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ARCHIV
FÜR
NATURGESCHICHTE.
GEGRÜNDET VON A. F. A. WIEGMANN,
FORTGESETZT VON W. F. ERICHSON.
IN VERBINDUNG MIT
PROF. Dr. LEUCKART IN GIESSEN
UND
PROF. Dr. R. WAGNER IN GÖTTINGEN
HERAUSGEGEBEN
Dr. f. H. TROSCHEI.,
PROFESSOR AN DER FRIEDRICH-WILHELMS-UNIYERSITÄT ZU BONN.
SIEBEN UND ZWANZIGSTER JAHRGANG,
Zweiter Band.
Berlin,
K i c o 1 a i s c li e Ve r l ag s b ii c h li a n d 1 u n g .
(G. I'arthey.)
1862.
/ /
Inhalt des zweiten Bandes.
Seite
Bericht über die Arbeiten in der allgemeinen Zoologie und
der Naturgeschichte des Menschen im Jahre 1860. Von
R. Wagner 1
Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte der Vögel
während des Jahres 1860. Von Dr. G. Har tl aub . 37
Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte der Säuge-
thiere während des Jahres 1860. Von Dr. R. Hensel . 74
Bericht über die Leistungen in der Herpetologie während des
Jahres 1860. Von Troschel . . . • . . 117
Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie während des
Jahres 1860. Von Troschel 132
Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte der Mol-
lusken während des Jahres 1860. Von Troschel . 159
Cephalopoda 175
Heteropoda 176
Gasteropoda 177
Pteropoda 205
Brachiopoda 206
Lamellibranchiata . . . . . . 207
Tunicata 214
Bericht über die wiss. Leistungen in der Naturgeschichte der nie-
deren Thiere während des Jahres 1860. Von Ru d. L eucka rt 215
V e r m e s 221
1. Annelides 223
Chaetopodes . 223
Gephyrei 235
Nematodes 236
2. Piatodes 266
Hirudinei 266
Trematodes 267
Cestodes 277
Turbellarii 280
IV
Inhalt.
3. Ciliati .
Rotiferi
Bryozoa
K c h i n o (I e r in ata .
1. Scytodeniiala ,
2. Actinozoa
Echinida
Asteiida
Ophiurida .
3. Crinoidea
Coelenterata
1. Ctenophora
2. Hydrasmedusae
Acalephae .
Hydroidea .
Siphonopliora
3. Polypi .
Calycozoa .
Antliozoa .
Porifera
Protozoa . :
1. Infusoria
2. Rhizopoda
3. Gregarinae
Bericht über die wissenschaftlichen Lei
der Entomologie während der Jahre
Dr. A. Gersta e ck er
Hynienoptera
Lepidoptera
Diptera
Hemiptera .
Myriapoden
Arachniden
Crustaceen
stungen im Gebiete
1859 und 60. Von
Bericht über die Arbeiten iu der allgemeiueii Zoo-
logie iiud der Naturgeschichte des keuschen im
Jahre 1860.
Von
Rudolph Waguer,
Professor in Göttingen.
Das Werk von Darwin, das wir in der englischen
Ausgabe im vorigen Jahre kurz besprachen, hat ein so aus-
serordentliches Aufsehen erregt und so viele Erörterungen
hervorgerufen, besonders in England und Nord-Amerika,
ist bereits sechsmal neu aufgelegt worden und verdient,
indem es sich mit der allgemeinsten Frage der organischen
Natur , der Entstehung und dem Wesen der Species be-
schäftigt, auch billig an die Spitze unseres Jahresberichts
gesetzt zu werden. Als der letzte Jahresbericht gedruckt
wurde , ist gewiss auch die Uebersetzung von Bronn
schon in aller Händen gewesen, während bei der Absen-
dung des Berichts (April 1860) von dieser Uebersetzung
erst das erste Heft ausgegeben war. Durch das erklärli-
che und vielfach verdiente allgemeine Interesse hat das
Werk für die Geschichte der Wissenschaft eine Bedeutung
gewonnen, die mich veranlasst, die Besprechungen darüber
an die Spitze des Berichts zu stellen.
C h ar le s Dar win über die Entstehung der Arten
im Tliier- und Pflanzenreiche durch natürliche Züchtung
oder Erhaltung der vervollkommneten Rassen im Kampfe
um's Dasein. Nach der zweiten Auflage mit einer geschicht-
lichen Vorrede und anderen Zusätzen des Verfassers für
diese deutsche Ausgabe, aus dem Englischen übersetzt und
Arolüv f. Naiurg. XKVII. Jahrg. 2. Bd. A
2 Wagner: Bericht üb. tl. Arbeiten in d. allg. Zoologie
mit Anmerkungen versehen von Dr. H. G. Bronn. Stutt-
gart 1860.
Pictct sur rOriginc de l'espece par Charles Darwin.
Bibliolheque universelle de Geneve. Mars 1860.
Agassi z on the Origin of species aus dessen Con-
tributions etc. unter dem Titel : Individuality and specilic
difforences among Acalephs abgedruckt in Silliman's amo-
rican Journal. July 1860 und Annais of natural history
Sept. 1860.
Asa Gray on the Origin of species. Reports of the
Proceedings of the american Academy of arts and sciences.
Ausgegeben im Athenaeum August 1860. Vollständig in
den Annais of natural history. Vol. 6. nro. 35. Nov. 1860.
On the Origin of species by Theophilus Parsons
Dane. American Journal of Science and arts. Kew-Haven.
July 1860. p. 1.
Discussion between Iwo Readers of Darwin's Treatise
on the Origin of species. American Journal Sept. 1860.
Recension eines Ungenannten von Darwin's Werk.
Quaterly review. July 1860. — Ebenso Calculta review.
Sept. 1860. p. 64—88.
Diskussion in der britisch Association in Oxford. Li-
terary gazette. July 1860.
C. R. Bree Species not transmutable nor the Result
of secundary Causes being a critical Examination of Mr.
Darwin's work. London 1860. post 8. 266 pag. (Angezeigt
in der Literary Gazette Nov. 1860.)
R. Wagner Zoologisch - anthropologische Untersu-
chungen. Göttingen 1861. Aus den Abhandlungen der K.
Gesellschalt der Wissenschaften für 1860 besonders abge-
druckt. Enthält p.27: „die menschliche Gehirn- und Schä-
delbildung in ihrer Anwendung auf die Darwin'sche Hy-
pothese."
Ich habe hier nur einen Theil der fast zahllosen grös-
seren oder kleineren Abhandlunoren und Diskussionen über
diese literarische Erscheinung, vorzüglich in streng wis-
senschaftlicher Form, namhaft gemacht und es liegt ganz
ausser dem Zweck und Umfang dieses Berichts, ausführlich
und der Naturgeschichte des Menschen im Jahre 1860. 3
auf die speciellen Argumente einzugehen, welche für oder
gegen die Darwin'sclic Theorie geltend gemacht werden.
Aber eine allgemeine Theilnahme ist für jede geschichtli-
che Betrachtung unserer Wissenschaft eine zu wichtige
Erscheinung, als dass nicht wenigstens das Historische dabei
etwas vollständiger in's Licht gesetzt und der neueste Stand-
punkt angezeigt werde. Ich habe daher für das vorige
Jahr noch nachzutragen:
On the tendency of species to form Yarieties and on
the Perpetuation of Varieties and Species by Natural Means
of Selection by Charles Darwin and Alfred Wal-
lace Communicated by Charles Lyell and J. D. Hooker.
Read July L 1858, abgedruckt im Journal of the Proceedings
of the Linnean Society Zoology. Vol. IIL 1859.
Es ist diess die erste Mittheilung über die Darwin'scheu Un-
tersuchungen und Ansichten. Lyell und Hook er zeigen in einem
Schreiben an, dass Darwin und Wallace unabhängig und unbe-
kannt von einander diese Ideen in sich ausgebildet haben. Auszüge
aus einem Werke von Darwin, schon 1839 skizzirt, wurden Hoo-
ker und Lyell mitgetheilt. Es waren zwei Theile :
1) The Variation of organic Beings under Domestica-
tion and in their natural State. 2) On the Variations of
organic Beings in a State of Nature; on the Natural Means
of Selection; on the comparison of Domestic Races and
true Species. 3) Auszug aus einem Privatbriefe D arwin's
vom October 1857 an Asa Gray in Boston, wo D. seine
Ansichten mittheilt und sagt, dass dieselben von 1839 bis
1857 unverändert geblieben seien.
2) Ein Essay von Wallace geschrieben zu Ternate
im P'ebruar 1858 „On the tendency of Varieties to depart
indelinitely from Original Type."
Wallace's Argumentation gehl von der Varietät aus; ihr
Charakter sei, dass die Varietäten der Hausthiere mehr oder weniger
unbeständig sind und oft eine Tendenz haben, auf die normale Form
der elterlichen Art zurückzugehen. Dasselbe nimmt man von den
wilden Varietäten an. Permanente oder wahre Varietäten oder Ras-
sen pflanzen ihre Aehnlichkeit fort; was Varietät, was ursprüngliche
Species ist, ist hier bald nicht mehr zu unterscheiden. Durch zahl-
reiche Betrachtungen , besonders aus der Klasse der Vögel und Säu-
gethiere, kommt der Verf. zu zwei Hauptschlüssen :
4 Wagner: Bericht üb. d. Arbeiten in d. allg. Zoologie
1) Dass die thierische Bevölkerung einer Gegend im Allgemei-
nen stationär ist, trotz der ungeheueren Produetion an Individuen
und niedergehalten wird durrh einen periodischen Mangel an Nah-
rung und durch andere Hemmnisse.
2) Dass die vergleichsweise Häufigkeit oder Seltenheit von In-
dividuen von verschiedenen Arten gänzlich abhängig ist von ihrer
Organisation und den daraus hervorgehenden Gewohnheiten; diess
kann bei der Schwierigkeit, sich regelmässig Futter und persönliche
Sicherheit zu verschaffen , nur kompensirt werden durch eine Ver-
schiedenheit der Population , welche in einem gegebenen Areal zu
existiren hat. Die meisten oder vielleicht alle Abweichungen von
der typischen Form bei einer Art, müssen eine bestimmte, wenn auch
nur leichte Wirkung auf die Gewohnheiten oder Fähigkeiten der In-
dividuen haben. Selbst eine Veränderung der Farbe, in soferne sie
mehr oder weniger erkennbar macht , wirkt auf die Sicherheit ein.
Tiefer eingreifende Veränderungen, z. B. Zunahme des Wachsthums
oder der Stärke der Füsse muss auf die Art der Nahrungs-Erwerbung
oder die Wahl der Gegend, die Bewohner, Einfluss haben. Die
Stärke der Füsse der Antilopen und der Extremitäten der Löwen
können als Beispiel dienen; solche Individuen mit stärkerer Existenz-
fähigheit müssen unvermeidlich an Zahl gegen die anderen wachsen.
Insekten von gleicher Farbe des Baumes oder der Pflanze, worauf
sie leben, werden andere überleben. Zuletzt bleiben die am meisten
existenzfähigen allein übrig und treten an die Stelle der ausgestor-
benen Arten und Varietäten. Aus dieser entspringen dann im Ver-
laufe der Zeit neue Varietäten. Der Verf. schliesst mit den Worten :
dass in der Natur eine Tendenz ist, zu einer progressiv fortschreiten-
den Variirung vom ursprünglichen Typus, in einem Maasse, dem wir
keine bestimmten Grenzen ziehen können. Dasselbe Prinzip, welches
zu diesem Besultate führt im Naturzustande, erklärt auch, warum die
Hausthier - Varietäten eine Tendenz haben, zu ihren ursprünglichen
Typen zurückzukehren. Diese fortschreitenden Veränderungen , in
kleinen Schritten und verschiedenen Richtungen, aber immer wieder
gehemmt und ins Gleichgewicht gebracht durch die nothwendigen
Bedingungen , durch welche allein die Existenz erhalten werden
kann, erscheinen als hinreichende Uisachen für alle bei den organi-
schen Körpern vorkommenden Phänomene, für ihre Ausrottung und
Aufeinanderfolge in den vergangenen Zeiten und für alle die ausser-
ordentlichen Modifikationen in der äusseren Form, im Instinkte und
den Lebensgewohnheiten, welche wir kennen.
Man sieht, wie ähnlich diese Auffassung und Durchführung den
Beweismitteln bei Darwin sind und zusammengehalten mit dem,
was von Baer selbstständig hierüber sagt und was im vorigen Be-
richte berührt worden ist, zeigt diess alles, dass ein Zustand der Wis-
und der Naturgeschichle des Menschen im Jahre 1860. 5
senschaft eingetreten ist, in welchem eine Reihe von Thatsachen zu
Fragen in obiger Richtung drängen, deren Beachtung und Diskussion
unvermeidlich erscheint.
Zwei sehr gewichtige Gegner sind inAgassiz und R. Owen
aufgetreten. Ersterer ist durch Darwin's Werk nicht im Geringsten
bewogen worden, von seinen Anschauungen über Beständigkeit der
Art abzugehen ""}. Seine wesentliche Argumentation besteht im Fol-
genden. Früher sei es die Meinung der Naturforscher gewesen, die
Species allein hätten eine reelle Existenz in der Natur; er habe ge-
zeigt, dass Species nicht in einer anderen Weise existirten , als Ge-
nera, Familien u. s. w. Man könnte jedoch nicht läugnen, dass die
Zahl von Kafurforschern, welche die wirkliche Existenz von Species
läugnen, in mächtigem Wachsthume begriffen sei; besonders Dar-
win habe hiezu viel beigetragen, dessen Ansichten sich im gänzli-
chen Widerspruche mit den seinigen befänden , obwohl auch er den
Species-Begriff nur als eine Gedankenkategorie statuire , denn nur
Individuen existirten thatsächlich. Darwin's Ansichten von der Ab-
leitung aller organischen Körper von einer primären Form hätten
nicht den geringsten Eindruck auf ihn gemacht. A. fragt, wenn
Species nicht existiren, wie können sie variiren ? Die geologischen
Thatsachen mit allen ihren Unvollkommenheiten , zeigen uns , dass
die supponirten Zwischenformen zwischen den Species der verschiede-
nen geologischen Perioden durchaus imaginäre Wesen seien. Gerade
hierin, in der Lehre von den fossilen Thieren, deren Studium er sein
Leben gewidmet, finde er bei Darwin von Anfang bis zu Ende eine
Reihe unlogischer Deduktionen und Missverständnisse. Unter den
mannichfachen Beispielen führt A. an, dass z. ß. die Gattung Lingula
sich in den tiefsten silurischen Schichten fände und doch bis heute
lebe. A. sieht in der ganzen Paläontologie nur ein plötzliches Auf-
treten und Verschwinden von Species, nicht ein allmähliches Vermehren
der Arten. D. wolle uns glauben machen, dass Millionen von Jahren
erforderlich seien, um einige solcher Effekte hervorzubringen, da wir
doch täglich, A'sährend des Wachsthums die grösstenVeränderungen unter
unsern Augen in den kürzesten Zeitperioden auftreten sehen; er wolle
uns glauben machen, dass die Thiere allmählich ihre Instinkte erlangen,
während selbst diejenigen, welche nie ihre Eltern sahen, von der
*) Ich will hier bemerken, dass ich von Agassi z's im vori-
gen Jahre besprochenen Essay on Classification einen gedrängten Aus-
zug unter dem Titel herausgegeben habe: Louis Aagssiz's Prinzi-
pien der Classifikation der organischen Körper, insbesondere der Thiere,
mit Rücksicht auf Darwin's Ansichten im Auszug^e dargestellt un4
besprochen. Göttingen 1860. 8.
6 "Wagner: Bericht üb. d. Arboilen in d. allg. Zoologie
(iebiiil an dieselben Handlungen begehen , Avie ihre Voreltern ; er
^\ollc uns glauben machen, dass die geographische Verbreitung der
Thiere das Kesullal von zufälligen Uebersiedelungcn sei , Avährend
die meisten Arten so enge innerhalb ihres natürlichen Rayons ver-
breitet seien, dass selbst die leichtesten Veränderungen in ihren äus-
seren Beziehungen ihren Tod verursachen, — Hier geht nun A. nä-
lier darauf ein, dass D., obwohl sein Buch frei sei von jenen antiniate-
rialistischen Ansichten und Behauptungen, welche jede Idee von Schö-
pfung als eine Art Bigotterie ansehen , doch sich in einer ähnlichen
Annahme befinde, indem er zu erweisen suche, dass das zusammen-
gesetzteste System von unter einander verbundenen Gedanken das Re-
sultat zufälliger Ursachen sei; alle Einflüsse, welchen er den Ur-
sprung der Species zuschreibt, seien zufälliger Katur, während doch
jedermann wisse, dass die organischen Wesen, welche jetzt noch
leben und in früheren geologischen Perioden gelebt haben, ein in
allen seinen Theilen verständig und methodisch geordnetes Ganze
bildeten. Die Irrthümer fänden sich schon auf den ersten Seiten sei-
nes Buches, wo der Unterschied zwischen der willkührlichen und
überlegten Wahl in ihrer methodischen Anwendung bei dem Men-
schen auf die Zucht der Ilausthiere und kultivirten Pflanzen und die
Einflüsse auf die organischen Körper übersehen werden. Wenn D.
nachweisen wolle, dass Individuen innerhalb so grosser Grenzen va-
riiren , muss er zuerst nachweisen, dass die Individualität nicht in
einer Summe von erblichen Eigenschaften bestehe , verbunden mit
variablen Elementen , welche nicht nothwendig zu ihrer Integrität
gehören, sondern er muss zeigen , dass sie aus bloss variablen Ele-
menten bestehen. Dass letzteres nicht der Fall sei, werde durch die
Embryologie aller typischen Gruppen bewiesen. Alle individuellen
EntWickelungen gingen im Vergleiche zu D.s unermesslichen Perio-
den, die zur Veränderung der Species nöthig sind , in sehr kurzer
Zeit vor sich. Alle typischen Eigenschaften pflanzen sich fort, die
individuellen nicht (?). Agassiz erklärt am Schlüsse seiner oben
citirten Abhandlung: I shall consider the transmutation theory as a
scientific mistake , untrue in its facts , unscientific in its method and
niischievous in its tendency. Owen hat sich in der letzten british
Association ausgesprochen , woselbst es zu einem Kampfe der ver-
schiedenen Ansichten zwischen sehr namhaften Autoritäten kam. Der
Vicepräsident der Sektion für Zoologie, Botanik und Physiologie,
Daubeny, hielt einen einleitenden Vortrag : „über die letzten Ursa-
chen der Sexualität der Pflanzen mit besonderer Beziehung auf Dar-
wins Werk." Er sieht in der Schafi'ung der Geschlechtsorgane der
Pflanzen eine Beförderung des Zweckes der Entstehung der Arten
durch natural selection. Er stimmt theilweise den Ansichten Dar-
win's bei, will diese jedoch nicht so weit ausgedehnt wissen- Er
und dcM- Ntilmgescliiclite des iMenscheii im Jahre 1860. 7
wünscht besonders Untersuchungen über die Grenzen der Hypothese.
Professor Huxley, der vom Präsidenten aufgefordert worden war,
sich bei der Diskussion zu betheiligen , lehnte es zuerst ab. Er
glaube: „ein so gemischtes Publikum, wo Gefühl und Verstand sich
ijothwendig durchkreuzen niüssten, sei für solche Diskussionen nicht
geeignet." Richard Owen meint, bei aller Anerkennung des Mu-
thes, mit welchem Darwin seine Theorie entwickelt habe, müsse
sie doch mehr durch Thatsachen bewiesen werden. Als einen Bei-
trag zu den Thatsachen wolle er nur die Vergleichung der höchsten
Quadrumanen mit dem Menschen anführen. Was das Gehirn des Go-
rilla beträfe, als der höchsten Form von Affen, so zeige dessen Ge-
hirn im Verhältnisse zum 3Ienschen weit mehr Verschiedenheiten, als
mit dem der niedrigsten Quadrumanen. Die Mängel in der Gehirnstruk-
tur beim Gorilla im Verhältnisse zum Menschen seien immens. Die
hinteren Lappen des 3Ienschen zeigten Theile, welche im Gorilla
gänzlich fehlten. Aehnliche grosse Strukturdifferenzen kommen in
anderen Theilen des Körpers vor. Zur Entscheidung der ganzen
Frage , als einer physiologischen , seien Experimente nöthig. Prof.
Huxley läugnet hierauf, dass der Unterschied im Gehirne der Aff'en
und des Menschen so gross sei, als Owen behaupte; er bezieht sich
dabei auf die Zergliederungen von Tiedemann und anderen. Er
behauptet, der Unterschied im Gehirne zwischen dem Menschen und
dem höchsten Affen sei nicht so gross, als zwischen dem höchsten
und niedersten Affen. Huxley hat seine Ansichten in dieser Hin-
sicht seitdem weiter ergänzt in einer Abhandlung: on the zoological
relations of Man with the lower Animals in the Natural history Re-
view January 1861 , auf die ich statt im nächsten Jahiesberichte in
einem ergänzenden Aufsätze ausführlich zurückkommen werde.
In meiner oben angeführten Abhandlung (zool.-anthropol. Un-
ters.) habe ich die Darwin'sche Hypothese auch vom anthropologi-
schen Standpunkte, mit Zugrundelegung der Schädel- und Hirnbil-
dung geprüft. Denn es kann kein Zweifel sein, dass die Darwinsche
Ansicht die Abstammung des Menschen A^om Affen involvirt. Sorgsame
Vergleiche zwischen Menschen- und Affengehirnen und Schädeln
aller Rassen haben mich zu einem Ergebnisse gebracht, welches mich
Owen, wenn ich demselben auch nicht in allen Punkten beistimme,
in seiner Argumentation gegen Huxley beitreten lässt. Keue Un-
tersuchungen an menschlichen Mikrocephalen haben mich in meiner
Ansicht durchaus nur befeatigt. Es giebt keinen reellen Uebergang
zwischen Menschen und Affen; die ungünstigsten Verhältnisse der
Schädel und Hirnbildung beim Menschen (Mikrocephalen) alteriren
doch den Meuschcntypus nicht und sind fundamental verschieden von
den Bildungen der höchsten Affen. Alle sogenannten Uebergänge
sind nur scheinbar, IN'uch weiter fast, als Owen und ich, geht in
8 Wagner: Bericht üb. d. Arbeiten in tl. allg. Zoologie
dieser Hinsicht Gratiolct in den Memoires de la societe d'Anthro-
pologie de Paris 1860. Toni. I. p. 61. Gratiolet betrachtet als fun-
damental die Entwickelungsweise der Windungen ; sie sollen bei allen
Affen zuerst im Schläfelappen, zuletzt im Stirnlappen auftreten, wäh-
rend diess im menschlichen Embryo gerade umgekehrt der Fall ist.
Ein anderer Unterschied ist, dass G r a t i o 1 e t's deuxieme pli de pas-
sage *'') zwischen lobus parielalis und occipifalis beim Menschen im-
mer oberflächlich, bei den Orangs immer unter dem Deckel des Oc-
cipitallappens verborgen ist. Gratiolet spricht sich in dieser klei-
nen, aber viele interessante Details enthaltenden Abhandlung, über
Mikrocephalie (übereinstimmend mit mir) dahin aus , dass gerade
diese merkwürdige Deformität zeigt, dass: „l'homme est absolument
distinct, par son Organisation des animaux les plus eleves comme il
Test par son intelligence."
Ich bin, so weit es der Raum erlaubte, hier auf den Darwinis-
mus gerade mit Rücksicht auf den Menschen und dessen Entstehung
eingegangen, als am meisten dem Inhalte des von mir übernommenen
Jahresberichtes entsprechend. Der beschränkte Raum gestattet nicht,
auf die vielen anderen Seilen und Argumente dieses Gegenstandes
einzugehen. Dies ist aber zum Theil in der allgemein zugänglichen
Uebersetzung von Bronn in dessen Schlusswort p. 495 geschehen,
wo der Eindruck und das Wesen des ganzen Buches, Zusammenfas-
sung der Theorie des Verfassers, Einreden des Uebersetzers und die
Aussicht auf den künftigen Erfolg zusammengestellt sind.
Hier mag schliesslich bemerkt werden, dass die ganze Frage von
der „Transmutation der Species" auf eine sehr anziehende und wahr-
haft philosophische Weise schon in Whewell's Geschichte der in-
duktiven Wissenschaften übersetzt von Littrow. Bd. III. S. 648 be-
handelt ist, worauf wir alle diejenigen verweisen, welche sich für
die allgemeineren Elemente der Frage interessiren. Wh e well ver-
wirft die Transmutationstheorie.
Schon im vorigen Jahresberichte habe ich bemerkt, dass die
physiologischen Argumente, welche herbei gezogen werden, wie z. B.
das 8te Kapitel (Bastardbildung) , das 13te Kapitel (die Embryologie,
die rudimentären Organe) die schwächste Parthie des Buches sind. Ich
stehe nicht an, in eine ähnliche Kategorie die Ag ass i z'schen „pro-
phetischen Typen der Schöpfung" und dessen yV.rgumentationen „gegen
die fruchtbare Vermischung als Kriterium der Species" zu stellen,
*) Vergl. Gratiolet Memoires sur les plis du cerveau. Diese
Windung wird von mir zur zweiten oder mittleren Hinterhauptslap-
pen-Windung gerechnet. Vergl. meine Vorstudien zu einer wissen-
ßchaftl. Morphologie d. menschl, Gehirns. 1860.
und der Naturgeschichte des Menschen im Jahre 1860. 9
worüber ich mich in der kleinen Schrift über A gassi z S. 38 ausgespro-
chen habe, einen Ausspruch, den ich fest behaupte und in folgende
Worte gehüllt habe: „Die einfachste Ueberlegung muss uns dahin füh-
ren, zu überzeugen, dass die starken Schranken, welche in der' inslinkt-
mässigen Abneigung verschiedener Arten zur wechselseitigen Vermi-
schung, in der jedenfalls höchst beschränkten Fruchtbarkeit einer sol-
chen, wenn sie statt hat, liegen, allein schon diesen physiologischen
Thatsachen ein Anrecht auf ernste Beachtung geben. Ich will den Satz
nicht so stellen, wie man öfter gethan hat: weil zwei Thiere sich
nicht fruchtbar vermischen oder keine dauernd fruchtbare Nachkom-
menschaft geben, bilden sie verschiedene Arten, sondern umgekehrt:
eben weil es verschiedene Thierarten giebt, zeigen sich auch in
ihren physiologischen Generationsprozessen gesetzmässige Schranken,
welche es verhindern, dass durch unbeschränkte Vermischung immer
neue Mischlingsformen hervorgehen, welche alle Stabilität in dem
notorisch Spezifischen der Formen vernichten müsste." Ich habe
mich übrigens in den obigen Abhandlungen überhaupt dahin erklärt,
dass die ganze Frage bis jetzt unserer Erkenntniss völlig entrückt
sei. Ich will nicht läugnen , dass auch die Theorie von den vielen
Thierschöpfungen, welche bekanntlich als zugleich mit grossen Con-
vulsionen oder Revolutionen des Erdballs verbunden, stattgehabt ha-
ben sollen und deren Zahl allmählich von 7, 12, 15, jetzt bis zu 60
oder 100 glücklich angelangt ist, mir ebenso wenig, als die Dar-
win - Lye 1 Ische Ansicht, die Räthsel über die Entstehung und Auf-
einanderfolge der organischen AVesen irgend aufzuhellen im Stande
scheint. Gerade dies ganze Thema führt uns naturgemäss auf die
Literatur des vorigen Jahres über die Bildung der Rassen bei den
Ilausthieren, die Constanz in der Thierzucht und verwandte Fragen.
Auch hier kann ich nur auf die wichtigste Literatur eingehen.
Ueber die Constanz in d-^r Thierzucht von Hermann
von Nathusius. Berlin 1860 (besonders verkäuflicher
Abdruck aus der Zeitschrift für deutsche Landwirthe).
Beitrag zu den Betrachtungen über Constanz in der
Thierzucht, mit einem Vorworte und mit Anmerkungen über
Zuzucht von A. von Weckh erlin. Stuttgart 1860. (Aus
derselben Zeitschrift.)
Die Racen der Schweines. Eine zoologische Kritik
und Andeutungen über systematische Behandlung der Haus-
thier-Racen, von H. v. Nathusius. Berlin 1860.
Die letzte Schrift würde eigentlich in den Jahres-
bericht über specielle Zoologie gehören. Hir Inhalt bezieht
sich aber vollkommen auf gewisse wichtige Fragen in der
10 Wagner: Bericht üb. d. Arbeiten in d. allg. Zoologie
allgemeinen Zoologie; in so weit flies der Fall ist , wird
sie hier besprochen werden müssen. Die Schrift ist zu-
nächst durch Fitzinger's bekannte Monographie: lieber
die Racen des zahmen oder Hausschweines" (Wien 1858)
hervorgerufen und handelt im zweiten Abschnitte „über
Hauslhierracen im Allgemeinen."
Eine Uebersicht der Schweine-Racen mit einer guten
Tafel nach Lichtbildern, welche Nathusius lieferte, gab
mit Auszügen aus dessen Schrift, Reclam in: Kosmos,
Zeitschrift für angewandte Naturwissenschaften. 1860. Nr. 9.
Der Verf. ist der Ansicht, dass Betrachtungen der Hausthier-
racen nicht von deren Ursprung oder ihrer Abstammung ausgehen
können, wo alle direkte Beobachtung versagt ist und die nur für
neugebildete Racen Anhaltspunkte geben. Von der Beobachtung wirk-
lich vorhandener Racen ausgehend, können wir jedoch für die Ab-
slammungsfrage einigen Boden gewinnen. Der Verf. sagt, dass wir
nur wenig brauchbares Material in der Literatur, selbst für die ge-
meinsten Hausthiere haben. Wirklich diagnostische Racebeschreibungen
sind äusserst selten; die Zoologen haben die Racen verhältnissmässig
vernachlässigt, die landwirthschaftlichtn Schriftsteller sind im Allge-
meinen nicht befähigt, diagnostische Beschreibungen zu liefern, wel-
che dem Zoologen Anhalt bieten. Daher kommt es, dass wir z. B.
über die Schafracen des Himalaya in Bezug auf Systematik exaktere
Kennlniss haben, als über die Racen der deutschen Schafe! Erst in
letzter Zeit häuft sich brauchbares Material, namentlich auch durch
bessere Abbildunj^en. In dieser Beziehung ist der Einfluss , welchen
die Lichtbilder ausüben, sehr bedeutend und der Vorgang Frankreichs
sehr zu beachten. — Der Verf. unterscheidet zwischen Hausthieren
im engeren Sinne und gezähmten oder domestizirten Thieren. Kur
mit ersteren beschäftigt sich hier der Verf. Zu letzteren gehört z. B.
der Elephant und das Papu-Schwein. Vergleichen wir die jetzt vor-
handenen Formen der eigentlichen Hausthiere, so haben wir zwei
llauptkiassen : 1) natürliche, geographisch -begründete
Racen, welche durch Aehnlichkeit und gemeinsame Kennzeichen be-
stimmte Gruppen von Individuen in grosser Zahl darbieten, ursprüng-
lich an bestimmte Lokalitäten (Fund-Oite) von mehr oder weni-
ger Beschränkung gebunden sind und in historischer Zeit, so weit
die Beobachtung reicht, wesentlich sich gleich geblieben sind. 2)
Künstliche oder Kultur -Racen, diese sind künstlich durch
höhere landwirthschaftliche Cultur gebildet und entstanden , a) aus
natürlichen Racen durch sogenannte Zuzucht, d. h. durch Paa-
rung ausgezeichneter Individuen mit bestimmten Eigenschaften, deren
lind der IN'aturgeschichle des Blensclien im Jahre 1860. 11
Wachzuchl durch besondere tief eingreifende Pflege in den ererbten
Eigenschaften gesteigert vvurdc. b) Durch Kreuzung (Vermi-
schung) verschiedener natürlicher Racen. Der Begriff von Voll-
blut fällt meist mit dem Begriff von Cultiir-Kace zusammen und
stützt sich nicht auf den Begriff von Kacenreinheit. — Da Variabi-
lität das Bedingende des Haccnbegriffs ist, so finden sich in den na-
türlichen Kacen Uebergangsformen, für welche sich scharf begrenzte
Diagnosen nicht aufstellen lassen. Nathusius glaubt, dass die An-
nahme einer Abstammung der natürlichen Racen von einer wilden
Urart nicht zu beweisen sei, und dass für dieselben eine andere An-
nahme möglich werde, die sich auf Beobachtung gründen lasse, ohne
wohl je durch diese oder das Experiment begründet werden zu kön-
nen. Der Hausthierstand könne möglicher Weise eine specifische
Qualität sein, nicht eine angebildete, so gut, wie das Leben der
Thiere im Wasser oder auf Bergen , im W^alde oder in der Steppe.
Es wäre dies eine Gruppe von Thieren, welche nicht zu Hausthie-
ren, sondern als Hausthiere in einer näheren Beziehung zum Men-
schen geschaffen sind. Wir können auf diese vom Veifasser hinge-
stellte sinnige, doch nicht näher entwickelte Hypothese nicht weiter
eingehen, wobei der Verf. Raum lässt für diejenigen Thiere, ^\ eiche
nachweislich in historischer Zeit domesticirt sind oder nicht nach-
weislich, doch ihren Ursprung in wilden Arten haben, welche dem-
nach, wie vielleicht das SchAvein, nicht zu den primitiven Hausthie-
ren gehören. Zur Entscheidung der Frage, wie weit die natürlichen
Racen Ur- Racen sind, ist unser Gesichtskreis vorläufig zu eng. —
Die Cul tu r racen erhalten ihre physiologischen Kennzeichen, den
zoologischen der natürlichen Racen gegenüber, durch Pflege; das
Princip ihrer Bildung liegt in der Futterverwerthungskraft der Thiere.
Die erfahrungsmässige Vererbungsfähigkeit individueller Eigenschaf-
ten, welche physiologische und wirthschaftliche Bedeutung haben, ist
in dem Maasse benutzt, dass Cultur- Racen vorhanden sind, deren
sämmtliche, wenn auch sehr zahlreiche, Individuen ein ausgezeich-
netes Thier zum Vorfahr haben, wie z. B. buchstäblich die in allen
Welttheilen eingebürgerte Shorlhorn - Rindviehrace einer iMsprünglich
kleinern Familie und zahllose Individuen einem Stammvater ange-
hören. Alle englischen Vollblutpferde, von deren Verbreitung der-
selbe Ausspruch gilt, sind auf drei Stammväter zurückzuführen, de-
ren Ursprung in Bezug auf natürliche Race zweifelhaft ist. Aehnli-
chen Ursprung haben die langwolligen Schafe der kleinen Dishley-
Ileerde; von dem aus Neapel gewählten Eber Lord Westerns stam-
men zahllose Nachkommen in beiden Hemisphären. Cultur -Racen
hängen nicht von geographischen Verhältnissen als solchen ab, sondern
folgen der höheren Entwickelung der Landwirthschaft und erhalten
sich auf der ganzen Erde in gleicher Eigenthümlichkeit. Als Bei-
12 Wagn er: lieiicht üb. d. Arbeiten in d. allg. Zoologie
spiel von der Bedeutung solcher Cultur-Uacen wird angeführt , dass
von der Shorthorn Rindvieh- Race bis zum Jahre 1856 allein an
männlichen Zuchtthieren in England 15537 Individuen speciell und
namentlich nach Abstammung, Farbe u. s. w. registrirt sind, und dass
solche Register bereits für Frankreich, Nord -Amerika und Ncuhol-
land vorhanden sind und regelmässig fortgeführt werden. Das Stu-
dium dieser Race wird überdem erleichtert durch eine grosse Menge
von Portraits, deren der Verf. selbst schon über 500publizirte besitzt.
Der Verf. bezeichnet als racelose Thiere , welche in weiten
Landstrichen die Mehrzahl aller Hausthiere bilden, solche , welche
weder natürlichen, noch Cullur-Racen angehören. Sie haben eine
dreifache Entstehungsweise : a) durch Versetzung natürlicher Racen
aus ihrem eigentlichen Fundorte in andere Gegenden , welche ihnen
nicht dieselben Bedingungen der Entwickelung darboten , wo sie in
irgend welcher Art in ihrem Racetypus verändert wurden, ohne eine
bestimmte, neue, typische Form anzunehmen; b) durch Kreuzungen
verschiedener natürlicher Racen , welche in ihrem Fortgange nicht
mit consequenter Rücksicht auf typische Gestaltung geleilet
wurden ; c) dadurch , dass Cultur - Racen nicht durch die nöthige
Pflege in ihrer Eigenthümlichkeit erhallen wurden und durch Hunger
und Kummer auf die natürlichen Anfänge ihrer Entstehung zurück-
gingen.
An diese Untersuchung schliesst sich eine ausführliche Diskus-
sion über die Concordanz dieser Ansichten mit dem zoologischen
Systeme, woran sich Probleme für die systematische Bearbeitung knü-
pfen. Wir können hierauf nicht eingehen, hofi'en aber, dass der ge-
gebene Auszug den Zoologen von Fach die Ueberzeugung aufdrin-
gen wird , wie wichtig diese Schrift eines der ersten Thierzüchter,
welcher durch frühere gründliche Beschäftigung mit systematischer
Zoologie eine erhöhte Befähigung für diese Materie erlangt hat, für
die allgemeine Zoologie ist. Wie in neueren Zeiten die Vereinigung
prnktischer Bienenzüchter, namentlich des Baron von Berlepsch
in Thüringen mit Zootomen , wieLeuckart und von Siebold,
Theorie und Praxis der Bienenkunde so ungemein gefördert hat, so
wird dies auch in Zukunft für die höheren Thiere der Fall sein.
Herr v. Nathusius theilte mir in dieser Hinsicht einige sehr merk-
würdige Ergebnisse brieflich mit, welche ich hier kurz anführe. Sie
geben einen Beleg, wie tief die Diät eingreifen kann. Wenn man
z. B. einen Wiederkäuer von Jugend an mit einem Ueberflusse von
plastischen, blutbildenden Nährstoffen füttert, so bleibt das Verhält-
niss der Magen zu einander die ganze Lebensdauer hindurch ein
anderes, als bei dem gewöhnlich oder natürlich ernährten Thiere. Der
Pansen bleibt unverhältnissmässig klein. Solches Thier behält damit
die Fähigkeit durch intensive Nahrung viel Nutzslolfe zu liefern; es
und der Naturgeschichte des Menschen im Jahre 1860. 13
bedarf nicht mehr so grosser Futtermassen. Innerhalb gewisser Gren-
zen ist eine solche Bildung auch erblich. Sehr nierkwürdig ist es
auch, dass bei solchen intensiv ernährten, frühreifen Thieren gewisse
Formen, welche dem Jugendzustande eigenthümlich sind, permanent
bleiben, so z. B. bleibt die Schädel form noch im Alter der Jugend-
form gemeiner Racen ähnlich.
Die andere kleine, aber ungemein reichhaltige Schrift
desselben Verfassers über Constanz in der Thierzucht ver-
dient das eingehendste Studium jedes physiologisch gebil-
deten Zoologen. Ich gebe hier nur die Hauptresultate,
welche der Verf. am Schlüsse in 25 Thesen zusam-
menstellt.
1) Die Eigenschaften , um welche es sich in der Zucht der
Hausthiere handelt, sind in gewissem Maasse Produkte der Kunst ; die
Festhaltung und Steigerung derselben in den Nachkommen beruht,
neben den Gesetzen der Vererbung, auf der Fortdauer künstlichen
Einflusses. Diese ist überall Bedingung.
2) Diese Eigenschaften haben an sich nicht diejenige Constanz,
welche die diagnostischen Kennzeichen der Art — Species der Zoolo-
gen — haben. Die relativ grössere Inconstanz der Varietät bedingt
die Möglichkeit künstlicher Stammbildung. Daher Rückschlag auf
irgend welchen , sogenannten Urstamm bei Aufhören der künstlichen
Einflüsse.
3) Die wirthschaftlichen Eigenschaften der Hausthiere haben
verschiedene Constanz je nach ihrer Bedeutung für den Organismus
des Thieres. Einige dieser Eigenschaften verlangen ununterbrochene
Unterstützung der Kunst in Haltung der Thiere in höherem Grade,
als andere, welche normalere, weniger erzwungene Produkte des Or-
ganismus sind.
4) In einigen Racen treten Absicht und Kunst der Züchter re-
lativ zurück vor den natürlichen Einflüssen der Heimath : alte, geo-
graphisch begründete, natürliche Racen — , in anderen überwie-
gen Zweck und Mittel der Züchter die natürlichen Einflüsse : neuere,
künstliche, Cultur-Racen.
5) In den natürlichen Racen ist eine Blutmischung oft nicht
nachzuweisen ; in den Culturracen ist Blutmischung oft, aber nicht
immer , bekannt. Eine Culturrace kann aus einer natürlichen Race
gebildet werden, ohne Einmischung einer anderen Race, oder mit
einer solchen, durch Kreuzung.
6) Die einzelnen Thiere alter, reiner, natürlicher Racen haben
nicht nothwendig gleiche Vererbungsfähigkeit. Die Individualität ist
von Bedeutung.
7) Einzelne Individuen natürlicher Racen zeichnen sich voran-
14 Wügner: lioiicht lib. d. Arbeilen in d. allg. Zoologie
dein derselben Race durcb grössere Fiihigkeit aus, sowohl ihre Race-
Eigenschaften , als auch individuelle Potenzen derselben, oder Ab-
weichungen von derselben zu vererben.
8) Die Fähigkeit, Eigenschaften sicher — constant — zu ver-
erben , ist nicht ausschliessliches Eigenlhuni der reinen , natürlichen
Hacen.
9) Die Satze 6 — 8 gelten ebenso für die Cultur-Racen.
10) Durch Vermischung von Thieren , welche verschiedenen
Ursprungs sind, oder verschiedenen Racen angehören — Kreuzung —
sind neue Racen gebildet, in welchen verschiedene Eigenschaften der
Vorfahren zur Einheit sich gestaltet haben.
11) Es giebt Eigenschaften, welche nicht zu vereinigen sind;
deshalb liefert nicht jede Vermischung Verschmelzung der Eigen-
schaften. Demnach giebt es Kreuzungen , welche niemals constant
werden können.
12) In neugebildeten , nicht reinen Racen giebt es Individuen,
welche ihre Eigenschaften constant vererben; die Vererbungsfähig-
keit ist nicht durch Racenreinheit bedingt.
13) Thiere reiner Racen und Thiere , welche aus Kreuzungen
gebildet sind, können relativ gleiche Vererbungsfähigkeit haben.
14) Die Vererbungsfähigkeit des einzelnen Zuchtthiers ist, un-
abhängig von seinem Ursprünge, begründet: generell durch die
Qualität der Eigenschaften (Satz 11), individuell durch das Maass
dieser Eigenschaften, in AVechselwirkung mit dem Zustande der fiC-
bensorgane und der Energie der darauf begründeten Funktionen.
15) Einseitig hervortretende, demnach physiologisch nicht nor-
male , selbst krankhafte Organe und solche Funktionen derselben,
können Bedingung der verlangten Vererbungsfähigkeit sein. (Fett-
bildung, Difformität der Beine des Dachshundes u. s. w.).
16) Der Einfluss der Grosseltern auf die Enkel ist wesentlich
nur ein indirekter, insofern die Eigenschaften der Grosseltern auf die
Kinder vererbt sind.
17) Die Zahl der bekannten , rückwärts liegenden Generatio-
nen ist von grosser Bedeutung, insofern damit nachgewiesen w^erden
kann, dass ausschliesslich Thiere mit zweckentsprechenden Eigenschaf-
en und von bewährter Leistung, also individuell gute Thiere, Er-
zeuger gewesen sind, wodurch das Instandhalten und die Steigerung
der bezweckten Eigenschaften von Generation zu Generation möglich
gemacht wurde. Vollblut.
18) Rückschläge auf Vorfahren kommen im reinsten Blute, in
ausschliesslicher Familienzucht, vor; sie sind demnach an sich nicht
in Blutmischung begründet.
19) Die Rückschläge sind qualitativ andere, je nachdem in
(Ion Vorfahren homogene oder heterogene Eigenschaften vorhanden
und der IVatnrg^eschichle des Älenschen im Jahre 1860. 15
waren; im ersten Fall ist der Kreis der möglichen Erscheinungen
enger, die Beobachtungen schwieriger, und umgekehrt.
20) Die Rückschläge sind quantitativ nicht von dem Ur-
sprünge der Race abhängig, wenn diese überhaupt homogene Eigen-
schaften erlangt hat (Satz 10) und nicht vernunftwidrig ans nicht verei-
nigungsfähigen Elementen gemischt ist (Satz 11).
21) AVenn eine Vermischung verschiedener Racen mit nicht
vereinigungsfähigen Eigenschaften ein homogenes und conslantes
Produkt nicht geliefert hat (Satz 11); dann kann die Fortdauer solcher
Heterogenität in folgenden Generationen — constanter Rückschlag —
als Gesettz für den entgegenstehenden Fall nicht gelten.
22) Die Bedeutung der Rückschläge ist demnach für rationelle,
auf Erfahrung gestützte Zucht, welche nur vereinbare Eigenschaften
vereinigen will, nicht giösser bei gelungenen Kreuzungen als bei
Reinzucht.
23) Gänzliches Verschwinden aller Rückschläge kann nicht zum
Kriterium der Begründung einer Race gemacht werden, weil solche
bei möglichster Blutreinheit vorkommen (Satz 18), demnach eine con-
solidirte Race überall faktisch nicht vorhanden wäre.
24) Die Begründung einer neuen Race, die Eigenschaft, nach
welcher die Individuen der aufeinander folgenden Generalionen ein-
ander wesentlich ähnlich sind, ist nicht bedingt durch die Zahl der
rückwärts liegenden Generationen, sondern :
a) durch die, auf deren organische Bedeutung begründete, Mög-
lichkeit der Verschmelzung der Eigenschaften, welche die Urstämme
haben , welche nicht identisch ist mit scheinbarer, äusserer Gleich-
artigkeit ;
b) durch das Maass der individuellen, spezifischen Vererbuno-s-
fähigkeit der verwendeten Zuchtthiere (Salz 14 und 17).
25) Die Frage, ob die Kreuzung zweier begründeter Racen ein
schnelleres Resultat in Begründung einer neuen Race giebt, oder die
Kreuzung einer reinen Race mit einer gemischten, oder von Vollblut
mit Halbblut, kann allgemein nicht beantwortet, darf überhaupt prin-
zipiell nicht gestellt werden, weil es sich dabei um die vorhandenen
und die beabsichtigten Eigenschaften handelt, diese aber durch die
Begriffe von Race, Vollblut und Halbblut im Allgemeinen nicht
bezeichnet werden.
Die oben angeführte Schrift des um die g-esammte
Landwirthschaft , insbesondere die Thicrproduction , hoch-
verdienten A. von Weckh erlin ist zwar zunächst eine
ursprünglich im 5. Hefte von 1859 der Zeilschrift für deut-
sche Landwirthe anonyme Entgegnung einer in gleichem
Jahre (1859) erschienenen Schrift von H. Settegast über
IG Wagner: Bericht üb. d. Arbeiten in d. nllg. Zoologie
Thierzüchtung- und die dabei in Anwendung kommenden
Grundsätze, welche sich ]\ a t h u s i u s's Ansichten anschliesst,
gellt aber wesentlich auch auf Widerlegung der letzteren
oder doch auf Rechtfertigung derjenigen Grundsätze ein,
welche als „M e n t z e 1 - W e c k h e r 1 i n's c h e C o n s t a n z-
theorie" in der landwirthschaftlichen Praxis bekannt und
in Weckherlin's allgemein verbreitetem Werke über
Thierproduction vertreten werden.
Weck heil in stellt die IVathusius'schen Sätze mit den seinigen
zusammen und kommt zu dem Schlüsse : ^dass im Gegensatze zu den
Ansichten des Nalhusius der Begriff von Race und Raceconstanz
noch immer mit Recht als der Mittelpunkt zu betrachten sei , um
welchen sich die Züchtungslehre und die Zucht selbst zu drehen hat."
Gerade dies bestreitet aber eben W a t h u s i u s entschieden in
dem Vorworte zu seinem separirt ausgegebenen Aufsatze.
Er erklärt hier ausdrücklich, dass nur die Justinus-Ment-
z e 1 - W e c kherl i n'sche F ass un g der Lehre von der Constanz in
Frage gestellt worden sei, nicht im mindesten die Bedeutung der
Constanz selbst. Wicht der Einfluss der Voreltern auf Vererbung
ihrer Descendenz an sich wird irgend bezweifelt, sondern nur die
unbedingte Bedeutung desselben für jede Zucht, ebenso wird der
von Justin US, dann vonMentzel formulirte, von W eck h erlin
angenommene Ausspruch über die Unsicherheit der Vererbung
aller nicht racereiner Thiere in Frage gestellt. Der Verf. liefert
den geschichtlichen Nachweis, dass viele der nutzbarsten und
besten Slämme nicht racereinen Ursprungs sind; es wird nachge-
wiesen, dass diese Racen nicht hätten gebildet werden können, wenn
deren Erfinder jene in Frage gestellte Lehre von der Constanz, von
der „mechanischen Mengung" des Blutes wörtlich befolgt hätten. —
Weiter wird nachgewiesen, dass Justinus sich nicht mit Recht
auf die Autorität von Wo Istein stützt, der sich vielmehr von dem
Racenbegriffe frei erhält, wie dieselbe von Justinus an in die
Lehre hineingebracht ist. Nathusius hat sich zur Hauptaufgabe
gestellt: dass unter allen Umständen die Individualität
als ein wichtiger Faktor in Rechnung zu stellen ist. Er will zei-
gen, dass gewisse physiologische Eigenschaften verschie-
dene von Race-Eigensc haften, als: Leistungsfähigkeit,
Fu tte r V e r we r th un g , Frühreife, welche nicht nothwendig,
welche sogar selten mit dem zoologischen Racebegriff ausgedrückt
werden, von der grössten , fast ausschliesslichen Bedeutung für das
Mausthier der Culturländer sind. Die Constanz dieser Eigenschaften
wird nicht^ am wenigsten aber erschöpfend, ausgedrückt durch den
und der Naturgeschichte des Menschen im Jahre 1860. 17
Conslanzbegriff der bestehenden Schule. Deshalb muss dieser Con-
stanzbegrifF zerlegt und anders gefasst werden , damit die Lehre in
Uebereinslimmung tritt mit der Natur der Dinge und nicht in Oppo-
sition bleibt gegen wirklichen soliden Fortschritt.
Ich habe mich bei der ungemeinen theoretischen und
praktischen Wichtigkeit dieser Fragen etwas länger ver-
weilt , als es sonst die Grenzen dieses Berichts erlau-
ben. Wenn man aber bedenkt, welchen riesenhaften Ein-
fluss die vor 20 Jahren erschienenen Schriften Liebig's
über die Beziehungen der Chemie zur Landwirthschaft
und zur Physiologie nicht bloss auf diese beiden Wis-
senschaften , sondern auch auf die inneren und äusse-
ren Fortschritte der gesammten organischen Chemie hat-
ten, so wird man sich überzeugen müssen, dass die Lehre
von der Thierzüchtung eine ähnliche Bedeutung für die
allgemeine Zoologie und die Physiologie der Zeugung , ja
für die Pathologie, selbst für die physische Erziehung der
Jugend bekommen kann. Die Untersuchungen über die
Vererbung der körperlichen Formen , der psychischen und
somatischen Eigenschaften , die Einflüsse der zeugenden
Individuen auf die nächstfolgenden und weiteren Genera-
tionen, die Abhängigkeit dieser Verhältnisse von gewissen
Faktoren, wie Clima und Nahrung, sind zwar seit langer
Zeit schon der Gegenstand der Aufmerksamkeit der Natur-
forscher gewesen. Aber erst seit Bakewells vor 100
Jahren in England angestellten , mit so ungeheurem finan-
ziellem Gewinne betriebenen Kreuzungsversuchen, welche
von den Landwirthen viel mehr, als von den Zoologen, ver-
folgt und richtig gewürdigt worden sind, eröffnete sich eine
Aussicht, auf experimentellem Wege die blossen gelegent-
lichen Beobachtungen zu ergänzen und die Principien zu
entdecken, welche, bei den Hausthieren wenigstens, bei der
Fortpflanzung bestimmter Eigenthümlichkeiten in Frage
kommen. Landwirthschaftliche Institute, Versuchsstationen
für Thierzüchtung, Thierarzneischulen, grosse Wirthschaften,
in denen die Thierproduktion rationell betrieben wird, kön-
nen hier der Wissenschaft die grössten Dienste leisten,
wie umgekehrt die Physiologie und wissenschaftliche Zoo-
logie Handhaben für neue Gesichtspunkte abgeben kann,
Archiv f. Naturg, XXVIL Jahrg. 2. Bd. B
18 Wagner: Bericht üb. d. AiLeitcn in il. ullg. Zoologie
nach welchen die Landwirthe ihre rgin empirischen Verfah-
rungs- Arten abändern nnd zur Erzielung neuer Resul-
tate verwerthen können. Aus den Schriften und Aufsätzen
von Nathusius erfährt man aber , welch ungeheurer
Reichthum an Material in den zahlreichen Berichten, be-
sonders englischer und französischer Provinzial- Vereine
für Landwirthschaft und Thierzucht, vorliegt, welcher bis-
her den Zoologen von Profession unbekannt blieb und, weil
in den meisten Universitätsbibliotheken fehlend, noch heute
meist unzugänglich ist. Ein gleiches Beispiel bietet im
kleineren Maassstabe die Bienenkunde dar. Das neue treff-
liche Werk von einem der intelligentesten und wissen-
schaftlich gebildetsten Bienenzüchter, dem Baron vonBer-
lepsch in Seebach bei Thüringen (die Bienen und die
Bienenzucht. Mühlhausen 1860) ist eine Fundgrube von
Thatsachen, welche auch für die allgemeine Zoologie von
grösster Bedeutung sind. Ohne auf die bereits massenhaf-
ten Aufsätze und Schriften über Thierzucht einzugehen mag
hier noch erwähnt werden :
M a h nke Erster Versuch einer naturwissenschaftlichen
Begründung der Lehre von der landwirthschaftlichen Thier-
zucht. Stettin 1860.
Der Verf. stellt sich die Aufgabe, freilich in viel zu beschränk-
tem Räume, die Lehren der neueren Physiologie für Thierzucht zu
verwerthen. Es konnte nicht fehlen, dass er ohne vollständige Orien-
tirung, bei allem guten Willen, auf Abwege gerieth. Die mathema-
tische Beweisführung, welche schliesslich versucht wird , beruht auf
vollständiger Illusion, wie alle ähnlichen Versuche.
Ueber die Unveränderlichkeit der orga-
nischen Species von Prof. Dr. Otto Köstlin. Stutt-
gart 1860. 4.
Dieses Einladungsprogramni des Gymnasiums in Stuttgart enthält
eine sehr klare und übersichtliche Darstellung aller der Fragen, welche
sich theils an die Darwinsche Theorie, thcils an die Fragen, die wir
eben in Betreff der Rassen erörtert haben, mit spccicller Anwendung
auf den Menschen und unter Berücksichtigung des Pdanzen- und Thier-
reichs anschliessen. Der Verf. belegt seine theoretischen Eröiterungen
mit zahlreichen Beispielen. Den oben von Nathusius angeführten
über die Entstehung einzelner Thierrassen aus historisch bekannten
Individuen sind hier zwei merkwürdige Beispiele von Pflanzen bei-
und der Naturgeschichte des Menschen im Jahre 1860. 19
gefügt. Alle falschen Akazien mit stachellosen Zweigen, stammen von
einem Exemplare, welches 1803 in einer Aussaat gefunden wurde;
alle Rosskaslanien mit gefüllten Blüthen von einem einzigen Zweige,
welcher in der Nähe von Genf gefunden und seit 1824 durch Pfropf-
reiser vermehrt wurde. Der Verf. heharrt, trotz der Darwin'schen
Angaben, auf der Behauptung der Unveränderlichkeit der Spezies im
Sinne von Linne, Cuvier, Owen, Agassiz und schreibt dem
Begriffe der Spezies vier Momente zu: Abgrenzung nach verwandten
Spezies hin , unbedingte Fortpflanzungslähigkeit im Gebiete der Spe-
zies und sehr bedingte zwischen verwandten Spezies, Gemeinsamkeit
der wesentlichen Charaktere, ununterbrochene Fortdauer dieser Cha-
raktere in der Reihe der Generationen.
Isidore Geoffroy St. Hilaire histoire naturelle
generale des regnes organiques principalement etiidiee chez
l'homme et les animaux. Tome II. 1859. Tome III. 1860.
Mit grosser Kenntniss der Literatur, auch der deutschen, stellt
der Verf. die Thatsachen über allgemeine Zoologie und Anthropo-
logie zusammen und prüft die Fragen, welche ich in diesem Jah-
resberichte so eben erörtert habe. Im Schlusskapitel des zweiten
Bandes, dem 7ten des Werkes, beginnt der Verf. das eigentliche Ka-
pitel vom Menschen, indem er ein eigenes Reich, regne humain, we-
gen der Summe der Charaktere annimmt, während rein vom zoolo-
gischen Standpunkte der Mensch eine Familie in der Ordnung der
Primaten bilden muss.
Der 3te Band behandelt von dem allgemeinsten biologischen
Standpunkte aus die Anomalien der Organisation (Cap. VIII), die Haus-
thiere und ihren Ursprung (Cap. IX), die Mischlinge (Cap. X), Begriffe
von Art, Racen derllaus- und wilden Thiere. — Auch Is. Geoffroy
unterscheidet zwischen gezähmten und domestizirten Thieren, wobei
er sich gegen die (schon oben bei Nathusius erwähnte) vom
Abbe Maupied ebenfalls aufgestellte Ansicht ausspricht, dass die
Ilausthiere als solche von Natur aus als Hausthiere geschaffen seien.
Unter 140,000 Thierarten zählt der Verf. auf der ganzen Erde nur
47 Hausthiere, von denen nur 7 wirbellose (bloss Insekten), 2 Fische,
17 Vögel und 21 Säugethiere, von welchen 6 ursprünglich aus Eu-
ropa, 29 aus Asien , 5 aus Afrika, 7 aus Amerika, 0 aus Australien
stammen. Vorhistorisch sind und zwar alle asiatisch (nur die Katze
afrikanisch und vielleicht auch asiatisch): 11 Säugethiere (Hund,
auch zugleich afrikanisch), Pferd, Esel, Schwein, beide Kameele,
Ziege, Schaf (wahrscheinlich auch afrikanisch) , Rind, Zebu (den der
Verf. jetzt, gegen früher, auch als eigene Art betrachtet) ; 2 Vögel
(Taube, Huhn), 1 Insekt (Seidenraupe). Aus der historischen Zeit und
zwar aus dem griechischen Alterthume stammen 5 , worunter 2 aus
20 Wagner: Bericht üb. d. Arbeiten in. d. allg. Zoologie
Europa (Gans, vielleicht auch asiatisch) , Apis ligustica, 2 aus Asien
(Fasan und Pfau), 1 aus Afrika (Perlhuhn) ; aus der römischen Zeit 3,
Kaninchen und Ente (europäisch) , Frettchen (afrikanisch oder viel-
leicht europäisch); aus unbestimmter Zeitepoche (epoque indeterminee)
sind 2, Apis mellißca (europäisch), Büffel (asiatisch); aus unbekann-
ter Epoche (epoque inconnue), stammen 10: Schwan (europäisch)
Bennthier, Yak, Turteltaube, Goldfisch, Karpfe (asiatisch), egyptische
Biene (afrikanisch, vielleicht auch asiatisch), Meerschweinchen, Lama,
Alpaca (amerikanisch). Aus modernen Zeilen 13, und zwar aus un-
bestimmter Epoche : ßos arni und gayal, Anas cygnoides, 2 Seiden-
spinner, Cochenille; aus dem 16ten Jahrhundert 4: Canarienvogel,
Truthahn, An. moschata ; aus dem ISten Jahrhundert 4: drei Fasane
und An. canadensis. — Im 10. Capitel , dem wichtigsten für allge-
meine Zoologie , findet sich die neueste und reichste Zusammenstel-
lung (der Verf. hat mehr als 400 Schriftsteller benutzt und übt eine
in diesem Felde sehr nöthige scharfe Kritik) aller der Thatsachen,
welche sich auf Mischlinge und Bastardbildung beziehen , worunter
eine Anzahl noch unpublizirter Thatsachen aus eigener und dem Verf.
brieflich niitgetheilter Erfahrung. Folgende scheinen mir neu und
einer besonderen Beachtung werth. So gaben die neueren Versuche
der künstlichen Fischzucht interessante Besultate. Schon 1854 (Dis-
cours sur la pisciculture) hatte Millet Bastardbildung zwischen
der Forelle und der Aesche erzeugt. Derselbe gab dem Verf. eine
weitere Kote, wornach er noch von folgenden Fischen Bastarde er-
hielt: von Salmonen: 1) Salmo salar, 2) S. hamatus , 3) S. umbla,
4) S. fario, 5) S. ferox(?), 6) S. lemanus. Von Cyprinen: 1) Cypri-
nus carpio , 2) C. carassius, 3) C. gibelio. Die Herrn Coste und
Gerbe haben nach einer schriftlichen Mittheilungen ebenfalls durch
künstliche Befruchtung Bastarde von mehreren der ebengenannten
Salmonen erhalten. Der Verf. betrachtet als strenges Ergebniss eige-
ner und fremder Erfahramg , dass die Bastarde von zwei verschiede-
nen Arien (und ebenso Rassen) niemals nur einem der beiden
Eltern gleichen, sondern immer allgemeine oder partielle Fusion von
beiden Eltern annehmen, aber in sehr verschiedenem Grade. Säuge-
thiere , Vögel, Fische und Amphibien verhalten sich hier'ganz gleich.
Die seit Plinius und überhaupt schon seitdem Alterthume geltende
Meinung von der Sterilität der Bastarde, der ungemeinen Seltenheit
von deren Fortpflanzungsfähigkeit, lässt der Verf. nur soweit zu, als
sich dieselbe auf Maulthiere erstreckt. Schon in den heissen Län-
dern sollen auch diese Bastarde häufiger sein , als bei uns. Dem
bekannten Beispiele von vier Generationen der Bastarde von Hund
und Wölfin können verschiedene andere , so namentlich vom Pariser
Pflanzen - Garten beigefügt werden. Vom Schakal und Hund erhielt
Verf. drei Generationen, Floureus deren vier. Aclinliche Ver-
und der Naturgeschichte des Menschen im Jahre 1860. 21
hältnisse zeigten Mufflon und Schaf, Schafbock und Ziege. In allen
diesen Fällen giebt aber der Verf. zu und stützt sich auf frühere
Capilel, ist die Art-Verschiedenheit nicht konstatirt, indem Wolf und
insbesondere Schakal (für dessen Identität mit dem Haushunde im 10.
Capitel sehr interessante Thatsachen angeführt werden) mit der Spe-
cies des Haushundes zusammenzufallen scheinen. Von hohem Inte-
resse aber sind die 3Iittheilungen von Prof. B r o c a *) an den Verf.
über die Zucht von» Hasen und Kaninchen , welche ein Einwohner
von Angouleme, ein Herr Rouy, zu einem grossen Industriezweige
ausgebildet hat. Seit 1854 liefert derselbe jedes Jahr über tausend
„Lievres-Lapins" für den Consum in den Handel. Diese Bastarde sind
sowohl fruchtbar mit der väterlichen als mütterlichen Art als unter
sich. Unter allen Mischlingen liefern die Drei-achtel Bastarde, d. h.
das Produkt vom Halbblut mit dem Quarteron (Vi Kaninchen und
y4 Hase) für den Handel die grössten Vortheile. Im Anfange des Jahres
1859 hatte man von den trois-huit schon 7 Generationen erhalten,
später war man zur zehnten, jetzt ist man bei der dreizehnten Ge-
neration dieser Mischlingsform angelangt und die Fruchtbarkeit hatte
noch nicht abgenommen. Diese Drei-achtels Bastarde sind nicht bloss
fähig sich fortzupflanzen , sondern sind selbst sehr fruchtbar. Das
Weibchen bringt fünf bis sechs Junge bei jedem Wurfe zur Welt und
wirft jährlich sechsmal. Broca überzeugte sich von der grossen
Sorgfalt bei diesen Beobachtungen. Die Thiere werden getrennt, nu-
merirt , mit besonderem Namen bezeichnet u. s. w. — Aus diesen
Thatsachen schliesst der Verfasser, dass es fruchtbare und unfrucht-
bare Bastarde gebe, und dass die beiden Cuvier's, Flourens und
Andere in der Generalisation der Sterilität der Bastarde zu weit ge-
gangen seien. Derselbe knüpft hier an dem Werke von Darwin
an, dem er sich gerade bei dieser Frage anschliesst. Diese Fälle
sind nun jedenfalls sehr interessant und müssen uns , wie bei allen
allgemeinen Gesetzen, die wir in der organischen Naturlehre auf-
stellen und die ja immer nur empirisch , d. h. nicht mathematisch
beweisbar sind , sehr vorsichtig machen. Es verhält sich hier wie
bei der Parthenogenesis. So wenig aber diese die vergleichungs-
weise Allgemeinheit der Nothwendigkeit doppelter Geschlechter für
*) Broca's ausführliche Arbeit, welche sehr lesenswerth ist:
Memoire sur l'hybridite en general , sur la dislinclion des especes
animales et dans le genre humain , in Brown Sequard's Journal de
Physiologie fällt grösstenlheils schon in die Vorjahre unserer Berichte,
so dass der Raum nicht gestattet, darauf einzugehen. Der Artikel
steht mit seinen Fortsetzungen a. a. 0. 1858. p. 43-3 u. 684; 1859.
p. 218, 345, 601 ; 18^0. p. 302.
22 Wagner: Bericht üb. d. Arbeiten in d. allg. Zoologie
die Fortpflanzung der Arten aufhebt, sondern nur die Möglichkeit ein-
zelner Ausnahmen zeigt, eben so bleibt die vergleichungweise All-
gemeinheit der Sterilität der ßastarde bestehen, welcher gegenüber
selbst die bedingte, noch vielmehr die unbedingte Fortpflanzung der
Bastarde , insbesondere unter einander, eine ausserordentlich seltene
Ausnahme bleibt. Es ist, um einen Vergleich zu brauchen, gleich-
sam eine bei der einen oder anderen Art (Species) auftretende Ab-
normität, welche die Norm doppelgeschlechtlicher Verbindung so
wenig aufhebt, als die Erscheinungen von Missbildungen die Norm
der regelmässigen Bildungen aufheben. Absolute Sterilität wäre frei-
lich für den Artbegriff aus physiologischen Thatsachen viel erwünsch-
ter. Aber selbst die relativ so ungemein seltene Fruchtbarkeit bleibt
immer ein Beweis, dass die Erhaltung derjenigen Formen, welche
wir Arten nennen, tief in der Tendenz der organischen Körper liegt.
Aber wohl lässt sich daraus , wie ich schon früher behauptete , die
Entstehung bleibender neuer Formen erklären, welche wir im zoolo-
gischen Sinne neue eigene Arten nennen können, die sich unter un-
seren Augen bilden , ohne dass man deswegen an eine Variabilität
im Darwin'schen Sinne denken darf. Bei dieser Gelegenheit mag
es gestattet sein , auf mein Lehrbuch der Physiologie und meine Zu-
sätze zum ersten Bande der üebersetzung von Prichard's researches
zu verweisen, welche der Verf. nicht gekannt zu haben scheint. Auch
Prof. Andr. Wagner's reichhaltige kritische Zusammenstellungen,
namentlich den bekannten Fall von Hellenius betreff'end, in sei-
ner Fortsetzung von Schreber's Säugethieren und der zweiten
Ausgabe seiner Geschichte der Urwelt, scheint der Verf. nicht ge-
kannt zu haben. Meine frühere Kachweisung über die unvollkom-
mene und abnorme Bildung von Spermatozoen bei den Canarienstieg-
litzbastarden, deren Bedeutung Henle besonders hervorgehoben hatte,
scheint allmählich wieder in Vergessenheit gekommen zu sein und
verdiente doch so sehr eine B<}stätigung und weitere Verfolgung. I s.
Geoffroy kommt am Schlüsse des Bandes auf die Stellung des
Artbegriffs, die ich lieber in der Originalsprache geben will; er
charakterisiit denselben „par la transmission naturelle , reguliere et
indefinie d'un ensemble de traits distinctifs . . . . En resume, l'espece
«ous apparait comme une collection naturelle et permanente, presen-
tement distincte, d'individus ordinairement, non toujours semblables."
In den oben citirten ,.z ool o gisch- an thr op ol o -
gischen Untersuchungen habe ich die Eintheilung
der Menschen von Retzius in Dolichocephalen und ßra-
chycephalen auf ihren wahren Werth zu beschränken ge-
sucht.
Ich ging von der Ansicht aus, dass die Eintheilung von Ret-
und der Naturgeschichte des Menschen im Jahre 1860. 23
z i u s, wenn sie nicht liniitiit vsird, zur Zusainnjeuslellung der aller-
heterogensten Völker und Schädelbildungen in eine Klasse führt, wie
z. B. der acht asiatischen Tungusen (Mongolen) und Neger, so wie
der letzteren und der Chinesen. Ebenso habe ich mich gegen die
Consequenzen erklärt, welche Hetz ins aus der angeblich verschie-
denen Hirnbildung beider Gruppen, Bedeutung der llinterlappen u. s. w.
zieht. Ich versuchte zu zeigen, dass die Bluiiienbach'sche und an-
dere Methoden, dieRacenschädcl zu klassificiren, nicht entbehrt wer-
den können, wie dennßetzius' jetzt so allgemein gebrauchte Schä-
del-Ternnnologie eigentlich nur eine Erweiterung der Camper'schen
u. a. Principien ist. Eine Fortsetzung dieser Untersuchungen wird
auf eine ausführlichere Kritik und Darstellung der ethnologischen
Craniologie eingehen.
A. de Quatrefages histoire naturelle de riiomme;
unite de l'espece hiimaine. Revue des deux mondes nr. XXX.
Dec. 1860. p. 807—833.
Da diese Abhandlung im Jahre 1861 der Revue fortgesetzt ist,
so wird dieselbe im nächsten Jahresberichte besprochen werden.
Isidore Geoffroy St. Hi laire Classification zoo-
logique et anthropologique. Comptes rendus Tome LI. nr. 12.
17. Sept. 1860.
Der Verf. glaubt nur 12 gut charakterisirte Menschenracen an-
nehmen zu können , unter welchen vier Hauptracen , welche hier
durchschossen gedruckt sind :
1) Glatthaarige Kacen : Caucasische, Alleganische, Hyperbo-
reische, Malaisische, Amerikanische; Mongolische, Paraboreische
(sonst mit der Ilyperboreischen verbunden), Australische.
2) Kraushaarige Bacen, Cafferische , Aethiopische, Melani-
sche , H 0 1 te n t o l t i s c h e. Diese letztere, obwohl klein, hat die
grössten Eigenthümlichkeiten, vereinigt mongolische und äthiopische
Bildung, hat ganz eigenthümliche Haare, allmählich abnehmende, v/ie
eine Fan-Flöte angeordnete Zehen , verlängerte Nymphen und ver-
schiedene osteologische Merkmale , deren merkwürdigstes die Nicht-
bifurkation der Dornfortsätze der Halswirbel (Duvernoy).
Von allen Elementen zur wissenschaftlichen Anthro-
pologie ist unstreitig die vergleichende Untersuchung der
Schädelbildung das wichtigste und in dieser Beziehung
verdient als ein Hauptwerk das über die britischen Schädel
schon im vorigen Jahresberichte cilirte von Joseph Ber-
nard Davis und John T h u r n h a m : Crania brilannica etc.
wovon die vierte Decade 1860 erschien , die erste Stelle,
24 Wagner; Bericht üb. d. Arbeiten in d. allg. Zoologie
in Bezug auf Sorgfalt der Beschreibungen, Correktheit und
Eleganz der Abbildungen u. s. w.
Das vortreffliche Werk ist auf sechs Dekaden mit 60 Steinta-
tafeln berechnet; die Schädeldarstellungen in natürlicher Grösse (meist
reine Profil-Ansichten) im trefflichsten Steindruck, die übrigen Schä-
del-Ansichten verkleinert in Umrissen in sehr zierlichen Holzschnit-
ten, Schmucksachen, Wafl'en , andere Findlinge und Darstellung d,er
Gräber meist in schönen Vignetten. Interessante allgemeine Betrach-
tungen über Schädel und seine Bedeutung, als: „the best epitome of
man ;" Untersuchungen (physikalisch und historisch) über die Frage,
bis zu welchem Grade die Rassen der britischen Inseln gemischt wor-
den sind ; ausführlichere Erörterungen der Principien der Schädelmes-
sungen füllen den Text, welcher durch die Hefte fortläuft. Beson-
ders wichtig ist das zweite Capitel mit einer Uebersicht der physi-
schen Beschaff'enheit u. s. w. der ältesten Bewohner, theils nach den
Schriftstellern des Alterthums (Caesar, Diodor , Strabo , Tacitus, Dio
Cassius, Herodian) , theils nach den Mittheilungen über Schädel und
Gräber der alten Bewohner nach den neueren Arbeiten von Hoare,
Prichard, 3Iorton, Wilde, Bateman, Wilson, Price,
Beddoe. Allen diesen Untersuchungen folgt man mit um so grösse-
rem Vergnügen , als wir von den mit der gesammten Literatur sehr
vertrauten VerfP. eine reichhaltige kritische Zusammenstellung aus
Ouellen erhalten, welche man auch in den besten Bibliotheken Deutsch-
lands kaum irgendwo vereint findet. Der Werth dieser Untersuchung
ist um so grösser, als mit dem Vorkommen der Schädel und anderer
naturgeschichtlicher und archäologischer Reste der ältesten Bevölke-
rung von England, Schottland und Irland ausführlich die Angaben
von Nilsson,Eschricht, Retzius u. A. über die verwandten
Verhältnisse in Skandinavien verglichen werden. Bei der ungemei-
nen Wichtigkeit für die Fragen nach dem Ursprünge der europäi-
schen Völker, versuche ich in Nachfolgendem die Hauptresultate die-
ser Untersuchung gedrängt zusammen zu stellen. Prof. Nilsson in
Lund nimmt bekanntlich in Skandinavien drei successive Rassen an,
von welchen die celtische die jüngste sein soll. Die Aboriginer be-
trachtet er als Wilde, von Jagd und Fischfang lebend, mit Werkzeu-
gen aus Stein und Knochen; es waren Brachycephalen. Von der zu-
nächst einbrechenden Rasse glaubt N., dass es Ackerbauer gewesen;
es waren Dolichocephalen mit langem, ovalem Schädel und vorsprin-
gendem Hinterhaupte. Die dritte Rasse waren die Gelten, welche
Bronce einführten; ihre Schädel waren länger als bei den ersten und
breiter , als bei der zweiten Rasse. Die vierte Bevölkerung bilden
die heutigen Schweden, von denen die Einführung eiserner AVerk-
aeuge herrührt. Ketzius schliesst sich nn Nilsso n au. Ein Volk,
und der Naturgeschichte des iMenschen im Jahre 1860. 25
von dem die gegenwärtigen Lappen die Ueberbleibsel sind , be-
wohnte im höchsten Alterthume nicht allein den südlichen Theil von
Schweden, sondern auch den Rest von Nord- und West-Europa, Dä-
nemark , Norddeutschland , die britischen Inseln, einen Theil von
Frankreich; die Basken sind ein anderer Ueberrest dieser uisprüngli-
chen Rasse, welche in alten Zeiten über ganz Europa verbreitet war.
Es sind dies die AUophyllians von Prichard, die Turanier der skan-
dinavischen Schriftsteller. Bäte man giebt eine sehr genaue Schil-
derung der alten Bewohner von Derbyshire (wahrscheinlich die Cor-
navii von Ptolemaeus). Ihre Reste finden sich in mehrkammerigen,
aus grossen Steinen zusammengefügten Grabhügeln, welche lange,
bootförmige Schädel , selten AVerkzeuge , in zwei Fällen aber Pfeil-
spitzen von Feuerstein , Knochen von Ochsen , Schweinen , Hunden
enthielten. In den Gräbern der folgenden Generation kommen kurze
runde Schädel und Geräthschaften von Metall vor. In der dritten
Classe werden die ßroncegeräthschaften häufiger, auch die kurzen
Schädel. Zuletzt kommen die Gräber mit eisernen Werkzeugen; es
finden sich Waffen, Messer, Scheeren , zuweilen auch ein Schwert;
die Schädel sind mehr oval und ähneln denen der Jetztzeit. Davis
weist auf den Widerspruch zwischen Bateman einerseits und den
skandinavischen Forschern andererseits hin. Diese schreiben gleich-
massig die Brachycephalen-Schädel den ältesten turanischen Bewoh-
nern zu, während Bateman die ältesten Bewohner für Dolichoce-
phalen erklärt, auf welche zunächst erst die Brachycephalen folgten.
Ebenso kehren beide Forscher die antiquarischen Verhältnisse um.
Während Nilsson die brachycephalische , turanische oder allophyl-
lische Race mit Thomsen, dem gelehrten Vorstand des Copenha-
gener antiquarischen Museums , mit der Steinperiode zusammenstellt
und die dritte oder celtische Race mit der intermediären Schädel-
form diejenige nennt, welche die Bronceperiode einführte, stellt um-
gekehrt Bateman die brachycephalische Bevölkerung mit der Bron-
ceperiode, die dolichocephalische mit den Aboriginern und der Stein-
periode zusammen. Davis meint nun, dass diese Ansichten der bri-
tischen und skandinavischen Archäologen sich nur scheinbar wider-
sprechen , insoferne es nicht nothw-endig sei , dass die Ordnung der
Folge der Racen in Britannien und in den anderen nordischen Gegen-
den eine und dieselbe gewesen. Mir scheint dies eine bedenkliche
Interpretation, da die physikalischen und archäologischen Verhältnisse
in beiden Fällen gerade umgekehrt liegen. Mein Verdacht einer
noch sehr mangelhaften Erforschung wird erhöht, wenn wir erfah-
ren, dassWilson (in seinem allerdings vor Bäte m an erschienenem
Werke : the Archaeology and prehistoric Annais of Scotland 1851)
drei Racen unterscheidet: 1) Dolichocephalen (Kumbe-cephalic). 2)
Brachycephalen. 3) Gelten. Er nimmt an, dass vor den Gelten in
26 Wagner: Bcrirlit üb. d. Arbeiten in d. aUg. Zoologie
Schottland primitive Racen vorhanden waren, und dass wahrscheinlich
die Uacen sich in einer von den primitiven Colonislen Skandinaviens
verschiedenen Ordnung folgten, obwohl er es für zweifelhaft hält,
dass vor den Gelten primitive, Racen vorhanden waren. Hiebei macht
aber Thurnhani die, wie mir scheint, für die ganze Untersuchung
Wilsons fllistrauen erweckende Anmerkung, dass der letztere die Ge-
schlechter am Schädel nicht unterschied, dass seine angeblichen Drui-
denschädel von Jona und den Hebriden viel jüngeren Datums seien
und unstreitig von christlichen Mönchen des 8ten und 9ten Jahrhun-
derts herrührten. Der Rest des Capitels wird ausgefüllt durch inter-
essante Zusammenstellungen über die charakteristischen Eigenthüm-
lichkeiten der Römerschädel (deren eine ganze Anzahl im Werke sehr
schön abgebildet ist) und die physikalische Beschaffenheit der Römer
und Deutschen. Bis jetzt sind in dem Werke 36 Schädel abgebildet
und beschrieben, 20 altbritische, 7 angelsächsische, 1 Caledonier,
1 Orcadier, 1 Hibernier (beide letzten vom Charakter der altbritischen
Rasse). Wer sich njehr für das Werk interessirt, den verweise ich
auf meine Anzeige desselben in den Göttinger gel. Anz. 1861. 14tes
Stück. (Es mag hier noch bemerkt werden , dass in Bezug auf all-
gemeine Schlüsse über die älteste Bevölkerung Europa's die höchste
V'orsicht beobachtet werden muss. Ich halte es, mit v. Baer, noch
lange nicht bewiesen, dass in ganz West-Europa vor der jetzigen
dolichocephalischen Bevölkerung eine brachycephalische hauste und
noch viel weniger für irgend sicher, dass diesen beiden eine ältere
schiefzähnige Aienschenrace , welche mit den Diluvialthieren in der
späteren Tertiärzeit zusammen lebte, voraufging. Ueberall sind die
Spuren noch viel zu dunkel, die Belege zu unvollkommen, um sol-
che allgemeine Schlüsse daraus zu ziehen. Vergl. hierüber meine:
zoolog.-anlhropol. Untersuchungen.)
Seil aa ffhausen über einen Römerschädel in einem
Tuffsteinsarge des Arresthauses zu Cöln gefunden, jetzt auf
dem anatomischen Museum. Mitlheilungen des Vereins der
preuss. Rheinlande. Bonn 1860. S.32 der Sitzungsberichte.
Der elliptische Umriss, das stark vorgeschobene Gebiss, schmale
Slirne bestätigen, dass mit den römischen Legionen Soldaten aus den
verschiedensten Ländern des grossen Reichs an den Rhein kamen.
Die Macrocephalen im Boden der Krim und Oester-
reichs, verglichen mit der Bildungs- Abweichung, welche
Blumenbach Macrocephalus genannt hat von K. E. von
Baer. Mit 3 Tafeln. St. Petersburg 1860. Besonderer Ab-
druck aus den Memoires de l'Academie des sciences de St.
Petersbourg. VII. Serie- Tome II. nro. 6.
und der Naturgeschichte des Menschen im Jahre 1860. 27
Auch dies Werk gehört nach dem hei weitem grössten Theiie
Sfeihes Inhalts, so höchst interessant derselbe auch ist, nicht hieher,
sondern zu der ,.h i s to r i sc h en Anthropologie," uie ich die-
selbe in meinen zoologisch- anthropologischen Untersuchungen um-
grenzt habe, wo ich, so wie in einer besonderen Anzeige in den
Götlinger gel. Anz. (1861) auf den Inhalt der äusserst wichtigen meist
antiquarischen Untersuchung von Baer's, näher eingegangen bin. —
Die Abhandlung geht von dem von ßlumenbach Dec. cranior. Tab. III.
unter dem iVamen 3Iacrocephalus asiaticiis abgebildeten, übrigens ganz
modernen Schädel aus, welches gar kein alter Krim'scher Alacroce-
phalus ist , sondern ein sogenannter Scaphocephalus oder Kielkopf,
eine mit starker seitlicher Kompression (sehr dolichoccphal) verbundene
Deformität, mit frühverwachsener Pfeilnaht und, wie ßaer meint,
dadurch bedingt, dass beide Schädelbeine von einem einzigen Ver-
knöcherungspunkte ausgehen. Wir besitzen in der Blumenbach sehen
Samndung einen noch mehr in dieser Form ent\Aickelten Dänenschä-
del, von dem Baer auch hier eine ihm aus der Göttinger Schädel-
sammlung überschickte Abbildung, mit ähnlichen anderen, publizirle.
Ich kenne lebende Individuen der Art, Männer, welche das Unglück
haben, dass ihnen kein Hut passt. Diese Schädel sind Dolichocepha-
len im eminenten Sinne , pathologisch in dieser Richtung entwickelt.
Das Göttinger .Museum besitzt einen eminenten, pathologischen Biachy-r
cephalus, einen Ihurmkopf, welcher einem Russen angehörte uud das
Extrem der ßrachycephalie darstellt, ein für beide Hauptschädelformen
in Europa sehr interessantes Verhältniss; beide Schädel sind ortho-
gnath. Baer, der diesen letzten Schädel nicht erwähnt, hält doch
für möglich dass die sogenannten Thurmköpfe dadurch entstehen, dass
für Schädel- und Stirnbeine zusammen sich nur ein einziger Ver-
knöcheiungspunkt bildet, welcher, wie ein Helm, von allen Seiten
hinabwächst. Die craniologischen und antiquarischen Untersuchungen
von Baers sind von hoher Bedeutung für die älteren Bevölkerun-
gen Europa's. Ich theiie seine Vorsicht, wenn er behauptet, dass
die sich mehr und mehr verbreitende Ansicht der jetzigen vorwalten-
den dolichocephalischen Bevölkerung West -Europas (etwa von den
Grenzen Lapplands und den Slavenländern aus), sei eine ältere bra-
chycephalische vorausgegangen , von welcher z. B. di« Bündlner in
der Schweiz , die Basken noch lebende Ueberreste sein möchten,
doch noch lange nicht als bewiesen anzusehen sei. — Für die
Lehre von der künstlichen Verbilduug der Schädel ist diese ganze
Abhandlung von höchster Wichtigkeit; auch giebt sie die erste
vollständige lebensgrosse Abbildung eines Krim'schen Macrocepha-
lus. Ein Schädel aus dem noch jetzt im Caucasus sesshaften
Aw^arenstamm (nicht identisch mit den mittelalterigen Awaren) zeigt
grosse Aehnlichkeit mit der Grundform jenes .Macrocephalus . wenn
28 AV agner: Bericht üb. d. Arbeiten in d. allg. Zoologie
Juan die künstliche Verbildung abrechnet. Von besonderem Werthe
ist des Verfassers antiquarische Untersuchung ül»er die Hunnen , aus
denen die Widerlegung mehrerer Ansichten von Fitzinger hervor-
geht, welche derselbe bei Gelegenheit der Beschreibung einiger ver-
bildeter österreichischer Schädel aussprach. Namentlich beruht die
Meinung, Attila habe einen solchen verbildeten Kopf gehabt, wie man
von einer Münze jener Zeit schliessen wollte, auf entschiedenem Irr-
thume. In der gesamniten Anthropologie und Craniologie , wie in
der Ilirnlehre, ist eine recht scharfe Kritik der vielen Fabeln sehr
nöthig, nirgends aber mehr, als in der historischen. Der ungemeine
historische und naturhistorische kritische Scharfsinn von Baer's,
der auch in dieser Schrift entwickelt wird, giebt eben derselben eine
besondere Bedeutung.
Beschreibung- einiger Altpreussen-Schädel von Profes-
sor von W ittich.
Auch diese Abhandlung fusst vielfach auf historischer und ar-
chäologischer Grundlage. Es handelt sich um einige wohlerhaltene,
unstreitig sehr alte Schädel, die mit anderen Skeletresten vor einigen
Jahren auf dem Gulsfelde von ßallgarden auf dem linken Memel-
Ufer, nahe bei Tilsit, mit denselben Attributen ausgegraben wurden,
welche mit den Aschenkrügen vorzukommen pflegen, wie sie ganz
allgemein in altpreussischen Gräbern gefunden werden. Diese Urnen
enthalten stets nur Aschen und die Sitte der Todtenverbrennung war
eine so allgemeine, dass dadurch der Craniologie jedes Material ent-
zogen ist, in der Frage von der Abstammung der Altpreussen mitzu-
wirken. Sorgfältige, von Messungen getragene Untersuchungen die-
ser Schädel, verglichen mit anderen Beschreibungen (Retzius) las-
sen Witt ich als sehr wahrscheinliches Endresultat hinstellen, dass
die Ballgarder Schädel in ihrer extremen Form (den Celtenschädeln
sehr ähnlich) einem sehr viel reineren Typus , einer sehr viel abge-
grenzteren Race angehörten , als die aus Alt-Preussen aufgeführten
der Königsberger anatomischen Sammlung, daher auch möglicher
Weise sehr viel älteren Datums sind, als letztere. Alle Thatsachen
aber sprechen entschieden für eine strenge Abgrenzung des preussi-
schen Volksstammes von den benachbarten Slaven und weisen eine
entschiedene Annäherung an die germanischen Stämme nach. Zwei
nach einer Photographie gefertigte Abbildungen in halber Grösse
sind der Abhandlung beigegeben. (Diese fehlten jedoch dem mir
gütigst unter Kreuzband gesendeten Abdruck.)
Der Epicanthus und das Epiplepharon von Dr. F. A.
V. Amnion in Dresden. (Separatabdruck eines Schreibens
an Prof. Sichel in Paris, aus Behrend's und Hildebrand's
Journal für Kinderkrankheiten. M. 20 Abbild. 1860.)
und der Naturgeschichte des Menschen im Jahre 1860. 29
Der Verf. schildert hier die bekannte Misshildung der abnormen
inneren Augenvvinkelfalte , welche die äussere Haut bildet, die sich
vom oberen Augenliede nach dem unteren erstreckt und für eine
sichelförmige mit der Käse verwachsene Falte, wie eine Schwimm-
haut formirt, die, wenn sie bedeutend ist, ein operatives Verfahren
erheischt. Der Verf. hat sich das Verdienst einer gründlichen Prü-
fung der Frage erworben , ob dem Epicanthus eine Bedeutung als
Raceneigenthümlichkeit gewisser Volksstämme zukomme? Er kommt
dabei zu folgenden interessanten Resultaten: S i ch el's Meinung, der
Epicanthus sei eine physiognomische Gesichtsbildung der mongoli-
schen Race und der Malaien, wird durch v. A m m o n's Untersuchung
der Schriftsteller nur theilweise und bedingt bestätigt. Es ergiebt
sich für die Ethnographie: 1) die schief einwärts gerichteten und
dabei bisweilen ziemlich weit aus einander stehenden Augenliedspal-
ten und auch die platte Nase, sind ein Charakter mancher, aber
nicht aller mongolischer Völkerstämme. Diese schräge Lage der Au-
genliedspalten ist aber kein Epicanthus. 2) Von dem Epicanthus tra-
gen nur einzelne Stämme der mongolischen Race und diese nur in-
dividuell, nicht national, eine epicanthische Andeutung. 3} Der aus-
gebildete bilaterale Epiranthus (Ep. bilater. exquisitus) ist unter allen
Menschenracen als ein Bildungsfehler der Gesichtshaut zu betrachten
und kann als ein gewissen Volksstämmen angehöliger Gesichtsbil-
dungstypus nicht angesehen werden. Er behält demnach seinen pa-
thologischen Charakter. 4) Die kleinere Form epicanthischer Falten-
bildung, namentlich der Epicanthus tarsalis, kommt im niederen Grade
als nationaler Gesichtstypus bei einzelnen Völkerstämmen, z. B. den
Japanesen (v. Siebold) vor, eine ßildungsart , die aber nicht zu-
sammen geworfen werden darf mit der schräg nach innen staltfin-
denden Stellung der Augenliedspalten mancher Yölkerstämme, z. B.
der Esquimaux und die verschieden ist von dem breiten, faltenlosen
Metopon mancher Volksracen , z. B. der Buschmänner, bei denen die
kurzen, aber hochgeöffneten Augenliedspalten horizontal gelagert sind.
Der Verf. weist darauf hin, dass möglicher Weise die verschieden-
artigen Bildungen der Weichtheile am Metopon und in der Orbital-
gegend höchst wahrscheinlich alle von osteologischen Eigenthümlich-
keiten der Schädel verschiedener Völkerracen abhängig sind. Es
lässt sich nämlich der Gedanke kaum abweisen , dass, wie es in den
Individuen Hemmungsbildungen einzelner Organe giebt, auch Retar-
dationen in der Entwickelung gewisser Körpertheile bei ganzen Völ-
kerschaften vorkommen können. Er empfiehlt daher auch in die-
ser Hinsicht das Studium der Entwickelungsgeschichte bei den Em-
bryonen verschiedener Völker. Diese Ansichten haben meiner 3Iei-
nung nach etwas sehr ansprechendes und verdienen die grösste Be-
achtung.
30 Wagner: Bericht üb. d. Arbeiten in d. allg. Zoologie
Cataloge von Scliädelsammlungen und überhaupt von
Verzeichnissen von Gegenständen, die sich auf Anthropo-
logie und Ethnographie beziehen, gehören zu den wichtigen
Beförderungsmitteln des Studiums der Naturgeschichte des
Menschen. Es werden uns auf diese Weise die Localitä-
ten genauer bekannt, in denen wir das so zerstreute und so
wenig zugängliclie Material aufzusuchen haben *"'). Zwei
solcher Verzeichnisse sind mir aus dem vorigen Jahre be-
kannt worden.
Catalogus craniorum diversarum gentium quae collegit
J. van der Hoeven. Lugduni Batavorum. 65 pag. Vgl.
Göttinger gel. Anzeigen f. 1861. Stück 12.
Dieser Catalog führt 171 Schädel und 39 Gyps- Abgüsse aus
dem Privatbesitze des Leydener Zoologen auf. Die Pränionenda ent-
halten mehrere schätzbare Bemerkungen, namentlich auch über die
Mischungsprincipien. Den kurzen Beschreibungen sind die Zahlen
für die Maiiptdimensionen beigefügt. Die Sammlung ist arm an Asia-
ten (wie die Älehrzahl der Sammlungen) und Amerikanern, aber reich
an Malaien (55 Schädel, meist aus Java, aber auch aus Borneo, Celebes)
und wollhaarigen Afrikaoern (37 Schädeln von Negern, Kalfern und
Hottentotten).
Verzeichniss geographischer und anthropologischer Ge-
genstände gesammelt und erworben während der Erdum-
segelungs-Expedition S. Majestäts Fregatte Novara (im Bör-
sengebäude in Triest provisorisch aufgestellt). Triest 1860.
Das zweite und dritte Jahr der Erdumsegelung der
Fregatte Novara von Dr. Carl Scherz er. (Separat-Ab-
drücke aus den Mittheilungen der K. K. geographischen
Gesellschaft. 3ter Jahrgang S. 414, 415).
Keine der vielen Weltumsegelungen hat so sehr auf
das Studium der Menschen-Rassen geachtet, Messungen vor-
genommen und werthvolle Objekte dazu gesammelt, als die
'■^) Wicht mehr in den Bereich unseres Berichts fallen die Hints
to Craniographers upon the Importance and Feasibility of Establi-
shing some Uniform System by which the Collation and Promulgation
of craniological Stalistics and the Exchange of duplicale Crania may
be promoted by J. Aitken Meigs (Froceedings of the Academy of
natural Sciences of Philadelphia August 1858) , interessante Milthei-
lungen über Schädelsammlungen Amerikas und Englands enthaltend.
und der Naturgeschichte des Mensclien im Jahre 1860. 31
letzte österreichische. Das Verzeichniss der anthropolog-i-
schen (craniologischen) Sammlung, welche gemeinschaftlich
von Dr. Sc herz er und Dr. E. Sc h\va rz erworben wurde,
füiirt 138 Nummern auf; das voranstehende Verzeichniss
ethnographischer Gegenstände enthält 376 Objekte. Die
Zahl der Schädel mit einigen ganzen Skeleten geht nahe
an hundert.
Von besonderem Interesse dürften sein : ein kompletes Busch-
mannskelet, ein Papuaskelet aus Neu-Guinea , ausserdem vorzüglich
Amerikaner-, Australier-, Chinesen-, Malaien-Schädel, welche ein-
zeln verzeichnet sind. Dann eine Sammlung von Kopfhaaren in 43
Nummern. Unter den Schädeln befindet sich einer, welcher in Bata-
via im Magen eines Haifisches gefunden wurde.
Illustrazione della Mummia,peruviana esistente nel civico
Museo di Älilano lelta dal Dottore E. Cornalia. Mil-
lane 1860.
Schöne Abbildung und kurze Beschreibung einer erwachsenen,
männlichen Cordillera- Mumie von Peru , wie sie jetzt häufiger nach
Europa gebracht werden und sich in öffentlichen Sammlungen finden,
nachdem D'Orbigny, Meyen, Tschudi u. A. dieselben beschrie-
ben und abgebildet haben.
Was das Alter der Menschengeschlechts betrifft , die
Frage nach den fossilen Menschenknochen u. s. w., so sind
auch dies Jahr Schriften und Abhandlungen von verschie-
denem Werthe erscliienen, von denen ich, da sie nicht
eigentlich oder doch nur zum Theil in den Bereich mei-
nes Berichtes fallen, wenn ich demselben nicht zu weite
Grenzen stecken will, nur folgende namhaft mache.
The Genesis of the Earth and of Man or the history
of Creation and the antiquity and Races of Mankind consi-
dered on biblical and other Grounds edited by Reginald
Stuart Poole M. R. S. etc. of the british Museum. Second
Edition revised and enlarged 1860.
Sur l'anciennete geologique de l'espece humaine dans
l'Europe occidentale par Lartet. Biblioth. univ. de Geneve
Juiilet. 1860. p. 19d.
Sur l'existence de l'homme sur la terre anterieure-
ment ä l'apparition des anciens glaciers. Lettre de Mr. Ed.
Collomb a Mr. Alph. Favre ib. p. 208.
32 Wagner: Bericht üb. d. Arbeiten in d. allg. Zoologie
Das Alter des Menschengeschlechts vom geologischen
Standpunkte von Dr. Jacob Noeggerath. Westermann's
Monatschrift. Sept. 1860. Auch abgedr. in Froriep's Noti-
zen. IV. Bd. nro. 17.
Schaaffhaiisen über Menschenknochen (Unterkie-
fer und Stirnbein) zugleich mit Knochen von Diluvial-Thie-
ren, z. B. Eleph. primigenius bei Mastricht gefunden. —
Derselbe Referent „über Haupt's Beiträge zur Kenntniss des
Diluviums und älteren Alluviums um Bamberg in den Ab-
handlungen des zool. - mineralog. Vereins in Regensburg
(worunter auch Menschenknochen , ein schief geformter
Menschenschädel, nahe dem Diluvialgerölle u. s. w.) Siehe
Mittheilungen der Verhandlungen des naturhistorischen Ver-
eins d. preuss. Rheinlande u. Westphalens. Bonn 1860-
Vollständigere Berichte und Diskussionen über den
bekannten , in den letzten Jahren vielfach besprochenen
Fund von Menschenknochen mit Resten von Diluvialthieren
und Kieselgeräthen im Becken der Somme bei Abbeville,
namentlich von Boucher de Perthes finden sich in den
Bulletins de la Societe d'Anthropologie. Tome I. 1859. 1860.
Ich habe diese und andere Funde kurz besprochen in meinen
„zoologisch - anthropologischen Untersuchungen" S. 48. — Das Merk-
würdigste war mir: die deutlichen (?) Spuren von künstlichen Bear-
beitungen von Knochen von antediluvianischen Thieren, wie Höhlen-
bär , Mammuth, Rhiuoceros, auch von Hirschen und Auerochsen. Es
hat den Anschein , als wenn die Menschen dieser geologischen Pe-
riode den Markkanal der Knochen geöffnet hätten, um das Mark aus-
zusaugen (?). Dass die daselbst gefundenen Steingeräthe (welche zum
Theil in den Mem. de la soc. d'Anthropol. abgebildet sind), Aexte
u. s. w. , ihre Aehnlichkeit mit den in alten keltischen Gräbern ge-
fundenen n. s. w. ein grosses Bedenken erregt, habe ich a. a. 0. an-
gegeben. — Die Bemerkungen von Nöggerath ( — trotz dem, dass
Lyell u. a. m. nach persönlicher Ansicht des Fundorts das Zusam-
menvorkommen von Menschengeräthen und Diluvialthicrresten bei Ab-
beville bestätigen — ) und dessen ausführlichere Kritik haben mich
in meinem Bedenken nur gestärkt, \lenn bis jetzt — haben alle
angeblichen Funde von Menschenknochen jenseits des Alluviums und
zugleich mit untergegangenen Thierformen älterer Perioden später
ihre Widerlegung gefunden oder liessen gewisse Zweifel nicht be-
geitigen und bis heute stand Cuvier's Behauptung, dass der Mensch
und der Naturgeschichte des Menschen im Jahre 18G0. 33
später auf der Erde erschienen , noch unerschüttert da. Richtiger
liesse sich dies wohl so ausdrücken : dass zwar die Möglichkeit eines
früheren Auftretens des Menschengeschlechts zugegeben werden muss^
dass aber die bisherigen zu Gunsten dieser Ansicht geltend gemach-
ten geologischen Beweise eine strenge Kritik nicht aushalten.
Es würde nunmehr schliesslich noch zu referiren sein
über einzelne Beiträge zur Ethnographie, zur Beschreibung
einzelner Völker und Nationen. Aber der für diesen Be-
richt zur Zeit nur mögliche Raum ist erschöpft und ge-
stattet kein weiteres Eingehen auf derartige Mittheilungen,
welche man vielleicht auch besser den geographischen Zeit-
schriften und Berichten u. s. w. überlässt. Zwei Unter-
nehmungen verdienen jedoch noch eine nähere Erwähnung.
Bulletins de la Societe d'Anthropologie de Paris. To-
me I. 1860.
Memoires de la Societe d'Anthropologie de Paris.
Tome I. 1860.
Amoenitates ethnographicae. Description of human
races and skulls : illustrated by Portraits, mostly original
and coloured; and Figures from the skulls themselves half
natural size edited by Joseph Barnard Davis 8. 1860.
Die Gesellschaft für Anthropologie, welche am 19. Mai 1859
in Paris begründet wurde, hat sich ein weites Feld der Untersuchun-
gen gesteckt, das nur zum Theil dem Bereiche dieses Jahresberichts
angehören dürfte, obwohl der eigentliche Zweck der Gesellschaft
„das wissenschaftliche Studium der Menschen-Racen" sein soll. Neun-
zehn anerkannte wissenschaftliche Männer traten bei der ersten Grün-
dung zusammen, welche sich im Jahre 1860 auf 60 ordentliche und
ausserordentliche Mitglieder in Paris vermehrt haben, zu Avelchen
noch Ehren - Mitglieder, membres associes nationaux en province, m.
associes etrangers kommen und Korrespondenten gehören. Die Bul-
letins (von denen mir bis jetzt 3 Hefte vorliegen, 4 im Jahre bilden
einen Band) enthalten die Sitzungsberichte, Vorlesung von Abhand-
lungen, Diskussionen darüber , Geschäftsverkehr. Die gelesenen Ab-
handlungen scheinen zum Theil vollständig in den Memoiren zu er-
scheinen. Das erste mir vorliegende Heft enthält:
Recherches sur l'Ethnologie de la France par M. Paul Broca.
Geht auf die älteste Geschichte der Bewohner Frankreichs ein und
giebt dann zahlreiche Tabellen für Messungen der Körpergrösse nach
den Conskriptionslisten und insbesondere der auch durch eine Depar-
tementskarte in verschiedener Schattirung erläuterten numerischen
Archiv f. Nalurg. ^LXYil. Jahrg. 2. Bd. C
34 Wagner: Bericht üb. d. Arbeiten in d. allg. Zoologie
Verhältnisse der Militärbefreiungen wegen zu geringer Grösse. Gub-
1er: sur la coloration noirälre des eenlres nerveux chez les indivi-
dus de race blanche remarqiiables par TAbondance du pigment ex-
tv-rieur. — Gratiolet: iMemoire sur la Älicroccphalie consideree
dans ses rapports avec la queslion des caracteres du genre humain.
(Zum Theil oben schon benutzt. Der Verf. hatte Gelegenheit einen
Schädel und drei Gehirne von Alikrocephalcn zu untersuchen, wor-
unter ein A'eger, Seine Beobachtungen führen ihn zum Schlüsse :
dass der Mensch durch seine Hirn- und Schädelbildung, wie seine
ganze Organisation absolut verschieden ist von den höchsten Thie-
ren, eben so, wie durch seine Intelligenz. — Die Schiefzähnigkeit der
Mikroccphaien ist monströs und ganz verschieden vom normalen
Prognathisnuis z. B. der Neger. Der Verf. sieht hierin und im Pro-
gnathismus des Gorilla's, welcher sich, wie beim Neger auf beide Kie-
fer — nicht wie beim Mikrocephalus bloss auf den Oberkiefer er-
streckt — ein Argument mehr für diejenigen , welche im Menschen-
geschlechtc eine Mehrzahl von Arten annehmen). — Perier: Essai
sur les croisements cthniques. (Das Schlussresultat dieser mit Bele-
gen versehenen Abhandlung ist, dass nicht durch Kreuzung von Men-
schen - Bacen, sondern durch möglichste Reinerhaltung der einzelnen
Bacen (Völker), insbesondere der weissen Bacen, sich die besten Ei-
genschaften erhalten lassen, dass in diesen Fällen nicht nur am we-
nicfsten Krankheiten, weniger angeborne Fehler, sondern auch noch
grössere Longävität, vielleicht auch eine grössere Acclimatesirungs-
fähigkeit sich erhalten, als bei den notorisch gemischten Racen. Eben
so scheinen auch die intellektuellen Anlagen in diesen Fällen bes-
ser zu gedeihen). — Boudin: du non - cosmopolitisme des races
hujuaines. (Der Verf. kommt in dieser mit zahlreichen statistischen
Angaben versehenen Abhandlung zu folgenden , wenn sie wirklich
zuverlässig sind , sehr interessanten Resultaten: 1) Es ist nicht be-
wiesen , dass die verschiedenen Menschenracen Kosmopoliten sind,
was man bisher glaubte , und dass eine Menge Thatsachen selbst auf
das (legentheil hinweisen. 2) Die Fähigkeit der Acclimatisirung aus-
serhalb des Geburtslandes wechselt nach der Bace ; es spricht sich
dies aus in den entsprechenden Verschiedenheiten der Proportion der
Kranken und Todten jeder Race. 3) Es ist nicht erwiesen , dass der
Europäer, als Landbauer, sich in den heissen Ländern der nördlichen
Hemisphäre dauernd erhalten kann. 4) Die Acclimatisirung des Eu-
ropäers scheint mit viel weniger Schwierigkeit dagegen in einer
sehr grossen Zahl von Lokalitäten in der heissen und selbst tropi-
schen Region der südlichen Hemisphäre stattfinden zu können. 5)
Der Europäer erträgt viel besser die Auswanderungen in die kalten
Länder, als in die heissen. 6) Die Neger - Race scheint sich nicht
im Süden von Europa acclimalisiren zu können, selbst nicht im Nor-
und der Naturgeschichte des iMenschen im Jahre 1860. 35
den von Afrika, wo sie sich nur durch fortwährende Einwanderun-
gen erhält. 7) Es ist nicht erwiesen, dass die Neger-Race sich auf
den englischen und französischen Antillen, auf Bourbon , Mauritius
und auf Ceylon dauernd erhalten lässt , obwohl diese Inseln inner-
halb der Wendekreise liegen. 8) Die Neger-Race scheint in den süd-
lichen Provinzen der nordamerikanischen F'reistaaten sich acclimali-
siren zu können. 9) In den nördlichen l'rovinzen der vereinigten
Staaten geht die Neger-Race zu Grunde und liefert hier zu gleicher
Zeit einen enormen Beitrag zum Wahnsinne. 10) Die jüdische Race
acclimatisirt und erhält sich in allen Ländern der Erde. 11) Die jü-
dische Race ist ganz anderen statistischen Gesetzen der Geburt, der
Krankheiten und der Sterblichkeit unterworfen, als diejenigen Bevöl-
kerungen, in deren Mitte die Juden leben.
Das neue Werk von Davis ist auf zwei halbe Theile im Jahre
zu 6 Shill. berechnet , von welchen 4 einen Band bilden. Der erste
Part ist erschienen, mir abertrotz wiederholter Bestellung noch nicht
zugekommen, daher ich denselben im nächsten Jahresberichte bespre-
chen werde.
T h e 0 d 0 r W a i t z, die Negervölker und ihre Verwand-
ten. Mit einer Karte und sieben Abbildungen. Leipzig 1860.
Es ist dies der zweite Theil der im vorigen Jahre besproche-
nen „Anthropologie der Natur - Völker" und keines Auszugs fähig.
Das treffliche Werk wird sich bald in der Hand jedes Anthropolo-
gen befinden. Eine sehr hübsche Zugabe ist die ethnographische
Karte von Afrika im Farbendruck von Otto Delitzsch. Die Ras-
sen-Abbildungen im Steindrucke sind saubere Copieen.
Prime linee di fisiognomia comparata delle razze hu-
mane Memoria letta all' Istituto delle Scienze (di Milano)
dal Dott. Mantegazza. (Separat- Abdruck aus dem Jour-
nal il Politecnico 50 Seiten.)
In sechs Holzschnitten die Original -Portraits nach Photogra-
phieen. 1) Des Generals Ürquiza der Argentinischen Republik. 2)
Eine Mulattin von Salta, ebendaher. 3) Weib eines Caziken aus
Gran-Chaco. 4. und 5) Junger Mann und Mädchen aus Acuiqui in
Bolivia. 6) Eine Calchaqui-Indianerin (Santa Fe).
Ich schliesse diesen Jahresbericht frühzeitig ab , da
der Herr Herausgeber den Druck zu beschleunigen und
dadurch das früliere Erscheinen der einzelnen Hefte zu er-
möglichen wünscht, indem derselbe, der Ordnung gemäss,
der zuerst erscheinende Theil des Berichts sein soll. Das
nachträglich zu unserem Gebiete gehörige Material kann
sodann im nächslon JahresbericJite besprochen werden.
36 Wagner: Bericht üb. d. Arbeilen in d. allg. Zoologie etc.
Nachtrag.
Ich benutze die mir eben zugekommene Revision des
Schlusses, um noch einer sehr wichtigen Arbeit zu geden-
ken, welche mir entgangen war:
Ueber die sogenannte fötale Rachitis als eigenthümii-
che Abweichung der Skeletbildung und über ihre Bezie-
hungen zu dem Cretinismus bei Thieren , von Heinrich
Müller vorgetragen den 2. Juli 1860 in der physikalisch-
medizinischen Gesellschaft in Würzburg mit 1 Kupfertafel.
(Würzburger medizinische Gesellschaft 1. Bd. 1860. 222 S.)
Prof. H. Müller benutzte ein neugebornes rachitisches Kalb zu
genaueren Studien der Schädelbildung und des bisher übersehenen Cre-
tinismus bei Thieren mit besonderer Rücksicht auf die bekannten Arbei-
ten Virchow's über die Entwickelung des Schädelgrundes. Er kommt
dabei auf sehr merkwürdige Verhältnisse fötaler Rachitis bei Hunden,
in deren Folge bei einzelnen, insbesondere den kurzschnauzigen, die
basilaren Fugen sehr frühzeitig verschmelzen. Der dadurch in sei-
nem Längenwachsthume beschränkte Kiefer bietet hier für die nor-
male Grösse der Zähne nicht den gehörigen Raum. Die kurzschnauzi-
gen Hundeschädel zeigen in Folge dieses Prozesses eine abweichende
Stellung der Zähne Was in einem Falle krankhafte Bildung ist,
erscheint beim Bullenbeisser und Mops als Ra^eneigenthümlichkeit.
Mit diesem cretinösen Habitus des Schädels kommt, bei kleiner Hirn-
höhle, auch Verkümmerung der geistigen Fähigkeiten vor." Es tre-
ten also dieselben Eigenthümlichkeiten , welche dort (beim rachiti-
schen Kalbe) entschieden pathologische , individuelle Abweichungen
sind, hier als erbliche Ra^en - Charaktere auf, was sich im Sinne
Darwin's für Veränderlichkeit des Arten -Typus verwerthen lässt."
Der Verf. bemerkt übrigens an einer anderen Stelle, wo er Darwin's
Werk berührt: „Indessen möchte ich durchaus nicht scheinen , als ob
ich auf obige Thatsachen für die Frage der Constanz der Arten im
Allgemeinen ungehörigen Werth legte ; sie sind ein Sandkorn in der
Sahara. Gerade weil unsere naturwissenschaftliche Anschauung so sehr
nach einer Aufklärung über die Succession der Arten drängt , wird
man gut thun, das Erwiesene und die Hypothese möglichst aus ein-
ander zu halten."
Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
der Yögel während des Jahres 1800.
Von
Dr. e. Hartlaub
in Bremen.
Eine nicht geringe Anzahl guter Arbeiten bekunden
auch für dieses Jahr eine lebhafte und vielseitige ßethei-
ligung an der Förderung ornithologischen Wissens. Scla-
ter's „Ibis" und Gab an is' „Journal", die Hauptorgane des-
selben , erfreuten sich eines ungetrübten Fortgangs und
blieben tnit augenscheinlichem Erfolge bemüht, der Errei-
chung ihres eigentlichen und letzten Zweckes, Interesse für
Ornithologie zu wecken, zu verbreiten und zu erhalten,
nachzustreben. — Die deutsche Ornithologen-Gesellschaft
hat durch ihren Vorstand einen ausführlichen und gut re-
digirten Bericht über die im September zu Stuttgart von
ihr abgehaltene Versammlung veröffentlichen lassen. Bla-
sius, dieser wachsame und critische Censor auf dem Ge-
biete europäischer Vögelkunde, nahm bei dieser Gelegen-
heit sehr zeitgemäss Veranlassung, einige Fragen an die
Oologen zu richten. Bei dem erhöhten Grade von Beach-
tung (resp. Ueberschätzung) und Cultur, welcher seit eini-
gen Jahren diesem Zweige unserer Wissenschaft zu Theil
geworden ist, erschien es im hohen Grade geboten, von
competenter Seite über die Summe dos bis jetzt oologisch
Erreichten , so wie über die muthmasslichen Gränzen des
Erreichbaren eine motivirte Meinunffsäusserunfr hervor-
zurufen. Ba Idamus erkannte darauf mit Blas ins die
Unterscheidung der Eier nach bestimmt erkannten
38 H artlau b: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Gründen, insofern eine solche möglich, als Hauptaufgabe,
und glaubt der Oologie, welche noch im Beginne ihrer
wissenschaftlichen Construktion begriffen , zunächst nur als
Hülfswissenschaft der Ornithologie eine Zukunft vindici-
ren zu müssen. „Comme science, ou comme complement
de la science ornithologique , l'OoIogie est presque entie-
rement a creer" heisst es auch bei Desmurs. Thiene-
mann's Behauptung, alle Gattungen und Arten seien oolo-
gisch unterscheidbar, entbehrt für jetzt jeder sicheren Be-
gründung. Auf dem fast noch jungfräulichen Boden exo-
tischer Oologie tritt uns Dr. G. A. Bernstein auf Java
als vollwichtiger Contribuent entgegen. — Immer kleiner
wird die Zahl derjenigen Lokalitäten unseres Erdball's,
welche sich dem Andringen ornithologischer Durchforschung
gegenüber bis jetzt verschlossen gehalten haben. Das Jahr
1860 bringt uns die ersten grösseren und zusammenhän-
genden Berichte über die Vögel Neu-Caledoniens und des
Amurlandes. Viel versprechend erscheint noch unserer An-
sicht nach das bis jetzt allerdings völlig unnahbare hoch-
gebirgige Innere Neu-Guinea's. Dass es Wallace nicht
gelungen diesen Widerstand zu überwinden, ist eine That-
sache , welche wohl zunächst von weiteren Versuchen dort
einzudringen abschrecken wird.
Von T. C. Eyton's „Osteologia avium" erschien ein
viertes und fünftes Heft. Die Ausführung bleibt auch in
diesen die beste.
T. C. Eyton: „A Catalogue of the species of Ske-
letons of Birds in his possession." Brochüre in 8. von,
15 Seiten. Die vortreffliche Sammlung Eyton's enthält an
400 Arten. Sie liefert natürlich das Hauplmaterial zu dem
oben genannten V^erkc.
Th. Holland: „ZurEntwickclungsgeschichle der Fe-
der" in Caban. Journ. für Ornith. Heft 5. Sehr fleissige
keines Auszugs fähige Arbeit.
E, Crisp: „On the struclure , relative size and use
of the Tail-glands in Birds." Proceed. Zool. Soc. p. 254.
der Vögel während des Jahres 1860. 39
Mo quin -Tandon's „Considerations siir Ics oeiifs
des Oiseaux" in Guerin's Revue et Magas. de Zoologie
wurden regelmässig fbrfgesetzt und scheinen uns die vollsle
Beachtung der Oologen zu verdienen. Das fünfte Capitel
behandelt die Farben der Eier.
Eine eingehende zum Theil ergänzende, zum Theil
widerlegende oder erläuternde Recension über diese Ar-
beit M oq u in - Tand o n's liefert Desmurs in Rev. et
Mag. d. Zool. p. 293. (Forts.).
P. 0. Desmurs: „Traite general d'Oologie ornitho-
logique au point de vue de la Classification- 1 Vol. 8. Wir
müssen uns ausser Stand belvennen, über dieses Werk des
rühmlichst bekannten Oologen Frankreichs ein selbständig
beg-ründetes Urtheil abzugreben. Aber die übereinstimmen-
den Ansichten der ersten Sachkenner lassen an dem Werthe
und der Bedeutung desselben keine Z^a eifel zu. Eingehende
Recensionen veröffentlichten J. Verreaux in Rev. et Mag.
de Zool. p. 176, ferner Baldamus in Gab. Journ. für
Ornithol. Heft 5. Jahrg. 7., sodann E. Cornay in Rev. et
Mag. de Zool. p. 313 und ein Anonymus in „Ibis" auf S. 325.
Baldamus lässt , bei Meinungsabweichung in gewissen
Einzelnheiten, der Arbeit D e s m ur's im Ganzen genommen
die grösste Anerkennung wiederfahren und gerade seine
Beurtheilung erschien uns im hohen Grade interessant und
belehrend.
A. Newton: „Suggestions for forming collections of
Birds Eggs" 15 S. London. Mit Abbildungen der erforder-
lichen Instrumente. Eine sehr nützliche kleine Schrift, die
in jeder Zeile den praktischen Kenner verräth , und die
sich, so viel uns bekannt, des ungetheilten Beifalls der
Oologen erfreut. Die ursprüngliche Veröffentlichung ging
von der Smithsonian Institution zu Washington aus und er-
schien in Verbindung mit „Instructions in rcference to
collecting nests and eggs of North American Birds" by Dr.
Brewer. Man vergleiche dazu Ibis p.415.
W. Pässler: ..Oologische Bemerkungen" veranlasst
durch den Aufsatz von H. Kunz : die Oologic physiologisch
40 Ilartlaiib: Bericht üb. d. Leistungen in d. Natiirgeschichle
betrachtet" in Gab. Journ. Heft 4. Jahrg. 8. Viel theoreti-
sches enthaltend, aber recht interessant.
Von F. W. J. Bädeker's „die Eier der europäischen
Vögel mit Beschreibung des Nestbaus von L. Brehm und
W. Pässler" erschien die fünfte Lieferung. Hoffentlich
erfährt das vortreffliche Werk keine Unterbrechung.
Ch. F. Dubois: Notes nido-oologiques" in Rev. et
Mag. de Zool. p. 11.
„A Catalogue of a portion of the duplicate Eggs col-
lected by the late John Woll ey Esq.. which will be sold
by auction etc. Als Catalogue raisonne von Wichtigkeit.
Mit Beschreibungen und höchst genauen Lokalitätsangaben.
(A. Newton).
Dr. Bernstein: „Ueber Nester und Eier javanischer
Vögel" in Caban. Journ. für Ornith. p. 417. Vortreffliche
Beobachtungen, die sich ausführlich über Haliastur ponti-
cerianus , Haliaetos limnaetos, H. niveus , Spilornis baccha,
Ketupa javanica, Batrachostomus javanensis, Cypselus pal-
marum u. s. w. verbreiten.
Bar. Richard König-Wart hausen „On the ni-
ditication of certain birds in North - Eastern Africa." Ibis
p. 122. Das Material zu dieser Mittheilung lieferte Heug-
lin. Ausführlich über Falco tanypterus, Falco Eleonorae,
Sterna albigena, Bubo ascalaphus , Sterna affinis , Sterna
velox, Anous tenuirostris, Larus Hemprichii und Larus leu-
cophthalmos.
In Joseph Wolfs „Zoological Sketches made for
the Zoological Society of London from animals in their vi-
varium, edited with notes by B. L. Socialer ," einem Pracht-
werke ersten Ranges, reizende Thiergruppen in landschaft-
lichem Ramen enthaltend, finden sich vortreffliche Abbildungen
folgender Vögel : Falco sacer, Falco islandicus, Gypohierax
angolensis , Phasianus torquatus, Ph. versicolor, Gallophasis
Horsfieldii, Tetraogallus caspius, Galloperdix lunulatus, Rhea
americana, Casuarius Bennetlii, Apteryx Mantclli, Otis tar-
da, Grus Montignesi, Mycteria australis, Cygnus nigricollis
und Chlocphaga poliocephala.
A. E. Brehms anziehendes Werk: „Das Leben der
der Vögel während des Jahres 1860. 41
Vögel u. s. w." schreitet langsamer vorwärts, als wir dies
gedacht hätten. Man sollte glauben, ein Buch wie dieses
müssle sich der Theilnahme des Publikums längst versichert
haben.
H. 0. Lenz: „Die Vögel'* erschien in 4ter sehr ver-
änderter Auflage. (Allg. Naturgesch. lOte Liefer.) Wir
sehen die erste der sieben Lieferungen , auf welche das
Buch berechnet ist. Acht bis neun Kupfertafeln. Die klei-
nen colorirten Abbildungen etwas sonderbar. Der Text ist
von sehr ungleicher Ausführlichkeit. Aber Lenz ist be-
kanntlich kein Compilator und seine Bemerkungen bleiben
als auf selbständige Beobachtung gegründet, jedenfalls sehr
werthvoll.
P. L. Sclater's „The Ibis" erhält sich rühmlich auf
seiner Höhe. Der zweite Band bringt eine grosse Anzahl
werthvoller Arbeiten , deren später gedacht werden wird.
Auch Cabanis undBaldamus: „Journal für Or-
nithologie" hält bei einer gewissen störenden Unregelmäs-
sigkeit im Erscheinen seinen guten Fortgang. Weiteres im
speciellen Theile.
Von J. Cabani's „Museum Heineanum" erschien end-
licli! ein zweiter die Clamatores umfassender Theil 175 S.
Als rüstigen Mitarbeiter lernen wir hier zuerst den jungen
Ferd. Heine kennen. Viele neue Arten und noch mehr
neue Gattungen ! Die Fortführung dieser nützlichen Arbeit
geschieht in consequent-wissenschaftlicher Weise und ge-
reicht ihren Verfassern zur Ehre.
W. LiUjeborg: „Ornilologiska Bidrag« Upsala 1860.
Enthält: Utkast tili en systematisk Öfversigt af Foglarnes
Klass. 33 S. Neue systematische Eintheilung der Vögel in
analytischer Weise wie bei Dumeril.
Europa.
Fritsch's Vögel Europa's haben ihren Fortgang.
Heft 6 und 7. Das Verdienstliche des Werkes ist schon in
früheren Jahresberichten von uns anerkannt worden.
Zu J. F. INaumann's „Naturgeschichte der Vögel
42 Hart! au b: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naiurgrschichte
Deutschlands-^ erschienen Forsetzung, Nachträgre und Ver-
besserungen von J. H. Blasius; F. Baldamus und Fr.
Sturm; als 8te den Schluss des ganzen Werkes bildende
Lieferung des 13tcn Theils. Text S. 483— 84 und 1 bis 316.
Abbild. Tafel 372 bis 392. Auf die Wichtigkeit dieser Ar-
beit bedarf es kaum einer Hindeutung. Der Text verdient
unbedingtes Lob , nicht ganz so der die Abbildungen um-
fassende Theil. Manche derselben sind viel zu grell co-
lerirt, so z. B. Motacilla campestris. Da es Naumann
nicht vergönnt gewesen, die grosse Arbeit seines Lebens
zu vollenden, konnte die nothw^endige und ehrenvolle Auf-
gabe dies zu thun eben nur von den besten seiner Nach-
folger gelöst werden. Der herrliche Thurm hat seine Spitze
erhalten.
Bree's „Birds of Europe not observed in the British
Isles" gedieh bis zur 28 Lieferung.
Cabanis und Baldamus: „Journal für Ornitholo-
gie" enthält von hier Anzuführendem: A. Fritsch „Bei-
träge zur ornithologischen Fauna von Bulgarien"; Lilje-
borg: „über scandinavische Vögel"; Leon Olph Gail-
lard: „Vögel des Thaies Greyerz im Canton Freiburg in
der Schweiz"; Fr. Dubois: „Bemerkungen über einige
Vögel Belgiens"; Wiese: „über Vögel Neuvorpommerns"
u, s. w.
A. Lindermeier: „Die Vögel Griechenlands. Ein
Beitrag zur Fnuna dieses Landes." 188 S. Passau 1860. (Sepa-
ratabdr. aus dem Jahresb. d. naturh. Vereins zu Passau.) Die
bekannte frühere Arbeit in der Isis nicht sehr wesentlich
überragend. Es werden 245 Arten aufgezählt. Falco ar-
cadicus und Sylvia ochrogenion werden einfach behauptet.
„Notes on Birds observed in the Jonian Islands, and
the provinces of Albania proper, Epirus , Acarnania and
Montenegro" by the Hon. Thomas L. Powys. Ibis II.
p. 1, 133, 228 und 338. Es zählt diese hübsche Arbeit
266 Arten auf, zum Theil in kurzer, zum Theil in ausführ-
licher Weise. Die geographische Yerbreitung, Zeiten und
Orte ^cs Vorkommens finden specielle Berücksichtigung.
Santa Quaranta bei Corfu wird als eine der lohnendsten
der Vögel während des Jahres 1860. 43
Lokalitäten für den ornithologisirenden Jag-dfreiind in Grie-
chenland g-escliildert.
W. H. Simpson: „Ornithological noles from Meso-
longhi and Southern Aetolia" in Ibis II. p. 279 und: „Fur-
ther observations on some of the Birds of Western Greece«
ebendas. p. 378. Beide sehr anziehend und instructiv ge-
schriebene Aufsätze geben in zusammenhängender Form
ein unzweifelhaft treues und lebensvolles Bild des ornitho-
logischeh Reichthums jener vom Reize der Neuheit noch
nicht völlig- entkleideten Gebiete unseres Welttheils.
H. Schlegel: „Over eenige in Nederland waarge-
nomen Vreemde Vogelsoorten." Jaarbockje von het konigl.
zool. Genotsch. te Amsterd. In dieser nützlichen Zusam-
menstellung werden 35 ausnahmsweise in Holland beobach-
tete Vögel aufgezählt und zwar 14 südeuropäische, 13 asia-
tische und 8 nordamerikanische.
H. Schlegel: „Dieren van Nederland." Gewervelte
Dieren. 1. Vogels. Dieses Buch erscheint in Lieferungen
bei Krusemann in Haarlem, leider in holländischer Sprache.
Sehr niedliche Kupfertafeln erläutern die Hauptschauplätze
ornithologischen Lebens in Holland. WohJgezeichnete Köpfe
der einzelnen Arten. Auf die topographisch -stfttistische
Einleitung folgt: 1) Verzeichniss der in Holland brütenden
Vögel. 164 Arten, wovon 17 Stand- und 69 Wandervögel.
Dann 2) Systematische Uebersicht der in Holland wildle-
benden Vögel, familien- und gruppenweise behandelt. Die
ganze Art der Bearbeitung popu lär, aber sehr hübsch und
übersichtlich.
Ch. F. Dubois: „Planches coloriees des Oiseaux de
la Belgique et de leurs oeufs. Livr. 116 — 130.
F. Marcotte: „Les animaux vertebres de l'arrondis-
sement de rAbbeville- 8. 262 S. Sahen wir noch nicht.
A. G. Moore: „Oullincs of the Natural History of
the Isle of Wighl. Erschien als Appendix zu Venabi es
„New -Guide to the Isle of Wight." Darin ein guter Be-
richt über die auf der Insel vorkommenden Vögel, deren
220 namhaft gemacht werden. Fa!co peregrinus nistet noch
44 Hartlaub: Bericht üb. d. Leistungen in d. Kalurgeschichle
an wenigen Stellen. Fregilus graculus geht seinem Unter-
gange entgegen.
H. Gätke: „On the occurrence of American Birds in
Europe.« Proceed. Zool. Soc. p. 105. Der rühmlich be-
kannte Ornithograph Helgolands hat diesen Gegenstand be-
reits in verschiedenen deutschen Journalen behandelt.
Magnus v. Wright: „Finland's Foglar'' hufvudsa-
kligen tili deras drägter, beskrivna etc. Helsigfors. 1 Vol.
8. 317 S. Mit Abbildu-ngen.
„Öfversigt af Sveriges Ornithologiska Litteratur« Aca-
demisk Afhandling etc. af Joh. Otto von Friesen.
Stockh. 1860. 44 S. Sehr fleissige und nützliche Zusam-
menstellung. Hätten wir dergleichen doch von allen übri-
gen Ländern Europa's !
C. Sundevall's „Svenska Foglarna" wurde fortge-
setzt. Die Abbildungen in Farbendruck lassen wenig zu
wünschen übrig. Text bis S. 68.
J. W. Grill: Schwedische Volksnamen der Vögel in
Öfvers. Kongl. Vet. Acad. Förhandl. 1856.
Arthur v. Nordmann: „Uebersicht der bis jetzt
in Finnland und Lappland vorgekommenen Vögelarten, mit-
gelheilt von Alex. v. Nord mann." Bullet. Acad. Imper.
Natur. Mose. 1860. p. 1. Wichtiger Beitrag. Carpodacus
erythrinus, vor 20 Jahren im südlichen Finnland unbekannt,
ist dort jetzt gewöhnlicher Brutvogel.
W. Mewes: „Bidrag til Jemtland's Ornithology. Re-
seberättelse etc. Övfers. Kongl. Vetensk. Acad. Förh. 1860.
p. 187—224. Ziemlich ausführlich.
C. Bolle: „Andeutungen azorischer Ornithologie" in
Caban. Journ. Jahrg. 7. Heft 5.
Asien.
Von Gould's „Birds of Asia" erschien die 8te Lie-
ferung, enthaltend die trefflichen Abbildungen von Otogyps
calvus, Spilornis rufipectus, Elanus hypoleucus, Diardigal-
lus praelatus , Cinclus asiaticus, Cinclus leucogaster , Cin-
clus cashmeriensis, Cinclus sordidus, Halcyon fulgens, Hai-
der Vögel während des Jahres 1860. 45
cyon atricapillus, Dacelo tyro, Loxia himalayensis, Dumetia
albogularis und Dumetia hyperythra.
L. V. Schrenk: „Vögel des Amurlandes" bildet die
zweite Abtheilung des ersten Bandes der „Reisen und For-
schungen im Amurlande." 1 Vol. 4. 350 S. mit 7 Kupfer-
tafeln. Unstreitig eine der wichtigsten und bedeutendsten
Arbeiten unter allen , deren hier zu gedenken. Ein fast
neu^zu nennendes Gebiet wird uns in seiner Totalität zum
ersten Male ornithologisch enthüllt und das mit einem Auf-
wände von Fleiss und wissenschaftlicher Gründlichkeit, wie
solche die diesem Zweige der Zoologie gewidmete Littera-
tur unserer Zeit nicht gerade häufig aufzuweisen hat.
V. Schrenk selbst konnte namentlich das untere Aniurland
und das Mündungsgebiet durchforschen, während der obere Lauf und
das Quell-Land des mächtigen Stromes mit vielem Glücke von einem
Herrn Maack ausgebeutet wurden. Zu den lUO Arten, welche sol-
chergestalt zur Beobachtung gelangten, kommen 44 von Pallas als
daurisch aufgeführte, und von zahlreichen andere glaubt v. Seh r en k
das Vorkommen im Amurlande als sehr wahrscheinlich bezeichnen
zu müssen. Der Charakter der Avifauna desselben ist vorwaltend
ein europäi.sch - sibirischer j denn mindestens -yio der dort lebenden
Arten tragen europäisch-sibirisches Gepräge. Als nordasiatisch wür-
den sich ^10 und als südasiatisch nur "/lo derselben erkennen lassen.
Es erscheint natürlich , dass der südlichste Theil des Amurgebietes,
also Daurien im Sinne von Pallas, vorzugsweise südlichere zu-
meist chinesische und japanische Formen aufzuweisen hat. (Phasia-
nus torquatus, Thaumalea picta, Pica cyanea, Pastor sturninus , Stur-
nus cineraceus etc.). Eine sehr instructive tabellarische Uebersicht
erläutert die dortigen Zugzeiten der Vögel. Vergleichung mit den
von Middendorf gewonnenen Resultaten. Ankunftzeit und Brut-
geschäft fallen sehr spät. In Bezug auf Färbungsverhältnisse zeigen
die meisten Vögel im Amurlande keine klimatischen Abwei-
chungen von dem Typus des mittleren Europa; wo dergleichen
vorkommen treten sie meistens in Gestalt einer auffallenden Verdun-
kelung auf. „In den gesammten ornithologischen Verhältnissen des
Amurgebietes spricht sich ein verhältnissmässig nordischer zwar durch
manche Einzelzüge südlicherer Natur ausgezeichneter aber im Gan-
zen dem sibirischen sehr genäherter Charakter aus."
Wenn wir nun nochmals den sehr ausführlichen „Schlussfol-
gerungen" betitelten allgemeinen Theil der Arbeit v. Schrenk's
nach bester Ueberzeugung als vortrefflich und in hohem Grade in-
teressant bezeichnen, so müssen wir um so mehr bedauern, mit des-
40 Hartlaub: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
sen AuÜassung des ßegrilFes der „Art" durchaus nicht übereinstim-
men zu können, ein Umstand, der selbstverständlich manche der ge-
wonnenen Resultate in unseren Augen als irrtluimlich erscheinen lässt.
Der spärlich gemessene Raum gestattet uns im Folgenden leider nur
Andeutungen.
Wir bestreiten also zunächst hier auf das allerent-
schied e n ste die Gleichartigkeit von : 1) der Acanthylis des
Amurlandes mit A. caudacula Australiens, 2) von Alcedo bengalensis
mit A. ispida, 3) Fica cyanea mit V. Cookii, 4) Sitta uralensis mit S.
caesia, 5) Garrulus Brandtii mit G. glandarius, 6) Cinclus Pallasii mit
C. americanus, 7) Oriolus acrorhynchus mit 0. sinensis, 8) IN'emura
rufilata mit Lusciola cyanura , 9) Zosterops japonicus mit Z. chloro-
notus, 10) Ruticilla aurorea mit R. phoenicura, 11) des Pericrocotus
vom Amur mit P. cinercus der Philippinen (?), 12) Tetrao falcipennis
mit T. canadensis , 13) Ardea virescens mit A. scapularis, 14) Kume-
nius major mit K. australis.
Sämmlliche hier genannte Arten , mit Ausnahme derer vom
Amur, befinden sich in der Bremer Sammlung. Man vergleiche übri-
gens als ausführlicher begründet die Recension inSclater's Ibis III.
p. 203. Zu welchen Consequenzen des Unsinns aber eine Anschau-
ungsweise wie diese führen muss , dafür nur noch eine Belegstelle
aus dem Buche v. Schrenk's. Dieser schreckt allen Ernstes nicht
zurück vor der Annahme, die Acanthylis -Art des Amur mache all-
jährlich Wanderungen nach Neusüdwalis ! Nun, Glück auf den Weg !
Robert S w i n h o e : „The Ornilhology of Amoy
(China)" in Sciater's Ibis II. p. 45 und 130. Nach einer
kurzen Schilderung der Lokalität macht der Verfasser, wel-
cher bei der ßestiuimung der Arten hauptsächlich durch
Blyth unterstützt wurde, deren 160 namhaft. Darunter
manches Neue , wovon später. Die Mehrzahl der Landvö-
gel besucht Amoy nur auf dem Zuge oder gelegentlich.
Viele Wasservügel dagegen sind stationär. Bei ziemlich
zahlreichen Zügen europäischen oder nordasiatischen Ge-
präges bleibt der Hauptcharakter der Avifauna Amoys ein
indischer.
R. Swinhoe: „The Ornithology of Amoy." Journ.
As. Soc. of Beng. 18C0. p. 240—66.
H. Swinhoe: „Narrativc of a visit to the Island of
Formosa" in Journ. of the North-China Brauch of Ihe Royal
Asiatic Society No. 11. (Mai 1859) p. 145. Und als Nach-
trag dazu : „Notes on some nevv species of Birds found
der Vögel während des Jahres 1860. 47
on the Island of Formosa" ib. p. 225- Schon als erste
Nachricht von der Ornithologie Formosa's von grossem In-
teresse. Natürlich viele Uebereinslimmung mit den be-
nachbarten Küstengebieten Chinas. Calamanthella tintin-
nabulans (Cisticola brunneiceps ?) und volitans, Prinia
striata, Garrulax taevanus «nd Pomatorhinus musicus sind
wahrscheinlich neu. Der Cinclus ist walirscheinlich Pal-
lasii. Papageien wurden nicht beobachtet. Swinhoe fügt
allerlei Beobachtungen über die Lebensweise hinzu. Vergl.
Ibis p. 160.
R. Swinhoe berichtet ferner brieflich über die Or-
nithologie der kleinen Insel Lani-yit im Formosacanal.
Er beobachtete daselbst 14 Arien, nämlich IVisus sp,, Cypselus
vitlalus, Hiriindo gutluralis, Anihus therniophilus Hodgs. . Molacilla
luzonica , Petrocoss, nianillensis , Alauda coelivox, Pastor cristatellus,
Pica sericea, Charadr. cantianus , Ardea garzelta , Sterna velox (?),
niinuta nnd stolida. Ibis p. 428.
Tickeil: „Itinerary , with memoranda chiefly topo-
graphical and zoological, through the soütherly portion of
the district of Amherst, province of Tenasserim" in Journ.
As. Soc. Beng. Vol. 28. p. 5. — Major Tic kell ist uns
seit Jahren als einer der besten Ornithologen Indiens be-
kannt und seine Mittheilungen sind allemal von grossem
Interesse.
A. R. Wallace: „The Ornithology of Northern Ce-
lebes« in Sclal. Ibis p. 140. Der Leser weiss bereits,
welche Bedeutung wir den Forschungen und Arbeiten des
trefflichen englischen Reisenden beilegen. Auch das orni-
thologische Gemälde, welches derselbe uns von der reichen
Tropeninsel Celebes entwirft , ist höchst anziehend. Die
Avifauna ist hier eine sehr eigenthümliche.
Die Zahl der Arten scheint nicht gross; Wallace sammelte
deren 140 und Forsten erlangte noch 10 andere. Nur 8 Arten
gemeinschaftlich mit den Molukken. An hundert scheinen der Insel
eigenthümlich anzugehören. Laniidae und Muscicapidae sind sehr
schwach, Ficidae und Turdidae noch schwächer, Bucconidae, Trogo-
nidae und Eurylaemidae gar nicht vertreten. Auch die charakteristi-
schen Formen der Papua -Länder fehlen andererseits, so die Gattun-
gen Lorius, Eclectus , GeolTroyus, Tanysiptera, Tropidorhynchus. Von
Papageien Prioniturus mit zwei Arten. Zahlreiche Tauben in den
48 Ilartlaub: Bericht üh. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
merkwürdigsten Gattungen. Vergebens blieben alle Nachforschungen
nach Meropogon Forsteni. lieber die Lebensweise und insbesondere
über die Fortpflanzung von Megacephalon und Megapodius werden
sehr interessante Beobachtungen mitgetheilt.
J. P. C 0 i n d e : „Notiz über die ornithologische Fauna
der Insel St. Paul in der ßehringsstrasse" in Rev. et Mag.
de Zool. p. 396. Charadrius pluvialis , Strepsilas collaris,
Carbo pelagicus, Larus tridactylus, Larus Warnecki n sp. (?),
Phaleris cristalella , Ph. aleutica , Ph. pusilla und Lunda
cirrhata.
Afrika.
J. W. Grill: „Zoologiska Antekningar under en resa
i södra delarne af Caplandet etc. af J. F. Victorin, ur
den aflidnes papper samlade och ordnade af T. W. Grill.
Besonderer Abdruck aus den Kongl. Vetensk. Acad. För-
handl. Victor in sammelte in der Umgebung der Cap-
stadt, und bei Knysna 153 Arten in 517 Exemplaren; dazu
die Eier von 11 Arten. Sein Aufenthalt in den südlichen
Distrikten der Colonie dauerte 16 Monate und er scheint
diese Zeit nicht nur fleissigst zum Sammeln, sondern auch
namentlich zu schriftlichen Bemerkungen über die Lebens-
weise der von ihm beobachteten Vögel benutzt zu haben.
Bald nach seiner Rückkehr sollte die Wissenschaft den Tod
eines begabten ihr eifrig ergebenen Jüngers zu bedauern
haben , und die Bearbeitung der afrikanischen Ausbeute
Victorin's wurde nun in sehr rühmlicher Weise von J.
W. Grill ausgeführt. Nur zwei neue Arten. Der de-
scriptive Theil dieser höchst werthvollen Arbeit ist in latei-
nischer Sprache geschrieben.
J. H. Gurney: „On Birds collected in the colony of
Natal, in South Eastern Africa." Ibis p.203. Höchst in-
structive biologische Mittheilungen über 127 Arten nach den
von Herrn Thomas Ayres in Urban angestellten Samm-
lungen und Beobachtungen.
Dr. G. Hartlaub and J. J. Monteiro: „On some
Birds collected in Angola " Proceed. Zool. Soc. p. 199.
Herr Monteiro brachte diese zwar nur kleine aber sehr
der Vögel während des Jahres 18G0. 49
interessante Sammlung von 22 Arien um Ambriz an der
Küste und auf dem Gebiete von Pembe, 130 Meilen im In-
nern, zu Stande. Die kurzen den einzelnen Arten beige-
fügten Notizen bekunden Herrn Monteiro's Befähigung
für zoologische Arbeiten und berechtigen sehr entschieden
zu Erwartungen von dessen abermaligem Aufenthalte im süd-
westlichen Afrika. Wir erfahren , dass dort bereits mit
bestem Erfolge von ihm gesammelt wurde , und dass es
ihm unter anderem gelungen Corythaix paulina am Coanza-
flusse bei Pungo- Andongo zu erlangen, eine seltene Art,
über deren eigentliches Habitat bekanntlich bis jetzt ein
Dunkel schwebte.
E. Blyth: „Report on a Zoological collection from
the Somali-country reprinted from the 24 Vol. of the Journ.
Asiat. Soc. of Bengal , with additions and corrections by
the collector John Hanning Speke. London. 16 S.
Der Zuthaten und Verbesserungen sind allerdings nur we-
nige , und man begreift nicht recht, wie der eifrige und
erfolgreiche Sammler im Somalilande den Vögeln so ganz
und gar keine Beachtung schenken mochte auf seiner gros-
sen innernafrikanischen Expedition mit Burton. Die hat
denn der Ornithologie doch auch buchstäblich gar nichts
eingetragen.
Referent verötfentlichte in Caban. Journal für Or-
nithologie eine „systematische Uebersicht der Vögel Ma-
dagascars." Mehr darüber im nächsten Berichte.
H. B. Tristram's treffliche Arbeit: „On the Ornitho-
logy of Northern Africa" kommt zum Schluss. Dieselbe
giebt Nachricht von 173 Vögelarten der Sahara und bildet
ohne allen Zweifel die beste Zusammenstellung über die-
sen Gegenstand, welche uns die rasch wachsende Bekannt-
schaft mit dem „Sandmeere Nordafrika's" gebracht hat.
Tristram ist ein guter Beobachter und versteht es seine
Beobachtungen in anziehender Gestalt zur Geltung zu brin-
gen. Zahlreiche Grallatoren, welche Capitain Loche als
Winterbesucher des Teil aufführt, kamen Trist ram nicht
zu Gesicht. Es bogreibt sich leicht, dass die seltneren
und interessanteren der namhaft gemachten Vögel nur in
Archiv f. Naturg. XXVII. Jahrg. 2. Bd. 1)
50 II ar 1 1 an 1): Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
den südlichsten der von ihm besuchten Gegenden ange-
troffen wurden. Europäische Arten wurden in dem Maasse
seltner, als man in südlicher und östlicher Richtung vor-
drang. Dagegen mehrten sich nubische und selbst abyssi-
nische Formen. Man könnte sagen, das Waregla den Anfang
der ethiopischen Region bildet. (?) Es ist nicht wahrschein-
lich, dass uns die noch undurchforschte Touareg - Gegend
viele neue Arten bringen werde.
Der jüngere Heine lieferte in Gab. Journ. f. Ornith.
eine gute Uebersetzung von Cassinis Rearbeitung der
Vögel Du Chaillu's. Fast keiner der neuen Genus -Namen
Cassin's findet Gnade. Neue klassisch-gebildete müssen an
deren Stelle treten! Wir sagen vorläufig nur: höchst
üb er flüssig e Mühe.
„On new or little known birds of North-Eastern Africa"
by Th. V. Heuglin. Ibis p. 407. Rehandelt die daselbst
vorkommenden Arten der Gattungen Hypotriorchis und Cir-
caetos in übersichtlicher Gestalt. Heuglin's zoologische
Notizen sind von grossem Interesse und bekunden durchweg
den geübten Reobachter. Wird fortgesetzt.
Amerika.
A. V. Etzcl: „Grönland geographisch und statistisch
beschrieben." Aus Dänischen Quellschriften (Rink). 1 Vol. 8.
Auf S. 579 dieses Werkes findet sich ein Verzeichniss
sämmtlicher Vögel Grönlands nach Reinhardt. Es wer-
den 71 Arten als Rrutvögel und 40 als gelegentliche Re-
sucher namhaft gemacht. Alca impennis wird nicht mit
aufgeführt.
Dr. D. Walker: „Notes on the Zoology of the last
Arctic Expedition under Capl. Sir F. L. M'Clintock in
Journ. Roy. Dubl. Soc. for July and Octob. 1860. Nur be-
kanntes enthaltend. (Ibis p. 165).
R. R. Ross: „Mainmalia and Rirds of the Arctic Re-
gions." Edinb. Philosoph. Journ. Jan. 1861. p. 161— 164.
Rehandelt die zwischen dem 62 und 67 '/j'^ im Inneren von
Nordamerika vorkommenden Vögel. Der Verfasser ist ein
der Vögel während des Jahres 186Ö. 51
Beamter der Hudson's-Bay- Company, stationirt am Peel-
River und eifriger Naturforscher. Die Wissenschaft dankt
ihm z. B. die Wicderentdeckuno- von Hearne's Horned Wa-
vey (Anser Rossii Baird).
Audubon jun. veranstaltet eine neue Ausgabe des
grossen Folio-Werkes seines Vaters, die aber nur die Hallte
kosten soll. Auf 45 Lieferungen berechnet. Wir können
uns, aufrichtig gesagt, für diese Arbeit nicht besonders
warm interessiren , halten sie für ziemlich überflüssig und
glauben eben darum nicht an ihr Zustandekommen.
Spencer F. Baird: Catalogue of North -American
Birds, chiefly in the Museum of the Smithsonian Institution"
4. 40S. Washington. Sehr werthvoll. 716 Arten! Genaue
Angabe der Fundorte.
J. M. Le Moine: „Ornithologie du Canada." 1. Part.
Oiseaux de proie et Palmipedes. J2. 95 S. Quebeck 1860.
Ein etwas sonderbares kleines Buch in populärer Haltung.
Spencer F. Baird: „The Birds of North America ;
the description of species chiefly based on the collection in
the Museum of the Smithsonian Institution, with the Coope-
ration ofJohn Cassin and G. N. Lawrence, with an
Atlas of 100 plates. 2 Vol. 4. Philadelphia 1860. (34 l).
Das beste und vollständigste W^erk in der reichen Liltera-
tur über die Vögel Nord-Amerikas. Gute Beschreibungen
und Messungen, kritisch revidirte Synonymie, genaue An-
gabe der verglichenen Exemplare in Bezug auf Anzahl und
Fundorte; endlich kritisch- comparative und zuweilen sehr
ausführliche Bemerkungen über die wissenschaftliclie Be-
rechtigung mancher neu creirter Gattungen und Arten.
Baird geht uns darin reichlig weit. Sehr viel neues Ma-
terial. Die Abbildungen sind sehr gut; etwa die Hallte
derselben ist neu. Das ganze W^erk ist ein Triumph wis-
senschaftlichen Fleisses und gereicht seinen Verfassern zu
wahrer Ehre.
„The Natural History of the Washington Territory,"
with much relating to Minnesota, Nebrasca, Kansas, Oregon
and California between the 36 and 49 Parallels of Lati-
tude etc., by J. G. C o o p e r and Dr. G. S u c k 1 e y. 1 Vol. 4.
52 Hartlaub: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
New- York 1859. 400 S. mit zahlreichen Kupfern, die wir
aber schon aus den „Reports" kennen. Vögel S.162 — 192.
1) Land-Birds by J. G. Coo per, Synonymie, Lebensweise.
2) Grallatores and Natatores by G. Suckley. Recht gut
und brauchbar.
Abgebildet sind : Falco nigriceps, Buteo Cooperi, Junco dor-
salis, Passerculus sandvvichensis, Corvus carnivorus, Corvus america-
nus, Corvus caurinus , Pica hudsonica, StrepsiJas melanocephala, Po-
diceps occidentalis und Podiceps californianus.
Sp. F. Baird and Xanthus de Vesey schrieben
über die Avifauna um Cap St. Lucas, unter- Californien.
Proceed. Acad. Philad. 42 Arten. Viel Verwandtes mit den
Vögeln des Rio-Gila.
„Catalogue of Birds collected during a survey of a
route for a ship-canal across the Istmus of Darien etc. made
by Lieutn. Michler; by J. Gassi n." Proceed. Acad. N.
Sc. of Philad. p. 188. Die interessanten Lokalitäten sind
der Fluss Atrato und seine Confluenten , der Truando und
Nercua. Gesammelt und beobachtet wurde durch die Herrn
W. S. Wood und Ch. Wood. Man befuhr den Atrato
90 Meilen weit aufwärts bis zur Einmündung des Truando.
Der Charakter der Vögelfauna dieses reichen Gebiets ist
ganz südamerikanisch. Stark vertreten erscheinen die Ta-
nagriden , Icteriden und Rhamphastiden. Zwischenunter
noch vereinzelte nordamerikanische Arten.
0. S a 1 V i n and P h. L. S c 1 a t e r : „Contributions to the
Ornithology of Guatemala." Ibis p. 28. Sehr dankenswerthe
Zusammenstellung. Die biographischen Notizen stammen aus
der Feder 0. Salvin's; die Bestimmung der Arten und
die Noten über die geographische Verbreitung derselben
sind Sclater's Werk. 80 Arten. Aber nur die werden
hier aufgezählt, welche nicht als Guatemala bewohnend ge-
nannt waren.
G. C. Taylor: „On Birds collected or observed in
the Republic of Honduras, with a short account of a jour-
ney acros that country from the Pacific to the Atlantic."
Ibis p. 10, 110, 222 und 311. Ein ausführlicher und sehr
werthvoller Beitrag zu unserer Kenntniss der Vögel Mit-
der Vögel während des Jahres 1860. 53
tel-Amerikas. Nach einer detaillirten Schilderung der phy-
sikalischen Verhältnisse des Landes wird ziemlich eingehend
über 96 Arien berichtet. Taylor reiste von Fonsecabay
am stillen Meere nach Omoa am atlantischen Ocean und
scheint trotz der grossen Hindernisse, welchen der Natur-
forscher auf diesen noch so wenig zugänglichen Gebieten
Amerikas ausgesetzt ist, seine Zeit gut benutzt zu haben.
Dr. Jean Cabanis: „Uebersicht der im Berliner
Museum befindlichen Vögel von Costarica." Cab. Journ.
Heft 5. Jahrg. 7. Ganz abgesehen von der vortrefflichen
Bearbeitung, ist dieser Beitrag schon desshalb von beson-
derer Wichtiofkeit, weil er die Voffelfauna eines ornitholo-
gisch so gut wie gar nicht bekannten Gebietes zum Gegen-
stande hat. Ziemlich viele neue Arten. Von besonderem
Interesse ist z. B. die Entdeckung einer zweiten Ptilogo-
nys-Art.
P. L. Sclater: „List of Birds collected by M. Fräser
at Esmeraldas, (Ecuador), with descriptions etc." Proceed.
Zool. Soc. ofLond. p. 291. Behandelt 94 Arten. Die Zeit
des Sammeins fiel in die Monate October , November und
December. Kurze biographische Notizen. Manches Neue
und Interessante.
P. L. Sclater: „List of Birds collected by M. Frä-
ser at Babahojo in Ecuador, with descriptions etc." Pro-
ceed. Zool. Soc. Die genannte Lokalität liegt tief, etwa
200 englische Meilen nordöstlich von Guajaquil , 200 bis
250 Fuss über dem Meere. Fräser sammelte hier im
August und September und brachte nicht weniger als 134
Arten zusammen. Dass der gerade auf seinem „neotropi-
schen" Gebiete so kundige Sclater diese Ausbeute bear-
beitet , ist die Hauptsache und ein wirklicher Gewinn für
die Wissenschaft.
P. L. Sclater: „Notes on a collection of Birds froni
the vicinity of Orizaba and the neighbouring part of Sou-
thern Mexico." Proceed. Zool. Soc. p. 250. Umfasst nur
44 Arten , ist aber als Beitrag zu unserer genaueren Be-
kanntschaft mit der Lokalfauna Mexiko's von Wichtigkeit.
P. L. Sclater: „List of additional species of Birds
54 II a I 1 1 a II It : Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
collected by M. Louis Fräser at Pallatanga (Ecuador),
w'ith notes etc." Proceed. Zool. Soc. p. 63. Fräser war
hier so glücklich 161 Arten zu erlangen. Ein Theil die-
ser bedeutenden Anzahl stammt indessen von dem benach-
barten aber bedeutend höher gelegenen Chillanes.
P. L. Sclater: „List of Birds collected by M. L.
Fräser in Ecuador, at Nanegal , Calacali, Perucho and
Puellaro , with notes etc." Proceed. Zool. Soc. p. 83. Es
werden 130 Arten namhaft gemacht.
P. L. Sclater: „List of Birds collected by M. L.
Fräser in the vicinity of Quito and during excursions to
Pichincha and Chimborazo, with notes etc." Proceed. Zool.
Soc. p. 73. Sämmtlich reiche Lokalitäten , die, wenn auch
bereits von anderer Seite durchforscht, noch immer genug
des Neuen zu liefern versprechen.
J. Ca SS in: „Catalogue of Birds from the Island of
St. Thomas, West-lndies , collected and presented etc. by
R. Svift." Proceed. Acad. Nat. Sc. of Philadelph. p. 374.
Hübsche fleissige Arbeit , in welcher 27 Arten aufgezählt
werden.
Ausführlicher über Gymnoglaux nudipes , Tyrannus doniinicen-
sis, Tyrannula martinica, Vireosylvia altiloqua, Cichlherminia fuscata,
Phonipara bicolor, Eulampis holosericens , Conurus xantholaeinus,
Melanevpes portoricensis , Coluniba coiensis , Chaniaepelia trochila,
Eupsychortyx Sonninii.
Dr. J. Gundlach: „Ornithologisches in Briefen aus
Cuba" in Gab. Journ. f. Ornith. Sept. 59.
Dr. R. Amandus Philippi: „Reise durch die An-
denwüste Atacama , auf Befehl der chilenischen Regierung
im Sommer 1853 — 54 u. s.w. 1. Bd. in gr. 4. Halle." Darin
auf S. 161 Vögel. Etwas kurz und ungenügend behandelt.
Nur 33 Arten.
Ausführlicher über Trochilus leucopleurus G., Upucerthia ata-
camensis, Phoenicoparrus andinus, Zenaida boliviana, Leptoscelis Mit-
chelli, Chlorospiza erythrorhyncha etc. Gute Abbildungen von Upu-
certhia und Phoenicoparrus.
Prof. H. Burmeister: „Systematisches Verzeichniss
der in den La Plata-Staaten beobachteten Vögelarten." Gab.
Journ. für Ornith. p. 241 — 268. Unstreitig den wichtigsten
der Vogel wahrend des Jahres 1Ö60. 55
der diesmal zu besprechenden Arbeiten auf dem Gebiete
der Ornithologie beizuzählen. Es wurden 261 Arten beob-
achtet und zumeist auch gesammelt. Olt nur Namen, oft
mehr , als werthvolle biographische Notizen. Besondere
Bezugnahme auf Azara und des Verfassers Werk über die
Vögel Brasiliens. Etwa 20 neue Arten, unter ihnen einige
von grossem Interesse, so eine zweite Dicholophus - Art>
welche wir uns „Burmeisteri" zu benennen beehrt haben,
ferner Coryphistera alaudina, Geobamon rufipennis, Saltator
mullicolor etc. Mehr davon im speciellen Theile.
P. L. Sclater: „Catalogue of Birds from the Falc-
land Islands." Proceed. Zool. Soc. p. 382. Abermals eine
von der umfassendsten Sachkenntniss zeugende Arbeit des
unermüdlich -eifrigen Secretär's der zoologischen Gesell-
schaft zu London. Es beruht dieselbe auf den Sammlun-
gen eines Capt. Pack, der mehrere Jahre auf jenen In-
seln ansässig war. Doch 57 Arten. Neues ist dort nicht
zu erwarten. Der Charakter der dortigen Vögelfauna ist
durchaus südamerikanisch und von insularisch ausgepräg-
ter Eigenthümlichkeit. Nur fünf Vögel scheinen die Falk-
landsinseln mit dem benachbarten Festlande gemein zu ha-
ben , nämlich : Milvago australis , Phrygilus melanoderus,
Phr. xanthogrammus , Cinclodes antarcticus und Muscisaxi-
cola macloviana. Von jenen 57 Arten sind nur 16 soge-
nannte Landvögel.
Australien und Polynesien.
Dr. G. Ben nett: „Gatherings of a Naturalist in Au-
stralasia , beeing observations principally on the Animals
and vegetable produclions of New- Soulh-Wales, New-Zea-
land and some of the Auslral-Islands." 1. Vol. 8. 456 S. Das
meiste von dem in diesem werthvollen Buche enthaltenen
Ornithologischen kennen wir bereits aus früheren Milthei-
lungen des Verfasser's. So dessen Nachrichten über My-
cteria australis und Casuarius ßennettii. Anderes ist neu.
Wir erfahren allerlei über die Seevögel der benachbarten
Inseln, wie über die Tauben und Papageien der inneren
56 llartlaiib: Bericht üb. «1. Leistungen in d. Naturgeschichte
Gegenden. Ben nett macht den Colonisten den Vorwurf
muthwilligen Zerstörens und Verminderns im Vögelbestande
mancher Gegenden.
Jules V e r r e a u X et P. 0. D c s M u r s : „Description
d'Oiseaux nouveaux de la nouvelle Caledonie et indication
des especes deja connues de ce pays." Rev. et Mag. de
Zool. p. 283. Gute sorgfältig redigirte Arbeit. Die frü-
hesten Nachrichten über die Vögel Neu-Caledoniens finden
sich bekanntlich bei den Forster'n. Die von ihnen be-
schriebenen Arten blieben lange nominale. Erst jetzt fällt
neues und volles Licht auf diesen höchst eigenthümlichen
Theil oceanischer Ornithologie. Nachdem im vorigen Jahre
G. R. Gray in den Proceeding's ein erstes Verzeichniss
neucaledonischer Vögel mitgetheilt (wobei indessen die Isle
of Eines so wie die Inseln Nu und Loyalty eingeschlossen),
wird uns schon jetzt ein abermaliger und ungleich reiche-
rer Beitrag geliefert.
Als neu figuriren darin : Cyonorhamphus Saisseti, Trichoglossvs
Desplanchii , Psitteuteles diadema , Eopsaltria ßavigastra , Pachyce-
phala assi7nilis , Catnpephaga analis , Lalage Montrosieri , Leptornis
Aubryanus , Gallirallus Lafraneya7iiis , Rhynochetos jubahis (eine der
schönsten ornithologischen Entdeckungen unserer Zeit). Auch Nym-
phicus cornutus und Phaenorhina goliath werden näher besprochen.
Wir hatten das Vergnügen die dieser Arbeit zum Grunde liegenden
Vögel in der Ausstellung colonialer Produkte zu Paris (1859) bewun-
dern zu können.
v. Pelze In: „Zur Ornithologie der Insel Norfolk" in
Sitzungsber. d. Kaiserl. Ac. d. Wissensch. Bd. 41. p. 319.
Nach Sammlungen des verstorbenen österreichischen Bota-
nikers Lucas Bauer. Sehr werthvolle Miltheilung.
Die namhaft gemachten Arten sind Astur approximans , Clima-
cteris scandens, Zosterops tenuirostiis, Z, albogularis , Gerygone mo-
desta, Turdus poliocephalus, Rhipidura assimilis , Pachycephala lon-
girostris, Campephaga longicaudata , Apionis obscurus, Nestor nor-
folciensis , Hemiphaga spadicea, Leucosarcia picata, Charadrius xan-
Ihocheilus, Limosa Baueri , Tolanus glottis, Nolornis alba, Anas su-
perciliosa, Puffinus chlororhynchus, Procellaria atlanlica und Phaeton
phoenicurus. Von diesen 21 Arten scheinen neun der Insel eigen-
thümlich anzugehören. Näheres im speciellen Theiie. ''
G. R. Gray: „List of Birds collected by Mr. Wal-
der Vögel während des Jahres 1860. 57
laceat the Moluccas, >vitli ilescriptions etc.^' Proceed.
Zool. Soc. of i.ond. p. 341. Den wichtigsten unter den
diesmal zu besprechenden Arbeiten beizuzählen. Begreift
die reiche Ausbeute des unermüdlichen VV a 1 la ce auf den
Inseln Batchian, Kaisa oder Kiou, Amboina, Ternata, Gilolo,
Ceram, Banda , Bourou. An 200 Arten, worunter nahezu
40 neue. Sämmtliche Originalexemplare im briltischen Mu-
seum. Zahlreiche und prachtvolle Papageien und Tauben.
Besonders reich Gilolo und Batchian. Als die interessante-
sten Entdeckungen Wallace's betrachen wir Aquila Gur-
neyi, Semioptera Wallacei, Habroplila Wallacei und Mega-
podius Wallacei. Ceram scheint eine verhälnissmässig arme
Lokalität zu sein.
Accipitres.
FalCOnidae. Dr. H. A. Bernstein: „Üver het soorteligk ver-
schil van falco limnaetos Horsf. et F. niveus T." Abhandlung in 4.
aus den Act. Societ. Sc. indo-neerland. Vol. 6 (Batavia). Anatomi-
scher Nachweis, der in der That keinen Zweifel an der Richtigkeit
dieser Sonderung zulässt.
F. L. Sclater: „On the Birds oi" New-Guinea." Ibis p. 322.
Behandelt Ichthyaetos leucogaster, Haliastur leucosternus, Henicoper-
nis longicauda, Baza stenozona , Astur novae Hollandiae, Accipiter
poliocephalus mit Abbild, auf pl. 10, Spiloglaux humeralis und Spilo-
glaux theomacha.
P. L. Sclater: „Note on the Egg and Nestling of the Cali-
fornian Vulture."' Ibis p. 278 mit Abbild, auf pl. 8 und 9. Nach
Mittheilungen von Herrn Alex. S. Taylor in Monterey, welcher in
Nr. 36 des „California Magazine" (Juli 1859) selbst über die Fort-
pflanzung von Cathartes californianus geschrieben hat. Das Ei ist
rein weiss.
Alex. S. Taylor: „Condors of Chile and California" in Ca-
lifor. Farm. Journ. of usef. scienc. Vol. 9. Nr. 16 — 22.
lieber das Nisten von Aquila imperialis in Griechenland vergl.
W. H. Simpson: Ibis p. 375. Ebendaselbst über Falco sacer.
J. H. Giirney: „Lieber die Eier von Otogijps auricularis und
Aquila fucosa.^^ Ibis p. 171.
lieber die Circaetos- und Hypolriorchis-Arlen Nordost-Afrikas
schrieb v. H engl in in Ibis 1. c.
58 II a rf I a II J) : Bericht üb. d. Leistungen in d. Natiirgeschichfe
Die Fortpflanzung von Aquila Bonelli in Griechenland be-
schreibt Krüper in Cab. Journ. p. 441.
Cassin behandelt die unterscheidenden iMerkniale von Ictinia^
missisippensis und 1. phanbea.
J. Verreaux beschreibt zuerst das alte 31ännchen der Uro-
spha haplochroa Neu-Caledoniens. Rev. et Mag. de Zool. p. 385.
Robert Owen: „On the Habits of Elanoides fnrcattts.^'' Ibis
p. 240.
Ueber eine südliche Varietät von Micronisus monogrammicus
vergl. Harllaub Hlonteiro Vögel Angolas. Proceed. Zool. Soc. 1. c.
A. V. Pelz ein: „Zur näheren Kenntniss von Morphnus guja-
nensis'''' in Caban. Journ. für Ornith. p. 337.
Neue Arten. Aquila Gurneyi Gray, Proceed. Z. S. p. 342. pl. 169.
Brasilien. — Asha' griseogiilaris Gr. ib. Batchian, Gilolo, Ternata. —
Astvr henicogrammiis Gr. ib. Gilolo av. jun. — Accipiter erythranchon
Gr. ib. Gilolo. — Buteo brachypterus v. Pelz. Hartl. Cab. Journ. Ma-
dagascar. — Hypotriorchis castanonotus Heugl. Weisser Kil. — Falco
punctipennis Burm. Cab. Journ. p. 242 (wenn nicht eins mit Uarpa-
gus circunicinctus Kaup). — Accipiter collaris Sei. Neu - Granada.
Ibis p.l47. p. 6.
Abbild. Circaetos zonurus Würtenib. Ibis pl. 15. fig. bon. —
Ei von Buteo erythronotus. Ibis 1860. pl. 1. fig. 3. — Ei vo«i 3Iilvago
australis ib. fig. 1. u. 2. — Accipiter poliocephalus Gr. Ibis pl. 10.
opt. — Ei von Falco sacer. Ibis pl. 12. fig. 1. — Ei von Aquila im-
periatis, ib. pl. 12. fig. 3. — Ei von Aquila Bonelli, ib. fig. 2. — Ei
von Catharles californianus, Ibis pl. 8.
Strigidae. Ueber eine blasse Varietät von Bubo tnaximus vom
Pangkong-See in Tibet, Sclat. in Proceed. Z. S. p. 99.
Neue Arten. Athene rufostrigataGv. Proceed. p. 344. Gilolo. —
Athene hypogramma Gr. ih. Batchian, Gilolo. — Ephialtes leucospilaGv.
ib. Gilolo, Batchian.
Passeres,
1. Fissirostres.
CaprilDUlgidaO. Neue Arten. Batrachostomus stictopterus Ma-
iacca. Cab. ölus. Hein. p. 129. — B. spilopterus Gr. Proceed. Z. S.
p. 345. Batchian, Gilolo. — Caprimulgus fulviventris Hartl. ib. p. 169.
Augola. — C. anrfinws Philippi, Troscb. Arch. f. Naturg. p. 279. Chili.
Cypselidae. Blyth: über essbare Vogelnester. Ibis p. 323. —
Dr. Bernstein: über einige Cypselinen-Nester auf Java. Cab. Journ.
Abbil. Chaetura rutita Vieill. von Guatemala. Ibis pl. 3.
der Vögel während des Jahres 1860. 59
Hirundinidae. Eine sehr hübsche und ausführliche Arbeil über
die Schwalben Griechenlands lieferte Krüper in Cab. Journ. p. 721.
Viel neues über Hirundo rufula, deren Eier rein weiss. Auch über
//. Boissonneauli.
INeue Art. Phedina madaf/rtscariensis Ilartl. Cab. Journ. p. 88.
Coraciadae. IS'eu ist Euryslomns azureus Gr. Proceed. Zool. S.
p. 346. Gilolo, An Grösse und Farbenpracht alle congenerischen Arten
übertrelfend.
MomOtidae. Banjphtkengvs melanchoUcus. Cab. Mus. Hein. p. 115.
ßuenos-Ayres (?Ref.).
TrOgOnidae. 0. Salvin schreibt sehr anziehend und instructiv
über den Quesalf in Guatemala (Pharoniachrus niocinuo). Ibis 1861.
p. 138. Und über die Eier dieses Prachtvogels in Proceed. Zool. Soc.
p. 374.
MerOpidae. Neue Arten. Nyctiornis nialaccensis, Cab. 1\J. Hein,
p. 133. — Phlotkrus cyanophnjs, Cab. ib. Arabien.
Wallace sammelte den australischen Merops ornatus auf
Ternata.
Alcedinidae. (Bucco ni nae). Neu scheinen zu sein: Mala-
coptila veraepacis Sei. Ibis p. 40. — Monasa pallescens Cass. Proc.
Ac. Philad. p. 134. Vom Truandoflusse , Daiien. — Bucco subtectus
Sei. Proceöd. p. 296. Ecuador. — Bucco leucocissus Sclat. ib. p. 284.
Ecuador.
(AI c e d i n i na e). Neu sind: Sauropatis Juliae Cab. M. Hein.
p.l84. Neu -Irland. — Tanysiptcra nais Gr. Proceed. Z. S. p. 346.
Amboina. — T. isis Gr, ib. Batchian, Gilolo (ist Heines „Margarethae").
— T. Sabrina ijii\ ib. Insel Kaisa oder Kiou. (Man kennt jetzt 8 Ar-
ten dieser reizenden Form.) — Ceyx nropygialis Sei. ib. Batchian,
Ternata. — Alcyone affinis Gr. ib. p. 348. Batchian.
2. Tenuirostres.
Dpupidae. Neu ist: Upupa marginata Pet. Aladagascar. Be-
schreib, in Mus. Hein. p. 129 und Hartl. Ornith. Madag. in Cab.
Journ. p. 78.
Fromeropidae. (Promeropi na e). Als neu wurden beschrie-
ben: l\ectarinea Coquerellii Verr. in Cab. Journ. p. 90. Madagascar.
JS. seychellensis Ilartl. ibid. p. 340. Seychellen , Dussumier. — iV.
aspasioides (jv. Proceed. Z. S. p. 348. Aiuboina. — N. auriceps Gr.
ib. Batchian, Ternata. — Dicaeum schistaceiceps Gr. ib. Gilolo, Bat-
chian. — Myzomela simplex Gr. ib. Batchian.
(C 0 e r e b i n a e). Oreomanes Fraseri S«;). Proc. p. 75 c. fig. cap.
et ped. Chimborazo pl. 159. — Diglossa plumbea Cab. >ourn. p. 411.
Costarica.
60 Uaitlaiib: Bericht üb. d. Leistungen in H. Katurgeschichte
TrOChilida6. Von Gould's „Monograph of Ihe Trochilidae" er-
schienen part. 19 u. 20.
Von Cabanis „iMuseum Heineanum" erschien eine neue die
Colibris umfassende wichtige Ablheiliing 82 S. 132 Arten. Verschie-
dene neue Gattungen.
Kafael iMontes de Oca: „Ucber die von ihm in Mexiko
beobachteten Trochilidae. Froceed. Acad. N. Sc. of Fhilad. p. 47 etc.
Behandelt : 1) Campylopterus üelatteri, 2) Cyanomyia cyanocephala,
3) Campylopterus panipa und 4) Thaumastura Elizae ib. p. 552.
L. Fräser: über Oreotrochilus pichincha, Froceed. Z. S. p. 80
c. fig. nidi.
0. Salvin: „Notes on the Humming-Birds of Guatemala." Ibis
p. 259. Sehr hübsch. Behandelt 23 Arten, manche ausführlich , wie
Amazilia corallirostris , Lophornis Helenae ! , Thaumastura henicura,
Trochilus colubris, Eugenes fulgens etc.
Neu sollen sein: Grypics Spixii Gould Froceed. p. 304.. Brasilien?
— Glaucis melanura G. ib. Rio-Napo. — Phaetornis zonura G. Fara. —
Aiigasma smaragdineumG. Brasilien. — Eucephala caeruleolavata G, ib.
Süd-Brasilien. — E. hypoceanea G. Brasilien. — Erythronota elegans G. —
Thaumatia viridiceps G. Ecuador. — Th. caeruliceps G. Bogota. — Th. niti-
difrons G. — Chlorostilbon melanorhynchus G. Quito. — Chi. acuticaudus G.
Antioqua. — Chi. Osberti G. Guatemala. — Calothorax decoratus G.
Antioqua. — Amazilia alticola G. Quito. — Phlogophilus hemileucu-
rus G. Rio - Napo. — Calliphlox iridescens G. Bio. — Aphantochroa
gularis G. Rio-Napo. — Eriocnemys squamata G. Ecuador. — Schi-
stes personalus G. Ecuador. — Thalurania Tchudii G. ücayale. —
Oreopyra leucaspis G. Costarica. — Amazilia Xanthusi Lawr. (Das
Weibchen ist Heliopaedica castaneocauda Lawr. ! !j Californien. —
Aglaeactis aequatorialis Cab. Mus. Hein. IIL p. 70. Chimborazo. —
Urolampra chlor opogon Cab. ib. p. 68. — Panychlora aurata Cab. ib.
Fern. — P. stenura C. ib. Merida. — Chlorolampis Salvini Cab. ib.
p. 48. Costarica. — C. smaragdina Cab. p. 48. Venezuela. — Chi.
Haeberlini Cab. ib. Cartagena. — Panterpe insignis Cab. ib. p. 43.
Costarica. — Pyrrhophaena sitavis Cab. ib. 36. Cartagena. — Agyr-
tria Malvinae Cab. ib. p. 33. Brasilien. — Chrysolampis Reichenba-
chii Cab. ib. p. 21. Neu-Granada (= carbuncul us Reichb.).
Mellisuga Merrittii Lawr. ist ^ von Clais Guimeti.
MoliphagidaO. Neu: Anthochaera senex Gr. Froceed. Zool. S.
p. 349. ßatchian, Gilolo. — Moho apicalis Gonld Froceed. Zool. S-
p. 381. Von Owahi. Ist die in üix o n's Reise abgebildete Art.
Gorthiadao. (F u r n a r i i n a e). Neue Arten sind : Campylor-
hynchus affinis Xanth. Froceed. Ac. Fhilad. Cap St. Lucas. — C. ni-
griceps Sei. Froceed. Z. S. p. 461. Veracruz. — C. gularis Sciat. ib.
Mexiko. — Harporhynchus cinereus Xanth. Cass. 1. c. Cap St. Lucas.
der Vögel während des Jahres 1860. Gl
— Cinclodes excelsior Sei. Proceed. p. 77. Chimborazo. — C. albidi-
ventris Sei. ib. Chimborazo. — Furnarius assimilis Cab. M. H. p. 22.
Brasilien. — F. griseiceps Id. ib. Peru. — Cillvvus minor Cab. M.
Hein. p. 24. Araucana. — Coryphistera alandina Biirm. Cab. Journ.
p. 251. Mendoza. — Geobamon rußpennis Burm. ib. p. 249. Parana. —
Ochetorhynchus luscinia Bunn. ib. p. 249. La Plata-Staaten. — Ptyo-
nura capistrata Burm. ib. p. 248. Mendoza. — Ft. frontalis Burm. ib.
Mendoza.
(Sy n al 1 axi n a e). Neu: Synallaxis erythrops Sei. Proceed.
Z. S. p. 68. Ecuador. — Phleocryptes schoenohaenus Cab. Mus. Hein,
p. 26. Peru. — Synallaxis rtiticilla Cab. ib. Buenos Ayres. — Phiii-
dor columbianus Cab. ib. Puerto-Cabello. — Glyphorhynchus pectora-
lis Sclat. Proceed. p. 299. Vera-Paz.
(D e n dr 0 col apt i nae). Neu: Xiphocolaptes procerus Cab.
Mus. Hein. p. 36. Caracas. — X. fortis Heine in Cab. Journ. p. 185.
— Thripobrotus Lafrenayi Cab. ib. p. 38. Caracas. — T. Warsewitzii
Cab. ib. Peru. — Xiphorhynchus thoraciciis Sclat. Proceed. p. 277.
Ecuador. — X. pusillus Sclat. ib. Neu-Granada, — Nasica graciliro-
stris Burm. Cab. Journ. p. 249. Rio-Quinto.
(Menurinae). Neue Arten: Thryothorus pleurostictus Sclat.
Ibis p. 30. Guatemala. — T. mystacalis Sei. Proceed. Z. S. p. 64. Pal-
latanga. — T. euophrys Sei. ib. p. 74. Pichincha. — T. nigricapillus
Sclat. ib. p. 84. Nanagal. — T. modestns Cab. Journ. p. 407. Costa-
rica. — Troglodytes intermedius Cab. ib. Costarica. — Cyphorhinus
phaeocephalus Sei. Proceed. p. 291. Ecuador. — Cistothorus fasciola-
tns Burm. in Cab. Journ. f. Ornith. p. 252. Mendoza.
Lieber das Junge von Menura superba berichtet L u d vv. Becker
in Proceed. Z. S. p. 61. — Und über die Lebensweise von Memtra
Alherti schreibt A. A. Leycester in Proceed. p. 113.
LusCiniadae. (Malurinae). Neu sind: Prinia striata Swinh.
Ibis p. 186. Formosa. — P. sonitans Id. ib. Amoy. — Bradypterus
Victoririi Sund. Grill Zool. Antekn. p. 29. Knysna. — B. sylraticus
Sundev. ib. p. 30. Knysna. — Orthotomus phyllorapheus Swinh. Ibis
p. 49. Amoy. — Drymoica exlcnsicaiida Sw. ib. Amoy. — Cislicola
tintinnabulans Swinh. 1. c. Amoy.
(Sylvinae). Neu: Acrocepkahis fasciolatus Gray Proceed.
p. 349. Batchian. — A. magnirostris Swinh. Ibis p. 51. Amoy. — A.
bistrigiceps SM'inh. ib. Amoy. — Sylvia flavescens Gr&yVioceed' p.349.
Batchian. — Zosterops atriceps Gr. ib. Batchian. — Arnndinax can-
lurians Swinh. 1. c. p. 52. Amoy. — A. ininutt4s Swinh. ib. Amoy. —
Salicaria Maackii v. Schrenk Vög. Amurl. t. 12. fig. 2. — PhyUosco-
pus syhicultrix Swinh. I.e. -\moy. — Ph. tenellipes Swinh. ib. Amoy.
— Calamantella volilans Sw. I. c. Formosa. — Ellisia lypica Harll.
Cab. Journ. p. 92. Madagascar.
62 Ilartl aub: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
(L u s c i n i n a e). Weu : Thamnohia niveivenlris Swinh. Ibis p. 54.
Amoy. — Gerygone modesla v. Pelz. Sitzungsber. K. Acad. Wien.
Bd. 41. p. 320. Norfolkinsel.
(Sy 1 V i c 0 11 n a e). Neu sind: Dendroeca chrysopareia Sclal.
Proceed. p. 298. Vera-Paz. — Hylophilus cincreiceps Sclat. ib. Vera-
Paz. — Geothlypis semißava Sei. Proceed. Z. S. p. 273. Guajaqnil. —
Basilcuterus mesochryseus Sclat. ib. p. 251. Guajaquil. — B. semicer-
vinus Sei. Proceed. p. 84. Nanegal. — Setophaga virescens Burm. Ca-
ban. Journ. p. 251. Tucuman. — Compsolhlypis gutturalis Gab. ib.
p.329.
(M 0 tac i 1 1 i n ae). Neue Arten : Motacilla ocularis Sw\n\\. Ibis
p. 55. Amoy. — M. flaviventris Verr. Hartl. Gab. Journ. p. 94. iMada-
gascar. — M. alba var. paradoxa v. Schrenk Vög. Amurl. t. 11. —
Anthtis rufosuperciliaris Blyth J. As. Soc. Beng. Andanianen.
Abbild. Salicaria aedon Pall. in v. Schrenk Amurl. t. 12. fig. 1.
— Ruticilla Moussieri in Ibis pl. 11. fig. opt. mit Text von H. B.
Tristram.
Bar. König -Warthausen: „Zur Fortpflanzungsgeschichte
der Spottsänger" (Hypolais). Brochüre. Moscau. 13 S. Beschreib, der
Nester und Eier.
R. F. lomes: „Bemerkungen über die innere Structur von
Galamophilus biarmicus. Ibis p. 317. Es wird der osteologische Be-
weis geführt , dass die Bartmeise keine Meise, sondern ein Fink sei,
wie schon Blyth und M a c g i 1 1 i v ray bemerkt haben.
Ueber die nahe verwandten aber specifisch verschiedenen Den-
droica-Arten aestiva, albicollis Gm., petechia L., Vieilloti Gass. (Gen-
tralamer.) und aureola Gould (Galopagos) schrieb J. Gassi n in Pro-
ceed. Ac. Philad. p. 192.
Ueber Rhimamphus ruficeps in Gab. Journ. p. 326. Und eben-
das. über ruficapilla benamten Sylvikolinen. Sehr gut und critisch.
A. Newton's Bericht über die Fortpflanzung von Anthus cer-
vinus Pall in Bree's „Birds of Europe not. obs. in the Brit. Isl.'' Er
beobachtete diese gute Art (Pässler) in den östlichen Finnmarken.
Referent schrieb ausführlich über die Gattungen Bradyornis
und Sigelus in Gaban. Journ. für Ornithol. Sept. 1859.
Turdidae. (F o r m i c a r i n a e). Neue Arten : Phlegopsis Ma-
cleannani Lavvr. Ann. Lyc. Newy. April 1860. Panama. — Grallaria
regulus Sclat. Proceed. p. f^Q. Ecuador. — Chamaezosa turdina Gab.
Mus. Hein. p. 6. Golumbien. — Ch. rußcauda Gab. ib. — Myrmobo-
rvs obscurus Gab. ib. p. 9. Gajenne. — Conopophaga Maxiniiliani Gab.
1. c. p. 8. Südbrasilien. — Percnostola nigrescens Gab. 1. c. Gajenne.
— Hypolophus pulchellns Gab. 1. c. Gartagena. — Rhopochares ar-
gentinus Gab. ib. Montevideo. — Thamnophilus affinis Gab. 1. c.
Xalapa. — Pittasoma Michhri Gass. Proceed. Ac. Philad. p. 189.
der Vögel während des Jahres 1860. Go
Truandofluss , Darien. — Thamnides anabaliniis Sclat. Proceed. Z. S.
p. 299. Yera-Faz. — Formicivora consobrina Sei. 1. c. p. 279. Ecua-
dor. — Cercomacra maculosa Sei. ih. Ecuador.
(Turdinae). Neu sind: Catharus Frantzii Gab. Journ. für
Ornith. p. 323. Costa -Rica. — Turdus plebejus Gab. ib. Coslarica. —
Turdus nigrescens Gab. ib. Gostarica. — T. evxjthropterus Gray Pro-
ceed. p. 390. Gilolo. — Oreocincla inframarginata Blyth J. As. S.
Beng. Rep. p. 21. Andanianen. — Cossypha imerina Hartl. Gab. Journ.
p. 97. Madagascar. — Pitla inornata Gr. 1. c. Batchian, Gilolo. Ist
= Goloburis rufiventris Heine. — P. cyanonota Gr. ib. Ternata.
A. Newton: „Note on the migratory habits of Turdus niusi-
cus." Ibis p. 83.
Gabanis: „Ueber eine neue Drosselgattung Psophocichla.'^
Journ. f. Ornith. p. 181 (für Turdus strepitans, simensis, guttatus etc.).
Ueber Turdus daulias vergl. Swinhoe in Ibis p. 5G.
Swinhoe's Cinclus niarila von Formosa wird Pallasii sein.
(T i ni a 1 iin a e). Neu: Garrulax taewanus Swinh. Ibis p. 57
von Formosa. — P omatorhinus musicus Swinh. ib. Formosa.
Swinho e's Garrulax rugillatus ist perspicillatus Gm.
(Oriolinae). Neu: Oriolus phaeochromus Gray Proceed. Z.
S. p.351. Von Gilolo.
Ueber Oriolus indicus des Amurlandes vergl. v. Schrenk 1. c.
p. 346. NB.! Sw^inhoe nennt „0. sinensis" gemein auf Formosa.
Ibis p. 57.
(Pycn ono tinae). Pycnonotus sinensis (Gm.) ist nach Swin-
hoe gemein auf Formosa. Ibis 1. c. — Eine neue Art ist Andropa-
dus insularis Hartl. Gab. Journ. p. 97 von Madagascar.
Tyrannidae. Neue Arten: Myiarchus panameiisis Lawr. Ann.
Lyc. Newy. Mai 21. 1860. Panama, — M. nigriceps Sclat. Proceed.
Z. Soc. p. 68. Ecuador. — M. rufomavginatus Gab. Mus. Hein. p. 73.
Mexiko. — 31. phaeocephaltis Sclat. 1. c. Ecuador. — Myiobius fla-
vicans Sei. Prooced. p. 464. Ecuador. — M. pulcher Sclat. ib Ecuador.
— M. crypterythrus Sei. ib. Ecuador. — M. cryploxanlhus Sclat. ib.
Ecuador. — M. villosns Sclat. 1. c. p. 93. Nanegal. — Elaenia sub-
pagana Sclat. Proceed. p. 36. Guatemala. — E. incompta Gab. M. Hein.
Gartagena. — E. mesoleuca Gab. ib. p. 60. Rio-Grande. — E. Riisii
Sei. Proceed. p. 314. Insel St. Thomas (ob martinica?). — Plalyrhyn-
chus albogularis Sei. 1. c. Ecuador. — P. cancrominus Sei. Proceed.
p. 299. Vera-Paz. — Cyclorhynchus fulvipectiis Sclat. 1. c. p. 92. Na-
negal. — C. subbrunneus Sei. 1. c. Ecuador. — Eupsilostoma pusil-
lum Sclat. 1. c. Ecuador (Typus: Muscic. eximia T.). — Tyrannulns
flatidifrons Sei. ib. Ecuador. — T. cinereiceps Sei. ib. Ecuador. —
T. semiflavus Sei. 1. c. Vera-Paz. — Triccus Illigeri Gab. Mus. Hein,
p. 49. Para. — T. Sclateri Gap. ib. p. 50. Peru. — Euscartmns lim-
64 Ilartl au b: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
batus Gab. 1. c. Brasilien. — E. cineveus Burm. Gab. Journ. Mendoza.
— Leptotriccus sylviolus Gab. Mus. Hein. p. 54. Brasilien. — Lepto
po(jo7i poliocephalus Gab. ib. p. 55. — INeugranada. — Tyranniscus
ßavifions Gab. ib. p. 58. Neugranada. — Myiopatis pusillus Gab. ib.
Gartagena. — Myiozetetes yujancnsis Gab. ib. p. 61. — M. columbia-
nus Gab. ib. Puerto - Gabello. — Pyrrhomyias Heinei Gab. 1. c. Ga-
racas. — Empidonax rubicimdus Gab. ib. p. 70. Mexiko. — Conlopus
plebejus Gab. ib. p. 71. Mexiko. — C. perlinax Gab. ib. Xalapa. —
Laphyctes apolites Ci\h. ib. p. 71. — Tyrannus niveigtdaris Sc\at. Pro-
ceed. p. 280. Ecuador. — T. auriflamma Burm. Gab. Journ. p. 246.
Mendoza. — Megarhynchus chrysoyaster Sei. 1. c. p. 281. Ecuador. —
Muscivora occichntalis Sclat. 1. c. p. 282. Ecuador. — Altila torridus
Sclat. Proceed. p. 280. Ecuador, — Agriornis andicola Sei. ib. p. 78.
Ecuador. — Taenioptera rtibetra Burm. p. 247. Mendoza. — Fluvicola
atripennis Sclat. 1. c. Ecuador. — Copurus funebris Gab. Mus. Hein,
p. 41. Minas Geraes. — PolioptUa albiloris Sd.Fioceed. p. 298. Gua-
temala. — Tityra intermedia Gab. Mus. H. p 81. Para. — Fachyrham-
phus spodiurus Sei. Proceed. p. 279. Ecuador. — Exetastes albinuchus
Gab. ib. p. 83. Brasilien. — Vireo modestus Sclat. Proc. p. 462. Ja-
maica. — Vireosylvia cobanensis Sei. ib. — Cyclorhis virenticeps Sei.
Proc. p. 274. Ecuador. — C. subflavescens Gab. Goslarica.
Ferd. Heine: „Ueber die Gattung Gnipolegus Boie." Be-
schreibt 6 Arten: comatus, nigerrinius, anthracinus, aterrimus, cyani-
rostris und unicolor.
MuSCiCäpidäO- Neu sind: Cassinia rubicunda\l?ivl\ .Kev. et Mag
de Zool. p. 82. Gabon. — Hemichelidon rufilata Swinh. Ibis p. 51.
Anioy. — Butalis lugens Hartl. Proceed. p. 110. Angola. — Rhipidura
assimilis v. Pelz. Sitzungsber. Wien. Acad. Wissensch Bd. 41. p.320
Norfolkinsel. — Monarcha bimaculata Gray Proceed. p. 352. Batchian,
Gilolo. — M. nigrinietitum Gr. ib. Amboina. — Myiagra nitens Gr.
ib. Batchian, Ternate. — M. gaJeata Gr. Batchian.
Abbild. Muscicapa luteola Pall. in v. Schrenk Vögel des
Amurl. t. 13. fig. 1.
Ampelidae. Neue Arten sind : Lipangus hyperylhrus Sei. Pro-
ceed. p. 300. Vera-Paz. — Heteropelma verae Pacis Sei. ib. — H.
amazonum Sei. Ghamicuros. — H. jlavicapillum Sclat. ib. Südbrasi-
lien. — Ptiliogojiys caudatus Gab. Journ. für Ornith. p. 402. Gostarica.
— Campephaga longicaudala v. Pelz. 1. c. Norfolkinsel. — C. ana-
lis Verr. Desm. Rev. et Mag. p. 395. Neu-Galedonien. — C. melano-
lora Gray Proceed. p. 352. Batchian, Ternate. — C. melanotis Gr. ib.
Batchian, Gilolo. — Lalage MontrosieriXevr, Desm. Kev. p.431. Neu-
caledonien. — Dicrurus atrocaeruleus Gr. ib. p. 354. Batchian, Gilolo.
— D. amboinensis Gr. 1. c. — Pachycephala morariensis Verr, Desm.
Rev. p. 393. IVeucaledonien. — P. xanthocnemis Gray Proceed. Z. S.
der Vögel während des Jahres 1860. G5
p. 353. Amboina. — Eiopsaltria flavigastra Vcrr. Desm. I. c. p. 392.
Neu-Caledonien. — Rupicola saturala Gab. M. Hein. p. 99. Bolivien.
(= R. sanguinolenla Goiild.) — Pipra deliciosa Sei. Proeeed. p. 90.
IVancgal. — P. helerocercaScX. Procced. p. 313. Amazonas. — Pipreola
pt.cunda Sei. ib. p. 89. pl. 160. Ecuador. — Masius coronalulus Sei.
ib. p. 91. Nanegal.
Ueber Pericrocotus cinereus Lafren. am Amur vgl. v. Seh renk
I.e. p. 381. Swinhoe traf diese Art um Amoy in China. Ibis p. 58.
Bar. Rieh. König- Warthausen: „Zur Fortpflanzungsge-
sehichte des europäischen Seidenschwanzes (Bonibycilla garrula)."
Broch. 7 S. Moscau 1860. Guter Beitrag.
Laniidäe. Neue Arten : Dryoscopus angolensis Hartl. Mont. in
Proc. Zool. Soc. p. 111. Angola. — D. Bojeri v. Pelz. Hartl. Mada-
gascar. Cab. Journ. p. 103.
GorvidäB. Neu : Fregilus himalayamts Gould Proeeed. Z. S.
p. 146. Etwas verschieden von F. graculus. Wahrscheinlich ist
Schniarda's Corvus candianus vom Gipfel des Pedro talla Galla auf
Ceylon derselbe Vogel.
Ueber Ei und Nest von Nucifraga caryocatactes vergl. T r i -
stram im Ibis p. 168. (Savojen).
Paradisiadae. P. I^. Sclater: über Semioptera Wallacei. Ibis
p. 26. pl. 2 und über die Lebensweise dieser Art. Proeeed. p. 61. Auf
Gilolo eine Lokalrasse mit längeren Brustfedern.
Neue Art: (?) Paradisea Barllcttii Will. Goodwin in Proeeed.
Z. S. p. 243. Der papuana nahe stehend.
IL Schlegel: „Ueber die Paradiesvögel in Jaerboekje der Ge-
sellsch. Nat. Artis Alagistra." Behandelt kurz aber gut sämmtliche
Arten.
Sturnidae. Ueber Slnmus eineraceus Temm. und Pastor stur-
ninus Pall. im Amurlande vgl. v. Seh renk I.e. p. 327 u. 329. t. II.
flg. bon. av. jun.
Neu : Leplornis aubryanus Verr. Desm. Rev. et Mag. de Zool.
p. 432. Neu - Caledonien. — Cassiculus flavicrissus Sclat. Proeeed.
p. 276. Ecuador.
Ueber Ostinops guatemalensis vergl. Cassin Proeeed Acad.
Philad. p.l38.
Abbild. Notauges albicapillus Bl. in Sclat. Ibis pl. 7.
Fringillidae. (Ploceinae.) Neu: Hyphantornis aurea Nat.
Zanzibar. Cab. Journ. L Ornith. p. 180.
(Ta n ag ri na e). Neue Arten: Orthogonys oUvaceus Cass. Pro-
eeed. Ac. Philad. p. 140. Rio-Truando, Darien. Nach Sclater zu
Vireolanius gehörig. — Saltator flavidicollis Sclat. Proeeed. Zool. S.
p. 274. Ecuador. — Embernagra chrysoma Sclat. Proeeed, p. 275.
Archiv f. Naturg. XXVII. .Jahrg. 2. Bd. E
CO 11 a 1 J I ;i II li : ^(Micht lil). <l. Loistun«rc,i in d. iVatmgosrhklifn
Ecmdor. — Salldfor mvlficolov IJmin. in t'ab. Journ. p. 254. Parana.
— Tricfliphidia calloplinjs Cah. Joiiin. f. Ornilli. j). ^?3l. Cos!aiira, —
Phonasca Inleicapilla Ca}), ib. p. o32. Costa» i ca. — Ph. yracilis Cab.
ib. p. 333. Costarica. — rii. humilis Caban. I. c. — Vh. ynatho Cab.
1. c. p. 335. Costarica. — Th. satnrala Cab. ib. IVeu-Granada.
Calliste lavinia wurde am Rio-Truando (Islhnius von Daricn)
«refiinden. Cass. 1. c.
(C 0 c r o t h ra u s ti n a e), Nene Arien : Oryzohorvs aelhiops Sri-
l'roceed. Zool.Soc. p. 88. Nanegal. — 0. occidcnfalis S«l. ib. p. 27G.
Ecnador. — Coccothrausles macvlipennis Sclat. Proceed. Z. S. p.251.
pl. 163. Süd-Mexiko. — Sporophila concolor Burm. in Cab. Jonrn. f.
Ornith. p. 257. Alendoza. Phry<jiJvs vaniceps Bnrm. ib. iWendoza. — •
Gubernatrix pusilla ßnrm. il)id. Tiicninan. — Spennophila ophlhaJmica
Sei. Proceed. p. 27G. Ecuador.
(Fri n gi 1 1 i n a c). Kon sind: Pytelia Monteiri Harll, in Pi o-
ceed. Zool. Soc. p. 111. pl. 161. fig. opt. Angola. — Melozona lenco-
tis Cab. Journ. p. 413. Costarica. (Typus der Gattung ist F. biarcuala
l.afrcn). — Pez-opeles capilalis Caban. 1. c. Costarica.
P. 0. D e s ni Urs: „Sur le Passer domesticns et sa place
oologique dans serie." Rev. etÄlag. de Zool. p. 20. Die bier scbaif-
sinnig genug vertheidigte Ansiebt , unser Sperling sei den Ploceiuen
beizuzäblen, können wir nicht theilen.
C. Bolle: „Ueber Pucheran's Fringilla Morelleli von den ca-
nariscben Inseln" in Caban, Jouin. für Ornilh. p. 348.
R. A. Philippi: „Ueber M o I i n a"s Fringilla barbata (= Cri-
tliagra llavospecularis Kartl. und Fr. canipestris Sp.)" in Troscli. Arcb.
für ISalurgesch. Bd. 26. p. 28.
(E m b er i zi n a e). Neu ist: Emherha canescens Swinli, ibis
p. 62. Auioy.
G. Vogel: „Zur Naturgeschichte von Emberiza cirlus" in
Ber. 13te Versainml. Deutsch. Ornith. Gesellsch. p. 69.
Ueber die Aujmern des Ainurgebietes viel Treffliches bei v.
Seh renk 1. c. p. 277 u. s. w. Er beobachtete dort: Emberiza aii-
reola, E. rustica , E. pilhyornus, E. rutila, E. personala, E- spodoce-
phala, E. schoeniclus var. min. (polaris Midd.) und E. pusilla.
(Alaudinae). Neue Art : Mirajfra hova llavü. in Cab. Journ.
f. Ornith. p. 106. Madagascar.
Ausführliche Beschreibungen und gute Abbildungen von Ce-
landrella reboudia Loche und Galerida Randoni Loche bringt die Rev.
zool. p.l48. pl.ll.
(Py rrhuli nae). IL B. Tristram: „Ueber Nest und Ei von
]-oxia pityopsittacus" in Sclat. Ibis p. 170. Nach Sendungen Mr.
\\ ainwrigt's aus dem südlichen Schweden.
der Vögel während des Jahres 18G0. 67
Buceridde. WencArt: Buceros llcfrllauiii Gou\d f'rocecd. Zool.
Sof. |). 380. Weslafrik-.i.
ISolizen über die Lebensweise gewisser üiiceriden auf Ceylon
linden sieh in Schinarda's „Reise um die \\ell."
Scansores.
Musophagidae. „De Toerako's afgebeeld en beschreven door
II. Schlegel, onder inedewerking van G. F. West ermann. Uit-
gegeven door het koningl. Zool. Genoolsch. Natura artis magislra»
Amsterd. Fol. max." Dieses dem Könige gewidmete Prachtv/erk ent-
hält die lebensgrossen lithographirten und colorirten Abbildungen
sämmtlicher 3hisophagi4,en nebst kurzem erläuternden Texte : Beschrei-
bung, geographische Verbreitung, Synonymie. In der Einleitung wird
die hebensweise dieser Vögel, so weit solche bekannt, besprochen.
Tal). 1: .Musophaga violacea; tab. 2 : J\I. Rossae ; tab. 3 : M. porphy-
reolopha; tab. 4: M. leucolopha; tab. 5: M. leucotis; tab. 6 : M, ery-
throlopha; tab. 7 : M. niacrorhyncha ; tab. 8 : J\l. Meriani ; tab. 9 : M.
persa ; tab. 10: M. purpurea: tab. 11: M. albicristata: tab. 12: 31.
gigantea; tab. 13: M. con(;olor; tab. 14: AI. personata ; tab. 15: M.
variegata; tab. 16 : M. zunura. Schlegel theilt diese Arten ab in
1) nobiles , naribns ovalibus, coloribus splendidis , und 2) ignobiles
naribus linearihiis, pliimis nasaiibus nullis.
J. J. Monteiro hat Corylhaix erythrolopha am Coanzaflusse
im Innern Angoia's augctroiren. Sei. in litt.
PsittacldaS. Neue Arten: Chrysotis Guatemalae Hartl. Beschr,
iuSclat. Ibis p. 44. — ■ ISestor norfolciensis v. Pelz. Sitzungsber. Kais.
Wien. Acad. d. Wissensch. Bd. 41. p. 323 mit Abbild, des Kopfes.
ISorfolkinsel. — - Pionns luiematutis Sclat. Proceed. Zool. Sog. p. 3Ü0.
Vera-Paz. Abgeb. Ibis pl. 13. — Cyanorhamfhus Saisseti Desm. Verr.
Rev. et Mag. de Zool. p. 387. Neu-Caledonien. — Trichoglossiis Des-
planchii id. ib. Reu-Caledouien. — ■ Psitteuteics diadema id. ib. Neu-
caledonicn. — Coniinis fncj ax Buvm. Caban. Journ. p. 243. Parana. — ■
C. hilaris Burm. 1. c. Tucuman. — C. rubrirostris Burm. ib. Sierra
de iMendoza, — Plyclolophus croceus v. Homeier in Cab. Journ. p. 357.
Conurus brunniceps Burm. ist gleich C. aymara dOrb. Souance
Perroq. pl. 23.
II. Schlegel: „Ueber die schwarzen und weissen Cacadus"
in Jaerboekje der Gesellsch. Kat. Art. Mag. in Amsterdam. Mit Ab-
bild, von Microglossus aterrimus. Unterschieden von intermedius
und alcclo.
P. L. Sclater: über die Gattung Prioniturus Wagl. Proceed.
Zool. Soc. p. 223. Monographisch. Drei Arten: 1) Pr. flavicans Cass.
Celebes, 2) Pr. selarius W. Celebes und 3) Pr. di.«<curus von Mindanao.
68 Ilartlaub: Bericht üb. d. Lcisfiingen in d. ISalurgeschichfe
r. L. Sclater: „Tabellarisclie Uebersichl der Psittaciden des
ösllicheii Archipels (indis«h-aiislralische Region)." Insel I.onibock 1,
Sumbava 1, Celcbes 5, Uoeton 2, Timor 6, Aniboina 7, Ceram 4,
Batchian 7, Ternale 4, Gilolo 6, Waigiou 2, Neu - Guinea 16, Ma-
fors-Insel 2, Insel Jobie 1, Aru-Inseln 10, Salomon-Inseln 5.
Ficidae. Von Älalherbe's „Monogr. des Picidees" erschienen
Thcil 2 bis 8 mit den Abbildungen von Älegapicus 3Ialherbii, M. gua-
tcmalcnsis, 31. Sclaieri, M. trachelopyrus, M. rubrieollis, 51. haemalo-
gasler , M. validus , Dryopicus scapularis , D. martius, 1). galeatus, D.
pileatus, D. erytbrops , D. lineatus , D. Hodgsonii, D. lencogasler, D.
fiilvus, 1). funebris, D. guttturalis u. s. w.
Aechle Picinen kennt Wal herbe 268 Arten, nämlich; 8 für
Europa, 32 für Afrika, 82 für Asien, 146 für Amerika ; von Picumni-
nen 1 für Afrika, 4 für Asien, 14 für Amerika.
Neue Arten : Picvs meniscus Malh. Rlonogr. p.l51. pl.85. fig.2— 4.
Indien. — P. otarhis Malh. ib. fig. 5 — 7. Indien. — P. Turati Malli.
ib. p. 125. pl. 29. flg. 1— 3. Californien.— P.Feliciae Malh. ib. p. 127.
pl. 28. fig. 8 — 11. Syrien. — P. lucasanus Xanlh. Proceed. Acad. Phi-
lad. Cap St. Lucas Californien. — Celetis mentalis Cass. Proceed. Ac.
Philad. p. 137. Atratofluss, Darien. — Dryoscopns fuscipenms Sclat.
Proceed. Z. S. p. 286. Ecuador. — Mulleripicus Hodgei Blyth Journ.
As. Soe. Beng. Andamanen.
Prof. Reinhardt disciitirt die Frage, ob Picns tridactylus
als ein dänischer Vogel zu betrachten (wie Kjärbölling will) oder
nicht. Noch scheint es an sicheren Beweisen zu fehlen.
GuCUlidae. J. Reinhardt: „Bemaerkninger om Redebygningen
og Forplentninge for holdene hos Crotophaga - slaeglen." Overs.
over del Kgl. danske Vidensk. Selsk. Forhandl. Jan. 1860. (Separat-
abdr. Broehüre von 80 Seiten. Leider in dänischer Sprache. Rein-
hardt nimmt nur 3 Arten an: ani , major und sulcirostris. Dersel-
ben Ansicht ist Sclater.
Neue Arten : Piciya nigricrissa Sclat. Proceed Zool. Soc. p. 285.
Ecuador. — Cenfropvs tlimidiatns Swinh. Ibis p. 187. Formosa.
Abbild. Cuculus sparverioides Vig. av. jun. (? Ref.) in von
Seh renk Vög. Amurl. t. 10.
Colambae«
Neue Arten: Carpophaga formosa Gray Proceed. p. 360. Gilolo.
— C. melanura Gr. ib. Batchiau, Gilolo. — Chalcopkaps tnoluccensis
Gr. ib. Amboina, Bntchian.
Turtur orienlalis (Laib.) oder gelastes Temm. auf Formosa.
Swinh. Ibis p. 63-
lieber Carpophaga (Phaenorhina) goliath auf Neu - Caledouien
vergl. Verr. Desm. Rev. et Mag. de Zool. p.436.
der Vögel wahrend des Jjihres 1860. ()0
W. II. Flovver: „Ueber die Striicliir des Magens bei Caloenas
nioobarica und anderen Granivoren." Frocced Z. Soc. p. 330, mit
Abbild, auf t. 165, 166.
Gallinae.
PterOClidae. Eine sehr niedliche Abbildung von Syrrhapics
paradoxus ^ und $ nach in den Dünen Hollands geschossenen Exem-
plaren veröffentlichte H. Schlegel im Jaerboekje der Gesellschaft
IVat. Arl. i>Iag. — Im „Ibis" findet n»an die gelungene Abbildung eines
in Englatui am nördlichen Ende von Cardigan-Bay erlegten Exem-
plares, nebst ausführlichem Berichte von Mr. T. J. Moore.
Die Zoological Society erhielt kürzlich sehr zahlreiche le-
bende Exeniplare dieses merkwürdigen Vogels von Peking. Eine
Gruppe derselben nach dem Leben in den Illustrated London News.
Gracidae. Neue Arten : Penelope nigricapilla Gray Proceed.
Zool. Soc. p. 269. Brasilien. — P. Lichtensteinii Gr. ib. Venezuela.
— P. Sclaleri Gr. ib. Bolivien. — P. Bridgesii Gr. ib. Bolivien.
G. R. G ray: „Synopsis of the species of the genus Penelope"
in Proceed. Z. S. p. 269. Nur 14 Arten.
Üshert Salvin schrieb höchst interessant über Oreophasis
derbianus am Vulkan del Fuego in Guatemala: Sclat. Ibis.
MegapOdidaO. Neue Art: Megapodius Wallacei Gr. von Gilolo.
Proceed. Zool. Soc. p. 362. pl. 171,
A. D. Bartlett: „Ueber die Fortpflanzung von Talegalla La-
thami im Zoologischen Garten zu London." Proceed. p. 426.
Fhasianidae. Neue Arten: Numida Pncherani Hartl. in Cab.
Journ. für Ornith. p. 341. Von Louis Rousseau auf Zanzibar
entdeckt. — Pato nigripennis Sclat. Proceed. Z. S. p. 221. Ist La-
tham's Black -shouldered Peacock. Gener. Hist. VIII. p. 114. Ohne
Zweifel gute Art. (Ann. and Mag. N. H. p. 146.)
Diardigallus praelalus Bp. von Siam ist = D. fasciolatus Blyth
und = D. Crawfordii J. E. Gray. Eine der prachtvollsten indischen
Pbasanen-Arten. Das einzige bis jetzt bekannte Exemplar im Besitze
Gould's.
Dr. Sacc: „Essai sur les Poules de Nankin dites de la Co-
chinchine" in Rev. et Magas. de Zool. p. 629. pl. 18. 19.
TetraonidaO. Neue Arten sind : Odontophorus erytlirops Gould
Ann. Mag. N. IL p.72 von Ecuador (Fräser). — 0. melanonolus GoiAd
Proceed. Zool. S. p. 382. Ecuador — Eupsychortyx hypolencus Gould
Proceed. Z. S. p. 62. Acajutla in Mexiko. — E. albifrenalus Elliott
Ann. Lyc. N.-Y. April 1860 ist = Ortyx Leylandi, Moore Proc. Z. S.
p. 62. (1850). — Cyrlonyx Sallaei J. Verr. in Arcan. Natur. Vol. 1.
pl. 4. Mexico. Sehr wenig verschieden von iMasscna.
70 Ilartlaiil): IJeiicht lib. d. J.fistunsfcii in d. i\;iliir<>('S( liiclile
lieber Fiancolinus perlatus bei Anioy vergl. S \v i » h o e im
Ibis p. 63.
(T h i n o c 0 r i n a e). Atlagis ckimhorazensis Sclal. l'i orced. Zool.
Soc. p. 82. (Fräser). Kaum verschieden von A. Latreillii (IMchintha).
Strutiliones.
Neue Arten : Rhea macrorhyncha Sciat. Proceed. Zool. Soc, p. 310.
Lebend im zoolog. Garten. Herkunft unbekannt. — Dromaius irrora-
lus Barth ibid. p. 310. — Casuurms bicarunculatus Sclat, 1. c. p. 310.
Lebend in London. Herkunft unbekannt. — C. tiniappendicuUdus
Blyth Journ. As. Soc. Beng. Rep. p. 27 und Ann. Mag. of N. H. p. 113.
Woher? Scheint eine sehr gute Art und augenblicklich lebend in
Amsterdam zu sein.
P. L. Sclater: „IVotes on two Struthious Birds novv living in
the Society's Gardens. Proceed. Z. S. p. 247. Behandelt ausführlich
Dromaius irroralus von Westaustralien (King George's Sound). Ein
trefflicher Holzschnitt erläutert die specifische Verschiedenheit des
Casuarius bicarunculatus von C. galeatus.
Dr. G. Bennett: ^Biief über eine neue Art Casoar" in Sclat.
Ibis p. 402. pl. 14. Ist Casuarius uniappendiculatus Bl. Die sehr
schöne Abbildung nach dem von den „Molukken" stammenden Exem-
plare zu Amsterdam.
Casuarius Bennetli von jXeu-lrland ist in drei Exemplaren lebend
in England.
Das Apteryx Mantelli-AVeibchen in den Zoological Gardens legle
kürzlich eine Anzahl enornser ^ier. Sclat. Ibis p. 310.
P. L. Sclater: „On the Uheae in the Zool. Soc. Alenngerie.''
Ann. and Mag. JN\ H. p. 142.
drallae.
0tididä6. Eine kleine aber sehr hübsche Abbildung von Otis
Heuglinii Hartl. findet n»an in Peterm. Geogr. Miltheil. für 1860.
Gruidae. Zu den zahlreichen ornithologischen Entdeckungen
Prof. H. Burmeister's während seiner südamerikanischen Reise
gehört als bei weitem interessanteste die einer zweiten Dicholophus-
Art. Der Entdecker gestaltete uns dieselbe unter dem Namen D. Bur-
meisleri zuerst wissenschaftlich bekannt machen zu dürfen. Proceed.
Zool. Soc. of Lon. p. 334. Das Vaterland dieser auch generisch in
etwas abweichenden Form ist Tucuman und Calamarka. Chunga der
Eingebornen. R e i c li e n b a c h hat in seinem jelzt vollendeten Bande
über die Tauben u. s. w. die Gallung Cliuutja adopliit. S. 160. INiir
ein Exemplar in Halle.
der Vögel uähiciid des Jaliies 1860. 71
V. S c h r e 11 k «^liiiilit Giiis leiicogeratius I'all. im Aniuiliiiide be-
obachtet zu haben, 1. c. S. 407.
ArdeidaC. Neu sind: Ifcrodias calopholes Swiiih. Ibis j).(j4.
Auiuy. — Ardeola prasi7ioscelis Swinh. 1. c. Amoy. — Ardea xuni-
thopoda V. Pelz. Haiti, Ornilh. Madag. Cab. Journ. p. 1G6. — Ardea
Jdae Haiti, ib. p. 167. Madagascar. — Rhinochelos juhalus J. V<;rr.
Desin. Rev. et Mag. de Zool, p. 439. c. (ig. opt. Neu-Caledonien. Den
merkwürdigsten Vögeln Oceaniens beizuzählen.
Abbild. Ardea cinnamomea Gm. iun. in v. Seh renk Amurl.
Vög. pl. 13, flg. 2, Eier auf pl. 14, av. ad. von Java.
Ueber Balaeniceps schrieben: 1) John Petherick in Pro-
ceed. Zool. Soc. p. 195. 2) W. IC Parker: „Notes on the Osteology
of Balacniceps rex" in Proceed. p. 324. Sehr fleissige instructive Ar-
beit. Kach Parker wäre dieser Vogel „strictly an Ardeine Bird"
und zwar nächstverwandt mit Cancroma, 3) Prof. Re i nh a r d t : „üu
the affinities of Balaeniceps" in Proceed. Z. S. p. 377. Hier wird
zum ersten Male die nahe Beziehung zu Scopus erörtert. Und 4)
Bartlett in Proceed. p. 461. Es scheint, dass bei Balaeniceps die
für die^'Reiher so charakteristischen Dunenflecke zu Seiten der Brust
fehlen.
D. A. J, C a v a n i 1 1 es : „De la Ciguena blanca." Aus den Ann.
de cienc, nat. Madr. übersetzt von Dr. C. Bolle in Cab. Journ, für
Ornith, 1860. Heft 1. (Der Storch in Spanien).
SCOlOpacidae. Neu: Micropalama Tacksanowshii J. Verr. in
Rev. et Mag. de Zool. p.206. pl. 14. Daurien. Ist = Pseudoscolopax
semipalmata Blyth. — Limosa Baueri v. Pelz. 1. c Norfolkinsel, —
Himantopus minor Natt. in Hartl. Ornith. Madag. Cab. Journ. p. 170.
Madagascar. — Tolanus chilensis Philippi , Reise in die Wüste Ala-
cama p. 163. Beschreib. Scheint von T. glottis abzuweichen.
Referent: „Ueber Eurinorhynchus pygmaeus" in Cab. Jonrn.
für Ornithol. Sept. 1859. Vollständige Zusammenstellung des Be-
kannten.
RallidaB. Neue Arten: Corelhruva rühret Sclat. Proceed, p. 300.
Vera-Paz — Gallirallus Lafrenayanus Verr. Desm, Rev. Zool. p, 437,
Neu-Caledonien. — Hahroptila WaUacei Gray Proceed. Z. S. p. 365.
pl. 172. Gilolo. Mit Ausnahme von Semioptera Wallacci der merk-
würdigste unter den von Wallace entdeckten Vögeln. — GaUimda
minor Hartl. in Cab. Journ. f. Ornith, p. 341, Senegal. Ein Exemplar
im Pariser Museum.
A. V. Pelzeln bringt wichtige Aufschlüsse über Nolornis alba.
Das aus dem Lever'schen Museum stammende Originalexemplar von
White's Fulica alba belindet sich in der Wiener Sainmiiing un<I
scheint keineswegs, wie bisher allgemein angenoiiimen , eine Albiuo-
varietät von Porphyrie nulanolus zu sein, Soll früher auch auf Lord
72 H a r 1 1 a u b : Bericht üb. d. Leistungen in d. Nalmgeschichte
Howe's Island gelebt haben. (White Journ. p. 135.) Die beiden ein-
zigen bis jetzt bekannten Exemplare von ?iotornis Mantelli sind im
Biiltischen Museum.
Anseres.
Anatidäd. Neue Alten : Anas isopareia Philippi in Tiosch.
Aich. für Naturgesch. Bd. 26. p. 24. Chile. — Chloephaga rubidiceps
Sclal. Proceed. Zool. Sog. p. 387. pl. 173. Ist „C. inornata" in Zool-
Ereb. Terr. pl. 24.) — Qverquedula Bernieri Verr. Hartl. Vög. Mada-
gascar. Cab. Journ. p. 173. — Dafila candacula Burm. Gab. Journ.
p. 266. Parana.
Abbild. Anser cygnoides fer. (^ '^ \i\ v. Schrank Vögel
Amurl. t. 15.
P. L, Sclater bringt neue Beweise vor für die specifische
Verschiedenheit von Plectropterus Rüppelli von PI. gambensis. Pro-
Zool. Soc. p. 38 mit Abbild, von cranium und trachea beider Arten.
A. Newton: „lieber einige Entenbastarde" in Proceed. p. 336
mit Abbild, auf pl. 167 und 168. Sehr instructive Mittheilung.
A. Newton: „Remarks on the Anser erythropus of Linneus."
Proc. Zool. Soc. p. 339 und Ibis p. 404. Mit allem Rechte, wie uns
scheint, wird dieser Vogel als gleichartig niitA. minutusNaum. t. 290
proclamirt. Andere Synonyme sind Ans. finmarchicus Gunner und A.
Temminckii Boie Is. 1822. p. 882.
lieber Anser grandisG'm. vgl. v. Seh renk Vög. Amurl. p.462.
Es wurden verschiedene Exemplare beobachtet. Älessung.
Sehr interessant und ausführlich schreibt von Schrenk über
Anser cygnoides fer. (l. c. p. 457) und über verschiedene andere sel-
tenere Anatiden des Amurgebieles , so über Aix galericulata (S. 466),
die dort sehr gewöhnlich ist und über Querquedula falcata, die fast
noch häufiger.
(i. Barnston: „Recollections of Ihe Swans and Geese of Hud-
sons-Bay" in Sclat. Ibis S. 253. Sehr interessant. Auch über Anser
caerulescens Cass. , an deren Artselbständigkeit nicht zu zweifeln.
An 60,000 Gänse scheinen alljährlich auf ihrem Zuge nordwärts und
südwärts längs den Küsten der Hudsonsbay zu Grunde zu gehen !
An 30,000 werden allein Jahr aus Jahr ein von den Albany-India-
nern erlegt.
Golymbidae. Neu scheint zusein: Podiceps tricolor Gr. Proceed.
Zool. Soc. p. 366. Ternate.
Abbild. Podiceps subcrislatus Jacq. av. jun. in v. Schrenk
Vög. Amurl. l. 15. fig. cap.
AlcidaO. Neu: Brackyrhampitus hypohucus Xantii. Cass. Pro-
ceed. Acad. Philad. Vom Cap St. Lucas. — Eudyples nifjrivenlris Goiiid
der Vögel während des Jahres 1860. 73
Froceed. Zool. Sog. p. 418. Ffilklondinseln (Cupt. Abbot). — Eudypl.
diadetnatus Gould 1. c. Ebenfalls von den Falklandinseln.
Capt. C. C. Abbol; „The Penguins of the Falcland-Islands" im
Ibis p. 33G. Bringt sehr anziehend geschiiebene und werlhvolle iMit-
theilnngen über die Lebens>\eise von Aplenodytcs deniersa, Eudyptes
papua und A. chrysoconie.
Abbild. Ei von üria carbo in v. Schrenk Yög. Aninrl. t. 16.
— Eier von Uria antiqua ibid. fig. 2 u. 3. — Köpfe von Phalcris cri-
statella (dubia und tetracula Fall.), v. Schrenk Vög. Amurl. t. 16.
fig. 4 u. 5.
W. Pässler: „Eier von Alca impennis in deutschen Sammlun-
gen." Cab. Journ. für Ornilh. (1860) Heft 1 und ebendas. : C. Glo-
ger: „Die frühere Häufigkeit der Alca impennis (Gen. Älataeoptera Gl.)
nach Nilson. Ungeheure Massen von Knochen dieser Vögel wur-
den auf Funk-Island nahe der Nordwestküste Gr. gefunden.
FrOCelläridäO. Neu sollen sein : Thalassidroma Segethi Philippi
und Landb. in Trosch. Arch. für Naturg. p. 282. Chili.
LaridaO. Ob neu: Larns Warnecki Coinde in Rev. et 3Iag. de
Zool. p. 401. Insel St. Faul. Scheint mit Gould's L. brachyrhynchns
oder nnt Gavia citrirostris Bruch's übereinzustimmen.
Abbild. Eier von Sterna longipennis in v. Schrenk Vögel
Amurl. t. 16. — Eier von Sterna affinis. Ibis pl. 5. Gruppe 1. —
Eier von St. velox, ib. Gruppe 2 u. 3 (nach Heu gl in).
G. V. Gonzenbach: „Excursion nach den ßrüteplätzen von
Sterna, Larus und Glareola im Golf von Smyrna" in Cab. Journ. für
Ornilh. Septemb. 1859.
Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
der Säugethiere Wcährend des Jahres 1860.
Von
Dr. Reiiihold lleuscl
in Berlin.
Nachdem in neuerer Zeit unsere Kenntniss der Säu-
gethiere Nord-Amerikas so wesentlich erweitert worden ist,
muss es von besonderem Interesse sein, auch die Älexikos
kennen zu lernen. Diesem Ziele sind wir durch die Ar-
beiten de Saussure's bedeutend näher gerückt, dessen
„INote siir quelqnes Mnmmiferes du Mexique" (Rev. et ]\Jng.
de Zoologie 1860) nicht bloss die Beschreibungen einer
bedeutenden Anzahl neuer Arten enthält, sondern auch
für die Kenntniss längst bekannter aber noch immer nicht
hinreichend beschriebener von Wichtigkeit ist.
Die abgehandelten Arten sind: Felis mexicana n. sp., Mcphitis
leiiconata ? Licht., Bassaris Swnichrasti n. sp., IHyrmecophaga Tanian-
dua ? Desni. (var. mexicana Sanss.) , Dasyprocta mexicana n. sp., Le-
pus calloti.s Wagl. , Sperniophilus gramniarus? Say ; fünf neue llc-
speromys-Artcn : //. loliecus, fultescens, mexicajius, aztecus und Swj»t-
chrasti; Reithrodon mcxicanus n. sp., Cervus mexicaiins, C. cariaciis,
C. toltecus n. sp. , zwei Hirsche, für weiche, im Falle sie sich üIs
besondere Arten herausstellen sollten, die Namen C. Sartorii und C.
cafricornis vorgeschlagen werden; Vespertilio (iMyotis) mexicanvs
n. sp., JWo/ossws (Nyctinonius (lerv.) mexicanns n.sp., }}. ailccus n. s\i.,
Mormops Blainvillii Leach , Centurio mexicanns n. sp. , Slenoderma
lolteca n. sp. , Artihaeus jamaicensis Leach, Carollia azleca n. sp.,
Tijiosloma mexicana n. sp., Macrolus mexicanns n. sp., Vanipirus an-
ricularis n. sp. , I sehn o gl os sa nicalis n. gen. et n. sp. , Anoina
ecaudala (Jeoflr. Wie der Verf. (I. c. p. 15) hervorhebt, stimmt Me-
xiko in den kleincii Säugcthiercii mit den Vcieiniglcn Staaten, in den
Hell sei: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte 75
grossen mit Süd -America üherein. Die Diagnosen der neuen Allen,
welche giösstenlheils nur der Farbe und Zeichnung enlnoninien sind,
so wie das \Vichligste über die bereits bekannten siehe im .speciellen
Theile des Berichtes.
Moore gab ein Vcrzeichniss der von L o y I a n d in
Honduras, Belize und Guatemala g-esaiiimelten Säugctliiere
und Vögel (Proc. Zool. Soc. 1859. p. 50—51).
Die ersteren sind : Cyclothurus didactylus , Sciurus Boothiae
Gray, S. mollipilosus Aud. et Bachm., Galera barbara, Lutra sp., Leo-
pardus on<;a , l.eopardus pardalis ? , Vuipes sp. Er\v;ihnt werden aus-
serdem Leopardus concolor, Dicotyles torquatus, Tapirus americanus,
Cervus (cariacus?) sp., C. (Coassus?) sp., Lepus sp., Dasypus Peba.
Zwei Sammlungen Fraser's aus Ecuador lieferten
nach einem Berichte von T o m e s folgende Säugethiere (Proc.
Zool. Soc. 1860. p. 211— 221):
Vespertilio nigricans Pr. Max , Arctibeus liliunl (Phyllostoma
liliuin Geoff., Sturnira spectrum Gray) , Desmodus rufus Pr. Max, Di-
phylla ecaudata Spix , JMolossus obscurus Geoffr. (M. fumarins Spix?j.
ein kleines, wahrscheinlich zu den Soriciden gehöriges Thier , Sciu-
rus aestuans, Hesperomys Renggeri Waterh. , H. elegans Waterh., //.
lalimanus n. sp. , H. minuhis n. sp. , Dasyprocta caudata Sund., Di~
delphys Walerhousil Tomes n. sp. , D. sp. ? Am Schlüsse werden
beschriebe« Ilesperoinijs bicolor n. sp. , vom Verf. in einem frühereji
Berichte irrthümlicherweise zu li. longicaudalus gezogen und H. au-
reus n. sp. — L. c. p. 260 — 2(jo: Arctibeus perspicillatus GeoflV., A.
pusillus INatt. , Noctilio leporinus hinn. , Eujballouura canina Pr. Max,
Vespertilio albescens Geoflr. (V. chiloensis Waterh.), Felis sp. ? , T;;-
pirus amcricanus, Dicotyles torquatus, Dicotyles albirostris (D. labia-
tus). Tauiandua tetradactyla, Hespeiomys maculipes Pict.?, H. arvico-
loides Pict. , //. caliginosns n. sp., //. albigularis n. sp., Mus lattus,
Lepus brasiliensis, Echimys semispinosns n. sp. , Coelogenys fulvus.
Didelphys Azarae Temus. (D. aurita Pr. Max), D. cancrivora, D. or-
nata Tsch.
Eine Schilderung des Thierlebens in der Provinz Bio
de Janeiro gehen Ileuss er und Claraz (^Petermanns Geo-
graph. Mitlheil. 1860).
P. 255 — 257 umfasst die Säugethiere.
Eine Uebersicht der Säugethiere der Argentinischen
Confoederation erhielten wir durch Moussy (Descriplion
de la Confederation Argcntine. Paris 1860. Bd. JI. p.3— 23).
Die ohne Kenntniss des Gegenstandes und der Literatur gege-
benen Beschreibungen erfordern keine specicllere Anführung.
7G 11 e n s e 1 : Beiiclit lih. d. l.cisliiugrii in d. i\aliirgos(l)i( litc
Wichtige Beiträge zur Thierkundc des Kaukasus und
der benachbarten Länder lieferte Kolenali Reiseerinne-
rungen Bd. I. Dresden 1858. Bd. II. die Bereisung Circas-
siens. Dresden 1859.
Wir hel)en daraus Folgendes hervor : Bd. I. p. 17 Tfcide las-
sen sich ohne IVachtheil aus dem Süden nach dem Norden transporti-
ren, nicht aber umgekehrt, da hei den nordischen i'ferden die Härung
zwei volle AJonate später erfolgt, als bei den südlichen Tferden.
Wenn die donischen Kosaken früher an den nördl. Abfall des Kauka-
sus, das zweite Jahr an den südl. Abfall, das drille Jahr nach Gvu-
sien', das vierte Jahr an die persisch - russische (irenze comtnandirt
werden, so erhalten sich die Pferde, wählend ohne diese Vorsicht
oft alle Pferde zu Grunde gehen. Erst das zweite Jahr anteponirt
der Härungsprocess um beinahe einen Monat, und im drillen stellt er
sich mit dem der einheimischen Pferde zugleich ein. — Pag. 32 u. 33
giebt der Verf. bei Erwähnung der fettschwänzigen Schafe von Gumri
in Russisch - Hocharmenien folgende sieben Stammlhiere des Schafes
an: Ovis Musimon occid. von Corsica und Sardinien, 0. Mus. Orient,
von Persien, 0. cyprius von Cypern , O.Argali, 0. Burrhel, 0. fos-
silis aus den Varad-Olaszin's Sandsteinschichten Ungarns und 0. Ar-
kal aus der östl. Umgegend des kaspischen Meeres. — Pag. 56 findet
sich die Bemerkung, dass in der transkaukasischen Steppe der Wolf
zum Höhlenbewohner wird, während dar Schakal Gestrüppdickichtc,
der Steppenfuchs, C. melanotus, eine südl. Abart des Fuchses, sowohl
Erdhöhlen als Gestrüpp bewohnt. Ausserdem finden sich Notizen
über die Abstammung des Haushundes p. 89 , den Schakal p. 92, das
Kameel p. 115, die Jagd auf den kaukasischen Steinbock, dessen Kopf
auf p. 258 abgebildet ist. — Bd. II. p. 2 werden als Steppennager am
Don folgende genannt: Spermophilus musicus, Arctomys Bobac, Smin-
thus vagus, Spalax typhlus, Dipus sagitta und Alactaga jaculus.
Bemerkungen über die Säugethiere Kleinasiens theilte
Gonzenbach mit (Bericht über die Thätigkeit der St.
Gallischen naturw. Gesellsch. St. Gallen 1860. p. 48—51).
Beobachtet wurden: Felis Pardus (F. Juliae) nicht selten, F.
pardina (ohne Ohrpinsel) , Canis aureus , Hyaena striata , Erinaceus
europaeus, Spalax typhlus (sehr häufig), Aegoceros aegagrus (auf dem
Taurus; die lebhafter gefärbten Exemplare werden als Acg. pictus
bezeichnet). (Der Verf. verwechselt Ziegen und Steinböcke.)
Durch Swinhoe wurden um Amoy und auf Formosa
einige Säugethiere gesammelt, deren Bestimmung Bl y t h
geliefert hat (Journ. Asiat. Soc. ofBengal. Vol. XXIX. 1860.
Calcutta 1861. p. 87—94):
der >iüiigelhiere während des Jahres 18G0. 77
Älacacus speciosus, M. radiatiis Nyclicejus C^) Swinhoei n. sp.,
Scotophilus piiiuiloides Tomas , Canis laiiiiliaris, Muslela sibirica Pal-
las (i>l. Ilodgsoni Gray), Sorex niuriinis (?) (S. Swinhoei Blyth),
S. sp.?, Sciiirus castaneoventris Gray (S. griseopectus ßlytb), iMus
decunianus , AI. llavescens Gray, M. sp. ? , Cermts laiouanus n. sp.,
Cervulus Keevesii, Manis javanica ■'•). Die neuen Arten sind im spe-
cieilen Theile unseres Berichtes ausführlicher erwähnt.
Eine üebersicht der Säugelhiere , welche VYallace
aiil Batchian gesammelt hat, erhielten wir durch Gray
(Proc. Zool. Sog. 1860. p. 1—5). Die Arten sind :
Cvscus ornalus n. sp., Cynopilhecus nigresccns Tenini., Rhino-
lophus 3 spec. , Jlipposideros 2 spec. , 31iniopteris australis, l'leropus
3 spec, Viverra zibelha, Belideus Ariel.
Ueber die Fauna von Karen -Nee am Salween -River
berichtet O'riley (Journal of the Indian Archip. and East.
Asia. Singapore 1859. p. 5 ff.).
Ausser den Hausthieren werden besonders der Leopard , der
Gye oder iMuntjak und der Tsit, eine nicht näher bestimmte Hirschait
genauer besprochen.
In den von Helfer nachgelassenen Schriften, welche
in den Mitlhcilungen der K. K. Geograph. Gesellsch. Wien
1859 publicirt sind , finden sich 1. c. p. 260 — 265 Notizen
über einige Säugethiere der Tenasserim-Provinzen, nament-
lich über den Elephanten und das Nashorn , so wie über
die in den Handel kommenden Thierfelle.
Von den Andamanen sind nach Blyth (Journ. Asiat.
Soc. of Bengal. Vol. XXIX. p. 102) 5 Säugethiere bekannt :
Paradoxurus Mnranga, Mus amlamanensis n. sp. , Mus Manei
Gray, Sus andaniancnsis Blyth und Ilalicore indicus Owen.
Aus den nachgelassenen Papieren Viclorin's, der
in den Jahren 1853 — 1855 das Capland bereiste und daselbst
sammelte, hat Grill das die Säugethiere des Caplandes
betreffende mitgetheilt (Svenska Vetensk.-Akad. Handlingar
1860. p. 1—21 mit 1 Taf.).
Die beschriebenen oder erwähnten Arten sind : Cercopilhecus
Lalandii Is. Geodr. , Simia porcaria , Pteropus hotfentottus Temni.,
Khinolophus capensis Lichtst. , Rhinoluplms auritus Yictorin n. sp.,
■■•) Der Verf. hat das Thicr zuerst als M. pentadacfyla beslinimt,
seinen frrthiim aber 1. c. p. 419 widerrufen.
7b ilensel; in'iiclil iib. d. J.cMstiiugen in d. iXiiturgescIiichte
ISyclciis (liscolor A> jign., Vrsperlilio mimitns Tenim., Y. lanosiis Sti.illi,
YiveriJi gcnelta, Ilerpcstes paludinosns. H. ichneunion, Lntia inunguis,
Felis pmdus, Chrysocliloris inauiala, Sorex varius, S. cafer Siindcv.,
S. cyaiius Duvcrn, von Vicf. als S. argenlatus bezeichnet, Macrosce-
lides typieiis, Emyotis inorata Branls, J\lus pumilio Sparrm. , M. de-
cuiiianiis , 31. n)inimus Pcleis, M. orienlalis Cretzsch. , Mus sp.?, M.
cülüuus Lichtsf., (Jeorychus capcnsis, G, hotlentottus, Hystrix capen-
siä Gr., Lepus capensis, Bos caifer., Tiagelaphus sylvatica, Sylvicapia
njonli<ola , Calotragus melanolis , C. tragulus , Hyrax capensis, Ele-
phas africanus, Delphinns Victorüii Grill n. sp. In zahlreichen An-
njerkungen dazu hat S u n d e v a 1 1 nicht bloss den neuen Rhinolophus
aurilus , sondern auch lolgende bekannte Arten mehr oder weniger
genau beschrieben: Kh. capensis, Rh. funiigatus Rüpp., Rh. lobatus
Peters, Vespertilio lanosus, Chrysochloris inaurata, iiorex cyanus, S.
argenlatus, Mus minütoides Smith , 31. modestus Wagn., 31. orientalis,
31. colonus.
Eine üebersicht der Säiigetliiere Algeriens nach der
CIiissHicalion Bonaparte's erhiellen wir durch Loche (Ca-
lalügue des Maimniieres et des Oiseaux observes en Algerie.
Diagnosen sind nicht gegeben, wohl aber ist die geographische
Yoibieitiing genauer angeführt. Uie aufgezählten Arten heissen :
Pitiiecus inuus , Lupulus aureus, Yulpes algeriensis, V. niloticus, V.
famelicus, Fennccus ßruceii, Hyaena striata, iVlangusta Kumidica, Genetta
Afra, G. Bonapartii Loche, Felis Leo, F. Pardus, F. Serval, F. jubata,
F. Caracal, F. Libyens Oliv., F. Catus , F. 31argarita Loche, Putorius
Boccamela, Zorilla Yaillantii Loche, Lutra vulgaris, Phoca 31onacha,
Tursiops Tursio Gerv., Sus scrofa, Ctmielus Dromedarius, Cervus Ela-
phus, Dania vulgaris, Antilope Addax, Gazella Dorcas, Gazella Corinna,
Aleelaphus bubalis, 31usimon Tragelaphus , Ovis aries , Vespertilio
mnrinus , 3Iiniopterus Schreibersii *■'=), Pipistrella noctula, P, vispi-
strella, Plecotus auritus , Rhinolophus unihastatus, Rh. Hippocrepis,
Sorex tetragonurus, Crocidura aranea, Pachyura agilis, Crossopus fo-
diens, 31acroscelides Rozeti , Erinaceus Algirus, E. Deserti n. sp.,
Älyoxus 31unibyanus Pomei , Dipus Geiboa, D. 3]auritanicus, D. De-
serli n. sp., Alactaga Arundinis , Gerbillus Shawii, G. campestris Le-
vaill. , G. Selysii Pomel , G. Gerbii n. sp. , G. Schousboeii n. sp., G.
robustus?, G. minutus?, Ctenodactylus 31assonii, 3Ius decumanus, 31.
■"■) Das Titelblatt ist ohne Jahreszahl, die Einleitung führt das
Datum 1. mars 185ö.
"•") Der Verf. schreibt stets Schrcbersii, indem er Schreber mit
Schreibers verwechselt.
(Kr Säugclhicre N>älimi(l dc> Jjthrcs ISGO. 79
vallns . M. AIPAJiiulrinns, M. sylv.itiriis, M. Algirus rom., M. mnscu-
liis, iM. chaniocropsis Levaill., AI. hararus, Ilystiix crislata. Lopus mo-
(lilonaiH'Us, Ciiniculiis Algirus Lerel)Oiil]. — Als Bewoliner Algeriens
genannt, aber \on deiu Verf. noch nicht gelunden, sind hinzugefügt
l'uloriiis conuiiunis , W vulgaris, P. erniinea, ßleles Taxus, Ursus Ar-
clüs, l'hoca vitulina, Vesperlilio IVattererii , Talpa, Myogalea nioschala,
Crocidura leucodon, Sciurus Getulus Linn. — Die neuen ohne Diagnose,
also ohne Prioritiits - Hecht niitgetheilten Alten werden im speciellcn
Theile unseres Berichtes nochmals aufgeführt.
Tristram's „The Great Sahara : Wanderings soulh of
Ihe Atlas Mountains. London 1860" cnliiält auf p. 382—388
ein Verzeichniss der Säugethiere der Sahara, ohne dass
jedoch eine Autorität für die Bestimmung derselben genannt
vväre. Sie sind:
Myotis murinns , Mniopt. Schreihersii , Rhinol, clivosus, Felis
liCO, F. pardus, F. jubala, F. caracal, F. lybicus Oliv., F. catus (wild),
F. Margarita Loche, Ilyaena striata, Herpest, numidicus , Genetta afra
Cuv.. G. Buornapartii Loche , Canis aureus, Vulpcs vulgaris var. at-
lantica Wagn., V. niloticus Cuv., V. famelicus Less., Fennecus ßru-
eei Desni. , Putorius Boccamela, Zorilla Vailiantii Loche, Macrosceli-
ues Boxeti, Sorex tetragonurus , S. araneus, S. agilis, Erinaceus algi-
rus Duv., E. Deserli Loche, Mus rattus, 3L aiexandrinus, M. sylvalicus,
^i. musculus, M. barbarus , 3L dichrurus, M. chamaeropsis Le Vaill.,
i*sammomys obesus , Hystrix cristata . L. mediterraneus AVagn., L. ae-
gyptiusGeoffr., Dipus Jerboa, D. aegjptius, D. Deserti Loche, Alacfaga
arundinis Cuv., Gerbillus melanurus Gray, G. canipesfris Le Vaill,,
G. Shauii Duv., G. Selysii Poniel. Die G. Gerbii, Schousboeii und mi-
niitus Blainv. , welche durch Loche beschrieben worden sind, hat
der Verf. nur in der Sammlung des Genannten gesehen. Gazella Dor-
cas, G. Corinna, G. Kevella , Addax nasoniaculatus Gray, J\Iusimon
Tragelaphus, Alcelaphus Bubalis, Onager sp. , Sus scrofa.
. Sclater theiltc ein Verzeichniss folgender von Mon-
te ino in Angola gesammelter Säugethiere mit (Proc. Zool.
Soo. 1860. p.^245— 247):
Colohus anfjolensis n. sp., C. ursinus Ogilby., C. vellerosus Is.
GeonV. , (Semnopithecus bicolor Wesm., Col. leucomeros Ogilby),
C. giiereza, C. salanas , Cercopithecus melauogcnys Gray, Felis ne-
glecla Gray, F. scrvalina, INandina binotata, Geneita abyssiniea, G. sp. ?,
iMiis raltus, Alanis tricuspis Sundv. (M. multi-scutata Gray).
Schilderungen der Afrikanischen Thierwelt erhielten
wir von B u r ton: the Lake regions of Central-Africa. 2 Vol.
London 18G0.
/
80 llrnsel: B«Miclil üb. d. Leislungen in d. ISaturgcschichte
In Polcrmann's Geographischen Millheilungen 1860.
Taf. 18 giebt Heuglin die unbrauchbaren Abbildungen des
Pectinalor Spekei Blyth und eines neuen Xerus Dabagala,
dessen Beschreibung jedoch dem künftigen Berichte an-
gehört.
In Gould's „Wainmals of Australia Part XL 1859,"
jenem mehr für den Laien als für den Zoologen bestimmten
Prachtwerke sind folgende Thiere abgebildet:
Canis Dingo, Perameles Gunnii Gray, Phascolomys latifi ons Ovv.,
Ünychogalea unguifer Gould , Ilalmaturus Deibianus C^ray, Petrogale
brachyotis Gould, Lagorchestes leporoides Gould, Mus vellerosus Gray,
IS'yctophilus Geoirioyi Leach, Nyclophilus Tiniorieusis Geoffr., Kycto-
plillus unicolor Tonies. Part. XII. 18G0 enthält: Cuscus brevicauda-
tus Gray , Arctocephalus lobatus Gray, Stenorhynchus *) leptonyx,
Macropus ocydromus Gould, Halmalurus Billardieri Gould, H. stignia-
ticus Gould, Lagorchestes conspicillata Gould', Petrogale inornata
Gould, Delideus notatus Peters, Scotophilus microdon Tonies, Ante-
chinus leucopus Gray.
Die in dem Schulte der Pfahlbauten der Schweizer
Seen aufgefundenen Säugethierreste schrieb Ru t imeye r
(Untersuchung der Thicr - Reste aus den Pfahlbauten der
Schweiz. Zürich 1860) folgenden Säugethieren zu:
Urs. arct., Mel. vulg., Must. foina, M. niart., M. pulor., M. her-
niin., Lut. vulg., Can. hip. , C. vulp. , Fei. cat. , Erin. europ. , Cast.
üb., Sciur. europ., Sus scrofa ferus, Sus scrofa palustris, Equus cabal-
lus, Cerv. alc, C. elaph., C. capreol., B. primig., B. bisan., B. taur.
fer. Ausserdem einer Rasse des Haushundes und einer kleinen Rasse
des Schafes und der Ziege. Eine Zusammenstellung derartiger Säu-
gethierüberreste in der Schweiz und Dänemark findet sich auch in
Morlot: Etudes Geol. Arch. en Danemark et en Suisse. (Bullet.
Soc. Vaud. des Sc. Nat. Lausanne 1860. p. 259-329.) Ueber Sus scrofa
palustris Rutim. vergl, Steenstrup 1. c.
In Becker's „Reisehandbuch für Besucher des Oet-
schcr Wien 1859. p. 212—217" hat Schi e ic h er ein Ver-
zeichniss der Säugethiere , die sich in genannter Gegend
linden, geliefert.
Fitzingcr gab eine Uebersicht der von der Novara-
"") Der Käme Stenorhynchus ist bereits seit 1819 durch L a-
marck bei den Crustaccen vergeben.
der Säiigethiere während des Jahiesl860. 81
Expedition gesammelten Säugcthicrc (Silz.-Ber. der Wien.
Akad. Bd.42. p. 383— 417).
Unter den 176 namentlich aufgeführten Arten sind 11 noch
unbeschriebene, nämlich: Pteropus nicobaricus , Fachysoma gigan-
teuni, P. Scherzeri und Vcsperugo nicobaricus von den INicobaren, V.
philippinensis von Manila, INyclicejus sinensis von Hongkong, Phyl-
lorhina taitensis von Taiti , Mus Kovarae und M. palniarum von den
Kicobaren, M. taitensis von Taili und Cryptophractus brevirostris
von Chili.
Die von Weinland herausgegebene Zeilschrift „der
Zoologische Garten" erfreut sich bei der Thätigkeit ihres
Herausgebers eines rühmlichen Gedeihens»
Der jetzt vorliegende erste Jahrgang vom Jahre 1860 enthält
ausser den schon im vorjährigen Berichte erwähnten Mittheilungen
zahlreiche neue des Herausgebers über Meles laxus, Procyon, Nasua
socialis in einer Varietät aus 3Iexico beschrieben und abgebildet, Bos
griHiniens, Felis catus , die Hauskatze, Canis lupus, Lulra vulgaris,
Halmaturus ßennetti, Hypsiprymnus murinus, Dasyurus Maugei, Cyno-
cephalus Haniadryas, Cynailurus guttatus, Antilope rupicapra, A. Por-
cas , A. arabica , A. bubalis und das Junge derselben, A. picta, A.
leucoryx, ausserdem von Opel über den Canis Azarae. Das Wich-
tigste wird im speciellen Theile unseres Berichtes mitgetheilt.
Mit ge>vohntem Humor hat G. v. Martens die Thiere
in ßernabo's Menagerie namentlich in Bezug auf ihr Be-
tragen in der Gefangenschaft geschildert (Würt. nat. Jah-
reshefte XVI. 1860. p. 64—93).
Vorhanden waren: Ursus arclos, U. maritimus , Felis Leo, F.
Tigris, F. Leopardus, F. Onza, F. Pardus $, ein Bastard dieses Thieres
und des vorhergehenden, F. l'ardalis (F. elegans Less.), Hyaena striata,
H. crocuta , Canis Lupus, C. mesonielas, Procyon lotor, Nasua socia-
lis, Herpestes griscus, Viverra civelta, Gulo inellivorus, Hystrix cri-
stata , Halmaturus ßennetti, Cynocephalus J3abuin , C. Sphinx, Cebus
capucinus, Cercopithecus fuliginosus, C. griseoviridis, Inuus neme-
strinus, L sylvanus, Macacus cyuomolgus, M. sinicus, Lemur Mongoz,
Tapirus americanus, Auchenia Alpaca und Antilope scripta?
A Guide to the Quadrupeds and Reptiles of Europe;
wilh Descriptions of all the Species : compiled from Ihe
Latest Writers. London 1859 schrieb Clermont.
Die Autoritäten für die Bearbeitung der Säugelhiere sind Bla-
s i u s und S c h i n z.
Bennet Gatherings of a Naturalist in Australia etc.
London 1860.
Archiv f. Naturg. XXVII. Jahrg. 2. Bd. F
82 Hcnscl: Bciichl üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Maack Reise nach dem Amur. Petersburg 1859 (in
russischer Spraclie).
Tsc hl ha tsch e ff Asie mineure , erste Abtheilung,
welche die Zoologie enthalten soll.
Blyth and Speke Report on a Zoolog. Collection
from the Somali Country etc. London 1860,
sind dem Ref. nur den Titeln nach bekannt geworden.
Zahlreiche Wotizen über Lebensweise und Verbreitung der
grösseren Säugethiere iinden sich jedenfalls auch in den
Reisebeschreibungen jagender Touristen, namentlich Eng-
lischer, welche jedoch deutschen Zoologen gewöhnlich un-
zugänglich sind , deren Titel aber leicht in den Verzeich-
nissen der geographischen Literatur, z. B. der Berlin. Zeit-
schr. für Erdkunde gefunden werden können.
178 Säugethiernamen in der Tupisprache theilte Mar-
tins mit (Sitzungsb. der Baier. Akad. 1860).
Im Anschlüsse an seine frühere Mittheilung gab Rei-
chert weitere Nachricht über die Entwickelung des Meer-
schweinchens (Reichert's Archiv 1860. p. 847 — 856).
Die Bildung der Decidna reflexa beginnt in der zweiten Hälfte
des siebenten Tnges ohne eine vorangegangene Umwandlung der Ge-
bärmulterschleimhaut in eine Decid. vera , und ihre Höhle ist nur
ein abgekanimerter, eigenthümlich configurirter Theil der allgemeinen
Höhle des Gebärmutterhornes. Das die Innenseite auskleidende Epi-
thel ist als epitheliale Kapsel , das drüsenhaltige Schleimhaiilsubstiat
als Schleimhautkapsel zu unterscheiden. Jene erleidet im Laute des
achten bis zum Beginne des dreizehnten Tages sehr auffällige Form-
veränderungen, indem sie sich aus einer kurzhalsigen Flasche in eine
langhalsige verwandelt, deren Körper am neunten Tage verkümmert,
während der Hals als ein stark erweiterter und verlängerter Zapfen
allein übrig bleibt. Dieser erhält drei Abschnitte, welche in Rücksicht
auf die Ausbreitung und Lage späterer Bildungszustände des Embryo als
Zone des Fruchthofes, Zone des Gefässhofes und Placentarzone bezeich-
net werden. Der kugelförmige Dotier verwandelt sich inzwischen in
eine Dolterscheibe, welche ihrerseits wieder die Form eines Bläschens
annimmt. Dieses besteht seiner Enlstehungsart zu Folge aus zwei
Theilen , dem epithelartigen, die Bläschenform bedingenden Gebilde,
der Umhüllungshaut, und dem Reste der Dotterscheibe , der an der
Aussen fläche des Epitheliumsackes sich ausbreitet. Der Veif.
zieht es vor den gegenwärtigen Enlwickelungszustand des befruchte-
ten Säugethier'eies nicht „Keimsack" oder „Keimblase," sondern „blas-
der Siiiigelhierc während des Jahres 1860. 83
chenförmigen Embryo" zu nennen. Bei dem Meerschweinchen fehlt
in diesem Zustande die Zona pellucida, welche bei Hunden und Ka-
ninchen noch fortbesteht. Die von Bischoff für Anhänge der Zot-
ten gehaltenen Erhabenheiten der Zona pellucida sind Niederschläge
aus dem Excrete der auf dieselbe ausmündenden Utcrindrüsen. Die
Uinhüllungshaut überzieht bei dem Äleerschweinchen wie bei allen
übrigen Wirbelthieren diejenige Fläche des Bildungsdotterrestes, an
der später der Rücken des Embryo sichtbar wird , derjenige Theil
jener aber, welcher bei den übrigen Säugethieren über die Grenze
des Keimfleckes hinauswächst und den Rest des Bildungsdotters in
seine Höhle aufnimmt, wächst hier durch die dargebotenen mechani-
schen Vorrichtungen geleitet in entgegengesetzter Richtung fort und
wird oberhalb des künftigen Rückens des Embryo zur Höhle abge-
schlossen. Die Hohlräume des bläschenförmigen Embryo des Meer-
schweinchens haben also nicht dieselbe Bedeutung wie bei den übri-
gen Säugethieren. Hierauf reducirt sich die Angabe B i s c h o f f 's
von der umgekehrten Lage der ursprünglichen Anlagen des Meer-
schweinchens.
Humphry's Observations on the Limbs of Vertebrate
Animals etc. Cambridge und London 1860. 4., mit zahlrei-
chen Abbildungen auf 3 Tafeln behandeln die Homologie der
Vorder- und Hinterextremitäten der Wirbelthiere.
Der Verf. vergleicht zuerst die Knochen, darauf die Bänder,
Muskeln , Anterien und Nerven , ohne zu solchen metaphysischen
Mitteln, wie die virtuelle Drehung Martins, seine Zuflucht zu
nehmen.
Die Entwickelung des Eierstocksfollikel und der Eier
der Säugethiere untersuchte Spiegelberg (Nachrichten
von der Univers, und der Königl. Gesell, d. Wiss. zu Göt-
tingen 1860. No. 20).
Dem Ei wird der Charakter einer Zelle gewahrt, wie es Meiss-
ner bei Gordiaceen und Ascariden fand.
Als ein für das Studium der Säugethiere unentbehrliches
Hülfsmittel erwähnen wir Gurlt's Handbuch der verglei-
chenden Anatomie der Hausthiere. 4. Aufl. Berlin 1860. 8.
Damit in Verbindung steht ein Atlas in kl. Fol., welcher
auf 22 Tafeln in vortrefflichen Abbildungen die Anatomie
des Pferdes dargestellt enthält.
Die Muskeln des Vorderarmes und der Hand der Säu-
gethiere und des Menschen untersuctite Aeby (Zeilschr.
für wissensch. Zool. Bd. X. 1859. p. 34—88. Taf. V).
84 II 011 sei: Bericht üb. d. Leistungen in d. Nsitnrgcsrhichto
Der Verf. wendet eine von der jj^ehräiiclilirhen al)Nveiehende
13ezeichniing der Muskeln an und kommt schliesslich zu dem Kesul-
tate, dass mil der Knllernung vom menscliliclicn Ty|)ris der Ahiskel-
apparat sich vcicinlacht.
Die sclion in unserem vorjährigen Berirhte nach einem
Aiiszuge erwähnte Arbeit Cleland's über den Vomer des
Slensclien und der Säugelhiere und über dns Os sphenoid.
spongios. ist nun ausführlich erschienen (New-Edinb. Phil.
Journ. 1860. XII. p. 242—249. PI. V).
Abgebildet sind der Yoiuer etc. vom Schafe, ölenschen und
haninclien.
V. Biesiadecki untersuchte das Chiasma des Seh-
nerven des Menschen und der Thiere (Silzungsber. d. Ak.
der Wiss. Wien 1860. p. 86—102 mit 1 Tai".).
Der Verf. untersuchte von Säugethieren das Kaninchen, den
Hund und das Pferd und überzeugte sich, dass beim Menschen und
allen Wirbelthieren im Chiasma nerv. opt. eine vollständige Kreuzung
der Schnervenfasern staltfindet.
Lamarre-Picquot hat der Pariser Akademie ein
Werk über die vergleichende Physiologie einiger Wander-
Thiere überreicht, welches vorzugsweise den Eisbären und
den Polarfuchs behandelt (Compt. rend. Paris 1860. Tom. 51.
p. 946).
Vogelsang schrieb eine Dissertation: De structura
ventriculi Mammalium et avium. Bonn 1860.
Untersucht wurden: Canis familiaris, Felis catus, Mustela foina,
Bos taurus, Sus scrofa , Lepus tiinidus , L. cuniculus var. fer. , Mus
muscuhis, Talpa europaea.
lieber die zoologischen Merkmale der Säugethiere in
Bezug auf die Ortsbewegung Hess sich Pucheran ver-
nel'.men (Compt. rend. Acad. des Sc. Paris. Tom. 50. 1860.
p. 1045—1048).
Die Besultate seiner Untersuchungen über die Struk-
tur des Nabelbläschens der Säugethiere theille Rolin mit
(Compt. rend. hebd. Acad. des Sc. Paris 1860. Tom. 51.
p. 624—626).
H. Müller untersuchte die elastischen Fasern am
Nackenbande der Giraffe (Würzb. naturw. Zeitschr. Bd. 1.
1860. p. 162—164).
Die Lymphgetässe der Ganglien des Sympnthicus un-
der Säugclliicre Mälncnd des J;ihrcs 18G0. 85'
tersuclile Riech iardi bei Cercopilliociis sabanis (Alti
della Soc. Ital. di sc. nat. Milano 1860. Vol. IL p. 131—132).
Das Gehirn des Rindes untersuchte Hertz (De non-
nullis chemicis cerebri elemcntis. Greifswald 1860).
Oweu's On the Classification and Geographica! Di-
stribution of the Mammalia, to wl)ich is addcd an Appendix
on the Gorilla , and on the Extinction and Trnnsniutidion
of Species, London 1859, ist mir nur aus einer Anzeige
bekannt geworden.
Als ein Auszug davon sind wohl die Berichte in den Proc.
Britisch. Assoc. für 1860 zu betrachten. (l>ew Edinb. Journ. 18G0.
XII. p. 273.)
Placeiitalia.
Quadrumana.
SimiäO. üeber das Gehirn des Gorilla (Gorilla gina) berichtet
Oratio let (Comp. rend. hebd. de l'Acad. Paris 1860. I. 50. p. 801).
Das Gehirn des Gorilla ist sehr arm an Windungen , was bei
der Grösse des Thieres um so auffallender ist. Im Detail der Loben
und Windungen entfernt sich das Hirn von dem des Chimpanse, um
sich dem der Gattung Cynocephalus zu nähern.
Ueber den Fang eines jungen, weiblichen Gorilla be-
richtet S im mond s (Proc. Zool. Soc. 1860. p. 184).
Ueber das Vorkommen des Orang-Utang auf den Ni-
kobaren vergl. Helfers nachgelassene Schriften (1. c.
p. 367).
Zum Zwecke einer richtigen Bestimmung der fossilen
Affenreste von Pikermi hat Beyrich den Bau des Schä-
d(^ls und Gebisses der zunächst verwandten lebenden Gat-
tungen und zwar des Hylobates Hulok, Semnopithecus ru-
bicundus, S. comatus und S. Entellus einer genauen Verglci-
chung unterworfen (Abhandl. der Berl. Akad. derWiss. 1860.
p. 1-26).
Sciater beschreibt nach lebenden Exemplaren des
zool. Gartens zu London folgende Affen (Proc. Zool. Soc.
1860. p. 419— 422. PL 82) :
Macaciis ocreatus (Papio ocr. Ogilby , Mac. fusco-ater Schiuz)
J\I. maurus F. Cuv. , Ccrcopilhccus rufo - viridis J.
86 Ilcnsel: Bericht üb. i]. Leisliingen in d. Natiirgcschiclite
GeoüV., Cynocepluiliis anubis F. Ciiv. Am Schlüsse werden im Giin-
zen 26Afl'enaiten als in der Menagerie der Gesellsch. lebend genannt.
lieber die Affen auf Forniosa berichtete S w i n h o e
nach einer Mittheilung vonBlyth (Journ. As. Soc. ofBen-
gal. Vol. XXIX. 1860. p. 87).
Swinhoe entdeckte zwei Affenarten, eine grössere und eine
kleinere, die erslere erklärte er für Mac. speciosns F. Cuv., die zweite
hielt er für neu, doch konnte sie Blyth nicht vom indischen M. ra-
diatus unterscheiden.
Colobus angolensis ist eine neue von S c 1 a t e r auf-
gestellte Art aus Angola (Proc. Zool. Soc. 1860. p. 245).
IVach einem Felle ohne Füsse und Gesicht will ihn der Verf.
durch folgende Diagnose: Ater , humerorum utrinque pilis elongalis
et caudae apice albis, von C. Guereza unterscheiden, wobei man na-
türlich voraussetzen muss, dass die Zeichnung dieser Art keiner Va-
liation fähig ist.
Gray macht bei Erwähnung eines Cynopithecus ni-
grescens Temm. einige Bemerkungen über die Verbreitung
der Affen auf den Sundainseln gegen Wal lace (Proc. Zool.
Soc. 1860. p. 4).
Weinland beschreibt ausführlich einen lebenden Cy-
nocephalus Hamadryas diis zoolog. Gartens zu Frankfurt (1. c.
p. 146—150).
Die dreizehn Species der Gattung Pithecia, welche das
British Museum besitzt, werden von Gray unter Hinzufü-
gung einer neuen auf 4 Arten reducirt und auf folgende
Weise gruppirt (Proc. Zool. Soc. 1860. p. 228—231).
I. Die Haarbekleidung des Kopfes und der Seiten des Gesich-
tes reichlich und anliegend; sie ist länger an den Seiten des Kinns
vor den Ohren ; der Vorderkopf mit einem kahlen Längsstreifen in
der Mitte. 1) F. chrysocephala J. Geoffr. (P. leucocephala Gray , P.
inusta Spix) Brasilien?
II. Das Kopfhaar vorwärts gerichtet; das Gesicht schwach be-
haart; seine Haare von der Mitte nach dem Vorderkopfe hin diver-
girend, an den Seilen der Wase vor den Augen reichlicher und eine
Art Schnurrbart bildend; alte Exemplare oft mit kahlem Gesichte;
Vovderkopf ohne eine kahle Mittellinie. 2) P. monachus Geoflr. et
Kühl. (P. irrorata Gray, P. hirsuta Spix). 3) P. rufivenlris Geoffr. (P.
pogonia Gray, P. capillamentosa Spix). Brasilien. 4) P. albicans n. s^ip-
(PI. 81). Haar lang und locker, auf dem Kopfe, Nacken, oberen Thcile
der Schenkel weisslich, auf den Schultern, dem Rücken, den Seiten,
der Säugethiere wählend des Jahres 18G0. 87
dem Schwänze und den Vorderbeinen schwarz mit kurzen weissen
Spitzen ; an den Hinterbeinen, den Seiten des IJalses, der Innenseite
der Beine , an der lirust und dem Baiuhe röthlich. Das Kopfhaar
lang und einen grossen Theil des Gesichtes bedeckend. Brasilien.
P. leucocephala (jeoft"r. und V. albinasa Geollr. scheinen von
den oben genannten Arten verschieden zu sein.
Prosiiuiae. Nachträgliche ßemerkungen über das Gen.
Galago theilte Murray mit (iNcw üdinb. Phil. Journ. V.
1860. p. 99. Pl.V).
G. murinus besitzt, im Gegensatze zu den sogenannten Insekten-
fressern, ein ziemlicli langes Coecum und nur eine einzige Vena cava
superior. Die rechte Lunge besitzt drei, die linke zwei Lappen. Es
finden si'ch acht wahre, drei falsche und zwei freie (üoaling) hibben.
— '- '- laufet die Gebissformel , doch hegt der Verf. noch
3.1.3 + 3 ' **
einigen Zweifel, ob nicht der letzte Praemolarzahn schon zu den
Älolares gehört, durch die Foram. incisiva geht ein Canal, welcher
sich erweitert und in die Nase führt. Die beschriebenen Theile sind
abgebildet.
Einen Lemur von Old-Calabar stellte Smith als neue
Art vorläufig- zu Perodicticus (New Edinb. Phil. Journ. XII.
1860. p. 155).
2.1.6
P. calabarensis. Die Gebissformel heisst . Ganze
2.1.6
Länge des Thieres liy^" engl., des Schwanzes y^''. Der Daumen
der Vorderhand hat an der Innenseite der Basis einen rundlichen
Höcker in Opposition zu dem rudimentären Zeigefinger, der keinen
Ixagel trägt und allein aus dem Metacarpus zu bestehen scheint. Die
Zi;nge mit einer Nebenzunge, welche in 9 Spitzen ausgeht.
Unsere noch immer mangelhafte Kennlniss der Prosi-
niiae hat eine wesentliche Bereicherung- durch eine sehr
sorgfällige monographische Bearbeitung des Perodicticus
Geoffroyi ßennett erfahren. Ontleedkundig- Onderzoek van
den Potlo van Bosman door F. A. W. van Campen,
Med. Cand. uit zijne nagelaten Aanteekeningen bijeengebragt
door J. van der Hoeven. Met drie Piaten. Amsterdam
1859. 4.
Die Untersuchung ist eine wesentlich anatomische und erstreckt
sich auf alle Organe, daher auch die Darstellung der oberen Backen-
zähne in Taf. L fig. 2 nicht auf Genauigkeit An.spruch machen kann.
Mit besonderer Ausführlichkeit ist die Myologic behandelt. Die Pha-
88 Ilcnsel : Bericht üb. d. Leistungen in d. Knturgcschichlc
langen des Index, der keine Flexoren , wohl aber einen kleinen M.
indiealor besilzt, werden als 1. und 2. gedeutet.
Chiroptera.
Ch. frugivora. Tomes beschreibt in einer Monogra-
phie des Genus Epomophorus Bcnnet (Pachysoma Temm.)
ausführlich folgende Arten (Proc. Zool. Soc. 1860. p. 42— 58),
ohne jedoch bestiniuite Diagnosen für dieselben zu bilden.
E. maeroeephalus Ogilby (Pterop. epomophorus Bennet Proc.
Zool. Soc. 1835. p. 149, Pt. megacephalus Swains, Epom. Wbitei ßen-
net, Trans. Zool. Soc. 1835. p. 38, Pachysoma Whitei und P. maero-
cepbala Temm. Esquiss. p. G5 u. 70), E. gambiauus Ogilb. (E. cryplu-
rns Peters '■•) , E. Franqueti n. sp. , E. labiatus Temm.) Ep. Whitei
Gray Cat. Mamm. Brit. Mus. 1843. p. 38), E. schoensis Riipp.
Epomaphorus Franqueti ist eine neue von Tomes
(I. c. p. 54. PI. LXXV) beschriebene Art von Gabun.
Der Gebrauch des Verf. in seinen ausführlichen Beschreibungen
nur relative Merkmale zu geben, macht dem Ref. die Formulirung
einer bestimmten Diagnose unmöglich. Auch wird sich nach jenen
ein Exemplar nur dann mit Sicherheit bestimmen lassen, wenn man
normale Individuen der anderen Arten zur Hand hat.
Ch. inscctkora. Die Fauna der Europäischen Fleder-
mäuse ist von Kolenati (Monographie der europäischen
Chinoptern Brunn 1860 *""^) zum Gegenstande einer beson-
deren Bearbeitung gemacht.
Der Verf., welcher seit mehr als zwanzig Jahren den Handflüglern
seine besondere Aufmerksamkeit gewidmet und ihre Kenntniss vielfach
gefördert hat, beschreibt unter Beibehaltung der vielen von ihm schon
früher aufgestellten Gattungen folgende 31 Arten als europäisch :
Cateorus serotinus ; Meteorus Nilssonii, discolor, Savii; Hypsugo Mau-
rus, Kraseheninikovii Eversm.; Nannugo Kathusii, Ursula, marginatus,
Kuhlii, pipistrellus, minutissimus ; Panugo Leislerii, Noctula; Amblyo-
tus atratus ; Brachyotus mystacinus, Daubentonii, Capacinii, dasycne-
mus ; Isotus Nattererii, ciliatus; Myotus Bechsteinii, murinus ; Minio-
*) In einer Abhandlung vom Jahre 1861, welche dem künfti-
gen Berichte angehört, wird diese Art wieder anerkannt.
*■"') Diese Monographie erschien als Separatabdruck aus dem Jah-
reshefte der naturwissenschaftlichen Section der kais. königl. mähr,
schles. Gesellschaft zur Beförderung des Ackerbaues, der IValui- und
Landeskunde, für das Jahr 1851).
der Säugelhierc während des Jahres 18G0. 89
pterus Schrcibersii ; Plecotiis aiiritus ; Dysopes Ceslonii ; Synolus bar-
bastelliis; Khinolophns hipposideros, Ferrum efiuiniim, clivosus, Eu-
ryale. Bei jeder der ausfuhrlich beschriebenen und gemessenen Arien
sind ihre Parasiten angejjeben. Vorangestellt ist eine reichhaltige,
v>vnn auch nicht vollsländige Angabe der betrefFenden Literatur.
Eine namentlich auf die Lebensweise eingehende Be-
schreibiing der baierischen Chiropleren lieferte JäckeJ
(Abhandl. des zool.-min. Ver. Regensburg 1860. p. 1 — lÖ9j.
Die Monographie unifasst : Rhinol, hipposid. , R. fer. equin.,
Plecot. aurit., Synot. barbast., Vesperngo noctula, V. Leisleri, V. IS'a-
Ihusii , V. pipistr., V. IVilss. , V. discol. , V. s-erot., Vespcrtilio nuir.,
V. Rechst., V. INattereri, V. niystac, V. Daubent.
Die Fledermäuse Oberhessens hat Koch bearbeitet
(Achter Bericht der Oberhess. Gesellsch. für Natur- und
Heilkunde. Giessen 1860).
Die Gruppe der Glossophagen Phyllostomen wird von
de Saussure (1. c. p. 78) in folgende Gattungen gelrennt.
I. Backenzähne |: Ischnoglossa n. gen.
II. Backenzähne!, Schwanz kurz: Heniidermn — fehlend:
Glossophaga.
III. Backenzähne |, Schwanz mehr oder weniger kurz: iMo-
nophyllus Leach. (Das Gen. Phyllophora Gray, zieht der Verf. zu dieser
Gattung.)
IV. Backenzähne #: Anoura. Die neuen Arten sind:
G
Ischnoglossa nivalis. Magna et crassa ; pedes crassissirai ; ala
tibiae inserta, altius quam tarsus; patagium interfemorale valde emar-
ginatum, zonam angustam efficiens in genu latiorem. Mexiko. Abge-
bildet sind auf PI. 20 das Thier in nat. Grösse , das IS'asenblatt , der
Schädel und das Gebiss in mehreren Figuren.
Ausserdem wird Anoura (Choeronycteris Tschud.) ecaudata Geoffr.
nach Individuen aus Mexiko folgendermassen charakterisirt: Supra
fusca, subtus pallidior, collo pallide fusco, venire argentato ; patagium
femorale rudimentarium, crura marginans.
Phylionycteris ist eine neue Gattung der Fleder-
Ihiere aus Cuba mit zwei Arten, die durch Gun d lach auf-
gestellt wurde (Äionatsber. der Berlin. Akad. 1860. p.817
—819).
Diese zu den Glossophagina gehörige Gattung stimmt durch das
verkümmerte Nasenblatt mit ßrachyphyllum übercin. Die Zähne,
2.1.24-3
— — — — -, sind denen von llemidernia brevicaudum sehr ähn-
2 . 1 • 2 -{- 3
90 Ilcnsel: Btricht üb. d. Leistungen in d. IVattirgeschichle
lieh, nur ist der obere hintere Backenzahn verhältnissrnässig grösser
und die untern Schneidezahne sind gleich gross. Der sehr kurze
Schwanz ragt mit seinem Ende über die tief ausgeschnittene Schen-
kelilughaut hinaus.
Pk. Poeyi, das Nasenblatt fast rund, über der Mitte sich ein
wenig mit einem einfach abgerundeten oder in der Mitte gekerbten
Fortsätze erhebend, die Schenkelflughaul lässt fast den vierten Theil
der 'lilfia frei, Sporen fehlen ganz.
Pk. Sezekorni , der IS'asenbesatz bildet oben eine kleine Spitze,
lind die SchenkeHlughaut steigt bis zu den Hacken herab , wo sich
ihr Ende an einen ganz kurzen Sporn befestigt.
In der Gruppe der Vanipyre werden von de Saus-
sure (1. c. p. 66) 2 Abtheilungcn mit folgenden Gattungen
angenommen.
A. Die Kronen der wahren Mahlzähne besitzen pyramidenför-
mige Höcker, oder zeigen ein mehr oder weniger deutliches W. An
den oberen Malilzahnen springt der Aussenrand der Krone mehr her-
vor als ihr innerei'. Die SchenkeKlughaut ausgerundet oder unvoll-
ständig (Uebergang zu den Stenodermen),
I. Backenzähne |. Geschwänzt etc. Phyllostoma. üngeschwänzt
etc. Carollia Gray.
II. Backenzähne 1 etc. Schizostoma Gerv.
6
Zu der Galtung Carollia Gray rechnet der Verf. (1. c. p. 67)
folgende neue Species aus Mexiko :
C. azteka. Supra fusca , vel fusco-rufa , subtus pallidior; Ca-
put, Collum et pectus subrufescentia; rosfrum elongatum ; frons elon-
gato - lanceolata; auriculae breves, excisae , antitiago subelongato ;
membrana femoralis lata, paulum excisa ; calcaribus magnis. Einige
Individuen von abweichender Färbung werden zwei Varietäten zu-
geschrieben. Auf pl. 20. flg. 1 u. 1 a sind die Schenkelflughaut und
der Antitragus abgebildet.
B. Die Falten der Mahlzähne haben deutliche W Form, Schen-
kelflugkaut sehr gross, gewöhnlich den Raum zwischen den Schen-
keln ausfüllend und von dem Sporen der einen Seite zu dem der
anderen abgestutzt.
I. Backenzähne |. Der Schw anz erreicht den Band der Schen-
kelflughaut: Macrophyllum , — er erreicht ihn nicht: Tylosloma.
II, Backenzähne |. Der Schwanz überragt die Schenkelflug-
haut: Macrotus — er ist kürzer als diese: Lophostoma. Kein Schwanz ;
Vumpyrus.
Als neue Arten aus Mexiko werden beschrieben:
Tylosloma mexicana. Fusca, subtus cinerea; auriculae perlon-
der Säijgethicre \v?lhrcnd des Jahres 18G0. Sl
gae, lutae, prosthemate angusto , niargine exteriore basi denticulato ;
patagiuin feniorale maximiim, nullo modo emarginaluin ; cauda minima,
ralcaribus diiplo bievior.
Macrolus mexicanus. Supra fuscescens, siibtus cinerascens; au-
liciilae magnae ; fVons na.^alis subti iangiilaiis, apire obtiisiuscula, vix
longior quam latior; alae ante tibiae apicem inseitae, patagiiim fe-
niorale truncaluni, niillo modo excisuni, eaudae aiticulo ultimo supe-
ratum. 3Iexiko.
Vampyrus auricularis. Parvulus; auriculae rhinophyllnmque
maxima , apice acuminata; tragus longissimus , acuminatus ; patagium
femorale calcareaque niaxima ; ala in tibiae apice inserta, dorsum
fnlvo-fusciim ; venter fulvo-albicans. Brasilien.
Die von Gervais gegründete Gruppe der stenodermen
Phyllostomen "wird von de Saussure (1. c. p. 61) cha-
rakterisirt und in etwas abv^^eichender Weise folgendermas-
sen getheilt :
I. Backenzähne |. Schenkelflughaut rudimentär: Stenoderma
GeofTr. — mittelmässig ausgerundet: Dermanura Gerv.
II. Backenzähne |: : Artibaeaus Leach.
III. Backenzähne 1. Kein Schwanz, Schenkelflughaut rudimen-
tär: Sturnira Gray — mittelmässig, ausgerundet : Platyrrhinus. Schwanz
kurz : ßrachyphylla.
Die Genera üiphylla Spix, Trachops und Nycliplanus Gray wer-
den wegen ungenauer Beschreibung nicht berücksichtigt. Irrthüm-
licher Weise hatte Gervais die Gattung Arfibaeus Leach Pteroderma
genannt und jenen IVamen auf eine neue Gattung übertragen, wel-
cher der Verf. den INamen Platyrrhinus giebt.
Als neu beschreibt der Verf. Stenoderma folteca. Parvus, fus-
co-nigrescens ; prosthema nasale elongatum, in medio carinatum ; au-
riculae margine externo excisae et emarginatae; tragus valde acumi-
natus, extus denticulatus ; palagium femorale valde excisuni, rudimen-
tarium. Diese Species bildet den Uebergang zu Dermanura Gerv.
und nähert sich dem Phyllostoma bilabiatum Wagn. Auch pl. 15.
flg. 4 ist das ganze Thier ohne Vorderarme und deren Flughaut ab-
gebildet.
2 3
Genus Platyrrhinus mit Backenzähnen, eigentlich nur eine
Ic . o
Untergattung von Sturnira, hat Saussure für folgende Arten ge-
gründet :
Artibaeus lineatus Gerv., A. undatus Gerv. und Plat. jamaicen-
sis Gerv., durch die Zahl der Backenzähne von A. jamaicensis Leach
verschieden und vielleicht eine der zahlreichen Stenodermen-Arlen,
92 llciiscl: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgescliiclile
welche als Thyll. jainaiccnsis Ilorsf. , Phyll. falcatiim Gray etc. be-
schrieben sind.
Der Arlibacns janiaicensis Leach (= Madataeiis Lewisii Leach)
wird von de Sanssure (1. c. p. 64) nach Exetnplaren von Cubu und
Mexiko beschrieben.
Die Exemplare des Festlandes sind ein wenig grösser, wahr-
scheinlich fällt die Art zusammen mit Artib. perspicillatus Geoü'r.
(Stenoderma perspir. Gerv.).
Chiroderma ist eine neue von Peters (Monatsbe-
richt der Berlin. Akad. Novemb. 1860. p. 747 — 754) aufge-
stellte Gattung-.
Habitus, facies, proslhema, auriculae Artibei. patagium femorale
2.21412.2
paruni excisum , cauda nuUa; dentes - — —— — - — - = 28, mo-
2 . 2 1 4: 1 /6 . ^
larium postremus oninium mavimus. Cranium in medio inter orbitas
concaviim, fissura nasali ad regionem interorbilaleni extensa. Die ein-
zige Art ist:
Ch. villosum; supra umbrinum, pilis basi apiceque fuscis, me-
dio flavescentibus , striis facialibus quatuor albidis , subtus dilutius;
patigio anali angulatim exciso villoso. Longit. a rostro ad patag.
anale 0,090; capitis 0,027 ; antibrachii 0,045 ; prosthemalis 0,011; au-
riculae 0,015. Brasilien.
Durch die Bildung der Backenzähne gehört sie zu den Steno-
dermina Gervais und durch die allgemeine Gesichtsbildung, die Ohren,
den Mangel des Schwanzes und die wohlenlwickelte Schenkelflughaut
schliesst sie sich an Artibeus (perspicillatus).
Der Gattung Centurio Gray hat de Saussure (1. c.
p. 55 — 60) eine neue Art aus Mexiko hinzugefügt.
Cenlurio mexicanus. Supra fusco -subrufescens, in occipite et
humeris grisescens; pilis albidis, basi et apice fuscis; subtus pallidus,
collo et humeris pallidioribus , gula albicante ; utrinque macula ante
humeros alba ; dentes incisivi niediani apice trilobati.
lieber die Stellung der Gattung Mormops Leach hat
de Saussure (I.e. p. 47 — 54) seine Ansicht mitgetheilt.
Durch Peters (Abhandl. der Königl. Akad. der Wissensch.
Berlin 1857) war die genannte Gattung nach Merkmalen des Schädels
und Skcletes den Phyllostomen zugewiesen worden und zwar als
durch Unvollkommenheit des Nasenblattes zunächst Brachyphyllum
und Desmodus verwandt. Der Verf. glaubt vielmehr Aehulichkeit
mit den Vespertilioniden zu finden , zu denen er die Gattung (zu-
gleich mit Chilonycteris) und zwar in die Abtheilung der Woctilioneu
stellt. Beschrieben ist Mormops Blainvillii , und abgebildet (pl. 15.
iig. 5) die Falle der Flughaut an den Ilinterfüssen.
der Sjiugclliicrc währeinl des Jahre.-» ISGO. 93
Als neu beschrieb Tonics (Proc. Zool. Soc. 25. Jan.
1S59).
Phyllorhinn atirila , ungefähr so gross >vie Rhin. hippocrepis,
von allen aitdeien Aiten der (iatlung diuch die (iiösse der Ohren
untersehieden, entspricht unter den Thyllorhincn dem Rhin. cornutiis,
die Ohren um ein Viertel länger als der Kopf, breit eiförmig, etwas
durchscheinend, mit 16 Querfalten, welche den Leistenrand nicht er-
reichen, aber dnich eine deutliche Linie verbunden werden, die ihm
parallel lauft und so einen schmalen Rand abtrennt. Der Innen-
üder Yorderriind des Ohres hat drei parallele Linien dieser Art. Diese
Beschalfenheit des Ohres ist jedoch der Spec. nicht eigcnthünilich,
sondern bei ihr nur deutlicher entwickelt als bei anderen, z. B. P.
cervina und P. cafTra. Der vierte Finger ist länger als der dritte,
wie bei P. bicolor, während bei P. nobilis und insignis der dritte
ein wenig länger als der vierte ist, und bei P. caffra , P. speoris, P.
labuensis und P. cervina beide von gleicher Länge sind. Auf der
Oberseite ist das liaar zweifarbig fast weiss an der Basis bis zu drei
Viertel der Länge, darauf braun mit einer helleren Spitze. Unter-
halb blässer. Die Zähne , welche nicht genau untersucht werden
konnten , scheinen ziemlich lang zu sein , besonders die Eckzähne,
welche länger sind als bei P. cervina, obgleich diese Art grösser
ist. Die Spannweite der Flugbaut 9" 9'" engl. Vaterland unbekannt.
Von der durch Vi ctorin als Rhinolophus auritus be-
zeichneten Art hat Sundevall die Beschreibung gegeben
(Svenska Velensk. Akad. Handl. 1860) ;
Er ist zunächst mit Rh. capensis verwandt , aber kleiner , an
Farbe viel dunkler als alle übrigen ver\\andten Arten. Die Ohren
entschieden grösser (absolut?) als bei R. capensis, die Flughaut er-
reicht nicht den Tarsus. Der kleine obere Lückenzahn zwischen den
beiden benachbarten Zähnen, die einander nicht berühren, der untere
dagegen ausserhalb, da die benachbarten Zähne einander vollständig
berühren.
Ebendaselbst sind auch R. capensis, R. fumigatus und R. lobatus
durch Sundevall beschrieben.
Von Tom es wurde als neu beschrieben (Proc. Zool.
Soc. 25. Jan. 1859) :
Emballonura fnliginosa , ähnlich der E. monticola, aber grös-
ser, der Pelz einförmig dunkelbraun. Der Tragus mit fast paralleLeu
Rändern, nur nach dem Ende zu etwas erweitert, leicht nach Innen
gekrümmt, das Ende abgerundet wie bei Aliniopterus, aber vorhiill-
iiissmässig breiter. Die vier oberen Schneidezähne sehr klein, an der
Alveole schmal, nach der Spitze zu dicker. Die oberen Eckzähne mit
94 Hensel: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
einer Art Höcker an der Basis der Hinterseite, die unleren mit einem
ähnlichen vorn. Die unteren Schneidezähne sehr klein, symmetrisch
gestellt, an der Schneide gelappt ; Spannweite der Flughaut 12" engl.
Ovali (Fidschi-Inseln). Diese Art gehört mit E. monticola und E.
afra Pet. zu der Gatt. Emballonura im engeren Sinne bei Gervais,
der davon als Proboscidea die Arten mit längerer und spitzerer
Schnauze, wie E. saxatilis und E. villosa trennt.
Dem Genus Nyclinomus Gerv. , einer Unterabiheilung der allen
2 . 3
Gattung Molossus Geoffr. und durch Backenzähne charakleri-
/^ . o
sirt, hat de Saussure (1. c. p.44 — 46) eine neue Art aus Mexiko
hinzugefügt:
M. mexicanus (pl. 15. fig- 2, 2 a). Supra fuscus, sublus fusco-ci-
nerascens ; auriculae magnae, nasum superantes. in vertice subsepara-
tae. Caudae longiludo, ISVa lin. (franz.) ; pars libera öVj lin. Ab-
gebildet ist der Kopf von vorn und von der Seite.
1 . 3
In das Genus Molossus sens. strict. mit — '—- Backenzähnen
1 . o
gehört :
M. aztecus Sauss. (1. c. p. 46 — 47. pl. 15. fig. 3, 3 a). Supra
obscure fuscus, sublus pallidior: auriculae trianguläres, mediocres,
in fronte conliguae al non continuae, anlitrago quadralo, ntaximo,
trago minimo, vix distinclo; os haud incrassatum ; cauda elongata, in
dimidio libera. Aus Mexiko. Abgebildet ist der Kopf von vorn und
von der Seite.
Zwei neue Scotophilusarten stellte Tom es auf (Proc Zool.
Soc. 25. Jan. 1859) :
Sc. microdon; dieselben Subgenus-Charaklere wie der europäi-
sche Pipistrellus, Scotophilus Greyii und Sc. pumilus von Australien.
Durch Kopf und Ohren der letzten Species am meisten verwandt,
aber von ihr durch geringere Grösse und kleinere Zähne unterschie-
den. Der Tragus, wie bei allen Arten derselben Gruppe, einwärts
gekrümrat und am Ende abgerundet, dagegen kaum breiler in der
Mitte. Der vierte Finger länger als die zwei Basal-Phalangen des
längsten Fingers. Spitze des Schwanzes in der Flughaut. Oberhalb
dunkelbraun, unterhalb ebenfalls, doch das Euddrittel hellzimmel-
braun. Die Bekleidung der Flughaut blasser, diese letztere hellbräun-
lich.. Sc. Greyii ist die einzige Australische Fledermaus, die ihm an
Grösse gleicht. Flugbreite bei einem Exemplare aus Victoria 11" 3"'
engl. , bei einem anderen von Tasmanien 11" 8"'. Die Zähne sehr
klein, nicht nur im Verhältniss zur Grösse des Thieres, sondern auch
absolut kleiner als die Zähne der kleineren Arten Sc. trilatitius, lo-
batus und abramis.
Sc. Darwini ; von Palma, wie die oben beschriebene Art in
der Süiigetliicre während des Jahres 18G0. i)5
dieselbe Gruppe wie Sc. Kiihlii und pipistrelliis in Europa; von ihr
durch kräftigere Formen und grössere Breite des Ohres und Tragus
unterschieden. Die Schneidezähne sind, im (Gegensätze zu Sc. Kuhlii
kurz und stumpf, von nahezu gleicher l^änge, die inneren an ihren
Spitzen unbedeutend von einander abstehend. Die äusseren so dicht
gestellt, dass zwischen den Spitzen kein Zwischenraum. Der Eck-
zahn und der Reisszahn berühren einander , und zwischen ihnen nur
von der Innenseite sichtbar befindet sich ein kleiner i.ückenzahn.
Diese Differenz genügt zur Unterscheidung von Sc. Kuhlii ; von S,
niarginatus , ursula und Kathusii leicht unterschieden durch die Forui
der oberen Schneidezähne. Spannweite der Flughaut 9" 9'".
Die bereits im vorigen Berichte nach einem Auszuge erwähnte
Arbeit von Feters über IS'yctophilus ist nun auch ausführlich in den
Abhandl. der Berl. Akad. Jahrgang 18ü0. Berlin 1861. p. 123—137
mit 1 Taf. erschienen.
Abgebildet ist 10 Fig. Nyctophilus australis. Für den Zoologen
wird es von Interesse sein, diese Abbildungen nut denen in Gould's
Manim. of Austral. zu vergleichen.
Einen neuen Vespertilio aus Mexiko, F. mexicanuSy charakteri-
sirt de Saussure (1. c. p. 43) folgendermassen :
Farvulus; supra fusco-auratus, subtus albido-cinerascens ; auri-
culae ovatae, elongatae , apice subangustae ; margine externo supra
recto, subtus incurvo, in basi in lobum crassum, os versus productum ;
antitragus elongatus, apice linearis; cauda 11-articulata. — Der Verf.
nimmt für die Untergattung Myotis, welcher er den Namen Vesperti-
lio erhalten will, zwei Gruppen an: 1) Tragus breit; Flughaut un-
terhalb dicht behaart, bis zum Tarsus sich erstreckend und 2) Tragus
schmal; die breite Flughaut unterhalb nackt und bis zur Basis der
Zehen reichend. Die neue Art gehört letzterer Gruppe an.
Den Vespertilio lanosus Smith beschreibt nochmals Sunde-
va 11 (1. c. p. 14).
Als neu beschreibt Tom es (1. c):
Vespertilio caliginosus ; im Allgemeinen dem V. mystacinus
ähnlich, doch kleiner, nur V. parvulus ist noch kleiner. Ohren
ziemlich klein, mit einem Einschnitte an der Basis des Aussenrandes,
unter ihm ein besonderes abgerundetes Läppchen meist in dem lau-
gen Ilaare des Halses versteckt. Der Tragus ziemlich kurz, nicht
völlig halb so lang wie das Ohr; sein Innenrand gerade, der Aus-
senrand von der Basis zu der Spitze flach gekrümmt, so dass der
Tragus bis zur halben Höhe ziemlich von gleicher Breite, von da ab
bis zur Spitze schmäler. INahe der Basis eine deutliche Keibe, wel-
che ein ganz an der Basis befindliches eckiges Läppchen abtrennt;
sie fehlt bei V. mystacinus oder V. tenuis. Spannweite der Flug-
haut 8" 6'" (engl.). Indien.
9G llcnsel: Bericht üb. d. Leistungen in d. Kalurgeschichte
V. scriceus ; in Grösse und Gestall dem V. Naltereri ähnlich.
Ucberall ist das Haar zweifarbig, oberhalb dunkelbraun an der Wur-
zel mit hell rölhlichbiaunem Ende ; unterhalb des Braun an der Wur-
zel dunkler und weiter ausgedehnt, die Spitzen ein Viertel der Länge
graubraun, am Abdomen weisslichbraun. Ein Hauptmerkmal dieser
t^pecies ist die Kürze der Zähne bei massiger Dicke. Spannweite 10''
engl. Vaterland unbekannt.
Einen Nijlicejus (':') Swinhoei stellte Blyth als neu auf (Journ.
As. Soc. of Bengal. Vol. XXIX. p. 88).
Das Exemplar besass keine oberen Schneidezähne; die Flug-
haut reicht bis zur Basis der Zehen; der zungenförmige Tragus un-
gewöhnlich kurz, Anti-helix ebenfalls kurz; das Fell meistentheils
stralf (?) und seidenartig (straight and silky) , an der Oberseite um-
brabraun mit hellen Spitzen, unterhalb heller und ein wenig weiss-
lich. Schwanzspitze frei. Spannweite der Flughaut 12" engl, wahr-
scheinlich von Amoy.
lusectivora.
Als neu wird Erinaceus Deserti von Loche (1. c. p. 20) fol-
gendermassen charakterisirt :
Die geringere Grösse und die Färbung unterscheiden die Art von
Erinaceus algirus. Das allgemeine Colorit ist isabellgelblich. Jeder
Stachel besitzt über der Basis einen schmalen King von bräunlicher
Farbe und einen ähnlichen nach der Spitze zu. Diese selbst ist gelb-
lichweiss ").
Von einer von Victorin als Sorex argentatus bezeichneten
Spitzmaus glaubt Sundevall, sie könne vielleicht als östliche Va-
rietät des S. cyaneus Duvern. betrachtet werden, der mehr dem We-
sten Süd-Afrikas angehöre (Svenska Vetensk. Handl. 1860). Die Be-
ziehungen zu S. sericeus werden gleichfalls erörtert.
Seinen nach einem jungen Exemplare aufgestellten Sorex
Sweinhoei führt Blyth (1. c. p. 89) jetzt, jedoch nicht ohne Zweifel,
auf S. murinus zurück. Ebenso zieht er ein junges Exemplar von
weissgrauer Farbe nur mit grossem Bedenken zu der genannten
Species.
lieber 9 Albinos der Talpa europaea , die vielleicht von dem-
selben Eltern-Paare abstammten, berichtet Wilson (Proc. Zool. Soc.
18G0. p. 206.
■"■) Nach einer mündlichen MiUheilung des Herrn Dr. Buvry
beruht diese Species auf einem von ihm am Fezara-See gefundenen
Stücke eines Felles des Algirischen Igels, Avelches durch die Sonnen-
hitze zusammeniretrocknct und ausgebleicht war.
der Säiigelhiere während des Jahres 1860. 97
CaruiTora.
F er a e.
Feliua. Den Schwanzstachel des Löwen untersuchte
Leydig (Reichert's Archiv 1860. p. 820— 824. Taf. XIX).
Das belrefTende Organ erwies sich als eine mit Gefässen und
Nerven ausgestaltete Papille der Lederhaut und kann daher wohl mit
einer feineren Gefühlsempfindung betraut sein.
Den Afrikanischen Löwen hat ßurton (1. c. Vol. L p. 301)
mehrfach geschildert.
lieber das Vorkommen des Tigers auf der Insel von Amoy,
so wie über seine Verbreitung im INorden Chinas spricht eine Mit-
theilung Swinhoe's imJourn. As. Soc. of Bengal. Vol. XXIX. 1860.
p. 38 u. 89.
lieber eine vielleicht der Felis macroscelis verwandte Katze
von Hongkong berichtete Swinhoe (Journ. As. Soc. of Bengal.
Vol. XXIX. p. 89).
Den seltenen Bastard eines Jaguars und eines schwarzen Pan-
thers von Java beschrieb G. v. Martens (Würt. nat. Jahreshefte
1860. p. 75). Das Thier war am 18. Juli 1858 in Salzburg geboren
und der Mutter ähnlicher als dem Vater, aber statt schwarz bläulich-
grau, so dass die schwarzen Fleckenringe deutlich hervortreten.
Die Anatomie der Eingeweide des Leoparden mit ver-
gleichenden Bemerkungen über ahdere Felisarten lieferte
Gruben (Memoires de l'Acad. de St. Petersb. sav. etrang.
Tom. Vin. 1859. p. 1—50. T. I— IV).
Da der Verf. vom Leoparden nur ein ausgewachsenes Indivi-
duum und den Kehlkopf mit den benachbarten Theilen bei einem
jungen Exemplare untersuchte, so folgt noch nicht die Gewissheil,
dass alle die geringen Unterschiede im Baue der Eingeweide, die
eine genaue Untersuchung zu Tage fördert, in der That eine specifi-
sche Verschiedenheit zwischen Leopard und Panther bekunden. Ab-
gebildet sind der Magen des Leoparden , das Zungenbein, der Kehl-
kopf etc. desselben, des Löwen und Luchses.
Als neue Art wird eine Felis mexicana von de Saussure
(1. c. p. 1) folgendermassen charakterisirt : Fulvo - subcinerascens, ni-
gro - maculata , ut in F. macrura, cui affinissima videtur , at minor;
maculae partis anterioris corporis magnae, rariores et in medio ful-
vescentes ; humeri fascia macula arcuata ; pars corporis postica multi-
maculata, maculis minoribus atris , vel fuscescentibus ; dorsi medium
duplici Serie macularum elongatarum; cauda percrassa, fusco-8-annu-
lata, apice fuscescens. Länge des Kopfes und Körpers (bei einem
Archiv f. Naturg. XXVII. Jahrg. 2. Bd. G
98 Heu sei: Herichf üb. d. LeisUnigcn in d. l\alurgeschiclite
ausgestopften Exenjplarc) 17 Zoll franz., des Schwanzes 12'/i Zoll.
Die Beschreibung selbst beschränkt sich auf eine ausführlichere Dar-
stellung der Farbe und Zeichnung ohne das (iebiss oder den Schädel
zu berühren.
Ein Beispiel von grosser iMutterliebe der Katze theilte M ar-
te ns mit (Miltheil. des Ver. nörd. der Elbe- Kiel 18G0. p. 32).
Einen lebenden Cynacilurus guttatus beschrieb W ei n I a n d (I. c.
p. 150—153).
ViTerriua. Die Gattung Bassaris ist um eine neue Art,
B. Siimichrasti, aus Mexiko durch de Saussure (1. c.
p. 5 — 7. PI. 1) bereichert worden.
Die Diagnose , welche nur die Farbe und Zeichnung berück-
sichtigt, obgleich sich aus der Beschaü'enheit des Gebisses bestimmte
Charaktere zu ergeben scheinen, lautet folgenderniassen : Fulvo-ni-
grescens; fulvo et nigro mixta; subtus albido-fulvescens; ore et pedibus
fusco - nigris ; caudae nigrae basi (minus quam in B. astuta) pallide
annulata. Länge des Körpers 17—18" (franz.), des Schwanzes ohne
die Haare 17". Nach einer auf p. 28 gegebenen IVote des Verf.
ist die Abbildung (PI. 1) zu sehr gefleckt "").
Für eine Identität des Paradoxurus Musanga und P. typus er-
klärte sich ausser Cantor auch noch Blyth, da namentlich die
letztere Art sehr variirt (Journ. As. Soc. ßeng. Vol. XXIX. p. 102).
Ganina. Eine Beschreibung des Canis Azarae nach einem ge-
zähmten Exemplare gab Opel (Zoologischer Garten 1860. p. 135 — 136).
Der Verf. kommt zu dem Resultate , dass die Species zu den Hunden
und nicht zu den Füchsen zu stellen sei.
Der von A. Wagner als Canis vulpes var. Atlantica beschrie-
bene Fuchs aus Algier wird von Loche (I. c. p^ 4) ohne Diagnose
als besondere Species, Vulpes Algeriensis , aufgeführt.
lieber den Japanesischen Fuchs machte Adams eine Milthei-
lung (Proc. Zool. Soc. 1860. p. 195).
Zahlreiche und wichtige Nachrichten über den Canis familiaris
des nördlichen Nord-Anierika gab Hind: Narrative of the Canadian
Red-River exploring expedition ofl857, and of the Assinniboine and
Saskatchewan exploring exp. of 1858. 2 Vol. 8. London 1860.
Lamare- P i c q u o t's Arbeit über den Hund der Eskimos
(Bullet, mensuel de la Soc. zool. d'AccIim. Avril 1860) und
Robinson's Le chien de chasse Bruxclles 1860 sind mir nur
den Titeln nacli bekannt geworden.
ürsina. Nach vielfachen , vergeblichen Nachforschungen ver-
"^) In der Angabe über den Aufenthalt des Thieres ist „forets,,
statt „greniers" zu lesen.
der Säugethiere während des Jahres 1860. 99
neint Aucapitaine das Vorkommen des Ursus arclos in den Ge-
birgen des nördlichen At'riUa. Da die Berbern keinen Namen für
dieses Thier haben, so dürfte es auch niemals daselbst vorgekommen
sein. rjCompt. rend. Acad. Paris 1860. Tom. 50. p. 655—656).
lieber drei Bastarde des Ursus amcricanus ^ und des U. arclos
$ berichtet Bartlett (Proc. Zool. Soc. 28. Feh. 1860).
Eine lebende Kasiia aus 31exiko beschrieb Weinland (1. r.
p. 189 — 193) alsNasua solitaria var. mexicana. Das Exemplar zeich-
net sich durch Grösse und robuste Körperformen so wie durch einen
dickeren Pelz vor Nasua solitaria ans. Doch scheint es dem Verf.
zu gewagt, darauf eine neue Species zu gVünden. Das Thier stammt
aus der Nähe von Veracruz. Eine schöne Abbildung stellt die Far-
benunterschiede kenntlich dar.
Ueber die Lebensweise der Nasua fusca theilte Ben nett Be-
obachtungen mit. (Proc. Zool. Soc. 1860. p. 323— 324).
Mustelina. Ein möglicherweise zu Wephitis leuconota Licht,
gehöriges Stinkthier aus Mexiko beschreibt de Saussure (1. c. p.4).
Das Exemplar zeigte auch einige Aehnlichkeit mit M. meso-
leuca, so dass der Verf. ungewiss blieb, ob es niir eine Varietät des
M. leuconata oder eine neue Art bildet. Gleichwohl glaubte der
Verf. für den letzteren Fall einen neuen Namen, M. intermedia, vor-
schlagen zu müssen , so dass also spätere Forscher, denen vielleicht
durch reichlicheres Material die Möglichkeit gegeben wäre, die Neu-
heit der Alt wirklich zu erweisen, genöthigt würden, auf eine Be-
nennung von ihrer Seite zu verzichten , wollte man jenes Prinzip
des Namen - Vorschlagens bei unzureichenden Unteisuchungen allge-
mein anerkennen.
Steenstrup machte auf die Geschlechtsuuterschiede im Ge-
bisse der Marder aufmerksam (Overs. Kgl. Danske Vid. Selsk. Forh.
1860. p. 685).
Ueber das Vorkommen des Foetorius lutreola in Mecklenburg
berichtet v. Hagenow (Arch. Naturg. Mecklenb. 1860. p. 452).
Pinnipedia.
Eine fühlbare Lücke in unserer Kcnntniss des Rob-
bengebisses ist endlich durch v. Nord mann in der schon
im vorigen Berichte erwähnten mustergültiocn „Palaeonto-
logie Südriisslands IV, Helsingfors 1860. p. 301 — 310^ aus-
gefüllt worden.
Milchgebiss und Zahnwechsel der Robben sind uns bisher noch
fast unbekannt gewesen, da die neugeborenen .lungen bereits die blei-
benden Zähne mehr oder weniffer vollständiff entwickelt besitzen.
100 Hensel: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Der Verfasser beschreibt das bleibende Gebiss eines 5 Wochen alten
Halichoerus grypus, welches die normale Anzahl der Zähne enthielt.
Bei einem Foetus von 21 Zoll (welcher Art?) Länge, war das Milch-
gebiss vorhanden und zwar im Überkiefer G Schneidezähne, jederseils
1 Eckzahn und die drei mittleren Backenzähne, wählend der Iste und
5te derselben (der Milchbackenzähne?) noch nicht hervorgebrochen
sind. Innerhalb der Zahnreihe sind die Alveolen der zweiten Zah-
nung zum Theil geöiFnet und die Spitzen des 2ten , oten und 4ten
hervorbrechenden Zahnkeimes zu sehen. Im Unterkiefer verhalten
sich die Schneidezähne wie die mittleren oberen. Die Eckzähne da-
gegen sind kleiner, die drei mittleren Backenzähne jederseits sind noch
mehr entwickelt als die entsprechenden oberen und einfacher gebaut,
als die Ersatzzähne , der Iste und 5te Zahn fehlt wie oben. Das
Milchgebiss der Phoca annellata lernte der Verf. nicht kennen, da-
gegen beschreibt er das noch nicht ganz entwickelte bleibende eines
ungefähr 5 Wochen alten Thieres. Aus Allem geht hervor, dass die
beiden untersuchten Robbenarten dos Gebiss schon vor der Geburt
wechseln.
Zu derselben Zeit hat auch Steenstrup den Zahn-
wechsel bei Phoca barbata, Ph. groenlandica und Ph. hi-
spida zum Gegenstande einer wissenschaftlichen Unter-
suchung gemacht (Naturhist. Foren. Vidensk. Meddelelser
1860. p. 251—264. Taf. V).
Der Verf. weist gleichfalls einen Wechsel der Zähne vor der
Geburt nach und zwar ist bei Ph. grönlandica die Formel für das
3.1.3
Milchgebiss -, wobei die drei Milchbackenzähne dem 2ten
tv , 1. . O
— 4:ten bleibenden Zahne entsprechen. Bei Ph. baibata dagegen heissl
o 1 q I 1
die Formel - •, indem sich hier im Oberkiefer ein 4ter
ii . X . o
Milchbackenzahn in der J>ücke zwischen dem 4ten und 5ten bleibenden
Zahne befindet , jedoch nach seinem Ausfalle nicht ersetzt wird. Mit
grossem Scharfsinne wendet der Verf. dieses eigenthümliche Verhal-
ten für die Erklärung des anomalen Gebisses bei Hyaenodon an.
Auf Tafel V ist der Zahnwechsel der Ph. groenlandica und barbata
dargestellt.
Li lljebor g lieferte Beiträge zurKenntniss des Zahn-
wechsels der Otaria und des Halichoerus (Arskrift, Kongl.
Vetensk. Societ. i Upsala 1860. p.297. Overs. Kgl. Danske
Videnk. Selsk. Forh. 1860. p. 698— 701).
Der Verf. stellt die Merkmale zusammen, welche die Pinnipe-
dien von den Raubthieren unterscheiden , Länge des Darmkanals,
der Säugethiere wählend des Jahres 1860. 101
entwickelter Zustand der Jungen. Das neugeborene Junge eines Ha-
lichoerus hatte keine Spur des Milchgebisses, der Zahnwechsel niuss
also hier foetal sein. Bei einem jungen Arctocephalus Falklandicus
finden sich Milch- und bleibende Zähne. Es wechselt also nach der
Geburt. Daher stehen die Otarien den Ferae näher, wie dies auch
in der Form des Skeletes, z. B. des Astragalus ausgesprochen ist.
Die grosse Verwirrung-, welche gegenwärtig noch in
der Unterscheidung der Ohrrobben herrscht, suchte Gray
durch mehrfache Beschreibungen der Schädel zu heben
(Proc. Zool. Soc. 1859).
L. c. p. 102 u. 103 buschreibt der Verf. den Schädel des Arcto-
cephalus ursinus von der Behringstrasse und 1. c. p. 107 — 110 den
des A. Delalandii vom Cap. Diagnosen werden für beide Arten nach
dem Schädel geliefert. Hieran schliesst sich eine Uebersicht aller
Arctocephahisarten nach dem Schädel, welche folgende Species ent-
hält: A. ursinus, A. Hookeri Gray, A. Delalandii F. Cuv., A. nigre-
scens Gray, A. lobatus Gray, A. Gilliepsii Macbain ").
L. c. p. 357—359 fügt der Verf. nach einem Schädel von Ca-
lifornien folgende neue Art hinzu :
A. Monteriensis , deren Diagnose mit Rücksicht auf die in der
Uebersicht gegebenen Gruppiiung folgendermassen lautet: Gesichtstheil
ziemlich kurz; Gaumen vorn ziemlich concav, hinten fast flach, seine
Hinteröffnung ziemlich verengert mit fast geradem Ausschnitte. Zähne
gross; Unterkiefer ziemlich verlängert. Auf PI, 68 — 70 u. 72 sind
die Schädel von A. urs., Delal., Gill. und Mont. abgebildet.
Zugleich gelangt der Verf. bei nochmaliger Vergleichung der
Schädel zu der Ueberzcugung, dass der A. ursinus von den anderen
Arten im Baue des Schädels so wesentlich abweicht, dass er zum
Range einer besonderen Galtung erhoben zu werden verdient.
Gen. Callorhinus. Gesicht kurz, Vorderhaupt convex, IVa-
senöffnung klein; Gaumen ziemlich concav, nach hinten verschmä-
lert, kurz, bis zur i^litte des Jochbogens reichend. Unterkiefer kurz,
dick, flach, unter der Vorderseite des Gelenkkopfes erweitert.
Gen. Arctocephalus. Gesichtstheil des Schädels ziemlich
verlängert, Vorderhaupt flach und fast horizontal; Gaunjen ziemlich
concav, hinten verschmälert, kurz, nicht über die IVlilte des Jochbo-
^) Diese Species ist nach einem Citate (1. c. p. 110) in Rep.
Phys. Soc. Edinb. 1858, nach einem anderen (1. c. p. 103) in Proc.
Phys. Soc. Edinb. beschrieben. In letzteren (New Edinb. Phil. Journ.
VII. 1858. p. 313) findet sich wohl die Beschreibung eines Arctoce-
phalus-Schädels von Californien, doch ohne die Aufstellung einer
neuen Species.
102 Mensel: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
gens hinaus reichend; NasenölTnung gross, hoch; Unterkiefer niittcl-
mässig, mit einer cristaähnlichen Kante hinten unter der Vorderseite
des CondyUis.
Die Arten dieser Galtung gruppirt der Verf. jetzt auf folgende
Weise :
1. Hinlerkante des Gaumens querabgestulzt. — A. Monlerien-
sis, Schädel breit; Californien. — A. llooUeri, Schädel schmal, ver-
längert; Falklandsinseln , Cap llorn. II. Hinterkante des Gaumens
leicht gebogen, halbkreisförmig. — A. lobalus, Schädel breit; Austra-
lien. — A. nigrescens, Schädel breit (?) ; Falklandsinseln? 111. Hin-
terkante zusammengezogen , eiförmig. — A. Gillespii , Schädel ver-
längert, schmal; Californien. — A. Delalandii , Schädel kurz und
breit; Cap. IV. Gaumen sehr kurz , Hinterkante zusammengezogen,
spitzwinklig. — Ein junger Schädel von Californien , theils dem A.
Hookeri, theils dem der Olarien ähnlich, doch von diesen wesentlich
verschieden.
Gen. Otaria. Gesichtstheil kurz, abschüssig; Kasenöffnung
gross, oblong. Vorderhaupt flach, von der Ecke der Nasenbeine zur
Mitte des Scheitels abschüssig, Gaumen sehr concav , mit dem Alter
tiefer , nach hinten kaum zusammengezogen ; Ohren verlängert, fast
bis zum Unterkiefergelenke reichend, Unterkiefer mit einer cristaähn-
lichen Kante an der Innenseite des hinteren Theiles , unter der Vor-
derseite des Condylus.
In einer Tabelle sind 6 Maasse des Schädels aller genannten
Arctocephalus - Arten und von 2 Schädeln (jung und alt) der Otaria
leonina mitgetheilt, (Hätte der Verf. die Fauna japon. berücksichtigt,
so würde er sich vielleicht überzeugt haben , dass A. Gillespii und
Monteriensis sich im Schädel durch nichts von Stell er's Seelöwen
unterscheiden.
Glires.
Als neu wurde von G r a y Sciurus siamensis beschrie-
ben (Ann. mag. nat. bist. 1860. p. 500).
Hell rothbraun , die längeren Haare mit schwarzer Spitze und
unterhalb derselben mit einem breiten, gelben Ringe. Die Endhälfte
des Schwanzes hell kastanienbraun ohne schwarze Haare oder helle
Ringe, Kehle, Brust, Bauch, unterer Theil der Seilen, Innenseite und
Rand der Beine einförmig hell rothbraun, Ohren abgerundet, Sclinurr-
haare schwarz, Füsse mit kurzem, anliegendem Haare.
de Saussure rechnet (1. c. p. 13 u, 14) wegen einiger Un-
terschiede im Felle nur mit Bedenken einen Spermophilus, der nebst
Sp. mexicanus in grosser Zahl die Hochebenen Mexikos bewohnt, zu
Sp. grammurus Say.
der Säugethieie wahrend des Jahres 186Ö. 103
Ueber eine Farbenvarietät des Myoxiis Glis berichtet Haus-
mann (Verhandl. des Ver. für Kat. zu Hermannstadt 1860. p.213).
Der Verf. beobachtete, dass die Exemplare von den Trachyt-
bergen der Hargitta im östlichen Siebenbürgen eine etwas blauröth-
liche Farbe des Gesteins angenommen haben, während die von Halk-
felsen bei Kronstadt diesen entsprechend grau gefärbt sind.
Lagergren über ein ^cst der Haselmaus. (Öfversigt afKongl.
Vef. Ak's Förh. IG. Arganger 1859. Stockh. 1860. p. 394.)
Die Anatomie eines weiblichen Biebers lieferte Cleland (New
Edinb. Journ. XII. 1860. p. M— 20. Tl. I).
Mus andamanensis ist eine neue von Blyth aufgestellte Art
von den Andamanen (Journ. As. Soc. Beng. Vol. XXIX. p. 103).
Sie ist ein riesenhafter Vertreter der Gruppe Leggada Gray,
welche auf M. plalythrix Bennet und M. lepidus gegründet wurde,
und zu welcher auch M, spinulosus Blyth gehört. Die Überseite dunk-
ler als bei 31. decumanus, und die Unterseite rein weiss. Länge 8
oder 9" engl, und der Schwanz so lang wie Körper und Kopf.
Reithrodon mexicanus ist eine neue, von de Saussiire (1. c.
p. 26 — 28) folgendermassen charakterisirte Art:
Muris silvatici statura; supra griseo-fulvescens, sublus albicans ;
auriculae permagnae; cauda nigrescens , perlonga. corpore longior,
apice valde pilosa, attamen nullomodo hirsuta ; pedes antici et digiti
postici albidi.
Eine wesenlliche Bereicherung hat die Galtung Hespe-
romys durch de Saussure erfahren, welcher (1. c. p. 14
—26. PI. 9) 5 neue Arten aus Mexiko folgendermassen cha-
raklerisirt und ordnet:
I. Gruppe. Sohle der liinlerfüsse nackt; Schwanz nackt, we-
nig behaart. Fell langhaarig, Schnurrhaare sehr kurz (Deilemys).
H. tultecns PI. 9. iig. 3 a. Subhispidus, pilis elongatis , fusco-
nigrescentibus, apice flavescentibus ; corpus fuscum, flavo tessellatum ;
pedes postici supra eiusdem coloris; venter et corpus subtus albican-
tia; auriculae parvae, extus subnudae, intus valde pilosae; cauda bi-
color, par coipori longitudine; myslaces brevissimi.
II. Gruppe. Fusssohlen bis zum hinleren Ballen beharrt, Schwanz
schlank, beschuppt, wenig behaart, ohne Endpinsel, Schnurrhaare
lang (Ilesperomys).
1) Schwanz länger als Kopf und Rumpf, Bauch gelblich.
H. fulvescens. Fulvescens; supra fusco fulvescens, in lateribus
fulvescens, subtus albido - fulvescens ; caput subtus albidum. Cauda
corpore et capile longior. Pedes albidi, siibfulvesccntcs ; poslici gra-
cilesj elongati, calce fusco.
2) Pelz sammetarlig, grau mit etwas Uolh au den Seilen.
104 Mensel: Bericht üb. d. Leistungen in d. IVaturgeschichte
H. mexicanus pl. 9. fig. 1, 1 a. Veliitiniis, griseus, inuiinus; in
lateiibiis pauliun lulvescens, freqiienter siibferi ugineus, subtus albi-
diis , pectoie et niento fulvescentibiis ; pedes antici albidi; auriculae
peimagnae ; canda corpore longior ; niystaces elongati.
2) Pelz sammetartig, röthlich-orange, der Rücken bräunlich.
//. aZ'tecvs pl. 9. Hg. 4. Siipra fiisco - ferriiginens, dorso medio
fuscescente, lateribiis ferrugineis, capite fusco - rufescente ; subtus al-
bidus; pedes albidi, postici grisescentes , basi fusci ; cruscula antica
extus rufescenlia, postica rufo-fusca, apice fuscescentia ; cauda per-
longa ; obscure bicolor: auriculae magnae.
III. Gruppe. Fusssohlen bis zum hinteren Ballen behaart,
Schwanz sehr lang, dick, behaart, langhaariger Endpinsel, die vierte
Zehe die längste (A'yctomys).
H. Sutnichrasli pl. 9. fig. 2, 3. Kufus , subtus albus; auriculae
elongatae; mystaces elongati, nigrescenles ; cauda perlonga, corpore
cum capite longior, unicolor fusco-riifopilosa, apice hirsuta, peniculo
pilorum elongatorum ; pedes antici albidi, postici obscuriores, digito
4. maximo, 5. elongato.
Die durch Tom es (Proc. Zool. See. 1860. p. 213, 263 u. 264)
aufgestellten neuen Arten der Gattung llesperomys sind:
H. latimanus, stimmt in den Dimisionen mit Mus pyrrhorhinus
Fr. Max., der kurze Kopf, diebreiten Füsse , der lange und nur leicht
zugespitzte Schwanz mit einem Haarbüschel am Ende, die deutliche
Grenze zwischen der Farbe der Ober- und Unterseite charakterisi-
ren die Species. Körper und Kopf 4" 1"' engl., der Schwanz Q" 2'".
H. minulus (nach einem jungen Exemplare) kaum grösser als
das kleinste britt. Säugethier, ÖIus minutus, aber mit fast doppelt so
langem Schwänze. Durch die kurzen Ohren ist der allgemeine Habi-
tus wie bei Arvicola. Kopf und Körper 2", Schwanz 3", Ohren SVa'"-
H. hicolor, im Allgemeinen dem 11. longicaudatus ähnlich, wo-
für ihn früher der Verf. gehalten halte , die Ohren ebenso lang aber
schmäler, kahl mit Ausnahme eines Theiles an der Basis der Hinter-
seite. Die kurzen Krallen hellbraun , bei 11. longicaud. weiss , die
Maasse des Schädels , der ebenfalls besondere Merkmale zeigt, sind
angegeben.
H. aureus, durch eine goldbraune Farbe oberhalb und eine
blassere und mattere unterhalb von allen Species verschieden.
H. latimanus und H. bicolor gehören zu keinem der Subgenera
bei Wal er ho US e, noch unter Holochilus, bei Wagner und Bur-
meister. Das Schema der Gruppen heisst also:
1) ScapteromysWaterh. — H. tumidus W.
2) Oxymycterus Waterh. — H. nasutus W.
3) Abrothrix M'aterh. — II. longipilus W.
4) Calomys Waterh. — H. bimaculalus und H. elegans W.
der Saugethiere während des Jahres 1860. 105
5) Phyllotis Waterh. ~ H. Darwinii W.
6) Schnauze kurz und anj^eschwollen ; Ohren klein und nak-
kend, aber nicht im Felle verborgen. Füsse kurz, breit und kräftig ;
Klauen kuiz, Schwanz so laug oder länger als der Körper, beinahe
kahl, aber mit mehr oder weniger Pinselhaaren an der Spitze, ziem-
lich dünn an der Wurzel und allmählich zugespitzt zu einer stumpfen
Spitze; der Pelz kurz, dicht, weich und glanzlos.
Hes'peromys caUginosvs geholt zu der Gruppe des H. lalimanus
und bicolor, von denen er sich durch die Kürze des Schwanzes und
die Beschaffenheit des Pelzes unterscheidet. Die Farbe im Allgemei-
nen schwarz mit dunkel kastanienbraun. Kopf und Körper 5" engl.,
Schwanz 3". Ecuador.
Hesperomys albigularis. Im Allgemeinen dem H. longicaudatus
ähnlich, also zur Gruppe Calomys gehörig, aber grösser und ab-
weichend gefärbt. Die helle Linie , welche die dunkle Farbe des
Kopfes von der helleren der Backen trennt, und der weisse keilför-
mige Fleck an der Kehle charakterisiren die Species. Kopf und Kör-
per 4" 9'" engl., Schwanz 5" &".
Mus tomentosus Lichtenst. wurde von Peters nach Untersu-
chung des Schädels und Gebisses zu Hesperomys gestellt (Abhandl d.
Berlin. Akad. für 1860. Berlin 18G1. fig. 2 , im Auszuge Monatsber.
22. März 1860).
Die robuste, den Wühlmäusen ähnliche Körpergestalt, die dicht
behaarten Ohren , die langen Nägel , besonders der Krallennogel des
Vorderdaumens und der dicht behaarte, ziemlich kurze Schwanz
steilen die Art in die Untergattung Scapteromys , neben H. tumidus
Waterh., von welchem sie sowohl durch die Proportionen wie durch
die Färbung leicht zu unterscheiden ist. Abgebildet ist das Gebiss.
Den Mus squamipes Brants, dessen Originalexemplar im Berli-
ner iMuseum lange Zeit hindurch als xMus decumanus aufgestellt war,
und welches Burmeister deswegen als eine neue Art, Hesperomys
(HolochilusJ robusliis beschrieben hatte, hat Peters zum Typus einer
neuen Gattung Nectomys erhoben (Abhandlungen der Berlin. Akad.
1861. p. 148 — 156. Taf. I u.U. fig. 3 , im Auszuge Monatsber. vom
22. März und 10. Dec. 1860), welche durch die von der Ferse aus
beschuppten Sohlen der Hinterfüsse und durch die halbe Schwimmhaut
zwischen den mittleren Zehen derselben charakterisirt wird.
Zwgleich wird zu der schon bekannten Art eine neue, N. api-
calis, von Guayaquil hinzugefügt: supra fuscus , ochraceo adspersus,
lateribus ochraceus, fusco vel nigro adspersus, subtus ex albo flave-
scens , cauda nigricans, subtus albo adspersa, apice tota alba; dentes
incisivi albi. Grösse und Gestalt wie bei N. squamipes. Die vor-
trefflichen Abbildungen stellen das ganze Thier , den Schädel , die
106 , Hensel: Bericht üb. d. Leistungen in d. Äaturgeschichte
Fnsssohlen der neuen Art und die Sohle eines Hinteifiisses der alten
Art dar.
Auf einen vielleicht schon mehrfach verkannten Nager aus In-
dien hat Peters nach genauer Untersuchung eine neue Gattung,
Spalac omy s , gegründet (Abhandl. der Berlin. Akad. für 1860. Ber-
lin 1861. p. 139 — 147. Taf. II. fig. 1; im Auszuge Älonatsber. 22.
März 1860).
Der Habitus mäuseähnlich , die breiten Schneidezähne platt,
jederseits 3 Backenzähne, deren Kauflächen ohne Höcker; der erste
mit drei Schmelzfalten , die übrigen mit zwei gewöhnlich auf der
einen oder der anderen Seite verbunden. Foramen infraorbitale und
Stirnbein wie bei Mus, der schmale Gaumen, der Schnauzentheil und
die Trommelhöhlen wie bei den Spalacinen. Die einzige Art ist:
S. indicus , supra ferrugineo silaceus , nigro adspersus, in le-
gione sacrali rufescens, in lateribus fuscescens , subtus albidus, pilis
Omnibus in basi schislaceis ; cauda dimidio corporis longitudine fere
aequalis^ nuda, squamata, annulata, pilis rarissimis et brevissimis obsita.
Länge des Körpers ungefähr 0,22, des Schwanzes 0,097 M. Abgebildet
ist der Schädel von drei Seiten.
Gerbillus Gerbii und G. Schousboeii werden von Loche (1. c.
p. 23) als neue Arten aus Algier ohne jede Diagnose mitgetheilt.
Eine neue Art aus Algier, Dipus Deserti , wird von Loche
(1. c. p. 21) durch Kleinheit und verwaschene Färbung von D. Gerboa
und D. Mauritanicus unterschieden.
Echimys semisphiosus ist eine neue von T o m e s aufgestellte
Art aus Ecuador (Pioc. Zool. Soc. 1860. p. 265— 268).
Die Species wird vorzugsweise mit E. cayennensis verglichen,
von dem sie sich durch einen verhältnissmässig grösseren Kopf und
kleinere Ohren unterscheidet. Abgebildet sind die allerdings sehr
verschiedenen Schädel beider Arten. Länge des Körpers mit Kopf 9",
des Schwanzes 5" Q'".
Ueber die Lebensweise des Pectiuator Spekii Blyth , berichtet
Speke (Proc. Zool. Soc. 1859. p. 234).
Dasyprocta mexicana ist eine neue Art aus Mexiko , welche
von de Saussure (l. c. p. 10 — 13) mit folgender Diagnose aufge-
stellt wurde :
Nigra, albido-tessellata, sine ullo coloris fulvescentis vestigio ;
dorsi linea, clunes longe omninoque nigro-pilosi ; jugulum et ven-
tris pars postica alba; pectus brunneum , albo - lessellatum ; spatium
cinereuni (vel fuscum) in interna carporum facie. Caudae longit.
8 lin. (franz.).
Ueber die Geburt und Lebensweise eines jungen Dasyprocla
aguti berichtet M. Schmidt (Zoolog. Gart. 1860. p.l9S).
Den den Juden als unrein verbotenen Schaphan deutet K ü c h en-
der Säugethiere während des Jahres 18G0. 107
meist er als Kaninchen (Denkschrilten der naturw. Gesellsch. Isis
in Dresden. 18G0. p. 1—5).
Das Wort Schephania soll nach den allen Geographen der Stamm
für llispania sein, welches von den l'höniciern diesen IN'anien wegen
seines grossen Reichthunis an wilden Kaninchen erhielt. Schephania
ist das Land der Schaphan oder wie l'linius übersetzt: terra ciini-
ciiloritm.
Edeutata.
Einen Ameisenfresser aus Mexiko glaubt de Saussure (I. c.
p. 8 ) als Alyrmecophaga tamandua Desni. var. mexicana ansehen zu
müssen.
Diese Varietät unterscheidet sich durch die Farbe, den Bau des
Schädels und die geringere Grösse von den Südamerikanischen In-
dividuen der genannten Art.
Eine chinesische INaluigeschichte der Mauis javanica wird mit-
getheilt im Journ. As. Sog. of Bengal. Vol. XXIX. 1860. p. 93—94.
(Vergl. die Anmeikung zu S w i n h o e's Sammlung auf Amoy und
Formosa).
Ueber Manis javanica berichtet Adams nach zwei Exempla-
ren, die lebend beobachtet und nach dem Tode untersucht worden
waren (Proceedings Zool. Soc, 12. April 1859).
Ingulata.
Artiodactyla niuiiiiaulia. Wichtige Nachrichten über den
Bison, Bos americaniis, erhielten wir durch Hind (Narra-
tive of Ihe Canadian Red -River exploring expedition etc.
London 1860).
Man unterscheidet den Wald- und Frairie - Bison, jener hat
ein grösseres Fell; sein Haar ist kurz, ebenso die weiche und durch-
aus ungelockte Mähne, während sich das Gegeatheil bei dem Prairie-
Bison findet. Zwei Felle, die der Verf. sah, hatten grosse Aehnlich-
keit mit den Fellen des Auerochsen. Der Wald-Bison gilt als sel-
ten. Er findet sich nur nördlich vom Saskatchewan an den Abhängen
des Felsengebirges uud kommt niemals in die oifenen Ebenen. Der
l'rairie - Bison dagegen vermeidet die Wälder im Sommer und lebt
dann nur in oüenen Gegenden; im Winter aberfindet man ihn häufig
in den Wäldern am Litlle Souris, Saskatchewan etc. Ohne Zweifel hat
er früher die ollenen Wälder ebenso zahlreich durchstreift, wie jetzt
die Prairien. Oft findet man in den Prairien Bisons , welche von
den Wölfen castrirt wurden und in Folge dessen eine ungeheure
Grösse erreichen, Ihre Felle sind durch ihre Dimensionen so wie
durch Küize der Wolle leicht kenntlich.
108 Hensel: Bericht üb. d. Leistungen in d. Katuigeschichte
Seine Ansichten über die flachhörnigen Binder Süd-
Ost- Asiens theille Blyth mit (Journ. As. Soc. Beng. XXIX.
p. 282—306).
Der Verf. theilt alle Kinderarten in folgende Gruppen: I. Bi-
so nti na a) Ovibus, b) Bootherium (fossil), c) Bison, d) Poephagus.
II. Taurina: a) Zebus, b) Taurus, c) Gavaeus. III. Bubalina:
a) Bubahis inclus. Anoa. (Eine Einlheilung, der man nur dann bei-
stimmen könnte, wenn man die durch den Schädel gegebenen Charak-
tere nicht zu verwerlhen weiss).
Den ßos sylhetanus F. Cuv. erklärt der Verf. für einen Bastard
des Gavaeus frontalis und des ßuckelochsen, und den B. leucoprym-
nus Quoy und Gaim. für einen solchen des G. sondaicus und dieses.
Die umfangreiche Abhandlung, welche in zahlreichen Anmerkungen
auch Notizen über rinderähnliche Antilopen enthält, gestattet keinen
kurzen Auszug.
Bemerkungen über Bos ^runniens lieferte R. v. Schlagint-
weil in den Miltheil. des Centr. Inslit. für Akklimat. in Deutschi.
1860. p.48— 49.
Ebend. p. 83 finden sich auch Notizen über die Einführung der
genannten Species von Weinland.
Schilderungen des Bos caffer gab Burton (I.e. Vol. I. p. 181).
Moll et Gayot: La connaissance generale du Boeuf. Paris
1860 geben eine Beschreibung der Rinderrassen, vorzüglich der fran-
zösischen und englischen , welche auch in zahlreichen Abbildungen
dargestellt sind. Als Einleitung dient eine compilatorische Naturge-
schichte der Rinderarten.
Bemerkungen über die englische Shorthornrasse des Rindes
finden sich im Arch. für Landeskunde in Mecklenb. Leipzig 1860.
p. 729.
Zur Auflösung der Verwirrung , welche gegenwärtig
noch in der Bestimmung der wilden Schaf-Arten herrscht,
ist ein wesentlicher Schritt von Sclater gethan worden
(Proc. Zool. Soc. 1860. p. 126— 130. PI. 79 u. 80).
Der Verf. beschreibt Ovis cycloceros Hutton nach zwei leben-
den Exemplaren ausführlich und giebt auch ausserdem eine Diagnose
für Ovis Vignei. Die Beschreibungen beider Arten werden durch
gute Abbildungen der Hörner und der ganzen Thiere vervollständigt.
Am Schlüsse giebt der Verf. die Synonyme für 0. Hodgsoni Blyth an.
Eine Beschreibung und Abbildung der Hörner des Ovis Polii
Blyth gab Sclater (Proc. Zool. Soc. 1860. p. 443 u. 444).
Nachrichten über den Sardinischen Mufflon finden sich in „ili-
neraire de l'Ile de Sardaigne par Albert de la Marmora. Turin 1860.
Tom. I. p. 426.
der Sängethiere während des Jahres 1860. 109
Das Thier soll auf den höchsten Gipfeln Corsicas, Sardiniens,
Cyperns und im Atlas leben. Ein Holzschnitt stellt ein (-^ dar.
Einige Bemerkungen über Ovis montana siehe in Report of the
commissioner of Patents for the year 1859. Agricullurc. AA'ashington
1860. p.54].
Heber eine 3Iissbildung an den Hörnern eines Schafes,? Ovis
hunia Hodgs, , berichtet S c h 1 ag i n twe i t (Proc. zool. Soc. 1859.
p. 350).
Kitzinger hat seine Untersuchungen über die Rassen des
zahmen Schafes fortgesetzt und geschlossen (Sitzungsber. der Wien.
Akad. 1860. Bd. 39. p. 343—413 u. p. 767—837. Bd. 41. p. 151—247).
Den Klauenschlauch (die Klauendrüse) des Schafes untersuchte
Balogh (Sitzungsberichte der Akad. d. Wiss. Wien 1860. p. 21—33
mit 1 Taf.).
Das genannte Organ ist nur eine Fortsetzung der Cutis, wobei
die Hornlage der Epidermis dünner, die Malpighische Schicht aber
dicker wird, die Haare an Zahl ab-, ihre Talgdrüsen aber an Mäch-
tigkeit zunehmen , die Schweissdrüsen in ihrer Funktion eigenthüm-
lich modificirt und auch grösser werden.
Mit einer Untersuchung des Jacobson'schen Organes des Schafes
beschäftigte sich Balogh (Sitzungsber. der Wien. Akad. Bd. 42.
p. 449— 477. Taf. I— V, im Auszuge schon p. 280— 283).
Der Verf. stellt das betreffende Organ nach seiner elementaren
Zusammensetzung der Regio olfactoria an die Seite, ohne jedoch
über seine Mitwirkung bei dem Riechen entscheiden zu wollen.
Eine Zusammenstellung der Berichte über die Zucht der An-
goraziege in Württemberg lieferte Buvry (Mittheil, des Cent. Instit.
für Akklimat. in Deutschi. 1860. p. 20—21).
Ueber den Tur oder die Capra caucasica Güldenst, lieferte
Brandt einen Bericht (Ernians Archiv XIX. 1860. p. 225).
Einige Bemerkungen über Capra americana siehe in Report of
the commiss. of Pat. for 1859. Agric. Washington 1860. p. 542.
Ueber die Lebensweise und Verbreitung der Antilope Addax in
Algier berichtet A u cap i tai ne (Rev. et mag. zool. XII. 1860. p. 145
—148).
Ueber eine lebende Antilope picta Pall. berichtet Weinland
(1. c. p. 204-206).
Derselbe über eine lebende Antilope leucoryx Pall. (1. c.
p. 206-209).
Beiträge zur Anatomie der Giraffe lieferte Spencer Cob-
bold (Proc. Zool. Soc. 1860. p. 99-105. PI. LXXVII, LXXVIII).
Die Untersuchungen des Verf. , der Panceri's Arbeit nicht ge-
kannt hat, betreffen vorzugsweise den Nahrungskanal und dessen
110 Hensel : Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Drüsen , so wie den Bau des sogenannten dritten Ilornes, wofür der
Verf. Rüppel's Beobachtung bestätigt"),
Ueber einen zu l'aris angelangten Trupp Lamas und Alpacas
berichtet Geoffr. Sa i n t- II il a i r e (Conipt. rend. liebd. Paris 1860.
Tom. 51. p. 429— 432).
Cervus teuanus *'>'*"') hat Blyth auf den Vorschlag
Swinhoe's einen Hirsch von Formosa genannt (Jonrn. As.
See. of BengaL Vol. XXIX. 1860. p. 90— 92).
An einem Schädel mit oberen Eckzähnen und einem grossen
runden Foramen infraorbitale ■"'•"'•) hat der Verf. erkannt, dass der ge-
fleckte Hirsch von China (und Formosa), den man bisher für einen
Axis hielt, zur Gruppe Elaphus als die kleinste und südlichste Form
derselben gehört. Die Form des Geweihes stimmt mit der bei C. Sika
von Japan.
Ein lebendes Exemplar des Japanesischen Hirsches ist von
Sclater verglichen worden (Proc. Zool. Soc. 1860. p. 375 — 376).
Der Verf. kommt zu dem unvermeidlichen Resultate , dass zu
dem Cervus Sika Temm. folgende Synonyme gehören : C. pseudaxis
Eyd. et Soul. Voy. — C. axis, ex China Canton, Ann. N. H. IX. p. 274.
— C. taiouanus Blyth. J. A. S. B. XXIX. p. 90. — llusa javanica Gray
Ann. N. H. VL p. 218. Ausserdem gehört die Spec. zur Gruppe Elaphus.
L eadb eater fand einen Kopf des Wapiti über 32 Lbs. schwer.
(Proc. Zool. Soc. 1860. p. 322).
Die Hirsche Mexikos sind von de Saussure (L c. p. 28 — 41)
untersucht worden, ohne dass jedoch die Unsicherheit, welche gegen-
wärtig noch in der Bestimmung der Nordamerikanischen Hirsche
herrscht, vermindert worden wäre. Erwähnt werden: Cervus mexi-
canus , den der Verf. für eine Varietät des C. virginianus zu halten
geneigt ist. Die Untersuchung ist vorzugsweise eine Kritik der An-
gaben des Hernandez.
*) In einer Anmerkung spricht der Verf. von einer brieflichen
Mittheilung mit einer guten Abbildung in der: Mammalian Division
of the Museum of Natural History", in the general characters of the
Order Ruminantia. Vol. L div. 1. p. 157. 1860 — ein Werk, welches
mir unbekannt geblieben ist.
■"■") Der Verf. schreibt „taiouanus" von „Tai\Aan" dem chinesi-
schen Kamen der Insel Formosa. Da wir jedoch durchaus keine Ver-
anlassung haben, uns bei dem Gebrauche barbarischer Namen der eng-
lischen Orthographie zu bedienen, so dürfte wohl obige Schreibweise
für Deutschland gerechtfertigt sein.
^•"""■) Was der Verf. unter dieser Bezeichnung gemeint hat, ist
ungewiss, denn das For. infraorb. ist bei Axis wie bei Elaphes.
der Säugethiere während des Jahres 1860. 111
Cervus Cariacus. Geweihe, welche der Verf. von der Insel Cuba
gebracht hatte , werden mit denen des C. niexicanus verglichen und
dem Cariacon des BnfTon zugeschrieben, mit welchem C. nemoralis H.
Smith identisch sein soll. C. toltecus (I. c. p. 34. pl. 1.5. li^. 1) wird
als neue Art aus Mexiko mit folgender Diagnose aufgestellt : Rami
minuti recurrenles , rix divergentes , vix arcuali ; prope coronam ex
inlerno margine surculum triangulärem, valde complanalum, et prope
apiceni, alterum surculum acuminatuni, margine externo emittentes.
Für zwei Hirsche schlägt der Verf. , im Falle sie sich als be-
sondere Arten von C. (oltecus resp. C. niexicanus unterscheiden
sollten, die Namen C. Sartorii und C. capricornis vor.
Die Existenz zweier Rennthieravten in Nord-Amerika, der Wood-
lands- und der ßarrenlands - Species bestreitet Chittender (Proc.
Americ. Assoc. — New Edinb. Journ. 1860. XII. p. 289).
Eine Zusammenstellung der wichtigsten Angaben über die ver-
schiedenen Rassen des Rennthieres erhielten wir durch E, Blyth
(Journ. Asiat. Soc. Beng. 1860. p. 376—384).
ArtiOdactyla nonruminantia. Nach einer Nachricht von Tem-
ple (Proc. Zool. Soc. 1860. p. 206) soll sich in Honduras ein von
Dicolyles torquatus im Aeussern abweichendes Peccary vorfinden. Eine
wissenschafdiche Untersuchung hat jedoch noch nicht stattgefunden.
Den Schädel des Potaniochoerus penicillatus untersuchte Scla-
ter (Proc. Zool. Soc. 1860. p. 301— 302).
3.1.3 + 3
Die Zahnformel ist -. Diese und die Differenzen
ö . 1 . o H- 3
im Schädelbaue trennen die Gattung mit Recht von Sus. P. africanus
zeigt dieselben Unterschiede.
Den Magen des Potaniochoerus penicillatus untersuchte Ho-
ward Stewart (Proc. Zool. Soc. 1860. p. 194).
Er zerfällt in drei Abtheilungen, den Sacculus cardiacus links
von der Oesophagus-Oeffnung, den Cuticular-Theil um die Cardia-Oeff-
nung und den Pylorus-Theil. Der Sacc. card. ist grösser als bei Sus,
und die Cuticular - Schicht um die Oesophagus - OefFnung von etwas
verschiedener Anordnung.
Bei Erwähnung eines Sus andamanensis von den Andamanen
Hess sich Blyth über die Indischen Schweine vernehmen (Journ.
As. Soc. Beug. XXIX. p. 104— 105) , naniGullich über Sus vittatus S.
Müller, S. papuensis, S. indicus Gray, S. zeylanensis Blyth, S. affinis
(Jray und über das eigentliche Bengalische Wildschwein, welches er
als S. bengalensis durch die langen Haare, die Breite des Os occip.
(2 — 2y^' engl, an der schmälsten Stelle) und durch die Kürze des
Schwanzes (13 oder 14 Wirbel) unterscheiden will.
Eine gute Abbildung eines lebenden Babirussa alfurus gab
Sclater (Proc. Zool. Soc. 1860. p. 443. PI. 83).
112 Hensel: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Kathusius: „Ueber die Rassen des Schweines. Berlin 1860" ist
bereits in dem Berichte über allgemeine Zoologie besprochen worden.
Durch die schon genannte Arbeit R üti m eyer's über die Kno-
chenreste in den Pfahlbauten der Schweiz veranlasst untersuchte S t e e n-
strup (üvers. Kgl. Videns. Selsk. Forh. 1860. p. 593— 598) die Ge-
schlechtsunterschiede im Gebisse des Schweines und gelangte zu der
Ueberzeugung, dass die von Rütimeyer als Sus scrofa bezeichnete
Form das männliche und Sus (scrofa) palustris Rüt. das weibliche
Thier ist.
Ueber einen nach England gebrachten Hippopotamus berichtet
Petherick (Proc. Zool. Soc. 1860. p. 195— 196).
Das Blutgefässsystem des Hippopotamus untersuchte Gratio-
let (Ann. des sc. nat. 1860. p. 376— 379, im Auszuge).
Perissodactyla. Gegen die Ansicht Blyth's über die
wilden Pferde Asiens hat sich Strachey ausgesprochen,
der den Kyang für einen Esel erlilärt (Journ. As. Soc. ßeng.
XXIX. p. 136-^138).
Einen Bericht über Equus Kiang lieferte Hay (Proc. Zool. Soc.
1859. p. 353— 357. PI. 73).
Einen Wildesel der Algirischen Sahara, dessen Species sich
jedoch nicht mit Sicherheit feststellen Hess, beschreibt Tristrani
1. c. p. 318.
Ueber die Veredelung der einheimischen Eselrasse schrieb
Buvry (Mittheil, des Centr. Instit. für Akklimat. in Deutschland
1860. p. 7-9).
Referent hat in einer Bearbeitung der Hipparien von Pikermi
eine Darstellung des Zahn- uud Fussbaues der lebenden Pferde gelie-
fert (Abhandlungen der Berlin. Akad. der Wiss. 1860. p. 27—121).
Joly beschreibt ein lebendes Maulthier mit überzähligen Ze-
hen (Compt. rend. Acad. Paris 1860. Tom. 50. p. 1138).
Die Vorderfüsse hatten je zwei in ihren Phalangen getrennte
Zehen. Ein Eindruck unter der Haut in der Gegend des Melacar-
pus deutet der Verf. als Zeichen einer Trennung des Aletacarpuskno-
chens, und findet darin eine Bestätigung für seine schon früher aus-
gesprochene Ansicht von der Verschmelzung des Mittelfussknochens
der Pferde aus zwei Theilen.
Bemerkungen über das englische Pferd und die Maulthierzucht
in Frankreich siehe Archiv für Landesk. Mecklenb. 1860. p. 596 — 598.
„Ueber das Os interparietale und das Vorkommen ab-
ortiver Schneidezähne im Oberkiefer bei mehreren Arten
der Gattung Hyrax" schrieb G. v. Jäger (Würt. nat. Jah-
reshefte 1860. p. 158— 174. Taf. II).
der Säugethiere während des Jahres 1860. 113
Untersucht wurden H. capensis , H. habessinicus, H. silvestris,
H. arboreus. Das Os interpariet. ist bei den genannten Arten in der
Regel als abgesonderter Knochen vorhanden und nicht von einer
früher vorhandenen Fontanelle abzuleiten, sondern als abgesonderter
Bestandtheil des Schädels anzusehen. Das beinahe beständige Vor-
kommen von zwei kleinen leeren Alveolen hinter den oberen Schnei-
dezähnen deutet auf die Existenz abortiver hinterer Schneidezähne.
(Bemerkungen hierzu siehe in Giebel's Zeitschrift 18G0. p. 415.)
lieber Hyrax habessinicus macht Speke einige Bemerkungen
(Proc. Zool. Soc. 1859. p. 234).
Pinnipedia. lieber einen Schädel des Manatus senegalensis von
Old Calabar berichtet M'Bain. (Rep. 29. Meet. Brit. Assoc. 1860.
p. 150—152.)
lieber den Thran der Halicore australis machte Brazier eine
Mittheilung (Rep. 29. Meet. Brit. Assoc. 1860. p. 256).
Cetacea.
Eine natürliche Gruppirung der zahntragenden Wale nach der
Verschiedenheit in den Kauwerkzeugen als dem Ausdrucke ihrer ver-
schiedenen Lebensweise wird von Es ch rieht in Aussicht gestellt
(Overs. Vidensk. Selsk. Korh. 1860. p. 593).
Bemerkungen über den grossen Rorqual des Indischen Oceans
theilte Bartle Frere mit (Journ. Asiat. Soc. Beng. 1860. p. 451 — 452).
Desgleichen Blyth über Physeter macrocephalus 1. c. p. 452.
Die Schilddrüse der Cetaceen untersuchte Turner (Transact.
Roy. Soc. of Edinburgh Vol. XXII. Part II. p. 319—325). Der Verf.
hat bei drei Exemplaren der Phocaena communis die Schilddrüse un-
tersucht, diese und die Thymusdrüse bei Bubalus Caama und Anti-
lope picta.
Zwei neue Delphine aus Algier beschreibt Loche
(Rev. et mag. zool. 1860. p. 473—479).
Delphinus algeriensis (PI. 22. fig. 1). Oberseite und Hinterende
des Körpers tief schwarz , um die Augen ein Kreis von derselben
Farbe. Die Seiten des Körpers grau, nach den Weichen zu heller.
Diese so wie die Unterseite bis zum Anus rein weiss ; Umkreis des
Unterkiefers und seine Spitze schön schwarz; ein schwarzes 0,04
breites Band theilt oberhalb des Anus die weisse Seite des Kör-
pers und erstreckt sich bis zu den Kiefern , 0,20 von ihrem Ende
theilt sich das Band und bildet, sich umwendend, ein zweites Seiten-
band, welches sich in der Flosse verliert. Totallänge des Thieres bis
zur Schwanzspitze auf dem Rücken gemessen 2,47. Zähne ||.
Delphinus mediterraneus (PI. 22. fig. 2). Er besitzt einige Aehn-
Aroh. für Naturg. XXVII. Jahrg. 2. Bd. H
114 Hensel: Bericht lil). d. Leistunjren in d. Naturgeschichte
lichkeit mit D. inarginatus Duvern., unterscheidet sich jedoch von ihm
durch den Mangel des Saumes an den Flossen. Sein Obertheil ist
schwarz, allmählich heller nach den Seiten zu ; der Umkreis des Au-
ges schwarz von einem grünen Ringe umgeben ; eine feine schwarze
Linie geht von hier nach dem Mundwinkel ; vom hinteren Augenwin-
kel erstreckt sich ein dunkles Band bis gegen die Analgegend hin ;
von seinem vorderen Ende entspringt ein zweiter Streifen, welcher
41 . 41
oberhalb der Flosse endet. Zähne — — . Totallänge wie oben ge-
messen, 1,54.
Ein drittes Individuum möchte der Verf. zu D. plumbeus Dus-
sum rechnen.
Delphinus Victorini ist eine neue von Grill nach den
von Victorin nachgelassenen Zeichnungen und Beschrei-
bungen aufgestellte Art (Svenska Vetensk. Handl. 1860).
Länge 19' schwed. Spritzloch mondförmig (nymanelik); oben
schwarz unten weiss; die Grenze der Farben geht von dem Mund-
winkel in einem Bogen bis zur Brustfinne , von hier nähert sie sich
der Mittellinie, so dass in der Gegend des Nabels die beiden Grenzen
nur 1 — 2' von einander abstehen. Hinter dem Anus vereinigen sie
sich in einem spitzen Winkel. Die Unterseite der Schwanzfinne ist
weiss ; einige Zoll über den Augen beginnt ein ungefähr 3' langer,
4 — b" breiter weisser Streifen.
Ein Schädel des Delphinus eurynome aus dem Meerbusen von
Bengalen wird erwähnt im Journ. Asiat. Soc. of ßengal. 1860. p. 202.
lieber das von Blake beobachtete Vorkommen einer Platanista
im Irawaddi , Fegu und anderen Flüssen Birnias vergleiche Journ.
Asiat. Soc. Beng. 1860. p. 449.
Hieran knüpfte Blyth Bemerkungen über JNeomeris phocae-
noides Gray (Delph. phocaenoides Dussum, Delphinapterus melas Tenini.)
und Globicephalus indicus.
Bemerkungen über den Walfischfang und die Anwendung des
Giftes dafür gab Christison (New Edinb. Journ 1860. XIL p. 72
—80).
Die Beschreibung zweier bei Whitstable getödteten Wale, Mut-
ter und Junges, wahrscheinlich Hyperoodon rostratus , findet sich in
den Proc. Zool. Soc. 1860. p. 373, eine Abbildung in den „Illustrated
News" vom 18. Nov. 1860.
Gray sucht seinen Hyperoodon latifrons gegen Eschricht
näher zu begründen und von H. rostratum zu unterscheiden. (Proc.
Zool. Soc. 1860. p. 422— 426.)
der Säugethieve während des Jahres 1860. 115
Implaceutalia.
Marsupialia.
Didelphys Waterhousii wurde als neue Arl aus Ecuador
von Tom es aufgestellt (Proc. Zool. Soc. 1860. p.58— 60.
Pl.LXXVl).
Die von dem Verf. gegebene Diagnose lautet: Der Pelz ziem-
lich lang, weich und wollig; die allgemeine Färbung dunkelbräun-
lichgrau, an den Seiten röthlich getüpfelt; die Unterseite bräunlich-
gelb mit einem gelblichweissen Streifen längs der xMitte der Kehle
und Brust; ein schwarzer Strich durch das Auge bis zur Nasenspitze.
Durch die Anwesenheit eines Beutels bei dem $ wird die Art ganz
bestimmt von der D. cinerea getrennt, mit der sie Waterhouse
früher in Verbindung gebracht hatte.
Burmeister halte seinen Grymaeomys scapulatus für identisch
gehalten mit der von W at e rh o us e (Mammalia p. 505) beschriebenen
aber nicht benannten Art, welche Tom es zu seiner Didelphys Wa-
terhousii gezogen hatte, doch unterscheidet sich diese Art durch An-
wesenheit eines Beutels wesentlich von der bei ßurmeister. Bei-
gefügt sind zwei Ansichten des Schädels der D. Wat. (Proc. Zool.
Soc. 1860. p. 303— 304.)
Seine an lebenden Exemplaren des Belideus flaviventris gemach-
ten Erfahrungen theilte Bennet mit (Proc. Zool. Soc. 1859. p. 217
—218).
Als neu wurde Cuscus ornatus von Batchian durch
Gray aufgestellt (Proc. Zool. Soc. 1860. p. 1—4. PI. 74).
Die neue Art gehört zu der Gruppe mit kahler Innenflache des
Ohres. Das ^ blass goldbraun; der Kücken etwas dunkler unreo-el-
mässig weiss betupft; auf Scheitel und Rücken ein schmaler schwärz-
licher Längsstreif; die Unterseite ist heller mit einem breiten Längs-
streife gegen die Mitte der Brust und die Vorderseite des Abdomen ;
die innen nackten Ohren ragen aus dem Felle hervor. Der Schädel
mit einer bedeutenden Concavität zwischen den Augenhöhlen. Im
Ganzen gleicht das Thier dem C. Orientalis, dessen ^^ jedoch rein
weis ist, von C. celebensis durch die Farbe des Felles so wie den Rük-
kenstreifen unterschieden.
lieber einen weiblichen Cuscus ornatus von Batchian
siehe Gray Proc. Zool. Soc. 1860. p. 374.
Ueber eine in der Grafschaft Durhani getödtete Phalangisla be-
richtete Hogg (Report of the 29. Meet. Brit. Assoc. 1860. p. 149).
IIG Ilensel: Bericht üb. d. Leist in d. Naturgeschichte etc.
Halmaturus stigmaticus ist eine neue von Gould auf-
gestellte Art (Proc. Zool. Soc. 1860. p. 375).
Er ist dem H. Thetidis nahe verwandt, unterscheidet sich aber
von ihm durch bedeutendere Grösse , röthlicheres Fell, besonders an
den Hinterbeinen und durch einen breiten, brandgelben Fleck an
jeder Hüfte. Von der Nord-Üst-Küste Australiens.
Gould hält ohne Angabe der Gründe ein lebendes Exemplar
des Macropus im Garten der zool. Gesellschaft zu London für neu
und schlägt dafür den Namen M. (Osphranter) pictus vor.
Ueber ein von Petrogale xanthopus Gray abweichendes Kängeru
siehe Sclater (Proc. Zool. Soc. p. 323).
Qloiiotremata.
De loco monotrematibus in systemate zoolog. assignando
et de ornithorhynchi anatini , Shaw, calcari, Dorpat 1859,
schrieb A. Strauch.
Der Verf., dem die vollständige Literatur zu Gebote stand, giebt
in der Einleitung das Historische über unsere Kenntniss der Mono-
tremen, bespricht darauf im ersten Theile seiner Arbeit unter Anfüh-
rung aller hierauf bezüglichen Ansichten ihre systematische Stellung
und entscheidet sich schliesslich dafür, die Unterklasse der Mammalia
aplacentalia , in die beiden Ordnungen Monotremata, mit den Fami-
lien Ornithorhynchi und Tachyglossi, und Marsupialia zu theilen. Ln
zweiten Theile giebt der Verf. eine Beschreibung der sogenannten
Giftdrüse und des Sporns , welcher noch einen Hornüberzug besitzt,
der aber bei Spiritusexemplaren wohl in der Regel verloren geht.
Den Schluss bildet eine ausführliche Angabe der sich auf die Mono-
tremen beziehenden Literatur.
Interessante Nachrichten über Ornithorhynchus anatinus erhiel-
ten wir durch ßennet, der die günstige Gelegenheit halte, das
Thier vielfach lebend zu beobachten (Proc. ZooL Soc. 1859. p. 213
—218. PI. 71).
Bericht über die Leistungen in der Herpetologie
während des Jahres 1860.
Von
Troschel.
Green e hat sich mit der Classification der kaltblüti-
gen Wirbelthiere beschäftigt: On the mutual relations of
the cold-blooded Vertebrata. Journal of the Proceedings of
the Linnean Society V. p. 218. Er will die Unterscheidung
von drei Classen, Reptilia , Amphibia und Pisces, aufrecht
erhalten, indem er die Lepidosiren zu den Amphibien stellt.
Die unterscheidenden Merkmale setzt Verf. folgender-
massen :
Reptilia: Ein Hinterhauptsgelenk; keine Kiemen; Amnion
und Allantois ; zwei Vorkammern; die Enden der Zungenbein- und
Kiefer-Bogen getrennt von einander. 10 Ordnungen : Ichthyopterygii,
Ophidia, Pterosauria , Chelonia, Crocodilia, Sauropterygii, Lacertilia,
Thecodonlia, Anomodontia, Dinosauria.
Amphibia: Zwei Hinterhauptsgelenke oder keines; kein Am-
nion oder Allantois; die Enden von Zungenbein- und Kiefer-Bogen
an einem gemeinsamen Stiele aufgehängt; Kiemen und Lungen; Herz
meist mit zwei Vorkammern. 6 Ordnungen: Lepidota, Ganocephala,
Labyrinthodontia, Ophiomorpha, Sozura, Anura.
Pisces: Athmen nur durch Kiemen; bei einigen stellt eine
Schwimmblase morphologisch eine Lunge dar, aber übernimmt nicht
die Function einer wahren Lunge; eine Vorkammer; kein Amnion
oder Aallntois; Zungenbeinbogen und Kieferbogen wie bei den Am-
phibien. Die Ordnungen sind die Älüller'schen.
In einer Abhandlung von Humphry „Observations
on the limbs of Vertebrate animals, the plan of their con-
slruction, their homology , and the comparison ol (he fore
118 Troschcl: Bericht lib. d. Leist. in d. Herpetologie
and bind limbs. Cambridg-el860" ist auch auf die Gliodmasscn
der Reptilien und Fische Rücksicht genommen. Ein nähe-
res Eingehen auf den Inhalt ist hier nicht wohl thunlich,
und muss auf die Schrift selbst verwiesen werden.
Arnold Pagenstecher hat das ausgedehnte Vor-
kommen von Gallengangsnetzen bei Reptilien nachgewie-
sen. Die Gallengänge sind von Python, Coronella, Hydro-
phis , Bungarus , Trigonocephalus , so wie von Pseudopus
abgebildet. Ein solches Netz findet sich bei allen Schlan-
gen und bei vielen Eidechsen , wogegen bei den Schild-
kröten und Krokodilen die Gänge einfach sind. Verf. sieht
darin einen weiteren Beweis für die innige Verwandtschaft
der Schlangen und Eidechsen, während Krokodile und
Schildkröten sich von ihnen zu entfernen scheinen. Würz-
burger naturw. Zeitschr. I. p. 248—253.
A Guide to the Quadrupeds and Reptiles of Europe;
v/ith descriptions of all the species ; compiled from the
latest W^riters. By Lord Clermont. London 1859. 8.
Ist mir nicht zu Gesicht gekommen.
Eine kurze Notiz über die Amphibien am Cap der gu-
ten Hoffnung von Frauen feld s. Verhandl. zool. - bot.
Gesellsch. in Wien X. p. 81.
Die Gebrüder v. Schlagint weit haben im Hima-
laya-Gebirge eine Sammlung von Amphibien zusammenge-
bracht, die sie an Günther zur Untersuchung und Be-
schreibung übergeben haben, der sich dann dieser Aufgabe
in den Proc. zool. soc. p. 148 — 175 unterzogen hat. Um
die Kenntniss der Amphibien dieser Gegenden zu vervoll-
ständigen hat der Verf. zugleich die Sammlung des briti-
schen Museums , namentlich die von Hook er in Khasia
gesammelten Formen , die durch Blyth von Nepal und
Sikkim beschriebenen und die von Ho d gs o n aus Nepal
eingesandten Arten benutzt. Verf. beginnt zunächst mit
der Beschreibung der neuen Arten, neun an der Zahl, die
grösstentheils abgebildet sind ; wir machen sie unten nam-
haft; es sind 3 Eidechsen, 4 Schlangen und 2 Batrachier,
die alle auf den Wunsch der Reisenden nach Personen
genannt sind, die sich näher für ihre Reise interessirt ha-
•&
während des Jahres 1860. 119
ben. Dann folgt ein Verzeichniss der Himalayischen Am-
phibien, welches 1 Schildkröte, 19 Eidechsen, 40 Schlangen
und 12 Batrachier , zusammen 72 Arten aufzählt. Endlich
folgt eine Uebersicht dieser Arten nach ihrer Höhenver-
breitung. Während die Zahl der Eidechsen-Species zwi-
schen 1000 und 15000 Fuss nicht abnimmt, so vermindert
sich die Artenzahl der Schlangen und Batrachier sehr stän-
dig mit der Erhebung. Es finden sich
16 Schlano-en und 5 Batrachier bei 1000 Fuss
. 2000 „
« 3000 „
,, 4000 „
« 4500 „
^ 6000 „
« 7500 „
« 8000 „
. 9000 „
. 10000 „
„ 15000 „
Es werden dann die drei einzelnen Zonen besonders
geschildert: a) die tropische Zone oder die Zone von Tro-
pidonotus quincunciatus bis 4000', b) die gemässigte Zone,
oder die Zone von Tiliqua rufescens von 4000 — ^10000', c)
die alpine Zone oder die Zone von Barycephalus Sykesii
von 10000 bis 15000' über dem Meere.
Peters zählt Monatsber. Berliner Akad. p. 182 41
Amphibien auf, welche Seh mar da auf Ceylon gesammlt
hat, nämlich 2 Schildkröten, 1 Crokodil , 12 Eidechsen, 17
Schlangen und 9 Frösche. Die darunter befindlichen zwei
neuen Eidechsen sind unten genannt.
Ein Verzeichniss von Amphibien von Siam verdanken
wir Günther Proc. zool. soc. p. 113. Es zählt 23 Ar-
ten auf.
Bleeker berichtete Nat. Tijdschr. Ned. Indie XXI.
p. 284 über die Reptilienfauna von Sumatra. Er kennt von
dort 12 Schildkröten, 38 Eidechsen, 76 Schlangen und 17
Batrachier, zusammen 142 Arten. Darunter 1 Pilidion und
3 Calamaria neu.
120 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Herpetologie
Zufolge der Angaben von Jardin kämen auf den
Marquesas-Inseln nur zwei Eidechsen und eine Schildkröte,
Chelonia Midas, vor. Memoires de la soc. imp. des Scien-
ces nat. de Cherbourg VI. p. 173.
Philippi fand auf seiner Reise in die Wüste Ala-
cama 9 Amphibien , nämlich 8 Eidechsen und eine Kröte.
Von den Eidechsen gehören 5 der Gattung Proctotretus,
eine der Gattung Microlophus, eine der Gattung Aporomera
an, und auf eine, der Gattung Proctotretus verwandte grün-
dete er ein neues Genus Helocephalus. Schlangen fand er
in der Wüste nicht. Reise in die Wüste Atacama. Halle
1860. 4. p. 165—169.
Günther berichtete Proc. zool. soc. p. 233 über eine
dritte Sendung Fraser's von Ecuador (vergl. vor. Ber.
p. 269). Ausser mehreren Fischen sind 4 Amphibien von
Guayaquil und 10 von Esmeraldas aufgezählt. Eine Ei-
dechse und eine Schlange sind beschrieben und werden
unten aufgeführt werden.
Salvin gab Proc. zool. soc. p. 451 Nachricht über
die Reptilien von Guatemala , einer Erdgegend, welche um
so interessanter ist, weil in ihr die Grenze der Faunenge-
biete von Nord- und Süd - Amerika zu suchen ist. Verf.
hat 7 Eidechsen, 20 Schlangen und 5 Batrachier gesammelt
und beobachtet. Unter ihnen ist eine neue Schlange aus
der Crotaliden-Familie, die sogar eine neue Gattung bilden
soll, und eine neue Hyla unten zu erwähnen.
Von Heu SS er und Claraz findet sich eine Schil-
derung des Thierlebens in der brasilianischen Provinz Rio
de Janeiro in Petermann's Mittheilungen über wichtige neue
Erforschungen auf dem Gesammtgebiete der Geographie
1860. p. 247, woraus namentlich auf den Abschnitt über
Amphibien aufmerksam zu machen ist, weil sich darin
einige Angaben über den Riss giftiger Schlangen finden.
Günther schilderte in anziehender Weise das Leben
und die Behandlung der Reptilien im zoologischen Garten
zu London. Dies Archiv p.29 — 57.
Wie schon öfter so schilderte wieder G. v. Märten s
mit Lebendigkeit eine Menagerie, in der auch Alligatoren und
während des Jahres 1860. 121
Riesenschlangen vertreten waren. Jahreshefte des Vereins
in Würtemberg XVI. p. 97.
Crisp hat der Todesursache der Thiere in den zoo-
logischen Gärten seine Aufmerksamkeit geschenkt und be-
merkt , dass meistens Tuberkeln in Leber und Lunge die
Veranlassung zum Tode der Reptilien sind. Proc. zool.
soc. p. 192.
Chelonia.
Aus der Ordnung der Schildkröten sind wieder einige
neue Arten zu erwähnen, die sämmtlich von J. E. Gray
beschrieben wurden :
Geoclemmys annulata Gray Froc. zool. soc p. 231 pl.29; An-
nais nat. bist. VL p. 148 von Ecuador.
Emys fuliginosus Gray Proc. zool. soc. p. 232. pl. 30 ; Annais
nat. hist. VI. p. 148 von Nord-Afrika ?
lieber die Gattung Manouria und ihre verwandtschaftlichen Be-
ziehungen äusserte sich Gray Proc. zool. soc. p. 395 und bildete
pl. 31 M. fusca ab.
J. E. Gray hatte 1853 eine Gattung Cyclanosteus gegründet,
welche sich von seiner Gattung Emyda (Cryptopus Dum. Bibr.) durch
den Mangel von Knochenschildern am Hinterrande des Bückenschil-
des unterschied. Eine Schildkröte, welcher diese Knochenschilder
gleichfalls fehlen, gab ihm Veranlassung zur Aufstellung einer neuen
Gattung Aspidochelys, die wie Emyda sieben Knochenschwielen
auf dem Brustbeine hat. Ob die Art aus dem Zambesi A. Livingstonii
identisch mit Cyclanosteus frenatus Pet. sei, bleibt zweifelhaft. Proc.
zool. soc. p. 5. pl. 22 ; Annais nat. hist. VI. p. 68.
Gray giebt ferner Proc. zool. soc. p. 314; Annais nat. hist. VI.
p. 440 eine Uebersicht über die afrikanischen Trionices mit verbor-
genen Füssen, und theilt sie in drei Gruppen: A. Knochenschwielen
des Brustbeins 9, das hintere Paar klein. 1. Cyclanosteus. Das
hintere Schwielenpaar sehr klein und entfernt. C. Petersii. B. Kno-
chenschwielen 7, das hintere Paar gross. 2. H eptathyra. Das
hintere Schwielenpaar rhombisch , am ganzen Innenrande vereinigt.
H. Aubryi. 3. Aspidochelys. Das hintere Schwielenpaar Läng-
lich , nur an ihrem Hinterrande vereinigt. A. Livingstonii. Ausser-
dem werden die Farben von Emyda senegalensis beschrieben.
Endlich findet sich Proc. zool. soc. p. 430 eine Notiz von Gray,
in welcher für Aspidochelys Livingstonii die ältere Bezeichnung Cy-
cloderma frenatum Peters hergestellt wird.
122 Troschol: Bericht üb. d. Leist. in d. Flerpetologie
Trionyx ornatns und Geoemyda grandis beschrieb Gray Annais
nat. bist. VI. p. 217 als neue Arten von Canibojia.
Saiiria.
•' '^' Auch hier haben wir über eine ganze Reihe neuer
Arten und selbst über einige neue Gattungen zu berichten.
GrOCOdilina. In dem Museum der Akademie zu Philadelhpia
befinden sich nachCope 4 Arten Alligatoren und 8 Arten Crocodile,
unter letzteren ist 0 s tcolaemus fcfrasp/s von West-Afrika als neue
Gattung und Mecistops bathyrhynchus als neue Art charakterisirt. Proc.
Philadelphia p.549.
Geckones. Sphaeriodactylus millepunctatus Hallovvell Proc.
Philadelphia p. 480 von Nicaragua.
Hemidactylus marmoratus und inornatus Hallowell Proc. Phi-
ladelphia p. 492 von Loo - Choo. — H. pumilus Hallowell ib. p. 502
von Hong-Kong.
LacOrtina- Cnemidophorus decemlineatus und quadrilineatus
Hallowell Proc. Philadelphia p. 482 von Nicaragua.
Ameiva pulchra Hallowell Proc. Philadelphia p. 483 von Ni-
caragua.
Iguanina. AnoUs longicauda und cupreus Hallowell Proc. Phi-
ladelphia p. 481 von Nicaragua,
Draconura bivittata Hallowell Proc. Philadelphia p. 482 von
Nicaragua.
Unter den fünf Arten Proctotretus weche Philip pi „Reise in
die Wüste Atacama" 1. c. sammelte, beschrieb er vier als neu, näm-
lich Prototretus marmoratus , modestus, melanopleurus und pallidus.
Eine neue Gattung i/e ^oc epÄrt /i«s stellte P h i 1 ip p i ib. p. 167
auf, die sich von Hoplurus durch den unbewehrten Schwanz und den
Mangel eines jeden Kieles auf den Schuppen , und von Leiosaurus
durch den Mangel der Querfalte am Halse, so wie der Gaumenzähne
unterscheidet. Die Art heisst H. nigriceps.
Basiliscus Seemanni Günther (Craneosaura Scemanni Gray) Proc.
zool. soc. p. 234 von Esmeraldas.
Calotes (Bronchocele) nigrilabris Peters ßerl. Monatsber. p. 183
von Ceylon.
Diplo derma Hallowell Proc. Philadelphia p. 490 ist eine
neue Gattung der Iguaniens Acrodontes ohne äussere Ohröffnung. Sie
hat jedoch nicht den Höcker auf der Schnauze wie Lyriocephalus
und nicht die hornartige Verlängerung der Schnauze von Geratopho-
rus, der Zahnbau ist ganz verschieden von Otocryptus, Fbrynocepha-f
während des Jahres 1860. 123
lus hat eine andere Beschiippung. Die Art D. polygonatum stammt
von Loo-Choo.
Eine neue Gattung Barycephalus stellte Günther Proc.
zool. soc. p. 149 in der Agamenfamilie auf: Kopf, Körper und Schwanz
ziemlich deprimirt; Paukenfell rund; Kehle mit einer tiefen Quer-
falte; keine Schenkelporen; Kopf oben mit sehr kleinen Schildern
bedeckt; Rücken mit sehr kleinen viereckigen gekielten dachziegel-
förniigen Schuppen; Seiten körnig mit zerstreuten Dornen; Bauch
mit kleinen viereckigen Platten in Querreihen; Beine und Schwanz
mit schiefen Querreihen stark gekielter Schuppen ; Zähne comprimirt,
dreieckig ohne Lappen. B. Syhesii pl. 25. fig. A. Himalaya.
Tiaris Elliotti Günther Proc. zool. soc. p.l5]. pl. 25. fig. B
vom Ilimalaya.
ScinCOidöä. Eumeces quadrimrgatus)\9\\owG\\Vvoc. Philadelphia
p. 502 von China.
Mahouia brevirostris Günther Proc. zool. soc. p. 316 ; Annais
nat. bist. VI. p. 442 aus Mexiko.
Siderolamprits enneagrcimmus Cope Proc. Philadelphia p. 368
aus Mexiko. Eine neue Gattung der Scincoiden , welche von Eu-
meces und Otosaurus durch zwei Paare Supranasalschilder und die
Abwesenheit der Frontonasalschilder unterschieden wird.
Euprepis concolor Hallowell Proc. Philadelphia p. 486 von
Oceanicn, Gaspar-Strasse.
Tiliqua Schlegelii Günther Proc. zool. soc. p. 153. pl. 25. fig. C
von Sikkim.
Plestiodon marginatus Hallowell Proc. Philadelphia p. 492 von
Loo-Choo. — Fl. latiscutatus ib. p. 496.
Lygosoma vertebrale Hallowell Proc. Philadelphia p. 487 von
den Sandwichinseln. — L. fallax Peters Monatsber. p. 184 von Ceylon.
Lygosanrtis pellopleurns Hallowell Proc. Philadelphia p.496
von Japan ist eine neue Gattung in der Nähe der vorigen.
Ablepharus nigropunctatus Hallowell Proc. Philadelphia p.487
von den Bonin-Inseln.
El eph ar a c tisi s Hallowell Proc. Philadelphia p. 484. unter-
scheidet sich von Ablepharus durch den Besitz von 4 Zehen an jedem
Fusse. — B. speciosa von Nicaragua.
Typhlina Ludekirigi Bleeker Nat. Tjidschr. Ned. Indie XXL p.297
von Sumatra,
Jan hat in unserem Archiv 1860. L p, 69 eine Eidechse unter
dem Namen Tetrapedos Smithii beschiieben. J. E. Gray erklärt
sie Annais nat. bist. VL p. 454 für identisch mit seiner Evesia mono-
dactyla und mit Evesia Bellii Dum. Bihr.
124 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Ilerpetologie
Ophidia,
Von Jan's bereits früher verkündigter Iconographie
generale des Ophidiens ist im Dccember 1860 die erste
Lieferung erschienen, welche zwar noch keinen Text, wohl
aber sechs Tafeln mit Abbildungen bringt. Auf Taf. I ist
Herpeton tentaculatum abgebildet, auf Taf. II Acrantophis
Dumerili , auf Taf. III Salvadora Grahami und Bairdi, auf
Taf. IV Acrochordus javanicus, auf den Tafeln V und VI
Details von Arten der Gattungen Anomalepis , Typhlops,
Idiotyphlops , Cephalolepis und Stenostoma. Diese Liefe-
rung ist also gleichsam als eine Probe von der Ausführung
der Abbildungen zu betrachten , und ich kann unparteiisch
nichts anderes, als die Abbildungen der ganzen Thiere vor-
trefflich zu finden. Freilich bin ich auf nicht wenige Fehler
und Ungenauigkeiten in den Detailzeichnungen aufmerksam
gemacht, und habe mich überzeugt, dass diese Ausstellung
begründet ist. Da sich jedoch erwarten lässt, dass der
Verf. darauf aufmerksam gemacht, dergleichen künftig ver-
meiden wird , so kann ich nur dem Unternehmen glückli-
chen Fortgang wünschen. Zu bedauern wird es immer sein,
dass das Werk nur die Arten bieten wird, welche der Verf.
bei sich zu Hause untersuchen konnte.
Reinhardt hat eine grosse Anzahl Schlangen in
Beziehung auf gewisse kleine Gruben an den Schuppen un-
tersucht. Einem Theil der Schlangen fehlen solche Gru-
ben gänzlich, ein anderer Theil besitzt eine, noch ein an-
derer Theil zwei solche Gruben an jeder Schuppe. Diese
Abhandlung, welche in Videnskabelige Meddelelser fra den
naturh. Forening i Kjöbenhavn for 1860 erschien , ist in
unserem Archive 1861. p. 127 in der Uebersetzung mit-
getheilt.
Opel hat in Denkschriften der naturw. Gesellschaft
Isis zu Dresden 1860. p. 29 — 44 Beiträge zur Kenntniss der
Coronella austriaca Laur. niedergelegt. Sie enthalten eine
anatomische und sonstige Beschreibung des Thieres und
bringen gar manches über die Lebensweise bei. Nament-
lich schildert Verf. wie diese Schlange ihre Beute nach
während des Jahres 1860. 125
Art der Riesenschlangen umschlingt und erwürgt; sie nährt
sich von Blindschleichen und Lacerten.
Ebenda p. 45 — 51 schildert Ma tt he s die Lebensweise
von Scotophis Lindheimeri und alleghaniensis , die ausser
kleinen Säugethieren auch Hühnereier verschlucken , die
sie erst im Magen zerdrücken.
Derselbe hat auch Heterodon platyrhinus lebend
beobachtet und beschreibt namentlich die Fähigkeil den
Körper ganz dünn und breit zu machen , so dass er einem
bunten Bande gleicht. Ib. p. 59 — 62.
Voigtländer fügt einige anatomische Notizen über
den Skeletbau der genannten Schlangen hinzu. Ib. p. 63 —
66. Einige Schlangenschädel sind abgebildet.
Kehlberg behauptet, dass die Schlangen nach jedem
Erdbeben ihre Höhlen verlassen und lange Zeit herumirren,
als fürchteten sie sich in ihre Löcher zurückzukehren,
wodurch sie dann sehr häufig gesehen würden. Bull, de
Moscou XXXIIL p. 306.
Andeer erzählt einen eigenthümlichen Fall, wo ein
Kind sich an dem frisch abgeschlagenen Kopfe einer Viper
verwundete und den Folgen erlag. Jahresbericht der na-
turf. Gesellsch. Graubündens V. p. 108.
Typhlina. Jan machte in diesem Archiv p. 1 Bemerkungen
über die Typhlopiden.
Indem Peters eine neue Art Onychocephalus macrurus von
Tette aufstellte , bringt er die Arten dieser Gattung in eine schema-
tische Uebersicht. Es werden deren 19 unterschieden. Monatsbe-
richte der Berl. Akad. 1860. p. 77.
Typhlops (HelminthophisJ frontalis ?elersBer].Mon&isber. p. 517
aus Costa-Rica.
Pilidion dimidiatum Bleeker Nat. Tijdschr. Ned. Indie XXI.
p. 287 von Sumatra.
Ophthalmidium tenue Hallowell Proc. Philad. p. 497 von Japan.
Peropoda. Notizen zur Anatomie der Boa constrictor,
welche in einer Menagerie in Stuttgart gestorben war, lie-
ferte Hering Jahreshefte des Vereins in Württemberg XV L
p. 103.
Boa aMīra/ts Montrousier Revue et Mag. de Zoologie XII. p. 95
von Neu-Caledonieu.
126 Troschcl: Bericht üb. d. Leist. in d. Hcrpetologie
In ü^A»Familie Boidae stellte Gray eine neue Gattung Chry-
senis auf, die Epicrates in den Schnauzenschildern gleicht, aber
sich durch die Deutlichkeit und Gestalt der Gruben an den Lippen-
schildern unterscheidet. Ch. Batesii vom oberen Amazon. Proc. zool,
soc. p. 132 ; Annais nat. bist. VI. p. 131.
Peters gründete in derselben Familie eine neue Gattung Tr a~
chyboa mit stark gekielten Schuppen, Kopf mit kleinen Schuppen,
Nasenlöcher in einem einfachen Schilde, zwei Inlernasalschildern und
zwischen diesen und dem Munde zwei Reihen kleiner Schildchen;
sehr entwickelte Submentalschilder. T. guJaris von Guayaquil. Berl.
Monatsber. 1860. p. 200.
Aglyphodonta. C o p e stellte an neuen Amerikanischen Schlan-
gen , Proc. Philadelphia p. 339 auf: Chilomeniscus stramineus
von Californien, neues Genus der Calamarienfamilie , das mit Steno-
rhina durch die Vereinigung der Nasal- und Praefrontal-Schilder ver-
wandt ist, Tropidoclonion Kirtlandii (Regina Kirtlandii Kenn. 1856),
Tropidonotus nstus Florida, celaeno , tephropleura , haematois, Lyco-
don hjvophanes die vier letzten aus Californien.
Ebenda p. 369 stellte Cope an neuen Schlangen auf: Tropido-
notus compsolaemus ohne Vaterlandsangabe , Thamnophis scalaris aus
Mexiko, Arizona Jani aus Mexiko , Dromicus temporalis von Cuba,
Am a s Iridium veliferum aus Keu-Granada , neue Gattung, die sich
von Coronella durch den kurzen deprimirten, winkligen Kopf und
den Mangel des Zügelschildes unterscheidet, und Scolecophis fumiceps
von Cuba.
Kennicott beschrieb folgende neue Nordamerikanische Schlan-
gen aus dem Museum der Smithsonian Institution. Proc. Philadelphia
p. 329 : Tantilla nigrescens Mexiko; Diadophis texensis Texas; Lam~
propeltis multistrata (vergl. auch p. 566) Nebraska, annulata Mexiko,
Scotophis obsoletus (Coluber obs. Say) ; Eutaenia megalops Tucson
und St. Magdalena, macrostemma Mexiko, Hammondi San Diego, an-
gustirostris Mexiko, cryptopsis Mexiko; Regiria valida Mexiko; A^e-
rodia Couchii San Diego, New -Leon, compressicauda Florida; Hete-
rodon Kennerlyi Rio grande.
Hai low eil hat als neue Arten von Japan beschrieben: Ela-
phis bilineatuS) Leptophidium dorsale, L epidocephalus fascia-
tus und Proterodon tessellatus. Die neuen Gattungen gehören zu
den Aglyphodonten , ohne Angabe der Familie. Proc. Philadelphia
p. 497. — Desgleichen ib. p. 503 von China: Herpetodryas chloriSf
Leptophis trifrenatiis und Amphiesma ßavipunctahim.
Megalops maculatus von Tahiti und Aepide a rohiista von
der Gaspar-Strasse sind, zwei neue Schlangen von H alleweil Proc.
Philadelphia p. 488. Von letzterer ist die Familie, in welche sie ge-
während des Jahres 1860. 127
holt, nicht angegehen , von ersterer konnte sie vom Verf. nicht be-
stimmt werden , weil der letzte Zahn des Oberkiefers zerstört war.
Ueberdies ist der Name iMegalops längst bei den Fischen vergeben.
So wird dem Leser gar zu viel zu rathcn überlassen.
Cope veröffentlichte ein Verzeichniss der im Museum der Aka-
demie zu Philadelphia vorhandenen Calamaiinen. Pioc. Philadelphia
1860. p. 74. Unter ihnen sind neu: Aspidura trachyprocla von Cey-
lon, Tantilla reticulata von Neu-Granada. Die Gattung Alicrops Ilal-
lowell wird in Tropidoclonion umgetauft u. s. w. Im Ganzen werden
II Genera mit 18 Arten in 54 Exemplaren verzeichnet.
Von Nicaragua beschrieb Hallo well aus der Calamarien-Fa-
milie eine neue Gattung Lio ninia, die sich durch die zwischen
zwei Platten gelegenen IVasenlocher , so wie glatte Schuppen und
zweireihige Schwanzschilder unterscheidet. L. vermiformis. Proc.
Philadelphia p. 484. Ferner zwei neue Arten Coniophanes ßssidens
und Elaps melanocephalus.
Bleeker charakterisirte die 14 Calamarien seiner Sammlung
und brachte sie zurjeichteren Uebersicht in ein Schema. IVat. Tijdschr.
Ned. Indie XXI. p. 292. Von diesen Arten ist nur eine bei Dume-
ril und Bibron beschrieben, alle anderen sind von Bleeker als
neu aufgestellt. Sie heissen : C. agamensis , Dumerili, sinkawangen-
sis, leitcogaster, RebetUischi , monochrous , Roelandti, macnirus, mar-
garitophora, dimidiata, melanorhynchos, Alheni und borneensis.
Reinhardt beschrieb Vidensk. Meddelelser nat. Foren.
Kjöbenhaven 1860. einige zur Calamarien - Familie gehörige neue
Schlangen, nämlich 1. eine neue Gattung Ur obelu s corpus teretiu-
sculum , undique aequali fere crassitie ; cauda perbrevis , valida, in
squamam conicam mucronatam exiens; caput indistinctum, rostro ob-
tuso ; dentes duo laeves in anteriore maxillae parte diastemate a dente
postico sulcato , elongato antrorsumque curvato seiuncli; oculi late-
rales minimi ; nares in sutura duorum scutellorum ; sculellorum la-
bialium superiorum primum scutella internasalia attingens ; scutum
loreum nullum ; squamae laevissimae, per 15 series dispositae ; scuta
subcaudalia divisa. U. acanthias -Guinea. — 2. Elapomorphus assi-
milis und lepidus aus der Provinz Minas geraes. — 3. Chersodro-
mus n. gen. Streplophoro simillimus , diversus ab eo : scuto prae-
frontali unico , scutis ocularibus posticis nulüs vel potius cum scuto
superciliari coalitis scutoque labiali medio scuta mentalia attingente ;
squamis carinatis per 17 series dispositis. Ch. Liebmanni und ni-
gricans aus Mexiko.
Elapomorphus reticulatus Peters Berl. Monatsber. p. 518 von
Brasilien.
Uroechis microlepidotus Günther Annais nat. bist. V. p. 168. p.IX
128 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Ilerpetologie
slamnit nicht von Port Elisabeth in der Algoa-Bai, sondern wie spä-
ter p. 342 berichtigt wird, von Port Natal.
Ein Verzeichniss der Colubriden in dem Museum der Akademie
zu Philadelphia gieblCope Proc. Philadelphia p. 241 und 553.
Aus der Abtheilung Coronellinae sind es 62 Arten in 25 Gat-
tungen. Darunter sind neu: Fariaspis plumbeatra (p. 566 ist die
Gattung als identisch mit Elapops Gthr. erkannt) von Liberia, Steno-
rhina Kennicottiana von Panama, Gy alopion canum von Arizona,
Rhinosloma Günthcri von Venezuela, Ccmophora coccinea (Simotes
coccineus Dum. Bibr.), Si7notes phaenochalinus und aphanospilus von
den Philippinen, Hyp s igle na ochrorhynchus Californien, chloraphaea
Arizona, Tachymenis hypoconia von Buenos Ayres , Coniophanes pun-
ctigularis von Honduras , proterops aus Mexiko , Taeniophis vermicu-
laticeps Neu-Granada , Diadophis dysopes woher?, Liophis breviceps
von Surinam, Pliocercus elapoides aus Mexiko, Lampropeltis an-
nulata aus Texas, micropholis von Panama, polyzona aus Mexiko, Ery-
throlamprus albostolatus von Rio-Janeiro, Oxyropus melanocrotaphus
(p. 566 als identisch mit Crotaphopeltis rufescens Fitz, erkannt). —
Aus der Gruppe Lycodontinae besitzt die Anstalt 7 Arten in 5 Gat-
tungen, worunter neu: Eumesodon semicarinatus von Loo-Choo,
zu welcher Gattung auch Coronella striata Hallowell gezählt wird. —
Aus der Gruppe Dipsadinae 10 Arten in 5 Gattungen , wovon keine
neu. — Die (iruppe Psammophidinae enthält 7 Arten ; Dryophidinae 6,
unter denen Dryophis breviroslris von Neu-Granada neu ; die Gruppe
AhaetuUinae 10 Arten, von denen neu: Philothamnus depressiroslris
von Keu-Granada, die Gruppe Colubrinae 35, worunter neu: Prym-
nomiodon chalceus von Siam, Philodryas crassifrons von Cayenne,
Herpetodryas sebastus, Elaphis taeniurus von Siam. Eine neue Gal-
tung Zaocys wird auf Coryphodon carinatus Gthr. gegründet, die
sich durch 2 dorsale Schuppenreihen in Quincunx gestellte Schup-
pen und 2 Präocularschilder auszeichnet.
Sonst wurden an neuen Arten aus der Abtheilung der Aglypho-
donten beschrieben :
Coryphodon rhombifer Günther Proc. zool. soc. p. 236 von Es-
nieraldas.
Günther sieht die Gattung Meizodon Fischer nur als ein Sub-
genus von Coronella an , 'und beschreibt ausser M. regularis Fischer
zwei dahin gehörige neue Arten : bitorquata vom Senegal und Dumerilii
von Sierra- Leone. Von allen dreien sind die Köpfe in Holzschnitt
abgebildet. Proc. zool. soc. p. 427.
Eurypholis semicarinatus Hallowell Proc. Philadelphia p. 493
von Loo-Choo , eine neue Gattung der Aglyphodonten, von der die
Familie nicht bezeichnet ist; verglichen wird die Art mit Leptophis.
während des Jahres 1860. 129
Herpetodryas hiserialis Günther Proc. zool. soc. p. 97; Annais
nat. hist. VI, p. 78 von den Galapagos-Inseln,
Spilotes Hodgsonii Günther Proc. zool. soc. p. 156. pl. 27 von
Tibet 15200' über dem Meere.
Elaphis sumalranus Bleeker Nat. Tijdschr. Ned. Indie XXI. p. 297.
Ablabes Rappii und Owenii Günther Proc. zool. soc. p. 154 von
Sikkim. Erstere ist pl. 26. fig. B abgebildet.
ElapochrusV&ievs n. gen. gehört dem Zahnbaue nach in die
Abtheilung der Diacranlheria , unter denen sie sich durch die glatten
Schuppen und die Länge des Schwanzes Dromicus annähert, sich
aber von dieser Gattung durch die platte , kurze Gestalt des Kopfes
unterscheiden soll. E. Deppei aus Mexiko. Berl. Monatsber; p. 293.
Aus Heterodon rhinostoma bildet Peters Berl. Monatsber. p. 520
eine neue Gattung S im ophis , und nennt die Art S. Rhinostoma.
OpisthOglypha. Herpetoreas ist eine neue Gattung von
Günther Free. zool. soc. p. 156 in der Familie Dryadidae: der hin-
tere Oberkieferzahn der längste in ununterbrochener Reihe mit den
vorderen; Körper und Schwanz dünn, comprimirt; 2 Nasenschilder)
1 Zügelschild, ein vorderes und zwei hintere Augenschilder; Schup-
pen massig verlängert, gekielt, in 19 Reihen; Augen von massiger
Grösse. H. Sieboldii vom Himalaya 7500' üb. d. M.
Günther gründete auf Psammophis Perroteti Dum. Bibr., die
identisch mit seiner Dryophis tropidococcyx ist, eine eigene Gattung
in der Familie Dryophidae unter dem Namen Tropidococcyx, de-
ren Hauptcharakter in den gekielten Schuppen der Coccygealgegend
liegt. Annais nat. hist. VI. p. 428.
Homalocranion laticeps Günther Proc. zool. soc. p. 240 ; An-
nais nat. hist. VI. p. 149 von Carthagena.
Leplodeira lorqvata Günther Annais nat. hist. V. p. 169. pl. x. A.
Vergl. hierzu eine Bemerkung von Peters Berliner Monatsber. p. 521.
— JL. discolor Günther Proc. zool. soc. p. 317; Annais nat. hist. VI.
p. 442 aus Mexiko.
Tropidodipsas Itinulala Cope Proc. Philadelphia p. 517 von
Honduras.
Eine neue Gattung Co n ophis Peters Berl. Monatsber. p.519,
deren Hauplcharaktere in dem die kegelförmige Schnauze umgeben-
den Rostralschilde , und in den von vorn nach hinten allmählich an
Länge zunehmenden Oberkieferzähnen bestehen, hinter denen ein lan-
ger gefurchter Zahn steht, ist nach der systematischen Stellung vom
Verf. nicht näher bezeichnet. C. vit latus vom Missisippi.
ProterOglypha. in einem Supplemente zu dem Cataloge der
Giftschlangen in dem Museum der Akademie zu Philadelphia (vergl.
der vor. Bericht p. 275) stellte Cope Proc. Philadelphia 1860- p. 72
Elaps melanogenys und isozonus als neue Arten auf, deren Vaterland
Arch. für Naturg. XXVII. Jahrg. 2. Bd. l
136 Troschel: Bericht üb. d. Lcisl. in d. Ilerpelologie
nicht näher bezeichnet wird , und fügt eine Tabelle zur Bestimmung
der Elaps-Arten hinzu.
Gegen Günther's Elaps univirgatus Catalogue brit.Mus. p. 231
nimmt Reinhardt die Priorität in Anspruch, indem er sie bereits
1844 im Calcutta Journal nat. bist. Bd. 4 Elaps Mc Clellandii ge-
nannt habe. Vidensk. Meddelelser naturh. Foren, i Kjöbenhavn 18G0.
Elaps euryxanthus und distans Kennicott Proc. Philadelphia p. 337.
Matthes untersuchte das Gebiss von 4 uordamerikanischen
Arten der Gattung Elaps. Er fand, dass ein wirklicher Giftzahn vor-
handen ist, der unbeweglich ist, und dass die Nahrung vorzugsweise
aus Keptilien besteht. Denkschr. der naturw. Gesellsch. Isis. 1860.
p. 52—59.
SoldnOglyphd. Bothrops flavomridis Hallo well Proc. Philadel-
phia p. 493 von Loo-Choo.
Thamnocenc hri s Salvin nov. gen. Proc. zool. soc. p. 459.
Eine Grube an jeder Seite des Gesichtes; hinterer Theil des Körpers
und der Schwanz comprimirt, letzterer in eine Mornspitze endigend ;
Subcaudalschilder einreihig; Schwauz ein Greifschwanz; Kopf wink-
lig , vorn mit unregelmässigen Schildern bedeckt , und hinten mit
kleinen gekielten Schuppen ; keine kleinen Schuppen zwischen dem
Superciliarschilde und der Augenhöhle; das zweite obere Lippen-
schiid bildet den Vorderrand der Gesichtsgrube. Th. aurifer pl. 32.
flg. 1 von Coban, Vera-Paz.
Batrachia.
Ränä6. Rana Liebigii Günther Proc. zool. soc. p. 157. pl. 28.
Fig. A. von Sikkim. — R. marmorala und nigromaculata Hallowell
Proc. Philadelphia p. 500 von Japan. — R. trivittata, nehulosa und
mullistriata Hallowell ib. p.504 von China.
Hyperolius fulvovittatus Cope Proc. Philadelphia p. 517 von
Liberia.
Liuperus biligonigerus Cope Proc. Philadelphia p. 517 von
Buenos Ayres.
Cystignathus melanonoltis Hallowell Proc. Philadelphia p. 485
von Nicaragua.
In der Familie der Wasserfrösche gründete Günther Proc.
zool. soc. p. 158 eine neue Gattung Dicr oglossus : Finger frei,
Zehen breit gehäutet; Zunge etwas verlängert, hinten tief einge-
schnitten; keine Vomerzähne; eustachische Röhren massig, Paukenfell
undeutlich; äussere und seitliche Stimmsäcke beim Männchen. D.
Adolß pl. 28. flg. B vom Himalaya 2400— 4200' üb. d. Meere.
HylaO. Hyla holochlora Salvin Proc. zool. soc. p. 460. pl. 32
während des Jahres 18G0. 131
flg. 2 von Cohan in Guatemala. — H. grisea Ilallowell Proc. Phila-
delphia p. 485 von Nicaragua.
Phyllobates tritncatus Cope Proc. Philadelphia p. 372 von Neu-
Granada.
Polypcdates viridis Hallowell Proc. Philadelphia p. 500 von
Loo-Choo. — F. megacephalus Hallovvell ib. p. 507 von Hong-Kong-
/iPrt/j/s jrtpomctts Hallowell Proc. Philadelphia p. 501 von Japan.
BufOUGS. Eine neue Gattung Adenomus sieht Cope als den
Typus einer neuen Faniilie an , die er Adenomidae nennt. Die Gat-
tung ist hylaförmig , hat einen breiten , kurzen Kopf, die Parotiden
über der Schulter sind lang und schmal, die Haut rauh, keine Zähne,
Zunge länglich, oval, vorn fast cylindrisdi, hinten ganz und etwa ys
der Länge frei, Trommelfell undeutlich, Finger mit sehr schwachen
Schwimmhäuten und massigen Endscheiben ; ein Kehlsack. A. hadio-
flavus von Ceylon. Die Familie ist charakterisirt als „Opisthoglossa
platydactyla" ohne Kieferzähne , mit vollkommen entwickeltem Ohr,
Parotidendrüsen , erweiterten Fortsätzen der Heiligenwirbel und
Schwimmfüssen."
Stricker publicirte einen Auszug aus einer für die Denk-
schriften bestimmten Abhandlung, Entwickelungsgeschichte von ßufo
cinereus bis zum Erscheinen der äusseren Kiemen, in den Wiener
Sitzungsber. 39. p. 472—478.
Bufo melanogaster Hallowell Proc. Philadelphia p. 486 von Ni-
caragua. — B. griseus Hallowell ib. p. 506 von Hong-Kong.
Engystoma pulchrum Hallowell Proc. Philadelphia p. 506 von
Hong-Kong.
ürodela. Crisp hat die Blutkügelchen von Sieboldia maxima
untersucht. Proc. zool. soc. p. 203.
Aus der Abtheilung der geschwänzten Batrachier hat C o p e
Spelerpes ßellii Gray und Geotriton carbonarius (Bolitoglossa mexi-
cana D. B.) besprochen. Proc. Philadelphia p. 372.
Bericht über die Leistuiigeu in der Ichthyologie
während des Jahres 1800.
Von
Troschel.
Die Wichtigkeit der Flossen der Fische für die Clas-
sification hat Kner veranlasst gründliche Untersuchungen
über den Flossenbau anzustellen , und sie in einer Reihe
von Aufsätzen in den Wiener Sitzungsberichten zu ver-
öffentlichen. In unseren gegenwärtigen Bericht gehört nur
die erste dieser Abhandlungen, welche Bd. 41. p. 807— 824
erschien.
Verf. unterscheidet strahlenlosc oder Hautflossen, faserslrahlige
Flossen (Tilopteri) und wahre Strahlenflossen. Die Strahlen der letz-
teren können einfach sein (Anarthropteri oder Haplopteri) oder ge-
gliedert (Arthropteri); beide können ungetheilt oder getheilt , beide
können biegsam oder steif, slachelähnlich sein, ünbiegsame Glie-
derstrahlen werden Pseudacanthi , wahre Stacheln Aculei genannt.
Letztere sind hohl und bestehen entweder aus zwei symmetrischen
(Homacanthi) oder ungleichen Hälften Heteracanthi u. s. w. Zu die-
sen Verschiedenheiten tritt nun noch die Combination der verschie-
denartigen Strahlen bei den verschiedenen Fischen. — Verf. geht
nun zu dem speciellen Theile über und bespricht die Cyclostomi,
Plagiostomi, Ganoidei, Lophobranchii und Plectognathi. — Sehr plau-
sibel erscheint die Deutung von den Fähnchenlrägern der Rücken-
flosse bei Polypterus als umgebildete Schilder der Medianlinie des
Rückens , wodurch die Vielflossigkeit ohne Zwang erklärt wird. —
Sehr abweichend von den Flossen der Lophobranchier verhält sich
die Gattung Pegasus, die Verf. von ihnen auszuscheiden geneigt ist.
Steenstrup machte auf eine Verschiedenheit zwi-
schen den Schuppen der Knochenfische und Knorpelfische
Troschel: Bericht üb. d. I.eist. in d. Ichthyologie etc. 133
Rufmerksam. Während bei ersteren, sie mögen Cycloid-,
Ctenoid- oder Ganoidschiippen sein, die Schuppen das
ganze Leben des Fisches hindurch bleiben, und mit dem
Fische wachsen , ist es bei den Placoidschuppen der Knor-
pelfische anders. Diese wachsen nicht mit dem Fische,
sondern erlangen nur eine begrenzte Grösse, und haben
nur eine begrenzte Dauer , indem sie immer durch neue
Lagen ersetzt werden, die an ihre Stelle treten. Forhand-
linger skandinaviske Naturforskeres i Kjöbenhavn. 1860.
p. 679.
Als Gratulationsschrift der Universität Würzburg zum
400jährigen Jubiläum der Universität Basel hat Kölliker
eine Abhandlung über das Ende der Wirbelsäule der Ga-
noiden und einiger Teleostier verfasst. Verf. schliesst sich
der Ansicht Huxley's an, dass bei allen Knochenfischen
die Wirbelsäule nicht mit einem vollständigen Wirbel en-
det (was He ekel für seine Wirbelschwänze annimmt), son-
dern dass alle Fische ein unvollkommenes, weiches oder ver-
knöchertes Ende der Wirbelsäule besitzen. Er giebt
schliesslich eine Uebersicht des in Bezug auf das Ende der
Wirbelsäule Bekannten in Form einer vorläufigen Ein-
theilung.
Kölliker schrieb über die grosse Verbreitung der
„pcrforating fibres" von Sharpey , und wies sie namentlich
in den Knochen der Fische nach. Würzburger naturw.
Zeitschr. L p. 306— 316.
Hyrtl hat nicht selten Wirbelsynostosen bei Fischen
beobachtet, und vorläufig darüber berichtet. Die Abhand-
lung selbst ist für die Denkschriften der Akademie bestimmt.
Sitzungsber. der Wiener Akad. 40. p. 273.
Max Schnitze hielt in der niederrheinischen Ge-
sellscliaft für Natur- und Heilkunde einen Vortrag über
den feineren Bau der electrischen Organe der Fische, und
wies namentlich nach , dass die Nerven bei Malapterurus
zwar wie bei Gymnotus von der Schwanzseite her an die
electrischen Platten herantreten, dann aber durch ein Loch
derselben hindurchtreten und nun von der entgegengesetz-
ten Seite her mit der Platte verschmelzen. Verhandl. des
134 Troschcl: Bericht üb. d. Lcist. in d. Ichthyologie
naturh. Vereines der preuss. Rheinlande und Westphalens
XVII. Sitzungsberichte p. 15.
Von Hoffmann erhielten wir: Beiträge zur Anato-
mie und Physiologie des Nervus vagus bei Fischen, nebst
einer Tafel Abbildungen. Giessen 1860.
Von Comstock ündet sich eine Abhandlung über
Fischzucht in Report of the Commissioner of patents for
the year 1859. Agriculture. Washington 1860. p. 217.
Einen ausführlichen Bericht über Fischkultur in Finn-
land erstattete Holniberg Bull, de Moscou XXXIII. p. 321
— 449. Darin wird auch über die Ursachen der Abnahme
des Fischreichthums in den ünnischen Seen gehandelt und
am Schlüsse eine Tabelle über die Laichzeit der haupt-
sächlichsten Fische Finnlands mitgetheilt.
Jameson berichtet von dem in Folge des Genusses
eines kleinen Theiles der Leber eines Diodon in den Mee-
ren von Süd-Afrika erfolgten Tode zweier Männer. Journ.
Proc. Linnean Soc. V. p. 213.
Kner erstattete der Wiener Akademie Bericht über
die ichthyologische Ausbeute während der Reise der Fre-
gatte Novara. Danach scheint doch manches Neue und In-
teressante auch aus dieser Thierklasse heimgebracht zu
sein, dessen Publication zu erwarten steht. Wiener Sitzungs-
ber. 40. p. 423.
Die Abschnitte aus Ni 1 s s o n's Skandinavisk Fauna 4de
delen. Lund J855 „über Aufenthalt, Lebensweise und Fort-
pflanzung des Herings", über „Aufenthalt, Lebensweise, Nah-
rung und Forlpflanzung des Süsswasser - Aales (Muraena
Anguilla Linn.)" und „über die Gattung Coregonus Art."
hat Creplin übersetzt und in der Zeitschr. für d. gesamm-
ten Naturwissenschaften XVL p. 1 abdrucken lassen.
Malm bereicherte die scandinavische Fischfauna um
3 Arten: Scomber grexMitch., Scopelus Kroyeri und Aci-
penser sturioides , von denen die beiden letzten zugleich
neue Arten sind. Forhandlinger ved de skandinaviske na-
turforskeres ottende möde i Kiöbenhavn 1860 p. 616.
Jouan schrieb über die bei Cherbourg beobachteten
Fische und zählte 75 Artoii auf, wodurch er eine frühere
während des Jahres 1860. 135
Arbeit von Sivard de Beaiilieu über denselben Ge-
genstand ergänzt. Memoires de la soc. de Cherbourg VII.
p. 116—147.
Ebenda berichtet derselbe, dass an der Küste von
Cherbourg im Jahre 1859 wenig Fische und Crnstaceen
gefangen wurden, was die Fischer mit dem auffallenden Ue-
berflusse von Cephalopoden in Zusammenhang bringen woll-
ten. Mem. de la soc. de Cherbourg VII. p. 371.
Do um et lieferte einen „Catalog der bei Cette ge-
sammelten oder beobachteten Fische, begleitet von erklä-
renden Bemerkungen und einigen Ideen über die marine
Fischzucht.« Revue et mag. de zool. XII. p. 299, 355, 405,
444, 494, 521. Die aufgezählten 231 Arten sind nach dem
Cuvier'schen Systeme geordnet. Sie gehören 28 Familien
und 106 Gattungen an. Neue Arten sind nicht beschrieben,
obgleich ein Dutzend Arten nicht specifisch bestimmt sind
und also die Vermuthung nahe liegt, dass Verf. sie vor-
läufig für neu halte. Bei allen sind die landesüblichen Na-
men beigefügt. Verf. klagt über die Abnahme der Fisch-
menge in dem Meere von Cette und die erhöhten Preise.
Er schiebt dies wohl mit Recht auf zwei Umstände: die
Erleichterung des Transportes der Fische durch die Eisen-
bahnen und die Art, wie der Fischfang betrieben wird. Als
hauptsächliches Mittel dem Uebelstande abzuhelfen schlägt
er künstliche Fischzucht vor, und hält dafür die zahlrei-
chen Lagunen an der Küste des Meerbusens von Lion für
vorzüglich geeignet.
Von der Arbeit über die Fische Böhmens von F ritsch
vergl. den vor. Ber. p. 285 erschien auch eine Böhmische
Ausgabe Prag 1859 mit Holzschnitten, deren Text ich frei-
lich nicht zu lesen im Stande bin.
Nach der Schilderung Frauenfeld's, Verhandl. d.
zool. -bot. Gesellsch. in Wien X. p. 82, ist die False-Bay
am Cap unerschöpflich reich an Fischen, die in Pöckel-
nnd Trockenanslalten für den Handel conservirt werden.
Den Hauptfang bildet Thersytes atun ; Tetraodon Honkenyi
ist giftig. Süsswasserfische sind wenig vorhanden.
Over eenige Vischsoorten van de kaap de goedehoop.
13G T rose hei: Bericht üb. d. Leist. in d. Ichthyologie
Natuurk. Tjidschr. voor Nederlandsch Indie XXI. p. 49 von
Bleeker ist hier zu erwähnen. Die Fischfauna des Vor-
gebirges der guten Hoffnung ist hiernach sehr arm an Ar-
ten. Die von dort bekannten Arten belaufen sich auf 163.
Nur wenige Arten des Indischen Oceans kommen auch am
Cap vor. Die meisten Cap'schen Seefische sind atlantische
Formen , und mehrere derselben kommen auch im Mittel-
meere vor. Eine Sammlung des Grafen v. Ca stein au
gab dem Verfasser Gelegenheit zu dieser Mittheilung , in
welcher er Bemerkungen über viele Arten macht , auch
einige neue und eine neue Gattung beschreibt.
Von BLeeker erschienen im Jahre 1860 folgende
Abhandlungen in Quarto, also wohl in der Acta Societ. Reg.
scient. ind. neerland :
1) Negende Bijdrage tot de kennis der Vischfauna van
Sumatra (Visschen uit de Lematang-enim en van Benkoe-
len). Verf. erhielt 57 Arten von Lahat und 22 von Ben-
koelen, wodurch nunmehr 814 Fische von Sumatra bekannt
sind. Fünf Mugiloiden sind hier ausführlich beschrieben;
ebenso zwei neue, unten verzeichnete Arten.
2) Dertiende Bijdrage tot de kennis der Vischfauna
van Celebes (Visschen van Bonthain , Badjoa, Sindjai, La-
goesi und Pompenoea. Der Feldzug gegen das Reich von
Boni hat Veranlassung und Gelegenheit zu einigen Fisch-
sammlungen gegeben, die dem Verf. von mehreren Officie-
ren zugesandt wurden. Die Zahl der von Celebes bekann-
ten Fische ist dadurch auf 760 gestiegen. Die fünf neuen
Arten sind unten namhaft gemacht. Am reichsten vertre-
ten sind die Percoiden mit 122 Arten, dann folgen die La-
broiden mit 60, die Gobioiden mit 40, die Pomacentroiden
mit 39, die Chaetodontoiden mit 29 Arten u. s.w.
3) Zesde Bijdrage tot de kennis der Vischfauna van
Japan. Während in der berühmten Fauna japonica nur 358
japanische Fische , aufgezählt sind , verzeichnet Verf. hier
deren 461. Er erhielt eine Sammlung aus den süssen Ge-
wässern von Jedo , unter denen 6 neue Arten und eine
Sendung von Nagasaki. Anhangsweise führt Verf. an, dass
durch die Arbeit Gill's (vcrgl. den vorigen Bericht p. 290
uährciifl des Jahres 1860. 137
zehn Arten von Japan erwähnt werden , durch welche sich
die ganze Zahl auf 471 erhöht. Die neuen Arten s. unten.
Dann erschien auch vonBleeker ein Index specie-
rum piscium in Voll. 21 — 26 actorum societatis artium et
scientiarum bataviensis descriptarum , adiectis citationibus
ubi descriptiones Bleekerianae recentiores emendatacque
reperiunlur. Dieser Index enthält 906 Arten.
Aus der Natuurkundig Tijdschrift voor Nederlandsch
Indie sind ferner an ichthyologischen Abhandlungen von
Bleeker zu erwähnen:
Derde Bijdrage tot de kennis der Vischfauna van Sin-
gapoera. 125 vom Grafen v. Gaste In au gesammelte Ar-
ten bringen die Gesammtzahl der von Singapoera bekann-
ten Fische auf 362. Einige neue Arten sind durch latei-
nische Diagnosen gekennzeichnet, jedoch meist nicht nach
Exemplaren, sondern nach den C as tel na u'schen Zeich-
nungen.
Vijfde Bijdrage tot de kennis der Vischfauna van Ti-
mor (Vischsoorten van Atapoepoe).
Zesde Bijdrage tot de kennis der Vischfauna van Timor.
Durch die beiden Beiträge kennt Verf. nun 225 Arten von
Timor, die sämmtlich mit ihren Citaten verzeichnet sind.
Drei neue Arten sind beschrieben.
Zesde Bijdrage tot de kennis der Vischfauna van Ce-
ram. Verf. erhielt durch Herrn v. Rosenberg einige
Fische aus der Roewata , welche die östliche Halbinsel
von Ceram durchfliesst und sich in die Bai von Elpapoeti
ergiesst. Durch den Mangel der Cyprinoiden und Siluroi-
den wird Verf. in der Ansicht bestärkt, dass diese beiden
Familien östlich von Borneo in den Flüssen nicht mehr
vorkommen und in den süssen Gewässern der Molukken
gänzlich fehlen. Sämmtliche 215 von Ceram bekannte Ar-
ten sind mit den Citaten verzeichnet. Eine neue Dalnia ist
beschrieben.
Vierde Bijdrage tot de kennis der Vischfauna van
Bali. Die Zahl der bekannten Arien wuchs durch eine
neue Sendung von Süsswasserfischen auf 198, darunter ein
neuer Gobius.
138 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d- Ichthyologie
Tweedc ßijdrage tot de kennis der Vischfauna van
Bawean. Von dort kennt Verf. nunmehr 152 Arten.
Tiende Bijdrage tot de kennis der Vischfauna van
Banka Nat. Tijdschr. Ned. Indie XXI. p. 134. Hiernach
besteht die Fauna von Banka aus 319 Arten. Eine neue Art.
Von Fischen , welche bei den Marquesas-lnseln vor-
kommen giebt Jardin Memoires de la soc. imp. de Cher-
bourg VI. p. 174 ein Verzeichniss von 51, sehr unvollstän-
dig- bestimmten Arten, nebst Bemerkungen dazu.
Nach V. Frauen fei d's Bericht in den Wiener Sit-
zungsber. Bd. 38. p. 736 sind die Flüsse auf Neuseeland
nicht sehr fischreich , obwohl einige Seefische Sebastes,
Mugil und Bhombus in denselben hoch hinauf streichen.
Einige Gobioiden und Aale finden sich überall in den dor-
tigen Gewässern.
Einen Bericht über Beports of Explorations and Sur-
veys to ascertain ct. Fishes by Girard (vergl. vor. Be-
richt p. 290) findet sich in Silliman American Journal XXX.
p.277.
Gill machte Proc. Philadelphia 1860. p. 19 einige Bemerkun-
gen über die Komenclatur nordamerikanischer Fische, die sich be-
sonders auf die Genus- IVamen beziehen. So ändert er unter andern
Dekay's Palinurus in Palinurichthys um, weil derselbe schon bei
den Cruslaceen vergeben war, Pileoma Dekay sei identisch mit Per-
cina Haldemon.
In der Bermuda Boyal Gazette, und daraus in Proc.
zool. soc. p. 185; Annais nat. bist. VI. p. 132 findet sich
von Jones die Beschreibung eines 16 Fuss 7 Zoll langen
Exemplares einer Art der Gattung Gymnetrus, welches von
G. Trimingham zu Hungary-Bay in den Bermudas ge-
fangen wurde. Verf. fühlt sich dadurch an die grosse See-
schlange erinnert.
Dieser Fisch ist es vielleicht, welcher unter dem Na-
men Gymnetrus Grillii, bei den Bermudas gefangen, in der
Illustrated Times 10. März 1860 erwähnt ist. Nilsson
hat ihn mit einem norwegischen Exemplare verglichen. Er
nimmt an , dass südliche Fische von den amerikanischen
Küsten durch den Golfstrom nach Norwegen geführt wür-
den (Öfvers. K. Vetensk. Akad. Förhandl. 1860, übersetzt
während des Jahres 1860. 139
von Creplin in Zeitschr. f. d. gesammten Naturw. XVI.
p. 334). Vergl. auch die Note von Nils so n an die Pa-
riser Aiiademie vom 30. Juli 1860, und Revue et mag. de
Zoologie XII. p.415.
Dipiioi.
Mo Donneil hal zwei Exemplare von Lepidosiren annectens
längere Zeit lebend beobachtet, die nach 76 Reisetagen, in ihre
Schlammhülle eingebettet, wohlbehalten in Dublin angekommen wa-
ren. Die Hülle bestand nicht aus Blättern, sondern aus Schleim, der
eine oberflächliche Aehnlichkeit mit vertrockneten ßnchenblättern hatte.
Als das eine l^/j Fuss lange Thier gestorben war, wurde es frisch
secirt. Mc Donnell sieht die Lepidosiren als eigene Ordnung zwi-
schen den Fischen und Batrachiern an. Zeitschr. für wissensch. Zoo-
logie X. p. 409.
Das britische Museum erhielt zwei Exemplare von Lepidosiren
annectens aus der Mündung des Nil, welche Gray nicht von den
westafrikanischen Exemplaren specifisch unterscheiden konnte. Annais
nat. bist. V. p. 70.
Kölliker hat in der Würzburger naturw. Zeitschrift I. p. 11
die Haut von Rhinocryptis (Lepidosiren) annectens histologisch un-
tersucht und dabei auch die Schuppen berücksichtigt.
Teleostei.
Wenngleich neuerlich ausgezeichnete Ichthyologen,
denen ein reiches Material zu Gebote steht, sich ernstlich
mit der Classiükation der Fische beschäftigen, so scheint
doch die Eintheilung Müller's innerhalb der Teleosteer
im Ganzen festgehalten zu werden, wenn man davon ab-
sieht, dass sich die allgemeine Stimmung gegen die Pha-
ryngognathen ausspricht. Es lässt sich voraussehen, dass
diese Unterordnung eingehen wird.
Acanthopteri.
Von Günther's werthwoller und grossartiger Arbeit
„Catalogue of the Acanlhopterygian fishes in the Col-
lection of the British Museum" erschien der zweite Band,
welcher ganz nach dem Plane des ersten eingerichtet ist,
140 Troschcl: Bericht ül). d. Leist. in d. Ichthyologie
und den wir allen denen, die sich für die Ichthyologie in-
teressiren , ganz besonders empfehlen müssen. Er enthält
die Familien Squamipennes, Cirrhitidae, Triglidae, Trachini-
dae, Sciaenidae, Polynemidae, Sphyraenidae , Trichiuridae,
Scombridae , Carangidac und Xiphiidae. Wir erfahren aus
dem Vorworte, dass seit Cuvier, obgleich derselbe oft
eine Art unter drei oder mehreren Namen beschrieben hat,
doch die Zahl der gut charakterisirten Arten sich fast ver-
doppelt hat. Als ein Verdienst des Verf. ist es anzuer-
kennen, dass er die Cuvier'schen Arten, die sich oft trotz
längerer Beschreibungen durch keinen sicheren Charak-
ter unterscheiden lassen, geradezu vereinigt hat, wodurch
er die Wissenschaft von einem kaum je zu rettenden Bal-
last befreit und viel zur leichteren Bestimmung beigetra-
gen hat. Wir müssen dies selbst dann für verdienstlich
halten, wenn hier und da eine dennoch gute Art, wie kaum
anders vorauszusetzen ist, eingezogen wäre. Mögen die-
jenigen, welche im Besitze der Cuvier'schen Originalexem-
plare sind, durch Veröffentlichung besserer Charaktere den
Beweis der Arlberechtigung liefern. Das Nähere werde
ich unten bei den einzelnen Familien berichten.
An der schwierigen Aufgabe, die Systematik der Per-
coiden aufzuklären, hat sich Canestrini betheiligl. Dass
die Cuvier'sche Familie der Percoiden zu weit umfassend
war, als dass sie nur einigermassen durch feste Charaktere
hätte begrenzt werden können, ist längst anerkannt, und
vielfach sind Theile der Percoiden als besondere Familien
abgetrennt und aufgestellt worden. Zum Theil hat Verf.
diese Vorgänge benutzt; leider ist ihm die Arbeit von
Günther noch nicht bekannt gewesen. Verhandl. zool.-
bot. Gesellsch. in Wien X. p. 291—314.
Zunächst beginnt YeiT. damit, das Fremdartige auszuscheiden :
]) die Mullini mit den Gattungen Mullus , Mulloides , Upeneus und
Upeneoides werden als eigene Familie angesehen. 2) Ebenso die Be-
rycinen mit den Gattungen Beryx , Myripristis , Holocentrun» , Khyn-
chichthys. 3) Die abdominalen Galtungen Paralepis , Sphyraena und
Tolynemus werden verschieden behandelt, erstere wird mit J. 31 ül-
1er zu den Scopelinen gebracht, die zweite soll eine eigene Familie
bilden, die sich uumittclbar an die Mugiloidcn anreihe, Polynenius
während des Jahres 1860. 141
endlich wird unter den Percoiden belassen. 4) Die jugularen Gattun-
gen Uranoscopiis und die Trachinini werden ausgeschieden , ohne
dass ihnen anderv>ärts ein Platz angewiesen würde. 5) Die INandoi-
den Bleeker's mit den Gallungen Aandus , Catopra und Badis werden
als eigene Familie anerkannt. 6) Den Bleeker'schen Cirrhitoiden mit
den Gattungen Cirrhites, Cirrhithichthys , Oxycirrhites und Cheiloda-
ctylus als eigener Familie werden nach die Gattungen Apiodactylus
und Latris hinzugefügt. — Den nach diesen Ausscheidungen übrigblei-
benden Rest lässt Verf. als Percoiden beisammen unter folgenden Cha-
rakteren : Stachelflosser mit 5 weichen Strahlen in den bruslständigen
Ventralen , Zähnen in den Kiefern , dem Vomer und meist auch dem
Palatum, ktenoiden Schuppen, mannigfachen bewaffneten Operkelstük-
ken , 5 — 7 Kiemenstrahlen, getrennten Schlundknochen, normal ent-
wickelten Suborbitalknochen , getheilten Pectoralstrahlen und conti-
nuirlicher Seitenlinie. — Diese Percoiden werden dann in sechs Grup-
pen zerfällt, von denen jedoch Verf. selbst zugiebt, dass sie sich
nicht strenge charakterisiren lassen: Pomotini, Theraponiniy
Serranini, C ent r op ri s tini , Percini und Ap o g onini.
Alle 05 hierher gehörige Gattungen sind durch kurze Diagnosen un-
terschieden. Unter ihnen sind 2 neue Gattungen aus Heckel's Nach-
lass aufgeführt, die beide zu den Percini gehören.
Apostata Heck. n. gen. Zwei Doisalen, Sammtzähne in den
Kiefern, am Oberkiefer, die Aussenreihe stärker, Vomerzähne, keine
Zähne am Gaumen, keine Fangzähne, zwei flache Dornen am Deckel,
Vordeckel gezähnelt, drei Zähne am Winkel stärker, der unterste vor-
wärts gewendet; vier grosse Dornen unter der Symphyse des Unter-
kiefers, zwei noch grössere unter der ISase ; zweiter Analstachel sehr
stark; Kopf und Rumpf ganz beschuppt, 7 Kiemenstrahlen. A. cal-
carifer aus Rio -Janeiro, vielleicht identisch mit Perca Pluuiieri?
Asproperca Heck. n. gen. Zwei Dorsalen; Sammtzähne
an Kiefern und Gaumen ; ein kleiner Dorn am Operkel, Präoperkel
mit weichem ungezähnelten Rande, beide beschuppt; Kopf spitzig;
Nase etwas fleischig, vorragend; Mund klein; erste Dorsale länger
als die zweite ; sechs Kiemenstrahlen. A. zehra aus dem Ohio.
In einer Monographie der Cuvier'schen (lattung Labrax unter-
scheidet Gill Proc. Philadelphia p. 108 vier Genera. Labrax lupus
ist der Typus seiner Gattung Labrax. L. elongatus mit nur 2 Sta-
cheln in der Afterflosse bildet die Gattung Dicentrarchus. L.
lineatus und multilineatus (l'erca chrysops Raf.) die Gattung Roccus
Mitchell, welche keine Zähne auf dem vorderen Ende der Zunge hat,
L. mucronatus (Perca americana Gmel) und L. chrysops Girard (Mo-
rone inleriipla Gill) die Gattung Morone mit Ctenoidschuppen an
Wangen und Deckel. Die übrigen Arten gehören zu ferner stehenden
Gattungen-
142 T roschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Ichthyologie
Dalnia micracanthtis und liosenbergii sind neue Arten von
Blceker. Erste istCelebes 13 beschrieben und stammt von Lagusi,
letztere Ceram 6 aus dem Flusse Ruwata.
Mesoprion nematophortts Bleeker Celebes 13 von Badjoa.
Cheilodipterus singapurensis und polystigma; Apogon singapu-
rensis , melanurus und arenahis, so wie Apogonichlkys macrophlhal-
mus und taeiiioplerus sind neue Arten von Caslelnau bei Blee-
k er Singapoera 3.
Apogon Wassinki Bleeker Timor 6 1. c.
Poecilicklhys (PoecilosomaJ transversum Abbott Proc. Philadel-
phia p. 326 u, 479, vermulhlich aus dem Lake Superior.
Percina (Pileoma) cijmatogramma Abbott Proc. Philadelphia
p. 327 u. 479 aus dem Lake Superior?
In der Familie Cirrhitidae unterscheidet GüntherCa-
talogue p. 70 drei Gruppen, je nachdem die Afterflosse kurz
und mit Vomerzähnen (Cirrhites, Cirrhitichthys, Oxycirrhi-
tes und Chironemus), oder ohne Vomerzähne (Chilodacty-
lus, Mendosoma und Nemadactylus) , oder verlängert ist
(Latrisj. Der wesentliche Charakter dieser Familie liegt
in den einfachen und dicken unteren Brustflossenstrahlen.
Neue Arten sind : Chironemus marmoratus Australien, Chiloda-
clylus grandis Cap und Ch. quadricornis Japan.
Günther lässt Catalogue p. 225 seine Familie Trachi-
nidae, deren Hauptcharakter er darin setzt, dass der Dorn-
theil der Rückenflosse viel weniger entwickelt und kürzer
ist als der weiche und dass die Afterflosse und Bauchflos-
sen einen Dorn und fünf weiche-Strahlen besitzen, aus vier
Gruppen bestehen , indem er auch die Pseudochromiden
dahin zieht.
1. U r anos c opina Augen oberhalb, Seitenlinie ununterbro-
chen. Die alte Gattung Uranoscopus, die allein hierher gehört, zer-
fällt in fünf Gattungen: Uranoscopus L. mit zwei Dorsalen und
sehr kleinen Schuppen, 10 Arten; Agnus Günther, zwei Dorsalen,
ohne Schuppen, 1 Art; Anema Gthr. , eine Dorsale, Schuppen sehr
klein, Kopf mit Knochenplatten gepanzert, 3Arten; Kathetostoma
Gthr., eine Dorsale, ohne Schuppen, 1 Art; L epto scopus Gill, eine
Dorsale, Schuppen klein, Kopf mit weicher Haut bekleidet, 1 Art.
2. Tr achinina. Augen seitlich, Seitenlinie ununterbrochen,
kein grösserer Zahn hinten am Zwischenkiefer. Dahin die Gattun-
gen Trachinus mit 5, Percis mit 14, Aphritis mit 3, Siilago mit 8,
Eleginus mit 2, Epic opu s n. gen. (auf Merlus Gayi Guichenot ge-
gründet und durch 6 weiche Strahlen in den Bauchflossen und he-
während des Jahres 18G0. 143
chelförniige Zähne ausgezeichnet) mit 1, Percophis mit 1, Chaenich-
thys Richards, mit 1, Bovichthys mit 3, Trichodon mit 1 Art. — Unter
ihnen ist Bovichthys psychrohttes aus dem antarktischen Ocean als neu
beschrieben. — Dass Ilomalopomus Girard hierher gehöre , wird
vermulhet.
3. P inguip e dinci. Augen seitlich, Seitenlinie ununterbro-
chen, ein grösserer Zahn hinten im Zwischenkiefer. In diese Gruppe
weiden die Gattungen Pinguipes und Latilus vereinigt, die sich durch
den Besitz und den Mangel von Gaunienzähnen unterscheiden.
4. P s eud oc hr o m iil e s. Seitenlinie unterbrochen. Dahin
die Galtungen Opisthognathus Cuv. mit 5, Pseudochromis Rüpp. mit 7,
Cichlops Müll. Trosch. mit 8, Pseudoplesiops Bleeker mit 1, Notothe-
nia Rieh, mit 9, Harpagifer Reich, mit 1 Art. — Neue Arten sind:
Opisthognathus megasloma von Mexiko, Notothenia macrocephalus von
den Falklandinseln.
Als Anhang zu dieser Familie wird Girard's Gattung Hetero-
stichus beschrieben.
Astroscopus guttatiis Abbott Proc Philadelphia p. 365. pl. VII
von New-Jersey. (Die Gattung Astroscopus Brev. ist wohl identisch
mit Agnus Günther.)
Die Gattung Polynemus betrachtet Günther Cata-
logiie p. 319 als eine eigene Familie P olynemidae^ de-
ren Hauptcharakter natürlich in den freien Strahlen unter
der Brustflosse gesetzt wird.
Er scheidet drei Gattungen: Polynemus mit Voraerzähnen,
Afterflosse so lang wie die weiche Dorsale, mit 21 Arten; Penta-
nemus Artedi die Anale viel länger als die weiche Doisale , mit
1 Art; Galeoides n. gen. von Polynemus durch den Mangel der
Vomerzähne geschieden, und auf Polynemus polydactylus gegründet,
unter welcher Benennung die Varietäten mit 10 und 9 freien Brust-
strahlen vereinigt werden. — Neue Arten sind Polynemus oligodon
von der atlantischen Küste des tropischen Amerika und P. multira-
diatus von China.
Die Gattung Sphyraena bildet bei Günther Catalogue p. 334
eine eigene Familie Sphyr aenidae , und enthält daselbst 15 Ar-
ten, unter denen Sph. novae Hollandiae neu.
Die Familie Triglidae fasst Günther Catalogue als
aus folgenden 4 Gruppen bestehend auf:
1. Heterolepina mit gewöhnlichen Schuppen bedeckt, und
mit vielen Appendices pyloricae; die beiden Theile der Rückenflosse
und die Afterflosse lang und gleich. Dahin die Gattungen Chirus
mit 8, Ophiodon mit 2, Agrammus n. gen. mit 1, Zaniolepis mit
1 Art. 2. Sc 0 rp ne nitia. Der Dorntheil der Rückenflosse gleich
144 Troschel: Bericht üb. d. J.eist. in d. Ichthyologie
oder mehr entwickelt als der weiche Theil und die Afterflosse , die
nicht verlängert ist, Körper nackt oder mit gewöhnlichen Schuppen,
mit wenigen Appendices pyloricae. Sie zerfallen wieder in solche
mit deutlichen Schuppen und nackte. Zu ersteren gehören die Gat-
tungen Sebastes mit 25, Scorpaena mit 21, Glyptauchen n. gen.
mit 1, Pterois mit 9, Pteroidichthys mit 1, Taenianotus mit 1, Cen-
tropogon n. gen. mit 4, Apistus mit 2, Enneapterygius mit 1; zu
letzteren die Gattungen Pentaroge n. gen. mit 1, Telraroge n.
gen. mit 10, Agriopus mit 7, Prosopodasys mit 8, Aploactis mit 3,
Trichopleura mit 1, Hemitripterus mit 1, Amphiprionichthys mit 1,
Synancidium mit 2, Synanceia mit 2, Micropus mit 2, Minous mit 3,
Pelor mit 6 und Chorismodactylus mit 1 Art. 3. Cottina. Der
Dorntheil der Rückenflosse minder entwickelt als der weiche Theil
und die Afterflosse, Körper nackt oder mit gewöhnlichen Schuppen,
oder unvollkommen gepanzert mit einer Reihe Platten; wenige Ap-
pendices pyloricae. Dahin die (Gattungen Podabrus mit 2 , Blepsias
mit 2, Nautichthys mit 1, Scorpaenichlhys mit 1, Cottus mit 26, Cen-
tridermichthys mit 10, Icelus mit 1 , Triglops mit 1 , Hemilepidotus
mit 2, Artedius mit 2, Ptyonolus Gthr. (Triglopsis Girard) mit 1, P o-
lycaulus n. gen. mit 1 , Platycephalus mit 29, Hoplichthys mit 1,
Benjbras mit 2, Prionotus mit 8, Lepidotrigla n. gen. mit 6,
Trigla mit 14 Arten. 4. C atap h r act i. Körper ganz gepanzert mit
knochigen , gekielten Platten; wenige Appendices pyloricae. Dahin
die Gattungen Agonus mit 10, Aspidophoroides mit 2, Peristethus
mit 6, Dactylopterus mit 4, Cephalacanlhus mit 1 Art.
An neuen Arten sind daselbst beschrieben: Sebastes neniatoph-
thalmus Westindien , Centropogon robusltis Australien, Telraroge cri-
sla-galli (Apistus taenianotus Richards, non Cuv. Val.) Philippinen,
Prosopodasys asperrimus Ostindien , Cottus pachypus Port Leopold,
C. criniger Californien , Platycephalus nema lophthalmus Port Essing-
ton, Aspidophoroides inermis Vancouver - Island , Peristethus bretiro-
stre Weslindieu. — Die neuen Gattungen sind auf bereits bekannte
Arten gegründet: Agrainmus, auf Kabrax agramnms Temm. Schi.,
hat kleine Ctenoidschuppen und unbewaff'netes Präoperculum. Die
Art heisst A. Schlegelii. Glyp tauchen auf Apistus panduratus ge-
gründet, hat eine (irube am Hinterkopfe, die Dorsale mit 17 Dornen
und keinen Brustanhang. Centropogon ebenfalls auf Kosten von
Apistus gegründet, hat keine Grube am Hinterkopfe, dorniges Präor-
bitale, Dorsale mit 14 oder 15 Dornen, kein Brustanhang. Petita-
roge ebenfalls eine Abtheilung von Apistus, am Präorbitalbein ein
spitzer Dorn, eine Spalte hinter der vierten Kieme, kein Brustanhang,
Dorsale mit 12 — 14 Dornen. Tetraroge, wie die vorige aber
ohne Spalt hinter der vierten Kieme. Potycaulus, auf Synanceia
elongata C. V. gegründet , hat biegsame Dornen und Strahlen in der
während des Jahres 1860. 145
Dorsale. L epidotrig la umfasst diejenigen Arten von Trigla, wel-
che grössere Schuppen haben.
Platycephalus Bosschei Bleeker Nat. Tijdschr. IVed. Indie XXI.
p. 140 von Banka. — PI. Meerdervoortii Bleeker Japan 6 von Na-
gasaki.
Eine neue Gattung C entr opus , welche Kner Wiener Sit-
zungsber. 39. p. 531 in der Nähe von Synanceia aufstellte, ist iden-
tisch mit Micropus Gray (vergl. G u n t h e r's Catalogue p. 147). Die
Art C. staurophorus von Zanzebar scheint jedoch von unipinna ver-
schieden.
Cottus Copei Abbott Proc. Philadelphia p. 326 aus Penn-
sylvanien.
Gasterosteus gymnetes Dawson Canadian Naturalist and Geologist
Oct. 1859.
Bei Günther Catalogue p. 265 besteht die Sciaenoi-
denfamilie aus den Gattungen :
Larinuis mit 4, Pogonias mit 2, Micropogon mit 2, Umbrina
mit 15, Eques mit 3, Pachyurus mit 3, Sciaena (incl. Johnius BI.,
Leiostonuis C. V., Homoprion Holbr.) mit 25, Corvina mit 22, Otoli-
thus mit 17, Ancylodon mit 2, Colli cht hys n. gen. (gegründet auf
Sciaena lucida Rieh. , Ütolithus biauratus Cantor und Sciaena pama
C. V. und charakterisirt durch den breiten und sehr convexen Raum
zwischen den kleinen Augen, und die grosse und schiefe Mundspalte),
Nebris mit 1 und Lonchurus mit 2 Arten. — Neue Arten sind dar-
unter-. Pachyurus Schomburgkii aus Brasilien , ScmeM« bretidorsalis
von Ostindien ?
Pagrus Bocagii Günther Proc. zool. soc. p. 391. pl. XI von
Lissabon.
P a grichthy s Bleeker n. gen. Nat. Tijdschr. Ned. Indie XXI.
p. 60. Pinna dorsalis unica alepidota ; genae squamosae; dentes in-
termaxillares et inframaxillares ; vomerini vel palatini nulli ; dentes
intermaxillares anteriores conici pluriseriati serie externa seriebus
ceteris maiores, antici 2 canini vel caninoidei, laterales et posterio-
res molares, triseriati , serie interna ceteris maiores; dentes inframa-
xillares anteriores conici acuti pluriseriati , laterales et posteriores
molares biseriati ; praeoperculum edentulum; spinae anales 2; maxil-
lae normales. P. Castelnaui vom Cap.
Cantharus Castelnaui Bleeker ib. p. 59 vom Cap.
Die Familie der Squamipennen theilt Gün th e r in sei-
nem Catalogue in drei Gruppen :
1. C h aet 0 d ontina ohne Gaumenzähne. Dahin die Gattun-
gen Chaetodon mit 67, Chelmo mit 5, lleniocbus mit 4, Holacanthus
mit 36, Pomacanthus bei der alle Arien zu einer einzigen vereinigt
Arohiv f. Naturg. XXVII. Jahrg. 2- Bd. K
146 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Ichthyologie
sind, Scalophagus mit 5, Ephippus mit 4, Drepane mit 1 und Hypsi-
noliis mit 1 Art. 2. Scorpidina mit (laumenzähnen und mittel-
ständiger Rückenflosse. Dahin die Gattungen Scorpis mit 3 und Aty-
pus n. gen. mit 1 Art. 3. Toxolina mit Gaumenzähnen und hin-
terständiger Rückenflosse. Dahin die Gattung Toxotes mit 2 Arten.
Die neuen von Günther daselbst aufgestellten Arten sind:
Ckaetodon mitratus von Mauritius?, robustns , humeralis Sandwich-
inseln, gracilis A>'estindien ; Chelmo pelta; Holacanthus caudo-vitta-
tus Mauritius, cyanotis Neue Hebriden , Atypus strigalus von Au-
stralien, eine neue Gattung, deren Rückenflosse 11 Dornen enthält,
von denen die mittleren die längsten sind ; Toxotes microlepis Siam.
Canestrini erörterte die Systematik und Charakteri-
stik der Anabatinen Verhandl. d. zool.-bot. Gesellsch. in
Wien X. p. 697-712.
Seine frühere Ansicht festhaltend entfernt Verf. die Gattung
Ophicephalus aus dieser Familie. Bei der geringen Anzahl von Gat-
tungen ist eine Eintheilung nicht gerade nöthig , doch ist er geneigt
zwei Gruppen zu unterscheiden: 1) Dolichopteri, bei denen die
Dorsale über der Basis der Pectoralen entspringt und die Anale an
Länge übertriff"t (Gatt. Spirobranchus , Ctenopoma, Anabas, Polyacan-
thus , Helostoma, Colisa) ; 2) Brachtjpteri, bei denen die Dorsale
hinter der Basis der Pectoralen entspringt und kürzer ist als die
Anale (Gatt. Macropodus , Osphromenus, Sphaerichthys, Trichopodus,
Trichopsis, Betta). — Die Gattungen werden alle ausführlich charak-
terisirt, darunter zwei neue Sphaerichthys Canestrini und Tri-
chopsis Kner, die beide in die obige zweite Gruppe gehören. Beide
haben die Caudale nicht gabiig getheilt, glatten Suboperkel, gezäh-
nelte Orbitalknochen und unterscheiden sich , dass bei Sphaerichthys
die Dorsale über dem Anfange des stachligen Theiles der Anale, bei
Trichopsis über dem Anfange des weichen Theiles der Dorsale ent-
springt. Sphaerichthys osphromenoides n. sp. aus Indien , Trichopsis
striata (Trichopus striata Blkr.) aus dem Indischen Archipel. — In
Beziehung auf die Stellung der Familie im Systeme weist Verf. eine
Verwandtschaft mit den Pharyngognathen nach, wobei er freilich in
Widerspruch mit sich selbst geräth , indem er sagt: wenngleich die
Verwachsung oder Annäherung der unteren Schlundknochen nicht
geeignet sei , als Grundlage einer Unterordnung zu dienen , so sei
dies doch geeignet einige Familien natürlich aneinander zu reihen.
Ich glaube Verf. hat hier zu Gunsten der Pharyngognathen argumen-
tirt, und er hat das Verdienst,' die Anabatinen in diese Abtheilung
verwiesen zu haben, die nunmehr aus den Labroidei, Holconoti, Po-
macentrini , Chromides, Anabatini vielleicht auch Pseudochroniides
besteht, wenn man die Scombresoces von ihnen trennen will.
während des Jahres 1860. 147
Im Vergleiche mit den Scomberoiden Cuvier's hat
Günther Catalogue p. 354 seine Familie Sco mbridae
sehr beschränkt, indem er alle Gattungen, welche 10 . 14
Wirbel besitzen, daraus entfernt hat, und so auch die ganze
Gruppe der Caranx, die er zur eigenen Familie Carangidae
erhebt; andererseits bringt er die Gattung Echeneis in die
Scomberfamilie neben Elacate. Immer bleibt aber diese
Familie noch sehr umfangreich, so dass Verf. versucht, sie
in Gruppen zu theilen, nämlich:
1. Scombrina mit 2 Dorsalen, die dornige viel weniger
entwickelt als die weiche; Körper länglich, ohne oder mit sehr klei-
nen Schuppen. Dahin die Gattungen Somber mit 12, Thynnus mit 13,
Pelaniys mit 5 , Auxis mit 2 , Cybium mit 12, Kaucrates mit 1, Ela-
cate mit 1, Echeneis mit 10, Hypsiptera n. gen. mit 1 Art. Die
Kopfscheibe von Echeneis hält er für die umgewandelte erste Rücken-
flosse. Die beiden neuen Arten aus dessen Arbeit über diese Gattung
in den Annais nat. bist. (s. unten bei der Gobioidenfamilie) sind auf-
geführt. — Die neue Gattung Hypsiptera zeichnet sich durch ju-
gulare Bauchflossen aus und enthält eine neue Art H. argentea.
2. N omeina. Eine oder zwei Dorsalen, der Dorntheil we-
niger entwickelt als der weiche; Körper länglich , mit Cyloidschup-
pen von massiger Grösse bedeckt. Dahin die Gattungen Gasterochisma
Rieh, mit 1, Komeus Cuv. mit 2, Cubiceps Lowe mit 2, Neptotne-
nus n. gen. mit], P laty s t e thus n. gen. mit 1 und Ditrema Schleg.
mit 1 Art. — Die neue Gattung N ep t om enus hat 2 Dorsalen, ihre
Brustflossen sind länger als die Ventralen , die Zähne winzig , die
Schnauze konisch. N. hrama von Neuseeland. — Die Gattung P l C'
ty s tethus ist auf Sciaena cultrata Forster (Cichla cultr. Bl. Sehn.,
Seriola cultr. Richards.) gegründet, hat 2 Dorsalen, kurze Brust- und
Bauchflossen und winzige Zähne. — Der Fisch, für welchen Schle-
gel die Gattung Ditrema aufstellte, erhielt hier den specifischen Na-
men D. laeve.
3. Cyttina. Zwei Dorsalen, die dornige weniger ent-
wickelt, als die weiche; Körper hoch mit sehr kleinen oder rudi-
mentären Schuppen. Dahin die Gattungen Zeus mit G, Cyttus n. gen.
mit 2 Arten und Oreosoma, welche Gattung schon im eisten Bande
abgehandelt war. — Die Gattung Cyttus unterscheidet sich von Zeus
durch den Mangel der Bewaff'nung am Grunde der senkrechten Flos-
sen und enthält Capros australis Richards, und Zeus loseus Lowe
als Arten.
4. S t romateina. Eine lange Dorsale, ohne deutlichen
Dorntheil; zahnähnliche Fortsätze erstrecken sich in den Oesophagus.
148 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Ichthyologie
Dahin die Gattungen Slromateiis mit 9 und Centroloplius mit 3 Arten,
unter denen eine neu C. britannicus, die bereits Annais nat. bist. VI.
p. 46 aufgestellt war.
5. C oryphaenina. Eine lange Dorsale, ohne deutlichen
Dorntheil; keine Zähne im Schlünde. Dahin die Gattungen Cory-
phaena Art. mit 6, Brama Schneid, mit 4, Taractes Lowe mit 1, Fte-
raclis Gron. mit 4, Schedophilus Cocco mit 3, Diana Risso mit 1,
Ausonia Risso mit 1, Mene Lacep. mit 1, Lampris Retz mit 1 Art. —
IVur Schedophilus maculatns von China ist neu.
Zu der von den Scomberoiden aboretrennten Familie
Carangidae bringt Günther alle Gattungen , welche
10 Bauch- und 14 Schwanzwirbel besitzen; nur in den
Gattungen Chorinemus und Temnodon finden sich Ausnah-
men, indem die Zahl der Wirbel um einen oder zwei steigt.
So werden hier nicht nur die Scomberoiden mit bewaffne-
ter Seitenlinie, welche man sonst wohl als Carangiden be-
zeichnete, sondern zahlreiche andere Gattungen mit diesen
verbunden. Verf. scheidet dann zwei Gruppen :
1. C ar angina. Die weiche Dorsale und die Anale fast
gleich gross. Dahin die Gattungen Trachurus C. V. mit 1, Carangich-
thys Blkr. mit 1, Caranx Cuv. mit 70, Argyreiosus Lacep. mit 2, Mi-
cropteryx Agass. mit 1, Seriola Cuv. mit 11, Seriolella Guichenot
mit 3, Seriolichthys Blkr. mit 1, Wauclerus C.V. mit 6, Porthmeus C.V.
mit 1, Chorinemus C. V. mit 9, Lichia Cuv. mit 5, Temnodon mit 1,
Trachynotus Lacep. mit 9, Pammelas Gthr. (Palinurus Dekay) mit 1,
Paropsis Jen. mit 1, Psettus Comm. mit 3, Platax C. V. mit 7, Zan-
clus Commers. mit 2, Psenes C.V. mit 5, Capros Lacep. mit 1, An-
tigonia Lowe (Coprophonus Müll. Trosch.) mit 1, Equula Cuv. mit 17,
Gazza Rüpp. mit 3, Lactarius C. V. mit 1 Art. — Neue Arten : Ca-
ranx hicolor von Sierra Leone, Seriola gigas von Australien und
Equula leuciscus von Amboina.
2. Kurtina. Nur eine Dorsale, die viel kürzer ist als die
Anale. Dahin die Gattungen Pempheris mit 6 Arten und Kurtus
mit 1 Art.
Endlich bilden bei Günther I. c. noch die Gattun-
gen Xiphias und Histiophorus eine besondere Familie unter
dem Namen Xiphiidae,
Steenstrup machte darauf aufmerksam, dass die Figur in
Yarrell's British Fisches 1836. I. p. 143 nicht einem jungen Xiphias
gladius angehöre , sondern vielmehr einer Art der Gattung JVlachaira
Lac. Er sieht darin den Beweis, dass Schwertfischformen dieses Ge-
während des Jahres 1860. 149
schlechtes um die Küsten Europas streifen. Forhandl. skand. naturf.
i Kjöbenhavn 1860. p.687.
Günther bringt Catalog-ue p. 842 in seine Familie
Trichiuridae sieben Gattungen, nämlich:
Aphanopus Lowe, Lepidopus Gouan, Trichiunis L. , Epinnula
Poey, Dicrotus n. gen., Thyrsites C. V. und Gempylus C. V. — Die
Gattung Dicrotus ist auf eine neue Art D. armatus unbekannten Va-
terlandes gegründet und unterscheidet sich durch die Bauchflossen,
die auf einen einzigen langen, crenulirten Dorn reducirt sind, so wie
durch den Mangel falscher Flossen.
Bleeker stellte an neuen Arten auf: Gobius Blokzeyli Bali 4,
G. macrognalhus und gymnauchen Japan 6 von Jedo , beide abgebil-
det. Ferner G. melanopus Castelnau bei Bleeker Singapoera 3.
Die Gattung Sicydium Yal. nebst einer neuen Gattung Sicyo-
gaster sieht Gill Proc. Philadelphia p. 100 als besondere Subfainilie
an , die sich von den übrigen Gobioiden durch die Anwachsung der
Bauchflossen an die Brust und durch die KopiTorm auszeichnet. Die
Gattung Sicydium wird in 2 Subgenera getheilt : Sicydium hat an der
Symphyse des Unterkiefers Fleischlappen, Siryopteriis nicht. Die
Gattung Sicy ogas t er unterscheidet sich durch die Schuppenlosigkeit
und die dreispitzigen Zähne vorn im Oberkiefer. Die beiden neuen
Arten Sicyopterus Slimpsoni und Sicyogaster concolor leben in Bächen
an Steinen hängend ; Hilo Hawaii.
Gill vereinigle Proc. Philadelphia p. 120 die Gattung Phily-
pnus Val. mit dem Bostrychus sinensis Lac. (Gobius sinensis Val.) zu
einer besonderen Gruppe in der Gobioiden-Familie, nennt jedoch die
letztere Gattung Bostrichthys nach dem Vorgange von Dumeril.
Dem Philypnus dormitator fügt Verf. eine neue Art Ph. lateralis von
Californien hinzu, die letztere Gattung besteht allein aus der genann-
ten Art.
Eine neue Gattung Oxymetopon Bleeker Timor 3 unter-
scheidet sich von Eleotriodes durch den ausserordentlich platten
bandförmigen Körper , den fleischigen mit Schuppen belileideten Kiel
auf dem Kopfe und durch den Zahnbau , namentlich vier je zwei in
verschiedenen Reihen übereinandergestellte Hundszähne , so wie
durch nur vier weiche Strahlen in den Bauchflossen. 0. txjpus von
Timor 3. 1. c.
Lütken hält (Nat. For. Vidensk. Meddelelser 1860 Liparis
lineatus Kr. und L. vulgaris Yarr. für identisch, und setzt die Unter-
schiede der nordischen Arten dieser Gattung auseinander.
Günther hat eine Geschichte der Galtung Echeneis Annais
nat. bist. V. p. 386 geliefert. Ucber seine Ansicht von der Stellung
der Galtung im Systeme sprach er sich danuils nicht beslimml aus,
150 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Ichthyologie
nur erkennt er die von Holbrook .angedeutete nahe Verwandt-
schaft mit Elacate an. (Vergl. oben p. 147.) Er nimmt nur 10 ver-
schiedene Arten an, die sich so ziemlich durch die Zahl der Lamel-
len in der Kopfscheibe unterscheiden lassen. a) Arten mit dickem
und kurzen Körper: E. clupeata Glhr.Ti. s^. mit 12, albescens Schleg.
mit 13, squalipeta Daldorf mit 17, brachyptera Lowe mit 15 — 16,
remora L. mit 17 — 18, osteochir Cuv. mit 19, scutala Gthr. n. sp. mit
27 Lamellen, b) Arten mit schlankem Körper: E. lineata Menzies
mit 10, Holbrookii Gthr. (lineata Holbr.) mit 22 und naucrates L. mit
22—25 Lamellen.
Einen kleinen Salarias auf Ceylon, der in eigenthümlicher Be-
wegung über das Wasser hüpft und in die ausser dem Wasser be-
findlichen Löcher im weichen Schlamme schlüpft, erwähnt Frauen -
feld. Verhandl. d. zool.-bot. Gesellsch. in Wien X. p. 112.
Clinus Dubuis und dorsalis Castelnau Nat. Tijdschr. Ked. Indie
XXL p. 71 vom Cap.
Die Gattung Labrosomus Swains. , welche von Clinus abge-
trennt ist, ist von Gill monographisch behandelt (Proc. Philadelphia
p. 102). Er umgrenzt sie aber anders als Swainson, indem er
den Kamen auf die Arten L. pectinifer Sw. , Clinus fasciatus Castel-
nau, L. capillatus Sw. , L. Xanti n. sp. aus Mexiko und Clinus Her-
minieri Val. beschränkt. Die übrigen Arten der Swainson'schen Gattung
werden als Typen verschiedener Genera angesehen. So bildet L. De-
lalandii die Gattung Malacoct emis , L. gobio die Gattung Gobio-
clinus ^ L. linearis:= Clinus brachycephalus Val. die Gattung Blen-
nioc linus , L. variolosus die Gattung Änche ni onchus f L. ge-
niguttatus die Gattung Calliclinus ^ L. latipinnis die Gattung
Ophthalmolophus.
Steindachner beschrieb Amphisile scutata Klein und eine
neue Art Ä. macrophthalma von Amboina. Verhandl. d. zool.-bot.
Gesellsch. in Wien X. p. 765. — Ä, punctata Wiener Sitzungsber. 39.
p. 534. Fig. 2 von Zanzebar.
Anacanthini.
Dyce hält Morrhua punctata Turton für nicht specifisch ver-
schieden von Morrhua vulgaris, dem gemeinen Kabliau. Annais nat.
bist. V. p. 366.
Agassiz machte darauf aufmerksam, dass bei den Mallotus
villosus die Afterflosse bei dem Männchen viel grösser ist, als bei
dem Weibchen. Proc. Boston Soc VII. p. 399.
Aesopia japonica Bleeker Japan 6 von Nagasaki.
während des Jahres 1860. 151
Pharyngognathi.
Indem sich auch Kner Wiener Sitzungsber. 40. p. 41
gegen die Natürlichkeit der Müller'schen Ordnung Pharyn-
gognathi ausspricht, erkennt er die Cuvier'sche Ordnung
der Labroiden als eine gute Familie an und benutzt die
Beschaffenheit der Schlundzähne , um die zahlreichen Gat-
tungen in Gruppen zu bringen.
1. Alle Zähne sind kiiglig abgerundet bei Crenilabrus, Cos-
syphiis, Lachnolaimus , Cheilio und Cheilinus. 2. Thoils kuglige,
theils spitze Zähne haben Labius, Tautoga , Julis, Epibulus , Gom-
phosus , Xirichthys , Kovacula und Anampses. 3. Alle Zähne sind
spitz bei Ctenolabrus, Acantholabrus, Coricus und Labroides ßleeker.
4. In Schneiden auslaufende oder Kauflächen bildende Zähne besitzen
Scarus, Callyodon, Odax. Von den meisten Gattungen sind die Schlund-
zähne abgebildet.
Guichenot hat auf den Ctenolabrus flagellifer Val. eine eigene
Gattung gegründet, die er Labrastruin nennt. Sie unterscheidet
sich von Ctenolabrus durch die fadenförmigen Anhänge der Membran
zwischen den ersten Strahlen der Rückenflosse, durch die sehr gros-
sen Schuppen des Kiemendeckels, die die Kiemenspalte überragen,
und durch die sehr zusammengedrückte Körpcrgestalt. Revue et Mag.
de Zoologie XII. p. 152.
Scarus Moensi ßleeker Celebes 13. 1. c. von Badjoa.
Chromis nebulifera und fenestrata Günther Proc. zool. soc.
p. 318; Annais nat. bist. VI. p.443 aus Mexiko.
Kner beschreibt Hemiramphus dispar C. V. und eine verwandte
neue Art H. Bleekeri aus dem Indischen Archipel, und fügt einige
Bemerkungen über Arten dieser Gattung und ihre sexuellen Unter-
schiede hinzu. Wiener Sitzungsberichte 39. p. 537.
Exocoehis chiliensis Abbott Proc. Philadelphia p. 472 von Chili.
Physostomi.
Siluroidei. Unter einer kleinen Sammlung von Fischen, wel-
che Fräser von Esmeraldas in Ecuador eingesandt hatte, erkannte
Günther Proc. zool. soc p. 237 drei neue Welsartcn : Pimelodus
cinerascens, elongatus und modestus , die auf pl. X abgebildet sind.
— P. Hammondii und notatus Abbott Proc. Philadelphia p. 568 von
Kansas.
Die Gattung Pseudobagrus , welche Bleeker in seinem Pro-
dromus I. als eigene Gattung von Bagrus abgesondert hat, obgleich
152 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Ichthyologie
er sie nur nach Beschreibung und Abbildung in der Fauna japonica
kannte, hat er nun selbst untersuchen können und giebt davon Japan 6
p. 87 eine emendirte Diagnose.
Leiocassis Ellenriederi und Ahysis macronema Bleeker Suma-
tra 9 von Lahat.
Die Notiz von Günther in unserem Archiv p. 121 über die
Gattung Atepidosaurus, welche er als zu den Siluroiden gehörig er-
kannt hat, ist in Annals nat. bist. VI. p. 150 in der Uebersetzung
wiedergegeben.
Guicheno t hat aus Caslelnau's Trichomycteres pusillus (vergl.
den Bericht über das Jahr 1856. p. 97) eine eigene Gattung Aste-
momycterus gebildet, die sich durch den Mangel der Nasenfäden
und durch die Zähne unterscheidet, welche breit sind, am Grunde
angeschwollen , am Ende hakig und mit der Spitze nach hinten ge-
richtet. Revue et Mag. de Zoologie XII. p. 525.
Cyprinoidei. Von Bleeker ist der zweite Band sei-
nes Prodromus ichthyologiae archipelagi indici erschienen,
ßataviae 1860. Wie der erste Band die Familie der Welse
behandelte, so enthält dieser die Familie, oder vielmehr,
wie Verf. es nennt , die Ordnung der Cyprinen , die er in
zwei Familien zerfällt, nämlich Cyprinoiden und Cyprino-
donten. Die Summe der dem Verf. bekannten Arten be-
läuft sich auf 1047 Cyprinoiden und 97 Cyprinodontoiden.
Von ersteren leben 142 im Archipel, 34 in Japan, 460 in
Asien, 141 in Europa, 47 in Afrika, 254 in Amerika; von
letzteren 2 im Archipel, 2 in Japan, 14 in Asien, 2 in Eu-
ropa, 6 in Afrika, 75 in Amerika. — Aus der Familie der
Cyprinoiden gehören 72 in die Subfamilie Cobitiformes, 16
in die Subfamilie Homalopteraeformes und 959 in die Sub-
familie Cypriniformes. Die Arten der Cyprinodonten ver-
theilen sich folgendermassen in die Cohorten : 76 Cypri-
nodontini, 8 Aplocheilini, 10 Orestiasini und 3 Anablepini.
Die systematische Anordnung der Cyprinoiden -Familie ist
folgende :
Subfam. I. Cobitiformes. Squamae minimae in cute muco
tegente laevi quasi immersae; cirri 6—10; apertura branchialis ver-
ticalis angusta; caput corpusque non depressa ; pinnae anacanthae,
pectorales radio simplice unico tantum ; pseudobranchiae nullae ; den-
tes pharyngeales conici uniseriati. Gatt. Hymenophysa Mc Cl., Acan-
thopsis Hass., Lepidocephalus Blkr., Acanthophthalmus Hass., Cobitis
Art. und Cobitichthys Blkr.
während des Jahres 1860. 153
Subfam. II. H omal opt er a eformes. Caput corpusque de-
pressa inferne plana; pinnae anacanthae, pectorales et ventrales linea
ventrali insertae , horizontales, subdiseiformes, pectorales radiis sim-
plicibus pluribus; dentes pharyngeales conici uniseriati ; os inferum,
parvum, centrale. Gatt. Psilorhynchus Mc Cl., Lissorhynchus Bikr.,
Homaloptera Hass.
Subfam. III. Cypriniformes. Cirri nunquam plus quam4,
frequenter nulli ; caput corpusque coinpressa ; apertura branchialis
lata; pinnae pectorales radio simplice unico tantum ; dentes pharyn-
geales uni - ad triseriati, varias formas referentes.
Cohors I. Phalacrognathini. Maxilla inferior niargine libero
nuda, labio inferiore non vestita, vagina vel lamina cornea decidua
protecta.
Stirps a. Labeonini. Labium inferius vario modo constructum,
reflexum. Gatt. Epalzeorhynchos Blkr. , Discognathus Heck., Crosso-
cheilos Hass. Blkr., Discognathichthys Blkr,, Platycara Mc Cl., Schis-
matorhynchus Blkr., Labeo Cuv. Blkr., Tylognathus Heck., Diplochei-
lichthys Blkr., Lobocheilos Hass. Blkr., Rohita Val., Morulius Buchan.,
Rohitichthys Rlkr. , Dangila Val., Abrostomus Smith, Barbichthys
Blkr., Morara Blkr., Seniiplotus Blkr., Opistocheilos Blkr., Cochlo-
gnathos Baird Gir., Pimephales Raf. , Pseudogobio Blkr., Mylocheilos
Ag., Mylopharodon Ayr, , Exoglossnm Raf., Campostoma Ag. , Siboma
Gir., Lavinia Gir., Dionda Gir., Algoma Gir., Hyborhynchus Ag., Hy-
bognathus Ag., Orthodon Gir., Cliola Gir., Algansea Gir.
Stirps b. Chondr oslomini. Labrum inferius deficiens. Galt. Chon-
drosloma Ag, , Acheilognathus Blkr,, Aspidoparia Heck., Gymnosto-
mus Herk., Mrigale Blkr., Dillonia Heck., Cyprinion Heck., Oreinus
Mc Cl., Schizopyge Heck.
Cohors 2. Cheilognathini. Maxillae labiis inclusae, vagina vel
lamina cornea nulla.
Stirps a. Catostomini. Caput labiaque cornosa ; dentes pha-
ryngeales utroque latere 36 — 130 uniseriati in seriem pectiniformem
dispositi; cirrhi nulli. Gatt. Acomus Gir., Minomus Gir,, Catostomus
Les. , Ptychostomus Ag. , Hylomyzon Ag. , Carpiodes Raf., Cycleptus
Raf,, Ichthyobus Raf., Bubalichthys Ag., Moxostoma Raf.
Stirps b. Cyprinini. Corpus oblongum ; pinna dorsalis elon-
gata et pinna analis pauciradiata radio osseo serrato munitae ; dentes
pharyngeales parci uni- ad triseriati. Gatt. Cyprinus Art. und Ca-
rassius Nilss.
Stirps c. Barhini. Pinna analis radio dentato nullo; dentes
pharyngeales uni- ad triseriati parci utroque latere nunquam plus
quam 12. A. AmhUjgastri. Venter anle pinnas ventrales non cultratus.
a, Acanthophori. Pinna dorsalis spina armata. Galt. Racoma Mc CK,
Schizothorax Heck., Balanliocheilos Blkr, , Amblyrhynchichtbys Blkr.,
15i Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Ichthyologie
Albulichlhys ßlkr., HampalaHass., Hypselobarbiis Blkr., Systomus McCl.,
Cyclocheilichthys Blkr., Barbus Cuv. , Labeobarbus Rüpp., Hemi-
barbus Blkr., Pseiidophoxinns Blkr., Rotehichthys Blkr., Rohtee
Syk., Acanthobrama Heck., Rhodeus Ag. , Chanodichthys Blkr., Pseu-
doculter Blkr., Hemiculter Blkr., Aulopyge Heck., Meda Gir. —
b. Ajiacanlhonoti. Spina dorsalis nulla. Galt. Chedrus Swns. , Plar-
gyrus Gir., Calla Val., Hypophlhalmichthys Blkr.. Thynnichthys Blkr.,
Aniblypharyngodon Bleeker, Devario Heck., Luciosoma Bleeker,
Esonius Swns., Tinea Cuv., Argyreiis Heck., Chrosomus Raf., Tiaroga
Gir., Phoxinus Rond. Ag. , Phoxinellus Heck., Cirrhina Cuv., Gobio
Cuv., Sarcocheilichthys Blkr., Leptobarbus Blkr., Gnathopogon Blkr.,
Pseudorasbora Blkr., Rasbora Blkr., Rasborichthys Blkr., Aspius Ag.,
Gila Baird Gir. , Plychocheilus Ag. , Opsaiius Mc Cl. , Abramis Cuv.,
Luxilus Raf., Alburnus Rond. Heck., Hybopsis Ag., Leucosomus Heck.,
Ceratichlhys Baird, Semotilus Raf., Leuciscus Rond. Klein, Scardinius
Bp., Alburnops Gir., Cyprinella Gir., Codoma Gir. — B. Oxygastri.
Venter ante pinnas ventrales cultratus; pinna analis elongata, dorsalis
brevis ; cirri nulli. Gatt. Smiliogaster Blkr., Culter Basil., Laubuca
Blkr., Chela Buchan., Macrochirichthys Blkr.
Abbott beschrieb Proc. Philadelphia p. 47.3 vier neue Cypri-
niden : Cataslomus Texanus aus dem Colorado, chloropteron von Kan-
sas, Gila affinis von Kansas und Semotilus Hammondii ebendaher.
Bleeker stellte Japan 6 auf: Cobitichthys enalios Tab. II.
Fig. 4, dichachrous Tab. II. Fig. 2, polynema Tab. II. Fig. 3 und Achei-
lognathus melanogaster Tab. II. Fig. 1, sämmtlich von Jedo.
Plargyrus melanocephalus Abbott Proc. Philadelphia p. 325 aus
dem See Whittlesey in Minnesota.
Cyprinodontes. In dem vorhin erwähnten Prodromus
ichthyologiae archipelagi indici Vol. II. p. 478 theilt Blee-
ker die Cyprinodonten in folgende 4 Gruppen:
1. Cyprinodontini. Pinna analis non elongata, pauci - ad plu-
riradiata; squaniae niagnae. Gatt. Tellia Gerv. , Cyprinodon Lacep.,
Girardinus Poey , Lucania Gir., Girardinichthys Blkr., Fundulichthys
Blkr., Mollienesia Les., Pseudoxiphophorus Blkr., Xiphophorus Heck.,
Grundulus Val., Gambusia Poey, Hydrargyra Lac , Poecilia Bl. Sehn.,
Fundulus Lac.
2. Aplocheilini. Pinna dorsalis brevis parti pinnae analis
elongatae posteriori opposita; squaniae niagnae; pinnae ventrales.
Gatt. Panchax Val., Aplocheilus iMc Cl.
3. Oresliasini. Pinnae ventiales nullae ; squaniae niagnae,
capite nuchaque subscutifornies ; venter alepidotus. Maxiilae non de-
pressae. Gatt. Orestias Val.
4. Anablepini. Pinna dorsalis brevis Iota post analem brevem
während des Jahres 1860. 155
reiecta; pupilla frenulo corneae quasi duplex; corpus elongatum cy-
lindraceum. Gatt. Anapieps Artedi.
Poecilia latipes Temm. Schi, ist nachBleeker Japan 6 p. 100
ein echter Aplocheilos.
Unter dem Namen B e l one s ox hat Kner Wiener Sitzungsber.
40. p. 419 eine neue Cyprinodonten -Gattung gegründet: Os rostri-
forme, ad infra protractile, ossainter- et inframaxillaria dentibus con-
fertis acutissimis obsita, a margine externo ad intus longitudine cre-
scentibus, palatum et lingua edentula; radii branchiostegii sex; pinna
dorsalis supra analis finem incipiens, caudalis margo rotundatus; linea
lateralis nuUa. B. belizanus aus Honduras.
Gharacini. Brycon dentex Günther Proc. zool. soc. p. 240 von
Esmeraldas in Ecuador.
Tetragonopterus aeneus Günther Proc. zool. soc. p. 319; Annais
nat. bist. VI. p. 445 aus 31exiko.
Scopolini. Astronesthes barbatus Kner Wiener Sitzungsber. 39.
p. 543. flg. 5 von der Küste Brasiliens.
Scopclus Kroyeri Malm Forhandl. skand. naturf. i Kjöbenhavn
1860. p. 617.
Sauridioidei. Salanx microdon Bleeker Japan 6 von Jedo.
ClUpeacei. Gill bestätigt die von Brevoort ermittelte Zu-
gehörigkeit der Alosa teres Dekay zur Gattung Dussumieria, und
stellt die Synonymie dieser Art zusammen. Proc. Philadelphia
1860. p. 21.
Chatoessus insociabilis Abbott Proc. Philadelphia p. 365 von
Kew-Jersey.
EsOCeS. Er. V. Hagen ow erzählt, dass ein Hecht gefangen
wurde, der einen Goldammer, Emberiza citrinella, verschluckt hatte.
Archiv des Vereins der Freunde der Katurgesch. in Mecklenburg
1860. p.453.
Muraenoidei. Abbott beschrieb Pioc. J'hiladelphia p. 475 fol-
gende aalartige Fische aus dem Museum seiner Akademie : Herpe-
toichthys callisoma aus dem pacifischen ücean, Pisoodonophis magni-
fica von den Sandwichinseln, Muraena acutirostris Sandwichinseln,
Thyrsoidea Kaupii und eurosta ebenfalls von den Sandwichinseln, Th.
concolor von Vera-Cruz.
Muraetia dizona Timor 6 und Ophisurus cheilopogon Celebes 13
von Badjoa sind neue Arten von Bleeker.
Kaup stellte eine neue Gattung F orobr onchus Annais nat.
bist. VI. p. 272 auf, über deren systematische Stellung er selbst sehr
zweifelhaft ist, sie gehöre vielleicht in die Nähe von Saccopharynx.
Kopf und Kehlsack gross; Augen ziemlich gross, am Mundwinkel ;
keine Zähne ; keine Brustüossen ; Körper linear mit fadenförmigem
356
Troschel: Bericht üb. d. Lcist. in d. Ichthyologie
«chwanzende; Rücken- und Afterflosse gleich lang, erstere beginnt
über dem Ende des Kehlsackes, und besitzt einen längeren und stär-
keren Strahl; keine Schuppen. P. linearis von Messina.
LeptOCephalidae. Diese Familie, welche in neuerer Zeit mehr-
fach die Aufmerksamkeit der Zoologen auf sich gezogen hat, ist
wieder durch Kaup um einige neue Formen bereichert worden un-
ter denen auch eine neue Gattung ist: St om ins nnculus. Ohne
Bauchflossen, Rücken- und Afterflosse gegen das Ende des Körpers
und von der Schwanzflosse getrennt; Kopf gross mit einem Lappen
an der Sp.tze des Unterkiefers; Deckel „ach hinten vorgezogen mit
grosser Kiemenspalte; keine Zähne. S. barbatus von Messina. - Der
Gattung Leptocephalus werden zwei neue Arten L. Haeckelii und
Kefersteinii ebenfalls von Messina hinzugefügt. Annais nat. bist. VI.
p. 270.
^^. . Plectognathi.
'"*' Öollard hat das Skelett der Plectognatlien studirt
um daraus einen festeren Halt für die Classification zu ge-
winnen. Annales des sciences naturelles XIII. p. 5— 46.
Revue et Mag. de Zoologie XII. p. 171. mm&o
Verf. findet es bestätigt, dass die Ordnung der Plectognathen
in zwei Unterordnungen zerfallen müsse, in Sclerodermen und Gym-
nodonten. In ersterer unterscheidet er die Familien Balistidae
mit den'fribus Triacanthini, Baiistini und Monacanthini, und Ostra^
ctomdne mit den Tribus Aracanini und Ostracini. In letzterer
n.mml er drei Familien an: Loganiosomi oder Triodonini, Sphe-
rosomi mit den Tribus Tetrodonini und Diodonini, und Elipsomi
oder Orlhragoriscini.
Balistes Beeri und Monacanthus trachyderma sind neue Arten
von Bl eck er, erstere Celebes 13 von Badjoa, letztere Japan Tab. I.
fig. 4 von Nagasaki.
. ., Ganoidei.
•«''.-.^Demme hat das arterielle Gefässsystem von Aoipen-
serRuthenus als einen Beitrag zur vergleichenden Anatomie
der Ganoiden beschrieben und auf vier Tafeln dargestellt
Wien 1860.
Brutzcr schrieb in Dorpat „de Scaphirhyncho Rafi-
nescii disquisitiones anatomicae" eine Dissertation mit 2 Ta-
feln Abbildungen. Verf. handelt über die Haut und die
Schuppen , über die Muskeln und über die Eingeweide,
nämlich die Vordauungsorganc, Urogcnitalia und das Herz.
während des Jahres 1860. 157
Acipenser sturioides Ma]m Forhandl. skand. naturforsk. ottende
möde i Kjöbenhavn 1860. p. 618.
Selaehii.
Moreau fand bei Rochen und Haien die Rücken-
marksnerven aus zwei nebeneinander verlaufenden Nerven-
streifen bestehend , deren vorderer der vorderen Wurzel
entspricht und Bewegungsnerv ist, deren hinterer aus der
hinteren Wurzel entspringt und Einpfindungsnerv ist. Anna-
les des sc. nat. Xlll. p. 380.
Kölliker legte der Royal Society Dcc. 1859; An-
nais V. p. 323 eine Note „über die Structur der Chorda
dorsalis der Plagiostomen und einiger anderer Fische und
über die Beziehung ihrer eigenen Scheide zu der Entwik-
kelung der Vertebraten vor." — Er veröffentlichte dann in
den Verhandl. der phys.-med. Gesellsch. in Würzburg X.
p. 193 eine Abhandlung: „lieber die Beziehungen der Chorda
dorsalis zur Bildung der Wirbel der Selachier und einiger
anderer Fische." — In der Würzburger nalurw. Zeitschr. I.
p. 97 schrieb derselbe: „Ueber den Antheil der Chorda-
scheide an der Bildung des Schädelgrundes der Squalidae.
R. Molin Sullo scheletto degli squali. Mem. del imp.
reg. istituto vento di scienze Vol. VIII. p. 2.
Für den Zweck der Bestimmung fossiler Fischreste
im kurskischen eisenhaltigen Sandsteine hat Kiprijanoff
Untersuchungen über den Bau der Wirbel lebender Plagio-
stomen angestellt und Bull, de Moscou XXXIII. p. 608 sq.
veröffentlicht.
Kölliker hat in der Würzburger naturwiss. Zeit-
schrift I. p. 144 den histologischen Bau der Säge des Säge-
fisches geschildert.
Raje Meerdervoortii Bleeker Japan 6 von Nagasaki.
Cyclostoiui.
Ueber den Inhalt der Schleimsäcke der Myxinoiden und
die Epidermis der Neunaugen schrieb Kölliker in der
Würzburger naturw. Zeitschrift I. p. 1. Er hat sich über-
158 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Ichthyol, etc.
zeugt, dass die in den Schleimsäcken von Myxine enthal-
tenen Körper, die aus einem aufgewickelten Faden beste-
hen, Zellen mit eigenthümlichem Inhalt sind, lieber die
physiologische Bedeutung derselben, so wie über die Kör-
nerzellen in der Haut der Petromyzon , welche er für den
Fadenzellen der Myxinoiden entsprechend erklärt, ist Verf.
noch nicht ins Reine gekommen.
Beiträge zur Kenntniss vom Baue des Rückenmarkes
von Petromyzon fluviatilis L. lieferte Reissner in Reichert's
und du Bois-Reymonds Archiv 1860. p. 545 — 588.
Jouan erwähnte einer kleinen Art Lampreten, die
in einem steinigen fast trockenen Bache bei Sauxmenil vor-
kommt und die er geneigt ist für Petromyzon Planeri zu
halten. Mem. de la soc. de Cherbourg VII. p. 367.
Malm unterschied nach dem Zahnbaue unter den Schwedischen
Petromyronlen zwei Gattungen: 1) Lampetra Malm. Vier Zähne
an jeder Seite des Mundes, alle zweispitzig; mehrere Reihen einfa-
cher Unterkieferzähne; die Seitenspitzen an dem zusammengesetzten
Unterkieferzahne ungetheilt; der unpaare Zungenzahn vorn mit einer
Längsfurche. L. marina L. — 2) Petromyzon Art. ex p. Drei
zusammengesetzte Zähne an jeder Seite des Mundes , der mittlere
dreispitzig, die übrigen zweispitzig; keine Zähne im Unterkiefer aus-
ser dem zusammengesetzten Zahn, dessen äusserste Spitzen zweithei-
lig sind; der unpaare Zuugenzahn vorn convex ohne Andeutung
einer Längsfurche. P. fluviatilis L. , P. Omalii Van Beneden, P.
Planeri Bl. (Korhandl. ved de Skandinavisk Katurforskeres ottende
Mode i Kjöbenhavn 1860. p. 577.
Ammocoetes aepypiera Abbott Proc. Philadelphia p. 327 aus
dem Ohio.
Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
der Mollusken während des Jahres 1800.
Von
Troschel.
Von dem Manuel de Conchyliologie et de Paleontolo-
gie conchyliologique par le Dr. J. C. Chenu, dessen er-
stes Heft wir bereits im vorigen Jahresberichte erwähnt
haben, ist das zweite Heft erschienen, und mit ihm der
erste Band beendigt. Das Hauptverdienst dieses Handbuches
liegt in den vortrefflchen und überaus zahlreichen Holz-
schnitten, die in den Text eingedruckt sind , so zahlreich,
dass man fast sagen könnte, der Text sei zwischen die
Holzschnitte eingedruckt. Sie stellen nicht bloss die Typen
der Gattungen, sondern viele Arten dar, so dass das Buch
gleichsam eine Iconogrnphie einer nicht unbedeutenden,
mit allen typischen Formen versehenen Conchyliensamm-
lung bildet. Für das Bestimmen der Conchylien, nament-
lich für die Bestimmung der in neuerer Zeit so zahlreich
gewordenen Genera und Subgenera wird es eine grosse
Erleichterung bilden. Mehrere zierlich ausgeführte Abbil-
dungen in Farbendruck, wie einige Conus p. 249, Rotella
p. 353 , Helix p. 456 sind reizend hübsch ausgeführt. In
dem ersten Bande sind 3707 Figuren gegeben , die fast so
viele Species darstellen , da einige in verschiedenen An-
sichten abgebildet sind.
Von den „Novitates conchologicae, Abbildung und Be-
schreibung neuer Conchylien" erscheinen bekanntlich zwei
Abtheilungen. Die älteste derselben von Pfeiffer bringt
ausschliesslich Land - und Süsswasserconchylien. Mit der
160 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
zwölften Lieferung ist der erste Band abgeschlossen , und
dieser führt nun den Titel: „Novitates conchologicae. Se-
rier prima. Mollusca extramarina. Beschreibung und Ab-
bildung neuer oder kritischer Land- und Süsswasser-Mol-
lusken (mit Einschluss der Auriculaceen). Von Dr. Louis
Pfeiffer. Erster Band mit 36 colorirten Tafeln. Casscl
1854—1860.« Der Text ist bekanntlich französisch und
deutsch. Auffallend ist es , dass die erste Doppellieferung
des zweiten Bandes, die ebenfalls im Jahre 1860 erschie-
nen ist , mit fortlaufender Seitenzahl des Textes und mit
fortlaufenden Tafelnummern (37 — 42) versehen ist, was
wohl die Besitzer bestimmen wird , erst nach Vollendung
auch des zweiten Bandes das Werk binden zu lassen. In
der Form schliesst sich mit dem Beginne des zweiten Ban-
des der Text enger an die zweite von Dunker heraus-
gegebene Abtheilung , welche sich mit den marinen Con-
chylien beschäftigt, an. Während im ersten Bande zwei
für sich bestehende Texte , in deutscher und französischer
Sprache, gegeben wurden, sind im zweiten Bande beide
in zwei Spalten neben einander gedruckt, wodurch die Er-
sparung ermöglicht ist , dass die lateinischen Diagnosen
nicht mehr doppelt abgedruckt zu werden brauchen. —
Ausser Titel und Inhalt enthält die 12. Lieferung 4 Arten
Clausilia, 1 Hybocystis , 2 Pterocyclos, 6 Alycaeus, 1 Hy-
pselostoma und 6 Helix. — Die erste und zweite Lieferung
des zweiten Bandes enthalten 1 Streptaulus , 3 Pnpina, 2
Diplommatina, 3 Cyclophorus , 1 Leptopoma , 4 Helix, 3
Unio, 2 Achatina, nochmals 5 Helix, 3 Bulimus und 1 Acha-
tina. Unter den Arten sind die meisten schon früher von
ßenson aufgestellt w^orden. — Von der zweiten von
Dunker herausgegebenen Abtheilung erschien nur eine
Lieferung. In ihr sind 1 Mulinia, 1 Spondylus, 1 Plicatula,
1 Pinna, 2 Argonauta , 1 Cypraea (gangrenosa Sal. Var.,
früher als C. Reentsii aufgestellt) und 1 Cerithium darge-
stellt. Sämmlliche Arten sind bereits früher in der Zeit-
schrift für Malakozoologie von D unk er aufgestellt worden.
Von Küster's neuer Ausgabe des systematischen Con-
chyliencabinets von Martini und Chemnitz erschienen
der Mollusken während des Jahres 1860. 161
im Jahre 1860 vier Lieferungen (171 — 174). In ihnen ist
der Text der Gattung Purpura bis zum Schlüsse geführt
und enthält hier 109 Arten; die Gattung Concholepas ist
mit 2 Arten, Monoceros mit 14 Arten abgeschlossen. Die
Gattung Clausilia ist von No. 170 bis 247 fortgeführt;
ebenso die Gattung Cylindrella von 53 bis 93 und die Gat-
tung Achatina von No. 16 bis 64. In einem Nachtrage
zur Gattung Helix endlich sind einige in der zweiten Ab-
theilung dieser Gattung zurückgesetzte Arten enthalten.
Einige neue Arten der Gattungen Purpura und Clausilia sind
unten namhaft gemacht.
Das Jahr 1860 hat uns von Sowerby's Thesaurus
conchyliorum or figures and descriptions of recent Shells
das 20. Heft gebracht. Dasselbe enthält Monographien der
Gattungen Solenella , Neilo, Yoldia, Leda und Nucula, be-
arbeitet von Sylvanus Hanley; Dentalium und Harpa
von G. ß. Sowerby.
Die Gattung Dentalium besteht hier aus 49 Species, die auf 3
Tafeln abgebildet sind. Der Text enthält die kurzen Diagnosen ohne
Synonymie ; das Vaterland ist bei der Erklärung der Tafeln angege-
ben. — Die von Hanley bearbeitete Monographie der Nuculidae,
welche Familie der alten Gattung Nucula Lam. entspricht, ist von 5
Tafeln begleitet, enthält viel ausführlichere Diagnosen und stellt
bei der Tafelerklärung die Synonymie zusammen. Eigentlich neue
Arten sind nicht gegeben , da dieselben bereits in den Proceedings
zool. SOG. of London 1860 aufgestellt sind. Die Gattung zerfällt in
3 Sectionen, nämlich: Leda mit 56, Yoldia mit 11 und Portlandia
mit 6, zusammen 73 Arten. Die Gattung Nucula zählt 36 Arten, von
denen 21 einen gekerbten, 15 einen glatten Rand besitzen. Die Gat-
tung Solenella wird in zwei Sectionen getheilt, Solenella mit 2, Neilo
mit 1 Art. — In der Gattung Harpa endlich unterscheidet Sowerby
12 Arten, die auf 3 Tafeln dargestellt sind.
Von dem Berichte über die erschienenen Lieferungen der
Conchologia iconica von Lovell Reeve muss ich diesmal
abstehen. Ich werde ihn im nächsten Berichte nachholen.
Das Werk ist mir diesmal nicht zugänglich geworden.
Unter dem Titel: „Filum ariadneum , methodus con-
chyliologicus denominationis sine quo chaos" hat Bour-
guignat Paris 1860. 8. eine Schrift verfasst, über die ich,
da sie mir nicht zugänglich geworden ist (der Verf. hat
Archiv f. Naturg. XXVIL Jahrg. 2. Bd. L
162 Troschel: Bericht üb. d. I.eist. in d. Naturgeschichte
nur 100 Exemplare abziehen lassen) nur nach einer An-
zeige in der Revue et mag. de Zoologie p. 185 berichten
kann. Verf. prült in 14 Capiteln die Regeln , welche bei
der Bildung der Namen von Klassen, Ordnungen, Familien,
Galtungen und Arten maassgebend sein sollen. Er handelt
über die Namen von falschen Localitäten, über die schlecht
latinisirten über die Endigungen , über die Worte pseudo
und sub, über die Endigung oides, von der Varietät, über die
Namen der Sectionen und Gruppen, über die doppelten An-
wendungen, über Anteriorität und Synonymie. Der Berichter-
statter , Herr Guerin-Meneville, hält die Schrift nicht
allein für Malacologen , sondern auch für Zoologen über-
haupt brauchbar, und bedauert die geringe Auflage. Vergl.
auch Journ. de Conchyl. VIII. p. 222.
E. V. Martens spricht sich über Martyn und seine
Nomenclatur aus, und erörtert die Frage, in wie weit des-
sen Namen Autorität haben. Dessen Genusnamen gesteht
er keine Autorität zu , seinen Speciesnamen nur, soweit
sie in die Linne'sche Form passen. Wenn sich schliesslich
Verf. gegen die rücksichtslose Herstellung der alten ver-
schollenen Namen ausspricht, so muss ich ihm freudig bei-
stimmen. Malakozoologische Blätter p. 141.
Mörch möchte die Mollusken mit den Wirbelthieren
in sofern vergleichen, als, wie bei diesen, die Circulations-
organe zwei Abtheilungen begründen. Seine Pulmonata
und Zoophaga mit einer Vorkammer und einer Herzkammer
sollen den Säugelhieren und Vögeln , dagegen seine Aspi-
dobranchia und Acephala mit zwei Vorkammern den Am-
phibien und Fischen entsprechen. Die Acephalen würden
dann den Fischen zu vergleichen sein. Ich habe hierge-
gen um so mehr einzuwenden, als mir die Pulmonata und
Zoophaga ebensowenig natürliche Klassen zu bilden schei-
nen wie des Verf. Aspidobranchia. Malakozoologische Blät-
ter p. 170 u. 177.
Petit de la Saussaye hat seine Ansichten über
Art und Varietät bei den Mollusken entwickelt. Journal de
Conchyliologie VIII. p. 13.
Ueber die Wachsthumszcit der Schnecken setzte S p o r-
der Mollusken während des Jahres 1860. 163
leder seine Beobachtungen fort (vergl. Archiv 1859. II.
p. 280). Diesmal betrefTen dieselben 1) Balea fragilis, die
als lebendiggebärend erkannt wurde, und deren Brut im
nächsten Juli ausgewachsen ist, 2) Pupa bigranata Rossm.,
welche sehr entwickelte Eier legt , so dass die Thierchen
schon am folgenden Tage umherkriechen, und welche in
Zeit von etwa einem Jahre auswachsen. Älalak. Bl. p. 115.
31argohat Untersuchungen über die Muskelfasern
der Mollusken angestellt. \Viener Sitzungsberichte 39.
p. 559—582 mit 2 Tafeln Abbildungeu.
Macdonald tritt als Vertheidiger der Ansicht auf,
dass der Deckel der Schnecken der zweiten Schale der
Muscheln entspreche. On the Homologies of the so-called
Univalve Shell and its operculum. Journ. of the proc. Lin-
nean Soc. V. p. 204.
Lewis in Mohawk, New -York, hat die Vermuthung
ausgesprochen, dass die schöne Farbe einiger Unionen von
einem Oxyd oder Salz des Goldes herrühren möchte, wo-
gegen Lea seine Bedenken äussert. Proc. Philadelphia
1860. p. 88; Proc. Boston Soc. YII. p. 245.
To upiolle lobt den Geschmack und die Nahrhaf-
tigkeit der Helix aspersa und erzählt^ dass auf ile de Re
etwa 600000 Stück verzehrt und mit 24000 Francs bezahlt
werden. Sie werden nur in den Weinbergen gesammelt.
Journ. de Conchyl. VIII. p. 128.
In Beziehung auf Faunen und die geographische Ver-
breitung der Mollusken sind ziemlich zahlreiche Arbeiten
zu erwähnen.
M'Andrew machte eine Bemerkung über die ver-
hälthissmässige Grösse der marinen Mollusken in verschie-
denen Breiten der Europäischen Meere, und behauptet, dass
die Grösse nicht nach Norden zu- oder abnimmt, sondern
dass jede Species in der Breite am grössten und zahlreich-
sten wird, die für ihre allgemeine Entwickelung am besten
geeignet ist, und dass die Art, sei sie arctisch , boreal,
celtisch oder lusitanisch, in der Region am grössten wird,
der sie eigentlich angehört. Annais nat. bist. V. p. 116.
— Jeffreys hält dagegen seinen früheren Ausspruch auf-
164: Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. lNaturgescb4chte
recht , dass im Allgemeinen die Grösse der Exemplare mit
der nördlichen Breite abnimmt, mit der südlichen dagegen
zunimmt (ib. p. 197), wogegen denn M'Andr ew ib. p. 311
abermals seine Stimme erhebt.
Morel et hält es, in Erwiederung der Erörterungen
Petit de la Saussaye's im vorigen Jahre über die Ver-
breitung und die Wanderungen der Mollusken, noch nicht
an der Zeit, mit Erfolg die so dunkele Frage über den Ur-
sprung der Mollusken zu beantworten. Journ. de Conchyl.
VIII. p. 173.
Daniel ssen hat auf einer Sommerreise die Fauna
der wirbellosen Thiere an der Küstenstrecke von Stat bis
zum Eingange des Busens von Dronlheim untersucht und
im 2. Hefte des 4. Bandes der Kongelige Norske Viden-
skaberne Selskaps Skrifter i det 19. Aarhundrede Bericht
erstattet. Daselbst findet sich p. 126 — 152 das Verzeichniss
der Mollusken mit Angabe der Häufigkeit und des näheren
Vorkommens.
Verf. zählt auf: l.Teredo, 2 Saxicava, 2 Mya, 1 Corbula, 5 Neaera,
1 Thetis (Poromya, Embla), 1 Lyonsia, 4 Thracia, 2 Solen, 2 Psamnio-
bia, 6 Teilina, 2 Syndosmya, 1 3Iactra, 3 Tapes , 4 Venus, 1 Artemis,
1 Lucinopsis, 1 Cyprina, 4 Astarte, 1 Isocardia, 6 Cardium. 2 Lucina,
3 Axinus , 3 Montacuta , 1 Turtonia , 2 Kellia , 1 Mytilus, 1 Modiola,
3 Crenella , 3 Nucula , 2 Leda , 2 Yoldia , 3 Area, 1 Pectunculus,
4 Lima, 11 Fecten , 1 Ostrea , 4 Anoniia, zusammen 98 Äluscheln;
3 Brachiopoden; 1 Pteropoden; 7 Chiton, 2 Patella, 2 Acmaea, 1 Pi-
lidium , 1 Lepeta, 1 Dentalium, 1 Pileopsis, 1 Puncturella, 2 femar-
ginula, 5 Trochus, 3 Margarita , 1 Scissurella, 3 Littorina, 1 Lacuna,
6 Rissoa, 1 Skenea, 1 Turritella, 1 Aponhais, 4 Cerithium, 2 Scala-
ria , 3 Eulima , 2 Chemnitzia , 2 Odostomia , 1 Eulimella , 3 Natica,
1 Velutina, 1 Trichotropis , 1 Cancellaria, 1 Cerithiopsis, 1 Purpura,
3 Kassa, 2 Buccinum, 2 Fusus, 2 Tiophon, 9 Mangelia, 2 Pleurotoma,
1 Cypraea, 5 Cylichna, 2 Amphisphyra, 1 Tornatella, 1 Akera, 1 Bulla,
2 Scaphander, 4 Philine, 1 Doris, 1 Triopa , 1 Eolis, zusammen 102
Schnecken; in Summa 204 Mollusken.
Malm fügte der Skandinavischen Fauna einige Mol-
lusken hinzu:
Lucina ferruginosa Forb. Hanl. , Nucula tutnidula n. sp, , Pro-
pilidium ancyloide Forb. Hanl., Rissoa lactea Mich., Skenea divisa
Flem., Chemnitzia rufa f'hil , indislincta Mont., Odonlostomia umhili-
. der Mollusken während de? Jahres 1860. 165
caris n. sp.. nitida Alder . Trophon Mörchii n. sp. Forhandl. skand.
naturforsk. i Kjöbenhavn 1860. p. 620.
Die lebenden Heliceen der Provinz Preussen verzeich-
nete Hensche Malakozoologische Blätter p. 1. Es scheint,
als ob Verf. auch ferner der Mollusken-Fauna dieser Pro-
vinz seine Aufmerksamkeit zu schenken beabsichtigte. Es
sind 44 Arten verzeichnet, nämlich : 1 Vitrina, 2 Succinea,
21 Helix, 1 Bulimus , 2 Achatina. 7 Pupa, 10 Clausilien.
Gwyn Jeffreys hat einige 3Iollusken des nördli-
chen Harzes verzeichnet, mit Angabe der näheren Fund-
orte. Verf. wundert sich, in diesem Bezirke, der fast pa-
rallel dem südöstlichen Theile Grossbritaniens liegt, so viele
Arten zu finden , die dort fehlen. Annais nat. bist. VI.
p.34S.
In dem XlII. Jahresberichte des naturhistorischen Ver-
eins in Augsburg (1860) hat Walser die Land- und
Süsswasser-Molliisken in der Umgebung von Schwabhausen
in Oberbaiern verzeichnet . so weit er sie in einem Um-
kreise von etwa 4 geomeirischen Stunden beobachtet hat.
In einem späteren Nachtrage sind einige Limax-Arten hin-
zugefügt.
Somit kennt Verf. von dort: 2 Ancylus . 2 Arion . 6 Limax,
3 Succinea, 2 Vitrina. 15 Helis. 2 Bulimus, 1 Achatina. 3 Clausilia,
2 Pupa. 3 Vertigo. 1 Carvchium, 8 Plauoibis . 2 Physa, S Lininaeus,
3 Paludina (incl. Bythinia), 1 Valvata, 2 Anodonta, 2 Unio (indem 6
Arten als Varietäten zu batavus gezogen werden). 2 Cyclas, 3 Pisi-
dium, also 64 Schnecken und 9 Muscheln, zusammen 73 Arten.
Gredler hat die von ihm im N'ordosten Tirols, einem
bis dahin conchyliologisch noch fast gänzlich unbekannten
Gebiete, gesammelten Conchylien in den Verhandl. zool.-bot.
Gesellsch. X. p. 802 verzeichnet.
Es sind 3 Succinea, 2 Vitrina, 22 Helix. 1 Achatina, 1 Buli-
mus, 5 Pupa, 8 Clausilia, 1 Carychium , 2 Planorbis, 4 Limnaeus,
1 Valvata. 1 Anodonta. 1 Pisidiura.
Nachträglich habe ich ein seiner Zeit übersehenes Ver-
zeichniss der Land- und Wasser- Mollusken Graubündens
von J. G. Am Stein zu erwähnen, welches bereits 1858
im Jahresberichte der naturforschenden Gesellschaft Grau-
bündens, Neue Folge III. Jnhrgnng p. 68 erschienen war.
166 Tr ose hei: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Das Verzeichniss enthält; 1 Arion, 2 Limax, 2 Vitrina, 2 Suc-
cinea, 38 Ilelix, 7 Bulimus, 9 Pupa, 10 Clausilia (incl. Balea), 3 Ver-
tigo, 1 Carychiuni, 5 Limnaeus, 1 Flanorbis und 1 Paludina, zusam-
men 82 Arten.
Im XI. Jahrgange der Verhandlungen und Mitlheilun-
gen des siebenbürgischen Vereins für Naturw. zu Hermann-
stadt 1860 ist eine grössere Arbeit vonBielz erschienen:
„Vorarbeiten zur Fauna der Land- und Süsswassermollusken
Siebenbürgens." Die ersten drei Nummern dieser Arbeit
sind mir nicht zur Hand, und der Schluss ist im lolgcnden
Jahrgange zu erwarten. In den mir vorliegenden Abschnit-
ten sind abgehandelt: 9 Hyalina (Helix hyalina Fer. wird
Hyalina vitrea genannt), 31 Helix, 6 Bulimus, 1 Acicula.
Nachträglich will ich ferner bemerken, dass in Mous-
sons Schrift über die von Dr. Schaefli im Orient ge-
sammelten Conchylien (vergl. vor. ßer. p. 324) laut einer
Anzeige im Journ. de Conchyl. VIII. p. 217 von Corfu 31,
von Cephalonia 24, vom Strande von Epirus 25, aus dem
Innern von Epirus 43, aus Bulgarien 25 Arten beschrie-
ben sind. Der Vollständigkeit wegen werden unten die
14 neuen Arten aufgeführt.
Im Journal de Conchyliologie VIII. p. 234—260 ver-
vollständigt Petit de la Saussaye den von ihm in der-
selben Zeitschrift früher veröffentlichten Catalog der mari-
nen Mollusken , welche an den Küsten Frankreichs leben.
Der Verf. kennt nunmehr aus dieser Fauna 542 Arten.
Catalogue des Mollusques terrestres et fluviatiles ob-
serves ä l'etat vivant dans les environs de Caen. Par A.
de THöpital. Caen 1859. Hier sind 94 Arten verzeichnet.
Catalogue critique et malacostatique des Mollusques
de Savoie et du bassin du Leman par Mm. Dumont et
Mortillet Geneve 1857 ist seiner Zeit in dem Berichte
übersehen und daher hier der Vollständigkeit wegen nach-
zutragen.
Malacologie terrestre de l'ile du chateau d'If pres de
Marseille, par M. Bourguignat. Paris 1860. 8. Diese
Schrift ist mir aus den Anzeigen in Bevue et mag. de Zoo-
logie X, p. 183 und Journ. de Conchyl. VIII. p. 221 bekannt
der Mollusken während des Jahres 1860. 167
geworden. Auf diesem Felsen, auf welchem sich ungeheure
Fortificationen erheben, findet sich ein Stück Erdboden von
80 Fuss Länge und 20 Fuss Breite, auf welchem der Verf.
am 10. Januar 1858 während drei Stunden malakologische
Nachforschungen angestellt hat. Er fand hier 18 Arten,
die 6 Gattungen angehören, und darunter sogar zwei neue
Helix-Arten. Es sind 2Zonites, 9 Helix, 1 Bulimus, 1 Fe-
russacia, 1 Clausilia und 4 Pupa.
Strobel, Sulla distribuzione oro-geografica dei Mol-
luschi in Lombardia , Atti della societä italiana di scienze
naturali. Vol. II. fasc. I. Milano 1860 ist mir nicht zur An-
sicht gekommen.
Lowe hat bei Mogador an der westafrikanischen
Küste während eines kurzen Aufenthaltes Mollusken ge-
sammelt, und vergleicht diese Fauna mit denen von Eng-
land, den Canarischen Inseln, Madeira und Senegal. Journ.
Proc. Linnean Soc. V. p. 169—204.
Verf. spricht zuerst von den See- und Süsswasser-Mollusken,
deren er 90 Arten aufzählt, nämlich 2 Pholas, 1 Saxieava, 1 Petri-
cola, 1 Venerupis , 1 Pandora, 1 Solen, 1 Psanimobia , 4 Teilina,
1 Scrobicularia , 2 Donax , 3 Maclra , 1 Lutraria, 2 Tapes, 2 Venus,
1 Artemis, 1 Lucinopsis , 1 Cardiuui , 2 Cardita, 2 Lucina, 1 Unio,
1 iMytilus, 1 Nucula, 4 Area, 1 Pectunculus, 1 Lima, 3 Pecten, 1 Ano-
niia; 3 Patella, 1 Siphonaria , 1 Hipponyx, 2 Fissurella, 1 Haliotis,
1 Solarium, 8 Trochus, 1 Phasianella, 1 Turritella, 3 Scalaria, 1 Me-
lanopsis, 1 Natica, 1 Sijraretus, 1 Murex, 2 Triton, 2 Purpura, 2 Co-
lumbella, 1 Älitra , 3 Kassa, 1 Buccinum, 1 Cassis, 1 Conus, 1 Cym-
bium, 4 Cypraea , 1 Marginella , 1 Tornatella, 1 Melampus , also 43
Muscheln und 47 Schnecken. Darunter ist 1 Trochus neu. Von ihnen
kommen 49 — 53 auch in Britanien vor, 39 — 44 auch an den Canari-
schen Inseln, 27 auch an Madeira und 17 auch am Senegal ; ferner
sind darunter drei niittelmeerische, eine westindische und zwei süd-
spanische (Süsswasser-) Arten- Zu vielen der Arten macht Verf.
Bemerkungen , einige werden beschrieben. — Die Landschnecken
haben das Ansehen südeuropäischer Formen. Von den 15 verzeich-
neten Arten kommen acht auch im südlichen Europa, eine auch auf
den Canarien vor, sechs sind marokkanisch. Es sind 9 Helix, 4 Bu-
limus und 2 Achatina. 2 Helix, 1 Bulimus und 1 Achatina sind neu.
Einige Bemerkungen über die Mollusken an der Küste
der False-Bay am Cap von Frauen feld findet sich Ver-
168 Tioschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
handl. zool.-bot. Gesellsch. in Wien X. p. 87. — Desglei-
chen über einige Mollusken auf den Nicobaren ib. p. 369.
Dämon giebt ein Verzeichniss von in der Nachbar-
schaft von Jerusalem gesammelten Mollusken, das si^'h auf
38 Arten beläuft. Bei dieser Gelegenheit wird bestätigt,
dass kein Mollusk , auch wohl überhaupt kein Thier, im
todten Meere lebt , und dass nur todte Schalen von Mela-
nopsis und Neritina darin gefunden werden, die durch den
Jordan herabgespült worden sind. Annais nat. bist. VI. p. 312.
Bereits im Jahre 1859 erschien in den Memoires pre-
sentes ä Tacad. imp. des sc. de St. Petersbourg par divers
savants Tom. IX. p. 505 — 548 eine interessante Arbeit von
Gerstfeldt „Ueber Land - und Süsswasser-Mollusken Si-
biriens und des Amurgebietes, mit einer Tafel." Vergl.
Journ. de Conchyl. VIII. p. 396. — Maack hatte Gele-
genheit Conchylien im Baicalsee zu sammeln und mit ihm
fuhr Verf. den Amurfluss hinab , wobei gleichfalls den
Mollusken Aufmerksamkeit geschenkt wurde. Die Samm-
lung des Verf. enthält 57 Arten , nämlich : 3 Paludina, 2
Bythinia, 1 Hydrobia, 1 Melania, 3 Valvata, 1 Arion, 1 Vi-
trina, 1 Succinea, 14 Helix, 1 Achatina, 2 Pupa, 1 Auricula,
5 Limnaeus (auricularius mit ovatus und vulgaris zusam-
mengezogen), 2 Physa, 8 Planorbis, 1 Ancylus, 1 Choa-
nomphalus nov. gen., 1 Acicula, 2 Cyclas, 1 Pisidium,
2 Unio^ 3 Anodonta , also 49 Schnecken und 8 Muscheln.
Aus Sibirien mit Einschluss des Amurlandes werden 79 Ar-
ten aufgezählt und bei den einzelnen Arten Bemerkungen
über die geographische Verbreitung gemacht. Das eigent-
liche Sibirien mit Kamtschatka besitzt 63 , das Amurland
42 Arten Land- und Süsswasser -Mollusken , von denen
beiden Gebieten 26 gemeinschaftlich sind. Von den 16 im
Amurlande, nicht aber in Sibirien gefundenen Arten kom-
men 4 auch in Europa vor, so dass anzunehmen ist, man
werde sie auch in West- und in Ost-Sibirien finden; die
übrigen 12 scheinen, bis auf 2 chinesische, dem Amurlande
cigenthümlich zu sein und bilden fast alle neue Arten. Von
den 63 sibirischen Arten finden sich 49 auch in Europa,
11 Arten dürften Sibirien eigenthümlich sein. Verf. glaubt
der Mollusken während des Jahres 1860. 169
eine nord-europäisch-asiatische Molluskenfauna annehmen
zu können, die das ungeheure Ländergebiet umt'asst, das
zwischen dem atlantischen Ocean und dem ociiotskischen
Meere einerseits , so wie zwischen dem Eismeere und den
grossen, Europa durchziehenden Gebirgsketten und dem
Hochlande Mittel - Asiens andererseits liegt. Diese Fauna
wird durch das Vorherrschen von Erd- und Gebüsch-
schnecken, so wie von Limnaeaceen charakterisirt.
E. V. Martens hat vor seiner Reise nach Japan Ge-
legenheit gehabt, die Japanischen Binnenschnecken im Leid-
ner Museum, welche von v. Siebold gesammelt wurden,
zu untersuchen und in den Malak. Blättern p. 32 zu be-
schreiben. Verf. findet eine nahe Verwandtschaft mit in-
dischen und chinesischen Arten und ist geneigt die japa-
nischen Inseln in den grossen Faunenkreis dieser Länder
einzureihen; er vermuthet aber, dass dies nur von den
südlicheren Inseln gelte. Eine Annäherung an Nordamerika,
Sibirien oder Europa ist in den Binnenmollusken bis jetzt
nicht zu bemerken. Die neuen Arten sind unten mit-
getheilt.
Unter Benutzung der Arbeiten von Jay (Narrative of
the expedition of an American squadron to the China seas
and Japon. Washington 1856) hauptsächlich aber und sich
ganz anschliessend an die eben besprochenen von v. Mar-
tens hat Crosse im Journ. de Conchyl. Vlll. p. 386 ein
Verzeichniss der bisher bekannten Land- und Süsswasser-
Mollusken von Japan zusammengestellt. Das Verzeichniss
enthält 10 Helix, 1 Bulimus, 4 Clausula, 2 Limnaeus, 1 Cy-
clophorus, 1 Pupina , 1 Truncatella, 3 Paludina, 3 Melania,
5 Neritina, 3 Unio, 1 Cyrena ; zusammen 35 Arten.
Arthur Adams stellte neue Conchylien- Arten auf,
die für fast ebenso viele neue Gattungen die Typen bilden,
und welche er bei Tsu-Sima in der Strasse von Korea ge-
sammelt hatte. Leider sind nirgends die Maasse oder An-
gaben über die Grösse mitgetheilt; die Stellung der neuen
Gattungen im Systeme ist auch meist nicht sicher ange-
deutet. Es lässt sich wohl hoffen, dass Verf. später diese
Conchylien ausführlicher beschreiben und abbilden werde.
170 Troschcl: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Wir führen die einzelnen Gattungen unten bei den Familien
an, mit deren Gattungen sie Verf. vergleicht. Annais nat.
bist. V. p. 299 u. 405.
Von Martens lieferte eine Arbeit über die Mol-
lusken von Siam in Proc. zool. Soc. p. 6, nachdem er Ge-
legenheit gehabt hatte, in London mehrere Sammlungen zu
untersuchen. Er zählt auf: 1 Vitrina , 8 Nanina, 3 Helix,
2 Bulimus , 2 Stenogyra , 1 Succinea ; 1 Cyclotus, 1 Opi-
sthoporus , 1 Pterocyclus , 1 Alycaeus , 3 Cyclophorus, 1
Megalomastoma, 1 Omphalotropis ; 1 Planorbis, 3 Ampulla-
ria, 4 Paludina, 2 Melania, 1 Melanopsis, 12 Unio, 2 Ano-
donta , 1 Spatha , 1 Cyrena ; so wie einige Seeconchylien,
unter denen eine Area und eine Teilina neu. Die Arten
sind nicht überall bestimmt; andere sind als neu beschrie-
ben, und diese letzleren sind unten namhaft gemacht.
Zollinger hat über die Höhenverbreitung und das
Vorkommen der Land- und Süsswasser-Mollusken auf Java
und den Sunda -Inseln geschrieben. Vierteljahrschrift der
naturf. Gesellsch. in Zürich. Jahrg. IL Heft 3; daraus über-
setzt Natuurk. Tijdschr. Ned. Indie XXL p. 317. Verf. un-
terscheidet vier Zonen: 1) die eigentliche Strandzone, wo
die Mollusken leben , die theils abwechselnd bei der Fluth
im Wasser , bei der Ebbe in der Luft leben, theils wahre
Amphibien sind; 2) die Ebene; 3) die Hügelstrecke von
500—2000' und 4) das eigentliche Gebirge von 2000—11000'.
Die Trockenheit hat in Indien denselben Einfluss auf die
Mollusken, wie in Europa die Kälte; sie verkriechen sich
und kommen nur nach gefallenem Regen wieder zum Vor-
schein. Bulimus interruptus legt seine Eier in ein zusam-
mengerolltes und verklebtes Blatt.
Jardin versichert, dass an den Marquesas - Inseln
verhältnissmässig die Molluskenfauna nicht sehr reich sei.
Er zählt 3 Cephalopoden , 96 Schnecken und 22 Muscheln
auf, zusammen 121 Arten, die jedoch nur sehr oberfläch-
lich, vielfach nur der Gattung nach bestimmt sind. Die
artenreichsten Gattungen sind Conus und Cypraea. Einige
Arten werden für neu gehalten aber nur eine Natica eini-
der Mollusken während des Jahres 18ß0. 171
germassen charakterisirt. Memoires de la soc. de Cher-
bourg VI. p. 186.
Das bereits im vorigen Jahre (vergl. vor. Ber. p. 325)
begonnene Verzeichniss der Mollusken des Caledonisclien
Archipels hat Fischer Journ. de Conchyl. VIII. p. 193 u.
352 fortgesetzt.
Es enthält an Gasteropoden : 1 Janthina, 1 Dolabella, 6 Bulla,
2 Tornalella , 1 Patella, 1 Lottia , 1 Hipponyx, 3 Siphonaria, 1 Par-
mophorus, 1 Eniarginula, 2 Narica, 6 INatica, 6 Kerita, 1 Neritina, 2 Cy-
closloma, 1 Helicina, 3 Melampus, 1 Cassidula, 1 Plecotrenia, 1 Physa,
1 Siiccinea , 1 Piipa, 4 Kulinius , 4 Helix, 1 Stomalella, 1 Microtis,
2 Ilaliotis, 1 Kotella, 3 Trochus, 1 Delphinula, 3 Solariunj, 1 Phasianella,
8 Turbo, 1 iModulus, 6 Liltorina, 2 Scalaria, 1 Triphoris, 6 Cerithium,
1 Quoya, 2 Phos, 11 Nassa , 2 Buccinum, 2 Columella, 12 Purpura,
12 Ricinula , 5 Murex , 1 Fasciolaria, 7 Turbinella, 1 Cancellaria,
5 Ranella, 7 Triton, 2 Doli um, 1 Pterocera, 10 Strombus, 2 Terebel-
lum, 7 Pleurotoma, 1 Ancillaria. 4 Oliva. Im Ganzen 183 Arten. Da
noch eine Fortsetzung verheissen ist, wird sich die Zahl noch ver-
mehren.
lieber die Molluskenfauna bei Auckland auf Neusee-
land berichtet v. Frauen fei d in den Wiener Sitzungs-
ber. Bd. 38. p. 735, dass zwei Limax nicht selten unter
Steinen vorkommen, von Sclialenschnecken nur sehr kleine
Arten. In den Bächen und Sümpfen leben kleine Paludi-
nen, Lymnäen und Ancylus, so wie im Waikato-River Unio
Menziesii sehr häufig.
Derselbe fand ib. p. 745 an der Küste von Taiti die
Gattungen Conus, Terebra , Cypraea und Mitra an Arten,
Trochus an Individuen vorherrschend. In den Flüssen bis
ins Meer finden sich Neritinen, Navicella, Melania, im Walde
Partula taitana in zahlloser Menge, eine Helicina, 2 — 3 Lim-
naeen und eine Hydrocena.
Harper Pease beschrieb eine Anzahl neuer Arten
von Notobranchiaten von den Sandwichinseln, unter denen
auch mehrere neue Gattungen aufgestellt sind, so wie zahl-
reiche neue Arten anderer Mollusken. Proc. zool. soc.
p. 18 u. 141. Die einzelnen sind unten namhaft gemacht.
Unter dem Titel Check -Lists of the shells of North
America hat die Smithsonian Institution mehrere Mollusken-
verzeichnisse herausgegeben. Washington 1860. 8. Das
172 Troschel: Bericht üb. d. Lcist. in d. Naturgeschichte
A^erzeirhniss von Oregon und Califol'nien ist von Carp en-
ter bearbeitet und enthält 4 Brachiopoden, 128 Muscheln,
173 Schnecken , zusammen 305 Arten. Das Verzeichniss
von der Westküste , Mexiko und Panama gleichfalls von
Carpenter, 13 Bryozoen, 1 Brachiopoden, 350 Muscheln,
825 Schnecken, zusammen 1189 Arten. Das Verzeichniss
des Polarmeeres bis Georgia herab ist von Stimpson zu-
sammengestellt und umfasst 27 Bryozoen, 29 Tunicaten, 5
Brachiopoden, 189 Muscheln, 248 Schnecken, 16 Cephalo-
poden und 46 zweifelhafte Arten , zusammen 560 Arten.
Das Verzeichniss der Landschnecken Nord -Amerikas von
Binney zerfällt in drei Sectionen ; 1) pacifische Küste mit
58 Arten , 2) das östliche Nordamerika mit 237 Arten , 3)
Mexiko mit 167 Arten, zusammen 462 Arten. Das Ver-
zeichniss der nordamerikanischen Süsswasser - Schnecken
beläuft sich auf 610 Arten. Das Verzeichniss der Cycladen
von Tempi e Prime hat 69 Arten; das der Unionen von
Lea bearbeitet weist 552 nordamerikanische und 36 Arten
von Mexiko und Central-Amerika auf.
Binney machte Bemerkungen über die geographische
Verbreitung der Land- und Süsswasser - Schnecken Nord-
Amerikas und stellte die Resultate in einer Tabelle zusam-
men. Danach giebt es 117 Arten in der Pacihschen Re-
gion, 770 in der atlantischen Region, 11 beiden gemein-
schaftliche, 177 mexikanische, mit Ausnahme der Westküste,
17 der mexikanischen und atlantischen Region gemeinsame,
13 grönländische, zusammen 1048 Arten, unter denen 305
Melanien und 167 Helix. Proc. Philadelphia 1860. p. 49.
Das in den Jahren 1858 begonnene und 1859 fortge-
führte Verzeichniss der Land -Mollusken von Nordamerika
hat Binney nun Proc. Philadelphia p. 150 beendigt. Es
beläuft sich im Ganzen auf 402 Arten.
A.A. Gould stellte eine grosse Anzahl neuer Con-
chylien von der United States North Pacific Exploring Ex-
pedition auf. Proc. Boston Soc. VIL p. 323, 382 u. 400.
Sie sind unten einzeln aufgeführt.
Anthony charakterisirte eine beträchtliche Anzahl
neuer Arten amerikanischer Fluss-Sclinerken, die den Gat-
der Mollusken während des Jahres 1860. 173
tungen Melania, Gyrotoma , Anciilosa, Jo und Paliidina an-
gehören; die einzelnen sind unten namhaft gemacht. Proc.
Philadelphia 1860. p. 55.
In einem Aufsatze in Annual report of the board of
regents of the Smithsonian Institution for the Year 1859.
Washington 1860. p. 159—219. .Xectures on the Shells of
the Gulf of California" schildert Carpenter eigentlich
nur die zahlreichen auf Spondylus calcarifer parasitisch
lebenden Mollusken in populärer Weise. Patellen, Caly-
ptraeen, Vermeten , Chitonen, Gastrochaena und einige an-
dere Muscheln kommen zur Sprache.
Willis hat an der Küste von Neu-Schottland Wald-
heimia cranium und Littorina littorea gefunden, die von den
europäischen Formen nicht zu unterscheiden waren. Proc.
Philadelphia p. 148.
Sanderson Smith schrieb über die Mollusken der
Peconic-Bucht und Gardiners-Bucht von Long-Island. Un-
ter den 96 dort vorkommenden Arten sind 1 Cephalopode,
45 Prosobranchiaten , 1 Lungenschnecke , 3 Tectibranchia-
ten, 1 Nacktkiemer und 45 Lamelliferen. Ausserdem sollen
18 bis 19 Tunicaten daselbst vorkommen. Vier neue Arten.
Eine Tabelle über die geologische und geographischeVerbre'i-
tung der Arten ist angehängt. Annais Lyceum New-York
VII. p. 147—168. Vergl. den vor. Ber. p. 326.
James Lewis verzeichnete die Mollusken, welche in
der Umgebung von Mohawk, New-York, vorkommen. Es
sind 8 Unio, 3 Margaritana , 7 Anodonta, 6 Cyclas, 6 Pisi-
dium, 3 Paludina, 3 Melania, 4'Amnicola, 2 Valvata, 7 Lim-
naeus, 3 Physa, 7 Planorbis , 3 Ancylus, 20 Helix, 3 Suc-
cinea, 1 Bulimus, 2 Pupa, 2 Vertigo und 1 Carychium. Die
Versuche, einige Unionen in den Erie- Kanal zu übersie-
deln, scheinen nicht gelungen. Von Limnaeus catascopium
bildeten sich in anderen Localitäten , wohin die Eier ge-
spült waren, Abänderungen von der Form von elodes und
von emarginata. Proceed. Philadelphia 1860. p. 17.
Eine Liste der Conchylien des Staates Wisconsin hat
Lapham Proc. Philadelphia p. 154 zusammengestellt. Sie
enthält 60 Schnecken und 37 Muscheln.
174 Tioschcl: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Catalogue of the recent murine Shells found on the
coasts of North- and Soulh - Carolina by J. D. Kurtz.
Portland 1860, ist mir nur aus der Anzeige in Silliman
Amer. Journal 39. p. 294 bekannt geworden. Die Zahl der
Species beträgt 204. Die 4 neuen Arten sind unten nam-
halt gemacht.
Stimpson verzeichnete in Silliman Amer. Journ. 39.
p.442 die Mollusken, 178 Arten, welche er bei Beaufort
in Nord -Carolina beobachtet hat. Eine neue Lingula ist
beschrieben.
Die Beiträge zur Molluskenfauna der Insel Cuba von
Pfeiffer und Gundlach sind in Folge einer neuen Sen-
dung des Letzteren fortgesetzt. Malakozoologische Blätter
p. 9_32. Daselbst sind 44 Landschnecken aufgezählt, un-
ter denen Helix Imperator Montf., die der Stolz der Cubani-
schen Fauna genannt und von der eine genauere Diagnose
gegeben wird, so wie einige unten namhaft gemachte neue
Arten.
Die Beiträge zur Molluskenfauna Central - Amerika's
(vergl. den vor. Ber. p. 326) hat Moerch Malak. Bl. p. 66
—106 fortgesetzt und p. 170—313 geschlossen. Im Ganzen
enthält das Verzeichniss 374 Arten. Zahlreiche, sehr zu
beachtende Bemerkungen sind vielen einzelnen Arten bei-
gefügt , mehrere neue Arten sind beschrieben. Letztere
sind unten angegeben.
Essai sur les Mollusques terrcstres et fluviatiles de
la Guyane francaise. Par Drouet. Paris 1859 mit 4 Ta-
feln. Vergl. Journ. de Conchyl. VIIL p. 407. Verf. ver-
gleicht die Land- und Süsswasser-Conchylien mit den An-
tillen und findet, dass das französische Guyana mit St.
Thomas 4, mit Guadeloupe 10, mit Martinique 18 Arten
gemein hat; 8 Arten Guyana's kommen auch in Brasilien
vor; einige Muscheln des Britischen Guyana fehlen im
französischen. Im Ganzen verzeichnet Verf. 69 Arten,
nämlich: 2 Succinea , 2 Zonites , 11 Helix, 1 Streptaxis,
20 Bulimus, 8 Achatina, 1 Pupa, 3 Melampus, 1 Cyclopho-
rus, 2 Helicina, 2 Planorbis , 2 Melania, 10 Ampullaria, 3
Ncritina 1 Unio. Es sind 11 neue Arten aufgestellt, s. unten.
der MolliisktMi während des Jahres 1860. 175
Arn Schlüsse des vorigen Cataloges hat Drouet 20
Arten von Martinique verzeichnet, die daselbst durch Ey-
ries gesammelt wurden, darunter sind 5 neue Arten.
Philippi hat auf seiner „Heise durch die Wüste
Atacama. Halle 1860." p. 174—189 ein Verzeichniss der
Mollusken geliefert , welches 97 Arten enthält. Die 12
neuen Arten sind zum Theil abgebildet, alle unten namhaft
gemacht. Am Schlüsse sagt der Verf. : Vier Umstände fal-
len besonders auf, wenn wir das vorstehende Verzeichniss
betrachten: 1) der gänzliche Mangel an Mollusken im In-
nern der Wüste mit Ausnahme des Salzsumpfes von Ata-
cama, der eine Succinea und eine Hydrobia ernährt; 2) die
Armuth der Küste an Arten, verglichen mit Europa und
namentlich mit dem Mittelmeere ; 3) die Seltenheit der klei-
nen Conchylien; 4) die weite Verbreitung der meisten Ar-
ten, die sich von Peru bis zu den Chonos-Inseln erstreckt.
Ferner könnte man noch anführen, dass so wenig Conchy-
lien schön und lebhaft gefärbt und eine verhältnissmässig
grosse Menge schwarz gefärbt sind.
Morelet hat begonnen die Landschnecken aus dem
Innern Peru's , welche von Angrand gesammelt sind, zu
beschreiben. Journ. de Conchyl. Vlll. p. 371. Die einzelnen
Arten s. unten bei Helix und Bulimus.
Cephalopoda.
Hartin g hat Gelegenheil gehabt, die Fragmente zweier
riesenhaften Cephalopoden zu untersuchen, deren eines sich
im Museum zu Utrecht, das andere in Amsterdam befindet.
Description de quelques fragments de deux Cephalopodes
gigantesques. (Natuurk. Verh. der koninkl. Akad. Deel IX.)
Mit voller Gelehrsamkeit stellt er alle Beobachtungen , die
bisher über riesige Cephalopoden bekannt geworden sind,
zusammen und sucht die beiden Arten dahin zu bestimmen,
dass die erstere mit Architeulhis dux Steenstr. identisch
sei, die zweite mit Enoploteuthis Molinae d'Orb. (Sepia un-
guiculata Mol. , Enoploteuthis unguiculata Owen) überein-
stimme. Schliesslich hält er es für nicht unwahrscheinlich,
176 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
dass diese grossen Thiere specifisch identisch mit bekannten
kleineren Arten sein möciilen, und so möchte Ommatostre-
phes todarus der Jugendzustand von Architeuthis dux sein ;
Enoploteuthis Molinae scheint noch am ersten mit E. Le-
sueurii Aehnlichkeit zu haben. Man würde jedoch we-
sentliche Veränderungen beim Wachslhumc annehmen müs-
sen, um sie zu identificiren.
In einer Anzeige von ßennett's „Gatherings of a
Naturalist in Australasia, being observations principally on
the animal and vegetable productions of New-South-Wales,
New-Sealand and some of the Austral Islands London 1860."
in den Annais nat. hist. VI. p. 369 findet sich die interes-
sante Natiz, dass der Reisende bereits 1829 einen leben-
den Nautilus beobachtete, und dass diese in den Sammlun-
gen noch so seltenen Thiere von den Bewohnern der Süd-
seeinseln häufig gegessen werden.
Barrande hat sich mit der normalen und periodi-
schen Truncatur gewisser paläozoischer Cephalopoden be-
schäftigt , namentlich von Orthoceras truncatnm (Bull. soc.
geologique de France XVII. p. 573) und spricht in seiner
Abhandlung gelegentlich auch von der Anfertigung der
Schale bei Argonauta Argo vermittelst der Segelarme (p. 592);
auch zählt er p. 575 die lebenden Mollusken auf, bei wel-
chen die Schalen regelmässig decollirt werden.
Heteropoda.
In einer besonderen Schrift „Beiträge zur Entwicke-
lungsgeschichte der Pteropoden und Heteropoden. Leipzig
1860. 4. mit 2 Tafeln" hat Krohn seine zahlreichen und
sorgfältigen Beobachtungen niedergelegt, die er an verschie-
denen Orten des Meeres angestellt und grossentheils schon
in einzelnen kleineren Abhandlungen in Müller's Archiv
veröffentlicht hat. Vgl. die früheren Berichte 1856. p. 124.
1857. p.501.
Aus der Familie der Firolaceen hat Verf. drei Larven beobach-
tet, eine Firoloides und zAvei Pterotracheen (deren eine Verf. früher für
die Larve von Carinaria hielt); alle haben im Larvenzustande gewun-
dene Schalen, die sich jedoch durch Form und Structur sehr bestimmt
der Mollusken während des Jahres 18G0. 177
unterscheiden , und mit Deckel versehen sind. Ihr Velum ist jeder-
seits in zwei lange, schmale Wimpel ausgezogen. Die Larven be-
sitzen noch keinen Saugnapf. — Bei den Carinariaceen ist jedes Se-
gel in drei lange schmale Wimpel zertheilt; reife Larven sind noch
nicht beobachtet. Die Schale hat auf der zweiten Windung zwei
charakteristische Streifen neben der Naht. — Die Atlantaceen haben
ein Segel mit drei Paar kurzen Wimpeln ; der Saugnapf ist schon vor
dem Beginne der Metamorphose am Kielfusse zu unterscheiden.
Carinaria cornucopia Gould Proc. Boston Soc. VIL p. 408 von
Süd-Carolina.
Gasteropoda.
Unter dem Titel : „Further observations on the Meta-
morphosis of Gasteropoda, and the Affinities of certain Ge-
nera, with an attempted Natural Distribution of the principal
families of the Order" hat M a c d o n a 1 d in den Transactions
of the Linnean Society of London XXIII. p. 69 einen recht
interessanten Aufsatz geschrieben. Zunächst erkennt der-
selbe an , dass einige früher aufgestellte Gattungen von
Schnecken Jugendzustände von bekannten Arten sind, wie sich
durch einio-e besondere Kennzeichen, und namentlich durch
die Beschaffenheit des Gebisses erkennen Hess. So ergab
sich eine Cheletropis ähnliche Art als eine junge Nassa,
eine mit Macgillivrayia verwandte Form als eine junge
Ranella , auch die Larven von Triton u. s. w. wurden be-
obachtet; auch wurde Jasonilla Macdon. (Brownia d'Orb.
Echinospira Krohn, Calcarella Soul.) als Larve von Lamel-
laria erkannt. Verf. giebt an, dass die Larven der Strom-
bidae sechs bewimperte Segellappen besitzen, die Ranelli-
dae , Naticidae , Calyptraeidae, Cypraeidae, Muricidae und
Buccinidae, deren vier. — Er bespricht dann die nach sei-
nen Beobachtungen natürliche Classifikation der Mollusken,
und kommt , trotz dem ihm die neuere und namentlich
ausserenglische Literatur unbekannt scheint, zu Resultaten,
die mit denen des Referenten vielfach übereinstimmen, so
dass darin eine Bestätigung derselben erblickt werden
kann, die um so bedeutsamer wird, als Verf. des Referen-
ten Untersuchungen gar nicht zu kennen scheint. Verf.
verwirft die Athmungsorgane als Charaktere ersten Ranges
Arch. für Naturg. XXVII. Jahrg. 2. Bd. M
178 Troschel: Bericht üb. d. J.cist. in d. Naturgeschichte
und hält sich an den Mundtheilen so wie pn den Geschlechts-
verhältnissen, ob die Thiere getrennten Geschlechtes oder
zwitterig sind, giebt aber auch den Gehörorganen eine er-
höhte Bedeutung , jenachdem sie Oloconien oder Otolithen
enthalten. — ■ Ich muss noch besonders hervorheben, dass
Verf. schon das Gebiss von Solarium untersucht hat, wo-
von ich bei der Veröffentlichuno- desselben in unserem
Archiv 1861. p. 91 noch keine Kenntniss hatte. Ich bin sehr
erfreut zu sehen, dass wir beide diese Gattung in die Nähe
von Janthina bringen. Wir weichen nur darin von einan-
der ab, dass Macdonald sie mit Scalaria zu einer Fami-
lie vereinigt, während ich sie als den Typus einer eigenen
Familie betrachte. — Ich gebe die Uebersicht von des Verf.
vorgeschlagenen Classifikation, wobei ich freilich bemerken
muss , dass nicht in allen Punkten Verf. das Rechte ge-
troffen hat.
I. Zwitter; ZungenbewafFnung pflasterartig, obgleich in weni-
gen Fällen riemenförmig mit einer Plattenreihe; Gehörbläschen mit
Otoconien, die aber bei einigen Gattungen zu einem einzigen Stücke
reducirt sind. 1) Pulmonifera inoperculata , durch Lungen Luft ath-
mend (Limacidae, Helicidae , Limnaeidae, Auriculidae, Onchidiidae).
2) Zwittrige Prosobranchiata in Luft und Wasser athmend mit Lunge
und Kieme (Siphonaria und Amphibola). 3) Opisthobranchiata, nur in
Wasser athmend durch Kiemen, oder durch die Hautoberfläche; a.
Tectibranchiata (Tornatellidae, Bullidae, Aplysiadae, Pleurobranchidae,
Phyllidiadae); b. Nudibranchiata (Doridae, Tritoniidae, Phyllirhoidae,
Elysiadae, Eolidae).
n. Getrenntes Geschlecht. Dahin die eingeschlechtigen Proso-
branchiaten und die Pulmonifera operculala.
A. ZungenbewafTnung in Form eines doppelten Pflasters ; Rüs-
sel zurückziehbar. 1. Zähne einförmig hakenförmig , Rüssel kurz,
dick; Ohrbläschen mit kleinen Otolithen (Janthinidae). 2. Aeussere
Haken mit zwei oder mehreren wSpitzen ; Ohrbläschen mit Otocoinen;
Rüssel lang (Solariidae).
B. Zungenmembran ganz unbewaffnet. Gehörbläschen mit klei-
nen Otolithen, aber sonst den Solariidae gleichend (Pyramidellidae).
C. ZungenbewafTnung bandförmig. 1. Die Schneide am hinteren
Rande der Zahnplatten ; Ohrbläschen mit Otolithen. a. Zähne einreihig
(Volutidae). b. Zähne zweireihig, grade (Conidae) oder etwas gekrümmt
(Pleurotomidae). c. Zähne dreireiliig, Seitenplatten breit angeheftet (Cy-
nodontidae, Mitridae, Fusidae) oder mit Beweglichkeit A-^on vorn nach
der Mollusken während des Jahres 1860. 179
hinten (Buccinidae). oder hakenförmig mit seitlicher Bewegung (Co-
lumbellidae, Costellariidae, Muricidae). 2. Die Schneide am vorderen
Rande der Zahnplatlen und zurückgekrümmt, a. Ohrbläschen mit Oto-
lithen und 3 Zahnreihen (Lameilaria), oder 7 Zahnreihen und mit Rüs-
sel (Ranellidae , Katicidae , Strombidae , Cassidae) oder mit Schnauze
(Cypraeidae, Calyptraeidae, Vermetidae, Litorinidae, Paludinidae, Me-
laniidae , Truncatellidae , Egeidae, Planacidae). b. Ohrbläschen mit
Otoconien und 7 Zahnreihen (Cerilhiidae , Cyclophoridae), oder vie-
len Zahnreihen (Helicinidae , Neritidae, Turbidae, Haliotidae, Fissu-
rellidae; Patellidae). Die Dentaliidae und Chitonidae sind nicht in
diese Classification aufgenommen.
Man sieht, dass die meisten Abtheilungen des Verf. den jetzt
bereits gebräuchlichen entsprechen, und wenn derselbe die Litteratur
gekannt hätte, würde er gewiss nicht versäumt haben seine Abthei-
lung I Musioglossa Mörch, seine Abtheilung II, A Ptenoglossa Gray,
II. B Gymnoglossa Gray, II. C. b Toxoglossa Troschel, II. C. c Rha-
chiglossa, II. C. a Taenioglossa Troschel, II. C. b mit vielen Zahn-
reihen Rhipidoglossa Troschel zu nennen , Namen , die grossentheils
in fast alle neueren conchyliologischen Werke Eingang gefunden haben.
Benson führt der Kürze wegen eine neue Bezeich-
nung ein: die Schnecken, welche die Augen am Grunde
der Fühler haben, nennt er „bathrommatous ," diejenigen,
welche die Augen auf der Spitze der Fühler tragen „acrom-
matous." Die verschiedenen Zwischenstufen sind dabei un-
beachtet gelassen, was wohl daher rührt, dass Verf. sich
vorzugSAveise mit den Landschnecken beschäftigt. Seine
Acrommata entsprechen genau den Stylommatophora Schmidts.
Annais nat. hist. V. p. 27 Note.
Die Erscheinung, dass Wasserschnecken sich so bald
in neuen Wasserkanälen zeigen, die keinen Zufluss als aus
artesischen Brunnen haben, glaubt Lea Proc. Philadelphia
p. 147 durch das Uebertragen sehr junger Schnecken an
den Füssen der Vögel, oder an Vieh, welches zum Trin-
ken kommt, erklären zu können.
Taenioglossa.
Pomatiacea. Pomatias exdsus Mousson Coq. de Schaefli 1. c.
aus dem Orient.
CyClOtacea. Einige kritische Bemerkungen über Cyclotaceen
von Benson vergl. Annais nat. hist. VI. p. 99.
180 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Cyclolus conicus v. Marlons Proc. zool. soc. p. 10 von Slam.
Opisthoporus siamensis v. Martens Proc. zool. soc. p. 10 von
Slam. — 0. javanus Pfeiffer Malak. Bl. p. 215 von Java.
Alycaeus Hochstetleri Pfeiffer Malak. Bl. p. 215 von Java.
Cyclophortis Cadiscus und Cylopoma Benson Annais nat. bist. V.
p. 385 von Ceylon. — C. flavilahris Benson ib. VI. p. 193 von Pegu.
— C. conßuens Pfeiffer Proc. zool. soc. p. 140 von Borneo, — C.
Herklotsi Älartens Malak. Bl. p. 42 von Japan. — C. liratus, acuti^
liralus und cinereus Drouet Guyane fran^. 1. c. von Martinique.
Lo w^e beschrieb ausser Craspedopoma lucidum und Lyonne-
tianum vier neue Arten von Madeira C. neritoides, ßavescens, Moni^
zianum und trochoideum , so wie ein C. annulalum von den Canari-
schen Inseln, kennt also von dieser Gattung nunmehr 7 Arten. An-
nais nat. bist. VI. p. 114.
Diplommatina Blanfordiana Benson Annais nat. bist. V. p. 460
von Darjiling. Bei dieser Gelegenheit w'wA eine Diagnose von D.
pacbycbeilus gegeben.
Pupina peguensis Benson Annais nat. bist. VI. p. 192 von Pegu.
— P. japonica v. Martens Malak. Bl. p. 43 von Japan.
Registoma complanatum Pease Proc. zool. soc. p. 440. Ebon,
Marscballs-Inseln.
Benson gründete zwei neue Gattungen unter den gedeckellen
Landschnecken, die wohl beide zu den Cyclotaceen geboren:
Clostophis testa subbiconica; anfractus penultinius niaximus,
ultinuis descendens, solutus, subaxialis, minor; apertura integra (spe-
cie adhuc cognita), dentata. Der Deckel ist unbekannt ; der Zahn in
der Mündung zeichnet die Gattung sehr aus. C. Sankeyi von Moul-
mein wurde in der Erde gefunden , welche eine todte Schnecken-
schale ausfüllte.
Rhi 0 st om a \e&\'A subdiscoidea, late umbilicata; anfractus ul-
timus solutus, lateraliter descendens: apertura libera ; superne incisa,
tubulo imperfecto retroflexo rimam coronante. Operculum breviter
cylindricum, multispiratum , apice piano, laevigato , intus profunde
excavatum. Dahin ausser Pterocyclos Housei und tener Pfr. eine
neue Art Rh. Haughtoni aus der Höhle Damatha bei Moulmein.
GyclOStOmacea« Ctenopoma Garridoianum , enode , nigriculum
und semicoronalum Gundlach Malak. Bl. p. 26 von Cuba.
Cistula agrestis Gundlach Malak. Bl. p. 216 von Cuba.
Tudora excurrens Gundlach Malak. Bl. p. 29 von Cuba.
Chondropoma oxytremum , solidnlum , rufopictum und unilabia-
tum Gundlach Malak. Bl. p. 29 von Cuba.
Choanopoma Yunquense Pfeiffer Malak. Bl. p. 26 von Cuba. —
Ch. occidentale Pfeiffer ib. p. 216 von Alartinique.
der Mollusken während des Jahres 18G0. 181
Omphalotropis maculatus v. Martens Proc. zool. Sog. p. 11
von Slam.
ÄmpullariaCCa. Ampnllaria Bernardiana und holostoma Mo-
relet Journ. de Conchyl. VIII. p. 190 von Guinea. — A. Welwitschiana
Drouet Guyane fran^aise.
Truncatellacea. Truncalella fiUcosta Gundlach Malak. Bl. p. 32
von Cuba. — T. Pfeifferi v. Martens ib. p. 43 von Japan.
A. Adams beobachtete das Thier von Tomichia lebend. An-
nais nat. bist. VI. p. 112.
Potamophila. Vahata baicalensis Gerstfeld Mem. St. Petersbourg
IX. p. 514. flg. 25 aus dem Baikalsee.
Paludina trochoides , cingnlata , polyfjramma v. Martens Proc.
zool. SOG. p. 12 von Siam. — P. liina Südearolina, decapitala Ten-
nessee, humerosa Alabama, exilis Mississippi , suhsolida Illinois An-
thony Proc. Philadelphia 1860. p. 70. — P. sene^faZensis Morelet Journ.
de Conchyl. VIII. p. 190 von Podor. — P. japonica und laeta v. Mar-
tens Malak. Bl. p. 44 von Japan. — P. ussuriensis, praerosa und bai-
calensis Gerstfeld Mem. de St. Petersbourg IX. p. 507. fig. 1 — 10 aus
dem Amurlande. — Den vorigen fügt Bourguignat ebendaher
hinzu : Vivipara pachya, elophila und cloantha. Rev. et Mag. de Zoo-
logie p. 533.
Bythinia Travancorica Benson Annais nat. bist. VI. p. 259 von
Quilon an der Küste Malabar im Territorium Travancore. — B. man-
ckourica, raphidia und «p/oa Bourguignat Revue et mag. de Zoologie.
Ueber das Thier von Stenothyra (Nematura) Benson s. A.Adams
Annais nat. bist. VI. p. 109.
Paludestrina Cumingiana und Salleana Fischer Journ. de Con-
chyl. VIII. p. 208. pl. 4. fig. 6. 7 von Neuseeland. — Im Anschlüsse
an diese beiden Arten, deren Windungen mit einem Kranze von Sta-
cheln besetzt sind, hat derselbe Verf. ib. p. 362 die mit Stacheln be-
setzten Paludinen, deren er 8 Arten annimmt, aufgezählt und sie mit
dem Gattungsnamen Amnicola bezeichnet. Er hat ihre Synonymie
zusammengestellt und die Diagnosen abdrucken lassen. Eine neue
Art A. Pfeifferiana von Neuseeland ist darunter.
Hydrohia Costaricensis Mörch Malak. Bl. p.67 von Costarica.
— H. angarensis Gerstfeld Mem. St. Petersbourg IX. p. 511. fig. 12. 13
aus dem Baicalsee. — H. atacamensis Philippi Atacama 1. c. p. 185.
tab.VII. fig. 15 bei Tilopozo. — Ueber H. therrnalis und coronata
vergl. V. Martens Malak. Bl. p. 226.
Brot, der sich seit mehreren Jahren mit dem Studium der
schwierigen Gattung Melania beschäftigt und der wohl vor Allen be-
fähigt sein möchte , eine Monographie derselben zu bearbeiten, hat
in der Revue et mag, de Zoologie Xlf. p. 254 13 neue Arten dieser
182 Troschcl: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Gattung beschrieben und abgebildet: M. hippocastanum Neu-Caledo-
nien, chocolatum Ceylon, myitrus Java, liiigiosa , semiornata Java,
dimorpha Gabon, villala Philippinen, beryllina Pondichery, obscura,
pelechialis, Saussurei Mexiko, hicolor Taiti, ccrea. — Derselbe ver-
öffentlicht Malak. Bl. p. 106 kritische „Bemerkungen über die von
Sylvanus H anley in der Conchological Miscellany abgebildeten
Melanien, für deren Einzelnheiten ich auf die Schrift selbst verwei-
sen muss. — 31. ambidexlra uud.rufescens v. Martens Malak. Bl. p. 46
von Japan. — M. amurensis Gerstfeld Mem. St. Petersbourg IX. p. 512.
lig. 14 — 24 aus dem Amur.
Anthony stellte folgende neue Arten Melania Proc. Philadel-
phia 1860. p.55 auf; M. angustispira, decorala Georgia, adusta, bi-
cinctttj abscida Alabama, bicostata , funebialis , glauca , infrafasciata,
paucicosta , occidta Wisconsin, opaca Alabama, pulcherrima Wordca-
rolina, tenebrocincta ^ valida^ gravida Wahama , grossa , ponderosa,
taeniolata Alabama, glans wird vom Verf. in glandula umgetauft, assimi-
lis, cubicoides Indiana, hybrida, versipellis, cognata, corneo^a Alabama,
grata Alabama, ^ermana Alabama , grisea Alabama, iostoma, inter-
texttty rigida , gracillima Südcarolina. Diejenigen Arten, bei denen
wir keinen Fundort angegeben haben, leben in Tennessee. — M. cre~
natella Alabama und Newberryi Oregon beschrieb Lea ib. p. 93.
Pachychilus Oerstedii Mörch Malak. Bl. p. 79 von Segovia.
Änculosa or/mfa Nordcarolina, ligata Alabama, corpwZenfa Nord-
carolina, canalifera Nordcarolina, viridula Tennessee, patula Tennessee,
elegans Alabama, zebra Alabama sind neue Arten von Anthony
Proc. Philadelphia 1860. p. 67. — A. Shoicalterii Lea ib. p. 93 von
Alabama. — A. formosa, contorta und viltata Lea ib. p. 187 von
Alabama.
Nachdem Anthony die Synonymie der Gattung Gyrotoma Shuttl.
(Melatoma Swains. , Apella Mighels , Schizostoma Lea, Schizocheilus
Lea) erörtert hat, beschreibt er Proc. Philadelphia p. 64 mehrere neue
Arten, die sämmtlich aus Alabama stammen : Gyrotoma recta , de-
tnissa, quadrata, biilbosa, ovalis, ainpla, salebrosa, carinifera, robusta.
— Schizochilus Shoicalterii Lea ib. p. 93 von Alabama. — Ferner sind
ib. p. 186 folgende Arten von Alabama durch Lea beschrieben : ScAi-
zostoma castanea , glans, globosa , virens , glandula, Wetumpkaensis,
Alabamensis, Hartmanii, pumila.
Jo lurrita, brevis, inermis, spirostoma Anthony Proc. Philadel-
phia 1860. p. 69, sämmtlich aus Tennessee.
Lithasia Showalterii und nuclea Lea Proc. Philadelphia p. 188
von Alabama.
Clea Annesleyi Benson Annais nat. bist. VL p. 258 von Quilon
an der Küste von Malabar.
Von Melanopsis brasiliensis Moricand trennt dessen Sohn J. M o-
der Mollusken während des Jahres 1860- 183
ricand eine Species als Melania cingnlata und bildet beide Journ.
de Conchyl. VIII. p. 301. pl. 12. fig. 6 u. 7 ab.
Littorinacea. LUlorina peco7iica Sanderson Smith Annais Ly-
ceum New-YorkVIl. p. 156 von Long-Island.
Lacuna (MedonaV succinea Mörch Malak. Bl. p. 70 von der
Insel Bocorones.
Die bereits im vorigen Berichte erwähnte Monogra-
phie „lieber die Familie der Rissoiden und insbesondere die
Gattung Rissoina" von G. Schwartz von Mohrenstern
ist im XIX. Bande der Wiener Denkschriften erschienen.
Sie enthält 120 Seiten Text und 11 Tafeln.
Verf. hat mit vieler Sorgfalt die ganze Literatur zusammenge-
tragen und über ein grosses Material zu verfügen gehabt. In der
Umgrenzung der Familie richtet er sich nach den Gebr. Adams.
Was von den Thieren und deren Anatomie gesagt ist, lässt viel zu
wünschen übrig; namentlich sind die Angaben über die Zunge, an
der Verf. nur 3 Längsreihen anerkennt und die Mittelplatten auch aus
drei Platten bestehend ansieht, einer falschen Auffassung zuzuschrei-
ben, wenngleich die ziemlich guten Abbildungen in Holzschnitt zei-
gen, dass Verf. sie untersucht hat. Der wichtigste Theil der Arbeit
ist die Beschreibung der Arten der Galtung Rissoina und ihre Ab-
bildung. Es werden nach der Skulptur sechs Gruppen unterschieden.
Unter den 91 Arten sind neu-. Rissoina canaliculata Philippinen,
Hanleyi Philippinen, myosoroides Recluz Mauritius, bicollaris West-
indien, fejiestrata Cuha, Deshayesii Philippinen, media Ceylon, Java,
labrosa Cuba, Antoni Java, macrostoma Deshayes fossil, coronata Re-
cluz Mauritius.
Andererseits sind aus dieser Gattung beschrieben :
Rissoina triticea und turricula Pease Proc. zool. soc. p. 438
Sandwichinseln. — R. effusa und contahulata Mörch Malak. ßl. p. 67
von Sonsonate. — R. trochlearis China, imhricala China, flexuosa Syd-
ney, nitidula China, villica Loo-Choo und Kikaia, modesta Loo-Choo,
strigillata Loo-Choo, plicatnla Port Lloyd, Insel Bonin, Loo-Choo
und Kikaia , lyrata Kikaia und Ousima , tornatilis Loo-Choo Gould
Proc. Boston Soc. VII. p. 400. Die vier letztgenannten haben eine
erhabene Leiste um den Nabel und Längsfalten, weshalb sie Verf. als
Subgenus gelten lassen möchte, welchem er den Kamen Ris solina
beilegt.
Rissoa (Goniostoma) pupifonnis A. Adams Annais nat. bist. V.
p. 411 von Japan. — R. gracilis Pease Proc. zool. soc. p. 438 Sand-
wichinseln. — R. Stimpsoni Sanderson Smith Annais Lyceum Kew-
York VII. p. 157 von Long-Island.
Ähania acuminala Insel Bonin , fenestvata China , quadrata
184 Troschcl: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
China, pnra Siinoda, ligala Hong-Kong, fusca Hong-Kong Gould
Proc. Boston Soc. VII. p. 402. — A. yerlata Möi ch Malak. Bl. p. 68
von Central-Amerika.
Finella A. Adams nov. gen. Testa tenuis, pupoidea, imper-
forata, in medio tumida; anfractibus transversiin liratis, longitudina-
liter plicatis, ultimo simplici ; apertura ovali, peritremate interriipto ;
labro simpHci , acuto , non reflexo aut inciassato. F. pupoides von
Japan. AnnaJs nat. bist. VI. p. 336.
Rissoella otnphalotropis , vitrina , vesicalis , mitiima , hirgidula,
mundula, hydrophana ^ spiralis A. Adams Annais nat. bist. VI. p.332
von Japan.
Hyala abnormis Gould Proc. Boston Soc. VII. p. 408 von China.
Cingula alomaria Gould Proc. Boston Soc. VII. p. 403.
Shenea cornuella k. Adams. Annais nat. bist. V. p. 412 von Japan.
Gwyn Jeffreys remonstrirt gegen die Auffassung Fiscber's
(vergl. vor. Ber. p. 321), dass Skenea nitidissima eine Larve sei, und
will sie nun Omalogyra nitidissima nennen. Journ. de Concbyl.
VIII. p. 108.
Mörchia A. Adams n. gen. tesla oblique ovata, late umbili-
cata , depressa , superne convexa , inferne plana , anfractibus subito
crescentibus , ultimo dilatato ascendente alios involvente usque ad
apicem ; apertura oblonga , obliqua , subborizontalis, infra dilatata,
supra angustata, peritremate continuo, incrassalo. M. ohvoluta Strasse
von Korea. Annais nat. bist. V. p. 301.
Fossaridae. A. Adams stellte Annais nat. bist. V. p.409 zwei
neue Gattungen auf, die nebst Fossar und Isapis eine eigene von den
Littorinen verschiedene Familie bilden sollen. Es sind die folgenden:
C onradia testa turbinata , rimate umbilicata , spira elalius-
cula, anfractibus convexis, valde et concentrice carinatis, interspatiis
sculptis; apertura circularis, labio simplici, rotuudato ; labro margine
fimbriato aut dentato , intus laevi, rima umbilicali costa semilunari
extus marginata. C. cingulifera, carinifera , clathrata von Japan.
Couthouyia testa ovata, profunde et late rimata, spira acu-
minata , anfractibus convexis, decussatis, anfractu ultimo ventricoso,
suturis impressis ; apertura semi-ovata, labio recto , angusto, libero
antice dilatato, rima umbilicali elongata, labro simplici arcuato, mar-
gine acuto, integro. C. decussata von Japan.
Fossar multicostatus Pease Proc. zool. soc. p. 398 Sandwich-
inseln.
Fyramidellidae. Obeliscus omalus und huxeusQonXA Proc. Bo-
ston Soc. VII. p. 403 von China.
Syrnola A. Adams n. gen. testa subulata, recla , vitrea, po-
lita, anfractibus planis, suturis impressis; apertura oblonga, labio in
mediu piica obliqua instiucto, labro simplici acuto. S. gracilUina'
der Mollusken während des Jahres 1860. 185
Strasse von Korea. Annais nat. hist. V. p. 405. — Ib. VI. p. 333 wer-
den von demselben Verf. noch S. einet ella, pttpina , lepiclula, tere-
liuscula, mera, biz,07ialis , pyramidalis , vitrea und nitidula als neue
Arten , säninitHch von Japan, hinzugefügt. — S, suhula Gould I'roc.
Boston Sog. VII. p. 403.
Chemnitzia iota, eircumdataSydney, trachealis C&]^ Gould Proc.
Boston Sog. VII. p. 407. Die letztere Art hält Ca rp en te r wegen
des Mangels der Coluniellarfalte für ein Subgenus, dem er den Na-
men Polyspirella verleiht. — Ch. textilis Kurtz Cat. shells INorth-
and South-Carolina.
Turbonilla perfeeta , eximia , venustula , macilenta , monocyela,
nitida, commoda, seulptilis, frayilis , bicincta , cincta , munda , spe-
eiosa, debilis, modica , Scaliola, metulina A. Adams Annais nat. hist.
VI. p. 421 , sänimtlieh von Japan. — T. decussata Pease Proc. zool.
SOG. p. 438. — T. obeliseus Cap , caelata Hong-Kong, ornata Hong-
Kong Gould Proc. Boston Soc. VII. p. 406.
Chrysallida plicata^ semiplicata , Minna, Brenda , mettda , e/e-
ganttda , pulehell a , concinna A. Adams Annais nat. hist. V. p. 478
von Japan.
Parthenia diadema , monoeyela , foveolata A. Adams ib. p. 479
von Japan. — P. spirata , Pagodula , fenestratay Mariella, bellula,
punctigera A. Adams ib. VI. p. 414 ebenfalls alle von Japan.
Arthur Adams beschrieb eine Anzahl neuer Arten der Gat-
tung Odostomia von Japan : 0. oblonga , hyalina, elata, scalina, te-
nera, piipa , obesula , ventrieosa , japonica , nana, pygmaea , elegans,
pyramis und areuata. Die drei letzten sind quer gefurcht und wer-
den daher als Subgenus unter dem Namen Evalea unterschieden.
Annais nat. hist. VI. p. 22. -— Ferner 0. vitrea^ subangtdata, ovoidea,
produeta , nivea, goniostoma , cana , negleeta, pruinosa, Aehatinella,
subdiaphana , suleata , lirata , die beiden letzteren dem Subgenus
Ev alea ^angehörig; sämmtlich von Japan. A. Adams ib. p.417. —
0. bullula Loo-Choo, planata Hong-Kong, snbplanata Hong-Kong,
lirata China, sc«/ar?M« Loo-Choo, obtusa Port Lloyd- und ßonin-In-
sel, virideseens China, physoides China, soluta Loo-Choo Gould Proc.
Boston Soc. VII. p, 404. — 0. umbilicaris Malm Forhandl. skand.
naturf. i Kjöbenhavn 1860. p. 623.
Styloptygnia A. Adams n. gen. Testa pupiformis, subpellu-
cida, anfractibus convexiusculis , transversim tenuiter sulcatis ; aper-
tura subquadrata, labio superne plica obliqua instructo, labro dilatato.
St. Stylina Strasse von Korea. Annais nat. hist. V. p, 406.
Auriculina Grayi Strasse von Korea, Annal nat. hist. V. p. 407.
S t yl 0 p sis A. Adams n. gen. testa subulata, opaca , laevis,
non polita; anfractibus planulatis, suturis impressis; apcrtura suhqua-
186 T r 0 s c li e 1 : Bericht üb. d. Leist. in d. INaturgescbichte
drata, labio recto simplici, labro in medio recto, antice angulato. St.
lypica Strasse von Korea. Annais nat. hist. V. p. 406.
Actis labiata, cingulata, lirata und sulcata A. Adams von Ja-
pan. Annais nat. hist. VI. p. 118.
Ebala virginea und vestalis A. Adams von Japan ib. p. 119.
Dunkeria fusca, asperulata und pulchella A. Adams von Japan
ib. p. 119. — Ferner ib. p. 421 D. scabra, ferruginea und reticulata
gleichfalls von Japan. — D. e/l^ws« Gould Proc. Boston Soc. VII. p. 407
von Loo-Choo.
Motioptygma puncticulala China, acuminata Ousima , sinuata
China Gould Froc. Boston Soc. VII. p. 405.
Cingulina A. Adams nov. gen. Testa subulato-turrila ; an-
fractus numerosi , cingulis elevatis spiralibus instructi , interslitiis
sculptis; apertura oblonga, antice integra, labio recto, simplici, labro
acuto, arcuato. C. circinata von Japan. Annais nat. hist. VI. p. 414.
Jole A. Adams n. gen. Testa turritosubulata, umbilicata; an-
fractibus convexiusculis, transversim sulcatis, sulcis subdistantibus,
interstitiis longitudinaliter concinne striatis ; apertura oblonga , po-
stice acuminata, antice integra, rotundata; labio libero , simplici,
acuto. J. scitula Strasse von Korea. Annais nat. hist. V. p. 300.
Nach Ryckholt Journ. de Conchyl. VIII. p. 181 gehört Trun-
catella dubiosa Adams in die Gattung Menestho , wohin ferner Turbo
albulus Fab. , Truncatella littorina Phil, und Truncatella fusca Phil,
zu stellen sein würden.
Agatha virgo A. Adams Annais nat. bist. VI. p. 422 von Japan.
(Ich weiss nicht, ob die Gattung in diese Familie gehört.)
Eulimacea. EuUma adculata Pease Proc. zool. soc. p. 438
Sandwichinseln. — E. carneola Gould Proc. Boston Soc. VII. p. 404
Ousima.
Mucr onalia A. Adams n. gen. Testa pupiformis ovato-ob-
longa, apice subito mucronata, anfractibus mucronis tribus perparvis,
anfractibus normalibus quinque planatis , ultimo ad basin rotundato ;
apertura oblonge - ovalis , antice dilatata et producta, labio simplici,
labro arcuato. M. bicincta Strasse von Korea. Annais nat. hist. V.
p. 301. — M. rosea und ovata schmarotzend an Seeigeln, nitidula an
Holothurien Pease Proc. zool. soc. p. 437. Sandwichinseln.
Leiostraca dislorla Pease Proc zool. soc. p. 438.
Styliforidae. Stylifer robustus Pease Proc. zool. soc. p. 437.
Sandwichinseln.
In zwei missgebildeten Stacheln eines Seeigels (Cidaris impe-
rialis) fand Hupe eine Aushöhlung, die nach aussen durch eine kleine
Oeffnung communicirtc. Im Innern derselben befanden sich je zwei
Schnecken der Gattung Stylifer; in dem einen Fülle sogar ausserdem
eine Anzahl junger embryonaler, kaum entwickelter Schalen. Verf.
der fllolhisUen Avnhrcnd des Jahres 1860. 387
schliesst aus diesem interessanten Funde , dass sie getrennten Ge-
schlechtes und wahrscheinlich lebendiggebäiend seien. Die Art nennt
Verf. St. Orhignyanvs; sie stammt von Neuholland. Revue et mag.
de Zoologie XII. p. 124.
Styliferina A. Adams nov. gen. Testa imperforata, ovato-
conica, tenuis, laevis; anfractibus multis, supremis in stylum productis,
nucleo sinistrali ; apertura subquadrata, antice integra, labio simplici,
recto. St. orthochila und goniochila von Japan. Annais nat. bist. VI.
p. 335.
GsrithiäCOä. Cerithium gracile, imilitieatum, fucalum, asperum,
paxilhim, boeiicum Pease Proc. zool. soc. p. 432. Sandwichinseln. —
C. lacevtinum Sydney, stigmosum Insel Bonin, placidu:n China Gould
Proc. Boston soc. VII. p. 386.
Vertagus graniferus Pease Proc. zool. soc. p. 433. Sand-
wichinseln.
Bittium tricarinatum Pease Proc. zool. soc, p. 433. Sandwich-
inseln. — B. craticulatnm Hong-Kong, glareosum Loo-Choo, parcitm
Loo-Choo, alutaceum China Gould Proc. Boston Soc. VII. p. 387.
Cerithiopsis laqueala, aurantiaca, semipicta, rugosa Gould Proc.
Boston Soc. VII. p. 388 von China.
Alaba puncto ~ striata Gould Proc Boston Soc. VII. p. 400 von
Loo-Choo.
Triphoris triticea, fucata, affinis, cingulifera, flammnlata, cla-
vata, alternata, incisa Pease Proc. zool. soc. p. 433. Sandwichinseln.
— T. intercalaris Ciiina, intcrfilatus Hong-Kong, calculiferus Loo-
Choo, clathratus China Gould Proc, Boston Soc. VII. p. 388,
Montrouzier spricht Journ. de Conchyl. VIII. p. 116 von
einer Varietät von Modulus tectum mit ungefleckter Spindel. Petit
de la Saussaye sagt ib. p. 192, dass dies sein M. candidus sei.
Planaxis inepta von Kikaia und cingulata von Ousima Gould
Proc. Boston Soc. VII. p. 385.
Turritellacea. Turritella gracUHma Gould Proc. Boston Soc.
VII. p. 386 von Kagosima. — T. dura Morch Malak. ßl. p. 78 von
Realejo.
Yermetacea . LacazeDuthiers hat in einer grösse-
ren Abhandlung , Annais des sciences naturelles Tome XIH.
p. 209—296, die Anatomie und Embryogenie der Gattung Vcr-
meles zum Gegenstande seiner vortrefflichen Untersuchung
gemacht. V. triquetus und semisurrectus sind die Arten,
welche benutzt wurden. 3 Tafeln erläutern die Anatomie,
drei andere die Entwickelungsgeschichte. Verf. beseitigt
alle Zweifel, dass diese Thicre getrennten Geschlechts sind.
188 Troschel: Bericht üb. d. Leisf, in d. IVaturg^cschichte
Besonderes Interesse gewähren die Schilderungen des Ner-
vensystems, der Fussdrüse und der Entwickelung. Die Lar-
ven haben eine gewundene, völlig freie Schale, einfache,
nicht in Lappen getheilte Segel. Eine Eigenthümlichkeit
bei dem Furchungsprocesse ist zu beachten : der eine Theil
des Dotters, welcher sich wenig zerklüftet und dieDotter-
kügelchen zeigt, bildet eine längliche Masse , an deren
Seite der andere durchsichtigere Theil auftritt und seitlich
bleibt, ohne den ersteren Theil zu umhüllen bis nach der
Entwickelung des Fusses. Im Uebrigen muss ich auf die
Abhandlung selbst verweisen.
Zwei Fäden zwischen Kopf und Fuss bei Vermetus empfangen
ihre Nerven von den Fussganglien und stehen in Beziehung zu der
Fussdrüse. Lacaze Duth iers Revue et mag. de Zoologie XII. p. 540.
Mörch hat Journal de Conchyliologie VIII. p. 27 seine Etudes
sur la famille des Vermets fortgesetzt und beendigt. Vergl. den vor.
Ber. p. 333. Diese Fortsetzung enthält vier Gattungen: Veriniculus
Lister mit 12 Arten ; Vermetus Adans. zerfällt in 4 Subgenera , näm-
lich : Dofania mit 6, Aletes mit 7, Vermetus mit 5, Petaloconchus
mit 10 Arten; Stephopoma Mörch mit 2 Arten, unter denen St. pen-
natum von Realejo neu; Spiroglyphus Daudin mit 8 Arten.
Kach einer historischen Einleitung über die Gattungen der Ver-
metiden überhaupt giebt Mörch eine Uebersicht der Arten der Gat-
tung Tenagodus Guett., nebst diagnostischer Beschreibung derselben.
Die Gattung Tenugodus zerfällt in die Subgenera Agathirses Montf. mit
8 Arten, Tenagodus Guett. mit 8 Arten, Siliquarius Montf. mit 9 Ar-
ten und Pyxipoma Mörch mit 4 Arten, also zusammen 29 Arten. Als
neu sind darunter beschrieben : T. (Siliquarius) Cumingii Philippinen,
tostus Ceylon, trochlearis, eucausticus Ceylon, ponderosus Port Essing-
ton, T. [Pyxipoma) tahitensis Tahiti , anguillae Antillen, cylindvella
Cap. Proc. zool. soc. p. 400.
Teganodus (Siliquarius) Bernardii Mörch Journ. de Conchyl.
VIII. p. 368.
GoeCdCea. Coecum gracile Gould Proc. Boslon Soc. VII. p. 407
von China, gehört in die Gruppe Anellum Carp. — C. Cooperi San-
derson Smith Annais Lyceuni IVew-York VII. p.l54 von Long-Island.
Calyptraeacea. Capnlus dHatatus A. Adams Annais nat. bist. VI.
p. 422 von Japan.
Amathina iicrtriwaf« Pease zool. soc. VI. p. 399. Sandwichinseln.
VaniCOridae. Vanicoro semipUcata und imbricata Pease Proc
zool. soc. p. 435. Sandwichinseln.
der Mollusken während des Jahres 1860. 189
Trichotropidao. Trichotropis cedo-nulU A. Adams Annais nat.
hist. V, p. 411 von 31ino-Sima. — T. ellipsoidea von Hong-Kong und
T. (IphinoeJ covonala von Semiavine Gould Proc. Boston Soc. VII. p.324.
Velutinidae. Velutina Pusio A. Adaras Annais nat. hist. V. p. 411
Strasse von Korea.
Die Gattung Naticina Gray wird von A. Adams in die Familie
Velutinidae gewiesen. Annais nat. hist, VI. p. 109.
Naticacea. Natica Nncahivensis Jardin Meni. de CherbourgVI.
p. 193 von den iMarquesas-Inseln. — N. atacaniensis Philippi Alacama
1. c. p. 186. lab. VII. flg. 20.
Alata. Strombus cancellatus Peasc Proc. zool. soc. p. 398.
Sandwichinseln.
Ranellacea. Ramlla producta und luteostoma PeaseProc. zool.
soc. p. 397. Sandwichinseln.
Triton pusilla Pease Proc. zool. soc. p. 434. Sandwichinseln.
— T. (Monoplex) fossatum Gould Proc. Boston Soc. VII. p. 329 von
Hong-Kong.
Distorsio pusilla Pease Proc. zool. soc. p. 397. Sandwichinselu.
GassidGa. Cassis umbiUcata Pease Proc. zool. soc. p. 436.
Sandwichinseln.
Involuta. Cypraea conipta Pease Proc. zool. soc. p. 189 von
der Jarvis-Insel.
Erato sandwicensis Pease Proc. zool. soc. p. 146. Sandwich-
inseln. — E. marginata Mörch Malak. BI. p. 85 von Bocorones.
AtJiphiperas bullatus Gould Proc. Boston Soc. VII. p. 385.
In der Familie Amphiperasidae stellte Gould Proc. Boston
Soc. VII. p. 384 eine neue Gattung Crithe auf, welche die Lippen
von Ovula hat, aber an der Basis wie Cypraea gestreift ist: Anima-
lis discus elongalus , antice truncatus , angulis vix productis, postice
obtusus, Collum dimidiam latitudinis disci, antice bifurcatum, tentacu-
lis brevibus triangularibus , oculis minutis externis, basalibus. Testa
porcellana, convoluta, utrinque rostrata , apertura angusta, arcuata,
labro simplici, ventre laminis transversis acutis totus arato. C. ato-
maria Vi Mill. lang aus China.
Toxoglossa.
Gonoidea. Conus neglectus und fusiformis Pease Proc. zool.
soc. p. 398. Sandwichinseln. — • C. Couderti Bernardi Journ. de Con-
chyl. VIII. p. 212. pl.4. flg. 3. 4. — C. Guestieri Lorois ib. p. 329.
pl. 12. flg. 5. — C. Rollandi Bernardi ib. p. 332. pl. 12. fig. 5. — C.
Henoqtiei Bernardi ib. p. 380. pl. 13. fig. 4.
Terebracea. Im vorigen Jahre hatte Deshayes eine
Uebersicht der Gattung Terebra gegeben und daselbst 221
190
Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Arten angenommen (vergl. den vor. Ber. p. 335). Lovell
Reeve hat die Arten meist durch Ansicht der Original-
exemplare revidirt und ist zu dem Resultate gekommen,
dass er 60 jener Arten verwirft. Proc. zool. sog. p. 448.
Terebra bipartita von Hakodadi , arguta von Porto Praya und
prolixa von China Gould Proc. Boston Soc. VII. p. 330. — T. pachy-
zona Mörch Malak. Bl. p. 105 von Realejo.
PleurOtOmacea. TurHs moniUfera Pense Proc. zool. soc. p. 398.
Sandwichiuseln,
Pleurotoma Lamberti Montrouz'ier Journ. de Conchyl. VIII. p. 117.
pl. 2. flg. 10 von der Insel Art im Calcdonischen Archipel. — PI.
albovirgulata Souverbie ib. p. 124. pl. 2. fig. 12 von der Insel Art. —
PI. Montrouzieri und PI. (Defrancia) purpurata Souverbie ib. p. 370
ebendaher. — PI. (Crassispira) n. sp. ohne Namen Mörch Malak. Bl.
p. 102. — PI. (Anna) granulatissima Mörch ib. p. 103 von Bo-
corones.
Drillia nodifera Pease Proc. zool. soc. p. 145 von den Sand-
wichinseln. — D. vallata von Hong-Kong, reciproca von Ousima,
eborea von der Insel Kikaia Gould Proc. Boston Soc. VII. p. 337.
Bela turgida Gould Proc. Boston Soc. VII. p. 337 von Kamt-
schatka.
Lachesis japonica A. Adams Annais nat. bist. V. p. 411 von
Mino-Sima. — L. cradculata und perlala Mörch 31alak. Bl. p. 104.
Clavatula pungens Gould Proc. Boston Soc. VII. p. 339 von
Hong-Kong.
Borsonia lutea, crassicostata , bifasciata , nebulosa Pease Proc.
zool. soc. p. 143 von den Sandwichinseln.
Clathurella balteata, producta, briinnea, cylindnca, exilis, e?e-
gans, harpa, pulchella, paucicostata, fuscomaculata, buccinoides Pease
Proc. zool. soc. p. 143. — C. peregrina von Sydney', aspersa von
Hong-Kong, ßlosa von Ousima, rubicunda von Loo-Choo, lacunosa
von Hong-Kong, ampZcarrt vom Cap Gould Proc. Boston Soc. VII. p. 337.
Daphnella bella, interrupta, sandwicensis, maculosa Pease Proc.
zool. soc. p. 147. Sandwichinseln. — D. deluta Gould Proc. Boston
Soc. VII. p.339 von China.
Cythara Garrettii, varia und pusilla Pease Proc. zool. soc.
p. 147. Sandwichinseln. — C. /ofa Gould Proc. Boston Soc. VII. p.339
von China.
Mangelia pura von Hong-Kong, intaminata von China, albi-
cincta von Loo-Choo, glareosa von Hong-Kong, lutea von Loo-Choo,
dempsta von China Gould Proc. Boston Soc. VII. p. 340. — M. se-
miassa, letragona China, concinna Loo-Choo Gould ib. p. 382. —
der Mollusken Avälivend des Jahres 1860. 191
31. stellata und eine Art ohne Namen , vielleicht Var. der vorigen.
Mörch Malak. ßl. p. 103 von Sonsonate.
Zafra A. Adams nov. gen. Testa acuminato - ovalis utrinque
angustata, in niedio tumida ; anfractibus longltudinaliter plicatis, ul-
timo ad basin constricto ; apertura linearis , angusla , labio effuso,
margine externo libero ; labro margine acuto , postice subsinuato, in
medio recto , subinflexo. Z. mitriformis von Japan. Annais nat.
bist. VI. p. 331.
Cancellariacea. Cancellaria (Merica) FiscÄeri A. Adams Annais
nat. bist. V. p. 411 aus der Strasse von Korea. — C. parva Philippi
Atacama 1. c. p. 187. tab. VII. fig, 18.
Mörch glaubt Malak. Bl. p. 106 , dass Cancellaria unter den
Toxoglossen einzureihen sei ; seine Vermuthung habe ich neuerlichst
bestätigt gefunden.
Rhachiglossa.
Marginellacea. Marginella oryza und sandte icensis Pease Proc.
zool. soc. p. 147. Sandwichinseln. — M. (Glabella) lepida von China
und M. seminula vom Cap Gould Proc. Boston Soc. VII, p. 384. —
M. roscida Redfield Proc. Philadelphia p. 174 von Südcarolina. —
Marginella suavis Souverbie ist Journ. de Conchyl. VIII. p. 126. pl. 2
flg. 13 abgebildet.
Persicula fa?2/«7/ö Gould Proc. Boston So»;. VII. p.384 von China.
Gihherula coniformis 3Iörch Malak. Bl. p. 86 von Puntarenas.
Voharina puella Gould Proc. Boston Soc. VII. p. 385 vom Cap.
— T'. taeniolata Mörch 3Ialak. ßl. p.86 von Bocorones.
Volutacea. Lowe unterscheidet sechs verwandte Arten von
Cymbium genauer Journ. Proc. Linuean Soc. V. p. 190, nämlich: C.
Ulla L., productu.n Lowe (olla Lam. non Linn.), rubiginosum Swains.,
proboscidale Lam., porcinum Lam. und cisium Menke.
Voluta rfe/ic/osa Montrouzier ist Journ. de Conchyl. VIII. p. 121.
pl. 2. flg. 7. 8 abgebildet. — Ebenso V. Rossiniana Bernardi ib.
p. 127. pl. 1.
Mitracea. Mltra pia Australien, Peasei Australien, aututnnalis
Neu - Caledonien, Antonellii Philippinen, asfijagis IVeu - Caledonien,
Cyri Neu - Caledonien , Wisemani Sand^^ ichinseln , judaeorum Rothes
Meer, Samtielis Sandwichinseln, plebeja Saudwichinseln, Antoni Sand-
wichinseln, gibba Neu - Caledonien , nux -avellana Sandwichinseln.
Dohrn Proc. zool, soc. p, 366. — M. jaculanda von China, secalina
von Ousima, russa von China Gould Proc, Boston Soc. VII. p.332.
— M. riifomaculata und Fischeri Souverbie Journ. de Conchyl. VIII.
p. 321. pl. 11. fig. 8. 9 von Neu -Caledonien. — M. pallida, pudica,
ericea Pease Proc. zool. soc. p. 146. Sandwichinseln. — M. Paeteli
192 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Dohrn Malak. BI. p. 125 von Süd-Afrika. Ausserdem machte Verf. ib.
p. 120 kritische Bemerkungen über einige Arten der Gattung Milra. —
Witra ßoissaci und Potensis Montrouzier sind Journ. de Conchyl. VIII.
pl. 2. fig. 6 und 2—3 abgebildet.
Slrigatella picea und fuscescens Pease Proc zool. soc. p. 146.
Sandwichinseln.
Turricula bella und approximata Pease Proc. zool. soc. p. 145.
Sandwichinseln. — T. (Pnsia) spec. ohne Kamen Mörch Malak.
Bl. p. 90.
Olivacea. AncUlaria Montronzieri Souverbie Journ. de Con-
chyl. Vlll. p.207, 324. pl. 11. fig. 3 von Neu-Caledonien.
Oliva sandwiceiisis FeaseFvoc. zool. soc. p. 145. Sandwichinseln.
Olivella spreta Gould Proc. Boston Soc. VII. p. 383 von
Hong-Kong.
Harpa Cabrili Fischer Journ. de Conchvl. VIII. p. 209. pl 4
fig. 1. 2.
FaSCiOlariacea. Perislemia fenestrata Cap und inculta Gould
Proc. Boston Soc. VII. p. 327.
Fusacea. Fusus mochslus Gould Proc. Boston Soc. VII. p. 327
von Hakodadi.
Neptunea fusco- lineata Pease Proc. zool. soc. p. 169 aus dem
Corea-Meere. — N. arata und aestuosa Gould Proc. Boston Soc. VII.
p. 326, letztere von Kagosima.
Euthrya lacertina Gould Proc. Boston Soc. VII. p. 327 Cap.
Pisania mollis Gould Proc. Boston Soc. VII. p. 327 von Simoda.
Muricea. Murex (Odnehra) improhiis Gould Proc. Boston Soc.
VII. p. 328. — M. ToupioUei Beinardi Journ. de Conchyl. VIII. p. 211.
pl. 4. flg. 5. — M. (Typhis) Jamrachi v. Martens Malak. Bl. p. 225.
Trophon incomptus Hakodadi und suppositus Gould Proc. Boston
Soc. p. 329. — T. Mörchi Malm Forhandl. skand. natur. i Kjöbenhavn
1860. p. 623.
Vitularia sandwicensis Pease Proc. zool. soc. p. 397. Sand-
wichinseln.
BnCCinea. ZwischenMitra und Columbella stellte Gould Proc.
Boston soc. VII. p. 383 eine neue Gattung Aesopus auf; Animal
albidum, solea antice eniarginata, postice obtusa, operculum corneum
flabelliforme gereute, capite parvo , vibraculis curtis obtusis , oculis
externis medianis, siphone lato, brevissimo. Testa fusiformis, gibbosa,
antice late truncata, apertura lunata, angulo postico callo impleto,
columella simplici vitreo induta, sutura prope aperturam abnormali-
ter arcuata. A. japonicus von Kagosima ist 7 Mill. lang.
Columbella pellucida und lineata Pease Proc. zool. soc. p. 399.
Sandwichinseln. — C. balteata China, allernata Hong-Kong, virginea
der Mollusken während des Jahres 1860. 193
China, bicincta Hong-Kong, lineolala Hong-Kong, decolor Loo-Choo,
araneosa China Gould Proc. Boston Soc. VII. p. 335.
C. (Anachis) nchnlosa China, dorsuosa Hong-Kong, minula
China, zonata Kagosima, fulminea Cap, alrata Hong-Kong, minuscula
Ousima Gould ib. p. 338. — C. (Strombina) pungens Bonin -Island
Gould ib. p.336.
Alcira H. Adams nov. gen. Testa fusiformis, tenuis , spira
elevata, anfractibus transversim striatis; apertura ovalis, longior quam
lata, columella antice truncata et plica obliqua instructa, labro tenui,
intus laevi, postice expanso, antice ad niarginem crenulato. A. ele-
gans von Natal. Verf. hält die Gattung für verwandt mit Columbella.
Proc. zool. soc. p. 450.
Von Mitrella (Astyris) bezeichnet M ö r c h Malak. Bl. p. 94 zwei
neue Arten , ohne ihnen einen Namen zu geben. — M. (Anachis)
cruentata Mörch ib. p. 95 von Sonsonate.
Engina costata , monilifera , albocincta Pease Proc. zool. soc.
p. 142 von den Sandwichinseln.
Gwyn Jeffreys beobachtete Exemplare von ßucci-
num undatum mit doppeltem Deckel. Die daran geknüpfte
Bemerkung , dass solche Monstrositäten erblich und Ver-
anlassung zur Entstehung neuer Species sein könnten, will
mir bedenklich erscheinen. Annais nat. bist. VI. p. 152.
Buccimim Stimpsoni und Rodgersi Gould Proc. Boston Soc. aus
der Behringsstrasse. — B. paposanum und Escalae Philippi Atacama. 1. c.
p.l88; letztere ist tab. VII. fig. 19 abgebildet.
Zu der Gattung Volutharpa Fisch, rechnet A. Adams ausser
der typischen Art Deshayesiana nach Bullia ampullacea Midd., Bullia
Perryi Jay und Bullia Limnaeana Adaras und weist ihr, nach Unter-
suchung des Thieres, den Platz zwischen Buccinum und Pseudoliva
an. Annais nat. bist. VI. p. 109.
Nassa microstoma Pease Proc. zool. soc. p. 145 von den Sandr
wichinseln. — N. sufßata von Hong-Kong, beata von Loo-Choo, re-
posta von Sydney, muslelina von Ousima, quantula Cap, optata Syd-
ney, dermeslina Kikaia, plebecula Ousima, pediculina Hong-Kong,
spurca Cap Gould Proc. Boston Soc. VII. p. 330. — N. (Tritonella)
zwei nov. spec. ohne Namen , eine von Bocorones , die andere von
Sonsonate Mörch Malak. Bl. p. 91.
Nassaria curla Gould Proc. Boston Soc. VII. p. 328 von Port
Jackson.
Hindsia angicostata Pease Proc. zool. soc. p. 142. Sandwich-
inseln.
Chelotropis globosa Gould Proc. Boston Soc. VII. p. 408 von
Arch. für Naturg. XX YII. Jahrg. 2. Bd. N
194 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
China. (Diese Gattung ist nach Macdonald 1. c. in die Gattung
IVassa als Larve gehörig.)
lieber Lacaze D u t h i e r's Naturgeschichte des Purpurs der
Alten vergl. auch Annais nat. bist. VI. p. 293.
Purpura albocincta, clavigera, Lischkei, macrostoma Küster Con-
chyliencabinet p. 180 aus der Sammlung des Herrn Lischke ohne
Yaterlandsangabe.
Purpura (StramonilaJ n. sp. ohne Namen Mörch Malak. Bl. p. 98
von Realejo.
Vexilla fusco-nigra Pease Proc. zool. soc. p. 141 von den Sand-
wichinseln. — Aus dieser Art möchte H. Adams ib. p. 369 wegen
der zugespitzten Spira und der verengerten Mündung eine eigene
Gattung Usilla bilden.
Sistrum parvulum Gould Proc. Boston Soc. VII. p. 328 vom Cap.
Rhizochilus exaratus Pease Proc. zool. soc. p.399. Sandwich-
inseln.
Hupe gründete neben Rhizocheilus, Coralliophila und Pedicu-
laria eine neue Gattung Galeropsis. Die neue Art G. Lavenaya-
nus ist fossil. Revue et mag. de Zoologie X. p. 125.
Coralliobia cancellata Pease Proc. zool. soc. p. 399. Sand-
wichinseln.
Pteuoglossa.
SCäläriäCGä. Scalaria millecostata und fucata Pease Proc. zool.
soc. p. 400. Sandwichinseln. — Sc. rnpicola Kurtz Cat. shells North-
and South- Carolina. — Sc. austrocaledonica Montrouzier ist Journ.
de Conchyl. VIII. pl. 2. fig. 5 abgebildet.
Scala (ScaliolaJ bella A. Adams von Japan Annais nat. bist.
VI. p. 120.
Cirsotrema attenuatum Pease Proc. zool. soc. p. 400. Sand-
. Wichinseln.
Co?istanlia A. Adams n. gen. Testa aciiminato - ovalis, ri-
Tnata, spira elata, attenuafa ; anfractibns rotundatis, ultimo ventricoso,
plicis tenuibus longitudinalibus et liris elevatis transversis decussa-
tis; apertura ovalis, longior quam lata, perilremate libero, continuo,
margine integro, acuto. C. elegans Strasse von Korea. Annais nat.
bist. V. p. 300.
Acrilla H. Adams nov. gen. Proc. zool. soc. p. 241 : testa
turrita, imperforata; anfractibus numerosis, longitudinaliter costatis,
ad basin prominente, spirali , ad suturas vix conspicua lira munitis;
apertura ovalis, antice vix producta, peristomate imperfecto ; colu-
mella reflexa; labruni simplex. A. gracilis aus der Mündung des
Indus. Ausserdem zieht Verf. dahin Aclis acuminata und Chemnitzia
grandis.
der Mollusken während des Jahres 1860. 195
JanthinaCOa. Mörch hat mit grosser Literaturkenntniss die
Materialien zu einer Naturgeschichte der Familie der Janthinen zu-
sammengetragen. Journ. de Conchyl. VIII. p. 261. Die Gattung Jan-
thina Bolten zerfällt in 4Subgenera: 1) Jodes testa solida, depresso-
conica , anfractu ultimo carina obtusa munito. Animal viviparum;
9 Arten. — 2} Achates testa tenuis acute carinata. Animal oviparum,
marsupiale, proboscide inflato ; 11 Arten. — 3) Janlhina testa glo-
bosa, suturis profundis. Animal oviparum, marsupiale, proboscide
cylindrico, branchiis protrusis ; 7 Arten. — 4) Jodina testa plerum-
que costulata, labro inciso. Animal oviparum, marsupiale; 3 Arten.
— Die Galtung Recluzia enthält 2 Arten. Somit kennt man im Gan-
zen 33 Arten aus dieser Familie.
B e n s o n machte Bemerkungen über zahlreiche Arten der
Gattung Janthina, die er auf seinen Seereisen selbst gefangen, und
namentlich über die Localitäten, an denen sie vorkamen. Eine neue
Art der Gattung Recluzia konnte er nur anzeigen, nicht beschreiben.
Annais nat. bist. VI. p. 405.
Janthina capreolata Montrouzier ist Journ. de Conchyl. VIII
p. 114. pl. 2. flg. 4 abgebildet.
Rhipidoglossa.
HeliCinaCOa. Helidna Andamanica Benson Annais nat. bist. VI.
p. 194 von den Andamanischen Inseln im Bengalischen Meerbusen.—
H. declivis und littoricola Gundlach Malak. Bl. p. 24 von Cuba. —
H. sericea Drouet Guyane fran9aise. — H. pndica Drouet ib. von
Martinique.
HydrOCaenacea. Hydrocena frustrillum aus dem Reiche Ava und
Rawesiana Benson von Moulmein. Annais nat. bist. VI. p. 193. —
H. fragilis ?e9se ?voc. zoo\. soc. p.439. Insel Ebon, Marschalls-Inseln.
Neritacea. Neritina neglecta Pease Proc. zool. soc. p. 485,
Sandwichinseln. — N. immersa und melaleuca v. Martens Malak. Bl.
p.51 von Japan.
TrOChacea. lieber die Thiere von Umbonium Link und Photi-
nula H. et A. Adams schrieb A. Adams Annais nat. bist. VI. p. 11(X
Ferner über ersteres ib. p. 288.
Rotella itfonfroMzieri Souverbie ist Journ. de Conchyl. VIII. pl2.
flg. 11 abgebildet.
Trockus Eltoniae Lowe Journ. Proc. Linnean Soc. V. p. 178
von Mogador. — Tr. Fonki Philippi Atacama 1. c. p. 185.
Euchelus corrugatus und /?wi6rtafMi- Pease Proc. zool. soc. p.435.
Sandwichinseln.
Eni da A. Adams n. gen. Testa depresso-conica, late umbi-
licata, anfractibus convexiusculis, cingulis concentricis granulosis aut
squamulosis ornatis, suturis canaliculatis, anfractu ultimo ad periphe«
196 Troschel: Bericht üb. d. Leisl. in d. Naturgeschichte
riam carinato vel angulato; aperlura subquadrata, labio in medio re-
flexo, labro intus simplici aut lirato, umbilico amplo, margine crenu-
lato. E. japonica, speciosa und gemmulosa von Japan. Annais nat.
bist. V. p. 408.
Minolia A. Adams nov. gen. Testa globoso - conoidea, late
et profunde umbilicata, anfractibus rotundatis, ciathratis, suturis ca-
naliculatis, anfractu ultimo ad aperturam subsoluto, umbilico perspe-
ctivo; apertura circularis , intus margaritacea , peritremate continuo,
margine recto , tenui , acuto. M. punctata von Japan. Annais nat.
bist. VI. p.336.
Turcica coreensis Pease Proc. zool. soc. p.l89. Corea-Meer.
Älcyna A. Adams n. gen. Testa acuminato - ovata, imperfo-
rata, spira brevi, conica, acuta, anfractibus planis, laevibus; apertura
ovalis, labio callo incrassato intrinsecus decurrente , et in denlem
acutum desinente, labro acuto intus laevi. A. ocellata und lepida aus
Japan. Annais nat. bist. V. p.407. — A. rubra und subarigulata Tease
Proc. zool. soc. p. 436. Sandwichinseln.
Margarita warmorea Pease Proc. zool. soc. p. 435. Sandwich-
inseln. — M. (Solariella) sp. nov. ohne Namen. Mörch Malak. Bl.
p. 173 von Realejo.
Turbo semicostatus und sandwicensis Pease Proc. zool. soc. p. 435.
Sandwichinseln. — T. Artensis Montrouzier Journ. de Conchyl. VIII.
p. 370 von der Insel Art in Neu-Caledonien.
Collonia Candida und variabilis Pease Proc. zool. soc. p. 436.
Sandwichinseln.
Nipho nia A. Adams nov. gen. Testa depresso - globosa , te-
nuis, imperforata, anfractibus rapide accrescenlibus; apertura ampla,
circularis, peritremate duplicato , externo tenui , acuto, in anfractum
ultimum ascendente, interno incrassato, in labrum intus continuo. iV.
pulchella von Japan. Annais nat. bist. VI. p. 336.
HaliOtidae. R y c k h o 1 1 bespricht Journ. de Conchyl. VIII. p. 183
die Gattungen, welche die Familie Haliotidae d'Orb. zusammensetzen.
Diese sollen sein Pleurotomaria Defr., Trochotoma Deslongch., Poly-
tremaria d'Orb., Trochotremaria Rychh. , Cirrus Sow. und Haliotis L,
FiSSUrellacea. Ueber das Thier der Gattung Macroschisma Svvains.
und Tugalia Gray vergl. A. Adams Annais nat. bist. VI. p. 111.
Cemoria nobilis A.Adams Annais nat. bist. VI. p. 422 von Japan.
Cr ano psis A. Adams n. gen. Testa ovata, pileiformis, su-
perficie caelata, apice integro, subspirali, postice recurvo; perforatio
elongata, intus concamerata, inter apicem et marginem anticum po-
sita; apertura ovalis, expansa, margine crenulato. C. pelex, Strasse
von Korea. Annais nat. bist. V. p. 302.
Emarginula bicancellata Montrouzier Journ. de Conchyl. VIII.
p. 112. pl. 2. flg. 9 von der Insel Art im Caledonischen Archipel.
der Mollusken während des Jahres 1860. 197
Tugalia oblonga Pease Proc. zool. sog. p. 437. Sandwichinseln.
Zeidora A. Adams n. gen. Testa oblonga, dorso convexa,
apice postice deflexo , superficie cancellata sulco mediano antice in
fissuram desinente instructa ; apertiira ampla, septo interno piano se-
milunari ad partem posticam instructa, niargine crenulato, antice valde
fissurato. Z. calceolina, Strasse von Korea. Die innere Platte spricht
für die Stellung bei den Calyptraeaceen , der Spalt bei Eraarginula,
Annais nat. bist. V. p. 301.
Ueterodonta.
An die vorigen Ordnungen der Gasteropoden schlies-
sen sich die Cuvier'schen Cyclobranchier in sofern an, als
sie getrennten Geschlechts sind. Der Cuvier'sche Name
muss aber aufgegeben werden, weil sie nicht alle Cyclo-
branchier sind (Acmaea, Dentalium). Gray hat diese
Gruppe Heterodonta , Mörch Orthodonta genannt. Ich
würde den Namen Docoglossa, Balkenzüngler, passend ge-
funden haben, will aber hier vorläufig den später auch
von Mörch adoptirten Gray'schen Namen lassen, obgleich
er nicht recht das Wesentliche trifft, und obgleich es wohl
angenehm gewesen wäre, wenn er wenigstens als Hetero-
glossa gebildet gewesen wäre.
Tecturidae. Tectura radiata Pease Proc. zool. soc. p. 437.
Sandwichinseln. — T. n. sp. ohne Kamen Mörch Malak.Bl. p. 175 von
Puntarenas.
Sculellina cancellata Pease Proc. zool. soc. p. 437. Sand-
wichinseln.
Lepela Funtarenae Mörch Malak. Bl. p. 175 von Puntarenas.
FatoUacea. Patella sandwicensis Pease Proc. zool. soc. p. 437.
Sandvvichinseln.
CMtonidae. Chiton (OscabrionJ n. sp. ohne Kamen Mörch Ma-
lak. Bl. p. 176.
Dentaliacea. Dentalium Oerstedii und lirulatum Mörch Malak.
Bl. p. 177 von Central-Amerika.
Sip honodentalium Sars n. gen. Forhandl. i Videnskabssel-
skabet i Christiania 1859. p. 183; Forh. skand. nalurforskers i Kjöben-
havn 1860. p. 598. Testa ut in Dentalio, sed apertura posteriore
(apicis) margine inciso lobato; apex testae non deciduus, apertura
semper circulari, nunquam rimata aut tubulo supplementario ornata.
Der lange cylindrische Fuss endet mit einer kreisförmigen Scheibe,
deren Rand mit konischen Papillen besetzt ist; keine Rückenflosse,
keine Seitenlappcn. Gegründet auf Dentalium vitreum Sars 1850.
198 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Pulmonata.
J. E. Gray schlägt wieder eine Eintheilung der Land-
Lungenschnecken in Familien vor , wofür er folgendes
Schema giebt:
A. Kopf, Augenstiele und Tentakeln retractil.
Sect. I. Vermivora. Mundmasse sehr gross, länglich, rüs-
selartig vorstreckbar ; keine Kiefer; Zähne zahlreich, schlank, konisch,
entfernt; Mantel wohl umgrenzt. Unterirdisch, fleischfressend. Fam.
Oleacinidae, Streptaxidae, Testacelladae.
Sect. II. Fhijllovora. Mundmasse klein, eiförmig, nicht vor-
slreckbar; Kiefer deutlich, hornig; Zähne zahlreich, vierseitig, eng
beisammen; pflanzenfressend. Fam. Helicidae, Arionidae, Parmacel-
lidae, Cryptelladae, Arneiteadae, Janelladae, Philomycenidae.
B. Kopf, Augenstiele und Tentakeln einfach, con-
tractu. Fam. Vermicellidae, Onchidiadae. — Weitere Untersuchun-
gen möchten leicht, wie Verf. es selbst andeutet, wieder Aenderun-
gen an dieser Eintheilung nöthig machen. Annais nat, bist. VI. p. 267.
LimäCOa. Heynemann hat den Limax variegatus Drap, bei
Frankfurt a. M. aufgefunden und Malak. Bl. p. 165 ausführlich be-
schrieben und abgebildet.
Vaginulus reclusus Allemao Archiv f. Pharmacie und daraus
Zeitschr. f. d. gesammten Naturwissenschaften. Soll in den Interno-
dien einer Bambusa leben.
J. E. Gray machte eine Bemerkung über die zweihörnige
Schnecke von Aneiteum, die Macdonald für eine Art der Gattung
Janella hielt (vergl. Ber. von 1856. p.l42). Er Jand die Schnecke
sehr verschieden von Janella und machte sie zum Typus einer neuen
Familie in der Nähe der Limacinen, die er Aneiteadae nannte. Die
Art heisst Aneitea Macdonaldii. Annais nat. bist. VI. p. 195.
H6liC6ä< Succinea propinqua Drouet Guyane fran9. 1. c. — S»
labiosa Philipp! Atacama 1. c. p. 182. tab. VII. fig. 7 bei Tilopozo.
Zonites decoloratus Drouet Guyane fran^aise.
Von Helix Apollo, Imperator und crassilabris beobachtete Gun d-
lach Malak. Bl. p. 14 das freiwillige Abwerfen der Schwänze (hin-
terer Theil des Fusses) , welche nach etwa 54 Stunden nach ihrer
Abtrennung, auf nasses Papier gelegt, lebten. — Indem Crosse diese
Thatsachen im Journ. de Conchyl. VIII. p. 225 in der Uebersetzung
mittheilt, erinnert er an eine entsprechende Erscheinung, welche
Born, Reynaud, Quoy und Gaimard von Harpa beschrieben
haben. Gesuchter und minder passend erscheint der Vergleich mit
dem Hectocotylus der Cephalopoden.
Ueber einige vou Ferussac abgebildete und noch wenig be-
der Mollusken während des Jahres 1860. 199
kannte Helix- Arten halte Pfeiffer Gelegenheit nach Cuming'schen
Exemplaren nähere Auskunft zu geben: H- pyrostonia, vitrea, pileolu»
und zonalis Fer.
Der Helix aculeata hat Drouet eine besondere iMonographie
gewidmet: Sur l'Uelix aculeata. Exercice monographique Anger»
1859. 8. mit einer Tafel. Vergl. Journ. de Conchyl. VIII. p. 220.
Bland setzte seine Bemerkungen über Kordamerikanische He-
liceen fort (vergl. vor. Ber. p. 342). Er spricht diesmal über Helix
espiloca Ravenel , laevigata Raf. , inornata Binn. , friabilis Binn., lu-
cubrata Say , septemvolva Say , volvoxis Parr., cereolus Mühlf. und
stellt vier neue Arten auf: introferens , Christyi, Wheatleyi und Car-
penteriana; die ersteren drei aus Nord - Carolina , die letzte aus
Florida. Annais Lyceum Kew-York \II. p. 115-142.
Bourguignat beschrieb Helix Mazullii und H. Ouincayensis
und stellte die Synonymie zusammen. Revue et mag. de zool. p.65.
— Derselbe gab ib. p. 71 und 154 ein Verzeichniss der europäischen
in die Gruppe der Helix pomatia, ligata und melanostoma gehörigen
Arten, und liess 19 Arten nebst einigen Varietäten abbilden. Er zählt
29 Arten auf, unter denen neu: H. onixiomicra aus den Gebirgen
von Montenegro, Mohametana^iU. castanea Oliv.), asemtüs Ziegl. MS.
aus Anatolien, pachya aus Syrien, pycnia ebendaher.
H. subzonata, frequens, Schaeßii Mousson Coq. de Schaefli 1. c.
aus dem Orient. — H. Rosamonda, Cyix , Cingalensis, regulata und
miccyla Benson Annais nat. bist. V. p. 381 von Ceylon. - H. (Coro-
naria) delphinuloides Lowe ib. VI. p 44. pl. 111. fig. 1-3 von Ma-
deira, 4000 Fuss hoch. — H. ochthoplax von Pegu , consepta von
Moulmein , Helferi von den Andamaneninseln im Bengalischen Meer-
busen, Piiu/to» von Pegu, Peguensis ebendaher, Benson ib. VI. p.l90.
— H, Mouhoti Lovell Reeve ib. VI. p. 203 verwandt mit H. Brookei
aus dem Reiche Cambojia. Dieselbe wird später ib. p. 455 in H.
Cambojiensis umgetauft. — H. piychostyla v. Martens Proc. Zool. Soc.
p. 8 von Siam.- H. Bougainvillei pl. 50. fig. 7 Bougainville-Insel, Apollo
fig. 9 Cuba , Isis fig. 8 Admiralitätsinseln , aequatoria fig. 6 Ecuador,
Livesayi Philippinen, caseus Siam, albicostis Ahmednugguv in Indien,
hetaera, acmella üg. 4 Admiralilälsinseln , liratula Cey\on , Batesii
oberer Amazonenfluss, Turneri Keu-Caledonien , Nagporensis Kagpore
in Indien, Tristrami Tunis, mendicaria Tunis. Pfeiffer Proc. zool.
soc. p.l33; zum Theil abgebildet; vergl. auch Malak. Bl. p.231. —
H. striolata Ve^se Vioc. zool. soc. p. 439 Ebon, Marschalls - Inseln.
— //. Eumaeus und Irus Lowe Journ. Proc. Linnean Soc. V. p. 198
von Mogador. — H. catocyphia und pseudenlialia Bourguignat Mala-
col. lerrestre du Chateau dif , Revue et Mag. de Zoologie p. 184. —
H. Sei55eH Montrouzier, astur Souverbie, Lißiana und Lombardoi
Montrouzier von Keu-Caledonien Journ. de Conchyl. Vlll. p. 205, 313.
200
Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d, Naturgeschichte
pl. 11. fig. 4— 7. — H. Souverhiaua Fischer ib. p. 210. pl.4. fig 8 von
Madagaskar. - //. palumba Souverbie ib. p. 369. - //. mesomphalos
und polycycla move\el ib. p. 371 aus dem innern Peru. - H. amplecta
und translucens Gundlach Malak. Bl. p. 17 von Cuba. - H. genula-
bris und Herhlotsi v. Martens Malak. Bl. p. 33 von Japan. — H. An-
gasiana Newcomb Annais Lyceum New - York VII. p. 283 von Bou-
gainsville Island. ~ H. amurensis , Maackii , Selshii , Middendorfß
Gerstfeld Mem. de St. Petersbourg IX. p. 517. fig. 26-29 aus dem
Amurlande. — H. paupera Philippi Atacama 1. c. p. 183 — H Mal-
Zinna Parreyss Malak. Bl. p. 228 von Rhodus, bei welcher Gelegen-
heit Pfeiffer über Helix Rhodia Chemn. handelt. - H. trochiscus
Aruinseln, Dohmiana Siam, subcornea Siam, Mouhoti Siam, Paraden-
sis Mexiko, Carmeliensis Berg Carmel, Gassiesi Neue Hebriden, Bat-
chianensis Insel Batchian, pudica New-Briton, Eutropis, occnlta Aru-
inseln, leucotropis Aruinseln Pfeiffer Älalak. Bl. p. 231.
Benson erhebt Annais nat. bist. V. p. 243 eine Gruppe der
Heliceen, die sich durch einige innere Falten auszeichnet, zur eige-
nen Gattung Plectopylis, testa plerumque sinistrorsa, late umbi-
Iicata, subdiscoidea, depressa vel conoideo-depressa, apertura plica
parietal, callosa lamellam horizontalem saepe emittente, intus pylis
s.ve epiphragmalibus pluribus distantibus plicatis (prima ab apertura
plus minusve remota) obstructa. Die sechs Arten , die je zwei zu
einer Section vereinigt sind, H. Achatiua Gray, Cyclaspis Bens., Leio-
phts n. sp. von Kwadouk bei Thyet-Mio , refuga Gould , plecostoma
Bens und Pinacis Bens, sind durch Diagnosen charakterisirt. - Spä-
ter (ib. VI. p.98) spricht sich Verf. über das Subgenus Gorilla aus
welchem A. Gould eine neue Art C. puhinaris hinzugefügt hatte'
Vergl. den vor. Bericht p. 343.
Lamellina Pease nov. gen. Proc. zool. soc. p. 439. Schale
undurchbohrt; Windungen glatt; Spindel gedreht und mit einer lamel-
enartigen vorderen Falte und einer spiralen Lamelle an der Spindel-
lippe; letzte Windung mit inneren Längs - Lamellen ; Aussenlippe
einfach, scharf. L. serrata von der Insel Ebon, Marschalls-Inseln.
Benson erhebt einige von ihm früher als Section von Helix
beschriebene Arten nunmehr zur eigenen Galtung Sophina. Sie ist
charakterisirt: tesla heliciformis ; columella callosa, declivis cum
margine basali angulum efformans; angulus rimatus, rima in carina
umbilical. spirali desinente; callus parietalis tenuis expansiusculus.
S. cahas und forabilis (vergl. den vorigen Bericht p. 343) sind aufs
Neue charakterisirt. Es ist zu bedauern, dass die Thiere selbst noch
völlig unbekannt sind. Verf. hält es für höchst wahrscheinlich, dass
sie ,n die Nähe von Ceres und Proserpina gehören , d. h. nur zwei
Fühler mit den Augen an deren Grunde besitzen werden; sollte sich
jedoch ergeben , dasß sie wirklich zu den Heliceen gehören , dann
der Mollusken während des Jahres 1860. 201
würden sie immer ein eigenes Genus , etwa zwischen Nanina und
Giandina bilden müssen. Annais nat. hist. V. p. 26.
Naniiia D ohrniana und Monhoti pl. 50. fig. 5 Pfeiffer Proc. zool.
soc. p. 136. Beide von Siam.
Streptaxis andamanica Benson Annais nat. hist, VI. p. 192 von
den Andamanischen Inseln. — St. Deplanchei Drouet Guyane fran-
^aise 1. c. — St. sinuosa und ehurnea Pfeiffer Malak. Bl. p. 239 von
Cochinchina.
Bulimns Cambojiensis Lovell Reeve Annais nat. hist. VI. p. 204
aus dem Reiche Cambojia. — ß. saturamis Ecuador, Fraseri Fig. 5
Ecuador, Schotnburgki Fig. 9 Siam, Stutchburyi Fig. 8 Neue Hebriden,
pyrostomus Neue Hebriden, Turneri Fig. 10 Neue Hebriden, colubri-
nus Fig. 4 Neu - Caledonien Pfeiffer Proc. zool. soc p. 136. — B.
Paivae Lowe Journ. Proc. Linnean Soc. V. p. 201 von Mogador. —
B. cephalonicus 3Iousson Coq. de Schaefli 1. c. von Cephalonia. —
B. Angrcmdi, virginalis , papillatus , rnsticellus , Andoicus, albicolor,
serotinus, Lesueureanus, tabulatvs, scalaricosta, spiculatus und veru-
ctilum Morelet Journ. de Conchyl. VIII. p. 372 aus dem Innern Perus.
— B. rufolineatus , orthodoxus , Eyriesii , limpidus Drouet Guyane
fran^aise 1. c. — B. minimus Philippi Atacama 1. c. p. 184 tab. VII.
fig. 12.
Orthalicus Boucardi Pfeiffer Proc. zool. soc. p. 138. pl. 51. fig. 7
aus Mexiko.
Fupa Proteus und scalarina Gundlach Malak. Bl. p. 19. — P.
RotceUii Newcomb Annais Lyceuni New -York VII. p. 146 aus Cali-
fornien. — P. Eyriesii Drouet Guyane fran9aise 1. c.
Pnrtula Turneri Pfeiffer Proc. zool. soc. p. 140 Neue Hebriden.
Ennea stenopylis Benson Annais nat. hist. V. p. 460 von
Darjiling.
Vertigo nitens Pease Proc. zool. soc. p. 439. Ebon, Marschalls-
Inseln.
Achatina serena und panae^Äa Benson Annais nat. hist. V. p. 384
von Ceylon. — A. hastula und Orobia Benson ib. p. 461 von Darji-
ling ; A. praelustris aus der Provinz Orissa, Chessoni von Mahaba-
leshwar-Gebirge, notigena ebendaher, Sarissa aus Bengalen, Pyramis
vom Khasiagebirge, Scrutillus aus der Provinz Orissa. Hier sind die
23 vom continentalen Indien bekannten Achatinen verzeichnet. Die-
sen werden p. 465 noch A.Botellus und Facula von dem Nilgherrie-
Gebirge als neu hinzugefügt. — A. Gretillei Pfeiffer Proc. zool. soc.
p. 138 von Cid - Calabar. — A. ruricola Lowe Journ. Proc. Linnean
Soc. V. p. 203 von Mogador. — A. Vignoni ^ mollicella und musac"
cola Morelet Journ. de Conchyl. VIII. p. 189 von Guinea.
Achalinella Kauaiensis Newcomb Annais Lyceum New-York VIII.
p. 145. Sandwichinseln.
202 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Tornatellina mU'c/a Pease Proc. zool. soc. p. 439. Sandwichinseln.
Glandina cotnpressa Mousson Coq. de Schaefli 1. c. aus dem
Orient,
Oleacina indusiata Pfeiffer Proc. zool. soc. p. 138 aus Mexil^o.
— 0. translucida Giindlach Malak. Bl. p. 18 von Cuba,
Azeca integra Mousson Coq. de Schaefli 1. c. aus dem Orient.
Stenocjyra turricula v. Martens Pioc. zool. soc. p. 9 von Siam.
Cylindrella grandis pl. 50. fig. 3, mexicana , splendida fig. 1,
arctospira fig. 2, cretacea Pfeiffer Proc. zool. soc. p. 139, sämmtlich
aus Mexiko. — C. lateralis Paz und fastigiata Gundlach Malak. Bl.
p. 20 von Cuba. — C Trinitaria von Trinidad, Bahamensis von Ba-
ham, und Weinlandi von Haiti Pfeiffer 3Ialak. Bl. p. 213, alle drei
abgebildet.
Clausilia Adamsiana Südamerika und Tristrami Tunis Pfeiffer
Proc. zool. soc. p. 140. — Cl. corcyrensis, inconstans, vallala, rugi-
labris, Janinensis, auriformis Mousson Coq. de Schaefli 1. c. aus dem
Orient. — Cl. Martensi Herklots Malak. Bl. p. 40 von Japan. — Cl.
helvola, callifera, acicula^ concinna, macrostoma, hepatica, bulgarica
Friv., obvolula Friv. , falliciosa , alba, cebriola, colorata, soluta^ im-
pura und flava sind von Küster im Conchylien-Cabinet aufgestellt
und stammen meist aus Dalmatien. — Cl. Dohrni Pfeiffer Malak. Bl.
p. 213 von Venezuela.
AuriCUläCOä. Melampus (TraliaJ semiplicata Pease Proc. zool.
soc. p. 146. Sandwichinseln.
Blauneria ^fraci/i* Pease Proc. zool. soc. p. 145. Sandwichinseln.
Pedipes sandwicensis Pease Proc. zool. soc. p. 146. Sandwich-,
sein. — P. lirata Binney Proc. Philadelphia p. 154. Californien.
Limnaeacea. ChiUna «ni/Msf« Philippi Atacama 1. c. p.l85.
Bei Funchal in Madeira ist Planorbis glaber Jeffr. (laevis Aid.)
gefunden worden. Lowe glaubt, dass er dort von Portugal eingeführt
sei. Annais nat. bist. VI. p. 46. — Planorbis Janinensis Mousson Coq.
de Schaefli 1. c. ans dem Orient. — PL xerampelinus Drouet Guyane
fran^aise.
Choanomphalus Gerstfeld n. gen. Mem. de St. Petersbourg
IX. p. 527. Testa concave et infundibuli forma umbilicata, umbilico
carina plus minusve distincta ab reliqua ullirai anfractus parte diviso;
apertura rotunda , inferius subangulata; peristoma simplex subconti-
nuum, margine exteriore magis producto. Animal ? Verf. stellt diese
Gattung nur fraglich zu den Limnaeaceen , weil er keinen Deckel
gefunden hat, hält es aber für möglich, dass sie in die Kühe von
Vatvata gehöre. Ich muss bekennen , dass ich weder durch die Be-
schreibung noch durch die Abbildung mich überzeugt finden kann,
dass die Gattung zu den Limnaeaceen gehöre. Die Art Ch. Maacki
lebt im Baikalsee. — Bourguignat spricht Revue et Mag. de zoo-
der Mollusken während des Jahres 1860. 203
logie p. 527 über diese Gattung und führt Eigenschaften des Thieres
an, die für die Stellung in der Limnaeareen-Familie sprechen, ohne
dass man erfährt, woher ihm diese Kenntniss kommt, da doch dem
Entdecker der Gattung das Thier unbekannt blieb. Er fügt zwei neue
Arten, gleichfalls aus dem Baikal -See hinzu: Ch. amauronius und
aorus, die auch abgebildet sind.
Bemerkungen von Malm über Limnaea limosa s. Forhandl. ved
skand. Naturforskeres i Kjöbenhavn 18G0. p. 703.
OüChidiacea. OnchidUim Carpe7iteri ßinney Proc. Philadelphia
p. 154 von der Strasse de Fuca.
Notobranchiata.
R. Bergh hat über das Vorkommen von Nesselorga-
nen bei den Mollusken Untersuchungen angestellt. Natur-
hist. Foren. Vidensk. Meddelelser 1860 p. 309. Sie sind
unter den Aeolidiern bei den Gattungen Aeolidia , Monta-
gua, Galvina, Facelina, Fidiana, Coryhpella, Glaucus, Glau-
cilla; unter den Pleurophyllidiern bei der Gattung Pleuro-
phyllidia gefunden und beschrieben worden. Auf einer
Tafel sind sie abgebildet worden.
Wie CoIIingwood im vorigen Jahre über die Nackt-
kiemer des Mersey berichtet hatte, so hat er jetzt seine
Aufmerksamkeit auf die des Ausflusses des Dee gewendet,
und sie Annais nat. bist. VI. p. 196 geschildert. Am Schlüsse
werden die an beiden benachbarten Lokalitäten beobach-
teten Arten, 28 an der Zahl aufgezählt.
Doriddö. Doris setosa, excavata, reticulata , echinata , scahriu-
scula, pilosa, vibrata, propinquata, picta, nucleola, decora, marginata,
papulosa, albopustulosa, grandiflora, rugosa, foetida, prismatica Pease
Proc. zool. soc. p. 26. Sandwichinseln.
D orio p sis Pease nov. gen. Proc. zool. soc. p. 32. Mantel
gross , Kopf und Fuss deckend ; zwei blättrige retractile Tentakeln,
keine Mundtentakeln; Kiemen im Halbkreise hinten auf dem Rücken,
in eine ähnliche Spalte zurückziehbar, der convexe Theil nach hinten.
D. granulosa. Sandwichinseln.
Hexabranchus pulchellus und nebulosus Pease Proc. zool. soc.
p. 33 von den Sandwichinseln.
Tritoniacea. THtonia hawaUensis Pease Proc. zool. soc. p. 33.
Sandwichinseln.
Melibe pilosa Pease Proc. zool. soc p. 34. Sandwichinselo.
Polybranchia Pease nov. gen. Proc. zool. soc. p. 141. Kör-
204
Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Katurgeschichte
per länglich oval , mit einigen Reihen von hinfälligen Lappen , in
welche die Kiemen eingebettet sind; Kopftentakeln gabiig. P. pdlu-
cida von den Sandwichinseln.
Aeolididae. AeoUs semidecora und parvula Pease Proc. zool.
SOG. p. 34. Sandwichinseln. — A. vermiferus Sanderson Smith Annais
Lyceum Kew-York VII. p. 160 von J,ong-Island.
ßergh hat Phyllodesmium hyalinum Ehrbg. in IVaturh. Foren.
Vidensk. Meddelelser 1860 anatomisch untersucht und die Abhand-
lung mit einer Tafel geschmückt, auf welcher ausser dem ganzen
Thier namentlich die Mundtheile dargestellt sind.
Histiophorus Pease nov. gen. Länglich, ohne deutlichen
Mantel; Körper gerundet, hinten in einen seitlich comprimirten oben
mit häutigem Kamme versehenen Schwanz verlängert; drei Kiemen
auf der Mitte des Rückens; dorsale Tentakeln aber keine Lippenan-
hänge; Kopf mit einem Segel; Fuss linienförmig. H. maculatus Sand-
wichinseln. Proc. zool. soc. p. 36.
Pterogasteron Pease nov. gen. Niedrig, dünn, mit seit-
lichen flügelartigen Ausdehnungen, die senkrecht nach oben gerichtet
sind, mit welligen Rändern; Hals ziemlich lang, Kopf oben rund,
vorn abgestutzt: Mund unterhalb; Oberlippe zweilappig; zwei Füh-
ler, ohrförmig, von den Winkeln des Kopfes sich erhebend, seillich
gefurcht, nach vorn divergirend ; Fuss schmal ; keine deutlichen Ath-
mungsorgane. Pt. ornalum und hellum von den Sandwichinseln.
Proc. zool. soc. p. 35.
Elysia ocellata Pease Proc. zool. soc. p. 35. Sandwichinseln.
Actaeonidae. KleinelU A. Adams n. gen. Testa ovata, te-
nuis, umbilicata, superficie cancellata, spira producta, apice obtuso;
apertura elongata, antice producta et integra , labio tenui, simplici,
labro postice angulato, in medio recto, margine acuto. K. cancella-
ris, Strasse von Korea. Annais nat. bist. V. p. 302.
Leucotina A. Adams n. gen. Testa ovata, alba, tenuis, an-
fractibus convexiusculis , ultimo ventricoso , transversim sulcatis, in-
terstitiis punctatis; apertura oblonga , antice producta, labio superne
plica obliqua, saepe celata , instructo. L. Niphonensis Strasse von
Korea. Annais nat. bist. V. p. 409. - L. exarata und insculvta A.
Adams ib. VI. p. 421.
Mtjonia A. Adams n. gen. Testa ovato - turrita, alba, tenuis,
anfractibus convexiusculis, transversim sulcatis , interstitiis caelalis ;'
apertura oblonga, postice acuminata, antice producta; labio superne
plica obliqua instructo. Enthält ausser den meisten früher vom Verf.
als Monoptygma beschriebenen Arten eine neue M. japonica, Strasse
von Korea. Annais nat. bist. V. p. 406.
Macrocheilus japonicus A. Adams gehört in die bisher nur fos-
der Mollusken während des Jahres 1860. 205
sil gekannte Gattung Macrocheilus Phillips, Strasse von Korea. Annals
nat. hist. V. p. 407.
Ringicula denticulata Port Jackson , doliaris Hakodadi, arclala
Hong-Kong Gould Proc. Boston Soc. VII. p. 324.
Bullacea. Ueber die Schale und die Larven des Ga-
steropteron Meckelii maclite Kr o li n in diesem Archiv 1860.
p. 64 interessante Mittlieilungen.
Bulla marmorea Pease Proc. zool. soc. p. 431. Sandwichinseln.
Ebenda stellte Pease an neuen Arten von den Sandwichinseln
auf: Haminea galba p. 432 ; H. crocata und pusilla p. 19; Atys se~
mislriata und debilis P' 20; Bullina vitrea , lauta p. 19; Tornatina
sajidwicensis p. 19.
Volvatella Pease nov. gen. Proc. zool. soc. p. 20. Schale
gewunden, birnförmig, Mündung vorn weit, hinten zusammengezogen
und vorgezogen , eine kreisrunde Oeffnung bildend. — Thier mit
verborgenem 3Iantel , viereckiger Kopischeibe, von den Ecken vor-
gezogenen Fühlerlappen, hinterer Afteröffnung, schmalem und dreiecki-
gen Fuss. F. fragilis Sandwichinseln.
Fhilinopsi s Pease nov. gen. Proc zool. soc. p. 21. Kopf-
scheibe gross, dahinter bildet der Körper einen convexen Fleischlap-
pen, hinten abgestutzt; Augen nicht sichtlich; Mund rüsselförmig
zwischen Kopfscheibe und Fuss; Fuss gross, abgerundet; Kieme nahe
dem Körperende. Schale in dem abgestutzten Ende verborgen. Fh.
speciosa und nigra von den Sandwichinseln.
Aply s i ac ea. Neue Arten von Pease Proc. zool. soc. p. 22
sämmtlich von den Sandwichinseln : Dolabella variegata; Dolabrifera
olivacea ; Syphonola pipes, grandis, elongata; Aclesia areola.
Tlonopleurobranchiata.
PlenrobranchidaO. Fleurohranchus pelluddus, marginatus, ru-
fus, varians, reliculutus Pease Proc. zool. soc. p. 24. Sandwichinseln.
Ancyloidea. Aticylus Sibiriens Gerstfeld Mem. de St. Peters-
bourg IX. p. 527. fig. 30 aus dem Baikalsee. — A. parasitans Drouet
Guyane franp. 1. c.
SiphOnariacea. Siphonaria fenwis Philippi Atacama 1. c. p.l81.
Pteropoda.
In der bereits oben bei den Heteropoden ervs^ähnten
Schrift: „Beiträg-e zur Entwickelungsgeschichte der Ptero-
poden und Heteropoden" hat Krohn aus der Familie der
Clioiden fünf Larvenformen beobachtet. Alle haben eine
gerade Schale mit einem abgesetzten glatten Knopf, der
206 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Katurgeschichte
wahrscheinlich aus der Embryonal-Periode herstammt; die
sehr grossen Segel können nicht in die Schale zurückge-
zoo-en werden. Bei einzelnen Arten fand Verf. die Radula
mit Mittelplatlen , Zwischenplatten und je zwei Seitenplat-
ten bewaifiiet, und bildet sie ganz übereinstimmend mit den
Heteropoden ab , so dass ich eine Verwechselung voraus-
setzen würde, wenn nicht Krohn als einer der gewissen-
haftesten und sorgsamsten Beobachter bekannt wäre. Zu
erklären weiss ich dieses abweichende Verhalten zur Zeit
noch nicht. Verf. vermuthet ferner, dass bei allen Larven
Mittelplatten vorhanden seien, die jedoch bei einigen Ar-
ten später fehlen können. Dass die Zahl der Seitenplatten
im Fortschritte der Entwickelung zunimmt , scheint durch
die Untersuchungen des Verf. erwiesen. — Auch die Cym-
bulien haben imLarvenzustande eine kalkige, und zwar ge-
wundene mit Deckel verschliessbare Schale. Larven von
Cymbulia und Tiedemannia sind beschrieben und abge-
bildet.
Brachiopoda.
Als Fortsetzung der Abhandlung über die Wohnsitze
der Brachiopoden behandelt Suess die Lebensverhältnisse
der fossilen Brachiopoden. Wiener Sitzungsberichte 39.
p. 151—206.
Fritz Müller hat an der Brasilianischen Küste eine
Brachiopodenlarve beobachtet und in Reichert's und Du-
bois Reymond's Archiv p. 12 beschrieben. Sie besitzt zwei
Schalen , fünf Paar vortretende grössere Borsten, Augen,
Gehörbläschen und vier Paar Arme, die an einem Stiele
hervorgeslreckt und als Bewegungsorgane benutzt werden
können. Es bleibt völlig ungewiss, welcher Art diese
Larve angehört. Ein Auszug findet sich von dieser Mit-
theilung in Annais nat. bist. VL p. 310.
Eine ausführliche Monographie über Lingula anatina
veröffentlichte Gratiol et im Journal de Conchyliologie VlIL
p. 49—107 und 129-— 172 nebst Taf. 6—9 und hübschen
Holzschnitten im Text. Wir verweisen auf das Studium der
Abhandlung selbst.
der Mollusken während des Jahres 1860. 207
Terehratella Mariae A. Adams Annais nat. bist. V. p. 412. —
T. transversa und miniata Gould Proc. Boston Soc. VII. p. 323 von
Hakodadi-Bay.
Rhynconella lucida Gould Proc. Boston Soc.VII. p. 323 von Japan.
Discina Stella Gould Proc. Boston Soc. VII. p. 324 von China.
Lingula pyramidata Stinipson Silliman Amer. Journ. 39. p. 444
von Nord-Carolina.
Deshayes erklärt als Antwort auf eine Anfrage die Tere-
bratula Gaudichaudi Blainv. , dilatata Lani. , californiana Koch und
Kochii Küst. für vier gut unterschiedene Arten.
Lamellibranchiata.
Voit hat unter der üeberschrift: „Anhaltspunkte für
die Physiologie der Perlmuschel" einige chemische Unter-
suchungen, die bereits in v. H esslln g's Werke: „die
Perlmuscheln und ihre Perlen" abgedruckt waren , mit ei-
nigen neuen Angaben vermehrt in der Zeitschr. für wis-
sensch. Zoologie X. p. 470 für einen weiteren Leserkreis
wieder abdrucken lassen. Sie beziehen sich auf die Leber,
das Bojanus'sche Organ, die Muschelschalen, das Blut und
den Parenchymsaft und schliessen mit allgemeinen Betrach-
tungen. Wir wollen hieraus nur hervorheben , dass Verf.
die Verschiedenheit des Conchyolin vom Chitin bestätigt,
und dass sich beide am leichtesten dadurch unterscheiden
lassen, dass Conchyolin durch das Millon'sche Reagens (sal-
petersaures Quecksilberoxyd mit salpetriger Säure) rolh
gefärbt wird, während reines Arthropoden -Chitin farblos
bleibt. In BetreiT des Uebrigen verweisen wir auf die Ab-
handlung selbst.
Gegen die Ansichten, wie sie Ro lies ton von dem
Wassergefässsystem der Lamellibranchiaten entwickelt hat
fvergl. den vor. Bericht p. 350) spricht sich Lacaze-
Duthiers aus. Royal Soc. Dec. 1859; Annais nat. bist.
V. p. 225.
Ueber die Befruchtung der Flussperlenmuschel theilte
V. Hessling Beobachtungen mit. Zeitschr. für wlssensch.
Zoologie X. p. 358. Er ist der Ansicht, dass die Geschlechts-
produkte, Samen und Eier, von zahlreichen Individuen zu-
208 Tr ose hei: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
gleich und vornämlich gegen die Mittagsstunde im Anfange
des August ausgeworfen werden , so dass dadurch das
Wasser des Flusses getrübt würde , dass die befruchteten
Eier mit dem Alhmungsprocesse in die Kiemen wieder ein-
gesogen würden, und dass sie so in die Bruthöhlen frem-
der Individuen, sowohl Männchen wie Weibchen, gelang-
ten , um hier sich weiter zu entwickeln.
Aucapitaine hat der Pariser Akademie neue Be-
obachtungen über das Bohren der Mollusken in Felsen mit-
getheilt. Sie sind an der afrikanischen Küste angestellt
und beziehen sich hauptsächlich auf das Eindringen der
ganz jungen Thiere , wozu Verf. ein auflösendes Mittel in
Anspruch nimmt. Comptes rendus p.95; Revue et Mag. de
zool. p. 31.
OstreaCOa. Ueber das Leben der Austern schrieb Esc bricht
Forhandlinger ved de skandinaviske Nalurforskeres ottende Mode i
Kjöbenhavn 1860. p. 62.
Fectinacea. Pecten Schrammi Fischer Journ. de Conchyl. VIII.
p. 330. pl. 12. flg. 3 von Guadeloupe. — P. Kuhnholtzi Bernardi ib.
p. 378. pl. 13. flg. 1 von Neu-Caledonien.
ÄViCUlaCea. Malleus Coffyni und Perna Coffyni, angulifera und
Coffiniana von INeu-Caledonien hat V al e n ci e n n e s der Pariser Aca-
demie vorgelegt. Comptes rendus LI. p.279; Revue et Mag. de Zoo-
logie XII. p.419.
Arcacea. Area nodifera v. Martens Proc. zool. soc. p. 17 von
Siani. — A. Holmesiilimiz Cat. shells of North- and South-Carolina.
Huxlcya A. Adams n. gen. Tesla aequivalvis, transversim
oblonga, obliqua , valde inaequilateralis , clausa, intus non-marga-
ritacea , epidermide tenui obtecta , superficie valvarum concentrice
sulcata; cardo denlibus sex acutis divergentibus (cristam formantibus),
postice inclinatis et in laniina curvata desinentibus, ligamenlo interno
in fossula sub uinbone; inipressiones musculares distantes , linea pal-
liali simplici. H. sulcata , Strasse von Korea. Annais nat. bist. V.
p. 303. Der Name ist bereits an eine Polyzoen - Gattung vergeben
(vergl. ib. p. 432) und daher vom Verf. ib. p. 478 in Cyrilla um-
geändert.
Limopsis oblonga A. Adams Annah nat. bist. V. p. 412 von Japan.
Nuculacea. Nucula malaharica Cochin , antipodum Australien,
M'Andrewii Tunis Ilanley Proc. zool. soc. p. 441. — N. tumidula
Malm Forh. skand. naturf. i Kjöbenhavn 1860. p. 621.
Sarepta A. Adams n. gen. Testa transversim ovalis, aequi-
der Mollusken während des Jahres 1860. 209
valvis, aequilateralis, intus non-margarilacea; cardo dentibus pluri-
bus acutis in serie rectiuscula dispositis; ligamento interno, in fos-
sula centrali posito ; impressiones musculares distantes , inipressio
pallii integra. S, speciosaj Strasse von Korea. Annais nat. bist. Y. p. 303.
Leda Taylori von Guatemala und Metcalfii Hanley Proc. zool.
soc. p. 370. — L. Conradi , Brookii Borneo , Hindsii Kicoya Hanley
ib. p. 440.
Yoldia Woodicardi Hanley Proc. zool. soc. p. 370 von den
Falklandsinseln.
Solenella Cumingii Hanley ib. p. 441. Falklandsinseln.
Najades. Im Journal of the Academy of natural Scien-
ces of Philadelphia Vol. IV. Part III und Part IV hat Lea
wieder eine grosse Anzahl von Arten aus der Najaden-Fa-
milie abbilden lassen und ausführlichere Beschreibungen
derselben gegeben. Ihre Diagnosen sind sämmtlich bereits
in, den letzten Jahren, und zwar meist in den Proc. Phi-
ladelphia veröffenlicht worden. Part III bringt 3 Monocon-
dylea , 7 Anodonta und 30 Unio ; Part IV bringt 6 Ano-
donta und 40 Unio. Die Ausführung der Abbildungen ist
wie früher vortrefflich. Bei mehreren Arten sind auch die
weichen Theile des Thieres beschrieben und Notizen über
die embryonalen Schalen gegeben.
Lea zählte die in seiner Sammlung befindlichen ab-
normen Formen der Gattung Unio auf, nämlich solche die
einen einzigen Seitenzahn in jeder Schale haben, solche
mit einem Seitenzahn in der linken , zwei Seilenzähnen in
der rechten Schale , solche mit doppeltem Seitenzahn in
beiden Schalen , solche mit dreifachem Seitenzahn in der
linken, doppeltem in der rechten Schale, solche mit einfachem
Schlosszahn in beiden Schalen, solche mit doppeltem Schloss-
zahn in der rechten , einfachem in der linken Schale, sol-
che mit doppeltem Schloss- und Seitenzahn in beiden Scha-
len u. s. w. Proc. Philadelphia 1860. p. 51.
Neue Arten: Unio trifidus von Buenos Ayres und patelloides
aus Brasilien Lea ib. p.89. — Derselbe stellte ib. p. 90 an neuen
Arten von Uruguay auf: l^. Wtjmani , Uruguay ensis, piger, peraefor-
mis, noclurnis, funebralis, gralus, disculus, piceus, Icpidus, Äelhiops.
— Ebenso aus Alabama ib. p. 92 : U. pudicus , camelopardalis , fuca-
tus, discrepans, planicostatus und scilulus. — Von Georgia ib. p.305:
U. linguaeformis und dispar. — Von Mexiko ib. p.305: U. Couchia-*
Archiv f. Nalurg. XXVII. Jahrg. 2. Bd. 0
210
Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
nns, Saladoensis und cognatus. — Ferner ib. p.306: U. Lesleyi Ken-
tucky, castus Südcarolina, Lindsleyi Tennessee, perpictus Tennessee,
Eighlsii Texas nnd Mexiko, quadrans Texas. — Dann ib. p. 307 von
Alabama : U. Shoicalterii, Harlmanianus, dolosus, parvulus, planctts.
— U, occatus Lea ib. p. 307 aus Bengalen. — U. Schlegelii und oxtj-
rhynchus v. Martens Malak. Bl. p. 55 von Japan.
Margaritana P feifferiana Bernardi Journ. de Conchyl. VIII. p. 331.
pl. 12. flg. 1—2 von Gabon.
Conrad vermuthet , dass die Gattung Pleiodon die vorherr-
schende Form der Unioniden im centralen Afrika sein werde, wenn
man erst die dort vorkommenden Arten kennen gelernt haben werde.
Proc, Philadelphia p. 232.
Anodonta Schomburgkii und callifera v. Martens Proc. zool. soc.
p. 15 von Siam. — A. amazonensis und Moricandii Lea Proc. Phila-
delphia p. 89. — A. Wymani, ruhicunda , Forbesiana , Uruguayensis
Lea ib. p. 91 aus dem Uruguay -River in Südamerika. — Anodonta
Kennerlyi Lea ib. p. 306. Washington Territory. — A. Showalterii
Lea ib. p. 307 von Alabama. — A. Cailliaudi Lea ib. p. 308 aus
Brasilien.
Lea fand bei Anodonta Wymanii und A. latomarginata vom
Uruguay-River abweichende Mundlappen, deren nähere Beschreibung
in Aussicht gestellt wird. Proc. Philadelqhia 1860. p. 97.
Spatha compressa v. Martens Proc. zool. soc. p. 16 von Siam.
Mycetopus emarginatus LeR Proc. Philadelphia p. 308 von Siam.
DreiSSenacea. Dreissena lacustHs Morelet Journ. de Conchyl.
VIII. p. 191 aus dem See Ebrie in Guinea.
Trigoniacea. Nach einem Aufsalze von Seguenza im Journ.
de Conchyl. VIII. p. 286 über die fossile Gattung Verticordia , fügt
Fischer p. 295 eine Bemerkung über die Gattungen Hippagus und
Verticordia hinzu, wo er zeigt, dass auch zwei lebende Arten in die
Gattung Verticordia Wood gehören, nämlich: Trigonulina ornata d'Orb.
aus dem Sande von Jamaica und Hippagus novemcostatus Adams et
Reeve von China.
Cycladea. Temple Prime hat die Synonymie der Cycladen
zusammengestellt. Proc. Philadelphia p. 267. Er zählt dahin die Gat-
tungen Galatea Brug., Glauconome Gray, Cyprina Lam., Velorita Gray,
Corbicula Megerle, Cyrena Lam., Batissa Gray, Sphaerium Scop. , Pi-
sidium Pfr. — Die Species sind alphabetisch aufgezählt; es werden
angenommen: von Velorita 1, von Corbicula 97, von Cyrena 176,
von Sphaerium 93. — Die übrigen Gattungen sind noch zu erwarten.
Cyrena flava, brunnea , obscura Neu - Granada , Temple Prime
Proc. zool. Soc. p. 320. — C. ponderosa Philippinen und corbidae-
formis Malabar Temple Prime Proc. Philadelphia 1860. p. 80.
der Mollusken während des Jahres 1860. 211
Corbicula maxima , ovalis , cyreniformis , regularis Deccan in
Indien, tenuistriata Teniple Prime Proc. zool. soc. p. 321. — C.Qui-
lonica Benson Annais nat. hist. VI. p. 260 von Quilon, Malabar. —
Corbicula rotunda Temple Prime Proc. Philadelphia 1860. p. 80 aus
dem Surinam-River in Guyana.
Batissa unioniformis, gracilis, fuscata, compressa von Borneo,
inflata Nicobaren, minor Fidschi-Inseln, fortis IVeu-Caledonien, elon-
gata Neu-Caledonien Temple Prime Proc. zool. soc. p. 319. — Bei Gele-
genheit der Beschreibung zweier neuen Arten B. gigantea und simi-
lis, letztere von den Nicobaren Annais of the Lyceum of natural hi-
story of New - York Vil. p. 112 lieferte Temple Prime das Ver-
zeichniss der bekannten 27 Arten dieser Gattung , unter denen die
oben genannten schon enthalten sind.
Sphaerium inconspicuum Lycien, subtransversum Tobasco Temple
Prime Proc. zool. soc. p. 322.
Pisidium refwsMm Honduras, «n^fMÜöfwm Valparaiso Temple Prime
Proc. zool. soc. p. 322.
Eine kurze Notiz über Pisidium Recluzianum und Gassiesianum
von Baudon ist Journ. de Conchyl. VIII. p. 179 nachzusehen.
UngnlinäCea. Synonymy of the species of Cyrenella, a genus
of Mollusca belonging to the family of the Lucinidae, by Temple
Prime. Proc. Boston Soc. VII. p. 345. Verf. zählt 14 Arten auf.
Bei Gelegenheit der Beschreibung einer neuen Art Diplodonta
pacißca Journ. de Conchyl. VIII. p. 376. pl. 13. fig. 3 aus dem stillen
Ocean findet Fischer diese Gattung sehr verschieden von Lucina,
dagegen verwandt mit Ungulina und Cyrenella , um mit ihnen eine
kleine Familie zu bilden.
Fischer hat Exemplare der Gattung Eucharis Recl. mit dem
Thier untersuchen können. Er ist der Ansicht, diese Gattung gehöre
in die Familie der Eryciniden. Journal de Conchyl. VIII. p. 23.
Gardiacea. Cardium pygmaeum Philippi Atacama 1. c. p. 176.
Leptonidae. Clark behauptet, dass Lepton sulcatulum Jeffreys,
vergl. vor. Ber. p. 353, nichts anderes als die junge Brut von Circe
minima, und nach beschädigten Exemplaren aufgestellt sei. Annais
nat. hist. V. p. 27. — Dagegen remonstrirt Jeffreys ib. p. 131.
Veneracea. Venus trapezoidalis Kurtz Catalogue of the Shells
of North- and South-Carolina ist vielleicht mit V. pygmaea identisch.
— V, Doumeti Bernardi Journ. de Conchyl. VIII. p.379. pl. 13. fig. 2.
Römer beschrieb in den Malak. Bl. p. 148 folgende neue Ve-
nus-Arten: Cytherea (Tivela) ar gut a Vamma., C. (Pitar) munda An-
tillen, C. (Lioconcha) Limenia rothes Meer, Doritis Ost- Afrika?,
funiculata rothes Meer?, C. (Callista) pvmila Chile, C (Circe) pa-
ralylica, paeta; — Tapes (TextrixJ Carpenteri; Gomphina Melanaegis ;
212 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Cyclina intumescens, fragilis \ni\\\en\ Murcia (Chamelaea) scansilis,
M. (Anomalocardia) latruncularia, memhranula Antillen.
Dosinia erythraea rothes Meer, tenella Australien, amethystina
Australien, ovalis, eburnea Ceylon, specularis Malacca, rustica, sah-
brosa Malacca, tripla Malacca, dernpta Malacca Römer Proc. zool. soc.
p. 117 sind neue Arten aus der Cuming'schen Sammlung.
Cyclina splendida Japan, bombycina Japan, pectunculus China
Römer Proc. zool. soc. p. 124.
Tellinacea. TelUna (AreopagaJ siamensis v. Martens Proc. zool.
soc. p. 18 von Siam. — T. (Fabulina) sp. ohne Namen Mörch Malak.
Bl. p. 187 von Centralamerika.
Macoma sp. ohne Namen Mörch Malak. Bl. p. 188 vonRealejo.
Strigilla maga , serrata , costulifera , interrupta Mörch Malak.
Bl. p. 189 von Centralamerika.
Semele fucata und S. (ÄmphidesmaJ verrucosa Mörch Malak.
Bl. p. 190 von Centralamerika.
Amphichaena gracilis Mörch ib. p.l92.
Unter dem Namen Macalia bildet H. Adams eine neue Gat-
tung aus Macoma Bruguieri, die sich durch die Grösse und Kräftig-
keit von Macoma unterscheiden und mehr Aehnlichkeit mit Gastrana
als mit Teilina haben soll; ihr fehlen auch die Seitenzähne. Proc
zool. soc. p. 369.
Donax SoMüerJiana Montrouzier Journ. de Conchyl.VIII. p. 204,
312. pl.ll. flg. 2 von Neu-Caledonien.
Mactracea. Mactra artensis Montrouzier ist Journ. de Conchyl.
VIII. p. 111. pl. 2. flg. 1 abgebildet. — M. hanakina Souverbie ib.
p.204, 311. pl.ll. fig. 1 von Neu-Caledonien. — ßl. (MuliniaJ bi-
strigata Mörch Malak. BL p. 182 von Realejo.
Raeta sp. Mörch ohne Namen von Realejo Malak. Bl. p. 183.
Synonymy of the know^n species of Rangia, a genus of the fa-
mily Mactracea, by Tempi e Prime. Proc. Boston Soc. VII. p.347.
Die Gattung enthält hiernach 8 Arten.
Nach Conrad Proc. Philadelphia p. 232 giebt es 4 lebende
und 3 fossile Arten der Gattung Rangia Desm. (Gnathodon Gray).
Gorbulacea. B.W. Adams hat zahlreiche Eyemplare von Cor-
bula rosea in Dalkey Sound lebend gefangen, wodurch die Zweifel,
ob sie eine Britische Species sei, beseitigt sind. Annais nat. bist. VI.
p. 455. — C. bifrons A. Adams ib. V. p. 412. Strasse von Korea. —
C. sp. ohne Namen Malak. Bl. p. 179 von Centralamerika.
In der Familie Corbulidae stellte H. Adams eine neue Gat-
tung Himclla auf: testa tenuis, inaequilateralis, inaequivalvis, valva
sinistra maiore, clausa, parva constrictione ab umbonibus ad margi-
nem ventralem extendente , epidermide veslita ; umbonibus tumidis,
obtusis ; cardo in valva dextra dente obscuro, in valva sinistra fossa
der Mollusken während des Jahres 1860. 213
congruente ; ligamento externo; cartilagine interna, in cartilaginis
processu angusfo , subhorizontaii in utraque valva recepta ; linea
pallialis vix sinuata. H. fluviatilis aus dem Flusse Maranon.
Anatinacea. Thrada camea Mörch Malak. Bl. p. 180 von Cen-
tralamerfka.
Solenacea. Ensiculus H. Adams Psoc. zool. soc. p. 369 ist
auf Cultellus cultellus gegründet, und unterscheidet sich von Cul-
tellus durch die gebogene und mehr verlängerte und parallele Ge-
stalt, und durch die kurze und gekrümmte Leiste unter den Wirbeln.
Solen Oerstedii Mörch Malak. Bl. p. 183 von Puntarenas.
Pholadacea. Fischer setzt Journal de Conchyliologie
VIII. p. 5 und 337 seine Studien über die Pholaden fort.
Er handelt daselbst über Ph. melanura, constricta und Dar-
w'ini Sow., über die Gattung Martesia Leach und über die
Gattung Jouannetia, von welcher letzteren J. Cumingii und
globosa beschrieben werden.
Pholas (Dactylina) refi/er Mörch Malak. Bl. p. 177 von Bealejo.
Gwyn Jeffreys unterscheidet Annais nat. bist. VI. p. 121
fünfzehn britische Arten der Galtung Teredo , von denen T. suheri-
cola Macgillivray MS., excavata Lukis MS., bipardta, spatha, fusticu-
lus, cucnllata Korman MS., fimbriata (palmulata Forb. Hanl.) als neue
Arten beschrieben werden. Zu ihnen kommen noch 6 exotische Ar-
ten. — Derselbe hat diese Thiere lebend gesehen und berichtet dar-
über ib. p. 289.
Die Akademie zu Amsterdam hat eine Commission be-
auftragt, die Verwüstungen des Teredo navalis an den hol-
ländischen Küsten genau zu prüfen. Dieselbe bestand aus
den Herren Vrolik, Harting, Storm Buysing, Van
Oordt und Van Baumhauer. Sie hat ihre Aufgabe
erledigt und Vrolik hat der Akademie darüber Bericht
erstattet. Verslag over den Paalworm, uitgegeven door de
Natuurkundige Afdeeling der Koninklijke Akademie van Ve-
tenschappen te Amsterdam. 1860. Vergl. einen Auszug An-
nales des sc. nat. XIII. p. 309. Die Art wird beschrieben,
die Lebensweise des Thieres, namentlich nach den Beob-
achtungen von Kater, geschildert, die Geschichte der an
den holländischen Küsten geschehenen Verwüstungen erzählt,
und die Jahre 1731, 1770, 1827, 1858 u. 1859 als die ungün-
stigsten bezeichnet. Mit Creosot behandeltes Holz soll am
meisten Widerstand leisten. Den Schluss bildet eine Arbeit
214 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte etc.
von Karting „over het mechanisme van den Toeslel,
waarmede Teredo navalis zijnc gangen maakt.« Das Thier
benutzt seine Schale als Bohrinstrument. Diesen Abschnitt
begleiten vier Tafeln mit Abbildungen.
Tniiica,
Lütken macht einige Bemerkungen über die an den
dänischen Küsten beobachteten einfachen Ascidien. Naturh.
Foren. Vidensk. Meddelelser 1860.
Verf. hat zwölf Arten kennen gelernt: Phallusia canina Müll.,
corrugata Müll., parallelogranima Müll., scabraMüll?, Glandula mollis
Stimps., Cynthia rustica L., echinataL., Lovenii Koren Danielssen, gutta
Stimps. und drei noch unbestimmte Cynlhiaformen.
Die Beiträge von Kefersteln und Ehlers zur Ana-
tomie und Entwickelung von Doliolum (Göttinger Nach-
richten 1860. no. 26) sind in diesem Archiv p. 334 ab-
gedruckt.
Ueber die Entwickelung von Pyrosoma hat Huxley
der Linnean Society neue Beiträge vorgelegt, die sich auf
die ersten Stadien der Entwickelung beziehen. Der Aus-
zug in den Annais nat. bist. V. p. 29 stellt das Erscheinen
der ausführlichen Abhandlung mit Abbildungen in Aussicht.
— Dieselbe ist in den Transactions of the Linnean Soc. of
London XXIIL p. 193—250 erschienen und von zwei Tafeln
begleitet. Sie enthält die Anatomie und Entwickelungsge-
schichte von Pyrosoma giganteum. Verf. nennt den ganzen
Stock Ascidiarium, die einzelnen Thiere Ascidiozooiden. Da
ein Auszug bei dem zugemessenen Räume hier doch nur
sehr dürftig ausfallen könnte, verweise ich auf die Abhand-
lung selbst.
Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen in der
Naturgeschichte der niederen Thiere während des
Jahres 1860.
Von
Dr. Rud. Leuckart^
Professor der Zoologie und vergl. Anatomie in Giessen,
Die im Schoose der Pariser Akademie neu angeregte
Frage der Generatio aequivoca, über die wir in den zwei
letzten Berichten mehrfach referiren mussten, ist auch noch
im Jahre 1860 Gegenstand einer lebhaften Erörterung ge-
blieben. Während Pouch et nach wie vor die Existenz
einer Urerzeugung behauptet und zu beweisen sucht
(l'Instit. Nr. 1397), auch J o 1 y und M u s s e t sich durch
direkte Beobachtung von der Umwandlung der Dotterkörper-
chen des Hühnereies in Monaden, Bacterien und Colpoda
cucullus überzeugt zu haben glauben (ibid. Nr. 1379), unter-
wirft Paste ur die Erscheinungen, die zu der Annahme der
Urerzeugung Veranlassung geben , einer Reihe der feinsten
und genauesten Experimente, deren Resultate den Annah-
men und Lehren Pouch et 's nichts weniger als günstig sind.
Zunächst bestätigt derselbe durch erneuerte Experi-
mente die schon früher von ihm ausgesprochene Behaup-
tung, dass die Gährung nur durch gewisse der Luft beige-
mischte organische Keime eingeleitet würde (Instit. N. 1362).
Bei einem späteren Versuche fand derselbe allerdings in
einer Infusion, die nach kurzem Kochen (bis 100 o) luft-
dicht verschlossen war, trotz aller Vorsichtsmassregeln
Myriaden von Vibrionen, allein möglicher Weise waren die
Keime dieser (pflanzlichen) Organismen durch jene Behand-
lung nicht vollständig zerstört worden. So wenigstens nach
216 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
der Ansicht unseres Verf's., die dadurch einige Wahrschein-
lichkeit erhält, dass bei Anwendung höherer Temperaturen
und bei läng-erem Kochen sich keine derartigen Organisnnen
bilden (ibid. Nr. 1373).
Verf. zeigt dann weiter, dass es für die Entwickelung
von Organismen in irgendwelchen Aufgüssen keineswegs
gleichgültig ist, von welchem Orte die keimführende Luft
stammt, dass sich an dem einen Orte vielleicht gar keine,
an dem anderen dagegen sehr zahlreiche Geschöpfe entwik-
keln, wenn die Verhältnisse sonst auch durchaus die gleichen
sind (ibid. p. 1392). Von besonderem Einflüsse scheint in
dieser Hinsicht namentlich die Elevation des Ortes zu sein,
wie u. a. daraus hervorgeht, dass von 20 Ballons, deren
Inhalt in der Ebene mit der Athmosphäre in Contact kam, 8,
von 20 andern, bei denen die Luft in der Nähe des ewigen
Eises, 2000 Metres hoch, einwirkte, nur einer mit Infusorien
sich füllte (ibid. Nr. 1401).
Auf der andern Seite wollen wir übrigens nicht ver-
schweigen, dass Pouch et noch immer vergebens in der
Luft nach Keimen von Infusorien und anderen Organismen
gesucht hat. Er findet Nichts — und doch ist ein einziger
Cubikcentimeter dieser Luft im Stande, Legionen bewim-
perter Infusorien zu erzeugen (ibid. Nr. 1397).
Auch in Deutschland tritt ein Vertheidiger der ürerzeu-
gung auf. Es ist ein homöopathischer Arzt, Dr. Ren t seh,
der in einem ganz ansehnlichen Buche, das sich unter
dem Titel „Homoiogenesis" als „erstes Heft von Beiträgen
zur Natur- und Heilkunde" ankündigt (Weimar 1860, 166
Seiten in gross Ouart, mit 16 Tafeln Abbildungen) über
Gammarus ornatus und dessen Schmarotzer handelt, seine
Ansichten über ungleichartige Zeugung nicht bloss theo-
retisch, sondern auch durch direkte Beobachtung zu be-
gründen sucht. Gregarinen, Distomen, Vorticellinen, Amö-
ben, Bacterien und Avie sie sonst alle heissen mögen, die
Schmarotzer von Gammarus, werden von unserem Verf. nicht
ohne Mühe und Fleiss beschrieben und abgebildet. Es
wäre eine ganz verdienstliche Arbeit gewesen, wenn Verf.
sich hierauf beschränkt hätte. Doch mit nichten. Zu un-
der niederen Thiere während des Jahres 1860. 217
serem Staunen erfahren wir, dass alle diese verschiedenen
Geschöpfe bald auseinander, bald auch aus den Gewebe-
theilen ihres Wirthes hervorgehen. Es war ein Traum,
wenn wir mit Schwann bisher die Zelle als die Grundform
der organischen Gewebe betrachteten. Herr Dr. Ren t seh
belehrt uns, dass das organische Element eine Spirale sei,
dass es von Vibrionen oder Bacterien gebildet werde, die im
Inneren der Zellen gelegen sind und zugleich die Uranfänge
der spätem Schmarotzer darstellen. Freilich entstehen diese
Parasiten nicht immer und ausschliesslich aus einer Weiter-
entwickelung jener Spirale. Die Gregarinen der Regenwürmer
nehmen z. B. gelegentlich auch aus den Eiern ihrer Wirthe
ihren Ursprung, aus Gebilden, die unter andern Umständen
„Kalk, Pigment, Blutgefässe, Borsten und Anguillulenkeime"
hervorgehen lassen. Während die Pseudonavicellen in Na-
viculaceen, Cercomonaden und Algenfäden auswachsen, ver-
wandeln sich die Gregarinen nicht selten in Distomeen, deren
Embryonen sich dann ihrerseits wieder in Vorticellinen um-
bilden. Doch genug zur Charakteristik der Homoiogenesis
und zur Begründung unserer Behauptung, dass hier einmal
wieder die Phantasie statt der nüchternen Critik dem Be-
obachter zur Seite gesessen habe.
Die mit der Frage nach der Urerzeugung vielfach zu-
sammenhängende Fähigkeit gewisser niederer Thiere, das
Austrocknen ungefährdet zu überstehen, ist im vergangenen
Jahre gleichfalls einer erneueten Untersuchung unterwor-
fen: Broca, eludes sur les animaux ressuscitantes Paris
1860. 147 pag. avec pl. Ref. kennt diese Untersuchungen
bis jetzt nur nach einem von Seiten der Societe de Bio-
logie darüber erstatteten Bericht (Journ. de physiol. 1860.
p. 604—607) und hebt darnach hervor, dass sich die Re-
sultate des Verf.'s im Ganzen bestätigend und ergänzend an
die früheren Angaben und namentlich an die von Gavar-
rct (J. B. XXVI. S. 109) anschliessen.
Möbius analysirt in einem öffentlichen Vortrage die
Erscheinung des Meerleuchlens und giebt dabei eine Zu-
sammenstellung der bekanntesten Leuchtthiere. Das Mecr-
leuchtcn, Hamburg 1860.
218 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
P. Gervais, de la melamorphose des organes et des
generations alternantes dans la Serie animale et vegetale
(Montpellier 1860. 146 pag.) ist Ref. nur dem Titel nach
bekannt geworden.
In Betreff des Generationswechsels ist hier auch die
Ansicht von Jäger hervorzuheben, dass wir unter dieser
Bezeichnung eine ganze Reihe verschiedener Processe zu-
sanimenfassten, die nur in ihrem Endresultate etwas Ge-
meinschaftliches hätten, d. h. darin übereinstimmten, dass in
einer Entwickelungsreihe abwechselnd verschiedene Thier-
formen aufträten, und zwar der Art, dass die eine Thier-
form die andere durch Vermehrung, nicht durch Verwand-
lung hervorbringe. Die Processe, die diese Erscheinung
vermitteln, erscheinen dem Verf. nicht bloss morphologisch,
sondern auch physiologisch verschieden, und desshalb sind
den auch alle die bisherigen Versuche, den Generations-
wechsel (als Einheit) genetisch zu erklären , nach seiner
Ansicht als gescheitert anzusehen. Wiener Sitzungsber.
Math. nat. Gl. Bd. 39. S. 337.
Den Versuchen von Vogt und van Beneden, die
Entwickelungsgeschichte für die Systematik der Thiere und
zwar zunächst für die Aufstellung der grösseren sog. Kreise
(subkingdoms der Engländer) zu verwerthen , haben wir
dieses Mal einen neuen von Greene in Cork hinzuzufü-
gen. Letzterer berücksichtigt dabei weniger das Verhält-
niss des Dotters zum Ei, als den Aufbau des Embryo selbst
und drückt seine Ansichten (Rep. 13. Meet. br. assoc. at
Oxford 1860. p. 132) durch folgendes Schema aus :
1. Der Leib entsteht ohne Beihülfe mehrerer über einan-
der liegender Häute Protozoa.
2. Der Leib entsteht aus einer Keimhaut mit äusserer
und innerer Lage.
a. Beide Schichten der Keimhaut bleiben ohne weitere
Differenzirung. Kein Unterschied von Hämal- und
Neuralregion (Rücken und Bauch) . Coelenterata.
b. Beide Schichten werden differenzirt. Ein Unter-
schied von Hämal- und Neural region ist vorhanden.
der niederen Thiere während des Jahres 1860. 219
a. Die Hämalregion bildet sich zuerst. Keine Glie-
derung der Keimhaut Mollusca.
ß. Die Neuralregion bildet sich zuerst.
a. Die Keimhaut gliedert sich in einzelne Seg-
mente. Keine Primitivrinne; keine Rücken-
und Visceralplatten Annulosa.
b. Die Keimhaut gliedert sich in einzelne Wir-
bel. Primitivrinne, Rücken- und Bauchplatten
vorhanden Vertebrata.
Ob der Kreis der Gliederthiere nicht etwa in die zwei der
Würmer und Arthropoden aufzulösen sei, lässt Verf. un-
entschieden, wogegen er sich aber entschieden für die
Ansicht von Huxley ausspricht, dass die Echinodermen
den Würmern zuzurechnen seien. (Wie alle Verallgemei-
nerungen, so hat auch die vorliegende ihre Schwächen und
Ungenauigkeiten, wie leicht erheilt, wenn man z. B. die
Entwickelung der sog. JVIolluscoiden und der meisten Würmer
nach dem vorliegenden Schema beurtheilen wollte. Nach den
Ansichten des Ref. liefert dasselbe von Neuem den Beweis,
dass dieEntwickelungsgeschichte allein zur Begründung der
obersten Abtheilungen unseres Systemes nicht ausreicht.)
Von Milne Edwards, Le^ons sur la physiologie
et l'anatomie comparee sind seit 1857 bis jetzt 6 Bände er-
schienen, in denen die Vorgänge und Organe der Respi-
ration, die Circulation, Absorption und Verdauung bespro-
chen werden, lieber die Behandlung des Stoffes auf die
früheren Bemerkungen verweisend (J. B. XXV. S. 99), er-
wähnen wir nur, dass Verf. in dem vorliegenden Werke
die Protozoen nicht als eigene Abtheilung anerkennt, son-
dern theils (die Rhizopoden und Poriferen) den Zoophyten,
Iheils auch (die Infusorien) den Mollusken zutheilt.
Der zweite im Laufe des Jahres 1860 erschienene Band
von Bronn 's „Klassen und Ordnungen des Thierreiches"
behandelt die Strahlthiere oder Actinozoen und giebt auf
434 Seiten mit 49 lithographirten Tafeln eine Uebersicht
über die Naturgeschichte und Zoologie der Coelenteraten
(S. 1—178) und Echinodermen (S. 179—434). Ausser den
220 Leiickart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
lebenden Formen finden dabei auch die fossilen eine ge-
bührende Berücksichtigung-.
Den Bemühungen und Zusammenstellungen von Mac
Andrew verdanken wir (Rep. 13. Meet. Br. Assoc. at
Oxford 1860. p. 217— 236) eine Liste der um England le-
benden wirbellosen Seethiere, die, so weit sie auch von
einer erschöpfenden Vollständigkeit noch entfernt sein mag,
doch in ihrer gegenwärtigen Form schon manche interes-
sante Aufschlüsse über die geographische Verbreitung der
niederen Thiere bietet. Nach den Aufzählungen des Verf.'s
leben um England 461 verschiedene Würmer (159 Chäto-
poden, 13 Gephyreen , 23 Nematoden, 10 Hirudineen, 52
Turbellarien, 18 Cestoden und 152 Bryozoen), 74 Echino-
dermen (24 Holothurien, 15 Echiniden , 16 Asteriden , 15
Ophiuriden, 4 Crinoiden), 406 Coelenteraten (11 Ctenopho-
ren, 79 Medusen, 109 Hydroiden, 4 Siphonophoren, 83 Po-
lypen, 120 Spongien), 59 oder mit Einschluss der Varietäten
81 Foramiferen.
Claparede's Beiträge zur Fauna der schottischen
Küste (Zeitschrift für wissensch. Zool. Bd. X. S. 401— 408.
Tab. XXXll) enthalten u. a. Beobachtungen über Quallen
und Wurmlarven und werden, so weit sie uns hier interes-
siren, weiter unten noch specieller angezogen werden.
Ebenso verbreitet sich der in Nyt Mag. for Naturv.
Bd. XI. Heft 3 enthaltene Bericht von Sars, betreffend eine
im Sommer 1859 unternommene zoologische Reise an die
Küste des Amts Romsdal (23 Seiten), über Würmer, Echino-
dermen und Coelenteraten.
Danielssen's Bericht über eine zoologische Reise
in derselben Zeitschrift Bd. XI. Heft 1. S. 1—58 ist Ref. bis
jetzt noch nicht zu Gesicht gekommen.
Das Nautical magazine and naval chronicle 1860 ent-
hält eine durch mehrere Hefte hindurchgehende Abhand-
lung von Capitain H. Toynbee „on the minute inhabitants
of the surface of the ocean" mit einer systematischen Auf-
zählung der dem Verf. auf seinen Seereisen zu Gesicht
gekommenen pelagischen Thiere und Abbildungen der in-
teressanteren kleinen Formen. Obwohl Verf. kein Zoologe
der niederen Thiere während des Jahres 1860. 221
von Fach ist, und Abbildungen wie Beschreibung, Vieles
zu wünschen übrig lassen, müssen die uns hier gemachten
Mittheilungen doch unser volles Interesse in Anspruch neh-
men. Ref. kennt nur den einen, in dem Alärzhefte des
genannten Magazins enthaltenen Theil dieser Mittheilungen,
der den Sagitten, den pelagischen Gasteropoden und Cru-
staceen gewidmet ist, auf der beigegebenen Tafel aber
auch die Abbildungen verschiedener, unserem Berichte an-
gehöriger kleiner Thiere enthält. Diagnose und Bestim-
mungen dieser Geschöpfe sind freilich nicht gegeben, kaum
einmal versucht, doch glaubt Ref. darunter die Larve einer
Spio- artigen Annelide (Fig. 13), eine kleine gehäusebewoh-
nende Terebellacee (mit Sabellina Duj. verwandt, der auch
der von Busch abgebildete „junge Röhrenwurm" zuge-
hört, Fig. 12), eine pluteusartige Echinodermenlarve (Fig. 6),
eine Polythalamie (Fig. 5), Polycysline (Fig. 10) und Acan-
thomelra (Fig. 9) zu erkennen.
Die von Frauenfeld der k. k. zoologisch- botani-
schen Gesellschaft in Wien mitgetheilten und in den Verhand-
lungen (Jahrg. 1860, an verschiedenen Stellen) abgedruck-
ten Berichte über die Weltfahrt der Fregatte Novara und
die während derselben gemachten zoologischen Beobach-
tungen verbreiten sich gelegentlich auch über die niedere
Thierfauna der von unserem Reisenden besuchten Plätze.
Wir verweisen in dieser Beziehung namentlich auf die
Schilderung des Aufenthaltes am Cap der guten Hoffnung
(a. a. 0. S. 77), des Besuchs auf den Nicobaren (S. 369) und
auf St. Paul (S. 381).
L V e r ui e s.
Davaine macht (wie früher schon Mal m sten) dar-
auf aufmerksam, dass man die Anwesenheit von Darmwür-
mern bei dem Menschen mit grossester Leichtigkeit durch
Untersuchung des Fäces und des Darmschleimes constaliren
könne und hebt zugleich den diajjnostischen Werth dieser
Untersuchungsmethode hervor. Cpt. rend. Soc. bioL 1857.
222 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
p. 189 , oder Traite des Entozoaires et des maladies ver-
mineuses de Thornme et des animaux domestiques. Paris
1860. p. 52.
In dem letzterwähnten Werke hat Da va ine eine voll-
ständige Zusammenstellung- der bisher beobachteten Wurm-
krankheiten gegeben, die zunächst freilich nur die ßedürl-
nisse des ärztlichen Publikums berücksichtigt, aber auch
für den Naturforscher und namentlich den Helminthologcn
eine reiche Belehrung bietet, denselben auch um so mehr
interessiren muss, als ja die Störungen , die von den Hel-
minthen ausgehen, zum grössten Theile an deren Lebens-
weise und Naturgeschichte anknüpfen. Der eigentlich zoo-
logische Theil des Werkes , welcher der Darstellung der
Helminthenkrankeiten vorausgeschickt ist (p. I — XCII) und
eine kurze Beschreibung der bei den Menschen und den
höheren Thieren vorkommenden wichtigsten Arten enthält,
bietet nur wenig Neues von Bedeutung.
Auch Vix überzeugt sich, dass die mikroskopische
Untersuchung des Darmschleimes des einfachste und sicherste
Mittel ist, die Anwesenheit von Darmwürmern zu diagnosti-
ciren. Ueber Entozoen bei Geisleskranken, bes. Abdruck
aus der Zeitschrift für Psychiatrie Bd. XVIl. 1860. S. 17.
Waidenburg tritt der Ansicht entgegen, dass die
bei vielen eingekapselten Schmarotzern (besonders nie-
derer Thiere) im Innern der Bindegewebscysle vorkom-
mende structurlose Membran von den Parasiten abgesondert
werde, und stützt sich dabei namentlich auf die Thatsache,
dass die bei Lumbricus nicht selten in der Leibeshöhle
eingekapselten Borsten, die doch nicht secerniren könnten,
ganz auf dieselbe Weise umhüllt sind. Wie Verf. an-
nimmt, besteht diese innere Kapselhaut aus erhärtetem
Schleime, der von der Umgebung des Parasiten geliefert
wird. Bei den Muskelparasiten , deren Aufenthaltsort die
Aussonderung solchen Schleimes nur wenig begünstigt, soll
diese Kapselhaut desshalb denn auch beständig fehlen. De
structura et origine cystidum verminos. Dissertat. inaug.
Berol. 1860. 32pag.
Polonio beschreibt in der Zeitschrift Lotos 1860.
der niederen Thiere Avährcnd des Jahres 1860. 223
p. 21 — 23 einige neue Helminthen aus den Ordnungen der
Nematoden und Cestoden, die später \on uns noch beson-
ders angezogen werden sollen. Der von demselben Verf.
herausgegebene Prospectus helminthum faunae Venetae (Pa-
via 1860) ist Ref. nicht zu Gesicht gekommen. Ebenso wenig
Molin's Aufsatz sopra un verme intestinale del retto
d'una ranocchia (mit 1 Taf.), Atti Imp. reg. Instit. venet. T.V^
van Beneden beginnt die Herausgabe einer Icono-
graphie des helminthes ou des vers parasites de l'homme.
Die bis jetzt allein vorliegende erste Lieferung (Louvain 1860)
behandelt die Cestoden: Taenia solium, T. mediocanellata, T.
Echinococcus und Bothriocephalus latus, denen je eine Tafel
mit erläuterndem Texte gewidmet ist.
1. A n n e 1 i d e s.
Chaetopodes.
Grube's Mittheilungen über die Aufenthaltsorte der
Anneliden (in dem Amtlichen Berichte der Königsberger
Naturforscherversammlung S. 78 — 85) liefern uns ein rei-
ches und anschauliches Bild von den Vorkommnissen und
äusseren Lebensverhältnissen der Hirudineen , Gephyreen
und Chätopoden , namentlich der letztern. Da ein Auszug
nicht gut möglich ist , so verweisen wir auf das Original
mit der Bemerkung, dass die Mittheilungen des Verf.'s den
Ausdruck einer eigenen umfassenden Erfahrung bieten und
(z. B. über Bohranneliden) manches Neue enthalten.
Weisse aus Petersburg berichtet über einen sonder-
baren Fall von Parasitismus bei einem 14jährigen Mädchen,
das nach längeren Kopfschmerzen und Geruchsstörungen
aus der Nase plötzlich einen Regenwurm von 6 Ctm. Länge
und 5 Mm. Dicke entleerte. Der Darm dieses Wurmes ent-
hielt nur in seinem Endstücke einige wenige Sandkörn-
chen , während der übrige Theil mit einer schleimigen
Substanz und Epithelialzellen gefüllt war. Der Wurm war
also nicht als Ei oder Embryo in die Nase gekommen,
sondern später, nachdem er bereits eine Zeit lang im Freien
gelebt hatte , wahrscheinlich mit dem Wasser, mit dem das
224 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
junge Mädchen bei der Toilette ihre Nase zu spühlen
pflegte. L'Institut. Nr. 1369.
Mettenheiiner hebt (Archiv für Anat. u. Physiol.
1860. S. 361—363) hervor, dass die Längsmuskelfasern der
Leibeswand wie des Oesophagus bei gewissen Chätopoden
(Arenicola, Nereis) nicht selten eine wenngleich sehr feine,
doch deutliche Querstreifung besitzen. Dieselbe ist bald
vollständig, bald unvollständig, nur auf bestimmte Stellen,
auch wohl mitunter bloss auf eine Seite beschränkt. Verf.
ist geneigt, diese Streifung als den Ausdruck gewisser vor-
übergehender Zustände anzusehen, während die Querstrei-
fung der Muskelfasern bei den höheren Thieren bekannt-
lich auf eine eigenthümliche Organisation des Muskelbündels
zurückgeführt ist. Nach einer beiläufigen Bemerkung des
Yerf.'s finden sich bei Arenicola auch in dem die grossen
Gefässe begleitenden Zellgewebe viele isolirte Muskelfaser-
zellen von glattem Aussehen.
Nach den Beobachtungen H e r i n g's besitzen die männ-
lichen, wie weiblichen Alciopearten (deren Zahl Verf. um drei
neue — freilich unbeschriebene — Species, A. Krohnü, A.
vittata, A.Bartelsii, sämmtlich aus Messina, bereichert) beson-
dere für die Aufnahme des reifen Sperma bestimmte Gebilde.
Bei den Männchen erscheinen diese Organe als birnförmige,
in die bekannten braunen Rückenpapillen des mittleren Kör-
pers eingelagerte Schläuche , die mit den anliegenden
Flimmerkanälen in Verbindung stehen und durch diese ihren
Inhalt eben sowohl nach Aussen entleeren, wie auch, bei der
Existenz einer directen Communication mit der Leibeshöhle,
aus letzterer in sich einführen können. Die weiblichen
Receptacula sind in kurzer Entfernung hinter dem Kopfe
(am 4. und 5. Segmente) bald in einfacher, bald auch in
zweifacher Anzahl jederseits angebracht und durch Um-
formung einer Seitenflosse entstanden. Bei A. lepidola wird
das Sperma einfach zwischen dem Stamme und dem Bauch-
faden der betreffenden Flossen angeklebt, ohne dass ein
eigentliches Receptaculum vorhanden ist. Die Flimmerka-
näle finden sich auch bei den Weibchen und fehlen ebenso
wenig bei den Männchen in den Segmenten ohne Samenblase.
der niederen Thiere während des Jahres 1860. 225
Sie sind, wie das Verf. auch bei anderen Arten auffand,
namentlich bei Toniopteris, Syllis, Nereis, Amphinome —
die Untersuchungen WiUiam's, durch welche diese Ver-
haltnisse schon früher festgestellt waren (J. B. XXV. S. 110),
scheinen dem Verf. unbekannt geblieben zu sein — durch
eine trompetenförmige weite Endöffnung mit der Leibes-
höhle im Zusammenhange und dienen auch bei den weib-
lichen Individuen zum Transporte der Eier. De alcioparum
partibus genitalibus organisque excretoriis dissertat. inaug.
Lips. 1860. 12pag.
Die Coexistenz von Samen und Ei bei den weiblichen
Alciopen erklärt die Angabo von Ehlers und Ke fer-
st ein, dass diese Thiere Zwitter seien. Nachrichten von
d. G. A. Universität 1860. Nr. 25.
Carpenter erneuert, in Gemeinschaft mit Gl apa-
rede, seine Untersuchungen über Tomopteris (Transact.
Linn. Soc. Vol. XXIIl. P. 1. p. 59—68. Tab. VII) und macht
dabei Beobachtungen, die unsere bisherigen Kenntnisse nach
mehrfacher Richtung hin erweitern. Zunächst stellen die
Verff. fest, dass die Jugendformen dieses merkwürdigenWur-
mes, wie das Leuckart und Pagenstecher von ihrem
T. quadricornis angaben, vier borstentragende Girren be-
sitzen, von denen die hinteren nicht selten an Grösse zu-
rückstehen , besonders bei kleinen Exemplaren, die Verff.
bis zur V2 Linie herab beobachteten. Trotzdem aber sind
gerade diese hintern Borsten die bleibenden. Die vorderen
fallen ab, sobald die hinteren bis zu einer gewissen Grösse
herangewachsen sind. Der Stummel, der dieselben trug,
bleibt meist noch eine Zeitlang übrig, mitunter auch be-
ständig, und bildet in diesem Zustande dann das (vom Ref.
und Pagenstecher geleugnete) hintere Fühlerpaar. Der
hintere Borstencirrus gleicht Anfangs einer gewöhnlichen
Flosse mit zwei Ruderplatten, von denen die eine mit der
Borste versehen ist. Ausser ihr waren bei dem jüngsten
Exemplare, das unsere Verff. auffanden, noch vier Flos-
senpaare vorhanden, von denen das letzte freilich eben
erst im llervorsprossen begriffen war. Schwanzanhang und
Stirnfortsälze fehlten , wogegen aber die ßauchfläche und
Archiv für Naturg. XXVII. Jahrg. 2. Bd. P
226 Leuckart: Bericht über die Loistun<Teii in der Katurgeschichte
die ganze hinlere Körperhälfte mit einem Flimmerüberzuge
versehen war. Auch bei den ausgewachsenen Individuen
findet sich zwischen Stirnlortsatz und Borste jederseils ein
sattelförmiger Flimmerwulst. Ebenso flimmert die Leibes-
höhle an einzelnen Stellen, namentlich auf der Oberfläche
des den Schwanzanhang durchziehenden Darmtheiles. In
ßetrefl" des Nervensystemes nichts Neues. Das Suchen nach
einer Bauchganglienkette war vergebens , so dass Verfl".
sogar geneigt sind, deren Abwesenheit zu vermuthen. Die
Flimmerkanäle werden ganz wie vom Ref. und Pagen-
stecher beschrieben, mit zwei nach Aussen ofl'enen trom-
petenförmigen Oeff'nungen , während Hering (s. o.) nur
eine solche Oefl'nung zulässt und diese nach Innen in die
Leibeshöhle verlegt. Von besonderem Interesse ist die
Entdeckung männlicher Exemplare, die je in den einzelnen
Segmenten ihres Schwanzanhanges rechts und links einen
birnförmigen, sowohl nach Aussen , w ie auch nach Innen,
in die Leibeshöhle, offenen spermahaltigen Beutel trugen.
Die Verfl". betrachten diese Beutel als Hoden , obwohl man
nach Hering's Miltheilungen über Alciope darin eher die
Samenblasen vermuthen sollte. Die Samenelemente sind
merkwürdiger Weise mit zwei Schwanzfäden versehen. Bei
einem Exemplare waren die Flossen nijt.Nesselorganen von
ansehnlicher Grösse bedeckt. ( »•fr>|w
Auch P, Wright beobachtete in den Schwanzanhän-
gen gewisser Tomoplerisindividuen massenhafte Anhäufun-
gen von Samenfäden , Rep. 13. Meet. Br. Assoc. at Oxfort
p. 124. f) ^!o«i
Sars macht einige Mittheilungen über die Anatomie
von Panthalis und hebt dabei namentlich hervor, dass die
hier vorkommenden Darmanhänge nicht verästelt seien, wie
bei Aphrodite und Polynoe, sondern eine einfache SpindeU
form besässen. In den Seitentheilen des Körpers liegen
eigenthümliche spiralig gewundene Bänder von goldglän-
zender Farbe und elastischer Beschafl'enheit , die in den
einzelnen Segmenten — mit Ausschluss der acht ersten —
zwischen der muskulösen Bauchwand und den Flossen sich
ausspannen. Skand. nalurf. möde in Kjöbenh. 1860. p. 625.
der niederen Thiere während des Jahres 1860. 227
Die unter der Bezeichnung- der „hulförinigen Larve"
von Claparede in der Zeitschrilt für wiss. Zool. Bd. X.
S. 407 beschriebene und abgebildete Thierform ist eine Mi-
traria und vielleicht sogar mit einer der von J. Müller,
dem Entdecker dieser merkwürdigen Larven, beobachteten
Formen (der Art von Marseille, Archiv für Anat. u. Physiol.
1854. S. 91) identisch. Claparede hält dieselbe für eine
Annelidlarve und stimmt darin mit Ref. überein (J. B. XX.
S. 322), während J. Müller bekanntlich über die Metamor-
phose seiner Larven sehr unentschieden blieb und wenig
geneigt schien, die Annelidennatur derselben anzuerkennen.
Claus beobachtet die ungeschlechtliche Fortpflan-
zung von Chaetogaster (Würzb. naturwiss. Zeitg. 1860. L
S. 37 — 40). Er giebt an, dass dieselbe während der Win-
termonate an allen geschlechtslosen Individuen — auch den
kleinsten, die nur 11/2 — 2 Mm. messen, stattfinde und sich
so rasch und häufig wiederhole, dass man nicht selten
Ketten von 16 Individuen antreffe. Ein jedes dieser Indi-
viduen hat 4 oder, so lange der Kopfabschnitt noch fehlt,
3 Segmente. Schon bei den oben erwähnten kleinsten Nai-
den Hessen sich zwei solche Individuen unterscheiden,
ein vorderes mit 4, ein hinteres kleineres mit 3 Segmenten,
die durch eine tiefe Einschnürung von einander getrennt
waren. Während das hintere Individuum sein Kopfsegment
bildet, bringen beide in der Continuität ihres hinteren Kör-
pertheiles eine neue Gliederreihe hervor, die sich sehr bald
als Anlage eines neuen Individuums kundthut. Es enisteht
auf solche Weise eine Kette von 4 Individuen, von denen
das vordere am umfangreichsten ist, während das hintere
gewöhnlich die tiefste Entwickelungsstufe vertritt. In man-
chen Fällen löst sich diese Kette durch Theilung in zwei
Doppelthiere auf, die dann je ein Individuum mit 4 und ein
anderes mit 3 Gliedern repräsenliren. In anderen Fällen
bleibt der Verband eine längere Zeit. Dann bilden die
zwei unvollständigen Thiere ihre Kopfglieder, aber gleich-
zeitig entstehen auch wieder neue Segmentanlagen an den
hinteren Enden und zwar in der Reihenfolge des Allers,
so dass jetzt statt 1, 3, 2, 4 die Kette eine Zusammensez-
228 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
zung von 1, 5, 3, 7, 2, 6, 4, 8 darbietot. Nach demselben
Gesetze sind aucli die längeren Ketten (mit 16 Einzeltliieren)
aus Absctinitten verschiedener Entwickelung in bestimmter
Reihenfolge aufgebaut. Da Verf. den geschlechtsreifen Chae-
togaster nicht kennt, also auch nicht weiss, wie gross die
Zahl der hier vorkommenden Körpersegmente ist, so lässt
er die Frage nach der Natur dieser Proliükation , ob sie
als Knospung oder Theilung aufzufassen sei , unentschie-
den. (Ref., der die Beobachtungen des Verf.'s vollständig
bestätigen kann, zählt bei dem geschlechtsreifen Chaetoga-
ster 28 Segmente, von denen die ersten allerdings weitaus
die grossesten sind. Die oben beschriebene Fortpflanzung
würde demnach eine Theilung sein.)
Houghton's Mittheilungen über die zum ersten Male
von ihm in England aufgefundene Proto digitata enthalten
kaum etwas Neues. Annais and mag. nat. bist. Vol. VI. p.393.
(Bei der Unvollständigkeit unserer Kenntnisse über dieses
interessante Thier darf Ref. w ohl hinzufügen , dass nach
seinen Untersuchungen die — noch von Grube ange-
zweifelte — Stellung desselben unter den Naiden nicht im
Geringsten zweifelhaft sein kann. Die durch Regelmässig-
keit ihrer Gruppirung und ihre grosse Contractilität sehr
ausgezeichneten Schwanzanhänge sind mit einem stark ent-
wickelten Flimmerüberzuge versehen , der sich direkt in
die Flimmerbekleidung des Mastdarms fortsetzt und vor-
zugsweise dazu dienen dürfte, die auch von anderen Naiden
bekannte anale Wasseraufnahme zu verstärken.)
Grube liefert durch „Beschreibung neuer oder wenig
bekannter Anneliden" (Archiv für Naturgesch. 1860. I.
S. 71—118 Taf. 111 — V) einen abermaligen Beitrag zur ge-
naueren Kenntniss der Borstenwürmer. Es sind nicht we-
niger als 33 verschiedene Arten , die uns hier vorgeführt
und sorgfältig, theilweise auch mit Berücksichtigung des
inneren Baues beschrieben werden. Als besonders inter-
essant in letzterer Beziehung heben wir die Thatsache
hervor, dass das merkwürdige asseiförmige Gen. Spinther
Johnst. ein mit zahlreichen (16) dünnen und einfachen Sei-
tenzweigen besetztes Darmrohr hat und allem Anscheine
der niederen Thierc während des Jahres 1860. 229
iiach überdiess mit einem ungemein (wie bei gewissen In-
sektenlarven) verkürzten Ganglienslrange versehen ist. Po-
lycirriis scheint ohne Gefässc zu sein. Die Arten, die Verf.
zum Gegenstand seiner Untersuchung gemacht hat , sind
folgende :
Polynoe chjpeata n. sp. iMitlelmeer und Scillyinseln (von P.
squamata durch die beständig ungefranzten, gleichmässig ovalen Ely-
tern unterschieden), P. (Harmothoe Kirnbg.) areolata n. sp. Mittel -
und Adriatisches Meer, Spinther (= Oniscosoma Sars ; Cryptonota
Stimps.) miniaceus n. sp. bei Triest an rothen Schwämmen, ein höchst
merkwürdiges plattes Thier von 2 — 3"' Länge und V" Breite, mit etwa
18 — 22 Segmente und vorspringenden Seitenfortsätzert, in denen aus-
ser den Borsten noch zwei starke Chitinhaken stehen, Amphinome
incarunculata Peters, Westafrika, A. stylifera n. sp. von unbekanntem
Fundorte, Slaurocephalus rubrovittalus Gw (mit einer nur 1" grossen
Jugendform , die der Rückencirren entbehrt und auch sonst durch
geringere Gliederzahl, Bildung der Fühler u. s. w. abweicht), Phtjllo-
doce (Eulalia) macroceros n. sp. Quarnero, Ph. (Eul.) pxinctifera n.s^.
Cherso , mit herzförmigen Rückencirren , Ph. albo - vitlata n. sp,
Fiume, mit herzförmigen Rücken- und Fühlercirren an nur 2 Seg-
menten, Syllis variegata n. sp. Cherso, S. zebra n. sp. Cherso, Syl-
line (n. gen.) rnbropunctata n. sp. bei Fiume, ohne Baucheirren,
Spiophanes (n. gen.) Kroyeri n. sp. aus Grönland, Heterocirrus
frontißlis n. sp. Cherso, durch den Ansatz der Fühlercirren vor der
Stirn von H. saxicola verschieden, Cirratulus tenuisetis n. sp. Cherso,
Clymene leiopygos n. sp. Cherso, Maldane (n. gen.) glebifex n. sp.
Fiume, mit Haarborsten, die über den Hakenborsten stehen und einer
Afterplatte, die der Stirnplatte entspricht, an der Bauchfläche liegt
und mit der Stirnplatte zusammen die Eingänge der Röhre ver-
schliesst, Terebella crefacea n. sp. Cherso, mit drei Kiemenpaaren,
T. liirrita n. sp. Cherso, T. spiralis n.sp. Cherso, T. zoslericola Oersl. ?
Dänemark, T. gracilis n. sp. Scilly- Inseln , T. rosca n. sp. Cherso,
7*. pustulosa n. sp. Quf^i'nero, sämmtlich mit 2 Kiemenpaaren, T. /7e-
xuosa n. sp. Grönland, mit nur einem Kiemenpaare, Amphicteis grön-
landica n. sp. (vielleicht mit A. Gunneri Sars identisch), A. invalida
n. sp. vom kaspischen Meere, kleiner und zarter als die vorherge-
hende Art, A. brevispinis n. sp. ebendaher, durch die kurze breite
Gestalt und die geringe Zahl der strahlig auseinander laufenden sta-
chelförmigen Paleen leicht zu unterscheiden, A. acufifrojts n.sp.
Grönland, mit zahlreichen Aftercirren und einer breiten dreieckigen
Stirn, Polycirrus aurantiactts n. sp. Quarnero, Sabella breribarbis n. sp.
Cherso, Serpula (Veimilia) galeata n. sp. Porto-re, Saerivris barbata
n. sp. in einem See auf der Insel Cherso.
230 L e u c k a r t : Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Spinther Johns, (e fain. Amphinorneorum ?) Corpus ovale,
dorso plus minus convexo, segmentis minus numerosis. Lobus capi-
talis fronte incisa, ut cetera segmenta utrimque serie selarum dorsuali
et processu laterali, setas uncinatas gereute nuinitus. Cirri , bran-
chiae nulla. Oculi 4 circa tuberculuni tentaculumve, segmento buc-
cali insidens, collocati. Os inferum, prope marginen) anticum situm,
parvum; pharynx exsertilis brevis semitubulosa , subtus cava. Anus
posticus.
Staurocephalus Gr. (e fam. Eunicearinn, gen. Anisoceras
valde affin.). Corpus vermiforme, segmentis minus numerosis, cirri
ani 4. Lobus capitalis ,'ex quadrangulo vel pentagono rotundatus,
oculorum paribus 2, tentacula lateralia utrimque 2, inferiora latiora,
apice rotundato. Segmentum buccale nudum, pharynx exsertilis ma-
xillis maioribus 2, planitie lata fundo oris adiacentibus, sese tangen-
tibus, ordinibus longitudinalibus minorum 4 armata. Pinnae uniremes,
in lingulas 2 exeuntes cirro dorsuali et venfrali munitae , fasciculis
setarum 2; setae simplices et compositae. Branchiae nullae.
Sylline n. gen. Corpus, numerus tentaculorum, lobus capi-
talis, pinnae, setae Syllidis generis, sed tori frontales inter se omnino
coaliti, tentacula cirrique tentaculares et dorsuales haud articulata,
c. ventrales nulli.
Spiophanes n. gen. (Gen. Spio et Nerine affin.). Corpus
vermiforme, subteres, segmentis brevibus. Lobus capitalis segmento
buccali penitus impressus, postice attenuatus ; tentaculo postico brevi
uno, oculis nullis. Segmentum buccale setis nudum, cirris tentacula-
ribus 2 dorsualibus, lobo capitali distentis. Pharynx exsertilis bre-
vis (?). Fasciculi setarum utrimque distichi , e basi labii foliacei
progerminantes, segmentorum omnium subaequales, nee vero in Omni-
bus pariter locati, in prioribus dorsuales, in ceteris ad latera descen-
dentes. Setae simplices, uncini nulli.
Maldane n. gen. (Gen. Clymcne affin.). Corpus vermiforme,
fasciculis setarum inferioribus torisque uncinigeris superioribus mu-
nitum, segmentis minus numerosis, longioribus ut Clymenes, medium
versus longitudine crescentibus. Lobus capitalis a segmento buccali
minus distinctus, laminam frontalem referens. Segmentum buccale
nudum; pharynx exsertilis crassa ovata vel incrassata. Segmentum
postremum nudum, haud infundibuli instar expansum, lamina ventrali
instructum, ano dorsuali.
Amphicteis Gr. (= Crossostoma Gosse). Corpus vermiforme,
antice tumidulum, posleriara versus sensim attenuatum, segmentis
minus numerosis. Lobus capitalis tentacula subtus affixa plus minus
tegens, tentacula plura seriem transversam componentia. Segmentum
buccale nudum, segm. secundum utrimque flabello setarum maiorum
proversarum , teitium dorso branchiis ornatum j tertium, quartum et
der niederen Thiere während des Jahres 1860. 231
sequentia fasciculo setanim breviorum laterali et plerumque pinnula
»ncinigera siib eo posita, posteriora sola pinnula ninnita. Setae capilla-
res sinjplices, uncini minutissinii dentati. Branchiae filiformes. Cirri
anales in nonnullis visa. Vermes lubifices, tubus ex limo confectus.
Nächst Grube hat besonders Sars im verflossenen
Jahre unsere Kenntnisse über Chätopoden durch mehrfache
wichtige Beiträge bereichert.
Zunächst erwähnen wir, dass auch Sars die Identität seines
Oniscosonia arcticum mit Spinther oniscoides Johnst. und Cryptonota
Stimps. erkannt hat und bemerkt, dass dieses merkwürdige Thier im
Nordmeere (an Schwämmen) sehr verbreitet sei. Skand. naturf. möde
1860. p. 627.
Ebenso scheint das Gen. Aonis nach demselben Verf. kaum
von Nerine verschieden zu sein, indem es wahrscheinlicher AVeise
(wie Grube schon für A. Wagneri Lt. nachgewiesen hat) nach ver-
stümmelten Exemplaren ohne Fühler aufgestellt ist. An den Norwe-
gischen Küsten leben vier Arten dieses Geschlechts, unter denen eine
neu : JY. oxycephala. Ibid. p. 628.
Das Gen. Polynoe (dessen Auflösung in einzelne Geschlechter
von Sars nicht gebilligt wird) ist nach unserem Verf. daselbst durch
10 Arten vertreten: Polynoe squamata L., F. gelatinosa Sars, P. scabra
0. F. Müll., P. nodosa n. sp. (mit 15 Schuppenpaaren, deren hinterer
Kand mit grösseren Knötchen versehen ist), F. asperrima n. sp. (mit
18 stachlichen Schuppenpaaren), P. cirrata 0. Fr. j\lüll., F. rarispina n. sp.
mit 15 Schuppenpaaren, deren Ilinterrand einzelne längere Stacheln
trägt), F. scahriuscula n. sp. (mit 15 Scbuppenpaaren, die mit pinsel-
förmigen Erhebungen bedeckt sind), P. laevis Aud. Edw., P. scolopen-
drica Sars. Sars, Vid. Selskab. Forhandl. i Christiana 1860. p. 54 — Q2.
Ebendaselbst (S. 85) berichtet Sars über neue an Chae-
topterus angestellte Untersuchungen, die demnächst in einer
mit Abbildungen versehenen grösseren Abhandlung selbst-
ständig publicirt werden sollen. Wir ersehen daraus, dass
ausser dem Ch. norvegicus im Nordmeere noch eine zweite,
in mancher Beziehung mehr mit Ch. pergamentaceus ver-
wandte Form dieses interessanten Genus lebt, die zuerst
von Koren und später auch von Boeck beobachtet und
von letzterem (1. c. 1859. p.252) als Ch. Sarsii benannt ist.
Die Diagnosen dieser drei Arten werden folgendermassen
festgestellt:
Chaetoplerus norvegicus Sars. Segmenfa partis corporis
anterioris decem, niediae partis quatuor, cum illa et inter se articulis
tenuissimis coniuncta , posterioris tredecira, Pinnae dorsales quarti
282 L e u c k a r t : Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
paris reliqnis partis corporis anlerioris duplo breviores et crassiores.
Setae pinnarum dorsalium partis corporis anterioris uniseriales, inli-
niac 6 — 8 quarti paris caeteris multo latiores apice oblique truncato.
Pinnae ventrales niediae segmentorum trium posteriorum partis niediae
corporis discretae. Ilabitat in tubo pergamentaceo , laevi , alienis
corporibus affixo.
Chaetoplerus Sarsii Boeck. Segmenta partis corporis an-
terioris decem, pinnis dorsalibiis fere aequalibus praedila, mediae
partis quatuor, cum illa et inter sc articulis crassis coniuncta, poste-
rioris tredecem. Setae pinnarum dorsalium partis corporis anterioris
bi-triseriales, intimae 12 — 16 quarti paris caeteris multo laliorcs apice
oblique truncato. Pinnae ventrales mediae segmentorum trium poste-
riorum partis mediae corporis connatae, Habitat in tubo cutaneo,
arena aut quisquiliis obtecto , libero.
Chaei opt erus pergamentaceus Cuv. Segmenta partis
corporis anterioris duodecim aut tredecim, pinnis dorsalibus fere ae-
qualibus praedita , mediae partis quatuor, cum illa inter se articulis
crassis coniuncta, posterioris undeviginti ad viginti quatuor. Setae
pinnarum dorsalium partis corporis anterioris pluriseriales, intimae
quarti quintique paris multo latiores apice oblique truncato. Pinnae
ventrales mediae segmentorum trium posteriorum partes mediae cor-
poris connatae. Habitat in tubo pergamentaceo, laevi, alTixo.
Weiter hebt Verf. (auch Scand. naturf. möde i Kjöbenh.
1860. p. 628) hervor, dass in den grossen flügelförrnigen
Flossen, so wie den Rückenflossen des Hinterkörpers (bei
den zwei nordischen Arten) ganz eigenthümliche nadellör-
mige Borsten vorkämen, die an beiden Enden zugespitzt
seien und niemals nach Aussen hervorragten, so wie weiter
den Umstand , dass (wiederum bei den zwei nordischen
Arten) an den drei letzten Segmenten des Mitlelkörpers
ausser den grossen Bauchflossen auch noch zwei kleinere
gefunden würden, die nach Aussen ständen und ofl'enbar
den an dem Hinterkörper schon längst bekannten äusseren
Bauchflossen entsprächen. Ref. kann hinzufügen, dass es
ihm gelungen ist, diese äusseren ßauchflossen auch bei Ch.
pergamentaceus aufzufinden, aber nur an den zwei letzten
Segmenten und von so unbedeutender Grösse, dass man die-
selben ohne Bewafl'nung des Auges nicht wahrnimmt. Sie
stehen hart am unteren Seitenrande der bekannten Schirme
oder Schuppen und lassen sich nur an den in einfacher
Reihe und geringer Anzahl darin eingebetteten Hakenbor-
der niederon Thiere während des Jahres 1860. *233
slen erkennen. Die Nadeln in den Rückcnanhäncren von
o
Ch. pergamentaceus sind, wenn auch an beiden Enden
verjüngt, doch nur oben zugespitzf und unten mit einer
deutlichen Wurzel versehen. Dagegen stehen in dem brock-
liehen üeberzuge, der diese Anhänge (besonders am llin-
terleibe) überzieht , wie ich schon bei einer früheren Ge-
legenheit hervorgehoben habe, zahllose pallisadenförmig
neben einander gepflanzte helle Körperchen , die in der
That durch Form und Grösse an die Kalkkörperchen man-
cher Nudibranchiaten erinnern, mit denen Sars jene Bor-
sten vergleicht, andererseits aber auch eine gewisse Aehn-
lichkeit mit Nesselorganen besitzen. Ich würde sie unbe-
dingt den letzteren an die Seite stellen, wenn es mir
gelungen wäre, im Innern derselben einen Faden zu er-
kennen.
In seinem Berichte über die von ihm an den Küsten
Romsdals beobachteten niederen Thiere (1. c.) zählt der-
selbe Verf. 13 Chälopoden auf, unter denen ausser den
beiden nordischen Chaetopterusarten und der gleichfalls
schon obenerwähnten Polynoe scabriuscula noch folgende
Arten speciell charakterisirt werden :
Sigalion Idiinae Ralhke , Ophiodromus vitlatus n. gen. et
n. sp., Clymene biceps Sars und Terebella cristata 0. F. Müll. Für
Clymene quadiilobata Sars wird der Name Cl. gracilis in Anwendung
gebracht. Stall weiterer Auseinandersetzungen reproduciren wir hier
die beigegebenen Diagnosen :
Sigalion Idunae R. : Lobus cephalicus rodundalus, media parte
impressa basin denticuli validi excipiens. Antennae basi tentaculi
affixae, brevissin»ae, cylindro - conicae. Pinnae conicae, ad apicem
papillis cirriformibus 10 — 12 praeditae, inlerior superiore fere duplo
latior. Setae pinnae dorsalis capillares, serrulatae, ventralis compo-
sitae, plurimae spinosae articulo terniinali subulalo tenuissime articu-
lato , aliae bidcntalae articulo terniinali magis minusve valido, dente
longiore curvato, breviore recto. Elytra reniforrnia, laevia, margine
exlerno ciliato.
Ophiodromus n. gen. e fam. Ilesionidaruni. Corpus vermi-
forme, depressiusculuin , haud longuni. Lohns cephalicus trapezoi-
deus, oculoruni paribus 2, tentaciiio antennisque filiCormibus , palpis
crassioribus biarticulatis ; cirri tcntaculares utrimque 6, longissimi, non
arliculati. Pharynx exserlilis breviuscula, crassa, subglobosa aut bre-
234 Lcuckart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
viter cylindrata, maxillis papillisve marginis nullis, Pinnacduae di-
stinctae, subaequales , cylindricae , utraque lingula elongata feie cir-
riformi piaedita, cirro dorsali praelongo non arliculato, ventali multo
hreviore, extremis ornatae ; setae superiores capillares , inferiores
compositae, falcatae. Op, Oph. vittatus. Corpus segmentis 50 — b2,
caslaneum, fasciis in dorso transversalibus distantibus, niagis niinusve
interruptis, niveis ; ontennae palpique lobnm cephalicuni longitudine
aequantes, tentaculum brevius.
Clymenc biceps S. Corpus subcylindricum, ubique fcre aequa-
liter crassum, segmentis 22, quorum 19 setigeri, duobus postremis
nudis. Lohns cephalicus (laminam superam frontalem referens) cum
segmento buccali nudo coalitus, valde inclinatus, ovalis, planus, lim-
batus, margine frontali excepto , lin»bo crenulato, utrimque incisura
media bipartito, sulcis longitudinalibus duobus, antice extrorsum flexis.
Setae dorsales (8—12) capillares, fasciculum componenles, ventrales
uncini (20 et ultra, in segmentis anterioribus pauciores), seriem sim-
plicem transversalem formantes, primo segmento setigero excepto
uncinis carente. Setae capillares inferne laeves , anguste limbatae,
superne spinulis adpressis minimis biseriatis ornatae; uncini rostrati,
vertice rostri 3-serrulatOj fasciculo setularum in tubercuio infra ro-
strum. Segmentum postremum subspathulatum absque cirris, utrimque
incisura media bipartitum, margine postico dorsali producto , ano
dorsali.
Terebella cristati M. Corpus vermiforme, dorso convexo, venire
subplano, anlice haud tumidum , postice attenuatum, absque cirris
analibus, segmentis circiter 160, brevibus (in medio corpore duplo
fere latioribus quam longis). Scuta ventralia 17, quorum 11 distin-
ctiora aeque ferme lata quam longa. Tentacula 40—50. Fasciculi
setarum capillarium utrimque 17, a segniento quarto incipientes,
setae apice leviter geniculalo, longo, anguste limbalo; tori uncinigeri
sectionis corporis anterioris lati , a segmento quinto incipientes,
fasciculos attingentes, tori sectionis posterioris in pinnulas mutati :
uncini brevissinu , aviculares, vertice rostri 3-serrulato, denticulo
infra rostrum. Branchiae 2, 3 aut 4, saepissime valde inaequales,
segmento secundo et lertio insidentes, anteriores maiores (longitu-
dine 6 — 8 segmentorum), stirpe alta ramis, spiram adscendentem gyro-
rum 5 — 6 coniformem coniponentibus, brevibus, ter quaterne dicholo-
niis. Longitudo totius animalis 4" (90—100 Mm.), latitudo 4 iMm.
Die von den Bericlitcrstallern der von Seiten der Hol-
ländischen Akademie über den Pfahlwurm niedergeselzten
Commission beobachtete und abgebildete Nereis (Lycoris)
fucata n. sp. , die überall mit jenem gefährlichen Molkisk
zusammen vorkommt und in dessen Bohrgänge dringt, um
der niederen Thicre während des Jahres 1860. 235
es zu vernichten, ist wahrsclieinlicher Weise mit der von
mir in Cuxhaven gleichfalls in Gesellschaft des Bohrwurms
aufgefundenen Nereis succinea Lt. identisch. Verslag over
den Paalworm, Amsterdam 1860. PI. I. Fig. 3.
Frauenfeld beobaclitete am Cap der guten Hoffnung
eine neue Art des sonderbaren Gen. Peripatus mit 17 Paar
Beinen. A. a. 0. S. 88. (Ref. kann den bis jetzt bekannten
Arten dieses Geschlechts gleichfalls eine neue Form aus
Australien mit 16 Beinpaaren hinzufügen.)
Gephyrei.
K e ferste in und Ehlers publiciren (Nachrichten von
d. G. A. Universität 1860. Nr. 25, Arch. für Naturgesch.
1860. I. S. 331) einen Auszug aus ihren Untersuchungen
über die Anatomie von Sipunculus. Sie überzeugten sich
u. a. von dem Hermaphroditismus desselben und der Ab-
wesenheit eines jeden Gefässyslemes. Die Eier entstehen
in rundlichen, in der Cutis liegenden Schläuchen, die an
ihrer Oberfläche wimpern und ihren Inhalt schliesslich in
die Leibeshöhle entleeren. Als Hoden fungiren die schon
längst bekannten zwei schlauchförmigen Drüsen, die vor
dem After ausmünden , während die Eier wahrscheinlich
durch den zweilippigen Porus am Hinterende hervortreten.
Die in der Flüssigkeit der Leibeshöhle umhertreibenden
Fimmerkörper, die Krohn für Parasiten hielt, finden sich
schon bei Thieren von 2 Mm. Was Peters als Eierstock
in Anspruch nimmt , ist eine Flimmerfurche die durch die
ganze Länge des Darmes hinläuft. Neben dem Munddarme
liegen zwei längliche Drüsen mit rothen, in Zellen entste-
henden Concretionen. Ebenso trägt der Enddarm ausser
einem kleinen Diventikel zwei Gruppen büschelförmiger
Körper, die vielleicht ein Rudiment der bei den Hololhu-
rien vorkommenden sog. Wasserlungen darstellen. Der
Bauchstrang ist ohne ganglionäre Anschwellungen, aber in
ganzer Länge mit einer Zellenlage bekleidet. Durch die
Poren der Cuticula münden die Ausführungsgänge eiförmi-
ger Hautdrüsen.
Nach den Beobachtungen Farun's (Nat. hist. rcv.
236 Lcuckart: Bericht über die lieistungcn in der Katurgeschichte
T. VI. p. 70) lebt Thalassema Neptiini in sclbstgebohrten
Sleinhöhlen.
AI der sieht den Haiiptcharakter des Gen. Phascolo-
soma Lt. in der Abwesenheit der (bei Sipunculus verhan-
denen) Mundfäden und beschreibt eine neue britische Art:
Fh. radialum^ welche die Schale von Aporrhais pes pelecani
bewohnt. Annais and mag-, nat. bist. V. p. 75. PI. V.
Sipnnculus pyriformis n. sp. Danielson Forh. vidensk. selsk.
Chrisliania 1859. p. 251. Durch exquirite Länge des Halses ausge-
zeichnet.
Nematodes.
Wir haben im letzten Jahresberichte (S. 129) der Be-
obachtung V irch ow's gedacht, nach der die Trichinen des
Muskelfleiches im Darmkanale der Hunde zu kleinen Nema-
toden auswachsen, die schon wenige Tagen nach der Ver-
fütterung deutliche Geschlechtsorgane erkennen lassen.
Diese Beobachtung, die von Virchow inzwischen auch
ausführlicher publicirt wurde, Archiv fürpathol. Anat. XVIII.
S. 330, ist der Ausgangspunkt von neuen Untersuchungen
und Experimentalforschungen geworden, durch welche die
Natur der Trichinen definitiv festgestellt und deren Le-
bensgeschichte auf das Vollständigste aufgeschlossen wurde.
Vgl. L e u c k a r t, Untersuchungen über Trichina spiralis, Leip-
zig 1860. 58 S. in Quarto mit 2 Kupfertafeln, und Virch ow,
note sur le trichina spiralis in den Cpt. rend. T. 51. p. 13
oder Annales des sc. natur. 1860. T. XIII. p. 109—112.
Zunächst wurde durch die Untersuchungen des Ref.
nachgewiesen, dass sich die verfütterten Trichinen weder in
Trichocephalen, noch in einen anderen bekannten Nematoden
verwandeln, wie früher vielfach angenommen ward, und auch
Virchow noch für wahrscheinlich gehalten hatte, sondern
eine selbstständige Thierarl repräsentiren, die sich im Gan-
zen nur wenig von der Form der unreifen Jugendzuslände
entfernt, bei der unbedeutenden Grösse von höchstens
4 — 4,5 Mm. bisher aber übersehen wurde. Der wichtigste
Charakter der geschlechlsrcifen Trichine beruht — abgese-
hen von der merkwürdigen Bildung des Oesophagus , der,
wie bei Trichocephalus , aus einer dünnen Chilinröhre mit
der niederen Thiere während des Jahres 1860. 237
anliegendem Zellenschlaiiche besteht, — in der Anwesen-
heit zweier konischer Zapfen, die sich auf dem abge-
stumpften Schwanzende des (nur 1,5 Mm. langen) Männ-
chens nach dem Rücken zu erheben und nach Analogie ge-
wisser Strongylinen als eine rudimentäre Schwanzklappe be-
trachtet werden können. Das weibliche Thier gebiert
lebendige Junge, die sich in der iiterusarlig entwickelten
Scheide anhäufen und an der Grenze des vorderen Körper-
dritttheiles durch die Geschlechtsöffnung austreten. Schon
am sechsten Tage nach der Fütterung trifft man den Uterus
mit junger Brut angefüllt. (Zeitschrift für rationelle Medicin
Th. VIII. S. 259.) Ein Schweinchen, das mit dem Darme
eines Hundes mehrere Hunderttausende solcher trächtiger
Trichinen verzehrt hatte, erkrankte unmittelbar nach der
Fütterung unter Erscheinungen einer Peritonitis, die allmäh-
lich in einen Zustand völliger Lähmung übergingen. Als
das Thier bei eintretender Besserung, etwa nach vier Wochen,
getödtet wurde, zeigte sich (ebendas. S. 335) die gesammte
Muskelmasse desselben mit Trichinen durchsetzt, die sich
von den früher bekannten Muskeltrichinen nur durch den
Mangel der äusseren Kalkschale unterschieden. Die Em-
bryonen hatten sich also durch die Darmwände des Schwein-
chens durchgebohrt und sich, ganz nach Art gewisser
Bandwurmembryonen, in den Muskeln zu einer Jugend-
iorm entwickelt, die zu ihrer definitiven Ausbildung der Ue-
bertragung in den Darm eines zweiten Trägers bedurfte.
Mit diesen Beobachtungen war zum ersten Male der
Nachweis geliefert, dass das Gesetz der Wanderung und
Uebertragung, das sich bei anderen Helminthen schon so
glänzend bewährt hatte, auch in der Gruppe der Nemato-
den seine Geltung finde.
Ich hatte mit dem mir zu Gebote stehenden Materiale
bereits eine neue Untersuchungsreihe eingeleitet und eine
ganze Anzahl verschiedener Thiere, Hunde, Kaninchen
und Katzen inficirt, als mich Virchow, der inzwischen
gleichfalls Gelegenheit zur Anstellung neuer Experimente
gefunden hatte, davon benachrichtigte, dass es nach seinen
Beobachtungen nicht einmal einer Ueberwanderung in ein
238 L 0 II c k n r t : Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
neues Thier bedürfe, um die junge Brut zur Entwickelung
zu bringen, dass diese vielmehr unter sonst günstigen
Umständen auch in dem ursprünglichen Träger vor sich
gehe. Ein Kaninchen, welclies mit trichinigem Fleische
gefüttert war und in Folge der Fülterung starb, enthielt
nicht bloss gcschlechtsreife resp. trächtige Darmtrichinen,
sondern auch Muskeltrichinen von verschiedener Entwicke-
lung, ausgewachsene und solche, die ihre volle Ausbildung
noch nicht erreicht hatten (Archiv für pathol. Anat. Bd. XVIII.
S. 535). Ref. kam im Laufe seiner Untersuchungen sehr
bald (Nachrichten von der G. A. Universität 1860. Nr. 13,
Ann. and Mag. nat. bist. V. p. 504, Annales des sc. natur.
T. XIII. p. 308) zu demselben Resultate. Es gelang ihm
sogar, den Trichinenembryonen auf ihre Wanderung Schritt
für Schritt zu folgen, sie nicht bloss (mit Virchow)
frei in Bauch- und Brusthöhle, so wie später (noch un-
verändert) im Innern einzelner Muskelbündel aufzufinden,
sondern auch festzustellen, dass es das Bindegewebe sei,
in dem die wandernden Embryonen sich fortbewegten.
(Auf diese Thatsache reducirt sich auch die Angabe von
Virchow, dass er unsere Embryonen nicht selten in den
Mesenterialdrüsen seiner Versuchsthiere aufgefunden habe.)
Im Innern des inficirten Muskelbündels kommen die Em-
bryonen, nach den Beobachtungen des Ref., alsbald zur
Ruhe, während Virchow sie darin noch eine Zeit lang
fortkriechen lässt. Durch diese Kriechbewegungen möchte
Virchow auch die Thatsache erklären, dass das inficirte
Muskelbündel sein normales Aussehen verliert, die frühere
streifige Beschaffenheit mit einer körnigen verlauschend.
Er möchte diese Veränderung ganz einfach als eine Zer-
störung des Sarkolemmainhaltes deuten, während Ref. die-
selbe als eine mehr vegetative Erscheinung auffasst, und
in Berücksichtigung des Umstandes, dass jene Veränderun-
gen nicht bloss in einem Zerfallen der gestreiften Fleich-
masse, sondern auch in einer gleichzeitigen lebhaften Ver-
mehrung der Muskelkerne (sognannten Muskelkörperchen)
bestehen, diese Auffassung auch heute noch für die
richtige hält.
der niederen Thiere während des Jahres 1860. 239
Bei der Einwanderunor in die Muskelhündel sind die
Embryonen — wie Ref. nusführlich beschrieben hat — or-
ganologisch noch wenig differenzirt , obwohl man bereifs
Mund und After und einen dazwischen ausgespannten Tractus
deutlich unterscheidet. Erst im Laufe der späteren Ent-
wickelung beginnt unter gleichzeitiger Grössenzunahme die
Bildung des Zellenkörpers und der Geschlechtsorgane, der
männlichen wie weiblichen, die sich schon frühe, noch bevor
die Muskeltrichinen ihr Wachsthum abgeschlossen haben,
deutlich von einander unterscheiden lassen. Die Keimdrüsen
sind bei beiden Geschlechtern in einfacher Anzahl vorhan-
den. Sie bilden einen ziemlich weiten Blindschlauch, der
in der Nähe des Hinterleibsendes beginnt und von da bis
gegen das Ende des Zellenkörpers emporsteigt. Der Aus-
führungsgang, in den sich die Keimdrüse fortsetzt, läuft
bei den Weibchen nach vorn , während er bei den Männ-
chen schlingenförmig umbiegt, um sich in das Endstück
des Darmes zu öffnen. Anfangs haben die Embryonen eine
gestreckte Leibesform, die auch nach der Einwanderung
noch eine Zeitlang beibehalten wird, später aber verloren
geht, indem der Wurm sich immer mehr und immer stär-
ker einrollt. Da der Körper gleichzeitig um ein Beträcht-
liches wächst, so erweitert sich der bis dahin noch unver-
änderte Sarcolemmaschlauch in nächster Umgebung des Pa-
rasiten zu einer ovalen Cyste , auf deren Innenfläche sich
nach Verlauf einiger Wochen eine mehrfach geschichtete,
strukturlose Masse niederschlägt, die durch Kalkaufnahme
allmählich erhärtet und sich nach Jahr und Tag in die
bekannte feste Schale der Muskeltrichinen umwandelt. Die
Enden des Sarcolemmaschlauches, die über die Cyste her-
vorragen, gehen mitsammt ihrem Inhalte von der Peri-
pherie aus allmählich verloren , während das umspinnende
Bindegewebe an Masse beträchtlich zunimmt, auch nicht
selten grössere Quantitäten von Fett in sich ablagert. Von
inneren Organen sind ausser den bisher erwähnten noch
ein Paar helle Längsbänder zu erwähnen, die in den Sei-
tentheilen des Körpers durch die ganze Länge verlaufen
und wahrscheinlicher Weise als sog. Wassergefässe fungiren
240 Le u c k a rt : Bericht über die Leislungen in der Naturgeschichte
dürften. Im Uebrigen ver\veiscn wir hier auf die Darstel-
lung- des Ref., der den Bau und die Lebensgeschichte un-
serer Würmer überhaupt auf das Detaillirteste geschil-
dert hat.
Das Vorkommen der Trichinen ist nach den Beobach-
tungen des Ref. ein sehr weites. Namentlich gilt das für
die Darmlrichinen, die nicht bloss bei den verschiedensten
Säugethieren (Hund, Katze, Schwein, Kalb, Schaf, Kanin-
chen, Maus, auch, wie ich jetzt noch weiter hinzufügen
kann, Ratte und Marder), sondern auch bei Vögeln (Hüh-
ner, Tauben) zur Entwickelung kommen, während sie bei
Fröschen nicht einmal aus ihren Kapseln ausfallen. Die
Bedingungen für die Entwickelung der Muskeltrichinen
scheinen enger umgrenzt, da die \öge], das Kalb und Schaf,
wie die Mehrzahl der inficirten Hunde, in den Versuchen
des Ref. davon befreit blieben, obwohl die Embryonen doch
überall — mit Ausnahme der Tauben, in denen es die Tri-
chinen auffallender Weise niemals zur Geschlechtsreife
brachten — auswanderten.
Der Parasitismus der Trichinen bedinjrt übrigens in
allen jenen Fällen, in denen eine grössere Menge in den
Darm übertragen wird, eine Reihe von krankhaften Erschei-
nungen, die theils auf Rechnung der ausgebildeten Thiere,
theils auch auf die der wandernden Embryonen kommen und
häufig den Tod des Versuchsthiers zur Folge haben. Vir-
chow glaubt diesen Tod hauptsächlich von der fortschrei-
tenden Muskelalrophie herleiten zu müssen, die durch die
Einwanderungen der Embryonen herbeigeführt werde, wäh-
rend meiner Meinung nach die Darmaffektion, die von den
ausgebildeten Würmern herrührt, in erster Linie steht.
Dass dieselbe allein schon hinreicht, das Thier zu tödten,
beweisen zahlreiche Fälle, in denen der Tod schon vor
der Auswanderung der Embryonen stattfand , wie andere,
in denen die Helminthiasis auf das Vorkommen der Darm-
würmer beschränkt blieb. Die Form, unter der diese Darm-
affektion auftritt, ist ein Enteritis mit Ausscheidung von
pseudomembranösen Massen, die bald in Fetzen abgestossen
und entfernt werden, bald auch in Eiterkörperchen (Katze,
der niederen Thiere während des Jahres 1860. 241
Maus) oder Psorospermien (Hund) sich umbilden. Die Wan-
derung der Embryonen bringt ausser peritonilischer Reizung
besonders Schmerz und Lähmung hervor.
Dass dieses nicht bloss für unsere Versuchsthiere,
sondern ebenso auch für den Menschen gilt, beweist der
fast gleichzeitig mit den hier angezogenen Untersuchungen
von Zenker in Dresden beobachtete Fall „von Trichinen-
Krankheit bei Menschen" (Archiv für pathol. Anat. Bd. XVIII.
Heft 5), in dem ein junges Dienstmädchen etwa vier Wo-
chen nach dem Genüsse trichinigen rohen Schweinefleisches
unter typhösen, mit heftigen Muskelschmerzen combinirten
Erscheinungen zu Grunde ging. Die eigentliche Natur der
Krankheit blieb unbekannt , bis die Section nachwies, dass
die Muskeln mit zahllosen, zum Theil noch unvollständig
entwickelten Trichinen durchsetzt waren. Durch den nach-
träglichen Fund trächtiger Darmtrichinen und den Nach-
weis, dass das Schwein, dessen Fleisch die Dienstmagd
beim Wurstmachen in reichlicher Menge genascht hatte,
wirklich Trichinen enthielt, wird der Fall zu einem eben
so instructiven, wie interessanten Belege für die Richtigkeit
der oben ausführlich geschilderten Beobachtungen.
Durch Wiederholung der Virchow-Leuckart'-
schen Experimente kommt auch Claus zu der Ueberzeu-
gung, dass die Muskeltrichinen im Darme der gefütterten
Thiere (Kaninchen und Meerschweinchen) zunächst zu ge-
schlechtsreifen kleinen Nematoden auswachsen, deren Em-
bryonen dann später wandern und sich in neue Muskeltri-
chinen umbilden. Gleichzeitig hebt derselbe hervor, dass
das Ovarium, ganz übereinstimmend mit Trichocephalus, in
der einen Seitenhälfte die von feinkörniger Doltermasse
umgebenen Keimbläschen, in der anderen aber vollstän-
dige Eier enthalte, dass die Bildung der Eier mit anderen
Worten nicht im hinteren blinden Ende des Ovariums, son-
dern der ganzen Länge nach an der einen Seitenfläche
stattfinde. Die Existenz eines förmlichen Receptaculum se-
minis im Anfangstheile des Fruchthälters ist auch vom
Ref. hervorgehoben. Würzburger physik.-med. Verhandl.
1860. S. 156.
Archiv f. Nalurg. XXVII. Jalirg. 2. Bd. Q
242 L c u c k a r t : Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Es dürfte zur Vergleichung mit den voranstehenden
Beobachlunoen nicht uninteressant sein, hier noch einmal
auf die Untersuchungen zurückzukommen, die Davaine
über die Anguillula Iritici und deren Lebensgeschichte an-
gestellt hat. Allerdings sind diese Untersuchungen schon
vor mehreren Jahren veröffentlicht, auch ihrer Zeit in un-
serem Berichte (J. ß. XXII. S. 353) kurz angezogen, allein
damals nur nach einer vorläufigen Mittheilung. Die aus-
führliche Arbeit unseres Verf. ist, obwohl gleichfalls bereits
vor längerer Zeit erschienen , dem Ref. erst seit Kurzem
bekannt geworden (Recherches sur l'anguillule du ble nielle,
Mem. Soc. biol. pour 1856. p. 201— 271. Tab. I— 111).
Wenn man ein von Anguilluliden bewohntes sog. Gichtkorn (das
übrigens mehr eine Galle, als ein verkümmertes und missgebildetes
Waizenkorn darstellt) in die feuchte Erde aussäet, dann erwachen
die bis dahin scheinbar abgestorbenen Nematoden unter dem Einflüsse
der Feuchtigkeit aus ihrer früheren Kühe. Sie durchbohren die auf-
geweichte Hülle ihrer Wohnung und verbreiten sich in der feuch-
ten Erde, bis sie der Zufall einer eben aufkeimenden, jungen Wai-
zenpflanze zuführt. Das freie Leben wird jetzt mit einem neuen
Parasitismus vertauscht. Die Thierchen dringen von aussen durch
die Blaltscheiden immer tiefer in das Innere des Triebes und ver-
weilen hier eine längere Zeit, vielleicht den ganzen Winter über,
ohne weitere Veränderung, bis in der Achse des Triebes die junge
Aehre sich anlegt. In diese nisten sich die jungen Parasiten ein.
Sie durchbohren die zarten Schuppen der eben erst gebildeten Knospe
und beginnen dann im Innern derselben alsbald zu wachsen und zur
Geschlechtsreife sich vorzubereiten, während die Knospe selbst im
Umkreise ihrer Insassen zu der bekannten Galle auswächst. Die Aehre
enthüllt sich, sie blüht und reift. Aber inzwischen sind auch unsere
Würmchen zur vollen Ausbildung gelangt. Sie haben bereits den
Begattungsact vollzogen und ihre Eier in die Galle abgelegt. Die
Entwickelung der Eier hält gleichen Schritt mit der Entwickelung
lier Frucht. Die Embryonen kriechen aus und bilden schliesslich den
einzigen Inhalt der Galle, nachdem sich eine Zeit lang neben ihnen
noch die geschlechtsreifou Thiere hatten nachweisen lassen. Die Zahl
dieser letztern beträgt nicht selten 6 und 12 und darüber, und dar-
nach richtet sich den auch später die Zahl der Embryonen, die Verf.
auf 5 — 11000 in einer Galle veranschlagt. Lässt man die junge Brut
in einen Waizentrieb einwandern, nachdem die Aehre bereits die
Grösse einiger Millimeter überschritten hat, dann findet kein Ein-
dringen in die Blüthenknospen und keine weitere Entwickelung stall,
der niederen Thiere während des Jahres 1860. 243
wahrscheinlich, wie Verf. meint, weil die äusseren Bedeckungen der
Knospe inzwischen zu stark verdickt und erhärtet sind. Ebenso
ruhen die Würmchen auf ihren Wanderungen wie todt zur Zeit der
Trockniss, während sie dieselben bei feuchtem Wetter alsbald wie-
der aufnehmen. Mit dem Austrocknen der Galle verfallen sie in einen
Zustand der absolutesten Ruhe, in dem sie viele Jahre lang verwei-
len können, bis sie durch Anfeuchten wieder zum Leben zurückkeh-
ren. Die Versuche, die Verf. in dieser Beziehung angestellt hat,
bieten uns eine Fülle der interessantesten Thatsachen, von denen wir
hier nur das Wenigste hervorheben können. Sie beweisen u. a., dass
unsere Thierchen nicht bloss mehrere Monate lang in (reinem) Was-
ser ohne Veränderung leben, sondern den Process des Austrocknens
auch viele Male ungefährdet überstehen können. Sie kehren unter
geeigneter Behandlung sogar in's Leben zurück, nachdem sie eine
Zeit lang in Glycerin aufbewahrt worden waren. IVarcotica und Irri-
tantia (Morphium, Belladonna, Atropin, Curare, Strychnin) haben auf
unsere Thiere nicht den geringsten Einfluss, während chemisch wir-
kende Substanzen, Säuren, Alkalien und Melallsalze, dieselben au-
genblicklich zum Absterben bringen. Eigenthümlich ist der Einfluss,
den organische in Zersetzung begriffene Substanzen auf sie aus-
üben. Dieselben versetzen unsere Thierchen in ein Zustand der Be-
wegungslosigkeit, der ohne weitere Folgen vorübergeht, wenn die
betreffenden Körper entfernt werden. Ueberhaupt darf man die Au-
guilluliden keineswegs für todt halten, wenn man sie bewegungslos
in irgend einer Infusion antrifft. Es sind übrigens immer bloss die
unentwickelten Thiere, die wandernden Embryonen oder die Larven,
wie sie Verf. heisst, die sich in dieser Weise durch Resistenz und
Auferstehungskraft auszeichnen, und keineswegs die Geschlechlsthiere,
die durch Entziehung der äusseren Lebensbedingungen alsbald zu
Grunde gehen. Bei den von unserem Verf. angestellten Fütterungs-
experimenten wurden die Würmchen von warmblütigen Versuchsthie-
ren verdaut, während sie den Tractus der Kaltblüter ungefährdet
passirten. Sie waren bei der Entleerung freilich ohne Bewegung,
doch keineswegs ohne Leben. Die Entwickelung unserer Thiere
geht immer nur im Waizen vor sich. In anatomischer Beziehung ist
für unsere Thiere namentlich die eigenthümliche Bildung des Darm-
kanales hervorzuheben. Der Oesophagus besieht aus mehreren hinter
einander folgenden Abschnitten von verschiedener Form und enthält
eine lange Horngräthe, deren Vorderende in Gestalt einer Spitze aus
der Mundöffnung hervorragt. Der Darm wird als ein heller und
dünnwandiger Canal beschrieben, der mehrfache Windungen mache
und in ein mit Körnern und Kernen gefülltes sackförmiges Mesente-
rium eingeschlossen sei , doch will es Ref. fast scheinen, als wenn
dieses „Mesenterium" die eigentliche (zellige) Darmwand bilde und
244 Leuckarl: Berlclit über die Leistungen in der Naturgeschichte
das, was Verf. als Darm beschreibt, Nichts anderes, als das Lumen
darstelle. Ein After fehlt oder ist vielmehr, wie Verf. sagt, undurch-
bohrt. Oberhalb des Darmkanales verläuft ein dünnes, schwach con-
tracliles Längsgefäsß (wie es Verf. auch bei den Trichosomen unserer
Hühner gefunden hat). Ausserdem findet sich noch ein helles excrelo-
risches Gefäss, das ungefähr in der Höhe der letzten Oesophagealan-
schwellung (des AJagens nach Verf.) durch eine kleine OeiTnung aus-
führt. Ein Nervensystem wurde verniisst, doch ist Verf. geneigt, eine
grosse, in die Wand des sog. Magens eingebettete ganglienkugelartige
Zelle demselben zuzuweisen. Die Muskeln sind am Bauche und Kücken
unseres Wurmes in Form eines Längsbandes zusammengruppirt , in
dessen Mitte ein Raphe hinläuft. Männliche und weibliche Organe
bilden einen einfachen Kanal, der am Hinlerende ausmündet und bei
den Weibchen mehrere in anatomischer und funclioneller Hinsicht
verschiedene Abschnitte erkennen lässt. Die Klüftung des Eies ist un-
regelmässig. Der entwickelte Embryo zeigt zahlreiche (8 — 9) Win-
dungen im Innern der Eischale. Nach seiner ganzen Bildung gehört
unser Wurm übrigens weder zu dem Gen. Vibrio, noch Rhabditis, son-
dern zu Anguillula, und wird die Diagnose desselben vom Verf. fol-
gendermassen festgellt:
Anguillula tritici. Larve. Corps filiforme, cylindrique
elastique, tres long relativement ä son epaisseur (long de 0,8 Mm.,
large de 0,012 — 0,015 Mm.), un peu attenue aux deux extremites ;
tegument lisse, non plisse ou strie d'une maniere visible ; tete conti-
nue avec le corps ; bouche ronde ; une baguette pharyngienne ; in-
testin non distinct, masque par une substance grenue ; espace vide
formant une lunule au milieu de la longueur du corps; point d'anus
visible ; queue plus amincie que la tele, et terminee en pointc courte.
Aucun indice de sexe. Mouvements ondulatoires.
ölnle semblable ä la larve pour la forme generale du corps;
les deux extremites relativement un peu plus aitenuees que chez
celle-ci; long de 2,3 Mm., large de 0,1 Mm. Tegument tres-finement
strie ; bouche ronde, une baguette pharyngienne (stylet); bule oeso-
phagien tres-pres de la bouche, suivi d'un renflement stomacal ; in-
testin flexueux dans un mesentere tubuleux droit; anus presque ter-
minal, imperfore; vaisseau longitudinal flexueux; testicule et canal
deferent tubuleux, simples; penis presque terminal, simple, court,
forme de deux pieces laterales et d'une nioyenne plus petite, exsertile
entre deux ailes membraneuses, longitudinales, minces.
Fem eile beaucoup plus volumineuse que le male, ordinai-
rement tournee en spirale, longue de 3 Mm. ä 4,5 Mm., large de
0,25 Mm. Ovaire tubuleux, continu avec la trompe; matrice distincte,
courte; vagin assez long; vulve situee pres de l'extremite caudale.
der niederen Thiere während des Jahres 1860. 245
ä 0,3 ou 0,4 Mm. de cette extremite. Ovipare; oeufs oblongs, ä coque
membraneuse, longs de 0,08 Mm.
Schneider's Aufsatz „über die Nerven und Mus-
keln der Nematoden" (Archiv für Anat. u. Physiol. 1860.
p. 224—242. Taf. V und VI) betrifft einen der wichtigsten,
aber auch zugleich der delicatesten Gegenstände aus der
Anatomie der niederen Thiere, der schon vielfach und seit
langer Zeit die Aufmerksamkeit der Forscher in Anspruch
nahm, ohne jedoch bisher auf befriedigende Weise zur
Erledigung gekommen zu sein. Was Meissner, Wedl,
Walter u. A. hierüber (in Arbeiten, die ihrer Zeit auch in
unseren Berichten angezogen sind) mitgetheilt haben, er-
scheint nach den Untersuchungen unseres Verf.'s durchaus
als unrichtig. Es sind meist Theile des Muskelapparates
gewesen, die von denselben als Nerven in Anspruch ge-
nommen wurden. Das wahre Nervensystem ist bisher fast
völlig übersehen. Es ist ein Ring, der ungefähr in der
Mitte oder in der vorderen Hälfte des Pharynx, wie Ref.
bestätigen kann, bei zahlreichen Nematoden gefunden wird.
Verf. beschreibt ihn als einen Strang, der zuerst quer über
dem Oesophagus auf der Rückenseite liegt, sich dann aber
jederseits nach hinten und unten zieht, so dass die beiden
Enden in der Nähe des Gefässporus zusammenslossen. Ob
derselbe Ganglienkugeln enthält, lässt Verf. unentschieden
(wogegen Ref. auf Oxyuris vermicularis verweist, bei der
man in diesem Ringe die schönsten Ganglienkugeln und sogar
von ganz ansehnlicher Grösse auffindet). Ueber die Bedeu-
tung der Medianlinien spricht sich Verf. nicht bestimmt aus,
doch scheint er nicht geneigt, dieselben dem Nervensysteme
zuzurechnen. Bei den grösseren Ascariden bestehen die-
selben aus einem Gewebe von Längsfasern und homogener
Substanz, welches sich fast an das Bindegewebe der höhe-
ren Thiere anschliesst. Ursprünglich mögen dieselben übri-
gens immer aus einer einfachen Zellenreihe entstehen, wie
das Verf. deutlich bei jungen Exemplaren von Oxyuris spi-
rotheca beobachtet hat. In der Medianlinie von Asc. mc-
galocephala verlaufen sehr häufig ausgezeichnete Fasern in
Zickzackform. In Bezug übrigens auf die Anordnung dieser
246 L e u c k a r t : Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Medianlinien herrscht bei den Nematoden, wie auch in Be-
treff der von unserem Verf. früher (J. B. XXV. S. 133)
näher untersuchten Seitenlinien, die durch Bau und Function
von den Medianlinien übrigens durchaus verschieden sind,
eine grosse Mannichfaltigkeit. Nicht bloss dass z. B. die
Rückenlinie mitunter fehlt, wie bei Gordius; wir sehen in
anderen Fällen neben den Hauptmedianlinien auch accesso-
rische Medianlinien, entweder bloss an der Bauchfläche
(Mermis) oder auch zugleich an der Rückenfläche (Prothe-
cosacter). Die Medianlinien bleiben übrigens beständig nur
schmal, während die Seitenlinien mitunter bis zu der Breite
der anliegenden Muskelfelder heranwachsen. Diese Mus-
kelfelder werden zunächst von spindelförmigen Muskelzellen
gebildet, die oft wie die Blätter eines Buches neben ein-
ander liegen, also nicht mit ihren Flächen, sondern mit
dem Rande der subcuticularen Körnerschicht verbunden sind,
und eine meist deutliche Längsstreifung erkennen lassen.
Aber mit diesen Muskelfasern stehen vielleicht überall (mit
Ausnahme von Mermis?) noch gewisse blasige Gebilde
in Zusammenhang, die nach Innen auf der Muskellage auf-
sitzen und einen Inhalt einschliessen, der bald durchsichtig
und homogen, bald aber auch und gewöhnlich körnig und
fasrig ist. Jede Muskelzelle trägt einen solchen Blasenkör-
per; es scheint demnach, dass dieser ein Theil der Mus-
kelzelle ist, zumal auch der Kern derselben gewöhnlich
an der Abgangsstelle des Blasenkörpers gefunden wird.
Aber diese Blasen sind nur selten einfach. In der Regel
gehen von ihr noch Ausläufer aus, welche mit einer drei-
eckigen Basis beginnen und quer nach der Rücken- und
Bauchlinie hinlaufen , dort mit den Ausläufern der ande-
ren Seite sich vereinigen und so einen Strang bilden, der
der Rücken- oder Bauchlinie aufliegt , ohne damit zusam-
menzugehören. (Hieher Meissner's und Wedl's Nerven.)
Bei vielen Nematoden sind die Muskelzellen fest und solide.
Sie bilden eine Gruppe, für die Verf. den Namen Platymya-
rier vorschlägt. Ihr gegenüber steht die Gruppe der Coe-
lomyarier, bei denen die Muskelzellen röhrenförmig sind
und ausser der gestreiften Rindensubstanz noch eine körnige
der niederen Thicre während des Jahres 1860. 247
Marksubstanz besitzen, die sich direkt in den Inhalt des
dünnhäutigen Blasenkörpers hinein fortsetzt. Die letztere
Bildung finden wir namentlich bei den grösseren Nemato-
den, bei denen auch die Blasenkörper mit ihren Ausläufern
ihre grösste Entwickelung erreichen, mitunter sogar (z. B.
bei Asc. lumbricoides) zu einem Gewebe werden, das den
Raum zwischen Muskelschicht und Darm mehr oder minder
vollständig ausfüllt. Verf. vermuthet, dass auch der merk-
würdige Zellenkörper von Gordius , der bekanntlich die
Geschlechtsorgane in sich einschliesst, trotzdem aber von
Meissner als Analogon des Darmes in Anspruch genom-
men wurde , diesen Gebilden entsprechen möchte. Zum
Schlüsse macht Verf. noch auf ein eigenthümliches System
von Fasern aufmerksam, die der subcuticularen Körnerschicht
zugehören und in grösseren oder geringeren Abständen
von den Medianlinien zu den Seitenfeldern hinlaufen, diese
auch wohl kreuzen und dann bis zu den gegenüberliegen-
den Medianlinien sich verfolgen lassen. Sie liegen einzeln
in einem wandungslosen Canale, sind ihrer Bedeutung nach
aber einstweilen noch unbekannt.
Derselbe Verf. veröffentlicht „Bemerkungen über Mer-
mis« (a. a. 0. S. 243 — 252), die nicht wenig dazu beitragen
werden, unsere Kenntnisse über diese interessante Wurm-
form abzuklären und die Angaben, die Meissner in sei-
ner bekannten Monographie darüber gemacht hat, auf ihren
wahren Werth zurückzuführen. Zunächst zeigt Verf., dass
die Körperwandungen dieses Thiers im Wesentlichen wie
bei den übrigen Nematoden o-ebaut sind. Meissner's
Seitenschläuche sind die zwei Seitenfelder, Avährend der
mittlere Ventralschlauch die Bauchmedianlinie repriisentirt.
Die Rückenmedianlinie wurde von Meissner als Rücken-
nervenslamm gedeutet und die accessorischen Längslinien als
zwei seitliche Bauchnervenstränge. Ebenso ergeben sich
Meissner's quere Nervenfasern als die in dem vorher-
gehenden Referate näher beschriebenen Muskelslränge, wie
das auch schon früher von anderer Seile vermuthet ist.
Selbst das von Meissner mit so grosser Specialisirung
beschriebene Hirn will unser Verf. nicht gellen lassen. Es
248 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der TN'aturgeschichte
'wird als Pharyngealanschwellung in Anspruch genommen.
Sonst zeigt der Oesophagus vollständig den Bau wie bei
Trichocephalus (und Trichina). Es ist ein dünnes Chitin-
rohr, keine Rinne, neben dem ein körniger, mit grossen
hellen Kernen versehener Schlauch hinläuft. Der Fettkör-
per M eis sner's, der sich an diesen Oesophagus anschliesst,
gleicht seinem Aussehen nach vollkommen dem Darme eines
Nematoden, und vi^enn auch kein Lumen desselben vorhan-
den zu sein scheint, so kann man ihn doch wohl als ein
Analogon desselben betrachten. Allerdings läuft dieser Fett-
körper nicht bloss nach hinten, sondern auch neben dem
Oesophagus nach vorn, aber bekanntlich giebt es viele Nema-
toden, deren Magen einen nach dem Munde zu emporsteigen-
den Blindschlauch entsendet. Einen Zusammenhang dieses
Fettkörpers mit den (von Meissner für Vacuolen gehal-
tenen) Kernen des parösophagealen Körnerschlauches exi-
stirt nicht, w^as auch Ref. nach seinen Untersuchungen durch-
aus bestätigen kann. Ein After ist bei Mermis nicht vor-
handen, und das ist eigentlich — von der noch fraglichen
Abwesenheit eines Darmlumens abgesehen — der einzige
Unterschied dieses Thieres vor den übrigen Nematoden,
mit Ausschluss von Gordius, der mit Mermis kaum in einer
gemeinschaftlichen Gruppe zusammengestellt werden kann.
Die Stelle, wo der After liegen müsste, ist aber noch
deutlich markirt. Es ist eine kleine Hauterhebung, welche
sich auf der Bauchseite kurz vor der Schwanzspitze be-
findet und von Meissner irrthümlicher Weise mit dem
abgeworfenen Schwanzstachel der Larve, der immer end-
ständig ist, in Verbindung gebracht wird.
Eberlh's Abhandlung über „die Generationsorgane
von Trichocephalus dispar" (Zeitschr. für wissensch. Zool.
Bd. X. S. 385--400. Tab. XXXI) bildet eine Fortsetzung der
im vorigen Jahresberichte von uns angezogenen Arbeit
desselben Verf. 's, die als Beiträge zur Anatomie und Phy-
siologie des Trichocephalus überschrieben war, den Ge-
schlechtsapparat aber unberücksichtigt gelassen hatte. Ue-
brigens behandelt Verfasser ausser den weiblichen und
männlichen Organen in der vorliegenden Arbeit auch die
der niederen Thiere während des Jahres 1860 249
Befruchtung, die seit Nelson und Bisch off so viel-
facli Gegenstand der Untersuchung gewesen ist, und es bei
der immer noch fortdauernden Unzulänglichkeit unserer
Erkcnntniss voraussichtlich auch noch eine Zeil lang blei-
ben wird. Dass Verf. neben den gröberen anatomischen
Verhältnissen überall auch der feineren Structur der Organe
eine besondere Berücksichtigung geschenkt hat, brauchen
wir nach den früheren Referaten kaum ausdrücklich her-
vorzuheben. Die Angaben, die uns hierüber vorliegen,
gehören zu dem Besten, was wir über die Histologie der
Nemotoden besitzen.
Die Geschlechtsorgane des Trichocephalus bestehen bekanntlich
bei beiden Geschlechtern ans einer einfachen Röhre, die in verschie-
dene Abschnitte zerfallen ist, bei dem Weibchen in Ovarium, Tuba,
Uterus und Scheide, bei dem Männchen in Hoden und Samengang mit
drei aufeinanderfolgenden länglichen Anschwellungen (Samenblascn).
Die Geschlechtsröhre beginnt beide Male im hinteren Körperende, läuft
dann mit zahlreichen kleinen Schlängelungen bis etwa zum Anfange
des Chylusdarmes nach vorn und biegt darauf schlingenförmig nach
hinten um, um hier entweder, bei dem Manne, gemeinschaftlich mit
dem Darme durch eine endständige Kloaköffnung auszumünden, oder,
bei dem AVeibe, abermals nach vorn zu der in gleicher Höhe mit dem
obern Magenende gelegenen GeschlechtsöfTnung emporzusteigen. Das
Ovarium erscheint bei mikroskopischer Untersuchung als ein dünn-
häutiger Schlauch ohne Epithelium und Muskelfasern. Die eine Sei-
tenwand desselben ist vielfach ausgebuchtet und mit einer krümlichen,
von Kernen durchsetzten 31asse angefüllt, in der man bald die jungen
Eier in ihren ersten Entwickelungsstadien erkennt. Die Eier von
Trichocephalus entstehen also nicht im hinteren Ende der Eiröhre,
sondern in ganzer Länge derselben an dem einen Seitenrande, um
von da unter beständiger Grössenzunahme allmählich durch den ganzen
Innenraum sich auszubreiten. Auf einem Querschnitte der Eiröhre
liegen desshnlb immer zahlreiche Eier verschiedener Entwickelungs-
stufen neben einander, ohne dass es aber jemals zur Bildung einer
Rhachis käme. Muskelfasern und Epithelium lassen sich erst in der
Tube auffinden, während die männlichen Organe auch im Hoden eine
ziemlich dicke Epitheliallage erkennen lassen , ohne dass es jedoch
gelang, die Zellen dieses Epitheliums mit den Samenkörperchen, die
in einer den Eiern ganz analogen Weise entstehen, in einen geneti-
schen Zusammenhang zu bringen. Auch in den Samenblasen, beson-
ders der letzten, findet sich ein dichtstehender Besatz von langen,
theilweise kolbig angeschwollenen Epithelialzellen. Die Scheide ist
250 LeucUart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
im Innern von zahllosen ziemlich hohen Zotten ausgekleidet, die von
einer Chitinnicnibran überzogen zu sein scheinen. Viel derber er-
scheint die Chitinbekleidung der Kloake, die sich bis zu der, vom
Verf. nicht genauer untersuchten Einmündung des Chylusdarmes hin-
zieht und überdiess von einer mächtigen Muskelschicht umhüllt ist.
Der Penis steckt mit seiner Basis in einer besondern Seitentasche der
Kloake, die ungefähr auf halber Höhe derselben angebracht ist und mit
einem kräftigen Rückziehcmuskel in Verbindung steht. (Ein zweiter
ähnlicher Muskel, der sich an das Ende des Chylusdarmes ansetzt, ist
vom Verf. übersehen worden.) Als Leitungsapparat kann dieser Penis
nicht dienen, da sein Innenraum von einer hellen Masse gefüllt ist.
Verf. vermuthel darin, nach dem Vorgange C 1 a p a rede's, ein blosses
Slimulationsorgan, neben dem das Sperma nach Aussen hervortritt.
Das Endstück der Kloake kann bekanntlich durch Verkürzung der
aufliegenden Längsmuskelfasern (und den gleichzeitigen Druck der
Blutflüssigkeit, wie Ref. hinzufügen möchte) nach Aussen umgestülpt
werden und bildet dann eine einfache — nicht, wie Küchen-
meister wollte — gespaltene Glocke, deren Oberfläche von zahl-
reichen kleinen Spitzchen besetzt ist. Die an den Polen bekanntlich
ofi'ene braune Eischale bildet sich erst nach der Befruchtung im
Uterus um die schon früher vorhandene Dotterhaut, die eine fast
ciwcissartige Beschafl"enheit besitzt und an den Polen zu einem ko-
nischen, aus der Schale nach Aussen frei hervorragenden Züpfchen
anschwillt. Ein Eindringen von Samenkörperchen in das Innere der
Eier hat Verf. nicht beobachtet. Er scheint auch nicht an die Realität
eines derartigen Vorganges zu glauben und neigt sich zu der An-
nahme , dass bloss gewisse , aus den Samenkörpern austretende Sub-
stanzen in das Ei gelangten. Vielleicht Hesse sich auch , so meint
er, auf diese W^eise die allmähliche Formveränderung der Samenkör-
perchen in den weiblichen Organen erklären. Bewegungen wurden
an den Samenkörperchen niemals wahrgenommen. Dass die Tricho-
cephalen erst nach längerer Zeit ausserhalb des mütterlichen Kör-
pers sich entwickeln (nicht im Innern desselben, wie Küchenmei-
ster behaiiptete) ist durch Davaine's Versuche (J. B. XXV. S. 137)
zur Genüge nachgewiesen und auch vom Verf. bestätigt.
In einem anderen Aufsatze handelt derselbe Verf.
(Würzburger naturwiss. Ztg. 1860. I. S.41— 60. Tab. II— IV)
über den Bau von Heterakis vesicularis.
Die Excretionsorgane, die bisher übersehen waren, bestehen
aus zwei Längsgefässen, die unter den Seitenflügeln der Haut vom
Munde bis zum Schwanzende hinlaufen, vor dem Magen sich durch
eine Queranastomose verbinden und vorne, wie hinten jederseits mit-
telst eines kurzen Canals in den Hautanhüugen ausmünden. In der
der niederen Thicre während des Jahres 1860. 251
Bildung dieses Gefässes zeigten sich bei jüngeren und älteren Indi-
viduen manche Verschiedenheilen. Den Muskelapparat fand Verf.
genau so, wie ihn Schneider von den Cocloniyariern beschrieben
hat, trotzdem aber ist die Deutung unseres Verf.'s eine ganz andere.
Er zweifeit allerdings keinen Augenblick, dass Mei ss n er und Wedl
im Irrthume waren, als sie die den Fasern aufliegenden Körnerschläu-
che und Ausläufer für Nervenapparate erklärten , übersieht aber
dabei den genetischen Zusammenhang dieser Bildungen mit den eigent-
lichen Muskeln und erklärt dieselben für Theile eines ausgebildeten
Ernährungsapparates resp. Gefässsystemes, welches innerhalb der Lei-
beshöhle sich ausbreite. Diese Annahme erhielt dadurch einige
Stütze, dass es gelang, in den Bauch- und Rückenlinien des Wurmes
einen zartwandigen Canal aufzufinden, der von eigenthümlichen Zel-
len umlagert ist, mit denen die queren Ausläufer der Körnerschläuche
nicht selten zusammenhingen. Die Oesophagealhöhle ist dreieckig
und an den Kanten in eine Rinne ausgebuchtet, die von einer bräun-
lichen Cuticula ausgekleidet wird. Im Innern des birnförmigen Mus-
kelmagens finden sich drei hornige Zähne, wie bei Oxyuris. Die
männlichen Organe bilden einen einfachen Canal, der mit dem After
zugleich ausmündet und kurz vorher zwei schlauchartige Anhangs-
drüsen aufninimt , während die weiblichen Organe doppelt sind und
durch eine gemeinschaftliche Vagina hinter der Körpermitte sich nach
Aussen öffnen. Die Mutterzellen der Samenkörperchen entstehen, wie
die Eier, durch Umlagerung freier Kerne mittelst einer Körnermasse,
die in den Ovarien auch zugleich die Rhachis bildet. Ein Eindrin-
gen der Samenkörperchen in die Eier konnte auch hier nicht beob-
achtet werden. IVeben der AfteröfFnung liegen ein Paar einzellige
Drüsen von beträchtlicher Grösse.
Spencer Cobbold berichtet über den sog. Synga-
miis trachealis (Sclerostomum syngamus Dies.), besonders
den Bau der äusseren männlichen Geschlechtsorgane, und
die von diesem Parasiten bedingten Krankheitserscheinun-
gen, die der Verf. in seinem Falle auf operativem Wege,
durch Eröffnung der Trachea vom Nacken aus, beseitigte.
Noch während der Befestigung des Männchens (die Verf.
übrigens nicht so innig fand, wie das von anderer Seite
angegeben ist) erkennt man in den reifen Eiern bereits
entwickelte Embryonen, die nach der Vermuthung des Verf.'s
ihre Jugendzeil entweder in kleinen Insekten oder, wie er
fast noch lieber annehmen möchte, als vegetabilische Para-
siten verleben und erst durch Verschlucken ihrer Träger
in die Hühner einwandern. Mitunter findet man dieselben
252 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
schon beim Küchelchen von 6 — 7 Wochen. Journ. Proc.
Linnean Society Vol. V. p. 257.
Vix lenkt die Aufmerksamkeit der Aerzte und Na-
turforscher auf das bei gewissen Geisteskranken (bes. sog.
Schmutzfressern) fast constante Vorkommen von Spulwür-
mern und liefert in der diesem Gegenstande gewidmeten
Abhandlung (über Entozoen bei Geisteskranken, insbeson-
dere über die Bedeutung, das Vorkommen und die Behand-
lung von Oxyuris vermicularis, Berlin 1860. 162 S.) man-
cherlei werthvolle Beiträge zur Naturgeschichte der Oxyuris.
Nach unserem Verf. ist dieser Wurm nicht vivipar, wie
man gewöhnlich angiebt, sondern (was auch Ref. bestätigen
kann) ovipar, doch entwickelt sich die Brut unter günstigen
Verhältnissen oftmals schon in kürzester Frist, in der Son-
nenhitze z. B. schon binnen 5 — 6 Stunden (in der Brut-
maschine bei 35—38^ C. nach einem Verlaufe von 2 — 6 Ta-
gen). Auch im Darmkanale geht die Entwickelung der
abgelegten Eier vor sich, wie denn Verf. besonders in der
Nähe des Afters , bei Weibern auch bisweilen im Uterin-
schleime, Eier mit reifen Embryonen beobachtete. Verf.
ist sogar der Ansicht, dass die Embryonen für gewöhn-
lich noch im Darme des Entozoenträgers ausschlüpfen, und
führt zum Beweise die Thatsache an, dass er mehrfach
junge Oxyuren von 0,15, 0,2 und 2 Mm. frei und lebend
im Darmschleime aufgefunden habe. Freilich muss dabei
bemerkt werden, dass der Oxyurisembryo im Ei weniger
als 0,1 Mm. misst. (Auch Ref. kennt solche junge Oxyuren
vom Frosch und vom Kaninchen; er konnte auch deren
Entwickelung zum ausgebildeten Thiere schrittweise ver-
folgen , ohne dass es jedoch gelingen wollte, rückwärts
ohne Sprung an die Embryonen anzuknüpfen.) Der Versuch,
diese Ansichten auch auf die übrigen Rundwürmer des
Menschen auszudehnen, dürfte schon durch die bekannte
Thatsache widerlegt sein , dass die Eier dieser Thiere
(Ascaris, Trichocephalus) mehrere Monate zu ihrer Embryo-
nalentwickelung bedürfen. Die Einfuhr der Wurmkeime
geschieht nach unserem Verf. hauptsächlich durch die Fin-
ger, die bei den Versuchen, dem Jucken im Afler durch
der niederen Thiere wärhend des Jahres 1860. 253
Kratzen zu steuern , oftmals mit vielen Tausend Eiern be-
schmutzt werden und diese dann auf die verschiedensten
Gegenstände übertragen.
Molin's Beobachtungen „sulla metamorfosi regressive
di aicuni vermi rotondi" (Sitzungsberichte der Wiener Akad.
Mathm.-naturh. Cl. Bd. 38. S. 706—716 mit Tafel) betreffen
ein Paar Fälle von Hystrichis, jener merkwürdigen Nema-
todenform, deren Weibchen bekanntlich zwischen den Vor-
magenhäuten verschiedener Wasservögel leben und hier
allmählich, wie Tetrameres (Tropidocerca), unter dem An-
dränge der immer mehr sich anhäufenden Eier ihre ur-
sprüngliche schlanke Form verlieren. In dem einen der
von unserem Verf. beobachteten Fälle beschränkte sich diese
sackartige oder vielmehr wurstförmige Auftreibung des
Leibes auf die Mitte des Körpers, so dass beide Enden noch
ihre frühere Bildung zeigten, während das andere Mai auch
das hintere Ende in gleicher Weise missgestaltet war. Aus
diesem Umstände schliesst nun Verf. (wie das auch früher
schon Dujardin gethan hatte), dass die Würmer schliess-
lich in einen einfachen Sack verwandelt würden und dann
abstürben, worauf ihre Eier (oder auch vielleicht Embryo-
nen) nach Aussen gelangten. In den vom Verf. beobach-
teten Fällen besassen die Helminthen übrigens noch eine
deutliche thierische Organisation, nicht bloss Geschlechts-
organe, sondern auch Darm und Muskeln, und zwar in
einem so wohl erhaltenen Zustande , dass deren Leben
nicht bezweifelt werden konnte. Die Männchen sind dem
Verf. eben so wenig, wie den früheren Beobachtern bekannt
geworden.
Waidenburg macht einige Mittheilungen über die
Schmarotzernematoden des Regenwurmes und giebt an, dass
dieselben im Innern ihrer Cysten einer Häutung unterliegen.
De struct. et orig. cyst. vermin, p. 19.
Die „Revision der Nematoden" von Die si ng (Sitzungs-
ber. der Wiener Akad. 1860. Bd. 42. S. 595— 736) bietet
uns in systematischer Zusammenstellung und Verarbeitung
eine Uebersicht über die seit Erscheinen des bekannten
Systema helminthum gewonnenen Erfahrungen über diese
254 Leu ckarl: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Thiere und schliesst sich somit ergänzend an die von un-
serem Verf. schon früher publicirten und in unserem Be-
richte auch angezogenen „Revisionen" der übrigen Helmin-
thengruppen an. In der vorliegenden Arbeit ist zum ersten
Male der Versuch gemacht, die Gattungen der Nematoden zu
natürlichen Familien zu vereinigen. Ob derselbe die ver-
wandtschaftlichen Verhältnisse überall richtig wiedergiebt,
wird die Zukunft entscheiden, doch will es Ref. bedün-
ken, als wenn unsere dermaligen Kenntnisse, namentlich
auch die anatomischen, die bei den äusserlich verhältniss-
mässig so einfach und übereinstimmend gebauten Namato-
den von besonderer Wichtigkeit sein dürften, die Aufstellung
eines natürlichen Nematodensystemes noch keineswegs zu-
liessen. Immerhin aber verdient der Versuch unseres Verf.'s
alle Beachtung, und desshalb dürfte denn auch die nachfol-
gende Uebersicht vielleicht nicht unwillkommen sein. Wir
schicken voraus, dass Verf. zur Erreichung seines Zweckes
sich gezwungen sah, eine Anzahl von Gattungen, besonders
grösseren, wie namentlich Spiroptera und Filaria, die in
der früheren Fassung als Typen besonderer Familien er-
scheinen, zu zersplittern, und somit Gelegenheit zur Auf-
stellung mancher neuen Gattung gewann. Von neuen Arten
ist in der Revision nur eine einzige beschrieben worden,
der interessante, durch Kopn)ildung im hohen Grade aus-
gezeichnete Conocephalus (nov. gen.) typicus. Wie frü-
her, so theilt Vert. auch jetzt noch die Nematoden nach der
Entwickelung des Verdauungsapparats in zwei Unterord-
nungen, die Aprocta mit den Gordiaceen, und die Proctucha,
welche letztere uns hier vorzugsweise interessiren. Sie
zerfallen zunächst nach der weniger oder mehr endsländi-
gen Lage des Penis in zwei Abiheilungen : Hypophalli und
Acrophalli, die nach der Ansicht des Ref. freilich so schwer
aus einander zu sein dürften, dass manche Arten, wie z.B.
Trichocephalus oder Trichina, mit gleichem Rechte der einen
wie der anderen dieser Abtheilungen zugerechnet werden
könnten. Das Weitere lehrt uns die nachfolgende Synopsis.
Sect. L Hypophalli. Penis infra apicem caudalem.
Trib. I. Äcl id ophor a. Caput haud valvatum.
Fam. 1. Cirrhost ome a. Caput capiilare. Os terminale
der niederen Thiere während des Jahres 1860. 255
cirratum. Ocellata vel coeca. Penis haud vaginalus v. vagina tu-
bulosa exceptus. Papilla suctoria caudalis niilla v. unica termina-
lis. Animalcula ut pluriniuin microscopica. Aquarum dulcium vel
maris incolae.
Hieher die Genera Phanoglene Nordm. , Enchelidium Ehrbg.,
Pontonema Leidy, Amblyura Henipr. et Ehrbg.
Fani. 2. Anguillulidea. Corpus capillare, inerine v. arnia-
luin. Os terminale sessile v. in apice tubuli protractilis, inerme aut
denticulatuni, niiduni vel papillis cinctuin. Coeca, rarius ocellata.
Penis haud vaginatus aut vagina dipetala inclusus. Papilla suctoria
caudalis nulla vel unica terminalis vel duae marginales. Animalcula
minora. Aquarum dulcium vel maris incolae, aut in animalibus variis
endoparasita, nonnulla migraloria.
■" Odontosfomata. Os dentatum. Coeca v. ocellata.
Enoplus Duj., Oncholaimus Duj., Dorylaimus Duj., Odontobius
Rouss., Diplogaster (?) Max Seh.
*■" Anoflostomala. Os edentatum.
Dicelis Duj., Anguillula Ilempr. et Ehrbg., Angiostomum Duj.,
Isakis Lespes.
Gen. ine. sed. Phacelura Hempr. et Ehrbg., Potamonema Leidy,
Kenia Leidy.
Farn. 3. P tychoc ephalidea. Corpus capillare. Caput sub-
globosum, antice plicis quinque e centro radiantibus ornatum. Os in
plicarum centro. Penis haud vaginatus. Insectorum endoparasita.
Gen. unic. n. P tycho c ephalus Dies. Sp. un. Pt. (Oxyuris)
spirotheca Györy.
Fam. 4. Oxyuridea, Corpus elongatum teretiusculum nudum
vel papillis suctoriis aut plectanis instructum , extremitate caudali
nuda, armata aut apice spinulis coronata, feminae subulata. Os ter-
minale nudum vel nodulis s. papillis 3 — 4 cinctum, pharynge vel
oesophago intus dentato aut edentato. Penis haud vaginatus vel va-
gina tubuloso, mono- vel dipetala exceptus. Mammalium, avium et
amphibiorum endoparasita.
Oxyuris Rud., Passalurus Duj., Ph aryng o d on Dies. (gen. n.
mit P. acanthura ;= Asc. extenuata Rud., Oxyuris acanthura Moll.),
Ileterakis Dies., Allodap a Dies. (gen. n. mit A. typica = Oxyuris
allodapa Crepl.), Subulura Mol., Cosmocerca Dies. (gen. n. mit
C. ornata = Oxyuris ornata Duj.).
Fam. 5. Hedruridea. Corpus elongatum, teretiusculum, maris
gracile, laxe Spirale, feminae crassum, rectum, postice Fovea acetabu-
liformi uncino cenlrali aniiato instructum. Caput bilabiatum. Os ter-
minale ad basin labiorum. Penis haud vaginatus vel vagina dipetala
exceptus. Amphibiorum endoparasita.
Ilediuris IVitzsch, Symplecla Leidy.
256 L e u c k a r t : Bericht über die Leistungen in der Nalurf^eschichte
Farn, 6. 0 phio s t omide a. Corpus elongalum teretiusculum,
inerme v. armatum. Caput bilabiatum. Os terminale ad basin labio-
rum. Penis band vaginatus et vagina dipetala exceptus. Mamma-
liuni et piscium endoparasita.
Rictularia Fröhl., Ophiostomum Rud., Dacnitis Duj., Stelmius Duj.
Farn. 7. C hciracant hidea. Corpus elongatum teretiuscu-
lum, antrorsum lamellulis margine poslico spinulosis, medio lamellis
simplicibus armatum, retrorsum inerme. Caput subglobosum aculea-
tum, anticc bilabiatum. Os ad basin labiorum. Penis haud vaginatus.
Mammalium, amphibiorum et piscium endoparasita.
Cheiracanthus Dies.
Farn. 8. P hy sal opter idea. Corpus elongatum teretiusculum.
Caput bilabiatum, labiis extus papiliosis, intus dentatis. Os ad basin
labiorum. Extremitas caudalis maris utrimque alata, alis inflatis antice
vesica coniunctis, ad aperturam genitalem quadricostalis. Penis vagina
monopetala. Mammalium, avium et praesertim amphibiorum endo-
parasita.
Physaloptera Rud.
Fam. 9. Asc aridea. Corpus elongatum teretiusculum, inerme
ve) armatum. Caput trilabiatum, labiis aequalibus, in triangulum dispo-
sitis, convergentibus. Os ad basin labiorum. Penis haud vaginatus aut
vagina tubulosa vel dipetala exceptus. Animalium vertebratorum en-
doparasita.
* P eritrachelidea. Collare insignita.
Peritrachelius Dies.
■"■'' Ascaridea s. st. Collare nullo insignita.
Heligmus Duj., Acanthocheilus Mol., Crossophorus Hempr. et
Ehrbg., Ascaris L.
Fam. 10. Lecanocephalidea. Corpus elongatum teretius-
culum. Caput patellaeforme limbo trilabiato, labiis aequalibus, in
triangulum dispositis , divergentibus. Os in fundo capitis. Penis
vagina dipetala. Piscium marinorum endoparasita.
Lecanocephalus Dies.
Fam. 11. Heterocheilidea. Corpus elongatum teretiuscu-
lum. Caput a corpore, collo brevi collare cincto, discretum, trilabia-
tum, labiis inaequnlibus in triangulum dispositis, convergentibus,
tubulo instructis. Os ad basin labiorum, Penis vagina dipetala. Ce-
taceorum endoparasita.
Heterocheilus Dies.
Fam. 12. C onocephalidea. Corpus elongatum teretiuscu-
lum. Caput conicum, limbo basilari patente, retractile. Os in apice
capitis. Cetaccorum endoparasita.
C onoc e phalus Dies, (gen, n. mit C, typicus n. sp. aus den
Eingevs^eiden des Delphin, mit Abbild.)
der niederen Thiere während des Jahres 1860. 257
Fam. 13. Lior hy nchi dea. Corpus elongatum teretiusculum,
inerme aut armatum. Caput corpore continuum. Os in apice tubuli
protraclilis inerniis. Penis haud vaginatus. Mamnialium, rarius piscium
endoparasita.
Liorhynchus Rud. (?)
Fam. 14. Ac anthocl adea. Corpus elongatum teretiusculum
V. capillare, inerme v. armatum. Caput spinulis pinnatifidis 4 aut 8
armatum. Os terminale. Penis vagina mono- vel dipetala. Avium
et amphibiorum endoparasita.
Ancyracanthus Dies., Ancyracanthopsis Dies. (n. gen. mit
A. bilabiata = Ancyracanthus bilabiatus Mol.), Elaphocephalus Mol.
Fam. 15. Aspidocephalidea. Corpus elongatum teretius-
culum. Caput scutello terminali corneo tectum vel scutellis latera-
libus 3 aut 4 coriaceis cinctura. Os terminale. Penis vagina mono-
vel dipetala. Mammalium et avium endoparasita.
* Stenodea. Caput scutello unico terminali corneo tectum.
Slenodes Duj.
** Euaspidocephalidea, Caput scutellis lateralibus 3 vel 4 co-
riaceis cinctum.
Aspidocephalus Dies., Cosmocephalus Mol.
Fam. 16. T etr ameridea. Corpus maris teretiusculum gra-
cile, inerme v. armatum, feminae subglobosum, fasciis 4 longitudina-
libus cruciatim oppositis signatum. Caput conicum. Os terminale,
Vagina penis .... Avium endoparasita.
Tropidocerca Dies.
Fam. 17. Spiruridea. Corpus elongatum teretiusculum, ra-
rissime capillare. Caput haud labiatum aut uni- vel bilabiatum, nunc
epidermide adnata nudum, nunc inflata globulum, velum, funiculos
tortuosos aut cucullum v. coronulam formante tunicatum. Os termi-
nale aut ad basin labiorum. Penis vagina mono- vel dipetala. Ani-
malium vertebratorum endoparasita.
* Acheilospiruridea. Caput haud labiatum. Os terminale.
a. Caput epidermide adnata tunicatum.
Spiroptera Rud., Eucamptus Duj., Proleptus Duj. (?)
b. Caput epidermide distante, velum, funiculos tortuosos aut
cucullum s. coronulam formante tunicatum.
** Cheilospiruridea. Caput uni- vel bilabiatum. Os in fundo
capitis vel ad basin labiorum.
a. Caput unilabiatum.
Spirura Leidy, Hystrichis Duj., Echinocephalus Mol.
b. Caput bilabiatum.
a. Caput epidermide adnata tunicatum.
Cheilo spirura Dies. (gen. n. Spiropterae sp. bila-
biatae).
Archiv für Naturg. XXVII. Jahrg. 2. Bd. R
258 L e u c k a 1- 1 : Bericht über die Lcislungen in der Naturgeschiclite
ß. Caput epidermide aequabiliter distante inflata tunicatum.
Physocephalus Dies. (gen. n, mit Ph. sexalatus = Spiio-
ptera strongylina Rud., Spiropteia sexalata Mol.).
Farn. 18. 0 nchoc er c oidea. Corpus filiforme, inaris laxe,
feminae arcte spiraliler coutortum. Caput corpore continuum. Os ter-
minale. Penis filiformis, lobulis duobus verticalibus basi uncinulatis
exceptus. Mammalium endoparasita.
Onchocerca Dies.
Farn. 19. Tr icho trachelidea. Corpus elongatum teretius-
culum, collo longissimo capillari. Caput collo continuum v. discre-
tum, inerme vel armatum. Os terminale. Penis vagina tubulosa, e
bursa caudali subterminali protractilis. Mammalium, amphibiorum et
piscium endoparasita.
Trichocephalus Göze, Sclerotrichum Rud., Oncophora Dies. (?}.
Farn. 20. Trichosomidea. Corpus longum, collum breve,
capillaria. Caput collo continuum. Os terminale. Penis vagina tu-
bulosa, e bursa caudali subterminali protractilis, aut bursa propria
nuUa. Animalium vertebraloruni endoparasita.
* Balantiophora. Penis vagina e bursa sublerminali dimidiala
aut lobata protractilis.
Calodium Duj., Thominx Duj.
^'■•- Ahalantia. Penis vagina bursa propria nulla.
Trichosomum Rud-, Eucoleus Duj.
Fam. 21. Tr ichinidea. Corpus et collum capillaria. Caput
collo continuum. Os terminale. Penis vagina monopetala (?) inter
papillas duas conicas subterminaies coUocata. Mammalium et avium
endoparasita, migratoria.
Trichina Owen.
Fam. 22. Filari den. Corpus longissimum filiforme. Caput
haud labiatum v. 2, 3 vel 4-labiatum. Os terminale aut ad basin
labiorum. Penis haud vaginatus v. vagina monopetala, dipetala aut
tubulosa exceptus. Animalium vertebraloruni endoparasita, nonnuUa
saltem migratoria.
■^ Acheil onemidea. Caput haud labiatum. Os terminale.
a. Corpus laeve vel annulatum, nee rugis longitudinalibus
annularibus, nee bulbillis insignilum.
Dracunculus Kämpfer, Ichthyonema Dies. (gen. n. mit I. glo-
biceps, I. fuscum und I. congeri vulgaris?), Filaria Müll., Dipeta-
lonema Dies. (gen. n. mit D. caudispina, D. infiexum und D. mu-
cronatuni), Solenonema Dies. (gen. n. mit S. aequale, S. serpicula
und S. striatum), Filaroides van Bened., Gongylonema Mol.
■'•"'• Cheilonemidea. Caput bi - , tri- vel quadrilabiatum. Os ad
basin labiorum.
D icheil onema Dies, (gen. n. Fil. sp. bilabialae, vagina
der niederen Thiere während des Jahres 1860. 259
penis tubulosa), Monop et al onema Dies. (gen. n.Fil. sp, bilabiatae,
vagina penis nionopetala), Tr icheil onema Dies. (gen. n. mit Tr.
niegalochilum) , Tetrache Hone 7na Dies. (gen. n. mit T. quadri-
labiatuni).
Trib. II. Clid ophor a. Caput apice valvatum, valviilis duabus
oppositis, chitineis. Os ad basin valvularum.
Farn. 23. Cucullanide a. Corpus elongaluni teretiusculuni.
Caput truncato-conicum apice bivalve, valvulis conchaeformibus, an-
nulo capitis terminali chilineo insidentibus anriuli processibus internis
utrimque tribus. Os ad basin valvularum. Penis vagina dipetala.
Piscium endoparasita.
Cucullanus Müll.
Sect. II. Acrophalli. Penis in apice caudali.
Farn. 24. Str ongylide a. Corpus elongatum teretiusculum,
filiforme aut capillare. Caput fülcris chitineis sufFultum, aut annulo
chitineo cinctum, aut nee annulo nee fulcris instruclum. Os terminale
aut in apice capitis cernui collocatuni. Penis haud vaginatus aut
vagina dipetala, laiissime papillis tribus conicis amplexus, bursa cau-
dali propria exappendiculata aut appendiculata exceptus. Animalium
vertebratorum endoparasita.
'■'' Deletrocephalidea. Caput fulcris chitineis sufFultum, cuticula
tunicatum.
Deletrocephalus Dies., Diaphanocephalus Dies. ..,;,[
** Sclerostomidea. Caput annulo chitineo cinctum, cernuuni aut
strictum.
Dochmius Duj., Sclerostomum Rud., Stephanurus Dies.
^■■*" Eustrongylidea, Caput nee fulcris nee annulo chitineo in-
structum. Bursa maris exappendiculata aut appendiculata.
Prolhecosacter Dies., Strongylus Müll., Eustrongylus Dies.
Die bloss im Jugendzustande bekannten Nematoden dieser
Gruppe (Proctucha) w erden in einem eigenen Abschnitte abgehandelt.
Es sind die Gen. Agamonema, Cephalacanthus, Mastophorus, üracan-
thus, Agamonematodum und Analcodiscus, die mit Ausnahme des er-
sten Geschlechts nur bei Wirbellosen gefunden werden. .
Mol in liefert, wie früher eine Monographie der ¥U
larien, so jetzt eine monographische Bearbeitung der zu
den nahe verwandten Genera Spiroptera, Dispharagus, Hi-
stiocephalus und Physaloptera gehörenden Nematoden, die,
ganz auf eigenen Untersuchungen beruhend, nicht bloss
eine Anzahl neuer Arten den vorhandenen hinzufügt, son-
dern die letzeren auch fast durchgehends mit veränderten
und verbesserten Diagnosen versieht. Die untersuchten
260 L e u c k a r t : Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
und beschriebenen Formen gehören der berühmten Wiener
helminthologischen Sammlung an , deren Vorräthe grossen
Theils von Natterer in Brasilien gesammelt wurden und
durch die Liberalität ihrer Direktoren dem Verf. zu Gebote
standen. Der Beschreibung der einzelnen Arten ist bei
jedem Genus eine historisch kritische Einleitung voraus-
geschickt, der Verf. auch die Resultate seiner Untersuchun-
gen, die freilich meist an Spiritusexemplaren angestellt
wurden und desshalb keineswegs nach allen Seiten hin
befriedigend ausfallen konnten, eingefügt hat. Una mono-
grafia del genere Spiroptera u. s. w. Sitzungsber. der Wiener
Akad. Bd. 38 u. 39.
Die Diagnose des Gen. Spiroptera (a. a. 0. Bd. 38. S.911 —
1006) lautet bei Molin: Corpus subcylindricum, utrimque, vel an-
trorsum vel retrorsum attenuatum, inerme vel armatum, vel apterum.
Caput inerme vel armatum, apterum vel alatum. Os terminale orbi-
culare nudum, vel bilabiatum, vel papillosum, vel dentatum. Extremi-
tas caudalis maris aptera vel alata, laxe spiraliter torta vel recta, pene
filiformi et vagina ligulaeformi excepto, feminae haud alafa, apertura
genitali antrorsura vel retrorsum vel in medio corporis sita. — Mam-
malium et avium, rarissime reptilium et piscium, numquam amphi-
biorum endoparasita. Dahin gehören nach unserem Verf. 106 Species
(bei Rudolphi 40, bei Diesing 58), die meist zwischen den Ma-
genhäuten leben und folgendermaassen vertheilt werden.
I. Caput et corpus inerme.
A. Haud alatae.
a. Os nudum.
Spiroptera nuda n. sp. aus Falco cyaneus und Rallus mangle,
Sp. denudata Rud. (Char. em end.) , Sp. sygmoidea Mol. (= Sp. an-
thuris Dies. p. p.), Sip. brevipenis n. sp. aus Macrodactylus Macgravii,
Sp. suhaequalis n. sp. aus Felis concolor und F. mellivora, Sp. acu-
tissima Rud., Sp. circularis n. sp. aus Psittacus d. sp., Sp. strongylina
Rud. (Char. emend.), Sp. aucta Rud. (Ch. auct.), Sp. megastoma Rud.
(Char. auct.), Sp. cesticillus Mol. (= Sp. strongylina Dies. p. p.) aus
Dicotyles albirostris.
b. Os bilabiatum.
Sp. posthelica n. sp. aus Tinamus tao , Sp. quadricostata n. sp.
aus dem Fusse von Psittacus aestivus, Sp. erecta n. sp. aus Thamno-
philus guttatus, Sp. hilahiata n. sp. aus Mus brasiliensis, Sp. uncini"
penis n. sp. aus Rhea americana.
c. Os papillosum.
Sp. papulosa n. sp. unter der Nickhaut von Falco destruclor
der niederen Thiere während des Jahres 1860. 261
und F. gracilis, Sp. acuminata n. sp. aus Brycon falcatus, Sp. cysti-
dicola Rud. (Char. auct.), Sp. excisa n. sp. aus Ciconia Maguari, Sp.
uncinata Rud., Sp. stromosa Rud. (Char. aucl.), Sp. obtusa Rud. (Char.
auct.), Sp. sanguinolenta Rud., Sp. semilunaris n. sp. aus Trogon col-
laris, Sp. crassicmtda n. sp. aus Tinamus tao, Sp. bullosa n. sp. aus
Tinamus d. sp. , Sp. penihamala n. sp. aus Strix div. sp. bras., Sp.
lanceolata n. sp. aus Crotophaga major, Sp. eryoptera Rud. (Char.
auct.), Sp. singularis n. sp. aus Cathartes Uruba, Sp. 4-dentata n. sp.
aus Alcedo americana, Sp. truncata Crepl. (Ch. auct.), Sp. contorta
Rud. (Char. emend.), Sp. conocephala n. sp. aus Cuculus cayanus.
d. Os dentatum.
Sp. terdentata n. sp. aus Tinamus variegatus.
B. Caput vel corpus alatiim.
a. Os nudum.
Spiroptera heteroclita n. sp. aus Crax urumutum, Sp. chriso-
ptera n. sp. aus Tuberositäten der Magenschleimhaut von Tapirus ame-
ricanus, Sp. unilateralis n. sp. aus Cephalopterus ornatus, Sp. terco-
stata n. sp. aus den Füssen von Psittacus aestivus und Ps. Maximi-
liani, Sp. spiralis n. sp. aus den hinteren Extremitäten von Bradypus
tridactylus, Sp. helicina n. sp. aus Cysten an den Füssen zahlreicher
brasilianischer Vögel, Sp. pistillaris n. sp. von Strix magellanica
gleichfalls aus den Füssen, Sp. hrachystoma n. sp. aus dem Magen von
Bradypus tridactylus.
b. Os bilabiatum.
Sp. cephaloptera n, sp. aus der Membrana nictitans von Morao-
tus brasiliensis, Sp. sexalata Mol. (= Sp. strongylina p. p.) aus dem
Magen von Sus scrofa und Dicotyles albirostris, Sp. longestriata n. sp.
aus Picus campestris und anderen Arten, Sp. hamulosa Dies. (Ch. auct.).
c. Os papillosum.
Sp. brevisubulata aus der Membrana nictitans von Strix atrica-
pilla, Sp. longesubulata aus dem Vormagen von Ciconia Maguari, Sp.
unialata aus den Magenhäuten von Rhamphastos d. sp., Sp. serpentu-
lus Dies, (Char. reform.), Sp. quadripapillosa n. sp. aus den Zehen-
sehnen von Platalea Ajaja, Sp. verrucosa n. sp. aus dem Magen von
Cervus Kambi , Sp. filiformis n. sp. aus dem Magen von Falco Uru-
butinga, Sp. quadrialata n. sp. aus dem Magen von Mus musculus
in Rio-Janeiro, Sp. anacanlhura n. sp. aus Crotophaga ani.
IL Corpus vel caput armatum.
A. Os nudum.
a. Corpus haud alatum.
Sp. stereura Rud. (Char. emend.).
b. Corpus alatum.
Sp. mediospiralis n. sp. aus dem Magen von Tapirus americanus
und Dasyprocta Aguti.
262 L e u c k n r t : Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
B. Os papillotum.
a. Caput arinatuni.
Sp. umbellifera n. sp. aus den Magenhäuten von Ibis rubra und
Totanus niclarioleucus, Sp. vulvoinßata n. sp. aus den Magenhäuten
von Trochilus ochropygus, Sp. coronata aus Rallus cayennensis und
Alcedo aniericana, Sp. denticulata Mol. (= Sp. bidens Rud.), Sp. armaia
n. sp. aus dem Magen von Dicotyles albirostris.
b. Corpus armatum.
Sp' imhricata n. sp. aus den Magenhäuten von Tantalus locula-
tor, Sp. aculeata Crepl., Sp. horrida Dies.
Als Species inqnirendae werden von unserem Verf. weiter noch
angeführt und kurz diagnosticirt: Sp. hominis Rud., Sp. simiae Rud.,
Sp. tigridis Rud., Sp. leonis Rud., Sp. citilli Rud. (Char. emend.), Sp.
ratti Dies., Sp. hystrichis Rud., Sp. anterohelicina n. sp. aus dem Ma-
gen von Bradypus Iridactylus, Sp. vulturis n. sp. aus den Unterkie-
fermuskeln von Cathartes papa, Sp. pachyderma Crepl., Sp. infiata n.sp.
aus Faico unicinclus, Sp. strigis brachyoti n. sp., Sp. strigis Rud.
(Ch. emend.), -Sp. caprimulgi n. sp. aus Caprimulgus melanurus, Sp.,
vuharia n. sp. aus Monotus Levaillanti und Icterus lacernulatns, Sp,
anabatis n. sp. aus den Magenhäuten von Anabas scandens, Sp. turdi
n. sp. aus Turdus musicus, Sp. sturni Rud. (Char. emend.), Sp. tham-
nophili n. sp. aus dem Darme von Thamnophilus tigrinus, Sp. corvi
coracis Bellingh., Sp. anolabiata n. sp. aus der Kickhaut von Crax
fasciolata, Sp. phasiani picti n. sp., Sp. artleae n. sp. aus den Füssen
von Ardea Coccoi, Sp. appendiculata n. sp. aus Eurypyga helias, Sp.
annulala n. sp. aus Ciconia Maguari, Sp. tenuicauda n. sp. aus Ci-
conia Maguari und Crax tomentosa, Sp. Ibis aus Ibis rubra, Sp. Cha-
radrii pluviatilis Bellingh., Sp. vanelli Rud. (Char. reform.), Sp.
scolopacis n. sp. aus Scolopax limosa, Sp. pulchella n. sp. aus Rallus
cayennensis, Sp. Ralli Rud., Sp. fulicae Rud. (Char. emend.), Sp. 4-spi~
nosa n. sp. aus Anas dominica, Sp. striata Creplin, Sp. procellariae
Bellingh., Sp. acanthocephala Mol. (= Sp. sternae Rud. und Strongylus
ambiguus Rud.), Sp. rajae Bellingh.
Nachträglich mögen hier auch die Diagnosen der vom Verf.
beobachteten Hystrichisformen (Vergl. S. 253) ihren Platz finden :
Hystrichis Mergi. Extremitas anterior sensim attenuata, apice
obtusissimo ; os terminale anticum, magnum, coronula spinulorum cin-
ctum ; corpus annulis salientibus cinctum; extremitas posterior trun-
cata ; anus terminalis posticus, apertura maxima ; apertura vulvae
lateralis, ano propinqua, minima.
Hyst\richis Cygni. Corpus subcylindricum, medio vel po-
stice irregulariter inflatum ; caput corpore discretum , cesticilliforme,
echinatum seriebus circiter viginti uncinulorum maiorum, singulus
retroflexus, basi sphaerice incrassatusj os orbiculare, protiaoiile, in
der niederen Thiere während des Jahres 1860. 263
apice coni truncati, coronula spinularum minorum cinctum ; corporis
pars anterior unciniilis iisdem minoribus, poslice tandeni evanescen-
tibus, armnta ; anus terminalis, niagnus, apertura vulvae in extreme
posteriore corporis parte, lateralis, ad anum.
Das Genus Dispharagvs (a. a. 0. Bd. 39. S. 479 — 506) be-
schränkt Verf. nicht ausschliesslich auf die Arten mit getheillem Oe-
sophagus, wieDujardin. Er überzeugt sich, dass dieser Charakter
nur gewissen Arten zukommt, während andere ihnen allen gemein-
schaftlich sind. Darauf hin stellt Verf. für dieses Genus folgende
Diagnose auf: „Caput corpore continuum, funiculis epidermoidalibus
utrinque binis, flexuosis exornatum: os bilabiatTim, labiis papillaefor-
mibus; extremitas caudalis maris utplurimum spiraliter torta, utrimque
alata, rarissime aptera; vagina penis monopetala, brevior ; penis lon-
gior ; apertura vulvae in anteriore vel posteriore corporis parte.
Avium in parte anteriore organoruni digestionis frequenter, pisciuni
dubie endoparasila." Die von unserem Verf. aufgezählten und cha-
rakterisirten 29 Arten sind von den früheren Helminthologen, auch
noch von Die sing, zum Theil den Genera Spiroptera und Histioce-
phalus zugerechnet worden. Es sind folgende: D. nasutus Duj. (Char.
emend.), D. scygmoides n. sp. aus dem brasilianischen Falco tridentatus,
D. attenuatus Dies. (Char. emend.), D. rectovaginatus n. sp. aus Falco
ater, D. tenuis Dies. D. subula Duj. , D. longevaginattts n. sp. aus
Ciconia Maguari, D. crassicauda (Crepl.) Mol., D. analis Mol. (= Ascar.
alata Rud.), D. aduncus (Crepl.) Mol-, D. longeornalus n. sp. aus Ci-
conia Maguari, D. laticeps Duj. (Ch. emend.), D, Anthuris Duj., D.
spiralis Mol., D. crassissimus n. sp. aus Rhamphastos vitellinus, D.
revolutus (Rud.) Mol., D. ellipticus Mol., D. rectus n. sp. aus Falco
unicinctus und F. femoralis, D, elongatus (Rud.) Mol. D. denticulatus
Mol. (= D. falconis subbuteonis Duj.), D. contortus Mol., D. calca^
ratus n. sp. aus Ibis Guarauna, D. magnilahiatus n. sp. aus Platalea
Ajaja, D. decorus (Duj.) Mol., D. brevicaudatus Duj. (Char. emend.),
D. echinatus (Dies.) Mol,, D. mamiUaris n. sp. aus Corvus Cayanus,
D. crassus 3Iol. (= Spiroptera quadriloba Rud.), D. denudatus Duj.,
die letzten drei als Species inquirendae.
Für Hl s tioc ephalus (a.a.O. S. 507 — 514) lautet die Diagnose
Molin's folgendermaassen : „Caput corpore continuum, velo seu cu-
cullo longitudinaliter aculeato vel laciniato indusiatum ; corpus sub-
cylindricum, utrimque attenuatum ; os terminale, papillosum ; coUum
interdum coronula bulbillorum cinctum; extremitas caudalis maris
spiraliter torta, utrimque alata; vagina penis dipetala, cruribus lon-
gissimis, spiraliter tortis ; extremitas caudalis feminae conica ; apertura
vulvae supra medium corporis sita. Inter avium et pisciuni tunicas
ventriculi vel in intestinis, dubie in mammalium ventriculo hospitan-
tia." Hieher als gute Arten : H. laticaudatus Dies. (Char. emend.),
264 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
H. minutus Dies. (Char. emend.), H. dacnodes (Crepl.) Mol., H. lad"
niatus n. sp. aus Rallus cayenncnsis, und als unsicher: H. subulatus
n. sp. aus dem Magen von Didelphys myosurus.
Das Gen. Physaloptera (a. a. 0. S. 637— 672) wird bei Mo-
lin folgenderniaassen charakterisirt: „Corpus subcylindricum, antror-
sum rarius retrorsum attenuatum, caput corpore continuum, epidermide
inflata; os bilabiatum, labiis magnis, oppositis, externe papillis exornatis,
interne dentibus armatis; extreniitas caudalis maris alata alis turgidis,
antice vesica coniunctis, ad aperturam genitalem quadricostatis ; va-
gina penis monopetala; apertura vulvae in anteriore corporis parte.
Mammalium, avium et praecipue reptilium in oesophago et ventriculo,
rarius in inteslinis, rarissime in cavo orbitae obvia." Beschrieben
sind : Ph. bilabiata Crepl., Ph. turgida Rud. (Char. emend.), Ph. ma-
xillaris n. sp. aus Mephitis chinche, Ph. abbreviata Rud. (Ch. emend.),
Fh. papillotruncata n. sp aus Myrmecophaga jubata und M. didactyla,
Ph. dilatata Rud. (Char. emend.), Ph. clausa Rud. (Char. aucta), Ph.
anomala aus Felis onca, Ph. terdentata n. sp. aus Felis concolor,
Ph. retusa Rud. (Char. emend.), Ph. obtusissima n. sp. aus zahlrei-
chen brasilianischen Schlangen, Th. magnipapillata n.sp. aus Myrmeco-
phaga bivittata, Ph. monodens n. sp. aus Boa constrictor, Ph. semi-
lanceolata n. sp. aus Nasua nasica, Ph. alata Rud. (Char. emend.),
Ph. acutocauda Mol. (= Ph. alata Dies, ex parte), Ph. constricta Leidy,
Ph. contorta Leidy. Den Species inquirendae werden zugezählt: Ph.
spicula Hempr. et Ehrbg., Ph. limbata Leidy, Ph. colubri Dies, und
Ph. abjecta Leidy.
Das Studium der voranstehend genannten Würmer gab unserem
Verf. Veranlassung noch eine Reihe anderer Nematoden zu unter-
suchen, die von früheren Helminthologen unrichtiger Weise den hier
behandelten Geschlechtern zugerechnet wurden , in Wirklichkeit aber
anderen Genera zugehören. Auf diese Weise entstand eine neue
Arbeit unseres Verfassers : trenta specie di Nematoidi (a. a. 0. Bd. IL
S. 381— 358) mit Beschreibung folgender Arten:
Subulura (n. gen.) acutissima n. sp. (sub nom. Physaloptera
strongylina in coli, entoz. M. C. V.) aus dem Magen und Darme von
Strix atricapilla und Cuculus melacoryphus, Oxyuris acanthura Mol.,
Oxyuris extenuata Mol. (= Ascaris extenuata Rud.), Ascaris lanceolata
Mol. (= Physaloptera mucronata Dies.), A. laticauda n. sp. (sub n. Phy-
salopterae? in collect, entoz. M. C. V.) aus Dicholophus Marcgravii,
A. microlabium n. sp. (Physaloptera sp. in collect, ent. M. C. V.) aus
dem Magen von Falco coronatus, A. angusticollis Mol. (= Physalo-
ptera tenuicollis Rud.), A. anlerospiralis n. sp. (Physaloptera sp. in
coli. ent. M. C. V.) aus dem Magen von Felis concolor, A. helicina
n. sp. (= Physaloptera retusa coli. ent. M. C. V.) aus dem Magen von
Crocodilus acutus, Asc. papulosa n. sp. (= Spiroptera sp. coli. ent.
der niederen Thierc während des Jahres 1860. 265
M. C. V.) aus dem Darme von Cervus cayanus, A. valdemucronala n. sp.
(= Spiroptera sp. M. C. V.) aus dem Magen und Vormagen von Ci-
conia Maguari, A. spiralis n. sp. (= Spiroptera pici M. C. V.) aus
Picus comalus, Heferakis annulaia n. sp. (= Physaloptera colubri M.
C. V.) aus Ophis saurocephalus , //. verrucosa n. sp. (= Spiroptera
caviae aguti M. C. V.) aus dem Magen von Dasyprocta Aguli, H. su-
ctoria (= Spiroptera caprimulgi M. C, V.) aus den Magenhäuten von
Caprimulgus campestris, Dispharagus capitatus n. sp. (== Spiroptera
alala M. C. V.) aus Falco minutus, Tropidocerca hispinosa n. sp,
(= Spiroptera Scinci M. C. V.) aus Scincus officinalis, Ancyracanthus
bilabiatus (= Spiroptera sp. ) aus den Magenhäuten von Eurypyga
helias, Elap h o c ephalus (n. gen.) octocornutus n. sp. {= Spiro-
ptera Psittaci) aus der Hand von Psitlacus Macao, Dacnitis fusiformis
n. sp. aus dem Darme von Platessa flesus, Cosmocephaliis alatus Mol.
(= Spiroptera obvelata Crepl.), Spiroptera recticauda n. sp. aus dem
Magen von Falco coronatus, Sp. gracilis Mol. (= Sp. bicuspis Rud.),
Sp. saginata (Rud.) Duj. (Char. emend.), Sp. capillaris n. sp. aus den
Magenhäuten von Sterna hirundo, Gongylonema contortum Mol. (= Spi-
roptera ursi Rud.), Filaria spinulosa n. sp. aus den Magenhäuten von
Glareola austriaca, Strongylus annulatus n. sp. (= Spiroptera sp. M.
e.V.) aus dem Vormagen von Palamedea cornuta, St. bispinosus n. sp.
aus dem Magen von Cervus nambi, Str. attenuatus n. sp. (Spiroptera
sp. M. C. V.) aus dem Magen von Dicolyles albirostris.
Ch. n. gen. Suhulur a Mol. Caput corpore continuum ; es
terminale, orbiculare, haud armatum; corpus filiforme, inerme, postice
longe subulatum; extremitas caudalis maris aptera, papillis exornata,
acetabulo suctorio ab apice caudali remoto, vagina penis dipetala
cruribus spiraliter tortis; apertura vulvae in posteriore corporis parte.
Avium in intestinis obvia.
Ch. n.gen. Elaphoc ephalus Mol. Caput discretum, utrim-
que aculeis 4 armatum, quorum medii maiores apice dilatalo serrato,
laterales minores apice bicuspidato ; os papillosum, corpus totuni
spinulosum ; extremitas caudalis maris .... apertura vulvae ad os.
Avium inter tendines digitorum parasita.
Nach demselben Verfasser (Oesterr. Zeitschr. fürpr. Heil-
kunde 1860. Kr. 5) gehört das sog. Anchylostomum duodenale (Stron-
gylus 4-dentalus v. Sieb.) zu dem Gen. Dochmius Duj.
Polonio beschreibt eine neue Filaria (F. dispar) aus der
Magenwand von Corvus corax und findet deren muthmaassliche Junge
eingekapselt unter dem Epithelium des Darmes. Aehnliche Jugend-
zustände wurden in dem Peritonäum der Ratte (Trichina circum-
flexa n.) und der 31auereidechse (Tr. microscopia n.) aufgefunden. Lotos
1860. p.23.
Ebendas. Calodium papillosum n. aus der Harnblase der Ratte.
266 Lenckarl: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Baird beschreibt den vonOMen und Rüppell bei dem Du-
jung, von Brandt bei Bhytina Stelleri in einem eigenthüinlichen
neben der Cardia liegenden Drüsengewebe aufgefundenen Ascaris ha-
lichoris (A. dugonis Dies.), Proc. Zool. Soc. 1859. Annais and Mag.
nat. bist. T. VI. p. 329.
Ebenso einen neuen Rundwurni aus dem Dickdarme des Ele-
phanten : Sclero Stoma sipuncuU forme- Ibid. p. 494.
Weitere neue Nematoden desselben Verf.'s : Ascaris Salvini aus
Oreophasis Derbianus , Asc. obconica aus Uranops jingulatus und Asc.
Boddaertii aus Herpetodryas Boddaerti. Proceed. Roy. Soc. 1860. Dec.
Annais and Mag. nat. bist. VII. p. 228.
Ein von Sp. Cobbold in der Giraffe aufgefundener und An-
fangs für neu (Tr. gracilis) gehaltener Trichocephalus wurde später
als Tr. affinis Rud. erkannt. Er besitzt eine lange, bald cylindrische,
bald auch flaschenförmig erweiterte Penisscheide, die ganz ebenso,
wie die Vagina des Weibes, mit kleinen rückwärts gekrümmten Spitzen
besetzt ist. Journ. proc. Linn. Soc. Vol. V. p. 256.
Nach Wyman soll bei Plolus Achinga unter der Dura mater
zwischen den grossen Hemisphären und dem kleinen Hirne (7 Mal in
8 Fällen) ein Gordius - artiger Parasit ohne Afteröffnung leben. Proc.
Bost. soc. n. bist. Vol. VII. p. 278-
Baird macht einige Mittheilungen über einen neuen Gordius
von kolossaler Länge (41 — 54"), der in den Wäldern Batchians (Mol-
luken) zwischen abgefallenem Laube lebt und von den Eingeborncn
Ular langit, d.h. Blitzschlange {G. fulgur Baird) genannt wird. Durch
Form und Dicke gleicht derselbe einer dünnen Violinseite. Leider
waren die (von Wallace gesammelten und eingeschickten) Exem-
plare getrocknet, so dass keine nähere Untersuchung derselben mög-
lich war. Annais and Mag. nat. h.st. 'f. VlI. p. 229.
2. P 1 a t 0 d e s.
Hirudiuei.
Leconte und Faivre veröffentlichen Etudes sur la
Constitution chimique des Clements et des tissus nerveux
chez la sangsue medicinale (Mem. soc. biol. 1857. p. 163 —
181), in denen sie den Einfluss verschiedener Reagentien
auf die Centraltheile und die peripherischen Anhänge des
Nervensystems schildern.
Bei Branchiobdella findet Leydig am Vorderrande des
Kopfes eine Anzahl heller starrer Borsten, die er als Tasl-
.,;..;,, der niederen Thiere Nvührend des Jahres 1860. 267
borsten in Anspruch nehmen möchte. Archiv für Anat. und
Physiol. 1860. S. 269. Anm. (Ref. kennt solche Gebilde
noch von vielen anderen frei lebenden Würmern, Chätopo-
den und Turbellarien, und hat auf deren weile Verbreitung
schon bei früherer Gelegenheit in diesen Berichten auf-
merksam gemacht, Bd. XXIV. S. 135).
Haughton liefert eine Abbildung und Beschreibung der bisher
in England noch nicht aufgefundenen Glossiphonia (Clepsine) margi-
nata, der er auch die Hirudo flava Dal. (J. B. XXV. S. 153) hinzu-
rechnen möchte, obwohl diese statt der zwei Augenpaare nur ein
einziges besitzen soll. Annais and mag. nat. bist. T. V. p. 248.
Tab. XVI.
Trematodes.
G. Wagener erörtert in einem ausführlichen Auf-
satze (Archiv für Anat. und Physiol. 1860. S. 768—793.
Tab. XVII und XVIII) den Bau und die Fortpflanzungsge-
schichte des merk^YÜrdigen Gyrodaclylus elegans, den wir
seit V. Siebold's bekannten Untersuchungen als ein am-
menartiges Geschöpf zu betrachten gewohnt sind, obwohl
wir die übrigen Arten dieses Geschlechts inzwischen als
geschlechtsreife ovipare Thiere kennen gelernt haben. Was
wir über die letztern wissen, verdanken wir, wenn auch
nicht ausschliesslich, so doch vorzugsweise gleichfalls den
sorgsamen Untersuchungen unserers Verf.'s , wie das im
Jahresber. für 1858 ausführlicher von uns berichtet wurde.
Aber erst durch die vorliegenden Angaben ist uns das Ver-
hältniss des Gyrodactylus elegans zu den letztern Arten klar
geworden. Der Vorschlag von Diesing, diese letzteren
unter dem Namen Dactylogyrus als Repräsentanten eines
eigenen Geschlechtes von dem Gyrodactylus elegans abzu-
trennen, erscheint jetzt als durchaus gerechtfertigt. Es ist
nicht bloss die Stellung der grossen Haken auf der Bauch-
scheibe, die den Gyrodaclylus elegans auszeichnet, sondern
namentlich auch der Bau der Geschlechtsorgane und die
Fortpflanzung, die so sonderbar ist, dass wir uns in der
ganzen Thierwelt vergebens nach einem zweiten derartigen
Beispiele umsehen. Doch davon spater. Einstweilen bloss
268 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
die Bemerkung-, (lass|Gyrodactylus einen einfachen Eierstock
(ohne Dotterstöcke) besitzt, aber keineswegs dabei der
männlichen Organe entbehrt, obwohl diese nach einem ganz
anderen Typus gebaut sind, als bei Dactylogyrus. Die Ent-
wickelung des befruchteten Eies geht im Innern eines
eigenen Uterus vor sich und führt noch vor vollständiger
Ausbildung des Embryo auf eine kaum genügend zu er-
klärende Weise zur Ausscheidung eines Embryo zweiter
und selbst dritter Generation, so dass man gelegentlich vier
in einander eingeschachtelte Thiere zu unterscheiden hat.
Der Gyrodactylus elegans findet sich auf den Kiemen
und Flossen zahlreicher Cyprinoiden, auch bei Esox, Ga-
sterosteus und vielleicht selbst bei Cyclopterus, wenn die
letztere Form nicht vielleicht verschieden ist. Die Grösse
beträgt ungefähr V2 Millimeter. Von Gestalt ist derselbe den
Dactylogyrusarten ähnlich, doch unterscheidet er sich leicht
durch die Bildung seiner Haftscheibe. Im Centrum der-
selben finden sich zwei grosse Haken mit einfacher Wurzel,
die an der Rückenfläche, wie am Bauche, durch eine quere
Klammer vereinigt werden und mit ihren Spitzen frei an
der Ventralseite hervorragen. Die Peripherie der Scheibe
ist mit 16 klauenförmigen Häkchen besetzt, deren zweilap-
pige Basis an der vorderen Wurzel mit einem langen Chi-
tinstabe in Verbindung steht, während die hintere Wurzel
dagegen eine kurze, schlanke Chitinöse trägt, an die sich
einzelne Muskelbündel ansetzen. Der Schlundkopf unseres
Thiers liegt, wie beiDipIozoon, frei im Innern einer eigenen,
durch eine^Querspalte geöffneten Höhle und kann aus die-
ser auch nach Aussen hervorgestreckt werden, wobei sich
dann die vorderen kegelförmigen Erhebungen, die v. Sie-
bold als einen Zahnapparat betrachtet, in Form von acht
schlanken Zipfeln aus einander legen. Ein kurzer Oeso-
phagus führt in den, wie gewöhnlich, zweischenkligen Darm,
dessen beide Schenkel sich dicht unter der Rückenfläche
an den Seiten des Thieres hinziehen und ungefähr auf der
Grenze des dritten Körpertheiles einander sich zuneigen.
In dem Zwischenräume der Darmschenkel liegt der mehr
oder minder stark ausgedehnte Uterus und Hoden, während
der niederen Thiere während des Jahres 1860. 269
der der Baiichfläclie angenäherte Eierstock grösstentheils
hinter dem Darmende gefunden wird. Das Gefässsystem
verläuft an der Bauchseite. Es besteht, wie bei Dactylo-
gyrus, aus vier Längsstämmen, die aber keine Quercom-
missuren haben und auch nur wenige Aeste abgeben. Kurz
vor dem oberen Ende der Saugscheibe vereinigen sich die
Längsstämme zu einem kurzen Centralkanale, dessen Aus-
mündung jedoch nicht beobachtet wurde. Ob ein Paar
seitlich auf der Haftscheibe zwischen dem vierten und fünf-
ten Randhaken befindlicher Oeffnungen dem Gefässsysteme
zugehört, muss einstweilen unentschieden bleiben. An
den Kopfrändern des Thieres liegen zahlreiche einzellige
Drüsen, deren lange Ausmündungsgänge in den Kopfzi-
pfeln ausmünden (wo Ref. auch bei Dactylogyrus das Se-
kret in Tropfenform austreten sah). Verfasser vergleicht
diese Bildungen mit anderen ähnlichen Organen, die bei
Cestoden undDislomeen an verschiedenen Stellen unter der
Haut gefunden werden. Das mit hellen Eizellen gefüllte,
hufeisenförmig gelappte, ansehnliche Ovarium mündet mit-
telst eines kurzen Ausführungsganges in das hintere Ende
des geräumigen Uterus, der ausser der Zeit der Trächtigkeit
einen wasserhellen, flüssigen Inhalt in sich einschliesst.
Vor seiner Einmündung hat der Eiergang auch den kurzen
Ausführungskanal des herzförmigen, bald mit Samenfäden,
bald auch mit Entwickelungszellen gefüllten Hodens aufge-
nommen. Die Einmündungssteile selbst springt papillenför-
mig in den Innenraum des Uterus vor. Auf den männlichen
Geschlechtsapparat wird noch ein eigenthümliches, bisher
übersehenes, penisartiges Organ bezogen werden müssen,
das dicht hinter dem Schlundkopfe, also weit von dem Ho-
den entfernt, gefunden wird und damit auch keinerlei di-
rekten Zusammenhang hat, nichtsdestoweniger aber wohl
schwerlich eine andere Bedeutung besitzen möchte. Das-
selbe besteht aus einem kleinen , kugligen Sacke, der den
am Grunde befestigten eigentlichen Penis in sich einschliesst,
wie die Mundhöhle den Pharynx, und dem sich drei ei-
genthümliche schlauchförmige (drüsige?) Organe anfügen.
Die OefTnung des Praputialsackes ist von 8 — 16 kleinen
270 L e u c k a r t : Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Häkchen umstellt, deren oberster sich vor den übrigen durch
seine Gestalt und Grösse auszeichnet. Das Ei von Gyro-
dactylus ist nach seiner Ablösung- eine durchsichtige Kugel
oder Zelle, deren Kern ganz wasserhell und scharf um-
schrieben ist und ein leicht opalisirendes Kernkörperchen
in sich einschliesst. Während dasselbe im Eileiter liegt,
verliert der Kernkörper, wohl in Folge der Befruchtung,
seine früheren bestimmten Umrisse, um sich später vollstän-
dig aufzulösen, worauf dann der Keimfleck eine trübe Be-
schaffenheit annimmt. Beim Durchtritte durch die papillen-
förmig vorspringende Oeffnung des Eileiters geht auch das
Keimbläschen verloren, und dann erscheint das Ei als eine
grosse , dunkel opalisirende Kugel von demselben gleich-
förmigen Aussehen, welches das Ei auch vor der Begattung
zeigte. Ohne vorhergegangene Kernbildung zerfällt diese
Kugel im Innern des Uterus nun zunächst in zwei Hälften.
Erst wenn das geschehen, bemerkt man im Innern der-
selben eine Anzahl kernartiger Bläschen mit Kernkörpern,
die sich durch Theilung zu vermehren scheinen und schliess-
lich durch die Oberfläche der Furchungskugel nach Aussen
durchbrechen. Bei diesem Durchbruche bleiben die Kerne
aber stets von einer dünnen Lage Dottersubstanz umgeben,
wie wenigstens daraus hervorgeht, dass man immer nur
Zellen an der Furchungskugel anhaften sieht. Die Zahl
dieser Zellen vermehrt sich, und bald wird die ganze Masse
der Furchungskugel von einer dichten Zellenschicht umla-
gert, die noch immerfort wächst, bis schliesslich del* ganze
Uterusraum davon erfüllt ist. In diesem Zustande reprä-
sentirt der Zellenhaufen bereits den Embryo, in dessen In-
nerm man aber immer noch die Reste der Furchungskugeln
in doppelter oder einfacher Anzahl antrifft. Sie finden sich
immer in der Gegend, wo man später den Uterus des Em-
bryo sich bilden sieht, und sind noch deutlich vorhanden,
wenn starke Vergrösserungen an dem unteren Ende des
zelligen , noch ganz ovalen Embryo bereits die Anfänge
der grossen Haken und den Kreis der 16 kleinen Spitzen
der Schwanzscheibe zeigen. Dies scheint aber der Zeit-
punkt ihrer weiteien Entwickeluug zu sein. Man findet
der niederen Thiere während dos Jahres 1860. 271
urn diese Zeit beständig nur einen der Ballen , an seinem
unteren Rande von Zellen umgeben, v.elche von dem Zel-
lenparenchym des Embryo durch eine feine elliptische Linie
abgegrenzt sind. Diese Zellen sind von verschiedener Grösse,
den ungleichmässigen Process der grossen Furchungskugeln
im Kleinen wiederholend. Später verschwindet der Fur-
chungskugelrest , wogegen der zugehörige ZellenhauTen
dann bereits zu einer eiförmigen Masse von verhältniss-
mässig ansehnlicher Grösse im Innern des Embryo heran-
gewachsen ist. Während der weitern Entwickelung biegt
sich der letztere zusammen, so dass die beiden Enden im
Hintertheile des Uterus neben einander zu liegen kommen
und mit ihren Bauchflächen sich berühren. Die innern
Organe setzen sich immer deutlicher gegen einander ab,
besonders Kopfdrüsen, Ovarium und Uterus. Der letzlere
schliesst einen Zellenhaufen in sich ein , der aller Wahr-
scheinlichkeit nach mit dem oben erwähnten Körper identisch
ist, und sich durch Entwickelung von Häkchen und Anlage
innerer Organe, besonders eines Eierstockes, bald als ein
Embryo im Embryo zu erkennen giebt. Und innerhalb dieses
Enkels lässt sich an der Stelle, wo der Uterus sich bildet,
auch schon ein anderer Zellenhaufen mit Hakenanlagen auf-
finden, ja selbst in diesem bereits eine elliptische Abgren-
zung entdecken, welche ebenfalls der Stelle entspricht, wo
der Uterus künftig erscheinen wird. Die Geburt tritt erst
ein, wenn der älteste Embryo mit allen Organen ausge-
stattet ist , sein Hoden bereits Samenfäden und sein Ei-
leiter ein Ei enthält. Nur die geringere Grösse unter-
scheidet denselben nach der Geburt von seiner Mutter. In
seinem Uterus sieht man , wie oben geschildert , deutlich
zwei in einander geschachtelte neue Generationen und in
günstigen Fällen selbst schon die Andeutung einer dritten.
Auf welche Weise die Existenz dieser eingeschachtelten
Embryonen zu erklären sei, wagt Verf. nicht zu entschei-
den. Gegen die Annahme, dass sie, wie der erste sie um-
hüllende Embryo, auf geschlechtlichem Wege entstanden
sind, spricht die Thatsache, dass die Bildung derselben
bereits zu einer Zeit geschieht, in der das ganze Paren-
272 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
chym noch zellig ist und von Hoden, wie Samenfäden noch
keine Spur gefunden wird. So bleibt denn nur die Ver-
muthung, dass diese eingeschachtelten Embryonen einer
Sporenbildung ihren Ursprung verdanken, die denn aller-
dings schon — wie wir das auch bei den Aphiden se-
hen — während des Embryonaliebens stattgefunden haben
müsste, oder, falls dem nicht so wäre, dass das Bildungs-
material derselben noch den ursprünglichen Dotterkugeln
angehört, gewissermassen ein noch unverbrauchter Rest
derselben ist, der von dem ersten Embryo aus umwachsen
wurde (wie das Owen bekanntlich zur Erklärung einer
jeden geschlechtslosen Fortpflanzung angenommen hat). Wie
oft dieser Act der endogenen Embryonenbildung sich wie-
derholt, ob in beschränkter, ob in unbeschränkter Zahl,
bleibt einstweilen natürlich dahingestellt. Verf. denkt an
die Möglichkeit, dass der zuinnerst liegende Embryo wäh-
rend seines Verweilens in dem mütterlichen Uterus oder
auch nach der Geburt seinen Brutraum mit einem befruch-
teten Ei füllt und bezieht sich dabei auf einen Fall , in
dem er nur einen einzigen (aber verbildeten) Embryo mit
entwickelten Geschlechtsorganen antraf, während es Ref.
viel glaublicher dünkt, dass Gyrodactylus während seines
Embryonallebens beständig eine ungeschlechtliche, später
aber nach der Geburt eine geschlechtliche Fortpflanzung
besitzt. In dem oben erwähnten einen Falle würde dann
die erste (ungeschlechtliche) Zeugung aus irgend einem
unbekannten Grunde ausgefallen sein.
Bradley beobachtet den Gyrodactylus elegans auch
in England auf den Flossen und der Körperoberfläche von
Gasterosteus und liefert davon eine kurze Beschreibung,
Journ. proc. Linn. Soc. Zool. Vol. V. p. 209. Später (ibid.
p. 257) wird die Bemerkung hinzugefügt, dass derselbe
Parasit auch bei anderen Süsswasserfischen vorkomme, selbst
auf Froschlarven und jungen Fröschen mehrere Wochen
lang sich halte. Bei dem Goldkarpfen fand Verf. eine
andere Art desselben Genus mit Augenflecken und stärker
entwickeltem Haftapparate, aber ohne Embryonen (und Eier),
denG. (Dactylogyrus) anchoratusDuj., wie vermuthet wird.
der niederen Thiere während des Jahres 1860. 273
Die unter dem Namen Dislomum appendiculatum bisher
zusammengeworfenen Distomumarten werden von Wage-
ner in einem eigenen, mit zwei schönen Tafeln ausgestat-
teten Aufsatze (Archiv für Naturgesch. 1860. S. 165—194.
Tab. VIII u. IX — deren Bezifferung übrigens verdruckt
ist) zum Gegenstande einer sorgfältigen Untersuchung ge-
macht. Als Resultat dieser Untersuchung ergiebt sich die
Thatsache, dass bis jetzt bloss vier Species mit zurück-
ziehbarem Schwänze bekannt sind, das Distomum ventrico-
sum R. , D. excisum R. , D. tornatum R. , D. rufoviride R.,
die sämmtlich im Magen verschiedener Knochenfische (aus
den Gen. Clupea, Pelamys, Scomber) leben und in ihrer
Organisation der Art unter einander übereinstimmen, dass
man sie im Systeme mit Fug und Recht zu einer gemein-
schaftlichen Gruppe vereinigen darf. Der Schwanz dieser
Arten ist trotz aller äusseren Aehnlichkeit mit dem Cerca-
rienschwanze bei näherer Vergleichung davon durchaus ver-
schieden, nicht bloss, weil er durch Hülfe eigener aus der
Längsfaserschicht des Körpers sich ablösender Muskelfasern
mehr oder minder weit sich zurückziehen kann, sondern
weiter auch desshalb, weil er von dem Stamme des excre-
torischen Gefässsystemes, das auf seiner Spitze sich öffnet,
durchsetzt wird. In der Mehrzahl der Fälle (ausgenom-
men bloss D. rufoviride, dessen Schwanzanhang von allen
die geringste Entwicklung besitzt) enthält derselbe auch
die hintere Hälfte der Darmschenkel und einen Theil des
Eierganges, bei D. tornatum selbst der Dotterstöcke, die
von unserem Verfasser übrigens als Eiweissdrüsen gedeutet
werden. Trotz der tiefen Einschnürung an der Basis des
Schwanzes müssen wir denselben unter solchen Umständen
als einen Theil des Körpers und nicht, wie bei den Cerca-
rien, als Anhangsgebilde in Anspruch nehmen. Wie die
äussere Bildung, so zeigt auch der innere Bau, und dieser
vielleicht in noch höherem Grade eine auffallende Ueber-
einstimmung. Wir heben in dieser Beziehung namentlich
die Thatsache hervor, dass der Keimstock (Eiweissdrüse)
unserer Thiere, statt, wie sonst, über den ganzen Körper
verbreitet zu sein, eine aus einer wechselnden Anzahl von
Archiv f. Nalurg. XXVII. Jalirg. 2. Bd. S
274 L c 11 c k a r t : Bericht über die Leistungen in der Katurgeschichte
(2 — 8) Säcken oder Schläuchen zusammengesetzte unpaare
Drüse ist, die nahezu in der Mitte des Körpers liegt. Im
Vergleiche mit den übrigen Arten hat diese Drüse eine
sehr geringe Entvvickelung, und das vielleicht im Zusam-
menhange mit der unbedeutenden Grösse der Eier, die wir
bei unseren Thieren finden. Auch der Eileiter ist verhält-
nissmässig einfach, ein geschlängelter Gang, der sich von
der Eivveissdrüse zunächst nach hinten wendet, hier eine
Schlinge bildet und dann zur Geschlechtsöffnung empor-
steigt. EineVesicula seminalis interna fehlt überall, obwohl
man bei lebenden Exemplaren an der Vereinigungsstelle des
Eiweissstockes mit dem Eierstocke ein lebhaftes Sperma-
tozoidengewimmel wahrnimmt. In allen Arten finden sich
zwei Hoden. Das Excretionsorgan, dessen Stamm bei D.
excisum mit einer Menge kleiner Ausbuchtungen versehen
ist (die aber auch bei anderen Arten vorkommen und vom
Ref. in sehr ausgezeichneter Weise z. B. bei dem kolossa-
len D. veliporum e Scymno nicaeensi gefunden wurden),
theilt sich vor der Mitte des Thieres in zwei Seitenzweige,
die sich über dem Kopfnapfe zu einer Schleife vereinigen.
Den bei der Beschreibung dieser Arten gelegentlich ein-
gestreuten Bemerkungen entnehmen wir die Thatsache, dass
das von den Muskelschläuchen umsponnene eigentliche Kör-
perparenchym , das die Eingeweide in sich einschliesst,
bei vielen Distomeen von einem sehr eigenthümlichen Bin-
degewebe ausgefüllt wird. Bei einer in Uranoscopus scaber
oft zugleich mit D. fallax vorkommenden Art beobachtete
Verf. den von v. Siebold beschriebenen Zusammenhang
zwischen Hoden und dem Anfangslheile des Eileiters, während
er sonst geneigt ist, die Existenz einer derartigen direkten
Verbindung zwischen den beiderlei Geschlechtsorganen in
Abrede zu stellen. Der Darm von Dist. nigroflavum zeigt
im gefüllten Zustande so starke Ausbuchtungen, dass man
dadurch an den verzweigten Darm des Dist. hepaticum oder
des Polystomum erinnert wird.
Die ausser den oben genannten vier Arten von Rudolphi
und Dujardin als Distomen mit zurückziehbarein Schwänze aufge-
führten Formen sind nach den von unserem Verf. besonders an Ru-
dolphi'schen Originalexemplaren angestellten Untersuchungen ent-
' der niederen Thiere während des Jahres 1860. 275
weder blosse Synonyme oder überhaupt keine Formen dieser Gruppe.
Zu den ersten gehören Dist. caudiporuni Rud. aus Zeus faber und
Dist. appendiculatum Rud. aus Trigla hirundo, Accipenser sturio,
Pleuronectes maxiinus , Osmerus saurus , Ophidium barbalum, Raja
clavata und R. marniorata, Centronotus glaucus und Zeus aper, die
sämnitlich zu Disl. rufoviride gehören, so wie Dist. ochraceum R.
und appendiculatum R. aus Clnpea alosa, D. crenalum R. aus Gaste-
rosteus aouleatus und D. appendiculatum R. aus Salmo salar, die mit
Dist. ventricosum übereinstimmen. Als durchaus davon verschieden
ergab sich Dist. clavatum Rud., von der Verf. eine hübsche Abbildung
in natürlicher Grösse zufügte, D. appendiculatum Rud. aus Ophidi Va-
salli, Pleuronectes flexus und Fl. passer, D. apertum Rud. aus Mullus
imberbis und Dist. (Gasterostomum) gracilescens Rud. , die sämnitlich
von unserem Verf. mehr oder weniger ausführlich, auch mit Rück-
sicht auf den inneren Rau, beschrieben werden. Gleichzeitig handelt
derselbe über die sonst bei den Pleuronectiden vorkommenden Di-
stomeen, deren er drei aufzählt und schildert: D. atomum Rud. (= D.
soleae Duj.?}, D, n. sp. aus PI. flesus und D. areolatum Rud. aus
PI. manca.
Die schon früher erwähnten Beobachtungen Steen-
strup's, die es wahrscheinlich machen, dass sich das Dist.
clavatum der Doraden direkt aus eingewanderten Cercarien
entwickelt, sind inzwischen auch in der Oversigt k. danske
videnk. selsk. Forhandl. 1859. p. 167—170 veröffentlicht
worden.
V. S i e b 0 1 d macht auf der Königsberger Naturforscher-
versammlung einige Mittheilungen über das Vorkommen von
Holostomum cuticula in den melanotischen Hautpusteln der
Cypriniden und schildert die muthmassliche Lebensgeschichte
dieses Parasiten. Amtl. Ber. 1860. S. 138.
Ueber die Kapseln desselben Parasiten und anderer
verwandten Formen aus den Muskeln (Hol. musculicola n. sp.)
und der Leibeshöhle der Cyprinen , so wie den Muskeln
von Perca fluviatilis (Distoma musculorum percaej handelt
Waidenburg 1. c. p. 1 — 16. Ebenso über die Kapseln
der Cercaria echinata aus Paludina vivipara, ibid. p. 24.
Cobbold berichtet über den Begattungsact zweier
Exemplare einer neuen Distomumart aus den Lebergängen
des amerikanischen rothen Fuchses, eine, so viel Ref. be-
kannt ist, noch niemals — bei hermaphroditischen Tremato-
276 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
den — beobachtete Erscheinung. Die Saugnäpfe der beiden
Individuen waren dabei so fest mit einander vereinigt, dass
eine Trennung ohne Verletzung der Thiere unmöglich war.
Journ. proceed. Linn. Soc. Zool. Vol. V. p. 255.
Leblanc und Faivre machen Miltheilungen über
die Eier von Distomum hepaticum aus der Gallenblase der
Schafe, die deren oftmals ungeheure Quantitäten enthält,
so öass schon das Aussehen der Galle dadurch alterirt
wird. (Compt. rend. Societe biol. 1856. p.l93). Ausser der
Schale glauben die VerfF. noch eine sehr zarte, dem Dotter
dicht anliegende innere Eihaut erkannt zu haben, doch lässt
die Beschaffenheit der Dotterelemente die Annahme zu, dass
diese innere Haut die Cuticula des bereits entwickelten Em-
bryo gewesen sei.
Nach den Beobachtungen Vulpian's lebt unter der
Zunge des grünen Wasserfrosches ein 6 — 12 Millimeter gros-
ses längliches Distomum, D. ovocaudatum n. sp., das mit
seinem Bauchsaugnapfe fest an der Schleimhaut ansitzt und
Myriaden gedeckelter Eier enthält, die am hinteren Ende
einen langen Schwanzfaden tragen. Der Embryo ist ohne
Cilien, aber dafür mit einem förmlichen Hakenkranze ver-
sehen. Cpt. rend. Soc. biol. 1858. p. 150 (Abbild, ibid.
1859. T. XI. Fig. 4.)
Steenstrup erwähnt bei Gelegenheit eines Vortrags
über Zwillingstrematoden eines Monostomum (?) gemella-
tum St., das eingekapselt auf den Nebenkiemen von Sphy-
raena Baracuda lebt, ohne davon jedoch eine nähere Be-
schreibung zu liefern. Videnskab. Meddelelser for Aaret
1859. p. 113.
Die Synopsis of the Distomidae von Spencer Cob-
bold (Journ. Proc. Linn. Soc. Vol. I. p. 1—56) enthält
eine Aufzählung der bisher bekannten Parasiten dieser
Gruppe, mit Angabe ihrer Wohnthiere, die Verf. auch bei
der Gruppirung der Arten mehr, als es sonst gewöhnlich
zu geschehen pflegt, berücksichtigt. Die Gesammtzahl der
hier aufgeführten Species beträgt 335, und verlheilen sich
diese der Art, dass das Gen. Fasciola 2, Campula 1, Distoma
(mit D. crassum Cobb. = D. Buskii, D. conjunctum n. sp.
der niederen Thiere während des Jahres 1860. 277
aus den Gallengängen von Canis fulvus) 178 — von denen
27 bei Säugethieren, 48 bei Vögeln, 29 bei Amphibien, 70
bei Fischen und 4 bei Wirbellosen vorkommen — , Bilhar-
zia 2, Köllikeria (n. gen.) 1, Crossoderma 5, Echino-
stoma 26 — von denen 15 bei Vögeln gefunden w^erden —
Gastrostoma 4, Wedlia (n. gen.) 2, Monostoma 46 — 8 bei
Säugethieren, 12 bei Vögeln, 11 bei Amphibien und 15 bei
Fischen — , Nematobolhrium 1, Eustemma 1, Holostoma 20,
— von denen 18 bei Vögeln — ^, Hemistoma 12, Diplo-
stoma 8, Rhopalophorus 2, Amphistoma 22, Amphiptyches 2
enthalten.
Das von ßusk in dem Dünndärme eines Lascar (in 14 Exem-
plaren) aufgefundene und hier zum ersten Male kurz charakterisirte
Dist. crassum trägt die Diagnose: Corpus planum, oblongum, utrim-
que obtusatum, inarmatum; os terminale, orbiculare; acetabulum ore
maius, superum, ad colli basin, apertura circulari. Longit. 3 — 3*/» unc.
lat. '/j — y4 unc, während für das Dist. conjnnctum, von dem Verf.,
wie schon oben erwähnt wurde , zwei Exemplare im ßegattungsacte
beobachtete, angegeben wird : Corpus planum, oblongum, antrorsum
sensim angustatum, utrimque obtusum; Collum continuum ; acetabu-
lum, ore pauIo maius, ad colli basin; aperturae genitales supra et
pone acetabulum. Long, '/i unc, lat. y^ unc.
Das Gen. Köllikeria wird auf Dist. Okenii Köll. (D. filicolle
van Bened.) gegründet und folgendermaassen charakterisirt: Sexus
discretus. Corpus maris filiforme, antrorsum clavatum , retrorsum
sensim attenuatum. Os acetabuliforme, orbiculare. Acetabulum ven-
trale sessile. Apertura genitalis inter os et acetabulum. Corpus fe-
minae antrorsum filiforme, clavatum, retrorsum subito increscens,
reniforme. Apertura genitalis inter os et acetabulum.
Ebenso wird das Gen. Wedlia nach Monostomum bipartitum
Wedl's (und M. faba Bremser) aufgestellt mit folgender Diagnose :
Corpus inerme, reniforme, lobatum ; aliquando antrorsum attenuatum,
apice incrassatum, clavatum, retrorsum subito increscens. Os termi-
nale, acetabuliforme. Acetabulum ventrale nuUum. Androgynum (?),
apertura genitali infra os. Oviparum, ovis non operculatis. Avium
incola et in cavo branchiorum piscium marinarum geminatim in fol-
liculis inclusa.
Cestodes.
Lücke macht ausführliche Mittheilungen über die che-
mische Beschaffenheit der Echinococcushäute (Virchow's
278 L e u c k a r t : Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Arch. Bd. 19. S. 189). Er besfäfigt die Angabe (von Fre-
richs), dass die Reactionen derselben weder mit den leiin-
gebenden, noch mit den Proteinkörpern übereinstimmen, sich
vielmehr am meisten den Chitinen anreihen. Durch Kochen
mit verdünnter , wie durch Stehenlassen mit concentrirter
Schwefelsäure und Einlegen in heisses Wasser gelang es,
sie zum Theil in Traubenzucker überzuführen. Trauben-
zucker scheint auch ein gewöhnlicher Bestandtheil der
Flüssigkeit in solchen Echinococcussäcken zu sein, welche
aus der Leber oder deren Umgebung stammen.
Nach Davaine verdanken die Erscheinungen der
Drehkrankheit bei den mit Coenurus behafteten Schafen
nicht dem Drucke des Blasenkörpers ihren Ursprung, wie
man bisher meist annahm, sondern dem Umstände, dass sich
die Köpfchen des Wurmes von Zeit zu Zeit nach Aussen vor-
stülpen und dann direkt auf das umgebende Nervenparen-
chym einwirken. De l'action du coenure sur le cerveau,
Mem. soc. biolog. 1857. p. 117. Es scheint übrigens, dass
diese Annahme weniger das Resultat einer direkten Be-
obachtung ist, als eine Schlussfolgerung, die sich darauf
stützt, dass der Echincoccus, dessen Köpfchen sich nicht
hervorstülpen können, niemals analoge Erscheinungen her-
vorruft. Ob dieser Schluss aber richtig ist, steht dahin.
Nach der Ansicht des Ref. liegt es eben so nahe, und
vielleicht noch näher, hier an die Thatsache zu erinnern,
dass der Coenurus die Fähigkeit einer kräftigen Peristaltik
vor Echinococcus voraus hat.
Crisp's Beobachtungen über Coenurus (Proc. ZooK
Soc. 1860. p. 185) sind Ref. nicht zu Gesicht gekommen.
Die Zweifel, die Davaine in seinem Werke über die
Helminthenkrankheiten an der Identität der Schweinefinne mit
der Taenia Solium ausspricht (p. XXVll), erklären sich aus
dem Umstände , dass dem Verf. die in Deutschland über
diese Frage angestellten Experimentaluntersuchungen gros-
sen Theils unbekannt geblieben sind. Es ist kaum einmal
nöthig, zur Abwehr dieser Zweifel auf das von Küchen-
meister jüngst (deutsche Klinik 1860. Nr. 20) an einem
Delinquenten angestellte neue Experiment zu verweisen, das
der niederen Thieie während des Jahres 1860, 279
ein so höchst cclalantcs RcsuKat hat. Besag^ter Delinquent
schluckte 127 und 72 Tage vor seiner Hinrichtung je 20
Exemplare von Cysticucus cellulosae in einer mit Wurst be-
legten Semmel und zeigte bei der Section 19 Stück Taenia
Solium, von denen 11 bereits mit reifen Gliedern versehen
w^aren, obgleich keines derselben mehr als 5 Fuss maass.
Den Cysticercus der Taenia mediocanellata glaubt der-
selbe Verf. mitten unter den gemeinen Finnen des Schwei-
nes gefunden zu haben (Cpt. rend. 1860. T. L. p. 367).
Wie derselbe beschaffen gewesen sei, wird freilich nicht
gesagt, es wird statt dessen auf das eventuelle Resultat
eines eingeleiteten Fütterungsversuches hingewiesen, von
dem aber bisher noch Nichts verlautet ist. Nach aller
Wahrscheinlichkeit ist das gefütterte Schweinchen gesund
geblieben, wie das auch Ref. bei seinen Fütterungen mit
T. mediocanellata passirt ist.
Nach einer Vermulhung von Hub er ist es überhaupt
nicht das Schwein, sondern das Rind, welches die Finne
der im südöstlichen Würtemberg fast ausschliesslich (stalt
derT. Solium) vorkommenden T. mediocanellata beherbergt.
13. Bericht des naturh. Vereins in Augsburg. S. 127. Und
diese Vermuthung ist, wie Ref. nach zwei inzwischen an-
gestellten Fütterungsversuchen hinzufügen kann, durchaus
begründet. Die T. mediocanellata entwickelt sich in den
Muskeln und den Eingeweiden des Kalbes zu einem Cysti-
cercus, der von dem Cyst. cellulosae durchaus verschie-
den ist.
Ah Taenia proglottina beschreibt Davaine (Traite etc. p. XXXIX)
eine kleine (kaum 1 Mm. grosse) viergliedrige Tänie aus dem Dünn-
darme des Huhnes, die ein mit etwa 80 Haken besetztes Rostellum
hat und sich dadurch auszeichnet, dass die Proglottiden sehr bald
nach ihrer Anlage sich loslösen und dann neben dem Wurme, von
welchem sie abstammen, zur doppelten Grösse desselben heranwachsen.
Taenia Cantaniana n. aus Meleagris gallopavo und T. imbvti-
formis n. aus Anas boschas von Pol o ni o Zcitschr, Lotos 1860. p. 22.
Ebendaselbst wird Diesing's Cysticercus sepiolae unter dem
IVanien Pseudoscicus longicollis zum Typus eines eigenen Genus
erhoben und folgendermaassen charakterisirt :
Vesica primaria^ oiembrauacea; pellucida^ albicans j aniiualcula
280 L e u c k a r t : Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
solitaria cysticerciformia ; caput tetragonum, acetabulis quatuor, pro-
boscide allongata, roslelluni uncinorum corona simplici, corpus sub-
ovale, terctiusculum vel depressiusculum. In cephalopodis pseudo-
parasita.
Auch eine neue Ligula beschreibt unser Verf., L. Panceri.
Dieselbe lebt, wie L. reptans Dies., unter der Haut von Schlangen
( IVatrix torquata), unterscheidet sich von der genannten Art aber
dadurch, dass sie eine Längsfurche trägt, vorn verschmälert und hin-
ten leicht gegliedert ist. Nach Verf. soll sie auch geschlechtsreif
sein, wenigstens Eier enthalten. A. a. ü. S. 179.
Tetrabothrium Gerrardii n. sp. aus Boa constrictor (die erste
Art dieses Genus aus einem Reptil) Baird, Proc, roy. Soc. 1860. Dec,
Annais and Mag. nat. bist. T. VIL p. 230.
Turbellarii.
van Beneden nimmt die seit längerer Zeit unter-
brochenen Recherches sur la fauna littorale de Belgique
wieder auf und liefert dieses Mal (Mem. de l'Acad. roy.
des sc. de Belgique T. XXXII) unter genanntem Titel eine
Beschreibung der von ihm an der Belgischen Küste beob-
achteten Turbellarien (Bruxelles 1860. 56 S. mit 7 Tafeln
in Quart). Der grössere Theil (p. 1 — 29) der Arbeit ist
der Gruppe der Nemertinen gewidmet und zwar den Genera
Nemertes (N. communis n. sp., N. flaccida Zool. Dan., N.
Quatrefagii n. sp.), Cerebratula (^C. Oerstedii n. sp.) und
Polia (P- involuta n. sp. P. obscura Schnitze , P. capitata
n. sp. und P. farinosa n. sp.), von denen das letztere
freilich in dem hier gebrauchten Sinne auch Prorhynchus
Schultze (P. involuta) und Telraslemma Oerst. enthält. Die
Organisation ist namentlich bei der ersten Art, die Ent-
wickelungsgeschichte bei Polia involuta untersucht worden.
Im Ganzen dienen die Angaben des Verf.'s zur Bestätigung
der Ansichten, die besonders seit Schultze's bekannten
Untersuchungen (in Deutschland wenigstens) eine allgemeine
Verbreitung gefunden haben. Nur im Einzelnen finden sich
Abweichungen. So lässt Verf. z. B. den Rüssel der Ne-
mertinen frei in der Leibeshöhle liegen und an der Kör-
perwand befestigt sein, während andere Beobachter denselben
in einen von besonderen Wandungen ausgekleideten Raum
der niederen Thicre während des Jahres 1860. 281
verlegen und eine Leibeshöhle den Nemertinen, wie den
übrigen PJaltwürmern, absprechen. Die Seitenschläuche des
Darmkanals mit ihrem Zellenbelag betrachtet der Verf. als
eine Leber. Besondere Flimmerkanäle werden in Abrede
gestellt, obwohl die Ausmündung von Gefässen in der Tiefe
der Flimmergruben bei einzelnen Arten erkannt wurde.
Die vorhandenen Kanäle gehören nach unserem Verf. alle
demselben Apparate an, doch lässt er es unentschieden,
ob dieser Apparat ein Blutgefässsystem oder ein Excre-
tionsorgan darstelle. Pulsationen wurden besonders an den
Scitengefässen gesehen, bei P. obscura auch der Inhalt des
Kanalapparates blutroth gesehen. Die Geschlechtsorgane
bestehen (auch bei der sonst mitProrhynchus übereinstim-
menden P. involuta) aus zahlreichen Säcken, die zwischen
die Leberschläuche sich einschieben und in ihrem Innern,
je nach den Geschlechtern, Samen und Eier, die letztern
in sehr wechselnder Menge , erzeugen. Die Oeffnungen
sollen erst durch Dehiscenz beim Austreten der Geschlechts-
stoffe entstehen, obwohl Verf. manchmal schon vorher, bei
den weiblichen Individuen, die ersten Zeichen der Embryo-
nalentwickelung beobachtet hat. Dass die Eier beim Able-
gen in längere oder kürzere Röhren eingeschlossen wer-
den, ist bekannt, aber weiter bestätigt unser Verf. auch die
(zuerst, soviel Ref. weiss, von Dalyell hervorgehobene)
Thatsache, dass viele Nemertinen Röhren bauen, wie die
tubicolen Würmer, bald festere, bald zartere. Von beson-
derer Dicke sind diese Röhren unter den hier in Frage
kommenden Arten bei Polia (Prorhynchus) involuta , die
zwischen den Afterbeinen des gemeinen Cancer maenas, be-
sonders der Weibchen, lebt und hier auch ihre Eischläuche
befestigt. Der Embryo dieser Schmarotzernemertinen trägt
ein provisorisches Flimmerkleid mit langem Stirnfaden.
Den Nemertinen (oder Teretularinen) wird übrigens
von unserem Verf. nicht bloss der bekanntlich zweige-
schlechtliche und mit After versehene Dinophilus vorli-
coides zugerechnet (p.29), von dem Verf. mittheilt, dass
er sich ohne alle Metamorphose entwickelt, sondern auch
die Vortex vitlata Lt. (p. 30 — 33) und das neue Allost o^
282 L e u c k a r t : Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
mum (n. gen.) pallidum n. sp. (p. 34 — 39), obwohl das
letztere nach den vorliegenden Angaben hermaphrodilischen
Geschlechts ist und auch des Afters entbehrt. Beides muss
Ref. nach seinen Beobachtungen übrigens auch für die —
wie Verf. hervorhebt, schon von Slabber gesehene und
abgebildete — Vortex vittata behaupten, bei der Verf. nur
durch Verwechselung des stark muskulösen Penis mit einem
Mastdarme zu einer abweichenden Ansicht gekommen zu
sein scheint. Die Entwickelung der V. vittata geht in fe-
sten blrnförmigen Kapseln vor sich, die mittelst eines dün-
nen Stieles auf den Eiern und Afterbeinen des Hummers
aufsitzen, und je eine Anzahl von Embryonen einschliessen,
die bis auf die fehlenden Geschlechtsorgane und Pigmenl-
binden bereits den Aeltern ähnlich sind. Auch die Eier
des den Opistomeen zugehörenden Gen. Allostoma entwickeln
sich ohne Metamorphose , in Kapseln, die gleichfalls an
fremden Gegenständen befestigt werden, aber immer nur ein
Ei enthalten. Von Geschlechtsorganen erkannte Verf. mit Si-
cherheit nur die Ovarien, die aus zwei seitlichen Schläuchen
bestehen. Aehnlich sollen auch die Hoden beschaffen
sein, doch giebt Verf. an, dass dieselben blosse Bläschen
enthielten , die erst nach der Uebertragung in ein beson-
deres Receptaculum je einen Samenfaden entwickelten. Im
Vordertheile des Körpers kommen ähnliche Bläschen vor,
die gleichfalls einen eingerollten, aber stärkeren Faden in
sich einschliessen. (Ref. hat bei seiner Vortex 4-oculata
== Pseudostomum foerense Schmidt ganz dieselbe Erschei-
nung beobachtet und, wie Verfasser, eine Zeitlang in die-
sen Gebilden die Samenfäden zu sehen gemeint.) Am
Hinterende beobachtete Verf. die einfache Ausmündung des
Excretionsorganes.
Die Mittheilungen über Planarien (p.40— 42) beziehen
sich auf Monocelis agilis Schultze, deren Hinterleibsende
fast saugnapfartig zur Befestigung dient, M. hyalina n. sp.,
Monostomum faroense Schm., Polycelis laevigata Quatref.
und Planaria littoralis Zool. Dan. Sie sind ziemlich dürftig
und enthalten als neu nur einige Notizen über die ersten
Jugendzustände von Monocelis hyalina.
der niederen Thiere während des Jahres 1860. 283
Das oben erwähnte Gen. Allostoma charaktcrisiit van Be-
neden (I.e.) folgendennaassen : bouche grande, transversale, s'ouvrant
loin en arriere ; hiilbc oesophagien voluniinenx, tres mobile, sous
forme d'un barillet gonfle ; quatre yeux distincts, assez rapprochcs
Tun de l'autre ä droit et ä gauche; des filaments Ires-gros et volu-
mineux, roules en spirale dans des vesieules ovales situces en avant,
ä cote des ganglions cerebranx. Sp. n. A. pallidum. Mit Vortex
4-oculatiis Lt. = Pseudostonuim faroense Schm. verwandt, aber durch
den tonnenförmigen Pharynx und die Lage des 31undes jenseits der
Körpermitte davon verschieden.)
In den Proceed. Zool. Soc. 1860. p. 37 veröffentlicht
Pease eine Beschreibung- von fünf neuen Planarien der
Sandwichs-Inseln, die nach Ansicht des Verf.'s. ein neues
Genus bilden sollen, wogegen Stimpson bemerkt (Silli-
man's Amer. Journ. 1860), dass die erste jener Arten zu
Stylochus, die zweite und fünfte zu Prothiostoma, die dritte
zu Thysanozoon und die zweite zu Eurylepta gehöre.
P. Wright beschreibt unter dem Genusnamen Dun-
lopea eine eigenthümliche Thierform, die sich durch gera-
den Darm und Abwesenheit eines Afters an die Turbella-
rien anschliesst und vom Verf. denselben auch (als Reprä-
sentant eine bes. Familie) zugerechnet wird , obwohl sie
sich durch ihre lang gestreckte, fast helminthenartige Form
und die Abwesenheit von Cilien (die freilich zweifelhaft
wird, da Verf. blosse Spiritusexemplare untersuchte) von
denselben unterscheidet. Die Diagnose lautet:
Dutilopea n. gen. Body flattened , ribbon-like, transversely
wrinkled, one poition gradually tapering to a tail-like extremity,
the other tapering but slightly and ending by projecting on each
side, some what in the form of the head of the zygaena malleus. No
eye-spots nor apparent anal orifice. Mouth (?) situated on the ventral
portion, about midway between the two extremities in the midst of a
four- er flve-lobed foliaceous appendage, strongly resembling the bran-
chiae of Doris. Living in the earth and crawling in damp weather on
the ground.
Verf. kennt bis jetzt drei Arten dieses sonderbaren
Wurmes, D. ferudpoorensis n. sp. , aus Indien, D. Grayia
aus China und D. Condorea ebendah. Nach xMittheilungen
von Cantor, der die zweite Art entdeckte und in dem
British Museum deponirte , sollen ähnliche Formen in dem
Naga-Gebirge und in Bengalen unter Steinen leben. Der
284 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Wurm dürfte überhaupt wohl weiter in den tropischen Ge-
genden verbreitet sein und kaum etwas Anderes vorstellen,
als eine Landplanarie, deren gestreckte Formen schon sehr
lange bekannt sind. Erst im letzten Jahresberichte haben
wir solche Formen zu erwähnen Gelegenlieit gehabt und
darunter eine, die nach Gestalt und Kopfform mit Dunlopea
so vollständig übereinstimmt, dass man sich des Gedankens
einer generischen Identität nicht erwehren kann. Wir
meinen das Gen. Sphyrocephalus Schmarda (= Bipalium
Stimps.).
3. Ciliati.
Rodferi.
Dybowski beobachtete die bisher noch unbe-
kannten Männchen von Conochilus volvox und giebt an, die-
selben jederzeit und immer zu mehreren (2—5) in jeder
Colonie gefunden zu haben. Dieselben sollen den Männchen
der Polyarthra platyptera ähnlich sein und bei erster Be-
trachtung an eine Vorticella erinnern. Die Samenfäden
gelangen bei der Begattung in die Leibeshöhle der Weib-
chen und wurden hier bald beweglich, bald auch zusam-
mengeballt und bewegungslos gesehen. Trotz der Anwe-
senheit der Spermatozoen produciren die weiblichen Cono-
chilen aber keine Wintereier (wie es nach den Beobachtungen
Cohn's, J. B. XXIL S. 393 der Fall sein müsste), sondern
lebendige Junge. Verf. glaubt überhaupt die neue Lehre
von der Parthenogenesis anzweifeln zu müssen. Er stellt
die Beweiskraft der hierüber vorgebrachten Angaben in Ab-
rede und sucht andere , die sich nicht abläugnen lassen,
dadurch zu erklären, dass er die spontan sich entwickeln-
den Keime für Sporen, also für ungeschlechtliche, d. h.
keiner Befruchtung bedürfende Zeugungsstoffe in Anspruch
nimmt. So sind z. B. die sog. Drohnenmütterchen und
auch die Drohnenköniginnen der Bienen nach unserem Verf.
keine Weibchen, sondern geschlechtslose Wesen, welche
Sporen statt der Eier produciren (aber Sporen, die ganz
wie Eier gebaut sind, die eine Mikropyle haben, ganz wie
der niederen Thiere während des Jahres 1860. 285
Eier entstehen und bei den Bienenköniginnen , bei denen
dieselben schon vor der Begattung angelegt sind , auch
wirklich zu Eier werden, wenn Befruchtung eintritt!!).
Solche Sporen will Verf. neben den befruchtungsbedürftigen
Eiern auch den Rotiferen zugestehen. Conimentationes de
parthenogenesi specimen. Dissert. inaug. Berol. 1860.
Bryozoa.
Durch Fr. Müller in Desterro wird die Aufmerksam-
keit der Zoologen auf eine (trotz ihrer vielleicht weiten
Verbreitung) bisher übersehene Einrichtung der Thierstöcke
gelenkt, auf die Existenz eines Colonialnervensystems, das
den ganzen gemeinschaftlichen Stock durchzieht und in die
Einzelthiere sich fortsetzend jene wunderbaren, in einander
greifenden Bewegungen erklären dürfte, die man so oft an
derartigen Geschöpfen wahrnimmt. Der Nachweis dieses
Nervensystems ist unserem Verf. übrigens bis jetzt erst
in einzelnen vorzugsweise zur Gruppe der Ctenostomata
gehörenden Bryozoen gelungen. Mit besonderer Klarheit
lässt sich dasselbe bei einer neuen Art des Gen. Serialaria
(S. Coutinhii n. sp.) auffinden, und hier schildert es der
Verf. als einen ziemlich starken Stamm, der tief unten mit
einem ansehnlichen Ganglion beginnt, die Länge der ein-
zelnen Zweige nach oben zu durchsetzt, sich dann in Aeste
theilt und mit diesen in das unlere Ende der hier entsprin-
genden Stengelglieder eintritt, um die eben beschriebene
Bildung von Neuem zu wiederholen. Dazu kommt noch
weiter ein von dünneren Fäden gebildeter Plexus, der dem
ebenbeschriebenen Nervenstamme aufliegt und besonders
im oberen Ende der Zweige zu einer ansehnlichen Ent-
wickelung gelangt. Durch Hülfe dieses Plexus werden
theils die Basalganglien in den einzelnen Zweigen einer
Gruppe unter sich verbunden, theils auch die Einzelthiere
dem colonialen Nervensysteme untergeordnet, indem die
in dieselben eintretenden Zweige in der Basis gleichfalls
zu einem Ganglion anschwellen. Der Zusammenhang die-
ses basalen Knotens mit dem bekannten Oesophagealgang-
286 Leuckait: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
lion der Einzelthiere Hess sich bisher noch nicht mit Si-
cherheit nachweisen, doch orlaubt Verf. einen Zweig des-
selben deutlich bis zum Darme verfolgt zu haben. In
Betreff des Gesammtbaues unserer Serialarien bemerken wir,
dass Verf. in Uebereinstimmung mit der vom Ref. aufge-
stellten und auch von ihm bereits auf die Bryozoen über-
tragenen Lehre vom Polymorphismus nicht bloss die (den
Stamm und die Zweige aller Ordnungen gleichmässig zu-
sammensetzenden) Stengelglieder, sondern auch die zur Be-
festigung dienenden Wurzelfäden, die bald endständig sind
und dann statt der sonst meist zu dreien neben einander
entstpringenden Zweige sich entwickeln , bald auch unre-
gelmässig zwischen den Thierzellen hervorknospen, mit den
letztem als morphologische Aequivalente zusammenstellt.
Nicht bloss, dass sich alle drei bei ihrer ersten Bildung durch
Nichts unterscheiden , ihre Uebereinstimmung wird auch
dadurch bewiesen, dass die Wurzelfäden ganz wie die
übrigen Glieder mit einem Basalganglion und einem davon
ausgehenden Nervenfaden versehen sind. (Archiv für Na-
turgesch. 1860. I. S. 311— 319. Tab. XIII.)
Nach den Beobachtungen von W. Houghton ist
Fredcricella sultana im Gegensatze zu den übrigen Süss-
wasserbryozoen der gemässigten Climate ein perennirendes
Thier. Damit steht wahrscheinlicher Weise auch die schon
von A lim an bei dieser Art hervorgehobene geringe Ent-
wickelung der Wintereier im Zusammenhange. Annais and
mag. nat. bist. Vol. VI. p. 389.
Wie wir früher die Existenz der Süsswasserbryozoen
in Ostindien hervorheben konnten, so sind wir jetzt auch
im Stande, über deren Vorkommen in Australien eine IVJit-
theilung zu machen. D'Oyly H. Aplin fand in der Nähe
von Melburne, im Yarra-FIusse unter Steinen eine Pluma-
tella, die mit Fl. emarginata Allm. sehr nahe verwandt
schien. Ann. and Mag. nat. bist. Vol. VI. p. 454.
Unsere Kenntnisse über marine Bryozoen sind von
Busk und Hincks bereichert worden. Der Erstere be-
schreibt eine Anzahl neuer, von Barley an der Schotti-
schen Küste gesammelte Arten, während der Andere den
der niederen Thiere während des Jahres 1860. 287
Irischen Formen seine Aufmerksamkeit zuwendet (Journ.
mikr. soc. 1860). Aus Schottland werden beschrieben und
abgebildet:
Flnstra Barlei, Membranipoi'a cornigera, M. vulnerattty M. mi~
nax, Lepralia siriuosa (1. c. p. 123—125. PL XXIV u. XXV), L. Bar-
lei, L. canlhariformis, L. iimbonata, L. bella, L. discoidca (ibid.
p. 143—145. PI. XXV u. XXVII), Bicellaria Alderi, Onchopora hovea-
lis, Lepralia monodon , Pustulipora orcadensis (ibid. p. 213 u- 214.
PI. XXVIII u. XXIX), sämmtlich neu.
Dazu weiter von Irland: Membranipora imbellis n. sp., Lepra-
lia alba n. sp., L. eximia n. sp., L. discoidea Bk., L. Woodiana ßk.,
Lepralia Landsbovovii Johnst., Cellepora artnata n. sp., C. avicularis
n. sp. (ibid. p. 275—278. PI. XXX).
IL E c Ii i n 0 d e r m a t a.
1. Scytodermata.
Nach den Beobachtungen von Sars (Forhandl. Vi-
densk. Selsk. Christiana 1860. p. 11) existiren zwischen
Chirodota pellucida Vahl und Ch. laevis Fbr. gewisse Ver-
schiedenheiten, die es zweifelhaft machen, dass diese beiden
Arten, wie man bisher anzunehmen geneigt war, iden-
tisch sind.
2. Actinozoa.
Bronn unterscheidet in der Abtheilung der Echino-
dermata 5 Klassen : die Blastoidea (durchaus fossil, Penlre-
miten), Crinoidea, Asterioidea, Echinoidea und Scytodermata.
Klassen und Ordnungen des Thierreiches S. 179 ff.
Grube beschreibt „neue oder weniger gekannte See-
sterne und Seeigel« (Nova Acta Acad. C. L.-C. Vol. XXVII.
1860. 50 Seiten mit 3 Kupfertafeln), meist nach Exemplaren,
die von Eschscholtz auf seiner zweiten Reise gesam-
melt sind und im Dorpater zoologischen Museum aufbe-
wahrt werden.
In dem Berichte über die niederen Thierformen an der
288 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Küste Romsdals (Nyt Mag. I.e.) zählt Sars im Ganzen 21
Echinodermen auf: 6 Holothurien, 2 Echiniden, 5 Asteriden
(unter denen eine neu : Pedicellaster typicus)^ 8 Ophiuriden.
Foot beobachtet an der Westküste Irlands ausser dem
hier in Steinhöhlen lebenden Echinus lividus, noch Uraster
rubens, Luidia frag-ilisslma und Holothuria nigra (?). Nal.
bist. rev. T. VII. Proceed. Soc. p. 394.
Echioida.
Lea schliesst sich der Ansicht von Cailliaud an,
dass die in Steinhöhlen lebenden Seeigel ihre Wohnungen
mit den Zähnen ausarbeiten, und berichtet nach einer brief-
lichen Mittheilung des Letzteren, dass ein Seeigel in dem
Zeitraum einer Stunde ein Loch von 5 Mm. Tiefe und 40 Mm.
Umfang zu graben im Stande sei. Proceed. Acad. nat. sc.
Philad. 1860. p. 149.
Frauen feld beobachtete auf den Nikobaren einen
kleinen Seeigel, der in mehr oder weniger (bis zu 4") tie-
fen sackartigen Löchern lebt, die an ihrem geschlossenen
Ende weiter, als an ihrem Ausgange waren. Verhandl. des
zoolog.-botan. Gesellsch. in Wien 1860. S. 371.
Ein von Howard Steward beobachtetes und kurz
beschriebenes Exemplar von Echinus Flemmingii besass auf
den Genitalplatten statt der gewöhnlichen einfachen OefFnung
eine kleine von 5 Oelfnungen umgebene Papille. Nur eine
Platte machte hiervon eine Ausnahme, die neben der Madre-
porenplatte gelegene, die nur drei solcher Oeffnungen zeigte.
Die Beziehungen derselben zu dem Ausführungsgange der
Geschlechtsorgane Hessen sich leider , da das Exemplar
schon ausgeweidet war, als die Abnormität entdeckt wurde,
nicht mehr feststellen. Annais and Mag. nat. bist. T. V.
p. 343.
Von einzelnen Arten ist zu erwähnen:
Echinometra Mathei Bl. Grube a. a. 0. S. 41.
Eucope quinqueloba Esch. (= E. Valenciennesii Ag.) Rio-Ja-
neiro, Grube ebendas.
Brissiis panis n. sp, (durch Grösse und Bau mit Br. ventricosus
und Br. carinatus verwandt) Grube ebendas. S. 47. Tab. III. Fig. 5, 6.
der niederen Thiere während des Jahres 1860. 289
Asterida.
Wilson unterzieht das Nervensystem und die Sin-
nesorgane der Asteriden (Solaster papposa, Cribella ocu-
lata, Uraster rubens) einer näheren Untersuchung und liefert
dadurch eine willkommene Bestätigung und Ergänzung der
im letzten Berichte von uns angezogenen Beobachtungen.
Man kann hiernach nicht länger zweifeln, dass die Ambu-
lacralnerven, die bei den Asteriden bekanntlich dicht unter
der häutigen Auskleidung der Ambulacralrinne hinlaufen,
in ihrer ganzen Länge mit Ganglienkugeln belegt sind und
zahlreiche feine Fäden nicht bloss nach den Seiten, son-
dern auch nach oben an die darüber liegenden Einge-
weide austreten lassen. Die Ganglienkugeln sind meist uni-
polar und an den oralen Enden zu einem förmlichen
Ganglion zusammengehäuft. Auch der Oesophagealring, der
diese Nerven zu einem gemeinschaftlichen Systeme verei-
nigt, zeigt Ganglienkugeln und Seitenäste, doch spärlicher,
als die Ambulacralstämme. Das hintere Ende der letztern
versorgt zweierlei Sinnesorgane , das zusammengesetzte,
von Ha ekel genau geschilderte Auge und einen eigenen
fühlerartigen Ambulacralfuss, der oberhalb des Auges an-
gebracht ist und niemals zum Kriechen verwendet wird.
An die Einzelaugen sah Verf. je eine Nervenfaser heran-
treten (Solaster). Die Zwischensubstanz hat eine körnige
Beschaffenheit; dass sie einen Theil des Nervenapparates
ausmache, scheint Verf. kaum anzunehmen, doch spricht
er sich darüber nicht mit Bestimmtheit aus. Man möchte
übrigens fast vermuthen, dass sie contractile Elemente in
sich einschliesse, wenn man liest, dass nicht bloss der Bulbus
im Ganzen bewegt wird, sondern auch die Einzelaugen
ihre gegenseitige Stellung auf das Manchfaltigste wechseln.
Die Zahl dieser Einzelaugen wächst mit zunehmendem Alter.
Zur Erweiterung und Verengung der Ambulacralrinne dient,
wie wir gelegentlich erfahren, ein besonderer Muskelap-
parat, der von glatten, zwischen den einander gegenüber-
liegenden Ambulacralplatten ausgespannten Muskelfasern
gebildet wird. Bei der in Folge eines zufälligen Verlustes
Archiv für Naturg. XXVII. Jahrg. 2. Bd. T
290 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
bekanntlich eintretenden Neubildung der Arme wird auch das
Auge mit dem Ambulacralnerven neu gebildet. Die Skelet-
stücke, die in den neuen Armen entstehen, haben Anfangs
eine bloss fibröse Beschaffenheit, die erst später der Ver-
kalkung Platz macht. Transact. Linn. Soc. Vol. XXIII. P. 1.
p. 107—123. Tab. 13—15.
Nach den Beobachtungen von Sars (Skand. naturf.
möde i Kjöbenhavn 1860. p. 583) sind die sog. Tracheen
von Pteraster nicht einfache Röhrchen, sondern keulenför-
mige, rundum von kleinen Nebensäcken besetzte Gebilde,
ganz wie die sog. Kiemen von Echinus, mit denen sie auch
wohl in functioneller Beziehung übereinstimmen möchten.
Ebenso eigenthümlich ist der Umstand, dass die sonst so
schwer aufzulindenden Genitalöffnungen hier (bei Pt. pul~
villus n. sp. und Pt. militaris) durch die beträchtliche Grösse
von 1 Mm. sich auszeichnen. Sie liegen paarweise neben
einander in den Interradialräumen und führen zunächst in
den durch Koren und D a n ielssen bekannt gewordenen
Brutraum , der zwischen die beiden Rückenhäute unserer
Seesterne sich einschiebt. (Es wäre mit Rücksicht auf diese
Beobachtung gewiss von Interesse, die Grösse der von Pte-
raster producirten Eier zu kennen, über die weder Sars,
noch Koren und Danielssen Etwas angeben.)
Lütken wendet, wie früher den Ophiuriden, so jetzt
den Ästenden seine Aufmerksamkeit zu und verbreitet sich
in einer ausführlichen, für die zoologische Kenntniss, wie
die Geschichte der Arten sehr wichtigen Abhandlung (na-
turh. foren. Videns. Meddel. 1859. 72 Seiten) über die Mit-
tel- und Südamerikanischen Seesterne, so weit ihm solche
(besonders durch die Sammlungen von Oersted und
Riise) zugänglich waren.
Die betreffenden Arten sind: Luidia clathrata (Say) St. Thomas,
L. tesseliata Ltk. (= Petalaster Colunibiae Gray ?) Puntarenas und Rea-
lejo, L. alternata (Say) St. Thomas, L. Marcgravii Stps. i. litt. (= L.
senegalensis M. Tr.) Cotinguiba, Astropecten antillensis Ltk. (= A.
brasiMensis M. Tr. ?) St. Thomas, A. variabilis Ltk. (= A. Valencien-
nei M. Tr.?) St. Croix und St. Thomas, T. Oerstedii Ltk. (= A. eri-
naceus Gray?) Realejo, Asteriscus brasiliensis Ltk. (= A. niinutus
M. Tr. ?, von Möbius inzwischen als A. stellifer beschrieben) Rio-
der niederen Thiere viährend des Jahres 1860. 291
Janeiro, A. folium Ltk. (= Artocreas minimum ex ins. Thomae Seba)
St. Thomas, A. chilensis Ltk. (= A. calcaratus Phil.?) Valparaiso,
Oreaster gigas L. (= 0. reticulatus M. Tr.) St. Thomas, Goniodiscus
armatus Ltk. (= Paulia horrida Gray?, von Möbius inzwischen als
G. conifer beschrieben) Realejo und Puntarenas, üphidiaster ornitho-
pus Val.) St. Thomas, 0. flaccidus Ltk. (= 0. Guildingii Gray?) St.
Thomas, 0. porosissinius Ltk. (= pyramidatus Gray?) Puntarenas, Echi-
naster spinosus M. Tr. St. Thomas, E. brasiliensis M. Tr., Asteracan-
thion mexicanus n. sp. , A. lenuispinus (Lmk.) Bermudas. Der aus-
führlichen Beschreibung ist vom Verf. jedesmal eine kurze lateinische
Diagnose vorausgeschickt. Von besonderem Interesse ist die Beob-
achtung, dass Oreaster gigas in seiner Jugend einem Astrogoniura
gleicht und zw^ar so vollständig, dass man ihn ohne Kenntniss der
Mittelformen unbedingt diesem letzteren Genus zurechnen würde.
Von Grube werden a. a. 0. folgende Seesterne diagnosticirt und
beschrieben : Astropecten ciliatus n. sp. aus Puerto Cabello, Asteropsis
imbricata n. sip. von Sitcha, Tab. II. Fig. 5, Scytaster cancellatus n. sp.
Tab. I. Fig. 3, Echlnaster thplanatus n. sp. Tab. I. Fig. 5, E. rigidus
n. sp, Tab. I. Fig. 4, alle drei von Eschscholtz gesammelt, ohne
Angabe des Fundorts, E. lacunosus n. sp. , wie «die erste Art durch
platte Gestalt von den übrigen Echinasterarten verschieden, Oreaster
lapidarius Gr. (=Seba's Stella marina maxima), Asteracanthion mar-
garitifer M. Tr. aus Sitcha, A. camtschaticus ßrdt, A. helianthoides Br.
mit IG — 21 Strahlen und einem Durchmesser von 10 — 14 Zollen,
aus Sitcha.
Lorenz zählt in einer Abhandlung über die Seesterne des
Quarnero (Sitzungber. der Wiener Akademie. Math.-naturw. Kl. 1860.
Bd. XXXIX. S. 367 ff. mit Abb.) unter 9 Asteriden als neu auf: Aste-
riscus ciliatus, der mit A. minutus und noch mehr mit A. verruculatus
M. Tr. verwandt ist.
Weitere neue Arten sind :
Asterias (Asteracanthion) sertulifera, Heliaster microbranchia,
H. Kuhinyi nn. spp. von St. Lucas, beschrieben von Xantus Proc.
Acad. Philad. 1860. p. 568.
Echinaster Doriae, E. tribulus, Astropecten aster nn. spp. aus
dem Mittelmeere, de Filippi, Rev. et mag. de Zoolog. 1859. p. 63.
Astropecten tenuispinus Kor. Dan. gehört nach den Untersu-
chungen von Sars (I. c.) dem. Gen. Archaster an.
Das neue Gen. F edicellast er Sars wird folgendermaassen
charakterisirt : Discus parvus ; brachia quinque elongata, cylindrico-
conica. Pedes suctorii in sulcis ambulacralibus latis biseriales , cy-
lindrici apice hemisphaerico et disco suctorio ornato. In cute dorsali
rete calcareum continuum, spinas minutas singulas gerens ; intervalla
292 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der Katurgeschichle
felis calcarei cule nuda tecla , in qua pedicellariae forcipalae plures
maxirnae dispersae sunt. Spinae ad sulcos ambulacrales , in scutis
adanibulacralibus insidcntes, niaiores, biseriales, in ipsis sulcis nullac.
Anus subcentralis seu paullulum excenlricus. Tessala niadreporiformis
margini disci vicina. Sp. P. typicus Sars, JNyt Mag. Bd. XI.
Ophiurida.
Nach einer Miltheilung Ehrenberg's (Verhandl. der
Berl. Acad. 1860. S. 756) hat man bei Gelegenheit der zur
Legung eines neuen transatlantischen Telegraphen ange-
stellten Sondirungen in der Nähe von Grönland aus einer
Tiefe von nahezu 7560 Fuss mehrere lebende Ophiuren
(Ophiocoma) hervorgezogen.
Unter den von Lorenz (a. a. 0.) im Quarnero aufgefundenen
sechs Ophiuriden wird als neu aufgeführt : Ophiolepis stenura.
Grube beschreibt a. a. 0. Ophiocoma serpentaria Bl. var. n.
allernans (mit Abweichungen in Scheibenform und Anordnung der
Stacheln), 0. variabilis n. sp. Insel Voahu (zumeist mit 0. Schönleinii
verwandt) Tab. IL Fig. 4, Ophiolepis limbala n. sp. Rio-Janeiro, 0.
sexradia n. sp. Honolulu (mit 6 Armen) Tab. III. Fig. 3, Ophiothrix
alba n. sp. aus dem stillen Meere Tab. III. Fig. 4, 0. longipeda
Lam. var., Grube a. a. 0.
Amphiura abyssicola n. sp. Sars 1. c. (ohne Beschreibung und
Diagnose).
Lyman setzt seine Untersuchungen über Ophiuriden
fort und beschreibt (Proceed. Bost. S'oc. n. h. T. VII. p. 255
bis 262) folgende neue Arten:
Ophiothrix dumosa San Diego Calif., 0. magnifica Peru, Ophiura
Holmesii Charleston , Ophiocoma Alexandri Acapulco , Ophionereis
Xantusii St. Lucas, Oph. porrecta Florida?, Ophioderma Caryi St.
Franzisco Cal.
Ophioderma serpensLülk. hält Lyman für identisch mit Ophiuren
brevispina Say, wie derselbe denn auch weiter den Versuch macht,
die übrigen Ophiuren Say's auf die heutige Nomenclatur zu reduciren.
Astrophyton Caryi n. sp. von San Franzisco ebendas. S. 425.
3. € r i u 0 i d e a.
Adler erwähnt das Vorkommen der Comatula Sarsii
Kor. et Dub. in den Brittischen Meeren und findet die Ver-
schiedenheiten derselben von Com. rosacea Forb. Vorzugspreise
der niederen Thiere während des Jahres 1860. 293
in der geringen Menge und der schlanken Form der die
Rückencirren zusammensetzenden Glieder, so wie in der
Zweizahl der Endklauen an denselben. Annais and mag.
nat. hist. T. V. p. 74.
Chapman beschreibt eine neue Art des fossilen Ge-
nus Agelacrinites (A. Billingsii) und sucht nachzuweisen,
dass dasselbe eine eigene Familie (die der Thyroidea) bilde,
welche von den Cystideen sowohl nach den Echiniden,
wie nach den Ästenden hinführe. Annais and mag. nat.
hist. T. VI. p. 157—162.
III. Coelenterata.
Bei Gelegenheit des letzten Berichtes befand sich Ref.
in der für ihn so angenehmen Lage, den Beifall und die
Anerkennung hervorzuheben, die seine Ansichten über die
Morphologie und die systematische Stellung der Coelente-
raten in immer weiteren Kreisen gefunden haben. Heute
hat er über ein Verdammungsurtheil zu berichten. Und
dieses Urlheil kommt von Seiten eines Mannes, der den
Versuch gemacht hat, die Grundsätze der naturhistorischen
Systematik principiell zu entwickeln, von einem Coryphäen
unserer Wissenschaft, dessen Wort um so schwerer wiegt,
als er die Echinodermen und Akalephen schon seit lange
einer genauen und umfassenden Untersuchung gewürdigt hat.
Wir würden es berücksichtigen müssen, wenn es nur ne-
benbei gesprochen wäre. Um so mehr aber jetzt, wo es
in ausführlicher Weise, durch eine eingehende Analyse der
Morphologie der Radialen, motivirt wird.
Der dieses Urtheil gefällt hat, ist kein Geringerer, als
Agassiz. Schon bei der Anzeige des ersten Bandes der
berühmten Contribulions to the natural history of Ihe united
States (J. B. XXlll. S. 225) haben wir denselben als einen
Gegner unserer Coelenteraten kennen gelernt. Seitdem ist
die Opposition noch entschiedener geworden. Während
früher noch mehrfach die nähere Verwandtschaft der Poly-
294 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
pen und Akalephen zugestanden und nur deren Abtrennung
von den Echinodermen als eine Uebertreibung getadelt
wurde, ist gegenwärtig, in dem dritten, den Akalephen
gewidmeten Bande des genannten Werkes — der zweite,
der über Schildkröten handelt, lag ausserhalb des Berei-
ches unseres Berichtes — nirgends mehr von einer solchen
näheren Beziehung die Rede. Polypen, Akalephen und
Echinodermen sind nach den gegenwärtigen Ansichten des
Verf.'s drei völlig gleichwerthige Gruppen, die der Ab-
theilung der Cuvier'schen Radiaten zugehören und hier
eben so viele einzelne Klassen bilden. Die vom Ref. vor-
geschlagene Vereinigung der zwei erstgenannten Gruppen
zu einer eigenen, von den Echinodermen verschiedenen
Hauptabtheilung verstösst nach dem Urlheile unseres Verf.'s
gegen einen der gewichtigsten Grundsätze der Systematik,
nach welchem wir nur da zur Aufstellung einer solchen Ab-
theilung berechtigt sind, wo es sich um einen neuen Organi-
sationsplan handelt, nicht aber da, wo bloss in der Aus-
führung des Planes gewisse Unterschiede obwalten. Und
die Verschiedenheiten jener drei Gruppen sind nach der
Auffassung des Verf.'s blosse Modifikationen eines gemein-
schaftlichen Grundplanes. Die Züge dieses Organisations-
planes sprechen sich nicht bloss in der charakteristischen
Eigenthümlichkeit des radiären Baues (idea of radiation)
aus, nicht bloss in der gesetzmässigen Wiederholung einer
grösseren Anzahl identischer Abschnitte (spheromeres) im
Umkreise der Körperachse, sondern auch, wie unser Verf.
behauptet, in der gleichmässigen Anlage der inneren und
äusseren Organe. Diese Angabe zu begründen vergleicht
Agassiz das ambulacrale Gefässsystem der Echinodermen
(in Uebereinstimmung mit v. S i e b o 1 d j dem gastrovasculären
Apparate der Akalephen und die Tentakel der letztern den
Ambulacralfüssen. Allerdings muss derselbe dabei zuge-
ben, dass das ambulacrale Gefässsystem der Echinodermen
zu dem Verdauungsapparate in einer anderen Beziehung
steht, wie der Gastrovasculiirapparat der Akalephen (und
Polypen), allein diese Verschiedenheiten sollen durch Zwi-
schenformen ausgeglichen werden , sich also auf blosse
der niederen Thiere während des Jahres 1860. 295
graduelle Un terschiede zurückführen lassen. Als beson-
ders überzeugend verweist Verf. auf das Verhalten bei
gewissen platten Seesternen (Echinarachnius) , bei denen
der Darmkanal nach seinen Untersuchungen durch ein fei-
nes Gefässnetz direkt mit dem Ambulacralsysteme com-
municire.
Nach den Ansichten unseres Verf.'s haben wir es bei
den (geschlechtsreifen) Radiaten überall mit einer centralen
Verdauungs - Höhle und mit radiären Anhangskanälen zu
thun, die nur in Bezug auf die Art und den Grad ihrer
Entwickelung verschieden sind. Bei den Polypen stehen
die letzten als geräumige Taschen mit dem Centralraume
in einem weiten Zusammenhange , während sie bei den
Akalephen (bei allen? auch bei Pelagia, Aegina u. s. w. ?)
als dünne Canäle nur durch enge OefFnungen in denselben
einmünden und bei den Echinodermen endlich meist voll-
ständig davon abgetrennt sind. Aut solche Weise erhält
der Verf. in seinen drei Klassen eben so viele verschie-
dene Modifikationen resp. Steigerungen eines gemeinschaft-
lichen Typus (vgl. bes. p. 64 ff.).
Merkwürdiger Weise hat Agassi z bei seinem Ver-
fahren ein wichtiges Moment ausser Acht gelassen. Er
spricht von dem verdauenden Centralraume der Radiaten,
als wenn dieser überall dasselbe Gebilde repräsentire.
Allerdings, der betreffende Raum ist überall Verdauungs-
höhle, dass aber dieser Umstand über die morphologische
Natur desselben nicht entscheidet, kann unser Verf. , der
sogar die Mundöffnungen der verschiedenen Thiertypen für
differente Gebilde erklärt und je nach ihrem Vorkommen
bei einem Wirbellhiere u. s. w. mit besonderem Namen (den
Mund der Radiaten z. B. als Actinostome) bezeichnet wis-
sen will, am wenigsten in Abrede stellen. Nun aber ist
der verdauende Centralraum der Akalephen und Polypen,
in welche die peripherischen Taschen oder Canäle einmünden,
offenbar, wie auch von unserem Verf. an mehreren Stellen
seines Werkes gelegentlich anerkannt wird, die Leibes-
höhle des radiären Körpers (spherosome), und zwar zunächst
nur ein Theil dieser Leibeshöhle, indem die radiären An-
296 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
hänge, deren Ursprung auf eine mehrfach wiederholte
lamellöse Erhebung der peripherischen Leibeswand zurück-
geführt werden muss, demselben Höhlensysteme zugehören.
Es bedarf aber wahrlich keiner allzutiefen Untersuchungen
über den Bau der Echinodermen, um zu der Ueberzeugung
zu gelangen, dass bei den letzteren ganz andere Verhält-
nisse obwalten. Der verdauende Raum ist hier ein be-
sonderer von der Leibeshöhle verschiedener Apparat, dem
man höchstens das sog. Magenrohr der Polypen vergleichen
könnte (das übrigens von unserem Verf. als der nach Innen
umgeschlagene Mundsaum in Anspruch genommen wird).
Die ambulacralen Gefässe, die bei Echinarachnius damit im
Zusammenhange stehen sollen, erscheinen eben so wenig
als integrirende Theile der Leibeshöhle, sondern überall
als eigene Gebilde , die trotz der von unserem Verf. so
vielfach und so stark betonten Aehnlichkeit mit dem Ga-
strovasculärapparate in morphologischer Hinsicht — wie
namentlich auch die Entwickelungsgeschichte beweist —
nicht die geringste Verwandtschaft besitzen. Die Existenz
dieses Ambulacralapparates hat schon J.Müller als die
wichtigste Eigenthümlichkeit der Echinodermen hervorge-
hoben. Auch Ref. weiss demselben Nichts Analoges an
die Seite zu stellen , auch nicht bei den Würmern, denen
sich die Echinodermen (durch die Gephyreen) vielleicht am
meisten annähern, jedenfalls mehr, als den Coelenteraten,
obgleich Agassiz wiederholt erklärt, dass flie platten
Seeigel eigentlich nichts Anderes als verkalkte Scheiben-
quallen seien. Dass das gesammte vegetative Höhlensystem
einer Meduse von der Leibeshöhle gebildet wird, während
sich bei den Echinodermen im Innern der Leibeshöhle
eine ganze Reihe der verschiedensten vegetativen Organe
^vorfindet, gilt dem Verf. weniger, als gewisse oberflächliche
Aehnlichkeiten in der Form und der Verbreitung einzelner
Organe. Diese Aehnlichkeiten zu wirklichen Homologieen
stempeln zu wollen, zeugt von einer weit grösseren Ueber-
schälzung anatomischer Merkmale, als man sie Ref. zum
Vorwurfe machen kann , wenn er die Gruppe der Coelen-
teraten nach wie vor als einen besonderen Typus der Thier-
der niederen Thiere während des Jahres 1860. 297
weit in Anspruch nimmt. Dass die Coelenteraten radiär
gebildet sind, wie die Echinodermen, kann in dieser Auf-
fassung- Nichts ändern. Wir wissen ja, dass die Wirbel-
Ihiere, die doch ein Jeder als Repräsentant eines beson-
dern Typus in Anspruch nimmt, in ähnlicher Weise durch
den seitlich symmetrischen Bau ihres Körpers mit den Ar-
ticulaten und Mollusken übereinstimmen , die wir doch
gleichfalls als Hauptabtheilungen unseres Systemes zu be-
trachten gewohnt sind. Construiren wir einen Kreis der
Radialen, so können wir consequenter Weise daneben nur
noch einen zweiten Thierkreis zulassen, den der bilateralen
Geschöpfe. Und diese beiden Kreise wären überdiess nicht
einmal streng von einander geschieden. Denn ebenso, wie
sich bei zahlreichen Radialen, was auch Agassiz aner-
kennt, gewisse Züge einer seitlichen Symmetrie entdecken
lassen, ebenso und noch allgemeiner lassen sich bei den
bilateralen Thieren vielfache Züge eines radiären Baues auf-
finden. Ich verweise hier auf die Wiederholung der Seg-
mentanhänge bei den Würmern in dem Numerus 4, auf die
Bildung der Wirbel bei den Vertebraten , deren Anhänge
(Neurapophysen, Haemapophysen, Pleurapophysen) eine ent-
schieden radiäre Anordnung zur Schau tragen, auf die Schup-
penstellung am Schwänze der Schlangen und Eidechsen u. s. w.
Es scheint allerdings, als wenn Agassiz die Unterschiede
der Radialen und Bilateralen für grösser ansieht, als man
es sonst gewöhnlich zu thun pflegt. Die morphologische
Achse des radiären Körpers hält derselbe nämlich nicht,
wie das z. B. Ref. gethan hat, für die Längsachse, sondern
— offenbar mit Rücksicht auf die (irreguläre) Bildung der
Spatangiden — für eine Verticalachse, die mit der Längs-
achse einen rechten Winkel bilde (p. 174). Die im Um-
kreise dieser Achse gelegenen Sphäromeren sind demsel-
ben desshalb auch keine Analoga der beiden Körperhälften
eines bilateralen Thicrcs, sondern Abschnitte, die weit eher
den Segmenten eines Articulatenkörpers sich vergleichen
lassen. Bei einer derartigen Auflassung gewinnt der ra-
diäre Bau nun allerdings eine etwas andere Stellung in
der Ihierischen Architektonik, aber eine solche, die er wohl
298 Leuckarl: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
schwerlich wird behaupten können , da die Vergleichung-
der Holothurien mit den Würmern die Berechtiffunff jener
Auffassung mehr als verdächtig macht.
Ebenso wenig, wie die Rehabililirung der Cuvier'-
schen Radialen kann Ref. die Beibehaltung der Cuvier'-
schen Klasse der Akalephen gulheissen. Wenn man auch
Alles, was Verf. über die morphologischen Beziehungen
zwischen den Ctcnophoren und Discophoren sagt, als tref-
fend zugiebt, so folgt daraus doch noch keineswegs, dass
diese beiden Gruppen einer gemeinschaftlichen Klasse zu-
gehören. Ref. hat schon vor vielen Jahren den Versuch
gemacht — . was unserem Verf. entgangen zu sein scheint
— die zwischen den Ctenophoren und Anthozoen (Actinien)
obwaltenden Homologien festzustellen; er hätte darauf hin
mit gleichem Rechte ebenfalls beide Gruppen derselben
Klasse zurechnen können. Von Huxley ist das später
(mit besonderer Rücksichtnahme auf die Auseinandersetzun-
gen des Ref.) geschehen , allein das Eine so gut, wie das
Andere scheint dem Ref. in Anbetracht der vielfachen
Eigenthümlichkeiten in dem äusseren und inneren Baue der
Ctenophoren verfehlt und unzulässig. Aber noch weniger
kann Ref. unserem Verf. darin beistimmen, dass er die
Discophoren (Akalephen unseres Berichtes) von den übrigen
Hydrasmedusen abtrennt und in der Klasse der Akalephen
hiernach die Ctenophoren, Discophoren und Hydroiden als
Ordnungen unterscheidet (p. 41 ff.).
lieber die Einzelnheiten des Agas si z'schen Akale-
phensystemes werden wir später an den geeigneten Stellen
noch ein Mehreres nachtragen, wie wir denn dort auch die
Specialuntersuchungen des Verf.'s über die Ctenophoren,
die dem allgemeinen Theile des Werkes (p. 156 — 301) fol-
gen, näher zu berücksichtigen haben. Einstweilen wollen
wir nur noch so viel erwähnen, dass der allgemeine Theil
ausser den systematisch - morphologischen Auseinandersez-
zungen über Akalephen im Allgemeinen ,(p. 36 — 124) und
einem kurzen Capitel über die zeitliche und räumliche
Vertheilung derselben (p. 125 — 129) eine vollständige Ge-
schichte der Entdeckungen über diese Thiere von den alte-
der niederen Thiere während des Jahres 1860. 299
sten Zeiten an (p. 1—35) und eine Uebersicht über die
hauptsächlichsten Akalephensysteme (p. 129 — 155) enthält.
Die den bis jetzt erschienenen zwei Lieferungen beigegebe-
nen 19 lithographischen Tafeln gehören zu dem Schönsten
und Werth vollsten, was wir überhaupt an iconographischen
Darstellungen niederer Thiere besitzen, und zeugen in glei-
cher Weise von der Meisterschaft sowohl des Forschers,
wie des Künstlers (Sonrel). Uebrigens beziehen sich nur
die drei ersten dieser Tafeln auf die Ctenophoren, die übri-
gen auf die Discophoren und Hydroiden, also auf Gruppen,
die erst in den späteren Lieferungen des A gassiz'schen
Werkes ihre specielle Behandlung finden werden. Dass
dieselben schon jetzt publicirt sind, erklärt sich theils aus
den Verhältnissen des buchhändlerischen Betriebes , theils
auch daraus, dass viele der hier abgebildeten Arten und
Entwickelungsformen bereits in dem allgemeinen Theile des
Werkes von unserem Verf. angezogen sind. Allerdings
sind zur Erläuterung des Textes auch zahlreiche Holzschnitte
beigedruckt, allein diese bieten doch keineswegs die an-
schaulichen Bilder der angehängten Tafeln. Uebrigens lässt
die Fülle der auf letzern gegebenen Abbildungen uns schon
jetzt einen Blick in den Reichthum der Beobachtungen
und Entdeckungen unseres Vcrf.'s thun und den Wunsch
einer baldigen Fortsetzung der Lieferungen doppelt leben-
dig werden.
Nach Bronn muss man in der Abtheilung der Coe-
lenteraten (a. a. 0.) vier Klassen unterscheiden: die Cte-
nophoren, Medusen, Hydren und Polypen. Es versteht sich,
dass die Hydren dabei, wie die Polypen, als ausgebildete
Geschlechtsthiere, und nicht als geschlechtslose Träger ses-
siler Genitaiknospen angesehen werden, da sie im letztern
Falle den Medusen überwiesen werden müssten.
Sars' Beobachtungen über Nordische Coelenteraten
(Videnskabs selskabs. Forhandl. i Christiana 1860. p. 140—157
oder Skandin. naturf. möde i Kjöbenh. 1860. p. 690— 698)
betreffen Siphonophoren ( Physophora ) , Lucernarien und
Polypen und werden an den betreffenden Stellen besonders
von uns angezogen werden.
300 L c u c k a r t : Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
1. Ctenophora.
Der specielle Theil des oben erwähnten Ag-assiz'-
schen Werkes über die Akalephen ist, so weit er bisher
erschienen (p. 156 — 301. Tab. I u. II mit IIa) den Rippen-
quallen gewidmet. Er beginnt mit einer Auseinandersetzung
der allgemeinen morphologischen Verhältnisse (p. 155-— 173),
behandelt darauf die Frage nach der Eintheilung der Rip-
penquallen in Unterordnungen (p. 174 — 186) und Familien
(p. 187 — 202) und geht sodann zur Darstellung der von
unserem Verf. beobachteten nordamerikanischen Arten über
(p. 202—288). Zum Schlüsse findet man eine systematische
Aufzählung der bis jetzt bekannten Rippenquallen (p. 289 —
296) und Bemerkungen über deren geographische Verbrei-
tung (p. 297 — 301). Unter den hier speciell in Bezug auf
Bau und Lebensweise beschriebenen Arten sind ausser den
schon früher von unserem Verf. (J. B. XX. S. 407) aus-
führlich dargestellten Pleurobrachia (Cydippe) rhododactyla
Ag. (p. 208—248) und Bolina alata (p. 251— 268) noch zu
nennen: Bolina vitrean.s^., Mnemiopsis Gardeni n. gen.
et n. sp. (p. 269), Idyia roseola n. sp. (p. 272 — 286), l.
cyathina n. sp. (p. 287), Idyopsis Clarkii n. gen. et n. sp.
(p. 288).
Dass Agassiz die Achse des radiären Ctenophoren-
körpers (actinal axis) nicht als Längsachse gelten lässt,
sondern als Verticalachse, ist schon oben gelegentlich her-
vorgehoben. Die wirkliche Längsachse soll diese unter
rechtem Winkel schneiden und durch die Form des Mundes,
so wie die Abplattung des Wagens vorgezeichnet sein,
wesshalb unser Verf. dafür die Bezeichnung coeliac diameter
in Vorschlag bringt. Es ist dieselbe, die man als Dorso-
ventraldurchmesser (Sagittaldurchmesser H e n 1 e's) betrach-
ten muss, sobald man, wie es Ref. durchaus gerechtfertigt
erscheint, die durch beide Pole hindurchgelegte Achse der
Längsachse der seitlich symmetrischen Thiere identificirl.
Allerdings erscheinen bei dieser Auffassung Rücken und
Bauch der Rippenquallen ohne Verschiedenheiten, allein das
ist ein Verhalten, das man bei allen Slrahlthieren lindet
der niederen Thiere während des Jahres 1860. 301
und — mit mehr oder minder grossen Störungen — auch
bei zahlreichen Bilateralen nachweisen kann, wie z. B. bei
den Chätopoden („Rücken- und Bauchanhänge") und den
Fischen (in der Bildung der Schvvanzwirbelsäule). Der La-
teraldurchmesser (transverse or diacoeliac diameter), der
bei anderen Radiaten dem Sagitlaldurchmesser vollständig
gleicht, ist bei unseren Rippenquallen durch manchfache
Eigenthümlichkeiten ausgezeichnet, wie es denn schon seit
den Untersuchungen von Mertens bekannt ist, dass un-
sere Thiere mehrfache Züge einer mitunter sogar sehr ex-
quisiten bilateralen Symmetrie besitzen. In der Richtung
dieses Lateraldurchmessers findet man nicht bloss die bei-
den gemeinschaftlichen Stämme der acht Rippengefässe (Am-
bulacralgefässe Ag.) , sondern auch die Tentakel wie die
sog. Coeliacalgelässe, die bei allen Arten, auch bei den Be-
roiden, an der Wand der Verdauungshöhle nach dem Munde
zu emporsteigen. Bei Cestum ist der Lateraldurchmesser
stark verkürzt, bei den Mnemiiden dagegen mehr oder
weniger verlängert.
Was der Verf. früher als Muskelfasern beschrieb, die
das hyaline Körpergewebe durchsetzten, glaubt er jetzt als
die Wandungen colossaler Spindelzellen erkannt zu haben,
die in bestimmter, ziemlich complicirter Weise an einander
angelagert seien und das gesammte Parenchym des Cte-
nophorcnkörpers bildeten. Ein besonderes Muskelgewebe
wird trotz der Contractilität des Körpers, die auch bei der
Orlsbewegung vielfach in Betracht kommt, auf das Be-
stimmteste geläugnet. Auch über das Nervensystem der
Ctcnophoren ist unser Verf. im Unklaren. Er giebt aller-
dings jetzt zu, dass die Otolithenblase ein Sinnesorgan sei,
das den Randkörperchen der Medusen entspreche (und
wahrscheinlicher Weise als Auge fungire) , lässt auch die
Möglichkeit offen , dass der kugelförmige Körper , dem
dieses Organ aufsitzt, dem Nervensysteme zugehöre, be-
streitet aber nach wie vor die Existenz von Nerven, die
(nach Milne Edwards, Ref., Gegenbau r) davon ab-
gehen. Was man dafür gehalten habe, seien besondere
Flimmerrinnen, die von den apicalen Enden der Flimmer-
302 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
rippen bis in die Nähe des Sinnesorganes hinliefen. (Frü-
her glaubte Verf. hier eine Anzahl dünner Verbindungs-
kanäle zwischen dem Trichlerende und den Rippengefässen
gefunden zu haben.) Die Tentakel stehen, nach den Be-
obachtungen unseres Verfassers, mit dem Gefässapparate
niemals in Zusammenhang, obwohl an ihre Basis — mit
Ausnahme von Cestum Uef. — ein eigener Seitenzweig
hinantritt. Sie sind nicht einmal hohl, sondern durchaus
solide, mit einem Achsenstrange versehen, auf dem eine
dichte Lage von Nesselzellen (lasso-cells) aufliegt. Diese
letztern werden von Agassiz' Mitarbeiter, Prof. Clark
(p. 237), als runde Kapseln beschrieben, die von körniger
Substanz (vielleiclit, nach Ref., einem Ueberrest der ursprüng-
lichen Bildungszellen) umgeben sind und an dem einen
Pole eine ziemlich grosse und klaffende Oeffnung besitzen.
Aus dieser Oeffnung tritt ein Nesselfaden von ansehnlicher
Dicke und einer verhältnissmässig nur unbedeutenden Länge
hervor, der in dem gegenüberliegenden Pole auf dem Boden
der Kapsel befestigt und während der Ruhe in ziemlich
dichten und regelmässigen Spiralwindungen zusammenge-
legt ist. Die Geschlechtsorgane entwickeln sich erst spät
im Jahre, obgleich die jungen Rippenquallen überwintern,
und erscheinen als beuteiförmige Ausstülpungen der Rip-
pengefässe , die eine zweizeilige Anordnung besitzen und
in ihrem Inneren die Geschlechtsstoffe hervorbilden. Wie
schon Will nachgewiesen hat, sind dieselben an der einen
Seite des Rippengefässes Hoden , an der anderen dagegen
Eierstöcke. Besondere Ausführungsgänge fehlen. Die Ge-
schlechtsstoffe gelangen nach ihrer Reife frei in das Höh-
lensystem und von da nach der Befruchtung (bei Idyia) durch
Aufbrechen des Körperparenchyms an dieser oder jener
Stelle nach Aussen. Die Entwickelung ist von unserem
Verf. bei mehreren Arten verfolgt worden. Sie geschieht,
wie wir schon lange wissen, auf direktem Wege, ohne
Generationswechsel, (den Verfasser übrigens früher an-
nahm). Einstweilen erfahren wir freilich nur wenio- über
die Entwickelung unserer Thiere, kaum mehr, als die That-
sache, dass die Flimmerrippen bei den Jugendformen weit
der niederen Thiere während des Jahres 1860. 303
kürzer sind, als im ausgebildeten Zustande und von dem
hinteren Pole immer weiter nach vorn hin wachsen. (Das
Gen. Medea wurde vom Verf. als Jugendform von Idyia
erkannt.) Ein Weiteres hat sich Verf. für eine spätere
Gelegenheit vorbehalten. Dass die Ctenophoren eine unge-
schlechtliche Fortpflanzung besitzen, wie Mac Cready
anzunehmen geneigt ist (J. ß. XXVIl. S. 167), stellt Verf.
in Abrede. Verslümmelte und zerschnittene Individuen blei-
ben allerdings eine lange Zeit hindurch am Leben, aber
eine Ergänzung der einzelnen Theile oder gar ein Auswa-
chsen derselben wurde niemals beobachtet (p.l73).
Die vom Ref. vorgeschlagene Einlheilung der Rippen-
quallen in Eurystomala und Stenostomata wird vom Verf.
verworfen. Die Gruppe der Eurystomata bleibt allerdings
(mit verändertem Namen als Eurystomeae) beibehalten,
anstatt der Stenostomata aber substituirt Verf. die — übri-
gens gleichfalls vom Ref. unterschiedenen — Gruppen der
Lobatae (Eucharidae Ref.) und Saccatae (Cydippidae Ref.),
von welchen letzteren später (p. 212) noch das Gen. Cestum
als Repräsentant einer besonderen Gruppe der Taeniatae
abgetrennt wird. Durch die Vereinigung dieser letzleren
Gruppen in eine gemeinschaftliche Abtheilung beabsichtigte
Ref. die ihnen allen gemeinsam zukommenden Eigenthüm-
lichkeiten in der Bildung des Magens und des Gefässsy-
stemes auszudrücken, Eigenthümlichkeiten, die bei einer
Vergleichung mit den Eurystomeae sehr auffallend hervor-
treten , trotzdem aber von Agassiz zur Unterscheidung
von Ordimngen nicht für ausreichend gehalten werden.
Das hindert freilich nicht, dass unser Verf. seine vier
Gruppen auf viel speciellere Unterschiede hin als eben so
viele Unterordnungen in Anspruch nimmt, und durch wei-
tere Dataillirung in eine Anzahl von Familien zerfällt, deren
Repräsentanten früher nicht einmal generisch unterschieden
wurden. So nimmt Verf. in der Unterordnung der Eury-
stomeae die Familien der Rangiidae (mit dem Gen. n. Ran-
gia = Idya dentata Less.) , Neisidae (mit Neis Less.) und
Beroidae an, in der der Saccatae die Familien der Callia-
niridae, Cydippidae (zu denen u.a. die neuen Gen./forwit-
304 L e u c k a r t : Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
pÄor fl = Cydippe hormipliora Gegenb. und C. plumosa Sars,
Dryodora =z Mertensia Gegenb.) und JVlertensidae (mit
Owenia^ Gegenbauria n. g. = Eschscholtzia cordata,
Martensia n, g. = Bcroe octopteraMart., Mertensia Less.
gehören), in der der Taeniatae nur eine Familie der Cestoi-
deae, in der der Lobctae endlich die Familien der Calym-
midae, Mnemiidae, Bolinidae und Euramphaeidae.
Das Gen. n. Idyopsis charakterisirt sich durch die kurze,
fast kuglige Form des Leibes, durch stärkere Verkürzung des Seiten-
durchmessers und kantenartige Entwickelung der Flimmerrippen.
Bei dem Gen. n. Mnemi op sis sind die Aurikel von an-
sehnlicher Grösse und die Flimmerrippen bis an das vordere Ende
der grossen Körperlappen verlängert.
Das von Gegenbau r unter dem Genusnamen Sicyosoma be-
schriebene eigenthümliche Thier — nach Krohn eine pelagische
Jugendform von Actinia sp. — hält Verf. für die Larve von Cestum
(p. 198). In Betreff dieses letztern Genus mag hier übrigens dem Zwei-
fel unseres Verf.'s gegenüber die Bemerkung erlaubt sein, dass die
Flimmerrippen hier wirklich nur in vierfacher Zahl vorhanden sind.
Sie stehen unterhalb einer wulstigen Verdickung des hinteren Kör-
perrandes und lassen sich jederseits bis an die Enden des bandför-
migen Körpers verfolgen. Von da beginnt eine von zwei vorsprin-
genden Lippen begrenzte Furche, die an dem vorderen Korperrande
in ganzer Länge bis zur Mundöffnung hinläuft. Die Lippen enthalten
je ein Längsgefäss (unteres Randgefäss) , das aus dem oralen Ende
der beiden Magengefässe — deren Existenz Agassiz mit Unrecht
bezweifelt — hervorkommt und in den Seilenrändern des Körpers
mit den Rippengefässen zusamnienfliesst.
2. Uydrasmedusae.
Nach Jäger ist der sogen. Generationswechsel der
Medusen weniger der gleichnamigen Erscheinung anderer
Thiere, als dem Entwickelungsgange der phanerogamischen
Pflanzen zu vergleichen. Wie die Blüthe zur Pflanze, so
verhält sich auch die Meduse zu ihrem Hydraspolypen,
nicht bloss in genetischer Hinsicht, weil beide durch Kno-
spung entstehen, auch nicht bloss wegen der in beiden
Fällen gleichmässig stattündenden Geschlechtsentwickelung,
sondern vorzugsweise aus morphologischen Gründen. Jäger
theilt nämlich die Auff'assung von Reichert, nach welcher
der niederen Thiere während des Jahres 1860. 305
der Körper der Meduse ein Compositum aus mehreren In-
dividum ist, er unterscheidet sogar, wie in der Blüthe meist
mehrere Blattkreise, so auch bei der Meduse meist mehrere
Individuenkreise: den Individuenkreis des Mantels, dessen
(vier) Glieder, wie die Blätter einer verwachsenen Blu-
menkrone, unter sich zusammenhängen, und den Indivi-
duenkreis des Magenstieles, der bald nur von einem Indi-
viduum repräsentirt wird , bald auch wieder eine Zusam-
mensetzung aus mehreren Individuen erkennen lässt. Nach
dieser Auffassung sind die des Glockenmantels entbehrenden
Geschlechtsknospen von Coryne , Hydractinia u. a. Blüthen
ohne Perigon und die medusoiden Schwimmglocken der
Siphonophoren Analoga der sterilen Blüthen. Da zwischen
Pflanzenstock und Polypenstock dieselbe Uebereinstimmung
herrscht, so sind die Dimorphäen im vollsten Sinne des
Wortes „Zoophyten", und der genetische Process, der ihrem
Generationswechsel zu Grunde liegt, kann gewiss nicht
treffender benannt werden, als mit dem Namen Anthogenesis.
Wiener Sitzungsber. des Math.-nat. Classe Bd. 39. S. 338.
Bonplandia 1860. S. 153. (Ref. fügt hinzu, dass die Ana-
logie zwischen dem Generationswechsel der Medusen und
dem Vegetationsprocesse der phanerogamischen Gewächse
auch vor Jäger schon von verschiedenen Seiten hervor-
gehoben ist.)
Acalephae.
Wenn Agassiz, wie das oben angedeutet wurde,
die echten Scheibenquallen in einen gewissen Gegensatz
zu den übrigen Hydrasmedusen bringt, so stützt er sich
dabei vorzugsweise, wie es scheint, auf seine Beobachtun-
gen über die Entwickelung der Aurelia flavidula (1. c. p. 106.
PI. X.), die in thatsächlicher Hinsicht allerdings kaum etwas
Neues bieten , indem sie sich in allen Punkten bestätigend
an die Angaben von Da ly eil undSars anschliessen, von
unserem Verf. aber dahin ausgelegt werden, dass hier eine
Fortpflanzung ganz eigenthümlicher Art obwalte, die weder
als eine Metamorphose aufgefasst werden könne, noch auch
dem Generationswechsel der übrigen Hydrasmedusen zu
Aroh. für Naturg. XXVII. Jahrg. 2. Bd. ü
306 L e u c k a r t : Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
vergleichen sei. Die Eigenthümlichkeil derselben soll darin
bestehen, dass sich die Medusensprösslinge (Ephyrea) aus
einem Theile des ursprünglichen Hydroidenkörpers bilden.
Doch das beweist nach den Ansichten des Referenten nur
so viel, dass die Production der späteren Geschlechtsthiere
hier durch eine Theilung eingeleilet wird. Für die eigent-
liche Natur des Vorganges ist dasselbe völlig gleichgültig.
Wie hei dem Generationswechsel der Hydroiden, so han-
delt es sich auch hier um Geschlechtsthiere, die auf unge-
schlechtlichem Wege von einer geschlechtslosen Jugendform
gebildet werden, es handelt sich, mit anderen Worten auch
hier um einen Generationswechsel. Und dieser Genera-
tionswechsel ist, wenn auch auf abweichende Weise ver-
mittelt, mit dem Generationswechsel der Hydroiden um so
näher verwandt, als Jugendformen und Geschlechtsthiere in
beiden Fällen wesentlich den gleichen Bau besitzen. Eine
Strobila ist, nach der Nomenclatur des Verf.'s, mit gleichem
Rechte als ein Hydra-Medusarium, d. h. als eine mit Medu-
sen zu einem gemeinschaftlichen Thierstocke verbundene
Hydra zu betrachten, wie eine prolifirirende Tubularie. Die
in der Entwickelungsweise und auch sonst zwischen beiden
obwaltenden Unterschiede werden nach den Ansichten des
Ref. durch deren Stellung in verschiedenen Ordnungen
derselben Klasse zur Genüge ausgedrückt. Uebrigens möchte
Verf! die Gruppe seiner Discophoren nicht auf die sog.
höheren Medusen allein beschränken, sondern auch die
(durch einfache Metamorphose sich entwickelnden) Aegini-
den derselben zurechnen (p. 119).
Die beigegebenen Abbildungen (Tab. III — XIV.) beziehen sich
auf Cyanea arctica Per. et Les., Pelagia flavidula Per. et Les. , Pelagia
cyanella Per. et Les., P olycl onia frondosa n. und S t o7nol ophus
meleagris n. , von denen die zwei letzten den Rhizostomiden zuge-
hören und äusserst charakteristische Formen darstellen. Bei Pelagia
cyanella wurde die direkte Umformung des flimmernden Embryo in
eine Ephyra beobachtet (PI. XII).
Im Gegensatze zu den Beobachtungen von Dalyell,
Sars, van Beneden und jetzt auch Agassiz glaubt
sich Boeck davon überzeugt zu haben, dass die Strobila
nicht durch Tlieilung des ursprünglichen Polypen (Scyphi-
der niederen Thiere während des Jahres 1860. 307
Stoma) entstände, sondern das Produkt einer Knospung sei.
Diese Knospung soll aber nicht, wie Desor einst wollte,
von der Mundfläche ausgehen, sondern vom Grunde der
verdauenden Höhle. Von da aussoll die Säule der Quallen,
oder, mit anderen Worten, die Strobila sich erheben, wäh-
rend die obere Hälfte des Mutterpolypen durch Resorption
bis auf das später zu einem neuen Polypen auswachsende
Fussende zu Grunde geht. Vorhandl. Videskab. selsk.
Christiania 1860. p. 66. Die Einwendungen, die Sars
(ibid. p. 82) gegen diese Angabe erhebt, sucht ß o eck durch
eine nähere Begründung seiner Auffassung zu widerlegen
(ibid. p. 111).
Nach Steenstrup ist das polypoide untere Segment
der Strobila übrigens nicht als Ueberrest des ursprünglichen
Thieres (Scyphisloma), sondern ganz nach Art der darüber
liegenden Medusen als ein Nachkommen desselben anzuse-
hen. Es ist ein neuer Polyp, die, wie etwa die nach dem
Abfallen der Tubularienköpfchen neu sich bildenden Knospe,
an die Stelle der früheren tritt und einen neuen Genera-
tionswechsel einleitet. Videnskab. Meddel. for 1860. p. 334.
Den Mitlheilungen von Hunnius (in der med. Ztg.
Russlands 1859) entnehmen wir die Notiz, dass die Medu-
sen in den Bädern von Hapsal systematisch und mit be-
stem Erfolge gegen gewisse Formen der Nervenlähmung
angewendet werden. Sie werden theils für sich, theils
mit Schlamm vermischt und zerrieben, örtlich angewendet,
theils auch als Zusatz zu localen und allgemeinen Bädern
benutzt.
Hydroidea.
Während wir der hier bezeichneten Ordnung bisher
bloss die sog. Hydroidpolypen mit den zugehörigen Medu-
sen (Cryptocarpae = Gymnophthalmata = Craspedota) zu-
zurechnen pflegten, glaubt Agassiz auch die Siphono-
phoren und Lucernarien als Hydroiden in Anspruch nehmen
zu müssen. Die letztern namentlich auf Grund der Aehn-
lichkeit, die sie mit den jungen Medusen aus der Zeit der
beginnenden Strobilation besitzen sollen (1. c. p. 59). Aller-
308 L e u c k a 1- 1 : Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
dings hätte man nach diesem Vergleiche vielleicht eher
erv/artet, dass Verf. dieselben, wie Hiixley [und andere
englische Forscher, den Discophoren beigesellt hätte, zumal
sie mit diesen auch in der Entwickelung besonderer Ge-
nitaltaschen übereinstimmen. Selbst die getäfelten Madre-
poren (Tabulata M. Edw.) , die freilich nur im fossilen
Zustande existiren, möchte A g a ss i z (p. 121) hier anreihen,
da sie sich durch die Vierzahl ihrer Radien den Akalephen
annähern und in ihrer Skeletbildung manche Aehnlichkeit mit
den Milleporinen (resp. Rugosa) haben, deren Hydroidnalur
nach den Miltheilungen unseres Verf. 's keinem Zweifel mehr
unterliegen kann. Allerdings ist es (p. 63. Tab. XV) dem-
selben nicht gelungen, die Medusenknospen der Millepori-
nen zu beobachten, aber bei der charakteristischen Bildung
der Polypen bedarf es auch dessen kaum, um den betref-
fenden Thieren ihre natürliche Stellung zu sichern.
Die Polypen der Milleporinen sind ohne Magenrohr
und Scheidewände, und mit Tentakeln versehen, die eine
gedrungene Kugelform besitzen. Nach der Zahl und Stel-
lung der letztern lassen sich zwei auch sonst verschiedene
Polypenformen unterscheiden, schlankere Polypen, deren
kleine Tentakel in grösserer Menge über die Körperober-
fläche vertheilt sind, und dickere mit nur vier endsländigen
grösseren Tentakeln. Am ähnlichsten sind dieselben den
Polypen von Hydractinia, deren verschiedene Formen kurz
(p. 49) beschrieben werden und später noch Gegenstand
einer ausführlicheren Darstellung werden sollen.
Auch sonst macht unser Verf. mancherlei Mittheilun-
gen über den Polymorphismus der Hydroiden, von denen
wir hier nur die Bestätigung der schon von Mac Cready
mitgetheilten Thatsache hervorheben, dass die proliferirenden
Polypen der Plumularien von mehreren Arten verschieden
gruppirter steriler Polypen umgeben sind (p.49). Die
proliferirenden Individuen der Sertularien werden von unse-
rem Verf. (p. 46) ganz eben so, wie die sterilen, mit einer
— . freilich tentakellosen — Mundöffnung ausgestattet. An
einer neuen schönen Tubularie (Hybocodon proliferj sah
Verf. eine Steenstrupia- ähnliche Meduse sich entwickeln,
der niederen Thiere während des Jahres 1860. 309
die schon vor ihrer Abtrennung neue Medusenknospen trieb
(p. 45). Eben so wurde die Abstammung einer Sarsia von
Coryne mirabilis n. und der Medusa (Melicertum) campanula
Fb. von einer Scrtularia beobachtet. Die den Hydroiden
gewidmeten Tafeln (T. XV— XIX) handeln über Pennaria
gibbosan., Millepora aicicornis, Hydractinia poJyclina n.
und Coryne mirabilis n.
Den jetzt schon ziemlich zahlreichen Fällen von Ho-
mogenie bei den Medusen haben wir auch in unserem dies-
jährigen Berichte einen weiteren hinzufügen. Derselbe ist
um so interessanter, nicht bloss, weil er eine Lizzia be-
trifft, eine Form also , deren Vertreter wir bisher ohne
Ausnahme durch einen Generationswechsel entstehen sahen,
sondern weiter auch desshalb, weil die Entwickelung- hier
ohne Larvenzustand , durch direkte Umwandlung des Dot-
ters in eine Meduse, vor sich geht. (Zeitschrift für wiss.
Zool. X. S. 401 mit Abb.) Mit dieser Beobachtung schliesst
sich der Kreis der Möglichkeiten in der Entwickelungsge-
schichte unserer Thiere. Die Erscheinungen des Polymor-
phismus und Generationswechsels, der Metamorphose und
direkten Entwickelung, sie alle sehen wir jetzt in der Gruppe
der Medusen und oft bei nahe verwandten Formen neben
einander. Wenn es noch eines Beweises bedürfte, dass
die Hoffnung der systematirenden Zoologen, es möchte die
Entwickelungsart eines Thieres, namentlich die Anwesenheit
oder Abwesenheit der Metamorphose, für die natürlichen
Verwandtschaftsverhältnisse maassgebend sein , eine irrige
gewesen, dann würde dieser in den eben hervorgehobenen
Verhältnissen gefunden sein.
Die Lizzia, um die es sich hier handelt, ist nach der
Beschreibung ihres Entdeckers Glaparede ein kleines,
nur wenige Millimeter grosses Thier, das in den schottischen
Buchten mitunter in grossen Schaaren vorkommt, bisher
aber trotzdem noch nicht beobachtet wurde. Sie trägt zwi-
schen den vier doppelten Radialtentakeln je noch einen ein-
fachen interradialen, sämmtliche von unbedeutender Länge.
Die Mundfühler sind vier einfache Fäden mit geknöpfter
Endanschwellnng. An den Eiern, die zwischen Ectoderm
310 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
und Entoderm des Manubrium hervorsprossen, erkennt man
so lange dieselben jung sind , deutlich ein Keimbläschen
mit Keimfleck, später aber, noch während der Befesliffunff
am mutterlichen Körper, eine deutliche Qualle mit Gastro-
vascularapparat und acht Randfäden , von denen die vier
radialen grösser und dicker sind, als die interradialen. In
diesem Zustande trifft man die Eier auch frei im Wasser
wohin sie offenbar durch Bersten der umgebenden Körper-
hulle gelangt sind. Eine Furchung konnte Verf. nicht be-
obachten. Ebenso wenig gelang es männliche Lizzien auf-
zuhnden, sei es nun, weil diese äusserst selten waren,
sei es, weil sie, wie es nach Stre thill Wright mitunter
vorzukommen scheint, durch Form und Lebensweise von
den Weibchen sich unterscheiden. Dass es übrigens wirk-
lich eine Enlwickelung aus Eiern war, die Verf. beobachtete
und keine Knospung , wie sie bekanntlich gleichfalls den
Lizzien zukommt, darüber kann nach den vorliegenden An-
gaben um so weniger Zweifel sein, als Verf. diesen Vor-
gang bei anderen Arten zu vergleichen Gelegenheit hatte.
Ob übrigens die Vermuthung berechtigt ist, dass unsere
Lizzien unter gewissen Umständen statt den gleichartigen
Embryonen heteromorphe Ammen zu erzeugen im Stande
waren, müssen wir zur Entscheidung der Zukunft überlassen.
A.ßoeck berichtet über eine den Oceaniden zugehö-
rende neue Medusenform mit deutlich bilateraler Organisa-
tion, für die er den Genusnamen Dipleurosoma in Anwen-
dung bringt. Ausser der norwegenschen Art (P. norvegicum)
gehört zu diesem Genus auch noch eine schon vor längerer
Zeit von Stuvitz an der Küste Labradors beobachtete und
abgebildete Art, D. Siuvitzü (Forhandl. Videnk. selsk. Chri-
stiania 1860. p. 151). Einer weiteren ausführlichen Mitthoi-
lung, so wie der Beschreibung zweier anderer vom Verf.
beobachteten Medusen (Thaumantias tricirrata und Encope
flava) dürfen wir bald entgegensehen.
Wir haben früher schon bei mehrfachen Gelegenhei-
ten, besonders J. B. XXIV. S. 157, die Ansichten All man's
über die Morphologie der Geschlechtsknospen bei den Hy-
droiden hervorheben müssen. Auch dieses Mal haben wir
der niederen Thiere während des Jahres 1860. 311
eine JVlittheilung „on the structiire and terminologie of the
reproduclive System in the Corynidae and Sertulariadae«
by Ali man zu registrircn (Annais and Mag. nat. hist.
T. VI. p. 1) , die freilich zunächst nur dazu bestimmt ist,
eine Reihe von Ausstellungen zu beseitigen, die Huxley
in seiner uns bereits bekannten Arbeit über die Siphono-
phoren gegen die Aulfassung unseres Verf.'s erhoben hat.
Indem wir dabei auf die oben angezogene ältere Mitthei-
lung verweisen, können wir uns hier auf Weniges be-
schränken.
Mit dem Namen der Geschlechtsknospen (gonophores) bezeich-
net Verf. bei den genannten Hydroiden den gesammten Anhang, nicht
bloss den eigentlichen Träger der GeschlechlsstofFe, der je nach sei-
ner Entwickelung bald ein „Sporosac", bald auch eine „Meduse" ist,
sondern zugleich die äussere bei den Siphonophorcn fehlende Hülle,
die sog. Ectotheca, die nach der Ansicht der deutschen Anatomen den
Brutkapseln der Campularien entspricht, also einen Polypen repräsen-
tirt, der hier freilich immer nur ein einziges Geschlechtsthier auf-
nimmt. DieMesolheca des Verf. ist gleich dem Mantel der Geschlechts-
thiere, die Endotheca gleich dem Magenstiele oder Manubrium, resp. der
Aussenfläche dieser Gebilde. Mit dem Namen Spadix wird die innere
Auskleidung des Manubriums bezeichnet. Zur Vermeidung von Miss-
verständnissen hat Verf. seine Terminologie an zwei beigegebenen
schematischen Abbildungen noch besonders erläutert.
In einer zunächst nur dem interessanten Hydroiden-
genus Corymorpha gewidmeten Aufsatze (Forhandl. vid.
selsk. Christiania 1859. p. 96, übersetzt im Archiv für Na-
lurgesch. 1860. I. S. 341— 351) spricht sich Sars über die
bei der Systematik der Hydroiden zu befolgenden Principien
in völliger Uebereinstimmung mit den vom Ref. bei ver-
schiedenen Gelegenheiten dargelegten Ansichten dahin aus,
dass es unnatürlich sei, bloss die geschlechtliche Generation
zu berücksichtigen, und hiernach, wie es gewöhnlich ge-
schehe, die von den Hydroidpolypen aufgeammten Medusen
für sich und abgetrennt von den sessilen Geschlechtslhieren
zu klassificiren. Um seinen Ausspruch zu motiviren, stellt
Verf. eine ganze Anzahl von Fällen zusammen , in denen
gewisse nahe verwandte Formen von Hydroidpolypen bald
freie Medusen, bald sterile Medusoiden produciren. Man
müsse zum Zwecke einer natürlichen Systematik die ganze
312 L e u c k a r t : Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
cyclisclie Entwickelung der Thiere mit allen ihren Gene-
rationen in's Auge fassen und verjähre bei dem jetzigen
Stande der Wissenschaft am besten, wenn man die Ammen-
thiere bei der Classifikation der niederen Medusen zu
Grunde lege und zu jeder derselben die Geschlechlsthiere
hinzufüge, bei dem Arlcharakler aber auf beide Generationen
gebührende Rücksicht nehme.
Was nun das Gen. Corymorpha betrifft, so ist das
bekanntlich ein verhältnissmässig kolossaler Hydroidpolyp,
der wie die nahe verwandte Myriothela — und Acaulis St. —
beständig einfach bleibt und Geschlechtsknospen treibt, die
bald sessil sind, bald auch in Form von freien Medusen
sich abtrennen. Verf. kennt von diesem Geschlechte — mit
Einschluss von Amalthaea uvifera Schmidt , die eine echte
Corymorpha und keine Myriothela ist, wie das Ref. einst
(J. B. XX. S. 443) vermuthet hatte — 7 Species, unter
denen sechs nordische , drei sogar arktisch, und eine tro-
pische. Sie heissen : Cor. nutans Sars, C. Sarsii Steenstr.,
C. uvifera Schmidt, Corym. (?) annulicot^nis n. sp. aus Flo-
rida (eine Art, die in mancher Beziehung den Tubularien
ähnelt und als verbindendes Glied zu diesen hinzuführen
scheint), C. nana (Johnst.) Alder, C. Januarii Steenstr., C.
glacialis n. sp. aus dem Varangerfiord. Bei allen ist die Form
des Körpers und der Tentakel so ähnlich, die Zahl der letztern
aber so veränderlich, dass es schwer hält, die einzelnen
Arten zu unterscheiden. Am meisten charakteristisch ist noch
die Bildung der Geschlechtsthiere, und nach diesen stellt
Verf. unter Berücksichtigung der übrigen Verhältnisse für die
von ihm selbst untersuchten Arten folgende Diagnosen auf:
Corymorpha nutans Sars. Proies hydriformis 3 — 4 pollicaris,
tentaculis inferioribus filiforinibus longissimis uniserialibus 40 — 50,
superioribus brevissimis numerosissimis sparsis; pedunculis gemmige-
ris circiler 14 — 20, tenuibus, longiusculis, ramosis, ramulis alternan-
tibus apice geminis medusinis numerosis mininiis dense accumulatis
obsitis. — Proies medusiformis decidua, pallio campanulato apice
conico, canaies quatuor radiantes exhibenle, antice aperto raargine
oblique truncato ibique bulbis quatuor marginalibus aequidistantibus
ornato, quorum nnus solummodo in cirrum cylindricum porrecluin
evolvitur.
der niederen Thiere während des Jahres 1860. 313
Coryniorpha Sarsii Steenslr. Proles hydriformis 2 — 3 pollicaris,
tentaculis inferioribus filiformibus longissiniis uniserialibus 30 — 40,
superioribus numerosissimis brevissiinis sparsis ; pediinculis gemniife-
ris 8 — 10, tenuibiis , bievissimis, apice divisis , gemmis medusinis
paucis maxiniis obsitis. Proles niedusiformis decidua, pallio elongato-
campanulato apice rotundato, canales 4 radiantes exhibente, antice
aperto, margine recto ibique bulbis seu cirris niarginalibus enascen-
tibus 4 aequidislantibus, omnibus aequalibus ornato.
Corymorpha (?) annulicornis n. sp. Proles hydriformis '/a pol-
licaris , tentaculis inferioribus filiformibus longioribiis annulosis 20,
superioribus 8 — 10 uniserialibus brevissimis apice globoso; pedunculis
gemmiferis brevissimis, gemmis medusinis maioribus et paucioribus
obsitis. Proles niedusiformis decidua , pallio breviter campanulato,
canales 4 radiantes exhibente, antice aperto, margine bulbo seu cirro
marginali unico magno , conico elongato vel cylindrico, introrsum
flexo, caelerisque tribus indistinctis ornato.
Corymorpha glacialis n. sp. Proles hydriformis 4 — 5 pollicaris,
tentaculis inferioribus filiformibus longissimis uniserialibus 40 — 50,
superioribus numerosissimis brevissimis sparsis ; pedunculis gemmi-
feris 30 — 35, brevioribus crassis indivisis aut solummodo ramulis
nonnuUis brevissimis , gemmis medusinis paucis minoribus sparsis,
singulis aut pluribus accumulatis, obsitis. Proles niedusiformis sessi-
lis (nunquam decidua), pallio ovali absque canalibus radianlibus et
bulbis (cirris) niarginalibus, undique clauso , in aliis animalibus altri-
cibus ova, in aliis spermatozoa includens.
Das verwandte Gen. Myriothela betreffend, so erkannte
Sars neuerlich (skandin. natiirf. möde Kjöbenh, 1860. p. 693)
bei Untersuchung von Orig-inalexemplaren der Lucernaria
phrygia Fbr. (Candelabrum Blainv.), dass beide identisch seien.
Unter dem Namen Tubularia regalis beschreibt Boeck
(Forhand. Vidensk. selsk. Christiania 1859. p. 115. P. 111)
eine kolossale Art dieses Genus, die aus Spitzbergen stammt
und auf einem 120 — 130 Mm. langen Stiele Köpfchen von
80 — 85 Mm. im Durchmesser trägt, die allerdings gröss-
tentheils auf Kosten der 28 langen Tentakel kommen. Von
der Grösse abgesehen, ist die neue Art der T. invidisa nahe
verwandt , nur in sofern verschieden, als die medusoi-
den Geschlechtsthiere im reifen Zustande ein frei aus der
Mantelhöhle hervorragendes Manubrium besitzen und in zwei
Längsreihen an unverästelten langen Stielen angebracht
sind , die mit den Tentakeln allcrnircn. Die Embryonen
314 Leuckart: Bericht über die Lcislunf^en in der Naturgeschichte
nehmen im Mantel ihrer Mutterthiere schon vollständig die
Bildung- eines Polypenköprchens an.
Sars bestätigt die Beobachtung von Wri ght, dass
die Coryne squamata durch Prolifikation an der Basis Colo-
nien bilde und nicht solitär sei. Archiv für Naturgesch.
1860. I. S. 347. Anm.
Nach den Beobachtungen Jäger's zerfallen die Süss-
wasserpolyen in abgeschlossenen engen Räumen sehr bald in
ihre einzelnen Zellen, die nach Amöbenart durch Pseudopo-
dienbildung umherkriechen, sich durch Theilung vermehren
und nicht selten auch vorübergehend sich einkapseln. Verf.
hält diesen Vorgang („Dialyse") für eine Erscheinung, die
auch im Freien, vielleicht regelmässig im Herbst nach
Entleerung der Geschlechsproducte, stattfinde, und knüpft
daran die Vermuthung, dass die isolirten Polypenzellen
nicht bloss ohne Verlust ihrer Lebensfähigkeit überwintern,
sondern auch später wieder je in einen neuen Polypen
auswachsen möchten. Wäre die letzte Vermuthung ge-
gründet, so läge hier eine neue Form des Generationswech-
sels vor, für die vielleicht ganz passend der Name „Dia-
sporogenesis" gebraucht werden könnte. (Sitzungsber.
der Wiener Akad. Math.-nat. Klasse 1860. Bd. 39. p.321
bis 340. Mit Abb.). Wie Verf. bemerkt, hat Carter die
Spongillen gleichfalls unter gewissen (ungünstigen) Ver-
hältnissen in ihre Zellen sich auflösen sehen.
Lewis macht auf das Vorkommen einer schönen,
rothgefärbten Hydra aufmerksam und ist geneigt, dieselbe
für eine neue Art, H. rubra, zu hallen. Annais and Mag.
nat. hist. T. V. p. 71. Houghton bestätigt deren Existenz
und hebt mit einem Rückblicke auf die bisher unterschie-
denen Arten die Schwierigkeit einer specifischen Charakte-
ristik derselben hervor. Ebendas. p. 228.
Serttilaria tricuspidata, S. labrata, S. corniculata, Flumularia
gracilis , PI. strulhionides nn. spp., säninitlich aus der Bay von St.
Franzisko, Andrew Murray, Annais and Mag. nat. hist. T.V. p. 250.
PI. XI u. Xn. (Der Name S. tricuspidata wird später, 1. c. p. 504,
nachdem Green e darauf aufmerksam gemacht hat, dass er bereits
von Adler vergeben sei, in S. Greenei abgeändert.)
der niederen Thiere während des Jahres 1860. 315
Campanularia (Calicclla) fastitjiata n. sp. Shetlands -Inseln,
Adler, Ann. and Mag. nat. hist. T. V. p. 73.
Eine dem Gen. Steenstrupia zugehörende ausgezeichnete neue
Art, St. glohosa Sars (Archiv für Naturgesch. 1860. I. S. 316), wird
von ihrem Entdecker folgendermassen beschrieben: Vs pollicaris,
pallio globoso-campanulato, hyalino, inargine anteriore oblique trun-
cato, postice rotundato absque appendice; bulbis marginalibus 4, ru-
bris, aequidistantibus , de quorum uno prominente longe maiore
cirri marginales tres longissimi, basi bulbosa connali, de ceteris tribus
vero nulli exeunt; proboscide cylindrica rubra,, extra marginem pallii
non porrecta, ore simplice. Bei der Aehnlichkeit mit den von Cory-
morpha aufgeammten Medusensprossen steht zu vermuthen, dass die-
ses Thier gleichfalls von einer derartigen Amme abstammt.
Siphouophora.
Wie Huxley und Mac Cr ead y, so ist auch Agas-
siz der Ansicht, dass die Annahme einer eigenen Ordnung
der Siphonophoren unzulässig sei. Die dahin gerechneten
Familien sollen in gerader Linie mit den Tubularien, Cam-
pularien u. s. w. den Hydroiden beigesellt werden. Was
man bisher zur Rechtfertigung der Siphonophoren anführte,
die Anwesenheit von ortsbewegenden Apparaten, der Mangel
der Tentakel im Umkreise des Mundes und Anderes, wiegt
im Gegensatze zu den vielen und durchgreifenden Aehn-
lichkeiten mit den Hydroiden zu wenig, als dass man den-
selben einen besonderen Werth für die Systematik beilegen
könnte. So wenigstens nach den oben angeführten Forschern.
Andere Zoologen denken in dieser Beziehung vielleicht
anders. Sie glauben der Verwandtschaft mit den Hydroi-
den durch die Vereinigung zu einer gemeinschaftlichen
höheren Einheit genügende Rechnung getragen zu haben
und möchten eine so nett und scharf begrenzte Gruppe,
wie die Siphonophoren, nicht ohne Weiteres aus dem Thier-
systeme ausfallen sehen. So lange man genöthigt ist, den
Grad der Aehnlichkeit und Verschiedenheit bei den einzel-
nen Formen und Gruppen der Thiere abzuschätzen — und
das wird trotz allen Versuchen einer bestimmten Normirung
voraussichtlicher Weise beständig der Fall sein — wird
316 Lcuckart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
die Systematik innerhalb gewisser Grenzen beständig ar-
biträr bleiben.
Natürlich, dass Agassiz die Siphonophoren unter
demselben Gesichtspunkte auffasst, wie die Hydroiden, sie
also als Thierstöcke mit polypoiden und medusoiden Indi-
viduen (Hydro-Medusarien) in Anspruch nimmt. Im Einzelnen
unterscheiden sich freilich die Ansichten, die derselbe über
den Bau unserer Thiere entwickelt (vgl. bes. 1. c. p. 50 — 58),
in mehrfacher Beziehung von denen anderer Forscher. Dass
er den Schwimmglocken und medusoiden Geschlechtsthieren
einen eigenen Mund vindicirt, wie den frei lebenden Me-
dusen, wollen wir hier ebenso wenig urgiren, wie die Ver-
muthung, dass die Deckstücke der Alhorybien eigentlich
Schwimmglocken darstellten, oder den Verdacht von der Po-
lypennatur der Taster bei den Physophoriden , da Verf.,
wie er bemerkt, nur Physalien und Velellen aus eigener
Anschauung kennt. Aber auch sonst finden sich mancherlei
Eigenthümlichkeiten. So werden z. B. die Deckstücke nicht
als besondere individuelle Anhänge betrachtet, sondern als
blosse accessorische Umhüllungen , die mit den Bechern
der Campanularien in einer Reihe ständen. Da gleichzeitig
die Senkfäden mit ihren Nesselknöpfen alsAnaloga der Ten-
takel gelten, also gleichfalls aus der Reihe der individuel-
len Anhangsorgane gestrichen werden , bleiben unserem
Verf. nur drei Hauptformen von Individuen übrig: die sog.
Polypen, die Schwimmglocken und die Geschlechtsthiere.
Bei Velella sah Verf. die Geschlechtsthiere sich als kleine
Medusen vor dem Eintritte der Geschlechtsreife ablösen,
während dieselben bei Physalia nach seinen Beobachtungen
beständig mit dem Stocke vereinigt bleiben. Bei letztern
unterscheidet Verf. dreierlei verschiedene Polypenformen,
die alle drei zu reich verästelten Bündeln unter sich ver-
einigt sind, grössere Polypen mit einem starken Senkfaden,
kleinere mit einem dünneren, die beide steril bleiben, und
endlich noch prolifirirende Polypen.
Claus liefert eine Abhandlung über „Physophora hy-
drostatica" (Zeitschrift für wissenschaftl. Zoologie Bd. X.
S. 255. Taf. XXV— XAVII), die nicht bloss desshalb unsere
der niederen Thiere während des Jahres 1860. 317
Aufmerksamkeit in Anspruch nimmt, weil sie eine auf um-
fassenden und sorgfältigen Untersuchungen beruhende Dar-
stellung der Organisation dieses Thieres liefert, sondern in
einem vielleicht noch höherem Grade wegen der zahlreich
eingestreueten „Bemerkungen über andere Siphonophoren,«
die namentlich den bisher noch ziemlich vernachlässigten
feineren Bau betreffen und über mancherlei Verhältnisse
willkommenen Aufschluss geben. VonbesondererWichtigkeit
scheint der zum ersten Male hier in detaillirter Form ge-
gebene Nachweis, dass sämmtliche Anhänge des Siphonopho-
renkörpers von zwei Zellenschichten gebildet werden, zwi-
schen die sich während der histologischen Diflerenzirung
eine mehr oder minder dicke Schicht von Hyalinsubstanz
einschiebt. Die Thatsache an sich ist freilich nicht so neu,
als Verf. zu glauben scheint, daHuxley bereits im Jahre
1849 (vergl. J. B. XX. S. 410) die Existenz dieser zwei
„Grundmembranen« als eines der wichtigsten organologischen
Momente für die ganze Gruppe der Hydrasmedusen in An-
spruch nahm, und auch die Mittheilungen des Ref. (in sei-
ner Abhandlung über die Siphonophoren von Nizza S. 121)
gradezu dahin lauten, dass die Metamorphose dieser zwei
Zellenschichten und die Abscheidung einer structurlosen
Hyalinsubstanz zwischen denselben die wichtigste Eigen-
thümlickheit in der histologischen Entwickelung aller Si-
phonophorenknospen umfassten, allein im Speciellen und
Einzelnen ist diese Thatsache doch bisher nirgends so ein-
gehend begründet und so consequent durchgeführt worden,
als unser Verf. das gethan hat. Die äussere Zellenlage
erscheint bei den ausgebildeten Anhängen als Träger der
(an manchen Stellen nur unvollständig entwickelten) Ncs-
selkapseln und als Epithelialbelag, während die innere
Zellenlage nicht bloss ein Epilhelialbekleidung des gesamm-
ten Höhlensystemes bildet, sondern namentlich auch die
(nicht selten, wie z. B. im Schwimmsacke, auf das Schönste
quergestreiften) Muskelfasern aus sich hervorgehen lässt.
Am complicirtesten ist das Verhalten dieser zwei Schichten
an den Schwimmglocken und medusoiden Geschlechlsanhän-
gen , bei denen sich die äussere Schicht am freien Seg-
318 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
menle der Knospe beträchtlich verdickt und knoten- oder
zapfenartig (als „Knospenkern") in den obern Hohlraum hin-
einwächst, den anliegenden Theil der inneren Zellenschicht
dabei buckelartig vor sich herdrängend. Der (convex-con-
cave) Zwischenraum zwischen den beiden Lamellen der
inneren Zellenlage verwandelt sich darauf in das Canal-
system der Knospe, während die Lamellen selbst, die das-
selbe zwischen sich nehmen, allmählich eine muskulöse
Beschaffenheit gewinnen. Die eigentliche Schwimmhöhle
entsteht, wie auch Huxley beobachtet hat (J. B. XXV.
S. 193), durch centrale Verflüssigung des Knospenkernes,
dessen peripherische Theile in Form einer Epithelialausklei-
dung des Schwimmsackes persistiren. Bei den Geschlechts-
knospen, deren Kern durch Entwickelung des klöpfelarti-
gen Manubriums in seiner Gestalt gar oftmals alterirt w^ird,
scheinen aus diesen peripherischen Zellen auch noch die
Zeugungselemente hervorzugehen. Nicht minder eigen-
thümlich ist die Theilnahme dieser zwei Zellenlagen an der
Bildung der Nesselknöpfe , deren Form - und Bildungs-
verhältnisse von unserem Verf. genauer und sorfältiger, als
jemals früher , erforscht sind. Besonders auffallend er-
scheint die Bildung der spiralig gewundenen Nesselknöpfe,
deren innere Zellenlage die Angelbänder liefert, um die
sich dann die äussere Zellenlage (nachdem sie , wie Verf.
angiebt, an einer Seite der Länge nach geplatzt ist) spi-
ralig in Form eines bandförmigen Wulstes herumlegt. Die
Zellen dieses Bandes (des Nesselstranges) entwickeln in
ihrem Innern je eine ßrennkapsel, bilden auch daneben
nicht selten mehr oder minder complicirte Verbindungsfä-
den zwischen den einzelnen Reihen. Die Brennkapseln
haben bei jeder Art ihre charakteristischen Formen. Sie
öffnen sich überall mittelst eines Deckels, worauf dann zu-
nächst der in der Achse gelegene Träger des Nesselfadens
durch Umstülpung hervortritt. Das Angelband zeigt nicht
selten eigenthümliche stäbchenförmige Einlagerungen, wie
das auch Ref. früher zu sehen glaubte. Wie Ref., so be-
zeichnet Verf. das Angelband als einen elastisch musku-
lösen Apparat, der bei den nierenförmigen Nesselknöpfen
der niederen Thiere während des Jahres 1860. 319
der Diphyiden nach Art eines Harpunentaues wirke, wäh-
rend er bei den spiralig gedrehten Nesselknöpfen der Phy-
sophoriden wegen des hohen Grades seiner Spannung mehr
einen Apparat zum Sprengen und Entladen der Batterie
zu bilden scheine. Wo der Nesselknopf von einer man-
telartigen Hülle bedeckt wird, da gehört diese beständig
der äusseren Zellenlage an. So auch bei Physophora, deren
Nessclknöpfe Anfangs nur wenig von denen eines echten
Agalraa verschieden sind, später aber an ihrer Basis sich
knicken und — wie das auch Huxley inzwischen beob-
achtet hat — durch fortwährendes Längenwachsthum des
Knies mit ihrem hinteren Ende schliesslich nach vorn rücken.
Im Einzelnen zeigen übrigens die Nesselknöpfe von Ph.
hydrostatica (von Nizza) und Ph. Philippii (von Messina)
mancherlei Verschiedenheiten, wesshalb denn auch Verf.
bis auf Weiteres der Meinung ist, dass beide verschiedene
Species repräsentiren und nicht identisch sind , wie von
anderer Seite vermuthet wurde. Die Verschiedenheiten
zwischen beiden sprechen sich theils in der Entwickelung
der Kapsel, theils auch des Nesselstranges aus, indem die-
ser bei Ph. Philippii weniger un^ unregelmässiger gewun-
den erscheint und in eine dickere , mehrfach geschichtete
Kapsel eingeschlossen ist. Der Stamm der Physophora
bildet keinen Sack, sondern einen weiten Canal, der in
eine nach rechts gewundene einfache Spirale zusammenge-
legt ist, wie das schon Sars in üebereinstimmung mit
Vogt hervorgehoben hatte. Die Anhänge sitzen an der
äusseren Pheripherie des Bogens und zwar gruppenweise,
die Polypen zuinnerst, die Tentakel mit den Zwittertrauben
zu äusserst. Die Polypen entwickeln sich übrigens später,
als die übrigen Anhänge, und fehlen an dem jüngeren Theile
des Spiralbogens vollständig. Sie sind mitsammt ihrem
Fangfaden auf einer knopfförmigen Auftreibung des Stam-
mes befestigt. Die Taster sollen, wenn auch im Allgemei-
nen den Polypen ähnlich , doch keineswegs dieselben Ab-
schnitte erkennen lassen, eine Behauptung, die für Physo-
phora zutreffen mag, für andere Arten jedoch, wie z. B.
Apolemia, entschieden irrthümlich ist. Die Luftblase ist
320 L e u c k a r t : Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
offen, wie Ref. angegeben halte, allein trotzdem (bei Phy-
sophora, wie den übrigen Arten) ohne Zusammenhang mit
der Höhle des Stammes, da sie überall in einer beuteiför-
mig geschlossenen Duplicatur der Luftkammer eingebettet
liegt. In Betreff der Windungsverhältnisse von Stamm
und Nesselstrang ist schliesslich die Bemerkung zu machen,
dass hierin eine jede Species ihr constantes Verhalten hat.
So ist z. B. der Stamm der Forskalia nach links gewunden,
während die Nesselknöpfe eine Rechtswindung zeigen (wie
übrigens schon früher gelegentlich vonWelcker hervor-
gehoben wurde).
Wie Claus durch die hier angezogene Abhandlung
auf unsere bisherigen Anschauungen von der Organisation
der Siphonophoren erweiternd und fördernd einwirkte, so
bereicherte G egen baur durch seine „neuen Beiträge zur
näheren Kenntniss der Siphonophoren« (aus den Nova Acta
Acad. C.-L.-C. 1860. Vol. 94 S. Quart Taf. 26— 32) unsere
Artenkenntniss durch Beschreibung einer ganzen Reihe
neuer oder unvollständig gekannter Species, die ihm aus
den Vorräthen des Universitäls- Museums zu Copenhagen
von Steenstrup in liberalster Weise zur Untersuchung
überlassen waren. Eines der bei diesen Untersuchungen
vom Verf. gewonnenen Resultate, die Entwickelung der
Eudoxien beteffend, ist nach einer früheren Mittheilung schon
in unserem letzten Jahresberichte erwähnt worden. Wir
dürfen es hier als bekannt voraussetzen, wie denn auch
Verf. davon dieses Mal nur nebenbei Notiz nimmt, obwohl
die Abyla trigona, wie die A. pentagona, an welche jene
Beobachtung sich anknüpft, hier von Neuem geschildert
wird, und auch die Tafeln der früheren Abhandlung hier
wiederkehren. Der interessanteste Fund unseres Verf.'s be-
trifft eine neue, am meisten mit Physophora verwandte
oder, wie Verf. sagt, zwischen Physophora und Agalma in
der Mitte stehende Form Stephanospira (n. gen.) iw-
signis , die sich nach den vorliegenden (freilich nur an
einem verstümmelten Spiritusexemplare angestellten) Beob-
achtungen übrigens in mehr als einer Beziehung von den
Organisationsverhältnissen aller übrigen Siphonophoren ent-
der niederen Thiere während des Jahres 1860. 321
fernl. Wie bei Physophora folgt hier (S. 67 — 73) auf die mit
einer ziemlich grossen Luftblase versehene Schwimmsäule
— deren Locomotiven abgerissen und verloren gegangen
waren — ein kurzer und dicker, wenigstens breiter Stamm
mit V/2 sehr deutlichen Spiralwindungen und zahlreichen
dicht gedrängten Anhängen. Aber Form und Ordnung die-
ser letztern ist von allem bisher Bekannten in auffallend-
ster Weise abweichend. Statt der Polypen fand sich am
convexen gewulsteten Stammende , und zwar auf der urtteren
Fläche, eine Reihe von kurzen cylindrischen Fortsälzen, die
fast wie Saugnäpfe aussahen und nach Aussen je von zwei
schlanken und zugespitzten Fühlern begleitet wurden. Be-
sondere Fangfäden wurden vermisst. Ihre Stellen wurden
von den Enden der inneren Fühler vertreten, indem diese
in einen langen, vielfach gewundenen Faden ausliefen, dem
in regelmässigen Abständen gestielte Nesselknöpfe anhin-
gen. Der Bau der Nesselknöpfe zeigte die grosseste Ue-
bereinstimmung mit Physophora hydrostatica. Aber nicht
bloss, dass unsere Stephanospira ohne besondere Fangfäden
ist, es fehlen ihr auch besondere Geschlechtstrauben. Auch
hier sind es die Fühler, die anstatt derselben fungiren.
Die untere Hälfte derselben ist mit Bläschen bedeckt, an
den inneren Fühlern mit mehreren Hundert kleiner Kugeln,
die Verf. als weibliche Geschlechtsknospen betrachtet, an
den äusseren Fühlern mit etwa nur 30 grösseren ovalen
Kapseln, die wohl als männliche Gebilde anzusehen sein
dürften.
Von Stephanospira abgesehen , verbreitet sich die vorliegende
Abhandlung über folgende Arten: Abyla trigona Q. et G. (S. 7 — 19),
A. pentagona Eschsch. (S. 17—26), A, perforata n. sp. von der Gui-
neaküste (S. 26—29), D. canipanulifera Q. et G. (= D. dispar Huxley,
S. 36 — 39), D. Steenstrupi n. sp. aus dem Atlant. Ocean (S. 39 — 42),
D. Sarsii n. sp. von der Grönländischen Küste (S. 43 — 45), D. acu-
niinata Lt. (S. 45— 49), Eudoxia Bojani Eschsch. (S. 29— 33), E. pris-
matica n. sp. aus dem Atlant. Ocean (S. 33—34), Cuboides vitreus
0. et G. (S. 34—35) , Physophora hydrostatica Forsk. (S. 52—67),
Agalma Okenii Eschsch. aus dem Atlant. Ocean (S. 73—77, nach der
Form der Deckstücke = Stephanomia heptacantha Q. et G.) , ßÄiso-
physa Eysenhardtii n. sp. (= Rh. filiformis Hu\ley, S. 77— 83), Atho-
rybia heliantha Q. et G. (S. 82—85). Den Schluss der Abhandlung
Arcliiv f. Natiirg. XXVII. Jahrg. 2. Bd. Y
822 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
macht eine systematische üebersicht der Siphonophorengenera (S. 85
bis 89), die mit hauptsächlicher Berücksichtigung der Stammbildung
und Locomotiven kurz charakterisirt und in einzelne Gruppen zu-
sammengestellt werden. Ausser den vom Ref. aufgestellten vier Fa-
milien der Velelliden , Physaliden, Physophoriden und Diphyiden
glaubt Verf. noch eine fünfte, die der Ilippopodiiden annehmen zu
müssen, die sich allerdings, wie auch Ref. nicht ausser Acht gelas-
sen hat, durch Anwesenheit eines Schwimmkegels von den echten
Diphyiden entfernt, aber andererseits durch Mangel der Luftblase, wie
durch Bildung und Vertheilung der Geschichtsgemmen auf das Engste
daran anschliesst. (Ref. glaubt diesen Verhältnissen durch Vereinigung
der Ilippopodiiden und Diphyiden in eine besondere, seither auch
von anderen Forschern angenommene Familie der Calycophoriden
Rechnung getragen zu haben.)
Das Gen. Diphyes zertheilt Verf. (S. 50) in zwei Gruppen, je
nachdem das hintere Schwimmstück deni vorderen eingefügt, oder
blos angefügt ist. Ref. möchte diese Unterschiede noch mehr be-
tonen, als Verf., und die letzten Arten, die sich gleichzeitig auch
durch Kleinheit des Saftbehälters, wie durch abweichenden Gefäss-
verlauf der oberen Schwimmglocken (ob freilich alle, bleibt noch
zu untersuchen) auszeichnen, am liebsten als Typus eines besonderen
Genus — nach ihrem Hauptrepräsentanten, der D. quadrivalvis Ggbr.,
etwa des Gen. Galeolaria — ansehen, obwohl Verf. die Berechtigung
eines solchen Verfahrens in Abrede stellt. Im Grunde genommen ist
freilich der Streit über die Abgrenzung einzelner Genera ziemlich
müssig und kaum zu entscheiden, so lange man sich über den prin-
cipiellen Werlh der Gattungscharaktere noch nicht geeinigt hat.
Einstweilen genug, dass man sich über die Existenz verschiedener
Entwickelungsreihen verständigt. Ob man dieselben dann weiter als
Gruppe A und B oder als Gruppe Diphyes und Galeolaria benennt,
um bei unserem Falle zu bleiben, ist von geringer Bedeutung. In
beiden Gruppen von Diphyes giebt es übrigens Arten mit Zähnen an
der Schwimmsacköffnung (wie z. B. in Gruppe A die Diph. Steen-
strupi und Gruppe B die Diph. quadrivalvis), so wie solche ohne
derartige Bildungen (in Gruppe A u. a. D. acuminata und Gruppe B
die Diph. Sarsii). Bei D. acuminata trägt der dem Durchlasskanale
zugekehrte verlängerte Rand der vorderen SchwimmsacköfTnung in
der Mitte eine tiefe Längsspalte, als wenn derselbe aus zwei Thür-
Flügeln zusammengesetzt wäre. Die Eudoxia Bojani unterscheidet
sich von der Eud. campanulata Lt., der sie sonst ähnlich sieht, be-
sonders dadurch, dass die hinteren Zähne der Schwimmsackmündung
nur durch einen schwachen Ausschnitt von einander getrennt sind.
Dass Verf. die glockenförmigen Eudoxien in Uebereinstimmung mit
Ref. jetzt gleichfalls von Diphyesarlen abstammen lässt, ist bereits
der niederen Thiere während des Jahres 1860. 323
im letzten Jahresberichte hervorgehoben, doch glaubt Ref., im Gegen-
satze zu der Angabe des Verf.'s, dass der im Üeckslücke der Eudo-
xien zurückbleibende Rest des Diphyidenstaunnes in den Saflbehälter
aiiswachse (S. 30), seine frühere Üarstellung von dem selbstständigen
Ursprünge dieses Gebildes nach wie vor festhalten zu müssen. Die
Abyla perforata besitzt einen Schwimmapparat, der sich ebenso wohl
durch die Ilorizontalausbreitung seiner oberen Begrenzungsfläche, wie
durch die symmetrische Bildung seiner unteren Schwimmglocke und
die Anwesenheit eines förmlichen Durchlasskanales an derselben
ausgezeichnet. Dieselbe horizontale Begrenzungsfläche charalerisirl
das Deckstück der Eudoxia prismatica, das auch sonst in seinen Form-
verhältnissen mehrfach an Abyla perforata erinnert, wesshalb Ref.
denn auch die Vermuthung eines genetischen Zusammenhanges dieser
beiden Formen kaum unterdrücken kann. Cuboides vergleicht Verf.
mit einem Würfel, an welchem alle acht Ecken in der Richtung der
Diagonalachsen in ebenso viele Spitzen ausgezogen sind und die
sechs Flächen dadurch muldenartig verlieft erscheinen. Bezüglich
der Physophora hydrostatica stimmen die Angaben des iVerf.'s im
Wesentlichen mit den Mittheilungen von Claus überein. Kur darin
findet sich eine Abweichung, dass Verf. bei seinen Exemplaren, die
zum Theil in üppigster Weise mit Anhängen ausgestattet waren, eben
so viele Polypen , wie Taster und Zwittertrauben zählte. Die Taster
stehen übrigens, nach unserem Verf., in einer Doppelspirale neben
einander, die älteren mehr nach aussen, die jüngeren mehr nach
innen. Auch ist hervorzuheben, dass die Wurzel des Stammes mit
den immer neu knospenden Anhängen bei der ausgewachsenen Phy-
sophora unterhalb des freien Endes zu liegen kommt, ein Verhält-
niss, welches auch bei Stephanospira, und hier bei der grössern Länge
der Spirale noch augenfälliger, wiederkehrt, sich aber in einfacher
Weise durch ein stärkeres Wachsthum des der Schwimmsäule zunächst
anliegenden convexen Randwulstes erklären lässl. Die Angelbänder
werden als ausschliesslich elastische Gebilde in Anspruch genommen.
Agalma Okenii gehört nach der Bildung ihrer (mit 4 — 9 Spiraltouren
versehenen) Kessel knöpfe zu der Gruppe des Ag. Sarsii und charak-
terisirt sich besonders durch die eigenthümliche Keilform ihrer Deck-
blätter , deren schmale Endflächen von vier verschieden grossen Aus-
schnitten durchsetzt werden. Bei Rhizophysa Eysenhardtii hebt Verf.
dieselbe Ausmündung der Luftblase und dieselbe einfach fadenför-
mige Bildung der Nesselknöpfc hervor, auf die wir bei der Hux-
ley'schen Rh. filiformis schon im letzten Jahresberichte als eigen-
thümliche Bildungsverhältnisse hingewiesen haben. Von den bei der
echten Rh. filiformis vorkommenden verästelten Anhängen an der
sackförmigen Umhüllung der Luftblase konnte Verf. keine Spur auf-
finden, obwohl Huxley dieselben bei seiner Art auf das Bestimmteste
324 L e u c k a r t : Bericht über die Leistungen in der Katurgeschichte
beobachtete. (Handelt es sich hier vielleicht um ein Gebilde von
wechselnder Entvvickelung ?) Athorybia helianlhus unterscheidet
sich von der A. rosacea vorzugsweise durch den Bau ihrer Nessel-
knöpfe, die im Wesentlichen, wie bei Agalma gebaut sind, auch
2*/2 Spiraltouren zeigen, aber des Mantels durchaus entbehren. Die
Deckblättchen stehen in doppeller Spiraltour. Von den übrigen An-
hängen sind die Taster weitaus in grösserer Mehrzahl vorhanden.
Einer beiläufigen Bemerkung des Verf. 's (S. 89 Anm.) entnehmen wir
schliesslich noch die Notiz, dass die von Kölliker aufgestellte Gat-
tung Vogtia wieder eingehen müsse, da die V. pentacantha nach
ihrer ganzen Bildung (auch nachdem — von Kölliker falsch darge-
stellten — Bau des Schwimmkegels) ein Hippopodius sei, der sich —
wie auch Ref. bestätigen kann, der durch Kefer stein Gelegenheit
fand, ein wohl erhaltenes Exemplar zu untersuchen — nur durch die
Form seiner Schwimmstücke von H. gleba unterscheidet.
Sars unterwirft die schon vor einem Jahrzehnt von
ihm kurz beschriebenen nordischen Physophoren einer nä-
heren Untersuchung und überzeugt sich, dass diese damals
von ihm in zwei Arten (Ph. glandifera und Ph. vesiculosa)
zerlegte Syphonophorenform eine einzige Species repräsen-
tirt , die sich besonders durch eine deutlichere Spiralwin-
dung des Körperstammes und die beträchtliche Grösse des
Luftsackes von der mittelmeerischen Ph. hydrostalica un-
terscheidet (Skandin. natur. möde i Kjöbenh. 1860. I. c).
Sie wird jetzt unter dem Namen Ph. borealis aufgeführt
und folgendermaassen charakterisirt :
Vesica aerifera maiuscula, obpyriforniis seu inferne latior, su-
perne acuminata, striis (septis) longitudinalibus aequidistantibus (in
specimine observato novem), vertice purpureo. Campanulae natato-
riae minus distincte distichae, seu potius spiraliter dispositae. (Dürfte
kaum ein constanter Charakter sein, da ähnliche Erscheinungen bei
relaxirter Schwimmsäule häufiger vorkommen und u. a. auch , wie
Gegenbaur hervorhebt, der Ph. tetrasticha Phiiippi's zu Grunde
liegen.) Axis (stipes communis) superne filiformis, inferne in vesi-
cani magnam depressiusculam, incisura laterali rotundata subreniformem
dilatatus, spiram distinctam dextrorsum tortam forniantem. Peripheria
spirae variis appendicibus obsita, scilicet: superne brachiis biseria-
libus alternantibus, ad basin tentaculo breviusculo simplice munitis,
inferne tubulis suctoriis uniseriatis, ad basin tentaculo praeditis lon-
gissinio ramulis clavatis, clava (pallio) oblonga filum purpureum in
spiras 4 — 5 contortum includente; in intervallo brachiorum ac tubu-
lorum suctoriorum adsunt appendices genitales biseriales, approxima-
der niederen Thiere während des Jahres 1860. 325
tae (seu binae e basi cornmuni Orientes), superiores femineae, ramo-
sae, uvifornies, capsulis parvis globosis seu otatis , inferiores mas-
culae filiformes, capsulis niaioribus ellipticis aut cylindricis obsitae.
Punctum vegetationis omniuni harum appendicum, segmenta quodam-
modo formantium approximata , inferne ad incisuram lateralem collo-
catum. Longitudo totius axis ly^" (38 Mm.).
Gleichzeitig hebt Sars die grosse Aehnlichkeit zwi-
schen dieser nordischen Physophora und der oben erwähn-
ten Stephanospira insignis Gegenb. hervor, die noch auf-
fallender wird, w^enn wir erfahren, dass die in Spiritus
aufbewahrten Exemplare der Sars'schen Art ihre Polypen
mitsammt den Fangfäden verloren hatten , dafür aber an
deren Insertionsstellen ganz dieselben „saugnapfartigen" Auf-
sätze erkennen Hessen, die G egen baur als die Mägen
seiner Stephanospira in Anspruch nimmt. Offenbar sind
diese Gebilde auch bei letzterer nichts Anderes als die
zapfenförmigen Träger der Mägen, die der Achse angehören.
Sars geht übrigens noch weiter und spricht den Verdacht
aus, dass sich Gegenbaur auch in seiner Darstellung
von dem Verhalten der Fangfäden durch die Beschaffenheit
seines Untersuchungsmateriales habe täuschen lassen. Selbst
die Natur der Geschlechtsträger ist ihm nicht zweifellos ;
er deutet die Möglichkeit an, dass die eigentlichen Fühler,
wie die Mägen, verloren sein könnten, dass die Stephano-
spira mit anderen Worten ein Physophora sei.
Zum Schlüsse unseres Berichtes über Siphonophoren
erwähnen wir noch der vorläuGgen Mittheilungen, die uns
Keferstein und Ehlers über die von ihnen in Neapel
und Messina angestellten Beobachtungen gemacht haben
(Nachrichten von der G. A. Universität 1860. Nr. 23,
Archiv für Naturgesch. 1860. I. S. 324). In Betreff des
feineren Baues kamen| die Verfasser zu demselben Resul-
tate, wie Claus, obwohl sie ganz unabhängig von dem-
selben arbeiteten und auch , wie es scheint, die gleich-
lautenden Angaben des Ref. erst nach ihrer Rückkehr nach
Deutschland kennen lernten. Diese Uebereinstimmung gilt
namentlich auch für die Schwimmglocken und die Ge-
schlechtsanhänge, deren Manubrium sich nach unseren Verff.
erst dann erhebt, wenn der Knospenkern durch centrale
326 Lciickart: Bericht über die Leistungen in der ■Natnrgeschichte
Verflüssigung bereits den Schwimmsack gebildet hat. Bei
der Entwickelung einer wahren Medusenknospe (am Magen
der Cystaeis pusilla) Hessen sich ganz dieselben Vorgänge
nachweisen. Den Luftsack schildern unsere Verff., bei
Physophora wenigstens, als unten offen. Sie bemerkten
sogar, dass durch diese OefTnung von Zeit zu Zeit ein
Lufttropfen austrat, der zuerst in das obere Ende des
Stammes gelangte und schliesslich durch eine besondere,
oberhalb der jüngsten Knospen der Schwimmstücke gele-
gene Oeffnung ausgestossen wurde. Die Spiralwindungen
des Nesselstrangs und Endfadens sind stets nach derselben
Seite gerichtet. Unsere VerfT. sagen nach der linken, ver-
stehen das aber in einem anderen Sinne, als die Techniker,
nach deren Terminologie z. B. Claus dieselbe Spirale
als eine rechte bezeichnet hat. Die für die Nesselknöpfe
der Physophora Philippii so charakteristische Verdickung
des Mantels entsteht nach vollendeter Knickung und zwar
durch Abscheidung einer Hyalinsubstanz zwischen die bei-
den ursprünglich sich berührenden Zellenlagen. Die Nes-
selkapseln sind auch nach unseren VerfT. alle mit einem
Deckel versehen und einzeln (wie das bei Hydra übrigens
lange vorLeydig schon vom Ref. beobachtet wurde, Art.
Semen in Todd's Cyclop.) im Innern von Zellen gebildet.
Uebrigens scheint es fast zu weit gegangen, wenn unsere
VerfF. die Fähigkeit, Nesselkapseln zu bilden , ganz aus-
schliesslich für die äussere Haut in Anspruch nehmen, da
wir bekanntlich bei den Polypen auch im Innern nicht
selten derartige Gebilde antreffen. Unter den von den Verff.
beobachteten Arten heben wir hier namentlich hervor:
Diphyes conoidea n. sp. aus Neapel (mit angefügten schlanken
Schwimmstücken und zwei gleich langen Spitzen an der hinteren
Schwimmsackmündung), D. ovata n. sp. aus Messina (mit kurzen ein-
gefügten Schwimmstücken ohne Zähne und einem kleinen Flüssigkeits-
behälter in dem soliden Endzapfen des hinteren Schwimmstückes),
Praya filiformis K. et E. (= Pr. diphyes Auct. , die sich durch lockere
Verbindung der beiden Schwimmglocken, durch nierenförmige unge-
lappte Bildung der Deckstücke und Abwesenheit der Kanten an den
kegelförmigen Geschlechtsglocken von Pr. cymbiformis Lt. unterschei-
det), Agalma rubrum Vogt (dem Verff. auch Ag. minimum Gräffe
der niederen Thiere während des Jahres 1860. 327
zurechnen, da sie in Messina wiederholt eine kleine Siphonophore
beobachlelen, deren jüngere Polypen Fangfäden, wie Ag. rubrum, hat-
ten, während die älteren solche trugen, wie sie Gräffe bei seinem
Ag. minimum beschreibt), Forskalia Edwaidsii Köll. (mit keilförmigen,
an den scharfen Enden breit abgestutzten Schwimmstücken und Poly-
pen, die auf äusserst langen Stielen sitzen), F. formosa n. sp. (mit
ungleich zweilappigen Schwimmstücken und kurz gestielten Polypen),
Physophora Philippii Köll. (mit kurz gestielten Polypen und zweien
Seitenlappen an den eiförmigen Kesselknöpfen). Bei Physalia ist der
grosse Luftsack, nach unseren Verd'., als ein erweiterter Stamm an-
zusehen, dessen weitester Theil sogar noch Andeutungen einer Spi-
ralwindung zeigt und die Anhänge trägt, die nach der einen Seite
hin an Alter zunehmen. Der Kamm soll der Ansatzstelle der Schwimm-
glocken entsprechen.
3. Polypi.
Nach den Ansichten ßronn's (Klassen und Ordnun-
gen, II, S. 44) zerfällt die Klasse der Polypen nach der Bil-
dung des Tentakel - und Kammerapparates am besten in
folgende Unterklassen und Ordnungen:
1. Polycyclia, Zahl der Tentakel und Kammern durch
Einschaltung mit dem Alter zunehmend, zwei und mehr
(bis 6 u. s. w.) Cyclen bildend.
a. Ennalonemata, Tentakelkrone eine aus wechselstän-
digen Tentakeln; 4 oder 6 Sternleistensysteme mit
je zwei und mehr (10 u. s. w.) Ordnungen, ungleich
in Alter und Grösse ; Tentakel an der Spitze (oder
gar nicht?) durchbohrt; Leisten mitunter über 300,
paarig verbunden.
b. Paranemata , Tentakelkrone doppelt, eine Lippen -
und eine Randkrone, jede aus mehreren Kreisen
zusammengesetzt; je ein Tentakel aus beiden über
einer Kammer sich gegenüberstehend und in diese
einmündend; beide hohl; die äussern innen unter
der Spitze durchbohrt^ die Innern verschlossen; die
in den Kreisen einer Krone wechselständig; die
perigastrischen Falten oder Wände einzeln und im
Ganzen nur von zweierlei, abwechselnd ungleicher
Grösse, weder bis zum Grunde, noch bis zur Achse
328 L e u c k a r t : Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
der Leibeshöhle zusammenreichend, keinen Stern
bildend (Cerianthiden).
2. Monocyclia, Zahl der Tentakel und Kammern im
Alter gleichbleibend, 6 oder 8 (oder 12) und nur einen
Kreis bildend. Kammerwände einzeln und einfach.
Sklerenchym vorhanden, fast immer unverbunden und
mit Sklerobasalachsen (ausser Tubulipora).
a. Polyactinia, Tentakel und Kammern wenigstens 12,
Sklerobasalachse glasig spiralfaserig, Sklerenchym
lose (Hyalonemiden).
b. Octactinia, Tentakel und Kammern 8, erstere kurz,
breit und fiedertheilig.
c. Hexactinia, Tentakel und Kammern nur 6, erstere
breit, kurz, einfach; Sklerenchym lose; Skierobasis
eine ruthen- oder baumförmige, fest gewachsene,
hart hornige oder glasige Achse (Antipathinen).
3. Dyscyclia, Tentakel in 8 kreisständige derbe Bü-
schel verwachsen, welche nicht frei mit den 4 kreuz-
ständigen Kammern der Bauchhöhle zusammenhän-
gen (?Ref.); Polyp einzeln, innen mit losem Sklerenchym
und ohne Skierobasis, mittelst stielartigem Fusse sich
anhängend (Lucernariaden).
Calycozoa.
Der Namen Podactinaria, den M iln e Edwards in
dem dritten Bande seiner Hist. nat. des Coralliaires (p. 455)
zur Bezeichnung unserer Calyzoen beibehält, ist um meh-
rere Jahre jünger, als der unsere, und dürfte somit schon
nach dem Gesetze der Priorität demselben zu weichen ha-
ben. Ebenso müssen wir dem berühmten Verfasser das
Verdienst streitig machen, die systematische Stellung und
die Organisation der Lucernariaden zuerst erkannt zu ha-
ben. Was er hierüber mittheilt, bezieht sich übrigens nur
auf die Lucernaria quadricornis, die sich, wie von mir schon
bei einer früheren Gelegenheit in diesen Berichten hervor-
gehoben worden , von den verwandten Arten mehrfach
der niederen Thiere während des Jahres 1860. 329
unterscheidet und im Ganzen einfacher gebaut ist, als
diese. Bei Querschnitten , die man durch den Körper
hindurchführt, findet man bei letzleren in der Umgebung
des Magenrohrs eine an vier Stellen radial unterbrochene
Höhle, die der L. quadricornis fehlt. Ich habe diese Höhle
früher als Leibeshöhle betrachtet und den Lucernarien mit
Ausschluss der letztgenannten darauf hin ein eigenes, nach
Art der Anthozoen in der Längsachse herabhängendes Ma-
genrohr vindicirt, mich aber inzwischen überzeugt, dass
diese Annahme eine irrige war. Die Lucernarien besitzen
ohne Ausnahme einen einfachen coelenterischen Apparat,
wie die Discophoren, der sich auf der einen Seite conti-
nuirlich in die Tentakel, nach der anderen Seite ebenso
auch in den Stiel hinein fortsetzt. Das oben erwähnte
peripherische Höhlensystem ist ein Zwischenraum zwischen
den (bei L. quadricornis mit einander fest zusammenhängen-
den) zwei Grundmembranen, dem Endoderm und Ectoderm,
der mit dem coelenterischen Apparate ohne Zusammen-
hang ist.
Die Existenz dieses peripherischen Höhlensystems ist
auch von AI Im an jüngst bei Carduella (Lucernaria) cyathi-
formis beobachtet, doch, wie es scheint, nicht vollständig
erkannt worden. Verf. lässt dasselbe von acht Lamellen be-
grenzt werden , die paarweise in den Radien des Thieres
ihren Ursprung nahmen und an die Magenwand sich ansetz-
ten, in Wirklichkeit aber nichts Anderes sind als die Magen-
wände (Endoderm). Die Täuschung erklärt sich durch die
vier auf der oralen Körperfläche vor den radialen Anhef-
tungen ausmündenden Genitallaschen, die ebenso viele Ein-
stülpungen der Körperwand darstellen und die bandför-
migen, rechts und links gleichmässig entwickelten Ge-
schlechtsorgane in sich aufnehmen. Diese Genitaltaschen
modificiren natürlich die Form der Leibeshöhle und ver-
wandeln sie in einen Raum mit vier (inlerradialen) Seiten-
taschen, die in der Mundscheibe bis zum Rande hinlaufen.
Besondere Radialgefässe, wie sie AI Im an beschreibt,
exisliren nicht. Was Verf. dafür hält, hat Ref. als radiäre
Muskelstränge erkannt, die an den Verbindungsstellen der
330 Leu ckart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
beiden Grundmeinbranen hinlaufen und sich ebenfalls bis
an den Rand der Mundscheibe verfolgen lassen. Auch ein
Ringg-efäss ist nirgends nachzuweisen. Die Behauptung des
Verf. 's, dass die Lucernarien den gymnophthalmischen Me-
dusen zuzurechnen seien , scheint Ref. hiernach kaum ge-
nügend begründet zu sein. Will man dieselben von den
Polypen entfernen und den Medusen zurechnen — und das
kann in der That einst nothwendig werden, wenn wir den
Bau der sog. Hydra tuba erst einmal genauer kennen ge-
lernt haben — so dürften es nach der Ansicht des Ref.
doch immer nur die eigentlichen höheren Scheibenquallen
sein, mit denen man sie (gewissermassen als persistirende
Jugendformen) zusammenstellen könnte. Schon die Existenz
der Genitaltaschen und der sog. Magenfäden lässt darüber
keinen Zweifel, üeber das Verhalten des Höhlensystems
im Fusse , das Verf. nicht verfolgt hat, kann Ref. hinzufü-
gen, dass sich das hintere Ende des coelenterischen Appa-
rats, ganz wie bei L. octoradiata und companulata in Form
von vier (interradiären) Longitudinalkanälen bis an das Ende
desselben fortsetzt. Transact. microscop. Society of London
1860. p. 125—129. Tab. V.
Der Charakter des Gen. n, C arduella wird von der Stellung
der Tentakel hergenommen und folgenderweise festgestellt: Body
stalked ; tentacles capitate , not tufted , springing from within the
margin of a circular disk in a Single series. C. cyathiformis Sars.
Body urceolate; peduncle dilated at the base into a disk for attach-
ment; tentacular circle interrupted at about eight nearly regulär in-
tervals, by the non-development of certain tentacles.
Auch Milne Edwards (1. c.) glaubt die Luc. cyathiformis
wegen der gleichmässigen Yertheilung der Tentakel von den übrigen
Arten mit Tentakelbüscheln abtrennen zu dürfen und schlägt dafür
den Genusnamen Calici naria vor.
Gosse vindicirt den schon früher von ihm (J. B. XXV. S. 211)
aufgestellte Genusnamen Depaslrum die Priorität vor Carduella (und
Calicinaria), findet aber bei näherer Vergleichung der von ihm und
von Allman beobachteten Formen, dass beide in manchen wich-
tigen Punkten (Bildung des Mundsaunies und der Stellung der Füh-
ler) verschieden sind und sieht sich dadurch veranlasst (Annais and
Mag. nat. bist. V, p. 480) die ursprünglichen Diagno u'n folgendermaassen
zu ändern:
der niederen Thiere während des Jahres 1860. 331
Depastrum Gosse. Corpus repente contractum , et supra et
infra alvum.
1). cyathlforme Sars. Discus circularis , tentacula mODOsticha,
aequalia, intra marginem disci saiientia.
D. stellifrons n. sip. Discus octangularis ; tentacula di-tristicha,
inaequalia, ad marginem disci saiientia, inter angulos.
Allman ist mit dieser Umänderung nicht zufrieden (ibid. VI.
p. 40). Er gesteht, die Notiz von Gosse über Depastrum übersehen
zu haben, glaubt aber aus den beiden vorhergehend charakterisirtcn
Arten zwei verschiedene Genera machen zu dürfen, von denen das
eine mit der typischen Form von Sars den Namen Carduella, das andere
aber den von Depastrum führen müsse.
Steenstrup handelt über die Synonymie der an
Dänemarks Küsten einheimischen Lucernaria quadricornis
0. Fr. Müll. (= L. fascicularis Flemm.), L. auricula Fbr.
und L. octoradiata Lmck. (= L. auricula Johnst. , — und
auch, wie Sars bei Gelegenheit der Skandinavischen Na-
turforscherversammlung- in Kopenhagen hinzugefügt hat,
Sars — ), und hebt dabei zugleich die wichtigsten Unter-
scheidungsmerkmale derselben hervor. In Betreff der bei-
den letzten, oft verkannten und mit einander verwechsel-
ten Arten ist namentlich der Umstand maassgebend , dass
die L. auricula einen dünnen Stiel und eine fast cylindri-
sche oder flaschenförmige Scheibe mit kleinen Randkörper-
chen besitzt, während die L. octoradiata auf einem kurzen
und dicken Stiele einen ansehnlichen, schirmförmigen Kör-
per mit grossen Randkörperchen trägt. (Ref. fügt hinzu,
dass die Differenzen der Stielform von der in beiden Fällen
sehr verschiedenen anatomischen Bildung dieses Körpertheiles
abhängen. Bei L. octoradiata ist der aus vier Längsslrängen
gebildete Muskelapparat des Fusses weit stärker entwickelt
und das Höhlensystem (das durch seine Injection den Fuss
verlängert) in vier Längskanäle gespalten, während sich
bei L. auricula ein einfacher centraler Längskanal mit
schwächeren Länofsmuskeln vorfindet. Die Anatomie des
Fusses zeigt überhaupt so zahlreiche und auffallende Ver-
schiedenheiten, dass sie allein schon hinreicht, die einzelnen
Arten von einander zu unterscheiden. Es gilt das auch
für eine fünfte, zunächst mit L. auricula Fbr. verwandle
Art ohne Randkörperchen, die Ref. auf Helgoland beobachtet
332 L e u c k a r l : Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
hat (L. campanulata Lamrx. = L. inauriculata Ow. ?). Die
L. phrygia 0. Fr. Müll, hat sich nach Einsicht der Fabri-
cius'schen Manuskripte als eine mit Acaulis Stps. ver-
wandte Hydroidcolonie ergeben, für welche wohl der
B lain vi lle'sche Namen Candelabrum beibehalten werden
darf (Vgl. obenS.312j. Naturh. Foren. Vidensk. Meddelelser
1859. p. 106—109.
Dieselben vier Arten finden sich auch an der Norvve-
genschen Küste, Sars, om de ved Norges Kyst forekom,
arter af slägte Lucernaria, Videnskabs selsk. Forhand, i
Christiania 1861, wo deren Diagnose zugleich folgender-
maassen festgestellt wird:
Lucernaria auricula 0. Fbr. Corpus anguste infundibuliforme,
radiis octo brevibus, aequaliter distantibus; stipes corpore longior;
corpuscula marginalia minima ; Organa generalionis octo aequidislan-
tia. Longit. 1—1*/»''.
L. octoradiata Lamk. Corpus late infundibuliforme, radiis octo
brevibus, aequaliter distantibus; stipes corpus longitudine aequans;
corpuscula marginalia maxima; Organa generalionis octo aequidistan-
tia. Longit. 1".
L. quadricornis 0. Fr. Müll. Corpus late infundibuliforme, ra-
diis octo longis, binis approximatis; stipes corpore longior; corpus-
cula marginalia nulla; Organa generationis per paria approximata.
Longit. 2—2%".
L. cyathiformis Sars. Corpus cyathiforme, margine dilatata,
repanda, circulari, integra i. e. haud in radios divisa, tentaculifera,
tentaculis saepissime in fasciculis octo fere continuis ad marginem
dispositis ; stipes longitudine corpus aequans ; corpuscula marginalia
nulla, Organa generationis octo per paria approximata , marginem
corporis non attingentia. Longit. Vi".
Authozoa.
Sars führt unter den von ihm an der Küste des
Amtes Romsdal beobachteten niederen Thiere 6 Polypen
auf, 2 Actiniaden und 4 Octactinien aus den Gen. Virgu-
laria und Pennatula. Nyt Mag. 1. c.
Arthur M. Edwards macht Beobachtungen über
die Fortpflanzung der Actinien (Annais Lyceum New-York
1859. Vol. VII. p. 19—22). Er überzeugt sich davon, dass
die jungen Embryonen von A. mesembryanthcmum in der
der niederen Thiere während des Jahres 1860. 333
Leibeshöhle ihrer Mutter durch Flimmerhaare umherschwim-
men, wobei sie das spätere Fussende nach vorn richten, und
erst nach ihrer Geburt von den (zunächst in vierfacher An-
zahl hervorknospenden) Tentakeln, so wie von ihrer Fuss-
scheibe Gebrauch machen.
Schon vor mehreren Jahren (J. B. für 1858) haben wir
unseren Lesern die Mittheilung" gemacht, dass der verdiente
Actinologe Gosse die Herausgabe einer Monographie der
brittischen Seerosen begonnen habe. Nach erfolgtem Ab-
schlüsse liegt dieses Werk jetzt vollständig vor uns. Es
ist ein stattlicher Octavband unter dem Titel: Actinologia
brittannica , a history of the british Sea-Anemones and
Madrepores (XL und 362 Seiten, London 1860), mit elf
kostbaren, nach dem Leben gezeichneten und gemalten
Tafeln, die unsere Thiere in der vollen Schönheit ihrer
Formen und Farben zeigen und es begreiflich machen, wie
deren Cultur (mit den Seewasser - Aquarien) in England
allgemeinen Eingang finden und sich sogar zu einem förm-
lichen Betriebszweige entwickeln konnte. Das vorliegende
Werk wird nicht verfehlen, unseren „Blumenthieren" zahl-
reiche neue Verehrer zuzuführen. Aber nicht bloss für
den Dilettanten , auch für den Zoologen ist dasselbe von
höchster Bedeutung. Wir besitzen kein zweites Werk über
Actinien, dass eine gleiche Fülle selbstständiger Beobach-
tungen aufzuweisen hätte. Es sind nicht weniger, als 63
Arten, die hier nach jahrelangen eigenen Untersucliungen
sorgfältig und genau beschrieben werden. Und darunter
finden sich viele mit 6, 8, 12 und noch mehr verschiedenen
Varietäten. Bis auf 11, zum Theil zweifelhafte Arten
liegt die ganze Actinienfauna der Brittischen Küste vor uns:
fast die doppelle Anzahl von Species, als sie in Jonston's
bekannter Zoophytology verzeichnet stehen. Wie gross
die Verdienste sind, die sich unser Verf. um diesen Zweig
der Brittischen Zoologie erworben hat , geht schon daraus
hervor, das sich die Zahl der neu von ihm entdeckten
Arten, auf 33 beläuft. Allerdings sind diese nur zum
geringen Theile (13) hier zum ersten Male beschrieben,
allein dafür gehören diese letzteren gerade zu den ausge-
334 L c u c k n r t : Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
zeichnelslen Formen (namentlich Bolocera eques und Aureliana
augusta). Von besonderem Interesse sind die Mittheilungen
über die fusslosen Actinicn und die im lebenden Zustande
bisher nur wenig zur Beobachtung gekommenen Caryo-
phyllaceen. Das Hauptverdienst unseres Verf.'s ist aller-
dings ein systematisches , doch andererseits fehlt es auch
nicht an gelegentlichen Bemerkungen über Bau, Entwicke-
lung, Missbildungen, Lebensweise u. s. w. Auch die vor-
ausgeschickte anatomisch-physiologische Uebersicht enthält
mancherlei schätzenswerthe Angaben, besonders über die
Bildung der Angelorgane und Angelfäden (acontia) die
unsern Verf. schon einmal bei einer früheren Gelegenheit
(J. B. XXV. S. 212) beschäftigt haben. Die sog. Cardiacal-
wülste werden als Geburtskanäle (gonidial grooves) bezeich-
net, die zur Ausstossung der jungen Brut dienten. Sie bil-
den bei einzelnen Arten einen verschieden grossen röhren-
förmigen Vorsprung neben dem Munde, wie z. B. bei Peachia
(= Siphonactinia Kor. Dan.), wo dieser Vorsprung überdiess
in einen mehr oder minder tief gelappten Löffel (conchula)
ausläuft. Sagartia troglodytes ist nach unserem Verf. (p. 99)
hermaphroditisch , während sonst die Trennung der Ge-
schlechter allgemeines Gesetz bei den Actinien zu sein
scheint. In Betreff der ungeschlechtlichen Vermehrung
zeigen sich mancherlei Verschiedenheiten. Actinoloba dian-
thus und Sagartia miniata vermehren sich durch Knospung,
Anthea Cereus durch Längstheilung u. s. w. Als eigen-
thümliche Erscheinung erwähnt Verf. die bei manchen Sa-
gartien nicht selten vorkommende Verlängerung eines Ten-
takels um mehr als das Doppelte seiner normalen Länge.
Der systematische Inhalt des Werkes erhellt am be-
sten aus folgender Uebersicht :
I. Tiib. Astraeacea. Tentacles inany, in impeifect series
or scuttered ; (corallum, when present, calcareous, consisling of cells
containing niany radiating plates ; the plates prolonged outward be-
yond the cells which exclose theni).
'^^ Kon-coralligenous. Base adherent at pieasure.
Farn. 1. S ag artiad ae. Tentacles simple. Colunin pierced
with loop-holes.
"'^'-r^ Gen. Actinoloba Blainv. Tentacles moderately long, slender.
der niederen Thiere während des Jahres 1860. 335
Disk perfeclly reciactile. CoUimn destitute of suckers. Sp. A. dian-
thus Ellis.
Gen. Sacjar lia Gosse. Tentacles modcrately long, slender.
Disk perfectly retractile. Colnmn furnished wilh suckers. Sp. S.
bellis Ellis, S. miniata Gosse, S. rosca Gosse, S. oinata Iloldsw., S.
ichthyostoma n. sp., S. venusta Gosse, S. nivea Gosse, S. sphyrodola
Gosse, S. pallida Holdsvv., S. pura Gosse (= S. pellucida Alder), S.
coccinea Zool. Dan , S. troglodytes Johnst., S. viduata Zool. Dan., S.
parasitica Couch (= A. effoeta Rapp.), S. (?) chrysosplenium Cocks.
Gen. F hei Ha Gosse. Tentacles moderalely long, slender.
Disk perfeclly retractile. Colunin clothed with a rough epidermis.
Sp. Ph. niucrocincta Gosse, Ph. gausapata Gosse, Ph. picta n. sp.,
Ph. Brodricii n. sp.
Gen. Ada msi a Forb. Tentacles moderately long, slender.
Disk imperfectly retractile. Base annular. Parasitics on shells. Sp.
A. palliata ßoh.
Gen. n. Gregoria. Tentacles moderately long, slender. Disk
imperfectly retractile. Base entire. Kot parasitic. Sp. n. Gr. /"e-
nestrata.
Fam. 2. Änthe adae. Tentacles simple. Column imperforate,
smooth. Margin simple.
Gen. Aiptasia Gosse. Mouth normal. Skin smooth. Column
long, trumpet-shaped, furnished with acontia and cinclides. Sp. A.
Couchii Forb.
Gen. Anthea Johnst. Mouth normal. Skin smooth. Column
Short, broad, destitute of aconthia and cinclides. Sp. A. Cereus Ellis.
Fam, 3. Actiniad ae. Tentacles simple. Column imperforate,
smooth. Margin beaded.
Gen. Actinia L. Skin smooth. Destitute of aconthia. Sp. A.
raesenibryanthemum Ell.
Fam. 4. B uno didae. Tentacles simple. Column imperforate,
warted.
Gen. Tealia Gosse. Disk and tentacles retractile. Tuhercles
conspicuous, of one kind only in the form of rounded warts, irre-
gularly scattered. Sp. T. digitata Zool. Dan., T. crassicornis Zool. Dan.
Gen. Bunodes Gosse. Disk and tentacles retractile. Tuher-
cles conspicuous, of one kind only, arranged in vertical lines. Sp.
B. gemmacea EH., B. thallia Gosse, B. Baillii Cocks, B. corona-
tus Gosse.
Gen. Hormathia Gosse. Disk and tentacles retractile. Tu-
hercles conspicuous, of one kind only, arranged in a Single horizon-
tal line. Sp. H. Margaritae Gosse.
Gen. Bolocera Gosse. Disk and tentacles not retractile. Tu-
hercles conspicuous. Sp. B. Tuediae Johnst., B. eqves n. sp.
336 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Gen. Stomphia Gosse. Disk and tentacles retractile. Tubercles
obsolate. Sp. Sl. Churchiae Gosse,
ff Kon-coralligenous. Base non adherent.
Farn. 4. I ly anthidae. Lower extreniity rounded, simple.
Gen. Peachia Gosse. Tentacles of one kind, marginal. Co-
lumn thick, pear-shaped. Mouth with a papillate gonidial tube. Sp.
P. hastata Gosse, P. undata Gosse, P. triphylla n. sp.
Gen. Ily anthus Forb. Tentacles of one kind, marginal. Co-
lumn thick, pear-shaped. Mouth simple. Sp. J. scolicus Forb., J.
Mitchellii Gosse.
Gem. Edwardsia Quatref. Tentacles of one kink, marginal.
Column slender, long, worm -shaped. Invested with an epiderniis.
Sp. Edw. callimorpha Gosse, E. carnea Gosse.
Gen. Halcampa Gosse. Tentacles of one kind, marginal.
Column slender, long, worm-shaped. Without an epidermis. Sp. H.
chrysanthellum Peach, //. microps n. sp.
Gen. Ar achn actis Sars. Tentacles of two kinks, marginal
and gular. Naked ; freely swimming. Sp. A. albida Sars.
Gen. Cerianthus Delle Ch. Tentacles of two kinds, marginal
and gular. Column inferiorly perforate. Dwelling in a membranous
tube ; sedentary. Sp. C. Loydii Gosse.
Trib. II. C ary ophyll acea. Tentacles many, in two or more
series ; mostly increasing by laterall buds; generally depositing a
corallum, wich is invariably calcareous and many-rayed.
f Without a corallum.
Fam. 1. C apneadae. Simple.
Gen. Capnea Forb. Tentacles truncate. Sp. C. sanguinea Forb.
Gen. n. Aureliania. Tentacles crowned with bilobed heads.
Sp. n. A. augusta, A. heterocera Thomps.
Gen. Corynacti s Allm. Tentacles crowned with globose
heads. Sp. C. viridis Allm.
Fam. 2. Zoanlhidae. Compound.
Gen. un. Zo anthus Cuv. (incl. Gen. Palythoa, Mamillifera
and Corticifera). Sp. Z. Couchii Johnst., Z. sulcatus n. sp., Z. Al~
deri n. sp.
ff With a corallum.
Fam. 3. Turhinolia dae. Substance of corallum solid. Inter-
septal Chambers free.
Gen. Caryophyllia Lam. (= Cyathina Ehrbg.) Palules in a
Single circle. Columella of many slender twisted plates. Adherent.
Sp. C. Smilhii Stokes.
der niederen Thiere während des Jahres 1860. 337
Gen. Paracyathus Edw. and H. Palules in severy circles.
Coluriiella broad and irregulär in form. Adherent. Sp. nn. P. Taxi-
lianus, P. Thulensis, P. pteropus.
Gen. Sphenotrochus Edw. et H. Columella a Single plate.
Withoul palules. Free. Sp. Macandrewanus Edw. et H.. Sp. Wrigh-
tii Gosse.
Gen. VI ocijathus Sars. Columella and palules entirely ab-
sent. Free. U. arcticus Sars.
Fam. 4. Oculinadae. Substance of coralluni solid. Inter-
septal chambres crossed by dissepiments. Cavity gradually filling up.
Gen. Lophoheli a Edw. et H. L. prolifera L.
Fam. 5. Angiadae. Substance of corallum solid. Interseptal
chambres crossed by dissepiments. Cavity permanenliy open.
Gen. n. Hoplangia Gosse. H. durotri\ Gosse (= Phyllangia
americana Gosse).
Fam. 6. Eupsammiadae. Substance of corallum porous.
Gen. B alanophyllia Wood. B. regia Gosse.
Lütken handelt über die an den Dänischen Küsten
einheimischen Actiniaden (Naturh. Foren. Vidensk. Medde-
lelser 1860. p. 184—201).
Er zählt deren sieben auf: Actinia (Actinoloba) dianthus , A.
(Chondractinia subgen. n.) digilala, A. (Cribrina s. Tealia) crassicor-
nis, A. (Paractis s. Sagartia) viduata, Edwardia duodecimcirrata Sais ?,
Ilyanthus scolicus Forb. ? , Cerianthus vermicularis Forb. ? , hebt de-
ren wichtigste Kennzeichen hervor und sucht dann die Synonymie
derselben festzustellen. Wir entnehmen aus den Bemerkungen unse-
res Verf., dass A. digitata und A. nodosa migliclier Weise blosse
Varietäten sind , wie denn auch andererseits die A. coccinea wahr-
scheinlicher Weise bloss den Jugendzustand der A. crassicornis re-
präsentirt. Besonders reich ist die Synonymie der A. viduata, der
Verf. u. a. auch A. undata Zool. Dan., A. Candida Zool. Dan., A.
rufa Müll., Entacmaea rosula Ehrbg. und Isacmaea simplcx Ehrbg.,
A. radlata Lt. (diese letztere, wie ich schon seit lange mich über-
zeugt habe, mit vollem Rechte), A. anguicoma Johnst. zurechnet.
Ueber Anthea Cereus, Sagartia nivea v. n. , S. rosea, S. dian-
thus, S. troglodytes (?), Bunodes crassicornis, Bunodes gemmacea und
Actinia mesembryanthemum von der Westküste Irlands vgl. Foot,
Kat. bist. rev. VII. Proc. Acad- p. 392.
Unter dem Namen Philomedusa Vogin (n. gen.
et n. sp.) beschreibt F r. M ü 11 e r in Desterro einen 3 — 5 Ctm.
grossen actinienartigen Polypen , der als Schwarotzer auf
AroMv f. Nalurg. XXVII. Jahrg. 2. Bd. W
338 Leuckail: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Medusen lebt, in Menge namentlich an einer Chrysaora
gefunden wurde, wo derselbe an den Armen, in den Ge-
sciilechtshöhlen, im Magen und dessen Nebentaschen sitzt,
von den Fangfäden, Genitalien, Magenfäden u. s. w. seines
Trägers sich ernährend. Das Gen. Pliilomedusa ist übrigens
aller Wahrscheinlichkeil nach dasselbe, das von Agassi z
kurz zuvor (J. B. XXVI. S. 212) unter dem Namen Bici-
dium aufgestellt und kurz charakterisirt ist. Beide stimmen
wenigstens darin überein, dass sie an Medusen schmarotzen
und 12 kurze und plumpe Tentakel besitzen. Die Tentakel
von Philomedusa sind übrigens, wenn auch nahezu von
gleicher Grösse , abwechselnd etwas kürzer und länger,
wahrscheinlich also zweien verschiedenen Kreisen angehö-
rend. Zwischen je zwei Tentakeln beginnend durchziehen
12 seichte Längsfurchen die Oberfläche des Körpers , um
in der Mitte des abgerundeten Hinterendes strahlenförmig
zusammenzustossen. An dieser Stelle findet man (wie bei
anderen ähnlichen Formen, z. B. Cerianthus, Peachia) eine
meist allerdings geschlossene grosse OefFnung zum Aus-
tritte des Wassers und in einiger Entfernung von derselben
zwischen je zweien der oben erwähnten Längsfurchen noch
eine Reihe kleinerer Oeffnungen, die je bis zu 20 her-
anv»^achsen können. Die äussere Oberfläche des Körpers
trägt einen Flimmerüberzug, und einen eben solchen erkennt
man auch im Innern der Leibeshöhle. Der Mund erscheint
als ein weit offener Trichter, dessen Oeffnung von 11 Wülsten
eingefasst wird, die ebenso vielen Tentakeln entsprechen.
Der eine wulstlose Tentakel steht am oberen Ende einer
Cardiacalrinne, deren seitliche Ränder sich in der ganzen
Länge des Magens in Form einer Röhre zusammenlegen
können. Die weite, meist mit Wasser aufgeblähele Leibes-
höhle ist um den Magen herum durch muskulöse Wände
in 12 Kammern getheilt, je eine für einen Tentakel, doch
so, dass am Vorderende in diesen Scheidewänden zur Com-
munication zwischen je zwei benachbarten Kammern ein
rundes Loch bleibt. Nach hinten setzen sich dieselben in
Form von niedrigen Vorsprüngen bis ans Ende des Leibes
fort. Von der Insertion des Magens bis zum Anfange des
der niederen Thiere während des Jahres 1860. 339
hintersten Dritltheils oder Viertels sind die Scheidewände
mit einer welligen Krause eingefasst, deren freier Rand
zu einem Wulste verdickt ist. Unstreitig ist dieser Rand-
wulst als Mesenterialfaden zu betrachten , während die
Krause, die ihn trägt, später zur Entwickelung der Ge-
schlechtsorgane bestimmt ist. Bis jetzt gelang es übrigens
noch nicht, ein geschlechtsreifes Thier zu beobachten. In
der Länge und Entwickelung der Krause finden sich manche
Unterschiede, die eine fauch schon in Mund und Ten-
takelhau angedeutete) bilaterale Symmetrie in Bezug auf
eine durch die Längsachse und die Cardiacalrinne gelegte
Ebene anzeigen. Die Anheftung des Körpers geschieht an
jeder beliebigen Stelle, wahrscheinlich mittelst der Nessel-
fäden, die nach der Ansicht des Verf. 's auch in den Fang-
fäden der Quallen grössere Dienste als Haftorgane, denn
als Waffen zu leisten scheinen. Die Bewegung ist sehr träge
und die Resistenzkraft so bedeutend, dass das eine kleinere
Thier mitunter wochenlang in der Leibeshöhle des anderen
grösseren ausdauert. (Archiv für Naturgesch. 1860. L
S.57— 64. Taf. II).
Das Vorkommen dieser Schmarotzeractinien ist übrigens
nicht auf die Amerikanischen Küsten beschränkt. Ein ganz
ähnlicher Polyp wurde von Wright (New Edinb. phil.
Journ. 1860. Vol. XII. p. 156) an dem Mundstiele einer
Schottischen Thaumantias aufgefunden und einstweilen als
eine Peachia (P. Fultoni n. sp.) beschrieben, obwohl es Verf.
nicht entgangen ist, dass namentlich die Bildung der an den
vierkantigen Magen sich festsetzenden Scheidewände kei-
neswegs die gewöhnlichen Verhältnisse darbietet. Auch
Wright fand sein Exemplar ohne entwickelte Geschlechts-
organe, Nach der Darstellung Wrigh t's setzen sich von den
12 Scheidewänden 8 an die 4 Firsten des Magens an und
zwar an die eine (obere) Firste 4, an die gegenüberlie-
gende (untere) 2 und an die beiden seitlichen Firsten je 1.
Die 4 anderen Scheidewände stehen mit der Magenfläche
in Verbindung und unterscheiden sich von den übrigen
weiter auch durch den Mangel eines Mesenterialslranges.
Cerianthtis bovealis n. sp. unterscheidet sich von den übrigen
340 L e u c k a r l : Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
bis jetzt bekannten Arten dieses Geschlechts durch die geringe Menge
seiner Fühler. Das Rohr hat fast die doppelte Lange des Körpers.
Von der Skandinavischen Küste. Daniels en, Forhand. Vidensk. selsk.
Christiania 1859. p. 251.
Der erst jetzt (1860) erschienene dritte Band von
Milne Edwards, bist, naturelle des Coralliaires (561 p.)
behandelt ausser den Lucernariaden , die wir schon oben
berücksichtigten, und den Fungiden (p. 1 — 88) die Gruppe
der Perforata (p. 89— 222), Tabulata (p. 223— 318), Tubu-
losa (p. 319—322) und Rugosa (p. 323—454) mit ihren ein-
zelnen Familien und Arten. Ausser Stande, dem Verf. in
die Einzelnheiten seines Systemes und seiner Beschreibungen
zu folgen, beschränken wir uns auf nachfolgende Ueber-
sicht der hier aufgestellten Familien, für alles Uebrige auf
das Original verweisend.
Die Gruppe der Madreporaires perfores (J. ß. XXIV. S. 170)
wird von unserem Verf. folgenderrnaassen eingetheilt ;
A. Le Systeme mural bien developpe et simplement poreux ; les
cloisons prinoipales lamellaires et peu ou moins perforees (Ma-
d r e p o r i d es),
a. Le polypier ne presente pas de coenenchyme independant
Eupsamminae.
b. Le polypier offre un coenenchyme tres
abondant; les six cloisons principales
a. inegalement developpees ; deux beau-
coup plus grands que les autres . . Madreporinae.
ß. egalement developpees Turbinarinae.
B. Le polypier entierement conipose de scleren-
chyme reticule ou trabiculaire et l'appareil
costal compose seulement de series de tra-
biculcs. (Poritides).
a. Le coenenchyme est rudimentaire ou nul Poritinae.
b. Le coenenchyme est spongieux ou areolaire
bien developpe Montiporinae.
Madreporaires tabules (a. a. 0.), dont le po-
lypier :
a. est pourvu d'un coenenchyme abondant,
de structure
«. cellulaire ou tubulaire, foliace ou massif Milleporidae.
ß. compacte; en touffe arborescente . . Seriatoporidae.
der niederen Thiere während des Jahres 1860. 341
b. n'offre que peu ou point de coenenchyme,
et les murailles soudees directernent entre
elles et
a. lamellaires Favositidae.
ß. epaisses et compactes Thecidae.
Die Gruppe der Madreporaires tubulaux be-
steht nur aus einer einzigen Familie :
Polypier simple ou compose. Murailles non
perfoiees. Cavites viscerales ne presentant ni co-
lunielle, ni planchers, ni cloisons. Systeme costal
rudinientaire et represente seulement par des stries
costales non saillantes ä la face interne des mu-
railles Auloporidae.
Madreporaires rugeux (a. a. 0.) , dont la
polypier:
a, est pourvu d'un appareil costal bien di-
stinct ; cloisons
a. conipletes, s'etendant sans interruption
dans toute la hauteur de la chambre
viscerale et
0. unies par des traverses lamellaires Stauridae.
b. libres lateralenient ; ni traverses, ni
planchers Cyathaxonidae.
ß. incompletes, ne formaut pas de lames
conlinues dans toute la hauteur de la
chambre viscerale , qui est ordinaire-
ment subdivisee par une serie de plan-
chers superposes Cyathophyllidae.
b. est compose essentiellenient d'un tissu ve-
siculaire et ne presente que de faibles
traces d'un appareil septal Cystiphyllidae.
Die Genera und Arten sind auch dieses Mal wieder so ziemlich
dieselben, wie in den mit J. Uaime früher herausgegebenen Arbei-
ten unseres Verf. Zum Schlüsse wird in einen) eigenen Capitel
(p. 461 — 478) die geographische Verbreitung der Polypen, die Bildung
der Coralleninseln und die geologische Reihenfolge der fossilen Arten
behandelt.
Durch ein genaueres Studium der Pariser Originalexemplare
gewinnt V a 1 e n c i en n e s die Ueberzeugung, dassLamark's Madre-
pora corymbosa wenigstens drei verschiedene Arten in sich ein-
schliesst, die sich besonders durch die Länge und Form ihrer Zweige
von einander unterscheiden, eineM. corymbosa s. sl., M. ßabilis n. s]).
und M. corymbitisn. sp., sämmtlich aus den) grossen Indischen Ocean.
Dazu kommt noch eine Anzahl neuer Arien aus den Amerikanischen
342 JjCiicknrt: Bericht über die Leistungen in der INaturgeschichle
Gewässern : AI. flabelliformis IVIilne Edw., M. radicuns, M. circinata
und M. expansa, die trotz aller Analogie von den Arten des Indischen
Oceans verschieden sind. Cpt. rend. 1860. T. 50. p.1008, Annais
and »lag. nat bist. T. VI. p. 79.
Ueber Madrepora perampla aus VVestindien, M. stibaquila, M.
lubigera, Merulina speciosa, Agaricia anthrophylla, die letzten vier
von unbekanntem Fundorte, sämmtlich neu vergl. Ilorn, Proc. Acad.
Philad. 18G0. p. 435.
Gosse liefert bei der Beschreibung des britlischen
Zoanthus Couchii den Nachweis, dass das Gen. Mamillifera
Les. keinerlei wesentliche Unterschiede von Zoanthus dar-
bietet und demnach einzuziehen ist. (Aclinol. brit. p.295).
Die Angaben Holdsworth's über die Verschiedenheiten
im Vorkommen des Z. Couchii werden dabei vollständig be-
stätigt und durch die Thatsache erweitert, dass sich die-
selbe Art nicht selten auch auf Schneckenhäusern ansiedelt,
die von Paguren bewohnt sind. Das eigentliche Gehäuse
wurde in solchen Fällen freilich niemals vorgefunden — es
wird, wie Verf. annimmt, durch Absorption von Seiten des
Ansiedlers aufgelöst — aber die Höhlung desselben war mit
allen ihren Formeigenthümlichkeiten auf das Vollständigste
geblieben, auch nach wie vor von einem Pagurus einge-
nommen.
Ganz ebenso verhält es sich mit Zoanthus (Mamillifera^
incrustatus Dub. et Kor. der Norwegenschen Küste, der
aber nach Sars, welcher ihn einer neuen Untersuchung
unterzog (11. cc), durch eine grössere Fühlerzahl (36 — 40
statt 28) und eine andere Beschaffenheit der Körperober-
fläche von Zoanthus Couchii verschieden ist, wie die nach-
folgende Diagnose zeigt.
Coenoecium (15—16 Mm. longum, 6—7 Mm. latum) Paguro
inhabitatum, liberum, subovale, cochleiforme, intus excavaUim anfra-
ctibusS — 4 spiralibus ciicum columellam tortis, apertura ovali. Polypi
4 — 9, faciem dorsalem coenoecii occupantes, dislantes erecti; columna
eorum cylindrica (10 Mm. alta, 3 Mm. crassa), vertice (saepissime paulo
latiore, 4—5 Mm.) truncato, lobulis seu denticulis 18 — 20, triangula-
ribus, cute tenui unitis, aperturam columnae occludenlibus, praedito.
Cutis crassa columnae velut coenoecii per tolam crassitudinem arena
incrustata seu farcta ; pars protractilis polyporum tentaculis munita
36 — 40 biserialibus, alternantibus , elongato-conicis, acuminatis, lae-
der niederen Thiere während des Jahres 1860. 343
vibns (haiid verrucosis) , superioribus longitudine dimidiam parlein
jüametri disci oriilis aequantibus, inferioribus brevioribus. Color cine-
reus, disco orali tentaculisque aurantiacis aut miniaceis.
Eine zweite neue Art, Zoanthtis arcticus Sars, wird beschrieben
wie folgt: Coenoecium saxis adnatiiin, tenue, crustaceum, parvum,
nuniquam intus excavatuui aut Paguro inhabitatum. Polypi velut coe-
noecium arena incrustati, priori speciei siiiiillimi , sed iongiores
(15 — 16 Mm. alti , 3 — 4 j\lm. crassi), singuli aut bini , basi connati,
approximati, erecti, vertice denticulis 15 — 19; pars protractilis poly-
porum tentaculis munita biserialibus 30 — 38, superioribus longitudine
dimidium partem disci oralis superantibus, inferioribus brevioribus.
Color fusco-cinereus, disco orali tentaculisque roseis aut miniaceis,
apice tentaculorum interdum flavo.
Die von Gosse neu aufgestellten zwei Zoanthusarten : Z. sul-
calus und Z. Alderi (1. c) sind ganz oder doch wenigstens in ihrer
oberen Hälfte ohne Einlagerung von Sandkörnern. Letztere bei den
durch 22 Längsfurchen (und eben so viele Tentakel) ausgezeichneten
Z. sulcatus.
Auch Lorenz entdeckt (im Quarnero) eine neue Mamillifera,
M. nnivittala n. sp., und giebt derselben folgende Diagnose : Stromate
coriaceo rugoso crassiusculo ; polypis subconfertis cylindricis supra
clavatis , 1 — 2'" crassis, 8 — 4'" longis, colore Zanziberis cum vitta
rubida infra clavae marginem superiorem ; margine hac ipsa 15 lobulis
membranaceis rectangulis acuminatis instructa; tentaculis 30 in duas
series dispositis, colore cinnamomea, pellucidis ; lamellis intertenta-
cularibus 30, e bifurcatione 15 lamellarum os centrale circumdan-
lium et radialiter divergentium oriundis. E sinu flanatico maris
adratici. Wiener Sitzungsber. Math.-naturg. Kl. 1860. Bd. 39. S. 673
mit Abbildungen.
Gray ist der Ansicht, dass die von Brandt (J. B.
XXVI. S. 213) in seiner Arbeit über die Hyalochätiden
unterschiedenen Arten kaum mehr als blosse Varietäten einer
einzigen Species sind, die nach der Bildung der Polypen au-
genscheinlicher Weise mit Corticifera und Mamillifera die
meiste Verwandtschaft hat, sich von diesen aber durch
die Anwesenheit einer aus Kieselfasern bestehenden Achse
unterscheidet. Er wiederholt dabei die Behauptung, dass
der Stamm der Hyalochätiden beständig in einen Schwamm
eingesenkt sei, den er somit denn auch als den genuinen
Wohnplatz des Polypen betrachten müsse. Annais and mag.
nat. bist. T. V. p. 229.
Durch neuere Untersuchungen ist die Existenz dieses
344 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
basalen Schwammes an den Hyalochätiden ausser allen
Zweifel gestellt. Es hat sich sogar, wie schon im ver-
gangenen J. B., bei Gelegenheit der Brand l'schen Arbeit
beiläufig erwähnt wurde, herausgestellt, <lass die Kiesel-
fadenbüsche, die Gray und Brandt als die Achse ihrer
Polypen betrachteten, dem ansitzenden Schwämme zugehö-
ren und mit diesem einen gemeinschaftlichen Körper aus-
machen, der nur gelegentlich von fremden Ansiedlern be-
wohnt wird.
Der Erste, der diese Ansicht (schon im Jahre 1850)
aussprach, war Valenciennes, wie wir aus Millne
Ed ward's Werke über die fossilen Corallen Englands,
so wie der Hist. nat. des Corall. T. I. p. 234 entnehmen.
Das Urtheil von Valencienn es erscheint um so gewich-
tio-er, als der berühmte Forscher zu den besten Kennern
der Gorgoniden gehört, allein es wurde trotzdem nur wenig
beachtet, vielleicht desshalb , weil bei der aphoristischen
Art der Mittheilung Niemand im Stande war, den Umfang
der Specialunlersuchungen zu schätzen, die diesem Aus-
spruche zu Grunde lagen.
Auch Leidy hält es kaum für zweifelhaft, dass die
der Kieselfaserachse aufsitzenden Polypen als Parasiten auf
dem Skelete eines Schwammes zu betrachten seien und
verweist zur Begründung dieser Ansicht auf einen von St.
Cruz stammenden Schwamm (Eupectella?), der eine etwa 3"
grosse ovale Masse bildet und an dem einen Ende einen
ungefähr 2" langen Schopf von Kieselnadeln trägt, die nur
durch ihre Grösse von denen der Hyalonema verschieden
sind. Proc. Phil. Acad. 1860. p. 85.
Ehrenberg spricht sich gleichfalls (Verhandl. der
Berl. Akad.1860. S. 173— 182) entschieden gegen die An-
nahme aus, dass der Kieselfadenstrang der Hyalonemen das
Achsenskelet eines Polypen darstelle. Die Polypennalur
der aufsitzenden Kruste kann er allerdings nicht in Abrede
stellen, aber die eingeschlossenen Kicselfäden erkennt er
an dem bisher übersehenen Achsenkanale und anderen
Charakteren bestimmt als Produkt einer Spongie. Freilich
glaubt er nicht, dass der ganze Schopf einem einzigen
der niederen Tliiere während des Jiihres 1860. 345
Schwämme angehöre. Er ist vielmehr der Ansicht, dass
die Fasern von den Japanesen aus grossen Tethyen einzeln
gesammelt und künstlich in einen Schopf zusammengedreht
würden, der dann entweder in röhrenförmige, den Paly-
Mioen verwandte Lederkorallen hinein- und durchgezwängt
oder mit einzelnen daran befestigten Polypen ins Meer
gesenkt werde, damit die letzlern durch Fortbildung
schliesslich förmliche Futtelrale bildeten. Auch die Ver-
bindung- mit dem Schwämme hält Ehren bero- nur für
eine künstliche.
Zur Entscheidung kam die hier vorliegende Frage
aber erst durch Max Schnitze, der uns durch seine
Untersuchungen die Hyalonemen als eine der interessante-
sten Formen der Kieselschwämme kennen lehrte und dar-
über mit einer Vollständigkeit und Genauigkeit berichtet
hat, die über die Natur derselben nicht den geringsten
Zweifel lässt. Wir werden auf diese Untersuchungen bei
den Poriferen zurückkommen und erwähnen hier nur soviel,
dass die der Achse aufsitzenden Zoanthinen vom Verf.
vorläulig als Repräsentanten einer einzigen Species, Faiy--
tliua fatua n. sp., betrachtet werden. Dieselben sind übri-
gens gewöhnlich so stark zusammengezogen, dass ihre
Polypennatur zumeist nur durch die zahlreich eingelagerten
Nesselkapseln bewiesen wird. Die unterste Schicht der
Polypenrinde erscheint als ein reticuläres Gewebe, dessen
Balken ein braunes, fast horniges Aussehen haben und
stellenweise in die darüber liegende hellere Körpersubstanz
sich fortsetzen. In den schornsteinförmigen Oscula des
Basalschwammes sind gleichfalls Ueberreste eines hier
schmarotzenden Polypen nachweisbar. Die Hyalonemen, ein
Beitrag zur Naturgeschichte der Spongien , Bonn 1860.
S. 25 ff.
VonSars erhielten wir in der oben erwähnten Arbeit
über Nordische Coelenleraten Mittheilungen über ein neues
Alcyonium (A. fruticosum) , das sich von dem mittelmeeri-
schen A. palmatum haupsächlich durch eine reichere Ver-
zweigung unterscheidet, und über Rhizoxenia arctica n. sp.
Alcyonium fmticosum wird also cliarakterisirt : Basis (pes sterilis)
346 L c u c k a r t : Bericht über die Leistungen in der IVatiirgeschiehte
1 — 2" lata, saepius lobata, membranacea, expansa aliena corpora ob-
ducens. Slipes eiediis, cylindricus, tiipüllicaiis, '/a" crassiis, iindique
ramis densis obsitus; rami pollicares aut minores, apice obtusc ro-
tundalo, raiiiulis siniilibus brevioribus praediti. Polypi niagni , in
verrucas (columnas) fere heniisphaericas ocloradiatas retractiles. Color
pallide miniaceus seu aurantiacus, basi rubicundo-grisea aut plumbea,
polypis roseo-albis hyalinis.
Rhizoxenia arctica zeichnet sich vorzugsweise durch die cylin-
drische Form und die Grösse ihrer Zellen, wie die Menge und die
Längsstreckung ihrer Kalknadcln aus. Cinereo-grisea, undique spi-
culis elongato - fusiforrnibus , subarcuatis albido -hyalinis dcnsissime
farta. Basis communis repens, recta aut tortuosa, linearis, tenuissima,
plana, 2 — 3" longa, Vs'' lata; cellulae polypiferae (columnae) cylin-
dricae, maximae, Vj— Va" altae, Vio" crassae, polypi albido-hyalini,
retractiles.
Gray's Revision of tlie Family Pennatulidae (An-
nals and Mag. nat. hist. T. V. p. 20—25. PL 111 und IV)
giebt in Anschluss an H e r c 1 o t s bekannte Monographie (J. B.
XXV. S. 219) eine Aufzählung der bis jetzt bekannten
Arten, mit eingestreuten kritischen Bemerkungen, Diagnosen
neuer Formen und Aufstellung von Unterabtheilungen in
den Genera Funiculina , Virgularia , Pennatula , Pleroidcs
und Sarcoptilus.
Das Genus Pteromorpha Hcl. wir als unberechtigt mit Pteroides ver-
einigt, dagegen die Renilla Edwardsii zum Typus eines neuen Genus
Herclotsia mit folgender Diagnose erhoben : Disk expanded; upper
surface armed with spicule surrounding the edge of the cells ; lower
moderately striated. The stem inserted in a deep notch on the lower
edge, aud separated from the disk by a well-defined groovc. Polypes
few, placed in series.
Das Genus Renilla wird dabei folgendermaassen charakterisirt :
Disk smooth above and beneath, without spicula and continued into
the stem. Polypes numerous.
Die bloss nach dem steinernen Achsenskelet beschriebene Funi-
cularia cylindrica Lam. wird zu Prininoella Australasiae Gr. gezogen,
also in eine ganz andere Gruppe verwiesen. Die neu beschriebenen
und theilweise abgebildeten Arten sind: Pteroides oblonga ausjAustra-
lien, [Pt. Jukesii ebendab., Sarcoptilus sinuosus aus Keu-Guinea, S.
Gurneyi aus Californien, Sarcobelemnon australasiae aus Australien
und Retiilla sinuata von den Philippinen.
Dani eisen liefert (Forhandl. Vidensk. selsk. Chri-
stiania 1859. p.251) eine kurze Beschreibung zvi^eier neuen
der niederen Thierc während des Jahres 1860. 347
Arten aus den Gen. Virgularia und Pennatula. Die erstere
V. elegans, charakterisirt sich durch die Anwesenheit lan-
ger Kalkstähe an den Seitenflossen, die bis über das Ende
derselben hinausreichen, den Polypenzellen aber fehlen,
während die zweite, Pennatula aculeata ^ durch ziemlich
lange Stacheln auf der Rückenfläche des Stammes von P.
phosphorca (von der sie übrigens vielleicht nur eine Va-
rietät darstellt) verschieden ist. Beide aus Christiansund.
Harting, Miquel und van der Hoeven berich-
ten im Auftrage der Holländischen Akademie über ein
eigenthümliches, der Gruppe der Pennatuliden zugehörendes
Geschöpf, das in der Banda-Sec aus grosser Tiefe hervor-
gezogen wurde und den Typus eines neuen Genus (Cri-
nillum) bilden dürfte. Leider lag den Berichterstattern
nichts als das etwa 1 Mm. dicke und 18 Centimeter lange
vierkantige Achsenskelet und eine von dem Schiffslieutenant
And ran angefertigte Farbenzeichnung vor. Das Parenchym
des Thieres , das eine fast gallertartige Beschafl'enheit ge-
habt haben soll, war kurz nach dem Einfangen zerflossen.
Die Abbildung zeigt einen langen, ziemlich plumpen Schafl,
dessen etwas schlankes Ende eine grosse gelbliche „Blume''
trägt, die fast an eine Lilie erinnert, 4 oder 6 Blätter ge-
habt haben soll und von Harting als ein 4- (oder 5-) ar-
miger grosser Polyp in Anspruch genommen wird. Darauf
hin bekommt das neue Genus die Diagnose: Corpus elon-
gatum, gracile, axe osseo longo quadrangulari quadri-sul-
cato. Polypus magnus , solitarius, terminalis tentaculis
glabris quatuor (?). Abweichend von dieser Ansicht glaubt
van der Hoeven den blüthenartigen Kopf des Schaftes
nicht als einen Polypen , sondern als eine mehrblättrige
Ausbreitung des Schaftes in Anspruch nehmen zu müssen,
auf der eine Anzahl kleiner, vielleicht nur wenig vorstreck-
barer Polypen aufsitzen. Obwohl die Abbildung von die-
sen Polypen keine Spur zeigt, trägt Ref. doch nicht das
geringste Bedenken, die Deutung von van der Hoeven
für die richtige zu halten, nicht bloss, weil sich eine solche
Form durch Renilla ganz ungezwungen an die bisher be-
kannten Pannatuliden anreiht, sondern auch desshalb, weil
348 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der ISaturgeschichte
ein solilärer Polyp mit Achsenskelel — und 4 oder 5 Ar-
men — noch nicht bekannt ist, und jedenfalls, um anerkannt
zu werden, einer genaueren Begründung bedürfte, als sie
hier möglich war. Die Diagnose müsste dann natürlich in
entsprechender Weise so geändert werden, dass statt Po-
lypus u. s. w. stände: Pinnae polypiferae quinque, ianceo-
latae, terminales. Die Art ist als C. Siedenburgü bezeichnet.
Verslagen en Mededeelingen der köngl. Akademie van We-
tenschappen. Natuurkund. 1860. p. 286-^300 mit Abbild.
Nach einer beiläufigen Mittheilung von M. Schultze
(Hyalonemen. S. 2. Anm.) enthält Antipathes in dem or-
ganischen Ueberzuge seines Achsenskelets ganz dieselben
Kalkkörperchen, wie Gorgonia. Die von einem Längs-
kanale durchzogenen Kieselnadeln , die J. Haime bei A.
glaberrima in der Rinde gefunden haben will, rührten nach
der wahrscheinlichen Vermuthung unseres Verf.'s von pa-
rasitischen Spongien her.
Steenstrup veröffentlicht einige Bemerkungen über
einen neuen Korallpolypen iierop/i«/a (n. gen.) regia, der
sich theils durch die mit Kalksalzen imprägnirte feste und
runde Hornachse, theils durch die birnförmige Gestalt der
kleinen Polypen , theils auch und vorzugsweise durch den
äusserst regelmässigen Typus der Verzweigung in auffal-
lender Weise auszeichnet. Der Stamm wiederholt mit
seinen Zweigen den Bau eines mehrfach gefiederten Blattes,
d. h. die Zweige xter Ordnung stehen in zweizeiliger Anord-
nung alternirend an den Seiten eines Zweiges x — Iter Ord-
nung. Die Polypen sind theils an den Enden der Zweige,
theils auch an den Zweigen letzterer Ordnung zweizeilig
und alternirend angebracht, so dass kein Zweifel darüber
obwalten kann , dass die Zweige durch Auswachsen der
Polypenstiele entstanden sind. (Overs. kongl. danske Vi-
denskab. selsk. 1860. p. 126—133).
INacIi den Bemerkungen II o ms ist die von M ii n e Edwards in
seinen Hist. nat. Corall. beschriebene Xiphogorgia setacea nicht mit der
gleichnamigen Species Dana's identisch, sondern mit der Gorgonia
juncea der älteren Zoologen, die übrigens mit der Dana'schen Gorg.
setacea und der Tterogorgia simplexVal. immerhin unter dem Genusnamen
Xiphogorgia abgetrennt werden mag. Proc. Acad. Fhiiad. 1860. p. 307.
der niederen Thiere während des Jahres 1860. 349
Derselbe beschreibt als neu : Lophogorgia clavala und L. au-
rantiaca, beide von unbekanntern Fundorte, Rhipidigorgia Engelmanni
von Mazallan, ibid. p. 233.
Ebenso Gray: Corallium Johnsonii, Antipathes (Cirripathes)
setacea und A. gracilis , sämnitlich aus Madeira, Annais nat. hisl.
T. VI. p 311 , Dislichopora n. sp. aus Keu - Caledonien, Proc. zool.
Soc 1860. p. 244.
In einer späteren Mittheilung (Proc. Roy. Soc. 1860. Nov.,
Annais nat. bist. Vol. VII. p. 214) giebt derselbe eine ausführlichere
Beschreibung des neuen Corallium, das sich nicht bloss durch die
weisse Farbe seines Achsenskeletes, sondern auch durch flächenhafte
Ausbreitung des Stockes und einseitige Stellung der Polypen auf der
Oberfläche (welche letztern ^Charakter es mit Dana's C. secundum
von den Sandwichs-Inseln gemein hat) von der gewöhnlichen Edel-
koralle unterscheidet.
Porifera.
Lecoq veröffentlicht Beobachtungen über eine grosse
Spongilla fluviatilis aus einem Gebirgssee des mittleren
Frankreichs (Cpt. rend. T. 50. p. 1116 u. 1165, T. 51. p. 5),
wo dieselbe in üppigster Fülle gedeihet und z. B. Zweige
von 4 — 5 Metres Länge in einer 5 — 6 Centimeter dicken
Schicht vollständig überzieht. Die vorliegenden Mittheilun-
gen betreffen vorzugsweise das eigentliche Schwammgewebe
(la matiere glaireuse), die Spicula und Oscula, so wie die
Fortpflanzungskörper (gemmulae), und verbreiten sich dann
weiter über das Zusammenwachsen verschiedener Stöcke,
über die Animalität und die Arten der Spongillen. Was
uns hier mitgetheilt wird, enthält übrigens nur Weniges,
das nicht schon von anderen Seiten beobachtet wäre. Die
neueren Untersuchungen, besonders von Lieberkühn,
die Verf. freilich nicht kennt, haben uns weit über den
Standpunkt desselben hinaus gefördert. Die thierische
Natur der Spongillen ist dem Verf. nicht zweifelhaft, trotz-
dem aber glaubt derselbe, die Poriferen mit den Algen in
eine gemeinschaftliche Reihe stellen zu müssen. Die äus-
sere Form der beobachteten Art gleicht am meisten der
Gmelin'schen Sp. lacustris und dafür möchte sie Verf.
auch bis auf Weiteres halten.
Staedeler bestätigt die Angabe von S ch lo ss ber-
ger, dass die Substanz des Schwammskelets von dem
350 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Fibroin der Seide verschieden sei und schlägt für den
charakteristischen ProteinstoiT desselben den Namen Spongin
vor. Annalen der Chemie und Pharmacie, CXI. p. 16.
Valencienncs beobachtete bei einem wohlerhaltenen
Exemplare eines anscheinend zu Spongia onicinalis gehö-
renden Schvvammes, der an der Attischen Küste gesammelt
war, das die ganze Substanz binnen einer halben Stunde
in einer schwachen Holzaschenlauge sich auflöste, während
das Gewebe des echten Badeschwammes bekannlich gegen
Alkalien äusserst resistent ist. Bei näherer Untersuchung
stellte sich weiter heraus, dass die Fasern desselben ohne
Zusammenhang und mit äusserst langen Kieselnadeln durch-
mischt waren. Verf. betrachtet diese Schwämme als Typus
eines neuen Genus Adyctia und kennt davon bereits
zwei Arten, eine Art aus Morea qA. Plutonis) und die oben
erwähnte (A Proserpinae) Cpt. rend. T. 51. p. 580. l'Instit.
Nr. 1380.
Nach den Untersuchungen Schultze's kann man nicht
länger daran zweifeln, dass der Schwammkörper und Kie-
sell'adenstrang von Hyalonema eine einzige und zusammen-
hängende Masse bildet, dass Hyalonema mit anderen Worten
einen Kieselschwamm von Faustgrösse und darüber darstellt,
dessen Scheitel einen mehr als fnsslangen Schopf von dicken
Kieselnadeln trägt. Dieser Schopf ist während des Lebens
aller Wahrscheinlichkeit nach nicht bloss von der organi-
schen Masse des Schwammes durchzogen, sondern auch in
eine dünne Kruste eingebettet, die sich nach unten ohne
Grenzen in den mit zahlreichen grossen Osculis versehenen
eigentlichen Schwammkörper fortsetzt. Das untere Ende
des Faserschopfes verläuft allmählich sich zuspitzend in der
Achse des Schwammkörpers und ist mit der Subslanz
desselben so innig vereinigt, dass es nicht einmal gelingt,
die einzelnen Fasern bis an ihr Ende zu verfolgen. Wäh-
rend die grösste Dicke dieser Fasern, die in einiger Ent-
fernung oberhalb der Mitte gefunden wird , mit der Dicke
einer gewöhnlichen Slricknadel übereinstimmt, läuft das
untere Ende in eine haarfeine Spitze aus, die kaum ein
Zwanzigstel Millimeter missl und in dem anliegenden Ge-
der niederen Thiere während des Jahres 1860. 351
wirre feinerer Kieselnadeln, die durch angetrocknete orga-
nische Substanz zu einer zusammenhängenden Masse verklebt
werden, allmählich vollsländig verloren geht. Aber nicht
bloss dieser anatomische Zusammenhang ist es, der die
Zusammengehörigkeit von Faserschopf und Schwammkörper
nachweist, sondern weiter auch die Uebereinstimmung im
Baue aller hier vorkommenden Harlgebilde. Schon Ehren-
berg hat hervorgehoben, dass die langen Kieselnadeln in
der Achse von einem Centralkanale durchsetzt seien, ganz wie
die Kieselnadeln der Spongien. Zu diesem Längskanale
gesellt sich nun aber nach den Untersuchungen unseres
Verf. ganz constant noch ein kurzer Querkanal, der fast
genau in der Mitte zwischen beiden Enden hervorkommt
und denselben unter rechtem Winkel kreuzt. Statt des
einen Querkanales finden sich mitunter deren auch zwei,
die dann gleichfalls unter rechtem Winkel von einander
abstehen. Dieselbe Eigenthümlichkeit kehrt nun aber ebenso
constant, und weit leichter nachweisbar, in allen Nadeln
des Schwammkörpers wieder. Ja noch mehr, sie liefert
zugleich den Schlüssel für das Verständniss aller der
übrigen neben den eigentlichen Nadeln im Schwammkörper
vorkommenden Hartgebilde. Sobald nämlich dieser Quer-
kanal länger, als ein Viertheil etwa des Dickendurchmessers
der Nadel geworden ist, markirt sich die Stelle, wo er liegt,
äusserlich durch zwei kleine Anschwellungen in der Rich-
tung der Kreuzschenkel. Diese können nun der Art aus-
wachsen, dass die Nadeln selbst Kreuzesform annehmen.
Was hier von dem einen Querkanale bemerkt wurde, gilt
in derselben W^eise auch von dem zweiten, so dass neben
den vierschenkligen Hartgebilden auch sechsschenklige
vorkommen. Es würde uns zu weit führen, wenn wir hier
mit unserem Verf. alle einzelnen Eigenthümlichkeiten und
Abweichungen dieser Gebilde betrachten wollten, zumal
sich dieselben im Grunde genommen auf gewisse einfache
Verhältnisse (Unterschiede der Grösse und Länge der Schen-
kel, abortive Entwickelung des einen oder anderen Schen-
kels, Zahnbildung an den Endästen u. s. w.) zurückführen
lassen. Nur das Eine wollen wir erwähnen, dass die Grösse
352 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der Nalurgeschichfe
dieser Hartgebilde in manchen Fällen, wie besonders an
den Amphidisken -artigen Körperchen, unter ein Hunder-
tel Linie herabsinkt. Die Unterschiede in der Grösse der
dem eigentlichen Schwammkörper und dem Faserschopfe
zukommenden Hartgebilde sind somit, wenn auch nicht
überall die gleichen, doch im Allgemeinen so bedeutend,
dass man vielleicht immer noch einigen Zweifel über die
Beziehungen derselben haben könnte. Unter solchen Um-
ständen ist es nicht ohne Wichtigkeit , dass Verf. in der
Achse des Fadenschopfes auch dünne und kurze Nadeln
von nur wenigen Zollen antraf, ja in dem unteren Ende die
Grösse derselben bis auf wenige Linien abnehmen sah. Da
die längsten Nadeln des Schwammkörpers, namentlich jene,
die strangweise in der Oberfläche eingebeilet sind , zum
Theil über 1 Linie messen, so wird der oben hervorgeho-
bene Unterschied dadurch ausgeglichen. So aufl'allend
übrigens die Organisation unserer Hyalonema ist, so steht
sie doch nicht so isolirt, als es wohl den Anschein hat.
Schon unter den bisher beschriebenen Kieselschwämmen
existirt eine Art (Eupleclella) mit Kieselfaserschopf, der
allerdings nur 3" Länge erreicht, aber doch unstreilig dem
Faserstrange von Hyalonema analog ist. Die Verwandt-
schaft dieser beiden Formen geht sogar noch weiter, indem
nämlich die Kieselnadeln von Eupleclella ganz dieselbe
Bildung des Achsenkanales, dieselbe einfache oder doppelle
Kreuzform zeigen, die für Hyalonema oben hervorgehoben
wurde. Beide Formen bilden somit innerhalb der Gruppe
der Halichondrinen eine besondere kleine Abtheilung, die
sich eben sowohl durch Kreuziorm ihrer Nadeln, wie durch
die Entwickelung langer und faserartiger, zu einer slrang-
förmigen Verlängerung des Schwammes zusammengeordne-
ter Nadeln auszeichnen. (Die Hyalonemen, ein Beilrag zur
Naturgeschichte der Spongien. Bonn, 46 S. in Quart mit 5
zum Theil in Farbendruck ausgeführten Tafeln.)
Capeilini und Pagenstecher machen (Zeilschr.
für wissensch. Zool. Bd. X. S. 364— 372. Tab. XXX) „mi-
kroskopische Beobachlungen über den inneren Bau einiger
fossilen Schwämme" und liefern dabei den Nachweis, dass
der niederen Thiere während des Jahres 1860. 353
es nur mit Unrecht geschah, wenn Etallon der von ihm
aufgestellten Familie der Dictyonocoelideen einen Bau zu-
schreibt, der sich weder bei den übrigen Familien fossiler
Schwämme, noch bei den Poriferen der Jetztzeit wieder
finden sollte. Es ist wahr, man findet bei den Dictyonocoe-
lideen auf den Schliffflächen ein sehr regelmässiges, von
Kalkspathkrystallen ausgefülltes Canalsystem in Form eines
kubisch entwickelten Netzwerkes mit rechtwinkligen Ecken,
allein dieses Netzwerk ist keineswegs ein Analogon der
Spicula der heutigen Schwämme, wie Etallon meinte,
sondern eine Bildung, die sich , nur minder regelmässig,
mitunter sogar durchaus regellos, auch bei den gemeinen
Scyphien u. a. wiederfindet und offenbar durch Fossilification
veränderte Theile des Schwammkörpers, die vielleicht dem
hornigen Skelete lebender Schwämme entsprechen, dar-
stellt. Etallon selbst kannte die gewöhnliche regellose
Form dieses Netzwerkes (reseau vermicule), allein er hielt
dieselbe für durchaus verschieden, während die Verff. alle
möglichen Uebergänge zwischen beiden Formen auffinden.
An eine Zusammenstellung der sog. Spiculiden mit der
Spicula ist schon wegen der vorliegenden Grössenunter-
schiede nicht zu denken , indem die ersteren ganz gut mit
blossen Augen sichtbar sind. Eine den Dictyonocoelideen
sehr ähnliche Struktur findet sich auch bei den sog. Ven-
triculiden aus der Kreide, dievonToulin Smith freilich
weit von den Schwämmen entfernt und den Bryozoen zu-
gerechnet werden.
Gray beschreibt unter dem Genusnamen Macan^
drewia und Myliusia zwei neue Formen von Kiesel-
schwämmen, die mit S t u t c h b u r y's nahe verwandter Dacty-
localyx eine besondere , durch die eigenthümliche Form
und Struktur der Achse, wie durch die Dicke der Rinde
und die Stellung der Oscula charakterisirte Familie (Mac-
andrewiadae) zu bilden scheinen. Das Aussehen dieser
Thiere erinnert so auffallend an gewisse Polypen aus dem
Gen. Alcyonium, dass Gray selbst zweifelhaft ist, ob sie
nicht vielmehr diesen, als den Spongien zugehören, zumal
ja auch hier (bei den Hyalochaetiden, die Verf. trotz der
Aroh. für Naturg. XXVIT. Jahrg. 2. Bd. X
354 Leu ck art : Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
ihm bekannt gewordenen abweichenden Ansichten anderer
Zoologen nach wie vor für Zoophyten hält) bisweilen ein
kieseliges Achsenskelet vorkomme. (Annais and mag. nat.
hist. T. V. p. 495-498.)
Die neuen Genera tragen folgende Diagnosen:
Macandr ewia. Cup-shaped, expanded, more or less sinua-
ted or lobed, affixed by a niore solid dilated base, covered with a
fleshy bark, with is furnished with cells on the upper surface, sup-
ported by a very light porous silicious spongy cup-shnped axis, the
Upper surface of which is furnished with groups of small cyllndrical
pores placed in roses, and with grooves radiating between each
group of pores; the lower surface uniformly porous. Sp. M. azorica
von St. Michaels.
Myliusia. Sponge (?) silicious, funnel-shaped, fixed by the
base; the upper surface smooth, marked with numerous minute per-
forations placed in nearly parallel grooves radiating from the centre
to the circumference, and with numerous large, oblong, rather une-
qual-sized perforations , which are fringed on the lower side with a
high wall of a similar structure to the rest of the sponge; these
edges of the cavities causing the under surface to be covered with
unequal irregular-shaped tubes of nearly the same length, and niore
or less confluent together; sonie of these tubes are simple and sub-
cylindrical, olhers are expanded and more or less crumpled on the
edge around the cavity, so as to end in two, three or even four,
more or less circular mouths. Sp. M. collocyathes aus West-Indien.
Unter den von Mac Andrew in seiner Liste der um
England lebenden niederen Seethiere aufgezählten 120Spon-
gien befinden sich 78 neue — von ßowerbank aufge-
fundene und unterschiedene — - Arten mit einer Anzahl
neuer Genera, die einstweilen freilich bloss namentlich
aufgeführt sind. Sie werden voraussichtlich in der \on
der Roy. Society projektirten Naturgeschichte der brittischen
Spongien von ßowerbank beschrieben werden.
IV. P r 0 t 0 z 0 a.
Max Schultze entwickelt seine Ansichten über die
Organisation der Protozoen (Archiv für Naturgesch. 1860. I.
S. 298 — 307) und versucht damit den Nachweis zu liefern,
der niederen Thiere während des Jahres 1860. 355
dass diese keineswegs, weder in den einfachen, noch den
zusammengesetzten Formen, mit den Ergebnissen unserer
Untersuchungen über den Bau und die Lebenserscheinungen
der Zelle in Opposition ständen. Verf. geht von dem
Satze aus , dass das Körperparenchym der Protozoen, die
sog. Sarkode, dem Protoplasma entspreche, und stützt diese
Behauptung namentlich durch Vergleichung der contraktilen
Substanz des Bhizopodenkörpers mit dem gleichfalls con-
traktilen Protoplasma der bekannten Tradeskanliazellen, mit
den amöbenartig sich bewegenden Lymphkörperchenu.s. w.
Dieses Protoplasma entspricht nun in manchen Protozoen
dem Inhalte einer einzigen Zelle mit mehr (Gregarinen,
auch vielleicht manche Infusorien) oder minder stark
(Amoeben) erhärteter Oberfläche. Die Anwesenheit einer
contraktilen Blase ist ebenso wenig, wie die eines Mundes
ein Hinderniss dieser Auffassung, indem einmal die Con-
traktililät des Protoplasma ohne Weiteres die Möglichkeit
der Ausbildung einer besonders contraktilen Stelle zulässt,
und andererseits eine Stelle der Rinde in der ursprüngli-
chen weichen Beschaff'enheit verharren kann, wenn auch
der übrige Umfang durch Erhärtung oder membranöse Ver-
dickung mehr oder minder fest wird. Aber es ist nicht
unumgänglich nöthig, dass der Protopiasmaklumpen eines
Protozoenkörpers nur einer einzigen Zelle entspreche. Wir
kennen Beispiele, dass das Protoplasma mehrerer Zellen
zu einer untheilbaren Masse zusammenfliesst, zu einer Masse,
die dann vielleicht nur durch die Mehrzahl der Kerne ihren
Ursprung aus einer grösseren Anzahl von Zellen andeutet.
Und je nach der Anzahl dieser Kerne möchte nun Verf.
den Körper und zunächst die contraktile Rindensubstanz
der Rhizopoden histologisch als ein Protoplasma auffassen,
das auf eine bald grössere, bald auch kleinere Menge von
Zellen (resp. eine einzige Zelle) zurückführbar sei, ohne
jedoch geradezu aus Zellen zu bestehen und in solche
zerlegbar zu sein. Das Protoplasma einer Zelle zeigt be-
kanntlich nicht selten eine Differenzirung in Rindenschicht
und Marksubstanz — es ist damit auch in den einzelligen
Protozoen die Möglichkeit derselben Differenzirung gegeben.
356 Lcuckart: Bericht über die Leistungen in der Nalnrgeschichte
Auch in den mehrzelligen Protoplasinaklumpen ist solche
Differenzirung denkbar. Es kann sich im Centrum die Selbst-
ständigkeit der Zellen mehr oder minder vollständig erhal-
ten, während die peripherischen Zellen mit einander ver-
schmelzen, wie das z. B. bei den Radiolarien der Fall ist.
Die Theorie erlaubt sogar die Annahme, dass durch die
Entwickelung dieser Zellen Gewebe und Organe der manch-
fachsten Art ihren Ursprung nehmen könnten. Wie bei den
Radiolarien im Innern eines indifferenten Protoplasma, so
kann in anderen Protozoen (Infusorien) auch aussen eine
Lage mehr oder minder selbstständiger Zellen vorhanden
sein, während das Innere von dem nicht in Zellen zerleg-
baren, aus verschmolzenen Zellen (d.h. nackten Protoplas-
maklümpchen mit Kern) entstandenen Protoplasma gefüllt ist.
So also können sich innerhalb des Protozoentypus aus den
einfachsten, nur von dem Protoplasma einer einzigen Zelle
gebildeten Thierformen leicht andere höhere Formen ent-
wickeln, bei denen eine gewisse, vielleicht ziemlich vollkom-
mene Selbstständigkeit einzelner Zellen vorhanden ist und
Andeutungen bestimmter Organensysteme auftreten. Aber
bei allen Protozoen, und das möchte Verf. für charakteri-
stisch halten, waltet wenigstens in gewissen Bezirken des
Körpers und behufs Erfüllung gewisser Funktionen die
Neigung der Zellen vor, zu grösseren Protoplasmamassen
zusammenzuschmelzen, in welcher dann nur die Zahl der
persistirenden Kerne etwa noch den Ursprung der Masse
aus Zellen andeutet. (Nach dieser Definition des Proto-
zoentypus ist demnach die Gruppe der Poriferen von dem-
selben auszuschliessen. Ref.)
Im Gegensatze von M. Schnitze glaubt Ge gen-
bau r die Existenz einzelliger Thiere in Zweifel ziehen zu
dürfen. Selbst die Gregarinen und Rhizopoden möchte
derselbe nicht als solche ansehen und die einzelligen Amöben
eben ihrer Einzelligkeit wegen lieber als Pflanzen (Myxo-
myceten) betrachten. Die thierische Zelle soll überhaupt
niemals jenen Grad von Selbstständigkeit besitzen, wie das
von der pflanzlichen bekannt ist; es soll dieser Unterschied,
nach den Ansichten des Verf.'s, sogar das wichtigste, viel-
der niederen Thiere während des Jahres 1860. 357
leicht einzig-e Unterscheidungsmerkmal der beiderlei organi-
schen Reiche darstellen. De animalium et plantarum regni
terminis et differentiis. Progr. acad. Jen. 1860. 16 Seiten in
Quarto. (In praxi möchte sich dieses Merkmal übrigens
kaum verwerthen lassen, da der Streit über die Einzel-
ligkeit oder Vielzelligkeit der niederen Organismen zur
Genüge beweist, wie schwierig unter Umständen ein Zel-
lencomplex von einer einfachen Zelle zu unterscheiden ist.)
Hogg glaubt die Schwierigkeiten, die dem Versuche,
Thiere und Pflanzen natürlich abzugrenzen, entgegenstehen,
durch Aufstellung eines besonderen zwischen beiden ste-
henden Naturreiches (Protoctista) zu beseitigen und möchte
diesen ausser den Protozoen und Protophyten auch noch
die Poriferen zurechnen. New Edinb. phil. Journ. 1860.
T.XX. p.216.
Die Monatsberichte der K. Pr. Akademie der Wissen-
schaften in Berlin berichten a. v. St. über Ehrenber g's
fortgesetzte mikroskopische Analysen von Meteor- und
Passatstaub, so wie vonErd- und Tiefgrundproben, welche
letztere namentlich eine ganze Reihe neuer Thierformen,
besonders Polycystinen, enthielten, über die wir bei späterer
Gelegenheit noch besonders zu referiren haben.
1. Infusoria.
Die vierte Auflage von Pritchard's history of In-
fusoria (London 1860) hat , trotz der von mehreren For-
schern gelieferten Beiträge, im Wesentlichen, gleich den
früheren, einen conpilatorischen Charakter, w^obei der Verf.
dieses Mal allerdings mehr, als das früher der Fall war,
bestrebt gewesen ist, den Resultaten der neueren Beobach-
tungen gerecht zu werden. Der Umfang des Werkes ist
der alte geblieben. Ausser den eigentlichen Infusorien
(Ciliata und Flagellata = Phytozoa), so wie den Noctilu-
cen , Gregarinen und Rhizopoden finden darin die Roti-
feren und Tardigraden nicht minder, wie die Diatomeen
und Desmidiaceen eine Stelle. Der allgemeinen Schilderung
dieser Gruppen folgt in der zweiten systematischen Hälfte
S58 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
eine Detailbeschreibung der Familien, Geschlechter und
Arten.
Den beiden ersten Lieferungen des grossen Infusorien-
werkes von Claparede und Lachmann, die, wie wir
aus den letzten Berichten wissen, dem Bau und der Syste-
matik dieser Thiere gewidmet waren, ist jetzt auch die
dritte und letzte Lieferung (291 Seiten in Quart mit 13 Ta-
feln, Extr. du T. VII de l'Inst. Genev., Geneve 1860—61)
gefolgt. Sie enthält die Beobachtungen unserer Verff. über
die Fortpflanzung der Infusorien, so wie eine specielle Schil-
derung der von ihnen beobachteten Acinetinen (p. 108 — 148),
die desshalb hier eine besondere Berücksichtigung finden
mussten, weil ihnen durch die bekannte Theorie von Stein
eine bedeutungsvolle Rolle in der Entwickelungsgescliichte
der Infusorien angewiesen war. Bei der Beurtheilung des
vorliegenden Abschnittes darf man überhaupt nicht ver-
gessen, dass derselbe aus einer Zeit datirt, die durch die
allerneuesten Entdeckungen über die geschlechtliche Fort-
pflanzung der Infusorien schon in den Hintergrund gedrängt
ist. Es war nämlich gerade dieser Theil des Werkes, der im
Jahre 1855 zum Concurse der Pariser Akademie eingesendet
und (neben der noch nicht erschienenen Arbeit von Lie-
berkühn) im folgenden Jahre gekrönt wurde. Allerdings
hat Claparede, der nach dem Tode seines tiefbetrauerten
Freundes Lach ma nn die Herausgabe besorgte, durch Hin-
zufügung von Noten und Zusätzen den Unterschied zwischen
dem früheren und dem jetzigen Zustande unserer Kennt-
nisse möglichst auszugleichen versucht, allein die Anlage
und Haltung des Werkes konnte natürlicher Weise nicht
geändert werden. Trotzdem aber finden wir in dem vor-
liegenden Abschnitte noch heute eine Fülle der schönsten
und trefflichsten Daten; bestimmt der sprechendste Beweis
für den Gehalt und Umfang der hier uns gebotenen Unter-
suchungen.
Eine Uebersicht über die hauptsächlichsten Entdeckun-
gen der Verff. haben wir übrigens schon bei einer früheren
Gelegenheit (J, B. XXIV. S. 181) nach einer vorläufigen
Mittheilung in den Annal. des sc. nat. gegeben. Sie haben
der niederen Thiere während des Jahres 1860. 359
nicht wenig dazu beigetragen, die spätere Entwickelung
unserer Kenntnisse (durch ßalbiani und Stein) vorzu-
bereiten. Was wir aus dem Werke unserer Verff. hier
weiter hervorheben, schliesst sich als eine Ergänzung und
Ausführung an das damalige Referat an.
Kach einer historisch - kritischen Erörterung über die sog.
Urerzeiigung (p. 1 — 12} werfen unsere VerfF. zunächst einen Blicli
auf die Lebensgeschichte der niederen Vegetabilien, besonders deren
Fortpflanzung durch bewegliche sog. Schwärnisporen (p. 13 — 68). Die
VeriF. müssen zugeben, dass sich die Volvocinen und Euglenen durch
die Eigenthümlichkeiten ihres Entwickelungscyclus genau an diese
vegetabilischen Organismen anschliessen, halten sie aber wegen der
Anwesenheit pulsirender Räume (die auch bei den Euglenen von
ihnen wieder aufgefunden wurden) nach wie vor für Pflanzen. Frei
lieh gestehen sie dabei, dass in Wirklichkeit eigentlich kein Unter-
schied zwischen Thier und Pflanze existire, obwohl man aus gewissen
praktischen Gründen immerhin diese beiden Typen aus einander halten
müsse. Unstreitig — aber es fragt sich, ob man dabei nicht mehr
das genetische als das anatomische Moment zu berücksichtigen habe.
(Eine nachträgliche Bemerkung lässt den Verdacht zu, dass die de
B ary'schen Entdeckungen über die Lebensgeschichte der Myxomyceten,
die unsere Verff". trotz der amöbenartigen Jugendzustände mit, con-
traktilen Räumen für Pflanzen halten, den distinctiven Werth ihres Cri-
teriums ihnen selbst etwas zweifelhaft gemacht haben.) In Betreff
der Peridinaeen (p. 69 — 73) machen die Verff. Beobachtungen, die —
ganz wie die schon früher (J. B. XXV. S. 243) mitgetheilten Unter-
suchungen von Carter — über die Existenz einer gleichfalls vege-
tabilischen Fortpflanzungsart keine Zweifel lassen. Sie beobachteten
ausser den beweglichen und bepanzerten Exemplaren auch solche
ohne Loconiotionsapparate und Schale, beobachteten selbst encystirte
Zustände und sahen im Innern dieser Cysten nicht selten eine Menge
kleinerer Peridinäen ihren Ursprung nehmen.
Zu den eigentlichen Infusorien übergehend, liefern die Verff.
Anfangs eine historische Uebersicht über die bisherigen Angaben und
Beobachtungen über deren Entwickelung (p. 74 — 85), um sodann die
sog. Acinetentheorie einer besondern sorgfältigen Prüfung zu unter-
werfen (p. 86—107). Dass das Resultat dieser Prüfung durchaus ne-
gativ ausfiel, ist den Lesern unserer Berichte schon aus früherer
Älitlheilung bekannt. Auch in ihrer neuesten Form (vgl. J. B. XXVI.
S. 24.1) halten Verff. dieselbe für eine verfehlte, wie aus einer bei-
gefügten Note hervorgeht. Die Acinetenähnlichkeit der neugebornen
Embryonen von Paramaecium u. a. wird allerdings anerkannt, aber
dahin gedeutet, dass die Jugendzustände gewisser Infusorien vorüber-
360 L c u c k a r t : Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
gehend die bleibenden Zustände anderer Arten wiederholten. Sie be-
ziehen sich dabei auf die Angaben von Balbiani, der den Embryo
eines Paramaecium sich nach Verlust seiner gestielten Saugscheiben in
das ausgebildete Thier verwandeln sah. (Freilich scheint es, als wenn
Balbiani dieser Beobachtung heute selbst kein grösseres Gewicht
mehr beilegt. Wie wir weiter unten sehen werden, erklärt derselbe
diese sog. Embryonen gegenwärtig für parasitische Acineten.) Jeden-
falls kann nach den Beobachtungen unserer Verff. darüber kein Zweifel
mehr obwalten, dass die Schwärmsprösslinge der Acinetinen direkt
wiederum zu Acinetinen werden und keineswegs zu Vorticellinen.
Uebrigens entstehen diese Schwärmsprösslinge nicht immer einzeln
in ihrer Mutter, wie das Stein beobachtete, sondern mitunter auch
in Gruppen von 4 — 6 und noch mehr, nur dass die letztern dann sehr
viel kleiner sind, als die erstem, kaum einmal in ihrer Gesammtmasse
dieselben übertreffen. Wodurch diese Verschiedenheiten bedingt wer-
den, ist ungewiss, doch lassen sie sich mitunter bei Individuen der-
selben Art (z. B. Podophrya quadripartita) neben einander auffinden.
Bei Acineta mystacina sahen die Verff. eine Theilung, wie sie schon
früher von Cienkowsky beobachtet Avurde , ebenso bei Podophrya
quadripartita eine Knospung. Noch auffallender ist diese Knospung
bei Ophryodendron abietinum (= Corethria serlulariae Wright) und
bei Dendrosoma radians, die dadurch — nach der Ansicht unserer
VerfF. — zu einem verästelten Coloniethiere wird. Podophrya qua-
dripartita wurde mitunter auch in Copulation gesehen. Von den
weiteren Mittheilungeu unserer Verff. über Acinetinen heben wir nur
noch die Anwesenheit von Nesselorganen bei Ophryodendron abieti-
nunj hervor (die schon bei den Embryonen sichtbar sind, also wohl
schwerlich von den Sertularien stammen, auf welchen dieses merk-
würdige Thier schmarotzt) , so wie die Thatsache, dass Podophrya
Trold im Stande ist, durch erweiterte Saugmündung und Rüssel ganz
grosse Infusorien zu verschlucken. Ueber die sonderbaren Amphi-
leptuscysten der Epistylis plicatiiis (p. 148 — 168) haben wir schon
früher berichtet. Wir wollen hier nur hinzufügen, dass die Verlf. de-
ren Bildung Schritt für Schritt verfolgt haben und die allmähliche Ent-
wickelung ihrer Kenntnisse über dieselben in einer ebenso spannenden
wie befriedigenden Weise darlegen. Die Einkapselung geht unmittel-
bar nach dem Verschlucken der noch auf ihren Stielen festsitzenden
Epistylisköpfchen vor sich. Die Ablösung derselben geschieht unter
förmlichen Torsionsbewegungen und ist die Einleitung der späteren
Verdauung. Nach der Verdauung ruht der Amphileptus eine Zeitlang,
um dann seine Drehungen wieder zu beginnen und bis zum Durch-
brechen der Kapsel fortzusetzen. In einzelnen Fällen tritt im Innern
der Kapsel auch eine Theilung ein. Dass diese Cysten mit der Ent-
wickelungsgeschichle der Epistylis nicht das Geringste gemein haben,
der niederen Thiere während des Jahres 1860. 361
beweisen auch die Beobachtungen, welche unsere VerfF. über die
Fortpflanzung der letztern gemacht haben (p. 169 — 181). Es gelang
ihnen nämlich auch hier gewöhnliche Schwärnisprösslinge aufzufinden.
Freilich nicht bei allen Stämmchen, sondern bloss bei solchen, die
sich durch Dünne der Stiele und Kleinheit der Köpfchen vor den
übrigen auszeichneten. Die trächtigen Exemplare trugen sämmtlich
einen kleinen zapfenförmigen Vorsprung an der Seitenfläche ihres
Körpers, der an der Spitze mit einer, zum Ausschlüpfen der Embryo-
nen bestimmten Oeff'nung versehen war. Die Embryonen bilden sich
in variabler Menge (von 1 zu 4 und 5) und zwar aus Theilstücken
des Kernes. Sie gleichen einem kleinen Epistylisköpfchen mit ein-
gezogenen Stirnwimpern und locomotivem FÜmmergürtel in einer so
vollständigen Weise, dass die Vermuthung nahe liegt, sie möchten
ohne sonderliche Umformung direkt in die Gestalt der ausgebildeten
Thiere übergehen. Dass die Epistylisarten ausserdem durch Theilung
und Knospung sich vermehren, ist zur Genüge bekannt. Weniger
vielleicht, dass der Stiel, auf welchem die Köpfchen einer Colonie
aufsitzen, von eben diesen Köpfchen nach der Theilung ausgeschieden
sind und keineswegs durch fortgesetzte Theilung ihren Ursprung
genommen haben. In einem Falle beobachteten unsere Verfl". eine
Copulation zwischen einer Knospe, die noch ihrem Mutterthiere an-
hing, und einem ausgewachsenen Köpfchen. Wie Epistylis, so besitzt
auch Stentor, nach den Beobachtungen unserer Verff". (p. 182 — 192),
eine Fortpflanzung durch Schwärnisprösslinge. Dieselben entstehen
zu 3 oder 4 in einem blasenartig entwickelten Theilstücke des Ker-
nes und erscheinen als kurze flimmernde Kegel, die durch Form und
Bewimperung gleich Anfangs sehr auffallend an die Mutterthiere er-
innern. Eine Mundöffnung konnte übrigens auch bei neugeborenen
Jungen noch nicht beobachtet werden. Bei der Theilung bildet sich
zuerst die spätere Flimmerleiste. Sie hat Anfangs die Form eines
gestreckten Kammes, der an der einen Seitenfläche des Körpers herab-
läuft und sich erst nach der Bildung des Mundes unter gleichzeitiger
Erhebung des Theilsprösslings zu einer Spirale einkrümmt. Schon
Trembley hat diese Vorgänge genau beobachtet, während Ehren-
berg die wahren Beziehungen der flimmernden Längsleisle ver-
kannt hat, indem er darin eine specifische Eigenthümlichkeit gewisser
Arten gefunden zu haben glaubte. Bei Paramaecium (p. 193 — 200)
Hess sich gleichfalls eine genetische Beziehung zwischen Kern und
Schwärmsprösslingen nachweisen. Dicyema, das nach unsern Verff.
am meisten mit Opalina verwandt sein soll (obwohl es weder pulsi-
rende Räume, noch einen eigentlichen Kern besitzt), producirt in sei-
nen „infusorienarligen" Embryonen Schwärnisprösslinge, die sich im
Innern von besondern hellen Kugeln zu entwickeln scheinen (p. 201
bis 206). Wir haben die Beobachtungen unserer Verff. schon bei
362 L e u c k a r t : Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Gelegenheit der Wa g e n e r'schen Untersuchungen über Dicyema
(J. B. XXIV. S. 188) kennen gelernt und erwähnen hier nur noch
das Eine, dass die „Kalkkörner" Ws. hier als Nahrungs- oder Ent-
wickelungsmaterial und die ,.Schale" W's. als ein Nucleus gedeutet
wird. Ein helles Bläschen in der Nähe des Nucleus glauben unsere
Verff. als conlraktiles Organ in Anspruch nehmen zu dürfen, obgleich
sie daran keine Zusamnienziehungen beobachten konnten. „Wurm-
förinige" Embryonen kamen- nur auf früherer Entwicklungsstufe zur
Untersuchung. Die bei Urnula epistylidis (p. 207— 212) von unseren
Verff. beschriebene Produktion zahlreicher kleiner, in besonderen
Blasen eingeschlossener Schwärmsprösslinge reducirt sich nach einer
nachträglich zugefügten Bemerkung wahrscheinlicher Weise auf den
Parasitismus eines (von AI. Braun seitdem näher uniersuchten und
als Chytridium beschriebenen) Vegetabils. Die Vermuthung von Stein
dass Urnula dem Entwickelungskreise von Epistylis zugehöre, dürfte
sich übrigens Angesichts der von unseren Verff. hier veröffentlichten
näheren Beschreibung kaum noch länger aufrecht halten lassen. Die
aus der Schale (meist nur einzeln) hervorgestreckten Pseudopodien
und die daran stattfindende Körnchenströmung lässt über die Rhizo-
podennatur derselben nicht den geringsten Zweifel.
Nach der ausführlichen Darlegung der voranstehenden Beob-
achtungen handeln unsere Verff. von der Einkapselung (p. 213 — 222)
und der Zygose der Infusorien (p. 223 — 236). Während sie der er-
steren weniger Beziehung zu der Fortpflanzung, als zu gewissen
äusseren Umständen, bes. Wassermangel, beilegen, möchten sie die
letztere dagegen als eine Art Einleitung zur Keimbildung beanspru-
chen. Sie beobachteten dieselbe nicht bloss bei Actinophrys, son-
dern auch bei Acinetinen und Vorticellinen, und sind geneigt, ihr
eine ziemlich allgemeine Verbreitung zu vindiciren. Bei den Vor-
ticellinen trennen sich die copulirten Individuen (Zygozoiten) noch
vor Verschmelzung der Peristome von ihren Stielen, um eine Zeitlang
zu schwärmen und sich dann von neuem zu befestigen (auch vielleicht
einzukapseln).
Auch die Knospung und Theilung der Infusorien wird von
unsern Verff. (p. 223 — 251) einer besondern eingehenden Darstellung
unterworfen. Bei der erstem entsteht Anfangs eine Aussackung der
Körperwand mit einem Innenraume, der sich erst später von der
Leibeshöhle des JVlulterthieres abschnürt, worauf dann unter beständi-
ger Grössenzunahme allmählich die Bildung der übrigen Organe (auch
des Kerns) vor sich geht, ohne dass die Mutter daran einen direkten
Antheil nimmt. Bei der Theilung ist das eine Thier gleichfalls vor
dem anderen bevorzugt, wenigstens insofern, als es den Mund und
Oesophagus des früheren Geschöpfes in sich aufnimmt. Eine Theilung
dieser Organe geschieht ebenso v/enig, wie eine Neubildung bei
der niedereu Thiere während des Jahres 1860. 363
beiden Individuen, obgleich man solche, namentlich bei den Vorti-
cellen, oftmals angenommen hat. Im Uebrigen zeigt dieser Vorgang
mancherlei auffallende Unterschiede, nicht bloss in der Richtung, in
der die Abtrennung geschieht, sondern namentlich auch in der Art
und Weise, in welcher dabei die vorhandenen Gebilde über beide
Sprösslinge vertheilt werden. Mitunter ist der Theilsprössling fast
gänzlich das Produkt einer Neubildung, wie der Knospensprössling,
von dem er sich dann nur dadurch unterscheidet, dass sein Kern
durch Abtrennung von dem ursprünglichen Kerne des Älutterthieres
entstanden ist. Diese Theilung des Kernes tritt in allen Fällen ein,
aber gewöhnlich erst ziemlich spät, wenn beide Theilstücke sich schon
deutlich als besondere Individuen zu erkennen geben.
Dass die Schwärmsprösslinge das Produkt einer geschlechtlichen
Fortpflanzung sind, ist unsern Verff. bei der Abfassung ihrer Arbeit
noch unbekannt gewesen, obwohl sie wussten , dass manche Infuso-
rien zu gewissen Zeiten samenfadenartige Körperchen im Innern ein-
schliessen. Sie sind auch geneigt, diese Körperchen (p. 258 — 261)
als Samenfäden zu betrachten und sprechen die Vermuthung aus, dass
der Kern, dessen Betheiligung an dem Processe der Embryonalbildung
ausser Zweifel sei, bald als Üvarium (oder Erabryostock), bald als
Hode fungire. Erst nachträglich wird (p. 262 — 265) die Entdeckung
von Balbiani und Stein bestätigt, dass diese Samenfäden in dem
Kucleolus entstehen, die Infusorien also Zwitter sind. Die paarweise
Vereinigung zweier geschlechtsreifer Thiere, die Balbiani als Be-
gattung ansieht. Stein aber von einer Theilung herleitet, erklären
sie für eine Art Copulation, bei der es freilich nicht bis zur völligen
Verschmelzung beider Individuen komme. Ob die einzelnen Indi-
viduen auf geschlechtliche, wie ungeschlechtliche Art sich fortzu-
pflanzen vermögen, lässt sich einstweilen noch nicht mit Sicherheit
entscheiden, doch möchten die Verff. mit Rücksicht auf die oben
angezogene Beobachtung bei Epistylis fast vermuthen , dass in der
Vertheilung dieser beiderlei Fortpflanzungsarten eine bestimmte Re-
gelmässigkeit obwalte, die Infusorien also mit anderen Worten einen
Generationswechsel darböten.
Balbiani lenkt die Aufmerksamkeit der Zoologen
auf das Verhalten, welches die Geschlechtsorgane der In-
fusorien bei der Theilung des Körpers darbieten und hebt
hervor, dass dieses keineswegs so einfach sei, wie man
gewöhnlich annehme. JMur bei den niedrigsten Infusorien
mit hügligem oder ovalem Kerne geschehe ohneVVeiteres eine
Theilung dieses Organes, während bei den übrigen Arten,
die einen band- oder paternosterförmigen Kern besitzen,
364 L c u c k a r t : Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
vorher ganz constant eine Verkürzung und Zusammenziehung
desselben stattfinde und die Theilung erst dann eintrete,
wenn der Kern nach dieser Veränderung seine frühere
Bildung wieder angenommen, sogar noch stärker als früher
sich gestreckt habe. Die sog. Nucleoli, die übrigens eine
weit allgemeinere Verbreitung haben, als man früher wusste,
und neuerdings von unserem Verf. auch bei gewissen Vor-
ticellinen (Carchesium polypinum und Epistylis nutans)
nachgewiesen wurden, vergrössern sich bei der Theilung
in einer noch viel auffallenderen Weise. Sie schwellen auf,
nehmen auch zugleich ein etwas streifiges Ansehen an,
wie man es beim Eintritte der Geschlechtsreife beobachtet,
und zerfallen dann erst in zwei Hälften, die eine Zeitlang
noch von einer gemeinschaftlichen Umhüllungshaut zusam-
men gehalten werden. Wo mehrere Nucleoli vorkommen,
sieht man dieselben übrigens niemals vorher zu einer ge-
meinschaftlichen Masse zusammenschmelzen. Ob das Infu-
sorium durch Quertheilung oder Längstheilung zerfällt, ist
für die Schicksale der hier erwähnten Körperchen ganz
gleichgültig. Uebrigens findet sich bei den einzelnen Spe-
cies, nach unserem Verf., immer nur die eine oder andere
Art dieser Theilung, niemals beide. Wenn man nicht selten
die gegentheilige Behauptung hört, so rührt das daher, dass
die meisten Beobachter für eine Längstheilung hielten, was
in Wirklichkeit eine Begattung ist, ein Vorgang, der aller-
dings, wie das Verf. schon früher dargestellt hat (J. B. XXV,
S. 240j, gewöhnlich zu einer partiellen Verschmelzung bei-
der Körper hinführt. Die häufigste Form der Theilung ist
die Quertheilung. Eine Längstheilung glaubt Verf. auf die
Gruppe der Vorticellinen beschränken zu müssen. Compt.
rend. Soc. biol. 1859. p. 266—271. Journ. de physiol. 1860.
T. IlL p. 71—87.
Am letztgenannten Orte giebt Verf. u. a. eine Schil-
derung des Quertheilungsprocesses bei den Oxytrichinen
und Euplotinen, der insofern eigenthümlich ist, als sich
dabei nicht bloss die den Theilstellen anliegenden Flimmer-
apparale, sondern auch die sog. Grifl'el des hinteren Thieres
neu bilden. L. c. p. 82 Note. (Die Darstellung, die Lach-
der niederen Thiere während des Jahres 1860. 365
mann und Claparede, 1. c. p.248, von der Theilung
dieser Thiere geben, lautet etwas anders, wie denn auch
Verff. von den oben beschriebenen Veränderungen des Nu-
cleus nicht das Geringste erwähnen.)
Nach den Ansichten von Steenstrup (Vidensk. Med-
delels. for 1860. p. 334) ist die Thcilung eines Infusoriums
nicht als ein Zerfallen eines Organismus, sondern als eine
durch innere Knospung bedingte Neubildung zweier Ge-
schöpfe anzusehen, bei der das ursprüngliche Mutterthier zu
Grunde geht.
Durch die im Wesentlichen übereinstimmenden Unter-
suchungen von ßalbiani, Stein und Claparede schie-
nen unsere Kenntnisse von der Fortpflanzung der Infusorien
zu einem gewissen Abschlüsse gekommen zu sein. Doch
die Geschichte unserer Wissenschaft kennt keine Ruhe.
Eine neue Arbeit von Balbiani (note sur un cas de pa-
rasitisme improprement pris pour un mode de reproduclion
des Infusoires cilies, Cpt. rend. T. 51. p. 319— 322) giebt
der Sachlage mit einem Male eine andere, unerwartete
Wendung. Die sog. Schwärmsprösslinge, die wir nach den
bisherigen Untersuchungen als das Resultat einer geschlecht-
lichen Zeugung betrachten mussten , dieselben Geschöpfe,
die durch ihre Aehnlichkeit mit gewissen Acinetinen noch
neuerlich (J. B. XXVI. S. 241) Stein veranlasst hatten,
die bekannte Acinetentheorie in veränderter Gestalt von
Neuem in's Leben zu rufen, diese Geschöpfe sind nach den
neuen Untersuchungen unseres Verf. nicht die Abkömm-
linge ihrer Träger; sie sind nicht auf die von Stein noch
jüngst so detaillirt geschilderte Weise entstanden, sondern
fremde, zur Gruppe der Acinetinen (Sphaerophrya Gl. L.) ge-
hörende Schmarotzer, die von Aussen in den Körper ihrer
späteren Träger eindringen, sich auf Kosten desselben ver-
grössern und schliesslich durch eine Theilung fortpflanzen.
Eine wunderbare, kaum glaubliche Thatsache, wenn sie
nicht durch die Autorität eines Namens getragen würde,
der sich auf dem Gebiete der Infusorienkunde bereits be-
währt hat. Dazu kommt, dass Verf. seine Behauptung nicht
etwa bloss nackt hinstellt, sondern mit Beobachtungen be-
366 Leu ckart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
legt, die alles Vertrauen erwecken. Verf. sah die beireffenden
Thiere von Aussen allmählich bis in die Tiefe ihrer Wirthe
sich einbohren oder vielmehr unter Einstülpung der äusseren
Haut sich eindrücken, so dass ein Canal (os uteri St.) den
Weg bezeichnete, den sie genommen hatten. Es gelang ihm
sogar, eine Anzahl von Paramaecien, die früher ohne Acineten
waren, auf künstlichem Wege, durch Zusammensperren mit
Acinetenträgern, binnen 4 Tagen mit denselben Schmarotzern
zu inficiren. In einzelnen Fällen sah Balbiani an 50 Ein-
dringlinge in demselben Träger, ohne dass dieser dadurch
merklich afiicirt wurde, im Freien leben die Schmarotzer
unter doppelter Form, bald mit, bald ohne Flimmerhaare,
und darnach ist denn auch das Leben derselben insofern
verschieden, als sie im ersten Falle ihre Wirthe aufsuchen,
im zweiten es aber dem Zufalle überlassen, wann und ob
sie die Möglichkeit einer Einwanderung finden. Im Innern
des W^irthes verliert der Schmarotzer seine frühere Beweg-
lichkeit. Er verwandelt sich in einen einfachen kugligen
Körper, der nur noch durch die Pulsationen seiner con-
traktilen Blase die Fortdauer des Lebens anzeigt.
Nach diesen Beobachtungen ist Balbiani geneigt,
den Flimmerinfusorien die Fähigkeit, Schwärmsprösslinge
zu gebären, abzusprechen und die Fortpflanzung derselben
auf die Produktion von Eiern, die erst ausserhalb des müt-
terlichen Körpers ausschlüpften, zu beschränken. Aber es
sind bloss die Flimmerinfusorien, die sich so verhalten,
denn die Arten mit Busseln, denen die Acineten bekannt-
lich zugehören, produciren wirkliche Schwärmsprösslinge,
nur dass diese nach unserem Verf. aus inneren Knospen
und nicht aus Eiern entstehen.
Ein ganz ähnlicher Parasitismus findet sich nach Lü-
ders (botan. Ztg. 1860. Nr. 48) bei den Diatomeen, deren
Inhalt nicht seilen von eingedrungenen Infusorien förmlich
verzehrt wird, worauf die letztern dann sich theilen und
schliesslich ausschwärmen.
Nach einer gelegentlichen Bemerkung von Leydig
(Naturgesch. der Daphniden 1860. S. 33. Anm.) besitzt
Zoothamnium in seinem Stamme einen äusserst dicken Mus-
der niederen Thiere während des Jahres 1860. 367
kelfaden mit deutlicher Differenzirung von Sarcolemma und
contraktiler Substanz.
Haeckel theilt Beobachtungen „über eine Gruppe
neuer pelagischer Infusorien" mit (Amtl. ßer. der Königs-
berger Naturforscherversammlung S. 107), welche er in
Messina auffand. Dieselben sind den Tintynniden am näch-
sten verwandt und durch den Besitz eines zierlich ge-
gitterten Kieselpanzers von glockenförmiger Grundgeslalt
ausgezeichnet, welcher den Gitterschalen gewisser Radio-
larien (Cyrtiden) s^r ähnlich sieht. Bei einer nahe ver-
wandten Gruppe anderer Infusorien, die den Tintynnusarten
noch näher stehen, ist die röhren- oder glockenförmige
Schale nicht gegittert, sondern aus kleinen, durch organische
Substanz verklebten Kieseltheilchen zusammengesetzt. Bei
einer dieser Formen verlängert sich die Mündung der Schale
in eine lange, homogene, durchsichtige, geringelte Röhre.
Bei einer anderen öffnet sich die fast kuglige Schale in
einen kurzen, nach aussen erweiterten Trichter. Die Thier-
chen sind schwer zu beobachten, da sie entweder sehr
rasch umherschwimmen, oder sich in den undurchsichtigen
Grund der Schale zurückziehen, an welchem sie mittelst
eines dünnen contraktilen Stieles befestigt sind. Bei eini-
gen langsamer schwimmenden Thierchen, deren weit vor-
gestreckter goldgelber Leib deutlichere Beobachtung erlaubte,
waren auf dem gezähnten Rande des weiten trichterförmi-
gen Peristoms gegen 20 feingestielte längliche Läppchen
sichtbar, mit denen ein weiter Kranz von ebenso vielen,
weiter rückwärts an der Oberfläche des Peristoms sitzenden,
sehr langen Wimpern alternirte.
Nach Waidenburg beherbergt der Darm des Ka-
ninchens und Meerschweinchens — wie der des Schweines
u. a. Thiere — ein Flimmerinfusorium, das mitunter auch
im Innern der Epithelialzellen gesehen wurde. De struct.
et orig. cyst. vermin, p. 30.
Vulpian macht (Cpt. rend. Soc. biol. 1857. T. IV.
p. 111) Mittheilungen über die Verbreitung der schon mehr-
fach in unseren Berichten als Parasiten auf Batrachiern er-
wähnten ürceolarien (Trichodinenj und giebt an, sie nicht
368 L e u c k a r l : Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
bloss in der Harnblase der Frösche und Tritonen, sondern
auch in der Kiemenhöhle der Froschlarven und Stichlinge,
so wie auf den Kiemen und der äusseren Haut der jungen
Tritonen, ja selbst auf Confervenfäden gefunden zu haben.
(Auch bei Cyprinen sind die Trichodinen häufige Kiemen-
schmarotzer. Ref.) Im Wasser gehen diese Parasiten rasch
zu Grunde, so dass es fast scheint, als ob der von den
bewohnten Organen abgesonderte Schleim für sie nothwen-
dig sei. Ob für die ürceolarien der Conferven dasselbe
gelte, lässt Verf. ungewiss, wie es denn auch zweifelhaft
ist, ob diese derselben Species angehören. Die Zahl der
Zähne wechselt von 23--36.
2. Rhizopoda.
Ha ecke] handelt in seiner Habilitationsschrift de
rhizopodum finibus et ordinibus (Berol. 1860. 16 Seiten in
Quart) und glaubt den Verwandlschaftsverhältnissen dieser
Thiere durch folgende Eintheilung einen natürlichen Aus-
druck geben zu können:
A. Rhizopoda sphygmica: Cum vesica contractili. Pseu-
dopodia sine anastomosibus et sine granulorum cursu.
Amoebina (Amoeba, Podostoma, Pseudochlamys, Arcella,
Echinopyxis, Difflugia, Trinema, Euglypha).
ß. Rhizopoda asphycta: Sine vesica contractili. Pseudo-
podia cum anastomosibus et cum granulorum cursu.
I. Acyta: Sine Capsula centrali.
1. Athalamia : Sine testa (Actinophrys, Trichodiscus,
Plagiophrys, Lieberkühnia).
2. Monothalamia : Cum testa simplici uniloculari (Gro-
mia, Lagynis, Ovulina, Fissurina, Squamulina,
Pleurophrys, Cornuspira).
3. Polythalamia : Cum testa multiloculari. Rhabdoi-
dea, Helicoidea, Soroidea.
II. Cytophora: Cum Capsula centrali. Radiolaria.
Die Abtrennung der Actinophryida von den Amoe-
bina stützt sich auf die Beobachtung des Verf., dass die
contraktilen Blasen der erstem keine vorgebildete Organe
sind, sondern beliebig an dieser oder jener Stelle durch
der niederen Thiere während des Jahres 1860. 369
die Blasen der hier vorkommenden peripherischen Zellen-
schicht gebildet würden, mit den contraktilcn Blasen der
Amöbinen also nicht zusammengestellt werden dürften. Soll-
ten beiderlei Gebilde trotzdem zusammen gehören, so
müssten beide Gruppen den Rhizopoda sphygmica zuge-
rechnet werden, würden aber auch dann durch das ver-
schiedene Verhalten ihrer Pseudopodien zu unterschei-
den sein.
Ref. hat schon bei verschiedenen Gelegenheiten auf
die sehr zweifelhafte Natur der sog. Amöben hingewiesen
und darauf aufmerksam gemacht, dass wir gar mancherlei
Gebilde thierischen wie pflanzlichen Ursprungs zu Amöben
werden sehen. Den früher schon bekannten Beispielen
hat sich durch Jäger's Untersuchungen über die Dialyse
der Hydren (s. oben S. 314) ein neues angefügt, und da-
durch ist die Zahl der Verdachtsgründe in einem solchen
Maasse gewachsen, dass es der oben genannte Forscher
nicht bloss für gerechtfertigt hält, die selbstständige Natur
der Amöben in Zweifel zu ziehen , sondern weiter auch
den Satz ausspricht: „die Amöben sind so lange für blosse
Entwickelungsstufen anderer Thiere zu halten, bis von irgend
einer Amöbe überzeugend nachgewiesen wird , dass sie
eine selbstständige Thierform ist.« Wiener Sitzungsber.
Math.-naturw. Cl. Bd. 29. S. 339.
Nach Hicks sollen auch die Schwärmsporen von
Volvox, so wie die mit Schwärmsporen erfüllten Mutterzellen
nach ihrer Lösung aus den früheren Verbindungen ganz
amöbenartig umherkriechen. Quarterly Journ. microsc. sc.
1860. p. 97—102 mit Abbild.
L ü d e r s macht in der botanischen Zeitung (1860. N. 48)
darauf aufmerksam, dass die zuerst von Smith in seiner
bekannten Synopsis der brittischen Diatomeen beschriebe-
nen „Diatomeencysten" nichts sind , als Amöben, die eine
grössere oder geringere Anzahl von Diatomeen verschlun-
gen haben. Der hyaline Hof im Umkreise der Diatomeen,
der den Amöbenkörper darstellt, löst sich unter den Augen
des Beobachters nicht selten in eine Anzahl kleinerer
Amöben auf, die dann mit ihren bald strahligen, bald auch
Arohiv f. Naturg. XXVII. Jahrg. 2. Bd. Y
%7Ö L e u c k a r t : Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
stumpfen Pseudopodien fortkriechen. Nach der Vermuthung
des Ref. ist es vielleicht ein ähnliches Phaenomen gewesen,
das einst Ehrenberg veranlasste, den Diatomeen aus-
streckbare Füsschen beizulegen. 't> rnt^bi-xi n*)j
Die nicht selten als Zeichen einer Copulatiön gfedöH-
tete Anlagerung zweier Arcellenschalen beruht nach den
Beobachtungen von Claparcde und Lachmann (1. c.
p. 209 Note) auf einer Neubildung der Schale.
lieber Urnula epistylidis vergl. oben S. 358. Wir
fügen hinzu, dass dieses interessante Thierchen sich durch
Thcilung vermehrt, die innerhalb der Schale vor sich geht.
Der Theilsprössling, der aus der vorderen Körperhälfte ge-
bildet wird, bedeckt sich mit Flimmerhaaren und verlässt
dann die Schale. Claparede et Lachmann 1. c. p. 209.
Das Bailey'sche Genus Cadium (J. B. XXIIL S. 269)
wird von Ehrenberg in Tiefgrundproben des stillen
Oceans zwischen Californien und den Sandwichs- Inseln
wieder aufgefunden und (Verhandl. der Berl. Akad. 1860.
S. 829) folgendermaassen charaklerisirt :
Cadium Bail. E familia Arcellinorum. Testula silicea ovala,
(longitudinaliter striata) non cellulosa (nee nucleala), parte anteriore
valde constricta. Apertura sub apice lateralis suborbicularis.
Wie dieses Gen. Cadium , so hat auch nach älteren
Angaben Ehrenb er g's das Genus Spirillina ein Kiesel-
skelet, wesshalb es denn kaum angemessen erscheint, diesen
Namen (mit Wil 1 i a m s on, J. B. XXV. S. 247) den von M.
Schnitze beschriebenen Cornuspiren mit einer Kalkschale
zu substituiren. Zwischen beiden Geschlechtern existirt aller-
dings eine unverkennbare Aehnlichkeit, aber trotzdem dür-
fen wir sie bis auf Weiteres als verschieden ansehen, zumal
Ehrenberg die Arten des Gen. Cornuspira nicht einmal
als eigene Formen anerkennt (vergl. J. B. XXV. S. 249).
M. Schnitze nimmt übrigens dieses von ihm aufgestellte
Genus gegen die Angriffe Ehrenberg's in ebenso ent-
schiedener, wie glücklicher Weise in Schutz, indem er den
Nachweis liefert, dass die von ihm inzwischen vielfach
lebend beobachtete Cornuspira eine wirkliche Foraminifere
ist und keinerlei Uebergänge zu anderen vielkammerigen
der niederen Thiere während des Jahres 1860. 371
Arten darbietet, wie das von Ehrenberg behauptet war.
Die Milioliden, die einzigen Polythalamien, die hier in Frage
kommen könnten, besitzen schon nach der ersten Windung
zwei Kammerabtheilungen, während Cornuspira keine Spur
solcher Abtheilungen zeigt, wenn auch die Zahl der Win-
dungen auf 6 — 7, ja selbst, wie bei der fossilen C. cre-
tacea Reuss auf 10 — 15 herangewachsen ist. (Archiv für
Naturgesch. 1860. I. S. 287 ff.)
Während M.Schultze somit die Artselbstständigkeit
von Cornuspira aufrecht hält, muss er andererseits aber
zugeben, dass das gleichfalls bis dahin den Monothalamien
beigerechnete Gen. Orbulina kaum noch länger gehalten
werden kann. Wir haben schon bei einer früheren Gele-
genheit (J. B. XXV. S. 249) der auffallenden Angabe von
Pourtales gedacht, nach der die aus dem Grunde des
Meeres gehobenen Orbulinen häufig eine gekammerte Glo-
bigerina in sich einschlössen. Dieselbe Beobachtung hat
nun neuerlich auch (nach 31ittheilung von Schnitze)
Krohn gemacht und zwar bei lebenden Globulinen, die
mit dem feinen Netze an der Oberfläche des Meeres ge-
fischt waren. Da nun die eine grössere Oeffnung der Glo-
bulina immer noch viel zu klein ist, einen Eindringling
von der Grösse der Globigerina durchzulassen^ auch der
feinere Bau der Globulinen die Bildungsverhältnisse der
Globigerinen genau wiederholt, so liegt die Vermuthung
nahe, dass die erstere eine abgelöste und selbstständig
fortlebende Kammer der letztern sei. Die Ablösung kann
gerade bei Globigerina um so leichter erfolgen, als deren
Kammern eine kuglige Gestalt besitzen und sich nur mit
einem kleinen Theile ihrer Oberfläche berühren. Dass die
gekammerten Rhizopoden lebendige Junge gebähren , die
einen verhältnissmässig hohen Grad der Entwickehing be-
sitzen, ist schon seit Gervais' Beobachtungen an Miliola
erwiesen. Auch Schul tze führt ein Beispiel dieser Art
an, und zwar bei einer Helgolander Rotalina, die der R.
nitida Williams am nächsten steht. In einem seit zwei
Jahre lebend gehaltenen Exemplare, dass dem Verf. wegen
der grobkörnigen Beschaffenheit seines Inhaltes aufgefallen
372 L e u c k a r t : Bericht über die Leistungen in der Katurgeschichte
war, fand sich bei der Zerstückelung- der aus 10 Kammern
zusammengesetzten Schale im Innern eine Anzahl von 20-30
kleinen dreikammrigen Polythalamien, die von gleicher oder
nahezu gleicher Grösse waren. Die innerste Kammer war
die grosseste und von bräunlichem Aussehen, während die
anderen fünf farblos waren. Bei zwei anderen Exemplaren
trat einige Zeit später auch die Geburt dieser jungen Thiere
ein. Sie hatten genau diese Bildung, wie früher, nur dass
auch bereits die zweite Kammer anfing- sich zu färben.
Leider Hess sich nicht mit Bestimmtheit angeben, auf wel-
che Weise die Geburt geschehen. In dem einen Falle sah
die Schale bei Lupenbetrachtung wie geplatzt aus und liess
sich auch nur in Bruchstücken abheben. Im anderen Falle
dagegen glaubt Verf. die Schale ganz und unverletzt
gesehen, auch in der hintersten Kammer noch eine gelb-
braune Färbung erkannt zu haben, woraus zu schliessen
wäre, dass nicht der ganze Rhizopodenkörper zur Bildung
der Jungen verwandt worden sei. Leider ging die Schale
beim Reinigen verloren, so dass sich ein Näheres darüber
nicht ermitteln liess. (Schultze ebendas. S. 295 u. 307.)
Carpenter beschliesst seine schönen und wichtigen
Untersuchungen über die Haupttypen der Foramini feren
mit einer vierten Serie, in der er den Bau von Polysto-
mella, Calcarina, Tinoporus und Carpenteria erörtert, und
sodann die hauptsächlichsten Resultate seiner Forschungen,
namentlich soweit diese gewisse allgemeine Fragen unserer
Wissenschaft berühren (über Art und deren Umänderungen),
zusammenstellt. (Researches on Foramifera, Transact. roy.
Soc. for 1860. Vol. 150. p. 535— 592. PI. XVII— XXII , im
Auszuge und ohne Abbildungen, so wie ohne Schlussbe-
merkungen Proc. roy. Soc. 1860, oder Annais and Mag. naL
bist. T. Vl..p.208). Wie in den früheren Abhandlungen,
so ist es auch dieses Mal wieder das feste Skelet, das
dem Verf. Gelegenheit zu seinen Untersuchungen gegeben
hat und in erschöpfender Weise von ihm behandelt wird.
Bei Polystomella beschreibt unser Verf. vorzugsweise das
interseptale Canalsystem, das er bei den verhällnissmässig
gigantischen Formen Australiens und der Philippinen, die
der niederen Thiere während des Jahres 1860. 373
ihm zu Gebote standen (P. craticulata Ficht, et Moll), in
mächtiger Entwickelung- und äusserst regelmässiger An-
ordnung vorfand, während die bisher untersuchten kleineren
Arten (auch Schultze's P. strigilata, die Verf. übrigens
nur als eine der zahlreichen Varietäten von P. crispa gelten
lassen will) davon bisher noch keinerlei Spuren gezeigt
hatten. Die Existenz der radialen Längsgruben auf den
Seitenflächen des Gewindes, die Verf. als die Ausmündungs-
stellen jener Canäle in Anspruch nimmt, Hessen ihn übrigens
auch bei diesen Arten keinen Augenblick an der Anwe-
senheit derselben zweifeln. Die direkte Beobachtung recht-
fertigte diese Ansichten, wenigstens für P. crispa, bei w^el-
cher Verf. dieselben Canäle, nur in geringerer Entwickelung,
wiederfand. Die Vermuthung, dass dieses interseptale Ca-
nalsystem vorzugsweise zur Ernährung des „Zwischenske-
lets" diene, das zwischen die eigentlichen Wandungen der
Zellen abgelagert ist und oftmals auch die äussere Fläche
des Gewindes überzieht, fand durch das Verhallen bei
Calcarina, bei denen dieses Skelet in mächtigster Entwicke-
lung vorkommt und namenlich auch — mit Ausschluss der
Zellen — die bekannten Randzapfen bildet, eine volle Bestä-
tigung. Durchaus verschieden von Calcarina ist das Mont-
fort'sche Genus Tinoporus, das man als synonym damit
zusammengestellt hat und in der Form von T. baculatus —
Verf. kennt noch eine zweite Art, T. laevis n. sp. — auf
einer gewissen Entvvickelungsstufe damit auch wirklich eine
oberflächliche Aehnlichkeit besitzt. Andererseits zweifelt
Verf. kaum, dass die bisher noch immer ziemlich dubiöse
Millepora rubra Lam., die als Polytrema miniaceum ßlainv.
längere Zeit den Bryozoen zugerechnet und erst von
Gray als eine Foraminifera (Pustulipora) erkannt wurde, in
den Entwickelungskreis unseres Thieres oder doch eines
nahe verwandten hineingehöre. Selbst Schultze's Acer-
vulina (J. B. XXII. S. 447) möchte Verf. hier als frühes
Entwickelungsstadium anziehen. Schon aus diesen Bemer-
kungen geht hervor, dass Tinoporus zu den sessilen Fora-
miniferen gehört, obwohl es häufig vorkommt, dass er von
seiner Unterlage sich ablöst und dann frei bleibt. Anfangs
374 L c u c k a r t : Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
gleicht derselbe einer Planorbulina. Er bildet eine flache
Scheibe , deren Zellen im Centrum spiralig aufgerollt, in
der Peripherie aber regelmässig an einander gehäuft sind.
Später erhebt sich die Scheibe durch eine auf beiden Flä-
chen erfolgende Ablagerung von neuen Zellenlagen zu einer
Säule oder einem sphäroidalen Körper, der nicht selten an
das fossile Genus Obitolites erinnert. Ein Zwischenskelel
findet sich mit den zugehörigen Canälen nur bei T. bacu-
latus und auch hier lange nicht von der bei Calcarina
vorkommenden Mächtigkeit. Die von Gray unter dem Na-
men Carpenteria (fraglich) den Poriferen zugerechnete
merkwürdige Form (J. B. XXV. S. 224) ist nach unserem
Verf. eine entschieden nach dem Typus der Helicosteginen
gebildete Foraminifere, die beim Beginne ihrer Entwicke-
lung mitGlobigerina einige Aehnlichkeit hat, später aber in
einen konischen Zapfen auswächst, der leicht zu einer Ver-
wechselung mit einem festsitzenden Cirriped Veranlassung
geben könnte. Ob das spongiöse Gewebe, das den Innen-
raum der Zellen ausfüllt, einem parasitischen Schwämme
zugehört oder ein Produkt des Thieres selbst ist, dürfte sich
schwer entscheiden lassen, doch giebt Verf. an, dass man-
cherlei Gründe das letztere Verhältniss fast wahrscheinlich
machen.
In den Schlussbemerkungen legt Verf. besonderes
Gewicht auf den von ihm gelieferten Nachweis, dass die
Foraminiferen und namentlich die Arten von weiterer geo-
graphischen Verbreitung eine ganz ausserordentliche Va-
riabilität besitzen, die so w^eit geht, dass man in der That
z. B. (mit Parker und Jones) alle die in so zahlreiche
Genera zersplitterten Formen denNodosarinen, die stabförmig
gekrümmten und spiraligen (Cristellaria) mit ihren vielfachen
Zwischenformen, auf einen einzigen Typus zurückführen
kann und mitunter selbst Formen verbinden muss, die von
Seite des bloss systematisircnden Zoologen sogar zu ver-
schiedenen Ordnungen gerechnet werden. Selbst die Un-
terschiede zwischen Cyclostegen und Helicostegen verlieren
ihre Bedeutung, wenn man sieht, dass Orbitolites nicht
selten den cyclostegen Bau allmählich mit einem helicoste-
der niederen Thiere während des Jahres 1860. 375
gen verlauscht, und umgekehrt nicht selten Exemplare von
Orbiculina mit cyclosteger Bildung gefunden werden. Nach
den Ansichten des Verf.'s gruppiren sich die charakterischen
Formen der Foraminiferen um einige wenige Haupttypen,
von denen er besonders die der Obiculinen und Heteroste-
ginen hervorhebt. Der erste verzweigt sich nach zwei
Richtungen hin, von denen die eine nicht bloss zu dem
Gen. Orbiculina, sondern auch zu Orbitolites und Alveolina
hinführt, während die andere die Gen. Peneroplis, Spiro-
lina und Dendritina in sich einschliesst. Ebenso zerfällt der
Typus der Heterosteginen in die echten Heterosteginen
(mit Cycloclypeus) und die Operculinen (mit Nummulites
und Amphistegina). Calcarina hat zu Rotalia eine unver-
kennbare Beziehung, obgleich bei letzterer w eder Zwischen-
skelet noch Interseptalkanäle, die überhaupt keinen typischen
Werth beanspruchen können, vorkommen. Verf. glaubt mit
der Aufstellung solcher Typen übrigens nicht bloss den
richtigen Ausdruck der systematischen Verwandtschaft,
sondern auch der genetischen Abstammung gefunden zu
haben ; er ist Darwinianer und findet eine Stütze für die
Richtigkeit seiner Ansichten u. a. auch in dem Umstände,
dass die Foraminiferen der einzelnen geologischen Perioden
eine unverkennbare genetische Continuität zeigen.
Parker setzt unter Beihülfe von Jones seine histo-
rischen Untersuchungen über die Nomenklatur der Forami-
niferen weiter fort und prüft in einer Reihe von Aufsätzen
die Arten von Fichtel und Moll (Annais and Mag. nat.
bist. T. V. p. 98— 116. p. 174—183), von Lamarck (1. c.
p. 285— 298. p. 466— 477, I.e. T. VI. p.29— 40), so wie von
Denys de Mo n fort (I.e. p. 337 — 347). Die umfassende
Detailkenntniss , welche die Verff'. bei ihrer eingehenden
Kritik zur Schau tragen, dienen in gleicher Weise zur Auf-
klärung über frühere Forschungen, wir zur schärferen und
besseren Charakteristik der einzelnen Arten.
Radiolaria. Die Thiere, die wir unter diesem Na-
men schon mehrfach in unseren Berichten (bes. J. B. XXV.
S. 249) erwähnten, sind nach J. Mülle r's Untersuchungen
bekanntlich Rhizopoden, die sich den kalkschaligen Polytha^
376 Leuckait: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
lamien geg^enüber durch ihren radiären Bau und auch meist
durch ein zierliches Kieselskelet sehr aufTallend auszeichnen«
Was wir bis jetzt über diese Thiere wusslen , verdanken
wir, von den ersten Entdeckungen Ehrenberg's abgese-
hen, fast ausschliesslich den Bemühungen Müller's, der
sein Interesse bestimmt auch noch ferner zum Frommen
unserer Wissenschaft diesen merkwürdigen Geschöpfen zu-
gewendet haben würde, wenn ein jäher Tod dem unermüd-
lichen Forscher nicht so früh schon ein Ziel gesetzt hätte.
Einem Schüler unseres grossen Mannes war es vorbehalten,
die Untersuchungen desselben wieder aufzunehmen und
weiterzuführen. Wir erfahren aus den Verhandlungen der
Berliner Akademie aus dem Jahre 1860 (S. 794 — 817.
p. 835 — 845), dass Häckel während eines sechsmonatlichen
Aufenthaltes in Messina nicht bloss etwa die Hälfte der
Müller'schen Arten wieder auffand, sondern ausserdem
auch noch 120 neue Arten, unter denen 24 neue Gattungen,
beobachtete. Die genaue Beschreibung und Abbildung die-
ser Formen, so wie eine eingehende Schilderung des Baues
und der Lebenserscheinungen der Radiolarien überhaupt hat
sich Verf. für eine ausführliche Abhandlung vorbehalten.
Einstweilen veröffentlicht er nur die Diagnosen der neuen
Gattungen und Arten mit einigen Bemerkungen über den
gemeinsamen Bau der Radiolarien. Wir entnehmen diesen
Mittheilungen, das sich als allgemeiner und ausschliesslich
anatomischer Charakter unserer Thiere der Besitz einer
von einer festen Membran umschlossenen Kapsel (Central-
kapsel) herausgestellt hat, welche eine grosse Menge klei-
ner kugliger wasserheller Bläschen mit je einem dunkeln
Körnchen (Zellen?) und zwischen denselben andere kleine
dunkele Körnchen enthält, ausserdem meist verschieden-
farbiges Pigment, das oft die Kapsel ganz undurchsichtig
macht, und endlich häufig viele kleine und einige grosse
Fetlkugeln. In der Mitte der Kapsel ist oft eine zweite
dünnwandige Blase (Binnenblase) eingeschlossen. Die Form
der Centralkapsel ist meist kuglig, häufig auch scheibenför-
mig zusammengedrückt und oft an einem Ende in mehrere
Lappen gespalten. Nie sieht man darin fremde Körper und
der niederen Thiere während des Jahres 1860. 377
auch bei zahlreichen Fütterungsversuchen drang nie Farbe-
sloff in dieselbe ein. Diese Centralkapsel, welche bei
allen Radiolarien den grösseren Volunitheil des Weichkör-
pers ausmacht, kommt bei keiner Polythalamic vor, was um
so mehr zu betonen ist, als alle übrigen bisher für unter-
scheidend angenommenen Charaktere durch die Auffindung
neuer Zwischenformen ihren Werth verloren haben. Das
Kieselskelet verhält sich zu der Centralkapsel verschie-
den, indem es bald ganz ausserhalb derselben liegt, wie
bei den Thalassicollen und Ehrenberg's solitären Po-
lycystinen, bald die Centralkapsel radial durchbohrt und
in deren Inneres eintritt, wie bei den Akanthometren und
Ehrenberg's zusammengesetzten Polycystinen mit Aus-
nahme der Spyridinen. Man kann darnach die Radiolarien
inEntolithia (mit halb innerem, halb äusserem Skelet)
und Ectolithia (mit bloss äusserem Skelet) einlheilen.
Hinsichtlich des Skelets hat sich übrigens die auffallende
Thatsache herausgestellt, dass dasselbe bei einem Theile
der Haliommen und Akanthometren nicht aus Kieselsäure,
sondern aus einer durch Glühen, wie durch Schwefel-
säure zerstörbaren organischen Substanz besteht.
Die Centralkapsel ist stets völlig umschlossen von einer
verschieden entwickelten, meist Bläschen und Körnchen
enthaltenden Schloimschicht, dem Futterboden der viel-
fach verästelten und anastomosirenden Pseudopodien, wel-
che als sehr zahlreiche, feinere und gröbere Fäden nach
allen Richtungen von demselben ausstrahlen. Zwischen
den Fäden und in dem Mutterboden liegt eine Anzahl der
von Müller beschriebenen gelben Zellen, welche allen
Radiolarien mit Ausnahme der Akanthometren zukommen.
Einzelne Akanthometren besitzen freilich auch gelbe Zellen,
aber nicht ausserhalb, sondern innerhalb der Centralkapsel.
Auch verhalten sich dieselben chemisch verschieden und
sind vielmehr den verschiedenfarbigen Pigmentzellen an-
derer Akanthometren äquivalent. Die Körnchenbewegung
an den Fäden und die Bewegungen der Fäden verhalten
sich völlig wie bei den Foraminiferen. Nur ist die Orts-
bewegung, ein langsames Drehen und Wanken, viel un-
378 L e u c k a r t : Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
merklicher, als bei den letztern, wie die Radiolarien denn
auch ungleich zarter und weit empfindlicher gegen äussere
Einflüsse sind. Oel'ters wurde gesehen, wie sich die Thier-
chen mittelst der Fadenenden an fremden Gegenständen
befestigten und durch Contraktion der Fäden denselben
näherten. Ebenso unzweifelhaft, wie die Contractilität der
Fäden, wurde die Thatsache constatirt, dass die Thierchen
die Fähigkeil besitzen, sich bis über die Wasseroberfläche
zu erheben und wieder zu versenken. Hinsichtlich der
Körnchen an den Fäden ist noch hervorzuheben, dass die-
selben bei allen Arten vorkommen, dass ihre Quantität aber
sehr wechselnd ist, indem sie bei einzelnen ganz lebendi-
gen Thieren oft völlig fehlen, während sie bei anderen In-
dividuen derselben Art in Masse vorhanden sind. Mit den
Körnchen werden auch fremde Körper , Infusorien, Algen
u. dergl. an den Fäden herab bis zur Kapseloberfläche
geführt, wo sie in der Schleimschicht des Mutterbodens
liegen bleiben und assimilirt zu werden scheinen. Nach
dem Tode quillt die letztere mitsamml den contrahirten
Fäden (Wasserimbibition?) zu einer homogenen dicken
Gallerte auf, welche oft von Körnchen durchsetzt ist und
noch radiale Streifung zeigt. Bei den mit einer Gitter-
schale versehenen Radiolarien treten die Pseudopodien durch
alle Gitlerlöcher, und bei denen, die ausserdem noch eine
besondere grosse Mündung haben, auch durch diese in
Menge hervor. Alle beobachteten Radiolarien wurden nach
der von J. Müller mit so ausserordentlichem Erfolge an-
gewendeten Methode mittelst des feinen Netzes pelagisch
von der Oberfläche des tiefen Hafens von Messina gefischt,
wo sie bei ruhiger See täglich lebend zu Hunderten gefun-
den wurden. Dagegen gelang es nicht ein einziges Mal,
auch nicht mittelst der Graffschen Saugsonde, lebende
Radiolarien auf dem Grunde des Meeres zu linden. Die
grössere Hälfte aller beobachteten Individuen machten stets
die Akanthometren aus, welche in den fossilen Polycysti-
nenlagern gänzlich fehlen. Ihre Artenzahl betrug allein
mehr als V4 aller beobachteten Species. Demnächst waren
die häutigsten die Sphärozoen, dann die Haliommen und
der niederen Thiere während des Jahres 1860. 379
Thalassicollen. Dagegen war die grosse Menge der von
Ehrenberg fossil aufgefundenen Formen nur durch sehr
spärliche Repräsentanten vertreten. Von Ehrenberg's
solitären Polycystinen, welche mehr als die Hälfte der fos-
silen Gattungen und mehr als % ihrer Arten ausmachen,
fanden sich (inclusive der von Müller beobachteten Arten)
nur 20 Formen vor, also kaum 1/7—% der Gesammtmasse,
und diese alle nur in vereinzelten Exemplaren. Dagegen
zeigte sich von den Spyridinen, deren Arten fast die Hälfte
der zusammengesetzten Polycystinen Ehrenberg's aus-
machen, nur der eine schon von J. Müller beobachtete
Repräsentant. Die zusammengesetzten Radiolarien, die co-
loniebildenden Sphärozoen und Collospliären, ersetzen durch
Masse der Individuen, was ihnen an Mannichfaltigkeit der
Formen abgeht.
Die von unserem Verf. neu beobachteten und kurz charakteri-
sirten Formen sind folgende : Thalassicolla pelagica, Th. cavispicula,
Aulacantha (n. gen.) scolymantha^ Acanlhodesmia prismaticum,
Dictyocha Messaneiisis, Cladococcus (RhamphidococcusJ simplex, Cl.
(Rh.) actifer, Cl. (Rh.) dentalus, Cladococcus spinifer, Cl. bifurcus, Cl.
vitninalis, Cl. cervicornis, Coelodendrum (n. gen.j ramosissimutn,
Aulosphaera (n. gen.) trigonopa, Au. elegantissima , Ethmo-
sphaera (n. gen.) siphonophora^ C yr tid 0 sphaer a (n. gen.) reti-
culata, Haliosphaera (n. gen.) inermis, H. tenuissima, H. actinota,
H. echinoides , H. elegans , Diplo sphaera ( n. gen.) gracilisj
Arachnosphaera (n. gen.) oligacantha, A. myriacantha, Acantho-
metra elastica, A. hnlbosa, A. dolichosnia, A. compressa, A. Mülleri,
A. fragilis, A. sicula, A. brevispina, A. quadrifolia, A. cuspidata, A.
Claparedei, A. (XiphacatithaJ serrata, A. (X.) spinulosa, A. (Atn-
philonchej tenuis, A. (Amph.) dettticulata, A. (Amph.J complanata,
A. (Amph.) Messanensis, A. (Amph.) tetraplera, A. (Amph.) belonoi-
des, A. (Amph.) heteracanlha, A. (Amph.) anomala, A. (Acanthostau-
rus) purpurascens, A. (Ac.) forceps, A. (Ac.) haslata, Lithoplera Miil-
l eri, Litholophus (n. gen.) Rhipidhim , Acanth ochia s ma{n. gen.)
Krohnii, A, fusiforme, Astrolithium (n. gen.) dicopum, A. bifidtan,
A, cruciatum, Diploconus (n. gen.) fasces, D orataspis (n. gen.)
bipennis, D. loricatn, D. solidissima, D. polyancistra, Haliommatidium
Mülleri^ H. tetragonopum, Halionema copillaceum, H. erinacevm, H. echi~
naster, H. castanea, H. phacodiscus, H. (Actmomma) iiierme, H. (Act.)
trinacrium, H. fAct.J asteracanlhion, IL (Act.) drytnodcs, H. (Act.)
didymocystis, Carpocanium diadema, Cyrtocalpis (n. gen.) am-
phora, C. obliqua^ Lilharachnium (n. ^^en-) tentorium, Euce-
380 Lenckarl: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
cryphalus (n. gen.) Gegenbauri^Eu. SchuUzei, Lithomelissa thora-
dies, Diclyophimus tript/s, Aracknocorys circumtexta, A. umbellifera,
Eucyrtidium cranoides, E. carinalum, Lilhocatnpe galea, L. anomala,
A. lagenn, Dictyopodinm trilobtim, Lilhornilhium diclyoceras, Rhizo-
sphaera trigonacanlha , Rh. leplomila, Sponyosphaera slreptacaniha,
Dictyosoma triyonizon, Tr ema t o d i s cus (n. gen.) orbiculatus, T. he-
licoides, Slylodictya quadrispina, St. multispina, Rhopalastrum trun-
catnm, Hisliastrvm fasciatum, H. ypsiloides, H. trinacrium, Lithe-
lius (n. gen.) spiralis , Spo7igodiscvs cycloides, S. eUiplicus ^ S.
orlhogotius, S. ScyllaeuSy S. Charybdaeus, S. quadricortiis , Sp ong o -
trochus {n. gen.) longispinus, Sp. brevispinus, Spongurus (n. gen.)
cylindricus, Collosphaera spinosa, Sphaerozoum Italicum, Sph. ovodi-
mare, S- hifurcum, S. coeruleum, S. pelagicum.
Zur näheren Charukterislik der neuen oder schärfer diagnoslicir-
ten Galtungen das Folgende:
Aulac antha. Weichkörper wie bei gewissen Thalassikollen,
namentlich auch mit einer peripherischen Lage kngliger wasserheller
Blasen , zwischen denen die von der Centralkapsel ausstrahlenden
Pseudopodien verlaufen. Auf der Überfläche der Blasenzone eine
Masse feiner tangentialer Kieselnadeln, die einen Mantel bilden, der
von vielen (50 — 100) sehr langen und starken radialen Kieselsta-
cheln durchsetzt wird. Die innere Ecke des Stachels sitzt frei auf
der Oberfläche der Centralkapsel. Sämintliche Kieselgebilde sind hohl
und von Pseudopodienmasse erfüllt.
Coelodendrum. Die von schwarzbraunen Pigmentkörnern
umgebene Centralkapsel umschliesst ausser der grossen Binnenblase
und kleinen Bläschen den Cenlraltheil des Skelets in Form einer
vielfach durchbrochenen Kieselkugel , auf deren beiden Polen ein
kegelförmiger gleichfalls durchlöcherter Fortsatz aufsitzt. Jeder
dieser Fortsätze trägt 3 — 4 sehr schlanke und hohle divergirende
Kieselstacheln , die die Centralkapsel durchbohren und sich ausser-
halb derselben vielfach dichotom zu einem förmlichen Bäumchen
verästeln. Die Zweige dieser Bäumchen bilden durch ihre vielfache
Anastomose eine von radialen Stachelspitzen starrende Kugeloberfläche.
Die Spitzen tragen eine Oefl'nung, aus der die das ganze System
durchziehende Pseudopodienmasse in Fadenform hervortritt.
Aulo sp haera. Skeiet eine Gitterkugel mit gleichseitig
dreieckigen Maschen und Stacheln auf den Knotenpunkten. Die Cen-
tralkapsel schwebt frei im Innern dieses Kugelskelets und wird in
dieser [.age durch zahllose Pseudopodien erhalten, die theils durch
die Maschen des Gitters hervortreten, theils auch die hohlen Balken
des Gitterwerks durchziehen.
Ethmosphaera. Skeiet eine aus abgestutzten Trichtern mit
i'adial gestellten Achsen zusammengesetzte Gitterkugel, deren kreis-
der niederen Thiere während des Jahres 1860. 88l
runde Löcher regelmässig vertheiU sind und von einem erhöhelen
Rande umgeben werden. Kuglige Centraikapsel im Innnern des Git-
terwerkes.
Cyrti do spha er a. Skelet eine etwas unebene Gitlerkugel,
aus unregelmässigen polygonalen Maschen mit sehr feinen Zwischen-
balken der Art zusammengesetzt, dass eine Anzahl Gruppen von je
^ — 8 kleineren Maschen nach einer bestimmten Ordnung zwischen
grössern maschigen Feldern vertheiU sind. Die Centraikapsel füllt
fast den ganzen Innenraum der Skeletkugel und enthält ausser hellen
Bläschen und blauen Pigmentkörnern grosse Üelkugeln.
Halio spkae ra. Skelet eine ganz regelmässige Gitterkugel,
aus sechseckigen gleichen Maschen mit sehr feinen Zwischenbalken
gebildet, mit oder ohne radiale Stacheln. Die farblose Centraikapsel
enthält ausser hellen Bläschen eine grosse Binnenblase.
Dipl 0 spha er a. Skelet besteht aus zwei concentrischen, durch
radiale Stacheln verbundenen Gillerkugeln von heterogenem , aber
regelmässigem Maschenwerke, deren inneres die kuglige Centraikapsel
einschliesst.
Ar achno sphaer a. Skelet aus 3 — 4 concentrischen Gitter-
kugeln, die durch radiale Stacheln verbunden sind. Die inneren mit
regelmässigen Maschen von sechseckiger Form, die anderen mit un-
gleichen und unregelmässigen polygonalen Maschen.
Acanthometra Müll. Skelet mit 20 keilförmig im Centrum in
einander gestemmten Sracheln, die sich symmetrisch vertheilen und
keinen Centralkanal in sich einschliessen.
* Acanthometra s. st. Alle Stacheln gleich, ohne Querfortsätze.
Centraikapsel kuglig.
'"•■ Xiphacantha. Einfache Qu erfortsätze zwischen den gleich
langen Stacheln. Centraikapsel kuglig.
-::■*::- Amphilonche. Die zwei Stacheln der vertikalen Hauptachse
länger und stärker, als die übrigen, auch abweichend gestaltet.
Querfortsätze fehlen. Centraikapsel von verschiedener Form, meist
länglich.
*'•■■■•■"' Acanthostaurus. Die vier Stacheln der verticalen und hori-
zontalen Hauptachse länger und stärker, auch oft abweichend gestaltet.
Alle Stacheln ohne Querfortsätze. Centraikapsel von verschiedener
Form, meist polsterförmig comprimirt.
Litholophus. Skelet aus einer Anzahl (20?) mit keilförmi-
ger Basis an einander gelegter Stacheln , welche innerhalb des Rau-
mes eines Kugelquadranten von einem gemeinschaftlichen Centrum
divergiren.
Acanthochiasma Krohn. Skelet aus zehn gleichen Stacheln,
welche die Centraikapsel diametral durchbohren und in deren Cen-
trum^ ohne sich zu verbinden, an einander vorübergehen.
882 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
D ip l oc 0 nus. Skelel besieht aus zwei weiten mit ihren
Spitzen sanduhrartig verwachsenen Hohlkugeln , in deren gemein-
schaftlicher Achse ein starker vierkantiger zugespitzter Nagel ver-
läuft, der mit seinem Ende aus den zwei Mündungen der Hohlkugeln
hervortritt. Aus der Verwachsungsstelle der Hohlkugel gehen mehrere
Slachelslürapfe ab. Die Pseudopodien treten nur aus den von scharf
gezähnten Rändern eingefassten Oeffnungen der Halbkugel hervor.
Die bisquitförniige Centralkapsel ist ganz in der doppelkegelförmigen
Kieselschale eingeschlossen.
Dorataspis. Skelet besteht aus 20 mit keilförmig zugespitz-
ter Basis in einander gestemmten und symmetrisch vertheilten Stacheln
mit gitterförniigen oder verzweigten Querfortsätzen, welche sich durch
persistirende Nähte unter einander zu einer die kuglige Centralkapsel
einschliessenden Gitterschale verbinden. (Acanlhometrae cataphra-
ctaeMüll.)
Haliommatidium Müll. Aehnlich, nur sind die Querfortsälze
immer gitterförmig und durch oblitterirende Nähte verbunden.
Haliomma Ehrbg. Zwei oder drei concentrische Gitterschalen
von wechselnder Form, die durch radiale Stacheln oder Stäbchen
vereinigt werden , ohne dass diese im Centrum zusammen kommen.
Die Membran der Centralkapsel stets unter der äusseren Rindenschale,
so dass die einfache oder doppelte Markschale und die Kapsel ein-
geschlossen ist.
■" Haliomma s. st. mit einfacher Markschale.
^'"^ Acthiomma mit doppelter Markschale.
Cyrt 0 calpi s. Gitterschale einfach, ungegliedert, länglich
rund, mit einer zweiten einfachen, ungegitterten und ungezähnelten
Mündung an dem einen Ende. Gegen diese Mündung hin verengt.
Centralkapsel in die Gitterschale eingeschlossen, am unteren Ende in
drei Lappen getheilt.
Lithar achnium. Gitterschale einfach, ungegliedert, ausge-
schweift kegelförmig, fast zeltförmig, oben in eine stumpfe Spitze
ausgezogen, von welcher convex gebogene Radialbalken in den Ke-
gelmantel herablaufen , unten mit einer sehr weiten, kreisrunden
Oeünung. Centralkapsel kegelförmig birnförmig, in der Spitze einge-
schlossen, ungelappt (?).
Euc ecryphalu s. Mit zweigliedriger Gitterschale. Das un-
tere Glied flach kegelförmig, mit weiter, von einem Stachelkranze
umgebener Oelfnung, oberes Glied knoplförmig, mit einem oder meh-
reren Stacheln. Centralkapsel in der Mitte des Gehäuses, unten in
vier ungleiche Lappen getheilt.
Ar achnocorys. Gitterschale mit zwei durch eine tiefe Ein-
schnürung und Gilterwand getrennten Gliedern. Oberes Glied rundlich,
rings von vielen Stacheln besetzt, unteres schirmförmig, mit starkeu
»Irfifffis . der niederen Thieie während des Jahres 1860. 883
in Stacheln auslaufenden Kadialbalken, auf denen wieder andere
Stacheln stehen. Centralkapsel erfüllt das erste Glied und reicht mit
vier Lappen auch in's zweite.
Rhizosphaera. Skelet kuglig, von einer spongiösen Rin-
denschale gebildet, die durch zahlreiche radiale Stacheln mit zwei
concentrischen, gegitterten Markschalen verbunden ist. Centralkapsel
innerhalb der Rindenschale, die Markschalen einschliessend.
Tr em at odiscu s. Skelet scheibenförmig, aus zwei parallelen
kreisrunden Gitterplalten gebildet , zwischen denen mehrere concen-
trische Kreisbalken oder die Windungen einer Spirale verlaufen,
welche durch unterbrochene Radialbalken verbunden sind. Central-
kapsel scheibenförmig, zwischen den beiden Deckplatten einge7
schlössen.
Stylodictya Ehrbg. Von der vorhergehenden Gattung durch
Anwesenheit von radialen Stacheln unterschieden, die von Rand und
Scheibe abgehen und in deren Ebene liegen.
Rhopalastrum Ehrbg. Aehnlich, nur mit breiten Radialarmen
statt der einfachen Stacheln. Die scheibenförmige Centralkapsel er-
streckt sich bis in die Arme.
His t las trum. Die peripherischen Strahlen durch ein schwam-
miges feines Rindenskelet vereinigt, sonst ähnlich. Centralkapsel
scheint sich nicht bis in die Rinde zu erstrecken.
Lithelius. Skelet ein ellipsoider dichtschwammiger Kie-
selkörper mit radialen Stacheln. Die Kammern ungleich, auf Quer-
schnitten bald in concentrischen Kreisen, bald in deutlicher Spirale
geordnet. Centralkapsel von dem Schwammwerke durchzogen, bis
nahe unter dessen Oberfläche reichend.
Spongodiscus Ehrbg. Skelet eine dichtschvvammige flache Scheibe
von verschiedener Form, ohne radiale Stacheln. Kammern klein, in
der Mitte wenigstens in unregelmässige concentrische Ringe geordnet.
Centralkapsel flach, scheibenförmig, den grössten Theil der Schwamm-
scheibe erfüllend.
Sp oiig otr 0 chus. Mit einfachen radialen Strahlen an der
dichtschwammigen runden Scheibe. Kammern sehr klein, ohne alle
Ordnung an einander gereiht. Centralkapsel flach scheibenförmig,
den grössten Theil der Schwammscheibe ausfüllend.
Sp on gurus. Skelet ein dichtschvvammiger langgestreckter
Cylinder, von dem rings einfache Radialstiahlen ausgehen. Kammern
sehr klein, ohne alle Ordnung an einander gereiht. Centralkapsel
cylindrisch, den grössten Theil der Schwammmasse ausfüllend.
Auch E h r e 11 b e r g charakterisirt eine Anzahl neuer
Polycystinen- Genera, nach Schalen, die aus Grundproben
beträchtlicher Tiefe (bis zu 19,800 Fuss) ausgehoben wur*
384 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
den und dem stillen Meere angehören. (Verhandl. der Berl.
Akad. 1860. S. 829.)
B otry ocamp e. Polycystinum solitarium e Lilhochytrinis. Lo-
ricae siliceae cylindricae articulatae cellulosae alter fiiiis simpliciter
clausus, aller suhlobalus ; cellulae lobulares in uvae brevis irregula-
ris spiraeve formam dispositae. Articuli ultra duo.
B otry ocyrlis. Polycystinum solitarium ex Eucyrlidinis. Lo-
ricae siliceae cylindricae articulatae cellulosae alter finis late apertus,
alter sublobatus. Cellulae lobulares in uvae brevis spiraeve formam
dispositae. Articuli ultra duo.
Clathr 0 canium. Polycystinum solitarium ex Eucyrtidinis.
Loricae siliceae biarticulatae articulus superior continuo celliilosus
tricostatus, inferior amplior late apertus, e solis costis productis me-
dia parte non connexis, extremo fine solummodo cellularum fascia
connexis formatus.
D e rmatosphaer a. Polycystinum solitarium (?) ex Halicaly-
ptrinis (?). Lorica laevis globularis integerrima membranacea non
distincte cellulosa, sed obscure porosa. (Pollini plantarum affinis
forma dubia in abysso maris califormici frequens.)
Die ty oc ephalus. Polycystinum solitarum ex Eucyrtidinis.
Lorica silicea sphaerica aut oblonga cellulosa, nncleo septisque duris
internis destiluta, aperte aut obscure biarticulata. Apertura infera
ampla, supera cancellata hinc parum distincta.
Dictyastrum. Polycystinum compositum e Calodiclyis. Testula
silicea plana spongioso -cellulosa , lobato -stellata. Discus medius
spongiaceus cellulis non concentricis. Membrana radios conne-
ctens nulla.
D icly ocoryne. Polycystinum compositum a Calodictyis. Te-
stula silicea plana spongioso-cellulosa, lobato-stellata. Cellulae disci
spongiosi non aut obscure concentricae. Membrana cellulosa radios
totos coniungens.
Disoleni a. Polycystinum compositum?. Lorica silicea?
(igne et acido non dissolubilis) globularis obscure reticulata. Tubuli
duo producti aperti. (Pollen plantae phanerogamae refert. An nova
familia ?)
Euchitonia. Polycystinum compositum e Calodictyis. Te-
stula silicea plana spongioso-cellulosa, lobato-stellata. Cellulae disci
spongiaceae concentricae. Membrana cellulosa radios ad apices usque
coniungens.
Lamprodis cv s. Polycystinum solitarium ex Eucyrtidinis.
Loricae siliceae biarticulatae articulus superior cancellatus non divisus
(globularis), articulus secundus dilalatus disciformis, eleganter cellu-
der niederen Thiere während des Jahres 1860. 385
losus (brevissime complanatus) , coslis tcnuissimis tribus tripartitns,
margine integerrimo.
Maz 0 sphaer a. Polycystinuin solilarium. I.orica globularis
verrucoso-papillosa, lubulis plurimis brevibus aperlisque irregulariter
instrueta. (Pollen planlae Malvaceae plane referf.)
Ommatocamp e. Polycystinum compositum ex Halionimatinis.
Testula silicea cellulosa laevis aiit aspera transverse ad lineam
reclam niulliarticulata (4 arl.), nucleo interno medio (unico) sub stri-
clura insignis.
0 mmat o gr amma. Polycystinum compositum e Calodiclyis.
Testula silicea cellulosa, laevis aut aspera, linearis, nucleo nullo,
cellulis in disco medio concentricis, radiis duobus recta oppositis,
articulatis aut spongiaceis.
0 mmat 0 spyri s. Polycystinum compositum e Spyridinis.
Testula silicea cellulosa laevis aut aspera, non appendiculata, trans-
verse biarliculata (constricta), nucleo interno medio sub strictura
insignis.
P enta s oleni a. Polycystinum (?) solitarium (?) ex Halicaly-
ptrinis(?). Lorica globularis laevis, tubulis 5, apice perviis, irregu-
lariter dispositis, prominentibus instrueta. An nova familia?
P olys olenia. Pentasoleniae similis, tubulis ultra 5.
Rho pal odictyum. Polycystinum compositum e Calodictyis.
Testa silicea spongioso-cellulosa, complanata, lobato-stellata. Discus
niedius spongiaceus , nee concentrice decoratus. Radii stellae, apice
tumidi, inermes.
Schizomma. Polycystinum compositum ex Halioramatinis.
Testae siliceae subglobosae membrana cellulosa nucleo cellulosa in-
strueta. Membrana externa saepe imperfecta aut dehiscens ila ut sae-
pius utrinque bifida invenialur. (Gen. Tetrapylae J. M. äff.)
Sp ong asier. Polycystinum compositum c Calodictyis. Testa
silicea spongiacea complanata obsolete radiato-stellata. Uiscus nie-
dius spongiaceus et radii stellati apice tumescentes inerniesque crusta
spongiacea obvelati, distinctu difßciles.
Telr as olenia. Polycystinum solilarium (?) ex Halicalyptri-
nis (?). Lorica quadrata follicularis porosa angulis subtubulosis per-
foratis, prominulis.
Trisolenia. Polycystinum solitarium (?) ex Halicalyplrinis (?).
Lorica triangula porosa aut foveolata, angulis tubulosis perforatis
prominentibus.
Für die bis jetzt bloss namentlich (ohne Diagnosen) aufgeführten
neuen Arten verweisen wir auf die Originalmillheilung.
Archiv f. Naturg. XXVIL Jahrg. 2. Bd. Z
386 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
3. Gregarinae.
van Beneden beobachtet im Darme von Nemertes
communis zahlreiche kleine Gregarinen, die durch eine
leichte Krümmung ihres schlanken Körpers ausgezeichnet
sind. Rech, sur les turbell. p. 11.
Wie Klebs und früher schon Remak, so sah auch
Waidenburg nicht selten Psorospermien im Innern der
Epithelialzellen des Darmes bei Kaninchen und Meerschwein-
chen. Die Psorospermien waren noch ohne äussere feste
Hülle, wie Verf. vermuthet, im Gregarinenzustande. Sie
zeigten mitunter eine Theilung in zwei und vier Stücke,
je mit einem Kerne und körniger Umhüllungsmasse. Die-
selbe Erscheinung beobachtete Verf. bei vollständig entwik-
kelten Psorospermien, die einige Tage in einer Lösung
von chromsaurem Kali (1 3 auf 3^ Wasser) aufbewahrt wa-
ren und nach der Verfütterung an junge Kaninchen diese
wieder mit jungen Formen inficirten. L. c. p. 29.
Die Bildung der Psorospermien im Innern der Epi-
thelialzellen ist übrigens schon mehrere Jahre vor Wal-
denburg, wie ich jetzt erst sehe, Gegenstand der Beob-
achtung gewesen, und zwar von Vulpian, sur les corps
oviformes que Ton trouve dans les conduits biliaires, la
vesicule biliaire, le mucus intestinal et les parois intesti-
nales des lapins et d'autres animaux (chats), Cpt. rend.
Soc. biol. 1858. p. 186. lieber die eigentliche Natur dieser
Körperchen ist Verf. übrigens im Zweifel geblieben. Er
ist nicht abgeneigt, dieselben für pathologische Bildungen
anzusehen, spricht sich aber entschieden nur gegen die
Ansicht aus, dass sie Helmintheneier wären.
In die Reihe dieser Körperchen gehören offenbar auch
die in grossen Cysten abgelagerten „Helminlheneier", die
von Gubler in der Leber eines an seinem Leiden gestor-
benen Mannes aufgefunden wurden. Mem. Soc. biol. 1858.
p. 61—71.
Wir haben schon verschiedene Male in unseren Be-
richten (zuletzt Bd. XXV S. 255) auf die an verschiedenen
Wasserarthropoden gelegentlich schmarotzenden gregari-
der niederen Thiere wJihrend des Jahres 1860. 387
nenartigen Schläuche aufmerksam machen müssen. Diese
Schläuche sind neuerdings von Cienkowski (Bot. Ztg.
1861. Nr. 25) genauer untersucht und als einzellige Orga-
nismen erkannt worden, die trotz der amöbenartigen Be-
weglichkeit der Zoosporen dem Pflanzenreiche zugehören.
Was Lieb erkühn früher für Pseudonavicellen gehalten
hat, sind spindelförmige Tochterschläuche, die sich im In-
nern entwickeln und dann nach Aussen durchbrechen. Die
amöbenförmigen Zoosporen erzeugen in ihrem Innern gleich-
falls solche Tochterschläuche, entweder direkt oder nach
vorhergegangener Einkapselung. Mit Rücksicht auf die
scheinbar thierische Natur der Sporen hat Verf. für unsere
Organismen den Genusnamen Amoebitium (A. parasiti^
cum) in Anwendung gebracht. Gewisse zellige Anhänge
mit scheitelständigen, durch Quertheilung in bewegungslose
Sporen sich auflösenden Schläuchen, die bisweilen auf den
Amöbidien vorkommen, gehören einem kleinen pilzartigen
Schmarotzer (Basidiolium fimbriatum) an.
Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen im
Gebiete der Entomologie während der Jahre
1859 und 1860.
(Zweite Hälfte).
Von
Dr. A. Gerstaecker
in Berlin.
Hymenoptera.
Auf die Verschiedenheiten, welche die an der Costa
der Hymenopteren-Hinterflüg-el befindlichen Häkchen, durch
welche bekanntlich der Schluss der Flügel während des
Fluges der Aderflügler bedingt wird , sowohl in Zahl als
Anordnung darbieten, hat Miss Staveley in einer durch
Abbildungen illustrirten Abhandlung „Observations on the
neuration of the bind wings of Hymenopterous Insects, and
on the hooks which join the forc and bind wings together
in flight" (Transact. Linnean soc. of London XXIII. 1.
p. 125 — 137. tab.l6u. 17) hingewiesen. Diese Abhandlung
ist eine weitere Ausführung einer schon von J. E. Gray
(Annais of nat. bist. V. p. 339 ff.) mitgethcilton und von
derselben Verfasserin herrührenden hürzeren Notiz : „On
the hooks on the front edge of the hinder wings of certain
Hymenoptera," in welcher zunächst nur auf die Modifika-
tionen jener Flügelhäkchen bei einigen Ichneurnoniden
hingewiesen wird. — in der genannten grösseren Abhand-
lung geht die Verf. zunächst auf das bisher wenig beachtete
Geäder der Hinterflügcl ein und glaubt die Verschieden-
heiten desselben , besonders in Bezug auf das Verhalten
der Costa , drei Categorieen zuertheilen zu müssen (die
Gerstaecker: Bericht über die Wissenschaft). Leist. u. s. w. 389
jedoch den natürlichen Verwandtschaften der damit behafte-
ten Formen zum grössten Theile nicht entsprechen. Ref.) Die
Hafthäkchen betreflend , so macht sie darauf aufmerksam,
dass ausser den meist in grosser Anzahl vorhandenen, sich
an der Aussenhälfte der Hinterflügel findenden Häkchen
noch andere, meist in geringer Zahl näher der Basis vor-
handen sind ; letztere bezeichnet sie als „subbasal hooks,"
erstere dagegen als „distal hooks.'*
Die Modifikationen in der Ordnung der Hinterflügel sind fol-
gende: ]) der Costalnerv ist nahe an der Basis getheilt. a) Der obere
Ast des Costalnerven verläuft wenigstens bis zur Mitte des Flügels
am Kande (Vespariae, Scolia, Chlorion, Stizus, Gorytes, Astata, Thyn-
nus). — b) Der obere Ast des Costalnerven marginal, aber vor der
Mitte des Flügels aufhörend oder sehr dünn werdend (Ichneumonidae,
Sphex, Pompiliis, l'epsis). — 2) Der Costalnerv ist nicht an der Basis
getheilt, sondern einfach; auch nicht bis zur Mitte des Flügels mar-
ginal, aber der Flügelrand über ihm verdickt (Apiariae, Formicariae,
Dorylus, Trypoxylon, Mimesa, Pemphredon, Mellinus, Ccphus, Mutilla,
Chalcis). — ■ 3} Der Costalnerv nicht an der Basis getheilt, aber
marginal ; bei der Mitte mit dem dahinter verlaufenden Nerven ver-
bunden (Xiphydria, Sirex, Tenthredinidae). — Von den Haflhaken
fanden sich die „distal hooks" an allen untersuchton Hymenopteren-
Ilinterflügeln. Sie sind in der Zahl 6 (Ophion , Piinpla) bis zu 44
(Pompilus) und 49 (Xylocopa) vorhanden , variiren aber sehr inner-
halb einer und derselben Gattung (z. B. bei Pompilus zwischen 21
und 44); bei den Blatt- und Holzwespen stehen sie öfter in dop-
pelter oder dreifacher Reihe. (Die jedesmal vorkommende Anzahl
dieser Haken wird für eine grosse Reihe von Gattungen und .Arten
verschiedener Familien speciell angeführt). Die „subbasal hooks"
kommen bei den Ichneumoniden, Sphegiden, Chrysiden, Pompiliden,
Larriden, Crabroniden, Andreniden, Kyssoniden, Tenlhrediniden und
Thynniden vor, fehlen dagegen bei den Apiarien, Vesparien, Eume-
niden, Scoliiden, Doryliden, Mutilliden, Forniicnrien und Chaicididen;
sie sind entweder an der Flügelbasis oder in der Mitte zwischen
dieser und den „distal hooks" angebracht, meist kleiner und gerader
als letztere, bald fein, bald kräftig. Bei den Ichneumoniden kommen
meist nur 1 oder 2, seltener 4 oder 6 vor, bei den Pompiliden und
Sphegiden meist mehr, oft 14 bis 23. Unter den Ichneumoniden
werden besonders die Gattungen Ophion, Plmpla, Ephialtes, Paniscus,
Hemiteles und Cryptus als mit Hallhaken an der Basis versehen be-
zeichnet. (Ref. fand sie z. B. auch bei Trogus, während er sie bei
mehreren Ophion-Aiton vergebens gesucht hat.)
390 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Die Hymenopleren-Verzeiclinisse des British Museum
sind im J. 1859 mit einem neuen, wie die früheren von
F. Smith bearbeiteten, fortgesetzt worden: „Catalogue of
Hymenopterous Insects in the colleclion of the British Mu-
seum. Part VII. „Dorylidae and Thynnidae." London 1859.
72 pag-. 3 pl.) — Verf. sieht die Doryliden und Thynniden
als eigene Familien unter der Gruppe Heterogyna im älte-
ren Sinne an, deren nächste Verwandte, die Formicinen
und die Mutillarien er bereits früher, und zwar letztere
unter den Sphegiden abgehandelt hatte. Ueber die Zweck-
mässigkeit einer so isolirtcn Behandlung von zunächst ver-
wandten Gruppen dürften sich offenbar Zweifel erheben
lassen und zwar trotz der entgegenzusetzenden Ansicht,
dass Cataloge nicht vorwiegend systematische Zwecke zu
verfolgen haben; jedenfalls wären die Doryliden als wirk-
liche Ameisen passender dem 6. Theile („Formicidae") an-
geschlossen worden und die Thynniden, nachdem Klug
ihre nahen Beziehungen zu Mutilla, Scolia u. s. w. nach-
gewiesen hat, besser zu diesen gestellt. — Die Abfassung
des vorliegenden Bandes schliesst sich genau an die der
früheren an, indem die bekannten Arten nur mit Citat und
Synonymie aufgeführt, die neuen charakterisirt werden;
die Zahl der letzteren ist besonders bei den Thyniden an-
sehnlich, neue Gattungen fehlen dagegen ganz. Eine Voll-
ständigkeit in der Aufzählung der von früheren Autoren
aufgestellten Arten hat der Verf. in diesem Bande so wenig
wie in den bisherigen erreicht. Von den drei beifolgenden
Tafeln sind zwei der Darstellung verschiedener Doryliden
(u. a. auch der Darstellung des Flügelgeäders mehrerer
Arten), die dritte den Thynniden gewidmet.
F. Smith, Catalogue of Hymenopterous Insects col-
lected at Celebes by Mr. A.Wal lace (Journal of proceed.
of Ihe Linnean soc, Zoology III. p. 4— 27). Ein Verzeich-
niss von etwa 100 auf Celebes gesammelten Hymenopteren
aller Familien und der Mehrzahl nach neu; die bereits be-
kannten Arten werden nur namentlich aufgeführt, die übri-
gen beschrieben.
Derselbe, Descriptions of newspecies of Hymeno-
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 391
pterous Insecls collected by Mr. A. VVallace al Celebes
(ebenda V. p. 57 — 93). Beschreibungen von etwa 100 fer-
neren neuen Arten, welche von Wallace bei Makassar
auf Celebes gesammelt sind und ebenfalls fast sämmllichen
Familien der Hymenopteren angehören.
Derselbe, Catalogue of Hymenopterous Insccts col-
lected by Mr. A. Wallace at the Islands of Aru and Key
(ebenda III. p. 132 — 178). Verzeichniss von etwa 150 Arten
verschiedener Familien mit Beschreibung der darunter be-
findlichen neuen, von den bei Neu-Guinea gelegenen Inseln
Aru und Key. Die Zahl der neuen Arten überwiegt die der
bekannten beträchtlich.
Derselbe, Catalogue of Hymenopterous Insects col-
lected by Mr. A. Wal lace in the Islands ofBachian, Kaisaa,
Amboyna, Gilolo and al Dory in New-Guinea (ebenda V.
p. 93 — 143). Von den 191 auf den Molukken und Neu-
Guinea gesammelten und hier verzeichneten Arten werden
132 als neu beschrieben; dieselben gehören den verschie-
denen Familien mit Ausnahme der Proctotrypier, Chalcidier
und Cynipiden an und stellen zum Theil sehr ausgezeichnete
Formen dar.
Verzeichniss der von Staudinger im J. 1856 auf
Island gesammelten Hymenopteren, zusammengestellt von
J. F. Ruthe (Entom. Zeitung 1859. p. 305 u. 362 ff.). —
Dieses Verzeichniss weist im Ganzen 69 Isländische Arten
auf, von denen eine (Bombus hortorum Hlig.) den Apia-
rien, 25 den Ichneumoniden, 21 den Braconiden, 6 den
Proclotrypiern, 5 den ChaIcidiern, 2 den Cynipiden und 6
den Tenthrediniden angehören. Die Zahl der als neu an-
gesehenen und hier beschriebenen Arten beträgt 33.
Fo erster hat seine im J. 1855 begonnene „Zweite
Centurie neuer Hymenopteren" in den Verhandlungen des
naturhistor. Vereins d. Preuss. Rheinlande XVI. p. 87 — 124
und XVII. p. 93 — -153 fortgesetzt und beendigt. Die bei
weitem grösste Anzahl der in derselben beschriebenen
Arten gehört der Familie der Chalcidier und in dieser
zum Thcil neuen Gattungen an; einzelne sind ferner aus
392 Gers In eck er: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
den Familien der Proctolrypier, Apiarien, Tenthrediniden
und Ichneumoniden bekannt gemacht worden.
F. Smith, Catalogue of British fossorial Hymeno-
ptera, Formieidae and Vespidae in the colleclion of the Bri-
tish Äluseum. London 1858. (8. 236 pag., 6 plates). — Verf.
hat in diesem Calalog nach dem Vorbilde seiner im J. 1855
erschienen Bearbeitung der Englischen Apiarien jetzt auch
eine Zusammenstellung der in England einheimischen For-
micarien, Heterogynen, Crabroniten und Vesparien, welche
gegen die im J. 1851 erschienene nicht nur durch eine
Reihe von Arten vermehrt, sondern mit eingehenden Cha-
rakteristiken sämmtlicher Gattungen und Arten versehen
ist, geliefert. Da der Verf. gleichzeitig bei allen Gallungen
ihre Lebensweise näher erörtert, auch neue hierüber von
ihm selbst gemachte Beobachtungen beibringt, kann das
Werkchen zugleich als ein recht zweckmässig und brauch-
bar abgefasster Abriss der Naturgeschichte der Hymeno-
ptera fossoria u. s. w. angesehen werden, welcher bei der
wesentlichen Uebereinstimmung der Englischen Fauna mit
derjenigen Norddeutschlands sich auch hier gewiss einer
beifälligen Aufnahme zu erfreuen haben wird. Auf den
sechs beifolgenden Tafeln ist von sämmtlichen in England
vorkommenden Gattungen je eine Art im Umrisse darge-
stellt; die Zahl der als neu beschriebenen beträgt nur zwei.
Die einzelnen Familien, Gruppen und Galtungen sind nach dem
vorliegenden Cataloge folgendermaassen in England vertreten: a)
Formicariae: Formica 10, Tapinoma 2, Ponera 1, Myrmica 14,
Myrmecina 1 A. — b) Heterogtjna: Mutilla 3, Myrmosa 1, Methocal,
Tiphia 2, Sapyga 2 A. — c) Pompilidae: Pompilus 20, Ceropales 2,
Aporus 1 A. — d) Spkegidae: Ammophila 3, Miscus 1, Sphex 1,
Dolichurus 1 A. — e) Larridac: Tachytes 2, Miscophus 2 (M. tna^
ritimus n. A.), Dinetus 1, Astala 2 A. — f) Nyssonidae: Nysson 5,
Gorytes 5, Harpaclusl, Didineis 1, Mellinus 2 A. — g) Crabronidae:
Trypoxylon3, Crabro 36 (Cr. vestitus n. A.), Oxybelus 7, Spilomenal,
Stigmus 1, Diodontus 3, Passaloecus 3, Pemphredon 1, Ceratopho-
rus 1, Cemonus 2, Psen 2, Miniesa 4 A. — h) Philanthidne: Philan-
thus 1, Cerceris 5 A. — i) Vespariae: Eumenes 1, Odynerus 12,
Yespa 7 A.
Funk, die Sphegiden und Chrysiden aus der Um-
gebung Bambcrg's (Vierter Bericht d. naturf. Gesellsch. zu
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 393
Bamberg 1859. p. 57 — 61). Verf. verzeichnet die bei Bam-
berg von ihm aufgefundenen Crabroniden (81 A.), Sphegi-
den (12 A.), Pompiliden (23 A.), Heterogynen (11 A.) und
Chrysiden (21 A.), im Ganzen 148 Arten. Neben einigen
seltneren Chrysiden ist besonders das (bei Bamberg übri-
gens seltene) Vorkommen des Polochrum repandum Spin, zu
erwähnen, da dasselbe bis jetzt nur aus viel südlicheren
Gegenden Europa's (Piemont, Ungarn) bekannt geworden
ist. Die aufgezählten Arten begleitet der Verf. mit Anga-
ben über ihre Häufigkeit, ihr Vorkommen u. s. w.
Cour tili er, Essai sur quelques familles d'Hymeno-
pteres (Annales d. 1. soc. Linneenne de Maine et Loire III.
1859. p. 31 — 60). Verf. giebt ein Namensverzeichniss der
von ihm bei Saumur gesammelten Hymenopteren nach L e-
peletier's Bestimmungen und in der von diesem vertre-
tenen (sehr verworrenen) Reihenfolge, die Familien der
Apiarien, Vesparien, Crabroniten, Heterogynen, Ichneumo-
niden und Tenthrediniden umfassend. Zahlreiche Arten,
welche Verf. beim Mangel an anderweitiger Literatur nicht
hat bestimmen können, charakterisirt er kurz, ohne ihnen
indessen Namen beizulegen. Dieselben gehören den Gat-
tungen Andrena (23 A.), Halictus (3), Colletes (3), Osmia (3),
Nomada (1), Coelioxys (1), Odynerus (4), Alyson (1),
Lindenius (1), Pompilus (2), Anoplius (1), Lyda (1), Cc-
phus (2), Lophyrus (2), Pristiphora (2), Nematus (7), Ten-
thredo (15), Dolerus (4) an.
Sichel (Annales d. 1. soc. entom. VIII. p. 215 f.) gab
ein Namensverzeichniss von 51 in den Basses- Alpes ge-
sammelten Hymenopteren. ßemerkenswerth sind die daselbst
vorkommenden Exemplare von Bombns equcslris, welche
durch die allmählichsten Uebergänge in Bombus fragrans
Pall. hinüberspielen, so dass Verf. beide Formen als der-
selben Art angehörig ansieht.
Derselbe (ebenda VIII. p. 749 ff.) stellte ein Na-
mensverzeichniss von 182 auf Sicilien von Beliier de la
Chavignerie gesammelten Hymenopteren in systemati-
scher Reihenfolge zusammen und beschrieb einige darunter
befindliche neue Arten.
394
Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Assmiiss, „Symbola ad faunam hymenopterologicam
Mosquensem. Enumeratio Ilymenopterorum Sphecit'orrnium
gubernii Mosquensis« (Bullet, d. natiir. de Moscou 1859. I.
p. 604—620). — Verf. liefert eine Aufzählung von 89 bei
Moskau gesammelten Hymenopteris fossoriis aus den Fami-
lien der Crabroniden, Sphegiden und Pompiliden.
Ein Verzeichniss der Nassauischen Hymenoptera acu-
leata stellte Schenck (Entom. Zeitung 1860. p. 132 ff.)
zusammen; dasselbe umfasst die Apiarien, Vesparien, Cra-
broniden, Heterogynen, Formicarien und Chrysididen, deren
einzelne Arten mit Synonymen aufgeführt werden.
Smith (Entomol. Annual for 1859. p. 113 ff. und 1860.
p.92ff.) zählte eine Reihe seltnerer Hymenoptera aculeata,
welche während der letzten Jahre in England beobachtet
wurden, auf. Unter denselben wird auch eines Hermaphro-
diten von Andrena nitida erwähnt (Annual 1859. p. 116.
hg. 7), welcher auf der rechten Seite vollkommen männlich,
links weiblich ist.
lieber die Lebensweise einiger Hymenopteren von Port
Natal machte Gueinzius briefliche Mittheilungen, welche
in den Proceed. entom. soc. V. p. 9 f. abgedruckt sind;
dieselben betreffen einige Apiarien, Vesparien und Crabro-
niden und bestätigen im Allgemeinen die Uebereinstimmung
der biologischen Eigenthümlichkeiten analoger Formen un-
ter verschiedenen flimmelsstrichen.
Anthidium cordatum baut sein Nest aus vegetabilischen Fasern,
zu deren Zusammenkittung es sich eines Harzes, welches eine Pflanze
(Euphorbiacee) absondert, bedient. Eine Anthophora, welche im No-
vember und Februar erscheint, nistet in den Wänden von Häusern;
ihre Kukuksbiene ist eine Crocisa, welche sie aus ihrer Zelle heraus-
jagt, um ihr Ei hineinzulegen. Diese Crocisa hat, wie viele andere
Bienen, die Eigenthümlichkeit, dass sie sich, um auszuruhen, mit den
Mandibeln an die Spitze eines Halmes festbeisst und den Körper ho-
rizontal frei wegstreckt. Oft sieht man des Abends Bleuen in grös-
serer Anzahl diese Stellung einnehmen. — Zwei grosse Xylocopa-
Arten, die eine in beiden Geschlechtern gleich gefärbt (mit rostroth
haarigem Thorax), die andere im Weibchen schwarz-, im männlichen
Geschlechte gelbhaarig, legen ihre Nester in todten Zweigen, Uolz-
pfosten u. dgl. an. — Eumenes tinctor baut nicht einzelne Zellen,
sondern eine compakte Masse von Schlamm, iu welcher sie Zellen
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 395
aushöhlt und die sie an Rohr anheftet; eine Stilbum-Art ist ihr
Schmarotzer. — Synngris baut einzelne Zellen an Häusern , die sie
mit Raupen von Catocala und ander^jn Noctuinen belegt; sie holt
dieselben zwischen der Rinde von Bäumen oder aus Blüthen hervor.
— Pelopoeus chalybeus legt seine Nester in den hohlen Bambus-
stengeln auf Hausdächern an; zur Construktion der Zellen bedient er
sich der Excrementc von Vögeln, die er von Blättern abschabt und
mit Speichel versetzt. — Ein grosser Fompilus endlich trägt eine
grosse haarige Spinne ein, welche sich vor ihm flüchtet und ihn eine
Zeit lang mit ihren langen Beinen abwehrt, bis sie sich endlich er-
giebl und seinem Stachel sofort unterliegt.
Apiariaö. „Die Nassauischen Bienen" ist eine grössere Arbeit
von A. Schenck (Jahrbücher des Vereins für Naturk. im Herzog-
thum Nassau XIV. p. 1 — 414) betitelt, in welcher der Verf. eine aus-
führliche Darstellung der Naturgeschichte, der Systematik, so wie
der Gattungs - und Artcharaktere der einheimischen Apiarien liefert.
In Bezug auf die Gattungen und Arten konnte sich Verf. zum grossen
Theil auf seine frühere Abhandlung (im VII. Hefte der Jahrbücher)
beziehen und hatte nur da Abänderungen vorzunehmen und Zusätze
zu geben, wo solche durch fortgesetztes Studium geboten waren ; die
Angaben der früheren Autoren über die Lebensweise der einzelnen
Formen hat er jetzt in ähnlicher Weise wie bei den Hymenopteris
fossoriis sorgfältig zusammengetragen und zum Theil noch durch
eigene Beobachtungen bereichert. — Verf. beginnt mit einer Be-
schreibung der Fresswerkzeuge der Bienen (in welcher die Ligula
als „zum Saugen des Blüthensaftes" dienend angegeben wird, wäh-
rend sie nur zum Lecken geeignet ist), des Sammelapparates und der
Flügelzellen und reiht hieran eine Auseinandersetzung der Charaktere
der Gattungen und Arten so wie der GeschlechtsdifTerenzen. Die
Anordnung der Gattungen und Gruppen nach Lepeletier verwer-
fend, schlägt er eine neue Einthcilung in 13 ünterfamilien , wie
folgt, vor: 1) Apidae'(Äpis und Bombus). 2) Psithyridae (Psithyrus).
3) Anthophoridae (Anthophora, Saropoda, Eucera, Systropha, Rhophites
und Ceratina). 4) 31electidae (Melecta, Crocisa, Epeolus, Nomada).
5) Xylocopidae (Xylocopa). 6) Panurgidae (Panurgus, Dufourea, Ha-
lictoides , Rhophitoides und Dasypoda). 7) Melittidae (Melitta und
Macropis). 8) Andrenidae (Andrena, Ilylaeus , Nomia , Colletes).
9) Rhatymidae (Dichroa). 10) Prosopidae (Prosopis). 11) Alegachili-
dae (Megachile, Osmia, Chelostoma, Ileriades, Trypetes n. g., An-
thidium). 12) Stelidae (Stelis und Coelioxys). 13) Phileremidae
(Phileremus). Diese Anordnung müsste wenigstens in sofern beanstan-
det werden, als die Unterfamilien 1 bis 5 und 11 bis 13, welche
durch die scheidenförmigen Lippenlaster zusammengehalten werden,
nicht wohl von einander durch die 6. bis 9. Unterfnmilic , welche
396 Gerstnecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
zusanimen die La t r ei 1 1 e'sche Gruppe der Andrenetae bilden und
ebenfalls in der Bildung der Lippentaster übereinstimmen, getrennt
werden können. Panurgus, bei dem die Lippentaster zwar noch
nicht scheidenförniig sind, aber doch ein stark verlängertes Basal-
glied haben , ist ein vereinzeltes Verbindungsglied zwischen den
Andrenelen und Apiarien Latreille's, die im Uebrigen scharf ge-
schieden sind. Die Absonderung der Schmarotzerbienen von ihren
nächsten Verwandten zu eigenen Gruppen ist zwar bereits von La-
treille und Lep el et i er vorgeschlagen worden, indessen systema-
tisch wohl kaum naturgemäss; denn es ist nicht zu verkennen, dass
z. B. Stelis zu Anlhidium, Coelioxys zu Megachile, Alelecta zu An-
Ihophora in einer engeren Beziehung nach ihren charakteristischen
Merkmalen stehen, als dies zwischen ihnen selbst der Fall ist. Zwi-
schen ßombus und Psithyrus, ferner zwischen Euglossa und Chry-
sanlheda findet ganz dasselbe Verhällniss statt und schon die Eifahrung,
dass die Schmarotzergattungen meist bei ihren nächsten Verwandten
parasitiren (ausgenommen sind Komada, Epeolus u. a.) sollte für die
Systematik maassgebend sein. Dem Ref. scheint es hiernach am an-
gemessensten, nach Ausscheidung der Andreneten nur zwei Haupt-
gruppen unter den eigentlichen Bienen aufzustellen : Schienensammler
und Bauchsammler, und jeder derselben die ihnen verwandten Schma-
rotzergattungen anzuschliessen. — Der spezielle Theil der Arbeit
umfasst die Charakteristik von 36 Gattungen und 278 Arten, deren
Charaktere übeidem noch in analytischen Tabellen zusammengestellt
werden. Neue Arten werden in folgenden Gattungen beschrieben:
Bombus (B. confusus), IVomada ^iV. nigrilaj , Dufourea (D. vulgarisjy
Andrena fA. fulvida, mixta, fuscohirta, marginalis, laeviuscula, joi-
cicruSf decipienSf clypeata, chrysopyga, cognata, griseola, lepidüf
fasciatella, fulvicornis, nitidiuscida, punctulalaj, Hylaeus (II. sex"
maculatus, quadrisignatus, albidus, bifasciatus, haemorrhoidalis, pau"
xillus , punctalissimus , maiginellus , sublaevis , chjpearis, parvulus^
nitidus, minutulus , flavitarsis , convexiusculus , rufipes ^ atraiulus,
politus, lucidulus, exilis, pygmaeus, nanulusy tenellusj, Colletes fC.
similisj, Sphecodes, fS. subovalisj, Prosopis (Pr. obscurata, mixta,
quadrimaculata , clypearis, sinuuta, angustata, lineolaiaj, Megachile
(M. atriventris, villosaj, Osmia (0. interruplaj, Stelis fSt. pygmaea,
nana, minima), Coelioxys (C. obliisala^ recurva, tridenticulata, gra-
cilis, carinata, convergens, longiiiscrda, reßexa, distincla, obscura^
parvulaj. Vom Verf. neu errichtete Gattungen sind: Rhophitoi-
des n. g. für Rh. canus Eversm. und Trypetes n. g. für Ueriades
truncorum Lin.
Fo erster (Verhandl. d. naturhist. Vereins d. Preuss. Rhein-
lande XYIL p. 139 if.) beschrieb Hylaeus senex als n. A. aus Süd-
deutschland und semicinttus aus Ungarn.
im Gebiete der Entomologie uahrend der Jahre 1859 u. 60. 397
Sichel (Bullet, soc. entom. 1859. p. 214) Pamirgus annulatus
als n. A. aus Spanien und (Annal. soc. enlom. VIII. p. 763) Haliclus
pollinosiis (fem.), Anthopora uniciliata (fem.) und Eucera dubia (fem.)
als n. A. aus Sicilien.
Smith (Journ. of proceed. of the Linnean soc, Zoology III.
p. 5 ff.) Sphecodes insularis , ISomia punctata, ßavipes, formosa, hali-
ctoides, Megachilc incisa, fulvifrons, terminalis, Slelis ahdomirialis,
Coelioxys fulvifrons, Xijlocopa nobilis und Apis zonala als n. A. von
Celebes. — Ferner (ebenda V. p. 91 ff.) Halictus fraternus^ Notnia
concinna, Coelioxys inlrudens, Ceratina pictifrons^ Anlhophora vigi-
lans, Apis nigrocincta als n. A. von Makassar und p. 131 ff. Prosopis
eximius, Coelioxys intrudens (Name kurz vorher schon einmal ange-
wandt), Megachilc Pluto, Lachesis, Clolho und foliata von Batchian,
Alecto von Dory, ventralis von Amboina, Xylocopa coronata von
Kaisaa und unicolor von Amboina. — Ferner (ebenda III. p. 132 ff.)
Prosopis Malachisis und Nomia cincta von Key, Nomia longicornis
und dentata von Aru, Megachilc lateritia, scabrosa und insularis von
Aru, Allodape nitida ebendaher und Anlhophora elegans von Key.
Walker (Annais of nat. bist. V. p. 305) Andrena exagens,
Nomia vincta und Trigona praeterita als n. A. von Ceylon.
Greene (Annais of the Lyceum of nat. bist. ofNevv-York VII.
p. 11) Bombus interruptus und occidenlalis als n. A. von der Nord-
vveslkuste Amerika's (Oregon, Pugel-Sund).
Derselbe (ebenda VII. p.l68 — 174) „Review of the American
Bombidae, together wilh a description of several species herelofore
undescribed etc." gab eine Uebersicht und kurze Charakteristik der
ihm bis jetzt bekannt gewordenen Noid - Amerikanischen Bombus-
Arten : Bomb. Suckleyi n. A. vom Puget - Sund, Carriei n. A. vom
Washington - Territory, occidentalis Greene, Virginicus Fab., fervidus
Fab., sonorus Say, ephippiatus Say, ternarius Say, Americanorum Fab.,
Huntii n. A. von Utah, interruptus Greene, Carolinus auct. und viola-
ceus Lepel. — In einem späteren Nachtrage führt Verf. 15 andere be-
reits von früheren Autoren beschriebene Arten auf, welche ihm bei Auf-
stellung seiner neuen Alten nicht bekannt gewesen zu sein scheinen.
B a d 0 c h k 0 f fs k y , Sur quelques Hymenopteres nouveaux ou
peu connus (Bullet, des natur. de Moscou 1859. II. p. 479 ff. Taf. 5)
gab Abbildungen und Beschreibungen von Bombus Sichelii n. A. vom
Amur, Caucasicus und Wurßenii aus dem Caucasus, Menetriesi von
Sitkha und Stevenii aus der Krim; ferner von Bombus viduus Menetr.,
eriophorus Klug, calidus Eversm. , fragrans Eversm. , Sibiriens Fab.,
Altaicus und rufescens Eversm.
A. v. Berlepsch, Die Biene und die Bienenzucht in honig-
armen Gegenden, nach dem gegenwärtigen Standpunkte der Theorie
und Praxis. Mühlhausen 1860. (8. 475 pag., mit zahlreichen Holz-
398 Gersta ecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
schnitten). Üer als Bienenzüchter rühmlichst bekannte Verf., welcher
zugleich mit Dzie rzon sich um die wichtigen Entdeckungen der
Neuzeit (v. Siebold und Leuckarl) in Betreff der Fortpflanzungs-
weise der Biene besonders verdient gemacht hat, legt in diesem
Werke seine reichen und vielfach erprobten Erfahrungen in der
rationellen Bienenzucht vor und leitet dieselben durch eine sehr
umfassende Darstellung der gesammten Naturgeschichte der Honigbiene
ein, welche nicht nur unsere bisherigen Kenntnisse über dieses Insekt
auf das Vollständigste zusammenstellt, sondern dieselbe auch durch
neue und oft sehr scharfsinnig angestellte Beobachtungen bereichert.
Besonders ist auf die Capitel, welche von der Befruchtung und der
Eierlage der Königin in sehr eingehender Weise handeln und wel-
chen der Verf. ein von Leuckart bearbeitetes Capitel über die
Organisation der drei Geschlechter im Bienenstaate voianschickt,
hinzuweisen; im neunten Capitel widerlegt der Verf. z. B. auf das
Schlagendste die Annahme von Küchenmeister, Busch und
Leuckart, dass die Bienenkönigin nur auf mechanischem Wege
dazu bestimmt werde, befruchtete (Arbeiter-) oder unbefruchtete
(Drohnen-) Eier abzulegen, je nachdem die Zellen enger oder weiter,
kürzer oder länger seien, und kommt durch Exklusion zu dem Schluss,
dass die Königin stets mit Wissen und Willen je nach Bedarf bald
Drohnen-, bald Arbeiter- Eier lege. — Auch in den Capiteln über
das Eierlegen der Arbeiterbienen und die bienenfeindlichen Thiere
kommen entomologisch interessante Angaben vor; Braula coeca kommt
nach den Beobachtungen des Verf.'s vorzugsweise auf Königinnen
vor (bei Berlin wurde sie einmal vorzugsweise auf Drohnen gefun-
den. Kef.) und zuweilen in kolossaler Menge, z. ß. auf einer einzigen
Königin einmal 187 Individuen. Neuerdings wurde auch die l'/a Lin.
lange schwarze, sechsbeine Larve des Meloe variegatus (durch von
Siebold in der Bienenzeitung 1858 beschrieben) in Mehrzahl auf
Bienen gefunden und als diesen schädlich erkannt; sie soll sich
zwischen die Hinterleibssegmente der Biene einbohren und den Tod
derselben unter heftigen Zuckungen veranlassen.
The Honey-ßee, its natural history, habils, anatomy and mi-
croscopical beauties, by James Samuelson, assisted by J. Brax-
ton Hicks. With tinted illustrations. 12. London, J. van Voorst 1860.
(In Annnals of nat. bist. VI. p. o70 ff. angezeigt und besprochen.)
„Death of the common Hive-Bee, supposed to be occasioned by
a parasitic Fungus" by the Rev. Henry Higgins (vergl. Jahresbe-
richt 1858. p. 29) ist auch im Journal of proceed. of the Linnean soc,
Zoology III. p. 29 mitgetheilt.
V. Kiesen Wetter (Berl. Entom. Zeitschr. IV. p. 315) und
Schenck (Jahrbücher des Vereins f. Naturk. im Herzoglhum Nas-
sau XIV. p. 417) machten Mittheilungen über die Honigbiene vom
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. GO. 399
Hyniettus, deren Unterschiede von der deutschen Race sie erörtern.
V. Kiesen Wetter findet in derselben, wie dies gewiss jeder En-
tomologe thun wird, keine specifischen Unterschiede von der gewöhn-
lichen Honigbiene, sondern betrachtet sie als Uebergansglied zur Apis
ligustica, von der ebenfalls kein Kenner behaupten wird, dass sie
eine von Apis mellifica verschiedene Art sei, da sie nur in der Fär-
bung von jener abweicht und, wie Ref. schon vor einigen Jahren
nachgewiesen hat, ihrerseits wieder nur eine Uebergangsfärbung zu
der in Asien und Afrika weit verbreiteten Apis fasciata Latr. darstellt.
Verf. hält die Besprechung der Griechischen Varietät (Cecropia) für
interessant, weil sie mit zur Feststellung der Begriffe Art, Unterart,
Varietät, Race beitragen könne; im vorliegenden Falle handelt es
sich jedoch nur um Färbungsunterschiede, wie sie bei zahlreichen
Bienen und zahllosen anderen Insekten etwas ganz Gewöhnliches sind
und die um so weniger von irgend welcher Bedeutung sein können,
als z. B. am Cap der guten Hoffnung ganz schwarze Bienen mit der
Foim A. ligustica und A. fasciata untermengt vorkommen.
VespaHäe. Smith machte (Journal Proceed. Linnean soc,
Zoology III. p. 20 ff.) folgende neue Arten von Celebes bekannt:
Eumenes vindex, architectus, floralis, Odynenis clavicornis, insiilarisj
fulvipenyiis, Icaria pilosa und Vespa fervida. — Ebenda V. p. 86 ff.
von Makassar auf Celebes: Eumenes pictifrons, artifex, laboriosus,
tricolor, Odynerus ignobilis, facilis, circumspeclus, pehdans, Ischno-
gaster pictus, agilis, Polybia artifex und mathematica. — Ebenda V.
p. 126 ff. Eitmenes eximins, blandtts und politus von Batchian, agilis
von Amboina , Rhynchium iridipenne und rnbropictum ebendaher,
Alaslor cognatus von Keu-Guinea, Polisfes colonicus und multipictus
von Amboina, simulattis von Kaisaa, Icaria conservator von Keu-
Guinea, Icaria impeluosa und Pachymenes elegans von Batchian. —
Ebenda III. p. 163 ff. Pachymenes viridis, Odynervs petiolatus, agilis^
multipictus, modestus, Alastor unifasciatus, apicalus, Ischnogaster tri-
dipennis, Icaria nigra, fasciata, brnnnea, gracilis, unicolor, Polistes
nigrifrons und elegans als n. A. von den Inseln Aru und Key.
Walker (Annais of nat. hist. V. p. 304) beschrieb Odynerus
tinctipennis und intendens als n. A. von Ceylon.
AVailes (Proceed. entom. soc. 1859. p. 109) fand Weibchen
von Vespa vulgaris im Juli und August in der Höhe von 3022 Fuss
in England am Erdboden erstarrt, gerade wie sie sich während der
VVintermonate in der Ebene finden. Da die Temperatur des Bodens
um die genannte Jahreszeit die höchste ist, wirft er die Frage auf,
welches die Ursache der Erstarrung bei ihnen sein möge; dass solche
Weibchen, wie Wol laston glaubt, sich zur Ucberwinterung am
Erdboden verbergen, ist ihm unwahrscheinlich.
Crabronina. Von Smith (Journal proceed. Linnean soc, Zoo-
400 Gersta e cke r : Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
\ogy III. p. 14 fr.) wurden als n. A. von Cclebes beschrieben : Sphex
praedator, Ammophila insolala, Pelopoeus intrudens und ßavofascia-
lus, Larrada aedilis, aurifrons, personata, rvfipcs, festinans, Mor~
phota (n. g. für die harra- Arten mit drei deutlichen Ocellen und
weniger zusammengedrücktem Kopfe errichtet) formosa, Tachytes mo-
rosus, Crabro (Rhopalum) agilis, Cerceris varipes. — EbendaV. p. 83 fF.
als n. A. von Makassar auf Celebes: Ampulex regalis, Dolichurus ab-
dominalisy Larrada ducalis, Trypoxylon eleganlulum, ferox, graciles-
cens und Psen erralicus. — Ebenda V. p. 122: Sphex lyrannica,
jaculatoVf morosa, volatilis , Pelopoeus fabricalor, unifasciatus, Lar~
rada vindex und tarsata von Batchian, Tachytes sedulus von Kaisaa,
Larra modesla, Trypoxylon protidum und Cerceris praedata von Bat-
chian und Gorytes basalis von Amboina. — Ebenda III. p. 157 ff. :
Sphex auri fr ons, nitidiventris, sepicola, gratiosa, Pelopoeus laboriosus,
Larrada modesta, Larra simillima, Pison nitidus, Gorytes conslrictus
und Crabro solilarius als n. A. von Aru, Gorytes vagus und Trypoxylon
eximium von Key.
Walker (Annais of nat. bist. V. p. 304) heschrieh Stigmus
congruens und Larrada extensa als n. A. von Ceylon.
Nach Smith's Mittheilung (Proc. ent. soc. 1859. p. 55) schickte
ßates vom Amazonenstrome das Nest einer Larrada spec. ein, wel-
ches abweichend von den bisher gekannten an einem Blatte befestigt,
nicht in der Erde angelegt war; ferner das Nest von Sphex Lanieri
Guer., welches in einem zusammengerollten Blatte steckte. Die Er-
bauer beider Nester zeigten sich dadurch abweichend, dass ihre Schie-
nen nicht gedornt, also nicht zum Graben geeignet waren.
Mathieu, Observation sur un Hymenoptere (Annal. soc. ent.
Beige III. p. 193) gab eine kurze Notiz über das Eintragen und die
Begattung von Cerceris, welche bereits bekannte Facta nur bestätigt.
Fompilidae. Smith (Journal proceed. Linnean soc, Zoology III.
p. 11 ir.) beschrieb Pompilus sallitans, contortus, pilifrons, decepfor,
Priocnemis rußfrons, Agenia bimaculata und Myynimia fumipennis. —
EbendaV. p. 78 ff. Pompilus conformis, limbatus, nigrocoeruleus, in'
certus, Priocnemis flavipennis, Agenia honesta, assimilis, nitidiventris,
agitata, gracilipes, ingenua, facilis, nasuta, jucunda und Mygnimia
fervida als n. A. von Makassar auf Celebes. — Ebenda V. p. 119 ff.:
Pompilus dcpraedator , fulgidipennis und opulentus von Batchian,
Agenia Lucilla von Amboina , Priocnemis confeclor von Batchian,
Mygnimia ferruginea von Dory auf Neu-Guinea, Lacaena und Thione
von Amboina. — Ebenda III. p. 153 ff. : Pompilus dubius, Agenia
Callisto, jucunda, Althea, Alcyone, Amalthea, Priocnemis pulcherri^
mus, fervidus, Macromeris iridipennis, Salius malignus und Mygnimia
Aspasia als n. A. von den Aru-Inseln.
Sichel (Annal. soc. entom. VIII. p. 761 ff.) beschrieb Pomp»/««
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 401
nigripennis, Priocnemis Dahlhomii und Bellieri als n. A. aus Sicilien,
ausserdem das Weibchen von Pompilus cingulatus Dahlb.
» J. P. E. Frdr. Stein (ßerl. Ent. Zeilschr. III. p. 60) nimmt
nach Erichson den Salius unicolor Fab. als Typus der Gattung Sa-
lius, den Pompilus sanguinolentus Fab. als denjenigen der Gattung
Homonotus Dahlb. an, erörtert beider Unterschiede und beschreibt
Homonohis affinis als n. A. aus Ungarn. Zum Schlüsse Berichtigun-
gen über Salius Germanicus Erichs, i. lit., welcher eine eigene Gat-
tung bilden soll.
Motschulsky (Bullet, de Mx)scou 1859. II. p. 500) diagno-
stlcirte Pompilus Amurensis als n. A. vom Amur.
Heterogyna. H. de Saussure hat seine im Jahresberichte
1858. p. 140 erwähnte Beschreibung neuer Arten aus der Gruppe der
Scoliaden in der Entomol. Zeitung 1859. p. 171— 191 und p. 260— 269.
Taf. II (Description d'une serie d'Hymenopteres nouveaux de la tribu
des Scoliens) fortgesetzt. Es werden hier folgende neue Arten be-
kannt gemacht : Liacos Sicheli von Sumatra, Scolia foraminala^ Kol-
lari, velutina und inagnifica von Java, Lacosi vidua von Montevideo,
bipennis aus dem Caffernlande , exilis, Bohemani, Erinnys, Sicheli,
Megaera, Tisiphone, nigripennis, meridionalis und Wahbergii aus Süd-
afrika, (dabei die Männchen von Sc. fulvofimbriata und cephalotes
Burm. beschrieben), melanosoma und Redtenbacheri von Java, wtmmfa
aus Arabien, (ferner Sc. erratica Smith mas et fem. nochmals beschrie-
ben) , Vollenhoveni von Sumatra , bioculata von Java und Sumatra,
Menetriesi aus Turcomanien , versicolor unbek. Vaterl., Elis stigma
aus Süd-Afrika, Campsoineris fera aus Keu-Guinea, Africana, Lachesis
und Clotho aus dem Caffernlande, Pfeifferi aus Madagascar, Atropos
und felina aus dem Caffernlande, tristis, Asiatica und azurta von
Java, Snelleni und phalerata aus Sumatra, fossor von Buenos-Ayres ;
ausserdem das Männchen von El. tolteca Sauss.
Smith (Catalogue of Thynnidae) zählt aus der Gattung Thyn-
nus im Ganzen 180 Arten auf, von denen 86 hier zuerst beschrieben
werden. Die meisten derselben (81 Arten) gehören Neu-Holland an
und sind der Mehrzahl nach nur auf das eine der beiden Gesohlech-
ter begründet; indessen hat Verf. doch in mehreren Fällen auf die
Autorität von Bake well, der mehrere Jahre lang in Neu -Holland
gesammelt und die Copulation einiger Arten beobachtet hat, Männ-
chen und Weibchen als zusammengehörend beschreiben können. Die
Charakteristiken , welche Verf. von einer Reihe nur auf weibliche
Individuen basirter Arten giebt, sind zur Determinirung nicht aus-
reichend, da auf die entscheidenden Merkmale, die vorzüglich in
der Form und Skulptur der letzten llinferleibsringe liegen, zu wenig
eingegangen wird. — Von den übrigen Gattungen ist Aelurus durch
17 Arten (darunter 12 A. aus Australien neu) , Ariphron durch 1 Art
Aroh. für Naturg. XXVII. Jahrg. 2. Bd. Aa
4 02 Gerstaecker: Bericht über die wissenschafllichen'Leistungen
(Verf. vermuthet darin das Weibchen von Aelurus), Anthobosca durch
4 A. (3 A. aus Australien neu), Rhagigaster durch 16 A. (7 A. aus
Australien neu), Tachypterus durch 3 A. (1 A. neu), Oncorhinus, Diamma
und Iswara je durch 1 Art vertreten.
Derselbe (Journal of proceed. of The Linnean soc, Zoology
III. p. 9 ff.) beschrieb Mulilla volatilis, Scolia terminala, agilis, ful-
vipennis, Alecto und minuta als n. A. von Celcbes. — Ferner ebenda V.
p. 75 fr.) das Männchen vonMutilla unimaculata Smith, Mutilla maura
(längst vergebener Name!), facilis, thoracica, tieglecta, fervida, Me-
thoca gracilis und insularis (vielleicht als Männchen und Weibchen
zu einer Art gehörend), Scleroderma bicolor , Tiphia carbonaria als
n. A. von Makassar auf Celebes. — Ebenda V. p. 114 ff, : Thynnus
erraticus, Mutilla Merops, Janthea, Anthylla, Zehina und Pentheus
von Batchian, Doricha von Dory auf Neu-Guinea, Scolia nigerrima
und culta ebendaher, morosa von Amboina, ducalis von Kaisaa und
Tiphia carbonaria von Batchian. — Ebenda III. p. 150 ff. : Mutilla
manifesta, carinata, nigra, exilis, Myzine tenuicornis, Scolia nitiday
fulgidipennis und quadriceps von den Aru-Inseln, Scolia insularis
von Key.
Walker (Annais of nat. bist. IV. p. 376) Tiphia denrescens als
n. A. von Ceylon.
Sichel (Bullet, soc. entom. 1859. p. 219) diagnosticirt Meria
lineata als n. A. von Toulon und fuscipennis aus Algier.
GhrjSididae. Smith (Journal proceed. Linnean soc, Zoology III.
p. 26 f.) beschrieb Hedychrum fiammulatum, Chrysis purpurea, insula-
ris und sumptuosa als n. A. von Celebes, ferner (ebenda V. p. 66 f.) :
Chrysis apricans, ohscura, fumipennis, seducta und Holopyga purpurea
als n. A. von Makassar.
A. Courtill er, Description des Chrysides observees aux en-
virons de Saumur (Annales d. 1. soc. Linneenne du depart. de Maine
et Loire III, 1859. p. 61—72). Verf. beschreibt Cleptes 2 A., Oma-
lus 2 A., Elampus 4 A., Holopyga 3 A., Hedychrum 10 A., darunter
H. Solandii als neue Art, auf der beifolgenden Tafel abgebildet. —
Chrysis 20 A., Euchroeus 1 A. und Parnopes 1 A. Die Beschreibun-
gen sind meist sehr kurz und beschränken sich fast nur auf Farben-
Angaben.
Formicariae. Smith (Journ. proceed. Linn. soc, Zoology IIL
p. 135 ff.) charakterisirte zahlreiche neue Arten dieser Familie, auf
den Aru-Inseln von \V all ac e gesammelt, und gründete auf eine der-
selben eine neue Gattung P odomyrma, mit Myrmecina nahe ver-
wandt, welche sich besonders durph gerandeten Thorax und verdickte
Schenkel auszeichnet. Augen klein, Fühlerschaft fast von Va der Geis-
seilänge , Fühlerkeule dreigliedrig; Lippentaster 3-, Maxillartaster
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 403
4:'gliedrig, Vorderflugel mit einer langgestreckten Band- und zwei
Submarginalzellen. (Männchen unbekannt.) — Vier Arten: P. femorata,
striata, laevifrons und basalis , sämmliich von Aru. — Keue Arten:
Formica fragilis, flavitarsus, coxalis, cordata^ oculata, mutilala^ qua^
driceps, laevissima, nitida, scrutator und angulata, Polyrhachis mar-
ginatuSf hostilis, longipes, serratus, scutulatus, mucronalus, geometri-
cus, irritabilis (vielleicht fem. von P. sexspinosus), laevissimus, bei-
licosus, Hector und rufofemoratuSf Ponera sculpturata^ parallela und
quadridentatttj Ectatomma rugosa, Odontomachus tyrannicus, malig-'
nus, Pseudomyrma laeviceps, Myrmica parallela, scabrosa, thoracica^
suspiciostty mellea, carinata, Crematogaster elegans und insularis,
Solenopsis cephalotes und Meranoplus spinosus ebendaher.
Als neue Arten von Makassar auf Celebes (ebenda V. p. 68 ff.)
beschrieb derselbe : Formica familiaris und pallida Smith fem., Tapi-
noma thoracica und nitida, Polyrhachis phyllophilus, compressicornis,
rugifrons, sctdpturatusy nudatus, peregrinus, veslitus, saevissimus, Po-
nera truncata, unicolor, pallidicornis, pallidipennis, Myrmica graci-
lescenSf Crematogaster laevissimus, Solenopsis transrersalis und Phei-
dole militaris.
Ebenda p. 94 ff. als neue Arten und Gattungen von Batchian,
Kaisaa, Dory u. s. w. : Formica subtilis, vitrea, cruda, lactaria, in-
cursor, rufifrons, pavida, familiaris von Batchian, Dorycus und desecta
von Dory, Tapinoma pratensis, Polyrhachis Charaxus, Busiris, Acan-
tha, Merops, Ithonus, Eudora von Batchian, Pol. Atropos und Metella
von Dory, Acasta, Alphenus und Labella von Batchian, fervens von
Amboina. — Oec ophylla n. g., auf Form, smaragdina Fab. gegründet.
— Odontomachus saevissimus (fem.) , animosus und nigriceps von
Dory, Ponera solitaria, vagans^ striata, simillima von Batchian, cu-
prea und simillima von Dory, Amblyopon« castaneus (sie.!), Pseudo-
myrma modesta, nitida von Batchian. — Mesoxena n. g., durch
vollständige YerschnieUung der drei Ringe des Thorax, der bei den
Arbeitern ein langgestrecktes, fast gleich breites Rückenschild dar-
stellt, ausgezeichnet; erster Hinterleibsring gross, kubisch, ähnlich
wie bei Ponera, Fühler dünn, mit elfgliedriger Geissei, Ocellen bei
den Arbeitern fehlend, Kiefertaster sechsgliedrig. — Art: Mes. mi-
stura (pl. 1. fig. 10 abgebildet) von Batchian. — Myrmica oblonga,
poneroides, punctata, modesta, laevissima, polila von Batchian, coeca
von Dory, Crematogaster laboriosus, bicolor, obscurus von Batchian,
irritabilis von Dory, Heptacondylus rugosus , P odomyrma silvicola
und simillima von Batchian, nitida von Dory, Pheidole notabilis,
rubraf plagiaria, pabulator, megacephala, Solenopsis cephalotes Smith
(Arbeiter und Weibchen), Echinopla praetexla und Cataulacus sctosus
von Batchian. Mehrere der beschriebenen Arten sind auf pl. 1
dargestellt.
404 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Walker (Annais of nat, bist. IV. p. 370 ff.) beschrieb Formica
exercila, exundans^ meritans, latebrosa, pangens, ingruevs, detorquens,
diffidens, obscnrans, indeßexa, consullans, Polyrhachis illandatvs, Myr-
mica consternens, Crematogaster pellens, deponens, forticulus, Psendo-
myrma? allahorans, Atta didila und Meranoplus dimicans als n. A.
von Ceylon. — Ebenda V. p. 306 aus der Doryliden-Gruppe : Aenictus
porizonoides n. A. von Ceylon.
Nach einer brieflichen JVIittheilung von Kietner an West-
wood (Proceed. entom. soc. V. p. 27) wurde in Madras von El Hot
ein Dorylus mit einer Typhlopone in einer und derselben Colonie,
die aus zahlreichen Individuen beider Formen bestand, beisammen
angetroffen. Es wird dadurch von Neuem ein Beweis für die nahen
Beziehungen von Typhlopone zu den Doryliden geliefert, wenn auch
die Frage, ob Typhlopone oder Anonima als Arbeiter zu Dorylus ge-
hören, durch diese Beobachtung noch verwickelter wird.
Im Catalogue of Hymenopt. Insects, Dorylidae werden von
Smith 12 Dorylus, 1 Rhogmus, 26 Labidus und 4 Aenictus aufge-
zählt und 2 Dorylus, 5 Labidus und 1 Aenictus als neu beschrieben.
Den bekannten Arten wären noch 2 Dorylus und 1 Aenictus des Ref.
aus Mossambique hinzuzufügen.
Fr. Meinert, Bidrag til de danske Myrers Naturhistorie (Kgl.
danske Yidenskab. Selsk. Skrifler, 5. Raek. 5. Bind), auch im Sepa-
ratabdrucke (Kjobenhavn 1860. 4. 68 pag. c. tab. 3) erschienen. Verf.
giebt im ersten Theile seiner Arbeit eine sehr detaillirte Darstellung
der Mundtheile, des Darmrohrs, der verschiedenen absondernden Drü-
sen und der Forlpflanzungsorgane der Ameisen nach eigenen Unter-
suchungen an Formica rufa, Myrmica ruginodis und Ponera contracta ;
dieselben werden den inländischen Entomologen, deren Mehrzahl der
dänische Text, in dem die Arbeit abgefasst ist, wohl mehr oder we-
niger Schwierigkeiten bereiten mag, der Hauptsache nach durch die
zahlreichen und vortrefflich ausgeführten Abbildungen verständlich
werden. — Im zweiten faunislischen Theile giebt der Verf. eine
Aufzählung und Beschreibung der in Dänemark einheinnschen Amei-
sen, deren Zahl sich im Ganzen auf 30 beläuft, und für welche die
Gallungen Formica (16 A.), Ponera (1 A.) und Myrmica (13 A.) fest-
gehalten worden sind ; unter letzterer Galtung findet sich eine neue
Art unter dem Kamen M. sabuleli beschrieben.
Roger hat (Berl. Entom. Zeitschr. III. p. 225 ff. Taf. 7) reich-
haltige und gediegene „Beiträge zur Kenntniss der Ameisenfauna der
Mittelnieerländer" geliefert. Neben Bemerkungen, welche sich auf
Verbreitung und die Synonymie zahlreicher Arten beziehen, vervoll-
ständigt der Verf. die Kenntniss solcher, welche nur nach dem einen
Geschlechle beschrieben waren, öfter durch die Charakteristik der
bis jetzt unbekannten Formen, so wie er endlich auch die Mittel-
im Gebiete der Entomologie während 'der Jahre 1859 u. 60. 405
meerfauna durch eine Reihe neuer und zum Theil recht auffallender
Arten bereichert. Unter Formica wird von F. micans Nyl. das Weib-
chen, von F. fallax Nyl. das Mannchen, von F. (Hypoclinea) Frauen-
feldii M. das Weibchen charakterisirt und als neue Arten bekannt ge-
macht: F. bombycitia und albicans Aegy\)ten, subrnfa Am\a\us\en, aerea
Griechenland 5 crepusciilascens Türkei, (Hypoclinea) Kiesenicetteri
Griechenland. — Zu den Poneriden kommen : Sonera punclatissima und
androgyna, beide aus Ananashäusern, erstere auch in Griechenland auf-
gefunden, Typhlopone Europaea Turin, Stigmatomma n. g., durch
schmale, stark gezähnte Mandibeln, gezähneltes Kopfschild, sehr kleine
seitliche, hoch hinauf gerückte Augen und dicke, quadratische Schuppe,
die so hoch wie Thorax und Hinterleib ist, sehr ausgezeichnet. —
Zwei Arten: St. denticulatum Insel Zante und serraf?/m von Baltimore.
In der Alyrmiciden - Gruppe wird zu Atta pallida das Männchen und
Weibchen, zu Atta testaceopilosa das Männchen, zu Leptotborax
recedens l\yl. das Weibchen beschrieben; als neue Arten : Atta striola
Spanien und Griechenland, splendida Griechenland. — Die beifolgende
Tafel enthält Abbildungen des Kopfes von Form, bombycina, Stiginat.
denticulatum und Typhlopone Europaea, so wie Odontoniachus Ghi-
lianii und Ponera audrogyna in ganzer Figur.
Eine zweite werthvolle Arbeit hat derselbe Verf. in seinen
„Ponera-aitigen Ameisen" ebenda Bd. IV u. V) geliefert, welche ge-
genwärtig bereits abgeschlossen vorliegt, von der aber der zweite
grössere Theil erst dem folgenden Jahresberichte zufällt. Im ersten
Theile (Bd. IV. p. 278 ff.) giebt der Verf. zunächst seinen Plan, eine
Aufzählung sämmtlicher bis jetzt bekannter Ponera -artigen Ameisen
(im Ganzen 181 Arten) kund, spricht sich über die Ausdehnung der
Poneren-Gruppe aus und geht auf diejenigen Körperlheile, welche für
die Unterscheidung der Gattungen und Arten am wichtigsten sind, näher
ein. In erster Reihe erwähnt er der Verschiedenheit in der Form
der Mundtheile, nach welcher er zwei Hauptgruppen: Poneridae Iri-
gonognathae (mit breit dreieckigen Mandibeln) und leptognalhae (mit
schmalen, sichelförmigen .Aiandibeln) unterscheidet; von den übrigen
Merkmalen sind besonders die Bildungen der Fussklauen wichtig.
Im speciellen Theile führt der Verf. die genügend charaktcrisirlen
Arten nur namentlich auf, andere begleitet er mit ergänzenden Be-
merkungen, die neuen beschreibt er ausführlich. Von der durch 73
Arten vertretenen ersten Gattung Ponera, welche nach der Bildung
der Mandibeln in sechs Gruppen zerfällt wird, sind in dem vor-
liegenden Theile der Arbeit die ersten 48 Arten abgehandelt; unter
diesen sind folgende neu-: P. conßnis Ceylon, crocea Carolina, ca-
tetnosa Caffernland, pumicosa und granosa gleichfalls Süd -Afrika,
tnelina Carolina, dolo Brasilien , lamellosa Cap, sinuata Surinam,
mucronala Brasilien, holosericea Java, ruida Brasilien.
406 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Meyer-Dür, „Die Ameisen um Burgdorf, ein Beitrag zur
einheimischen Insektenfauna" (Mittheilungen d. naturf. Gesellschaft in
Bern 1859. p. 34— 46). Verf. macht Miltheilungen über die Lebens-
weise, das Vorkommen, die Häufigkeit u. s. w. der bekanntesten
Schweizer Ameisen und giebt ein Verzeichniss der von ihm bei Burg-
dorf aufgefundenen ein und dreissig Arten.
Gredler (Verhandl. d. zoolog.-botan. Gesellsch. zu Wien IX.
Sitzungsberichte p. 127) lieferte einen Beitrag zur geographischen Ver-
breitung der Ameisen in Süd-Deutschland und Tyrol durch Aufzäh-
lung von 34 daselbst beobachteten Arten unter Angabe ihrer speziellen
Fundorte.'
Mayr, „Beitrag zur Ameisenfauna Bussland's" (Entom. Zeitung
1859. p. 87 ff.) zählte 46 ihm aus Russland zugekommene Arten na-
mentlich auf.
Lucas, „Observations sur les Busileras ou fourmis ä miel du
Mexique (Myrraecocystus melligerus)" (Rev. etMagas. de Zool. 1860.
p. 271 ff.) macht die Mittheilung, dass die durch Honigerzeugung
merkwürdige Mexikanische Ameise, welche von Wesmael unter
dem Namen Myrmecocystus Mexicanus beschrieben wurde, schon im
J. 1832 in einer Mexikanischen Literalurzeitung von Pa ol 0 de Llave
als Formica melligera bekannt gemacht worden sei, welchem Namen
er nach der Priorität den Vorzug ertheilen will. Zugleich giebt
Verf. die von Llave beigefügten Angaben über die Lebensweise
dieser Art in französischer Uebersetzung wieder.
Der selbe (Bulletin soc. entomol. 1859. p. 160) machte Mit-
theilungen über lebendig beobachtete Exemplare von Odontomachus
cheliferus Latr.
Motschulsky (Entom. Zeitung 1859. p. 201) hat in Panama
springende Ameisen beobachtet, die jedoch keine hervorstehenden
Mandibeln hatten und deren Sprungfähigkeit er daher in die Beine
verlegen möchte.
Derselbe beschrieb (Etud. entomol. 1859. p. 116) Meranoplus
villosus als n. A. aus Ceylon.
Buckley, „The Cutting Ant of Texas" (Proceed. acad. na*,
scienc. of Philadelphia 1860. p. 233 ff.) beschrieb Myrmica (Atta)
Texana als n. A. nach allen drei Geschlechtern und gab eine aus-
führliche Schilderung ihrer Lebensweise und des Schadens, den sie
anrichtet. Sie legt ihre Colonieen unter der Erde und zwar bis 10
und 12 Fuss tief unter der Oberfläche an; hier finden sich die tief-
sten Gänge und Räume, während die obersten noch 18 Zoll unter
dem Boden liegen. Einige grosse Zugänge von 4 bis 5 Zoll Durch-
messer führen in dieselben hinein. — Da der Verf. von kleinen,
jungen Arbeitern spricht, die, wie er glaubt, wachsen, so ist zu ver-
muthen, dass die Colonie neben Arbeitern auch Soldaten enthielt;
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 407
überhaupt scheint er kein maassgebender Beobachter zu sein und viele
seiner Angaben nur auf Hörensagen zu gründen. — Ebenda 1860.
p. 445 beschrieb derselbe eine zweite Art: Mynnica (Atta) molefa-
ciens („the Stinging-Ant or Mound-making Ant of Texas") nur nach
Arbeitern und berichtete ebenfalls über ihre Lebensweise.
Nördlinger (Jahreshefte des Vereins für vaterl. Naturkunde
in Würtemberg XVI. p. 289 ff.) machte Mittheilungen über zahlreiche
und dichte Ameisenschwärme von Myrmica caespitum während mehre-
rer Abende an der Spitze vieler Bäume seines Wohnortes; anhaltend
trockene Witterung war vorausgegangen.
Ichneumonidae. Fo erst er (Verhandl. d. naturh. Vereins der
Preuss. Rheinlande XVII. p. 147) charakterisirte eine neue Gattung
Habronyx aus der Anomalon-Gruppe : Augen glatt, Überlippe ver-
borgen, Clypeus halbkreisförmig, Mandibeln mit zwei fast gleich
grossen Zähnen; Hintertarsen mit gekrümmten Klauen, ihr erstes Glied
nahe doppelt so lang als das zweite, Legebohrerklappen gegen die
Spitze etwas erweitert. — Dazu gehört Anomalen heros Wesm. und
Habr. Gravenhorstii n.A. aus Ungarn, Schmarotzer von Noctua dryo-
phaga. — Trichomma ruficoxis n. A. von Aachen. — Anomalon-Ar-
ten mit ungebrochener Querader der Hinterflügel will F. als eigene
Gattung Agrypon absondern; die fünfzehn ihm bekannten Arten,
wovon 12 neu, 3 von Graven borst beschrieben sind, stellt er in
einer analytischen Tabelle zusammen. Die neuen Arten sind mit den
Namen A. subclavatum, clandestinum, melanomerum, elegantulnm, ag-
gressorium, brachypterum, furtivum, macrurum , cognatunij confusum,
rubricatum und serpentinum belegt.
Einen „Conspectus generum Ophionidum Sueciae" lieferte Hol ra-
gre» (Öfvers. Kongl. Vetensk. Akad. Förhandl. XV. p. 321— 330),
in welcher er eine Analyse und Diagnose der 25 in Schweden ein-
heimischen Gattungen der Ophioniden-Gruppe giebt. Dieselben fallen
zwei Gruppen zu: a) Die erste Cubitalzelle nimmt zwei rücklaufendo
Nerven auf: 1) Hellwigia Grav. 2) Ophion Fab. 3) Trachynotus
Grav. — b) Die erste Cubitalzelle nimmt nur den diskoidalen rück-
laufenden Nerven auf: 4) Anomalon Grav. b) Ophel tes n. g. für
Paniscus glaucopterus Lin. errichtet; zur Abtheilung mit gekämmten
Klauen gehörig, von Paniscus durch eine eingedrückte Querlinie auf
den Pleurae unterschieden. 6) Paniscus Lin. 7) Absyrtus n. g.,
wie Paniscu» mit ungetheilten Pleuren ; durch breit abgerundeten
Clypeus, breitere Mandibeln, an denen der untere Zahn länger als
der obere ist, sehr wenig ausgeschnittenen Fühlerschaft, fast runde
Spiracula des' Metathorax u. s. w. abweichend. 8) Campoplex Grav,
9) Charops n. g. für Campoplex decipicns Grav. errichtet; von den
vorigen Gattungen, mit denen sie in der Klauenbildung übereinstimmt,
durch niedergedrücktes, fast quadratisches Schildchen und fehlende
408 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Areola unterschieden. 10) Cymodusa n. g., zur Gruppe mit runden
Spiraculis des Metalhorax gehörend und in dieser durch fein be-
haarte Augen ausgezeichnet. 11) Sagaritis n. g., für Campoplex
declinator Grav. errichtet; mit nackten Augen und deutlich gedorntem
oder zahnförmig ausgezogenem Clypeus. 12) Casinaria n. g., für
Campoplex tenuiventris Grav. ; mit unbewehrtem Clypeus, gekeultem
Hinterleibe und deutlich ausgerandeten Augen. 13) Limneria n. g.,
für Campoplex longipes Grav., rufiventris Grav. und exareolatus Ratz. ;
Augen leicht ausgerandet, Hinterleib schwach zusammengedrückt, Me-
tathorax nicht hervortretend. 14) Meloboris n. g. und 15) Pt/-
racmon n. g. (für Porizon fumipennis Zett.) beide der vorhergehen-
den Gattung sehr nahe stehend. 16) Angitia n. g. Hinterleib stark
zusammengedrückt, sehr platt, mit sehr feinen Segmentspuren, Meta-
thorax an der Spitze hervortretend. 17) Cremastus Grav. 18) Atra-
ctodes Grav. 19) Mesochorus Grav. 20) Porizon Grav. 21) TÄer-
silochus n. g., für Porizon jocator Grav., wie Porizon mit kurzer,
fast trapezoidaler Radialzelle; die Fühler aber weit auseinander
stehend, die Brust quer, der Metalhorax viel kürzer als hoch. 22)
Pristomerus Curt. 23) Exetastes Grav. 24) Banchus Fab. 25) Scolo-
bates Grav.
Eine umfangreiche Monographie der in Schweden einheimischen
Ophioniden, zu welcher die eben erwähnte Arbeit als Prodromus
dienen sollte, hat derselbe Verf. im 2. Bande der Kongl. Svenska
Vetensk. Akad. Handlingar (Stockholm 1860) unter dem Titel : „Försök
tili uppsfällning och beskrifning af de i Sverige funna Ophionider,
af A. E. Holmgren" (158 pag. in gr. 4.) veröffentlicht. Nach einer
Charakteristik der Gruppe im Allgemeinen stellt der Verf. eine sy-
noptische Tabelle der Gattungen zusammen, deren Zahl sich hier im
Ganzen auf 33 beläuft, indem einerseits mehrere früher vom Verf. als
Untergattungen angesehene (wie Schizoloma, Exochilum, Heteropelma
Wesm. u. a.) jetzt zum Range von Galtungen erhoben werden, an-
dererseits drei vom Verf. nachträglich aufgestellte neue hinzukommen.
Die Charaktere der Gattungen so wie die Arlbeschreibungen sind
durchweg lateinisch abgefasst; die bekanntesten Arten sind nur mit
einer Diagnose und der Literatur aufgeführt, viele andere so wie
sämmtliche neue, deren Zahl in manchen Gattungen sehr beträchtlich
ist, auf das Sorgsamste beschrieben. Bei artenreichen Galtungen geht
der Beschreibung der Species , welche überall in Gruppen vertheilt
sind, eine analytische Tabelle voraus. — Inhalt: 1) Hellwigia Grav.
1 A. 2) Ophion Fab. 7 A. (1 neu). 3) Trachynotus Grav. 1 A. 4)
Schizoloma Wesm. 1 A. 5) Exochilum Wesm. 1 A. 6) Heteropelma
Wesm. 1 A. 7) Anomalen Grav. 21 A. (6 neu). 8) Trichomma Wesm.
1 A. 9) Opheltes Holm. 1 A. 10) Paniscus Grav. 4 A. (2 neu).
11) Absyrtus Holm. 1 A. (neu). 12) Campoplex Grav. 10 A. (6 neu).
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 409
13) Charops Holm. 1 A. 14) Cymodusa Holm. 5 A. (4 neu). 15) Sa-
garites Holm. 7 A. (4 neu). 16) Casinaria Holm. 8 A. (4 neu). 17)
Limneria Holm. 78 A- (47 neu). 18) iMeloboris Holm. 3 A. (neu).
19) Pyracmon Holm. 5 A. (4 neu). 20) Canidia n. g. von den drei
vorhergehenden Gattungen folgendermaassen unterschieden : „Caput vix
buccatum , genis infra oculos longe descendentibus : clypeus haud
exacte discretus, foveola profunda utrinque notalus. Antennae vali-
diusculae; thorax gibbulus, brevis, altitudine vix longior; segmenlum
secunduni abdominis transversum.'' (Campoplex subcinctus Grav.) 2 A.
21) Nemeritis n. g. „Caput thorace multo latius, antice visum
subrotundatum , oculi inlegri; abdomen angustum, clavatum, segmento
secundo alutaceo, latitudine longlore: terebra fem. longe exserta."
(Camp, macrocentrus Grav.) 2 A. (1 neu). 22) Angitia Holm. 1 A. (neu).
23) Cremastus Grav. 8 A. (2 neu). 24) S eleucus n. g., von Atra-
ctodes Grav. folgendermassen unterschieden : „Abdomen fem. cunei-
forme, apicem versus valde angustatum et compressum, segmentis
elongatis, incisuris tenuissimis." 1 A. (neu). 25) Atractodes Grav.
8 A. (3 neu). 26) Exolytus Foerst. 1 A. 27) Mesochorus Grav. 28 A.
(20 neu). 28) Porizon Grav. 6 A. (2 neu). 29) Thersilochus Holm.
23 A. (17 neu). 30) Prislomerus Curt. 2 A. (1 neu). 31) Banchus
Fab. 4 A. 32) Exetastes Grav. 10 A. (2 neu) und 33) Scolobates
Grav. 1 Art.
Ferner machte H o 1 m g r e n (Öfvers. Vetensk. Akad. Förhandl. XV.
p. 353) eine neue Gattung Cr ot opus bekannt, welche mit Cryptus
verwandt, fast das Ansehen eines Stenus hat. Kopf quer, von vorn
gesehen fast dreieckig, mit weit herabsteigenden Backen, Kopfschild
stumpf, gewölbt, Mandibeln mit zwei sehr ungleichen Zähnen an der
Spitze, Maxillartaster fadenförmig, fünfgliedrig, Fühler mit längerem
ersten Geisselgliede ; Augen klein, ganz, Thorax kräftig, Schildchen
mit langem Spitzendorn, Metathorax mit fast verstrichenen Spiraculis ;
Hinterleib eiförmig, gestielt, erstes Segment mit erhabenen Längs-
linien, seine Spiracula undeutlich, Bauchsegmente gewölbt, Legebohrer
kurz, Flügel schmal, ohne Areola, mit sehr kurzer Radialzelle. —
Arl : Cr. abnormis, V/i — 2 lin. Südl. Schweden.
Derselbe (ebenda XVI. p. 121— 132) lieferte einen vorläufigen
„Conspectus generum Pimplariarum Sueciae," in welchem er die 24
in Schweden einheimischen Gattungen der Pimpla-Gruppe durch ver-
gleichende Diagnosen feststellt und nach bestimmten Merkmalen über-
sichtlich gruppirt. Dieselben fallen nach ihm zwei Gruppen zu:
a) Pimplariae mit querem, nicht oder wenig angeschwollenem Kopfe
und sitzendem oder fast sitzendem Hinterleibe : 1) Coleocentrus Grav.
2) Acoenifes Grav. 3) Rhyssa Grav. 4) Ephialtes Grav. b)Perithous
n. g. für Ephialtes albicinctus Grav., mediator Fab. und varius Grav.
6) Ther onia n. g. für Pimpla flavicansFab. 7) PinjplaFab. 8) Poly-
410 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
sphincta Grav. 9) Clistopyga Grav. 10) Glypta Grav. 11) Lycorina
n. g., von den beiden vorhergehenden Gattungen durch erhabenes,
viereckiges, an der Spitze abgestutztes Schildchen unterschieden.
12) C olp omeria n. g. Vordere Schenkel an der Spitze unterhalb
deutlich (Weibchen) oder leicht (Männchen) ausgerandet; vordere
Schienen gebogen, 13) Schizopyga Grav. 14) Arenetra n. g. für
Tryphon pilosellus und Banchus tomentosus Grav. 15) Lampronota
Halid. 16) Lissonota Grav. 17) Meniscus Schioedte. 18) Phylodietus
Grav. — b) Xorides. Kopf mehr oder weniger aufgetrieben oder fast
kuglig, Hinterleib fast gestielt: 19) Xorides Grav. 20) Po emenian. g.
von Xorides durch abgeflachtes, an der Spitze nicht eingedrücktes
Kopfschild, ungleich lange Zähne der Mandibeln und gegen den
Mund nicht merklich verengtes Gesicht unterschieden. 21) Xylono-
mus Grav. 22) Echthrus Grav. 23) Mitr ob oris n. g. für Odonto-
merus cornutus Ratz. 24) Odontomerus Grav.
Derselbe „Bidrag tili hännedomen af Ichneumonidernas lef-
nadssält" (ebenda XVI. p. 19) machte Mittheilungen über massenhaftes
Auftreten von männlichen Ichneumon sicarius Grav. in Ostgothland
und über die (bei den Ichneumonen bis jetzt überhaupt wenig be-
kannte) Begattung dieser Art. Zahlreiche Männchen durchstöberten
in grosser Unruhe das Moos einer Baumwurzel, in welchem sich bei
näherer Durchsuchung ein einzelnes Weibchen (lehn, jugatus Grav.,
bereits von Wesmael als das Weibchen des lehn, sicarius ange-
sprochen) vorfand, das sich bald von mehreren Männchen hinter ein-
ander begatten liess. Als H. dasselbe auf eine Nadel spiesste, fanden
sich abermals mehrere Männchen auf seiner Hand ein, von denen sich
eines nochmals mit dem an der Nadel zappelnden Weibchen begat-
tete. — Verf. macht zugleich auf den Umstand aufmerksam, dass die
beiden Geschlechter der Ichneumonen meist zu verschiedenen Zeiten
erscheinen; er glaubt, dass dadurch ihre Nachkommenschaft auf ein
geringes Maass redncirt und so die vollständige Vernichtung ihrer
Wirthe verhindert werde. (Uebersetzung in's Deutsche: Zeitschr. f.
die gesammt. Naturwiss. XIII. p. 196 ff.)
Eine für die Synonymik der inländischen Ichneumonen sehr
wichtige Arbeit hat Wesmael (Memoires couronnes , publies par
l'academie de Belgique VIII. 1859. 8. 99 pag.) in seinen „Remarques
critiques sur diverses especes d'Ichneumons de la colleclion de feu
le prof. J. Gravenhorst, suivies d'un court appendice ichneumo-
nologique" geliefert. Verf. legi darin die Resultate seiner Untersu-
chungen einer beträchtlichen Anzahl von typischen Exemplaren
Gra ve nh 0 rsl's, welche gegen 290 Arten der Gattungen Ichneumon,
Brachypterus, Mesoleptus und Hoplismenus angehören, nieder, weist
in vielen Fällen das Zusammenfallen der von ihm selbst beschriebe-^
nen Arten mit Gra venhorst'schen, in ebenso vielen aber nach.
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 411
dass Gravenhorst unter einer Art mehrere (meist die verschiede-
nen Geschlechter zweier Arten) zusammengeworfen habe und stellt
in letzterem Falle für die auszumerzende Art eine neue Benennung
auf, oft zugleich eine erneuete Charakteristik hinzufügend. Als solche
neue Arten sind zu erwähnen : Platylabus fugator (lehn, tenuicornis
var. Grav.), Ectopius rubellus (von Gravenhorst mit lehn, quadri-
guttatus vereinigt), Ichneumon discriminalor (lehn, luclatorius fem.
Grav.), polyonomus (latrator var. Gray.), Phoeogenes conciliator (lehn,
opprimator nias Grav.). Gelegenilich beschreibt der Verf. auch das
bisher unbekannte Männchen von Diadr. subtilicornis Grav. und lehn,
erythraeus Grav. und trennt den Ischnus pulex Grav. von den übrigen
Ischnus-Arten als Heterischnus ab , mit den Charakteren : „Abdomen
apice obtusum, segmento ultimo brevissimo ; terebra sursum arcuata."
— Einige angehängte Nachträge zu des Verf. früheren Ichneumono-
logischen Arbeiten enthalten die Beschreibung von Ichneumon cere-
brosus (fem.) von München und aus Schweden, Ichneumon haemato-
notus (fem.) aus Paris, eine ergänzende Charakteristik von Hoplismenus
lamprolabus, Amblyteles Panzeri, Anisobas flaviger und die Aufstellung
einer neuen Untergattung Her esiarches für Hepiopelmus eudoxius
Wesm. , welcher dem Verf. jetzt in beiden Geschlechtern vorliegt
und darnach in seinen Charakteren von Neuem festgestellt wird.
Ruthe (Entom. Zeitung 1859. p. 363 ff.) beschrieb Ichneumon
Thulensis, Aptesis? concolor, Plectiscus peregritius, Cryptus picticor~
nis, Phygadeuon infernalis , cylindraceus , Pimpla coxator, sodalis,
Bassus carinulatus, Tryphon aemulus, haematopus^ instabilis^ Atracto-
des tenebricosus (Gravenh.?), ambiguus, Banchus palpalis und Ophion
nigricans als n. A. aus Island. — Ferner (Berl. Ent, Zeitschrift III.
p.l25): Pezomachus albicinclus als n. A. aus der Umgegend Berlins.
Kolenati (Fauna des Altvaters p. 45) Ichneumon notatorius
als n. A. vom Altvater-Gebirge.
Sichel (Annal. soc. entom. VIII. ^.768) Scolobales nigripennis
als n. A. aus Sicilien und zugleich das Ä^ännchen von Ischnocerus
purgator Fab.
Smith, „Kotes on the economy of the Ichneumons constituting
the genns Pezomachus of Gravenhorst and observations on Pezo-
machus fasciatus with a description of a new species of Hemiteles"
(Transact. entomol. soc. V. p. 209 — 211). Verf. erzog vier Exemplare
von Pezomachus fasciatus aus einem Neste von Agelena brunnea,
aus anderen je drei Exemplare derselben Art; die Nester schlössen
anstatt der Eier der Spinne die Cocons des Parasiten ein. — Ein
zweiter von ihm aus Spinnennestern erzogener Parasit, der sich
jedoch stets nur zu einem Exemplare vorfand, ist eine neue Art der
Gattung Hemiteles, welche von Desvignes (ebenda p. 211) als
Hemiteles formosus beschrieben wird.
412 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Als neue Arien von Celebes beschrieb Smith (Journal pro-
ceed. Linnean soc, Zoology HI. p. 23 f.) Mesostenus albospitiosiis und
Pimpla trimaculcUa. — Ferner von Makassar auf Celebes (ebenda V.
p. 59 11.): Ichneumon insularisy praedatorius, ephippiutn, Trogus brun-
neipennis, Mesostenus insidiator, Tryphon lutorius, Cryptus opacus,
spoliator, albopictus, variegatus, peliolalus, Ischnocerus macuHpennis,
Metopius crassipes, Glypta mucidipennis , iridipennis, Pimpla inßrma,
unicolor, insolens, modesta, viridipennis und Anomalen j'alcator. —
Ebenda V. p. 138 ü". : Cryptus sicarius, Mesostenus molestus, Pimpla
formosaj ßaviceps, integrata, placida, Ophion vitlator und unicolor
als n. A. von Batchian, Ophion insinuator von Kaisaa und Xylonomus
fraclicornis von Batchian. — Ebenda III. p. 170fF. : Ichneumon insu-
laris von Key, Cryptus scutellatus, Mesostenus piclus und agilis
von Aru, Mesostenus albopictus von Key, Pimpla ochracea, penelrans
und plagiata von Aru , Pimpla braconoides und ferruginea von Key,
Rhyssa macuHpennis und vestigator von Aru.
Walker (Annais of nat. bist 3. scr. V. p. 306 f.) Pimpla albo-
picta, Cryptus? onustus, Hemiteles? varius und Porizon dominans
als n. A. von Ceylon.
Gray (Annais of nat. bist. V. p. 339 ff.) will bei Gelegenheit
der Besprechung der Hafthakchen an den Ilinterflügeln der Ichneumo-
nen die Gattung Paniscus nach der Verschiedenheit, welche jene
Organe darbieten, in zwei Gattungen auflösen. Bei Paniscus sens.
strict. (z. B. P. glaucopterus) ist der Basalhaken klein und die iMit-
telhaken zu 15 vorhanden, bei Netelia n. g. (z.B. Pan. inquinatus)
dagegen ist der Basalhaken stark und die Mittelhaken nur zu sechs
vorhanden.
v. Siebold (Amtlicher Bericht über die 34. Versamnil. Deut-
scher Kalurforscher in Carlsruhe p. 211) machte Mitlheilungen über
Agriolypus armatus und Trichostoma picicorne. Der Ichneumonide
wurde von Dr. Kriechbaumer in Mehrzahl an Steinen eines Ba-
ches herumkriechend gefunden, an denen zugleich die Gehäuse der
Phryganide befestigt waren; die auf den Steinen herunispazierenden
Ichneumonen waren sämmtlich Weibchen, während die Männchen
dicht über dem Wasser und am Ufer umherflogen. Andere Exemplare
schlüpften später aus den eingesammelten Phryganiden-Gehäusen aus;
letzteie, wenn sie von einem Ichneumonen besetzt waren, zeigten
stets einen langen riemenformigen Fortsatz, welcher zwischen der
Oeö'nung des Gehäuses und dem dieselbe verschliessenden Steinchen
hervortrat, während bei den eine Phryganiden - Puppe enthaltenden
Gehäusen nur ein einfacher Deckel vorhanden war. Sowohl der
Deckel als der Riemenfortsatz ergaben sich bei näherer Untersuchung
als aus dichtem Gewebe eines Spinnfadens der Phryganiden-Larve
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 413
bestehend; bei ichneumonisirten Larven wird der Spinnstoff im Ue-
bermaasse abgesondert und auf diese Weise (durch Hyperclosis) der
lange Riemenfortsalz gebildet,
Doumerc (IJnllet. soc. entom. 1859. p. 172) machte die, wenn
sie sich bestätigen sollte, interessante Mitlheilung, dass Ichneumon
(Odontomerus) ruspator Lin., welcher häufig in Zimmern vorkommt,
ein Parasit des ebenfalls in Wohnungen vielfach verbreiteten Atta-
genus pellio ist, in dessen Nymphen die Ichneumonen-Weibchen ihr
Ei ablegen.
Derselbe („Nolice sur les moeurs de l'Ichneumon fasciatus
Fourcr.", Annal. soc. entom. VIII. p. 317 ff.) wies den Peltastes (Me-
topius) fasciatus Fourcr., welcher identisch mit Ichneum. micratorius
Fab. ist, als habituellen Parasiten von Saturnia carpini nach.
EVänial6S. Eine neue Gattung wurde von Smith (.lourn. pro-
ceed. Linn, soc, Zoologylll. p. 169) unter dem Namen Stenophas-
mns aufgestellt. Sie gleicht Megischus, unterscheidet sich aber durch
die Vorderflügel, welche eine Rand- und drei Submarginalzellen
haben und von dieser Gattung sowohl als von Stephanus , mit der
sie fünfgliedrige Tarsen gemein hat, durch ungezäbnelte Schenkel.
Kopf kuglig, Fühler borstenförmig, länger als der Körper, Prothorax
mit dünnem Halse, Schenkel leicht verdickt, Petiolus des Abdomen
letzterem gleich lang. — Art : St. rvßceps 5 lin., Aru-Inseln.
Eine zweite neue Gattung ist Bothrioceros Sichel (An-
nal. soc. entom. VIII. p. 759) , vom Habitus eines Foenus , auf dem
Kopfe mit spitzen Höckern, welche das in einer Grube liegende vor-
dere Stirnauge umgeben ; Fühler fadenförmig, Kiefertaster mit vier
sehr langen Gliedern, Vorderflügel mit zwei Cubitalzellen, von denen
die erste trapezoidal, die zweite unvollständig ist, und offener zwei-
ter Diskoidalzelle. Hinterleibsstiel von der Spitze des Metathorax,
dicht über den Hinterhüften entspringend; diese so wie die Ilinter-
schenkel und Hinterschienen verdickt. — Zwei Arten : B. Europaeus
13 mill., Sicilien und Americanus 27 mill., Brasilien, beide nur im
weiblichen Geschlechte bekannt.
Von Megischus trennt Smith ferner (Journ. proceed, Linnean
soc. V. p, 58) unter dem Namen Foenatopus diejenigen Arten ab,
bei denen die Submarginal - und Diskoidalzelle der Vorderflügel
eingegangen sind, wie z. B. bei Megischus Indiens Weslw. Eine
neue dazu gehörige Art ist Foen- ruficeps von Makassar. — Fernere
neue Arten sind: Megischus larsalis von Batchian und liduus von
Kaisaa, Evania striata von Makassar und Trigonalys pictifrons eben-
daher. (Letztere Gattung wird vom Verf. unter der Fam. Aulacidae
Shuck. aufgeführt.)
BraCOnidae. Walker (Annais of nat. bist. 3. ser. V. p. 307 ff.)
beschrieb mehrere neue Arten von Ceylon, unter denen er einige zu
414 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
eigenen Gattungen erhebt: 1) H er atetnis n.g. mit Coelinius nahe
verwandt. „Corpus glabrum, caput transversum, thorace latius, palpi
graciles, longiuscnli, anlennae graciles, filiformes, corpore vix duplo
longiores ; thorax robustus, abdomen sessile, lineare, depressum, an-
gustum, pedes longi, graciles." — Art: H. filosa 2ya lin. — 2) Ne~
hartha n. g., gleichfalls mit Coelinius verwandt. „Corpus gracile,
elongatum, scitissime punctatum, caput transversum, sat parvum, palpi
graciles, longiusculi, antennae filiformes, sat graciles, corpore bre-
viores, articuli elongati ; abdomen fusiforme, subsessile, thorace vix
longius, pedes longi, graciles, postici robusti, longissimi.*' — Art:
iV. macropodides 2y^\\n. — 3) F syttalia n.g. „Corpus convexum,
glabrum, latiusculum, caput transversum, thorace non latius, antennae
graciles, filiformes, corpore longiores, articuli breves; scutum subca-
rinatum, abdomen ellipticiim, subsessile, thorace paullo longius, non
angustius; oviductus brevis, pedes breviusculi." — Art: Ps. testacea
2 lin. — Neue Arten : Microgaster detractus, recusans, significans,
subductus, Spathius bisignatus und signipennis.
Ein unvollendetes Nachlass-Manuskript von Ruthe über Deut-
sche Braconiden hat Reinhardt (Berl. Ent. Zeitschr. IV. p. 105) zu
veröffentlichen begonnen. Das vorliegende erste Stück enthält eine
Analyse und umständliche Beschreibung von 36 Arten der Gattung
Microgaster Lalr. , welche sämmtlich der Abtheilung mit drei Cubi-
talzellen angehören und von denen 16 als neu aufgestellt werden.
Die Namen der letzteren sind: Micr. opacus, sticticus, procerus^ rii-
ßcoxis, crassicornisj medianus ^ aduncus, higuhris, viduusj heier ocerus^
varipes, parvulus , gracilis , Ratzchurgii , xanthopus und Wesmaeli.
Mehrere dieser Arten waren den früheren Autoren allerdings schon
bekannt, aber irriger Weise als Varietäten von anderen angesehen
worden.
Als neue Arten von Island beschrieb Ruthe (Entom. Zeitung
1859. p. 314 ff.) Trioxys compressicornis, Praon peregrinus, Aphidius
cingulatus, restrictus {^ees?), Microctonus intricatus, Perililus Islan-
dicus, Microgaster incertus, fulvipes (Halid. ?), Orthostigma pumilum
(Nees var. ?), exile^ distractum (Nees ?) und Dacnusa confinis.
Derselbe (ebenda p. 103) verwahrt sich gegen die (ihm
wohl brieflich zugegangene) Behauptung, dass seine Galtung Arhaphis
auf einen flügellosen Ichneumoniden (Gat. Cremnodes) gegründet sei,
durch Beschreibung des nachträglich von ihm entdeckten geflügelten
Männchens der Arh. tricolor, welches ein wahrer Braconide ist. Die
Vorderflügel haben zwei Cubitalzellen; von den Diskoidalzellen ist die
innere offen, die äussere gestielt. Mit gleichzeitiger Bezugnahme
auf das Männchen giebt Verf. eine nochmalige Charakteristik der
Gattung.
Soiith (Journal of proceed. of the Linnean soc, Zoology III.
im Gebiete der Enlomologie während der Jahre 1859 u. 60. 415
p, 24 f.) beschrieb Bracon insinuator, inlrudens, Agathis sculpturalisj
modesta und nitida als n. A. von Celebes. — Ebenda V. p. 141 ff. :
Bracon jaculatus, quadriceps, Agathis atrocephalus (!) als n. A. von
Batchian, p. 65 f. Bracon deceptor^ bellicosus^ combustus, Cenocoelius
cephalotes, Agathis penelrans und rugifrons als n. A. von Makassar.
— Ebenda III. p. 174ff. : Bracon basalis, albomarginatus, nigripennis,
exoletus, abdominalis, nitidus, pallifrons und intrudens und Agathis
fumipennis als n. A. von den Aru-Inseln.
ChälcididaS. Fo erster (2te Centurie neuer Hymenopteren,
a. a. 0.) machte eine grössere Reihe inländischer neuer Arten, so wie
mehrere neue Galtungen dieser Familie bekannt. Letztere sind : 1)
Chry s omalla n. g. aus der Gruppe der Perilampoiden ; Fühler
nicht höher als der untere Augenrand eingefügt, 13-gliedrig, Kopf
und Thorax ganz glatt, nur das Pronotum tiefer punktirt, Hinterleib
mit fünf deutlichen üorsalringen, von denen der erste besonders stark
entwickelt ist; der Ramus postmarginalis verkürzt und wie der R.
marginalis mit Borsten besetzt. — Art: Chr. Boseri VVürtemberg. —
2) Triba eus n. g. zu den Ormyroiden gehörig, mit drei Ringeln
an der Basis der Fühlergeissel , die folgenden Glieder doppelt so
breit als lang; Rücken des Hinterleibes convex, ohne Kiel. — Art:
Tr. punctulatus Rheinprovinz. — B) M onoba eus n. g. mit Ormyrus
habituell übereinstimmend, aber nur mit einem Ringel an der Füh-
lergeissel, deren folgende Glieder quer sind; Schildchen an der Spitze
schuppig; Hinterleibsringe mit gezähnelter Basis. — Arten: M. cin-
gulatus und gratiosus von Aachen. (Neben den beiden letzten Gat-
tungen wird Ormyrus Westw. nochmals charakterisirt.) — 4) Pez,o-
bius n. g. (Encyrtoideae) Flügel verkümmert, Fühler 12-gliedrig
mit zusammengedrückten und erweiterten Geisselgliedern, Scheitel
breit, die beiden hinteren Ocellen nahe am Innenrande der Augen
stehend; Schildchen flach, dreieckig, Legebohrer verborgen. — Art:
Pez. polychromus. Vaterland? — 5) Stichocrepis n. g. (Pleroma-
linen) Köiper kurz mit flachem Hinterleib, Fühler 13-gliedrig, unter-
halb der Augen eingefügt, mit zwei kleinen Ringelchen und an der
Spitze gezähntem Schaft; Schildchen gross, Tarsen sehr kurz, Flügel
von Hinterleibslänge, der Ramus marginalis und postmarginalis mit
steifen Börstchen. — Art: St. armata Tyrol. — 6) Anusia n. g.,
schon in dem Hymenopt. Beitr. aufgestellt, hier nochmals charakte-
risirt. Zwei Arten: A. nasicornis Aachen und austriaca Leitha-Ge-
birge. — Die vom Verf. beschriebenen neuen Arten sind: Halticella
tarsalis Rheinprovinz, pachycera Tyrol, Eucharis punctata Süd - Eu-
ropa ? , Kollari Wien, Thoracantha bella Süd -Europa?, Chalets
scrobiculata, vitripennis, rugulosa und tricolor Rheinprovinz, obtusata
Süd - Frankreich, punctulata Tyrol, scirropoda Ungarn, Syntomaspis
eurynolus aus Gallen von Cynips corticis, laiulinus aus Gallen von
416 Gerstaeclcer: Bericht fiber die wissenschaftlichen Leistungen
Qiiercns pubescens, macriirns Ungnin, Diomortis Kollari Wien, Cry-
ptopristus lalicornis, macromerus, intennedius, syrphi und fulvocinctus
Rheinprovinz, Oligosthenus libialis Aachen, Megastigmus flatus, xan-
tkopygus (dorsalis Walk.), letzterer aus England , Elahis rußtarsis
Aachen, Lamprostyhis punctatus und auricollis Rheinprovinz, Peri-
lampns chlorinus Süd -Europa, cristahis, nigriventris, chrysonotus,
cuprinus, inaequalis Rheinprovinz, Lochifes papaveris Aachen, Ormyrus
cosmozonus Süd- Deutschland, viriclanus, prodigus, versicolor, placidns,
acrosus , blandits , violaceus Aachen, Monodotitomerus intermedius
Frankfurt, vacillans Aachen, Charitopus fuhiventris Aachen, Halidea
insignis und nobilis Süd-Deutschland, Eupelmus fuscipennis Stuttgart,
micropteriis, linearis, Geeri Dalm. mas, nuhilipetmis Aachen, hifas-
ciatus (Cynips id. Fonscol.) Süd-Frankreich, spongipartus, microzonus,
hostilis Adichen, fulvipes und cerris Oesterreich, Monodontomerus inter-
ruptus Aachen. Auch Mira macrocera Schellenb. (Encyrtus platyce-
rus Dalm., Dicellocerus vibrans Menzel) wird nochmals ausführlich
beschrieben.
Motschulsky (Etud. entom. 1859. p. 117 u. 170 f.) beschrieb
folgende neue Gattungen und Arten von Ceylon: Anas latus n. g.,
von Eulophus durch die Form der Fühler, welche wie bei Conops
lanzettlich sein sollen, unterschieden; beim Männchen sind dieselben
indess, wie später angegeben wird, nicht lanzettlich, stärker und fa-
denförmig (? ?), nur zehngliedrig. Art: A. mantoidae, Parasit von
Mantis-Eiern ; ebenso: Eulophus mantiechthrus, fraternus, Priomerus
repens n. A. von Ceylon. — ■ Ferner als Parasiten von Pseudococcus
coffeae: Encyrtus Nietneri und Chart ocerus n. g. (von Encyrtus
durch zusammengedrückte, viergliedrige Fühler, deren letztes Glied
sehr lang ist, unterschieden) musciformis, und als Parasiten von Le-
canium coffeae: Scutellista (n. g. , wie bei Thoracantha mit
langem, aber nicht gespaltenem Schildchen, welches fast den ganzen
Hinterleib bedeckt, mit längeren Flügeln u. s. w.) cyanea und Ce-
phaleta (n. g. nicht weiter charakterisirt) purpureiventris.
Walker, Characters of undescribed species of the genus
Leucospis (Journal of Entomol. I) beschrieb 13 neue Leucospis-Arten
und (Annais of nat. bist. 3. ser. VI. p. 357 ff.) Chalcis dividens, pan-
dens, Halticella rufimanus, inßciens, Eurytoma contraria, indefensa,
Eucharis convergens, deprivata, Pterömalus magniceps, Encyrtus ob-
sfructus als n. A. aus Ceylon,
Eine neue Gnltung Er i ophihis Hai dem an (Proceed. Boston
nat. bist. soc. VI. p. 402) zeichnet sich durch grosse, kurz behaarte
Augen, geknieete , sechsgliedrige Fühler , deren erstes Glied beim
Männchen lang ist, durch gerade Subcostalvene, sehr kurzen Stigma-
tal-Ast, langen Dorn an den Mittelschienen und gekrümmten Dorn an
den Vorderschienen aus. — Art: Erioph. mali aus Nord - Amerika.
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 417
(Die Beschreibung dieser Art war von Halde man bereits früher in
einer populären Zeitschrift bekannt gemacht worden und wird hier
durch Sharswood nochmals publicirt.)
Boheman (üfvers. Vetensk. Akad. Förhandl. XV. p. 58. Taf. 2)
gab Beschreibung und Abbildung von Pteromalus abnormis n. A. ;
dieselbe wurde in grosser Anzahl aus Dipteren-Puppen (Sarcophaga ?),
die sich in einem Schwalbenneste in Umea-Lappland fanden, erzogen.
Ruthe (Berl. Ent. Zeitschr. III. p. 124) beschrieb Eupehnus
Oscari n. A. aus der Umgegend Berlins.
Reinhard, „Die in Blattläusen lebenden Pteromalinen" (Ent.
Zeitung 1859. p. 191) stellte die von den Autoren bis jetzt als Para-
siten von Blattläusen beobachteten und erwähnten Pteromalinen
(14 Arten) zusammen und fügte ihnen diejenigen hinzu, welche ihm
aus eigener Erfahrung als solche bekannt geworden sind. Letztere
sind : Asaphes vulgaris Walk., Coryna clavata Walk., Pachyneuron
aphidis Bouche, Hypsimacra Ratzeburgi n. A. (hier beschrieben),
Agonioneurus Euthria Walk, und flavicornis Foerst.
Doumerc, Notice sur les metamorphoses des Eulophus (Annal.
soc. entom. VII. p. 107 f.) theilte mit, dass dfis Weibchen einer
Eulophus -Art (nicht näher bestimmt) die frisch gelegten Eier von
Pentatoma Amyot (Mononymie) anstach und dass zwölf Tage nachher
die Imagines ausschlüpften; sobald die Larve sich im Pentatoma-Eie
verpuppte, fiel die leere Hülle desselben zusammen und schmiegte
sich dem Körper der Parasiten-Puppe eng an, wie dies schon Geof-
f r oy abbildete.
Goureau (Bullet, soc. entom. 1859. p. 33) erzog Perilampus
laevifrons Dalman aus einer kleinen in Birnen lebenden Schmetter-
lingsraupe.
Derselbe (Bullet, soc. entom. 1860. p. 33) erzog aus dem
Gespinnst von Anacampsis polulella mehrere Exemplare einer Aneu-
rus-Art, die aber nicht auf Kosten der Raupe jener Schabe, sondern
in einer Ichneumoniden - Larve schmarotzte, welche jene verzehrt
hatte. Ebenso sah er den Pteromalus microgasteris Bouche seine Eier
in die Cocons von Microgaster glomeratus absetzen.
« PrOCtotrypidä6. Thomson hat seine Bearbeitung der in
Schweden vorkommenden Proctotrypier in der üfvers. Vetensk. Akad.
Förhandl. XVL p. 69 ff. mit der 7. Tribus Platygastrini fortgesetzt.
Dieselbe umfasst die Gattungen Inostemma Halid. mit 2 A., Synopeas
Foerst. mit 13 A., Piestopleura Foerst. mit 1 A., Leptacis Foerst. mit
1 A., Amblyaspis Foerst. mit 4 A., Ceratucis n. g. (von den beiden
vorhergehenden Galtungen durch das vom Schildchen tief abgetrennte
Mesonotum und eine deutliche Basalgrube des Schildchens unter-
schieden) mit 1 A., Trichasis Foerst. mit 2 A., Anopedias Foerst. mit
AroMv f. Naturg. XXVII. Jahrg. 2. Bd. Bb
418 Gerstaeclier: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
3 A., Isocybus Foerst. mit 5 A., Hypocainpsis F'oerst. mit 3 A., Platy-
gaster Latr. mit 21 Arten.
Riithe (Berl.Ent. Zeitschr. III. p. 118 ff.) besprach Fo e r st ei's
Systematik der Proctolrypier und Hai i d ay's Systematik der Diapriiden
und machte anhangsweise Mystrophorus formicaeformis, Thoron fjibbus
und Sparasion rufipes als n. A. aus der Umgegend Berlin's bekannt.
Derselbe (Entom. Zeitung 1859. p. 311 ff.) beschrieb Lagyno^
des rnfescenSf Prosacantha pnnctulator und Diapria aptera als n. A.
aus Island.
Fo erster (Verband!, d. naturhist. Vereins der Preuss. Rhein-
lande XVII. p. 107 ff.) Bethylus femoralis und rufipes, Gonioziis tnobilis
und Perisemus cephalotes als n. A. aus der Umgegend von Aachen.
Walker (Annais of nat. bist. 3. ser. VI. p. 359) Diapria api'
calis n. A. aus Ceylon.
Smith (Journal proceed. Linnean soc, , Zoology V. p. 136)
Epyris erraticus n. A. von Dory auf Neu-Guinea.
Sichel (Bullet, soc. entom. 1859. p. 213) Cinclus rufipes n. A.
von Toulon.
Gynipidae. Eine neue Gattung PA «n« eis charakterisirte F o e r-
ster (Verhandl. des naturhist. Ver. d. Preuss. Rheinl. XVII. p. 145)
folgendermaassen : Kiefertaster 4-, Lippentaster 3-gliedrig, Radialzelle
geschlossen, zweite Cubitalzelle nach innen gleichfalls geschlossen ;
Thorax nicht behaart, Schildchen polsterförmig, Spitze des Metathorax
mit feinen Längskielen, erstes Bauchsegment am grossesten. — Art :
Ph. Centaureae, aus den Stengeln von Centaurea scabiosa, aber nur
Weibchen erzogen.
Giraud, „Signalements de quelques especes nouvelles de Cy-
nipides et de leurs galles" (Verhandl. d. zoolog.-botan. Gesellsch. in
Wien IX. p. 337 — 374) machte eine grössere Anzahl neuer Gallwespen
nebst den von ihren Larven gebildeten Gallen durch sorgsame Be-
schreibungen bekannt; dieselben sollen als Vorläufer zu einer grösse-
ren monographischen Arbeit des Verf. über die gegenwärtige Familie
dienen. Von manchen der beschriebenen Arten waren bereits die
Gallen, aber nicht die Erzeuger bekannt; von anderen Arten beschreibt
der Verf. die Gallen ohne bisjetzige Kenntniss ihrer Bewohner. Die
neuen Arten sind : Cynips caliciformis, polycera, subterranea, glunnosa,
congloinerata, triincicola, cerricola, amblycera, callidoma , serolina,
clementinae, Neuroterus ostrens, lamiyinosvs, saltans und minulidus. —
Dryocosmus n. g. von Neuroterus besonders durch dieBildung des
Schildchens unterschieden, welches halbknglig, hervortretend, an der
Basis quer eingedrückt und nach vorn fein gerandet ist. — Art: Dr.
cerriphilus. — Andricus glandium, erythrocephalus, aestivalis, cydo-
niae , grossulariae , burgundus , mulliplicalus , anienti und nitidus,
Biorhyza renum, Spathegasler aprilinus, glandiformis^ nervosus, Bhodi^
im Gebiete der Entomologie wahrend der Jahre 1859 u. 60. 419
tes rosarum, spinosissimae , Diastrophus scabiosae und areolatus,
Aulax salviae, sc or zoner ae^ pvmiltis und rvfiscapus. — Sechs bis jetzt
herrenlose Gallen beschreibt der Verf. als Cynips aries , galeata^
gemmea, superfoetationis, seminationis und urnaeformis.
Derselbe (ebenda X. p. 123 — 176) lieferte eine Aufzählung
der in Oesterreich aufgefundenen Arten der Aphidivoren und Figiti-
den, von denen er sowohl die bereits bekannten, welche in ihrer
Synonymie erörtert werden , als die neuen beschreibt. Unter den
Aphidivoren ist die Gattung Allotria Westw. (Xystus Hart.) durch 14
Arten vertreten , von denen A. Tscliehi, forticornis und Vllrichi neu.
Die Figitiden umfassen 10 Gattungen : 1) Eucoila Westw. 33 A. ("E.
subnebulosa, Schmidti , tenuicornis, compressiventris^ depilisj curta^
heterogena, insignis, nigripes, floralis (Dahlb. i. lit.), ciliaris (Dahlb.
i. lit.), 7nelanipesj allotriaeformis, pusilla, antennata^ picicrus, ruß-
ventris, tomentosa, curdata, bicolor und nodosa n. A.). 2) Figites
Latr. 9 A. (F. fuscinervis, coriaceus (Dahlb. i. lit.), apicalis, politus,
consobrinus, clavatus und abnormis n. A.) 3) Omala spis n. g.
Zweites Hinterleibssegment grösser als die übrigen, Metanotum weder
runzlig noch gekielt, Fühler fadenförmig; Hinterleibsstiel kurz,
dick, gefurcht, Taster wie bei Figites. — Art: 0. Noricus Gratz. 4)
Onychia Dahlb. '3 A. 5) Callaspidea Dahlb. 3 A. (C. Dnfourii und
Ligurica n. A.). 6) Melanips Halid. 7 A. (M. fumipennis, sylvanus
und alienus n. A.). 7) Anacharis Dalm. 3 A. 8) Aegilips Halid. 3 A.
(A. curvipes und armatus n. A.). 9) Amphitectus Hart. 1 A. 10)
Ibalia Latr. 1 A.
„Die Figitiden des mittleren Europa" hat auch H. Reinhard
(Berl. Ent. Zeitschr. IV. p. 204 ff. Taf. 4) zum Gegenstande einer ein-
gehenden Bearbeitung gemacht. Den Cynipiden im engeren Sinne
gegenüber diagnosticirt Verf. die Figitiden-Gruppe durch die 14-glied-
rigen Fühler des Männchens und die 13-gliedrigen des Weibchens,
durch die Länge des zweiten Hinterleibsringes, welcher kürzer als
das halbe Abdomen ist, und durch die Form der Radialzelle, welche
höchstens doppelt so lang als breit ist. (Nach einer ausführlichen
Schilderung des ganzen Körperbaues, in welcher auch besonders die
mit dem weiblichen Geschlechtsapparate in Beziehung getretenen
Theile des Hautskeletes näher erörtert werden, so wie nach einigen
Bemerkungen über das Eierlegen der Gallwespen im Allgemeinen,
theilt Verf. die Figitiden in drei Gruppen: 1) Anachariden. Hinter-
leibsstiel drehrund und dünn, das zweite Segment deutlich länger als
das dritte. 2) Figitiden sens. strict. Das erste Hinterleibssegment
kurz und ringförmig, das zweite wenig kürzer als das dritte. 3)
Onychiiden. Zweites Hinterleibssegment viel kürzer als das dritte,
seitlich ganz schmal, oben zungenförmig verlängert. — Zur ersten
Gruppe gehören Anacharis Dalm. 4 A. und Aegilips 5 A. (Aeg. rugi-
420 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen LeistuTigen
collis und Dalmani n. A. Deutschland, spinigera n. A. Savoyen, zur
zweiten Aniblynotus Hart. 3 A. (A. longitarsus n. A. Deutschland),
Sarolhius Hart. 2 A. und Figites Lalr. 7 A., F. laevigalus n. A. Deutsch-
land), zur dritten Onychia Mal. 2 A., Ilonialaspis Gir. 1 A, und Aspi-
cera 1 A. — Mit der Beschreibung der Gattungen und Arten hat Verf.
die Erörterung ihrer Synonymie verbunden; sieben der letzteren sind
auf Taf. 4 dargestellt.
Ruthe (Entoni. Zeitung 1859. p.310) beschrieb Eucoela simu-
latrix n. A. aus Island.
Leon Soubeiran (Annales d. 1. soc. IJnneenne de Maine et
Loire IIL 1859. p. 199—203) beschrieb zwei Gallenfornien von Quer-
cus pedunculata , die er nach den Larven für Cynipiden - Gallen an-
sieht; dieselben sind auf einer beifolgenden Tafel abgebildet.
Marschall Vaillant (Rev. et Magas. de Zool. 1860. p. 518) fand
rundliche Gallen am Fusse von Eichen unterhalb der Erde, aus wel-
chen sich eine flügellose Cynipide entwickelte; von Guerin wurde
dieselbe als Cynips aptera Fab. bestimmt.
Tenthredinetae et Urocerata. F. Smith, Descriptions of new
genera and species of Tenthredinetae in the colleclion of the British
Museum (Annais of nat. bist. VL p. 254 ff.). Hylotoma imperialis n. A.
aus Nord-China, Lyda flagellicornis ebendaher. Derecyrta n. g.
Kopf fast kuglig mit convexem Scheitel , Augen gross, oval, Fühler
23-gliedrig, borstenförmig, erstes Geisseiglied halb so lang, das
zweite ebenso lang wie der Schaft;. Schildchen und Mesothorax vorn
erhaben, Vorderflügel mit einer Rand- und vier Submarginalzellen,
Schienen mit zwei Enddornen, Hinterleib cylindrisch, zweimal so
lang als der Vorderkörper. — Art: D. pictipennis n. A. 9 Lin., von
Ega in Brasilien. — Sirex cedrorum n. A. vom Libanon. — Cla-
domacra n. g. Fühler 16-gliedrig, gekämmt und haarig, Kopf
quer, Augen stark vorspringend, Flügel gross, die vorderen mit einer
Rand- und vier Submarginalzellen, Beine einfach, lang, Schienen
mit zwei kurzen Enddornen. — Art: Cl. macropus 3 Lin., Celebes.
Derselbe beschrieb (Journ. of proceed. Linnean soc, Zoo-
logy IIL p. 23) Tenthredo (Allantus) purpurata als n. A. von Celebes,
(ebenda V. p. 136) Cryptocampus nigripes von Dory auf Neu - Guinea,
Seiandria Doryca von Batchian und Xiphydria laeviceps von Amboina.
— Ebenda III. p. 177: Oryssus maculipennis, Xiphydria rußpes und
Tremex insignis als n. A. von den Aru-Inseln.
G. Zaddach, Beschreibung neuer oder wenig bekannter Blatt-
wespen aus dem Gebiete der Preussischen Fauna. Königsberg 1859.
(4. 39 pag. c. tab. 1), — Verf. liefert in dieser Abhandlung ein Ver-
zeichniss der in Preussen bis jetzt aufgefundenen Blattwespen, von
denen er die hinreichend bekannten nur namentlich aufführt, die
neuen dagegen, so wie mehrere noch nicht genau festgestellte sehr
im Gebiete der Entomologie während der Jahre ] 859 u. 60. 421
eingehend beschreibt; wo die Larve zugleich vorlag, auch eine Cha-
rakteristik dieser beifügend. Die beschriebenen Arten sind: Ilißotoma
pullala (nebst Larve), corrusca, fuscipcnnis Herr. -Seh., fasciata Lepel.,
Schizocera instratn, Dinewa ventralis (nebst Larve), Cladius tener,
tristis, aeneus (nebst Larve) , Dolerus genucinctus , anthracinus Klug,
nitens. atricapillus Hart., longicornis, micans (haemalodes Schrank),
ravus, gracilis, brevis, aeneus Hart., incertus, asper, fianostis, niger
Lin., pachyceriis Hart., fissus Hart., carbonarius (anthracinus Klug fem.),
breticornis, taeniatus , leucopterus, Emphylus neglectns, Phyllotoma
fenella, Fenusa betulae (nebst Larve), Seiandria pubescens (nebst
Larve), iineolata Klug und melanocephala Fab. (beide gleichfalls nebst
Larve), albipennis, subcana, gracilicornis, ruficruris Brülle, feriata
und grandis^ Tarpa spissicornis var. — Im Ganzen sind in FVeussen
bis jetzt 394 Blattwespen-Arten aufgefunden worden, mithin "/lo aller
Deutschen Arten (586). Auf der beifolgenden Tafel sind sieben der
als neu beschriebenen Arten in colorirten Abbildungen, ausserdem
die Larven mehrerer nebst der Art ihres Frasses dargestellt. Sieben
Dolerus- Arten werden durch stark vergrösserte Abbildungen ihres
Legestachels erläutert.
Snellen van V ollen hoven (Tijdschr. voor Entomol. IIL
p. 99— 119. pl.7— 9) setzte seine Arbeit „De inlandsche Bladvves-
pen in bare gedaanteverwisselingen en lebenswijze beschreven" mit
einem fünften Abschnitte fort, in welchem Allantus scrophulariae Lin.^
Cimbex amerinae Fab. und Athalia spinarum Fab. abgehandelt und
durch schöne Abbildungen der drei Eutwickelungsstadien erläutert
werden.
Derselbe, „Beschrijwing van eenige nieuwe soorten van
Bladwespen" (ebenda IIL p. 128 ff.) beschrieb Hylofoma shiiilis, hu-
meralis und flava als n. A. aus Japan und microcephala aus Java.
Description of a species of Perga, or Saw-Fly, found feeding
upon the Eucalyptus citriodora, by Dr. G. Bennett and A.W. Scott
(Proceed. zoolog. sog. of London 1859. p. 209 ff. pl. 62). Die als
muthmasslich neu beschriebene und abgebildete Art ist Perga Euca-
lypti benannt und steht nach der Abbildung der P. dorsalis Leach
nahe, von der sie sich durch ungebändeiten Hinterleibsrücken unter-
scheidet. Die Larven sind sanimetsehwarz mit weissen Borsten (so
dass sie der Raupe von Vanessa Jo ähneln) und haben drei Paar
(Thorax-) Beine von hell mennigrolher Farbe; sie gehen im Oktober
in die Erde, um sich daselbst ein Cocon anzufertigen, aus dem im
März die Blattwespe hervorgeht.
Harris beschrieb (Proceed. Boston soc. of nat. bist. VII.
p. 235) Seiandria (Hoplocampa) rubi als n. A. aus Nord-Amerika,
nebst ihrer Larve und deren Lebensweise. (Aus des Verf.'s hinter-
lassenen Manuskripten mitgetheilt von S c u d d e r.)
422 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Ruthe (Entom. Zeitung 1859. p. 305 ff.) beschrieb Nematus
conductus f Staudiyigeri , coactulus , suavis und xariator als n. A.
aus Island.
Sichel (Ännal. soc. entom. VIII. p.757) Cephus Bellieri und
nigripennis als n. A. aus Sicilien.
Fo erster (Verhandl. d. naturhist. Vereins d. Preuss. Khein-
lande XVII. p. 141 ff.) Dolerus stygius und ochroneurus als n. A. aus
der Umgegend von Aachen.
Motschulsky (Bullet, de Moscou 1859. II. p. 499) diagno-
sticirle Cimhex villosus und Hylotoma nigronodosa ^]s n. A. vom Amur.
Dahlbom und Sichel machten (Bullet, soc. entom. 1859.
p. 83 ff.) Bemerkungen über die Artrechte mehrerer Europäischer
Sirex-Arten.
Lepidoptera,
Th. Kettelh oit, De squamis Lepidoptcrorum, Dis-
sertatio inauguralis zoologica. Bonnae 1860. 8. c. lab. 1.
— Verf. handelt über die histologische Struktur, über die
Anheftung und die Stellung der Schmetterlingsschuppen
und in einem vierten Capitel besonders ausführlich über
die Verschiedenheit der Form dieser Gebilde je nach den
Gattungen und Arten. Er hat dieselben bei 110 verschie-
denen inländischen Arten aus sämmtlichen Familien der
Macro- und Alicrolepidopteren untersucht und erörtert ihre
Form, die Bildung ihrer Basis (welche bald ausgebuchtet,
bald gerundet oder zugespitzt ist) so wie das Verhältniss
der Länge zur Breite.
Die Untersuchungen des Verf. haben das Resultat ergeben, dass
zwei Hauptformen unter den Schuppen zu unterscheiden sind: 1) Die
Basis ist über der Anheftung des Schäftchens tief ausgebuchtet; dies
ist bei allen Rhopaloceren der Fall. 2) Die Basis ist nicht ausge-
buchtet und zwar ist dabei a) die Schuppe gegen die Basis hin all-
mählich zugespitzt verengt — alle Crepuscularia so wie die Nocturna
Linne's mit Ausnahme der Eulen — oder b) die Basis ist breit,
stumpf abgerundet und die Seitenrändern der Schuppe daher parallel;
letztere Bildung charakterisirt die Noctuinen.
Ueber die histologische Beschaffenheit und die Genese
der Schmetterlings - Flügelschuppen machte Mayer (Ver-
handl. d. naturhist. Vereins d. Preuss. Rheinlande XVII.
Sitzungsberichte p. 110 ff.) einige Miltheilungen.
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. GO. 423
AI tum (Ent. Zeitung 1860. p. 91 f.) beschrieb einen
vollständig halbirten Hermaphroditen von Sphinx convolvuli
(rechts männlich, links weiblich), leider nur nach seinen
äusseren Merkmalen. — Möchten doch die Lepidopterolo-
gen , wenn sie durch Zucht oder Fang in Besitz solcher
merkwürdigen Stücke gelangen, dieselben einem Sachver-
ständigen lebend zur Sektion überlassen, damit das anato-
mische Verhalten von dergleichen Missbildungen endlich
aufgeklärt würde !
A Catalogue of the Lepidopterous Insects in the Mu-
seum of natural history at the East-India House. By Tho-
mas Horsfield and Frederic Moore. Vol. 11. London
1859 (8. p. 279—440. pl. 13— 23 und pl. 7a— 13aj. — Die-
ser zweite Band des Gataioges der Lepidopterensammlung
des Museums der East-lndian Company zu London, welcher
eine Aufzählung der ßombyces enthält, schliesst sich in
seiner Ausführung genau dem im vorigen Jahresberichte
angezeigten ersten an, indem auch hier die bereits beschrie-
benen Arten nur mit Citaten und Synonymen aufgeführt, die
neuen von F. Moore beschrieben werden. Die Bombyces
sind hier im weitesten Sinne des Wortes (nach den älteren
Systematikern) aufgefasst, indem darunter ausser den ei-
gentlichen Spinnern auch die Cheloniarien und Cossinen so
wie die früher den Sphingiden beigesellten Zygaeniden
begriffen werden. Nach der Horsf ie 1 d'schen auf die Rau-
pen basirtcn Systematik werden die Bombyces in 8 Gruppen
getheilt: 1) Larvae sphingiformes (Zygaeniden, Glaucopiden,
Lithosiiden). 2) Larvae fasciculatae (Lipariden). 3) Larvae
ursinae (Cheloniarien). 4) Larvae cuspidatae (Drepana, Ce-
rura, Bombyx u. a.). 5) Larvae verticillatae (Salurnia,
Attacus). 6) Larvae limaciformes (Limacodiden). 7) Larvae
pilosae (eigentliche Bombyces aus der Verwandtschaft von
Gastropacha. 8) Larvae lignivorae (Cossinen und He-
pialinen).
Als eine werthvolle und sehr interessante Zugabe für den vor-
liegenden Band sind die 17 denselben begleitenden lithographirten
Tafeln, von denen zehn der Darstellung zahlreicher Kaupen, Puppen
und Gespinnste, die sieben übrigen denjenigen von Spinnern gewid-
met sind, hervorzuheben. Da letztere neben den Abbildungen vieler
424 (J erst a e cker : Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
von Moore beschriebener neuer Arten auch die einer Reihe von
Walker'schen (»attungsrepräsentanten liefern, bieten sie zugleich
ein gewiss wünschenswcrthes liülfsniittel für die Benutzung der be-
treuenden Cataloge des British Museum , deren alleiniger Text sich
in vielen Fällen für die Bestimmung als unzureichend herausstellt. —
Bei der längst anerkannten Wichtigkeit der Kenntniss der früheren
Stände für die Classifikation der Lepidopteren ist die bildliche Dar-
stellung einer grossen Anzahl ausländischer Raupen, wie sie hier
gegeben wird, von besonderem Interesse; schliessen sich viele der-
selben, wie z. B. die der Lipariden, vieler Cheloniarien, Saturnien,
Gastropachen unseren einheimischen Arten auf das Engste an und
stimmen einige, wie z. B. die von Stauropus mit den entsprechenden
inländischen fast ganz überein, so treten uns andererseits auch solche
von höchst eigenthümlicher Bildung, besonders unter den Limacodi-
den entgegen. Von den Puppcncocons zeichnen sich besonders einige
den Saturnien angehörige durch ihre Foim sehr aus: das eine der-
selben vonEiform und mittels eines langen, dünnen Stieles an einem
Aste befestigt, ahmt gleichsam das Ansehen einer Pflaume nach; ein
anderes mit breiter Basis einem Zweige anhaftend, hängt im Uebri-
gen in senkrechter Richtung frei von diesem herab.
Vom British Museum sind in den lelzten drei Jahren
folgende fernere Verzeichnisse über seine Lepidopteren-
Sammlung publicirt worden:
1) List of the specimens of Insects in the collection
of the British Museum, by F. Walker. Part XV. Noctui-
dae. London 1858. (8. p. 1521—1888). In diesem den
Schluss der Nocluinen enthaltenden Bande verzeichnet der
Verfasser auf p. 1521 — 1642 die zur Guenee'schen Tribus
der Pseudo-Deltoidae gehörenden Arten, weichein die drei
Guenee'schen Familien der Focillidae mit 6, Amphigoni-
dae mit 5 und Thermesidae mit 38 Gattungen zerfallen.
Die bereits bekannten Arten, gleichviel ob im British Mu-
seum vorhanden oder nicht, werden unter Hinzulügung der
Guenee'schen Diagnose aufgeführt, die sehr zahlreichen
neuen in der bekannten Weise beschrieben, viele auch zu
eigenen Gattungen erhoben. — In der zweiten, bei weitem
grösseren Hälfte des Bandes (p. 1643 — 1861) werden nach-
träglich die sowohl den früheren als den vorliegenden
Gruppen der Noctuen angehörenden, während der Publika-
tion des Catalogs neu erworbenen Arten charakterisirt,
deren Zahl gleichfalls eine sehr bedeutende ist und welche
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 425
ebenfalls wieder ein ansehnliches Conlingent von neuen
Gattungen stellen.
2) List of the specimens of Lepidopterous Insects in the
collection of the British Museum, by F. Walker. Part XVI.
Deltoidcs. London 1858. (8. 253 pag.). Aueh in Anferti-
gung dieses Verzeichnisses hat sich der Verf. genau' an
Guenee gehalten, dessen Diagnosen er beiden bereits
bekannten Arten wiedergiebt und dessen Familien er seine
neuen Gattungen, so wie dessen Gattungen er die im
British Museum vorhandenen neuen Arten einschaltet. Die
Platydidae Guen. sind hier durch 7, die Hypenidae Herr. -Seh.
durch 18 und die Herminidae Dup. durch 61 Gattungen
vertreten. Sowohl die Zahl der neuen Gattungen als Arten
ist auch hier ausserordentlich gross und wird in einem
Nachtrage (p. 228 ff.) noch vermehrt.
3) List of the specimens of Lepidopterous Insects in
the collection of the British Museum, by F. Walker. Part
XVII— XIX. Pyralides. London 1859. (3 vol. 8. p. 256—1036).
Eine Fortsetzung des vorigen Catalogs und gleichfalls nach
Guenee's Anordnung bearbeitet; die von diesem errich-
teten Familien sind folgendermassen durch Gattungen ver-
treten : Odontidae 2, Pyralidae 10, Cledeobidae 3, Hercy-
nidae 7, Ennychidae 7, Asopidae 18, Steniadae 12, Hydro-
campidae 8, Spilomelidae 6, Margarodidae 18, Botydae 21,
Scoparidae 5. — Von p. 832 — 1022 folgen dann wieder sehr
umfangreiche Nachträge zu den Pyraliden und p. 1023 ff.
ein alphabetisches Gattungs- und Artenregister.
4) List of the specimens of Lepidopterous Insects in
the collection of the British Museum, by F. Walker.
Pt. XX— XXI. Geometrites. London 1860. (2 vol. 8. 498 p.).
Das Guenee'sche Werk über die Phalaeniden wird hier
durch eine im Verhältniss geringere Anzahl neuer Gat-
tungen, dagegen durch Hinzufügung einer sehr beträcht-
lichen von neuen ausländischen Arten weiter ausgeführt.
Die Zahl der Gattungert beträgt für die Urapterydae 13, für
die Ennomidae 52 (denen im Nachtrage p. 220 ff. noch
verschiedene andere hinzugefügt werden), für die Oeno-
426 Gerslaeckcr: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
chromidae 15, für die Amphidasydae 9, für die Boarmidae 38.
Mit letzteren schliesst vorläufig der zweite Band ab.
,, Von Wallengren wurden (Öfvers. Vetensk. Aka/l.
Förhandl.XV. p. 75, 135 u. 209 fr.) ausführliche Charakte-
ristiken einer grösseren Reihe neuer Gattungen aus den
Familien der Rhopalocera, Sphingidae und Bombycidae ver-
öffentlicht. Da die Mehrzahl derselben auf Süd- Afrikani-
sche Arten gegründet ist, so scheint die (vom Verf. bereits
begonnene) Bearbeitung der von Wahlberg im CafTern-
lande gesammelten Lepidopteren die nächste Veranlassung
zur Errichtung derselben gegeben zu haben. Die densel-
ben angehörenden Arten sind nicht beschrieben, sondern
nur je eine typische namentlich aufgeführt; wo bereits
beschriebene fehlten, ist die für neu angesehene Art, für
welche die Gattung errichtet wurde, provisorisch benannt.
Da in den Charakteristiken des Verf. nicht die Unterschiede
von den zunächst verwandten Formen hervorgehoben wer-
den, müssen wir uns darauf beschränken, die Namen der
Gattungen anzuführen.
1) Rhopalocera: Finacopteryx n. g. für Pieris Severina
Cram. und Eriphia God., Tliyca n. g. für Pieris Hyparete Lin. und
Aganippe Don., Aiithopsychc n. g. für Anlhocharis Achine Cram.
und Eupompe Klug, Thespia n. g. für eine neue Pieride, TL Bo-
hemani. — L ep t oneur a n. g. für Salyrus Clytus Lin., Hetero-
nympha n. g. für Satyrus Merope Fab. und Abeona Don., Neo-
maenas n. g. für eine neue Satyride, N. Servilia von Valparaiso,
Neosatyrus n. g. für eine gleichfalls neue Satyride von derselben
Lokalität, iV. Ambiorix, P s endo nym p ha n. g. für Satyrus Hippia
Gram., Or s o triaena n. g. (Mycalesis Westw. pars) für Satyrus Hesione
Cram. — P seudo lyca ena n. g. für Lycaena Marsyas. Lin., Chry-
$ orychia n. g. für eine neue Lycaenide aus dem Caffernlande, S.
Masilikazi. — Rhop alocamp t a n. g. für Hesperia Florestan Cram.,
P achyrhopala n. g. für Hesperia Phidias Lin. aus Süd-Amerika,
Caprona n. g. für eine neue Caffrische Art (Hesperia) Pillaana,
Leucoc hito n ea n. g. für L. Levubu n. A. aus dem Caffernlande,
mit Hesp. Kiveo Cram. nahe verwandt, Pterygospidea n. g. für
Hesperia üphion Stoll.
2) Heterocera: Xanthospilopteryx n. g. für Castnia Ge-
ryon Fab., Eumallopoda n. g. für eine neue Sesiarie aus dem
Caffernlande, E. Inniremis, Monop e t al ot axi s n. g. für eine gleiche
ebendaher, M. Wahlbergii. — Las i opr octa n. g. für eine neue Syn-
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 427
toniide, L. merra aus Süd -Amerika , Äristodaema n. g. für eine
gleiche aus Brasilien, A. Arauna, Neur o symp l oca n. g. für Zy-
gaena concinna Dalm. aus Süd- Afrika, Ar ichalca n. g. für eine
neue Cafifrische Zygaenide, A. melanopyga. — G nathos typ sis n.g.
bei Chaerocampa, mit einer Caffrischen neuen Sphingide: G. oestra-
cina, Gnathothlihus n. g. für eine mit Sphinx Erotus Cram. nahe
verwandte Art aus Neu-Holland, Anci str o g 7iathus n.g. für Sphinx
Jatrophae Fab. aus Amerika, Sphing onaepiops is n. g., Rham-
pho Schisma n. g. und Potidaea n. g. für drei neue Caffrische
Sphingiden, letztere für eine mit Sphinx Apus Boisd. verwandte Art P.
virescens. — Sculna n.g. und An cal a ei, p in a n.g. für zwei neue
Saturnien aus dem Caffernlande, Argema n.g. für Saturn. Alimosae
Boisd., Thyella n. g. für eine mit Saturn. AIcinoe Cram. verwandte
Caffrische Art Th, Nyctalops, Opodiphthera n. g. für eine neue
Neu -Holländische Saturnie. — Homochr oa n. g. für Bombyx pa-
tens Boisd., Strumella n. g. für Str. lani fern n. A. aus Neu-Holland,
Striphnopteryx n. g. für St. edulis Boisd., Fe str a n. g. für F»
affabricata n. A. aus Neu-Holland, Sirenopyga n. g. für S. ephip-
piata n. A. Caffernland, Eutimia n. g. nächst Pygaera, für E. Mar-
pissa n. A. Caffernland, Mallotodesma n. g. bei Orgyia für M.
discrepans n. A. Süd -Amerika. — T aeniopy g a n. g. für Chelonia
Eumela Cram., Rh anidophor a n. g. für Chelonia Phedonia Cram.,
Munychia n. g. für eine mit Chelon. erytlironota Boisd. verwandte
Art, S aenur a n.g. für S. flava n. A. Caffernland und Phryganeo-
morpha n. g. für Chelon. Madagascariensis Boisd.
Derselbe veröffentlichte ferner (Wien. Entom. Mo-
natsschr. IV . p. 33—46 u. p. 161 — 176) Diagnosen von nahe
an 150 neuen exotischen Arten, welche sämmtlichen Fa-
milien der Macrolepidopteren, einige auch den Pyraliden
angehören. Die Mehrzahl derselben ist der Ausbeute
Wahlberg's im Caffernlande entlehnt; andere stammen
besonders von Sidney, aus Brasilien, den La Plata-Slaaten
und aus Californien.
C. und R. Felder haben (Wien. Ent. Monatsschr. 111.
p. 178, 263, 321 und 390 ff., IV. p. 97 und 225 ff.) „Lepi-
dopterologische Fragmente" zu veröffentlichen begonnen,
in welchen sie hundert neue exotische Arten, der Mehrzahl
nach den Rhopaloceren , zum Theil auch den Saturnien,
Uraniden u. s. w. angehörend, bekannt machen ; die inte-
ressantesten derselben sind auf elf von Geyer gestochenen
Tafeln dargestellt, ßei manchen Arten werden anhangs-
428 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
weise synonymische Erörterungen über nahe verwandte
Spccies gegeben. (Bei einem Separatabdrucke in 4. sind
die Tafeln colorirt geliefert.) — Bd. III. p. 267 verzeichnen
die Verff. dreissig auf Neu -Guinea gesammelte Lepidopte-
ren, welche mit einer Ausnahme (Cocytia d'Urvillei) sämmt-
lich den Rhopaloceren angehören.
Boisduval (Bullet, soc. entom. 1859. p. 154 ff.) gab
kurze Charakteristiken von einigen durch Montrouzier
auf Neu-Caledonien und von Lassaux in der Argentini-
schen Republik gesammelten Schmetterlingen, der Mehrzahl
nach den Rhopaloceren angehörig. Die Arten von Neu-
Caledonien sind fast sämmtlich bisher unbekannt und halten
die Mitte zwischen denen der Molukken und von Neu-
Guinea einerseits und dem Norden Neu- Holland's ande-
rerseits.
Doumet, Description de quatre nouvelles especes
de Lepidopteres (Rev. et Magas. de Zool. 1859. p. 260 ff.
pl. 10). Zwei Rhopaloceren und zweiBombyciden aus Afrika
und Amerika.
F. Walker, Catalogue of the Heterocerous Lepido-
ptera collected at Singapore by Mr. A. Wallace, with
descriptions of new species (Journal of proceed. of the
Linnean soc, Zoology III. p. 183 — 196) und Catalogue of
the Heterocerous Lepidopterous Insects collected at Malacca
by Mr. A. Wallace, with descriptions of new species
(ebenda p. 196 — 198). — Ersteres Verzeichniss enthält 56,
letzteres nur 15 Arten aus den Familien der Sphingiden,
Cheloniarien, Bombyciden, Noctuinen und Geometriden, von
denen die bereits bekannten nur namentlich aufgeführt, die
neuen beschrieben werden ; letztere gehören bis auf eine
den Noctuinen an.
Menetries, Lepidopteres de la Siberie Orientale et
en particulier des rives de l'Amour (Bullet, phys. math. de
racad. de St. Petersbourg XVII. 1859. p. 212— 221). Verf.
giebt lateinische Diagnosen von 35 neuen Macrolepidopteren
aus den Familien der Rhopaloceren, Bombyciden, Noctuinen
und Geometriden.
Derselbe, Sur les Lepidopteres de Lenkoran et de
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 429
Talyche (ebenda XVII. 1859. p. 313—316). Aufzählung von
36 Arien der Macro- und Microiepidoptercn, welche bei
Lenkoran gesammelt wurden. Zwei Noctuinen werden als
neu diagnosticirt.
Derselbe, Sur quelques Lepidopleres du gouver-
nement de Jakoutsk (ebenda XVII. 1859. p. 494— 500). Ver-
zeichniss von 25 bei Jakulsk gesammelten Arten, welche
mit Ausnahme einer Chelonia und einer Noctua den Rho-
paloceren angehören ; zwei Arten werden als neu diag-
nosticirt.
Stainton, Notes on Lepidoptera collected in Ma-
deira by V. Wollaston, with descriptions of some new
species (Annais of nat. bist. 3. ser. III. p. 209 — 214). Eine
Aufzählung von 26 Maderensischen Arten , mit Ausnahme
zweier Geometriden den Microlepidopteren angehörend; die
neuen Arten werden kurz charakterisirt.
Die Nord-Amerikanische Lepidopteren-Fauna, welche
seit einer längeren Reihe von Jahren nur durch Europäi-
sche Autoren und unter diesen vorwiegend durch Mono-
graphen und in Sammlungscatalogen Zuwachs an Arten
enthielt, hat jetzt in B rack e nrid ge - C le m en s einen
ebenso eifrigen als sorgsamen einheimischen Bearbeiter
gefunden. Derselbe sucht der Vernachlässigung, welche
das Studium der Nord -Amerikanischen Lepidopteren bei
seinen Landsleuten in neuerer Zeit erfahren hat, sogleich in
sehr extensiver Weise abzuhelfen, da wir von ihm in einem
Zeiträume von zwei Jahren neben einer umfangreichen „Sy-
nopsis of the North- American Sphingidae" im Journal of
the acad. of nat. scienc. Philadelphia IV. p. 97 — 190 zahl-
reiche Gattungs- und Artbeschreibungen aus fast allen
Familien der Heteroceren bis zu den Tineinen herab in den
Jahrgängen 1859 und 1860 der Proceedings of the acad.
of nat. scienc. of Philadelphia erhalten haben. Ganz be-
sonders scheinen die Microlepidopteren und unter diesen
wieder die Tineinen seine Aufmerksamkeit in Anspruch
genommen zu haben und zwar, da er zugleich Nachrichten
über ihre ersten Stände giebl, ganz im Sinne der neueren
Bearbeiter.
430 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Der auf Anlass der Smithsonian Institution zusammen-
gestellte und von ihr herausgegebene „Catalogue of the
described Lepidoptera of North-America, prepared for the
Smithsonian Institution by John G. Morris. Washington
1860." (8. 68 pag.) hat in seiner vorliegenden Form zu-
nächst wohl hauptsächlich den Zw^eck, in Nord-Amerika
dem Studium der einheimischen Lepidopterologie eine wei-
tere Ausdehnung zu verschallen. Wenn hierfür eine Zu-
sammenstellung des bisher bekannten Materials nicht nur
ein Hülfsmittel, sondern auch eine Anregung zu fernerer
Ausbeutung einer Fauna ist , so wird der vorliegende
Catalog wenigstens in den Familien der Microlepidopteren,
welche noch äusserst dürftig vertreten sind, seinen Zweck
gewiss nicht verfehlen. Mit Zuschlag der Mexikanischen
und Westindischen Arten beläuft sich nämlich die Zahl der
bis jetzt bekannten Nord-Amerikanischen Lepidopteren nach
dem Morris'schen Cataloge auf nicht viel mehr als 2000,
darunter z. B. nur 13 Tortricinen. — Für die Abfassung
des Cataloges ist der v. Osten - Sa cken'sche Catalogue
of Diptera zum Muster genommen, indem neben Anführung
der spezielleren Fundorte die Citate und Synonyme in
möglichster Vollständigkeit abgedruckt sind. Die Geome-
triden , welche den Schluss bilden, wären den Microlepi-
dopteren wohl passender voranzustellen ; die Zusammen-
stellung der letzteren rührt von Brackenridge-Cle-
m e n s her.
Moeschier, „Beiträge zur Lepidopterenfauna von
Labrador« (Wien. Ent. Monatsschr. IV. p. 329— 381. Taf. 9
und 10) vergleicht die Fauna Labrador's mit derjenigen
von Island und Grönland (nach den von Staudinger
darüber gemachten Angaben) , mit welcher sie eine nicht
unbeträchtliche Anzahl von Arten gemein hat. Nach vor-
angeschickten Bemerkungen über die geographische Lage,
die klimatischen Verhältnisse und die Pflanzendecke La-
brador's giebt Verf. ein systematisches Verzeichniss von 57
ihm von dort bekannt gewordenen Lepidopteren, von denen
17 den Rhopaloceren, 4 den Bombyciden, 17 den Noctui-
nen , 11 den Geometriden und 8 den Microlepidopteren
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 431
angehören. Die Arten, unter welchen 9 bisher unbeschrie-
ben sind , werden grösstentheils ausführlich charakterisirt
und besonders unter den Rhopalocercn einige Arten der
Gattungen Argynnis, Colias, Lycacna und Hipparchia sehr
eingehend in Rücksiclit auf ihre Abänderungen und ihre
geographische Verbreitung besprochen.
Philipp i, Beschreibung einiger neuer Chilenischer
Schmetterlinge (Linnaea entomol. XIV. p. 265 — 297) machte
im Ganzen 34 Arten aus Chile bekannt, welche mit Aus-
nahme zweier Pterophoriden den verschiedenen Familien
der Macrolepidopteren angehören.
H erri ch - S chäf fcr's „Neue Schmetterlinge aus
Europa und den angränzenden Ländern" sind im J. 1859
mit einem zweiten Hefte (Regensburg, 4) fortgesetzt wor-
den, welches dem Ref. nicht zur näheren Einsicht vorliegt.
F. Milliere, Iconographie et description deChenilles
et Lepidopteres inedits (gr. 8, 148 pag. c. tab. 20 col. im
Separatabdrucke, ursprünglich publicirt in den Annales d.i.
soc. Linneenne de Lyon V. p. 15 ff., VI. p. 385 ff. und VII.
p. 193 ff.) Verf. liefert in diesem durch sehr sauber ge-
stochene und colorirto Tafeln illustrirten Werk ausführliche
Beschreibungen und Abbildungen von solchen Arten, deren
erste Stände bis jetzt unbekannt waren und die er im süd-
lichen Frankreich aufzufinden und zu beobachten Gelegen-
heit hatte ; ebenso von merkwürdigen Varietäten und Aber-
rationen verschiedener Falter. Die Arten werden nicht in
systematischer Reihenfolge abgehandelt, sondern wie sie
sich gerade der Beobachtung darboten, also nach der Art
von Freyer's Beiträgen; wie dort so sind auch in dem
vorliegenden Werke neben den verschiedenen Entwicke-
lungsstadien einer Art stets die Futterpflanzen der Raupen
dargestellt. Bei dem Reichthume der Süd - Europäischen
Fauna und der bisherigen Unbekanntschaft mit den frühe-
ren Ständen zahlreicher derselben angchöriger Arten wird
das Werk bei fernerer Fortführung, wie es schon in dem
vorliegenden Theile der Fall ist, viel des Interessanten und
Neuen aufdecken. Bei der bildlichen Darstellung der Fal-
ter, die bei der Ansicht von oben nichts zu wünschen
432 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Übrig lassen, wäre eine correktere Zeichnung- der Seiten-
ansichten zu wünschen, welche auf den vorliegenden Tafeln
meist an unrichtig angesetzten und unverhältnissmässig
starken Beinen leiden.
Den Inhalt des bis jetzt publicirten Theiles der Arbeit stellen
wir hier der leichteren Uebersicht halber in systematischer Reihen-
folge zusammen: a) Rhopalocera : Limenitis Camilla, prachtvolle
Aberration unter dem Namen L. Pythonissa Mill, ; Melitaea didyma,
drei sehr auffallende Aberrationen, Anthocharis Cardamines sehr aus-
gezeichnete Varietät unter dem Namen A. Lasthenia (als fragliche
Art bezeichnet); Arge Galathea, ab. Turcica Boisd., sehr stark ge-
schwärzt, Lycaena Corydon var. albicans und Lyc. Corydon A^ar. se-
mibrunnea Mill. (breit blau bestäubtes Weibchen). — b) Cheloniariae :
Zygaena lavandulae Fab., Raupe mit zwei schwarzen Längsbinden
und lebhaft rother Bauchseite, auf Dorycnium suffruticosum ; Zyg.
Sarpedon, gelbfleckige Varietät, Zyg. fausta, var. Lugdunensis Mill.
(gelbfleckig, das Gelbe von weiter Ausdehnung); Emydia Candida,
Raupe auf Plantago, Gramineen u. s. w. — c) Bombycidae : Noto-
donta hybris Boisd. Raupe, Psyche Malmnella (Staudinger) n. sp.
— d) Noctuina. Mamestra chenopodiphaga Ramb., Raupe auf Che-
nopodium fruticosum, Atriplex portulacoides und Salsola soda;
Amphipyra effusa Boisd., Raupe auf verschiedenen Cytisus- , Erica-
und Cistus - Arten, Plusia chalcites Esp., Raupe auf Parietaria of-
ficinalis, Urtica -Arten u.a.; Hadena occlusa Esp., Raupe auf Quer-
cus ilex; Agrotis Constanti Mill. nov. spec. , Xylina lapidea Ilübn.,
Raupe auf Cypressen. — e) Geometrina: Abraxas grossulariata Lin.
zwei auffallende Varietäten, sehr hell und sehr dunkel; Cleogene
lutearia Fab., Dasydia obfuscata W. V., Crocallis Tusciaria Scrib. und
Psodos alpinata W.V., Raupen von allen vier Arten. — Ebenso von:
Gnophos mucidaria Hübn., glaucinata Hübn. und pullata W. V., Che-
nierina caliginearia Ramb., Stegania permutaria Hübn., Camplogramma
rignata Hübn., Selidosema taeniolaria Hübn., Larentia ablutaria Boisd.,
Pachychemia hippocastanaria Hübn., Scodiona lentiscaria Donz. —
Von Cidaria russata Hübn. drei Varietäten des Schmetterlings abgebil-
det. — Scodiona emucidaria Hübn. Raupe; ebenso von Fidonia plu-
mistaria Vill., Crocallis Dardoinaria Donz., Abraxas pantaria Lin.,
Eubolia basochesiata Dup. , Tephrina vincularia Hübn. ; Nemoria
Bruandaria Mill. nov. spec. — Thera cupressata Dup. (Falter), Boar-
mia rhomboidaria Aberration, Sterrha sacraria Lin. Raupe. — f) Mi-
crolepidoptera : Coccyx Juniperana Mill. nov. spec, mit Raupe, Pfe-
rophorus olbiadactylus Mill. nov. spec. mit Raupe, Phycis cistella Mill.
nov. spec. mit Raupe, Mecyna polygonalis Hübn. Raupe, Argyrolepia
Mulsantana Mill. nov. spec. mit Raupe, Phycis albiricella F. R. Raupe.
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 433
H. V. Heinemann, die Schmetterlinge Deutschlands
und der Schweiz systematisch bearbeitet, nebst analytischen
Tabellen zum Bestimmen der Schmetterlinge. Erste Ab-
theilung: Grossschmetterlinge. Braunschweig 1859. (8.,
848 pag.) Anhang: Tabellen zur Bestimmung der Schmet-
terlinge Deutschlands und der Schweiz (118 pag.). — Ein
sehr zweckmässiges Unternehmen, welches bei den Fort-
schritten, welche die systematische Lepidopterologie seit
ihrer durch Herr ich- S ch äffer angebahnten mehr wis-
senschaftlichen Bearbeitung gemacht hat, eine Art Bcdürf-
niss geworden war. Das Buch des Verf.'s ist ein mit
Einsicht angelegtes und sorgsam ausgeführtes Compendium,
welches die Resultate der neueren Forschungen übersichtlich
zusammenstellt und daher bis zu einem gewissen Grade
eine umfangreiche und kostspielige lepidopterologische
Bibliothek ersetzen kann. In der Abgränzung und Charak-
teristik der Familien und Gattungen hält sich der Verf.
meist genau an H err ich - Seh äffer oder an andere
neuere Specialarbeiten; die Unterscheidung der Arten, deren
Verbreitung er angiebt und unter denen er jedesmal die
Haupt-Beschreibungen und Abbildungen citirt, hat er sich
durch Abfassung von möglichst gegensätzlichen Diagnosen
angelegen sein lassen.
Der systematischen Beschreibung wird auf p. IX — XXIII ein
IVamensverzeichniss der Deutschen Maciolepidopteren vorangeschickt.
Eine Einleitung (p. 1—16) geht specieller eigentlich nur auf eine
Schilderung des Baues und der Aderung der Flügel (Herrich-
Schäffer entlehnt) ein, während der übrige Körperbau im Ver-
hältniss offenbar zu kurz abgefertigt wird. Dass die Unterkiefer „zu
einer Röhre zusammengewachsen" sind, ist eine durchaus unrichtige
Angabe; der Unterlippe so wie der rudimentären Mandibeln und
Oberlippe hätte doch wenigstens erwähnt werden müssen. — Die an-
gehängten analytischen Tabellen sind zur Bestimmung der Familien,
der Gfillungen und der Arten angelegt. »!'
Das Heinemann'sche Werk wurde von Speyer
in der Entomol. Zeitung 1860. p. 57—87 ausführlich be-
sprochen.
0. Wilde, Die Pflanzen und Raupen Deutschlands,
Versuch einer lepidopterologischen Botanik. Berlin 1860 u.
Arch. für Naturg. XXVII. Jahrg. 2. Bd. Cc
434 Gerslaecker: Bericht über die wissenschaftlicheu Leistungen
1861. 8., 2 Theile. — Erster Theil auch unter dem Spe-
cialtitel: Systematische Beschreibung der Pflanzen unter
Angabe der an derselben lebenden Raupen (221 pag.);
zweiter Theil: Systematische Beschreibung der Raupen un-
ter Angabe ihrer Lebensweise und Enlwickelungszeiten
(494 pag. mit 10 Tafeln). — Im ersten Theile liefert der
Verf. eine kurze systematische Charakteristik der Ordnun-
gen, Familien, Gattungen und Arten der deutschen Pflanzen
und führt unter letzteren die Namen derjenigen Schmet-
terlinge auf, deren Raupen sich von denselben ernähren ;
ein beigegebenes alphabetisches Register der Pflanzen -
sowohl als Schmetterlingsnanien erleichtert das Aulfinden
beider. Der zweite, viel umfangreichere Theil enthält eine
recht sorgsam gearbeitete Beschreibung der ersten Stände
sämmllicher in Deutschland einheimischen Macrolepidopte-
ren, so w^eit dieselben bis jetzt bekannt waren oder dem
Verf. selbst zur Charakteristik vorlagen. Verf. hat nach
seiner Angabe die Beschreibungen in allen Fällen, wo ihm
die Objekte zugänglich waren, nach der Natur selbst an-
gefertigt und nur im entgegengesetzten die Charakteristik
anderen Autoren entlehnt; zu seinem eigenen Vortheile
und zweckmässig für die Benutzung der Arbeit durch An-
dere wäre es gewesen, wenn er im letzteren Falle die
Quelle, welche er dabei benutzte, jedesmal hinzugefügt
hätte. Der praktische Werth des Buches braucht nicht
hervorgehoben zu werden; in wissenschaftlicher Beziehung
verdient der Versuch, eine Charakteristik der ersten Stände
nach Familien und Gattungen zu geben, so wie die bild-
liche Darstellung einer grossen Anzahl von Puppen unter
Hervorhebung ihrer charakteristischen Merkmale Anerken-
nung. Von 1423 deutschen Macrolepidopteren sind gegen-
wärtig 1068 den ersten Ständen nach bekannt und im vor-
liegenden Werke beschrieben.
F. Wiesenhütter (Entom. Zeitung 1859. p. 387 bis
395) gab in einem „Beitrage zur Kenntniss der überwin-
ternden Schmetterlinge" ein reichhaltiges Verzeichniss der
bei Lauban in Schlesien von ihm als üeberwinterer beob-
achteten Lepidopteren. Dasselbe enthält unter den Tineinen
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 435
einige inZeller's undSpeyer's entsprechenden Abhand-
lungen noch nicht angeführte Arten.
AI tum, -Lcpidopterologisches aus dem Münsterlande-
(Entom. Zeitung 1859. p. 383 fT.) macht berichtigende An-
gaben zu S p e y e r's Geographischer Verbreitung der Schmet-
terlinge in Betreff der bei Münster vorkommenden Arten
(70 anstatt 61 Rhopalocera) und berichtet über auffallende
Erscheinungen an Schmetterlingen im Sommer 1858. Letz-
tere betreffen massenhaft auftretende Arten , Varietäten,
Aberrationen einzelner Species u. s. w.
W. Mengelbir gab in seinen, viele interessante
Einzelnheiten enthaltenden -Lepidopterologischen Miscellen^
(Entora. Zeitung 1860. p. 216 ff'.) eine Reihe von Notizen,
welche für die Verbreitung der Schmetterlinge in Deutsch-
land bemerkenswerth sind. Er hebt die seltneren in der
Rheinprovinz beobachteten Arten aus den Familien der
Rliopaloceren. Sphingiden und Bombyciden hervor und giebt
u. a. auch Nachricht über die Fauna der hohen Veen,
welche manchen eio-cnthümlichen Falter aufzuweisen hat.
S to 1 1 w er k (Verhandl. d. naturhist. Vereins d. Preuss.
Rheinlande XVI. p. 20ff. und XVII. p. 40 ff.) lieferte zwei
Nachträge zu seinem im J. 1854 veröffentlichten „Verzeich-
niss der im Kreise Crefeld aufgefundenen Schmetterlinge.''
Zu den dort verzeichneten Macrolepidopteren werden die
seitdem entdeckten Arten hinzugefügt und sodann ein Ver-
zeichniss sämmtlicher Microlepidopteren gegeben. Die Ge-
sammtsumme der im Kreise Crefeld bis jetzt nachgewie-
senen Lepidopteren ist diesem Verzeichnisse zufolge 950,
nämlich: Rhopalocera 67, Sphingidae 30, Bombycidae S2^
Noctuinal60, Geometridae 156, Pyralidae 65, Torlricina 125,
Tineina 250 und Pterophoridae 15.
A. Keferstein und A. VV ern ebu r g, Verzeichniss
der Schmetterlinge von Erfurt in einem Umfange von zwei
Stunden. Erfurt 1860. (8. 19pag.). Ist ein Separatabdruck
aus den Jahrbüchern der Akademie gemeinnütziger Wis-
senschaften zu Erfurt. — Das Verzeichniss erstreckt sich
auf sämmlliche Familien der Lepidopteren und ist nach dem
Systeme von H er rieh -Seh ä ff er angeordnet; meist sind
436 G erstacc k e r : Bericht über die wissenschartlichen Leistungen
nur die Arlnamen aufgeführt, zuweilen kurze Bemerkun-
gen über Häufigkeit, Fundorte und Flugzeit beigefügt.
A. Stange, Verzeichniss der bei Halle bisher auf-
gefundenen Schmetterlinge (Zeitschr. für d. gesammt. Na-
turwiss. XIV. p. 33 — 42). Dasselbe umfasst die Macrolepi-
dopteren mit Inbegriff der Geometriden ; Notizen über Fund-
orte und Häufigkeit der einzelnen Arten sind beigefügt.
F. Schmidt (Archiv d. Ver. d. Freunde der Natur-
gesch. in Meklenburg XIII. p. 153 ff.) zählte in einem vierten
Nachtrage zu dem Verzeichnisse der Lepidopteren Meklen-
burgs 29 neu aufgefundene Arten, sämmtlich den Macrole-
pidopteren angehörig, auf.
Wocke (37. Jahresbericht d. Schlesisch. Gesellsch.
f. vaterl. Cultur p. 99 und 38. Jahresbericht p. 132) zählte
eine Reihe seltnerer und für Schlesien neuer Falter unter
Notizen über ihr Vorkommen und ihre Lebensweise auf;
eine Tineine wird als neu beschrieben. — Im 37. Jahres-
bericht p. 100 bespricht Verfasser die von ihm auf der Insel
Wollin beobachteten Arten , worunter sich ebenfalls eine
neue (hier beschriebene) Tineine vorfand.
Derselbe (38. Jahresbericht p. 133 — 135) stellte ein
systematisches Verzeichniss derjenigen in Schlesien einhei-
mischen Lepidopteren zusammen, welche von ihm zugleich
am Nordkap in Norwegen beobachtet wurden. Es sind bis
zum Schlüsse der Tortricinen 113 Arten; die 55 Tineinen
und 2 Pterophoriden sind nicht namentlich aufgeführt.
F. Czerny (Verhandl. d. zooIog. -botan. Gesellsch.
zu Wien IX. Sitzungsberichte p. 18) lieferte einen Nachtrag
zur Lepidopteren-Fauna von Mährisch-Trübau durch Auf-
zählung von 23 daselbst neu aufgefundenen Arten.
Bertram, Lepidopteren-Fauna der Pfalz (16. u. 17.
Jahresbericht der Pollichia, 1859) liegt dem Ref. nicht zur
Einsicht vor.
Frey er, Die Falter um Augsburg, ein weiterer Bei-
trag zur Baierischen Fauna (13. Bericht d. naturhist. Ver-
eins in Augsburg 1860. p. 19 — 86). Ein systematisches
Verzeichniss der um Augsburg aufgefundenen Lepidopteren
sämmllicher Familien mit kurzen Angaben über Lokalitäten,
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 437
Häufig^keit u. s. w. der einzelnen Arten. Rhopalocera 102,
Sphingidae 39, Bombycidae 100, Noctuina 260, Geometri-
dae 195, Pyralidae 55, Tortricina 137, Tineina 191, Pte-
rophoridae 11 A. Zusammen 1091 Arten.
A. Speyer, Lepidopterologische Beobachtungen auf
einer Wanderung über das Stilfser Joch (Ent. Zeitung 1859.
p. 12 — 34). Verf. macht Mittheilungen über die von ihm
auf dem Stilfser Joch beobachteten Schmetterlinge, deren
er 122 Arten aus allen Familien einzeln namhaft macht
und mit Bemerkungen über ihre vertikale Verbreitung be-^
gleitet. Die hier aufgefundene Melitaea varia Bisch, giebt
zu besonderen Bemerkungen über ihre Artrechte (nach
dem Verf. ist sie von M. Alhalia specilisch verschieden)
Anlass; hervorzuheben ist auch das Vorkommen der Litho-
sia cereola.
Einige lepidoplerologische Beobachtungen und Bemer-
kungen theilte derselbe in der Entom. Zeitung 1860.
p. 369 ff. mit; dieselben sind an ihrem Orte einzeln an-
geführt.
Beliier de la Chavignerie, Observations sur les
Lepidopteres des Basses- Alpes, environs de Lärche (An-
nales soc. entom. VII. p. 177 ff.). Eine Aufzählung der
nachträglich vom Verf. in den Basses -Alpes entdeckten
Arten, meist den Bombyciden, Noctuinen und Geometriden
angehörig. Anhangsweise wird eine Beschreibung und
Abbildung einiger seltener Varietäten und Arten gegeben.
Letztere sind: ArgynnisPales Fab. Varietät beider Geschlechter,
Polyommatus Xanthe Fab. Varietät, Anaitis lithoxylata Hübn., Agrotis
celsicola n. A,, Agrotis incurva Herr.-Sch. Weibchen, Plusia Uralensis
Eversm. Männchen, nebst Kaupe und Puppe.
Derselbe stellte (Annales soc. entom. VIII. p. 667 ff.)
nach einleitenden Bemerkungen über die Insektenfauna
Siciliens im Allgemeinen ein systematisches Verzeichniss
der von ihm daselbst beobachteten Lepidopteren, welche
der grossen Mehrzahl nach den Macrolepidopteren ange-
hören, zusammen; über die interessanteren und seltneren
Arten werden zugleich Mittheilungen, betreffend ihre Le-
bensweise, Varietäten, ersten Stände u. s.w. gemacht. Neue
438 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Arten hat der Verf. mit Ausnahme einer Sesia nicht aufge-
funden; Abbildungen auf pl. 12.
Eine Ergänzung zu dem B el 1 i e r'schen Verzeichnisse
bildet gleichsam ein von Mann (Wien. Ent. Monatsschr. III.
p. 86 — 106 und p. 161—176) zusammengestelltes Verzeich-
niss der im J. 1858 von ihm in Sicilien gesammelten Schmet-
terlinge. Dasselbe ist bei weitem reichhaltiger und erstreckt
sich auf sämmtliche Familien der Lepidopteren ; die Orte,
an denen der Verf. vorzugsweise sammelte, sind Palermo
und Morreale. Die einzelnen Arten sind auch hier mit
Angaben über Flugzeit, Häutigkeit, Futterpflanzen der Rau-
pen u. s.w. versehen; einige neue werden beschrieben.
S ta u dinge r hat die neuen Arten seiner in Anda-
lusien gemachten, sehr reichen Lepidopteren - Ausbeute,
140 an Zahl, vorläufig durch Diagnosen nebst kurzen Be-
schreibungen in der Entom. Zeitung 1859. p. 211 — 259 be-
kannt gemacht. A^on denselben gehören 1 den Bombyciden,
9 den Noctuinen, 8 den Geometriden, die übrigen 122 den
Microlepidopteren an. Die Familie der Tineina wird durch
fünf neue Gattungen bereichert.
Auf .die von Leder er (Wien. Entom. Monatsschr.) gegen die
Gültigkeit seiner neuen Arten erhobenen Zweifel geht Verf. in der
Entom. Zeitung 1860. p. 259 ff. ein; die präsumirte Identität mit be-
reits beschriebenen Arten weist er für 15 Arten durch Erörterung
ihrer Unterschiede zurück, giebt sie dagegen für 5 andere zu.
Rambur, Catalogue systematique des Lepidopteres
de TAndalousie. 1. Livr. (Broch. in 8., planch. color.) 1859
ist im Bullet, soc. entom. 1859. p. 278 angezeigt.
Ein ikonographisches Werk über die Lepidopteren-
Fauna Belgiens hat der durch seine „Oiseaux de la Belgi-
que" bereits rühmlichst bekannte C h. F. Dubois unter
dem Titel : „Les Lepidopteres de la Belgique, leurs chenillcs
et leurs chrysalides decrits et representes en dessins
originaux d'apres nature" (Bruxelles et Leipzig, gr. lex. 8.)
herauszug-eben beffonnen. Das Werk erscheint in Lieferun-
gen zu je drei colorirten Tafeln mit ebenso vielen Blättern
Text; aus den J. 1859—60 liegen dem Ref. die 16 ersten
derselben vor. Jede Tafel bringt die lebensgrosse Darstel-
lung einer, zuweilen zweier verwandter Arten nach allen
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 439
drei Entwickelungsstadien, den Schmetterling meist von der
Ober- und Unterseite und, wo Differenzen obwalten, nach
beiden Geschlechtern; die Abbildungen sind corrckt ausge*-
führt und machen durch die Voreinigung der drei Ent-
wickelungsstadien und ihre ebenfalls in natürlicher Grösse
dargestellte Futterpflanze einen recht lebendigen Eindruck.
Der Text geht vorzüglich auf die Lebensweise und Ver-
wandlung der Raupe ein, erörtert auch zugleich die geo-
graphische Verbreitung der Art in- und ausserhalb Europas.
— In den vorliegenden 16 Lieferungen sind 49 Arten aus
den Familien der Rhopalocera, Sphingidae, Cheloniariae,
Cossini und Bombycidae dargestellt.
Fernere Beiträge zur Kenntniss der Lepidopteren-Fauna
Belgiens haben Ch. de Fre (Catalogue des Microlepido-
pteres de la ßelgique, Annales soc. entom. Beige IL p. 45
bis 162), Breyer (Lepidopteres, Catalogue des Phalenides,
1. partie, ebenda IIL p. 93— 132, p. 133— 142), Fologne
und Becker (ebenda IV. p. 108 u. 113 fl.) geliefert
Das Verzeichniss der Microlepidopteren Belgiens von Ch. de
Fre umfasst 673 Arten, welche mit Angaben über Fundorte, Häufig-
keit, Erscheinungszeit und Nahrung der Raupen in systematischer
Reihenfolge aufgeführt werden: Pyralidae 66, Tortricina 210, Crani-
bina 55, Tineina 320 und Flerophoridae 22 Arten. — Die Zahl der
von Breyer aufgeführten Geometriden beträgt 149; ein Nachtrag,
die Bombyciden bis Tineinen umfassend, bringt fernere 65 Arten zur
Kenntniss, darunter eine als neu beschriebene INepticula.
Der achte Band von J. C. Sepp's „Beschouwing der
Wonderen Gods, in de minstgeachte schepselen of Neder-
landsche Insecten," in Verbindung mit mehreren anderen
Niederländischen Entomologen von Snellen van Volle n-
hoven herausgegeben, ist während dem J. 1858 — 60 mit
der 22. bis 46. Lieferung fortgesetzt worden und liegt jetzt
abgeschlossen vor (8. Deel, Amsterdam 1860. 4. 170 pag.
mit 46 Taf.). Derselbe schliesst sich durch die Sauber-
keit und Naturtreue der Abbildungen den hierdurch be-
rühmt gewordenen S ep p'schen Tafeln fast durchweg eben-
bürtig an.
Die in Lieferung 22. bis 46, abgebildeten und in ihrer Naturge-
schichte erörterten Arien sind: Satyrus Semele Lin. , lieliophobus
440 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
graniinis Lin., Scopula margaritalis VV. V., Dianlhoecia capsincolaEsp.,
I.eiicania lilhargyiia Esp. , Coleophora hcmerobiella Scop. , Scopula
olivalis W. V., Limenitis Sibylla Lin., Ophiusa pastinum Fr., Xanthia
ferruginea Hübn., Segelia xanthographa Fab., llepialus sylvinus Lin.,
Anisopteryx aescularia W. V., Polyomraatus Phlaeas Lin., Leucania
obsoleta Hilbn., Melanippe maculata W. V., Eubolia palumbaria W. V.,
Cymatophora bipuncta W. V., Noctua bella Borkh., Luperina testacea
W.V., Senta ulvaeHübn., Leucania slrarnineaTr., Herminia barbalis Lin.,
Coleophora laricella Hübn. und Gelechia Mouffetella Tr.
Roo van Westmaas, Aanteekeningen omtrent Le-
pidoptera (Tijdschr. voorEntomol. III. p. 90 ff.) macht theils
synonymische Bemerkungen über mehrere Niederländische
Lepidopteren, theils giebt er Nachricht von ihren ersten
Ständen; de Graaf (ebenda III. p. 12 f.) führte 14 seltnere
und für die Niederländische Fauna neue Arten (Rhopalocera
bis Geometridae) auf.
Die von Westmaas besprochenen Arten sind: Ennomos den-
taria, Ophiusa lunaris, Cidaria variata et var. obeliscala, Orthosia
pistacina, var. lychnidis. — de Graaf (a. a. 0.) machte auch Mit-
theilungen über einen Zug von Pieris brassicae, deren am 20. Juli
Millionen von der Seeseite kamen und landeinwärts zogen. — de
Graaf, Over rupsenneslen en de Wet van Ventose (Jaarboek van het
Kon. Zool. Genootschap Natura Artis Magistra, 1859) ist in Tijdschr.
voor Entom. IIL p. 32 angezeigt.
Stainton, A Manual of British Butterflies and Moths.
Vol. II. , comprising the slender bodied and small moths.
London 1859.
Derselbe (Entom. Annual for 1859. p. 145 11'. und
1860. p. 126 ff.) zählte 36 für England neue Lepidopteren
auf, unter denen 4 Tineinen als neu beschrieben werden ;
die bemerkenswerlhesten Arten sind sehr sauber auf dem
jedesmaligen Frontispice abgebildet.
G. Wailes, A Catalogue of the Lepidoplera of North-
humberland and Durham (46 pag. 1859; bis zu den Sphin-
giden reichend). — Gregson, Catalogue of the Lepido-
pterous Insects of the districl round Liverpool (Transact. of
the bist. soc. of Lancashire and Cheshire). — Beide Ca-
taloge werden in Stainton's Annual for 1859. p. 169
angezeigt.
An accentuated list of the British Lepidoptera with
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 6U. 441
hints to the derivation of thc names. Published by the
entoinological societies of Oxford and Cambridge. London
1858. (8., 118 pag.)
Eine Einleitung von XLIV pag. enthält ein Verzeichniss der
Autoren über Europäische Schmetterlinge mit Angabe ihrer Lebens-
geschichte und ihrer Publikationen. Das darauf folgende Verzeichniss
der Britischen Lepidopteren umfasst in systematischer Reihenfolge alle
Familien bis zu der Alucitinen; alle Familien-, Gattungs- und Art-
namen sind für die richtige Aussprache accentuirt und etymologisch
erörtert.
Tengström (Notiser ur Sällskapets pro Fauna et
Flora Fennica Förhandlingar, fjerde haftet p. 145 ff.) gab
eine Aufzählung der in Finnland einheimischen Geometri-
den (149), Crambiden (76) und Pyraliden (3). — Desselben
Verf.'s „Anmärkningar och Tilläg til Finlands Smafjäril-
Fauna" (ebenda p. 156 — 226) bilden einen Nachtrag nebst
Ergänzungen zu seinem früheren „Bidrag til Finlands Fjäril-
Fauna," in welchem die seitdem in Finnland aufgefunde-
nen Tortricinen , Tineinen und Pterophoriden aufgeführt
werden.
Einige für Siebenbürgen neue Schmetterlinge zählte Fran-
zenau (Verhandlungen des Siebenbürg. Vereins zu Hermannstadt X.
p.25 f.) auf.
Wullschlegel, „Mittheilungen über die ersten
Stände einiger Schmetterlinge" (Ent. Zeitung 1859. p. 379 f.)
und Wilde, „Beiträge zur Naturgeschichte der Schmetter-
linge'' (ebenda 1859. p. 38rff.) erörterten die Lebensweise
der ersten Stände verschiedener Lepidopteren.
Ersterer bespricht die Raupe der Miselia magnolii Boisd. (auf
Silene nutans), der Folia ruficincta Hübn. (auf Asplenium ruta mu-
raria), der Plusia bractea S. V. (auf Hieracium pilosella) und der
Geometra mucidaria (auf Asplenium ruta muraria). — Wilde berichtet
über die Raupe der Melitaea Maturna (auf jungen Eschen), der Sesia
tenthrediniformis (in Wurzeln von Euphorbia Cyparissias) und des
Hepialus lupulinus (Raupen unter der Erde, an den Wurzeln von
Triticum repens).
V. Heyden, Fragmente aus meinen entomologischen
Tagebüchern« (Entom. Zeitung 1860. p. 113—126). Verf.
macht die ersten Stände und deren Entwickelungsgeschichte
von einer grösseren Anzahl Microlepidopteren (Pyraliden,
442 Cierstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Crambiden, Tortricinen, Tineinen und Pterophoriden) be-
kannt. Das Spezielle ist unter diesen Familien angeführt.
Werneburg- (Entom. Zeilung 1859. p.48— 74) fuhr
fort, die in T h u n b e r g's Dissertationes academicae enthalte-
nen Schmetterlinge zu bestimmen und näher zu erörtern.
RhopalOcera. Bates (Transact. entom. soc. V. p. 1 ff.) „Notes
on South-American Biitternies" machte briefliche Mittheilungen über
die Lebensweise, das Vorkommen und die ersten Stände einer Reihe
von ihm am Amazonenstrome beobachteter Tagfalter, die sowohl in
biologischer als systematischer Hinsicht von Interesse sind. Wir he-
ben von seinen Angaben folgende hervor: Papilio Claudius ist das
Weib von P. Torquatus. — Die Arten von Mechanitis und Ithomia
hat B. oft in copula gefangen und so festgestellt, dass beide Ge-
schlechter in Färbung und Zeichnung stets genau übereinstimmen;
eine Art fliegt nirgends allein, sondern stets mehrere unter einander,
wie z. B. Ithomia Vestilla immer von I. Sao begleitet wird. Die
Ileliconia - Arten , z. B. H. Melpomene variiren sehr stark und zwar
höher am Flusse hinauf mehr als abwärts; B. ist überzeugt, dass die
Art sich verbastardirt und glaubt aus den Älischlingen die zweite Art,
mit der dies geschieht, herauszuerkennen. — Von Callithea Saphira
und Leprieuri werden die Baupen beschrieben. — Besonders aus-
führlich geht der Verf. auf die Gruppe der Erycinen ein, in welcher
er die Puppen von den Gattungen Zeonia, Eurygonia und Stalachthis
entdeckt hat und in der er, sich auf Beobachtungen stützend, die Ab-
gränzung der Gattungen mehrfach modificirt wissen will.
Kach Bates (Contributions to an Insect Fauna of the Amazon
Valley, Part. I. Diurnal Lepidoptera. Transact. entom. soc. V. p. 223 ff.)
zerfällt die Insektenfauna des Araazonenstrom-Thales in drei Gebiete,
von denen das des oberen Amazonenstromes vom 70. bis zum 58.
Grade westl. L., das des unteren von da bis zum 52°, und das Parä-
Gebiet bis zum Meere reicht. Ihre faunistischen Verschiedenheiten
sind weder durch die Ausdehnung der Distrikte nach der Breite, die
sich nur innerhalb 3 bis 4 Grad bewegt, noch durch die Temperatur,
die im 3Iittel überall gleich (81° Fahr.) ist, noch endlich durch ver-
tikale Erhebung (nur 650 Fuss auf 1500 Meilen) bedingt, sondern
vorwiegend von physikalischen Verhältnissen, wie der Bodenbe-
schaffenheit, den Niederschlägen u. s. w. abhängig. Von 41 Arten
der Gattung Papilio, welche der ganzen Strecke zukommen, sind 10
allen drei Gebieten gemeinsam, 12 dem oberen, 2 dem unteren Strom-
gebiete und 8 dem Parä-Distrikte eigen ; die beiden ersten haben 4,
die beiden letzteren 5 Arten gemein. Gewisse Arten verhalten sich
auf der Strecke von 17 Längsgraden ganz constant , andere bilden
unter einem bestimmten Grade auffallende und constante Varietäten;
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 443
in Bezug auf diese Abänderungen oder Sexualverschiedenheiten be-
spricht der Verf. Pap. Crassus Cram., Belus Cram. , Varus Koll., Ku-
mitor Cram., Lycidos Cram. und Polydamas Lin.
\V. Hewitson's Exotic Butterflies, being Illustralions of new
species sind mit acht neuen Heften (Part 29 — 36) fortgesetzt wor-
den, welche abermals eine Fülle von neuen und zum Theil sehr aus-
gezeichneten Arten in vortrefflichen Abbildungen zur Kenutniss
bringen. Vorzugsweise sind diesmal die Gruppen der Nymphaliden
und Eryciniden herangezogen worden, deren ersterer durch die
Entdeckungen der Englischen Reisenden aufl'allend schöne Arten zu-
gewachsen sind, während in letzterer Gattungen, welche wie z. B.
Mesosemia durch zahlreiche Arten bereits seit längerer Zeit in den
Sammlungen vertreten waren, durch gleichzeitige Darstellung der zu-
nächst verwandten erläutert werden. Die Gruppen der Equites, Sa-
tyridae, Pieridae. und Heliconidae sind in den vorliegenden Heften
gleichfalls, aber nur durch einzelne Tafeln vertreten.
Von Wall eng ren wurden die vonWahlberg im CafFern-
lande gesammelten Rhopaloceren im 2. Bande der Acta Reg. Acad.
scient. Holmiae No. 4 unter dem Titel : „Lepidoptera Rhopalocera in
terra Caff'rorum annis 1838 — 45 coUecta a J. A. Wahlberg, des-
cripsit H. D. J. Wall engr e n" bekannt gemacht. — Die vonWahl-
berg gemachte Ausbeute ist auch in dieser Ordnung sehr reich,
indem sie sich allein für die Rhopaloceren auf 141 Arten beläuft,
worunter zahlreiche neue. Der Bearbeiter derselben giebt auf 55
Seiten in gr. 4. von sämmtlichen Arten Diagnosen , welche bei den
bereits bekannten von Citaten der früheren Autoren, bei den neuen
von einer ausführlichen Beschreibung begleitet werden ; beide in
lateinischer Sprache abgefasst. a) Equites: Papilio 5 A. , P. An-
themenes n. sp. — b) Pierides: Pontia 1 A., Pieris 3 A., Pinaco-
pteryx n. g. (Typus Pieris Severina Cram.) 7 A., neu: P. Doubledayi,
Westwoodi, alba, Anthopsyche n. g. (Typus Anthocharis Achine
Cram.) 14 A., neu: A. Evenina, Procne, garisa, Agoye und speciosa.
— Thestias 1 A., Th. Annae n. sp,, Dryas 1 A., Dr. Wahlbergi n. sp.,
P tych opteryx n. g. 1 A., Pt. Bohemaiii n. sp., Callidryas 2 A.,
Colias 1 A., Terias 3 A. — c) Danaides: Euploea 2 A., Danais 1 A. —
d) Acraeidae: Acraea 9A.j A. bellua n. sp., Alaena 1 A. — e) Kym-
phalides: Atella 1 A., Pr ot og oniomorpha n. g. (Typus: Cynthia
anacardii Lin.) 1 A., Pyrameis 1 A., Salamis 6 A., S. Tukuoa n. sp.,
Vanessa 1 A., Precis 1 A., Pr. simia n. sp., Junonia 2 A-, Keplis
1 A., Diadema 1 A., D. Wahlbergi n. sp., Adolias 1 A., Meneris 1 A.,
Philognoma 1 A., Charaxes 2 A. — f) Biblides : Hypanis 2 A., H.
Acheloia n. sp. , Eurytela 2 A. — g) Satyroidae : Crenis 2 A., Cr.
Boisdnvali n. sp., Cyllo 1 A. Leptoneura n. g. (Typus: Pap. Cly-
tus Lin.) 1 A., Pseudonympha n. g. (Typen: Hyppia Cram., Hy-
444 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
perbius Lin.) 4 A., P. Narycia n. sp. und hyperbioides für P. Hyper-
bius Cram. (nee Lin.), Physcaeneura n. g. (Typus: Sat. Panda
Boisd.) 1 A., Mycalesis 2 A., M. injtista und caffra n. sp. — h) Ly-
caenoidae : Loxura 2 A., L. dermaptera n. sp., Thecla 4 A., Th.
hirundo n. sp., JVIyrina 1 A., M. Pallene n. sp., Lycaena 16 A., L.
Sichela, Moriqua, Mahallahoaena n. sp,, Arhopala 1 A., A. Leopa n. sp.,
Polyommafus 1 A., Cygaritis 4 A., C. Aranda, Malagridn und Taiho-
sama n. sp. , Chrysorychia n. g. (Thyra Lin.) 2 A., Chr. Tjoane
n. sp., Spindasis n. g. (Typus: Vulcanus Lin.) 1 A-, Sp. Masilikazi
(Vulcanus Lin. var. ?), Zerythis 1 A., Z.? Basula n. sp., Tingra 1 A.
— i) Hesperioidae : Heteropterus 2 A., H. Willemi n. sp., Rhopa-
locamp ta n. g. (Typus: Florestan Crani.) 3 A., Rh. Valmaran und
Keithloa n. sp., Hesperia 7 A., H. Mohopaani, Zetterstedti, Moritili^
Litnpopona, Lepenula, Mohozutza n. sp., Caprona n. g. 1 A., C.
Pillaana n. sp., L euc ochi t ona e n. g. 1 A., L. Levubu n. sp., Sy-
richtus 1 A., P tery g ospide a n. g. (Typus: Ophion StolL) 5 A., Pt.
Motozif Mokeezi, Nottoana und Djaelaelae n. sp.
Lepidopterorum Amboinensium species novae diagnosibus col-
lustratae a Dr. C. Felder (Sitzungsberichte d. math.-naturw. Classe
der Akad. d. Wissensch. zu Wien, 40. Bd. p. 449 — 463). Verf. macht
55 neue Tagfalter von Aniboina vorläufig durch lateinische Diagnosen
bekannt.
C. et R. Felder, Lepidoptera nova in peninsula Malayica
collecta, diagnosibus instructa (Wien. Ent. Monatsschr. IV. p. 394 — 402).
Diagnosen von 31 meist neuen Arten von Malacca, sämmtlich den
Rhopaloceren angehörig.
Stainton, Notes on the geographical distribution of the Bri-
tish Butterflies (Report of the 29. meeting of the Brit. assoc. for
advanc. of science, p. 165 ff. und Transact. entom. soc. V. p. 229 fl".)
machte interessante Mittheilungen über die Verbreitung der Tagfalter
in Grossbritannien. Von den 186 in Deutschland nachgewiesenen Arten
finden sich daselbst nur 65 und zwar kommen dieselben ohne Aus-
nahme in England selbst, dagegen nur 33 von ihnen auch in Schott-
land und schwerlich mehr in Irland vor; 25 dieser Arten scheinen
überall im Reiche verbreitet und häufig zu sein, 25 andere sind vor-
wiegend den südlichen Theilen eigen, 3 auf Moor- und Bergdistrikte
beschränkt, 7 ganz lokal. Die 25 südlichen Arten werden in Betreff
ihrer nördlichen Gränzcn speziell erörtert; von den 25 überall verbrei-
teten kommen 24, von den 25 südlichen 22, von den 15 übrigen 13
zugleich in Asien vor.
Funk, die Papilioniden der Bamberger Umgegend (4. Bericht
d. naturforsch. Gesellsch. zu Bamberg 1859. p. 33—36). Eine Aufzäh-
lung von 111 Rhopaloceren aus 23 Gattungen; bei der Mehrzahl der
Arten kurze Angaben über Lokalitäten, Flugzeit und Häufigkeit.
im Gebiete der Entomologie wührend der Jahre 1859 u. 60. 445
A. Keferstein, lieber einige Tagfalter der Schweiz und
Piemonts (Wien. Entom, Monalsschr. III. p. 45— 50). Verf. giebl kurze
Wotizen über die Häufigkeit, die Flugzeit und die vertikale Verbrei-
tung von 65 Tagfaltern, welche vom Apotheker Trapp während dreier
Jahre auf den Schweizer und Piemonteser Alpen gesammelt wurden.
M in a - P a 1 u m b o , Storia naturale delle Madonie ; Cafalogo
con appendice dei Lepidolteri diurni. 1859. (Broch. in 4., im Bullet.
soc. entom. 1859. p. 275 angezeigt).
Scudder (Proceed. Boston soc. of nat. bist. VII. p. 189) theilte
Bemerkungen von Harris — aus dessen nachgelassenen Papieren —
über die Synonymie der Danais Berenice Cram., üanais Erippus Cram.
und Limenitis Misippus Fab. mit,
Equites. — Die Gattung Ornithoptera Boisd. wurde durch
eine prachtvolle, auf der Molukken - Insel Batchian von VV a 1 1 a c e
entdeckte Art, Orn. Croesus Gray bereichert. Dieselbe ist von Gray
in den Proc. zoolog. soc. of London 1859. p. 424 beschrieben und
pl. 68 u. 69 in beiden Geschlechtern von der Ober- und Unterseite
vortrefflich abgebildet. Beim Männchen ist die Längsbinde der Vor-
der- und die ganzen Hinterflügel auf der Oberseite goldig orange-
farben. (Eine Abbildung und Beschreibung des Männchens gab auch
Felder in der Wien. Ent. Monatsschr. III. p. 300. Taf. 7.)
Ornithoptera Arruana (Wallace i. lit.) n. A. Aru-Inseln (W^ien.
Ent. Monatsschr. III. p. 390 f.), Aeacus Vaterland? und Criton von
Batchian (ebenda IV. p. 225 ff.) machte Fei der bekannt und beschrieb
zugleich das bis jetzt unbekannte Männchen der Ornithoptera Archi-
deus Gray von Neu -Guinea (a. a. 0. III. p. 264), das Weibchen der
Orn. Darsius Gray von Ceylon und beide Geschlechter von Orn. Ha-
liphron Boisd. (a. a. 0. IV. p. 97 f.).
An Ornithoptera scheint sich auch durch Form und Färbung der
Flügel eine sehr ausgezeichnete neue Art aus dem Innern Sumatras,
welche Snellen vanVollenhoven (Tijdschrift voor Entomol. III.
p. 67 ff. pl. 6) unter dem Kamen Papilio Trogon (wegen ihrer Aehn-
lichkeit in der Färbung mit Trogon resplendens so benannt) beschreibt
und abbildet, anzuschliessen. Ein vom Verf. dieser Beschreibung
angeschlossenes Verzeichniss der im Leydener Museum befindlichen
Papilio-Arten weist im Ganzen 158 Species nach.
Papilio Montrouzieri, Gelon und Amynthor Boisduval n. A.
aus Neu-Caledonien (Bullet, soc. entom. 1859. p. 155) kurz charak-
terisirt.
Papilio Ulyssinus Westwood n. A. ebendaher (Proceed. entom.
soc. 1859. p. 73) diagnosticirt.
Hewitson (Proceed. zoolog. soc. of London 1859. p. 422 f.,
pl. 66 u. 67) gab Beschreibung und Abbildung von Papilio parado-
446 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
XUS Zink. Westw. (Telearchus Hewils.) var, von Borneo und von
Papilio noctis n. A. von ßorneo, mit Pap. nox nahe verwandt. Von
Pap. paradoxus werden vier sehr auffallend verschiedene Varietäten
beider Geschlechter abgebildet.
Derselbe (Exot. Butlerfl. pt, 30) machie Papilio Slateri (Boisd.
niscpt.) als n. A. von Borneo bekannt und gab nochmalige Abbildun-
gen von Pap, Encelades und Deucalion Boisd. aus Celebes.
Felder (Wien. Ent. Monatsschr. III, p. 321, 390 ff.) beschrieb
Papilio Araspes n. A, von den Philippinen, Laodamas (Taf. 8) von
Bogota und Hippomedon ohne Angabe des Vaterlandes. — Ebenda
p. 264 f. eine Beschreibung des Weibchens von Pap. Ormenus Guer.
aus Neu -Guinea, so wie eine Unterscheidung von Pap. Gambrisius,
Ormenus und Erechtheus nach beiden Geschlechtern.
Derselbe (ebenda IV. p. 97f., 225 f. u. 394 f.) beschrieb Pa-
pilio Chaudoiri n. A. von den Molukken, Telegojius (Telemachus Wal-
lace i. lit.) und Tydeus n. A. von Batchian, Rama n. A. von Malacca.
Menetries (Bullet, phys.-math, de l'acad. de St, Petersbourg
XVII. 1859. p. 212) Papilio Maackii n. A, vom Amur.
Koch, „Entwurf einer Aenderung des Systems der Lepidopteren"
(Entom. Zeitung 1860. p. 226 ff.) weist das Syslematisiren unter allei-
niger Kenntnissuahme der einheimischen Schmetterlinge als ungenü-
gend zurück und fordert zur Aufstellung von Systemen mit Berück-
sichtigung der Exoten auf. Die Gattung Papilio will er wegen der
mannigfachen Formen, welche sie einschliesst, zu einer Tribus „Pa-
pilionides" erheben und drei Gattungen aus derselben machen : „Genus
ecaudati, caudati und semicaudati," (Abgesehen davon, dass die Namen
des Verf.'s Anstoss erregen müssten, würde seine Eintheilung dahin
führen, dass die beiden Geschlechter einer und derselben Art zuwei-
len in verschiedenen Gattungen zu stehen kämen : Pap. Pamnjon Lin.
fem. ist stets geschwänzt, mas bald geschwänzt, bald nicht; Pap.
Memnon mas ist stets ungeschwänzt, fem. bald geschwänzt, bald
nicht. Ref.)
Pieridae. — Hewitson (Exotic Butterfiies pt. 38) machte
Eulerpe Telthusa und Teutamis aus Peru, Tellane aus Neu - Granada,
Leptalis Lycosura und Lysianax vom oberen Amazonenstrome als
n. A. bekannt; ausserdem Lept. Spio God. von St. Domingo nochmals
abgebildet.
Felder (Wien. Ent. Monatsschr. III. p, 180. Taf. 3 u. 4) Pieris
Ilhomc n. A. von Celebes, Eronia Tritaea von Celebes und Timor,
p. 271 f. Pieris Menapia aus dem Mormonenlande, Lemonias Mormo
ebendaher und Anthockaris Heuglini vom Cap Guardafui, p. 327 Eu-
terpe Corcyra und Critias aus Venezuela, p. 394 f. Colias Xenodice
aus Assam, Nilagiriensis von den Neelgherries und Eulerpe Tagaste
(Taf. 4) aus Peru. — Ebenda IV. p. 100 Colias Edusina (Boisd. i. lit.)
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 447
aus Ostindien, p. 220 Eronia Argolis von Batchinn und (Sitzungsbe-
richte der Akad. zu \> ien 4(>. ßd. p. 449) Pieris Cleincnlina und Te-
rias Lerna aus Aniboina.
W a 1 1 e n g r e n (Wien. Ent. Monatsschr. IV. p. 32 fT.) Colins Pon-
teni von Honolulu, Terias EuQenia \ox\ der Insel St. Joseph, angulata
Vaterl.?, Pinacopleryx Syrinx, Anthopsyche Topha und Deidamia aus
dem Caffernlande, Pholoe vom See IN'Gami.
Wenetries (Bullet, de l'acad. de St. Petersbourg XVII. 1859.
p. 213) Leucophasia Amurensis. Gonopteryx Aspasia und Colias Vi'
luensis als n. A. vom Amur.
Boisduval (Bullet, soc. entom. ]8.59. p. 155 f.) Pieris Peri-
sthene und Acrisia als n. A. aus Neu-Caledonien.
Snellen van Vollenhovcn (Tijdschr. voor Entomol. III.
p. 125 f.) Thestias Ludehingii n. A. aus dem Innern Sumatras und
Reimcardlii von den Molukken. Dieselben werden vom Verf. mit
den übrigen fünf bekannten Arten der Gattung in einer analytischen
Tabelle zusammengestellt.
Staudinger (Wien. Ent. Monatsschr. IV. p. 19) Pieris Krüperi
als n. A. aus Griechenland.
Nach Speyer (Entom. Zeitung 1860. p. 371) fliegt Gonopteryx
Cleopatra in Italien (Florenz) mit G. rhamni zu gleicher Zeit und
ohne dass sich zwischen beiden Uebergänge in Flügelschnitt und
Färbung vorfinden; er hält demnach die G. Cleopatra für eine
eigene Art.
Sievers (Etud. entom. 1859. p. 146) machte nähere Angaben
über die bei St. Petersburg vorkommende Colias Pelidne oder die
mit diesem Namen belegte Art, welche er für verschieden von C.
Pelidne Freyer hält; für den Fall ihrer Selbstständigkeit will er die-
selbe Colias Valeria nennen.
Ageronidae. — Nach Bat es' brieflicher Mittheilung (Pro-
ceed. entom. soc. V. p. 22) ist die Puppe von Ageronia nicht mit
einer Schlinge umgürtet, wie Lacordaire undWallace angeben,
sondern hängt sich gestürzt auf; die Raupe ist stachlig. Die Gattung
Pandora hält er für näher mit Ageronia als mit den Nymphaliden
verwandt; der Flug der Pandora Prola Boisd. ist äusserst wild: sie
liebt die Nähe von Häusern, setzt sich zuweilen auf die Erde und
an Baumstämme.
Danaida e. — Boisduval (Bullet, soc. entom. 1859. p. 156)
charakterisirte Danais pumila^ Euploea Helcita und Adyte als n. A.
aus Neu-Caledonien.
Snellen van Vollenhoven (Tijdschr. voor Entomol. III.
p. 41 ff"., pl. 2 u. 3) Idea Tondana n. A. von Celebes, Diardi n. A. von
Borneo und Hypermnestra Wesfw. var. von Java.
Felder (Wien. Ent. Monatsschr. Ilf. p. 181. Taf. 3 u. 4) Eu-
448 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
ploea Mniszechii und Danais Oenopia als n. A. von Celebes, p. 267.
Taf. 5 Euploea Doleschalii n. A. von Neu-Giiinea, (ebenda IV. p. 100
und 23J) Danais Xanthippvs aus Brasilien, Euploea Wallacei, Danais
Chloris und Mijlilenc als n. A. von Balchian, p. 397 Euploea Ledereri,
Menetriesii, Bremeri und Danais Agleoides als n. A. von Älalacca und
(Sitzungsberichte der Wien. Akad. d. Wiss. 40. Bd. p.449) Danais
Cratippus n. A. von Amboina.
Wallengren (Wien. Ent. Monatsschr. I V. p. 35) Euploea Kin-
hergi n. A. aus China.
Heliconidae. — Hewitson (Exotic ßutterflies pt. 30) be-
schrieb und bildete ab: Ithomia InaW&ler].?, Oriana, Synnova, Duessa
und Oulila vom Amazonenstrome, Alexina aus Bolivia, Norella von
Cuensa. — Pt. 35 : Mechaniiis Maelus, Maenius, Mazaeus und Mar-
saeus vom Amazonenstrome, pt. 36 : Mechanitis Macrinus und Mothone
aus Keu-Granada, Mansuetus, Menecles und Meterus n. A. vom Ama-
zonenstrome.
Felder (Wien. Ent. Monatsschr. III. p. 396) beschrieb ATe^iconm
Peruviana n. A. aus Peru und (ebenda IV. p. 101 f.) Ithomia Eurya-
nassa von Rio-Janeiro, Dircenna Xantho, Rhoeo, Thyridia Pytho und
Methona Megisto als n. A. von Bahia.
Acraeidae. — Neue Arten sind: Acraea ^Za/ta Felder (Wien.
Etit. Monatsschr. IV. p. 105) aus Brasilien, Acraea Moluccana Felder
(Sitzungberichte d. Wien. Akad. d. Wiss. 40. Bd. p. 450) von Am-
boina, Acraea Stenobea Wallengren vom Swakop in Süd-Afrika und
Theodote Wallengr. von Sidney (Wien. Eni. Monatsschr. IV. p. 35).
Nymphalidae. — Fr. Moore, A Monograph of the genus
Adolias, a genus of Diurnal Lepidoptera belonging to the family
Nymphalidae (Transact. entoni. soc. V. p. 62—86. pl. 3—9). Verf. hat
im Anschlüsse an seine Beschreibungen neuer Arten dieser Gattung
im Catal, of Lepidopt. East-Indian Company eine monographische Be-
arbeitung derselben mit Zugrundelegung aller bedeutenden öffentli-
chen und Privatsammlungen in London und Oxford unternommen und
dadurch die Zahl ihrer Arten auf die ansehnliche Höhe von 52 ge-
bracht. Die bekanntesten derselben werden nur in ihrer Synonymie,
die bis jetzt wenig sicher festgestellt war, erörtert, die weniger be-
kannten und 28 neue ausführlich, theils nach einem, theils nach bei-
den Geschlechtern beschrieben und auf den sechs beigefügten Kupfer-
tafeln abgebildet.
Do um et (Rev. et Magas. d. Zool. 1859. p. 260 ff. pl. 10) gab
Beschreibungen und colorirte Abbildungen von zwei schönen neuen
Arten Nymphalis Aemilius und Lucasii vom Gabon.
Menetries (Bullet, de l'acad. de St. Petcrsbourg XVIL 1859.
p. 213 0".) heschrieh Melitaea Amphilochus, Protomedia, Neptis Philyra,
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 449
Thisbe, Ahjma Cassiope, Nycteis, Limenitis Atnphyssa und Ad alias
Schrenhii als n. A. vom Amur.
Boisduval (Bullet, sog. enlom. 1859. p. 157) Argynnis De-
xamene i\\s n. A. von Buenos-Ayres.
Philippi (Linnaea enfomol. XIV. p. 265) Argynnis Valdiviana
und Vanessa Terpsichore als n. A. aus Chile.
Bates (Proceed. entom. soc. 1860. p. 110 f.) Agrias Heicitso-
nius, Pericles, Sardanapalus und Siderone Mars als n. A. vom Ania-
zonenstrome.
Felder (Wien. Ent. Monatsschr. III. p. 182 ff. Taf.4) Athyma
Jocaste von Amboina, Adolias confinis (= Abrota Ganga Moore) Va-
terl. unbek., Dolope (Boisd. i. lit.) aus Silhet und Ninus von Amboina,
p. 269. Taf. 5 Epicalia Hewitsonii n. A. vom Amazonenstrome, p. 321.
Taf. 6 Charaxes Bohemani n. A. vom See N'Gami, p. 397. Taf. 8 u. 9
Cybdelis Thrasylla n, A. aus Peru, Adolias Raja aus Assam, Charaxes
Cithaeron von Pt. Natal und Tyrtaeus aus Ostindien. — Ebenda IV.
p. 103 ff. Cethosia Aeole (de Haan i. lit.) von Celebes, Eueides Thyana
aus Columbien , Melitaea Leanira (Boisd. i. lit.) aus Californien,
Freds Natalica von Pt. Natal, Euryphene Mandinga vom Senegal,
ausserdem Diadema Perimele Gram. — Ebenda IV. p. 232 ff. Charaxes
Kadenii n. A. von Java, Harma Chalcis aus Guinea, Euripus Haliar-
tus aus Nord - Indien, Ffeifferae von Singapore, Alella Arruana von
den Aru-Inseln, Epicalia Batesii vom Amazonenstrome, Megistanis
Dettcalion (Bates i. lit.) ebendaher, p. 246 Cyrestis Laelia und Pau-
linus von Batchian, Neptis Mysia ebendaher, p, 399 Cirrochroa Ma~
laya , Orissa, Doleschalia (nov. gen.) Pratipa, Rhinop alpa
nov. gen. (vox hybrida!), von PiecisHübn. durch längere Fühler und
Taster und dadurch unterschieden, dass der dritte Subcostalnerv der
Vorderflügel weit hinter der Flügelmitte und der zweite Diskoidalnerv
dem ersten stark genähert ist. — Art: Rhin. fulva ; ferner Alhyina
Urvasi, Adolias Arnna n. A. von Malacca, ausserdem Adolias Pu-
seda Moore.
Derselbe (Sitzungsberichte der Wien. Akad. d. Wissensch.
Bd. 40. p. 450) beschrieb Messaras Crameri (Pap. Lampetia Cram. pro
parte), Alhyma Jocaste^ Adolias JSinus und Helcyra n. g. , vor den
übrigen Kyniphaliden-Gattungen durch sehr abweichende Aderung der
Vorderflügel ausgezeichnet, vielleicht mit Apatura in nächster Ver-
wandtschaft stehend ; mit Helc. Chionippe n. A., wie die vorhergehen-
den von Amboina stammend.
Hewitson (Exotic Butterflies pt. 29) gab Beschreibungen und
Abbildungen von Limenitis Lyncides, Lymire, Lycone, Libnites und
Lysanias als n. A. vom Amazonensirome. Ebenda pt. 30 : Eubagis
Anubis, Amplias, Persis und Neoris als n. A. vom Amazonensirome,
pt. 3] ; Messaras Maeonidcs von Celebes, Madesles aus Keu-Guinea und
Arch. für Naturg. XXVII. Jahrg. 2. Bd. Dd
450 Ge rsla cc ker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Maonites von Aniboina, Nymphalis JSitebis von Celebes und Numenes
von Sierra Leone, pt. o2: Prepofia Priene und Praeneste aus IN'eu-
Granada, pt. 34 : Siilerone Archidona von Archidona und Mars Bates
vom Aniazonenflusse, Agrias Uewitsonianus, Pericles und Sardanapa-
lus Batcs vom Anjazonenflusse.
Wallengren (Wien. Ent. Monatsschr. IV. p. 35) diagnosticirte
Neptis Livilla n. A. von Alanila.
Gärtner (Entom. Zeitung 1860. p.29l) hat die bis jetzt un-
bekannten ersten Stände der Limcnilis aceris Fab. erforscht und zu-
gleich eine sehr lebendige Schilderung der Lebensweise des Falters
gegeben. Die Raupe nährt sich von Orobus vernus, auf deren Blatt-
spitzen das Weibchen seine grünen Eier ablegt; es finden zwei Ge-
nerationen statt, von deren zweiter die Raupen ausgewachsen über-
wintern, um sich beim Anbruche des Frühlings zu verpuppen.
M o r p h i d ae. — G u e n e e, INote nionographique et rectificative
sur un groupc du genre Morpho Latr. (Annales soc. entom. VIL p. 3G5 (F.)
Verf. giebt eine kritische Auseinandersetzung der sich um Morpho
Achilles Lin. gruppirenden Arten der Gattung, von welchen ihm fünf
bekannt sind: 1) M. Achilles Lin. (Helenor Cram., Leonte Hübn.) von
Cayenne. 2) 31. Helenor Seba (Achillaena Hübn.) von Rio-Janeiro.
3) M. Deidamia Merian (Achilles Cram.) aus Guyana. 4) 31. Corydon
(Boisd. coli.) n. A. aus Venezuela und 5) iW. Muntemma u. A. aus
Mexiko, letztere die kleinste von allen.
Dey rolle, Kotice sur cinq Morpho nouveaux (Annales soc. en-
tom. VlIL p. 207 IT.) beschreibt Morpho Evgenia (Boisd.) n. A. vom
Amazonenstrome, Hebe (Boisd.) n. A. aus dem Inneren Brasiliens,
Egyplus (Boisd.) vom Amazonenstrome, Amathontc aus INeu-Granada
und Theseus (Boisd.) n. A. von Bogota.
Snellen van Vollenhoven (Tijdschr. voor Entomol. III.
p. 35 ff. pl. 1 und 2) gab Beschreibung und Abbildung von Drtisilla
Artemis n. A. von Neu- Guinea, dioplrica n. A. ebendaher und an«-
bleps n. A, von Otaheita. Drusilla Jairus Fab. und Urania Lin.,
welche West w 0 0 d als synonym zusammenzieht, hält er für zwei
verschiedene Arten.
Felder (Wien. Ent. Monatsschr. III. p. 270) beschrieb Narope
Cyllene n. A. aus Brasilien? und (ebenda IV. p. 109, 239 und 248)
Drusilla myops von IVeu-Guinea, macrops von Batchian und Morpho
Cisseis (Bates i, lit.) vom Amazonenstrome.
Wach Eyries (Observations sur le Morpho Idomeneus Fab.,
Memoires de la soc. d. scienc. natur. de Cherbourg VI. 1859. p. 68 — 72)
liebt Morpho Idomeneus die dichten, düsteren Wälder, setzt sich nie
auf Blülhcn, sondern stets niedrig an Stämme, an die Erde und be-
sonders an abgefallene Früchte, deren Saft sie leckt; durch diesen
wird sie berauscht und lässt sich dann leicht fangen. Kach des
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 451
Verf.'s Angabe liebt dieser Schmetterling auch den Wein ; zahlreiche
Exemplare desselben sammelten sich um ein ihnen hingestelltes Wein-
glas und tranken den Inhalt desselben sehr begierig, bis sie trun-
ken waren.
Satyridae. — Menetries (Bullet, phys. math. de l'arad,
de St. Petersbourg XVII. 1850. p. 215 f.) beschrieb PronopkUn Schrenkii,
Erebia Etimonia, Chionobas JSanna. Arge Halimede, Y'phthima Amj)hi~
thea und Coenomjmpha liinda als n.A. vom Amur. — Ebenda p. 498
Erebia Paicloskii (sie!, soll Tawlofskyi heissen) als n. A. von
Jakutsk.
Philippi (Linnaea entom. XIV. p. 267) Satyrus Flora, Pales
und Limonias als n. A. aus Chile und zugleich Satyrus JNemyroi-
des Blanch.
Hewitson (Exotic Butferflies pt. 33) Haetera Hyceta n. A.
vom Amazonenslronie, Lena Lin. vom oberen Amazonenstrome, Luna
Fab. von Nicaragua, Uelvina n. A. aus Neu-Granada, Astyoche Erichs.
(Larymna Doubl.) var. vom oberen Amazonenstrome, Pronophila Prae-
neste n. A. aus Neu-Granada, Pronox n. A. vom oberen Amazonenstrome
und Puerta Westw. aus Venezuela.
Felder (Wien. Ent. iMonatsschr. III. p. 325) charakterisirte eine
neue Gattung Lasiophila, von Pronophila Westw. durch kleine-
ren, stärker behaarten Kopf, weniger hervorstehende Augen, län-
gere, hervorgestreckte und nicht spitzige Taster, so wie durch ab-
weichende Form der Hinterflügel unterschieden. — Zwei Arten: Las.
Cirta (Taf. 6 abgebildet) aus Peru und Circe aus Venezuela. — Ebenda
p. 401 ; Debis Purana Vaterl. nicht angegeben, Vindhya aus Assam,
Neorina Sita ebendaher, Mycalesis Nala von Java und Gehdia von
Keu-Guinea als n. A. — Ebenda IV. p. 242 gab derselbe eine Be-
schreibung und Abbildung (Taf. 3. fig. 5) von Hypocysta Osyris Boisd.
von den Aru-Inseln und beschrieb p. 401 : Dasyomma fuscum als
neue Gattung und Art von Malacca ; sie weicht von Mycalesis durch
behaarte Augen und längere, schmalere Zelle der Vorderflügel ab.
Wallengren (Wien. Ent. iMonatsschr. IV. p. 36) diagnosti-
cirte Mycalesis Caesonia als n. A. von Älanila, Neomaenas Servilia
n. A. von Valparaiso und Neosatyrus Ambiorix n. A. ebendaher.
Beliier de la Chavignerie (Annales soc. entom. VIII.
p. 677. pl. 12. flg. 1 u. 2) beschrieb und bildete ab Arge Pherusa var.
Plesaura aus Sicilien.
Speyer (Entom. Zeitung 1860. p. 373) bemerkt, dass Erebia
Ligea im Hügellande nur alle zwei Jahre und zwar in den Jahren
mit ungeraden Zahlen, iu) Gebirge und Hochgebirge dagegen jährlich
erscheint. Er will dies daraus erklären, dass im niederen Gebirge
die Raupe zwei, im höheren dagegen zuweilen wohl drei Jahre bis
zur Verwandlung gebrauche.
452 Gcrstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Eurytelidae. — Melanifis Cybele n. A. von Batchian und
Eurytela Caslelnaui n. A. aus 31alacca wurden von Felder (Wien.
Eni. Monatsschr. IV. p. 248 u. 401) bekannt gemacht.
Libythcidae. — Libythea anlipoda Boisduval (Bullet, soc.
entom. 1859. p. 157) ist eine n. A. aus Neu-Caledonien.
Erycinidae. — Saunders, Un Ihe genus Erycina Lin.,
with descriplions of sonie new species (Transact. entom. soc. V.
p. 94 — 110. pl. 9 — 11). Verf. giebt Beschreibungen und sehr sauber
colorirte Abbildungen von folgenden neuen Arien: Zeonia Amazon,
Bogota und Batesii vom oberen Amazonenstrome, Erycina Huana vom
Amazonenstrome , Atalmalpa und Huascar aus Neu - Granada, Elias
aus Peru , Colubra von Ega , Eryxa aus Peru, Ocollo aus Neu-Gra-
nada, Necyria Hewitsonii und Manco aus Keu-Granada, Tapaja vom
Tapajos und Lyropteryx Lyra von Bogota. — Von bereits bekannten
Arten werden nochmals charakterisirt : Zeonia beliconoides Swains.
fem., Erycina Calphurnia Saund. mas und Lyropteryx Apollonia
Westw. fem.
Hewitson (Exotic Butterflies pt. 29) gab Beschreibungen und
Abbildungen von Mesosemia Macella, Macaris und Misipsa als n. A. vom
Amazonenstrome, zugleich Mesosemia Idotea Westw. (= Diophlhalma
AJarita Herr. -Seh.) und Mes. Eumenus Cram. fem. nochmals abbildend;
pt. 31 : Mesosemia Minos (Boisd. mscrpl.) und Traga (Boisd. mscrpt.)
vom Amazonenflusse, Epiclius (Boisd. mscrpt.) vonCayenne; pt. 32:
Calydna Caprina aus Brasilien, Carneia, Calana, Cea, Calyce und
Candace \ om Amazonenflusse, Mesosemia Cippus (Boisd. mscrpt.),
Maeolis, Antaerice (Boisd. mscrpt.), Melaene und Menoeles vom Ama-
zonenflusse; pt. 33: Mesosemia Myonia, Metope, Melpia, Jbycns (Doubl.)
und Philocles Lin. var. vom Amazonenflusse; pt. 34: Eurygona Zara
Hewits., Zena, Mazaca und Dorina vom Amazonenflusse, Gyda aus
Brasilien; pt. 35: Tkeope Thebais, Theritas , Thestias , Tlielpusa und
Thootes vom Amazonenflusse, Mesosemia Machaera, Magele, Matisca,
Meiese, Messeis, Mosera ebendaher und Melhion aus Brasilien.
Felder (Wien. Ent. Monatsschr. IV. p. 396) beschrieb Zemeros
emesoides als n. A. von Malacca, Abisar a, nov. gen. (von Taxila
durch kleineren Kopf, deutliches Collare, dünnere Fühler und kürzere
Taster unterschieden) mit drei Arten: Tax. Kausambi, Savilri und
Damajanti von Malacca.
Lycaenidae. — Philipp! (Linnaea entom. XIV. p. 269) be-
schrieb Lycacna? bicolor und collina als n. A. aus Chile.
Felder (Wien. Ent. Monatsschr. lü. p. 186) Danis Ilissus n. A.
von Celebes, p. 270 Danis Absyrlus als n. A. von den l'hilippiucn (ist
bereits von Eschscholtz als J.,ycuena Schaelfera beschrieben wor-
den), p. 323 f. Thecla Arronica und Epicletns (Taf. 6) n. A- von den
Aru-Jnseln. — Ebenda IV. p. 243 Thecla (PseudodipsasJ Eone n. A,
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 ii. 60. 453
von den Aru-Tnseln, Lycaena (Catochrysops) Amphissa von Batchinn,
(Thysonolis) inops und Caelius von den Aru-Inseln, Sperchiiis nus
[Neu - Guinea ; p. 395 : Myrina Ainrita und thecloides , Amhlypodia
Nakula, Vihara, Amphimula, inornata^ lycaenaria und Pseudolycaena
Manlra als n. A. von Malacca.
Derselbe (Sitzungsberichte der Wiener Akad. d. Wissensch.
Bd. 40. p. 452 (F.) gab Diagnosen von folgenden neuen Arten aus
Amboina : Anops Barsine, Myrina Isabella, Jolcus, Sipylus, Epinis^
Syrinx, Amblypodia Eridanus^ annulata, Cleander, nobilis, disparilis^
Critala^ Dipsas lycaenoides, Thecla Ilius, Philolas, üoleschalii, Ana~
clelvs, Clirysanlhis , Lycaena Panornius, Hyrcanus, iS'emea, Alerto,
Astraptes. Paclolus, Hcnnvs, Calauria , Ilelicon^ Ancyra , iSora,
Perusia, ]\iconia, Palmyra, Tatiafjva, Cardio, Slrongyle, Thysonotus
Hymelus und Lucia Pharnus.
Wallengren (Wien. Ent. Monatsschr. IV. p. 37) diagnosticirte
Lycaena Parrhasioides von den Galapogos, Bohemani aus China, Me-
tophis vom Kuisip in Süd-Afrika, Polyommalvs Atohualpa von Val-
paraiso und Thecla Gnacanayari von der Insel Puna als n. A.
Hesperidae. — Felder (Wien. Ent. Monatsschr. III. p. 404)
beschrieb Pyrrhopyga Antias, Erycides Cliaron und Goniloba discolor
als n. A. aus Brasilien, p. 328 Pyrchopyga Jonas aus Mexiko. —
Ebenda IV. p. 110 macht er eine neue Gattung Aegiale bekannt,
welche auf eine Taf. 2. fig. 3 abgebildete, auffallend robuste, an
Castnia erinnernde Art Aeg. Kollari aus Mexiko begründet ist. Füh-
ler lang und kräftig, der halben Coslallänge gleich, allmählich zu
einer Keule anschwellend, welche in einen feinen Dorn endigt; Ta-
ster kurz, Beine zottig mit ganz ungcsporntcn Schienen. — Eine
zweite neue Gattung Asticopterus (p.401) steht zwischen Fam-
phila und Pterygospidea in der Mitte, indem sie mit ersterer durch
die Discoidalzelle der Vorderdügel , mit letzterer durch die Fühler
übereinstimmt. Die beiden darunter beschriebenen Arten: A. Jama
und Sindu , so wie Ismene Malayana und Pterygospidea trickoneura
n. A. stammen von 3Ialacca.
Derselbe (Sitzungsberichte der Wien. Akad. d. Wissensch.
Bd. 40. p. 460 ft".) machte Chaetocneme nov. gen., mit Goniloba
Westw. zunächst verwandt, aber durch zvveispornige Hinterschienen
abweichend , bekannt. Zwei Arten : Ch. Corvus und Cerinlhus von
Amboina. Neue Arten, ebendaher: Ismene Doleschali , Tkymbron,
Pterygospidea JSestns, Pamphila Aitgiades, Eurolas, Mamas, Sunias
und Archias.
Wallengren (Wien. Ent. Monatsschr. IV. p. 38) diagnoslicii te
Ucsperia Premnas n. A. von Buenos - Ayres und Hesperia Ililas aus
Brasilien.
Philippi (Linnaea cntoni. X[V. p. 271) beschrieb Steropes
454 rierstaecker: Bericht über die wissenschaftliclien Leistungen
aureipennis (Blanch.?), Slev.? bissexgultalus und Syi'ichthus Valdivia~
nus als n. A. aus Chile.
Menetries (Bullet, phys.-math. de l'acad. de St. Petersbourg
XVII. p. 217) Pyrgus Inacfius n. A. vom Amur.
Sphingidae. ß r a c k e n r i d g e-C 1 e m e n s , Synopsis of Korth-
American Sphingidae (Journal acad. nat. scienc. Philadelphia IV.
p. 97 — 190). — Verf. beginnt mit eingehenden, vieles üeachtenswerthe
enthaltenden Betrachtungen über Species, Galtung und Familie im
Allgemeinen (p. 97 — 111 ; unter dem Titel : „Thoughts on species"
auch abgedruckt in Stainton's Entomologist's Annual for 1860.
p. 156 — 168), geht sodann auf das Flügelgeäder, die Mundtheile, Füh-
ler, Tegulae u. s. w. der gegenwärtigen Familie ein und giebt
schliesslich eine systematische Aufzählung und Beschreibung der 95
bis jetzt bekannt gewordenen Sphingiden ISord-Amerikas. Die Arten-
zahl stellt sich für die einzelnen Galtungen folgendermassen : Sesia
(Fab.) 3 A., Macroglossa 5, Proserpinus 2, Unzela 1, Thyreus 3, Dei-
damia 1, Perigonia 4, Enyo 2, Calliomma 2, Deilephila 3, (D. oxy-
bappi n. A.), Darapsa 5 (D. vcrsicolor Harr. i. lit., n. A.), Chaero-
campa S (Ch. Pronoe, versuta, nilidula und tlialassitia n. A.), Ambulyx
2 A., Pergesa 1 A., Philampelus 6, Sphinx 27 (Sph. Leucophaeta und
luscitiosa n. A.) , Ceratomia 2 (C. repentinus n. A.) , Smerinthus 7,
Darenina 1, Oenosandra 1, Ellema n. g. 1 A. (E. Harrisii Clemens
= coniferarum Harris i. lit,).
Wallengren (Wien. Ent. Monatsschr. IV. p. 42) diagnosticirte
Sphingonaepiopsis gracilipes, StnerinlhMS numosae, Chaerocampa trans-
figurata und Gnathoslypsis ostracina als n. A. aus dem Callernlande,
Deilephila Porcia und Gnathothlibus erotoides als n. A. von Sidney.
Philippi (Linnaea entom.XlV. p. 273) beschrieb Sphinx Eu-
rylochus n. A. von Santiago ; ist daselbst häufig.
Boisduval (Bullet, soc. ent. 1859. p. 157) Anceryx Lassauxii
n. A. von Buenos-Ayres.
Verloren (Tijdschr. voor Entomol. III. p. 24 f.) machte Mit-
theilungen über einige Eigenthümlichkeiten der Raupe der Acherontia
Atropos, besonders über ihre Fähigkeit, einen eigenthümlichen Ton
hervorzubringen.
Roo van Westmaas, Quelques observations sur le cri que
fail entendre le Sphinx (Acherontia) Atropos (Tijdschr. voor Entomol.
III. p. 120 II".). Verf. weist durch Experimente nach, dass das Ge-
wimmer des TodtenUopfs nicht von dem Reiben des Saugrüssels
gegen die Taster herrührt, da dasselbe bei Entfernung der letzteren
vom Rüssel und auch bei ihrer gänzlichen Abtragung fortdauert. Er
glaubt, dass dasselbe vielmehr durch Ausstossen der Luft aus dem
Säugrüssel erzeugt werde, da es um so schwächer wird, je mehr
man jenen durch Absehneiden verkürzt und ganz aufhört, wenn man
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60- 455
den Rüssel zusammendrückt oder seine Sptize mit Fett einhüllt; wird
letzteres wieder entfernt, so beginnt der Ton von Neuem.
Kefcrstein, Mittheilungen über Deilephila Celerio (Wien.
Ent. Älonalssch. IV. p. 89).
Castniariae. Felder (Wien. Ent. Monatsschr. IV. p. 249) un-
terschied eine neue Gattung Tyndaris, welche sich von Cleosiris
durch aufsteigende, den Kopf um das Doppelte überragende Taster,
deren zweites Glied doppelt so lang als das erste und beschuppt, de-
ren drittes aber nur halb so lang als das zweite und nackt ist, un-
terscheidet; die Medianader der Vorderflügel ist gerade. — Art: Tynd.
laetifica von den Aru-Inseln.
Sesiariae. Neue Arten sind : Sesia hymenopteriformis (vox
sesquipedalis et hybrida !) Belli er de 1 a C ha v i g n e r i e aus Sicilien
(Annal. soc. ent. VIII. p. 681. pl. 12. fig. 3u.4), Sesia cruentata Mann
(Wien. Ent. Monatsschr. III. p. 91) ebendaher, Trochilium Acerni Bra-
cken ridge-Cleraens (Proc. acad. nat. scienc. Philadelphia 1860.
p. 14) aus Nord-Amerika, Monofctalotaxis Wahlbergi und Eumallopoda
laniremis Wall eng ren (Wien. Entomol. Monatsschr. IV. p. 41) aus
dem CatFernlande.
Libbach (Berl. Ent. Zeitschr. III. p. 79) machte Mitlheilungen
über die Lebensweise der Raupen von Sesia formicaeforrais Hübn.,
leucospiformls Esp. und philanthiformis Lasp. Dieselben sind nebst
den Pllanzenlheilen, welche sie angreifen, auf Taf. 1 abgebildet.
COSSina. Wallengren (V/ien. Entom. Monatsschr. IV. p. 43)
diagnosticiite Hepialus Ammon, ibex, cervinvs , antarcticus und Zcm-
zera petax als n. A. aus dem CalTernlande, Phragmatoecia impedita
und Phragm.? capucina als n. A. von Sidney.
Boisduval (Bullet, soc. entom. 1859. p. 158) beschrieb En-
dagria ligrina als n. A. von Buenos-Ayres.
Philippi (Linnaea entom. XIV. p. 291) Cossus? Valdivianus
als n. A. aus Chile.
Cheloniariae. W a l k e r (Journ. proceed. Linn. soc, Zoology III.
p. 18G) stellte eine neue Galtung D ar antasia auf, welche mit Le-
myra Walk, werwandt ist. Körper ziemlich gedrungen, Rüssel deut-
lich,. Taster kurz, vorstehend, mit spitz kegelförmigem Endgliede,
Fühler dünn, borstenförmig ; Hinterleib kegeiförmig mit grossen Ge-
nilalorganen, Beine kurz, nackt, mit langen Sporen, Flügel kurz,
schmal, mit sehr schrägem Aussenrande. — Art: D, cunciplena^^/iWn.
von Singapore. — Neue Arten ebendaher (p. 183 (T.) : Synlomis an-
nosa, chluroleuca, xanlhomela, Nycleniera mundipicta, Cyclosia sub^
mactdans, nivipelens, Pidorus conslrictus, Seiina bipunctafa, Deiopeia
delracla. — p. 196 Eusemia subdives n. A. von Malacca.
B r a c k e n r i d g e - C 1 em e n s (l'roceed. acud. nat. scienc. Phi-
ladelphia 1860. p. 523 ff.) gab sorgsame Beschreibungen von einer
456 GerstaecUer: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
grösseren Anzahl theils bekannter, theils neuer Gattungen dieser Fa-
milie nebst der ihnen angehörigen Nord-Amerikanischen Arten, a)
aus der Arctiiden - Gruppe : Ecpanlheria Hübn. mit 9 bekannten Ar-
ten, Arachnis llübn. mit 1 A. Ä. aulaea aus Mexiko (= Ecp. incar-
nata Ilübu. ?), Arctia Schrnk. mit 15 bek. Arten, Ectypia n. g. mit
E. bivittata n. A. aus Texas, Hypantria Harr, mit 3 bek. A., Spilo-
soma Steph. mit 5 bek. A. , Euchaetes Harr. 1 A., Halesidota Hübn.
10 A., Hypercompha Steph. 6 A., Phragmatobia Steph. 4 A. — b) aus
der Lithosien- und Glaucopiden - Gruppe : Lycomorpha Harr. 1 A.,
Ctenucha Kirby 5 A., Aglaope Latr. 2 A. (A. coracina n. A.), Aco-
loithus n. g. , der vorigen Gattung sehr ähnHch , die Flügel aber
sehr schmal, die hinteren breiter als die vorderen, weniger oval als
bei Aglaope, am inneren Basalwinkel gerundet, länger als der Körper;
Diskoidalzelle der Vorderflügel durch eine sehr feine, schräge Ader
geschlossen, mit einem Diskocentral-Nerven u. s. w. — Art: A. fal^
sarius aus Pennsylvanien. — Procris Fab. ? mit P. Smilhsoniana n.
A. Texas, M althaca n. g. mit M. perlucidula n. A. Illinois, Cro-
cota Hübn. mit 5 A., Atolmis? Hübn. mit 1 A., Kudaria? Haw. mit
1 A., Psychomorpha Harr, mit 1 A., Cosniosoma Hübn. mit 1 A.,
Ormetica n. g. mit 0. sphingiformis n.A. Mexiko, Cj/rtwopepüa n.g.
mit C. cruenta n. A. ebendaher, Euchromia Hübn. mit 2 A. und F o e-
ciloptera n. g. (vergebener Name!) mit einer an die Tineinen
erinnernden Flügeladerung; P. compta n. A. Texas.
Eine neue Gattung Rhipidura (vergebener Name, Aves!) aus
der Zygaeniden-Gruppe stellte P h i 1 i p p i (Linnaea entom. XIV, p. 274)
auf; sie zeichnet sich durch einen doppelten Fächer langer Haare
oder Schuppen am Ende des Hinterleibes aus. Der obere liegt ho-
rizontal und beschreibt, wenn ihn das Thier ausbreitet, beinahe einen
Kreis; der untere steht senkrecht und wird von kürzeren Schuppen
gebildet. Fühler von halber Körperlänge, an der Spitze wenig ver-
dickt, Taster zweigliedrig, Flügel schmal, ganz beschuppt, wie bei
Sesia geädert, Schienen aussen mit langen Haaren besetzt. — Art:
Rhip. Aurora von Santiago.
Moore (Catalogue of Lepidopt. InsectsII. p. 285 ff.) beschrieb
Paranthrene sesiiformis, Zygaena Afghana, Eusemia Bisma, Aruna,
Peshwa, Neochera Bhaicana, Digama Hearseyana, Tripura Prasena^
Vitessa Snradwa, Atteva Brucea, Lyclcne IIa und Lutara, Barsine
Linga und Senara, Nepita Anila, Setina Dasara, Lithosia Satnbara,
Vagesa, Natara, Prabana, Badrana, Bizone Pitana, Adita und Aroma,
Utethesia Semara, Procris Chala , Eterusia Raja und Drataraja,
Syntotnis Marsdeni, Vigorsi, Pfeifferae, Wallacei, Penanga, Cantori,
Walkerij Pravala, Rafßesi und Cranfurdi, Phalanna Horsßeldi, Phauda
Mahisa, Euschema Horsßeldi, Spilosoma punctata, Gopara und abdo-
minalis, Arctia Landacttj Phragmatobia Buana, Aloa Khandalla,
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 457
'Dreata Udiana, Petola und Anada, Numenes insignis und Fairana als
neue Indische Arten.
Derselbe, Description of sonie Asiatic Lepidopferous Insects
belonging to the tribe Bombyces (Proceed. zoolog. soc. of London
1859. p. 197 (f. pl. 60) gab Beschreibung und Abbildung von folgen-
den neuen Arten : Synlomis Marsdeni, Vigorsi, Pfeifferae und \Val~
lacei von Java, Fenangae von Pulo Penang, Hafßesi, Walkeri, pra-
vata und Crawfurdi von Java, Canlori von Penang, Fhalanna Uors-
fieldi und Fhemda? Mahisa von Java. — Syntouiis bunieralis Walk,
ist nach Moore identisch mit Trypanophora semihyalina KoUar.
Wallengren (Wien. Ent. Monatsschr. IV. p. 38, 45 u. 161 ff.)
diagnosticirte als n. A. : Aegocera triphaenoides, Arichalca enjthro-
pijga , melanopyga und Netirosymploca Zelleri aus dem CalTernlande,
Vrocris ISovae Hollandiae von Sidney, S}jnto7nis caryocalactes, corvtts,
monedula aus dem Calfernlande, ISaclia cingulala von i^lanila, anthra-
cina, fuscicornis und ihyreliformis aus dem CalTernlande, Tipulodes
obscura von (juayaquil, Aristodaema Arauna aus Brasilien und La-
sioprocta Merra von Callao. — Litkosia flavicosla, cinerella, gracili~
pennis, scutellata, bipunctigera^ nigropunclata, punctipentiis, pustulata
und Setina sagenaria ans dem CalTernlande, Setina sinuata und
pectinata von Sidney. — Euchelia rostrala aus dem CalTernlande,
Galapagensis von den Galapagos, Leptosoma fuscipenne, Spilosoma
strigatum und ptmctulatum aus dem CalTernlande, Chelonia cervina
von Malacca, Munychia callipyga, Saemira alba und flava aus dem
Caffernlande.
Menetries (Bullet, phys.-niath. de l'acad. de St. Petersbourg
XVII. 1859. p. 217) beschrieb Halthia (nov. gen., nicht charakte-
risirt) Eurypile, Lithosia nycticans, Chelonia leopardina, Dionychopus
niveus als n. A. vom Amur und (ebenda p. 500) Chelonia lilurata
als n. A. von Jakutsk.
iMoeschler (Wien. Ent. Monatsschr. IV. p. 360. Taf. 9. fig. 3)
Arctia bovealis n. A. von Labrador.
Ferd. Schmidt (Verhandl. d. zoolog. - bolan. Gescllsch. zu
Wien X. p. 659 ff.) Heterogynis dubia als n. A. aus Krain ; Raupe auf
Genista sylvestris.
Boisduval (Bullet, soc. ent. 1859. p. 158) Arctia pallicosta
n. A. von Buenos-Ayres.
Mann (Wien. Ent. Monatsschr. III. p. 94) Lithosia marcida n. A.
aus Sicilien.
BeUier de la Chavignerie (Annales soc. entern. VIII.
p. 687. pl. 12. flg. 5) beschrieb und bildete ab Chelonia Konewkai
var. aus Sicilien.
Nach Czerny (Verhandl. d. zoolog.-bol. Gesellsch. zu Wien IX.
Sitzungsberichte p. 19 f.) bringt Euprepia niatronnln ein zirpendes Ge-
458 Gorstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
rausch hervor, wenn man sie am Kopfe berührt oder anbläst. Verf»
fand unter der Einlcnkung der llinterflüfrel eine „blasenartige, glän-
zende, unbehaarte Membran," nach deren Anstechen das Gezirp aus-
blieb; er verniuthet daher in diesem Organe den Sitz des Tones.
Ein lesenswerther Aufsatz von Gärtner über dieselbe Art
(Callimorpha matroriiila) und über ihre Futterpflanzen findet sich in
der Entom. Zeitung 1859. p.433(f. IVach den Erfahrungen des Yerf.'s
ist Lonicera xylostcum die günstigste Futterpflanze, bei deren Dar-
reichung die Raupen schon nach elf Monaten (vom Eie ab) den
Schmetterling lieferten.
Bombycidae. Eine neue Gattung von Walk er (Journ. proceed.
Linn. soc, Zoology III. p. 187) mit Zweifel der Notodonlen-Gruppen
beigezählt, ist Darnhitta genannt. Der Körper des Weibchens
wenig gedrungen, Säugrüssel kurz, Taster länglich, nicht haarig, Füh-
ler kräftig, kurz, zusammengedrückt, Hinterleib konisch, ßeine
schwach, glatt, mit langen Sporen, Flügel ziemlich breit, die vorde-
ren an der Costa geradlinig, mit kaum convexem Ausscnrande. —
Art: D. strigicostad L\n., Singapore. — Neue Arten, ebendaher: Mi-
resa curvifera und Bombyx subnotata.
Brackenridge-Clemens (Proceed. acad. nat. scienc. Phi-
ladelphia 1860. p. 150 ff.) chaiakterisirte vier neue Kord-Amerikani-
sche Gattungen aus der Limacodiden-Griippe : 1) Pimela n. g. Me-
diana in Vorder- und Ilinterflügeln vierästig, Costa und Subcosta
in den vorderen dicht bei einander und nahe am Aussenrande, Hin-
terflügel ohne Coslalnerv. Körper gedrungen, wollig, Kopf klein,
Augen gross und vorspringend, Fühler kaum länger als der Thorax,
tief gekämmt; Lippentaster sehr kurz, fast rudimentär, Saugrüssel
fehlend. Schienen aussen massig gewimpert, Abdomen so lang wie
die Hinterflügel. (Mit Lagoa Walk, identisch?) — Art: F. lanugi-
nosa. — 2) Adoneta n. g. Subcostalnerv vom Aussenrande entfernt,
zwei Randäste abgebend, Mediana der Hinterflügel dreiäslig. Körper
schlank, nicht rauhhaarig, Kopf und Augen klein, Fühler wenig mehr
als von halber Körperlänge; Lippentaster die Stirn etwas überragend,
mit sehr kleinem 3. Gliede, Saugrüssel fehlend, Abdomen viel kürzer
als die Hinterflügel. Beim Männchen die Basalhälfte der Fühler kurz
gekämmt. — Ait: Ä. voluta. — 3) Empretif n. g. Subcostalnerv
der Vorderflügel massig vom Aussenrande entfernt, zwei Aeste ab-
gebend ; Körper gedrungen, Thorax dicht behaart, Kopf und Augen
klein, Lippentaster den Kopf etwas überragend, beim Älännchen stär-
ker entwickelt, mit kleinem 3. Giiede. Saugrüssel fehlend, Fühler
kaum länger als der halbe Körper, Hinterleib kürzer als die Flügel,
Vorderbeine lang und schlank; Fühler des Männchens bis zur Mitte
gekämmt. — Arten: E, stimulea und paenulala. — 4) JSochelia n. g.
Subcostalnerv vom Aussenrande der Vorderflügel entfernt, der Costal-
im Gebiete der Entomologie wiihiencl der Jsihre 1859 u. 60. 459
nerv an seiner Basis entspringend; letzterer einen Randast und einen
anderen zum Mittelfelde abgebend. In den Ilinterllügeln haben die
Coslalis und Subcostalis einen gemeinsamen Slanim, letztere jenseits
des Älittelfeldes gegabelt. Körper des Männchens kurz und gedrun-
gen, Kopf und Augen mitfelgross, Lippentaster dieSliin leicht über-
ragend, Saugrüssel fehlend, Fühler am Basal - Drilllheil gekämmt. —
Art: i\. tardigrada. — INeue Arten sind ferner: Limacodes laticlatia
von Illinois, Saturnia galbina aus Texas: ausserdem neiden be-
schrieben: Attacus splendida Paus, und Iljpercompa interrupto-mar-
ginala Palis.
Derselbe (ebenda 1860. p. 522) charakterisirte eine neue
Gattung Oylothrix; Vorderllügel an der Spitze und am Innenwin-
kel abgerundet, Innenrand etwa halb so lang als der Aussenrand,
Hinlerrand sehr schräg, nicht ausgebuchtet; Mediana in Vorder- und
Hinterflügeln vieräslig. Kopf klein, Ocellen fehlend, Gesicht äusserst
schmal, Augen klein und rund, Fühler am Basalgliede mit dünnem
Haarbusche, von der Mitte bis zur Spitze kurz gekämmt; Taster sehr
kurz, Saugrüssel fehlend. — A : 0. salebrosa Mexiko.
iM 0 0 r e (Catalogue of Lepidopt. Insects IL p. 336 fr.) beschrieb
Redoa Rinaria , Fantana Baswana , Procodeca Adara, Dasychira
Grolei, Arga, Maiuta, Chalana, ßlisana, Asvata^ Savanla, Aspara,
Ilita, Lymantria Nariiidra, Bhascara , Pramesta, Ganara, Aryarna^
Somera Baiunci, Eupr actis Dersa , inorata, Madana, Lodra, Aitaxa
Zeboe, Sastra, Kala, Linta, obscura, Siibrana, similis, Justiciae,
transversa, Ichtkyura Javana, Seiepa Celtis, Drepana argenteola,
Rafßesi, Bombyx Horsfieldi, Ocinara Lida, Atitheraea Frithi, Helferi,
Roylii, Saturnia Grotei, Attacus Guerinii, Miressa ISivaha, Parasa
Darina, Bisura, Isabella, unicolor, JSararia, Trima, Doenia, Bandura,
Loesa, Laieana, Aarosa Adala , Trisula variegata , Lebeda Nanda,
Odonestis Vita und Bheroba, Gastropaclia Deruna, Estigena ISandina
als neue Indische Arten.
Derselbe gab (Proceed. zoolog. soc. of London 1859, p. 237 £f.
pl. 64 u. 65) in seiner „Synopsis of the kuown Asiatic species of
silk-producing moths, vvith descriptions of some new species from
India" eine Aufzählung von 30 verschiedenen Asiatischen Bombyci-
den, welche bis jetzt zur Gewinnung von Seide benutzt worden sind
und den Gattungen Bombyx Schrank (6 A.), Cricula Walk. (1 A.),
Salassa nov. gen. (für Saturnia lola Westw. errichtet, mit 1 A.),
Antheraea Hübn. (10 A.), Loepa nov. gen. (für Saturnia Kathinka
und Thibeta Westw. errichtet, mit 2 A.), Actias Leach (3 A.), Satur-
nia Schrank (2 A.) und Attacus Lin. (5 A.) angehören. Verf. erörtert
diese Arten ausführlich in synonymischer Hinsicht und macht be-
sonders über Bombyx mori Lin., religiosa Helf., Iluttoni Westw.,
Antheraea Paphia Lin. (Mylitta Fab.), Actias Selene M. Leay (Luna
460 G e rsta c ck er: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Cram.) und Attacus Ricini Boisd. (lunula Walk.) ausführliche Mitthei-
lungen, bctrefTend die Geschichte ihrer Cullur. Die schon im Cata-
logue of Lcpidopt. Insects Pt. II vom Verf. aufffeführten neuen Arten,
welche hier nochmals beschrieben und abgebildet werden, sind:
Antheraea Roylii, HeJferi und Fiilhi, Saturnia Grolei und Allacus
Guerini.
Wallengren (Wien. Entom. Monatsschr. IV. p. 44 u. 162 ff.)
diagnosticirte folgende neue Arten: Psyche albifrons von Sidney,
Heterogenen invilabilis und squamosa, Laelia aliena, prolixa und
Leucoma flavicapilla aus dem Caffernlandc, Mallolodcsma discrepans
aus Brasilien, Psilura currilis, Hypogymtin Cnteja, melanura, Enti-
mia lülarpissa, Uexaneurn cinnamomea, macnlifei-a, Sirenopyga epliip-
piata und Stattropns int erpeUalrix aus dem Caffernlandc, Cnelhocampa
melanospila von Sidney, Pliiala xanlhosoma, dasypocla, Odonto-
cheilopteryx (nov. gen.), Myxa (von der Statur der Bonibyx aca-
ciae Klug, welche vielleicht zu derselben Gattung gehört), Borocera
statu, Poecilocampa carinata und Gastropacha caffra aus dem Caffern-
landc, Gastropacha nasutula und Strumella lanifera von Sidney, Mar-
maroplegma Paragarda, Striphnopteryx crepax und Thyella nyctalops
aus dem Caffernlandc, punctigera \alev\. unhek. , Opodiphtera varicolor
von Sidney, Epiphora Scribonia, Sculna invenusta und Ancalaespina
lata aus dem Caffernlandc.
Felder (ebenda III, p. 323. Taf. 6 und p. 263. Taf. 5) beschrieb
und bildete ab Saturnia Wallengreni n. A. aus dem Caffeinlande und
Attacvs Hopfferi n. A. aus Süd -Amerika; (ebenda IV. p. 112. Taf. 1.
fig. 3) Copaxa Plenkeri n. A. aus J\lexiko.
Philippi (Linnaea entomol. XIV. p. 276) beschrieb Jo griseo-
flava, Attacus cinerasceyis, Andromeda, Ormiscodes cognata, margi-
nata, Catocephala? vulpina, Cat.? nigrosignata, Bombyx? Aristoteliae,
Bomb.? hypoleuca, ? rubrogrisea, ? ancilla, ? rustica und Psyche Chi-
lensis als n. A. aus Chile.
Menetries (Bullet, phys.-math. de l'acad. de St. Petersbourg
XVII. 1859. p. 218) Leiocampa femorala und Bombyx fasciatella als
n. A. vom Amur.
Do um et (Rev. et Magas. de Zool. 1859. p. 264 ff.) Lycabis
himaculalus und Adelocephala Boisdutalii n. A. von Parä.
Stau ding er (Annales soc. enlom. VIII. ip. 663) Psyche Lesche-
naultii n. A. aus Frankreich und (Eni. Zeitung 1859. p. 211) Psysche
Malvinella n. A. aus Andalusien.
Einzelne neue Arten sind ferner: Attacus Edwardsii White
(Proeeed. zoolog. soc. of London 1859. p. 115. pl. 57) von Darjee-
ling, Gastropacha inornata F r au enfc\ d (Verhandl. d. zoolog. -botan.
Gescllsch. zu Wien IX. p. 330) vom Sinai (Raupe auf Acacia nilolica,
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 461
derjenigen von Gastropacha ilicifolia sehr ähnlich) und Jo Croesus
Boisduval (Bullet, soc. entoni. 1859. p. 158) von Montevideo.
ßischoff (12. Bericht d. naturhist. Vereins in Augsburg 1859.
p. 87 ff., mit Tafel) gab eine Beschreibung und Abbildung der Gastro-
pacha arbusculae Freyer, welche jedo'h von Fr eye r („lieber Ga-
stropacha arbusculae," Entoni. Zeitung 1860. p. 93) nicht als die
ächte anerkannt, sondern für G. laneslris gehallen wird ; die Identität
mit G. arbusculae sei schon deshalb sehr zweifelhaft, weil der Spin-
ner von Bise hoff nicht aus der Raupe erzogen, sondern nur von
einem Sammler gekauft sei, der ihn angeblich aus der ächten Arbus-
culae-Raupe erhalten habe. — Entgegnung darauf von Bischoff:
Entom. Zeitung 1860. p. 235.
P f a f f e n z eil e r , „Ueber Gastropacha arbusculae" (Entom.
Zeitung 1860. p. 126) hat die Raupe des Spinners nachdem mehrmals
zur Verwandlung gebracht und daraus nur eine dunkle Varietät von
G. crataegi ei halten ; er zieht daher G. arbusculae Freyer als synonym
zu G. crataegi.
Wach Keferstein (Wiener Entomol. Monatsschr. IV. p. 90)
trat Orgyia selenitica im Thüringer Walde als forstschädlich an
Fichten auf.
Ueber die Katurgeschichte der Fsychiden hat Dr. 0. Hoff-
mann in Regensburg (Berl. Ent. Zeifschr. IV. p. 1 — 53) sehr einge-
hende, auf mehrjährigem Studium dieser Insekten beruhende Beob-
achtungen mitgelheilt ; dieselben erstrecken sich sowohl auf die den
Bornbyciden angehörigen als auf dieden Tineinen zugewiesenen F"ormen,
welche bei aller Verschiedenheit ihrer systematischen Merkmale in
physiologischer wie biologischer Beziehung eine grosse Ueberein-
stimmung erkennen lassen. Besonders hat der Verf. sein Augenmerk
auf eine speziellere Erforschung der Lebensweise, Verwandlung,
Fortpflanzung u. s. w. der Pscyhiden gerichtet und zugleich die Fest-
stellung der Arten dadurch zu sichern gesucht, dass er sorgsame Be-
schreibungen der Raupen sowohl als der madenförmigen Weibchennach
dem Leben aufgenommen hat. Solche Charakteristiken werden von
den Raupen und Weibchen folgender Arten geliefert: Psyche viciella,
atra, calvella, villosella, graminella, opacella, muscella, Fumea helix,
Sieboldii, pulla, plumella, bonibycella, Epichnopleryx nitideila, affinis,
betulina, sepium, Solenobia triquelrella, pineti, inconspicuella und
Talaeporia pseudobombycella. Von den Weibchen der Psyche- und
Solenobia-Arten giebt Verf. auch eine anatomische Beschreibung, wel-
che besonders auf das Aervensystem, den Darmkanal, die Tracheen
und die (Jenilalien eingeht. Den Mastdarm fand der Verf. stets mit
dem Sekrete der Vasa Malpighi angefüllt, ohne dass es gelang, das-
selbe durch Druck nach aussen zu entleeren; da er auch nienials eine
derartige Entleerung im Leben beobachtete , vermulhet er, dass der
462 Gerstae cke V : Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
After der Psychiden- Weibchen überhaupt nicht mit einer Oeffnung
versehen sei. — An Soleuobia triquetrella machte Verf. die interes-
sante Beobachtung, dass neben Mannchen und Weibchen, die sich
gegenseitig begatten, auch eine parlhenogenetische Form des letzteren
auftritt. Aus den durch das Männchen befruchteten Eiern der ge-
schlechtlichen Weibchen gehen Männchen und Weibchen zu fast glei-
chen Theilen hervor, aus den Eiern der geschlechtslosen Weibchen
dagegen nur wieder parthenogenetische Weibchen. Bringt man übri-
gens zu letzteren, wenn sie so eben ausgeschlüpft sind, Männchen,
so findet ebenfalls eine Copulation statt; über die daraus entstehende
Nachkommenschaft hat Veif. bis jetzt keine Erfahrungen gesammelt.
Noctuinä. Eine grössere Anzahl neuer exotischer Arten diag-
nosticirte W al 1 engr e n (Wien. Ent, 3Ionalsschr. IV. p, 168 (F.): Afjro-
tis clenticulosa aus dem Caffernlande, crassilinea vom Cap, frivola und
angulifera von Montevideo, Hama latipennis und exsiccata aus dem
CaiFernlande, Perigea Chinensis aus China, Noctua flavicosta aus
Patagonien, Hadena teretipalpa aus dem Caffernlande, Hecalera stri'
gicollis aus Californien, Tephrias (nov. gen.), plvmipes aus dem
Caffernlande, Sesamia bombiformis von Montevideo, Eurhipia cistel-
lalrix und opeiatrix aus dem Caffernlande, Cucullia anlarclica aus
Patagonien, Cleophana Auslralasiac von Sidney, Lophoptera squami-
fera, fnmata und Heliothis uniformis aus dem Caflernlande, Heliothis
puncligera von Sidney, Anlhoecia cysiiphora und Onca von Panama,
inflala von Honolulu, Aconlia simo, Thalpochares Coffrorum, Eraslria
fasciata, corniculans, Microphysa hypoxanlha, hypolaenia, Grammodes
insulsa, moderata, Ulotrichopus tortuosus, Toxocampa remota sämmt-
lich aus dem Caffernlande, Epidromia xanthogramma von Callao und
Renodes nephrophora von Puna.
W a 1 k er (Journal of proceed. Linnean soc, Zoology III. p. 188 ff.
beschrieb Mythimna indncens ^ Anomis mutilata, Briarda plagifera,
Steiria phryganeoides , Thevmesia? recusata, Hypernaria diffundens
als n. A. von Singapore und p. 197 Cotuza conßrmala n. A. von
Malacca.
Philippi (Linnaea entomol. XIV. p. 293 ff.) Noctua dimidiata^
Triphaena signata, Cucullia amoena und Euclidia? mtlata als n. A.
aus Chile.
Menetries (Bullet, phys.-math. de l'acad. de St. Petersbourg
XVII. 1859. p. 219) JSoctua cissigma, Amphipyra Schrenhii, Heliothis
camptostigma, Anlhoecia? sigillala, Zethes musculus und subfalcata
als n. A. vom Amur ; ebenda p. 315 Microphysa sliclica und Plusia
Bartholomaei als n. A. von Lenkoran.
Moeschier (Wien. Entum. Monatsschr. IV. p. 363 ff. Taf. 9)
Dianlhoecia subdita, Hadena exornaia und Agrotis dissona als n. A.
aus Labrador, p. 273 Hydrilla? Lepigone n. A. von Sarepta.
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 463
Staudinger (Ent. Zeitung 1859. p. 211 ff.) Bnjophila pinely
Agrofis dirempta, arenosa, unimacnla, Dianthoecia sancla, Andalusicay
Cosmia ulicis, Cleophana pectinicornis und Cucullia scrophulariphila
als n. A. aus Andalusien.
Schmidt (in Wismar) ISoch.ta florida n. A. aus RIeklenburg;
Raupe im Frühling au der Erde von niederen Pflanzen lebend, eben-
falls beschrieben. (Entom. Zeitung 1859. p. 46.)
Rogenhofer (Verhandl. der zoolog. - bolan. Gesellsch. zu
Wien X. p. 775) Cucullia fonnosa n. A. ans Ungarn.
Bellier de la Chavigncrie (Annales soc. entom. YIll.
p. 665. pl. 12) beschrieb und bildete ab Agrotis molothiiia Esp. var.
occidentalis aus dem westlichen Frankreich.
Frey er (Ent. Zeitung 1859. p. 417) erörterte die Unterschiede
von Cucullia umbratica, lucifuga, lactucae und canipanulae im Zu-
stande der Raupe und des Schmetterlings. — Wullschlegel, Ei-
nige Mittheilungen über Cucullia campanulae Freyer (ebenda 1859.
p. 100) ; Beschreibung des Schmetterlings und Nachrichten über den
Fundort der Raupe.
Sievers (Etud. entom. 1859. p. 144 f. pl. 2) gab Beschreibun-
gen und Abbildungen der Raupen von Xylina rufescens Siev. (auf
Myrica) und Hadena amica (auf Delphinium elalum).
Lederer (Wien. Ent. RIonatsschr. IV. p. 310 f.) gab Nachricht
über die Raupe von Agrotis lucipela und Eccrita ludicra ; erstere
lebt in Steinbrüchen und nährt sich von Tussilago farfara, letztere
findet sich auf Bergwiesen an Yicia cracca. Abbildungen auf Taf. 7.
Eckstein (ebenda p. 313 ff.) erörterte die Lebensweise von
Thalpochares purpurina Hübn., deren Raupe an Cirsium arvense lebt.
Die Raupe der Th. paula lebt nach Leder er (ebenda p. 317) an
Gnaphalium arenarium. Abbildungen auf Taf. 8.
Fologne (Annales soc. entom. ßelge IL p. 247) „Observation
sur la chrysalidation des chenilles du genre Brephos" theilt mit, dass
die Raupen von Brephos notha Lin. sich bei ihm in der Gefangen-
schaft zur Verpuppung in Holz einfrassen, die einen in Eichenzweige,
die anderen in die Wände des Raupenkastens.
Becker, Observations sur la chenille de l'IIadena atriplicis
(ebenda IV. p. 88 f.). Verf. beschreibt die Raupe der Had. atriplicis
und berichtet über ihre Lebensweise.
Nach L ep rieu r's Beobachtung, vonBoisduval (Bullet, soc.
entom. 1859. p. 102) mitgetheilt, ist die Raupe von Noctua (Agrotis)
saucia in Algier den Tabackspflanzungen sehr schädlich. — Nach
Guerin (ebenda p. 192) ist die dem Taback schädliche Art nicht
Agrotis saucia, sondern Agr. crassa.
Nach Keferstein (Wien. Ent. iMonatsschr. IV. p. 90) befielen
464 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
die Raupen von Agrotis segetum in Thüringen die Wurzeln einer
jungen Fichten-Anpflanzung.
J. Ho ff mann, „IN'ächllicher Schmelterlingsfang" (Jahreshefte
d. Ver. für vaterl. Nalurk. in Württemberg XV. p. 349 f.) berichtet
über das Sammeln von Noctuinen-Raupen bei Nacht mit der Laterne,
welches reiche Ausbeute gewährt.
II e r r i c h -Sc h ä f f e r (Correspoudenzblatt d. zoolog.-mineral.
Vereins zu Regensburg XIV. p. 67 u. 154 fF.) setzte seine Revision
der von Guenee, Walker und Leder er aufgestellten Koctuinen-
Gattungen weiter fort. — Eine in gewohnter Weise abgefasste Ent-
gegnung lieferte Lederer (Wien. Ent. 31onatsschr. IIL p. 186 und
193 ff.): „Ein Paar Worte über Dr. Her r i ch - S c h ä f f e r's Critik
meiner Koctuinen Europas."
Dranidae. Nyctalemon (Alcidis) Cydnus n. A. unbek. Vaterl.
und Liris n. A. von Batchian beschrieb Felder (Wien. Ent. Mo-
natsschr. IIL p. 179. Taf. 3 und IV. p. 250).
Geometridae. Walker (Journ. proceed.Linn. soc, Zoologylll.
p. 193 ff.) machte folgende neue Gattungen und Arten von Singapore
bekannt: 1) Bulonga n. g. (Ennomidae) Körper schlank, Saugrüssel
sehr kurz, drittes Glied der kurzen Taster mit dem zweiten einen
stumpfen Winkel bildend; Beine zierlich, nackt, Vorderschienen sehr
kurz, Flügel breit, die vorderen spitz, mit schrägem Aussenrande. —
Art: B. schislacearia, 6 Lin. — 2) Daristane n. g. (Amphidasydae)
Körper plump, Saugrüssel ganz kurz, Taster kurz, stumpf, mit sehr
kleinem drillen Gliede, Fühler borstenförmig ; Beine kräftig, Vorder-
schienen sehr kurz, die hinteren breit, mit langen Sporen, Flügel
kurz und breit, die vorderen spitz. — Art: D. libiaria, 5 Lin. —
Keue Arten: Epliyra quaclristriaria, Anisodes expunclaria und Ti-
mandra Ajaiü'
Brackenridge -Clemens (Proceed. acad. nat. scienc. Phi-
ladelphia 1860. p. 214) beschrieb Doryodes (eine Gattung Guenees,
die er eher den Noctuinen zugerechnet wissen möchte) acutaria Herr.-
Sch. und spadaria Gucn.
Saunders, On the genus Erateina Doubl, v/ith descriplions
of some new species (Transact. enlom. soc. V. p. 261 — 267. pL 16).
Verf. giebt Beschreibungen und schöne Abbildungen von Erateina
undulata, sinuala, regina, lineata, margarila und ohscura n. A.,
sämmllich von Bogota. Acht Arten der Gattung, welche auf die Ge-
birge des tropischen Amerika beschränkt ist, wurden schon früher
von Donbleday, Guenee und Her rieh -Seh äffer bekannt ge-
macht, so dass gegenwärtig deren 14 exisliren.
Wallengren (Wien. Ent. Monatsschr. IV. p. 175 f.) diagnosti-
cirte Thalassodes strigigera n. A. von Sidney, Gnophos fuscovariata
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 465
aus Brasilien, Euholia meridionalis aus Patagonien und Cidaria in,"
sulariata von Madeira.
Menetries (Bullet, phys.-nialh. de l'acad. de St. Pelersbourg
XVII. 1859. p. 220 f.) beschrieb Geometra glaucaria^ herbacearia^ Am-
phidasys Middendorßi und Zerene ßavipes als n. A. vom Amur.
Moeschier (Wien. Entom. Monatsschr. IV. p. 373 (F. Taf. 10)
Acidalia frigidaria, Cidaria obductata, destinata und Eupithecia ge~
lidala als n. A. aus Labrador.
Stainton (Annais of nat. bist. 3. ser. III. p. 209 f.) Eupithecia
insulariata und Acidalia Allantica als n. A. von Madeira.
Staudinger (Entom. Zeitung 1859. p. 216 ff.) Aidalia nigro-
barbata, calunetaria, miserata, Elicrina cauteriata, Hetnerophila fra-
ctaria, Boarmia? Atlanticaria, Cidaria Alfacaria und Alhambrata
als n. A. aus Andalusien.
Einzelne neue Arten sind ferner : Eupithecia mminata Double-
day (Zoologist p. 6103) aus England, Cidaria conspectaria Mann
(Wien. Ent. Monatsschr. IIL p. 104) aus Sicilien und Geometra apri-
linaria Doumerc (Bullet, soc. ent. 1859. p. 141) aus Frankreich;
letztere soll der Geom. betularia Lin. sehr ähnlich sein und wurde
aus einer Raupe, welche Rosenblälter frass, erzogen.
Hattet, Sur une variete remarquable de la Strenia clathrala
Linn. (Annales soc. entom. VII. p. 559. pl. 14). Die abgebildete Va-
rietät hat fast vollständig schwarze Flügel , auf welchen nur gegen
den Hinterrand zu einige weisse Tupfen übrig geblieben sind.
Beliier de la Chavignerie (Annales soc. entom. VIII,
p. 699. pl. 12. fig. 8 u. 9) bildete Apocheima flabellaria aus Sicilien
nebst der Raupe, welche beschrieben wird, ab; letztere lebt auf
Senecio und Chrysanthemum und ist grün mit carminrothen Dornfort-
sätzen. — Note sur l'Acidalia pallidata W. V. (ebenda VII. p. 111 f.).
Werneburg, „Einige Bemerkungen über die Spanner des
Genus Eugonia Hübn." (Entom. Zeitung 1859. p. 354 ff.). Verf. erör-
tert elf von den Autoren aufgestellte Arten der Galtung in synony-
mischer Hinsicht und reducirt dieselben durch Kachweis einiger als
Varietäten auf sechs. Die Geom. alniaria Lin. ist nach ihm gleich
tiliaria Borkh. ( canaria Hübn.), quercinaria Hufn. = angularia
Treitschke.
Speyer (Entom. Zeitung 1860. p. 375) fand Larentia infidaria
la Harpe auch in Thüringen.
Ueber Guenee's „Uranides et Phalenites" hat Lederer (Wien.
Entom. Monatsschr. IV. p. 121, 150 u. 182 ff.) jetzt auch seine Bemer-
kungen gemacht.
Pyralidae et Crambidae. Eine neue Gattung £pipaso/tta, zur
Herrainiden-Gruppe gehörend, charakterisirle Brackenridge-Cle-
mens (Proceed. acad. nat. scienc Philadelphia 1860. p. 14). Sie
Archiv f. Naturg. XXVIT. Jahrg. 2. Bd. Ee
466 Gerslaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
zeichnet sich durch einen gegliederten Anhang, welcher vom Basal-
gliede der Fühler entspringt, rückwärts gekrümmt und von Thorax-
länge ist und an der Spitze Schuppen und gespreizte Haare trägt,
aus. Ocellen fehlend, Augen rund, hervortretend, Kiefertaster kurz,
Lippentaster nicht den Scheitel überragend, zugespitzt, das 3. Glied
kurz, undeutlich. — Art: E. superatalis Nord-Amerika.
Derselbe (ebenda 1S60. p. 203 IT.) beschrieb aus der Cram-
biden - Gruppe als neue Arten : Cramhus agitatelhis , laquealellus,
involutellus, camurellus, luleolellus, caliginosellus, mutabilis^ vulgi-
vagellus, albellus, elegans, Girardellus, auratellus, Chilo longiostrel-
lus, melinellus und aquilellus. — Aus der Phyciden-Gruppe : Nepho-
pteryx undulatella , ?ulmi - arrosorella , Pempelia? virgafella und
? subcaesiella, Ephestia ostrinella und Zeae Fitch, Lanthaphe n. g.,
scheint mit Acrobasis Zell, nahe verwandt ; Vorderflügel beim Männ-
chen mit kleinem durchsichtigen Scheibenfleck, der beim Weibchen
fehlt, Diskoidalzelle scheint ungeschlossen. Ocellen vorhanden, Augen
gross und hervortretend, Lippentaster beim Männchen weit den Schei-
tel überragend, ihr 1. und 2. Glied sehr kurz, das 3. sehr lang, der
Länge nach gefurcht; Kiefertaster kurz, mit einem Pinsel langer,
ausspreitzbarer Haare, in der Scheide der Lippentaster verborgen. —
Arten: L. platanella und asperatella.
Derselbe (ebenda p. 215 ff".) beschrieb Desmia maculalisWestw.,
Eustales n. g. (vergebener Name! Curculionen) Tedyuscongalis
(soll aufl'allend der Oligostigma juncealis Guen. gleichen), Hydro-
campa'i formosalis, Cataclysta fulicalis und ?helopalis, Sironia n. g.
maculalis als n. A. aus Nord-Amerika.
Staudinger (Entom. Zeitung 1859. p. 220 ff".) beschrieb Her-
Cyna Nevadaiis, Botys Granatalis, glyceralis, aconlialis mit einer
var. senicalis (vielleicht eigene Art), Crambus Alfacarelhts, Pompelia
integella, Hispanella , Nephopteryx? pineae^ mendacella, albilineella^
sublineatella, Myelois Cassandrella, incensella, rhizobiella, Nyctegre-
tis? alhiciliella, Acrobasis obliterella, glycerella^ glaucella, Ephestia
labeonella, xanthotricha, parasitella und Anerastia arenosella als n. A.
aus Andalusien.
Wallengren (Wien. Ent. Monatsschr. IV. p. 174) diagnosticirte
Hyalea fulvidalis n. A. von Taiti, Isopteryx signiferalis ebendaher,
Rhodaria cinnamomealis vom Cap, Salbia squamosalis von Puna und
continuatalis von Honolulu.
Stainton (Annais of nat. bist. 3. ser. III. p. 210 0".) beschrieb
Eudorea decorella, acumitiatella und Myelois cinerella als n. A. von
Madeira.
Mann (Wien. Ent. Monatsschr. III. p. 162 f.) Botys dispcrsalis
und Myelois centunculella als n. A. von Sicilien.
V, Heyden (Jahresbericht d. naturf. Gesellsch. Graubündtens V.
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 467
p. 93 f.) Uerminia modeslalis und Bolys sororialis .nls n. A aus dem
Ober-Engadin. — In der Entern. Zeitung 1860. p. 115 f. beschreibt
der Verf. die Raupe von Botys institialis Hübn., welche gesellig zwi-
schen den Blättern von Eryngium campestre lebt und diejenige von
Nephopteryx similella Zink., im August zwischen Eichenblättern.
Moeschier (Wien. Entoni. 3Ionatsschr. IV. p. 274) beschrieb
Anerastia delicatella als n. A. von Sarepta und (ebenda p. 55) Acen-
tropus latipennis n. A. von Sarepta, welche in ihren Unterschieden
von Acentr. niveus erörtert wird.
Nach Hagen Entom. Zeitung 1859. p. 203) kommen von dem
Weibchen des Acentropus niveus zwei Formen, eine mit kurzen und
eine andere mit langen Vorderflügeln vor; die bei St. Petersburg
gesammelten Exemplare stimmen mit den Englischen überein. Nary-
cia elegans Steph. (als Phryganide beschrieben) ist identisch mit
Xysmatodoma melanella Steph.
Goureau (Bullet, soc. entom. 1859. p. 7) erzog Ephestia
elutella aus einer in Datteln lebenden Raupe und erwähnt, dass die-
selbe Raupe nach Stainton auch in Cacao - und Caffee - Bohnen
vorkomme.
Frey er (Entom. Zeitung 1860. p. 97) widerlegte die allge-
mein verbreitete Ansicht, dass die Raupe der Thyris fenestrina gleich
den Sesien im Mark von Pflanzenstengehi lebe. Dieselbe hat ganz
das Ansehen einer Wicklerraupe und zieht die Blätter von Clematis
vittalba dütenartig zusammen.
Tortricina. ßrackenridge-Clemens (Proceed. acad. nat.
scienc. Philadelph. 1860. p. 345) machte eine grössere Reihe Nord-
Amerikanischer Arten und Gattungen dieser Familie bekannt: An-
iithesia (Gattung charakterisirt) nimbatana; bipartitana, ? coruscana^
Lozotaenia (^Gattung charakterisirt) Rosaceana Harr, und fervidana^
Peronea (Gattung charakterisirt) Viburnana, Tlatynota n. g. (ver-
gebener Name!) Vorderflügel mit Schöpfen und Linien von erhabenen
Schuppen, Costa beim Männchen an der Basis breit gefaltet, Kopf
glatt, mit verlängertem Scheitel, Gesicht fast nackt, durch die Lip-
pentaster verdeckt, welche dasselbe um mehr als die Hälfte der Länge
überragen; Fühler unterhalb behaart, Saugrüssel verkümmert. — Ar-
ten : Fl. senlana und jlavedana. — Anchylopera (Gattung charakteri-
sirt) spireaefoliana. — Dysodia n. g. Vorderflügcl mit einem
glasartigen Fleck auf der Scheibe, Hinterflügcl mit einem gleichen
grösseren und gewinkeltem und ausgebuchfetem Hinterrande ; Ocellen
fehlend, Taster das Gesicht um ein Driltlheil seiner Länge überra-
gend, das 1. Glied dicht behaart, das 2. spitz zulaufend, aussen mit
einer Rinne, Saugrüssel von halber Körperlänge ; alle Schenkel und
Schienen lang behaart. — Art: D. oculalana. — Sligmonota (Galtung
468 (ierslaecker: Bericht ül)er die wissenschaftlichen Leistungen
charakterisirt) inier sliclana, Ilalonola (Gattung charakterisirt) simtilana
und incanaua , Ephippipliora (Galtung chaiakterisiit) parmatana. —
Atnorbia n. g. Vorderflügel an der Basis so breit als am Innen-
winkel, Costa mit zerstreuten Büscheln von Schuppen; Kopf glatt,
Ocellen fehlend, Gesicht fast nackt, Fühler borstenförmig, Taster das
Gesicht fast um die Hälfte seiner Länge überragend, ihr Endglied an
der Basis von seiner Bekleidung ganz umhüllt. — Art: A. humero-
sana. — Croesia? (Gattung charakterisirt) rclicidalana und ? snlfu-
reana, Poccilochroma? (Gattung charakterisiit) dorsisignatana und simi-
liana. — Monosphragis n. g. Vorderflügel beim Männchen mit
einer dicht angedrückten, breiten und gerundeten Falte an der Basis;
Ocellen vorhanden, Fühler dick, mit dicht aneinander gedrängten
und rauhen Gliedern, Taster so lang wie das Gesicht, ihr Basal-
glied mit Haarschuppen, das Endglied klein. — Art: M. otiosana.
— Loz-opera? (Gattung charakterisirt) angustana, Ärgyrolepia? (Gat-
tung charakterisirt) lepidana, — C o elo st athma n, g. Subco-
stalis mit zwei Randnerven von der Diskoidalzelle , Apicalast gegen
das Ende gegabelt; Fühler beim Männchen gefiedeit, Taster um
die Hälfte länger als das Gesicht, gegen das Endglied hin zuge-
spitzt, das Mittelglied von der Mitte bis zur Spitze oberhalb mit
langen Schuppen. — Art: C. discopnnctana. — Sinicrotes n. g.
Hinterflügel an der Costa etwas jenseits der Mitte ausgebuchtet, ihre
Subcostalis nahe der Flügelspitze gegabelt: Ocellen klein, Gesicht
schmal und rauh, Fühler behaart, Taster um Vi länger als das Ge-
sicht, ihr Mittelglied abgestutzt, das Endglied von den Schuppen des
vorhergehenden verdeckt, klein. — Art: Sm. peritana. — E x ar-
te ma n. g. Hinterflügel breiter als die vorderen, am Hinterrande
stumpf gewinkelt, am Innenrande tief und scharf ausgeschnitten, mit
einem cylindrischen Anhängsel längs des Innenrandes; Ocellen vor-
handen, ein Haarbusch zwischen den Fühlern, Taster gekrümmt, dem
Gesichte anliegend, bis zur Fühlerbasis reichend. — Arten: E. nili-
dana, permundana, versicolorana^ inornatana, fasciatana. — Hedya
(Gattung charakterisirt) pyrifoliana und Scndderiana, Bactra? (Galtung
charakterisirt) argulana, Endopiza ? (Gattung charakterisirt) viteana,
? agilana, Carpocapsa pomonella Lin. und Joplocama n. g. Vor-
derflügel mit grossem, deutlichen Augenfleck, an der Basis fast so
breit als am Innenwinkel, Hinlerflügel noch breiter, der obere Ast
der Mediana bei der Mitte gegabelt; Gesicht breit, Augen klein, Füh-
ler sehr fein gewimpert, Taster um mehr als die Hälfte länger als
das Gesicht, unterhalb sehr dicht behaart. — Art: J. formosana.
Staudinger (Entom. Zeitung 1859. p. 227 fl".) beschrieb Tortrix
Cupidinana, Cochylis Simotiiana, reversana, pontana, carpophilana,
exfensana, pudorana, coercitana, moribundana, meridiana, favillana,
Penthina pavperculana, Coccyx? nobiliana, Sericoris hibernana, Pae~
im Gebiete der Entomologie v>ährcnd der Jahre 1859 u. GO. 469
disca arclana , Carpocapsa pulaminana, Grapholilha sonUcomana,
gilviciliana, salvana, paediscana und Phoropteryx sparulana.
Stainton (Annais of nat. bist. 3. ser. III. p. 211) Tortrix?
relicnlata, Tortr. siibcostana und reliferana als n. A. von Madeira.
Moescbler (\Yien. Ent. 3Ionatsschr. IV. p. 380. Taf. 10. fig. 10)
Sericoris glaciana als n. A. von Labrador, Mann (ebenda III. p. 167)
Cochylis vicinana als n. A. aus Sicilien.
Lederer (Wien. Eni. Monatsschr. III. p. 118, 141, 241 u. s. w.)
gab unter dem Titel: „Classifikation der Europäischen Torlricinen"
ein synonymisches Verzcichniss der Europäischen Wickler nebst einer
Charakteristik der Gattungen. Von letzleren werden folgende als
begründet aufrecht erhalten, resp. neu aufgestellt: Rhacodia Hübn.,
Teras Tr. . Tortrix Tr., Zelot lierses n. g. für albociliana Herr.-
Sch., Sciaphila Tr., Doloploca Hübn., Olindia Gucn., Cheimatophila
Steph., Sphaleroptera Guen., Conchylis Tr. , Phlheochroa Steph.,
Pygolopha n. g. für P. linacriana, eine neue hier beschriebene Art
von Messina, Retinia Guen., Pentina Tr., Eccopsis Zell., Lobesia Guen.,
Acroclita n. g. für T. arctana Staud., Pelatea Guen., Grapholitha Tr.,
Rhopobota n. g. für T. naevana Hübn., Crocidosema Zell, T m e-
locera n. g. für T. ocellana Tr., CarpocapsaTr., Dichrorampha Guen.,
C opt ol oma n. g. für T. janthinana Dup., Phthoroblastis n. g.
für T. fimbriana Haw., argyrana Hübn. u. a.
He r r i c h - S c h ä f f e r (Correspondenzblatt d. zoolog.-mineral.
Vereins zu Regensburg XIV. p. 168 ff.) theilte ebenfalls seine Ansichten
über die Classifikation der Tortricinen mit, nachdem er die Eiiithei-
lungen Gu en ee's, W i 1 k i n s o n's und besonders Lederer's einge-
hend besprochen. Von den durch letzteren theils beibehaltenen,
theis neu errichteten Gattungen verwirft er mehrere als auf unwe-
sentlichen oder nur einem der beiden Geschlechter zukommenden
Merkmalen beruhend.
Lucas, „Note sur les mouvements que la chenille de la Car-
pocapsa Deshaisiana imprime aux graines d'un Euphorbe du Mcxique,
dans lesquelles eile se metamorphose" (Annales soc. enlom, VII.
p. 561 f.) theilte fernere Beobachtungen über die Sprungbewegungen
der von Carpocapsa-Larven bewohnten Mexikanischen Euphorbien-
Samen mit.
Eine zweite Larve, die ganz analoge Erscheinungen hervorruft,
hat Westwood (Proceed. entom. soc. V. p. 27) in den Sanjen der
Feruvianischen Calliguaja aufgefunden; er diagnosticirt die Art unter
dem Namen Carpocapsa saltitans.
Frauen fei d (Verhandl. d. zoolog.-bot. Gcsellsch. zu Wien IX.
p. 322) beschrieb eine Grapholitha aus Gallen von Tamarix arliculata,
bei Alexandrien von ihm aufgefunden, für welche er unter Beseiti-
470 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
gung des früher von ihm vorgeschlagenen Namens die Benennung
Graph. Pharaonana KoU. annimmt.
Goureau (Bullet, soc. entom. 1859. p. 25) fand die Raupe
von Argyrolepia flagellana im Innern des Stengels von Eryngium
campestre, in welchem sie Gänge aushöhlt; zuweilen leben zwei bis
drei Raupen in demselben Stengel. — Nach demselben Verf. (ebenda
p. 32) gehört die in Pflaumen lebende Raupe der Carpocapsa fune-
brana an, welche in gleicher Weise, wie es Carp. pomonana mit den
Aepfeln macht, das Abfallen der Pflaumen bewirkt.
Wocke (37. Jahresbericht d. Schlesisch. Gesellsch. f. vaterl.
Cultur p. 98) gab Nachricht von den Raupen der Tortrix flavana und
lusana Herr. -Seh.; die der ersten Art lebt im Gebirge an den Blättern
von Petasites albus, die der letzteren ebenda auf Luzula albida.
V. Heyden (Entom. Zeitung 1860. p. 116fr.) erörterte die
ersten Stände und deren Lebensweise von folgenden Arten: Argyro-
toxa Hofl'mannseggana Hübn. (Raupe in den Beeren von Ligustrum
vulgare), Coccyx zephyrana Tr. (Raupe in der Wurzel von Eryngium
campestre), Phtheochroa rugosana Hübn. (Raupe zwischen den zu-
sammengesponnenen Blüthen-Büscheln von Bryonia dioica), Grapho-
Htha gallicolana v. Heyd. (Raupe auf Eichen, in den Gallen von
Cynips terminalis).
Tineina. Von Staudinger (Entom. Zeitung 1859. p. 234 fl".)
wurden folgende neue Gattungen und Arten aus Andalusien bekannt
gemadit: 1)Dissoctena n. g., neben Talaeporia. Stirn und Scheitel
beschuppt, Ocellen fehlend, Taster und Zunge rudimentär, Fühler des
Männchens 19- bis 23-gliedrig, lang gekämmt, an den Kauzähnen
mit Wimpern und langen Schuppen besetzt. Weibchen flügellos, am
After mit weissem Wollbusch; Raupen sacktragend. — Art: D. gra^
nigerella. — 2) Epidola n. g., neben Megacraspedus. Scheitel und
Stirn mit anliegenden Haaren, Ocellen fehlend, ebenso scheinbar die
Kiefertaster und der Rüssel, Lippentaster mittellang, nach unten ge-
neigt, das 3. Glied durch die lange Beschuppung des 2. verhüllt;
Fühler des Weibchens fadenförmig, aussen rauh beschuppt, das Ba-
salglied beiderseits mit einer Reihe Borsten. Vorderflügel lang und
spitz, Hinterflügel vor der Spitze kurz ausgeschnitten, Mittel- und
Hinterschienen anstatt der Sporen mit einem kurzen Hornstachel. —
Art: E. stigma. — d) Alloclita n. g., zwischen Oecophora und
Gelechia. Kopf mit angedrückten Schuppen, Fühler fadenförmig, an
der Basis mit Borstenkämmchen, Ocellen fehlend, Kieferlaster kurz,
Lippentaster lang, weit auseinanderstehend, mit dünnem, spitzen 3ten
Gliede; Vorderflügel länglich, Hinterflügel lanzettlich, ohne Aus-
schnitt. — Art: A. recisella. — 4) Slaintonia n. g. , nächst Bu-
talis, durch den zusammengedrückten Leib, dessen Ränder durch ab-
stehende Sckrti^pen gezähnelt erscheinen, unterschieden; Fühler dicket-,
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 471
Mittelzelle der Ilinterflügel ganz offen. — Art : St. Medinella. — 5)
Fhyllohr 0 sti s n. g., nächst Biicculatrix, jedoch ohne Augendeckel,
Scheitel nicht ganz rauh behaart, sondern in der Mitte flach be-
schuppt; ücellcn und Taster fehlen, Saugrüssel ganz kurz und nackt,
Fühler fadenförmig mit Borstenwisch am verdickten Basalgliede. —
Art: Ph. Daphneella. — Neue Arten: Talaeporia improvisella, Tinea
tnurariella, cubiculella, viteUinella, ? paradoxella, Micropleryx imper-
fectella, Adela homalella, Nemotois albicilio.llus, Depressaria Cachri-
tis, velox, sublutella, slraminella, Nolhris declaratella, senliceldla,
Symmoca dodecatella, Lecithocera pallicornella^ Gelechia plutelUfor-
mi$, helotella, contuberniclla, ternatella, ulicinella, disjectella, «o-
cturnella, promptella, ßgtdella, imperitella, epithymella, dejectella,
Gaditella, Megacraspedns snbdolellus, HypsolopJms Cisti, limbipunctel-
lus, bubulcelhis, Pterolonche inspersa, Anchinia sobriella, planella,
teligerella, Oecophora mercedella, detrimentella, filiella, Butalis sci-
pionella, xantfiopygella, biforella, insulella, pulicella, humillimella^
cupreella, hibernella, bimerdella, Pancalia Grabowiella, Acrolepia So-
lidaqinis, Tinagma ihymetelhtm, Coleophora spumosella, solenella^ lu-
tatiella , semicinerea, coarclella , congeriella, vestalella, struella,
solidaginella, biseriatella, lassella, arefactella, Elachista piperatella,
Lithocolletis Chiclanella, hesperiella, belotella, Agdistis manicata.
Brackenridge- Clemens (Contribulions to American Le-
pidopterology, Proceed. acad. nat. scienc. Philad. 1859. p. 256 ff.)
lieferte Beschreibungen von einigen Nord-Amerikanischen Tineinen,
welche er vier verschiedenen Gattungen zuertheilt, nämlich : Tinea
Fab., Xylestia n. g., Atnydria n. g. und Anaphora n. g. Die
Gattung Tinea wird durch rauhen Kopf, cylindrische Taster, deren
zweites Glied oberhalb beborstet ist, den kaum die Länge der Lip-
pentaster erreichenden Saugrüssel und den Mangel der nackten Stelle
um die Augen charakterisirt. Bei Ainydria und Xijlesthia sind die
Taster unterhalb gehuschelt, erstere Gattung durch den Mangel des
Rüssels von der zweiten, wo er fast die Länge der Lippentaster er-
reicht, unterschieden. Bei Anaphora sind die Taster beim Weibchen
unten haarig, beim Männchen sehr lang und zurückgebogen , die
Fühler bei beiden Geschlechtern unterhalb gesägt, der Saugrüssel
verkümmert. — Die beschriebenen Arten sind: Tinea bißavimacu-
Ulla, dorsistrigella, crocicapitella, camariella, lanariella, nubilipe-
nella und variatella, Xylesthia pruniramiella, Ainydria effrenlella,
Anaphora plumifrontella, Popeanella und arcanella. Von mehreren
dieser Arten wird zugleich die Naturgeschichte der ersten Stände
erörtert.
Derselbe (ebenda p. 317— 328) bearbeitete die der Lithocol-
letis-Gruppe angehörenden Kord - Amerikanischen Tineinen, welche
den Gallungen Lithocolletis, Tischcria, Phyllocnistis und Leucan-
472 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
thiia n. g. angehören. Letztere besitzt auf dem Kopfe einen
kleinen Hnarschopf, der den Scheitel jedoch nicht überwölbt, in den
Vorderflügeln drei Snbcostomarginal-Adern und zwei aus dem Ende
der zugespitzten Diskoidalzelle hervorgehende Adern. — LithocoUetis
16 Arten: L. lucidicostella, Robiniella, Jesmodiella, aeriferella, ba~
sistrigella, argentifimbriella, obscuricostellttf ostryaefoliella, lucetiellaf
obstrictella, caryaefoliella, aceriella, gulHfinitella, cralaegella, hama~
dryadella und argentinotella. — Tischeria Zell, 3 Arten : T. solida~
ginifoliclla, Zelleriella und cilripennella. — Phyllocnistis Zell, mit
1 Art: Fh. ritegetiella. — Leucanthiza 1 Art: L. amphicarpeaefoliella.
Von den meisten Arten sind dem Verf. zugleich die Larve und Puppe
bekannt geworden, deren Lebensweise, Nahrungspflanze, Verwandlungs-
zeit u. s. w. er eingehend erörtert.
Derselbe (ebenda 1860. p. 4 — 13) beschrieb ferner folgende
neue Arten und Gallungen: Coleophora coruscipennella, laticornella,
coenosipetmella, infuscatella, cretaticostella, Incurvaria russatella und
acerifoliella Fitch (Ornix), Plulella vigilaciella, limbipennella und
mollipedellaf Gracilaria superbifrontella, fulgidella, venustella, stri-
gifinitella, violacella, Argyresthia oreasella, Ornix trepidella, fesli-
nella, crataegifoliella, Hyponomenta multipunctella, Bedellia? Slain-
toniella (Gattung von der gleichnamigen Stai n t o n'schen etwas
abweichend und daher vom Verf. charakterisirt). C o smi ot e s n. g.
Vorderflügel schmal lanzettlich eiförmig , mit spitz geschlossener
Diskoidalzelle, Subcostalvene gegen die Flügelbasis verdünnt, in drei
Randäste getheilt (von denen der erste etwa bis zu ihrer Mitte
reicht) und vom Scheibenvvinkel einen dreilheiligen Ast aussendend;
Mediana am Ende zwei- oder dreiästig, Submediana einfach. Hin-
terflügel ohne Diskoidalzelle, Kopf glatt, Ocellen fehlend, Gesicht
gerundet und fast gleich breit; Lippentaster schlank, zugespitzt, 2tes
Glied leicht zusammengedrückt, Kieferlaster fehlend, Fühler seitlich,
kaum von Körperlänge. — Arten : C. illectella, maculosella, mada-
rella. — Cosmopteryx ? gemmiferella (Gattung charakterisirt). — Eu-
darcia n. g. Kopf und Gesicht rauh, Ocellen fehlend, Augen klein,
Lippentaster kurz, 3. Glied fast so lang und weniger dick als das
zweite; Kiefertaster lang, zusammengeschlagen, 5- oder 6-gliedrig,
Fühler genähert, reichlich so lang als die Vorderflügel. Von der
Subcostalvene geht bei der Mitte ein Gabelast, beim ersten Dritttheil
ein langer Randast ab; Diskoidalzelle geschlossen, einen einzelnen
Ast zum Innenrande sendend , Mediana in drei Aeste gelheilt, l^ub-
mediana an der Basis gegabelt; Hinterflügel mit ungeschlossener Dis-
koidalzelle. — Art: JE. simulatricclla. — Antispila nysaefoliella
und cornifoliella. — Aspi disc et n. g. Vorderflügel ohne Diskoi-
dalzelle, Mediana fehlend, Kopf und Gesicht glatt, letzteres breit und
unterhalb spitzig hervortretend : Ocellen fehlend, Augen sehr klein,
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 473
von oben gar nicht sichtbar, Fühler kaum halb so lang als die Vor-
derflügel, dick, Kiefertaster, Lippenlastcr und Rüssel fehlend. — Art:
A. splendoriferella, Larve minirt die Blätter von Crataegus tomen-
tosa. — Diacho ri s ia n. g. Vordertlügel zugespitzt mit undeutlich
geschlossener Diskoidal - und leicht angedeuteter Anhangszelle ; drei
Aeste vom Diskoidalnerven zum Innenrande, Rlediana ohne Aesle, Sub-
mediana einfach, Ilinterflügel lanzettlich, mit einem schwachen die
Diskoidalzelle schliessenden Nerven. Kopf rauhhaarig, Ocellen feh-
lend, Augen gross und rund , hervortretend, Fühler seitlich, halb so
lang als die Yorderflügel ; Kiefertaster lang und zusammengeschlagen,
Lippentaster schlank, cylindrisch, das 3. Glied fast so lang wie das 2.
— Art: D. velatellü' — Bncculatrix {^.) coronalella (Gattung cha-
rakterisirl).
Derselbe (ebenda 1860. p. 161 ff.) : Anorthosia n. g. Vor-
derflügel schmal, etwas lanzettlich, mit vierästiger Mediana, Hinter-
flügel am Aussenrande hinter der Spitze etwas ausgebuchtet, mit
dreiästiger Mediana. Kopf glatt, Stirn gerundet; Ocellen und Augen
klein , Fühler um % kürzer als die Vorderflügel, Kiefertaster sehr
klein, Lippentaster lang und vorgestreckt, besonders das mit langen,
aufrichtbaren Haaren besetzte 2. Glied stark entwickelt. — Art: A.
punctipennella. — Gelechia cerealella, agrimoniella , ? ßavocosiella,
?roseosuffusella , rhoifructella, ? rubidella, flexurella , mimella und
? detersella. — Str o bisia n. g. Vorderflügel stumpf und hinten
gerundet, Subcostalis und Mediana mit vier Aesten ; Hinterflügel tra-
pezoidal, nicht breiter als die vorderen, Subcostalis zwei-. Mediana
dreiästig. Kopf glatt, Stirn gerundet , Ocellen gross, Augen oval,
schräg, Lippentaster kurz, aufgebogen, Kiefertaster kurz, deutlich ;
Saugrüssel fast so lang als der Thorax, Fühler dünn, einfach. —
Arten: Str. iridipennella und emblemella. — Endrosis ? Kennicottella^
— Evag ora n. g. Vorderflügel ziemlich schmal und schräg zu-
gespitzt, die Subcostalis drei Randäste abgebend, die Mediana vier-
ästig; Hinterflügel vor der Spitze tief ausgerandet. Slirn gerundet,
Gesicht schmal, Ocellen fehlend, Augen rund, Fühler ziemlich dick,
einfach, Lippentaster kurz, cylindrisch, das 3Iittelglied mindestens um
die Hälfte länger als das Endglied; Kiefertaster nicht sichtbar, Saug-
rüssel kürzer als die Lippentaster. — Art: E. apicitripunclella. —
Tricho taphe n. g. Vorderflügel kaum zugespitzt, mit schrägem
Hinterrande, geschlossener Diskoidalzelle und vier von der Subcosta
zur Costa verlaufenden Nerven ; Hinterflügel in der Mitte der Costa
ausgerandet. Mediana dreiästig. Kopf glatt, Ocellen fehlend, Augen
rund, Mittelglied der Lippentaster leicht gebogen und seillich zu-
sammengedrückt, Endglied kürzer und dünner; Kiefertaster kurz,
deutlich, Fühler mehr denn halb so lang als die Vorderflügel, Saug-
rüssel fast von Thoraxlänge. — Arten: T. setosella üni\ juncidelia.
474 (f erstae ck e r : Bericht über die Avissenschaftlichen Leistungen
— Callima n. g. (vergebener Name! Rhopalocera ) Vorderflügel
eiförmig, stumpf zugespitzt, mit vier von der Subcosta zur Costa
verlaufenden Nerven, Submediana an der Basis gegabelt; Ilinter-
flügel schmaler und kürzer als die vorderen, in der Mitte der Costa
ausgerandet. Kopf glatt, Gesicht schmal, Ocellen fehlend , Augen
rund , Lippentastcr mit längerem Mittelgliede, Maxiliartaster fehlend,
Saugrüssel etwas länger als die Vorderhüften. — Art: C. argenli-
cinctella. — ISomia n. g. (Name vergeben, später in Chrysopora
umgeändert). Vorderflügel schmal oval lanzettlich, mit langer, schma-
ler, nicht geschlossener Diskoidalzelle, Mediana zweiästig, Subme-
diana an der Basis gegabelt; llinterflügel schmaler als die vorderen,
mit breiter , nicht geschlossener Diskoidalzelle und dreiästiger Me-
diana. Kopf glatt, Stirn breit und gerundet, Octllen fehlend, Augen
oval, Lippentaster kurz mit sehr kleinem Endgliede; Kiefertaster nicht
wahrnehmbar, Fühler dick, von halber Flügellänge, Saugrüssel zart,
länger als die Vorderhüften. — Art: N. lingulacella. — Trypa-
nisma n. g. Vorderflügel oval lanzettlich, Diskoidalzelle schmal
und verlängert eiförmig. Mediana dreiästig; Hinterflügel schmaler als
die vorderen , Diskoidalzelle breit, Costa in der Mitte leicht ausge-
randet. Mediana dreiästig. Kopf glatt, Stirn gerundet und breit,
Ocellen fehlend, Augen oval, Lippentaster massig gross, 2. und 3.
Glied gleich lang; Kiefertaster nicht wahrnehmbar, Saugrüssel kaum
so lang als die Lippentaster, Fühler einfach und dünn. — Art: Tr.
prudens. — Butalis ftiscicomella, flavifrontella und matutella, Anar-
sia? (Galtung ausführlich charakterisirt) pruniella. — Stilbosis n. g.
Vorderflügel schmal und zugespitzt, Diskoidalzelle off'en, lang und
sehr schmal, drei Nerven von der Subcosta zur Costa, Mediana drei-
ästig; Hinterflügel mit offener Diskoidalzelle und dreiästiger Mediana.
Kopf und Gesicht glatt, Ocellen fehlend, Augen klein und oval, Lip-
pentaster mit gleich grossem Mittel- und Endgliede, Fühler ziemlich
kurz und dick, Saugrüssel kurz. — Art: St. tesquella. — Laverna
luciferella und Eloisella, Chrysocorys Erythriella und Elachista prae-
maturella. — Brenthia n. g. Vorderflügel keilförmig, hinten ge-
rundet, Subcostalis in zwei Aeste getheilt bei der Verbindungsstelle
mit dem üiskoidalnerven, aus dem fünf Nerven zum Hinterrande lau-
fen ; Hinterflügel breit eiförmig, Diskoidalzelle drei Nerven zum
Hinterrande abgebend. Kopf glatt, Stirn gerundet, Ocellen gross,
Augen oval, Endglied der Lippentaster kürzer als das zweite, Fühler
dünn, beim Männchen dicht gewimpert. — Art : Br. pavonacella. —
Pigritia n. g. Vorderflügel schmal und lang, zugespitzt, mit drei-
astiger Mediana , Hinterflügel schmal lanzettlich, mit breiter Basis.
Kopf glatt, Stirn breit und gerundet, Augen oval, vertikal, Ocellen
klein, Lippentaster sehr kurz, 1. und 2. Glied dick, 3. dünn, so lang
wie das 2. ; Fühler borslenfOrniig, Saugrüssel länger als der Thorax.
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u, 60. 475
— Art : P. laticapitella. — Parasia ? siihsimella und Depressaria Lc
ContellU'
Ebenda 1800. p. 207 (T. : Lithocolletis Fitchella (Argyromiges
quercifoliella Fitch), luhiferclla und crataegella, Tischeria malifo-
liella^ Anlispila Isabella und viticordifoliella, Aspidisca lucißuella.
P arectopa n. g. Vordcrflügel lanzettlich, Costalnerv fehlend, vom
Subcostalnerven an der Basis ein langer Randast, nahe seinem Ende
zwei andere entspringend, Mediana dreiästig; Ilinterflügel schmal,
borstenförmig. Kopf mit leichtem Schöpfe zwischen den Fühlern,
Gesicht schmal und kurz, Ocellen fehlend, Augen klein, rund; 2tes
Glied der Lippentaster am Ende leicht verdickt, Kiefertasler nicht
sichtbar, Saugrüssel dünn, von Thoraxlänge, Fühler einfach. — Art:
P. lespedezaefoliella. — Bucculalrix pomifoliella und agnella. —
Machimia n. g. Subcostalis beim ersten Dritttheil einen Randast
abgebend, zuletzt in vier Aeste getheilt, ebenso die Mediana; Adc-
rung der Hinterflügel wie bei Depressaria. Kopf zottig, Gesicht glatt,
zurückweichend, Ocellen fehlend, Augen klein, oval, Lippentaster
lang, ansteigend, ihr 2. Glied rauhschuppig, das 3te glatt, nadeiför-
mig; Kiefertasler sehr kurz, Fühler von halber Flügellänge, Saug-
rüssel so lang wie die Vorderhüften. — Art: M. tentoriferella. —
P silocor sis n. g. Flügelgeäder fast wie bei der vorigen Gattung;
Kopf glatt, Gesicht gerundet, Augen gross und rund, zweites Glied
der Lippentaster mit anliegenden Schuppen , Kiefertaster kurz. —
Arten: Ps. quercicella und reflexella. — Menesta n. g. Vorder-
flügel stumpf zugespitzt, Subcostalis in fünf Aeste getheilt. Mediana
dreiästig; Hinterflügel etwas trapezoidal, mit ungeschlossener Diskoi-
dalzelle und dreiästiger Mediana. Kopf und Gesicht glatt, Stirn und
Gesicht sehr breit, gerundet, Ocellen fehlend, Augen vertikal, klein;
2. Glied der Lippentaster am Ende leicht verdickt, 3. nur halb so
lang, Kiefertaster sehr kurz, Fühler von halber Flügellänge, an jedem
Gliede mit einem einzelnen Haare. — Art: Jtf. tortriciformella. —
Nepticula rubifoliella n. A.
Stainton (Observations on American Tineina, Proceed. acad.
nat. scienc. Philadelphia 1860. p. 433 f.) gab über mehrere von B r a-
ckenridge-Clemens in den vorstehenden Arbeiten beschriebene
Arten und Gattungen nach Ansicht der ihm zugesandten Original-
Exemplare sein Urtheil ab. In einigen Arten, wie Tinea nubilipcn-
uella (= fuscipunctella), lanariella (=• biselliellu), Tlulella vigila-
ciella (=i porreclella) , limbipennella (= cruciferarum) , Argyresthia
oreasella (= Andereggiella) u. a. hat derselbe Europäische Artea
erkannt, und ebenso einige Gattungen mit Europäischen identificirt,
z. B. Amydria = Euplocamus, Anorlhosia = Cleodora. Die Gattung
Brenlhia glaubt er zu den Tyraliden gehörig; unter Bedellin Stain-
476 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
toniella Clem. fand er zwei Arten vermengt, deren eine er Bed. Cle-
mensella nennt.
Von Stainton's Prachtwerk „The natural history of the Ti-
neina" sind in den .1. 1859 — GO zwei fernere Bände (Vol. IV, contai-
ning Coleophora pt. I. 292 pag. 8 plat. und Vol.V, containing Coleo-
phora pt. II. 228 pag. pl. IX— XVI) erschienen, in welchen die Natur-
geschichte von 48 Arten der Gattung Coleophora auf die bereits ange-
gebene, umfassende Weise erörtert wird. Auf die Gattung im Ganzen
eingehend, macht der Verf. interessante Angaben über die Art der
Sackbildung durch die Raupen, welche sowohl der Form als dem
Material nach viele Mannigfaltigkeiten darbietet. Eine Aufzählung
der bis jetzt bekannten Arten der Gattung, welche der Verf. nach
der Haarbekleidung der Fühler, der Färbung und Zeichnung der
Vorderflügel u. s. w. in eine grössere Anzahl von Gruppen und Un-
tergruppen vertheilt, crgiebt für Europa die Zahl 126, denen am
Schlüsse des 5. Bandes noch 13 fernere angereiht werden. Von den
Pflanzen, welche den Coleophoren -Raupen als Nahrung dienen, ge-
hören die meisten den Familien der Caryophyllaceen, Leguminosen,
Compositen und Labiaten an; die Raupen sind grösstentheils mono-
phag, doch kommen auch solche vor, welche Frass aus verschiedenen
Pflanzenfamilien wählen und selbst einige polyphage. — Die im 4ten
Bande abgehandelten Arten sind : Coleophora juncicolella, laricella,
siccifolia, gryphipennella, limosipennella, solitariella, ornatipennella,
lixella, olitae, currucipennella, ibipennella, anatipennella, discordella,
genistae, serenella, caespititiella , virgaureae, inflatae, onosmella,
lineolella, pyrrhulipennella, albicosta, chamaedryella (Bruand. i. lit.) und
Lugduniella n. A. Im 5. Bande: Coleophora vibicella, conspicuella,
coelebipennella, murinipennella, argentula, albicans, gnaphalii, mille-
folii, hemerobiella, ochripennella, chalcogrammella, vitisella, ochrea,
Wockeella, ditella, virgatella, auricella, serratulella, trifariella,
odorariella, alcyonipennella, viminetella, paripennella und ledi n. A.
— Die wie bisher sehr elegant ausgeführten Tafeln sind besonders
durch die Darstellung der oft sehr eigenthümlichen Raupensäcke
interessant.
Derselbe, Descriptions of twenty-five species of Indian Mi-
crolepidoptera (Transact. entom. soc. V. p. 111 — 126) beschrieb fer-
nere neue, von Atkinson bei Calcutta gesammelte Tineinen, von
denen die meisten zwar im Habitus von den Europäischen Gattungen,
denen sie zunächst stehen, auffallend abweichen, die der Verf. ihnen
aber trotzdem (mit zwei Ausnahmen) vorläufig zugesellt hat, um
die Zahl derselben nicht unnütz zu vermehren. Es sind folgende:
Tinea longicornis, Cerosloma rugosella, albofasciella, Anarsia Can-
dida, Depressaria Ricini, Zizyphi , ? Ricinella , Gelechia? Hibisci,
? pubescentella, simpliciellaf marginipunclella, Parasia? apicipunctella,
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 477
Oecophoi-a subganomella, Butalis Iriocellata, Gracilaria? auricilla,
? falcatella, ? tcstulatella, Ornix? albifrojis, Cosmopleryx Asialica,
? semicoccinea, "? aeneella, Latertui? mimosae. — Lozostoman. g.,
zur Elachista-Gruppe gehörend. Kopf glatt, Gesicht concav, zurück-
tretend, mit einer Binde zwischen den Fühlern, Taster kurz, abwärts
gebogen, Fühler ziemlich stark, aber einfach, mit verdickten» Basal-
gliede; Vorderflügel schmal, hintere lanzeltlich. — Zwei Arten: L.
flavofasciata und semisulphtirea. — Atkinsonia n. g. , derselben
Gruppe angehörig. Kopf glatt, breit und flach, Lippenlaster lang und
dünn, zurückgebogen, mit etwas längerem Endgliede, Fühler einseitig
fast bis zur Spitze mit losen Schuppen besetzt ; Vorderflügel jenseits
der Mitte am breitesten, Hinterflügel schmal und zugespitzt, Hinter-
leib breit, flach, mit langen Schuppen jederseits, Beine, besonders die
hinteren, mit langen Schuppenbüscheln. — Art: A. Clerodendronella.
Derselbe, Descriplions of South-African Tineina collected
by K. Trimen (Transact. enlom.soc. V. p. 220 ff".) beschreibt als neue
Arten: Tinea rutilicosleUa, gigantella, purpurea vom Cap, Adela A'ö-
talensis von Port Natal und Hyponomeula Africanus vom Cap; ferner
von bekanntan Arten: Ceromitia Wahlbergi Zell, und Hyponomouta
fumigatus Zell.
Derselbe (Annais of nat. bist. 3. ser. III. p. 210 f.) beschrieb
Gelechia ocellatella, Portosanctanay submissella, fasciata, elachistella
und Pterolonche? Maderensis als n. A. von Madeira. — Ferner (En-
tomol. Annual for 1859. p. 152 fl".) Gelechia subdeciirtella, Glyphipteryx
cladielltty Coleophora salinella und Elachista caricis als n. A. aus
England. Die von den Madeira-Inseln beschriebene Gelechia Porto-
sanclana Staint. ist jetzt ebenfalls in England aufgefunden worden.
Frey (Linnaea entom. Xlll. p. 172— 312 und XIV. p. 180— 205)
hat weitere schätzenswerlhe Beiträge zur Kenntniss der inländischen
Schaben durch zw ei umfangreiche Monographieen der Galfungen Ela-
chista und Laverna geliefert, Erstere Gattung, welche in dem ihr
neuerdings von Stai nton zugemessenem Umfange angenommen wird,
von der also zahlreiche Arten der früheren Autoren ausgeschlossen
sind, umfasst dennoch gegenwärtig schon 82 Alten, von denen E.
ornilhopodella, stagtialis, incertella, elegans, melancholica, Lugdutiensis
und disligmalella hier zum ersten Male beschrieben werden. Neben
einer genauen Charakteristik der Motten wird stets die Lebensweise
der Raupen, so weit dieselbe bis jetzt bekannt war oder durch den
Verf. erforscht worden ist, erörtert. Dieselbe ist von den 85 Arten
bis jetzt für 39 festgestellt; viele dieser Arten sind polyphag, alle
bekannten treten aber ausschliesslich als Minirer von Gramineen,
Juncaceen und Cyperaceen auf, deren mehrere 4 bis 6 Arten zugleich
ernähren. In einer Tabelle (XIII. p. 181) wird das Verzeichniss der
einzelnen Schaben -Arten zu ihren Nährpflanzen übersichtlich dargc-
478 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
stellt. — Von der Gattung Laverna beschreibt der Verf. 22 Arten,
darunter L. vanella (Reutti i. lit.) als n. A. In Betreff der Lebens-
weise der Raupen dieser Gattung ist bemerkenswerlh, dass die Mehr-
zahl der bis jetzt bekannten die Blätter der Epilobium-Arten minirt.
Wall eng rcn^ „Öfversigt af Skandinaviens Coleophorer"
(Öfvers. Vetensk. Akad. Förhandl. XVL p. 163— 173, übersetzt von
Creplin in: Zeilschr. f. d. gesamrnü. Naturwiss. XV. p. 144 ff.) zählte
28 in Schweden einheimische Arten der Galtung Coleophora mit
Diagnosen und Synonymie auf. Von denselben gehören 4 der Gruppe
Metallosetia, 2 der Gruppe Porrectaria, 6 der Gruppe Apisla und 16
der Gruppe Astyages an ; unter letzteren wird Col. scolopacipennella
als n.A. beschrieben und Col. coracipennella Hübn. Zell, als identisch
mit Tinea serratella Lin. aufgeführt.
Bruand d'Uzelle, Essai monographique sur le genre Co-
leophora , Premiere partie (Annales soc. entomol. VIL p. 375 — 414.
pl. 10 u. 11). — Verf. giebt Beschreibungen von 19 Arten der Gat-
tung Coleophora, von denen er die meisten selbst in Süd-Frankreich
beobachtet und aus Raupen erzogen hat; auf letztere, ihre Säcke und
Nahrungspllanzen wird, so weit sie dem Verf. bekannt geworden
sind, näher eingegangen und dieselben nebst den Motten auf zwei
beifolgenden Tafeln dargestellt.
Mann (Wien. Entom. Monalsschr. IIL p. 170 f.) beschrieb Tinea
Panormitatiella, Oecophora? cinerariella, Farasia torridella und Co-
leophora laticoslella als n. A. aus Sicilien.
Moeschier (ebenda IV. p. 275) Ochsenheimeria capella und
Depressaria hyslricella als n. A. aus Sarepta.
Wocke (37. Jahresbericht d. Schlesisch. Gesellsch. f. vaterl.
Cnltur p. 101) Lyonetia ledi n. A. von der Insel Wollin, Raupe die
Blätter von Ledum palustre minirend; und (38. Jahresbericht p. 132)
Nepticula rubivora n. A. aus Schlesien, Raupe die Blätter von Rubus
caesius minirend. — Chrysoclista Schrankella Flübn. erzog derselbe
aus Raupen, welche die Blätter von Epilobium palustre niinirten
(37. Jahresbericht p. 99).
Einzelne neue Arten sind ferner: Nepticula flexuosella Fologne
aus Belgien, von Breyer (Annales soc. entom. Beige III. p. 140)
beschrieben, Ornix canella Tengström (INotiser ur Sällskapets etc.
Förhandlingar p. 193) aus Finnland, Gelechia Sinaica Frauenfeld
(Verhandl. d. zoolog.-botan. Gesellsch. zu Wien IX, p. 323) von Tor,
aus Gallen von Tamarix gallica erzogen, Gracilaria coffeifoliella Mo t-
schulsky (Etud. ent. 1859. p. 169) von Ceylon, Raupe die Blätter
der Caffeepflanze minirend; endlich Hyphantidium sericarium Scott
(Proceed. zoolog. soc. of London 1859. p. 207. pl. 61), eine muth-
masslich neue Art aus Neu -Holland, welche nebst Raupe und Puppe
abgebildet wird.
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 479
Nach Goureau (Bullet, soc. entomol. 1860. p. 23) lebt die
Raupe einer verniuthlich neuen Nepticula, für welche er den Namen
Nept. acerella vorschlügt, in den Samenkörnern von Acer platanoi-
des ; ihr Parasit ist Adelius subfasciatus Halid.
V. Heyden (Entern. Zeitung 1860. p. 118 ff.) erörterte die er-
sten Stände und deren Naturgeschichte von folgenden Tineinen :
Blabophanes imella Hübn. (Raupe gesellig in einem alten Filzschuh
auf einem Acker gefunden), Atemelia torquatella Lin. (Raupe im
Oktober in grossen braunen Blasenräumen von Birkenblättern), Rhi-
nosia horridella Kuhlw. (Raupe im Juni auf Aepfelbäumen), Gelechia
pinguinella Tr. (Raupe im Mai auf Populus nigra und pyramidalis),
Iriparella Zell. (Raupe im Oktober zwischen flach aufeinanderliegen-
den Eichenblättern, brizella Tr. (Raupe im Juni in den Blülhen der
Slatice Armeria) , Oecophora Knochella Fab. (Raupe in einem Ge-
spinnste an der Wurzel von Cerastium semidecandrum), Noricella F. R.
(Raupe im Juli auf Epilobium anguslifolium), Ocnerostema argentella
Lin. (Raupe im April in den Nadeln von Pinus silvestris), Cosmopteryx
Zieglerella Hübn. (Raupe im Juli und August die Blätter von Kumu-
lus lupulus minirend), Cemiostoma susinella v. Heyd. (Raupe im Juli
und August gesellig in Minen von Populus tremula), lustratella v. Heyd.
(Raupe im September und October in den Blättern von Hypericum
monlanum).
Nach Fologne's Beobachtungen (Annales soc. ent. Beige III.
p. 143) ist die Raupe der Lampronia marginepunctella carnivor und
zwar nährt sie sich von verschiedenen Insekten; in ihrem Raupensack
finden sich stets Trümmer von Insektenleichen eingewebt.
Derselbe, „Observations de la Gracilaria convolvulella"
(ebenda IV. p. 86 f.) beschrieb die ersten Stände der genannten Art,
deren Raupe er die Blätter von Convolvulus bei Brüssel minirend
fand; ebenda p. 102 wird die Raupe von Oecophora flavifrontella
nebst dem Raupensacke charakterisirt.
Fologne et d'Udekem, „Notice sur la Coleophora oliva-
cella" (ebenda IV. p. 76—84. pl. 1) gaben Beschreibungen und Ab-
bildungen der Raupe und ihres Sackes, durch welche Coleophora
olivacella von C. solitariella bestimmt zu unterscheiden ist. Zugleich
wird eine sorgfältige Beschreibung der Haut, des Darmkanals, der
Magendrüsen, der Vasa Malpighi und der Spinngefüsse der Raupe bei-
gefügt und diese Organe durch Abbildungen erläutert.
Becker, „Notice sur la transformation de l'Adela Reaumu-
rella" (ebenda IV. p. 95 ff.) beschrieb und bildete ab den Raupensack,
die Raupe und die Puppe der genannten Art; ein Gleiches (p. 104
und 106) von Bucculatrix ulmella und Oecophora arielella.
Girard (Bullet, soc. entom. 1859. p. 141) machte Mittheilungen
über das Vorkommen der Raupe von Ornix (Coleophora) gallipennella
480 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
auf Colutea juborescens. — lieber die Synonymie dieser Art vgl. eine
Koliz von Laboulbene (ebenda p. 142).
Doumerc, „Notice sur la teigne du Chanvre (Psyche canna-
binella)" in Annales soc. entom. VIII. p. 322 ff. beschrieb die in den
Blüthenköpfen von Cannabis lebende Larve dieser Art, welche der-
jenigen von Anthrenus ähnlich sehen soll. Verf. will für Ps. canna-
binella eine eigene Galtung errichten, für die er den Kamen Perian~
thosuta oder auch Perianthophila vorschlägt.
Forel, „Note sur la Pyrale ou Teigne de la Vigne" (Annales
soc. Linneenne de Lyon VII. p. 173 — 186) machte Mittheilungen über
die dem Weinstocke schädliche Tinea anibiguella Hübn., deren ver-
schiedene Entwickelungsstadien vom Ei bis zum Schmetterling aus-
führlich beschrieben und auf einer beifolgenden Tafel in sauber
colorirten Abbildungen dargestellt werden.
Pterophoridae. Von Staudinger (Entomol. Zeitung 1859.
p. 258 f.) wurden Pterophorns oxydactylus, pectodactylus, coniodacly-
lus, chordodactylus und Alucita perittodactyla als n. A. aus Andalusien
bekannt gemacht.
Von Phi lippi (Linnaea entom. XIV. p. 296) Pterophorus eine-
rarius und pnsillus als n. A. aus Chile beschrieben.
Nach V. Ileyden's Mittheilung (Entom. Zeitung 1860. p. 125f.)
lebt die Raupe des Pterophorus microdactylus Hübn. im Herbst in
Stengeln von Eupatorium cannabinum , diejenige des Pterophorus
xanthodactylus Treilschke im Juli und August auf Jurinea Pollichii ;
die Raupen beider Arten werden vom Verf. charakterisirf.
Diptera.
Ein von Locw auf der Naturforscher -Versammlung
zu Königsberg im Jahre 1860 gehaltener Vortrag über die
Dipterenfauna des Bernsteins (Amtlicher Bericht über die
35. Versammlung Deutscher Naturforscher zu Königsberg
p. 88 — 98) giebt nicht nur ein in hohem Grade anziehendes
Bild der Dipterenfauna jener jüngsten der untergegange-
nen Schöpfungsperioden, wie sie sich dem Verf. nach
ITjährigem Studium zahlreicher Inclusen herausgestellt hat,
sondern beleuchtet zugleich manche bis jetzt wenig ge-
würdigte allgemeinere Verhältnisse der lebenden Zweiflüg-
ler, unter denen besonders die auffallend weite Verbreitung
zahlreicher Arten so wie die Aehnlichkeit zwischen zwei
grossen, aber gegenwärtig weit von einander getrennten
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 481
Faunengebieten hervorzuheben sind. Zunächst die Resul-
tate seiner Untersuchungen über die Familien, welchen die
Bernstein -Dipteren angehören, so wie über die Gattungs-
und Artenzahl derselben (welche sich seit den letzten Mit-
theilungen L.'s vom Jahre 1850 nicht unwesentlich modi-
ficirt haben) mittheilend, geht der Verf. sodann auf den
Charakter der damals existirenden Dipteren-Welt im Allge-
meinen ein, um aus demselben Schlüsse auf die gleichzeitige
übrige Pflanzen- und Thierschöpfung zu ziehen. Ein sowohl
mit den Dipteren der Tertiärschichten als der Jetztzeit
vorgenommener Vergleich, welch' letzterer eine vorwie-
gende Uebereinstimmung der Bernsteinfauna mit derjenigen
Europas und besonders Nord-Amerika's ergiebt, führt den
Verf. schliesslich zu einer Erörterung der engen Beziehun-
gen, welche sich in sehr ausgedehntem Maasse zwischen
den Dipteren Europa's und IVord-Amerika's kundgeben, und
welche, da sie sich offenbar zum geringsten Theile aus
einer gegenseitigen Verschleppung erklären lassen, augen-
scheinlich auf einer Art genealogischen Zusammenhanges
beruhen.
Von den 850 bisher im Bernstein aufgefundenen Dipteren-Arten
sind nur 656 durch wohl erhaltene Stücke in ihren Artrechten sicher
verbürgt; dieselben gehören 101 Galtungen an, von denen 50 mit
395 Arten auf die Nemocera, 51 mit 261 Arten auf die Brachycera
kommen. Die 50 Gattungen der Nemoceren vertheilen sich auf
sämmtliche lebende Familien dieser Abtheilung; dagegen fehlen von
Brachycercn-Formen im Bernstein gänzlich Stratiomys, Acanlhomera,
Midas, Scenopinus, Platypeza, Lonchoptera, Oestrus, Cordylura, Psila,
Üitalis, Trypeta, Sepsis, Agromyza, Phytomyza, Asteia und Borborus,
wahrscheinlich auch Sarcophaga, Lonchaea, Heteroneura, Opomyza,
Piophila und Geoniyza. Vorherrschend an Arfenzahl sind die Doli-
chopoden, nächstclem die Empiden ; sehr sparsam dagegen die Tabanen,
Bombylier, Pipunculus und Diopsis. Die Dipferenfauna des Bernsteins
giebt sich ihrer Zusammensetzung nach deutlich als Bruchtheil einer
und derselben Territorialfauna zu erkennen ; sie setzt dichten Baum-
wuchs, reiche Pilzvegetation, überhaupt feuchte, vor dem Winde
geschützte Lokalitäten, in denen auch Wasser und Säugethiore nicht
fehlen konnten, endlich ein wahrscheinlich etwas wärmeres Clima,
als das heutzutage in Preussen exislirende voraus. — Ein Vergleich
der Bernstein -Dipteren mit den tertiären von Radoboj ergiebt, dass
sich unter letzteren keine Galtung findet, die im Bernstein nicht
Arch. für Nahirg. XXVII. Jahrg. 2. Bd. Ff
482 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
gleichfalls vertreten wäre, dass ihnen dngegcn die ausgezeichnetsten
Formen des Bernsteins abgehen; eine Identilät zwischen Arten beider
Lagerställen Hess sich nicht nachweisen. Die frühere Annahme
Loew's, dass der Bernstein zahlreiche Gattungen einschliessc, welche
der Jetztzeit fehlten , haben weitere Untersuchungen eher widerlegt
als bestätigt; eine Anzahl früher als specifische Bernsteingattungen
angesehener Formen sind seitdem in Kord-Ameiika lebend gefunden
Avorden. Dagegen ist die "Wahrscheinlichkeit für die Identilät der Bern-
stein-Arten mit lebenden geringer geworden, indem sich bei solchen,
die früher eine solche vermuthen Messen, wenngleich feine, so doch
immer Unterschiede herausgestellt haben ; trotzdem lässt sich der
Gedanke an eine Ilervorbildung der lebenden Arten aus den einge-
schlossenen bei ihrer grossen Verwandtschaft nicht von der Hand
weisen. Die Uebereinslimmung der Bernstein-Dipteren ist unter den
lebenden am überwiegendsten und auffallendslen mit Kord - Ameri-
kanischen Arten; dagegen zeigte z. B. unter 800 lebenden Capensischen
Arten keine einzige eine nähere Verwandtschaft mit den einge-
schlossenen.
Unsere Kenntniss von den anatomischen Verhältnissen
der kopflosen Dipteren-Larven ist durch eine umfanorrciche
und sehr eingehende Beobachtungen enthaltende Arbeit von
Scheiber, welche unter dem Titel: „Vergleichende Ana-
tomie und Physiologie der Oestriiien- Larven" in den Sit-
zungsberichten der math.-naturwiss. Classe der Akad. der
Wissenschaften zu Wien Bd. 41. p. 409 — 496 veröffentlicht
ist, in vielfacher Beziehung gefördert worden. Auf der
in Deutschland fast ganz unbekannt gebliebenen Arbeit
vonSchroedcr van der Kolk über die Anatomie von
Gastrus equi (Amsterdam 1845) fussend, erörtert der Verf.
vorzugsw^eise diejenigen Punkte aus der Anatomie und
Histologie der verschiedenen Organsystemc, welche durch
seinen Vorgänger tlieils unrichtig aufgefasst, theils weniger
eingehend behandelt worden sind ; überdcm beschränken
sich aber seine Untersuchungen nicht auf die Larve einer
einzelnen Gallung, sondern erstrecken sich neben Gastrus
auch auf Hypoderma, Cephenomyia und Cephalomyia, von
welchen ihm theils lebende, theils in Glycerin aufbewahrte
Larven zu Gebote standen. In der bis jetzt vorliegenden
ersten Hälfte seiner Arbeit, welche mit zwei Tafeln Ab-
bildungen ausgestaltet ist, handelt der Verf. das äussere
im Gebiete der Entomologie ^vährend der Jahre 1859 u. 60. 483
Integument, das Muskelsystem, das Nervensystem nebst den
Sinnesorganen und den Circulationsapparat ab.
Zwischen den Primitiv - Muskelfasern fand Verf. bei allen Oe-
striden grosse bipolare oder miillipolare Zellen eingebettet, welche
bei (iastrus fast das Ansehen von Ganglienzellen darboten, indessen
eher als Bindegewebskörperchen von kolossaler Grösse aufzufassen
sind. Eine von allen Insekten sehr abweichende Anlage zeigt das
Bauchmark, welches neben einer die gewöhnlichen Nervenslämme
ausstrahlenden Hauptmasse aus fünf theils paarigen, theils unpaaren
Webenganglien besteht; dieselben werden vom Verf. als Seiten-
und Schlund^ angl ien (paarig), II e r zg an g 1 i e n (nnpaar), a p-
pendikuläre Ganglien (paarig) und R e kta 1 ga n g 1 i e n (unpaarig)
bezeichnet. Die Seiten- und Sohlundganglien geben einen unver-
ästellen Hautnerv und zwei vielfach verästelte Muskelnerven ab;
letztere, als Analoga des Ganglion infraoesophageum anzusehen, sind
mehr oder weniger volisländig miteinander verwachsen. Das Herz-
ganglion, gleichfalls als aus der Verschmelzung zweier langgezoge-
ner Ganglien entstanden anzusehen, zeigt die Form eines Rahmens,
durch dessen Lumen das Rückengefäss nach vorn tritt; aus ihm ent-
springen die Nervi cardiaci und meist zugleich ein Nervus gastricus.
Die appendiculären Ganglien, dem Gangl. supraoesophageum entspre-
chend, sind bald zu einer membranartigen Nervenausbreitung (Cephe-
nomyia) oder einem unpaaren Ganglion (Gastrus) verwachsen, bald
(Hypoderma, Cephalomyia) zu vieren vorhanden; ihre Nervenfortsätze
gehen zu der Muskulatur d?-s Schlundes. Das Verhältniss dieser ap-
pendikulären Ganglien zur Centralmasse des Bauchmarkes ist ein
wechselseitiges, indem sie bei geringerer Grösse der letzteren stark,
bei bedeutender dagegen schwach entwickelt sind. Neben diesen
vom Cenlralnervensysteme unmittelbar abhängigen Nebenganglien fin-
den sich als selbstsländige Centra des sympathischen Nervensystems
Trachealganglien vor, welche den Tracheenstämmen erster und
zweiter Grösse aufsitzen. Eine dritte Categorie selbstsländiger Ner-
vencentra findet sich zu beiden Seiten des Rückengefässes in Form
zweier schmaler Stränge vor, welche nach hinten bis zu den Alae
cordis reichen und aus einem Bündel quergestreifter Fasern beste-
hen, welches von kernhaltigen Zellen dicht umlagert ist. Vier
jederseits von diesen Strängen entspringende Nervenäste, welche
Schröder van der Kolk für Arterien, durchweiche das Blut aus
dem Vas dorsale in den Fettkörper getrieben würde, ansah, gehen
zu dem Darmkanale, den Vasa Malpighi, den Speicheldrüsen, dem
Fettkörper und dem hinteren Theile des Rückengefässes. — Von Sin-
nesorganen sind bei den Oestriden-Larven nur die Fühler (Palpen ?)
nachweisbar, welche übrigens bei Hypoderma ebenfalls ganz ver-
484 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
künunert sind ; am ausjjebildetsten sind sie bei Gastrus, wo ihre ab-
gestutzte Enddäche neben den von v. d. Kolk beschriebenen beiden
grösseren kegelförmigen Hervorragnngen deren noch mehrere, viel
kleinere zeigt. — In der Wand des Kückengefiisses finden sich mit
Ausnahme von Gastrus alternirende grosse Zellen eingelagert, welche
zu den ebenfalls vorhandenen inneren Klappen in keiner Beziehung
stehen ; Contraktionen des Herzens, deren Älechaiiismus vom Verf.
speziell erörtert wird, finden bei lebenskraftigen Larven zu 40 bis
44 statt.
Die reiche Ausbeute von Insekten, welche der Eng-
lische Reisende Wallace auf den Sunda-Inseln, Molukken
und den an Neu-Guinea gränzenden kleineren Inselgruppen
gemacht hat, hat verschiedene Publikationen über die dar-
unter befindlichen Dipteren von Walker veranlasst:
1) Catalogue of Dipterous Insects collected in the
Aru- Islands by Mr. A. Wallace, wilh descriptions of
new species (Journal proceed. Linnean soc, Zoology ill.
p. 77 — 131). Eine Aufzählung von 167 auf den Aru-Inseln
und von 15 auf der Key-Insel gesammelten Arten, die dem
grössten Theile nach neu sind und hier beschrieben werden.
Bei weitem überwiegend an Zahl sind darunter die Musca-
rien und unter diesen wieder die Acalypteren, nächstdem
die Stratiomyiden , Asilinen und Syrphiden; die übrigen
Familien sind nur schwach vertreten.
2) Catalogue of the Dipterous Insects collected at
Makessar in Celebes by Mr. A. W a 1 1 a c e , with descriptions
of new species (ebenda IV. p. 90 — 172). Das Verzeichniss
ist noch bei weitem reichhaltiger als das vorhergehende,
indem es 238 Arten umfasst, die gleichfalls der Mehrzahl
nach neu sind und beschrieben werden. An Artenzahl
überwiegen auch hier die Muscarien , doch sind neben
den Stratiomyiden, Asilinen und Syrphiden auch die Ta-
banen, ßombylier, Dolichopoden und Tipularien ansehnlich
vertreten.
3) Catalogue of the Dipterous Insects collected in
Amboyna by Mr. A. Wallace, with descriptions of new
species (ebenda V. p. 144 — 166). Unter 72 verzeichneten
Arten sind etwa 40 hier zuerst beschriebene, während die
Übrigen schon von Doleschal oder von Walker selbst
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 ii. 60- 485
aus anderen Lokalitäten bekannt gemacht waren. Die grosse
Mehrzahl der neuen Arten gehört der Familie Muscariae
an, einzelne besonders den Tipularien, Stratiomyiden, Asi-
linen, Bombyliern, Dolichopoden und Syrphiden ; mehrere
der D oleschal'schen Arten werden nochmals charak-
terisirt.
Ausserdem hat Walker („Characters of undcscribed
Diptera in the collection oF W. Saunders," Transact. en-
tom. SOG. V. p. 268 — 335) eine grosse Anzahl exotischer
Dipteren aus der S au n d er s'schen Sammlung beschrieben,
von denen die meisten aus Mexiko, einzelne von Port Natal,
aus Burmah, Nord-Amerika und vom Amazonenstrome stam-
men. Dieselben gehören fast allen Familien der Dipteren,
der Mehrzahl nach (etwa %) den Muscarien an.
L. B e 1 1 a r d i, Saggio di Dilterologia Messicana, Parte I.
Torino 1859. gr. 4. 80 pag. c. tab. 2 (Separatdruck aus den
Memorie della Reale Accademia delle scienze di Torino,
ser. 2. Tom. XIX). — Der Verf. scheint für sein Unter-
nehmen ein ansehnliches Material , welches besonders den
von Truqui, Saussure. Salle und Sumichrast in
Mexiko veranstalteten Sammlungen von Dipteren entnom-
men ist, zusammengebracht zu haben, wie dies wenigstens
aus dem ersten bis jetzt vorliegenden Hefte, welches eine
Bearbeitung der Familien Tipulariae, Tabanina, Stratiomyidae
und Henopii enthält, hervorgeht. Erhält demnach seine
Arbeit schon durch die ansehnliche Zahl von Novitäten
eine Bedeutung, so wird dieselbe noch durch die Sorgsam-
keit und Gründlichkeit, mit der sich der Verf. seiner Auf-
gabe zu entledigen gesucht hat, wesenllich erhöht. Dass
der Verf. alle ihm vorliegende Arten mit Ausnahme der
aller bekanntesten ausführlich beschreibt, ist um so dan-
kenswerther, als viele derselben von Französischen und
Englischen Autoren in mangelhaftester Form bekannt ge-
macht und daher einer erneueten Charakteristik durchaus
bedürftig waren; indessen hätte das von ihm gegebene
Bild der Mexikanischen Fauna wohl noch gewonnen, wenn
er am Schlüsse jeder Familie die ihm unbekannten, aber
bereits publicirlen Arten noch namentlich aufgeführt halle.
486 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Vielleicht entschliesst sich der Verf. hierzu noch bei den
folgenden Familien, auf deren Veröffentlichung in einem
zweiten Hefte wir baldigst hoffen dürfen.
Bigot, Dipterorum aliquot nova genera ( Rev. et
Magas. de Zoologie 1859. p. 305—315. pl. XI). Verf. giebt
kurze lateinische Charakteristiken von 19 neuen Gattungen,
welche meist auf Arten vom Süd-Asiatischen Archipel be-
gründet sind und zum Theil sehr merkwürdige Formen
zeigen. Die meisten gehören den Muscarien, einzelne den
Tabanen, Empiden, Syphiden und Conopiden an.
Derselbe stellte (Annales soc. ent. VIII. p. 765 ff.)
ein systematisches Namensverzeichniss von 130 auf Sicilien
gesammelten Dipteren zusammen, von denen er elf als neue
Arten ansieht und beschreibt.
Derselbe („Dipteres de Madagascar," Annales soc.
entom. VII. p. 115, 415 u. 533 ff.) beschrieb eine Anzahl
von Coquerel auf Madagaskar gesammelter Dipteren,
die besonders den Familien der Tipuiarien, Tabanen, Stra-
tiomyiden, Syrphiden und Muscarien angehören. Zugleich
werden die von früheren Autoren aus Madagaskar beschrie-
benen Arten, von denen mehrere Ma c quart'sche noch-
mals charakterisirt und abgebildet werden, aufgezählt. Der
Aufsatz ist von fünf sauber colorirten Tafeln begleitet.
Loew setzte seine Beiträge zur Kenntniss der Afri-
kanischen Dipteren (Öfvers. Vetensk. Akad. Förhandl. XV.
p. 335 — 341) mit Diagnosen neuer Gattungen und Arten
aus den Familien der Stratiomyiden, Tabanen, Thereviden,
Asilinen, Nemestriniden, Hybotiden, Empiden und Dolicho-
poden fort. — Ebenda XVII. p.81 — 87 mit den Familien der
Bombylier und Osciniden.
Derselbe begann (Wien. Entom. Monatsschr. IV.
p. 79—84 und 111. p. 289 f.) Beiträge zur Kenntniss der
Nord-Amerikanischen Dipteren-Fauna zu geben. „Diptera
Americana ab Osten-Sackio collecla, decas prima" und „die
Kord -Amerikanischen Arten der Gattungen Tetanocera und
Sepedon."
Von Loew's „Neuen Beiträgen zur Kenntniss der Di-
pteren« ist im J. 1859 ein sechster und im J. 1860 ein
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 487
siebenter Beirraor (im Programme der Kgl. Realschule zu
Meseritz 1859 u. 60) erschienen. Der erste enthalt Nach-
träge zu der Boarbeitung- der Europäischen Dolichopoden,
so ^vie eine Auseinandersetzung der Europäischen Arten der
Galtungen Pangonia, Drapetls und Oedalea; letzterer eine
Abhandlung über „die Europäischen Ephydrinidae und die
bisher in Schlesien beobachleten Arten derselben."
J. Egg er (Yerhandl. der zoolog. - botan. Gesellsch.
zu Wien IX. p. 387 — 407 und X. p. 339, 663 u. 795 ff.)
setzte seine „dipterologischen Beiträge" mit der Beschrei-
bung einer grösseren Anzalil neuer Oesterreichischer, zum
Theil auch Süd-Europäischer Arten fort. Dieselben gehö-
ren vorzugsweise den Familien der Tabanen, Slratiomyiden,
Boinbylier, Empiden, Thereviden, Syrphiden und Musca-
rien an.
Von Ze tterst ed t's Diptera Scandinaviae sind zwei
neue Supplementbände (Bd. Xlll. 1859 und Bd. XIV. 1860)
erschienen, in welchen der Verf. eine nochmalige syste-
matische Aufzählung sämmtlicher in Schweden bis jetzt
beobachteter Dipteren liefert, deren Zahl nach Hinzufügung
von 193 theiis für Schweden, theils überhaupt neuen sich
gegenwärtig auf 3936 beläuft. Dem Beispiele Gyllen-
haPs folgend, hat Z. in diese beiden Bände auch die von
Bonsdorff (welchem der 13. Band gewidmet ist) in Finn-
land aufgefundenen Arten, selbst wenn dieselben für Schwe-
den noch nicht nachgewiesen waren, mit aufgenommen,
ferner für zahlreiche der schon in den früheren Bänden
beschriebenen neue Fundorte angeführt, endlich auch die
Beschreibungen vieler in Rücksicht auf Abänderungen, das
andere Geschlecht u. s. w. vervollständigt und ergänzt.
Bei der Beschreibung der als neu aufgeführten Arten, de-
ren Zahl in der Familie der Muscarien am ansehnlichsten
ist, während die Empiden mit 11, die Dolichopoden mit 14,
die Syrphiden mit 5, die Asilinen, Lepliden und Scenopinen
je mit 1 Art bereichert werden , hat der Verf. , was zu
bedauern ist, der Literatur der letzten Jahre nicht die ge-
bührende Berücksichtigung widerfahren lassen , wie sich
dies nicht nur in der Anwendung schon vergebener Namen
i8S Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
(z. B. Rhaphium spinicoxa), sondern auch in der Charak*
teristik selbst, in welcher oft die neuerdings als entschei-
dend nachgewiesenen Merkmale vermisst werden, kund-
giebt. Hat der Verf. somit durch diese beiden Bände, von
denen der 14. Lo ew gewidmet ist, die ihm in neuerer Zeit
vielfach gemachten Vorwürfe nicht ganz widerlegt, so geben
dieselben doch einen erfreulichen Beweis von dem rast-
losen Eifer, mit dem er das von ihm mit so grossem Erfolge
betriebene Studium der Dipterologie , welche in ihm den
ersten kritischen Bearbeiter gefunden hat, bis in sein hohes
Alter verfolgt.
Fauna Austriaca, die Fliegen (Diptera), nach der ana-
lytischen Methode bearbeitet von R. Sc hin er. Heft 1.2.
Wien 1860 (gr. lex. 8.). — Verf. hat sich die umfassende
Aufgabe gestellt, die Dipteren der Oesterreichischen Mo-
narchie unter Berücksichtigung der übrigen Europäischen
Gattungen und mit Aufzählung sämmtlicher Europäischer
Arten nach dem Vorbilde und im Formate des Redteu-
bacher'schen Werkes über Käfer zu bearbeiten. Die
ebenso umfassende als kostspielige, besonders aber in Zeit-
schriften zerstreute dipterologischc Literatur lässt ein sol-
ches Unternehmen als ein sehr dankenswerthes erscheinen,
welches seinen Hauptzweck, dem Studium der Dipteren
zahlreichere Jünger zuzuführen , gewiss nicht verfehlen
wird. Sowohl nach den beiden ersten als den später er-
schienenen fünf Heften zu urtheilen, hat der Verf. für den
speziellen, die Bestimmung der Gattungen und Arten ver-
mittelnden Theil seine Aufgabe auch in meist anzuerken-
nender Weise gelöst, indem er die vorhandene Literatur
nicht nur mit rühmlichstem Fleisse, sondern auch mit Ge-
wissenhaftigkeit und Sachkenntniss zusammengetragen und
für seinen Zweck verwerthet hat. Er beginnt in den bei-
den vorliegenden Heften mit den Familien der Stratiomyi-
den, Xylophagiden, Coenomyiden, Tabaniden, Nemestriniden,
Bombyliiden, Acroceriden, Empiden, Asiliden, Midasiden,
Scenopiniden , Thereviden, Leptiden und Dolichopoden
(Anfang).
In der Wien. Entoin. Monatsschr. IV. p. 74 fF. -giebt der Verf.
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 489
einen vorläufigen Conimcntar zu seinem Werke, verbunden mit einer
näheren Begründung der in demselben neu aufgestellten Galtungen,
von denen manche, die nur auf habituelle Abweichungen oder auf
einzelne Charaktere von zweifelhafter Bedeutung gegründet sind,
schwerlich Anerkennung finden weiden. Da der Verf. ebenda aus-
spricht, dass sein System nicht den geringsten Anspruch auf Natür-
lichkeit niache, so können und wollen wir ihm über die etwas bunte
Reihenfolge seiner Familien, welche sowohl der Art der Metamorphose
als der Entwickelung der Mundtheile (von Latreille und M e i g e n
zu Grunde gelegt) geradezu in das Gesicht schlägt, keinen Vorwurf
machen. Wir können über dieselbe auch um so eher hinweggehen,
als der hauptsächlichste Zweck eines Buches, wie das vorliegende,
der ist, die Bestimmung der Arten zu erleichtern und der Verf. die-
sen in den meisten Familien vollkommen erreicht hat; als Ausnahme
müssen wir die Familie der Empiden anführen, in der uns z. B. die
Arten der Gattungen Empis, Rhamphomyia, Hilara, welche wir wie
die meisten Theile des Buches speziell geprüft haben, ohne näheres
Eingehen auf ihre meist wesentlichen und leicht fassbaren Charaktere,
überhaupt viel zu kurz zu einer sicheren Determination charakterisirt
zu sein scheinen. — Viel weniger als der spezielle Theil des Werkes
kann uns die Einleitung zu demselben befriedigen, in welcher der
Verf. eine Charakteristik des äusseren Körperbaues der Dipteren u. s. w.
zu geben versucht; wir möchten ihm sogar zu seinem eigenen Besten
fast den Rath ertheilen, diese mehr als einen zu beanstandenden
Fassus enthaltende Einleitung in ihrer jetzigen Form vollständig zu
cassiren. Phrasen wie von der „liebenswürdigsten" Zudringlichkeit
der Stubenfliege im Palaste des Fürsten und in der einsamen Zelle
der Gefangenen, die einem Naturforscher höchstens ein Lächeln ab-
gewinnen können, würden wir nur auf eine Geschmacksverirrung,
wie sie der Verf. in der entomologischen Bilance und anderen bel-
letristischen Artikeln bereits mehrfach producirt hat, zu schieben ha-
ben und brauchten sie ihm nicht zu verleiden, da er sich selbst durch
dieselben befriedigt fühlt; indessen thatsächliche Unrichtigkeiten, wie
dass die Taster „auf dem Stamme der Unterlippe sitzen," dass die
Trennung der Brustkastenringe im „günstigsten" Falle nur durch eine
Naht angedeutet ist, können wohl nicht gut ungerügt passiren. Da
es ein Hauptcharakter der Dipteren ist (vom Verf. in seiner Charak-
teristik der Ordnung übergangen), dass sie niemals Lippen-, son-
dern stets nur Unterkiefertaster haben, da ferner mit alleiniger
Ausnahme einiger niedriger Formen (Nycteribia , Braiila) die Gränze
der Thoraxringe durch Nähte durchweg ebenso deutlich ist, wie bei
allen übrigen Insekten mit verwachsenem Prothorax, so widerspricht
der Verf. mit seinen Angaben nicht nur nilgemein anerkannten und
kichl zu qouslalirenden Thalsachen, sondern er führt auch den An-
490 Ge rstaeclier: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
fangen, der auf die Worte eines Lehrbuches schwören zu dürfen
glaubt, in die Irre. Endlich könnte es auch wohl selbst einen An-
fän^^er mit Recht in Erstaunen setzen, dass ein Verfasser, der sich
auf dem Titel seines Buches als Mitglied so vieler gelehrter Gesell-
schaften präsentirt, noch nicht einmal den Namen eines iMannes wie
Oken zu schreiben weiss, sondern denselben zweimal hintereinan-
der in „Ocken" corrumpirt.
Von C. Rondani's „Dipterologiae Italicae prodromiis«
ist im J. 1859 der drille Band (Species Ilalicae ordinis
Diplerorum. Pars H. Siphoninae et (partim) Tachininae. 8.
243 pag.) erchienen. Der Verf. charakterisirt in demselben
diejenigen Tachinen , welche bei M ei gen die Gattungen
Siphona, Thryptocera, Gonia, Echinomyia, Micropalpus, Ne-
morea, Chrysosoma, Exorista, Phorocera, Plagia , Tachina
(pars), Metopia, Miltogramma und Trixa ausmachen, welche
er aber in eine sehr bedeutend grössere Anzahl von Gat-
tungen zerlegt. Für dieselben sind meist Merkmale von
ganz untergeordneter Bedeutung, wie die Stellung und Zahl
der Stachelborsten des Hinterleibes, die verschiedenen Längs-
verhällnisse und Zahl der Fühlerborsten-Glieder, die An-
wesenheit oder der Mangel eines Randdornes der Flügel
u. s. w., die höchstens im Vereine mit anderen conslanten
Charakteren einen generischen Werlh beanspruchen könnten,
benutzt worden. Ueberhaupt muss man dem Verf., wenn
man ihm auch nur zugestehen kann, dass er sein Mate-
rial durchaus gründlich untersucht und unterscheidende
Merkmale genug hervorgehoben hat, den Vorwurf machen,
dass er diese Merkmale zur Abtrennung künstlicher Gat-
tungen benutzt. V\'ie könnte er z. B. sonst, wenn er sich
bemüht hätte, die Verwandtschaft der Gattungen unter ein-
ander zu ergründen, die Gatt. Trixa Meig. auf Miltogramma
folgen lassen.
Die GaUung Nemorea Äleig. beschränkt der Verf. z. B. auf N.
pellucida und eine zweite (neue) Art, während er Kern, puparum,
strenua, vagans, consobrina und radicum unter der neuen Galtung
Platychira vereinigt; der Verf. hat dies auf Grund der Stachelborslen
des Hinterleibes gethan, dabei aber offenbar übersehen, dass trotzdem
N. pellucida viel näher mit N. strenua, als diese mitK. puparum ver-
wandt ist, welche letztere schon durch die eigenlhümliche Behaarung
der Backen, so wie durch ihre Sitteu abweijßht (K. puparum setzt
im Gebiete der Entomologie wnhrend der Jahre 1859 u. 60. 491
sich an Baumstämme, i\. pellucida und strenua stets auf Blätter).
Mit Recht schliesst Verf. die Gattung Chrysosoma (Gymnochaeta) un-
mittelbar an Platychira an und er hätte sogar gut gethan, sie mit
dieser sowohl als Nemorea zu vereinigen, da z. B. Chrys. viridis von
Nem. vivida Zelt, durch nichts als die metallische Körperfarbe ab-
weicht. Eine Abtrennung der Gattung Chetolyga von Nemorea lässt
sich nach der Ansicht des Ref. durchaus rechtfertigen, da die mit
Chet. 4-pustuIata verwandten Arten durch die Bildung des Kopfes,
die weit herabreichenden Augen und die dicht gevvimperten Ilinter-
schienen vollkommen charakterisirt sind; ausserdem schliesst sich
den einheimischen Arten auch eine ganze Reihe Nord - und Süd-
Amerikanischer von ganz übereinstimmender Bildung und Habitus an.
Verf. hat in dieser Hinsicht ein richtigeres Urlheil gezeigt als Schi-
ner, bei dem die Chelolygen mit Nemorea vereinigt geblieben sind,
während Chrysosoma (vergl. Chr. viridis mit Nemorea vivida I) und
Nemorea durch 13 Galtungen, wie Trixa, Gonia, Peleina, Panzeria,
Plagia, Labidigasler u. s. w. gelrennt werden,
Bigot hat seinen „Essai d'une Classification synopti-
que des Dipteres" mit einem siebenten Abschnitte fortgesetzt,
in welchem er die Familie der Dolichopoden behandelt
(Annal. soc. entom. VII. p. 200—231).
Verf. wehrt sich im Eingange abermals gegen die Einwürfe
und Verbesserungen, welche seine Arbeiten hervorgerufen haben und
verlheidigt von Neuem sein Fühlerborsten- und Pelotten - System ;
alle Systeme könnten nur künstliche sein und weitere Ansprüche
mache er auch für das Seinige nicht. Indem er die speziellen Angaben
seiner Critiker übrigens meist als begründet ansieht, ändert er z. B.
seinen Gattungsnamen Vertexistemma, der nur auf einer ,,regrettable
fante d'impression" beruht, in Verticistemma um, ohne gewahr zu
werden, dass derselbe auch in dieser Form 1) als vox hybrida unzu-
lässig und 2) da die Stemmata slets auf dem Scheitel liegen, sinnlos
ist. — Sodann geht er auf die Dolichopoden ein, welche er nach
seinem einmal angenommenen Fühlerborsten -System in zwei Tribus:
„Rhaphidi" und „Dolichopodi" theilt, obwohl er zugleich mit der Be-
merkung beginnt, dass in der ganzen Reihe der Dipteren keine Fa-
milie so homogen als die der Dolichopoden gebildet sei. Unter den
„Rhaphidi" begreift er die Formen mit endständiger Fühlcrborsle, un-
ter den „Dolichopodi" diejenigen mit rückensländiger. Bevor er zu
der synoptischen Anordnung der Gattungen übergeht, creirt er zuvör-
derst für zwölf >V iedemann'sche und M a c q u a r t'schc Arten neue
Gattungsnamen: Margarilostylus (Päil. globifer NVied.), Meyisloslylus
(Ps. crinicornis AVied.), Oariostylus (Ps. tuberculicornis Macq.), Me-
soblephai'ius (Ps. Senegalensis Macq.), Condylostylus (l's. bitubcicula-
492 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
tus Macq,), Euroslomerus (Ps. coeruleus Macq.), DasypsUopus (Ps.
pilipes iMacq.), Heleropsilopus (Ps. grandis Macq.), Aedipsilopus (Ps.
posticatus Wied.), Osodostylus (Sybistr. nodicorne), Paracleius (I)ol.
heteroneiinis Macq.) und Nemospalhus (Sybistr. Dufourii IMacq.). Viel-
leicht um anzudeuten, dass die Berechtigung dieser Gallungen doch
wohl zweifelhaft sei, versieht er sie sämmtlich mit einem (sonst nicht
verständlichen) Fragezeichen. Nachdem sodann einige Loew'sche
Gattungen ohne Weiteres „als nicht berechtigt" beseitigt worden sind,
folgt die analytische Tabelle der Gattungen , auf welche hier naher
einzugehen wir uns nicht veranlasst fühlen können.
Tipulariae. Eine neue, mit Cylindrotoma verwandte Schnacken-
Gattung machte Bigot (Annal. soc entom. VII. p. 123. pl. 3. fig. 1)
unter dem Namen Physecrania bekannt. Fühler siebengliedrig,
die drei ersten Glieder dick, die vier letzten dünn und an Länge
abnehmend, das dritte Glied am längsten; Taster viergliedrig, das
dritte Glied kürzer als die übrigen. Stirn stumpf kegelförmig, her-
vorspringend, Ocellen fehlend. — Art: Ph. obscura 17 Mill., von Ma-
dagascar. — Neue Arten ebendaher: Tipula brunnea, Culex anxifer
und insatiabilis.
Einen wichtigen Beitrag zur Systematik und Arterikenntniss der
Nord - Amerikanischen Tipularien mit kurzen Tastern lieferte IL v.
Osten-Sacken in den Proceed. acad. nat. scienc. of Philadelphia
1859. p. 197— 256. pl. 3 und 4 (mit einem Nachtrage, ebenda 1860.
p. 15 ff.) unter dem Titel: New genera and species of North-Ameri-
can Tipulidae with short palpi, with an attempt at a new Classification
of the tribe. — Die grosse Mehrzahl der Tipularien mit kurzen Ta-
stern fällt den Untersuchungen des Verf. zufolge drei Gruppen zu:
1) Limnobiaeformes mit einem Radialfelde, vierzehngliedrigen Füh-
lern, undeutlichen Pulvillen, unterhalb gezähnten Fussklauen und am
Ende nicht gespornten Schienen. 2) Limnophilaeformes mit zwei
Radialfeldern, sechszehngliedrigen Fühlern, deutlichen Pulvillen und
einfachen Fussklauen; Schienen mit Sporen. 3) Eriopteraeformes mit
allen Merkmalen der vorhergehenden, nur die Schienen ungespornt.
Von der zweiten Gruppe lassen sich wieder Untergruppen abtrennen,
nämlich die Anisomeraeformes mit nur sechs bis zehn Fühlergliedern,
und die Pediciaeformes mit einer Querader weil von der Spitze der
Mediastina, mit behaarten Augen, verlängertem vierten Tastergliede
und einem deutlichen Stirnhöcker. Endlich eine sechste (Unter-)
Gruppe Anomalac hält die Mille zwischen der ersten und zweiten,
indem sie nur ein Radialfeld und dabei sechszehngliedrige Fühler
hat. — Die Limnobiaeformes beschränkt der Verf. auf die einzige
Galtung Limnobia, unter welcher er Geranomyia Hai., Rhipidia Meig.,
Dicranomyia Steph. und Limnobia sens. strict. als Untergattungen
vereinigt; zur ersten gehört G. rostrala Say und 2 neue Arten, zur zwei-
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 493
ten Rh, maculata Mcig. und 2 n. A., zur dritten ü. morio Fab. und
9 n. A., zur vierten L. oinclipcs Say und 5 n. A. ; L. argus Say und
eine neue Art lassen sich in keiner dieser Unteigattungcn unterbringen.
— Die Anomalae umfassen 5 Gallungen: 1) D icranop lycha n. g.
Mediaslina deutlich, Petiolus der Radial - und Cuhitalader bei seinen»
Ursprünge gebogen, AnalwinUel gerundet ; eine deutliche Stigma-
Qnerader, eine deutliche Falte, die von der Mitte der Analvene durch
die Analzelle verläuft; kein deutliches Stigma, Rüssel kurz. 4n.A. —
2) Antocha n. g. Mediaslina undeutlich, dicht an die Subcoslalis
angelehnt , keine deutliche Älediastinal-Querader, Petiolus nicht bei
seinem Ursprünge gekrümmt, aber einen scharfen Winkel nut der
Subcoslalis bildend. 2 n. A. — Z) El efhant omyia n. g. , für
Limn. canadensis Westw. — 4) Rhamphidia Meig. 1 n. A. — 5)
Teuch olabis n. g. Von Dicranoptycha durch den Mangel der Falte
in der Analzelle, deutliches Stigma, verlängerten Rüssel u. s. w.
unterschieden. 1 n. A. — Die Eriopteraeformes umfassen 5 Gattungen :
1) Gnophomyia n. g. von Gonomyia Meig. durch die ungewöhn-
liche lange Form der Radialzclle und die parallelen Aeste der Ra-
dialgabel unterschieden; erste Externo -Medianzelle fehlend, Körper
schwarz. 2 n. A. — 2) Cr yp t olabis n. g. Erste Radialzelle von
der Form eines gleichseitigen Dreiecks, Petiolus sehr schräg; männ-
liche und weibliche Genitalorgane stumpf, ohne deutliche hornige
Anhänge. 1 n. A. — 3) Erioptera auct. mit E. caliptera Say und 15
n. A. — 4) Sympiccta Meig. mit S. punctipennis Meig. — 5) Cia-
dur a n. g., von Gnophomyia durch Anwesenheit der ersten Exferno-
Medianzelle und gelben Körper unterschieden. 1 n, A. — 6) Gonomyia
Meig. 4 n. A. — Die Limnophilaeformes sind wieder nur auf die
einzige Gattung Limnophila beschränkt, von welcher 19 Arten be-
schrieben werden , welche in zwölf Sektionen und sechs Untergat-
tungen zerfallen. Letztere sind: Lasiomastix ü. S. (macrocera Say),
Idioptera Macq. (fasciata Lin.), Limnophila auct. , Epipkragma 0. S.,
Dactylolabis 0. S. und Dicranophragma 0. S. — Die Anisomeraefor-
mes enthalten 3 Gattungen : 1) Anisomera Meig. 1 n. A. 2) Erioccra
Macq. 1 n. A. 3) Ar rhenica n. g. für Anisomera longicornis Wal-
ker und 1 n. A. — Die Pediciaeformes umfassen 3 Gattungen: 1)
Amalopis Ilal. 3 n. A. 2) Pedicia Latr. mit P. albivitta Walk. 3)
Dicranola Zelt. 1 n. A. Ferner schliesst sich denselben die Gattung
Ula Hai. mit U. pilosa Schum. an. — Als Anhang beschreibt der Verf.
Bittacomorpha Westw. mit B. clavipes Fab., Ptychoplera Meig mit
1 n. A. und Protoplasa n. g., niit den beiden genannten nahe
verwandt, aber mit kurzem Rüssel, der in eine dicke Lippe endigt
und nicht oder nur wenig länger als der Kopf ist. — Art: P. Filchii
n. sp. — Auf den beiden beifolgenden Tafeln sind die männlichen
Geschlechtszangen einer grösseren Zahl der beschriebenen Arten in 34
494 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftliclien Leistungen
Figuren dargestellt. In einem Nachtrage liefert der Verf. Berichti-
gungen und Zusätze für einzelne Arten und Gattungen, die auf einem
Vergleiche des in den Englischen und Deutschen Sammlungen be-
findlichen Materials an Nord-Amerikanischen Tipularien beruhen.
Einen Auszug aus der vorstehenden Arbeit lieferte v, Osten-
Sacken unter den» Titel : „lieber die Classifikalon der Limnobiaceen"
in der Entoniol. Zeitung 1860. p. 87 ff.
Boheman (Öfvers. Vetensk. Akad. Förhandl. XV. p. 56) be-
schrieb Corynoscelis n. g. , in der Kopf-, Thorax- und Hinter-
leibsbildung mit Scatopse nahe verwandt, aber durch dreigliedrige
Taster, verlängerte und gegen die Spitze hin keulenförmig ange-
schwollene Hinterschenkel und an der Basis gekrümmte Hintersrhienen
unterschieden. Flügelgeäder durchweg deutlich; die Costa jenseits
der Mündung der ersten Längsader durch eine senkrechte Querader mit
der zweiten Längsader verbunden, dritte I^ängsader gegabelt, die
sechste deutlich. — Art: C. eximia, 4^4 Mill. Lappland, auf Taf. 2
abgebildet.
Kolenali (Fauna des Altvalers p. 59 und Wien. Entom. Mo-
natsschr. IV. p. 391) beschrieb Crnnobia nov. gen., in die Nähe
von Erioptera Meig. gehörend, mit nackten Flügeladern, 15-gliedrigen,
nicht gekämmten Fühlern, deren Glieder allmählich kleiner werden,
gleich langen Tastergliedern, breiten und an der Basis verengten
Flügeln, den Körper dreimal an Länge übertreffenden Beinen u. s. w.
— Art; Cr. Schineri, 5 Lin. vom Altvater, 4070'. — Erioptera su-
detica n. A. ebendaher. — Rhypholophus nov. gen., zwischen
Limnobia und Erioptera stehend; Schienen ohne Enddornen, Ocellen
fehlend, Fühler 16-gliedrig, Vorderschienen gleich dick, ohne Stacheln,
Tasterglieder von gleicher Länge und Dicke. — Art: Rh. pkrygano-
plerus 3 Lin., ebendaher.
Walker (Transact. enlomol. soc. V. p. 331 ff.) beschrieb als
H.A.: Bibio criorhinus (Bellardi ?) aus Mexiko, birvdis von Pt. IVatal,
Dilophus desistens aus Neu - Süd - Wales , Simulium ochraceum und
Limnobia slupens aus Mexiko, Limn. nigricola aus den Vereinigten
Staaten, Tipida associans, dispellens und Pachyrhina nigrolntea (Bel-
lardi ?) aus Mexiko.
Derselbe (Journal of proceed. of theLinnean soc, Zoology III.
p. 77) Sciara selecta, Culex scutellaris und Gynoplislia jurgiosa als
n. A. von den Aru - Inseln ; (ebenda IV. p. 90 (f.) Hlegarhina immise-
ricors , Culex oblurbans , impalibilis , impeUens , Änopheles vamis,
Limnobia impotiens, Tipula infindens, inordinans, Ctenophora incunclans
und gaudens als n. A. von Celebes und (ebenda V. p. 144 f.) Culex
imprimens , venlraiis , Limnobia riltifrons und Tipula fumifinis als
n. A. von Amboina.
Bellardi (Swggio di Ditterol. Messican. p. 5 ff.) Culex Mexi-
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 495
canus, Tipula nehuJosa, Craverii, Edwardsii, quadrimaculata, pro-
xima , afßnis und nigrolvfea, Sciophila Popocatepetli y Simuliutn
cinereum und metallicum, Plecia nigerriina, erostrata, hicolor, Bibio
criorhinus, picetis, dnbius und fuligineus, Dilophus maculatus Si\s n. A.
aus Mexiko.
Bigot (Annales soc. enlom. VIII. p. 769) Xyphura (Clenophoia)
fulvida als n. A. Sicilien.
Motsch ul sky (Bullet, de ÄIoscou 1859. II. p. 503) diagno-
sticirte Culex flatus und Tipulina breviceps als n. A. vom Amur.
Am Stein (Jahresbericht d. nalurf. Geselbch. Graubündens V.
1860. p.lOO) Litnnobia vnicolor als n. A. aus Graubünden.
Frauenfeld (Verhandl. d. zoolog.-botan. Gescllsch. zu Wien
IX. p. 325) beschrieb Cecidomyia buboniae als n. A. von der Sinaiti-
sehen Halbinsel, aus bronibeerförmigen Gallen des Stengels von Dc-
verra tortuosa erzogen. — In den Sitzungsberichten der math.-naturw.
Classe der Wiener Akad. d. Wissensch. Bd. 35. p. 247 gab derselbe
die Abbildung einer merkwürdigen Cecidomyia von Hongkong, wel-
che durch die fadenförmigen und gewimperten Verlängerungen der
fünf letzten Hinlerleibsringe , durch eigenthümliches Flügelgeäder,
undurchsichtige und dicht gerunzelte Flügelsubstanz u. s. w. auffal-
lend ist. Die Art wird vom Verf. beschrieben, aber nicht benannt
Cecidomyia robiniae Haldeman (Proceed. Boston soc. of
nat. bist. VI. p. 401) n. A. aus Nord -Amerika; Beschreibung von
Sharswood aus einem populären Journal mitgetheilt. Die Larve der
Gallmücke nährt sich von den Blättern der Robinia pseudacacia, de-
ren Ränder sie aufrollt; während einiger Jahre trat sie im Südosten
Fennsylvaniens in solcher 31enge auf, dass sie die Robinien ihrer
Blätter beraubte.
IS'ach Harris' Beobachtungen (aus seinen nachgelassenen Pa-
pieren in den Proceed. Boston soc. of nat. bist. VII. p. 179 ff. unter
dem Titel : „Observations on the transformalions of the Cecidomyiae"
niitgetheilt) gehen drei Nord-Amerikanische Cecidomyia-Arten, näm-
lich C. Salicis Fitch, tritici Kirby und destruclor Say drei verschie-
dene Arten von Verwandlung ein. Bei der ersten Art ist die Larve
in eine Galle und in ein unvollkomnienes Gespinnst eingeschlossen
und verwandelt sich in die Puppe, ohne ihre Haut abzustreifen. Bei
der zweiten Art ist die Larve frei und nicht von einem Cocon uni-
geben ; ihre vorletzte Larvenhaut platzt auf und sie wird zu einer
Pupa obtecia, ohne ihre letxfe Haut abzuwerfen. Bei der dritten Art
endlich bleiben Larve und Puppe innerhalb der vorlelzten Larvenhaut
eingeschlossen; die Larve wird zur Pupa coarclata, ohne dass ihre
Haut aufplatzt.
Snellen van Vollenhoven, „Icls over de Columbalscher
Mug" (ins Deutsche übersetzt von C. A. Dohrn, Enlom. Zeitung
496 GerslaecUer: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
1860. p. 306 ffj. Verf. recapilulirt den Bericht von Schön bauer
über die Verheerungen , welche diese Mücke im Bannat unter den
Rindern anrichtet und macht zugleich die Miltheilung, dass in Hol-
land ein Papagei von Simulia replans überfallen und gelödtet wor-
den sei.
„Der Weizenverwüster" von R r. (R o s en h a u e r), aus dem In-
lelligenzblalte der Universitätsstadt Erlangen Ko. 62 abgedruckt in der
Entom. Zeitung 1860. p. 320 f. — Mittheilungen über die Verwüstun-
gen der Cecidomyia destructor (secalina?) am Getreide in der Gegend
von Erlangen.
TS'ach Hagen (Entom. Zeitung 1860. p. 224} trat Hydrobaenus
lugubris auch in Preussen im April so massenhaft auf, dass die Flie-
gen am Rande einer unter Wasser gesetzten Wiese zollhoch aufge-
schichtet waren.
White (Proceed. Boston soc. of nat. bist. 1859. p. 174) be-
richtete über Larven von Corelhra (kurz charakterisirt) , welche le-
bend von einem Menschen ausgebrochen wurden; dieselben waren
% Zoll lang.
Tabanina. Eine neue Gattung Ditylomyia Bigot (Rev. et
Mag. deZool. 1859. p. 305) soll mit Dichelacera Macq. verwandt sein
und sich durch verlängerten, kegelförmigen, in der Mitte eingeschnür-
ten Hinterleib auszeichnen; Fühler, wie es aus der unvollständigen
Beschreibung scheint, mit Tabanus übereinstimmend, Taster breit,
flachgedrückt, Ocellen deutlich, Gesicht aufgetrieben, unterhalb ke-
gelförmig hervortretend, Beine (?) unbewehrt, Flügel mit fünf Hin-
terrandszdlen, die Analzelle geschlossen. — Art: D. ornata Ceylon.
Derselbe (Annales soc. entom. VIl. p. 125 fl". pl. 9) beschrieb
Tahanus alhipectus, obscurcsligmatus (sie!) und Dichelacera lotigiro-
stris als n. A. von Madagascar.
Loew (Neue Beiträge VL p. 23 ff.) beschrieb in seiner Aus-
einandersetzung der Europäischen Pangonien im Ganzen 15 Arten,
von denen 8 neu sind. Dieselben ordnen sich folgendermassen an:
1) Ocellen vorhanden. a) Augen nackt, erste Hinterrandszelle ge-
schlossen: P. maculata Fab., variegata Fab., fuhipes, pyritosa und
obscurata n. A. von der Küste Klein-Asiens, fuinida, afßnis und c/e-
midiata n. A. aus Andalusien, ferruginea Latr., marginata Fab. und
micans Me\<r. — b) Augen behaart, erste Hinterrandszelle offen: P.
aperla n. sp. Portugal. 2) Ocellen fehlend: P. variegata Macq. und
picta Macq. ^^^^ ,.
Derselbe (Öfvers. Vctensk. Akad. Förhandl. XV. p. 336) d.ag-
nosticirte Tabanus vexans, laevifrons, leucostomus und Haemalopola
viUala als n. A. vom Cap und vom See IN'Gami.
Egger (Verhandl. d. zoolog. > botan. GescUsch. zu Wien IX.
p. 389 ff.) beschrieb Tabanus inlennedlus n. k. aus Frankreich, lerge-
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 497
stinus und vicinus von Triest, nigricans aus Oesterreich und pusillus
von Triest.
Bellardi (Saggio di Ditterol. Messic p. 46 ff.) beschrieb als
neue Mexikanische Arten : Pangonia rhinophora, rostrifera, Wiede-
manni, Savssurei, ßavohirla, Sallei und incerla, Tabamis subruber,
Sumichrasli, albonolahis, de Filippii, Bigott, luteoßavus, Craverii, ßa-
vocinctus, Sallei, carnens, Truquii, propinquus, subsimilis, nigropun-
ctatus, aurantiacus, caliginosus und Rondanii, Chrysops subcoeculiens,
affinis, virgulatus, lalifasciatus, scalaralus, apicalis, pallidus und
megaceras.
Wal ker (Transact. entern, soc. V. p. 272 ff.) Pangonia atrifera,
tennirostris, Tabanus dorsifer, commixtus, alteripennis und purus als
n. A. aus Mexiko, incipiens vom Amazonenstronie und abscondens
von Burmah.
Derselbe (Journal proceed. Linnean soc., Zoology III. p. 83)
Tabanus recusans als n, A. von den Aru-Inseln, und (ebenda IV. p.l02 ff.)
Tabanus succurvus, facliosus, reducens, spoliator, immixlus und ße-
xilis als n. A. von Celebes.
Motschulsky (Bullet, de Moscou 1859. II. p. 505) diagnosti-
cirle Chrysops bipunctatus als n. A. vom Amur.
Asilina. Eine neue Gattung Tcretromyia Bigot (Annal. soc.
entom. VII. p. 416), zur Asilus-Gruppe gehörend, wird durch schma-
len, kurzen Hinterleib, mit langer, dreigliedriger zusammengedrück-
ter Legeröhre beim Weibchen charakterisirt ; Fühler mit eiförmigem
dritten Gliede und langem, am Ende stumpfen Griffel, Gesicht mit
zwei Höckern über einander, Bart bis zu den Fühlern reichend. —
Art: T. cothurnata 18 Mill., Madagascar. — Neue Arten ebendaher:
Laphria macra, Ommatius pulchripes, atrogaster, fallax und Mayollae,
Microstylurn nigrum (M. cilipes Macq. nochmals beschrieben und auf
pl. 9 abgebildet) und Jsopogon parvulus.
Derselbe (Annales soc. entom. VIII. p. 219) beschrieb Rha-
diurgus Macqnarlii als n. A. aus ISeu-Caledonieu.
Von Loew (Öfvers. Vetensk. Akad. Förhandl. XV. p. 337 ff.)
wurden folgende neue Gattungen und Arten bekannt gemacht : a) Da-
sypogonina: 1) Daspletis n. g. Körper langhaarig, Asilus-förmig,
Gesicht schmal, mit langem Höcker, Knebelbart bis zu den Fühlern
reichend; drittes Fühlerglied gekeult, mit dünnem und äusserst kurzem
Endgriffel, Beine nicht verdickt, Klauen nicht divergircnd, Pulvillen
klein. Flügel breit, erste und dritte Hinterrandszelle weit vor dem
Rande geschlossen. — Art: D. vulpes, lO'/j Lin. K'Gami. — 2) La-
phyctis n. g., für Stichopogon giganlellus Loew errichtet. — La-
parus laticornis, Acnephalum plahjgasler und Damalis annulala vom
Cap und Svvakop. (Scylaticus laticinctus Loew wird auf Dioctria
costak5 Wied. fem. zurückgeführt). — b) Laphriina : Lamyra bipvn-
Arcbiv f. Naturg. XXVII. Jahrg. 2. Bd. Gg
498 Gerslaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
data, angularis, Alcimus stenurus, Lophonotus albus, pulcher, elachi-
pterus n. A. Süd~Afrika.
Derselbe .'(Wien. Ent. Monatsschr. IV. p. 21) beschrieb Dio-
ctria laeta als n. A. aus Dalmatien , Egg er (Verhandl. d. zoolog.-
botan. Gesellsch. zu Wien IX. p. 405) Dioctria melanopa als n. A.
aus Sicilien.
Von Walker (Transact. entoni. soc. V. p. 276 ff.) wurden fol-
gende neue Arien bekannt gemacht: Dasypogon secabilis und gelas-
cetis aus Mexiko, pi'oclicis, inopinalus, inopportunus und deeretus aus
ßurmah, Discocephala divisa und inlerlineata aus Mexiko, Lampria
bilincta vom Amazonenstrome, Laphria formidolosa, componens und
triligata aus Mexiko, abscissa aus Burmal), Atomosia sericans aus Me-
xiko, Trupanea apivora aus Burmah (jagt grosse schwarze Bienen),
Trupanea lateralis aus Mexiko, Asilus inamahis und perrumpens aus
Mexiko, Damalis signatus aus Burmah.
Derselbe (Journal proceed. Linnean soc, Zoology III. p. 83 ff.)
Dasypogon inopinus, honeslus, Laphria gloriosa^ socia, consobrina, so-
dalis, comes, consors, germana, flagranlissima^ justa, manifesla, aperta
und declarata, Trupanea contradicens, Ommalius noclifer, lucifer,
retralicns, Leplogaster ferrugineus, longipes und albimanus als n. A.
von den Aru - Inseln und (ebenda p. 128) Laphria paradisiaca und
placens, Asilus superveniens als n. A. von den Key-Inseln.
Derselbe (ebenda IV. p. 104 ff.) Discocephala pandens, La~
phria concludens, requisita, parlila, complens, dioclrioides, Trupanea
strenua, calorißca, Asilus Jetenninalus, inlroducens, areolaris, tenui-
cornis, Ommalius scitulus, striclus und Leptogaster munda als n. A.
von Celebes.
Derselbe (ebenda V. p. 146 f.) Laphria trislis, compta und
amlpa als n. A. von Amboina.
Mulsant und Reveliere's „Notes pour servir ä Ihistoire
des Asiliques et particulierement des Laphries" (Annales soc. Lin-
neenne de Lyon VI. p. 119 ff., Opusc. entomol. XI. p. 81 ff.) enthalten
neben der Beschreibung einer neuen Art Lapria meridionalis aus
Corsika zugleich eine Charakteristik ihrer Larve und Nymphe; die
Larve stellt derjenigen der Lampra mirifica, in deren Bohrlöchern sie
sich findet, nach. Zugleich bemerken die Verf., dass die Larven der
Laphria maroccana Fab. in gleicher Weise auf die Larven der Di-
cerca pisana Jagd machen.
Midasii. — Walker (Journal proceed. Linnean soc, Zoo-
logy IV. p. 104) beschrieb Mydas basifascia als n. A. von Celebes.
Leptidae. Eine neue Galtung ist Suragina Walker (Journ.
proceed. Litin. soc, Zoology IV. p. 110). Körper linear, Stirn und
Scheitel gleich breit, Rüssel etwas kürzer als die Kopfbreite, Taster
lanzelllichj Fühler sehr kurz mit rundem 3. Gliede, Hinterleib flach,
im Gebiete der Entomologie Während der Jahre 1859 u. 60. 499
mit stumpfer Spitze, Beine lanor und dünn; Diskoidalzelle der Flügel
fast sechsmal so lang als breit, die Gabt'l der Cubilalader etwas län-
ger als der vorhergehende Theil, 3te iiinterrandsader gegen die 4te
hin gebogen. — Art: S. illucens , 7 Lin. von Celebes. (Ileliomeiä
ferruginea Dolesch. ist nach Walker identisch mit Leplis ferrugi-
nosa Wied.).
Derselbe (ebenda III. p. 89) beschrieb Chrysopilu vctciUans
als n. A. von den Am - Inseln und (Transact, entom. soc. V. p. 284)
Ckvysopila trifasciata und basalis als n. A. aus Mexiko.
Eg ger (Verhandl.d. zoolog.-botan. Gesellsch. zu WienX. p. 348)
Leptis monticola als n. A. aus Oesterreich.
M ots chulsky (Bullet, de Moscou 1859. II. p. 505) diagnosti-
cirte Leptis tessella als n. A. vom Amur.
V. Siebold (Amtlicher Bericht über die 35. Versaniml. Deut-
scher TS'aturforscher in Königsberg p. 105 f.) machte nähere Mitlhei-
lungen über die Larve von Leptis vermileo, welche er in Bolzen
Trichter nach Art der Myrmeleonen im Sande grabend fand. Eine
längere Beobachtung der Larven in der Gefangenschaft ergab, dass
sie sich von Ameisen, Blattläusen, zarten Dipteren, jungen Spin-
nen u. s. w. nähren, welchen sie, unter der Oberfläche des Trichters
zusammengekrümmt liegend, auflauern, und welche sie, indem sie
ihren Körper fest um sie herumschlingen, aussaugen. Die während
des Tages durch Erhaschen der Beute in Unordnung gebrachten
Trichter werden erst des Nachts wieder gesäubert, z. B. hineinge-
fallene Steinchen u. dergl. mit grossem Geschicke von den Larven
herausgeworfen. Die Verpuppung erfolgt im Frühjahre, frei im
Sande; die Fliege entwickelt sich schon nach einigen Wochen. Da
gleichzeitig grosse und kleine Larven gefunden werden, muss das
W^achsthum derselben wenigstens zwei Jahre in Anspruch nehmen.
Empidae. Eine neue Gattung Harpamerus Bigot (Kev. et
Mag. de Zool. 1859. p. 306) soll llybos zunächst stehen. Kopf kurz,
kegelförmig, Rüssel lang, aufrecht, Taster cylindrisch mit langer
Endborste, Fühler mit sehr kurzen und eng verbundenen 1. und 2.
Glied, das 3. gerundet, zusammengedrückt, mit langer, nackter End-
borste; Hinterschenkel dick, unten mit langen, am Grunde verdickten
Dornen besetzt, Analzelle der Flügel gross, weit vor dem Bande ge-
schlossen. — Art: //. signatus Ceylon.
Egger (Verhandl. d. zoolog.-botan. Gesellsch. zu Wien X.
p. 339) machte folgende Europiiischen Arten bekannt: Empis affiuis,
macropalpa und dasypoda Sicilien, coynata, fallax^ Fivmana, (irgy-
reatn, piisio, parvvla und p^cro/;o<^/rt Oesterreich, Pdcinjmeria paJpalis,
Platypalpns tergestinus, HoJoclera pulchraj llilavimorpha singuluris
und tristis Oesterreich.
Loew (Öfvers. Velensk. AKad. Förhandl. XV. p. 340) charak-
500 G er s ta ecke r : Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
terisirte zwei neue Gattungen aus der Hybotiden-Gruppe : 1) StenO'
pro etil s n. g. Drilles Fühlerglied verlängert, konisch, Endborste
gerade, fast nackt, Rüssel horizontal, Taster linear; Hinterschenkel
lang, verdickt und unterhalb stachlig, Hinterschienen gekrüninit.
Zweite Längsader der Flügel aus der ersten nahe der Basis entsprin-
gend, vordere Basalzelle um mehr als die Hälfte länger als die hin-
tere. — Art: St. iim}nmclalus l'/jLin. Cap. — 2) Acarterus n. g.
Drittes Fühlerglied breit, kurz konisch, Endborste gerade, nackt,
Rüssel und Taster wie oben, Beine einfach ; beide Basalzellen der
Flügel gleich lang. — Art: A. unicolor V/n Lin. Cap. — Ausserdem
an neuen Arten: Einpis albicinta, Hilara sordicla, Drapeiis crassa
vom Cap.
Derselbe (Neue Beiträge VL p. 33 (T.) theilte in seiner Bear-
beitung der Europäischen Drapetis-Arten nach Hervorhebung der für
ihre Unterscheidung wichtigsten Merkmale die zwölf ihm bekannten
Arten zwei Gruppen zu, je nachdem die Stirn dreieckig und die
Fühlerborste apikal (Drapetis sen. strict.), oder die Stirn gleichbreit
und die Fühierborste dorsal {Stilpon nov. subgen.) ist. Zu letzterer
Abtheilung gehören Dr. graminum Fall, und lunata Walk,, zu ersterer
alle übrigen, von denen Dr. aenoscens Wied. (= brunnipes Macq. =
crassa Loew) ausser Europa auch am Cap der guten Hoffnung vor-
kommt und pilipcs Sicilien, nervosa Deutschland, setigera, arcuata
und pusilla ebendaher als n, A. beschrieben werden.
Derselbe (ebenda p. 4G ff.) lieferte eine Auseinandersetzung
der acht ihm bekannten Oedalea - Arten Europas, welche er in zwei
Gruppen theilt: a) Endglied des Fühlergriffcls dick, plump: Oed.
hybotina Fall., apicalis n. sp. Deutschland, tibialis Macq., flavipes Zett.,
infuscata n. sp. Deutschland und tristis Scholtz. — b) Fühlergi iffel
schlank, borstenförmig : Oed. Holmgreni Zett. und strgmatella Zett.
Derselbe (Wien. Entom. Monatsschr. IV. p. 79) Clinocera ma-
culata und conjuncla als n. A. aus Kord-Amerika.
Walker (Journal proceed. Linnean soc. V. p. 149) giebt für
eine neue, mit Hybos verwandte Gattung Epiceia folgende Charak-
tere an: Kopf so breit wie der Thorax, Augen gross, zusammenstos-
send, abgeflacht, Fühler sehr kurz mit konischem Endgliede und sehr
langer Borste; Hinterleib viel länger und dünner als der Thorax,
Hinterbeine verdickt, an der Unterseite der Schenkel stachlig. — Art
Ep. ferruginea, 3 Lin., von Amboina.
Derselbe (ebenda IIL p. 91 u. 129) beschrieb Hybos bicolor
als n. A. von den Aru-Inseln und Hybos deficiens n, A. von Key. —
Ferner (Transact. entom. soc. V. p. 286) Hybos villatus als n. A. von
Port Katal.
Lucas (Bullet, soc. entom. 1859. p. 243) machte Mitlheilungen
im Gebiete der Entomologie wahrend der Jahre 1859 u. CO. 501
über das Vorkommen von Empis platyptera Panz. in der Gegend
von Paris.
TherevidaO. Egg er (Verhandl. d. zoolog. - botan. Gesellsch.
zu Wien IX. p. 400 (T.) beschrieb Thereva miricincta n. A. vom Neu-
siedler-See, oculata und svperba vom Schneebeig in Slcyermark,
praecox aus Oesterreich und alpina vom Grossglockncr.
Loevv (Üfvers. Vetensk. Akad. Förhandling. XV. p. 336) Thereva
basalis und anlhracina n. A. von Swakop (Süd-Afrika).
Bigot (Annales soc. entom. Vil. p. 428. pl. 12) Anabarhyn-
chus variegatiis n. A. von Madagascar und (ebenda VIII. p. 222) Dia-
lineura varicincta n. A. von Neu-Caledonien.
Walker (Journal proceed. Linnean soc, Zoology III. p. 90)
Thereva congrua n. A. von den Aru-Inseln.
Westwood (Proceed. entom. soc. 1859. p. 59) machte Mit-
theilungen über die Larve von Thereva, welche sich durch aulTallend
breite Abdominalsegmente, die durch einen queren und tiefen Ein-
druck getheilt und daher in doppelter Anzahl vorhanden zu sein
scheinen, auszeichnet. Die Larve ist carnivor; sie wurde beim An-
fressen von Schmetterlingspuppen angetroffen.
Bombyliarii. Loew (Öfvers. Vetensk. Akad. Förhandl. XVII.
p. 81 ff.) machte folgende neue Afrikanische Arten und Gattungen
bekannt: Bombylius hirtns und melanurus vom Cap, Eurycare-
nus nov. gen., von Bombylius durch breiteren Kopf, oberhalb be-
haartes drittes Fühlerglied und dreigliedrigen Endgriffel unterschieden,
auf Bomb, laticeps Loevv von Mossambique begründet. — Sysloechus
certinus und albidns aus dem Caffernlande, simplex vom Cap, Dis-
chistus capito und lepidus aus dem Caffernlande. — Crocidium
nov. gen., der Gattung Phthiria ähnlich, aber mit Dischistus zunächst
A'erwandt, von diesem durch kleines zweites Tasterglied, niederlie-
genden Vorderast der dritten Längsader und geschlossene Analzelle
unterschieden. — Art: Croc. poecilopterum Cap. — Apolysis nov.
gen., von Phthiria nur durch drei Ilinterrandszellcn, von Gcion durch
längere Taster und nicht endständigen FühlergrifFel, von Oligodranes
durch längeres zweites Taslerglied, von allen durch offene Diskoidal-
zelle, welche mit der zweiten Hinterrandszelle zusammcnfliesst, un-
terschieden. — Art: A. humilis vom Cap. — Systropus leptogaster n. A.
aus dem Caffernlande, L ay och Uns nov. gen., auf Cyllenia afra
Wied. begründet, Lomalia acutangula, longiludinalis aus dem Caffern-
lande, ptilchriceps und laliuscnla vom Cap, melampogon und tenera
aus dem Caflernlaude, mitis und inornata von INolagi, Anthrax ftil-
vipes Caffrar. , mixta Swakop, speclabilis (Anthr. Pithecius Ffth.?)
Caffrar., Cap, N'Gami, ßavipes, vilripennis^ abriipla, viduala und linea
aus dem Caffernlande , albescens, ßavescetis, dizona, lugens und Icu-
coprocla vom Cap, Exoprosopa laeta, elula, rostrala, tnorosa, hir~
502 (Je r st a e c k e r : Bericht ühei die wissenschaftlichen Leistungen
tipes, halioplera, inoniafa, recurrens, nmhrosa und corrina aus dem
Cairernlandc , slremta, macroplera, ignata, angulata und relimlata
vom Cap, rasa von !\ola{,n und praefica von Port Nalal.
E g g e r (Verhandl. d. zoolog. -botan. Gcsellsch. zu Wien IX.
p. 396 ff.) beschrieb Anthrax virgo n. A. aus Sicilien, Exoprosopa
Cleomene aus der Wiener Gegend, Lomalia Lachesis aus üesterreich,
Alropos aus Dalmatien und Usia Sicula aus Sicilien.
Bigot (Annales soc entom. VIII. p. 771 f.) Bombylius melano-
pygus^ Exoprosopa Dyonisii (sie!), zona und archimedea als n. A.
aus Sicilien.
AValker (Transact. entom. soc. V. p.285f.) Anthrax Irißgtirata
n. A, aus Haiti, Bombylius albavitta (Macq. ?) aus Australien und
fu7'iosus von Port Natal.
Derselbe (Journal proceed. Linnean soc, Zoology III. p. 90)
Anthrax Pelops und Geron simplex als n. A. von den Aru- Inseln,
(ebenda IV. p. 111 ff.) Anthrax pretetidens, antecedens, congrua, de-
monstra7is, praedicans, degenera Walk, var., proferens und Systropus
sphegoides als n. A. von Celebes. — Ebenda V. p. 148 Anthrax de-
vecta und emittens als n. Art von Amboina.
Nemestrinidae. — Colax vesperlilio Loew (Öfvers. Ve-
tensk. Akad. Förhandl. XV. p. 840) n. A. vom K'Gami-See.
Henopii. JXeue Arten sind : Cyrtus orbifer Walker (Transact.
entom. soc. V. p. 276) von Port IVatal und Philopota Triiquii Bellardi
(Saggio di Ditterol. Messican. p. 77) aus Mexiko.
FipunCUÜni. Egg er (Verhandl. d. zoolog. - botan. Gesellsch.
zu Wien X. p. 347) beschi ieh Pipu7iculus elegans und furcatus als n. A.
aus Oesterreich.
Walker (Journal proceed. Linnean soc, Zoology V. p. 150)
Pipunculus Amboinalis als n. A. von den Molukken.
Lonchopteridae. W^alker (Journal proceed. Linnean soc,
Zoology IV. p. 117) machte eine neue Gattung Cadrema bekannt.
Körper ziemlich kurz und schlank, Gesicht leicht schräg, Fühler
äusserst kurz, mit langer, feinhaariger Endborste ; Hinterbeine kräftig,
mit gekrümmtem Enddorne an den Schienen, Flügel schmal, lanzett-
lich. — Art: C. lonchopteroides von Celebes, ly^ Lin. lang.
Platypezidae. Boheman (Öfvers. Vetensk. Akad. Förhandl.
XV. p. 55) heschvieh Platypeza connexa als n. A. aus Umea- Lappland ;
das Männchen ist schwarz, das Weibchen aschgrau.
Walker (Journal proceed. Linnean soc, Zoology IV. p. 117)
Platypeza glaucescens als n. A. von Celebes.
Dolichopodidae. Loew (Neue Beiträge VI. p. 1 ff.) beschrieb
in seinen Nachträgen zur Kenntniss der Europäischen Dolichopoden
folgende neue Arten: Psilopus calccolalus Spanien und emonus Si-
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 503
cilien, Hypophyllus sphenopterus Deutschland, Gymnopternus appendi-
cnlattis Spanien, pilifer Pyrenäen (?), atrovirens, caudalvs Oesterreich,
Dolichopits aemulus Schweden, argentifer Schlesien, hasalis Sibirien,
excisus Deutschland und Sicilien, albifrons Schweden, Campsienemus
filipes und varipes Oesterreich, Syslenns teuer und leucurits Deutsch-
land, Synarthrus oedicncmus, Porphyrops pectinatns und siiavis Oe-
sterreich, Argyra setimana ebendaher, Teuchophortis monacanlhus und
Diaphonis vilripennis. Ausserdem wird die nochmalige Charakteri-
stik mehrerer bis jetzt unvollständig bekannter Arten gegeben.
Derselbe (Öfvers. Yetensk. Akad. Förhandl. XV. p. 341) be-
schrieb Xipkandrium triste als n. A. vom Cap und erwähnte des
Vorkommens von Hydrophorus inaequalipes Macq. in Süd-Afrika.
Rondani, „De genere Orthochile Latr." (Linnaea entom. XIII.
p. 315 f.) unterschied von Orth. nigrococrulea Latr. zunächst Ortho-
chile Walkeri (nigrococrulea Walker) als n. A. aus England und
beschrieb 0. Italica n. A., in Mittel-Italien häufig und P. Schembrii
n. A. von Malta.
Walker (Transact. entom. soc. V. p. 287) beschrieb Psilopus
solidus, peractus^ haereticus und permodicus als n. A. aus Mexiko.
Derselbe (Journ. proceed. Linnean soc, Zoology III. p. 91 fF.)
Psilopus benedictus, lucigena, terminifer, orcifer, egens, Dolichopiis
trigonifer und Diaphorus resumens als n. A. von den Aru-Inseln. —
Ebenda IV. p. 114 ff. Psilopus spectabilis, filifer, aestimatus, abruptus,
Dolichopus cinereus, praedicans, provectus, praemissus, proveniens
und Chrysotus exactus als n. A. von Celebes. — Ebenda V. p. 149 f.
Psilopus persuadens, perficiens und svperans als n. A. von Amboina.
Stratiomyidae. W a l k e r (Journ. proceed. Linn. soc, Zoology III.
p. 78 ff.) machte folgende neue Gattungen und Arten von den Aru-
Inseln bekannt: 1) Salduba n. g. Körper linear, Hinterleib flach,
länger als der Thorax, Kopf quer, Augen gross, Fühler viel länger
als der Kopf breit, aus sieben kurzen Gliedern und langem, lanzett-
lichem Endgriffel bestehend; Thorax lang, Schildchen unbewehit,
Hinterbeine lang, Flügel schmal, mit grosser sechseckiger Diskoidal-
zelle und vereinigter Anal- und Subanal-Ader. — Art: S. diphysoi-
des 4Vi Lin. — 2) Gabaza n. g. Körper kurz und breit, Kopf
quer, etwas schmaler als der Thorax, Gesicht sehr schräg; Fühler
kürzer als die Kopfbreite, lanzetllich, mit fadenförmiger Endborste,
Schildchcn mit zwei kleinen Dornen, Hinterleib viel breiter als der
Thorax, Flügelgeäder wie bei Stratiomys. — Art: G. argentea 3% Lin.
— 3) Nerua n. g. Körper fast linear, Kopf quer, von Thoraxbreile,
Fühler kurz mit rundem dritten Gliede und dünner Endborste; Hin-
terleib so schmal und lang wie der Thorax, Flügel schmal, Geäder
wie bei Clilcllaria. — Art: N. scenopitwides 3Lin. — 4) Adraga n. g.
504 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Körper linear, etwas dick, Kopf von Thoraxbreite, Augen beim Älünn-
chen zusaninienslossend, Fühler sehr kurz mit rundem dritten Gliede
und dünner, langer Endborste; Qiieinaht des Thorax sehr deutlich,
Schildchen dreieckig, gerandet, Hinterleib etwas kürzer als der
Thorax, Beine kurz, Flügelgeäder wie bei Clitellaria. — Art: A.
univilla 3 Lin- — 5) Obrapa n. g. Körper kurz und breit, gewölbt,
Kopf schmaler als der Thorax, Fühler kurz mit rundem dritten Gliede,
und dünner Endborste ; (^uernaht des Thorax deutlich. Schildchen
gross, gerundet, Hinterleib etwas breiter und nur halb so lang als
der Thorax, Beine kurz. Flügel massig breit; Diskoidalzelle gross,
viereckig, Subanal- und Analader vor dem Rande vereinigt. — Ar-
ten: 0. perilatnpoides 2V2 Lin, und cehjphoides 2 Lin. — Neue Ar-
ten: Massicyta inflata und cerioides^ Stratio7nys confertissima und
nexura, Sargus complens und rogans.
Sieben fernere neue Gattungen errichtete derselbe (ebenda IV^
p. 98 ff.) unter den von ihm beschriebenen Strafiomyiden von Celebes
(Makessar): 1) So Iva n. g. Körper linear, Fühler lanzettlich, kür-
zer als die Kopfbreite, undeutlich gegliedert, Schildchen unbewehrt;
Beine kurz, Hinterschenkel verdickt, unterhalb fein gesägt, Hinter-
schienen leicht gekrümmt ; Diskoidalzelle der Flügel mehr denn drei-
mal so lang als breit, 3- und 4. Hinterrandsader gegen den Rand hin
vereinigt, ebenso die Anal- und Subanalader. — Art: S. inamoena,
2y2— 3 Lin. — 2) Amp salis n. g. Körper langgestreckt, Fühler
fadenförmig, viel länger als die Kopfbreite, ihre Geissei (?) fast zwei-
mal so lang als der Schaft (?), mit undeutlichen Gliedern; Schildchen
mit zwei schräg aufsteigenden Dornen, Hinterleib elliptisch, Beine
lang, Diskoidalzelle langgestreckt und aussen verschmälert, mit vier
Hinterrandsnerven. — Art: A. geniata, 6 Lin. — 3) Tracana n. g.
Körper langgestreckt, Fühler schlank, fast so lang als der Kopf breit,
mit langen« dritten Gliede, Schildchen mit zwei schräg aufsteigenden
Dornen; Hinterleib länglich elliptisch, an der Basis stark verengt,
Beine lang, Diskoidalzelle länglich mit vier Hinterrandsnerven. —
Art: Tr. iterahilis, 5 Lin. — 4) Rosapha n. g. Körper schmal,
Fühler schlank, länger als der Kopf breit, mit langem drittem Gliede,
dessen Ringelung undeutlich ist; Schildcben mit zwei langen, spitzen
Dornen, Hinterleib an der Basis am schmälsten, wenig länger als der
Thorax, Beine kurz, Flügel mit drei Hinterrandsnerven. — Art: R.
habilis S'/i Lin. — 5) Ruba n. g. Körper kurz und dick, Kopf
schmaler als der Thorax, Fühler fast so lang wie die Kopfbreite,
3tes Glied breiter und länger als die Geissei (?), deren Glieder kurz
und fein beborstet sind ; Schildchen unbewehrt, Hinterleib kuglig,
viel breiter als der Thorax, Beine kurz, Diskoidalzelle unregelmässig
dreieckig, mit drei Hinterrandsnerven. — Art: R. inflala, 4 Lin. —
6) Tinda n. g. Körper ziemlich lang, niedergedrückt, Kopf läng-
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 505
lieh, Allgen vorn fast zusammenslossend, Fühler so lang wie die
Kopfbreite, 3tes Glied spindelförmig, halb so lang als die Geissei (?),
welche zusammengedrückt und lanzettlich ist; Schildchen mit sechs (?)
sehr kleinen Dornen, Hinterleib elliptisch, Beine kurz und dünn, Dis-
koidalzeile verlängert mit drei llinterrandsnervcn. — Art: T. tnodi-
fera, 3 Lin. — 7) Saruga n. g. Körper kurz und dick, Scheitel
buckelig, Augen gross, Fühler sehr kurz, mit rundem 3ten (ilicde und
apikaler Borste, Thorax buckelig, Schildcheu sehr aufgetrieben, einen
aufrechten Kegel darstellend ; Hinterleib etwas breiter als lang, Beine
kurz und dünn, Flügelgeäder wie bei Oxycera. — Art: S. conifera,
2Vi Lin. — Neue Arten, ebenfalls von Celebes : Ptilocera smaragdi-
fera, Hennelia remitlens , Stratiomijs immisceiis , finalis, Clilellaria
feslincms, gavisa, Oxycera manens, Sargus repensans, remeans, red-
hibensj mactans, inactus und Nerua imfendens.
Derselbe (ebenda V. p. 145) beschrieb Hermelia rußventris
und Sargus quadrifasciatus als n. A. von Amboina und (Transact.
entom. soc. V. p. 268 ff.) Ptilocera Natalensis {GersL?) von Port Natal,
Cyphomyia simplex aus 31exiko (soll sich von C. varipes Gerst. durch
schwarzen Thorax unterscheiden), Straliomys constricta, pinguis, Cli-
lellaria obesa, Chrysochlora purpurea, Sargus subinterruptus (ßellardi
mas?) aus Mexiko und Sargus rußbasis von Port Katal.
Bellardi (Saggio di Dillerol. Messic. p. 20 ff.) beschrieb als
neue Arten aus 3Iexiko : Beris mexicana, Cyphomyia similis, Hermetia
lalivcntris und aurata, Straliomys Gerstaeckeri, Odontomyia Truquii,
afßnis, dissiinilis, viridis, quadrimaculata, femorata und trilaeniala
Sargus caesius, latus, aureus, Sollei und subinterruptus.
B i g 0 t (Annales soc. entom. VII. p. 129 f.) Odontomyia limbifa-
cies, bipunctata, Sargus flavipennis, australis , hovas und Sargus?
glaxicus als n. A. von Madagascar. — Abbildungen auf pl. 9. — Fer-
ner (ebenda VIII. p. 770) Nemotelus maculiventris als neue Art aus
Sicilien.
Egger (Verhandl. d. zoolog. - botan. Gesellsch. zu Wien IX.
p. 393 II'.) Straliomys erythrocera n. A. aus Dalmatien und Ungarn,
Nemotelus luteicornis und crenntus aus Dalmatien und limbalus aus
Sicilien.
L o e w (Öfvers. Vetensk. Akad. Förhandl. XV. p. 335) Odontomyia
pulchriceps als n. A. vom Cap und (Wien. Ent. J\loualsschr. III. p. 221)
Oxyceta marginata als n. A. aus Sicilien.
Cornelius (Entom. Zeitung 18G0. p. 202. Taf. II) lieferte eine
genaue Beschreibung und Abbildung der Larve des Sargus formosus
Schrank. Die Larve wurde in grosser Anzahl in Brassica rapa ge-
funden, deren Fleisch sie verzehrte, ging Ende Aprils in die Erde
und lieferte nach vier Wochen die Fliege.
506 G eis tae ck e r: Bericht libcr die wissenschaftlichen Leistungen
Syrphidae. Bigot (Hev. et Mag. de Zool. 1859. p. 307) stellte
eine neue (jaltiing Cypliipella auf, welche von Volucella durch
das gerundete Endglied der Fühler, nackte Borste, kegelförmig her-
vortretende Stirn, iiöckeriges üntergesicht und grosses, blasig aufge-
triebenes Schildchen abweicht. — Die Art C. conifrons Bigot von
Vandiemensland ist nicht neu, sondern gleich Eristalis vcsicularis
Erichs. — Eine zweite Gattung ist Ly c a s Ir ir hyncha, von Lycastrus
^Valk. durch den das Untergesicht nicht überragenden Rüssel unter-
schieden ; Submarginalzelle vor dem Rande geschlossen, die erste
Hinterrandszelle fussförmig, drittes Fühlerglied scheibenförnjig. — Art:
L. nitens vom Amazonenstrome. — Eine dritte Gattung Crypti-
neura ist mit Orthoneura verwandt. Fühler ziemlich lang, zweites
und drittes Glied gleich lang, erstes dreimal so kurz, Fühlerborste
nackt; Gesicht und Stirn warzig, ersteres gerade, vierte Längsader
der Flügel vor der Spitze im rechten Winkel gebogen, erste Hinter-
randszelle gleichsam abgeschnitten. — Art: C. hieroglyphica Neu-
Orleans, 6 Mill.
Derselbe (Annales soc. enlom. VIL p. 431 ff. pl. 12) beschrieb
Dolichomerus nigritiis, Eristalis scxvittatus, Syritta leucopleura, al-
bifacies und ßaropicta als n. A. von Madagascar und gab nochmalige
Charakteristiken von den ebendaher stammenden: Eristalis cupreus
Macq., Natalensis und annulipes Macq. — Ebenda VIIL p. 223 Sphixi-
morpha antipoda n. A. aus Neu-Caledonien und p. 776 Sphixea Bel-
lieri und Lasiophthicns mecogvamma n. A. aus Sicilien.
Egg er (Verhandl. d. zoolog. -botan. Gesellsch. zu Wien IX.
p.405f.) beschrieb Brachypalpns chrysites, eine prachtvolle n. A.
vom Schneeberge und Melilhreplus formosus aus Oesterreich. —
Ebenda X. p. 349 ff. : Cheilosia rußlibia, montana, signata, pictipennis,
rhynchops, carbonaria, modesta, brachysoma und dccidua aus Oester-
reich, Schineii aus Nord-Italien. — Ebenda X. p.663f. : Melanosloma
cingulata, Chrysochlamys nigrifrons, Syrpims cotifustis, Mcrodon aber-
rans und Brachypalpus angnstus n. A. aus Oesterreich. (Letztere Art
ist oilenbar der Syrphus laphriformis Fall., welcher von M ei gen
irriger Weise als synonym zu Brachypalpus valgus Pianz. gezogen
wird. Ref.) — Zugleich bringt derselbe Beobachtungen über die Un-
beständigkeit der schwarzen Gesichtsstrieme bei den Syrphiden hei
und hält danach Scaeva lapponica Zett. für identisch mit Syrph. ar-
cuatus Fall., Scaeva hilaris Zett. = Syrphus venustus Meig., Scaeva
macularis Zelt. = Sc. tarsata Zett., Didea intermedia Loew = D.
fasciata Macq. var. Auch über andere Meigen'sche und Zetter-
stedt'sche Arten sind synonymische Bemerkungen mitgetheilt.
Loew (Wien, Ent. Monatsschr. III. p. 222) Cheilosia crassiseta
n. A. aus Dalmatien und (ebenda IV. p. 84) Chvysotoxvm pitbescens
ü, A. von Washington.
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 507
Walker (Transact. entoni. soc. V. p. 288 IT.) Ccria cacica aus
Mexiko, Paragns signatus von Port Natal, Eristalis Iransposiltts aus
Buniiah, impositus von Haiti, familiaris und expichts aus Mexiko,
basiger vom Amazonenstronie, ijivolvens Vaterland nicht angegeben,
Xylota subcostalis, Vohicella aperta, Temnocera viridida, unilecta und
Syrphus colludens n. A. aus Älexiko.
Derselbe (Journal procced. Linnean soc., Zoology III. p. 93 ff.)
Ceria smaragdina , relicfura und relicta, Microdon fulticornis und
apicalis, Graptomyza tibinlis, Eristalis resolulus, conductus, suavissi-
mns und muscoides (!) , Helophilus mesoleucns, Xylota ventralis und
Orthoneiira basalis als n. A. von den Aru-Inseln, p. 129 Baccha pur-
puricola n. A. von Key. — Ebenda IV. p. 118 ff. Ceria lateralis, Mi-
lesia conspicienda , Graptomyza tibialis (Walk, fem.?), Eristalis boin-
boides, Helophilus consors und conclusiis (ob Varietäten von Hei. qua-
drivittatus ?) , Merodon interveniens, Volitcella decorata, Baryterocera
gibbula, Eutnerus figurans, Syrilta illucida und Baccha dispar als n.
A. von Celebes. — Ebenda V. p. 151 f. Ceratophya Indica (üolesch,),
Eristalis inscripta (Dolesch.) und obliterans n. A. von Amboina.
Am Stein (Jahresbericht d. naturf. Gesellsch. Graubündens V.
1860. p. 99) beschrieb Syrphus cupreus als angeblich neue Art aus
Graubünden.
Motschulsky (Bullet, de Moscou 1859. II. p. 504) diagno-
sticirte Volitcella tabanoides als n. A. vom Amur.
Conopidae. Zu dieser Familie ist wohl die Galtung Ptycho-
proctus Bigot (Rev. et Mag. de Zool. 1859. p. 308. pl. 11. fig. 4) zu
bringen, von welcher der Verf. meint, sie vereinige die Charaktere der
Conopiden, Myopiden und Dolichopoden in sich; mit letzteren hat
sie gar nichts gemein und schliesst sich durch die Rüsselbildung an
Myopa an. Der Körper zeigt die schlanke Gestalt von Slylogaster
Macq. , das dritte Fühlerglied ist mehr den doppelt so lang als das
zweite, vorn abgestutzt und mit einer gegliederten Endborste verse-
hen ; die erste Hinterrandszelle ist wie bei Conops geschlossen, ihr
Hinterrand aber bogig geschwungen. — Art: Pt. complexus Tort
Katal, 11 Mill.
W a 1 k e r (Transact. ent. soc. V. p. 26) beschrieb Conops bipunctatus
(Loew?) Vateri. nicht angegeben — der Artname ist zu ändern, da
er bereits früher von Macquart vergeben ist, Ref. — und (Journal
proceed. Linnean soc, Zoology V. p. 152) Conops rufifrons Dolesch.
von Amboina.
Motschulsky (Bullet, de Moscou 1859. II. p. 504) diagnosli-
cirte Myopa tessellalipennis als n. A. vom Amur.
Ref. („Mitlheilung über Conops," Enlom. Zeitung. 18G0. p. 224)
erzog aus einer längst abgestorbenen Euccra antennata lUig. (ist =
31utroceia pollinosa Lrpcl.) ein \\inziges Exemplar des Couop3 vit-
508 Gerstnecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
tatus Fab., welcher nnch ß o h e ni a n auch in Oedipoda cyanoptera
schmarotzt. Oirenbar rühre die Crosse VVandelbarkeit in der Grösse,
welche viele Conops-Arfen zeigen, davon her, dass sie in Wirlhen
von verschiedenen Körperdimensionen schmarotzen. Letztere, so
wie die aus ihnen erzogenen Conops-Arten werden, so weit sie bis
jetzt bekannt geworden, aufgezahlt.
Oestridae. Das schon öfter erwähnte zufällige Vorkommen
von Oestrus-J^arven in der Haut des ölenschen in Ameiika bestätigen
abermals zwei von Coquerel und Salle gemachte Miltheilungen
in der Revue et Alagas. de Zoologie 1859. p. 350 ff. („Note sur une
larve d'Üestride exlraite du bras d'iin homme ä Cayenne" und „Wote
sur des larves d'Oestrides developpees chez rhomnie au Mexique et
ä la Kouvelle Orleans." Die in Cayenne aus dem Arme eines Mannes
gedrückte Larve (der bekannte Ver macaque) scheint mit der in Me-
xiko beobachteten und hier unter dem Kamen „Moyocuil'' bekannten,
von welcher ein Dr. Boucard sich zwei aus Geschwülsten am
Beine herausdrücken Hess, nach der auf pl. 12 gegebenen Abbildung
identisch zu sein. In beiden Fällen (der dritte von Keu-Orleans ist
nur einem medizinischen Journale vom J. 1844 entlehnt) fand wegen
des frühen .Ausdrückens der Larve ihre Entwickelung nicht statt, so
dass die Imago unbekannt geblieben ist. Uebereinstinimende Larven
mit der in Mexiko beobachteten leben zahlreich in der Haut der
dortigen Hunde und zwar drei Monate lang; erzogen wurden sie in-
dessen bis jetzt auch nicht.
Eine specielle Charakteristik und eine genaue Abbildung einer
solchen Larve verdanken wir Grube („Beschreibung einer Oestri-
den-Larve aus der Haut des Menschen," dieses Archiv f. IValurgesch.
XXVL p. 9 ff. Taf. L fig. 4 u. 5) und nähere Mitlheilungen über die
Umstände, unter denen dieselben in Costa Rica am Älenschen vorkom-
men, Frantzius, von dem zugleich das hier beschriebene Exemplar
eingesandt wurde. Die 9y4 Lin. lange Larve ist stumpf spindelför-
mig, im Besitz von Mundhaken und auf dem 2. bis 9. Segmente mit
querovalen, braunschwarzen Rückenschildern versehen; von der Larve
der Cuterebra noxialis Goudot hält Verf. die ihm vorliegende für
verschieden. (Vorläufige Miltheilung über denselben Gegenstand im
37. Jahresber. d. Schlesisch. Gesellsch. f. vaterl. Cultur p. 25.)
„lieber den sogenannten Oeslrus hominis und die oftmals be-
richteten Verirrungen von Oestriden der Säugethiere zum Menschen"
hat Brauer (Verhandl. d. zoolog. - botan. Gesellsch. zu Wien X.
p. 57 — 72) seine Ansichten mitgetheilt. Der Umstand, dass aus den
vermeintlichen Oestriden - Larven, welche in Geschwülsten der Kör-
perhaut und der Schleimhäute des Menschen vorgekommen sein sollen,
niemals ein Oestrus, sondern immer nur eigentliche Muscarien erzo-
gen wurden, ausserdem aber die jetzt durch zahlreiche Beobachtun-
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 509
£fen gewonnene Erfahrung, dass die verschiedenen Oestriden Europa's
auf bestitnmte Wohnthiere und an diesen auf bestimmte Körperstellen
angewiesen sind, welche sie niemals mit anderen vcitduschen, be-
stimmen den Verf. gewiss mit Recht dazu, alle bisher berichtete
Fälle über das Vorkommen von Europäischen Oestriden am mensch-
lichen Körper als unglaubwürdig und auf ungenauer lieobachlung
beruhend zurückzuweisen. Auf die Süd - Amerikanischen Oestriden
eingehend, von denen die Galtung Cuterebra als den iMenschen an-
gehend verdächtigt worden ist, so liegen für den Verf. ebenfalls
noch keine unumstösslichen Beweise für eine derartige Verirrung
vor; den Co q u e r el'schen Ver macaque bezweifelt er in seiner Oe-
striden - Natur und weist auf den Widerspruch hin, der zwischen
Clark's und G o u d o t's Angaben in Betreff der Mundhaken der Cu-
terebra-Larven besteht.
lieber letzteren Punkt gicblBrauor in einem zweiten Aufsatze
„Ueber die Larven der Gattung Cuterebra Clark" (ebenda X. p. 777 —
786) näheren Aufschluss. Er fand nämlich, dass grössere Larven aus
der Haut von Sciurus aestuans und kleinere (jüngere) aus der Haut
von Didelphys philander vollständig mit einander übereinstimmten,
nur dass letztere deutliche Mundhaken besassen, Avelche jenen fehl-
ten ; hiernach scheint es also, als verlören die Larven bei nahe voll-
endetem Wachsthume die IMundhaken. Die in der Haut von Hunden
und gelegentlich in der des Menschen vorkommende Larve, von
welcher zwei Arten zu existiren scheinen, nämlich neben der Cut.
noxialis Goudot's der von Coquerel, Salle und Grube beschrie-
bene Ver macaque (Torcel), dessen Charakteristik Verf, noch ergänzt,
gehört nach ihm einer von Cuterebra verschiedenen Gattung D er-
matobia nov. gen. an. Die Charaktere derselben werden sowohl
nach der Larve als nach der Imago im Gegensatze zu Cuterebra er-
örtert; die einzige bekannte Art derselben ist Cut. cyaniventris Macq.
In seinen ,.Neuen Beiträgen zur Kenntniss der Europäischen
Oestriden" (ebenda X. p. 641 ft.) gründet derselbe Verf. zunächst
auf Hypoderma Satyrus Brauer eine eigene Gattung 0 e s tr oin yia,
deren Abweichungen von Hypoderma er erörtert; charakterisirt so-
dann das bisher unbekannte Weibchen der Cephenomyia stimulator
Clark , welches er unter zahlreichen Männchen über Berggipfeln
schwebend fand und berichtet, dass Cephenomyia maculata Wied. auch
in Ungarn (in der Nase des Büd'els) vorkomme. An Hypoderma-Lar-
ven hat er eine Häutung beobachtet, welche er zugleich fiir (laslrus
und Cephenomyia vermuthen möchte ; in einer Rehhaut fanden sich
grössere und kleinere Larven, welche dem ersten An.scheine nach zwei
verschiedenen Arten angehörten, die sich aber nur als verschiedene
Entwickelungsstadien herausstellten, nachdem an einer jüngeren Larve
unter der schon losgelösten Köiperhaut die spätere (grössere) Form
510 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
hervortrat. — Schliesslich beschreibt Brauer eine neue Cepheno-
myia-Larve aus der Nasenhöhle des Elenns, deren Imago noch un-
bekannt ist.
MusCäriäB. Zahlreiche Arten von den Aru-Inseln, von denen
einige neue Galtungen bilden, machte Walker (Journal proceed.
Linn. soc, Zoology III. p. 97 ff. bekannt: a) Tachinariae: Masiccra
notabilis, ? tentata, solennis, simplex, gultala, Eurygaster tentans,
decipiens und phasioides. — b) Dexiariae: Rutilia angustipennis, De-
ccia pectoralis, Prosena argentata. — c) Muscariae: Sarcophaga compta
und invaria, Idia acqnalis, Miisca gloriosa, opulenla, macularis, mar-
ginifera, benedicla, oblriisa, obsciirala, paliens, erislaloides, Bengalia
spissa. — d) Aiithoniyzinae : Aricia signißcans, canivilla, Anthomyia
procellaria, Coenosia luleicornis. — e) Helomyzinae : Coelopa incon~
spicua, Helomyza picipes, alripennis, restihda, Dryomyza semicyanea
und Sepedon costalis. — f) Lauxanidae: Lauxania duplicans und
mimie7is, Lonchaea? inops. — g) Oitalidne: Lamprogastei' quadrili-
nea, margmifera, dehclans, scutellaris, celyphoides, telyroides, Pla-
tystoma fusifacies, mullivilla, Dacus expandens, pectoralis, lalifascia,
mittilloides , longivitta, lativentris , oblrudens und pompiloides. —
Brea n. g. ,;Platystomae affinis : facies lata, antennae breves, arti-
cul. 3. longeconicus, arista nuda; femora intermedia incrassata, den-
ticulata." Arten: Br. discalis 4 Lin. und contraria 3 — S'/i Lin. —
Adrama n. g. „Corpus longiusculuni , caput thorace vix latius,
setis duabiis posticis erectis; antennae sal longae, arlic. 3. linearis,
apice conicus, arista pubescens; abdomen sublincare, thorace longius
et anguslins, pedes niediücres, femora posteriora spinis minutis ar-
niata, alae sat longae. — [Art: A. selecta 4yj Lin. — Ortalis prompta
und complens, Trypeta mvltistriga, dorsigulta, basalis, impleta, sitb~
ocellifera, Achias longividens , latividens und amplividens. — Fo-
lyara n. g. (Gruppe zweifelhaft). Flügel breit mit stark niarkirten
Adern, eine Querader zwischen der Cubitalader wnd der Mediastina,
zwei Queradern zwischen derCubital- und Radialader; die Cuhital-
ader etwas winklig gebrochen zwischen der Praebrachialis und der
Flügelspitze, diese gegen die Spitze hin stark gekrümmt. Körper
lang, Kopf und Taster breit, Fühler klein mit länglich konischem
dritten Gliede. — Art: P. insolita öVj Lin. — h) Sepsidae: Angi~
tula n. g. Körper gewölbt, glatt und glänzend, Kopf rundlich mit
kurzem Gesichte und vorspringendem Epistom , diittes Fühlerglied
linear mit behaarter Borste; Thorax vorn verschmälert. Schildchen
mit zwei Dornen, Abdomen lang ^spindelförmig mit buckligem Ba-
salsegmente, Beine langgestreckt und dünn, besonders die Vorder-
hüflen verlängert; Flügel schmal, Querader senkrecht, nahe am
Flügelrande. — Art: A. longicollis 5 Lin. — Sepsis hasifera, Calo-
hata sepsoideSy Cardiacephala debilis. — i) Psilidae : Lissa cylin-
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 511
drica. — k) Oscinidae: Oscinis lineipleua, noclilvx , Drosophila?
finigzitta, ? melaiiospila , ?i7nparata. — 1) Hydromyzidae : Ephydra?
tacilurna. — ni) Phoridae: Pal Iura n. g. „Corpus laliusculum,
pubescens, os retractum, oculi puhescentes , antennac brevissiinae,
arista iongissima; sciitellum magnum, conicum, abdomen siil)ellipli-
curn, thorace non longius, pedes laliusculi, pubescentes, non setosi,
alae amplae, venis aequalihus. — Art: P. invaria 3 Lin.
Von der Key-Insel beschrieb derselbe (ebenda p. 129f.): Sav~
cophaga hasalis, Aricia vicaria und squalens, Lamprogasler vealralis
und Trypeta roripennis.
Von Makessar auf Celebes charakterisirle derselbe (ebenda IV.
p. 122 ff.) gleichfalls zahlreiche neue Arten und Gattungen: a) Tachi-
nariae : Nemorea amplificans und tenebrosa, Masicera dotaCa, horrens,
immcrsa und prognoslicans , Eurygaster ridibundaj remillens, apta,
conglomerata, prominens^ dedvcens, conlracla und progressa, Melopia
inspectans und inslrnens. — b) Dexiariae: Dexia basifera, inchtdens
und precedens. — Torocca n. g. Körper fast linear, Rüssel und
Taster sehr kurz, Fühler nicht bis zum Epistom reichend, 3. Glied
linear, doppelt so lang als das 2., Fülilerborste nackt, an der Basis
verdickt; Hinterleib verlängert spindelförmig, mehr denn doppelt so lang
als der Thorax, Beine äusserst lang. — Art: T. abdominalis, ö'/a Lin. —
c)Muscariae: Sarcophaga mendax und inextricata, Idia prolala, flJusca
prospera, dcleclans, ingens, prominens, favillacea, selecta, sperala, in~
scribens, electa, forlvnata, inlrahens, opiala, pruferens, gatisa, condu-
ccns, xanlhomela, praedicens, collecla. — d) Anthomyzidae : Aricia con-
traria, integra, nigricosla, Spilogaster xanthoceras, Lispe bimaculata,
Coenosla luteicornis Walk, fem.?, signata und respondens. — e) Ile-
lomyzidae: Cordylura bisignata, Helomym observans, tripimctifera,
copiosa, Sciomyz-a replena und ^ leucomelana. — Amblada n. g.
Körper massig gedrungen, Kopf quer, oben etwas flach, Rüssel und
Taster sehr kurz , Fühler kürzer als der Kopf, 3. Glied lanzeltlich,
länger als das 2., mit haariger Borste; Hinterleib kurz eiförmig, Beine
einfach. — Art: A. atomaria, 2V2 Lin. — f) Lauxanidae : Lonchaea
? punclipennis, ? co7isentanea, ? atratula. — Thressa n. g. Körper
kurz und dick, Kopf viel breiter als der Thorax, Augen gross, Füh-
ler fast das Epistom erreichend, 3. Glied linear, mehr denn doppelt
so lang als das 2., mit haariger Borste; Schildchen hervorragend,
Hinlerleib fast oval, Beine kurz. — Art: Ihr. signifera Y/x Lin. —
Ochthipliila discoglauca. — g) Ortalidae: Plerogcnia singularis (Bigot
niscpt.), Platystoma alomarium, basale, Dacus ditergens, addens, bi-
linealus, imilans, exigens, contrahens, inaplus, tcrminifer. emillens,
diffnsus und fulvitarsis. — Callantra n. g. Körper gewölbt, Ge-
sicht senkrecht, Fühler lang, auf einem gemeinsamen Stiele sitzend
und mit diesem einen rechten Winkel bildend , 3. Glied dreimal so
512 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
lang als das 2., gegen die Spitze hin allmählich breiter, mit nackter
Borste ; Thorax kurz, Hinterleib gestielt, hinten stark convex, viel
länger als der Thorax. — Art: C. smieroides, 4y2 \An. — Arngara
n. g., mit Dacus verwandt. Kopf oben flach, breiter als der Thorax,
Gesicht zurücktretend, Fühler kurz, 3. Glied fast rund, mit nackter
Borste; Thorax lang, leicht zusammengedrückt, Hinterleib oval, Vor-
derbeine mit langen Hüften, verdickten Schenkeln und diesen an-
schliessenden Schienen, Raubbeine. — Art: A. ci'assipes, 2y2 Lin. —
Enicoptera pictipennis, tortnosa, arcnosa, ? plagifera, Ortalis decato-
moides, vacillans, Trypeta basifascia, nigrifascia, laliventris, stelli~
pennis, amplipennis, approximans, Sophira bislviga, Palloptera de-
tracla, Diopsis detrahens — h) Sepsidae : Calobata resoluta, impingens,
bifasciata, Cardiacephala varipes, Sepsis testacea, frontalis, fascipes,
revocans. — i) Psilidae: Coenurgia n. g., mit Nerius verwandt.
Körper schlank, Kopf verlängert, vorn kegelförmig, Fühler vorge-
streckt, 1. und 2. Glied kurz, 3. lanzettlich, mit derber, langer End-
borste; Hinterleib spindelförmig, Beine lang mit breiten, zusammen-
gedrückten Schenkeln, erstes Tarsenglied der Vorderfüsse erweitert.
— Art: C. remipes, S'/i '-in. — Seraca n. g. Körper lang, Kopf
quer, Epislom nicht hervortretend, Fühler kurz, 3. Glied konisch,
viel länger als das 2., mit haariger Borste; Hinterleib elliptisch, von
Thoraxlänge. — Zwei Arten: S. signifera und signala. — Psila bi-
punctifera und munda, Texara dioclrioides. — Gobrya n. g. Köiper
sehr schlank, Kopf viel breiter als der Thorax, Gesicht senkrecht,
flach, Augen gross, hervorragend, Fühler sehr kurz, 3. Glied konisch,
länger als das 2., mit haariger Borste; Hinterleib gekeult, doppelt so
lang als der Thorax, cylindrisch, Vorderbeine kurz, Flügel schmal.
— Art: G. bacchoides, 2^/4 Lin. — k) üscinidae: Oscinis femorata,
Piophila coTitecta, Opomyza nigrifinis , Drosophila solennis , rudis,
illata, lurida , lateralis, Discomyza obscurata. — Noniba n. g.
Körper con)pakt, breit, Gesicht vertikal, Stirn schmaler als der Mund-
rand, Fühler sehr kurz, 3. Glied fast rund, mit sehr feinhaariger
Borste; Sehildchen klein, Metathorax von enormer Enlwickelung, den
ganzen Hinterleib bedeckend. — Art: N. tecta, IVi— ly^ Lin. —
I) Hydromyzidae : Notiphila lineosa, quadrifascia, flavilinea, Ephydra
borboroides, maciilicornis, Ochlhera innotala. — m) Phoridae : Phora
bifasciata.
Derselbe (ebenda V. p. 152 fT.) beschrieb ferner als neue Ar-
ten und Gattungen von Amboina: a) Tachinariae: Tachina analis,
? discifera , Hamaxia (n. g. Charaktere nicht besonders hervorge-
hoben) incongrva , Masicera manifesta und prominens (ausserdem
Mas. morio Dolesch.), Phorocera expellens, decedens, basitincta, Tri-
choprosopa? marginalis. — b) Dexiariae : Dexia? alulifera. — c)
Muscariae : Sarcophaga sericeonitens (Dolesch. i. lil.), aurata, Musca
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 513
(SilbomyiaJ costalis Dolesch. i. lit.) und Musca inclusa, ausserdem :
Calliphora hivittata und Ochroniyia ferruginea üolescli. — d) Acaly-
ptera : Ophyra rechicla (und riparia Dol.), Lauxania perplexa, (F.am-
progasler niarginifera AValk, = Acinia laciesfriata Dol. und Zygaenula
paradoxa Dol. = Lamprogasler lelyroides Walk, reducirf) , Dacus
inscriptus, sepsoides und signalipes, Enicoptera rufiventrisy Rioxa ?
bimaculata, Trypeta transiens und signifacies ; ausserdem Nerius tibia-
lii- Dol. nochmals charaklerisirt.
Derselbe (Transact. entom. soc. V. p. 295 ff.) machte folgende
Arten verschiedener Lokalitäten bekannt: a) Tachinariae: Echinomyia
ludens und albiceps aus Brasilien, Jurinia debitrix, innoxata und
Nemoraea inlrita aus Mexiko, I^em. enjthropus aus Tasmanien, Eury-
gasler saginata, desita, commetans, fertoria, postica, habilis, Masicera
dispulans, genlica, necopina, expergita sänimtlich aus Mexiko, Mas.
alacris ans Brasilien, incivica aus Ostindien (?), LydeJla cessatrix,
L.? indita aus Mexiko, Tachina despicienda aus IN'eu-Süd-Wales. —
b) Dexiariae: Dexia pertecta aus Mexiko. — c) Sarcophagidae : Sar~
cophaga int er mutans , pernela. innota, conclausa, despensa und effre-
nata aus Mexiko, fortipes aus Haiti. — d) Bluscariae : Calliphora
feinorata, socors aus Mexiko, Chrysomyia inclinata Port Natal, Lucilia
surrepens aus Mexiko, invenlrix von Pt. IVafal, Pyrellia suspicax,
specialis, scovdalus und Musca sensifera aus Mexiko, M. perlata von
Port Natal. — e) Anihomyidae: Aricia rescita, procedens, circulatrix
aus Mexiko, inducta aus Keu-Süd-Wales, Ophyra intendens ebendaher,
congressa aus Hindos lan, Anlhomyia protrita aus Mexiko, prolectata
von Port Katal, Ilylemyia probata aus J\lexiko, Coenosia intacta aus
Kord-Amerika. — f) Helomyzidae: Helomyza gratiosa von Port Na-
tal, biptinclala aus Tasmanien, Dryomyza maculiceps aus Mexiko,
Coelopa offendens aus Tasmanien, Sciomyza transducta aus Kord-
Amerika, Sapromyza apta und Tetauocera pectoralis aus Mexiko, Tet.
discalis aus Burmah. — g) Lauxanidae: Lojichaea discrepans aus
Mexico. — h) Ortalidae: Dacvs pectoralis und brevislriga von Port
Katal, incisus aus Burmah, s^wahc/ws aus Hindostan, Br icinnia nov.
gen. von langgestrecktem, schmalem Körper, mit langem linearem 3.
Fühlergliede (unterscheidende Charaktere sind nicht angegeben); Art :
Br. ßexitilta aus Mexiko. — Charax nov. gen., gleichfalls von
langem dünnem Körper, mit langgestrecktem, lanzelllichen» 3. Füh-
lergliede (wesentliche Charaktere nicht hervorgehoben): Art: CA.
planidorsum aus Burmah. — Ortalis leucomelas aus Süd - Anierika,
bipars aus Kord - Amerika, alternata vom Cap, Trypeta polygramma
von Port Katal. — i) Sepsidae : CaJobata cyanescens aus Burmah,
bicolor Vaterl. ? , Michogaster tasjs/ri*;« aus Süd-Amerika, marginalis
vom Amazonen&trome, Aemopoda induans aus Süd-Amerika, Diopsis
obslans von Port Katal. — k) Psilidae: Loxocera? qvadrilinea und
Aroh. für Naturg. XXVII. Jahrg. 2. Bd. Hh
514 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Clnjliza nigrovirüUs ans den Vereinig'ten Staaten. — b) Geoniyzidae :
Opomyza sigtiicosla, Drosophila inversa und Asteia? temiis aus den
Vereinigten Staaten, Drosophila dorsititla aus Süd-Amerika.
Ref. in seiner ,.Bcschreibung einiger ausgezeichneten neuen
Dipteren aus der Familie Muscariae" (Enloni. Zeitung 1860. p. 163
bis 202, mit Taf. II) machte folgende neue Arten und Galtungcn be-
kannt: Richarclia eurycephala Süd-Ameria und telescopica vom Ama-
zonenstrome, letztere itn männlichen Geschlechfe mit langen Augen-
stielen nach Art von Diopsis. — Phytalmia n. g., mit Älichogaster
Macq. verwandt, von sehr schlankem, Ichneumon-artigem Baue, mit
gestieltem Ilinterleibe , eigenlhümliclien Kopffortsätzen beim Männ-
chen, grosser, horizontaler Mundöffnung, sehr schlanken Beinen und
bewehrten Vorderschenkeln. — Zwei Arten : Ph. viegalotis und cer-
vicornis von IS'eu-Giiinea. — Michogasler diffnsiis und pernix Brasi-
lien, egregius n. A. Columbien n. A. — Gorgopis n. g. zu den
OrtaÜden gehörig, von äusserst kurzem, gedrungenem Bau, mit sehr
breitem und kurzem Kopf, besonders beim Männchen und grossem,
den Hinteileib eindrückendem Skulellum. (Vielleicht mit der wenig
bekannten Gattung Trigonosoma Gray identisch, jetzt schon von D o-
leschal als Zygaenula bekannt gemacht.) Zwei neue Arten: G. buce-
phala (Zyg. paradoxa Dol.) und cristiventris Amboina. — Von Pyrgota
undala Wied., mit welcher Üxycephala fuscipennis Macq. identificirt
wird, werden zwei nahe verwandte Arten aus Nord-Amerika, P. ve-
spertilio und plerophorina unterschieden. — Tox o t ry p ana n. g.,
mit Dacus durch die lang und spitz ausgezogene Analzelle überein-
stimmend, ausgezeichnet durch die Gabelung der zweiten Längsader,
den fast gestielten Hinterleib und den auffallend grossen Ovipositor
des Weibchens, welcher die Körperlänge übertrifft und gebogen ist.
— Art: T. cuvvicauda von den kleinen Antillen. — D iacr ita n. g.,
gleichfalls mit spitzig ausgezogener Analzelle, von Dacus durch freie
Hinterleibsringe, horizontale Stiin, eiförmiges letztes Fühlerglied,
gegliederte Fühlerborste und die Ortalis - artige Flügelzeichnung un-
terschieden. — Art: D. costalis Oaxaca. — Formosia callipygos und
monela n. A. von Keu-Guinea.
Auch Bigot (Rev. et Mag. de Zool. 1859. p. 309 ff.) machte eine
Anzahl neuer Gattungen aus verschiedenen Gruppen bekannt: 1) Hy-
strisyphona n. g., mit Hystricia verwandt. Fühlerborste gerade,
gewimpert, drittes Fühlerglied fast kegelförmig, kaum doppelt so
lang als das zweite; Gesicht kaum gekielt, noch nicht bis zur Mitte
gewimpert, Rüssel fadenförmig, fast von Körperlänge, Hinterleib dicht
stachlig. — Art: H. iiiger {]) Mexiko. — 2) Negaloprepes n. g.
(Käme bei den Libellen vergeben !) aus der Dexien-Gruppe, mit Pla-
tytropesa Macq. verwandt, von dieser durch breite Stirn, das End-
glied der Fühler, welches 6- bis 7mal so lang als das 2. ist, und
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 515
gerade, langgewimperte Fühlerborste unterschieden; Gesicht gekielt,
Angen nackt, Rüssel lang, Flügel verlängert. — Art: M. alhonolalus
Celebes. — 3) Spinthemyia n. g. (Dexiariae), mit Ptilostylus Macq.
zunächst verwandt, doch der Kopf etwas breiter als der Thorax, das
Endglied der Fühler gerade, dreimal so lang als das zweite, die
Borste gewimpert; Stirn breit, Gesicht gerade, gekielt, Backen und
Peristom lang beborstet, Augen nackt. — Art: Sp. fulgiJa, Celebes.
— A) Enp ler omyia n. g. (Scatomyzidae ?), mit Sapromyza ver-
wandt; Körper länglich, Flügel viel länger als der Hinterleib, Ge-
sicht her> orlietcnd, drittes Fühlerglicd oval, mit lang gewimperter
Borste, Hinterleib fast gestielt, oval, Mittelschienen an der Spitze lang
gedornt. — Art: E. irivillata Birmanien. — 5) Tel os tylu s n. g.
(Calobatidae), von Nerius Wied. durch verlängertes, kegelförmiges
Endglied der Fühler, einen langen Anhang des zweiten Gliedes an
dessen Spitze und lange, befilzte Endborste unterschieden. — Art:
T. hinotalus Celebes. — 6) Ter astiomy ia n. g. (Ortalidae), von
schlankem Körper und besonders durch griffelförmige, nach abwärts
gerichtete Anhänge der Backen bemerkenswerth ; Fühlerborste lang
gefiedert. Vorder- und Mittelschienen mit langen Endsporen. — Art:
T. Zo6i7era Celebes. — 7) Maria r\. g. (Ortalidae). Endglied der
Fühler 5mal so lang als das zweite, mit basaler Borste, Rüssel dick,
Taster erweitert, Hinterleib viereckig, mit rückwärts erweitertem 1.
und 2. Segmente, Hinterschenkel verdickt, unten stachlig. — Art:
iJ/. cocritleivenlris Aru-Inseln. — S) Ag a s tr o d e s n. g. (Ortalidae).
Körper gedrungen, Kopf zusammengedrückt, breiter als der robuste
Thorax, Hinterleib sehr kurz, konisch ; Endglied der Fühler 3mal so
lang als das 2te, mit gewimperter Borste, Beine gedrungen, Schie-
nen aussen etwas gewimpert, zusammengedrückt. — Art: A. nivei-
tarsis 5 Mill., Ceylon. — 9) Pter ogenia n. g., mit Platysloma und
besonders mit der Gatt. Gorgopis des Ref. sehr nahe verwandt, von
dieser durch das nach unten dreieckig verschmälerte Gesicht, mehr
gestielte Augen , mehr genäherte Fühler und wulstige, vom Gesichte
stark abgesetzte Backen unterschieden; auch ist der Körper im Ver-
hältnisse weniger gedrungen. — Zwei Arten: Ft. sincjularis Celebes
und Daijak Boiueo. — 10) Rachiptera n. g., zunächst bei Ensina.
Flügel schmal und lang, fast gleich breit, Gesicht senkrecht, ausge-
höhlt, Epistom etwas hervorstehend; Fühler kurz, 3tes Glied kaum
doppelt so lang als das 2te, mit gefiederter Borste. — Art: R. lim'
hata Chile. — \\) El aphr omyia n. g. Körper gestreckt, Lege-
bohrer lang, breit und niedergedrückt, Fühler lär)ger als der Hin-
terleib, Kopf fast kuglig, Gesicht ausgehöhlt, 3tes Fühlerglied kaum
doppelt so lang als das 2., länglich, mit nackter Borste. — Wie die
vorhergehende Galtung zu den ürtaliden gestellt. — Art: E. melas
Port Katal. — 12) Grammicomyia n. g. (Calobatidae). Körper
516 Ge IS lae ck e r : Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
langgestreckt und dünn; Hinterleib des Männchens an der Basis ver-
engt, das 5. Segment mit zwei langen, rückwärts gebogenen Anhängen,
das 6, an der Spitze mit drei länglichen Lamellen ; Beine unbewehrt,
Stirn in beiden (ieschlechlern breit, erste liinterrandszelle am Fiügel-
rande geschlossen. — Art: Gr. teslacea Ceylon. — 13) P ar acely-
phus n. g., ganz vom Baue der Galt. Celyphus, von der sie nur
durch den F'ühlerbau abweicht; das 1. Glied ist dünn, cylindrisch,
das 2. kurz und breit, das 3. eiförmig, mit kurz gefiederler, haarför-
miger Borste, die auf der Mitte enlspringl. — Art: P. hyacinlhinus
8 Mill., Malacca (pl. XI. fig. 3 abgebildet).
Derselbe (Annal. soc. cntom. VII, p. 535 ff. pl. 13) beschrieb
folgende neue Arten und Gattungen von Madagascar : Sarcophaga Ma-
dagascariensis Macq. , Stomoxys geniculatus , Idia myoidea^ Cosmina
? cuprina, Lucilia taeniops , smaragdosaphira, Aricia coerulea. —
El a ssogaste r nov. gen., vom Verf. zu den Ilelomyziden gerech-
net, während die Abbildung eher eine ächte Muscarie mit nicht ge-
schlossener Spitzenzclle zeigt; drittes Fühlerglied viermal so lang
als das zweite, mit feinhaariger Borste, Hinterleib an der Basis des
zweiten Segmentes am breitesten, jederseits spitzwinklig, von da bis
zur Spitze kegelförmig verengt. — Art: E. metallicus , 7 Mill. —
0 ed emachilus n. g., vom Verf. zu den Tephritiden gezählt, ohne
dass jedoch (wie nach Macquart) die Analzelle spitz ausgezogen
ist; drittes Fühlerglied lang eiförmig, mit sparsam und kurz gefieder-
ter Borste, Flügel längs der Costa und Schenkel unterhalb gewimpert,
Thorax gedrungen, Hinterleib nahe der Basis beiderseits winkelig
hervortretend. — Art: Oed. Coquereli, 6 Mill. — Orlalis Sanctae-
Mariae, Senopterina? zonata. — L aux anac anthi's n. g. , zu den
Lauxaniden gerechnet; drittes Fühlerglied sehr lang und schmal, den
Mundiand überrugend, mit kurz gefiederter Borste, Taster an der
Spitze plötzlich verdickt, Stirn breit, Gesicht glatt, Schenkel etwas
verdickt und unterhalb gewimpert. Vorder- und Miltelschienen mit
dichten Borsten besetzt. — Art: L. barbipes.
Derselbe (ebenda VIII. p. 224) charakterisirte ferner eine
neue Gattung M ontr ouzier a aus der Ortaliden-Gruppe, von brei-
tem, kurzem Körper, mit breiter Stirn, etwas geschwollenem und weit
unter die Augen herabgehendem Gesicht, länglichem Endgliede der
Fühler mit kurzhaariger Borste, tiefen Stirngruben zum Einlegen der
Fühler, dickem Rüssel, nacktem, etwas aufgetriebenem Schildchen,
kurzem und in der Mitte stark erweiteitem, hinten kegelförmig zu-
gespitztem Ilinterleibe u, s. w. — Art: M- liftia, 9 Mill., von Neu-
Caledonien.
Derselbe (ebenda p. 779 fF.) beschrieb: Phasia pulverulenta,
Echinomyia rubidigaster und Exorista lateralis n. A. Sicilien.
Egger (Vcrhandl. des zoolog. - botan, Gesellsch. zu Wien X.
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 517
p. 795 IT.) beschrieb: Fhasia rostrala^ Alophora atirigeva, Xysta rjran-
dis, semicana, Syntomogasfer singularis, viduus, Prosena loncjiroslris,
Zeuxia tessellata, Dexia pelhicens, prolelaria. hrevicornis, nigricornis,
Microphthalma europaea und Ocyptera xylotina als neue Arten aus
Oesterreich.
Loew theiite in seiner Bearbeitung der Europäischen Ephy-
drinidae (Neue Beiträge VII) diese (»ruppe der Acalypteren in drei
Sektionen, die er als Kotiphilina, Hydrellina und Ephydrina bezeich-
net; erstere ist durch die dornlörmige Borste am Ende des zweiten
Fühlergliedes von den beiden folgenden unterschieden, deren erste
sich vor der letzteren durch behaarte Augen auszeichnet. Zu den
Kotiphilina gehören die Galtungen Dichaeta, Notiphila, Trimerina,
Discomyza, Psilopa, Discocerina, Ilecamede uiiA Ä t hy r o g l o s s a n. g.,
auf Notiph. glabra Meig. begründet. — Neue Arten dieser Gruppe
sind: Dichaeta brevicavda Schlesien, Notiphila aiistralis Süd-Europa,
Psilopa nana und obscnripes Türkei und Griechenland, Hecainede
lateralis Sicilien und coslata Türkei. — Die Gruppe der Hydrellina
umfasst die Gattungen Glenanthe, Hydrellia, Atissa, Philygria, Hyadina
und Axysla mit zwei neuen Arten: Hydrellia frontalis und modcsta
Deutschland. — Der Giuppe der Ephydrina endlich fallen die Gattun-
gen Canace, Pelina, Ochlhera, Parydra, Halmopota , Ilylhea, Caenia,
Scatella und Tichomyza zu; neue Arten derselben sind: Parydra
pubera und cognata Sicilien , Halmopota niediterranea Mermeriza,
Ephydra bivittata Sicilien und breviventris Deutschland und Italien,
Scatella dichaeta Harz, gilva Kleinasien, silacea Schlesien, signata
Sicilien, variegafa, laevigata und pumilio Schlesien. — Im Ganzen
sind dem Verf. 107 Europäische Ephydrinen bekannt geworden, die
zum Theil eine weite Verbreitung haben; in Schlesien sind bis jetzt
59 Arten aufgefunden worden.
Derselbe hat (Breslauer Zeitschr. f. Entomol. XI) in einer
Abhandlung „lieber Schlesische Dipteren" die in Schlesien einhei-
mischen Arten der Gattungen Sapromyza, Palloptera und i-oxocera
namhaft gemacht und zum Theil näher in ihren Älerkmalen erörtert.
Da die Gattung Sapromyza vom Verf. bereits früher monographisch
behandelt worden war, giebt er hier nur eine Aufzählung der 26
bis jetzt in Schlesien aufgefundenen Arten, unter denen Söpr. spectO"
bilis als n. A. beschrieben wird. Dagegen werden die 9 Schlesischen
Arten der Gattung Palloptera, von bekannten nämlich P. saltuum Lin.,
ustulata Fall., umbellatarum Fab., usla Meig., ambusta Meig., angeli-
cae V. Roser und arcuata Meig., ausserdem aber zwei neue: Fall,
parallela und venusta in einer Tabelle analysirt und darauf ausführ-
lich beschrieben. Die sechs in Schlesien einheimischen Loxocera-
Arten , sämmtlich bereits bekannt, werden ebenfalls näher charak-
terisirt.
518 CJerslaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Derselbe (Öfvers. Vetensk. Akad. Förhandl. XVII. p. 95ff.)
machte einige neue Afrikanische Osciniden vorläufig durch Diagno-
sen bekannt: Oscinis plumigera aus dem Caffernlande, Cklorops hir-
tifrons vom Cap, contribulus , tenuiseta und callichroma ^ Siphlus
megncephalus, Meromyza Capensis aus dem Caffernlande, incoinpleta
vom Cap, Prtchylophus lugens, inornatus und frontalis aus dem Caf-
fernlande, Eurina minuta vom Cap. — Anatrichus nov. gen.
Schildchen verlängert und ebenso wie die Rückseite des Thorax mit
sehr starren, aufrechten Borsten besetzt; Hinlerleib oval, nur mit
einem Einschnitte, oberhalb hornig, der Länge nach gerunzelt. —
Art : A. erinaceus von Swakop.
Derselbe (Wien. Ent. Monatsschr. IIL p. 289— 300) beschrieb
die Nord-Amerikanischen Arten der Galtungen Tetanocera und Scpe-
don, nämlich : Tetanocera flavescens Lw., arcuata, pictipes, pallida
und combinata n. A., Saratogensis Fitch und plumosa Lw. (vicina
Macq., struthio Walk.). — Von Sepedon drei Arten: S. armipes, pu-
sillus und fuscipennis n. A. von Washington. — Ferner (ebenda IV.
p. 8011.): Cordylura bimaculata, setosa, Fsila lateralis, Chyli:,a api~
calis, Heteroneura spectabilis, lalifrons und Cephalia myrmecoides
als n. A. von Washington.
Derselbe (ebenda III. p. 156 f.) Ortalis angustata als n. A.
aus Spanien und Platystoma tegularia aus Südfrankreich und Italien;
(ebenda IV. p. 22) Tetanocera trivittata und Anthomyia pulchriceps
n. A. aus Dalmatien.
Einzelne neue Arten sind ferner: Anthomyza Holmgreni Bo-
heman (Öfvers. Vetensk. Akad. Förhandl. XV. p. 55) aus Umea-Lapp-
land, Cordylura contallariae Kaltenbach (Verhandl. d. naturhist.
Vereins, d. Freuss. Rheinlande XVI. p. 273) aus Deutschland, Larve
im Stengel von Convallaria nuiltiflora, Phytomyza euphrasiae K n\ten-
bach (ebenda XVII. p. 237), Larve im Stengelmark von Euphrasia
odontites, Gonia microceps (sie!) Motschulsky (Bullet, de JVIoscou
1859. II. p. 504) vom Amur, Anthomyza coffeifolia Motschulsky
(Etud. entom. 1859. p. 169) von Ceylon, Larve die Blätter der Caf-
feepflanze minircnd, -4n</iomi/ia tigrina und quadripnnctata Am Stein
(Jahresbericht d. naturf. Gesellsch. Graubündens V. 1860. p. 96 f.) aus
Graubünden, Amsteinia punclipennis {ßreini i. Ul.) Am Stein (ebenda
III. p. 99) aus der Schweiz. Letztere Art bildet eine neue Gattung,
deren Charaktere nicht näher erörtert werden, welche aber nach der
Abbildung zu urtheilen der Gatt. Trixa Meig. nahe steht, deren Ha-
bitus sie fast vollständig zeigt, von der sie aber durch geschlossene
Flügelzelle und längeres drittes Fühlerglied abweicht.
Goureau (Bullet, soc. entomol. 1859. p. 44) erzog Ceratitis
hispanica de Breme aus einer in Orangen von Malaga lebenden Larve;
dieselbe gleicht ganz derjenigen von Ortalis (Trypeta!) cerasi und
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 519
nähert ihre hinleren Stigmen beim Frasse stets dem in der Frucht
befindlichen Loche.
Co quer el „IS'ouveau cas de mort produit par la Lucilia ho-
minivorax et description de ia larve de ce Diplere" (Annales soc.
enlom. YII. p. 233 ff. pl. 6) Iheilte einen neuen Fall mit, wo durch
das Auftreten von Lucilia-Larven im Schlünde und in der Nasenhöhle
eines Menschen zu Cayenne der Tod herbeigeführt wurde. Aus zwei
Geschwülsten wurden 70 und 50 lebende Larven herausgeschnitten,,
welche bereits Nekrose der Nasenknochen und Zerstörung der Knorpel
hervorgerufen hatten. Ein Versuch ergab, dass die Larven der Lu-
cilia, mit Fleisch gefüttert, binnen 24 Stunden ausgewachsen waren ;
sie werden von Coquerel näher beschrieben und auf pl. 6 ab-
gebildet.
Nach Storer ,,0n Ihe power possessed by the larvae of va-
rious common Flies of consuming, without apparent injury to them-
selves, Ihe flesh of animals which have died from the effects of Ar-
senic" (Proceed. Boston soc of nat. bist. 1859. p. 1 f. , Silliman's
Americ. Journal XXVIII. p. 166 ff.) verzehren die Maden mehrerer
gemeiner Fliegenarten das Fleisch von arsenikvergifteten Thieren
ohne Nachtheil für sich selbst.
J. Samuels on, assisted by J. Braxton Hicks, „Humble
Creatures, the (Earfhworm and the) common House-Fly," in eight
lelters with microscopic illustrations. London 1858. Eine populäre
Schrift, welche nach einer Anzeige in der Nat. bist, review 1859.
p. 12 in der Darstellung vortrefflich sein soll.
Papipara. Bigot beschrieb (Annales soc. ent. VIII. p. 226 ff.)
Nycleribia oxijcepkala als n.A. von Neu-Caledonien und M o ts c h u 1 s k y
(Bullet, de JMoscou 1859. II. p. 504) diagnoslicirte Hippobosca oculata
als n. A. vom Amur.
Eine durch Holzschnitte erläuterte Mittheilung über einige neue
merkwürdige Pupiparen von Cuba, in Mac Leay's Sammlung zu
Sidney befindlich, machte Frauen feld (Sitzungsber. d. math.-na-
turw. Classe der Akad . d. Wissensch. zu Wien Bd. 38. p. 730 f.).
Abgebildet sind eine wirkliche Strebla (welche das hiesige Museum
gleichfalls von Cuba besitzt) und eine sehr auffallende neue Galtung,
zwischen Uaymondia und Nycleribia stehend, mit stark verdickten
Vorderbeinen; ausserdem wird einer geflügelten Nycleribia erwähnt,
an der die Ctenidicn gleichzeitig in gewohnter Weise vorhanden
sind. (Ref. hat neuerdings an Nycleribia auch die ilalteren nachge-
wiesen, welche auf der Rückenseile, innen vom dritten Hüftpaare
eingelenkt und an Glycerin - Präparalcn schon bei schwacher Ver-
grösserung leicht zu sehen sind; Westwood erwähnt derselben in
seiner Monographie nicht, während er ihre Anwesenheit in der In-
troductioQ ausdrücklich leugnet.)
520 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen F^eistungen
Aphaniptera. Von Frauenfeld (Sltztnn^sber. d. Akad. der
Wissensch. Bd. 40. p. 4(53) wurde eine vorläufige Beschreibung von
einer neuen Gattung und Art dieser Familie, H ec t opsyll a psiltaci
gegeben. Dieselbe unterscheidet sich von -den übrigen Verwandten
durch zwei lange, dicke, bogig gekrümmte Borsten an den Seiten
des Rüssels, welche über den Kopf hinausragen; der Hinterleib ist
kuglig und nicht nur auf der Gränze von Kücken- und Bauchschie-
nen, sondern auch in der Mittellinie der letzteren mit einer weichen
Verbindungshaut versehen. Die Art fand sich in der Augen- und
Schnabelhaut eines Papageis in St. Jago eingebohrt und konnte nur
durch gewaltsames Losreissen entfernt werden.
Uemiptera.
Als Nachtrag zum letzten Jahresberichte ist zunächst
zu erwähnen : List of the specimens of Homopterous Insects
in the collection of the British Museum, by F. Walker.
Supplement. London 1858. (8. 369 pag.). Derselbe enthält
abermals die Beschreibung einer grossen Anzahl neuer
Arten aus den verschiedenen Familien der Homopteren,
welche dem British Museum seit Veröffentlichung des Ca-
taloges über diese Ordnung zugekommen sind. Die Cha-
rakteristiken dieser Arten sind leider so oberflächlich und
ohne Rücksichtnahme auf die nächsten Verwandten abge-
fasst, wie bisher ; auch zeigt sich die Sorglosigkeit des
Verf. in seiner Nomenklatur, welche häufig mit derjenigen
älterer Autoren collidirt. Die Namen und Citate der seit
dem Erscheinen des Homopteren - Catalogs von anderen
Autoren publicirten Arten sind mit in den Nachtrag aufge-
nommen, ohne dass dies jedoch in wünschensw erlher Voll-
ständigkeit geschehen wäre.
Das dritte Heft der „Kongliga Svenska Fregatten Eu-
genies resa omkring Jorden , Insekter," p. 220—298 und
Taf. 3 — 4 umfassend, enthält die Beschreibung der auf der
Weltumsegelung der Eugenie gesammelten Hemipteren durch
C. Stal. Im Ganzen werden 239 Arten, fast sämmtlichen
Familien der lleteropteren sowohl als Homopteren ange-
hörend, beschrieben ; doch war eine grössere Anzahl bereits
vom Verf. in der Öfvers. Vetensk. Akad. Förhandl. 1854
vorläufig durch Diagnosen bekannt gemacht worden.
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 521
Stal, „Hemiptcrologiska bidrag" (Öfvcrs. Vetensk.
Akad. Förhandl.XV. p. 433 — 454). — Beschreibungen zalil-
rcicher einzelner neuer Galtungen und Arten verschiedener
Familien.
Desselben „Bidrag tili Rio-Janeiro-Traktens Hemi-
pter-Fauna" (Kongl. Svenska Vetensk. Akad. Ilandlingar II.
1860. No. 74, 84 pag. in gr. 4. enthält eine systematische
Aufzählung der in der Provinz Rio-Janeiro vorkommenden
Hemipleren mit Beschreibung der neuen und der Begrün-
dung zahlreicher neuer Gattungen. Die vorliegende erste
Hälfte der Arbeit (die zweite ist im J. 1861 erschienen) be-
handelt sämmtliche Familien der Heteropteren.
Derselbe, „(Orthoptera och) Hemiptera fran södra
Afrika« (Öfvers. Vetensk. Akad. Förhandl. XV. p. 309--320)
beschrieb 39 neue von Wahl b er g am N'Gami-See, am
Swakop und Kuisip im Inneren Süd-Afrikas gesammelte He-
mipleren verschiedener Familien ; zugleich erwähnt er der-
jenigen unter der Wa hlb erg'schen Ausbeute befindlichen
Arten, welche übereinstimmend am Cap der guten Hoffnung
und im Caffernlande (Küstenstrich) vorkommen.
Signoret, „Faune des Hemipteres de Madagascar,
Homopleres et Heteropteres" (Annales soc. entom. VIII.
p. 177 und 917 ff. pl. 4—5 und pl. 13—14). Verf. giebt eine
systematische Aufzählung und Beschreibung von 195 Hemi-
pleren-Arten von Madagascar, welche fast sämmllichen
bekannten Familien angehören. Die Arten sind zum gros-
sen Theil ausgezeichnete Formen, so dass für viele neue
Galtungen zu errichten waren; die merkwürdigsten sind
auf den vier beifolgenden Tafeln durch schöne Abbildungen
erläutert. Bei der bisher fast vollständigen Unbekannlschaft
mit der Madagascaresischen Hemipteren-Fauna ist der Bei-
trag von besonderem Interesse.
A. Dohrn, „Zur Heteropteren-Fauna Ceylon's« (En-
tom. Zeitung 1860. p. 399—409) stellte ein systematisches
Verzeichniss von 112 auf Ceylon (meist von Nietn er)
gesammelten Hemipleren zusammen, von denen er 38 als
neue Arten beschreibt.
Derselbe lieferte (ebenda 1860. p. 99 und 168 ff.
522 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Taf. I) in seinen „Heinipterolog-ischen Miscellaneen'' Be-
schreibungen und Abbildungen von neuen Arten aus den
Familien der Pentalomiden, Coreoden und Lygaeoden, von
denen einige neue Gattungen bilden. Ueber mehrere be-
reits bekannte Arten sind ausserdem Bemerkungen beigefügt.
Demselben Verf. verdanken wir die Zusammenstel-
lung eines „Catalogus Hemipterorum , herausgegeben von
dem Entomologischen Vereine zu Stettin" (Stetlin 1859. 8.
112 pag.). — Ein systematischer Catalog, welcher sämmt-
liche bekannte Arten einer so umfangreichen Ordnung, wie
diejenige der Hemipteren ist, umfassen soll, ist beim Man-
gel aller Vorarbeiten natürlich ein schwieriges, aber ande-
rerseits ein um so dankenswertheres Unternehmen. Obwohl
der Verf. besonders dadurch, dass er einige selbst zu den
wichtigeren gehörende systematische Abhandlungen und
Reisew^erke nicht für seine Arbeit hat verwerthen können,
diese Schwierigkeiten nicht ganz überwunden hat, kann
man ihm doch nur zugestehen, dass er selbst mit dem Ge-
gebenen sich volle Anerkennung verdient hat. Nach des
Ref. Ansicht wäre eine Synonymik , wie sie der Verf. für
die Arten gegeben hat, auch für die Gattungen wünschens-
werth gewesen, da man nach den bekanntesten Gattungs-
namen, wie Cerbus, Ophlhalmicus, Limnobales, Pachymerus,
Heterotoma u. a., welche aus Priorilälsrücksichten anderen
Benennungen gewichen sind, im Index vergeblich sucht
und sie hier gewiss ungern vermisst. Den einzelnen Arten
ist zweckmässiger Weise die Vaterlands-Angabe beigefügt.
Die Europäischen Hemiptera (Rhynchota heteroplera).
Nach der analylischen Methode bearbeitet von F. X. Fie-
ber. Erstes ileft. Wien 1860. — Der als hemiplerologi-
sche Autorität angesehene Verf. beginnt mit dem ersten
vorliegenden Hefte ein (gegenwärlig schon in vier Liefe-
rungen abgeschlossenes) Werk über die Europäischen He-
teropleren im Format und in der Anlage von Redten-
bacher's Käferfauna. Auf eine den äusseren Skeletbau
der Heleropteren und die Terminologie behandelnde Ein-
leitung (p. 1 — 16) folgt zunächst eine Tabelle zur Bestim-
mung der Familien , deren Zahl der Verf. unter den
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 523
Heteropteren allein auf 33 steigert, die aber der Mehrzahl
nach freilich nicht dem, was man in den übrigen Inseklen-
ordnungen bisher als Familie bezeichnet hat, gleichwerthig
erscheinen. Auf p. 31—86 folgt die zweite Tabelle zur
Bestimmung der Gattungen, welche gleichfalls ansehnlich
vermehrt worden sind. Der spezielle Theil, die Analyse
der Arten behandelnd, erstreckt sich bis jetzt auf die Hy-
drocores und einen Theil der 31embranaceen.
Desselben Verf.'s „Exegesen in Hemipteren" (Wien. Entern.
Monatsschr. IV. p. 257 ff.) enthalten Bemerkungen über die systema-
tische Stellung einiger Gattungen und Arten, die Begründung einiger
neuen Familien (Isometopidae, Microphysae, Anthocoridae und Cera-
loconibidae) nebst Erörterung der ihnen angehörenden Gattungen so
wie endlich die kurze Charakteristik von 16 neuen Arten, welche,
da sie in das vorerwähnte Werk des Verf.'s bereits aufgenommen sind,
hier nicht angeführt zu werden brauchen.
Die Rhynchoten Livland's in systematischer Folge be-
schrieben von Dr. Gustav Flor. Erster Theil: Rhynchota
frontirostria Zett. — Dorpat 1860. (gr. 8. 825 pag.). — Eine
augenscheinlich aus sehr gründlichen Studien der Hemipte-
ren hervorgegangene Arbeit, welche überall eine gleich
grosse Sorgfalt in der Ausführung, so wie ein richtiges
Urtheil in Betreff der Systematik erkennen lässt. Letzteres
tritt besonders in der Abgränzung der Gattungen, welche
der Verf. den früheren Systemalikern gegenüber eher re-
ducirt als vermehrt hat, hervor, während er sich in Betreff
der Familien, deren Zahl ohne Nachtheil für ihre Abrun-
dung wohl gleichfalls hätte eingeschränkt werden können,
mehr passiv verhalten hat. Für alle einzelnen Gliederungen
innerhalb der Ordnung bis zu den Gattungen und Unter-
gattungen herab giebt der Verf. in gleicher Weise wie
für die Arten eine auf eigener Untersuchung beruhende
und zunächst der ihm zu Gebole stehenden Livländischcn
Fauna entlehnte Charakteristik nach dem äusseren Körper-
bau, welche sich mehrfach auch auf solche Theile, welche
wie die Genitalsegmente u. a. bis jetzt weniger beachtet
worden sind, erstreckt. Zugleich wird der Lebensweise
der Gattungen und Arten, der Verbreitung der letzleren
in Europa u. s. w. die gebührende Berücksichtigung ge-»
524 Gerslaeckei: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
zollt. — Obwohl die Livländische Hemiptercn-Fauna, wie
dies zu erwarten stand, im Ganzen nicht als reich gelten
kann, entbehrt sie dennoch nicht eigenthümlichcr oder
wenigstens bis jetzt unbekannt gebliebener Formen, wie
dies eine Reihe neuer Arten, welche der Verf. unter Scio-
coris, Pachymerus, den Tingiditen, Miris, Capsus, Antho-
coris, Xylocoris, Salda beschreibt, zeigt. In Bezug auf die
Nomenklatur des Verf. ist zu bemerken, dass die Namen
seiner Untergattungen Ancylopus und Lyclus bereits unter
den Coleopteren vergeben sind.
Catalogus Hemipterorum Europae. Hemiptera Hetero-
plera Europaea systematice disposita auctore F. de Bae-
rcnsprung. Berlin 1860. (8. 25 pag., Separalabdruck aus
der Berl. Ent. Zeilschr. IV. Jahrg.) — Für die Europäischen
Heteropleren (Geocores und Hydrocores) nimmt der Verf.
achtzehn Familien an; die Arten werden mit ihrer Syno-
nymie und ihren Varietäten und unter Angabe des Vater-
landes aufgeführt.
Derselbe gab weitere Beschreibungen und Abbil-
dungen von neuen und seltenen Rhynchoten der Europäi-
schen Fauna (Berl. Entom. Zeitschr. III. p. 329 ff. Taf. 6) ;
dieselben gehören den Familien der Pentatomidae, Coreodes,
Lygaeodes, Capsini und Membranacei an.
Signoret (Annales soc. entom. Vlll. p. 738 ff.) stellte
ein Namensverzeichniss von 81 auf Sicilien gesammelten
Hemipteren zusammen; die Mehrzahl derselben gehört der
Abtheilung der Heteropleren an.
Stal, „Nya svenska Hemiptera" (Öfversigt Vetensk.
Akad. Förhandl. XV. p. 355 ff.) zählte elf neue Schwedische
Arten, darunter 2 Capsus und 4 Delphax, welche als neu
beschrieben werden, auf.
Tweede Naamlijst van Inlandsche Hemiptera, bijeen-
gebracht door de Graaf, Six en Snellen van Vollen-
hoven (Tijdschr. voor Entomol. III. p. 168—195). — Die
Verf. haben ihr erstes Verzeichniss der Niederländischen
Hemiptera vom J. 1852 zu vervollständigen gesucht und
geben den ersten Theil eines neuen, welcher die Geocores
und Hydrocores umfasst. Dieselben sind zusammen durch
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. CO- 525
188 Arten vertreten, welche systematich aufgezählt, mit
Citaten und Synonymen versehen und von Angaben über
Fundorte, Erscheinungszeit, Häufigkeit u. s. w. begleitet
werden.
Montrouzier, „Description de quelques Hemipteres
de la Nouvelle Caledonie" (Annales soc. Linneenne de
LyonV. p. 243 — 260) beschrieb einige neue Arten von Neu-
Caledonien aus den Familien der Pentatomiden, Coreoden,
Lygaeoden und Membranaceen.
Uhler, „Hemiptera of Ihe North Pacific Exploring
Expedition under Com'rs Rodgers and Ringgold" (Proceed.
acad. nat. scienc. of Philadelphia 1860. p. 221— 231). Eine
Aufzählung .von Heteropteren verschiedener Familien, be-
sonders aus China und Japan stammend, nebst Beschrei-
bung der darunter befindlichen neuen Arten.
Pentatomidae. N. Westring, „Be?krifning pa Slridulations-
Organer hos Slägtenn Pachycoris och Scutellera, af Insekts-ordningen
Hemiptera, jenite Öfversigt af alla de hittilis bckanta olika satten för
sadane Ijuds frambringande bland andra insekter." (Gölheborgs kongl.
Vetensk.-och Vitterhets-Sanihälles Ilandlingar, 4. häft. p. 47 — 57). Das
Stridulationsorgan bei den Galtungen Pachycoris und Scutellera ist
ein mattschwarzer Fleck auf dem 4ten und 5tcn Hinterleibssegmente,
der sich zuweilen (üdontotarsus raudatus Klug) auch auf das dritte
Segment fortset/.t und bei Betrachtung unter der Lupe eine feine und
dichte Längsriefung erkennen lässt. Der Beschreibung desselben
lässt der Verf. eine Aufzahlung der verschiedenartigen bis jetzt bei
zahlreichen Insekten und einigen Arachniden beobachteten Stridula-
tionsorgane folgen.
Signoret (Annal. soc. entom YHI. p. 917 IT. pl. 13) machte
folgende neue Arten und Galtungen aus Madagascar bekannt: Libyssa
Madagascariensis, Odontolarsus Ccqiierelii^ Podops sinualus, tibialis,
Brac/ujplatys iinicolor^ Picromcrns flavivoslrum (sie !), Mecosoma Co-
qucrelii, Aethus Madagascariensis, rvßvoslruni (sie!), impressicollisy
Sciocoris Wolfii und Amyoli, Phricodus fascialus , Dalpada villata,
Atelocera femoialis und vicina, Eiischislus ^liyromarrjinalus, Movmi-
dea annulicortüs, decovala, abdominalis. — Sepina n. g. Fühler
fünfgliedrig, das S.Glied viermal so kurz als das 2., Kopf abgeflacht,
leicht gerandet, Rüssel bis zum 2. Hinlerleibssegment reichend; Au-
gen hervorspringend, Hinterwinkel des Prolhorax abgerundet, Schild-
chen kaum die Hälfte der Flügeldeckenlänge gleich. — Art: S.
urolaboides, L. 12 Mill. — PetUatomn subßava, viridissima, confusa,
526 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Slrachirt mirahilis, Madagascariensis, Nezara flavopunctata, Rhaphi-
gaster incerta (sie!) und Iransrerstis, Aspongopus castaneus. — C o-
querelia n. g., den Uebergang von Strachia zu den Rhaphigastriden
machend, von letzteren jedoch durch den Mangel des Bauchslacheis
abweichend; ausgezeichnet durch blaltartige Erweiterung der Seiten-
ränder des Prolhorax. Fühler fast von Körperlänge, das 1. Glied
sehr kurz, das vierte am längsten, Kopf abgestutzt, Rüssel kaum die
Hinterbeine erreichend ; Schildchen von mehr als halber Flügeldecken-
länge, mit abgerundeter Spitze und gehöckerter Basis. — Art: C.
pectoralis, L. 24 Mill. — Peltagopus n. g., durch gleich lange
Kopdappen und abgeflachte und aufgebogene Seitenränder des Pro-
thorax von Cyclopelta und Aspongopus abweichend. — Art: P. ßavo-
marginaius, L. 30 Mill.
v. Bärensprung (Berl. Entom. Zeitschr. III. p. 336) beschrieb
Leprosoma n. g. , Eurygaster und Graphosoma zunächst stehend,
aber die beiden Seitenlappen des Kopfes mit flach erweitertem Rande
und sich vor dem mittleren vereinigend, das 3. und 4. Fühlcrgiied
etwa gleich lang und viel kürzer als das 2. und 5. — Art: L. in-
conspicunm Sarepta. — Eusarcoris angustaliis n. A. ebendaher.
Stal (ebenda IV. p. 276) stellte für Tetyra flavolineata Fab. eine
eigene Gattung Tholagmus und für Trigonosoma galii Wolf eine
gleiche unter dem INamen V ilpianu s auf, und beschrieb Trigono-
soma Baerenspntngi n. A. aus Aegypten.
Derselbe (Öfvers. Velensk. Akad. Förhandl. XV. p. 433 fl".)
charakterisirte folgende neue Gattungen und Arten : Coptosoma hir-
tclla und bimaculicoUis Old-Calabar, Ponsila n. g., von Brachy-
platys, der sie zunächst verwandt, durch den breiten Kopf, an dem
der Alittellappcn etwas länger als die hornartig hervortretenden Sei-
tenlappen ist, unterschieden. — Art: P. /wc/aws Old-Calabar. — Pla-
taspis vermicellaris Old-Calabar. — Agerrus n. g:, neben Platynopus,
von der Kopfform der Asopiden, durch ungewöhnlich schlanken
Rüssel, aussen gerundet erweiterte Vorderschienen und an der Spitze
breites Skutellum ausgezeichnet. — Art: A. remipes Surinam. — Pa-
ramecus mnrginniejilris Old-Ca\ah'dr, Coctoteris n. g. (mit Ectenus
verwandt) acutangulus Neu-Guinea, Coenomorpha pilosa Mossambique,
Penlaloma chlorina Sumatra, Ruscoba n. g. (mit Pentatoma in
mehrfacher Beziehung verwandt, einen Uebergang zu den Urostyliden
bildend, ohne hervortretende Fühlerhöcker und ohne ohrförmigeu
Apparalus odoriferus), sanguineivenlris Chile, Strachia inelanopyga
Mexiko, Rhaphigasler punctato -rugosus und cincliceps Old-Calabar,
pallido-conspersus Madagascar, Mucanum maculigerum Java, Aspon-
gopus remipes Old-Calabar.
Uerselbe (Öfvers. Vetensk. Akad. Förhandl. XV. p.310ff.)
beschrieb Solenosthedium pallescens, Sphaerocoris simulans, Odonto-
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 527
tarsiis illolus, Bolbocoris obscuricortiis, Ettrygaster sculpturatus, Cyd-
nus (Aelhns) laulipennis , Sciocoris fuscosparsus, Mecidea prolixä,
Alelocera notalipennis, Aeliomorpha simulans, Mormidea trislicula^
pugionata, Penlatotna vitlaliceps und Goiiopsis bimaculala als n. A.
aus Süd-Afrika,
derselbe (Fregatten Eugenies resa omkring jorden p. 220 (T.) :
Arnia patritelis und pacißca von Honolulu, sordida von den Galla-
pagos, pallens aus Caüfornien, emarginata von Buenos-Ayres, Diclyo-
tus plebejus von Sidney, Macropygium Spinolae (alrum Spin.?) von
der Insel St. Joseph, Anliteuchits nigricornis von Hio-Janeiro, Josephi
von St. Joseph, Poecilomelis palriielis von Sidney, Pentaloma mo~
desfa von Buenos-Ayres, Kinbergi, fvalerna und punclaria ebendaher,
patruelis von Kio-Janeiro, pallido-virens aus Caüfornien, Bonariensis
von Buenos-Ayres, Mauritii von der Insel Alauritius, Rhaphigaster
viridans von den Gallapagos, laetus von Puna, herbidus und armiger
von Buenos-Ayres, spectandns von Maiacca, AmpJiaces languida von
Sidney, Cuspicona prasinata von Nen-Holland, Edessa scabriventris
und Aceratodes costalis von Rio- Janeiro, Oncomeris socius aus Keu-
Holland.
Derselbe (Vetensk. Akad. Handl. II. p. 7) Pachycoris laevi-
lineatus, Corimelacna laevis, rastrala, crnralis und tabida als n. A.
von Rio-Janeiro. — Cyrtaspis nov. gen., die Gruppe der Plalas-
piden in der neuen Weit vertretend, mit halbkugligem Körper, klei-
nem fast senkrechtem Kopf und zweigliedrigen Tarsen ; Schildchen
den Hinterleib und die ganzen Deckflügel bedeckend, diese viel
länger als der Körper und mit Ausnahme der Basis häutig. — Art:
C. nigritula von Rio-Janeiro. — Telepta nov. gen., von Arma
Dali, durch einen Dorn an der Basis des Hinterleibes unterschieden.
— Arten: T. crassimai'go, rostralis, dislincla, aenescens und cincti-
ceps. — Aelhus Americanus, moestus, viduus und lugubris. — Ma~
goa nov. gen., vom Habitus und der Beinbildung der Cydnus-Arten,
durch die viergliedrigen Fühler, das kleine Schildchen, den trape-
zoidalen Clavus, die sparsam und undeutlich geäderte Membran zu
den Lygaeoden hinneigend. — Arten: M. cribata , lautipennis
und pusio. — Discocephala conspersipes , lineaticeps und caenosa.
— Hypata (nov. gen., mit Macrolhyreus verwandt) eximia, On-
codochilus palrnelis , Glyphuchus (nov. gen., mit Üncodochilus
zunächst verwandt, durch die seitlich stark winklig ausgezogenen
Ilinterleibssegmente zu I'hloea hinneigend) sculpluratus , Ochlerus
circumcinctus und circiimmaculatus, Macropygium Spinolae, Anli--
teuchus nigricornis, Tibraca (nov. gen., von AIccocephala haupt-
sächlich durch den Mangel der Banchrinne abweichend), limbativen-
tris, Loxa vigcns, Exischislus illotus, alalicollis, anlicus, guadripun^
ctatus, roripes, Mormidea spiculigera, noiuliferaj hamulatct, corni-
528 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
collis, Rhaphigaster obscuricornis, dimidialus, alboapicatiis, pecloralis,
difficilis, obsti7ialus, bucerus, Uditla (nov. gen., von Rhaphigaster
durch läniilichen, flachen, vor den Augen ausgebuchteten, dann fast
gleichbreiten Kopf, queren Thorax mit scharf hervortretenden Seiten-
winkeln, an der Spitze gedornte Schenkel und cylindrische Schienen
unterschieden) inipicta, Banasa (nov. gen.), induta und discifera,
Lopadusa (nov. gen.), avgiir, Serdia (nov. gen.), apicicornis,
calligera, limbalipennis und inspersipes, Tibilis (nov. gen.) sub-
cotispei'sa, Edessa obscuricornis, consobrina und obscuripennis und
scabriventris, Piezoslernum Thunbergi sämmtlich von Rio-Janeiro.
A. Do hm (Eintom. Zeitung 1860. p. 99 if.) beschrieb Trigono-
sotna Bohemani aus Marocco, Eurygaster dilaticollis von Sarcpta,
Sehirus Cypriacus von Cypern, Crypsinus anguslalns (Bärensp. i. lit.)
und Pentaloma inclusa von Sarepta, Strachia rotundicollis vom Monte
Rosa 9000', rugulosa von Cypern als n. A. Die neue Gattung Cryp-
sinus ist von Aelia abgezweigt, von der sie sich durch parallelsei-
ligen Hinterleib mit abgerundeter Spitze unterscheidet und ist ferner
durch den vom Vorderrande des Thorax fast verdeckten Fühlerhöcker
charakterisirt. Letzteres Merkmal unterscheidet sie zugleich von
Aelioides nov. gen., vom Verf. für Aelia inflexa errichtet. Von
Eusarcoris werden zwei Arten zu eigenen Galtungen abgetrennt,
nämlich Eus. lunatus als Staria nov. gen. und E. intermedius als
Rubiconia nov. gen. — Von Solenosthedium lynceum Fab. werden
die vorkommenden Varietäten erörtert und die drei Europäischen
Podops-Arten : P. inunctus Fab., curvidens und Siculus Costa durch
Diagnosen festgestellt.
Derselbe (ebenda p. 399 ff.) beschrieb Coplosoma Ceylonicum,
nobile, Aethus scutellatus, cyrlomenoides, Pentatoma trivialis, lemur
und Rhaphigaster dorsalis als n. A. von Ceylon.
Montrouzier (Annales d- 1. soc. Linn. de Lyon V. p. 243 ff.)
machte folgende neue Arten und Gattung von Neu - Caledonien be-
kannt: Scutellera geophila , Brachypiatys Vanikorensis ßoisd., Geo-
bia n. g. Fühler viergliedrig, das 2. Glied am längsten, nächst ihm
das 4., Kopf nicht in eine Spitze auslaufend, mit zwei entfernt sie-
henden Ocellen , Schildchen gross, zugespitzt, Schienen stachlig,
Körper ziemlich flach; von Tesseratonia durch das Sternum, welches
sich nicht als Spitze zwischen die Hüften verlängert, unterschieden.
— Arten: G. ISumeensis und ? fallax, — Pentatoma Reyi, inconspicua^
Pcrroudii, Acanthidiiim punclatissimum, cinctvm und a/'7«i^en/m. (Letz-
tere drei Arten zu dieser oder der folgenden Familie gehörend ?)
Scutellera arrogans und Artcnsis (p. 258).
Uhler (Proceed. acad. nat. scienc. Philadelphia 1860. p. 221 ff.)
beschrieb als neue Arten : Eucorysses superbus Japan , Brachypella
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 529
elevata Cap, Acatalectus magnus Hongkong, Poecilometis mislus Japan
und China, Pentatoma hutnerigera Japan, lihaphigaster disjectus llong'
kong und Dichelops affinis Japan.
Motsch ulsky (Bullet, de Moseou 1859. II. p. 501) diagno-
sticirte Coptosoma biguttula, dilatata, Tropicoris metallifcrus, semian^
nulatus, decempunc latus und Eurydetna Daurica als n. A. vom Amur.
Coreodes. Signoret (Annales sog. ent. VIII. p. 937 ff. pl.l4)
machte folgende neue Gattungen und Arten von Madagascar bekannt:
Oxypristis n. g., eine Cerbus-Form mit sehr stark verbreilertem,
jederseits in einen langen und spitzen Zahn auslaufendem Prothorax,
der an seinem Vorderrande mit mehreren kleineren Zähnen bewehrt
ist; Hinterleib mit sehr breiten Seitenrändern, viertes Fühlerglied und
Hinterschienen bei beiden Geschlechtern blattartig erweitert. — Art:
0. Leroyi, L. 32 Mi 11. — Mictis Madagascariensis, Physomerus dila-
ticornis, Serinetha lateralis, Alydiis Fabricii, Madagascariensis, Lep-
tocoris annulicornis, Hydara gracilicornis, Gonocerus linealus und
clavatns, Clavigralla annulipes, spiniceps, similis, elongata, flavipen-
nis, Acanthocoris tihialis.
Signoret, Monographie du genre Corizus (Annales soc. en-
tom. VII. p. 75-105). Verf. beschreibt nach wiederholter Feststellung
der Gattungsmerkmale im Ganzen 44 Arten der Gattung Corizus Fall.
(Rhopalus Schill.) aus verschiedenen Weltlheilen, von denen 25 neu
sind. Zehn früher beschriebene, dem Verf. aber unbekannt geblie-
bene werden am Schlüsse der Arbeit aufgeführt.
Fieber („Die Familie der Berytidcae," Wien. Ent. Monats-
schr. III. p. 200 ff.) will die mit ßerytus verwandten Gattungen als
eigene Familie von den Coreoden abtrennen und erörtert zu dem
Zwecke die Unterschiede beider. In einer analytischen Tabelle der
Galtungen und Arten wird die Zahl der ersteren auf sieben erhöht:
1) Neides Latr. o A., iV. aduncns aus Coisika und favosus aus Deutsch-
land neu. 2) BerytusFab. 7 A., B. Signoreti aus Frankreich, vittatus
und cognatus aus Deutschland neu. 3) Apoply mus nov. gen. für
A. pectoralis n. A. aus Corsika. 4) Metatropis nov. gen. für
Berytus rufescens Herr.-Sch. 5) C ard op ostethu s nov. gen. für
C. annulosus aus Corsika. 6) M eg alomerium nov. gen. für M.
pallidum aus Corsika. 7) Metacanthus Costa 1 A. (elegans Curt.).
J. P. E. Frdr. Stein, „Ueber einige Coreiden - Gattungen"
(Berl. Ent. Zeitschr. IV. p. 246 ff".) erörterte die unterschiede und die
Synonymie von vier bekannten Arten der Gattung Dasycoris (dentaler
Fab., alternans Herr.-Sch., denticulatus Scop. und Spinolae Costa)
von Zweien der Gatt. P.seudophloeus Burm. (typhaecornis Fab. und
Genei Spin.) , von zweien der Galt. Ceraleplus Cost. (spinipes Fall,
und maculalus St. =? neglectus Herr.-Sch., von zweien der Galt.
Archiv f. Naturg. XXVII. Jahrg. 2. Bd. li
530 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Arenocoris Hahn (A. nubiius Fall, und Falleni Schill.) und beschrieb
Arenocoris Chilensis als n. A. aus Chile. Spathocera n. g. „An-
tennarum arliculo tertio sccundo duplo longiore, apice plus minusve
dilalalo, articulis subuudis" wird für Pseudophloeus Dalniani Schill.,
lobatus Herr. -Seh. und Verwandte errichtet. — Eretinophora n. g.
„Antennarum articulo tertio secundo vix longiore, apice valde dila-
talo, articulis suhnudis" für E. protensa n. A. aus Montevideo.
Stftl (Öfvers. Vetensk. Förhandl. XV. p.439f.) beschrieb Pa-
chylis acutangula Mexiko, Crinocerus mundulus Brasilien, Homoeoce~
ms melanocneinis Mossambique, Noliphus n. g. (mit Alydus nahe
verwandt, durch zartere, unbewehrte Beine unterschieden) erylhroce-
phalus Sumatra, n. A.
Derselbe, „Till kännedomen om Coreida (ebenda XYI. p. 449
bis 475) charakterisirte ferner folgende neue Galtungen und Arten
dieser Familie: Bardistus crenulatus Brasilien, Cnemyrtus n. g.
für Cerbus scriptus ßurm. , M er ardus n. g. , der vorigen Gattung
zunächst stehend, mit M. spinicrus n. A. Brasilien, Molchina Linnei
Brasilien, Notobitus n. g. für die Asiatischen Nematopus-Arten,
z. B. JN. meleagris und Malayus, Cloresmus n. g. (mit der vorigen
Gattung nahe verwandt) Signoreti Java, Diariptiis n. g. (mit Ar-
chimerus verwandt) hexacanthus Cametä, Ugnius n. g. für Ciniex
Kerniesinus J.in. (rubrobalteatus de Geer), Lybindus n. g. (der vori-
gen Gattung zunächst stehend), rufocitictus Rio-Janeiro und dichrous
Brasilien, Dirnalus n. g. prominulus Surinam, Nirovecus n. g.
claviger Mexiko, Plunentis n. g. porosus Rio-Janeiro, Crinocerus
haematicus Brasilien? und subcarinatus Monie\\deo, Petalops cardi-
nalis und guttifer Brasilien, Flaxiscelis rustica und plebeja Brasilien,
Melynthus n. g. (nahe Flaxiscelis) histrionicus Brasilien, Anisoscelis
sexmaculata Pernambuco, Leptoscelis divisa Brasilien. — Von Alydus
Fab., welche Gattung auf die Arten mit geraden, cylindrischen Hinter-
schienen, die an der Spitze nicht zahnartig ausgezogen und länger
als die Schenkel sind, beschränkt wird (A. calcaratus Lin., limbatus
Herr.-Sch. u. a.) werden folgende Gattungen abgezweigt: 1} Burti-
nus n. g. Hinterschienen kürzer als die Schenkel. Art: B. notati-
pcnnis Mexiko , Columbien. 2) Hyalynienus Am. Serv. (vespiformis
und dentatus Fab.). 3) Tivarbus n. g. für A. sinuatus und larsatus
Fab. 4) Tupalus n. g. für A. arcuatus Fab. 5) Mirperus n. g.
für A. jaculus Tbunb. G) Riptorlus n. g. für A. dentipes und
linearis Fab. 7) Tenosius n. g. für A. proletarius Schaum. 8)
Camptopus Am. Serv. (lateralis Germ.) — Ferner: Hamedius n. g.
für Hypselopns incarnatus Er., Paryphes ßavocinctus Costa-Rica, im-
perialis Mexiko, ducalis Rio-Janeiro, magnißcus Bahia, Theraptus
n. g. für Chariesterus carmelita Burm. , Sphictyrtus n. g. für
Chariesterus fasciatus Burm. u. a. , mit Sph. inlermedius n. A. Co-
im Gebiete der Entomologie nährend der Jahre 1859 u. 60. 531
lumbien und perciccra? Vaterland ?, Tlip onius n. g. für Ilomoeocerus
puncticornis Biirrn. und Tl. limhalipennis n. A. Celebes, plebejus Java,
Cingalensis Ceylon, fascifev Mjinila, cordiger Tranqiiebar, rugifer
Caffernland , insignicornis Vaterl. uiibek. — Latimhns n. g. (mit
Homoeocerus verwandt), armipes Old-Calabar, Cnemonis n. g. für
Paryphes gracilis Dali., Pistocus n. g. (Paryphes dubius Dali.?)
ornlis Parä, Stenocephalus lautipes Senegal, lestaceus Cap, Psotil-
tius n. g. (mit Stenocephalus zunächst verwandt) mucronifer Cap,
iS tiroptus n. g. (mit Chorosoma ver^^andt) lineaticornis Kio-Janeiro,
Darmistns n. g. (nächst Leptocorisa) sw6ri7<rt/Ms Mexiko, Plinach-
t n s n. g. für Cimex ptingens und P. piigionatns und spinosus vom
Cap, C a t or hintha n. g. fürLygaeus guttula Fab. und perßda n. A.
Brasilien, selector Mexiko, Scamurius n. g. für Paryphes amabilis
Stäl und Sc. cotisors , lateralis Brasilien, Lupanthus n. g. (von
der vorigen (jattung durch flacheren Körper und fast gleich lange
Rüsselglieder unterschieden) incarnutus und clietis Brasilien, Sta~
luptus n. g. für Chariesterus marginalis Burm., Plapi g us n. g.
für Chariest. vexillarius Burn>. und circumduclus n. A. Columbien,
circumcinctus Mexiko, patellatus Ka Guayra, Vilga n. g. für Clavi-
gralla Acanthion Dali., Cercinthus n. g. für Centrocoris Lehmanni
Kol. — Verlusia pvstulifera n. A. Sir Daria.
Derselbe ( Öfvers. Vetensk. Akad. Förhandl. XV. p. 314f.)
machte eine neue mit Mictis verwandte Gattung Carlisis bekannt;
dieselbe ist von grosser Statur, der Kopf quadratisch, an der Spitze
nicht ausgerandet, die Fühler um ein Dritttheil kürzer als der Kör-
per, der Thorax vorn leicht abschüssig , hinten weit gerundet, das
Schildchen kaum länger als breit, die Flügelmembran etwa mit zehn
Längsadern versehen, die Schenkel gegen die Spitze hin unterhalb
gezähnelt, die Schienen fast dreikantig. — Art. C. Wahlbergi 24 Mill.,
vom K'Gami-See. — Neue Arten aus Süd-Afrika: Uypselopus palli-
divenlris, validipes, sordidahis, inornaUis, Gonocerus hishiptinctaius,
binotulahis und Acanlhocoris spinulosus.
Derselbe (Fregatten Eugenies resa p. 232 (T.) Amorhus rubi-
cundus von Sidney, Anisoscelis itnpicta von Montevideo, Hypsolopus
prolixus vom Cap, Alydus Eugeniae von Manila, curlulus aus Cali-
fornien, Trachelium picticeps von Bio - Janeiro, Leptocorisa prolixa
aus China, Neides gracilipes aus Californien , Melhncanlhus macer
und tenellus von Puna bei Guyaquil, Cleins nov. gen. (für Cimex
Irigonus Thunb. errichtet, von Gonocerus durch die nicht über die
Fühlerhöcker hinaus verlängerten Seiteulappen des Kopfes und län-
gere Fühler, deren zweites und drittes Glied dünner als die übrigen
und niemals zusammengedrückt sind, unterschieden) riislicus von
Hongkong, beUiiUis von Java, Oriterus Hahni von Buenos - Ayres,
IJarmosles apicatus ebendaher, llhopalus pictipes von Taiti, Rio- Ja-
532 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
neiio und Buenos- Ayres, scutatus aus Californien und lugens von
den Galapagos. ...
ü erselbc (Vetensk. Akad. Handl. II. p. 30 ff.) machte folgende
neue Arten von Rio-Janeiro bekannt: Metapodius ochropterus, Peta-
lops dorsalis, Plaxiscelis semilineatus, Paryphes pallens, tibialis und
suturellus, Lagaria cornuta, Änisoscelis inconspicua, Serinetha dis-
color, Trachelium femorale, Cydamus nov. gen., zwischen Alydus
und Trachelium stehend ; Kopf vorgestreckt, von Thoraxlänge, hinter
den Augen verengt, vor denselben bis zu den Fühlern gleichbreit,
Schildchen verlängert dreieckig , an der Spitze etwas aufgebogen,
Beine dünn, unbewehrt, Hinterschienen gerade. - Art: C. adspersi-
pes. •— Camptop^is pectoralis und nigricornis, Alydus pallesccns. —
Bactrodosoma nov. gen., fast von der Gestalt des Chorosoma
Schillingii, aber mit langem, gleichbreitem Kopfe, gleichbreitem
Thorax, Fühlern von Körperlänge, schlankeren Beinen, weniger ver-
längerten und nicht dickeren Hinterschenkeln. —Art: B. parallelum.
— Madura (nov. gen., mit Hydara zunächst verwandt) fuscocla-
vata, Zicca consobrina und cornuta, Harmostes apicatus und prolixus,
Margus impudens.
Montrouzier (Annal. d. 1. soc. Linn. de Lyon V. p. 254)
beschrieb Alydus curvidens als n. A. von Neu-Caledonien.
Uhler (Proceed. acad. nat. scienc. Philadelphia 1860. p. 225 ff.)
stellte eine neue Gattung P achyc ephal us auf, welche von den
übrigen Coreoden mit einfachen Beinen, denen sie angehört, mehr-
fach" abweicht, aber am meisten zu den Gonoceriden passt, von de-
nen sie sich indess durch die Länge der Hemelytra und die Unre-
gelmässigkeit ihrer Aderung unterscheidet. Körper robust, länglich
eiförmig; Basalglied der Fühler verdickt, leicht gekrümmt, fast so
lang wie das dritte; das zweite am längsten, das Endglied am kür-
zesten, spindelförmig. — Art: P. opacus von Japan. — Keue Arten
sind ferner: Discogaster fuliginosus Nalevl. nichl angegeben, Campto-
pus cmnulatus Japan, Gonocerus punctipennis Japan, Anac an thus n.g.
(zur Gruppe der Homoeoceriden gehörig; Körper verlängert, gleich
breit, Augen kuglig, Fühler von Körperlänge, Basalglied etwas stärker
als die übrigen, das 2. am längsten, das 3. und letzte fast gleich lang)
concoloratus Hongkong.
A. Dohrn (Entom. Zeitung 18G0. p. 104 ff.) beschrieb Alydus
Sareptanus (Baerenspr. i. lit.), Berylus Steltinensis und Fieberi von
Stettin, Enoplops ventralis und bos aus Andalusien als n. A., ausser-
dem Corizus sanguineus Costa.
Derselbe (ebenda 1860. p. 402 ff.) Homoeocerus marginivcn-
tris, Serinetha Dallasii, Alydus clavatus, major, Cletus bistillatus,
elongalus, Clavigralla horrens und concolor als n. A. von Ceylon.
Alydus Sareptanus wurde auch gleichzeitig von v. Baeren-
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 533
Sprung (Berl. Enlom. Zeifschr. III. p. 334 ff.) beschrieben, Alydns
atratus als n.A. vom Amur durch M o ts ch u I s k y (Bullet, de Moscoa
1859. II. p. 502) diagnosticirt.
Lygaeodes. A. Dohrn (Entom. Zeitung 1860. p. 159) errichtete
eine neue Gattung Di euch es für die mit gedornten Vorderhüften
versehenen Rhyparochromus - Arten, z. ß. Rh. Chinensis. Ihre Cha-
raktere sind : Kopf dreieckig, gewölbt, in einen kurzen Hals ausge-
zogen, Thorax länger als breit, in der Mitte eingeschnürt, Beine sehr
lang; Vorderhüften mit zwei kurzen Zähnen bewehrt, ebenso die
verdickten Vorderschenkel unterhalb, erstes Tarsenglied bei weitem
das längste; Fühler lang und dünn, das Basalglied von Kopflänge.—
Zwei neue Arten: D. syriacus Cypern und Syrien, Yeh Hongkong.
(Auch Lyg. albostriatus Fab. gehört der Gattung an.) — Rhyparochro-
mus princeps Cypern, mundvlus Sarepta und Insel Wollin, cribratis-
simus Cypern, Micropus curtulus Andalusien, Anthocoris Minki Cre-
feld und heheticus Schweiz als n. A. beschrieben und zum Theil
abgebildet.
Derselbe (ebenda 1860. p. 404 ff.) beschrieb Rhyparochromus
Singalensis, Rhyp.? crassiceps, Plociomerus discoguttatus, undulatus,
Metneri, Dieuches punctipes, femoralis, Geocoris marginicoUis, Dys-
dercus lineatipes und fulvomarginatus als n. A. von Ceylon.
Von Signoret (Annal. soc. entom. VIII. p. 946 ff.) wurden
folgende neue Arten von Madagascar bekannt gemacht: Lygaeus
Fairmairei, spinipes, bipartitus, discoidalis, hitransversus^ unimacula-
tns, Atractophora quadripunctata, Lethaeus? marginatus, Aphanus ge^
niculatus, Rhyparochromus annulalus, raptorius, transversus, Plocio-
merus Iriguttatus, nabizoides, Xylocoris humeralis, Dermatinus cen-
tralis, ?auriantacus (?) , Odontopus Madagascariensis (ßlanch.) und
bipunctatus, Dysdercus fasciatus und ßavidus. — Piezodera n. g.
Prothorax flachgedrückt, Kopf stark abwärts geneigt, seine Ränder
flach und aufgebogen, Kopf dreieckig, Fühlerhöcker vorspringend,
Fühler von Körperlänge, ihr erstes und letztes Glied gleich lang und
viel länger als die mittleren. — Art: P. rubra, L. 23 Mill.
Montrouzier (Annal. d. I. soc. Linu. de Lyon V. p. 255 f.)
beschrieb Lygaeus pulchellus, biguttatus und dichroa (sie!) als n. A.
von Neu-Caledonien. Eine neue Gattung Amicrops, welche kei-
ner bestimmten Familie zugeschrieben wird, soll das Ansehen von
Lygaeus haben, aber der Ocellen entbehren; Körper unterhalb ge-
kielt, Kopf sehr klein, dreieckig, Fühler 4-gliedrig, das 2. und 3.
Glied gleich lang und doppelt so lang als die beiden anderen. —
Art: A. casuarina.
Von Uhler (Proceed. acad. nat. scienc. Philadelphia 1860.
p. 227) wurden folgende neue Arten bekannt gemacht: Lygaeus ornu-
tus China, Pachymerus albomarginafus Japan, Aphanus Boniniensis
534 (Icrs taecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
von den Bonin - Inseln , Orlhoea — (Art nicht benannt) Hongkong,
Peliosoma n. g. Körper langgestreckt, Kopl" lang dreieckig, jeder-
seits zwischen den Fühlern mit einer kleinen, gekrümmten Lamelle,
die beim Beginne des Rüssels unterbrochen ist; Kühler beim Alänn-
chen so lang wie der Körper , beim Weibchen um % kürzer, das
erste (Jlied am längsten, das vierte am kürzesten. — Art: P. anlen-
nata Japan. — Ophthalmicus varius Japan.
Stal (Öfvers. Vetensk. Akad. Förhandl. XV. p. 440) beschrieb
Lygaeiis Stollianus (Stoll pl.41. fig. 293) Cap, hhyparochromus nigro-
ruber und cribratissimus Rhodus, Odojitopus lineatipes Ceylon, analis
Old-Calabar n. A.
Derselbe (Öfvers. Vetensk. Akad. Förhandl. XV. p. 317) stellte
eine neue Gattung Teracrius auf, welche mit Phygadicus zunächst
verwandt ist; Kopf fast so breit wie der Thorax, Rüssel die Vorder-
hüften wenig überragend, Ocellen den Augen genähert, Fühler kaum
von Kopf- und Thoraxlänge, gegen die Spitze hin leicht verdickt.
Spitzenwinkel des Clavus abgestutzt, Membran fünfadrig; Beine ziem-
lich kurz, Vorderschenkel verdickt, unterhalb vielstachlig. — Art:
T. JSamaquensis vom JN'Gami-See. — Lxjgaeus fasciativentris n. A.
ebendaher.
Derselbe (Fregatten Eugenies resa p. 240 ff.) Lygaeus seri-
cans von Hongkong, Manillensis von den Philippinen, flavo-marginel-
lus von St. Francisco, Phygadicus Kinbergi von Malacca, Malens
nov. gen. (zweifelhaft ob zu den Coreoden oder Lygaeoden zu stel-
len ; mit ersteren in der Fühlerform und dem ganzen Ansehen über-
einstimmend, letzteren sich durch die Flügelmembran anschliessend,
welche fünfadrig ist und deren beide innere Adern sich bei der Mitte
vereinigen) ßavidipes von Java, Nysius Californicus von St. Fran-
cisco, sordidus von Taiti, spurciis ebendaher und von Rio-Janeiro,
coenosulus von Honolulu, sirtniUtns von Buenos-Ayres, rhyparus von
Valparaiso, pnichellus von der Insel Guam, Rhyparochromus Malayus
von Malacca, ochroceras von Taiti, Rio-Janeiro und Puna, Sinae von
Hongkong, vinulns von Taiti, Guayaquil und Rio - Janeiro, Sw/;jic«s
aus Ken -Holland, V-album von Manila, Oxycaraenus coriacipennis
von St. Francisco, Ischtiodemus tibialis von Rio-Janeiro, paUidipen-
nis vom Cap, Henestaris Kinbergi von der Insel Mauritius, sobrina
von Manila, Geocoris pallipes von Montevideo. — Cr y p t orham-
phus nov. gen., mit Cymus verwandt, die Vorder- und Miltelbrust
aber zur Aufnahme des Rüssels tiefgefurcht, der Kopf fast quadra-
tisch, flach, hervortretend, unterhalb für das Einlegen des Rüssels
mit einer Furche versehen, die Fühlerhöcker ganz seitlich, der Mit-
tellappen doppelt so lang als die seillichen und vor diesen hervor-
ragend ; erstes Fühlerglied dick, zweites dünn, kaum von Vs der
Länge des ersten und nur halb so lang als das spindeUurniige Knd-
im fiebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 535
glied. — Art: Cr. orbus von Sidney. — Bedus nov. gen., gleich-
falls mit Cymns nahe verwandt, aber durch die Fühler, an denen das
zweite Glied ebenso lang wie das dicke erste und das spindelförmige
vierte ist, und durch längeren Kopf, mehr hervortretende Seitenlap-
pen desselben u. s. w. unterschieden. — Art: B. Maurilii von der
Insel Mauritius. — Cymus Bohemani und Franciscanus aus Califor-
nien, Galafagcnsis von den Galapagos. — Ninus nov. gen., von
Cymus durch länglicheren, mehr gleich breiten Körper, stark hervor-
springende Augen, längere und schlankere Fühler mit fast gleich
langen, haarigen drei Endgliedern (das vorletzte etwas kürzer) un-
terschieden. — Art: JV. insignis von der Insel Guam.
Derselbe (Velensk. Akad. Handling. II. p. 37 ff.) beschrieb
folgende neue Arten aus Rio-Janeiro : Lygaeus albostillatus, rubes-
cetis, modestus, limbatipeiinis, pallipes, obsoletns, coxalis, maurus,
cinctipennis, Lethacns? palliditiervis, Aphaniis diliiticornis und pusio,
Plociomerus ochroceras, brachialis, ricinus, gracilipes, vinulus, foe-
duSf quadristillatus, Rhyparochromus terginus und alboannulatus^ Cat-
tarus fnov. gen., mit Rhyparochromus verwandt) insignis, Ischnode-
mus fuscovenosus, laevus, dilutipes, nigrostillatus, tibialis, Geocoris
pallidiceps, Anthocoris nigrotiitens, armatus, lepidus, Anth.? sulcifer,
Xylocoris discifer, limbatellus und constrictus , Largus cinctitentris
und Thcraneis limhalipennis.
v. Baerensprung (Berl. Ent. Zeitschr. III. p. 329 f.) Plocio-
merus Luchsii aus Schlesien, leptopoides und annulipes aus Andalu-
sien, nabiformis (Pachymerus nabif. Costa) aus Italien und Griechen-
land, collaris aus Piemont, Beosus aeneipes und Micropus blissoides
als n. A. aus Griechenland.
Motschulsky (Etud. entom. 1859. p. 108) Mrtcro/)es (soll eine
neue Gatung neben Micropus sein) spininianus und Stenogaster? lu-
gubris als n. A. von Ceylon.
Derselbe (Bullet, de Moscou 1859. II. p. 502) diagnosticirte
Lygaeus cruciger als n. A. vom Amur.
Gdpsini. Eine neue Gattung Gryllocoris stellte v. Bae-
rensprung (Berl. Ent. Zeitschr» III. p. 334) auf, zunächst mit Byr-
soptera Spin, und Philophorus Hahn verwandt, aber durch das im
letzten Drilttheile keulenförmig angeschwollene zweite Fühlerglicd
und die Form des Thorax, der doppelt so lang als breit und fast
cylindrisch ist, unterschieden. — Art: Gr. angusticollis Griechenland.
— Teratocoris notatus n. A. Dalmatien.
Stäl (Öfvers. Vetensk. Akad. Förhandl. XV. p. 317) beschrieb
Capsus (EurymerocorisJ viridipunctatus und tabescens als n. A. vom
Swakop (Süd-Afrika).
Derselbe (Fregatten Eugenies resa p. 25411.) Miris Dohrni aus
Fatagouien, spurius vou Puna, scenicns von Buenos-Ayres und Rio-
536 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Janeiro, Capsus pellucidus von Honolulu, Kinhergi aus Neu-Holland,
capicola vom Cap , Bonariensis von Buenos - Ayres, pacificus von
Taili, dilutus von Sidney, Signoreti von Rio -Janeiro, luteiceps von
Buenos-Ayres, Taiticus von Taiti, Tagalicus von Manila, Sicinicus aus
Neu-Holland, Chinensis von Hongkong, caligineus von S- Francisco,
Dallasi von Sidney und Californicus von S. Francisco.
Derselbe (Vetensk. Akad. Handling. II. p. 45 f.) beschrieb als
neue Arten von Rio-Janeiro : Miris insuavis, Lopus Ilahni, rußnasus
und sulcaticornisj Resthenia nigripennis, seminigra, Zetter-stedti, pyr-
rhomelaena, luteipes, flavonigra, costalis, concinna^ suhannulata, bivit-
tata und patruelis, Phytocoris suhvittatus und effictus, Deraeocoris
nohilitatus, Wallengreni, cribricollis, vittiscutis, fraudulentus, viridis
cans, fuscomaculatus, semiochraceus, caligatus, testaceipes, semilotus,
cribratus, luctuosus, purgatus, sticticollis, stictictts, cribrosus, lenti-
culosus, Dahlbomi, dilatalus, frmtdans, basicornis, cincticornis, vitreus^
clarus und insignis. — H cnic ocjiemis nov. gen., durch zusam-
mengedrückte und stark erweiterte Vorderschienen von allen be-
kannten Gattungen abweichend. — Art: H. patellata. — Cyllecoris
gracilentus, quadristillatvs, bisbistillatns, stillatipennis, sangniniceps,
Costae, Ämyoti und petiolatus, Capsus ctineatus. — H er d onins nov.
gen., von Sphinctothorax durch das mit einem starken, aufrechten
Dorn an der Spitze bewaffnete Schildchen unterschieden. — Art: H.
armatus. — V aldasus nov. gen., durch kurzen Kopf mit senkrecht
abfallender Stirn und zwischen den Augen eingeschnittenem Scheitel,
so wie durch lange und dünne Tarsen ausgezeichnet. — Art: V.
Schönherri. — Sinervus nov. gen., mit kurzem Kopfe, zurückwei-
chend-abschüssiger Stirn, kugligen Augen; Deckflügel mit sehr lang
ausgezogenem und sehr schmalem Appendix, welcher die einzellige
Membran fast ihrer ganzen Länge nach begränzt, — Art. S. Baeren-
sprungi. — Monaionion Schaefferi, Eccritotarsus nov. gen., mit
einzelliger Membran und an der Basis sehr dünnen Tarsen, welche
gegen die Spitze hin allmählich breiter und dicker werden. — Arten:
Eccr. semiluteus , pallidipes , dimidialus , liilescens ^ nigroplagiatus,
discifer , nigrocruciatus, crux-nigra , Fairmairei, venustus, lettcopuSy
discipenniSf hyalinus, longulus^ niger. — Ämbracius nov. gen.,
Thorax vorn in der Mitte bucklig und dieser bucklige Theil über
den Kopf hinweggezogen, Membran zweizeilig, Tarsen kurz und dick.
— Arten : A. Dufouri und phaleratus.
Derselbe (Öfvers. Vetensk. Akad. Förhandl. XV. p. 335) be-
schrieb Capsus saliceticola und geniculatus als n. A. aus Schweden.
J. P.E. Frdr. Stein (Berl. Ent. Zeitschr. IV. p. 79) begründete
auf Acanthia intrusa Herr. -Seh. besonders in Rücksicht auf die Bil-
dung des Kopfes eine eigene Galtung C ephaloc ori s. Dieselbe
will er, da sie ihm m keiner der bestehenden Familien zu passen
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 537
scheint, vorläufig zu einer eigenen „Cephalocoridae" erheben und
diese zwischen Anthocoriden und Capsinen einschalten. (Von Fie-
ber ist dieselbe Art gleichzeitig zu einer eigenen Galtung Isome-
top US erhoben und diese Gattung als Familie Isometopidae abgeson-
dert worden.)
Myrmecoris ? himaculatus als n. A. vom Amur von Motschulsky
(Bullet, de Moscou 1859. II. p. 502) diagnosticirt.
Membranacea. Stäl (Vetensk. Akad. HandÜng. II. p. 59 ff.)
beschrieb als neue Arten von Kio-Janeiro: Phymata fasciala, longi-
ceps, simnlans, acuta und Swederi, Hebrus parvulus, Monanthia (Phyl-
lontocheila) munda, formosa, ßexuosa, simulans, (AcanthocheilaJ ar-
migera, spinuligera, (TropidocheilaJ pallipes, marginella^ (Physato^
cheilaj ochropa, fuscocincta, Dohrni, approximata, lepida und mono-
tropidia. — Tigava nov. gen., mit Monanthia verwandt, aber durch
die Bildung der Fühler von allen bis jetzt bekannten Galtungen
abweichend ; dieselben sind länger als der Körper, dünn, das Basal-
glied etwas länger als der halbe Thorax, das zweite sehr kurz, das
dritte sehr lang und schlank. — Art: T. praecellens. — Tingis fusco-
maculata , sexnebulosa , monacha , mitrala , Steini, Ting. ? inßata,
"i globifera ^ Laccometopus albilaterus , morio , lucluosus, prolixuSf
Brachyrhynchus terginus, bimaculatus, flavicans, granuliger. — Ar ta-
ger us nov. gen., Kopf fast quadratisch, hinter den Augen gerundet,
der vor den Augen liegende Theil kaum länger als der hintere; Ba-
salglied der Fühler so lang wie der Kopf, sehr dick, spindelförmig,
die übrigen viel schlanker, das dritte von der Länge des ersten. —
Art: A. crispatus. — Aphl eb o derris nov. gen., Fühler dick, das
Basalglied kaum so lang wie der Kopf, das zweite kurz, das dritte
fast so lang wie beide zusammen, das vierte etwas kürzer als das
dritte; Membran der Deckflügel ungeadert. — Art: A. pilosa. —
Calisius nov. gen., nach dem Verf. die merkwürdigste Gattung
unter den Araditen, mit C. pallipes. — Aradus Falleni.
Derselbe ( Fregatten Eugenies resa p. 259 f. ) Monanthia
(Physatocheila) sordida vom Cap, vesiculata von Sidney , Aradus
fuscomaculatus von S. Francisco und Mezira? Patagonica von Port
Famine.
Signoret (Annales soc. entomol. VIII. p. 955 ff.) Monanthia
nigriceps, flavipes^ Tingis unicolor, Mezira sulcicornis, rugosa, cras-
sicornis, Aneurus tenuicornis, bilobus, Epidodera annulipes und alter-
nata als n. A. von Madagascar.
Einzelne neue Arten sind ferner: Aradus pictus v. Baeren-
sprung (Berl. Ent. Zeitschr. III. p. 338) aus Griechenland, Cr»mja
nigra Dohrn (Entom. Zeitung 1860. p. 406) von Ceylon und Ara^
dus dichroa (sie!) Alontrouzier (Annales soc. Linneenne de Lyon V.
p. 256) aus Neu-Caledouicn.
538 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
RedUVini. Stäl, Monographie der Gattung Conorhinus und
Verwandten (Berl. Entom. Zeitschr. III. p. 99— 117). Die auf Kosten
der früheren Gattung Conorhinus vom Verf. aufgestellten Gattungen
sind folgende: 1) Beiminus n. g. Kopf bei den Augen leicht auf-
getrieben, Fühlerhöcker etwas weiter von den Augen als von der
Kopfspitze entfernt; keine Ocellen, Fühler etwas länger als der Kopf,
1. Glied des Rüssels länger als das zweite, Schildchen beiderseits an
der Basis mit kegelförmigem Höcker, Beine kurz, mit etwas verdickten
Schenkeln. — Art: P. rugnlosus Columbien. — 2) Eratyrns n. g.
Fühlerhöcker weit von den Augen entfernt, zweites Rüsselglied etwas
kurzes als das erste, Ocellen vorhanden; Fühler fast von halber
Körperlänge, Thorax auf dem Vorderlappen mit zwei Höckern oder
Dornen, Schildchen an der Spitze lang gedornt, Beine schlank. —
Arten : E. mucronatus Demerary und cuspidatus Columbien. — '6) Rh od-
nius n. g. Kopf cylindrisch, erstes und zweites Rüsselglied gleich
lang, Fühler nahe der Kopfspitze entspringend , kaum doppelt so
lang als der Kopf; Ocellen vorhanden, Thorax nicht eingeschnürt.
Schildchen eingedrückt. — Arten: Rh. prolixus La Guayra und na-
sutus Siarä. — 4) Meccus n. g., auf Con. phyllosoma Burm. be-
gründet. — 5) Conorhinus Lap. mit 14 Arten, worunter 10 neu. —
6) Lantus n. g., für Con. megistus Burm.; 2 bekannte Arten.
Derselbe (ebenda p. 328) gab eine neue Anordnung der Re-
duvinen-Gruppen, deren Zahl er auf 13 feststellt.
Derselbe (Öfvers. Vetensk. Akad. Förhandl. XV. p. 442 ff.)
beschrieb: Peirates flavopustulatus Old-Calabar, Pachijnomus aluta-
ceus Tranquebar, Santosian.g. (zwischen Ectrichodia und Pothca
die Mitte hallend) maculata und simillima Old-Calabar, Hammacenis
cinctipes Columbien, Chilensis, Cerilocus Nero Old-Calebar, Dohrnii
Mossambique, Äcanthaspis histillata Ceylon, dilutipes Old-Calabar,
Plynus maculicollis und Petalocheirus nigro-pustulatus Old-Calabar,
brachialis Ceylon, Apiomerus bicoloripes Surinam, Isyndus n. g.,
für Zelus heros Fab., Margasus n. g., für Pristesanchus Afzelii Stal,
Domnus n. g. (mit Ilarpaclor verwandt) ßavoniger Old-Calabar,
Harpactor bituherculatus, speclandus, coMs/jersw5 Old-Calabar, Casio-
lus n. g. (mit Harpactor verwandt) plagiaticollis Mexiko, Darbanus
rugulosissimus 0\d-CüUhar, Pisilus n. g. für Zclus marginalis Paus.,
Oncocephalus Calabarensis und Polididus n. g. (mit Zelus ver-
wandt) spinosissimus Old-Calabar. — Ebenda p. 248: Harpago-
chares n. g., „mit Stenopoda verwandt, aber eine sehr verschiedene
Gattung. '' — Art: H. spinuliceps Sierra Leona.
Derselbe (ebenda p. 247) „Nabides, eu ny grupp bland Re-
duvites" charakterisirt die von ihm abgegränzte neue Gruppe der
JSabiden, zu welcher er Kabis, Pachynomus, Proslemma und Phor-
licus n. g. rechnet.
im Gebiete der Entomologie \\äiircnd der Jahre 1859 u. GO. 539
Derselbe (üfvers. Vetensk. Akad. Förhandl. XV. p. 318) be-
schrieb Peirates Ingnbris, ReJuvivs fusciceps, Holotrichius abscuri-
collis, Harpactor albonolalus und Euagoras acjalhidioidcs als n. A.
aus Süd-Afiika.
Derselbe (Fregatten Eugenies resa p. 260) beschrieb Aaijs
Faminei n. A. aus Palagonien, Tagalica und nitidula von iManila,
Harpactor capicola vom Cap, Harpactor Tagalicus, Saica fuscoviltata,
Zelus rapax und Sinea horrida von iManila, Decius (nov. gen.,
neben Tribelocephalus zu steilen), fürCimbus? terreus Stal enichtet',
Oncocephalus dilutus von iManila, Salda luctuosa von S. Francisco.
Derselbe (Vetensk. Akad. Handl. II. p. 68) beschrieb fol-
gende neue Arten von Rio-Janeiro: Elasmodema nov. gen., gleich-
sam die Araditen mit den Reduvinen verknüpfend, mit Isodermus Er.
verwandt; unterschieden durch die Fühler, welche um die Hälfte
kürzer als der Körper, deren ßasalglied sehr kurz und dick und de-
ren Endglieder capillar sind, ferner durch deutliche, mit diei Adern
versehene Membran der Deckflügel. — Art: E. Erichsonii. — Ra-
sahus picicornis. — Fkorticus (nov. gen., mit Prostemma ver-
wandt) viduus und obscuriceps, Prostemma pallidiceps, ^abis villosi-
pes und roripes, Spiniger tibialis, truculentus, nigrospinosus, obsciiri-
cornis, amiulifer, trisiillatus und jlavofascialus, Opinus pijrrhopterus,
Ectrichodia rubrovenosa, alboannulata und spurca,, Apiomerus nigri-
collis, guttatovenosus, circummaculatus und geniculatus, nigripes und
rnfipes, Harpactor nigroannulatus , Euagoras prolixus , modestus,
plebejus, Diplodus conjunge7is, obscuridorsis und subfasciatns. — U y-
gromystes nov. gen., von sehr verlängertem, gleich breitem Körper,
mit verlängertem Basalgliede des Rüssels, Fühlern von mehr als Kör-
perlänge, deren erstes Glied länger als Kopf und Thorax zusammen-
genommen ist. -Art: H. lautus. - Tagalis (nov. gen., mit Saica
verwandt) inornata, Hiranetis flavidata, gastrica, ftiscoapicala, hae-
matogastra, ornaticeps, spissicornis, subannulata, simulans, Zelus ob-
scuripes, anticus, macer, longus, pilicornis, Sahlbergi, Heza multian-
nulata, Sinea granuligera. — Nalata nov. gen., würde nach der
Amyot-Ser vi 11 eschen Anordnung in die Nähe von Stenopoda zu
bringen sein, stimmt jedoch mit den Spongipeden in allen Charakte-
ren und auch im Habitus überein, nur dass ihr die schwammige Grube
an den Schienen fehlt. — Arten: iV. aspera, fuscipennis, plebeja und
fuscicollis. — Bactrodes nov. gen., mit Ploiaria verwandt, aber
durch die Anwesenheit der Ocelleu, den vorn fast kugligcn, hinler
den Augen leicht zusammengeschnürten Kopf, den am Vorderende
unterseils hervorgezogenen Ihorax und vollständige, ganz häutige
Decküügel unterschieden. - Art: B. biannulalus. ~ Malacopus
nov. gen., von Ploiaria gleichfalls durch die Ucellen, durch längeren
Thorax und das mit einem anfgc ichltlt n Doni ^cisehene Schildchen
540 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
abweichend. -— Art: M. cellularis. — Salda ventralis, Enicocephalus
sptirculus und rhyparus.
Derselbe „Till kännedomen oni Reduvini" (Öfvers. Vctensk.
Akad.Förbandl.XVI. p. 175-204 und p. 363— 386) machte zahlreiche
neue Gattungen und Arten dieser Familie aus verschiedenen Ländern
bekannt. Zur Gruppe Ectrichodides rechnet der Verf. 14 Gattungen:
1) Zirta nov.gen., auf Reduv. hirticornis Fab. begründet. 2) Ectri-
chodia Lepel. Neue Arten : E. antennalis von Cap Palmas, distin-
guenda von Sierra Leone, tarsalis aus dem Caffernlande und Linnei
von Ceylon. 3) Nularda nov. gen., von der vorigen Gattung durch
kaum verdickte Vorderschenkel und den hinter den Augen allmählich
halsförmig verengten Kopf unterschieden. — Art: N. nobilitata vom
Senegel. 4) Centraspis Schaum. 5) Mindarus nov. gen., auf
Ectrichotes discus Burm. begründet; neue Arten: M. trux, fraternus
und circumductus aus Brasilien, notalus aus Caraccas. 6) Mendis
nov. gen., für M. semirufus Slal und M. fuscipennis n. A. von Java.
7) Rhiginia nov.gen. für Red. lateralis Lepel. 8) Daraxa nov.
gen., von der vorigen Gattung dadurch unterschieden, dass das End-
glied der Tarsen länger als das zweite ist. — Arten: D. basalis aus
Surinam, geniculata aus Brasilien und nigripes von Montevideo. 9)
Cleptria Slä! ; neue Art: C. luteipes vom Cap. 10) Scadra nov.
gen., fürPhysorhynchus lanius Stal errichtet; neue Arten: Sc. rnfidens
von Manila und fuscicrus von Ceylon. 11) Larymna nov. gen.,
für Reduv. pilicornis Fab., haematogaster Burm. u. a. errichtet. 12)
Santosia Stnl. 13) Pothea Am. 5erv. mit P. venosa n. A. aus Brasi-
lien. 14) CimbusHahn. — Die bis jetzt zu Acanthaspis und Opinus
gerechneten Arten vertheilt Verf. unter folgende Gattungen: 1) Tia-
rodes Burm. mit T. nigrirostris n. A. von Java. 2) Thymbreus
nov. gen., für Opinus pyrrhopterus Stal. 3) Opinus Lap. 4) Smin-
thus nov. gen., für Opinus pictus Lap., inconspicuus Herr.-Sch. u.a.
5) Letiaeus nov. gen., mit Opinus verwandt; L. Pyrrhus n. A. von
Ceylon. 6) Cerilocus Släl, mit C. inermipes n. A. von Guinea und
alboplagiatus von Manila. 7) Platymeris Am. Serv. mit PL guttati-
pennis n. A. aus dem Caffernlande. 8) Acanthaspis Am. Serv., neue
Arten: A. angularis von Ceylon, cincticrus aus Ostindien, vidua von
Sierra Leone, vittipennis und bisbisignata aus dem Caffernlande. Die
beiden letzten sollen eine neue Gattung Edocla bilden. 9) Jtfar-
dania nov. gen., für Acanth. ornata Thunb. und lythrodes Germ.;
neue Arten: M. sellata und uncinala vom Cap. 10) Inara nov.
gen., von Acanthaspis durch den allmählich in einen Hals überge-
henden und vor den kugligen Augen plötzlich abwärts gebogenen
Kopf, die mit einem Zahne bewaffneten Seitenwinkel des Thorax
und einen aufgerichteten Dorn des Schildchens unterschieden. —
Ml' /. fiatopicta von Pulo Feuang. 11) Pasira nov. gen., zwi-
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 541
sehen Opsicoetus und Acanthaspis in der Mitte stehend ; P. basiptera
n. A. von Cypern. 12) Opsicoetus Klug. — Zur Gruppe Salyavatides
Am. Serv. gehören drei Gattungen: 1) Salyavala Am. Serv. 2) Peta-
locheirus Pal., mit P. Malayus n. A. von Pulo Penang. 3) Lisarda
nov. gen. , von der vorhergenden Gattung durch nicht erweiterte
Vorderschienen abweichend ; L. rhypara n. A. von Pulo Penang und
spurca von Manila. — Um Darbanus Am. Serv. (mit D. fuscispinus n.
A. aus Ceylon) gruppiren sich folgende Asiatische Gattungen : 1)
Astinus nov. gen., für Ploeogaster 3I-album Am. Serv. und PI. n»o-
destus Stul errichtet. 2) E pi d au s nov, gen., für Zelus transversus
Burm. und maculiger n. A. von 31anila. 3) Endo chus nov. gen.,
mit E- nigricornis von Java und albomaculatus von Ceylon. 4)
AI cm e na nov. gen. mit A. angusta n. A. von Ceylon. — Die die-
sen Gattungen entsprechenden Amerikanischen Formen, welche an
den Seiten des Mesosternum nahe am Prosternum mit einem schwa-
chen Höcker oder einer kurzen Falte versehen sind, sind folgende:
1) Prionotus Lap. mit F. depressieollis n. A. aus Mexiko. 2) Sthienera
Spin, mit S. distinguenda n. A. aus Brasilien. 3) Montina Am. Serv.
mit M. lohata und nigripes n. A. von Bahia und scutellaris von Costa
Rica. 4) Ploeogaster Am. Serv. mit PI. testaceus, confusus und di-
stinctus n. A. aus Brasilien. 5) Aricosus Stäl mit A. curvipes und
socius n. A. aus Brasilien, cliens (? Zelus elevatus Fab.) aus Surinam.
6) Heza Am. Serv. mit H. insignis n. A. aus Brasilien, similis aus
Columbien, pulchripes von Portorico, sericans von Rio-Janeiro und
oculafa von Cametä. — Zur Gruppe von Yolinus, Eulyes und Syca-
nus kommt Phemius nov. gen. hinzu, von Sycanus durch unbe-
wehrles Schildchen und etwas verdickte Vorderschenkel unterschie-
den. — Art: Ph. luherculifer von Manila. Pantoleistes dux n. A.
von Cap Palmas. — Neue Arten von Reduvius sind: R. frater, con-
vivus und semirufus von Manila, ricinus von Celebes und Bintam,
loratus von Guinea, carmelita von Sierra Leone, imperialis von Cap
Palmas, vittiventris von Sierra Leone, interruplus aus dem CalTern-
lande, leucospilus aus Sibirien, laleritins vom Senegal und piclipes
von den Sunda-Inseln. — p. 363: „Australiens Reduvider" sechs Gal-
tungen unterschieden: 1) Reduvius Fab. mit R. formosus, gratiosus
und aspericollis n. A. 2) Harinthus nov. gen., für Harpactor
pentatoma Herr.-Sch. und longiceps n. A. 3) Saxitius nov. gen.,
Reduvius ähnlich, mit S. generosus n. A. 4) Pnirsus nov. gen.,
mit Endochns verwandt, Pn. notaticollis n. A. 5) Gminatus nov.
gen., für Arilus auslralis Er., Wallengrcni und lictor n. A. 6) JS y l -
lius nov. gen., von Dicrotelus durch rauhen Körper, zusammenge-
schnürten Thorax und vollständige Deckdügel unterschieden; Art:
N. asperatus. — p. 366 ff. „Amerikas Reduvider" zwölf Gattungen
unterschieden: 1) Ricolla nov. gen. (Typus R. quadrispinosa Lin.);
542 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
neue Arten: R. pallidinervis aus Caraccas, simillima aus Mexiko. 2)
Do Uli na nov. gen. mit D. carinulata aus Brasilien. 3) Phoro-
bura nov. gen. (für Zelus crassicornis Burm.) mit P, ignobilis n. A.
von Pernambuco und rustica aus Brasilien. 4) Corcia nov. gen.,
C. columhica und capitata n. A. aus Neu -Granada. 5) Repipta
nov. gen. (für Zelus lineatus und flavicans Am. Serv., coccineus Herr.-
Sch.) mit R. fnscospinosa und ftiscomarginata n. A. aus Brasilien.
6) Pirnonot a nov. gen. mit P. convexicolUs von Rio -Janeiro. 7)
Myocoris Burm. 8) Rocco not a nov. gen. mit ß. sextuberculata aus
Brasilien und sexdenlata aus Columbien. 9) Fitchia nov. gen.,
Art: F. aptera aus Nord-Amerika. 10) Iliranetis Spin. l'[)Spinda
nov. o-en. , für Hiranetis spissicornis Stäl. 12) Notocyrtus Burm. — Neue
Arten : A^ tripus von Camelä , Iriareatus aus Surinam, camelus von
Cametä, cinctiventris aus Brasilien, ßavolineatus und puhinalus von
Farä, consimilis aus ßolivia und fungosus von Bahia. — p. 374 ff.
„Nya slägten och arter bland Beduvini" : 1) Cutocoris nov. gen.
(für Myocoris gilvus Burm.) mit C. melanopus n. A. von Java. 2)
Nagusta nov. gen. mit Rocconota verwandt, JV. rugulosa n. A. von
Brussa. 3) Vachiria nov. gen. mit V. Natolica n. A. aus Nato-
lien. 4) Debilia nov. gen., mit Alcmena verwandt, D. fusciventris
n. A. aus Brasilien? — Polididus armatissimus von Ceylon und Pri-
sthesancus Zeiter sledii n. A. aus Ostindien. 5) Peprius nov. gen.,
Harpactor nodulipes Sign. — Acanlhiscium dimidiatum (Stoll. lig. 216)
aus Surinam, Ectinoderus quadripunctatus n. A. von den Philippinen.
G) Gorpis nov. gen., mit Nabis verwandt, G. cribraticollis n. A.
von Ceylon. 7) Thodelmus nov. gen., mit Canthesancus verwandt,
für Stenopoda lateralis Germ, und Falleni n. A. von Ceylon. —
p. 378 ff. „Om Pygolampis och närstaende slägten," vier Gattungen
unterschieden: 1) Pygolampis Germ. — Neue Arten: P. prolixa aus
Südrussland, foeda aus Ceylon, spurca aus Surinam, fuscipennis und
sericea aus Nord - Amerika. 2) Gnathobleda nov. gen., mit G.
fraudnlenta n. A. aus Surinam. 3) Harpagochares Släl, mit H. con-
color n. A. von Manila und Baerensprungi aus Sicilien. 4) Pniron-
tis nov. gen. (wozu Gerris serripes Fab. gehört) mit Pn. scutellaris,
labida und pallescens n. A. aus Brasilien, languida und infirma aus
Carolina. — p. 383 ff. „Om Stenopoda och närstaende amerikanska
slägten," sechs Gattungen unterschieden: 1) Diaditus nov. gen.,
mit D. semicoloH von Montevideo. 2) Stenopoda Lap., mit St. cana
(cinerea Herr.-Sch. nee Lap.) aus Brasilien und subinermis n. A. aus
Columbien. 3) Pnohirmus nov. gen., mit P. violentus von Rio-
Janeiro. 4) JSarvesns nov. gen., mit JV. Carolinensis n. A. aus
Carolina. 5) ISitornns nov. gen., mit N. lobulatus n. A. von Per-
nambuco. 6) Podormus nov. gen., mit P. granulafus n. A. aus
Brasilien,
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. CO. 543
Derselbe charakterisirte in seiner Synopsis specienim Spini-
geri generis" (Entom. Zeitung 1859. p. 395-404) die 29 ihm bekannt
gewordenen Arten der Gattung Spiniger Burm. durch lateinische
Diagnosen und theilt dieselben in zuöU' Gruppen, für welche beson-
ders Merkmale in der Bildung des Kopfes, des Thorax und Schildchen
und in der Bewaffnung der Schenkel benutzt werden; drei dem Verf.
unbekannt gebliebene Arten werden im Anhange erwähnt. — Die
Gattung Macrops Am. Serv. ist nach S t fi 1 nicht mit Cethera, sondern
mit Spiniger zunächst verwandt; auf Platymeris formicarius Herr.-
Sch., myrn.ecodes Herr.-Sch. und Acanthaspis ochropus Stal gründe
Verf. eine neue Gattung Leogorrus, welche gleichfalls mit Spini-
ger nahe verwandt ist und deren Charaktere er feststellt.
Signoret (Annal. soc. entom. Vill. p. 960 ff.) machte folgende
neue Gattungen und Arten von Madagascar bekannt: Rasalms ßavi-
ceps, Telroxia femoralis, Cleptria larsalis, Cethera diadema, P/iono-
ctonvs grandis, Diaspidius dilatatus , Montina nodosipes , Sycanus
harpactoides , Helenotus fasciatus, Harpaclor sulcicollis, subßaviceps,
Madagascariensis, Darbanus insipidus. — Hammatoscelis n. g.]
mit Darbanus nahe verwandt. Körper langgestreckt, oft linear, Hin-
terleib breiter als die Deckflügel, erstes Fühlerglied mit knote'nartig
verdickter Spitze, Schenkel alle mit drei knotenförmigen AnschweU
lungen, Prothorax hinten auf der Scheibe mit zwei Dornen. — Art:
H. annulipes, L. 11 Mill. — Leptogaster n. g. , sehr nahe mit
Zelus verwandt, jedoch durch winklig erweiterten Hinterleib, zwei
starke Dornen jederseits am Kopfe über den Fühlern, unbewehrles
Schildchen und dornförmig ausgezogene Schulterwinkel des Prothorax
unterschieden. - Art: L. flavipes, L. 12 JVlill. - Co7iorhinus Stalii,
Lophocephala vicina, Sastrapada incerta.
A. Dohrn hat unter dem Titel: „Beiträge zu einer monogra-
phischen Bearbeitung der Familie der Emesina" (Ljnnaea entom. XIV.
p. 206— 255. Jaf. 1) die mit Emesa zunächst verwandten Formen einer
sorgsamen Charakteristik unterworfen. Verf. sieht als die Haupt-
merkmale der von ihm als Familie bezeichneten Gruppe neben dem
linearen Körper den Mangel der Ocellen und die eigenlhümliche
Einlenkung der meist zu Raubarmen umgestalteten Vorderbeine an der
Spitze des Prothorax an. Nachdem er die Modifikationen, denen die
einzelnen Skelettheile je nach den Gattungen unterworfen sind, er-
örtert und einige Notizen über Verbreitung und Lebensweise' der
Arten gegeben hat, analysirt er die Charaktere der 12 Gattungen,
von denen 7 hier zuerst aufgestellt sind, in einer Tabelle. Es sind
folgende: 1) Gardena n. g. Tarsen dreigliedrig mit einzelner
Klaue, Flügel fehlend oder nur die Hälfte des Hinterleibes bedeckend.
1 Art von Ceylon. 2) Emesa Fab. 12 A. (davon 9 neu) beschrieben',
7 unbekannte ausserdem aufgeführt. 3) Ghilianella Spin. 4 A. (2 neu).
544 (ierstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
4) Eines ella n. g., von den beiden vorhergehenden, mit denen sie
in der Bildung der Tarsen und den cylindrischen Vorderschenkeln
übereinstimmt, durch kürzeren und kräftigeren Körper und dadurch,
dass die Vorderschenkel nur an der Basis ungezähnt sind , unter-
schieden. 1 Art aus Bolivia. 5) Luteva n. g. Flügel länger oder
ebenso lang als der Hinterleib, die vorderen hyalin, braun gewölkt.
3 Arten von Celebes und aus Süd-Amerika. 5) Leist arches n. g.,
von der vorigen Gattung durch nicht hyaline Flügel abweichend ;
Trochanteren der Vorderbeine nicht gedornt, sondern nur behaart.
1 Art aus Keu-Holland. 7) Tinna n. g., von Leistarches durch sehr
grossen Dorn an den Trochanteren der Vorderbeine unterschieden ;
Vorderschenkel an der Basis geschwungen. 1 A. (Emesa gracilis Stal).
8) Emesodema Spin. 2 A. (1 neu). 9) Orthunga n. g., für Emesa
Wahlbergi Stal. 10) Stenolemus Sign. 2 A. (1 neue nur diagnosti-
cirl). 1]) Westermannia n. g., von Stenolemus durch nicht aus-
gebuchtele Vorderflügel unterschieden. 3 neue Arten, nur diagnosti-
cirt. — Auf der beifolgenden, vom Verf. selbst gezeichneten Tafel
sind drei Gattungsrepräsentanten dargestellt, die übrigen Gattungen
durch Abbildung der charakteristischen Körpertheile erläutert.
Derselbe „Beitrag zur Kenntniss der Harpactoridae" (Entom,
Zeitung 1859. p. 91 — 99). — Verf. behandelt die in naher Verwandt-
schaft zu einander stehenden Gattungen Eulyes Am. Serv., Yolinus
Am. Serv. und Sycanus Am. Serv., stellt ihre Charaktere näher fest
und beschreibt als n. A. : Eulyes pretiosa von Java und melanoptera
von Manila, Yolinus Glagowiae von Celebes, Sycanus Stalii, fulvi-
cornis und marginiventris von Manila, versicolor aus Bengalen, cro-
ceovitlatus und fuscirostris aus China, reclinatus von Ceylon und
annulicornis von Java. — Im Eingange theilt der Verf. auch seine
von Amyot und Serville abweichenden Ansichten über die Ab-
gränzung der Harpactoriden-Gruppen kurz mit.
Derselbe (ebenda 1860. p. 400 (F.) beschrieb Sinea hoplites,
peltastes, Reduvius nigroruber, sordidipennis, Acanthaspis fusconigra,
Rasahus Cumingii, Peirales bigultatus, Singalensis und fuscicornis
als n. A. von Ceylon.
Prostemma collare Mink (Entom. Zeitung 1859. p. 429) n. A.
von Ahrweiler , Prostemma trimacula Stein (Berl. Ent. Zeitschr. IV.
p. 76) n. A. von Oaxaca und Moritüi Stein n. A. von St. Jean.
Harpactor nodipes Uhler (Proceed. acad. nat. scienc. of Phi-
ladelphia 1860. p. 230) n. A. aus Japan.
Fieber, „Die Europäischen Arten der Gattung Salda Fab."
(Wien. Entom. Monatsschr, III. p. 230 ff.). — Verf. macht auf die
auch den männlichen Heteropteren zukommenden Cerci (analog de-
nen der Orthopteren) aufmerksam und liefert eine analytische Tabelle
der 22 ihm bekannten Europäischen Salda -Arten; sechs darunter
ori^ im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 545
befindliche neue sind: S. eburnea, xanthochila, orthochila, C-album,
melanoscela und hrachynota benannt.
PlOterOS. Släl (Fregatten Eugenies resa p. 264 f.) beschrieb
Halohates lituratus aus China, Gerris orba aus Californien , discolor
(Hydroni. fossarum Fab.?) von Manila, Franciscana aus Californien und
farvula aus China als n. A.
Derselbe (Vetensk. Akad. Handl. II. p.82) Velia brachialis
als n. A. von Rio-Janeiro und (Ofvers. Vetensk. Akad. Förhandl. XY.
p. 318) Gerris Swakopensis als n. A. aus Süd-Afrika.
A. Dohrn (Entom. Zeitung 1860. p. 408) Halobates StTilii und
Gerris Adelaidis als n. A. von Ceylon.
Uhler (Proceed. acad. nat. scienc. of Philadelphia XV. p. 230)
Ptilomera tigrina als n. A. aus China.
Galgulini. Mononyx fuscoconspersus Stil (Vetensk. Akad. Hand-
ling. II. p. 82) n. A. von Rio-Janeiro.
Nepini. Signoret (Annales soc. entom. VIII. p. 969 ff.) stellte
eine neue Gattung Macrocoris auf, welche von Naucoris durch
gewölbteren Körper, dessen Mittellinie stark hervortritt, durch stark
entwickelte, herzförmige Vorderschenkel, kleineren Kopf, breiteren
und gewölbteren Prothorax u. s. w. abweicht. — Art : M. flavicollis,
10 Mill. von Madagascar. Neue Arten ebendaher sind ferner : Rana-
tra parvipesj Naucoris humeralis und parvulus.
Stal (Fregatten Eugenies resa p. 266 f.) beschrieb Naucoris
scutellaris als n. A. von Java ; ferner (Vetensk. Akad. Handl. II. p. 83)
Naucoris binolulatus, Zaitha plebeja und tnicantula als n. A. von
Rio-Janeiro. — Limnocoris nov. gen., von Naucoris durch den
breiten, beiderseits erweiterten Thorax, der mit seinen stark hervor-
tretenden Vorderecken den Kopf ganz einschliesst, unterschieden. —
Art : L. insignis von Rio-Janeiro.
D 0 h rn (Entom, Zeitung 1860. p. 409) Nepa flavovenosa und /?a-
natra sordidula n. A. von Ceylon.
^^ Notonectidae. P. Red fem, On the method of production of
Sound by a species of Kotonecta (Report of the 29. meet. of the
ßrit. assoc. for advanc. of science, Transact. p. 173). — Verf. beob-
achtete an einer in einem Aquarium lebenden Notonecta, dass dieselbe
durch Reiben der Vorderbeine gegeneinander einen zirpenden Ton
hervorbrachte; derselbe wurde bei Tage nur vereinzelt, Abends zwi-
schen neun und elf Uhr dagegen anhaltend gehört.
Stal (Fregatten Eugenies resa p. 266 f.) beschrieb Anisops au-
stralis n. A. von Neu - Holland, Enithares Sinica aus China, Helo-
trephes nov. gen., mit Plea verwandt, durch breileren und viel
höheren Körper, grösseres Schildchen, den Mangel des Clavus und
kleinere Augen unterschieden. — Art: Hei. semiglobosus aus China.
Arch. für Naturg. XXVII. Jahrg. 2. Bd. Kk
546 Gcrslaeckcr: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
— Plea sohrina von Manila, Corixa Wallengreni aus Californien,
Sigara fuscala von Montevideo, Nychia nov. gen., mit Sigara ver-
wandt, durch den über den Thorax fortgezogenen Kopf, die schmale,
gleich breite Stirn, die grossen, an der Basis zusanimenstossenden
Augen, die fast hyalinen Deckflügel, denen der Clavus und die Mem-
bran fehlt, so wie durch die sehr langen Hinterbeine unterschieden.
— Art: N. limpida aus China.
Derselbe (Öfvers. Vetensk. Akad. Förhandl. XV. p. 319) St-
gara sculellaris als n. A. aus Süd-Afrika.
Signoret (Annales soc. entom. VIII. p. 971 f.) Sigara sulcataj
Enithara blandula und Anisops vitreus als n. A. von Madagascar.
Bothronotus biimpressus Uhler (Proceed. acad. nat. scienc. of
Philadelphia 1860. p. 231) n. A. von Hongkong.
Stridulantia. Eversmann, „Cicadae Volgo-Uralenses oder
die in den Gegenden östlich von der Wolga und dem Uralflusse, süd-
lich bis zum Uralsee und dem Sir-Darja bis jetzt beobachteten Sing-
zirpen« (Bullet, d. natur. de Moscou 1859. I. p. 147—151. Taf. I).
Verf. führt zehn Cicaden-Arten als in dem bezeichneten Gebiete ein-
heimisch auf, unter denen er eine als neu ansieht und unter dem
Namen C. alheola beschreibt. Abbildung auf Taf. I.
Eine neue Gattung H eni c o t et tix Stal (Öfvers. Vetensk.
Akad. Förhandl. XV. p. 320) zeichnet sich durch eine eigenthümliche
Bildung der Vorderschienen aus; dieselben sind innen an der Spitze
mit einem kleinen Dorn bewehrt, die Spitze selbst aber ausserhalb
dornartig ausgezogen, so dass die Tarsen vor derselben zu entspringen
scheinen. — Art: H. Hageni vom Swakop. — Platypleura laticlatia
n. A. ebendaher.
Derselbe (Fregatten Eugenies resa p. 269) beschrieb Cicada
angularis und flexicosia als n. A. von Sidney.
Platypleura guttulata, Cicada aperta, Guerinii, punctipes und
maculigena Signoret (Annales soc. ent. VIII. p. 178 f. pl. 4) n. A.
von Madagascar.
Fulgorina. Signoret (Annal. soc. entomol. VIII. p. 183 ff.
pl. 4u. 5) machte eine grössere Reihe Madagascarischer Arten dieser
Familie bekannt, von denen mehrere zugleich neue Gattungen bil-
den: Pyrops Madagascariensis j Dictyophora unicolor^ C o nchy o -
ptera n. g., mit Scolops nahe verwandt ; Kopf spitz dreieckig, hinten
stark ausgerandet , auf Scheitel und Stirn mit einzelnem Mittelkiel,
Augen oval, Fühler nahe an der Thoraxnaht entspringend, mit kur-
zem ersten und langem, cylindrischen zweiten Gliede. Ocellen feh-
lend, Prothorax dreikielig, vorn stark gewölbt, hinten tief ausgerandet;
Deckflügel lederaitig, mit starken Längsrippen. — Art: C. unicolorf
L. 7 Mill. — Tropidocephala brunnipennis, Cixius centralis; Triopsis
nov. gen. , aus der Derbiden-Gruppe, mit Otiocerus nahe verwandt,
im Gebiete der Entomologie wahrend der Jahre 1859 u. 60. 547
aber mit drei Ocellen; Stirn und Scheitel auf eine Furche reducirt,
die zwischen den sehr ausgedehnten Backen übrig bleibt; Augen
schräg, unten ausgebuchtet, zweites Fühlerglied viermal so gross als
das sehr kurze erste, das mittlere Stirnauge oberhalb des Clypeus-
Kieles gelegen. — Art: Tr. fasciata, L. 9 Mill. — Trienopa nov.
gen., zur Issiden-Gruppe gehörig ; Kopf vorn gerade abgestutzt, Stirn
langgezogen, durch zwei gebogene Leisten, welche eine Ellipse
bilden, in drei Felder getheilt, Kopfschild einkielig ; zweites Fühler-
glied birnförmig, Prothorax schmal, vorn gerundet. Schildchen zwei-
kielig, erster Costalnerv der Deckflügel mit zahlreichen Verästelungen.
— Art: Tr. flavida, L. 8 Mill. — Pochazia biperforata, tiigropunctata,
5-costatus (sie!), tibialis, oculata und flavescens. — D er aulax n. g.,
von Pochazia durch rinnenartig gefurchten Prothorax und durch die
sehr erweiterten und einen flachen Rand bildenden Leisten zwischen
Stirn und Backen unterschieden. — Art: D. versicolor, L. 6 Mill. —
Pocharica n. g., von Ricania und Pochazia durch die Deckflügel
unterschieden, welche mehr oder weniger undurchsichtig, gerade
abgeschnitten und mehr oder weniger an den Ecken abgerundet sind;
Längsadern mehr oder weniger unter einander anastomosirend. —
Art: P. ocellata, L. 9 Mill. — Pochazoides n. g., von der vori-
gen Gattung durch verschieden geformte und geäderte Deckflügel
unterschieden; der Vorderrand derselben ist stärker verlängert und
daher der Aussenrand schräger, die Fläche ist durchsichtig und die
Längsadern anastomosiren unter einander. — Zwei Arten : P. macu-
latus und vicinus, L. 13 und 12 Mill. — Ricania punctifrons. —
Exphora (!) n. g,, von Ricania durch quadratischen Kopf, dessen
Scheitel so lang als breit, die Stirn aber doppelt so lang als breit
ist, unterschieden; Hinterleib jederseits mit zwei lamellösen Erwei-
terungen. — Art: E. Guerinii, L. 6 Mill. — Riancia n. g. Von
der vorigen Gattung durch den Mangel seitlicher Erweiterungen des
Hinterleibes und durch die Länge des Rüssels, der fast die Spitze
des Abdomen erreicht, unterschieden. — Art: R, longirostrum (sie!),
L. 16 Mill. — Flatoides vicinus, cicatricosus, hyalinipennis, ebtirneus
und sinuatus, Ellidiplera Madagascariensisj Nephesa antica und su-
turalis, Flata rubra^ Phyllyphanta nivea, Hiracia Coquerelii und
Acrometopus punctipes.
Stäl, „Novae quaedam Fulgorinorum formac spcciesque insi-
gniores" (Berl. Entom. Zeilschr. III. p. 313 ff.) beschrieb eine grössere
Anzahl neuer Arten dieser Familie, dem hiesigen Museum angehörig,
für die er fast ebenso viele neue Gattungen aufstellte: Enchophora
obtusiceps Brasilien, Glagovia n. g., mit Omalocephala verwandt,
von dieser durch den stumpf abgerundeten Kopf, der etwas sciniialer
als das Halsschild ist, und kurzen, parallelen Scheitel unterschieden.
— Art: G. bella Zanzibar. — Omalocephala cavinifvons Caflernland,
548 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Dilohura verrucosa, tosta, conspurcata und atroannulata aus Brasilien
und Surina?n , Cyrene foliacea Bintang , Pseudophana validicornis
Andalusien, Tambinin n. g., aus der Verwandtschaft von iMonopsis,
mit drei Arten aus Ceylon, Tan(jia n. g., für Mönopsiü viridis Walk.,
mit drei Arten aus Westindien, Ladella n. g., für Monopsis pallida
W^alk., G astrinia n. g., ebenfalls mit iMonopsis verwandt. — Art:
G. vaginala ^i\\\\?i. — JE/if/i/)<era Parnassia Griechenland, C hr oneb a
n. g. , von Elidiptera durch die Kopfbildung unterschieden; Kopf
zusammengedrückt, hervortretend, Scheitel lang und schmal, mit
blattartig erhabenem Mittelkiel und Seitenrande, von der Stirn nicht
geschieden ; diese oben und unten schmal, in der Mitte erweitert,
mit scharfen Rändern und durchgehendem Mittelkiel. — Art: Chr,
pallifrons Ceylon. — Brixia subfasciata Ceylon, P t ol er ia n. g.
(mit Brixia verwandt) arcuigera Ceylon, Thionia n. g., von Colpo-
ptera durch dicken Körper, flaches und den Thorax kaum an Länge
übertreffendes Schildchen, so wie durch schwächer und unregelmäs-
siger geäderte Deckflügel unterschieden; für Issus longipennis Spin,
errichtet. — Pterilia n. g. , nächst Issus, mit einer Art von
Ceylon, Lusanda n. g. , neben Amphiscepa, durch vortretenden
Kopf mit querem Scheitel und kegelförmiger, an der Spitze gespal-
tener Stirn ausgezeichnet. — Art : L. fissiceps Ceylon. — Caliscelis
eximia Ceylon, Nubithia n. g., mit Hysteropterum verwandt, Art:
H. grisescens Brasilien, Bladina n. g. , neben Ricania, Art: Bl.
fuscovenosa Columbien, Stacota n. g., comptella Ceylon, Tarun-
dia n. g., für Ric. Servillei Spin., Scolxjpopa n. g. urbana Sidney,
No g odina n. g.y für Ric. reticulata Fab., Pyrillan.g., mit Lophops
verwandt, Art: L. protuberans Java, Otiocerus Schönherri Portorico,
Stobaera n. g., für Delphax concinna Stäl. — Eine für die sichere
Erkennung der meisten dieser Gattungen nölhige Tabelle, in welcher
ihre Beziehungen zu den bereits bekannten erörtert sind, hat der
Verf. nicht gegeben; da die meisten zugleich nur auf einzelne Arten
begründet sind, ist ihre Berechtigung sehr zweifelhaft.
Derselbe (Öfvers. Vetensk. Akad. Förhandl. XV. p. 448 ff.)
beschrieb: Hotinus guttifer Ceylon, Pyrops Dohrnii ebendaher, Erana
(Walker, Derbiden -Gattung neben Fatara) nigricornis Ceylon, Ge~
nestia (Rhotana Walk., Derbiden - Gattung neben Mysidia) vilriceps
Ceylon, Eurybrachis fraterna Ceylon, Nicidus n. g. (mit Eurybra-
chis verwandt) fusconebulosus Ceylon, Phalaenomorpha erosipennis
und Nietneri Ceylon, als n. A.
Ref. (dies. Archiv f. Naturgesch. XXVL p. 210— 244. Taf. 11
und 12) gab eine Uebersicht der bis jetzt bekannten Arten der Gat-
tung Poiocera Lap. , mit welcher Calyptoproctus Spin., als nur auf
einen sexuellen Charakter begründet, wieder vereinigt wird. Neben
einer synonymischen Erörterung der bereits bekannten Arten wird
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. GO. 549
eine Beschreibung von 15 neuen gegeben, mit deren Einschluss sich
die Z;ihl der Arten auf 50 stellt. — Bei Abfassung der Arbeit war
dem Ref. noch nicht W a 1 k e r's Supplement zum Homoptercn-Catalog
des British Museum bekannt, in welchem gleichfalls 14 neue Arten
aufgeführt werden. Von diesen ist nur Poiocera ficta möglicherweise
identisch mit P. punicea des Ref., alle übrigen Arten in beiden Ar-
beiten von einander verschieden. Von den W^al k er'schen Arten
wäre P. cephalotes noch näher auf P. lugubris Perty zu vergleichen;
von einer zweiten Art, P. constellata ist der Name als bereits verge-
ben zu ändern. (P. constellata Guer., welche Ref. mit P. basistella
Walk, vereinigt hat, ist eine davon verschiedene Art.)
T. Stal (Öfvers. Vetensk. Akad. Förhandl. XV. p. 319) charakteri-
sirte eine neue Gattung Duilius, welche mit Cixius verwandt, sich
durch die schmalen Deckflügel und die Kopfbildung unterscheidet.
Die Deckflügel sind viel länger als der Hinterleib und fast viermal so
lang als breit; der Kopf hat einen nach vorn verengten, in die Stirn
übergehenden Scheitel, eine dreieckige Stirn, die nur wenig länger als
breit ist und leicht erhabene Seitenränder zeigt und einen leicht ge-
wölbten, kaum gekielten Clypeus. — Art: D. tenuis vom Swakop.
— Delphax lautipes n. A. aus Süd-Afrika.
Derselbe (Fregatten Eugenies resa p. 270) beschrieb Pse?<-
dophana sohrina und fnscovittata von Manila, palrvelis von Malacca,
Eugeniae von Java, Achilus dilulus von Puna, Cixius Sanctae Hele-
iiae, Walkeri von Malacca und Manila, Bohemani aus China, Francis-
canus aus Galifornien , Sidnicus aus Neu -Holland und spurius von
Valparaiso. — Orgerius nov. gen., mit Strongylodemas zunächst
verwandt, durch den mit aufgebogenen Rändern und einem Mittel-
kiel versehenen Scheitel und durch die netzartig geäderten Deckflügel,
welche um die Hälfte kürzer als der Hinterleib und an der Spitze
abgestutzt sind, unterschieden. — Art: Org. rhyparus ans Galifornien.
— Risius nov. gen., von der vorigen Gattung durch breiteren Kopf,
kürzere und einkielige Stirn, so wie durch kürzere Vorderbeine ab-
weichend. — Art : R. spnrcus vom Cap. — Ugyops Kinbergi von der
Insel Puinipet, Livatis nov. gen., auf Delphax annulipes Stal von
der Insel Guam gegründet, Delphax patruelis von Buenos - Ayres,
maculigera von der Insel Mauritius, Drixia Mauritii (Delphax Bohe-
mani Stäl) ebendaher, Lamcnia nov. gen., für Delphax caliginea
Stal errichtet, Usus cartilagineus von Rio-Janeiro, Mxjclerodiis pro-
ducttis von den Galiapagos. ) — G amer gus nov. gen., eine eigen-
thümliche Issiden - Form mit stark zusammengedrücktem Körper und
kurzen, sichelförmigen, am Innenrande abgerundeten Deckflügeln,
welche nur die obere Hälfte des Hinterleibes bedecken. — Art: G.
holtentottiis vom Cap der guten Holfniing. — Itysleroptenim mode-
stum von Sidney, Dardus nov. gen., für Eurybrachis rufiventris Stil
550 Gerftaecker: Bericbl ober die wisseascbafUicben Lei»taogen
aai >eo-Holland errichtet, Flatyhrachys nov. gen., für Apbana
lanifera Släl ebeodaber. — Ricaniu ßohemani von der Insel Keeling,
e/ara roo Poiaipet, Monopsit tiridieans ans China, Phalaenomorpha
sinuatipennis von Rio-Janeiro, Poeciloptera tuhgranulata von Baerjos-
Ayre«. Poec.? granulicollis Yon Sidney, Phyllyphanla patruelis von
MaaiU.
Derselbe (Öfverf. Vetensk. Akad. Förbandl. XV. p. 356 ff.)
beaekrieb die langflüglige Form von Delphax collina, denticauda and
elegantula Bohem., so wie Delphax thoracica, Bohemani, albocarinata
and «/ramtnen aU d. A. aas Schweden.
Coqaerel 'AnDales soe. ent/jm. VII. p. 25^. pl. 6; beschrieb
Deriina Signoreti und Phenict bitiitata als n. A. von Madagascar
(Hajrotte;.
Chabrillac (Ballet, »oc. entom. 15159. p. 102; beobachtete ra
Bahia eine grössere Anzahl Fulgora latemaria mehrere Tage hin-
darek lebend, ohne ein Leacbten an ihnen zu bemerken; auch die
EimgekrutOf weichen das ]nM:kl wohl bekannt war, versicherten,
e« mvemaA» leuchten gesehen zu haoen.
MntkntiMi^ Eine neue Gattung Tolania Stal (Öfvers. Ve-
teask. Akad. Förhandl. XV. p. 24b) wird von Centrotus durch die
Bildung de« Thorax unterschieden; derselbe irt vom convex abschüs-
sig, auf dem Bücken beiderseits mit einem zusammengedrückten Hörn
bewaffnet and vor dem Schildchen abgestutzt oder \^ eit amgebuchtet.
— Art: T. temipellucida Minas Geraes. — Für Entylia longula ßurra.
errichtet der Verf. die neue Gattung Tyntlia, welche er neben
Fannula und Acatalij Fairau stellt.
Derselbe ^Fret^attea Eogenie» resa p. 283) beschneb C'ereia
aWido$parta als n. A. aus C'alifornien , na$uta von Taiti, caricorms
von Jlontevideo, Francücana aus Californien, ^ct<(a/n moetta von
Bio-Janeiro, CerUrolut antilope von Manila, Fairmairei, tohrinut,
crtusuluMf Malayvs und patrueli$ von Malacca und Java.
Signoret (Annales »oc. entom. VIII. p. 202) beschrieb C'en-
(ro«v» jwoapiimM» als n. A. von Madaga*car, Motschulsky (Etud.
entom. 1^50. p. 109) y^nomwi tuOerculalus und mucionicoUis als n. A.
von Ceylon-
CiCit^^IliftiU Eine neue Gattung ^coftemma Signoret
(AnnaL k»c. entom. VIIL p. 204. pl. 5. fig. lOj zeichnet sK.h durch
eine« lekr breiten , vom leicht gewinkelten Kopf aus , an dessen
fcbarfe« Rande die Ocellen gelegen »ind ; sonst mit Gypona und
Stenocol«« Oberein^timraend. — Arten: >4. martjiruilit und ririflipen-
rn», L. j.^ und 10 Hill., von Madagaucar. — >>«« Arten ebendahrr
sind femer: Tettigoma tcnUllala, hlaiuJula, hillota und hinaria, Sca-
ris truti§ und Acoceph^ilut Madagaicarien$i$, lihiruiulax Umhata und
calloiipenmt. Monetphora ticinaf hipunrta(a und dimidiata.
im Gebiete der Entomologie während der Jnhre 1S59 n. 60. 551
Stal (Öfvers. Veten<k. Akad. Forhandl. XV. p. 45,? f.) beschrieb
als neue Arten : Leelropsis dimidiata und Selenocepkalus limbaticeps
Ceylon, graris und micans, Acocephaltts foliaticeps Old-Calabar. Coe-
tidia ßarolaeniata Honsikong.
Derselbe (ebenda p. 'JrlO'l stellte eine neue Gattung jS'ico-
Wirt neben Aethalion auf, von dieser durch langdreieckiges Sohild-
chen, dessen Basis bucklig und dessen Spitze stumpf oder abgestutzt
ist, durch die beiden gleich langen ersten Tarsenglieder und die Deck-
flügel, welche sieben Spitzen- und zwei Diskoidalzellen haben,
unterschieden. — Drei Arten aus Brasilien: A. lemniscata, interrupta
und siihfascialo. — Tettigonia FalUni n. A. Brasilien.
Derselbe (Fregatten Eugenies resa p. 286 IT.) beschrieb Ptye-
Ins patruelis n. A. von Guam und Puinipet, Tettigonia Kinbergi von
Malacca, flarorittata von Rio-Janeiro, Xeropkloea Sidnica von Neu-
Holland, Signoretia nov. gen., für Thamnotettix Malaya Stal er-
richtet, Coelidia limpidosparsa von Rio-Janeiro, Selenocepkalus
costalis von Malacca, Bythoscopus Malayus ebendaher, signatus von
Buenos -Ayres, sticticoUis von Rio-Janeiro, peregrinans ebendaher
und von Taiti, aus Californien, tiduus von Taiti, pkaleratus von
Rio-Janeiro, Tkomnotettix luctuosus aus Californien und Taiti. obscu"
rinerris von Buenos -Ayres und Rio-Janeiro. Sinat von Hongkong,
Deltovephalus alacer aus China, Faitiinci aus Patagonien, ornatipen-
nis von Callao, fiaridirentris von Sidney, sobrinus vom Cap, margi^
nelineatus von Rio-Janeiro, placidus von Singapore und iloBgkoug,
AthysattHS irroreUus aus Californien. patmelis vom Cap und Typhlo"
cyba lautipennis von Hongkong.
Derselbe (Ofvcrs. Vetensk. Akad. Forhandl. XV. p. 3C0) Ky-
tkoscopus nigrosignatus und ^/<iMcorirc»*s als n. A. vom Swakop in
Süd-Afrika.
Motschulsky (Etud. entom. 1850. p. 110) Aphropkora liHea-
tocollis und Idiocents? sttbopacus^ Pediopsis apicalis, nigromaculatuSy
Jassus latruncularius, Deltoccphalus distinctus, rariegatus, elongat^-
oci'llati4s, guttulatuSj dorsalis, Flatym^topius litieolalMs und arcuatus
als u. A. von Ceylon.
Derselbe (Bullet, de Moscou 185i\ 11- p. 50o) diaguosticirlo
Tettigonia atramentaria als u. A. vom Amur.
Kolenati (Fauna des Altvaters p. 42. >Vien. Entom. 3louats-
sehr. IV. p. [V^O) machte Acocephalus sudeticus als n. A. vom .\,ltvaler
bekannt.
Psyllodea. Vsylla nebulosa und Arytaina Pyrenäen Mink n. \.
aus den Pyrenäen (Entom. Zeitung 1859. p. 4o0).
Aphidina. Coqucrel (Annales soc. entom. VU. p. L'ö^\ pl- 6)
gründete eine neue Gattung Pentalonia auf eine neue Art voa
Isle Üourbon . Vcnt, Higroncn\^sit , welche durch ihr Flugelgedder
552 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
ausgezeichnet ist. Die beiden aus der Costa entspringenden Adern
vereinigen sich durch eine Querader , von deren innerer Ecke eine
einfache Ader zum Ilinterrande verläuft ; eine zweite aus der äusseren
Ecke entspringende ist winklig gebrochen und sendet drei radiäre
Aeste gegen die Flügelspitze hin.
Schizoneura roiundiventris Signoret (Annales soc ent. VIII.
p, 178. pl. 4. fig. 6) n. A. von Madagascar.
Aphis (Pemphigus) stammews H a 1 d e n» a n (Proceed. Boston soc.
of nat. bist. VI. p. 403) n. A. aus NordrAmerika ; erzeugt Excrescenzen
an den Blättern von Acer eriocarpnm.
Kaltenbach (Verhandl. d. naturhist. Ver. d. Preuss. Rhein-
lande XVII. p.259) beschrieb Chermes? fraxini als n. A., an der
Rinde von Eschen lebend, nur in ungeflügelten Individuen beobachtet.
COCCina. C. Claus, „Zur Kenntniss von Coccus cacti" (Würz-
burger naturwiss. Zeitschrift I. 1860. p. 150 fl".). — Verf. widerlegt
die Annahme, wonach der rothe Farbsloff" der Scharlachläuse im Blute
dieser Thiere bereitet werde; vielmehr verdankt der aus dem Körper
hervortretende rothe Saft seine Färbung dem mit Karmin gefüllten
Fettkörper, dessen Zellen nicht zu lappenförmigen Massen vereinigt,
sondern in der Blutflüssigkeit suspendirt sind. Als Bahnen für den
Hervortritt der auf der Hautoberfläche der Scharlachläuse befindlichen
Wachssekrelionen sieht der Verf. gruppenweise angeordnete Poren-
kanäle mit trichterförmiger Oeff'nung und von etwa 0,006 Mill. Durch-
messer an, als die Stätte ihrer Bildung schlauchförmige Zellen, welche
mit den Porenkanälen in Verbindung stehen und den von Leydig
beschriebenen einzelligen Drüsen der Insekten analog sind; letzteren
möchte Verf. im Allgemeinen die Bedeutung von Talgdrüsen vindi-
cjren. — Die Bildung der Geschlechtsorgane und die Entwickelung
der Eier fand der Verf. in Uebereinstimmung mit Coccus adonidura
(nach Leuckart und Lubbock).
Die Naturgeschichte der Aleyrodes dubia Steph. erörterte H e e-
ger (Sitzungsberichte der math. - naturwiss. Classe der Akad. der
Wissensch. zu Wien, Bd. 34. p. 223 ff.). Die Weibchen legen einige
Tage nach der Begattung ihre Eier an die Unterseite von Fraxinus-
Blättern; im Spätherbste entwickeln sich nach zehn bis zwanzig Ta-
gen die Larven, machen in Zwischenräumen von neun bis zwölf
Tagen ihre drei Häutungen durch und verpuppen sich zehn bis zwölf
Tage nach der dritten Häutung.
MallOpIiaga. P. Coinde, „Kotes pour servir ä l'histoire des
Epizoiques ; description de quelques especes nouvelles apparlenant
aux genres Docophorus, Kirmus, Lipeurus etc." (Bullet, de Moscou
1859. 11. p. 418 ff.). — Verf. giebt einij,^c kurze Notizen (als Bc-
?i im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 553
Schreibungen kann man sie nicht ansprechen) über folgende von ihm
für neu angesehene Arten : Docophorus Foudrasi vom Ibis, Aracarae
vom Aracara, JMrmus Menurae-Lyrae vom Leierschwanz, Tocani von
einem Mexikanischen Tukan und Lipeurus Phanicopterae (sie !) von
INubischen Flamingos.
Gir ard traf Lipeurus baculus Denny auf den Federn von Pfauen-
tauben aus Calculta (Bullet, soc. enlom. 1859. p. 140).
IL Nyriapodeu.
Eine für die systematische Kenntniss der Myriapoden
überhaupt und insbesondere derjenigen Amerikas wichtige
Abhandlung ist H. de Saussure's „Essai d'une faune des
Myriapodes du Mexique, avec la description de quelques
especes des autres parties de l'Amerique.« Geneve 1860. 4.
135 pag. avec 7pl. (Separat- Abdruck aus: Memoires de la soc.
physique et d'hisl. nat. de Geneve XV. 2. p. 259—393). Der
Arbeit ist besonders die vom Verf.selbst in Mexiko gemachte,
reiche Ausbeute an Myriapoden zu Grunde gelegt, nebenbei
aber auch andere Arten von den Antillen, aus Carolina,
Cayenne und Brasilien mit in Betracht gezogen. Vorzüglich
ist es die Gruppe der Polydesminen, denen der Verf. seine
Aufmerksamkeit gewidmet hat und die ihn schon aus dem
Grunde, weil sie in Mexiko besonders reichhaltig vertreten
war (durch mehr als zwanzig Arten), zu einer eingehen-
deren Untersuchung der auch systematisch gut zu verwer-
thenden Modifikationen im äusseren Körperbaue veranlasste.
Ausser dieser wird die Gruppe der Juliden und von den
Chilopoden die Familie der Scolopendriden in Bezug auf
die Mexikanische Fauna erörtert; fast alle derselben ange-
hörenden und hier beschriebenen Arten sind neu. Bei der
Schwierigkeit der Artunterscheidung in der Classe der
Myriapoden sind die zahlreichen, sieben Qwarttafeln füllen-
den Abbildungen der Arten selbst so wie ihrer einzelnen
Skelettheile von grosser Wichtigkeit.
Gerstfeldt, lieber einige zum Theil neue Arten
(Platoden, Anneliden,) Myriapoden und Crustaceen Sibiriens,
namentlich seines östlichen Theilcs und des Amurgebietes
554 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
(Momoires des savans etrangers de l'acad. de St. Peters-
bourg- VIII. 1859. p. 259—296). Von den fünf als neu be-
schriebenen Arten gehören 4 den Chilognathen, 1 den Chi-
lopoden an.
Balsamo-Crivelli stellte (Memorie dell' Institute
Lombardo di scienze VII. p. 120) ein Verzeichniss der bei
Pavia vorkommenden Myriapoden, 23 an Zahl, zusammen.
Chilopoda.
SCOlopendridae. H. de Saussure (Myriapodes du Mexique
p. 124 ff.) gab eingehende Beschreibungen und Abbildungen von fol-
genden, mit einer Ausnahme Mexikanischen Arten : ScolopendraAztecn,
Otomita, Maya, Tolteca, Sumichrasti, Chichimecaj Cubensis (von Cuba),
Scolopocryptops Mexicana und Geophilus Mexicanus.
Lucas (Bullet, d. 1. soc. entom. 1860. p. 73) gab eine vorläu-
fige Charakteristik von Lithobius Coquerelii n. A. aus Frankreich, in
unterirdischen Grotten bei Hyeres aufgefunden. — Im Bullet, soc.
entom. 1859. p. 223 giebt derselbe Notizen über Scolopendrella no-
tacantha und Geophilas sanguineus Gerv., welche in der Umgegend
von Paris von ihm aufgefunden w^urden.
Gerstfeldt (Memoires des sav. etrang. VIIL p. 275) beschrieb
Lithobius Sibiriens als n. A. vom Amur und Irkutsk.
Als zu* den „Chiliopoden , Einfüsslern" gehörend beschreibt
Kolenati (Wien. Ent. Monatsschr. IV. p. 394) eine angeblich neue
Art vom Altvater, welche er zur Gattung Titanethes Schiödte zählt
und Tit. sudeticus nennt. (Die Gattung Titanethes Schiödte ist be-
kanntlich eine Gattung der Oniscodea aus der Crustaceen - Ordnung
der Isopoden). Das demnach etwas räthselhafte Thier des Verf.'s ist
V/i Lin. lang, hat 23-gliedrige Fühler, 5-gliedrige Palpen, zwölf
Körperringe und zwölf viergliedrige Fusspaare ; es wird „Bergscolo-
pender" genannt.
Chilognatha.
GlOmerina. A. White, „Description of some Myriapoda of
the genus Zephronia Gray in the collection of the British Museum"
(Annais of nat. bist. 3. ser. lU. p. 404 — 406. pl. 7) beschrieb ZcpÄrom'a
Actaeon n. A. von Madagascar , puherea von Port Natal , versicolor
von Ceylon und de Lacyi aus Neu-Seeland.
Glomcris Daltnatina Slciiij als n. A. (Berl. Eni, Zeitschr.IIL
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 555
p. 267) von Ragusa beschrieben, ist identisch mit der von Brandt
(Recueil m^m. Ins. Myriapodes p. 146) als Glom. transalpina Koch
aufgeführten und näher charakterisirten Art.
Lucas (Bulletin soc. ent. 1859. p. 223) hält Glomeris plumbea
Oliv., vi'elche bei Paris in Gesellschaft von Glom. limbata Oliv, vor-
kommt, nur für eine Varietät der letzteren.
Julodea. H. de Saussure (Myriapodes du Mexique p.l4ff.)
sonderte die beiden Gattungen Glonieridesmus und Oniscodesnius Gerv.
zu einer besonderen Familie „Oniscodesmides" ab, welche zwischen
den Glomerinen und Polydesminen die 3Iitte hält; mit ersteren stimmt
sie in der Fähigkeit, den Körper zusammenzukugeln, mit letzteren in
der Anzahl der Körperringe und Beine, dem Mangel der Augen, der
Fühlerbildung und dem Sitze der männlichen Copulationsorgane
überein. Jede der beiden Gattungen wird mit einer neuen Art:
Oniscodesmus Mexicanvs und Glomeridesmus Mexicanus bereichert. —
Für die systematische Gliederung und die Artbestimmung in der Fa-
milie der Polydesminen hebt der Verf. folgende Charaktere als mass-
gebend hervor: 1) Die Zahl der Körpersegmente, welche bei der
Mehrzahl 20 (den Kopf nicht mitgerechnet) beträgt; ist die Zahl
derselben geringer , so ist das Individuum noch nicht vollstän-
dig entwickelt. 2) Die Fühler, welche von Längsverhältnissen der
Glieder abgesehen, stets übereinstimmend gebildet sind. 3) Die An-
ordnung der Foramina repugnatoria, welche einen generischen Cha-
rakter abgiebt. 4) Die Form des vorletzten Körperringes, zur Auf-
stellung von Gruppen geeignet. 5) Die Bewehrung der Beine, von
generischem Werth ; das zweite Glied ist bei auch sonst übereinstim-
menden Arten gedornt, bei den mehr cylindrischen Formen dagegen
unbewaffnet. 6) Die Bildung der einzelnen Körperringe, deren vor-
deren Abschnitt der Verf. als „porlion cylindrique," den hinteren als
„portion carenifere" bezeichnet. 7) Die Bildung der auf den letzte-
ren befindlichen Kiele. Nach diesen Charakteien gränzt Verf. zu-
nächst drei Gruppen unter den Polydesminen ab: \) Polyd esini ens.
Zwanzig Körperringe, 31 (Weibchen) oder 30 (Männchen) Bein-
paare, Augen fehlend. 2) Craspedosomiens. 3Iehr als zwanzig
Körperringe, Augen zusammengehäuft. 3) Platyd esmiens. Zahl-
reiche Körperringe, zwei einfache Augen, Mund in einen Saugrüssel
verlängert, — ■ Kur die erste und letzte Gruppe sind in Mexiko ver-
treten. Die vom Verf. beschriebenen Gattungen und Arten sind : 1)
Polydesmus Latr. a) P ar adesmus subgen. nov. : P. Erichsonii und
Klugii Brandt, P. Carolinensis (Süd-Carolina), P. coarctalus (Caycnne).
■ — b) Strongylosoma Brandt, i*. vermiformis n. A. — c) Leplo-
dcsmus subgen. nov.: P. Sccllei, Aztecus, suhlcrraneus (Cuba), car-
neus (Bahia). — d) Fontaria Gray. : P. Montezumae , fratermts, Umax,
Zapotecus^ Olomitns^ consobrinus ^ vicinns ^ Tepanecus ^ Virginiensis
556 Ger staec k er : Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Drury (Süd - Carolina) , Totonacus f Toltecus. — e) Polydesnius sens.
strict. : P. serratus Say (Süd - Carolina). — f) Rhachidomorpha
subgen. nov. : P. Tarascns. — g) Stenonia Gray: P. viridis, bilinea-
tus Luc, Mexicanus Luc. — 2) Eurydesmus gen. nov., Charaktere
von Polydesmus, aber die Körperringe mit Ausnahme des 1. bis 4.,
6. und 8. haben je zwei Foramina repugnatoria. — Art: Eur. angu-
latus, wahrscheinlich aus Brasilien. — 3) S t r on gyl o desmus gen.
nov. Die Körperringe mit Ausnahme des 1. bis 4. und 6. haben je
zwei Foramina repugnatoria. — Art: Str. cyaneus aus 3Iexiko. —
4) Stenodesmus gen. nov. Nur zwei Foramina repugnatoria auf
den Kielen des fünften Körperringes. — Art: St. Mexicanus. — Aus
der Gruppe der Platydesmiens ist nur Platydesmus polydesmoides Luc.
in Mexiko einheimisch. — Von Julus werden folgende Arten be-
schrieben: a) P elmat ojnlu s subgen. nov. (Tarsen unterhalb beim
Männchen mit Pelotten) : Jul. insignis (Argentinische Republik). —
b) Julus sens. strict.: J. Toltecus, arboreus (Antillen), Aztecus, Za-
potecuSj Totonacus, Chichimecus, Haitensis Gerv., Nietanus, Mexicanus^
Tepanecus, Mystecus, Tzendalus , Montezumae, fraternus, Otomitus,
ßlicornis und Tarascus.
Zwei kleinere Aufsätze desselben Verf.'s in der Linnaea
entomologica XIIL p. 318 — 332, ,,Note sur la famille des Polydesmi-
des, principalement au point de vue des especes Americaines" und
„üiagnoses de divers Myriapodes nouveaux" enthalten vorläufige
Charakteristiken der in der ersterwähnten Arbeit ausführlicher be-
schriebenen Arten , zum Theil in noch abweichender Feststellung
(einige der doit aufgestellten sind später unterdrückt) ; ausserdem die
Beschreibung von Polydesmus Javanus n. A. aus Java und Julus
Syriacus aus Syrien.
Gerstfeldt (Memoires d. sav. etrang. de l'acad. de St. Peters-
bourg VIIL p. 259 ff.) beschrieb Julus Amurensis, armatus, Platydes-
mus Aftiurensis und Craspedosoma Dahuricum als neue Arten aus Ost-
sibirien.
d'üdekem (Bullet, de l'acad. d. scienc. de Belgique VIL p. 552)
fand im Darmkanal von Julus terrestris als Parasiten zwei Nemato-
den-Arten, zur Galtung Rhabditis gehörig , ein Infusorium (Paranie-
cium?) und die Cryptogamen-Gallung Enterobryns.
Siphonizantia. Lucas (Bullet, soc. ent. 1859. p. 175) machte
Mittheilungen über häufiges Vorkommen des Polyzonium germanicum
in der Umgegend von Paris.
IIL Arachniden.
Blanchard (Compt. rend. de l'acad. d. scienc,
Tome 50. p. 727— 729 und Rev. et Magas. de Zool. 1860.
im Gebiete der Entomologie wahrend der Jahre 1859 u. 60. 557
p. 173f.) machte der Akademie der Wissenschaften zu Paris
die Resultate seiner Untersuchungen über die Befruchtung
und die Samenflüssigkeit der Arachnidcn bekannt. („De la
fecondation et du liquide seminal chez les Arachnides").
Nach einer (nur Bekanntes enthaltenden) Schilderung der
weiblichen Geschlechtsorgane und insbesondere der Ovarien
theilt der Verf. mit, dass er bei Arachniden von kürzerer
Lebenszeit (eines Sommers) nur einen einfachen kurzen
Ovidukt gefunden habe, dass dagegen bei solchen, deren
Lebensdauer sich wie bei Segestria und Dysdera auf mehrere
Jahre erstrecke, eine Bursa copulatrix mit fibrösen Wan-
dungen vorhanden sei. Als eine Eigenthümlichkeit der Sa-
menflüssigkeit von Segestria und Dysdera sieht er das
Vorkommen von Spermatophoren, welche nach seiner Mei-
nung sich durch Wachsthum aus den Zellen, in welchen die
Spermatozöen entstehen, hervorbilden, an; bei den übrigen
Arachniden hat er nämlich die Samenfäden frei vorgefun-
den. (Was der Verf. als Bursa copulatrix bezeichnet, ist
wohl ohne Zweifel die durch v. Siebold bei den Scor-
pionen und den Araneinen längst nachgewiesene Samen-
tasche. Ref.)
Die anatomischen Verhältnisse der Arachniden hat
derselbe in sehr umfassender Weise in seinem seit dem
J. 1852 lieferungsweise erscheinenden Werke „L'Organisa-
tion du regne animal" par E. Blanchard (Paris, fol.) ab-
zuhandeln begonnen. Verf. hat in den 34 ersten dem Ref.
vorliegenden Lieferungen, welche je einige Bogen Text und
meist zwei Tafeln enihalten, nebeneinander die Classen der
Säugethiere, Vögel, Reptilien, Mollusken (Acephalen) und
Arachniden zu bearbeiten angefangen und ist mit letzteren,
welche allein 16 Lieferungen (216 pag. Text und 28 Tafeln)
umfassen, bis jetzt am weitesten vorgerückt. Das Werk
ist in der Art angelegt, dass der Verf. aus jeder Ordnung,
resp. Familie eine typische Art (bei den Arachniden: Scorpio
occitanus, Thelyphonus caudatus, Phrynus Pallasii, Chelifer
cancroides , Galeodes araneoides , Phalangium cornutum,
Mygale Blondii und Segestria florentina ) in allen ihren
verschiedenen Organsystemen schildert und am Schlüsse
558 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
jedesmal der Modifikationen, welche der Typus in seinem
äusseren wie inneren Baue je nach den Gattungen und
Arten erleidet, gedenkt. Die mit grosser Sorgfalt ausge-
führten Tafeln, welche sich dem Texte eng anschliessen,
geben in mehr oder weniger vergrössertem Maassstabe
Darstellungen sämmlicher Organsysteme der oben ange-
führten typischen Formen; von den 28 bis jetzt vollendeten
sind 7 auf Scorpio, 10 auf Mygale, 3 auf Thelyphonus, je
2 auf Phrynus, Galeodcs und Phalangium und je 1 auf
Chelifer und Segestria verwandt. Obwohl die Reihe der-
selben gleichfalls noch nicht abgeschlossen ist, sind sie
doch dem Texte , der bis jetzt nur Scorpio, Thelyphonus,
Phrynus und Mygale behandelt, in ihrer Ausführung weit
vorangeeilt.
Grube stellte ein „Verzeichniss der Arachnoiden
Liv-, Kur- und Ehstlands« (Dorpat 1859. 8. 72 pag. Se-
parat-Abdruck aus dem Archiv für die Naturkunde Liv-,
Ehst- und Kurlands 2. ser. I. p. 417—486) zusammen. Verf.
führt im Ganzen 304 Arten, von denen 150 auf die Ara-
neinen, 5 auf die Pedipalpen, 11 auf die Phalangier und
138 auf die Acarinen kommen, unter Citirung ihrer Be-
schreibungen bei Hahn, Koch, Herrich-Schäff er u. a.,
so wie unter Angabe ihrer speziellen Fundorte, ihrer Häu-
figkeit u. s. w. auf und beschreibt schliesslich die darunter
befindlichen neuen : 9 Araneinen und 19 Acarinen. Vier
unter letzteren befindliche Arten der Gattung Dermaleichus
sind auf einer beifolgenden Tafel nach beiden Geschlech-
tern abgebildet. — Im Eingange stellt Verf. die Arachni-
den-Fauna von Preussen , Schweden und den Ostsee-Pro-
vinzen mit speziellerer Berücksichtigung der am besten
bekannten Ordnung der Araneinen einander gegenüber und
erhält dabei das Resultat, dass von den 150 Arten der
Ostseeprovinzen nur 97 zugleich in Schweden und Preussen
vorkommen, dass ihnen dagegen 21 Arten eigenthümlich,
während 14 Arten zugleich nur in Preussen, 21 zugleich
nur in Schweden beobachtet worden sind.
lieber das Einsammeln und die Conservirung der
Arachniden hat N. West ring nach seinen bewährten Er-
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 559
fahningen Anleitung* gegeben: „Anvisning atl ändamälsen-
ligt insamla och conservera Arachnider, förnämligast med
afseende ä Spindlarne." (Götheborgs Kongl. Vetenskaps-och
Vitterhets-Samhällcs Handlingar, 4. haftet, p. 31 — 43).
Artlirogastra.
SCOrpiodea. Lucas (Bullet, soc. entom.1859. p. 21) beschrieb
eine Varietät des Androctonus funestus Hempr. Ehrbg. (Mannchen)
aus Algier.
Nach Coaz (Jahresbericht d. naturf. Geselisch. Graubündens V.
p. 105) kommt der „gemeine Skorpion, Scorpio Europaeus" in den
südlichen, gegen Italien hin sich öffnenden Thälern des Canlon Grau-
bünden vor.
PseudOSCOrpioneS. Hagen, „CheÜfer als Schmarotzer auf
Insekten" (Entom. Zeitung 1859. p. 202). Verf. erhielt mehrere Che-
lifer spec. aus Venezuela mit der Bemerkung, dass sie auf Acrocinus
longimanus schmarotzt hätten; er fügt mehrere Citate anderer Schrift-
steller bei, wonach ein derartiges Vorkommen von Chelifer an Kä-
fern und Dipteren schon mehrmals beobachtet worden ist. (Ref.
fing erst in diesem Frühjahre an einer durchlöcherten Eiche kurz hin-
tereinander zwei Dipteren, nämlich Brachypalpus laphriformis Fall,
und Anthomyia spec, welche jede an einem ihrer Hinterbeine einen
Chelifer angeklammert trugen; das Thier hielt sich mit der Scheere
des Kiefertasters an dem Beine der Fliegen fest, hing aber sonst frei
herab, so dass wenigstens in diesen Fällen ein eigentlicher Parasitis-
mus nicht stattfand.)
Phalangidae. Lucas, Observations sur un genre nouveau
d'Arachnide tracheenne (Scotolemon Lespesii) qui habite les grottes
de l'Ariege (Annal. soc. entom. VIII. p. 973 ff.). Der Verf. unter-
scheidet seine neue Gattung Scotolemon von Phalangodes Tellk.,
mit der sie in nächster Verwandtschaft steht, durch die Anwesenheit
deutlicher, auf einem Höcker gelegener Ocellen, zwei an Zahl und durch
die Zahl der Tarsenglieder, welche an den beiden ersten Beinpaaren
drei, am dritten vier und am vierten fünf beträgt; ausserdem sind die
Beine im Verhältnisse länger. — Zwei Arten: Sc. Lespesii aus den
Höhlen von Ariege und (ebenda p. 986) Leprieuri aus einer Höhle
am Comer See; erstere Art misst 3 Miil., letztere etwas weniger.
Abbildungen auf pl. 16.
Araiieina.
Meade, „On some points in the anatomy of theAra-
neidea or true Spiders, especially on the internal slructure
560 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
of thcir spinning- org-ans" (Report of the 28. meeting of Ihe
British associat. for the advanc. of science p.l57 ff. pl. 16, 17).
Verf. giebt nach einleitenden Bemerkungen über das Inte-
gument und die Lage der Eingeweide im Hinterleibe der
Spinnen Beschreibungen und Abbildungen von den Spinn-
warzen und den Spinndrüsen verschiedener einheimischer
Arten, ohne, wie es scheint, die v. Siebod'schen Anga-
ben über diesen Gegenstand zu kennen. Gleich letzterem
beschreibt auch Verf. mehrere verschiedene Arten von Drü-
sen theils von geringerer, theils von beträchtlicherer Grösse,
mit dünnhäutigen und mehr consistenten Wandungen. Aus
dem Vorhandensein oder Fehlen der einen oder anderen
Form von Spinndrüsen sucht Verf. auf die Art des aus ihnen
erzeugten Gewebes Schlüsse zu ziehen.
Thor eil (Öfvers. Vetensk. Akad. Förhandl. XV.
p. 143 ff.) machte spezielle Mittheilungen über dieClerck'-
schen Original-Exemplare in dessen Arachniden-Sammlung
und gab nachträglich genaue Beschreibungen von zwei
Clerck'schen Arten: Theridium (Araneus) cellularum (von
welcher Art Linyphia cellulana Sundev. und crypticola
Walck. verschieden sind) und Attus (Euophrys) striatus,
wozu Attus striatus Walck. ebenfalls nicht genau passt.
Ludeking (Natuurk. 'fijdschr. voor Nederl. Indie XX. p. 191 ff.)
theilte Beobachtungen über die Wirkung des Bisses von Mygale Su-
matrensls mit. Ein kleiner Vogel (nicht näher bezeichnet) wurde ihr
36 Stunden, nachdem sie gefangen, in ihren Behälter gesetzt; sie
sprang sofort auf ihn los und biss ihn. Eine Sekunde darauf zuckte
der Vogel zusammen, fiel auf die linke Seite, bekam die heftigsten
Anfälle und war nach sechs bis acht Sekunden todt. Nachdem die
Spinne darauf zehn Tage gefastet hatte, wurde ihr ein Hühnchen von
16 bis 18 Tagen gereicht; sie biss dasselbe in das Bein, so dass es
blutete, den Schnabel öffnete, die Augen hervortreten Hess und Athem-
nolh zeigte. Das Bein schwoll an und wurde um die Wunde herum
bleich; jedoch schon nach sechs Stunden wurde die Wunde besser
und das Küchlein genas.
Lucas (Bullet, soc. entom. 1859. p.J109) machte einige An-
gaben über Mygale bicolor n. A. von Bahia, welche er lebend nach
Paris erhielt. — Weiteren Mitlheilungen des Verf.'s (ebenda 1860.
p. 16) zufolge, wurden zwei Exemplare dieser Art im Jardin des
plantes, das eine fünf, das andere sieben Monate lebend erhalten. Sie
hatten ihren Käfig bald mit einem dichten Netze besponnen, sassen
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 5G1
in demselben den Tag über still, waren aber des Nachts sehr munter;
sie ernährten sich von Gryllus dornesticus und nahmen Wasser aus
einem Gefässe zu sich, in welchem sie sich zugleich badeten.
Derselbe (ebenda 1859. p. 170) machte Mittheilungen über
das Vorkommen von Atypus Sulzeri Latr. bei Paris und über die
Gallerie , welche das Weibchen dieser Art in der Erde anlegt. Bei
Erörterung der Synonymie stellt Verf. für die Art den ältesten Namen
Oletera (Walck.) picea Sulzer wieder her.
Derselbe, Quelques remarques sur la maniere de vivre de
la Segestria florentina, Araneide de la tribu des Quadripulnionees
(Annales soc. entom. VIII. p. 309 ff.).
J. Black wall, Descriptions of six recently discovered spe-
cies and characters of a new genus of Araneidea (Annais of nat.
bist. 3. ser. III. p. 91 ff.). Die neue Gattung FeZcJ« Blackw. gehört
zur Gruppe der Ciniflonidae; von den acht Ocellen sind die äusseren
der vorderen Reihe kleiner als die übrigen, beide Reihen einen nach
vorn convexen Bogen bildend, der an der hinteren stärker als an der
vorderen ist. Maxillen massig lang, kräftig, an der Spitze verbrei-
tert und gerundet; Beine sehr ungleich an Länge, das erste Paar bei
weitem am längsten, das dritte das kürzeste. Acht Spinnwarzen, —
Art: V. lineata l'/i Lin. — Die neuen Arten sind; Dolomedes orna-
tus, Philodromus elegans, Ciniflo mordaxj Ergatis pallens und Agelena
gracilipes sämmtlich aus England.
Derselbe, „Descriptions of newly-discovered Spiders captu-
red by James Yate Johnson in the island of Madeira" (ebenda IV.
p. 255 ff.) beschrieb als neue Arten von Madeira: Cluhiona albidula,
decora und tirgulata, Clotho lepida, Textrix obscura, Theridion luteo-
lum, Latrodectus distinctus, Linyphia Johns oni, Epeira diver sa und
hortensis, Oonops concolor und Oecobius navus.
Derselbe „Descriptions of two British Spiders new to science"
(ebenda V. p. 171 ff.) beschrieb : Drassus clavator und Walkenaera
aggeris als n. A. aus England.
Grube (Arachnoiden Liv-, Kur- und Ehstlands p. 53 ff.) be-
schrieb Micrtjphantes vittatus, sulcicollis, columella^ conifer, iubercw
latus j Linyphia scopigera, Theridium multimaculatum^ Philoica lino-
tina, Atlus radialus als n. A. aus den Oslseeprovinzen.
Thoreil, „Nya exotiska Epeirider" (Öfvers. Vetensk. Akad.
Förhandl. XVI. p. 299 ff.) diagnosticirte folgende neue Arten: A'e-
phila fenestrata, annulata und lineata Caffernland, Argyope avara Ca-
lifornien, opulenta Java, manicata China, clegans, laela, nigrovittata
und cuspidata CafPernland, Acrosoma forcipalum Cuha, botinum Ala-
bama, stelligerum unbek. Vaterl., Gasteracantha vaccula Sierra Leona,
ensifera, ornata, tuberosa, tabulala, modesla Caflernland, moesta und
At/arts St. Barlhelemy, tJt^afa Java, varia unbek. Vaterl. ,\'nsMia»a
Arcliiv f. Naturg. XXVII. Jahrg. 2. Bd. LI
562 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Gallapagos, mammeata ManWuy guttata Malacca, horrens Assam, 7ninax
Neu-IIolland, parvula Singapore.
Derselbe „Oin Epeira marmorea och pyramidata" (Öfvers.
Vetensk. Akad. Förhandl. XV. p. 237 — 246) wies die specifische Ue-
bereinstimniung von Epeira marmorea Clerck mitE. pyramidata Clerck
(scalaris Fab. Walck.) durch Beobachtung der sich zwischen beiden
vorfindenden Uebergänge in Färbung und Zeichnung nach.
Derselbe „Till kännedomen om slägtena Mithras och ülo-
borus" (ebenda XV. p. 191 — 205) gab eine genauere Charakteristik
der Galtungen Uloborus Lafr. und Mithras Koch, deren Synonymie er
zugleich erörtert, und beschrieb Uloborus Coslae als n. A. aus Neapel
und Ulob. Latreillei n. A., in Schweden auf einem aus Java kommen-
den Schiffe gefunden. — Zu Mithras paradoxus Koch, mit dem dessen
M. undulatus einerlei ist , zieht Verf. Uptiotes aoceps und Scytodes
mithras Walck. als synonym. Was die systematische Stellung beider
Gattungen betrifft, so glaubt sie Th. am besten den Epeiriden anrei-
hen zu dürfen, mit deren Gattungen sie durch die Anwesenheit der
Afterklauen übereinstimmen. (Bemerkungen über die Bildung der
Klauen bei den Hauplformen der Araneinen werden hier einge-
flochten.)
Lareynie (Annal. soc. entom. VIT. p. 284 f.) berichtete in
seiner „Note sur le Theridium malmignatha," dass der Biss des be-
rüchtigten Latrodectus malmignalhus Walck. eine grosse Corsikanische
Mygale sogleich tödte, und dass demselben auch jährlich Menschen
auf Corsika zum Opfer fielen. Die Spinne lebt unter Steinen, legt
ein weites, unregelmässiges Gespinnst an, in welchem sich viele Erd-
inseklen fangen, ist sehr träge und entfernt sich, wenn sie aufgestört
wird, ganz langsam und ohne ihren Eiersack mitzunehmen.
van Hasselt, „Studien over de z. g. Cura^aosche Oranje-Spin,
eene nog weinig bekende Latrodectus-soort (Tijdschr. voor Entom. III.
p. 46 — 65. pl. 5). Verf. liefert eine g-enaue Beschreibung der als
„giftige orangefarbene Spinne von Cura9ao" (Süd-Amerika) bekann-
ten Art, welche auch in Aegypten und Algier einheimisch ist und
welche er nur als Varietät von Latrodectus malmignathus Walck. an-
sieht. Da diese Art weit verbreitet und in der Färbung sehr ver-
änderlich ist, wurde sie unter zahlreichen, vom Verf. hier zusammen-
gestellten Namen beschrieben; die hier in Rede stehende Varietät
aus Süd-Amerika bezeichnet er als var. tropica. — Ausserdem di-
skutirt Verf. die Angaben über die Giftigkeit des Bisses der Latro-
dectus-Arten.
Meade, „On the occurrence of Spiders and their webs in Coal-
pils" (Annais of nat. bist. VI. p. 22) berichtet, dass die sonst auf Fel-
dern einzeln lebende Neriene errans im Norden Englands in einem
Kohlenbergwerke 320 Fuss tief unter der Erde in Menge vorkomme,
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 563
hier gesellschaftlich lebe und (jewehe von enormer Ausdehnung und
Dichtigkeit, waluscheinlich gemeinschaftirch bervorbringe.
V. Hey den (Palaeontographica VIII. p. 1. Taf. 1) beschrieb
Argyroneta antiqua, fossile n. A. aus der Rheinischen Braunkohle.
Acarina.
Pagens tec h er hat die Anatomie der Milben in Mo-
nograpiiieen zu behandeln begonnen und im J. 1860 ein
erstes Heft unter dem Titel: Beiträge zur Anatomie der
Milben. I. Trombidium holosericeum und linctorium (Leipzig,
Engelmann. fol. 32 pag., 2 Taf.) veröffentlicht. Er unter-
wirft darin neben dem äusseren Körperbaue sämmtliche
innere Organsysteme einer eingehenden Schilderung in
morphologischer wie histologischer Beziehung; seine Un-
tersuchungen ergänzen diejenigen von Treviranus und
Dujardin und liefern in mehrfacher Beziehung abwei-
chende Resultate.
Die von dem Basaltheile des ersten Maxillenpaares gebildete
und die Mandibeln (Kieferfühler) umschliessende Rinne zeigt nur
hinten eine feste Verwachsung ihrer beiden ursprünglichen Hälften,
während vorn die Ränder beider übereinandergreifen. — Am Oeso-
phagus zeigt sich zwischen der Intinia und der homogenen äusseren
Haut seiner Wandungen eine Schicht grosser gekernter Zellen, welche
ihm weiter nach unten durch immer stärkere Hervorwölbung ein
zottiges Ansehen verleihen. Er ist mit Ausnahme des Mastdarmes
der allein hervortretende Theil des Tractus intestinalis, der im üebri-
gen von einem voluminösen lappigen Leberorgane von gelbbrauner
Farbe umhüllt wird; eine Lsolirung desselben von der Darmvvand
ist nicht zu bewerkstelligen. Die seitlich vom Gehirn liegenden Mund-
drüsen münden zu beiden Paaren mit ihren Ausführungsgängen in die
Mundhöhle; eine Durchbohrung der Kieferfühler hat der Verf. nicht
beobachten können und er verneint daher die Anwesenheit von Gift-
drüsen, welche nach Art der höheren Arachniden mit dem ersten
Gliedmassenpaare in Communikation treten. Eine der Leber auflie-
gende weissliche Masse, welche sich von dieser isoliren lässt und
von Treviranus als Darm angesehen wurde, hat für den Verf. die
Bedeutung des Feltkörpers. Die beiden Stigmata liegen nicht, wie
Treviranus angiebt, hinter dem zweiten Beinpaare, sondern an der
Basis der Kieferfühler, nach innen von zwei eigeuthümlichcn klöp-
pelarligen Gebilden mit schuppiger Obei fläche, \> eiche schon von
Dujardin beschrieben wuideu. Der von letzlerem gelaugnete
Durchtritt des Oesophagus duich die Gehirnmasse ist deutlich nach-
564 Ge IS t a ec ker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
weisbar; aus dem vorderen Theile derselben entspringen neben den
Nerven für die Kieferfühler und Augen auch die beiden starken
Stämme für die Maxillen. Die bei beiden Geschlechtern gleiche Ge-
nitalöffnung lässt an ihrer Innenwand jederseits drei kreisrunde llaft-
näpfchen erkennen ; Eierstöcke und Hoden sind sich sehr ähnlich, erstere
traubenförniig, mit 20 bis 30 beerenförniigen Eiertaschen und einem
Receptaculum seminis in Form eines langen Canales versehen, letz-
tere kleiner, nur wenig über 1 Mill. lang, mehr gelappt und aus
mehreren Hunderten von kleinen ovalen Zellen bestehend. Der durch
Vereinigung der beiden Vasa deferenlia gebildete Samengang fungirt
zugleich als Samenbehälter, indem er oft mit Samenelementen stro-
tzend gefüllt ist und dann eine weisse Färbung zeigt.'
Grube (Arachnoiden Liv-, Kur- und Ehsllands p. 58 ff.) beschrieb
Raphignathus tumidus , Celaeno aegrota (Koch), Gamasus furcifer^
reticulatus, Dermanyssus talpae, Zercon ßavus, Sejus spinulosus, Eu-
maeus longipes, Nothrus venosus, Leiosoma olivaceum, Oribates qua^
dricuspis f Pelonia (nov. gen. aus der Familie der Oribatiden,
vielleicht nur auf Larvenformen, ähnlich denen von Nothrus, be-
gründet) foliosa, tricuspidata, crinita, Dermaleichus tergisetis, trin~
gae, caudilobus und albicillae als n. A. aus den Ostseeprovinzen.
Lucas (Annales soc. entom. VIIL p. 538) diagnosticirte Ixodes
globulus n. A., welche sich in Menge auf Python Sebae in der Me-
nagerie des Jardin des plantes vorfand; sie ist mit Ixodes gracilen-
tus Lucas zunächst verwandt.
Ref. (Virchow's Archiv f. patholog. Anatomie XIX. p.457 — 469.
Taf. 15) machte eine Mittheilung über Argas reflexus Latr., welcher
nach Boschulte's Beobachtung (ebenda XVIII. p. 554) in Westpha-
len als nächtlicher Blutsauger am Menschen aufgetreten war. Da diese
Art nach Hermann ursprünglich ein Parasit von Tauben ist und
auch im vorliegenden Falle in der Nähe des Hauses, wo sie beson-
ders an den Wänden eines Schlafzimmers auftrat, ein Taubenschlag
existirt hatte, geht sie offenbar nur gelegentlich auf den Menschen
über, wie es auch für den berüchtigen Argas Persicus, der in seiner
Lebensweise eine fast vollständige Analogie mit A. reflexus erkennen
lässt, anzunehmen ist. Dieser Mitlheilung schliesst Ref. eine kurze
Schilderung des äusseren Skeletbaues des Argas reflexus und einige
Bemerkungen über seine systematische Stellung an.
van der Hoeven, „Jets over den Acarus eruditus Schrank"
(Tijdschr. voor Entom. III. p. 158 ff. pl. 12) giebt eine erneuete Ab-
bildung und Beschreibung von Cheyletus eruditus Latr., Sehr, nach
Exemplaren, die er aus Cambridge erhielt. Verf. weist mehrere An-
gaben der älteren Autoren als ungenau nach und stellt als Charak-
tere der Gattung Cheyletus Latr. folgende auf: Palpi crassi, ungue
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 565
falcato, acuto, externo et appendice diiplici interno, pectinalo (! !)
terminati ; pedes piimi paris reliquis longiores, ocelli nulli.
Kolenati setzte seine „Beiträge zur Kenntniss der Aiachniden"
in den Sitzungsberichten der Akad. d. Wissensch. zu "Wien, Mathem.
naturwiss. Classe, Bd. 35. p. 155— 190. Taf. 1— 8 und Bd. 40. p. 573—
581. Taf. 1 — 3 mit der Beschreibung und Abbildung folgender Gal-
tungen und Arten der Acarinen fort: 1) D ipl o s t aspi s n. g., zur
Familie der Gamasiden und zur Gruppe der Pteroptiden gehörend,
mit 14 Arten : D. Nattereri auf Isotus Kattereri, myoti auf Myotus mu-
rinus, Nilsso7iii auf Meteorus IVilssonii, carnifex Koch auf Vesp. sero-
tinus, dasycnemi auf ßrachyotus dasycnemus, atratula auf Amblyotus
atratus, psi auf Vesp. Schreibersii, discolor auf Vesp. discolor, har-
hastelli aufSynotus barbastellus, wt/sfaciw« auf Brachyotus mystacinus,
ciliata auf Isotus ciliatus, transversa auf Plecotus auritus, stellata auf
Braehyotus Daubenlonii und arcuata Koch auf Panugo noctula. —
2) Meter OS t aspis n. g. mit 2 Arten: H. octasticjuia auf Braehyo-
tus Cappacinii und hexastigma auf Nannugo Kolenatii. — 3) Mono-
staspis n. g. mit 2 Arten: M. ISathusii und pipistrelli auf den
Flughäuten der gleichnamigen Fledermäuse. — Zur Gruppe der
Hautmilben , Dermanyssida, welche vom Verf. näher charakterisirt
wird, gehören: 4) Lipony s sus n. g. mit lArt: L. setosus auf Rhi-
nolophus Euryale. 5) Ichor ony ssus n. g. mit 6 Arten : /. scutatus
auf Rhinol, ferrum equinum, foveolatus auf Nannugo Kolenatii, gin-
glymus auf Nannugo ursula , biarcuatus auf Meteorus Nilssonii, hypo-
graphus auf Nannugo pipistrelli und Nathusii, decussatns auf Vesp.
dasycnemus, auritus und murinus. 6) Ma er ony ssus n. g. mit 2
Arten : M. longimanus auf Xantharpyia aegyptiaca und lepidopeltis auf
Rhinopoma microphyllum. 1) Lepr ony s sus n. g. mit 7 Arten:
L. leprosus auf Rhinolophus clivosus, granulosus auf Miniopterus
Schreibersii, fossulatus auf Braehyotus Daubenlonii, lobatus auf Myotus
murinus und Synotus barbastellus, ruhiginosns besonders auf Myo-
tus murinus , flavus auf Panugo noctula und glutinosus auf Xanthar-
pyia aegyptiaca. 8) Steatonyssus n. g. mit 2 Arten: St. perible-
pharus auf Isotus ciliatus und Nannugo pipistrellus und brachypeltis
auf Braehyotus Cappacinii. 9) Pimelony ssus n. g. mit 2 Arten:
P. trichorion aufSynotus barbastellus und biscutellus auf Rhinol, fer-
rum equinum.
Im 40. Bde. der Sitzungsberichte p. 573 (f. charakterisirt Verf.
die Zunft der Zecken, Ixodida im Allgemeinen und beschreibt die
beiden Gattungen: 1) Sarconyssus n. g. mit 4 Arten: S. flavipes
Koch (brevipes Kol. ant.) auf Rhinolophus hipposideros, exaratus und
nodulipes auf Myotus murinus und A'oc/»i (vesperlilionis Koch, fla-
vidus Kol. ant.) auf Rhinolophus ferrum equinum. 2) Haemalastor
Koch mit 2 Arten : H. crassipes Kol. und gracilipes Frauenfeld. —
566 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
p. 580 f. in einem Nachtrage zu den Pteroptiden beschreibt der Verf.
Leiostaspis (neuer IS'ame für Ancystropus Kol. aul.) Zcleborii Kol,
nochmals.
Jul. Müller, „Beitrag zur Mährischen Arachniden - Fauna"
(Lotos X. Jahrg. p. 44 — 55. Taf. 1) machte folgende neue Acarinen
durch Beschreibungen und Abbildungen bekannt: Hemiglis chrus
nov. gen., zur Gruppe der Pteroptiden gehörend, von Diplostaspis
durch die unmittelbar an einander gränzenden beiden ersten Bein-
paare unterschieden. — Art: H. fossiger an der Körperhaut von Sorex
alpinus. — Ichoronyssus bicolor an der Körpeihaut des Eichhörnchens,
Lepronyssus cruciatus an der Köiperhaut von Microtus sublerraneus,
Holostaspis leucogaslra unter Moos und Steinen, am Altvater, Der-
maleichus cirratus an der Körperhaut von Strix bubo und Uropoda
alholimbata am Hinterleibe von Chlorops frit.
Derselbe, „Insekten-Epizoen der Mährischen Fauna" (Brunn
1860. 8. 28 pag. 4 Taf. — Separat-Abdruck aus dem Jahreshefte der
naturwiss, Sektion der Mähr.-Schiesisch. Gesellsch. etc. 1859. p. 157 —
184) machte 19 von ihm in Mähren aufgefundene, meist an Insekten
und Arachniden schmarotzende Arten bekannt: Otonyssus Sudeticus
an Telephoren und Dipteren, isotrichus an Cochylis, sanguineus an
Dipteren, melanolrichus an Phalangien, Coccinellen und Rhaphidien,
notatus an Peltostomis sudetica, brevipes an Gryllotalpa (sämmtlich
sechsbeinige Formen, die offenbar noch im Larvenzustande sind),
Uropoda vegetans Latr. an Kecrophoren, Histeren, Staphylinen u. s. w.,
Ur. ovalis an Boslrichen, Cerylon und Hister, marginata an Agrilus,
parallela an Feronia, setigera an Ampedus, Porrhostaspis stercoraria
(Acarus coleoptratorum Lin.) an Geotrupes und JNecrophorus, gracilis
an Hister, subterranea an Kecrophorus und Geotrupes, Holostaspis
glabra {\csivus muscarum Lin.) an Geotrupes und Musca domestica,
favosa unter Moos am Altvater, contigua an Onthophagus , testudo
unter Moos, fimetaria an Aphodius, Molytes und Carabus. — Sämmt-
liche Arten sind auf den vier beifolgenden Tafeln abgebildet.
Ger lach („Einige neue Parasiten bei den Hauslhieren," Vir-
chow's Archiv f. pathol. Anat. XVL p. 512 f.) fand in den Luftsäcken
und Lungen von Hühnern Milben in grosser Anzahl und klumpen-
weise bei einander sitzend ; er giebt eine Beschreibung und Abbildung
derselben, ohne sie jedoch mit einem Wamen zu belegen. Die Mil-
ben fanden sich bei dreien unter zwanzig Hühnern, welche plötzlich
erkrankten und, wie die Sektion ergab, an einer Entzündung des
Darmkanals und des Eileiters starben; in anderen als den lufthaltigen
Körpertheilen fanden sie sich nicht. Sie haben die Grösse von Der-
matodecles equi, '/^ Lin. lang und V? Lin. breit (irrthümlich steht
zweimal „ZolP gedruckt) , sind matt weiss, fettig glänzend, kurz
eiförmig, mit glaUer Bnuch- und gewölbter Rückenseite; die vier.
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 567
Beinpaare von halber Körperlünge, deutlieh fünfgliedrig und am Ende
mit einer gestielten Haftscheibe versehen. (Milben aus Luftsäcken von
Vögeln sind bereits durch Mi es eher im J. 1843 bekannt gemacht
worden. Ref.).
In einer Abhandlung- „über Hanrsackmilben und Krätz-
milben« (dies. Archiv für Naturgesch. XXV. p. 338—353.
Taf. 13) wies Leydig an drei Demodex-Arten (D. phyllo-
stomatis, canis und hominis) von inneren Organen einen
Darmkanal, einen muthmasslichen Keimstock und ein Organ
zur Aufnahme von Harnconcrementen nach; dagegen liess
sich weder vom Nerven- und Muskelsysteme, noch von
einer Cirkulation irgend eine Spur auffinden. Eine des
Vergleiches halber vom Verf. nochmals angestellte Unter-
suchung des Sarcoptes cati ergab für diesen das Vorhan-
densein eines Gehirnganglion; ausserdem fanden sich auch
hier ein deutlich geschiedener Darmkanal, die Ablagerung
von Harnconcrementen und beim Weibchen ein Keim- und
Dotterstock vor.
Die Mundtheile von Demodex deutet der Verf. nach Simon
als zwei seitliche Palpen und einen dazwischen liegenden Rüssel
mit Stilet; in Betreff der Fusskrallen lässt er es dahin gestellt, ob
dieselben zu zweien oder dreien vorhanden sind. Der Ansicht
Gruby's, dass die Haarsackmilbe des Hundes mit derjenigen des
Menschen identisch sei, glaubt Verf. entgegentreten zu dürfen; er
stellt sowohl für diese beiden als für eine Art aus der Haut von Phyl-
lostoma unterscheidende Charaktere auf. — In Betreff der Krätzmilbe
der Katze widerlegt er die Angabe Hering's, dass die Beine beim
Männchen und Weibchen dieser Art gleich gebildet seien; beim Männ-
chen endigen die Beine des letzten Paares gleich denen der beiden
vorderen in Saugnäpfe und nur das vorletzte Paar trägt die dem
M'^cibchen eigenthümlichen langen Endborsten.
Ch. Robi n , Memoire zoologique et anatomique sur
diverses especes d'Acariens de la famille des Sarcoptidcs
(Bullet, d. natur. de Moscou 1860. I. p. 184—280. pl. 1—8),
— Nach einleitenden Bemerkungen über die bei der Unter-
suchung der Krätzmilben anzuwendende Methode diskutirt
der Verf. die Charaktere der Familie Sarcoptidae, dabei
in nähere Untersuchungen über die Bedeutung ihrer Kör-
perborsten, ihrer Haulfurchen und die ursprünglichen Seg-
mente ihres Cephalolhorax und Hinterleibes eingehend.
568 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Sodann zu einer Charakteristik der Gattung Sarcoptes über-
gehend, giebt er ausführliche und durch stark vergrösserle
AbbiMungen erläuterte Beschreibungen von Sarcoptes sca-
biei Latr., cati Hering und mutans Robin nov. spec, letztere
auf Hühnern lebend, und von diesen auf Pferde übergehend.
— In der den Schluss der Abhandlung bildenden „Anato-
tornie derjenigen Körpertheile, vi^elche zur Classifikation der
Sarcoptes -Arten dienen" wird die Struktur des Rüssels,
der .zur Aufnahme des letzteren dienenden Höhlung (came-
rostome) mit ihren seitlichen Fortsätzen (joues), der Sexual-
organe und des Afters, des Hautskeletes des Körpers so-
wohl als der Beine und endlich der Haut selbst mit ihren
Faltungen und Anhängen an den drei genannten Species in
sehr eingehender Weise beschrieben und gleichfalls durch
Abbildungen erläutert.
Desselben Verf.'s „Memoire sur la composition anatomique
de la bouche oii rostre des Arachnides de la famille des Sarcoptides"
(Compt, rend. de l'acad. d. scienc. Tome 49. p. 294) und im Vereine
mit Lanquetin „Memoire sur une nouvelle espece de Sarcoptes,
parasite des Gallinaces" (ebenda p. 793) sind vorläufige Mittheilungen
an die Akademie zu Paris über denselben Gegenstand.
Rud. Bergh, „Om Skorpefnat" (Hospital-Tidende, Kjöbenhavn
14. Decbr. 1859 und 21. Decbr. 1859), in deutscher Uebersetzung
von A. Meyer „Ueber Borkenkrätze (Virchow's Archiv f. patholog.
Anat. XIX. p. 1 — 28) schliesst an einen Bericht über einen Fall von
Borkenkrätze eine durch Holzschnitte illustrirte Beschreibung der
Krätzmilbe nach beiden Geschlechtern und nach ihrer (sowohl sechs -
als achtbeinigen) Jugendform. Der bis jetzt nicht beachtete Unter-
schied zwischen der letzten Jugendform und dem geschlechtlich
entwickelten Weibchen, dem sie in beiden Geschlechtern fast voll-
ständig gleicht, hat Anlass gegeben, die relative Zahl der Weib-
chen viel zu hoch zu veranschlagen; die abweichende Form des
letzten Beinpaares beim Männchen tritt erst bei der letzten Häutung vor
der Geschlechtsreife ein.
V. Heyden (8. Bericht der Oberhess. Gesellsch. f. Natur- und
Heilkunde p. 63) gab Nachricht von fossilen Gallen auf Blättern aus
den Braunkohlengruben von Salzhausen. Die Gallen, etwa 2 Lin.
lang, sassen auf der Unterseite von Blättern von Salix abbreviata
Göpp. und gehörten nach des Verf.'s Ansicht nicht einer Cynips oder
Cecidomyia an, sondern einem Phytoptus, den er, ohne ihn selbst zu
kennen, Phytoptus anliquus nennt.
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 569
Pyciiogoiiidae.
Von besonderem Interesse ist eine Mittheilung von
Allman „On a remarkable form of parasitism among the
Pycnogonidae" (Report of the 29. meeting of the Brit. assoc.
for advanc. of science, Transact. p. 143) über das Vorkom-
men junger, eingekapselter Pycnogoniden an den Armen
von Hydren. Verf. fand nämlich an den Armen einiger
Coryne-Arten eigenthümliche birnförmige Bläschen, die auf
den ersten Blick hätten für Keimsäcke gehalten werden
können; bei näherer Untersuchung fand sich jedoch in jedem
derselben ein Pycnogonide (Ammothea?) eingeschlossen, in
den kleineren eine Embryonalform, in den grösseren mehr
entwickelte Individuen, welche im Begriffe waren, ihre
Hülle zu durchbrechen.
Tardigrada,
Nach den von Gavarret angestellten Versuchen
(„Quelques experiences sur les Rotiferes, les Tardigra-
des etc.", Annales d. scienc. natur. XI. p. 315 ff.) erlangen
die Gattungen Emydium und Macrobiotus durch Befeuchtung
mit Wasser selbst dann ihre Lebensfähigkeit wieder, wenn
sie 67 Tage lang im luftleeren Räume bis zum Erfrieren
ausgetrocknet worden sind und darauf 110 Grad Wärme
im Trockenen ausgehalten haben; ebenso nach einer Er-
wärmung in Wasser bis auf 50 Grad oder in Wasserdampf
bis auf 80 Grad. (Im Auszuge auch mitgetheilt : Comptes
rendus de l'acad. d. scienc. T. 48. p. 992.)
Lingiiatulina.
Die Naturgeschichte dieser helminthenartig geformten
und lebenden Schmarotzer liegt uns gegenwärtig in einer
grösseren Arbeit von L c u c k a r t : „Bau und Entwickelungs-
geschichte der Pentastomen, nach Untersuchungen beson-
ders von Pent. taenioides und denticulatum" (Leipzig und
Heidelberg 1860. 4. 160 pag. mit 6 lith. Taf.) durch mu-
570 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
sterhafte Untersuchungen fast nach allen Seiten hin voll-
ständig- abgeschlossen vor. Nach einer historischen Ein-
leitung, in welcher u. a. besonders den (leider niemals
veröffentlichten) Untersuchungen von Mehlis über Pen-
tastoma taenioides gebührend Rechnung getragen wird,
liefert der Verf. nochmals den ( im Jahresberichte 1858
bereits von uns mitgetheilten) experimentellen Nachweis
des genetischen Zusammenhanges zwischen Pentastomum den-
ticulatum und taenioides. iln der hierauf folgenden Ana-
tomie der letztgenannten Form erläutert Verfasser nach
wiederholten eigenen Untersuchungen die sämmllichen Or-
gansysteme der geschlechtsreifen Entwickelungsstufe des
Schmarotzers, welcher Darstellung sodann eine entspre-
chende von der Larvenform folgt; letztere wird ferner so-
wohl in ihrer embryonalen Entwickelung als in ihren
allmählichen Umwandlungen zum Pent. taenioides geschil-
dert und hieran Bemerkungen über die Metamorphose der
Pentastomen im Allgemeinen geknüpft. Schliesslich auf die
Stellung der Pentastomen im Systeme eingehend, glaubt der
Verfasser sie der Ansicht van ßeneden's entgegen den
Arachniden, und zwar der Ordnung der Acarinen zuweisen
zu müssen, von denen sie nach des Ref. Ansicht indessen
vorläufig wohl besser als eigene Ordnung abzutrennen sind.
Eine Synopsis der bis jetzt bekannten Pentastomum-Arten,
welchen drei neue hinzugefügt werden, weist mitEinschluss
dieser 18 Arten auf.
An dem im Ganzen nach Art der Cestoden homonom geglie-
derten Körper der geschlechtsreifen Penlastomen, welcher z. B. bei
Fent. taenioides einige neunzig Ringe erkennen lässt, sondern sich die
vier vorderen, von denen die Tastpapillen und Krallen entspringen, auch
durch etwas abweichende Form von den übrigen ab, so dass sie Verf.
als Cephalothorax bezeichnen zu können glaubt. Die äussere Kör-
perhaut erweist sich sowohl ihrer chemischen Beschaüenheit als ihrer
Struktur nach als eine Cutikula nach Art der Arthropoden; unter
der im Leben fast glasartig durchsichtigen Überhaut lässt sich die
als Chitinogenmembran aufzufassende Zellenlage deutlich nachweisen.
An ihren verdickten Stellen wird die Körperhaut von Porenkanäleu
durchsetzt, deren Oeffnungen wohl von den sogenannten Stigmen der
Pentastomen zu unterscheiden sind; letztere sind sehr bedeutend
grösser, je nach den Arten verschieden (in einer oder mehreren Bei-
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 571
hen auf jedem Ringe) angeordnet, aber stets in der Mitte sehr viel
zahlreicher als an beiden Enden des Körpers. Bei den Jugendformen
hat Verf. hinler diesen Stigmen kleine, mit wasserklarcr Flüssigkeit
gefüllte Bläsehen beobachtet, welche bei der erwachsenen Form fehl-
ten. Die Muskulatur liisst drei Schichten erkennen, von denen die
äusserste, aus Querfasern bestehende sehr dünn und durchsichtig ist, die
sehr starke mittlere aus Längsfasern besteht und die nur auf die Seilen-
theile beschränkte innerste schräge Fasern erkennen lässt; die erste ist
auch histologisch ausgezeichnet, indem sie nicht aus Muskelfasern,
sondern nur aus Fibrillen besieht, die letzte tritt in complicirterer
Bildung bei Penl. taenioides auf, wo durch dieselbe seilliche Diver-
tikel der Leibeshöhle abgegränzt werden. — Am sympathischen Ner-
vensystem hat Verf. das von Blanchard beschriebene Ganglion
nicht auffinden können und ebenso wenig exislirt nach ihm der von
Blanchard und van Beneden angegebene, aus der Quercommissur
entspringende Pharyngealnerv, während ein solcher vom Vorderrande
des llauptganglion selbst ausgeht; auf diesen folgt ein zu den Tast-
papillen verlaufender und an seinem Ende kegelförmig angeschwollener
Gefühlsnerv, zwei den Hakenapparat versorgende Bewegungsnerven,
diesen mehrere an die Körpermuskulatur gehende und endlich vor
den grossen Seitennerven (als Fortsetzung des Bauchmarks zu be-
trachten) die Nerven der Samentaschen des Weibchens. — Der Ver-
dauungskanal beginnt mit einem trichterförmigen, als Schlürfapparat
fungirenden Pharynx, welcher durch eine Abschnürung in eine (vordere)
Mundhöhle und einen eigentlichen, in jene durch einen Muskelapparat
hervorstossbaren Schlund zerfällt; am Mastdarm finden sich zwischen
seiner Oberfläche und den Körperwandungen eigenthümliche Fasern
ausgespannt, welche Verf. für Nervenfäden anzusehen geneigt ist und
an denen er einen Zusammenhang mit 0,07 Mill. grossen Zellen
(Ganglienzellen) nachweisen konnte. — Eigenthümliche Athmungs-
organe lassen sich bei den Pentastomen ebensowenig nachweisen, als
die als Blutgefässe und Vas dorsale angesehenen Gebilde in der That
solche darstellen. Als Sekretionsorgane sind einzellige Drüsen von
weissem Ansehen (bereits von Mehlis und Miram beobachtet, von
Kauffmann irriger Weise als Eier beschrieben) aufzufassen; sie
sind über die ganze Ausdehnung des Körpers verbreitet und münden
jederseits in drei Ausführungsgänge, von denen die beiden äusseren
an die Basis der Hafthaken gehen. Bei Pent. proboscideum und
anderen Arten wird dieser Drüsenapparat durch eine formell sehr
abweichende, grosse, schlauchförmige Drüse ersetzt, welche sich
übrigens sowohl histologisch als nach der Mündung ihres Ausführungs-
ganges als identisch nachweisen lässt. — Am männlichen Geschlechts-
apparate sieht Verf. den sich den Hoden anschliessenden unpaaren
Theil der Samenleiter als ein selbslsländiges Organ an , dem er we-
572 Gerslaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
gen der darin angehäuften Samenflüssigkeit die Bedeutung einer Sa-
nienblase zuschreibt; an den beiden sogenannten Anhangsorganen der
Vasa deferentia, welche beim Mangel eines Drüsenepithels nicht als
Prostata-artige Anhangsdrüsen gedeutet werden können, weist er da-
gegen eine starke Längsmuskelschicht nach und beurtheilt sie hier-
nach als Propulsionsapparat. Die paarigen Leitungsapparate zerfallen
in einen kurzen und geraden Canal (den eigentlichen Samenleiter)
und in einen grossen, birnförmigen Sack, in dessen Boden das Co-
pulalionsorgan in Form eines sehr langen, fadenförmigen Cirrus, von
einem zungenförmigen Chitinzapfen gestützt, entspringt. — Die drei
vom Verf. charakterisirten neuen Pcntastomum-Arten sind : P. subu-
liferum aus der Lunge von Naja Haje, P. heterodotitis aus den Bauch-
muskeln und dem Peritonäum von Heterodon , P. Najae sputalricis
aus den Bauchmuskeln und dem Peritonäum der Naja sputatrix.
IV, Crustaceen.
Eine umfangreiche Abhandlung über fossile Crustaceen
(Podophthalrnen) von Alphonse Milne Edwards (An-
nales d. scienc. natur. 4. ser. Zoologie XIV. p. 129 — 357)
enthält im zweiten Capitel „De la Classification generale des
Crustaces" (p. 147 — 163) eine Darlegung der Ansichten des
Verf.'s über die systematische Eintheilung der Crustaceen,
welcher allerdings keine eigenen , am wenigsten anato-
misch-physiologische Untersuchungen zu Grunde liegen,
sondern welche sich nur auf leichte Modifikationen des
von Milne Edwards (dem Vater) in seiner Hist. nat. d.
Crustaces aufgestellten und später in d'Or b i gny's Diction-
naire univ. d'hist. nat. IV. 1844 etwas abgeänderten Sy-
stems beschränkt. Hauptsächlich ist es die Ordnung der
Cirripedien, welche, in seines Vaters System noch nicht
berücksichtigt, dem Verf. eine veränderte Eintheilung der
ganzen Classe in zwei Hauptgruppen nothwendig zu machen
scheint. Diese beiden Hauptgruppen (Unterklassen) sind für
unseren Verf. nicht die Crustaces ordinaires und die Xipho-
sures, welche letztere Milne Edwards wegen der Bil-
dung der Mundgliedmassen allen übrigen Crustaceen ge-
genüberstellte, sondern vielmehr die „EIcutheronotes" ou
Crustaces propremenl dits einerseits und die „Basinotes"
im fiebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 573
ou Cirrhipedes andererseits. Die Basis dieser Eintheilung
liegt auf der Hand; es ist das Getrenntsein der beiden
Geschlechter in der einen und der Hermaphroditismus in der
anderen Abtheilung. Ausserdem hält der Verf. das Fest-
haften der Cirripedien vermittelst eines „pedoncule dorso-
frontal" wichtig genug, um eine derartige Gegenüberstellung
zu rechtfertigen. Für ein naturgemässes System der Cru-
staceen kann diese Eintheilung begreiflicher Weise von
keinerlei Belang sein, da dieselbe der nahen Verwandtschaft,
welche die Cirripedien einerseits mit den Ostracoden, ande-
rerseits mit den Entomostraceen (Copepoden und Siphono-
stomen) ihrer Entwickelung nach bekunden , keine Rech-
nung trägt.
In der weiteren Eintheilung seiner Crustaces propremenl dits
hält der Verf. sich zunächst an das System seines Vaters, indem er
die Xiphosuren als „Crustaces agnathes" allen übrigen Crustaceen,
welche er „Crustaces ordinaires ou Eustomes" nennt, gegenüberstellt.
Die Eintheilung der letzteren in Decapoda, Amphipoda , Isopoda,
Branchiopoda, Entomostraca u. s. w. hält er nicht für zweckmässig,
sondern zieht es vor , „um die Classifikation in Einklang mit der
Wichtigkeit der Charaktere zu bringen," nur zwei Legions: 1) Po-
dophlhalmaires (I)ecapoden) und 2) Oligognathes (die übrigen umfas-
send) anzunehmen. Da der Verf. im ferneren Verlaufe seiner Dar-
stellung nur von den Podophthalmen handelt, deren fossile Arten
zu beschreiben der eigentliche Zweck der Arbeit ist, lässt er sich
specieller auch nur noch auf die Systematik dieser ein (Podophthal-
men im Allgemeinen p.l63, Decapoden p. 166 und Braehyuren p.l81 ff.).
Die Podophthalmen zerfallen nach ihm ebenfalls in Decapoden und
Slomapoden, die Decapoden wieder in Braehyuren und Macrouren ;
zu ersteren rechnet er alle Decapoden, deren vorletzter Hinterleibs-
ring beim entwickelten Individuum keine bewegliche Anhänge trägt,
zu letzteren diejenigen, deren vorletzter Hinterleibsring mit Flossen
oder analogen Anhängen versehen ist. Als aberrirende Anhangsgruppe
der Braehyuren sieht er die Anomura Apterura W. Edw. an, wäh-
rend die übrigen Anomuren in gleichem Verhältnjsse zu den Macrou-
ren stehen. Die Braehyuren zerfallen nach ihm in „Macrocephales"
und „Microcephales," von denen letztere nur die Familie der Leucosi-
den, erstere alle übrigen Formen umfassen. Diese Hauptmasse der
Braehyuren lässt nach dem Verf. zwei neben einander laufende Keihen
erkennen: a) Eustomes mit den Gruppen der Cyclometopa, Catometopa
und Oxyrrhyncha. b) Oligorhynches mit den Gruppen der Hepatiens,
Dorippiens und Corystiens. Von diesen Gruppen sollen die Hcpalien»
574 Gerstaecker: Bericht fiber die wissenschaftlichen Leistungen
den Cyclometopis, die Dorippiens den Catometopis und die Corysliens
den Oxynhynchen entsprechen.
C. Danielsse n, „Beretning om en zoologisk Reise
foretagen iSommeren 1857'' (NytMagaz. forNaturvidensk. XI.
p. 3 — 11) gab eine vorläufige Aufzählung der von ihm
längs der Norwegischen Küsle bis zum Nordkap beobach-
teten Crustaceen, deren neue Galtungen und Arten in der
Fauna liloralis Norvegiae ausführlich beschrieben und ab-
gebildet werden sollen.
Aufgeführt werden: a) Decapoden : 1 Stenorhynchus, 2 Hyas,
1 Carcinus, 2Pagurus, 1 31unida, 1 Crangon, 9 Hippel yte ("//jp. Li7(/e-
borgii und Korenii n. A.) , 1 Pandalus, 1 Mysis, 1 Diastylis und 1
Cuma (C. gifjantea n. A.). — b) Amphipoden : 3 Anonyx, 2 Oedicerus
(Oed. arcticus n. A.), 3 Ampelisca, 1 Haploops, 1 Gammarus, 1 Cyr-
tophium, 2 Podocerus, 5 Amphilhoe und 1 Caprella. — c) Isopoden:
1 Arcturus, 1 Idolhea, 1 Anthura (Anth. glacialis n. A.), 1 Apseudes^
1 Anceus, 1 Cirolana und 1 Aega. — d) Enlomostracen : 1 JXebalia
und 1 Peltogaster.
M. Sars, ßeretning om en i Sommeren 1859 fore-
tagen zoologisk Reise ved Kysten afRomsdals Amt" (ebenda
XI. p. 247-^252) führte gleichfalls elf von ihm an der Nor-
wegischen Küste aufgefundene^ Crustaceen an, von denen
einige als neu beschrieben werden. Die erwähnten Arten
gehören den Gattungen Ebalia, Calocaris, Sabinea, Crangon,
Amphithoe, Munnopsis (nov. gen. Isopodum), Cirolana,
Aega und Terebellicola (nov. gen. Copepodum) an.
Kinahan (Nat. bist, review 1859. Proceed. of societ.
p. 80—85) stellte ein Namensverzeichniss der in der Ray
von Belfast bis jetzt beobachteten Malacostraken zusammen.
28 Decapoden, 26 Amphipoden und 20 Isopoden.
Unter den Decapoden wird Crangon Pallersonii als n. A. be-
zeichnet. — p. 100 folgt eine Beschreibung von Pandalus JefFreysii
Spence Bäte nebst Abbildung im Holzschnitt.
Balsamo Crivelli (Memorie dell' Institute Lom-
barde di scienze VII. 1859. p. 120) verzeichnete 31 bei Pavia
von ihm aufgefundene Crustaceen, welche zum grösseren
Theile den Land-Isopoden angehören; ein darunter befind-
licher Armadillo wird als n. A. diagnosticirt.
Ger st fei dt (Memoires d. sav. etrang. de l'acad. de
St. Petersbourg VIII. p. 276—284) lieferte eingehende Be-
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 575
Schreibungen von einigen in Sibirien aufgefundenen Cru-
staceen aus den Ordnungen der Oslracoden, Isopoden,
Amphipoden und Decapoden, welche zum Theil neu sind,
theils bereits Pallas bekannt waren; einzelne sind mit
Europäischen Arten identisch.
L y m a n (Proceed. Boston soc. of nat. bist. 1859. p. 75 f.)
machte Mittheilungen über die Lebensweise einiger von
ihm zu West-Yarmouth beobachteten Crustaceen : Plalyony-
chus ocellatus, Libinia canaliculala, Palaemon vulgaris (?),
Eupagurus pollicaris, longicarpus, Gelasimus vocans, Pilum-
nus Harrisii (?) und Idotea coeca (?).
lieber mehrere der niederen, gemeinhin als Entomo-
straca bezeichneten Crustaceen-Ordnungen handeln :
C. Claus, Beiträge zur Kenntniss der Entomostraken.
Erstes Heft, mit vier Kupfertafeln. Marburg 1860. (4.
28 pag.). — Enthält eine Schilderung mehrerer vom Verf.
in Nizza beobachteter Copepoden so wie einer neuen Mexi-
kanischen Estheria.
Seb. Fischer, Beiträge zur Kenntniss der Entomo-
straceen. (Abhandl. d. math.-physikal. Classe der Bayeri-
schen Akad. d. Wissensch.VIII. 3. p. 645—682. Taf. 20—22).
— Verf. giebt ausführliche durch zahlreiche Abbildungen
illustrirte Beschreibungen mehrerer neuer Arten von Bran-
chiopoden und Copepoden, so wie eines Parasiten. Die
meisten derselben stammen von Madeira, eine aus Acgypten.
W. Baird, Description of sereval species of Ento-
mostracous Crustacea from Jerusalem (Annais of nat. bist. IV.
p. 280 ff. pl. 5, 6). — Verf. beschreibt nach dem Leben vier
neue Branchiopoden und einen Copepoden aus süssem Wasser
von Jerusalem, welche nach London gesandt, sich hier
weiter entwickelten.
Decapod«!.
C. Strahl, „Eine Missbildung am Flusskrebs" (Archiv
f. Anat. und Physiol. 1859. p. 338 IT.). — Nach den Unter-
suchungen des Verf.'s ist das sogenannte Tympanum, wel-
ches den Fortsatz am ersten Gliede der äusseren Fühler
bei Astacus verschliesst, keine geschlossene Membran, son-
576 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
dern in ihrer Mitte mit einer durch Muskulatur verschliess-
baren Oeffnung- versehen, in welche man obwohl mit Mühe
ein feines Haar einführen kann. Deutlicher ist diese
Oeffnung- bei Nephrops und Homarus , schon mit blossem
Auge sichtbar bei Palinurus, wo sie einen fast eine Linie
langen Schlitz darstellt. Den von Brandt angegebenen
Zusammenhang des präsumirten Gehörsackes mit der grünen
Drüse des Flusskrebses bestätigte der Verf. durch Injektion
von Quecksilber in den Gehörsack, durch den dasselbe in
die grüne Drüse eindrang. Einen ferneren Beweis für die-
sen Zusammenhang lieferte die Untersuchung von Monstro-
sitäten, indem sich beim Mangel des Tuberculum auch eine
Abwesenheit des Gehörsackes und der grünen Drüse her-
ausstellte, während letztere auf der äusserlich regelrecht
gebildeten anderen Seite vergrössert war. Eine Abtragung
der beiden Tubercula mit der Scheere hatte beim Fluss-
krebse stets den Tod nach zehn bis zwölf Tagen zur Folge.
Leuckart, „Ueber die Gehörorgane der Decapoden''
(dies. Archiv f. Naturgesch. XX\. p. 265. Taf. 7) lieferte
Abbildungen vom Gehörorgane in den Innern Fühlern des
Mastigopus (Sergestcs?) spinosus, Palaemon squilla, Palinu-
rus quadricornis und der Hippolyte viridis. — Der vom
Verf. daselbst erwähnten Abhandlung von Kroyer über
die Gehörorgane der Decapoden ist neuerdings eine zweite
(Einige Bemerkungen über die Gehörorgane der Crusta-
ceen) desselben Verf.'s in den Kongel. Danske Selskabs
SkrifterIV. 1859. p. 287 ff. nachgefolgt, welche dem Ref.
jedoch so wenig wie jene frühere zur näheren Einsicht
vorgelegen hat. (Angezeigt in Biblioth. univ. de Geneve VII.
p. 359).
Lerebouillet, „Recherches sur le mode de Fixa-
tion des oeufs aux fausses pattes abdominales dans les
Ecrevisses" (Annal. d. scienc. natur. 4. ser. Zoologie XIV.
p. 359 — 378. pl. 17) machte sehr interessante Mittheilungen
über die Art, wie die weiblichen Flusskrebse ihre Eier
nach dem Heraustritt aus den Vulvae an der Aussenfläche
des Schwanzes und dessen Anhängen befestigen. Die Eier
sind weder, wieLatreille undAudouin glaubten, beim
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. CO. 577
Austritte mit einem beweglichen Stiele, noch mit einer
sackartigen Hülle umgeben, noch werden sie, wie Milne
Edwards vcrmuthet, durch eine aus dem Ovidukt abge-
sonderte zähe Flüssigkeit befestigt. Allerdings geschieht
die Anheftung durch eine solche flüssige Masse, dieselbe
stammt jedoch von einer eigenthümlichen milchweissen
Substanz her, welche sich vor dem Ablegen der Eier unter
den Bauchplatten der Krebsweibchen allmählich stärker
anhäuft.
Dieselbe markirt sich hier schon äusseilich, indem der Vorder-
und Hinterrand der dritten bis sechsten Bauchplatte, wo sie ganz
besonders abgelagert wird, und ebenso die von diesen Platten ent-
springenden Afterfüsse, in deren Lumen sie gleichfalls eintritt, durch
dieselbe intensiv weiss gefärbt erscheinen. Nach Abtragung der Chi-
tinlamellen zeigt diese Masse ein traubiges, lobuläres Ansehen ; unter
dem Mikroskope besteht sie aus feinen Granulationen, in welche
zellige Körper und Fetttropfen eingestreut sind. Mit Serum vermischt,
bleibt der Inhalt derselben durchsichtig, während bei der Berührung
mit Wasser augenblicklich eine Gerinnung zu P'äden eintritt. — Sind
die Eier zum Austritte reif, so bildet das Weibchen durch Umschla-
gen des Schwanzes eine geschlossene Bruthöhle, in welche es die
Eier hineinfallen lässt; gleichzeitig tritt die weisse Flüssigkeit ver-
muthlich durch Exsudation aus den Verbindungshäuten der Bauchplatten
hervor, ergiesst sich um diese sowohl als die Afterfüsse und kommt
so mit den Eiern in Berührung. Durch Zutritt von etwas Wasser,
welchen das Weibchen wohl selbst veranlasst, erfolgt die Gerinnung
der Flüssigkeit, welche die Eier nun in Form einer Kapsel umhüllt
und sie zugleich durch eine stielförmige Verlängerung mit den Bauch-
platten und Afterfüssen verbindet. Dafür, dass diese Kittsubstanz aus
jenen weissen Ablagerungen unter den Bauchplalten herrührt, spricht,
abgesehen von einer direkten Beobachtung des Verf.'s , nicht nur
die Ablagerung derselben kurz vor und ihr Verschwinden bald nach
dem Eierlegen, sondern auch ihre jedzeitige Abwesenheit bei den
männlichen Krebsen.
A. Baur, Ueber den Bau der Chitinsehne am Kiefer
der Flusskrebse und ihr Verhalten beim Schalenwechsel
(Archiv f. Anat. und Physiol. 1860. p. 113—144. Taf. 2
und 3). — Das eigenthümliche Verhalten der Sehne des
Krebskiefers, auf welches Leydig seine Theorie des chi-
linisirten Bindegewebes (auch für die Körperbedeckung der
Arthropoden im Allgemeinen) basirte und welches, da schein-
Aroh. für Naturg. XXYII. Jahrg. 2. Bd. Mm
578 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
bar ein unmittelbarer Uebergang- von Chitin in Bindegewebe
vorlag, mit der Leydig'schen Ansicht eher in Einklang
zu bringen war als mit einer Ausscheidung des Chitin
durch eine darunter liegende zellige Matrix (KöUiker
und Haeckel), hat den Verf. veranlasst, das Verhalten
dieser Sehne bei der Häutung näher zu beobachten. Hier-
bei stellt sich nun heraus, dass in der That keine Conti-
nuilät zwischen dem Chitin und dem Bindegewebe vorhan-
den ist. Die sogenannte Chitinsehne ist nämlich eine
ursprünglich röhrenförmige Fortsetzung der Körperbedekung,
welche sich am Ende fein verästelt und alle Schichten des
äusseren Skeletes in umgekehrter Reihenfolge enthält, so
dass die Chitinlage in ihr zu innerst liegt, während die
Bindegewebslage erst auf diese nach aussen folgt. Das
Chitinskelet der Sehne wird bei der Häutung im Zusammen-
hang mit der Körperschale abgeworfen und zwar erstreckte
sich diese ihre Häutung bis in die feinsten Aeste ; auch in
letzteren ist, wie überall an der Sehne, die Chitinlage
von der Bindesubstanz stets durch die Matrix geschieden.
Ein Unterschied zwischen dem Chitin der Sehne und des
übrigen Skeletes existirt nicht; die Längsstreifung des er-
steren rührt von der Zusammenfaltung der Röhre nach
Ausstossung des alten und der Erhärtung des neuen Chi-
tins her.
James Salt er, On the moulting of the common
Lobster (Homarus vulgaris) and Shore Crab (Carcinus mae-
nas) in: Journal of the proceed. of the Linnean soc, Zoo-
logy IV. p. 30 ff. — Verf. stellte seine Beobachtungen über
die Häutung von Homarus vulgaris (an zwei Exemplaren)
und Carcinus maenas in einem Aquarium an; besonders
enthalten die 31ittheilungen über das Verhalten der ersteren
Art mehrere interessante Punkte.
Zwei Tage vor der Häntung nimmt der Krebs eine eigenthüm-
lich starre Haltung an, uobei er den Schwanz aufrichtet; am dritten
Tage bildete sich ein querer Hautspalt auf der Grenze von Cephalo-
thorax und Postabdomen und durch diesen wird zunächst ein Segment
des letzleren nach dem anderen unter vibrirenden Bewegungen des
ganzen Abschnittes hervorgezogen. Ist das Postabdomen ganz be-
freit, so entsteht ein Längsspalt auf dem Rücken des Cephalothorax,
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u, 60. 579
aus welchem alle Theile der vorderen Körperhälfte herausgezogen
werden, zuerst die ßeine in der Reihenfolge von hinten nach vorn,
bis zuletzt die Scheeren, deren Haut nicht platzt, hervorgehen. Die
ganze Häutung dauerte etwa zwanzig Minuten ; kurz nach derselben
war der Krebs sehr unförmlich, in allen Theilen sehr in die f..änge
gezogen, bis durch Verkürzung und Verbreiterung die frühere Form
wieder hergestellt wurde.
Spence Bäte, „On the importance of an examina-
tion of the striicture of the integument of Crustacea in the
determination of doubtful species" (Journal proceed. Linnean
soc, Zoology III. p. 1 ff.) will für Unterscheidung nahe
verwandter Arten ein besonderes Gewicht auf die mikro-
skopische Untersuchung der Schalenbedeckung auch bei
den Decapoden (wie früher bereits bei den Amphipoden)
legen. Fünf Galathea -Arten, von denen eine als neu be-
schrieben wird, sollen sich nur nach der Struktur der Schale
unterscheiden lassen (! ?).
Stimpson setzte seinen Prodromus descriptionis ani-
malium evertebratorum etc. mit einem achten Abschnitte in
den Proceedings acad. nat. scienc. of Philadelphia 1860.
p. 22 — 46 fort, in welchem die Decapoda macrura abgehan-
delt werden. Zahlreiche neue Arten aus den verschieden-
sten Meeresgegenden, zum Theil eigene Gattungen bildend,
werden beschrieben.
Desselben „Notes on North-American Crustacea in
the Museum of the Smithsonian Institution, No. I, II" (An-
nais of the Lyceum of nat. bist, of New-York VII. p. 49 — 93.
pl. 1 und p. 176—246. pl. 2 u. 5) enthalten theils ergänzende
Bemerkungen zu bereits bekannten, theils Beschreibungen
zahlreicher neuer Arten aus den Gruppen der Brachyuren
und Anomuren von den Küsten Nord- und Mittel-Amerikas
so wie von den Antillen. Auch unter diesen gaben ver-
schiedene zur Aufstellung neuer Gattungen Anlass.
Derselbe zählte ( Silliman's American Journal for
scienc. XXIX. p. 444) 38 Decapoden von Beaufort in Nord-
Carolina auf und beschrieb eine darunter beündliche neue
Gattung aus der Porcellaniden-Gruppe.
Kinahan, „Report on Crustacea of Dublin Dislrict,
Part I. Decapoda Podophthalmata'* (Report of the 28. mee-
580 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
ting of the British assoc. for advanc. of science p. 264 ff.)
zählt unter Erörterung der ergiebigsten Sammelplätze in
der Nähe Dublins die bis jetzt daselbst beobachteten Deca-
poden (Brachyuren bis Cumaeeenj auf und stellt einen
Vergleich zwischen der Artenzahl Dublins mit derjenigen
von Irland im Ganzen an.
Gancrina. — Catometopa. — Thom Bell, Description of
a new genus of Crustacea of the family Pinnolheridae, in which the
fifth pair of legs are reduced to an almost imperceptible rudiment.
(Journal of proceed. of the Linn. soc. , Zoology III. p. 27 ff.)- D*^
zur Pinnotheriden-Gruppe gehörende neue Gattung ist Am orp ho-
pus benannt. Körper fast cylindrisch, Schale halbkreisförmig, äus-
sere Fühler sehr klein, innere Fühl ergruhen quer, von den Augen-
höhlen nicht getrennt, Mundöffnung vorn bogig; Vorderbeine robust,
ungleich, die drei folgenden Beinpaare lang und etwas zusammen-
gedrückt, das fünfte rudimentär, im Einschnitte des Basalgliedes des
vierten Paares eingefügt. — Art: A. cylindraceus (Grösse und Fundort
sind nicht angegeben).
Th. Gill (Annais Lyc. nat. bist. New-York VII. p. 42 f.) be-
schrieb Cardisoma diurmwi und Uca pilosipes als n. A. aus Westin-
dien (Barbadoes und St Thomas).
Von Stimpson (Notes on North-American Crustacea, Annais
Lyc. nat. bist. New- York VII. p. 58 ff.) wurden folgende neue Gat-
tungen und Arten bekannt gemacht: Speo carcinus nov. gen., mit
Eucrate Dana zunächst verwandt, aber durch hinten breiteres Sternuni
und stark klaffende äussere Kieferfüsse unterschieden; Rückenschild
nach vorn und hinten abschüssig, der Quere nach flach, verengt, vor-
derer Seitenrand kurz, gezähnt. Augen kurz mit kleiner Cornea,
Orbitae und Fühler denen von Panopeus ähnlich ; Scheerenfüsse kurz
und dick, Gangbeine schlank, mit niedergedrücktem und gewimpertem
Endgliede. — Art: Sp. Carolinensis von Charleston, in den unter-
irdischen Gängen von Squilla und Callianassa lebend. — Etiryplax
nov. gen., von Prionoplax, Pseudorhombila u. s. w. durch die Bildung
der Orbitae unterschieden; der innere Suborbital -Lappen , welcher
sich mit der Stirn verbindet, schliesst nämlich die äusseren Fühler
von der Orbita aus. — Art: Eur. nitidus von Florida. — Gelasimus
subcylindricus von Matamoras, Panamensis von Panama und Pinnixa
laevigala von Charleston. — Von bekannten Arten werden ausserdem
erörtert: Prionoplax spinicarpus 3Iilne Edw., Gelasimus palustris M.
Edw. (vocans de Kay, minax Le C.) und pugilator Bosc, Plagusia
depressa Say (Sayi de Kay), Pachygrapsus transversus Gibb. (Leptogra-
psus rugulosus M. Edw.?), Cyclograpsus integer M. Edw., Sesarma
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 581
cinerea Bosc, anguslipes Dana (Ricordi M. Edw. ?), reliculata Say,
Pinnotheres ostreum Say, maculatiis Say und Pinnixa cylindrica Say.
Derselbe (ebenda VII. p. 229 ff.) beschrieb: Gelasinms brevi--
frons und Ocypoda occidentalis n. A. vom Cap St. Lucas (Californien),
Grapsus altifrons (pictiis Sauss.) ebendaher, Geograpsus lividus M.
Edw., Plagusia orientalis Stimps. (squamosa M. Edw.), Acanthopus
planissimiis Dana, Aratus Pisoni M. Edw., Gecarcinus ruricola, qua-
dralus, lateralis und planatus n. A. vom Cap St. Lucas. — Epilo"
hocera nov. gen., mit Potamocarcinus nahe verwandt und in der
Form des Rückenschildes und der Stirn übereinstimmend ; der innere
Suborbitallappen verbindet sich aber mit der Stirn und bedeckt die
äussere Antenne, ohne diese jedoch von der Orbita anszuschliessen. —
Art: E. Cuhensis von Cuba. — Pinnixa cylindrica Say, chaetopteranan. A.
(cylindrica Stimps.) von Charleslon und Sayana n. A. von Beaufort.
Cyclometopa. — Derselbe (ebenda VH. p.50) beschrieb
folgende neue Gattungen und Arten aus Nord - Amerika: Cancer bo-
realis (von C. irroralus Say specifisch verschieden), Actaea rosea von
Florida, Xanthoclius (nov. gen., mit Xantho und Ozius im Habi-
tus übereinstimmend, von Chlorodius durch einen Höcker des Endo-
stomium unterschieden) Sternberghii von Panama, Menippe nodifrons
von Florida, obtusa von Panama, Panopeus Texanus von Texas, Har-
risii Gould (Pihimnus) vom Charles-River, Eurytium nov. gen., für
Panopeus limosus Say errichtet, Eriphia squamaia von Mazatlan,
Lupa bellicosa aus dem Golf von Californien, Gibbesii von Süd -Ca-
rolina und Florida, Amphitrite depressifrons von Süd-Carolina.
Derselbe (ebenda VIL p. 202 fr.): Atergatis lobatus M. Edw.,
rotundatus n. A. vom Cap St. Lucas, Actaea nodosa von den
Torlugas, stilcata vom Cap St. Lucas, labyrinthica von Panama,
Xantho bella vom Puget-Sund, planissima , hunellipes, villata und
denticulata vom Cap St. Lucas, Xanthodes Taylori von ölonterey,
hebes vom Cap St. Lucas, Americanus Sauss. (Chlorodius), Chlorodius
maculatus von den Tortugas , Panopeus transversus von Panama,
abbreviatus von Barbadoes , Ozius perlatus , Daira Americana und
Pilumnus Xantusii vom Cap St. Lucas, Pil. gemmafus und reticulatus
von St. Thomas, ceratopus von Biscayne, lunalus M. Edw. vom Cap
St. Lucas. — M et 0 p 0 c ar cinu s nov. gen., mit glatten), fast kreis-
rundem Rückeuschilde, ohne deutlich abgegränzte Regiones, der vor-
dere Seiteruand etwas kürzer als der hintere; Stirn fast breiter als
die Hälfte der Thoraxbreite, geradlinig, hervortretend, Orbita klein,
oben ganzrandig, unten mit einem Spalt, äussere Fühler den Innen-
winkel derselben einnehmend. — Ait: JiJet. tn/ncatus vom Cap St.
Lucas. — Eriphia gonagra M. Edw., squamata Stimps., hispida n. A.
von Central-Amerika, Trapezia nigrofusca Cap St. Lucas, C allin e-
ctes nov. gen., für Lupa diacantha M. Edw. errichtet, Achelous
582 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Gibbesii Stimps., Xanlusii und tuberculatus n. A. vorn Cap St. Lucas,
depressifrons Stimps. (Aniphitrite), Ordwayi n. A. vom Cap St. Tho-
mas, Cronius nov. gen., für Lupa rubra M. Edw. errichtet. — Eii~
phylax nov. gen., in der Bildung der Stirn, der Fühler und der
grossen Länge der Augenstiele mit Podophthalmus übereinstimmend,
aber durch die kürzeren Orbitae, welche ausserhalb geschlossen sind,
unterschieden ; auch sind die Seiten des Rückenschildes gerundet
und ermangeln der Dornen. — Art: Euph. Dovii, pl. 5. fig. 5 von
Central - Amerika. — Pliosoma nov. gen., mit kurz eiförmigem
Rückenschilde , dessen vorderer Seitenrand stark gezähnt ist und
dessen Regiones in der Mittellinie so wie die vorderen seitlichen
mit zahnartigen Höckern besetzt sind; Fühler bedeutend kürzer als
bei den Corystiden, denen die Gattung sonst zunächst steht. — Art:
PI, parvifrons vom Cap St. Lucas.
Girard, „Note monographique sur les genres Grabe et Pla-
tycarcin avec indication d'especes nouvelles" (Annal. soc. entom. VH.
p. 143 ff. pl. 4) gab eine systematische Uebersicht der bis jetzt bekannt
gewordenen Arten der Gattungen Cancer und Platycarcinus und be-
schrieb Cancer fossulatus als n. A. aus dem rothen Meere und Pla^
tycarcinus Bervillei fossWe Art (aus England oder Aegypten ?). Letztere
Art wird vom Verf. später (Bullet, soc. entom. 1860. p. 114) aufPor-
tunus leucodon Desm. zurückgeführt.
Oxyrrhyncha. — Stimpson, Sketch of a revision of the
genera of Mithracidae (Silliman's Americ. Journ. for scienc. XXIX.
p. 132) gab Andeutungen zu einer Auflösung der Milne Edward'-
schen Gattung Mithrax in mehrere kleinere Gattungen. Bei der auf
Mithr. sculptus Edw. und Verwandte begründeten Galtung Mithracu-
lus White zeigen die äusseren Kieferfüsse am Innenwinkel keinen
Ausschnitt, der bei allen folgenden zum Einschlagen des Palpus
vorhanden ist. Bei diesen ist entweder die Stirn schmal und die
Orbitae klein und tief, wie bei Mithrax Leach (M. aculeatus Hbst. u. a.)
und Teleophrys nov. gen., oder die Stirn breit und die Orbitae
gross aber nicht tief, wie bei Schizophrys White (Dione de H.),
Cyclomaj a nov. gen. und Cyclax Dana. — Die Gatt. Teleophrys
ist charakterisirt : „Carapax antice triangularis, postice et lateraliter
rotundatus, sulco cervicali sat profunde : orbita margine supero ex-
ternoque integra nee dentata. — Art: T. cristulipes Stimps. — Die
Gattung Cy cl omaj a: „Carapax orbiculatus, antrorsum quam retror-
sum vix angustior, rostrum brevissimum, bifidum, cornibus acutis, non
dentatis. Oculi grandes, sat breves, antennae externae articulus basalis
trispinosus, spinis superne conspicuis : waxillipedis externi merus
apice interno profunde sinuatus, pedes mediocres. — Art: C swÄor-
hicularis Stimps.
Derselbe (Annais Lyc. nat. bist, of New -York VII. p. 49)
im Gebiete der Entomologie uälirend der Jahre 1859 u. 60. 583
beschrieb Epialtus affinis (Ep. bituberculatus Gibbes nee M. Edw.)
als n. A. von Florida und (ebenda VII. p. 177 ff.)-' Pelia niutica Gibbes,
Thoe sulcata n. A. vom Cap St. Lucas und puella von Florida, Mil^
nia (nov. gen., für Pericera bicornuta Latr. errichtet) platysoma n.A.
von St. Lucas, Pericera laetigata, subparallela und diplacanlha von
St. Thomas, fossata vom Cap St. Lucas. — Anaptychu s nov. gen.,
mit dreieckigem Rückcnschilde, dessen plattenförmig ausgebreitete
Seitenränder die Basis der Beine wie bei Huenia überdecken und zu
grossen Zähnen eingeschnitten sind; Rüssel zweispitzig, Basalglied
der äusseren Fühler mit langem, spitzem Dorne, Orbitae vollständig,
klein und tief, Augen zurückziehbar. — Art: An. cornutus aus dem
Golf von Californien. — Herbstia parvifrons Band., depressa n. A.
von St. Thomas, 3Iithraculus coronatus, cinctimanus n. A. von St.
Thomas, Mithrax verrucosus M. Edw., aculeatus Hbsf., spinosissimus
Lam., hispidus übst., tuherculatus vom Cap St. Lucas, Teleophrys
cristulipes, pl. 2. fig. 2 vom Cap St. J^ucas (siehe oben!). — Euci-
netops nov. gen. mit Micippa verwandt, merkwürdig durch die
grosse Länge und Beweglichkeit der Augenstiele, welche in die klei-
nen Orbitae nur mit der Basis eingesenkt sind; diese mit dornför-
migem Aussenwinkel und einem Spalt am Oberrande. — Art: Euc.
Lucasii, pl. 2. fig. 3 vom Cap St. Lucas. — Olhonia sexdentata Bell
und Inachoides laevis n. A. von Panama. — Coli ödes nov. gen.,
mit unvollständigen Orbitae, deren hinterer Oberrand indessen vor-
handen ist und durch den Processus postocularis gebildet wird; Ba-
salglied der Fühler schmal, zweizähnig, Gangbeine sämmtlich mit
langem, eingeschlagenem Endgliede. — Art: C. granosus, pl. 2. fig. 4
vom Cap St. Lucas. — Podochela nov. gen., mit Achaeus ver-
wandt, aber der Rüssel ist ungetheilt und die beiden ersten Beinpaare
endigen in eine Greifklaue ; Rückenschild lang dreieckig, Augen
stark hervorspringend, nicht zurückziehbar, erstes Glied der äusseren
Fühler schmal, in der Mitte der Länge nach gefurcht, Beine sehr
verlängert. — Arten: P. grossipes, macrodera, Riisei und deßexifrons
von St. Thomas. — Met oporhaphis nov. gen., für Leptopodia
calcarata Say errichtet , Epialtus sulcirostris n. A. vom Cap St.
Lucas, longirostris von St. Thomas. — Mimulus nov. gen., mit
Epialtus verwandt und wie Huenia mit lamellösen seillichen Ausbrei-
bungen des Rückenschildes, welches pentagonal ist und dessen vor-
dere Seitenränder durch einen Schlitz zweilappig erscheinen; Augen
zurückziehbar, der Exognath der äusseren Maxillarfüsse mit starker
winkliger Erweiterung des Aussenrandes. — Art: M. folialvs n. A.
von Monterey. — Lambrus triangnliis vom Cap St. Lucas.
Nach Lucas (Annales soc. cntom. VIII. p. 326) kommt Lepto-
podia sagittaria zugleich auf den Antillen und den Canarischen In-
seln vor.
584 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Ojcystomata. S t i m p s o n (Annais Lyc. na(. hist. New-York VII.
p. 72) beschrieb Calappa galloides n. A. von Florida, (p. 237 ff.)
Calappa Xanhisiana und Cyclois Bairdii vom Cap St. Lucas, Lithadia
cariosa von Beaufort.
NotOpOda. Derselbe (ebenda VII. p. 72 u. 80 ff.) : Dromidia
Antillensis von St. Thomas, Ihjpoconcha arcuata ebendaher und von
Süd-Carolina, Echidnocerus foraminalus von S. Francisco, Hapaloga-
ster cavieauda pl. 1. fig. 7 von Monterey. — Ebenda p. 239 u. 242 ff. :
Dtjnomene ursula vom Cap St. Lucas, Dermalurus hispidus von Ca-
lifornien und Hapalogaster inermis vom Fuget-Sund.
Pagurini. Derselbe (ebenda VH. p. 83 ff.) : Pagurus venosus
M. Edw., sinistripes n. A. von Panama , Aniculus elegans, Calcinus
ohscurits, Clibanarius Panamensis ebendaher, Antillensis von Bar-
badoes, Isocheles \Vurde?nanni aus dem Golf von Mexiko, Pagurisles
turgidus Stimps. (Clibanarius) vom Puget-Sund, Pagurisles depressus
n. A. von St. Thomas, Spiropagvrus dispar von Barbadoes, Eupagu-
rus Kroyeri von Grand Manan, Samuelis Stimps., granosimanus von
Monterey, brevidactylus von Barbadoes und operculatus pl. 1. fig. 9—10
von Florida. — Ebenda p. 243: Eupagurus am%ulipes n. A. von
Beaufort.
Lewes (Sea-side studies p. 46 ff.) gab eine sehr interessante
Schilderung von dem Benehmen einiger Exemplare von Pagurus
Bernhardus, welche er, ihrer Schneckengehäuse beraubt, in ein Glas
mit Meerwasser setzte, um über ihr Verhalten zu den Schnecken
Beobachtungen anzustellen. Um ein leeres Schneckengehäuse, wel-
ches ihnen gereicht wurde, entstand ein heftiger Wettstreit, bis der
stärkste Pagurus sich desselben bemächtigte; dagegen vermochten
sie ein noch von der Schnecke bewohntes Gehäuse nicht in Beschlag
zu nehmen, zogen sich vielmehr vor dem durch ihre xManipulationen
herausgelockten Thiere zurück. Nach dieser Beobachtung weist
Verf. die Meinung, dass die Paguren die Schnecken frässen und
sich sodann in ihrer Schale niederliessen , als unbegründet von
der Hand.
Hippidea. S t i m p s o n (Annals Lyc. nat. hist. New - York VII.
p. 79 und 240 ff.) beschrieb Albunaea Gibbesii n. A. von St. Augu-
stine, Lepidopa venusta von St. Thomas, Ranilia angustaia, Remipes
strigillalus und Lepidops myops als n. A. vom Cap St. Lucas.
Galatheidae. Derselbe (ebenda VII. p. 244) beschrieb Munida
Caribaea n. A. von der Küste Kord - Amerika's und begründete auf
Galathea monodon M. Edw. eine eigene Gattung Plenroncodes,
welche sich durch die stark aufgetriebenen unteren Seitenregionen
von Munida unterscheidet, so dass die Epimeren-Nähte von oben her
sichtbar sind; auch die Insertion der äusseren Fühler ist ganz von
oben her sichtbar und nicht wie bei Älunida unter dem Seilcnvvinkel
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 585
des Rückenschildes versteckt. — Art: PI. planipes aus dem stillen
Ocean und von der Westküste Nord-Amerika's.
Spence Bäte (Journal proceed. Linnean soc, Zoology III.
p. 3) beschrieb Galathea dispersa neue Art von Plymouth und aus
Schottland.
Porcellanidae. — Stirn pson (Annais Lyc. nat. bist. New-
York VII. p. 74 ff.) beschrieb Fetrolisthes occidentalis von Panama,
armatus Gibbes (Porcellana), marginatus von Barbadoes, fjracilis aus
dem Golf von Californien, tridentatus (pl. 1. fig. 4) von Barbadoes,
Pisosonia Riisei von St. Thomas, Pachycheles rudis von der Küste
Califoi niens , Megalohrachium gramiliferum von Barbadoes und St.
Thomas und Porcellana ocellata Gibbes.
Eine neue Galtung Euceramus Stimpson (Silliman's Ame-
rican Journal XXIX. p. 445) ist von fast cylindrischem Körper, dop-
pelt so lang als breit, mit hervorstehender, dreizähniger Stirn klei-
nen, länglichen Augen und unvollständigen Orbitae ; innere Fühler
unmittelbar unter den Augen eingefügt, mit zweizähnigem Schafte,
äussere fast so lang als die Rückenschale, Scheerenfüsse klein, fast
cylindrisch, viel kürzer als die Schale. — Art: E. praelongus 9 Lin.,
aus Nord-Carolina.
Loricata. Archis sordidus Stimpson (Proceed. acad. nat. scienc.
Philadelphia 1860. p. 23) n. A. von Hongkong.
Astacini. Gebia subspinosa vom Cap, carinicauda von Hong-
kong und Callianassa pelalura von Japan als n. A. von Stimpson
(ebenda p. 22 f.) beschrieben.
Callianidea laevicaiida Gi'\\\ (Proceed. acad. nat. scienc. Phila-
delphia 1859. p. 167) n. A. von Barbadoes, der C. typa M. Edw. sehr
nahe stehend.
Lerebouillet (Memoires d. 1. soc. d'hist. nat. de Strasbourg V.
1. livr.) beschrieb Astacus longicornis und pallipes als n. A. aus dem
Elsass. „Description de deux nouvelles especes d'Ecrevisses de nos
rivieres." (Die Diagnosen beider Arten sind auch in Revue et Magas.
de Zool. 1859. p. 228 abgedruckt). — Die beiden Arten wären noch
mit den von Koch aus den Baierischen Gebirgsbächen beschriebenen
A. saxatilis, torrentium und tristis näher zu vergleichen. Ref.
Eine vortreffliche Abhandlung über die Flusskrebse Europa's
hat G. Gerstfeldt im 9. Bande der Memoires des savants etrangers
de l'acad. de St. Petersbourg p. 551 — 589 geliefert, in welcher er
die Frage erörtert, ob die als neun verschiedene Arten aufgestellten
Europäischen Flusskrebse in der That als solche angesehen werden
können, oder ob sie nicht vielmehr nur als thcils zufällige, theils
durch lokale Einflüsse bedingte Varietäten einer und derselben Art
betrachtet werden müssen. Die Untersuchung eines sehr reichhaltigen
Materials an lebenden sowohl als conservirtcn Exemplaren iiiil Ein-
586 Gers ta eck er: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
schluss derjenigen, welche Eschschollz zur Aufstellung seines
Astacus leptodactyhis, Ilathke zu der seines Ast. angulosus und pa-
chypus und Eichwald zu der seines Ast. Caspius veranlasst haben,
hat den Verf. zu der Ueberzeugung gebracht, dass zwischen diesen
verincinllichen Arten und dem Ast. fluviatilis der Autoren keine halt-
baren Unterschiede, am wenigsten aber solche, die als spezifische
angesehen werden können, existiren. Ein Gleiches glaubt der Verf.
andererseits für Ast. torrentium Schrank, saxatilis und tristis Koch und
den Lereb 0 u il 1 et'schen Krebs des Elsasses nachweisen zu können,
obwohl ihm hierzu kein entsprechendes Material zu Gebote gestanden
hat; die für die genannten Arten aufgestellten Unterschiede Hessen
sich jedoch schon nach der Analogie als solche, denen kein ent-
scheidender Werth beizulegen sei, erkennen. (Ref. kann überdem
nach Vergleich der K oc h'schen Original-Exemplare von Ast. torren-
tium, saxatilis und tristis, an denen sich keinerlei Unterschiede wahr-
nehmen lassen , die Richtigkeit der Ansicht des Verf. über diese
vermeintlichen Arten bestätigen.) Der Ansicht mehrerer Autoren, dass
der Ast. torrentinm (Steinkrebs) gleichfalls nur eine Varietät des
gemeinen Flusskrebses sei, und dass mithin nur eine einzige Euro-
päische Art existire, tritt der Verf. nicht bei, sondern glaubt die den
schnellfliessenden Gebirgswässern eigenthümliche Schrank'sche Art
aufrecht erhalten zu müssen und sie nach der Bildung des Schnabels
und der stets geringeren Grösse von dem in ganz Europa, aber, wie
es scheint, nicht darüber hinaus verbreiteten Astacus fluviatilis sicher
unterscheiden zu können. Die Verbreitung der letzteren Art und
ihrer Varietäten, welche der Verf. zu diagnosticiren versucht, erörtert
er durch Citate aus einer grossen Anzahl von Schriften, wie über-
haupt die Verwerthung des literarischen Materials für seine Arbeit
eine musterhafte zu nennen ist.
Girard, „Quelques remarques sur l'Astacus fluviatilis" (Anna-
les soc. entom. VII. p. 137} fand in Lachen, die von Flusskrebsen
und zahlreichen Mollusken bewohnt waren, fast alle Individuen der
ersteren an der Spitze ihrer Beine (oft an allen vier Paaren) mit
Cyclas foutinalis besetzt. Durch die Muscheln waren die Klauenglie-
der der Krebse oft ganz oder zum grössten Theile absorbirt worden.
Eine Abbildung eines solchen Exemplares ist auf pl. 4 gegeben.
Caridae. Stimpson (Proceed. acad. nat. scienc. Philadelphia
1860. p. 24—46) machte folgende neue Arten und Gattungen aus
verschiedenen Weltgegenden bekannt: Crangon Capensis aus der
Simonsbay, carinicauda von Hongkong, propinquus von der Nord-
küste Japan's, intermedius vom Vorgebirge Chepoonski im Beerings-
Meer, JSica macrognalha von Hongkong. — Hippolysmata nov.
gen., mit Lysmata verwandt, aber an den kurzen Fühlern nur mit
zwei Geissein versehen; von Ilippolyte durch die Bildung der Man-
im Gebiete der Entomologie >vährend der Jahre 1859 u. CO. 587
dibeln, welche stark gekrümmt , nicht zweitheilig und mit keinem
Taster versehen sind , abweichend. — Art : Hip. vitlata von Hong-
kong. — Tozeuma nov. gen., Körper stark verlängert, lanzettlich,
zusammengedrückt, liüssel sehr lang und dünn, zuweilen kaum kür-
zer als der Körper; kleine Antennen kurz mit zwei Geissein, grosse
mit langem Appendix, Mandibeln kräftig, stark gekrümmt, ohne Thei-
lung und Taster. Erstes Beinpaar sehr kurz und wie das zweite
scheerenförmig, letzteres mit dreigliedrigem Carpus; Abdomen mit
gezähntem Rücken. — Art: Toz. lanceolatum von Hongkong. — La-
treutes nov. gen., mit Rhynchocyclus verwandt. Rückenschild mit
mittlerem Rückendorn, Rüssel gross, messerförmig, mit geradem Über-
rande; kleine Antennen mit zwei Geissein und kurzer, unter dem
Auge verbogener, rundlicher Schuppe, zweites Beinpaar mit drei-
gliedrigem Carpus. (Typus: Hippolyte ensiferus M. Edw.). — L.
dotsalis von Japan. — Rhynckocyclus (veränderter Käme für den
vergebenen Cyclorhynchus de Haan) mucronatus von Hongkong, com^
pressus von Port Jackson, Gnathophyllum fasciolatum ebendaher,
Atyoida Tahitensis von Taiti , Caridina grandirostris von der Insel
Loo - Choo, leucosticta von Japan, multidentata und acuminata von
der Insel Bonin, serrata von Hongkong, brevirostris und exiliroslris
von I-.oo-Choo, Alpheus pachycJiirus ebendaher, slreptochirus von den
Cap-Yerdischen Inseln, brevipes und biunguiculatus von den Hawaiischen
Inseln, Collumiaims von Bonin, spiniger von Loo -Choo, gracilipes
von Taiti, Betaeus Australis und trispinosus von Port Jackson. —
Arete nov. gen., mit Betaeus nahe verwandt, aber ohne bedeckte
Augen; Cephalothorax zusammengedrückt mit hohem Rücken, Rüssel
kurz, dreieckig, oberhalb stumpf, kleine Fühler mit zwei Geissein
und grossen Basalschuppen. — Art: Ar. dorsalis von Hongkong. —
Hippolyte rectirostris von Nord -Japan, cristata von S. Francisco,
Camtschatica, pandaloides^ geniculata, gracilirostris, leptognatha und
peclinifera, letztere fünf von Nord-Japan. — Virbius nov. gen.,
mit Hippolyte verwandt, aber durch den Mangel des Rücken- und
Rüsselkieles, so wie der Mandibulartaster unterschieden (von bekann-
ten Arten gehören Hip. viridis, Prideauxiana, acuminata, varians u. a.
dazu). — Arten: Virb. Australiensis von Port Jackson, acutus von
Loo-Choo, Kraussianus vom Cap. — Rhyncliocinetes rugulosus n. A.
von Port Jackson. — Ogyris nov. gen., Cephalothorax ohne Rüssel,
Augen sehr lang und dünn, die Fühlerschafte überragend, kleine
Fühler mit zwei Geissein und dornförmigem Fortsatze am Schafte,
grosse Fühler mit kleinem Anhange. Mandibeln zweispaltig, mit
zweigliedrigem Taster, die beiden ersten Beinpaare scheerenförmig,
der Carpus des zweiten dreigliedrig. — Art: Og^ orientalis aus dem
Chinesischen Meere. — Pandulus goniurus von Kamtschatka, pren-
sor, robustus und gracilis von Nord -Japan, escatilis von ^Jadeira,
588 G eis ta ecke r : Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
leptorhynchus von Port Jackson, Pontonia maculata von den Bonin-
Inseln, Coralliocaris (neuer Name für Oedipus Dana) himelliroslris
von Loo-Choo, Harpilius depressus von Ilawai, Anchistia Danac von
Taiti, brachiata von den Bonin-lnseln, grandis von Onsinia. — Ur o-
caris nov. gen., mit schlankem Körper und langem Abdomen, dessen
vorletztes Segment besonders in die Länge gezogen ist; Rüssel oben
gezähnt, unten ganzrandig, 3Iandibeln ohne Taster, kleine Antennen
wie bei Palaemon. — Art : Ur. longipes von Ousima. — Leander
longicarpus, pacißcus und serrifer von Hongkong, intermedius von
Port Jackson, Palaemon asper von Canton, Boninensis von den Bo-
nin-lnseln. — C aulurus nov. gen., von Oplophorus durch unbe-
wehrten Hinterleib und Fühleranhang und das sehr lange vorletzte
Abdominalsegment abweichend; Rüssel kurz, Augen gross, kleine
Fühler mit langem, dünnem Schafte und ohne Basalschuppe. — Art:
C. pelagicus aus dem stillen Ocean. — Leptochela nov. gen., mit
Pasiphaea verwandt, aber die Mandibeln mit Taster und das zweite
Maxillarfusspaar nicht beinföimig ; Cephalothorax seitlich und am Rande
ohne Dornen, Rüssel sehr kurz, dornförmig, Mandibeln mit eingliedri-
gem Taster. — Arten : Lept. gracilis von Kagosima und robusta aus
dem Chinesischen Meere. — Sicyonia ocellata von Hongkong, Pe-
naeus stenodactylus und podophtlialmus ebendaher, curviroslris von
Japan. — Microprosthema nov. gen., Körper niedergedrückt, mit
sculpirter und gedornter Oberfläche, weniger hartschalig, mit tiefer
Nackenfurche; Rüssel länglich dreieckig, nicht blattförmig, gedornt,
Augen klein; kleine Fühler mit sehr kurzem Schafte, die grossen
mit jenen in gleicher horizontaler Ebene liegend. — Art: M. valida
von Ousima. — Sergesles pacificus, macrojjhthalmus und longicauda~
ttts aus dein stillen Ocean, vigilax von den Azoren. — Sergia nov.
gen., von Sergesles dadurch unterschieden, dass das vierte und fünfte
Beinpaar sehr lang und mit einem Greiffinger versehen sind. — Art:
S. remipes aus dem stillen Ocean.
- Sars (Nyt Magaz. for Naturvidensk. XL p. 248) beschrieb Cran-
gon Norvegicus als n. A. von der Norwegischen Küste.
Unter dem Namen Bithynis longimana beschrieb Philippi
(dies. Archiv f. Naturgesch. XXVL p. 161} eine neue Gattung und Art
langschwänziger Krebse aus Chile (vom Flusse la Ligua), deren nä-
here systematische Stellung er vorläufig dahin gestellt sein lässt, die
aber, nach den Angaben des Verf. zu urtheilen, wohl jedenfalls den
Cariden beizuzählen ist. Die ö'/a Zoll lange Art erinnert durch die
Härte der Schale und die Form des Stirnfortsatzes an die Astacinen,
von denen sie sich durch die grosse Schuppe des Stieles der äusse-
ren Fühler unterscheidet; die beiden ersten Beinpaare sind schee-
renförmig, das erste klein, das zweite sehr schlank und auf beiden
Seiten nnffleich.
im Gebiete der Entomologie wahrend der Jahre 1859 u. 60. 589
Couch, „Discovery of Alpheus Edwardsii on ihe coast of
Cornwall" (Journal proceed. Linnean soc, Zoology V. p. 210f.) giebt
Beschreibung und Abbildung im Holzschnitt eines an der Küste von
Cornwall erbeuteten Paares von Alpheus Edwardsii. Die bisher an
der Englischen Küste noch nicht beobachtete Art fand sich in Höh-
lungen eines Schwammes (llalichondria.)
CumaCOä. Spence Bäte, „On some British Diastylidae" (An-
nais of nat. hist. 3. ser. III. p. 273 f.) beschrieb Cuma unguiculata
n. A., welche zugleich im Holzschnitt dargestellt wird und berichtet
über Cuma Edwardsii Kroyer, dass sie zur Gattung Vaunthomsonia
Bäte gehöre.
Schizopoda. Norman, „On an undescribed Crustacean of the
genus Mysis" (Annais of nat. hist. VI. p. 429. pl. 8) beschrieb Mysis
flexuosus Müll., Lamornae Couch und Spiritus n. A. von der Küste
von Durham ; alle drei Arten sind auf pl. 8 abgebildet. Ausser den
genannten sind bisher noch vier Arten an den Englischen Küsten
beobachtet worden: Mysis vulgaris Thomps., Griffithsiae Bell, produ-
ctus Gosse und Oberon Couch (letztere nebst Mys. Lamornae im
Zoologist 1856 beschrieben).
Sqaillina. J. Johnson (Annais of nat. hist. III. p. 56) „Note
on Squilla Alantis Rond." giebt eine Beschreibung dieser Art nach
einem lebenden männlichen Exemplare von 7 Zoll Länge.
Amphipoda.
A. de la Valette, Studien über die Entwickelung
der Amphipoden (Abhandlungen der naturf. Gesellsch. zu
Halle, 5. Bd.) Halle 1860. 4. (13 pag. 2 Taf.). — Die vom
Verf. an Gammarus pulex, Roeselii und puteanus angestell-
ten Untersuchungen betreffen die Struktur der weiblichen
Generationsorganc, die Entwickelung des Eies und des
Embryo so wie die Struktur und das Verhalten des Mikro-
pylapparates zu letzterem.
Die Wand der Eierschläuche besteht aus einem Epitel von
grossen Zellen , einer Tunica propria und einer diese umgebenden
zarten Hülle. Zu allen Jahreszeiten finden sich in den Eierstöcken
15 bis 30 Eier in verschiedenen Entwickelungsstufen, die grösseren
in der Mittellinie, die kleineren dem Epitel der Wandung anliegend;
letztere zeigen eine scharf begränzte Membran, einen feinkörnigen
Inhalt, ein Keimbläschen und viele grosse Keimflecke. Bei einer
Grösse von 0,05 Mill. treten in dem bis dahin farblosen Inhalt der
Eizellen violette Tropfen auf, welche bald das ganze Ei erfüllen und
tJas Keimbläschen verdecken. Eine Dotierhaut ist vom ersten Auf-
590 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
treten des Eies, welches Verf. mit Claparede als aus einer Epi-
tclzelle des Eierstockes entstanden ansieht, vorhanden. Zoosperniien
hat Verf. ebenso wenig wie Meissner weder in der Umgebung,
noch im Innern der Eier angetroffen. Letztere lassen zwei Eihäute
erkennen, eine innere von fein chagrinirtem Aussehen und eine
äussere völlig homogene; erslere ist die bleibende, die Dotterhaut.
Oeffnet man ein in der Bruttasche befindliches Ei, so finden sich
neben den grossen violetten Dotterkugeln etwa 0,041 Alill. grosse Kerne,
welche von Ballen einer feinkörnigen Substanz umgeben werden;
letztere bildet sich bei weiterer Entwickelung zu den Bildungszellen
um, welche den IVahrungsdotter rings umwuchern und die Keimhaut
darstellen. Nachdem die'fee den Nahrungsdotter ganz umwachsen hat,
tritt die von Rathke beschriebene Einschnürung des Eiinhaltes in
zwei zusammenhängende Parlieen auf; die Zellen der Keimhaut bil-
den quere Wülste zur Anlage der Fühler und Gliedmassen und ihnen
folgt die Gliederung des Körpers. Der auf einen schmalen Strang
reducirte, jetzt gelbbraun gefärbte Nahrungsdotter wird von einer
Membran, der Wand des Magens und der Leberschläuche, eingehüllt.
— Den von Meissner zuerst an Gammarus beobachteten Micropyl-
apparat hat Verf. bei allen von ihm untersuchten Amphipoden auf-
gefunden; den Mittelpunkt desselben nimmt ein Zapfen von 0,009 Mill.
ein, welcher von zwei getrennten OefFnungen durchbohrt wird. Die
Lage der Mikropyle ist eine durchaus constante, nämlich der Ein-
schnürung der Keimhaut gerade gegenüber oder bei schon begonne-
ner Gliederung des Embryo auf dem vierten Körperringe (inclus. den
Kopf). Mit der Mikropyle hängt eine nach aussen abgeplattete Kugel
zusammen, welche in das Herz des Embryo hineinragt und diesem
organisch angehört; dieselbe zeigt sich auch noch bei dem eben
ausgeschlüpften jungen Thiere, welches sie noch mit sich herumträgt,
stets, an derselben Stelle. Die durch dieses Organ vermittelte Verbin-
dung der Mikropyle mit dem Embryo veranlasst den Verf., im vor-
liegenden Falle den Mikropylapparat als respiratorischen Apparat
anzusehen. — (Die Resultate seiner Untersuchungen theilt Verf. im
Auszuge auch mit: Verhandl. d. naturhist. Ver. d. Preuss. Rheinlande
XVL Sitzungsberichte p. 94 ff.)
R. Bruzelius, „Bidrag tili kännedomen om Amphi-
podernas inre byggnad'' (Öfvers. Vetensk. Akad. Förhandl.
XVI. p.l — 18. Taf. 1), ins Deutsche übersetzt von Cr epl in :
„Beitrag zur Kenntniss des inneren Baues der Amphipoden'*
(dies. Archiv für Naturgesch. XXV. p. 291—309. Taf. 10).
Die Untersuchungen des Verf.'s sind an Gammarus locusta
Lin. und Amphithoe podoceroides Rathke angestellt und
betreffen den Verdauungsapparat, die Kreislaufs- und die
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 591
beiderseitigen Gesclilechtsorgane, so wie das Cenlralorgan
des Nervensystems.
Am Tractus intestinalis erörtert Verf. die histologische Beschaf-
fenheit seiner Wände und geht besonders näher auf den Reibeapparat
des Magens ein ; von Leberorganen hat er vier beobachtet, die aber
nicht, wie Spence Bäte angiebt, sich sämmtlich zu einem gemein-
schaftlichen Ausführungsgange vereinigen, sondern sich jederseits nur
zu zweien verbinden und .auf der Gränze von 31agen und Darm
einmünden. Das sich vom ersten bis zum siebenten Thoraxringe
erstreckende Herz giebt an seinem vorderen Ende eine kurze Aorta
ab, welche sich in drei Aeste spaltet ; zwei derselben gehen zu den
Fühlern, während der dritte sich nach unten herabbiegt. Im Uebrigen
verläuft das Blut, dessen Körperchen 0,016 Mill. gross sind, nur in
lacunären Bahnen. Die langgestreckten cylindrischen oder spindel-
förmigen Hoden schliessen theils runde, gekernte, theils eigenthümlich
gestaltete, in einen Stiel auslaufende und zuletzt oft in ein Knöpf-
cheu endigende Zellen (Entwickelungsstadien von Spermatozoen-
Zellen) ein; die entwickelten, fadenförmigen Samenfäden finden sich
nur in einer unteren spindelförmigen Erweiterung des Organes, wel-
che von dem eigentlichen Hoden abgeschnürt ist. Diese untere Er-
weiterung scheint Bäte ausschliesslich gekannt und als Hoden be-
schrieben zu haben, während ihm der obere Theil entgangen ist.
Die Ovarien beschreibt Verf. übereinstimmend mit la Valette fils
cylindrische Organe, indem er die von Bäte angegebene Theiliing
in mehrere Lappen vermisst hat. Das Bauchmark besteht im Ganzen
aus dreizehn Ganglien, von denen die beiden ersten (Gehirnganglien)
dem Kopfsegmente, die sieben folgenden dem Thorax und die vier
letzten dem Abdomen (d. h. Postabdomen, Ref.) angehören.
R. Bruzelius, „Bidrag tili kännedomen om Skan-
dinaviens Amphipoda Gammaridea," Lund 1859. gr. 4.
(104 pag. c. tab. 4) ist dem Ref. nur dem Titel nach aus
einem Bücher-Cataloge bekannt geworden. Vielleicht kann
im nächsten Jahresberichte darüber Näheres mitgetheilt
werden.
S. Rentsch, „Homoiogenesis, Beiträge zur Natur-
und Heilkunde. Istes Heft. Gammarus ornatus und seine
Schmarotzer.« Wismar 1860. (lex. 8. 134 pag. mit 16Taf.).
Verf. sieht es als Homöopath „für seine Pflicht an, dem Aehn-
lichkeitsgesetze auch sonst im organischen Leben, ja im gesammten
Katurleben nachzuforschen und hat bei seinen mikroskopischen Un-
tersuchungen die Gevvissheit erhalten, dass alle Gestalten und Bewe-
gungen der Materie von einem Gesetze, dem der Spirale bedingt
592 (ic rsta ecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
werden; in so fern (?) müssen sie auch unter sich im Aehnlichkeits-
vcrhältnisse stehen und es kann bei dem Zusammenwirken aller nur
Aehnliches aus Aehnlichem hervorgehen." Sein hier genanntes Buch
zerfällt in drei Abiheilungen, von denen die erste „die zoologische
Diagnose des Gamniarus ornatus, des geschmückten Flohkrebses," die
zweite dessen Schmarotzer und die dritte die Organ- und Gewebe-
lehre desselben behandelt. Als Gamm. ornatus M. Edw. bestimmt
Verf. einen an den Meklenburgischen Küsten häufigen Flohkrebs
(Mi Ine Edwards beschreibt unter diesem Namen eine Nord-Ame-
rikanische Art), den er für das Weibchen von G. locusta ansieht und
der nach seiner Ansicht auch kaum von G. pulex verschieden sein
möchte. Die an dieser Art angestellten Untersuchungen des Verf.
über ihren äusseren sowohl als inneren Bau enthalten ohne Frage
manches Beachtenswerthe, nur dass sie oft zu den abenteuerlichsten
Schlussfolgerungen benutzt werden. So sieht Verf. z. B. bei Be-
sprechung der einzelnen Segmente des Körpers die Augen als ein
Segment an, dem die oberen Antennen als Gliedmassen zugehören
sollen; als Körperring der accessorischen Kauorgane, welche zwischen
den Mandibeln und den eigentlichen Beinen liegen (also ölaxillen
und Kieferfüsse), betrachtet er den Magen , und zwar deshalb , weil
derselbe bei Trennung des Kopfes vom Rumpfe mittelst einer Nadel,
im Vereine mit der Leber und dem Darmkanale an jenen accessori-
schen Kiefern haften bleibt (!).
Lach mann machte (Verhandl. d. naturhist. Vereins
d. Preuss. Rheinlande XVI. p. 33 d. Sitzungsberichte) Mit-
theilungen über einige Parasiten des Gammarus puteanus.
Im Darme lebt eine Gregarine (mit dem Namen Zygocystis
puteana belegt), auf der Haut zwei Acineten-artige Infuso-
rien, welche wahrscheinlich mit Podophrya Cyclopum Clap.
Lachm. und Dendrocometes paradoxus Stein identisch sind.
Gammarina. Spence Bäte (Nat. bist, review 1859. p. 163 if.)
beschrieb und bildete im Holzschnitt ab: Niphargus fontamis und
Kochianus als n. A. aus England und Cr angony x nov. gen., von
Gammarus dadurch unterschieden, dass die hinteren Dorsalringe keine
Dornbüschel haben und das hintere Schwanzfusspaar nur einästig ist;
Art: C. subterraneus, ebenfalls aus England, wie Niph. Kochianus
ohne Spur von Augen.
Sars (Nyt Magaz. for Naturvidensk. XI. p. 250) machte Am,"
phithoe parasitica als n. A. von der Norwegische Küste bekannt.
Ger st fei dt (Memoires d. sav. etrang. de l'acad. de St. Pe-
tersbourg VIII. p. 282 ff.) beschrieb Gammarus verrucosus und Maachii
von Irkutsk, cancelloides und latissi^nus ebendaher und Kürgensis
von der Kürga als n. A.
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 593
Caprellina. van Beneden (Bullet, de I'aead. de Belgique VI.
p. 73 ff.) gab eine ausführliche Beschreibung und stark vergrösserte
Abbildungen von Caprella acutifrons Desm., welche sich in Gemein-
schaft mit Tanais Dulongil Sav. (hier ebenfalls beschrieben und dar-
gestellt) in Mehrzahl auf der Schale einer an der Belgischen Küste
erbeuteten Chelonia midas fand.
Isopoda.
W. Lilljeborg- hat uns in einer schönen Abhand-
lung „Les g-enres Liriope et Peltogaster Rathke,« Upsala
1859. (4. 35 pag. 3 Taf. — Separatabdruck aus den Nov.
Acta Societ. scient. Upsal. 3. ser. Vol. III) mit der höchst
merkwürdigen Naturgeschichte eines der sonderbarsten pa-
rasitischen Isopoden, der bisher nur nach ihrer Jugendform
bekannten Gattung Liriope Rathke näher bekannt gemacht.
Bekanntlich fand Rathke diese Jugendform frei in der
Leibeshöhle des Peltogaster 'paguri, was Steenstrup zu
der Vermuthung Anlass gab, Liriope sei die Jugendform
von Peltogaster und letzterer ein parasitischer Isopode —
eine Ansicht, welche bald darauf durch die Entdeckung
0. Schmidt's und Lindström's, wonach die Jungen von
Peltogaster denen der Copepoden und Cirripedien gleichen,
widerlegt wurde. Nach Lilljeborg's Beobachtung ist nun
die bis jetzt unbekannt gewesene weibliche Altersform der
Liriope ein Parasit von Peltogaster, die sich auf dessen Körper-
oberfläche in derselben Weise ansaugt, wie Peltogaster selbst
am Körper von Pagurus und, da sie eine retrograde Metamor-
phose eingegangen, d. h. die Arthropoden-Charaktere voll-
ständig eingebüsst hat, beim ersten Anblicke den Eindruck
macht, als sei sie ein integrirender Theil, ein Eiersack des Pel-
togaster ; nur die selbstständigen Contraktionen des Körpers
dieses Parasiten, welche noch nach der Sektion des Pelto-
gaster einige Tage fortdauerten, überzeugten den Verfasser
davon, dass er es mit einem selbstständigen Organismus
zu thun habe. Aus diesem Verhalten erklärt sich nun die
Beobachtung Rathke's von dem Vorkommen der jungen
Liriope in der Leibeshöhlc des Peltogaster sehr leicht; die
ausgeschlüpften Jungen der ersteren hatten sich wahr-
scheinlich, bevor ihr Mutterthier vom Peltogaster abgefallen
Archiv f. Naturg. XXVII. Jahrg. 2 Bd. Nn
594 Ge rs t a ec ke r : Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
war, an letzterem angeklammert und waren in seine nach
atissen geöffnete Leibeshöhle eingewandert.
Das ausgewachsene Liriope - Weibchen ist 4 Mill. lang und
7 Mill. breit und besteht aus zwei durch eine halsförniigc Einschnü-
rung von einander abgesetzten Theilen ; der vordere, dem Cephalo-
thorax vergleichbar, durch welchen die Anheftung verniillelt wird,
zeigt vier kurze Ringe, welche in der 3Iilte ausgebuchtet und seit-
lich nach rück- und abwärts umgeschlagen sind. Unterhalb zwischen
dem ersten und zweiten Ringe findet sich die Mundöffnung in Form
eines Spaltes; weder Augen, noch Fühler, noch Mundlheile sind auch
nur im Rudimente nachweisbar. Der hintere Körperabschnilt, die Ma-
trix, ist quer, nierenförmig und unterhalb mit einer Längsspalte
versehen, aus welcher die Embryonen durch Zusamnienziehung des
Körpers ausgestossen werden; eine dahinlerliegende runde Oeffnung
ist vermuthlich der After. — Das erwachsene Männchen ist bis jetzt
unbekannt, das eben ausgeschlüpfte junge Thier V^ Mill. lang; letz-
teres, wie es von Lilljeborg beobachtet worden ist, weicht in
mehreren Punkten von der R at h k e'schen Liriope wesentlich ab und
gleicht fast mehr der Jugendform von Bopyrus, Diese Unterschiede
erklären sich indessen zur Genüge daraus, dass Rathke das Thier
erst in einem späteren Stadium, nachdem es schon die zwölffache
Grösse erreicht hatte, beobachtete. — Was die systematische Stellung
von Liriope betrifft, so verweist sie L. in die Familie der Bopyrini,
zu der sie auch unzweifelhaft gehört. Taf. 1 der Abhandlung stellt
das erwachsene Weibchen in situ (auf Peltogaster angesogen) und
stark vergrössert, ferner den Embryo im Eie und das so eben aus-
geschlüpfte Junge dar; zum Vergleiche mit letzterem ist auch die
Rathke'sche Liriope und das Junge von Bopyrus abgebildet.
Cymothoadae. Chr. Lütken, Tillaeg til „nogle Bemaerknin-
ger om de nordiske Aega- Arter samt om Aega - Slaegtens rette Be-
graendsning." — Om Aega tridens Leach og Aega rotundicauda Lilljeb.
samt om Slaegterne Acherusia og Aegacylla. (8. 9. pag. Separat-Ab-
druck aus: Naturhist. Foren. Vidensk. Meddelelser 1860.) — Verf.
vervollständigt seine im letzten Jahresberichte erwähnte Uebersicht
der Wordischen Aega -Arten mit der nachträglichen Charakteristik
von Aega tridens Leach und Aega (Acherusia?) rotundicauda Lilljeb.;
letztere Art, obwohl von den übrigen abweichend, glaubt er dennoch
unter Aega belassen zu müssen, wie er neben Acherusia auch Pterelas
und Aegacylla nur als Untergattungen von Aega ansieht.
Cymothoa Amurensis Gerstfeld t (Memoires d. sav. etrang. de
l'acad. de St. Petersbourg VIII. p. 278) n. A. vom Amur.
Asellota. Sars (Nyt Magaz. for Naturvidensk. XI. p. 250 f.)
errichtete eine neue Gattung Munnop s i s, mit Munna Kroyer ver-
im Gebiete der Entomologie Avährcnd der Jalire 1859 u. 60. 595
wandt, jedoch durch den Mangel der Augen, durch die breiten und
oben ausgehöhlten vier ersten und die doppelt so schmalen und oben
convexen drei letzten Thoraxringe unterschieden. Die vier vorderen
Thoraxbeine sind Gangbeine, das dritte und vierte sehr lang, von
Körperlänge; die drei hinteren Sciiwimmbeine, fast gleich lang, von
halber Thoraxlänge, ihre beiden Endglieder blattförmig zusammenge-
drückt und gewimpert. — Art: Munn. lypica, von der JNorwegischen
Küste, Saiill. lang.
OniSCOdea. Adolph Johnsson, Synoptisk Framslällning af
Sveriges Oniscider. Akademisk Afhandling, Upsala 1858. (8. 41 pag.).
— Kach kurzer einleitender Schilderung des äusseren und inneren
Körperbaues der Onisciden und nach Anführung der den Gegenstand
behandelnden Literatur (unter welcher die Dissertation von Schnitz-
ler über die Onisciden der Umgegend von Bonn vermisst wird)
liefert Verf. eine eingehende Charakteristik der in Schweden vor-
kommenden Gattungen und Arten in Schwedischer Sprache, begleitet
von lateinischen Diagnosen. Die Schwedische Onisciden- Fauna be-
schränkt sich nach der Arbeit des Verf. auf 12 Arten, welche fünf
Galtungen angehören: 1) Ligidiura Personii Br. 2) Itea laevis Zad,
3) Oniscus asellus Lin. 4) Porcellio scaber Br., pictus Br., trivittatus
Lercb. (trilineatus Koch?, Ralzeburgii et Rathkei Br. ?), laevis Latr.,
frontalis Lereb. (pruinosus Br. ?, maculicornis Koch?) und convexus
de Geer. 5) Armadillidium vulgare Latr . , pictum Br. uftd pulctiel-r
J. Schöbl, „Typhloniscus, eine neue blinde Gattung der
Crustacea Isopoda, monographisch bearbeitet" (Sitzungsberichte der
math. - naturw. Classe der Akad. der VVissensch. zu Wien Band 40.
p. 279 — 330, mit 10 Taf.). Die als neue Gattung und Art beschrie-
Lene Assel, welche Verf. mit dem Namen Typhloniscus Steinii
belegt, und welche sich bei Prag unter Steinen in der Gesellschaft von
.Formica flava u. a. findet, zeichnet sich durch sechsgliedrige Fühler,
an denen das fünfte Glied besonders lang, das letzte kegelförmig zu-
gespitzt ist, und den Mangel der Augen aus. (Die Art ist bereits von
Brandt als Platyarthrus Hoffmannseggi aufgeführt und von Koch in
seinen „Deutschi. Crustac, Myriap. und Arachnid." Ileftoü. IVo. 5
unter dem Kamen Itea crassicornis beschrieben und abgebildet wor-
den. Ref.) Nach einer sorgfältigen Beschreibung des äusseren Baues
des Thieres, welche in eine Charakteristik der Gattung und Art zer-
fällt, geht der Verf. auf eine ausführliche Darstellung der verschie-
denen Organsysteme, besonders auf diejenige des Tractus intestinalis
und der männlichen Geschlechtsorgane ein. Wenn er die iMuijdlheile
der Onisciden, vvelciie er nebst dem sie stützenden Chilingerüste auf
das Sorgsamste abbildet und beschreibt, einer besonderen Erörterung
deshalb für bedürftig hält, »weil in keinem zoologischen Werke
596 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
weder eine naturgetreue Darstellung noch eine richtige Deutung der-
selben existire," so zeigt er dadurch, dass er weder L er eb o u i 1 1 e t's
sehr genaue Darstellung, noch die von Erichson (Entomographien)
gegebene richtige Deutung derselben gekannt hat, wie er denn über-
haupt in seiner Arbeit stets nur auf Brand t's und Treviranus*
Schriften näher eingeht. Seine sehr eingehende Beschreibung und
Abbildungen des Kaumagens der ünisciden, dessen verschiedene Ske-
lettheile und Reibeapparale er mit besonderen Namen belegt, sind
detaillirter als die von Lerebouillet auch hierüber angestellten
Untersuchungen und können letzteren daher mehrfach zur Ergänzung
dienen. Am männlichen Geschlechtsapparate sieht Verf. die von
Treviranus und Brandt als Ruthen bezeichneten Organe als Or-
gana ejaculatoria seminis an und identificirt sie mit dem Ductus eja-
culatorius der übrigen Arthropoden ; als eigentliche Ruthen bezeichnet
er dagegen die von Brandt als Nebenruthen oder als Hülfsorgane
bei der Begattung angesprochenen Theile. — Die beifolgenden zehn
Tafeln enthalten gute Abbildungen des Thieres selbst, so wie seiner
charakteristischen Theile, ferner zahlreiche Darstellungen der Mund-
theile, des Kaumagens, der Respirationsorgane und der männlichen
und weiblichen Fortpflanzungsorgane.
Derselbe, „Haplophthalmus, eine neue Gattung der Isopoden,
mit besonderer Berücksichtigung der Mundtheile" (Zeitschr. f. wiss.
Zoologie X. p. 449 — 465. Taf. 25 u. 26). Die hier beschriebene neue
Gattung Haplophthalmus hat achtgliedrige Fühler, deren drei
kurze Endglieder eine an der Spitze lang gepinselte Geissei dar-
stellen; die kleinen Fühler .sind dreigliedrig, die Augen äusserst
klein, einfach, von den Stirnfortsätzen nur die seillichen entwickelt.
An den hintersten das Endsegment des Postabdomen an Länge über-
ragenden Pedes spurii haben die äusseren Appendices ein breites,
plattenförmiges Basal- und ein spitz dornförmiges Endglied mit fünf
Borsten; die inneren sind borstenförmig. — Art: H. elegans, bei 3 Mill.
Länge nur y^ Mill. breit, daher auffallend schmal; in Böhmen am
Fusse von Kalkfelsen aufgefunden, unterirdisch lebend, durch weisse
Färbung und die in 10 regelmässigen Längskielen angeordnete Gra-
nulation der Körperoberfläche ausgezeichnet. — Auch an dieser Art
erörtert Verf. die Mundtheile und ihre Stützapparate besonders ein-
gehend, ausserdem das Magengerüst, die Kiemendeckel und die äus-
seren Geschlechtsorgane. An den Mandibeln hat er eine eigenthümlich
gebildete Sehne beobachtet, welche sich in ihrem Verlaufe in eine
grosse Anzahl feiner und am Ende becherförmig erweiterter Stäbchen
auflöst.
Kinahan (Natural bist, review 1859, Proceed. of societ. p. 1250".
pl. 14) gründete auf den von Lucas in Algier unter Ameisen aufge-
fundenen Porcellio myrmecophilus eine neue Gattung Luc asius,
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 597
die er sogar zu einer besonderen Familie „Lucasidae" (!!) erheben
will. Möglicher Weise ist diese Gattung mit Trichoniscus Brandt
identisch; die inneren Fühler sind dreigliedrig, die äusseren fünf-
gliedrig mit zweigliedriger Endborste, die Seitenlappen des Cepha-
lothorax gross , die Stirnlappen fehlend. — Eine zweite Gattung
Aca nthoni s ciis (White) wird nach einem einzelnen Exemplare,
dem noch dazu die äusseren Fühler fehlen (!), aufgestellt. — Art:
A. spiniger (White) von Jamaica. — Aus der Gruppe der Porcellio-
niden im engeren Sinne werden ausserdem noch die Gattungen:
Ourachaerus (White) mit Our. caudatus (White), Vaterl. unbe-
kannt, Üeto Guer. mit D.Whitii n. A., Vaterland nicht angegeben, und
P y rg oni scus (White) charakterisirt. Letztere Gattung, an der
ebenfalls die äusseren Fühler nicht beschrieben werden konnten, hat
dreigliedrige innere Fühler; der Kopf mit zwei grossen, viereckigen,
in der Mitte durch einen engen Spalt geschiedenen Seitenlappen,
welche die seitliciien Stirnlappen und die Basis der äusseren Fühler
bedecken. — Art: P. cinctulus , auf der Herald -Expedition auf-
gefunden.
Derselbe (ebenda p. 125) gab eine ausführliche Gattungs-
und Artbeschreibung von Platyarthrus Hoffmannseggii Brandt, den er
gleichfalls mit Itea crassicornis Koch identificirt. — Das Vorkommen
dieser Art in England wird zuerst von R. Hogan, „On a new Bri-
tish Oniscoid found in ant's nests" (Nat. bist, review 1859. p. 109 ff.)
erwähnt; sie wurde in Dorsetshire in Gesellchaft von drei Ameisen-
Arten : Formica rufa, flava und nigra aufgefunden.
J. P. E. Fried r. Stein beschrieb (Berl. Entom. Zeitschr. III.
p. 260 f.) Porcellio trilobatus, aemulns, longicornis, myrmecophilus,
Armadillidium scaberrimum und versicolor als n. A. aus Dalmatien
und Ungarn, Arm. Irianguliferum aus Südfrankreich. Ueber einige
bekannte Arten folgen ausserdem geographische Kotizen.
Armadillo Brambillae n. A. von Pavia wurde von Balsam o
Crivelli (Meniorie delT Instituto Lombardo di scienze VII. p. 120)
diagnosticirt.
Nach Lucas (Bullet, sog. entom. 1860. p. 57) nagle Oniscus
murarius in den Kellern von Paris die Korke der Weinflaschen an.
Branchiopoda.
W. Baird, Description of some new recenl Entomo-
straca (Annais of nat. bist. V. p. 334 ff., Proceed. zoolog.
soc. of London 1859. p. 231 ff., pl. 65). — Verf. beschreibt
1 Estheria und 3 Cypris als neue Arten von Nagpoor in
Central-Indien.
598 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Phyllopoda. v. Dybowski („Beilrag zur Thyllopoden-Fauna
der Umgegend Berlins, nebst kurzen Bemerkungen über Cancer palu-
dosus Müll.", dieses Archiv für INaturgesch. XXVI. p. 195 ff. Taf. 10)
machte Branchipus Grtihei als n. A. aus der Umgegend Berlins be-
kannt; dieselbe war bisher für Er. slagnalis gehalten worden, steht
aber in nächster Yerwandschaft mitBr. birostratus Fisch. — Der von
•Fabricius als in Grönland einheimisch angegebene Brachipus sta-
gnalis gehört nach dem Verf. nicht dieser Art, sondern dem Br. pa-
ludosus Müll. an.
Baird (Proceed. zoolog. soc. of London 1860. p. 445 f. pl. 72)
beschrieb und bildete ab Streptocephalus dichotomus als n. A. aus
Ostindien.
Derselbe, „Description of a new Entomostracous Crustacean,
belonging to the order Phyllopoda, from South - Australia" (ebenda
1860. p. 392. pl. 72) Estheria Birchii n. A. vom Wamoi-River in Au-
stralien, 12 Lin. lang, 9 Lin. breit.
Derselbe (Annais of nat. bist. IV. p. 281. pl. 5) Estheria Gi^
honi n. A. von Jerusalem, (ebenda V. p. 335, Proceed. zoolog. soc.
1859. p. 232. pl. 65) Estheria Hislopi n. A. von Nagpoor und (Annais
of nat. bist. VI. p. 135, Proceed. zoolog. soc. 1860. p. 188. pl. 71)
Estheria compressa n. A. von Nagpoor, 5 Lin. lang.
Seb. Fischer (Abhandl. d. Baierisch. Akad. d. Wissensch. VIIL
p. 647 ff.) Estheria Hierosolymitana als n. A. von Jerusalem.
Claus, „Ueber die Estherien, insbesondere über Estheria Me-
xicana" (Beiträge zur Kenntniss der Entomostraken p. 12 ff.) will die
Phyllopoden in drei Familien: Daphniaceen, Branchiopoden (Bran-
chipus, Polyartemia, Artemia, Eulimene, Apus) und Estherien (Estheria,
Limnadia, Limnetis, Nebalia) theilen. Er erörtert die Unterschiede
zwischen den Gattungen der letzteren Familie und stellt die Gattung
Estheria in specie folgendermassen fest: „Körper in eine zweiklappige
Schale eingeschlossen, vordere Fühler fadenförmig, vielgliedrig,
Fusspaare blattförmig, 24 an Zahl, die beiden ersten beim Männchen
mit Greifhaken," Aus der von Estheria Mexicana n. A. entnommenen
Schilderung des gesammten Körperbaues der Gattung heben wir her-
vor, dass Verf. ein Abwerfen beider Schalenhäute während der Häu-
tung beobachtete, dass er eine Differenz in der Kopfform beider
Geschlechter ähnlich wie bei Limnetis nachweist, dass sich nach
seiner Beobachtung in dem durch 3Iuskelbündel beweglichem Auge
die Krystallkegel in IN'ervenfäden fortsetzen, und dass die vorderen
Antennen auf ihren kegelförmigen Erhebungen zahlreiche Tastpapillen
nach Art der Daphnien führen.
G. Balsam o-Crivelli, „Di un nuovo Crostaceo della fa-
miglia dei Branchiopodi fillopodi, riscontralo nella provincia di Pavia,
e considerazioni sovra i generi affini" (Memorie dell' Instiluto Lom-
im Gebiete der Entomologie w.ährend der Jahre 1859 u. 60. 599
bardo di scicnzc VII. 1859. p. 113— 120. Taf. 1). — Verf. beschreibt
Isaura Ticinensis n. A. von l'avia, auf einer beifolgenden Tafel nebst
Details abgebildet; die Charaktere derselben werden denen der be-
kannten Arten gegenüber gestellt.
Brühl, „lieber das Vorkommen einer Eslheria und des Bran-
chipus torvicornis in Pest" (Verhandl. d. zoolog.-botan. Gesellsch. zu
Wien X. p. 115 ff.) wies nach, dass die von Chyzer in seiner Cru-
staceen-Fauna Ungarn's erwähnte Limnadia Hermanni, von welcher
derselbe ausschliesslich Männchen gefangen zu haben glaubte, keine
Limnadia, sondern eine Estheria (vielleicht eine neue Art, E. Pe-
stensis) sei. Ebenso habe Chyzer den bei Pest vorkommenden
Branchipus torvicornis Waga irrig als Brauch, stagnalis aufgeführt,
obwohl letzterer der Gegend nicht fehlt. Verf. knüpft an diese Be-
merkungen Notizen über die geographische Verbreitung der beiden
genannten Arten und erwähnt schliesslich, dass er das Männchen von
Apus cancriforniis auch bei Pest, und zwar zu 11 bis 14 Pro c. (unter
Weibchen) aufgefunden habe.
Cladocera. F. Leydig, Naturg-eschichte der Daphni-
den (Crustacea Cladocera). Tübingen 1860. (4. 252 pag.
c. tab. 10). — Eine für die Kenntniss der gesammten En-
tomostracen in morphologischer wie in histologischer Be-
ziehung- höchst wichtiges Werk, welches insbesondere allen
ferneren Untersuchungen über die Cladoceren in zoologi-
scher wie anatomischer Hinsicht zur Grundlage dienen
muss. Nach einer Schilderung des äusseren Körperbaues
in seinen allgemeinen Verhältnissen geht der Verf. im er-
sten Theile seines Werkes auf alle einzelnen Organsysteme
der Daphniden ein; die besonders eingehend behandelten
histologischen Verhältnisse derselben geben ihm dabei häufig
Gelegenheit, sich zugleich auf analoge Bildungen bei den
höheren Crustaceen, bei den Arthropoden im Allgemeinen
und selbst bei anderen Thiergruppcn zu verbreiten, so
dass wir neben einer erschöpfenden Behandlung des spe-
ciellen Themas zugleich noch zahlreiche Ergänzungen zu
des Verf.'s Handbuch der Histologie erhalten. Bei Erör-
terung des Baues der Daphniden - Körperhaut geht Verf.
z. B. gelegentlich auf die Struktur des Hautskeletes von
Limulus ein und schliesst hieran eine ausführliche Darlegung
der Gründe, welche ihn auch jetzt noch dazu bewegen, die
Chitin- Ausscheidung der Matrix Ha ecket gegenüber der
600 G ers tcie c k e r : Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Categoric der Bindesubstanz zu überweisen. Ebenso wird
eine bei den Daphniden nachgewiesene Schalendrüse, wel-
che zu einem eigentliümlichen, an der Rückenseite der
Schale beündiichen Haftorgan in naher Beziehung zu stehen
scheint, mit der grünen Drüse der Decapoden in Vergleich
gebracht, und da man letzterer (übrigens nach des Verf.'s
Ansicht ohne Grund) die Bedeutung einer Niere hat bei-
legen wollen, gleichzeitig auf die Harnausscheidung der
Entomostracen und Isopoden näher eingegangen u. s. w.
— Der zweite spezielle Theil beginnt mit einer Uebersicht
der Europäischen Gattungen und Arten der Cladoceren,
welche durch vergleichende Diagnosen festgestellt werden.
Unter den 52 aufgeführten Arten (denen noch einige exo-
tische beigefügt sind) werden diejenigen, welche dem Verf.
selbst zur Untersuchung vorgelegen haben, einer speziellen
Schilderung unterworfen und durch vortreffliche Abbildun-
gen in ihren Organisationsverhältnissen erörtert; auf die
sexuellen Charaktere der von vielen Arten bisher nicht
näher bekannten Männchen wird dabei besonders ausführlich
eingegangen.
Die vom Verf. selbst untersuchten Gattungen und Arten sind; Sida
crystallina Müll. (/* $, Daphnia pulex Straus ^ $, magna Slraus (;/* $,
longispina Fisch. (?) (^ $, hyalina n. A. aus dem Schlier- und Bodensee
(nur J), sima Müll. (^ $, brachiata Jur. cT^j rectiroslris Jur. ^ ^,
quadrangulaMüll. (/*$, reliculata Jur. (?) (/ j, mucronata Müll. </ $,
Fasithea rectirostris Koch $, lacuslris n. A. aus einem See im Allgäu,
Bosmina longirostris Müll. $, longispina n. A. aus dem Bodensee,
laevis n. A. aus den Baierischen Seen, Lynceus lamellatus Müll. $,
striatus Jur. (?) $, leucocephalus Fisch., macrourus Müll. (?) $, qua-
drangularis Müll., affinis n. A. von Friedrichshafon, trigonellus Müll. $,
truncatus Müll. $, jsphaericus Müll. $, personatus n. A. aus dem
Schliersee, roslratus Koch, Polyphemus oculus Müll. (^^, Bytho-
trephes longimanus n. G. und A. ; letztere Gattung steht Polyphemus
zunächst, von der sie sich durch die bedeutendere Länge des ersten
Beinpaares und das in einen langen Endstachel auslaufende Postab-
domen unterscheidet.
F. A. Smitt, Sur les ephippies des Daphnies (Nov. Act. Societ.
Scienl. Upsal. 3. ser. HI.) Upsala, 1859. (4. 14 p. c. tab. 2). — Verf. fand
zu Anfang des Märzes bei Upsala grössere zusammenhängende Massen
von Daphnia-Ephippien, welche drei verschiedenen Arten angehörten
und sich durch lange fadenförmige Fortsälze, einen einzelnen vom
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 601
vorderen und zwei paarige, vom hinteren Ende entspringende aus-
zeichneten. Diese von den früheren Autoren bisher nicht angegebe-
nen Bildungen stellten sich als die üeberbleibsel der mütterlichen
Schale heraus , indem der obere dem geschlossenen Rücken, die
beiden hinteren dem Hinter- und Unterrand der beiden Schalenhälf-
ten sowohl in Form als Dornbekleidung entsprechen. In Betreff der
inneren Hülle der Ephippien, welche Lubbock als eine innere Lage
der Schale ansieht, vermuthet der Verf., dass sie nichts als die neu-
gebildete Schale selbst sei; wenigstens ist dies bei den Winter-
Ephippien, w^clche erst durch den Tod der Mutter frei werden, der
Fall. Die zwischen beiden Hüllen befindliche dunkele, zellige Masse
ist nach seinen Beobachtungen eine Absonderung von Cementdrüsen
nach Art der Cirripedien. Schliesslich giebt der Verf. eine Charak-
teristik der Winter-Ephippien von Daphnia magna, pulex und sima.
„Ueber das Vorkommen eines (auch von Leydig in seinem
eben erwähnten Werke dargestellten) saugnapfartigen Haftapparates
bei den Daphniaden und verwandten Krebsen" machte Leuckart
(dies. Archiv f. Katurgeschichte XXV. p. 262 ff.) Miltheilungen. Er
fand denselben in besonderer Vollkommenheit und Grösse an einer
marinen Daphnide, welche er Evadne polyphemoides nennt und auf
Taf. 7 abbildet, vor. Das Organ hat die Form einer tellerförmigen
Grube mit aufgewulstetem Rande und deutlicher Muskulatur; seine
Bedeutung als Haftapparat wurde dadurch festgestellt, dass das Thier
sich mittelst desselben an der Wand des Glases festhielt.
Als neue Arten wurden bekannt gemacht : Daphnia Aegypiiaca
von Fajum und Alexandrien durch Fi seh er (Abhandl. d. Baierischen
Akad. d. Wissensch. VIII. p. 647), Daphnia Newportii aus Ostindien
von Baird (Proceed. zoolog. soc. 1860. p. 445. pl. 72) und Daphnia
Athinsonii von Jerusalem, durch denselben (Annais of nat. bist. IV.
p.281. pl.5).
OsträCOdea. Grube, ^^Bemerkungen über Cypridina und eine
neue Art dieser Gattung, Cypridina oblonga''^ (dies. Archiv f. Natur-
gesch. XXV. p. 322 ff. Taf. 12) geht besonders auf die Bildung der
Schale und die Gliedmassen einer von ihm bei der Insel Cherso auf-
gefundenen und als Cypridina oblonga beschriebenen neuen Art,
welche er in Bezug auf die Gattungsmerkmale mit den bisher be-
kannten Arten in näheren Vergleich bringt, ein. Die von den ein-
zelnen Autoren in verschiedener Weise gedeuteten und benannten
Gliedmassen sieht Verf. als obere und äussere Antennen, als mit
einem Taster versehene Mandibeln und als zwei Maxillenpaare an;
eigentliche Fusspaare nach Art von Cypris und Cythere fehlen bei
Cypridina gänzlich. Ausserdem erwähnt Verf. noch eines zweiglie-
rdrigen griffeiförmigen Anhanges, der vielleicht am Grunde der inne-
ren Antennen entspringt^ so wie des cigeothünilichen^ geringelten, zum
602 (j c rs t ac ck c r: Bcri«;ht über die wissenschaftlichen Jieistnngen
Festhalten der Eier dienenden Fortsatzes, der ihm von der Seite des
Leibes selbst zu entspringen schien.
Biiird, „On some new species of Cypridina" (Annais of nat*
hist. VI. p.l39, Proceed. zoolog. soc. of London 1860. p. 199 flF. pl.71)
machte vier neue Arten derselben Gattung bekannt: Cypridina Nor'
vegica von der Korwegischen Küste, Godehevi von Madras, ovum aus
dem Chinesischen Meere und albomaculata vom Swan-Kiver in Keu-
Ilolland. In den Proceed. zoolog. soc. 1860. p. 202. pl.71 wird
zugleich eine nochmalige Beschreibung und Abbildung von Philomedes
longicoinis Lilljeb. gegeben.
Derselbe (Annais of nat. hist. V. p. 335 f., Proceed. zoolog.
soc. 1859. p. 232 f.) beschrieb Cypris subglobosa und cylindrica So-
werby (bisher nur fossil bekannt) als lebende Arten von Nagpoor und
Cypris dentato -marginata als n. A, ebendaher. — In den Annais of
nat, hist. IV. p. 282. pl. 6 Cypris Celtica und orientalis als n. A. von
Jerusalem.
Lubbock (Transact. Linnean soc. of London XXIII. 1. p. 186 ff.
pl. 29) beschrieb als oceanische Formen: Conchoecia birostrata, in-
termedia und curla, Halocypris rostrata und Toynbeeana n. A.
Entomostraca.
J. Lubbock, On some Oceanic Entomostraca col-
lected by Captain Toynbee (Transact. Linnean soc. of
London XXIII, 1. p. 173—191. pl. 29). — Verf. giebt eine
Aufzählung von 50 verschiedenen Entomostracen, welche
der Mehrzahl nach den Copepoden angehören (zwei ver-
einzelte ausserdem den Siphonostomen und Phyllopoden,
einige den Ostracoden) und von denen fünfzehn als neue
Arten beschrieben werden. Einigen Bemerkungen über die
Verbreitung der marinen Copepoden schliesst Verf. Betrach-
tungen über die Schwierigkeilen, welche sich in dieser
Ordnung der Abgränzung der Gattungen entgegenstellen,
an; selbst die Constantheit der Arten werde durch Zwischen-
formen zuweilen in Zweifel gestellt.
Stcenstrup undLütken machten (Oversigt Kongl.
Danskc Vidensk. Selsk. Forhandl. 1860. p. 185— 193) vor-
läufige Mittheilungen über eine von ihnen unternommene
grössere und mit zahlreichen Abbildungen ausgestattete
(jetzt bereits im, Druck erschienene) Arbeit, welche der
ücschrcibung und Darstellung neuer und weniger bekann-
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 603
ter Schmarotzerkrebse gewidmet ist. Einer Diagnostik der
neu begründeten Gattungen schicken die VerlT. Bemerkun-
gen über die Systematik der von ihnen behandelten Cru-
slaceen- Gruppe voraus, nach welchen sie die Scheidung
von Copepoden und Siphonostomen gänzlich aufgeben, mit-
hin der Bildung der Mundtheile und der parasitischen oder
freien Lebensweise keine Bedeutung beilegen. Als Ein-
theilungsmoment für die in Rede stehenden Thiere wollen
sie vielmehr die Zahl und Gestalt der Eiersäcke des Weih-
chens benutzen und nach dieser drei nebcneinanderlaufende
Reihen von Formen aufstellen, deren erste nur freilebende,
die letzte nur parasitische Gattungen umfasst, während die
zweite beiderlei Arten enthält. Erste Reihe : Ein unpaarer
Eiersack mit kugligen Eiern (Calanus, Pontella, Harpacti-
cus, Selella). Zweite Reihe: Paarige Eiersäcke mit kugli-
gen Eiern (Cyclops, Sapphirina, Ergasilus, Lernaeopodidae,
Chondracanthini, Lernaeoceridae). Dritte Reihe: Paarige
Eierslränge mit flachen, scheibenförmigen Eiern (Caligina,
Pandarina, Dichelestina, Clavella, Penellina). Die von den
beiden VerfF. beschriebenen Schmarotzerkrebse gehören vor-
zugsweise der dritten Reihe an, daher auch diese in Betreff
der systematischen Stellung und Verwandtschaft ihrer Gat-
tungen hier noch spezieller erörtert wird, (Die Diagnosen
der neuen Gattungen stellen wir weiter unten zusammen.)
Auch Claus, der ebenso glückliche als eifrige Be-
arbeiter der Entomostraken, versuchte in der Leibesgliede-
rung und der Bildung der Mundwerkzeuge der Copepoden
und Siphonostomen einen gemeinsamen Plan, der nur bei
den am niedrigsten entwickelten Formen in immer mehr
hervortretender Weise modificirt wird, nachzuw^eisen („Zur
Morphologie der Copepoden,« Würzburger naturwiss. Zcit-
schr. L p. 26 fr.). Indem er die eigentlichen Copepoden
mit freien (kauenden) Mundtheilen und vollkommenster
Körpersegmentirung an die Spitze der ganzen Reihe stellt
und die Aufeinanderfolge der einzelnen Familien und Grup-
pen der Siphonostomen auf der allmählichen Abnahme so-
wohl in der Ausbildung der Körpersegmente als ihrer
Gliedmassen basirt, gelangt er offenbar zu einer natürliche-
604 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
ren Stufenleiter als die beiden eben genannten Verff., deren
auf ein einzelnes und weniger wichtiges Merkmal gegrün-
dete Eintheilung dem Vorwurfe der Einseitigkeit kaum wird
entgehen können. — Wenn Verf. einen Vergleich des De-
capoden- und Entomostraken-Bauplanes und eine Zurück-
führung des letzteren auf ersteren ganz zurückweist, so
verfährt er darin wohl subjektiv und ein Anderer könnte
mit demselben Rechte gegen ihn geltend machen, dass
zwischen der Körpersegmentirung einer Lernaee und eines
Cyclops für ihn grössere Unterschiede beständen als zwi-
schen derjenigen eines Cyclops und eines Decapoden. Nach
der Entwickelung können wir, wenigstens nach unseren
bisherigen Kenntnissen, allerdings die Copepoden nicht mit
den Decapoden parallelisiren; was den äusseren Bauplan
jedoch betrifft, so wüsste Ref. kaum eine Ordnung der Cru-
staceen, welche oft bis in die Details hinein eine so deut-
liche Analogie mit den Decapoden darböte, als gerade die
Cyclopiden, Caliginen, Pandarinen u. s. w. Die Modifika-
tionen, welche die Verwachsung, resp. Trennung der hin-
teren Abdominalsegmente (Thoraxringe des Verf.'s) vom
Cephalothorax erkennen lässt, kehren z. ß. in beiden Ord-
nungen in ganz analoger Weise wieder.
Leuckart, „lieber die Gesichtswerkzeuge der Co-
pepoden" (dies. Archiv f. Naturgesch. XXV. p. 247 ff. Taf. 6
und 7) theilte seine Beobachtungen über die schon durch
Dana und Gegenbaur erörterte eigenthümliche Bildung
der Augen von Sapphirina, Copilia und Corycaeus mit.
Verf. sieht die Cornea Dana's mit Gegenbaur für eine
Linse an, die nach ihm sogar aus zwei in physikalischer
Beziehung verschiedenen, aber eng vereinigten Hälften,
einer vorderen biconvexen und einer hinteren concav-con-
vexen besteht. Dagegen stimmt Verf. gegen Gegenbaur
mit Dana darin überein, dass der am hinteren Ende des
Auges liegende, von Pigment umhüllte Krystallkörper nach
vorn einen stark lichtbrechenden sphärischen Körper (Linse
Dana's) becherförmig umfasst; es würde somit eine Art
Fernrohr, an welchem die vordere Linse das Objectiv, die
hinlere das Ocular verträte, hergestellt. Das von Gegen-
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 605
baur an Sapphirina fuJgens beschriebene iinpaare Sehor-
gan fand Verf. übereinstimmend bei Sapph. uncinata (bei der
die grossen seitlichen Augen nur im Rudiment vorhanden
sind), in geringerer Grösse bei Copilia, gar nicht hei Co-
rycaeus^ dagegen in Form eines grossen, dunkelblau ge-
färbten Zapfens bei einer Ponteila- Art. Bei letzterer hat
dieses Auge eine ventrale Stellung, kann aber trotzdem
mit dem unpaaren Auge der Copepoden identificirt werden,
da letzteres mitunter gleichfalls diese Stellung einnimmt,
wie dies Verf. an einer Calanus-Art darthut.
„lieber das Auge der Sapphirinen und Pontellen" hat
auch Claus (Archiv f. Anat. und Physiol. 1859. p. 269 0".
Taf. 5) Untersuchungen angestellt. Bei zwei Arten von
Sapphirina fand Verf. übereinstimmend mit Leuckart den
lichtbrechenden Körper unter einem Bogen von der Pig-
mentscheide des Krystallkörpers scharf abgegränzt; die
Cornea-Linse ist nach ihm im Centrum bedeutend stärker
lichtbrechend als an der Peripherie. Der Dana'schen
Deutung des Sapphirina- Auges entgegen hält Verf. die
Cornea im Vereine mit der elliptischen Linse und dem Glas-
körper für den lichtbrechenden Apparat, an dem nur die
Akkomodationsfähigkeit der einzelnen Theile sehr eigen-
thümlich ist. — Bei Ponteila fanden sich jederseits zwei
Hornhautfacetten, denen zwei gallertige, an ihrer Basis von
Pigment eingehüllte Krystallkegel entsprechen, ausserdem in
der Mittellinie der (auch von Leuckart behandelte) dun-
kelbraun pigmentirte Zapfen.
Derselbe, „Ueber die blassen Kolben und Cylinder
an den Antennen der Copepoden und Ostracoden" (Würz-
burger naturw. Zeitschrift L p. 234 ff. Taf. 7) fand die von
Leydig nachgewiesenen und als Träger spezifischer Sin-
nesfuiiktionen gedeuteten blasscontourirten Cylinder auch
an den grossen Antennen verschiedener Cyclopiden und an
den Fühlern des zweiten Paares von Cypris. Dieselben
sind in Zahl und Sitz constant, z. B. an der grossen Greif-
anleniie eines Cyclops-Männchens zu dreien am Basalgliede
und zu je einem am vierten und neunten; beim Weibchen
fehlen sie und werden nur durch ein etwas verschieden
606 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
gestaltetes einzelnes Organ am zwölften Gliede ersetzt.
Beim Männchen von Cyclops serrulatus sind diese Cylinder
zum Theil kolbig und strahlen an ihrer Spitze einen Kranz
feiner Fäden aus. Das von Leydig angegebene Verhält-
niss der Nerven zu den Cylindern findet sich bei den Cy-
clopiden in übereinstimmender Weise vor; die Ganglien-
bildung ist übrigens noch deutlicher an den gewöhnlichen
Chilinborsten der Fühler. Den bezeichneten Organen den
Geruchssinn zuzuschreiben, trägt Verf. wenigstens für die
im Wasser lebenden Entomostraken Bedenken.
Leydig, „Bemerkungen über den Bau der Cyclopi-
den" (dies. Archiv f. Naturgesch. XXV. p. 194 ff. Taf. 4)
weist Porenkanäle in der Körperhaut von Cyclops nach,
vermag von dem nach Zenker vorhandenen Nervensystem
nur das Gehirnganglion zu erkennen, hält das Auge von
Cyclops nicht für das Analogon der zusammengesetzten,
sondern für das des einfachen Daphnien -Auges und erör-
tert ausserdem die Struktur des Darmkanales, des Fettkör-
pers, der Schalendrüse, des Cirkulationsapparates und der
beiderseitigen Geschlechtsorgane in morphologischer und
histologischer Beziehung.
Thor eil hat (Öfvers. Vetensk. Akad. Förhandl. XVI.
p. 335— 362, ins Deutsche übersetzt von Creplin, Zeit-
schr. f. d. gesammt. Naturwiss. XV. p. 114 — 143) unter dem
Titel : „Till kännedomen om vissa parasitiskt lefvande Ento-
mostraceer" eine wichtige Abhandlung über die auf Asci-
dien parasitisch lebenden Entomostraceen veröffentlicht, in
welcher er eine ganze Reihe sich an die merkwürdige
Gattung Notodelphys Allm. zunächst anschliessender Formen,
vorläufig durch Diagnosen, bekannt macht. Dieselben ge-
hören nach ihm vier verschiedenen Familien : Notodel-
phyidae, Buproridae, Ergasilidae und Ascomyzonidae an.
Die Familie Notodelphyidae bestimmt der Verf. folgender-
massen: Körper aus 11 bis 12 Segmenten bestehend, das letzte zwei
Appendices bildend, das 4. und 5. beim Weibchen verschmolzen und
eine Matrix zur Aufnahme der aus den Ovarien hervortretenden Eier
bildend; keine Eiertrauben, Fühler des 2- Paares einfach, mit End-
klaue, Oberkieferlaster und Beine zweiästig. — Erste Gruppe : No-
todelphyidae verae. Erstes Thoraxsegnient mit dem Kopfe verschmol-
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 607
zen, sechs Abdominalringe in beiden Geschlechtern; vordere Ma\illen
vielspaltig, ein Auge, Matrix einfach. 1. Gatt. IS'otodelphys Allm.
Appendices des Hinterleibes mit vier langen beiiaarlen Borsten, Kör-
per niedergedrückt, Ovarien jederseits zwei, vorn frei. 7 Arten. —
2. Galt. Doropygus n. g. Appendices des Hinlcrleihes an der Spitze
mit kleinen Ilaaren oder Stacheln besetzt, Körper etwas seillich zu-
sammengedrückt, Ovarien vorn vereinigt, 4 Arten. — 3. Gatt. B o-
tachus n. g. Appendices des Hinterleibes an der Spitze mit Sta-
cheln, Körper drehiund, spindelförmig, Ovarien jederseits zwei, frei.
1 Art. — Zweite Gruppe: Ascidicolidae. Erstes und zweites Thorax-
segment mit einander verschmolzen, Hinterleihsringe 5 beim Weib-
chen, 6 beim Männchen; vordere Maxillen nicht vielspaltig, kein
Auge, Matrix doppelt. — Einzige Galtung: Asci dicola n. g. mit
1 Art. — Die zweite Familie Biiprovidae hat folgende Charaktere :
Körper schlauchförmig, ohne Segmente, Hinterleib fehlend ; hintere
Fühler einfach, mit krummen Stacheln bewehrt, kein Auge, keine
Eiertrauben. Die Eier bleiben bis zur Reife im mütterlichen Körper.
— Einzige Gattung: Buprorus n. g. mit 1 Art. — Zur Familie
Ergasilidae gebort die neue Gattung: Li chomol gu s. Körper birn-
förmig, beim Weibchen 11-, beim Männchen 12-ringlig, Kopf gross,
mit dem 1. Thoraxsegmente verschmolzen, letztes Segment zwei Ap*
pendices bildend. Hintere Fühler einfach, an der Spitze mit krummen
Stacheln bewehrt; Mund mit drei Maxillenpaaren, die beiden ersten
in eine hervorstehende, weiche Borste auslaufend, das diitte bein-
förmig, mit Endklaue. Aeussere Eiertrauben. 4 Arten. — In der
vierten Familie Ascomyzonidae stimmt der Körper in seiner Form
und Segmenlirung mit Lichomolgus überein, die Fühler des zweiten
Paares sind aber zweiästig, der grössere Ast an der Spitze einen
krummen Stachel tragend. Mund in Form eines langen Saugrüssels,
seitlich mit einem Taster (?) und mit drei Maxillenpaaren, d.is erste
zweiästig, die beiden folgenden einfach, beinförmig; Beine zweiäslig,
äussere Eiertrauben. — Einzige Gattung: Äscomyzon n. g. mit
1 Art. — Die (durch Diagnosen festgestellten) Arien schwanken in
der Grösse zwischen y* und 6 Mill. und sind theils auf bestimmte
Ascidien angewiesen, welche der Verf. namhaft macht, theils meh-
reren Arten der letzteren gemeinsam. — An die Charakteristik der
Familien und Gattungen schliesst der Verf. ausführliche Miltheilungen
über ihre anatomischen Verhältnisse, insbesondere über ihre Forl-
pflanzungsorgane , so wie über die Jugendformen (in schwedischer
Sprache).
Copepoda. Ueber den Bau der Notodelphys ascidicola Allm.
hat ausserdem Claus (Würzburger naturwiss. Zeitschr. I. p. 226 IV.)
Miltheilungen gemacht, Verf. bespricht die bei den Copepodcn und
Siphonostomen sehr klar hervortretende Harmonie zwischen Körper-
608 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
form und Lebensweise, die allmählichen Üebergänge, welche in bei-
derlei Beziehungen stattfinden (Weibchen parasitisch, Männchen frei-
lebend) und glaubt, dass diese Familien der Entoniostracen besonders
geeignet seien, die Darwin'sche Theorie von der Entstehung der
Arten durch Natur-Züchtung zu stützen. (Gewiss ist in keiner Gruppe
des Thierreiches der genealogische Zusammenhang der Formen so
deutlich ausgesprochen, wie hier. Ref.) — Von Kotodelphys ist ihm
wie All man nur das Weibchen (aus der Kiemenhöhle von Phallu-
sien) bekannt geworden. Auf den Cephalothorax folgen zwei freie
und dann zwei zu einer grossen Matrix verschmolzene Abdominal-
ringe; das Postabdomen ist fünfringlig, der erste Ring jedoch auf
die Unterseite der Matrix gerückt. Die hinteren Fühler endigen in
eine Haftklaue; die (einzeln beschriebenen und abgebildeten) Mund-
Iheile gehören zur Categorie der kauenden und schliessen sich denen
der Calaniden znnächst an. Abbildung auf Taf. 6.
D erselbe (ebenda p. 20 ff. Taf. 1) machte eine eigenthümliche
Hemmungsbildung von Cyclops bekannt, welche sich durch den Man-
gel eines Abdominal- (Thorax-) Ringes und des diesem entsprechenden
Beinpaares auszeichnet; an dem sehr kleinen weiblichen Exemplar,
welches aber mit entwickelten Eiersäcken ausgerüstet war, zeigten
sich die Fühler nur elfgliedrig und die Aeste der Spaltbeine nur
zweigliedrig.
Claus, „lieber Saphirinen" (Beiträge zur Kenntniss der En-
tomostraken p. 1) weist am Körper von Saphirina, der nach Thom-
pson beim Männchen neun-, nach Gegenbaur beim Weib-
chen zehnringlig ist, bei beiden Geschlechtern elf Segmente nach.
Der beim Weibchen deutlich ausgebildete sechste Ring (erste des
Hinterleibes) ist beim Männchen ganz rudimentär und fast nur auf
ein kurzes, stummeiförmiges Beinpaar beschränkt. An einer in der
Kiemenhöhle von Salpa africana niaxima aufgefundenen, nur im weib-
lichen Geschlechte bekannten neuen Art, welche der Verfasser unter
dem Namen Saph, Salpae beschreibt und abbildet, erörtert er den Bau
der Gliedmassen und des Nervensystems der Gattung Saphirina und
stellt für letztere eine neue Diagnose auf. Anhangsweise charakte-
risirt er eine neue mit Saphirina nahe verwandte Gattung und Art
Sepicola longicauda, an den Kiemen von Sepia officinalis lebend.
Die Diagnose derselben lautet: Körper langgestreckt, von Cyclops^
Form, Kopf mit dem Thorax vereinigt; vordere Fühler siebengliedrig,
hinlere in Klammerorgane umgestaltet, Kieferfüsse ähnlich denen von
Saphirina, fünftes Beinpaar rudimentär. Zwei Eiersäcke. Länge der
Art 2Mill.
Derselbe, „lieber die Familie der Peltidien" (ebenda p. 5 ff.)
gründet auf die Gattungen Thyone Phil., Hersilia und eine verwandle
neue Form die Familie der Peltidien, welche sich den fünf Dana'-
Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60.
609
sehen Copepoden - Familien als sechste anschliesst und durch den
dicken Chilinpanzer, den niedergedrückten, schildförmigen Körper,
zwei verschmolzene einfache Augen, die weniggliedrigen vorderen
und mit einem kurzen Anhange versehenen hinteren Fühler, so wie
durch den einfachen Eiersack charakterisirt wird. Die Galtung
Thyone Phil, wird wegen der gleichnamigen Hololhurie iy Vorcelli'
dium umgetauft und in zwei Arten: F. tenuicauda und dentatum
beschrieben und abgebildet. Eine verwandte neue Form ist Onisci-
dium annahim, mit neunriugligem Körper, dessen einzelne Ringe in
zugespitzte Lappen ausgezogen sind, und 'achtgliedrigen vorderen
Fühlern; Kiefeifüsse zangenförmig mit innerem beweglichen Finger,
erstes Beinpaar mit zweigliedrigem inneren und dreigliedrigem äus-
seren Ast, Stummelfuss zweigliedrig. L. der Art IV* Mill. Eine
dritte Form, welche vielleicht generisch mit Peltidium Phil, zusam-
menfällt, wird als Eupelle gracilis bekannt gemacht.
Derselbe (ebenda p. 11 f.) charaklerisiite unter dem ISamen
Amymone satyrus eine sehr bemerkenswerthe neue Copepoden-Form,
welche durch die geringe Entwickelung des Abdomen und die auf-
fallend starke, fast kuglige des Thoracaltheiles an die Rauplius-For-
men erinnert, sich aber durch die Entwickelung der Geschlechtsorgane
als ausgebildetes Thier erweist. Besonders hervorzuheben ist eine
Erweiterung der ersten Abdomiiialringe zu einem cylindrischen Sper-
matophorenbehälter von ansehnlicher Grösse. L. der Art '/s xMill. —
Alle beschriebenen Formen stammen von Kizza.
Leuckart (dies. Archiv f. Raturgesch. XXV. p. 241 ff. Taf. 6)
erörterte die merkwürdige Gattung IVolopterophorus Costa durch Be-
schreibung und Abbildung einer neuen Art ISot. Veranyi, welche er
bei ISizza in der Athemhöhle von Phallusia mamillaris fand. Auf
einen kurzen, kopfförmigen ersten Abschnitt, welcher zwei Fühler-
paare und die Mundtheile trägt, folgen vier grosse, freie, auf dem
Rücken in flügeiförmige, blaltartig zusammengedrückte Fortsätze aus-
laufende Ringe mit je einem Paar von Spaltfüssen ; das Postabdomen
ist lang und dünn, fünfringlig.
Derselbe machte in seiner oben erwähnten Abhandlung über
die Gesichtsw erkzeuge der Copepoden (Archiv XXV. p. 247 ff. Taf. 6
und 7) gelegentlich folgende neue Arten hauptsächlich durch Abbil-
dungen bekannt: Copilia Mcaeensis von Nizza, Corycaeus genna-
nus und Pontella Eugeniae von Helgoland , Calanus erylhrochilus
von Nizza.
Sars (i\yt Magaz. for Naturvidensk. XI. p. 252) erwähnt einer
neuen Gattung und Art, Ter ehellicola reptans von der Küste Nor-
wegens, parasitisch auf Terebella - Arten lebend. Dieselbe ist mit
Cyclops verwandt, hat jedoch das zweite Fühlerpaar in liaflhaken
umgewandelt.
Archiv f. Natiirg. XXVII. Jahrg. 2. Bd. üo
610 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Lubbock (a. a. 0. p. 176 fF. pl. 29) giebt Beschreibungen und
Abbildungen von folgenden neuen oceanischen Arten: a) Calanidae :
Calanus setuligerus (Dana?), vulgaris, Danai und Undina Dartcinii.
— b) Cyclopidae : Clytemneslra tenuis und Setella tenuis. — c) Cory-
caeidae : Corycaeus Uuxleyi, Oncaea pyrifonnis, Sapphirina cylindricttj
nitens, elegatis, parva und Thompsoni.
Seb. Fischer (Abhandl. d. Bayerisch. Akad. d. Wissensch.
VIII, 3. p. 651 ff.) beschrieb Cyclops aurantius von Palermo, prasinus
und aequoreus von Madeira, Harpacticus fulvus, aquilinus, macroda-
ctylus, spinosus, fortißcalionis, Tisbe ensifer, Canthocamptus horridus
und elegantulus. sämnitlich von Madeira aus Seewasser, Canthocamptus
Mareoticus aus dem See Mareotis bei Alexandria und Sapphirina sca-
laris unbek. Fundorts.
Baird (Annais of nat. bist. IV. p. 283. pl. 6) Diaptomus similis
als n. A. von Jerusalem (Süsswasser).
Parasita. Claus, „üeber den Bau von Kicolhoe" (Würzburger
naturwiss. Zeitschr. I. p. 22 ff. Taf. 1). Verf. glaubt, dass das von
van Beneden als Nicothoe-Männchen beschriebene Thier der Gal-
tung gar nicht angehört und beansprucht als solches eine an den
Kiemen der weiblichen Nicothoe aufgefundene männliche Form,
welche sich abgesehen von den sexuellen Differenzen in vieler Be-
ziehung mit dem Weibchen conform gebildet zeigt. In Betreff der
Körpersegmentirung des Weibchens weist der Verf. nach, dass mit
dem Kopfe (Cephalothorax) der erste Thorax - (Abdominal -) Ring
verschmolzen ist, während durch die Seiten- und Ventraltheile der
drei hinteren freien Thorax- (Abdominal-) Ringe die beiden grossen
Seitenflügel gebildet werden. An dem Cyclopen - artig geformten
Männchen sieht Verf. das erste Kieferfusspaar van Beneden's als
Fühler des zweiten Paares an; der zu einem scheibenförmigen Or-
gane comprimirte Mund ist seitlich mit zwei grätenartigen Kiefern
und zwei borstentragenden Tastern versehen.
Derselbe (ebenda Taf. 1) gab Abbildungen vom Männchen
der Brachiella triglae, vom vorderen Körperende der Anchorella un-
cinata, von den Fühlern und Mundtheilen der Lernaeopoda galei und
von Lophoura Edwardsii (ganze Figur).
Lubbock (Transact. Linnean soc. XXIII, 1. p. 191. Taf. 29)
beschrieb als B acutus elongatus eine neue Gattung und Art, von
langgestreckter, schmaler Körperform, aber trotzdem nach dieser
mehr den Caliginen als den Dichelestinen ähnelnd, welch' letzteren
es nach den klauenförmigen hinteren und den lang beborsteten,
vier (?)- gliedrigen vorderen Fühlern angehören würde. Auf den Ce-
phalothorax folgen drei Abdominalringe mit gespaltenen Füssen und
ein langes, schmales Postabdomen ohne Gliederung. Verf. stellt die
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 611
Gattung mit Monstrilla und Ergasilus in Vergleich; das Wohnlhier
der Art ist nicht angegeben.
Die von Steenstrup und i. ütiien (a. a. 0. p. 191 ff.j auf-
gestellten neuen Gattungen sind: a) Caligini: 1) Gloiopot es n. g.,
im weiblichen Geschleclite von Caligus durch zwei sehr grosse, fast
rechtwinklige Rückenplatleii, welche den Genitahing bedecken, fer-
ner durch den in zwei schlanke Fortsätze auslaufenden Gcnitalring
und cylindrische Schvvanzhlättchen, die nur mit einem, nicht gefie-
derten Griffel versehen sind, unterschieden. 2) Sxjnestius n. g.,
im weiblichen Geschlechte von Caligus durch den in vier leicht ge-
keulte Fortsätze endigenden Genitalring unterschieden; die Fortsätze
fast von der Länge des Postabdomen. 3) Parapetalus n. g.
Weibchen mit einem den Genitalring umgränzenden häutigen Flügel-
sauni, Postabdomen gleichfalls mit zwei seitlichen lamellösen Erwei-
terungen. 4) Dysgamus n. g. Aliinnchen von Caligus nur durch
die Bildung der Schwimmfüsse, welche alle zwciäslig und an jedem
Aste zweigliedrig sind, unterschieden. — b) Pandarini : 5) Peris-
sopus n. g. Weibchen mit ungetheiltem Cephalolhorax, freien und
vier bis sechs Rückenblätter führenden Abdominalringen , grossem,
breitem Genitalringe, der das kurze Postabdomen mit den Endlamel-
len bedeckt; Abdominalfüsse ohne Fiederborsten, die beiden ersten
Paare mit zweigliedrigen, die übrigen mit ungegliederten Aesten.
G) Eck thr 0 g a leu s n. g. , für Dinematura coleoptrata Guer., alata
und affinis M. £dw. errichtet. (Die Gattung Dinematura wird auf D*
producta Müll, und ferox Kroyer beschränkt und ebenso wie Panda-
rus Leach in ihren Charakteren festgestellt.)
Kner, „lieber Männchen und Weibchen von Euryphorus Kord-
manni" (Sitzungsberichte der Wiener Akad. der AVissenscb. Bd. 34.
p. 268—274, mit 1 Taf.) giebt eine Beschreibung und Abbildung des
bisher unbekannten Euryphorus - Männchens, welches in Gesellschaft
mehrerer Weibchen gefunden wurde. Die beiden ersten freien Ab-
dominalringe sind mit je zwei kurzen Rückenplatten versehen, der
erste Ring des Postabdomen in zwei flügelartige Fortsätze erweitert;
von den vier Schwimmfusspaaren hat Verf. nur das vierte zweiästig
gefunden, während er die drei ersten als einästig darstellt.
Lepeophtheirus exsculptus Fischer (Abhandl. d. Bayerischen
Akad. d. Wiss. VIII. p. 076 ff.) n. A., Fundort und Wohnlhier un-
bekannt.
Bruzelius ( Öfvers. Vetensk. Akad. Förhandl. XV. p. 181.
Taf. 4) „Om en i Pennatula rubra lefvande parasit" machte einen
merkwürdigen Schmarotzer von Pennatula als neue Gattung und Art
Lamippe rubra bekannt, über, deren systematische Stellung er
zwischen den parasitischen Crustaceen und den Acariden schwankt,
die aber ohne Zweifel bei ersleren unterzubringen ist, wo sie nach
612 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
des Ref. Ansicht ein Zwischenglied zwischen den Chondracanthinen
und Penellinen abgiebt. Nach der vom weiblichen Thiere gegebenen
Abbildung besteht bei diesem der Körper aus einem schmalen und
kürzeren Hals- und einem grossen, eiförmigen Abdominallheil ; von
den zwei dreigliedrigen Fühlerpaaren ist das erste am Vorderrande,
das zweite vor der Mundöffnung eingefügt, letzteres mit etwas län-
gerem, klauenförmigem Endgliede. Hinter der Mundöffnung, welche
mit Oberlippe und breiten Kiefern versehen ist, finden sich nur zwei
Paare von llafthaken ; das zweitheilige Hinterleibsende trägt zwei
an der Spitze gezähnte Griffel, die Geschlechtsöffnung zwei Sperma-
tophoren. Länge 1 — 2 Mill. In Schweden aufgefunden. (Uebersetzung
ins Deutsche von Creplin: „lieber einen in der Pennatula rubra
lebenden Schmarotzer," dies. Archiv f. Naturgesch. XXV. p. 286 ff.
Taf. 9.)
Ein anderer, schon durch seine licbensweise sehr interessanter
Parasit wurde durch van Beneden („Notice sur un nouveau genre
de Crustace Lerneen," Bullet, de l'acad. d. scienc. de Belgique IX.
1860. p. 151 ff. c. tab. 1) unter dem Namen Enter ocola fulgens be-
kannt gemacht. Das allein vorliegende Weibchen lebt in den Athem-
höhlen von geselligen Tunicaten und wurde vom Verf. in einer ein-
zigen Colonie des Aplidium ficus etwa zu zwanzig Exemplaren
vorgefunden. Der Körper ist wurstförmig, fast gleich dick und be-
steht aus sechs nur leicht abgeschnürten Segmenten, von denen das
erste dem Cephalothorax, die vier folgenden ganz homonom gebilde-
ten dem Abdomen, das sechste längere und etwas schmalere dem
Postabdomen entsprechen würde. Alle Gliedmassen sind kurz, stum-
melartig, die Abdominalfüsse fast ebenso geformt wie die Fühler,
deren eines Paar mit einer, das andere mit zwei Endklauen versehen
ist; an den Abdominalfüssen sitzt der einklauige Ast nach aussen
von dem zweiklauigen. Zwei grosse, länglich eiförmige Eiersäcke
mit roth pigmentirten Eiern; Embryonen von Copepoden-Form. Die
Grösse wird vom Verf. nicht direkt angegeben, doch scheint sie,
wenn die beigegebenen ^Figuren zehnfach vergrössert sind, etwa
3 Linien zu betragen. Verf. glaubt die Gattung zunächst mit Euda-
ctylina verwandt und will sie mit dieser vorläufig zu den Dichelesti-
nen stellen.
Von Wichtigkeit für die morphologische Kenntniss der Ler-
naeen-artigen Siphonostomen ist die Beobachtung Brühl's (Mitthei-
lungen aus dem zoologischen Institute der Universität Pest, Ko. 1.
p. 1 if. Taf. 1 u. 2), dass bei der Gattung Lernaeocera vollständig ent-
wickelte, obwohl ungemein kleine, nach dem Typus der Fischläuse
(Caligus, Pandarus u. s. w.) gebildete Ruderfüsse und selbst das Ru-
diment eines Postabdomen vorhanden sind. Die zu drei Paaren vor-
handenen und aus zwei dreigliedrigen Aesten bestehenden Ruderfüsse
im Gebiete der Entomologie wahrend der Jahre 1859 u. 60- 613
sind in weiten Abständen von einander an der Bauchseite des lang-
gestreckten Abdomen eingelenkt und entspringen wie gewöhnlich
von queren Chitinbalken ; die einzelnen Glieder sind nach dem Typus
der Caliginen mit langen, gefiederten Borsten besetzt. Das vierte
Paar der Abdominalfüsse existirt nur in Form kleiner ungegliederter
Stunmiel mit vier Endborsten, welche vor den Geschlechtsöffnungen
liegen. Das Postabdomen ist auf die zwei Endlamellen mit gefieder-
ter terminaler Borste beschränkt. Die schon von B u rm ei s ter nach-
gewiesenen Fühler und Mundtheilc unterwirft der Verf. einer noch-
maligen ausführlicheren und theilvveise berichtigenden und ergänzenden
Darstellung. Die genannten Bildungen fand Verf. an Lertiaeocera ga-
sterostei n. A., welche er in die Muskeln des Gasterosteus aculaatus
eingebohrt antraf; ob die übrigen Arten der Gattung sich überein-
stimmend verhalten, ist noch festzustellen und daher wohl die Ab-
sonderung der Gattung von den übrigen Penellinen, wie sie Verf.
vorschlägt, vorläufig zu beanstanden.
Cirripedia.
Im elften Bande der Annales des scienc. natur. (1859)
p. 160 — 178 ist von Hesse ein „Memoire sur les nieta-
morplioses, que subissent pendant la periode embryonnaire
les Anatifes appeles Scalpels obliques« im Auszuge mitge-
theilt, welches zwar keine neuen Fakta von Wichtigkeit
über die Entwickelung der Lepadiden bringt, indessen als
auf ganz selbstständigen Beobachtungen beruhend — der
Verf. hat Thompson's und Burmeister's Arbeiten
dabei nicht zu Rathe gezogen — immerhin der Beachtung
empfohlen zu werden verdient. Verf. beschreibt die Aus-
stossung der Embryonen durch das Mutterthier, welches
kurz zuvor eine Häutung überstanden hat, sodann die Ver-
änderungen, welche der Körper der jungen Thierc durch
die drei ersten Häutungen (dem Stadium des schildförmigen
Körpers angehörend) erleiden und nimmt vom ersten Auf-
treten der bivalven Körperhülle, welche auf die vierte
Häutung folgt, bis zur Ausbildung der bleibenden Form
noch fünf fernere Stadien an. Im vierten Stadium oder
dem ersten, dem die bivalvc Schale eigen ist, lindct bei
der vom Verf. beobachteten Art noch eine Fortbewegung
statt, wenn dieselbe auch mehr kriechend als durch stoss-
614 Gerstaeckei: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
weises Schwimmen hervorgebracht ist; die Anheftung durch
den Pedunculus erfolgt erst während der fünften Lebens-
periode, in welciier, wie der Verf. sich wohl nicht ganz
sacligemäss ausdrückt, das vordere Körperende zum hin-
teren und umgekehrt wird. Die erwachsene Form wird
schliesslich sowohl nach ihrem äusseren als inneren Baue
geschildert. (Ein Resume über die Untersuchungen des
Verf. ist auch in den Compt. rend. de l'acad. d. scienc.
Tome 48. p. 911 mitgetheilt.)
A. Krohn theilte (dies. Archiv f. Naturgesch. XXV.
p. 355 If-) Beobachtungen über den Cementapparat und die
weiblichen Zeugungsorgane einiger Cirripedien mit. — Die
von Darwin bei Lepas anatifera als Cementdrüsen ange-
sprochenen Organe sieht Verf. als ampuUenförmig ange-
schwollene Enden der Cementgänge, in welche zahlreiche
Kanälchen einmünden, an; die wahren Cementdrüsen fand
er in Form länglich -runder Bläschen, welche im oberen
Theile des Stieles in das den Eierstock umgebende Binde-
gewebe eingebettet sind. Bei Conchoderma hat Darwin
die im Mantel vertheilten Cementkanäle für Eierstocksröhren
angesehen und darauf irriger Weise die Annahme eines
unmittelbaren Uebergangs von Eierstocksröhren in Cement-
kanäle basirt; die Cementdrüsen liegen bei Conch. virgata
im Parenchym des Mantelsackes vertheilt und die beiden
Ampullen der Cementgänge sind durch einen bogenförmig
gekrümmten Kanal mit einander verbunden. — Die weib-
lichen Fortpflanzungsorgane beschreibt Verf. von Lepas und
Baianus. Bei erslerer Galtung bestehen die beiden Ovarien
aus zahlreichen Büscheln veräslelter und vielfach zusam-
raengewundencr Biindschläuche, in denen sich die Eier
bilden und ausserdem aus Verzweigungen des jederseitigen
Oviduktes, welchen jene Büschel aufsitzen. Während hier
beide Ovarien zu einer einzigen Masse verbunden sind,
liegen sie bei Baianus im untersten Räume der Schale bis
auf eine geringe, der Rostralseite der Schale zugewendete
Partie, ganz von einander getrennt; jedes besteht aus zahl-
reichen kleinen, durch Bindegewebe verbundenen Läppchen
und diese wieder aus einem Convolut von Eierstocksröhren.
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 615
In der sackförmigen Erweiterung, welche bei beiden Gat-
tungen die Enden der Ovidukte im Basalgliede des ersten
Rankenfusspaares bilden, findet sich bei den meisten Indi-
viduen ein eigenthümlicher, seitlich zusammengedrückter
Sack, der mit einer halsartigen Verengung dem Grunde der
Höhle aufsitzt und also mit dem Ovidukte selbst unmittel-
bar communicirt. Verf. glaubt sowohl aus der Elasticität
seiner Wandungen als aus seiner Lage schliessen zu dür-
fen, dass derselbe die Eier in sich aufnimmt und sich
allmählich in die ßrutsäcke (Eierplatten) umbildet. — Bei
Lepas sowohl als Baianus weist Verf. auch das Vorkommen
von elastischem Bindegewebe an verschiedenen Stellen des
Körpers nach.
Derselbe (ebenda XXVI. p. 1 ff . Taf. 1) theilte ferner
Beobachtungen über die Entwickelung der Cirripedien mit,
welche dadurch sehr wichtig sind, dass sie den bisher nicht
näher gekannten Uebergang der Cyclops-förmigen Larve in
das Cypris - ähnliche Stadium erörtern. Aus der Schilde-
rung, welche Verf. einlcitungsweise von jedem dieser bei-
den Stadien nochmals giebt, ist hervorzuheben , dass er
das Einzelauge der Cyclops-Form auf einer ringförmigen,
dem Oesophagus zum Durchtritte dienenden Nervenmasse,
also auf einem Schlundringe ruhen sah. Bei dem Üeber-
gange in die Cypris -Form zieht sich der Rückenschild
weiter nach unten herab und umhüllt so den Leib von bei-
den Seiten her; die Basis des schwanzförniigen Anhangs
erscheint aufgetrieben und lässt unter der Haut sechs Paar
hintereinanderliegender Fortsätze als Anlage der Ranken-
füsse, so wie einen unpaaren Endfortsatz erkennen. Gleich-
zeitig erscheinen beiderseits von dem Einzelauge rundliche
Gebilde mit rothgelber Pigmentablagerung als erste Anlage
der Seitenaugen. Durch noch weitere Ausdehnung des
Rückenschildes, welches allmählich den vorderen Schwanz-
theil (späteren Thorax mit den Rankenfüssen) umhüllt, bildet
sich die zweiklappige Schale, aus dem vordersten Paare der
Ruderfüsse die mit einer Pclotle versehenen Haftbeine,
durch welche die Anheflung des erwachsenen Thieres be-
werkstelligt wird. Burmeister's bereits angeheftete
G16 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Cypris-Form mit nur drei Paar Schwimmfüssen sieht Verf.
für ein verstümmeltes Individuum an.
Durch die interessanten Untersuchungen W. Lillje-
borg's (^Les genres Liriope et Peltogaster." Upsala 1859
—1860. 4., aus den Nova Acta [\eg. soc. scient. Upsal.
ser. 3. Vol. 111) hat sich herausgestellt, dass die bereits
durch 0. Schmidt und Lindström als Entomoslraken
nachgewiesenen Gattungen Peltogaster und Pachybdella im
geschlechlsreii'en Zustande Zwitter sind und daher den Cir-
ripedien beigezählt werden müssen. In der ersten seiner
beiden Abhandlungen, welche hauptsächlich eine nähere
Erörterung der Liriope pygmaea zum Zwecke hat, kennt
der Verf. bei Pachybdella nur erst Ovarien, dagegen noch
keine Hoden: bei Peltogaster ist er noch, ebenso wie Ka th ke,
über die Hoden-Natur zweier sackförmiger Körper im Un-
gewissen, wenn ihm eine derartige Deutung auch bereits
wahrscheinlich ist. Dageg^en in einer schon nach Jahres-
frist publicirten und auf einem weit ausgedehnteren Material
basirenden zweiten Abhandlung „Supplement au memoire
sur les genres Liriope et Peltogaster" stellt Verf. nicht nur
für die beiden oben bezeichneten Gattungen, von denen er
Pachybdella Dies, auf Sacculina Thomps. zurückführt, die
Zwilternalur lest, sondern er fügt denselben auch noch
zwei verwandte und mit ihnen in der parasitischen Lebens-
weise übereinstimmende neue Gattungen Apeltes und
Cli st o Saccus hinzu. Er vereinigt diese vier Gattungen
zu einer besonderen Unterordnung der Cirripedien, welche
er als Cirripedia suctoria bezeichnet und Ihcilt sie zwei
Familien zu, von denen die eine: Sacculinidae (mit
Sacculina und Clistosaccus) die Eier in verästelten, blind-
sacklörmigen Schläuchen, die andere: P eltogastridae
(mit Peltogaster und Apeltes) dieselben in einem einfachen,
weiten Sacke trägt. Die Charaktere der vier Gattungen
sind folgende:
1) Sacculina Thomps. (Pachybdella Dies.). Aninial adultum
crassum, sacciforme, transverse ellipticuni, cute (pallio) laevi, molli,
sed firiiia, corpus internuin crassum, carnosum^ genitalia continens et
sine cavitate digcslionis distincta, instar pallii circumdante, vestitum.
Os in organo adlingendi subinlundibulifornii et corneo perforatum, et
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 617
in oesophagiim vel tubulum suctorium transiens. Genitalia bisexualia.
Testes duo sacculiformes, elongati? vel fortasse tubuliformes et ra-
mosi?, in corpore interno positi. Ovaria ramosa, tubuliformia, in
corpore interno sita. Tubiili oviferi numerosi, ramosi, caeciformes,
circa corpus interniiin ad diias membranas teniies adfixi. Cavitas
inter corpus internum et palliuni per forauien sat magnuin, ori oppo-
situm et plicis pallii circumdatum, aperta. — Art: S. carcini Thomps.,
am Hinterleibe von Carcinus maenas , Portunus marmoreus und hir-
tellus und Hyas.
2) Clistosaccus Lilljeb. , nov. gen. Animai sacciforme,
saccum rolundatum vel ovale, clausuni et laeve praebens, latere uno
(inferiore) in ahdomine Paguri immerso, molli et appendicibus ra-
mosis (absorbentibus ?) praedito, ibique pallii tunica extima chitinosa
cum cute Paguri coalita. Pallio aperto corpus parvulum carnosum,
Ovaria interna continens, et tubulis oviferis caeciformibus obtectum,
videmus. — Art: Clist. paguri nov. spec, 5 niill., am Hinterleibe
von Pagurus Bernhardus.
3) Peltogaster Rathkc. Animai adultum : Corpus sacciforme,
elongatum teretiusculum vel depressiusculum, cute (pallio) plus vel
minus pellucida sed firma vestitum, niinime segmentatum, et partibus
appendicuiaribus articulatis destitutum. Os vel apertura suctoria in
organo adfingendi subinfundibuliformi, vel acetabuliformi, vel eliam
tubiformi, plus vel minus corneo, in latere inferiore corporis situm,
appendicibus buccalibus nullis. Ad extremitatem unam (anteriorem)
corporis plerumque apertura, interdum magna, interdum parva, cavi-
tatem intrapallialem aperiens, adest. NuUum corpus internum crassum
et carnosum, ut apud Sacculinam, nullusque ventriculus adest ; saccum
vero internum musculosum, Ovaria amplectens, invenimus. Genitalia
bisexualia. Testes duo simplices tubiformes vel sacculiformes, infra
saccum ovariorum positi, uterque canaliculo ad saccum oviferum ad-
fixus. Ovaria duo sacciforniia, plus vel minus ramosa vel lobata, et
sacco communi inclusa. Ova, quum ex ovariis exierunt, in sacco
magno, ovariorum saccum comniunem supra et ad latera obtegente,
adservantur. — Arten: Pelt. paguri Rathke, Pelt. sulcalus und mi~
crostoma Lilljeb., nov. spec.
4) Apeltes Lilljeb. nov. gen. Von Peltogaster durch einen
am hinteren Körperende befindlichen kleinen Höcker, der einer ur-
sprünglichen Oeffnung zu entsprechen scheint, ferner auch durch
einen unpaaren Hoden unterschieden. — Art: Ap. paguri Lilljeb.,
nov. spec. 11 Mill. lang, an Pagurus Bernhardus.
Auf den sieben die beiden Abhandlungen des Verf.'s beglei-
tenden Tafeln sind die verschiedenen Gallungen und Alten in situ am
Hinterleibe ihrer Wirthe, in starker Vergrösserung sie selbst sowohl
als ihre Forlspflanzungsorgane dargestellt. — Vorläufige Auszüge aus
618 Oerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
der Arbeit sind: Lilljeborg, Liriope och Peltogaster Rathke
(Öfvers. Vetensk. Akad. Förhandl. XVI. p. 213-217) und W. Lillje-
borg, Om de parasiliska Crustaceerna Liriope och Peltogaster Bathke
(Arsskrift ulgifven af KongL Vetensk. Societ. i Upsala L 1860.
p. 137 ff.).
Einige Bemerkungen über Sacculina Thomps. theilte
auch L e u c k a r t (dies. Archiv f. Naturgesch. XXV. p. 232 fF.)
mit. Dieselben sind an einem einzelnen Exemplare einer
vom Verf. für neu angesprochenen Art, Sacculina inßata,
am Hinterleibe von Hyas aranea aufgefunden, angestellt.
Verf. glaubte während des Lebens einen durch die Körperbe-
deckungen des Thieres hindurchschimmernden, sich der trichterför-
migen Mundöffnung anschliessenden Darmkanal zu erkennen ; doch
Hess sich derselbe bei der Sektion anatomisch nicht darstellen. Aus-
ser der Chitinhülle nebst ihrer, besonders gegen die Kloaköffnung
hin sehr deutlichen Muskelschicht werden die in derBrulhöhle befind-
lichen, sich dichotomisch verästelnden Eierschläuche, deren Eier bereits
Kauplius-förmige Embryonen enthielten, so wie ein grosses herzför-
miges Organ, welches in die Chitinwände des Brutsackes eingelagert
schien, beschrieben. Letzteres enthielt zwei verschiedene Gebilde,
nämlich ausser dem Ovarium ein vom Verf. als Kittdrüse angespro-
chenes Organ; dasselbe nach Rathke als Hode zu deuten, scheint
dem Verf. um so weniger annehmbar, als er nirgends eine Spur von
Spermatozoen entdecken konnte. (Abbildung auf Taf. 6.)
Crustacea fossilia.
Eine sehr umfangreiche und wichtige, mit zahlreichen
Abbildungen ausgestaltete Abhandlung über fossile Deca-
poden hat AlphonseMilne Edwards unter dem Titel :
„Histoire des Crustaces podoplithalmaires fossiles" in den
Annales d. scienc. natur. 4. ser. Zoologie XIV. p. 129 — 357.
pl. 1 — 16 veröffentlicht. Nach einer historischen Ucber-
sicht über die auf dem Gebiete der paläozoischen Carcino-
logie bisher vorliegenden Leistungen und den schon oben
erwähnten systematischen Auseinandersetzungen über die
Cruslaceen im Allgemeinen liefert der Verf. zwei sehr ein-
gehende Monographieen : 1) Ueber die fossilen Arten der
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 619
Familie der Porluniens (p. 195 — 293) und 2) über die fos-
silen Macrouren aus der Familie der Thalassiniens (p. 294
bis 353). Bei jeder dieser Familien giebt der Verf., bevor
er auf die Charakteristik der fossilen Arten selbst eingeht,
eine ausluhrliche Schilderung ihrer äusseren Körperbildung
und erörtert mit gleichzeitiger Berücksichtigung der leben-
den Arten ihre Systematik: in Gleichem wird auf die Ver-
breitung der fossilen Arten in den verschiedenen Schichten
näher eingegangen.
Aus der Familie der Porluniens werden folgende Arten be-
schrieben und abgebildet: Neptunus Monspeliensis, Larteti, Vicenli-
nus, arcuafuSf granulatus, incerlus, Achelous obtusus, Enop l o no tus
(nov. gen., durch zwei sehr lange dicke, am Vorderrande gezühnelte
Dornfortsälze des Cephalolhorax ausgezeichnet, und dadurch einiger-
masscn an die Gattung Ixa erinnernd) armalus, Scylla serrata Forsk.,
Scylla Michelini, Goniosoma (Charybdis) antiqua, Carcinus Peruvianus
d'Orbigny, Portunites incerta Bell, P sammocar cinus (nov. gen.)
Hericarti Desm., Podophthalmus DelVancei Desm. — Aus der Familie
der Thalassiniens: Callianassa Heberti, macrodactyla, affinis, prisca,
antiqua Otto (Mesostylus Faujasi Desm., Archiaci, Desmarestiana
(Pagurus üesmarestianus Marc. deSerres?), orientalis, Cenomaniensisy
Michelolli, Sismondai und Thalassina Emeryi Bell.
Alphonse Milne Edwards, Note sur les Cru-
staces fossiles des sables de Beauchamps (Comptes rendus
de Tacad. d. scienc. LI. p. 92 f.). Nach der Schilderung
des Verf.'s ist der Reichthum an fossilen Crustaceen im
Sande von Beauchamp ausserordentlich, so dass er binnen
kurzer Zeit in einer Sandgrube Bruchstücke von mehr als
3000 Individuen zusammenbringen konnte. Die meisten
derselben gehören einer Callianassa (CalLBeberii nov.spec),
andere dem Porlunus Hericarti Desm., einer neuen Gattung
zwischen Grapsus und Metaplax (Psammograpsus Pari-
siensis nov. gen. et nov. spec.j und einem neuen Pagurus
CPag- arenarius) an.
„Zur Kenntniss fossiler Krabben" ist eine umfangreiche
und mit 24 vortrefflich ausgeführten Tafeln ausgestattete
Arbeit von A. Reuss betitelt, welche im 17. Bande der
Denkschriften des Akad. d. Wiss. zu Wien, malh.-natur-
wiss. Classe (Wien 1859) p. 1—90 veröffentlicht ist. Dem
Verf. hat ein sehr bedeutendes Material aus den Staats-
620 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Sammlungen von Wien und Berlin und aus mehreren Pri-
vatsammlungen, von den verschiedensten Lokalitäten stam-
mend, vorgelegen, so dass er nicht nur viele bereits
bekannt gemachte Arten (darunter besonders die Schlot-
h c i m'schen) von JNeuem untersuchen und feststellen konnte,
sondern auch unsere Kenntniss der fossilen Krabben um
zahlreiche neue Arten bereichert,
1) Brachyuren der Kreideformation. Cancer scrobiculatus n. sp.,
Glyphithy r eu s formosus nov. gen, et n. sp., F olycnemidiurn
pustulosum nov. gen. et n. sp. (Droniilites puslul. Reuss ant.), Reus-
sia Buchi n. sp., Dromiopsis rugosa Schloth. und minuta n. sp., e/e-
gan$ n. ««sp., /«evior n. sp. ; diese ausführlich beschrieben, 14 andere
bereits bekannte aufgeführt, so dass im Ganzen 22 aus der Kreide-
formation bekannt sind. — 2) Die fossilen Arten der Gattung Ra-
nina. — 3) Ueber Brachyuren der Kummulitengebilde. Cancer punctu-
latus Desm., brachychelus n. sp., Alergatis Boscii Desm., stenura n. sp.,
platychela n. sp., Lobocarcinus Paulino - W ürtembergensis v. Meyer,
Sismondai v. Meyer, imperafor n. sp., Xanthospis hispidiformis Schloth.,
— 4) Ueber einige fossile Brachyuren des Londonthones der Insel
Sheppy. Glyphithyreus afßnis n. sp., Pseuderipkia M.Coyi n. gen.
et n. sp., Leiochiltis Morrisi n. gen. et n. sp. — 5) Ueber einige
andere fossile Brachyuren : Lupea leucodon Desm., Macrophthalmus
i-atreillei Desm., Leucosia subrhomboidalis Desm., l^hilyra cranium
Desm. — 6) Ueber fossile Krabben des Mährischen Jurakalkes: Pro-
sopon verrncosum n. sp. , Pithonoton rostratum v. Meyer, angustum
s. sp., Goniodromites bidentatus n. sp., polyodon n. sp., complanahis
n. sp., Oxythyreus gibbus n. sp. — 7) Allgemeine Uebersicht der
bisher bekannten Brachyuren und Anomuien. Aus der Juraformation
werden 16 A. , aus der Kreideformalion 24 A. (12 Brachyuren, 12
Anomuren), aus der Tertiärformalion 64 A. aufgeführt.
H. V. Meyer, Die Prosoponiden oder Familie der
Maskenkrebse (Palaeonlographica VII. p. 18£J~222. Taf. 23).
In der vorliegenden monographischen Bearbeitung der Pro-
soponiden, welche sich auf 35 verschiedene Arten erstreckt,
hat der Verf. die von ihm aufgestellte Gattung Pithonoton
und ebenso die von Reuss errichtete Gattung Goniodro-
mites als unhaltbar eingezogen und die Zahl der Gattungen
auf drei beschränkt, von denen Prosopon durch 33, Oxy-
♦thyerus und Gaslrosacus je durch eine Art vertreten sind.
Die Mehrzahl der Arten stammt aus dem weissen üura,
eine einzelne je aus der unteren Kreide und dem Unter-
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 621
Oolith, drei aus dem Scyphicn-Kalk; neue Arten werden
nicht aufgestellt, särnmtliche beschriebene auf der beifol-
g-enden Tafel abgebildet.
Derselbe (Palaeontographica VIII. p. 27 ff. Taf. 3.
fig. 5) handelte nochmals über Eryon Raiblanus aus den
Raibler Schichten inKärnthen, welchen Bronn zur Galtung
Bolina Münst. stellen will, während Reuss ihn zu einer
eigenen Gattung Tetrachela erhoben hat. Verf. weist nach,
dass die Stellung unter Bolina unrichtig, die Errichtung
einer besonderen Gattung aber nicht nöthig sei, da die
erwähnte Art alle Charaktere von Eryon an sich trage.
Dethleff, Die Trilobiten Meklenburgs (Archiv des
Vereins d. Fr. der Naturgesch. in Meklenbiirg XII. p. 155
bis 169) gab eine systematische Uebersicht und Aufzählung
von 130 in Meklenburg bis jetzt aufgefundenen Trilobi-
ten-Arten.
Bradley, Description of a new Trilobite from the Potsdam
Sandstone (Silliman's Anieric. Journal XXX. p. 241). Die neue Art
ist Conocepliahis minutns genannt und wird im Holzschnitt darge-
stellt; sie stammt von Neu-York. — Billings knüpft an die Be-
schreibung eine Notiz über die vier bis jetzt aufgefundenen Kord-
Amerikanischen Arten der Gattung, und p. 337 noch weitere Zu-
sätze zu der Beschreibung der neuen Art.
Nieszkowski, „Der Eurypterus remipes aus den
Obersilurischen Schichten der Insel Oesel" und „Zusätze
zur Monographie der Trilobiten der Ostseeprovinzen nebst
der Beschreibung- einiger neuen obersilurischen Crustaceen."
(Archiv f. d. Naturk. Liv - , Ehst - und Kurland's, Mineralog.
Wissensch. II, 2.)
Baily, On two new species of Crustacea (Bellinurus
König) from the Goal Measures in Queen's County, Ireland
(Report of the 28. meet. of the British associat. for advanc.
of science, Transact. p. 76 f.) beschreibt Limulus (subgen.
Bellinurus) regina und arcuatus als n. A.
Salter, „On new fossil Crustacea from the Silurian
Rocks- (Annais of nat. hist. 3. ser. V. p. 153—162) erläu-
terte nach reichem, neu aufgefundenem Materiale die riesige
Phyllopoden-Gattung Ceratiocoris M'Coy, von welcher ihm
gegenwärtig elf Arten bekannt sind. Bisher waren cntwe-
622 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
der nur die Schalenklappen und die Leibessegmente von
einander isolirt oder, wie zuletzt, letztere in einer verkehr-
ten Lage zu der Schale aufgefunden worden; die neuesten
Funde dagegen zeigen, dass die abgestutzte Seile der
Schale ihr hinteres Ende ist, aus welcher der etwa 14-ring-
lige Hinterleib fast bis zur Hälfte hervorragte. Auch zeigte
sich am Vorderende der Schale bei einem Exemplare ein
unpaarer, lanzettlicher, gestrichelter Fortsatz (Rüssel??),
so wie zwei gekrümmte seitliche.
Hiernach stellt der Verf. die Charaktere der Gattung von Neuem
fest und beschreibt folgende Arten: 1) C. papiÜo Salt, im Holzschnitt
dargestellt. 2) C. sty()ius n. sp. 3) C. inornatus M'Coy. 4) C. Mur-
chisoni M'Coy. 5) C. leptodactylus M'Coy. 6) C. robustus n. sp.
7) C. decorus Phillips. 8) C. ? ensis n. sp. 9) C. vesica n. sp., im
Holzschnitt dargestellt. 10) C. cassia n. sp. und 11) C. aptychoides
Salt. — Im Süden Schottlands findet sich zugleich mit Ceratiocoris
eine noch grössere Form, deren Schale 9 bis 12 Zoll misst und die
der Verf. als Dictyocaris nov. gen. beschreibt. „Schale umfang-
reich, nicht zweiklappig, aber längs der Rückenlinie zusammenge-
fallet, deutlich retikulirt, vorn stumpf dreieckig, hinten und unterhalb
gerade abgestutzt; Körper unbekannt." — Art: D. Slimoni n. sp.
V. Schauroth, „Kritisches Verzeichniss der Versteinerungen
des Trias im Vicentinischen« (Sitzungsber. d. Akad. d. Wissensch. zu
Wien Bd. 34. p. 283 ff.) führt von Crustaceen zwei neue Arten : Bair-
dia triasina und calcaria auf, die er beschreibt und auf Taf. 3
abbildet.
Bonn, Druck von Carl Georgi.
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