgebildet, und
hei dieser ttelegen^heit dei< Gättung^ame in Rhaphaulus umge-
ändert. ;i' ;;
^.,,i ^Pupina Arulüf «rtaiö, fw^nq/jerff, Bqivson Apij,al3, nat. bist. XVII.
p. 230 von Burmah.
^u^v,V: ,Cyclostöiiiac«a. Neue Atien : Adamsiella cinnämomeum
Pfeiffer Malak. Bl. p. 208.
Naturgeschichte der Mollusken während des Jahres 1856. ill
Cycloslomus Bomni ^ microchntma , sarcodes Pfeiffer Proc, eool.
90C. 1850. P« 338 von Madagascar.
Eine neue Gattung gründete Pfeiffer in Folge einer briefli.
eben ölittbeilung von Sbuttlewortb auf Cycloslomus rugulosus und
neun andere Arten, unter denen C. coronalum neu. Die Galtung beisst
C t €nop 9ma. S^hulÜ. uind i&t so cbaraUterisirt : tes^ta subperforata,
cylindraceo-turrita, »pertura subcircularKs ; peristoma reflexum. Oper-
culum testaceum, subanguste spiratum, nucleo fer^ oonlraU, anfracti.
bu8 oblique sulcatis. ^ ,^ , ,,-. . , . . i
Olopoma Blennus Ben&on.AnjQftjß.iUßt. hiil. XVIL p. i281 TOtt
Burmab. /.i'inoqijA ^T I 'j rnuioyjKinoii -
Tudora planospirum Pfeiffer Maflaki Bl. !p.208'an8 fliexiko.
Chondropoma tenuüiratum Pfeiffer Malak. Bl. p. 48 von Cuba,
~ Ch. Cordovanum Pfeiffer Proc. zool. soc. p. 323 aus Mexiko. -*•
Hierher scheinen tk\ic\x Cyclosloma egregium und «ordidum ^un^lac^
Malak. Bli p. 38 von Cuba zu gehören. .nu:i.'^ noy
Hydrocena Illex und Pi/xts Benson Annais nat. bist. XVIL p. 231
von Burmab gehören auch in diese Familie , jedenfalls nicht zu den
eigentlichen Hydrocaenen. Dasselbe gilt von H. noticola Benson ib.
XYllI, p.439 vom Tafelgebirge am Cap.
Eine Notiz über den Deckel von Cyclostoma elegans machte
Gray Proc. zool. soc. 1856. p. 147.
Heiicinacea« Diese Familie ist auch durch eine Menge
neuer Arten bereichert :
Stoasloma Porloricense Pfeiffer Malak. Bl. p. 5t von Portorico.
Auf Irocbatella regina Pfeiffer gründete Gray eine eigene Gati
tung UapatOf die durch den tiefen SinUs an der Aussenlippe cha.
rakterisirt wird. Annais nat. bist. XYill. p. 414.
lielicina columeUarisj Blandianaj submargittatu GundUch Malak.
Bl. p.39 von Cuba, — H. granum und Calalinen^is rdn OubÄ, lljaL
warsoni und phasianella von Portorico Pfeiffer ib. p. 49. — H. Ghies~
hrägküif bretüabris, Chiapensis Pfeiffer Malak. Bl. p. 236. Proc; zool.
«oci p^SbO AUS Mexiko. — U.Heloisaef ttolatä, Corrfi/Zcrae Salle Proc'
zool. 80C. p. 322, — //. irfaiß von Ceram'iind «Vrie«« Tb/ 'p.'3^9',' ^*
i/; graliosm und sUavis Pfeiffer ib;^. 385 von d*k ÄflihirÄYHatsinsetnl
— H. JSorfolkensis und pictella von den Korfolk-Inselri^' ^raj/fbnensis
1^ von Nordaustralien, Healei von Westin^ien, ruf^ von Haiti Pfeiffer ib.
^y.. 391. ' . ^ .-.
^Hp AJcadia rhamphoslyla Pfeiffer Proc. zool. soc. p.39].
Proserpinace»» Ueber die Stellung dieser Familie ihat
Gray Proc. zool. 1856. p. 99 geschrieben. Er ist geneigt, sie zu den
hhipidoglossen zu stellen, wohin sie auch nach den Mundtheilen, die
von Ceres Salleana Cuming (Proc. zool. soc. 1855." p. 322) abgebildet
128 T rose hei: Bericht über die Leistungen in der
sind, gehört. Sie. wird in der Kähe der Familie der Helicinaceen und
Hydrocaenaceen, da sie ihnen im Bau der Älundlheilc sehr nahe slehtj
bleiben und mit ihnen dasselbe Schicksal bei der schliesslichcn Ein-
ordnung in das System thcilen müssen. — Nach der kleinen Mono-
graphie , die wir Pfeiffer als Anhang zu seiner Monographie Auri-
culaceorum (s,- unten) p. 167 verdanken, gehören hierher zwei, Galtun«
gen Ä Ceres Gray mit 2. und Proserpina Gray mit 6 Arten. > »"^ß'bniip
..ii/i^rrmncatellaceM» Pfeiffer beschriebProc. zool. söc. 1856.
p. 336 Truncatella ceylanica von Ceylon, leres von Mauritius und Au-
stralien, ßartatfewsis von Barhadoes als neu. Wach Pfeiffer's Mono-
graphia Auriculaceorum p. 174 Appendix II. kennt man gegenwärtig
von der Gattung Truncatella 21 Arten.
Ampullariacea» lifea stellte in Proc. PhiladelpTiia VIII.
p. 116 vier neue Arien Buti'" Arhpüllaria aurosloma \on Cärlha-
gena, ttirffe/ormw ohne Angabe des Vaterlandes, gräciUs uvld Wrhinis
von Siam. • ' ' > •' '
, Besonders reichen 'Zuwachs nti tfeueii' Xt\eh techte R e e v e
Jn der Conchologia iconica: Amputlaria cuprina\ corhucopia Colum-
bia, rM/?/meafa, no6i7is Maranön, adusld , pilulci l^oriieo, hondurasensis
Honduras, aulumnalis ^ venetus^ vexillwriy livesceiis \ LViiiret Guatemala,
haustrum Maranon, melanocheila, luzonica Luzon, Loydrdi Ceylon, Ya»
tesii Maranon, porphurostoma^ ßatilis Mexiko, haemäslomä Peru, t-urbi-
noides Australien, lymnaeaeformis Maranon, Bridgesii Bolivia, immersa
Bolivia, vermiformis Paraguay, amaionica Amazonenfluss, cassidiformis
Maracaijjo , maura, erylhrosloma Zanzibar, ii*6ricrt, oompacf« Mala cca,
notabilisy nubila Salomoensfluss, Irochulus, producta, dolioides Bombay,
encauslica, hepataria, villala Philippinen, prnnulum Ncu-Granada, cw-
bensis Cüba, ßlosa Madagascar, complicata, moesla Ceylon, Gossei Ja-
maipa,, cmer«a Cpylon, cleclrina, javanica Java, simpkx, patula, inlro-
picta^ oleflfpernflmbuccensisFcxfifimhueOfbuUa, physoides Pernambuco,
saxea, bilineala, buxea, llanleyi., I^sludinefl, cilreum, picla\caUginosaf
kelcalfei , millocheilns Mexiko , ßkieshrechti Mexikp , fumalä Mexiko,
dira, aurosloma, nux BQi^i)3ay, auriformis Honduras, S/jrwcei Taiapoto
an der üslküste der Anden. ,,, Von allen Arten, bei denen hier kein
Fundort unmitteibar.jft^ben,^ dem, I^tamen angegeben ist, ist das Vater-
land unbekannt, .,/i ,i,iv hq, ,>. r >• ', i.u:> vc^
Ctenohr anctiiata.
Williams hat seine üniersuchunfrcn über den Mecha-
nismus der Wasser-Alhmung, und über den Bau der Alhmuncrs-
oraane bei den wirbellosen Thleren in den Annais nat, bist.
XVII lortgeMzl.
Natiir^schicl^te der Mollusken während :de6 Jähret 1856. ^SD
Verf. haqdieU p. 23^42, /yoi^^^i^.j^jectipibranchiaten ,i.«ii(d/ gi0lit
über die Kiemen dieser SchneckQn >yi,(p<»tige Aufschlüsse. Er tadelt
die Bezeichnung kammförmig, und möchte sie lieber fächerförmig
nennen. Jedes dreieckige Kiemehblalt ist an. aefh einen freien Uande
durch ein Knorpelsläbchen gestützt." Kei'n Kammkifeniersolf mehr als eine
Kiemenreihe besitzen, die oft angegebene zvireite sei eine Drüse. Dife
Gattungen Littorina und Buccinum sind als Beispiele benutzt. Auffal.
lend ist es dem Ref., dass Trochus und PhasianeUa geradezu als Kamm-
kiemer betrachtet werden, da doch ihre Kiemen so auffallend anders
gestallet sind. — Ein anderer Abschnitt p. 142 — 154 ist den Lungen-
schnecken gewidmet. Die Landschnecken sollen niedriger stehen als
die Secschnecken, in Rücksicht der verhältnissmässigen Unvollkom-
menheit ihrer Sinne, und der VeVeinigung' beider Geschlechter in
einem Individuum. (Wie mit den gedeckelten Landschnecken?) t>ie
Athemorgane werden dann besonders von I^imax, Helix und Limnaeus
geschildert. — In einem dritten Abschnitte (p. 247— 258) ist von den
Drüsen die Rede, welche in der Athemhöhle der Kiemen- und Lun-
genschnecken enthalten sind. Verf. will des Cuvier'sche Organe de
la mucosite nicht recht als Kiere gelten lassen ; er zeigt die v^rschiö-
dene Lage dieser Drüse bei Buccinum, Limax, Littorina und Helix anf.
Ferner spricht er von der Farben-Drüse oder supplementäreh Kieme,
über deren Function er keine Entscheidung trifft. ;r»
Bereits im vorigen' ßerichle p. 102 wurde einer Notiz
von Macdonald über Macgillivraya ujlid Chelolropis, ..erwähnt»
Die Aufsätze sind in Philosophical Transaclions of the Royal
Society of London Vol. 145. p. 289 mit .ein^r Tafel .Abbildun-
gen erschienen. Hierdurch bestätigt es., sich ivollsländigv dass
diese Formen nicht eine besondere Moliuskönordnung bilden,
sondern unzweifelhaft Schneckenlarven sind, die noch' das
Wimpersegel tragen. Da hier aöch^'^ö R'ädnlae der' einzel-
nen Formen abgebildet' sind , so lässt sich disr Bestimmung
etwas näher treten. Alle gehören zu der Gruppe der Band-
züngler (Taienioglossala) ; die Abbildungen sind jedoch nicht
delaillirt genug, als dass ich für jetzt danach die Gattungen
bestimmen möchte.
In der zweiten Lieferung der Fauna littoralis Norve-
giae von Sars, Koren und D ani ellssen, Bergen 1856.
ist p. 25 in dänischer und französischer Sprache eine neue
Bearbeitung der Entwickelungsgeschichte von Buccinum yn-
datum und Purpura lapillus von Koren und D aniellssen
erschienen und durch vier lithographirte Tafeln erläuterli
Archiv f. Niiturgesch. XX.III. Jahrg. 2. Bd, I
130 Trosohel: Bericht über die Leistungen in der
iDie Verfasser beharren bei ihrer Ansicht von dem Verschmel-
zen dter Eter zu einem Embryo und schreiben Carpenter
'ifefinöti'lrrthurti zu, wenn ei; glaubt, die Embryonen frässen
einander auf und bedienten sich ihres Gleiclien als Nahrung
Cvergl. den vorigen Bericht p. 104, vv^o leider durch ein Ver-
sehen der Name des Verfassers ausgelassen ist). Nament-
lich stützen sich die Verf. darauf, dass die Organe, welche
Carpenter für Mund und Schlund gehalten, nichts anderes
als der Fuss in seinen verschiedenen Entwickelungsstufen
gewesen sei. fis sei im Anfange weder Mund noch Schlund
vorhanden , und daher könne auch von Fressen nicht die
Rede sein.
faeniojglössata.
Valvatae. Hauffen entdeckte eine neue Vahala erythro^
pomatia in der Görziaher Grotte. Verband], des zool.-bot. Vereins in
Wien yt p. 464. Taf, VII. Fig. 1 ; — eine andere F. sfeldea in der
Grotte am Glaven verh. ib. p. 702. Taf. VII. Fig, 2.
Palvdinacea. Lewis bat seine frühere Mittheilung (vgl.
den Bericht von 185.4. p. 463) dahin berichtigt, dass er nun von 5 Ar-
ten Faludina links gewundene Exemplare besitzt. Daran schliessen
sich einige andere conchyliologische Bemerkungen, die einzeln im
Berichte anzugeben, zu weitläufig sein würde. Proc. Boston Soc. V.
p.?95. '
Bourguignat zählte Revue et Mag. de zool. p. 341 die in
der' asiatischen Türkei mit Einschluss von Aegypten vorkommenden
Arten der Familie Peristomaces auf, nämlich 2 Vivipara und 16 By-
thinia. Es verdient beachtet zu werden , dass die früher von dem
Verf. als Cyclostoma Gaillardotii beschriebene Art nunmehr als Va-
rietät von Bythinia bulimoides anerkannt worden ist.
Paludina quadrata, lecythoides Benson As. Journ. 24. p. 130 von
Chusan. — P. Hainesiana^ umbilicala, Swainsoniana ^ ingallisianay
Siamensis von Siam, chinensis von China sind n«ue Arten von Lea
Froc. Philadelphia VIII. p. 109. — P. peUucida Hauffen in der Grotte
von Glaven verh. üeber den Deckel findet sich keine Notiz ; es ist
jedoch wohl eine Amnicola? Verhandl. des zool.-bot. Vereins in
Wien VI. p. 466. Taf. VII. Fig. 3. — P. Stürmt Rosenhauer Thiere
Andalusiens p. 424 in einem Hächlein der Sierra de Jarana, ähnlich
P. Schmidti und P. Byzanthina, von ihnen durch niedrigere Windun-
gen und weitere Mündung unterschieden.
Bythinia longicornis und striatnla Benson Journ. As. soc. 24.
p. 130 von CbujBan. '^ ß^^äitlardolUt hh^iscata und Mequiniana
Nalurgeschichte der Mollusken während (fftsJahx^s 1856. i&i
Boqrguignat ftqvue et Mag. 4>e Zool. p. 19 aus Syrien. ~ ß. Putoniana
ib. p; 0t), ebendaher. — B. Verreaux\ana aus t^em ]Sil und hehtaica
aus Syrien ib. p. 391. — B. globtdaLea Proc. Philadelphia YjiU.p. 1,10
Yon Indien. ;,;.)t^r rv - y>iv,M
ISachdem Benson Annals nat. bist. XVII. p. 342 den Na in en
Neipatura in S (eno(^y ra umgewandelt hatte, beschrieb er ib, p. 496
mehrere neue Arten dieser Gattung: St. cingulata von der Insel Pe-
naog, monilifera von Mergui, foveolata aus dem Ganges^ fruiliUum aus
Australien, slrigillata von Borneo. .v.ituhhfi oJtißc!
Paludomus maculala Lea Proc. Philadelphia VIII. p. HO von
Ahmednugger in Indien. — P. labiosa von Tenasseriin , ornata und
regulata von ßurmah Benson Annais nat. hist. XVII. p. 494.
Pyrgula quadricostata Carpenter Proc. zoo). »oc. 1856. p. 16!^
von Panama^ .[^aß^i a'mü^oxii^iv- niai»'. hm .uoJiA ui.
Assiminea cannafa Lea Proc. Philadelphia VIH,,:p/ lU voaSian^,
Gray erörtert noch einmal (vergl. den vor,, _ Bericht p. 104)
die Krage von der Vereinigung der Gattungen Assiminea ^e^ch^i^fi4
Truncatella. Proc. zool. soc. 1856. p.20; Auuals Xyillj.. R. 4;i9,,;
^^Laguneula ist dfir Plame eiqer nenen (üaittung^' von^ iffeB>»oii
Journ. As. Soc. 24. p. 133, die mit Assiininea und- Päludlna «verglichen
wird: tesla turbinata , subglobosa, apertura maiori , integra , öMonga,
peristomale interrupto, labio subreflexo; umbiiico profundo , tortuoso.
Vom Deckel ist keine Rede. Ueberhaupt möchte nach diesen Charak-
teren die Gattung schwerlich haltbar sein. Die Art heisst' L> pulchelta
von Chusan. i ' s « •;;.,, v/.c
IVIelaniacea. Melan{a caneeUätä nnd M. '(Hb'rnisiäüs j^waWsl)
orebricöstis Benson Journ. As. soc. 24. p. 152 von Chusati. — ^ M, sha'"
slaensis und iiigrina Lea Proc. Philadelphia VIII.' pl 80 ausCälifornien.
— Derselbe stellte ib. p. 144 fünfzehn Artfen dieser Gattung auf: M.
Verreauxiana , Newcombii , Mauiensis von den Sandwichsinseln , fra-
terna ohne Angabe des Vaterlandes, Uainesiana aus Indien, Housei
von Siam , ningponensis von China, M g er siana \on den Keejeeinseln,
buUata aus Brasilien, lyraefortnis f afßnis und aMsfrahs von Manillä,
Boninensis von den«Bonininseln, rubida aus Mexiko. — Die Gebrüder
Villa stellten zwei neue Arten M. Turati von Louisiana und Osculali
von Quito auf, Giornale diMalacologia II. p. 113. — M. pallida Gund-
lach von Cuba Malak. Bl. p. 42. — M. /CocÄü Bernardi Journ, de
Conch. p. 83 aus Brasilien. — M. (VibexJ ventricosa und M. Macapa
Morieand von Macapa an der Mündung des Amazonas. Jourii. de Conch.
p. 175. pl. 6. flg. 6 und 7. > . ; i -,. ..
Pachychilus parvus Lea Proc. Philadelphia VlII. p. l45 von/^la^.
Melanopsis Hammonensis und scalaris Gasßies Coquilles univiflf
ves 1. c. aus Algerien.
13Ji ' ■ T^ogchel : BeWcht über die Leistungen in der
» '-' ' Xittorinacea^ Rissoa Pkilippiana Jeffreys Antials' nat, hist.
XV«>^^p. 182. pl. H'.fi^.'4'. b nn&Rrtontorta it).pl;ll/ fig.öj 7 heide
Skenea tricarinala Webster Annais nat. bist. XYIII»"pi'l56.' pl.
VlII. Fig. 12.M3. aus <Jer Nähe Von Falmoulh. ; ! ,
■^ ' Jeffreyiia ci/?indricrt Jeffreys Annals näl. MstlX'VÜ. V.i 184. 'f^l. W.
fig'.'Sl 9 von Spezia. > . , iiA ; . :
Lacuna mnifasciaia Carpentfet Froc;'liÖöli' st)c. 1856. p. 205 von
Santa Barbara. '^ '
Turritella pusilla Jeffreys Annais nat. bist, XVII. p. 184. pl. II.
fig. 10. 11 von Spezia. ' '.' .^'' ■■'■::-'
Cerithiacea. S o vve r b y bat ( vcrgl".' (ife' yliUj töf^^Me
Eintheilung der Gattung Cerithium gegeben :'"''^*''^*'"V^ ^U^■^^t^
I. Marine Arten, mit einem vorgezogenen Kanal ; i58tlliel'oval,
mit wenigen Windungen.' ' '''^
1. Ein langer aufwärts gerichteter Kanal, und eine Art Falte
oder Schwiele in der Mitte der Spindel. Genus Vertagus Klein.
20 Arten, worunter neu: C. Cumingii Adams von der Torresstrasse,
nobile Reeve von Mindanao , cedo-nulli Sow. Philippinen, pulchrum
Adams von ?iord. Australien , art»cu/a(«m Adams et Reeve , recwr-
Dum. Sow. V ■ .,. ,....,■: .. i'j'ir , t,^<>uul ^:lli■^ , : :
2, Ein deutlicher^ mehr oder- iwenigeir^hrorgezogener Kanal, und
eine Falte am oberen Theile der Spindel. Genus Cerithium. 102
Arten, worunter neu.: C. polygonum Sow. von Port Essingtön, Qitrinum
Sow. (columna Kiener non Sow.), caudatum Sow. von Guadeloupe,
strialissimum Sow., planispiralmn Sow. ^ ^tenellum Sow. Philippinen,
munilum Philippinen, spalhuliferum Sow., umbonalum Sow. Jamaica,
nigropunctatum Sow.i fenestralum Sow., turritum Sow. Philippinen^
serotina Adams YandiemenslancI, rhodostoma Adams ebendaher, roitra~
tum Sow. Philippinen , fusiforme Sow. ebendaher , salebrosiim Lord
Uood's-Insel, coronatum Sow. Philippinen , eriense Valenciennes Hon-
durasbay, dubium Sow. Vandiemensland, Novae Hollandiae Adams Wcu-
holland , subnodosum Adams Neuholland , musicum Sow. vom grünen
Vorgebirge, nebulosum Sow. (maculosum Kiener), coeruleum Sow. (tu-
.perculatum Lam. non Linn.) Rolhes Meer, piperilum Sow. (punctalum
ßrug.) , tessellalum Sow. Darnley's -> Insel , Australien, dorsuosum A.
Adams Philippinen , obesum Sow. ebendaher , sculplum Sow. , incisum
Sow. Philippinen, curtum Sow., Gallapaginis Adams Gallapagos , Mel-
calfeiSow.. BorniiSow, (tuberculatum Born, non Linn.), 2Vai//(i Sow.
Singapore, patulum Sow. Philippinen , allevnalu.n ebejjidaher, purpum
rascens Sow. ebendaher, nitidum Sow. ebendaher , 's^/endens Sow.
ebendaher, eximium Sowi Ceylon, müraeforme Sow., gemma Sow.
Philippinen, villatum Söw.f HanleyiSow.^bifascialum Sow. Philippinen,
rubroUneatum Sow., rarimaculalum Sow. Philippinen, Nassoide SöWi
Nalurgeschichle der Mollusken während d^s Jahves 1856. 133
Sandwichinseln, nitosum Sow. , flammiculalum Sow., gibberulum C^ ßv
Adanis Nord -Amerika, feiiue Sov^. J|qrlt,7|iipQoI^, j7api72usum Sow., ««.
terslriatum Sow. ;,,, ,,
3. Nur die letzte Windung gross und «usammengezogen. Ge-
nus Colina A. Adams. 5 Arten, worunter neu: C. pingue Adams
von Port Nalal, conlractum Sow., costatum Adams, pupaeforme Adams
Philippinen. ,., „ ', *
4. Zahlreiche kurze Windungen, Kanal kurz. Genus Ceri-
thopsis Forb. Ilanl, 16 Arien, worunter neu: C. algerianum Sow.
Algier, elongatum Sow. aiillelmeer und Australien, nealecluin C. ß.
Adams Algier, gracite Sow. ^^cereum Sow. Australien.' |* '.' ' „
5. Ziemlich runde Mündung, granuli'rte Windungen, kurzer gfu-
henähnlicher Kanal. Genus Pir ene IIa Gray. 9 Arten, worunter
neu: C, attramentarium A. Adams, sulviride Sow., undulalüm Sow.,
Layardi Adams Ceylon, clalhratum Adams Philippinen. ' ■'
H. 'I In Brakwasser öder Flüssen lebende Arten, Kanal nicht
vorgezogen; Deckel rund mit vielen Windungen. Potamides Brongniarilr.
6. Mündung buchtig, am Grunde ausgerandet, Spindel schvsrie-
lig. Genus Pyrazus Montf. 8 Arten, wohntet iieitte neii'. 'I '-^^^
7. Mündung buchtig und nur schwach am untern Theile aus-
gerandet, Spira oft decollirt. Genus CeritMdea Swains. 18 Arten,
worunter neu: C. rhhoporarum Adams Philippinen, ornatum Adams
ebendaher, corneum Adams Borneo, Mörchii Adams, subcarinalum Sow.
Neuseeland, Rissoideum Sow., phmbeum Sow. Australien, pauxillum
Adams Philippinen.
8. Wie Trochus gestaltet, mit vielen Windungen, Spindel ge-
dreht. Genus Telescopium Schumacher. Nur eine Art.
9. Viele Windungen, Spindel gewunden, Aussenlippe vorn vor-
gezogen, Schale mit einer Epidermis bedeckt. Genus Tt/wipano-
tomus Klein. 5 Arten, worunter neu : CmuUigranum Sow. (radula Born
non Linn.), reliferum Sow. Philippinen.
Ausserdem wurden aus dieser Familie zv^ei neue Arten be-
schrieben : Cerilhidea albonodosa Carpenter Proc. zool, soc. 1856. p. 205
von San Diego. — Triforis Macandraeae Adams ib. p. 1 von Nor-
wegen. ,
Veruietacea* Carpenter gab die Grundzuge einer Mo-
nographie der Gattung Petaloconchus Lea. Pcoc. zool. bog. p. .3lß.
Die Gattung wird so charakterisirt : Animal ignotum. üperculum par*.
vum , corneum, diaplianum, tenuissimum , parum concavum; cicatrice
centrali; anfractibus paucis , vix apparentibus. Testa exlus Bivoniae
similis ; intuß transversim rarissime septata ; anfractibus medianis la-
minis elongaiis spiralibus varie dispositis, cameram saepe paene se-
cantibus, plerumai^e duabus, plfca columellari una. Unter den aufge-
134 Troschel: Bericht über die Leistungen in der
führten 9 Arten sind als neu bezeiciinet : P. macrophragma von Ma-
zatlan, cochlidium von Australien, flavescens von Sicilien , renisectus
aus dem Indischen Ocean, nerinaeoides von Australien, cereus von
den Philippinen, oclosectus von Südafrika.
Aletes squamigerus Carpenter ib. p. 226 von Sta Barbara.
Calyptraeaeeift« Neue Arten: Crepidula rugosafinUal^loel
Carpenter Proc. zool. soc. p. 224 von Ober-Californien.
Crucibulum violascens von Ceylon , pectinalum von Peru ib.
p. Ip6 und C. corrugatum ib. p'. 204 sind neue Arten von Carpenter.
Carpenter zählte ib. p. 3 die amerikanischen Hipponyx-Arten
auf. Es sind deren sieben,, unter denen H.. tuberculalus und effodiens
.. [("'i- '• ■.'.... . . , . , , f-
äus dem Caraiben-Meere neu.
y/;,P llTaticacea. Recluz lieferte eine Geschichte der Gattung
Natica. Journ. de Conch. 1856. p. 43.
Nalica excavata Carpenter Proc. zool. soc. 1856. p. 165 von
Panama.
Velutinacea. Trichotropis Gouldii Adams Proc. zool. soc.
1856. p. 369 von Veragua.
Ranellacea« Triton crebricostalus Carpenter Proc. zool.
soc. 1856. p. 165 von Panama.
li^iculacea. In die Gattung l^Mcula Swains. (Sycotypus Gray)
gehören Fyrula Fenardi Montrouzier ßev. et Mag. de zool. p. 472.
pl. 19. fig. 4 von Neu-Caledonien und Ficus pellucidus Deshayes Journ.
de Conch. p. 184. pl. 6. fig. 1. 2 unbekannten Vaterlandes.
Gymnoglossala.
PyramidellaGea« Diese Familie ist von Adams in So.
werby's Thesaurus Part. XV. bearbeitet worden. Bei allen soll die
Zunge unbewaffnet sein. Es sind hier folgende Gattungen abge-
handelt: ; ,,nni.'
Eulima Risse mit 28 Arten, worunter neu: E, Wdriinii von
China, pyramidalis von der Insel Capul , nilidula von Singapore, /?e-
xuosa, teinosoma von den Feejee- Inseln, obesula\on der Insel BohOl,
cuspidata von der Zebuinsel, porcellana, grandis von der Insel Burias,
modicella von der Zebuinsel, Ctimingii von Lord Hood's-Insel, vilrea
von den Feejee-Inselrt, polygyra von Mindanao, laclea von den Phii-
lippinen. '
Niso Risso mit 8 Arten, worunter neu: IV. goniosloma von der
Insel Burias und candidula von den Philippinen.
Lei o$t rata ^. et A. Adams mit 9 Arten, unter denen neu:
L, Metcalfei Adams.
Obeliscus JHumphrey mit ^8 ArteU; worunUr ueu: 0, monilis
Naturgeschichte der Alollusken während des Jahrea 1856. 135
Philippinen , sulcatus von Tahiti , turritus von der Insel Albrochos in
Nordaustralien, teres von der Insel Fanay, lerebelloidesy tessellatus von
der Insel Masbate, pulchellus Japan, elegans Singapore, aciculatus Min-
danao , pusillus Luzon , ballealus Mindauao, fastigium Bohol, perforatus
Westindien, brunneus Japan, scilulus Masbate, stylimts Bohol, attenua',
tus ebendaher, haslalus Westcolumbien, cJavu/us Acapulco,^ci[Mßohol,
annulalus Mindanao, striatulus Feejee-Inseln.
Pyramidella Lam. mit 13 Arten, worunter neu : P. nadi.^
cincla ^ propinqua Societätsinseln , mitralis Luzon, variegata Masbate,
nUida Philippinen, gracilis Bohol, subulala Luzon.
Monoplygma Lea mit 12 Arten, unter denen nen : Jlf. con^
cinna von Moreton.Bay, pura von Neuseeliand. ' "
Ausserdem wurden von Gymnoglossen an neuen Arteti" 'be-
schrieben :
Odosiomia IrtctncfaJeffreys Annais nat. bist. XYII. pl. IL Fig. 12.
13 von Sestri di Levante und Nizza.
Carpenter stellte Proc. zool. soc. 1856. p. 166 eine beson-
dere Untergattung von Odostomia unter dem Namen Chry sallida
auf : testa utrinque constricta , pupiformis ; peritrema continuum, ad
basin undatum ; labrum iuxta aperturam tenue, intus solidius ; plica
columellaris declivis, celata; superficies plerumque cancellata. Oper-
culum radiatim corrugatum, tenuissimum. Dahin gehören Chemnitzia
communis, 16 Arten von Mazatlan und eine neue Art Ch. crebristriata
von den Philippinen.
Derselbe charakterisirte ebenda Chemnitzia Cumingii von China,
polyionata von den Philippinen, bicarinala ebendaher, rubrofusca von
China, Biltiformis von den Philippinen.
Eulimella striatula Jeffreys Annais nat. bist. XVII. p. 186. pl.ll.
Fig. 14. 15 von Spezia.
Plenoglossata,
Scalariacea. Carpenter hat Proc. zool. soc. 1856. p. 164
einige neue Arten der Gattung Scalaria aufgestellt: Sc. regulariSf
iiara, subnodosa, Cumingii, IJindsii sämmtlich von Panama. — Scalai-
ria Loveni Adams ib. p. l von Norwegen.
Toxoglossata.
Pieurotoinacea. Neue Arten aus den Proc. zool. sqc. 1836 e
Pleurotoma concinna Dank er p. 3Jü unbekannten Vaterlandes, — fer-
ner von Carpenter p. 162 von Panama: Cilhara sinuala^ DefraAcia
intercalaris und serrataj t>riUia punctatostriata und Pleurotoma gra.
eillima.
)36 Troschel: Bericht über die Leistungen in der
Rh achig los sota.
Tolutacea. Volula Cleryana Petit Journ. de Cpnch. p» t82.
pl.Öi fig. 3, 4 von der Küste Brasiliens. — V. Cathcarliae ohne \n^
terlands-Angabe, americana yon Brasilien, africana von der Ostküste
Afrika's Adams Proc. zool. soc. 1856. p. 2, ... . .
Marginella Jewetlii Carpenter Proc. zool. sqq. .p. 207 yqh Sta.
Barb^rRf
Mitra florida Gould Proc. Boston Soc. VI. p. 14 von Florida^ Vu
. ^^livacea. Olivella intorta Carpenter Proc. zool. soc, p. 207
von San Juan in CalifornijBn. — , 0. glandinaria Nuttal. ib>^p5<227^,i[OUJ
ObQr-Cs^lifornien. ,. .. ,
„Ki i- ■ '■ • ■ ^! '■^-■'J' ■■■■■■ X, .■■■■. ^
Caaalifcra« Fasciolaria Fischeriana Petit Journ. de Conch.
p.88. pl,2. ßg,3, 4. von den Cap Vermischen Inselü.O^ F;'*»s<nöYrt
Carpenter Proc. zool. soc. 1856. p. 207 von Panama.' il iifs^-c^ üc
-fio: :FMStti« Hartvigii Shüttleworlh Journ. deConchyl. p. ^7«l^on St.
Xlwmas,. ^ : . . .> jv;.. .•.:;-,.•; ;; = ;/ -:..;;:;;•- JaU -Mib
In ^^ Cßminella elongatu ^nAÄdamsia 4fpidäJ)Vitktir[PWic. t^fiU BÖC«;
%8A6j p£35ß; letztere -von aen-Philippinefer^oi muidc! ; niiiJ«hau uiand
''"' Huricea. Angeregt durch dieMittheih'ngen'yön Säe
uncl de Saulcy im vorigen Jahre über die Purpurfarbe der
Alten (vgl. d. vor. Bericht p. 105) hat Grimaud de Caux
Rey. et Mag. de Zoologie an die Arbeiten des Venetianers
Bizio errinnert, vi'onach 1) Murex trunculus die Amethysl-
farbe, M. brandaris den tyrischen Purpur liefert, 2) M. Irun-
cölus zvt^ei Badicale, M. brandaris nur ein Radical enthält.
Er beschreibt dann nach eigener Beobachtung die Purpur-
tasche (d. h. die Kiemenhöhle} mit den Kiemen und einem
flockigen Organe (der, Niere) darin. Er ist der Meinung,
dass die Farbe, /|^^Q^4,,>yi€^(l||K..ia(ii^ wer-
den könne.,. .,';n.;'i (10/ doiO-M''^-' ■u^^-'\ ^\^^/■.^^^•^ ,v
Neue Arten: Murex tectum sinense und laceratum I>öshayes
Journ. de Conchyl. 1856. p. 78 aus Algerien. — M. Cailleli Petit ib.
p. 87. pl. 2. fig. 1—2 von Guadeloupe. — JW. Haneti Petit ib. p. 90.
pl. 2. fig. 7, 8 von Rio de Janeiro^ ■ *yin -ft ;5
"- Trophon Morrisii Dunket Proc. z'iol. SÖfeV 1856. p. 356.
Cancellariacea. Tteue Art^n , .von Reeve , Conch. iconica
sinar Cancetlaria eburnaeformis , sinensis voii China, afßniSf serrata,
corrosa (clathrata) Adams, hislrgx Mauritius, mangelioides, tcnuisf mim
nimOf nitida Adams MS., cotilis.
Naturgeschichte der Mollusken während des Jahres 1856. 137.
Bnccinea. Columbella Santa ^ Barbarensis Carpentep Proc.
zool, soc. p.208 von Sta. Barbara. illüB'ISiUi
Phos biplicalus Carpenter ib. p. 106 von Panama., .,,.f|,,,...'i'
Lalyrus tnmens Carpenter ib. p. 166 von Panama.
Buccinum ßoridanum Petit Journ. de Conch. p. 91. pl. 2. fig. 5, 6
von Florida: gehört in die Gruppe Poilia (Jray.
Bullia Cumingiana und e/e^an$. Dunker .Proc. xoöl. " soc. "1855!.
p.3v55 unbekannten Vaterlandes. '• r? '•-^^'
' < 1 1- . ■■ • ■"•
iYi<i<iß//rt GomWu Carpenter Proc. zool. soc. p. !?08 Vi)^ Sfa.'
Barbara.
Purpura fasciala Dunker Proc. zool. soc. 1856. p. 357. :
Fischer stellte iiii jBurh. rfe Cd'n^fiyjV' p. 85 eiife' liene Gat-
tung Volut harpd mit folgenden Charakteren auf: tfesta non crassa,
superne epidermala, inferne laevis, paucispira, sutura impressa, colu-
melia vix callosa , non unibilicata , postice truncata, sinu mediocri,
margine columellari dextro simplici. Verf. vergleicht die Schnecke
einer Voluta ohne Falten , iind nennt sie verwandt mit Harpa, Pur-^
pura , Buccinum", Pseudoliva , Eburna und Priamus, Von der Art F.
Deshayesiana ist das Vaterland unbekannt. Nach der Abbildung zu
schliessen, wüjrde ich die Gattung in die Nähe von Purpura set%«n. ij
Rhipidoglossata.
Meritaceai Bei Reeve Conchyl. iconica finden sich fol.
gende neue Arten der Gattung Navicella: N. bimaculata von Mauri.
tius, lentiginosa y scarabaeus Hamond's- Inseln in der Südsee , lividOf
Cookii Philippinen, affinis^ magnifica Hamond's-Insel, sanguisuga Neu-
caledonien, haustrum ebendaher, crepiduloides , reliculata Ceylon, m-
signis Sumatra, psittacea Australien, pulchella, eximia Ceylon, coeru^
lescens Caicutta, orienlalis ebendaher.
Trocifacea. Gray beschrieb einen durch Reproduction mon-
strösen Deckel von Polydonta elegans und bildete ihn in Holzschnitt
ab. Annais nat. bist. XVIII. p. 468. , . .,j
Neue Arten : Trochns zona(Ms Jeffreys Annais nat; bist. XVJL pi't82.»
pl. II. fig.:?, 3 von Sestri di LeVante und Spezia. -^ T. ßavidUf, jpaU
lidulus , flammiger Dunker Proc. lOoK soci p'.^54 Öhae An^aheji^«»
Väterlandes. Iwsiu// j'*Ti..({ -Jf , j^iittj^il)]. 'lioy &' ; ; lü •; f,
Cyclostrema excavala von China, octolirala aus dem Rottien keif fe,'
finlagoniosloma ebendaher Carpenter ib. p. 169.
Vilrinellä spiruloides Cariieriter ib. p. 169 aus Australien.
PhasianeUa compla Gould ib. p. 204 von Californien. ' " ■
Stomatellacea. Arthur Adam,^ liut in Sowpiibv'^
138 Troschel: Bericht über die Leistungen in der
Thesaurus Part. XV. p. 827 die Familie der Slomatellen mo-
nographisch bearbeitet. Er sieht sie als eine Unterfamilie der
Trochaceen an, die er in Turbininae, Trochinae und
Stomatellinae theilt, je nachdem der Deckel kalkig, hor-
nig oder endlich rudimentär oder fehlend ist. Die letztere
Gruppe macht einen Uebergang zu den Haliotiden. Von der
Gattung Anatomus Montf. (Scissurella d'Orb.) hält es Verf.
für möglich, dass sie in diese Gruppe zu zählen sei, handellf
sie jedoch nicht ab. Es werden hier folgende Gattungen an-
genommen :
Gena Gray mit vierzehn Arten, unter denen Iceine neu.
— Broderipia Gray mit 3 Arten. •^. Siomat ella Lam. mit 26
Arten, worunter neu: St. Cujningii^ arahica aus dem rothen Meere,
splendidula, Baconi Swanriver, bicarinata Moreton-Bay in Australien,
calliosloma Ceylon. — Microtina (aus Microtis H. et A. Adams
umgetauft, weil der Name schon bei den Gräsern vergeben) mit 1 Art.
r-^ Stomatia Helbling mit 8 Arten.
Haliotidae. Gray beschrieb eine Monstrosität von Halio-
tis. Proc. zool. soc. 1856. p. 147.
F'issurellacea* Fissurella ornata Nuttal MS. bei Carpenter
Proc. zool. soc. p. 222 von Ober-Californien.
Scissurella cancellata Jeffreys Annais nat. bist. XVII. p. 181. pl.II.
flg. I. von Sestri di Levante. — Das Thier von Sc. crispata hat Bar-
rett ib. p. 206 beschrieben und in Holzschnitt abgebildet. Es war
bei Hammerfest beobachtet. -^ Clark hat dazu ib. p. 269 Bemerkun-
gen gemacht ; er hält es für einen richtigen Trochoiden. — Auch
Jeffreys machte ib. p. 271 eine Bemerkung über das Thier von
Scissurella decussata d'ürb. (crispata der Engländer).
Gwyn Jeffreys hat ib. p. 319 in einer kurzen Note „über
die Stellung der Gattung Scissurella« die Abtrennung von Sc. stria-
tula, bei der sich die Spalte zu einem Loch schliesst als eigene Gat-
tung Schismope vorgeschlagen, und dazu die Beistimmung Gray's
erhalten. — Wo od ward erklärt sich ib. p.401 gegen diese Tren-
nung und ist sogar der Meinung, dass die 4 d'Orbigny'schen und die 2
Philippi'schen Arten sämmtlich Varietäten einer Species seien. —
Jeffrey's Vertheidigung ib. p. 470; worauf dann noch ein,igp up^
erfreuliche Erörterungen ib. XVIIL p. 36 und 188 folgen. .[
Eine der interessantesten conchyliologischen Entdeckungen ist
wohl eine schöne lebende Art der Galtung Pleurotomaria bei der An-
tillen-Insel Marie galante. Fischer und Borna rdi haben sie im
Journ. de Conchyl. p. 165 Fl. Quoyana genannt und pl. 5. fig. l — 3
abgebildet. Die Schale war ohne Thier gefunden, ist 45 Mill. hoch
I
Naturgeschichte der Mollusken wöhrend des Jahres 1856. 139
und wird von den Verf. in die Nähe von Scisanrella gewiesen. Ob
»ie einen Deckel besitzt, bleibt unentschieden. '
Cyclobrancfiiata.
Cliitonidae« Shuttleworth beschrieb Journ. de Conch.
folgende neue Arten: Chiton fChaetopleuraJ candisatus und aspcr von
Guadeloupe, C/t. fAcanlhopleitraJ Blauneri von Portorico, Ch. fToni-
ciaj Schrammi von Guadeloupe.
lientaiiacea. Lacazo Dulhiers hat die Organi-
sation und Enlwiijkelung der Gattung Dcntalium zum Gegen-
stände genauer biid gründlicher Untersuchungen gemacht,
und hat angefangen dieselben Annales des sciences nat. YI.
p. 224 und 319 zu veröffentlichen. Die Arbeil wird in vier
Theile getheilt-. der erste soll die 'Organisation , der zweite
die Embryologie, der dritte die Lebensweise, der vierte das
Systematische enthalten. Im Jahre 1856 ist der Anfang des
ersten Theils erschienen, durch sechs Tafeln erläutert, und
behandelt die Verdauungs- und Bewegungsorgane und das
Nervensystem.
Verf. bezeichnet die grosse Oeffnung der Schale als vorn, die
kleine als hinten, die Concavität als oben , die Convexität als unten.
Das Thier ist von einem röhrenförmigen Mantel umgeben , vorn liegt
der dicke cylindrische Fuss über ihm der von Tentakelfäden umgebene
Mund, hinter ihm der After, jederseits in der Dicke des Mantels
die Leberlappen. — In dem Munde folgt zuerst ein Kanal mit zwei
seitlichem Taschen, in denen sich stets Foraminiferen oder dergl. fin-
den, denen aber Verf. zugleich die Function von Speicheldrüsen zu-
zuschreiben nicht abgeneigt ist. Dahinter folgt die Mundmasse. Von
ihr sind die Radula mit ihren in fünf Reihen geordneten Zahnplatten,
die Zungenknorpel und die bewegenden Muskeln sehr ausführlich be-
schrieben. Oben am Eingange liegt das kleine Rudiment eines Kie-
fers. Auf die Mundmassc folgt eine Erweiterung des Schlundes ; wei-
ter hinten liegt der Magen , an den sich jederseits die regelmässige
Reihe der Leberschläuche, die Clark für die Kiemen hielt, zierlich
anschliesst. Der Magen bildet eine Schlinge, die iii den Darm über-
geht, welcher unter der Anschwellung des Schlundes einige Windun-
gen macht und in den After ausläuft. Vor dem After schwillt der
Darm plötzlich zu einem Bulbus an, und ist dann bis zur äusseren
Oeffnung ein viel weiterer Schlauch. Diese ganze Erweiterung sieht
Verf. nicht mehr als dem Verdauungskanale angehörig an, sondern
findet darin Beziehungen zum Circulationsapparate. — DieBewegungs-
organe werden p. 319— 360 beschrieben. Der Mantel umgiebt vorn
den Körper rundum mit welligem Rande, und kuua wie eine Börse
140 Troßchel: Bericht über die Leistungen in der
den Körper völlig einschliessen ; hinten endigt er in den sogenannten
Pavillon, der aus einem kreisförmigen Ringe und ans dem Pavillon
selbst besteht. Die Oeffnung, welche diese durchbohrt, ist nicht, wie
Deshayes angab, der After, sondern hängt mit den Generationsor-
ganen zusammen. Die Schale hängt mit dem Thiere nur an dem kreis-
iförmigen Ringe am Ende des Mantels zusammen. Verf. ist der An-
sicht, dass die Spitze der Schale in dem Maasse abgeworfen wird,
wie das Thier wächst, da allmählich die hintere Oeffnung grösser
wird. DTe Structur der Schale wird ausführlich beschrieben. Ebenso
der direilappige Fuss, der im Ganzen eher dem Füsse der Lamellibran-i
chiäten gleicht, und die Muskeln, welche sich am Rücken an die
"Wulst am Pavillon ansetzen, und als zwei Paare nach vorn gehen, um
sich mit der Mantelröhre und dem Fusse zu verbinden. Sie scheinen
eine Concavilät des Rückens zu veranlassen, die sich dann auch auf
die Schale überträgt. — Das Nervensystem hat einige Analogie zu
dem der Acephalen ; es sind drei Ganglien -Paare vorhanden, eins
über dem Schlünde, eins iirt Fusse und ein Bauch- oder Kiemengan-
glien-Paar. Augen fehlen gänzlich. Die Gehörbläschen mit zahlrei-
chen Otolithen liegen an der hinteren Seite der Fussganglion. Als
Tastorgane werden zwei Haufen zahlreicher langer und contractiler
Fäden , welche wie eine Halskrause die Basis des Mundstieles umge-
ben, gedeutet; dieselben, welche Des haye s für Kiemaiii Clark für
Spe|cbel4rüsen hielt
; i,j,:j/; ,.f Pulmonata.
''J|\'p'feiffer hat in den Malakozool. Bl. 1856. p. 7 die
neuesten Systeme der ungedeckelten Lungenschnecken be-
sprochen. Er gab namenllich eine Uebersicht des Systems,
wie es Gray in dem Catalogue of Pulmonata or airbreathing
Mollusca in the Colleclion of Ihe British Museum 1855 ange-
wendet hat. Es sind 7 Familien der Geophila^ 2 der Lim-
riiphiia und 2 der Thalassophila. Ebenso theilt er die Haupt-
züge des Systems von H. et A. Adams in ihren Genera of
rece.nt Mollusca mir. Auf diese Auszüge fühle ich mich um
so mehr aufmerksam zu machen gedrungeu , als die Origi-
nalai'beiten mir nicht zugänglich geworden, und daher ini dem
entsprechenden Berichte übergangen worden sind; •'''; ■ •'^^'
nlHr, 'fig'ertjp^,. j)at Beiträge zur Anatomie und Physiologie
(("erlfülmonafen geliefert. Zeitschr. für wiss. Zoologie VIII.
p? 340— 399. Tat; 16 und 17.
Verf. stellt ain Schlüsse die Resultate seiner Untersuchungen
NatUi^es«hichle der Mollusken während d^» Jahr«9 i856. 1141
in'l9 ÖätT^en zusammen. Wir htbodinur Einiges bervor.; iDieDrüaea
in der }laut haben nichts milder Absonderung des kohlenstkuren Kal-
kes und der Schale zu ihun. Letzlere besieht aus einer äusseren
organischen llaul, der sogenannten Epidermis , welche wahrscheinlich
aus Conchiolin besteht, und einer innprn aus krystallinischem kohlen-
saurem Kalke bestehenden Schicht; die äussere wird durch die Se-
kretion von Drüsen im verdickten Älantelrande gebildet , die in-
nere schlägt sich aus einer durch die £pidermiszellen ausgcschiede.
nen Flüssigkeit krystallinisch nieder. — Die Fussdrüse ist nicht Ge-
ruchsorgan, Verf. neigt sich der Ansicht v. Siebold's zu, dass sie
ein schleimbereitendes Organ sei. — Auch die Verdauungsorgane wer-
den ausführlich beschrieben, namentlich die sogenannte Zunge. Ich
habe diese Darstellung in dem allgemeinen Theile meines oben p. 123
besprochenen Werkes „das Gebiss der Schnecken« nicht berücksichti-
gen können, weil sie viel später erschienen ist. Ich muss gestehen,
dass mir Manches in der Schilderung des Verfasser's nicht ganz klar
geworden ist, und habe die Ueberzeugung, dass wenn derselbe sich nicht
auf die einheimischen Pulmonalen beschränkt , sondern auch einige
grössere Seeschnecken untersucht hätte, er einige Ansichten geändert
hätte. So nimmt er die Zungenknorpel nur für Muskeln, und seine
Papille scheint mir nichts anderes als die, freilich bei den Pulmonaten
wenig entwickelte Zungenscheide zu sein. Den Hauptwerth in die-
ser Darstellung mögen wohl die histologischen Angaben habeÄ.' i^
Ein Organ , welches zu beiden Seilen des Schlundkopfes liegt j aiis
mehreren Läppchen besteht, Nerven aus den oberen Schlundgariglieü
empfängt, und dem eine äussere Grube dicht unter der Mundöffnung
entspricht, spricht Verf. vermuthungsweise als Geruchsorgan an. —
Die Lunge ist an dem Theile, welcher den Gasaustausch zu besorgen
hat, ohne Epilel. Beachtenswerth ist die Darstellung von der i3ezie-
hung des Gefässsystems zum Kalke und zu dessen Ausscheidung. Das
den Kalk führende Bindegewebe wird dem Fettkörper der Glieder-
Ihiere verglichen. — Die Meckel'sche Deutung der Zwitterdrüse, nach
der di^ Uodenschläuche in den Eierschläuchen eingeschaclitelt liegen,
erklärt Verf. für unrichtig; er fand das Epilel der Zwillerdrüsenfolli-
kel zur Zeit, wo sich keine Eier und Spermatozoen entwickeln, ein-
fach , und aus diesem einfachen Epitel sollen durch Abschnürung so-
wohl die Eikeimc, wie die Samenbildungszellen entstehen. F'ür Sper-
matozoen und Eier exislirt nur ein gemeinsamer Ausführungsgang,
den zweiten von Meckcl als Tuba beschriebenen erklärt Verf. für
einen Nerv. Vom Liebespfeil, der aus Kalk und einer organichen
Grundsubslanz besteht, und nicht durch Drüsen ausgeschieden wird,
glaubt er, dass er kein Reizorgan bei der Begattung sei ; auch hält
er eine innere Selbstbefruchtung für unmöglich.
Fischer hat die Spermatophore (Capreolus) des IJulimv»^ acu-
ai4ß Tr 'Troschel: Bericht über die Leistungen in der
tuB bescHtieben und ist der Meinung, dass man diese Körper vielleicht
eur sp«üi(fisciiesii üntefscbieidung benutzen könnte. Journ. de Conchyol.
''' 'liiiniicea. Otto Goldfuss hat recht hübsche Abbildungen
von Arion aier List. (A. empiricorum Fer.), einer vermulhlich neuen,
aber hocii nicht benannten Art, und A. horlensis geliefert. Ebenso
von L. maximus L. , cinereo-niger Wolf, marginatus Dr., sylvalicus
Dr.?, agrestis L. (reticulatus Älüll.). Dazu ist eine neue Art Arion
oUvaceus A. Schmidt, die Verf. häufig auf Weidenstämmen bei Ro-
thenhof uftweit der Porta Westphalica entdeckte, beschrieben und durch
die Beschreibungen auch der übrigen Arten die Kenntniss dieser Fa-
milie gefördert worden. Vcrh. des naturh. Vereins der preuss. Rhein-
lande^ und Westphalens 1856. p. 56. ■ j^ii"»'^J
Cornalia hat die Arten der Gattung KtynteMllus Kai. zusam-
mengestellt, und die Gattung tabellarisch mit Limax, Parmacella und
ITestacella verglichen. Giornale di Malacologia IL 1854. p. 19.
Ohne die oben genannte Arbeit kennen zu können schrieb auch
Fischer eine kleine Monographie dieser Gattung, für die er aber
den älteren Kamen Krinickia beibehält. Joürn. de Conch. 1856. p.65.
Incilaria Benson n. gen. Journ. As. Soc. Bengal. 24. p. 119.
Corpus elongatum, postice attenuatum, repens, undique velo margina-
tura ; tentaculis quatuor, superioribus oculiferis, inferiorlbus integris;
fpramen commune latere dextro, non procul ab extremitate atitica veli
situnoi. Von Limax durch das allgemeine Schild, welches fast zum
Ende des Körpers reicht, unterschieden, von Onchidium Buchan., Va-
ginulus und Veronicella durch die rechts am hinteren Ende unter dem
Mantel, aber in dem vorderen Theile des Mantels wie bei Arion, ge-
legene gemeinschaftliche Oeffnung (?). Die Art heisst J. bilineala.
I Macdonald hat eine Kacktschnecke mit zwei Fühlern von
der Insel Aneiteum in den neuen Hcbriden beschrieben, und ausser
den äusseren Organen auch die Anatomie, namentlich Verdauungsor-
gane und Geschlechtsapparat beschrieben. Er vergleicht das Thier
mit Janella antipodarum Gray von Neu-Seeland, von der es durch das
Vorhandensein einer inneren Schale , durch die vom Kopfe entsprin-
genden Tentakeln und durch den Mantel, der sich nicht über den gan-
zen Rücken ausdehnt, sich unterscheiden soll. In dem Zweifel, ob
nicht das in Rede stehende Thier doch der Gattung Janclla angehören
/möge, wird ihm noch kein eigener Gattungsname gegeben; Verf. be-
zeichnet sie nur als Aneiteum Slug. Annais nat. bist. XVIII. p. 38.
Heiicea« Nachdem in neuerer Zeit die Heliceenfa-
milie von. vielen sorgfältigen Arbeitern besonders bevorzugt
und bereichert ist, nachdem in allen Weltlheilen die Land-
schnecken mit Vorliebe gesammelt wurden, sollte man hoffen
Nalurgeöchichte der Mollusken während des Jahres. 1856. 143
dürfen; «lass endlich die Zahl der neuen Arten sich vermin-
dern müsste. Indessen hat sich diese Hoffnung- wenigstens
für dieses Jahr noch nicht bestätigt, wie wir aus der Auf-
zählung der neuen Arten im Folgenden sehen.
Von Fischer erhielten wir eine Monographie der Gat-
tung Daudebardia. Journ. de Conchyl. 1856. p. 13.
Von Helix entfernt sich die Galtung durch den Mangel der
Kiefer, durch die Mundtheile , die rudimentäre Schale und die Lage
der Athemöffnung ; von Vitrina ausserdem durch den Mangel des Man-
tels und seines Anhanges. Dagegen nähert sie sich den Gattungen
Testacella und Glandina, mit denen sie zur Familie Testacellidae ver-
eininigt wird. Es werden 8 Arten aufgezählt und charakterisirt, wor-
unter D. sicula Benoit neu. Die Anatomie von D. Saulcyi ist abge-
bildet.
In derselben Zeitschrift p. 148 bemerkt Fischer, dass auch
Vitrina Maravignae in die Gattung Daudebardia gehöre.
Vitrina Flemingi von Scinde in Indien, Planli von Natal, Bor*'
neetisis von Borneo , Celebensis von G«lebes, Idae von Celebes, Co~
morensis von den Comoro-Inseln, Darnaudi von Sennaar, Senntfar^n»
sis ebendaher, leucospira von Australien si^d Anteil«: VOD ,||f>ei ff er
Proc. zool. soc. p. 326. ?,, v,: ■ i ,i n ''. ,io/
Bourguignat hat 14 Rev, et Mag. de Zoologie p..7 neben
Succinea aegyptiaca Ehrbg. eine iweite Art des nördlichen Afrika
beschrieben und abgebildet: S. Raymondi von Constantine. Bei die-
ser Gelegenheit werden 5 Arten dieser Gattung vöiii westlichen, 5
andere vom südlichen Afrika mit Diagnosen und der Synonymie auf-
geführt, so dass dadurch eine Monographie der afrikanischen Succi-
neen vorliegt. — Ib. p. 14 wird von demselben Verf. auch die Franzö-
sische S. Baudonli Drouet abgebildet und beschrieben, so wie für S.
lortgiscata Dupuy, S. corsica Shuttl. der ältere Name S. elegans Kisso
in sein Recht eingesetzt. — S. Planti von Cap Natal und asperula von
St. Helena sind neue Arten von Pfeiffer Proc. zool. soc. p. 326.
Si7npulopsis Chiapensis Pfeiffer Proc. zool. soc. p. 377 ; Malak.
Bl. p. 230 aus Mexiko. — S, Salleana und Cort/ocana Pfeiffer von Vera
Cruz Proc. zool. soc. p. 319.
In der Nähe von Anostoma gründete Benson Annais nat. bist.
XVII. p. 129 eine reue Gattung Tanysioma\ später ib. p. 342 in
Hypselo Stoma umgetauft: Testa convoluta , concidea; umbilicus
aperlus ; anfractus ultimus solutus, prolractos, sursum torlus, aperturam
dontatam alte tollens ; peristoma horizontale, expansum T. lübiferum
von den Ufern des Flusses Irawadi rn Burmah, an Kalkfelsen.
Tomigerus Venezuelensis Pfeiffer Proc. zool. soc. 1856. p. 36 von
Venezuela.
-144 . V. iTroBchel: Bericht über diö LöistungeTi in der
- iv.Helix i^Nanina) Cymalium Bensoti bei Pfeiffer Nov. conch. pr58.
Tfi|.ll7, Fig. 1. 2 von Malacca.
,;,,; IJ^our^uignat zählte den Zoniles der Gruppe Crystallinus acht
Arten zu, von denen mehrere als neu beschrieben werden : Z. ei/rfe-
dalaeus und Intebricola aus Griechenland, sublerraneus gus Frankreich.
Rev. et Mag. de zool, p. 268.
Sehr belrächllich ist die Zahl der neuen Arten der
grossen Gattung Helix, die ich der leichleren Uebersicht we-
gen nach den Verfassern ordne.
Von Benson: Helix ratida und nanioides Journ. Asiat. Soc.
XXIV. p. 121 von Chusan. — H. galerus Annais XVIII. p. 96 von
Ceylon. — H. jiylaica von Maulmain , artificiosa von Tenasserim, ca-
pessens von Maulmain, convallala von Tenasserim, Hariola von Thyet-
Myo am Flusse Irawadi , bifoveata von Tenasserim, pansa Irawadi,
Bolus von Proiiie, iextrina von Thyet-Myo, Laidlayana von Benga-
len, Annais XVIII. p. 249. — H. Charybdis und Tollini Albers MS. vom
Cap ib. p. 436, bei welcher Gelegenheit Bemerkungen über einige
Helices vom Tafel - Gebirge und anderen Localitäten am Cap hinzu-
gefügt werden.
' Von Bourguignat: H. Brondeli Rev. et Mag. de zool. p. 16
von Algerien, — H. graphicotera \h. p,268 von der Insel Milo.
, ,. . Vöii, Gl SS i es : 'jf. Mayrani Coquilles uüiV^tvfeS 1. c. aus
AlgeneDi.
-'>")! i . Ai:)i>noj i:.: '■.■■.■..■.: . ] ■'■■'' \ '■■■''.■' >
, Von Gß\i\Ai ^U. repercussä von Tavoy und Mergui, ramßnlosa
und damascenus von Californien Boston Proc. VI. p. 11. ''
Von Pfeiffer in den Proc. zool. soc. 1856. p.32: H. exserla
Sandwich - Inseln, coagulala Amboina , Hainesi von Siam i|n Novit,
conch. Taf. 21 abgebildet, Siamensis ebenso, omissa Juan Fernandez,
Miguelina Azoren, volutella Azoren, alata Sandwich, angelica Thibet,
Nov. conch. Taf. 21 abgebildet, binaria Sandwich, fanulus Port Natal,
undina Nov. Conch. Taf. 21 abgebildet. — Ib. p.3l8 aus Vera Cruz
H. Cordovana, Veracruzensis. — Ib. p. 326 : H. Kermandeci von den
Kermandec-Inseln, Ophiria von Malacca , Shiplayi von dem Nilgherri-
Gebirge, calabarica von Guinea, Darnaudi von Sennaar, argula von
Java, Chimmoi von den Kermandec-Inseln, conferta ohne Angabe des
Fundortes, Datnahoyi von den Philippinen, M eo bamb e nsis \on Peru,
./tnmiralis von China, mucida yon Percy's-Insel , Gueimii von Peru,
basidenlata von den Philippinen. — Ib. p. 377 : //. helictomphala und
Chiapensis (vergl. auch Malak. Bl. p. 230) aus Mexiko. — Ib. p. 331:
H. meta, plagiosloma f majuscula^ quercina, llombroni, Lombei, ßexila-
briSf phthisicu , xiphias , sebacea, enslomaf ursina^ murina (wovon ei-
nige auch in den Malak. ßl. p. 238) von den Admiralitätsinseln, rj-
Naturgeschichte der Mollusken während deä Jahres 1856. 145
Ib» p. 385 : ü. (jloriosa von Madagaskar, ducliUSf Slulohburyi ^ deUa,
pliculosa von Kord - Australien , cnstrensia von Westiodien , Lindstddti
von Malacca, Bourguignati aus der Krim, Adelaidae von Australien,
chionodiscus aus der Krim (Malak. Bl. p.' 185. Taf. 2. Fig. 12. 13 ab-
gebildet), Grevillei von Ceylon. — Ferner in den Malakozoologischen
Blällern p, 43 : //. Ledereri von'Cypern, Mazätlanica von Matzatlan,
Baracoensis Gulierrez von Cuba, profioscirfea ebendaher, Riisei (in
Novit, conch. Taf. 21. Fig. 13 und 14 abgebildet) von der Insel Vieque
in Ostindien, Arecibensis von Portorico , trypanomphala von Sierra
Maestra in Mexiko. — Malak. Bl. p. 182 : H. de Nalnle Benoit aus
Sicilien, Vt/ifle Mortillet aus der Lombardei, Reinae Benoit aus Sicilien,
rufilahris Benoit ebendaher; diese sind mit Ausnahme der letzteren
auch abgebildet. — . Ib. p. 2fJ6 i.^^j^trtnae^ ü^^ von St. Helepai
Von Philippi: In einem Aufsätze üi)er die in Chile einheimi.
sehen Arten, Zeitschr. für die gesammten Nalurw. , auch abgedruckt
Malak. Bl. p. 151, wird H. Gayi llupä in der Historia de Chile für
den Jugendzustand von H. laxata erklärt, und dann bleiben noch 10
bekannte Arten von Chile übrig. Diesen fügt er 13 neue hinzu, von
denen die meisten nicht grösser als ein Stecknadelknopf sind , üna
in der Provinz Valdivia unter Baumrinden oder im Moose leben ; die
erst Art ist dagegen aus der Wüste Atacama: H. Reentsti (vergl. auch
Malak. Bl p. 52) , Ochsenii, z,ebrinayJungermanniarumfGermainL
tenuistria f hypophloea , corticaria t coiguecana, muscicota ^ bryophilüf
exiqua. abscondita. ..,.,,
Von Roth: H. phocaena Malak. Bl.,^. 1. Taf.rl, Fig. l-^ö jrpm^
Parnass. Seine H. sylvatica Var. Parnassia erkannte derselbe als H.
Codringtoni Gray. -H. coslartcensts IJipji^jJJpn^.lji, ^yon Pfeiffer Ja^^
Fig. 15-17 von Costarica. ^ , n'.il.nl ' 6nr> ^^J<.''^ mi^^lild-^
Von S t r 0 b e 1 : H. crinata Sandri Giornale di Malacologia IL
p. 108; sie ist auf der Grenze der Herz^govina und Dalmatiens ge-
funden, und wird von Str., s.ejl^^t ^1^ i,muthraassliqhe Vari^tä^ yoi^, ^.f
selosa angesprochen. ..,;.: r. j / ^.,. . .\ •,,»J. ,i ,, :;iv
Von Zelebor: H, Redlenbacheri.^diUkts BJp, p,,,t7<^^,, Jaf.j^S.i-
Fig. 7— 11 von der Insel Syra, Kollari ib. p. 180 aus Serbiea.
Bonnafaux machte die Beobachtung bekannt, dass Helix hor-
tensis die Eier verlassener Vogelnester anbohre , um den Inhalt zu
verzehren. Rev. et Mag. de zooK p. 446. — üeber H. constricta fin-
det sich eine Notiz von Mo quin -Tand on ib. p. 562 und p. 592i ^
Helix frigida ist von Vi IIa wieder aufgefunden worden. Giornale di
Malacologia II. 1854. p. 97. — Strobel machte für Ziegler einen
Prioritätsanspruch, der die neuerlich von Pfeiffer H. phoebus be-
nannte Art schoölgin Jahre 1844 als IL seposita bezeichnet habe. ib.
p. 70. — Nach Lonsdale ist Helix Cantiana um Keynsham, Somerset
häyfig. Annais nat. bist. XVIII. p. 187. ' "
Archiv C Naturgescb. XXIII. Jahr-. 2. Bd. J{
146 Trosc hei: Bericht über die Leistungen in der
,. . ; Streplaccis prostrata von Cap Palmas, «Ztsa von den Mergui«.In-
'#e}rt^'«a7<ircuftis yen Burmah Gould Proc. Boston Soc^ Vi. p. 12.
^lijiliii} .< 1. ■ . .-.1 1.; - . ■;. -. ,. ■.
. ^. Jiulimus lepidus \on. denJMiergui-Inaeln und B. lautus von Quito
Go.uldProc. Boston Soc. Vi. 'p. 12. — B. monlicoia Roth Malak. Bl.
185^. p. 3. Taf. 1. Fig. 4, 5 von Parnass. — B. oclogyrus von Carac-
cas , Aas^d von Haiti und Portorico, Viequensis von Westindien, vir-
ginalis. von Caraccas, chordalm vonMazallan Pfeiffer Malak. Bl. p. 45.
— ' B, Ujalmarsoni von Portorico und Bernardii von Brasilien. Pfeiffer
ib. p. 51. — B. leucosliclus Philippi ib. p. 53 von Ciiile. — B, Papo^
sensis, AtacamensiSf anachorela Pfeiffer ib. p. 207 aus Chile. — ß. si-
milnris ,Moricand von Moyobamba in Peru Journ. de Conch. p. 177.
pl.6. Fig.8. -— B. Mageni Gassies ib. p. ISI. pl. 6. fig. 5 von Neu-
C^iledonien. — B. Eddyslonensis Pfeiffer Proc. zool. soc. 1855. p. 88,
Nov. 'conch." Ja'f. 16. fig. 1. 2, Strangei ib. p! 8. NoV. conch. Taf. 16.
flal^'l'i'/.^if.' ~ !fehehso sind in' Novit, concli. taf. 18 abgebildet B. la^
certa, ihusivits, saccalus, protractui und scrrafus aus Peru. — B. fuS"
covewiWs und rf//bpic(Ms Benson Annais nat. hisl.XVlII. p. 96 von Cey-
Jon. — B. afenicola \om Waterloo-Busen im Kaffernlande, Gemmula
Vpn der Insel St. Vincent am grünen Vorgebirge, compressiiafiris von
St! Helena Benson Annais XVIII. p. 433. — ' B. cordocänus Cordova,
cyalhoslomus Westafrika Pfeiffer Prob, zoot, söc. 1856. p. 34. — Ib.
p.3iÖ von Santa Cruz in Mexiko : B. sulphureus, coriacetis, Marlensi,
hösiafosirialuSf Droueli, aurifiuus. — Ib. p. 329 : B. phaeostylus von den
Philippinen, inaequalis von den Bänken des Maranhon , Gueinzii von
^e'rü, cZarus von Peru, laiißtiits Von Chili, floridanus von Florida, di-
sl'atis xori der Insel Ifarah im Golf tön Persien , des^tcMs von Peru,
CharBonnieri VOn Karah, (ifcefanws von Tibet, cochinckinensis \üti Co~
chinchina , chion aus Indien , Kanaiensis von den Sandwichinseln,
Lorr<itÄi von der Insel Penang, Woodwardi von Peru, Caslelnaui von
Bolivien, nigroapicalus ebendaher, slenactne ebendaher, ntonachus von
Peru.— Fernbr ib. p. 388: B. Palavanensis von Palawan, librosus eben-
daher, Lindstedti von Malacca, parallelus und Calharinite von Brasi-
lien, 'stflfil/Äft/s; und Gayi von Bolivia, Sabatieri von Öhina, Dutaillyi
von Brasilien , plitulatus von Bolivia , Clouei von Brasilien, pnnclicu'
latus Vöü BÖliviat
.,,;: In der oben erwähnten vortrefflichen Schrift Schutl-
Uworths Noliliae raalacologicae hat der Verfasser meh-
rere Gruppen der alten Gattung Bulimus monographisch be-
handelet:
i. Limicolaria Schum. die afrikanischen Arten, welche
Pfeiffer's Sectio 30 von Bulimus bilden. Es werden 23 Arten aufge-
führt, unter denen folgende neue abgebildet sind : L. Cordofana Farr.
Naturgeschichte der Mollusken während dei& JahraS: 1856. 147
Taf. 6. flg. 3. 4, Bassamensis Taf. 6. fi^.l.J,, rt*Uicun4a T*f. 7» ikg.^, 5,
felina Taf. G. fig. 5. 6. .;...•; ... ,, . . .
2. Orf^ah'cu» Beck mit 16 Arien, Ypn denen neu: O. truU
Usaliis (Bul. Gallina-sultana d'Orb.) Taf. 5. fig. 1 von Bolivia und Peru,
oÄf/j/c/MsTaf. 3. flg. 1 — 3 aus Colunibien, iodes (Bul. Regina Var. Reeve)
Taf. 4. flg. ö aus Colunibien.
3. Porp hyro bap he Schuttl. nov. S^l>g«nüs,-'¥Oii Orthalicus
durch verdickte Lippen und soliden Bau der :Schaie ausgezeichnet.
Dahin Bul. Adamsonii Gray, Bul. ioslomus Sow. , Bul. Kelletii Reeve,
laleriUala Taf 5. fig. 2. 3 (p. 90 mit Bul. YatesiSow. identificirt), ^ul.
Labeo Brod. und Bul. irroratus Reeve. i o .q .ui.cf
4. P erideris Schutll. nov. gen. Schale verlängert e4f6rmig,
deren Kucleus meistens stumpf warBe.nartig hervortritt , Naht perlen-
artig gefaltet, Mündung mit scharfen einfachen Rändern, Spindel.
Säule wenig gebogen, an der Basis meist 'deutli'cli abgestützt. Da-
hin 18 Arten, unter denen bifrons Taf, 1. ilg. 1, iolüiHfikic Taf. 2. fig. 1,
Onager Taf. 2. fig. 2) 3,,^mco/or<ito iTaf.'2.>'fi|f> 4. d^i sftmfnllich vom
Grand Bassam. >')*7 oAix'jU zun nttH>UoinoQ bau sonarri
5. PseudachaH'n'h h%et3 ab Siit^gentiü N^b*** Perideris mit
3 Arten, unter denen Ps. Gabonensis Taf; 8. fig. 5; '6 Sroh -Gabon neu.
Orlbalicus Maracaibensis, longus (Bul. 2 ob rä Väf. /5) und fuhes-
cens (Bul. zebra Var. y) wferdert voti'P f^iT^fe * «IS^bt/soiidBre Arten
unterschieden, Malak. Bl. p. 186. • -^ "iJ^durnlq /ulieufi.)
Spiraxis Venezuelensis Pfeiffer Malak. Bl. p. 47 vpii Caraccas. —
Sp. Pfeifferi Menke ib. p. 68 aus Cochinchina. — Sp. euptychOf dubia^ bi~
conicoy catenataf oblongOf parvula Pfeiffer Proc. zool. soc. p. 379 und
Malak. Bl. p. 232, sämmtlich aus Mexiko. — Sp. ShuUletoorlhif turgi~
dula, auriculacea Pfeiffer Proc. zool. soc. p. 320 von Cordova in Me-
xiko. ~ Sp. Sandwichensis und obsoleta Pfeiffer ib. p. 335 von den
Sandwich-Inseln.
Slenogyra angustata Gundlach von Guba. Malak. Bl. p. 4t.
Parlula Macgülivrayi von den neuen Hebriden, slenosloma und
suturalis Pfeiffer Proc. 1855. p. 97 sind Nov. conch. Taf. 17 abgebil-
det. — P. purpurascens y ealUferaj laevigala ohne Angabe des Vater,,
landes und lilacina von den Marquesas-lnseln Pfeiffer Proc. zool. soc.
1856. p. 333. — P. slrigosa , minula Pfeiffer ib. p. 384 von den Ad-
miralitäls-lnscln. — P. alfiba^ßrMa^^?^f^'i^GT'ih.^^f
mons-Inseln. ^ , , ,^ . , v it.
Gr edler führt in seiner Molluskenfauna von Tirol (Verhandl
des zool. -bot. Vereins in Wien VI. p. 1 14 eine Pupa Slrobeli an, die
er zuerst im Gymnasial-Programni von Botzen 1853 bekannt gemacht
hatte. Ausserdem werden daselbst P. claustralis , striata beide ver-
wandt mit Strobeli und P. (Vertigo) Uenesii , Leontina als neu be.
148 ''^ i'TriDgchel : Bericht über die Leistungen in der
schrieben und auf Tafel II abgebildet. — Pupa Helen^nsis Pfeiffer
Malak. Bl. p. 207 von St. Helena. — P. bacillus und leres Pfeiffer
P.roc. zool. soc. 1856* p. 35 Novit, conch. Taf. 20 von Isle de France,
f*T. .P.acarus.yon der Insel St. Vincent am grünen Vorgebirge, La-
yardi vom Cap Benson Annais nat. bist. XYIII. p. 435. — P. bacillus
von Mauritius , teres ebendaher , Sennaariensis von Sennaar Pfeiffer
Proi<J<: 2Qol. soc. 1856. p. 35.
■ i.niil ilEnnea insignis Pfeiffer Proc. zool. soc. 1856. p. 388 von Gabon.
t'ifioHTornatellina Gouldi ohne Angabe des Vaterlandes, Newcombi von
■clfeB? Sandwichinseln, perforata von Venezuela Pfeiffer Proc. zool. soc.
1856. p. 335.
«''^'"'"'iPfeiff er hat aufs Neue eine Uebersicht der Galtung
tjyliudrella gegeben, mit allen jetzt beiiannten Arten. Er
nilfimi dabei neun Gruppen an, und kennt 127 Arten.
^l .'^l\ Neue Arten: Cylindrella Sauvalleana, irrorata und crenulald
iGundlach von Cuba Malak. Bl. p. 41. — Cylindrella inlegra von San
Diego de Bannos und goniostoma aus Mexiko Pfeiffer ib. p. 47. -rr C*
ßfffiQardif apiosloma , polygyra Pfeiffer Proc. zool. soc. p. 322 von
Qordova in Mexiko. — C. Ghiesbreghti , turris und clava Pfeiffer ib.
p, 3,80 von Chiapa in Mexiko.
£,,],/ Rossmässler stellte eine „natürliche Folgenreihe von Balea
glorifica bis Clausilia plumbea« zusammen. Malak. Bl. p. 197.
- -^ ' Die kritischen Gruppen der Europäischen Clausilien von
Adolf Schmidt. Erste Abtheilung. Leipzig 1856 mit 11
teeln. •
IVach einer Einleitung, in der sich Verf. über den Begriff der
Art auslässt, und die wichtigeren Merkmale durchgeht, behandelt er
in diesem Hefte zwei Gruppen: 1) die Gruppe der ventricosa, pli-
catula und rugosa. Die Arten derselben haben eine vollständige obere
Gaumenfalte, eine mit der oberen Lamelle zusammenhängende Spi-
raliamelle , einfe deutlich ausgeprägte , die Naht nicht berührende
Mond^aÜe! Es'werden dann gesondert die Sippschaften: a. der ven-
Wicosa,''b;' «i'er' plicatula mit drei Formenkreisen, c. Zwischenglieder d.
d'er tugöka'.'"^*2) Die Gruppe der gräcilis zerfällt in die Sippschaften
tf6r ^raciii^ und der filograna. Die Cl. plicatüla var. C« Pfeiff. Mon.
wir^' als eigene Art Cl. carinthiaca genannt. Cl. slyriaca uns Steier-
mark^ concilians aus Siebenbürgen und exoptata aus OberitaVien sind
aiy^'li'^dö Atten aufgestellt. i.;
j)iü «"«(^iäMst/ia pi«©»cf<t7is und acw^M^Betison Jour&^*'Äs.' Soc. 24. p. 122
von'tlitisan; — Cl. tespa Gould Proc. Boston Soc. VI. p. 13 von Tavoy.
— Cl.adposita und Bellotli aus Dalmatien, Strobel Giornale di Ma-
lacologia tl. p. 17. — a.GMimflrrfn Heldreich Malak. Bl. 1856. p.S,
Naturgeschichte der Mollusken während des Jahres 1856. 149
Taf. 1. Fig. 12, 13, warf lebendige Junge in der Gefangeüöchaft^MCte
CastaliaRoth ib. Taf. 1. Fig. 6— »8 vom Farnass. — • C/. [Lorröim Menke
ib. p. Ö8 von Hongkong in China. — Cl. Rothi Zelebor ib. p. 177 voii
der Insel Syr^k,—* CL Frmienfeldi, Serbiensis und Pancini Zelebot. Ab.
p. 180 aus Serbien. — Ci. crassicoslata und scarificala ßenoit , beide
von Sicilien Pfeiifer Malak. Bl. p. 184 sind abgebildet. — Cl. Zehbori
aus Syrien, e/e^ans Bielz aus Siebenbürgen und avia Parreyss V:0r
Cypern Rossmässler Iconographie 1. c. — Cl. Sennaarienaii.VieiS&t
Proc. zool. soc. p. 36 von Sennaar. ..nilinnil) ) jiij.SnmJi ^ i)nf;in';jbofii)
A. Schmidt zeigte an, dass G4ansiH«''Mörtil1öli Dttmoiit'aliiett
bei Cheltenham in England vorkommt. Annals nat. bist. XVII. p. l^
was ib. p. 446 von Prcnticc bestätigt wird. Nach Bensonn.^^
XVIII. p. 74 kommt sie auch in Kent vor. Letzterer hält si^s ib, p.423
für eine Varietät von Cl. Rolphii. ^umWn'^) i!]{:olyJ/;jii ,;'>//ü.l «I mb
Achatina erecta Benson JournJ Airr'Sö<ci'^25. ^:'i^&'if^fL (S^hm
— A. Chiapensis und <ri/panodes Pfeiffer Malak. Bl. p. 234,. Proc. zool.
soc. p. 379 aus Mexiko. — A. parabilis Benson Annals nat. bist. XVIII«
p. 96 von Ceylon. — A. spiculum von der Insel St. Vincent am
nen Vorgebirge, Veru von St. Helena Benson ib. p. 434. — Ä. in
signis Pfeiffer Proc. zool. soc. 1855. p. lOÖ ist Nov.' Conchi-'lfäf.^^ö.^
fig. 3. 4 abgebildet. — A. Shultleworthi von Grand Bassam qnÄfrfkÜ^
corrosula vom Nilgherrigebirge, pallens von Moely in Weslafrika Pfeift
fer Proc. zool. soc. 1856. p. 35. — A. orizabacy speciosa^ Cordotana^
margaritacea j ambigua Pfeiffer ib. p. 321 vpn Cordova in Mexiko. —
A. , Guadeloupensis \on Guadeloupe Pfeiffer ib. p. 335. u, .,
Achatinella ovum^ farcimen und. callosa von denSandwich-Inselii
Pfeiffer Proc. zool. soc. 1856. p. 334.
Glandina Brondeli Bourguignat Rev. et Mag. de Zool. p. 17 aus
Algerien, später p. 426 zu Caecilianella gezogea.^ [tjy Gf*, Vescoi ib
p. 67 von Malta, später ib. p. 333 zu Ferussacia gezogen. — Indem
Pfeiffer die Gattung Glandina anerkennt, wendet er zugleich für
dieselbe den älteren Namen Olea c.ina an und beschreibt Malak. Ul.
p. 234 0. pulcheUa und Ghiesbreghti als neue Arten aus Mexiko, die
auch Proc. zool. soc. p. 379 publicirt sind.
Burguignat hat in der Rev. et Mag. de Zpöl. p. 327 eine
Monographie der Algierischen Arten der Galtung Ferussacia Risso ge-
liefert und sieben Arten abgebildet. Im Ganzen werden 11 Arten
beschrieben, worunter neu: F. eremiophila j sciaphila, ennychiay
scaptobia.
Die Ferussac'sche Gattung Caecilioides nennt Bourgni^nai
Revue de zool. p, 378 u. 424 C aecilionella y und stellt ihre Cha-
raktere fest: die Arten sind blind und leben unter der Erde, sind
durchscheinend , farblos, runzlig mit kleinem Kopfe und 4 Fühlern,
ohne Augen; sie haben einen kleinen hornigen Kiefer^ grosse Alhem»
150 Troschel: Bericht über die Leistungen in der
Öffnung. Die Schale ist rechts gewunden, glänzend, einfarbig, cylin-
drisch, mit ovaler Mündung und scharfem Rande; die Spindel ist am
Grunde abgestutrt. Diese Gattung unterscheidet sich von Glandina
durch das Vorhandensein des Kiefers, von Ferussacia durch die deut-
lich abgestutzte Spindel , von Bulimus, Achatina etc. durch den Man-
gel der Augen. Hierhin gehören folgende 16 Arten : C. Hohenwarti^
acicula, anglica (Cionella acicula p. p.Jeffr.), Liesvillei (Bulimus aci-
cula Brug.) und raphidia von Algerien, tumnlorum aus Grabmälern in
Griechenland , Brondelii (Glaudina Brondelii Bourg.) , subsawaHa aus
Grabmälern in Griechenlaud , nanodea aus Algerien, aciculoides (Co-
lumna aciculoides Jan) , miliaris (Columna miliaris Jan) , syriacai
(Glandina aciculoides var. torta Mouss.) , cylichna (Achatina cylichna
Lowe), nyctelia (Glandina acicula Albers), producta (Achatina pro«
ducta Lowe), Grateloupi (Bulimus acicula Grat.). Zehn dieser Arten
sind aiuf emer Tafel vergrössert abgebildet.
Auriciilacea. Monographia Auriculaceorum viventium,
iSislens descriptiones syslemalicas et criticas oinnium huius
ftmiliae generum et specierum hodie cognitarum, nee non
fossilium enumeratione; accedenle Proserpinaceorum nee noft
generis TraßcaieUa^.Ji»ifitftri^i^i Aw^tore Ludo^^ifö» j?.f,eiflß.fü
CaSSelliS 1856*8« ^l-u^lfi noy -m^Wxy.x , •»niJnjI'iiaifüMWnioy ftSvf?.ot!o;>
Wie wir Von diesem Verfasser bereits eine Monographie der
Heliceen linrf d6V i^üeüm'ohopömeil besitzen, so beschenkte uns der-
selbe jetzt mit der der Äliriculaceen. Diese Familie zerfällt in drei
Subfamilien, in die si'ch die Genera folgendermassen vertheiletf:
L Subfam. Otinea. Gatt. Otina Gray mit 3 Arten. '' ''
IL Subfam. Melkm'pea. Gatt. Melampus Montf. iriit 66 Arten,
Marinula'Kih^'mit 0 Arten, Pedipes mit 7 Ärlfen. " '"
IIL Subfiam. Aüricuiea. Gatt. Pythia Bolt. (Scarabus M6n.tt)'mit;
34 Arten,' Plecotrerna H. et Ä. Adams mit 14 Arten, Cassi-
dula Fer. mit 19 Arten, Auricula Lam. 'mit 30 Arten, Alexia
Leach mit 12 Arten, ßlauneria Shultl. mit i Art, Leuconia
Gray mit G Arten, Carychium Müll, mit 9 Arten, denen im
''' 'Anhange p. 198 noch 3 hinzugefügt sind.
^ Im Ganzen kennt alsoYerf.l!?ti, Arten dieser Familie, die sich
m 12 Gattungen vertheilen.
Im Anhange werden die Farn, der Proserpinaceen und Truncatel-
laceen monographisch behandelt (vergl. oben bei den Pulmonata oper-
culata).
Neue Arten : Melampus oblongus von Bermuda und Stulchbur^i
(Ophicardelus) von Australien. Pfeiffer Proc. zool, soc. 1856. p. o93.
— M. Bridgesli Carpcntcr ib. p. 161 von Panama.
NalurgefchicHle dor Mollusken wälirend dep J*hr«fl IÖ56. 151
Pylhia Vegreauxif k«paliea, ni^irtccwts Pfeiffer Älal^J^MiRl« 'R->473
•hne Angabe des Va,terlande8. ,,,!j)
Mit einem nicht eben zarten und freundli<iheil Ausfalle 'g^^ed'
einige deutsche Conchyliologen, denen er seine Am^nites mnlacolog'lü
ques dadurch nicht angenehmer gemacht haben wird, macht ßourJ
gttignat Rer. »t Mag. de zoot. p. 499 die in den unterirdischen
Höhlen Kärnthens lebenden Schnecken, die bisher von jenen deut-
schea Conehyliologeja. ddr ^JaWurig Caiychtujn zugezählt wurden, zu
einer eigenen (latlung in der Nähe von Carychium, die er ZfOipcum
nennt, piese Gattung unterscheidet er nameDtli,ch durch den HaAg<}l
der Augen und dadurch, daas untei^ ihtion auch Uaks gewundene Schai^
Icrv YOFJiiOfnipen. Ich will ihm eiap höflichere Kfitijc angedoihen las.
sen, als er unseren Landsleuteq, sonst könnte ich wohl noch ^rjiftiHf
ger auf die Inconsequenz hinweisen, dass er sich erst bemüht, zu
zeigen, diese Formen haben mehr Aehnlichkeit mit Pupa und Vertigo
und sie dann schliesslicU doch nßbe^ Carychium stellt ^ mit denenf
„selbst die Schale fast keinen Charakter geifiein haben soll.^' Di^ss
sie blind sind, ist auch mir sehr wahrscheinlich, aber Verf. schliesst
dies bloss aus dem Vorkon^men, upd |^qfl^^.,^d|e^anatomische Untersuchung
werde seine Vermuthung bestätigen. Bei der Aufzählung der Spe-
cies, deren 13 unterschieden werden!, eüsqhemen dr-pi.^eu« Jfamen,
nämlich Z. aglemm (Gar. lautuja.. Frftyeii »oö Fr^u©pMd).vi ^yc'<?^^
(Car. obesum Freyer non.SchuiJd.tji :>^PA<?ä5a»(vm (»Iprstre p. p.. Ffey|ei:).
Cmr}feh4nmi'retioulälum Hauff»n Verhajidl. des zool..bQk Vereins
zu Wien VI. p. 623. Taf. VII. fig. 4 aus der Höhle Bidou sAu5W,J>-f.;Q.
bidentalum Hau(T?<i <ih« j.p.JAl.fcSfftfr YH- ,^ig.i,5.. Tn.><n ^^^^r^f^^vision
der Gattung Carychium unter Benutzung reichen Ma,lpr.ia^«!, ,>yieB)Bf
Sitzungsberichte Band) 9. p. 7Q, pimmt f r.au cn f el d neun^^A^-ten an,
indem er. C), jCpstf^tum. Fr., pulcheljum Fr.j^obesum Schm, und, lautum
Frauenf. als Synonym zu Schmidti Frauenf. zieht. Eine neue Art C.
amoenum, so wie C. obesum Schm. , lauturh Frauenf. und Schmidti
Frauenf. sind auf ei^Qr-^Tafel ^bgebiWet,
Ijämnaeacea* Vhysa Fischeriana ßourguignat Rev. et Mag.
de zool.'p. 18 ton Abyssinien.' — Ib. p. 229 findet sich von demsel-
ben Verf. eine Aufzählung der Physae des afrikanischen Continenttt^.
Im nördlichen Afrika, von Aegypten bis zu den Canarischen Inseln
leben 13 Arten, unter denen folgende neue: Fh. SauUyi aus einei»
Kanäle hei AJexaniirieu, iruncala FCi'. MS. aus Syrien und Aegypten,
Haymondiaaa aus Algerien, BiwTulelii ebendaher'; im eigcntliel^^
Afrika vom Senegal bis zum Cap leben 12 ArtejD, worunter j),«^:, J^A.
Verreauxif, vom Cap, . cj/r/owq/a .ebendaher. — Ph. triticea Lea Proc.
Philadelphia. VIII. p. ÖO von, Shasta County in Californien.
Planorbis papyraceus und hemisphaerula sind neue Arten you
i&SS^ Troschel: Bericht über die Leistungen in der
fie^sOn Journ. As. Soc ib. p.'125 von Chusan. Was Verf. daselbst
über die Eintheilung von Planorbis in Subgenera sagt, ist mir nicht
recht klar geworden; — PL Traskii Loa Proc. Philadelphia VIII. p. 80
aus dem 3ee Kern in Californien. — Fl. subcrenatus Carpenter Prpc,
zool. soc. p; J12P von Oregon. ^-ip
n.i .. Amphipeplea 7nelbournensis Pfeiffer Woyit. conch. Taf. 19> figij
-i> e ' Limnaea plicalula und minor ßenson Journ. As. Soc. 24. p. 128
Ton> Chusan. — L. nubigena Bourguignat vom Mont Viso in den Alpen
Rer.etMag. dezool. pi 18. — L. proxima Lea Proc. Philadelphia VIII.
fwSO von Arroya San Antonio in Californien. ■;. i;
-^ Eine neue Gattung' in der Familie der Limna^acöeti wliW» Vbii
L'ta Proc. Philadelphia VIII. p. 80 untfer dem Namen Pomp Äo/i/a? auf-
gestellt :Testa rotundo-gibbosa, subtus relrorsa, superne planulata, non
umbilicata; spira depriessa , apertura artlplissiina, subrotunda, effusa;
labro acuto ; labio incras^Mo, plänulato ; operculumnullumi' F. e/fusn
aus dem Sacramento.Kiver ih Californien." i-iii-r il) i-;;
-oq^ lyb^fn'dlfixlnA -nh !■ C .ü -^ i1:;!ä;d •^nmltnr.ivi'; iv/
" ' 'ISÖliaiÄI^, "Wys't'^böschtieb eine nette- A^etia scaldiana aus
dem Brakwasser bei Antwerpen. Bull, de l'Acad. de Bruxelles XXII.
2:'p. 435. Sie ist in Holzschnitt abgebildet. ; ,; ; ' ij- v .- ..-rj
^' finlla^^a*' Bullaea caurina Benson X6«hk» A«^ S6c^24^ p. 128
von Chusan^ Jio!,iU oidöll •i^)h tun i- .«a .IIY .IßT .^:tO .'i .lY «üiV/ .
" Cylichna fragilis Jeffreys' 'Äniiaas- hat. biet. XVIt. p. 188. pl. II.
Fijgf. 16. 17 von Spezia. ^-i <! r
'"'= ^^''!äeaphander gibbulus Jeffreys ib. ^p. 188. pl. 11. Fig. 20. 21.
iniili]}; fff^fi^^iji^ inculla und Haminea tesicula GoUld von San Diego
ProbV zool. soc. 1856. p. 203. aivnon ,
Monopleurobranchiata. '>"«s •'^«'^
„i >;- <; PleuroliraiiiCliidae« Umbrella ovah's Carpenter Proc. zool.
?oq,; 1850. p. 161 yan; Panam^. , , .
jtncyloiclea. vlMcj/iws pöfe/foirfes Lea Proc. Philadelphia VIII.
p. 80 aus dem Sacramento-Hiver in Californien.
<''''■"■ '.-Lalia Petitiana Fischer Journ. de Conchyl. p. 84 von Neu-See-
!«ntl und Gassiesiana Fischer ib. p. 167. — L. lateralis Reeve Conch.
icon. von Neu-Seeland.
Siplionariacea. In Reeve's Conch. icon. sind folgende Ar-
ten als neu abgebildet: Siphonaria scabra Port Jackson, laeviuscula
Valparaiso) /'««/»(cu^d^a Vandiemensland, ca»cer ?teu.Seeland/ i^enosa Cap^
Naturgeschichte der Sloliusken während des Jahres 1856. 153
aequilorata Maiallan, brasiliana Kio Janeiro, jjalpebrum Lissabon, Anr-
racheemis Kurrachcc, zebra Philippinen, bifurcala Tort Jackson, redi-
miculuiUy Mncgilltvrayi St. Tauls- Insel, (er'ruginea , siquijorensis Phi^r
lippincn, cochleariformis China, luzonica Philippinen, Baconi Neuhol-
land, corrugata Philippinen, spinosa Neu-Seeland, amara. Californien,
fuliginata. i^> TJ^iJ n.tj^nuUlOßdooH
Pteropoda.
Krohn hat in Müllcr's Archiv für Anat. p. 516 einige
Beobachtungen über die Enlwickelung der Pteropoden nie-
dergelegt, die er in Madera angestellt halte.
Er bestätigt zunächst die Angabe Müller's, dass das Wimperse-
gel sich nicht im Mindesten an der Bildung der Flossen beiheilige.
— Die Cymbulien sind im Larvenzustande mit einer provisorischen
kalkigen, brechlichen Schale versehen, die zwei Windungen besitzt}
der Fuss trägt einen Deckel, das Volum ist ansehnlich, in zwei breit^
Wimpel ausgezogen. Die bleibende Schale bildet sich viel später.
Verf. hat drei Arten beobachtet, von denen eine schon als Larve
JKungenzähne und Kiefer hat, die anderen nicht. — Auch Pneumoder^
mon kommt in der frühesten Entwickelungszeit ein Wimpersegel un4
^ine. Schale zu. Dies wurde bei zwei Pneumodermon.-I^arven und
l^^^r CUo - Larve beobachtet. Die Schale, gleicht der der Cpeseis.p
Larven. Die Wimperkränze bilden sich noch vorAblö^e^l,d^er i^clji^ii.«
und dem Eingehen der Wimpersegel aus. .' • j i '' »
Von den Mundlheiien der Pteropoden hat Referent
in seinem Gebiss der Schnecken I. p. 49-58 gehandelt.
Die mit Schale versehenen Thiere dieser Ordnung untersehei-
den sich auch im Gebisse sehr wesentlich von den nackten. Die er-
steren besitzen mit Ausnahme der Gattung Tiedemannia, die gebisslos
zu sein scheint , zwei Kiefer und eine kurze Radula mit drei Längst
reihen von Platten ; die letzteren haben zwei oder drei Kiefer , von
ganz anderer Beschaffenheit, und auf der Radula spitze, dornförmige
Platten mit hakig erweiterter Basis in verschiedener Zahl, zu denen
meist eine Reihe Mittelplatten hinzutritt.
ytcepliala.
Bracliiopoda. .,,,^^
Besondere Beachtung für das Studium der Brachiopo^eii
verdient: Classification der Brachiopoden von Thomas Da-
vidson; noch der englischen Ausgabe unter Mitwirkung des
Verfassers, des Grafen Fr. A. Marschall und mehrerer
154 Trosehel: Bericlit über die Leistungen in der
anderer Freunde deutsch bearbeitet und mit einigen ueuen
Zusätzen versehen von Eduard Suess. Mit 5 Tafeln und
61 in den Text gedruckten Figuren. Wien 1856. 4.
Carpenter verliieidigt seine früher ausgesprochenen
Beobachtungen über die Schalenslructur der Brachiopoden
gegen einige Aeusserungen von King, und beharrt nament-
lich darauf^ dass die Schale aller Terebraluliden von feinen^
Löchern durchbohrt, die der Rhynchonelliden unduifobbohrt
eeien, Annais nat. bist. XVII. p. 502. id^-ido^H
liAHjiellibrfinchiata;*
La öaz:e Duthiel'ö' hat in d^H Annales des sc. nat.'V.
p« 1 eine interessante Arbeit, übgr die Entwickelung] der J^ Je-
men bei den Lamellibranchialen veröffentUcl^t,: ;d}§f,.\6^,j'öiner
Talal mit, Abbildungen b.egleilei ist. .r, ., „..o.,,.. f. .,,;
»'^«^ B^erei** ''hii 3ähre^- iS54 ^halt© derselbe die EntHVilcIidtrng'öer
Kiemen von Älytilus eduli^ ^er Pariser AcadeifiiievorgfJl egt'''( Vgl." 'dij'ä
Bericht über 1854. p. 481). "Verf. geht n'ün Wieder' von der feetrdfcH-
tung 'd'e)c^ ^eiH8tk'^äi'eW &^^^^^ ausi AH Jede'i' /Seile' li^g^iizWfei
Kiemeii, d^f eÄ |ed^6'''äris''zV^'ei ßfatterii besteht fVoiii difesjäü viel- Blättefil
sind die beiäeii miltie/en 'öli'en angewachsen , das innere und äus'sb'fe
oben frei; jede Kieme besteht also aus einem ingewachrSeheii abstei-
genden Blatte, en Welches sich ein aufsteigendes oben freies Blatt
anschliesfet. Öiese Blätter bestehen aus cylindrischen Fäden, die; durch
weaige Querfaden nnd ausserden^ ^urcj[>, ^igenthüraliche A^rticulationen
verbiinöen eind. Die letztere« bestehen i* bewimperten Uöckei-n, die
sich mit den ihnen gegenüberstehenden durch die Verwickelung der
Wimpern aneinander heften ^oUep, iiei viele» Gattungen sind, jedoch
.die oberen Ränder der auf*teigende^ glätter angewachsen (Yerf.. er-
wähnt der hierauf bezüglichen .UnfersiMihungen des l^ai, in die-
sem Archiv 1^47. p. 265 nicht) ; er glaubt jedoch , da diese Ap-
wachsung ost nur lose ist, dass doch bei: allen die Entwickelung
in ähnlicher Weise stattflndc. — Nach einer ausführlichen Beschrei-
bung der jüngsten von ihm beobachteten Embryonen, in welcher
Schale, Mantel, Fuss , Byssus und die inneren Organe berücksichtigt
werden, wendet sich Verf. 'ssur Entwielielung der Kiemen. Bei den
jüogsten Thieren, die Verf. beobachtete, fand er 3 o.der 4 Kiemen-
fäden, welche den Anfang des absteigenden BlatlcS der inneren Kieme
darstellen , und welche an ihrem unteren freien Ende verdickt er-
scheinen. Hinter ihnen sprossen neue Fäden hervor und bedecken
eich in zwei Reihen, vorn und hinten mit Flimmern. Die Enden der
Naturgeschichte der Mollusken während des Jahres 1856. 155
Fäden berühren sich, aber sind noch nicht verwachsen, unten heU
gegnen sie den Fäden der »nderen Seite, mit denen sio ohne Vcr*
wachsung altcrnlren. Später verwachsen die verdickten Enden , und
zwar die der ältesten Fädtn zuerst, woJurch eine Art Hrücke über
alle Fäden entsteht, von welcher nach innen eine neue Lamelle auf-
sprosst, um das innere Blatt zu bitden. Erst wenn die Blätter de^
inneren Kieme 20 Fäden haben, beginnt die Bildung des drillen Blat-
tes oder des absteigenden der äusseren Kieme: am Rande der Inser-
tion des absteigenden bialtes der inneren Kieme am hintei^ün l^nA^
entsteht eine Reihe von Höckern; die zu Kiemenfäden werden und
sich nach vorn hin vermehren; da jedoch das innere Blatt nach hin-
ten wächst, so überragt es bald das äussere Blatt, und dieses musi
daher, um dem anderen zu folgen, sich nach zwei Seiteii hin ains-
dehnen, nach vorn und nach hinten. Die Fäden und die vierte La-,
melle entstehen ganz ebenso wie bei dem inneren Blatte. Währen^
die absteigenden Blätter anfänglich aus Fäden bestehen, die spätei:
verwachsen, so sind die aufsteigenden Blätter zuerst volle Lamellen,
und bekommen erst später die Spalten durch Erosion. — üeber die
Zeit der Entstehung der Kiemengefässe ist Verfasser zu keinem Re-
sultate gekommen; jedoch bestätigt er, dass die Kiemen früher auf-^
treten als das Herz. i-^^ i <; -. . i iv^u *. -Jii'h
Schlössberg er hat iti denAnnalisn der Cheiriie u»d
Pharm. Bd. 98. p. 99 chemische Untersuchungen zur Kennt-
niss der Muschelschalen, des Byssus und der Chiünlrage
aingeslellt. , '! ; ; ; • , ;
An den Austerschalen Werden !dif&i.. anatomisehe Besiandjtheile^
unterschieden; die innerste. Perlmutterschicht, die braunen äusseren^
Schuppen und die kreideartige Schicht. Sie sind auch chemisch yer-,
schieden ; die Perlmutterschicht ist am reichsten an Mineralstoffen.
Unter den organischen Materien der Muschelschalen unterscheidei'
Verf. braune' Häute ' niid weissliche Flocken, deren erstere beinahe-
zur Hälfte aus einer in Kali löslichen und einer zweiten darin völlig'
unlöslichen Substanz bestanden. S. widerspricht der Ansicht auf daj'
Entschiedenste, welche die organische Grundlage der Muschelschalen,
für analog oder gar identisch mit dem Chitin der Insekten und C»'n-
staceen erklärt. — Den Byssus der Acephalcn , namentlich von Pinna
nobilis, ergab die Elementaranalyse als von ausserordentlich verschie-
dener Zusammensetzung im Vergleiche zum Chitin. '.'f:;'i ; -:S:i
Hague, Consul zu NingpO;, hat einen interessanten Bei-
trag über die natürliche und künstliche Erzeugung der Per-
len in China geliefert (Journal of the Royal asialic sociely
XVI. p. 2S0j. Nach manchen Angaben über das Vorkommen
der Perlen in China, wird das Verfuhren geschildert, wie die
156 Troschel: Bericht über die Leistungen in der
Bewohner von Hoochow künstliche Perlen erzeugen. Sie
schieben Metall, Knochen oder andere Gegenstände in die
Muscheln, die dann von der Perlsubstanz überzogen werden.
Dieses Verfahren wird im Grossen betrieben. Zwei mit sol-
chen Perlen reich versehene Schalen sind abgebildet; siegp-
hören der Gattung Dipsas an. »• .: nr
-*^^" Der vorstehende Aufsatz ist in der Zeitschr. für wiss.
Zi'ölogie VIII. p. 439 übersetzt, und p. 445 daselbst findet
sich ein Zusatz von v. Siebold über diesen Gegenstand.
Derselbe bildet zwei in seinem Besitze befindliche .Muschel-
schalen mit ganz ähnlichen Bildungen wie die von Hague
ab, eine mit Perlenreilien , die andere mit Reihen kleiner
Götzenbildchen, (die vielleicht den Buddha darstellen, wie
erwähnt wird). Es werden einige ältere Notizen über die
künstliche Perlenbildung bei den Chinesen beigebracht. Dann
wird e$i sehr wahrscheinlich gemacht, dass die spgenannten
Coques de Perles oder Perles coqs der Juveliere auf ähnli-
che Weise in Muscheln erzeugt sind, da sie aus einem dün-
nen echten Perlenüberzuge bestehen. Schliesslich wird die
Muschel richtig als Dipsas plicatus (Barbata plicata Humphrey)
bestimmt. , ,
Küchenmeister hat in Müller's Archiv 1856. p. 251
die Arbeit de Filippi's „Süll' origine delle Perle; estratto dal
Cimento , Fascicolo IV, Torino 1852" nebst auf eigene Un-
tersuchungen gegründeten Anmerkungen in der Uebersetzung
mitgetheilt. Der Erklärung de Filippi's, dass die Perlen sich
um einen Kern bilden, der gewöhnlich aus Cercarien, der
Larven von Distoma duplicatum bestehen, giebt Küchen-
meister im Wesentlichen seine Zustimmung, weist aber
auch in einem sich daran anschliessenden Aufsatze: „lieber
eine der häufigsten Ursachen der Eislerperlen und das Ver-
fahren, welches zur künstlichen Vermehrung der Perlen vor-
geschlagen wurde« nach, dass zuweilen auch die Brut von
einer Milbe Atax ypsilophora den Perlenkern bilde. Er räth
zur künstlichen Vermehrung der Perlenbildung, dass man die
Cercarien so wie die Milben veranlasse in die Muscheln ein-
zuwandern.
In derselben Zeitschrift p. 490 zeigt de Filippi an,
Nalurgeschichfß der Mollusken während des Jahres 1856. 157
dass er bereils früher gleichfalls jene Milbe als Perlenkern
gefunden habe, jedoch sehr selten.
Hesslii^g" hat einen Bericht über die Methode der
künstlichen Perlenerzeugung, sofern sie auf Einführung von
Schmarotzern oder deren Brut in die Muschelthiere beruht, in
den Münchener Gelehrten Anzeigen 1856. p. 126 gegeben.
Concremente aus dem Bojanus'schen Organ von Pinna
nobilis hat Schlossberger untersucht. Müller's Archiv
1856. p. 540.
Caillaud hat von Neuem eine grosse Abhandlung über
die bohrenden Mollusken in den Natuurkundige Verhandelingen
van de Hollandsche Maatschappy der Wetenschappen teHaar-
lem. Vol. XL Haarlem 1856 veröffentlicht.
Die verschiedenen Ansichten, welche bisher über diesen Ge-
genstand ausgesprochen worden sind, werden unter s.cchs Gesichts,
punkte gebracht. 1. Die Pholaden entstehen in der Gesteinsmasse,
die dann um sie herum versteinert. 2. Die Höhlungen werden durch
Kiescltheilchen, die in den fleischigen Theilen des Thieres eingebettet
liegen, hervorgebracht. 3. Durch Wimperbewegung werden Wasser-
ströme erzeugt, die aushöhlend wirken. 4. Der Stein wird durch
eine Säure aufgelöst. 5. Chemische und mechanische Mittel wirken
gemeinschaftlich. 6. Die Muscheln bohren mechanisch, wobei die
Schale wie eine Feile wirkt. Die erste, zweite, dritte und fünfte Er-
klärung werden verworfen, die Mollusken bohren theils nach der
vierten, theils nach der sechsten. — Viele Muscheln verbergen sich
nur in schon vorhandenen Löchern, bohren nicht. Pholas und Teredo
bohren mechanisch mit ihren Schalen. Die übrigen Galtungen boh-
ren vermittelst einer Säure, die nicht eine mineralische, sondern
eine organische sein soll. Diese Säure hat Verf. aufgefunden, indem
er sah, dass das durchschnittene Thier, auf Lakmuspapier gelegt, das-
selbe rölhete. — Wach einigcYi Bemerkungen über den style hyalin,
den er mit den Geschlechtsfunctioncn in Beziehung bringen möchte
und der sauer wirken soll', geht Verf. die Galtungen durch, welche
sich eines chemischen Mittels bedienen. — Diese wichtige Abhand-
lung scheint die interessante Frage zu einem gewissen Abschlüsse zu
bringen.
Eduard von Wahl hat im Archiv für die Naturkunde
Liv-, Ehst- und Kurlands zweite Serie I. p. 75. 1855 über
die Süsswasser-Bivalven Livlands geschrieben, wie schon im
vor. Berichte p. 96 kurz angegeben ist.
Verf. bespricht zunächst diejenigen Charaktere, welche für die
ISS .r- f8fT«rogcheI: Bericht über die Leistungen in der
Diagnose brauchbar zu halten sind. Er verwirft als solche das zer-
fressene Aussehen der Wirbel, Ligament, Farbe und Sculptur. Als
brauchbar werden die Contourform, die ReliefTorm und das Schloss
angesehen. Zu beachten werden immer die Einflüsse sein , Welche
Wohnort , Alter und Geschlecht ausüben. Nicht uninteressant sind
einige Bemerkungen über das Vorkommen der Süsswassermuscheln,
wobei Sumpfseen, Seen mit Zu- und Abfluss und Seen gemischten
Charakters unterschieden werden. — Ich stimme dem Verf. darin bei,
dass er in der Aufzählung die Zahl der Arten durch Vereinigung
zahlreifcher beschriebener Formen sehr verkleinert hat. ISur U. crassus
Retz. , pictorum L. und tumidus Retz., Margarita margaritifera Retz.,
Anodonta anatina L. , complanata Ziegl. , cygnea Linn. werden als
gute Arten unter den Najaden angesehen, denen sich noch 3 Cyclas,
3 Pisidium und 1 Dreissena zugesellen. — Auch auf die Häufigkeit
des Vorkommens der Individuen nach den Geschlechtern hat Verf.
seine Aufmerksamkeit gerichtet. Er fand das Verhültniss der Männ-
chen zu den Weibchen bei U. crassus 2 t 1, bei U. pictorum 2 : 3,
U. tumidus 2:1, M. margaritifera 1 : 1 , A. anatina 1 : I , A. cyg-
hea'3 il' ' '• '^''' ''' ''
i;^! '■■ i' ■'■■•■■■ :■■ H'^'jrfrrMöi;
; . ß ourguignal slellle Revue et mag. de Zoologie p. 68
alle bisher bekannten Bivalven- Arten zusammen, welche in
'ä«m grossen ottomanischen Reiche vorkommen, üeberall
isind die näheren Fundorte und die Synonymie angegeben^ und
die neuen Arten beschrieben.
7'!, r!oP^8 Verzeiqhniss unafasst 1 Pisidium^ 1 Sphaerium , 2 Cyrena,
7 Anodonta, 20 Unio (darunter 5 Margaritana) , 1 Dreissena. Das
grosse Reich be&itzt zwei Faunen von Bivalven , die asiatische und
die europäische. Von den 32 Arten machen nur zwei eine Aus-
nahme , die in der europäischen und in der asiatischen Türkei vor-
kommen, nämlich Pisidium casertanum und Unio terminalis. Die Gat-
tungen Anodonta, Sphaerium und Dreissena scheinen auf Europa, die
Gattung Cyrena auf Asien beschränkt; die fünf Arten Margaritana
kommen in Asien vor. Unio Prusii ist abgebildet. — Ebenda p. 226
wurden spater drei neue Unionen hinzugefügt. S. unten.
Pectinea. Den im vorigen Berichte p. 116 angezeigten
Pecten Philippii Acton hat v. Märten s bei Gelegenheit einer Ueber-
setzung des kleinen Aufsalzes in den Malak. Bl. p. 194 in Fecten Actoni
umgetauft.
Arcacea» Area galaclodes Benson Journ. Asiat, soc. XXIV.
p. 139 von Chusan.
Byssoarca pernoides Carpenter Proc. zool. soc. 1856. p. 202 von
San Diego.
Naturgeschichte der Mollusken wfibren4 des Jahres 1856. 1&9
Bcnson gab in den Annals nat. hist. XVII. p. 127 .eine emen»
dirte Beschreibung der Gattung Scaphula , die er zuerst 1834 aufge-
stellt hatte, und die sich vor Area und Cucullaea durch den linien-
förmigen , grösstentheils zahnlosen Schlossrand, und durch die Zahl
und Stellung der Zähne an seinen Enden auszeichnet. Er giebt
jetzt folgende Diagnose : Testa aequivalvis , valde inaequilateralis,
subtrapeziformis, carina valida ab umbonibus distantibus usque ad
margineno poBteriorem et basalem extendente; cardo rectilinearis, me.
dio tcnuis, ad extremitates sulcidentatas latior, dentibus anterioribus 4,
Crenulatis, minutis, obliquis, posterioribus lamellatis, parallelibus, in-
tus oblique descendentibus , 4 ad 6, primo obliquis, demum transvcr-
sis, raro bifurcatis, munita; ligamentum exterius , rhombiforme , inter
umbones situm ; epidermis tenuis vel crasse lamolloso-rugosa ; musculi
adductoris impressio antica unioa , pogteriores duae subflistantes quo**
rum inferior oblonge -quadrata ; pallii impressio integra. Ausser det
früher aufgestellten Art S^ Gelox Wiärd auch eine neue S. Pinna aus
dem Flusse Tenasserim beschrieben. ,,i ,- .; h . > i:/
Pectunculus Graijanus Dunker ProOi cool. soa. lfiö^>|K* 357, > Von
Neuseeland. .neeudJ , : .711'/. .Doe .JsieA
' TVnculacea. Nncula 'B^UÜilE aus den tiöWUöheh'' Äeeren,
nitidula von Neuseeland, Lcn/ärdii von Ceylon, margaritacea von Ma-
lacca , Paytensis von Ptirü, ^gitba von Australien , c**cnMfato von Gua-
deloupe, simpttx von S\6ntYf Strafiff6i von Neuseehnd, paulula vo»
Japan, striolata von China, sulcata von Neuseeland, castanea ebenda^
lier, Adams Pröc. zool. soo. p*51. ,
Leda electa von Brasilien, siliqua aus den ndir'dWehen Meeren,
concinna von Neu-Seeland , inornala von Neu-Guinea, faslidiosa von
Neu-Seeland , bellula und inconspiciia von Australien , lugulyris ohne
Angabe des Vaterlandes, lepida von den Philippinen, «{ecora von West-
indien, fulgida von Port Essington, semisulcata von borneo ^ flicifera
China Adams Proc. zool. soc. 1856. p. 48. *,. '
Yoldia lepidula Adams Proo.jf,po\^,foc. '18q6. p.^ 50 TOn Borneo.
Etlieriaceu.» Etheria slephauihsis Moricand Journ^ de Conch.
p. 178. pl. 7. flg. 10 von Guallaya am Amazonenllusse; die erste ame-
rikanische Art dieser Gattung.
' WftjHrtefi. Oscar Schmidt hat wieder einen Bei-
trag zur Enlwi(^k( lung der Najaden gelielert. Seine Beob-
achtungen beziehen sich auf Anodonta cygnea und Unio pi-
ctorum. Es ergiebl sich, dass in der Entwickelung der Mu-
scheln manche Differenzen vorkommen, und Verf. kommt
auch zu der Ansicht, dass man in der neueren Zeit der Enl-
wickelungsgeschichte einen grösseren Einfluss auf die Sysle-
160 .::CP,tTrOigche 1: Bericht über die Leistungen in, der .
malik einräumt, als slallhaft ist. Sitzungsber. der Wiener
Acad. Bd. XIX. p. 183.
'■'.!, 'Langer beS]prach das venöse und respiratorische Ge-
fäss-Sysleni der Anödonlen , so wie den Wasser-Aufnahnis-
apparat dieser Tlüere. Sitzungsber. der Wiener Aliad. XX.
p. 150. uuIiJnßJei
Hiernach ist das Blutgefässsystem gesclilossen ; die Blutzufuhr
zu den Kiemen geschieht durch die Gefässnetze des Bojanus'schen
Körpers. Unmittelbare Wasseraufnahme in das Blut findet statt, der
Bojanus'sche Körper (Niere) ist das Aufnahmsorgan. Verf. hält es
für wahrscheinlich , dass die Wasseraufnahme in das Gefässsystem die
Zufuhr von Kalk für die Schalenbildung vermittelt. Auf den Mecha-
nismus der Wasseraufnahme nehmen die Bewegungen der Schale
Einfluss.
Trask beschrieb in Proc. California Academy I. p, 28 drei neue
Anodonten aus dem Sacramento und den Lagunen : Anodonla Ran^
dalli,, triangularis und rotundovata. — Anodon gibbum Benson Journ.
Asiat, soc. XXIV. p. 135 von Chusan.
Drouet machte Bemerkungen über Anodonta cygnea und pon-
derosa. Sie senken sich erst in den Schlamm ein, wenn es friert;
sie sind ungemein fruchtbar, und vielleicht sei die Milbe, welche
parasitisch in ihnen lebt, nach den Species verschieden (?) Journ. de
Conch. p. 123.
Margaritana Opperti Bourguignat Rev. et Mag. de zool. p. 71.
aus dem Euphrat.
Alasmodon Yubaeensis Trask Proc. California Acad. L p. 31 aus
dem Yuba-Flusse.
Isaac Lea stellte ein neues Subgenus zwischen Monocondylea
und Margaritana auf, welches er Plag io d on nannte: testa aequival-
vis, inaequilatera , oblique trigona , valde inflata; dentibus cardinali-
bus crenulatis, compressis, transversis, curtis, in utraque valva dupli-
cibus; dentibus lateralibus nullis; ligamentum vix extrorsum ; impres-
sio muscularis antica composita. PL isocardiodes vom Rio Plata. Proc.
Philadelphia Vin.p. 79.
In der Küster'schen Ausgabe des Martini - Chemnitz'schen Con-
chylien-Cabinets sind folgende Arten der Gattung Unio als neu abge-
bildet: U. natolicus Küster aus Natolicn bei liruasft, modeslus Char-
pentier aus Chili, expansus Charp. aus Brasilien, rhuanicus Pfeiffer aus
Brasilien, ratislellus Morel et aus Guatemala, limensis Charp. aus Peru,
Gassiei Grateloup aus Chili , Verrauxi Charp. vom Cap , Fellmanni
Desh. von Algier, Shullleworthi Charp. aus Neuholland, labascoensis
Charp, aus Mexiko, plicalulus Charp. aus Mexiko, rugulosus Charp. aus
Naturgeschichte der Mollusken w&hrend des Jahres 1856. 161
Neuholland, co/ora^us Gharp. aua Mexiko^ irtco/or^üüfteraus. dem Mü
und rugifer Küster ebendaher. '.^'^ ^«> oinol ilJiowäljjnriiJ ßbliol
Lea charakterisirte Proc. Philadelphia VIII. p.92 karx folgende
25 Unionen: U. Hainesianus, MyersianuSy Housei, gravidutf inornatuSf
eximiuSf lumidulus^ rusticusy sagitlarius , substrialuSy scobinatuif humilis,
jjhaselus y nucleus sämmtlich von Siain , Intens von Newville Burmah,
Verreauxiantts und africanus vom Cap, Shurlleffianus aus dem Sina.
River in Indien, Brownii von Mocha in Asien, effulgenSf Dunkerianus,
WheatleanuSf suavidicus aus ßrasilien,, mn6rosu5 ausMexiko und ShutU
leworthii aus Außtraliep. — Desgleichen ib. p. 103 die folgenden: U.
Coloradoensis aus Texas , NultaUianua aus Indien , Cambodiensis aus
dem Takrong.I^iver bei Korat in Gambodia , Newcotnbianus aus dem
Nicaraguasee. ' ' •»" ■>
U. lepidus und coruscus Gould Proc. Boston ISoci Vi. p. 15 Vöia
Florida.' '':""''■' ■•:.''■■ ^:„^\l.hlrj:\ a .Ic-^.,:'. .a ^Jji.a-i ^ ..
li eÄ äön belciirieV'^Jöarn.' Ä^slät. te kXiV^^'^ t36''öl*' (theüi/
derma Swaihs.) Leaii Gray und fügte dieser Gruppe eine neue Art £/.'
divergens hinzu. '
Vnio Vescoi Böurguignat ans Anatolien, U. Schwenenbaehii Par-
reiss ebendaher und U. Frusii von Rhodus (letztere fossil)' Rev. et
Mag. de Zoologie p. 74. ~ 17. Grelloisianus, lunuUfer nnA iJürdunitu$
Böurguignat ib. p 2!^? aus dem Jordan.„v\iT .w*>'jeuifj«i ^VJ:
IflytilaceH. D unk er stellte Proc. zoöl. sog. 1856. p. 358.
folgende neue Mytllaceen auf: Mylilus splendens "^on Peru, roslratui
von Vandiemensland, horridus von Neuhoiland, alropurpurens- \on West-
afrika , Mor.risi von Guinea, Adamsianus von Panama, obscurus von
Sydney, curvalus von Luzon, 7-, Volsella gubernaculuniy arala von
Neuholland, Forlunei von China, subpurpurea vom Senegal, tristis\ on
Chusan, perfragilis von den Molukken,^, un^4fff^t^^.^)^^n,d^^^V,fJ(^ponica
von Japan ,^^a.6ern'ma ^on Sydney. «.<tncons(ans von Yandiemepsland,
subsulcata von Manila, seligera^ flavida von Manila, splendida von Ca-
lifornien — Modiolarca sublorta von Neuholland , — Lanistina nana
von Port UxicoXn ^ conc%niiW^'^il[^ '^6vL^)^{^^^^ buUa
von Luzon. mioHoU
Benkon beschrieii'föUrni'AmMJ'frdciXXIV. |».:l»4;Eig; neu von
Chusan: Mydhs niger, DrehsdiM'fufpurascens^HQdiälaSenhousiai.il
Modiola nitens Carpenter'Proc. zool. soc.' 1656.' p. 202 ^on'C»-
lifornien '^'^ t'-i'o'ji^i ."* luu ii.iioh vjhiu »uuJiA Ol: ..ii Iktiiiuui
B 0 u r g ii i g rl a t will dfek ^oii'P«flJfs dVf < h ektfümfefi Dr^iläena ge-
gebenen Namen polymorphus, Weil P&Uas ihn auf zwei Arten anwendete,
die er als Varietäten derselben Art ansah, auf die Art des>Kaspischeii
Meeres, die ein wahrer Mytilus ist, beschränken; die Art der Wolga
nennt crDreissenafluvialilis, Rev. et Mag, de zool.
Archiv f. Nalurgesch. XXlll. Jahrg. 2. Bd. L
162 Troschel: Bericht über die Leisliingen in der
ii^ Cfkvditacea* Car{lüei gracilis von ^^ortori^qi ,uq^ pp^ad»
von Florida Shuttleworth Journ. de Congh. p,,V?ß' j ife,,;; ;
'^'"^'••^'ICair^dlwöea. -GoÄse be&chrieb die Siphoneo, von Cardium
eilgü'üm -so wie eine Art Byssus V welche das Thier in feinen Fäden
Bpandi'ufld 'VerdeuUichte seine Angaben durch eine hübsche Abbil-
dlingi''Annal3 7ia«l bist. XVIH^ p. 2^7. / - j iitr >»> n^ . lu. , ,
*'" '' Cprdium lorotsti lluppö ReV. '6l Mä^r'ffö^lKo^:''p/4'T/'|). 470 ii.
i)i"W'jSg: 1 öhnö; Atigabe des %ii(iöWös.''~*iC.' Egmonlianum ShulU
TcjworW' von P'TorJdäi 36urn! d — C. cruentaium GonXA
von San Pedro (wahrscheinlich = 0. substriatum Conr.) Proc. zooL
SOC.l85ö:"p.201. '"^"^"^ ■"■'■ v.-.u.::u.-i, .: .SBX.i ■-.:■.. ...,.>,,. >vU..3
h:)b 'c: u -iu .;t>);.,,i/; , R/boduffi') n; hviuA I,-' •j./iH - -f;o-uf<iT niöfi
liucinacea. Lucina Ariemidis Carpenter Proc. sool. so.c.
I8j^6.-p. 201 von Acapulco. /"
Cycladea« Gassie s berichtigte einige Synonyme der Gat»
Vqag Pisidium. Journ. de Conch. p. 140. — ■ P, sublruncaluntf arcaeforme
und per sonif^um Malm, Kongl. Yet. o. Vitt. Samhällets i Götheborg
Handl. för Ur 1853—54 von Christianstadt.
-M.'i Sphaeritim pallidum Gray Annais nat. bist. XVil. p. 463 aus der
Nähe «on London, die Gwyn Jeffreys ib. p. 74 für identisch mit Cy-
elas lacudtrisi erklärt. *r- Sph. pisidioides Gray ib. XVIlI. p. 25.
Myinpliacea* Tellina speciosa Deshayes Journ. de Conchyl.
p. 81. auiß dem rothen Ifleere. — T. Deshayesii Carpenter Proc. zool.
MiC: .1856.^ pw 16Q von Panama.
-iHoH Strigilla disiuncla Carpenter ib. p. 160 ebendaher.
Psamntobia solida von Chile, amethystus von Ceylon, affinis von
Neu -Seeland und den Philippinen, tellinaeformis Reeve Conchyl.
iconica.*'» t'^^T^a^'^ i'^^^f •
'' '■'C^;JSrti'aÄt^e«sii Reeve ib.
' / Sanguinolaria iridescens Bensdii Journ. As. soc. XXIV. p. 138
von Chusaa. , ^ *
j.V fvfyhd,^*^^ me^/<i^.jßhuttlevvprth ^ Journ. de Conchyl. p. 174 von
Portorico.
liitliiopliagra. i>lMe »Gattung 'YqpiQrMipis enthält p^cK^owerby's
Thesaurua .2^. AUen, u^Uier denen nevk:, V, fimhriata, inlerslriata und
<i4iiMdtf, ^allq o/)ne Angabe des Vaterlandes. — Die Gattung Pelricola
umfasst ib. 20 Arten, unter denen nur F. bicolor neu.
JUt;tairt4|C|f?A> I^cr Gattung Astarte gehören nach Sowerby's
Thesaiiy'j^^ .10 lAjrlen,, ^n, worunter A. intermedia vom Norden Euro-
pa's, fuk0Aquii.ate(ra .y;c^n ]Xeufund,land, oblonga als neu aufgestellt sind.
' Conölla^^ Jn Sowerby's Thesaurus sind Verbesserungen und
Nachträge zu der Familie^der Veneridcn gegeben, die sich auf die
1
Naturgeschichte der Mollusken wäbrei^d 4^ Jahne« t8&@'r! 163
Gattungeo Cytberca , Circe, Tape» unci Venus bezieben. Von neuen
Arten sind aus diesem ?fachtrage ku erwähnen : Cylhere(i gratet Des-
hayes, planisulcata Sow. , albodotsaia Sow. , Hneolala Sow. , simplex
Suvv, — Tapes anatina Sow. (virginea Philippl) , inaequalis Sow., -^
— Venui parva Sow., spAaemu^ca Deshayes. Leider sind diese alle
fast ganz ohne Beschreibung geblieben, und der Ledßr, ist daher fast
ausschliesslich auf die Abbildungen angpwipse«^ j-m. >n»oAJ oViv«?jT
Ausserdem sind aus dieser Familie noch an neuen Arten zu
erwähnen :
Cytherea Valenciennesi Larois Rev. et Mag. de zool. p.47l
pl. 19. fig 2 ohne Angabe des Vaterlandes. — C. subtrigona Dunker
Proc, zool. soc. 1856. p. 357.
Venus fChioneJ excavata Carpenter Proc. zool. soc. p. 216 von
San Diego in Californien.
Tapes caledonica Bernardi Journ. de Conchyl. p. 82 aus Neu-
Caledonien. — T. gracilis Gould von SaÄ Pedro und tenerrima Car-
penter von Panama. Proc. zool. soc. 1856. p. 200.
Triquetra lanceolata Lea von China? Proc. Philadelphia VIII.
p. 79.
Haciracea. Neue Arten: Maclra proxima Larois Revue et
Majj. de zool. p. 471. pl. 19. fig. 3 ohne Angabe des Vaterlandes. —
in. Mariae Adams Proc. zool. soc. 1856. p. 53. — M. lacinala Car-
penter Proc. zool. soc. 1856. p. 161 von Panama.
Mulinia porloricensis Shultleworth Journ. de Conch. p. 174 von
Portorico.
Semele planala Carpenter Proc. zool. soc. p. 160.
Scrobicularia viridLtincta Carpenter ib. p. 160. — Sc, Seychel^
lamm Adams ib. p. 53 von den Seychellen.
üelliatlae. Aus dieser Familie beschrieb Hanley vier neue
Arten Proc. zool. soc. 1856. p. 340: Monlacuta coquimbensis von Co-
quimbo, Kellia tellinoides von den Philippinen, Pythina maclroides vom
Cap und nucnloides von den Societätsinseln.
Pylhina arcuata , Cumingii^ paula, peculiarisy triangularis sind
neue Arten von Adams aus dem Indischen Ocean Proc. zool. soc.
1856. p. 47.
Corbulacea. Corbula polychroma C&T^enier Proc. zool. soc.
p. 198.
Solenacea. Novaculina constricta ist von Benson Journ
Asiat, soc. XXIV. p. 139 beschrieben, sie stammte von Chusan.
Iflyacea. Woodward bildete das Thier von Panopaea in
Holzschnitt ab, und zählte die neun lebenden Arten dieser Gattung
auf. Annais nat. bist. XVIII. p. 415.
164 Troschel: Bericht über die Leist. in der Naturgeschichte u. s. w.
'' Vubicolae. Ein Verzeichnias der Arten der Gattung Te-'
redo> in welohem t^ Arten aufgezählt werden , und welches im fol-
genden Hefte fottgeöetzt werden soll, lieferte Fi seh er Journ. de
Conohyl. p. 129, Er gruppirt die Arten in solche mit einfachen und
solche mit zusantmengesetzten Paletten. Eine Art T. divaricata Desh.
MS*'i8t-pl. 7. Fig. 7—9 abgebildet. i ■ - J -i % 'i '
Teredo thoracites Gould Proc. Boston So<i* V!Ü p.^15.''
ijx noiiA iiM.")fi n;; dooa ';iiijs;i,'i Tjgj;
lll (\ .(oos sF) .?><.•{/! io .voll ^ioißj hasuva'iai.
vjiliwQ. Vi''. • *
'I .'^Og
-•!i;') i^iuVx'^'jiVj' htm o-iL
J'j ou/y/1 aioiRj
— .SObiKJhtiJfi'/
noY iTl ij .il-)'
üüJ.fU:*] fiO 7 !
.rioa .fooi .aoil iiirjaO no/l:?8ifani utab
.00?. .loos .'i^ '
.XIKöUil'j HU7
nc /;'iiujOfi//i II .
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j o^it^w^^^l^\^fBÜ(|ho'^l .iiafioitonii'^ hno
roidT n8iai)0in 'lal; iiOfiainliriilr>vgnoiJfi?inßi^
iitad vH»V Toarrw bnel^iiH ni 'ioIoiItjv
il) nf)l)iov/ 'liW .n9l)T)W Irtblirio?.
lijjiijlil )kJooU biiü n')ld;)ianA iVMhil
)fldßwio bnu iiarfeihovioif »labiioaod riooa
Bericlit über ^1^ reistung(-yi 'Jl^ ä^M^twp-
g^esclilclite der iiiedern Tliierp wälirenil des
Jahres lS56;)>i!iionü'>:-jj inu
-7^ n^ s !!•»! HU (11 ,1
■^ . Von . , V
»r. Rud. Eieuckart, • '^>'^ "«-»*> i'^'" ^ '
Professor in Giessen. ' f.'O^joIof)- '
Die vom Referenten verfasslen „Nachträge und Be-
richtigungen zu dem ersten Bande von J. van der flopven's
Handbuch der Zoologie« Leipzig 1856 (148 Seilen, auch in
holländischer Uebersetzung erschienen) enthalten eine syster
malisch geordnete Ucbersicht der in den letzten, zwölf Jah^
ren gemachten Wichtigsten Entdeckungen aus der Naturge-
schichte der wirbellosen Thiere. Eine besondere Berücksich-
tigung finden dabei die Infusorien, Coelenteraten, Echinoderj-
men, Eingeweidewürmer, Roliferen und Tunicaten, deren Bau
und Enlwickelungsgeschichle vom Ref. in zusammenhängen-
der Weise nach den neueren Beobachtungen geschildert wird.
Die Systematik ist meist nur in so weit berücksichtigt, all?
sie auf die einzelnen grösseren Gruppen Bezug hat. ,
VonHuxley erschienen vortreffliche „Lectures on ge-
neral natural hislory," leider an einem Orte, der sie dem
zoologischen Publikum zum Theil unzugänglich macht, in den
Medical timcs and gazelle. Die neun , im Jahrgange 1856
dieser Zeitschrilt (Vol. XII u. XIII) publicirten Vorlesungen
beschältigen sich — abgesehen von der kurzgefassten allge-
meinen Einleitung über Organij^mus, Thier, thierische Forir|cn
166 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
und Functionen, Foripflanzungsweise u. s. w. — mit den Or-
ganisationsverhältnissen der niederen Thiere, die mit grossem
Geschicke und umfassenden Kenntnissen , ganz im Sinne un-
serer modernen wissenschaftlichen Zoologie, als deren Haupt-
verlreter in England unser Verf. betrachtet werden darf, ge-
schildert werden. Wir werden die unserem Verf. eigenthüm-
lichen Ansichten und Beobachtungen an den geeigneten Orten
noch besonders hervorheben und erwähnen hier nur so viel,
dass derselbe fünf grosse Thierkreise (subkingdoms) uoler-
scneidet: Protozoa, Coelenterata, Annulosa (mit den Echino-
dermen), Mollusca (mit den Bfyozoen) und Verlebrata.
Die ^zoonomischen Briefe*« von B u r m e i s t e r (Leipzig
1, II) bilden ein Werk über allgemeine Zoologie , dessen
Zweck nach des Verf. eigenem Ausspruche dahin geht, nicht
sowohl dem Zoologen, al« vielmehr dem wissenschaftlichen
NichtZoologen eine Uebersicht der thierischen Organisation
zu geben und dabei eine Prüfung des gegenwärtigen Inhaltes
der Wissenschaft zu versuchen. Die vorliegenden zwei Bände
behandeln die Cuvier'schen Radiaten, Mollusken und Artiku-
laten mit Ausschluss der Hexapoden, und zwar der Art, dass
die Darstellung des Gesammtbaues den einzelnen grösseren
und kleineren Gruppen vorausgeht und dieser eine systema-
lisirte Skizze der Hauptformen nachfolgt. Um den Standpunkt
unseres Verf. zu charakterisiren, heben wir hervor, dass der-
selbe in der Zoologie nun einmal nichts Anderes sieht, als
gdie Formenlehre des Thierreichs«, deren Aufgabe, als Wis-
sejischaft, darin bestehe, die Mannichfalligkeit der thieri-
ischen Gestalten auf ihre Einheiten zurückzuführen und aus
der schematischen Grundlage nicht bloss die Möglichkeit
.'einer grossen formellen Mannichfaltigkeit darzuthun, sondern
auch die wirklich vorhandenen abgeleiteten Formen sachgemäss
zu entwickeln (I. S. 25). Nach der allgemeinen Verschiedenheit
der Formen überhaupt unterscheidet Verf. drei Hauptlypen
der Thiere und demgemäss auch drei Hauptthiergruppen ; die
irregulären (?) Thiere oder Protozoen , die regulären Thiere
oder Radiaten und die symmetrischen Thiere (Mollusken, Ar-
ticulaten, Wirbelthiere). Ref. bezweifelt, dass eine solche
Auffassungsweise unter den heutigen Zoologen grösseren Bei-
fall findet und glaubt, dftss Verf. auch sonst in seinen An-
der ttfedefett Thietfe während de«' Jahfe* 'tS&ß:" • * 16F
sichten mehrfach in der Minorität bleiben wird. Da»« Verfi.!l;ä
seiner Systematik auf den alig^emeinen Habitus: orfdi drin iQei
sammlbau des Körpers ein besonderes' GieWioht Itgt, ist ge-
wiss sehr lobend anzuerkennen^; d^ch'i^arf;(JarM^er;nicl^t ver-
gessen werden, dass wir hiermit allein nicht ausrei9/i/^f|,,unj^
der soig. unters che^iden^e^a Merktpaleim Allgenieinenum so
weniger entbehren können, je zyveife\k^f\^ef^ in eifte;i][^j,^pncrej-
ten Falle die Stellung ^i»)es,Tiii^re^. fjfjep., jßJUpri.^T^ieijffruppe
überhaupt ist. Verf. h^t das auch, trotz aller Polemik, gegen
„die moderne Zoologie mit ihren speciiischen Charakteren,«
selbst sehr wohl herausgefühlt — oder waren die bei ihm so
beliebten festen Zahlenverhallrti^y (^Öie iöich in vielen Fällen,
z. B. bei den Cyclopiden und anderen niederen Arthröpoden-
formen überdiess als gani unzulänglich erwiesen) etwas An-
deres, als solche specifische Charaktere? Im Uebrigen yi^eti-
den heutigen Tages gewiss Viele dem Verf. völlig beistim-
men , wenn dieser das „System« jenes Scheines der Realität
entkleidet, die für dasselbe so oftrtials In Anspruch genom-
men ist.
A g ä s s i z veröffentlicht die erste Abtheilung des «ir^
sten Bandes seiner „ Conlributions of the natural hislofy
of the united slates of North - Amerika« (ohne Jahreszahl).
Dieselbe bildet gewissermassen die allgemeine Einleitung
der späteren speciellen Beobachtungen und handelt über
Classification und Systematik („essay on Classification«).
Verfasser geht dabei von dem Gesichtspunkte aus, dass das
natürliche System nicht bloss den anatomischen Bau und
die Organisationsverhältnisse der Thierformen zu berücksich-
tigen habe , sondern in gleicher Weise auch die Entwicke-
lungsgcsohichte, die Beziehungen zu den Gruppen, denen die
einzelnen Formen angehören , die Reihenfolge ihres ersten
Auftretens, ihre geographische Verbreitung und überhaupt
ihren Zusammenhang mit der umgebenden Natur in's Auge
fassen müsse. Alle diese Verhältnisse werden mit anderen
verwandten (Metamorphose , ^ Lebensdauer u. s. w.) desshalb
deiin auch voii un^^rem Verf. in besoridern Cäpiteln' abge-
handelt, bevor derselbe den einzelnen grösseren und kleine-
ren natürlichen Gruppen und den häüjtlsächlichsten älteren
und neueren Systemen seine Aufmerksamkeit zuwendet. Das
168 L e u ck art ; Berfchit,föb,„df.J)<;€*stupgeii i» jd.[J^»turgeschichte
ist folgendes: j'lidiH nonisui ilhi n^b iuB üUuuvM^x^, 'tbnWd.
•-''§ ^'«» r^)^A* Rädiatriuio|-)(io?/Kl ni^> hukjiöH 8oI» iif5jiiu(jiir''
-IM/ iirinpöj^j^fij^^it ,Jfert^0^n(rng8ft>id«lsfAfc^^ uhdUäl^
cyonideh: ■ • '''">'" '"''^^^ liifnoin liv/ •üp.hI^ .■ ;••:><»:>
oä ">'^f''^<]Vcalepliae mit dehHydroidin (incl. Siphonophoren),
Öisco^hdi-en und Clenophoren. . ,
3., Echihoderrrien mit den Critiöideh, Asteroiden^' EcM^
noiden und Hololhurien (exci. Sipunculoiden). • ''i Jqnßfh . h
'' ,:V " II. Mollusca. ' ' ^^'^^^'^^"' "^''^
l. Acephala mit den Bryozpen (incl. Vorticeuen)^ Bra-
chippoden, Tunicaten und Lamellibranchiaten.
_H \ ^.^ji, i'iGasteropoda mit den Pterppoden, Heteropoden und
eigentlichen Schnecken. . ; n,, ; j ,. i:
3. Cephalopoda mit den Tetrabranchiaten und Dfbrj^n-
chiaten. ,^ ,,,,„,
-i-icM 111. Articulata.
1. Vermes mit den Trematoden (incl. Cesloden, Pla-
narien und Blutegel), Nematoden (iricL Acanlhocephalen und
Gordiaceen) und Anneliden.ijiL'dnJtKO..
2. Grustacea mit den Roliferen, Entomostraken i(;incl.
Cirripedien), Telradecapoden und Decapoden.
3. Inseclä mit den Myriapoden, Arachnoiden und He-
xapoden.
IV. Vertebrata.
1. Myzontes mit den Myxinoiden und Cyclostomen.
2. Pisces mit den Ctenoiden und Cycloiden.
3. Ganoidei mit den Coelacanthen, Accipenserinen und
Sauroiden, vielleicht auch den Siiuroiden, Plectognalhen und
Lophobranchiern.
4. Selachii mit den Chimaeren, Haien und Rochen.
5. Amphibia mit den Coecilien, Ichlhyoden und Schwanz-
losen.
6. Reptilia mit den Schlangen, Sauriern, Rhizodonten
und Tesludinaten.
7. Aves mit den Schwimmvögeln, Sumpfvögeln, Hühner-
vögeln und Nesthockern (incl. Kieller- und Raubvögel).
der niederen Thiero Während des Jahres 1856. 1^9
8. Mammalia rrtit den Beullern, Pflanzenfressern' tind
Fleischfressern. ; ,
Von L e y d i g ferhieltfeh wir ein ,,Lehrbuch der Hi-
stologie des Menschen riiftd der Thiere.* FrankfüH a. W.,
in dem auch den mikt-oskopischen Struklurverhältnisi^^ti yiet*
niederen Thiere , wie das freilich vom Verfasser nicht an»-
ders zu erwarten war, gebührende Rücksicht geschenkt
ist. Wir werden später oftmals Gelegenheit haben, auf die-
ses Werk, das eine wirkliche JJereichorung unserer Litlera-
tur ist, zurückzukommen. Mag man auch vielleicht nicht in
allen Einzelnheiten mit dem Verf. übereinstimmen , mögen
auch hier und da ( namentlich physiologisch ) irrthümliche
und unhaltbare Angaben mit untergelaufen sein, man wird
den ersten Versuch einer „vergleichenden Histologie^* gewiss
dankbar aufnehmen und willig anerkennen, dass Niemand,
wie Verf., in gleichem Maasse dazu berufen war, ein so
schwieriges Wagstück zu beginnen und glücklich zu Ende
zu führen. Besonders hervorzuheben ist es namentlich auch,
dass die Angaben des Verf. mit wenigen Ausnahmen alle auf
eigenen Untersuchungen beruhen. Wir berücksichtigen das
Werk bereits in diesem Jahresberichte , obwohl es auf dem
Titel die Jahreszahl 1857 trägt, theils, weil ein so wichtiges
Werk nicht früh genug auch in seinen Einzelnheiten (die bei
der gewiss eben nicht sehr zweckmässigen Anordnung des
Materials und dem — leider! — vollständigen Mangel eines
Registers sich oftmals dem Leser verstecken), so weit uns
diese hier interessiren, dem wissenschaftlichen Publikum be-
kannt werden kann, theils auch desshalb, weil dasselbe be-
reits vor Ende des Jahres 1856 zum Abschlüsse gekom-
men ist,
Bei dieser Gelegenheit dürfen wir auch wohl der hislo-
chemischen und histologischen Monographieen gedenken, die
Schlossberger in seinem eben so fleissigen wie vortreff-
lichen Werke über die „Chemie der thierischen Gewebe" ge-
liefert hat. Der vorliegende erste Band (Frankfurt 1856) be-
handelt die Knochen und Knorpel, das Bindegewebe, Hornge-
webe, das Nervensystem und die contractilen Gebilde, also
eine ganze Reihe von wichtigen Apparaten , von denen uns
170 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Waturgeschichte
hier besonders die Skelelfonnen der niederen Thiere interes-
siren dürften. t, .;,,;,
_.;[ ...4e Filippi's Abhandlung: ,^elle funzioni riproduttive
degli animali^' Milano , die ursprünglich dazu bestimmt war,
ein Complement der Italienischen Ausgabe von M. Ed ward's
Elemcntarcursus über Zoologie zu bilden, und jetzt in zwei-
ler Auflage (1856) vorliegt, enthält eine gedrängte üebersicht
über die Geschlechlsverhältnisse und die verschiedenen Fort-
pflanzungsweisen der Thiere, üb«r Metamorphose, Genera-
lionswechsel, Polymorphismus u. s. w. Ueberall an einzelne
besonders charakteristische Beispiele anknüpfend, beschränkt
sich Verf. rein ^uf Darstellung der objectiven Thatsachen,
ohne auf die physiologischen Beziehungen und die Bedeutung
derselben weiter einzugehen.
Die Inauguraldissertation von Nölting ^Einiges über
den Generationswechsel.« Cassel 1856 enthält aber nichts
Neues, weder an Thatsachen, noch an Auffassungsweise. Verf.
schildert in wenigen Zügen den Generalionswechsel bei den
Hydromedusen, Trematoden und Cestoden, betrachtet sodann
die verschiedenen Deutungen und Auffassungen, die dieser
Vorgang erfahren hat und hebt schliesslich die Beziehungen
hervor die zwischen dem Generationswechsel (wenigstens
gewissen Formen desselben Ref.) und der Metamorphose
bestehen. Verf. schliesst sich dabei im Wesentlichen an die
Darstellung des Ref. an. Ebenso in den angehängten Be-
trachtungen über Metamorphose und Fruchtbarkeit.
Sars publicirte in Verbindung mit Koren und Da-
niellsen den zweiten Theil seiner berühmten Fauna littoralis
Norwegiae, Bergen 1856. fol.155 S. mit 12 vortrefflichen Ku-
pferlafeln , die auf Kosten des Storthing ausgeführt wurden.
Der ganze reiche Inhalt dieses wichtigen Werkes fällt mit
Ausnahme einer einzigen Abhandlung (über die Enlwickelung
derPeclinibranchiaten) in den Bereich unseres Berichtes, und
werden die betreffenden Abhandlungen an den geeigneten
Stellen noch besonders angezogen werden.
Von Sars erschien ferner: Bi<lrag iil Kundskaben om
miltelhavets Littoral-Fauna, Reisebcmaerkingen far Italien in
Nyt Mag. for Naturvidensk. IX. 1856. p. 110-164 (c t. 1.)
det niederen Thiere während des Jahres 1856. 171
mit Beobaohlurtgen über Zoologie und Verbreitung 4(iT wir-
bellosen Thiere im Millelmeere. Der erste , bis jel2t ölte'm
vorliegende Theil behandelt die (echten) Polypen und Hy-
droiden und wird in unserem Berichte später noch eine be-
sondere Berücksichtigung finden.
Ebenso Leidy, Contributions towards a knowledge
of the marine Invertebrata Fauna of the coasts ol Rhode
Island and New-Iersey , in dem Journal of the Academy öf
nat. sc. of Philadelphia, Vol. III. P. 2. 1856. p. 135—152 mit
2 Tafeln Abbildungen ; ein Aufsatz, in dem zahlreiche, meist
neue (Krebse,) Würmer und Polypen beschrieben sind.
Die Fortsetzung von Stimpson, descriptions of somo
new marine Invertebrata (Proc. Acad. Philad. 1855 p. 385 ff.)
enthält eine kurze Diagnose zahlreicher neuer Echinodermen
und Würmer, die später einzeln aufgezählt werden sollen.
Der von einem Vereine dänischer Naturforscher her-
ausgegebene Naturhistoriske ßidrag til en beskrivelse af Grön-
land. Kjöbenhavn 1857 (aus Rink's Grönland, geographisk
og slatistisk beskrevet selbstständig abgedruckt) enthält u. a.
auch ein Namenvcrzeichniss der in Grönland bisher aufge-
fundenen niederen Thiere und wird gleichfalls noch eine
mehrfache Berücksichtigung finden.
I. Vepities'
(mit Einschluss der Helminthen).
Die Etudes sur Phistologie comparee du Systeme ner-
veux chez quelques annelides par Faivre (Ann. des sc.
nat. 1856. T. V. p. 337— 374. und T. VI. p. 16— 82) beziehen
sich auf den iicgcnwurm und den Blutegel. Verf. giebt in
denselben nicht bloss eine Darstellung von der Histologie der
Nervenelemente und deren Verhalten gegen chemische Rea-
genlien , sondern auch sehr werlhvolle Beobachtungen über
den Bau der Ganglien (den Faserverlauf, Lagerung der Zel-
len , Zusammenhang zwischen Zellen und Fasern u. s. w.).
Auch unsere anatomischen Kenntnisse erhalten dabei manche
interessanle Bereicherung. Wir erwähnen u. a. die Entdek-
kung eines dem Systeme der sog. respiratorischen Nerven
bei den Arthropode» (Nowp ort) analogen Nervenstranges
\tfJ2 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. JXaturgeschichte
hei dem Blutegel , der zwischen den beiden Commissuren-
strängen herabläuft, ohne jedoch irgend welche Seitenzweige
abzugeben, die Beobachtung ferner, dass sich der sog, N.
sympathicus bei den Regenwürmern ausschliessli,ch auf den
Pharynx beschränkt, bei den Blutegeln aber (yghJ.lä. %XU.
S. 359) in den Magenwandungen ausbreitet i^. (S^ w. Ueber-
haupt finden sich zwischen dem Regenwurm und dem Blut-
egel in Betreff des Nervensystems (anatomisch, wie histiolo-
gisch) viel grössere und auffallendere Differenzen, als man
nach den bisherigen Erfahrungen anzunehmen berechtigt war.
Was die Bedeutung des bei den Würmern so weit ver-
breiteten sog. Wassergefässsystemes betrifft, so möchte Ley-
dig (wie das Ref. wohl zuerst gethan hat, vergl. Anatomie
und Physiologie von Bergmann und Leuckart) dasselbe
jetzt gleichfalls als ein Secretionsorgan und zunächst als
Harnapparat betrachtet wissen. Vergl. Histologie S. 395.
Nach H u X 1 e y soll dieses Wassergefässsystem ein
gemeinschaftliches Attribut aller Würmer sein , also auch
den Chaetopoden und Nematoden zukommen. Bei ersteren
(ebenso auch den Echinodermen , die Verfasser bekanntlich
mit den Anneliden verbindet) wird das Blutgefässsystem (Sy-
stem of pseud-haemal yessels), bei letzteren das bekannte
schlauchförmige Secretionsorgan in diesem Sinne gedeutet.
Dafür soll der mit geformten körperlichen Elemente impräg-
nirte Inhalt der Leibeshöhle (Chylus) bei den Anneliden das
wirkliche Blut darstellen. Lectures etc. 1. c. T. Xlll. p. 79,
385 u. s. w.
Eschricht's Abhandlung über die Entstehung der
Eingeweidewürmer (om indvoldsormenes Opsindelse) aus der
Tidskrift for popul. Fremstillinger af Naturvideskab. Bd. H. 2
ist mir nicht zu Gesicht gekommen.
Retzius macht einige Bemerkungen über die Enlwik-
kelung von Würmern in dem Gehirne eines Albatros. Reports
br. assoc. at Glascow 1855. p. 132.
Burmeister stellt in seinen zoonomischen Briefen IL
S. 205 folgendes System der Würmer auf:
J. Vorzugsweise flache oder flachrunde Wurmer, häufig ohne
alle Gliederung, mit localen Bewegungsorganen, die ent-
weder Sauggruben oder Hakenkränze siad.
der niederen Thiere Wiihrend des Jahres 1856. 173
A. Helininlhcs. Würmer ohne Mund, Darm und After.
Grogarini , Acanlhocephali und Laccocephali s. Cc-
slodes.
Ö.'Plarpdes. Würmer mit Mund Und Darmkanal, und vor-
' ''ziigsWeise flacher, ungegliederter Körpergestalt.
tremalodos, turbellarii und Hirudinei.
il. Vorzugsweise drehrunde Würmer mit allermeist deullicher
Körpergliedcrung , bei denenf Bewegungsorgane fehlen
oder als höchst bewegliche Borstenhöcker am Körper
auftreten.
C. Gymnodermes. Drebrunde Würmer ohne borslentragende
Fusshöckor.
Nematodes und Gephyrei.
I). Ghaetopodes s. Annelides. Würmer mit borstentragenden
Fusshöckern an beiden Seiten des Leibes.
Oligochaeta , Polychaotii iimnivora , P. rapacia und
Onychophorai.» i'i hiiV {
Nach den Ansichten tön 'Hnxley zerfallen die Wür-
mer (Annuloidea), die übrigens keineswegs von den Arthro-
poden abzutrennen sind, in zwei parallele Reihen, von de-
nen die erste die echten Anneliden (mit den Gephyreen), so
wie die Echinodermen und Rotiferen in sich fasst, während
die zweite von der Gruppe' der Hirudineen, Trematoden, Ce-
stoden, Turbellar4en, Nematoden und Acanthocephalent gebil^
det wird. Lectiires l. c. Vol. XIII. ■
Reinh a r dt liefert ein Verzeichnis^ d«r Grönländischen
Krebse, Anneliden und Eingeweidewürmer, Naturhistor. Bi-
drag etc. p. 28—49 und erwähnt in demselben 75 Anneliden
(mit 7 Luftibricirien), 2 Gephyreen v' 1 Blutegel (Phyiline hip-^;
pbg*lossi, die Verf. demselben anvSchliesst, steht wohl richtiger:
bei den Trematoden), 8 Turbellarien, 10 Nematoden, 3 Tre^
matoden, 2 Echiiiurhynchen, 8 GcstodeUi Die wenigen neuen
Arten gehören ausschliesslich . der Familie der Sabellen an
und sind von Kröyer in einer besondern, später, nach, an-
zufahrenden Schrift beschrieben worden. ?.iui l<'^-
'.in^/iin 1^:
174 Lcuckart: Bericht üb. d. Leistungen io d. Naturgeschichte
ytnnelldcs.
1. Cliaetopodes.
Polychaeti s. Branchiati. Leydig liefert eine Dar-
stellung vom Baue des Auges bei Alciopa (nach Weingeist-
präparalen) mit einer hübschen Abbildung und macht dabei
auf die Lage der Retina hinter der Choriodea, wie auf die
eigenthümliche kammförmige Bildung der Stäbchen aufmerk-
sam. Vergl. Histologie S. 259.
Kröyer bestätigt die Beobachtung von Quatrefages
(J. B. XX. S. 312), nach der in den Augenflecken an den
Kiemenstrahlen gewisser Sabellen (Sabella aspersa Kr. , S.
oculata Kr., S. Lynceus Kr., S. variegata Kr. und S. thora-
cica Kr.) wirkliche Linsen vorhanden seien. Die Zahl dieser
Augenflecke zeigt übrigens grosse Verschiedenheiten; bei
S. oculata Kr. beträgt dieselbe nur 10, bei S. Lynceus dage-
gen ungefähr 1200. Ebenso schwankt auch die Zahl der Lin-
sen in jedem Auge zu 8 — 50 und mehr. Bidrag til kundskab
om Sabellerne, Kongl. Vidensk. Selsk. Forh. 1856.
Ebendaselbst macht Verf. die weitere Entdeckung, dass
es auch unter den Sabellen Arten giebt, wie z. B. Sab. oculaia
n. sp., die sich durch Querlheilung vermehren.
Huxley liefert eine genaue, auf sorgfälliger Unter-
suchung beruhende Darstellung vom äusseren Baue der Po-
lynoe squamata. Lectures 1. c. Vol. XIH. p. 27. Wir heben
daraus die Bemerkung hervor, dass der Kopf (prestomium H.)
dieser und anderer Anneliden als ein aus der Verschmelzung
mehrerer Segmente entstandener Körpertheil aufzufassen sei.
Die schon im letzten Jahresberichte (XXII. S. 333) be-
rücksichtigte Abhandlung von Kinberg über neue Annula-
len aus der Familie der Aphroditeen erschien in deutscher
Ueberselzung, dieses Archiv 1856. I. S. 311 ff.
Von Grube erhielten wir eine Beschreibung der von
Oersted auf seiner Wellumseglung gesammelten Anneliden
Annulata Oerstediana. Videnskab. Mcddel. fori 856. p. 44— 62
zunächst aus den Familien der Aphoditeen, Amphinomeen und
Euniceen. Alle beschriebenen Arten sind neu:
Hermen ia (n. gen.) verruculosa n. sp. St. Jan; Polynoe. «)
elytris magnis : P. Savignyi n. sp. Callao ; P. tomentosa n. sp. Costa
der niederen Thiere während des Jahres 1856. 175
Rica; F. tenu^selis n. sp. Rio Janeiro; l\ exanthema n. sp. Valpa-
raiso; F. crucis n. sp. Chrisliansted ; F. clavala n. sp. ebendaher;
F. nutrginata n. sp. Callao ; F, Mülleri n. sp. Valparaiso; P. punclu^
lala Q. sp. Rio Janeiro, ß) elytris minimis: F. variegaia n. sp. Ma«
deira ; F. nigrovillala n. sp. Rio Janeiro ; S%aZio?t (?) pergamentaceum
n. sp. St. Groix; Falmyra (?) elongata n. sp. ebendaher; Amyhinome
cff rjiea n.sp. ebentjaher ; A. pavpera n. sp. Valparaiso; Nolopygos
orna^« ri. sp. Costa Rica; Diopatrm Rkizopkarae b. ap. Realeja; Z^;
brevicirris n. sp. iVladeira ; Eunüx violaeea n< sp. Costa Rica; E. ßa^
mentosa n. sp. St. Croix; E. caribaea n. sp. ebendaher; E. Lucei d^
sp. Costa Rica; E. sphndida n. sp. Valparaiso; E. rubra n. sp. SU
Thomas; E, punctata n. sp. St. Croix; E, quadrioculata n. sp. Costa
Rica; Änisocer as (n. gen.) rubra n. sp. St. Croix; A. villala n. sp.
Costa Rica; A. hioeulata n. sp. ebendaher. vjujti x\':, -^
Char. gen. n. Hermenia. Genus Polynoae simiie. Tentacula3,
latcralia nulla. Elytra pari primo excepto minutissima, cum cirris dor-
sualibus ex lege Polynoarum alternantia. Pinnae uniremes. Cutis
subcoriacea.
Char. gen. n. Anisoceras. Corpus verraiforrae, subteres.
Lobus cephalicus quadrangulus, fronte rotundata , oculorum paribus 2
vel 1, tentaculis utrimque 2, inter se differentibus , superioribus te-
nuioribus, inferioribus crassioribus in spiram contorquendis. Segmen-
tum buccale biangulum, pinnis cirrisve tentacularibus nudum; pharynx
exsertilis paribus maxillarum serratarum 2 armata, inferioribus antice
dilatatis, hie serratis, sibi adiacentibus, superioribus linearibus, e Ion.
gitudine serratis. Pinnae uniremes vel biremes, longiusculae, subhu-
miles, cirro dorsuali et ventrali munitae, branchiis nuUis. Setae al.
terae compositae, alterae simplices, capillares. Cirri ani 4.
Ebenso beschreibt Slimpsom eine Reihe neuer Anne-
liden vom Cap und von Neuholland.
Lepidonole semitecla n. sp. Cap d. g. H. ; Nereis aperta n. sp.
und iV. mendax n. sp. ebendaher; Lysidice robusta n. sp. Port Jack-
son; Nephthys longipes n. sp. Botany-Bay; Glycera Kraussi Cap der
guten H. , Cirratulus auslralis n. sp. ebendah. ; Chaelopterus luteus
n. sp, Port Jackson und Ch. capensis n. sp. vom Cap d. g. H. ; SU
phonostotnum laeve und Tecturella luclator n. sp. beide vom Cap (Proc.
Acad. Phil. 1855. p. 391).
Leidy beschreibt von Rhode -Island und New -Jersey
(Journ. Acad. Philad. T. III. P. 2. p. I44ff.) folgende meist
neue Borslenwürmer: ,j ,. ,- •■
N araganseta (n. gen.) corallü n. sp. aus Gängen und ab-
gestorbenen Partiecn von Astrangea astraeforuais, Sabella oculifera n.
sp., Clymene urgeoLalua n. sp. , Ci. torquaius^ n. sp. , Fectinaria. aurU
176 Leuckart: ßericht üb. d. Leistungen nn d. Naturgeschichte
cowjfl Gr., Terebella ornnla n. sp , Torquea (n. gen.) eximia n. sp.,
Cirralulus fragilis n. sp. , Lumbriconereis splendida Bl. , Eunice san-
guinea Mont., Glycera americana n. sp. , Siphonostomum affine n. sp.,
Lepidonote armadillo (Ross ) Leidy (= L. punctata Oerst.) , Sigalion
Mathildae Aud. et Edw., Ophelia simplex n. sp.
Die beiden neuen Geschlechter tragen folgende Charaktere :
\ Nar.ag'ansetu Leidy. Body cylindrical, narrowediposteri-
orly; no lateral pionae; Segments numerous; those anteriorly furnished
with a few , simple, cylindrical, lateral tenlaculae; anterior segments
with four rowsof simplesetae infascicles; succeeding . few segments
With two rows of simple setae and two rows of cochleariform po-
dal spines; posterior segments with four rows of cochleariform spi-
nes. Upper lip distinct, conical, eyes none. . ; wk
Torquea Leidy. Body cylindrical, narrowed at the^^itremi.
ties. Tentaculae. numerous, attached laterally to the head, capable of
very great extension and contraction by the passage to and fro of
blood corpuscles frora..the cavity qf body,; , Eyes none. Set^e two
rows, three to twelve in a fasciculus, extremities lanceolate. Podal
hookf.iin. tWQüfOWS, ,ßhpyt,.from twelve to forty in each transverse
series supportseduat tjiöj^dger qf a.ls^ii^ar pi;p,pa£|s stiffened with^^pe,
simple setae. : , . , -. jo •- ; ;■ ,y ■;.;•;; , < ;,- ^ j,' , • ;;,, ;;,; ,i . : ;
Von besonderem Wertbe «ind die genauen und delail-
lirlen , mit schönen Abbildungen erläuterten Beschreibungen,
die Sars über eine Anzahl meist neuer (theilweise auch
schön fruijer^ 'J^. T3.'XX.' S. 324, beächri(iberr6n:J Ahnelitli^h jiii
der Fauna littor.Nöyeglae II publicir,i hat^ über: Spi octiae^
topterus^ O^tgefl-D MP^I^^^J^' sp^^^R^c^-T'?^:Tab^i[^%.^Ö3— ^1,
Notomastus, jateric^us Sars p. .9—13. Tab. II. fig, 8—17 , Cly-
mene Mülleri n. sj)., (?/. quadrilobata n. si^. , Cl. lumbricalis
(Fabr.) Sars p. 13— 18. PI. I. Fig. 1—7. PI. II. Fig. 18— 22,
Sabeftides crista'ta Sars^. 194^21^: Pl. IJ? Figl' t— 7J|'S:' oclo-
cirrata Sars ( 1835) , S. boreßUs ni , sp^^ ' 0.,^ octociirratä Sars
Iß^l), S. sea?cerrafa n. sp. 1',-.
j.\ : Das neue, höchst, interessante Gen. Spir ochae ta, das den son-
derbaren Bau -von Chaetopterus auf das Unverkennbarste den Organisa-
tionsverhältnissen der Aricinen annähert, trägt folgende Charaktere*.
Corpus filiforme , antice truncatum^ ibique iufra et ad latera labium
Formans carnosum, spathulatum seu subinfundibuliforme , in cuius
fundo OS. Löl)us capitalis supra os parvus," rotundatus, oculis nul-
lis. Cirri tentaculares duo longissimi et sulcb longitudiniäli ornati.
Segmenta hovem antica corporis depressa, bfcvia, mamillis pedalibus
conicis seu pyramidalibus solüminödö dorsalibüs (ventraliBüs carenti-
bus), sctis instructis capillaribus apice subhastato.acuto non in fasci-
der niederen Thiere während des Jahres 1856. l7T
culuni congestis, sed seriem transversum seu ad longitudinem mamil.
larum formantibus, segmenlum quartuin etiam sela validissima apice
oblique truncato et denticulo ornato. Seginentum decimum et unde-
cimum subteretia, longissima, pinnis seu mamillis pedalibus foliaceis
ornata scilicet una dorsali fasciculuin setarum capillarium non exser.
tilium includente et duabus venlralibus absque setis. Segmenlum duo-
deeimum et omnia sequentia (quorum numerus fere 130 — 140) subte-
retia , anteriora longa sensimque posterius breviora, pinna dorsali
conica vel subcylindrica apice globoso et fasciculo setarum capilla.
rium instructa , ventrali duplici ut in segmento 10 et 11 et absque
setis. Animal in tubo inclusum erecto, longissimo, cylindrico, perga*
mentacco, tenuissime transverse sulcato seu annulato> extremitate in«
feriore afßxo.
Kröyer liefert einen ^Bidrag lil kundskab om Sabel-
lerne , isaer de nordiske** in den Kongl. danske Vidensk.
Selsk. Forhandling. 1856 , und beschreibt darin, nach einer
historischen und kritischen Ginleitung (in der auch die oben
schon angezogenen Mittheilungen über einige a^natomisch-
physiologische Verhältnisse ,im;serer Thiere nii^d^rg^^gti^^indJl
27 neue Arten: niij^l 1= .>iH iv.l^.öhx^ 'm nh
Sabella analis , S. rigida, S. tuberculosaj S. aspersa, S. Fabricüf
S. infarctay alle sechs aus Grönland, S. oculatüy S. paucibranohiatOf
S. tenuissimay S. Sarsii^ S. picta und 8. pumilio aus Korwegen; S,
Sosias und S. Mülleri von unbekanntem Fundorte, iS. linguOf S. ßde»
lioy S. crispa, S. f?J variegala ^ S. nudicollis und S. thoracica aus
Westindien, Anamoebaea (n. gen.) Oerstedii ebendaher, Chone in-
fundibuliformis aus Grönland, Ch. suspecta und CA. fiabelligera au8
Norwegen, Myxicola Sleenstrupn von den Färöen, Spirographis Januarii
aus Rio Janeiro. In der Einleitung zu diesen Beschreibungen wer-
den gelegentlich noch drei andere Arten von Älyxicola charakterisirt:
M. infundibulum Mont. (non Sars), M. Sarsii n. sp. und M. Gru-
bii n. sp.
Das neue Gen. Anamoebaea unterscheidet sich von Sabella
dadurch, dass kein Wechsel in der Stellung der Borstenhöcker und
Querwülste stattfindet.
In den Lectures etc. von Huxley (1. c. XIII. p. 30) wird ge-
legentlich auch eine neue Art des Gen. Polynoe erwähnt, P. asterU
cola, die unter Seesternen lebt, und sich durch grosse, flimmernde Her-
vorragungen an ihren Fusshöckern auszeichnet, in denen die blinden
Endigungen der Magenanhänge liegen. '
Marcel de Serres sucht gegen S h u 1 1 1 e w o r t h (J. ß. XXII.
S. 339) die Berechtigung seines Gen. n. Stoa aufrecht zu erhalten und
Stützt sich dabei namentlich auf gewisse von Spiroglyphus verschiedene
Archiv f. NftturgeMb. XXIII. Jahrg. 2. Bd. J^
178 Lenckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Verhältnisse im Vorkommen seiner Schalen. Annal. des sc. nat. 1856.
T. V. p. 168.
Oligochaeti s, Lumbricini. E. Hering publicirt Be-
merkungen „zur Anatomie und Physiologie der Generalions-
organe des Regenwurms" (Zeitschrül für wiss. Zoo). 185(5.
S. 400— 425. Tat". XVIII), durch welche die dem Verf. im
Detail noch nicht bekannten Untersuchungen von d'Ukedem
(J. B. XXII. S. 341) theils bestätigt, theils auch durch manche
interessante Angaben ergänzt werden. Eine Bestätigung fin-
det zunächst die d'ükedem'sche Entdeckung des Ovariums,
nur dass dieses nicht im 12., sondern im 13. Segmente ge-
legen ist. Die Art und Weise , wie die Eier nach Aussen
treten , ist dem Belgischen Zoolomen unbekannt geblieben ;
Verf. weist nach , dass dieselben durch D^hiscenz frei wer-
den und dann in einen kurzen, mit weiter trompetenförmiger
OefFnung (tuba) beginnenden Eileiter gelangen, der im fol-
genden, 14. Segmente ausmündet. Die Wand der Tuba trägt
am oberen Rande eine kleine taschenförmige Aussackung, in
der die gelösten Eier eine Zeit lang verweilen und sich an-
sammeln. Was man früher (auch d'Ukedem) als Hoden be-
schrieb, wird von unserem Verf. als Samenblase gedeutet.
Derselbe weist nach, dass diese Gebilde in der Mittellinie
durch zwei (im 10. und 11. Ringe gelegene Paare) breiter
Commissuren zusammenhängen und hier im Innern noch
zwei Paar besondere kleine Organe einschliessen, die genau
nach dem Typus der Eierstöcke gebaut sind , statt der
Eier aber gewöhnliche zellenartige Elemente produciren ,
die nach Dehiscenz der umgebenden Wandungen in den
Innenraum dei* sackförmigen Samentasche hineinfallen und
sich hier in bekannter Weise zu Samenfäden entwickeln. Die
den Ovarien entsprechenden Bildungsstätten dieser Samen-
zellen sind es nun, die Verfasser als Hoden in Anspruch
nimmt. (Freilich unterscheiden sich diese Hoden insofern
von den gewöhnlichen männlichen Geschlechtsdrusen , als
letztere nicht bloss die Samenzellen bilden, sondern auch
die Entwickelung derselben zu Samenfäden vermitteln, also
zugleich Functionen übernehmen , die bei dem Regenwürme
den sog. Samenblasen übertragen sind. Die männliche Ge-
schlechtsdrüse der Regenwürmer ist nach den Geselzen der
f>^l'>ll{r»deI! Biedären Thiere während des Jahres: 1856^ . /« 179
ArbeitstheiJung; g-ewis&ermassen in zwei verschiedene Organe
zerspalten, eine Samenzellendrüse und eine Samenladendrüse,
ähnlich wie "wir das auch von den Ovarien mancher niedern
Thiere kennen. Rel») Die männjiohen Auslührungsgänge be-
schreibt Verf. in einer mit d'ükedem ganz übereinstim.-t
menden Weise, nur dürfte noch zu bemerken seiny dass der
zierlich gefaltete Samenlrichter im Innern der Samenblase ge-
legen ist und wii^kljch zur Aufnahme der reifen Sperma dien|.
Die bekannten Samentaschen (im 10. und 11. Segment) sind auch
nach den Unlersuchungen unseres Verf. ohne Zusammenhang
mit den übrigen Innern Geschlechtsürgenea,j,.sie münden durch
eigene Oeffnungen nach Aussen uud werden .erst bei der.
Begattung mit Sperma erfüllt. Dass diese Taschen, wie M eiss-r
ner wollje (J. ß.,?CXIl. S.344), bei der Begattung auch die
Eier in sich aufnehmen , wird von unserem Verf. in Abrede
gestellt; was Meissner für Eier hielt, sind nichts als
Schleimtröpfchen, die sich von der Wand des Behälters ab-
gelöst haben. Zu den accessorischen Geschlechtsorganen ge-
hören mächtige, unter der Haut hinstreichende Drüsenschich-
fen, die keineswegs allein auf den Gürtel beschränkt sind,
saugnapfarlig wirkende Muskelleisten (33— -r36 Segment) und
vorstreckbare , ansehnlich entwickelte Borsten , deren Vor-
kommen viel ausgebreiteter ist, als d'ükedem annahm. Bei
der Begattung findet gegenseitige Befruchtung statt. Die
Oeffnungen der Samentaschen des einen Wurmes liegen da-
bei dem Gürtel des andern gegenüber. Der Samen tritt aus
den OefTnungen der beiden Samenleiter , fliesst jederseils in
einer durch Muskellhäligkeit gebildeten Längs^intie bis zum
Gürtel und Wird hier in die Samentaschen des andern Wur-
mes aufgenommen. (Die von Ref. im lelzteh Jl B. S. 342
als mulhmasslichc Spermatophoren erwähnten spindelförmigen
Körper sind nach unserem Verf. bloss zufällige Bildungen-, die
durch Erhärtung einer schleimigen Masse im Umkreis eineS
Samentröpfchens entstehen.) Beim Eierlegen werden zugleich
die Eier aus den Eibehällern und S^men aus den 'Samenla-
schen in die Eikapselri entleert. ;*";^;'\ ^"''^'^' _!"'.'
An demselben Orte (S. 40 i. Anm.) macht Hering auch
einige Angaben über die Lagenverhältnisse der äusseren und
inneren Mündungsstellen der sog. schleifenförmigen Organe,
180 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
sowie über die sog. Räckenporen, die frei in den Leibesraum
einmunden.
Leydig liefert eine Abbildung von dem Verhallen der
Gefässe im vorderen Leibesende von Chaetogasler. Vergl.
Histologie S. 345.
Doy^re, essai sur Tanatomic de la Nais sanguinea,
Caen 19 p. c. tab. (exlr. duX. Vol. des Mem. Soc. Linneene
de Normandie) ist mir bis auf den Titel unbekannt ge-
blieben.
c) ' Fr. Mfiller entdeckt in Brasilien eine interessante neue
Ätl' des Gen. Lumbricus, L. corethrurus , Beitr. zurKenntniss
der Landplanarien von M. Schnitze, in den Abhandl. der
naturf. Gesellsch. in Halle IV. S. 26.
Derselbe ist von allen Regenwurmarten der dortigen Ge-
bend (Colonie Bluraenau in Südbrasilien) der häufigste und fast in
jeder Scholle urbaren Landes zu finden, durch Gestalt, Grösse und
Stellung der Borsten aber so ausgezeichnet, dass man fast berechtigt
-wäre, denselben zui^i Typus eines neuen Genus zu erheben. Beson-
ders auffallend ist die Stellung der stärkeren Schwanzborsten , die
(durch Alternation an den aufeinanderfolgenden Segmenten) bei den
älteren Individuen zahlreiche Längsreihen bilden. Das eigenthümliche
Aussehen einer etwa zu Ende des dritten Viertels gelegenen Stelle
scheint auf eine beginnende Qucrtheilung oder eine energische Neu-
bildung von Schwanzringen hinzudeuten.
Lumbriculus teH^is n. sp., Leidy Journ. Aead. Phil. T. IIL
'^ a. »epliyrei.
Macdona id liefert (Annal. and Mag. nat. bist. VoL
XVIU. p. 101. Taf. IV) eine kurze Darstellung vom anato-
mischen Baue des Gen. Atlas. Verf. hält dieses Geschöpf
für ein Thier, das zeitlebens den Larvenzustand eines Sipun-
culus repräsenlire, dabei aber ebensowohl mit denRolalorien,
Vkriß den Bryozoen und Tunicalen (!) eine nahe Verwandt-
schaft besitze. Trotz der Versicherung des Verf., dass Alias
zu den hermaphrodilischen Geschöpfen gehöre, enthält die
vorliegende Darstellung keine einzige Thatsache, die uns ver-
anlassen könnte, dasselbe für ein ausgebildetes Thier zu hal-
ten. Im Gegenlheile stimmen alle Angaben mit der schon
von J. Müller ausgesprochenen Vermuthung (vgL J. B. XX*
der niederen Thiero wihrcnd des Jahres 1856. 181
S. 333) zusammen, dass Atlas nichts Anderes, als eine Si|H4n*-
culidenlarve sei. ilwÄhsy
Ref. macht den Vorsdilagr (Nachlräge und BerlcHligun-
gen u. s.w. S. 673, <^iö Gruppe der Gephyreen in drei Fa-
milien zu Iheilen, die Echiurea , ßranchiata und Sipunculea
und stellt für dieselben folgende Charaktere auf:
Fam. 1. Echiurea. Corpus ulriculare, proboscidiferum;
proboscis labiiformis, longissima, sublus cdnallctilöla, aüt in*
tegra, aul bipartita. Spiculae duae uncinatae, po^t basin pro-
boscidis sitae. Organa genilalia bina in anteriore parte cor-
poris. Anus terminalis. Pulmones aquiferi cloacae iuncti.
Huc gen. Bonellia, Thalassema, Echiurus.
Fam. 2. Branchiata, Corpus cylindricum, setiferum aut
nudum, proboscide deslilulum. Branchiae in exlremitate coi*^
poris filiformes vel ramosae. Anus terminalis. Pars antica
retractilis, forma plerumque insignis. Huc gen. SternaspiS,
Chaetoderma, Priapulus.
5. Sipunculea» Corpus nudum, utriculare , antica parte
elongata, retractili. Os fimbriatum , terminale; anus in ante-
riore parte corporis. Huc gen. Sipunculus.
Phascolosotna noduliferum n. ip. ton Port Jackson und Ph. se^
micinetum n. sp. tom C»p d. g. H. Stirn pson Prot. Acadi Phü. 1855.
p.390. •'•? -- 'Infi 'Ir,-!'; (
, fl(f .Cliaetosrnathi.
Gegenbaur schildert „die Enlwickelung der Sagilla*
nach seinen schon früher (J. B. XX. S. 335) kurz erwähn-
ten Beobachtungen. Abhandl. der naturforsch. Gösellsch. \i\
Halle 1856 S. 1 — 17 mit einer Kupfertafel (auch als Separat-
abdruck mit der Jahreszahl 1857). n-)l< vj
Die Bildung der DarmhÖble geht sclion vor sich , ftcivor der
Dotter seine ursprüngliche runde Form verloren und den (sehr sorg,
faltig beschriebenen) Furchungsprocess durchlaufen hat. Sic geschieht
durch Auseinanderweichen der ursprünglich im Centrum zusammen-
slossendon Furchungskugeln. Später bricht die Darmhöhle an dem
einen Körperpole durch ; es entsteht dadurch die MundöfTnung, gleich-
falls schon zu jener Zeit , die der Lüngsstreckung des Dotters vor-
angeht. Der neugeborene Wurm ist noch ohne Hfikchen und pig-
menlirte Augen, auch nur mit einem einzigen (später wahrscheinlich
sich thcilenden) Flossenpaar versehen. Flimmerhaare auf der Haut
182 Leuckart: Bericht nb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
fehlen auch während der Embryonalentwickelung ; die Entwickelung
verläuft ohne jede Metamorphose.
Was die systematische Stellung des Gen. Sagitta betrifft,
so glaubt Verf., dass dasselbe als Repräsentant einer beson-
deren, zwischen Nematoden und Anneliden zu errichtenden
Abtheilung zu betrachten sei. Dass eine solche Gruppe schon
seit mehreren Jahren in diesen Berichten (auch in den Nach-
trägen zu van der Hoeven's Handb. der Zoologie S. 117)
von Ref. für unsere Thiere aufgestellt ist, scheint Verf. un-^
bekannt geblieben zu sein.
Ganz anders lautet dagegen die Angabe von Meiss-
ner, der nach Untersuchungen der Sagitta helgolandica kein
Bedenken trägt, unsere Thiere alsVTirbelthiere zu be-
anspruchen, (Berichte der Schweizer Naturforscherversamm-
lung in Basel 1856, Gaz. hebdomad. T. III. N. 45, Bibl. univ.
de Geneve , ausführlicher Zeitschrift für rat. Medicin 1857.
S. 638). Meissner stützt seine Ansicht auf zwei Punkte,
zunächst auf die von ihm beobachtete Anwesenbeit einer aus
hellen und dünnwandigen Zellen bestehenden Chorda dorsa-
lis, die „zugespitzt dicht hinter dem Kopfe beginne und, über
dem Darmkanal in der Leibeswand gelegen oder an diese be-
festigt, continuirlich bis zum Schwänze, über der AfteröfFnung
herablaufe," und sodann auf die Behauptung, dass Sagitta des
ihr zugeschriebenen Bauchganglions entbehre , das Nerven-
system derselben also als Hirn und Rückenmark aufgefasst
werden dürfe, nur dass das letztere in der ganzen Länge
von einer relativ tiefen Furche durchzogen' und in 2wei seit-
liche Hälften getheilt sei. Was letztere Angabe betrifft, so
glaubt Ref. dieselbe als unrichtig bezeichnen zu können, da
er sich — wenn auch nicht gerade bei 'Si helgolandica, die
er nicht untersucht hat — mit Krohn ü. A. auf das Be-
stimmteste von der Existenz eines Bauchgänglions bei den
Sagitten überzeugt hat. Eine Verwechselung mit dem »Bauch-
sattel« ist dabei nicht untergelaufen ; vielmehr wurde die
nervöse Natur des Bauchgänglions , so wie dessen Zu-
sammenhang mit den Seitennerven und Commissuren (dem
Meissner'schen Rückenmarke) durch mikroskopische Untersu-
chung festgestellt. Eine Chorda dorsalis hat Ref. nicht auf-
gefunden, auch giebt Meissner selbst an, dass dieselbe in
der niederen Thicre während des Jahres 1856. 183
Exemplaren von etwa vier Mm. Länge bereits zu schwinden
anfange, und nur in der Jugend deutlich sei. (Offenbar ist
Meissner's Chorda dorsalis dasselbe Gebilde, welches Gegen -
baur als ^Mesenterialfalte« abbildet.) Aber selbst wenn der
von Meissner gesehene Zellenslrang in der geschilderten
Weise existirl, dürfte die Deulung als Chorda dorsalis doch
einstweilen immer noch mehr als zweifelhaft sein. Jedenfalls
stimmt Ref. (und er gewiss nicht allein) gern der weiteren Be-
merkung des Verf. bei , dass zur definitiven Feststellung der
Wirbelthiernalur von Sagilta eine nochmalige Wiederholung
seiner Untersuchungen nothwendig sei. Ja Ref. glaubt sich
sogar der festen Ueberzeugung hingeben zu dürfen, dass Verf.
durch eine solche sehr bald von seiner allem Anscheine nach
übereilten, jedenfalls aber nicht gehörig begründeten, Schluss-
folgerung zurückkommen werde. Nach unseren heuligen An-
schauungen von der typischen Organisation eines Wirbel-
thieres wird Sngitla niemals in den Kreis dieser Geschöpfe
eintreten können, selbst dann nicht, wenn es in der Rücken-
wand seines Körpers , an dem Ursprünge des Darmmesen-r
leriums einen chordaartigen Zellenstrang trüge.
Auch Burme ister kann sich nicht dazu entschliessen,
die Sagitlen unter did Würmer zu versetzen; er betrachtet
dieselben als Mollusken, die in der Ordnung der Heteropoden
eine eigene kleine Gruppe (Lateripinnata) bildeten, der mög-
licher Weise auch .das Gen. Tomopteris zugehöre (?). Zoo-
nom. Briefe II. S. 124.
Gegenbaur erwähnt in der oben titirten Arbeit gelegent-
lich (S. ö) zweier, von ihm bei Messina beobachteter Sagitten als
„wahrscheinlich neu,« ohne sie jedoch besonders zu beschreiben und
zu benennen.
4. Memotofles.
Unter den Arbeilen über diese Thiergruppe erwähnen
wir zunächst die vortrefHiche {5childcrung, die tins Waller
in seineu „Beitragen zur Anatomie und Physiologie von Oxyu-
ris ornala« c^eitschr. iür wissensch. Zool. Vlll. S. 163—202.
Tab. V und VI) von dem.,innern Baue des genannten Spuhl-
wurms entworfen hat — mit Ausschluss der Geschlechtsorgane,
184 Leuckart: Bericht üb. <1. Leistungen in d. Naturgeschichte
deren Beschreibung sich derselbe für eine andere Gelegenheit
vorbehalten hat. Wir heben daraus Folgendes hervor.
Das Muskelsystem besteht aus vier langen Schläuchen, die dicht
unter dem Corium vom Kopfe bis zum Schwanzende hinlaufen und
paarweise am Rücken und Bauche gelegen sind. Die gewöhnliche
Struktur der Muskeln fehlt diesen Schläuchen ; dieselben bestehen aus
einer äussern, längsgestreiften Membran und einer Innern, zähflüssi-
gen Substanz von homogener Beschaffenheit, die jedoch bei längerer
Einwirkung von Wasser in einzelne hinter einander liegende Scheib-
chen zerfällt und dann einige Aehnlichkeit mit einem quergestreiften
Muskelbündel darbietet. So wenigstens bei älteren Individuen, während
^ie jüngeren im Innern ihrer Muskelschläuche eine dicht gedrängte
Menge grosser und zellenartiger Eiweiss - (Sarkode-) Tröpfchen ent-
hielten. Zwischen diesen vier Muskelschläuchen liegen bei letzteren
noch vier andere schlauchförmige Organe , die mit grösseren und
kleineren Fettkörnern angefüllt sind, späterhin aber, wenn die Ent-
wickelung der Geschlechtsorgane beginnt, allmählich bis auf vier
strukturlose bandartige Streifen schwinden. Das Nervensystem ist
deutlich zu unterscheiden und stimmt in den wesentlichsten Verhält,
nissen (auch histologisch) mit dem von Meissner entdeckten Ner-
vensysteme der Gordiaceen überein. (Die Angaben Wedl's — J. B.
XXII. S. 351 — scheinen dem Verf. unbekannt geblieben zu sein.)
Verf. beschreibt, wie Meissner, eine aus mehreren Paaren bestehende
Kopfganglienmasse und ein Schwanzganglion , die beide durch einen
einfachen , glatten Bauchstrang unter sich zusammenhängen. Ausser
diesem Bauchstrange finden sich noch zwei schwächere Seitenstränge,
die von den Kopfganglien nach hinten herablaufen. Nervi splanch-
nici fehlen. Auch darin findet sich eine Abweichung von dem Verhal-
ten der Gordiaceen, dass bei unserer Oxyuris oberhalb des Oesopha-
gus zwischen den Seitentheilen der Kopfganglien eine quere Brücke
vorkommt, die in Gemeinschaft mit letztern einen förmlichen Schlund-
ring bildet. Die Mitte der Bauchfläche trägt bei den jungen Exem.
plaren einen Saugnapf, dessen Centrum von der Ausführungs-OefTnung
zweier ansehnlicher Blindschläuche durchbohrt ist, die theils um die
Darmröhre sich herumwinden, theils zur Seite derselben bis hinter
den After hinlaufen. Diese Schläuche besitzen eine strukturlose Mem-
bran und sind mit einer klaren, homogenen Flüssigkeit gefüllt, in
der zahlreiche Fetttröpfchen vorkommen, wie in den oben erwähnten
vier Fettschläuchen. Aehnliche Organe sind auch bei andern Nema-
toden beschrieben und meist für Secretionsorgane gehalten worden.
(Hierher wohl auch die von Meissner beschriebenen Secretionsor-
gane der Gordiaceen J. B. XXII. S. 347.) Verf. theilt diese Ansicht
nicht ; er möchte vielmehr diese zwei langen Schläuche — trotz ihrer
AusmünduDg nach Aussen — mit den übrigen Fettschläuchen zusammen-
der niederen Thiere während des Jahres 1856. 185
Btellen und verrauthen, dass in ihnen „ein von der ursprüglichen DoU
termasse herstammendes (?Uef.) überschüssiges Nahrung?niaterlal« auf-
gespeichert werde. So viel scheint nach den Beobachtungen unseres
Verf. jedenfalls gewiss, dass die betreffenden Schläuche ganz eben so
wie die obigen Fetlschläuche provisorische Organe sind, die gegen
das Ende des Entwickelungslebens allmählich schwinden und schliess-
lich nur noch als feine und faltige Membran neben dem Darmkanale
persistiren. Eine ähnliche Neubildung erleidet aber auch der Saug-
napf unserer Oxyuren, indem dessen Muskeln fast völlig schwinden,
die Aufwulstung desselben sich ausgleicht, und nur noch ein kleines
gelbes Knötchen mit einer feinen Querspalte übrig bleibt.
V. Györy beschreibt den äusseren und inneren Bau
einer von ihm im Dickdarme von Hydrophilus piceus aufge-
fundenen neuen Oxyurisarl, 0. spirotheca, die sich besonders
durch Anwesenheil eines trachenartig gewundenen Spiralfa-
dens an der Eischale auszeichnet. Am Bauche mündet ein
kugliges sog. Secrelionsorgan. Sitzungsberichte der Wiener
Akademie 1856. III. S. 327-332. C. tab.
Huxley hält dieses Excretionsorgan, das er bei einer
Oxyuris aus der Scholle auffand und als ein von heller Flüs-
sigkeit gefülltes Doppelgefäss beschreibt, für ein Analogon
des bei den Würmern sonst so vielfach verbreileten sog.
Wassergefässsyslems. Lectures u. s. w. L. c. XIII. p. 385.
Wedl untersucht „die Mundwerkzeuge von Nematoden**
(Sitzungsber. der K. Akad. zu Wien Bd. XIX. S. 33. Tab. I— HI},
und kommt dabei zu Resultaten , die nicht bloss in zoologi-
scher Beziehung wichtig sind, insofern sie die bis jetzt dar-
über vorliegenden Angaben mehrfach als irrthümlich und un-
genau nachweisen, sondern auch über die Beziehungen zwi-
schen Organisation und Aufenthalt, Sitfen und Lebensweise
manche interessanle Aufschlüsse bieten.
Wir erwähnen hieraus, dass die — im Einzelnen übrigens sehr
verschieden gebauten — Mundvorsprünge der Ascarisarten nach Verf. als
Ilaftläppchen und nicht als Tastwerkzeuge fungiren (welche Behanp.
lung bei der noch immer sehr unzureichende Kcnnlniss über das Ner-
vensystem der Nematoden dermalen freilich nur schwer zu beweisen
sein dürfte). Ebenso sind auch die am Mundsaume von Sclcrostoma
vorkommenden eackigen Verlängerungen Haflfranzcn und keine Zähne.
VN'ü Bohrwerkzeuge vorkommen, da befinden sich diese entweder an
der äusseren Oberiläche des Kopfes, oder sie liegen in der Mundhöhle,
wie z. B. bei Sclerosloma armatum, Spiroptcra sanguinolenla u. a.f
186 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Nalurgeschichie
doch muss man berücksichtigen, dass viele Arten schon ohne Weiteres
durch die Rigidität ihres Kopfendes befähigt werden , die lockeren
Gewebstheile der Organe auseinander zu drängen.
Die von Meissner zu den Seiten der drei Körperner-
venstämme bei den Gordiaceen '(Mermis) aufgefundenen Zel-
lengruppen, die einen körnigen^ das Licht stark brechenden
Inhalt besitzen, möchte Leydig, der ähnliche Zellen auch
an dem Bauchnervenstrange von Pontobdella u. a. Wirbel-
losen beobachtete , vorläufig als Analogen der Nebennieren
betrachten. Vergl. Histologie S. 191.
Die Angaben, die Prof. Mayer über den Befruchtungs-
process der Nematodeneier macht (Verh. des naturhist. Ver-
eins der preuss. Rheinlande 1856. S. L) beruhen auf einer
irrthüralichen Deutung gewisser, an den Schalen längst be-
fruchteter Eier zu beobachtenden Struklurverhältnisse.
A. Thompson unterwirft die Frage nach den „Samen-
körperchen, den Eiern und der Befruchtung der Ascaris my-
stax'^ einer nochmaligen Untersuchung (Zeitschrift für wiss.
Zool. S. 425 — 438} und liefert dabei im Wesentlichen eine
Bestätigung der früheren Nelson'schen Angäben. Die be-
kannten kegelförmigen Bildungen der weiblichen Geschlechts-
wege, die ßischoff für Epithelialkegel hielt, weil er sie
— an der Thatsache kann kein Zweifel sein, zumal sich auf
der Göltinger Naturforscherversammlung auch Männer wie
Wagner, Weber, Ludwig u. A. von ihrer Richtigkeit
überzeugten — nicht bloss frei im Innern fand, sondern auch
an der Wand festsitzen sah , sind wirklich die ausgebildeten
Samenkörperchen , deren Entwickelung aus den unreifen, im
Männchen vorkommenden Formen Verf. verfolgen konnte. Die
Anwesenheit einer Micropyle wird mit Bisch off Cg;^§^ß"
Meissner) in Abrede gestellt; das Ei entwickelt sich ganz
auf dem gewöhnlichen Wege durch allmähliche Ablagerung
des Dotters und entbehrt der Dotterhaut noch zur Zeit der
Befruchtung. Dass diese durch die oben erwähnten Samenkör-
perchen vermittelt wird, unterliegt keinem Zweifel; Verf. sah
auch oftmals die Samenkörperchen auf der Oberfläche der
Eier aufsitzen, konnte sich aber weder von dem Eindringen
derselben überzeugen, noch auch die Uebereinslimmung der
1
der niederen Thierc während des Jahres 1856. 187
gfelegenllich im Innern älterer Eier vorkommenden glänzen-
den Körperchen mit Samenkörperchen nachweisen.
Nach den Beobachtungen Schneider's besitzen die
Samenkörperchen der Nematoden eine eigene , amöbenartige
Bewegung, die man selbst im Innern der weiblichen Geschlechts-
organe beobachten kann und desshalb keineswegs als eine
abnorme, durch den Einfluss äusserer Agentien eintretende
Erscheinung deuten darf (wie das u. A. Bischoff gethan
hat). Die spermatische Natur der betreffenden Körperchen
hält Verf. ausser Zweifel, obgleich er sich niemals von einem
Eindringen derselben in den Dotter überzeugen konnte. Berl.
Monatsberichte 1856. S. 192—197.
Die in dem letzten J. B. (XXII. S. 355) erwähnten Ver-
suche von Richter, Ascarideneier im Wasser zur Ent-
wickelung zu bringen, sind schon vor längerer Zeit mit ganz
demselben glücklichen Erfolge von S c h u b a r l und Verloren
«ngestellt worden. Letzterer zeigte im Sept. 1854 in Utrecht
so behandelte Eier von Ascaris marginata, die sich im Laufe
von 14 Tagen entwickelt und sich seitdem länger als ein
Jahr im Wasser mit lebenden Embryonen erhallen hatten.
Ein Versuch, die Embryonen nach Sprengung der Eischalen
mit Fleischfütterung aufzuziehen, misslang, ohwohl Verf. an-
giebt, diesen Versuch mit anderen Ascaridenembryonen mehr-
fach glücklich angestellt und die Würmchen durch mehrere
Generationen hindurch erhalten zu haben. Aanteken van het
verhandelte in de vergadering der Sectio voor Naluur- en
Geneeskunde van het Provinciaal ütrechtsch Genootsch. van
Künsten en Wetenschappen 1854. (Die letztern Angaben be-
ziehen sich, wie Ref. seither durch den Verfasser selbst
erfahren hat , auf Beobachtungen , die derselbe in Gemein-
schaft mit dem schon seit einigen Jahren verstorbenen Dr.
Schubart angestellt hatte. Seh. dürfte überhaupt wohl der
Erste gewesen sein, der Ascarideneier im Wasser zur Ent-
wickelung brachte. Freilich will derselbe mancherlei gar
merkwürdige 'Dinge daran gesehen haben. So sollen u. a.
die Embryonen vort Asc. megalocephala im Wasser nicht
bloss ausgeschlüpft sein , sondern sich auch vermehrt haben,
wie das Verloren auch in der oben angeführten Arbeit
andeutet. Die Thiere, die nach Seh. aus den Eiern seiner
18S Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen In d. Naturgeschichte
Wurmart hervorschlüpften, wurden aber nicht wieder zu Asc.
megalocephala, sondern blieben winzig klein und glichen
den Anguillulaceen. Ref., der die — musterhaft ausgeführlen
Zeichnungen Schubart's selbst gesehen hat — kann sie auch
nur für solche halten und glauht, dass sich Seh. durch der-
artige fremde Eindringlinge hat täuschen lassen. Schon seit
länger als einem Jahre cullivirt Ref. eine ganze Reihe von
Gläsern mit Eiern von Asc. megalocephala, lumbricoides u. a.
und kann aus eigener Beobachtung bestätigen, dass sich die-
selben bald rasch, bald langsamer (bei warmem Sommerwetter
zum Theil schon in 14 Tagen) entwickeln, aber er muss in
Abrede stellen, dass die Embryonen freiwillig im Wasser aus-
schlüpfen. In schlecht gehaltenen Infusionen, deren Beschaf-
fenheit übrigens den Embryonen in keinerlei Weise nach-
theilig ist, sieht man allerdings wohl hier und da einen freien,
aus der Schale gefallenen Embryo, allein im Ganzen ist sol-
ches doch selten und gewiss nicht als Regel anzusehen. (Ref.
ist der Ansicht, dass es zu einem eigentlichen Ausschlüpfen
derselben — wie er das auch für dieTänien nachgewiesen hat
— der üeberführung in den Magen eines Thieres oder mit '
anderen Worten der Einwirkung der Magensäfte bedarf und
hofft die von ihm in dieser Richtung angestellten Experi-
mente in Kurzem ausführlicher mitlheilen zu können.)
Referent machte einige Fütterungsversuche mit Tri-
china spiralis und überzeugte sich , dass dieselbe im Darmr |
kanale der Mäuse aus ihren Cysten ausschlüpft (Nachlr. u.
Berichtigungen zuvanderHoeven's Zool. S. 96). Die gleiche
Beobachtung wurde später auch bei einer zweiten , in den
Muskeln der Hauskatze vorkommenden Art des (provisorischen)
Gen. Trichina gemacht. Die jungen Spuhlwürmer fanden sich
vorzugsweise im Dickdarme und waren nach drei Tagen be-
reits auf das Doppelte ihres früheren Durchmessers heran-
gewachsen.
Nach den Beobachtungen von Lespes lebt (Ann. des
sc. nat. 1856. T. V. p. 335) in den Termitennestern ein klei-
ner 2—2,5'" langer geschlechlsreifer Spuhiwurm (Isakis n.
gen.), dessen Eier frei in den Boden abgelegt werden und
sich hier entwickeln. Die Jungen dringen auf irgend eine
Wei§e (wie, wird vom Verf. nicht angegeben) in den Kör-
der niederen Thiere während des Jahres 1856. 189
per der Termiten ein und wachsen in der Leibeshöhle der-
selben , erlangen ihre Geschlechtsorgane aber erst später,
wenn sie nach dem, wie es scheint, durch Einwirkung der
Parasiten bedingten Tode der Wirthe inzwischen wieder nach
Aussen ausgewandert sind. Durch Anwesenheit von Mund
und Darm ergeben sich unsere Thiere übrigens als echte
Spuhlwürmer. Die Lebenstenacitäl derselben ist gross ; Verf.
sah die Wurmer nach monalelanger Austrocknung durch Was-
serzusalz wieder aufleben.
Die Mitlheilungen von S. Durkee über Filaria me-
dinensis und deren Embryonen (,Proc. Bosl. Soc. V. p. 278)
sind sehr aphoristisch und bieten kaum ein weiteres In-
teresse.
Meissner giebt an, dass die ausgewachsene Filaria
medinensis des Darmes entbehre, dafür aber mit dem Zel-
lenkörper der Gordiaceen versehen sei. Der sog. After wird
als Geschlechtsöfl'nung in Anspruch genommen. Verh. der
naturf. Gesellsch. zu Basel 1856. S. 376.
Küchenmeister glaubt nach mehrmonatlichen, an
sich selbst angestellten Beobachtungen behaupten zu dürfen,
dass Oxyuris vermicularis bei abnehmendem Monde häuüger
abgehe, als bei zunehmendem. Wochenblatt der Zeitschrift
der k. k. Gesellschaft der Aerzle in Wien 1856. S. 83.
Günther beobachtete ein siebenjähriges Mädchen, von
dem in 5 Tagen 584 Spuhlwürmer (darunter 172 Stück auf ein
Mal) abgingen. Zeitschrift für Medic. , Chir. u. Geburlsh. von
Varges X. S. 95.
(Die bloss medicinisch interessanten Beobachtungen über
Ascaris lumbricoides und andere Spuhlwürmer übergehen
wir hier, wie in den früheren Jahresberichten, mit einem Hin-
weis auf die von Prof. Will in den Schmidl'schen Jahresbe-t
richten für 1856 gelieferten Referate, in denen eine nicht
unbeträchtliche Anzahl derartiger Fälle gesammelt ist.)
Die von Diesing der K. Akademie der Wissenschaf-
ten in Wien zur Publikation in den Denkschriften vorgelegte
Abhandlung über „sechszehn Arten von Nematoden« (Wiener
SUzungsber. 1856. 111. S. 276) ist bis jetzt noch nicht er-
schienen.
190 LeucUart, Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Valenciennes berichtet über den Fund einer (sehr
ansehnlichen) Filarie unter der Haut eines Quepard und lie-
fert einige Notizen über dieselbe (F. aethiopica n. sp.),
wobei er die Aehnlichkeit in Lebensweise und Fortpflanzung
mit der Fil. niedinensis besonders hervorhebt. Compt. rend.
1856. T. 43. p. 260. (Da lias Vorkommen solcher Filarien in
Säugethieren nicht eben häuüg ist und die bekannten Fälle
überdiess vom Verf. einzeln hervorgehoben wurden , glaubt
Ref. bei dieser Gelegenheit erwähnern zu dürfen, dass er ein
ganzes Convolul fusslanger Filarien (n. sp. ^ u. §>) besitzt,
die Herr Dr. Seh unk in der Leibeshöhle eines in Surinam
von ihm geschossenen Brüllaffen auffand.)
Auch Wedl beschreibt eine neue Filarie aus dem Un-
terhaulzellgewebe des Hirsches, F. flexuosa, d.^ren Weibchen
durch seine unentwirrbaren Windungen förmliche knollenartige
Auftreibungen bildet, während das kleinere Männchen neben
dem Knollen im lockeren Zellgewebe eing^lf<)lItli(egt,;;Silzgsber.
der Wiener Akad. XIX. S. 122. . -.j .., !>:[';,
Ebendaselbst werden ferner noch als neu beschrieben: Filaria
clava, aus dem Zellgewebe neben der Luftröhre der Haustaube, Tri-
chosoma polykeramolum aus dem Darme eines Jagdleoparden und Tr.
papillosum aus dem Darme eines Schafes.
Derselbe über eine neue ganz ansehnliche Art des Gen. Hystri-
chis Duj. (von 10 Ct. Länge) aus der Brusthöhle von Fulica atra
und Dispharagus n. sp. aus dem Zellgewebe von Fodicppß,,iiigricol-
lis. A. a. 0. ßd. XIX. S. 40 u. 28. .rjßTfriii
Oxyuris spiroiheaa n. sp. aus dem Dickdarme von Hydrophilus
piceus (^ u. ^ V. Györy, Wiener Silzungsber. S. 327.
Walter liefert in den oben erwähnten Beiträgen u. s. w. (a.
a. 0. S. 166) eine sorgfältige Darstellung der zoologischen Charaktere
von Oxyuris ornata und hebt dabei besonders auch die Unterschiede
von den nahe verwandten Ascarisarten (A. acuminata und A. commu-
tata) hervor, mit denen dieselbe oftmals verwechselt sein dürfte.
Die von Will früher unterschiedenen zwei Varietäten des An-
giostoma limacis sind nach einer gelegentlichen Mittheilung Schnei.,
der's (Berl. Alonatsber. 1856. S. 194. Anm.) nicht bloss durch die
Bildung ihrer Schwanzspilze, sondern auch durch mancherlei Eigen-
heiten ihrer innern Organisation von einander verschieden.
Das mit Leptodera Duj. verwandte Gen. n. Isakis^ dessen
Lebensgeschichte schon oben erwähnt wurde, trägt nach Lespes
(1. c.) folgende Charaktere:
der niederen Thiere während des Jahres 1856. 191
Corpus fusiforme, extrcmitate caudali longe subulata, haud
alata. Caput corpore continuutn , truncatum. üs trilabiatum. Penis
vagina spiculisque duobus aequalibus instructus. Feminae apertura
genitalis in corporis medio. Ovipara. Sp. n. i. migrans. Im ge.
scblechtlosen Zustande parasitisch in der Leibeshöhle von Termes lu-
cifuguin, späterhin in den Termitennestern.
Leidy stellt ein neues Genus frei im Meere lebender Nema-
toden auf: Pontonema und charakterisirt dasselbe folgender-
maassen :
Body capillary narrowing towards the extremities. Head con«.
tinuous with the body, obtuse, pointed, with short cirri. Eyes none,
caudal extremity obtuse. Generative aperture near the middle of the
body. Oesophagus long, cyliudrical ; inlestine cylindrical. Ovaries two.
Allied to Amblyura. Marine. Sp, n. F. verlicillalum^ P. marinum^ beide
von New-Jersey. On the marine invertebrate fauna etc. 1. c. p. 144.
Wedl liefert eine genaue Beschreibung des von v. Siebold als
Trichiha spiralis? aus dem Mesenterium verschiedener Vögel beschrie,
bcnen unreifen Nematoden, aus der die grosse Verschiedenheit von
der echten Tr. spiralis lur Genüge hervorgeht. Silzungsber. der Wie-
ner Akad. Bd. XIX. S. 130. .ii<iJ^,»*J r
i 1 1 1 1 . ■ ■
5. Acantlioc€*p1iaIa.
Leydig macht darauf aufmerksam (vergl. Histologie
S. 135), dass der glockenförmige Uterus der Echinorchynchen
mit einer dicken Lage quergestreifter Muskelfasern verse-
hen sei.
Nach den (einer delaillirten Darstellung enibehrenden)
Angaben Weinland's soll bei den Acanlhocephalen ein Mund
und ein gabelförmiger Darmkanai vorkommen, dessen beide
Schenkel nach Innen in die Leibeshöhle hineinhängen. Proc.
Amer. Assoc. Aug. 1856. (Man fühlt sich fast versucht,
hier eine Verwechselung mit den sog. Lemniscen zu ver-
muthen.)
Von Die sing erhielten wir die Beschreibungen und
Abbildungen von ,,zwölf Arten von Akanlhocephalen.« (Aus
den Denkschriften der K. Akad. zu Wien Bd. XI besonders
abgedruckt) 185Ö. Dieselben sind mit einer einzigen Ausnahme
von Natter er in Brasilien gesammelt und in dem bekann-
ten Syst. helminlhum bereits früher vom Verf. charakterisirt
worden.
192 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Die Namen der betreffenden Arten sind folgende : Echinorhyn-
chus campanulalus aus verschiedenen Katzenarten Brasiliens , E. tae-
nioides aus dem Seriema, E. variabilis aus verschiedenen brasiliani-
sehen Fischen, E. impudicus aus Doras niger, E. spira aus Geyern,
Echin. vaginatus aus Tunlians und andern brasilianischen Vögeln, E. ele-
gans aus Jacchus , E. echinodiscus aus Myrmecophaga, E. rhopalo-
rhynchus aus dem Kaiman, E. macrorhynchus aus Vastres Cuvieri, E.
torquatus aus Macrodon und E. turbinella aus Delphinus Hyperoodon.
Den Beschreibungen voraus geht eine Darstellung von
dem Gesainmtbaue der Acanlhocephalen, zumeist nach von
Siebold. Bei gelegentlicher Erwähnung der von Zenker
in der Leibeshöhle von Gammarus pulex aufgefundenen zwei
Echinorhynchen wird hier bemerkt, dass dieselben Gregari-
nen seien und keineswegs den Acanlhocephalen zugerechnet
werden dürften. Ref. kann dagegen versichern, dass Zen-
ker ganz recht gesehen hat. Die eine der betreffenden Ar-
ten (G. miliarius) ist hier um Giessen nicht eben selten. Sie
ist mit zurückgezogenem Rüssel und Kopfende in eine helle
Kapsel eingeschlossen und beständig ohne ausgebildete Ge-
schlechtsorgane. Kein Zweifel , dass dieselbe erst im Darm-
kanale anderer Thiere sich vollständig ausbildeL Ref. fand
einst mehrere dieser Parasiten theils frei, theils in der Darm-
wand befestigt bei einem Gadus Iota , dessen ganzer Magen
mit Gammarinen erfüllt war; er vermulhet desshalb in diesem
Fische den Wirth des geschlechtsreifen Kratzers (Nachtr. und
Ber. zu van der Hoeven's Zool. S. 93).
Piatodes.
1. Hirudinei«
Was man bei den Hirudineen bisher als „Leber« be-
schrieb, ist nach den Untersuchungen von Leydig bestimmt
nichts Anderes als ein mit gelblich braunem Fette impräg-
nirtes Bindegewebe (dem Feltkörper der Arthropoden ver-
gleichbar) , das bei dem Mangel einer eigentlichen Leibes-
höhle die Zwischenräume zwischen den Organen ausfüllt und
sie umgiebt. Vergl. Histologie S. 366.
Nach den Angaben von Ebrard ist der spongiöse Ue-
berzug des Cocons bei dem medicinischen Blutegel das Ab-
der niederen Ihiere während des Jahres 1856. 193
sonderungsprodukt der sogenannten Schleimdrüsen. l'Insl.
1856. p. 419.
lieber das Nervensystem der Hirudineen vergleiche die
schon oben (S. 173) erwähnte Abhandlung von Favre.
3« Trematodes.
Huxley erläutert den Bau der Trematoden an Aspi-
dogaster und liefert dabei eine auf eigene Untersuchungen
gestützte Darstellung vom inneren Baue dieses Thieres, be-
sonders des sog. Wassergefässsystemes und der Geschlechts-
organe, Leclure Vll. L. c. Vol. XIII. p. 131.
Moulinie publicirt in einer umfangreichen, aus dem
dritten Bande der Mem. de Tlnsl. Genev. besonders abge-
druckten Abhandlung „de la reproduction chez les Tremato-
des endo- parasites^^ Geneve 1856 (279 Seiten mit 6 Tafeln)
eine eben so genaue und sorgfältige, wie selbstständig durch-
gearbeitete Zusammenstellung der älteren und neueren —
auch neuesten — Beobachtungen über die Entwickelungsge-
schichle der Dislomeen und deren Jugendformen. Nach
einer allgemeinen Einleitung über den Bau und die Organi-
sationsverhällnisse der Trematoden (p. 9— 30} handelt Verf.
zunächst (p. 31 — 57) von der Bildungsweise und der embryo-
nalen Entwickelung der Eier — zum Theil nach eigenen Be-
obachtungen an Dist. lanceolatum — , so wie von der Form
und Organisation der Embryonen, sodann (S. 58—120) von
den verschiedenen Ammenformen, den Sporocysten und Re-
dien, und schliesslich (p. 121 — 248) von den Larven- oder
Cercarienformen unserer Parasiten, die einzeln, wie die Am-
menformen, aufgeführt und beschrieben werden. Die Zahl
der beschriebenen Ammenformen beträgt 36 , und eben so
gross ist auch die Zahl der näher bekannten Cercarien, de-
nen Verf. übrigens auch die in den Ammen direkt entste-
henden schwanzlosen Distomeen (die in Leucochloridium sich
entwickelnde Form als Cerc. exfoliata) zurechnet. Von die-
sen schwanzlosen Cercarien vermuthel Verf. , dass sie ohne
vorhergegangene active Wanderung niitsammt ihren Ammen
und ersten Wirthen in den Darmkanal der späteren VVohn-
Ihiere gelangten. Dass übrigens Verfasser die neueren, in
Archiv f Naturgesch. XXIII. Jahrg. 2. Bd. J^
194 Leuckart! Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
den letzten Jahresberichten zum Theil ausführlich dargeleg-
ten Entdeckungen über die Entwickelung der Trematoden
in allen wesentlichen Punkten bestätigt , bedarf kaum aus-
drücklich hervorgehoben zu werden. In BelrefTder merkwür-
digen Tetracolyle ist Verf. — und gewiss mit Recht — einer
von de Filippi abweichenden Ansicht. Während letzterer
bekanntlich (J. ß. XXII. S. 365) diesen Schmarotzer wegen
seines käufigen Vorkommens in den Redien gewisser Trema-
toden nur als eine besondere Entwickelungsform dieser letz-
lern in Anspruch nimmt, erklärt Verf. die Anwesenheit des
betreffenden Thieres im Innern solcher Ammen für zufällig
und ohne Beziehung zu der Fortpflanzungsgeschichte dersel-
ben. Er stiitzt sich dabei auf die Beobachtung, dass Tetra-
colyle auch an anderen Orten und unter anderen Verhältnis-
sen gefunden werde und eingekapselt selbst in Fischen (Perca
fluvialilis und Cyprinus Idus) häufig — im Bauchfelle, zwi-
schen den Muskeln u. s. w. — vorkomme (p. 230). Von
eigenen Beobachtungen dös Verf. erwähnen wir ausser den
bisher schon hervorgehobenen ferner noch die über Leu-
cochloridium und als besonders wichtig die Entdeckung einer
neuen, in den inneren Organen verschiedener Limacinen (Li-
max cinerea und Arion rufus) schmarotzenden Sporocystis,
deren Beschreibung einen eigenen Abschnitt des vorliegen-
den Werkes bildet („Nolice sur quelques sporocysles terre-
stres« p. 249— 267. Taf. VIII und IX. — Die Abbildungen der
vier vorhergehenden Tafeln sind meist Copien aus Steen-
strup, V. Siebold, de Filippi, de la Valette u. A.).
Die Sporocysten sind ziemlich gross und mit einem vorderen
russeiförmigen, sehr beweglichen Fortsatze versehen , durch
dessen Hülfe dieselben nach der Entwickelung der Cercarien
durch die äusseren Körperhüllen ihrer Wirthe hindurchboh-
ren, um dann mit dem schleimigen Secrete derselben auf
fremden Gegenständen abgesetzt zu werden. Von diesem
Schleime umhüllt bleiben die eingeschlossenen Cercarien an
feuchten Stellen nicht selten mehrere Tage am Leben. (Verf.
denkt an die Möglichkeit einer Uebcrtragung in den Darm
von grösseren Pflanzenfressern und spricht selbst die Ver-
muthung aus , dass seine Parasiten die Jugendzuslände des
Dist. hepaticum sein könnten.) Die Cercarien haben einen
der niederen Thiere während de» Jahres 1856. 195
sehr kurzen und rudimentären, slummelförmigen Schwanz und
sind aulTallender Weise nicht unmittelbar in dßr Leibeshöhle
ihrer Ammen, sondern in einem besonderen, dicht an der
contraclilen Körperwand derselben anliegenden hohlen Schlau-
che enthalten, der übrigens erst nach der Anlage der Cer-
carienkeime im Innern gebildet zu werden scheint. Vor der
Ausbildung dieser Keime zeigen die Sporocysten nicht selten
eine Quertheilung, eine Vermehrungsweise, die Verf. überhaupt
allen Sporocysten zuschreibt. . .
de Filippi berichtet über die weiteren Ergebnisse sei-
ner Tremalodenuntersuchungen (Annal. des sc. nat. 1856. VI.
p. 83) und beschreibt dabei eine Anzahl neuer Ammen und
Cercarien aus Paludina impura, Lymnaeus pereger und; Plan-
orbis carinatus.
Von besonderem Interesse sind die Beobachtangen über das Vor-
kommen einer mit den Moulinieschen Ammen von Limax und Arion
nahezu übereinstimmende Form aus Paludina impura und Lymnaeus
pereger. Verf. glaubt berechtigt zu sein, diese Formen als Repräsen.
tanlen eines eigenen mit Redia und Sporocyslis gleichwerthigen Lar-
vengenus (Sporocystophora) aufzufassen und sucht die Deutung
dieser merkwürdigen Formen in der Annahme, dass der innere mit
Cercarien erfüllte Sack ein selbstständiges Individuum darstelle (Amme),
das nach Art der Redien im Innern des primitiven Embryo (Gross-
amme) entstehe, hier aber beständig von seinem Mutterthiere um-
hüllt bleibe. In Planorbis carinatus wurde eine Redia beobachtet, de-
ren Keime direkt zu Distomen sich entwickelten und bis zur Anlage
der Geschlechtsorgane in ihrer Amme verweilten. Das Excretions-
organ dieser Distomen bestand aus einer kleinen contractilen Blase
mit zahlreich gewundenen Gelassen. Eine schlanke Redia der Palu-
dina impura enthielt neue Monostomum-Cercarien mit grossen Augen.*
flecken und Schwanzfirste.
Dr. Weinland fand in der Leber der nordamerikani-
schen Physa heterostropha eine neue Cercarienart und ver-
mulhet , dass sich dieselbe in ein Distomum verwandele,
welches in den Lungen der nordamerikanischen Frösche und
Kröten häufig vorkomme (1>. atriventre n. sp.) Proc. Bost.
Soc. VL p.24.
Referent macht — und ebenso auch Moulinie 1. c.
p.lO — den Vorschlag, die Ordnung derTrematoden in zwei Fa-
milien : Distomea und Polyslomea zu trennen, die beide durch
lÖö Leuckarl: Bericht üb. d. Leistungen in d. INalurgeschiclite
Bildung der Haflapparate , Lebensweise und Enlwickelung in
auffallender Weise von einander verschieden seien. Nach-
träge und Berichtigungen u. s. w. S. 89. Beide Familien
werden in folgender Weise charakterisirt:
Fam. I. Distomea, Acetabulum aut unicum, medianum,
ab extremitate postica plus minusve remoturn , aut nullum
praeter os suclorium. Evolulio fit per metamorphosin et ge-
nerationem alternantem.
Fam. 2. Polystomea. Acetabulum terminale permagnum,
saepissime compositum et corneis partibus suffullum. Pone
os nonnumquam duo pori suctorii laterales. Evolutio semper,
ut videtur, sine metamorphosi.
Burmeister stellt ausser diesen beiden Familien, die
als Malacobothrii und Pectobothrii aufgeführt werden, noch eine
dritte auf, Aspidobolhrii mit der Galtung Aspidogaster. Zoo-
nom. Briefe II. S. 250.
., D i e s in g's Abhandlung über „neunzehn Arten von Tre-
matoden« Wien 1856. (bes. Abdruck aus dem X. Bande der
Denkschriften derK. Akademie) enthält ausser den — schon frü-
her in dem Systema helminlhum mitgetheillen — Beschreibun-
gen vortreffliche Abbildungen folgender meist von Natterer
in Brasilien gesammelten Arten: Diplostomum grande aus Ar-
deä Leuce undAgami;, Hemistoinum — • eine bei uns fehlende
Form — clßthratum aus Lutra brasiliensis, //. cordatum aus
Felis Catus ferus, H. pedatum aus Didelphys myosurus und can-
crivorus , Monoslomum liguloideum aus Vastres Cuvieri , M.
cymhium aus Himantopus Wilsonii, M. constrictum aus Abra-
mis brama , M. hippocrepis aus Hydrochoerus Capybara, M.
Spirale aus verschiedenen brasilianischen Sauriern , M. echi-
nostomum aus Sula fusca und Cathartes Aura, Vistomum lan-
cea aus Delphinus Tacuschl , Vist. orbiculare aus Cebus tri-
virgatus, D. dimorphum (D. marginalum Kud.}, welche letztere
Art ursprünglich, als junges und geschlechtsloses 1^2 — 4'"
langes Thier meist eingekapselt in verschiedenen brasiliani-
schen Fischen lebt, von da aber durch den Frass in verschie-
dene Sumpfvögel übertragen wird und hier zu einem ge-
schlechlsreifen Thiere von 3—4" Länge heranwächst.
B i 1 h a r z macht neue interessante Mittheilungen über
der niederen Thiere wahrend de» Jahref 1856. , 197
^Disloinurn haematobium und sein Verhällniss zu gewissen
pathologischen Veränderungen der menschlichen Harnorgane"
(Wiener med. Wochenschrift 1856. No. 4). Wir heben dar-
aus hervor, dass wenigstens die Hälfte der Bevölkerung ägyp-
tischen Stammes, Feliahs und Kopten, an diesem Parasiten
leidet. Zur Zeit der Eierlage bewegt sich das Männchen
mit seinem Weibchen im Canalis gynaecophorus gegen den
Blutstrom der Vena cava nach abwärts, bis in die Venen der
Beckenorgane, in denen das letztere sodann seine Eier ab*-
setzl. Eigenthümlich ist, dass Verf. zweierlei Arten solcher
Eier auffand und zwar nicht bloss in den Geweben der damit
imprägnirlen Unterleibsorgane, sondern auch schon im Ei-
leiter der Weibchen. Ein grosser Theil dieser Eier wird nach
dem durch die pathologischen Veränderungen der Beckenor-
gane bedingten Eintritt in die Harnwege mit dem Urin nach
Aussen entleert, worauf dann ein infusorienartiger flimmernder
Embryo aus der Schalenhaut auskriecht.
van Beneden liefert eine sorgfältige Beschreibung des
äusseren und inneren Baues von Octobothrium merlangi und
Axine bellones, die unsere Kenntniss über diese Thierformen
in mehrfacher Beziehung berichtigt und erweitert. Bullet,
acad. roy. de Brux. T. XXlll. No. 11 u. 12 mit 1 Tafel.
Ebenso von Epibdella Sciaenae n. sp. Ibid. No. 10 mit
1 Tafel. Das Gen. Epibdella glaubt Verf. als verschieden von
Tristomum aufrecht halten zu müssen. Die dahin gehörenden
Arten sind mit nur wenig entwickelten Mundsaugnäpfen ver-
sehen und tragen ihren grossen Bauchsaugnapf am Hinler-
leibsende. Der letztere ist ohne Strahlen , dafür aber mit
einem kräftigen Hakenapparate versehen. Die Hoden sind
ungelappt.
In anatomischer Beziehung neu ist die Entdeckung, dass eine
Anzahl grösserer Trematoden (Epibdella, Axine, Polystomum appendi-
culatum) neben der Geschlechtsöffnung einen besondern sehr ansehn-
lichen Drüsenapparat von unbekannter Bedeutung tragen. Ibid.
Von Hök erhielten wir Millheilungen über Calicolyle
Kroyeri Dies., durch welche die Angaben Diesing's mehr-
fach verbessert und (namentlich auch in Betreff des inneren
Baues) erweitert werden. Verf. fand seine Exemplare im Re^
198 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
dum von Raja balis, dicht neben dem After. Mit Trislomum
nahe verwandt (auch durch Anwesenheit zweier grosser
Haken am Acelabulum) ist dasselbe doch wegen Mangels der
zwei seillichen Mundsaugnapfc als Typus eines besonderen
Genus anzusehen. Öfvers. vet. Akad. Förh. 1856. No. 6. u. 7,
übersetzt in der Hallischen Zeitschrift für die ges. Naturwis-
sensch. 1856. S. 507.
Referent hebt hervor, dass das Gen. Gyrodactylus
keineswegs bloss aus geschlechtslosen Arien (Ammen) be-
stehe, sondern neben der einen geschlechtslosen Form (G.
elegans) noch zahlreiche andere Arten mit männlichen und
weiblichen Geschlechtsorganen besitze. Er giebt an , dass
er sechs solcher geschlechtlich entwickelten Arten unterschei-
den könne. Nachtr. und Berichtigungen zu van der Hoe-
ven's Zool. S. 92.
3. Cestodes.
ßurmeister widerspricht der Ansicht, dass der Band-
wurm ein zusammengesetztes Thier sei ; er sieht in demsel-
ben nur ein Individuum, das aber nicht gleichzeitig in sei-
ner ganzen Länge zur Geschlechtsreife gelange , sondern
allmählich „so wie ja auch die Henne jedesmal nur ein Ei lege<^
Zoonom. Briefeil. S. 223. (Wenn man, wie Burmeister,
auch die verästelte Pflanze nur als ein Individuum ansieht,
so ist das eine gewiss ganz consequente Schlussfolgerung.)
Referent, der schon früher (J. B. XXH. S. 382, auch
Nachträge und Zusätze zu van der Hoeven's Zoologie
S. 77—78) einige Mittheilungen über die Entwickelung der
Blasen- und Bandwürmer gemacht hat, stellt seine mehrjähri-
gen umfassenden Untersuchungen über diese thiere in einem
eigenen Werke zusammen: die Blascnbandwürmer und ihre
Entwickelung. Giessen 1856. (162 Seiten mit 3 lilhographirten
Tafeln). Nach einer historischen Einleitung, in der nament-
lich auch die Verdienste der älteren , zum Theil nur zu sehr
in Vergessenheit gerathenen Helminthologen in gebührender
Weise hervorgehoben wurden (S. 1—23), behandelt Verf. so-
dann in einem besonderen Theile (S. 29—78) die Zoologie
und sdiliesslich (S. 74— 158) die Enlwickelungsgeschichte der
der niederen Thiero während dej Jahres 1856. 199
Blasenbandwürmer, die letztere mit besonderer Berücksichti-
gung der Taenia serrata. Die Formen , die Verf. hier als
ßlasenbandwürmer zusammenstellt ( und S. 54 — 73 einzela
beschrieben hat), sind dieselben, d^ren Jugendzuslände frü-
her als selbstständige Thiere unter dem Namen Blasenvvürmear
(Cystici) beschrieben wurden. Sie bilde« eine auch zoolo-
gisch durch mancherlei EigenthümUchkeilen (Bildung des
Hakenapparates, der Eierschalen und Embryonen, vgl. S. 31)
charakterisirte Gruppe des Gen. Taenia. Ihre Eniwickelungs«
geschichle zeigt jedoch keineswegs irgendwelche wesent*
liehe Verschiedenheiten von der der übrigen Tänien und Ce-
sloden, wie Verf. u. a. durch eine nähere Beschreibung der
früher nur unvollkommen bekannten sog. „Tänienamme" aus
Arion rufus, die einen förmlichen kleinen Cysticercus dar-
stellt, im Speciellen nachweist (S. 150). Was die Blasenwür-
mer von den analogen Zuständen der übrigen Tänien (Cy-
sticercoiden Ref.) auszeichne!, ist nur die Grösse, besonders
der Schwanzblase, und die Ansammlung einer lymphatischen
Flüssigkeit im Innern derselben, v. Siebold bezeichnet
mit Rücksicht auf diesen letzten Charakter die Schwanzblase
der echten Blasenwürmer als „hydropisch" ; er schliesst dar-
aus dann weiter auf eine „Entartung," doch das sind An-
sichten , die ebenso ungerechtfertigt erscheinen , als wenn
Jemand die GraafT'schen Follikel der Säugethiere als hydro-
pisch und entartet bezeichnen würde. Ebenso unbegründet
ist die weitere Behauptung v. Siebold's, dass das Vorkorar
men der echten Blasenwürmer an den uns bekannten Lokat
lilälen auf einer „Verirrung" ihrer Keime beruhe (S. 150,
112 u. a. a. 0.), eine Ansicht, die übrigens, wie leicht eior
zusehen , mit der Annahme einer Hydropsie und Entarlung
auf das Engste zusammenhängt. Verf. trägt nach Erwägung
der Verhältnisse kein Bedenken, die Blasenwürmer in Ue-
bereinstimmung mit van Beneden und Küchenmeister
für gesunde und normale Entwickelungszustände gewis-
ser Bandwürmer zu erklären. Dem Letzleren schliesst sicii
derselbe auch insofern an, als er gegen v. Siebold (J.
B. XXII. S. 378) die einzelnen Blasenwürmer mit ihren aus-
gebildeten Bandwurmformen für verschiedene Arten er-^
klart und die Verschiedenheit derselben Iheils durph eine
200 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
genauere zoologische Beschreibung, Iheils auch durch die Re-
sultate seiner zahlreichen Futterungsversuche mit Blasenband-
wurmeiern und seine Beobachtungen über die Entwickelung
derselben im Speciellen nachweist. Besonders schlagend wi-
derlegt sich die v. Siebold'sche Identilätslehre durch die Füt-
terungsversuche, durch die es z. ß. wohl gelingt, den Coe-
nurus mit den Eiern der Taenia Coenurus zu produciren,
nicht aber mit denen von T. Solium oder T. serrata , wäh-
rend die letztere dafür und zwar wiederum ausschliesslich den
Cysticercus pisiformis der Kaninchen hervorbringt u. s, w.
Solche FQlterungsversuche hat Verf. mit den Eiern von sechs
verschiedenen Species angestellt: Taenia crassicollis, T. ser-
rata, T. e Cysticerco tenuicolli , T. Coenurus, T. Solium und
T. Echinococcus, bei den fünf erstgenannten Arten mit dem-
selben günstigen Erfolge, der im letzten J. ß. S. 375 auch in
Betreff der Küchenmeister-Haubner'schen Experimente hervor-
gehoben werden konnte (S. 38 — 54).
n'jnj Die Darstellung von der Entwickelung derßla-
Sö'iiband Würmer , die den umfassendsten Theil der vor-
liegenden Abhandlung bildet, beginnt mit der Schilderung der
Geschlechtsorgane und der Embryonalbildung, die früher zum
Theil wohl nur desshalb so unvollständig bekannt geworden
sind, weil sie sich nur in den vordem , sog. unreifen Glie-
dern beobachten lassen. Die Hoden bestehen aus zahlreichen
hellen Bläschen, wie solche auch von anderen Cesloden be-
reits bekannt sind , während die keimbereitenden weiblichen
Organe von einem flügeiförmigen paarigen Keimstocke und
einem ebenso paarigen Dotierstocke gebildet werden. Die
Befruchtung geschieht durch Selbstbegatlung , die sich ziem-
lich leicht nachweisen lässt. Die primitiven Eier, die in dem
anfangs ganz geraden und schlauchförmigen Uterus gefunden
werden, sind ohne Schale und auch sonst sehr eigenlhümlich
gebaut. Sie bestehen aus einem homogenen, hellen Keimbläschen
(Keimkorn Ref.), dem Produkte der Keimslöcke und einem an-
liegenden kugligen (aus den Dolterstöcken stammenden) Dot-
terhaufen , die beide in eine gemeinschaftliche Eiweissmasse
eingebettet sind. (Meissner polemisirt in seinem Jahres-
berichte, Zeitschrift für rationelle Medicin 1857. S. 632, ge-
gen diese Auffassung des Verf., weil j,es durchaus nicht an-
der niederen Thiere während des Jahres 1856. 201
zunehmen sei, dass so ein Ding^ wie eine Eizelle, sich so
allmählich, successive zusammen finde und aus einzelnen für
sich entstehenden Thcilen zusammen gruppire^S mit Gründen
also, die wohl zunächst nur einen subjektiven Werth besit-
zen dürften. Jedenfalls lässt sich darüber streiten — wenn
M. seinerseits aber das Keimkorn des Ref. selbst für das Ei
und damit für eine Zelle erklärt, so ist das entschieden irr-
thümlich und nur ein Beweis dafür , dass M. das betreffende
Gebilde niemals gesehen hat.) Die Entwlckelung des Embryo
geschieht ausschliesslich auf Kosten des Keimkorns, das sich
nach der Befruchtung zerklüftet und später in den kugligen
Embryonalleib verwandelt, ohne dass der daneben liegende
Dotter eine besondere Veränderung erleidet. Die sog. Ei-
schale ist eine sehr späte Bildung ; sie entsteht durch Isola-
tion und Erhärtung der Oberfläche des Embryonalleibes , ist
also keine Eihaut im gewöhnlichen Sinne des Wortes. Das
eigenlhümlich chagrinirte Aussehen derselben rührt von einem
dichten Besätze starrer Stäbchen her , die nach der Ueber-
tragung der Eier in den Magen eines warmblütigen Thieres
— bei Fröschen lassen sich die Eier, wie Ref. sich nachträg-
lich überzeugt hat, nach der Fütterung unverletzt im Darm-
inhalte und sogar im Kothe nachweisen — zerfallen und dann
den Embryo hervortreten lassen. Der freie Embryo durch-
bohrt mit seinem Hakenapparate die Darmwand seines Wir-
thes ; Verf. gelangt in das Blutgefässsystem — wo er denselben
bei den Kaninchen auffand (S. 110) — und wird mit der
Blutwelle den verschiedenen Organen zugeführt. Findet er
hier die nöthigen Bedingungen seiner Entwickelung, so ver-
grössert er sich zu einem bald kugligen, bald ovalen Kör-
per, der nach einiger Zeit durch Verflüssigung seiner Cen-
tralmasse eine bläschenförmige Bildung annimmt , sich auch
ziemlich bald (nur bei Taen. serrata, wie es scheint, etwas
später) mit einem reichen Gefässnetze überspinnt und schliess-
lich durch Entwickelung eines Tänienkopfes in die sogenannte
Schvvanzblase verwandelt. Während dieser Metamorphose sind
die Embryonen von einer körnigen Granulationsschicht, meist
auch von einer besonderen äussern Zellgewebscyste umge-
ben, die übrigens beide den Organen angehören, in denen
die Entwickelung der Parasiten vor sich geht. Trotz dieser
202 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Umhüllung" verändern manche Blasenwörmer ihren Aufent-
haltsort, wenn auch vielleicht nur sehr allmählich. Am auf-
fallendsten sind diese Wanderungen bei Cysl. pisiformis, der
fast ganz conslant die Leber der Kaninchen , in der er sich
zunächst entwickelte, durchbricht und in die Leibeshöhle hin-
einfällt, um in dieser sodann zum zweiten Male eingekapselt
zu werden (S. 127). Die Bildung des Tänienkopfes geschieht
durch eine förmliche Knospung- an der Innenwand des blasi-
gen Embryonalkörpers und zwar an derjenigen Stelle, an der
die sechs Embryonalhaken angebracht sind. Die Masse dieser
Knospen wird von Aussen her hohl, „als wenn ein Bohrloch
in dieselbe hineingetrieben würde." Die Höhlung im Innern
nimmt eine flaschenförmige Gestalt an, bildet am unteren Ende
vier radiäre Seilentaschen, die sich mit eigenen Muskelkappen
bedecken (Saugnäpfe) — und so verwandelt sich denn die
Knospe allmählich, wie Verf. genau beschreibt, in einen,
wie man gewöhnlich sagt , nach Innen umgestülpten ßand-
wurmkopf. Die äussere Substanzlage der Knospe, die sich
während der Entwickelung abhebt, bildet ein besonderes Re-
ceptaculum, in dessen Innerm sich schliesslich zwischen Kopf
und Schwanzblase die erste Anlage des spätem gegliederten
Bandwurmkörpers heranbildet. Bei Coenurus wiederholt sich
dieser Process der Kopfbildung an derselben Schvvanzblase,
ohne dass sonstige Verschiedenheiten mit den übrigen Bla-
senwürmern staltfänden, während Echinococcus sich in mehr-
facher Beziehung abweichend verhält. Diese Abweichungen
sprechen sich ein Mal darin aus , dass hier der blasige Em-
bryonalleib CEchinococcussack) erst zahlreiche neue, klei-
nere Blasen (Tochterblasen) im Innern hervorknospen lässt,
sodann auch darin, dass die Köpfe beständig in mehrfacher
Anzahl in ihren Blasen angelegt werden und öberdicss nicht
von Aussen , sondern vielmehr von Innen , d. h. von ihrem
freien Pole aus, hohl werden und desshalb denn auch niemals
nach Aussen aus ihrer Schwanzblase hervorgestülpt werden
können. Die Umwandlung der ßlasenwürmer in eine Band-
wurmkette geschieht bekanntlich erst nach Ueberführung in
den Darmkanal eines anderen Säugethieres, wobei die Schwanz-
blase (wie man auch durch künstliche Verdauungsversuche
in einer Brütmaschine nachweisen kann S. 156) durch Ein-^
der niederen Thiere während des Jahres 1856. 203
Wirkung der Magensäfte aufgelöst wird. Die Zeit, in der
die Enlwickelung der Bandwurmkelte vollendet wird, ist ver-
schieden ; sie richtet sich sehr wesentlich nach dem Enlwik-
kelungsgrade der Finne, besonders des zwischen Kopf und
Schwanzblase entwickelten Körpers. (Bei einem neueren Ver-
suche ist CS Ref. gelungen , aus einem sehr alten Coenurus
in zehn Tagen reife Bandwürmer mit ausgebildeten Embryo-
nen in den hintern Gliedern zu erziehen.) Wenn wir die
verschiedenen Enlwickelungsvorgänge der Bandwürmer vom
theoretischen Standpunkte aus überblicken , so erscheint uns
die Bildungsgeschichte dieser Thiere als ein zweifach wie-
derholter Generationswechsel. Verf. unterscheidet drei ver-
schiedene Generationen 1) den sechshakigen Embryo, das
Produkt der geschlechtlichen Fortpflanzung, 2) denTänienkopf
(Scolex), der sich durch Knospung im Innern dieses Embryo
entwickelt und 3} das geschlechtsreife Bandwurmglied (Pro-
glottis), das nach Verlust des ursprünglichen Embryonalkör-
pers (Schwanzblase) am hinteren Ende des Bandwurmkopfes
gleichfalls durch Knospung seinen Ursprung nimmt. Der
sog. Blasenwurm (Cysticercus) ist nach dieser Auflassung in
gleicher Weise, wie die gegliederte Bandwurmkelte (Strobila)
ein zusammengesetztes, polymorphes Individuum.
Prof. Mayer beobachtete einige Phasen der (von Ref.
in dem vorstehenden Werke ausführlich geschilderten) Em-
bryonalentwickelung bei den Blasenbandwürmern , ohne die-
selben jedoch vollständig zu verstehen und richtig zu deuten.
(Verh. des naturhist. Vereins der Rheinlande 1856. XlII.
S. LXI.)
Die noch in den reifen Eiern neben den Embryonen eine Zeit
lang deutlich persistirende DoUerkugel beschreibt derselbe als eine
granulirte Cyste, in der eine Menge feiner Körnchen sich befänden, die
wohl Samenkörperchen sein dürften , da die Cyste „ganz der Samen,
Kapsel der Ascariden ähnlich« sei. In einer früheren Mittheilung
(ebendas.) hielt Verf. sogar die sechs Embryonalhäkchen für beweg-
liche Samenfäden.
K ü c h c n m e i s 1 0 r's (von der medicinischen Gesellschaft
in Kopenhagen mit doppeltem Preise gekrönte) Abhandlung
„über die Taenia c Cyst. tenuicolli, ihren Finnenzusland und
die Wanderung ihrer Brut,« Molcschott's Untersuch, zur
2Ö4 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Naturgesch. des Menschen und der Thiere I. S. 259—378.
c. 2 tabb., beschäftigt sich theils mit dem auf eine genauere
diagnostische Untersuchung und Fütterungsexperimenle ge-
stützten Nachweise der Verschiedenheit von Taenia serrala,
T. Solium, T. e Cyst. tenuicolli und T. Cocnurus, theils auch
mit der speciellen Betrachtung sämmtliclier Entwickelungsstufen
der T. e Cyst. tenuicolli und enthält neben mancherlei interes-
santen Beobachtungen (über Finnenzucht u. s. w.) namentlich
auch eine Reihe von praktisch w^ichtigen Bemerkungen.
Die von derselben Gesellschaft gleichzeitig gekrönte
Abhandlung von Möller, om blaereormenes udvikling til
baendelorme i Almindelighed og om Cysticercus lenuicol-
lis udvikling til Taenia tenuicollis i saerdeleshed, Bibl. for
Laeger 1856. Juli ist in allen wesentlichen Punkten eine Be-
stätigung der Küchenmeister'schen Angaben , dürfte für die
deutschen Leser aber kaum irgend eine wichtige neue That-
sache enthalten , es sei denn die , dass Verf. durch Ver-
schlucken des Cyst. tenuicollis vergebens einen T. Solium in
sich zu erziehen versuchte, wie es doch nach der v. Siebold'-
schen Identitätslehre hätte gelingen müssen.
Baillet referirt in dem Journ. des veter. du Midi 1856.
(im Auszuge Rev. medic. 1856. p. 154) über die neueren,
die Entwickelung der Bandwürmer und Erziehung der Bla-
senwürmcr betreffende Beobachtungen und theilt dabei zu-
gleich das Resultat einiger eigenen Experimente mit.
Küchenmeister fütterte abermals (J. B. XXII. S. 378)
einen verurtheilten Delinquenten mit Schweinefinnen und fand
8 — 12 Tage später bei der Section drei bis etwa 72 Zoll
lange Tänien (Wiener W^ochenschrift 1856. S. 319), während
es Ref. gelungen ist, in einem jungen gesunden, vorher nie
bandwurmkranken Manne aus vier Schweinefinnen binnen 3
Monaten zwei ausgewachsene, d. h. mit reifen Progloltiden
versehene Exemplare von Taenia Solium zu erziehen. (Blasen-
bandwürmer S. 73.)
Die Untersuchungen, die Rainey über den Bau und
die Entwickelung des Cysticercus cellulosae veröffentlicht hat
(Proc. roy. Soc. 1855. Dec. ; Ann. and Mag. nat. bist. Vol.
XVIII. p. 486, l'lnslit. 1856. p. 420), scheinen ohne alle Kennt-
der niederen Thiero während des Jahres 1856. 205
niss von der wahren Natur der Blasenwüriner angestellt zu
sein und auf der Annahme zu fussen, dass diese Thiere
durch Gencraliü aequivoca entständen.
Die jüngsten Zustände der Schweinefinnen will Verf. im Innern
der Muskelbündel gefunden haben und zwar unter der Form eines
Zellenhaufens, der auf seiner äusseren Hülle einen eigenthümlich ange-
ordneten Besatz steifer Haare trug, üeber den Ursprung dieses Zel-
lenhaufens ist Verf. im Dunkeln gelieben, doch glaubt derselbe an-
nehmen zu dürfen, dass die Zellen aus Molecülen sich hervorbilde,
ten, die anfänglich in den Muskelcapillaren befindlich seien. Mittelst
des Haarbesatzes soll das junge Thicr dann später in die Zwischen-
räume zwischen den Muskelfasern auswandern, hier aber seine Haare
verlieren und schliesslich durch Einstülpung der äusseren Bedeckun-
gen den spätem Kopf bilden. Die Einzelnheiten dieses Vorganges sind
nicht näher beschrieben , doch enthalten schon die wenigen Notizen
über die Bildung der Haken so viele Irrthümer, dass wir den Mangel
ausführlicher Mittheilungen nicht beklagen wollen.
K j(. Die „Notes on a microscopical examinalion of „measled**
-and other pork by Smith'' in dem Quarterly Jour. niicr.
Sc. 185Ö. p. 4 — 7 enthalten eine ziemlich oberflächliche Be-
schreibung des Cyst. cellulosae mit rohen Abbildungen.
Es ch rieht publicirt Beobachtungen „über Echinococ-
cus" (Overs. kongl. danske vidensk. Selsk. Forh. 1856. p.
127—131, übersetzt von Creplin in der Zeilschrilt für die
ges. Naturwiss. Halle 1857 S. 231), die zunächst an mensch-
lichen Echinococcen aus Island (E. altricipariens Küchenm.)
angestellt sind. Im W^esentlichen stimmen die Angaben des
Verf. mit der Darstellung von G. Wag euer QJ. ß. XXII.
S. 379) und Ref. (Blasenbandwürmer S. 144) überein. Beson-
ders hervorzuheben ist , dass Verf. niemals eine Spur von
blasiger Erweiterung an den sog. Echinococcusköpfen auf-
fand und (mit Ref.) der Ansicht ist, dass die v. Siebold-
sche Angabe einer Umwandlung solcher Köpfchen in Blasen
auf einem Irrthume beruhe. Die kleinen Mutterbläschen der
Echinococcusköpfchen werden sehr prägnant als „Nester" be-
zeichnet. Was das häufige Vorkommen des Echinococcus in
I Island betrifft, so glaubt Verf., dass die Isländischen Hunde
(und Katzen?) ihre mit Tänieneier geschwängerten Excre-
mente möglicher Weise auf die getrockneten Fischvorräthe
absetzten und dadurch Gelegenheil zur Importation gäben.
206 Leuckarl: Bericht üb. d. Leislangen in d. Kalurgeschichle
(Nur ist hier zu bemerken, dass ein Austrocknen der Tänien-
eier nach unseren bisherigen Erfahrungen die Keimkraft der»
selben sehr bald zerstört.)
In BetrefF der bloss medicinisch interessanten Fälle von
Echinococcus u. s. w. verweisen wir auch hier auf das Re-
ferat von Will in den Schmidl'schen Jahrbüchern 1856. IV.
S. 427.
Davaine's Betrachtungen über Hydatiden, Echinococ»
cen und Coenuren (Gaz. med. de Paris 1856) sind nach einer
frühern Mittheilung schon im letzten J. ß. (XXII. S. 382) er-
wähnt worden.
Aubert liefert eine Beschreibung des seit Nord-
mann nicht wieder gesehenen Gyporrhynchus pusillus, aus
der mit Bestimmtheit hervorgeht, -dass dieses Thier den cy-
sticercoiden Jugendzustand eines Cestoden repräsentirt (wie
Verf. sagt „eine Cestodenamme ist," was jedoch insofern nicht
ganz treffend sein dürfte, als bei der Umbildung in eine ge-
gliederte Bandwurmkelle, doch gewiss ein grosser Theil des
Gyporrhynchus, die Schwanzblase nämlich, verloren gehl).
Zeitschrift für wissenschaftl. Zool. 1856. S. 274 293. Tab. XL
mit Nachtrag, ebendas. S. 525.
Der Gyporrhynchus besteht nach den Untersuchungen des Verf.
aus einem durchscheinenden Yorderleibe mit Kalkkörnchen, der, ganr
nach dem Typus des Tänienkopfes, mit vier Sauggruben und einem
doppelten llakenkranze versehen ist, und einem mit Fcttkugeln gefüll-
ten Hinterleibe, den Verf. (wie besonders deutlich bei Vergleichung mit
den vom Ref. inzwischen publicirten Beobachtungen über den cysli-
cercoiden Bandwurm aus Limax ruius hervorgeht) mit allem Rechte
als Schwanzblase in Anspruch nimmt. Der Hakenapparat wird von
10 grösseren und eben so vielen kleineren alternirend stehenden Häk-
chen gebildet, die eine sehr eigenthümliche Form haben, im Grunde
aber doch nur eine eigenthümliche Modifikation der gewöhnlichen Tä-
nienhaken (mit Kralle und zv^^ei Wurzelfortsätzen) darstellen. Derselbe
steht auf einem langen cylindrischen Rostellum, das aber in der Ruhe
meist nach Innen eingezogen ist. Der Bewegungsmechanismus dieses
Apparates wird ausführlich geschildert, scheint aber Ref. doch nur
unvollkommen erkannt zu sein, da die Anwesenheit des für Entfal
tung des Hakenkranzes so wichtigen Rüsselsäckchens dem Verf. ent«
gangen ist. Die nach Ref. überall bei den Tänien vorkommend
Hakentasche (die Küchenmeis ter irrthümlicher Weise früher al
ir
i
der niederen Thierc während des Jahres 1856. 207
charakteristisches Merkmal von Taenia Solium betrachtet wissen wollte),
sind auch bei Gyporrbynchus vom Verf. beobachtet.
'■''■ "^1f^ji*f. ftrüd den Gyporrhynchns an zwei Lokalitäten, in dem
Wä'rhie uiid in der Gallenblase der Schleihe. Am ersten Orte war
der Vorderleib des Thiers meist hervorgestreckt , das ganze Thier
nackt und frei beweglich. Die Exemplare der Gallenblase verhiel.
ten sich dagegen anders. Ihr Vorderleib war häufig in die Schwanz,
blase eingestülpt (ob freilich genau auf die vom Verf. beschriebene
Weise, möchte Ref. bezweifeln), und die Überfläche der Schwanzblase
mit einer besondern merabranösen Schicht von stark lichlbrechender
Substanz umgeben. Diese äussere Umhüllung der Schwanzblase liess
sich auch bei den Exemplaren mit vorgestrecktem Vorderleibe nach-
weisen , nur war hier der vordere Hand derselben unregclraässig
zerrissen und von lappiger Bildung. Ref. zweifelt nicht daran, dass
diese äussere Umhüllung der Schwanzblase eine accessorische Cyste
vorstellt, wie sie auch sonst bei den cysticercen Zuständen der Cci-
stoden vorkoinmt, dass die Gyporrhypcheq der Gallenblase mit ande-
ren Worten eingekapselte Helminthen sind. Er wird in dieser Ansicht
l^och durch die. weitere Angabe des Verf. bestärkt, dass die Haken
dieffer Thiere eine weniger ausgebildete Form besitzen , al» die der
freien Exemplare des Darmkanals. Offenbar geht die Entwickelung
der Gyporrhynchen aus den sechshakigen Embryonen, wie auch Verf.
annimmt, in der Gallenblase vor sich, und zwar, wie bemerkt, im
Ipnern einer Kapsel, wie bei den übrigen Cysticercen. Leider gelang
.e* unserem Verf. nicht, solche frühen ^ntwickelungsstadiep aufzufin-
jden , denn das in Fig. 9 abgebildete Körperchen dürfte wohl kaum
in diesem Sinne ausgelegt werden dürfen. Auch die Embryonalhäk-
chen wurden nicht aufgeiunden, vielleicht nur desshalh, weil sie nicht
,am rechten Orte, der üebergangsstelle des Vorderkörpers in die
.Schwanzblase (vergl. lief. Blasenbandwürmer 5.1^2}^ gesucht, wurden.
Die geringe Grösse der Haken wird daran kaum die Schuld tragen,
denn die Tänien, deren Embryonen in Kallblütcrn zur Enlvvickelung
kommen, haben sehr allgemein viel grössere Embryonaihaken, als die
echten Blasenbandwürmer. Eigenthümlich und neu für unsere Kennt-
nisse von der Lebensgeschichte der Cysticercen resp. Cysticercoiden
ist der Umstand, dass unser Gyporrhnchus nach vollendeter Entwicke-
lung seine Cyste durchbricht und aus der Gallenblase in den Darm
seines Wirthes auswandert. Dass derselbe hier seine Ausbildung zu
einer Taenia erhält, ist höchst unwahrscheinlich; viel näher liegt die
Verrauthung, dass er mit den Excrementen entleert wird und dann
auf irgend eine Weise in einen neuen VVirth einwandert. Der aus-
gebildete Zustand unseres Gyporrbynchus würde sich bei der specifi-
schen Bildung seiner Haken leicht erkennen lassen, wenn diese Ha-
ken nicht sehr leicht ausfielen.
208 Leuckarl: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
In dem Nachtrage beschreibt Verf. das von ihm früher überse-
hene Gefässsystem, das aus zwei Paaren ungleich entwickelter Längs-
stämme besteht, die im Vorderende des Kopfes einen Ring bilden und
hinten in der Schwanzblase durch eine deutliche OefTnung ausmün-
den. Flimmerhaare konnten in den Gefässverästelungen nicht aufge-
funden werden.
Bei Taenia (Liga) punctata n. sp. sah Weinland die
fadenförmigen Spermatozoen in zwei Stücke zerbrechen und
beide sich dann selbstständig weiterbewegen. Proc. Bost.
Soc. VI. p. 60. Ebendas. werden auch einige kurze Angaben
über die Geschlechtsorgane der genannten Art und die Bil-
dung ihrer Eier gemacht.
Referent liefert in seiner Abhandlung über die Blasenband-
würmer eine auf selbstständige Untersuchung gegründete Beschreibung
folgender Tänienarten : T. crassicoIlisRud. (= T. e Cysticerco fascio-
lari) , T. laticollis Rud. , T. serrata Göze (= T. e Cyst. pisiformi) ,
T. marginata Ratsch? (= T. e Cyst. tenuicolli), T. Coenurus v. Sieb.
(= T. e Coenuro cerebrali) , T. Solium (= T. e Cyst cellulosae),
T. mediocanellata Küchenm., T. crassiceps Rud. (= T. e Cyst. longi-
colli), T. polyacanlha n, sp. , aus dem Darmkanale des Fuchses, T.
intermedia Rud., T. tenuicollis Rud. (= T. e Cyst. Hypudaei Kü-
chenm. und wie ich jetzt nach neueren Untersuchungen von Kü-
m eist er und m[i|r_^ hinzufügen kann = T. e Cyst. Talpae), T.
Echinococcus v. Sieb. (= T. ex Echinococco scolecipariente Kü-
chenm.), denen weiter noch einige Bemerkungen über die möglicher
Weise gleichfalls von einer Echinococcusart abstammende T. nana v.
Sieb, hinzugefügt sind. A. a. 0. S. 55—73. Für T. serrata, T. So-
lium, T. e Cyst. tenuicoili und T. Coenurus verweise ich ausserdem
noch auf die oben erwähnte Abhandlung Küch en meist er's in Mole,
schott's Untersuchungen L S. 266—294.
Wein 1 and überzeugt sich von der Identität des nordamerika-
nischen Menschenbandwurms mit der Taenia solium. Ebenso hebt
derselbe das Vorkommen des europäischen Cysticercus pisiformis in
dem Lepus americanus und des Cyst. fasciolaris in der nordamerikani-
schen Ratte (M. decumanus) hervor. Bei dem nordamerikanischen
goldgeflügelten Spechte wurde eine neue Tänie (f. punctata W.) ge.
funden. Proc. Bost. Soc. VL p. 25.
Eine Beschreibung dieser letzten Art findet sich ebendas. p.60,1
wo dieselbe zugleich , mit Rücksicht auf einige (wie Ref. glaubt,<|
unzureichende) Besonderheiten im Baue der Geschlechtsorgane als Re.
Präsentant eines besonderen neuen Cestodengenus Liga betrachte||
wird. Da Verf. verspricht, seine Beobachtungen über L. punctata aQJ
der niederen Thiere während des Jahres 1856. 209
einem anderen Orte im Detail darzulegen, so dürften wir unsere Be^^
merkungen darüber wohl bis später aufschieben.
Auch Leidy erwähnt das Vorkommen von Taenia solium in
Nordamerika und zählt ausserdem noch 15 andere nordamerikanische
Arten des Clen. Taenia auf, von denen 5 neu: T. lalicephala aus lly-
strix dorsata; T. pestifera aus Mololhrus pecoris und Dolichonyx ory-
zivora; T. slrigis acadicae ; T. laclea aus Tropidonotus sipedon ; T.
gibbosa ausLamna? Ausserdem führt L. noch auf: Dibothrium puncta-
tum Rud. und Ligula monogramma Crepl., ersteres aus Piatessa plana,
letztere aus Morrhua ^americana und Leuciscus pulchellus. Proc.
Acad. Phil. 1855. p. 443 u. 444.
T. giganlea n. sp. aus dem Darme von Rhinoceros africanus',^
Peters Berl. Monatsber. 1856. S. 469.
van Beneden spricht sich (wie Ref. a. o. a. 0.) öffent-
lich für die Artselbständigkeit der Taenia mediocanellata aus, PInstit.
1856. p. 229. (Ref. will bei dieser Gelegenheit erwähnen, dass er
unter den der Giessener Universität zugehörenden v. Sömmerring'schen
Helminthenvorräthen unlängst ein Glas fand, in welchem sich neben
einem Stück Bothriocephalus latus und Taenia Solium ein eben sol-
ches Stück von T. mediocanellata befand, offenbar um die Verschieden-
heil der in allen drei Präparaten sehr schön durchleuchtenden Frucht,
halter daran zu demonstriren.)
Ransom beobachtete in dem Stuhlgange eines jungen Mäd-
chens lange Zeit hindurch zahlreiche Bandwurmeier, die sich durch
ihre glatte Schale von den gewöhnlichen Tänieneier unterschieden,
auch nicht von Bothriocephalus abstammten. Verf. schliesst daraus
auf die Existenz einer neuen, noch unbekannten menschlichen Band,
wurmart. Med. times and gaz. 1856. T. XII. p. 598. (Sollten die
Eier vielleicht von Taenia Echinococcus abstammen? Ref.)
4. Turbellarii«
Leydig leugnet (wie früher schon M. Schnitze) die
Existenz einer eigenen Darmhaul (lunica propria) bei den Tur-
bellarien und erklärt dieselbe für ^die Grenzschicht einer ho-
mogenen Bindesubslanz , die continuirlich und areolär dei^j
Körper durchziehe und nach innen die Darmzellen trage." Vgl.
Histologie S.346.
Pharyngocoela (Planarieae). VonM. S. Schultze er-
hielten wir „Beiträge zur Kennlniss der Landplanarien, nach
Mittheilungen des Dr. Fr. Müller in Brasilien und nach
eigenen Untersuchungen.« Abhandl. der naturf. Gesellsch. in
Archiv f. Naturgcsch. XXIII. Jahrg. 2. Bd. Q
OHO Leuckart: ßeritht üb. d. Leistungen in d. r^aturgeschicKfe
Halle ^t 858. Bd. IV. S. 19 (auch als Separalabdruok Halle
1857), eine Schrift, die uns einen überraschenden Aufschluss
über die reiche Fauna der Landplanarien in den feuchten Ur-
wäldregionen der tropischen Gegenden giebt.
Die Landplanarien, für die hier der gewiss sehr zu empfehlende
neue Genusnamen Geoplana Müll. \n Vorschlag gebracht wird,
zeichnen sich ohne Ausnahme durch einen sehr langgestreckten und^
hohen, mitunter fast nemertinenartigen Habitus und eine beträchli*
che Grösse, meisV ai^ph durch bunten Farbenschmuck und Anwesen-
heit von Augen aus. . Ihre innere Organisation stimmt, so weit
sie erforscht ist, in fast allen Punkten (Lage der MundöfTnung gegen
das hintere Körpcrdritttheil , dendrocoelc Bildung des Darmkanales,
Einfachheit der Geschlechtsöffnung) mit der der grösseren Süsswasser-
planarien überein, nur ist ihr Pharynx nicht einfach cylindrisch, son-
dern trompetenartig , mit mehr oder minder tief gelapptem Rande,
wie bei vielen grösseren Seeplanarien. Ihre Nahrung besteht wahr-
scheinlich niemals (wie D arvin angab) aus Pflanzenstoffen, sonderii
aus einer thierischen Beute. . . . .
_n M ü 1.1 e r i)e(;^bachtete . ^n seinem Wpt^iipirt^, (CiPiIonip ßluyneppu iß,
SödbrasiUen) 13, meisjt.ijsiemlich \\^üiig& A\V^^ ; Q' trisitrialaf G. PQto,^
striata, G. elegans ^ G. pallida ^ G. alra , G. marginataf G, jufivenlfis<i
G. plivaceqy G. Nepkeiis ^ G. Maccimüiani , G. marmorala,G» pulcheUa,
G\^SMhterranea , von denen nach Schultz e's weiteren Bemerkungen
freilich wphl G.elegans mit D arvin's PI. (Geoplana) vaginuloides und
G. olivacea und jyiaximiliani mit Darvin's G. puila identisch sein |c|ürfte.
Besonders eigenthümlich ist die letzte Älüller'sche Art, die nach Art
d^r Regen\vürmer.und Engerlinge den vielfach durchlöcherten, locke*»
ren Erdboden durchwühlt und fast ausschliesslich von einer neuen
(oben erwähnten) Art des Gen. Lumbricus sich ernährt. üeberein-
stimmend mit dieser Lebensweise ist die cylindrische Form des Leibes
(Länge 2 — 3, selbst über 4 Zoll, Breite kaum ^/^ Linien), die voll-
ständige Abwesenheit der Pigmente und Augenflecke.
Zählt man zu diesen 11 — 13 von Müller neu beobachteten
Arten die von Darvin (J. B. XL S. 273) beschriebenen 10 Species,
so wie ferner den von Blanchard (J. B. XXII. S. 388) untersuch-
ten— freilich, wie Seh. hervorhebt, sehr irrthümlich aufgefassten —
Polycladus Gayi und den Leidy'schen Rhynchodesmus sylvaticus (J. B.
XX. S. 346) , so wie die schon von ü. Er. Müller beobachtete, von
Dujes und später auch von Er. Müller bei Greifswalde wieder
aufgefundene Planaria terrestris , so beläuft sich die Anzahl der bis
jetzt bekannten Erdplanarien (Geoplana) auf 24 — 26 Species, denen
M. Schnitze selbst noch eine weitere brasilianische, von Bur mei-
st er gesammelte Art, G. Burmeisteri hinzufügt.
ohi-i
d«r niederen Thi^re wahrend dfslfihre^' 1^0. ,•, ■ 211
Aus idcn anatomisch . histologischen Notizen über le^t^re A^rit
^eben wir die von Schnitze cpnstatirte Anwesenheit von Klimmerr
Zellen auf der äusseren Haut , und d^^olUtändigen Mangel aller s^ftbj
chenförmigen Körper hervor.
Als weitere neue Arten erWäniie^' 'wit xLepiofXana pal^lar^
n. sp. Cap d. g. H.; Dioncus (n. geii.) badi^s n. Sp. und D. oblohgUs
n. sp.^ beide von Port Jackson; Thysanoioon ausirale n. 6p(. ebenda-
her. Stimpson Proc. Acad. Phil. 1855. p. 380. .j\ii\}} ^U'>fii)
Das neue Genus Dioncus trägt folgende I)tagikO§e!j CJor)>)lJ^
pl^anum, dilatatum. Caput corpore continuum. Os subcentrale. Qcelli
numerosi, in umbones duos claros subdistantes disposili. Maricolae. .
Planaria frequens n. sp. und MonocelU agilis n. sp.,, Leidy
Invertebr. Fadna of Rhode-Island and New- Jersey, 1. c.^p. liJ. ' /'
Jihynchocoela (^QiüQxlimj. Huxley spriclil sjc^'in 6ö-
treff' des Verdauungsapparafs d,er pi.ernerlinen in einer mit
Rathke, Re fereht/ Sbnill'fz'e 'ü^ Ä.' äyereihstimmerirfe^ff
Weise und gegen QuatrefageS^'atfsJ ' Löfclüre tllt' L. c.
XIII. p.280. ' ■■>';'^"- ■''''> v'^^;:|'' ^l-'''v.iib',hb2
yalencinia annulaia p. sp. Cap d. g,u.','Pol%arhomhoidaiu
n. 8i)^''Porl Jackson; P. grisea n. sp. I^äsle Von Vifg^tnisl ; Teiräilenühä
incisum Cap d. g. H. ; Meckelia olivacea n. sp. eb^ndaberr< Stimp«.
#on 1. c. p. 390. .ii)..jiiri i i ') / 1 il o i I ci (Jov
Neviefleji .socialU n. ap. , JUecheUm -iilgMs mt \ «pH» I iiß i 4^^ iliiiil^d
•>(irfji»jlri')V ofJilö !i'^ i!j>!/l :iMil')ni!i{{/I')il) nym^f (i'jlUrl
•iuhma iii9fil*) Jim rjdß
Was die systematische Sldturig der Räderthiere betrifft,
so. hat sich Burrhelsler (gegen V ogt, Jf. ß.^X^n. S. 390)
neuerdings sehr entschieden wieder Tür die Krebsnäiur der^
selben ausgesprochen , und zwar auf Grund der allgemeinen
Aehnlichkeit, die viel höher zu schätzicn sei,., alSi,einÄciln.e sog»
^öhlscheidende*^ Charaktere, wie Anwesenheit oder Abwese«^
heit eines Flimmerepilheliums u. s. w. „Noch einige VVorl^
über die systematische Stellung der Räderthiere'' in der Zeit-
schrift für wiss. Zool. VIII. S. 152 und zoonomische Briefe II.
S. 376.
Auch Dana wiederholt seine früheren ^ngpben von
der Krebsnatur der Roliferen, Anier. Jour.n. of Arls and Sc.
XXII. p.25. ;;^''^
Die schon im lelztcn J. B. (XXU. S. 394) nach einer
212 Leuckart: Bfencht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
vorläufigen Mittheilung erwähnten Untersuchungen von Gosse
über die Kauwerkzeuge der Rotiferen sind jetzt in den
Philos. Transact. 1856. p. 419--453 ausführlich publicirt und
durch zahlreiche Abbildungen Tab. XVI— XVIII erläutert. Nach
der Ansicht des Verf. bestehen diese Kauwerkzeuge aus
zwei Kieferpaaren, Mandibeln (mallei Ehrbg.) und Maxillen
(incus Ehrbg.) , welche letztere auf einem gemeinschaft-
lichen Grundstück (fulcrum = cardo) aufsitzen. Wo die
Kauwerkzeuge nach Aussen vorgezogen werden können, da
bilden die Ränder der MundöfTnung (mastax) im Umkreise der
Kauwerkzeuge mitunter eine vordere und hintere Falte, ein
Labrum und Labium. Taster fehlen beständig, in vielen Fäl-
len auch die Lippen; es giebl sogar Arten , deren Kauwerk-
zeuge sich auf die Maxillen beschränken.
Derselbe stellte neue Untersuchungen über die Ge-
schlechtsverhältnisse der Rotiferen an und entdeckte die Männ-
chen von verschiedenen ßrachionusarten , Synchaeta tremula,
Polyarthra platyptera, Sacculus viridis und Melicerta ringens,
so dass man kaum noch länger an der AUgeiT^einheit der zuerst
von Bright well beobachteten interessanten G^jchlechtsver^
hältnisse uftter den Rotiferen zweifeln kann. In all^" jenen
Fällen waren die Männchen klein und ohne Verdauungsap^^^'^t^
aber mit einem ansehnlichen Hoden versehen, wie die frülil?r
schon bekannt gewordenen Zwergmännchen. Proc. roy. Soc.*^
l856;.;,Apr..,qder Ann. and Mag. nat. hist. XVIIl. p. 335.
/.,} / W«^»*<Vn erwähnt gelegentlich (Quarterly Jouru. micr. Sc. 1856.
p. 123 Anm.) eines in Ostindien vorkommenden Räderthieres mit Ga-
belfuss und Schwanz, das mit Hydatina verwandt sein soll.
Weisse macht auf die Identität der vonBailey in Nord-
amerika aufgefundenen Limnias annulatus (J. B. XXII. S. 395) mit sei-
ner L. Melicerta aufmerksam. Zeitschrift für wissensch. Zool. VIIL
S. 302.
3. DryoEoa*
Nach den Beobachtungen von Huxley entstehen die
Eier der mit besonderen Eikapseln versehenen Bryozoen (Bu-
gula avicularis) nicht in den letzteren, sondern, wie gewöhn-
lich, in den Thierzellen, in denen auch zugleich die Samen-
fäden entwickelt werden. Die Eikapseln fehlen anfangs ; sie
entstehen erst nach Entwickelung der Eier durch Ausstülpung
der niederen Thiere während des Jahres 1856. 213
aus der Thierzelle , nehmen aber dann das inzwischen be-
fruchtete Ei in sich auf. Der Hoden liegt bei allen unter-
suchten Arien des Gen. Bugula undScrupoct^lIaria im Grunde
der Thierzelle , während das Ovarium , das übrigens nur
seilen mehr, als ein oder zwei Eier entwickelt, seine Stelle
wechselt. Note on the reproductive organs of cheilostome
Polyzoa, Quarterly Journ.. imicr. Sc. 1856. p. 191-^192.
ßurme ister machte den Versuch, die ungeheure Menge
der Fluslra-Individuen an den Pflanzen des grossen Sargas-
sumfeldes im Atlantischen Ocean einer approximativen Schät-
zung zu unterwerfen und ermittelt (bei massigen Ansätzen
der Bereclinung) bloss an den runden Blasen derselben die
Summe von 135 Billionen. Geologische Bilder II. S. 89.
Allm an's wichtige Monographie der Süsswasserbryozoen (Lon-
don 1856) wird im nächsten Jahresberichte ausführlich besprochen
werden.
Leidy beobachtet auf Rhode -Island und New -Jersey neun
Bryozoen, von denen 4 neu sind: Escharina variabiliSf Alcyonidium {!)
fellucidum ^ Bowerbanhia graciUs und Pedicellina rtmcrtcana/ - Journ'.
Acad. Phil. III. P. 2. p. 142. - t
Busk beschreibt die von Mac Andrew an der Küste von
Norwegen und Finnland gesammelten Bryozoen , Ann. and Mag. nat.
bist. Vol. XVII. p. 32. Mit 1 Tafel. Unter den 14 aufgeführten Arten
sind 4 neu : Eschara leres, JE. Skenei, JE. saccata, E. rosacea. Ausser
ihnen werden vom Verf. noch abgebildet: Cellepora cervicornis, Idmonea
atlantica, Hornera frondiculata, Defraucia truncata und D. stellata?
Weitere neue von Busk beschriebene und abgebildete Arten
sind folgende: Membranipora denticulala , M. golhica y M. sp. n.?,
Lepralia marginipora Reuss?, L. hutnilis f L. hippocrepis , L. Maial»
lanica, L. adpressa, L. atrofusca, L.rostrata, Cellepora papillaeformis\
C. cyclostoma , Defrancia inlricata , sämmtlich aus dem Californischen
Meerbusen. (Quarterly Journ. micr. Sc. 1856. IV. p. 176 ff.).
Membranipora hexagona Busk (= Fluslra coriacea Johnst.) De-
vonshire, Lepralia ringens Schottland, L. ßssa Guernsey, L. lata Str.
von Gibraltar, L. paUariana Moll. Tenby , I. Landiborovii Johnst.
Guernsey, L. punctata Hass. Gibraltar, L. californica Calif., Alysi-
dota (n. gen.) Alderi , Eschara cribraria Johnst. , Alecto granulala
Thomps.? Ibid. p. 308 ff.
Buskia (n. gen.) nitens Aid. n. sp., Farella pedicellala n. sp.,
Alcyonidium mamillatum n. sp. und Ä. albidum n. sp. , alle vier YOq
der engl. Küste. Ibid. T. V. p. 24 IT, -
214 Leu c k a rt : Bei'ifeht üb.' <iJ fi^istüngi^B li» dl Nftlurgeschichte
^^ ^^C^liirj g'etl. n, Alyiidöta Busk. Cells disposed in a single
seriei:^ branching irregularly ; one cell arising from another by a
^road tiase. Surface ugually ßunctureid. (Hierher auch Lepralia^ 1^-»
^9saBuskO ;,„u!7K70 W:L ! :;'ndKv/ „ sM-mnidT ' ' ?>
j ; Char. ge». n. ßuskia Alder e fam. Vesiculariad. Polyzoary
Goriieoui;, consisting of a sleuder , tubulär, creeping fibre, with cells
dövelop'ed at intervals. Cells ovate, adhering through their Whole
length ^ generally with' lateral spine-like processes , also adhering;
orifice terminal and circular. Polypide with eight tentacle^, issuing
f^^^i^^a^Ä^f^ibi pl fa8,9iculated s«tae.^.,| ;i {jh
-Ifin-ri ("jvÜHiJiixo'Ki-;'-; •i'!"!\j i'rri'i'H — ' '■i'lifjii;"'.
, ., , II.,,,£Glilno,deriii£|ta*
l)ai^6 tfü'kV^y 'tfiö EöMWöaermen nicht all eine eigene
Thifergtüppe betrachtet, sondern den Würmern zurechnet und
zuriacÜsl an die Anneliden anreiht, ist bereits früher erwähnt
worden..^ .Wir müssen in der That auch zugeben,, dass zwi-
sci^^n diesen beiderlei Formen manche Uebereinstimmung^a
undc^Analogieen stattfinden; aber einstweilen scheint uns .im"
mer noch — bei den doch unleugbaren, grossen und auffal-
Ij^den ißigenthürnliciiikßiten der Echinodermen — die zweite
der von Huxlfiy.ift^BetreiF- der Stellung unserer Thiere
hörvorgehobenen Alternativen, die dahin geht, dieselben als
den Typus einer eigenen Abiheilung des Thierreiches zu be-
tf^cfit.^rt', ' 'deW Vorkug zu verdienen. Der Gesammthabitui
unserer Thiere , ihr Skelet und Ambulacralapparal, auch die
Art dei* Entwickelung und die Bildung der Larven scheinen
die eigenthümliche Stellung derselben zu rechtfertigen und
einstweilen immer noch schwerer in's Gewicht zu fallen, als
die Aehnlichkeiten in der Entwickelung der vegetativen Or-
gane, die doch einstweilen allein zu Gunsten der Huxley'scheln
Auffassung geltend gemacht werden könnten, .nvn.nw
■■'^ Ihfi Uebrigen können wir die Schilderung^ dejs Echino-
dgtmenbaties, die uns die Vorlesungen Huxl ey^s^ (Lect. IX.
r: c. VolXin. p. 537i 586 und 635) bieten, nur in empfeh-
lerider Weise hervorheben. Besonders gilt dieses von der
Darstellung des äusseren Baues, in Betreff des Anatomischen
erwähnen |:Vyir> da;ss Verf. -^ nach den bisherigen Erfahrung
gen jedenfalls mit Unrecht — die Selbstständigkeit desAni'^
der niederen Tbiere während des Jahres 1856. 215
bulacralg^efässsystenis bei unseren Thiei*en bezweifelt und die
ältere Ansicht von dem Zusammenhange desselben mit den
Blutgefässen (pseud-haemal vessels, wie'bei'diön Anneliden
vgl. oben S. 174) wieder wahrscheinlich zu machen sucht.
Gegen baur bemerkt, dass das Körpergewebe der
Echinodermenlarven seiner Hauptmasse nach aus ßindesubstanz
bestehe. Dieses Arch. 1856. I. S. 166. Anm.. j"^j^;.^jV" ^- ^^
Die Muskelcylinder der Echinodermen sind nach Ley-
dig bald homogen, bald auch in keilarlige Stücke gesondert,
die dann , wie die Scheibchen der quergestreiften Muskelfa-
sern , dicht in einander geschoben sind. Vergl. Histologie
S. 135.
Bur meist er bezeichnet (zoonora. Briefe I. S. 201 ff.)
die Echinodermen als „Strahllhiere (Radiata)* und unterschei-
det in der Klasse derselben die Echinodermen s. st. (mit (Jen
Crinoideen , Asteroiden und Echinoideri) un'd die Scylodeir
men (mit den Gruppen der Pedala und Apoda).
Auch Referent weicht in der Eintheilung der Echi-
nodermen von der üblichen Sitte ab und macht den Vor-
schlag , die Ophiuren , Asteriden und Echiniden auf Grund
ihrer vielfachen üebereinslimmung in Bau und Entwickelung
zu einer gemeinschalllichen, den Crinoideen und Hololhuri-
deen gleichwerthigen Gruppe (Aclinozoa) zu vereinigen. Naphr
träge und Berichtigungen u. s. w. S. 63.
Von Lütken erhielten wir eine Abhandlung „über die
an den Dänischen Küsten vorkommenden Echinodermen^
(Videnskab. Meddels. 1856. p. 88—110) mit kritischen Excur-
sen über einzelne Arten.
Verf. zählt im Ganzen 23 Species auf, 4 Holothurien: Cucumaria
elongata Düb. et Kor. , Thyonidiutn commune Forb. ; Th. hyalinum
Forb. (= Ilolothuria pellucida Zool. dan); Psolus Phantapus Strus«.
senfeldt; 6 Echiniden: Echinus droebachiensis 0,. Fr. Müll. (== £.
neglectus Forb.); E. esculenlus L. (= E. sphaera Zool. dan.) ; E. mi-
liaris Leske (= E. virens Düb. el Kor.); Echinocyamus angulosns
Leske (= Spalangus pusillus Zool. dan.); Amphidotus cordalus Penn.
(a= Sp.- flaye^cens Zool. dan.)^ Spatang,uii purpureus ; 6 Asteriden:
Asteracantliion rubens M. Tr. (= Asterias violacea Ehrbg.); Cribella
sanguinolenla Zool. dan. (= Echinasler Sarsii ai. Tr.); Solaster pap-
posus L.; S> Godeca L, Astropecten Müller! M< Tr ; A. squamatus M.
216 LeucUart: Bericht üb. d. Leistungen in d. TS^aliirgeschichte
Tr. und 7 Ophiurea: Ophiura ciliala Retz. ; 0. albida Forb. ; 0. squa-
inosa Lütk. ; Ophiopholis aculeata Zool. dan. (= Ophiolepis scolo-
pcndrica M. Tr.) ; Amphiura filiformis Zool. dan.; A. Chiajei Forb.?
(= Ophiolepis Sundevalli M. Tr.) ; Ophiolhrix fragilis Zool. dan.
Ebenso ein Verzeichniss der Grönländischen Echinoder-
mcn, Nalurhist. Bidrag elc. p. 181
mit9 Holothurien (2 Sp. nn.), 1 Echinus, SAsteriden (QSp. nn.),
11 Ophiuriden (vgl. J. B. XXII. S.409). Die neuen Arten sollen in
einer besondern kleinen Schrift über die Grönländischen Echinoder.
nien später beschrieben werden. Einstweilen erfahren wir bloss de-
ren Kamen. (Die betreifende Schrift ist so eben, 1857, erschienen
und wird im nächsten Jahresberichte ihre nähere Berücksichtigung
finden.)
Wenn wir hier schliesslich auch noch die paläonlholo-
gische Abhandlung von J.Müller „über heue Echinodermen
des Eifeler Kalkes^^, Abhandlungen der k. Akad. der Wissen-
schaften 1856 (als Separalabdruck 1857) mit 4 Tafeln. Berl.
Monatsber. 1856. S. 353, anziehen, so geschieht solches nicht
bloss desshalb , weil dieselbe durch Beschreibung neuer For-
men (Arten und Genera) und zahlreiche kritische Bemerkungen
für das Studium fossiler Crinoiden wichtig ist, sondern na-
mentlich desshalb , weil sie uns einen höchst merkwürdigen
„Seeigel mit schuppenförmigen Tafeln« kennen lehrt, Lepi-
docentrus (n. gen.) Eifelianus Müll., dessen Interambula-
cra überdiess durch fünfLängsreihen von Tafeln gleicher An-
ordnung gebildet wurde. Aehnliche Formen finden sich
übrigens auch in den devonischen Schichten des Rheinischen
Gebirges.
Holothuriae,
Von Koren und Danielsse n erhielten wir höchst
interessante Aufschlüsse über die Entwickelung der Hololhuria
tremula, die auf einem sehr viel einfacheren Wege vor sich
geht, wie bei den von J. Müller (und Krohn) beobach-
teten Formen und durch keinerlei provisorische Organe ver-
mittelt zu werden scheint.
Die Eier dieses Echinoderms wurden von unseren Verff. von
der Oberfläche des Meeres aufgefischt. Sie maassen etwa ein Viertel
Millimeter und enthielten theils Dotter im Stadium der Furchung,
tbeils rundliche Embryonen mit uniformem Flimraerkleide. Diese
der niederen Thiere während des Jahres 1836. 217
letzteren nahmen nach dem Ausschlüpfen sehr bald eine birnförmige
Gestall an und zeigten an dem einen , zugespitzten Ende eine Oeff-
nung, die in eine ziemlich weite und flimmernde , von einer eigenen
Membran ausgekleidete Höhle (Magenhöhle) hineinführte. Kurz dar-
auf bildete sich hinter der Mundöffnung , im Umkreise des vorderen
verengten Magenendes (Speiseröhre) ein heller King, von dem ein
Seitenzweig an die ziemlich dunkle Körperbedeckung abging , um
hier , in einiger Entfernung hinter dem Munde auf der convexeren
Rückenfläche durch einen eigenen Porus auszumünden (Steinkanal).
Die Bildung der fünf ersten Tentakel bezeichnet eine neue Entwicke-
lungsstufe. Dieselben erscheinen als keulenförmige blindgeendigte
Ausstülpungen des llinggef.lsses , die im Umkreise der Mundöffnung
durch die Körperhülle hindurchbrechen und gleich von Anfang an
statt der inzwischen geschwundenen W'imperhaare als Bewegungswerk-
zeuge dienen. Fast gleichzeitig geschieht die Entwickelung der Po-
lischen Blase und des Darmkanals mit Afteröffnung, so wie die erste
Anlage des llautskeletes, dessen Formelemente übrigens einer mehr-
fachen Resorption und Umbildung unterliegen. Die nächsten Verän-
derungen bestehen in der beginnenden Verästelung der Tentakel und
dem Hervorsprossen der zwei ersten Ventralfüsschen, so wie fer-
ner in dem Schwunde des Rückenporus, und der dadurch beding-
ten Umformung des Uückenkanales in den sogenannten Kalksack, des-
sen Verkalkung übrigens bereits vor Bildung des Hautskelets begon-
nen hat. Was noch weiter folgt, ist leicht zu übersehen, wesshalb
sich Ref. auch mit der Schlussbemerkung begnügt, dass die jungen
Holothurien etwa drei Wochen nach dem Ausschlüpfen mit 10 ver-
ästelten Tentakeln und drei Paar Füsschen versehen waren. Fauna
littor. Norv. II. p. 47—54. Tab. VII. Fig. 1—27. Tab. Vill. Fig. 1—32.
Die „baumförmigen Kiemen^^ der Hololhurien möchte Ley-
(lig als Analogon des sog. Wassergefässsyslems der Würmer
betrachten. Vergl. Histologie S. 393.
Thyone buccalis n. sp. , Chirodola australiana n. sp. , Synapta
dolabrifera n. sp. , alle drei von Port Jackson, Stimpson 1. (J.
p. 386.
Cucumaria Koreni n. sp. , Eupyrgus (n. gen.) scaber n. sp.,
Lütken, Verzeichniss der Grönländischen Echinodermen I.e. p. 101,
Echinida.
Leydig hegt die Vermulhung, dass die sog. Ambula-
cralbläschen der Echinen mit der Harnlnnclion betraut sind
(? lief.) und sucht diese Ansicht durch einen Hinweis auf
(118 LeucRart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
die confractile Niere gewisser Mollusken zu unlerslüixen.
Vergl. Histologie S.470.
M eissner . beschreibt den Bau und die Enlwickelung
des, Echinus- Eies und beobachtet die durch eine Micropyle
vermittelte Befruchtung mit nachfolgender Dolterklüflung.
Verh. des nalurf. Vereins zu Basel 1856. S. 374.
Cailliaud berichtet — wie schon früher einmal (vor
Robert u. A. Cpt. rend. 1854. Juliheft) über das Vor-
kommen des Echinus lividus in selbsfgegrabenen Sleinhöhlen
(Sandstein und Granit) und sucht den Nachweis zu liefern,
dass diese Höhlen mit Hülfe des Zahnapparates gebildet wer-
den. Die Zähne sollen dabei, entweder einzeln oder ge-
meinsam, milsammt ihrem Gestelle und allein nach vorn ge-
slossen werden. Verf. sieht in diesem Bohrgeschäfle die
wesentlichste Aufgabe des Zahnapparates und glaubt aus der
Anwesenheit desselben auch ohne Weiteres schon auf ein
Bohrvermögen zurückschliessen zu dürfen. Observations sur
les Oursius perforants de Brelagne (Ertr. des Annales de la
•soc. Academ. de la Loire-inferieure 1856.)
"'Marcel de Serres hebt hervor (Tlnst. 1856. p. 304,
Cpt» rend. T. 43. p. 405), dass Echinus lividus im Miltelmeer
keine Steinhöhlen grabe, wie an den Küsten des Oceans und
sucht den Grund dieser Erscheinung in der Annahme, dass
die Abwesenheit von Ebbe und Flulh im Mittelmeere unsere
Thiere der Nothwendigkeit eines besonderen Schutzes über-
hebe.
Gray publicirt „an arrangement of the families of Echü
»Idal wilh descriplions of some new. genera and species,
Anh. and Mag. nat. bist. T. XVIII. p. 279. (Proc. zool. So(?|
1855. March.)
Die hier empfohlene Gruppirung der regulären Echinen (Echi*i
nida acroeystos) ist folgende:
I. Tuberkel durchbohrt; Stacheln lang; Körper rund.
Farn. 1. Cidaridae.
Ambulacra eng, von doppelten Poren gebildet; wenige Inter-
amtulacralplalten mit einem einzigen grossen Höcker; Stacheln dick
und solide.
Cidarisi Goniocidaris.
der niederen Ttitere während des Jahres 1856. 219
Farn. 2. Dlademadae.
Ambulacra eng, mit einer Reihe doppeller Poren; Interambnla.
cralplatten zahlreich mit zwei oder mehr Reihen von Höckern; Sta-
cheln schlank, öfters röhrenförmig.
Aslropyga. Garclia. Diadema.
II. Tuberkel undurchbohrt.
Farn. 3. Arbaciadae.
Ambulacralfläche schmal; Ambulacra eng, mit einer Reihe dop-
pelter Poren; Körper rund; Dornen kurz und solide.
Agarites. Arbacia.
Farn. 4. Hipponoidae.
Ambulacralfläche so breit, wie Interambulacralfläche; Ambula.
cra weit, von drei getrennten Verticalreihen doppelter Poren gebil.
det. Körper rund, Schale dünn.
Amblypneustes. ßoletia. Hipponoe. Holopneustes.
Fam, 5. Echinidae. j.i
Ambulacralfläche halb so breit, wie Interambulacralfläche, mit
zwei (oder drei) engen Reihen doppeller Poren, die in Dreiecken
neben einander stehen; Mundhaut nackt; Körper rund.
A. Mit Poren an den Ecken den Platten.
Mespilia. Microcyphus. Salmacis. Temnopleurus.
ß. Ohne solche Poren.
Echinus. Psammechinus. Ueliocidaris.
Fam. 6. Echinometradae.
Ambulacralfläche nur halb so breit, als Interambulacralfläche;
Ambulacralporen in Gruppen von vier und mehr , eine bogenförmige
Reihe rund um die Ambulacralhöcker bildend.
A. Körper rund.
Strongylocentrotus.
ß. Körper länglich.
Echlnometra. Holocenlronotus. Colobocenlronotus.
Die neu beschriebenen Arten sind folgende :
Cidaris oinafa Ostindien ; C. verlicillatahah.'i C. anwu/a/a West-
indien ; C. spinulosa hab. ? ; Aslropyga depressa hab.?; Gar ella (n.
gtn.y aequalis Mauritius; G. clavata hab.?; Toreumatica Hardtcickii
hab. ? ; T. granulosa hab. ? ; T. Reevesü China ; T. concava ebendah.
Das Gen. n. Garella wird folgendermaassen charakterisirt :
Ambulacra broad ; the paires of pores crowled, so as to form two or
rarely three series; ambulacral area narrow, upper part with four
series of small, and lower part with two or four series of rather lar-
ger tubercles; spines of ambulacral area bristle- like, very »lender;
220 Leuckart, Bericht üb. d. leistungen in d. Naturgeschichte
iDterambulacral area with several oblique series of larger tubercles,
without any smooth band on the back near thc crown ; ovarian plates
moderate, triangulär.
Ueber Echinus miliaris und dessen Identität mit Ech. virens
Pub. Kor. vgl. Lütken, Yidensk. Meddls. 1856. p. 96.
As t er i da.
Von höchstem Interesse sind die Millheilungen, die uns
Koren und Daniclssen über die Enlwickelung von Pter-
aster militaris machen (Fauna litt. Norveg. II. p. 55—59.
PI. VIII. Fig. 1 — 8). Dieser Seeslern gehört zu denjenigen
Arten, deren Junge sich in einer Bruthöhle am mütterlichen
Körper entwickeln und erst nach vollkommener Ausbildung,
in ziemlich beträchtlicher Grösse das Freie suchen. Die Brut-
höhle wird hier aber nicht, wie bei Echinaster u. a. durch
Zusammenkrümmen der Arme vor der Mundöffnung gebildet,
sondern ist ein Zwischenraum zwischen dem Skelete und der
darüber liegenden Oberhaut, der die ganze Rückenfläche ein-
nimmt und in der Mitte eine grosse Oeffnung trägt. Die Zahl
der Jungen in demselben ist meist nur gering, 8—20. Die
jüngsten der aufgefundenen Larven hatten bereits das Ei ver-
lassen; sie besassen eine ovale Form und Hessen an dem
einen Ende eine Oeffnung erkennen, die sonder Zweifel Mund-
öffnung war und in einen dünnen, aber deutlichen, bogenförmig
verlaufenden Canal hineinführte. Leider war der Körper wenig
durchsichtig, doch bemerkte man weiter in der Concavität
dieses Bogens, etwa im Mittelpunkte des gesammten Leibes
einen dunklen Körnerhaufen , der von einem hellen Ringka-
nale umfasst wurde. Ein von diesem Ringgefässe abgehen-
der Ast Hess sich bis in die Nähe der äusseren Bedeckungen^
verfolgen. Auf einem zweiten Entwickelungsstadium hatl<
der Körper bereits eine Scheibeform mit fünf stumpfen Arm-*
fortsätzen angenommen. Der Larvenmund fand sich an dem
Dorsalrande eines Armes; er führte, wie früher, in einen
Darmkanal , dessen Bogen (die Bauchfläche nach unten ge-
dacht) nach rechts offen war und mit einer deutlichen Afler-
öffnung auf der Rückenfläche eines dem Munde diagonal (nach
links) gegenüberliegenden Armes endigle. Centraler Körner-
dcf niederen Thiere während des Jahres 1856. Ü2l
häufen und Rinofgefäss waren noch deutlicher, als früher;
kein Zweifel , dass jener den Magen des ausgebildeten See-
slerns , dieses der Cenlralkanal des VVassergefässsystemes
repräsentirte. Ambulacralgefässe fehllen noch, dagegen erwies
sich der Seilenzweig als erste Anlage des Steinkanals. Die
Richtigkeit dieser Deutung ergab sich durch Untersuchung
eines späteren Stadiums , in dem bereits das Hautskelet, so
wie drei Paar Ambulacra vorhanden waren. Obwohl sich
Larvenmund und After noch immer deutlich unterscheiden
Hessen, waren doch auch bereits der definitive Mund und
After, wenn auch einstweilen noch verschlossen, aufzufinden.
Erst bei Anwesenheit von vier Ambulacralpaaren sahen Verff'.
den Larvendarm allmählich verschwinden.
In Betreff der Bipinnaria asterigera äusseren Verfi*. über-
einstimmend mit J. Müller die Vermulhung einer Abstam-
mung von Solaster frucifer.
Asbjornsen beschreibt (Faun. litt. Norveg. II. p. 93 — 101.
Tab. IX. Fig. 1 — 15) unter dem Namen ßrisinga (n. gen.) endeca^
cnemos eine grosse , sehr eigenthümlich gebaute Asteride , die durch
ihre äussere Form und namentlich das Yerhältniss der Arme zu der
centralen Scheibe so vollständig einer Ophiure ähnlich ist, dass man
sie füglich als ein Verbindungsglied zwischen den sonst so scharf ge-
trennten beiden Typen der Seesterne betrachten darf. Die Cha-
rakteristik des neuen Genus ist folgende:
Brisinga Asbj. Discus aculeatus. Tessalla madreporiformis
marginalis. In brachiorum lateribus dorsalibus duae pororum genita-
lium series; tantaculorum duae series; os sub angulis brachiorum di-
stans; brachia cylindracea; induta cute cum mullis costellis transver-
salibus, calcariis, tenuibus. A brachiorum sulcis utrimque tres series
papillarum acuformium, sicut aciileoli disco ceterisque partibus insi-
dentes , et ipsae echinulatae et insuper inclusae vagina cutanea, in-
numeris pedicellariis tecta. Sp. n. Bs. endecacnemo« Asbj. mit 1 1 Ar-
men, 2 Fuss im Durchmesser.
Steenstrup benennt zwei neue grönländische Asteracanthion-
arten: Asteracanthion groenlandicus und A. problema, Lütken Yer-
zeichniss der grönländischen Echinodermen 1. c.
lieber Asteracanthion rubens Rl. Tr., A. violacens 0. Fr. Müll,
(non Ehrbg.) und A. atKarclicus n. sp. von der Magellansst. handelt
Lütken, Videnskab. xMeddel. for 1856. p. 9S ff.
Ebenso über Astropectes MülleriM.Tr. und dessen wahrschein-
liche Identität mit A. echinulatus M. Tr. ebendas. p. 105.
ÜJ22 Leuckart: Bericht fib. d. Leistungen in d. Katurgeschichte
Sars beschreibt einen neuen norwegen' sehen Astropecten, der
zunächst mit Aslrop, (nicht Archaster) Parelii Dub. Kor. verwandt
ist, A, arciicus Fauna litt. Kov. II. p. 61. Tab. IX. fig. 16-18.
Ophiurida.
Unsere Kenntniss von der Zoologie der Ophiuren ist be-
sonders durch die fortgesetzten ünlersuchungen von Lütken
bereichert worden. Wir verdanken denselben, wie früher
(J. B. XXII. S. 409) eine Uebersicht über die Ophiuren Grön-
lands , so jetzt eine Uebersicht über die westindischen (Vi-
densk. Meddelels. 1856. p. 1 — 19) und centralamerikanischen
Arten dieser Gruppe (Ibid. p. 20—26), meist nach Samm-
lungen Oersled's.
Aus Weslindien werden beschrieben : A) von echten Ophiuren :
Ophioderma virescens ii. sp. ; 0. serpens n. sp. ; 0. Elaps n. sp. ; 0.
Januarii n. sp. (Rio de Jan.); 0. brevicauda n. sp.; 0. squamosissima
n. sp. ; 0. rubicunda n. sp. ; 0. AnliUarumn. sp. ; Ophiopeza Yoldii
n. sp. (Westindien?); Ophiomyxa caribaea n. sp. ; Ophiolepis Januarii
n. sp. (Rio de Jan.); 0. Nereis n. sp.; Ophiactis (n. gen.) Krebsii
n. sp. und 0, Mülleri n. sp. ; Ophiostigma (n. gen.) lenue n. sp. ;
Ophiocoma moniliforme n. sp. ; 0. ptimila n. sp. ; 0. liiisei n. sp. ;
0. crassispina Say; Ophiothrix caribaea n. sp. ; 0. Kroyeri n. sp.
(Rio); 0. Oersledii n. sp. ; 0. Suensonii n. sp. B) von Euryaliden ,:
Asteroschema (n. gen.) oligacles Fall.; Asteroporpa (n. gen.^
annulata n. sp. ; Astrophyton muricatum Lam.; A. Krebsii n. sp. ; A.
Caecilia n. sp.
Von der Westküste Centralamerika's führt unser Verf. auf:
Ophiomyxa sp. (ein verstümmeltes Exemplar; nicht zu bestim«
man) ; Ophioderma variegalum n. sp. ; Ophiostigma lenue n. sp. ; Ophio^t, _
ihrix spiculala Le Conte ; Ophiolephis pacißca n. sp. ; 0. variegala
n. sp. ; 0. Iriloba n. sp. ; Ophiactis Kroyeri n. sp. (Callao) ; 0. Oeri
sledi n. sp. ; 0. virescens n. sp. ; 0. arenosa n. sp. ; Amphiura ¥u»ta%
renae n. sp. ; A. microdiscus n. sp.; A. violacea n. sp. ; -4. Oerstet
n. sp. ; A. marginala n. sp.
Zur Charakteristik der nouen Genera folgt hier die Ueberset^ui
der betreffenden Diagnosen;
Ophiactis n. gen. (Ophiolepis v. OphiopholisM. Tr. p. p.) Schlan-
gensterne, deren Haut im Centrum zwischen den zehn ziemlich gros-
sen Radialschildern mit Schuppen bekleidet ist, während in der Pe-
ripherie, besonders gegen den Scheibenrand hin, einzelne kurze Sta-
cheln vorkommen. Nur eine oder zwei Papillen an jedem Wundrande^
; der niedi ren Thiere während des Jahres 1856, Ö23
unter den Zähnen keine. Vor den Mundschildt;rn liegen ?i>vei gebo-
gene Seitenmundschildcr, die sich zugleich zwischen (Jio eirsten und
die folgenden Bauchplatlcn der Arme einKeilen, :)}ald Q» ^a.ld 6 ziem,
lieh dicke und kurze Arme. Die Seitenschilder tragen 3 — 6 kurze,
plumpe, bei Lupenvergrösserung rauhe Stacheln , die an der Spitze
der Arme oft die Form von Ilaken annehmen. (Hieher auch Ophio.
pholis Ballii M. Tr.).
Ophiostigma n. gen. Schlangensterne, die eine mit Körijiern
bedeckte Haut besitzen, wie üphiocoma , aber der Zahnpapi)len ent-
behren. Die breiten Seitenmundschildcr liegen innerhalb der Mund-
schilder und bilden einen vollständigen Uing im Umkreise der Mund-
Öffnung, indem sie sich vor den Mundschildern berühren und sieh
zugleich zwischen die erste rudimentäre Armbauchplalte, welche die
Mundwinkel am Ende begrenzt, und die erste wahre Bauchplatte ein-
keilen und auf einander stossen. Die Arme sind ziemlich lang und
schlank und regelmässig geschildert. Zwei (?) Fusspapillen, drei
kurze, dünne und platte Armstacheln. . '
Aileroschema n. gen. Eine kleine Scheibe rnit zehn Hippen auf
dem Rücken und fünf langen und -fadenförmigen unverästelten Armen
ohne äusserlich sichtbare Gliederung. Scheibe und Arme mit' einer
überall gleichförmig granulirten Haut bedeckt. Mundöffnung nackt;
Zähne und Mundslacheln fehlen. In jedem Armwinkel zwei Genital-
spalten ; 10 im Ganzen. Fusspapillen fehlen; dafür aberfinden sich
zwei lieihen kurzer Stacheln jederseits an der Bauchfläche der Arme.
Aslero-porpa n. gen. Eine kleine Scheibe mit 10 kurzen
Bippen und fünf ausserordentlich langen , dicht gegliederten und un-
verästelten Armen, die an der Spitze fadendünn, an der Wurzel aber
aufgetrieben (pukklede) sind. Die Rippen der Scheibe und die er-
habenen Ringe der Arme sind mit rauhen verästelten Warzen oder
Haken besetzt. Armwinkel scharf gegen den übrigen Theil der Scheibe
abgesetzt und gekörnelt. Zwei Genitalspallen in jedem Winkel, 10
im Ganzen. Längs der Mundränder sowohl, wie auch an der Stella
der Zahne spitze kegelförmige Papillen. Fusspapillen fehlen; an, de*
Unterseite der Ringe jedoch kurze, rauhe Stacheln. :7!()4 oih
Steward liefert eine Beschreibung und Abbildung der.;VO|^
ihm (in Schwämmen) aufgefundenen jungen üphiocoma rosula von
kaum \*/i" und macht dabei besonders auf die Verschiedenheiten in
Form und Bildung der Armslachelu aufmerksam. Ann and Mag. nat.
bist. Vol. XVllI. p.387. Tab. XV.
Weitere neue Arten sind:
Ophiothrix spongicola Port Jackson ; 0. planulata Südsee. S t i m p «^
8on 1. c.
Qphiolepis perplexa Port Jackson. Stimpson ibid.
HH Leuckai-t: Bericht üb. d. Leislungert in d. Nalurgeschichle
Ueber die Unterschiede der Amphiura filiformis 0. Fr. Müll.,
A. Chiajei Forb. (?) und Ä. Hoelboellii n. sp. (= üphiolcpis Sunde-
valli M. Tr.?) handelt L ulken 1. c. 1856. p. 109.
Crinoidea.
Agassiz macht einige vorläufige Millheilungen über
die Enlvvickelungsgeschichle einer nordamerikanischen Co-
malula , resp. deren Pentacrinuszusland. Contributions etc.
Voll. P. I. p. 85.
Carpenter findet, dass der Pentacrinus europaeus
(Jugendzustand von Comatula rosea), der an manchen Stellen
der englischen Küste nicht selten auf Laminarien u. s. w. an-
getroffen wird, eine entschiedene Aehnlichkeit mit Polypen
besitzt, bringt aber für diese Behauptung Iieine weiteren Be-
lege, rinst. 1856. p. 126.
Auch Hincks bemerkt das hier und dort häufige Vor-
kommen des Pentacrinus europaeus, Quarlerly Journ. micr.
Soc. P. V. p. 18.
III. Coeleiiterata.
ßurmeister schenkt in seinen zoonomischen Briefen
der systematischen Verwandtschaft der Akalephen und (ech-
ten) Polypen keine Berücksichtigung. Er glaubt sich noch
immer berechtigt, an der Abiheilung der Cuvier'schen Radia-
len (Regulärthiere B.) festzuhalten und unterscheidet in die-
ser ausser den Echinodermen 1) die früheren Akalephen als
Medusinen, mit den Ordnungen der Dimorphaea s. Disco-
phora — incl. die Hydroiden, jedoch ohne Hydra, die bei
den Polypen verbleibt — , Siphonophora und Ctenophora ; 2)
die Polypen mit den Ordnungen der Bryozoa und Anlhozoa,
A. a. 0. I. S. 73 ff.
Im Gegensatze zu dieser Auffassung sucht Referent
in seinen Nachträgen und Berichtigungen zu van der Hoe-
ven's Zoologie S. 12-19 durch eine nochmalige Analyse des
Coelenteratenbaues die typische üebereinstimmung der Akale-
phen mit den echten Polypen von Neuem zu begründen. Nach
seinen Ansichten lassen sich die Coelentcratcn am besten
und natürlichsten in drei Classen vertheilen : Ctenophora,
der niederen Thiere während des Jahres 1856. 225
Hydrasmedusae (mit den Acalephen, Hydroiden und Siphono-»-
plioren) und Polypi, dieselben, die auch schon seit länge-
rer Zeit unseren Berichten zu Grunde liegen.
Gegenbaur spricht sich über die Beziehungen der
Cuvier'schen Akalephen und echten Polypen genau in dem-
selben Sinne aus. Er acceptirt die Gruppe der Coelenlera-
ten (wenn auch nur als Classe) und unterscheidet in ihr
dieselben Unterabtheilungen , die Ref. bereits vor mehreren
Jahren (zuerst in seinen zool. Untersuchungen I. S. 91} auf-
gestellt hat. Zeitschrift für wiss. Zool. 1856. S. 203 und
dieses Archiv 1856. 1. 163.
Ebenso Huxley, der in der vierten und fünften sei-
ner Vorlesungen über allgemeine Naturgeschichte (a. a. 0.
Vol. XII. S. 563 und 618) den allgemeinen Organisationsplan
der Coelenteralen in einer mit Ref. vollständig übereinstim-
menden Weise schildert und letzterem auch insofern sich
anschliesst, als er die Coelenteralen für eine eigene, den Wir-
belthieren, Mollusken u. s. w. völlig gleichwerthige Haupt-
abtheilung des Thierreiches hält. Im Einzelnen finden sich
freilich manche Abweichungen, namentlich auch in der Grup-
pirung der verschiedenen Unterabtheilungen. So unterschei-
det Huxley nur zwei Classen in der Abtheilung der Coel-'
enterata: 1) Hydrozoa ohne eigene Magenwand und 2) Acti-
nozoa mit besonderer in den Centralraum der Leibeshöhle
hineinhängenden Magenröhre. Zu der ersten gehören als Ord-
nungen die Hydriden, Sertulariden , Diphyiden , Pbysopho-
riden und Lucernariden (= Steganophthalmala + Lucernaria),
also im Wesentlichen unsere Hydrasmedusen, zu der zweiten
die Authozoen und Ctenophoren (obwohl unter den letzteren
auch Formen ohne freies Magenrohr vorkommen Ref.).
Auch Agassi z erkennt jetzt an (Contribulions u. s. w.
I. p. 71, 183, 210 u. a. a. 0.), dass Anlhozoen und Aka-
lephen eine grössere Uebereinslimmung mit einander besit-
zen , als mit den Echinodermen. Nichtsdestoweniger aber
hält derselbe eine Vereinigung derselben zu einer gemein-
schaftlichen höheren Gruppe (Coelenterata Lt.) für unzuläs-
sig. Er erklärt ein derartiges Verfahren für ein solches,
das in augenscheinlicher Weise zeige , wie ein einseiliges
Archiv f. Naturgescb. XXIII. Jftbrg. 2. Bd. p
226 Leuckart: p,er^^ht üb. d. Le^slu^gf^- i|;i^ (J. Ifj^turgeschichte
Hervorheben blosser anatomischer HIerkn(ial^ j:Ui<rrth\imern
hinführe.
Morch giebt (in seinem Verzeichnisse der grönländi-
schen Mollusken!) eine Uebersicht über die, Akalephenfauna
der grönländischen Küsten und zählt dabei 13 Scheibenqual-
len (2 nn. sp,), 13 Hydroidpolypen , 4 Rippenquallen auf.
Naturhist. ßidr. etc. p. 95. Von Rink wird später noch
(Ibid. p. 105) ein Verzeichniss der Grönländischen Anthozoen
ili B^me^d Ain?ugefü^jt>
Huxley hebt, wie das früher auch von Ref. geschehen
i^l (Beiträge von Frey, üÜd Leuckart) die Analogie des
CtenopTiorenbaües mit dem der AnthozOen, besonders der
Actinien _, hervor und sucht dadurch den Vorschlag zu be-
gründen, die Ctenophoren mit den Anthozoen zu einer ge-
meinschaftlichen Gruppe fActinozoa H.) zu vereinigen. Le-
ctures etc. 1. c. Vol. XII. p. 620. * ' ''' ''
G e^en]a^(^i^',^Ae^ über Organisation und Syste-
matik der' CtenopfioVen« (dieses Arch^^ 1856. I. S. 163—205.
Tab. VII und VIII) enthalten zunäclist eine Darstellung der
.Organisatiöns- uiid 'Entwickelungsverhällnisise, und sodann
eine Schilderung der vom Verf. aufgesleflten einzelnen Fami-
lien mit Beschreibung einiger neuer idör doch nur unvoll-
stiindig bekannter Arten. '^ ''"'' '" Wä'">"«-
Aus dem ersten Theile dieser vortVeffliclieri Arbeit erwähnen
wir zunächst die Thatsache, dass das hyaline Körperparenehym nach
Seiner histologischen Struktur als eine BindegewebsForm sich ergiebl,
wie sie in gani ähnlicher Weise von Schultze für die Discopho-
ren beschrieben ist. Die Bindegewebszellen sind , nach der mehr
oder weniger ,, festen BeschaiTenheit des Körpers, in verschiedener
Alenge vorhanden und durch radiale, in der Jugend hohle Ausläufer
mit einander im Zusamtyienhange. Die Bewegung der Flimmerplätt-
chen geht nur von der Basis aus vor sich und ist keineswegs, wie
bei den gewöhnlichen Wimperhaaren , durch eine Contractilität der
Gesammtmasse bedingt. Die Existenz einer einfachen oder doppelten
4interen OelTnung am Gaslrovascularapparate (dessen Bildung bei einer
neuen Form , Euramphaea n. gen. sehr genau beschrieben ist)
wird vom Verf. bestätigt; ebenso auch d.ie Anwesenheit von Nessel-
kapseln an den durch Injektion von Innen aus sich entfaltenden Senk-
fäden. Das Nervensystem betreffend, erklärt sich Verf. nicht blos*
d«R i4etl0r#n TW^ue rwihrend des; Ji^eti liB^fio u i J »gf
für die I^xist^nz , ^jq^s cinfa,(;hpn< oder dppjieU^)) ■ QängUons api, l)i^<,
leren Trichterende; derselbe beschreibt auch acht Nervenslämme, difi
im radiären Verlaufe an die Klimmerrippen traten, unter denselben
hinlaufen und für die einzelnen Flinuiierlüppchen ein kleines Aest-
chen mit einer gariglibhäreti^T^lidarischwellung abgeben. Gehörorgane
wurden sehr allgemein in döi< bekannten Bil(Jqng aufgefunden (bei
Euramphaea 9cheinen_(}i<^aelben^u, fehlen) ^ aUer stot9 nivt unbeweg-^
liehen Otolithen. Hier und da entwickeln sich auch ougenartige
Pigraentfiecken n,ebei) dem Gehörorgane. _ ( Auch, die „räthselhaften«
haarförmigen Fädchen, die seitlich ne])en dem '— l>is zu bestimm-
tem Grade einziehbaren — Gehörorgane' Von Beroe" vorkommen, dürf-
ten Wohl als feine Gefühlswerkzeuge den Sinnesapparaten unserer
Ctenophoren hinzugerechnet werden Ref.) Kölliker'g Angabe von
d^jra Vorkommen schlauchdrliger Genitalien bei gewissen Ctonoplior«^
(J. B. XX. S. -^08) ist ungenau; was K. für Schlauch«; gphqlle^i, , ,|i|ijr
eine dichtgedrängte Reihe von Kapseln, die sich, wie bei all^n Rip-
penquallen, als Hoden und Eierstöcke 'Innerhalb der'Wand eines jeden
Rip'penkanales zur Zeit der Brunst entwickeln. Ausser der BrunsU
zeit ist, wie bei vielen l>iscophoren, keine Spur von Genitali<)h auf-
zufinden. Die Jugendformen unserer Thiere sind öfters mit eigenen
kolbenförmigen Organen versehen,» die in dpppjelter Ao^a^l i f>ius 4^^
jyiundöffnung hervorgestreclst ^pd l^l^baft ;b.e^egtj werdei^^j^^uiVP^pj
doch ist die Bedeutung dieser provisorischen Organe, di« auch bei
echten Folypenlarven vorzukommen scheinen (J. B. XX. S. 4Öl, bei
Dianthaea und Calliphobe) dem Verf. unbekannt geblieben. Der Ga-
strovascülarapparat wird anfänglich von einer einfachen kugllgeri'
Höhle hinter dem Magensacke vertreten. Gehörofgano uhd'Senkfädö*!
entwickeln sich sehr frirj^'e-j nooki während (^rfirsU >i«QifQrnif)(^ Wjm4
perbesatz vorhanden ist,-- ^!;; i^füi iino'-i» f :\)Ut': :'i) iluif-v! "/^old
Was die Systematil^ der Clenopborew betrifft, so i^^
vorn Refer eiiten vorgeschlagen (NaeJilr. und Berichliguflffj
gen zu van der Hoeven's Zool. S. 46) , bei der Bildung d^F!
einzelnen. Gruppe die Organisation des Verdauungsapparates
ynd Gelässsystemes zu Grun^^ z^, Jpgqii^.und darnacl^,jj^^|i^^^
terscheiden : :i •:! > . : ,<,, l'xU)]^
I. Eurys^tomata. Os ainplum, nudum, in ca vitalem cor-
poris permagnam transiens. Canales costales ramulis late.-
ralili>us obsili , circulo uniti. yentrlculus nullus. Corpus
oblongum, cucumeriforme, tenlaculis destitutum.
Farn. Beroidae.
II. Stenostomata. Os parvum, nudum, aut lobis circum-
datum. Ventriculus in cavitate corporis suspensus^. Cau^j[,^s
^8 Lenckartt Bericht üb. d. Leistungen itt d. Naturgeschichte
costales ramulis carentes. Tentacula aut nulla, aut duo op«
posita.
Fam. 1. Eucharidae. Corpus lobatum, tenlaculalum,
aut tentaculis carens. Canales costales circulo sinuoso uniti.
Fam. 2. Cydippidae. Corpus tentaculatum, lobis desti-
tutum. Canales costales plerumque (exe. gen. Cestura) se-
juncli. ' ;^ •^^"
' ''(Ref. bemerkt dabei noch nachträglich, dass dieser Ein-
theilung vielfache eigene Untersuchungen zu Grunde liegen.)
In sehr ähnlicher Weise unterscheidet auch Burmei-
ster (zoonom. Briefe I. S. 199) die Gruppe der Stenoga-
strica (mit den Familien der Callianiriden , Cestidinen und
Mnemiaden) von der der Eurygastrica (Fam. der Beroiden).
*V* ;1^enn Geg enbaur gegen meine Eintheilung in Eu-
rystomata und Stenostomata einwendet (a. a. 0. S. 191), dass
.zwischen denselben üebergänge vorkämen , und dabei auf
Escholtzia cordata verweist, die gleichfalls, wie die Beroi-
den, mit einem beträchtlich weiten Magen versehen sei , so
übersieht er, dass der Hauptschwerpunkt meiner Classification
nicht in der Weite der verdauenden Höhle, sondern in der
Anwesenheit oder der Abwesenheit eines besondern Mage n-
rohres gelegen ist, also in Charakteren, die wohl schwer-
lich einen üebergang zulassen. Es scheint mir demnach,
dass jene Eintheilung vollkommen begründet ist und nicht
bloss behufs der ersten OrienÜrung als zweckmässig zu Grunde
gelegt werden könne. Gegenbau r charakterisirt die von
ihm aufgestellten Familien ausschliesslich nach der äusseren
Körperform, und zwar in folgender Weise:
1. Körper mit Fortsätzen oder lappenartigen Anhängen
versehen; bald mit, bald ohne Senkfäden. (Im Wesentlichen
gleich meiner Familie der Eucharidae.)
1. Seitliche, die Cilien tragende, flügelförmige Anhänge.
Callianiridae.
2. Zwei lappenarlige Fortsätze seitlich am Munde. Ca-
lymnidae.
II. Körper ohne lappige Anhänge oder Fortsätze um
die Mundöffnung; stets Senkfäden. (Gleich der Fam. Cydip-
pidae des Ref.)
der niederen Thiere während des Jahres 1856. 229
3. Körper bandartig, der Quere nach verbreitert. Ce-
slidae.
4. Körper oval oder rundlich. Cydippidae. ";'''*
III. Ohne lappige Anhänge, Körper oval, länglich, ijii^
Senkfäden.
5. Beroidae. " '^
Der Charakteristik der Calymniden und Cydippiden wer-
den werlhvolle kritische Bemerkungen über einzelne Genera
angehängt, die von dem Systemaliker wohl zu beachten sind.
Von Arten werden beschrieben und abgebildet: Euramphae.0
texilligera n. gen. et n. sp., Eschscholtiia cordala Köll. und Cydippe
hormiphora n. sp. , die erstere aus der Familie der Calymniden, mh
stark zusammengedrücktem Körper nnd zwei zipfligen Ohrfortsätzen ani
hinteren Körperende, auf die sich vier Wimperrippen (die der brei-
ten Körperfläche) fortsetzen. Die Cyd. hormiphora Geg. ist durch die
Anwesenheit besonderer lanzettförmiger Anhänge zwischen den ge-
wöhnlichen Seitenzweigen der Senkfäden ausgezeichnet.
Das Gen. ßolina ist nach Verf. mit Mnemia, so wie Pleurobran.
chia (J. B. XX. S. 406) mit Cydippe zu vereinigen. Anstatt des schon
anderweitig verbrauchten Namens Owenia schlägt Verf. zur Bezeich-
nung der Cydippen mit unverästelten Senkfäden den — vacanten —
Genusnamen Mertcnsia vor (a. a. 0. S. 198).
Referent erwähnt unter den von ihm bei Nizza beobachteten
sechs Rippenquallen (dieses Arch. 1856. S. 3) eine neue zwei Linien
lange Cydippe mit blau gefärbten Senkfäden und die Eschscholtzia
cordata Köll.?, hat sich aber durch die Beschreibung und Abbildung
Gegenbau r's davon überzeugt, das letztere von der Kölliker'schen
Art verschieden ist, indem ein Mal die Compression des Körpers w*li
niger aufl'fillt und sodann alle acht Flimmerrippen (nicht bloss die
vier der schmalen Seite) auf die zapfenförraigen Verlängerungen des
Hinterkörpers übergehen. Die rothe Punktirung ist dabei auf die
Flimmerrippen beschränkt.
Gleichzeitig macht Referent (a. a. 0. Anm.) darauf aufmerk-
sam , dass K ö 1 1 i k e r's Eschscholtzia cordala unter dem Namen Cal-
lianira diploptera bereits von Delle Chiaje, Mem. Tab. CVI. Fig. 15
abgebildet sei.
Dass die von Gegenbaur am Ende seiner oben citirten Ab-
handlung (S. 201. Tab. VII. Fig. 6) als Sicyosoma rutilum n. gen.
et n. sp. beschriebene, kleine Coelenterate (1 — 3'") wirklich, wie
Verf. meint, eine abnorme Form des Ctenophorentypus repräsenlire,
dürfte nach der Ansicht des Ref. noch keineswegs ausgemacht sein.
Die Abwesenheit der Wimperrippen , der Radialk^näle und des Ge«
SSO L e u c IbiPif 11 Bricht iQb. d. Leistangieti in d. Naturgeschichte
hörbläs^cheng Bcheint, wie auoh die Anwesenheit von /N^ssel'organen
in der Haut mehr auf pelagischc Jugendzustände von Polype^. hi^j.
zqdeuten, wobei maji freilich annehmen niüsste, dass die von G. be-
schriebenen zwei „Senlifäden« nichts Anderes, als nach Aussen her-
Vorgedrückte Kolben oder Mesenterialfilamente wären. (Herr ür.
Krohn hat laut mündlicher Bemerkung ganz ähnliche Fofitten bfeöljl
achtet und als pelagische Jugendzustände von Ap^lfj^jp^j^^ian^t.)
riansO anlosu;' IIy€lrasmedii§ae5i,ii^l oIIoYdiiSY/ flöb
Die Darstellung, die Huxley m seinen LectUres von
'y-^^ 'iHörfthologie d^t Hydtasmedusen giebl (HJdi'ozöa' Huxl.)
ist im Wesentlichen eine Wiederholung der schon früher von
l<^!ßÄirt^?;Ans^^^^
>j'i f Eine ähnliche Auffassung der Verhältnisse findet sich
biöi iBürmeistei- (zoortom. Briefe!. S. 139 ff.) ? wähtend
Reff bei seiner Darstellnhg (Nachträgfe^ üttd Beric'htigtffri
gen u. s. w. S. ^4 ff.) mehr den geheti'sche'n Zusammenhang
der Formen, zu Grunde legt und des^hplb denn, auch zu einer
abweicjienden, Anschauungsweise komm|, ^dip,.,er in folgcridj?^
Charakteristik zusammengefasst hat : „Animalia tiiversae for.-r
mae, corpore cylindrico (hydriformi) aut campanulato {f«e*
dusiformi) praedila, solilarfa aJut- aggregatai Gavitas corpo-
l*l^"liiteTnÄ in aliis simplex , in alris radiala; ventricüla« mU
l'äl'.' ' ' Piröliös övifefB aut liberd fiätans et ore praedita , aut
ftÜirici affixa et ore de'stilüla. "Motus corporis per aquam ex
apertura ^isci campanulati expulsam. Sexns'^dislincli. J^lyp-
lutio fit per plures generationes eifloreseente^,„ rj^rlS^jm^oB^^
metamorphosin unius corporis campanulati." nofRrnil)^. t,!: i-)!.
'" Ueber deh lypisbllfe'n Bau def Scheibenq'o^lleh "^li; Ö^i
genbaur in der Zeitschrift für wiss. Zool. 1856, 'Ö. i^04.
Wir heben aus d 911 Angaben des Verf/ die Bemerkung her-
vor, dass alle Anhänge und Fortsätze 4es Medusenkörpers
von der Unterfläche der Scheibe ausgehen, zugleich der ein-
zigen Fläche, auf der sich die conlractilen Gewebselemente
(bandartige Muskelfasern, Faserzellen und «i^fache contraclile
Zellen) '^erbteiten.
Schultze's Beobachtungen über den „inikroskopisciicn
Bau der Gallerlscheibe bei den Mpdusen« (Müller's Aich. 1850,
der niedteren Thiere währ6nd des Jahres 1856. 231
S. 311. Tab. XI und XII sind nach eiher fröhWen Mittheilung
schon im letzten J. ß. angezog^en. ,; ■.:
Gegen baur veröffentlicht ;,Beni'^rkungöh üb^f diö
Randkörpör der Medusen« (Miiller's AWH: \m, ^}m^''-^m
Tab. IX), deren Häuptrestlltate etwa folgendb sein dörft^ri!*'*
Bei den niederen sog. nacktäugigen Medusen '(Öt-aspedotk^G^I
genb.) erscheinen die Randkörperchen in doppelter Form ,• entweder
als bläschenförmige Bildungen mit erdigen Concretiönen (Gehörorgane,
lithocysts OvV^n) oder ^Is Pigmentflecke, (ocelli). Die letzteren fin-
den sich nur bei den ecUten üceaniden und Thaumantiaden , die ef-y
stercn bei den Geryoniden und einigen kleinen thaumantiasartige^
Formen (Eucopiden und Tachynemiden Gegenb.j, so wie den Aeginf^
den und wahrscheinlich auch den Aeqüoriden.' '''Die^ 'flaridhiäschen
sind beständig geschlossen Und niemals mit dem Gäströvascularappau
rate in plFonem Zusammenhange. Sie . enthaUen beständig bewflr
gungslose, sphäroide o<ler ovale C()^retipne]^y^,ba]4 nur ein^einzige^,
bald mehrere^ die nach .^rt dev^^sog.. ,S9PT,e|k^rpj^j^h,ciL^jiji^^^bpS
Wai
(Bin-
wie z.' B. belGeryonopsis oder aAch kii' nV^HPi^feW, wiirf fcei GeTyciÄttii
exigua lief.) Die Pigmentflecke siriid' nibi^t feStffache Anhäufung^k
von Pigmentzellen, die nur jn Seltenen Fällea (Cladojn'^ne ;qjid. Elen-i
theria) einen lichlbfechenden Körper einschliessen..
Die Ranqkörpef der höheren , eigentlichen Medusen fAcras.,
, ^ , '1 M'«« u^. .i"ii, ■-. .^. Jf ...... nii.j i>t/V, ..;jul
peda Gcgenb. = unsere Acalephen) zeigen einen anderen compli-
cirteren Bau. Dieselben erscheinen aläverJ6hieden geformte höhi^
Zäpfchen, deren flimmernder Innenraum v6h (iein G^stroVascularappa-
rate aus mit Flüssigkeit gef&l|t wird and am ' äussijr^ten Ende einen
mit bewegungslosen Cryslallen gefüllten Sack in sicl^ einschliesst.
Zu diesem Säckchen gesellt sich oftmals noch ein Pigmentlleck, in
dem sich bei Nausithoe und Charybdea marsupialis (welche letztere
drei solcher Flecken in wechselnder Grösse besitzt) eihe deutliche'
Linse auffinden lieys.
Ueber die Funktion der Randkörperchen äussert sich Verf. sehr
zurückhaltend. Er ist allerdings am meisten geneigt, dieselben für
Sinneswerkzeuge (Augen und Gehörorgane) zu halten, macht aber
darauf aufmerksam, da§^,jdie Annahme derartiger Gebilde bei Thieren,
deren Pi^rvensystem |np,ch Jveineswegs mit Bestimmtheit aufgefunden
werden konnte, ihre eigenen Schwierigkeiten habe, zumal diese sog.
Gehörkapseln in manchen Fällen auch aufTallend an gewisse Excre-
tionsorgane mit Tosten Absonderungsprodukten erinncrlon.
Auch Refercril niacht einige Angaben über den ßati
23iJ Leuckarl: Bericht fib. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
der Randkörperchcn bei lüedern cGeryonia, Phialidium n. gen.,
Aglaura u. a.) und höheren Medusen c^t^lagia), die bis ia
die Einzelnheilen mit den Angaben Gegenbau r's über-
einstimmen. Das hohle Zäpfchen, das den Sack mit den
Otolilhen in sich einschliesst , möchte derselbe als einen
rudimentären Randfaden betrachtet wissen. Arch. fürNatur-
gesch. 1856. 1. S. 12. Anm. Bei Pelagia wurden mitunter
förmliche Zwillings-Randkörperchen gefunden, d. h. zwei an
der Basis zusammenhängende Zäpfchen, die beide mit OU^
lilhensack, aber nur mit einfacher Einmündung in das Ring-
gefäss versehen waren. A. a. 0. S. 16.
Die bei allen höheren Medusen in eigenen Vertiefungen
an der Basis des Mundsliels gelegenen ßlinddärmchen sollen
nach Gegenbaur (a. a. 0. S. 212), wie die sog. Saftbe-
hälter (Fühler) bei den Siphonophoren, als Reservoirs der Er-
nährungsflüssigkeit dienen und diese namentlich dann in sich
aufnehmen, wenn die Räumlichkeit des Körperhöhlensystems
durch Contraction der Tentakel u. s. w. sich verkleinert.
Morphologisch werden dieselben den Mesenterialfilamenten
der Aclinien verglichen (Verf. führt bei letzterer Angabe
unrichtiger Weise Ref. als Gewährsmann an).
Referent weist auf die sehr eigenthümliche, schon
früher von ihm (J. B. XX. S. 428) hervorgehobene knospen-
arlige Bildung der Geschlechtsorgane bei Aglaura hin und
wirft die Frage auf, ob man dieselben nicht vielleicht als
besondere individuelle Bildungen (Geschlechtslhiere) in An-
spruch nehmen müsse. Dieses Arch. 1856. I. S. 13.
Was die systematische Eintheilung derHydras-
inedusen betrifft, so ist hier zunächst der Vorschlag des Ref.
zu erwähnen, die Formen dieser Gruppe mit Rücksicht auf
deren Entwickelungsgeschichtc in vier Ordnungen zu zer-
fallen : Ceratoslera (= Aequoreadae Esch.) , Acalephae es-
st. = Phanerocarpae Eschsch.), Hydroidea c™it fJen mei-
sten sog. Cryptocarpae) und Siphonophora. Die Annahme
einer Ordnung der Ceratoslera stützte sich auf die Voraus-
setzung, dass sich die Aequoriden und sie ausschliesslich auf
direktem Wege, ohne Generalionswechsel, entwickelten. Diese
Annahme ist jedoch durch Krohn's Entdeckung von der
tler niederen Tbiere während des Jahres 1850. 233
Enlvvickelungsweise der Pelagia (J. B. XXII. S. 412) als un-
richtig erwiesen ; die Gruppe der Ceraloslera inuss daher
wieder eingehen. Nichtsdestoweniger glaubt übrigens Ref.
das Princip dieser Eintheilung noch immer festhalten zu
müssen; er ist der Ansicht, dass die Systematik der Hydras-
medusen mehr noch, als die einer anderen Thiergruppe,
neben den geschlechtsreifen Formen auch die ganze Reihe
der früheren Entwickelungszu»tände zu berücksichtigen habe.
Eine Gruppe der Discophoren, die zunächst nur an die For-
men der selbstständig lebenden Geschlechtsthiere anknüpftj
gleichgültig, wie dieselben entstehen, die für die Hydroid-r
poIypen und die Siphonophoren mit sessilen GeschlechUthJe-
ren keine Stelle hat und uns zwingt, diese letztern wei;l von
den sonst vielleicht ganz nahe verwandten Ammenformen
der Scheibenquallen abzutrennen , eine solche Gruppe mag
wohl für die Zwecke der ersten Orientirung ganz passend
sein, aber den Bedürfnissen eines natürlichen Systemes kann
dieselbe unmöglich genügen. „
Während sich Referent (a. a. 0. S. 36) und öucÜ
Huxley (l. c. XI. p. 566) in solchem Sinne gegen die Zuläs-
sigkeit einer eigenen Gruppe der „Scheibenquallen'' ausspre-
chen, betrachtet Gegenbaur in einer sonst vortrefflichen
und ausgezeichneten Abhandlung „Versuch eines Systems der
Medusen, mit Beschreibung neuer oder wenig gekannter For-
men ; zugleich ein Beitrag zur Kenntniss der Fauna des Mit-
telmeeres'- (Zeitschrift für wiss. Zool. 1856. S. 202—272. Taf.
Vll— X) diese Gruppe als eine systematische Einheit, ganz
wie das früher besonders von Eschscholtz und F erb es
geschehen ist. Wie diese letzteren, so theilt auch Gegen-
baur seine Gruppe der Scheibenquallen in zwei Ordnungen,
nur dass er dabei nicht die Bildung der Geschlechtsapparate
oder der Randkörper, sondern die Beschaffenheit des Schei-
benrandes zu Grunde gelegt hat. Die erste (den Phane-
rocarpae Esch. und Steganophlhalmata Forb. entsprechende)
Ordnung, die des Schwimmsaumes entbehrt, wird unter dem
Namen Acraspeda, die zweite , mit Schwimmsaum versehene
Gruppe als Craspedota (= Cryptocarpae Forb., Gymnophthal-
mala Forb.) in das System eingeführt. Die als Hydroiden
^H Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
u. s. w. bekannten Ainmenfornien will Verf. den jedesmaligen
davon aufg-eammlen Medusenspecies beigefügt wissen; wie
das aber bei den Ammenformen mit sessilen Geschlechts-
thieren, die doch von den mit frei lebenden Geschlecbts-
thieren unmöglich gOlreöiil werde» dürfen, geschehen könne;
ist nicht abzusehen.; 'i'>"f"* '>i^' »1« -li-'O,-
Uebrig^ertS ist" dh'ese 'AVbtelt Vbn G e g e h b ä u r unstreilig
die wichtigste, die wlt in heilerer Zeit übet- die Organisa-
tionsverhältnisse und die Formen der Scheibenquallen erhal-
täbl'ftbben; sie wird auch in Unserem Referate noch an meh-
re^felü Stellen Berücksichligäng finden. Wie Bedeutung der-
s^lfe'^fr wird alsbald einleuchten VvVenn wir hier bemerken,
dfvs's in derselben '86 (siciliaili^Jchi») Atten^ von ScheibenquaU
len, diö sich üb5ef 20 Genera värthöilen, kuf das Sorgfällig-
ste beschriebört' i^itid , und dass Unter diesen der grosseste
Theil (28 oder 29^ 'AHettiiiit^^eWka)' völlig neu ist.
' ' ' ÄirlScfi-lüsSeiier Arbeit (B. 288) sind einige Bemerkun-
gen über die Zahlenverhällnisse und di^ geographische Ver-
Öreitung-. der Medusen nac-h Famiiien ^ Gattungen und Arten
angehängt, fioy'jo oiinlh m^nl'jU^. m iu-n ,q .IX /; ,ij y'Aj
Wir i^t^ew ^Mei*^ ij^B unserem Rfefcratev» wie frfih^^^^
Eintheilung der Hydrasmedusen in drei Ordnungen zu Grunde,
in die echten, sog. höheren Scheibenquallen, die Hydroidpo-
lypeh miü den dazu gehörenden Hydroidquallen und Verwand-
ten und schliesslich die Siphonophorcn, bemerken aber dabei,
dass Bürmeister (zoonomische Briefe S. 156) die unseren
beiden ersten Ordnungen entsprechenden Scheibenquallen
mit dt^n dazu gehörenden Jugendzuständen als Dimorphaea in
eine getneinschaftliche Gruppe vereinigt hat.
!• JLcalephae«
-''')ihr', c'/>b l!f(Discophora acraspeda Gegenb.)
;C
u
Gegenbaur weist gelegentlich (Zeitschr. für wiss. Zool.
1856. $, 209} auf die Verschiedenheil der Angaben hin, die von
Sars und Dalyell einerseits, von Dosor andererseits
über den Generalionswechsel der Medusiden gemacht sind
und sucht dieselben ~ gani obeu so, wie das auch Ref.
schon früher gelhan hatte (J- B- XX. S, 417) — durch die
>!rl'.if!n^^iE»f 'nfed^Vefft Thifere während des Jahrfes 1850i ■' " 235
Annalirtie aüSzffi^leichen , äflfss D'eäö't bei «feift^Ti Untersau.
chungon bloss die späteren Zuslänldd 'j{)töliftif1f6ntifer Ä'ÄiBfrcH
voi- AügeH gehabt habtr. - '■ - - ' '
Ebendaselbst stellt' (Jegehta^r Mg^Bn^^^^
unserer Thiere auf:
I. Magen mtt veräslellen Fortsätzen.
1. Farn. Rhizostomidae. Stiel mit vielfach verästelten
Armen versehen. (Die von G. über die,jj>folystomie«
von Rhizosloma angeregten Zweifel sind nach -^j-
jeclionsversuchen des Referenten unbegründet,), ^.^r^
2. Farn. Medusidae. Arfne des Mundsli^ls unvefästqUr?.
11, Magen mit taschenförmigen Forlsätz^n^ii.jf: u'j}i^i[ii(nyM)
d. Farn. Pelagidae* . <Mund^ti«L ciafacH undriwU^gUiW^^
äslelten Armen. ''!'.»! ffT •\'ti'^?.in} vzilnnh Wiih'^.i^iolooK
Ilf. Magen mit taschenförmigen i'uridi' veräsleiten ForU
salzen. ■■ iloij::-..! .i- . '!'«i; '>\'.)\i'\r]u '^iii-)c^r) 'UükXi
Das Öen. 'tyänea''äui'fe-\vöhV''(ieii ty^us dihyr ^läeMk,
' i'Hl'Vrl :: ••;•»;;;.::'.. ;;<'m, ^ib nonivMiVtZvA)
Von Arten beschreibt G. aus der Familie der Pelagidep : Nßu~
silhoe albida n. sp. und der der Charybdiden : CharybÜea inärsupia'i
lis P '^'' '^''''*'^** ^'''^ '■'■ -^^'^ ^'^' ''-^ ^^'"^ 'r^isfii'j 'ih.) .ioU ä'jl)
1 BÄM'Vöft- Köfrikyt''(J.'^.'XX;^.'f4?27)'^f8eilfemfe^at^ Nau-
BitJi'.oa wird folgcndermassen charakterisirt : Körper sehr flach, mit
lief eingebiiChtelei» Kande, .Acht Tentakel sitzen in den tieferen Ein-
schnitten und alterniren^ ^^it eben so vielen in de^ weniger tiefen
Einbuchtungen, sitzenden Randkörpern. Mundstiel sehr kurz, mit vier
Mundwinkeln. Acht taschenförmfge Magensäcke. (K. gab seiner Art
einen einfäi^hyii ,' ^s^'ckförmigen Magen.) Geschlechtsorgane iri Form
von BlSsch^b J ; die^ auf der unteren Körperfläche hervorragen. Vier
Büschel Fangfäden an der Basis des Mundstieles. In göwlaeer Bezieh
hung repräsentirt das Gen. Nausithoe den entwickelten und geschlechts-
rcifen Zustand der als Ephyra bekannten Jugendform von Pelagia. (G.
erwähnte derselben froher mehrfach unier. dem neuen Genüsniamen
Ephyföpsis.) ' ' ' -1'': ' >> !.'...
Das (bisher ganz verkannte) Genus Ö'fiar'yl) Ai?!«' hat' einfeh
glockenförmigen Körper mit vier Tentakeln, der einen kurzen und
einfachen Mundsliel mit Magenhöhle im Innern einschliesst. Aus dem
Magen entspringert vier taschenförmige Kanäle, die in die Scheibe
eintreten und an den Seiten einige Nebeuzweige abgebeiii Geschlechts»
236 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Organe wurden nicht beobachtet; was Milne Edwards dafür aus-
gab, sind die ßandkörperchen.
Die von Morch (1. c.) erwähnten zwei neuen Schweibenqual.
len der grönländischen Küste gehören zu dem (Jen. Aurelia und
Chrysaora (Subg. Dodecabostricha),
■ : . ' • . ; 1 1 i u
2, Hydroidea,
ii'JiVr,
' -'^'^^'Während Gegenbau f, wie schon oben erwähnt wurde,
b'ei der Auffassung' und Systematik der hieher gehörenden
Geschöpfe von den medusenartigen Geschlechtslhieren aus-
gehl und die polypenartigen Zustände derselben bei den je-
desmaligen Medusenfamilien berücksichtigt wissen will, scheint
es umgekehrter Weise Referenten natürlicher, bei der
zoologischen Analyse unserer Thiere die Hydroidpolypen zu
Grunde zu legen und die zugehörigen Medusen als frei le-
bende Geschlechtsthiere den betreffenden Ammen beizufügen
(Nachtr. und Berichtigungen u. s. w. S. 39}. Allerdings lässt
sich ein solches Verfahren gegenwärtig noch nicht vollstän-
dig durchführen, da wir von vielen hieher gehörenden Me-
dusenformen die Ammenstöcke noch nicht kennen und um-
gekehrt, allein es scheint dasselbe doch nach der Ansicht
des Ref. das einzige zu sein, das hier am Platze ist.
Als ein in Bezug auf diese Verhältnisse wichtiges Fak-
tum macht Ref. (a. a. 0.) darauf aufmerksam, dass — nach
unsern bisherigen Erfahrungen — sämmtliche von Tubularirien
aufgeammte Medusensprösslinge zu den Arten mit Genitalien
im Umkreise des Magensackes gehören (Fam. der Oceaniden
im weiteren Sinne des Wortes), während dagegen die Spröss-
linge der Serlularinen ohne Ausnahme Arten mit peripherischen
Geschlechtsorganen darstellen. m
Proles medusiformis (Discophora craspedota Gegenb.)
G'egenbaur entwirft (a. a. 0. S. 218) zur besseren Ue-
bersicht der hier — einstweilen — zu unterscheidenden Fa-
milien folgendes Schema :
1. Mit Radiärkanälen.
a) Geschlechtsorgane am Magen, Ocelli an der Tenta-
kelbasis.
der niederen Thiere während des Jahres 1856. 1^37
Farn. 1. Oceanidae.
b) Geschlechtsorgane längs der Radiärkanäle.
Fain. 2. Thaumanliadae. Radiärkanäle enlsprin-
gen vom Magengrunde. Ocelli.
Farn. 3. Aequoridae. Radiärkanäle entspringen
vom Umkreise des Magens. Randbläschen.
c) Geschlechtsorgane an den Radiärkanälen als blas<*
chenförmigc Ausstülpungen. Randbläschen. '*
Farn. 4. Eucopidae. Contraclile Tentakel.
Farn. 5. Tachynemidae. Starre Tentakel.
d) Geschlechtsorgane als flache Erweiterungen der Ra-
diärkanäle. Randbläschen^> ' J' ^
Farn. 6. Geryonidae. ' ';''''"'
II. Mit taschenförmigen Fortsätzen des Magens , in denen
sich die Geschlechtsprodukte bilden. Randbläschen.
Fam. 7. Aeginidae.
Die von demselben Verf. untersuchten und genau be-
schriebenen, meist auch abgebildeten Arten sind folgende.
Aus der Familie der Oceaniden S. 219:
Oceania conica Esch. (= 0. 16-costata Köll.), 0. flavidula Per.
(= 0. armata Köll.) , 0. theloslyla n. sp. (nur im unausgebildeten
Jugendzustande beobachtet). Für das Gen. Oceania stellt Verf. fol-
gende Merkmale auf: Körper glockenförmig oder konisch nach oben
zugespitzt; der Magen hängt in's Cavum der Glocke und erreicht nie
die Mantelöffnung. Die Radiärkanäle sind vier an Zahl. (In der Ju-
gend nur 4 Randtentakel, später bis zu 60, je nach den Arten.)
Lhzia K ölliheri Gegenb. Char. gen. Ein glockenförmiger,
aber stets abgerundeter Körper , der seinen grössten Umfang meist
weit über dem Rande besitzt. Der kurze , dicke Magen auf einem
vom Glockengrunde aus vorspringenden Stiele. Im Umkreise der
Mundöffnung vier Büschel dichotomisch verästelter Mundtentakel.
Randtentakel unverästelt, auf acht Gruppen vertheilt. (In der Jugend
besitzt L. , wie Bougainvillia, nur vier Tentakelbüschel.) Als Amraen-
zustand unter dem Namen Eudendrium bekannt.
Cylaeis pusilla n. sp. (nur in unreifen Exemplaren beobachtet,
wie die meisten früher als Cytaeisformen beschriebenen Arten). Char.
gen, Magen im Grunde des glockenförmigen Körpers sitzend, mit
mehreren unverästelten Mundtentakeln ; vier Radiärkanäle , vier ein-
fache Randtenlakel mit bulbusarliger Basis.
Zancla (n. gen.) costata n. sp. Char. gen. n. Körperforin
!^38 Leuckart: Berieht üb. d. Leislungen in d. Kati^rgeschichte
glockenarlig, wie bei allen Oceanideo. Der Magen sjtjst im Grunde
der Glocke, hängt frei herab und ist am Munde in vier kurze Lap-
pen ausgezogen. Vier Radiärkanälc. Eben so viele Randtentakel,
die 'reit zahlreichen secundären Anhangen versehen sind.
Cladoneraa radiatum Duj. '(!jfel gen. 'Magen vom Grunde des
glockenförmigen Körpers herabhängend, mit gelapptem Mundrande ; vier
sich theilende Radiärkaoäle und dichotomisch verzweigte Tentakel.
Amwfenfprm =? Stauridium. (Hieher wahr^cheinliclf ,fi^^tv!^j .Eleutheria
Quatref.) ,. ; ,,. ., . -5
Chrysom4lrfi^(n.,^etl^slr{ala Gegenb. p= Phorcynia striata
Köll. Ch. gen. Körper glockenförmig, durchscheinend, bis auf die
gelbgefärbte Subumbrella ; Magen kurz, umgekehrt kegelförmig, dem
Grunde der Glocke ansitzend. Mund rundlich ohne Anhänge. 16 Ra-
diärkanälc. Tentakel (nur eiun>al unter 3 Exemplaren und auch hier
nur in einfacher Anzahl beobachtet^ kurz, mit napß'örmiger Endi-
gung. Randkörperchen fehlen. Geschlechtsorgane an der Magenwand,
jiiithmassliches Geschlechsthier von Velella mediterranea, in der Ju-
gend mit nur vier Radialkanälen versehen. ; ii-*«J i>iii i\'Ji?.
Aus der Familie der Thaumanliaden S.' 23^6^.'' '
Thaumanlias mediterranea n. &p.? Char". gen; Körper halbku-
gelförmig; Magen kurz mit lappigem oder ausgeschnittenem Mund-
rande. Geschlechtsorgane bandartig iängs^ d^r Radiärkan^^le^ Tenta-
ii.fjo i.Dagegen aus der Familie der Jüacopidcn (S. 24t)t
M^f hlEupope (n. gen.) polyslyla n. sp. , E. thaumantoides n. sp.,
ß,,Cf4ÄpanMZa(a n. sp. und jE. affinis n. sp, Char. gen. n. Körper schei-
benförmig oder hemisphärisch, durchsichtig, Magen kurz, meist cylin-
drisch mit vi^ilappigem Äjunde. Vier Radialkanäle. Tentakel in ver-
schiedener Anzahl (in erster Jugend vier); Randbläschen in bestimm-
\GT Anzahl. Geschlechtsorgane in Form kleiner Hfirvorragun^.cn an
den Radiärkapälen. Werden von CampajnHlariaartejtt awfgeammfe
Sminthea (n. gen.y eurygtister n, sp , Sm. leptogaster n. sp.,
JSw. globosa n. sp., Sm. tijmpanum. n. sp* (die drei letzten nur in un-
entwickeltem Zustande beobachtet.). Cb. gen n. Körperform hemisphä-
risch oder noch flacher, an die Scheibenform grenzend. Der Magen
sitzt; miil ausgezeichnet breiter Eia^i« den): Griunde des Schirmes an
undf besitzt einen meist geöffneten, etwas vorstehenden Mundrap4
(ein^ Angabe, die vorzugsweise auf Untersuchung unreifer und.
unvollständig entwickelter Individuen beruht und dahin der Berichti-
gung bedarf, dass der Magen ein langes, cylindrisches Rohr ohne be-
gpnd^re iipp^nbildung darstellt, ftef.) Von der Peripherie des Ma-
d«r niederen 'VbiWft wphrcnd de$ Jahres 1856. 239
gens gehen acht Radiärkanälc ab. Die TcntüUcI sind kurz, in be-
stinuTiter Anzahl vorhanden. Kandhlasohon zu vjer oder acht. Pia
Geschlechtsorgane finden sich an der Yereinigungsstelle der ßadjäf. .
kanülc mit dorn {lin,gli^i)ai.e (nicht bei ^tleq ArtjQn M§ff)r T^n^^'^^)^
hohl, mit dem RingkanaJe im Zusammenhange. i , •, ,.
Etiry b iop.sis (n. f ep) ct.nispslyla i\. sp. Char. gen. n. Der weite
Magen dehnt sic|i }n\ Grunde der Mantelhöhle aus und besitzt eine
ungelapptc MundöCFnung ; yj^r Radialkanäle , die i^us der Peripherie
des Magens entspringen. TentJ^kel mit gruppenweis vertheilten Nes-
selzellen. (Ein kleines unentwickeltes Tl^ier, das Ref. als Jugendzu-
stand von Geryonia exiguj^ erkannt h^t. Vergl. dieses Arch, 1856.
S. 7. Aeh.nl iche Zustände hat G. se^jüst b^i Geryonia proboscidalis
beobachtet, zur Le^ir? ,yo|n ,p,^f^er^t|6i]|^;yyj^.c^^^^^^^ jyjfd^feu upd ]Po^
lypen S. 18. Anm.)
Aglaura /*ewis/Q»»^P^r. Chap. g^, K,Qrper g]ocUenfQrraig,,.]^a-
gen an einem Stiele in die Concavität der Glocke hineinragend ; ach^
jRadiärkanäle ; zahlreiche Tenlakcl ; vier (? acht Ref.) Randbläschen.
Geschlechtsorgane als kolbige Anhänge über dem Magen, am Ende
des den letztern tragenden Stieles, (Ob wirklich in d,^^ Fa^j^ij^. ; de|
Eucopiden gehörig ? Ref.) ..Ui,nk,ia/§ -i^hi
Aus der Familie der Tachynemiden (S. 252):'4i<>u .. v ohfnrij.
Tachynema (n. gen.) cUiatum n- sp. Char. gen. q.'£Jii niedrig
glockenförmiger Körper, aus dessen Grupde ein cylindrischer in zwei
breite Mundlappen auslaufender Magen herabhängt. Acht Radiärka-
näle. Tentakel cylindrisch, an ihrem Ursprünge etwas dünner, Rand-
membran breit, schlaff ausgespannt. Geschlechtsorgane kamen nicht
zur Reobachtung. Entwickelung aus einem flimmernden Embryo ohne
Generationswechsel.
Rhopalonema (n. gen.) velalum n. sp. Körperform flacU
glockenartig, Magen mit breiter Basis im Grunde der Glocke befestigt,
mit vierlippigem Munde und acht Radiärkanälen. Tentakel keulenCör.-r
mig. Geschlechtsorgane bläschenförmig , mit einem Divertikel d^jr
Radiärgefässc im Innern , etwa der Mitte dieser Gefässe anhängend..
Aus der Familie der Geryoniden (S. 252) : ' '»^^f^
Geryonia proboscidalis Esch. nnd Liriope iriucrönata n. sp. Beicifc
Gattungen sollen sich nach unserem Verf. iheils dadurch unterschei-
den, dass bei Geryonia blattartige, bei Liriope dagegen taschenarlige
Erweiterungen der Radiärkanälc (Geschlechtsorgane) vorkommen,
theils auch dadurch, dass bei Geryonia aus dem Rieggefässe eine An-
zahl centripetal verlaufender blinder Ausstülpungen entspringen, die
bei Liriope fehlen. Ref. , der Geryonia proboscidalis gleichfalls un-
tersuchte, hat diese Ausstülpungen, die nur bei jüngeren Exemplaren
deutlich sind, übersehen, kann aber versichern, dass G. exigua, d^e
!i4Ö Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Verf. zu Liriope rechnen möchte, ganz dieselben, nur kleineren blatt-
artigen Geschlechtsorgane trägt, dabei aber zugleich der blinden Aus-
stülpungen des Ringgefässes entbehrt. Nach Ansicht des Ref. durften
die Genera Geryonia und Liriope kaum getrennt werden.
Ref. möchte hier weiter bemerken , dass ihm die Angabe des
Verf., nach der die Geryoniden im Innern ihres Magenstieles oberhalb
der Verdauungshöhle keine Gefässe, sondern einen ungetheilten wei-
ten Behälter einschliessen, in ihrer Allgemeinheit wenigstens unrich-
tig scheint. Bei Ger. exigua sieht man (vgl. dieses Arch. 1856. S. 4)
an dem nicht selten flächenhaft wie ein Saugnapf ausgebreiteten Ma-
gen die Einmündungsstellen der vier Radiärgefässe, die sich deutlich
durch den Stiel verfolgen lassen, sogar mit blossem Auge; und ähn-
liche Verhältnisse sind es unstreitig auch gewesen , die zu der frü-
heren irrlhümlichen Annahme einer „Polystomie" bei den Geryoniden
verführten. Selbst bei Ger. proboscidalis glaubt Ref., so weit er sich
entsinnen kann, den Ursprung von 6 gesonderten Gefässen aus dem,
hier sehr langen, Magen beobachtet und durch den Stiel verfolgt zu
haben. (In ähnlicher Weise beschreibt Verf. auch bei Aglaura einen
einfachen den Magenstiel durchsetzenden Hohlraum, während Ref.
hier gleichfalls vom Ursprünge an gesonderte Kanäle aus dem Magen-
grunde verfolgen konnte.)
Aus der Familie der Aeginiden (S. 258):
Cunina vitrea n. sp. , C. laliventris n. sp , C. albescens n. sp.
Ch. gen. Der meist beträchtlich dicke Körper zeigt verschiedene
Wölbungsgrade, und ist an der Unterfläche nur wenig verlieft. Der
weite Magen mit einem kaum vorstehenden Munde versehen. Vom
Umkreise des Magens gehen taschenförmige Fortsätze aus , an deren
Ende die Tentakel entspringen. Das Velum ist faltig, wird einge-
schlagen oder hängt schlaff herab. Er wird von mehreren, am Ende
der Magensäcke entspringenden Kanälen durchsetzt, deren jeder am
Rande des Velums geschlossen endigt. (Ref. hat diese Kanäle im Ve-
lum bei Cunina nicht beobachtet.) Die nieren- oder hufeisenförmigen
Geschlechtsdrüsen sind nach den Beobachtungen des Ref. — G. hat die
betrefl'enden Thiere nicht im geschlechtsreifen Zustande beobachtet —
je mit den beiden einander anliegenden Hälften zweier benachbarter
Magensäcke verbunden.
Aeg inel a (n. gen.) rosea n. sp., A. prolifera n. sp., A. pau"
perculata n. sp., A. globnsa n. sp., A. hemisphaerica n. sp., A. flave-
scens Gegnb. (= Fachysoma fl. Köll.), A. sol maris n. sp. Der Unter-
schied von Cunina besteht vorzugsweise darin , dass die Tentakel
zwischen den einzelnen Magensäcken ihren Ursprung nehmen.
Aeginopsis medilerranea Müll. Char. gen. Körper stumpf-kegel-
förmig ; Magen mit breiten Taschen. Tentakel entspringen zwischen
\il'Hii:)r4^tlii6derea Thiere während des Jahres 1856ii - n » ^ 241
Mn'dnßlier der Basis zweier Magensäcke und i alterniren mit mehr, als
aw£ien der ietzcrn; Entwickelt sieli; bekanntlich, wie aucJi, Verf.
und Ref. beobachteten, ohne Generationswechel aus eiQemxflimmeniu!
dpp Ernbrjro, ,,^^ H.iu:,iiii^.l!>ua ,: . ■.yvm\W.asA .-AuV;
., , )D'w voril. Äie freren^tön gelieferten j8es^VQil)«ngep de»
Utt Wifit^ vooMiiiiÄ beobl»Q|ilelen Mödus^uvldi^^eSirAroht 185C[.
S. 1— 40. TafeJ,|4f/un(l;IJi).§ind diWiPh<(iie vorstehenden, weit
uinlassenderen üflitex$vujhiingi^jii fas^, ; üfe^^rflii^fiig. gew.ft^dea,'
werden aber doch al^ ,ßeslätigungen,j.,,()i^: ,,i^ft^ jd^r aqph
als Ergänzungen der, lel?^leren cinigetiWcrl)^ behalten. ^ Ijb
Allgemeinen sind die Resultate weiner Beobachtungen ;isi[il^
den Gegenbaur'schen Angab^li^i^el^r, übereinstimmend. ,^ij)^
die meisten Differenzpunkte schon oben gelegentlich ei-.wähnt
sind, bleibt hier fast nur übrio^, die Benennungen meiner Ar-
te^p; mit de^ .Qegcnbaur'scljen Nömencjälur in üebereinslinv,
mun^ zu \^r}gen^\y^ßji][\^ ^^0^^
schrieben;
jGeryoj^^j^j ejx^gu^ Le5^. 194I ibr?» Ju^enjdzust^ndeA (= Eurybio-,;
psis apisostylfi Gegepbr) und Cr. proboscidalis Esch. , Aglaura Peronii,,
Lt. (=[iA' hemisloiiiia. Per.), ..|C!^ft/p<»'« (n. gen.) umbilicata n. sp.,
(==Smintbea ieptog^slerGegenb., Cjin Beiname, der für das ausgewac^-
seöe,;Thi<?r freilich, nipht passt),, Th/futnjanlias coroUaian. sp. (^f Tt-
mpditj^rranesi Gegenb.) , P h i a f,ijfl.i^M m ■ Qn. gen,) viridicans n^, sp.
(==;;i,^ijL,q(^pe, Gegenb. , von der. nahe ^ verwandten^ p, Ihaumantoides
dui-j^jl^ el|tt,9,,gi^Ö3&erQ: Anzahlj- y<|Pj.)^apdfä.()Qn ^pd.,p,eiiörbläschen ver-
s(;|Mcd,en)| Q.ce/inia .pi/eaia 1^,^]^.,,^0. cpcptfi}f<i n.,^p.,_ ßougainyillia (Liz.»
zia Gegenb.) Köllikeri Gegenb. , Evphysa (?) globalqr n, sp. , 5/een^j
strvpia lineala n. sp. , Py xidium (n. gen.) truncalum n. sp. , Aegi«
nopsis 'medlterranea Müll. , Cuninn mdneid n. sp. (= C. albescens
Gegenb.), Cunina {!) coslata n. sp. (= Aeginöta flavcscens Gegenb.?),
Pftryp h astn'a (h. gen.) planiusculüm n. sp. (Wohl 6ine, mit A. sei
maris G. verwandte Aeginete, bei der die Zwischenräume zwischen den
Magensäcken als Uadialgefässe gedeutet wurden , wie das in der Fa-
milie der Aeginiden so leicht geschehen kann),
;- ,.f;^ VVas das Gen. n. Pyxidiuni bctriflt, das einzige, das mir nach
der Vergleichung mit G e g enba u r's Abhandlung übrig bloibl, so ist
dasselbe auf die Untersuchung eines kleinen höchst einlachen qual-
^enarligeh Wesens gegründet, das wahrscheinlich von einer Tubularine
abstammt und bis zur Geschlechtsreife Wohl noch beträchtliche Um-i
torflpipngen erleiden wird. Der Körper igt :halbki*gelförmig, mit einem
kürzten, etwas excentrischen Kuppelstiele und acht, kurzen , und stum.
©^f<>JikPiigen Randforlsätzeu. Der Magen ist ein weiter, der Innenfläche
Archiv f. Naturgesch. XXllI. Jahrg. 2. Bd. Q
242 Leuckart: ßerkfit üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
angeheftetef Sack mit rutadlicher MundöfTnung , der äich am Rande,
den tentakelartigen Fortsätzen entsprechend, in acht taschenförmige An-
hänge auszieht.
Proles hydriformis. Die Miltheilungen von Sars über
die von ihm im Mitlelmeere beobachteten Hydroiden (Nyt.
Magf. for Nalurv. 185Ö) enthalten zahlreiche Beobachtungen
über den Generalionswechsel derselben , resp. Organisation
und Entwickelung der Geschlechtskapseln und Hydroidmedu-
;^^i^ Wir heben daraus namentlich die Beobachtungen über
die diöcische Fodocoryne fucicola n. sp. hervor, bei der die
männlichen, wie weiblichen Geschlechtskapseln einfache ge-
schlossene Bläschen "ittit Centraler Leibesachse darstellen.
Die Beobachtungen, die Peach über „eine merkwür-
dige Metamorphose eines polypenartigen Geschöpfes« mittheilt
(Ann. and Mag. nat. hist. Vol. XVllI. p. 99. Tab. VIII) sind
so unvollständig, dass sie keine bestimmte Deutung erlauben.
Verf. hielt eine Muschelschale mit Hydroiden (wahrscheinlich
Hydractinien) in einer kleinen Menge SeeWasser und fand nach eini-
ger Zeit darin eine grosse Anzahl kleiner Scheibenquallen, die, wie er
zu glauben scheint, durch direkte Äletamorphose aus jenen sessilen Po-
lypen entstanden Waren. Nach einigen Tageti wurden die Scheiben-
quallen kränklich; sie klappteh, wie man das nnter solchen Verhält-
nissen häuGg sieht, ihren Mantel zurück , so dass die frühere Innen-
fläche jetzt die äussere wurde und der ganze Leib eine unregelmäs-
sige Keulenform annahm, und gingen schliesslich zu Grunde, ohne
sich vorher, wie Verf. gehofft hatte, festzusetzen und von Neuem in
Polypen auszuwachsen.
Wright macht auf die Häufigkeit die Diöcesie bei den
Hydroidpolypen aufmerksam und erwähnt zweier Arten des
Gen. Clava (Coryne), deren Polypen in ähnlicher Weise wie
bei Hydractinia durch einen gemeinschaftlichen hornigen
Stamm zu einer Colonie vereinigt siwd. Edinb. new philos.
Journ. IV. p. 313. (Schon Krohn hat auf die Wahrschein-
lichkeit dieses Verhältnisses bei Coryne hingedeutet, dieses
Arch. 1857. 1. S. 264. Anm.)
Die von Sars (I.e.) aus Messina und Neapel beschrie-
benen Hydroiden sind folgende:
Podocoryna carnea Sars, P. fucicola n. sp., Syncoryne (?) Cleoi^
dorae Gegenb. , Tubularia larynx Ell. et Sol. , Eudendrium rncema
sum Cav., E. pu$iUum n. sp., Pennaria Cavolinii Ehrbg., Campanula
1
der Ditderen Thiero während des Jahres 1856. 243
ria volubiliformis SdiVi (s=s G egen b a ur, lur Lehre vom Generations-
wechsel bei Polypen und Äledusen — J. B. XXII. S. 415 — Tab. I.
Fig. 8), C. Gegenbaurii Sars (== Gegenbaur a.a.O. Tab. I. Fig. 1),
C. Oreviscyphia n. sp. , Laomedea exigua Sars (== Gegenbaur a.
a. 0. Tab. L Fig. 5), L. «/ract/ts Sars var., Sertvlaria pujnila L., P/m-
mitlaria pluma Gav., PI. selacea Fall. Gelegentlich wird dabei noch
eine auf Tubularia indivisa schmarotzende dritte Art des Gen. Po-
docoi-yna be^c/iriebeu: P. Tubulariae n. spf. ,. ff,c„f„.,;.v ^ ?'.',-,
Unler den von Leidy (Journ/ Acad. PhHad: IH. P. 2.
p. l35) bei Rhode -Island und New -Jersey aufgefundenen,
theilweise auch beschriebenen 9 Hydroiden befindet sich eine
neue, mit Coryne und Eudendrium verwandle Form Eucoryne,
die folgendermaassen charakterisirl wird:
Eucoryne n. gen. Polypidom a rooted, branching, corneous
lube with a soft axis. Polypes terminating the branches of the po-
lypidom , non.retractile, clavate, furnished with a circle of long
cylindrical tentaculae, and one or more circles of short tentaculae
with globular tips. Die einzige, beobachtete Art E. elegans L.
producirt Medusenknospen und wird vom Verf. sehr sorgfältig beschrie-
ben und abgebildet. Die Kesselorgane, die Verf. auch in der ver-
dauenden Leibeshöhle vorfand (wohl nur, nachdem dieselben mit der
Nahrung verschluckt waren Ref.), zeigen dieselbe Bildung, wie die
von Hydra.
Aid er berichtet über mehrere von ihm neu entdeckte
Gallungen und Arten brillischer Hydroiden, Annais and Mag.
nal. bist. Vol. XVIII. p. 353. Tab. XII—XIV.
Vorticlava (n. gen.) humilis n. sp. auf Corallina officinalis,
Eudendrium confertum n. sp. anf Buccinum undatum und Fusus anti-
quus, E. capillare n. sp. auf Antennularia ramosa, Serluiaria tricuspi-
data n. sp. auf verschiedenen Zoophyten, S. tenella n. sp. (S. rugosa
var. Johnst.) auf Plumularia falcata u. a., Campanularia Johnsloni Aid.
(=ö C. votubilis Johnst. , verschieden von der gleichfalls beschriebe-
nen und abgebildeten G. volubilis Linn.) auf Fucoidecn , Zoophyten
und Rluschelschalon, Camp. Hincksii Aid. (*= C. volubilis var. Johnst.)
auf Zoophyten und Muschelschalen, C gracillima ebendah,, Gramma-
ria elegans n. sp.
Das neue Gen. Vorticlava gehört zu den Coryneen und trägt
folgende Diagnose : Polype linear-cylindrical or clavate, soft, nacked,
tifGxed at Ihe base, solilary (?). Head terminal; tentacles in two
Tows, slout, dissimilar, the upper row capitate.
In einem späteren Nachtrage (Ibid. p. 439. Tab. XVI) beschreibt
Yerf. ferner noch : Tubularia implexa n. sp., Laomedea neglecta n. sp.
mud X. acuminata n. sp.
244 Le uc kart: Bericht üb. A. Leistungeh in d. Naturgeschichte
~<^ii I H in« k s überzeugt sich , dass die von ihm unter dem Kamen
Balis ■ praelcnuis (J.' ß. XXII. S. 404) als ein neues Bryozoon be-
schriebene Thierfor«! mit Thomson's Reticularia immersa (J. B. XX.
S. 443) und Has sal i'a iCampanularia serpens jdentisch ist und stellt
für das- G'önw.»Reticularia^.fo\gende.'V(örbesserte Diagnose auf:
'Reiicittati'^^Gtn. hx Ord; Hydroid. Fnm.? Polypidom a
fjärasitical irivöStrng' iletwork öf horriy tübes , immersed in a horny
ernst; cells decumbent, adherent, irregularly dis^oscd alöhg the Üibre,
40 which they iare attached' at the base. Polype of a greenish co-
jiDur, ivith ntimerous smooth solid tentacule ; very minüte, Sp. /i>
«etye/ts (Has^O;,^#?>-;^W^' Mag. nat. bist. P. XYU|.' P;»; ^69.
3» Siplionopliora.
„oq • iBiirm-t^isipr : hat; Gelegenheit gehabt, einige Phasen
ms der Enlwickelungsgeschichte von Velella (im Texte sieht
irrlliümlich „Porpita") und Physalia zu beobachten und macht
hierüber folgende Angaben. Zoonorn. Briefe. I. a. v. 0.
_^2 .jDie ,Jung^ Yekllü hat nuj^ «in Saugrolw, welclk6sde,m grossen
Centralpolypen entspricht , darum einen Tenlakelkran«, «ine. völlig
runde Scheibe und darauf ein kleines sehr hohes Segel; es sieht dann
völlig so regulär aus, wie eine Scheibenqualle und könnte bei flüch-
tiger Betrachtung leicht für eine Geryonide oder Oceanide gehalten
werden. (Eschscholtz beschreibt dieses Thierchen als ein beson-
deres Genus Rataria , wie vom Ref. schon im letzten J. B. ~ nach
Untersuchung ßurmeistcr'scher Exemplare — bemerkt wurde und aiich
unser Verf. hervorhebt.) Anfangs fehlt dem Segel jede feste Stütze,
während die Scheibe schon bemerkbar ist. Die Umbildung in die ge-
wöhnliche Velellafofm geschieht dadurch , dass sich im Umkreis des
ersten Saugrohres, zwischen ihm und dem TentaUelringe , ein Kranz
neuer Saugröhren bildet. Ganz ebenso scheinen sich die Physalien
zu verhalten ; Verf. fand junge Exemplare mit einem grossen Saug-
rohre, neben dem aber schon meiirere kleine hervorsprossten , und
einem langen Tentakel; die blase ähnelte einer Erbse im Ansehen,
und der Kamm war eben erst als quergekerbter Kiel , auf der einen
Seite der Blase, dem Saugrohre gegenüber, angedeutet. In der Bla-
senwand sah Verf. einen deutlichen ziemlich grossen strahlich granu-
lirten Kern, seitlich neben der Stelle, wo das Saugrohr sass. (A. a.
0. I. S. 350— 3Ö1). Auch an den ausgebildeten Thieren konnte Verf,
„seitlich naeh rechts neben der Saugröhrengruppe" dieses Gebilde
auffinden (Ebendas. S. 352j. Dabei Lest^ligt Verf. , dass die sog. Ten
t^kelhlase am Grunde der Senkl'äden wirklich geschlossen ist und kei-
neswegs, wie Quatrefages wollte (J, B. XXil. S.42ij, ^in Saug
I
def niederen Thiere während 6ea Whrei 1856. 245
röhr ist, 8OWF6' ferner die Anwesenheit deutlicher, braun gefärbter
Leberzotlen im Innern der Saugröhren. Die Muskelfasern der Blase
sollen deutlich quergestreift sein. (Ebendas. S. 344.)
Die Ansicht vom Polymorphismus dßrSiphonophoren wird
von Burmeister verworfen; derselbe findet eine derartige
AufTassunor weit unstatthafter, als die von ihm früher einmaj
vorgeschlagene Zusammenstellung der Siphonophoren mit den
gleich ihnen regulären Echinodermen (a. a, 0. I. S. 351).
Es scheint sogar, als wenn Verf. über die Polyzootie ^der Si-*.
phonophoren in Zweifel geblieben sei , denn er belraclir
tet den Bau dieser Thiere ganz einfach als eine Wiederho-
lung von vier verschiedenen , an einem gemeinschaftlichen
Körper befestigten Organen (Bewegungsorgan, Ernährung^i-
organ, Fortpflanzungsorgan und Greiforgan). ^ '"
Auch Huxley kann sich nicht entschliess^h,dife"' Si-
phonophoren als polymorphe Thierstöcke^zü betrachten ^(jLt-
ctures 1. c), während andererseits A ga s s i z'cöontributiÖns (6fc.
I. p. 71. 91 u.a.a. 0.), so wie de Filippi (delle func' H-
prod. p.85) sich offen für den Polymorphismus derselben aus-
sprechen. (Irrthümlicher Weise wird übrigens bei Letzte'rcYh
auf Vogt als Vertreter dieser Ansicht hingewiesen.)- ^ ''-
B u V m eiis t er unterscheidet (zoonömiscHe Briefe !.$. 181)
in der Ordnung der./^ip^onophoren zwei' i^amilie,nr'iÖfs(^^^
dromaea mit grp&s^^. JLu(iya\^e.i(yelelli4e]p, ynd |JI^^t^^^^
und ISechalea mit Schwimmglocken (PhysophoricJeiQ jjinrt}l)i>-
phyiden, welchen letzteren nach dem Vorgange des Ref. auch
Hippopodius beigesellt wird). ' "
Referent glaubt dagegen' tNBchlr8ge;^iJ.'<^Äl wi S. 41 )
noch immer jtn den von ihm früher aufgestellteh »vier H^upt-
familien festhalten zu müssen und umschreibt :di^seWi€n'''föl-
gendermaassen : ' - ' ''-■■' ' >' . ' hiv-'.
Fam. I. Diphyidae. Duae partes, sibi opposilae, carnpa-
nulatae, ad natandum aplae. Vesica aerifera nulla. Stipes
cylindrica segmentala; in unoquoque segmento polypös simul
cum tentaculo proleque ovifera sub bractea infumlibuliformi
absconditus. Tentacula fdiformia , ramulis clavatis instriicta.
Ulriusque sexus appondices modusiformes, aequales.
- Fam. II. Pliysophoridac. Äxis elongatus aut fruhcattil^,
vesica aerifera parnm m«gna praeditus. Organa iiatatoria
246 Leuckart: Bericht fib. d. Leistapgeir in d. If aturgescbichte
aul accumulata, aut (rarius) nulla. Appendrces dense in
plerisque collocatae; brachia et bractcae inier polypös inier-
posita. Bracteae foliaceae numerosae (aut nullae). Tenlacula
filiformia, ramis laleralibus plerumque contortis. Proles ulrius-
que sexiis vicina, dissimilis , altera medusiformis altera plus
minusve vesicularis , aggregata.
Fam. III. Physalidae. Axis globosus, vesica aerifera
pernnagna repletus , polypis subtus , tentaculisque longissimis
instruclus. Organa nataloria et bracteae nullae. Proles ovi-
fera decidua.
Fam. IV. Velellidae. Corpus disciforme, intus vesicam
aeriferam complanatam, concentrice lamellatam conlinens, sub-.
tus polypis ac tentaculis marginalibus obsitum. Polypus cen-
tralis permagnus, sterilis ; peripherici minores, proliferi. Ca-
vitas corporis in canales divisa radianles, e polypo centrali
prodeuntes, ramosos. Proles ovifera caduca, medusiformis.
Organa nalatoria nulla.
Gleichzeitig werden von Ref. auch die bekanntesten
Genera in einer den neuen Entdeckungen conformen Weise
kurz charakterisirt. Ebendas.
Huxley giebt eine Abbildung des von ihm schon früher auf-
gestellten (aber nicht naher charakterisirten Gen. n. Speniay einer
mit Cuboides verwandten monogastrischen Diphyide , die sich durch
die keilförmige Bildung ihres Deck»^ückes auszeichnet. Lectures etc.
P. XII. p. 565.
•il:>[t>.V/ .,.
Polypi. I ,[
Die 1853 zu Benevent herausgekommenen „Meraorie post-
hume" von Cavolini enthalten u. a. auch eine Abhandlung
über Meerpolypen, so wie über Physiologie der Zoophyten,
sind aber Ref, bis jetzt noch nicht zugänglich gewesen.
1. Calycozoa»
Dass Huxley die Lucernarien nicht als Polypen gelten
lässt und mit den echten Scheibenquallen verbindet, ja diese
letztere sogar geradezu Lucernariadae nennt, ist schon oben
hervorgehoben. Ob aber die Aehnlichkeit von Lucernaria
mit Hydra tuba, wie Verf. meint, ausreicht, diese Zusammen-
stellung zu begründen , scheint Ref. in hohem Grade zwei-
' .: der niederen TUere während des Jahres 1856. 247
felhaft. Noch weniger dürfte jedoch eine Zusammenstellung
von Lucernaria mit den übrigen Polypen , wie sie neuerlich
wieder von Burn) eiste r vertreten wird, zu empfehlen sein.
(Burmeister stellt die Lucernarien mit den Minyaden, Ce-
rianthiden, Acliniaden und Zoanthinen zusammen und bild<*t
daraus eine gemeinschaftliche Gruppe der Fleischpolypen, Hq-
losarca, die mit den Lilhophylen, Octactinien und Hydrinen
die Abtheilung der Anihozoen bilden.) Zoonom. Briefe 1.
S. 132.
Ref. fasst die wesentlichsten Unterschiede seiner Caly-
cozoa (Podactinia Milne Edvv., welchen Namen Burm eis ler
bezeichnender findet und desshalb — trotz aller Priorität —
vorzieht, von den Anthozoen in folgender Charakteristik zu-
sammen: Ventriculus in cavitate corporis nullus. Organa
genitalia disco orali iuncta. (Nachträge und Berichtigungen
u. s. w. S. 24.)
3« jinthozoa«
Danielssen und Koren beschrieben (Fauna litt. Norv.
II. p. 87) ein Paar neue Aclinien , bei denen die Lippenrärj-
der an zwei einander gegenüberliegenden Stellen, oder nur
an einer, zu einem langen gespaltenen Sipho ausgewachsen
sind und somit — nach Ansicht des Ref. — das Exirem
einer Bildung repräsentiren , die auch bei anderen Actinen
am vorderen Ende der von Ref. als Cardiacalwülste bezeich-
neten Organe vorkommt. (Vgl. hierzu Frey und Leuckart
Beiträge u. s.w. S. 2). Die Oeffnung dieser Siphonen scheint
vorzugsweise zur Einfuhr von Nahrungsmitteln zu dienen.
Burmeister hat sich davon überzeugt, dass die Me'-
senlerialfilamente der Actinien ein unverkennbares Lumen in
sich einschliessen, also nicht solide sind, sondern dickwan-
dige Röhren darstellen. Zoonomische Briefe I. S. 341.
Leidy beschreibt die Nesselorgane vonAslrangia aslrae-
formis und Actinia marginata und bestätigt dabei die Beobach-
tung von Agassi z, dass der Angelfaden beim Hervorschnel-
len vollständig umgestülpt werde, wie ein Nemertinenrüssel.
Das spiralige Aussehen des Fadens soll, wenigstens in man-
chen Fällen^ von äusserst kleinen spiralig gestellten Spitzen
^^48 Leuckart« Bericht üb. d.' Leistungen in d. Naturgeschichte
^herrühren. Journ. Acad. Philad. T. III. Vol.'^. p. 140. (äef,
i<anri 'sich nach genaueVli Untersuchung-'en der NeiSsclOTgarrie
aus den Mesenterialfilamenteri von Act. plümosa dii^ser'Där-
"Stellungf nicht ainschliess€fr.''DÖi* eigentliche Nesselfad'en, tfe*r
'iW Spirallouren an der Wand der Kapsel anliegt, slül|Tt sich
"bestimmt nicht um, sondern schiebt sich hur durch Enirallurro-
'seiner Windungen nach Aussen hervdr. Bevor das -ab ^r
geschieht, beobachtet inan in der Thät das UmSlülpöti ' eih'es
dünnen und röhrenförmigen Gebildes, das während der Ruhe
iyirder Achse der NesseUiapsel gelegen war und einten hals-
artigen langen Anhang derselben darstellt. Der eigentliche
Nesselfaden tritt aus denv Ende dieses Anhanges hervor; er
lässt sich auch im Innern desselben ganz deutlich erkennen
und bis in die Kapsel hinein verfolgen. Was Leidy als opti-
schen Ausdruclt eines Spiralbesatzcs mikroskopischer SfHzi^n
in Anspuch nimmt, ist offenbar nicht Anderes, als; der Nes-
selfaden im Innern des halsartigen Kapselanhanges, der sich
in zahlreichen SpiraltoürfeH'-ätirch dieselben hinwindet. —
Wa§ Ref. hier bemerkt, gilt übrigen^ keineswegs für die Nes-
selorgane aller Coefehieraten, iyi^ 'äenn küch schon an den
Tentakeln der genannten '^c^,PJ,""f^osajSolchc abweichende
Torben vorkommen. Ifi^j manche^ Kapsel-
hals, der sich umsi,ülpt;' a^i^' Faäpn ^'^^^^^ dann aus einierOeff-
niinfi- hervor, die. raitunler durch eihpn (prmlichen Deckelap-
p^ral,g«schIos^^n^i|tu^^^.w9^,j^^^^^ i,l> «»l,n>r.-.bio7 .
VißAßf^X^ hap^dt ipnder; 'schqr\ o^j^». ^(^itirten Abhand|uiig
über. die Miltelmeerische.Sft^tenfauna von folgenden An,lhOr
zoen». ; Wir theiJenj.daSiiVj^ptMßh^is^ .-~ rier Anordnung uur-
i?^res Jahresberichtes , gemäss, ^.ip_, umgekehrter Reihen-
,^ige mU:
\)Pplyactinia\n. . ;
Anlhea cinerea Gonl^iT.y A^ cereus EW. et So],, A^msici' palliaia
Boh., Actinia elongala delle Ch.?, Act. viduaia Blüll., Act. effoela
Bast., A. mesembryanihemum Ell. et Sol. , Cerianlhus tnembranaceus
Gtnel., Conjnactis mediterranea n. sp., MamiUifera arenacea äeWe Gh.,
Cyalhina pseudoturbinolia Edw. et Haine, Paracyatlius strialus Phil.,
Co elocy alhus (n. gen.) lypicus n. sp. , Cladocora aslraeina n, sp.,
Cl. caespitosa L., Balanophyllia ilalica Edw. et H. , Astroides calyctu
laris Lancli.
^'«l'»'!'- 'd*rt'''i1ede5fen Thierfe während des Jahres 185«;» «r o • H^
li) Octrtctinia: i'.vioYnai>fjp.
renncttula rnbrnh. (== P. phosphörea Ehrl)g.), P. j)Äo^pÄ«tföö''L.
(= P. rubra Ehrbg.)» ^- 9^^^^^ Gm. , Muricea placoinns Ji*, Gorffoniä
sarmentosa ßs'p. , -Q. Ucrtölinii Lamx. , G. verrucosa Ci&v. / "C&rallium
nobile \j., Cornularia rugosa Lamx., Rhizoxenia rosea Phil. (= Corn.
crassa Edw.), Xcnia [f) inditisa n. sp., Alcyonium palmatum Pall^'^JI.
palmalum var.(? an n. 8p.?jw!;üV tüIi j -. ; ' . >; > ?)
Polyactiniä: T ü g vv a Fl' verfä^^te ■ a' iiianual of lü^ S^tfÄ^
Anemones commonly lound on the English Coasls. "Lbftdon
1856,' weiches mir indessen bis jeUt noch nicht zti^Gesichl
gekommen ist. , , .
Leidy beschreibt (Jourp. Acad. Philad. 1856. p. Ulje^'ne neue
Aclinie von New-Jersey: A. neglecta und eben so Holdsworth
einige neue Arten der englischen Küste (Proc. Zool. Soc. 1855. pec,
oder Ann. and Mag. nat. hist. 1856. T. XVIII. p. 3^6}: , Act. pallida,
A. omala und A. rubida.
Ueber Aclinia vinosa desselben Beobachters vgl. Proc. Zool.
S<||^r. 18561. June oder App. and Miag. nat. hist. 1. c. p.;497.
jjji^,,. .jj^esonders interessant und ausgezeichnet sind die vopJfCorep
pnd Daniel ssen in ihrem Aufsatze über norwegensche Actiniep
(Fauna litt.Norveg.il) beschriebenen zwei neuen Actinien -Formen:
$ip honac tina (n. gen.) Boeckii (1. c. p. 88. Tab. XII. Fig. 4 — 6)
'und Aclinopsis (n. gen.) flava (Ibid. p. 89. Tab. XII.' Fl^. 1—5).
vif neuen Genüscharaktcre lauten folgendermaassen : '* ' '"'~"' ' '^' "
^{phonactinia Dan. Kor. Siphone cylindrico, Vaide ezceii-
t trice extra discum prominente, a disco et aliquanto sursum duodecim
ngllcis meiftbrfinatfeis cohaereiitibus -^ collari tentäculiformi (dem ge-
^^äVte' tnaV^o i'c^iHndatus,''6Witis iü"j)'ai'ie exleriorfe tres einitetiäe 'c*äi^i
tilaginosae et in' interiöre fissufa''per'tolam siphonts longilildinein ^^or-
rccta; tdnlac^lji 12 uniseriata nee retractilia. ' ' i »•'■ >\^'^
Äciinhpsrs "Ö'än.'Kor. Breyis, cylindrica, inira' in magnäm, et
grac ilem' basin' 'extensa, ' margine örfß' in ^u6s longos et rigldös sbmY.
cylindrbs proloiigäto, quörum riiärgfries ' laterales^ deorsum jffexi et e"x-
tremitates bisulcae; tcnlacula gracilia, filiformia Iriserialia , non re-
tractilia. * - ' ' '. 'fü 1 . . ' ( • . ..)
Die Sabella 'marstipisflrs <>tn. ist «ach Si'^ei'str up*s^ interessan-
ter Entdeckung gleichfalls ein actinicnartiger Polyp , Ilepräsentant
eines besonderen Gen. Sphenopus, das Verf. folgehdermassen
öharakterisirl: Animal e classe Anthozoorum, ex ordine Polyactinco-
rum, et e familia Acliniarum , gcneribus aberranlibus Ilyanlho , Pea-
chiae et Ceriantho afGne, monotrematum , corporis anteriore parte
sabcylindrica , posteriore vero a ventro dorsoque depressa, et latai
350 Leuckai't: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
securiformi vel cuneala , limum et granula arenae in crustam crassam
alligante; tentaculis unum circulum , a pluribus contiguis constantcm,
formantibus; sulco stomachali parietibus cartilagineis instructo. Sp.
Sph. marsupialis Giuel. aus Tranquebar. Bei der Untersuchung stan-
den dem Verf. die alten Originalexemplare Spengler's zu Gebote.
Kongl. danske Videnskabs Selsk. Forhandl. 1856.
Gosse berichtet über das Vorkommen der von Forbes aufl
dem Aegeischen Meere beschriebenen Edwardsia vestita an der Eng-
lischen Küste. Ann. and Mag. nat. bist. Vol. XVIII. p. 73.
Ebenso beschreibt derselbe eine neue Art dieses Genus E. car^-
nea. Ibid. p. 219. Tab. IX.
Holdsworth beschreibt gleichfalls eine neue Species des
Gosseschen — von Gosse selbst aber bereits aufgegeben (J. B.
XXII. S. 425) — Genus Scolacanthus , Sc. sphaeroides. Von der eng-
lischen Küste. Ann. and Mag. nat. bist. Vol. XVII. p. 517. (Proc. Zool.
See. 1855. May).
Das oben erwähnte neue Gen. C oe /oct/af^us Sars wird (1. c.)
folgendermaassen charakterisirt : Polyparium simplex, fixum, obconi-
cum seu turbinatum, curvatum , costis inconspicuis seu nullis. Colu-
mella incompleta, paluli nulli. Calyx subcircularis, fissura calycinalis
profundissima. Septa supra marginem calycis non prominentia, 12—24,
tria cycla, tertium incompletum, formantia.
An einem anderen Orte (Fauna litt. Norveg. II. p. 73 — 79. PI. X.
Fig. 18 — 27) liefert Sars eine genaue Beschreibung und Abbildung des
schon früher (J. B. XX. S. 464) von ihm kurz charakterisirten Ulo-
cyathus arclicus Sars (e tribu Turbinolinarum).
Octactinia, Die Gruppe der achtarmigen Anthozoen hat
besonders durch das zweite Heft der Fauna littoralis Norvegiae manche
schöne und interessante Bereicherung erfahren. Sars liefert hier
zunächst eine Beschreibung zweier neuer Alcyoniden: Briareum gratis
dißorum (p. 64. PI. X, Fig. 10— 12) und RhUoxenia filiformis (p. 65.
PI. X. Fig. 13), wobei u. a. zugleich bemerkt wird, dass auch Linnd's
Alcyonium arboreum dem ßlainville'schen Gen. Briareum zugehöre,
so wie ferner, dass die Gen. Evagora Phil, und Sarcodyction Forb.
von Uhizoxenia nicht abzutrennen seien.
Asbjörnsen untersucht (ebendas. S.81— 85. PI. X. Fig. 1—8)
die MüUer'sche Pennatula stellifera und liefert den Nachweis , dass
dieses interessante Thier den Typus eines eigenen kleinen Genus aus.
mache, das sich von Verlillum, dem es am nächsten steht, besonders
durch die Gruppirung seiner wenigen Polypenköpfe unterscheide^
Den Charakter dieses neuen Genus Kophobelemnon stellt Ver
auf folgende Weise fest: Polyparium liberum, carnosum, spiculis cal
careis farctum ; rhachis claviforrais, cpinnata , latere anteriore 9olu
rs
i
der niederen Thiere während deu Jahres 1856. 251
papillis polyplferis, per quatuor series longitudinalcs , alternantes
dispositis obsito. Polypi (perpauci Ref.) maximi, toli retracliles, octo
tentaculis pinnatis circum os ornati. Axis gracilis subcalcarancus vel
sublapideuB. . Sp, n. K. Mülleri Ashy
Auch die von Sars schon früher kurz beschriebenen Virgula-
ria finmarchica, so wie die V. Crislli Kor. Dan. finden hier (p. 68— 73.
PI. XI und p. 91—93. Fl. XII. Fig. 7-12) von ihren Entdeckern eine
detaillirte wörtliche und bildliche Darstellung. Beide ausgezeichnete
Arten machen in gewisser Beziehung, besonders durch die Anwesen-
heit von stützenden Kalknadeln , den üebergang zu dem Gen. Penna.
tula. Dem Aufsatze von Sars sind Bemerkungen über die nordischen
Pennatuliden überhaupt angehängt, aus denen wir hier so viel hervor-
heben, dass Virgularia juncea Sars nur jugendliche Formen von V.
mirabilis Müll, enthält.
Porifcra.
Lieberkühn publicirt in seinen „Beiträgen zur Ent-
wickelungsgeschichte der Spongilien*' (Müller's Archiv für
Anat. und Physiol. 1856. S. 1 — 19) mit Nachtrag (Ebendas.
S. 399— 414. Tab. XV) und Zusätzen (Ebendas. S. 496— 514.
Tab. XVIIi) die Resultate mehrjähriger Untersuchungen über
den Bau und dieForlpflanzungsverhältnisse der Flussschvvämme
und beschenkt uns dadurch mit einer reichen Fülle der wich-
tigsten und interessantesten Entdeckungen. Die Arbeilen un-
seres Verf. sind ohne Zweifel die bedeutungsvollsten, die wir
über Poriferen besitzen; sie sind die ersten, die unsern An-
schauungen über diese, bisher noch unvollkommen bekannten
Geschöpfe eine sichere Grundlage bieten. Was Ref. in sei-
nem ersten Jahresberichte (Bd. XX. S. 471) in Aussicht ge-
stellt hatte, ist jetzt eingetreten: die Poriferen we Ti-
den fortan als unzweifelhafte Thiere betrach-
tet werdenmüssen.
Die erste der genannten Arbeiten liefert uns in gewis-
sem Sinne eine Histologie der Spongillen. Verf. beschreibt
darin die einzelnen Gebilde, die den Körper dieser Geschöpfe
zusammensetzen (Skelet, gallertartige Substanz), so wie die-
jenigen , die sich nur zeitweilig darin vorfinden (die Gem-
mulen , Schwärmsporen , Keimkörnerconglomerate , Zoosper-
mien) , ohne den genetischen Zusammenhang derselben be-
reits erkannt zu haben. Erst durch die späteren Mittheilungen
5B2 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen In d. Naturgeschichte
tdenen auch noch di(^ kurze Notiz in der Zeitschrift für wiss.
Zöol. Vllf. iS.3Ö9 hinzugefügt vvefden kann) werden wir in
den Bau uVitf die Lehensgeschichle unserer ThTere eingeführt,
und zwar Schritt fQr Schrilt,:\yie sich die betreffenden Ver-
hältnisse dem Beobachter allinahiicli enthüllten. Für unsern
.Zweck dürfte es vielleicht am passendsten sein , einen an-
deren Weg einzuschlagen und, ohne Rücksicht auf diei Zeit
und Art der vorliegenden Publicationen mit gedrängten Wor-
ten eine zusammenhängende Uebersichl über die Hauplent-
Üeckungön uh'se'r(!s' T^tf. zu geben, Wie dieser selbst ei in
dem erst vor kurzem erschienenen neuen Aufsätze: „Beiträge
zur Anatomie der Spongien« (Müiler's Arch. 1857. S. 375—
403. Tab. XV), der mit seinen zahlreichen neuen Mittheilun-
gen erst im nächsten Jahresberichte eine Berücksichtigung
finden kann, gethan hat.
i'i Die „gallertartige Substanz", die in bestimmter Anord-
nung den Körper unserer Thiere zusammensetzt , besteht
aus entschiedenen Zellen, mit allen Requisiten eines solchen
Gebildes, mit umhüllender Membran, mit Kern und Kernkör-
perchen. Die auffallendste Eigenschaft dieser Zellen besieht
in der Fähigkeit einer amöbenartigen Bewegung, die ihnen
4n '.exquisiter Weise zukommt^ so dass man die Zellen sogar
für selbstständige Rhizopoden halten könnte. Der Inhalt die-
ser Zellen hat ein etwas verschiedenes Ausgehen; die mei-
sten umscliliessen jedoch ieine-^^iielle Masse mit Körnern.
Einige Male wurden auch fremde Körper, wie, Baciliarien, Kar*-
minkörnchen (nach 'ktin^tlicber Fütterung) im Innern dersel-
ben angetroffen, i An bestimmten, vom Verf. noch nicht nä-
her erkannten Stellen, tragen diosiß; Seh wamnizellen lange Wim-
percilien. Die Stütze dieser contractilen Zellen bildet be-
kanntlich ein Gerüst von Kieselnadeln, die in Strängen und
Bündeln nach verschiedener Richtung zusammenliegen und
ursprünglich, wie Verf. nachweist, einzeln in den Zellen ge-
bildet werden. Die Zelienmasse , die dieses Gerüst in sich
einschliesst, ist übrigens keineswegs in einem Zustande der
Ruhe befindlich ; sie ist im Gegentheile in einer beständigen,
zum Theil schon mit blossem Auge wahrnehmbaren Verschie-
bung begriffen. Der Schwamm gleicht gewissermassen einer
kolossalen Amoebe und bildet bald hier, bal ] dort einen Aus-
der niederen Thiere während des Jahres 1856. 253
laufer, resp. Fortsatz , dcir, nach kürzerer oder längerer Zeit
wieder schwindet; er veriässt sogar (in der Jugend, so lange
er noch klein ißt) seinen:, Standort, um .;eiOjen anderen be-
nachbarten Fi^alionsputikt aul'zusuclien. Auch sind die Zwi-
schenräume zwischen den Kiesielnadeln, nichij.etwa dichi U«d
ordnungslQSivon; den Schwammzellen ausgeJuHt. J^'icKl bloss
dass man an dem Schwämme eine äussere helJe, hier. Und
diu -^ nach neueren Untersuchungen, Ij^s^t im ganzei»;: Um-
fange — abstehende Umhüllungshautbemeirklii'rnan siehtj^uch
im Innern eine Menge von hellen Hohlräumen, die durch
Kanäle unter sich zusammenzuhängen scheinen. Jedenfalls
besitzen die Spongillen eine weile (grössere Exemplare auch
mehrere), auf dem Gipfel eines hellen und konischen Zapfens
gelegene Oeffnung, durch die ein beständiger Strom von Flüssig-
keiten hervortritt und einige kleinere OefTnüngen, durch die
man unsere Thiere in kurzer Zeit mit gefärbten Flüssigkeiten
vollständig imprägniren kann. Einige Stunden nach dem Ver-
suche sieht man die FarbestofTe durch die Auswurfsölfnuns"
wieder hervorströmen, üebrigens ist diese Auswurfsöffnung
eben so wenig stabil, wie die Form unseres Schwammes ;
dieselbe geht gelegentlich , mitsammt dem Zapfen , dem sie
aufsitzt, durch Einziehen verloren, um dann an einer anderen
Stelle wieder aufzubrechen.
Die Forlpflanzung unserer Süsswasserschwämme ist eiiie
mehrfache; sie wird bald durch- sog. Gemmulae, bald durch
sog. Schwärmsporen vermittelt. Die ersteren sind runde,
von einer festen Schale un>gebene Gebilde , die eine Anzahl
grobkörniger (fetterfüllter?) Schwammzellen in sich einschlies«
sen und durch Anwesenheit einer mikropylarligen Oeffnung,
wie auch meist durch einen eigenthümlichen Besatz von
mannichfach gestalteten Kieselkörperchen (Amphidiscen oder
Stäbchen) sich auszeichnen. Die Bildung dieser Gemmulae ge-
schieht in einlacher Weise durch Metamorphose gewöhnlicher
Parenchymzellen, die sich zusammenballen und mit einer
Schale umgeben; man beobachtet sogar gelegentlich, beson-
ders im Herbste, dj^ss sich die gesanimte Zellenmasse eines
iSchvvammes in Gemujulae verwandelt und eine längere Zeit
,(etwa den ganzen Winter) in diesem Zustande verharrt. Die
Keimung geschieht dadurch , dass sich die Zellen im Innern
^54 Leuckart, Bericht üb. d. Leistungen in d. Katurgeschichte
aufhellen und aus dem Porus hervorwuchern, bis die Schalen
schliesslich entleert sind. Schon nach einigen Tagen ent-
deckte der Verf. im Innern des so frei gewordenen Zellen-
haufens die bekannten Kieselnadeln , doch gelang es nicht,
die weitere Enlwickelung zu einem Schwämme zu verfolgen.
Auch die Schwärmsporen entstehen durch Zusammen-
ballen und Inhaltsveränderung aus den gewöhnlichen Schwamm-
zellen, und sind die unter dem Namen der Kcimkörnercon-^
glomerate früher beschriebenen Bildungen nichts Anderes,
als unvollständig entwickelte Schvvärmsporen. An den aus*
gebildeten Schwärmsporen unterscheidet man ausser dem
Wimperepithelium eine strukturlose , gallertartige Cortical-
schlcht und eine Medullarsubstanz , deren Bau je nach dem
Entwickelungsgrade Verschiedenheiten darbietet. In der Re-
gel besteht dieselbe aus einer (durch Zerfallen der sog. Keim-
körner gebildeten} sulzigen Masse mit eingestreuten Körnern,
doch enthalten ältere Schvvärmsporen auch bereits Schwamm-
zellen und Kieselnadeln, die sich freilich später, nach dem
Festsetzen, noch weit massenhafter entwickeln. Schon am
fünften Tage besitzt der junge, aus Schwärmsporen entwik-
kelte Schwamm sein Kanalsystem mit Auswurfsröhre.
Einige Male kamen kleine Keimkörnchenconglomerale
vor, die ausser den gewöhnlichen Theilen noch einen Nu-
cleus mit Nucleolus enthielten; Verf. ist geneigt, dieselben
für die Eier derSpongillen zu halten und nimmt an, dass sie
durch die Spermatozoiden befruchtet wurden. Diese letzteren
besitzen einen rundlichen Kopf — die von Carter beschrie-
benen Spermatozoiden der Spongillen erklärt Verf. für Infu-
sorien — und entstehen im Innern besonderer Kapseln auf eine
vom Verf. genau beschriebene Weise, die uns ein neues Bei-
spiel knospender Zellen vorführt.
Die früher von verschiedenen Seiten ausgesprochene
Vermuthung, dass die einzelnen Schwammzellen als selbst-
ständige rhizopodenartige Thiere , der ganze Schwamm also
als Colonie zu betrachten sei , ist nach der Ansicht des
Verf. kaum zu vertheidigen ; es scheint demselben (und ge-
wiss mit Recht) viel natürlicher , das Entwickelungsprodukt
der Gemmulae und Schwärmsporen oder, was dasselbe heissl,
den jungen Schwamm mit allen seinen Theilen als Individuum
der biederen Thiere während des Jahres 1856. S55
aufzufassen und zwar als ein Thier, dessen Zellen sich nicht
zu verschiedenen Geweben difl'ereni^irt haben, lieber die
systematische Slellnng der Poriferen spricht sich Verf. nicht
aus; wir lassen dieselben einstweilen noch als Anhangsgruppe
den Coelenteraten folgen, obwohl es ersichtlich ist, dass sie
Sich in vieler Beziehung an die einfacheren Formen der Pro-
tozoen anschliessen. Jedenfalls ist diese Stellung wohl eben
so berechtigt, wie etwa die Vereinigung dei; Infusorien mit
den Würmern. . l<sod Jui
Die Angaben, die Carter in seiner Abhandlung über
die Infusorien, die wir später noch besonders zu berücksich-
tigen haben (Ann. nat. hist. Vol. XVIII. p. U5 und 221), be-
züglich der Spongillen macht, sind mehrfach abweichend;
jedoch scheint es, als wenn dieselben an Genauigkeit durch-
weg hinler den Lieberküh n'schen Untersuchungen zurück-
blieben. Verf. sucht die einzelnen Zellen der Spongillen in
jeder Beziehung den Rhizopoden zu parallelisiren ; er will bei
denselben auch contraclile Bläschen gefunden haben (p. 132)
und vermuthet sogar einen Zusammenhang zwischen der Was-
serströmung im Innern des Spongillenkörpers und den Actio-
nen dieser Bläschen. Die Forlpflanzung der Spongillen wird
durch Eier (und Spermalozoen) vermittelt, wie sie Verf. auch
bei gewissen Infusorien gefunden haben will.
Bowerbank publicirl gleichfalls Beobachtungen über
Schwämme „on the vital powers of the Spongiadac" (Rep.
br. Assoc. helt 1S56. p. 438-- 451), die freilich weniger
die Anatomie und Histologie belrefTen, als vielmehr experi-
menteller Art sind. Dieselben beziehen sich auf eine Anzahl
von marinen Formen und haben vorzugsweise den Zweck,
den freiwilligen Verschluss und die eben so freiwillige Oefl-
nung der Oscula ausser Zweifel zu stellen. Für die Einzeln-
heiten der Experimente verweisen wir auf das Original; es
genügt uns hier die Thatsache , dass dem Verf. der beab-
sichtigte Nachweis auf das Vollständigste gelungen ist. Wei-
ler erwähnen wir hier die Beobachtung, dass zwei oder meh-
rere Exemplare von Schwämmen derselben Art, die neben
einander befestigt werden, sehr bald zu einer gemeinschaft-
lichen Masse zusammenfliessen , während solches bei Exem-
plaren verschiedener Art nicht der Fall ist. Ebenso ent-
^56 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
wickeln sich auch die Theüslücke eines Schvvammes durch
Vernarbung" der Schnillilächo und Neubildung von Oscula zu
selbslstandigen G«ßchöpfen. DieJs^ahrungsaufnahme gesiiU'niht,
wie bei Aclinöplirys sol, und .zwar vehniltelst einer; Sarko-
deschicht, die das Kanalsystera der ^pongisden .aus.kleide;t.
(Auf Wesentlich gleiche Weise soll übirigehs iaiictiji|)Qi: flen
höheren Thiereh, selbst Wirbelthieren, die Nahrungsaufnahme
vor sich gehen, wie denn nach Verf. überhaupt die ,gg§9iumtjg|'
Darinschleimhaut beständig aus Sarcode besteht*) jirnf/W n-^b
Ueber dre „Arien der Spongillen« handelt/ Li e'b er-
kühn a. ä. 0. S.5U9. " ii' ;^.;:!?'
"■'d f(Vei-fi tmlerscheidet deren fünf, zwei Arten mit höcl«rigfen .Na-
delnd Sp, erinaceus Ehrbg. (Genimulae mit ganzrandigen Amphidiscen)
und Sp, Mülleri n. gp. (Gemmulae mit gezackten Amphidiscen), so wie
drei Arten mit. glalten Nadeln: Sp. ßuviaiUis (Gemmulae mit gezack-
ten Amphidiscen) , Sp. lacustris (Gemmulae mit glalten Schalen) und
eine fünfte noch unbenannte Art, deren Gemmulae mit höckrigen Na-'
dein besetzt sind.
WV. Protozoa.
Agassiz wiederholt die schon früher von ihm ausge-
sprochene Ansicht von der Naturvvidrigkeit einer eigenen Pro-
tozoengruppe. Viele der dahin gerechneten Geschöpfe (Des-
midiaceen , Volvocinen, ja vielleicht sogar die Rhizopoden)
seien dem Fflanzenreiche zu überweisen, während die übrig-
bleibenden Formen theils zu den Mollusken. (Vorticellinae),
theils auch zu den Würmern gerechnet werden müsslen. Con-
tributions elc. p. 182. Dass die Gregarinen ausgebildete
Thiere seien, wird für sehr zweifelhaft gehalten. Ibid. p. 77.
Anders urlheilt dagegen Huxley, der in der geringen
oder vielmehr ganz unvollständigen morphologischen und
functionellen DifTerenzirung des Protozoenkörpers Grund ge-
nug findet, die betreffenden Geschöpfe als Repräsentanten
einer eigenen grossen Hauptabtiieiluhg zu betrachlen. , (Le-
clure lil. 1. c. T. XII. p. 507). Diese Abiheilung zerfällt nach
Verf. in zwei Gruppen, die der mundlosen Protozoen mit den
Gregarinen, Rhizopoden, Spongiaden und Thalassicollen und
die der Stomaloda mit den echten Infusorien (ohne Mon^-
der niederen Thiere wührend des Jahres 1856. 275
den, Vibrionen, Volvocinen und ßacillarien) und den Nocli-
luciden.
Carl er publicirt eine ausführliche Abhandlung über
den Bau der Infusorien, mit Einschluss der Spongillen und
Rhizopoden. Notes on Ihe fresh-waler Infusoria of Ihe island
of Bombay. No. I. Organisation, in den Ann. and Mag. nat.
hist. Vol. XVIII. p. 115—132 und 221—249. Tab. VI und VH
(im Auszuge ebendas. Vol. XVII. p. 356 oder Prac. Roy. Asiat.
Soc. 1856).
Die Infusorien oder vielmehr Protozoen sind nach Carter
einzellige Geschöpfe, deren Organisationstypus sich auf den Bau einer
einfachen Pflanzcnzelle reducircn lässt. Verf. unterscheidet bei den-
selben eine helle und strukturlose , contraktile Rindenschicht (dia-
phane), deren äussere Begrenzung eine zarte, mitunter aber sehr deut-
liche Oberhaut (pellicula) darstelle, und im Innern der Rindenschicht
eine von Molecülen , Körnchen und andeiren Gebilden durchsetzte
schleiiiiige ülasse, die in vielen Fällen eine beständige Rotation zeigt
und die Verf. ausschliesslich als Sarcode (oder Bauchschleim, abdominal
mucus) bezeichnet wissen will. Gewisse^ bei Otostoma (n. gen.) u. a,
in der centralen Körpersubstanz beobachtete sphärische Zellen mit
Tochterblasen werden als Leberzellen gedeutet. Die contractile Blase
mit ihren Gelassen (die Verf. freilich viel weniger vollständig er-
kannte, als Lachmann und Li ebe r kühn), betrachtet Verf. als £x-
cretionsorganc, die sich nach Aussen oder (Vorticella) in die Mundhöhle
öffnen, Arcella und Diffluglia sollen in der Peripherie des Leibes
eine grosse Menge solcher Bläschen besitzen. Den Kern beschreibt Verf.
als ein hohles Bläschen, dessen Inhalt sich durch fortgesetzte Thei-
lung mitunter in einen Haufen granulirter Körperchen verwandele
(Amoeba, Euglypha), die eine selbstständige Beweglichkeit besitzen
und bisweilen auch frei im Körperparenchym angetroffen wurden.
Verf. nimmt diese Körperchen als Spermalozoen in Anspruch. Auch
Eier beschreibt Verf., und zwar unter der Form kleiner rundlicher ode
plattgedrückter Kern -Zellen, die zu gewissen Zeiten (Amoeba, Eu-
glypha, Difflugia, Astasia , Euglena) in der Leibessubslanz verbreitet
seien und sich zu amoebenartigen Sprösslingen entwickelten. Die Bil-
dung und Geburt von Schwärmsprösslingen scheint nicht beobachtet
zu sein, wohl aber sah Verf. nicht selten eine Copulation von zwei
und mehr Individuen (Actinophrys, Amoeba, Euglypha und Euglena),
nur dass sich diese meist wieder nach einiger Zeit von einander
trennten.
Leydig bekämpft (vergl. Histologie S. 16) die Lehre
von der Einzelligkeit der Protozoen, wenigstens der enlschie-
Arcbiv f. Naturgesch. XXIll. Jahrg. 2. Bd. R
258 Leuckart: Bericht üb d. Leistungen in d. lYaturgeschichte
den Ihierischen Infusorien und Rhizopoden, und glaubt sogar
die Existenz einer unge formten conlractilen Substanz
(Sarcode) in Abrede stellen zu dürfen. Was man mit die-
sem Namen bezeichnet hat, soll, ganz wie das Gewebe der
höheren Thiere , aus Zellen bestehen , nur aus sehr kleinen
Zellen, die durch unsere gegenwärtigen optischen Hülfsmittel
mit Sicherheit weder erkannt, noch analysirt werden könn-
ten. (Ref. möchte es übrigens fast bedünken, als wenn Verf.
in seinen Behauptungen, besonders für die Rhizopoden, etwas
»u weil ginge.)
Cienkowsky glaubt durch unmittelbare Beobachtung
die Urerzeugung ausser Zweifel gestellt zu haben „zur Ge-
niDse eines einzelligen Organismus", Bull, phyis. malh. Äcad.
gt.,;Petersbourg T. IL p. 359. Avec 2 tabL
'" Lässt man KartofFelknollen eine Zeit lang unter Wasser faulen,
so entsteht — unter gewissen, noch nicht näher bekannten Verhält-
nissen -— durch Umwandlung der Amylumkörnchen ein zellenförmiges
Gebilde, in dessen Innerm isich eine Anzahl von schlanken und band-
förmigen, stark contraktilen Fäden bilden. Verf. hält die Mutterzelle
für ein Pilz, die Fäden für Schwärmsporen, ohne jedoch deren wei.
tere Entwickelung beobachten zu können.
Eine andere Deutung findet diese seither auch von an-
derer Seite bestätigte Beobachtung durch Cohn, der die-
selbe mit anderen ähnlichen Angaben in einem eigenen Auf-
salze (34. Ber. der schles. Gesellschaft für vaterl. Gullur 1856.
S. 37) zusammenslellt und der Ansicht ist, dass es sich hier
keineswegs um einen selbslsländigen Organismus handele,
sondern nur um eine abnorme oder krankhafte Veränderung
des Zelleninhalles, wie sie auch sonst gelegentlich in Ihieri-
schen und pflanzlichen Zellen vorkomme und namenthch
auch den monadenarligen sog. Pseudogonidien gewisser Al-
genzellen ihren Ursprung gebe. Von solchen Pseudoorga-
nismen , deren Existenz an ihre Mutterzellen gebunden ist,
wohl zu unterscheiden sind die wirklichen Thiere oder
Pflanzen , die man bisweilen als Parasiten in geschlossenen,
scheinbar unverletzten Zellen antrifft , die aber wohl un-
zweifelhaft von Aussen eingedrungen sind. Hicher z. B. das
Vorkommen von Trachelius trichophorus in absterbenden Al-
genzellen u. a.
der niederen Tili oi'e walirend 4e8'iahr«s 18S^* >'< * > 260
Auch Carler hebt den Parasitismus gewisser Infuso-
rien hervor und schildert namentlich die- Lebensfreschichtc
eines nassulaartigen Infusoriums Otostoma (n. gen.) , das in
die Inlenodien einer bei Bombay vorkommenden Nitella ein-
dringe, sich hier einkapsele und in der Cyste durch Tlneiliin^
vermehre. L. c. Vol, XVII. p. 117. : nod'MhoviM,! ^',h,vjx^
Ebenso sollen auch n^<^'deitf#ö1b<eh B^hbm^tt^f (1. c.
p. 116) die Keime von Amöbe'rt' '1Ä 'feügteT^^ri'üh'cf iirtdfe^^
niedere Organismen eindringen und hier sich entwickeln. "*
, Ehrppberg berichtet über diß,y^RJ5,ft4^ey öA^s^riji.rifi^'yj
gruben von 16,2(>0 Fuss Tiefe (Kamsohatka) aufgefur^lene^i
Ueberreste mikroskopischer Meeresorganismen j Berl. Mo-)
iVÄtsber. 1856. S. 167—200 (vgl. ßailey Afrt^r. Journ. 1856*
X'XI. p. 284. Ibid. XXII. p.1-6).' --^ • ".-.i.. .Mu...,«!.v^,ia
Derselbe „über das mikroslioprscfie LeWn" äer ceii^
tralen Landflächen Mittelalrikas.« (Ebendas. S. 3;^.)-r-338 ^(j^,
ab.) so wie „über zwei neue südamerikanische Gebirgismas-f»
sen aus mikroskopischen Organismen, eine aus Meeresorga*-!
nismen in Chile und eine als mit gefriltetcn Süsswasseror^
ganismen gemischten vulltanischen essbaren Tuff aus Hondtfi
ras in Central-Amerika.« (Ebendas. S. 425— 431.) Betreffet
meist vegetabilische Organismen .aus der Gruppg der Dia-
tomeen. , .lii,Y fln^b oiw. tnobiaw a9fci>iwysdaß0
Von A. Schulz erhielten wir ;;Beilräge zur Kenn tnist
der Infusorien des Herzogthums Nassau«* (Jahrb. des Vereins
für Naturkunde im Herzogth. Nassau 1856. S. 1—13. Taf. I},
in denen 146 Arten (6 Rhizopoden, 109 Infusorien — mit,
Monadincn und Vibrionen — 37 Phylozoidien) aulgezählt und
einige als neu beschrieben werden.
... ,■//).'•■ . mVJtl iUkiiViitiinhll ttiü
Lachmann's Abhandlung „über die Organisation der
Infusorien, besonders der Vorticellen" (Müller's Arch. füi'
Anal, und Physiol. 1856. S. 340. Tab. Xlll und XIV) ist eine
Bearbeitung der schon .Jahrs zuvor erschienenen vortrelflichen
Inauguraldissertation: de Infusoriorum imprimis vorlicellino-
rum struclura" und (mitsamml den Zusätzen) bereits im lelz'-i*
ten Jahresberichte von uns berücksichtigt. ■'•*'%
260 Leuckai't: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
cm ata. Lieberkühn liefert „Beiträge zur Anatomie
der Infusorien" (Müller's Archiv für Anat. u. Physiologie 1856.
S. 20— 37. Ann. and Mag. nat. hisl. Vol. XVlIl. p. 3l9), mit
Beobachtungen über einzelne Organisationsverhällnisse von
Ophryoglena, Bursaria und Paramaecium , aus denen wir Fol-
ffendes hervorheben:
Ophryoglena flavicans besitzt neben dem Pigmentflecke ein
sehr eigenthümliches „uhrglasförmiges« Organ von fester und durch-^
sichtiger Beschafi^enheit , das auch bei der pigmentlosen Bursaria flava
vorkommt, in anderen Fällen aber trotz Anwesenheit sog. Augen-
flecke (auch bei Ophryoglena atra) fehlt. Die sog. contractile Blase
ist — wie auch Lachmann gefunden hat , vgl. J. B. XXIL S. 432 —
Centraltheil eines sehr entwickelten Gefässsystemes, das sich vorzugs-
weise unter den Körperhüllen ausbreitet und nach unserem Verf. ein
ßlutgefässsystem darstellt. Was man bei den Paramaecien u. s. w. schon
seit Ehrenberg als sternförmige Ausläufer der contractilen Blase
kannte, sind die ersten Anfänge dieses Gefässsystemes, die sich übri-
gens bei Systole und Diostole in etwas verschiedener Weise verhal-
ten. Auffallend ist übrigens, dass diese Gefässe nur als Zuleitungs-
röhren, fungiren ; die Entleerung der contractilen Blase geschieht
auf anderen , jTreilichi noch unbekannten Wegen. Eine Beobachtung
bei Bursaria vorticella scheint jedoch dafür zu sprechen, dass der
Inhalt der contractilen Blase wieder in das Körperparenchym zu-
rückkehre. Eine Ausmündung der contractilen Blase nach Aussen,
wie sie 0. Schmidt behauptete (J. B. XXL S. 94) , konnte nicht
nachgewiesen werden, wie denn Verf. überhaupt die Beweiskraft der
Schmidrschen Angabe in Zweifel stellt.
Weitere Beobachtungen desselben Forschers (Zeitschr.
för wiss. Zool. VliL S. 3D7) beziehen sich auf die Vorgänge
der Schwärmsprossbildung und Conjugation. In Betreff des
erstem Vorganges bemerkt unser Verf., dass sich derSchwärm-
sprössling (von Acineta) nicht im Umkreise eines Theilstückes
des mütterlichen Kernes entwickele, wie man wohl angege-
ben hat, sondern aus einem solchen Theilslücke selbst ent-
stehe und zwar oftmals zu einer Zeit, in der dieses Stück
noch mit dem Nucleus des Mutterlhieres zusammenhänge. Nach
der Copulation von Actinophrys (vgl. hierüber auch Müller's
Arch. 1856. S. 505) sah Verf. die contractilen Blasen der
copulirten Individuen nicht nur beständig persistlren; er beob-
achtete auch, wie die betreffenden Individuen sich nach eini-
gen Stunden wieder vollständig trennten.
der niederen Thiere während des Jahres 1856. !261
Auch J Möller publicirt „einige Beobachtungen an
Infusorien« Monalsber. der Berl. Akad. 1856. S. 389. Zu-
nächst macht derselbe darauf aufmerksam, dass bei einem
theils mit Loxodes rostrum , Ihciis mit Trachelius meleagris
übereinstimmenden Infusorium eine Längsreihe blasenförmiger
nicht contractiler Organe vorkomme , von denen ein jedes
einen runden, ihs Licht stark brechenden Körper in sich ein-
schliesse. Sodann wird hervorgehoben , dass sich bei Pa-
ramaeciuin Aurelia und einig-en verwandten Formen mitunter
im Innern des sog. Kernes „der doch wohl mehr sein müsse,
als der Kern einer Zclle^* eine Menge meist lockenförmig zu-
sammcngruppirter , bewegungsloser Fäden entwickele, die
auch von Lieb er kühn, Lach mann und Claparede
gesehen seien, einstweilen aber noch keinerlei sichere DeU7
tung zuliessen. (J. M. sagt: „es ist unnöthig und vorzeitig,
für jetzt weitere Schlussfolgerungen aus diesen Beobachtun-
gen zuziehen«, erinnert aber zugleich daran, dass jener sog.
Kern von Ehrenberg als „Samendrüse« bezeichnet sei —
wer denkt dabei nicht an Samenfäden?) Ob gewisse be-
wegliche Fäden, die sich, nahe der conlractilen Blase, in eige-
nen kleinen Hohlräumen bei Stenloren eingeschlossen fanden,
irgend eine Beziehung zu den eben erwähnten fadenförmigen
Bildungen hatten und nicht vielleicht verschluckte Vibrionen
waren, Hess sich nicht entscheiden. Schliesslich macht Verf.
weiter darauf aufmerksam, dass sich bei dem (von Li eber-
kühn so genau beschriebenen) Spiele der conlractilen Or-
gane von Paramaecium aurelia nicht bloss eine Systole der
Blase , sondern auch eine solche der birnförmigen Erweite-
rungen der Sternstrahlen unterscheiden lasse, und dass durch
letztere der Inhalt der Strahlen in die wohl von eigenen Wan-
dungen umgebene Blase entleert werde.
Leydig glaubt den Infusorien einen förmlichen Darm-
kanal vindiciren zu müssen, eine „kanalartige Lücke« in der
Leibessubstanz , deren Begrenzung jedoch so fein sei, dass
sie sich nicht als besondere Linie von der Umgebung absetze.
Vergl. Histologie S. 329 und 345. Die contractile Blase wird
mit den davon ausgehenden Kanälen trotz der gegenüberste-
henden Ansicht der Beiliner Mikroskopiker für ein Excre-
tionsorgan gehalten und (wie das zuerst vom Ref. geschehen
262 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
ist) dem sogr. Wassergefässsyslem der Turbellarien und an-
derer Würmer verglichen. Bei Vorticella glaubt sich Verf.
— wie Carler, s. o. — davon überzeugt zu haben, dass
dieselbe in den für Mund und After gemeinschaftlichen Cloak-
raum ausmünde. Vergl. Histologie S. 395.
Nach J. Samuelson sollen die verschiedenen, von
Ehrenberg und Pouch et einerseits, von v. Siebold
und Cohn andererseits vertretenen Ansichten über die Bil-
dung des Verdauungsapparates für bestimmte Formen beide
gleich berechtigt sein. Bei Glaucoma scintillans will der-
selbe eine Anzahl fester Magensäcke (ohne Darm) , bei Chi-
iodon aureus (und Stentor) die von Cohn bei Loxodes be-
schriebene Rotation des Körperinhaltes beobachtet haben.
Journ. micr. Science 1856. IV. p. 165—167.
*^' Weitere Millheilungen desselben Verf. über Glaucoma
"scintillans Ibid. V. p. 18.
Wilson macht einige Beobachtungen über die Nah-
rungsaufnahme der Vorticellinen und glaubt sich dadurch zu
dem Schlüsse berechtigt, dass auch die Infusorien mit Ue-
berlegung handelten. Ibid. V. p. 17.
Stein giebt einige kurze Notizen ^über Acinelenbil-
dung* (Tageblatt der Wiener Naturforscher- Versammlung
S. 53). Derselbe bestätigt, dass der Schwärmsprössling
der Acineten selbst wiederum zu einer Acinele werde , will
aber weiter beobachtet haben, dass auch dieSchwärmspröss-
linge von Loxodes ßursaria, Slylonychia mylilus, Urostylis
grandis und Bursaria truncatella sich in Acineten umbildeten.
Bei erstercr zerfällt die Sprösslingsanlage in zwei Hälften,
die sich nach der Umwandlung in eine Acinete abtrennen.
Die äussere Hälfte bekommt Wimpern und schwärmt , wäh-
rend die untere den Acinetentypus behält , unter Umständen
aber auch sich encystirt. Die Acinelenform der Teichlinse
bildet im Innern mitunter zahlreiche, äusserst kleine Körper-
chen, die durch eine schlaucharlige Körperverlängerung her-
vortreten und nach der Vermuthung des Verf. möglicher
Weise zu dem Befruchtungsprocesse eine Beziehung haben.
Carter behauptet, wie Stein, sich von der Meta-
morphose gewisser Vorlicellen in Acineten und Amöben über-
der niederen Thiere während des Jahres 1856. 363
zeugl zu haben und glaubt solche Umwandlungen für sehr
allgemein unter den Infusorien ansehen zu dürfen. AuchEu-
glenen und rnonadenarlige Geschöpfe sollen sich nach ihm
gelegentlich in Amöben (rhizopodous forms) umwandeln.
L. c. Vol. XVllI. p. 236, 122 u. a. a. 0.
Die SchmidTsche Entdeckung von der Existenz der
Angelorgane bei gewissen planarienartigen Infusorien (J. B.
XXI. S. 93) findet durch Stein (a. a. 0.) und auch durch
Carter (\- c. p. 128) eine neue Bestätigung.
Weisse führt an, dass gewisse Infusorienformen (Nas-
sula ambigua, Slylonychia pustulata u. a.) auch nach jahre-
langem Auftrocknen durch Begiessen mit Wasser wieder in*s
Leben zurückgerufen werden und empfiehlt das Auftrocknen
infusorienhalligen Schlammes als Mittel, diese Thiere aufzu-
bewahren. Müller's Arch. 1856. S.lM.
Lieberkfihn handelt gelegentlich (ebendas. S. 3) über die
in Schwämmen parasitisch lebende Infusorienfauna.
Györy macht auf das häufige Vorkommen einer (wahrschein-
lich neuen) Bursaria im Dickdarme von Hydrophilus piceus aufmerk-
sam. Wiener Sitzungsbr. III. S. 33t. Mit Abbild.
Die Leucophrys cochleariformis Leidy (Journ. Acad. Phil. HI.
P. 2. p. 144) aus dem Darmkanale von Lumbriculus tenuis ist äugen-
scheinlicher Weise eine Opalina. Gleiches gilt wohl auch von der
schon früher beschriebenen L. clavata desselben Verf. (J. B.XXI. S.IOO)
aus der Leibeshöhle jenes Thieres.
Das schon mehrfach erwähnte Carter'sche Genus n. 0 tostoma
(1. c.) trägt folgende Charaktere: Body Ovoid, of a light brown
colour , covered with longitudinal lines of cilia. Mouth ear-shaped,
in a depression situated about the junction of the anterior with the
middle third of the infusorium; buccal cavity broad, short, curved
downwards, and a Utile upon itself oulwards , plicated longitudinal
in parallel lines. Anus terminal; gland or nucleus long, fusiform,
situaled belwecn the buccal cavity and the contracting vesicles, which
are double, and connected with a set of vessels, something like those
of Paramaecium Aurelia.
Schulz beschreibt in seinen „Beiträgen zur Infusorienkundc
des Grossherzogthums Nassau« als neu: Paramaecium fßlanoconvexum,
Trachelocera linguifera Perty Var. rugosa , Cyclidium nigricans , Tri.
ehoda striata.
FlageUala. Nach Cohn's Beobachlungen findej sich bei
den Volvocinon und namentlich bei Volvox globaler i)i()ht bloss
2Ö4 Leuckarl: Bericht üb, d. Leistungen in d. Naturgeschichte
die seit Ehrenberg bekannte Forlpflanzung durch Thei-
lung , sondern auch eine geschlechtliche Forlpflanzung , die
sich im Wesentlichen an die seit einigen Jahren bekannten,
entsprechenden Vorgänge bei den höheren Algen anschlies-
sen. Annales des sc. naiur. 1856. Botan. p. 323 — 332. (Eine
kurze Notiz über diese Vertiältnisse findet man auch in dem
während der Wiener Nalurforscherversammlung ausgegebenen
Tageblatle, so wie Cpt. rend. 1856. 11. No. 22.)
Die Entdeckung Cohn's ist namentlich desshalb in-
teressant und wichtig, weil sie einen Organismus betriff"!, der
noch immer von vielen Seilen für ein Thier gehallen wird
uijd auch in unverkennbarer Weise den unzweifelhaften thie-
rischen Infusorien nahe steht. Dass letztere sich in Betreff"
ihrer Fortpflanzungsverhältnisse ähnlich verhallen dürften, ist
eine Vermuthung, die sich nach derartigen Erfahrungen dem
Zoologen immer wieder von Neuem aufdrängen muss. Un-
ter solchen Umständen scheint es Ref. denn auch gerecht-
fertigt, hier auf; (3o bH'S.ßeobachlungen etwas ausführ-
licher einzugehen. Es mag die Darstellung dieser Verhältnisse
zugleich ein Beispiel für die Vorgänge der geschlechllichen
Forlpflanzung bei den niederen Pflanzen überhaupt sein, für
Erscheinungen, die trotz dem hohen wissenschaftlichen Inte-
resse, das sie besitzen, und namentlich auch für den Zoologen
besitzen, der sich mit den Lebensverhältnissen der niederen
Thiere beschäftigt , dem gegenständlichen Inhalte unserer
Referate zu ferne liegen, als dass sie hier weiter erörlert
werden könnten. (Wer sich für diese Verhältnisse specieller
interessirt , den verweisen wir hier besonders auf Prings-
heim's und C o h n*s Untersuchungen in den Berl. Monatsbe-
richten 1855, 1856, 1857 und auf das erste Heft von Prings-
heim's Jahrbüchern für wissenschafiliche Botanik 1857.)
Nach einer gedrängten Uebersicht über die Organisation
der Volvocinen im Allgemeinen schildert Verf. zunächst die
ungeschlechtliche Forlpflanzung von Volvox globalor, den
Verf. natürlich mit allem Rechte als einen zu gemeinschaft-
lichen Schwärmcolonieen vereinigten, einzelligen Organismus
in Anspruch nimmt. Die ungescblechlliche Vermehrung wird
Irotz der morphologischen Gleichartigkeit der Einzeizellcn in
einer solchen Colonie — und gleiches gilt auch von der ge-
der niederen Thiere während des Jahres 1856. 265
sclilechllichcn Forlpflanzung- — immer nur von einzelnen we-
nigen Individuen venriillell, meist nur von etwa aclit, wah-
rend die Gesammizahl der Individuen in einer Colonie nicht
seilen 1500 beträgt und gelegentlich selbst bis auf 12000
heranwächst. Die Veränderungen der betreffenden Zellen
bestehen darin, dass dieselben um ein Beträchtliches wachsen
und ihr Inhalt dabei einem fortschreitenden Theilungsprocesse
unlerliegt, Gleichzeitig hat sich der frühere Kern (? Ref.) in eine
Vacuole verwandelt, die ebenfalls an Grösse zunimmt , so
dass die Produkte der Theilung, die im Umkreise der Vacuole
liegen , sich schliesslich in einer kugelförmig gekrümmten
Ebene neben einander ausbreiten. Aus räumlichen Gründen
springt dieser Zellenballen mit zunehmender Vergrösserung
immer mehr nach Innen, in den mit einer schleimigen Flüs-
sigkeil gefüllten Centralraum der Muttercolonie vor, bis er
sich schliesslich nach dem Schwunde der umgebenden frü^
heren Zellcnmembran ablöst und in diesen Innenraum hin-
einfällt, um sich hier mit den inzwischen gebildeten Flimmer-
haaren frei umherzubewegen, bis er schliesslich bei irgend
einer Gelegenheit nach Ruptur der umgebenden Wandungen
nach Aussen hervortritt.
Die geschlechtliche Forlpflanzung geschieht meist zu
einer Zeit, in der die eben geschilderte Vermehrung nicht
beobachtet wird. Auch sie äussert sich anfangs als eine
einfache Vergrösserung gewisser Zellen, die dabei gleichfalls,
besonders nach Innen, wachsen und eine fast flaschenförmige
Gestalt annehmen. Die einen dieser Zellen verhalten sich als
männliche, die anderen als weibliche. Bei den erstem geht, wie
bei der ungeschlechllichen Vermehrung, eine fortgesetzte
Theilung vor sich, aber die Theilungskugeln ordnen sich hier
in eine Scheibe zusammen (nicht in eine Hohlkugel) und
verwandeln sich einzeln in einen höchst beweglichen Samen-
faden. An lelzlerm unterscheidet man einen stabförmigen Kör-
per, der in einen contractilen schwanzartigen Schnabel aus-
läuft und an der Basis dieses Anhangs zwei wimpernde
Cilien trägt. Sind diese Samenfäden (also durch Umwandlung
des gesammtcn Körperparenchyms eines Volvox-Individuums)
völlig ausgebildet , so durchbrechen sie ihre UmhüUung und
fallen in den Innenraum der Colonie, wo sie sich dann als-»
266 Leuckart: Bericht üb. tl. Leistungen in d. Naturgeschichte
bald irn Umkreise der inzwischen ganz unverändert geblie-
benen weiblichen Zellen (oder Individuen) ansammeln. Auf
eine noch nicht völlig genau erkannte Weise dringt sodann
eine Anzahl dieser beweglichen Fäden in das Innere der
weiblichen Zelle — es erfolgt eine Befruchtung, die sich zu-
nächst dadurch äussert , dass sich der Inhalt dieser Zelle
durch Umbildung einer neuen , zuletzt sich sternförmig in
Zapfen erhebenden Membran in eine ruhende sog. Spore ver-
wandelt. Der ruhende Zustand von Volvox ist also das Pro-
dukt einer geschlechtlichen Fortpflanzung, er ist gewisser-
massen ein Ei, in das sich der gesammte Inhalt des mütter-
lichen Körpers verwandelt hat, wie der des männlichen Orga-
nismus in Samenfäden.
In Ehrenberg's grossem Infusorienwerke sind übri-
gens alle die hier geschilderten Zustände beseits abgebildet.
So ist Sphaerosira volvox Ehrbg. der geschlechtliche Zustand,
Volvox aureus und V. stellatus der Zusland einer Colonie mit
unreifen und reifen Sporen.
Der von Stein unterschiedene kleine Volvox minor
(J. ß. XXII. S. 438) scheint wirklich eine selbstsländige Art
zu sein, da seine Sporen beständig glatt bleiben und männ-
liche, wie weibliche Zellen beständig auf verschiedene Co-
lonien vertheilt zu sein scheinen.
Weisse schildert in „einer kleinen Zugabe zu A.
Schneider's Beiträgen zur Naturgeschichte der Infusorien**
(Müller's Arch. 1856. S. 160— 164) die Bildung und Geburt
der vier Schwärmsporen bei den ruhenden Formen von Chlo-
rogorium euchlorum.
Ueber Pandorina morum vergl. Henfrey in den QumU
Journ. micr. Sc. 1856. p. 49. PI. IV. (on some fresh- waler
confervoid algae).
Auch Fresenius handelt „über die Algengattungen
Pandorina, Gonium und Rhaphidium.** Abb. der Senkenb. na-
turf. Gesellsch. 1856. IIL S. 187.
S chaaf f haus en beobachtete bei Bonn die Monas Okenii
Ehbg. Verhandlungen des nalurhist. Vereins der ßheinlande 1856.
XIU. S. i.XVII.
Monas rylindrica n. sp. , Astasia rubescens n. sp., Trachelomo»
nas acuminata n. sp,, Schulz a. a. 0. S, 9 und 10.
1
der niederen Thiere während des Jahres 1856. 267
Das Genus Astasia hat nach Carter's Beobachtungen (1. c.
p. 116 Note) einen deutlichen Mund und einen riemlich complicirten
Belssapparal, also Charaktere, die es von den Euglenen unterscheid
den und den höheren Infusorien annähern.
Wohin der von Leydig in dem Magen einiger biulsaugenden
Wirbellosen (PIscicola, Pontobdella , Ixodes) aufgefundene Ungliche
Parasit mit undulirender Membran gehöre, dürfte wohl sehr zweifel-
haft sein. Verf. vermuthel, dass derselbe mit dem Blute der Fische
und Schildkröten eingewandert sei , da derselbe einmal auch in dem
Blute der Frösche beobachtet wurde. Yergl. Histologie S. 346.
(Möglicher Weise dürfte dieses Gebilde mit den von Siebold im
Blute der Fische und Frösche beobachteten Pscudoparasiten identisch
sein. Vgl. Zeilachrift für wiss. ;Zool. II. S. 363),
3* Illiizf»poda.
W es Ion macht Miltheilunoren über Actinophrys sol und
"beschreibt namentlich den Process der Nahrungsaufnahme und
"der Theilung in einer mit Claparede im Wesentlichen
übereinstimmenden Weise. Das Spiel der contractilen Blase
wird als Bewegung eines Klappenapparates gedeutet, und der
Austritt von Sarkodetröpfchen aus dem Körper mit dem Fort-
pflanzungsgeschäfle in Zusammenhang gebracht. Die Beob-
achtungen des Verf. sind in Indien angestellt. Quarterly
Journ. micr. Sc. 1856. p. 117—123.
Carpenter's Untersuchungen über den Bau der Fora-
miniferen, über die wir im letzten Jahresberichte erst nach
einer vorläufigen Mitlheilung referiren konnten, liegen jetzt
in ausführlichen, mit schönen Abbildungen illustrirten Publi-
kationen vor. Besearches on Ihe Foraminilera; Part. I. con-
tainig general introduclion and mouograph of the genus ür^
hilolites, Phil. Transact. roy. Soc. 1856. p. 181—236. Tab. IV
— IX; Part. 11. on the genera OrbicuUna ^ AlveoUna ^ Cyclo-
clypeus and tieterosiegina , Ibid. p. 547—569. Tab. XXVIII
—XXXII (im Auszuge und ohne Abbildungen in den Proc.
roy. Soc. 1855. Juno oder Ann. and Mag. nat. bist. XVIII.
p. 334.)
W'ift in der ersten Abhandlung über Orbitolites (für die wir auf
unseren früheren Bericht verweisen) , so ist es auch in der zweiten,
und hier noch ausschliesslicher, der Bau der festen Schale, der den
Unlorsuchungen unseres Verf. zu Grunde liegt und in sorgfälliger Weise
von demselben besehrieben wird. — Was zunächst das Gen. Orbicu«
268 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
lina betrifft, so ist dieses trotz seiner meist (besonders in der Ju-
gend) ppiraligen Form mit Orbitolites so nahe verwandt, dass man
dasselbe vielleicht nicht einmal generisch davon abtrennen kann.
Die Beziehungen der einzelnen Zellen sind genau dieselben ; nur
ist in der Regel die Bildung der Centralzelle etwas verschieden.
Auch Alveolina zeigt in dieser Hinsicht eine grosse Uebereinstim-
mung mit Orbitolites ; jedoch sind hier die einzelnen Ringe oder Spi-
raltouren zu fiächcnhaft entwickelten Lagen ausgewachsen , so dass
die Gesammtform keine Scheibe, sondern ein mehr oder minder ge-
strecktes Sphäroid ist. Sehr abweichend dagegen ist der Bau von
Cycloclypeus, obwohl dieser sich durch seine äussere Form unmittel-
bar an Orbitolites anschliesst. Die Zellen, die hier meist in einfa-
cher Lage entwickelt sind, stehen zunächst nur durch radiäre Yer-
bindungskanäle in Zusammenhang. Einfache concentrische Kanäle
fehlen; statt ihrer findet sich ein complicirtes System von Intersep-
talkanälen, das die von besonderen Wandungen umschlossenen Zellen
umspinnt und nicht bloss dazu dient, entlegene Zellen unter sich in
Communication zu setzen, sondern auch verschiedentlich an den bei-
den Flächen der gemeinschaftlichen Schale ausmündet. Diese Flächen
tragen übrigens einen dicken Ueberzug von einer eigenen tubulösen
und geschichteten, festen Schalensubstanz. Ganz ähnlich verhält sich
die freilich dem Aeussern nach sehr abweichende Heterostegina (auch
Nummulites), deren Verschiedenheiten sich auf gewisse Differenzen in
den Vegetaliousverhältnissen resp. der Vermehrungsart der Zellen zu-
rückführen lassen.
Verf. zieht aus seinen Untersuchungen den gewiss ganz richti-
gen Schluss, dass die von der äusseren Form und dem Wachsthume
der Foraminiferenschale hergeleiteten Einlheilungsprincipien (d'Orbig-
ny's, theilweise auch Scbultze's) keineswegs haltbar seien.
Max Schultz e's „Beobachtungen über die Fortpflan-
zung der Polythalarnien" (Müller's Arch. für Anat. und Phy-
siol. 1856. S. 165. Tab. VI B) sind nach einer früheren Mit-
theilung bereits im vorigen Jahresberichte (S. 443) von uns
berücksichtigt worden.
Die schon im letzten J. B. (ß. 443) erwähnten Unter-
suchungen Ehrenberg's „über den Grünsand und seine
Erläuterung des organischen Lebens" sind jetzt auch in den
Abhandlungen der k. Akad. der Wissensch. zu Berlin 1855
(Berlin 1856) erschienen und durch sieben schöne Kupfer-
tafeln erläutert.
Unter den aus centralafrilianischen Erdproben aufgefundenen
organischen Ueberreste erwähnt Ehrenberg die Schale einer Arm
ctlla nigtilarum n. sp., Berl. Monatsbr. 1656. S. 337. Fig. 5.
der niederen Thiere während des Jahres 185Ö. 1260
Ebenso beschreibt Bailey nach den mit Grundproben des Kam-
schadalischen Meeres euiporyeliobcnen Schalen als neu Difßugia (?)
innrina und Cadium (n. gen.) marinum, letzteres nach einer ovalea
einzelligen Kieselsehale mit ruadlicher UeiTuiing, ,. j^viiglf^Jourp. ,,p^
Arts and Sc. XXII. p. 2. ;>.olioy bnii snoiOiuiiU\?, n^l» .i./ ,atA
Je weniger Neues wir dieses Mal über die echten Rhizo-,
poden zu bericlilen haben, deslo umfassender sind die Be-
reicherungen unserer zoologischen Kenntnisse über die den
Rliizopoden so nahe stehenden Formen der Thalassicol-
len, Polycystinen und Akanthomeiren, über die
eine neue und wichtige Abhandlung von J. Müller vorliegt
(,,ül)er die Thalassicollen, Polycystinen und Akanthometren des
Miltelmeeres'' Monatsber. der Berl. Akad. 1856. S. 474—503).
Zunächst stellt sich durch die Untersuchungen von J.
Müller heraus, dass alle diese Thierformen, auch die Tha-
lassicollen, auf ihrer äusseren Fläche mit zarten und slrah-
ligen Fäden besetzt sind, ah denen dieselbe eigenthümliche
Bewegung strömender Körnchen zu beobachten ist, die man
schon seit längerer Zeit an den Pseudopodien der echten,
Hhizopoden kennt. Eine Bewegung der Fäden selbst ist frei-
lich nur selten und keineswegs bei allen Formen nachzuwei-
sen , allein die animalische Natur der betreffenden Geschöpfe
dürfte doch jetzt kaum noch länger bezweifelt werden kön-
nen. Mittelst dieser Strahlen nehmen unsere Thiei*e wahr«^'
scheinlicher Weise auch die Nahrung auf, obwohj eine direkte.
Beobachtung hierüber nicht vorliegt und auch der Zusam-
menhang jener Gebilde mit dem eigentlichen Körperparenchym
noch keineswegs ausser Zweifel ist. (J. Müller konnte die
Strahlen weder bei den Thalassicollen, noch den Polycystinen
über die ziemlich derbe und kapselartig entwickelte Haulbe*
deckung nach Innen verfolgen.) Die bei einigen Arten be-
obachtete, äusserst langsame Ortsbewegung spricht sich durch
Wanken und Drehungen nach verschiedenen Seilen aus. Das
Körperparenchym zeigt Körner, gelbe Zellen und helle Bläs-
chen (Alveolen) in verschiedener Anordnung und Beschaffen-
heit. Ein Mal sah M. im Innern einer Akanlhomclra ein
Gewimmel kleiner infusorienarliger Wesen, die freilich nicht
näher untersucht werden konnten, möglicherweise aber doch
als Embryonen oder Schwärmsprösslinge betrachtet werden
dürften.
270 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Nachdem die Thierheit der Thalassicollen jetzt festgestellt ist,
möchte Verf. für die zusammengesetzten Arten mit einzelnen Kiesel-
nadehi den alten Meyenschen Kamen Sphaerozoum reslituirt wissen,
und den Genusnameu Thalassicolla auf diejenigen Formen beschrän-
ken, die den Sphaerozoen und Collosphaeren gegenüber (J. B. XXII.
S. 449) als einfache, soliläre Arten sich betrachten lassen und der
Kieselgebilde entbehren , sich dadurch aUo von den gleichfalls soli-
tären Folycystinen (mit Kieselschalen) und Akanthometren (mit Kie-
selstacheln) unterscheiden.
Beobachtet und beschrieben sind von unserem Verfasser:
von Thalassicollen:
Thalassicolla nucleala Huxl. , Th. morum n. sp. , Sphaerozoum
acuferum n. sp., Sph. spinulosum n. sp. , ausserdem Sphärozoen ohne
Spicula, von denen es aber Verf. zweifelhaft lässt, ob sie eine eigene
Art (^Sph. inerme') oder gar mehrere eigene Arten bilden, wie man fast
nach den — schwerlich als Enlwickelungsstadien zu deutenden —
Verschiedenheiten in der Bildung der einzelnen Körper (Nester) ver-
muthen sollte. Die Anwesenheit von kleinen und sehr kleinen Ne-
stern neben den grösseren, lässt auf eine Prolification derselben zu-
rückschliessen. Vielleicht giebt es auch soliläre Individuen von Sphae-
rozoum , die sich erst allmählich in die späteren Colonieen ver-
wandeln.
Collosphaera Htixleyi M. mit blauen Körnchen und grossen Kry-
stallen im Innern der von der Gilterschale umschlossenen Kapsel, und
eine zweite Form mit farblosem Inhalte ohne Krystalle, aber mit
gleicher Gitterschale (ob Varietät oder n. sp,, bleibt ungewiss). Die
Gitterschale hat die grosseste Aehnlichkeil mit der von Ehrenberg
als Cenosphaera Plutonis beschriebenen Polycystine.
von Polycystin en:
a) mit äusserem Skelete.
Litho circus n. gen. mit einem Gehäuse, das ans einem oder
mehreren verwachsenen Reifen besteht, die den weichen Leib umspan-
nen und nach Aussen uuregelmässige Zacken oder Aeste abgeben.
L. vinculalus n. sp,, L. annularis n. sp.
b) mit innerem Skelete (nucleus). «1
Cladococcus n. gen. Statt der äusseren Schale ein gegit. m
tertes sphärisches Kerngehäuse, von welchem einige lange, dünne,
ästige, nicht hohle Stacheln unregelmässig nach verschiedenen Rich-
tungen radial ausgehen. Cl arborescens n. sp.
Acantho äesmia n. gen. Schale ähnlich, nur mit Kieselarca-
den zwischen den radialen Stacheln oberhalb der thierischen Kapsel.
Uieher eine nicht ganz vollständig beobachtete Art.
c) mit äusserem und innerem Skelete.
Diclyosoma n. gen, (der Ehrcnberg'schen Genera Spongo^p
der niederen Thiere während des Jahres 1856. 271
sphaera und Lithocyclia verwandt) mit einem massigen und locke-
ren Kieseinctzwerk als äusserer Schale und einer gegillerten Kern«-
schale ohne Radien, beide durch unregelm&ssig verästelte Zweige
im Zusammenhange. D. spongiosum n. sp., D. angnlare n. sp.
Spongosphaera EUrhg.t wohin Wü 11 et aber auch die vielstach-
ligen Formen mit spougiöser Kinde rechnet: Sp. pohjacantka n. sp.
Haliomma Ehibg. mit sphärischer, äusserer GitterscJiale und
*) regelmässig enlgegengesfeizten Stacheln,* die wie bei den
Acanthometra in Fäden verlängert sind. //. hexacanlhum Müll. , H,
ligurinum n. sp. , H. echinoides n. sp. , II. hystrix n. sp. , H. tabula»
tum n. sp., H. longispinum u. sp., U. tenuispinum n. sp.
**) vielen unsymmetrischen Slacheitn^iHutspinulosutn n. sp. und
eine zweite unbestimmte Art. ;>.jfi!Ji»'r
Slilocyclia arachnia n. sp. , Eucyrtidium lanclaeum Müll, und
Podocyslis charybdea Müll, (vielleicht identisch mit dem von Bailey
in Silliman's JourA. 1. c. beschriebenen und abgebildeten Dictyophi-
mus? gracilipes aus tieferem Seegrunde bei Kamschalkä.J
von Acanthometren:
Acanlhomelra MülK Ohne zusammenhängende Gilterschale, da-
für aber mit Stacheln , deren innere freie Enden sich im Centrum
des Körpers zusammenlegen. Die Fäden sind verhältnissmässig spar-
sam und bilden einen regelmässigen einzeiligen Kranz um jedes Sta-
chelende. In manchen Formen entwickelt sich in der Oberfläche de»
Körpers durch besondere Fortsätze der Stacheln eine Art unvollstän-
digen Gilterwerkes, dessen Anwesenheit die betreffenden Thiere den
Haliommaarten in einer Weise annähert, die eine tiefere Scheidung
der Acanthometren von den Polycystinen als „fast unnatürlich" er-
scheinen lässt. Von den geslachelten Haliomma unterscheiden sich
diese gepanzerten Acanthomatren nur durch den Mangel des Nucleus,
so wie dadurch, dass ihr Panzer aus Stücken besteht.
*j Arten ohne besondere Stachel-Fortsätze: Ac. muUispinaUüW.t
A. tetracopa n. sp., v4.peWMcielrtn.sp., A. fusca n. sp., A. ovata n.sp.,
A. elongata n. sp.
*^) Gepanzerte Arten: A. alata n. sp., A. quadridentala n.sp.,
A. peQtinata n. sp., A. coslala n. sp. , A. calaphracla n. sp. , A. tnu'
cronata n. sp.
***) Panzerlose Arten mit gegabelten Stacheln: A. furcata n.
sp., A. dichotoma n. sp.
Die Ac. arachnoides Clap. (J. B. XXII. p. 450), bei der die cen-
tralen Enden der Stacheln nicht auf einander slossen, bildet den Typus
eines eigenen neuen Genus Vlagiacantha Cl., der gewissermassen
zwischen den gewöhnlichen Acanthometren und den Polycystinen in
der Mitte steht.
272 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte etc
In der gelegentlich schon im Voranstehenden erwähnten Abhand-
lung von Bailey über mikroskopische Organismen des Kamschada-
lischen Meeres (Amer. Journ. of Arts and Sc. 1856. XXII. p. 1) wer-
den folgende neue Polycystinen charakterisirt und abgebildet: Ceru-
tospyris (?) borealis f Cornutella annulala , Dictyophimus (?) gracilipes,
Eucyrlidium aquilonaris, E. cuspidalitm^ Halicalyplra ijij cormila, Ha»
liomtna {"i) pyrifortnis ^ Lithobotrys inßalum , Perichlamidium venuslumy
Stylodiclya stellata^ Eucyrtidium hyperhoreum, E. lurgidulum.
^M. 3. Oreg^Arinae.
Lieberkuhn entdeckte auf den Kiemenfäden mancher
Phryganeenlarven und den dort vorkommenden Epistylisslöcken
cylindrische, bewegungslose Schläuche, die bald grössere
und kleinere Kugeln, bald auch psorosperniienartige Spin-
delkörper enthalten. Nach der Isolation theilt sich in der
Regel der Inhalt dieser Körperchen in zwei Bis fünf Stücke,
die sich alsbald nach Amöbenart zu bewegen anfangen, den
Behälter verlassen und mit grosser Behendigkeit fortkriechen.
Monalsber. der K. Akad. zu Berl. 1856. S. Q20 oder Müller's
Arch. 1856. S.494. Tab. XVlIl.
Leidy erwähnt eine Gregarina aus dem Darmkanale von Ne-
reis denticulata, Journ. Acad. Phil. III. F. 2. p. 144,
daia Oübiu/baislaii '«iJüKolIßll »ijil'idjfiJay)^ iiib aoV .leeöl n;)'
!ilU
.ij-i
Bericht über die \rissenscliaftliclieit liei«
stuiigen im Gebiete der Entoitiolog^ie i^äli-
reiid des Jaiires 1§*^0.
Von
Dr. A- Oersfaecker,
PrivatdoceQt an der Universität zu Berlin.
HJiril 'jf'l ,:t'iU 'vni;j<]!Jfm IJ"
trjllxli'. ' ' ^ ^\ On'il'i'ly, f
!9^im1> •,, Insekten. '"'» '^'"l ^-^
Nalurforschung und kirchliches Dogma , welche, wie
es sich u.a. an Galilei und Vesal gezeigt hat, in einem
aus der Verschiedenheit ihrer Principien entspringenden und
lange Zeit andauernden Conflikt verflochten waren , haben
wohl seilen unwillkühFlich eine so innige Verbrüderung ge-
feiert, als sie neuerdings durch die von beiden Seilen fast
gleichzeitig anerkannte Parthenogenesis zu Stande ge-
kommen ist. in der Naturforschung musste eine auf unfehlbaren
Thatsachen fassende Feststellung derselben um so mehr
Epoche machen, als die bisherige Erfahrung, dass sich männ-
liche oder weibliche Individuen einer Art nur dann aus dem
Ei entwickeln konnten, wenn dasselbe durch die Samenflüs-
ßigkeit befruchtet worden war, — obwohl durch mehrfache
ihr scheinbar widersprechende Beobachtungen angegriffen —
dennoch keineswegs in einigermassen sicherer und entschei-
dender Weise widerlegt worden war. Es bildet daher die
Schrift , in welcher der Nachweis einer in gewissen Fällen
vorkommenden Entwicklungsfähigkeit jungfräulicher Eier ge-
liefert worden ist, nämlich v. Siebold's „Wahre Partheno-
genesis bei Schmetterlingen und Bienen , ein Beifrag zur
Fortpflanzungsgeschichle der Thiere.« (Leipzig 185(3.8. l44p.
c. tab. 1) einen der Glanzpunkte in der neueren Literatur
der Zoologie, und zwar um so mehr, als die darin enthalte-
Arcbiv f. Naturgescb. XXIII. Jahrg. 2. Bd. g
274 Gerstaecker: Bericht üb, d. Leistungen in d. Entomologie
nen wissenschaftlichen Ergebnisse zugleich von hoher Bedeu-
tung für praktische Fächer, wie Bienenzucht und Seidenkul-
tur sind. Unter Parthenogenesis versieht v. Siebold nicht
wie Owen die Fortpflanzung durch geschlechtslose ammen-
arlige Wesen (Aphiden), sondern die durch jungfräuliche
Weibchen, welche mit vollkommenen Geschlechtsorganen aus-
gestattet sind und ohne vorhergegangene Befruchtung entwick-
lungsfähige Eier hervorbringen. Eine solche Parlhenogenesis
findet statt: 1) bei gewissen sackiragenden Tineen, Solenobia
triquetrella und lichenella, deren Weibchen in abgeschlosse-
nen Behältern aus der Raupe erzogen wurden und bald nach
dem Ausschlüpfen aus der Puppe zahlreiche Eier ablegten, aus
denen sich Räupchen entwickeilen. Die früher von v. Sie-
bold verlrelene Ansicht, dass diese Weibchen Ammen seien,
hat sich jetzt durch die Untersuchung derselben widerlegt,
indem sich an ihnen eine zweite äussere Geschlechlsöfl'nung,
eine Bursa copulatrix und ein Receptaculum seminis (die bei-
den letzteren natürlich in leerem Zustande) nachweisen Hess
und die Eierstöcke keine Unterschiede von der denselben
gewöhnlich zukommenden Bildung zeigten. 2j Bei der merk-
würdigen Psyche helix, von der das Männchen bisher sogar
noch nicht einmal mit Sicherheit bekannt ist; die wie bei
allen Psychiden madenförmigen Weibchen dieser Art setzen
ihre Eier in die Puppenhülse, welche im Raupensacke zu-
rückbleibt, ab und aus dieser entwickeln sich im Spälherbste
die jungen Raupen. 3) Bei der Honigbiene, welche (siehe
d. vorig. Jahresbericht p. 4 fr) nur die Arbeiter- und Köni-
ginnen-Eier durch den im Receptaculum seminis beündlichen
Samen befruchten lässt, während die Drohnen-Eier stets un-»
befruchtet bleiben; aus diesem Grunde können letztere auch
unter gewissen Bedingungen von den geschlechtslosen Ar-
beitern hervorgebracht werden, bei denen eini; Begattung
gar nicht möglich ist. 4) Beim Seidenspinnerund wahrschein-
lich überhaupt bei den Bombyciden in weiterer Ausdehnung,
nach einer Beobachtung auch bei einem spinnerartigen Sphin-
giden (Smerinthus). — Stellt man die Produkte, welche aujf
den verschiedenen bis jetzt bekannt gewordenen Fällen von
Parthenogenesis entspringen, mit einander in Vergleich, söj
lassen dieselben keineswegs eine vielleicht a priori zu ver-
während des Jahres 1856. 275
mulheixle Gesefzmässifrkeit erkennen; denn während dleunlie-
fruchleten Eier der Bienen nur Männchen lielern, entwickeln
sich aus denen der sacktTagemicn Tineen ond der Psyche
helix nur Weibchen, aus denen von Bombyx rnori endlich
aber beide Geschlechter in ungleichen Verhällnissen.
Eine wie weite Verhreilung die Parthenogenesi» unter den Arthro.
poden hnt, lässt sich zur Zeit noch nicht übersehen und es möchte
die Annahme, dass sie hei den Lepidopteren , für welche die meisten
bis jetzt beobachteten Fälle vorliegen, am häufigsten sei, wohl kaum
gerechlfertigt erscheinen , da diese von allen Insekten am längsten
und sorgfältigsten sludirt worden sind^ während sich hei den meisten
anderen Ordnungen Gelegenheit zu derartigen Wahrnehmungen schwe-
rer und seltener darbietet. Ueberdem sind, wie v. Siebold in einem
seine Beobachtungen einleitenden Capitel des Werkes, worin er eine
Betrachtung der bisher für Parthenogenesis ausgegebenen Fälle vor.
nimmt, nachweist, besonders die älteren Angaben über die Entwich,
lung von Raupen aus unbefruchteten Schmetterlingseiern mit grosser
Behutsamkeit hier heranzuziehen, da sie keine vollständige Sicherheit
darüber gewähren, dass nicht dabei doch unbemerkt eine Begattung
des Weibchens stattgefunden habe; die Erfahrung, dass gerade die
Bombyciden, an denen die meisten jener Beobachtungen angestellt
worden sind, ein sehr scharfes Witterungsvermögen besitzen, bestärk!
einen solchen Zweifel um so mehr und es werden hierauf bezügliche
Fälle auch von v. Siebold als gegenbeweisend angeführt. Ohne
Zweifel werden unter den Insekten es ganz besonders die Ilymeno.
pteren, und unter diesen wieder vorzugsweise die in Staaten leben-
den sein, welche der Forschung über das Vorkommen der Partheno.
genesis die reichhaltigsten und interessantesten Stoffe darbieten wer-
den, v. Siebold macht auch noch auf andere bis jetzt im Dunkel
liegende Thatsachen, z. ß. auf das alleinige ßekanntsein einzelner
Geschlechter von Gallwespen aufmerksam und glaubt, dass vielleicht
hitjr,, ein ähnliches Verhalten in Bezug auf die Forlpflanzung vor-
liege; unter den Enloinostraceen würden ^ie bis jetzt unbekannten
Männchen verhältnissmässig grosser Formen wie Apus, Limnadia u. a.
vielleicht ebenfalls durch Aufklärung jener Verhältnisse zur Kennt-
niss kommen. ~ üie reichhaltigen und wichtigen Erläuterungen, wel-
che das vorliegende Werk in Bezug auf das Slaatenleben der Bienen
enthält, lassen sich in einem Auszuge nicht wiedergeben und sind
daher, so weit sie nicht schon im vorigen Jahresberichte bei der Be-
sprechung der Fortpflanzungsvveise dieser Insekten berührt worden
sinil , in der v. Siebold'schen Schrift selbst zu studiren. Dieselbe
enthält im Anhange ausserdem noch Beiträge zur Kennlniss einiger
hier speciell behandelten Insekten , z. B. der Psyche helix und einer
ikt verwandten Art, deren Baupengehäuse, Larven und maden-
276 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
förmige Weibchen auf einer beigegebenen Tafel abgebildet werden;
auch eine in letzteren parasitisch lebende Chalcis wird beschrieben
und ein Verzeichniss der aus Psychiden - Raupen überhaupt gezoge-
nen Ichneumoniden gegeben.
Für die Kenntniss der sexuellen Verhältnisse der Insek-
ten und besonders der in Staaten vereinigt lebenden sind
auch die vonLespes angestellten Untersuchungen über den
inneren Bau der Termiten von grosser Bedeutung. Die hier-
auf bezügliche Abhandlung ist in den Annales des sciences
naturelles V. p. 227—282 (nebst pl. 5—7) unter dem Titel:
„Recherches sur {'Organisation et les moeurs du Termite luci-
fuge« erschienen und im Auszuge ausserdem in den Comptes
rendus, 25. Aoüt und in der Revue etMagas. de Zoologie VlIL
p. 439 fF. milgetheilt. Als von besonderer Wichtigkeit sind
folgende Ergebnisse der Untersuchungen des Verf. hervorzu-
heben: 1) Die Arbeiter und Soldaten sind nicht, wie man
bisher angenommen hat, völlig geschlechtslos, sondern soge-
nannte Neutra ; ein Unterschied von den Neutris der gesel-
ligen Hymenopteren besteht darin, dass nicht nur Individuen
mit verkümmerten weiblichen Geschlechtsorganen , sondern
auch solche mit entsprechenden männlichen vorkommen. Les-
pes hat bei den einen rudimentäre Ovarien, bei den anderen
eben solche Hoden beobachtet und abgebildet. 2)
Arbeiter und Soldaten haben niemals, die fortpflanzungs-
fähigen Termiten (Männchen sowohl wie Weibchen) aber
.stets ursprünglich Flügel, wenn dieselben auch bei letzte-
ren zu einer gewissen Periode oft abgeworfen werden, 3)
Die Larven sowohl der Arbeiter als Soldaten unterscheiden
sich von denen der geschlechtlichen Termiten daher gleich
von Jugend auf durch jeden Mangel von Flügelrudimenten,
ausserdem durch geringere Grösse; die Larven der Arbeiter
und Soldaten sind in ihrer ganzen Lebensdauer und selbst
im Nymphenzustande nicht von einander zu unterscheiden,
sondern der Unterschied beider Formen tritt erst bei den
entwickelten Imagines hervor; dass letzlere ihre vollständige
Entwickelung erreicht haben, zeigt die vorhergehende Meta-
morphose deutlich. 4) Die Larven der geschlechtlichen Ter-
miten geben sich von Jugend an durch die deutlich vorhan-
den<?n, w<?,nn a^ch, zu Anfang sehr kleinen Flügelansätze zu
während des Jahre« 185ß. 277
erkennen; schon bei ihnen lassen sich zwei Formen unter-
scheiden , die nachher im Nymphenzuslande in ihren Unter-
schieden deutlicher hervortreten. Bei den einen sind näm-
lich die Flügclrudimente deutlich länger und aus diesen ent-
wickeln sich lebhaftere, schlanker gebaute Nymphen mit gros-
sen, dem Rücken aufliegenden Flugelscheiden ; bei den an-
deren sind die Flögelrudimente kürzer und diese liefern
plumpere und trägere Nymphen mit kleinen , seitlich zu-
rückgeschlagenen Flögelscheiden. 5) Aus diesen zwei Nym-
phenformen entwickeln sich zwei verschiedene Formen fort-
pflanzungsfähiger Termiten und zwar jede derselben in beiden
Geschlechtern ; die sogenannten „petits rois et petites reines^
welche das Produkt der schlankeren Nymphen mit grossen
Flügelscheiden sind, entwickeln sich im Mai (in welchem Monat
sie auch schwärmen) und haben viel schwächer entwickelte
Geschlechtsorgane als die wirklichen „rois et reines," welche
der zweiten Nymphenform entspringen und sich erst im Au-
gust entwickeln. Die Nymphen dieser „rois et reines,« an
und für sich schon A^iel seltener als die der anderen Form,
werden dies immer mehr, je näher die Zeit der Entwick-
lung der Imagines heranrückt. — Es würden sich dem-
nach in einem Termitenslaate acht verschiedene Formen
von Imagines entwickeln, nämlich: 1) männliche und weib-
liche Arbeiter, 2) männliche und weibliche Soldaten, 3)
petits rois et petites reines, 4) rois et reines; von diesen sind
1 und 2 nicht forlpflanzungsfähig, 3 und 4 erzeugen dagegen
neue Brut. ,
Wenn man die Resultate der Untersuchungen von Lespös mit
den bisherigen Ansichten über die sexuellen Verhältnisse der Termi-
ten vergleicht, so ist ein bedeutender Fortschritt für die Kenntniss
derselben gewiss nicht zu verkennen , wenn auch keineswegs znzu-
gebcn ist, dass der Verf. , wie er es selbst prätendirt, hier vollstän-
diges Licht geschaffen hat. Diejenigen, welchen die hier mitgetheiltcn
Ergebnisse unwahrscheinlich und den bisherigen Erfahrungen wider-
sprechend vorkommen, — und deren sind gewiss nicht wenige —
könnten zuvörderst die Richtigkeit der Untersuchungen L.'s in Zweifel
ziehen, und zwar besonders die Existenz von rudimentären Hoden und
Ovarien bei den Arbeitern und Soldaten. L. giebt selbst die gros-
sen Schwierigkeiten, mit denen die Untersuchung dieser Organe ver-
bunden ist, zu, versichert aber ausdrücklich, dass er nur das be-
schrieben und gezeichnet habe, was er nach wiederholten Unterau«
5Y8 Gerslaeck er: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
chnngen deutlich erkannt ; ausserdem weist er aber selbst einen
Vergleich mit den sexuellen Verhältnissen der socialen Ilymrnopte-
ren von vorn herein zurück und glaubt, dass ein Schluss von jenen
auf die Neutra der Termiten nicht statlhaft sei. Ja er hält es nicht
einmal für vollkommen ausgemacht, dass bei jenen Hymenopleren die
Neutra ausschliesslich verkümmerte Weibchen seien, sondern stellt es
als möglich hin, dass unter ihnen ebenfalls Männchen vorgefunden
werden könnten. (Wenn L. (p. 267) die Honigbiene hier heranzieht,
so dürfte wohl ein Hinweis auf die äusseren Unterschiede der Dröh-
nen, besonders des Kopfes, der Augen, der Fühler u. s. w. genügen,
um ihn von einer solchen Hypothese zurückzubringen. Ref.) ISach
den Abbildungen, welche der Verf. von den Ovarien und Teslikeln der
Arbeiter und Soldaten giebt, bieten diese in der That die enlschie.
dehste Uebereinstimmung in der Form mit denen der sexuellen Ter-
miten dar, und wenn man, wozu kein Grund vorliegt, nicht a priori
an ihrer Treue zweifelt, kann das Vorhandensein beider Geschlech-
ter unter ihnen nicht beanstandet werden. Dass hier übrigens die
Neutra der socialen Hymenopteren wirklich keinen genügenden An-
halt liefern, um letzteren Funkt in Frage zu ziehen, glaubt Ref.
ebenfalls zugeben zu müssen, da, allerdings wohl mit durch die un.
vollkommene Verwandlung der Termiten bedingt , der Unterschied
Zwischen den verschiedenen Mitgliedern des Staates hier schon wäh-
rend der Periode des Larvenlebens ein in viel höherem Grade ausge-
sprochener ist, als bei jenen; schon nach der ersten Häutung der
Larve treten nämlich die Unterschiede zwischen den sexuellen Termi-
ten und den beiden Formen der Neutra deutlich zu Tage. — Geht
man ferner auf die Rolle ein, welche die verschiedenen Termiten-
formen im Staate zu spielen bestimmt sind, so würde es auch kei-
neswegs im Widerspruche mit der Beschäflijjung der Arbeiter und Sol-
daten stehen, dass unter ihnen beide Geschlechter in verkümmerter
Form existiren ; dagegen ist es nach meiner Ansicht durchaus unklar
— und dies ist auch derjenige Punkt, den Lespes ganz mit Still-
schweigen übergeht ~ in welchem Verhältnisse die beiden sexuellen
Formen zu einander stehen. Nach den noch sehr zu vervollständigen-
den Beobachtungen des Verf. über dieselben , scheinen die „petiles
reines« bald nach ihrer Entwicklung im Sommer begattet zu wer-
den und Eier abzulegen; die eigentlichen Königinnen, die erst spä-
ter im August auftreten, setzen dagegen dieselben erst im Sommer
des folgenden Jahres ab. Sollten sich aus den Eiern der ersteren
6twa nur Neutra, aus denen der letzteren dagegen nur fortpflanzungs-
ffthige Thiere (oder auch beide Formen) entwickeln? Dies wäre
äusserst interessant und vielleicht die einzige Hypothese, die zur Be-
gründung dieses in der Insektenwelt bis jetzt vereinzelt dastehenden
Vorkommens zweier gleichzeitig nebeneinander bestehenden forlpflan-
SUBgsfäbigco Formen desselben Tbiercs aufgegtelU werden könnte.
•oioMDH während des Jahres 1856. 279
Fahre hat seine vortrefflichen Beobachtungen üher die
Natur<iesrhichle der grabenden Hymenopteren, welche im vo-
rigen Jahresberichte (p. TfT) ausführlich besprochen wurden,
mit einer neuen Abhandlung „Elude sur Tinslincl et les me-
tamorphoses des Sphegiens" (Annales des sciences naturel-
les, 4. ser. VI. p. 137—183) fortgesetzt, welche sich nicht
nur durch den Reichlhum an neuen Thatsachen für die Bip^
logie dieser Thiere so wie durch eine ausserordentlich le-
bendige und inleressanle Darslellungsweise auszeichnet, son-
dern auch abermals wichtige physiologische Notizen in Be-
zug auf die Funktion des Nervensystems der Insekten ent-
hält. Unter Anderem wird auch die vom Ref. (a. a. 0. p. 10)
aufgeworfene Frage, wie die durch den Stich der Hymeno-
ptera fossoria bewirkte Paralysirung der Nerventhätigkeit bei
solchen Insekten ausgeführt werde, deren Ganglien nicht zu
einem gemeinsamen Knoten im Thorax verbunden seien, auf
das Befriedigendste gelöst. Fahre hat nämlich in der vor-
liegenden Abhandlung seine Beobachtungen über Sphex fla-
vipennis und albisecta , welche Gryllen und Acridier (Oedi-
poda), und über zwei Ammophila-Arten , welche Lepidopte-
ren-Raupen eintragen , veröfl'enllicht und giebt uns genaue
Nachricht darüber , wie diese zur Nahrung für die Hymeno-
pteren-Larven bestimmten Insekten ihrer animalen Funktionen
beraubt, ohne dass die vegetativen, wenigstens für einen
bestimmten Zeitraum , dabei sistirt werden. Die kräftigen
Gryllen werden nämlich durch zwei (oder vielleicht durch
drei) Stiche der Sphex , von denen der eine in den Hals ,
d. h. zwischen Kopf und Prothorax, der andere in die Vei"!
bindungsstelle zwischen Pro- und Mesothorax geführt wirÜf,
unschädlich gemacht, während die beobachteten Raupen stelsam
fünften o<ler sechsten Bauchsegmente, welche keine Füsse besit-
zen und gerade den drei vorderen und den vier hinteren Fuss-
paaren mitten inne liegen, verwundet werden. — Dass bei den
Gryllen auch noch ein dritter Stich zur Paralysirung des dritten
Fusspaares geführt werde, möchte man bei der besonders kräf-
tigen Entwickelung (\qs letzleren von vornherein vermulhen, mit
Bestimmtheil beobachtet hat ihn F. jedoch nicht; die Wirkung
des Stil hes in die mittleren Körpersegmente der Raupen er-
klärt der Verfb dadurch, dass vom Centrum a«s der Torpof
liÖO Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
nach beiden Seiten ausstrahle, was zugleich dadurch be-
wiesen wird , dass eine von der Ammophila gestochene
Raupe desto lebhaftere Bewegungen auf einen äusserlich an-
gebrachten Reiz zeigt, je näher derselbe den beiden Körper-
Enden ausgeübt wird, während ein Stich in das verwundete
fünfte und sechste Segment vollkommen wirkungslos ist.
Eine Einflössung von kaustischem Ammoniak an den von den
Sphegiden zum Stiche gewählten Körperstellen bringt die-
selben Wirkungen , wie dieser selbst hervor. Die vegetati-
ven Funktionen dauern nach der Paralysirung des Thieres,
wie es der Verf. schon in seiner vorjährigen Arbeit nach-
gewiesen hat, längere Zeit fort. Der Darmkanal leert sich
so lange aus, als noch abzusondernde Massen in ihm vor-
handen sind und F. glaubt , dass mit seiner vollständigen
Entleerung der wirkliche Tod des Thieres erfolgt; wenig-
stens trat derselbe bei Individuen mit leerem Leib viel frü-
her ein als umgekehrt. Ferner wurde auch durch Versuche
festgestellt, dass das vollständige Absterben dieser Schein-
leichen durch schnelle Verdunstung befördert wird, während
solche , die in fest verschlossenen Glasröhren aufbewahrt
wurden, l'/^ Monat in vollständiger Frische erhalten wurden;
ein ähnlicher Abschluss gegen schnelles Vertrocknen wird
natürlich auch in den Brutzellen der Sphegiden erzielt.
Die biologischen Beobachtungen von Fahre über die graben-
den Hymenopteren, denen die erwähnten physiologischen Thatsachen
entnommen sind, bieten zum Theil ein besonderes Interesse dar. Sphex
flavipennis hat z. B. die eigenthümliche Gewohnheit, jedesmal, wenn
sie mit einem erbeuteten Gryllus zur Bruthöhle zurückkehrt, den Raub
vor dem Eingange zu derselben zuerst niederzulegen und bevor sie ihn
dort einbringt, die Räume ihrer Wohnung zu untersuchen , ob nicht
irgend ein Feind während ihrer Abwesenheit eingedrungen ist. F.
hat an einem und demselben Thiere 40mal die vor die Oeffnung nieder-
gelegte Beute weggenommen und dieselbe in einiger Entfernung von
derselben niedergelegt; das Thier holte dieselbe jedesmal wieder,
kehrte aber auch jedesmal, bevor sie den Cadaver hineinziehen wollte,
zuerst wieder behufs einer Untersuchung in seine Brutstätte zurück.
Um zu beobachten, wie die Sphex einen Gryllus überwältigte, wurde
ein lebendiger, dem die Hinterschienen ausgerissen waren, mit dem
vor dieOeffnung der Höhle hingelegten Cadaver vertauscht; die Sphex
stürzte sich sogleich auf ihn und suchte nach mehrfachem Herum-
balgen mit demselben seine Bauchseite zu gewinnen, welche sie in
' otemoiflä während des Jahräs 185Gt- oIj^«»« Ji8l
entgegengesetzter Richtung, d. b. so, dass ihr Kopf, gegen den After
des Gryllus gerichtet war, occupirte. Indem sie die Schwanzfäden
des Gryllus mit den Mandibeln fasste , auf seine Hinterschenkel ihre
Vordcriüsse setzte und ihre Hinterschenkel gegen seinen Kopf stemmte,
um diesen rückwärts zu beugen, wandle ?ie ihren Hinterleib in senk-
rechter Richtung, um nicht von den Mandibeln des Gryllus erfasst
zu werden, gegen den Hals des letzteren, und senkte in diesen zuerst
ihren Stachel ein. Sphex flavipennis versorgt gewöhnlich ihre Brut-
zellen mit vierGryllen; seltener nur mit dreien oder zweien, Sphex
albisecta jagt nur nach Oedipoda-Arten. Sonderbar ist es, dass nach
F. 's Beobachtungen Tachytes nigra ebenfalls nur Gryllen, und Tachy-
tcs obsoleta ebenfalls nur Oedipoden zur Piahrung für seine Larven
jagt und es scheint fast, als legten die beiden letzteren zuweilen
ihre Eier in die Brutstättender beiden Sphex, wenn dieselben schon
mit Cadavern versehen sind; daraus würde sich die Thatsache erklä-
ren, das Sphex flavipennis stets ihre Höhle vor der Einführung der
Beute erst visitirt. Die Ammophila-Arten versorgen ihre Zellen mit
Schmetterlingsraupen und zwar A. holosericea jede derselben mit vier
bis fünf, A. sabulosa und argentata dagegen nur mit einer, die aber
gross ist und zuweilen das fünfzehnfache Gewicht der Ammophila
selbst hat.
Von besonderer Wichtigkeit sind ferner die Beobach-
tungen Fabre's (in derselben Abhandlung p. I67ff.) über
^ie Beziehungen des Fettkörpers zur Harnabsonderung bei
den Larven der grabenden Hymenopteren , bei welchen bc-
"banntlich während ihres ganzen Wachslhums keine Abson-
derung von Excrenienten aus dem Darm statifindet. Schon
äusserlich machen sich unter der durchscheinenden Haut der
Sphex-Larve zahlreiche weisse Pünktchen bemerklich, welche
sich bei der anatomischen Untersuchung als kleine Bläschen,
die mit dem Fettkörper in enger Verbindung stehen (oder
nach F. sogar einen inlegrirenden Theil desselben ausma-
chen) zu erkennen geben ; sie unterscheiden sich von ilew
ebenso zahlreichen eigentlichen Fettbläschen, welche in ihrem
Inneren flüssiges Fett enthalten und gelblich gefärbt sind,
durch reineres Weiss und durch den Inhalt, der sich bei der
Behandlung mit Salpetersäure und Ammoniak (durch Bildung
von Murexid) als Harnsäure darstellt. Die Menge der in dem
ganzen Fetlkörper enthaltenen Harnsäure ist eine sehr be-
trächtliche; denn die Beaktion von Salpetersäure auf die von
mehreren Larven entnl)mmene Feltmasse zeigte sich in einem
starken Aufbrausen. Bei Larven , welche während ihres
2$^ Gerstaecker: Bericht ab. d. Leistungen in d. Entomologie
Wachslhumes Excremente absondern , fehlt eine solche Re-
aktion ganz; daf^egen zeigt sie sich in gleicher Weise bei
dem Fellkörper aller INytnphen von Insekten, gleichviel ob
ihre Larven sich von Vegelabilien oder Animalien nähren, ob
sie nach Art der Sphegiden oder auf die gewöhnliche Art
wachsen. Die Erklärung für diesen Umstand liegt auf der
Hand: die Harnsäure sammelt sich nämlich bei den Sphex-
Larven und im Nymphenzustande im Körper an, wird dage-
gen bei der gewöhnlichen Verdauungsweise durch den Darm
abgesondert. — Was wird nun aus dieser im Fellkörper ent-
haltenen Harnsäure? Hier findet sich eine Lücke in der
Darstellung des Verf., die noch auszufüllen ist. Die weissen
Bläschen mehren sich nach der Umwandlung zur Nymphe,
welche bekanntlich (Grube in Müller's Archiv 1849) eine
Entleerung des ganzen Magen - Inhalts der Larve durch den
Mund vorausgeht; auch das aus der Nymphenhaut hervorge-
hende Insekt lässt die weissen Körnchen noch deutlich er-
kennen , obwohl dieselben sich ganz auf den Hinlerleib zu-
rückgezogen haben. Ausserdem zeigt dieses aber den gan-
zen Magen (der beim Beginne des Nymphenzustandes voll-
ständig leer wurde) so mit Harnsäure angefüllt, dass er durch
dieses Contenlum auffällig ausgedehnt erscheint; der Nach-
weis des Murexids wird an demselben durch die angegebe-
nen Reagentien in ganz gleicher Weise geliefert wie bei dem
Fettkörper. Dagegen enlhalten zu dieser Periode der Darm
sowohl wie die Malpighischen Gelasse keine Harnsäure und
die bei dem Ausschlüpfen des Insektes aus dem After abge-
ßonderle Flüssigkeit stammt nach F. nicht aus jenen Gelas-
sen, sondern allein aus dem Magen.
Dass die Untersuchungen der Verf., ein so verscliiedenes Re-
sultat sie auch gegenüber den bisherigen Ansichten über die Natur
der Malpighi'schen Gefässe ergeben, mit grosser Umsicht und Gewis-
senhaftigkeit angestellt sind, lässt sich nach seiner Darstellung gar
nicht bezweifeln ; er selbst erhebt Bedenken gegen die Richtigkeit
derselben und widerlegt sie gleich darauf durch die schlagendsten
Thatsachen. Unbeantwortet lässt er freilich die Frage: wie komm
die Harnsäure in den Magen des eben ausschlüpltnden Insektes, wäh-j
rend derselbe beim Beginne des Kymphcnzustandes vollständig leei
war? Ist sie durch Resorption aus den Bläschen des Fettkörpers i
deoselben gelangt? ^ Dies wäre der einzige d akbare Fall» Ni<>l>
IC
I
während des Jahre« 1856. 283
genug begründet scheint mir den bisherigen Erfahrungen gegenüber
die Behauptung, welche F. am Stiilusse der IJnltrsuchung (p. 170)
aufstellt, dass die Malpighi'schen (Itfässe Galle absondrrnde üjfgane
sind, in denen nur nebenher eine Urin. Absonderung stattfinden könne.
Dass dieselben bei der Imago in der Thal Harnsäure enthalten, ist
gewiss sicher festgestellt worden und es w&re ja wohl denkbar, dass
sie bei der in mehrfacher Hinsieht veränderten Organisation des aus-
gebildeten Insektes eine verschiedene Funktion von derjenigen des
Larvenzustandes versahen; dasselbe würde ja auch mit dem Magen
der Fall sein , welcher nach der Elimination der beim Ausschlüpfen
des Insektes in ihm enthaltenen Harnsäure doch entschieden der Yer«
dauung gewidmet ist. Jedenfalls sind die Untersuchungen des Verf.
in hohem Grade für die fernere Verfolgung dieser sehr wichtigen
physiologischen Verhältnisse anregend und stellen ausser Zweifel,
dass hier der Forschung noch ein weites Feld offen liegt; als rein
objective Beobachtungen , die nicht durch die anderer Autoren be-
einflusst sind, verdienen sie ebenso grosse Anerkennung, als sie für
fernere Untersuchungen eine sichere Basis abgeben.
Eine drille sehr itUeressanle Heobachlung desselben
Verf. (Notes sur quelques poinis de riiistoire des Cerceris,
Silaris etc. , a. a. 0. p. 187 fi'.) betrifft die verschiedenen
Lebensstadien und die Verwandlungs-Vorgänge bei der Larve
von Sitaris humeralis, einem schon seit längerer Zeil als Pa-
rasiten von Anthophora bekannten Insekte. Dem Verf. sind
zwei Altersstufen dieser Larve bekannt geworden, welche,
wenn sie sich als solche bestätigen sollten , eine deutliche
Analogie mit denen von Meloe und den Strepsiplcren dar-
bieten würden. Aus dem Eie entwickelt sich eine kleine
Larve, welcher eine Formähnlichkeit mit derjenigen von
Sil()ha zugeschrieben wird (die also wohl der von Wesl-
wood Introd. L p. 296 abgebildeten entspricht); was aus
dieser Larve wird , ist dem Verf. bisher unbekannt geblie-
ben. Als den Alterszusfand der Silaris-Larve belrachtel F.
eine weiche, plumpe, mit rudimentären Füssen versehene,
welche sich in den Zellen von Anthophora vorfindet. An
dieser Larve hebt sich , wenn sie ihr VVachsthum vollendet
hat, die Oberhaut vom inneren Körper ab und trocknet zu-
sammen, ohne jedoch aufzubersten ; sobald dies geschehen
ist, zeigt sich innerhalb derselben eine rolhbraune Puppe von
horniger Consistenz, an der sich zwei Beihen Stigmen, Kopf-
und Afterpol so wie sechs knopfarlige Erhöhungen, den Fös*
284 Gerstaecker: Bericht ül>. d. Leistungen in d. Entomologie
sen der Larve entsprechend, erkennen lassen, und welche in
der Larvenhaut wie in einem zarten Cocon eingeschlossen
liegt. Diese rothbraune Puppenhülse umschliesst nun abermals
eine frei in ihr liegende Larve, welche sich später in eine
Puppe verwandelt, aus der die Sitaris hervorgeht; der Kopf
dieser Larve ist nicht immer nach dem Kopfpole der brau-
nen Puppenhülle hin gerichtet, sondern zuweilen auch nach
deren Schwanzende. Bei Meloe cicatricosus, welcher eben-
falls ein Parasit der Anthophora pilipes ist, hat F. ganz die-
selben Fakla beobachtet und glaubt, dass bei beiden Thieren
ein Generationswechsel, wie er von Filippi an einem Pte-
romalinen der Rhynchites - Eier nachgewiesen worden ist ,
stattfinde. — Uebrigens sind diese Angaben des Verf. nur
vorläufige, welche er bald durch fortgesetzte Beobachtungen
vervollständigen will.
Aus den Angaben des Verf. geht hervor , dass er die weiche
in den Anthophora-Zellen vorgefundene Larve für die letzte Alters-
stufe der Sitaris-Larve hält, und dass er die in ihr vorgehenden Ver-
änderungen als von ihr selbst ausgehend betrachtet. Es kann aber
wohl keinem Zweifel unterliegen, dass hier ein ganz anderes Ver-
hältniss stattflndet, was am leichtesten dann klar wird, wenn man
die in einandergeschachtelten Organismen in umgekehrter Reihe be-
trachtet. Zu innerst liegt die Larve , welche nach Abstreifung der
Haut zur Puppe wird und sich aus dieser zum Insekte (Sitaris) aus-
bildet; hiermit ist sogleich festgestellt, dass die braune Puppenhülle,
welche diese Larve umschliesst, ihr gar nicht angehört, und noch
weniger, dass die ursprüngliche Larve, in deren Körper sich jene
Puppenhüile ausgebildet hat, die Larve der Sitaris sein kann. Da die
zuerst vorhandene Larve (nach F. der Alterszusland der Sitaris-Larve)
nicht näher charakterisirt ist, kann vorläufig über ihre wahre Natur
nichts Bestimmtes gemulhmasst werden; ist die in ihrem Innern zunächst
folgende Puppe von tonnenartiger Form , so könnte man vielleicht
eine parasitische Tachine oder dergl. in ihr vermuthen, in welcher
die Sitaris abermals parasilirt. Dass die innerste (d. h. die wirkliche)
Sitaris-Larve ein fremder Organismus in der festen Puppenhülle und
somit auch in der ursprünglichen Larve ist, beweist wohl am be-
sten ihre verschiedene Lage in Bezug auf das Kopfende der beiden
letzteren. Jedenfalls werden die so scharfsinnigen Beobachtungen
des Verf. diese höchst sonderbaren Verhältnisse holl'entlich sehr bald
in's Klare bringen.
lieber die Funktionen des Nervensystems bei den Glie-
derlhieren hat auch Yersin IJnlersuchungon angestellt und
Während des Jahres 1856. 285
die Resultate derselben im Bulletin de la soc. Vaudoise des
scicnc. nalur. V. No. 39 („Recherches sur les fonclions du
Systeme nerveux dans les animaux articules«) kurz milgelheilt.
Die wesentlichsten Erjjebnisse der Experimente des Verf. sind
folg^ende : 1) Die Durchschneidung der Nerven nahe an seiner Ursprungs-
stcUe hat stets eine vollständige Paralyse des von ihm versorgten
ürganes zur Folge. 2) Die Durchschneidung der Längscommissuren
zwischen den Ganglien bewirkt eine Isolirung der Kervenfunktionen
in beiden Körperhälften; wird z. 15. die Commissur zwischen dem
zweiten und dritten Brustganglion durchschnitten, so behält sowohl
der vordere wie der hintere Theil des Körpers seine Bewegung
und Empfindung, doch übt ein auf den vorderen Theil ausgeübter Reiz
keine Wirkung auf den hinteren aus, und umgekehrt. 3) Bei Insek.
ten mit unvollkommener Verwandlung setzt die Durohschneidung der
Ganglicnketle den später eintret.enden Häutungen oder Verwandlun-
gen nicht unbedingt Schranken. 4) Die Wirkungen, welche die aus-
schliessliche Durchschneidung der einen der beiden Längskommis^uren
zur Folge hat, sind schwer als gemeingültig festzustellen; die Glieder
der durchschnittenen Seite, welche zwischen der verletzten Stelle
und dem Hinterende des Körpers ihren Ursprung nehmen, verlieren
oft an Empfindung und freier Bewegung; zuweilen tritt ein Mangel
an Gleichgewicht ein , so dass das Insekt sich im Kreise herumdreht.
Längere Zeit nach der Operation verwischen sich diese Erscheinun-
gen wieder mehr und die Bewegungen der Glieder auf der verletz-
ten Seite sind nur noch etwas genirt. 5) Auf die Ernährung scheint
die Durchschneidung der Ganglien- Commissuren keinen besonderen
Einfluss zu haben, wohl aber auf die Fortpflanzungsfähigkeit; das
Männchen macht zwar tio^h ßegattungsversuche, ohne jedoch zum
Ziele zu gelangen, das Weibchen kann sich begatten lassen, aber
keine Eier legen. 6) Die Verletzung eines Ganglion (des Kopfes
oder Thorax) selbst hat augenblicklich einen Torpor zur Folge, der
später- in ein convulsivisches Zittern übergeht, welches entweder den
ganzen Körper oder nur einzelne , von dem betrefl'enden Ganglion
versorgte Theile betrifft. 7) Eine Verletzung des Ganglion supraoe-
sophngeum bewirkt fast immer eine Aufhebung des Gleichgewichts in
den Bewegungen und das Insekt bewegt sich (wie oben) im Kreise;
eine Libelle oder Fliege, bei welcher eine solche Verletzung ange-
bracht wird, beschreibt auch im Fluge einen Kreis oder eine Spirale.
8) Die Verletzung eines Thoraxganglions ist stets von einer momen-
tanen Paralyse eines oder aller Organe, welche davon ihre Nerven
erhalten, begleitet; nach längerer oder kürzerer Zeit stellen sich
jedoch die Funktionen in denselben wieder her. Zuweilen tritt auch
hier eine Aufhebung des Gleichgewichts in den Bewegungen ein und
das Insekt beschreibt dann ebenfalls Kreise beim Gehen. 9) Endlich.
286 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
leiden bei den Verletzungen der Ganglien auch die Willensliraft, die
Intelligenz und der Instinkt der Insekten.
Observalions of the respiratory movemenfs of Insecfs,
by the lale W. F. Barlow, arrangcMl and communicaled
by Paget. (Philosoph. Transacl. of llie Royal sociely of Lon-
don, Vol. 145. p. 139 ff.). — Der Verf. hat seine Untersu-
chungen über die Alhmungsbewegungen der Insekten an
Libellen angestellt und beschreibt dieselben wie er sie 1)
bei lebhafter Bewegung lies Insektes, kurz nach dem Fluge,
2) bei vollständiger Ruhe desselben, 3) bei aufgehobener
Integrität des Organismus, also bei Individuen, denen der
Kopf oder andere Körperlheiie abgerissen worden waren, 4)
aueh an einzelnen vom Körper abgelösten Theilen und 5)
unter Eiufluss von Galvanismus, von erhöhter oder erniedrig-
ter Temperatur u. s. w. beobachtet hat.
Die Ergebnisse dieser Untersuchungen schliessen sieh den Er-
fahrungen über die respiratorischen Bewegungen der ibiere im All-
gemeinen eng an: durch Bewegung des Körpers, erhöhte Temperatur,
Galvanismus und mechanische Reize steigt die Zahl der Athmungsbe.
wegungen je nach dem Grade, in welchem diese Operation auf den
Organismus einwirken. Bei einer Libelle, die während der Uuhe
und h>\ gemässigter Temperatur 4ömal in der Älinute gealhmet halte,
stieg die Zahl der Respirationsbewegungen auf HO, nachdem sie in
Wasser von lOO» Fahr, gesetzt worden war. Durch Galvanismus wurde
eine Beschleunigung von 30 bis auf 150 in der Minute (die höchste
Zahl , die erreicht wurde) bewirkt. — Der speciellen Organisation
der Gliederlhiere entsprechen folgende KesuUate: Eine Wegnahme
des Kopfes veraulasst nicht ein Aufhören dt;r respiratorischen Bewe-
gungen, vermindert aber ihre Häufigkeit und Stärke ; gewaltsame Zer-
quctschung des Kopfes oder eines Theils des Hinterleibs sistirte in der
Regel alle Athmungsbewegungen für eine gewisse Zeit und schwächte
dieselben für die Dauer der übrigen Lebenszeit. In einzelnen Kör-
persegtnenten sind die respiratorischen Bewegungen in gewissem Grade
von den übrigen unabhängig.
Newman will (Proceedings of Ihe enlomol. soc. of
London p. 117 ff.) die Ansicht Nevvport's , dass die FiJhler
der Gliederlhiere Gehörorgane seien, durch Beobachtungen
an lebenden Palaemonen widerlegen ; er glaubt aus den Be-
wegungt.'n, welche letztere bei Annahrung von Ftass mit den
Fühlern machen, nur Tasl- oder Geruchsorgnne in letzteren
la erkennen und weist die Mügliclikeit zurück , dass durcb
während des Jahres 1856. 28T
die Berührung des Frassos mit dem Wasser ein Sthall rnt-
slehen könne , welcher eine Bewegung- der Fühler veranlas-
sen sollte. 'H |^;\*
Es braucht kaum erwähnt zu werden, dass d'en f^coüktionen des
Verf. eine wissenschaftliche Empirie nicht zu Grunde liegt, und dass
er sich rein auf dem Gebiete des Uaisonnements bewegt. \Vie un-
kritiscii er aber auch hier zu Werke geht, zeigt seine Annahme voti
acht Fühlern bei Palacmon, indem er die drei Geissein der innern,
die bekanntlich je uach den Gallungen an Zahl variiren , einzeln als
selbständige Fühler ansieht. l>ass diese unter einander von gleicher
Struktur sind, ist ganz richtig; der Verf. hätte aber doch wissen müs-
sen, dass das Gehörorgan bei den Crustaceen von Niemanden in die-
sen Anhängen des Fühlers, sondern im Basalstücke desselben gesucht
und gefunden worden ist und da er nur aus den Bewegungen der
Anhänge seine Schlüsse zieht, so ergiebt sich deren Nichtigkeit von
selbst. Schliesslich ist noch zu bemerken, dass in Bezug auf die Lage
des Gehörorgans von den Crustaceen gar kein Schluss auf die eigent-
lichen Insekten gemacht werden kann, da die Analogie dieser Organe
in beiden Classen keineswegs sicher gestellt ist; die Fühler können
daher auch gewiss bei vielen Insekten, wie es von Erichson an-
genommen worden ist, als Geruchsorgane betrachtet werden, während
der Silz des Gehörorgans in den Fühlern der Crustaceen wenigstens
für gewisse Formen neuerdings unzweifelhaft festgestellt worden ist.
Jacquelin du Val hat der Akademie der Wissen-
schaften zu Paris eine Arbeit über den äusseren Skelettbau
der Insekten vorgelegt und in den Coniples rendus de Tacad.
d. scienc. T. XLlil. p. 999 ff. unter dem Titel: »Note sur
Torganisation du squelelte exlerieur (jvs insecies el les lois
fixes qui la regissenf* eine kurze Zusammenlassung derjeni-
gen Punkte, welche er selbst für die wichtigsten und zum
Theil auch für ganz neu hält, gegeben. Was die Neuheit der
vom Verf. hervori^ehobenen Resultate seiner Untersuehungen
betrifft, so lässt sich dieselbe aus den bisher gegebenen Da-
ten freilich nicht ersehen und es müsste hierzu erst die in
Aussicht gestellte ausführliche Abhandlung abgewartet wer-
den; dass jedoch viele seiner Behauptungen auf sehr irrigen
Voraussetzungen beruhen, zeigt schon das im Vorliegenden
gegebene liesume deutlich.
Der Verf. will z B. gefunden haben, dass jedes Körpersegment
der Insekten (deren er im Ganzen 18 annimmt, von d« nen 4 auf den
Kopf kommen; ursprünglich aus 1(5 Stücken und ausserdem aus 4 Ap-
pendicLS besteht; je acht dieser Stücke bilden einen halben ßiog)
288 Gerstaecker: Bericht ab. d. Leistungen in d. Entomologie
nämlich einen oberen (d. h. Dorsal.) und einen unteren (d.h. Ven-
tral-) Ring und sind auf jedem derselben symmetrisch angeordnet,
nämlich vier zu jeder Seite der Mittellinie des Körpers. Das zweite
Stück jeder Seite (beider Halbringe) ist das wichtigste und bestän-
digste und trägt jedesmal den Appendix, während das erste und vierte
am häufigsten eingehen (d. h. verdrängt oder modificirt werden). Als
Theile des Insektenkörpers, die bisher übersehen worden sind, nennt
er die von ihm nachgewiesenen „protocräne, antesternum, protergite",
welche vorläufig jedoch nur namhaft gemacht worden sind, üeber
die vier Ringe, welche nach seiner Untersuchung den Kopf zusam-
mensetzen, lässt sich der Verf. schon näher aus; das erste Segment
bildet die Schädelhöhle (boite cränienne), das zweite die JVlandibeln
(oberer Halbring) und die Maxillen (unterer Halbring) , das dritte die
Ober- und Unterlippe (in entsprechender Weise), das vierte der Epi-
pharynx und Hypopharynx. — Als neu sieht der Verf. u. a. auch
den Nachweis an, dass die Halteren der Diptera die Analoga der Hin-
terflügel seien. — Wenn der Verf. nur einigermassen eine Vorstel-
lung davon gehabt hätte, wie eingehende und zahlreiche Untersu-
chungen über diese Verhältnisse in den letzten zwanzig Jahren an-
gestellt 'worden sind, so würde er wohl beanstandet haben, die
seinigen überhaupt der üefTentlichkeit preiszugeben und noch mehr,
etwas als neu anzupreisen, was sich als von vornherein unhaltbar
erweisen muss. Wie sollen wohl die Oberlippe und die Mandibeln
den oberen Halbring eines Körpersegments darstellen und besonders
im Vereine mit den Maxillen und der Unterlippe, die seit langer Zeit
als Gliedmassen anerkannt sind? Und welches sind die acht Stücke
und die Appendices des Pronotum und der Hinterleibsringe der In-
sekten, wenn man wirklich bei Meso- und Metathorax die Flügel
als letztere annehmen wollte? In Deutschland ist es wohl nach
gerade anerkannt, dass die Bedeutung dieser Körpertheile nur durch
die Verfolgung ihrer Entwicklung beim Embryo festgestellt werden
kann, und dass eine willkührliche Deutung derselben wenigstens für
die Wissenschaft ohne Belang ist.
Ueber die Anhangsgebilde der Arthropoden-Haul, Bau
und Insertion der haar - und dornähnlichen Anhänge und
der eigenllichen Haare von A. Menzel (Enlomol. Zeit. p.
117 — 127). Der Verf. ist durch seine Untersuchungen über
diesen Gegenstand zu demselben Resultat wie Hollard ge-
langt, dass nämUch die Haare der Gliederthiere als selbst-
ständige, mit einer Wurzel versehene und in eine sackartige
Einstülpung der Haut eingesenkte Gebilde eine wesentliche
Uebereinstimniung mit den entsprechenden der Säugethiere
zeigen. Während jedoch Hollard diese Aehiilichkcit als
während des Jahres 1856. 289
eine all(?emoin durcligehende ansieht und eine Verwandt-
schaft der Gliederlhier-Haare mit denen der Pflanzen -Ober-
fläche ganz in Abrede slelll, will Menzel in einigen Fäl-
len die let/>(i*rc nicht von der Hcind weisen , indem er z. B.
die starken Dornfürlsälze an den Kiefern der Myrmeleon-Larve
als den Pflanzendornen verwandle Gebilde ansieht. (Es sind
jedoch die Dornen der Pflanzen als Axengebilde wesentliche
Theile des Organismus, die Zähne an den Kiefern von Myr-
meleon aber äusserliche und zufällige Bildungen, bei denen
nur eine oberflächliche Form-Aehnlichkeit aufzufinden ist, Ref.)
— Für die in die Haut eingesenkten Haare, z. B. für die
an den Kiefern der Myrmeleon-Larve befindlichen weist Men-
zel die wesentlichen Bestandthcile des Haarbalges, welcher
durch Einstülpung der beiden Lagen der Chilinhaut gebildet
yvird, nach ; wird das Haar selbst aus der OefTnung dessel-
ben entfernt, so ragt aus dieser ein zapfenarliges Gebilde,
welches von weicher Consislenz und daher gegen Druck
nachgiebig ist, hervor: dieses wird vom Verf. als Analogon
der Pulpa des Säugelhier-Haares angesehen.
Aus leliterer Annahme würde zu folgern sein, dass die Haare
der Arthropoden wie die der Säugethiere wachsen , da bei diesen
die Pulpa des Ilaares die Absetzung neuer BilduQgstheile zum Zwecke
hat. Dass die Haare aber bei den In3elt.ten wenigstens nicht wach-
sen, ist wohl nach verschiedenen Thatsachen miehr als wahrschein-
lich; es wäre dann wenigstens viel natürlicher, dass z. B. langhaa-
rige Raupen (Euprepia, Acronycta aceris, leporina u. a,) nach der
Häutung liurze Haare mitbrächten, während dieselben schon gleich
bei Berstung der alten Haut in ihrer ganzen Länge dem Körper dicht
anliegen: woraus zugleich hervorgeht, dass sie ganz neue Gebilde
sind, die mit den Haaren der abgeworfenen Haut in iieiner Beziehung
stehen. An ausgebildeten Insekten ist ferner ein Nachwachsen von
Haaren bis jetzt nicht nachgewiesen worden, vielmehr die Abnutzung
der einmal vorhandenen und das Kahlwerden der Körper- Überfläche
nach längerer Lebensdauer eine tägliche Erfahrung. (Haarförmige
Ausschwitzungen, wie sie sieh beiLixus, Lystra, Dorthesia u. a. vpr-
finden, und die sich von Neuem erzeugen sollen, gehören nicht in
diese Kategorie). Es möchte daher das von Menzel als Haarpulpa
angesprochene zapfenartige Gebilde in seiner Bedeutung wohl noch
etwas zweifelhaft sein.
Eine Schrift von Wollaslon „On the Variation of the
Spccies, with especial reference to the Insecla, followed by
Archiv f. Naturgescb. XXIII. Jahrg. 2. Bd. 'f
290 Gerstaeck er; Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
an inquiry into the nature of Genera,« London 1856. 8.^ über
welche sich in der Natural hislory review XL p. 43 ein kur-
zer Bericht findet, ist dem Ref. nicht zugekommen.
Für die bereits mehrfach festgestellte Thatsache, dass ^
auch unter den Insekten nicht selten eine Copulation zwi-
schen verschiedenen aber ähnlichen Arten stattfindet, liegen*
in diesem Jahre gleichzeitig zwei Beobachtungen vor, wel-
che in mehr als einer Beziehung interessant und wichtig sind.
Der eine von Guillemot (Annales de la soc. entomol. IV.
p. 29 ff.) milgetheilte Fall betrifft eine Bastardirung zwischen
Dicranura vinula und erminea, zweier in ähnlichem Verhält-
nisse zu einander stehenden Arten wie Saturnia spini und
carpini, von denen Bastarde seit langer Zeit bekannt sind.
Dieser Fall gewährt dadurch ein besonderes Interesse, dass
nicht nur die Copulation der beiden genannten Arten, son-
dern auch die Entwicklung der daraus entsprungenen Pro-
dukte durch alle Stadien der Verwandlung verfolgt worden
ist. Von etwa hundert Eiern, welche das Weibchen nach der
Begattung ablegte, entwickelten sich nur zehn zu Raupen,
welche in ihrer äusseren Erscheinung zwischen denen der
beiden Arten die Mitte hielten und sich nach 40 bis 50 Ta-
gen verpuppten; die Puppe glich durch die dunkle Farbe
mehr derjenigen von D. vinula. Die zehn aus diesen Puppen
ausgeschlüpften Bastarde vereinigten ebenfalls die Charaktere
beider Arten mit einander, wie dies auch die Abbildung eines
männlichen Individuums (auf Taf. 1. Fig. II) erkennen lässt;
auf neun männliche Bastarde kam nur ein einzelner weibli-
cher, bei dessen anatomischer Untersuchung sich nur 22
kleine, alrophirle Eier im Ovarium vorfanden. — Die zweite
Beobachtung von Boheman („Om parning emelian olika
insekt-arter'* , Öfversigt af Kongl. Vetensk. Akad. Förhandl.
1856. p. 229) beschränkt sich zwar nur auf die Feststellung
der Copulation zweier Arten,* ist aber einerseits in Rücksicht
auf die generische Verschiedenheit, andererseits auf die grosse
Aehnlichkeit in Grösse , Form und Färbung der gepaarten
Species fast noch bemerkenswerther : es wurde nämlich von
B. ein Männchen von Strophosomus coryli mit einem Weib-
chen von Sciaphilus muricatus in Begattung angetroffen und
längere Zeit darin verharrend gesehen.
während des Jahres 1856. 291
lieber Endoparasilen von Insekten sind folgende Mit-
theilungen gemacht worden :
Lespcs, Note sur un Nemaloide parasite des Termites
(Annales des sciences naturelles V. p. 335. pl. 8) fand in
einigen Termiten-Neslern , deren Boden sehr feucht war, in
grosser Menge einen VVurrn aus der Familie der Gordiaceen,
den er als neue Gattung und Art unter dem Namen Isakis
migrans beschrieb und abbildete. Die Naturgeschichte die-
ses Wurmes scheint ganz mit der von Gordius und Mermis
übereinzustimmen, indem die erwachsenen Thiere mit entwik-
kelten Reproduktionsorganen sich in der feuchten Erde des
Termiten-Nestes aufhalten, die Jungen dagegen in der Lei-
beshöhle der Termiten schmarotzen. Lespes fand die letz-
teren im Umkreise des Darmes, und zwar ein bis sechs In-
dividuen in demselben Tliiere, jedoch nur in solchen, die in
der Enlvvickelung schon weiter vorgeschritten waren, nämlich
in Arbeitern, Soldaten und Nymphen. Die vom Wurme affi-
cirten Termiten gehen zuletzt an demselben zu Grunde und
jener verlässt vollkommen herangereift den in Verwesung
übergehenden Körper derselben; über die Zeil, zu welcher
sich der junge Wurm in den Termiten-Körper einbohrt, lie-
gen keine Beobachtungen voi*/
Auch für zwei Coleopteren wurden abermals Beobach-
tungen über das Vorkommen von Eingeweidewürmern milge-
theilt. Die eine wurde von Györy (Sitzungsberichte der
math. naturw. Classe der Akad. d. Wissensch. zu Wien XXL
p. 327) an Hydrophilus piceus gemacht, in dessen Darm sich
bei 18 — 20 Individuen conslant ein Entozoe vorfand, der un-
ter dem Namen Oxyuris spirölheca als neue Art beschrieben
und abgebildet wird. — Der zweite Fall ist von Mahler
(Verhandl. d. zoolog.-botan. Vereins in Wien, Sitzungsberichte
p. 11) bekannt gemacht worden, welcher aus drei Dytiscus
marginalis, die aus einem kurz zuvor trockengelegten Teiche
herstammten, im Ganzen acht Exemplare des Gordius aqua-
(icus erhielt; die iangslen 'derselben maassen über 13 Zoll
und zwar waren vier'von ilihen dem einen der Dytisci allein
abgegangen.
Eine andere Art von ausserlichem Parasitismus, der
jedoch zu den davon betroifenen Insekten vielleicht in gar kei-
292 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
ner Beziehung" steht, ist von Li eher kühn („Ueber parasi-
tisclie Schläuche auf einigen Insektenlarven") in den Monats-
berichten der Berliner Akademie der Wissenschaflen , April
1856 und Müller's Archiv f. Anat. und Physiol. I85ö. p. 494
bekannt gemacht worden.
, .,,. jL. hat an den Kiemenfäden von Phryganetn- Larven kleine
Schläuche von '/s— Vso'" Länge beobachtet, welche zum Theil eine
farblose, durchsichtige Substanz, mit zahlreichen lichlbrechenden
Körnchen untermengt , enthielten, theils mit kleinen spindelförmigen
Körperchen , ähnlich Psorospermien angefüllt waren. Diese Spindeln
wurden zuweilen mit einer heftigen Bewegung aus den Schläuchen
herausgeworfen, platzten und es entwickelten sich aus ihnen kleine
Asnöben-arlige Thierchen. Die Schläuche, die in ihnen enthaltenen
Spindeln und die daraus hervorgehenden Wesen sind auf Taf. XVIIl
in Müller's Archiv abgebildet; was aus letzteren wird , ist bis jetzt
nicht beobachtet worden.
Von wie verschiedenartigen parasitischen Insekten die
Wiederkäuer auch an ihren äusseren Körperlheilen beeinlräch-
Ijgt werden, lelirl ein merkwürdiger von Haliday (Natural
hislory review X. p. 23) milgelheilter Fall, in welchem die
Hörner frisch getödleter Antilopen (vom Gambia) von Lar-
ven angebohrt gefunden wurden. Eine nähere Untersuchung
ergab das Vorhandensein von Raupen im Innern der Hörner,
welche den Tineen- Raupen an Form glichen und in einem
cylindrischen Gespinnst, welches am Ausgangsloche mit einem
Deckel verschlossen war, steckten. Die grössten dieser Ge-
spinnsle, zu deren Anfertigung die Fasern der Hörner benutzt
zu sein schienen, maassen zwei Zoll, die Larven, welche mit
dem Kopfe nach der äusseren Oeffnung zugekehrt waren, einen
Zoll. Der Augenschein lehrte, dass diese Larven durchaus
riiönt nach dem Tode der Antilopen die Hörner angegriffen
haben konnten.
Eins der interessantesten Werlte , die dem Ref. für den
diesjährigen Bericht vorgelegen haben, ist eine grössere Al)-
handlung von Asa Fitch über die in Nord- Amerika als
schädlich auftretenden Insekten, welche unter dem Titel:
„First and second reporl on the noxious, beneficial and other
Insects of the State of New- York, by Asa Fitch, Albany
1856.« (8. 336 p. 4 tab. lith.) erschienen ist. Das Buch hat
zunächst einen praktischen Zweck, indem der Verf. von der
während des Jahres 1856. ' ÜP^
Agriculfural sociely in New -York damit heauflrag' worden
war, über die der Landwirlhschafl , der Forst- und Garten-
kulliir schädlichen Insekten jener Gegend, ihre Lebensweise,
den von ihnen verursachten Schaden und die zu ilirer Vertil-
gung anwendbaren Mittel einen ausführlichen Bericht abzu-
statten. Dieser Aufgabe wird dadurch entsprochen, dass der
Verf. nicht, wie es in den meisten ähnlichen Werken der
Fall ist, die von ihm beobachteten schädlichen Insekten in
systematischer Reihenfolge aufzählt, sondern dass er von
den verschiedenen Pflanzen (meist Bäumen) ausgeht und bei
diesen über sämrntliche ihm bekannt gewordenen Feinde der-
selben Auskunft ertheilt. Eine derartige Anordnung empfiehll
sich einerseits durch den praktischen Nutzen, den sie dar-
bietet und der darin besteht, dass den Laien das Auffinden
einzelner Arten sehr erleichtert wird ; andererseits war sie
durch den Umstand geboten, dass die Beobachtungen des
Verf. während eines Zeitraums von nur zwei Jaliren ange-
stellt wurden und daher den Gegenstand bei weitem nicht
in seiner ganzen Ausdehnung erschöpfen konnten. Von
den Insekten, welche in dieser Weise ausführlich abgehan-
delt werden, kommen 17 auf den Apfelbaum, 2 auf den Kirsch-
baum, 5 auf die Nord-Amerikanische Wallnuss, je 1 auf die
Birne, die Pfirsich, die Pflaume, den Weinstock und die Sta-
chelbeere, 2 auf die Fichte, je I auf die Lärche, den-Aliorn
und die Pappe!, 8 auf den Weizen, 5 auf den Mais und je 1
auf den Hopfen und den Kohl ; sie gehören zum grösseren
Theile den Lepidopleren , nächst diesen zumeist den Hcmi-
pteren und Dipteren an, obwohl auch die übrigen Ordnungen
nicht fehlen. — Wenn dieser praktische Theil des Werkes
für Nord-Amerika ein ungleich grösseres Interesse darbieten
muss, als es für Europa der Fall sein kann, so: ist den zahl-
reichen Exkursen, welche der Verf. bei jeder sich ihm dar-
bietenden Gelegenheit zur Erläuterung der Naturgeschichte
solcher Insekten macht, die zu jenen schädlichen in näherer
oder enifernterer Beziehung stehen, eine ganz allgemein wis-
senschaflliche Bedeutung beizulegen. Dass die Schilderungen,
welche vom Nord -Amerikanischen Insektenleben irefreben
werden, einerseits. wegen der wesentlichen faunislischen üe-
bereinsliramung dieses Welltheiles mit dem unsrigen, ande-
294 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
rerseits in Rücksicht darauf, dass das Buch für einen wei-
teren Leserkreis bestimmt ist, viel Bekanntes enthalten, ver-
steht sich von selbst; es ist aber nicht nur die Lebendigkeit
der Darslellungsweise an und für sich in hohem Grade
anziehend , sondern es finden sich auch so mannigfache
werlhvolle Beobachtungen über Insekten der verschiedensten
Ordnungen in dem Werke vor, dass gewiss Niemand, der
sich in wissenschaftlicher Weise mit Entomologie beschäftigt,
dasselbe ohne Befriedigung lesen wird. Ausserdem erhält
aber auch die Artenkenntniss der Nord -Amerikanischen In-
sekten hier eine ziemlich ausgedehnte Bereicherung: abgese-
hen davon , dass schon von den als schädlich aufgeführten
Arten ein Theil neu ist und an diese oft eine Beschreibung
der zunächst verwandten angeschlossen wird , weiss der
Verf. stets in sehr geschickter Weise von denselben auf ein
anscheinend fernliegendes Thema überzugehen, welches er
dann ganz nach Gefallen ausbeutet. So knüpft er z. B/ bei
den den Obstbäumen schädlichen Blattläusen an sämmtliche mit
ihnen im Krieg oder Frieden lebenden Insekten an, wie Amei-
sen, Dipteren (Tephritis), Hemerobius-, Chrysopa-, Cocci-
nella- und Syrphus - Larven , nimmt dann diese Gelegenheit
wahr, um z. B. eine Beschreibung sämmtlicher ihm bekannten
Chrysopen undHemerobienNord-Amerika's zugeben, kommt
von solchen Insekten wieder auf ihre Schmarotzer u. s. w.
Zuweilen ist bei diesen Verknüpfungen verschiedenartiger
Gegenstände der Faden etwas locker und ein dem Verf. er-
wünschtes Thema oft ziemlich weit her geholt (wie z. B. die
Beschreibung der Porcellio- Arten , welche sich in den von
Larven ausgehöhlten Baumstämmen vorfinden); indessen wird
dadurch die Fülle des hier verarbeiteten Materials nur um so
grösser und das Interesse ein vielseitigeres.
Wenn der Verf. sich durch das vorliegende Werk ganz beson-
ders als einen vorzüglichen Beobachter dokumentirt, welcher überall
mit den eingehendsten Kenntnissen ausgerüstet, die noch bestehenden
Lücken unseres Wissens auf das Erfolgreichste anzugreifen weiss, so
tritt hiergegen keineswegs, wie so oft, die systematische Seite des
behandelten Gegenstandes in den Hintergrund, sondern wird mit glei-
chem Erfolge wie die Biologie gefördert. Bei allen vom Verf. be-
schriebenen neuen Arten werden eingehende Untersuchungen über
während des Jahres 1856. 2Q5
ihre Verschiedenheit, resp. Identilfit mit den bereits bekannten an-
gestellt und ebenso die Bestimmung der Gattungen , denen sie an-
gehören , nach den darüber vorliegenden älteren und neueren \Ver-
kcn ermöglicht. Nur in wenigen Fällen , z. ß. bei den Chryso-
pen und Memerobicn , bei mehreren Lepidopteren , sind dem Ver-
fasser frühere i*ublikationcn entgangen, so dass hier eine Zurückfüh-
rung seiner Arten und Gattungen auf bereits beschriebene vorgenom-
men werden muss : da jedoch diese Arbeiten zum Theil wenigstens
solche sind, die der neuesten Zeit angehören, so ist die Unbekannt-
schaft mit denselben gar nicht einmal in Anrechnung zu bringen. —
In Betreff der Ausstattung des Werkes sei erwähnt, dass neben vier
Tafeln, welche einen Theil der als schädlich abgehandelten Insekten
im Steindruck darstellen, der Text mit zahlreichen Holzschnitten ver-
gehen ist, durch welche besonders die ersten Stände und die durch
sie bewirkten Veränderungen an den betreffenden Pflanzentheilen er.
läutert werden. — Da das Werk gegenwärtig wohl nur eine geringe
Verbreitung in Europa hat — obwohl eine sehr allgemeine in Hin.
sieht auf die wissenschaftliche Bedeutung desselben nur zu wünschen
ist — habe ich bei den einzelnen Ordnungen und Familien wenig-
stens das Neue, was darin enthalten ist, angemerkt, natürlich ohne
damit seinen Inhalt erschöpfen zu können.
Wenn das eben besprochene Werk neben seinem ursprung-
lich praktischen Zwecke auch das Interesse des wissenschaft-
lichen Forschers nach allen Seilen hin in Anspruch nehmen
musstc, ist ein in Deutschland erschienenes, welches denselben
Gegenstand behandelt, fast ausschliesslich für den durch schäd-
liche Insekten besonders in Anspruch genommenen Theil des
Publikums, die Landwirthe, berechnet. Es ist dies ein im
vorigen Jahresberichte (p. 17) nur dem Titel nach angezeig-
tes Werk von Nördlinger: „Die kleinen Feinde der Land-
wirthschaft,« (Stuttgart, Colta 1855. 1 Vol. 8. 636 pog. mit
zahlreichen in den Text eingedruckten Holzschnitten), wel-
ches dem Ref. nachdem zur näheren Einsicht vorgelegen hat.
Dies Buch erfüllt seinen Zweck, dem Landwirthe als Ralh-
geber und Belehrer über die ihm schädlichen Insekten (wel-
che den bei weitem grössten Theil seines Inhaltes ausmachen)
zu dienen, gewiss in der vollkommensten Weise, indem es
nicht nur letztere in fast erschöpfender Weise aufzählt , das
über ihre Naturgeschichte und schädlichen Eingriffe bereits
Bekannte auf das Befriedigendste und Angemessenste zusam-
menstelltj dasselbe auch zum Theil durch eigene Beobachtun-
296 Gerslaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
gen des Verf. erweitert, sondern anch — was besonders
rühmend hervorzuheben ist — dadurch, dass es sich in Be-
treff der Anrathung von Verlilgungsmitteln besonders kri-
tisch verhält und somit dem Laien als sicherer Anhalt in
diesem Punkte dienen kann.
Der Verf. hebt ganz mit Recht hervor , dass eine Aufzählung
von allerhand Vertilgungsmitteln, die zwar seit Jahren wiederholt
empfohlen sind , sich aber in keiner oder nur sehr ungenügender
Weise bewährt haben, in einem Lehrbuche nicht nur überflüssig, son-
dern sogar nachtheilig für den Landwirth ist , und dass in den Fäl-
len, wo genügende Mittel fehlen, dies, wie er es auch öfter thut,
besser offen gesagt wird. Ebenso zweckmässig ist es, dass der Verf.
zu wiederholten Malen auf diejenigen Vertilgungsmilte! als die besten
hinweist, welche die Natur selbst geschaffen hat, um üebergrifFe von
anderer Seite her zu beschränken; es scheint dem Ref. jedoch, als
träte diese Seite des Werkes, nämlich die Hinwefsung auf nützliche
Insekten, im Verhältnisse zu ihrer grossen Wichtigkeit für den Land-
wirth doch gar zu sehr zurück, während sie gewiss mit Recht dar-
auf Anspruch machen könnte, in jedem praktischen Buche der
Art ganz in den Vordergrund gestellt zu werden. Die tägliche Er-
fahrung lehrt nämlich, dass Landwirthe sowohl wie Forstmänner alle
Insekten für „Ungeziefer« ansehen, und dass sie durch unkritische
Vernichtung alles dessen, was ihnen davon vorkommt, sich selbst
viel mehr Schaden als Nutzen bringen. Es wäre in so fern gewiss
nicht überflüssig gewesen, auf den INutzen der (nur kurz erwähnten)
Laufkäfer sowohl während ihres Larven- als Insektenzustandes und
auf den immensen Vortheil , welche eine Schonung derselben bei
Raupenfrass auf Feldern. u.;S. w.; bringen kann, in; recht aHsführlicher
Weise einzugehen. Vielleieht. würde es sich als zweckmässig erwei-
sen, wenn der Verf. seinem Werke, das in mehrfacher Beziehung
sich vor den ähnlichen früheren vortheilhaft hervorthut, noch ein
Anhangs-Heft folgen liesse, welches die für die Landwirlhschaft nütz-
lichen Insekten in eingehender Weise behandelte. — Zu den Vorzü-
gen des Buches ist neben den schon erwähnten auch ganz besonders
seine iweckmässige Ausstattung zu rechnen, indem durch die in den
Text eingedruckten , durchweg recht charakteristischen Abbildungen
die Anschaulichkeit des Gegenstandes sehr gefördert wird und der
Landwirth sich bei Benutzung derselben wenigstens in vielen Fällen
leicht darüber belehren kann, mit welchen Feinden er es zu thun hat.
Um demselben ein solches Bekanntwerden mit den ihn interessiren-
den verschiedenen Insektenformen zu ermöglichen , rcsp zu erleich-
tern , hat der Verf. zugleich als Einleitung zu seinem Werke eine
gedrängte Ueberslcht über die verschiedenen Ordnungen, die Unter-
während des Jahres 1856. 291
schiede, welche sie in ihren verschiedenen EntwicUlungspcriodcn
von einander darbieten, ihre äussere und innere Organisation u. b.w.
vorangeschickt ; ob dieselbe jedoch als dem vorliegenden Zwecke
durchweg entsprechend anzusehen ist, darüber könnten die Ansichten
wohl verschieden sein.
Derselbe Verf. hat seine schon im J. 184S veröffenl-
lichlen Nachträge zu Ratzeburi''s Forst- Insekten , durch
eine Reihe ni^ucr Beobachtungen vermehrt, jetzt in einem
selbslsländigen Werkchen herausgegeben: Nördlinger,
Nachträge zu Ratze burg's Forst- Insekten, ein Programm
bei Gelegenheit der Jahresprüfung an der königl. land- und
forstwirthschaltlichen Akademie zu Hohenheim, Stuttgart 1856
(8. 81 pag., 1 lilh. Taf.).
Der grösste Theil dieser Schrift ist den in Holz und unter
Rinde lebenden Coleopteren gewidmet und enthält besonders eine
Reihe sorgfälliger Beobachtungen über die Lebensweise und die Na-
turgeschichte der Bostrichen, welche den von Ratzebu rg gemach-
ten Angaben als Ergänzung dienen.' Ausserdem sind auch mehrere
schädliche Lepidopteren von Neuem ausführlich behandelt und schliess-
lich noch einige Notizen über Hymenopteren beigefugt worden. In
zwei Anhängen beschreibt der Verf. 1) zwei neue ausländische Bo-
strichen aus Venezuela und Neu- Holland (welche jedoch, da N. die
Erichson'sche Monographie nicht gekannt hat , näher zu prüfen sind)
und 2) in sehr interessanter Weise noch einmal die Naturgeschichte
und besonders das Eierlegen des Rhynchites betuleti. Hervorzuheben
ist hier, dass N. jetzt sicher festgestellt zu haben glaubt, dass die
Individuen des Käfers ohne Dornen am Ilalsschilde die Weibchen sind,
indem stets solche beim Biällerwickeln und Eierlegen angetroffen
wurden. (Die Systemaliker über Curculionen , z. B. Schönherr,
Redtenbacher u. a. sind bekanntlich der Ansicht, dass die dorn-
losen Individuen die Männchen seien, was um so weniger anzuneh-
men ist, als von ihnen für Rhynch. auratus das Umgekehrte angege-
ben wird.)
Von Ratzeburg's Werk: Die VValdverderber und ihre
Feinde , oder Reschreibung und Abbildung der schädlichen
Forstinsekten und der übrigen schädlichen Waldthiere, ein
Manilbuch für Forstmänner, Oekonoinen u. s. w. ist eine vierte,
gänzlich umgearbeitete und vermehrte Auflage erschienen.
Berlin, Nicolai 1856. (8. 112 pag. c. tab. 10.)
lieber Insekten, welche einzelnen Culturpflanzon schäd-
lich sind, handeln ferner :
29S Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Insccls frequenting the Cotlon-plant, by Townend
•Glover (Report of the Comissioner of Patents for the year
1855. Agriculture. Washington 1856. p. 64 — 115. c. tab. 5).
Es wird hier eine beträchtliche Anzahl von Insekten verschie-
dener Ordnungen aufgezählt und abgebildet , welche sich auf der
Baumwollenstaude vorfinden und von deren Mehrzahl der Verfasser
glaubt, dass sie derselben schädlich seien. Es ist dies aber gewiss
nur von denen vorauszusetzen, welche an den jungen Pflanzentrie-
ben, den Blättern und Schösslingen leben (9 Lepidopteren- Raupen,
2 Hemipteren, 1 Aphide, 1 Homopteron, 1 Locustine, 1 Curculionide) ;
dagegen sind diejenigen, welche als auf den Blüthen vorkommend
bezeichnet werden, z. B. Cantharis, Chauliognalhus, Trichius gewiss
nicht, einige Spanner -Raupen wenigstens sehr fraglich schädlich.
Ausserdem werden auch noch diejenigen Arten aufgeführt, welche
sich an den faulenden Stengeln der Pflanze vorfinden, nämlich meh-
rere Uemiptera, von Coleopteren die Gattungen Carpophilus, Colaslus,
Silvanus, von Lepidopteren die Raupen zweier Heliothis- Arten; fer-
ner solche Arten, die zwar in den ßaumwollenplantagen vorkommen,
aber nicht schädlich sind ; endlich solche, welche wegen ihrer Ver-
nichtung der schädlichen Insekten als nützlich anzusehen sind, wie
Megacephala uud Harpalus , Ichneumoniden , Syrphus-, Coccinella-
und Hemerobius-Larven u. s. w. — Die über die Lebensweise jener
Insekten und den Schaden derselben angestellten Beobachtungen wer-
den hier bei jeder Art mehr oder weniger ausführlich mitgetheilt,
doch fehlt für; die meisten derselben eine genauere Bestimmung der
Art und oft selbst der Gattung; aus den im Holzschnitt beigegebenen
Abbildungen wird sich jedoch über die meisten derselben wenigstens
annähernd Auskunft erhalten lassen.
Insects injurious and beneficial to the Orange- Iree.
(ebenda p. 115—121.)
Die schädlichen Insekten der Orangen sind zwei (unbenannte)
Coccus-Arten, über deren Entwickelung und Lebensweise hier aus-
führliche Millheilungen gemacht werden; ihre Feinde sind mehrere
parasitisch in ihnen lebende Hyraenopteren, also vermuthlich Ichneu-
moniden.
D 0 1 e s c h a 1 1 (Natuurkundig Tijdschrift voor Nederlandsch
Indie, Deel XII. p. 282 flF.) gab Nachricht über einige dem
Indigo-Bau schädliche Thiere.
Er nennt: l) den Sawang, eine kleine der Gattung Theridion
angehörende Arachnide; 2) den Worm (Oelat der Javanesen), eine
8'" lange Larve mit braunem Kopfe, die im Marke der Stengel lebt
und woraus ein 2'" langer Rüsselkäfer hervorgeht. Die Art ist mit einer
während des Jahres 1856. 299
Diagnose versehen, aber nicht benannt: „Rufo-fuscus, corpore gibboso,
longitudinaliter granulatim spinoso, macula dorsali alba cruciforrai;
rostro Caput longitudinc superante, armalo ; antennis rostri apicem
versus insertis , gcniculatis , 9 articulatis, arliculo primo longissimo,
ultimo ovali ; libiis anticis in processum armatum prolongatis, articulo
tarsorum. ultimo unguiformi. Long. lin. 2.« — 3) Nicht minder schäd-
lich ist die Larve ^ines Cerambycinen , die mit der vorigen in Gcr
meinschaft lebt. — , 4) der ärgste Yerwüstcr ist der Oeret, die Larve
einer Melolontha , 2 — 2'/," lang, welche die Wurzeln abfrisst ; der
Käfer ist 1%" lang, rothbraun von Farbe und dem Europäischen Mai-
käfer sehr ähnlich. — 5) Der Kocpoe - Koepoe der Javanesen ; ein
weisser wolliger Ueberzug, von einem Insekte aus der Cicaden-Fa-
milie herstammend. — 6) Einige Raupen von Vanessa und Folyom-
matus leben auf der Indigo-Pflanze, sind aber nur in geringer Anzahl
vorhanden.
Robineau- Desvoidy, Memoires sur les gale-in-
secles de TOlivicr, du Cilronier, de TOranger, du Laurler-
Rose et sur les maladies, qu'ils y occasionnenl dans la pro-
vince deNice et dans le departement du Var. (Rev. etMagas.
de Zoologie Vlll. p. 121, 180, 277, 387 ff.) — Der Verf.
giebt eine historische Darstellung des Auftretens und der
allmähligen Verbreitung der Scliildläuse (Cocc. Hesperidum,
Adonidum, Oleae etc.) von Italien aus über Sudfrankreich
und der Verwüstungen , welche sie gegenwärtig anrichten.
Ausser den genannten Bäumen, welche zuweilen von mehre-
ren Arten zugleich befallen werden, leiden in Südfrankreich
auch viele ursprünglich exotische Zierpflanzen durch die-
selben.
Schreiner, „die Feinde der Obstbäume" (Zeitschrift för die
gesammten Naturwissensch. VII. p. 513 — 520) zählt dreizehn Arten
von Lepidopteren auf, welche als garteuschädlich allgemein bekannt
sind und giebt eine Beschreibung der Raupen , ihrer Lebensweise,
des Schadens, den sie anrichten u. s. w. Der Aufsatz enthält nichts
Bemerkenswerthes.
Krauss: „lieber einige für die Landwirthschaft schädliche In-
sekten« (Jahreshefte des Vereins für vaterl. Naturk. in Würtemberg,
XII. p. 52 IT.) handelt über Geometra brumata, Tinea padella und Gryl-
lotalpa vulgaris.
Gehin, Notes pour servir ä l'histoire des insectes nuisibles
k Tagricuiture dans le departement de la Moselle, No. 1. broch. in 8.
und Lellrc sur la galle dos feuilles du poirier, addressee ä la societö
d'horticulture de la Moselle, broch. io 8. sind dem Ref. beide nujr
300 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
aus einer Anzeige im Bullet, de la soc. entomol. IV. p. CXIX. bekannt
geworden.
Ein Aufsatz von Keferstein, betitelt: „die ägyptischen Pla-
gen« (Zeitschrift f. d. gesammt. Naturwiss. Vll. p. 530 ff.) geht haupt-
sächlich auch auf die in grossen Schaaren auftretenden Insekten
Afrika's, welche dem Vieh und dem Menschen schädlich werden, ein
und sucht die in den Schriften des Alterthums bezeichneten Arten auf
solche, deren Naturgeschichte neuerdings bekannt geworden ist, zu
deuten.
Die deutschen PhylophogcMi aus der Klasse der Insek-
ten, oder Versuch einer Zusauimcnsteihing der auf Deutsch-
lands Pflanzen beobachteten Bewohner und deren Feinde,
von Kaltenbach (Verhandlungen des naturhist. Vereins der
Prcuss. Rheinlande und Westphalen's XIII, p. 165—265). —
Das Unlernehnien des Verf. ist ein ganz ähnliches, wie das
kürzlich von Macquarl erschienene Werk „les arbres etc."
und „les plantes herbacees de l'Europe et leurs Insectes,« von
dem es sich jedoch sehr vortheilhaft in der Ausführung un-
terscheidet. Zunächst werden zweckinässiger W^Mse nicht die
Bäume und Siräucher von den niederen Pflanzen geschieden,
sondern mit diesen vereint in alphabetischer Reihenfolge auf-
geführt, wodurch das Auffinden von Einzelnheilen natürlich
sehr erleichtert wird; als Bewohner dieser Pflanzen werden
auch nur solche aufgeführt, die sich nach direkten Beobach-
tungen von ihnen ernähren und nicht (wie bei Macquart)
auch solche, die in ganz zufälliger Beziehung zu ihnen ste-
hen. Den Beobachtungen des Verf. selbst sind die von an-
deren Forschern hinzugefügt und bei letzteren der literari-
sche Nachweis geliefert. Der bis jetzt vorliegende Theil der
Arbeit behandelt die Gattungen mit dem Anfangsbuchstaben
A, etwa 75 an Zahl, und zwar werden die einzelnen phylo-
phagen Insekten nur unter der Gattung vereinigt, was
schon aus dem Grunde nothwcndig war, als die Pflanzen-
Art in sehr vielen Fällen von den Beobachtern nicht bekannt
gemacht worden ist. Die zahlreichsten Insekten ernähren
die Gattungen Acer 44, Achillea 34, Alnus 116, Amygdalus
12, Anchusa 12, Arctium 18, Artemisia 50, Arundo 26,
Asiragalus 11, Atriplex 20. — Die Arbeit des Verf. verdient
wegen der äusserst interessanten Beziehungen der Insekten zur
Pflanzenwelt an sich, als auch wegen der praktischen Wich-
w&hrend des Jahres 1856. 301
tigkeit lies Gegenstandes alle Anerkennung und es ist nur
zu wünschen, dass sie in gh^icher Weise lürlgeführt werde.
Die Linsen^allen der Oesterreicliisrhen Eichen, ein Ver-
such zur vergleichenden Beschreibung der Gallengebide, von
G. Frauenfeld. (Bulletin de la soc. inip. des naiuralisles
de aioscou 1^50. No. 1. p. 39hI— 405. c. lab. IV.)
Die Linsengallen verdanken ihren gemeinsamen Piamen nur der
Aehnlirhkoit in Form und Grösse, sind aber — wenigstens die hier
beliandellen der Eichen — ihrer Katur nach sehr verschieden, indem
sie sich auf alle drei von Frauenfeld angenommenen Gruppen der
Gallen, nämliah auf die umhüllenrlen, einschliessendcn und geglieder-
ten vertheileni Zu ersterer Gruppe gehört die Schlauchgalle der
Cerreiche, deren Erzeugerin wahrscheinlich Lasioptera cerris ist; zu
den einschliessendcn Gallen gehört die Linsengalle von Quercus pe-
dunculata (wahrscheinlich das Produkt einer Cynips) und die War-
zenflachgalle der Kotheiche (Erzeuger unbekannt); den gegliederten
Gallen fällt die Deckelgalle der Cerreiche zu, welche ebenfalls einer
Tipularie ihren Ursprung verdankt. Die letztere Galle ist von Kol-
lar ebenfalls der Lasioptera cerris zugeschrieben worden, wenigstens
mit der Schlauchgalle zusammen als Produkt derselben abgebildet
und beschrieben; jedenlalis gehören aber beide ganz verschiedenen
Thieren an. — Die erwähnten vier Linsengallen der Eichen werden
vom Verf. näher charakterisirt und sind auf der beifolgenden Tafel
abgebiliet.
Heber periodisches massenhaftes Auftreten einzelner In-
seklen-Arlen wurden mehrere Mitlheilungen gemacht, deren
Zusammenslellung hier Platz finden mag : 1) Oufour beob-
achtete Stenus ruslicus zu vielen Tausenden auf Blättern dicht
aneinander gedrangt (Bullet, de la soc. enlomol. p. XCI).
2) Nach Leinweber cVerhaiidl. d. zool.-botan. Vereins,
Sitzungsberichte p. 74) wurde Galleruca xanlhomelaena durch
ungeheuere Individuenzahl sowohl im Larvenzustande als in
dem dos entwickelten Insekts den Ulmen schäiilich , die sie
zweimal im Jahre der ßliitler durchweg beraubte. 3) In
ähnlicher Menge (raten nach Fuss (Miltlieil. d. Siebenbürg.
Vereins zu Hermannstadl VII. p. 104 (F.) die Raupe von Li-
paris morio und die Larve der Adimonia tanaceli auf; er-
stere verwüstete ganze Wiesen durch Abfressen des Grases.
4) Heer brachte cVierteijahrsscIirift d. naturf. Gesellsch. in
Zürich I. p. 85) das schon von (te Geer beobachtete Phäno-
302 Gerslaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Enlomologie
men des Auftretens grosser Massen von Telephorus- Larven
zur Winterzeit auf frisch gefallenem Schnee zur Sprache, wel-
ches in der Schweiz neuerdings beobachtet wurde; die Zahl
der Larven wurde auf etwa 300,000 veranschlagt, welche
sich auf 25 bis 30,000 Quadralruthen verlheillen.
Von praktischer Wichtigkeit sind die Beobachtungen,
welche Frey und Lebert (Vierteljahrsschrift der nalurf.
Gesellsch. zu Zürich L p. 374— 389) über die gegenwärtig
im Mailändischen herrschende Krankheit der Seidenraupe,
der Puppe und des Schmelterlings veröffentlicht haben. Die
Krankheit, welche von der Muscardine verschieden ist und
gegenwärtig auch hier am Orte vielfach grassirt, zeigt sich
in einer Verkrüppelung des Schmetterlings, dessen Flügel
und Leib aufgedunsen und wässerig erscheinen; die afficir-
ten Individuen vollziehen entweder die Begattung gar nicht,
oder dieselbe hat kein Ablegen von Eiern zur Folge. — Nach
den Untersuchungen der beiden Verf. zeigt sich bei den
kranken Insekten in allen inneren Theilen des Körpers und
auch auf der äusseren Oberfläche in grosser Anzahl eine
Alge, welche viel wahrscheinlicher die Ursache der Krank-
heit ist, als dass sie für ein Produkt einer schon vorher
bestehenden Krankheit des Seidenwurns angesehen werden
könnte.
Von faunislischen Arbeiten, welche sich über alle oder
mehrere Ordnungen der Insekten erstrecken, sind im Jahre
1856 nur wenige erschienen und unter diesen nur eine von
grösserem Umfange und von Bedeutung, nämlich:
Die Thiere Andalusiens, nach dem Resultate einer Reise
zusammengestellt, nebst den Beschreibungen von 249 neuen
oder bis jetzt noch unbeschriebenen Gallungen und Arten
von Dr. W'. G. Rosen hau er. Mit 3 Kupferlafeln. Erlangen
1856. 8. 429 S. -- Das Werk, welches eine Darstellung der
Fauna Andalusiens im Ganzen zum Inhalt hat, indem es sich
auf fast alle Thierklassen erstreckt, ist von speziellem Inter-
esse für die Gliederthiere, welche darin mit besonderer Vor-
liebe behandelt worden sind; unter letzteren sind es wieder
die Coleopleren, deren genaue Durcharbeitung der Verf. in
seiner bereits öfters bewährten, sehr umsichtigen Weise vor-
während des Jahres 1856. 303
genommen hat. Zu Grunde gelegt ist dieser Bearbeitung zu-
nächst eine sehr reichhaltige von Will in Andalusien veran-
slallele Sammlung von Insekten, welche auch die sehr zahl-
reichen, hier beschriebenen neuen Arten enthielt; ausserdem
hat der Verf. aber mit grossem Fleiss sämmtliche Tiiiere,
welche von anderen Reisenden in Andalusien aufgefunden
(besonders Rambur undWaltl), sowie diejenigen, welche
von verschiedenen Autoren , als von dort herstammend be-
zeichnet worden sind, wenigstens durch Anführung des Na-
mens seiner Arbeit einverleibt, so dass dieselbe ein voll-
sländiges Bild unserer gegenwärtigen Kenntniss der dortigen
Fauna liefert. Dass dieselbe vorwiegend den Character der
Mittelmeer -Fauna zeigen würde, Hess sich von vorn herein
vermuthen: sie bietet jedoch trotzdem vielfache Abweichun-
gen von den beiden übrigen Süd -Europäischen Halbinseln,
dagegen eine wesentliche Uebereinslimmung mit dem gegen-
überliegenden Theile Afrika's dar. Hinsichtlich der einzelnen
Ordnungen, so sind die Coleopteren, wie gesagt, bei wei-
tem am reichsten vertreten, nämlich durch 1692 aufgeführte
Arten; von diesen sind die bereits beschriebenen mit Bemer-
kungen über Fundort, Lebensweise u. s.w., so wie öfter auch
mit synonymischen Notizen versehen , die neuen mit beson-
derer Sorgfalt und Schärfe, stets auch mit gehöriger Berück-
sichtigung der zunächst verwandten Arten charakterisirt wor-
den. Während sich zur Aufstellung neuer Gattungen dem
Verf. nur selten Gelegenheit darbot, hat er für eine Anzahl
von Dejean bisher nur benannter Formen eine gründliche
Beschreibung nachgeliefert und diese somit erst in die Wis-
senschaft wirklich eingeführt. — Die übrigen Ordnungen und
Classen der Gliederthlere sind an neuen Arten im Ganzen
ärmer und es ist hier der Verf. in der Beschreibung dersel-
ben von anderen Autoren unterstützt worden, wie von H ar-
tig (einige Cynipiden), Loew (einige Dipteren) und Koch
(Arachnidcn, iMyriapoden und Crustaceen). Uebrigens ist
auch bei diesen das Verzeichniss der aufgeführten Arten im
Ganzen als ein reichhaltiges zu bezeichnen, wie sich aus fol-
genden Zahlenangaben ergiebt: Orlhoptera 88 (8 Labiduroi-
den, 63 Orlhoptera genuina, 17 Pseudoneuroptera) , Neuro-
ptera 26, Hymenoptera 128 (7 Tenthredinetae, 1 Urocerala,
304 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
6 Ichneumonidae, 10 Formicariae, 47 Apiariae, 4 Vespariae
(indem Uhynchium hierher und nicht zu den Bienen gehört),
l3»Helerogyna (mit Einschhiss vonScolia), 19 Crabroniles,
8 Sphegiden und Poinpiliden, 5 Cynipidae, 8 Chalcidiae, Chry-
sididae etc.)i Diptera 125 (besonders artenreich die Bomby-
lier und Asiliden), Lepidoptera 155 (70 Rhopalocera, 5 Sphin-
gides, 31 Bombycidae und Chelonariae, l9Nocluinae^ 30 aus
den übrigen Familien), Hemiptera IbO (164 Heteroplera, 16
Homoptera), Arachnoidea 20, Myriapoda 7, Crustacea 14. —
Von den drei beifolgenden Tafeln ist eine der Darstellung
einiger neuen Coleopteren-Galtungen gewidmet.
Einen Beitrag zur Inseklenfauna Dalmaliens lieferte
Frauenfeld (Yerhandl. d, zooiog. botan. Vereins in Wien
VI, p. 431 — 445) durch Aufzählung der von ihm daselbst ge-
sammelten Dipteren, Neuropteren , Hemipteren und Ameisen;
derselbe ist von um so grösseren Interesse, als er gleich-
sam ein Supplement zu der von Ger mar in seiner Reise
nach Dalmatien veröffentlichten Fauna (zum grössten Theil
Coleopteren) abgiebt.
Die Reise des Verf. fiel in die Zeit des Frühsommers und daher
bietet das Verzeichniss der gesammelten Arten einen besonderen Reich-
thum an solchen dar, welche dieser Jahreszeit eigen sind: unter den
Dipteren sind z. B. besonders die Tabaniden, Bombylier und Slratiomy-
iden zahlreich vertreten, unter den Acalypteren die Trypeten mit
Vorliebe gesammelt. Von Neuropteren sind 14, von Ameisen 15 Ar-
ten aufgerührt, von Hemipteren besonders die Gcocorisen berücksich-
tigt worden. Bei den interessanteren Arten sind Angaben über ihr
Vorkommen, ihre Lebensweise u. s. w. hinzugefügt.
Costa hat in einem Neapolitanischen Journal „L'Iride«
Anno 1. No. 11 einige Millheüungen über die Insektenfauna
der Insel Ischia gemacht, denen auch die Beschreibung eini-
ger neuen Arten beigefügt ist. Der Aufsatz ist dem Ref.
im Separat- Abdrucke unter dem Titel: „AIcune Noiizie suU'
Entomologia deli' Isola d'Ischia" (August 1^56) zugekommen.
Lucas beabsichtigt, unter dem Titel: „Melanges d'en-
tomologie Aigerienne" in den Annales de la soc. entomol.
einen Nachtrag zu seiner Bearbeitung der Gliederlhiere Al-
gier's durch Beschreibung derjenigen Arten, welche nach der
Yeröffenliichung der Exploration scientifiquc de TAlgörie \on
' während des Jahres 1856. 309
ihm auf dem Plateau von Medeah und ßoghar aufgefunden
worden sind, zu liefern. Diese Publikationen sollen nicht in
systematischer Reihenfolge , sondern je nachdem sich das
Material dazu darbietet, vor sich gehen; der Anfang ist in
diesem Jahre mit einer Anzahl von Melasomen gemacht
worden.
Derselbe machte im Bullet, de la soc. entomol. IV. mehrere
Mittheilungen über das Vorkommen Europäischer Insekten in Algier,
z. B. von Zuphium olens, Papilio Machaon und Podalirius, Smerinthus
ocellatus, Polia rufocincta, Scsamia nonagrioides u. a.
Lesenswerth sind die Mittheilungen, welche Bat es
(Zoologist p. 5012 ff.) über die insektenfauna des inneren
Brasilien's längs des Amazonenstromes gemacht hat; sie be-
schränken sich vorläufig auf die Ordnungen der Coleoptera
und Lepidoptera, unter denen eine Anzahl seltener, neu ent-
deckter Formen hervorgehoben werden. Von Coleopleren
ist neuerdings der merkwürdige Gnostus formicicola Westw.
in Mehrzahl unter Ameisen aufgefunden worden.
lieber die Fauna der Mährischen Höhlen gab Wankel
(Verhandl. d. zoolog. botan. Vereins in Wien VI, p. 467 ff.)
Nachricht. Es findet sich in denselben eine grössere An-
zahl von Gliederlhieren, die schon aus den Krainer Höhlen
bekannt geworden sind , zum Theil jedoch auch solche,
die, wenngleich jenen nahe verwandt, selbstständige Arten
bilden. Eine Bekanntmachung derselben wird in Aussicht
gestellt.
Ohne wissenschaftliches Interesse sind die vonßrehm gemach,
tcn Mittheilungen über die Insekten des nordöstlichen Afrikas, wel-
che einen Theil seiner Schilderung der „tropischen Wälder und ihrer
Fauna« (Allgem. Deutsche Katurhist. Zeitung I, p. 216 ff.) ausmachen.
Es fehlt denselben die nöthige Sachkenntniss.
Douglas, the world of Insects, a guide to its won»-
ders. London 1856. (8. 244 pO-
Die Schilderung des Insektenlebens im Allgemeinen , welche
den Inhalt dieses Buches bildet , legt ein ebenso günstiges Zeugniss
für das Beobachtungstalent des Verf. ab , als sie dem Leser mannig-
faches Interesse abgewinnt. Die Insekten werden nach ihren ver-
schiedenen Aufenthallsorten, wie Haus, Blumen- und Obstgarten, Feld,
Wald, Ebene und Gebirge, Wasser, Seestrand u. s. w. in Betracht
gezogen, über ihre Lebensweise, ihre Beziehungen unter einander
Archiv f. Naturgesch. XXIIL Jahrg. 2. Bd \]
306 GerstaecUer: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
und zu der sie umgebenden Kalur die Beobachtungen Anderer mit
des Verf. eigenen in geschickter und ansprechender Weise verbunden
und auf diese Weise dem Anfänger ein liurzer Abriss des Wissens-
würdigsten auf diesem Felde gegeben.
„Die Mysterien der Europäischen Insektenwelt von Prof. Dr.
Joh. Gistl, Kempten 1856« ist der Titel eines Buches, welches sei-
nem Inhalte nach keine nähere Berücksichtigung in dem vorliegenden
Berichte zu beanspruchen hat. (Siehe darüber Dohrn, Entomol. Zeit.
1856. p. 312 ff.)
Von Kirby und Spence's Inlroduclion tö Entomo-
logy ist eine siebente Auflage (London 1856) erschienen.
Nach einer Anzeige in den Annais of natural history XVllI,
p. 258 sind bis jetzt die beiden ersten Bände ausgegeben
worden.
Mulsanl's Opuscules entomologiques sind jetzt bis
zum 7. Hefte (Paris 1856) fortgeschritlen, welches abermals
die Beschreibung einer grossen Anzahl meist einzelner neuer
Arten aus dem südlichen Frankreich (Coleoptera und He-
miptera), ausserdem aber auch eine zusammenhängende Ar-
beit systematischen Inhalts, sowie einzelne Beiträge zur Ent-
wickelungsgeschichte der Insekten enthält.
Stainton's Entomologisl's Annual (for 1856), wel-
ches über Englische Insekten handelt und v. Motschuls-
ky's Etudes entomologiques werden jetzt mit jährlich erschei-
nenden ßändchen oder Lieferungen forlgesetzt, deren Inhalt,
so weil er wissenschaftliches Interesse darbietet, gehörigen
Orts berücksichtigt worden isL
Die Verhandlungen der Niederländischen Entomologi-
schen Gesellschaft, deren Erscheinen Ref. bereits im Jahres-
bericht für (854, p. 17 angezeigt hatte und von denen ge-
genwärtig zwei Hefte des ersten Bandes unter dem Titel :
Handelingen der Nederlandsche Entomologische Vereeniging,
1. Deel, 1. 2. Stuck (Leyden in 4., 1854 und 1856) vorlie-
gen, enthalten Berichte über die seit dem Jahre 1846 in ver-
schiedenen Städten des Landes abgehaltenen Versammlungen
der (also schon längere Zeit hindurch bestehenden) Gesell-
schafL Die bei diesen Zusammenkünften gehaltenen und hier
im Auszuge milgelheilten Vorträge bestehen in Mittheilungen
über meist inländische Insekten verschiedener Ordnungen
während des Jahres 1856. 307
und zwar in Bezug auf Biologie, Verwandlungsgeschichte,
erste Stände, Panisilen, Synonymleu. s. w. j um dieselben
im Inlande nach Gebühr zu verwerthen , müsste freilich die
Holländische Sprache, in der sie abgefassl sind, einem ein-
gehenderen Versländniss unterworfen werden, als es bisher
der Fall ist. Grössere Abhandlungen sind in dieser Schrift
nicht abgedruckt, jedoch ist im Augenblick auch fik" die Ver-
öffentlichung solcher bereits eine Niederländische Entomolo-
gische Zeitschrift im Gange, über welche im nächsten Be-
richte RJiltheilungen gemacht werden sollen.
Die Kenntniss der fossilen Insekten ist in diesem Jahre
durch zwei bedeutende Arbeiten gefördert worden :
1) 0. Heer, Ueber die fossilen Insekten von Aix in
der Provence ( Vierteljahrsschrift der naturforschenden Ge-
sellschaft in Zürich, 1. Jahrg. Zürich 1856, p. 1—40, Taf. 1 u. 2).
Zu den 30 bis jetzt durch Hope, Germar, Heer u. A.
bekannt gemachten fossilen Insekten von Aix werden in der
vorliegenden Abhandlung 30 neue hinzugefügt, welche dem
Verf. durch Murchison in London, Blanchet in Lau-
sanne u. A. zur Ansicht mitgetheilt worden sind. Diese In-
sekten gehören sämmtlich den Tertiärschichten an und lie-
gen zum grössten Theil in einem sehr feinkörnigen Kalkmer-
gel, der in eine Menge ganz dünner Blätter zerfällt und das
Dach eines IVj Meter mächtigen Gypslagers bildet; an der
Sohle des letzteren liegt ein fesler Kalk, der ebenfalls In-
sekten, obwohl viel vereinzeltere enthält. Die aus der Lage
jenes Kalkmergels (unter dem marinen Sande) resultirende
Vermulhung , dass er den unteren Lagen der miocenen For-
mation angehöre, wird sowohl durch die darin vorkommen-
den Pflanzen als Insekten bestätigt; von den 60 bekannt ge-
wordenen Arten der letzteren sind 4 zugleich in Oeningen
und 9 in Radoboj gefunden worden, und mehrere andere Ar-
ten der letzteren Lokalitäten sind denen von Aix sehr nahe
verwandt. Eine wesentliche Uebereinstimmung zeigt die fos-
sile Insektenfauna von Aix mit denen von Oeningen und Ra-
doboj durch die Häufigkeil der Diptera nemocera, wogegen
die dort zahlreich vertretenen Formicarien hier selten sind
und die Buprestiden sogar ganz fehlen; reich ist Aix be-
sonders an Curculionen, wie alle übrigen Lokalitäten dage»
30d Gerst accker: Beriebt üb. d. Leistungen in d. Entomologie
gen arm an Schmelterünoren, obwohl neben zwei Nachtfaltern
sogar ein prachtvoller Tugfalter von dort bekannt geworden
ist. Sehr interessant sind die Schlösse, welche der Verf. aus
der Inseklenfauna für die ehemalige Terrain- Beschaffenheit
von Aix zieht; wahrscheinlich hat hier ein Seebecken mit
morastigen Ufern bestanden, wie dies die Wasser- und Ufer-
Insekten vermulhen lassen und für die Mehrzahl (IJmnobien,
ßibionen, Mycetophüen, Bostrichinen) erscheint die Annahme
ausgedehnter feuchter Wälder gerechtfertigt.
Die einzelnen Arten , welche sämmtlich sorgsam beschrieben
und auf zwei Tafeln abgebildet sind, vertheilen sich auf die verschie-
denen Ordnungen der Insekten folgendermassen: 1) Coleoptera: 1
Bembidium, ö Staphylinen (Lithocharis, Stenus, Xantholinus, Philon.
Ihus), 1 Hydrobius, 1 Corticaria, 10 CurcuUonen, (Sitones, Cleonus,
Hipporhinus, Phylononius, Curculionites), 1 Hylesinus, l Cassida, 1
Chrysomela. 2) Gymnognatha: 1 Thrips , 1 Libellula. 3) Hymeno-
ptera: 3 Formica, l Pimpla, 1 Chalcites. 4) Lepidoplera : 1 Koctui-
tes , 1 Pyralites. 5) Diptera: 1 Limnobia, 3 Mycetophila, 1 Cecido-
myia , 4 Bibio, 6 Protomyia , l Xylophagus, 1 Hilarites. C) Rhyn-
chota : 5 Pachymerus, 2 Heterogaster, 1 Pseudophana, 2 Aphrophora,
1 Bythoscopus, l Cicadellites und 1 Aphis. — Die Mehrzahl der
Insekten von Aix entspricht nach Heer's Angabe dem Charakter der
Mittelmeerfauna, doch finden sich auch Ausnahmen ; zu letzteren rech,
net der Verf. auch die als Hipporhinus beschriebenen Curculionen.
Nach den Abbildungen ist Bef. jedoch überzeugt, dass diese Arten
nicht zu dieser Schönherr'schen Gattung (die übrigens nur in Süd-
Afrika einheimisch ist, da der Cure, tribulus Fabr. aus Neu - Holland
zur Galtung Leptops Schönh. gehört) gebracht werden können.
2) G. C. ßerendt, Die im Bernstein befindlichen or-
ganischen Reste der Vorwelt. Zweiter Band. I.Ablh. Die im
Bernstein befindlichen Hemiptercn und Orthopteren der Vor-
welt. 2. Abth. Die im Bernstein befindlichen Neuropteren der
Vorwelt. Berlin 1856, fol. 125 p. Stab. — Die Bearbeiter die-
ses Bandes sind: Germar für die Hemipteren, Germar und
B e r e n d l für die Orthopteren, Fielet und Hagen für die
Neuropteren und Pseudoneuropleren ; letzterem ist ausserdem
die Redaktion des ganzen Bandes zu danken. Die Germar'-
sche Bearbeitung der beiden ersten Ordnungen (Berendt
hat an den Orthopteren nur durch die frühere Beschreibung
einiger Blatlinen Antheil), welche schon im Jahre 1844 ab-
geschlossen wurde, ist in dieses Werk unverändert und durch
während des Jahres 1856. 309
keine späteren Zugänge vermehrt aufgenommen worden. Da-
gegen ist die ebenfalls schon im Jahre 1845 beendigle Ab-
theilung Pictet's über die Neuropleren von Hagen nicht
nur von Grund aus überarbeitet, sondern auch durch Hinzu-
ziehung eines zahlreichen neuen Materials sehr bedeutend
vermehrt worden : es ist dies in der Weise bewerkstelligt
worden, dass die Beschreibungen Pictet's in deulscher Ue-
bersetzung unverändert aufgenommen und, wo es durch den
Vergleich neuer und zahlreicher Stücke bedingt wurde, mit
Zusätzen und Bemerkungen von Hagen versehen, die da-
mals noch nicht gekannten Arten dagegen von letzterem selbst-
stäudig bearbeitet worden sind. — Eine wie grosse wissen-
schaftliche Bedeutung diesem Werk beizulegen ist, geht schon,
abgesehen von der anerkannten Tüchtigkeit seiner Bearbei-
ter, daraus hervor, dass es das erste ist, in welchem die In-
sektenfauna des Bernsteins mit Zugrundelegung eines sehr
reichhaltigen Materials im Zusammenhang behandelt wird;
letzteres ist ebenso wichtig für die Schlussfolgerungen, wel-
che auf den Charakter der damals vorhandenen Thierschöpfung
zu ziehen sind, als es andererseits über die Bedingungen,
unter denen sich der Bernstein (in seiner gegenwärtigen
Form) gebildet hat, wenigstens annähernden Aufschluss er-
theilt. In ersterer Beziehung haben schon die Untersuchun-
gen Hagen's über die Neuropteren des Bernsteins (Jahres-
bericht für 1854, p. 96) festgestellt, dass keine in demselben
eingeschlossene Art der gegenwärtigen Thierschöpfung an-
gehört, wenn auch die Mehrzahl derselben in Grösse und
Form der mitteleuropäischen Fauna der Jetztzeit wesentlich
entspricht. Ein ganz analoges Resultat ergeben nun auch die
beiden anderen hier bearbeiteten Familien und zwar beson-
ders die (hier am meisten maassgebende) der Hemipteren,
welche nur sehr vereinzelte , den tropischen Arten der Ge-
genwart entsprechende Formen aufzuweisen hat, während
alle Species, die jetzt noch leben , ganz davon ausgeschlos-
sen sind.
Die Zahl der in dem vorliegenden Werke beschriebenen und im
vergrösserlen Maassstabe auf acht Tafeln abgebildeten Arten beläuft
sich für die Hcmiplercn auf 60, für die Orthopteren auf 8, für die
i'Iouroptercn (im filteren Sinne) auf 87« Unter dep HemiptcrcQ Bind
310 Gerstaecker: Bericht üb. d Lcislungen in d. Entomologie
die Homoptercn (32) durch eine fast gleiche Arienzahl wie die He-
teropteren (28) vertreten, und zwar bilden unter erstercn die Fami-
lien der Cicadellinen und Fulgorellen die Hauptmasse (23), während
sich die übrigen 9 auf die Scharlachlause ^3) und die Blattläuse (6)
"beschränken ; die artenreichste Gattung ist Cixius (9). Während sich
bei den Homopteren sämmtliche Bernstein- Arten lebenden Gattun-
gen unterordnen Hessen, gab unter den Heteroptereh eine zur Fami-
lie der Hydrodromici gehörige Art zur Aufstellung einer eigenen
Gattung Limnacis Aniass ; die Anzahl der Wasser- und Strand wauzcn
(4 Arten) tritt hier gegen die der Landwanzen (24 A.) sehr zurück,
dach ist das Vorkommen der Wasserbewohner im Bernstein überhaupt
sehr interessant in Rücksicht auf die Lokalität, wo sich derselbe ge-
bildet haben muss. Unter den Landwanzen ist die Gattung Phytoco-
ris allein durch 14 Arten vertreten. — Von den 8 bekannten Ortho-
pteren gehören 5 den Blattinen, 2 den IMiasmiden und 1 den Gryllen
an. — Am reichsten an Arten zeigen sich die Neuropteren, und zwar
kommen 36 auf diejenigen mit unvollständiger, 51 auf die mit voll-
ständiger Metamorphose ; auf die Familien sind die Arten in folgen-
der Weise vertheilt: Termiten 5, Embiden 1, Psociden 8, Perliden 14,
Ephemeren 6, Odonaten 2, Sembliden 2, Hemerobiden 7, Panorpen 3
und Phryganiden 39. Die Anzahl der Gattungen ist im Verhältnisse
3BU derjenigen der Arten sehr gross , indem durchschnittlich auf jede
derselben nur zwei Species kommen (78 Arten, 44 Gattungen); auch
in dieser Ffimilie; sind dieselben mit den lebenden Gattungen zum
grössten Theile identisch , und nur vereinzelte , wie Amphientemum
und Empkeria unter den Psociden und einige Untergattungen der Ter-
miten zeigten sich in der jetzigen Schöpfung nicht vertreten.
Einer zukunftigen kritischen Bearbeitung der bis jetzt
bekanntgewordenen fossilen Insektenreste hat Giebel durch
den zweiten Band seiner „Fauna der Vorwelt mit steler Be-
rücksichtigung der lebenden ThiereS welcher (Leipzig 1856
erschienen) in seiner ersten Abtheilung die Insekten und Arach-
niden enlhäll, in sofern bedeutenden Vorschub geleistet, als
darin das gegenwärtig vorliegende literarische Material mit
grossem Fleiss zusammengebracht worden ist. Mit Hinzufü-
gung einer belrächtlicheri Anzahl neuer Gattungen und Ar-
ten, die hier zugleich eingeführt werden, beläuft sich die
Zahl der bis jetzt bekannt gewordenen Insekten auf mehr
denn 2000, die d^r Arachniden auf etwa 240. — • Einen Aus-
zug dieses Werkes bildet gleichsam die von demselben Verf.
(;Zcilschrift f. d. gesammt. Naiurwissensch. VIII, p. 174 ff.)
veröiTöatiichte ^geologische üebersicht der vorweitlichea iib»
während des Jabre^ 1856. 311
seklen**, in welcher die Arien nach de^ vürschiedencn Stra-
ten zusamniengeslelll sind.
Ferner gab derselbe (ebenda VII. p. 384 ff.) einige No-
tizen über Insektonroste nus den Braunkohlenschichlen bei
Eisleben und bildete dieselben nuf Taf. 5 ab. Es sind: die
Flügeldecken einer Bupreslide (Buprestites Minnae Giebel), ein
Käfer-, Schaben- und Libellcnflugel.
V. Heyden, Reste von Insekten aug der Braunkohle
von Salzhausen und Westerburg (in Dunker Hnd v. I^Ieyer's
Palaeonlographica IV. p. 198—201. Taf. 37 und 3S). :,,|,)„
Es werden hier beschrieben und abgebildet : Dicerca Xaschi^y
Thereva carbonum^ Bibio antiquusy ein Dipteron unbestimmter Gattung
und Gänge von Insektenlarven in Hohem der Braunkohle von Sax-
hausen, welche vom Verf. als von einem Anobium , einem Prionus
und einer Buprestis herrührend gedeutet werden.
Coleoptera^
Von Lacordaire's „Genera des Coleopleres ou Ex-
pose melhodique et critique de tous les genres proposes
jusqu'ici dans cet ordre d'insectes« ist irn Jahre 1856 der
dritte Theil erschienen, welcher die Lamellicornen im Sinne
Burmeister's und Erichson's enthält. Der Verf. Irennt
dieselben in Bücksicht auf die obwaltende Verschiedenheil
in der Fühlerbildung, dem Nervensystem und dem Baue der
Larven in zwei Familien, nämlich in Peciiuicornia (Lu-
canini , Passalides) und Lamellicornia (alle übrigen Gruppen
einschliessend), wie es auch schon von Westwood u. a.
geschehen ist. Die Anlage dieses dritten Theiles ist im Gan-
zen eine den früheren entsprechende; lag hier gleich eine
neuere umfassende Bearbeitung des grössten Theiles der be-
handelten Familien vor, so war der Verf. dadurch einer um-
sichtigen Kritik bei Benutzung derselben keineswegs über-
hoben und er hat diese besonders durch eine sehr einsichts-
volle Reducirung der grossen Anzahl von unhaltbaren Gat-
tungen gellend gemacht. Auch die Feststellung und Begrän-
zung der Gruppen hat hier und da eine Modifdiation erfahren,
z. B. bei den Lucaniden und Melitophilen , wo mehrere vom
V^rf. vorgenommene ^enderungen der Sach.e nur zum Vor-
512 Gerstecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
theil gereichen. — Am Schlüsse dieses dritten Bandes giebt
der Verf. seinem Plane gemäss Nachträge zu den schon frü-
her bearbeiteten Familien , so weit dieselben durch neuere
Atbeiten einen Zuwachs erhallen haben.
Bei der allgemeinen Verbreitung, welche sich dieses Werk des
berühmten Verf. zu erfreuen hat, und bei seiner Unentbehrlichkeit
für fernere wissenschaftliche Forschungen in dem darin befindlichen
Theile der systematischen Entomologie würde es überflüssig sein, auf
alle einzelne Gliederungen, auch soweit dieselben Neues darbieten,
hier näher einzugehen: nur einige Bemerkungen, welche Ref. bei
näherer Kenntnissnahme einzelner Abschnitte zu notiren Gelegenheit
nahm, mögen hier ihre Stelle finden. Die veränderte Feststellung der
Gruppen in der Lucaniden-Familie, welche von der Burmeister'schen
in mehreren Punkten wesentlich abweicht, ist aus einer so richtigen
Auffassung der Verwandtschaften und Beziehungen der einzelnen Gat-
tungen zu einander hervorgegangen, dass eine Zusammenstellung der-
selben nach L acor dair e sogleich die Natürlichkeit seiner Anordnung
ausser Zweifel setzt. Dass der Verf. bei den eigentlichen Lucanen,
welche zur Aufstellung von ebenso zahlreichen als unhaltbaren Gat-
tungen Anlass gegeben haben, eine vollständige Reducirung der letz-
teren auf die beiden Gattungen Lucanus und Dorcus (denen sich Co-
lophon und Platycerus anschliessen) vornimmt, ist gewiss in gleicher
Weise als ein Fortschritt zu betrachten; soll aber die Galtung Dorcus
sich auf alle diejenigen Arten erstrecken, deren Weibchen sich durch
die mit einem hornigen Endhaken versehene innere Maxillarlade aus-
zeichnen, so muss Colophon Westw. , bei dessen Weibchen (im hie-
sigen Museum) dieser Endhaken fast stärker als bei irgend einem
Dorcus entwickelt ist, ebenfalls damit verbunden werden. Wodurch
Lac. zu der Angabe veranlasst worden ist, dass diese innere Maxil-
larlade bei Colophon in beiden Geschlechtern einfach sei, weiss sich
Ref. nicht zu erklären ; übrigens zeigt diese Gattung auch im äusse-
ren Habitus eine augenscheinliche Annäherung an gewisse Dorcus-For.
men, besonders an den Chilenischen Scleropterus Darwinii Uope. —
Von nicht geringerer Bedeutung sind die Abänderungen, welche der
Verf. in der Systematik der Melitophilen vorgenommen hat und die
hier in gleicher Weise sowohl den Umfang der Gruppen als der
Gattungen betreffen : in ersterer Beziehung ist das Ausscheiden der
Ischnostomiden und Schizorrhiniden aus der Gruppe der eigentlichen
Cetonien und die Annäherung der ersteren an die Goliathiden (von de-
nen Ischnoscelis abgetrennt wird) , die Verbindung der Lomapteriden
mit den Gymnetiden, die Verweisung von Clerota zu den Macronoti-
den u. s. w. durchaus in der Natur begründet. In Bezug auf die
{Einziehung upd Aufrechterhaltung der einen oder anderen Gattung,
besonders unter den Goliathiden, würde sich Ref. allerdings in meh-
während des Jahres 1856. 313
rcrcn Fällen mit dem Verf. im Widerspruche befinden, doch lassen
sich hier über den systematischen Werth der einzelnen Charaktere so
verschiedenartige Ansichten aufstellen, dass es schwerhält, über Recht
und Unrecht zu entscheiden ; im Ganzen hat der Verf. sich bei der
Einziehung früher aufgestellter (Jattungen hier eher zu passiv als zu
activ verhalten, in manchen Fällen vielleicht nicht ganz consequent
(vergl. Narycius und Cyphonocephalus gegen die unter Ceratorrhina
vereinigten Formen). — Dass auch die übrigen Gruppen der Lamelli-
cornen in Bezug auf Einzelnheiten Abweichungen von den früheren
Systemalikern da erkennen lassen, wo die eigenen Untersuchungen
des Verf. (die für den vorliegenden Theil in besonders ausgedehnter
Weise stattgefunden zu haben scheinen) ihn solche vorzunehmen ver-
anlassten, braucht nach den obigen Daten kaum erwähnt zu werden ;
ebenso ist derselbe in Betreff solcher Formen, über dessen Stellung
die Ansichten bisher getheilt waren , ganz seiner eigenen Ueberzeu.
gung gefolgt, indem er z. B. die Euchiridae den Älelolonthiden, die
Gattung Cryptodus dagegen den Dynasliden (abweichend von Erich,
son) unterordnet. In Betreff der Gattung Lasiopsis Er. (Melolonthi-
den) wird dem Verf. vielleicht die Bemerkung von Interesse sein,
dass dieselbe nach den Exemplaren des hiesigen Museums deutlich
Pgliedrige (nicht Sgliedrige, wie Lac. angiebt) Fühler, gerade wie es
von Erichs on angegeben wird, erkennen lässt. —Die Herbeischaf-
fung und kritische Sichtung des sehr ausgedehnten und zerstreuten
literarischen Materials, welche eines der Hauptverdienste dieses Wer-
kes bildet , ist von besonderer Wichtigkeit für diejenigen Lamelli-
cornen-Gruppen, welchen eineGesammtbearbeilung noch nicht zu Theil
geworden ist, nämlich für die Lamellicornia laparostictica ; einem zu-
künftigen Monographen dieser Abtheilung ist hierdurch einer der
schwierigsten Theile seiner Arbeit in bester Weise zugänglich ge-
macht worden. Das Werk , welches im rüstigsten Fortschreiten be-
griffen ist, indem schon der vierte Theil desselben seit längerer Zeit
vorliegt, wird auch für die folgenden Berichte einen der wichtigsten
Theile ihres Inhalts abgeben.
L. Imhülf, Versuch einer Einführung in das Studium
der Coleopteren, in zwei Theilen und einem 25 Tafeln lilho-
graphirler Abbildungen nebst Text enihallendem Anhange.
Auf Kosten des Verfassers. Basel 1856. (8. 114 und 272 pag.}.
— Der Verf. hat beabsichtigt, mit diesem Werke eine ähn-
liche Einleitung in die specielle Inseiitenordnung der Coleo-
pteren zu geben, wie es durch Kirby und Spence, La-
cordaire u. a. in ihren bekannten Werken für die canze
CJHSse der Insekten geschehen ist ; diese Werke, und zwar
ganz besonders das vortreflliohe Lacordair e'ß, haben daher
314 Gerstaecker; Bericht üb. d. Lei?luugen in d, Entomologie
auch für das vorliegende als Muster gedient und es ist z. B.
die Anordnung des im allgenieinen Theile behandelten Materials
ganz nach dessen Vorgang angenommen worden. Neben diesem
allgemeinen Theile, welcher auf die Beziehungen der Coleople-
ren zu der sie umgebenden Natur (Thier- und Pflanzenreich),
eingeht, eine allgemeine Schilderung ihrer äusseren und in-
neren Organisation so wie ihrer physiologischen Verrichtun-
gen enthält und sich endlich mit ihren gegenseitigen Ver-
wandtschaften und der daraus abstrahirten systematischen Ein-
theilung im Grossen und Ganzen befasst , enthält die Arbeit
noch einen (dem Umfange nach grösseren) speciellen Theil, in
welchem der Verf. auf die einzelnen Familien, Gruppen und
Gattungen näher eingeht, um die Charaktere derselben we-
nigstens in so weit zu erörtern , als diese vom allgemeinen
Gesichtspunkte aus ein näheres Interesse beanspruchen. Dem
Zwecke des Werkes entsprechend sind auch die dasselbe be-
gleitenden Tafeln angelegt, indem sie eine Darstellung sol-
cher Formen (im Umrisse) enthalten, welche als geeignete
Repräsentanten für bestimmte Modifikationen der Körperbildung
im Allgemeinen so wie einzelner Theile dienen können.
Ein Werk, welches wie das vorliegende als wissenschaftlich
gehaltene Einleitung in einen sehr speciellen Gegenstand dienen soll,
hat dem Publikum gegenüber eine missliche Stellung und verdient
deshalb von der Kritik um so mehr anerkannt xu werden. Die Samm-
ler und Liebhaber der darin behandelten Insektenordnung beschränken
sich zum grössten Theil auf inländische Arten und interessiren sich
überdem nur für Artenbeschreibungen, die ihnen zur Determinirung ihrer
Sammlung dienen können. Für diese ist also die Imhoff'sche Arbeit
nicht, indem sie die Coleopteren hauptsächlich als Ganzes und Ein-
zelnheiten nur von einem allgemeinen Gesichtspunkte aus betrachtet, sich
zweitens aber auf alle überhaupt bekannten typischen Formen, die
viel zahlreicheren ausländischen mit einbegriffen, erstreckt, wie dies
sich bei einem derartigen Werke von selbst versteht. Es bleibt da-
her nur die geringe Anzahl wissenschaftlicher Bearbeiter Iheils der hier
abgehandelten speciellen Ordnung , theils der Gliederhiere in weiterer
Ausdehnung übrig, denen das Buch Interesse abgewinnen kann, upd
für diese ist es als „Einleitung" im Grunde nicht berechnet; trotzdem
kann es nach des Ref. Ansicht den letzteren mannigfache gute Dienste
leisten. Sollte es ausserdem seinen eigentlichen Zweck erfüllen,
nämlich in weiteren Kreisen ein wissenschaftlicheres Interesse an dem
Gegenötande zu erwecken, rösp. zu (t>rdern, fO wäre die Verdienst»
während des Jahres 1856. 315
lichktM't des Unternehmens als eine um so grössere zu bezeichnen. —
Was die Ausarbeitung des allgemeinen Theiles betrifft, so ist dieselbe
als eine im (jancen durchweg gelungene zu bezeichnen; der Verf.
hat die hier einschlagende Literatur in ebenso umfassender als kriti.
scher Weise benutzt, was sich darin zeigt, dass er einerseits nichts
Wesentliches übergangen, andererseits das herangezogene Material
übörsichtlich und zweckmSssig verwerthet hat. Das Schema dazu
war ihm vöti seinen Vorgängern überkommen, den speciellen hier zu
verarbeitenden Stoff hat er selbst fleissig zusammengetrageb ; beson.
ders gilt dies von den Capiteln, welche die Beziehungen der Käfer
zu der übrigen TSatur, die Physiologie, Biologie u. s. w. behandeln.
Bei der Beschreibung der äusseren Skelettbildung wäre ein etwas
näheres Eingehen hin und wieder wohl wünschenswerth gewesen,
z. B. bei der Zusammensetzung der einzelnen Thoraxringe in Bezug
auf die Episternen und Epimeren, (wo eine Bezugnahme auf die In-
sekten im Allgemeinen um so weniger genügt, als diese Theile ge-
rade bei den Käfern mehrfache Abweichungen einerseits den anderen
Ordnungen gegenüber, andererseits auch untereinander darbieten), fer-
ner bei den Hinterflügeln, deren Geäder ganz mit Stillschweigen
übergangen wird, bei den Hüften in Betreff ihrer Einlenkung u. s. w. ;
jedenfalls sind diese Unvollständigkeiten aber so vereinzelt, dass man
schon danach suchen muss , um sie herauszufinden. — Die vorwie-
gend philosophische Richtung , welche der Verf. in der Systematik
des zweiten speciellen Theiles kundgegeben hat, kann ihm, trotzdem
der strenge Systematiker gewiss viele gerechte Einwendungen gegen
die Hesultate derselben erheben könnte, gerade in dem vprliegenden
Werke am wenigsten verargt werden. Ob Pflanzen- oder Fleisch-
fresser absolut höher organisirte Wesen sind, lässt sich nicht fest-
stellen, wenn auch letzteren in der Regel der Vorrang zugestanden
wird: man kann also nichts dagegen haben, wenn der Verf. den La-
mellicornen die erste Stelle unter den Coleopteren einräumt. Ebenso
gerechtfertigt erscheint es, wenn die verschiedenen Familien (oder
vielmehr Familien-Complexe) , wo es sich thun lässt, auf Grund na-
türlicher Beziehungen and Verwandtschaften aneinander gereiht wer-
den; nur ist der Verf. über letztere nicht seilen ungenau unterrichtet.
Wenn er seine Coleoptera Clavicornia als „rhypophag" bezeichnet,
so können doch gewiss die meisten der darunter vereinigten Familien
nicht dorthin gerechnet werden und zwar weder nach dem Larven-
zuslande (Kitidularicn , Trogositen zum Theil carnivor, CoccineHinen
theils carnivor , theils herbivor u. s. w.) noch nach dem der Imago
(die wenigsten der aufgeführten Familien leben im Auswurfe). Auch
kann es wohl nicht gebilligt werden , dass in Betreff der Tarsenbil-
tJnng (las Kind mit dem Bade ausgeschüttet werde j denn so unnatür-
lich ein etarres Festhalten daran in jedem einzelnen Falle eyf die
316 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Systematik einwirken würde , so natürlich zeigen sich andere Fami-
lien durch dieses Merkmal abgegrenzt. Uebrigens betreffen diese
systematischen Abweichungen des Verf. nur seine grösseren Familien.
Gruppen , während die Familien selbst durchaus naturgemäss aufge-
fasst worden sind ; die sorgsamen Charakteristiken derselben, bei de-
nen stets zugleich auf die Larven Rücksicht genommen wird, und be-
sonders auch die recht vollständige Aufzählung der ihnen zugehörenden
Gattungen machen das Werk auch demjenigen brauchbar, dem es um
eine Einleitung in das Studium der Coleopteren nicht mehr be-
sonders zu thun ist, sondern der zur schnellen Orientirung in diesem
oder jenem Falle ein gutes Handbuch wünscht; und dieses Prädikat
kann Ref. dem Imhoff'schen Werke aus bester Ueberzeugung beilegen.
Vom Vorstande des British Museum in London sind in
diesem Jahre wieder zwti neue Cataloge, die Ordnung der
Coleopteren betreffend, veröffentlicht worden :
Calalogue of Coleopterous Insecls in the collection of
the British Museum. Part. IX. Cassididae, by C. Boheman.
London 1856. Printed by order of the Trustees. (8. 225 pag.)»
— Dieser Catalog enthält eine Aufzählung sämmtlicher bis
jetzt beschriebener Cassiden mit vollständiger Anführung ihrer
Synonymie und specieller Bezeichnung derjenigen Arten, wel-
che im British Museum vorhanden sind; ausserdem eine kurze
Charakteristik einer beträchtlichen Anzahl neuer Arten, die dem
Verf. nach Abschluss seiner Monographie nicht nur vom
Brit. Mus., sondern auch aus anderen Sammlungen zugekom-
men sind.
Nach dem Citat: „Monograph. Cassid. Appendix«, welches den
Beschreibungen dieser neuen Arten wiederholt beigefügt ist, steht zu
erwarten, dass Boheman einen Supplement-Band zu seiner Cassi-
den-Monographie veröffentlichen wird, in welchem jene Arten ihre
ausführliche Charakteristik finden sollen ; und es ist daher der vor-
liegende Katalog, abgesehen von seinem Bezüge auf das British Mu-
seum, eigentlich nur als ein Vorläufer jenes Supplementes anzusehen.
Die zahlreichen neuen Arten, welche darin charakterisirt sind, gehö-
ren folgenden Gattungen an: Hoplionota 8, Prioptera 5, Himatidium 1,
Calliaspis 1. Forphyraspis 3, Spilophora 2, Tauroma 3, Desmonota 3,
Canistra 2, Dolichotoma 11, Callaspidea 3, Mesomphalia 37, Poecila-
spis 5, Elylrogona 1, Chlamyphora 8, ümaspides 2, Batonota 3, Phy-
sonota 3, Aspidomorpha 5, Cassida 25.
List of British Curculionidae with Synonyma , by J.
Wal ton. London 185(3. Printed by order of the Trustees.
während des Jahres 1856. 317
(8. 46 pag ). Das Verzeirhniss enlliält eine syslemalisclie
Uebersichl der in England einhcimisclien Cuiculionen mit
besonderer Berücksichtigung ihrer Synonymie und ist als ein
Auszug der von W a 1 1 o n früher in den Annais of natural
hislory veröffentlichfen Untersuchungen über diesen Gegen-
stand anzusehen, deren Zweck bekanntlich hauptsächlich der
war, die Benennungen der englischen und continentalen Au-
toren mit einander in Einklang zu bringen. Die kurze Zu-
sammenstellung dieser Ergebnisse in dem vorliegenden Ca-
taloge ist um so wünsrhenswerther, als die Englische Zeit-
schrift, in welcher der Verf. seine früheren Arbeiten stückweise
veröffentlicht halte, im Ganzen Wenigen zugänglich ist —
Für die Reihenfolge der Gattungen und Arien ist das Schön-
herr'sche Werk zum Vorbild genommen; die im British
Museum befindlichen Arten sind mit der üblichen ChifTer be-
zeichnet.
Die Englische Curculionen - Fauna ist der nördlichen Lage des
Britischen Reiches angemessen ziemlich arm und liaum der des nörd-
lichen Deutschlands gleich. Es sind im Ganzen 85 Gattungen ver-
zeichnet, von denen die artenreichsten folgende sind: Bruchus 9,
Rhynohites 17, Apion 71, Sitones 14, Polydrosus 9, Phytonomus 14,
Phyllohius 9, Otiorhynchus 18, Erirhinus 21, Orchestes 12, Phytobius
8, Ceutorhynchus 34, Gymnetron 9.
Eine Anzahl neuer und zum Theil sehr ausgezeichne-
ter Coleoptercn des Brilish Museum hat ausserdem A. W h i t e
„Descriplions of some Coleopterous Insects in the collection
of the British Museum , hilherlo apparently unnoticed« (Pro-
ceedings of the zoological society of London XXIV. p. 8,
406 ff. pl. 40 und 41) beschrieben und abgebildet. Dieselben
gehören den Familien der Longicornen und Melitophilen an.
Ebenso wurden von Thomson in der Rev. et Magasin
de Zoologie VIII. p. 112, 472 und 528 ff. so wie in den An-
nales de la soc. entomol. de France IV. p. 317 — 335 meist
seltene und interessante Arten aus verschiedenen Familien
der Coleoptercn und aus verschiedenen Welttheilen herstam-
mend beschrieben und durch schöne Abbildungen dargestellt.
Einige derselben fallen jedoch theils der Gattung, theils der
Art nach mit schon bekannten zusammen , worüber bei den
einzelnen Familien Nachricht gegeben worden ist.
318 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Zur Kennlniss der Coleopteren- Fauna Amerika's sind
folgende Beiträge geliefert worden:
Von Le Co nie: Eine üebersicht der Melolonthiden der
Vereinigten Staaten (Journal of ttie aeademy of natural scienc.
of Philadelphia III. 3) , eine gleiche von den Cicindelen der
Vereinigten Staaten (Transaclions of Ihe American philoso-
phical Society XI. 1); ferner von den Chlaenien, Wycelo-
phagiden und Phalacri Nord-Amerikas in den Proceedings of
ihe acad. of nat. scienc. of Philadelphia VIII. — In letzterer
Zeitschrift hat auch Rogers eine Bearbeitung der Chryso-
melae genuinae Nord-Amerika's veröffentlicht.
Chevrolat machte einige Mexikanische Coleopteren
in der Rev. et Magas. de Zoologie VIII. p. 351 durch Dia-
gnosen bekannt; dieselben sind von S alle gesammelt worden
und gehören den Cicindelen und Carabicinen an.
Salle setzte seine Beschreibung neuer Coleopteren
von St. Domingo io den Annajes de la soc. entomol. IV.
p. Ö87 ff. (pl. 20) fort.
Rojas machte wieder einige neue Arten aus Venezuela
in der Rev. et Magas. de Zoologie VIII. p. 565 bekannt und
gab eine atisführlichere Beschreibung und Abbildung der im
vorigen Jahre diagnosticirten in den Annales de la soc. en-
tomol. IV. p. 693 ff. pl. 20.
,,^ Von Fairmai re finden sich mehrere von Germain
in CliiJe aufgefundene Arten verschiedener Familien in der
Rev. et Magas. de Zoologie VIII. p. 483 ff. beschrieben. (Co-
leoptera chilensia a Germain detecta et a L. Fairmaire
descripta).
Auch über die Fauna Asiens sind mehrere Mitlheilun-
^en gemacht worden , welche hier zusammengestellt werden
mögen :
Entomological papers, being descriptions of new Ceylon
Coleoptera with such observations on their habits etc. as
appear in any way inleresting; by J. Nietn er. Colombo,
Ceylon. No. I— IV. Juni — October 1856. — Der Verf., wel-
cher sich durch reichhaltige Sammlungen um die Kenntniss
der Insektenfauna Ceylon's wohl verdient gemacht hat, lie-
fert in der genannten Schrift , deren einzelne Theile ausser«
während des Jahres 1856. 319
dem auch in den Annnls of natural hislory 1857 abgedruckt
worden sind, einen Beilrag zur Käferlauna der Insel Ceylon,
welcher in Betracht der darauf vei wandlen Mühe alle Aner-
kennung verdient. Dass von den als neu beschriebenen Ar-
ten die eine oder die andere mit bereits bekannten zusam-
menfallt, wie dies der Vergleich lypi-scher Exemplare des Verf.
mit der hiesigen Königl. Sammlung ergeben hat, erklärt sich
aus den beschränkten literarischen Hüllsmitleln in fernen Ge-
genden leicht; andererseits aber auch aus der irrigen Ansicht
des Verf., dass Arten, welche auf Ceylon selten sind, den mei-
sten Anspruch darauf haben , für neu gehalten zu werden.
Letzteres ist nun keineswegs der Fall; vielmehr zeigen die
Nietner'schen Sendungen an die hiesige Sammlung, dass oft
in einzelnen Exemplaren aus Ceylon vorliegende Arten auf
dem Fesllande indien's gemein sind und ebenso umgekehrt.
Die meisten synonymischen Berichtigungen werden die von
Nietn er beschriebenen Carabicinen (siehe diese Familie!)
bedürfen, indem hier einerseits die Feststellung vieler Gat-
tungen nach blossen Beschreibungen mit besonderen Schwie-
rigkeiten verbunden, andererseits die Literatur eine sehr
umfangreiche und zerstreute ist. Von besonderem Interesse
sind die Angaben, welche über die Lebensweise und das Vor-
kommen einzelner Arten gemacht sind.
Einige neue Arten von den Sunda-lnseln und aus Klein-
Asien wurden von Chevrolat in der Rev. elMagas.de
Zoologie VML p. 84—89 beschrieben.
Reiche und de Saulcy's Aufzählung der Coleopte-
ren, welche von letzterem während einer Reise im Orient
gesammelt wurden, nebst Beschreibung der darunter befind-
lichen neuen Arten, ist in den Annales de ta soc. entomol.
IV. p. 353— 422 mit den Familien derPalpicornia, Staphylinen,
Histeren, Parniden, Lamellicornen , Buprestiden und Elateren
forlgesetzt worden. Die interessanteren derselben sind zu-
gleich auf zwei beifolgenden Tafeln abgebildet worden.
Descriplio!» de deux genres et de quatre especes de Co-
leopteres provenant d'Orient, par M. Peyron. (Ebenda p.
715—7250
Für Nord -Afrika gaben Fairmaire (Rev. et Magas.
de Zoologie VIII. p. 530 ff.) durch Beschreibung einiger Co«
320 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
leopteren aus Marocco und Lucas (Annales de la soc. en-
tomol. IV. p. 697 ff.) aus Algier weitere Beiträge.
-ijü. Die Europäische Fauna beireffen folgende Publikationen:
" Catalogus Coleopterorum Europae, herausgegeben vom
Entomologischen Verein in Stettin. 6. Auflage. Stettin 1856.
(8. 92 pag. Index 14pag.) Diese neue Ausgabe ist aber-
mals von CA. Dohrn besorgt und gegen die vorherge-
hende mit den neu hinzugekommenen Entdeckungen be-
reichert.
Einen Nachtrag zu diesem Calaloge lieferte Steffahny (Ento-
mol. Zeitung p. 52 fF. durch Aufzählung einer Anzahl neuerdings be.
schriebener Arten, nebst Hinzufügung von Synonymen u. s. w.
Calalogue des Coleopteres d'Europe , par M. de Mar-
seul. Paris 1856. (12. 200 pag.) •— In diesem Cataloge sind
die einzelnen Arten mit Vaterlandsangaben und mit dem Citat
einer Beschreibung versehen.
Genera des Coleopteres d'Europe, comprenant leur Clas-
sification en familles naturelles , la description de tous les
genres etc., par Jacquelin du Val, et plus de treize
cenls types dessines et peints d'apres nature par J. Mi-
gneaux. Paris chez A. Deyrolle, gr. 8. — Von diesem Werke,
dessen Beginn (Lief. I — 6) im Jahresberichte für 1854. p. 25
angezeigt wurde, liegen gegenwärtig schon 53 Lieferungen
vor, von denen jedoch das letzte Dutzend etwa erst auf das
Jahr 1857 kommen würde. Nach dem Abschluss der Familie
der Curculionen, welche den Anfang gemacht hatte, hat sich
der Verf. streng an die jetzt übliche Reihenfolge der Fami-
lien gehalten und mit derjenigen der Cicindelen auch eine
neue Paginirung des Werkes und eine entsprechende Nu-
merirung der Tafeln zur Hi rstellung dos ersten Bandes be-
gonnen. Dieser liegt jetzt sowohl im Texte als in den Ta-
feln vollsländig vor und umfasst die Familien der Cicindelen,
Carabicinen, Dytisciden, Gyriniden, Hydrophiliden, Silphiden,
Scydmaeniden, Pselaphiden und Paussiden. Vom zweiten Bande,
welcher mit den Staphylinen beginnt, ist ebenfalls schon eine
Reihe von Tafeln so wie ein Theil des Textes erschienen.
Die Charakteristik sämmtliclier Gallungen ist auf wiederholte
selbstständige Untersuchung ihrer Merkmale gegründet und
enthält daher trotz der vielfach wiederhollen Bearbeitungen
während des Jahres 1856. 321
dieses Theils der Colcopteren manche Verbesserungen und
Zusätze z» dorn bereits Bekannten. Die Beschreibung einzelner
neuen Arten findet sich in der Familie der Curculionen (Fort-
setzung in Lief. 7 — 13) noch mehrfach, in den übrigen sehr
sparsam und zum Theil gar nicht; jeder Familie wird aber
ein Verzeichniss der bis jetzt beschriebenen Europäischen Ar-
ten mit vollständiger Aufzählung ihrer Varietäten und Syno-
nyme i^d zugleich mit Angabe des Vaterlandes beigefügt.
Die von J. Migneaux nach der Natur gestochenen und co-
lorirten Tafeln zeichnen sich im Ganzen sowohl durch Ele-
ganz als Treue aus und nur wenige Figuren, wie z. B. An-
chomenus sexpunctafus (pl. 10) , Taphria vivalis (pl. 11),
Dromius quadrimaculatus (pl. 23), Catops angustalus (pl. 34),
Gasterocercus depressirostris (pl. 24) so wie mehrere andere
Curculionen sind im Habitus oder im Colorit auffallend ver-
fehlt. — Eine wesentliche Erweiterung hat der erste Band
noch durch eine „Introduction« erhalten , welche sich von
der 31. Lieferung an bis zum Beginne des zweiten Bandes
durch eine grössere Reihe von Heften hindurchzieht und eine
Art Einleitung in das Studium der Entomologie im Allgemei-
nen enihält, welche in das vorliegende Werk über Coleopteren
im Grunde nicht hineinpassl. Sie ist ebenfalls mit Tafeln
(15 an Zahl) ausgestattet, welche die Darstellung einzelner
Insekten aus anderen Ordnungen, der äusseren und inneren
Körperlheile derselben , so. wie der Familien-Repräsentanten
von Coleopteren-Larven (Copieen nachChapuis und Can-
deze) enthalten.
Von der Einleitung verbreitet sich der erste Theil über den Nut-
zen der Entomologie und ihre Anwendung (p. I), wobei eine Uebcr-
sicht der für Landwirthschaft und Forstkultur besonders schädlichen
Käfer (p. X (F.), sodann eine zweite über die in gleichen Fällen nütz,
liehen (p. XXXIU IT.) gegeben wird, denen sich auch eine üebersicht
der aus Käfern erzogenen schmarotzenden Hymenoptercn (nach Rat-
zeburg) anschliesst. Der zweite Theil ist einer sehr ins Einzelne
gehenden Schilderung des Insekten-Körpers im Allgemeinen und Spe-
ciellen gewidmet (p. XLVIII ff.), geht bd-den verschiedenen Körper-
theilen auf ihre wesentlichsten Modifikationen und dabei auch auf die
dafür gebräuchliche Terminologie ein und weist endlich die zwischen
den Kopf-, Brust- und llinterleibssegmenten nebst ihren Anhängen
bestehenden Analogieen nach. (Letztere sind schon oben besprochen
Archiv f Naturfescb. XXUI Jftbrj. 2. Bd. V
322 Gerstaecker: ßericbl üb. d. Leistungen in d. Entomologie
worden ; der sie betreffende Auszug in den Comptes rendus de Pln-
stitut de France ist fast nur ein Abdruck der auf p. CXV— CXiX der
Einleitung zusammengestellten Resultate, welche der Verf. aus sei-
nen Untersuchungen über diese Theile des Insektenkörpers erlangt
hat). Eine kurze Erörterung der innern Anatomie so wie eine Cha-
rakteristik'der Haupttypen der Coleopteren-Larven beschliesst diesen
allgemeinen Theil. — Die in der Familie der Curculionen und sodann
in denjenigen Familien, welche den ersten Band des Werkes ausfül-
len, aufgestellten neuen Arten und Galtungen sind folgende: 1) Cur-
culionides : Orchestes dislinguendus und rhamphoides von Montpellier,
Orthochaeles erinaceus aus Frankreich, Rkinoncus coarctalus von Mont-
pellier, Bagous frater und exilis ebendaher , Nonophyes spretus eben-
daher, Plinlhus Chevrölatii von Saumur, Aubeonynws pulcheUus von
Sicilien, nov. gen-, et spec., zu den Uhynchaenen gehörend und nach
der Abbildung mit Tychius verwandt; von J. du Yal wird seine nahe
Verwandtschaft mit Hypsomus Schh. hervorgehoben. Auf Oliorhyn-
chus fissiroslris Wallon wird ausserdem eine eigene Gattung Cala-
phorlicus gegründet, die später als identisch mit Caepopsis Bach wie-
der eingezogen wird. (Die übrigen vom Verf. in Lief. 1 — 6 als neu
aufgestellten Curculionen sind schon im Jahresberichte für 1854 er-
wähnt worden.) — 2j Carabicini : Calathus rotundatus aus Portugal,
Feronia reticulata aus S}p9nicn , Dicheirotrichus n. g. auf Bradycellus
obsolelus Dej. gegründet und zu den Anisodactyliden gestellt, BemhU
dium flnviopo$iicalum [\) aus Süd. Spanien. — 3) Scydmaenides : Hier
wird die Gattung Eumicrus Lap. (Scydm, tarsatus) als wohlbcgründet
wieder angenommen. — Was die systematische Durcharbeitung der
auf die Curculioniden folgenden Familien betrifft, so ist der Verf. hier
bei weitem gründlicher zu Werke gegangen als es bei jenen der Fall
war ; besonders lässt die Familie der Carabicinen mehrfache Aende-
rungen in der Anoi-dnung der Gattungen und Gruppen erkennen, wel-
che der natürlichen Verwandtschaft derselben die richtige Anerkennung
zollen. Hierhin gehört z. ß. die Annäherung der Brosciden an die
Scaritinen, die der Bembidien an die Chlaenüden, die Trennung der
Gattung Trechus von deh Bembidien u. s. w. — Die Beichhaltigkeit
der Abbildungen von Arten innerhalb einer Gattung richtet sich ganz
zweckmässig nach ihrer Mannigfaltigkeit, resp. Einförmigkeit in der
äusseren Erscheinung und ihren wesentlichen Merkmalen; wo das
erstere stattQndet, z. B. bei Bembidium, Feronia, Anchomenus, sind
die habituell verschiedensten (iruppen durch je eine charakteristische
Art vertreten, für andere dagegen mehrfach seltene oder weniger be-
kannte Arten herangezogen.
Unler dem Titel: „Miscellanea cnlomologica^' hat F a Ir-
ma ire (.Annaies de la soc. enlomoi. de France IV. p. 517
—548} eine grössere Anzahl meist südeuropäischer Coleopte-
olomoJriS .! während des Jahres 1856, 323
X^a, verschiedener ^<>milien bekannt gemacht, von denen einige
zugleich in der Rtvue el Älagasin de Zoologie VIII. p. 17911.
(liitgnoslicirl werden. Dieselben sind unter den einzelnen
Faniilien besonders aufgeführt worden. .^., j „,
InJr d|c, Kenntniss der ersten Stände der einheimischen
Coleoplerou und ihrer Lebensweise lieferte Perris (Annales
de la soc. enlomol. IV. p. 173, 245, 42Jfr.) in den fernerea
porlsetzungen seiner „Insectes du pin maritime" die schät-
zenswerlheslen Beiträge. Nicht nur, dass die im Vorliegen-
de|i abgehandelten Familien der Boslrichen, Curculionen und
Cerambycinen von besonderer Wichtigkeit in Bezug auf Forsl-
wissenschalt sind , so gehen die Untersuchungen des Verf.
auch imnier mehr; »darauf aus, eine eigentlich systematische
Kennlniss der Coleopteren- Larven, welche bis jetzt nur im
Anfange begriffen vvar , zu begründen, indem er stets nach
Erörterung der Charaktere einzelner Arten und Gattungen
diejenigen, welche sich als der ganzen Familie eigenthümlich
erweisen, zqsai,flmenfasst und im Gegensatze zu verwandten
beieuchtol. , (p^s Nähere siehe bei den bezeichneten Fa-
milien I) t ,
Bin systjejTiatiscb-syaonyrriisches Verzeichniss der bis-J-'
her beobachteten und bekannt gemachtem Larven Europäischer
Coleopteren wurde von Letzner in der Zeitschrift für En-
tomologie, herausgegeben vom Verein f. Schlesische Insek-
tenkunde, 9. Jahrg. p. 1—77 zusammengestellt. T*. Die Arbeil
ist in der Hauptsache ein Auszug aus dem Werke von Cha-
puis und Candeze, welohifr die Na'nejn der im Larven-
zustande bekannten Arten und den Nacliweis der darauf be-
züglichen Literatur enthält. Der selbstständige Antheil, den
der Verf. daran hat, besteht in der Vervollständigung der die
Europäischen Arten betreffenden Literatur und zwar beson*\
ders aus deutschen Werken , welche von den beiden Belgi-
schen Autoren nicht consullirt worden waren. Dadurch, dass
auch die nach der Veröffentlichung jener Arbeit bekannt ge-
machten Arten aufgenommen worden sind , erhält das Ver-
zeichniss auch nach dieser Seile hin eine Erweiterung.
Einzelne Europäische Faunengebiele wurden in folgen»*
den Werken speciell behandelt:
Hisloire naturelle des Coleopteres de France par M. E.
324 Gerstaecker: Bericht üb. d. f.eislungeh in d. Entomologie
Mulsant (Pectinipedes , Bnrl)ipalpes^ Longipedes, Latipen-
nes.) Paris 1856. 8. — Es isl erfreulich, dass der Verf.
seine Bearbeitung der Coleopleren Frankreichs, nachdem die-
selbe vor denfi Erscheinen des die Heleromeren behandeln-
den Theiles durch eine längere Pause unterbrochen worden
war, jetzt in rascher Folge zu veröfFenllichen beabsichligl:
und besonders wird es für die Liebhaber einheimischer Co-
leopleren angenehm sein, darin nicht die zu wiederholten
Malen bearbeileten ersten Familien, sondern solche anzutref-
fen, über welche bis jetzt zusammenliängende Arbeiten ent-
weder nicht existirten oder in weniger zugänglichen Werken
enthalten sind. Da die Fauna Frankreichs eine sehr reich-
haltige ist und neben zahlreichen Arten des Mittehneer- Ge-
bietes die mitteleuropäischen Formen in grosser Vollständigkeit
in sich schliesst, so wird das Werk insbesondere auch den
deutschen Entomologen von vielem Nutzen sein und wenig-
stens über den bei weitem grössten Theil der ihnen vorkom-
menden Arten Aufschluss geben können. Nach einer vor-
läufigen Anzeige ist bereits die Fortsetzung und der Schluss
der Heleromeren so wie die Familie der Curculioniden im
Drucke begriffen. In Betreff der vorliegenden Familien , so
sind unter den „Pectinifiedes« (9ö pag.) die Cistelinen, unter
den „Barbipalpes« (115 pag. c. tab. 1) die Meiandryaden,
unter den „Longipedes« (171 pag. c. tab. 1) die Mordellonen
und unter den „Latipennes* (44pag. ) die Lagriarien und
Pyrochroiden verstanden. Die äusserst sorgsame Unlcrsu-
chungsweise des Verf., welche aus den früheren «Bänden
hinlänglich bekannt isl, zeichnet die neu erschienenen Theile
in gleicher Weise aus; sie enthalten wie jene eine beträcht-
liche Anzahl neuer Arten und eine nach des Ref. Ansicht
zu grosse Zahl neuer Gattungen , welche an ihrem Orte nä-
her in Betracht gezogen werden sollen. Zu wünschen wäre
gewesen , dass bei der Abgränzung der Gattungen sowohl
wie auch ganz besonders der Familien die exotischen For-
men mit in Betracht gezogen worden wären , in welchem
Falle sich Manches gewiss wesentlich anders gestaltet haben
würde. — Auf zwei beigegebenen Kupfertafeln sind einzelne
systematisch wichtige Körpertheile abgebildet. Ausserdem
enlbäit jeder Band einige Supplement-Blätter, auf denen nach-
während des Jalires 1856. 325
träglich einzelne Arten aus den früher vom Verf. bearbeite-
ten Familien, welche seitdem in Frankreich aufgefunden wor-
den sind, beschrieben werden.
Faune entomologique frangaise ou description des In-
sectes, qui se trouvenl en France, par L. Fairmaire et A,
Laboulbene. Coleopteres. Tome I. Paris 1856. (12. 665p.).
• — Von diesem Werke , dessen beide erste Lieferungen ii\t
Jahre 1854 erschienen waren (angezeigt im Jahresberichte
1854. p. 30), liegt jetzt der erste, ziemlich starke Band voll-
ständig vor; er enthält ausser den damals erwähnten Fami-
lien jetzt auch die Bearbeitung der Staphylinen bis zu deren
Schlüsse. Die Verf. haben sich fast durchweg an die von
Erichson aufgestellten Gruppen und Gattungen gehalten,
die Zahl der Arten aber durch Aufnahme zahlreicher, seitdem
in Frankreich aufgefundener und von anderen Autoren be-
schriebener vervollständigt. — Als Einleitung für die Benul-j
zung des Werkes ist eine kurze Auseinandersetzung der Ter^
minologie und eine Charakteristik der äusseren Körperbildung
so wie der einzelnen in Betracht kommenden Theile gegeberi
worden.
Eine Fortsetzung der von Erichson begonnenen „Na-
turgeschichte der Insekten Deutschlands, 1. Abth. Coleo-
plera ,* von welcher allein der als klassisch anerkannte
dritte Theil zum Abschlüsse gekommen war, hat Schaum
in Verbindung mit v. K iesen wetler und Kr a atz unter-
nommen , und zwar in der Art , dass jedem der drei Verf.
die Bearbeitung eines besonderen Bandes übertragen worden
ist. Den beiden ersten (dem Erichson'schen vorangehenden)
Theilen, von denen der erste (S c hau m) mit den Laufkäfern
beginnt, der zweite (Kraatz) die Staphylinen umfassen soll,
wird sich zunächst der vierte (v. Kiesen wette r) mit der
Bearbeitung der auf die Lamellicornen folgenden Familien
anschllessen. Im Jahre 1856 sind die Anfangs -Lieferungen
der beiden ersten Bände ausgegeben worden, welche eine
Bearbeitung der Cicindelen und Carabicinen mit geraden Vor-
derschienen (Bd. 1. Lief. 1), und von den Staphylinen die
Gruppe der Aleocharinen (Bd. II, Lief. 1. 2) enthalten. — Es
braucht auf die Bedeutung des Werkes, welches sich bereits
seit längerer Zeit in den Händen aller sich dafür iateressi-
326 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
renderi Liebhaber einheimischer Käfer befindet, hier nicht
näher eingegangen zu werden.
Von Bach's ,,Käferfauna für Nord- und Mittel-Deutsch-
land, mit besonderer Rücksicht auf die Preussischen Rhein-
lande" ist im J. 1856 die erste Lieferung des dritten Bandes
(142 pag.) erschienen, welche die Familien der Longicornen
und Chrysomeünen, letztere jedoch noch nicht ganz voll-
ständig, enthält. Der Verf. hat darin die für die meisten
hier vorliegenden Abtheilungen bestehenden Arbeiten der
neueren Zeit in ganz zweckmässiger Weise zu verwerthen
gewusst und dern Sammler , welchem hauptsächlich an der
Bestimmung seiner Arten gelegen ist, diese sehr wesentlich
erleichtert. Neue 'Art^iV firidishsfich in diesem Theile nur
wenige aufgestellt;-^ ^''''-'^ /u; ■< ■• ;; ,i,
Zugleich gab B a c h' ' in ier' Eiit^c/kol. ieiititt^ p. '241 tfi '%ch-
trSge und Verbesserungen zu seiner Käferfauna, die früher ierschiene-
nen Theile betreffend; Äfefeelben enthalten u. a. auch die Beschrei-
bungen mehrer!.er neuen Arten. — Ebenda p. 179 Jf. sind vonKraatz
Bemerkungen ü^f die Id^^ntjtpt einiger von Bach als neu beschrie.
benen Arten mit bereits beliannten gemacht worden.
Catalog der Sehweizeri^rlijen Cole(\p;tei::9ij^ als Vorläufer
der Beiträge für Schweizerische Enlomotog^-e , voi^ Bremi-
Wolf, Zürich 1856. (8. 78 pag.) -- Nach diesem Calaloge
stellt sich die Zahl der in der Schweiz bisher aufgefundenen
Arten auf 3520, in 692 Gattungen ; es sind in demselben
zahlreiche Synonyme, mit Namen belegte Varieläten und un-
beschriebene Arten, ^. B. solche, die von Heer nur be-
nannt (seitdem alper zum Theil gewiss anderyyeitig beschrieb;
ben) worden sind,, aufgenommen. ^
Einen Nachtrag zur Käferfauna Siebenbürgens gaj^ Fii59
den Mittheilungen des Siehenbürgiscben Vereins f, iK^turw. zu Her^*
mannstadt yil. p. 35 ff. ! .
Jan so« (Eqtpmologi^t's Annuai far ,1^50.| p. 82— 92) zählte 2i
für England neue Käfer auf, die im Verlaufe des vorhergehenden jah]
res daselbst augefündeii worden Sind.
A Rearrangemehi öf the nbmehclalure and synonymy of thosi
spcifcie^ of Britisii Cofe6^)tera, which are coniprised ünder'th'6 ^'edUöril
tieodephaga , Hydra^ephaga and part of Philhydrida, being the 6i
portion of a general British Calülogcie , by J. F. Dawson and H.
Clarli. London 1856. (Kach einer An^^ige in den Annais of natural
während des Jahres 1856. 327
history XVII, p. 41Ö bestöht das unter diesem langen Titel erschie*
nene Werk in einem ^famensverzeichnisse von 10 Druckseiten in 8,) •
Lenz „Kugelann'sche Rälhs^l Tür Entomologen« (Neue PreüSl
sische Provinzialblätttr X. t. 1856) hat aus einein Manuskripte KuJ
gelann's über Preussische Käfer eine Reihe von Diagnosen bis jetzt
unenlzifferter Käfer abdrucken lassen , zu deren Eruirung er auffor-
dert. Dasselbe Manuskript enthielt ausserdem 37 benannte Arten,
deren Vorkommen in Preussen neuerdings nicht bekannt geworden
ist; sowohl diese als sechs andere neu entdeckte Arten werden nam-
haft gemacht.
V. Motschulsky setzte (Etudes entomol. V. p. 60 ff.) seine
Mittheilungen „sur les collections Coleopterölogiques de Liane et de
-,...„.,, „ j ., „ - .>i. M Ti > i ,1"; 1 <b iiiKYnon
Fabricius« mit den „Hydrocanthares" fort. ... •
Synonymische Mittheilungen über einige von Dal man , Schön-
herr u. a. beschriebene Coleopleren, deren Typen sich im Stockhol-
mer Museum befinden, machte Fairmaire in den Annales de la ^pc.
entomol. IV. p. 546. — Andere neuerdings von verschiedenen Auto*
ren aufgestellte Arten führte Kraatz (Entomol. Zeitung p/ltj^Ö".)
auf bereits bekannte zurück. ,,
Ueber einige im Bernstein eingeschlossene Käfer, wel««
che sich in der Sammlung von Menge in Danzig b^jfihden,
hat V. Motschulsky (Etudes entomol. V. p. 55' ffl) knirtiö^
Notizen veröffentlicht, dieselben mit Namen "belegi tiHd auf
einer beifolgenden Tafel abgebildet; eine Beschreibung dem-
selben ist aber nicht gegeben worden und daher haben die
Namen ebenfalls keine wissenschaftliche Geltung. Die Ab-
bildungen zeigen einige sehr inleressanle Formen, z B. ein
Paussus- artiges Thier , welches sich aber durch die Bildung
der Fühler von jener Gattung entfernt, ferner einige mit
Phymaphora, Pselaphus und Ptilodactylus verwandte Gallungen.
Cicinileletae«, le Cofl.t e, Revision of the Cicindelae pf
the United States, Phiiadelphia 1856. 4. — Die diese? Titel führende
Abhandlung ist im XI. Bande der Transactions of the American philo,
sophical society, deren erstes Heft erst im Jahre 1857 ausgegeben wor-
den ist, enthalten, mag abcr^ da sie auch im Separatabdruck mit aer
Jahreszahl 1856 erschienen ist, im diesjährigen Berichte angezeigt
werden. — Der Verf. beschäftigt sich darin nut einer übersichtlichen
Aufzählung und einer naturgemässen Gruppirung der in Word -Ame-
rika einheimischen Cicindelen, deren Zahl seit Say's Uearbeilung
von 13 auf 65 gestiegen ist. Der bei weitem grösstc Theil der hier
aufgeführten Arten ist bereits beschrieben und nur Q derselben wer-
den zum Theil als wirklich neu eingeführt) zum theil wcnigslctid mit
328 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leislupgect in d. Entomologie
neuen Namen belegt; die Arbeit ist aber in sofern sehr willkommen,
als sie einerseits das bisher zerstreute Material in ein Ganzes verei-
nigt, andererseits die Verwandtschaften und Beziehungen der einzel-
nen Arten zu einander erörtert. Bei der Gruppirung der ihm vor-
liegenden Arten hat der Verf. zwecUmässiger Weise zugleich mit auf die
typischen Formen anderer Länder Rücksicht genommen und es haben
somit die von ihm aufgestellten Gruppen zugleich Bezug auf eine Ein.
theilung der Gattung im Allgemeinen. Von den acht hier angenom-
menen Hauptabtheilungen fehlt nur eine , welche auf C. lugubris,
chinensis u. s. w. begründet ist, in Nord-Amerika; alle übrigen sind
durch eine grössere oder geringere Artenzahl repräsentirt und zer-
fallen wiederum in 24 Unter - Gruppen. — Ferner ist auch die Sy.
nonymie der aufgeführten Arten von Neuem einer Revision unterwor-
fen und manche der früheren Benennungen geändert worden ; von
beschriebenen Arten Nord - Amerika's sind dem Verf. nur drei von
Say aufgestellte unbekannt geblieben. Die Namen der neu aufge-
stellten Arten sind: C. frasina (obsoleta var. LeC.)» oregona aus
Californien, guttifer'a von Neu-Mexiko, cyanella vom oberen Missouri,
media aus Georgien und Süd- Carolina, macrä (blanda Le C.), sperata
vom Rio Grande , corvina aus Nord - Mexiko und cursitans von Fort
Riley. — Die Bestimmung wird durch eine beigegebene Tafel sehr
erleichtert, auf welcher die Flügeldecken sämmtlicher Arten in ver-
grösscrtem Maassstabe abgebildet sind.
Die Gattung Eurymorpha Hope wurde von Fairmaire (An-
nales d. 1. soc. entomol. IV. p. 93ff.) näher charakterisirt und mit
einer zweiten neuen Art: E. Moufßeli von Cap Negro bereichert,
welche sich von E. cyanipes durch goldige Oberlippe und kupferfar-
bene Beine unterscheidet. (Dem hiesigen Museum wurde diese Art von
Chevrolat unter dem Namen Eur. aerea mitgetheilt.)
Das vor zwei Jahren von Chevrolat unter dem Namen Agrius
fallaciosus beschriebene Insekt wurde von v. 31o tschu Is ky (Etudes
entomol. V. p. 32) noch einmal als Picnochile Magellanica beschrie-
ben und abgebildet; M. rechnet die Gattung zur Gruppe der Mantico-
riden und glaubt darin ein Verbindungsglied zwischen Omus und Me-
gacephala zu erkennen.
In der Revue et Magas. de Zoologie VIII., 1856 wurden folgende
einzelne neue Arten bekannt gemacht: Von Chevrolat (p. 351):
Iresia Boucardii , Cicindela luteolineata und Procephalus maculicornis
aus Mexico, durch Diagnosen. —Von Thomson: Distipsidera Mnis'
zechii aus Neu-Caledonien (p. 112. pl. 5. fig. 1), Myrmecoplera Berlo-
lonii von Mossambique (p. 482) und Cicindela Craverii aus Mexiko
(p.528).
In den Annales de la soc. entomol. IV. p. 326 und 331 beschrieb
Thomson: Cicindela ßammula aus Mexiko (auf pl. 8 abgebildet),
während des Jahres 185(5. 329
welche mit C. luteollneala Chevrol. zusammeDfälit und Cic. Walke^
riana von Costa Bisa. — Auf eine neue Art von Mossambique, wel-
che T. unter dem Namen Euproaopus (?) Binnconii erhalten hat, er-
richtet er eine eigene (latlung BostrichophorvSy die rwischen Myrme-
coptera und Euprosopus in derÄlitte stehen soll, deren Art aber nicht
charakterisirt wird. — Für Cicind. fatidica von Port Nalal wird ein
neuer Gattungsname Prodotes aufgestellt.
Cnrabicini. Alemoire sur la famille des Carabiques, par M.
de Chaudoir, 6. partie (Bulletin de la soc. des natural, de Moscon
18ö6. No. II. p. 187 — 291). Diese neue Abhandlung des geschätzten
Verf. ist einer Bearbeitung der Gruppe der Chlaenii und in ihrem bis
jetzt vorliegenden Theile der eigentlichen Gattung Chlaenius gewid-
met , welche in der Art ihrer Abfassung 'nur mit Freude begrüsst
werden kann, da sie dem Unwesen der Gattungsmachcrei in sehr um-
sichtiger Weise entgegentritt. Der Verf, weist in der Einleitung
nach, dass die Form der Palpen und des Kinnzahnes, aufweiche
Laferte seine zahlreichen von Chlaenius abgezweigten Gattungen
gründete, von grosser Veränderlichkeit je nach den Arten seien und
deshalb ihnen ein genereller Werlh nicht beigelegt werden könne;
dies beweisen schon die Verschiedenheiten in der Palpenform, wel-
che sich bei den Chlaenius- Arten mit rundem Fleck an der Flügel,
deckenspitze, deren nahe Verwandtschaft wohl auf der Hand liegt,
zeigen und ebenso ein Vergleich der Epomis , Eurydactylus u. s. w.
mit einander. In Gleichem geht die zweispitzige Form des Kinnzah-
nes so unmerklich in die einfache Form über, dass Grenzen zwischen
beiden nicht gezogen werden können; nach v. Chaudoir ist auf
denselben nur in zwei Fällen Gewicht zu legen, nämlich wo er ganz
fehlt (2 Amerikanische Arten) und wo er wie bei C. eximius eine
ganz ungewöhnliche Bildung zeigt. Mit zwei anderen von Lafertd
als zur Abgränzung von Gattungen brauchbar angeschenen Charak-
teren, der Form der Oberlippe (ausgerandet oder nicht) und der Dicke
der Fühler so wie dem Längsverhältnisse einzelner Glieder, verhält
es sich ebenso. Gattungen , welche auf solchen Charakteren basiren
und die demnach für v. Chaudoir keine Gültigkeit haben, sind:
Ocybatus, Vertagus , llomalolachnus, Barymorphus , Epomis, Eury-
dactylus, Dinodes, Dilobochilus, Alacus, Aleptocerus und Giyptoderns;
die übrigen (mit Ausnahme der dem Verf. unbekannten Gattung Am-
blygenius) werden als solche anerkannt. In Betreff der Abgränzung
der Gruppe hebt v. Ch. als unterscheidenden Charakter von den Pte-
rostichen, mit denen wenigstens die Weibchen oft eine grosse Ue-
bereinstimmung zeigen, die Aushöhlung der vorderen Fläche des Me-
sosternum hervor; in diesem Charakter mit den „Oodiens" überein.
stimmend , unterscheiden sich die Chlaenier von diesen durch den
von Le Conte angegebenen Charakter in der Streifung der Flügel-
330 GerstaecUer; Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
decken, wonach Hololeius Laf. zu Chlaenins , Dercylus dagegen «u
Oodes gehört. Es reducirt sich demnach die Zahl der von v. Chau-
doir angenommenen Chlaenier- Galtungen auf acht, welche in einer
analytischen Tabelle zusammengestellt werden: Anomogtossus , Ecco-
ptomenus (Hoplogenius Laf.), Asporinus , llarpostomus , Hololeius, C«-
roglossus (vergebener Name!), Rkopalopalpus ( vox hybrida!) und
Chlaenius In der nun folgenden Bearbeitung der (lattung Chlaeniuäi
werden 2()8 dem Verf. aus eigener Anschauung bekannte Arten aufge-
führt und unter 17 Abtheilungen gebracht, denen die Form des Thorax
zu Grunde gelegt ist; zu einer weiteren Eintheilung sind die Unter-
schiede in der Fühler- und Mundbildung so wie besondere die Zeich-
nungen der Flügeldecken benutzt worden. Die hinreichend bekann-
ten Arten sind nur namentlich angeführt und mit. synonymischen Be-
richtigungen sowie mit anderen Bemerkungen versehen; erwähnt sei
hierbei, dass zur Gruppe des Chlaenius nolula Fabr. auch der Carabus
xanthospilus Wied. (Germar Magazin) gehört, welcher dem Verf. nicht
bekannt gewesen zu sein scheint. Die Einführung einer grösseren
Anzahl neuer, hier treffend beschriebener Arten macht die Arbeit für
das Artenstudium der Familie so unentbehrlich, dass sie hier nicht
einzeln aufgeführt zu werden, brauchen.
Gleichzeitig hat au^h Le Cohte eine Uebersicht über die
Chlaenius- Arten der Vt^reirii^tett Staaten gegeben („Analytical table
of Ihe Species of Chlaenius found in Ihe United States« in den PrO'-
ceed. of the aoüid. of nat. scienc. of Philadelphia VIII. p. 25—29),
welche 38 dem Verf. bekannte nebät 6 zweifelhaften Species «acb-
weist. Erster^ sihd in einer analytischen Tabelle zusammengestellt
und nach der stärkeren oder kaum wahrnehmbaren Punktirung d'es
Kopfes zunächst in zWei Hauptgruppen gelheilt; diese zerfallen vVie-
der nach der Form und Skulptur des Halsschildes , der Länge des
dritten Fühlergliedes u. s. w. in mehrere Unlerabtheilungen. Sodann
erörtert der Verf. dife Synonymie einer Anzahl von Arten und be-
schreibt als neu: Cht. N-ebraikeinaiSf glaucus und nrnplus.
Die von Nietner (Enlomolog. piapers) bekannt gemachten
Arten und Galtungen dieser Familie aus Ceylon sind folgende. In
Ko. i: Chlaenius ceißahicus '[\äi C nilidulus Dej., Gattung Hololeius
Ldit], ä hl. 5niaculatus (istCar. xanthospilus Wied., Germar Magaz. iV.
p. 115), pulcfe'er, cupricollis (ist linibalus Dej.), rvgulosus (mit api'calis
Wied. hiahe verwandt), Schriles minore Clivina rugosifrons, etongatUlici
maculala. — InNo. II: Anchisla n. %. aus der Lebia-Gruppe, zwischen
Cymindis und (^alleida stehend, von letzterer Gattung durch stumpf
zugespitzte Ligula, das an der Spitze abgestutzte Endglied der' Kie-
fertaster und queres Halsschild unterschieden, von Cymindis durch
tief zweilappiges viertes Glied der Tarsen abweichend. Art: /l. mo~
dcsta. — ElUoUa n. g. , ebenfalls aus der Lcbia - Gruppe , eine »ehy
wahrend des Jahres 1856. 33i
»ierliche kleine Form, die durch breiten Kopf, hervorgequollene Au*
gen und queres Halsschild, das jederseils winklig erweitert und dort
mit einer starren Borste besetzt ist, sich auszeichnet. Art: E. pnU
lipes (das hiesige Museum besitzt eine zweite Art von Ceylon mit
denselben Charakteren). Ausserdem zwei Arten beschrieben: Hnrpa^
las advolftns und Oodes pieeus (ist identisch mit der einen Form deii
0. hispanicus l)ej. aus Bengalen). — In ^'o. IV: Cyclosomus dyticoim
des (r^ C. flexuosus Dej.). Ochihephilus n. g. (der ^am'e.i8t gleiehi^
zeitig von iVIulsant für eine Staphylinen. Gattung gebrau-cht) aus der
Bembidien-Gruppe, von flachgedrücktem Körper, durch die Form der
Palpen ausgezeichnet; die Alaxillarpalpen haben das dritte Glit^d in-
wendig, das zweite auswendig verdickt, die Labialpalpen das dritte
kräftig entwickelt und aussen verdickt. Art: O.Cetjlariicus. -^ Crea^.
gris n. g. gehört nicht zu den Lebfiden, sondern zu den Helluonideb
und fällt mit der Gattung Acanthogenius Reiche zusammen. Die Art
C. labrosa scheint neu zu sein, kann aber den Kamen nicht beibe«
halten, da schon ein A. labrosus Dej. besteht. — Heieroglossa n. g.
(Galeritidae) mit drei Arten; die Gattung könnte nur vielleicht für
die erste der beschriebenen Arten //. elegans^ die in einigen Punkten
abzuweichen scheint, festgehalten werden , indem die beiden ieinderen
H. rußcollis und bimaculata zur Galtung Planetes M. Leay gehöferi^
Dei* Name der letzteren Art , die übrigens von Plan, bimaculalus M.
Leay durch rothen Kopf abweicht, muss geändert werden. — Oosoma
n. g. (Cratoceridaej fällt mit Uarysoinus Dej. zusammen und von den
beiden Arten ist 0. arenaria gleich B. Gyllenhali Dej., O. Gerila et heti
gleich B. semivitlatus Fabr. ^- Neue Arten: Chlaenius princtpi (ist
C. Orientalis Dej.), maleolens (ist posticus Fabr.), Dohrnii (ist paral-
lelus Dej), Harpalus senilis (ist ein Platymelopus) , tm^osks. (gehört
zu derselben Gattung), Selenophorus Colombensis (ist kein Seleno()hor
rus). Compsolepis n. g. (Harpalidae ?), zuerst imter deiii Namen L^pt-
thrix beschrieben, fällt mit Steholophus zusammen; die Art C, fo^
liülosa ist wahrscheinlich mit dem Afrikanischen St. alticer Dej. iden-
tisch oder diesem wenigstens äusserst ähnlich. x-, twn > (. no/
Rosenhauer (Thiere Andalusiens p. 22) begrättd**^ «e^Uft fleöi
Gattung Pseudotreckus auf eine merkwürdige kleine Carahicinen-Forrny
welche sich durch kurzes, stark herzförmig verengtes Halsschild und
breite, aufgeschwollene Flügeldecken, welche den Hinl»erleib nicht
ganz bedecken, auszeichnet. Die Zunge ist an den Seiten ganz mit
den Nebenzungen verwachsen und wird von letzteren wie von.duer
häutigen Alembr«« rings umfasst,, aus WiQlchem Grunde die Gattung
der Brachinen-Gruppe eingereiht wird; von Dromius ist sie abgese-
hen von den Nebenzungen durch die Klauen unterschieden, welche
nur mit einem Paar sehr undeutlicher Zähnchen besetzt sind. Art:
Ps, riiuUlalus (auf Taf, 3 abgebildet). — Als neue Arten wurden voq
332 Gerstaecker: Bericht üh, d. Leistungen in d. Entomologie
demselben ferner beschrieben : Cymindis singularisy prolensa, Cklaeniut
preliosus , Plerostichus atramcnlarius ^ Amara gravidula, Harpaltts hes^
pericuSf Trechus planipennis, Bembidium excellens, distans.
Eine eigene Galtung Phloeozelacns will Peyron (Annales de
la soc, entomol- IV. p. 715) auf Coptodera plagiata Reiche errichten,
indem diese Art von Singilis Rambur, womit sie in nächster Verwandt-
schaft steht, sich durch mehr verlängerte Oberlippe, schwächeren und
zweispitiigen Kinnzahn , kürzeres zweites Fühlerglied , hervorsprin-
gende Augen U.S.W, unterscheiden soll. — Eine zweite neue Gattung
wird unter dem Namen Ortkotrickus für Anchomenus cymindoides Dej.
aus Aegypten errichtet, welche sich von den übrigen Anchomenus-
Arten durch die Form des Kinns und der Zunge so wie durch zahl-
reiche andere Charaktere unterscheiden soll. (Von den eigentlichen
Anchomenus-Arlen, z. B. A. livens, uliginosus u. a. weicht aber die
genannte Art aus Aegypten in keiner Weise, oder höchstens durch
die punktirten Flügeldecken ab und es wird daher die neue Gattung
auf sich beruhen können. Ref.) — Zwei neue ebenda beschriebene
Arten sind ausserdem : Cymindis Osiridis^ eine ausgezeichnete Art aus
der Gruppe der C. F'aminii, von Cairo und Feronia Johannis von Rhodus.
Eine Anzahl einzelner und zum Theil ausgezeichneter neuer
Arten wurden von verschiedenen Autoren bekannt gemacht:
Von Thomson: Carabus Elysii und ßduciarius aus Nord-Cbinti
(Annales d. 1. soc. entomol. IV. p. 337. pl. 9) ; erstere Art ist mit C.
coelestis und smaragdinus nahe verwandt, letztere scheint zur Gruppe
des C. arvensis zu gehören. Mit ihnen zugleich ist Car. Adonis Hampc
abgebildet worden. — Ferner (ebenda p. 32ö. pl. 8) Tefßus Ihomsonii
aus Mossambique (von Bertoloni so benannt), ist mit Tefflus cari.
natus Klug identisch. — Ozaena cyanoplera (ebenda p. 330. pl. 8) an-
geblich aus Mexiko, ist nach Chevrolat (Bullet, d. 1. soc. entom.
p. CV) identisch mit Ozaena cyanipennis Chaudoir. — Endlich: Cras^
pedopkorus aequalitas von Port Kalal (Rev. et Magas. d. Zool. VIII.
p.4«l. pl.24. flg. 8).
Von Newman (Proceed. of the entomol. soc. p. 127{F.) drei
Pseudom.orphinen-Arlen aus Waterhouse's Sammlung : Pseudomorpha
amaroidesy Adelotopus ephippialus und rubiginosus ^ vermuthlich alle
drei aqs Neu-Holiand (der Fundort ist nicht angegeben).
ri Von Chevrolat (Revue et Magas. de Zoologie VIII. p. 351):
Agra dimidiala^ virgata und fada aus Mexiko, durch Diagnosen fest,
gestellt.
Von Fairmaire (Annales de la soc. entomol. IV. p. 517 ff.):
Pristonychus hypogeus aus der Grotte von Isturitz in den Pyrenäen,
Argutor Nicaeensis von den Seealpen, Sleropus laticornis von Con-
slantinopel und Caramanien, Abax curtulus von den Seealpen, Amara
BarnevUlei von Paris, interslilialis von Sicilien, Ilarpalus Janus aus
wahrend des Jahres 1856. 333
den Pyrenäen. — Die eine dieser Arten, Feronia curtula ist auch in
der Rev. et Magas. de Zoologie VIII. p. 179 beschrieben worden.
Von DawsGh (Entomologisl's Annual 1856. p. 72) Dyschirius
elongalulus aus England; zugleich giebt der Verf. (ebenda p 65— 81)
nachträgliche Bemerkungen über eine Anzahl in England einheimischer
Carabicinen als Supplement zu seinen „Geodephaga Britannica.«
Bates besprach (Proceed. of the entomol. soc IV. p. 10) die
Geschlechtsunterschiede von Agra, von welcher er in Brasilien eine
Art in copula fing. Das Männchen zeigt oft eine verschiedene Be-
haarung der Unterseite: zuweilen ist das Metaslernum und alle Hin-
terleibssegmente dicht wollig behaart, bei anderen das Metasternum
und der erste Hinterleibsring mit aufrechten Haaren besetzt. Auch
in der Dicke der Schenkel, der Form des Analsegnients und der Aus.
randung der Flügeldeckenspilze sind Unterschiede aufzufinden. (Die
Männchen, welche bedeutend seltener zu sein scheinen, zeichnen
sich ausserdem auch durch kürzere und etwas breitere Vordertarsen
aus Ref.)
Felo uze las in der Akademie ,der Wissenschaften zu Paris
(Comples rendus, Juillet 1856 und Rev. et Magas. de Zoologie VIII.
p. 330) über die Zusammensetzung der von den Carabus- Arten aus-
gespritzten braunen Flüssigkeit; dieselbe enthält einen bedeutenden
Anlheil an Buttersäure, welche ihr auch den charakteristischen Ge-
ruch verleiht.
Suffrian erörterte (Entomol. Zeitung p. 91 — 103) in ausführ-
licher Weise die Varietäten des Carabus monilis Fab. und die auf sie zu
beziehenden Beschreibungen der älteren und neueren Autoren; auch
auf die geographische Verbreitung der Art wird näher eingegangen.
Do hm, Beiträge zur Stettiner Käferfauna, (Entomol. Zeitung
p, 188 ff.) berichtete über das zahlreiche Vorkommen von 3Iiscodera
arctica Payk. im Frühjahre und Herbst unter Moos; mit ihr zugleich
finden sich die seltenen Chlaenius-Arten, wie Chi. 4sulcatu8, sulcicol-
lis, caelatus.
?iach Hislop (Zoologist, p. 4956) kommt Miscodera arctica auch
in Schollland vor und ebenso nebst mehreren vorzüglich als lapp-
ländisch bekannten Arten Elaphrus lapponicus.
Dinodes Maillei Dej. ist in einem Exemplar auf der Insel Wight
im Süden Englands aufgefunden worden (Proceed. of the entomol.
soc. p. 108); Dawson glaubt gewiss mit Recht, dass hier nur eine
Uebersiedelung durch Schiffe aus Griechenland stattgefunden habe.
Dytiscftdae. Thomson, Öfversigl af de arter inom famil-
jen Dylisci, som blifvit anlräffade pS Skandinaviska haifön (Kongl.
Vetensk. Akad. Handling. för ar 1854, Stockholm 1856. p. 179-237).
Iß dieser üebersicht drr Skandinavischen Dytisciden sind die cinzeU
334 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leislu«gen in d. Entomologie
nen Arten mit lateinischen Diagnosen und den Hinweis auf die ver-
breitelslen Beschreibungen versehen und ausserdem zum Iheil wit
einer Auseinandersetzung der Unterschiede ypn den zunächst verwand-
ten begleitet, worden. Dieselben vcrlheilen sich folgenderinassen auf
die einzelnen Gattungen: Haliplus 11, Gnemidotus 1, Hydroporus 54,
Hyphydrus J, Noterus 2, Laccophilus 2, AgaUus 26, Iljrbius 10 , Co-
lymbetes 11, Dytiscus 6, Hydaticus 6 und Acilius 2. (Die Gattung
Cybister scheint demnach in Schweden zu fehlen). Abgesehen von
einer Anzahl neuer Arten, welche unter den Namen Hatijjtiis Lappo^
num (ferrugineus Zeil.) , t^ydroporus Bohemani, geniculälus und' acut-
angulus Xlrlsii» Zett.) , Agabus Zelterstedtii (Sturmii var. et fem. Gyll.
Zeli.)t Jfybius crassus (fenesträtus var. Gyll. Zelt.) und siwr7is genau
beschrieben und in ihren wesentlichen Charakteren auseinandergesetzt
werden, verdient die Arbeit auch deshalb eine besondere Beachtung,
weil sie zur liäheren Kenntniss der von den Schwedischen Autoren
und von Schi o edle beschriebenen Arten viele schätzbare Beiträge
liefert. Es wird z. B. Agabus melanarius Aube als synonym zu Ag.
tarsatus Zett., Dytiscus fenesträtus Zett. zu llybius subaeneus Er.,
Hydroporus piceus Aube zu Hydr. Gyllenhali Schiödte gebracht; an-
dere Arten, deren Identität mit bereits beschriebenen zweifelhaft ist,
z. B. Agabus opacus Mannerh. (Dyt. chalconotus var. Zett , ob gleich
A. opacus Aube?) werden ebenfalls gründlich charakterisirl , so das»
sie in Zukunft mit Sicherheit beurtheilt Werden können.
Keue Zarten sind : Dytiscus Ibericus , Hydroporus Hispanicus und
depressivollis Kosenhauer (Thiere Andalusiens p, 47 If.) ; Cgbisler Ae^
gyptiacus Peyron (^Annales de la soc. entomol. p. 722j, welcher nach
der Beschreibung jedoch auf 0yb. lateralis i:*'ab.) djer ebenfalls in Ae-
gypten vorkommt, passt.
Nach Hislop (Zoologist p. 4965) kommen Agabus serricornis
und congener in Schottland vor; ebenda (p. 5003) wird auch über
das Vorkommen anderer seltenerer Dytisciden in England und Schott-
land Nachricht gegeben.
Paluicornia. Als neue Arten wurden beschrieben:
Von Nietner (Entomol. papers II. p. l4ff.): Hydrochus lacu-
strisf Htjdruus rußventris und inconspicuus von Cejlo^.,
Von Reiche und de Saulcy (Annales de la soc. entom.IV.
p. 353 ff.): Ochlhebius lanuginosus von Athen, Berosus dispar , bispina
und Helochares parvulus von Beirut.
Von Rosen hau er (Thiere Andalusiens p. 53ff.): Ochlhebius
corrugatusy serraiusj nolabüiSf Hydrobius scutetlaris aus Spanien.
Von Peyron (Annales de la soc. entom.IV. p. 723): Uydro^
philus Aegyptiacusy welcher jedoch mit Hydr. spinipennis Gory zu-
sammenfällt. Peyron hebt an dieser Art mit Recht eine eigen-
wahrend des Jahres 1856, 335
ihümliche Bildung des Prosternum hervor, welches am vorderen Ende
der Furche einen hakenförmigen Fortsali: zeigt; eine sehr hervortre-
tende EigenthümÜchkeit, die von.Gory übersehen worden ist.
Von Bach (Entomol. Zeitung i^i 2^&) t Uydrophüus smaragdinus
als fragliche neue Art, vom Uhein. iiiilci) . :i * ■ I
Von Mulsant (Hist. nat. d. Coleopt. de France^ Supplement):
Helophorus alpinus aus Süd-Frankreich.
Derselbe (Opusc. entomol. VHv'jji. 166 ff.) itt seinen „Addi-
lions et observations relatives k la m'onographie des Palpicoroes«
theilt mit, dass Iropisternus apicipalpis Chevrol. aus Mexiko ru zwe
Exemplaren in einem Gebirgsbache des südlichen Frankreichs gefun-
den worden sei und beschreibt sowohl die Gattung als Art nochmals
als der französischen Fauna angehörig. Als Eigenthümlichkeit der
Galtung wird hervorgehoben, dass der fünfte llinlerleibsring mit einem
Dorne bewaffnet ist, der von den früheren Autoren übersehen wurde.
— Ferner wird die Gattung Helobius Muls. mit Sternolophus Sol.
idenlificirt und Sternol. noticoliis Aluls. und rnfipes Fab. aus Ostindien
nochmals beschrieben. ..jul .'m/i -ftqoinO löb « »dvfei
Silphales. A. Äl u rra j, Monffgr^pli 'of the g«tltts Calops
(Annais of natural history XVIll. p. I, 133, 302, 39l und 475 ff.)
ausserdem auch im Separat-Abdrucke (London 1856) erschienen. Der
Verf. hat in dieser mit grosser Sorglall behandelten Arbeit eine voll-
sländige Monographie der bis jetzt bekannt genvachten Europäischen
sowohl als ausländischen Arien geliefert und die Zahl derselben
durch Beschreibung einer Anzahl neuer vermehrt In synonymischer
Hinsicht sind von Wichtigkeil die Bemerkungen , welche der Verf.
über die von Spence und Stephens beschriebenen Arten giebt,
indem dieselben zum Ihuil von deutschen Entomologen unter ande.
ren Namen beschrieben worden sind (z. B. C. fumatus Erichs. = C.
VVatsoni S[>önce, praecox Er. 3= AVilUinii Sp«nce); mit diesen zugleich
wird eine Uebersicht säinmtlicher bisher beschriebener Arten, von
kritischen Bemerkungen begleitet, gegeben. Der speciell systemati-
sche Theil der Arbeit erstreekt sich auf drei Gattungen (ausser t'al-
eps noch eine neue hier aufgestellte und Catopsimorphus Aubä) und
im Ganzen auf 65 Arten. Die Eintheilung der Gatops-Artefi wird
R-ach den von Erichson angegebenen Merkmalen, besonders nach
der Bildung des Mesosternum gegeben; die schlanken Formen der
ersten Gruppe (C. angustatus u. s. w.) sind als Subgenus Choleva ab-
gezweigt. In Betreu' der Feststellung einer Anzahl Europäischer Ar-
ten weicht der Verf. von der in früheren Arbeiten angenommenen
zum Theil wesentlich ab; so werden z.B. C. angustatus, intermedius
und cisteloides im Eriehson'sehen Sinne als Varietäten derselben Art
angenommen , mit C. trislis Panz. als Abänderungen C. abdominalis
Rosenh., longulus Kellner, montivagu» Heer, grandicoüis Er. und ro.
336 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistung'en in d. Entomologie
tundicollis Kellner vereinigt, — Als neue Arten werden beschrie-
ben: C. vestilus aus Ostindien, depressus aus Europa (?), unbek, Kund-
orts, transversostrintus (Dej.) aus Portugal, monilis und spinipes aus
Caracas, suluralis (Motsch.) aus der Mongoley (?) und ascutellaris
aus Caracas. — Die neue Gattung Caloptrichus zeichnet sich durch die
Fühler, an denen die acht letzten Glieder beim Männchen stark gesägt,
die drei ersten schlank und schmal sind, aus; sie ist aufCatops Fran-
kenhaeuseri Mannerh. gegründet. Am Schlüsse giebt der Verf. noch
eine Revision der Calops-Arten der Dejean'schen Sammlung, so wie
eine analytische Tabelle zur Bestimmung der Europäischen Arten. — .
Im Texte finden sich Holzschnitte eingedruckt, welche die charakte-
ristische Form der einzelnen Arten im U-mrisse darstellen.
Der Reichlhum, welchen die unterirdischen Höhlen an Silphen-
Formen darbieten, wird durch die gleichzeitige Entdeckung und Be-
kanntmachung dreier neuen Gattungen , denen sämmtlich die Augen
fehlen, recht auffallend in's Licht gesetzt; dieselben bieten zugleich
ein systematisches Interesse dar, indem sie sich als allmählige Ueber-
gänge zwischen der Catops- und Leploderus-Form hinstellen und letz-
terer Gattung ihre naturgemässe Stellung unter den Silphalen anwei-
sen. Alle drei Gattungen sind in den. Verhandlungen des zoolog.-
botan. Vereins in Wien VI. p. 462, 627 und 635 beschrieben und ab-
gebildet worden, und zwar Pholeuon von Hampe, Oryolus und DrU
meotus von Miller; sie sind sämmtlich von schlanker Catops. Form
mit verhältnissmässig kleinem Prothorax und durch langgestreckte,
dünne Fühler und Beine ausgezeichnet, das Schildchen bei allen deut-
lich. Die Gattung /^Äo/cMon, deren Charaktere schärfer hätten hervorgeho-
ben werden können, hat an den Fühlern vier schwach verdickte und
den vorhergehenden an Länge nachstehende Endglieder, weit ausein-
anderstehende Hinterhüften, die Vorder- und Mittelbrust gekielt. Art:
Fh. angusticolle aus Ungarn. — Die beiden anderen Gattungen sind
von Milier sehr genau untersucht und die Mundlheile durch Abbil-
dungen erläutert worden. Oryolus ist sehr ausgezeichnet durch vier-
gliedrige Vordertarsen in beiden Geschlechtern und besonders beim
Männchen durch das grosse und dick angeschwollene erste Glied der-
selben; die Mandibeln mit vierzähniger Spitze, das vierte Glied der
Kieferlaster zugespitzt, das dritte der Lippentaster verkürzt ; Körper-
form wie die Beine und Fühler sehr schlank, der Thorax vorn stark
gerundet, hinten tief ausgebuchtet, die Hinterwinkel sehr spitz. Art:
0. Schtnidlii aus Krain. Bei Drimeolus hat das Männchen fünf-, das
Weibchen viergliedrige Vordertarsen, bei ersterem sind das erste bis
drille Glied kurz und leicht erweitert, die beiden letzten lang und
dünn. Die Mundlheile ähnlich wie bei der vorhergehenden Galtung,
das Endglied der Lippentaster aber verlängert. Art: Dr. Kowacsii
aus Ungarn. (Abbildungen auf Taf. 7 und 8.)
wahrend des Jahres 1856. 33t
Einzelne neue Arten sind: Colon emarginalus und Calops lenuU
cornis Rosenhauer (Thiere Andalusiens p. 55 (T.) , Adelops grandis aus
der Grotte von Isturitr in den Pyrenäen und Anisoloma dislinguenda
aus der Pariser Gegend von Fairmaire (Annales de la soc. entom.
IV. p. 525 ff.), Catops nitidicollis von Paris und nivalis aus dem Rie-
sengehirge von Kraatz (Enlomol. Zeit. p. 238).
Scydinuenides. Nietn er (Entomol. papers III) hat eine
Arbeit über die von ihm auf Ceylon gesammelten Scydmaenen gelie-
fert, in welcher er sich zuerst über die Angabe La corda i re's,
dass diese Gattung keine Flügel und verwachsene Flügeldecken habe,
dahin äussert, dass eine Anzahl der von ihm beobachteten Arten fliege
und wohl entwickelte Hinterflügel besitze. (Dass die Angabe La-
cordaire's in Bezug auf die Gattung im Allgemeinen irrig und nur
für gewisse Arten derselben Geltung habe, hat Ref. bereits im Jahres,
berichte für 1854. p. 23, 24 bemerkt und die Beobachtung von Kunze
und Reichenbach über das Vorhandensein der Hinterflügel ange-
führt). Die dreizehn beschriebenen Arten von Ceylon besitzen sämmt-
lich viergliedrige Maxillartaster und werden nach den von Schaum
angegebenen Charakteren, welche der Form des Halses, des Thorax,
der Bildung des Mesosternum u. s. w. entnommen sind , eingetheilt.
Es sind folgende: Seydm. alatus ^ femoralis , Ceijlanicus^ intermedittSf
pselaphoides mit nicht zugespitztem Endglied der Kieferlaster, advolans,
pubescenSf pygmaeits, glanduliferus, graminicolaf pyriformis, angusticeps
mit zugespitztem Endgliede derselben, ovatus ohne deutlichen Hals.
Von Fairmaire wurde (Rev. et Magas. de Zoologie VIII.
p. 179 und Annales de la soc. entomol. IV. p. 526 ff.) unter dem Na-
men Pylades Conuerelii eine ausgezeichnete neue Galtung und Art vom
Bosporus bekannt gemacht, welche mit Leplomastax Piraz. vielleicht
generisch zusammenfällt oder diesCr'Gattung wenigstens äusserst nahe
steht. Als unterscheidende Merkmale kannten die mehr perlschnur-
artigen Fühler, die seitlichen Erweiterungen des Kopfes an der Basis
der Mandibeln und das kürzere erste Tarsenglied angesehen werden;
die eigenthümliche Form der Mandibeln, der Mangel der Augen und
der ganze Körperhabitus sind dieselben wie bei Leptomastax. Die
Gattung schliesst sich, wie der Verf. mit Recht bemerkt, an Clidicus
Lap. eng an , welche hier zugleich näher charakterisirt wird. Auf
einer beifolgenden Tafel sind sowohl Pylades als Leptomastax nebst
einzelnen Körpcrlheilen vergrössert dargestellt.
Psclsipliidae. Descriptions of various species of the Co-
leopterous family Pselaphidae, natives of New Soulh-Wales and Soulh-
America, by J. 0. Westwood. (Transact. of the enlomol. soc. III.
p. 268— 280. pl. 16 'und 17). Der Verf. macht uns hier mit einer
Reihe ganz ausgezeichneter neuer Pselaphiden-Formen aus Neu-Hol-
land und Brasilien bekannt, von denen besonders die merkwürdigen
Archiv f. Naturgesch. XXlll, Jahrg. 2. Bd. YV
338 Gerstaecker: Bericht fij). d. Leistungen in d. Entomologie
Gattungen Articerus Dalm. und Metopias Gory, die hier auf einmal
einen bedeutenden Zuwachs erhalten, hervorgehoben zu werden ver-
dienen, a) von Melbourne in Neu-IIoUand : Bryaxis strigicolliSf qua^
driceps, alrivenlriSf Tyrus spinosus, humeralis, Balrisus angulahis^ Vse^
laphus geminalusj Anlipodum, Articerus curticornis, anguslicolliSf dila~
ticornis, setipes ^ sämmtlich in Ameisenhaufen aufgefunden, b) aus
Brasilien: Articerus Brasiliensis f Melopias bellicosus und pacificus.
Sämmtliche beschriebene Arten sind von der kunstfertigen Hand des
Verf. stark vergrössert und sehr hübsch auf zwei Tafeln abgebildet;
zum Vergleiche mit den beiden letzten Arten ist auch eine Zeichnung
von Metopias curculionoides Gory beigefügt.
Eine neue Art aus Spanien wurde ferner von Rosenhauer
(Xliiere Andalusiens p. 62 ff.) beschrieben : Ctenisles Anbei,
Pttussidae« Eine von Plant bei Port Natal gemachte ßeob.
achtung, welche in den Proceedings of the entomol. soc. p. 121 mit-
getheilt wird, widerlegt die weit verbreitete Ansicht , dass die Paus-
sus-Arten die Ameisennester zu ihrem Wohnorte aufsuchen. Plant
sah vielmehr, dass sie selbst von den Ameisen aufgesucht und von
etwa sechs derselben gewaltsam in ihren Bau getragen werden; die
Käfer leben einzeln unter Grasbüscheln verborgen und suchen sich,
wenn sie von den Ameisen gepackt werden , durch Herumschlagen
mit den Beinen zu befreien. Sobald sie in das Ameisennest einge.
tragen worden sind, werden sie eifrig bewacht, damit sie nicht eut--
wischen ; über ihre sonstigen Beziehungen zu den Ameisen ist dem
Beobachter nichts bekannt geworden.
Paussus Olvesii wurde als neue Art aus Marocco von Fair-
maire (Rev. et Magas. de Zoologie VIII. p. 530) diagnosticirt.
Stapltylini* Eine systematische Uebersicht der Aleochari.
nen-Galtungen ist von Kraatz in der Linnaea entomol. XI. p. 1 — 41
gegeben worden. („Genera Aleocharinarum illustrala.") Die Arbeit
ist ein Auszug der in den „Insekten Deutschlands , Th. 2" gegebenen
Bearbeitung dieser Gruppe, der sich aber auch auf die ausländischen
Gattungen erstreckt und diese durch eine Anzahl neuer vermehrt. Im
Ganzen stellt sich die Zahl der hier aufgeführten Gattungen auf 55,
von denen folgende als neu hervorzuheben sind: 1) Uoplandria auf
die Amerikanische Homalota terminata Er. gegründet, mit einer neuen
Columbischen und zwei gleichfalls neuen Kord-Amerikanischen Ar-
ten. 2) Vhilotermes mit Euryusa zunächst verwandt, drei Kord-Ame-
rikanische in Termitennestern lebende Arten umfassend. 3) Oxgsoma
der Gattung Dinarda zunächst stehend, im Habitus au Hypocyptus
erinnernd, mit einer Art aus Aegypten. 4) Schislogenia zwischen Pe-
liusa und Silusa Er. eingeschaltet, mit einer auf Ceylon in Termiten-
nestern wohnenden Art. 5) Myrmecochara neben Philotermes , auf
eine ebenfalls unter Termiten in Kord -Amerika lebende Art begrün-
während des Jahres 1856. 339
det. — Ausserdem ist auch die Beschreibung einiger neuen Arten aus
schon bekannten Gattungen hinzugefügt. Zwei beifolgende Tafeln
erläutern die Mundtheilo der Aleocharinen- Gattungen und enthalten
Figuren der als neu aufgestellten Formen im Umrisse.
Derselbe (ebenda p. 44 — 56) lieferte „Beiträge zur Kenntniss
der Termitophilen" durch eine Uebersicht über die bfs jetzt in Ter-
mitennestern aufgefundenen Slaphylinen, von denen die neuen Gattun.
gen und Arten beschrieben werden. Im Ganzen sind 22 Arten auf-
gezählt; unter diesen werden 9 neue Myrmedonia -Arten aus Ceylon
und ausserdem 3 neue Gattungen unter dem Namen Coenonica^ Telra^
slieta und Pelioplera charakterisirt , die beiden ersten mit je einer,
die letzte mit zwei Arten von Ceylon. Die Gattung Coenonica steht
durch die Mundlheile in nächster Verwandtschaft mit Bolitochara und
zeigt im Habitus Aehnlichkeit mit Uomalota incana ; Tetrasticta
schliesst sich im Körperbau an Myrmedonia, durch die Mundtheilie att
Aleochara an, Polioptera durch letztere an Phloeopora.
Mulsant und Hey (Opuscules entomol. VII. p. 1) gründeten
eine Galtung Ocklhephilus auf Trogophloeus omalinus und angusta-
lus Er. , welche sich durch deutliches Skutellum und konisch zuge-
spitztes Endglied der Kieferlaster von den übrigen Artin absondern;
als neue französische Art dieser Gattung wird O. ßexuosus beschrie-
ben und auf einer beifolgenden Tafel abgebildet. — Eine zweite, sehr
ausgezeichnete neue Gattung derselben Verf. (ebenda p. 7 ff.) ist PÄo-
lidus insignis von Hydres; mit Pseudopsis durch die Form des Kopfes
und des letzten Gliedes der Kieferlaster nahe verwandt, unterscheidet
sie sich sehr auffallend durch die langen, schlanken Fühler, an denen
das erste Glied eiförmig verdickt ist, durch das vorn tief dreilappige,
hinten stark zusammengeschnürte Halsschild und durch die mit Schup.
pen bedeckte Oberfläche des Körpers.
Die schöne Abhandlung von Schiödte über Corotoca und
Spirachtha ist in den Annales des sciences naturelles, T. V. in fran-
zösischer üebersetzung erschienen und die dieselben begleitenden
Abbildungen hier ebenfalls copirt worden. Da die Dänischen Gesell-
schaflsschriften im Ganzen wenig verbreitet sind, kann eine derartige
Vervielfältigung der Arbei nur erwünscht sein.
Thomson, „Kägra nya arler af Insekt- slägtet Homalota«
(Ofvcrsigt af Kongl. Vetcnsk. Akad. Förhandl. 1856. p. 9r — 107) hat
zu seiner im J. 1852 veröffentlichten Arbeit über die Schwedischen
Arten der Gattung Homalota einen Nachtrag geliefert , welcher eine
Aufzählung von 38 seitdem aufgefundenen Arien enthält: mit Ein-
schluss dieser stellt sich demnach die Zahl der überhaupt aus Schwe-
den bekannt gewordenen Arten auf etwa hundert. Die in der vor-
liegenden Abhandlung verzeichneten Arten sind sämmtlich (in latei-
nischer Sprache) genau beschrieben, so dass auch diejenigen, welche
340 Gersta ecker: Bericht ob. d. Leistungen in d. Entomologie
der Verf. für bereits bekannt ansieht, sicher beurtheilt werden kön-
nen ; die grössere Zahl derselben wird als neu angesehen, bei eini-
gen , welche neue Namen erhalten haben, werden Arten früherer
Autoren mit Zweifel cilirt. Zu letzteren beiden Categorieen gehören
folgende: a) Mit quadratischem Thorax und linearem Hinterleib: H.
nitidula (Märkel), arclica, lissonura (pavens Er.?}, insecla, hygrobia,
Gyllenhali (Aleochara terminalis Gyll.), melanocera^ gregaria (Tachyusa
immunita Er.), palustris Klesw. (elongatula var. Er.). — b) Mit que-
rem Thorax und linearem Hinlerleibe: //. boletobia , xanthopus , com-,
pressicollis (conformis Muls.?), bolelophüa (foveola Muls.?), pallidi-
cornis, nigrivenlris , picipes^ nudiuscula, anguslicollis, corvina , sericea
(sericea Muls.?), funebris (clancula Er.?), nigripes , aeneipennis, Zo-
sleraCf cyrlonola, laliceps. — c) Mit querem Thorax und nach der
Spitze hin leicht verschmälertem Hinterleibe: H. cinnamoplera^ ma-
crocera und pUosiventris.
Derselbe, „Arter af slägtet Omalium, funna i Sverige" (Of-
versigt af Kongl. Vetensk. Akad. Förhandl. 1856. p. 223—228) gab
eine Aufzählung der in Schweden einheimischen Omalium-Arten, de-
ren Zahl sich auf 25 stellt. Die einzelnen Arten sind mit lateinischen
Diagnosen versehen und von Bemerkungen über ihr Vorkommen be-
gleitet; drei derselben, welche neu sind, werden ausführlich be-
schrieben:,, 0. septenlrionis (rivulare Zett. nee Payk.) , npan«m und
^ineti ^(planum Zett. nee Payk., Oxytelus lapponicus Zett.).
,;,o>^in in den Höhlen Krains aufgefundenes, augenloses Lathrobium
wurde von H. Müller (Entomol. Zeitung p. 308) als neue Gattung
unter den» Kamen Glyplomerus cavicolaj und gleichzeitig von Kraatz
(Yerhandl. d. zoolog.-bolan. Vereins zu Wien VI. p. 625) als Typhlo-
bium stagopUilum bekannt gemacht. Ersterer stellt die Art, obwohl
er ihre Aehnlichkeit mit Xanlholinus anerkennt, irriger Weise zu den
Oxyporinen; letzterer weist ihr die richtige Stellung bei Lathrobium
an und erwähnt einer kleinen sligmaförmigen Spalte zu jeder Seite
des Kopfes, die er als Rudiment von Augen ansieht.
Neue Arten aus Spanien, von Rosenhauer (Thiere Andalu-
siens p. 64 ff.) beschrieben sind: Falagria formosa, Aleochara pulica-
riOf Dinarda nigritaj Hypocypius unicolor , Suniiis latus, Slenus canes-
cenSf elcgans , Bledius corniger , monoceroSf älulsanti, Oxytelus plagia-
tus , scaber , Trogophloeus venustulus , aberrans , Omalium nigrivenlre,
Anthobium putnilio und difficile. —Anhangsweise beschrieben: Slenus
Kiesenwetteri aus der Gegend von Erlangen.
Von Reiche und de Saulcy (Annales de la soc. entomol. IV.
p. 359 ff.) : Tachyporus discus und eleganlulus von Beirut, Flatyproso-
pus hierichonticus und Xanlholinus hebraicus aus Palaestina , Ocypus
erosicoUis von Beirut, rubrlpennis vom Jordan, Lathrobium melanoce'
phalum aus dem Peloponnes.
während des Jahres 1856. 341
Von Nietner (Entomolog. papers No. I und II): Oedichirus
alaluSf Slcnus barbatus und lacertoides von Ceylon,
Letzner gab eine ausführliche Beschreibung der Larve und
Puppe von Xanlholinus lentus Grav. ; erstere findet sich unter Fich-
tenrinde, der Käfer entwickelt sich aus der Puppe nach 16 Tagen.
Synonymische Bemerkungen über eine Reihe von Staphylinen
wurden von Kraatz (Enlomol. Zeitung p. 177 ff.) mitgetheilt. —
Kach Fairmaire (Annales d. I. soc. enlom. IV. p. 530) ist Ache-
nium distinctum Lucas (Algier) gleich A. strialum Lalr.
Histerini. Die monographische Bearbeitung dieser Familie,
welche de Marseul in den Annales de la soc. entom. de France v.
J. 1853 an unternommen hat, ist in dem diesjährigen 4. Bande mit
drei neuen Fortsetzungen (p. 97, 259 und 549 ff.) weiter geführt und
für den systematischen Theil beendigt worden. Sie ist eine der
werthvollsten Arbeiten , welche uns die lange Bändereihe dieser
Zeitschrift geliefert hat; der Verf. hat nicht nur ein sehr bedeuten-
des Material unter Händen gehabt und dasselbe mit grosser Sorgsam-
keit untersucht, sondern auch die Literatur, für die er freilich durch
zwei für ihre Zeit gleich vortreffliche Monographieen unterstützt war,
kritisch und fast erschöpfend verwerthet. Die Abbildungen, welche
sich , wie schon früher erwähnt , auf alle vom Verf. beschriebenen
Arten erstrecken , sind grösstenlheils von solcher Genauigkeit, dass
man in vielen Fällen schon nach ihnen allein sicher bestimmen kann,
und ebenso sind die zahlreichen Details, durch welche die Galtungs-
merkmale erläutert sind, für die Erkennung dieser von grossem
Werthe. — Die im diesjährigen Theile der Arbeit abgehandelten Gat-
tungen sind folgende : 1) Pachylopus Er. 4 Arten. 2) Trypanaeus
Eschsch. niit2'l sämmtlich süd - und mittel-amerikaniscÜen Arten, ^0^
denen T.prolixus des Verf. = T. dentibollis Gray ist. (Das hiesige
Museum besitzt auch eine Art aus Ostindien.) 3) Terctrius Er. mit
7 Arten aus Europa, Süd -Afrika und Süd -Amerika; zu letzteren
kommt jedoch noch T. Peruanus Er. , der dem Verf. enlgangen zu
sein scheint. Uebrlgcns ist die Gattung nach dem hiesigen Museum
auch in Ostindien und Weu-Holland vertreten. 4) Xiphonotus n. gen.
eine ausgezeichnete Form, bei der das Halsschild wie bei Cossyphus
über den Kopf hinaus verlängert ist; eine Art: X Clicvrolatii vom
Cap. 5) Plegaderus Er. mit 10 Arten ; die Larve von PI. discisus
wird anhangsweise von Perris beschrieben und nebst den dazuge-
hörigen Details abgebildet. 6) Glymma n. g. , eine äusserst zierliche
Gattung, die in der Form mehr mit Plegaderus, in der Skulptur da-
gegen mit Onthophilus übereinstimmt; die einzige Art: Gl, Candßzei
wurde von Candezc bei Li^ge in Melonenbeetcn gefunden. 7} On-
thophilus Leach mit 10 Arten. 8) Bacanius Le C. 6 Arten. 9) Abraeus
Leach mit 12 Arten. 10) Acrilus Le C. 32 Arien.
342 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Einzelne als neu aufgestellte Arten sind :
Von Rosenhau er \Thiere Andalusiens p. 8911'.): Helaerius
Uispanus und Suprinus elongalulus aus Spanien, Paromalus Rothii aus
Griechenland.
Von Mulsant und Rey (Opusc. enlom. VII. p.5): Pletfaderus
hispidulus aus Frankreich. • -
Von Bach (Entomol. Zeitung ^vS^^ii Stiprinus specularis aus
Nord-Üeutschland.
Von Pe yron; (Annales d. 1^, ^oc.^entom. IV. p. 727} : Äisfer
praetermissus aus Frankj;ei^h,,,j.,,j^^ß.,^o„^,„ ,
y ,,.),. ff*Iialacrides. Synopsis of the Phalacridae of the United
.Slatje^ by J. Le Conte (Proceed. of the acad. of nat. scienc. of
Philadelphia VUI. p. 15 — 17). Von den vier von Erichson ange-
nommenen Gattungen kortunen drei in Kord - Amerika vor, nämlich
Phalacrus mit 7, Olibrus mit 10 und Litochrus nvit l Art ; die
Gattung Tolyphus dagegen fehlt, — Von Phalacrus sind 3 Arten (Ph.
penicillatus und pallipes Say, politus Melsh.) bereits bekannt, seriatus
von Kansas, otalis aus Californien, pumilio aus Georgien und siniplex
aus Kansas neu. (Die dem Verf. unbekannte Art: Ph. pallipes Say ist
ein Olibrus, der in der Färbung und Grösse mit ülibr. semistriatus Le
. Ponte übereinstimmt, aber durch die Streifung der Flügeldecken ab-
,2uweichen scheint.) — Unter Olibrus gehören zur ersten Erichson'-
schen Abtheilung: der Europäische 0. bicolor Gyll. , slriatulus n. sp.
Mittelstaaten, rttfipes n. sp. Oregon, serrislriatus n. sp. Kansas, rubens
n. sp. Georgien; zur zweiten Er. 'sehen Abtheilung: 0. obtusus n.sp.
Californien, apicalis Melsh., nitidus Melsh., aquatilis n. sp. Californien
^nd pusillus n. sp. Mittel- und Südstaaten. Von Litochrus ist die
.,e,i^zige bekannte Art : L. pulcheUus aus Louisiana ebenfalls neu.
Tolyphus punctulalus Rosenhauer n. A. aas Spanien (Thiere An-
dalusiens p. 94.)
Tricliopteryg-ia. Wietner (Entomol. papers II. p. 5 if.)
beschrieb Trichopteryx cursiians^ inimaiura, invisibilis ^ Ftiiium subqua^
dralum, Vtenidiwn macrocephalum als neue Arten von Ceylon.
IVitidulariae» Eine ausgezeichnete neue Form ist Ips xacü"
rilla Thomson (Rev. et Magas. de Zoologie VIII. p. 475, pl. 23. fig. 5)
aus Chile, welche mit mehreren ähnlichen Arten desselben Landes, die
zuweilen in der Form der Mand'beln und dem Habitus des Körpers an
kleine Lucaniden- Formen erinnern, eine eigene von Ips ganz ver-
schiedene Gattung bilden muss; Mundtheile, Fühler und die den Kör-
per bis zur Spitze bedeckenden Flügeldecken bieten wesentliche Ab-
weichungen von jener Gattung dar, scheinen jedoch auf Paromia
Westw. zu passen.
Zur Gattung Meligethes kommen folgende neue Arten : M. me-
tallicusi elongaiusp nig&nimuS) opacuS) lamii ttad muiabUis ^osenUauer
während des Jahres 1*56. 343
(Thiere Andalusiens p.Pßfr.) und M. orienlalis Nielner (Enlomol. pa-
pers II. p. H) von Ceylon.
fjatliridii. Corticaria pilosula ^ inßata , Lathriditis produciuif
Merophysia carinulalaf Cholovocera formicetioola wurden als neue Ar-
ten von Uosenhauer (Thiere Andalusiens p. 349 ff.) beschrieben.
Die Galtung Cholovocera Molsch. wird zugleich genau charakterisirt.
Colydii. Die vorläufig dieser Familie beigezählte Gattung
Pleganophorus Hampc (siehe vorig, Jahresbericht p. 50) wurde von
diesem (Wiltheilungen des Siebenbürgischen Vereins für Naturvv. zu
Hermannstadt VII. p. 35 ff.) jetzt auch im männlichen Gcschlechte be-
kannt gemacht. Das neu entdeckte Männchen weicht vom Weibchen
durch die Fühlerbildung ab; es sind zwar wie dort vier Glieder an
den Fühlern vorhanden, doch ist das dritte dreieckig und in einen
Ausschnitt des grossen vierten (an dessen Basis) eingepassl; letzte^
res ist dick eiförmig und besteht gleichsam aus zwei aufeinanderlie-
genden Blättern. (Diese Bildung ist ganz übereinstimmend mit der-
jenigen, wie sie die Fühler des Männchens bei der Endomychiden-
Gattung Trochoideus Westvv. zeigen.) Die männliche Ffihlerbildung
von Pleganophorus ist im Holzschnitt dargestellt worden.
Ctlcujicles« Silvanus filiformis ist eine neue Art, von Ro-
senhaner (Thiere Andalusiens p. 104) beschrieben.
Cryptopliagridcs. Bold (Zoologist p. 5003) giebt durch
eine Beobachtung Aufklärung darüber, aufweiche Weise die Anthe-
rophagus-Arten in die Nester der Bienen kommen, in denen bekannt-
lich die Larven leben. Er wurde auf einen Bombus aufmerksam, der
auf einer Distel sitzend , die Beine nach allen Seiten hin reckte und
drehte; an einem Tarsus der Hinterbeine halte sich ein Aulheropha-
gus nigricornis festgeklammert, den die Hummel abzustreifen suchte.
Derselbe hielt sich aber mit seinen Klauen so fest, dass er erst nach
Tödtung der Hummel und als er selbst erstickt worden war, losge-
macht werden konnte.
Cryptophagus grandis von den Norddeutschen Dünen , validits
und subfumalus ebenfalls aus Deutschland wurden von Kraatz (En-
tomol. Zeitung p. 239 ff.) als neue Arten beschrieben.
iriycetopltagtidae. Die in Nord -Amerika vorkommenden
Arten dieser Familie verzeichnete Le Conte in einer „Synopsis of
the Mycelophagidac of the United States" (Proceed. of the acad. of
nat. scienc. of Philadelphia VIII. p. 12 — 15). Von den bekannten Gat-
tungen der Familie fehlt in Nord-Amerika nach Le Conte nur Tri-
phyllus (von weicher jedoch das hiesige Museum ebenfalls eine Art
aus Tenessee besitzt, die dem Europäischen Tr. suluralis sehr ähnlich
ist); Mycelophagus ist durch 9, Lilargus durch 7 und Typhaea durch
1 (die Europäische T. fumata) Alt vertreten. Von DipbylluS) welche
344 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Gattung der Verf. hierher zählt, sind ebenfalls 2 Arten bekannt, aber
in die vorliegende Arbeit nicht aufgenommen. Von den Mycetopha»
gus-Arten gehören zur ersten Erichson'schen Abtheilung : 1) Äl. pun-
ctatus Say. 2) M- flexuosus Say. 3) M. jüiirigultatus n. sp. Califor-
nien. 4) M. Melsheimeri Le C. (bimaculalus Melsh.^. 5) M. obscurus
n. sp. Georgien. — Zur zweiten Er.'schen Abtheilung: 6} M. pluri-
punclatus n. sp. aus den Mittel- und Südstaaten, (neben dieser besitzt
das hiesige Museum noch eine ähnliche neue Art aus Pensylvanien).
7) M. pini Ziegl. (ist M. concolor des Dejean'schen Catalogs). — Zur
dritten Er.'schen Abtheilung : 8) M. obsoletus Melsh. (Tetratoma) und
9) bipuslulatus Melsh. — Unter Litargus kommen zu zwei von Say
beschriebenen Arten (Mycetoph. öpunctalus und didesmus) fünf neue:
L. telraspilotus aus den Süd- und Weststaaten, infulatus von Illinois,
nebulosiis von Maryland (im hiesigen Museum häufig aus Pensylva-
nien), transversus und balteatus aus Californien.
Rosenhauer (Thiere Andalusiens p. 105 ff.) beschrieb Litar^
gus coloratus und Typhaiea angusta aH*'netle Arten. '° '^''>'
Dermestiiii« Derselbe beschrieb (ebenda p. lOft;?}) Aitage^
nus lobaluSf hirtulus und Anthrenus festivus (Er. i. lit.). , . .^ . ,'•'
Oeoryssit Zwei neue Arten sind: Georyssus carinatus Ro-
senhauer (a. a. 0. p. 1,12) aijß Andalusien und G. jemma Nietner (En-
tomol. papers II. p. 13) aus Ceylon; letztere Art zeichnet sich durch
vollkommen ausgebildete Flügel aus, scheint aber in Bezug auf die
Gattung noch näher untersucht werden zu müssen, da sie habituell
von den Europäischen Arten abweicht.
Parnidae« Limnius rifularis Rosenhauer (a. a. ü. p. 113)
ist eine neue Art aus Andalusien, Parnus puberulus Reiche et Saulcy
(Annales d. l. soc. entomol. IV. p. 368) vom Jordan.
Heteroceridae. Zwei neue Arten von Rosen hau er
(Thiere Andalusiens p. Il4 ff.) sind: Heterocerus holosericcus und cur^
tus aus Spanien.
liamellicornia. Dynastida e. — Westwood, Descri-
ptions of the species of thc Australian Lamellicorn Genus Cryptodus
(Transact. of the entomol. soc. IV. p. 1 — 7. pl. 1). — Der Verf. fügt
den fünf bis jetzt bekannten Arten der Gattung Cryptodus zwei neue
hinzu und liefert zugleich von den früheren neue Beschreibungen;
die beifolgende Tafel giebt Abbildungen aller bekannten Arten. Die-
selben lassen sich in drei Abtheilungen bringen: a) Fühler neunglie-
drig, Klauen der Vorderfüsse beim Männchen einfach und untereinan-
der gleich: 1) C. paradoxus M. Leay. 2) variolosus White. 3) pi-
ceus Germ, — b) Fühler zehngliedrig , Klauen der Vorderfüsse beim
Männchen ungleich, die eine innen zweizähnig (Subgen. Cryptodinus
Wcfllw.): 4) Xasmaniaüus ,y/cßlw. (anllirftciflus JLr,), . -o) jiolüus n,
während des Jahres 1856. 345
gp. G) passaloidcs Germ. — c) Prothorax in der Mitte des Vorder«
randes mit einem Höcker, Flügeldeclten mit zahlreichen Kurchen und
scharf erhabenen Zwischenräumen: 7) Cr. caviceps n. sp. (Das hie-,
sige Museum besitzt ausserdem noch eine achte, neue Art.)
Von Le Conte („Noliee of three genera of Scarabaeidae found
in the United States«, Proceed. of the acad. of nat. scienc. of Phila-
delphia VIII. p. 19 — 24) sind die kleineren Dynastiden Nord -Ameri-
kas, welche auf die Burmeistoir'schen Galtungen Podalgus, Iletcrony-
chus und Ligyrus verheilt sind , einer nähern Prüfung unterworfen
worden und gefunden, dass dieselben nur zwei Gattungen, nämlich
Ligyrus Burm. und einer neuen , welche Aphonus Le C. genannt ist
und sich von jener nur durch den Mangel von Stridulationsorganen
an der Innenseite der Flügeldecken unterscheidet, angehören. Von
Ligyrus Burm. sind sechs Arten bekannt: L. morio Le G. , gibbosus
de Geer (variolosus Burm), juveneus Fabr. (Bothynus neglectus LeC«),
ruginasus n. sp. aus Texas, relictus Say (Heteronychus id. Burm.)
und rugiceps n. sp. aus Georgien. — Zu Aphonus Le C. gehören eben-
falls sechs Arten : A. pyriformis Le C. , tridenlatus Say, fraler n. sp.
von New -Jersey, hydropicus Le C. (variolosus Le C. antea) , casta^
neus Mclsh. (Podalgus obesus Burm.) und clunalis n. sp. von -der Me;4>j
xikanischen Gränze. — Ausserdem charakterisirt Le C. eine neue Gat*
Uing Polgmoeihus f die er auf Lacordaire's Ralh zu den Cycloce-
phaliden und zwar neben Pachylus stellt; sie nähert sich durch die
Form des Kopfes , der Augen , der Fühler und Tarsen den Melolon-
thiden, steht im Habitus diesen ebensQ nahe als den Dynastiden, ge-,.
hört aber letzteren nach den Mandibeln , dem Clypeus und Kinn ßO,
wie nach der Lage der letzten Abdominalstigmen an. Eine Art : ¥.
brevipes aus Pensylvanien u. s. w. — Eine vierte hier aufgeführte
neue Gattung, über deren Stellung der Verf. in Ungewissheil schwebt,
wird unter dem Namen f/eocoma Le C. charakterisirt; sie zeigt ebenso
viel Verwandtschaft mit den Geotrupiden (Athyreus) als mit den Dy-
nastiden (Syrichthus) und weicht andererseits von beiden durch diu
Fühlerbildung ab. Die Fühler sind elfgliedrig mit vierblättriger Keule,
das Proslernum ist wie bei Athyreus gebildet, die unregelmässige Punk-
tirung der Flügeldecken dagegen von dieser Gruppe sehr abweichend.
— Art: P. ßinbriala aus Californien.
Neue Arten sind ferner: Temnorhynchus Baal Reiche et Saulcy
(Annales de la soc. entomol. IV. p. 369) von Nablus und Onjclomor-
phus parumstrialus ¥i\irn\a'\ro (Rev. et Magas. de Zoologie VIII. p. 4S3)
aus Chile, letztere Art nur diagnosticirt.
Cetoniadae. — Thomson gab (Annales de la soc. entomol.
IV. p 319 ff.) nochmalige Beschreibungen von Goliathus Fornasini
Berlol. und Banzania splendons Brrtol. und sehr schöne colorirle Ab-
bildungen von beiden ArUu (kutcr-e m beiden- Geschlcchlürn) auf
346 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Taf. 7. — Für Ranzania splendens muss der früher publicirte Käme
Ramphorrhina Pctersiana Klug einlrelen.
Eine Anzahl neuer Arten hat White (Proceedings of the zoo-
logical Society of London 1836. XXIV. p. 14 ff.) beschrieben und ai)-
gebildet. (Die Abbildungen dieser Proceedings gelangen nicht an die
hiesigen Bibliotheken, obwohl im Texte stets auf dieselben verwiesen
wird.) Die Namen der beschriebenen Arten sind: Trigonophorus Hoo~
keri vom Ostindischen Hochlande, Stelhodesma Serpülci von Pt. Natal,
Sckhorrhina Emilia von den Neuen llebriden , Schhorrhinä Idae von
Ceram, Protaetia procera von den Philippinen, Schattmii Von Celebes.
Als selbstständige Arten erhält der Verf. ferner aufrecht (diese auch
abgebildet) : Clinteria ducalis, Hoffmeisleri und Schizorrhina Bassii.
Einige neue Arten aus dem Orient wurden ferner von Reiche
und de Saulcy (Annales d. 1. soc. entoni. IV. p. 371 ff.) beschrieben
und abgebildet : Oxylhyrea Noemi von Nablus , Abigail und Tropitiula
viUula von Beirut; letztere Art, auch im hiesigen ülluseum aus Klein-
Asien, ist eine Epicometis Burm.
Melolonthidae. — Eine wichtige Arbeit über die Nord-
Amerikanischen Arten dieser Gruppe hat Le Conte im Journal of
the academy of natural sciences of Philadelphia Vol. III. Pt. 3 (1856)
p. 225— 288 unter dem Titel: „Synopsis of the Melolonthidae of the
United States" geliefert. Zunächst sind die Bemerkungen des Verf.
über die natürliche Abgränzung der Gruppe zugleich von Bedeutung
für die Systematik der Lamellicornen im Allgemeinen , indem er die
Melolonthiden als eine den Laparosticti und Pleurosticti gleichartige
dritte Abtheilung der Familie annimmt, welche gleichsam zwischen
jenen beiden die Mitte hält; hierzu Avird er einerseits durch die Er-
fahrung geführt, dass die Lage der Hinterleibsstigmen bei den eigent-
lichen Melolonthiden sehr schwankend ist und zweitens durch die An-
näherung der Glaphyriden an dieselben, welche Erichson bekannt-
lich sogar als erste Gruppe der Pleurosticti ansah. Nach Lc Conte
zerfallen die Lameillcornen demnach in drei Sektionen: 1) Laparo-
sticti; die Hinterleibssligmen liegen auf den Bauchplatten, divergiren
nach hinten stark, die letzten sind sichtbar. 2) Melolonthidae; die
Hinterleibssligmen wenig divcrgirend, veränderlich, niemals auf der
Verbindungshaut liegcnö, die letzten oft sichtbar. 3) Pleurosticti; die
Hinterleibsstijgmen liegen auf der Verbindungshaut (der Dorsal- und
Ventralplatten), die letzten sind bedeckt. — Die Melolonthiden zer-
fällt LeC. in 10 Unterabtheilungen, von denen die 9 ersten die Man-
diheln vom Clypeus bedeckt,. idie lOte (Glaphyri) dieselben vor dem
Clypeus hervortretend zeigt. Von jenen haben die Macrophyllac,
Mclolonthae und Rhizolrogi quere, nicht hervorragende Vorderhüften,
die beiden ersten breite, die letzteren sehmale Parapleuren. Bei den
sechs übrigen Uaterabtheilu&gen: Diplotaxes, Sericae , Macrodactyli)
während des Jahres 1856. 347
Dichelonychae, Lasiopodcs und Hopliae sin<l die Vorderhüften konisch
und hervorragend, die Parapleuren nur bei den Ilopliae gross, bei
den übrigen sehmal oder massig entwickelt. — Die in Nord^^Amerika
vertretenen Gattungen der einzelnen Unter - Abtheilungen sind fol-
gende : 1) Macrophyliae mit nur einer (neuen) Gattung Fhobetus LeC,
welche wie Tryssus Er. ncungliedrige Fühler hat und dieser Galtung
nahe verwandt zu sein scheint. — Eine Art: f. comalus aus Califpr-
nien. — 2) Melolonthae: Polyphylla Harr, mit 6 und 7Ayce Le p., n. g.
mit einer Art, T. squamicoUis von Neu.Mexiko, letztere Gattung ist
durch das nicht verlängerte dritte Fühlerglied und die kleine (Weib-
chen) dreigliedrige Keule von Polyphylla unterschieden. — 3) Rhizo-
trogi: Eugastra LeC. mit 2 Arten, Endrosa LeC. n. g., auf Melolon-
tha quercus Knoch gegründet, mit 2 Arten; Lachnoslerna Hope^An-
cylonycha auct.) mit 55 Arten, die auf 15 Gruppen vertheilt sind un^
denen die Trichesthes - Arten Eric h son's und Bur m eist e.r.^^ je-
doch kaum mit Recht beigezählt sind; Gynnis LeC- eine neue Gat-
tung, die von der vorhergehenden durch concavc und nicht zweilap-
pige Oberlippe abweicht, mit einer Art: G. debilis von Philadelphia;
Listrochelus Blanch. 6 Arten. — 4) Diplotaxes mit drei Gattungen:
Orsonyx n. g. , nur die hinteren Klauen gespalten, die vorderen niit
wenig hervortrcndem Zahne an der Spitze; eine Art: 0. anxius \oit
der Mexikanischen Gränze ; Diplotaxis Kirby mit 29 Arten und Alobus
B. g., Klauen wie bei Diplotaxis, das letzte Glied der lülaxillartaster
aber verlängert, cylindrisch; eine Art: A. fulvus von TIeu-York. —
5) Sericae : Serica M. Leay mit 15 Arten. — 6) Macrodactyli : Ma-
crodactylus Latr. mit 3 Arten. — 7) Dichelonychae: Dichelonycha KirLy
mit 13 Arten. — 8) Lasiopodes: Zwei neue Gattungen mit fest ver-
wachsenen Hinterleibsringen, von denen die eine Lasiopus (Art: L.
ferruginetis aus Texas) einen gerundeten, stark concaven, vorn leicht
ausgerandeten Clypeus, ein kleines, lineares Kinn, verdickte Hinter-
beine und einfache, verlängerte Klauen, die andere Onceru$ (Art: 0.
floralis aus Californien) einen doppelten Clypeus, ein trapezoidales,
gehärtetes Kinn , ebenfalls verdickte Hinterbeine , aber gespaltene
Klauen besitzt. — 9) Hopliae: Hoplia Illig. mit 11 Arten. — 10)
Glaphyri: Lichnanthe Rurm. mit 2 Arten. — Die Zahl der in der vor-
liegenden Arbeit beschriebenen neuen Arten ist sehr beträchtlich und
wird mindestens derjenigen der früher bekannten gleichkommen.
Von Reiche und de Saulcy (Annales d. 1. soc. entomol.lV.
p. 376 ff.) wurden Fachijdema Delesserti und Saulcyi aus Palästina be-
schrieben und eine neue Gattung unter dem Namen Gnaphalostetha
aufgestellt, welche mit Rhizotrogus und Schizonycha nahe verwandt
ist, sich von erslercm durch gespaltene Klauen , von letzterer durch
den Mangel der Stirnleiste und neungliedrige Fühler unterscheidet.
-Alt; ü. Uonw>isini vom Jordan. — lieber die Attcu der GiUlung ?a^
348 Gerstaecker: Bericht ab. tl. Leistungen in d. Entomologie
chydema gab Reiche ausserdem werthvplle synonymische Berich-
tigungen.
Rosenhauer (Thiere Andalusiens p. llOfF.) beschrieb: Rki-
zolrogus granulifer, anachoreta , parvtdus und Hymenoplia cincrascens
als neue Spanische Arten.
Mulsant und May et „Notes pour servir ä l'histoire de l'Am-
phimallus marginatus" (Opusc. entomol. VII. p. 100 ff.) beschrieben
die Larve und Pfymphe der genannten Art; erstere wurde im Herbst
gefunden und den Winter über in massig feuchter Erde gehalten, wo
sie sich von Gerste- Wurzeln nährte. Im Juli des folgenden Jahres
verfertigte sie sich ein Gehäuse in der Erde und verpuppte sich.
Coprides. — Reiche beschrieb (Rev. et Magas. de Zoolo-
gie VIIL p. 118) unter dem Namen Onitis Osiridis eine neue mit 0.
furcifer verwandte Art aus Aegypten und Arabien, welche sich im
männlichen Geschlechte durch den senkrechten Zahn an der Spitze
der Vorderschenkel auszeichnet. Zugleich gab derselbe ein syno-
nymisches Verzeichniss der um das Mittelländische Meer vorkommen-
den Onitis-Arten, deren Zahl sich auf 14 stellt. — Fernere neue Ar-
ten desselben (Annales d. 1. soc. enlom. IV. p. 388 ff.) sind : Onlho-
phagus excisus aus dem Peloponnes und Onitis Ez>echias von Damaskus.
— Synonymische Bemerkungen sind: Onthophagus nitidicollis Brülle
ist = lucidus Fab. ^, morio Brülle = taurusLin. ^, sulur-cllus Brülle
= maki lUig. $, ccntromaculatus Redtenb. = cruciatus Menelr. ^;
über andere Arten finden sich Mittbeilungen im Bulletin de la soc.
entom. p. XXII.
Geotrupini. — Bolboceras lubericeps und laesicollis Yairmaire
sind, zwei neue Arten aus Chile, Geolrupcs Iloffmannseggii Fairm. aus
Maroccp, (Rev. et Magas. de Zoologie VllK p. 483 und 5.30.) . ,
Aphodiidae. — Neue Arten von Reiche und de Saulcy
(Annales d. 1. soc. entom. IV. p. 392 ff.) sind: Aphodius linearis und
fimicola von Nablus, dilatatus aus dem Peloponnes; ausserdem werden
beschrieben: Aphod. cribrarius Brülle, fimbriolalusMann., suarius Fald.,
cylindricus (Dej.) aus Spanien und Frankreich. Synonymische Notizen
sind: Aph. caminarius Fald. = depressus Kug. , asiaticus Fald. =
obscurus Fab., deplanalus Fald. = luridus F'ab, var. , rapax Fald. =
prodromus Br., equinus Fald. = pccari Fab. var., bubulcus Fald. =
obscurus Fab , elongalus Menelr. = granarius Lin.
Rosenhauer (Thiere Andalusiens p. 130) beschrieb: Apho-
dius tersus Er. (suluralis Luc).
Trogidae. — Trox vernicQsus aus Syrien und Iransversus von
Beirut sind zwei neue Arten von Reiche und de Saulcy (Anna-
les d. 1. soc. entom. IV. p. 404 ff.).
P cctin ico rnia. — Von Thomson fp.sv. et Magas, de Zoo-
während des Jahres 1856. 349
logieYIII. p. 51ßff.) wurden vier neue Lucaniden beschrieben: Cyclo^
yhlhalimis Mniszechü vonBornco, Dorcus fCladognalhusJ forficula aus
Kord-China, Aegus malaccus von Borneo und Malacca, myrmidon von
Malacca. Anhangsweise ist das Hope'sche Verzeichniss seiner Luca.
ncn-Sammlung, welches nicht in den Buchhandel gelangt ist, abgedruckt
worden.
„Nouvelle especc du genre Lucanus" par L. Reiche (ebenda
p. 80). Durch Reiche's Beschreibung bestätigt sich die Selbststän-
digkeit der aus Südfrankreich stammenden Art mit fünfblättriger Füh-
lerkeule, welche Ref. im vorigen Jahresberichte (p. 58) nach der
Mulsant'schen Beschreibung bezweifelte; dieselbe hat aber nach
Reiche's Angabe, der sie auch deshalb L. pentaphyllus nennt, stets
eine fünfgliedrige Keule, während von Mulsant, welcher L. Cervus
damit vermengte, angegeben wurde, dass sie bald mit vier-, bald mil
fünfblättriger Keule vorkäme. Eine Diagnose der Art ist ausserdem
p. 47 veröffentlicht.
Dorcus Peyronis Reiche und de Saulcy (Annales d. 1. soc. en-
tomol. lY. p. 407) n. A. aus Syrien.
Boiprestides» Als neue Arten sind zu erwähnen :
Von Thomson (Annales de la soc. entom. IV. p. 327. pl. 8) :
Jlyperanlha (PoecUonolaJ ChabrUlacii aus Brasilien und Psiloptera
Guerinii vom Cafl'ernlande. — (Rev. et Wagas. de Zoologie Vlll.
p. 115): Psiloptera presidens von Panama, Sligmodera eapucina von
Neu. Holland, Conognatha navarchis von Van. Diemensland und Capno»
dis Sarollae vom Cap. (Letztere Art gehört zur Gattung Lampetis
und ist jedenfalls mit L. Westermanni Lap. Gory identisch. Ref.) Eine
Abbildung der Arten ist auf pl. 6. fig. 1-— 4 gegeben.
Von Reiche und de Saulcy (Annales d. 1. soc. entom. IV.
p. 4t0 ff.) : Acmaeodera farinosa^ Sphenoptera trisulcala und Anthaxia
Corinlhia von Beirut, Anlhaxia divina von Jaffa. (Letztere Art scheint
gleich A. diadema Fisch, zu sein.)
Von Rosenhauer (Thiere Andalusiens p. 133): Acmaeodera
alboselosa.
Von Fairmaire (Rev. et Magas. de Zoologie VIH. p. 483 ff.) t
Polycesta rubropictOf Pithiscus sagiltarius, Conognatha splendidicollis und
Latipalpis melaUica aus Chile und (ebenda p. 530) Ancylochira flato-
angulala aus Idarocco.
Von Rojas (Rev. et Magas. de Zoologie VIU. p. 565) : Colo^
bogaster Acoslae aus Venezuela; derselbe gab auch (Annales de la
soc. entomol. IV. p. 693. pl. 20) eine ausführliche Beschreibung und
Abbildung von Hyperantha Sallei aus Venezuela.
Reiche (Bulletin d. 1. soc. entom. IV. p. LXXI) bemerkt, dass
in der Galtung Acmaeodera die Flügeldecken an der Naht verwach-
350 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
sen, dass aber trotzdem vollständig entwickelte Flügel vorhanden
seien; wie bei Cetonia, Gymnopleurus u. s. w. sind die Flügeldecken
aussen an der Basis ausgeschnitten , so dass die Ilinterflügel beim
Fluge entfaltet werden können.
Asa Fitch (Report on the noxious Insects p. 25 ff.) beschrieb
die Naturgeschichte und die ersten Stände von Chrysobolhrys femo-
rata Fab., deren Larve unter der Rinde und im Holze der Apfelbäu-
me lebt.
Eucnemides« Von besonderem Interesse ist die Kenntniss der
t,arve von Fornax Madagascariensis Lap. , welche Coquerel (Annal.
d. 1. SOG. entom. IV. p. 511. pl. 15) beschrieben und abgebildet hat. Der
Körper derselben ist langgestreckt, sehr flachgedrückt , die einzelnen
(12) Segmente stark von einander abgeschnürt , das letzte breiter als
die übrigen und ganz kreisrund ; Beine fehlen gänzlich, ebenso alle
Anhängsel. Am Kopfe soll weder eine Spur von Ücellen noch von
Fühlern vorhanden sein; Unterlippe, Maxillen und Palpen sollen ganz
fehlen, die sonderbar geformte Oberseite des Kopfes vorn aus drei
mit einander verwachsenen Stücken , einem mittleren und zwei seit-
lichen bestehen, welche als modificirte Oberlippe und Mandibeln an-
geseben werden. — Auf der beifolgenden Tafel ist neben der Larve
auch das ausgebildete Insekt nebst Mundtheilen, Fühlern, Tarsen u. s. w.
abgebildet.
Keue Arten dieser Familie sind Galba funebris und sericata von
Borneo, albivenlris von Java, in der Rev. et Magas. de Zoologie VIII.
p. 84t vonChevrolat beschrieben, Eucnemis Heydenii Bach (E. cur-
rax V. Heyden i. lit.) aus Deutschland (Entomol. Zeitung p. 247) und
Microrhagus Manueli Fairmaire aus Savoyen (Annales d. 1. soc. ento-
mol. IV. p. 530.)
Klateridetf* Thomson beschrieb als neue Arten : Iphis
m^rluus und lymphalicus von Borneo und Elater Chabrülacii aus Bra-
silien, welche auf pl. 23 der Rev. et Magas. de Zoologie VIII. (p. 473}
abgebildet sind. Es ist jedoch Iphis lymphaticus der Elater lacteus
Fabr. und Elater Chabrillacii schon von ßlanchard unter dem Na-
men Cyathodera longicornis charakterisirt worden.
Mulsant et Guillebeau, Description de quelques Elateri-
des nouveaux ou peu connus (Opusc. entomol. VII. p. 60 — 99). Die
hier beschriebenen Arten stammen meist aus Südfrankreich und haben
folgende Namen: Alhous lilanus , Dejeanii , fuscicornis, acorialensis
(Spanien), Godarti, veslilus , cylindricolUsy sublruncalus , analis, Olbien»
siSf Cardiophorus versicolor und Diacanlhus aeratus. — Ebenda (p. IÖ7)
wurde von denselben Autoren auch die Larve des Ludius ferrugineus
Lin. beschrieben, welche übrigens schon durch Blisson (Annal. soc.
entom. 184G) bekannt gemacht worden ist.
während des Jahres 1856. 351
Cryplohyimus lelraloma aus Spanien und Corymbites Zenii von
Roveredo sind zwei neue Arten von Rosen hauer (Thiere Andalu-
siens p. 13(3 ü'.).
Von Reiche und de Saulcy (Annales d. 1. soc. entoni. IV.
p. 4lC)fl'.) wurden beschrieben: Cralonyckus ^1) dimidiatipennis ?iU5 dem
Peloponncs , Agrypnus judaictis von Jerusalem, Gardiophorus maculi^
coUis von Athen, tenellus von Beirut.
Semiotus Caracasanus wurde von Rojas in den Annales de
la soc. enlomol. IV. p. G94 ausführlich charakterisirt und auf pl. 20
abgebildet.
Cebriouites» Cebrio maculirollis Fairmaire (Rev. et Magas.
de Zoologie VIII. p. 530) ist eine neue Art aus Marocco.
Iffalacoderniatu» Lyeides. — Fairmaire beschrieb
(Annales de la soc. entom. IV. p. 530) Diclyoplerus allernaius als neue
Art aus den Pyrenäen.
Lampyrides. — VVaga, sur les larves des Lampyrides
(Etudes entomol. V. p. 40) machte Miltheilungeh über die Form-Ver-
schiedenheiten der männlichen und weiblichen Lampyris-Larven.
„De la production de la lumißre chez les Lampyres «, par R.
Blanche t (ßiblioth. univ. de Geneve, scienc. math. etphys.XXXI.
p. 213 ff.). Der Verf. bestreitet gegen Seh netzler das Vorhanden,
sein von Phosphor in der leuchtenden Masse der Lampyren, sondern
glaubt in Rücksicht auf die Construktion des Organs, welches eine von
starken Tracheenslämmen durchzogene weiche Fettmasse darstellt, dass
das Leuchten ein Produkt der Respiration sei. — Schnetzler erwi-
dert darauf (ebenda p. 215 ff.)» dass er nicht behauptet habe, es finde
sich freier Phosphor in der Tracheenmasse, sondern dass derselbe mit
der Fetlmassc verbunden sei, die er deshalb als „graisse phosphoree"
bezeichnet habe; er habe die Phosphorsäure erst nachgewiesen, nach,
dem die Fettmasse durch eine stark oxydirende Substanz, concentrirte
Azolsäure, calcinirt worden sei.
Telephorides. — Neue Arten von Rosen hauer (Thiere
Andalusiens p. 140 ff.) sind: Podabrus varianSf gihipennis , Canlharis
eremita, lihagonycha nolaticoUiSj Mallhinus sculellaris, ornatuSf Maltho^
des Ibericus.
Suff rian „zur Critik einiger Käfer-Arten nach Vergleich mit
Fabricius'schen Typen" (Entomol. Zeitung p. 248 ff.) machte werlhvolle
Mittheilungen über eine Reihe von Canlharis- (Telephorus) Arten,
welche von Fabricius beschrieben und deren Original - Exemplare
ihm zum Vergleiche vorgelegen haben; einige dieser Arten gehören
anderen Gattungen an, z. B. Phryganophilus, Wacerdes, Silis; die übri-
gen werden auf die allgemein gültigen Bestimmungen der späteren
Autoren zurückgeführt.
352 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
]91elyr&d[est Neue Spanische Arten, von Rosenhauer
(Thierc Andalusiens p. l49fr.) aufgestellt, sind: Malachius laticoUis,
hilariSf Ebaens cyaneusy Dasytes incanuSf montivagns, consöbrinus. An»
dalusicus, rugulosvs, coeruleatus , hrevis, dolens , Enicopus libiellus und
senex. Eine neue , im Anhange beschriebene Art von Sardinien ist
ferner: Dasyles Sardous.
Clerii. Descriplions of some new species of Cleridae , col-
lected at Singapore by Mr. Wallace; by J. 0. Westwood (Pro-
ceed. of the zoolog. soc. of London XXIIL p. 19—26. pl. 38). Die
hier beschriebenen und abgebildeten neuen Arten sind : Stigmatium
ignavum, torulenlunif fervidum, granulosum, cylindrinum^ amhulalor^ cur»
sor, Omadius clenostomoides , fasciipes , vigilans, seticornis (eine durch
die Behaarung der Fühler merkwürdige Art, im hiesigen Museum von
Pulo Penang) und clytiformis.
Zwei neue Arten der Galtung Erymanthus hat ferner Thom-
son (Uev. et Magas. de Zoologie YIIL p. 113. pl. 5) beschrieben und
abgebildet: Erymanlhus L'c/zefiMtÄ aus Senegambien und vesuvioides von
Grand ßassam (letztere Art im hiesigen Museum aus Guinea).
l*tiiiiores. Die monographische Bearbeitung eines Theiles
dieser Familie von M. Boieldieu, welche schon im Jahresberichte
für 1854 angezeigt wurde, ist jetzt im IV. Bande der Annales de la
soc. entomol. p. 285, 487 und 629 ff. vollständig erschienen. Es sind
darin die Gattungen Hedobia mit 3, Ptinus mit 51, ?iiplus n. g. mit 3,
Trigonogenius Sol. mit 6, Mezium mit 3 und Gibbium mit 3 Arten ab-
gehandelt, denen dann noch die Aufzählung derjenigen folgt, die dem
Verf. unbekannt geblieben sind (15). Die neue Gattung ISiplus , auf
Pt. hololeucus Fald. gegründet, wird von Ptinus durch Unterschiede
in den Mundlheilcn abgetrennt; die Zähne des Kinns werden als an
der Spitze abgerundet und die Oberlippe als ausgerandet angegeben,
— Die Abhandlung ist mit 5 colorirten Tafeln ausgestattet, auf denen
eine Anzahl der beschriebenen Arten stark vergrössert dargestellt ist;
so gefällig diese Abbildungen jedoch aussehen, erfüllen sie ihren
Zweck nur wenig, da sie zu einer sicheren Bestimmung der meist
schwierigen Arten keineswegs genau genug sind. — Was die Be-
handlung des Gegenstandes betrifft, so ist die Beschreibung der Ar-
ten, auf welche sich der Verf. ausschliesslich beschränkt hat, fleissig
und sorgsam , in der Gattung Ptinus jedoch trotzdem nicht von der
Art, dass sie als zur sicheren Erkennung derselben genügend bezeich-
net werden könnte; es liegt dies hauptsächlich daran, dass der Verf.
gerade über diejenigen Charaktere , welche eine hauptsächliche Be-
rücksichtigung verdient hätten, kurz hinweggeht, während er die
allen gemeinsamen in der Regel wiederholt. So bietet z. B. die Form
und Lage der glatten Schwielenflecke des Ualsschildes für diejenigen
Arten, wo solche vorhanden sind, einen guten Anhalt zur Unterschei-
wahrend des Jahres 1856. 353
düng dar, ohne dass auf dieselben näher eingegangen worden ist ;
man vergleiche hierüber z. B. l't. dilophus Illig. und irroratus Kies,
mit Pt. lusitanicus Illig. Als schwach muss geradezu der literarische
Theil der Arbeit bezeichnet werden; die Synonymie ist äusserst dürf-
tig und selbst Autoren wie 11 liger (Käfer Preussens), Paykull,
Gyllenhal, Marsham sind entweder gar nicht, oder wie die bei-
den letzleren nur in einzelnen Fällen cilirt worden. Wenn bei Ptinus
rufipes Fab. selbst das Citat für das Weibchen: Pt. elegans Illig. fehlt,
so ist diese Sparsamkeit gewiss, als unzweckraässig zu bezeichnen;
bei Pt. dubius Sturm wäre z. ü. crenatus Payk. , bei crenatus, Fabr.
dagegen globulus Ahr. und Cerevisiae Marsh, zu citiren gewesen.
Als irrige Synonyma sind hervorzuheben: Pt. dilophus Illig. ist von
der gleichnamigen Art des Verf. sicher verschieden ; ersterer hat viel
längere und spitzere Dornen am Halsschilde und ist kaum merklich
grösser als Pt. irroratus Kies. — Pt. sycophanta Illig. hat keine Haar-
tupfen auf dem Thorax und kann daher weder mitPt. bidens Ol. noch
mit raplor Sturm identificirt werden. — Pt. globulus Hlig. ist wahr-
scheinlich mit einer der Tipnus-Arlen des Verf., aber keineswegs mit
seinem Niptus globulus identisch; die Illiger'sche Art ist, wie auch im
Magaz. VI angegeben, nicht behaart , sondern nur mit Schuppen be-
deckt und ohne alle Erhöhungen auf dem Thorax. — Üer Pt. nobilis
Dej. (Isle de France) hat mit den Arten der Galtung Ptinus nichts ge-
mein ; nach der Tarsenbildung könnte er nur zu Hedobia gehören,
von der er jedoch ebenfalls durch die Form des Schildchens , die
kürzeren Fühler und auch besonders durch die verbreiterten Sterna,
durch welche die Hüften weit auseinandergedrängt werden, unter-
schieden ist; er würde eine eigene Gattung bilden müssen. — Wenn
Pt. hololeucus generisch abgetrennt werden soll , wofür das sehr
kleine , kaum sichtbare Schildchen , die kuglige Form der Flügel-
decken, die ganz kleinen Augen und die Breite der Stirn zwischen den
Fühlern sprechen würde, so müsste Pt. crenalus Fabr., bei dem diese
Charaktere übereinstimmend vorhanden sind, dieser Gattung ebenfalls
eingereiht werden. — Von den dem Verf. unbekannten Arten würde
Pt. humcralis Say aus Kord - Amerika zu Hedobia gehören. — Für
einen ersten Versuch ist übrigens die Bearbeitung der Gattung Ptinus
ein schwieriges Unternehmen, sowohl wegen des Mangels an Vorar-
beiten als auch besonders wegen der grossen Differenz der beiden
Geschlechter in der Mehrzahl der Arien ; jedenfalls bleibt dem Verf.
aber das Verdienst, eine beträchtliche Anzahl nener Species bekannt
gemacht zu haben.
Eine neue Gattung, die dieser Familie eingereiht wird, (aber
dem Habitus nach kaum hierher zu gehören scheint) ist Leucohima.
lium Rosenhauer (Thiere Andalusiens p. 179) von länglicher, gleich-
breiter Körperform wie Lyctus , von diesem durch die Bildung der
Archiv f. Naturgesch. XXIII. Jahrg. 2. Bd X
'354 Gerstaecker: Bericht üb. ({.Leistungen in d. Entomologie
^iWri^fett »'"Tftngeren Kopf, die drei verdickten Endglieder der Fühler,
die nicht äüsgcrandete Oberlippe und andere Abweichungen in den
Mühdtheilen unterschieden. Art: L. angusium. Neue Arten dessel-
ben aus Andial'üsien sind ferner: Ptinus solitarius ^ agricultory ruber,
fcarbonariusf AhobiUm faradoxum. Ausserdem iin Anhange beschri-O-
'bcn: Döteatö^tä Dommeri , tiüA^ Plinus formosus von den flyeci^cii^a
Inselni^ f ""»"^^^ '''»ii^ ti'A.. ,js»oI aoU
Von Füss (Mitlheiltihgön des Siebenbürgischen Vereins für 'Kä-
turwiss. zu Hermahnstädt VII. p.'35 ff.) wurde die Entwicklungsge-
sciiicKTe liwd die"'er&lfeii''Stjfiide'dfe'r A^ate substriala 'bekannt ge?iAJK;ht.
. ^ Nach Fai rmaire (Annales d. 1. soc. entomol. tV. p. 032) ist
Fsoaitalica Küst. mit Dermestes dubius Rossi identisch und mÜss da-
her rsoa dubia heissep.
■ ■ • - --i hnu -•*•■'•• ■■>■-
lUelasoina« Rosen hauer (Thiere Andalusiens p. 183 ff.)
charakterisirte die Dejean'schen Gattungen Nephodes , Sclerum und
Lichenum und beschrieb folgende neue Arten aus Spanien : Pachy-
chila incrassata, bifida, Tenlyria sinuatocollis , Gaditana , prolixa , »jo-
desta, corrugata, Pimelia integray monlicola y Asida lucluosa, inquinata,
cincta, marginicollis, pygmaea (alle fünf von Rambur abgebildet, aber
nicht beschrieben) , Asida hebes, Tagenia andalusica, Misolampus sub-
glaber, Opalroides thoracicus , Opalrum baeticum , gregarium, Cryplicus
pusillus , Ammobius rugosiis , Calcar procerus und Nephodes villiger
(Hffsgg.), letztere Art von M. metallescens Küst. unterschieden.
Von Mulsant und Perroud (Opusc. entomol. VII. p. 160)
wurde eine neue Gattung Melasia aufgestellt, welche mit Uloma su-
nächst verwandt, sich durch weniger langgestreckten Körper, quer
ovales Kinn und die Form des sechsten bis zehnten Fühlergliedes,
welche fast quer viereckig und nicht in spitze Winkel ausgezogen
sind, unterscheidet. Zwei Arten : M. gagalina aus Sicilien und tarsalis
vom Senegal.
Eine fernere neue Gattung von Mulsant (Hist. nat. d. Coleopt.
de France, Supplement) ist Fygidipkorus , welche den Uebergang von
Alphitobius zu Cataphronetis zu vermitteln scheint; die Art: P. Caroli
ist in der Gegend von Bordeaux aufgefunden worden.
Derselbe (Opusc. entomol. VII. p. 133 ff.) beschrieb die Larve
von Elenophorus coUaris; sie hält sich nach Art der Blaps- Larven
in der Erde verborgen und kommt nur mit dem vorderen Theile des
Körpers aus derselben hervor, um sich von verwesten animalen Sub-
stanzen zu ernähren ; sie ist von langgestreckter , halb cylindrischer
Körperform.
Lucas hat die sechs von ihm im vorigen Jahre' durch Diagno-
sen bekannt gemachten Tentyrien aus Algier jetzt in den Annales de
la soc. entomol. IV. p. 697 ff. ausführlich beschrieben und auf pl. 21
während des Jahres 1856. 355
abgebildet; ebenso die schon im Jalire 1850 vq^lj&ujig ^«^k^nt ge.
machte Morica Jcvinii aus Algier. ,,-, ),,,,, ..j^jxj,,'
Eine neue Art von Costa ist Opalrum seluligerunt von der
hisel Ischia ( Alcunc notizie sull' entomologia delT Isola d'Ischia
pag. 4).
Von Fairmai re ( Annales de la soc. enlomol. IV. p. 533):
Platydema subplumbea von Sicilicn und Bius telraphijUus aus der Um-
gegend von Pisa. ^' ^. -/J/s; :;;,*;. i Mitfny.nti) U<ixjj\
Zur Helopier-Gruppe gehören' folgen^^fiett^ 'ÄrVe^': '■' '•'"'•-
Eucaniplus ßibttsler Thomson (Rev. et Magas. de Zoologie VIII.
p. 475. pl. 23) von Costa Rica, eine ausgezeichnete zweite Art der
Gattung, die sich auch im hiesigen Museum von derselben Lokalität
befindet. Pa die Gattung Eucamptus Dej. von de Castelnau unter
dem 7(amen Hegemona beschrieben worden ist, muss die Art Hegemöna
flibuster heissen.
Spheniscus Chevrolatii Rojas aus Venezuela, jetzt in den Anna-
les de la soc. enlomol. IV. p. 695. pl. 20) ausführlich beschrieben und
abgebildet.
Uelops pellucidus Mulsant et Rey (Opusc. entomol. VII. p. 13)
aus Südfrankreich.
Cistelinae. Die inländischen Gattungen dieser Familie si^d
von Mulsant in seiner Hist. nat. d. Coleopt. de France, Pectinipe-
des gründlich untersucht und festgestellt worden. Die Abtrennung
von den nahe verwandten Helopiern ist nach der eigenthümlichen
kammförmigcn Bildung der Fussklauen, welche allen Cistelinen eigen
ist, eine gewiss sehr begründete, zu.nal auch die Brust, und Hüften,
bildung, mit welcher die sehr lebhafte Beweglichkeit dieser Thiere
im engen Zusammenhange steht, Eigenthümlichkeiten darbietet. Mul.
sant theilt seine „Pectinipedes" zunächst in zwei Gruppen: 1) Ci-
stelicns mit fünf ßauchringen , zwcispitzigen Mandibelp, deutlich er.
weiterlem Endgliede der Kiefertaster und fünf bis sechs (seltener
acht) Zähnen an den Fussklauen. 2) Omophliens meist mit sechs
l:auchringcn, ungelUeiller Spitze der Mandibeln , wenig erweitertem
Endgliede der Kieferlastcr und neun bis zwölf Zähqcn an den l'^uss-
klauen. — Die hier angegebenen Unterschiede in der Mandibel- und
Paipenbildung sind ganz durchgängig und für beide Gruppen daher
sehr bezeichnend; hinzuzufügen wäre noch, dass bei den Omophliens
Ctypcus und Oberlippe schmal und langgestreckt und die Mandibeln
seillich frei liegend, bei den Cisleliens Clypcus und Oberlippe, kurz
und breit und die Mandibeln fast ganz bedeckt aind. — Die Cifteliens
zerfallen wieder in Mycetocharaires und CistQlair.e3;..zu ei^gteren ge.
hören Mycetochares mit 5 franz. Arten und Hymenorus Muls. mit 1
Art, zu letzteren Allecula und Cistela. Die Gattung Cistela hat der
356 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Verf. in eine Reihe von Gattungen aufgelöst, denen jedoch nur äus-
serst leichte und unwesentliche Unterschiede zu Grunde liegen, wel-
che besser zur Einthcilung der Arten in Gruppen zu benutzen wä-
ren ; sie bestehen in der Form des Halsschildes (dessen Basis zuwei-
len fast gerade abgeschnitten oder ausgebuchtet und mit hervortre-
tenden Hinterecken versehen ist), den Längsverhältnissen der Fühler-
glieder, dem einfachen odermit einer häutigen Sohle versehenen vor-
letzten Gliede der Ilintertarsen u. s. w. Die Namen der hierauf ge-
gründeten Galtungen sind; Gonodera (eine Benennung, die neben der
Gattung Goniodera Perty besser zu vermeiden gewesen wäre) für
Cistela fulvipes F'abr., Cistela sens. strict. für Cist. ceramboides Fabr.,
Uyinenalia für Cist. fusca Illig. , Isomira für Cist. antennata Panz.,
murina Lin. u. s. w. ; für die Gattung Prionychus Solier (Helops ater
Fabr.) wird der frühere Name Eryx Stephens wieder eingeführt, —
Die Omophliens zerfallen in vier Gattungen : Podonta Solier 'X^ür
Cist. nigrita Fabr.) 1 Art , Cteniopus Solier (Cist. sulphurea Lin.)
1 Art, Heliotaurus n. g. mit an der Spitze verdickten Fühlern (Cist.
nigripennis Fabr.) , 2 Arten und Omophlus Solier, 7 Arten.
An diese Bearbeitung der französischen Cistelinen schliesst sich
die Beschreibung einer Anzahl meist südeuropäischer und den zu-
nächst gelegenen Theilen Asien's und Afrika's angehörender Arten
an, welche Mulsant in den Opuscules entomol. VII. p. 17—59 un-
ter dem Titel: „Notes relatives ä quelques Insectes Coleopteres de la
tribu des Pectinipedes« veröffentlicht hat. Auf Allecula aterrima Dej.
Küst. gründet der Verf. mit Recht eine eigene Galtung Upinellaf
welche sich von Allecula schon habituell durch das an der Basis
verengte Halsschild unterscheidet und in den Längsverhällnissen der
Fühlerglieder abweicht; das dritte Glied ist nämlich sehr bedeu-
tend länger als das vierte, fast doppelt so lang als das fünfte,
die drei letzten dagegen verkürzt, oval. (Die Art U. aterrima hat
eine weite Verbreitung und findet sich im hiesigen Museum auch
aus der Krim.) Zur Gattung Gonodera bringt M. auch die C. me-
tallica Küst. Neue^ Arten sind ferner: Hymenorus rugicollis unbek.
Vaterl., (Cistela serrala Chevr. ist wohl nur eine Farben-Varietät von
C. ceramboides), Isomira corsica von Corsica, Eryx an^Aracma unbek.
Vaterl., maurilanica aus Sicilien und Algier (von Da hl unter dem
Kamen Helops tristis versandt). Die Selbstständigkeit seiner Galtun-
gen Podonta und Cteniopus zieht der Verf. hier (p. 25) selbst wieder
in Zweifel , indem er zugiebt , dass sich zwischen den Charakteren
beider Üebergänge vorfinden , hält sie aber dennoch fest. Zur Gat-
tung Podonta werden ausser C. nigrila Fabr. noch C. lugubris Küst.
und als neue Arten : Päd. Anbei aus dem Orient und alpina aus dem
östlichen Europa gerechnet, letztere beiden beschrieben. Die fünf
angeführten Cteniopus sind sämmtlich bereits beschrieben. Heliotaurus
wShrend des Jahres 1856. 357
Muls. im Ganzen mit 12 Arten, theils mit kurz und dicht behaarten
Flügelde^cken und verkürzten Fühlern, , theils mit sparsam bchaartpQ
oder glatten Flügeldecken und schlanken Fühlern. I4£u sind: f^t f^T
ceps von Tanger, Perroudii aus Algier, anguslicollis aus Aegypten und
Ileichii aus Algier. (In BelrelV der bereits beschriebenen Arten ist
zu bemerken, dnss von II. rufiventris Waltl , von dem Mujsant nur
das Weibchen kennt, das Männchen durch schwarze Schenkel ab-
weicht j ferner dass II. coeruleus Fabr., gewöhnlich aus Algier, auch
in Spanien vorkommt.) Neue Arten der Gattung Omophlus sind: 0.
oricnlalis aus Constantinopel und der Krim, scutellaris aus Aegypten,
syriacus (üej.) aus Syrien.
Omophlus productus und Cislela Granalensis Rosenhauer (Thiere
Andalusiens p. 220 ff.) sind zwei neue Arten aus Spanien.
]flelandryadae. M uls a n t (Histoire naturelle des Coleop.
teres de F'rance) nimmt in dieser Familie, welche er mit dem Namen
„Barbipalpes" bezeichnet, sieben Ünter-Abtheilungen (oder Gruppen)
an, nämlich: Tetratomiens , Orchesiens, Serropalpiens , Melandryens,
Mycctomiens, Conopalpiens und Osphyens. Während Scraptia als ein
natürliches Mitglied dieser Familie von derselben ausgeschlossen bleibt,
wird Tetratoma gewiss nicht recht passend damit vereinigt. In Be-
treff der übrigen Gruppen scheint es dem Verf. entgangen zu sein,
dass nach der Gesammtbildung des Körpers seine Orchesiens mit den
Serropalpiens und ebenso die Conopalpiens mit den Osphyens (letztere
trotz der verschiedenen Zahl der Fühlerglieder) in näherer Bezie-
hung zu einander stehen und besser je mit einander vereinigt wor-
den wären. Die erstere Gruppe ist auf Tetratoma mit 3 Arten be-
schränkt , die zweite umfasst Eustrophus und Orchesia , letztere mit
3 französischen Arten, ferner Ilallomenus, welche Gattung mit Unrecht
auf II. humeralis reducirt ist, während ihr H. fuscus Gyll. nach der
Bildung des Proslernum ebenfalls zugehört; Mulsaiit gründest auf
letztere Art eine eigene Gattung Drijala, welche er unter die Serro-
palpiens, bei denen die Vordcrhüften zusammenslossen sollen, (was
bei llallom. fuscus nicht der Fall ist) setzt. Die. Gruppe Serropal-
piens zerfällt in „Dirceaires« und „Serropalpaires," erstere wieder in
„Dryalates" und „Dirceates;« unter den Dryalates stehen:. Anisoxyay
n. g. (auf Dircaea tenuis Uos. gegründet) , Abderq mit 5 Arten , die
schon erwähnte Gattung JJnjala (Ilallomenus fuseua Gyll.), Carida
n. g. auf Ilallomenus affinis und flexuosus begründet; unter den Dir-
ceates : üircaea 2 A. (und l ausserfranzösische D. Pari-eyssii, welche
nicht aus Ungarn, sondern aus der Krim stammt) ; die Serropalpaires
enthalten die Gattungen Phloiotrya Steph. mit 2 und Serropalpus mit
1 Art. Die Gruppe Melandryens umfasst folgende Gallungen : Zilora
(wofür der Paykull'sche Gallungsname Xylita beizubehalten ist) 1 A,
Hypulus 2 A., Marolin n. g. auf üircaea varicgala Fab. begründet,
358 Gerslaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Melandrya 3 h. Die Mycetomrens beschränken sich auf die Galtung
Mycetoma mit l A., ebenso die Conopalpiens auf Conopalpus mit 2A.
und rfre Ösphyens adf Odphyi mit 1 Art.
' Als neue Alt Würde ferner von M uls an t und Godart (Opusc.
i'iitomöl. VII. p. 108) Orchesiamactdaia \us Sicilien beschrieben.
,' /"Nach Fairmaire (Annales de la soc. entomol. IV. p. 546) ist
die in Schweden vorkommende Dircaea 4gutlata Fabr. von der süd-
i6;anzösisclien Art gleiches Namens specifisch verschieden; er liennt
letztere D. auslralis,
jtntliiciiii. Mulsant und Rey „Notes pour servir ä l'hi-
stoire de l'Agnathus decoratus« (Opusc. entomol. VII. p. 1 U (F.) gaben
eine Beschreibung und Abbildung der Larve und Nymphe von Agna-
thus. Die Larve ist von schmalem, langgestreckten, wenig gewölb-
ten Körper, mit dreigliedrigen Fühlern, ohne Ocellen ; von den Abdo-
minalringen sind die drei letzten grösser als die sechs ersten , der
letzte am längsten, mit zwei rundlichen Gruben auf der Oberseite
und jederseits am Hinterrande mit einem starken, aufgebogenen Dorne.
Sie lebt am Rande von Bächen in alten Erlenstöcken, in der Gesell-
schaft von Rhizophagus coeruleus und Boslrichus alni, dessen Larven
sie wahrscheinlich nachstellt; wenigstens findet sie sich oft in deren
Galerieen.
Drei neue Arten sind : Anlhicus vesperlinus Rosenhauer (Thiere
Andalusiens p. 225) aus Spanien und Anthicus formicarius und insula^
nus Nietner (Entomol. papers II. p. 10) von Ceylon.
I^ag-riariae. Mulsant (llist. nat. d. Coleopt. de France)
vereinigte die Lagriarien und Pyrochroiden unter dem Namen „Lati-
pennes" und theilt dieser Familie als eine dritte, zwischen jenen bei-
den in der Mitte stehende Gruppe die „Pythides-' zu. Die Familie ist
in Frankreich mit 5 Lagria (darunter zwei neue Arten), 1 Pytho und
3 Pyrochroa vertreten ; unter letzterer Gattung führt der Verf. die
P.yr^chrpa rubens als P. satrapa Schrank, Herbst auf.
Lagria rwgfosMia ist eine neue Spanische Art, von Rosenhauer
(Thiere Andalusiens p. 223) aufgestellt.
'•' ]fIordollOnae. Mulsant führt in seinör Ilisloire naturelle
dies </ölcopteres de France (Paris 1856) für diese Familie den Namen
„Longipedes" ein, eine Veränderung, welche wohl um so überflüssiger
ist, als die Benennung als durchaus trivial bezeichnet werden muss.
Es werden darunter die Familien der „Mordellides« und „Rhipiphorides"
vereinigt, für deren Auseinanderhaltung die vom Ref. (siehe vori-
gen Jahresbericht p. 67) angegebenen Charaktere beibehalten werden.
Die „Mordellides" werden in drei Unter- Abtheilungen: Mordelliens,
Anaspiens und Scrapliens zerfällt, worüber jedoch zu bemerken, dass
die letzteren nach allen natürlichen Charakteren gar nieht dieser Fa.
wahrend des Jahres 185Ö. ■. 359
milie zugehören , sondern den Melandryadea beigezählt bleiben niüs,<:^,
sen. Für die Bearbeitung der eigentlichen Alordellonen haben deni,'^
Verf. typische Exemplare von Costa zum Vergleiche vorgelegen und
ist hierdurch die Sicherstellung der Synonymie sehr gefördert worden^
die Beurtheilung der Costa'schcn Arten stimmt, mit derjenige^, welcl^j^,
Ref. nach den Beschreibungen und Abbildungen der letzteren gege-
ben hat, durchweg überein , hat aber noch eine weitere Ausdehnung
erfahren. Sind hierbei zahlreiche Costa'sche Arten eingezogen wor-
den , so hat der Verf. dagegen die von jenem aufgestellten Gattun-
gen mit wenigen Ausnahmen beibehalten, für dieselben aber. wenig-
stens charakteristische Merkmale festgestellt: dass diese Gattungen
jedoch auch so noch sehr in ihren Rechten zu beanstanden sind, liegt
auf der Hand, wenn man die geringe Bedeutung der ihnen beigemes-
senen Unterscheidungsmerkmale in Betracht zieht. Die von Mordella
abgezweigten Gattungen sind: Tomoxia Costa mit 1 Art, Mordella 6 A.,
(ausserdem sind noch einige ausserfranzösischc beschrieben), Mordel-
listena Costa 13 A. und Stenalia n. g. auf M. testacea Fabr. gegrün-
det. Als ein sehr in die Augen springendes Merkmal für Mordellistena
hebt Mulsant mit Recht die Einkerbung der Hinterschienen und des
ersten Gliedes der Ilintertarsen hervor, welche bei Tomoxia und Mor-
della fehlt; bei Stenalia findet sich nur eine solche schuppenartige
Einkerbung, bei Mordellistena dagegen mehrere. Uebrlgens zeigt nach
des Ref. Ansicht die Mord, teslacea Fabr. andererseits schon wieder eine
grosse Annäherung an Tomoxia, nicht nur im Habitus, sondern auch
in der Verlängerung der Mittelschienen. — Die bisher unter Auaspis
vereinigten Arten vertheilt Mulsant auf 3 Gattungen: Anaspis (11
Arten), Silaria (4 A.) und i'eritena (<liA.^-5 *^s Unterschied zwischen
den beiden ersten wird nur hervorgehoben^ dass sich der umgeschla-
gene Rand der Flügeldecken bei Anaspis bis zum Ende des dritten
Hinterleibsringcs erstreckt, während er bei Silaria nur bis zu den
Hinterhüften reicht. Die Galtung Pentarja soll sich von den beiden
vorhergehenden durch geradlinigen Hiptcrranci des dritten Hüftenpaa-
res und längere Hinterschienen unterscheiden. (Die hier angeschlos-
senen „Scraptiens" belaufen sich auf 3 Scraptia und 1 Trotomma.) —
Die Khipiphoriden sind durch die beJiannten südeuropäischen Arten in
Frankreich vertreten: l Metoccus, 3 Rhipiphofus, 1 Myodites, l Pti-
lophorus. — Was die von Mulsant vorgenommene Feststellung der
Arten unter den Mordellonen und die ihnen zugewiesenen Synonyme
betrifft, so glaubt Ref., dass hier eine gründliche Revision noch man-
ches zu verbessern im Stande sein wird. Für Tomoxia bucephala
Costa (eine überall gemeine Art) ist der ältere Name Mord, bignttata
de Cast., Redtenb. einzuführen ; das Citat Mord, sericea Ziegl. ist h,ei
dieser Art zu streichen, indem es zu Mord, villosa Schrank gehört.
Mordella bipunctala Germ, ist als Synonym von M. fasciata^ zu tilgen j
360 Gerstaeclcer: Bericht ob. d Leistungen in d. Entomologie
dagegen fällt mit dieser sehr ausgezeichneten Art M. decora Chevr.
Muls. (pcrspicillata Cosla) zusammen. Mordella brunnea Fabr. kann
nicht als Farbenvarietät der M. humeralis angesehen werden, sondern
ist eine durchaus selbstständige Art; eine Vereinigung beider ist aber
um so weniger zulässig, da M. variegala als eigene Art von Mul-
siant beibehalten wird, während dieselbe viel näher mit M. humera-
litf Verwandt ist als M. brunnea. — Unter Rhipiphorus hat M. den
Rh.' äpicalis mit Rh. rufipcnnis wohl mit Recht vereinigt; Ref. hat
sich nachträglich überzeugt, dass diese Art schon im Jahr 1830 von
Gebier als Rh. praeustus beschrieben worden ist und daher diesen
Infamen erhalten muss ; als Rh. äpicalis ist sie auch von Fischer
(1832) diagnosticirt worden.
Nietner (Entomol. papers I. p. 7) beschrieb Rhipiphorus tro-
pictis als neue Art von Ceylon , welche nach Ansicht des Original-
Exemplars auf ein kleines Individuum von Rh. bipunctalus Fabr. ge-
gründet ist.
Mordella exlensa Rosenhauer (a. a. 0. p. 227) ist eine neue Art
aus Andalusien.
L e t z n e r beschrieb (34. Jahresbericht der Schlesisch. Geseljsch.
f. vaterl. Cultur p. 103) die Larve der Mordella guttata Payk., die er
in Schwämmen fand; auch der Käfer hält sich gewöhnlich in derKähe
derselben auf.
Vesicautia* Mylabris suspiciosa und scutellata wurden als
neue Arten von Rosenhauer (Thiere Andalusiens p. 229 ff.) be-
schrieben.
Briiclictae« Derselbe charakterisirte (ebenda p. 235(f.):
Brnchui oblongits aus Sardinien und exiguus aus Andalusien.
Curcixlionicles* Perris hat („Insectes du pin maritime,"
[es de la soc. entomol. IV. p. 245 ff. und p. 423 ff.) die Naturge-
scliichte ujid die ersten Stände einer Reihe von Curculionen , deren
Lairven an Pinus maritima leben, erörtert. Es sind folgende: Dryo-
phlhorus lymexylon , Rhyncolus porcatus und slrangulatus, Mesites
pallidipennis, Magdalinus carbonarius, Pissodes notatus, Ilylobius abie-
tis und Diodyrrhynchus austriacus. Letztere Art, welche noch irr-
thümlicher Weise als dffs Weibchen des Rhinomacer attelaboidcs Fabr.
genommen wird, legt ihre Eier zur Zeit der Blüthe von Pinus mari-
tima in die jungen Zapfen , wo sich die Larve von den Staubgefäs-
sen, dem Pollen und auch von der Axe derselben ernährt; sobald sie
erwachsen ist, verlässt sie dieselben, fällt zur Erde und verpuppt
sich hier. Die übrigen Arten greifen sämmtlich nur kranke oder ge-
schlagene Bäume an, die Larve des Mesites nur solche Stämme, wel-
che vom Meerwasser durchdrungen und hierdurch erweicht worden
sind. Die Larve des Magdalinus carbonarius ernährt sich vom Marke
Annale
J
wahrend des Jahres 1856. 361
dürrer Aeste, in welche das Weibchen seine Kier hineinlegt. -— In-
dem Perris sich auf eine Charakteristik der Curculionen-Larven im
Allgemeinen cinlässt und ihre vollkommene Uehereinstimmung mit
denen der Bestrichen nachweist, schliesst er sich der Ansicht an,
dass letztere mit der Curculionen - Familie zu vereinigen seien. In
Bezug auf die Form der Larven ist dem gewiss nichts entgegenzu-
stellen , wohl ahcr in Betracht ihrer Lebensweise und zwar um so
mehr, als gerade diejenigen Curculionen-Gattungen, welche wieRhyn-
colus, üryophthorus u.a. im Körperbau den Bostrichen am nächsten
treten , sich in der Lebensweise der Larve ebenso weit vqn ihnen
entfernen wie alle übrigen.
Ueber die früheren Lebenszustände anderer Curculionen sind
folgende Mittheilungen gemacht worden:
Goureau (Bulletin de la soc. entomol. IV. p. CIV) erzog den
Balaninus villosus Fab. aus den Eichengallen der Cynips quercus ter-
minalis Fab. und beobachtete zugleich, dass das Käfer-Weibchen mit
seinem Rüssel diese Gallen anbohrte, um sein Ei hineinzulegen. Die
Larve, welche ganz derjenigen von Balaninus nucum gleicht, nährt
sich von der Pulpa der Galle, geht, erwachsen aus derselben heraus
und verpuppt sich an der Erde.
Nach Doumerc (ebenda p. LXXXIV) lebt die Larve des Eri-
rhinus vorax Fab. in den Schoten von Cytisus Laburnum , deren Sa-
menkörner sie ausnagt ; wenn die Schoten bei der Reife platzen,
erscheint der Käfer, nachdem er acht bis zehn Tage im Nymphenzu-
Stande zugebracht hat.
Laboulbene (Annales de la soc. entomol. IV. p. 145 ff.)
machte die Naturgeschichte und die ersten Stände eines Ceutorhyn-
chus bekannt, den er für neu hält und unter dem Namen C. Drabae
beschreibt. Die Larve bildet Gallen im Stengel von Draba verna,
unmittelbar über der Wurzel. Eine Abbildung des Käfers, der Larve
und der von ihr erzeugten Gallenbildung ist auf Taf. 4 gegeben. —
Der als neu angeschene Ccutorhynchus Drabae wird vom C. hirtulus
Schönh., dem er sehr nahe stehen soll, unterschieden, scheint jedoch
nach der Beschreibung mit diesem zusammenzufallen; es ist dies um
so wahrscheinlicher, als C. hirtulus in hiesiger Gegend ebenfalls auf
Draba verna lebt.
Letzner beschrieb (34. Jahresbericht d. Schlesisch. Gesellsch.
f. vatcrl. Cultur p. 98 ff.) die Larve und Puppe von Orchestes popull,
von denen erstere die Blätter von Salix fragilis und alba minirt. Die
ersten Stände dieses Orchestes werden oft von Larven einer kleinen
Schlupfvvcspe, welche mit Phagonia smaragdina Curt. Aehnlichkeit hat,
angegriffen. — Ein ähnlicher Parasit lebt nach Letzner auch in
Baridius-Larven.
Die Nord-Amerikanische Gattung LithoduB Schönh.» welche bis-
362 Gerstaecker: Befiehl üb. d. Leislungen in d. Entomologie
her nur durch eine einzelne Art vertreten war, hat.LeConte (Pro^
ceed. of the acad. of the nat. scienc. of Philadelphia Ylll. p. 18) mit
sechs neuen bereichert, deren Charaktere kurz auseinandergesetzt wer-
den : L. reclusj afßnis^ rudis, erosus, longior und morbillosus. Die Ar-
ten sind in Grösse, Färbung und Skulptur einander sehr ähnlich und
halten sich unter trocknem Büffelinist in den dürren Gegenden des Ar-
kansas-Thaies auf.
In Rosenhauer's „Thiere Andalusiens" ist die Familie der
Cureulionen besonders reich an neuen Arten ; es werden (daselbst
p. 239 ff.) folgende sorgsam beschrieben: Apionbreviusculumf cretaceum,
minutissimunif ylumheo-micans, pineae^ Tanymecus albicans^ Sitones fal^
laxy Cleonus ■ senilis f Fhijlononius obtusus, Rhylirkin\is subfasciahis, Ion-
(julus , parvus , Omias cinerascens , Otiorkynchus inlrusicollis, Larinus
meridionalis f fUiro&tris , Erirhinus rubidus , Tycliius cuprinus , consper-
SMS, farinosus, decora'.us , rubriceps , Irimaculay scabricpllisi scrobicula-
tusy Orchesles incanus^ ßaridius viridipennis, Acalles snbglabeVf tubercu-
latus, Bagous cylindricus , perparvulus , Ceutorhynchus tenuirostris, lß,u~
corhamma , laelus , Gymnetron variabilis , Nanophycs rubricus, Phloeo-
phagus gracilis. — Ausserdem werden anhangsweise folgende Arten
charakterisirt : Rhylirhinus anguslicollis von Barcelona, Omias haema-
topus aus Tyrol, Otiorkynchus Friwaldzshyi aus der Türkei, costipennis
von ßerchtesgadeq, Mülleri vom Monte Baldo, picilarsis aus Steyermark
und Cocliodes impressus aus Tyrol.
Andere Europäische Arten sind ferner Y„0p Pairmaire (An-
nales de la soc. entomol. IV. p. 536 ff.) bekannt gemacht worden:
Brachycerus Pr-adieri aus der Bretagne,. Stropkosomus subnudus, Bary-
notus viridanus und auronubilus aus den Pyrenä,e;n, Oliorhynchus Ghi-
lianii von Spezzia, planidorsis aus. den Pyrenäen (auch in der Rev. et
Magas. de Zoologie VIII. p. 179 diagposticirt) und Mesites cribratus
vom Bosporus. . ^ k . '.
Ferner von Bach (Entomol. Zeitung p. 24^ ff.) :•; J^/oc/t?f« qva-
drisignaius, Bari4vu» vesedae (die Larve. l,ebt an, d,ep Wurzeln, v.op Re-,
seda luteola), Pfiytonomus monticola, Sidaphilus ptochioides (ist ein,
Strophosomus aus der Verwandtschaft des Stroph. squamulatus Ilbst.
Rejf.)>, alle aus Thüringen.
F. Schmidt (Jahresheft d. Vereins des Krainischen Lapde3#^i
Museums, Laybach 1836. p. 18) beschrieb Hylubius variegalus als neue^
Art aus den Kv^iper, Alpen, welche sich von II yl, arc.ticus Payk, (dei
jedoch zur Gallung Lepyrus SchönU, gehört , Ref.) durch geringen
Grösse so wie durch, die versplüedene, SteXInng und Form der FlügeÜ
decken-Flecke unterscheiden soll.
Mahl er (Sitzungsberichte des zoolog.-botan. Vereins zu Wi<
VI. p. 11) fand in der Magdalenen - Grotte bei Adelsberg einen TrQj
glorhycchus, der sich von Tr. a&ophtbalmus Schmidt durch deutlic!
wahrend des Jalircs 1856. 363
gezähnte Ilinterschenkel unterscheidet. M. yermuthet darin eine se-
xuelle oder individuelle Ahweichunsf von jener bekannten Art ; da
bei der nah verwandten Galtung Otiorhynchus dergleichen Düferen^t
zen bei den Individuen einer Art nicht obwalten, möchte auch wohl
im vorliegenden Falle eine specifische Verschiedenheit sich heraus-
stellen, besonders da dicThicre Bewohner verschiedener Höhlen sind.
Auf das von Wal ton herausgegebene Verzeichniss der Briti-
schen Curculioniden ist schon ob^n (6iehe Coleöptera!) aufmerksam
gemacht worden.
Suffrian besprach (Entomol. Zeitung p. 250fr.) die Schienen-
bildung bei den Gattungen Acalles und Scleropterus Schönh. und wies
an Acalles Camelus Schh. nach, dass das Männchen dieser Art ganz
dieselben Abweichungen in der Bildung der Vorderschienen von de-
nen des Weibchens darbietet, wie sie Schönherr als charakteri-
stisch für Scleropterus hervorhebt; er will deshalb Scleropterus als
Untergattung mit Acalles vereinigt wissen. — Wenn das Ueberein-
stinnnende in der Schienenbildung beider Galtungen nicht zu verken-
nen ist, glaubt sich Ref. doch aus anderen Gründen gegen eine Ver-
einii^ung derselben erklären zu müssen; Acalles hat abgesehen von
der verschiedenen Uüssel - und Brustfurchenbildung, eine siebenglie-
drige und sehr derbe, Scleropterus dagegen eine sechsgliedrige und
dünne Fühlergeissel, an der die drei ersten Glieder langgestreckt sind,
während bei Acalles nur das erste und zweite länglich erscheinen.
Dagegen stimmt Scleropterus mit Khytidosomus Schh. generisch über-
ein, welche Gattungen beide eine übereinstimmend gebildete, sechs-
gliedrige Geissei haben; die Angabe Schönher r's, dass dieselbe
bei Scleropterus siebengliedrig sei, ist irrig.
Nach Slierlin (Entomol. Zeitung p.361) ist Polydrosus. penw
ninus Bremi mit P. fulvicornis Schönh. identisch (wie dies aus der
Beschreibung schon zu vermuthen war), Rhylirhinus alpinMS Bfemi =
Dichotrachelus Rudenii Stierl. 1 ' • . i; ;; • i.'t
Jekel, Bemerkungen über flatylarsus setiger tra'd «urosäs^
siehe Bullet, d. 1. soc. entomol. IV. p. LXXII. — Nach cfemsclben
(ebenda) ist Mitomermns hystrix Jaeq. du Val identisch mit Cathor-
miocerus variegatus Küst , welche Art ihrerseits wahrscheinlich mit
Cat. horrens Schh. (nach abgeriebenen Exemplaren besdhrieben) zu->
sammenffillt. f '
Von Jekel's Fabricia Entomologica (vergl. Jahresbericht für
1854. p. 17 und 75) ist dem Uef. in diesem Jahre ein zweiter Ab-
druck zugekommen, welcher mit einer Einleitung in die schon damals
gelieferte Bearbeitung der Gattung Lordops Schh. vermehrt ist. In
dieser Einleitung betrachtet der Verf. die ehemalige Gattung Hypso-
notus Germ, (von welcher später Lordops abgezweigt worden ist) als
einen Complex einer grossen Anzahl von Gattungen, die sach ihm
364 Gerslaccker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
eine eigene Abtheilung „Hypsonoti« der Cl eonen-Gruppe ausmachen.
Diese Gattungen, 28 an Zahl und sämmtlich mit Kamen belegt, sind
aus den Schönherr'schen Gattungen Hypsonotus, Lordops und Eurylo-
bus gemacht worden und haben natürlich keine wissenschaftliche Be-
deutung, da sie auf leichten habituellen Unterschieden beruhen, deren
Berücksichtigung zuletzt dahin führen würde , jede einzelne Art zu
einer Gattung zu erheben. Diese Galtungen fallen, obwohl sie selbst
nur eine Unter- Gruppe ausmachen, innerhalb dieser abermals sieben
Sektionen zu, welche Lordopi, Alocorhini, Merodonti , Hypsonoti,
Tomorrhini , Elylroxysi und Eurylobi genannt werden ; die 28 Gat-
tungen selbst, welche hier nicht namhaft gemacht zu werden brau-
chen, sind unter eine grosse analytische Tabelle (in Folio) gebracht
worden.
Bostricliini« Die äusserst sorg^fältigen Beobachtungen über
die Naturgeschichte der in Pinus maritima lebenden Arten dieser Fa-
milie , welche von Ferris in den Annales de la soc. entomol. IV.
p. 173 ff. bekannt gemacht worden sind, fördern unsere Kenntnisse
über die Lebensweise dieser Thiere in hohem Grade und sind somit
auch für die Forstwissenschaft von besonderer Bedeutung. Das wich-
tigste Resultat der mehrjährigen und oft wiederholten Beobachtungen
des Verf. ist, dass er sich der Ansicht derjenigen anschliesst, welche
glauben, dass die Bestrichen vorzüglich krankhafte Bäume angreifen,
wenn er auch nicht geradezu bestreiten will , dass ausnahmsweise
auch gesunde von ihnen angegangen werden. F'erner hat er es sich
besonders angelegen sein lassen , die Anzahl der jährlichen Genera-
tionen für die verschiedenen Arten festzustellen und er steht auch in
diesem Punkte Ratzeburg entgegen, welcher das Vorkommen von
drei Generationen bestreitet (vielleicht aber nicht mit Unrecht, da
eine dritte Generation sehr wohl im Korden mangeln kann, während
sie im Süden vorkommt). Mit ziemlicher Gewissheit nimmt Perris
drei Generationen für Bostrichus stcnographus an, sicher beobachtet
hat er sie bea B. laricis; für B. bidens und ramulorum und Cryptur-
gus pusillus giebt er an ,. dass bei ihnen „wenigstens zwei Genera-
tionen," also ebenfalls vielleicht drei stallfinden. Eine einzige ist
dagegen für B. eurygraphus , Hylurgus ligniperda und auch für Hy-
lurgus piniperda, vyorjjeser Punkt besonders zweifelhaft und bestrit-
ten war, von ihm festgestellt worden. — Die Arten, welche von
Perris in allen ihren verschiedenen Entwicklungsstufen ausführlich
beschrieben und in ihrer Lebensweise erörtert werden, sind: Bostri-
chus stcnographus Duft. , laricis Fab., bidens Fab., ramulorum Perris,
n. sp. , eurygraphus Er. , Cryptiirgus pusillus Gyll. , Hylurgus ligni-
perda Fab., piniperda Lin. , minor Hart., Hylastes ater Payk,, pallia-
tus Gyll., angustatus Hbst., attenuatus Er. und variolosus Perr. — Am
Schluaso giebft der Verf. eine Eiütheilung der ihm überhaupt bekann-
während des Jahres 1856. 365
ten Boslrichen nach der Anlage ihrer Galericen , wobei sowohl auf
die Brutstätten als auf die Gänge der Larven Uücksicht genommen ist.
Von Georg (Entomol. Zeitung p. 59) und von Mulsant und
Rey (Opusc. entomol. VII. p. lll) wurde eine neue Art unter dem
Namen Bostrichus alni beschrieben ; ersterer fand seine Art in Deutsch-
land, letztere die ihrige bei Lyon; vielleicht sind beide identisch.
Bostrichus Delphinii Rosenhaucr (a. a. 0. p.302) ist eine neue
Art aus Andalusien.
Zwei ausländische Arten , welche in Bezug auf ihre etwaige
Identität mit früher beschriebenen jedoch noch näher zu untersuchen
sind, wurden von Nö r d 1 ing er (Nachträge zu Uatzeburg's Forst-
insekten p. 74 f.) unter dem Namen Bostrichus plumeriae (Venezuela)
und Sidneyanus (Neu-HollandJ beschrieben.
Ilreutliides. v. Motschulsky gab (Eludes entomol. V.
p. 41) die Beschreibung einer Brenthus - Larve (Arrhenodesj aus Ve-
nezuela und bildete dieselbe auf einer beifolgenden Tafel ab ; sie ist
von sehr eigenthümlicher Form, langgestreckt, der Kopf länglich und
beträchtlich schmaler als die Körpersegmente , deren eilf existiren,
und welche seitlich in einem Winkel hervortreten, so dass die Sei-
tenlinien des Körpers sägearlig eingeschnitten erscheinen; jedes Seg-
ment zeigt auf der Überseite zwei schräge, seitliche Furchen und ist
an seineu winkligen Ilervorragungen mit einer langen, steifen Borste
besetzt.
liOng^icornia. Perris hat („Insectes du pin maritime,"
Annales de la soc. entomol. IV. p. 440 ff.) die Naturgeschichte und
die früheren Stände der in Finus maritima lebenden Cerambycinen in
sehr eingehender Weise erörtert und die Larven durch zahlreiche
Abbildungen auf Taf. 5 und 6 bekannt gemacht. Die von ihm beob-
achteten Arten sind: Spondylis buprestoides, Ergates faber, Crioce-
phalus rusticus, Hylotrupes bajulus, Astynomus aedilis und griseus,
Monohammus galloprovincialis, Hhagium indagator und Leptura ru.
brotcstacen. Die Larven von Criocephalus rusticus und Hylotrupes
bfijulus sind derjenigen von Spondylis buprestoides so ähnlich, dass
F. sie erst beim Vergleiche zahlreicher Exemplare sicher unterschei-
den konnte; während bei der so autfälligen Verschiedenheit der aus-
gebildeten Insekten eine derartige Uebereinstimmung sehr eigenthüm-
lich erscheinen muss , lässt sich eine grosse Aehnlichkeit , wie sie
zwischen den Larven zweier Arten derselben Gattung, z. B. Astyno-
mus griseus und aedilis existirt , von vorn herein erwarten. — Von
besonderem Interesse ist die Charakteristik, welche der Verf. von den
LoDgicornen. Larven im Allgemeinen und im Gegensätze zu denen der
Buprestiden , mit denen sie eine gewisse Analogie darbieten, giebt
und ebenso seine Beobachtungen über die Lebensdauer dieser Lar«
366 Gerstaecker: Bericht üh. d. Leistungen in d. Entomologie
ven ; von den beobachteten Arten braucht allein Ergales faber zwei
Jahre zur Entwicklung, alle übrigen nur ein Jahr oder nocii weniger.
Der Zu&tand der Larven vor ihrer Verwandlung zur ISymphe und die
Veränderungen, die sie in, dieser Periode erkenjifjn lassen,, bieten
nach der Sphilderung , die der Veiif. davon gicbt, eine entschiedene
Uel)§^e^flistinuuung mit dem glei/ihqn Stadium der Lepidopteren -Lar-
ven dar 5 die Veränderung der Farbe und Form , das Durchscheinen
der Puppengeötalt durch die immer durchsichtiger werdende äussere
Hülle sind ganz dieselben Erscheinungen wie bei den Schmetterlin-
gen. 'Schädlich sind die in Rede stehenden Longicornen-Larven den
Waldungen nicht, denn sie greifen nur kranke Bäume und die Stümpfe
abgehauener Stämme an und selbst die kranken führen sie dem Aus-
sterben nur sehr langsam entgegen; dagegen sind sie von grossem
Schaden für alles Nutzholz.
Descriptions of new genera and species of Asiatic Longicorn
Cöleoptera, by F. Pascoe (Transact. of the entomol. soc. IV. p. 42
—50. pl. 16). Die meisten der hier beschriebenen, zum Theil recht
interessanten Formen stammen von Malacca und Borneo, wo sie von
Wallace gesammelt worden sind, einige ausserdem aus dem nördli-
'chen China. Die Charakteristiken des Verf. und zwar besonders die
der neuen Gattungen sind aber viel zu oberflächlich und aphoristisch,
als dass eine Bestimmung darnach auch nur in annähernder Weise
möglich wäre; nur die von einigen gegebenen Abbildungen können
hierfür einen Anhalt liefern.
White (Proceed. of the zoolog. soc. of London XXlV. p.8(f.)
hat eine Anzahl neuer im British Museum vorhandener Arten beschrie-
ben und abgebildet, und
Chevrolat (Uev. et Mag. de Zoologie VIIL p. 340, 436, 485,
-58l'fund 566 ff.) setzte seine im vorigen Jahre begonnene Charakte-
ristik der Longicornen von Old-Calabar in Guinea fort.
Prionii. — White (Proceed. of the zoolog. soc. p. 8ff.) be-
sprach noch einmal die Gattungen Trictenotoma und llypocephalus in
Bezug auf ihre Stellung unter den Prioniern und hob in Betreff der
heteromerischen Tarsenbildung der ersteren Gattung hervor, dass Par-
andra und Dorx pentamera als entschiedene Longicornen fünf Tar-
senglieder haben, und dass mithin die Gliederzahl der Füsse in der
gegenwärtigen Familie nicht von Belang sei. (Es sind jedoch be-
kanntlich alle Longicornen im Grunde penlamerisch, die meisten freilich
-cryptopentamerisch, und es ist also die heteromerische Tarsenbildung
von Trictenotoma immer noch eine ungewöhnliche und einzeln daste-
hende Erscheinung, welche die Stellung der Gattung jedenfalls zwei-
felholt erscheinen lässt. Ref.) — Hieran reiht der Verf. die Beschrei-
bung einer ausgezeichneten neuen Prionier - Gattung PsalidocopluSf
welche er in nähere Bezienung mit Psalidognathus bringt, die aber
WHlirend des Jahres 1856. 367
nach der kurzen und breiten Form der Mandibeln, der Bildun(]f des
Kopfes, der sehr Uräfligcn, breitgedrüekten Beine und der Form der
jl^arscn jedenfalls in einer viel näheren Vßrwanfllsc.jiaft jnit Slallaspis
steht. Die drei ersten Fühlerglieder sind sehr dick, das dritte beson-
ders lang, die folgenden viel dünner und körz.er, fast von ^gleicher
Länge, die Palpen sehr kurz. Auch die körperform ähnelt der von
Mallaspis, das Ilalsschild ist aber vorn, in der Mitte und an den Hin.
tere^pkcn gezähnt, das Schildchcn kleiner, kurz dreieckig, die Flügel-
decken an der Naht verwachsen, hinten abgeschnitten und mit einem
langen Aussenzahne bewaffnet, die Flügel fehlen. Die Art: r$^, sca-
b^er ist einfarbig schwarzbraun, eine der grösslen der ganzen Familie
und stammt von den Neuen Ilebriden; sie ist im Holzschnitte dar-
.11. . ' • ' M ' I ' » / < I ' j
gestellt.
de Ma'rseul (Uev. et Magas. de Zoologie VlU. p. 47) machte
rrionus Lefebvrei und: Prinobius cedri, zwei neue Arten ai^s 'Syrien
und Xenodorum Bonvouloiri ^ aus ausländischen Hölzern" in Paris er-
zogen, vorläufig durch Diagnosen bekannt. (Ref. ist darüber im
Zweifel, ob letztere Gattung, die ihm unbekannt ist, den Prioniern
angehört.)
Nach Coquerel (Annales de la soc. entomol. IV. p. 509) dient
die Larve des Macroloma corlicinum den Madagascaresen als Nahrung;
sie wird mit Reis gekocht und soll sehr wohlschmeckend sein.
C er amby o es gen uln i. — Neue Gattungen, von Pascoe
(a. a. 0.) aufgestellt sind : 1) Blemmya, der Abbildung nach zur Cal-
lichroma - Gruppe gehörig, von kurzem, gedrungenen Baue und mit
vom sechsten Gliede an dreieckig erweiterten Fühlergliedern ; Thorax
quer, seitlich gerundet, Flügeldecken plattgedrückt. Arten: B. Whi'
tei und bifasciata von Borneo. 2) Trolhema nach den schlanken und
verlängerten Hinterbeinen von Clylus- ähnlichem Ansehn, Fühler
von Körperlänge, die Glieder vom sechsten an gegen die Spitze bin
beiderseits etwas erweitert, Thorax abgerundet, Flügeldöcken flach-
gedrückt. Zwei Arten: iV. signata und funerea aus Nord-China. 3)
Acronjrta ebenfalls von der Form eines Clylus, beträchtlich schlan-
ker und langbeiniger als die vorige Gattung, mit länglichem, cylin-
drischen Thorax , schmalen , an der Spitze gedornten Flügeldecken
und Fühlern von mehr denn halber Körperlänge , deren Glieder an
der Spitze gestachelt sind. Art : Ä. clytoides von Borneo. 4) Dia-
leges eine kleine Hainmaticherus-Form, die sich von den eigentlichen
Arten dieser Galtung durch ganz gelheilte Augen, ungeebneten Thorax
und gewimperte Antennen unterscheidet. Art: D. pauper von Borneo.
(Bei einer sehr übereinstimmenden Art der hiesigen Sammlung sind
die Fühler ganz wimperlos und dieser Charakter also wohl nur spe-
cifisch ; überhaupt scheint mir die Abtrennung von Hammaticherus
kaum genug begründet.)
368 Gerstaecker: Beridit üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Neue Arten dieser Gruppe sind :
Von Salle (Annales de la soc. entomol. IV. p. (387 IT. pl. 20):
Mallosoma bicolor ^ Callidium higuUalum, Plcclrocerum cribraium von
St. Domingo.
Von Chevrolat (Rev. et Magas. de Zoologie Vlll. p 340 und
500 ff.) : Pachydissus femorellus , Callichroma calcaralum , simulatuniy
episcopalef Liiopus cinereipeSf Hammalicherus chloroplerus , Pachydissus
dilatatus , Ceropogon (Cerasphorus Serv.) murinum , Helerogaster (?)
semifemoratus y Obrium fuscalum und Euporus disparilis von Old-
Calab.ar.
Von Demselben (ebenda p.435): Callidium Deltili von Fon-
tainebleau.
., ^ Von Fairmaire (ebenda p. 530): Clylus nigrosignatus aus
Marocco.
\ Von Thomson (ebenda p. 482): Phaedinus Coemelerii aus
Chile.
Von "White (Proceed. zoolog. soc. p. 408): Phaedinus xanlho^
melas (ob dieser Gattung angehörend ?) von Villa Nova in Brasilien.
Lamiariae. — Als neue Gallungen wurden von Pascoc
(a. a. 0.) aufgestellt: 1) Sertxia aus der nächsten Verwandlschaft von
Astalhes Kewm., die Fühler jedoch länger als der Körper, ihr erstes,
drittes und viertes Glied fast gleich lang, aussen gewimpert , an der
Spitze leicht gedornt. Arten : S. apicalis von Malacca und modesta von
Borneo. 2) Neoxantha ebenfalls mit Astalhes nahe verwandt, aber durch
nierenförmige, ungelheilteAugen und gekeulte Maxillartasterabweichend.
Art: JV. nmicta aus Nord-China. — Neue Arten sind ferner: Astalhes
simulatory Entelopes Wallacei (nachträglich aufE. glauca Buq. zurück-
geführt), Triammalus Chemolatii, Monohammus blaltoides und Golsinda
lessellata von Borneo, Monohammus luridus, infelix y diophlhalmus und
angustus aus Nord-China und adspersus von Malacca.
Eine neue Europäische Gattung und Art wurde ferner von M Ul-
san t (Opuscules entomol. VII. p. 157) unter dem Namen Menesia Per-
risii aus Südfrankreich charakterisirt ; sie ähnelt in der Kleinheit und
der Form des Körpers der Galtung Anaelia, mit der sie auch in der
Fühlerbildung (das drille und vierte Glied fast von gleicher Länge)
übereinstimmt, von der sie sich aber durch ungelheille Augen unter-
scheidet. Die Art muss nach der Beschreibung eine grosse Aehnlich-
keit mit Pbyloecia bipunctata Zoubk. haben, von der sie sich nach
Mulsant durch ungetheilte Augen unterscheiden soll; dies ist aber
insofern nicht möglich , als bei der genannlen Art die Augen eben-
falls ungetheilt sind.
Neue Europäische Arten sind ferner: Pögonocerus accentißr^n'itm
maire (Ännales d. l. soc. entomol. IV. p. 543) von Beziers , Exocen-.
trus punctipennis Mulsant et tiuillebeau (Opusc. entomol. VII. p. 103)
während des Jahres 1856. 369
von Lyon , zugleich mit Beschreibung der ersten Stände , Dorcadion
mus Rosenhauer (Thiere Andalusiens p. 304) , Dorcadion Amorii de
Marscul (Rev. et Wagas. de Zoologie VlII. p. 48) aus Spanien, Dorca~
dion alpinum aus den Basses- Alpes , Oberea Mairii von Orleans, pe»
demontana aus Piemont, von Chevrolat (ebenda p. 435).
Neue ausländische Arten wurden beschrieben:
Von White (Proceed. zoolog. soc. p. 12ir.): Sechs Arten der
Gattung Tragocephala, nämlich Tr. comilessa von Port Katal , der Tr.
formosa äusserst ähnlich, aber auch nach des Ref. Ansicht specifisch
verschieden, Ckevrolatii und ducalis ebenfalls \on Port Natal (beide
kürzlich, im J. 1857 von Thomson, Archives entomol. I. unter dem
Namen T. Bowringii und Boerensis bekannt gemacht) , gemmaria von
Sierra Leona, Guerinii von Congo und Buqueliana von Sierra Leona.
— Ferner (ebenda p. 406 ff.) : Deucaliun WoUaslonii von Lord Howe-
Island, Moneilcma albopiclum und /aecit/orsa/e aus Mexiko, itfo7iCi7ewa(?)
longipes aus China; abgebildet wurden ausserdem drei schon im Ca-
talogue of Coleopt. Insects 1855 beschriebene Arten : Anisocerus
Onca, capucinus und dulcissimus White. — (Ebenda p. 408 IF.) : thocbe
coticinna vom Amazonenstrome, Agelusla callizona, Wallacei, amica,
polytiesus und Newmani von Sarawak auf Borneo.
Von Salle (Annales de la soc. entomol. IV. p. 691. pl. 20):
Steirasioma acutipenne von St. Domingo (im hiesigen Museum auch
von Cuba).
Von Thomson (Rev. et Magas. de Zoologie VIII, p. 477. pl. 24) :
Plycliodes Le Conlei von Costa Rica und Amphionycha Kn ateno ihing
ebendaher, welche letztere Art jedoch nach Chevrolat (Bullet, de
la soc. entomol.) der Cerambyx spectabilis Drury ist. — (Ebenda
p. 529) : Ceroslerna voluptuosa aus Nord - China und Balocera Fic/o-
riana von Borneo. — Ferner (Annales d. 1. soc. entomol. IV. p. 324.
pl.8): Ilammoderus Biiquetii aus Mexiko, eine Art, die nach den
Exemplaren des hiesigen Äluseums in der Zeichnung des Thorax mehr-
fach variirt; sie gehört zur Gattung Taeniotes Serv. , in welcher der
Name T. Buquetii schon an eine andere Mexikanische Art verge-
ben ist.
Von Rojas (Rev. et Magas. de Zoologie VIII. p. 565) : Taenio^
les Pazii aus Venezuela.
Von de Marseul (ebenda p. 48) : Triatnmalus Saimdersii (Che-
vrol.) von Borneo, diagnosticirt.
Von Chevrolat (ebenda p. 87) : Leprodera fimbriala von Bor-
neo und trimaculata Dej. Cat. von Java, Dorcadion Bitliyniense aus
Klein.Asien.
Von demselben (ebenda p. 485 und 531 ff.) ausOld-Calabar :
Temnoscelis biemarginala ^ fuscicornis , Flerotragus neue Gattung, vom
Archiv 1 Naturgescb. XXIII. JaLrg. 2. Bd. Y
370 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Ansehn einer Tragomorpha , nach Ch e vre lat neben Mesosa zu stel-
len, mit l Art: Ft. lugens; Ashjnomus lineolalus ^ Monohammus oculi^
frons und cordifer , Pachyslola (?j deaissala , Phymaslerna (?) ßatosi-
gnala^ Crossotus collaris^ Apomecyna ftarumpunclala.
Asa Fitch (First and second report on the noxious Insects of
New- York p. 11 und 146 ff.) erörterte die Waturgeschichte und die
Lebensweise der ersten Stände von Saperda bivittala Say und von
Monohammus tigrinus de Geer. Die Larve der ersten Art lebt im
Stamme der Apfelbäume und richtet durch ihre Häufigkeit grossen
Schaden an ; der Käfer erscheint im Juni , legt in diesem und dem
folgenden Monat seine Eier in das Splintholz ab und die junge Larve,
welche hierin lebt, bewirkt oft das Absterben der Bäume. Die Larve
des Monohammus lebt in den Stämmen des Nord- Amerikanischen
Wallnussbaumes. Von beiden Arten werden sowohl die Larven als
die Käfer genau beschrieben.
Lepturetae. — Slrangalia approximans Rosenhauer (Thiere
Andalusiens p. 305) ist eine neue Art aus Spanien.
Clirysoinelinae* Clythridae. — Clythra opaca wurde
als neue Art von Rosenhauer ( Thiere Andalusiens p. 308) auf-
gestellt.
Die Puppe der Labidostomis tridentata beschrieb Fuss (Mit-
theilungen des Siebenbürgischen Vereins f. Naturw. zu Hermannsladt
VIL p. 35ff.); die Larvensäcke der Clythra scopolina schilderte Letz-
ner (Zeitschrift f. Entomol. d. Ver. f. Schlesische Insektenkunde IX.
p. 78).
Cryptoceph alidae. — VonSuffrian ist eine Bearbei-
tung der Afrikanischen Cryptocephalen im XL Bande der Linnaea en-
tomologica p. 57 — 260 geliefert worden , welche in der Art der Be-
handlung den früheren Arbeiten des Verf. genau entspricht und sich
besonders denen über die Europäischen und Asiatischen Arten eng
anschliesst. Letzteres ist besonders deshalb der Fall , weil Afrika in
seinem nördlichen Theile fast ausschliesslich südeuropäische Formen
darbietet, d. h. solche Arten, die entweder zugleich im Mittelmeerge-
biete Europa's vjrkommen oder sich ihnen wenigstens als nahe ver-
wandt kundgeben ; eine Verwandtschaft mit der Asiatischen Fauna
zeigen fast alle Arten der Westküste Afrika's so wie ein grosser
Theil der am Cap und an der Südostküste vorkommenden , ohne dass
hier Europäische Formen ganz ausgeschlossen wären. Was von der
Europäischen und Asiatischen Fauna merklich abweicht und daher als
eigenthümlich afrikanisch angesehen werden kann , ist der Artenzahl
nach gering; solche Formen finden sich vereinzelt an der Westküste,
am Cap und auf Madagascar (Cryptocephalus) und ihnen schliessen
sich die Gattungen Coenobius und Achaenops (mit Monachus ver-
wandt) so wie Acolastus aus der Pachybrachys-Gruppe als specifisch
während des Jahres 1856. 371
afrikanisch an. — Die Zahl der durch die vorliegende Arbeit be-
kannt gewordenen Afrikanischen Cryplocephalen beläuft sich im Gan-
zen auf 109, welche sich auf 6 Gattungen vertheilen , nämlich: Coe-
nobius 4, Cryplocephalus 92, Achaenops 1, Acolastus 4, Pachybra-
chys 1 und Stylosomus 1 ; sechs früher beschriebene Arten sind dem
Verf. unbekannt geblieben. Von den beiden neu aufgestellton Gat-
tungen steht Coenobius durch die undeutlich fadenförmigen Fühler mit
abgesetzter scchsgliedriger Keule in naher Verwandtschaft mit Mona-
chus , von welcher Gattung sie sich durch die auf der Stirn zusam-
menstossenden Augen unterscheidet; sie umfasst vier sehr winzige
('/3 — 3/4 Linien lange) Arten aus dem Kaffernlande. Die zweite neue
Gattung Achaenops bildet gleichsam ein üebergangsglied zwischen den
Cryptocephalus - und Pachybrachys-Formen ; ihre ßückentheije schlies-
sen schwach zusammen, die Mittelfläche der Vorderbrust ist länger
als breit, hinten erweitert und breit zugerundet , das Schildchen vor-
handen, die Augen kaum ausgerandet, die Fühler wie bei Monachus.
Sie ist auf eine ebenfalls sehr kleine {y^ — •/, Linie lange) Art ge-
gründet. — Auf die Vorzüglichkeit der Durcharbeitung des dem Verf.
in grosser Reichhaltigkeit zugeflossenen Älaterials braucht hier nicht
weiter hingewiesen zu werden, da sie aus seinen früheren Arbeiten
hinlänglich bekannt ist. Zu bemerken wäre, dass der Cryptocephalus
oblitus (p. 117), wie Ref. neuerdings zufällig gesehen hat, von Erich,
son in einem Doubletten-Verzeichniss des Berliner Museum vom Jahr
1842 durch eine ausführliche Diagnose beschrieben worden ist, deren
Citat also nachzutragen wäre^.
Letzner (Zeitschrift f. Entomol. d. Vereins f. Schlesische In-
sektenkunde, 9. Jahrg. p. 78 fF.) gab eine Beschreibung der Larven-
säcke des Cryptocephalus pini und janthinus.
Eumolpidae. — Von Thomson (Annales de la soc. ento-
mol. IV. p. 329) wurde eine neue Gattung Arachnosphaerus mit einer
von Mossambique stammenden Art, welche auf Taf. 8 abgebildet und
A. tnegacephalus genannt ist , beschrieben. Diese Gattung soll nach
Th. von Euryope Dalm. verschieden sein, stimmt aber in allen Cha-
rakteren mit derselben überein und die Art wird daher Euryope nie-
gacephala zu benennen sein.
Pachnephorus impressus Rosenhauer (Thiere Andalusiens p. 310)
ist eine neue Art aus Spanien.
Chrysomelae genuinae. — Baly hat seine Bearbeitung
der Chrysomelen Australien's (Monograph of the Australian species of
Chrysomela, Phyllocharis and allied genera) in den Transact. of the
entomol. soc. UL p. 241—204 fortgesetzt und beendigt. Der Verf. cha-
rakterisirt hier zunächst die Dejean'sche Gattung Australica (Calomela
Hopc) ausführlich und zerfällt dieselbe in mehrere Subgcnera , die
übrigens zum Theil wenigstens auf den Rang von Gattungen Anspruch
372 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
machen dürfen, wie z. B. Stcthomela und Augomela. Diese Unter-
gattungen sind: 1) Plalymela mit leicht gekeulten Fühlern von we-
niger als halber Körperlänge, an denen das 2. bis 4. Glied schlank, die
übrigen an der Spitze zusammengedrückt sind, gekieltem und vorn vor-
springenden Prosternum und länglichem, leicht gewölbten Körper. 2
Arten. 2) Australien sens. strict. mit 14 Arten. (A. Mac Leayi Boisd.
und colorata Germ., welche der Verf. als synonym vereinigt, sind zwei
verschiedene Arten, von denen die erstere ein gelbes, die letztere
ein grünes Skutellum hat; die Art, welche B. als A. Mac Leayi be-
schreibt, ist die ächte A. colorata Germ.). 3) Stelhomela mit ver-
dickten Fühlern von halber Körperlänge und länglichen Gliedern,
stark gekieltem, vorn abgestutzten, an der Basis zweilappigen Proster-
num, kräftigem, gewölbten Körperbau und beim Männchen erweiter-
ten ersten Tarsengliede. 3 Arten. 4) Augomela. Fühler leicht gekerbt,
kürzer als der halbe Körper , ihr 2. bis 4. Glied fadenförmig , die
übrigen an der Spitze zunehmend verdickt, und zusammengedrückt;
Prosternum gekielt, an der Basis zweilappig, vorn stumpf abgeschnit-
ten oder in einen stumpfen Zahn ausgezogen; Körper gewölbt, eiför-
mig, Basalglied der Tarsen beim Männchen erweitert. 5 Arten, z. B.
Chrys. hypochalcea Germ. — Hierauf folgen noch zwei neue Gattun-
gen Cyclomela mit 1 und Chalcomela mit 4 sämmtlich neuen Arten ;
beide von rundem, kugligen Körper, ungezähnten Klauen, leicht ge-
keulten Fühlern, deren Glieder nach der Spitze hin flach gedrückt
sind ; bei ersterer ist das Endglied der Maxillartaster kürzer, bei letz-
terer ebenso lang als das vorhergehende. — Endlich folgt noch eine
einzelne Art, welche der Verf. der Gattung Chrysomela zurechnet,
für "die er aber wegen habitueller Abweichung eine eigene Untergat-
tung Micromela errichtet. Anhangsweise wird auch noch eine neue
Lamprolina beschrieben. (Chrysom. luteicornis Er., die dem Verf. un-
bekannt geblieben ist, gehört zur Gattung Chalcolampra , Chrys. or-
phana Er. ist mit den Europäischen Phaedon-Arten nahe verwandt.)
— Mehrere der beschriebenen Arten, besonders Galtungs -Bepräsen-
tanten sind auf einer beifolgenden Tafel abgebildet; die Arbeit zeich-
net sich durch sehr sorgfällige und trelFende Beschreibungen aus, nach
denen sich vortrefflich bestimmen lässt.
Eine ähnliche Arbeit über die Chrysomelen der Vereinigten
Staaten hat T. Rogers („Synopsis of species of Chrysomela and al-
lied genera inhabiting the United Stades"; in den Proceedings of the
acad. of nat. scienc. of Philadelphia VilL p. 29— 39 mit Taf. I geliefert.
Der Verf. theilt die Nord-Amerikanischen Chrysomelae genuinae vier
Gattungen zu, deren Kamen jedoch zum Theil werden geändert wer-
den müssen. Eine neue Galtung Blepharida ist auf Chrysomela rhois
Forst. (Stolida Fabr.) gegründet, welche zugleich nur diese eine Art
enthält. Den Namen Doryphora wendet der Verf. auf mehrere Arten,
während des Jahres 1856. 373
welche Dejean's Gattung Polygramma ausmachen (i. B. Chr. juncta
Genn., lOlincala Say) und die von Doryphora gewiss abgetrennt zu
werden verdienen, an; unter den fünf hier aufgeführten Arten, von
denen zwei neu sind, findet sich auch Chrys. trimaculata Lin. —
Auf Tiniarcha mit einer bekannten Art folgt dann die Gattung Chry-
somela, welche ebenfalls ein Complex einer Anzahl Dejean'scher Gat«
tungen ist und im Ganzen 40 Arten enthält, von denen die grosse
Mehrzahl hier zum ersten Male charakterisirt wird. Ein Theil der
beschriebenen Arten ist auf einer beifolgenden Tafel im vergrösser-
ten Maasstabe abgebildet, was bei der Aehnlichkeit in der Färbung
und Zeichnung vieler sehr erwünscht ist. Da von Suffrian mit
Nächstem eine üebersetzung und Ueberarbeitung der Abhandlung zu
erwarten steht, beschränkt sich Ref. auf die vorstehenden kurzen No-
tizen über deren Inhalt, zumal da ihm das Material der hiesigen
Sammlung im Augenblicke nicht vollständig vorliegt; jedenfalls glaubt
er sich aber nicht mit der Einziehung der meist sehr charakteristi-
schen Dejcan'schen Gattungen, wie sie auch schon von Suffrian
provisorisch vorgenommen worden ist, einverstanden erklären zu
können, indem hiergegen die auffallenden Verschiedenheiten der Lar-
ven dieser Gattungen deutlich genug sprechen.
Als neue Arten wurden ferner beschrieben :
Von Rosenhauer (Thiere Andalusiens p. 314 ff.) : Cyrlonusgra-
Uosus f Fairmaireiy Timnrcha gratis , marginicollis , insparsOj Ivgens,
parvicoUiSf rugosula, Uellodes liligiosa.
Von Fairmai re (Annales de la soc. entomol. IV. p. 545) :
Oreina nigriceps aus den Pyrenäen.
Von Mulsant (üpusc. entomol. VII. ^. i2) : Chrysomela Lu~
dovicae ebenfalls aus den Pyrenäen, und nach der Abbildung ebenfalls
eine Oreina.
Fuss (Miltheilungen d. Siebenbürgischen Vereins f. Naturwiss.
zu llermannstadt VII. p. 25 ff".) gab eine üebersicht der Siebenbürgi-
schen Chrysomelen und Oreinen ; die Zahl der aufgeführten und nach
Suffrian bestimmten Arten beträgt im Ganzen 34, unter denen eine
unter dem Kamen Chrys. carpathica neu und vonDielz mit einer Dia-
gnose versehen worden ist; sie lebt 7000' hoch.
Letzner (34. Jahresbericht d. Schlesischen Gescllsch. f. va-
terl. Cultur p. 104 ff".) beschrieb die ersten Stände der Gastrophysa
polygoni und Chrysomela Cacaliae; die Larve der ersteren lebt auf
Polygonum aviculare und hat vielleicht drei Generationen während
des Sommers , die der letzteren im Gebirge auf Cacalia albifrons und
Senecio ncmorensis.
Gallerucariae. — Rosen hauer (Thiere Andalusiens p.
324 ff".) charaktcrisirle die vonDejean nur namentlich errichteten Gat-
tungen Rhai)hi4opalpoy Malacosoma und Lithonoma und beschrieb eine
374 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Reihe neuer Andalusischer Arten dieser Gruppe : Adimonia arlemi'
siae , Calomicrus foveolatus , Lvperus abdominalis , flamis , Monolepla
terrestrisy Lithonoma Andalusica, Hallica carbonaria, Longitarsus lale-'
ripunctatttSj Psylliodes pallidipennis, puncticolliSf obscuro.aenea und prO'»
cerula. — In Betreff der Rhaphidopalpa foveicollis Küster ist zu be-
merken , dass diese Art mit Galleruca abdominalis Fabr. zusammen-
fällt, welche ausser in Süd-Europa auch über grosse Strecken Asiens
und Afrika's verbreitet ist.
. Crepidodera alpicola (Ullrich i. lit.) , eine neue auf den Kral-
ner Alpen an Aconitum lebende Art, wurde von F. Schmidt (Jah-
resheft d. Vereins des Krainischen Landesmuseum p. 29) beschrieben;
Haltica nigrivenlris aus Thüringen, von Bach (Entomol. Zeitung
p. 245).
Hispidae. — Einige ausgezeichnetere neue Arten dieser Gruppe
wurden von Thomson (Rev. et Magas. de Zoologie VIH. p. 117 u.
478 ff.) beschrieben und abgebildet : Promecotheca Trilbyi aus China
und scorpio von den Philippinen (letztere im hiesigen Museum von
Cumming), Alurnus cupido \om Am^zonenslromc. (Abbildung pl. 5 u. 6).
— Sceloenopla aristocralica von Cayenne , AQentroptera basilica und
alapista aus Brasilien (zwei Arten, die nach den Exemplaren des hie-
sigen Museums sehr in Farbe und Zeichnung variiren) , Oclocladiscus
ßabellatus aus Cayenne, Alurnus elysianus vom Amazonenstrome (letz-
tere auch im hiesigen Museum). Die Gattung Üctociadiscus ist Cla-
dophora Dej. , deren Namen der Verf. geändert hat und die er hier
gleichzeitig charakterisirt. (Abbildungen auf pl. 24. fig. 3 — 7.)
Cassidariae. — Zahlreiche neue Arten wurden von Bohe-
man (Catalogue of Coleopterous Insects IX. Cassididae) beschrieben,
über welche oben zu vergleichen ist. — Ausserdem ist zu erwähnen:
Cassida Umbaticollis Fairmaire (Rev. et Magas. de Zoologie VIII. p. 530)
aus Marocco.
Letzner (Zeitschrift f. Entomologie d. Vereins f. Schlesische
Insektenkunde p. 80 ff.) beschrieb die ersten Stände der Cassida lineola,
deren Larve auf Artemisia campestris lebt; auch die Varietäten des
Käfers werden ausführlich besprochen.
Krotylenae. Von Thomson wurden (Annales de la soc.
entomol. IV. p. 321 ff.) zwei neue Gattungen aus der Gruppe der Tri-
placinae aufgestellt, von denen die eine, Plagiopislhcn genannt, zu-
nächst an Dacne Latr. sich anreiht und durch eiförmiges Endglied der
Maxillartaster , breit abgestutztes Endglied der Fühler und stärker
entwickelten Thorax unterschieden ist. Art: PI. paradoxus von Mos-
sambique, schwarz mit vier rothen Flecken auf den Flügeldecken. —
Die zweite Galtung Panlkeropterus , welche der Verf. mit Episcoplia
in Vergleich stellt', weicht von dieser allerdings ab, fällt dagegen
mit Tripiatoma Wcslw. unbedingt zusammen. Die ^vt: P. Vfeifferii
während des Jahres 1856. 375
von Borneo ist in Grösse und Zeichnung der Triplalonia plcla Perly
zunächst verwandt.
Derselbe (Ucv. et Magas. de Zoologie VIII. p. 476) beschrieb
Erotyius speclrum als neue Art vom Ainazonenslrome; Abbildung auf
Taf. 23.
Kniloinycliidae. Eumorphus salanas Thomson ( Rcv. et
Magas. de Zoologie VIII. p. 476. pl.23) ist eine ausgezeichnete neue
Art von Borneo, welche in Germar's Gattung Amphisternus untcrza.
bringen ist.
Coccinellinae. Mulsant (Opuscules entoniol. VII. p. 135
— 156) hat Kachträge und Berichtigungen zu seiner Monographie die.
ser Familie geliefert: „Additions et rectificalions au catalogue des
Coccinellides." Die neuen, hier beschriebenen Arten sind: Hippoda^
mia leporina Californien, Anisosticta Dohrniana aus Ungarn, Adonia
interrogans China, llarmonia c/tonca China , Coccinella JtiUana Cali-
fornien , AnaÜs Circe China , Cleis Licia China , Proptjlea conglobata
China, Leis Calypso China, Coelophora symbolica China, ChUocorus
monachus China, Orcus Cerberus China, Epilachna serva Quito, Aspi-
dimerus (?) slellaris China (?). Die synonymischen Berichtigungen
und einige Zusätze beziehen sich fast ausschliesslich auf mehrere
von Kord-Amerikanischen Autoren beschriebene Arten; in einzelnen
Fällen sind auch die Namen nach der Priorität geändert worden.
Sericoderus humiliSf Moronillus discolor und Lithophilus cordatus
Rosenhauer ( a. a. 0. p. 3'i7 ff. und 213) sind neue Arten aus An-
dalusien.
Letzner (34. Jahresbericht d. Schlesisch. Gesellsch. f. vaterl.
Cultur p. 108) beschrieb die ersten Stände der Coccinella mulabilis;
die Larve lebt von den Blattläusen des Chenopodium album und Na-
sturtium amphibium.
Ortlioptera.
Eine Anzahl neuer Orthopteren vom Caffernlande aus
den Familien der Blattina, Mantodea und Locustina hat Släl
,,Orlhüplera cursoria och Locustina fran Cafferlaiuiel" in der
Öfversigt af Koiiol. Velensk. Akad. Förhandl. 1856. p. 165 — ■
170 durch kurze lateinische Beschreibungen bekannt gemacht
und auf mehrere derselben zugleich neueGaKungen begrün-
det. Es wäre zu wilnschen, dass die Charakteristiken vom
Verf. gerade in dieser Ordnung, wo die Arten einander oft
sehr ähnlich und seilen durch auffallende Färbung u. derg!.
ausge2ieichnet sind, in etwas auslülirlicherer Weise gegeben
376 Gerslaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
und besonders mit Bezug auf die bereits beliannten Species
abgefasst würden ; bei den vorliegenden müssen oft Zwei-
fel aufsteigen, ob man die beschriebene Art vor sich hat
oder nicht.
Zeller hat (Entomol. Zeitung p. 18—27) das Fischer'-
sche Werk über die Europäischen Orthopteren einer Bespre-
chung unterworfen , die sich zum Theil auf die allgemeine
Anlage desselben bezieht, zum Theil aber auch auf Specialien
eingeht. In letzterer Hinsicht macht er über mehrere von
ihm selbst beobachtete Arten berichtigende und ergänzende
Mitlheilungen und beschreibt u. a. anhangsweise eine neue
Art aus der Familie der Gryllodea.
Von Bemerkungen über einzelne Arten sind hervorzuheben :
Forficula pubescens kommt bei Messina vor. — Oedipoda coerulans
und cyanoptera bieten keine speeifischen Unterschiede dar. — Unter
Oedipoda fasciata hat Fischer verschiedene Arten vermengt, näm-
lich die constaht von einander abweichende Oedipoda miniata und sa-
lina, ferner auch den Gryllus coerulescens . der , wenn er auch der
Oedipoda miniata sehr nahe steht, sich doch stets durch die Färbung
unterscheidet; für seine Ansicht über diese Artverschiedenheiten zieht
Zeller u. a. auch die geographische Verbreitung heran. — Tettix
Schrankii ist keine selbstständige Art, sondern gehört zu T. depressa.
Y er sin (Annales de la soc. entomol. IV. p. 737 — 748)
hat in einem Briefe an Brisout de Barne ville über die
in der Umgegend von Hyeres vorkommenden Orthopteren
ausführliche Mitlheilungen gemacht; er verbreitet sich darin
besonders über die Kigenlhömlichkeilen des Gesanges der
einzelnen Arten. Der Aufsatz enthält auch einige synony-
mische Bemerkungen , so wie interessante Notizen über die
Lebensweise und dg^s Vorkommen einzelner Arten,
Brisout de Barneville zählte (ebenda p, 27) sieben in den
Basses-Alpes gesammelte Orthopteren auf.
Für die Abiheilung der Pseudo-Neuropteren ist zu er-
wähnen das Verzcichniss der im Kaiserthum Oeslerreich auf-
gefundenen Odonaten und Perliden, welches F. Brauer in
den Verhandlungen des zoolog.-bolan. Vereins VI. p. 229 — 234
veröffentlicht hat.
Die Bestimmung der aufgezählten Arten ist in der Familie der
Odonaten nach Sely's und Hagen's Revue des Odonates , in dörje-
nigen der Perliden nach Pictct's Werk über dieselben vorgenommen
während des Jahres 1856. 377
worden; Angaben über die Fundorte und über die Häufigkeit sind
denselben beigefügt. Von Odonaten kommen in üc;sterrcich vor : 22
Libellula , 1 Epitheca , 4 Cordulia , 5 Gomphus , 2 Cordulegaster, 2
Anax, ö Aeschna, 2 Calopteryx, 6 Lestes, l Platycnerais, 12 Agrion.
— Von Perliden: 3 Dictyöpteryx, 6 Perla, 4 Chloroperla, 2 Isopteryx,
1 Capnia, 4 Taeniopteryx, 5 Leuclra, 5 Nemoura.
Cllitttinn. Von Stal wurde (Öfversigt af Kongl. Vetensk.
Akad. Förhandl. p. 165 ff) eine Anzahl neuer Arten dieser Familie,
von Port riatal stammend, kurz beschrieben und auf eine derselben
eine neue Gattung /foffja/ocfemas gegründet, welche sich durch die Bil-
dung des Thorax und der Beine besonders auszeichnen soll. Der Tho-
rax ist oben beiderseits der Länge nach mit einem tiefen, schrägen
Eindrucke versehen und seine Seitenränder verdickt; die Beine sind
kurz und kräftig, die Schenkel unbewehrt, die Schienen stachlig.
Art: H. exarata. Die übrigen neuen Arten sind: Heterogamia piliferaj
Ischnoplera gibbicoUiSf macra , Blalta ampla , proterva , tenellaf vinulaf
misellay Periplaneta caffra, Wahlbergif aUilalera, diluta, orba und Pan^
chlora caffrorum.
lYIantodea. Coquerel (Annalcs de la soc. enloraol. iV.
p. 506) beobachtete an der auf Isle ßourbon lebenden Mantis pustu.
lala die Bildung der Eierkapsel, welche gerade so vor sich geht, wie
sie die Construktion der die Eier umhüllenden Masse vermuthen lässt.
Der während ^des Eierlegens aus der GenitalöITnung abgesonderte
Schleim ist zähe und lässt sich zu Fäden ausziehen; er wird durch
eine fortwährend rotirende Bewegung des Hinterleibs an die.Eier-
jnasse gerade so um dieselbe herumgewickelt wie der Faden um einen
Knäuel. — Von Interesse ist ferner die Beobachtung Coquerel's,
dass die genannte Manlis-Art einen kleinen Chalcidier, welcher sich
oft aus den Eiern derselben entwickelt, auf ihren Hinterflügeln un-
ter den Flügeldecken heherbergt. Wahrscheinlich legep diese Chal-
cidier-Weibchen ihre Eier in die der Mantis während" des Ablegens
der letzteren, wo die sie umgebende Hülle noch weich ist; wenig-
stens sind äusserlich an der Eierkapsel keine Stiche von Parasiten
zu bemerken und ausserdem die Hülle zu hart, als dass sie von dem
Legestachel der Parasiten durchbohrt werden könnte.
Stal hat (a. a. 0. p. 167 ff.) die zahlreichen Gattungen dieser
Famile , welche wohl eher einer gründlichen Crilik bedurft hätten,
durch einige neue vermehrt: 1) Sibylla n. g. soll, mit Vates ver-
wandt, von diesem aber durch den Kopf und die Beine abweichen ;
erstcrer ist Von oben gesehen quer, hinten beiderseits mit einem
Höcker versehen, dtr Scheitel mit einem Home, das an der Spitze
und in der Milte beiderseits gelappt ist; die hinteren Schenkel an
der Basis und Spitze rückwärts mit einem blattartigen Anhange
(dies ist joiWcli gerade für Valcs charakteristisch!) Arten: S. pre-
378 Gerstaecker; Bericht üb, d. Leistungen in d. Entomologie
tiosa und fuscosparsa von Port Natal. — 2) Popa n. g. von Mantis
durch kürzere, kräftigere Beine mit fast dreieckigen Vorderhüften und
die Form des Kopfes abweichend; an letzterem ist der Scheitel in
der Mitte dreihöckerig, zu beiden Seiten und hinten mit zwei fast
kegelförmigen Höckern versehen. Art: P. spurca von Port Natal. —
3) Danuria n. g. von Mantis durch den Kopf, der an der Basis bei-
derseits nahe den Augen mit einem kegelförmigen Höcker versehen ist,
so wie durch die Bildung der Vorderhüften unterschieden; diese sind
dreieckig, gegen die Spitze hin oberhalb erweitert, die Beine ziem-
lich lang und zart. Art : D. Thunbergi von Port Natal. — Die übrigen
neuen Arten von derselben Lokalität sind : Vates Wählbergii (scheint
nach der Beschreibung mit Empusa capensisBurm. identisch zu sein),
Chiropacha maura (der Ch. diaphana Charp. jedenfalls sehr nahe
verwandt, oder wohl selbst nach einem kurzflügligen Exemplare der-
selben beschrieben), Mantis fatiloqua^ natalensis, orba, macra, vidita.
Pliasinodea. A. Murray, Notice of the Leaf-Insect (Phyl-
lium Scythe), lately bred in the Royal Botanic (iarden of Edinburgh,
wilh remarks on its metamorphoses and grows. (Edinburgh new phi-
losoph. Journal IIL 1856. p. 96-111. pl. VI — VIIL) — Der Verf.
macht hier die sehr interessante Mittheilung, dass ein Exemplar von
Phyllium (Ph. Scythe Gray) während 18 Monaten lebend in den Treib-
häusern des botanischen Gartens zu Edinburgh erhalten worden sei.
Das Thier stammte von einer Sendung Phasma-Eier aus Assam, aus denen
sich in England die Jungen entwickelten; sie schlüpften vom lOten
Mai bis Anfangs Juni aus, machten dann ihre drei Häutungen, die erste
nach 10, die zweite nach abermals 3, die letzte endlich nach wieder
2 Monaten durch und frassen Myrthe. Murray giebt eine genaue
Beschreibung der Eier, der verschiedenen Entwicklungsstadien der
Larven so wie der einzelnen Organe während dieser Perioden , wel-
che zugleich durch Abbildungen auf den Tafeln erläutert werden;
es ist hier die ganze Reihe der allmähligen Entwicklungsstufen bis
zum ausgebildeten Insekte beiderlei Geschlechts dargestellt. Von be-
sonderem Interesse ist die Ausbildung der langen Fühler des Männ-
chens, die sich so auffallend von denen des Weibchens unterscheiden.
Während nach dem Auskriechen der Larve aus dem Eie die Fühler
beider Geschlechter kaum zu unterscheiden sind, verlängern sich nach
den späteren Häutungen die beiden letzten Glieder des Männchens
immer mehr und zeigen jedes eine Theilung zuerst in sechs und dann
in elf Ringe; dabei sind sie aber immer noch kurz und dick, errei-
chen dagegen erst ihre ganze Länge und Schlankheit bei dem Aus-
schlüpfen der männlichen Imago ans der Puppenhülle.
Oryllodt^H. Z e 1 1 e r beschrieb (Enlomol. Zeitung p. 23)
Gryllus Hermsdorfensis als neue Art aus der Umgegend vpnGlogau; er
während des Jahres 1856. 379
unterscheidet ihn von Gr. frontalis und Burdigalensis durch die Fär-
bung der Uinterschenkel und die Länge der Flügeldecken.
MogopUstes talUrus wurde als neue Art von der Insel Ischia
von Costa (Alcune notizie sull' entomologia dell' Isola d'Ischia p. 4)
beschrieben.
liocusfariae. Pkylloptera Cereris von Port Natal (im hie-
sigen Museum auch vom Cap) , Phaneroplera spnrsa , grallatoria und
Cymatomera Schaumii ebenfalls von Port Natal wurden von Stäl
(Öfversigt af Kongl. Vetensk. Akad. Förhandl. p. 170) als neue Arten
aufgestellt.
F. Schmidt (Jahresheft d. Vereins des Krainischen Landes-
Aluseums p- 28) beschrieb eine von ihm für neu gehaltene Art von den
Krainer Alpen unter dem Namen Ephippigera ornata,
jlcridkodea« Lucas (Bulletin d. 1. soc. cntomol. IV. p.
XXXVII) setzte die specifischen Unterschiede vonOedipoda azurescens
lUmb. und coerulans Lin., welche Fischer irriger Weise als syno.
nym betrachtete, auseinander ; erstere Art, von der Rambur nur
ein einzelnes Männchen vor sich hatte , ist in Algier in beiden Ge-
schlechtern aufgefunden worden und von P. coerulans durch ca-
rinirten Thorax, so wie durch' schwarze Binde der Uinterflügel ver-
schieden.
„Les sauterelles dans la Bussie meridionale« par M. Jean D e-
mole, consul suisse ä Odessa (Bibliotheque universelle de Geneve,
Scienc. math. et phys.XXXL p. 218—229). — Ein ausführlicher Be-
richt über das massenhafte Auftreten, die Verwüstungen u. s. w. der
Heuschrecken im südlichen Bussland.
Termitina* Auf die wichtige vonLespös in den Annales
des Sciences naturelles V. p. 227— 282. pl. 5— 7 erschienene Arbeit
„Recherches sur l'organisation et les moeurs du Termite lucifuge« ist
schon im allgemeinen Theile dieses Berichtes näher eingegangen wor-
den und es wird eine ausführlichere Auseinandersetzung des speci-
elleren, dort nicht berührten Inhalts hier um so weniger nöthig sein,
als die Arbeit in dem bereits vorliegenden zweiten Theile von Ha-
g e n's vortrefflicher Monographie der Termiten (Linnaea entomologica
XII) genau in allen ihren wesentlichen Thcilen durchgegangen ist.
Diu anatomischen Untersuchungen des Verf. erstrecken sich auf die
verschiedenen Organe bei allen in einem Termitenbaue vorkommenden
Altersstufen und ausgebildeten Formen, von der jungen Larve bis zur
trächtigen Königinn ; ausser den verschiedenen Entwicklungsformen
der inneren Geschlechtsorgane ist auch das Nervensystem durch Ab-
bildungen erläutert,, so wie die verschiedenen Lebensalter und Stände
des Thieres selbst in stark vergrösserlem Maasstabe dargestellt. Die
am Schlüsse gegebene Darstellung der Lebensweise der Termiten
380 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Cp.269ff.) enthält zahlreiche äusserst interessante Daten, die künf-
tigen Beobachtern gewiss reichen Anhalt gewähren werden ; zugleich
lässt sie aber noch manche Lücke erkennen, welche auszufüllen frei-
lich eine weit länger andauernde Beobachtungszeit nothwendig sein
wird, als sie von L. der Sache zugewandt werden konnte.
liibelluliuae« Hagen (EntomoL Zeit. p. 363--381) machte
ausführliche Mitlheilungen über „die Odonaten-Fauna des Russischen
Reiches.« Das dem Verf. aus den verschiedensten Gegenden Russ-
lands (ausser dem Europäischen auch aus dem Caucasus, ganz Sibi-
rien und den Nord-Amerikanischen Besitzungen) bis jetzt vorliegende
Material ergiebt im Ganzen 41 Arten, von denen 18 für die Russi-
sche Fauna und 9 überhaupt neu sind; diese Zahl wird als ein Bruch-
theil der mit Wahrscheinlichkeit im Russischen Reiche existirenden
angesehen und letztere auf S5 bis 89 geschätzt. Als Einleitung zu
seiner Abhandlung giebt Hagen eine Uebersicht derjenigen Werke,
in welchen Russische Odonaten bisher bekannt gemacht worden sind ;
sodann stellt er ein Yerzeichniss der ihm zugekommenen Arten nach
den einzelnen Lokalitäten (Archangel, Petersburg, Caucasus, Sibirien,
Kamtschatka, Kirgisensteppe, Kurilische Inseln, Ajan und den Ameri-
kanischen Besitzungen) zusammen und lässt hierauf Bemerkungen
über einzelne Arten folgen ; die darifnter befindlichen neuen sollen
später in der Monographie der Odonaten beschrieben werden. Als be-
sonders weit verbreitete Arten werden von den in Russland vorkom-
menden Lib. flavescens , Aeshna juncea u. a. hervorgehoben. Am
Schlüsse geht der Verf. näher auf den Charakter der Odonaten-Fauna,
welche die einzelnen Theile des Russischen Reiches darbieten, ein:
von Interesse ist, dass das ganze Europäische Russland bis jetzt keine
Art enthält, die nicht auch im übrigen Europa vorkommt, dass seine
Odonaten-Fauna ferner rein europäisch ist, und dass derselben säniml-
liche Formen des Mittelmeergebietes fehlen. Theilt man das Euro-
päische Russland in drei Gebiete nach der geographischen Breite , so
bildet das nördlichste, oberhalb des uü*^ gelegene eine entschiedene
Analogie in seiner Odonaten-Fauna mit Lappland und Schweden dar,
indem von 26 dort vorkommenden Arten 20 in Russland nachgewie-
sen sind. Das zweite Gebiet zwischen dem 60^ und 50» trägt den
Charakter von Mittel -Europa und der norddeutschen Ebene und ist
reich an Arten (ä7) ; das dritte unterhalb *des 50^ gelegene ist dage-
gen bis jetzt arm (nur 14 bekannte Arten) , wiewohl ein Vergleich
der Fauna von Ungarn, Sleyermark, Krain, der Türkei und Klein-
Asiens (über welche hier zahlreiche Ergänzungen beigebracht wer-
den), einen ziemlichen Reichthum an wirklich exislircnden Arten, nach
H. Annahme etwa 60, vermuthen lässt. — Die Odonaten Transcauca-
sien's sind zur Hälfte, vielleicht sogar zu y^ europäisch; die des
nördlichen Sibirien scheinen mit denen des nöriÜichslen Gebietes im
während des Jahres 1856. 381
Europäischen Russland übereinzustimmen, die des südlichen mit der
Fauna der Volga, des Ural und des Caspischen Meeres. (Ein kurzes
Kesume der Arbeit ist auch in W o tsch ul sk y's Etud. entomol. V.
p. 52 If. unter dem Titel; „Odonates de la Russic" par Ic Dr. Hagen
enthalten.)
Von Kolenati, Meletemata entomologica VI. p. 81 ff. wurden
als neue Arten beschrieben : Aeshna lunala , Agrion Lehmanni und
spectrum aus den Kirgisen. Steppen. (Bullet, d. l. soc. imp. d. natur.
de Woscou 1856. IV.)
Heiiroiitera.
Hemerobini« F. Brauer, Rückblick auf die im Jahre 1850
beschriebenen üestcrreichischen Arten der Gattung Chrysopa Leach,
nebst Beschreibung der Chrysopa tricolor n.sp. (Verhandl. d. zoolog.
botan. Vereins zu Wien VI. p. 703 ff. Taf. 10). Der Verf., welcher
bei seiner im J, 1850 vorgenommenen Bearbeitung der Oesterreichi-
schen Arten der Gattung Chrysopa W esma e l's Abhandlung über die
Belgischen Uemerobidcn nicht gekannt halte, vergleicht im Vorlie-
genden die Arten beider Schriften mit einander, so wie auch zu-
gleich mit den von Schneider (Symbol, ad monogr. gen. Chryso-
pae) aufgestellten. Es ist darnach Chrys. perla (Lin.) Br. = vulga~
ris Schneid., tenella und pusilla Br. = phyllochroma Wesm. , alba
(Lin.) Br. = viUala Wesm., nigpicoslcla Br. = Heydenii Schneid.,
coerulea Br. = prasina Burm. , nobilis Br. = septempunclala Wesm.,
formosa Br. = Burmeisteri Schneid., reticulata (Leach) Br. = perla
Lin. Schneid. — Zu den 13 früher vom Verf. gekannten Oesterreicbi-
schen Arten werden jetzt 8 fernere hinzugefügt. Die neue Chrysopa
tricolor aus der Brühl bei Wien ist im Farbendrucke s^uf Taf. 10 ver-
grössert dargestellt.
Asa Fitch (First Report etc. p.^82— 96) hat uns mit einer
grösseren Anzahl Nord-Amerikanischer Arten der Gattungen Chrysopa
und llemerobius bekannt gemacht und ausserdem eine neue Gattung
Meleoma aufgestellt, welche sich von Chrysopa durch die an der
Basis getrennten Fühler und eine zwischen dieselben hervortre.
lende cylindrische llervorragung der Stirn unterscheidet. Die ein-
zige bis jet^ bekannte Art dieser Gattung wird unter dem Kamen
M. Siguoretii beschrieben. — Die 22 neuen Arten der Gattung Chry-
sopa werden in einer analytischen Tabelle aufgeführt und unter
folgenden Namen beschrieben: Chr. albicornis ^ illepida , omicron ^
xanlhocephala, fulvibuccOf MissisippensiSf Chif Ypsilon^ bipunctala, colon,
emuncla^ Roberlsonii, plorabunda, pseudographa ^ sulphurea, Sichelii
NovacboracensiSf Harrisii , Virginica ^ lineaticoruis , puncticornisy ta~
bida. — Von Hemerobius werden ausser 11. irroratus Say noch 10
neue Arten beschrieben: //. alternalus ^ sligmalerus , Caslaneae, tula^
382 Gers ta eck er: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
trix, conjunctuSf PinidumuSf hyalhiatuSf amiculuSf occidentalis und deli-
catulus. Bei Aufstellung dieser Arten sind jedocli vom Verf. nicht
die 11 von Burmeister, Sciineider und Walker beschriebe-
nen Nord -Amerikanischen Chrysopen und die 8 von Walker be-
schriebenen Hemerobien berücksichtigt worden, und es werden daher
beim Vergleiche derselben mit den von A. Fitch aufgestellten man-
che der letzteren ohne Frage einzuziehen sein.
Ferner reiht derselbe (ebenda p. 97) der unter den Hemerobi-
den recht fremd dastehenden Gattung Coniopteryx eine neue ver-
wandte unter dem Namen Aleuronia an, welche durch folgende Merk-
male abweicht : Die Flügeladern Sind durch weniger Anastomosen
verbunden, indem sich nur eine solche auf der Scheibe des Flügels
und drei an der Basis befinden , welche eine ununterbrochene Linie
bilden; statt drei geschlossener Discoidalzellen ist nur eine vorhanden;
auf den Hinterflügeln ist nur eine Ader gegabelt und die Verbindungs-
adern fehlen; die Augen sind nierenförmig ausgerandet. Eine Art:
A. Westwoodii.
Sehr interessant, sind die ausführlichen Mittheilungen, welche A.
Fitch (p. 70 — 78} über die Lebensweise und die Nahrung der Chry-
sopa-Larven macht. Die Nord-Amerikanischen Arten leben nicht aus-
schliesslich von Blattläusen, wie man dies bisher geglaubt hat. Fitch
fand zahlreiche Eier auf Bäumen, die weit und breit keine Blattläuse
beherbergten und als solche den ausgeschlüpften Larven vorgelegt
wurden, rührten sie dieselben nicht an. Eine Art (Chr. Novaebora-
censis) verzehrte in ihrer Jugend die Eier, später zolllange Raupen
einer Geometra-Art. Eine Larve, welche sich in Spinnen -Eiern und
jungen Spinnen sattgefressen halte, wurde von einer jüngeren, die
sich mit ihr in demselben Behälter befand, ohne Widerstand verzehrt.
Auch den Grund, weshalb die Chrysopen-Eier auf Stielen sitzen, er-
klärt der Verf. vollständig durch eine Beobachtung; er sperrte eine
Larve zu solchen Eiern, von denen eins mit dem Stiele vom Blatte
losgelöst und flach hingelegt wurde ; dies frass die Larve sogleich
aus, während die anderen auf dem Stiele sitzenden unversehrt blieben.
Es ist also ein Schutz der Eier gegen die Larven ihres eigenen Ge-
schlechts der Grund. Einer anderen Chrysopa - Larve wurden Gallen
von Cecidomyien vorgelegt , die sie sogleich öfl'nete tind die darin
befindlichen Larven verzehrte.
Myrtneleon consptircatum Kolenati ist eine neue Art aus den
Kirgisen-Steppen (Melet. entomol. VL p. 84). ijj
SSialidae. Brauer (Verhandl. d. zoolog.-botan. Vereins zu ^
Wien VL p. 397) gab eine vergleichende Beschreibung von Sialis fu-
liginosa Pict. (?) Burm. und lutaria Lin. ; ausser der Färbung der Flü-
gelwurzel und der Costa, welche bei beiden Arten verschieden ist,
während des Jahies 1856. 383
zeigen sich DifTercnzen in der Form des letzten männlichen Hinter-
Icibsringes.
Tricliopter»' Eine neue Oesterreichische Phryganea wurde
von Kolenati (Verhandl. d. zoolog.-botan. Vereins VI. p. 1G5. Taf. 1)
unter dem Kamen Slenophylax arealus beschrieben und abgebildet.
Sie stammt aus Krain und ist mit St. panthcrinus Pict. , mit welchem
sie K. auch früher identificirt hatte, zunächst verwandt.
Pliyüopoda.
Asa Fitch (Report on the noxious Insects of the State of
New-York p. 102 und 304 ff.) machte drei Nord- Amerikanische Arten
dieser Ordnung bekannt, welche den Culturgewächsen in hohem Grade
schädlich sind. Die eine derselben Phloeolhrips malt n. sp. lebt auf
Apfelbäumen und frisst runde Höhlungen in die Spitze der jungen
Aepfel ; die beiden anderen Thrips Irilici und Coleothrips trifasciata
finden sich am Weizen , saugen dessen Säfte aus und bewirken da-
durch ein Zusammenschrumpfen der Körner. (Thrips tritici Fitch
scheint auch schon Harris bekannt gewesen zu sein, der ihn jedoch
für den Europäischen Thrips cerealium, von dem er im Larvenzustande
durch ganz orangegelben Körper abweicht, hielt.)
Von New man (Transact. of the entomol. soc. HI. p. 264 ff.)
wurden zwei bei Mysore in Ostindien aufgefundene neue Arten: /rfo-
lothrips Halidayi und Phloeolhrips Anacardii beschrieben, welche von
den Blättern einer Anacardium.Art leben.
Thysaiiura«
Podiirellae* Wanke 1 (Verhandlungen des zoolog.-botan.
Vereins in Wien VI. p. 470) beschrieb eine neue augenlose Podure
aus den Mährischen Höhlen, ohne ihr jedoch einen Namen beizule-
gen ; dieselbe soll auf den ersten Blick der Gattung Tritomurus Frau-
enfeld sehr ähnlich sein.
Einen lehrreichen Vortrag über das massenhafte Erseheinen von
Poduren zur Winterzeit auf der Oberfläche des Schnees hielt Elditt
in der physikalisch-ökonomischen Gesellschaft zu Königsberg. Der-
selbe ist unter dem Titel : „Die Schneewürmer und Schneeflöhe« auch
im Separatabdrucke erschienen.
Ilyineuoptera.
Die Verzeichnisse der Hymcnopleren des British Museum
sind mit einem neuen Theile forlgesetzt worden : Calalogue
of Hymenoplerous Insects in the collection of Ihe Brilish
Museum, by F. Smith. Part. IV. Sphegidae, Larridae and
Crabronidae. London, prinled by order of IheTrustecs, 185Ö.
384 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
CS. p. 207-497. plVI-XI.)— Unter den vom Vorstande des
British Museum veröfFenllichlen Catalogen , so weit sie die
Classe der Insekten betreffen, sind die von F. Smith bear-
beiteten bei weitem die brauchbarsten , indem ihnen wenig-
stens die nölhige Sachkenntniss zu Grunde liegt ; dies lässt
sich aus der Charakteristik der neuen Arten, welche zu einer
sicheren Determinirung in den meisten Fällen ausreicht, er-
sehen. Der Reichlhum an letzteren, besonders aus den Tro-
pengegenden der alten Welt (während Süd-Amerika im hie-
sigen Museum durchweg viel zahlreicher vertreten ist) macht
diese Calaloge für spätere Arbeilen, welche sich mit einer
eingehenderen Systematik der behandelten Familien abgeben
sollten, sehr wichtig, ohne dass solche jedoch dadurch über-
flüssig gemacht würden. Vielmehr ist es späteren Bearbei-
tern noch vorbehalten, einerseits die Synonymie der bereits
bekannten Arten (besonders der von älteren Autoren, wie
Fabricius u. a. aufgestellten), andererseits die Berechti-
gung der neu aufgestellten so wie die Abgränzung der bereits
bestehenden Galtungen einer genaueren Prüfung zu unterwer-
fen. Wenn der Verf. in einigen Fällen , wie z. ß. bei der
Gattung Crabro, sich einer Annahme der zahlreichen unhalt-
baren Galtungen, wie sie von Le pelletier und Dahlbom
'aufgestellt worden sind, durchaus mit Grund entgegenslemmt,
lässt er sich bei anderen Gelegenheiten auf ein gleiches Ver-
fahren ein, indem er z. B. die Gattungen Harpactopus, Prio-
nonyx und Parasphex (Enodia Dahlb.), welche sich durch die
übrigens sehr wandelbare) Zahnung der Fussklauen alleii
von Enodia abtrennen lassen, aufrecht erhält und zum Theil
selbst aufstellt. Gewiss wäre es dem Zwecke eines CalalogesJ
angemessen , mit der Aufstellung neuer Gattungen und derl
Annahme solcher, die nicht auf sehr entschiedenen Charak-^
teren begründet sind, möglichst rückhaltend zu Werke zi
gehen , da eine vollständige Durcharbeitung des Materials,|
welche hierzu erforderlich wäre, in der vorliegenden Ar-
beit nicht erwartet wird, oder wenigstens nicht zu finden ist.]
Uebrigens bot sich zur Errichtung neuer Gattungen in den
gegenwärtig catalogisirlen Familien im Ganzen weniger Ge-
legenheil dar, als es in früheren der Fall war, was einer-
seits an der grossen Gleichförmigkeit der oft sehr zahlrci-
, :; ; während des Jahres 185G. 385
chen Arten der Gattungen^ andererseils daran lag, dass dies
Feld gerade schon mehrfach syslemalisch bearbeitet worden,
war. — Was den Inhalt des vorliegenden Theiles betrifft, so
erstreckt sich derselbe nicht nur auf die im Titel genannten
Familien, sondern auch ^uf die Bembecidae und Nyssonidae,
welche übrigens uiit den Larratae und Crabroniles zusammen
eine in sich abgeschlossene Gruppe bilden, die sich den übri-
gen grabenden Hyinenopteren-Familien gegenüberstellen Hesse;
es liegen also mit diesem Bändchen, welches die Fortsetzung
des im vorigen Jahresberichte (p. 101) erwähnten Part. III
bildet und auch ein sich zugleich auf jenen beziehendes Na-
mensverzeichniss enthält, die grabenden Hymenopteren des
British Museum vollständig verzeichnet vor. Die beifulgen-
den Tafeln geben wie früher eine Darstellung eines oder
mehrerer Repräsentanten der verschiedenen Gattungen so wie
Erläuterungen ihrer wesentlichsten Merkmale. (Nähei^es. ^ieUe
bei den genannten Familien!) , • ,' ^ i
Ein zweiter Catalog des British Museum , der sich je-
doch nur auf einheimische Arten erstreckt, ist: Catalogue
of British Ichneumonidae in the British Museum^ by Th. Des-
vignes. Printed by order of the Trustees. London 1856.
(8. 120 pag.) Abgesehen von dem faunislischen Interesse,
welches dieses Verzeichniss darbietet, ist es auch für die
Artenkenntniss der einheimischen Ichneumoniden von Bedeu-
tung, indem eine beträchtliche Anzahl von Species, die der
Verf. als neu erkannt zu haben glaubt, darin beschrieben
ist. Die Aufzählung und Aneinanderreihung der Gattungen
und Arten ist nach Gravenhorst's System vorgenommen
und ausser diesem VVesmaeTs neuere Arbeilen zur Bestim-
mung benutzt worden ; die (in verhältnissmässig geringer An-
zahl) von Englischen Autoren aufgestellten Arten sind fast
durchweg als selbslständige aufgeführt worden. Ueber den
specielleren Inhalt des Verzeichnisses ist am betreffenden Orte
(Ichneumonidae) Nachricht gegeben worden, wo auch eine
gleichzeitig erschienene grössere Arbeit über Schwedische
Ichneumonen, welche ebenfalls die Beschreibung zahlreicher
neuer Arten enthält, angeführt ist.
„ Entomologische Bemerkungen ** von D. Reinhard
(Entomol. Zeitung p. 103—110) enthalten neben einigen JNo-
Archiv f. Naturgesch, XXIII. Jahrg. 2, Bd '^
386 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
tizen über die Lebensweise verschiedener Arten auch beson-
ders zahlreiche und werihvolle Beiträge über parasitische
Hymenopteren (Ichneumoniden, Braconiden, Chalcidier u. s. vv.)
und über die Wohnthiere , aus denen sie erzogen worden
sind. Besonders sind es die Parasiten der Gallen , welche
die Aufmerlisamkeit des Verf. auf sich gelenkt haben, und
die hauptsächlich den Gattungen Torymus Dalm. , Pleromalus
Swed. und Eulophus Geoffr. angehören. Die Gallen von Te-
ras terminalis lieferten ihm allein 14, die vonRhodites rosae
6, von Andricus curvator 8 verschiedene Parasiten.
"^'^ Giraud, Observations sur quelques especes d'Hyme-
ÄöjitÄres rares ou peu connues , trouvees dans los environs
de Vienne. (Verhandlungen des zoolog.- botan. Vereins in
Wien VI. p. 179—188). Wichtig ist darin der Nachweis des
Züsammenfallens zweier Heterogynen-Gattungen als Mann und
Weib ; ausserdem sind einige Beobachtungen über die Le-
bensweise und Bemerkungen üb^f die Synonymie mehrerer
Arten gegeben.
Smith (Entomologist's Annual for 1856. p. 93 ff.) gab
Notizen über eine Anzahl Hymenoptera aculeata, die sich be-
sonders auf das Vorkommen derselben in England beziehen.
Eine sehr merkwürdige und besonders vollkommene
Zwitterbildung bei einer Mutiila ist in derÖfversigt af Finska
Vetenskaps-Societätens Förhandlinger IIl. 1855 — 56 bekannt
gemacht und abgebildet worden. (Soviel sich Ref., der diese
Zeitschrift vor längerer Zeit durchgesehen , aber neuerdings
nicht wieder zur Ansicht bekommen hat, erinnert, gehörte
dieser Zwitter der Mutiila europaea an.)
Einige Unregelmässigkeiten in der Zellenbildung der
Flügel bei Hymenopteren wurden von Schenck in Weilburg
(Jahrbücher des Vereins für Naturkunde im Herzogthum Nas-
sau XL p. 95) zur Sprache gebracht.
fm'i i Diese Unregelmässigkeiten betreffen hauptsächlich die Cubital-
zellen (bei Andrena Listerella, Psammophila hirsuta, Nysson macula-
tus) und zwar sowohl ihre Form als das gänzliche Ausbleiben der
einen, und zwar gewöhnlich der mittleren. — Nach des Ref. Erfah-
rung kommen dergleichen Unregelmässigkeiten in der Ausbildung der
Cubitalzellen besonders mehrfach bei den Apiarien vor, wo sie um
so interessanter sind, als hier das Vorhandensein von zwei resp, drei
»»f^ofonioJn» .:. ni ^Kf^^fl des }6\t^ei 185Ö. 367
Cubitalzelldii' Mt iJüi' '^fcneriächeri Unterscheidung benutit worden ist.
Es wird durch dieselben gleichsam mit auf den gerJn^en systemifttÜ'
sehen VVerlh, welchen die Zahl dieser Zellen in gewissen Fälle*! hai
ben kann , hingewiesen , wie denn auch bei eintelnen durch andere
Charaktere ausgezeichneten Gattungen, t. B. Eucera, beide Bildurtgofa
nebeneinander vorkommen ;' (die Arten mit drei Cubitalrellen bild«ü
hier die Üatergaltung Macrocera). Während die Arten der Gattung
Melecla regelrecht stets drei Cabitalzclieö haben , besitzt Ref. zwei
besonders interessante Exemplare der Melecta punctata, von denen dag
eine im rechten Flügel die zweite Cubilalzelle nur halb geschlossen
zeigt, das andere in beiden Flügeln überhaupt nur zwei solche Zel-
len hat^ von denen die äussere durrh Zusammenfluss der zweiten und
dritten entstanden ist; im rechten Flügel ist jedoch noch eine schwa-
che Spur eines beginnenden Theilungsnerven sichtbar.
j&piarSae* Nylander, Genus familiae ApidarUih Heriades,
quod synopsi monographica exponit — (Memoires de la soc. imp. des
scienc. nalur. de CherbourglV. ISü6. p. 105-^1 12). Der Verf. gieM
hier eine Atifzählung und Beschreibung vott neun ihm bekannt ge-
wordenen Europäischen Heriades-Arlen, denen er die Galtung Chelö-
sloma Latr. als nicht wesentlich verschieden beigesellt. Die Arten
sind: a) mit verlängerten Mandibeln : H. grandis Kyl. und maxillosa Lin.
b) mit massig entwickelten Mandibeln: H. nigricornis Nyl., etnargiJ^
nata n. sp. aus Südfrankreich, robusta Kyl., truncorum Lin., creäüU^
lata n. sp. von Paris, breviuscula Nyl. und campanularurti Krrby.
Sichel (Artftales d. 1. soc. entomol. , Bullet, p. XIX) gab dlö
Diagnose einer neuen Art: Atithophora Passerinii aus Florenz lihd
Sicilien. *' '^|* "*"* "' " ;'•; ";
Fahre (Annales deii^cftfac.'fctrfüt'.YI. p. I8ö) be6lMÄt6, dass
Ositiia tricornis ihre Zellen in den Verlassenen Gängen von Antho-
phora pilipes anlegt, so dass beide Arten dieselbe Wohnung fnne
haben, Osmia mehr an der Oberfläche, Anlhophora dagegen in döf
Tiefe. Clerus octopunclatus beraubt die Zellen beider. (In hiesiger
Gegend fliegt Osmia bicornis in der Regel mit Anthophora pilipes zu
gleicher Zeit und an gleichen Orten und es scheint daher zwischen
diesen beiden Arten eine ähnliche Beziehung obzuwalten. Ref.)
Jenzsch, „Kotiz über die Nester der Anthophora retusa Laitr^
oder A. pilipes Fabr. im Trachyttuffe des Kehlsbrunnen im Siebenge-^
birge und im Pariser Becken". (Allgemeine Deutsche Katurhist. ZeiJ*
tung II. p. 73.) — Der Yerf. hält irriger Weise die beiden genannten*
Arten für identisch; dass Anthoph. retusa Latr. von ihm gemeint sei,
geht daraus hervor, dass diese Art conslant in Felsen baut, während
A. pilipes sandiges Terrain liebt.
Xylocopa violacea ist neuerdings in einem einzelnen Exemplare
in England gefangen worden (Pröceed. öf tÜe entomol. soc. p. 10^)V
388 Gerstaecker: Bericht üb. ({.Leistungen in d. Entomologie
Newman meint, dass vielleicht der starke Import von Orangenbäu-
men bei Gelegenheit der Industrie.Ausstellung der Anlass dieser Er-
scheinung sei.
Reichenbach, das Schwärmen der Bienen vom polizeili-
chen Standpunkte aus betrachtet. (Allgem. Deutsche Naturhist. Zei-
tung 1. p, 194.)
Vespariae« Der im vorigen Jahresberichte erwähnten Ar-
beit de Saussure's über die Wespenbauten schliesst sich eine im
Jahre 1856 erschienene Abhandlung von K. Moebius: „Die Nester,
der geselligen Wespen , Beschreibungen neuer Kester und einiger
neuen Wespen -Arten des Naturhistorischen Museums zu Hamburg,
nebst Betrachtungen über den Neslerbau im Allgemeinen" an. Die-
selbe ist im 3ten Bande der Abhandlungen des naturwissenschaftlichen,
Vereins in Hambung p. 121 — 171 enthalten, unter obigem Titel jedoch,
auch im Separatdruck erschrenen (Hamburg 1856. 4. l9 color. Taf.).
— Der Verf. beginnt diese manches Interessante enthaltende Abhand-
lung mit der Beschreibung einer Anzahl Nester , deren Verfertiger
ihm mit Sicherheit bekannt waren, nämlich von Synoeca cyaneaFab.,
Polybia sedula Sauss., sericea Oliv., rejecta Fab., Cayennensis Fab.,
ampullaria n. sp. , catillifex, n. sp. , pygmaea Fab., pediculata Sauss.,
Chartergus colobopterus Web., apicalis Fab., frontalis Fab., scutellaris
Fab., sericeus Fab. und Leipomeles lamellaria nov. gen. etspec. Alle
diese Nester sind zugleich abgebildet, ihr innerer Bau durch Durch-
schnittszeichnungen u. dergl. erläutert, auch die Arten und Galtungen
ihrer Bewohner, so weit sie bisher noch unbekannt waren, beschrie-
ben< Dieser specielle Theil liefert den Stoff zu den allgemeinen Be-
trachtungen des Verf. über den Bau der Wespennester, welche den
zweiten Theil der Arbeit ausmachen. In diesem geht er nämlich auf
die äussere Form und Befestigung der Nester, auf ihre Grösse, auf
die Entwicklung und Verwandtschaft ihrer Baustyle, auf die Flug-
und F'ahrlöcher, die Waben und Zellen , auf die Baustoffe aus denen
sie angefertigt und endlich auf die physikalischen Gesetze, welche
bei ihrer Anlegung befolgt werden, ein. — Was die verschiedenen
Baustyle der Wespennester betrifft, so hat der Verf. einen sehr gelun-
genen Versuch gemacht, die anscheinend verschiedensten Formen durch
den Nachweis der sie vermittelnden Zwischenstufen auseinander her-
zuleiten; er geht dabei von den einfachsten Nestern aus, welche ohne
äussere Hülle frei aufgehängte Waben darstellen, reiht hieran dieje-
nigen Formen, deren äussere Hülle durch die Seitenwände der Waben
selbst gebildet werden und ordnet die verschiedenen Modiükationen, »
welche die Nester mit selbstständiger Hülle darstellen, so aneinander, |||
dass die Idee, welche allen zu Grunde liegt, leicht herauszuerkennen
ist. Von letzteren nehmen die niedrigste Stufe Chartergus colobopte-
rus und apicalis , deren Wabenpfeiler randständig sind und deren
9l^olomotr während des Jahres 1856. 389
Neslhülle ganz von der Form des TrSgers (einem Zweige); an dem
sie seitlich angebracht ist, abhängt. Eine höhere Stufe nimmt Leipo-
meles lamcllaria ein, deren Waben schon auf mittelständigen Pfeilern
ruhen, während die am Mitlelncrv eines Blattes befestigte Hülle von
diesem noch in gleichem Grade abhängig ist. Bei Polybia ampullaria
richtet sich die Hülle schon nicht mehr nach der Form des Trägers,
sondern setzt sich ringförmig auf die breite Basis von Blättern ; die
Waben hängen unter einander an Pfeilern , die oberste durch gleiche
am Träger befestigt. Diese Form bildet den direkten Uebergang zu
den Nestern mit frei entwickelter Hülle , wie sie von Vespa crabro,
germanica u. s. w. bekannt sind. — Dass die Nester mit ungeschlos-
sener Hülle und diejenigen mit geschlossener nicht bestimmten Gat-
tungen der Wespen entsprechen, wie dies de Saussure glaubt,
weist der Verf. durch eine Tabelle , in welcher die Formen der Ne-
ster und ihre Verfertiger gegenübergestellt werden«, nach; fünf Po-
lybia- und drei Chartergus-Arten bauen Nester mit ungeschlossencr
Hülle, zwei andere Polybia und drei Chartergus solche mit geschlos-
sener. Dagegen sind die Nester ohne und mit Hülle nach den bis-
herigen Erfahrungen auf besondere Gattungen beschränkt; erstere
kommen Apoica, Icaria, Polistes, Ischnogaster und Mischocyttarus, letz-
tere Polybia, Chartergus, Talua, Synoeca, Leipomeles und Vespa zu.
— Von weiterem Interesse sind die Untersuchungen, welche der Verf.
über die zum Baue der Nester verwendeten Stoffe angestellt hat; nur
eine Art (Polybia sedula) baut dieselbe aus Lehm, die übrigen aus
verschiedenartigen Pflanzenstoffen, wie aus Rinde, Bast, Holz, Haar-
zellen, Blatttheilen, Pilzfäden, Flechten und Algen. Von diesen Bau-
stoffen hängt die Farbe der Nester ab; sie sind bleich, wenn sie aus
wasserhellcn Bast- oder Haarzellen, dunkelroth oder braun, wenn
sie aus der Rinde verfertigt sind , gefleckte oder gestreifte Nester
bestehen aus verschiedenen Stoffen. Die Pflanzenbestandtheile werden
durch eine Art Kitt miteinander verbunden, welche die Eigenschaften
des Chitins zeigt.
Die von Moebius aufgestellte Gattung Leipomeles (p. 145.
Taf. 14) steht Polybia zunächst, von der sie sich durch dreigliedrige
Lippen- und fünfgliedrigc Kiefertaster unterscheidet. Die Art : L.
lamellaria stammt aus Brasilien; ebendaher auch die beiden als neu
beschriebenen Polybia-Arten.
Unter dem Titel: „Vergleichende Beobachtungen über die Ne-
ster der geselligen Wespen" hat Moebius einen Auszug seiner eben
erwähnten Abhandlung im XXU. Jahrgang des Archiv's für Naturge-
schichte p. 321—332 mitgetheilt.
Crabroniies« Ueber das Eintragen mehrerer Arten dieser
Familie von Nahrung für ihre Larven gab Fabriß „Notes sur quel-
ques points de l'hisloirc des Cerceris, Bembex etc.« (Annalcs des
i.
390 Gerslaeckcr: Bericht fib. d. Leistungen in d. Entomologie
gciences naturelles VI. p. 183 IF.) Nachricht. Cerceris Ferreri trögt 5
verschiedene Curculionen - Arten ein und zwar finden sich dieselbep
ineist in jeder Zelle vermischt vor; ebenso viele Arten, aber zum
Theil andere, enthalten die Zellen der Cerceris arenaria. Cerceris
quadricincta sammelt hauptsächlich Apion gravidum und zvi'ar versorgt
sie die einzelnen Zellen je mit etwa 30 Exemplaren. Andere Arten,
9. B. Cerceris 4fasciata Dahlb. jagen kleine Hymenopteren, wie Aly-
fjOn , Microgaster, Bracon, Diplolepis u. s. w. — Sehr abweichend
von den übrigen Gattungen ist die Art, in welcher Bembex vidua
ihre Larven versorgt; sie rajib^ verschiedene Dipteren (Bombylius,
Erislalis, Helophilus u. s. w.) , welche sie aber nicht durch einen
Stich paralysirt, sondern welche sie durch Bisse in den Kopf lödtet.
Eine Frisch - Erhallung der Beute für die Larve ist hier nicht nölhig,
da letztere täglich und ununterbrochen damit von dem Mutter.lnsekt
versorgt wird; die Larve fand F. am Ende eines wenig tiefen Erd-
gunges und zwar nicht in Mehrzahl und in vollständig versorgten
Zellen, sondern einzeln und damit beschäftigt, ein kurz zuvor erhal-
tenes Dipteron zu verzehren ; um sie herum lagen zahlreiche üeber-
bleihsel von gleicher Beijte. Diese Larve war schon sehr weit in
der Entwicklung vorgeschritten und von beträchtlichem Umfange;
docj) hat F. auch die Entwicklung derselbt^n aus dem Eie beobachte^,
vv'elches ^n (]fi$ Abdomen eines Syrphiden (meist Sphaerophoria scri-
pta) gelegt wird , nachdem dieser getödtet und in die Brutstätte ein-
getragen worden ist. (Bembex liefert demnj^ch eins der interessante-
sten Beispiele von wechselseitigem Parasitismus in der Insektenge-
schichte, nämlich in Betr^fpl^t , dass sich aus der Imago derselben
vviedvT parasitische Dipteren, wie Conops und Myopa entwickeln. Ref.)
— In BptjrefF von Astata bpops bestätigt F. die schon mehrfach ge-
machte Beobachtung, dass sie ihre Zellsn mit den Larven von Fenta.
„^oma (P. albomarginella) versorgt.
Für die Artenkenftt^iss dieser Familie ist von besonderer Wich-
tigkeit der von F. Smith bearbeitete Catalogue of Hymenopterous
Insecls in the collectjop of the British MMseura Part. JV, in welchem
neben der Aufzählung der |)ereits bekannten Arten eine grosse An-
zahl neuer beschriebe^ \jverden. Dieselben verthe^en sich auf die
einzelnen Gruppen i^n|[| Qaltuiigv^a folgendf^rm^ssen: 1) Larratae : Lar-.
rada n. g. (für diejenigen Larra. Arten F^br^cii^^' eri^lchtct , be)i
\velchen die ^Jarginalzelle an d^^r Spitze abwestutzl und mi^ einem
Appendix versehen ist und wo dr^i Submarginalzellen vorhanden sind,
von denen die erste so lang als die beiden folgenden ist, die zweite
beide Nervi recurrentes aufnimmt, z. B. Larra ichneumoniformis Fab.,
Sphcx anathema Rossi) 41 n. A. , Morphota n. g. von Larrada durch
i|as Geäder der Flügel, indem die erste Submarginalzelle länger als
die beiden folgenden ist, und durch das Vorhandensein dreier deut-
4
während des Jahres 1856. (A^rrt^RtM^fv: 391
liehen Ocellen abweichend; 3 n. A. aus Brasilien. — Tachytes 19 n.
A., Aslala 2 , Pison 8. — 2) Bembecidae: Bembex 14, Monedula 4.
3) Nyssonidae: Slizus 1, Larra 25, Nysson 3, Sericophorus 1, Uelio-
rycles n. g. , neben Palarus stehend, von kürzerem, mehr gedrunge.
nem Körperbaue, durch queren Kopf mit breiter Stirn, kurzen, eiför-
migen Hinterleib und vorn gestielte zweite Subraarginalzelle abwei-
chend ; 1 n. A. vom Gambia. — Gorytes 15 n. A., Harpactus 1. —
4) Crabronites : Trypoxylon 11, OxybelusS, Crabro 20, Passaloecus 1,
Mimesa 2, Psen 1, Cerceris 49, Philanthus 13.
Nach Goureau (Bulletin de la «oc. enlomol. IV. p. CIX) legt
Celia troglodytes ihre Brutgänge in irockenem Holze an und trägt
sehr junge Larven von Coccus vilis ein. G. hat diese Gattung in
ihrem Treiben mehrere Sommer hinter einander mit Müsse beobachten
können, indem sie ihi'e Gänge in einen Tisch einnagte, auf dem wäh.
rend seines Aufenthalts auf dem Lande seine Raupenbehälter standen;
die Thiero arbeiteten im Juli täglich mit. grossem Eifer von zwölf bis
zwei Uhr Mittags an ihren Gängen.
Sphe^idae* Von Fahre wurde in seinem schon oben er.
wähnten Aufsatze „l^tude sur l'instinct et les raetamorphoses des
Sphegiens« (Annales des sciences naturelles VL p. 137—183) eine
höchst interessante Schilderung der Lebensweise und der vollständigen
Entwicklungsgeschichte von Sphex flavipennis geliefert, welche über
die Biologie der grabenden Hymenopteren überhaupt mannigfache
Aufschlüsse giebt und daher der Beachtung sehr zu empfehlen ist.
Neben einigen Punkten , die schon oben berührt worden sind, bietet
besonderes Interesse die Entwicklung der Larven dar, welche der
Verf. vom Eie bis zur Nymphe genau verfolgt hat, was dadurch er-
möglicht wurde , dass er sie in Glascylindern erzog. Das Ei wird
zwischen das erste und zweite Fusspaar eines paralysirten Gryllus
gelegt und diese Stelle ist es auch, in welche sich die junge Larve
zunächst einfrisst; in 6 bis 7 Tagen ist diese erste Leiche bis auf die
äussere Bedeckung, die fast unversehrt bleibt, vollständig ausgefres-
sen und die Larve, jetzt 13 Mill. lang, verlässt dieselbe durch die
nämliche Oeffnung, in welche sie zuerst einging. Nun wird der
zweite Gryllus und zwar meist zuerst bei dem saflreichen Hinlerleibe
angegriffen, bald darauf der dritte und endlich auch der vierte, wel-
cher etwa in einem Zeiträume von 10 Stunden verzehrt ist. Sodann
ist der Wachsthum der Larve vollendet und sie missl jetzt 25 bis
30 Mill. (eine Abbildung derselben in dieser Periode wird auf Taf. 5
gegeben); sie geht nun daran, ihr Gespinnst zu verfertigen, welches
in zweimal 24 Stunden vollendet ist, und welches im Innern mit dem
ausgeworfenen Mageninhalte gleichsam wie mit einem Firnisse über-
zogen wird; letzterer giebt dem Gespinnste eine solche Dichtigkeit,
dass CS selbst auf lange Zeit in Wasser eingetaucht , nicht die ge.
392 Gersiaecker: Bericht ul). d. Leistiinj^en in d. Entomologie
Tingste Feuchtigkeit durchlässt. Die Larve liegt im Gespinnste re-
gungslos vom September bis «u Anfang Juli des folgenden Jahres,
wo sie sich zur IVymphe umwandelt und aus dieser entwicitelt sich
nach kurzer Zeit die Imago ; die allmähüge Färbung der Nymphe so
wie das Auskriechen des Insektes werden vom Verf. ausführlich ge-
schildert und bieten wieder interessante Einzelnheiten dar. Auch auf
die anatomischen Verhältnisse der Larve geht F. näher ein und giebt
besonders über die sehr entwickelten Spinnorgane (Taf. 6 Abbildung)
Nachricht.
Zahlreiche neue Arten dieser Familie wurden von Smith
(Catalogue of Hymenopterous Insects IV) beschrieben , welche sich
auf die einzelnen Gattungen folgendermassen vertheilen : Ammophila
21, Miscus 1, Coloptera 1, Pelopoeus 8, Podium 5, Chlorion 2, Pro-
naeus 2, Sphex 36, Harpaclopus n. g. 4 , Priononyx 1, Varasphex
(Enodia Dahlb.) 1 , Ampulex 6. Die neue Gattung Harpaclopus un-
terscheidet sich von Sphex dadurch, dass die zweite Submarginalzelle
gegen die Marginalzelle hin verschmälert ist unH den ersten Nervus
recurrens nahe an ihrer Basis aufnimmt; die Beine sind verlängert,
die Tarsen stachlig, die Klauen zweizähnig; das vorderste Paar ist an
der Aussenseite mit langen Haaren besetzt. (Die Behaarung der Vor-
derbeine ist jedoch nur dem Weibchen eigen, während sie dem Männ-
chen fehlt; so zeigt es wenigstens die dieser Gattung angehörige
Pepsis hirtipesFabr., welche Smith nicht gekannt hat. Ref.). — Den
Namen Parasphex führt der Verf. für Enodia Dahlb. ein, weil letzle-
rer Name schon von Hübner bei den Lepidopteren vergeben ist;
eine solche Aenderung ist aber nicht nöthig, da Enodia Hübn. weder
charakterisirt noch in Gebrauch gekommen ist. Die Trennung von
Enodia mit 3, Priononyx mit 4 und Harpactopus mit 2 Zähnen an den
Klauen ist bei Uebereinstimmung der übrigen Charaktere kaum rath-
sam ; übrigens ist zu bemerken, dass bei Priononyx nicht wie Dahl.
bom und Smith angeben, 4 sondern im Grunde 5 Kerbzähne an
den. Klauen wahrzunehmen sind.
Pompilidae« Dahl bom gab (Annales de la soc. entom.
IV. p. 345 ff.) eine Beschreibung des von ihm in den Hymenopt. Eu-
rop. L mit dem Namen Clenocerus Klugii bezeichneten Insektes, wel-
che jedoch in Bezug auf die generischen Charaktere durchaus unzu-
länglich ist. — Lucas (ebenda p. 349) suchte in einer „Note sur les
caracteres qui differenlient le genre Clavelia Luc. de cclui de Cteno-
cerus Dahlb.« mit Bezug auf die Dahlbom'sche Beschreibung die An-
sicht geltend zumachen, dass beide Gallungen verschieden seien,
irrt sich jedoch hierin. Die beiden Exemplare des hiesigen Museums,
welche der Art nach von der Lucas'schen Clavelia pompiliformis ver-
schieden sind, gehören entschieden derselben Gattung an, und sind
fortan als Clavelia Klugii zu bezeichnen. Die zweite und drille Sub-
yaiomoloä h «i «wAhrend des Jahres 1856. 393
hiarginalzelle der Vorderflögel sind zwar etwas länglicher als in der
Lucas'schen Abbildung, sonst aber nicht wesentlich abweichend; die
Maxillar - und Labialpalpen, welche deutlich zu Tage liegen, stimmen
sogar mit der Lucas'schen Zeichnung genau «berein; die Fühlerglie-
der sind vom dritten bis zwölften (in der Lucas'schen Abbildung
fehlt das kurze zweite Glied, welches allen Pompiliden zukommt und
bei der vorliegenden Gattung ebenfalls vorhanden ist) wie dort zwei-
ästig, nur die äusseren Aeste merklich länger als die inneren; die-
ser Unterschied muss aber um so mehr als ein specifischer angese-
hen werden , als die Fühlerglieder der hiesigen Capensischen Art
gerade, wie sie Lucas bezeichnet, „contournes" sind. Die Kürze des
Hinterleibs , die gegen die Lucas'sche Figur nicht einmal auffällig
absticht, kann allein keinen Grund zur generischen Abtrennung ge*
ben; die Flügel bei Ctenocerus sind nicht länger als bei Clavelia.
Heterogryna« Sehr interessant ist die Beobachtung von
Giraud (Verhandlungen d. zoolog. - botan. Vereins VI. p. 180), dass
Scleroderma domestica Latr. als W^cibchen zu Pristocera depressa Klug
gehört; beide wurden bei Wien in Begattung gefangen. Es findet
also hier ein gleiches Grössen - und Forraverhältniss wie bei Me-
thoca, Thynnus und auch wie bei Myzine (wo das Weibchen Meria
nur geflügelt ist) statt, und es sind nunmehr bis auf Theocolax Westw.,
wo das Männchen noch unbekannt ist, die auffallendsten Heterogy-
nen-Formen nach beiden Geschlechtern festgestellt.
Derselbe (ebenda p. 182) glaubt Bethylus ruficornis Klug für
identisch mit Ephyris niger Westw. halten zu dürfen ; letztere Gat-
tung und Art hat jedoch ihre Stellung unter den Froclotrupiem und
Bethylus ruficornis Klug gehört entschieden nicht dazu, da er eine
Tiphia und gleich Tiphia ruficornis Lepell. ist. — Derselbe (p. 183)
fand Wyrmosa nigra Lepell. (atra Panz.) an gleichen Orten mit M.
brunnipes Lepell. und hält sie daher für Mann und Weib. (Dies ist
bei dem gemeinsamen Vorkommen beider Arten in vielen Gegenden
wohl nicht mehr zweifelhaft und auch schon von Smith so ange-
nommen ; der Name der Art ist aber zu ändern, da sich die Tiphia
villusa Fabr. nach Vergleich des Original - Exemplars als identisch
mit Myrmosa atra Panz. herausgestellt hat und daher die Benennung
Myrmosa villosa Fabr. (^ atra Panz., nigra Latr., ^ melanocephala
Latr., brunnipes Lepell.) einzuführen ist.) — Demzufolge ist die An.
nähme ^von] Giraud (ebenda p. 183) , dass Tiphia villosa Fab. das
Männchen der Tiphia femorata Fab. sei, ebenso irrig wie die gleiche
von Shuckard; auch Bethylus ater Klug gehört nicht als Mann,
eben zu Tiphia femorata, sondern tritt der Tiphia morio Fab. sehr
nahe, mit der sie vielleicht zusammenfällt. Dem Hef. liegen von
Tiphia femorata Männchen und Weibchen mit rothgefärbten Mittel,
und ilinterschenkeln vor. ~ In Betreff von Myrmosa mag noch er.
'394 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
wfihnt sein, dass als zweite Art zu derselben der Hylaeus thoracicus
Fabr. aus Italien , nur im männlichen Geschlechte bekannt und nach
dem Fabricius'schen Originalexemplare verglichen , gehört.
fi^ormicariAe« Die schon im vorigen Jahresberichte (p. 109)
beiläufig erwähnte Arbeit Nyl and er's über die französischen Arten
dieser Familie ist in den Annales des sciences naturelles V. p. 51-^
109. pl. 3 unter dem Titel: „Synopsis des Formicides de France et
d'Algörie« erschienen. Der Verf. glaubt geringfügigere Unterschiede
in der Körperbildung, wie sie von Förster, Curtis und Mayr zur
Aufstellung von Gattungen benutzt worden sind, passender als Gruppen-
Charaktere verwerthen zu können und schränkt daher die Zahl der
ersteren seinen Vorgängern gegenüber wieder sehr ein ; es werden
z. B. Tapinoma Foerst. und Hypoclinea Foerst. wieder mit Formica
vereinigt und die von Curtis und Mayr auf Kosten von Myrmica
errichteten Gattungen eingezogen. Die Beschreibungen der Arten hat
der Verf. kurz, fast diagnosen-artig gehalten, ohne ihnen jedoch da-
durch etwas von ihrer Brauchbarkeit beim Bestimmen zu rauben,
indem die wesentlichen Charaktere stets sehr scharf und präcis darin
hervorgehoben sind; eine weitläuhge Beschreibung war übrigens um
so weniger geboten , als einerseits der grösste Theil der Arten be-
reits bekannt war, andererseits die zunächst verwandten zu einer
Anzahl von Gruppen vereinigt worden sind, deren natürliche Cha-
raktere noch besonders auseinandergesetzt werden. Eine beifolgende
Tafel erläutert ausserdem durch zahlreiche Abbildungen die Eigen-
thümlichkeiten in der Bildung der Fühler, der Mundtheile und Flügel.
Es sind nach Nyl an der folgende Gattungen in Frankreich und Al-
gier vertreten : 1) Formica durch 35 Arten , davon neu : F. opaca
(Savigny, Atlas) aus Süd -Frankreich und Algier, micans aus Algier,
fallax von Montpellier, nassuta aus Süd- Frankreich , nigerrima von
Montpellier und gvctcileseens in den Treibhäusern des Jardin des plan-
tes (also eingeführt). — 2) Polyergus l Art. — 3) Ponera 1 Art. — ■
4) Typhlopona 1 Art (Algier). — 5) Myrmica 29 Arten, davon neu:
M. scalpturala aus Algier , anguslula aus Süd-Frankreich , siinpUcius»
cula aus der Umgegend von Paris, recedens aus Süd- Frankreich. An-
hangsweise wird Myrmica russula als neue Art von St. Domingo be-
schrieben). — 6) Strongylognathus 1 Art. — Neben den als neu be-
schriebenen Arten machen auch die zahlreichen kritischen und syno-
nymischen Bemerkungen des Verf. , von denen seine Beschreibungen
begleitet sind, die Arbeit für das Artenstudium der Familie wichtig;
auch das Heranziehen der Algerischen Arten hat sich in sofern von
Nutzen erwiesen, als mehrere der aus Süd-Europa beschriebenen mit
ihnen zu.sammenfallen. In Betreff der letzteren hat Nylander
jedoch ebenso wie Mayr (Formicina austriaca) eine kleine Arbeit
von Leach zu beachten versäumt, welche (in Vigors Zoological Jour-
während des Jahres 1856. 395
nal Vol. II enthalten) eine Beschreibung von dreizehn bei Kixza vor.
kommenden Ameisen enthält, und in welcher vielleicht schon man.
che der von beiden Verf. als neu beschriebenen Arten anders benannt
sein mag.
Mayr (Verhandlungen des zoolog.-bolan. Vereins in Wien VI.
p. 178) zählte 21 aus Ungarn bekannt gewordene Ameisen auf: 15
Formica, l Tapinoma, 1 Hypociinea, l Ponera, l Myrmica, 1 Lepto.
thorax, l Diphlorhoptrum. Die südlichen zwei Drittlheile üngarn's
schliessen sich in Bezug auf die Ameiieo der südenropäiscben
Fauna an.
Sehen ck (Jahrbücher des Vereins f. Naturk. hn Herioglhum
Nassau XI. p. 90 ff.) gab eine systematische Uebersichl der früher
von ihm zusammengestellten Nassauisehen Ameisen nach der Mayr'.
sehen £intheilung in Gattungen und berichtigte die Synonymie nach
Vergleich von Originalexemplaren. Es kommen hiernach im Herzog.
Ihum Nassau vor: 19 Formica, 2 Tapinoma, l Polyergus, 1 I'onera,
5 Myrmica, l Myrmecina, 2 Tetramorium, 8 Leptothorax, 1 Diplorho.
ptrum, 2 Atta, 1 Strongylognathus,
Wylander (Bullet, d. 1. soc. entomol. p. LXXVIII) gab eine
Uebersicht der auf dem JMont-üor von ihm beobachteten Formicinen;
es sind 7 Formica und 7 Myrmica-Arten.
Derselbe (ebenda p. XXVlll) diagnosticirle als neue Art:
Formica (Tapinoma) gracilescens, welche in den Treibhäusern des
Jardin des plantes zu Paris lebt, Zugleich giebt er die Notiz, dass
Calagliphis Fairmairei Forst, das Männchen von Formica viatica Fab.,
so wie dass Aphaenogaster senilis Mayr mit Myrmica testaceo- pilosa
Lucas identisch sei. In Bezug auf letztere Art stimmt auch Lucas
(ebenda p. XXXIV) der Ansicht Nylander's bei.
Nach Leon Pufoür (Annales d.i. soc. entomol. IV. p. 341 ff.)
ist Atta capitata Latr. mit Formica barbara Lin. identisch; nach Lu-
cas (Bulletin d. 1. soc. entomol. p. XXj ist Myrmica Algerica Luc.
gleich Crematogasler scutellaris Oliv ; nach Sichel (ebenda p. XXXI)
ist Formica aliena Forst, nur eine Varietät von F'orm. flava Fabr.,
welche beide Arten am selbigen Tage in grosser Menge gemeinschaft.
lieh flogen.
Einige neue Nord . Amerikanische Ameisen wurden von Asa
Fitch (Keport on the noxious Insects of the State of New. York
p. 62, 151, 130 ff.) beschrieben: Formica ^ovaehoracensis nur in Ar.
heitern bekannt, der F. herculeana nahestehend; Formica CaryaCy mit
F. subsericea Say verwandt, in allen drei Geschlechtern beschrieben,
gräbt Gallerien im Nord- Amerikanischen Wallnussbaum , Mijrmica
Cerasiy in Neutris beschrieben, lebt in Gesellschaft der Aphis Cerasi
auf Kirschbäumen.
Clirysididae. Schenck, Beschreibung der in Nassau auf.
'Sö6 G er staecker: Böricht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
gefundenen Goldwespen (Chrysidida) nebst einer Einleitung über die
Familie im Allgemeinen und einer kurzen Beschreibung der übrigen
deutschen Arten. (Jahrbücher des Vereins für Katurkunde im Her-
zogthum Nassau XL p. 13—89.) — Der Verf. geht zunächst auf eine
ausführliche Schilderung des äusseren Körperbaues der Familie im
Allgemeinen ein, stellt die bisher über die Lebensweise der ersten
Stände gemachten Beobachtungen zusammen, analysirt die von Klug
und Dahlbom aufgestellten systematischen Eintheilungen der Chry-
siden, führt einige von letzteren aufgestellte Gattungen auf die zuvor
von Förster begründeten zurück und bringt zuletzt die von ihm
selbst angenommenen unter eine analytische Tabelle. Letztere sind:
Chrysis, Hedychrum, Holopyga, Ellampus (ümalus et Ellampus Dahlb.),
Notozus (Ellampus pars Dahlb.) und Cleptes. Sodann folgt die aus-
führliche Beschreibung der in Nassau aufgefundenen Arten dieser
Gattungen, deren Zahl sich nach dem Verf. auf 40 stellt, jedoch in
Betracht, dass mehrfach unbedeutende Abänderungen in Sculptur und
Färbung als eigene Species (deren Berechtigung der Verf. meist selbst
nach der Beschreibung bezweifelt) aufgestellt worden sind, bedeutend
zu reduciren sein würde. In keiner Familie der Hymenopteren ist
die Aufstellung neuer Arten nach einzelnen Exemplaren so zu vcr.
meiden, wie in der vorliegenden, da fast alle in Grösse, Färbung und
Skulptur sehr beträchtlichen Verschiedenheiten unterworfen sind, die
sich bei Vergleich grösserer Reihen leicht als individuelle ergeben.
— Chrysis 18 A. (Chr. vitripennis , impressa , gracilis , brevidenlata,
marg'inalis , ornata als neu beschrieben), Hedychrum 4, Holopyga 4
(W. splendidula und varia neu), Ellampus 5 (E. pygtnaeus neu), Noto-
zus 7 (iV. affinis, elongalus , pulchellus und minutulus neu), Cleptes 2.
— Zum Schlüsse führt der Verf. noch die deutschen Chrysiden in
einer analytischen , Tabelle auf: 32 Chrysis, 1 Chrysogona, 2 Stilbum,
I Euchroeus, 1 Farnopes, 11 Hedychrum, 5 Holopyga, 7 Ellampus,
II Notozus, 2 Cleptes. — Unter den von Schenck als neu aufge-
stellten Arten lassen sich Chrysis vitripennis^ impressa, gracilis, angu^
slula und bretidenlala nach den Beschreibungen mit Sicherheit als
Abänderungen der Chrys, ignita Lin. erkennen, Chrys, marginalis ist
analis Spin, und ornata mit splendidula Rossi (rutilans Encycl.) iden-
tisch. Notozus affinis und pulchellus sind jedenfalls nicht von Ellam-
pus Fanzeri Latr. verschieden ; von mehreren anderen Arten ist eine
Identität mit bereits bekannten zu vennuthen, wenn auch nach den Be-
schreibungen nicht festzustellen.
Fahre (Annales d. scienc. nalur. VL p. 188) erhielt aus den
Cocons, eines Anlhidium und aus denen derTachytos tarsina ein klei-
nes Hedychrum und schliesst hieraus, dass die Chrysiden ihre Eier
in den Körper anderer Hymenopteren- Larven legen, was bisher be-
stritten worden ist. (?)
während des Jahres 1856. 397
Clialcidiae. Coquebert, „Sur un Chalcidite parasite
d'unc Mante de l'ile Bourbon" (Annales de la sog. entomol. IV.
p. 505 ff. pl. 15. fig. 1 a) gab eine Beschreibung und Abbildung einer
neuen Art Priomerus insidiosus f welche parasitisch in den Eiern der
auf Isle Bourbon einheimischen Mantis pustulata lebt. Die Weibchen
dieser Art verbergen sich unter den Flügeldecken der Mantis zwi-
schen den Hinterflügeln und kommen während des Eierlegens hervor,
um in die noch weiche Eierkapsel ihre eigenen Eier abzusetzen. (Die
von Coquerel beschriebene und abgebildete Art würde zur Gat-
tung Palmon Dalm. gehören, deren 10 von Westwood bekannt
gemachte Arten sämmtlich in den Eiern von Mantis - Arten, parasili-
ren. Der Verf. scheint von <ler Westwood'schen Arbeit nichts zu
wissen, indem er die in der Introduct. mod. classif. erwähnten Arten
von Isle de France als. nicht beschrieben bezeichnet; ein Vergleich
der Coquerel'schen Art mit den beiden von West wo od beschrie-
benen ergiebt übrigens die Selbstständigkeit der ersteren. Ref.)
Einige neue Kord-Amerikanische Arten wurden von Asa Fitch
(Report on the noxious Insects of the State of New -York p. 200)
beschrieben: Cleonymus Clisiocampae lebt parasitisch in den Raupen
von Clisiocampa sylvatica Harris; Trichogramma (?) orgyiae aus der
Raupe von ürgyia leucostigma Abbot erzogen und Trich. fralerna;
die beiden letzteren sind vom Verf. schon früher in einer Nord-Ame-
rikanischen landvvirthschaftlichen Zeilschrift „The Country Gentlcma;)"
beschrieben worden, ihre Beschreibung aber hier nochmals wieder.i«
gegeben. . [.]
Nees V. Esenbeck (Jahresheft d. Krainischen Landesmuseuqi^
Laybach 1856. p. 31) lieferte die Beschreibung einer neuen Art: SU
phonura Schmidtiif welche von F. Schmidt aus Krainer Gallen er-
zogen wurde, in denen sie wahrscheinlich parasitisch von Cynips-Lar-
ven lebt. (Dass die Larve der Siphonura, wie hier gemulhmasst wirdy
sich von der Gallensubstanz nährt, ist gewiss nicht anzunehmen.)
Chalets rufofemorala wurde als fragliche neue Art von Ro-
senhauer (Thiere Andalusiens p. 375) diagnosticirt.
Von Giraud (Verhandl. d. zoolog.-botan. Vereins in Wien VI,
p. 185) wurde eine zweite Art der Galtung Elasmus Weslw. unter
dem Namen Elasmus Weslwoodii beschrieben; sie stammt aus der UmJ
gegend von Wien und wurde aus kleinen Gallen von Populus tre'-
mula, deren Erzeuger unbekannt ist, erzogen.
In Bezug auf den im vorigen Jahresberichte (p. 115) erwähnten
Dicellüceras vibrans Menz. (Encyrlus platycerus Dalni.) sind die von
Ruthe und Reinhard (Entomol. Zeitung p. 46 und 107) bekannt
gemachten Beschreibungen derselben oder einer wenigstens nahe ver-
wandten Art derselben Gattung zu vergleichen. Reinhard giebt an
39^ Gerslaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
der ihm vorliegenden Art einige Abweichungen von der Menzel'schen
ßeschreibung an und rechnet sie zur Gattung Eupelmus Dalra.
Nach Reinhard (Enlomol. Zeitung p. 107) ist Pteromalus fas-
ciculatus Forst, mit Mesopolobus fasciiventris Westw. identisch.
Cynipidae* Neue Arten aus Andalusien sind : Cynips His-
panicn f Rosenhaueri j jncla und Synergiis scaber Harlig (in Rosen-
hauer's Thiere Andalusiens p. 373 ff. beschrieben).
Nach Giraud (Verhandl. d. zoolog.-botan. Vereins in Wien VI.
p. 186) ist Onychia bicolor Fonsc. Dahlb. schon von de Vi Hers als
lenthredo sculellata beschrieben worden und muss daher Onychia
scutcUata heissen ; Onychia aculeata Dahlb. hält er für identisch mit
Figites spinosa Fonscol.
F. Schmidt erzog aus Gallen von Cynips lignicola ausser
dieser Art noch folgende darin parasitisch lebende Insekten, deren
Larven sich iheils von der Gallensubstanz , theils von der Cynips-
Larve ernähren möchten: Synergus Haineanus Ratz., Eurytoma si-
gnata Nees, Istriana Koll., Siphonura Schmidtii Nees, Pteromalus dila-;
tatus Koll., TOrymus puparum Nees und einen Toririx: Carpocapsa
Kokeilana Freyer.
Iclineuinonidac Ho Imgren hat in einer Abhandlung
„Entomologiska anteckningar under en resa i södra Sverige ar 1854«
(Kongl. Vetensk. Akad. Handling. f^ ar 1854 , Stockholm 1856. p. l
— 104) eine Ueberöicht der im südlichen Schweden vorkommenden
Ichneumoniden gegeben und sämmtliche von ihm aufgefundenen Ar-
ten, gleichviel ob bereits beschrieben oder neu , durch kurze lateini-
sche Beschreibungen charaUterisirt; letzteren folgt ausserdem noch
eine Auseinandersetzung der Unterschiede von den zunächst verwand-
ten, in schwedischer Sprache. Der Inhalt der Arbeit ist folgender :
1) Compressiventres : Campoplex 35 Arten, davon neu: C. areolatöff
nitidulalOT-f vatidicornis, fallax, fnmipennis, antennalor, minutus, peclo^
raliSf sericeus, junipcrinus, fuscipes, incrassator, lUoralis und stagnalisj
Paniscus 2 A., Cremaslus 2, Porizon 3, Ophion 2, 'frachynotus 1,
Anomalon 4 (^Ä. Wesmaeli neu), Pachynierus 1, Exetastes 4, Banchus 2.
2) Ichneumonides (die Gattungen sind hier nach Wesmael ange-
nommen und aufgeführt): Ichneumon 28, neu: /. curvineivisj Hoplis-
menus 1 , Amblyteles 10 , Hepiopelmus 1 , Trogus 1 , Platylabus 2,
Herpestomus 1, Colpognathus 1, Cenlelerus 1, Phaeogenes 7, Aethe-
cerus 1, Diadromus 2, Alomya 1. — 3) Crypli: Macrobnlus n. g. auf
Cryptus macrobatus Grav. gegründet, dessen Namen in M. clavalor
umgeändert wird; Cryptus l7 (C. Bohemani neu), Phygadeuon 6,
Hemiteles 7 (//. nasutns neu) , Mesochrous 3 {M. gibbutus neu), Ple-
ctiscus 2, Pezomachus 1. — 4) Tryphonides: Perilissus 1, Priopoda
n. g. } auf Mesoieptus sticticus und xantbospanus Grav. gegründet,
während des Jahres 1856. 399
Mesoleptus 15, davon neu : !U. feveolutor (Ues. ncmoralis var. 3. Grtiv.),
afßniSf gracilis , paludicota (Meg. typhae var. 5. Gray.) und macrodam.
chjlus; Lasiops n. g. auf Tryphon piloscllug Grav. gegründet, Meso^
leius n. g. auf mehrere Gravenhorst'sche Tryphonen , t. B. Tr. nigri-
collls, erythrocerus u. g. w. gegründet , mit 8 Arten, wovon M. mc^
ridionalis neu: Exentcrus 4 {E. bimacuLatus und Umbatus neu), Exy-
ston 1, Polyblastus ß (P. caudatus, laevigntus neu), Tryphon 10 (Ir.
bicornutus, confinis, triseidptus, fuscicornis neu) , Exochus 4 (£. flava-.
marginalus neu), Colpolroehia n. g. , auf lehn, eleganlulus Schrank
gegründet, Monoplectron n. g. mit einer neuen Art: M. zygatnalor^
Bassus 12 (ß. areolotus neu). — 5) Pimplarlae: Ephialles 2, Pim-
pla 12 (P. variabilis neu), Polysphincta 3, Phylodiaelus 2 {Pb. albtpes
neu), Cylloceria 2, Lissonota 12 (L. dubianea), Clislopyga 2 (C. m-
fai,or neu,;, Glypla 6 {Gl, albifrons neu).
Derselbe lieferte (Öfversigt af Kongl. Vetensk. Akad. För-
kandl. 1856. p. 69 ff.) neben einer Charakteristik der Gattung Schizo-
pyga Grav. die Beschreibuag von vie? in Schweden vorkommenden
Arten derselben; Seh. podagrica und analis Grav. mit schwaraem Ge-
sichte beim Weibchen, varipes und fiavifrons als neue Arten mit gel-
bem Gesichte in beiden Geschlechtern.
Die in England vorkommenden Ichneumoniden sind von Des-
vigues im Catalogue of British Ichneumonidae in Ihe coUection of
the British Museum (siehe oben!) verzeichnet worden und die vom
Verf. als neu angesehenen Arten beschrieben, Die einzelnen Gat-
tungen sind in England folgendermnssen vertreten : Ichneumon 167
Arten (davon neu: I. tnaculiventris^ obalor^ erassoriiiSj relucenSf lenla^
toriusf ßavooinctuSf minutorius, Linotatus, niveaiusy rubedinisjj Prislice.
ros 1, Ischnus 3, Stilpnus 5, Brachypterus 1, Mesoleptus 48 {M. rni-
deeimnolatus neu) , Tryphon 6l (Tr. Scoticns und bimacutalus neu),
Cteniscus 10, Exochus 17, Scolobates 2, Chyronomoh 1, Sphinctus 1,
Trogus 4, Piatylabus 2, Apacleticus 1, Alomya 1, Hoplismenus 7 (//.
seinirtifus neu), Cryplus 58 {Cr. ruficepSf tumiduSy elegansj sanguinator
und rufoniger neu), Phygadeuon 25, Mesostenus 3 , Hemiteles 15,
Agriotypus 1, Pezomachus 23, Fhytodiaetus 11 (PA. obscurus und or*
natus neu), Ischnoceros 1 , Mesochrous 15, Plectiscus 3, Helictes 4,
Glypta 18 {Gl. femorator , bicornis , pedata, nigrina, flavipesy rußceps,
lineala neu), Lampronota 25 {L. fulvipes, frontalis, nolabilis, scmirufa,
taripes neu), Polysphincta 3, Schizopyga 3, Clislopyga 3, Pimpla 18,
Ephialtes 11 (£. ruficolUs neu), Bhyssa 1, Melopius 3, Bassus 19
{B. compressus neu), Orthocenlrus 3, Euceros 3, Banchus 4, Exela-
stes 12 (ß. femoralor, maurus, facialis neu). Arotes 1, Älacrocoleus 1,
Campoplex 44 (C. placidus, Henaultii, myrlillus , lomeulosus neu), Pa-
niscus 4, Anomalen 18 {A. capilalum , mirabile, interruptum neu),
Ophion 9, Trachynolus 1, Pachymerus 1, Prislomerus 1, Cremaslus 5,
400 Gerstaecker: Bericht ob. d Leistungen in d. Entomologie
Porizon 9, Alractodes 2, Acoeniles 1, Xylonomus 4 (X rusUcus neu),
Xorides 3 (X scutellaris neu), Eclhrus 1.
Von Asa Fi Ich (Report on the noxious Insects of New- York
p, 269) wurde Pkygadeuon Planosae als neue Art aus Nord - Amerikaj
beschrieben; sie lebt parasitisch in der haupe von Planosa Laricis. ,
Nach Sichel (Bulletin de la soc. entomol. p. LXXYII) sind
Lissonota insignita Grav. und verberans Grav. Männchen und Weib-
chen derselben Art, ebenso ßanchus ornatus Grav. das Männchen zu
B. rufipes Grav. (Fem.) ; letztere beide wurden in Begattung ge-
lunden.
Azambre (Bulletin de la soc. entomol. p. XXV) hat Ichneumon
rufinus Grav. aus den Puppen von Ophiusa illunaris (Raupe auf Ta-
marix in Italien lebend) erzogen.
Ilraconides. Prodromus einer Monographie der Gattung
Microclonus VVesmael von J. Ruthe (Entomol. Zeitung p. 289— 308).
Der Verf. liefert hier eine sehr sorgfältige Beschreibung von 33 in
der Berliner Umgegend von ihm aufgefundenen Microctonus-Arten,
von denen nur 9 von Wesmael und Nees v. Esenbeck bereits
beschrieben waren, alle übrigen dagegen neu sind. Nach einer Fest-
stellung der Gattungs - Charaktere reiht der Verf. die Arten in einer
analytischen Tabelle, aneinander , welcher in erster Instanz die Ver-
schiedenheiten im Flügelgeäder zu Grunde gelegt sind ; die Arten
zerfallen nämlich 1) in solche , wo die erste Cubital - und die äus-
sere Diskoidalzelle durch keinen Nerv getrennt sind und also in ein-
ander münden (I8 Arten) und 2) in solche, wo die erste Cubitalzelle
durch deutliche Nerven von der äusseren Diskoidalzelle geschieden
ist (15 Arten). Eine weitere Eintheilung der Arten wird nach dem
Verlaufe und der Länge des Radius u. s. w. vorgenommen. — Die
Arbeit giebt nicht nur von der Reichhaltigkeit der Sammlung des
Verf. in dieser Abtheilung der Hymenopteren, sondern auch für seine
vorzügliche Befähigung für dergleichen Arbeiten das beste Zeugniss.
Einige neue Arten aus Nord-Amerika wurden von Asa Fitch
(Report on the noxious Insects of New-York p. 136 ff.) bekannt ge-
macht : Aphidius LactucaphiSf Praon PvlygonaphiSf Viburnaphis , Trioxys
Salicaphis , Populaphis und Cerasaphis , alle aus Blattläusen erzogen,
deren Nahrungspflanze durch den Namen der Schmarotzer bezeich-
net wird.
Coquerel, Parasites de la larve du Macrotoma corticinum
(Annales de la soc. entomol. IV. p. 508 ff.) beschrieb als neue Art :
Agalhis crudelis von Madagascar und bildete dieselbe nebst ihrer
Larve auf pl. 15. fig. 2 und 3 ab ; dieselbe lebt parasitisch in der
Larve von Macrotoma corticinum.
ITenthreflinetae* Sichel (Bulletin de la soc, entomol.
während des Jahres 1856. 401
p. LXXVII) diagnosticirte Abia aurulenla als neue Art aus Piemont nach
beiden Geschlechtern; das Männchen hat keine schwarze Sammetbinde
des Hinterleibs.
Giraud (Verhandlungen des zoolog.-bolau. Vereins in Wien
VI. p. 187) setzte die Synonymie von Nematus abdominalis und Mo-
nopiiadnus abdominalis auseinander. Zu ersterer Art gehören : Tenthr.
abdominalis Panz , Nemat. fuscipennis Lepell., Wem. ventralis Harlig;
zu letzterer: Ilyloloma abdomina^lis Fab., Tenthr. ventralis Panz.,
Athalia abdominalis Lepell. und vielleicht Tenthr. croceiventris Klug.
Diptera.
Von Bigol's „Essai d'une Classification generale et
synoptique de l'ordre des Insectes Dipteres'' ist in den An-
nales de la SOG. entomöl. de France IV. p. 51 — 91 eine vierte
Abtheiiung erschienen, in welcher eine analytische Ueber-
sicht der Gattungen gegeben wird, welche die Familien „Ta-
banidii, Nemesirinidii, Cyrlidii et Leptidii" des Verf. zusam-
mensetzen. Dieser Uebersichl wird eine Vertheidigung ge-
gen die von Loew (Jahresbericht 1852) geübte Kritik, wel-
che die systematischen Versuche des Verf. betrifft, voraus-
geschickt, aus der aber nur hervorgehl, dass Bigot durch
seine dipterologischen Studien noch keineswegs zu der Ue-
berzeugung gekommen ist, dass eine natürliche Systematik
die allein anzustrebende sein muss. Dies geht z. B. aus der
von ihm ausgesprochenen Ansicht hervor, dass eine rudimen-
täre oder modificirle mittlere Pelolte für ihn keine wirkliche
ist, und dass er sich durchaus im Recht glaubt, wenn er das
Vorhandensein von zwei resp. drei ausgebildeten Pelotten
zur Aufstellung und Abgränzung grösserer Abtheilungen be-
nutzt. Gegen solche künstliche Systeme wird übrigens gewiss
Niemand etwas einzuwenden haben, wenn sich der Verfasser
selbst durch dieselben befriedigt fühlt; aber freilich müsste
er dann nicht (p. 52) von seiner Einlheilung rühmen, dass
sie nicht künstlicher sei als die von Latreille, und dass
sich nach derselben eine Bestimmung der Galtungen leichter
und sicherer bewerkstelligen lasse als nach irgend einer
früheren ; denn dass in seinen analytischen Tabellen mehr
Gattungen enthalten sind, als in früheren Arbeiten , ist doch
wahrlich nicht sein Verdienst und überdem fehlen in densel-
Archlv f, Naturgesch. XXIII, Jahrg. 2. Bd. , J^J^
40!l Gerslaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
ben noch gerade hinreichend viele der bekannten. Die Neue-
rungen, welche der Verf. macht, beruhen zum Theil auf den
gröbsten Missgriffen und Beobachlungsfehlern und sind gröss-
tentheils ohne irgend welche Berechtigung, wie dies die
gleich zu erörternden speciellen Fälle zeigen werden. Die
Zusammenstellung der analytischen Uebersichten, welche frei-
lich nur die dem Verf. bekannten Gattungen enthalten — die
ihm unbekannten werden oft sehr eigenthümlich beurtheilt —
kann Fleiss und guter W^ille nur zuerkannt werden, jedoch
man ersieht daraus keinen rechten Zweck, da die bereits
bekannten Gattungen sich nach den Beschreibungen der frü-
heren Autoren viel besser beurlheilen lassen : die wenigen
neuen hätten aber auch ohne jene Zuthat beschrieben wer-
den können^ nur müssten sie besser begründet sein, als es
hier geschehen ist.
Eine der sonderbarsten Ansichten Bigot's ist die , dass die
Henopier-Gattung Philopota nur zweiPelotten hat (während drei sehr
deutliche vorhanden sind) und dass er sie aus diesem Grunde aus
jener Familie zu entfernen und sie den „Empiden oder Bombyliern« (!)
beizuordnen gesonnen ist (p. 65). — In derselben Familie glaubt er
auf den Panops ocelliger Wied. eine eigene Gattung Vertexislemma
(horribile dictu !) begründen zu müssen, weil diese Art Ocellen habe
und die Fühler bei ihr dicht über der Mundöffnung eingelenkt seien:
als wenn beide Merkmale nicht den übrigen Arten der Gattung (La-
sia Er.) ebenfalls zukämen, nur dass die Ocellen bei diesen kleiner
sind und nicht erhaben liegen (p. 65). — Die Gattung Chauna Loew
wird als zu den Leptiden gehörig angesehen ! (p. 66") — Von Atherix
will der Verf. gewisse Arten (welche?, wird nicht gesagt) als eigene
Gattung Pc/ecÄoirfoccra (gewiss eine sehr mysteriöse Benennung!) ab-
trennen, weil bei ihnen das letzte Fühlerglied nach unten „sehr
merkwürdig erweitert" ist ; bei den Meigen'schen Arten ist es aber
durchweg nach unten erweitert (p. Q6). — Die Odontomyien mit un-
bewaffnetem Schildchen will er als eigene Gattung Inennyia (!) ab-
trennen und zwar wird als Beispiel 0. edentula Wied. angeführt, die
jedoch zu Cyclogaster Macq. gehört; ander®, wie 0. inermis Wied.
lassen sich aber auf dieses Merkmal hin nicht von ihren Verwandten
(0. 41ineata, pulchra , fenestrata u. s. w.) trennen (p. 62). — Die
Gattung Xenomorpha Macq. , über welche Ref. dem Verf. mittheilen
kann, dass sie mit Chiromyza Wied. zusammenfällt , soll zu den Xy-j
lophagen gehören, von denen sie aber durch die bei der Flügelspitz(
aufhörende Randader und überhaupt durch das Flügelgeäder sehr ab.
weicht (p. 62). — Die einzige begründete von den neuen Gattungenj
wflhrend des Jahres 1856. 403
des Verf. ist Tabanocella (p. 62), für Silvias denticornis Wied. errich-
tet, mit welcher Art, beiläufig bemerkt, Dichelacera binotala Macq.
identisch ist. — Zwei andere angezeigte Gattungen, Heleroxijcera und
Pedicellaf erslere eine Abzweigung von Oxycera, letztere von Sargus
(p. 63) sind nicht näher erörtert und für dieselben nicht einmal be-
stimmte Arien angegeben. — Wach diesen unglücklichen Versuchen
scheint der Verf. wohl schwerlich zum Reformator der dipterolögi-
schen Systematik berufen zu sein.
Insecla Brifannica. Diplera Vol. III, by Francis Wal-
ker, London 1856. (8. 352 pag. , pl. XXI— XXX.) — Der
vorliegende dritte Band der Englischen Dipteren, welcher den
Schluss des Werkes bildet, enthält die Familie der Pulicidae
und die grosse Abtheilung der Nemocera in umfassender Be-
arbeitung und ist in Betreff der Artenkenntniss der inländi-
schen Tipularien, deren eine beträchtliche Anzahl neuer cha-
rakterisirt wird, für die Dipterologen von grosser Wichtig-
keit. Die Artenbeschreibungen sind wie in den beiden früheren
Bänden meist von Walker verfasst, die allgemeinen Be-
merkungen über Galtungen und Familien dagegen eine Zu-
gabe H a 1 i d a y's, der zugleich eine Reihe von Verbesserungen
und Zusätzen zu den beiden ersten Theilen geliefert hat. Die
für diesen dritten Band zugesagte Einleitung in das Studium
der Englischen Dipteren ist in der Aussicht auf einen Sup-
plementband weggelassen worden. Zehn sehr schön von
W est wo od auf Stein gezeichnete Tafeln bilden eine beson-
dere Zierde des Werkes; sie enthalten die Hauptrepräsentan-
ten der einzelnen Gruppen und Gattungen sehr charakteri-
stisch abgebildet und geben ausserdem zahlreiche Darstellungen
einzelner wichtiger Körpertheiie. — Was die Behandlung des
Stoffes vonseiten des Verf. betrifft, so ist dieselbe je nach der
grösseren oder geringeren Schwierigkeil der einzelnen Grup-
pen und Gattungen eine sehr verschiedene. Unter der Gat-
tung Chironomus, welche 195 Englische Arten umfasst, wer-
den allein 99 als neu hingestellt, jedoch nur mit kurzen,
dreireihigen Diagnosen versehen, welche in Betracht der
Aehnlichkeit und Schwierigkeil der Unterscheidung, wie sie
unter den zahllosen Arien dieser Gattung Statt hat, wirklich
einen lächerlichen Eindruck machen müssen; und dabei ist
dem Verf. eine grosse Anzahl beschriebener Arten, die als
in England vorkommend bezeichnet worden sind, unbekannt
404 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
oder zweifelhaft geblieben ! Was unter den Gattungen Ce-
ratopogon und Cecidomyia die Ueberselzung der Winnertz'-
schen Beschreibungen von Arien, deren Vorkommen in Eng-
land nicht festgestellt worden ist, in einem Werke über Eng-
lische Dipteren zu thun hat, ist dem Ref. nicht klar gewor-
den ; die neben jenen beschriebenen zahlreichen neuen Arien
beider Gattungen erregen dadurch von selbst den Verdacht
eines Mangels an Selbstständigkeit und gehöriger Begründung.
Eine Anzahl neuer Arten verschiedener Galtungen sind von
H-aliday beschrieben und deren Charakteristik aus den
Manuskripten dieses bewährten Kenners unverändert aufge-
nommen worden ; während sich diese durch ihre Schärfe und
Klarheit von selbst empfehlen, wird die Bestimmung zahlrei-
cher neuer Arten, welche von Walker in verschiedenen
leichter zu bestimmenden Gattungen aufgestellt worden sind,
je nach der Prägnanz der ihnen eigenen Merkmale mit mehr
oder weniger Sicherheit bewerkstelligt werden können , und
es wird sich eine grössere Anzahl derselben schon deshalb
als neu herausstellen , weil des unbeschriebenen Materials
unter den Nemoceren noch die Fülle vorhanden ist. Da eine
eingehende Besprechung des Werkes von Loew in der Na-
tural history review XII. p. 67 — 97 geliefert worden ist, wel-
che auf alle drei Bände ausgedehnt ist, beschränkt sich Ref.
darauf, eine kurze üebersicht über das in dem vorliegenden
Theile enthaltene Material zu geben. (Siehe Tipulariae!)
C. Rondani hat in den Nuovi lAnnali delle Scienze
Naturali di Bologna (wahrscheinlich vom J. 1855; der dem
Ref. vorliegende Separalabdruck führt keine Jahreszahl) un-
ter dem Titel : „Ordinamenlo sistematico dei generi Italiani
degli Insetti Dilteri** eine systematische üebersicht der in
Italien einheimischen Dipteren-Gattungen zu geben begonnen,
welche jedoch mitten inne abgebrochen wird, indem sie, wie
der Verf. angiebt, durch die Herausgabe eines grösseren
Werkes, von dem der erste Theil bereits im J. 1856 erschie-
nen ist (Diplerologiae llalicae prodromus Vol. I) überflüssig
gemacht wird. Nachdem der Verf. in einer Einleitung seine
Ansichten über Systematik, systematische Merkmale, über Gat-
tungs- und Artnamen und endlich eine Terminologie des
Flügelgeäders gegeben hat, geht er auf eine Zergliederung
während des Jahres 1856. 405
seiner grossen Abiheilung der Muscidae (Alhericera aucl.)
ein und behandelt hier die Familien der Oeslraceen und einen
Theil der Syrphici. Letzlere zerfallen nach ihm in Serico-
myellae, Helophilellae, Milesiellae, Syrphellae, Chrysotoxellae,
Microdonellae, Callicerellae und Ceriellae. Die Charaktere
der einzelnen Galtungen werden in einer Tabelle analysirl
und jeder einzelnen als Typus eine bekannte Art beigesellt.
— Das genannte grössere Werk des Verf. hat dem Ref.
bisher noch nicht zur näheren Einsicht vorgelegen, daher
er den Bericht darüber bis zum nächsten Jahre ausset-
zen muss.
Zur Kenntniss der Dipteren-Fauna des tropischen Asiens
sind in diesem Jahre zwei Beiträge geliefert worden:
1) Eerste Bijdrage tot de Kennis der Dipterologische
Fauna van Nederlandsch Indie door C. L. Do lese hall.
(Natuurkundig Tijdschrift voor Nederlandsch Indie , uitge-
geven door de Naluurkundig Vereeniging in Nederlandsch
Indie X. 1856. p. 403— 414. 12 lith. Taf.) — Der Verf. giebt
hier eine Aufzählung von 43 Dipteren verschiedener Fami-
lien, sämmtlich auf Java gesammelt und beobachtet, von de-
nen er die meisten (35) als neu ansieht und durch lateinische
Diagnosen charakterisirt ; die übrigen acht sind nach Wie-
demann und Macquart bestimmt. Die Diagnosen der
neuen Arten sind kurz uud beschränken sich auf Angabe
der Färbung der einzelnen Körpertheile; obwohl sämmtliche
Arten auf 12 beifolgenden lithographirten Tafeln in vergrös-
sertem Maasse dargestellt und noch durch Detailzeichnungen
erläutert sind, so können ihre Diagnosen als zur Bestimmung
nicht ausreichend erachtet werden. Um sich darüber zu ver-
gewissern , dass die beschriebenen Arten wirklich als neu
anzusehen sind , müsste ein Vergleich derselben mit den in
den letzten Bänden von Macquarl's Dipteres exoliques und
in ilen neueren Englischen Arbeiten veröffentlichten vorge-
nommen werden, welche der Verf. nicht gekannt zu haben
scheint; einige derselben Hessen sich jedoch schon auf Wie-
demann'sche Arten zurückführen, worüber bei den einzelnen
Familien das Nähere mitgelheilt worden ist.
2) Calalogue of the Diplerous Insects collected ad Sin-
gapore and Malacca by Mr. A. R. Wallace, wilh descri-
40Ö Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
ptions of new species. By F. Walker. (Journal of the
Proceedings of Ihe Linnean society Voll. p. 4—39, mit Taf.
1 und 2.) — Eine Aufzählung von 123 Arien von Dipteren,
welche an den genannten Lokalitäten von W a 11 ace ge-
sammelt wurden; ein grosser Theil derselben ist neu und
hier in Walker's bekannter Art beschrieben. Von den neu
errichteten Gattungen gehört eine den Straliomyiden , alle
übrigen den Muscarien an; das Erkennen derselben, welches
nach den Beschreibungen des Verf. wohl mit einigen Schwie-
rigkeiten verbunden sein möchte, wird durchzwei von West-
wood gezeichnete Tafeln ermöglicht.
Als Vorläufer einer grösseren Arbeit über Afrikanische
Dipteren ist von Loew ein „Bidrag tili kännedomen om
Afrikas Diptera** in der Öfversigt af Kongl, Vetensk. Akad.
Förhandlingar 1850. p. 255 — 264 veröffentlicht worden, in
welchem der Verf. sich über die numerischen Verhältnisse
der bis jetzt aus Afrika bekannt gewordenen Arten verbreitet
und eine Anzahl von Faunengebieten , wie sie sich aus dem
gegenwärtig vorliegenden Material für diesen Welltheil er-
geben, abgränzt. Als solche durch den Charakter der Dipte-
ren-Fauna bestimmte Distrikte werden hingestellt: 1) der
nordöstliche (Aegypten, Nubien, Abyssinien) mit 157 bis jetzt
bekannten Arten, 2) der nördliche, welcher die ganze Küste
von Tripolis bis Marokko umfasst, und bis jetzt 172 Arten
enthält, 3) der Distrikt der westlichen Inselgruppen mit 49
Arten, 4) der westliche (Senegambien bis ßenguela) mit 194
Arten, 5) der südliche des Caplandes mit der bedeutenden
Zahl von 471 Arten, 6) der östliche Inseldistrikt (Madagas-
car u. s. w.) mit 90 und 7) der Distrikt der Ostküste (Mos-
sambique bis Bab el Mandeb) mit nur 37 Arten. — Der
Verf. beabsichtigt, nicht nur die von Wahlberg im Caf-
fernlande gesammelten Arten, sondern auch andere ihm aus
den übrigen Theilen Afrika's zugekommene in seine Arbeit
aufzunehmen; da die Publikation derselben noch nicht in na-
her Aussicht steht ^ will er vorläufig die neuen Arten fami-
lienweise durch Diagnosen bekannt machen; im vorliegen-
den Theilc ist mit den Straliomyiden der Anfang gemacht
worden.
Desselben ,;Neue ßeitr?ige zur Kennlniss der Dipte-
I
während des Jahres 1356. 407
ren* sind mit einem vierten Beilrage (Berlin 1856. 4. 56pag.)
forlgeselzt worden , in welchem der Verf. über die von
Frauenfeld in Aegypten und von Mann' in Corsica ge-
sammelten Dipteren Mitlheilungen macht und die auf einigen
nach dem Neusiedler See bei Wien, nach Steyermark und
Kärnthen unternommenen Excursionen gesammelten und be-
obachteten Dipteren, so weit sie näheres Interesse in Betreff
auf geographische Verbreitung, Synonymie u. s. w. darboten,
sehr eingehend und interessant erörtert. Die in diesem allge-
meinen Theile der Arbeit erwähnten neuen Arten , 69 an
Zahl und zum grösslen Theile den genannten Lokalitäten an-
gehörig, werden im Anhange ausführlich beschrieben. Sie
gehören den verschiedensten Familien an und sind unter die-
sen einzeln namhaft gemacht worden; dagegen muss Ref. in
Betreff der zahlreichen und zum Theil in systematischer Hin-
sicht wichtigen Bemerkungen über bereits bekannte Arten,
welthe in dem allgemeinen Theile der Arbeit enthalten sind,
auf diese selbst verv^eisen.
Zur Kenntniss der österreichischen Dipteren-Fauna lieferte
ferner Egg er (Verhandlungen des zoolog. -botan. Vereins
in Wien VI. p. 383—392) Beschreibungen neuer Gattungen und
Arten aus den Familien der Tachinarien undDexiarien, denen
auch noch Bemerkungen über einige unvollständig bekannte
Arten verschiedener Familien angereiht sind. Die neu auf-
gestellten Arten stammen aus der Umgegend Wien's und von
Triest.
Von besonderem Interesse sind ferner die schälzons-
werthen Beobachtungen Heeger's über die Metamorphosen
einiger Oesterreichischen Dipteren , welche in den Sitzungs-
berichten der mathem. nalurwiss. Classe der Akad. d. Wis-
sensch. zu Wien XX. p. 335—350 veröffentlicht sind. Die
Mitlheilungen des Verf., welche sich wie die früheren auf
eine sorgsame Beschreibung und Abbildung der ersten Stände
einlassen und die Entwicklungsgeschichte vom Eie bis zum
ausgebildeten Insekte darlegen , beziehen sich diesmal auf
2 Tipularien , 2 Stratiomyiden (Oxycera) und 2 Muscarien.
Näheres bei den einzelnen Familien.
Einige Anmerkungen zu Frauen fei d's Beilrag zur In-
sektengeschichte (siehe Jahrsberichl 1855. p. 15) , so weit
408 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
sich derselbe auf Dipteren bezieht, machte Schiner in den
Verhandlungen des zoolog.-botan. Vereins in Wien VI. 215—
224. Die von Frauen feld beobachteten und gesammelten
Arten, deren in jenem Aufsatze Erwähnung geschieht, werden
bestimmt und einige darunter befindliche neue beschrieben.
Derselbe hat unter dem Titel: „Scriptores austriaci
rerum dipterologicarum** eine Revision der von Oesterreichi-
schen Entomologen aufgeführten Dipteren begonnen. (Ver-
handlungen des zoolog.-botan. Vereins in Wien VI. p. 399 —
424.) Es werden hier die Arten, welche in Poda's Insecta
Musei Graecensis und in Scopoli's Entomologia Carniolica
enthalten und beschrieben sind, der Reihe nach besprochen
und eine Deutung derselben versucht; eine annähernd sichere
Eruirung der Species war in den wenigsten Fällen möglich.
Empusa Muscae und die Krankheit der Stubenfliegen,
ein Beilrag zur Lehre von den durch parasitische Pilze cha-
raklerisirlen Epidemieen, von Dr. F. Cohn. (Nova Acta Acad.
Caes. Leopold. XXV. 1. p. 30I—3Ö0. c. tab. 3.) Diese Ab-
handlung ist eigentlich nicht entomologischen Inhalts , son-
dern beschäftigt sich mit der Pilzbildung in erkrankten Flie-
gen, welche übrigens auch in der Natur an vielen anderen
Dipteren - Species verschiedener Familien beobachtet wer-
den kann.
Denselben Gegenstand behandelt auch: Rabenhorst,
die tödtliche Krankheit der Stubenfliege und einiger anderen
Dipteren. (Allgemeine Deutsche Naturhisf. Zeitung I. p. 377.)
Tipulariae. Die Bearbeitung der Englischen Arten dieser
Familie, welche den dritten Band von F. Walker's Insecta Brilan-
nica, Diplera (London 1856) ausmacht, mag hier durch Aufzählung
der Gruppen und Gattungen nebst Zahlenangabe der darunter beschrie-
benen Arten, wenigstens ihrem Umfange nach, dargelegt werden; die
in Klammern eingeschlossenen ZKFern bedeuten die Anzahl der als
neu aufgestellten Species. — Fam. Mycetophilidae : Wycetophila 41
(11), Cordyla 3 (1), Azana n. g. mit Wycetophila nahe verwandt, die
Fühler aber kräftig, fadenförmig, nicht länger als der Thorax, die
Flügel mit einfacher Vena subapicalis und subanalis, welche zugleich
nicht deutlich ausgeprägt sind , der Hinterleib zusammengedrückt.
Eine Art: A. scatopsoides. — Leia 17 (8), Boletina 5 (1), Sciophila
26(7), Tetragoneura 3 (1), Asindulum 1, Leptomorphus 1, Üiadocidia 1,
während des Jahres 1856. 409
Mycetobia 1 , Sciara 24 (l), Epidapas l, Zygoneura 1, Lestremia 2,
Cecidogona 1 , Calocha 2, Anarete 1, Campylomyza 5 (1), Ditomyia
3 (l), Platyura 14 (6), Macrocera 7, Bolitophila 2. — Fam. Cecido-
myzidae: Cecidomyia 162 (58) , Lasioplera 3. — Fam. Bibionidae :
Bibio 12, Dilophus 2, Scalopse 14(4), Aspisles 1 fAsp. pullus n. sp.).
— Fam. Simulidae: Simulium 5. — Fam. Chironomidae: Chironomus
193 (99). — Die grössere Zahl dieser neuen Arten ist nur durch
kurze Diagnosen festgestellt, nur wenige von Haliday ausführlicher
beschrieben, die meisten bekannten Arten aber mit einem Fragezei-
chen versehen, so dass das Labyrinth nicht zu entziffernder Arten
durch diesen Theil der Walker'schen Arbeit abermals bis in's Un-
endliche vermehrt worden ist. — Tanypus 17, Corynoneura 2, Cera-
topogon 82 (2), Clunio 1. — Fam. Culicidae: Culex 9, Anopheles 2,
Corethra 3, Mochlonyx 1 fM. effoelus n. sp.). — Fam. Phlebotomi-
dac: Psychoda 2, Pericoma 11 (4;, Ulomyia 1, Trichomyia 1, Syco-
rax 1. — Fam. Heteroclilae: Orphnephila 1 , Dixa 4. — Fam. Tipu-
lidae: Trichocera 3, Anisomera 2, Erioptera 16, Symplecta 2, Lim-
nobia 53 (8), Dicranota 3, üla 1, Rhamphidia 2 (1), Geranomyia 1,
Rhipidia 1 , Cylindrotoma 2 (1), Pedicia 1 , Dolichopeza 1 , Nephro-
toma 1, Tipula 37 (1), Ctenophora 6, Ptychoplera 5. — Fam. Rhy-
phidae: Rhyphus 2.
Schiner (Verhandl. d. zoolog. - botan. Vereins in Wien VI.
p. 216 ff.) beschrieb unter dem Kamen Thalassomijia Frauenfeldi eine
mit Chironomus zunächst verwandte Galtung und Art von der Dalma-
tinischen Küste, welche sich durch sehr kurzes, umgekehrt herzförmi-
ges viertes Tarsenglied und das Flügelgeäder von Chironomus unter-
scheidet: die Randader erreicht die Flügelspitze nicht, die dritte
Längsader liegt ganz nahe am Flügelrande und am oberen Aste der
folgenden gegabelten Längsader, so dass beide mit einander verwach-
sen erscheinen. Die Art ist nur im weiblichen Geschlechte bekannt
und die Gattung Thalassomyia daher mit Vorbehalt aufgestellt. Zwei
andere neue Arten sind Cluneo (die Gattung heisst Clunio) adriaticus
ebenfalls aus Dalmatien, unter dem Wasser auf Gruppen von Mytilus
lebend, (sie ist mit Cl. marinus Hai. in Bezug auf ihre Selbstständig-
keit noch näher zu vergleichen) und Asphondyla scrophularia^ aus Scro-
phularia canina erzogen, ebenfalls aus Dalmatien.
Ceralopogon candidalus vom Neusiedler See , Limnobia pulchri-
pennis ebendaher imA dilatata ausCroatien sind neue Arten vonLocw
(Neue Beiträge zur Kenntniss der Dipteren IV. p. 23ff.).
riecia dorsaliSf Culex annulipes^ Limnobia leucolelus , plecioides
und dichroaf Ctenophora cÄrj/sopiVa Walker neue Arten von Singapore
(Journal of proeeed. of the Linnean soc. l. p. S-f.).
Culex cingulatus f Chironomus cubiculorum ^ Tanypus pardalis,
melanurus, cyanomaculalus , nigrocinclus y Ctenophora Javanica ^ Tipula
410 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Javensis und Scalopse pusUla von Dol esc hall (Natuurk. Tijdschrift
X. p. 405 ff.).
Asa Fitch (Report on the noxious Insects of New -York
p. 176) beschrieb Cecidomyia Grossulariae als neue Art aus Nord-
Amerika, deren Larve in den jungen Früchten der Stachelbeere lebt.
— Ebenda p. 252 (F. werden beschrieben: Molobrus (d. h. Sciara Mcig.)
malt, vulgaris, fuliginosus und inconslans ebenfalls aus Nord-Amerika.
Die Larve des Mol. mali lebt gesellig im Innern von Aepfeln, deren
Fleisch sie verzehrt; während der Äpfel mit Ausnahme der ange-
stochenen Stelle äusserlich ganz gesund aussieht , ist sein Inneres
ganz und gar in eine dunkelgelbe, schwammige Masse umgewandelt,
in deren Mille sich eine grosse Aushöhlung mit den Larven und Pup-
pen dtr Fliege befindet.
Heeger (Sitzungsberichte der math—naturw. Classe der Akad.
d. Wissensch. zu Wien XX. p. 335) beschrieb die ersten Stände und
die Entwicklungsgeschichte von Lasioptera arundinis Schin. und Ce-
ratopo^on varius Winn. Die Larve der ersteren lebt in vorjährigen
Stengeln yon Phragmitis communis im April und die Fliege entwickelt
sich aus ihr im Mai. (Hier trägt der Verf. die ausserdem noch be-
kannt gemachten Angaben über die ersten Stände, anderer Lasioptera-
Arten zusammen.) — Die Larven des Ceratopogon varius fand H.
während des Winters in den Spalten von geschlagenem Rothbuchen-
holz, wo sie bei 6° Kälte noch munter waren ; die Puppen lagen in
kleinen weissen Cocons, die am Holze angeklebt waren; die Fliegen
entwickeln sich nach 10 bis 14 Tagen. (Auch hier werden die Anga-
ben über andere Ceratopogon-Larven zusammengestellt.) Beide Ar-
ten sind in ihren verschiedenen Ständen auf Taf. 1 dargestellt.
Haliday (Natural hislory review XIL pl.2) erläuterte die in-
nere Anatomie der systematisch fraglichen Gattung Orphnephila te-
stacea durch Abbildungen und eine Erklärung derselben.
Amblard (Annales de la soc. entomol. IV. p. 168) beschrieb
eine Galle an den Stengeln von Tamarix brachystylis, welche sich
in Algier vorfindet; eine darin enthaltene Puppe gehört einer Tipu-
laric und zwar wie der Verf. (nach der Abbildung pl. 4 zu urthei-
len) mit Recht vermuthet, einer Cecidomyia an.
Baziu, Kotice sur un insecte (Cecidomyia tritici), qui a cause
les plus grands ravages dans nos dernirrs recoltes de bles sur pied
(8. fig. col.) ist dem Ref. nur aus einer Anzeige im Bulletin de la
soc. entomol. IV. p. CXVU bekannt geworden.
Asilici« Loew (Neue Beiträge IV. p. 37 ff.) errichtete wie-
der zwei neue Galtungen unter den Dasypogonen, beide für Aegypti-
sche Arten: 1) Rhadinus n. g. mit Stichopogon im Habitus, im Bai
des Kopfes und der Füsse übereinstimmend, durch den bis gegen di(
Fühler hinaufreichenden Bart , viel schlankeres Endglied der Fühler«
wfthrend des Jahres 1856. 411
den gänzlichen Mangel der Pulvillen und geschlossene vierte Hinter.
randszelle unterschieden. Zwei Arten : Rh. unguUnus und megalonyx*
2) Sisyrnodytes n. g. , mit Acnephaluin und Crobiloccrus zunächst
verwandt, ebenfalls bucklig und plump gebaut, aber weniger breit,
durch schwach vertiefte Stirn, sehr schlanke Fühler, dichten und das
ganze Untergesicht bedeckenden, mit der Stirnbehaarung zusammen,
fliessenden Bart, den Mangel der Pulvillen und das Flügelgeäder un.
terschieden; die erste und zweite Ilinterrandszelle sind besonders
weit vom Flügelrande geschlossen , letztere zugleich sehr klein und
schmal ; alle nach dem Uinterrande auslaufenden Adern erreichen die.
sen nicht ganz. Art: S. ßoccus, wie die vorigen aus Aegypten.
Neue Arten sind ferner: Dioclria valida von Beirut, Slichopogon con~
gener und albellus aus Aegypten, Epilriptus certinuSf Mochtherus lon^
giludinalis, Apoclea conicera und micracanlha aus Aegypten.
Derselbe (Rosenhauer Thiere Andalusiens p. 381 ff.) beschrieb
Vasypogon denudatus, tenuibarbis , claripennis und fanillaceus als neue
Spanische Arten.
Discocephala dorsalis^ Laphria notabilisy Orcus , basifera , radi-
caliSf inaurea, basigutta , fusifera , sobria, planaf imbellis, Asüus fusi^
formisy lineosuSf debilis ^ lalifascia^ Ommatius graciUs sind neue Arten
von Walker (Journal of proceed. of the Linnean soc. I. p. 6 IT.)
von Singapore.
Dasypogon imberbis und Asilus melanurus Doleschall n. A. von
Java (Natuurk. Tijdschr. X. p.408).
Nachträge zum Verzeichnisse der Oesterreichischen Asiliden
(vergl. Jahresbericht 1854. p. 122) lieferte Schiner in denVerhand-
lungen des zoolog.-botan. Vereins zu Wien VI. p. 167-^174. Diesel-
ben bestehen !) in einer Aufzählung der neuerlich in Oesterreich
aufgefundenen Arten nebst synonymischen und anderen Bemerkungen ;
2) in der Angabe neuer Fundorte für seltnere Arten der Wiener Ge-
gend ; 3) in einer Vervollständigung des Verzeichnisses der Europäi.
sehen Asiliden mit theils in letzter Zeit beschriebenen, theils im er-
sten Verzeichnisse übergangenen Arten. Die veränderte Artenzahl
der einzelnen Gattungen für Europa ist demnach folgende: Dioctria21,
Dasypogon 92 (in Oesterreich 32), Laphria 40, Asilis 119 (in Oester-
reich 52).
Egg er (ebenda p. 392) theilt mit, dass Laphria fimbriala Meig.
(nur Männchen bekannt) mit L. proboscidea Loew (nur Weibchen) von
Brauer in Copula gefangen worden sei; die Art muss demnach La-
phria fimbriata Meig. heissen.
Einpidcü. Neue Arten von Loew (Neue Beiträge IV. p. 34 ff.)
beschrieben, sind : Empis gravipesj discolor^ ßorisomua und Rhampho-
myia serpenlata aus Kärnthen , Gloma basalis aus Steyermark und
Schlesien, Brachysloma ohscuripes aus Sardinien, — Ausserdem wurde
412 Gersta ecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Empis hispanica aus Andalusien in Rosenhauer's Thicre Andalu-
siens p. 385 beschrieben.
lieptides* Leptis cingulala Loevv aus Kärnthen und lalipen^
nis desselben aus Schlesien und dem Harz n. A. (Neue Beiträge IV.
p. 28.)
Leptis decisa Walker (Journal of proceed.'of the Linn. soc. I,
p. 15) n. A. von Singapore.
Dolicliopotlides. Neue Arten sind: Campsienemus umbri-
pennis aus Oesterreich und Psilopus glaucescens aus Aegypten , von
Loewr (Neue Beiträge IV. p.47f.).
Diaphora aenea , Psilopus pusillus^ leiopus , Argyra spinipes Do-
leschall von Java. (Natuurk. Tijdschr. voor Nederl. IndieX. p. 409.)
Psilopus clnrus , robustus , subnotatus , poslicus und tenebrosus
Walker von Singapore ( Journal of proceed. of the Linn. soc. L
p. 16 ff.).
Xylotomae* Thereva laticornis aus Ungarn, Frauenfeldii aus
Aegypten, nuda und melanosloma ebendaher n. A. von Loew (Neue
Beiträge IV. p. 32 ff.).
Qombyliarii. Loew (Neue Beiträge IV. p. 29 ff) stellte
eine neue Gattung Antonia auf, welche in der Gestalt mit Thlipso-
myza am nächsten verwandt ist, aber durch den Mangel der Ocellen,
kürzeren Rüssel , den Mangel aller Borsten auf Thorax und Hinter-
leib und «ine Unterrandszelle weniger unterschieden ist; der Kopf ist
gross, die Augen des Männchens fast zusamnfenstossend, die Fühler-
gegend tief eingedrückt, die Fühler ziemlich genähert , kurz, ihr er-
stes Glied becherförmig, das zweite kurz cylindrisch, das dritte zwie-
belförmig, in einen langen, dünnen Griffel verlängert, der am Ende
ein kurzes Börslchen trägt. Eine Art: A. suavissima aus Aegypten.
— Andere neue Arten aus Aegypten sind: Anthrax inconspicua, Exo.
prosopa tephroleuca und Plattjpygus melleus.
Vsia grata I^oew ist eine neue Art aus Andalusien. (Ros-en-
hauer, Thiere Andalusiens p. 380.)
Anthrax degenera Walker n. A. von Singapore (Journal of pro-
ceed. of the Linn. soc. I. p. 15).
Henopii« Ref. (Beitrag zur Kennlniss der Henopier, En-
tomol. Zeit. p. 339—361) machte Mittheilungen über den Aufenthalt
und die Lebensweise dieser merkwürdigen Dipteren, welche sich durch
ein ungemein träges Wesen etwa nach Art der Bombyciden unter den
Schmelterlingen auszeichnen; sie sitzen in der Mittagshitze still an
der Unterseite dürrer Zweige auf feuchten Wiesen und fliegen, selbst
wenn man sie berührt, gar nicht oder nur auf kurze Strecken fort.
Durch Beobachtung in der Natur wurde ferner festgestellt, dass unter
den einheimischen Henopiern bisher Männchen und Weibchen als
verschiedene Arten angesehen worden sind. Die Männchen zeichnen
während des Jahres 1856. 413
sich stets <)urch grösseren Kopf, längeren und mehr walzenförmigen
Hinterleib und kürzere Flügel aus , während dem Weibchen ein viel
kleinerer Kopf, ein kürzerer und breiterer Hinterleib und längere
Flügel zukommen; ausserdem ist das Männchen stets von beträchtlich
hellerer Färbung (besonders am Hinlerleibe) als das Weibchen. Von
Ogcodes zonalus Er, wurden beide Geschlechter in &egaUung gefan-
gen und hieraus nach der Analogie geschlossen, dass Ogcodes cingu-
latus Er. das Weibchen von 0. gibbosus Lin. , so wie dass 0. fuli.
ginosus Er. das Weibchen von 0. varius Latr. sein müsse. (Die letz,
tere Hypothese hat sich seitdem bewahrheitet, indem beide Arten im
vorigen Sommer mehrfach in Copula gefangen worden sind.) Als
Unterschied der Gattung Acrocera von Ogcodes wurde ausser den von
früheren Autoren hervorgehobenen Charakteren die Bildung des Hin.
terleibs bemerklich gemacht ; derselbe besteht bei ersterer Galtung
nur aus fünf, bei letzterer dagegen aus sechs Segmenten. Die bei
Berlin vorkommenden Arten: Acrocera globulus , Ogcodes gibbosus,
zonatus und varius wurden nach beiden Geschlechtern , ausserdem
Acrocera laela als neue Art von Sardinien im männlichen Geschlechte
beschrieben. — Eine neue ausländische Gattung ist. ferner: Etdoum.
clius n. g. mit langgestrecktem Rüssel wie bei Lasia Wied , von die-
ser durch schlanker gebauten Körper^ verschiedene Einlenkung der
Fühler (in der ßlitte der Stirnhöhe)', verlängertes und zugespitz.
tes drittes Fühlerglied, so wie durch die Flügel- Aderung unter-
schieden; diese Galtung lässt auch deutliche lineare, eingliedrige
Palpen erkennen , welche bisher der Familie abgesprochen wurden.
Art: E. smaragdinus dius Californien. — Als neue Art wurde ausserdem
beschrieben : Ocnaea lugubris von Bahia.
Eine andere neue Gattung wurde von Costa (Rendiconto della
Societä Reale Borbonica , Accademia delle scienze , anno Y. Kapoli
185Ö. p. 20) unter dem Kamen Opsebius folgenderraassen charakteri.
sirt : „Proboscis ferc nuUa. Antennae^ vertici insertae , biarticulatae,
setaque longa apicali terminalae. Oculi sub antennarum insertione
longe conligui, dense villosi. Ocelli duo satis conspicui. Prothora.
eis lobi laterales dislantes. Alae longae, ncrvis pluribus longitudina.
libus, fere omnibus a nervis transversis coniunctis, cellulis posteriori,
bus quinque." Eine Art: 0. perspicillatus aus Neapel, 2 Lin. lang,
schwarz mit gelber Fleckung des Thorax und eben solcher Binden-
und Punklzeichnung des Hinterleibs, die Flügel bräunlich. (Dieselbe
Gattung ist nachdem von Loew im J. 1857 unter dem Namen Pi-
thogaster charakterisirt worden.)
Tabaiiii. Neue Arten von Loew (Neue Beitiäge IV. p.
24 ff.): Clirysops punctifer von Beirut, perspicillaris aus Ungarn, n/-
grirenlris aus Klein. Asien , Tabanus unicinclus und albifacies aus
Aegypten.
4l4 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leislangen in d. Entomologie
Tabanus parlittts "Walker n. A. von Singapore (Journ. of pro-
cced. of the Linn. soc. I. p. 6).
Tabanus bubali und Haemalopola pungens Doleschall n. A. von
Java. (Katuurk. Tijdschr. voor Nederl. Indie X. p. 407.)
Siratiomyidlae. Eine neue Ostindische Gattung und Art ist
Massicyta tricolor Walker (Journal of the Proceed. of the Linn. soc.
I. p. 8), mit Acrochaeta Wied. durch den schlanken Körperbau und
den fast gestielten Hinterleib, wie es scheint, zunächst verwandt.
An den Fühlern sind nach der auf Taf. 1 gegebenen Figur (die Be-
schreibung passt dazu wie die Faust auf's Auge) die beiden ersten
Glieder kurz , das dritte undeutlich achtringlig, die 7 ersten Ringe
kurz, perlschnurartig aneinandergereiht, der letzte dagegen sehr
gross, keulenförmig, so lang wie der ganze übrige Fühler. — Ebenda
beschriebene neue Arten sind ferner: Clüellaria flaviceps^ Cyclogaster
radianSf Phyllophora angusla^ Sargus luridus.
Ref. lieferte einen „Beitrag zur Kenntniss exotischer Stra-
tiomyiden« (Linnaea entomol. XL p. 261—350. Taf. 3), in welchem
er neben einer monographischen Bearbeitung der Gattung Cyphomyia
Wied. eine Anzahl neuer Arten und Gattungen, welche besonderes
systematisches Interesse darboten , bekannt machte und zugleich An-
deutungen zu einer Eintheilung der Familie in Gruppen gab. Die
Gattung Cyphomyia , deren Charaktere ausführlich geschildert wer-
den und von der auch die Larve, welche mit derjenigen von Clitel-
laria und den Xylophagen sehr übereinstimmt, charakterisirt wird,
enthält nach Ausscheidung einiger von Wiedemann darunter ver-
einigten fremdartigen Elemente 24 Arten, welche sämmtlich aus Süd-
und Central -Amerika stammen. Sie zerfallen in zwei Gruppen, je
nachdem der Hinterleib mit dicht behaarten seitlichen Silberflecken
(beim Männchen 4, beim Weibchen 6) besetzt ist, oder deren ganz
ermangelt, resp. nur undeutliche zeigt. Ausser den von Fabricius
und Wiedemann beschriebenen Arten, die dem Verf. sämmtlich in
Original-Exemplaren vorgelegen haben, und deren Synonymie berich-
tigt wird, werden zwölf neue beschrieben : Cyphomyia cyanocephala
aus Süd-Amerika, varipes aus Mexiko und Coslarica, verticalis (cyanea
Wied. nee Fabr.) aus Surinam, afßnis aus Venezuela, geniculata aus
Neu-Granada, ßavimana aus Brasilien (?j, pilosissima aus Mexiko, to-
menlosa ebendaher, gracilicornis und lanuginosa aus Brasilien, hybrida
von Rio Janeiro und pulchella (maculata Wied. pro parte) aus Bra-
silien. Einige von Macquart und Walker aufgestellte Arten,
die dem Verf. nicht vorgelegen haben, werden nach deren Beschrei-
bung angeführt. — Auf Cyphomyia inermis Wied. wurde eine eigene
Gattung Chordonota , auf Cyph. elegans Wied. eine gleiche Namens
Euparyphus gegründet; erstere unterscheidet sich von Cyphomyia durch
unbewaffnetes Schildchen und dadurch, dass an dem achtringligen
während des Jahres 1866. 415
dritten Fühlergliede der Endring verlängert ist; bei letiterer ist das
dritte Fühlcrglied nur sechsringlig, und die beiden letzten Ringe
deutlich verlängert, ausserdem auch die Stirn und Augenhöhlen ab-
weichend gebildet. — Bei der Gattung Straliomys wird auf die Un-
terschiede, welche das Flügelgeädcr bei den verschiedenen Arten dar-
bietet, eingegangen und zwei Arten: Strat. splendens Fabr. aus Por-
tugal und auriflua Er. aus Algier als eigene Gattung Vycnomalla ab-
gesondert, indem bei ihnen der vierte Hinterrandsnerv nicht mehr
aus der Diskoidalzelle, sondern aus der zweiten Basalzelle entspringt.
Zwei neue typische Arten sind: Straliomys princeps aus Surinam und
Odonlonnjia carnifex vom Cap ; ferner Amerikanische Arten aus der
Gruppe der Straliomys pulchra Wied.: Slrat, bucephala von Montevi-
deo, fenestrala und euchlora aus Mexiko. — Neue Arten aus anderen
Gattungen sind : Ptilocera fasluosa aus Ceylon, Pt. Natalensis aus Süd-
afrika (scheint als Männchen zu Strat. quadrilineata Fabr. zu gehö-
ren, Ref.) , Acanthina amrea von Ceylon , marmorala aus Brasilien,
Chauna ferruginea von Cuba. Endlich werden drei neue Gattungen,
welche mit Chauna in der tiefen Einlenkung der Fühler dicht über
der Mundöffnung übereinkommen, aufgestellt: 1) Blastocera n. g. mit
gabiig gespaltenem Endgliede der Fühler, dessen oberer Ast in einen
klauenarligen Fortsatz endigt; Art: Bl. speciosa aus Brasilien. 2)
Spyridopa n. g. mit einfachem , länglich eiförmigen Endgliede der
Fühler , das an seiner Spitze mit einem Griffel fortsatz mit langer und
dicker Endborste versehen ist; Art: Sp. larsalis aus Brasilien. 3)
Panacris n. g. von der vorigen Gattung durch kleinen Kopf, dicht
behaarte und fein facettirte Augen, so wie durch die Form des End-
gliedes der Fühler, welches kurz eiförmig ist und an der Spitze nur
eine einfache Borste trägt, unterschieden; Art: F. lucida aus Ca-
yenne. Diese drei Gattungen werden mit Acanthina und Chauna zu-
sammen als eine eigene Gruppe Acanthinidae aufgefasst.
Eine neue Gattung Slernobrilhes wurde ferner von Loew
(Öfversigt af Kongh Vetensk. Akad. Förhandl. 1856. p. 263 ff.) er-
richtet; die Augen sind ungerandet , die zwei ersten Fühlerglieder
klein, das dritte schmal, sechsgliedrig mit zweigliedrigem EndgrifFel ;
der Thorax breit, geschwollen, das Schildchen sehr gross, geschwol-
len, unbewaffnet, scharfrandig, der Hinterleib kurz, geschwollen,
mit verwachsenen hinteren Ringen, die Beine kurz. — Art: St. tu-,
midus aus dem CalFernlande und Guinea. — Neue Afrikanische Ar-
|ien, durch Diagnosen festgestellt, sind ferner: Chrysonolus ßavomargU
Imatus von der Insel Mauritius, Chrysomyia bella vom Cap, Microchrysa
Itircumscripla und sculellaris aus dem Caffernlande, Odontomyia quadri-
[Hofata von Mossambique, adusla vom Caffernlande, Nemolelus dissimU
Ut5, haemorrhousy Oxycera nubifera ebendaher, und Ephippium maculim
Hnne von Guinea.
416 Gers ta ecke r: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Nemotelus alriceps Loew n. A. aus Andalusien (Rosenhauer
Thiere Andalusiens p. 384).
Ephippium spinigerum und Chrysochlora vitripennis Doleschall
n. A. von Java (Naluurk. Tijdschr. voor Nederl. Indie X. p. 407). —
Die Beschreibung und Abbildung des Ephippium spinigerum lassen
seine Identität mit Clitellaria bilineata Fabr. vermuthen , obwohl in
beiden die langen Dornen des SUulellum nicht angegeben sind.
Besonders werthvoU sind die Nachrichten, welche Heeger
(Sitzungsberichte der mathemat. - naturw. Classe der Akad. d. Wis-
sensch. zu Wien XX. p. 345 fF.) über die Larven von Oxycera trili-
neata und Meigenii gegeben hat. Dieselben sind denen von Stratio-
mys sehr ähnlich, leben in kleinen Bächen im Schlamme verborgen,
kommen aber bei warmer Witterung hervor und verweilen an der
Oberfläche. (Ref. hat dieselben ebenfalls zusammen mit Brauer
bei Wien an der Unterseite von Steinen, die im Schlamme eingesenkt
l^gen , in Mehrzahl gefunden.) In der Gefangenschaft frassen sie
Püanzenwurzeln, Brodkrümchen und todte Regenwürmer, häuteten sich
je nach der Witterung in kürzeren oder längeren Pausen und such-
ten sich zur Yerpuppung trockene Stellen auf; im Freien findet die
Verwandlung weit vom Wasser entfernt unter Steinen oder in Mauer-
rissen statt. Die Larven sind ausführlich beschrieben und nebst ihren
einzelnen Theilen genau abgebildet ; ihre Gestalt ist kürzer und brei-
ter als die von Stratiomys, ihr hinteres Ende stumpfer, die dicht ge-
fiederten Athmungsborsten sehr zahlreich und einen Büschel bildend.
Egg er (Verhandlungen des zoolog.-botan. Vereins in Wien VL
p.392) hat durch zahlreiche Exemplare von Odonlomyia viridula,
welche er im Freien beobachtete, diö Ueberzeugung gewonnen, dass
0. subvittata Meig., interrupla Loew und jejuna Schrank nur Farben-
varietäten einer und derselben Art sind.
Syrpliici. Loew, lieber die Fliegengattungen Microdon und
Chrysotoxum. (Verhandlungen des zoolog.-botan. Vereins in WienVL
p. 599—622). — Von Microdon unterscheidet der Verf. drei deutsche
Arten, deren Merkmale und Synonyme er auseinandersetzt: 1) M.
apiformis Degeer (Musca mutabilis Lin,, Aphritis apiaria Lalr., Musca
nova Schrank, Aphritis auro -pubescens Latr. , Microdon scutellatus
Schummel). 2) M. devius Lin. (Stratiomys pigra Schrank , Microdon
micans et anthinus Meig. , Microdon fuscilarsis Schumm. , apiformis
Gurt. Zett. 3) M. latifrons n. sp. , auf welche der Verf. keine der
bisherigen Beschreibungen beziehen zu können glaubt. ~ Die Zahl
der beschriebenen Europäischen Chrysotoxum-Arten, beiMeigen 9,
ist durch Macquart, Curtis, Lo e w , S chu m m el , Rondani
und Walker auf 20 angewachsen, welche jedoch nach dem Verf. zum
Theil als synonym zusammenfallen und sich auf 13 oder 14 reduciren
lassen. Die Nomenklatur und Synonymie derselben ist in grosser Ver-
wahrend des Jahres 1856. 417
wirrung. L. macht zunächst auf die wichtigsten Merkmale zur Un-
terscheidung der Arten auTmerksam, welche besonders in der relativen
Länge der Fühlerglieder bestehen (wobei jedoch zu bemerken, dass
sowohl die beiden Geschlechter einer Art als auch die Individuen
desselben Geschl«}«htes oft geringere Verschiedenheiten in dieser Be-
ziehung darbieten); die Behaarung des Hinterleibs, seine Zeichnung
so wie die Färbung- der Flügel geben dann weitere Merkmale an dlfe
Hand. — Die beiden ersten Fühlerglieder sind zusammen kürzer als
das dritte oder ungefähr so lang als dieses bei Chr. sylvarum Meig.,
fasciolatum Deg., arcuatum Lin. , intermedium Meig. und cisalpinum
Rond., dagegen bedeutend länger als das dritte bei Chr. lineare Zett.,
sibiricum Locw, festivum Lin. , vernale Loew, octomaculatum Curt.,
elegans Loew, parmense Kond. und bicinctum Lin. Diese vom Verf.
als selbslständig anerkannte Arten werden unter einer analytischen
Tabelle zusammengestellt und dann ausführlich charakterisirt , zu-
gleich auch ihre geographische Verbreitung erörtert. Hierauf folgt
eine Critik der von den verschiedenen Autoren beschriebenen und be-
nannten Arten, welche zum Theil anders, als es bisher geschehen ist,
gedeutet werden. Zuletzt werden die Synonyme der einzelnen Arten
folgendermassen zusammengestellt: 1) Chr. bicinctum Lin. (Syrphus,
Mulio et Chrysotoxum bicinctum auct. , Chr. tricinctum Rond. als Va-
rietät). 2) Chr. festivum Lin. (Musca festiva Lin. , früher auf eine
Doroj-Art gedeutet, Chrysot. arcuatum auct.). 3) Chr. arcuatum Lin.
(hortense Meig., fasciolatum Zelt.). 4) Chr. fasciolatum Deg. (Syrphus
et Milesia vespiformis Fabr., Mulio fasciolatus Fall., Chr. marginatum
Meig., Schumm., Zeit., Walk., Chr. costale Meig.). 5) Chr. lineare
Zett. (Mulio linearis Fall. , Chrysotoxum lineare Meig.). 6) Chr. in-
termedium Meig. (scutellatum Loew, monticola Schumm., italicum
Rond., graecum Walk.). 7) Chr. sylvarum Meig. (fasciolatum Meig.,
Rond., arcuatum Walk., scutellatum Macq.). 8) Chr. octomaculatum
Curt. (Mulio arcuatus var. fall., Chrys. intermedium Zelt., chrysopo-
lila Rond.). 9) Chr. vernale Loew. 10) Chr. elegans Loew (Musca
arcuata Schrank., Chrys. intermedium Walk). 11) Chr. parmense
Rond. 12) Chr. cisalpinum Rond. 12) Chr. sibiricum LoeW , n. sp.,
hier zuerst beschrieben.
Derselbe (Keue Beiträge IV. p. 43 ff.) beschrieb als neue
Arten: Mallola crislaloides aus Schweden , Deutschland und Italien,
Plalyclieirus eiliger aus Sleyermark, fasciculatus aus Oestcrrcich, tnela'
nopsis aus Kärnthen, Pelecocera latifröns aus Beirut.
Eristalis singularisy Uelophilus insigniSf Xylola eonformis, Mile-
sia vespoides y Syrphus consequens ^ duplex und triligalus Walker sind
neue Arten von Singapore (Journal of the proceed. of the Linnean
soc. I. p. IG ff.).
Eristalis Macquarliij Syrphus splendens, Senogaster hilescens und
Aicbiv r. Naturgesch. XXlll Jahrg. 2. Bd. QQ
4l8 Gerslaecker: ßericbt flb. d. Leistungen in d. Entomologie
Baccka pedicellata Doleschall n. A. von Java (Natuurk. Tijdschr. voor
Nederl. Indie X. p. 410 f.) — Von diesen Arten ist Eristalis Macquartii
augenscheinlich mit Eristalis errans Fab. identisch , Senogaster lutc-
scens nicht zu dieser Gattung gehörig, sondern eine Syritta mit ver-
längertem Rüssel.
Egg er (Verhandl. des zooIog. - botan. Vereins in "Wien VI.
p*. 391) gab Nachricht über die bisher unbekannten Männchen der
Cheilosia flavipes Panz. und gilvipes Zett. , deren Unterschiede von
ihren Weibchen er darlegt. Ferner fing er Criorrhina ruficauda Deg.
und ranunculi Fanz. in grosser Anzahl beisammen und mit einander
in Begattung, so dass sie sich nur als Farbenvarietäten derselben Art
darstellen.
Letz n er (34. Jahresbericht d. Schlesisch. Gesellsch. für va-
terl, Cultur p. 117 fF.) gab eine Beschreibung der Larve und Puppe
von Eristalis tenax; erstere soll im Trockenen leben, v^as unrich.
tig ist.
Conopidae« D o 1 e s c h a 1 1 (Natuurk. Tijdschr. voor Nederl.
Indie X. p. 409) beschrieb und bildete ab : Conops Javanica als neue
Art von Java.
Oestracea« C. F. Hennig, Ueber Oestrus equi Lin., ovis
Lin. (Cephalemyia ovis Latr.) und Oestrus Cervi Capreoli. (Allge-
meine Deutsche Naturhist. Zeitung I. p. 297—307. Taf. 1 und 2.) —
Der Aufsatz handelt vorzugsweise über die äussere und innere Ana-
tomie der Larven der drei genannten Arten , von denen die beiden
ersten, wie sich aus der Beschreibung der Fliegen ersehen lässt,
richtig bestimmt, die dritte nach einer Anmerkung Reichenbach's
gleich Oestrus pictus Meig. ist. (Reichenbach giebt an, dass er
mit Oestrus pictus zusammen im Hirschgarten zu Dresden auch Oe-
demagena tarandi , mit welcher Oestr. stimulator Clark , nasalis Lin.
und trompe Lin. identisch sein soll , gefangen habe. Beides ist un-
richtig : die genannten Arten sind sämmtlich sowohl von 0. tarandi
als unter einander verschieden und der bei Dresden am Rothwilde
lebende Oestrus ist Cephenemyia auribarbis (auribarbis und rufibarbis
Meig), während sowohl 0. tarandi als trompe nur am Rennthier und
in Deutschland überhaupt nicht vorkommen. — Der Verf. beschreibt
ohne Rücksichtsnahme auf die frühere Literatur über den Gegenstand
an den Larven Alles, was ihm wissenswerth vorkommt und was seine
Aufmerksamkeit erregt hat. In die acht Oeffnungen am hinteren Kör-
perende , welche um die beiden Trachealmündungen im Kreise her-
umliegen , münden ebenso viele eiförmige, röthlichweisse Körper,
welche er für „die Lungen der Larven« hält. An der im Innern des
Körpers zwischen den beiden Haupt- Tracheenstämmen verlaufenden
Speiseröhre will er eine gleiche Spirale, die sich abwickeln lässt,
wie an jenen selbst beobachtet haben. — Während bei Gaslrus equi, ,^
I
während des Jahres 1856. 419
dessen Larve am ausführlichsten geschildert und durch zahlreiche
(übrigens ziemlich mittelmässige) Abbildungen erläutert ist, die bei-
den Tracheenslämmc nur einfache Längsröhren sind, von denen sehr
zarte Nebenästchen abgehen, Iheilen sich dieselben bei Ccpheneinyia
Ovis in zahlreiche starke Acste mit vielen Verzweigungen und bilden
so jederseits einen starken Büschel von Tracheen; dieselben sind, wie
der Verf. fortfährt, „mit einer zusammenhängenden Zellenschicht, wo
jede Zelle einen dunklen Punkt mit körnigem Inhalt besitzt, umge-
ben; diese Zellen theilen sich später in perlschnurartige Bänder.«
Diese und andere Bemerkungen des Verf. geben kein besonderes Zeug-
niss von seinem Vertrautsein mit dem behandelten Gegenstande ab,
A. lieferst ein: „Ueber üestrus hominis" (Verhandlungen des
zoologisch -botanischen Vereins in Wien VL p. 637— 632) hat sich
abermals mit der Frage beschäftigt, ob es eine ausschliesslich in der
Haut des Menschen lebende Bremse gebe. Er stellt diejenigen Fälle,
welche darauf hindeuten könnten , die jedoch zum Theil auf Sarco-
phaga und andere Muscarien, welche ihre Eier in eiternde Geschwüre
der menschlichen Haut zu legen pflegen, zu dejUen sind, zusammen
und geht besonders auf die Berichte verschiedener Süd-Amerikanischer
Reisender ein, welche fast alle darin übereinstimmen, dass ein zur
Oestrus-Kamilie gehörendes Dipteron häußg seine Eier in die Haut
des Menschen lege. Der einzige Schriftsteller, welcher diese Sache
eingehend behandelt, ist Goudot, dessen bekannter Bericht über
Cuterebra noxialis hier vollständig in der Uebersctzung wiedergege.
ben wird. Als neu wird ausserdem noch eine brieflliche Mittheilung
von Dr. Friedrich Müller, aus Brasilien an den Verfasser ge-
richtet, abgedruckt, welche mit den von Goudot bekannt gemachten
Thatsachen im Wesentlichen übereinstimmt: die Oestrus-Larven , die
„bicho da perna" der Brasilianer, sind dort zu Lande eine der häu-
figsten Plagen verschiedener Säugethiere und eine nicht seltene des
Menschen. Müller selbst hat mehrfach solche Larven in seiner Haut
stecken gehabt, einmal sogar acht zu gleicher Zeit an verschiedenen
Körpertheilen. Da jedoch weder Larven bisher eingeschickt , noch
die Fliege dem Beobachter selbst bekannt geworden ist, lässt sich
über ihre Identität mit der von Goudot erwähnten Art nichts sa.
gen. Zur Genüge geht aus dem Müller'schen Berichte abermals her-
vor, dass es keinen speciGschen Oestrus hominis giebt , sondern dass
nur eine ursprünglich in der Haut von Thieren lebende Art sich zu-
weilen zum Menschen verirrt.
]Vleificarisi.e. Von Walker wurden (Journal of theProcee-
dings of Ihe Linnean sociely 1. p. 21 u. ff.) folgende neue, auf Ostin.
dische Arten begründete Gattungen charakterisirt: 1) Zianibesa n. g.
(Tachinariae) von schmaler , langgestreckter Form , mit vertikalem,
etwas zurückgezogenen Untergesicht; das dritte Fühlerglicd langge-
420 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leislungen in d. Entomologie
streckt, sechsmal länger als das zweite, mit gegliederter, nackter
Borste; Augen ebenfalls nackt; Hinterleib linear, viel länger als der
Thorax, Art: Z. ocypteroides. — 2) Xarmila n. g. (Helomyzides),
mit Helomyza verwandt, doch von breiterem Körperbaue, das dritte
Fühlerglied langgestreckt, mit gefiederter Borste; Vorderschenkel
unten mit feinen Dornen; Flügel ziemlich breit. Bei der Art: X.
leucotelus sind die Flügel zum grössten Theile tief schwarzbraun. —
3) Xangelina n. g. (ürtalides) von kurzem, gedränoten Bau, mit brei-
ter Stirn, kurzen Fühlern , an denen das drille Glied länglich eiför-
mig, unten zugespitzt isl; Borste gefiedert; Abdomen kurz eiförmig,
kaum so lang als der Thorax Art: X. basigulla. — 4) Tkemara ^. g.
(Ortalides) Körper ziemlich breit, borstig, Kopf etwas schmaler als
der Thorax; drittes Fühlerglied länglich, stumpf lanzettlich, Borste
breit gefiedert; Abdomen elliptisch, nicht länger als der Thorax.
Zweite und dritte Längsader der Flügel wellig geschwungen, Flügel
dunkel mit hellen Flecken. Art: Th. ampla. — 5) Slrumela n. g.
(ürtalides) Körper behaart, kaum borstig; Hinterleib kurz eiförmig,
etwas breiter und länger als der Thorax ; Flügel mit dunkelen Quer-
binden. Art: Sir. conformis. — 6) Valonia n. g. Körper ziemlich
schmal, behaart, Kopf vorn etwas erweitert ; Fühler kurz, letztes Glied
eiförmig mit gefiederter Borste; Hinterleib spindelförmig, etwas län-
ger als der Thorax; L'eine kräftig, Flügel schmal, dunkel gegittert.
Art: Val. complicata. — 7) Sophira n. g. Körper schlank, behaart;
Kopf etwas schmaler als der Thorax; drittes Fühlerglied länglich,
stumpf lanzettlich, mit gefiederter Borste; Hinterleib kurz spindelför-
mig, Füsse zierlich, Längsadern der Flügel dunkel gestreift. Art: S.
venusla. — 8) Rioxa n. g. Körper schlank, behaart, Kopf klein, be-
trächtlich schmaler als der Thorax; letztes Fühlerglied länglich oval
mit sparsam gefiederter Borste ; Thorax länglich eiförmig, längsstreifig,
Hinterleib spindelförmig, schmaler als der Thorax und kaum länger;
Füsse schlank, die vorderen kurz, Flügel schwarz mit weissen Fleck-
chen. Art: R. lanceolata, — 9) Xiria n. g. Körper melallfarben,
borstig, Kopf breit, Fühler kurz, drittes Glied fast linear mit lang
gefiederter Borste ; Thorax breit, kräftig, Hinterleib sehr schmal, etwas
länger als jener; Beine lang und derbe. Art: X. anlica. — Diese
Gattungen gehören ebenfalls noch zu den Orlaliden. — 10) Texara
n. g. (Psilidcs) von sehr schlankem , langgestreckten Körper, vortre-
tendem Kopf mit kurzem Gesicht, kurzen Fühlern, deren drittes Glied
kurz und dick, fast quadratisch ist und eine gegliederte Borste trägt;
Hinterleib doppelt so lang als der Thorax, zugespitzt lanzelllich;
Hinterschenkel verdickt. Art: T compressa. — Als neue Arten wer-
den ferner daselbst beschrieben: Echinomyia hrevipennis, Tachina
ophirica , Masicera vicaria , Eurygasler muscoides , Dexia divergenSf
ßarcophaga reciproca , aliena , Idia tenebrosa, bicoloTf Musca chrysoi-
wahrend des Jahres 1856. 421
des, porphtjritKJ f Irila ^ defixa , reßeclens ^ infixa , ftimipennii ^ dülalOf
diffidens j conßxa ^ reßxa , perßxa , afßxa y Aricia argenlata , paluttt,
Uydrofctea solennis ^ IJelonnjin intereuns (sie!!), exeuns (sie!!), Lau^
xania eucera^ delcreuns (! !) , Lamprogaster zonalOf glabrfif tnnnversaf
vitlata, (jnllala, Iruncalula^ Plnfystoma rigida, sleUato^ Diopsis 5gutlala,
4guttalaj Calobata conßnis, immixla^ Micropeza fragilis.
Die Gruppen der Tachinarien und D&xiarien bereicherte Eg-
ger (Verhandlungen des zoologisch-botanischen Vereins in Wien VI.
p. 383 ff.) mit folgenden neuen inländischen Gattungen und Arten: 1)
llahjdaia n. g. (scr. Halidaya) neben Miltogramma , mit nackten Au-
gen und offener Zelle; eine sehr ausgezeichnete Form von eigenthüm-
licher Kopfbildung, indem der Kopf fast halbkuglig, die Stirn breit,
gegen die Insertion der Fühler etwas verengt, flach gewölbt, sehr
weit herabreichend, das üntergesicht sehr kurz , nicht unter die Au-
gen herabgehend ist; Gesichtsleisten ohne Borsten, die Fühler anlie-
gend , so kurz wie das Untergesicht , ihr drittes Glied doppelt so
lang als das zweite, mit zweigliedriger Borste. -^ Zwei Arten: H.
ourea und argentea , beide aus der Wiener Gegend, selten. 2) ZeU
leria n. g. (vergebener Name!) ebenfalls mit nackten Augen und
offener, an der Flügelspitze mündender Zelle, mit Myobia zunächst
verwandt; durch eingedrücktes Untergesicht, etwas aufgebogenen
ftlundrand, breitere Stirn des Männchens, nackte Fühlerborste und
verkürzten ersten Hinterleibsring unterschieden. Art: Z. longimana
bei Triest. 3) Loewia n. g. mit haarigen Augen und langgestielter
Mittehello, neben Panzeria zu stellen; von dieser Gattung und Wie-
domannia durch die Fühler, welche kürzer als das Untergesicht sind
und deren drittes Glied so lang als das zweite ist, unterschieden;
Augen beim Männchen eng zusammenstossend , Gcsichtsleisten ohne
Wimpern, erster Hinterleibsring verkürzt. Art: L. setibarba bei Wien.
— Neue Arten : Macquarlia monlicola vom Schneeberg, Tachina cognaia
und Fallenia fasciata von Wien, Clista alra von Triest, Nemorea tes^
sellala von Wien, Dexia erijtliraea von Triest, lala von Wien. — lie-
ber die Gattung Micropalpus Macq. bemerkt der Verf. (ebenda p. 390)
sehr richtig, dass derselben auch Arten mit nackten Augen und länge-
rem zweiten Fühlergliedc, wie es z. B. bei Microp. ruficornis Macq.
der Fall ist, beigezählt werden müssen, und dass demnach die Cha-
raktere, welche Macquart und M eigen dafür angeno.nmen haben,
zu erweitern seien. (Diese Nothwendigkeit lässt sich aus den zahl-
reichen Süd- Amerikanischen Arten der Gattung mit nackten Augen
leicht nachweisen. Ref.)
Hier mag gleich der von Reissig gegebenen Notiz: „üeber
das Herauskommen der Tachinen aus «ihren Tönnchen und aus dicht
verschlossenen Orten, an welchen dieselben sich oft befinden' (in
diesem Archiv f. Nalurgesch. XXI. p. 189 ff.) erwähnt werden. Da»
422 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Ausschlüpfen dieser Fliegen wird nach dem Verf. „nicht durch eine
Flüssigkeit, welche den Deckel erweichen soll, sondern dadurch, dass
die ausgehende Fliege ihren Kopf zu einem Apparate, der nach Art
der hydraulischen Presse wirkt, umgestalten und damit nicht nur die
Tönnchenhülle sprengen , sondern auch sonstige Hindernisse aus dem
Wege räumen kann.« Der Vorgang ist vom Verf. genau beschrieben
und in seinen einzelnen Erscheinungen erörtert ; zu bemerken ist,
dass er nicht nur bei den Tachinarien , sondern in ganz besonders
autfallender Weise auch bei den Oestraceen beobachtet werden kann,
ferner auch bei den Syrphiden, Conopiden u. a.
Eine Anzahl neuer Arten aus den Gruppen der Muscarien, An.
thomyiiden und besonders der Acalypteren, aus Aegypten und Eu-
ropa stammend, beschrieb Loew (Neue Beiträge IV. p. 48 ff.) : Cyr-
loneura lucidula , nilolica , Idia caflopis , Lispe cilitarsis , - leucocephala
aus Aepyglen , Ortalis grata aus Dalmatien , Plahjsloma arcuala von
Beirut, Trypeta Schneideri aus Schlesien, Schinerij Eriolepidis, nigri-
cauda, Doronici aus Kärnthen und Oesterreich, dioscurea aus Corsica
und Ungarn , Pachycerina signalipes aus Ungarn , Psila obscuritarsis
aus Ungarn, Sciomyza brevipes, Vrosopomyia pallida aus Aegypten und
Sicilien, Ephydra opaca aus Aegypten und Noliphila venusta aus Un.
garn. — Die neue Galtung Prosopomyia ist vom Habitus, der Bein-
und Flügelbildung der Gattung Sapromyza, aber mit grösserem Thorax
und ganz abweichender Kopfbildung : die Stirn ansehnlich und gleich-
massig breit, ohne Mittelstrieme und Seitenleisten und ohne abge-
gränztes Ocellen-Dreieck, jederseits mit drei rückwärts gekrümmten
Borsten und einer gleichen hinter der oberen Augenecke ; Ocellen
klein, Augen länger als breit, Fühler kurz , ihr zweites Glied oben
und unten mit einem längeren schwarzen Haare besetzt; Untergesicht
lang mit sehr breiten Seitenleisten, die innen bis über die Mitte hin-
auf mit zarten Häärchen eingefasst sind, der Mitteltheil ohne Spur
von Fühlergruben, gewölbt, gegen den Mundrand hin deutlich zu-
rückgehend.
Derselbe beschrieb Leucopis magnicornis als neue Art aus
Andalusien (Rosen hauer, Thiere Andalusiens p. 38G).
Mehrere Javanische Arten wurden von D oleschall (Natuurk.
Tijdschr. voor NederK Indie X. p. 411 ff.) beschrieben und abgebildet;
sie gehören mit Ausnahme einer Tachinarie zu den Acalypteren:
Myobia nigripes , Nerius slrialus , Bactrocera fasciatipennis (ist wohl
ohne Frage Dacus fascipennis Wied.), Bactrocera maculipennis (ist
Dacus caudatus Fab. Wied.), En$ina reticulala , Tephrüis paritii, Dio~
psis attenuala, apicalis ^ Taenioptera albimana und Michogaster bam~
husarmn.
Von Asa Fitch (Report on the noxious Insecls of New-York)
ist eine Reibe Nord-Amerikanischer Arten aus den Gruppen der Aca-
während des Jahres 1856. 423
lypteren und Anthoniyziden bekannt gemacht worden, zugleich mit
näheren Angaben über ihre Lebensweise, ersten Stände, Entwicklung,
den Schaden den sie anrichten u. s. w. — (p. 65ff.}: Tephritis mel-
liginis und tabellaria y Acinia SoUdaginis (bildet Gallen an den Sten-
geln von Solidago) und Novaeboracensisy Telanocera Saralogensis und
Sphyracephala subbifasciala. Die Gattung Sphyracephala Say, welche
von Wiedemann und Macquart eingezogen und mitDiopsis ver-
einigt wird, hält Asa Fitch wohl mit Grund aufrecht; die kurzen
Augenstiele und eine Anastomose zwischen der Vena marginalis und
submarginalis geben dazu Anhalt. — (p. 297 ff.) : Meromyza AmerU
cana f Siphonella obesa , Chlorops tulgariSf antennaliSf Oscinis libialisy
coxendixf crassifemoris^ Agromyza triticif Hylemyia decepliva und stmt-
lis. Ein Theil der Arten ist auf Taf. l und 2 abgebildet. Die Chlo-
rops- und Oscinis. Larven sind wie in Europa dem Weizen sehr schäd-
lich, in dessen Halmen sie leben; der Verf. hält die Arten für nicht
importirt, da sie sich mit keiner der Europäischen haben identificiren
lassen. Agromyza tritici zeigte sich im Larvenzustande myriadenweise
auf dem in Scheunen eingebrachten, gemähten Weizen.
Smith (Proceed. of the entomol. soc. p. 108) traf Chlorops
(Elachiptera) brevipennis auf dem Rücken von Nabis subaptera an,
unter deren Flügeldecken sie ihre Legeröhre einschob, wahrschein-
lich, um dort ihre Eier abzusetzen.
Von Heeger (Sitzungsberichte der mathem..naturwis3. Classe
der Akad d. Wissensch. zu Wien XX. p. 342 ff.) wurden die ersten
Stände von Lipara lucens und similis , die auch in den Larven be-
stimmte Unterschiede darbieten, bekannt gemacht und durch Abbildun-
gen erläutert ; die Larven leben in Rohrstengeln.
Coriacea. Eine neue Mährische Nycteribia aus der Slaupcr
Höhle, welche auf Vespertilio murinus gefunden wurde, beschrieb
Kolenati (Verhandlungen des zoolog.-bolan. Vereins in Wien VL
p. 189) unter dem Namen Nycleribia Frauenfeldii und bildete sie auf
Taf. I ab. Sie ist eine der grössten bekannten Arten. Nach Ver-
gleich von acht verschiedenen Nycteribia- Arten stellt der Verf. zu-
gleich von Neuem eine Charakteristik der Gattung auf.
l'ulicidae« Walker (Insecta Britannica, Diptera III. p. 2ff.)
zählte 14 Pulex -Arten als in England bis jetzt beobachtet auf und
beschrieb zwei : F. fringillae (Steph. i. lit.) und melis (Leach i. lit.)
als neu.
liepidoptera«
Die Calaloge der im British Museum vorhandenen Le-
pidopteren sind auch in diesem Jahre mit mehreren neuen
Theilen fortgesetzt worden , weiche abermals die Verarbei-
tung eines sehr reiclihaltigen Materials enthalten^ aber leider
424 Gerslaecker: Bericht üb. d. Leislungen in d. Entomologie
immer noch in Beireff der wissenschaftlichen Behandlung
desselhca Viel zu wünschen übrig lassen. Es sind folgende:
I) List of the specimens of Lcpidoptcrous Insecls in
Ihe colleclion of the British Museum, by F. Walker. Part.
Vll, Lepidoptera Heterocera. Prinled by order of the Tru-
stees, London 185(3. (8. p. 1509— 1808.) - Dieser Theil,
welcher die Bombyciden der älteren Autoren abschliessl,
bringt eine Beschreibung der Gattungen und Arten der Cos-
sinen und Hepialiden und in einem zweiten, dem Umfange
nach viel grösseren Abschnitt zahlreiche Nachträge zu den
vorhergehenden sechs Bänden. In diesen Nachträgen be-
schreibt der Verf. abermals eine beträchtliche Anzahl neuer
Gallungen und Arten aus den meisten der früher calalogi-
sirten Familien und ordnet den ersteren sowohl die von ihm
übergangenen Arten älterer Autoren als auch die in jüngster
Zeit von anderer Seite publicirten unter. Von besonderer
Wichtigkeit in synonymischer Hinsicht ist es, dass der Verf.
die von Herrich - S chä ffer in seinen „Lepidopterorum
exoticorum species novae« durch Abbildungen bekannt gemach-
ten Arten, welche bisher von ihm übergangen worden wa-
ren, in den von ihm begründeten Gattungen untergebracht
und, so weit sie mit den von ihm selbst beschriebenen zu-
sammenfielen, mit diesen identiticirt hat. Erstaunlich ist es
dabei, wie viele der Herrich -Schäffer'schen Arten als selbst-
ständige anerkannt worden sind ; die Zahl derjenigen, welche
mit den aus dem British Museum beschriebenen Arten zusam-
menfallen, ist verhältnissmässig sehr gering, so dass die Aus-
dehnung des hier noch unentdeckten Materials dadurch recht
klar wird. — Die Bearbeitung der Cossini und Hepialidae
nimmt ebenfalls auf die Herrich - Schäffer'schen Abbildungen
und die ihnen beigelegten Namen Rücksicht, führt dieselben
aber mehrfach auf ältere, vorzüglich Englische Beschreibun-
gen zurück.
Unter den Cossinen nimmt Walker 9 Galtuni»en an: Cossus
auct., Endagria Bbisd., Culama n. g. auf eine Ken - Holländische Art
mit vorstehenden, langgestreckten Palpen, welche den Kopf weit
überragen, gegründet, Cossodes White (Turoma Bsd. , Herrich-Sch.),
Givirrr n. g. auf eine einzelne Art unbekannten Fundorts fi[cgrändet,
Langsdorfia llübn., Zeunera Latr., Phragmataecia Ncwm. und Morpheis
während des Jahres 1856. 425
Ilübn. — In der Beurtheilüng der Arten früherer Autoren und der
ünterordnuns: unter die von ihm angenommenen Gattungen ist der
Verf. mehrfach in Irrthümer verfallen; so ist Fhalaena .Noctua Strix
Lin. Cram., die unter Cossus steJit, eine Zeuzera, vielleicht sogar mit
einer der Ostindisehen neuen Arten des Verf. identisch (worüber die
Beschreibungen jedoch keinen genügenden Aufschluss geben) , Zeu-
zera palmarum ßsd, , Herr. - Seh. (pulrida Walk) nur das Weibchen
von Sph. Pyracmon Cram. (mas.) , aber keine davon verschiedene
Art. Cossus mucoreus Bsd. , auf welchen Herr. - Schäffer mit Recht
eine eigene Gattung Cryplobia gegründet hat, ist von Cossus in der
Klügelbildung, dem Geäder, den Fühlern, der ganzen Form und Be-
sehuppung des Körpers so auffallend verschieden, dass sie nicht unter
dieser Galtung stehen kann, wie dies schon die für letzlere von
Walker aufgestellten Charaktere erkennen lassen. Die Zusammen,
tragung der bisher bekannt gemachten Arten ist bis auf wenige feh-
lende, z. B. Cossus a'acmurtrei Guer. Iconogr., recht vollständig.
Die Hepialiden, deren Charakteristik mit der sonderbaren An-
gabe „Habitus non geomelriformis" beginnt, zerfallen in 14 Galtun.
gen: Hepialus aucl. , Oncopera n. g. durch einen sehr starken und
dichten Haarbüschel der Hinlerschienen des Männchens, so wie durch
einfache, derbe, die Kopflänge kaum erreichende Fühler ausgezeich-
net, mit einer Keuholländischen (sehr bekannten) Art; Dalacn n. g.
(Epialus exul, exclamans und cpigramma Herr. -Seh.), Elhamma n. g.
(z B. Epialus anlipoda Herr.-Sch.j, Fraüs n. g. (Epialus nanus Herr..
Seh.?), Gorgopis Hübn., Phassus n. g. (auf Epialus giganteus Herr.-
Seh. aus Brasilien , eine bekannle Mexikanische Art Ph. argenlife-
rus u. s w. begründet) , Charagia n. g. (enthält nur Australische
Arten, wie Hepialus virescens Doubl , lignivorus Lew. u. a.), Leto
Hübn., Dolecta Herr.-Sch., Porina n. g. mit einer Art von Neu-See-
land, Oxycanus n. g. ebenfalls ausschliesslich mit Australischen Arten,
Pietus n. g. (welcher Gattung Abanliades Herr. - Seh. entsprechen
würde) mit ISeuholländischen Arten, wie Cossus labyrinthicus Donov.
u a., Draconia Hübn.
Die im K-achtrage zu den früheren sechs Bänden charaktcrisir.
ten neuen Gattungen hier einzeln namhaTt zu machen, verbietet der
Umstand, dass einerseits ihre Anzahl sehr gross, andererseits ihre
Beschreibungen nicht der ArV- abgefasst sind, dass sich das Wesentliche
daraus excerpiren liessc. Dagegen erseheint es zweckmässige auf die
Bcurlheilung , welche die von Herr. - Schäffer benannten Galtungen
und Arten durch Wa I k e r- erfahren haben, in Kurzem einzugehen.
Mit Castnia verbindet W. die Gattungen Orthia und Gazcra und gicbt
ürlliia Augias Herr.-Sch. als identisch nnt Castnia P^'lasgus Walk.,
Gaiera Heliconoides als identisch mit Castnia Linus Walk. an. —
Aegocera Lalreillci Hcrr.-Sch. ist = Arg. magna Walk., LacmochBris
426 Gerstaeck er: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Herr. - Seh. = Pseiidomya W. (L. stulta H. - S. = dolens W. , L.
Zantes H.-S. = haemalica W.), ferner auch zum Theil den Gattungen
Isanthrcne , Poecilosoma, Lagaria, Erruca , Cosmosoma und Calonota
Walk, entsprechend, Trichela H.-S. = Enope W. , Eupyra H.-S. =
Chrysocale W. , Charidea H.-S. = Automolis W. , Histioca W. und
Hippola W., Gynautocera H.-S. (pars) = Histia W., (Gynaut. libel-
luloides mas. et fem. Herr. -Seh. = Hist. Selene und vacillans W.),
Heterusia H.-S. = Pompelon W. (H. acrocyama H.-S. = P. margi-
nata W.), Epyrgis und Milleria H.-S. = Cyclosia, Chalcosia und Lau-
ria Walk. , (Epyrgis euploeoides H.-S. == Cyclosia Namouna W.,
ÄHlIeria virginalLs H.-S. = Cycl. subcyanescens W. , Epyrgis idaeoi-
des H.-S. = Chalcosia pectinicornis W. , Epyrgis Midama und Hor-
menia H— S. = Chalcosia venosa W. mas. et fem. , Milleria corrusca
H.-S. = Chalcosia Zuleika , Milleria Circe H.-S. = Lauria metal-
lica W.). Der Verf. hat hier bald seine eigenen, bald die Herrich-
Schäffer'schen Art-Namen beibehalten, und also dort letztere zu er-
steren, hier erstere zu letzteren als Synonyme gestezt.
2) List of Ihe specimens of Lepidoplerous Insecls in Ihe
collection of the British Museum, by F. Walker. Part. VIII.
Sphingidae. London 1856, 8. 265 pag. — Der Verf. hat sich
durch diese Arbeit das Verdienst erworben, die zahlreichen
undvschönen Sphingiden-Arten, welche in den älteren Wer-
ken von Gramer, Drury, Linne, Fabricius u. s. w.
nicht enthalten sind, und welche sich in dieser Familie, die
seit jener Zeit in Bezug auf die Exoten fast ganz unbear-
beitet geblieben ist, sehr beträchllich angehäuft haben, durch
Beschreibungen bekannt zu machen ; auch sind diese Be-
schreibungen , wie sich Ref. durch Benutzung derselben bei
der Bestimmung eines Theiles der im hiesigen Museum be-
findlichen Arten überzeugt hat , wenigstens für die meisten
Fälle als zweckentsprechend zu bezeichnen. Dies ist aber
auch das einzige Lob, welches man selbst bei den massig-
sten Anforderungen an wissenschaftliche Leistungen, dem
Werke zollen kann. Allerdings sind die zahlreichen Gatlun-
gen, welche W. theils nach Hübner und Boisduval (diöj
des letzteren nur i. lil. bekannt) angenommen , theils selbsl
geschaffen hat, stets mit einer Reihe von Charakteren verse-^
hen worden ; indessen ist der Verf. einerseits vollständig un-
bekümmert um die Bedeutung dieser Charaktere geblieben,!
vvie dies der Leser durch eine Gegenüberstellung derselben!
während des Jalires 1856. 427
bei mehreren Gallungen leichl erkennen kann, andererseils
legt er auch selbst keinen Werlh auf dieselben, was daraus
hervorgeht, dass er oft die verschiedenarligslen Elemente
unter derselben Gattung vereinigt: so dass man oft in Zweifel
geräth, auf welche dieser heterogenen Arien die Galtung
eigentlich begründet sein soll. Anzuerkennen ist in BetrefF
der Literatur wenigstens die sehr reichhallige Anfuhrung der-
selben, nicht in gleichem Masse aber die kritische Behand-
lung, in der sich öfter sogar auffallende Missgriffe nachwei-
sen liessen; von bereits beschriebenen Arten sind dem Verf.
im Verhältnisse nur wenige entgangen, einige derselben unter
neuen Namen beschrieben worden.
Die Sphiiigiden betrachtet W. als aus zwei Tribus zusammen-
gesetzt, welche er „Sesii" und „Sphingii" nennt; die erstere theilt
er in zwei Familien : Stygiidae (nur Stygia , Chimaera und eine aus-
ländische Gattung umfassend) und Aegeriidae, welche aus den eigent-
lichen Sesiarien mit Einschluss der Gattung Thyris zusammengesetzt
ist — Was der Verf. über die Sesien, und zwar besonders über die
Europäischen Arten, geschrieben hat, ist ihm insofern nicht zuzurech-
nen, als die meisten derselben ihm nicht bekannt gewesen sind (wie
dies die im Cataloge üblichen Bezeichnungen erkennen lassen) und
die Staudinger'sche Abhandlung (1854), welche wenigstens über die
Gattungen, denen die auffallendsten Arten beizuzählen sind, hätte Auf.
Klärung geben können, nicht in Betracht gezogen worden ist. Aber auch
ohne diese Bekanntschaft hätte wohl die Vereinigung so verschiede-
ner Formen, wie S. asiliformis, laphriaeformis und lineiformis, welche
bei W. die Gattung Paranthrene bilden, leicht vermieden werden kön-
nen, wenn man bedenkt, dass gerade diese drei Arten ebenso, vielen
Gallungen angehören, welche die aller handgreiflichsten Unterschiede
darbieten. Die Wieder- Einführung des Namens Aegeria Fabr. für
Sesia ist in keiner Weise motivirt, denn erstere Gattung ist erst 1807
in llliger's Magazin VI für die hierher gehörigen Arten aufgestellt
worden, während Laspeyres schon 1801 seine Galtung Sesia (nach
Fabricius Entom. syst.) darauf begründete und in ausgezeichneter
Weise charakterisirte. Wenn aber Walker den Kamen Sesia Fabr.
für Macroglossa in Anwendung bringt (welche Gattung unter seinen
Sphingii steht], so ist die Anwendung des Gruppen-Namens Sesii doch
gewiss vollständig sinnlos für eine Abtheilung, in der die Gattung
Sesia gar nicht enthalten ist. Für die Gattung Sphecia (zu der S.
laphriaeformis gehören müsste), hätte der Name Trochilium Scop. als
der ältere und zugleich als der wissenschaftlich begründete ange-
nommen werden müssen, Dre zahlreichen als neu beschriebenen aus.^
k
428 Ger st a eck er: Bericht ül). d. Leistungen in d. Entomologie
Ifindischen Arten der Gruppe sind vom Verf. in mehrere neue Gat-
tungen vertheilt worden , die mir nach den Beschreibungen allein
vollständig uncnträthselbar geblieben sind, daher ich über die Be-
rechtigung derselben nichts sagen kann. — Unter den eigentlichen
Sphingiden wird, wie schon erwähnt, ein gründlicheres Studium der
sehr lahlreichen und im Habitus sich oft nach verschiedenen Rich-
tungen hin mit einander vereinigenden Formen nothwendig sein, um
die von W. angenommenen Galtungen, deren Zahl sich im Ganzen
auf 3y belauft , in veränderter Weise festzustellen ; was hier davon
vorliegt, entbehrt jeder lieferen Begründung. Untersucht man z. B.
die Bestandtheile der Gattung Darapsa (p. 182), welche zwischen Phil-
ampelus Harr, und Daphnis Hübn. steht, so erkennt man leicht, dass
die beiden ersten Arten derselben (Sph. Chaerilus Cram. und Myron
Cram.) nach der Bildung der Fühler, an denen die Spitze nicht dünn
abgesetzt ist, nach den Beinen und dem Flügelschnitte in nächster
Verwandtschaft mit Smerinthus und also mit der vorhergehenden und
folgenden Gattung in gar keiner Beziehung steht. Eine dritte Art
von Darnpsa, die Sph. Hypothous Cram., welche der Sph. Nerii zum
Verwechseln ähnlich ist, gehört mit dieser zur Gattung Daphnis Hübn. ;
eine vierte Art endlich, Darapsa Bulus Cram. ist eine ächte Deile-
phila. Auf welche Art ist nun die Gattung Darapsa begründet wor-
den?— Andere Gattungen, deren Umfang nicht gut zu verkennen war,
wie z.B. Macroglossa, bedürfen einer gründlichen Revision in Betreff
der Feststellung der Arten: M. volucris Walk. (p. 94) ist schon von
Kollar als M. nycteris beschrieben worden, M. Gilia (p. 93) ist
gleich M. Pandora Fabr. (Passalus Drury , ßelis Cram.) , wogegen
M. Faro Cram. von letzterer Art verschieden ist; ebenso sind M. Tan-
talus Cram. und Titan Cram., die W. als synonym vereinigt, zwei so
verschiedene Arten , wie sie nur überhaupt existiren können. Unter
Smerinthus fehlt z. B. Sm, Eversmanni Fopoff (1854) aus Sibirien;
die schöne von Walker beschriebene Art Sm. princeps, deren Va-
terland ihm unbekannt ist, stammt aus Texas.
3) List of Ihe specimens of Lepidopterous Insects in
the collection of Ihe British Museum, by F. Walker. Part.
IX and X. Nociuidae. London I85ö. 2 Vol. 8. 491 pag. —
Bei der Aufzählung- der im British Museum vorhandenen Noc-
tuen, welche den Inhalt der beiden vorliegenden Bändcheh
bildet (in denen jedoch nur ein Theil der Familie abgehan-
delt wird), hat sich der Verf. genau an das vor einigen Jah-
ren von Guenee erschienene Werk gehallon, das ihm vor-
liegende Material danach bestimmt und die nicht darin ent-
haltenen Arten beschrieben. Letztere' sind begreiflich in
dieser Familie viel weniger zahlreich, als dies bei den vom
während des Jahres 1856. 429
Verf. zuletzt bearbeiteten der Fall war, obwohl sich des
Neuen immer noch genug vorfindet; auf eine Anzahl solcher
neuen Arten sind auch eigene Gattungen begründet worden,
über deren Berechligung Ref. kein Urlheil abgeben kann, da
er bis jetzt nicht Zeil gefunden hat, sich näher mit der
Arbeit bekannt zu machen. In den beiden bis jetzt vorlie-
genden Bändchen (denen sich bereits ein drittes im Jahre
1857 erschienenes anschliesst) ist die Guenee'sche Gruppe
der Trifidae bombyciformes und von den Trifidae genuinae
die Leucanidae, Gloltulidae, Apamidae, Caradrinidae, Noctui-
dae, Orthosidae und Cosmidae abgehandelt worden. Ueber
die vom Verf. neu aufgestellten Gattungen sind am gehörigen
Orte einige kurze Notizen gegeben worden.
4) List of the specimens of Lepidopterous Insects in the
collection of the Brilish Museum by G. R. Gray. Part. I.
Papilionidae. London 1856. — Nach dem Vorworte von J.
E. Gray, welches diesejn Bändchen (^. 106 pag.) vorher-
geht, wird beabsichtigt, ein vollständiges Verzeichniss von
allen Gattungen und Arten der Lepidopteren, welche bis jelzt
bekannt geworden sind, herauszugeben, in welchem die im
British Museum gegenwärtig vorhandenen besonders ange-
merkt sind. Der in Rede stehende erste Theil erstreckt sich
auf die erste Gruppe der Rhopaloceren , die sogenannten
Equiles, deren Zahl sich hiernach auf 388 stellt; sie sind
auf 8 Galtungen: Papilio (womit Ornilhoptera Bsd. vereinigt
ist}, Leplocircus, Eurycus, Parnassius, Mesapia, Doritis, Seri-
rinus, Thais und Teinopalpus vertheilt. Neue Arten sind
darin nicht beschrieben worden, alle bekannten aber mit aus-
führlicher Synonymie und Vaterlands-Angaben versehen.
5) List of the specimens of Brilish Animals in the col-
lection of the British Museum. Part. V. Lepidoptera, by J. F.
Stephens. London 1856. 1 Vol. 8. 224 pag. — Der Zweck
dieses Cataloges ist nach J. E. Gray's Vorwort, ein voll-
ständiges Verzeichniss aller Lepidopteren , die bis jelzt in
England aufgefunden worden sind , zu geben und zugleich
diejenigen, welche im British Museum vorhanden sind, be-
sonders zu vermerken ; letzteres enthält sämmtliche Typen
der von Stephens beschriebenen Arien. Das Verzeichniss
ist von Slainton und Sheppard sorgfällig revidirt und
430 Gerstaecker: Bericht üb, d. Leistungen in d. Entomologie
nach dem gegenwärtigen Standpunkte der Wissenschaft um-
geändert worden. — Den aufgezählten Arten , welche den
Familien der Rhopalocera, Sphingides, Bombycidos, Noctuac,
Geometrae und Pyralides angehören , ist eine vollständige
Literatur beigefügt.
Wienker hat ein zweites Heft „Neuer oder weniger
bekannter Schmetterlinge der Insekten-Sammlung des Königh
Zoologischen Museums der Universität zu Berlin« (das erste
war im Jahre 1836 mit Beschreibungen von Klug erschie-
nen) herausgegeben (Berlin 1856, beim Herausgeber, 4. 5 tab.
color., 8 pag. Text) ; die Beschreibungen der Arten sind von
Hopffer abgefasst, dem zugleich die Auswahl der letzteren
zu verdanken ist. Die Ausführung der Abbildungen ist so-
wohl in der Zeichnung, als im Stich und Colorit meisterhaft,
ihre Treue bis auf das kleinste Detail unübertroffen. Die be-
kannt gemachten neuen Arten sind durchweg ausgezeichnete
exotische Formen, zum grössten Theile den Heteroceren an-
gehörig.
Das schöne Werk von W. C. Hewitson „lllustrations
of new species of Exotic Butterflies, selected chiefly from the
collections of W.Sau n de rs and W. Hewitson« wird un-
unterbrochen mit vier jährlichen Lieferungen fortgesetzt und
es ist gegenwärtig mit dem zwanzigsten Hefte der erste Band
desselben abgeschlossen worden. (Vol. L London, J. van
Voorst, 1856). Derselbe enthält 60 Tafeln Abbildungen
und ebenso viele Blätter Text in 4. Obwohl die Abbildungen
in Steindruck ausgeführt sind , zeichnen sie sich durch eine
Sauberkeit und besonders auch durch eine Feinheit und Treue
im Colorit aus , wie sie bisher nur in wenigen ähnlichen
Werken angetroffen wird. Ausserdem bietet das Werk durch
den ausserordentlichen Reichthum an ausgezeichneten neuen
Arten für die Bearbeiter dieser Insekten-Ordnung besonderes
Interesse dar. Von den im J. 1856 ausgegebenen vier Hef-
ten (17. bis 20.) enthält das letzte einen General-Index für
den ersten Band , in welchem die Tafeln systematisch ange-
ordnet sind; von denselben sind 2 den Papilioniden , 3 den
Pieriden, 23 den Heliconiden, 1 den Acraeiden, 17 den Nym-
phaliden, l den Morphiden , l den Lycaeniden und 12 den
Eryciniden gewidmet. Eine besondere Bereicherung haben
wfthrend des Jahres 1856. 431
die Gallungen Ilhoniia (19 Tafeln), Catagramnia (5) und Eu-
rygona (7) erfahren; von erslerer sind allein 98 neue Arten
bekannt gemacht worden , der sprechendste Beweis lür den
besonderen Reichthum Süd- Amerika's an diesen zierlichen
Faltern.
Das ebenfalls mit vortrefflichen Abbildungen ausgestat-
tete Unternehmen II errich- S chä f fefs ,,Lepidoplerorum
exoticoruin species novae aut minus cognilae'* ist in gleicher
Weise mit ferneren Lieferungen forlgesetzt worden, von de-
nen eine (Ser. II. Lief. 5) wieder Rhopaloceren, drei andere
(Ser. L Lief. 23 — 25) Heteroceren enthalten. Den letzteren,
welche zusammen 15 Tafeln enthalten, ist auch jelzt der An-
fang eines Textes beigegeben worden (52 pag.), in welchem
der Verf. versucht hat, die gesammten Lepidopl^ren mit be-
sonderer Berücksichtigung der exotischen Formen in Faiui-
lien einzutheilen. Diese Eintheilung ist nach dem sogenann-
ten dichotomischen Systeme vorgenommen worden, in erster
Instanz auf die Verschiedenheiten des Flügelgeäders gegrün-
det , für dieselbe aber im Ferneren auch die Unterschiede,
welche alle übrigen wichtigeren Körpertheile darbieten, wie
die Form der Fühler , das Vorhandensein oder Fehlen der
Ocellen, die geringere oder stärkere Entwicklung der Zunge
u. s. w. benutzt worden. Bei dieser Eintheilung gelangt der
Verf. zu 34 Familien , für welche er jedoch weder Gleich-
werthigkeit, noch eine nähere Verwandtschaft der auf einan-
der folgenden in allen Fällen beansprucht; als die beiden
Endpunkte seiner Familienreihe sieht er die Epialiden (erste
Familie) und die Micropterygina (letzte) an. An diese ta-
bellarische Uebersicht der Familien reiht der Verf. eine grosse
Zahl von Anmerkungen , in welchen er auf diejenigen Ei-
genlhümlichkeiten der einzelnen Gruppen, welche in die Ta-
belle nicht aufgenommen werden konnten, näher eingeht und
ihre verschiedenen Verwandtschaften erörtert; ausserdem wer-
den für die meisten jener Familien die von ihm angenomme-
nen exotischen Gattungen namentlich aufgeführt, mit dem ein-
fachen Hinweis auf eine dazugehörige Art, welche auf einer
der früher herausgegebenen Tafeln abgebildet und benannt
worden ist. Bei einigen Familien (Arclioiden, Lipariden,
Lithosincn, Syntomoiden und Georaelrinen) dagegen werden
432 Gerstaecker: Bericht fib. d. Leistungen in d. Entomologie
die einzelnen Gallungen auch näher begründet, d. h. ilire
Charaktere werden in einer analytischen Tabelle entwickelt.
Die von II errich - S chäf f e r angenommenen Familien der
Lepidopteren sind folgende : a) Alle Flügel von gleicher Bildung,
die hinteren wenig kleiner, mit zwölf Rippen , einer eingeschobenen
Zelle zwischen Rippe 4. und 5.; Rippe 9. und 10. auf gemeinschaft-
lichem Stiele; keine Haftborste und Nebenaugen. 1) Epialoidea. 'b)
Die Flügel ungleich, die hinteren kürzer, mit geringerer Anzahl von
Rippen, höchstens acht: 2) —32) Rhopalocera , Castniaria, Sesioidea,
Fyromorphina, Zygaenoidea, Cossina , Oeceticina, Animulina , Psy-
china, Megalopygina , Sphingina, Endromoidea, Lasiocampina , Bom-
bycoidea, Cilicina, Saturniina, Uranida, Phytometrina , Dendrometrina,
Drepanulina, Notodontina , Cymatophorina, Noctuina, Nycteolina, Li-
thosina, Liparidina , Arctioidea, Syntomoidea , Microlepidoptera und
Pterophorina. c) Jeder Flügel in sechs ziemlich gleiche Federn ge-
theilt: 33) Alucitina. dj Die Flügel ziemlich gleich gebildet und ge-
rippt, alle mit mehr als acht Rippen, Nebenaugen vorhanden : 34) Mi-
cropterygina. (Man ersieht leicht, dass dies System ein rein künst-
liches ist, wie es stets die Folge einer derartigen Eintheilung sein
muss; in einem natürlichen würden die Epialiden trotz des ganz abwei-
chenden Flügelgeäders neben ihren natürlichen Verwandten, den Cos-
sinen zu stehen kommen. Ref.). Von den einzelnen Familien, welche
der Verf. weiter analysirt hat, zerfallen die Arclioiden nach ihm 1)
in Arctioidea vera, die plumperen, haarigeren Arten umfassend, 2) in
Arctioidea geometriformia mit schlankerem , anliegend beschuppten
Körper, grossen breiten Flügeln von gleicher Farbe und Zeichnung,
Vorderschienen ohne Kralle, Hinterschienen mit Mittelspornen, Vor-
derflügel mit zwölf und Hinlerflügel mit acht Rippen ; 3) in Arcti-
oidea lithosiaeformia , durch schlanken Bau , nicht haarigen Körper,
schmale Vorder - und breite Hinterflügel ausgezeichnet und 4) in Arc-
tioidea syntomidiformia, durch kleine Hinterflügel bei ziemlich plum-
pen, kräftigem Körper bezeichnet. Sie umfassen im (Janzen 30 Gat-
" langen. Die Lipariden sind in 14, die Lithosiiden in 24, die Synto-
moiden in 23 Galtungen aufgelöst; unter den Geometrinen im Sinne
der älteren Autoren kommen den Dendrometrinen 120, den Phylome-
trincn 22 Gattungen zu, deren nähere Begründung den grössten Theil
des bis jetzt vorliegenden Textes (p. 24 — 52) ausfüllt.
Aus der kurzen Uebersicht, welche Ref. von dem Inhalte des bis
jetzt vorliegenden Textes des Herr.-Schäffer'schen Werkes gegeben hat,
lässt sich ersehen, dass derselbe nur ein fragmentarischer ist, indem
darin einzelne aus dem Zusammenhange gerissene Gruppen oder Fami-
lien eingehend behandelt , die übrigen nur im allgemeinen Umrisse
hingestellt werden; wahrscheinlich hing diese verschiedene Behand-
lungsweise je von der Reichhaltigkeit oder Beschränktheit des Materials
während des Jahres 1856. 433
ab, welches dem Verf. gerade zu Gebole stand. Was die nur nainenU
lich angeführten Gattungen eines Theils der Familien betrifft, so ent-
behren sie X)\s jetzt einer näheren Begrflndung und fallen daher in
Betreff der Annahme oder Verwerfung dem Belieben späterer Autoren
anheim. Wo eine Analysirung der Gattungscharaktere staltgefunden
hat, wie bei den Arctioiden, Synlomiden, Lithosiiden u. s. w. , wird
eine Zurückführung auf die früher von Walker (1854 und 55) auf-
gestellten Gattungen nothwendig, wie sie von lelzlerem gegenwärtig
auch schon in seinem Supplenient zu den Arctioiden und ßombyciden
vorgenommen worden ist. In Uücksicht auf die schönen Abbildungen
ist es wirklich zu bedauern, dass der Verf. nich\ gleich von vorn
herein mit denselben gleichzeitig einen beschreibenden Text her4ius.
gegeben hat, welcher, da hier Vollständigkeit weder bezweckt wurde
noch zu erreichen war, ja gar nicht auf die Systematik näher einzu-
gehen, sondern nur gründliche Beschreibungen derGaltungs- und Art-
charaktcre zu enthalten brauchte; in derAitder Publicirung verdient
das Hewitson'sche Werk gewiss nur Nachahmung.
Ein neues ünlei nehmen von H erri clt-Schä ffer, von
dem bis jetzt nur ein einzelnes Heft vorliegt, ist betitelt:
Neue Schmetterlinge aus Europa und den angränzenden Län-
dern. 1. Heft, mit 9 iliuminirten Kupfertafeln. Regensburg, J.
Manz, 1856. — Von den Tafeln sind acht der Darstellung
neuer oder unvollständig bekannter Arten von Lepidopleren
aus den verschiedensten Familien (zur Hälfte den Microlepi-
dopteren angehörig) gewidmet, die neunte bringt Abbildun-
gen von Raupen und Raupensäcken von Euprepia, Psyche
und Fumea. Die Abbildungen sind mit der aus den frühe-
ren Werken des Verf. bekannten Sorgsamkeit und Eleganz
ausgeführt. Der beifolgende Bogen Text enthält Anmerkun-
gen zu den schon bekannten und eine Beschreibung der
neuen Arten; letztere sind an ihrem Orte einzeln namhaft
gemacht worden.
Das durch seine vorzüglichen Abbildungen berühmte
Werk von S. C. Sepp „Beschouwing der Wonderen Gods
in de minstgeachtete Schepzelen of Nederlandsche Insekten«,
welches gegenwärtig durch Snellen van Vollen hoven
weitergeführt wird, liegt jetzt bis zum Schlüsse des siebenten
Bandes fertig vor. Von dem im J. 1855 begonnenen achten
Theile sind dem Ref. vier Lieferungen mit zehn Nummern
zur Ansicht zugegangen. Jede Nummer behandelt wie früher
Archiv f. Naturgesch. XXlll. Jahrg. 2. Bd. QQ
434 Gerstaecker: Bericht ab. d. Leistungen in d. Entomologie
die Naturgeschichte einer Art durch alle Entwicklungsstufen
hindurch, welche zugleich auf einer beifolgenden Tafel in
ganz besonders kunstvoll ausgeführten Abbildungen darge-
stellt werden. Die in Rede stehenden Lieferungen des ach-
ten Bandes enlhallen mit Ausnahme einer Hesperia und eines
Torlrix ausschliesslich Noctuen , sämmtlich bereits bekannte
Arten.
Freyer's „Neuere Beiträge zur Schmetterlingskunde«
sind im Jahre 1856 mit fünf neuen Heften (Heft 1 11 bis 115)
fortgesetzt worden; dieselben enthalten fast ausschliesslich
Beschreibungen und Abbildungen bereits bekannter Arten,
zum Theil in Verbindung mit den früheren Ständen ; bemer-
kenswerth sind einige Aberrationen von ausgezeichneter
Schönheit.
Die abgebildeten und beschriebenen Arten sind nach den ein.
zelnen Heften, in denen sie enthalten, folgende: (Heft Ul) Lycaena
Argiolus, Icarus, Euprepia villica, Psyche pulla , calvella, Cidaria ri-
varia, alchemiilaria, affinitaria und turbaria. — (Heft 112.) Lycaena
Optilete, Argynnis Amathusia (Aberration), Xanthia ochroleuca, Era-
stria pauUa, Idaea scutularia, Larentia sororiaria und trisignaria, Alu-
cita galactodactyla und ptilodactyla. — (Heft 113.) Colias Phicomone,
Lithosia Irrorea, Psyche viciella , villosella und opacella, Boarmia
extersaria und perversaria, Larenlia Musauria n. sp. von der Mus-
sauer Alpe, Alucita trichodactyla und hieracii. — (Heft 114.) Argyn-
nis Pales, Psyche nitidella, apiformis und bombycella, Acronycta ine-
nyanthidis, Larentia inlurbaria, Begrandaria, Asopia farinalis, lienigia-
lis und Botys forficalis. — (Heft 115.) Argynnis Latonia (Aberration),
Euprepia flavia , Xanthia Cerago, Zerene grossulariata (Aberration),
Acidalia boreata, Alucita mictodactyla und pilosellae.
Eine Anzahl neuer Lepidopteren verschiedener Familien
aus dem Süd-Osten Australiens (Provinz Victoria) hat New-
man in den Transactions of the enlomol. society HI. 231 —
390. pl. 18 beschrieben und zum Theil abgebildet. („Chara-
cters of a few Australian Lepidoptera , collected by Th.
Oxley.«)
Bremer gab eine Aufzählung der von v. Motschul-
sky in Nord-Amerika gesammelten Lepidopteren, deren Zahl
sich auf etwa 150 beläuft. (Etudes entomol. V. p. 50.)
Die Europäische Lepidopteren -Fauna behandeln wieder
zahlreiche Beiträge, in der Aufzählung der an einzelnen Lo-
während des Jahres 1856 435
kalitäten vorkommenden Arten bestehend. Unter den Deut-
schen Faunen verdient wegen ihrer Reichhaltigkeit und der
Sorgsamkeit der Bearbeitung in erster Stelle Erv»rähnung:
G. K och, die Schmetterlinge des siidwestlirhen Deutsch-
lands, insbesonders der Umgegend von Frankfurt, Nassau und
der Hessischen Staaten, nebst Angabe der Fundorte und Flug-
plätze u. s. w. (Cassel , Theodor Fischer 1856. 8. 498 pag.
2 Taf. Abbildungen.) — Die Arbeit ist das Resultat 25jäh-
riger Beobachtungen des Verf. und hat dadurch eine Voll-
ständigkeit erlangt, wie sie bis jetzt nur wenige deutsche
Faunen darbieten möchten. Das Verzeichniss erstreckt sich
über sämmtliche Familien der Lepidopteren und enthält im Gan-
zen 1742 Arten (in Europa iil)erhaupt kommen 4927, in
Deutschland 2840 Arten vor); dieselben vertheilen sich auf
die einzelnen Familien folgendermassen: Rhopalocera 120,
Sphingidae46, Bombycidae 115, Noctuae 300, Geometrae 250,
Pyralides 78, Tortricides 262, Tineidae 480, Pterophoridae27.
— Bei jeder Art citirt der Verf. die besten und gangbarsten
Beschreibungen und Abbildungen, giebt Nachricht über die
Erscheinungszeit der Raupe und des Schmetterlings, über die
Nahrungspflanzen und Verwandlungsart der ersteren so wie
über die speciellen Lokalitäten, an denen er selbst den letz-
teren angelrofTen hat. Für die Aneinanderreihung und Um-
gränzung der Gattungen ist das Heydenreich'sche Verzeich-
niss zum Vorbild genommen, was der sonst ungemein fleis-
sigen Arbeit nicht immer („Sesiidae** und „Zygaenidae" wer-
den wie bei Heydenrcich als Gattungsnamen genommen)
zum Vortheile gereicht. Die eine der beifolgenden Tafeln
liefert eine colorirte Abbildung der seltenen Varietät von
Smerinlhus populi , die unter dem Namen Sm. tremulae be-
kannt ist. Von Interesse ist auch die vom Verf. als Anhang
gegebene „statistische vergleichende Uebersichtstabelle der
gegenwärtig bekannten Faunen«, in welcher die Artenzahlen
der beschriebenen deutschen Schmelterlingsfaunen nach Fa-
milien einander gegenübergestellt werden.
Slaudinger setzte (Entomol. Zeit. p. 37 — 46) seinen
„Beitrag zur Lepidopteren -Fauna von Ober-I{ärnthen<< mit
einem Berichte über die von ihm auf dem Glockner-Gebirge
gesammelten und beobachteten Arten aus den Familien der
43Ö Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Sphingiden , Bombyciden , Noctuiden, Geometriden und der
Microlepidopleren fort. Die fleissigen Beobachtungen des
Verf. über die vertikale Verbreitung mancher Arten sind ne-
ben dem Interesse, welches letztere an und für sich gewährt,
auch nicht selten in synonymischer Hinsicht von Belang,
indem dadurch z. B. mehrere Zygaeniden und Lithosien sich
als alpine Varietäten anderer -Arten herausgestellt haben.
Als eine besonders interessante Entdeckung ist die bisher
unbekannte Raupe der Euprepia Quenselii Payk. anzusehen,
welche in einer Erhebung von 7000 — 8000' auf niederen
Alpenpflanzen lebt und hier zuerst genau beschrieben wird.
VV. Schleicher, Verzeichniss der Lepidopteren des
Kreises ober dem Wienerwalde. (Verhandl. d. zoolog.-bo-
tan. Vereins in Wien VI. p. 653 — 670.) — Der genannte Kreis
gehört zu Nieder- Oesierreich und reicht von der Donau bis
zur Alpenkette von Sleyermark; das Verzeichniss der in ihm
vorkommenden Lepidopteren erstreckt sich über sämmtliche
Familien und zählt im Ganzen 1060 Arten auf: 106 Rhopa-
locera , 32 Sphingidae, 73 Bombycides , l42 Noctuae , 195
Geometrae, 57 Pyralidae, 171 Toririces, 265 Tineae, 19 Ple-
rophoridae. Die Namen der einzelnen Arten sind mit ChifTern
versehen, welche ihre Häufigkeit, ihr Vorkommen in vertika-
ler Richtung u. s. w. bezeichnen.
Ueber die Schlesische Lepidopteren-Fauna handeln: 1)
F. Wocke, Zweiler Nachtrag zur Schlesischen Lepidopte-
ren-Fauna (Breslauer Zeitschrift für die Entomologie, lOter
Jahrg. 1856. p. 1— 8). 2) A. Neustadt, Beitrag zu den
im Monat Juli um Gräfenberg und am Altvater vorkommen-
den Fallerarlen (ebenda, 9. Jahrg. 1855. p. 29— 36). 3) v.
Pritlwitz besprach einige für Schlesien neue Lepidopleren-
Arten und gab über ihre Fundorte Nachricht.
Die Zusammenstellung Wocke's der seit der Abfassung des
Schlesischen Lepidopteren - Catalogs aufgefundenen Arten umfasst: l
Sphingide, 3 Bombyciden, 12 Noctuen, 7 Geometriden, 5 Crambiden,
16 Tortrices, 82 Tineen, 1 Pterophoride; eine Tineide ist als neu be-
schrieben. — Die von Neustadt gegebene Aufzählung , bei der be-
sonders auf die vertikale Verbreitung der Arten Rücksicht genommen
wird, umfasst: 39 Rhopalocera , 6 Sphingiden, 20 Bombyciden, 40
Noctuen, 59 Geometrae, 23 Crambiden, 3 Pyraliden, 29 Tortrices, 19
Tineiden, 2 Ptorophoriden.
wahrend des Jahres 1856. 437
Schreiner, Bemerkungen über das Tessien 'sehe Verzeichniss
der um Altona und Hamburg gefundenen Schmetterlinge (Entomol.
Zeit, p 110 — 117). — Dieselben bestehen in Berichtigungen und Zu-
sätzen, besonders in Betreff der Lebensweise und der Nahrungspflan.
zen von Raupen, so wie der Flugzeit einiger Falter nach des Verf.
eigenen Beobachtungen.
Unger, Dritter Nachtrag zur Uebersicht der Meklenburgischen
Lepidopteren (Archiv des Vereins der Freunde der ISaturgesch. in
MeklenburgX, 1. p. 63). Es werden darin 16 neue Arten aus den Fa-
milien der Alacrolepidopteren aufgezählt.
Derselbe, „Zum Verständnisse der in der Lepidopterologie
gebräuchlichen Namen« (ebenda p. 53 ff.) sucht Gattungs- und Art-
Namen zu erklären und falsch gebildete zu verbessern.
Wallengren, „Bidrag Uli Sverges Lepidoplerfauna**
(Öfversigl af Kongl. Vetensk. Akad. Förhandl. 1856. p. 213—
222) zählte 51 bisher nicht als Bewohner Schwedens bekannt
gewordene Lepidopteren-Arlen auf; sie gehören den Noctuen,
Geomelriden und den Microlepidopleren an und sind sämmt-
lich mit lateinischen Diagnosen so wie mit Cilalen versehen;
eine Noclua wird als neu angesehen und beschrieben.
„Schmetterlinge im Gouvernement vod St. Petersburg
bis März 1856, zusammengestellt von J. C. Sievers.* (Hel-
singfors 1856.8. 21 pag.) — Das unter diesem Titel erschie-
nene Verzeichniss ist als eine zweite Auflage des im J. 1852
von demselben Verf. herausgegebenen zu betrachten, gegen
welches es beträchtlich vermehrt erscheint; während jenes
837 Arten enthielt , ist die Zahl derselben im vorliegenden
auf 1054 gestiegen.
Obwohl von einer annähernden Vollständigkeit gewiss noch
weit entfernt, giebt das Verzeichniss ein nicht uninteressantes Bild
von der St. Petersburger Lepidopteren-Fauna ; die Abnahme der Tag-
falter-Zahl, welche den Norden charakterisirt, tritt darin schon deut-
lich hervor, besonders in den Gattungen Alelitaea (3 A.), Limenills und
Fapilio (je I A.), Apatura (fehlt ganz), wogegen die specifisch nor-
dischen Argynnis- und Hipparchia. Arten schon auftreten. Von Huss-
land eigenthümlichen und besonders gesuchten Arten finden sich darin
u. a. Pygaera Timon und Catocala pacta; ferner auch zwei als neu
aufgeführte Arten, welche von Menetries in den Etudes entomolo-
giques V beschrieben worden sind. Das Verzeichniss erstreckt sich auf
sämmtliche Familien der Lepidopteren.
pLepidopteroiogische Notizen« von 0. Bremer (Correspon.
438 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistuiigen in d. Entomologie
denzblatt d. zoolog.-mineralog. Vereins »u Regensburg X. 1856. p. 77 ff.)
enthalten ebenfalls einige Bemerkungen über Schmetterlinge aus der
Umgegend von St. Petersburg.
Franz enau, Beitrag zur Lepidopleren-Fauna Siebenbürgens.
(Mittheilungen des Siebenbürg. Ver. f. Nalurwiss. in llermannsladtVll.
1856. p. 20ff.).
Französische Lokaüaunen werden erörtert in: Bellier
de la Chavignerie, Observalions sur les Lepidopteres des
Basses-Alpes. (Annales de la soc. entomol.iV. p. 5— 26.) —
Guillemot, Observalions sur les Lepidopteres du prin-
temps des environs de Hyeres, coinpares ä ceux de l'Auvergne.
~ Derselbe, Vingt-cinq jours de chasses aux Lepidopte-
res ä Barcelonelle et ä TArclie (Basses-Alpes); die beiden
letzleren Brochüren sind dem Ref. nur aus einer Anzeige im
Bulletin de la soc. enlomol. IV. p. CXIX bekannt geworden.
Die in England neu aufgefundenen Arten hat Stain-
lon (Entomologist's Annual for 1856. p. 26— 45) namhaft ge-
macht; es sind 2 Sesien, 2 Noctuen und eine grössere An-
zahl von Microlepidopteren , deren mehrere auch als neue
Arten beschrieben und zum Theil abgebildet werden.
Im Zoologist 1856. p. 4999 ist von Asworth ein
Verzeichniss von Schmetterlingen mitgetheilt worden, die neu-
erdings in Wales aufgefunden worden sind. Dasselbe Blatt
enthält ausserdem eine Menge kleinerer Mittheilungen über
einzelne Englische Arten, deren Erwähnung hier nicht am
Orte ist. Von Interesse möchte das Vorkommen des Parnas-
sius Apollo bei Dover sein.
Notizen über die verschiedenen Entwicklungsperiodeii
einiger Schmetterlingsarlen von 0. Schreiner (Zeitschrift
f. d. gesammten Nalurwiss. VII. p. 242 ff.). — Der Verf. zählt
eine Reihe von Sphingiden, Boinbyciden, Noctuiden und Geo-
melriden auf, welche sich zu ungewöhnlichen Jahreszeiten
aus der Puppe entwickelt haben und knüpft an dieselben
kurze Bemerkungen.
A. Speyer, Deutsche Schmellerlingskunde für Anfän-
ger, nebst einer Anleitung zum Sammeln. Als zweite, gänz-
lich umgearbeitete und vermehrte Auflage von Dr. Schen-
ckel's Schmetterlingssammler. Mainz 1856. (8. 271 pag. mit
34 cölor. Tafeln).
w&brend des Jahres 1856- 439
Unter den zahlreichen mit ähnlichen Titeln erscheinenden Wer.
ken verdient das vorliegende hier erwähnt zu werden, indem es eine
wissenschaftlich gehaltene Einleitung in das Studium der
Schmetleriingskunde liefert. In dem vorangeschickten allgemeinen
Theile gicbt der Verf. eine gedrängte, aber durchaus zweckentspre-
chend gehaltene Darstellung des äusseren und inneren Baues der Le-
pidoptercn, der ersten Stände und ihrer Verwandlungsgeschichte, fer-
ner Nachrichten über ihre Lebensweise , Nahrung und Aufenthalt,
endlich Anweisungen zum Sammeln und Aufbewahren, Der zweite
specielle Theil ist ein kurzer und übersichtlich gearbeiteter Abriss
der gegenwärtig angenommenen systematischen Eintheilung nach II er-
ri ch- Schaff er's undZeUer's Arbeiten, deren Familien, Gruppen
und Gattungen sämmtlich darin aufgenommen sind. Die deutschen
Arten sind zwar nicht ganz vollzählig beschrieben , werden aber
wenigstens überall durch die allgemeiner verbreiteten repräsenlirt;
ausserdem sind auch die übrigen, nur namentlich aufgeführten mit
Notizen versehen, die für das Bestimmen einigen Anhalt liefern. Die
Charakteristik der Arten sowohl wie der Galtungen und Familien ist
diagnostisch, d. h. sie beschränkt sich überall auf die wesentlichen,
unterscheidenden Merkmale, daher das Buch schon einige Anforde-
rungen an den Sammler macht. Die dasselbe begleitenden Tafeln
enthalten Abbildungen von Repräsentanten der verschiedensten Fami.
lien, deren Auswahl als zweckmässig zu bezeichnen ist.
Für England hat Stainton ein ähnliches Handbuch
unter dem Titel: „A manual of British bulterflies and molhs"
(London, J. van Voorst 1856. No. l. 24pag. in 8.) be-
gonnen. Die in England vorkommenden Galtungen und Ar-
ten werden darin kurz beschrieben und von letzteren je eine
als Repräsentant treffend im Holzschnitte (in den Text ein-
gedruckt) abgebildet.
Itlioiialocera. He Wilson, Exotic Butterflies mit Part. 17
—20. (London 1856) fortgesetzt.
Herrich-Schäffer, Lepidopterorum exoticorum species no-
vae (Regensburg 1856). Ser. 11. Lief. 5.
Stand fuss, Bemerkungen über einige an den Küsten Spaniens
und Siciliens fliegende Falter (Entomol. Zeit. p. 48 if). Fortsetzung
der im vorigen Jahresberichte p. 154 erwähnten Arbeit; handelt über
einige Lycaeniden.
Equites. — Von Gray (Proceedings of thc zoplog. soc. of
London XXIV. p. 7 und Annais of nat. bist. XVIII. p. 486) wurde eine
neue Art der Gattung Ornithoptera unter dem Namen 0. Victoriae
beschrieben und auf Taf. 39 abgebildet; sie stammt von einem der
440 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Archipele des stillen Oceans und ist bis jetzt nur im weiblichen Ge-
schlechte bekannt.
Andere neue Arten sind : Papilio Abderus aus Mexiko und Nu-
micus aus Cuba , von Hop ff er (Neue Schmetterlinjje des Berliner
Mus. II) , Papilio Dioxippus und Euryleon Hewitson (Exotic ßulterflies
Pt. 17) aus Neu-Granada (hier wird zugleich Pap. Leucaspis God. ab""-
gebildet).
A t kinson berichtet aus Calcutta (Proceed. cntomol. soc p.lOD),
dass Papilio Pammon und Polytes nicht, wie Boisduval glaubt,
Männchen und Weibchen derselben Art seien; ersterer sei eine der
gemeinsten Arten bei Calcutta und er selber habe mehrere Weibchen
derselben gesehen. — Westwood erwidert darauf, dass beide Ar-
ten mit einander in Copula gefangen worden seien.
G. Sandberger gab (Jahrbücher des Vereins für Katurkunde
im Herzogthum Nassau XI. p. 97) eine Notiz über eine in Nassau ge-
fangene ausgezeichnete Aberration des Papilio Podalirius und bildete
dieselbe auf Taf. 2 nebst der Stammform ab.
Pieridae. — Von H e r ri c h - Sc ha f f e r (a. a. 0.) wurden
Abbildungen von Euterpe Sebennica ßsdv. und Teutile Doubl, aus
Mexiko gegeben.
Heliconidae. — Neue Arten von Hewitson abgebildet
und beschrieben sind: (Part. 17) Mechanilis Menapis, Menophilus und
Messalis von Neu-Granada, Mnasias vom Amazonenslrome. — (Pt. 18)
Jthomia Hyala von Guayaquil , Lagusa aus Neu - Granada , Larina,
ZerlinOf Jolaia, Gepkira und Gonnssa ebendaher; ausserdem nochma-
lige Abbildungen von Ithomia Iphianassa und Ocalea Doubl. Hewits.
— (Pt. 19) Ithomia Viilla aus Neu-Granada, ferner Ithomia Phenomoe
Doubl, und Makrena Hewits. in verschiedenen Varietäten. — (Pt. 20)
Ithomia Lilla von Guayaquil, Sao Hübn., Virginiana (Virginia Boisd.
i. lit.) , Zelica , Zibia und Zemira von Guayaquil «nd Neu-Granada,
Yanina Drury, Euritea Gramer und Sylvo Hübn.
N y ni phalidae. — Paphia Eleclra (Westw. Hewits.) und Pa~
narisle aus Neu-Granada wurden von Hewitson {Vi. 20) ^ . Diadema
Beckeri aus West-Afrika von H er r i ch- S ch ä f f er (ser, II. Lief. 5)
abgebildet.
A SS mann (Breslauer Zeitschr. f. d. Entomol. 9. Jahrg. p. 5 ff.)
versucht noch einmal die Art- Unterschiede zwischen Argynnis Pales
und Arsilache auseinanderzusetzen, ohne etwas Neues und Entschei-
dendes beizubringen , was zur Auseinanderhaltung dieser beiden Va-
rietäten dienen könnte,
Morphidae. — Dynastor Napoleon (Bsd. i. lit.) aus Süd-Ame-
rika, n. A. von II er r i ch - S ch ä f f e r (Lief, 5) , Morpko Cypris He-
witson (Pt. 20j, prachtvolle neue Art aus Neu-Granada, hier im weib-
wöhrend des Jahres 1856. 441
liehen Geschlecht abgebildet; ausserdem wird eine Abbildung von
Morpho Sulkowskyi Koll. (Ganymede Westw.) gegeben.
Satyridae. — Von H er r ich- S ch ä f f e r (Lief. 5) abgebil-
det: Corades Auriga und Ichthya (Moritz i. lit ) aus Venezuela , Pro-
nophila Irniina Doubl, und Zapatoca Westw. ebendaher.
Asmuss (Breslauer Zeitschr. f. d. Entomol. X. p. 9) beschrieb
unter dem Namen Coenonympita Anaxogoras eine merkwürdige Varietät
der Coenon. Iphis, die in Russland aufgefunden worden ist.
Erycinidae. — Neue Arten vonHewitson abgebildet und
beschrieben sind: (Pt.lS) Eurygona Euodiasy £w/i/cAms (Orfila Cram.?j,
Eulione und Euryone vom Amazonenstrome: ferner von bekannten:
Eurygona Phedica Bsd., ürfita Cram., Wys Bsd., Herr.-Sch., letztere
in fünf Varietäten abgebildet. — (Pt. 19) Eurygona Eugeon, Eurypus,
Euboies , Eubag^s , Euromus ^ Clesn und Euhemerus vom Amazonen.
Strome.
Boisduval (Bullet, d. 1. soc. entomol. p. XCIX) theilte ßar'g
Beobachtungen über einige Erycioiden aus Guyana mit; die Baupe
von Meliboens hat das Ansehn einer Liparis-Raupe, die von Eurygona
lebt gesellig nach Art des Prozessionsspinners. Die Falter sind in
der Lebensweise sehr verschieden; einige fliegen in der Dämmerung
(Helicopis, Limnas); andere bei Tage (Eurygona), andere (Erycina)
setzen sich mit ausgebreiteten Flügeln nach Art der Spanner an die
Unterseite der Blätter.
Lycaenidae. — H errich -Sc hä f f e r (Neue Schmetterlinge
aus Europa und den angränzenden Ländern , 1. Reft ) gab Abbil-
dungen von Lycaena Elvira Eversin. und Polyommatus Athamantis
Eversm.
Caistniariae« Neue Arten sind: Caslnia Julurna ^ Galin-
ihias, Dionaea und Meditrina aus Brasilien, Chelone aus Mexiko, von
Hopffer (Neue Schmetterl. des Berl. Mus. II) aufgestellt; zugleich
wird hier Castnia Inka Walker abgebildet.
Caslnia Ciela Bsd. und abermals C. Jnca Bsd. wurden von
H er ric h - Seh äffer (Lepidopt. exotic. spec. nov. ser. II) ab-
gebildet.
Spliing^ides. Sesiariae. — Beitrag zur Feststellung der
bisher bekannten Sesien-Arten Europa's und des angränzenden Asiens
von 0. Slaudinger (Stettiner Entomol. Zeit. p. 145, 193, 257 und
323 fr.). Der Verf. schickt seiner Arbeit ein Verzeichniss der in der-
selben abgehandelten Arten voran, welches eine Zahl von 56 für
Europa (und den angränzenden Theil Klein _ Asiens) nachweist; es
kommen davon 3 auf die Gattung Trochilium, 5 auf Sciapteron , 45
auf Sesia, l auf Bembecia und 2 auf Paranthrene. Die Arbeit selbst
beginnt mit einer Uebersicht über die einschlagende Literatur von den
442 Gergtaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Älteren Autoren an und einer Critik der in den verschiedenen Werken
beschriebenen und abgebildeten Arten (p. 149— 172); sodann verbreitet
sich der Verf. über die für die Unterscheidung der Species, von de-
nen manche eine grosse Veränderlichkeit in Grösse und Färbung, oft
auch nach den beiden Geschlechtern namhafte Verschiedenheiten dar-
bieten, brauchbaren Merkmale und zeigt, dass eine beträchtliche An-
zahl von Arten der früheren Autoren auf individuellen Abweichungen
bereits bekannter beruhen. Der ührige Theil der Arbeit ist einer sehr
gründlichen und fleissigcn Auseinandersetzung der Arten gewidmet, von
denen die hinreichend bekannten nur mit Diagnosen und vollständi-
ger Anführung der Literatur , so wie , wo es nölhig war , mit kriti-
schen Bemerkungen über die Synonyma der früheren Autoren verse-
hen worden sind; dagegen sind alle diejenigen, deren Unterscheidung
von nahe verwandten Arten Schwierigkeiten darbietet (und dies sind
bei weitem die zahlreicheren), ferner auch besonders solche, welche
zahlreichen Abänderungen unterworfen sind, durch ausführliche Be-
schreibungen kenntlich gemacht worden und die diagnostischen Merk-
male derselben scharf hervorgehoben. Zur Feststellung der Synony-
mie haben dem Verf. zahlreiche typische Exemplare besonders für
die von neueren Autoren aufgestellten Arten zu Gebote gestanden,
wie überhaupt der Arbeit ein sehr bedeutendes Material, das hier be-
sonders wünschenswerth war, zu Grunde gelegen hat. Als neu be-
schriebene Arten finden sich nur wenige vor: Sciapteron Gruneri von
Amasia und Sesia chalcocnemis von Montpellier; ausserdem sind aber
mehrere Arten , welche von den Autoren irriger Weise auf früher
bekannt gemachte bezogen worden sind, vom Verf. mit neuen Namen
belegt worden.
Asa Fitch (Ueport on the noxions Insects ef New -York,
p. 108 IF.) beschrieb die ersten Stände von Aegeria exitiosa Say und
ihre Lebensweise; die weisslicheKaupe greift die Wurzeln der Pfirsich-
bäume an und bewirkt einen starken Ausfluss von Harz aus den«
selben.
Sphinges genuinae. — Für die Kenntniss der ausländ!,
sehen Arten sowohl dieser als der vorigen Abtheilung der Sphingi,
den ist der oben erwähnte Catalog der Sphingiden des British Mu.
seum, von F. Walker bearbeitet, von Wichtigkeit; es ist darin eine|
beträchtliche Anzahl neuer Gattungen errichtet so wie zahlreiche neue
Arten beschrieben.
Einige neue Arten wurden auch von H er rieh - Seh äf f erl
(Lepidopt. exot. ser. II) abgebildet: Sphinx aper ßsd. aus Venezuela,]
Phoenix Bsd. aus Java, Thyreus eleganlulus aus Süd-Amerika (?j.
ßurmeister hat (Abhandlungen d. naturf. Gesellsch. zu Hall«
Hl. Sitzungsberichte p. 58 ff.) eine „ systematiscbe Uebersicht dei
Sphingiden Brasiliens-'' gegeben, in welcher er versucht hat, sowohl
während des Jahres 1856. 443
nach den Kennzeichen der Raupen, deren mehrere von ihm in na-
tura beobachtet worden sind, als nach denen der Imagines eine Ein-
theilung in Gattungen voriunehmen. Da die Arbeit in dasselbe Jahr
mit dem Erscheinen vonVValker's Catalog der Sphingiden des British
Museum fällt, so sind dieselben Gattungen von beiden Autoren unter
verschiedenen Namen aufgestellt worden, wie dies die im Folgenden
beigefügten Notizen nachweisen. Die Brasilianischen Sphingiden zer-
fallen nach Burmeister in 10 Gattungen : 1) Philampelus Harr, mit
4 Arten : Labruscae Lin. , Satellitia Lin. , Vitis Liu. und Tersa Lin.
Die letzte Art weicht nach Burm. von den drei ersten darin ab, dass
die Raupe ihr Hörn bis zur Verpuppung behält , während jene es
schon nach der ersten oder zweiten Häutung verlieren. (Der Schmet-
terling ist ebenfalls durchaus abweichend und muss einer eigenen
Gattung Chaerocampa Bsd. Walk, zugetheilt werden.) 2) Deilephila
Ochsenh. mit einer Art D. ficus Lin. (Diese Art weicht von den
inländischen Deilephilen sehr ab und gehört zur Gattung Pachylia Bsd.
Walk.) 3) Protoparce n. g. auf Sph. rustica Fabr. gegründet, und 4)
Pseudosphinx n. g. (Sph. tetrio Lin.) entsprechen beide zusammen der
Gattung Macrosila Walk. 5) Sphinx mit 7 Arten, wovon Sph. Li-
chenea als neu beschrieben wird (von Walker unter demselben Na-
men charakterisirt). 6) DUophonota n. g. ist gleich Anceryx Bsd.
Walk., darunter 3 bekannte Arten beschrieben und 2 andere namentlich
aufgeführt. 7) Ambuhjx Bsd. i. lit. (gleicher Name bei Walker)
iiyt 2 Arten. 8) Smerinthus Ochsenh. (in Brasilien nicht vertreten).
9) Pterogon auf Sph. lugubris Lin. und Danum Cram. begründet; der
Gattungsname ist jedoch von B o i s d u v a l für Sph. oenotherae u. s. w.
aufgestellt und ist daher für die hier genannten Arten die Benennung
Enyo Hübr. Walk, einzuführen. 10) Macroglossa Ochsenh. mit 4 Ar-
ten: Sph. Tanlalus Lin., Sisyphus n. sp. , Titan Cram. und Ceculus
Cram. Von besonderem Interesse sind die Beschreibungen der Bau-
pen einer grösseren Anzahl von Arten, welche B. gegeben hat, so
wie die Nachrichten über ihre Futterpflanzen; die Kenntniss derselben
so wie auch die der Puppen ist um so Wünschenswerther, als sie
zur Abgränzung von Gattungen zum Theil wesentlichere und präg-
nantere Charaktere darbieten als die Imagines. Eine Beschreibung
der Arten ist nur in einzelnen Fällen, wo es einer solchen bedurfte,
gegeben ; die meisten sind nur mit Diagnosen versehen. Als irrig zu
bezeichnen ist die Angabe des Verf., dass bei der Gattung Smerinthus
die beiden Dornenpaare an den Hinterschienen fehlen ; sie sind durch,
aus deutlich vorhanden, auch gar nicht einmal klein, sondern nur
unter den dichten wolligen Haaren bei wohlerhaltenen Exemplaren
versleckt.
Boisduval (Bullet d. 1, soc. entomol. IV. p. LXXXVII) fand
die Raupen von Deilephila Elpenor und Lineata in Pariser Gärten auf
444 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Fuchsia, die der Deilephila Galii auf Escalonia, von welchen Pflan-
zen sie sich hier nährten.
Sur les Premiers etats du Calliomma Pluto, par le Dr. A. Cha-
V a n n^ s Bullet, de la soc. Vaudoise des scienc. natur. , Decbr. 1854). —
Die Raupe der Sphinx Pluto Cram. , welche hier beschrieben wird,
ist von eigenlhümlichem, spannerartigen Habitus, in der Jugend ge-
schwänzt; sie verpuppt sich nicht unter der Erde, sondern in einem
losen Gespinnste frei an Baumstämmen.
Clielunariae* Eine Anzahl neuer Arten wurde von Her-
rich - Seh äff er (Lepidopt. exolic. ser. II. Lief. 23 — 25) abgebildet:
Pleretes guttata Bsd. aus Californien, Trichromia admirabilis Gram.,
Creatonotus appendiculatus von Rio Janeiro, Aganopis subquadrata aus
Silhet , Creatonotus lobifer aus Süd-Amerika, Idioctelus leucanioides,
Arctia funeralis ebendaher, Phegoptera eleganlissima aus Mexiko, Lich^
noptera gulo Mor. i. lit. aus Venezuela, moesta Mor. i. lit. ebendaher,
Macrobrochis interstüialis aus Ostindien, Coryphyala orbigera aus Bra-
silien und Tigridoplera exul aus Ostindien.
Von Newman (Transact. entomol. soc. III. p. 285 f.) : Ter-
messa Shepherdi und Oenosandra Boisduvatii aus Neu. Holland; erstere
auf Taf. 18 abgebildet,
Zygaena Trüchmena Eversm. wurde von H errich. Schaf f er
(Neue Schmetterlinge aus Europa, 1. Lief.) abgebildet.
Callimorpha Hera ist neuerdings zu mehreren Exemplaren in
England aufgefunden worden. (Proceed. entomol. soc. III. p. 125).
Staudinger (Entomol. Zeit. p. 39) gab eine ausführliche
Beschreibung der Raupe von Euprepia QuenseliiPayk.; sie ist schwarz,
mit hellerer Rückenlinie und gelben Warzen längs den Seiten, wäh.
rend alle übrigen die Körperfarbe zeigen. Die Raupe lebt im Juli
7000—8000' hoch im Gross - Glockner Gebirge. Die Entwicklung
eines Exemplares aus der Puppe erfolgte nach 14 Tagen. — Gleich-
zeitig wurde die Raupe auch von v. Hey den (ebenda p. 184 ff.)
beschrieben.
Asa Fitch (Report on the noxious Insects of New - York
p. 159 ff.) beschrieb die ersten Stände und deren Lebensweise von
Lophocampa Caryae Harris; die Raupe verzehrte die Blätter des Nord-
Amerikanischen Wallnussbaumes und ist mit gleichen Haarbüscheln
wie unsere einheimischen Orgyia-Arten versehen.
Ag^aristariae» Darceta hesperica (Bsd. i. lit.) aus dem In-
nern Brasilien's wurde von Herrich -Schaff er (Lepidopt. exot.
ser. IL) als neue Art abgebildet.
Cosüini. Newman machte (Transact. entomol. soc. III. p. 282)
eine neue Art: Zeuzera Duponchelü aus Neu-Holland bekannt.
Tirema campicola Eversm., Endagria salicicola Eversm. undAty-
während des Jahres 1856. 445
chia exilis Eversm. (Chimaera) wurden von Herrich - Schäffcr
(Neue Schmetterl. aus Europa, 1. Heft) abgebildet.
Eine neue Art aus der Hepialiden . Gruppe ist Epialus pretiosus
Herrich-SchäiTer (Lepidopt. exot. spec. nov. ser. II.) aus Brasilien.
Bomfoycides. Eine grössere Anzahl neuer Arten wurde
von Herrich -Sc ha ff er (Lepidopt. exot. sp. nov. ser. II. Lief. 23 —
25) durch Abbildungen bekannt gemacht: Ftilophora (Ji ) insignis aus
Neu-HoUand, Cnethocampa ochroguttala ebendaher, Fsyohariutn pellu~
cens aus Afrika (?), Plegopteryx anotnalus von Sierra-Leona, Mimallo
trüunula aus Brasilien, Hygrochroa ficus (Mor. i. lit ) und Zelica ihalas»
sina aus Süd-Amerika, Cnelkocampa lugens aus Neu. Holland, Ocneria
violdscens aus Brasilien, Cilix americana aus Nord-Amerika, Gastropa-
cha obtusa aus Süd- Amerika, protracta aus Afrika (?) , Orgyia tri^
color aus Afrika, Jo Beckeri aus Süd. Amerika, Hylosia dissimUis Bsd.
aus Brasilien, Nolodonta truncata , Drymonia ochromixta , Trogoplera
erosa^ Euclea scissa, diazonalis und nana aus Süd. Amerika, Ommato~
ptera telropkthalma und diophlhalma aus Van - Diemensland, Dalcera
palpigera aus Ostindien , Thaumatoptera Levinii aus Neu - Holland,
Xenarchus osorius aus Brasilien , Limacodes dimidiatus ebendaher,
Drymonia mucorea^ dimidiata und Ochrosoma apicale aus Süd.Amerika,
Oeceticus fulgurator aus Neu-HoUand, Animula dichroa aus Venezuela,
Echedorus mexicanus aus Mexiko und Olenoptera fiavihmbata aus
Brasilien.
New man beschrieb (Transact. entomol. soc. III. p. 283 ff.)
Teara denticulata, Guenei und Edwardsii aus Neu - Holland, letztere
beide auf Taf. 18 abgebildet.
Sa 11 6 (Bullet, d. 1. soc. entomol. IV. p. XCII) gab eine kurze
Charakteristik einer neuen Art: Salurnia Montezuma, mit der Nord-
Amerikanischen Sat. Polyphemus nahe verwandt, von Orizaba in Me.
xiko; die Raupe lebt auf Platanus occidentalis.
Ueber mehrere Nord-Amerikanische Bombyciden hat A s a Fitch
(Report on the noxious Insects of New - York p. 241, 263, 274 ff.)
nähere Mittheilungen gemacht. Die Raupe der Phalaena ministra
Drury, welche unserer einheimischen Pygaera bucephala in der
Form sehr ähnlich ist , lebt in Nord. Amerika vorzüglich auf dem
Apfelbaum und wird demselben sehr schädlich- Asa Fitch meint,
der Schmetterling gehöre nicht zur Gattung Pygaera, wohin ihn Har-
ris gebracht, noch zu Petasia (nach Westwood), sondern er will
ihn einer besonderen Gattung Eumelopona unterordnen. Indessen es
ist schon auf diese Art von Guerin (Iconogr. d. regne animal) die
Galtung Sericaria (Bsdv. i. lit.) gegründet worden, mit welcher auch
Datana Walker (Brit. Mus. Catal.) zusammenfällt. — Auf der Lärche
lebt in Nord - Amerika und richtet in den Wäldern grossen Schaden
446 Gersta ecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
an, eine neue Art: Planosa larjcis (Abbildung auf pl. 2. fig. 5. 6),
welche in ihren verschiedenen Ständen ausführlich geschildert wird;
die Gattung Planosa gehört zur Gaslropacha-Gruppe, umfasst zugleich
die Bomb. Velleda Stoll und unterscheidet sich von Gastropacha sens.
slrict. durch abweichendes Geäder der "Vorderflügel. (Sie würde mit
Caeculia Herr. -Seh., Walker, welche auf Bomb. Velleda gegründet
ist, zusammenfallen. Ref.). — Clostera atbosigma ist eine neue Art
(auf pl. 2. fig. 4 abgebildet) , deren Raupe auf Pappeln lebt.
Von Menetries (Etudes entomd. V. p. 42) wurde I^otodonta
Sieversii als neue Art von St. Petersburg aufgestellt.
Note sur les vers ä soie sauvages de la Chine, par le Dr.
Chavannes (Bullet, de la soc. imp. zoologique d'acclimatation, Mars
1855). Der Verf. giebt 4 Saturnia-Arten , die in China vorkommen,
als zur Gewinnung von Seide brauchbar anr Sat. Atlas, welche die
beste Seide liefert und die grösste aller Arten ist, Sat. Cynthia,
welche die Bengalische Eria-Seide liefert, Sat. Mylitta, die Erzeuge-
rinn der Tussah-Seide; letztere scheint mit einer vierten Art, welche
auf der Eiche lebt und vielleicht mit Sat. Assamensis llelf, identisch
ist, vermengt worden zu sein. Beide liefern den Chinesischen Sei-
denstoff Ta-kien , welcher der am mindesten geachtete ist. Bemer-
kenswerth ist, dass diese Arten eine grössere Verbreitung bis Ben-
galen und Assam (eine bis nach Afrika) haben und in den verschie-
denen Ländern oft verschiedene Pflanzen fressen; letzterer Umstand
erleichtert ihre Zucht in entfernten Gegenden und ihre Acclimatisation
wesentlich.
Kotice sur les Saturnies sericigenes et sur leur introduction en
Europe, par le Dr. Chavannes (Bulletin de la soc. Vaudoise des
scienc. natur., Janvier 1855). — In dieser Abhandlung giebt der Verf.
eine Aufzählung der Saturnien aller Welttheile, deren Gespinnste zur
Gewinnung von Seide brauchbar und zum Theil bereits angewandt
worden sind. Asiatische Arten sind: Sat. Atlas Lin., Cynthia, Mylitta
Fab., Pernyi Guer. , Assamensis Helf. , Perroteti Guer. , Selene Fab.,
Leto Doubl. — Von Afrikanischen Arten würden besonders Sat. Co-
metes und Mimosae Bsd. und Sat. Bauhiniae nutzbar zu machen sein.
— Aus Süd-Amerika: Sat. Aurota Fab., Ethra Fab., Speculum Bsd.,
Augias Bsd. und Encelades Bsd., aus Mexiko: Sat. ürbignyana Guer.,
aus Nord-Amerika : Sat. Cecropia Fab. , Polyphemus Fab. und Luna
Lin. — Die Cocons der Australischen Arten sind nicht bekannt, die
der Europäischen zur Gewinnung von Seide nicht anwendbar.
]!l««>ctuae* Von Walker (List of the specimens of Lepido-
pterous Insects, Noctuidae) wurden neben einer beträchtlichen An-
zahl neuer ausländischer Arten auch mehrere neue Galtungen be-
schrieben, deren namentliche AufFührung nebst der Angabe über ihre
whärend des Jahres 1856. 447
Stellung zu dum Gudnee'schen Systeme der Familie vielleicht nicht
ohne Interesse sein wird. Es sind folgende: 1) Corula mit einer Art:
C. geomelraides von Sidney , zur Gruppe Cymalophorides gehörend,
zwischen Leptina und Cymatophora stehend. — In der Gruppe Leu-
canides: 2) Carvanca mit einer Art: C. Irisecia aus Neu-Schotlland,
zwischen Coenobia und Nonagria. 3) Ailela (Art: A. musculina von
den Philippinen) zwischen Nonagria und Proxenus. 5) Timora^ auf
Nonagria Senegalensis Guenee gegründet. 6) Eschata neben der vo-
rigen mit einer Art: E. gelida aus Ostindien. 7) Contrebiaf 8) Obrima
und 9) Deinopa mit einzelnen südamerikanischen Arten, sich den vo.
rigen Gattungen anschliessend. — In der Gruppe Glottulidae: 10) Fra^
cara für Koct. viridata Cram. 11) Chasmina mit zwei Arten von
Ostindien und Ceylon. 12) Baecula mit zwei Süd -Amerikanischen
Arten, worunter Phal. Cupentia Cram. 13) Dandaca mit einer Ostin-
dischen Art. 14) Cubena für Phal. Polydamia Cram. 15) Betusa mit
einer Art: ß. Phasianus von Parä. 16) Ciisusa für Phal. Spadix
Cram. — In der Gruppe Gortynides : 17) Marihula mit einer Art : M.
quadrata von Parä. — In der Gruppe Xylophasides : 18) — 20) ChU
riphaj Dargida und Feltin^ je mit einer Art, sich an Neuria Guen. an-
schliessend. — In der Gruppe Apamides: 21) Condica, neben Mame-
stra und Dasygaster Guen. , mit einer Art. — In der Gruppe Ortho,
sidae : 22) — 26) CareOj Episparis, Amarna, Epitavsa und Dabarila
je mit einer Art, stehen am Ende dieser Gruppe. — In den Gruppen
der Noctuidae und Cosmidae sind keine neuen Gattungen errichtet
worden.
Eversmann hat seine unter dem Titel: „Les Noctuelites de
la Russie'' begonnene Aufzählung und Beschreibung der in Uussland
einheimischen Arten dieser Familie mit mehreren Folgen im Bulletin
de la soc. des natural, de Moscou 1855. No. IV. p. 313— 427- und 1856.
No. II. p. 161—233. No. III. p. 1-120 fortgeführt. Die hier abgehan-
delten Gruppen sind: Orthosides: Caradrina 19 Arten, Orthosia 30,
Telhea 3, Xanthia 14 (davon X. velerina vom Altai neu), Cosmia 13,
Gortyna 5. — Noctuidcs: Triphaena 6, Noclua27, Agrotis 61 (i4. ro~
busta Kind. i. lit. vom Altai, Kirghisa aus den südlichen Steppen,
Armena aus dem Russischen Armenien sind neu) , Amphipyra 8. —
Iladenides : Hadena 34, Apamea 6, Polia 48 (/'. Vesperugo von Ir-
kulsk , obvia von Kasan sind neu) , Dianthoecia 19 (Z>. aberrans von
Kiachtha neu), Neuria 5, Alania 2, Piacodes 3, Eriopus 1, Eurbipia 1.
— Der Abhandlung sind drei Tafeln beigefügt, von denen die eine
zum Theil colorirt, die übrigen schwarz sind ; sie geben die Darstel-
lung von 25 Arten, welche zum Theil in der vorliegenden, zum
Theil in früheren Abhandlungen von Eversmann beschrieben wor-
den sind.
Von Herrich. Schaff er (Neue Schmetterlinge aus Europa,
448 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
1. Heft) wurden beschrieben und abgebildet: Orthosia porosaEve.rsin.,
Leucania albiradiosa, Agrotis fallax, scripturosa, acuminifera, Apamea
onychina n. sp. von Norderney und Polia acessa n. sp. von Amberg.
Von demselben (Lepidopt. exot. ser. II) wurde Ophiusa (?)
serra (Mor. i. lit.) als n. A. aus Venezuela abgebildet.
Eugraphe Glossematis Wallengren n. A. aus Schweden (Öfvers.
af Kongl. Vetensk. Akad. Förhandl. p. 213) , Catocala adullera Me-
netrie^ n. A. von St. Petersburg (Eludes enlomol. V. p. 47).
Assmann (Breslauer Zeitschrift f. d. Entomologie, 9. Jahrg.
p. 15 ff.) beschrieb die ersten Stände und einen Zwitter der Noctua
Conflua. Die Raupe lebt auf Polygonuni bistorta auf dem Altvater in
Schlesien und zwar vom August bis Anfang Julius des folgenden
Jahres, wo sie erwachsen ist Auf einer beifolgenden Tafel sind die
ersten Stände, der Zwitter und mehrere Varietäten der Eule abgebil-
det. (Der Zwitter einer Eule ist eine besondere Seltenheit und bis
jetzt kaum zur Kenntniss gekommen ; das hiesige Museum erhielt
neuerdings einen solchen von Noctua tenebrosa mit vollständiger Son-
derung der beiden Geschlechter zur Seite der Mittellinie. Ref.)
Uranidae* Eine Anzahl sehr ausgezeichneter neuer und
wenig bekannter Arten dieser Familie machte H o p f f e r (Neue
Schmetterlinge des Berliner Museum , Heft 11) durch Beschreibungen
und Abbildungen bekannt: Nyctalemon Metaurus vom Australischen
Archipel, eine von W. Orontes Lin. verschiedene aber bisher damit
vereinigte Art; IS, Menoelius aus Manila, mit N. Patroclus Lin. von
Drury und Gramer zusammengeworfen, aber davon specifisch ver-
schieden; Coronis Hyphasis aus Mexiko, Hysudrus aus Brasilien und
Mexiko, Canace aus Brasilien und Echenais aus Mexiko.
Creometrae* Neue ausländische Arten, von H er rieh -
Schäffer (Lepidopt. exot. spec. nov., Ser. II) abgebildet, sind: He-
mioplisis drepanularia, Acrosemia decurtaria ^ Microsemia latistrigaria
aus Süd. Amerika, Cratoptera recurvaria aus Venezuela, Polin costi-
punclaria aus Brasilien, Petelia medardaria aus Ostindien, Comibaena
trogonaria und Thysanopyga apicitruncaria aus Brasilien , Plalaea Ca-
liforniania aus Californien, Melanoptilon timidaria und Diplochroa bim
cenlraria aus Columbien.
Zwei neue Europäische Arten sind : Fidonia psychinaria Rosen-
hauer (Thiere Andalusiens p. 397) und Geometra Magdalenaria Bel-
lier d. 1. Chavignerie von den Basses-Alpes (Annalcs d. 1. soc ento-
mol. IV. p. 23. pl. 1. fig. I). Letztere Art ist gleichzeitig von Guil-
lemot unter dem Namen Geometra Pierrelaria beschrieben worden
(Bulletin d. 1. soc. entomol. IV. p. LH und p. LV).
Ueber die ersten Stände und die Naturgeschichte einiger Arten
dieser Familie wurden Mittheiluü|fen gemacht: Von v. Hornig (Ver-
während des Jahres 1856. 449
handl. d, zoolog.-bolan. Vereins in Wien VI. p. 21 H.) über dio Raupe
von Cidaria caesiata ; sie lebt in der subalpinen Region der Steyeri-
schen Gebirge auf H^rica carnea und verwandelt sich Mitte Juni in
einem lockeren Gewebe in der Erde. — Von Schedl (ebenda p. 103)
über die Raupe von Eupithecia Maycri Mann; sie lebt auf KalUbergen
bei Wien auf Alsine verna im Juli und August, verwandelt sich in
einem losen Gewebe an der Erde und liefert den Schmetterling im
Juli des folgenden Jahres. — Von Assmuss (Breslauer Zeitschrift
f. d. Entomologie 10. Jahrg. p. 10) über die ersten Stände der La.
rentia pyropata Hübn. ; die Raupe lebt in Russland auf Ribes grossu.
laria im August und September; der Schmetterling findet sich beson-
ders häufig in Gärten. ,
Schneider (34. Jahresbericht d. Schlesisch. Gesellsch. f. va-
terl. Cultur p. HO ff.) machte fernere Mittheilungen über die in Schle-
sien einheimischen Geometriden ; die aufgezählten Arten gehören den
Gattungen Rhyparia , Zerene, Bapta, Cabera, Numeria, Ellopia und
Metrocampa an.
Pyralide§« Asa Fitch (Report on the noxious Insects (hf
New- York p. 323) berichtete über den Schaden, welchen Hypena llu-
muli Harris am Hopfen anrichtet, dessen Blätter die Raupen fressen
und beschrieb Utjpena eleganlalis als neue Art aus Nord - Amerika.
Beide Arten sind auf pl. 1. fig. 1 u. 2 abgebildet.
Notice of the „Borer", a Caterpillar very injurious to the Su-
gar-Cane, by J 0. We s two o d (Journal of the proceed. of the Lin-
nean soc. , Zoology I. p. 102). — Der Verf. giebt Nachricht über
eine Raupe, die auf der Insel Mauritius grossen Schaden im Zucker-
rohre anrichtet; ein Vergleich hat ihre Identität mit Phalaena sac-
charalis Fabr. aus West-Indien ergeben, so dass sie augenscheinlich
von dorther importirt ist. ' .^ '
Tortriceti« Herrich -Schaf fer (Neue Schmetterlinge aus
Europa, Heft I) gab Beschreibungen und Abbildungen von folgenden
neuen Arten: Cochylis Valdensiana von Wallis, lululentana aus den
Alpen, Tortrix perochreana aus Frankreich, Loxqlaenia Lorquiniana
(Dup. i. lit.) von Frankfurt a. M
Eine neue Englische Art ist Mixodia Hawkerana Stainton (En-
tomologist's Annual 1850. p. 33.)
Asa Fitch (Report on the noxious Insects of New- York p^. 241
und 244 ff.) beschrieb: Brachijlaenia malana n. sp., in Nord-Amerika
dem Apfelbaume schädlich (auf pl. 3. fig. 5 abgebildet) und Brachy.
laenia iriquelrana ebenda in Wäldern.
Tortrix Asworlhana und Standislatia Newman (Transact. entomol,
soc. III. p. 280 ff) sind zwei neue Arten aus Neu-Holland.
v. Hornig beschrieb die Raupe von Grapholitha conterminana
Archiv t Naturgescb. XXIH. Jahrg. 2. Od. QJ)
450 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Herr.-Sch. (Verhandl. d. zoolog.-botan. Vereins in "V^'ien VI. p. 23 f.).
Sie lebt im September auf Lactuca scariolea in der Umgegend VVien's,
frisst sich in ihrer Jugend gan«, im Alte? wenigstens bis zur Hälfte
des Körpers in die Blülhenköpfe derselben ein und verwandelt sich
in der Erde; der Schmetterling erscheint zu Ende des Juli.
Von Perris (Annales d. 1. soc. enfomol. IV. p. 33 fF.) wurden
die ersten Stände von Cochylis hilarana Herr.-Sch. beschrieben und
ihre Lebensweise geschildert; die Kaupc lebt im Marke d^r Stengel
von Artemisia campestris, an denen sie Gallen bildet. Alle drei Stände
der Art sind auf Taf. 1. fig. III abgebildet.
Milliere beschrieb die ersten Stände von Choreutis dolosana
F. V. R. und bildete dieselben nebst dem Schmetterlinge ( ebenda
p. 39fF., Taf. 1. fig. IV) ab. Die Raupe lebt bei Lyon auf Aristolo-
chia Clematitis , deren Blätter sie minirt. Nach dieser Lebensweise
der Raupe glaubt der Verf. die Art nach Herrich-Schäffer's Vor-
gang zu den Tineinen rechnen zu müssen.
Tineina* Newman hat (Transact. of the entomol. soc. IIL
p. 288 ff.) eine Anzahl Australischer Arten dieser Familie bekannt ge-
macht, von denen einige sich als Repräsentanten neuer Gattungen
erweisen. Letztere sind: 1) Bondia n. g. „Caput mediocre rotunda-
tum, fronte laevigato (!). Antennae setaceae, valde pilosae; labipalpi
mediocres, articulo basali inviso (!) , secundo incrassato, pyriformi,
tertio brevi, erecto, parvo, obtuso. Alae anticae vix latae, fere li-
neares, angulo anali nullo modo producto, ciliis mediocribus ; posticae
basi amplae, apice acutae, ante apicem paullnlo cmarginatae.'' Mit
Gelechia verwandt, doch durch die Palpen abweichend. Art: B. ni~
gelta. 2) Boydia n. g. „Caput mediocre, rotundatum, fronte laevi-
gato (!) ; antennae elongatae, setaceae, nullo modo ciliatae; labipalpi
mediocres, triarticulati, articulo basali brevi, scite cyathiformi, se-
cundo elongato, crasso, aplce truncato , tertio apicali, gracili, brevi,
nudo, peracuto, paullulum recurvo; alae anticae elongatae, margini-
bus parallelis , discö longitudinaliter profunde unisulcato ; posticae
amplae, insecti quiescentis ultra anticos protrusae, margine costali
fimbria longissima venuste ornatae." Art : B. eriniferella. 3) Tortri^
copsis n. g. „Caput rotundatum fronte laevigato (!); antennae corpore
longiores, setaceae, simplices, nullo modo armalae; maxillae elonga-
tae; labipalpi majores, porrecti, apice recurvi, articulo basali inviso (!),
secundo magno, deltoideo', angulo basali ad orem extenso , producto,
porrecto, subacuto, apicali obtuso, articulum tertium erectum, paullulo
recurvum, gracilem, elongatum emittente ; alae anticae latae, amplae,
basin versus arcuatae , apice paullo falcatae, margine externo fere
quadrato ; alae posticae latae, cilia brevia.« Art: T. Rosabella auf
Taf. 18 abgebildet. — Die neuen Arten sind ferner : Chimabacche
Cinderellof Tinea Elhelella, Adela Laurella^ Anesychia Stella, Depres^
w^dren^ des Jahres iS56. 451
saria meleseuaf Letcmella, Oecophora martonella, oxmaculella^ Isabeita,
Ellcnellay Arabella^ Züella^ Paulinelta, Agnesellaj Semelella^ HecaleUa,
Glyphij>lerijx Sabella und Lithocollelis Lalagella. Von letzteren Arten
sind einige ebenfalls auf Tafel 18 abgebildet worden.
Stain^on.« Descriptions of three species of Iqdian Microlepi..
doptera (ebenda p. 301 ff.) beschrieb: Coriscium Orientale ^ Phyllocni'
slis Cilrella und Lithocollelis Bauhiniac als neue Arten von Calcutta.
H. Frey, Die Tineen und Pterophoren der Schweiz, Zürich
1856. (8. 430 pag.). Es liefert dies vorzüglich. gearbeitete Werk eine
vollständige systematische Beschreibung der in der Schweiz sehr reich-
haltig .vertretenen Tineiden und Pterophoridcn. Es ergiebt sich so-
wohl aus den ihm kürzlich vorangegangenen umfassenden Arbeiten
von Zeller, Uerrich - Schaf fer und Stainton als auch aus
dem Umstände, dass die den genannten Familien angehörenden Arten
eine weit allgemeinere Verbreitung in Europa haben, als dies bei
denen der höheren Familien der Fall. ist, dass die Zahl der neuen
Arten, welche in der vorliegenden Fauna enthalten sind, nur eine
geringe sein kann. Es boten aber hier auch die bereits bekannten
Formen der Forschung besonders in Bezug auf die Lebensweise und
die Kenntniss der ersten Stände noch ein so weites Feld dar, dass
eine aus selbstständigen und sorgsamen Beobachtungen resultircnde
Arbeit, wie die vorliegende, nur als eine ergiebige für diesen Zweig
der Wissenschaft angesehen werden kann. In Bezug auf die Syste-
matik ist der Verf. zwar zum grössten Theile — so weit nämlich
seine auch hierauf gerichteten Untersuchungen es zuUessen — der
von Stainton begründeten Eintheilung in Gruppen gefolgt, hat aber
auch hierin einige Umgestaltungen vornehmen zu müssen geglaubt.
Zu diesen gehört u. a. die Aufnahme der Gruppe Micropterygides
(nach He r r i ch - S chä f f e r}, welche auf die von Stainton den
eigentlichen Tineiden beigezählte Gattung Micropteryx beschränkt ist;
ferner die Unterordnung der Gattung Semioscopis unter die Exapati-
den, während Stainton dieselbe den Gelechiden beizählte, u. s.w.
Eine erneute Charakteristik der Gruppen und Gattungen ist vom Verf.
nicht nur in den eben bezeichneten Fällen , wo sie die Natur der
Sache bedingt, sondern auch in allen übrigen vorgenommen worden,
wo die früheren Untersuchungen Aenderungen oder Zusätze forderten.
Für die sichere Determinirung der Arten haben dem Verf. zahlreiche
typische Exemplare der früheren Autoren zu Gebote gestanden ; eine
Aufzählung der als neu beschriebenen wird hier um so eher umgangen
werden können, als das Werk sich dem für den Gegenstand interes-
sirten Publikum als unentbehrlich hinstellt.
Derselbe hat (Linnaea entomologica XI. p. 351— 446) eine
„Revision der Nepticulen" unternommen. Nach einer eingehenden
Schilderung der Gattungscharaktere von Nepticula, so wie der ersten
452 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Stände derselben macht der Verf. besonders ausführliche Mittheilun-
gen über die Lebensweise der Raupen und die zweckmässigste Er-
ziehung derselben in der Gefangenschaft ; von Interesse ist die kurze
Lebensdauer der Raupe, welche in 3 bis 4 Tagen sich von einer sehr
geringen Grösse zum vollendeten Wachsthume heranfrisst. Das Aus-
schlüpfen aus dem Ei und die ersten Spuren des Minirens der jungen
Raupe sind noch unbekannt; von dem Stadium an, wo sie bemerkbar
ist, macht sie keine Häutung durch , sondern frisst Tag und ISacht
ununterbrochen; der Gang^ den sie in dieser Zeit ausarbeitet, misst
nur 10 bis 15 Linien. — Die Zahl der bis jetzt bekannten (ausschliess-
lich) Europäischen Arten beläuft sich gegenwärtig auf etwa 60, wel-
che mit 3 Ausnahmen dem Verf. sämmtlich bekannt und hier, so weit
sie nicht zu den allerverbreitetsten gehören , besonders in Betreff
der Larven und deren Lebensweise, ausführlich erörtert werden. Die
Imagines werden in zwei Hauptgruppen getheilt, je nachdem die Flü-
gel eine deutliche Binde oder keine solche zeigen; jede dieser Abthei-
lungen enthält gleichviel Arten (29). Als neu beschrieben sind fol-
gende : iV. aucupariae (Raupe auf Sorbus), lonicerarum (Raupe auf
Lonicera xylosteum), aceris (Raupe auf Acer campestris und pseudo-
platanus).
Die in Schlesien vorkommenden Nepticula -Arten verzeichnete
Wocke im 34. Jahresbericht d. Schlesisch. Gesellsch. f. vaterl- Cul-
tur p. 116ff. ; es werden daselbst im Ganzen 32 Arten aufgezählt.
Ausserdem machte derselbe Mittheilungen über eine Anzahl seltener
und für Schlesien neuer Mikrolepidopteren , die zum grössten Theile
den Tineen (einige auch den Tortriciden) angehören (ebenda p. 113 ff.).
*" Neue Europäische Arten wurden bekannt gemacht:
'■'Von H erric h - S chäf f e r (Neue Schmetterlinge' aus Europa,
L Heft): Mesophleps irinotella und Corsicella aus Corsika, Anchinia
insolalella aus dem Engadin, Gelechia lucliferella und Lamprus enga"
dinella ebendaher; ausserdem werden mehrere schon bekannte Arten
abgebildet. '';m^''';'
Von Wocke (Breslauer Zeitschrift f. d. Entomologie, 10. Jahrg.
p. o)': Gelechia pudorina aus Schlesien.
Von Siainton (Enlomologist's Annual 1856. p. 33fF.): Chilo
obtusellus , Coleophora squamosellay siccifolia^ Äsychna profiigeUOf Ela~
chisla jlavicumeUa, Nepticula cryplella, belulicola ^ continuella und ÄU
«e(e//a aus England, (ebenda p. 124) Tinea Krüsmanni aus Deutschland.
Ueber eine Reihe Kord-Amerikanischer Arten hat Asa Fitch
(Report onthe noxious Insects of New- York) nähere Mittheilungen
gemacht , den Schaden , welchen die in Menge auftretenden anrich-
ten , erörtert und die verschiedenen Stände derselben beschrieben.
Cerostoma Brassicella n. sp. frisst die Blätter des Kohles ab und
richtet oft grosse Verwüstungen an (p. 170 IL). — Chaetochilus po-
während des Jahres 1856. 453
metellus Harr, igt den) Apfelbaume schädlich; verwandte neue Arten
sind: Chaetochilus Malifoliellus, conlubernatellusy trimacvlellus und ven-
Irellus (p. 221 ir.). — Ornix Acerifoliella n. sp. , die Raupe minirt die
Rlätter des Ahorns (p. 269 ff. pl. 4. fig. 5).^^ — Tinea Zeae n. sp., die
Larven halten sich in Vorrathskammern auf,,' nähren siph^von Bflais^
Mehl, Kuchen^ rii 8.. w["^i). 320 ff. pl. 4. ßg. '^Ö: !' , / ,•!!'. ;',•'!'!
Stainton, Observations on British Tineina (Entomologist's
Ahnual 1856. p.49— 60) gieht nachträgliche Bemerkungen über Fut-
terpflanzen der Larven, Fundortei und Lehensweise einer grösseren
Reihe Hriiischer Tineiden ; der Aufsatz: dient als Supplement zu dei
Verf. „Insecta Britannica, Tineina.« — Derselbe, Quelques muts suj(
les moeurs des chenilles des Tineites, pour servir d'introduction^yä
r^tude des lepidopteres de cette tribu et pour faciliter leur chasse
(Annales d, 1. söc. entomol. IV. p. 749-^760). — Desselben „En-
tomological botany" mit besonderem Bezüge auf die von tineen-Rau-
pfen bewohnten Pflanzen, wurde im Zoologi&x p. ö009 iF. forlgesetzt;'
' l*teroplioridae* Asa Fitch (Report on the noxious In.
socts of New-York p. 139 ff.) beschrieb eine neue Art: Pteröpkorus
periscelidaclylus nebst ihr«n Ständen; die Raupe lebt auf d^n Blättern
des Weinstockes, dei^ ^ijß^jOft sehi;/ schädlich wird. Andere neue
Nord - Amerikanische Arte^siiid,.^,, 143 ff.) : Pteröpkorus lobi4actylus{
lenuidactylus, cinei-idactylus^ inargittfidactylus , nebulaedactylus, f^aejo^^^^
dactylus und cretidachilus. ' ' .
Eine neue Australiscbe Art ist. ferner: VteropMrus tinctimcl^^^
lus Newman (transact^ bf^hieUnibW^'l. sofc.'lll. p. 3Ö0).' '' ' '
■fA ni.'J^ii 'Jil* tf^n i'^'^in i
ö Heiiilptera. , . .
Stal hat CÖfversigt af Kongl. Velensk. Akad. Förhandr.'
1856. p. 51— 68) zweckmässiger W^eise eine Anzahl der vcih^
ihm während der beiden letzten Jahre durch Diagnosen be-*
kannt gemachten Arten jetzt mit eingehenderen Beschf^bun-
gen versehen, wodurch es ermöglicht wird, sich ein be-
stimmteres Urtheil über dieselben zu bilden. Einige dieser'
Arten, welche den Familien der l^entatomidae , Reduvini und'
Nepini angehören (ausserdem sind auch einige Homoptera
beigefügt), sind zugleich auf einer beifolgendeil Tafel- im
Umrisse dargestellt worden. f 'ifi"-r< '^f> 'l>i^ ' ' •
Aus der auf der beifolgenden Tafel gegebenen Abbildung der
Gattung Borborolrephes Släl ergiebt sich, was früher schon nach der '
Charakteristik zu vermuthen war, .dass diese Gattung nicht neu, s^^^^
dem mit Limnogeton Mayr (Verbandl. d. xoolog..botan. Vereins 1853}
454 Gerstaccker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
identisch ist: jdie Art B. Hedenborgi, welche sich auch im hiesigen
Museum' aus Aegypten befindet, scheint jedocl^ von der Mayr'schen
(aus KordoTan) verschieden zu sein. — Die Gattung Telmatotrephes
Stäl möchte sich trotz ihrer nahen Verwandtschaft mit Kepa wohl
aufrecht erhalten lassen. — Stenöcotis vittata , eine KeuhoUändische
Form, weiche in vieler Beziehung der Gattung Ledra nahe tritt,
kommt nach dem hiesigen Museum auch aujf Vandiemcnsland vor.
Derselbe gab (ebenda p. 193— 199) eine Aufzählung
von sechszig im Caplande gesamniellen Hemipteren und cha-
rakltTisirle die darunter befindlichen neuen Arten ; letzlere
gehören <!en Familien der Pentatomidae, Coreodes, Lygaeodes,
Ncpini, Slridulaifilia und Cicadellina an.
'"' ilelet,emaVa enlomologica Hemipterorum heteropterorum
Caucasi. Harpagocorisae, monographice dispositae, auctore
F. A. Kolenati. (Bulletin de la soc. imp. des naluralistes dq
Moscou 1856. lY. p. 419 — 502.) Die Arbeit ist unter obigem
Tilel (IVlosquae 1857. 8. 84 pag. c. tab. 1 color.) auch im
Separal-Abdrucke erschienen. — Dieser sechste nach zehn-
jähriger ünlerbrcchung des Werkes erschienene Fascikel ent-
hält eine Forlsetzung der Aufzählung und Beschreibung der'
im Caucasus vorkommenden Hemipteren, und zwar derjeni-
gen , welche den Burmeister'scljen Familien der Lygaeodes,
Membranacei , Heduvii|i, Riparjjj, PJoleres und Nepini ange-
hören. Es sind nicht nur die neuen Arten, sondern auch
die bereits bekannten so wie die Gattungen noch einmal
charakterisirt, die Literatur reichhaltig zusammengetragen
worden. — Ein Anhang liefert Nachträge zu den früher er-
schienenen Hellen, in denen zugleich einige neue Neuroptera
beschrieben sind,
Gatalogue of Ihe Homopterous Insects collected al Sin-
gapore and Malacca by A. R. Wallace, with descriptions
of new species, By F. Walker. (Journal of Ihe proceed.
of Ihe Linnean society , Zoology 1. p. 82 — 100. pl. 3, 4.) —
Die Zahl der hier aufgeführten, von Wallace gesammelten
Arten aus den verschiedenen Familien der Homopteren be-
läuft sich auf 73, und zwar wird der grössere Theil dersel-
ben als neu angesehn und (wenngleich ziemlich oberfläch-
lich) beschrieben. Eine Reihe ausgezeichneter Arten gab
auch zur Aufstellung neuer Gallungen Änla^s , welche au f
während des Jahres 1856. 45^
zwei beifolgenden Tafeln von W e s l w o o d sehr gut im
Sieindrucke dargestellt sind. Das Nähere über dieselben bei
den einzelnen Familien.
Mulsant et Rey, Description de quelques Hemipte-
res heteropleres nouveaux ou peu connus. (Opuscules cnto-
mologiques VII. p. 119 — 132.) — Es werden hier fünf neue
Arten aus Südfrankreich beschrieben , welche den Familien
der Pentatomiden und Capsini angehören und van denen
zwei zugleich neue Gattungen bilden.
Pentatomidae* Von Mulsant und Rey wurden (Opus-
cules entomol. Vn. p. 119 ff.) zwei neue Gattungen auf ebenso viele
südfranzösische Arten begründet : i) Sternodonius n.g. „Corpus breve,
scutiforme, caput elongatum, rostrum mediocre, oculi minuti, globosi,
ocelli postici, distantes, antennae subgraciles, articulo tertio sequenti
duplo breviore : prothorax transversus, anguiis postteis rotundato-dila.i:
tatiSy scutcllum oblongum, postice rotundatum, prosternum apice bispino.
auni : pedes sat validi, spinulosi.** Von Ancyrosoma Am. Serv. durch
kürzere, stachligere {3eine und besonders durch das vorn zweizähnig«:
Prosternura unterschieden. Art: S/, obtusus von Marseille. 2) De~
rula n. g. „Corpus breve, postice rotundatum, caput oblongum, ro-
strun^ mediocre, Qculi njinuti,, prom,inuU, subglobosi, ocelli postici,
distanteSi antennae sub^raciles, articulis 2. — 4. subaequalibus: pro«
thorax transversus, brevis, biplagiatus , acutellum magnum , posticet
rotundatum, prosternum antice simplex, nee dentatum, nee laniinatum:
pedes breves, sat validi, spinosuli." Von den übrigen Gattungen der
Orbisculi Am. Serv. durch das gleich lange 2. bis 4. Fühlerglied ab-
weichend. Art : D. ßavoguUata von Marseille. — Eine neue Art ist
ferner : Sciocoris auritus ebendaher.
Cydnus cruralis und Pentatovia Viclorini vom Cap sind zwei
neue Arten von Stäl (Öfvers. af Kongl. Vetensk. Akad. Körhandl.
1856. p. 194), Odonlotarsus notoceras aus dem Caucasus und der Krim
und Odontoscelis dorsalis aus den Kirgisensteppen und Turcomanien
von Ko, Icnati (Melefcem. entomol. VI. p. 79 ff. Taf. lll.)
Rhyncholorum Livonicorum descriptio, Fam. 1. Longiscuti Am. et
Serv. (Scutati Burm.). Dissert. inaug. Auetore G. Flor. Uorpat 1856.
(8. 76 pag.). — Eine fleissigc Arbeit, die eine Charakteristik der Fa.
milie, eine Analyse der Gattungen und ausführliche Beschreibungen der
in Lievland einheimischen Schildwanzen enthält. Die 37 aufgezählten
Arten verlheilen sich auf die t4 lievländischen Gattungen folgender,
massen : Asopus 5, Coptosoma 1 , Podops 1, Phimodera 2, Euryga-
ster 1, Acanthosoma 4, Cimex 1, Sciocoris 1, Aelia 4, Pentatoma öj
E^rydema 2, Cydnus, 7, Coreon?elaf 1, Odpntoscejiis lg ~^Mit ß«ßJUi
4s4 G erstaecker: Bericht üb. d. Leisluogen in d. Entomologie
bat der Verf. mehrere der nnhaltbaren Amyot'schen Gattungen ein-
gezogen ; unter den aufgeführten Arten ist Penlatoma Uahnii neu be-
nannt und als selbstständige Art von Pent. nigricorne Fabr., mit der
sie Hahn u. a. vereinigte, abgesondert worden.
*'^'^' Coreodes. Gonocerus spissicornis Stal (Öfvers. Kongl. Ye-
tensk. Akad. Förhandl. p. 195) ist eine neue Art vom Cap , Centro.
toris Lehmanni Kolenati (Syromastes corallinus IVfUs. ßerol.) aus den
Kirgisensteppen (Meletem. entomol. VI. p. 78).
ii'jfl KtysiACoAcfi* Nysius punctipes und Oxycaraenus cruralis Stal
(a. a. 0. p. 196) n. A. vom Cap, Anthocoris Cawcasicws Kolenati (Me-
let. entom, VI. p. 28) aus dem Caucasus.
•, As a Fite h (Report on the noxious Insects of New-York p. 277)
g^a^teinep,, ausführlichen Bericht über den bedeutenden Schaden, virel«
chen .Micropus leucopterus Say dem Waizen in Nord-Amerika zufügt.
Eine neue, übrigens in Nord-Amerika sehr häufige Art ist: Anthoco-
ri^, j^sßudo-qfiinpbf^i ; ebenda, beschr,iebe.n.
-' 'i Capsini. Capsus Yersini und Foreli sind zwei neue Arten
augi Sudfrankreich, von M ul sant und Rey (üpusc, entorti. VII. p. 129)
beschriebeaji snov gab il :
:m[eilkibr'Ä%i^Mi. Kolenati (Meletem. entomol. VI. p. SfT.)
B'^Vchrieb folgende neue Arten: Zosmenus Laportei aus dem Caucasus,
Dichjonota Übefti (Jingh cristata Cuvier, Regne animal) aus Liev-
landji Arädu's Caucasicusj armatus und Gebteri nns dem Caucasus, letz-
te^'e'AIh »^ll'erich" äüs 'Sibirien.
Rediivini. Clepiria rufipes Stäl (Öfvers. af Kongl. Vetensk.
Akad. Förhandl. p 197; ist eine neue Art vom Cap; Zelus Goedelii
aus Pontus, Zelus Renardi aus Californien , Rhinocoris morio^ Cauca-
stcMs, Vijgolampis spinosissima (bifurcata Germ.?) und Nabis Lhesgiciis
aus dem Caucasus sind neue Arten,, von Kolenati (Meletem. entom.
VI. p. 41 ff.) ■aufgestellt.
ui<!>i ^loteres« Hebrus montanus Kolenati (a.a.O. p. 56) ist eine
Qjßj)^, Ar,t,^ii8 Transcaucasien.
IVepini. Naucoris spurcus Sttl (Öfvers. af Kongl. Vetensk.
Akad. Förhandl. p. 197} n. A. vom Cap.
IStridiilantia« Hagen hat seine Arbeit über „die Singcica-
den Europa's« im Jahrgange XVII der Entomol. Zeitung p. 27, 66 und
131 ff. fortgesetzt und beendet. Es werden hier im Ganzen 18 Arten
für Europa aufgeführt, von denen jedoch drei bis vier schon wesent-
lich dem westlichen Asien angehören und die Gränzen Europas nur
eben berühren. Der diesjährige Theil d6r Arbeit beginnt mit der
dritten der vom Verf. angenohimcnen fünf Gruppen und enthält die
ausführliche Beschreibung folgender Arten. 3. Gruppe: C. Orai Lin.
während des Jahres 1856. 457
(TeUlgonia punctata Fab ) , querula Fall (hauptsächlich asiatisch,
jedoch auch im südlichen Russland), hyalina Fabr. mit gleicher Ver-
breitung wie die vorige), lineola n. sp. (im westlichen Asien), atra
Oliv. (C. concinna Germ., cantans Fabr., transversa Germ., Tib. viJ
treus et hyalinatus ßrullc). — 4. Gruppe: 0. montana Scop. (hae-
matodes Lin., dimidiata Fabr., sanguinca et orni Panz. , Schaefferi
Gmel., tibialis Lätr. , anglica Leach , concinna Germ.), prasina Fall,
(asiatisch, auch bei Sarepta), tibialis Fanz. , annulata Brülle, flaveola
Brülle (virens Herr.-Sch , undulata Fanz.), argentala Oliv, (scricaus
Herr. -Seh.), dimissa n. sp. vom Balkan, picla Germ. , aestuans Fabr.
(Algira Fabr.) vielleicht nur aus Algier. — 5. Gruppe: C. violacea
Lin. — Auf einer beifolgenden Tafel bat der Verf. eine Darstellung
der für die Feststellung der Arten wichtigsten Körpertheile und zwar
für alle in der Abhandlung aufgeführten Species gegeben; es sind
dies: der Stimmdeckel und die Trochanter- Klappe, der Penis, der
Vorderschenkel , die letzten Bauchsegmente des Männchens und der
Seitenrand des Prothorax. Durch die schematische Anordnung die.
ser Zeichnungen wird die Bestimmung der Arten nach denselben sehr
erleichtert.
Asa Fitch (Report on the noxious Insects of New - York
p. 4t ff.) beschrieb Cicada superba und Roberlsonii als neue Arten
aus Nord-Amerika und machte ausführliche Mittheilungen über Cicada
septemdecim Lin. , welche besonders den Eichen und Apfelbäumen
dadurch schädlich wird, dass das Weibchen in die Zweige derselben
tiefe Furchen einschneidet, um seine Eier, etwa je zwanzig in zwei
regelmässigen Reihen angeordnet, hineinzulegen; durch diese Ver-
wundungen wird ein starker Ausfluss von Saft bewirkt, der die Bäume
sehr entkräftet. Sobald die Larve das Ei verlassen hat, gräbt sie
sich tief in die Erde hinein , wo sie sich bis zur Verwandlung er-
nährt. Fitch ist ebenfalls der Ansicht, dass dieselbe wirklich einen
Zeitraum von 17 Jahren zu ihrer vollständigen Entwicklung gebraucht.
Er weist die siebenzehnjährige Erscheinungsperiode für mehrere Lo-
kalitäten als genau wiederkehrend nach und setzt für andere das näch-
ste Auftreten der Art fest. In verschiedenen Distrikten ist das Auf-
treten verschieden , so dass für gewisse Brüten eine bestimmte Ver-
breitung angenommen werden muss.
Cicada Hotmgreni und rußcoUis Stal sind zwei neue Arten vom
Cap. (Öfvers. af Kongl. Vetensk. Akad. Förhandl. p. 198).
Dundubia gültigem^ albigutla, inlemerala und Cicada virgunadn
Walker sind neue Arten von Malacca (Journal of the proceed. of thc
Linnean soc, Zoology I. p. 83 f.).
Pul^orellne. Eine Anzahl neuer Gattungen aus verschie.
denen Gruppen dieser Familie wurde von Walker (Journal of pro-
ceed. of the Linnean soc, Zoology 1. p. 84 ff.) auf verschiedene Ost-
458 Gerslaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
indische Arten begründet; dieselben sind aber einerseits sehr unbe.
stimmt charakterisirt, so dass sie fast nur aus den beifolgenden Ab-
bildungen zu entziffern sind, andererseitslhre nähere Verwandtschaf-
ten zu den bestehenden Galtungen und Gruppen oft sehr verkannt
worden. 1) Cromna n. g. (p. 85. Taf. III. fig.4) vom Verf. als mit
Dictyophora Germ zunächst verwandt bezeichnet, aber jedenfalls zu
Colobesthes und Poeciloptera gehörend. Die Charaktere sind fol-
gende : „Caput supra conicum, subascendens, frons lanceolata, subca-
rinata, marginibus vix elevatis. Antennae breves, articulus primus
secundo multo brevior. Thorax subcarinatus, prothorax subarcua^tus,
Pedes breves. Alae latae, anticae areolis costalibus et marginalibus
ordinariis areolisque pluririiis minutis discalibus abnormibus, costa
subconvexa , margine exteriore subquadrato, an gulo interiore per-
acuto." — Art: Cr. aculipertnis von Malacca. 2) Daradax n. g., mit
der vorigen Gattung zur Fulgoriden-Gruppe gebracht, (p. 85. Taf. IV.
fig. 5), folgendermassen festgestellt: „Caput lanceolatum , ascendens,
lateribus elevatis, frons lanceolata, carinata. Antennae globosae, mi-
nimae. Prothorax valde arcuatus, carinatus, mesothorax quadricarina-
tus. Alae anticae fusiformes , areolis costalibus et marginalibus plu-
rimis ordinariis, discalibus longis." — Art: £>. fmipennis von Malacca.
3) Elica n. g. (p. 86. Taf. IV. fig.4), mit der vorigen Gattup g nach
der Abbildung nahe verwandt, durch die Kopfbildung und dajs Flü-
gelgeäder abweichend. „Caput conicum, subascendens, supra tricari-
uatum, frons lanceolata, tetragona, tricarinata, lateribus elevatis. An-
tennae breves. Prothorax brevissimus, ijiesothorax tricarinatus. Alae
anticae latae, venulis plurimis transversis costalibus, areolis discali-
hu9 basalibus elongatis , exterioribus abbreviatia , saepissime hexag.o-
nis." — Art: E. lalipenms von Malacca, 4) Enrian.g. (p. 8,7. Taf. IV.
,fig, 6), dej Gruppe der Cixioiden untergeordnet: „Caput brevissimura,
supra arcuatuni, frons longa, subfusiformis, carinata. Antennae glo-
bosae. Thorax brevissimus, carinatus , lateribus elevatis. Alae anti-
cae mediocritcr latae , venis costalibus plurimis ordinariis, marginali-
bus multis saepissime furcatis, discalibus nonnullis, basalibus paucis.".
— Art,: E, l\ir.ida von Singapore, 5) Bidis n. g. (p. 88. Taf. IV.
fig.. 2) scheint nach der Fühlerbildung mit Asiraca nahe verwandt zu
sein. Die Charaktere lauten: „Caput conicum, vix ascendens, vertice
carinalo, fronte perangusta , carinata, lateribus elevatis. Antennae
filiformes, articulus secup^us primo pauUo longior, seta longissima.
Prothorax arcuatus, brevissimus, mesothorax tricarinatus. Alae anti-
cae sat angustae ; areoli^ npnpullis apud costae apjcem et apud mar-
ginem exteriorem ; areolae basales longissimae , discales elongatae."
— Art: ß. noüvena von Singapore und Malacca. 6) Conna n. g.
(p, 89. Taf. IV. fig. 3), zu den Flatoiden neben Ricania gestellt, „Cor-
pus subliueare. Caput thorace vix angustius, fronte deprcssa, elongata^
während des Jahres 1856. 459
carii^ula media, lateribus subelevatis. Prothorax arcuatus, carinatus,
verticem posticum supcrans; niesolhorax tricarinatus. Pedes brevius-
culi, sat validi. Alae latae, apice rotundalae, anticae areolis coslall-
bus ordinariis, disealibus plurimis abnorinlbus.'* — Art; C. gutlifera
von Malacca. 7) Benna n. g. neben der vorigen Gattung und eben,
falls, dpn Vlaloiden beigezählt (p. 9,0, "^a.f. lü. fig. 3). „Corpus sat
g^aqije. Caput carinatum , thorace pauUo anguslius, lateribus eleva-
lis^ fronte copipressa, elongato.subfusiforini. Anlennae breviusculae.
Thorax tricarinatus, prolhorax breyissimus. Abdomen basi halteribus
duobus capitalis, oviductu longo, arcuato.. Pedes longiusculi^ sat gra-
ciles. A\9;^ iatae , apice rotundatae ; anticae areolis disealibus bre.
vioribus, basalibus et marginalibus longioribus." — Art B. cai^Uulala
von Singaporc, 8) Eupilis n. g. (p. 93. Taf. 111. fig. 1) steht unter
den Flatoiden hinter Colobesthes und Poeciloptera, womit diese (iat-
lung in keiner Verwandtschaft steht. „Corpus subfusiforme ; caput
breye, antice rotundatum , thorace angustius, vertex depressqs, bica-
rinatus, frons copvexa , laevis , facies lanceolata, vix carinata. An-
tennae globo^ae. Oviductus longus , arcuat.us , laq.Cje^oJajtus. Alae sa\
ai^^ustae, anlicae apice rotundatae, venu|is j^p^^^uor transversis cosla«
libjus venulisque quatuor disealibus.« -^ 4^M E.'jflbilineqla vop Sin^-
gapore. — Ausserdem vy^e.rden folgende neue Arten be8chriej)en: ßi-j
clvophfira speilinea, Ellidiplera smaragdilinea , Cixius p^slulaluSf aldi'^
striga und efferalus , JEurybrackys muUicolor unij, ruhifscens^ Flatoides
discalis und emarginatus, Pochazia inlernipla, costimtipulfi un.d gradieusy
Colobesthes albiplana und marg^naia^y. Poecilopl^ra^ lujcimargo. und
Stal „Om Derbides med tre ocell^f« (.ÖJ^yersigft af Kongl. Ye-
lensk. Akacl. Förhandl. 1856. p^ 1,61 — 104) hat die v^p ihm neuerdings
beschriebenen Derbe -Arten (vorig. Jahresbericht p. 176) den von
Westwood aufgestellten Gattungen unterzuordnen versucht und
dabei gefunden , dass eine derselben , D. nalalicola sich durch das
Vorhandensein von drei Ocellen auszeichnete ; ausser den beiden
gewöhnlichea, welche auf den Wangen am Vorderrande der Augen
liegen, fand sich ein drittes an der Spitze der Stirn, nahe der Ober-
lippe. Er gründet auf diese A^^rt eine eigene (lattung Brixia, welche
in der Kopfbildung mit Phenice Weslw., in der Form der Flügel-
decken mit Mysidia Westw. zunächst verwandt ist. Eine zweite neue
Gattung, die ebenfalls drei auf gleiche Wejse verlheilte Ocell^ hat,
und sich^ von der vorigen durch kürzere und an der Spitze schief
abgerundete Flügeldecke^ so wie durch die Form des Kopfes und der
Aug,(;n untersclieidet , wird Adana genannt und ist auf eine Mexika-
nische Art: Ä. FF.es/iroodü', gegründet. — Derbe furcalo - vitlata St.
wird zur Gattung Phenice Weslw., D. albicans St. zu Mysidia Weslw,
ge(?racht. ^^pM 4ip^^^ b^^(}en^^ eia<B- fe^^«;^ i^cue Gattung Phry.
460 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
gia besitzen nur zwei Ocellen ; die letztere ist auf eine neue Brasi-
lianische Art: /7t. fuscata gegründet. Endlich wird auf Derbe Wahl-
bergii St., welche keine Ocellen hat, eine eigene Gattung Helcita
basirt , welche mit Thracia in der Form des Kopfes übereinstimmt,
sich aber durch eine nasenförmige Verlängerung derselben auszeichnet'.
Henibracina» Eine neue mit Centrotus verwandte Gattung
Mirreune wurde von Walker (Journ. of proceed. of the Lihneiäfi
soc, Zoology I. p. 94. pl. III. fig. 2) beschrieben und' abgebildet ; der
Thorax ist vorn lanzettlich zugespitzt, das Hörn den Kopf weit hbör-
ragend, art der SpitaSe mit zwei langen aufrechten, etwas gebogenen
Aeslen besetzt; das hintere Hörn kaum kürzer als der halbe Hinter-
leib. — Art: M. formidanda von Singapo'rc. — Die ebenda beschrie-
benen neuen Arten sind: Centrotus lamikifer , cdliginosusl'^thitiitr6uiy
■ e . • :-• .Hol', i -.v r^' ,. MOl/iT; ^» '■■
semifascia.
Cieaflellina> Wal ker (JoUrn. of proceed. of the Linnean
soc, Zoology I. p. 96. pl. IV. fig. 1) charakterisirte eine nfeue Gat-
tung Cofsa folgendermassen : „Corpus subfusiforme. Caput sat m&gnum^
thorace paullo ahgustius, Vertex depressus, frons convexa^ facies bre-'
vi-conica, lateribus impressife. Antennae brevissimäe, sota brevisi
Prothorax brevis, antice Bii'güstiör. Mesoihorax subpunctatus , scüt^lJ
lum excavatum. Älae angustäe?',' apice rbtiiiidatae, ähticae venulis
nonnullis costalibus apicalibus venisque ' quatüor"^ Ibngitudinalibus,
prima secundaqäe furcatis. — Art: vC. coslaesiriga von Malacca. —
Andere neue Arten sind : Cercapis rugulosa , dislocata ^ unifascia, dis'»
crepans f Ptyelus bipärs , immutdtus , Tetligohia tripars, suavissima, JO'
cosay Ledra cullellifera, conifera^ nigrilinea , Penthimia castaneOf Coe~
lidia guttivena und pMncfiücnrt.'^^^* ^'«'^ 8)!»(h^0 isiO. Imc
StSl (Öfversigt af Kongl. Vetenslt. Akad. FÖrbanrfi. p.'l'ÖQ) be-
schrieb: Rhinmdax sericans, Ptyelus palruelis und callifer vom Cap.
Aphidina. Ueber den Schaden, welchen mehrere Nord-
Amerikanische Blattlänse an Obstbäumen anrichten , und über ihre
Naturgeschichte hat Asa Fitch (First report on the noxious etc.
Insects) ausführliche Nachricht gegeben. Zwei derselben sind zu-
gleich in Europa einheimisch und wahrscheinlich mit den Pflanzen
eingeschleppt, nämlich Aphis mali Fötr. (p 49) und cisrasi Fabr.
(p. 125) ; sie sind in Nord-Amerika mit die häufigsten Blattläuse und
richten an den betreffenden Nahrungsbäumen oft sehr beträchtlichen
Schaden an. Als neue Arten werden ferner beschrieben und zum
Theil in Betreff ihrer Naturgeschichte ausführlich abgehandelt: Aphis
malifoUae, wie B. mali auf Apfelbäumen, aber weniger häufig (p. 56),
A. prvnifoliae auf Pflaumenbäumen (p. 122 , A'. cerasffoli'ae auf einer wil-
den Kirschenart, chokc-cherry (p. 131), A. earydla, punclateU'a, nia-
cttlella, fumipenella und marginella auf den Blättern der Nord-Ameri-
kanischen weissen Walltiass (p. 165;, Pemphigui CaryaeSäuUs, welche
I
während des Jahres 1856. 461
kuglige Güllen an den Zweigen desselben Baumes bildet, endlich auch
noch der sclion früher vom Verf. bekannt gemachte rcmpkigus jyri,
welcher auf Apfelhäumcn auftritt und an den Wurzeln warzenartige
Auswüchse hervorbringt. — Aphis Alaidis n. sp. (p. 318 ff.) ist durch
grosse Menge dem Mais schädlich, dessen Stengel die Blattläuse durch
ihre Masse oft ganz bedecken.
G. Passerini, „Gli insetti autori delle galle del Terebinto e
del Lentisco insieme ad alcune specie congerieri." (Ein Auszug aus
dem in Parma erscheinenden Journal J Gardini , fasc. VI. Decbr. 1856.
8 pag. in 8) — Der Verf. beschreibt folgende sieben Blattläuse, wel-
che verschieden geformte Gallen an Pistacia Yerebinthus und P. Len-
tiscus bilden: Pemphigus ulricularius und semilunarius , beide schon
von Keaumur gekannt, P. cornicvlariusy Boyeri (Aphis radicum
Fonscol. pro parle), caerulescens^ loclncarius und Tetranettra lenfisci.
Die Aphis Pistaciae Lin. ist eine Collektiv-Art, welche wahrscheinlich
mehrere der genannten in sich vereinigt, daher auch ihr Piame unter,
drückt werden mussle.
Von C. L. Koch's „die Pflanzenläuse, Aphiden , getreu nach
dem Leben abgebildet und beschrieben'' sind im Jahre 1856 das achte
und die folgenden Hefte erschienen und das W'erk liegt gegenwärtig
bereits beendigt vor. Da der hiesigen Bibliothek die letzten Hefte
bis jetzt noch nicht zugegangen sind, muss Ref. den Bericht über
den Schluss der Arbeit bis zum nächsten Jahre aussetzen.
C'occina. Asa Fitch erörterte (a. a. 0.) die Naturge-
schichte von Aspidiotus conchiformis Gmel., welcher in Nordamerika
den Apfelbäumen schädlich wird (p. 31) , ferner von Lecanium Pyri
Schrank auf Birnbäumen (p. 104) und beschrieb als neue Arten: Coc^
cus pinicorlicis häufig an jungen Weissföhren (p. 167) und Aspidiotus
pinifoliae n. sp. , eine Art, welche auf den Nadeln von Pinus lebt,
und diese aussaugt; das Insekt ist äusserst schädlich, indem die Bäume
nicht nur der Nadeln, welche darnach abfallen, beraubt werden,
sondern weil auch dabei die jungen Triebe absterben. Der Schaden,
den diese Scharlachlaus verursachen kann, wird dadurch vermindert,
dass die Larven von Chilocorus Stigma Say (bivulnerus-Muls.) grosse
Mengen derselben verzehren.
Newman hat an einem Weibchen von Dorthesia Characias
beobachtet, dass diese Art lebendige Junge zur Welt bringt. (Pro-
ceed. of the entom. soc. of London IV. p. 5 fl'. „On Ihe parturition
of Dorthesia Characias.«) Er sah letztere aus der in der Mille des
Rückens liegenden Genitalöllnung des Weibchens eins nach dem an-
deren hervorkommen und sich hurtig auf dem Rücken der Mutter
herumbewegen. Die Larven 'sollen nach Angabe des Verf. kleinen
Acariden sehr ähnlich sehen; ihr Körper ist pechbraun, kreisrund,
mit Unebenheiten besetzt und mit kleinen flachen Fortsätzen von
462 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
schneeweisser Farbe, gleicii Schneeflocken versehen. Aus der An-
gabe, dass die Beine besonders lang , nämlich um die Hälfte länger
als der ganze Körper waren, könnte man nach der Analogie mit den
.langen verwandter Gattungen schliessen, dass diese Larven weibliche
gewesen seien. Die Beubachturig zeigt übrigens, dass das Gebären
lebendiger Jungen in dieser Familie nicht ausschliesslich bei Coccus
cacti, wie Westwood glaubte, vorkommt, sondern möglicherweise
eine allgemeinere Verbreitung hat.
Notice of a specimen of Insect-wax from China, by Daniel
Hänbury und Note on Insects producing Wax from Port Natal and
China, by J. 0. Westwood (Journal of the proceed. of the Linnean
söc, Zoology L p. 103 ff.}. — Erstere Notiz von Hanbury enthält
einige Bemerkungen über das Vorkommen des China -Wachses und
des dasselbe erzeugenden Insektes, Coccus Pe-la Westw. (C. sinen-
sis Westw.). Die Erzeugerinn des Insektenwachses von Port Natal
ist nach Westwood das Weibchen einer grossen Coccus- Art, wel-
che mit C. ceriferus verwandt ist und die Grösse einer Erbse
erreicht.
S^. Jltyriapocleii.
Calalogue of Ihe Myriapbda in the colleclion of the
Brilisii Museum, by G. Nevvport. Part. I. Chilopoda. Lon-
don, printed by order of the Trustees, 1856. (8. 96 pag.) —
Dieser Catalog ist im Grunde nur ein nochmaliger Abdruck
der Newport'schen Monographie der Chilopoden, welche im
19. Bande der Transactions of the Linnean society erschie-
nen ist uri'd von der übefdetn schon iih Jahre 1844 eiri Nä-
mensverzeichniss unter dem Titel : „List öf Myriapoda in the
colleclion of the British Museum" herausgegeben wurde. Eine
Ueberarbeitung des von Newport angelegten Cataloges ist
nach seinem Tode von A. White vorgenommen worden
und zwar, wie J. E. Gray in dem Vorworte angiebt , be-
sonders mit Rücksicht auf das Gervais'sche Werk , dessen
Arten darin aufgenommen worden sind. Im üebrigen ist der
Catalog, welcher alle bis jetzt beschriebenen Arten enthalten
soll, keineswegs vollständig, indem viele seil der Newport'-
schen Arbeit bekannt gemachte, z. B. mehrere von Koch,
Lucas, Heer, Girard, Gay u. a. aufgestellte darin
fehlen.
wfthrenJ des Jahres 1856. 463
Die Gruppen und Gattungen sind in dem vorliegenden Catalog
mit lateinischen Diagnosen, die von Newport beschriebenen Arlrn
ausserdem mit dessen vollständigen Charakteristiken versehen; den im
British Museum vorhandenen Arten ist die übliche ChifFer beigesetzt.
Die von anderen Autoren publicirten Arten, falls sie sich nicht als
Synonyma herausgestellt haben, sind nur namentlich mit Hinzufügung
des Citats aufgeführt. Die Anzahl der Arten ist nach den einzelnen
Gattungen folgende: Ccrmatia 22, Litbobius 21, Henicops 3, Scolo-
pendrella 2, Scolopendra i)9 , Scolopocryptops 4, Newportia 3, Cry-
ptops 7, Theatops 1, Branchiostoma 4, Eucorybas 1 , Heterostoma 13,
Scolopendropsis 1, Cormocephalus 13, Rhombocephalus, Mecistoce-
phalus 6, Arthronomalus 7, Gonibregmatus 1, Geophilus25. Neue Ar-
ten sind nicht beschrieben worden.
Die in der Umgegend von Trier vorkommenden Myria-
poden zählte Schnur (Jahresbericht der Gesellsch. f. nütz-
liche Forschungen zu Trier v. J. 1856. p. 53 ff.) auf.
Es sind im Ganzen 18 Arten: 2 Glomeris, 4 Julus, 1 FoUyxe-
nus , 1 Polydesmus, 1 Scutigera, 1 Lithobius, 2 Scolopendra (d. h.
Cryptops) und 6 Geophilus.
Cliilog-oatlia* Von Koch (in Rosenhauer's Thiere Anda-
lusiens p. 413 0*.) wurden Julus sulcicollis und Tropisoma polilum als
neue Spanische Arten beschrieben.
Aus der Craspedosoma - Gruppe stellte A. Sager (Froceed. of
the acad. of nat. seienc. of Philadelphia VIII. p. 109) Reasia (?) chU
nosOf Slenonia hispida und Strigamia fulva als neue Arten aus Nord-
Amerika auf.
Cliilopoda* Lilkobius inermisj Scolopendra venefica, chloro^
tes und Himnnlarium Gabrielis wurden als neue Arten aus Spanien
von Koch (in Rosenhauer's Thiere Andalusiens p. 415 ff.) be-
schrieben.
3. Crustacceii.
Der Schluss der Dana'schen Abhandlung über die geo-
graphische Verbreitung der Crustaceen, welcher über die
Bedingungen, welche hierbei obwalleji , handelt, ist in den
Annais of natural hislory, Vol. XVII. p. 42 ff. mitgetheilt wor-
den. Dieser Abschnitt ist von besonderem Interesse und
verdient hier nach den Hauptsachen mitgetheilt zu werden.
Der Verf. wirft die Fragen auf: Haben ursprünglich Schöpfungs-
Mittelpunkle bestanden , von denen aus Gruppen von Arten
464 Gerslaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
eine Wanderunsf angetreten haben ? — sind nur Gallun^en
oder auch Species in weit auseinander liegenden Gegenden
wiederholt geschaffen worden ? — und welche klimatische
oder andere physikalische Bedingungen geben Anhalt für das
Auftreten specifischer Gattungen und Arten? — Der Ver-
fasser neigt sich auf Grund vorliegender Thatsachen sowohl
der Annahme einer Ausbreitung gewisser Arten durch Wan-
derung und durch Verschleppung, als der ursprünglichen
Schöpfung analoger Arten an verschiedenen Lokalitäten zu
— und gewiss mit dem vollkommensten Rechte. Für letztere
Annahme spricht z. B die üebereinslimmung der Crustaceen,
welche an den Küsten England's und Neu-Seeland's vorkom-
men , da beide Länder fast die Endpunkte eines Erddurch-
messers bilden. Der Verbreitung durch Wanderung wird
z. B, dadurch das Wort geredet, dass gerade im Stillen Ocean
und im Ostindischen Archipel, wo durch die zahlreichen In-
sel-Gruppen nur kleinere Distancen gegeben sind, zahlreiche
Arten weit verbreitet sind , und unter diesen besonders
schwimmende (Thalamita), während die Arten der Tiefe
(Majacea) lokal sind. Auch die weite Verbreitung der nor-
dischen Arten macht die Annahme wahrscheinlich, dass Mee-
resströmungen viel zur weiteren Ausbreitung einer und der-
selben Art beitragen; andererseits setzen diese aber auch
Hindernisse entgegen, indem z. B. tropische Arten weit nach
Norden geführt, dort ohne Frage umkommen müssten.
Couch theilte (Zoologist p. 4972) Bemerkungen über
die Häutung und das Ansetzen neuer Gliedmassen bei den
Krabben mit. Neue Scheeren setzen dieselben nur dann an,
wenn die alten dicht am Körper abgerissen werden, indem
dann der Blutverlust gering ist und die Wunde sich bald mit
einer dünnen Haut überzieht , unter welcher sich zunächst
eine Erhöhung als das erste Rudiment einer neuen Scheere
bildet. Wird die Scheere dagegen weiter nach der Spitze
hin verletzt, so gehen die Krabben an Blutverlust zu Grunde.
Von Wichtigkeit ist eine kleine Abhandlung von S p e n c e
Bäte „On Ihe British Diastylidae«' (Annais of natural history
XVII. p. 449—465), in welcher neben einer Bearbeitung der
bei England vorkommenden Cumaceen der Nächweis enthal-
ten ist, dass diese eigenthümlichen kleinen Crustaceen nicht,
während des Jahres 1856. 465
wie neuerlich von Agassiz behauptet worden ist. Jugend-
zustände gewisser Macrouren (Crangon, Palaemon, Hippolyte)
sind, sondern eine eigene Familie bilden , welche einerseits
die grössten Analogieen mit den Macrouren und Stomatopo-
den darbietet, durch gewisse Charaktere, wie die ungestiel-
ten Augen , die Form der Mandibeln u. s. w., aber sich den
Amphipoden nähert. Dass die Cumaceen nicht die Larven
anderer Krebse, sondern selbstsländige Formen sind, kann
nach der Beobachtung von Goodsir und Bäte, dass die
Weibchen Eier und selbst Junge bei sich tragen, gar nicht
mehr bezweifelt werden ; die Larven von einer Diastylis-Arl
zeigten sich ganz gleich geformt mit dem erwachsenen Thiere,
während die Larve einer Hippolyte, welche Vergleichs hal-
ber ebenfalls vom Verf. beschrieben und abgebildet wird,
durch die sehr grossen, fast sitzenden Augen, die geringere
Anzahl der Beinpaare , die Form des Hinterleibs sehr we-
sentliche Abweichungen von der ausgewachsenen Form dar-
bietet. Ausserdem zeigen auch die beiden Geschlechter von
Diastylis im erwachsenen Zustande deutliche Unterschiede,
die schon von vorn herein dagegen sprechen, dass diese
Thiere Jugendzustände anderer sein sollen; während das
Weibchen an zwei Beinpaaren vier Platten trägt, welche sich
gegenseitig zur Einhüllung der Eier und Jungen aneinander
legen, zeichnet sich das Männchen durch zwei Paar kurzer,
stiellörmiger Fortsätze an den beiden ersten Hinterleibsseg-
menten aus. — In Betreff der systematischen Stellung der
Cumaceen , welche der Verf. diskutirt , gelangt er zu dem
Resultate, dass sie den Slomatopoden angehören und sich den
Mysiden (Caridiodea M. Edw.) als unterste Stufe der Familie
anschliessen. Da letztere jedoch neuerdings von Mi Ine
Edwards, und wohl mit Recht den Macrouren beigezählt
werden, so könnten die Cumaceen, wenn sie wirklich mit
den Mysiden am nächsten verwandt sind, ebenfalls jenen un-
tergeordnet werden. Jedenfalls ist ihre Verwandtschaft eine
sehr getheilte , wie dies schon aus der Bildung der Augen,
welche von Bale mit Recht als sehr abweichend hervorge-
hoben wird, hervorgeht; ein anderer und mindestens ebenso
wichtiger Charakter, der dem Verf. entgangen zu sein scheint,
ist aber ausserdem die Anlage des Cephalothorax, welcher wie
Archiv f. Nnturgescb. XXIII. Jahrg. 2. Bd. ££
466 Geist accii er: ß«richl üb. d. Leistungen in d. Entomologie
bei Squilla die hinteren Brusiringe ganz frei hervortreten
lässt, eine Bildung, welche weder den Macrouren, noch den
Mysiden (wenn diese auch Stomatopoden wären) zukommt,
(lieber den speciell systematischen Inhalt der Arbeit siehe
unter: Cumacea.)
Agassiz hat mit Bezug auf diese Arbeit von Bäte in
einem Briefe an Dana (Silliman's American Journal, Sept.
1856) bemerkt, dass trotz der Beobachtung von Eiern und
Jungen bei Diastylis dennoch gewisse Cumaceen Larven von
Macrouren seien. In Röcksicht auf die von Bäte beschrie-
benen und abgebildeten Formen ist diese Behauptung aber
jedenfalls unbegründet, da dieselben durchweg eine sehr
analoge Körperbildung zeigen, die mit Macrouren- Larven
nichts gemein haL
Ref. hat im XXII. Jahrgange dieses Archivs ^(1. Band
p. 101—162. Taf. IV— VI) „Carcinologische Beiträge« veröf-
fentlicht, in welchen er besonders über eine Reihe von Herbst
beschriebener Arten, die späteren Autoren entweder unbe-
kannt geblieben oder von ihnen verkannt worden waren,
nähere Auskunft giebt. Ferner werden mehrere Arten nach
ihren verschiedenen Altersstufen in Betracht gezogen und die
Veränderungen, welche sich an grösseren Reihen von Exem-
plaren wahrnehmen lassen, dargelegt; hieran auch zugleich
eine Critik der von verschiedenen Autoren aufgestellten Ar-
ten, welche auf solche Entwicklungsstufen begründet sind,
geknöpft. Neue Gattungen und Arten sind aus den Familien
der Brachyuren, Aslacinen und Isopoden beschrieben; die
der letzteren Familie angehörende Form stammt aus den
Höhlen Krains und ist augenlos.
Heller hat in den Verhandlungen des zoolog.-botan.
Vereins zu Wien VI. p. 629 und 7 1 7 ff. „Beiträge zur Fauna
der Adria« veröffentlicht, in welcher er einige neue Meer-
Crustaceen, zur Ordnung der Decapoden gehörend, beschreibt.
Abbildungen auf Taf. IX.
Schnur, Systematische Aufzählung der Crustaceen,
Arachniden und Myriapoden in der Umgegend von Trier.
(Jahresbericht der Gesellschaft für nützliche Forschungen zu
Trier v. J. 1856. p. 53 ff.) — Von Crustaceen werden im Gan-
während des Jahres 1856. 467
zen 23 Arien aufgezählt: 1 Decapode, 1 Amphipode, 7 Iso-
poden und 14 Enlomoslraceen.
Die von Sutherland während einer Reise von Eng-
land nach Port Nalal auf dem Atlantischen Ocean gesam-
melten Enlomoslraceen hat L u b b o c k einer Prüfung unter-
worfen und die darunter befindlichen neuen Arten, deren
Zahl sich auf 23 beläuft (22 Copepoden und 1 Ostracode) in
denTransacl. of the enlomol. soc. of London IV. p. 8 — 35 be-
schrieben. Die Abhandlung wird von elf Tafeln begleitet,
welche die meisten dieser Arten oder einzelne Theile der-
selben in Umrissen darstellen.
Von fossilen Crustaceen sind einige besonders interes-
sante neue Formen durch J. W. S a 1 t e r „On some new
Crustacea from the Uppermost Silurian Rocks'' (Quarterly
Journal of the geolog. soc. of London XII. p. 26 ff.) zur
Kennlniss gekommen. Sie gehören in die nächste Verwandt-
schaft von Eurypterus, jener systematisch zweifelhaften Form,
welche von Burmeister zu den Palaeaden, von Römer
und M'Coy in die Nähe der Limulus-Arten gebracht wurde,
bilden aber eine von dieser verschiedene Galtung Himanto-
plerus, von welcher hier gleichzeitig sechs Arten von be-
trächtlicher Grösse bekannt gemacht werden. — Von Inter-
esse ist ferner das Auffinden vollständiger Exemplare von
Ceraliocaris, von der bisher nur der Cephalothorax bekannt
war, während die ihr zugehörenden Schwanzstacheln einer
besonderen Gattung Leplocheles zugeschrieben wurden; beide
Theile sind jetzt mit den sie verbindenden Abdominalringen
zusammen aufgefunden worden und das Thier bietet in sol-
cher Continuilät eine entschiedene Form-Aehnlichkeit mit den
Phyllopoden (Apus) dar.
Die von Salt er beschriebene Gattung Himantopterus (auf p. 28
im llolzschnille dargestellt) unterscheidet sich von Eurypterus zu.
nächst durch die Stellung der Augen , welche nicht auf der Ober-
fläche , sondern an den vorderen Seitenwinkeln des Cephalothorax
(doch wohl nicht des Kopfes, wie der Verf. angiebt) liegen und fer-
ner durch die mehr lineare Form der Schwimmfüsse. Das einzige
sichtbare Antennenpaar ist schmächtiger als die Fösse, besteht aus
weniger Gliedern und endigt in eine lange, didactyle Scheere. Die
sechs bekannten Arten der Gattung, welche hier ausführlich beschrie-
ben werden und von denen einzelne Theile abgebildet sind, heissen :
468 Geist aecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
H. acuminaluSf maximus ^ hilobus^ perornalus^ lanceolalus und ßanhsii.
— Von der Gattung Ceratiocaris M'Coy wird auf p. 33 ebenfalls eine
Abbildung nach einem vollständigen Exemplare gegeben , welches
zwischen dem Cephalothorax und dem Schwanzsegmente fünf nach
hinten an Länge zunehmende Abdominalsegmenle zeigt. — In einem
Anhange zu dieser Arbeit hat Huxley („Observations on the stru-
cture and affinities of Himantopterus«) sich über die systematische
Stellung dieser Gattung, so wie der ihr zunächst verwandten ausge-
sprochen. Er erkennt zwar ihre Analogieen mit den Phyllopoden
und Limuliden an , glaubt aber einerseits grössere Abweichungen als
Verwandtschaften mit diesen vorzufinden , andererseits scheinen ihm
wesentlichere Uebereinstimmungen mit den Cumaceen vorhanden zu
sein ; nur seien die fossilen Formen gleichsam Cumaceen im Larven-
zustande, indem ihre Gliedmassen mit denen der Macrouren -Larven
Analogieen darböten.
Decapoda*
Bracliyura« Oxyrrhyncha. — Ref. (Carcinolog. Bei.
träge) machte über mehrere Gattungen und Arten dieser Gruppe kri-
tische Bemerkungen. Die Gattungen Paramicippe und Criocarcinus
AI. Edw. werden als unhaltbare nachgewiesen, indem die ihnen an-
gehörenden Arten alle wesentlichen Charaktere mit Micippe Leach
gemein haben, dagegen in der Bildung der Augenhöhlen , der Fühler
und der Länge der Beine mehrfache specißsche Abweichungen unter
einander darbieten, bei deren Berücksichtigung jede Art eine eigene
Gattung bilden müsste. Ausser Micippe miliaris n. sp. aus dem rothen
Meere wird Micippe (Cancer) Thalia Herbst, eine den späteren Autoren
unbekannte Art, näher charakterisirt. — Der Cancer ursus Hbst., hier
ebenfalls beschrieben, gehört zur Galtung Paramithrax M. Edw. und
ist von Mithrax ursus Bell verschieden. — Othonia sexdentata und
quinquedentata Bell sind Abänderungen einer und derselben Art und
mit dem Cancer mirabilis Herbst synonym. — Der Cancer hirticornis
Herbst ist gleich Pisa corallina llisso; der Cancer Pleione Herbst ge-
hört nicht zu Pisa, wohin ihn Milne Edwards bringt, sondern zur
Gattung INaxia. — Lambrus carenatus M. Edw. ist der Cancer pran.
sor Herbst (Parthenope regina Fabr.) , dagegen Lambrus prensor M.
Edw. eine von der Herbst'schen ganz verschiedene Art. — Eine un-
ter dem Namen Peloplastus Pallasii beschriebene und abgebildete, miti
Doclea zunächst verwandte Form , von dieser hauptsächlich durch]
niedergedrückten Cephalothorax und verbreiterte, plattgedrückte Beim
unterschieden, ist nach einer brieflichen Miltheilung von Steen-]
strup schon früher von Kr o y er als Chionoecetes charakterisirt wor-j
den und stammt aus dem Polarmeere (Grönland).
wfihrcnd des Jahres 1856. 469
Heller (Verband!, d. zoolog. -botan. Vereins VI. p. 719) be-
schrieb Stenorhynchus inermis als neue Art von der Dalmatinischen
Käste, von Frauenfeld daselbst aufgefunden; sie ist zunächst mit
Sten. longirostris M. Kdw. verwandt, von der hier eine nochmalige
vergleichende Charakteristik gegeben wird.
Cyclometopa. — Ref. (a. a. 0. p. 117 ff.) errichtete auf den
Cancer trispinosus Herbst eine eigene Gattung Chalaepusy welche mit
Galene de Haan in nächster Verwandtschaft steht, sich aber durch
die Bildung der Augenhöhlen und des Hinterleibs unterscheidet; er-
stere sind von zwei Dritltheilen der Slirnbreite, ringsum geschlossen,
ihr Unlerrand tief ausgeschnitten und nach innen in einen scharfen,
gerade nach vorn gerichteten Zahn endigend; an letzterem sind alle
sieben Hinge vollständig von einander getrennt, der letzte sehr
schmal, lanzettlich zugespitzt. — Auf den Cancer ochthodes Herbst
wird eine neue Gattung Folycremnus gegründet, welche zur Xantho-
Gruppe gehört und in nächster Verwandtschaft zu Halimede de Haan
sieht, von der sie durch die Form des Cephalothorax, die noch wei-
ter hervorgezogene , sehr schmale, aus zwei seitlichen Wülsten be-
stehende Stirn u. s. w. abweicht. — Aus der Gattung Trapezia wer-
den die beiden mehrfach verkannten Herbst'schen Arten Tr. rufopun.
ctata und Cymodoce und ausserdem zwei neue; Trapeüa corallina
von Veragua und subtenlala aus dem Rothen Meere beschrieben. —
Zur Thalamiten-Gruppe kommen folgende neue Arten: Lupea exaspe~
rata von Puerto Cabello , pudica von der Küste Brasiliens , Euctenota
n. g. mit einer Mexikanischen Art: Euct. mexicana^ von Lupea durch
die schmale Stirn, welche nicht mit vier, sondern nur mit zwei Zäh-
nen bewaffnet ist, ferner durch die Bildung der Augenhöhlen, an
denen die Spalten des oberen Randes nicht einfache Schlitze sind, son.
dern deutlich klaffen, unterschieden.
Catometopa. — Ref. (a. a. 0. p. 132 ff.) machte darauf
aufmerksam , dass in der Galtung Ocypode bei den einzelnen Arten
die Länge der Augengriffel nach den Individuen starken Schwankun-
gen unterworfen sei und daher nicht zur specifischen Unterscheidung
angewandt werden könne: Ocypode d'Urvillei Gu6r. und brevicornis
M. Edw. scheinen nach Exemplaren der 0. ceratophthalma mit kur-
zem Griffel aufgestellt zu sein. Von letzterer Art ist specifisch ver-
schieden: Ocypode aegyptiaca n. ap.f hier ausführlich beschrieben. Von
Ocypode arenaria werden die Jugendzustände charakterisirt. — Von
der Gattung Acanthoplax M. Edw. wird nachgewiesen , dass sie von
den Gelasimus-Arten mit schmaler Stirne (Gel. Maracoani) nicht ge-
nerisch verschieden sei; als neue Art wird beschrieben: Gelasimus
fAcanthoplaxJ excellens von Veragua. — Eine neue Galtung ist ÄÄ<i-
conolus (Taf. V. fig. 5 abgebildet), zur Gruppe der Sesarmacea M. Edw.
gehörig, von allen bisher bekannten Formen durch die schmale Stirn
470 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
und die ungewöhnliche Länge der Beine unterschieden ; in der ei.
genthüinlichen Form der Scheeren und im Habitus bietet sie Aehn-
lichkeit mit Gonoplax dar. — Art: Rhaconotus crenulatus unbekann«
ten Vaterlandes. — üca laevis M. Edw. wird als Männchen der Uca
una Marcgr. nachgewiesen, von Gecarcinus lateralis Edw. und Boscia
dcntata Edw. die verschiedenen Altersstufen und Abänderungen be-
schrieben. — Dilocarcinus Castelnaui M. Edw. wird als synonym mit
dem Cancer septemdentatus Gronov. , Herbst, hingestellt, Dilocarci-
nus pardaiinus als neue Art aus Süd -Amerika beschrieben. — Der
Cancer hydrodromus und aurantius Hbst. gehören zur Gattung Tel-
phusa ; mit ersterem ist wahrscheinlich Telph. grapsoides M. Edw.,
mit letzterem Telph. Leschenaultii M. Edw. identisch. Telphusa sub-
quadrata wird als neue Art von den Philippinen beschrieben , die
beiden Herbst'schen Arten ebenfalls genau charakterisirt.
IVotopoda. Die im vorigen Jahresberichte (p. 188) erwähnte
neue CalifornischeLithodes-Art, L. fPelalocerusJ Bellianus wurde von
Withe (Proceedings of the zoological society 1856. p. 134 ff.) aus-
führlich beschrieben und auf pl. 42 abgebildet. Zugleich giebt der
Verf. ebenda eine Aufzählung der bis jetzt beschriebenen Arten der
Gattung Lithodes, wobei ihm jedoch die wichtige Abhandlung von
Brandt im Bullet, de l'Acad. de St. Petersbourg VIL 1849 entgan.
gen ist.
Astacini. Ref. (Carcinologische Beiträge p. 154 ff. Taf. VI.
fig. 1 — 4) gab eine Beschreibung und Abbildung einer neuen zur
Gruppe der Thalassinier gehörigen Gattung Scytolcplus mit einer Art:
Scyt. serripes aus Süd-Afrika. Die Gattung gehört durch den Mangel
der respiratorischen Anhänge an der Unterseite des Abdomens zu den
Thalassiniens Cryptobranchides M. Edw. und zwar zu denjenigen,
welche innere Fühler mit langen Geissein besitzen. Sie unterschei-
det sich von Callianassa, mit der sie eine grosse Aehnlichkeit in der
Körperform hat, durch den nicht erweiterten Tarsus des dritten Fuss-
paares und durch consistentere Körperbedeckung, von Axia durch
den Mangel des beweglichen kleinen Domes am Basaltheile der äus-
seren Fühler. — Die auf Taf. VI gegebene Abbildung des Krebses
ist durch den Kupferstecher verzeichnet worden , so dass der Ansatz
des ersten grossen Scheerenfusspaares nicht daraus klar wird; der
kleine Scheerenfuss ist der Reihe nach der zweite.
Carides« Kroyer bat in der Oversigt af dcl Kongl. Dansiv<
Vidensk. Selsk. Forhandl. i aaret 1855 einen Beitrag zur Kenntnis«
der Gattung Sergestes M. Edw. gegeben, welcher dem Ref. jedoch bii^
jetzt nur nach einer Uebersetzung von Creplin (Zeitschrift f. di^
gesammt. Naturwiss. VIIL p. 413 ff.) bekannt geworden ist. Der Verf.]
geht hiernach zunächst auf mehrere Eigenthümlichkeitep dieser bis.
wührend des Jahres 1856. 471
her nur in einer einzelnen Art bekannt gewordenen Gattung ein, wel.
che 1) in der Bildung der Kiemen, deren einzelne ßlättchen je ein
ganzes Kicmensystem ausmachen, wie es auch bei Thysanopoda (hier
aber in weiterer Ausbildung) rler Fall ist ; 2) in dem deutlichen Vor-
handensein von Gehörorganen im VVurzellheile der oberen Fühler, 3)
in eigenthümlichen Geschlechtsmerkmalen des Männchens an den Füh-
lirn und den beiden ersten Paaren der Bauchfüsse bestehen. Sodann
geht der Verf. auf die geographische Verbreitung der Gattung ein,
von welcher ihm elf Arten vorliegen; zwei derselben gehören der
arktischen Region an (S. arcticus undRinkii), eine (S. atlanticus Edw.)
wurde unter dem 40o n. Br. gefangen, die übrigen sind tropisch und
wurden auf einem Fahrzeuge alle fast an derselben Stelle des Oceans
erbeutet. Die Namen der Arten , welche vorläufig durch Diagnosen
festgestellt werden, sind : Sergestes Fries«, arcticus, oculalus, Edward'
sii, cornulus y corniculumj tenuiremus ^ obesusy armalus , ancylops und
Rinkti ; dieselben sind in einer analytischen Tabelle zusammengestellt
worden.
In der Alpheiden-Gruppe errichtete Heller (Beitrag zur Fauna
der Adria, Verhandl. d. zoolog.-botan. Vereins in Wien VI. p. 629 fF.
Taf. IX) eine neue Gattung Pontonella auf eine an der Küste von Zara
aufgefundene Art: Pont, glabra. Der Krebs ist mit Pontonia und Au-
tonomea zunächst verwandt, hat mit ersterer Gattang die grossen,
beiderseits ungleich entwickelten Scheerenfüsse am zweiten Paare
gemein, unterscheidet sich aber von derselben durch den Mangel einer
Deckschuppe an den äusseren Antennen und die cylindrische Form
des ßasalgliedes der Innern Fühler. Mit Autonomea durch den Man-
gel der Deckschuppe übereinstimmend , weicht er davon durch das
scheerenförmige zweite Beinpaar ab. Die Art misst 10 bis 12 Linien
in der Länge.
Spence Bäte (Annais of natural historyXVIL p. 461 ff. pl. XV)
gab eine ausführliche Beschreibung nebst Abbildung der jungen Larve
von Hippolyte varians. Sie ist beim Ausschlüpfen aus dem Eie y,6
Zoll lang und von sehr abweichender Form; die Augen sind von
auffallender Grösse, die Fühler sehr kurz, die Mandibeln und MaxlUen
deutlich sichtbar; letzleren folgen nach hinten sechs Paare fussarti-
ger Anhänge, je zu zweien an der Basis vereinigt. Der Hinterleib
ist sehr schmal, ohne Anhängsel, an der Spitze dreieckig verbreitert
und zweilappig.
Remarks on INika cdulis Risso, by W. Thompson (Proceed.
of the zooiog. soc. of London 1856. p. 102 ff., Annais of nat. bist.
XVIIL p. 493). — Die hier gegebenen Notizen enthalten interessante
Beobachtungen über ein längere Zeit hindurch am Leben erhallcnes
Exemplar der genannten Gattung und zwar besonders über die Art
und Weise, wie sich das Thier in den Sand eingräbt. Der Verfasser
472 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
glaubt, dass letzteres von demselben nur geschieht, um sich seinen
Feinden zu entziehen, nicht aber um sich unter dem Sande Nahrung
zu suchen; das Eingraben wurde nur bei Tage beobachtet.
Cumacea* lieber die an den Kästen Englands vorkommen-
den Galtungen und Arten dieser Familie hat Speuce Bäte in einer
Abhandlung „On the British Diastylidae" (Annais of natural history
XVII. p. 449—465. pl. XIll— XV) Nachricht gegeben. Der Verfasser
nimmt anstatt des allgemein gebräuchlichen Namens Cumacea für die
Familie die Benennung „Diastyiidae'^ an , indem die erste hierher
gehörige Gattung von Say unter dem Namen Diastylis beschrieben
wurde. Von dieser Gattung, mit welcher Alauna Goodsir identisch
ist, und welche in England durch eine Art, D. Ralhkii Kroyer reprä-
sentirt wird, giebt Bäte eine ausführliche Schilderung in Betreff
des ganzen Körperbaues. Die zweite Gattung Cuma M. Edw. ist durch
zwei Arten vertreten : C. scorpioides Monlagu (C. Audouini M. Edw.,
C. Edwardsii Goods.) und C. Ewardsii Kroyer. Eine dritte Gattung
Eudora ist neu und unterscheidet sich von Cuma durch nicht sicht-
bare obere Antennen (der Körperbau ist sonst mit Cuma ganz analog);
eine Art: E. iruncalula von Plymouth. Ferner wird eine eigene
Gattung Halia auf Cuma trispinosa Goods. gegründet; bei dieser ist
der Cephalothorax nach hinten verlängert, so dass er" nur die drei
hinteren Segmente freilässt; die vier hinteren Beine des Thorax ohne
Palp, die oberen Antennen hervorragend, die unteren häutig. An die
Galtung Bodotria Goods. (mit einer Art) schliesst sich endlich noch
eine neue Form : Venilia n. g. an, bei w elcher die ScitenvvinUel des
Cephalothorax über das Anlennensegment hervortreten, beide Fühler-
paare deutlich entwickelt sind, fünf Thoraxringe hinter dem Cephalo.
thorax frei zu Tage liegen und die fünf ersten Hinterleibsringe je
ein Paar Schwimmfüsse -tragen. Eine Art: V. gracilis. — Sämmt-
liche beschriebene Arten sind auf drei Tafeln stark vergrössert dar-
gestellt und zahlreiche anatomische Details hinzugefügt. — In einer
Nachschrift (Annais of nat. bist. XVIII. p. 187} ändert Bäte die Na-
men der Gattungen Halia und Venilia (beide bereits vergeben) in^
Iphinoe und Cyrianassa um.
/tffiipfilpocla.
Eine umfangreiche und sehr gehallvolle Arbeit über die
Organisation der Amphipoden in» Allgemeinen ist von C.
Spence ßate unter dem Titel: ^On Ihe Orilish Edrioph-
thalma Part. 1. The Amphipoda" im Report of Ihe Iwenty-fifth
meeting of Ihe British Association for the advancement of
science, held at Glasgow in September 1855. (London 1856).
p. 18—62. pL Xll— XXII erscjiienen. — Der Verf. beabsich-
während des Jahres 1856. 473
ligt, in Gemeinschaft mit Westwood ein Werk „On the
British sessii-eyed Cruslacea" herauszugeben, zu welchem
die vorliegende Arbeil eine Vorstudie zu sein scheint. In
derselben wird zunächst der Umfang der Ordnung der Am-
phipoden in Erwägung gezogen und gegen Dana die bei
den früheren Autoren übliche Sonderung derselben von den
Isopoden festgehalten ; die Laemodipoden werden als aberri-
rende Formen der Amphipoden an das Ende der Ordnung
gestellt und vermitteln so"gleichsam den üebergang zu den
Isopoden. (Hier folgt eine systemalische Uebersicht der in
England einheimischen Amphipoden- Familien , Gruppen und
Gallungen.) Sodann geht der Verf. auf die gesammte äus-
sere Körperbildung der Amphipoden näher ein, betrachtet die
einzelnen Körper - Abschnille , Gliedmassen , Sinnesorgane
u. s. w. nicht nur in ihren verschiedenen Modifikationen, wie
sie sich bei einer Anzahl von typischen Formen vorfinden,
sondern auch ganz besonders im Verhältnisse zu den Podoph-
Ihalmen und sucht stets die zwischen beiden Ordnungen be-
stehenden Analogieen und Homologieen nachzuweisen und
näher zu erörtern. In einem folgenden Abschnitte wird die
mikroskopische Struktur des Chilinskelelts nebst seinen ver-
schiedenen Anhangsgebilden, wie Haare, Dornen u. s. w.
ausführlich abgehandelt , auch zugleich auf die Neubildung
verlorener Gliedmassen eingegangen. I^ei der Beschreibung
der anatomischen Verhältnisse werden alle verschiedenen Sy-
steme genau durchgegangen und besonders auch Untersuchun-
gen über das Vorhandensein von Gehör- und Geruchsorga-^
nen angestellt; die Kniwicklung des jungen Thieres schliessl
sich den Abschnitten über die Struktur der männlichen und
weiblichen Foripflanzungsorgane an. — Den Schluss der Ar-
beit bildet eine Aufzählung der England eigenlhümlichen Am-
phipoden, deren Zahl fast 100 erreicht; die zahlreichen neuen
Galtungen und Arten sind hier vorläufig nur namentlich auf-
geführt und werden wahrscheinlich in dem erwähnten pro-
jeclirten Werke des Verf. ihre nähere Beschreibung finden.
— Die zahlreichen der Abhandlung beigegebenen Tafeln sind
von Westwood gezeichnet und erläutern in sehr reich-
haltiger Weise die äusseren und inneren anatomischen Ver-
hältnisse der Amphipoden.
474 Gerstaecker: Bericht üb. d Leistungen in d. Entomologie
Da die Organisation der Amphipoden im Allgemeinen die Auf-
merksamkeit der Forscher bisher im Ganzen wenig beschäftigt hat,
so fand der Verf. für seine sehr eingehenden und sorgsamen Unter-
suchungen hier ein besonders fruchtbares Feld vor. Die Ausdehnung
der Arbeit verbietet voii selbst ein näheres Eingehen auf alle bemer-
kenswerthen Einzelnheiten , von denen nur einige hier eine kurze
Erwähnung finden mögen. Den Kopfring der Amphipoden sucht der
Verf. als Analogon des Gephalothorax der Podophthalmen nachzuwei-
sen, einerseits dadurch, dass die beiden Segmente, welche ihn zu-
sammensetzen , das Mandibular- und Fühlersegment bei beiden in
entsprechender Weise, wenn auch in sehr verschiedener Grössen-
Entwicklung vorhanden sind , andererseits durch Kachweis von all-
raähligen üebergängen in Betreff des allmähligen Zurücklretens des
Gephalothorax von den Thoraxringen, wie sie manche Cumaceen und
Stomatopoden zeigen (p. 25 ff.). — Die Epimeren der Thoraxringe bei
den Amphipoden hält B. für die Analoga der Hüften der Podophthal-
men und zwar weil sie bei einer Zählung der einzelnen Glieder von
der Spitze des Beines an wie dort die siebente Stelle einnehmen.
(Da z.B. bei den Brachyuren und Astacinen stets der Tarsus aus zwei
Gliedern besteht und auf diese die deutlich erkennbaren Schienen und
Schenkel folgen, müsste ein doppelter Trochanter zwischen Hüfte und
Schenkel angenommen werden. Ref.) Andere Gründe , welche der
Verf. für seine Ansicht beibringt sind , dass die Kieme normal ein
Anhang der Hüfte ist, dass die Beweglichkeit der Hüfte selbst am
Körperskelette eine viel geringere ist als die des Trochanters an der
Hüfte, dass keine Epimeren vorhanden sind, wo Beine fehlen u. s. w.
(p. 36). — Die mikroskopische Struktur des Chitinskeletts erweist sich
in manchen Fällen nützlich zur sicheren Unterscheidung nahe ver-
wandter Arten, bei denen sie auffallende Verschiedenheiten erkennen
lässt; andererseits bieten Arten verschiedener Gattungen nicht selten
eine überraschende Gleichförmigkeit in den feineren Struklurverhältnis-
sen der Oberfläche dar. Die Form und Struktur der Anhangsgebilde des
Skeletts, z. B. der Haare variirt nicht allein nach den Arten, sondern
auch nach den einzelnen Theilen desselben Thieres, wie z. B. bei
Sulcator arenarius sich zwölf verschiedene Haarlypen (fadenförmige^
gekeulte, gesägte, gewimperte u. a.) nachweisen lassen (p. 40). — -s
Als Gehörorgane sieht B. die Wimperhaare der oberen Fühler, welch!
ausschliesslich auf die Hauptgeissel derselben beschränkt sind, arfj
diese Wimpern (auditory cilia genannt) sind häutig, biegsam, flachge-
drückt, an Form und Menge variirend. Innere Gehörorgane sind ii
den oberen Fühlern nicht bemerkbar, doch scheiii-n bei Aegina uni
Amphithoe Nervenzweige von einem Hauptstamme zu den einzelnei
Wimpern zu gehen (p. 44), — Als Geruchsorgan wird ein dornförmi.
ger Fortsatz am Basalgliede der unteren Fühler nngenommen , wel-l
während des Jahres 1856. 475
eher aus einer blasenartigen Anschwellung hervorgeht,<an der Spitze
offen ist und aus welchem eine cylindrischc Röhre hervorragt, die
von innen her einen Nervenfaden aufnimmt (p.46).
Die in Gemeinschaft mit Westwood vom Verf. zusammenge-
stellte systematische Uebcrsicht der Englischen Amphipoden-Gatlun-
gen (p. 21) ist folgende: die Ordnung zerfällt in Amphipoda norma-
lia und aberrantia ; während die letitere Abiheilung sich auf die Fa-
milie der Caprellidae (mit der einzigen Gattung Caprella) beschränkt,
zerfallen die Amph. normalia zunächst in Gammarina und Hyperioa,
die Gammarina wieder in Yaganlia und Domicola. Zu den Vaganlia
gehören die Familien der Orchestidae (Gattung Orchestia) und der
Gammaridae (Galtungen Montagua, Lysianassa, Tetromatus , Sulcator,
Gammarus, Leucolhoe) , zu den Domicola die Fauiilien der Corophii-
dae (Gattungen Podocerus, Siphonocetus und Corophium) und der Che-
luridae (Gattung Chelura). Die Hyperina umfassen die Familien der
Hyperidae (Hyperia), Phronomidae (Phronoma) und Typhidae (Typhis).
Die schon im Jahresberichte v. J. 1854 (p. 185) ang^e-
zeigte Arbeit von A. Costa „Ricerche sui Crostacei Amfipo
di del regno di Napoli** ist jetzt in den Memorie della Reale
Accademia delle scienze (dal 1852 in avanti), Vol. I. Napoli
1856. p. 165 235 (mit 4 Tafeln in 4.) vollständig erschie-
nen. Während in dem damals veröffentlichten Auszuge nur
eine kurze Charakteristik der neuen Gattungen und Arten ge-
geben worden war, geht der Verf. in der vorliegenden Ab-
handlung zunächst auf eine systematische Eintheilung der bei
Neapel vorkommenden Amphipoden ein , deren Abtheilungeu
und Galtungen er unter eine analytische Tabelle bringt. Die
beiden Hauplgruppen werden Gammaridei und Podoceridei
genannt; erstere umfasst die Uiiterfamilien Ampeliscini , Ta-
lilrini, Lysianassini, Gammarini und Leucothoini, letztere die
Podocerini, Unciolini und Corophiini. Die im Berichte vom
J. 1854 angeführten Gattungen und Arten sind sämmtlich
ausführlich beschrieben und zum grössten Theile auf den
vier beifolgenden Tafeln abgebildet; letzlere enthalten zu-
gleich reichliche Details - Darstellungen , besonders die cha-
rakteristischen Fuss- und Fuhlerbildungen der einzelnen Gat-
tungen. — Die Kenntniss der Europäischen Amphipoden er-
hält durch diese sehr sorgsam ausgeführte Arbeit eine we-
sentliche Bereicherung.
476 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Isopoda.
Spliaeromiclae. Eine interessante neue Form dieser Fa-
milie, aus den unterirdischen Höhlen Krains stammend ist Monolislra
coeca des Ref. (Carcinologische Beiträge p. 159 ff. Taf. VI. fig. 5 — 14),
wie die meisten übrigen Höhlenthiere durch gänzlichen Mangel der
Augen ausgezeichnet. Die Gattung gehört zu der Abtheilung der
Sphaeromidae cheliferae M. Edw., unterscheidet sich jedoch von der
einzigen hierher gerechneten Gattung Anceus dadurch , dass nur das
zweite Fusspaar in eine Scheere verwandelt, während das erste mit
einem gewöhnlichen Nagel versehen ist. Von den Fühlern hat das
obere (innere) Paar drei an Dicke abnehmende , das untere vier
schmalere Basalglieder, letzteres eine beträchtlich längere Geissei als
jenes. Der Mangel der Augen scheint durch eine auffallende Palpen-
bildung an den Maxillarfüssen ersetzt zu werden, indem die einzelnen
Glieder derselben gross, nach innen in Aeste erweitert und lang ge-
wimpert sind. Von den zwei llinterleibssegmenten trägt das letzte,
sehr grosse und schildförmige ein schmales, sichelförmiges letztes
Abdominalfusspaar, welches jederseits durch ein kurzes Basalglied ein-
gelenkt ist.
Oniscodea. Eine neue Gattung wurde von Koch (in Ro-
senhauer's Thiere Andalusiens p. 422) unter dem Namen Ä&acorfes auf-
gestellt ; sie hat neungliedrige Fühler mit viergliedriger Geissei, einen
dreieckiges, mit der Spitze nach oben gerichteten Kopfvorsprung
zwischen den Fühlern und die Seitenfortsätze des zweiten bis sie-
benten Körpergürtels als bewegliche Lappen eingelenkt. Die Anhäng-
sel des letzten Ringes (das letzte Abdominalfusspaar), von der Form
gebogener Leistchen, verbinden sich mit dem Hinterrande desselben
und bilden einen vorstehenden Saum an diesem, Art: Rh. inscripluSf
ö'/i Lin. aus Andalusien. — Als neue Arten von derselben Lokalität
werden ferner (p. 4l8 ff.) von Koch beschrieben: Porcellio fornica~
tuSf coronatuSf conifer, glaber, Armadillo hirsulus.
Asa Fitch (Report on the noxious Insects of New-York p.
119 ff.) beschrieb als neue Nord-Amerikanische Arten: Porcellio gla..
her, immaculalus , vitlalus , mixlus und limalus^ letztere Art mit zahl,
reichen Farben-Varietäten.
ISraiicIliopoda.
dadocern* Nachträglich ist einer schon im J. 1854 im
VIL Bande der Memoires prescntes ä l'academie imperiale des scien-
ces de St. Petersbourg par divers savans (welcher den hiesigen Bi-
bliotheken erst in letzter Zeit zugekommen ist) p. 1~14. c. tab. I — IIL
erschienenen Arbeit von Seb, Fischer „Ergänzungen, Berichtigungen
während des Jahres 185G. 477
und Fortsetzung zu der Abhandlung über die in der Umgebung von
St. Petersburg vorkommenden Crustaceen aus der Ordnung der Bran.
chiopoden und £ntomostraceen'^ zu erwähnen, über welche im Jahres,
berichte 1849—51. p. 429 nur eine vorläufige Notiz gegeben worden
ist. Eine früher vom Verf. als Sidaea crystallina angesehene Art hat
sich als neu herausgestellt und bildet eine eigene Gattung Diaphano-
sovia Leuchlenhergiunum; eine zweite Art derselben wird ik\s D Brand-
tianum besehrieben. Die Ruderfüsse dieser Gattung bestehen aus
einem sehr starken, dicken, konischen Basalglied und zwei Aesten ;
der kürzere untere besteht aus drei Gliedern, deren erstes kurz, das
zweite lang und mit einer zweigliedrigen Borste versehen, das dritte
wieder kurz und dick und mit vier Borsten besetzt ist; der obere
längere Ast besteht aus zwei zusammengedrückten Gliedern , welche
zusammen 12 Borsten tragen. — Die weibliche Sidaea crystallina,
welche jetzt ebenlalls bei St. Petersburg aufgefunden ist, wird in
ihrem äusseren und inneren Baue ausführlich beschrieben, ebenso der
Lynceus leucocephalus Koch; zu anderen früher beschriebenen Arten
giebt der Verf. berichtigende und ergänzende Bemerkungen.
Pliyllopocla« „Branchipus Oudneyi, der Fezzan.Wurm oder
Dud, Baird's Arlemia Oudneyi«, von Dr. Lievin. (Neueste Schriften
der naturforschenden Gesellschaft zu Danzig V. Band 4. Heft 1856). —
Das Thier , welches von Vogel auf seiner Reise durch das Innere
Afrika's in den Natronseeen Fezzan's in grosser Menge gefunden
worden ist, wird von Lievin in seinem äusseren Körperbaue aus.
führlich nach beiden Geschlechtern beschrieben und nebst einzelnen
Theilen auf einer beigegebenen Tafel abgebildet. Der Verf. ist ge-
neigt, die Art für identisch mit Joly's Artemia salina zu halten, wäb.
rend Leidig's Artemia salina vielleicht mit Art. arietina Fisch, zusam-
menfällt. Alit Grube stimmt Lievin darin überein, dass die Gattung
Artemia nicht generisch von Branchipus verschieden sei.
Jones hat in einem dritten Abschnitte seiner „Notes on the
palaeozoic bivalved Enlomostraca« (Anaais of natural history XVIL
p. 81 — 101) die Galtung Leperdilia Rouault bearbeitet und die Arten
durch zahlreiche Abbildungen auf pl. Vi und Vll erläutert. Von be-
reits bekannten Arten werden angeführt und beschrieben : Leperditia
Ballhica Hisinger, arctica Jones, alta Conrad, Britannica Rouault,
marginala Keyserling. Zwei neue Arten sind : L. gibbera aus dem
Oberen Silurischen Kalk von Buchey-Island uud L. sohensis aus dem
Unleren Silurischen Schiefer in Süd-Wales.
£iopliyropo€la.
Copepoda. Lubbock hat (Transact. of the enlomol. soc.
IV. p. 8— 35j eine Anzahl neuer Arien, welche aus dem Atlantischen
Ocean stammen, ausführlich beschrieben und auf Taf. 2^12 abgebil.
478 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
del. Es sind folgende : Calanns inconspicmis, penicillalus (durch einen
dichten Haarbüschel an der Spitze der vorderen Antennen ausge-
zeichnet), latus, mirabiliSf brevicornis, Euchaeta AllanticOf Sutherlan-
dii , Vndina Danae , longipes , plumosa , Helenae , pulchra , Dinplomus
dubius, abdominaliSf l^onlella selosa, Clyfemnestra Atlantica, Corycaeus
Sutherlandii, styliferus^ Copilia Allanticttf Sapphirina Danae, opaca und
siylifera. Ueber Calanus communis Dana, lihincalanus cornutus Dana
und Candace pachydactyla Dana , oder vielmehr über Arten, die mit
Wahrscheinlichkeit auf diese zu beziehen sind, giebt der Verf. aus-
serdem noch ergänzende Anmerkungen. Den Beschreibungen werden
mehrfache treffende Bemerkungen über den generischen oder specifi-
schen Werth gewisser Körpertheile , wie Fühler, Maxillar- und
Schwimmfüsse vorangeschick tund die Unhaltbarkeit einiger auf solche
Merkmale gegründeten Gattungen nachgewiesen ; da diese Theile ge-
rade bei Männchen und Weibchen derselben Art oft sehr verschieden
gebildet sind, muss mit der Errichtung von Galtungen um so rück-
haltender verfahren werden, wenn nur eins der beiden Geschlechter
bekannt ist. — Die Beschreibungen des Verf. sind sorgsam behandelt
und durch Darstellung der charakteristischen Körpertheile wesentlich
unterstützt.
Cypridina« Lubbock (Transact. of the entomol. soc. IV.
p. 34) beschrieb Halocypris Allantica als neue Art aus dem Atlanti-
schen Ocean; Abbildung auf Taf. XII.
Seb. Fischer, Abhandlung über das Genus Cypris und des-
sen in der Umgegend voji St. Petersburg und von Fall bei Reval
vorkommenden Arten (Memoires presenles ä l'acad. des sciences de
St. Petersbourg par divers savans, VII. p. 129—167, mit 11 lithogr.
Tafeln). — Diese Arbeit datirt wie die oben angezeigte von Fischer
ebenfalls vom J. 1854, und ist hier nachträglich aufzuführen ; in der-
selben wird von p. 129 — 142 der äussere und innere anatomische Bau
der Galtung erörtert, im Folgenden eine Aufzählung und Beschrei-
bung der bei St. Petersburg aufgefundenen Arten gegeben. Auf die
Resultate der anatomischen Untersuchungen des Verf. hier näher ein-
zugehen, ist um so eher erlässlich , als die gleichzeitige Arbeil von
Zenker denselben Gegenstand in viel ausführlicherer Weise behan-
delt hat ; beide Arbeiten stimmen übrigens in mehreren wesentlichen
Punkten überein und können leicht mit einander verglichen werden.
Die Zahl der bei St. Petersburg vorkommenden Arten beläuft sich auf
22; wie die meisten früheren Autoren so ist auch F. oft bei der
Bestimmung der ihm vorliegenden Species in Zweifel über die Iden-
tität mit früher beschriebenen gerathen und es ist daher eine grös-
sere Anzahl noch vorläuflg mit neuen Kamen versehen worden ; die
von Zenker bemerkbar gemachte Wandelbarkeit in der Form nach
dem Alter wird auch hier der Grund gewesen sein, dass die Arten
wahrend des Jahres 1856. 479
älterer Autoren öfter nur mit Zweifel cilirt werden konnten Die auf-
geführten Arten sind : C. dispar V'isch. (marginata Straus?), compressa
Koch, fabaeformis Fisch, (delecta Müll.?), nionacha Müll., acuminala
n. sp , pellucida Koch, biplicata Koch, fasciata Müll., Jurinci Zadd.,
droviedarius n. sp. , pubera Müll., fusca Straus, ornata Müll., pigra
Fisch. (Candida Müll. ?) , tessellala Fisch, (reticulata Zadd. ?) , hirsuta
Fisch, (strigata Müll.?), affinis n. sp., eleganlula Fisch, (punctata Koch
ncc Jurine), semilunaris n. sp., vidua Müll., sculigera n. sp. und pan.m
therina Fisch, (vulgaris Zadd.?). —Die 11 beifolgenden Tafeln ent-
halten neben zahlreichen anatomischen Darstellungen auch stark ver-
grösserte Abbildungen der Arten.
fSiphoiiostoaBiata.
liernaeailae. Ueber Pachybdella, Peltogaster und Sylon
(letztere eine neue, mit den beiden ersten verwandte Gattung) hat
Kroyer in der Zusammenkunft der Gesellschaft der Wissenschaften
zu Copenhagen (Oversigt Kongl. Danske Vidcnsk. Selsk. F^orhandl.
1855. p. 127, in einer Uebersetzung von Creplin mitgetheilt in der
Zeitschr. f. d. gesammt. Naturwissensch. VIII. p. 419 ff.) eine vorläu-
fige Mittheilung gemacht, wonach die Jugendzustände der Gattungen
Peltogaster (von Pachybdella generisch abgetrennt, da Rathke ver-
schiedene Formen unter derselben vereinigt hat) und Sylon grosse
Verschiedenheiten untereinander darbieten, indem die Jungen der einen
Peltogaster - Art mit den von Cavolini abgebildeten nahe überein-
stimmen, die einer zweiten jedoch so wie auch die von Sylon gleich,
sam einer weiter fortgeschrittenen Entwicklungsperiode angehören.
Von PcUogastor glaubt Kroyer vier bis fünf, von Pachybdella zwei
Arten ucterscheiden zu können , während ihm von Sylon nur eine,
die aber in bedeutenden Formverschiedenheiten auftritt, bekannt ge-
worden ist. Die anatomische Untersuchung der ausgebildeten For-
luen hat ihn nur von dem Vorhandensein eines Eierstocks und eines
drüsenartigen Körpers (Hoden nach Rathke) überzeugt, während
Mund, Darm, Muskeln und Nerven vermisst wurden; Männchen sind
ihm ebenfalls nicht vorgekommen, doch bezweifelt er den von Rathke
angenommenen Hermaphroditismus der Thiere, da in der Drüse (dem
fraglichen Hoden) keine Spermatozoen aufgefunden wurden.
Murray bi schrieb (Edinburgh new philosophical Journal IV.
1856. p. 299 ff.) eine neue Art der Gattung Penclla, welche sich in
den Koßf von Echem is remora einbohrt, unter dem Namen Penella
remorae; sie stimmt nach der Kopfbildui)g mit keiner der beiden von
Milnc Edwards angenommeneu Abtheilungen überein.
480 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
4« jLracliiiicleiii.
Schnur gab eine syslemalische Aufzählung der in der
Umgegend von Trier vorkommenden Arachniden. (Jahres-
bericht der Gesellschaft für nützliche Forschungen zu Trier.
V. J. 1856. p. 53 ff.)
Die 108 hier aufgeführten Arten verlheilen sich auf die einzel-
nen Gattungen folgendermassen : Atypus 1 , Dysdera 1 , Drassus 5,
Segestria 2, Clubiona 9, Tegenaria 3, Aranea 1, Epeira 18, Argyroneta
1, Theridion 12, Pholcus 1, Linyphia 1, Tetragnatha 1, Micrommata 1,
Philodromus 4, Thomisus 7, Salticus 4, Dolomedes 2, Lycosa 4, Scy-
todes 1, Chelifer2, Obisium 2, Phalangium 4, Trogulus 1, Trombi-
dium 1, Gamraasus 5, Cheyletus 1, Oribata 1, Uropoda 1, Acarus 3,
Bdella 2, Scirus 1, Ixodes 4.
Die in Andalusien von Will gesammelten Arachniden
wurden von Rosenhauer (Thiere Andalusiens p. 406 ff.)
aufgezählt und die darunter befindlichen neuen Arten von
Koch ausführlich beschrieben. Die Anzahl der aufgeführten
Species beträgt 21.
Araiieidea.
Doleschall (Natuurk. Tijdschr. voorNederl. Indie XII. p. 507)
beobachtete eine Mygale Javanica, welche er einem ausgewachsenen
Reisvogel (rijstvogel; in den Käfig setzte. Fast augenblicklich sprang
die Spinne auf ihre Beute, umfasste sie mit den Füssen und schlug
ihre Giftbaken tief in der Nabe der Wirbelsäule ein. Der Vogel
starb binnen 30 Sekunden unter tetanischen Erscheinungen. Bei der
Sektion fanden sich die Herzkammern leer, die Atria mit coagulir-
tem Blute erfüllt, ausserdem Hyperämie der Muskeln und des Rük-
kenmarks.
White (Proceedings of the zoological society of London I8n6.
p. 183. pl. 43) gab eine Beschreibung und Abbildung einer neuen My-
gale-Art unter dem Namen M. EmiUa von Panama, welche sich durch
besonders scböne und lebhafte Färbung auszeichnet. Zugleich ver-
öffentlicht derselbe Beobacblungen von Bat es in Brasilien über die
Lebensweise der Mygale - Arten. Sie finden sich zu Hunderten auf
den sandigen Campos von Sjintarem , wo ein gänzlicher Mangel an
Insekten herrscht, wo aber zahlreiche Emberiza, Caprimulgus und
Tauben in der Erde nisten. Bat es glaubt, dass die Spinnen bei Nacht
diesen Vögeln und ihren Eiern nachjagen.
wähnnd des Jahres 1856 49t
Im Journal of the Proceedings of ihe Linnean society, Zoology
I. p. 1 findet sich eine briefliche iMittheiliing von Th. Shearman
Ralph aus Nen-Secland über eine daselbst vorkommende Spinne, die
hei den Eingehornen als giftig verschrieen ist. Sie wird von diesen
mit dem Namen „Katepo" bezeichnet und lebt unter niedrigen Slräu-
ehern auf Sandhögeln längs der Meeresküste; dort baut sie ihr Nest,
in welches sie 50 bis 60 Eier legt. Sie scheint von Insekten , haupt.
sächlich von KäFern zu leben, ist im Alter tief schwarz mit einem
orangefarbenen Hände über den Rücken , in der Jugend dagegen
weiss mit schwarzen Flecken. Eine Maus, die mit einer solchen
Spinne zusammengesperrt und an zwei Stellen von ihr gebissen
wurde, starb nach 18 Stunden.
Ebenda p. 2 theiiteßell erneuerte Beobachtungen über die Le-
bensweise und den Zellenbau von Argyroneta aquatica mit. — Aus-
führliche Notizen über die Lebensweise des Alypus Sulzeri (auch in
Süd. England einheimisch) lieferte Newman im Zoologist p. 5021 fif.
„Travaux des araignees cn rapport avcc Tclat present ou pro-
chain de l'atmosphere" par M. Caraguei (Comptes rcndus de l'aca-
demie des sciences XLIL p. 457). Der Verf. bemerkt, dass die Spinnen
beim Herannahen von Regen und Wind ihre Fäden, an denen das Ge-
spinnst aufgehängt ist, sehr verkürzen; verlängern sie dieselben, so
tritt schönes Wetter ein. — Eine bei den Landleuten allgemein be-
kannte Thatsache.
J. Blackwall, Descriptions of ihrce newly discovered species
of Araneidea (Annais of natural history XVII. p. 233fl'.). Die neuen
in England aufgefundenen Arten werden als Neriene cornigeray nion-
tana und Walkenaera vafia beschrieben.
Neue Arten aus Andalusien, von Koch (in Rosenhauer's Thiere
Andalusiens p. 407 ff.) beschrieben sind: Lycosa ochracea, IJendryphan-
les jugaliis, Euophrys Rosenhaueri.
Von Schmidt ( Jahreshefl des Krainischen Landesmuseums,
p. 37 ) wurde Drassus quiriquegullalus als neue Art aus Krain be-
schrieben.
Von Asa Fitch (Report on the noxious Insects of New- York
p. 219) Epeira decipiens als neue Art aus Nord-Amerika.
Plialaiig-Ua.
Lucas (Bulletin de la soc. enlomol. IV. p. CXI) machte einige
Angaben über eine neue Art der Gattung Homalonotus Koch, welche
bei l'aris aufgefunden worden ist und die er mit dem Namen Homal.
bispinosus belegt. Sie gleicht am .neisten dem H. quadridcnlatus Fab.
Archiv f, Naluigcich. XXIII. Jahrg. i. Bd. FP
482 Gerslaccker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie*
und monoceros Koch, deren Unterschiede von der neuen Art ausiin.
andergesetzt werden.
Von Koch (in Rosenhauer's Thiere Andalusiens p. 4lt) wurde
Trogulus pulverulentus als neue Art beschrieben.
Phalangium cancroides wurde als neue Art aus Kraln von F".
Schmidt (Jahresheft des Krainischen Landesmuseums p. 38 charak-
terisirt ; sie ist durch besonders lange, in eine Krebsscheere endi-
gende Fangfüsse ausgezeichnet und mit Ph. Hellwigii zunäel-.st ver-
wandt.
!Solifugae.
Gluvift minima Koch ist eine neue Art aus Andalusien (Rosen-
hauer's Thiere Andalusiens p.410).
Podipalpi.
Histoire anatomique et physiologique des Scorpions par
Leon Dufour (Memoires presenles par divers savants ä
l'academie des Sciences de l'lnstilut de France, Scienc. math.
et phys. XIV. 1856. p. 561—656. avec 4 pL) — Den von
Meckel, Cuvier, Treviranus, J. Müller, New-
port und ihm selbst verfasslen Arbeiten über die Anatomie
des Skorpions reiht der Verf. hier eine auf vielfach wieder-
holten Untersuchungen begründete neue an , in welcher die
verschiedenen Organsystemc mehr oder weniger vollständig,
je nachdem sich bei den früheren Autoren Lücken oder Un-
richtigkeiten nachweisen liessen, abgehandelt werden. Be-
sonders ist es die Darstellung Newport's, welche in vieler
Beziehung als incorrekt nachgewiesen und durch die Unter-
suchungen Dufour's berichtigt wird. Der Verf. hat seine
Dissektionen hauptsächlich an zalilreichen sowohl lebenden
als in Alkohol aufbewahrten Exemplaren des Scorpio occi-
tanus, ausserdem aber auch an einer Anzahl grosser tropi-
scher Arten angestellt ; die Untersuchung der lebenden In-
dividuen hat sich als besonders wichtig erwiesen, da sie
zeigte, dass viele von früheren Autoren gemachte Angaben
(nach Spiritus -Exemplaren) auf Veränderungen nacli dem
Tode beruhen und daher zu falschen Schlüssen Anlass gege-
ben hatten. Besonders gilt dies von dem Herzen , welches
während d« s Jahres 1856. 483
durch Conlraklionen der Muskeln nach dem Tode ein so ver-
änderles Ansehn erhält, dass Newport eine Theilung des-
selben in acht Kammern, die in Wirklichkeit nicht existiren,
angab. — Das erste Capilel (p. 575 — 594) behandelt das Ner-
vensystem, das zweite (p. 594 — 609) das Circulalionssystem,
das dritte (p. 609 — 614) den Muskelapparat und das Skelett
der Eingeweidehöhlen, das vierte (p. 614 ff.) die Respira-
tionsorgane, das fünfte (p. 620 ff.) das Verdauungssystem,
das sechste (p. 634) den Genitalapparat und das siebente
Cp. 650 ff.) die giftabsondernden Organe. Die vier beifolgen-
den Tafeln enthalten zahlreiche erläuternde Darstellungen der
Form und Struktur der verschiedenen Organsysleme.
Die wesentlichsten Punlac, in denen der Verf. von seinen Vor-
gängern abweicht, und mit welchen er die Kenntniss über die anato.
mischen Verhältnisse des Skorpions erweitert hat, bestehen in Fol-
gendem : Das Gehirnganglion besteht nicht aus zwei deutlich geschie-
denen Hemisphären , sondern ist nur am Vorderrande in geringem
Grade zweilappig, eine Abweichung, welche Duf. mi^ dem Mangel
eines Kopfes in Beziehung bringt. Aus dem Gehirne entspringen nur
die Nerven für die grossen und kleinen Ocellen, nicht, wie v. Sie-
bold angebe, auch diejenigen für die Scheerenpalpen und 31andibeln,
welche aus dem grossen Thoraxganglion hervorgehen; deshalb sei
auch die Annahme einer Analogie zwischen den Scheerenpalpen des
Skorpions und den Fühlern der Insekten eine irrige, (v. Siebold
giebt nur an, dass die Mandibeln , die er übrigens nicht als „MaxiU
larpalpen", wie Duf. angiebt, sondern als „Kieferfuhler" bezeichnet,
ihre Wcrven aus dem Kopfganglion erhalten , während er die Nerven
der Scheerenpalpen aus dem Thoraxganglion herleitet; ferner deutet
V. Siebold nicht die Scheeren , sondern die Mandibeln als Analoga
der Insektenfühler. Ref.) Von Bauchganglien existiren nicht drei, wie
bisher angenommen worden ist, sondern vier; das erste liegt unmit-
telbar am hinteren Ende des , Thoraxganglions, mit dem es fast ver-
wachsen ist und giebt, wie die übrigen drei, die Nerven für die Lun-
gen ab; da vier Lungenpaare existiren, so wird ein jedes derselben
von dem ihm in der Lage entsprechenden Bauchganglion versehen.
Die Längscommissuren zwischen den Bauehganglien werden nicht,
wie bei Newport, durch einfache Fäden gebildet, sondern bestehen
deutlich aus doppelten Strängen; einen von Joh. Müller bezeich-
neten dritten Faden (Medulla oblongala), der sich in weiter Ausdeh-
nung neben den Längscommissuren entlang zieht, spricht Duf. für
einen dünnen, fadenförmigen Fetistrang an , deren sich in jener Ge-
gend gewöhnlich mehrere vorlinden. — Dass vom Gehirne zwei Ner-
484 Gerslae cke r: Bt-richl üb. d. Leistungen in d. Entomologie
venäsle für die beiden mittleren grossen Ocellen und je einer för die
drei kleinen zu jeder Seite ausgehen, welcher letzlere sich erst spä-
ter in drei Zweige theilt, war bereits bekannt; von besonderem In-
teresse ist aber der Machweis Duf.'s , dass das Vorhandensein dreier
seillichen Ocellen und dreier ihnen entsprechenden Nervenfüden viel
constanter ist, als man nach den Angaben der Autoren über die ver-
schiedene Anzahl der Ocellen vermulhen sollte. In der Galtung An-
droctonus Ehrbg. (Sc. occitanus und anstralis), welche jederseits fünf
Ocellen haben soll, sind nur drei Ocellen, und auch nur drei Nerven-
fäden für dieselben vorhanden; was man ausserdem für Ocellen an-
gesehen hat, sind Granulationen der Oberfläche. Bei Scorpius Ehrbg.
(Sc. europaeus) sind allein im erwachsenen Zustande jederseits nur
iwei Ocellen vorhanden, beim Foelus dagegen ganz deutlich drei und
ihnen entsprechend ebenso viele Nervenfäden ; bei Buthus Ehrbg.
(Sc. afer, palmatus, biaculeatus, leioderma und longicauda) sind stets
drei Ocellen und drei Nervenfäden nachzuweisen. Diese Ueberein-
stimmung in der Ocellenbildung veranlasst den Verf. sich gegen eine
Abgränzung von Gattungen, die auch in der That völlig unhaltbar
sind, auszusprechen. An den beiden grossen Millel-Ocellen weist
Duf. eine auffallende Aehnlichkeit mit dem Auge der höheren Thiere
nach; ein pyramidaler Aluskel , welcher vom hinteren Theile jedes
Augapfels entspringt, heftet sich wahrscheinlich im Innern des Ce-
phalothorax fest und vielleicht existirt ausserdem noch ein Antagonist
desselben. Der vordere Abschnitt des Auges, welcher von der Cor-
nea bedeckt wird, ist an seiner Basis von einem festen Binge umge-
ben, in dessen Rinne die Cornea wie ein Uhrglas eingefalzt ist; im
Centrum dieses Ringes will der Verf. eine Art Pupille beobachtet
haben, die jedoch nur im Halbdunkel zu erkennen war, während sie
bei auffallendem hellen Lichte sogleich verschwand. — In Betreff
des Herzens bestreitet Duf. die Angabe Newport's, dass dasselbe
in Kammern getheilt sei; das Herz ist nach ihm ein einfaches, unge-
Iheiltes Gefäss, das nur auf der Rückenseite eine Anzahl querer Ein-
drücke, die von der Segmentation der Körperbedeckung des Abdomens
herrühren, zeigt, während seine Unterseite und sein Lumen durchaus
ungetheilt erscheinen. Dass dies der normale Zustand des Herzens
sei, zeigen alle Vivisektionen; dagegen werden durch das Tödten der
Scorpione in Alkohol künstliche Einschnürungen des Herzgefässes
hervorgebracht, welche Newport zur Annahme von Herzkammern
veranlasst haben , deren Unbeständigkeit in der Zahl (sie schwanken
zwischen sieben und zehn) aber schon gegen ihre Existenz spricht.
Von den mit dem Herzen im Zusammenhang stehenden Gelassen sind
dem Verf. die Syslemic arteries Newport's nicht bekannt geworden;
die paarweise daraus entspringenden grösseren Blutgefässe entsprechen
der Zahl der Hintcrleibsringe , also sieben jedcrsoilg und zwar ver-
während des Jahres 1856. 485
theilcn sich vier derselben, das dritte bis sechste, besonders an die
Lungen, während die übrigen zu diesen in keiner Beziehung stehen. —
Die durch Dupiiliaturen der Haut des Lungensaclies gebildeten senk-
recht stehenden Lungenplatten, deren Zahl von Meckel auf unge-
fähr zwanzig angegeben wird, erreichen nach Duf. bei Scorp. occi-
tanus die Zahl von 60 bis 70, bei Sc. afer sogar 100. — Für die
sogenannten Speiehelilrüsen bestätigt der Verf. die Beobachtung J.
Müllers, dass ihr Ausführungsgang sich in mehrere bandartige Ne-
benäste auflöse, ohne in den Oesophagus zu münden, mit welchem v.
Sicbold ihnen einen Zusammenhang zuschreibt. — Die Zert für die
Entwicklung der Eier von der Begattung bis zum Ausschlüpfen des
Embryo schlägt der Verf. auf 15 bis 16 Monate an; ein im April be-
fruchtetes Weibchen , das im October starb , zeigte zwar schon sehr
grosse Eier, jedoch ohne dass eine Entwicklung des Embryo in den.
selben zu erkennen war; da die jungen Skorpione erst im September
zur Welt kommen, schliesst Duf., dass die Eier jenes Weibchens fast
noch ein volles Jahr zur vollständigen Ausbildung gebraucht hätten.
Weder die Begattung der Skorpione noch die Geburt der Jungen ist
von Duf. selbst beobachtet worden.
Einige der von ihm untersuchten Arten stellt der Verf. auf
p. 570 durch Diagnosen fest ; es sind : Scorpio nigrolinealus n. sp. aus
Ostindien, leioderma n. sp. von Malabar , Maculeatus Latr. und longi.
cauda Latr. aus Guyana.
yicarina.
„Sur un nouvel Acarus du cheval , pouvant transmettre la gale
de ce solip6de ä l'homme", par Bourguignon et Delafond.
(Comptes rendus de I'acad. d. sciences XLIL p. 241 und Guörin'g
Rev. et Magas. de Zoologie, 1856. p. 91.) Die beiden Verf. haben
neben dem bereits bekannten Acarus des Pferdes , welcher keine
Gänge in der Haut anlegt, und daher auch kein Contagium beim Men.
sehen verursachen kann, eine zweite neue Art aufgefunden, welche
Gänge macht und auf den Menschen übergehen kann ; sie soll mit der
Krätzmilbe der Carnivoren identisch sein. (?)
llhyncholopkus phtmipes und Ixodes reticulatus wurden als neue
Arten aus Andalusien von Koch (in Kosenhauer's Thiere Andalusiens
p. 413) beschrieben.
Asa Fitch (Boport on the noxious Insccts of New-York p. 153)
beschrieb Uropoda fonuicae als neue Art aus Nord -Amerika; sie lebt
auf einer ebenfalls neuen Ameise, welche Formica Caryae ge-
nannt ist.
„Ueber die Spinnmilbe, Tetranychus telarius Dug^s, nebst Be-
486 Gerglaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie etc.
merkungen über die Milben überhaupt« vom Regimentsarit Dr. We-
be r in Karlsruhe (22. Jahresbericht des Mannheimer Vereins f. Na-
turkunde p. 20 — 37. c. tab. 1). — Die kleine Abhandlung enthält eine
sorgfältige Beschreibung der Organisation und Lebensweise der Spinn-
milbe nach eigenen Untersuchungen , denen die der früheren Beob-
achter angereiht werden; zum näheren Verständnisse wird zugleich
auf die Naturgeschichte der Milben im Allgemeinen eingegangen.
Bonn, Druck von Carl Gtotgi.
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