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ARCHIV
FÜR
NATURGESCHICHTE
GEGRÜNDET VON A. F. A. WIEGMANN,
FORTGESETZT VON W. F. ERICHS ON.
IN verbinditnct mit
PROF. DH. LEU CK ART IN GIESSEN
H E R A l' S (i E (i E B E N
Db r. H. TROSCHBI.,
rR(iFLS80R AN DER FRIEDRICU-WIEHELMS-LNIVERSITAT ZU BC^NN.
ZWEI UND DREISSIGSTEB JAURGANG.
Erster Band.
Mit zehn Tafeln.
Berlin,
Nicolais che V er iags b uciiliand hing.
(A. Eifert und L. Lindtner.)
1866.
Inhalt des er st eii B aiidcs.
Seite
Die ('ladocereii des frischen HafiTs nebst Bemerknngeii über
anderweitig vorkommende verwandte Arten. Von Dr.
J. E. Scho edler. Hierzu Tafel I— III . . . 1
Ueber ostasiatische Echinodermen. Von Dr. E, v. Märten s
(Fortsetzung) ......... 57
Zu B ö l s c h e Zusammenstellung der Echiniden aus der Gruppe
der Diaderaiden. Nachtrag zu Bd. 31. S. 324 . . 89
Ueber Actinometra Bennetti und eine neue Comatula-Art (An-
tedon Dübenii). Von W i Ihelm B ö Ische . . 90
Die Murmelthiere und Zieselmäuse Polens und Galiziens. Von
Ernst Schauer in Krakau. Hierzu Taf. IV . ,. 93
Ueber ein paar neue Chilenische Säugethiere. (Vespertilio ma-
gellanicus , capucinus , Desmodus d'Obignyi Waterh..
Canis patagonicus). Von Dr. K.A.Philippi. . . 113
Kurze Beschreibung einiger chilenischen Zoophyten. (Plexaura
arbuscula, rosea, platyclados, Dynamene bidentata. Ser-
tularia Actoni, Cellaria tenella). Von Dr. B. A. P h i 1 i p p i 118
Beiträge zur Fauna Chile's. (Pteroptochus castaneus . Sterna
luctuosa, Synallaxis Masafucrae, Numenius microrhyn-
chus). Von Dr. R. A. Philip pi und L. Landbeck. 121
Ueber ostasiatische Echinodermen. Von Dr. E. v. Märten s.
(Fortsetzung) 133
Ein Beitrag zur ichthyologischeu Fauna der Inseln des Grünen
Vorgebirges. Von Troschel. Hierzu Taf. V . . 190
Georg Fabricius als Naturhistoriker. Ein Beitrag zur Ge-
schichte der Naturkunde in Sachsen im sechszehnten
Jahrhundert.' Von Dr. med. Thierfelder sen. 240
Ueber Dasypus gigas Cuv. Von Prof. Dr. F. Krause . 271
Verzeichniss der von Dr. Gundlach auf der Insel Cuba ge-
sammelten Chrysomelinen. Von Dr. E. Suffrian 281
äicy
IV Inhalt.
Seite
lieber die Anneliden-Gattung Sphaerodorum Oerst. und einen
neuen Repräsentanten derselben: Sphaerodorum Clapa-
redii. Von Dr. Richard Greeff. Hierzu Taf. VI . 338
Ueber Autolytus prolifer. Von Dr. Richard Greeff. Hierzu
Taf. VII 352
Fernere Berich tigung über die Thierpflanze und Beschreibung
eines neuen Insektes. Von Prof. delCastillo in Mexico.
Mitgetheilt von dem Geheimen Bergrath Dr. Burkart.
Hierzu Taf. VIII 368
Beiträge zur Kenntniss der istrischeu Amphipodenfauna. Von
Prof. Dr. Ed. Grube. Hierzu Taf. IX und X . . 375
Die Cladocereu des frischen Haffs
nebst Bemerkungen über anderweitig vorkommende ver-
wandte Arten.
Von
Dr J. E. Schoedler.
(Hierzu Taf. I— III.)
Im Juli V. J. (1863) gewährte mir ein kurzer Auf-
enthalt in dem recht empfehlenswerthen Ostseebade Kahl-
berg die Gelegenheit, mich nach den kleinen Krustern
des frischen Haffs umzuthun. Mir kam dies sehr er-
wünscht, weil ich hoffen durfte, in diesem Gewässer viel-
leicht eine jener noch weniger bekannten Arten wieder-
zufinden, welche durch S. Fischer und Andere vor-
zugsweise in schwach -salzigem Wasser beobachtet wor-
den sind. Doch diese Hoffnung erfüllte sich nicht, und
im Ganzen genommen , blieb auch die hier gewonnene
Ausbeute hinter meinen Erwartungen zurück. Letzte-
res habe ich aber wohl zum Theil der Ungunst der vor-
wiegend herrschenden stürmischen Witterung zuzuschrei-
ben, über welche auch die Fischer der frischen Nehrung
sich in vielen Klagen ausliessen, und welche mich unter
Anderem verhinderte, meine Excursionen bis zu dem Ufer
des reizend gelegenen Klosters Cadincn auszudehnen.
Bis hieher konnte ich leider nur. ein Mal und zwar auf
wenige Stunden per Dampfschiff gelangen. Zu meinem
Bedauern konnte ich diese aber nicht einmal den kleinen
Krebsen widmen , die hier längs des flachen mit üppi-
gem Schilf- und Binsenwuchs bestandenen Ufers sicher-
lich in noch grösserer Anzahl vertreten sein dürften, als
bei Kahlbcrg. Doch, um nicht undankbar zu erscheinen,
will ich bekennen, dass das so fischreiche Haff mich auch
an dem Kahlberger Ufer, wie zu erwarten stand, an
Archiv f. Naturg. XXXII. Jahrg. 1. Bd. 1
2 Schoedler:
Branchlopoden, wie an Entomostraceen, nicht leer ausge-
hen liess. Das HaiF ist nämh'ch auch in dieser Gegend
sehr flach und auf weite Strecken hin mit Binsen be-
standen, zwischen denen sich, zumal an sonnigen Tagen,
zahlreiche Conferven - Massen , wie schwimmende kleine
Inseln, ausbreiten. Dieser überaus üppige Binsenwuchs
hat, beiläufig bemerkt, für die Bewohner der frischen
Nehrung eine grosse Bedeutung ; indem er ihnen gewis-
sermassen den Mangel der Wiesen ersetzt und die Ueber-
winterung des Viehstandes ermöglichen hilft.
Für die Gruppe der Cladoceren, auf welche ich im
Anschlüsse an meine früheren carcinologischen Beiträge
diese Mittheilungen beschränken will, habe ich in dem
frischen Haff folgende Repräsentanten vorgefunden;
a. Sididae.
1. Sida crystallina. Müll.
2. Daphnella brachyura Liev.
b. Daphnidae.
3. Hyalodaphnia Kahlbei^giensis mihi.
4. Simocephalus serrulatus Koch.
5. Simocephalus vetulus Müll.
6. Scapholeberis cornuta (De Geer).
7. Bosmina gibbera mihi.
c. Ly7iGeidae,
8. Acroperus leucocephalus Koch.
9. Peracantha truncata Müll.
10. Pleuroxus aduncus (Jur.)
und 11. Alona lineata Fisch.
Befremdet hat mich, dass ich unter den hier obwal-
tenden Verhältnissen keinen einzigen Vertreter der Po-
lyphemiden angetroffen habe.
Den unter No. 3 und 7 aufgeführten Daphniden habe
ich aus der Berliner Lokalfauna folgende Arten anzu-
schliessen:
12. Hyalodaphnia Berolinensis mihi.
13. Bosmina rotunda mihi.
14. Bosmina longicornis mihi.
15. Bosmina longirostris Müll.
Die Cladoceren des frischen Haffs. 3
16. Bosmina cormita Jnr.
und 17. Bosmina curvirostris Fisch.
Für die Mehrzahl jener HafF- Cladoceren wird es
genügen^ auf frühere Mittheilungen zu verweisen. So will
ich von der Sida crystallina des frischen HafFs in Bezug
auf früher hervorgehobene Art - Differenzen ^) hier nur
ausdrücklicli bemerken^ dass dieselbe mit der Müller'-
schen Art vollkommen übereinstimmt, und somit nicht
mit der bei Königsberg i. Pr. beobachteten Sida Zadda-
chii zusanmienfällt, welche in der Ausrüstung der Ruder-
antennen von jener abweicht.
Wenn man von den ungegliederten, fein gezähnel-
ten Dornen absieht, welche sich an Stamm und Acsten
der Sida finden, so lässt sich die Anzahl und Stellung
der doppelt gegliederten Ruderborsten bei der Sida cry-
stallina Müll., von dem Basalgliede aufwärts gezählt, über-
sichtlich durch folgende Formel darstellen: ^ — = —
1 + 45
Ruderborsten, von welchen die über dem Strich ver-
zeichnete Anzahl sich auf den längeren, dreigliedrigen
Ast, die unterhalb des Striches aufgeführte Zahl dagegen
auf den kürzeren, zweigliedrigen bezieht. Mit dieser An-
gabe stimmen auch die Beobachtungen De Geer's über-
ein. Gleiches gilt von den Mittheilungen Lievin's,
welcher die Sida crystallina bei Danzig beobachtet hat,
und ebenso verhält es sich mit den Wahrnehmungen,
welche W. Baird in England, LiUjeborg in Schwe-
den und S. Fischer an seiner „Sidaea crystallina" aus
der Umgegend von Fall in Esthland gemacht hat. Mir
selbst ist die Sida crystallina aus dem frischen Haff und
aus sieben verschiedenen Fundorte-n der Berliner Umge-
gend bekannt, nämlich aus der Spree, Flavel , aus dem
Plötzensee in der Jungfernhaide, dem Grunewaldsee bei
dem Jagdschloss Grunewald, aus dem Hahlen-See bei
Witzleben, aus dem Tegeler-See und dem Rhedenkanal
bei Rüdersdorf. Aus allen diesen Fundorten mit Aus-
1) Cf. Seh öd 1er, Neue Beiträge zur Naturg. der Cladoce-
ren S. 70.
4 Schoedler:
nähme des Plötzensees aber sind mir bisher nur Exem-
plare mit der oben angegebenen Ausrüstung der Kuder-
antennen zu Gesicht gekommen. Aus dem Plötzensee
dagegen habe ich im vorigen Jahre auch Individuen ver-
schiedener Altersstufen mit — — , also mit — Ruder-
1+4: ' 5
borsten beobachtet, und im Mai d. J. auch zwei ausge-
v^achsene Weibchen mit — --. also ebenfalls — - Ru-
1-1-4 5
derborsten, aber in abweichender Vertheilung. Ein drit-
tes Thierchen hatte sogar eine ungleiche Borstenzahl
an der rechten und linken Ruderantenne aufzweisen,
nämlich — , also --- auf der rechten und — :. ^— ,
1 -j-4 ' 5 1 + 4
also — Ruderborsten auf der linken Seite.
5
Als ich das ^-Verhältniss im März v. J. zum er-
o
sten Mal wahrnahm, hielt ich es für den Ausdruck einer
noch nicht beendeten Entwickelung. Da ich dieselbe
Wahrnehmung aber später auch an völlig ausgewachse-
nen Thieren vielfach zu wiederholen Gelegenheit hatte,
erschien eine solche Deutung nicht stichhaltig. Leider
missglückte mir der Versuch, an abgesonderten Weibchen
dieser Varietät junge Brut aufzuziehen , an welcher be-
sagter Zweifel leicht zu heben gewesen sein würde. Auf-
fällig ist mir nur, dass ich an den wenigstens ebenso so
zahlreich untersuchten Exemplaren der Spree niemals
eine derartige Abweichung von der normalen Ausrüstung
wahrgenommen habe.
In allen diesen Fällen aber zeigte der kürzere,
z w^ e igli edrig e Ast, sowohl nach Anzahl, als Inser-
tion seiner Ruderborsten Beständigkeit, und an dem 1 ä n-
geren, dreigliedrigen Aste habe ich die Zahl der
Borsten niemals über 10 hinausgehend beobachtet. Ab-
weichend hiervon dagegen verhält sich die Sida Zadda-
chii, welche -^ — ^, also -— Fiederborsten aufzuweisen
' 1 + 4 ' o
0 -I- S -i- R
hat, und ebenso auch die Sida affinis, welche —r^o — '
Die Claclocercn dos frischen Haffs. 5
also -— Fiederborsten besitzt und in der Anzahl der Bor-
4
sten mit dcrDaphnclla Wingii übereinstimmt. An den Ab-
bildung'cn, welche Baird ') von DaphneUa Wingii gege-
ben hat, findet sich aber ein verschiedener Rnderborsten-
Besatz verzeichnet. Nimmt man nun die mit dem Texte
genau übereinstimmende, in Fig. 1. und 2 auf Tab. XIV.
1. c. angegebene Ausrüstung der Ruderantennen als
Norm an, so würde man unter der Voraussetzung, dass
besagte Ausrüstung constant auftrete, und dass die Ab-
bildung in diesem Punkte correkt gehalten sei, in der
Fig. 2 auf derselben Tafel nicht ein Männchen der Daph-
neUa Wingii , sondern vielmehr eine männliche Daph-
neUa brachyura zu erblicken haben. Für letztere Art
nämlich ist der Ruderborsten-Besatz nach obigem Schema
= — - =r: -^; für die DaphneUa Wingii dagegen =
O 1 Q 1 -I
^ . ., . ., = —r , wovon die über dem Strich stehende Grösse
sich wieder auf den längeren, bei dieser Gattung aber
bekanntlich nur zweigliedrigen, die untere da-
gegen auf den kürzeren, dreigliedrigen Ast
bezieht.
In Betreff der beiden Simocephalen auf meine frü-
heren Mittheilungen verweisend, sei hier beiläufig nur
bemerkt, dass der Simocephalus serrulatus in dem frischen
Haff zahlreicher vertreten war, als der Sim. vetulus.
Von ersterem fand ich daselbst im Monat Juli auch schon
das Männchen. Mit Bezugnahme auf eine Bemerkung
Leydig's-) füge ich hinzu, dass die männlichen Simo-
cephalen an dem ersten Fusspaare weder den Haken,
noch die lange Geissei aufzuweisen haben, mit welchen die
Männchen der Daphnien und Ceriodaphnlen ausgerüstet
sind. Abgesehen von der dichten Behaarung des unte-
ren Schalenrandes, sowie von der fehlenden Ausweitung
der Schale längs der Rückenfirste und von der verküm-
1) Cf.W. Baird, Nat. Hist. of the British Entomostraca p. 109.
tab. XIV. fig. 1—4.
2) Leydig, Naturgeschichte der Daphniden S. 163.
6 Schoedler:
merten Entwickelnng der zipfelförmigen Fortsätze des
Abdomens sind die Männchen der Simocephalen im Aeus-
sern durch die Tastantennen gekennzeichnet Diese sind
verhältnissmässig stärker ausgebildet und überragen da-
her die zurlickgebogene Rüsselspitze weiter, als bei Weib-
chen. Doch fehlt ihnen ebenfalls der eigenthümliche
Endfortsatz (Flagellum), welcher bei den männlichen
Daphnien und Ceriodaphnien neben dem Büschel der ge-
knöpften Tastborsten aus dem Ende des Antennenstam-
mes (Pedunculus) hervortritt^ und namentlich bei den
Ceriodaphnien so specifisch verschieden ausfällt, dass er
zur Kennzeichnung der Arten dienen kann. Eigenthüm-
lich aber ist den männlichen Tastantennen der Simoce-
phalen ausser der lanzettlichen Borste des Vorderrandes,
welche auch die Weibchen haben, eine zweite zugespitzte
Borste, welche auf einem besonderen Höcker vor jener
steht und unweit ihrer Basis eine ringförmige Verdickung
der Cuticula zeigt.
Den bis dahin bekannten sechs Simocephalen ^) hat
S. Fischer neuerdings eine siebente in seinem Simoce-
phalus (Daphnia) aegypticus ^) hinzugefügt, welche eine
interessante Mittelform der obigen beiden Arten bildet;
indem dieselbe in der Kopfbildung dem Simocephalus
vetulus, in der Form der Schale, namentlich in der Aus-
bildung des Hinterrandes aber mit dem Simocephalus
serrulatus auffällig übereinstimmt. Der männliche Simo-
cephalus aegypticus aber hat im Aeusseren ebenfalls nur
die oben angegebenen Attribute aufzuweisen.
In Betreff der Ruderantennen, auf deren eigenthüm-
liche Bildung bei Simocephalus ich schon früher aufmerk-
sam gemacht habe, will ich noch kurz berichtigend her-
vorheben , dass nicht beide Aeste , wie Leydig^)
angiebt , dreigliedrig sind; sondern der äussere Ast ist
1) Yergi. Seh öd 1er, die Branchiopoden der Umgegend von
Berlin S. 22.
2) S. Fischer, Beiträge zur Kenntniss der Entomostraceen.
Abh. der K. Bayerischen Akad. YIIL (1860) S. 647. Tab. XX. Fig. 1—6.
3) Leydig, Naturg. der Daphniden S. 154.
Die Cladoceren des frischen Haffs. 7
wie bei allen eigentlichen Daphniden; ebenfalls vicr-
gliedrig.
Von der Scapboleberis corniita will ich hier nur die
Beständigkeit des rückwärts gekrümmten Horns, welches
diese Art auf der iScheitelkuppe des Kopfes trägt, und
wodurch sie sich von der ihr sehr ähnlichen Scapboleberis
mucronata unterscheidet, von neuem hervorheben, da auch
Leydig die Ansicht De Geer's theilt: dass die An-
oder x\bwesenheit dieses Horns den Begriff der Spe-
cies nicht alterire ^). De Geer geht sogar noch weiter;
indem er auch das Vorhandensein oder Fehlen der lan-
gen Schalenstacheln (Mucrones) für nicht wesentlich hält.
Nach seiner Beobachtung waren die ungehörnten In-
dividuen gewöhnlich mit jenen Schalenstacheln versehen,
während sie im Gegentheil den gehörnten Thieren
fehlten-). Der letztere Fall, der meines Wissens noch
nicht wieder beobachtet worden ist, lässt vermuthen, dass
De Geer ausser den oben genannten beiden Arten noch
eine dritte vor Augen gehabt haben mag. Ich kenne die
Scaph. cornuta aus mehreren, ganz getrennten Fundorten,
und habe erst kürzlich w^ieder eine grosse Anzahl der-
selben auf die vermeintliche Wandelbarkeit des Horns
und der Schalenstacheln untersucht; eine Bestätigung
derselben aber bei k einem Exemplare gefunden. Beides,
Hörn- und Schalenstachel-Bildung, ist schon an der noch
in dem Brutraume verweilenden Brut wahrzunehmen, und
überdauert alle Altersstufen. Im vorigen Jahre ist mir
ebenfalls eine, schon von Leydig beobachtete Scaph.
mucronata mit k n o p ff ö r m i g e m Höcker auf dem Schei-
tel vorgekommen; doch habe ich noch nicht ermitteln
können, ob hierin, wie Leydig annimmt _, eine blosse
Varietät oder ein beständiges Verhältniss vorliege. An
keiner der zahlreich von mir untersuchten ungehörn-
t e n und nur mit Stachelstummeln an den Schalen-
ecken versehenen Scaph. obtusa aber habe ich weder
1) Vgl. Leydig, Naturgesdaichte der Daphniden S. 188.
2) Vgl. De Geer, Memoires pour servir ä l'histoire des In-
^ectes 1788. T.VIP. p. 465.
8 Schoedler:
eine Andeutimg von Hornbildung, noch die Ausbildung
langer Sclialenstacheln beobachtet.
Eine der Scaph. obtusa nahe stehende, von S. Fi-
scher in Russland beobachtete Art ist bisjetzt ganz un-
beachtet geblieben, nämlich die Scapholeberis (Daphnia)
aurita ^). iVuch diese hat weder Hörn, noch Schalensta-
chelu, unterscheidet sich jedoch von der Scaph. obtusa
unter Anderem durch zwei Dornfortsätze am Cephalo-
thorax und, wie es scheint, auch durch die Form des
Nebenauges, welches bei Scaph. obtusa eine langge-
streckte, dreizipfelige, an Simocephalus vetulus
erinnernde Gestalt zeigt.
Eine der Scaph. mucronata am meisten verwandte
Art endlich ist noch in der Scapholeberis (Daphnia)
spinifera ^) von Gay in Chile gefunden worden. Sie hat
eine mit kleinen Dornen dicht bedeckte Schale, ist sonst
aber, wie die Scaph. mucronata ebenfalls ungehörnt und
mit langen Schalenstacheln versehen.
Ueber die oben unter No. 8 — -11 aufgeführten Lyn-
ceiden wdll ich meinen unlängst hierüber publicirten
Beiträgen ^) nur wenige Bemerkungen hinzufügen.
Es w^ar mir erfreulich, dem Pleuroxus aduncus im
Haff wieder zu begegnen und seine Verschiedenheit von
dem Pleuroxus trigonellus von neuem bestätigt zu fin-
den. Die endgültige Entscheidung über die von mir an-
genommene Identität desselben mit dem Monoculus adun-
cus Jur. wird allerdings noch weiterer Untersuchung vor-
zubehalten sein.
Zur Gattung Acroperus habe ich für die Berliner
.Lokalfauna*) bei dieser Gelegenheit ausser dem Acrop.
leucocephalu.s noch die folgenden beiden Arten zu ver-
1) Cf. Bulletin de la societe imperiale des naturalistes de
Muscüu (1849.) T. 22. p. 39. Tab. III. Fig. 1—3 und Tab. IV. Fig. 1.
2) Cf. Gay, Historia fisica y politica de Chile. Zool, T. III.
p. 290. lam. 3. fig. 3.
3) Neue Beiträge zur Naturg. der Cladoceren. S. 30, 40, 46
und 20.
4) Schoedler, die Lynceiden und Polyphemiden der Um-
gegend von Berlin.
Die Cladoceren des frichesn Haffs. 9
zeichnen : den Acrop. intermedius, welchen ich in dem
Rheden-Kanal bei Riidersdorf vorgefunden habe, und eine
andere, in Avelcher ich den Acrop. striatus Jiir. ^vieder-
zuerkennen glaube. Von letzterer Art, welche unserer
Spree angehört, fand ich am 16. December v. J. auch
ein Männchen. Den über diese Arten bereits vorliegen-
den Beschreibungen will ich hier nur das Ergebniss eini-
ger mikrometrischen Messungen hinzufügen; da ich sie
für die Unterscheidung der Arten für brauchbar erachte.
Für den Acrop. Icucocephalus ergab die an vier
ausgewachsenen weiblichen Exemplaren vorgenommene
Messung in naher üeberelnstimmung folgende, in Milli-
metern ausgedrückte, durchschnittliche Daten :
Körper - Länge --= 0,80; Maximum der Schalenbreite
(Höhe) =1 0,46 ; Länge des Postabdomens incl. der 0,1 Mm.
langen Endklauen := 0,30; Breite des Postabdomens =
0,05 und Höhe des Scheitelkamms, worunter ich die
kürzeste Entfernung einer durch die Mitte beider Augen
gedachten Linie von der höchsten Erhebung der Schei-
telkante des Kopfes verstehe, — 0,12 Millemeter.
Für Acrop. striatus $: Länge = 0,70; Maximum der
Schalenbreite = 0,45; Länge des Postabdomens incl. der
0,1 Mm. langen Endklauen ~ 0,30; Breite des Postab-
domens = 0,05; Höhe des Scheitelkamms = 0,075 Milli-
meter.
Acrop. striatus (/: Länge = 0,68; Schalenbreite =
0,40; Länge des Postabdomens incl. der Endklauen = 0,30
Millimeter.
Für Acrop. intermedius $: Länge = 0,69; Maximum
der Schalenbreite 0,40; Länge des Postabdomens incl.
der 0,1 Mm. langen Endklauen = 0,38; Breite des Post-
abdomens = 0,07; Schcitelkamm-Höhe = 0,04 Millimeter.
Durch letztere Daten findet z. B. die bereits ander-
weitig nachgewiesene *) Verschiedenheit des Acrop. in-
termedius und des Camptocercus raacrourus, für welchen
jener gehalten worden ist, von neuem ihre Bestätigung.
Denn die vorgenommene Messung ergab für :
1) Vgl. m. n. Beiträge zur Nat. der Clad. S. 33.
10 Sc ho edler;
Camptocercus nicacrouriis $: Länge = 0^95; Maximum
der Schalenbreite = 0^60 ; Länge des Postabdomens incl.
der 0^12 Mm. Endklauen = 0^56; mittlere Breite des sich
stetig zuspitzenden Postabdomens = 0,33 und Scheitel-
kamm-Höhc = 0,10 Mil^meter.
Zur bessern Kennzeichnung des männlichen Eury-
cercus lamellatus sei mir bei dieser Gelegenheit folgende
Einschaltung erlaubt.
So viel mir bekannt, ist dieses Lynceiden-Männchen
bisjetzt nur von W. Zenker^) beobachtet worden. Die
grosse Aehnlichkeit, weiche dasselbe mit jungen Weib-
chen zeigt, hat es wohl der Wahrnehmung anderer Be-
obachter entzogen. Ich habe dasselbe im v. J. von Monat
Oktober ab ziemlich häufig in der Spree angetroffen.
Es ist viel kleiner, als das Weibchen; wenigstens habe
ich an keinem der von mir beobachteten männlichen
Individuen mehr als 1,3 Mm. Länge und 0,8 Mm. Scha-
lenhöhe („Breite'O gemessen , während die Weibchen
eine Länge von 3 bis 4 Millimeter erreichen. Hiernach
ist die GrössendifFerenz zwischen Weibchen und Männ-
chen bei dieser Art allerdings viel erheblicher, als sie
von Zenker, nach welchem die Länge des Weibchens
1,3 Lin. und die des Männchens 1,1 Lin. betragen soll,
angegeben wird.
In der äusseren Erscheinung unterscheidet sich der
männliche Eurycercus von dem Weibchen schon
durch den fast geradlinigen Verlauf der Ilückenfirste
seiner Schale, sowie durch die weniger vorspringende,
schräg abgestumpfte Vorderecke der Schalenklappen. Auch
fehlt ihm der warzenförmige Fortsatz, welcher dem Ab-
domen der Weibchen aufsitzt und den Ausgang der Brut-
höhle absperrt. In diesen Beziehungen zeigen junge
Weibchen oft grosse Aehnlichkeit mit dem Männchen.
Letzteres ist jedoch von jungen und ausgewachsenen
Weibchen leicht und sicher zu unterscheiden durch die
besondere Bildung seiner Tastantennen (Fig. 6j. In
der Form und Skulptur der Oberfläche weichen diese
1) Müller's Archiv für Anatomie und Physiologie. 1851. S. 120.
Die Cladoceren des frischen Haffs. 11
Organe zwar nicht von denen der Weibchen ab. Aucli
kann ich eine zweigliedrige Beschaffenheit, welche
Zenker hervorhebt, nicht wahrnehmen. Sie sind aber
im Verhältnisse zur Körpergrösse stärker entwickelt,
als bei Weibchen, und überdies eigenthümlich ausge-
rüstet. In erstercr Beziehung ist zu bemerken, dass die
Tastantennen des Männchens die Schnabelspitze mit etwa
Vs ihrer Länge überragen; während bei Weibchen der
überragende Theil nur etwa Vo der Antonnenlänge be-
trägt. An einem Männchen von 1,2 Millimeter Länge und
0,7 Mm. Schalenhöhe belief sich der vorgenommenen
Messimg zufolge , die Länge der Tastantennen auf 0,2
Mm., ein Verhältniss, welches sich etwa bei einem Weib-
chen von 2,5 Mm. Länge und 1,8 Mm. Schalenhöhe wie-
derfindet.
Was die Ausrüstung anlangt, so trägt jede männli-
che Tastantenne ausser den blassen, geknöpften Borsten
des Endbüschels fFig. 6, a) und der zugespitzten, isolir-
ten Borste (b), welche etwa aus der Mitte der nach aus-
wärts gerichteten Fläche hervortritt, und auch dem Weib-
chen eigenthümlich ist , zunächst an der vorderen
Kante und zwar unweit der Basis noch eine besondere
isolirte Borste (c), welche in ihrer unteren Hälfte stark
contourirt auftritt. Ausserdem aber hat, was bisher ganz
übersehen worden ist, die hintere Kante der männli-
chen Antenne noch eine Garoirung von zwölf blassen,
paarweis inserirten Borsten (Fig. b, d) aufzuweisen, welche
gleichfalls geknöpft sind, und an Länge die Borsten des
Endbüschels noch übertrcfi'en. — An jede dieser Borsten
entsendet der die Antenne durchziehende und etw^a in
der Mitte derselben zu einem- deutlichen Ganglion an-
schwellende Hauptnerv einen besonderen Nervenfaden.
Dass das Pseudo - Haftorgan ein specifisches Merk-
mal der Männchen nicht ist, hat schon Leydig mit
Recht gegen die Ansicht Zenker's geltend gemacht.
An dem ersten Beinpaare ist eine besondere Aus-
rüstung, wie bei den Männchen von Pleuroxus trigonellus
und Peracantha truncata, nicht wahrzunehmen. Das End-
glied dieses Beins verläuft vielmehr bei Männchen und
12 Schoedler:
Weibchen gleichartig ; es ist mit einer kräftigen, vor-
wärts gekrümmten Krallenborste versehen, welche über
den Schalenrand hinausragt, deutlich gegliedert und auf
der concaven Kante gezähnt ist. Diese Krallen sind das
hauptsächlichste Greiforgan der Eurycerken beiderlei
Geschlechts; mittels derselben halten sie sich, wie man
schon mit unbewaffneten Augen leicht wahrnehmen kann,
an Pflanzen und schlüpfrigen Gefäss wänden fest.
Was den inneren Geschlechtsapparat betrifft, so
habe ich die von Zenker gegebene Darstellung im
Wesentlichen zu bestätigen. Der deutlich gelappte Ho-
den erstreckt sich zu beiden Seiten des Darmkanals von
dem ersten Abdominalringe bis in das lamellcnförmige
Postabdomen. Er vollzieht in der That, dem Tractus in-
testinalis analog, über dem letzten Beinpaare eine voll-
ständige Schlinge und bildet unmittelbar vor seinem
Uebergange in das Postabdomen eine grosse, nach vorn
nierenförmig eingeschnürte Blase, aus welcher ein sich
allmählich verjüngender Ausführungsgang bis zur Yen-
tralkante des Postabdomens deutlich zu verfolgen ist. Der
ganze Hoden ist mit einer feinkörnigen, weisslich-grauen
Samenmasse strotzend erfüllt. Diese tritt bei gelindem
Druck massenhaft aus der angedeuteten Ausmündung vor
und giebt sich unter starker Vergrösserung als rundliche
Bläschen zu erkennen, aus denen ein nucleusartiges Kör-
perchen durchschimmert.
lieber das oben erwähnte Männchen des Acroperus
striatus habe ich mir leider nicht nach allen hier be-
rührten Gesichtspunkten genügende x\ufklärung verschaf-
fen können. Es zeigt, wie die mir vorliegende, von ihm
entworfene Zeichenskizze nachw^elst, in der Seitenlage
eine fast eiförmige Gestalt; indem der bei dem Weib-
chen merklich ausgeschweifte Unterrand der Schale einen
gleichmässigen , schwach-convexen Verlauf nimmt. Der
Kopfhelm , den ich leider nicht gemessen habe , fällt
niedriger aus, als bei Weibchen. Die Tastantennen tre-
ten auch hier etwas stärker entwickelt auf und überragen
die stumpfe Schnabelspitze, was bei dem Weibchen nicht
der Fall ist. Von einem besonderen Borstenbesatz der
Die Cladoceren des frischen Haffs. 13
hinteren Kante , wie er dem männlichen Eurycercus la-
mellatus eigenthümlich ist, war hier keine Spur wahr-
zunehmen. Ebenso wenig war an dem ersten Beinpaare
eine specifische Ausrüstung zu sehen. Der mit feinkör-
niger, weisslich- grauer Samenmasse strotzend erfüllte
Hoden schien mir aber ebenfalls einen dem Darmkanal
analog gewundenen Verlauf zu nehmen; doch konnte ich
über die Ausmiindung desselben nicht ins Klare kommen.
Indem ich mich nun den oben aufgeführten neuen
Daphniden zuwende, habe ich in Betreff der unter No. 3
und verzeichneten Arten ^ welche die Aufstellung eines
neuen Genus erforderlich machen, einige Worte voraus-
zuschicken.
Im Mai v. J. fing ich in dem Plötzensee bei Berlin,
an einer flachen Stelle des südlichen Ufers, welche ich
seit vielen Jahren frequentirt habe, zum ersten Mal das
weiter unten als Hyalodaphnia Berolinensis näher zu
charakterisirende Thierchen. Ich glaubte anfänglich die
von Sars in einem Landsee bei Christiania beobachtete
Daphnia cucullata vor Augen zu haben, und liess es mir
angelegen sein, das Thierchen zu zeichnen, da Sars
seine interessanten Beobachtungen leider ohne Abbildun-
gen verötfentlicht hat. Um über einen Differenzpunkt in
der Kopfbildung ins Klare zu kommen, habe ich das
Thierchen im Juni dess. J. zu wiederholten Malen und
zwar in grosser Anzahl an derselben Stelle eingefangen.
An windstillen , sonnigen Tagen war dasselbe unmittelbar
auf der Oberfläche des Sees in Menge anzutreffen ; bei
bewegtem Wasser aber gelang es mir in der Regel nur
in grösserer Tiefe, einen ergiebigen Fang zu thun. Aehn-
lich erging es mir mit der Hytilodaphnia Kahlbergiensis,
welche ich wenige Wochen später in dem frischen Haff'
auffand. Die abweichende Physiognomie dieser Haff-
Daphnide liess nun zwar keinen Zweifel darüber beste-
hen, dass mir in ihr eine neue Species vorliege; doch
glaubte ich das verwandte Thierchen des Plötzensees
immer noch auf die norwegische Art beziehen zu dürfen ^),
1) S. Sitzungsbericht der Ges. naturf. Freunde zu Berhn vom
17. Novbr. S. 18.
14 Schoedler:
da beide bis auf einen die Kopfform betreffenden Punkt,
dessen Tragweite ich nicht zu beurtheilen vermochte, im
Ganzen wohl übereinstimmten. Ich habe die vermeint-
liche Identität beider jedoch preisgeben müssen, seitdem
mir durch die Güte des Baron G. C. Ced er ström in
Stockholm eine Andeutung über besagten Differenzpunkt
zu Theil geworden ist. Im Juni d. J. nämlich übermit-
telte mir der eben genannte Freiherr, der durch seine
erfolgreichen Bestrebungen für die Förderung der Fisch-
zucht in weiteren Kreisen hinlänglich bekannt ist, und
dem die Wissenschaft unter Anderem auch die Entdek-
kung der so seltsam organisirten Leptodora hyalina und
eines neuen Bythotrephes zu verdanken hat, mit dem
freundlichen Anerbieten seiner reichhaltigen , auf viel-
jährigen Reisen in Schweden zusammengebrachten Samm-
lung kleiner Süsswasser - Crustaceen gleichzeitig auch
eine Reihe selbst angefertigter „Conceptzeichnungen" von
verschiedenen Exemplaren der Sammlung. Unter den-
selben befinden sich mm auch zwei Zeichnungen von
einer Hyalodaphnia, welche in dem oben angedeuteten
fraglichen Punkte mit der Daphnia cucuUata Ss. überein-
stimmt, darin aber von den mir vorliegenden Berliner
Exemplaren sehr bestimmt abweicht.
Ausser den soeben angeführten Arten, welche ihrer
äusserst hyalinen Körperbeschaffenheit wegen das Inter-
esse jedes neuen Beobachters fesseln werden und darin
kaum von der in dieser Beziehung bewunderten Lep-
todora hyalina übertroffen werden können , sind mei-
nes Erachtens der neuen Gattung auch noch die der
Lokalfauna von Christiania angehörigen beiden Arten:
Daphnia cristata Ss. und D. longiremis Ss. zuzuzählen.
Für beide hatte Sars bereits einen Vorschlag zu gene-
rischer Absonderung ausgesprochen, welchen er aber
später als einen etwas übereilten („noget overilede Fors-
lag") wieder zurückgenommen hat *). Nach meinem Da-
fürhalten unterliegt die Berechtigung der neuen Gattung,
Vergl. Sars, Om de i Omeg. af Christiania forek. Cladocerer
B. 1. p. 8 und B.2. p. 23.
Die Cladoceren des frischen Hafifs. 15
wenigstens was die mir vorliegenden Arten betrifft, kei-
nem Zweifel; da nicht bloss äusserliche Verhältnisse, wie
die aiifFällige pyramidale Kopfbildimg , sondern auch
wesentliche Abweichungen der innern Organisation, wie
der gänzliche Wegfall des Nebenauges und seines zuge-
hörigen Gehirnfortsatzes ihr das Wort reden. Denn kei-
ner der mehr als 20 Species, welche die Litteratur für
die Gattung Daphnia in sp. aufzuweisen hat , fehlt das
Nebenauge. In dieser Beziehung bekundet die neue Gat-
tung mit Moina und Bosmina , denen das Nebenauge
ebenfalls abgeht, eine Annäherung an die Organisation
der Poljphemiden und Leptorididen. Bei allen übrigen
Daphniden ist das Nebenauge vorhanden, auch bei La-
thonura (Pasithea), wie ich mit Bezug auf eine abwei-
chende Angabe Leydig's ^) hinzufüge. Im Allgemeinen
aber bleibt die Entwickelung dieses Organs bei den
Daphniden hinter der des zusammengesetzten Auges zu-
rück. Verhältnissmässig am stärksten ausgebildet findet
es sich noch bei einigen Simocephalen und bei den ^Ljn-
codaphniden'^ Macrothrix und xAcanthocercus -). Bei den
Lynceiden dagegen begegnen wir einer progressiv zu-
nehmenden Entwickelung des Nebenauges. Bei ihnen
erreicht es nicht selten die Grösse des zusammengesetz-
ten Auges, wie bei Alona Leydigii, Pleuroxus aduncus,
Acroperus intermedius u.a.; ja bei dem Monospilus tenui-
rostris tritt uns sogar der umgekehrte Fall von Hyalo-
daphnia entgegen^): dass von dem zusammengesetzten
Auge keine Spur vorhanden, das Nebemxuge vielmehr
zur alleinigen Ausbildung gelangt ist.
Für die Gattung selber ergiebt sich folgende Dia-
gnose.
1) Naturgesch. der Daphniden S. 39.
2) Für die von Lilljeborg vorgeschlagene Namensände-
rung dieser Gattung liegt meines Erachtens ein Bedürfniss nicht
vor; da die frühere von Fitzinger gemachte Verwendung dessel-
ben Namens als Synonyme eingezogen worden ist, und somit eine
Verwechslung mit irgend einem Repräsentanten des zoologischen
Systems nicht zu besorgen steht.
3) Vgl. m. n. Beiträge zur Naturg. der Clad. S. 75.
16 Schoedler:
Hy alodaph7iia nov. gen.
Der Körper ist vollständig- durchsichtig (hyalin) ; im
Habitus der Gattung Daplinia in sp. am meisten ähnlich.
Der Kopf, von den Seiten her stark zusammengedrückt,
ist nach vorn in einen bald abgerundeten, bald mehr
oder weniger pyramidal zugespitzten Helm (Crista) aus-
gezogen und verläuft auf der unteren Seite nach hinten
in einen stumpfen, dem vorderen Schalenrande mehr oder
weniger aulliegenden Schnabel (Rostrum). Die Schalen-
klappen sind, wie bei Daphnia am hinteren Rande mit
einem langen, bedornten Schwanzstachel (Spina) verse-
hen, welcher bei Männchen und jungen Weibchen fast
unmittelbar in der Richtung der Rückenfirste verläuft,
bei älteren Weibchen aber in Folge starker Ausweitung
des Brutraumes etwa der Mitte des hinteren Randes zu
entspringen scheint. Der Dornbesatz des Schwanzstachels
setzt sich auf der hinteren Rückenfirste und auf den un-
teren Schalenrändern fort. Eine Schalendrüse, wie bei
den verwandten Gattungen in dem vorderen Theil der
Schalenklappen verlaufend, ist vorhanden; ein ,,Haftor-
gan" aber fehlt. Das zusammengesetzte Auge, in der
Regel gross und gut ausgebildet, liegt der Frontalka,nte
nahe, dagegen mehr oder weniger weit entfernt von der
Scheitelkuppe (Vertex) des Helms. Es ist sehr frei beweg-
lich und mit zahlreichen Krystallkörpern versehen. Das
Nebenauge (Macula nigra) und der diesem zugehörige
unpaarige Gehirnfortsatz fehlen. Die Tastantennen sind
bei Weibchen und Männchen verschieden gebildet; bei
Weibchen konisch geformt und von dem Schnabel ver-
deckt , unter welchem sie nur mit dem Büschel der ge-
knöpften Tastborsten hervorragen ; bei Männchen dage-
gen cyllndrisch, an der Basis leicht gekrümmt und der
etwas mehr abgerundeten Schnabelspitze jederseits frei
beweglich eingefügt. Was die Ausrüstimg dieser Organe
betrifft, so trägt das freie Ende der männlichen Tastan-
tenne ausser dem Büschel der geknöpften Tastborsten
noch einen besonderen Ausläufer (Flagellum) und an dem
vorderen Rande eine zugespitzte zarte Borste. Die Ru-
Die Cladoceren des frischen Haffs. 17
antennen, in Form und Gliederung wie bei Daphnia, sind
verhältnissmässig stark entwickelt und sehr frei beweg-
lich, indem der die Wurzel derselben überdachende For-
nix des Kopfpanzers fast horizontal abbiegt, und dadurch
eine unbehinderte Bewegung ermöglicht. Der Stamm
derselben ist an der Basis mehrfach ringelartig geglie-
dert und auf einem dieser Gelenkwülste mit zwei Borsten
besetzt. Von den beiden Aesten dieser Ruderorgane ist
der äussere dreigliedrig und etwas länger, als der innere,
welcher viergliedrig ist. Die x\nzahl der zweimal geglie-
derten Fiederborsten ist nicht bei allen Arten constant.
— Beine sind fünf Paare vorhanden. Sie scheinen nach
Form und Gliederung nicht wesentlich von Daphnia ab-
zuweichen. Bei dem Männchen ist das Endglied des er-
sten Paares, wie bei Daphnia und Ceriodaphnia, mit einem
vorwärts gekrümmten Haken und einer langen Geissei
bewehrt. Abdominalanhänge zum Verschluss der Brut-
höhle sind vorhanden; sie variiren aber in Zahl und
Grösse nach den Arten. Das Postabdomen erinnert in
Form und Bewehrung an Daphnia und wird in der Ruhe
unter das Abdomen zurückgeschlagen. Am freien Ende
trägt dasselbe zwei gekrümmte Krallen (Endkrallen) und
auf der Dorsalkante, unmittelbar hinter der Gelenkstelle
auf einem niedrigen Wulste zwei lange, fein gefiederte
Schwanzborsten. Die hinter den Endkrallen ausmündende
Afterspalte ist mit kleinen Stacheln umsäumt, welche
leicht gekrümmt sind und gegen die Endkrallen hin an
Grösse stetig zunehmen.
Nervensystem und Circulationsorgane verhalten sich
im Ganzen, wie bei Daphnia. Gleiches gilt von dem
Tractus intestinalis und den inneren Geschlechtsorganen.
Das Ephippium enthält zwei quer gelagerte Wintereier.
Die Anzahl der Sommereier in dem Brutraume variirt
nach dem Alter; doch habe ich sie nicht über 8 hinaus-
gehend beobachtet.
In ihrem sonstigen Verhalten erinnern die Hyalo-
daphnien fast mehr an die Simocephalen, als an die Daph-
nien. Sie schwimmen zwar, wie diese, in der Regel auf
dem Bauche, allein ihre Bewegung ist viel leichter und
Archiv f. Naturg. XXXII. Jahrg. 1. Bd. 2
18 Schoedler:
glelchmässiger, und wird auch nicht, wie bei Daphnia
pulex, ununterbrochen durch Tag und Nacht fortgesetzt.
Sie ruhen vielmehr^ wie die auf dem Rücken schwim-
menden Simocephalen; gern einige Zeit aus; indem sie
dabei entweder in der Seitenlage auf der Oberfläche des
Wassers einhertreiben, oder auch auf dem Boden des Ge-
fässes verweilen, ohne in der undulatorischen Thätigkeit
ihrer Beine eine Unterbrechung eintreten zu lassen.
Die mir vorliegenden Arten der Gattung sind zu-
nächst :
1. Hyalodaplinia Kahlhergiensis nov. sp.
Sie ist ziemlich zahlreich in dem frischen Haff ver-
treten und mir in beiden Geschlechtern bekannt. Der
ganze Körper des Thierchens ist so überaus pellucid, dass
es in klarem Wasser mit unbewaffneten Augen schwierig
wahrzunehmen ist. Bei der grossen Aehnlichkeit , die
zwischen ihm und der folgenden Art besteht, habe ich die
Anhaltspunkte für die specifische Unterscheidung beider
durch mikrometrische Messungen zu stützen gesucht. Ich
glaube, dass dies Nachahmung verdiente, da durch eine
grössere Reihe derartiger Messungen zufällige Abweichun-
gen der äusseren Form von massgebenden Verhältnissen
am sichersten zu eliminiren sein dürften.
Bezeichnet man der Uebersicht halben die Körper-
länge des Thierchens excl. Schwanzstachel, also den Ab-
stand zwischen der Helmspitze und der Basis des Schwanz-
stachels mit L, die grösste Dicke des in die Rückenlage
gebrachten Thierchens mit D, das Maximum der Schalen-
höhe („Breite^) d. h. den grössten Abstand des Dorsal-
randes von dem unteren Schalenrande mit H, die Länge
des Schwanzstachels mit Sp, die Kopflänge oder den Ab-
stand zwischen Schnabel- und Helmspitze mit KL, die
grösste Höhe („Breite^) des Kopfes in der Seitenlage des
Thierchens mit KH, die grösste Dicke des Kopfes^ wie
sie sich in der Rückenlage des Thierchens ergiebt, mit
KD, und ebenso den Abstand einer durch die Mitte des
Auges und senkrecht zur Längenachse des Thierchens
gedachten Linie , die ich Augenachse nennen will , von
Die Cladoceren des frischen Haffs.
19
der Helmspitze V mit AV, und endlich die Entfernung
derselben Augenaclise von der Schnabelspitze mit AR,
so ergeben die an 6 Weibchen und 2 Männchen vorge-
nommenen, in Millimetern ausgedrückten Messungen fol-
gende Verhältnisse.
Tabelle I.
Sämmtliche Messungen sind an Weingeistexempla-
ren vorgenommen worden. Bei dem $2 war der Schwanz-
stachel abgebrochen; die unter $4 verzeichneten Zahlen
beziehen sich auf das in Fig. 1 und Fig. 2 abgebildete
Individuum ; $5 war ein noch ziemlich junges Exemplar,
und $6 trug ein Ephippium mit zwei Ampullen.
Aus dieser Tabelle will ich als eine Eigenthümlich-
keit der Hyalod. Kahlbergiensis der folgenden Art ge-
genüber vorläufig nur die auffällige Kopllänge besonders
hervorheben, welche bei ausgewachsenen Weibchen durch-
schnittlich der halben Körperlänge (0,67 : 1,33 oder 1 : 2)
gleichkommt. Da dieses Yerhältniss im Wesentlichen
darauf beruht , dass der Kopfhehn bei dieser Art viel
stärker pyramidal ausgezogen ist, als bei der folgenden,
so gewinnt das Thierchen durch die damit zusammenhän-
gende, scheinbar veränderte Lage des Auges eine eigen-
thümliche Physiognomie. Die seitliche Compression des
Kopfes nimmt gagen die Helmkuppe hin so stark zu,
dass der Querdurchmesser der Helmspitze, wie die ganz
correkt gehaltene Fig. 2 veranschaulicht, etwa der mitt-
leren Dicke des Schwanzstachels entspricht.
20 Schoedler:
Abgesehen von obigen Massverhältnissen verräth sich
die specifische Verschiedenheit unseres Thierchens der
folgenden Art und der Hyalod. (Daphnia) cucullata ge-
genüber auch unverkennbar in der Form des Kopfes.
Im Ganzen genommen entspricht diese in der Rückenlage
des Thierchens (Fig. 2) einer langen^ sich stetig zu-
spitzenden Lanzette; im Profil dagegen (Fig. 1) bildet
sie eine gerade, sich ziemlich gleichmässig verjüngende
Pyramide. Die das Profil umgrenzende Medianlinie des
Kopfes verläuft hier von der Schnabelspitze aufwärts bis
über das Auge hin in gerader Richtung, während sie
bei der folgenden Art auf dieser Strecke eine mehr oder
weniger deutliche Concavität bildet. Vom Auge auf-
wärts aber nähert sie sich in ziemlich gleichmässigem
Verlaufe der Längenachse des Kopfes. Einen ganz ana-
logen Verlauf zeigt der obere Kopfrand, welcher bei
seinem Uebergange in die Rückenfirste der Schalenklap-
pen eine nur schwache Einbiegung vollzieht. Die Spitze
des Helms ist gleichmässig abgerundet und niemals, wie
bei den meisten Individuen der folgenden Art, mit einer
besonderen feinen Stachelspitze gekrönt.
Die Rückenfirste des ausgewachsenen Weibchens
verläuft von der schwach eingebogenen Uebergangsstelle
zwischen Kopf und Thorax aus in allmählich anwachsen-
der Convexität bis über die Mitte des Brutraumes, und
fällt dann ziemlich steil bis zur Basis des Schwanzsta-
chels ab. Die freien unteren Ränder der Schalenklappen
sind ziemlich gleichmässig gebogen und etwa von der
Mitte aus mit kurzen , schräg rückwärts gewendeten
Zälmchen besetzt, welche sich in den unteren Dornbesatz
des Schwanzstachels fortsetzen. Die vordere Partie der-
selben Ränder ist bei Weibchen unbewehrt, bei Männ-
chen aber am inneren Saume mit befiederten Borsten dicht
besetzt.
Der bis 0,50 Millimeter lange und sich stetig ver-
jüngende Schwanzstachel Ist bei ausgewachsenen Weib-
chen gerade, sonst aber wie bei Daphnien gebildet, und
rückt bei vorgeschrittener Schalenwölbung fast bis zur
Die Cladoceren des frischen Haffs. 21
Längenachse des Thicrchens herab. Bei Männchen nnd
jungen Weibchen ist er schwach aufwärts gebogen.
Die Cuticula der Schalenklappen zeigt eine äusserst
zarte, gegitterte Skulptur, welche durch zwei Systeme
erhabener, sich kreuzender Linien gebildet wird, von
denen das eine, seiner Hauptrichtung nach von dem vor-
dem und untern Rande ausgehend, in, geschwungenem
Verlauf schräg aufwärts steigt, während das andere von
der Eückenfirste aus ebenso schräg abwärts verläuft. An
den Durchkreuzungsstellen des Gitterwerks aber ver-
misse ich die zahnförmig vorspringenden Ecken, welche
an der sonst ähnlichen Schalenskulptur der Daphnia pulex
und deren Verwandten bemerkbar werden. Innerhalb der
Felderchen ist auch hier, wie bei den Daphnien, die ge-
wöhnliche feine Punktirung der Haut wahrzunehmen.
Auch der Hautpanzer des Kopfes lässt, wenigstens
um den Rüssel herum, eine feine, unregelmässig wabige
Skulptur erkennen, welche sich auf dem Helme aber
allmählich verwischt. Stamm und Aeste der Ruderanten-
nen besitzen eine gezackt-randige, schuppenartige Ober-
flächenskulptur.
Beachtenswerth ist bei dieser Art auch der Verlauf
der Fornix -Linie , welcher an Daphnia longispina *) er-
innert. Derselbe verläuft nämlich von da ab, wo er mit
dem Vorderrande der Schalenklappe zusammentrifft, in
etwa gleicher Richtung mit der Dorsalkante des Kopfes
1) Ich beziehe mich hierbei auf die der Berliner Lokalfauna an-
gehörige Art (Vgl. m. Branchiopoden S. 14. Fig. 13), welche allerdings,
wie Sars (l. c. B. 1. p. 4. u. B. 2. p. 18) nachgewiesen hat, ebenso
wenig, als das später von Leydig (N-aturg. der Daphn. S. 140.
Taf. II. Fig. 13—20) als Daphnia longispina beschriebene Thierchen
auf diese Müll er'sche Benennung Anspruch hat. Da diese Daphnia
Schoedleri Ss. wegen ihrer nahen Beziehungen zur neuen Gattung
ein besonderes Interesse gewinnt, so möchte es noch der Erwäh-
nung werth sein, dass mir bis jetzt an keinem einzigen der zahl-
reich von mir untersuchten Thierchen beiderlei Geschlechts eine
Spur von jenem Dorngebilde vorgekommen ist, welches Lievin
(Branchiop. d. Danz. G. S. 24. Taf V, Fig. 2) auf dem Scheitel seiner
D. longispina und Leydig auf der Rückenkante des männlichen
Thierchens wahrgenommen haben.
22 Schoedler:
fast bis zum vorderen Rande des Magens, und geht dann,
noch unterhalb des Auges umbiegend, in einem Bogen
quer über das Augenganglion hinweg in die Seitenfläche
des Kopfes über. Mit dieser Fornix-Linie vereinigt sich,
soviel ich wahrnehmen konnte, unmittelbar hinter dem
Augenganglion eine andere äusserst feine Linie, welche
namentlich in der Proiillage des Thierchens (Fig. 1) deut-
lich zu verfolgen ist, und an der Stirnkante der Helm-
spitze beginnend, in einem schwachen Bogen unmittelbar
hinter dem Auge abwärts steigt. Durch sie erhält das
Profil einen eigenthümlichen Ausdruck.
Die Ruderantennen haben , wie ich der Hyalod.
(Daphnia) longiremis gegenüber ausdrücklich hervorhebe,
eine ganz verhältnissmässige Länge ; denn der Stamm
derselben überragt, wenn er über das Auge hinweg aus-
gestreckt wird, den Stirnrand nur unbedeutend. Zwischen
beiden Aesten sitzt an dem Ende des Stammes noch eine
einzelne zarte Borste. Von den drei Gliedern des äus-
seren Astes, welcher fünf Fiederborsten aufzuweisen hat,
ist das Basalglied am längsten, und entspricht in seiner
Länge fast der Summe der beiden anderen. Von den
vier Gliedern des inneren, mit vier Fiederborsten ausge-
rüsteten Astes ist das Basalglied, wie bei den Daphnien
und Simocephalen, viel kürzer als die übrigen, welche
so ziemlich gleich lang sind. Die Vertheilung der Ru-
derborsten ist wie bei Daphnia pulex. An den Ruder-
borsten selber aber ist von dem scharf umgrenzten dunk-
len Fleck, wie er in dem zweiten Gliedc einiger Daph-
nien und Simocephalen vorkommt, keine Spur vorhanden.
Die gleiche Wahrnehmung hat auch Sars^) an den von
ihm beobachteten Arten gemacht.
Gegen das weissliche, zuweilen fast krystallhelle
Colorit des Thierchens sticht das Auge mit der. tief-
schwarzen Färbung seines Pigments auffällig ab. Die
zahlreichen, aus dem Pigmente weit hervorragenden Kry-
stallkörper gleichen denen der Daphnienaugen. Sie wer-
den von einer äusserst zarten Cornea umschlossen, von
1) Sars 1. c. B. 2. p. 19.
Die Cladoceren des frischen Haffs. 23
welcher netzartig verzweigte Fäden zur inneren Wan-
dung der Augenkapsel abgehen. Mit diesen feinen Fä-
den setzen sich auch die das Auge bewegenden Mus-
keln^ deren jederseits drei zu unterscheiden sind, zum.
grossen Theil in direkte Verbindung.
Die Tastantennen des Weibchens sind kurz und bis
auf das Endbüschel der geknöpften Tastborsten unter dem
gleichmässig abgerundeten Schnabel versteckt; die des
Männchens (Fig. 3) sind stärker entwickelt , der Form
nach cjlindrisch und dem Schnabel jederseits frei be-
weglich inserirt. Die dem vorderen Rande der männli-
chen Tastantenne aufsitzende einzelne Borste ist sehr
zart; der Ausläufer des freien Endes (d) dagegen ist
stärker contourirt, krallenförmig und überragt das End-
büschel der geknöpften Tastborsten nur unbedeutend.
Die Mundtheile, von denen die Oberlippe und die
Mandibeln sehr deutlich hervortreten, bieten ihrer Form
nach keine bemerkenswerthe Abw^eichung von der Or-
ganisation der verwandten Arten dar.
Auch in der Form und Gliederung der fünf Bein-
paare habe ich wesentliche Abweichungen von den für
die Daphnien geltenden Verhältnissen nicht wahrgenom-
men. Die hakenförmige Endklaue am ersteh Beinpaare des
Männchens (Fig. 3. b) ist ziemlich kräftig , und die dem-
selben Beinpaare angehörige Geissei (Fig. 3. c) ist bor-
stenförmig und etwa von der Länge der Schalenklappen.
Auf dem Rücken der letzten Abdominalsegmente
treten hintereinander drei Anhänge hervor, deren Ent-
wickelung jedoch bei dem Männchen merklich zurück-
bleibt. Die beiden vorderen sind bei dem Weibchen
zipf eiförmig, unbehaart und an ihrer Basis dem Anschein
nach mit einander verschmolzen. Der grössere derselben
ist vorwärts gekrümmt; der andere dagegen rückwärts
gewendet. Der dritte hügelartige ist viel kleiner und
in beiden Geschlechtern gleich; während die vorderen
bei dem Männchen deutlich auseinander gerückt und an
dem freien Ende gleichmässig abgerundet auftreten.
Das Postabdomen ist ziemlich gleich breit, aber in
beiden Geschlechtern nicht übereinstimmend gebildet. Der
24 Scho edler:
hintere oder Dorsalrand desselben, welcher bei dem Weib-
chen in fast gerader Eichtung verläuft und nur unmittelbar
an der Afterspalte eine geringe Ausbuchtung zeigt, springt
bei dem Männchen in der Aftergegend stark wulstig
vor. An der den Endklauen anliegenden Ecke dieses
Wulstes, also unmittelbar hinter der Afterspalte befindet
sich die Ausmündung der Hoden. Die Schwanzklauen
sind ohne sekundäre Zähnelung; die Afterspalte aber ist
jederseits mit 6 bis 7, an Grösse stetig zunehmenden ge-
krümmten Stacheln besetzt. Die aus einem knopfförmi-
gen Hügel hervortretenden Schwanzborsten sind ziemlich
lang und fein gefiedert.
An den inneren Geschlechtsorganen, sowohl an den
Eierstöcken der Weibchen , wie an den strotzend mit
Samenmasse erfüllten Hoden der Männchen, sind mir be-
merkenswerthc Abweichungen von den für die verwand-
ten Gattungen geltenden Verhältnissen nicht aufgefallen.
Die Spermatozoon , welche bei gelindem Druck massen-
haft aus der bezeichneten Ausmündung des Hodens her-
austreten, zeigen eine ellipsoidische, zuweilen zusammen-
gezogene, halbmondförmige Form.
2. Hyalodaphnia B er olin ensis nov. sp.
Von dieser in dem Plötzensee bei Berlin aufgefun-
denen Art sind mir seltsamer Weise bisjetzt nur Weib-
chen zu Gesicht gekommen, obgleich ich sie von Mai bis
Oktober v. J. in grosser Anzahl eingefangen und vom
Monat August ab viele in der Ephippium-Bildung begrif-
fene Weibchen unter meinen Exemplaren vorgefunden
habe. Sie gleicht der vorigen Art in der Pellucidität
des Körpers vollkommen , und steht ihr auch in Bezug
auf Grösse nur wenig nach. Dem ganzen Habitus nach
erscheint sie, wie ein Blick auf die beigegebenen Ab-
bildungen (Fig. 8 und 15) ergeben wird, etwas gedrunge-
ner und plumper, als die vorige Art Hierzu trägt ins>
besondere die abweichende Bildung des Kopfes bei. Der
Kopfhelm nämlich ist erheblich niedriger, und die Lage
des Auges behauptet, wie dies nach Sars auch bei der
folgenden Art der Fall sein soll, so ziemlich die Mitte
Die Cladoceren des frischen Haffs.
25
zwischen Sclmcabcl- und Hclmspitze. Um diesen und
ähnlichen Beziehungen bestimmtere Anhaltspunkte für die
Vergleichung zu geben , will ich wieder einige mikro-
metrische Messungen mit Beibehaltuug der obigen Ab-
kürzungen mittheilen.
Tabelle IL
Auch diese Messungen sind an Spiritus - Exempla-
ren angestellt worden. Das untere $3 aufgeführte Exem-
plar trug ein Ephippium mit zwei Ampullen; $4^ das
jüngste der hier verzeichneten Thierchen, hatte vier Em-
bryonen in der Bruthöhle. Die unter $, registrirten
Zahlen beziehen sich auf das in Fig. 4 abgebildete Indi-
viduum, welches sich durch die auffällige, circa 0,06 Mm.
betragende Concavität seiner Schnabelfirste bemerkbar
machte.
Nach dem durchschnittlichen Ergebniss der vorste-
henden Tabelle bleibt die 0,36 Mm. betragende Kopflänge
der Hyalod. Berolinensis beträchtlich hinter der halben
Körperlänge, welche circa 0,46 Millimeter beträgt, zurück,
was bei der vorigen Art nicht der Fall war. Die Lage
des Auges behauptet so ziemlich die Mitte zwischen der
Schnabel- und Helmspitze. Die Entfernung der obigen
Augenachse von der Schnabelspitze, d. i. AR = 0,14
Mm., übertrifft das nur 0,12 Millimeter zählende Drit-
tel der Kopflänge ; andrerseits gleicht ihre Entfernung
von der Helmspitze (AV n= 0,19 Mm.) fast der halben
Kopflänge, welche im Durchschnitt 0,18 Mm. beträgt. So-
mit differirt auch das Verhältniss beider Entfernungen
(AR: AV = 0,14 : 0,19) sehr bemerkbar von dem der
26 Schoedler:
vorigen Art. Auch die durchsclinittliche Länge des
Schwanzstachels (Sp = 0,28 Mm.) fällt hier im Verhält-
niss geringer aus, als bei H. Kahlbergiensis. An Weib-
chen, welche bereits, wie $3 der vorstehenden Tabelle,
eine Ephippium-Bildung bestanden haben, erscheint der
Schwanzstachel stets merklich verkürzt.
Durch die obigen Verhältnisse bedingt, erhält das
Profil des Thierchens ein von dem der vorigen Art ver-
schiedenes Aussehn. Zu beachten ist, dass bei der H. Be-
rolinensis sowohl die Schnabelfirste , wie die Stirnkante
des Helms mehr oder weniger concav gebogen auftritt;
während der Dorsalrand des Helms und des Kopfes über-
haupt einen ziemlich gleichmässigen, schwach convexen
Verlauf bewahrt und gegen den Scheitel hin sich wenig
oder gar nicht unter die geradlinigte Richtung verflacht.
Die Frontalkante des Kopfes vollzieht dem Auge gegenüber
eine starke Wölbung und nähert sich in viel kürzerem
Verlaufe, als bei der vorigen Art, der Längenachse des
Kopfes. Mit dieser durch die Mitte des Kopfes gedachten
Achse trifi't dieselbe übrigens, was bei der H. cucullata nicht
der Fall zu sein scheint , in der Helmspitze zusammen.
Die Helmkaputze (s. Fig 4 u. 8) bewahrt nämlich eine
gerade Richtung, wie bei der vorigen Art, und ist dem-
nach nicht mit einer aufwärts gekrümmten Spitze ver-
sehen („apice acuminato supra curvato"), wie bei- der H.
cucullata, und der schon oben citirten schwedischen Art,
deren Kopfhelm ich der Vergleichung halber in Fig. 7
wiedergegeben habe. Der Schnabel ist stumpf abgerun-
det und dem Vorderrande der Schalenklappen nicht so
weit genähert, als bei der H. Kahlbergiensis. — Die
durch die seitliche Compression herbeigeführte Zuspitzung
des Kopfes, welche bei der Rückenlage des Thierchens
am besten zu beobachten ist, verhält sich dem vorigen
Falle analog, doch fällt die Helmspitze hier natürlich
viel kürzer aus.
Die Helmkuppe selber erwies sich bei der grossen
Mehrzahl der mir zu Gesicht gekommenen Thierchen
noch mit einem äusserst feinen , geraden Zähnchen (s.
Fig. 4 u. Fig. 8. a) gekrönt, welches an das kleine Schei-
Die Cladoceren des frichesn Hafifs. 27
telborn der Scapholeberis cornuta erinnert^ mit diesem aber
in morpbologiscber Beziebung niebt zu identificiren ist.
Denn die Hornbildung der Scapboleberis cornuta erfolgt
bereits in dem Brutraiime; sie gebt gleicbzeitig mit der
Ausbilduns;- der übrigen Organe des Kopfes und zwar
in der Weise vor sieb, dass die Scbeitelkante oder der
obere Rand des Kopfes sieb längs der Medianlinie von
oben ber lostrennt und allmäblicb zu jenem fast geraden
Hörncben erbebt. Von dem Zäbncben auf dem Scbeitel
der Hyalod. Berolinensis aber ist an der den Brutraum
verlassenden jungen Brut nocb keine Spur vorbanden.
Seinem ganzen Aussebn nacb möchte man es für eine
blosse Ausstülpung der Cuticula balten. Die Scbeitel-
kuppe der Individuen^ bei denen dieses Gebilde gänzlich
vermisst wird, zeigt übrigens keine Spur einer Verlet-
zung, sondern ist (s. Fig. 15) gleichmässig abgerundet.
Die Frage aber: ob das Fehlen jenes feinen Scbeitel-
dorns etwa nur ein zeitweises sei, vermochte ich nicht
zu entscheiden. Denn eine fortgesetzte Entwickelungs-
Beobachtung an einem und demselben Individuum ist
wegen der äusserst zarten Natur dieser Thierchen, welche
in der Gefangenschaft selten länger als zwei Tage aus-
dauern, nicht wohl ausführbar. Doch bin ich meiner
Wahrnehmung zu Folge der Ansicht, dass hier die Sache
anders Hegt, als in dem oben besprochenen analogen Falle
der Scapholeberis cornuta, und dass das Fehlen oder
Vorbandensein des fraglichen Scheiteldorns nur eine Ent-
wickelungsphase andeutet und den Begriff der vorliegen-
den Species nicht alterirt.
Eine beachtenswerthe Unterstützung findet die so
eben ausgesprochene Ansicht ^auch wohl in den nach-
stehenden Resultaten der mikrometrischen Messung. Die
an vier weiblichen Weingeist-Exemplaren mit stumpf ab-
gerundeter Helmkuppe vorgenommenen Messungen erge-
ben für die aus der vorigen Tabelle gezogenen Relatio-
nen ganz analoge Verhältnisse.
Schoedler:
Tabelle III.
Im Uebrigen bekundet die H. Berolinensis grosse
üebereinstimmung mit der vorigen Art. Die Tastanten-
nen werden auch bei ihr bis auf das Endbüschel der ge-
knöpften Tastborsten von dem Schnabel verdeckt. Die
Ruderantennen , deren Stamm den Stirnrand nur unbe-
deutend überragt; besitzen dieselbe Ausrüstung, wie bei
jener. Auch die Abdominalanhänge des Rückens, wie
ich der H. cristata gegenüber hervorhebe, sind nach Form
und Zahl, wie in dem vorigen Falle. Das Postabdomen
erscheint etwas mehr zugespitzt ; zeigt sonst aber das-
selbe Verhalten. Die Afterspalte ist jederseits mit 5 — 6
gekrümmten, ungleichen Stacheln bewehrt.
Auf der Rückenfirste des Thierchens macht sich
bei ausgewachsenen Weibchen zwischen Kopf und Schale
eine deutliche Einbiegung bemerkbar. Form und Ober-
flächen-Skulptur der Schalenklappen sind im Wesentli-
chen wie bei der vorhergehenden Art.
Im Anschluss an die vorstehenden Mittheilungen
kennzeichnen sich die von Sars beobachteten Arten fol-
gendermassen.
3. Hyaloda'phnia cucullata.
Syn. Daphnia cucullata Sars, 1. c. B. 2, p. 23.
Der Kopf ist gross und von der Seite betrachtet,
viel schmaler, als die Schalenklappen ; auf dem Dorsalrande
ist er s ch wach conca V („margine superiore subcon-
cavo^) , auf der Frontalkante unterhalb des Auges stark
convex und läuft nach hinten in einen dicken, stumpf
Die Cladoceren des frischen Haffs. 29
abgerundeten Schnabel aus, unter welcliem das Endbü-
schel der Tastantennen hervorragt. Der einer Kappe
(„cuculli instar") ähnh'che Helm des Kopfes ist mit einer
scharf ausgezogenen, aufwärts gekrümmten
Spitze („apice acuminato supra curvato") versehen; von
oben aus betrachtet, verjüngt er sich nach dem Scheitel
hin stark und läuft in ein dünnes, zugespitztes Ende aus.
Die Rückenfirste zeigt zwischen Kopf und Thorax eine
deutliche Einbiegung. Die Schalcnklappen sind eiförmig
und haben eine deutlich gegitterte Oberflächen-Skulptur.
Der Schwanzstachel ist ziemlich lang, bei demWeibchen
weniger, bei dem Männchen stark aufwärts gebogen. Die
Abdominalanhänge des Rückens verhalten sich wie bei
den vorhergehenden Arten. Die Afterspalte ist jederseits
mit 6 Stacheln bewehrt. Das Auge ist gut ausgebildet,
dem Stirnrande genähert und behauptet seiner Lage nach
fast die Mitte zwischen der Rüssel- und Helmspitze. Das
Männchen ist ein wenig kleiner , als das Weibchen, und
durch einen niedrigeren Helm und kürzeren Schnabel
ausgezeichnet. Die Tastantennen desselben sind an dem
freien Ende abgestumpft und mit einer borstenförmigen
Geissei (Flagellum) versehen, welche wenig länger ist, als
das Endbüschel der geknöpften Tastborsten. — Die Länge
des Thierchens beträgt kaum 1 Millimeter.
4. Hyalodaphnia cristata,
Syn. Daphnia cristata, Sars 1. c. B. 1, p. 7.
Das Thierchen ist seitlich so stark zusammenge-
drückt, dass seine grösste Dicke („latitudo") nicht ein-
mal dem dritten Theil der Höhe („altitudo") gleicht.
Das Profil des Kopfes zeigt einen unverhältnissmässig
grossen, fast pyramidalen, im Scheitelpunkte zugespitzten
Helm, welcher von oben her betrachtet in eine lanzett-
liche , dornähnliche Zuspitzung ausläuft. Der Schnabel
des Kopfes ist lang und berührt mit seiner abgestumpf-
ten Spitze die Schalenränder. In der Form und Ober-
flächenskulptur der Schale gleicht sie der vorigen Art.
Dasselbe gilt von den Tastantennen. Die Ruderantennen
dagegen sind dünn („graciles'^) und an jedem der bei-
30 Schoedler:
den Aeste nur mit vier gegliederten, gefiederten Ru-
derborsten ausgerüstet. Von den Abdominalanhängen des
Rückens ist nur einer deutlich ausgebildet. Das Auge
ist sehr klein (^Oculus minimus^^) und weit von dem Stirn-
und Scheitelrande entfernt. — Das Männchen ist kleiner, als
das Weibchen. Seine Tastantennen überragen die stumpfe
Schnabelspitze und tragen am freien Ende eine borsten-
förmige Geissei, welche doppelt so lang ist, als das End-
büschel der geknöpften Tastborsten. Im üebrigen gleicht
es dem Männchen der II. Kahlbergiensis. Die Länge
des Weibchens beträgt ungefähr V/q Millimeter.
5. Hyalodaphnia longireynis.
Sjn. Daphnia longiremis, Sars 1. c, B. 1, p. 6.
Die vorstehende Art repräsentirt, wie es scheint,
eine Uebergangsform zur Gattung Daphnia, an welche
sie ihrem ganzen Habitus nach erinnert. Ihre Unterord-
nung unter die neue Gattung stützt sich hauptsächlich auf
den gänzlichen Wegfall des Nebenauges. Sie participirt
an der hyalinen Beschaffenheit der übrigen Arten, doch
steht sie in der Helmbildung des Kopfes, soviel aus den
Mittheilungen des oben genannten Beobachters zu ent-
nehmen ist, allen andern nach. Von oben her betrach-
tet, erweist sich der Kopf ebenfalls zugespitzt ; im Profil
aber erscheint er klein und am Scheitel abgerundet. Der
Stirnrand ist fast gerade und verläuft nach hinten in
einen etwas zugespitzten Schnabel. Den vorhergehenden
Arten gegenüber ist noch hervorzuheben, dass der stark
gebogene untere Rand der Schalenklappen seiner ganzen
Länge nach gezähnt ist. Die Tastantennen sind ebenfalls
klein ; die Ruderantennen aber von ungewöhnlicher Länge.
Das Auge ist klein, aber mit deutlichen Krystallkörpern
versehen. Die Beschaffenheit der Schalenoberfläche end-
lich, welche sich nur als eine punktirte („testa punc-
tata^) angegeben findet, würde das Thierchen nicht nur von
den vorhergehenden vier Arten, sondern meines Wissens
auch von allen Arten der Gattung Daphnia in sp. unter-
scheiden. — Die Länge beträgt ungefähr 1 Millimeter.
Die Cladoceren des frischen Hafifs. 31
6. Hyalo daph7iia C e der strömli nov. sj).
Unter dieser Benennung will ich noch das bereits
oben citirte, mit keiner der vorstehenden Arten überein-
stimmende Thierchen , welches der Freiherr G. C. C e-
derström bereits im Juli 1859 in dem Nara-8ee in
Schweden aufgefunden hat, in Kürze charakterisiren.
Obgleich ich diese Form aus eigener Anschauung noch
nicht kenne , indem mir die oben erwähnte Sammlung
bis diesen Augenblick noch nicht zugegangen ist, so kann
ich nach den mir vorliegenden Zeichnungen (vgl. Fig. 7)
die specifische Verschiedenheit derselben nicht in Zweifel
ziehen. Aus den ^Conceptzeichnungen'^ des Freiherrn
Ce der ström ist aber so viel zu entnehmen, dass diese
schwedische Art sich dem ganzen Habitus der H. Kahl-
bergiensis am meisten anschliesst. Sie unterscheidet sich
aber sowohl von dieser , wie von der H. cucullata , un-
verkennbar durch die abweichende Bildung des Kopf-
helms. Correctheit der Zeichnung vorausgesetzt , ent-
spricht bei der H. Cederstromii sowohl die Lage des
AugeS; w^ie das Yerhältniss zwischen Kopf- und Körper-
länge den für die H. Kahlbergiensis geltenden Verhält-
nissen. Der Helm des Kopfes aber ist sichelförmig
aufwärts gekrümmt, so dass der Dorsalrand des Kopfes
seiner ganzen Ausdehnung nach einen stark concaven;
der Stirnrand dagegen einen entsprechend convexen Ver-
lauf vollzieht. An den Ruderantennen ist jeder der
Aeste nur mit vier Ruderborsten ausgerüstet. Die Skulp-
tur der Schalenoberfläche ist wie bei H. Kahlbergiensis.
Gleiches gilt von der Form des Postabdomens und der
Länge und Beschaffenheit des Schwanzstachels.
Gen. Bosmina Baird.
Die Gattung Bosmina, zu der wir nunmehr über-
gehen, gehört zu den kleinen und allergewöhnlichsten
Formen der Süsswasser-Cladoceren. Da sie ihrer ganzen
Organisation nach eine sehr beachtenswerthe üebergangs-
form von den eigentlichen Daphniden zu den sogenann-
ten Lyncodaphniden bildet, so dürfte es angemessen sein,
den nachfolgenden speciellen Beiträgen einige allgemeine
32 Schoedler:
Bemerkimgen vorauszuschicken. leb folge hierbei der
Diagnose, welche öars ^) über die Gattung aufgestellt hat.
Im Ganzen genommen erinnert der Habitus der Bos-
mina am meisten an die Gattung Macrothrix. In der
Seitenlage der Thierchen, welche sich dem Beobachter
gewöhnlich darbietet, zeigt Bosmina eine mehr oder weni-
ger abgerundete Gestalt. Von oben aus betrachtet, erweist
sich der Körper stets merklich zusammengedrückt, so dass
das frei auf dem Bauche schwimmende Thierchen einige
Achnlichkeit mit der Lynceide Chydorus bekundet. Auch
in der Kopfbildung bietetBosmina eine unverkennbare Ana-
logie mit Macrothrix dar. Der Kopf, dessen Dorsalrand ohne
Einkerbung in den Thorax übergeht, ist abwärts gerich-
tet und bildet im Profil ein seitlich zusammengedrücktes,
konisches Rostrum, welches nicht über dieVerlängerung der
unteren Schalenränder hinabreicht, und an seiner gleich-
massig abgerundeten Spitze die langen Tastantennen oder
„Fühlhörner" trägt. Auf dem vorderen Theile des Rostrums
erhebt sich unweit der Medianlinie desselben jederseits
eine zarte, zugespitzte Borste. Der Fornix des Kopfpan-
zers überdeckt das Wurzelglied der Ruderantennen, und
markirt sich in seiner Begrenzung durch eine Linie,
welche von ihrer Yereinigungsstelle mit der Schale über
den Stamm der Ruderantennen hinweg, in stark geschwun-
genem Verlaufe zum hinteren Rande des Rüssels hinab-
steigt. Die den übrigen Körper umhüllende Schale ist
an dem hinteren Rande abgestumpft und erleidet bei den
Weibchen einiger Arten über den vorderen Abdominal-
segmenten eine sehr starke Ausweitung. Der untere
freie Rand der Schale ist an seinem vorderen Theil mit
langen Borsten besetzt und läuft nach hinten entweder
in einen Dorn (Mucro) aus, oder geht, wo dieser fehlt,
über eine stumpf abgerundete Ecke unmittelbar in den
hinteren Rand über. Eine Schalendrüse, den vorderen
Theil der Schalenklappen durchziehend , ist vorhanden.
Die Tastantennen („Fühlhörner^ , welche der abgerun-
1) G. 0. Sars 1. c. B. 1, p. 10.
Die Cladoceren des frischen Haffs. 33
deten Rüsselspitze (bei Weibeben unbeweglich) eingefügt
und abwärts gerichtet sind , haben eine beträchtliche
Länge, spitzen sich gegen das freie Ende hin allmählich
zu, und erscheinen auf dem mehr oder weniger convexen
vorderen Rande wie aus zahlreichen, mit einander ver-
schmolzenen Halbringeln zusammengesetzt. Sie bestehen
aus zwei Theilen, von denen der Basaltheil dem Stamme
(Pedunculus), das Endstück aber dem sonst nur bei männ-
lichen Daphniden entwickelten Endfortsatz oder „Aus-
läufer^ ^Flagellum) der Tastantennen zu vergleichen ist.
Aus dem Stamme entspringt unmittelbar vor seinem üe-
bergange in diesen Fortsatz und zwar auf der einwärts
gekehrten Seite (vgl. Fig. 23) das Büschel der geknöpf-
ten Tastborsten. Die Ruderantennen bestehen aus einem
ringelartig gegliederten Wurzelstück , welches sich in
einen eingliedrigen Stamm fortsetzt. Dieser selbst theilt
sich in zwei Aeste , von denen der äussere vier gliedrig
und mit (3 bis) 4 Ruderborsten, der innere dagegen drei-
gliedrig und mit 5 Ruderborsten ausgerüstet ist. Von
Mundtheilen sind die Oberlippe, ein Paar Mandibeln und
nach Sars auch Maxillen zu unterscheiden. Jene er-
innert in ihrer Form an die Lynceiden, denn sie trägt
auf ihrer äusseren Fläche eine breite abgerundete Platte.
Beine sind 5 Paare vorhanden und ein rudimentäres
sechstes, wie bei den Lyncodaphniden und Lynceiden.
Sie erinnern ihrer ganzen Anlage nach am meisten an
die für Acanthocercus geltenden Verhältnisse. Das erste
Fusspaar des Männchens ist, wie bei Daphnia, mit einem
Haken und einer Geissei bewehrt. Das Postabdomen
erscheint verhältnissmässig kürzer, als bei den verwand-
ten Gattungen, und varlirt in meiner Form nach den
Arten und dem Geschlecht. Es ist seitlich stark zusam-
mengedrückt, am freien Ende in der Regel gerade abge-
stumpft und verlängert sich auf der Ventralscite in einen
bei Männchen stärker entwickelten Fortsatz, w^elcher die
beiden gekrümmten Endkrallen (vgl. Fig. 19 b u. Fig. 20 c)
trägt und desshalb hier der Kürze halber als Endkrallen-
Träger bezeichnet werden mag. Die unterhalb dieses
Krallenträgers am freien Ende liegende Afterspalte ist
Archiv f. Naturg. XXXII. Jahrg. 1. Bd. 3
34 Schoedler:
nicht mit kleinen Stacheln umsäumt. Auf dem Dorsal-
rande trägt das Postabdomen unmittelbar vor der Gelenk-
stelle, "wie bei den verwandten Gattungen, zwei Schwanz-
borsten. Besondere Abdominalanhänge für den Verschluss
der Bruthöhle, wie sie bei Daphnien vorkommen, sind
nicht vorhanden; doch scheint deren Stelle durch jene
Haarbüschel ersetzt zu werden, mit welchen die letzten
Abdominalsegmente auf dem Rücken besetzt sind.
Von den inneren Organen, zunächst denen des
Kopfes, tritt das freibewegliche Auge, welches dem Stirn-
rande nahe gerückt und mit zahlreichen Krystallkörpern
versehen ist, überall deutlich hervor. Das Nebenauge
(Macula nigra) fehlt. — Das ziemlich voluminös auftre-
tende Gehirn entsendet ausser dem Augenganglion nach
vorn einen zarten Nerven zu den beiden Borsten des
Rüssels und zur Rüssel spitze hin einen starken Ner-
venstrang , welcher unmittelbar vor seinem Uebergange
in die Tastantennen zu einem beträchtlichen Ganglion
anschwillt. Von diesem Ganglion geht in jede Tastan-
tenne ein deutlicher Nerv zu dem Büschel der Tastbor-
sten. Am Hinterkopf endlich ist zwischen Auge und
Magen noch ein undeutlich zelliges Conglomerat zu un-
terscheiden , welches dem Nervensystem zuzusprechen
und der zelligen End aus breitung jenes peripherischen
Kopfnerven zu entsprechen scheint, w-elchen Leydig ^)
bei Daphnien nachgewiesen hat. — Der Nahrungskanal
erinnert nach Form und Bau am meisten an Macrothrix.
Er durchzieht, den Körper in einfachem Verlaufe, ohne
eine ümschlingung einzugehen , und gliedert sich in
Schlund, dessen Mündung oben von der Lippe, seitlich von
den Kiefern begrenzt wird, dann in den langen Magen,
dem die vorderen blinden Anhänge fehlen, und in den
Darm (Mastdarm). — Das Herz hat eine mehr oder we-
niger ovale Gestalt.
Was die inneren Fortpflanzungsorgane betrifft, so
lassen die Eierstöcke der Weibchen die Form eines läng-
lichen Schlauches erkennen, der sich zu beiden Seiten
1) Leydig, Naturg. der Daphniden S. 143.
Die Cladoceren des frischen Haffs. 35
des Darmkanals hinzieht und seine Ausmündung auf dem
Rücken des vorletzten Abdominalsegments, etwa ober-
halb des rudimentären ßeinpaars nimmt, wovon ich mich
durch direkte Beobachtung zu überzeugen Gelegenheit
hatte. Ich habe früher schon mehrmals, so an der Daph-
nia pulex und der Sida crystallina den Vorgang der Ei-
formung beobachtet, ohne gerade auf den von Leydig ^)
an Daphnia longispina wahrgenommenen Umstand: dass
der Inhalt des reifen Eierstockes sich erst im Brutraum
zu individuell begrenzten Eiern gestalte, besonders ge-
achtet zu haben. Im Juli d. J. nun bemerkte ich an
einer Bosmina cornuta, welche ich unter dem Mikroskop
hatte, dass der blass- grünliche Inhalt ihres reifen Eier-
stocks sich an der oben bezeichneten Stelle in die Brut-
höhle zu entleeren begann. Meine mit ungetheilter Auf-
merksamkeit gemachte Beobachtung war : dass der an-
fänglich und nur langsam hervorquellende Theil der
Dottermasse sich wie ein durch äussere Umhüllung fest
zusammengehaltener Körper verhielt, in welchen die nach-
folgende Dottermasse sich ergoss, und so eine mehr und
mehr zunehmende Ausweitung der schon vorhandenen
Eihülle verursachte. Gleichzeitig mit der grünlichen
Dottermasse schlüpften, w^ie ich deutlich wahrnahm, zwei
orangegelbe Oelkugeln in den Brutraum. Sobald der letzte
Theil der Dottermasse sich durch die Ausmündung des Eier-
stockes hindurchgedrängt hatte, sah ich das individuell
begrenzte, also fertig gebildete und gleichmässig geformte
Ei mit den beiden Oelkugeln in der Mitte in dem Brut-
raume liegen. Nach einer kurzen Pause wiederholte
sich der gleiche Vorgang bei dem Heraustreten eines
zweiten Eis, ohne dass ich an der in die Bruthöhle ge-
tretenen Dottermasse besondere, den vitalen Bewegun-
gen des Liquor vitelli anderer Thierc gleichzustellenden
Contractionsbewegungen wahrnehmen konnte.
Die^ Hoden der Männchen verhalten sich in ihrer
Anlage; soviel ich erkennen konnte, wie bei Daphnia. Der
Ausmündungsgang derselben befindet sich auf dem Krallen-
1) Naturgeschichte der Daphniden S. 61 und 145.
36 Sclioedler:
träger (vergl. Fig. 17 b und 20 f.) unmittelbar vor den
Endkrallen. Die Männchen selber, diel ich von zwei
Arten kenne, charakterisiren sich imAeusseren: 1) durch
die flache^ nicht gewölbte Riickcnfirste der Schale ; 2)
durch die schon oben angeführten Anhänge des ersten
ßeinpaars; 3) durch die Tastantennen, welche verhält-
nissmässig stärker entwickelt auftreten und unweit der
Basis noch mit einer besonderen zugespitzten Borste
(vergl. Fig. 16. b) ausgestattet sind; 4) endlich noch durch
das Postabdomen , das durch die wulstige Auftreibung,
welche der Krallenträger um den Ausfübrungsgang der
Hoden annimmt, ein verändertes, in der Regel mehr zu-
gespitztes Aussehn erhält.
Auch in der Ephipplumbildung bekundet Bosmina
eine Annäherung an die Lyncodaphniden, indem sie, wie
Acanthocercus, eine besondere Metamorphose der Schale
zu diesem Behuf nicht eingeht.
Soweit ich den zeitigen Bestand der Gattung über-
sehe , lässt er sich nach der Beschaffenheit der Schalen-
skulptur in folgende drei Gruppen scheiden:
a. Schale retikulirt.
Hierher gehören : B. longirostris Müll., B. cornuta Jur-,
B. curvirostris Fisch, und B. gibbera mihi.
b. Schale zu beiden Seiten der Rückenfirste
deutlich gestreift.
Hierher sind zu zählen: B. longispina Leyd., B. ob-
tusirostris Ss., B. lacustris Ss. und B. LIlljeborgii Ss.
c. Schale glatt (skulpturlos).
Hierher gehören: B. laevis Leyd., B. nitida Ss., B.
macrorhyncha Schm., B. longicornis mihi und B. rotun-
da mihi.
Bo smina gibbera nov. sp.
Der seltsame Habitus, den diese Art aufzuweisen
hat, unterscheidet sie leicht von den übrigen Arten der
ersten (a) Gruppe. Ich fand sie sehr zahlreich in dem
frischen Half vor; bei ruhigem Wasserstande bedeckt sie
hier die Oberfläche der flachen, mit Binsen bestandenen
Uferstellen in grossen Schwärmen. Unter den vielen
Die Clacloceren des frischen Haffs. 37
im Monat Juli v. J. von mir eingefangenen Exemplaren
aber habe ich auch nicht ein einziges Männchen entdeckt.
Wahrscheinlich finden sich die Männchen, wie bei B.
longirostris und ß. cornuta erst im Spätsommer und
Herbst ein.
Die höckerige Ausweitung der Schale , auf welche
sich die Benennung bezieht, tritt schon an den der ßrut-
höhle entschlüpfenden jungen Individuen (Fig. 24) hervor,
und erreicht bei dem ausgewachsenen (weiblichen) Thier
eine nicht minder auffällige Entwickelung, als bei Hoio-
pedium oder der Polyphemide Bjthotrephes. An dem
in Fig. 9 abgebildeten Exemplar ergab die vorgenommene
niikrometrische Messung eine Körperlänge (von dem Stirn-
rande bis zu dem hinteren Schalenrande gemessen) gleich
0,54 Millimeter und 0,60 Millimeter für die Schalenbreite,
also für den grössten Abstand des unteren Schalenrandes
von der Spitze des Schalenhöckers. Ein analogesVerhältniss
beider Dimensionen hat Sars an der B. Lilljeborgii be-
obachtet, von welcher derselbe berichtet, dass die Breite
des ausgewachsenen Thierchens viel grösser sei, als die
Länge. Beide Arten aber unterscheiden sich jedoch,
-wie bereits oben angedeutet worden ist, durch die Skulp-
tur der Schale, welche bei der B. Lilljeborgii eine
deutlich gestreifte („testa tota supine distincta striata,
striis longitudinalibus arcuatis") ist, während die der B.
gibbera durchweg polygonal retikulirt ausfällt.
Der Kopf der B. gibbera , welcher in ungezwunge-
ner Haltung dem hinteren Schalenrande ziemlich parallel
verläuft, bildet einen kurzen, gleichmässig abgerundeten
Rüssel, welcher nicht bis zum Niveau des unteren Scha-
lenrandes hinabreicht. Das zarte^ Borstenpaar des Rüs-
sels (Fig. 0. a) hält so ziemlich die Mitte zwischen der
Rüsselspitze und dem Auge. Der Stirn rand tritt in der
Augengegend nicht bemerkbar hervor, sondern die das
Profil umgrenzende Medianlinie des Kopfes verläuft vom
Rüssel aufwärts in gleichmässiger Convexität, indem sie
ohne jegliche Einbiegung über die schräg aufsteigende
Firstkante des Thorax hinweg in die Rückenfirste der
Schale übergeht. Diese selbst weitet sich über den vor-
38 Schoedler:
deren Abdominalsegmcnten zu einem starken, kegelför-
migen Höcker aus. Auf diesem Höcker treten die den
Innenraum der Schale durchsetzenden Stützfasern (Fig. 9. b)
recht deutlich hervor. Das Herz (Fig. 9. c) , welches
eine länglich-ovale Gestalt hat, erleidet mit der zuneh-
menden Höckerbildung der Schale eine immer mehr
schräg aufwärts gewendete Lage. Der hintere Theil des
Schalenrückens fällt steil zum freien Hinterrande der
Schale ab , in welchen er unter einem sehr stumpfenWinkel
übergeht. Der Flinterrand selber, welcher bei dem abge-
bildeten Thierchen eine Länge von 0,15 Millimetern ergab,
ist fast gerade und geht an seiner unteren Ecke unter
einem fast rechten Winkel, ohne einen Stachelfort-
satz (Mucro) zu bilden, in den freien Unterrand der
Schalenklappen über. Auch der Unterrand verläuft ziem-
lich gerade; er ist an seinem vorderen Theil mit etwa
6 bis 7 Borsten besetzt und geht in gleichmässiger Krüm-
mung in den vorderen Rand über.
Das Thierchen hat ein gelbllch-weisses Colorit und
gewährt, in der Seitenlage betrachtet, dem unbewaffneten
Auge das Aussehn eines dreieckigen, weissen Aschen-
jDÜnktchens.
Die polygonale Skulptur der Cuticula erstreckt sich
mit gleicher Deutlichkeit über die Schale und den Kopf-
panzer, und fällt an den gleichmässig gewölbten Theilen
der Schalenklappen ziemlich regelmässig sechseckig aus.
Innerhalb der Felderchen selber aber tritt die gewöhn-
liche feine Punktirung überall deutlich hervor. Die in
dem vorderen Theil der Schalenklappen verlaufende Scha-
lendrüse (e) zieht sich in einer lang ausgezogenen Schlinge
weit bis zum Rücken hinauf.
Das verhältnissmässig gut ausgebildete und mit zahl-
reichen Krystallkörpern ausgestattete Auge liegt dem
Stirnrande unmittelbar an und sticht mit seinem tief-
schwarzbraunen Pigmente vortheilhaft gegen das weiss-
liche Colorit des Körpers ab.
Die Tastantennen (Fig. 9. g) erreichen beinahe die
Länge des Körpers, und ergaben bei dem abgebildeten
Exemplar eine Länge von 0,45 Millimetern. Sie sind
Die Cladoceren des frischen Haffs. 8ft
ziemlich gerade und halten die Richtung des Rüssels
ein. Der bis zum Tastborstenbüschel sich erstreckende
Basalthcil (Pedunculus) beträgt circa ein Viertel der
ganzen Antennenlänge; er ist ganz gerade und auf seinem
vorderen Rande undeutlich 5mal geringelt. Das Büschel
der geknüpften Tastborsten tritt unter einem schuppen-
artigen Vorsprunge der ein\Yärts gekehrten Fläche her-
vor. Der lange Endfortsatz (Flagellum) spitzt sich zum
freien Ende hin stetig zu, ist nur unbedeutend rück-
wärts gekrümmt und lässt auf seinem Vorderrande eine
15-gliedrigc Ringelung deutlich erkennen. — Auch die-
ser der Geissei der männlichen Tastantenne anderer
Daphniden vergleichbare Ausläufer der in Rede stehen-
den Organe scheint die ursprüngliche Bedeutung eines
Greiforgans zu bewahren ; denn ich habe mehrfach wahr-
genommen , dass die Bosminen sich vermittelst ihrer
Fühlhörner an zarten Pflanzentheilen festhalten, und sich
z. B. mitten in Confervenmassen auf diese Weise gleich-
sam vor Anker legen. Auf Grund dieser Wahrnehmung
habe ich mir für die Beobachtung Bosminen wiederho-
lentlich auf die Weise eingefangen, dass ich auf's Ge-
rathewohl hin eine Portion Conferven auf- und mit
nach Hause nahm.
Die Ruderantennen stimmen in ihrer Ausrüstung
mit der mir ebenfalls, und zwar in beiden Geschlechtern,
vorliegenden B. longirostris Müll, überein. Der äussere,
viergliedrige Ast derselben nämlich ist mit vier Ruder-
borsten ausgestattet, von denen drei dem freien Ende
und eine dem vorletzten Gliede angehören ; der andere,
etwas kürzere und nur dreigliedrige Ast dagegen trägt
fünf solcher Borsten, nämlich drei an dem freien Ende
und je eine an dem Mittel- und Basalgliede.
Das Postabdomen bewahrt auf seiner ganzen Länge
dieselbe Breite. Das freie Ende desselben ist ziemlich
gerade abgestumpft. Der Krallenträger, sowie die End-
krallen selber sind fein gezähnt, und auch der hintere
oder Dorsalrand des Postabdomens erweist sich gegen
die etwas wulstig vortretende Endecke hin fein gekerbt.
— Die Schwanzborsten sind kurz.
40 Schoedler:
Die Sommereier der B. gibbera zeigen ein blass-griln-
liclies Colorlt. Die Anzahl der gleichzeitig zur Entwik-
keliing gelangenden Eier beträgt, je nach dem Alter des
Thierchens, zwei bis fünf.
An diese Bosmina des frischen Haffs , und mehr
Tielleicht noch an die B. Lilljeborgii erinnert ihrem gan-
zen Habitus nach die folgende Art, welche ich am 1. No-
vember V. J. in der Spree bei Treptow aufgefunden habe.
Bosmina rotunda nov. sp.
Dieselbe gehört nach der Beschaffenheit der Scha-
lenoberfläche in die dritte (c) Gruppe; denn auf der Cu-
ticula der Schalenklappen ist ausser der gewöhnlichen
feinen Punktirung weder von einer Retikulation , noch
von einer Streifimg die geringste Spur zu entdecken.
Eine derartige skulpturlose Cuticula hat Leydig auch
bereits an der B. laevis constatirt ^), und es scheint kei-
nem Zweifel zu unterliegen, dass eine gleiche Beschaf-
fenheit der Schale auch bei der B. nitida vorliegt, ob-
gleich sich dies in der Beschreibung nicht positiv aus-
gesprochen findet. DennSars, der die Benennung des
Thierchens gerade dem Aussehn der Schale entlehnte,
stellt nur die gestreifte Skulptur („Testa nitida supine
absque striis^) in Abrede, nicht so auch die rctikulirte,
welche ihm von der B. longirostris her ebenfalls bekannt
war. Ob sich die B. macrorhyncha in dieser Beziehung
ebenso verhalte , ist aus den unzulänglichen Mittheilun-
gen, die wir über diese Nil - Species besitzen, nicht zu
entnehmen.
Von der Bosmina rotunda stand mir leider nur ein
einziges und überdies noch an den Tastantennen beschä-
digtes Exemplar, ein Weibchen mit zwei schon ziemlich
entwickelten Embryonen in der Bruthöhle, zu Gebot.
Das Thierchcn bildet, wie ein Blick auf die beige-
gebene Abbildung (Fig. 13) darthun wird, seinem ganzen
Habitus nach eine unverkennbare Annäherung an die B.
gibbera. Auch bei ihm nimmt die Schale für die Bil-
1) Leydig, Naturg. der Daplmideu S, 207.
Die Cladocercn des frischen Haff?. 41
düng der Brutböhle eine so beträchtliche Wölbung an,
dass das in der Seitenlage betrachtete Thierchen dadurch
eine ganz abgerundete Gestalt gewinnt. Die mikrome-
trische Messung ergab für den grössten Abstand zwi-
schen der Stirn und dem hinteren Schalenrand (Länge)
0,41 Millimeter und für das ]\laximum der Höhe oder
Schalenbreite 0,42 Millimeter. In der Kopfbildung gleicht
die ß. rotunda der vorigen Art; der Stirnrand des Rüs-
sels aber verläuft ziemlich geradlinig. Die zarten, zuge-
spitzten, dem Rüssel aufsitzenden Borsten sind ebensoweit
von dem Auge, als von der Rüsselspitze entfernt. Das
Auge entspricht in seiner Lage und Entwickelung dem
der vorhergehenden Art. Die Medianlinie des Kopfes
wendet sich oberhalb des x\uges in einem flachen Bogen
rückwärts und steigt in fast gerader Richtung schräg
aufwärts über den Thorax hinweg bis zur höchsten Erhebung
der Schalenfirste. Die starke Wölbung, welche letztere
vollzieht, ist eine nach vorn und hinten hin ziemlich gleich-
massige. Wie bei der B. gibbera, so treten auch hier auf
der Wölbung des Schalenrückens die zwischen den beiden
Schalenlagen sich hinspannenden Stützfasern sehr deut-
lich hervor. Der schwach convex nach hinten abfallende
Schalenrücken setzt sich unter einem sehr stumpfen Win-
kel in den freien Hinterrand um. Dieser selbst verläuft
geradlinig und bildet an seiner unteren Ecke, ohne ir-
gend eine Spur von Mucro -Bil düng anzudeu-
ten, einen stumpfwinkligen Uebergang in den freien
Unterrand der Schalenklappen. Letzterer verläuft eben-
falls ziemlich gerade und. ist an seiner vorderen Partie
mit etwa sechs Borsten besetzt.
Die Ruderantennen verhalten sich in ihrer Ausrü-
stung wie bei der vorigen Art ; denn der viergliedrige
Ast ist auch hier mit vier, der dreigliedrige dagegen
mit fünf Ruderborsten in der gewöhnlichen Vertheilung
ausgestattet.
Die Tastantennen des Mutter-Thierchens waren lei-
der unterhalb des Tastborsten-Büschels abgebrochen; der
zurückgebliebene Stumpf aber bekundet seiner Form und
Richtung nach grosse Analogie mit der vorigen Art.
42 Scho edler:
Und auch In Betreff der Länge gilt wohl annähernd das-
selbe ; denn an der fast zum Ausschlüpfen reifen Brut,
die ich zu diesem Behuf aus dem ßrutraume heran s-
presste, war zu ersehen, dass die Länge des Antennen-
stammes (Pedunculus) noch nicht ganz dem Drittel der
gesammten Antennenlänge entsprach.
Das Postabdomen (Fig. 14) gleicht In Form und
Grösse dem der vorigen Art; das freie Ende Ist gerade
abgestumpft und an seiner den Endkrallen gegenüberlie-
genden Ecke ebenfalls feingekerbt. Die Endklauen zei-
gen eine specifische Bezalinung; denn sie tragen auf der
unteren Kante vier senkrecht stehende, deutlich hervor-
tretende Zähnchen.
Zu der Bosminen-Gruppe mit glatter Schale ge-
hört endlich auch die folgende Art, welche Ich Im De-
cember v. J. unter meinen, In verdünntem Weingeiste
aufbewahrten , aus der Spree entnommenen Exemplaren
der B. cornuta vorgefunden habe. Ich nenne sie wegen
der beträchtlichen Länge Ihrer Tastantennen :
Bosmiiia longicornis nov. sp.
Sie schliesst sich ihrem ganzen Habitus nach (vergl.
Fig. 10) der B. laevis an ; unterscheidet sich von dieser aber
unter Anderem sehr bestimmt durch abweichende Ent-
wlckelung der Tastantennen, sowie durch die Dornfort-
sätze (Mucrones) der hinteren unteren Schalenecke.
Auch von dieser Art besitze Ich nur ein einziges
weibliches Exemplar, welches zwei noch unentwickelte
Sommereier in dem Brutraume trägt. Bei ihr herrscht
die Längendimension vor; denn dieselbe beträgt der vor-
genommenen mikrometrischen Messung zu Folge 0,40 Mil-
limeter, während das Maximum der Höhe oder Schalen-
breite nur 0,32 Millimeter zählt.
Die Form des Kopfes im Ganzen genommen , der
Rüssel, sowie das schön ausgeprägte Auge verhalten sich
wie bei der B. laevis. Die beiden ungeknöpften zarten
Borsten des Rüssels stehen bei der B. longicornis eben-
soweit von der Rüsselspitze, als von dem Auge entfernt.
^ Die Medianlinie des Kopfes verläuft gleichmässig convex
Die Cladoceren des frischen Haffs. 48
und geht ohne eine Unterbrechung in die ebenso be-
schaffene Rückenfirste der Schalenklappcn über. Die
Wölbung der Schale über den vorderen Abdominalseg-
menten aber tritt stärker hervor, als bei der B. laevis.
Auch springt die obere Ecke des hinteren Schalenrandes
nicht so erheblich vor, als Leydig bei seiner B. laevis
angedeutet hat. Der freie und ziemlich gerade verlau-
fende Hinterrand der Schalenklappen hat, wie ich zur
Vergleichung der Schalendornen ausdrücklich hervorhebe,
der vorgenommenen Messung zu Folge eine Länge von
0,14 Millimetern. Der freie untere Rand ist in seinem
hinteren Verlauf merklich ausgeschweift und tritt deshalb
in seinem vorderen, mit etwa 6 Borsten besetzten Theil
erheblicher hervor. An seiner hinteren Ecke aber ver-
längert sich derselbe an jeder Schalenklappe (Fig. 10
und 12 m) in einen geraden, zugespitzten Dorn-
fortsatz (Mucro), welcher schräg abwärts gerichtet
ist und eine Länge von 0,08 Millimetern, also mehr, als
die halbe Länge des hinteren Schalenrandes aufzuweisen
hat. Eine sekundäre Zähnelung, wie sie sonst, z. B. an
den Schalen-Dornen der B. longispina und B. obtusirostris
wahrzunehmen ist, findet sich hier nicht vor.
Die Ruderantennen verhalten sich in Form und Aus-
rüstung im Wesentlichen wie bei den beiden vorherge-
henden Arten. Das Wurzelstück derselben ist deutlich
gegliedert, und von den beiden Aesten ist auch hier der
äussere, viergliedrige mit vier, der innere und dreiglie-
drige mit fünf Ruderborsten ausgestattet. Auch hierin
würde die B. laevis ein abweichendes Verhalten bekun-
den. Denn soweit die Abbildung, welche Leydig^) von
derselben gegeben hat, die hierauf bezügliche Lücke des
Textes zu ergänzen verstattet, ist bei ihr jeder der bei-
den Aeste nur mit drei, dem freien Ende aufsitzenden
Ruderborsten ausgerüstet.
Die Tastantennen (Fig. 10 und 11) sind von der
Wurzel aus ziemlich gleichmässig rückwärts gekrümmt
und, in gerader Linie von der Basis bis zur Spitze ge-
1) Naturgeschichte der Daphniden S. 207. Taf. VIII. Fig. 61,
44 S eil o edler:
messen, 0,30 Millimeter lang. Sie stehen demnach, wenn
man die durch die Krümmung bedingte Verkürzung be-
rücksichtigt, der Körperlänge des Thierchens nicht viel
nach. Der Stamm (Pedunculus) derselben (Fig. 11. b)
ist auffällig kurz und beträgt etwa nur V5 der ganzen
Länge. Das lange und sich stetig zuspitzende Endstück
(Fig. 11. c) besteht aus 12 mit einander verschmolzenen
Gliedern, wenn man mit Sars in der an dem vorderen
Rande hervortretenden Einkerbung eine derartige Zu-
sammensetzung annehmen will. Das Büschel der ge-
knöpften Tastborsten tritt auch bei dieser Art unter
einem dreieckigen Vorsprunge der inneren Seite hervor.
Das Postabdomen weicht in seiner Form nicht von
dem gewöhnlichen Typus ab. Am freien Ende ist es, wie
bei der vorigen Art , gerade abgestumpft und an der
Endecke seines Dorsalrandes ebenfalls fein gekerbt. Seine
Länge beträgt excl. Krallenträger 0^10, seine Breite da-
gegen 0,06 Millimeter. Die beiden Endkrallen endlich
sind an der äusseren Seite mit einer feinen sekundären
Zähnelung versehen.
Ich bedaure , dass mir bis zum Abschluss dieser
Mittheilungen die oben erwähnte Sammlung des Frei-
herrn G. C Ceder ström noch nicht zu Händen war;
da sie, soviel sich aus den mir eingesandten Concept-
zeichnungen entnehmen lässt, unter andern gerade auch
die vorstehend beschriebenen Arten, oder ihnen wenig-
stens sehr nahe kommende Formen zu enthalten scheint.
Zum Schluss mögen noch einige Bemerkungen über
die beiden am längsten bekannten Arten der Gattung,
die mir in beiden Geschlechtern vorliegen, hier eine Stelle
finden. Die ältere dieser beiden Arten: die Bosmina
(Lynceus) longirostris , Müll., scheint nach den Mitthei-
lungen, die wir über sie von verschiedenen Beobach-
tern besitzen, eine sehr weite Verbreitung zu haben. Mit
ihr ist die andere, die Bosmina cornuta Jur. in der Regel
ohne weitere Kritik zusammengeworfen worden. Ich kann
nach meinen Wahrnehmungen mich nicht entschliessen,
die Jurine'sche Art-Bestimmung über Bord zu werfen.
Die Cladoceren des frischen Haffs. 45
sondern muss Sars beipflichten, welcher die Verschie-
denheit jener bcM'den älteren Arten aufrecht hält.
Was nun zunächst die MlUler'sche Art anlangt,
so ist, wenn man die verschiedenen über sie vorliegen-
den Beschreibungen und Abbildungen einer aufmerksa-
men Vergleichung unterzieht, kaum daran zu zweifeln,
dass nicht allen Beobachtern ein und dasselbe Thier vor-
gelegen hat. Soweit ich die Sachlage übersehe, möchten
etwa folgende Citate auf eine Identität des Beobachtungs-
objects schliessen lassen.
Bosmma longirostris Müll.
Syn. Lvnceus longirostris, 0. F. Müller, Entom. p. 76.
Tab. X. Fig. 7 und 8.
Eunica longirostris. Koch, Deutschi. Crust. H.35.
Taf. 23.
Eunica longirostris, Lievin, die Branch. d. Danz.
Geg. S. 37. Taf. YIL Fig. 8.
Bosmina longirostris, G. 0. Sars, Om de i Om.
af Christiania forek. Ciad. B. 1, p. 11.
Indem ich das mir vorliegende, seit einer Reihe von
Jahren aus der Spree her bekannte Thier auf die vor-
stehenden Citate beziehe, will ich in Kürze hier nur
noch hervorheben , was seiner Unterscheidung zum An-
halt dienen kann. Dasselbe gleicht im Habitus der B.
longicornis; unterscheidet sich von dieser aber, wie be-
reits angedeutet worden , schon hinlänglich durch die
wabig retikulirte Skulptur seiner Schalenoberfläche, wel-
che ziemlich grossmaschig ausfällt und niemals so deut-
lich hervortritt, als bei der B. gibbera. Eine Verwechs-
lung mit letzterer Art aber ist wieder wegen abweichen-
der Bildung der Schale und Tastantennen nicht leicht
möglich.
Der Grösse nach gehört die B. longirostris zu den
mittleren Formen der Gattung, wie nachstehende, an drei
völlig ausgebildeten Weibchen vorgenommene Messun-
gen näher erweisen. Denn es ergab (in Millimetern aus-
gedrückt):
$1 Länge = 0;46 ; Maximum der Höhe (Schalenbreite)
46 Schoedler:
= 0^38; Länge der Tastantenncn (d. i. Abstand zwi-
schen Basis und Spitze) = 0,17; Pedunculus der
Tastantennen zwischen V4 bis Vs der ganzen An-
tennenli'inge ; Hinterrand der Schale = 0,12; Mucro
des unteren Schalenrandes = 0,04 Millimeter.
$2 Körperlänge — 0,50; Höhe = 0,39; Länge der
Tastantennen =r 0,18 ; Pedunculus derselben V4 der
Antennenlänge; Mucro -Länge V4 bis V3 des Hin-
terrandes.
$3 Körperlänge = 0,49 ; Höhe == 0,39 ; Tastantcn-
nenlänge = 0,18; Pedunculus derselben = % ^^^
Antennenlänge; Hinterrand der Schale =r0,13;
Mucro des Unterrandes = 0,03 Millimeter.
Vom Kopfe, der mit seinem abgestumpften Rüssel
nicht bis zur Verlängerung des Unterrandes hinabreicht,
hebe ich besonders hervor, dass die dem Rüssel aufsitzen-
den Borsten ihrer Insertionsstelle nach die Mitte zwischen
Auge und Rüsselspitze halten. Das Auge ist verhältniss-
mässig stark entwickelt, liegt dem Stirnrande nahe, welcher
vor demselben etwas stärker hervortritt, als bei der B.
longicornis. Im Uebrigen aber verläuft die Medianlinie des
Kopfes mit gleicher Convexität in die Rückenfirste der
Schale. Die Tastantennen aber, deren oben angegebene
Längendimension hinter der halben Körperlänge zurück-
bleibt, sind, wie ich der ß. cornuta gegenüber bemerke,
ihrer ganzen Länge nach ziemlich gleichmässig gekrümmt
und bewahren, wenn man sie in der seitlichen Lage des
Thierchens betrachtet, von der Wurzel bis zur Spitze
eine mehr cylindrische , sich stetig zuspitzende Form.
Der Vorderrand derselben lässt auf dem Stamm eine 5-,
auf dem Endstück eine 11-bis 12malige Zähnelung („Glie-
derung") erkennen. Das freie Ende ist stumpfspitzig.
Ausser dem Endbüschel der geknöpften Tastborsten,
welches ebenfalls unter einem dreieckigen Vorsprunge
(vergl. Fig. 23) hervortritt, hat die weibliche Tastan-
tenne keine weiteren Anhänge aufzuweisen; der männ-
lichen Antenne dagegen sitzt unweit ihrer Basis noch
eine zarte, ungeknöpfte Borste (Fig. 16. b) auf.
Die Cladoceren des frischen IlafFs. '4V
Die Riidcrnntennon sind in BetreiF ihrer Aiisriistnng
der besonderen Beachtung zu empfehlen; da die Anga-
ben der verschiedenen Beobachter hierin abweichend
lauten. An der Bosmina longirostris der Spree ist, wie
bei den oben charakterisirtcn Arten, der äussere und
viergh'edrige Ast mit vier, der innere und dreigliedrige
dagegen mit fünf Ruderborsten in der gewöhnlichen
Vertheilung ausgestattet. Hiermit stimmen die Angaben
von Sars vollkommen überein, und Gleiches ist wenig-
stens auch aus den bildlichen Darstellungen Lievin's und
Koch's, die in ihrer Schilderung diesen Punkt nicht
ausdrücklich erwähnen, deutlich zu entnehmen.
Die ziemlich glcichmässig convexe Rückenfirste der
Schale setzt unter einem, nach Alter und Geschlecht
sich abändernden stumpfen Winkel in den Hinterrand
um. Dieser selbst ist gerade abgestumpft und entspricht
bei ausgewachsenen Weibchen circa dem Drittel der
grössten Schalenbreite. Der in seinem vorderen Theil
stark vortretende und hier ebenfalls mit etwa 6 Borsten
besetzte Unterrand ist nach hinten etwas ausgeschweift
und verlängert sich in einen stiimpfspitzigen, ein wenig
abwärts gerichteten Schalendorn (Mucro), dessen Länge
V4 bis Ys des Hinterrandes beträgt.
Das Postabdomen des weiblichen Thicrs verhält sich
in Form und Bewehrung, wie bei der B. gibbera. Bei
dem Männchen tritt der Krallenträgcr, auf dem der Aus-
führungsgang der Hoden (Fig. 17. b) sich befindet, etwas
wulstig hervor.
Um zur Aufklärung über die obwaltenden Differen-
zen aufzufordern, hebe ich noch .besonders hervor;
Bosmina longirostris Leyd.
Leydig, Naturg. der Daphn. S. 205. Taf. VIH. Fig. 60.
Ob Leydig in diesem aus drei verschiedenen Seen
entnommenen Thierchen eine besondere Art oder nur
eine Varietät vor Augen gehabt, wird eine Wiederholung
der Beobachtung leicht erweisen. W^enn man in der
oben citirten Abbildung von der zu stark gehobenen
48 Schoedler:
Haltung des Rüssels absieht, welche Ley dig selber^) als
nicht zu treffend angiebt, so entsj) rieht es seinem ganzen
Habitus nach allerdings unserer ß. longirostris. Was
aber in der Beschreibung und Abbildung als beachtens-
wertlie x\bweichung auftritt, bezieht sich: 1) auf die In-
sertion der ungeknöpften Borsten des Rüssels , welche
hier der Wurzel der Tastantennen entspringen; 2) auf
die Ausrüstung der Ruderantennen, an deren vierglie-
drigem Aste Leydig nur drei, dem freien Ende auf-
sitzende Ruderborsten angiebt. Besondere Beachtung
dürfte die ad 2 aufgeführte Differenz verdienen, da mir
an keiner der bis jetzt beobachteten Arten eine derartige
Abweichung vorgekommen ist, und auch Sars die Aus-
rüstung der beiden Ruderantennen - Aeste mit vier, re-
spective fünf Ruderborsten als allgemein gültige Norm
angiebt.
Mit grösserer Wahrscheinlichkeit als in dem soeben
berührten Falle aber dürfte, worauf schon Leydig^) auf-
merksam gemacht hat, eine beständige specifische Ver-
schiedenheit in der „curious little creature'^ zu vermuthen
sein, welche W. Baird im Londoner Trinkwasser und
in den Quellen desselben beobachtet hat. Ich registrire
daher in gleicher x\bsicht die an ihr auftretenden Diffe-
renzpunkte hier kurz unter der Benennung:
Bosmina Londiiiensis.
Syn. Bosmina longirostris, Baird, Brit. Entom. p. 105.
Tab. XV. %. 3 und 3a.
Im Habitus der B. longirostris entsprechend, bezieht
sich ihre Abweichung : 1) auf die Ausrüstung der Ruder-
antennen, deren äusserer und viergliedriger Ast („ante-
rior brauch'^) die sonst allgemein gültige Norm zeigt
und mit 4 Ruderborsten ausgestattet ist, der innere und
dreigliedrige dagegen („posterior'^) deren nur drei
aufzuweisen hat; 2) zeigt das Postabdomen von der
1) L. c. S.252.
2) L. c. S 209.
Die Cladoceren des frischen Haffs. 49
men vor der Afterspalte einen tiefen Einschnitt, welcher
bei der B. longirostris nicht vorhanden ist.
Bosmina cornuta.
Syn. Monoculus cornutiis, Jurine , Hist. d. Monocl.
p. 142. pl. 14. Fig. 8. 9. 10.
Eunica longirostris, Lievin, 1. c. Taf. VII. Fig. 9
und 11.
Bosmina cornuta, Sars 1. c. B. 2, p. 32.
Das auf die vorstehende Benennung bezogene und
mir in beiden Geschlechtern vorliegende Thierchen kommt
in zahlreichen Schwärmen in dem Plötzensee bei Berlin
vor, ist aber auch in der Spree (bei Treptow) und in
der Havel (bei Picheiswerder) vertreten. Wegen der
grossen Uebereinetimmung , die es in habitueller Bezie-
hung mit der B. longirostris zeigt , ist sein specifisches
Anrecht vielfach übersehen worden. So glaube ich mit
der Annahme nicht irre zu gehen, dass auch Lievin
beide Arten vorgelegen haben. Denn die oben citirten
Abbildungen dieses Beobachters sind wenigstens sehr
wohl auf vorstehende Art zu beziehen, während die oben
für die B. longirostris angezogene Abbildung (Fig. 8. 1. c.)
desselben wieder der letzteren Art besser anpasst. Der
im Ganzen zutreffenden Kennzeichnung, die Sars von
dem Thierchen entworfen hat, will ich folgende Bemer-
kungen hinzufügen.
In Bezug auf Grösse entspricht die B. cornuta der
Müller'schen Art, wie die Resultate der nachstehenden,
an zwei völlig ausgewachsenen Weibchen und zwei Männ-
chen vorgenommenen Messungen ergeben.
$1 : Körperlänge = 0,39; Maximum der Höhe = 0,32;
Tastantennen - Länge (Abstand zwischen Basis und
Spitze) = 0,12; Länge des Hinterrandes = 0,10
Millimeter ; Länge des Schalendorns (Mucro) nicht
über V4 des Hinterrandes hinausgehend.
$2: Körperlänge = 0,40; Maximum der Höhe = 0,32;
Länge der Tastantennen = 0,11; Länge des Hin-
terrandes 0,10; Länge des Postabdomens exclus.
Krallenträger = 0,10 Millimeter.
Archiv f. Naturg. XXXII. Jahrg. 1. Bd. 4.
50 Scho edler:
d^i : Körperlänge = 0,38 ; Maximum der Höhe oder
Schalenbreite = 0,25; Länge der Tastantennen =
0,18; Länge des Hinterrandes = 0,12; Länge des
Postabdomens exclus. Krallenträger = 0,10 Milli'-
meter.
d^2: Körperlänge = 0,39; Maximum der Höhe = 0,25;
Länge der Tastantennen = 0,18 ; Länge des An-
tennenstammes fPedunculus) zwischen Vg und V2
der Antennenlänge; Hinterrand der Schalenklappe
= 0,12; Länge des Postabdomens inclus. Krallen-
träger = 0,12 Millimeter. Endkrallen kurz, kaum
mehr als V2 des Krallenträgers.
Wie aus diesen Daten einmal schon das Grössen-
verhältniss der beiden Geschlechter ausreichend zu ent-
nehmen ist, so glaube ich, werden auch anderweitigen-
Beobachtungen des Thierchens darin noch geeignetere
Anhaltspunkte für die Vergleichung geboten, als in den
zu allgemein gehaltenen Angaben der bis jetzt vorliegen-
den Beschreibungen.
Das Colorit des Thierchens ist gelblich-weiss. Eine
hervorstechende Durchsichtigkeit aber kann ich meinen
Exemplaren nicht nachsagen; Sars dagegen nennt das
Thierchen ein „animal pellucidissimum, vitreum'^. In seiner
Gestalt bietet es, wie schon gesagt, auffällige Abweichun-
gen von der B. longirostris nicht dar. Der Stirnrand
tritt in der Augengegend in etwa gleicher Weise vor;
die Rückenfirste der fein , aber nicht so weitmaschig
retikulirten Schale vollzieht einen gleichmässig convexen
Verlauf und geht unter einem scharf ausgeprägten, stum-
pfen Winkel in den gerade abgestumpften Hinterrand über.
Der Unterrand der Schale springt mit dem vorderen,
ebenfalls mit 6 — 7 langen Borsten garnirten Theil erheb-
lich vor und verläuft nach hinten unter deutlicher Aus-
buchtung in einen kurzen, etwas abwärts gekehrten Dorn
(Mucro), dessen Länge nicht über V4 des Hinterrandes
hinausgeht. Auch das Auge verhält sich seiner Lage
und Grösse nach, wie bei B. longirostris. Vom Rüs-
sel aber wäre vielleicht hervorzuheben, dass er etwas
langstreckiger ausfällt und mit seiner gleichmässig abge-
Die Cladoceren des frischen Haffs. 51
rundeten Spitze zmveilen fast bis znr Verlängerung des
unteren Schalenrandes hinabreicht. Die ungeknöpften
Rüsselborsten (Fig. 18 a) sind auch bei dieser Art von
Auge und Riisselspitze gleichweit entfernt. Die Tast-
antennen dagegen verhalten sich abweichend und er-
innern in ihrer Form mehr an die B. curvirostris, als an
die Müller'sche Art. Der Stamm derselben (Fig. 18 b),
welcher in ungezwungener Haltung eine mehr gerade
Richtung bewahrt und an seinem Vorderrande eine 5ma-
lige Ringehmg zu erkennen giebt, fällt an der Basis
viel breiter aus, als in der Gegend des Borstenbüschels,
und entspricht seiner Länge nach bei Weibchen einem
Drittel der ganzen Antennenlänge. Das sich stark, aber
stetig zuspitzende Endstück (Fig. 18 c) ist bei Weibchen
immer hakenförmig rückwärts gekrümmt und auf dem
convexen Vorderrande lOmal geringelt. Sein freies, zu-
gespitztes Ende aber ragt, wie ich der B. curvirostris
gegenüber bemerke, erheblich über die geknöpften Tast-
borsten hinweg. Wenn man das Thierchen in die Bauch-
lage versetzt , so treten die hakenförmigen Enden der
Tastantennen seitlich wie Hörner hervor, was Jurine be-
reits (1. c. pl. 14. Fig. 9) abgebildet hat. Die männliche
Tastantenne (Fig. 22) fällt, wie die obigen Messungen
ergeben, merklich länger aus, weil das Endstück dersel-
ben (c) die Richtung des Stammes beibehält und eine
hakenförmige Krümmung nicht eingeht. Als specifische
Ausstattung ist an derselben die unweit der Wurzel
aus dem Stamm entspringende ungeknöpfte Borste fa)
hervorzuheben. Ihre Insertion an der Rüsselspitze verräth
eine geringere Festigkeit, als bei dem Weibchen; denn
die Antenne löst sich, wenn man das männliche Thier-
chen auf dem Objectträger zurecht legt, sehr leicht ganz
oder theilweise vom Rüssel ab.
Das Postabdomen des weiblichen Thiers (Fig. 19)
entspricht zwar seiner Form nach im Ganzen dem der
B. longirostris; doch tritt das abgestumpfte freie Ende
vor der Afterspalte etwas mehr zurück, und eine Zähne-
lung ist nicht bloss an dem Krallenträger und den End-
krallen, sondern, wie ebenfalls schon Jurine in seiner
52 Schoedler:
Abbildung (1. c. pl. 14. Fig. 8 und 10) deutlicb hervorhebt,
auch längs der Dorsalkante des Postabdomens wahrzu-
nehmen. Ungleich schärfer markirt treten diese Ver-
hältnisse aber noch an dem Postabdomen des Männchens
(Fig. 20) auf. Der Dorsalrand desselben ist gegen die
Mitte sehr erheblich ausgebuchtet, und da einerseits der
Krallenträger auf seiner unteren Seite um den Ausfüh-
rungsgang des Hoden, andrerseits die Endecke des Dorsal-
randes stark wulstig vorspringt , so tritt hier die After-
spalte in sehr auffälliger Weise zurück. Die Endkrallen
erscheinen verkürzt und entsprechen etwa der halben
Länge des Krallenträgers. Diese Bildung des Postab-
domens spricht für die Möglichkeit, dass auch Baird
an der B. Londinensis ein analoges Verhalten wohl ge-
funden haben kann.
Klaue und Geissei, mit v/elchen das erste Fusspaar
des Männchens (Fig. 21) ausgerüstet ist, treten sehr deut-
lich hervor. Letztere überragt in rückwärts ausgestreck-
ter Lage den Hinterrand der Schale.
Die Rüde r ante nnen endlich verhalten sich in
ihrer Ausrüstung, wie dies ebenfalls schon aus Jurine's
Abbildungen (1. c. pl. 14, Fig. 9 und 10) hinlänglich zu
ersehen ist, genau wie bei der B. longirostris Müll.,
indem der viergliedrige Ast mit vier, der dreiglie-
drige mit fünf Ruderborsten ausgerüstet ist.
Die Sommereier haben ein grünlich -gelbes Co-
lorit. Die Anzahl der gleichzeitig zur Entwicklung ge-
langenden Eier in der Bruthöhle scheint zwei nicht zu
übersteigen. Das Ephippium dagegen enthält immer nur
ein Winterei , welches ein dunkeleres homogenes Aus-
sehn zeigt.
Bosmina curvir os tris,
Syn. Bosmina curvirostris, Fischer, Bulletin de la
Soc. Imp. des Nat. de Moscou 1854. T. 27. p. 426.
Tab. in. Fig. 5— 6 b.
Diese Art glaube ich in einem Thierchen wieder-
zuerkennen, welches ich in einem Teiche unseres Thier-
gartens vorgefunden habe. Die Mittheilungen des erstell
Die Cladoceren des frischen Haffs. 53
Beobachters gewähren für die Vergleichiing mit den
verwandten Arten leider nicht völlig ausreichenden An-
halt. So ist unter Anderem die Ausrüstung der Ruder-
antennen in der Beschreibung nicht ausdrücklich hervor-
gehoben. Aus der Abbildung aber, welche Fischer
(h c. Fig. 6) beigegeben hat , wäre in fraglicher Bezie-
hung zu entnehmen, dass jeder der beiden Antennen-
Aeste 1) vierglledrig und 2) mit vier Ruderborsten aus-
gestattet sei. Da derselben Abbildung aber, worauf schon
Leydig aufmerksam gemacht hat, auch in anderer Be-
ziehung Mangel an Exactheit nachzuweisen ist, so glaube
ich den Vorwurf einer Willkühr nicht befürchten zu
müssen, wenn ich über beide Punkte bei der vorliegen-
den Artbestimmung hinweg sehe. Gegen den ersten
dieser Punkte, welcher eine Unbeständigkeit der Gliede-
rung der Aeste involvirt , spricht überdies die Wahr-
nehmung, welche man in allen andern Daphniden - Gat-
tungen gemacht hat. Anders verhält es sich mit dem
zweiten, auf die Anzahl der Ruderborsten bezüglichen
Punkte, welcher oben auch für die B. longirostris Ley-
dig's und für die B. Londinensis in Frage gestellt werden
musste. Indem ich diesen Punkt , einer anderweitigen
Aufklärung anheimstelle, sei hier über denselben nur
noch hinzugefügt, dass an den mir vorliegenden Exem-
plaren, w^ie in den früheren Fällen, nur der äussere
und vier gliedrige Ast mit vier, der innere und drei-
gliedrige dagegen ebenfalls mit fünf Ruderborsten aus-
gerüstet ist.
Der Grösse und dem ganzen Habitus nach schliesst
sich die B. curvirostris am meisten wohl der vorherge-
henden Species an. Die an zwei ausgewachsenen weib-
lichen Thieren vorgenommene Messung ergab für :
$1 : Körperlänge := 0,39 ; Maximum der Hohe (Scha-
lenbreite) =r 0,30; Abstand zwischen Basis und
freiem Ende der Tastantennen = 0,09 ; Hinterrand
der Schale = 0,09 Millimeter; Länge des Schalen-
dorns etwa V9 des Hinterrandes.
$2: Körperlänge = 0,42; Maxiraum der Schalenbreite
= 0,31; Abstand zwischen Basis und freiem Ende
54 Scho edler:
der Tastantennen = 0,10 ; Länge des Hinterrandes
= 0,10 Millimeter. Länge des Sclialendorns (Mucro)
Vio des Hinterrandes.
Die Rückenfirste des in der Seitenlage J^etrachteten
Thierchens vollzieht von der Stirn bis zum Hinterrande
der Schale einen so gleichmässig-convexen Verlauf, dass
dieselbe bei ausgewachsenen Weibchen fast halbkreisför-
mig erscheint. Der gerade abgestumpfte Hinterrand springt
an seiner oberen Ecke merklich vor. Der Unterrand
der Schale verhält sich wie bei der vorigen Art, und
verläuft nach hinten ebenfalls in einen kurzen, stummel-
artigen Dorn (Mucro), dessen Länge zwischen Vio und Vg
der Länge des Hinterrandes zu bemessen ist. Es ist daher
als ein Irrthum zu bezeichnen, wenn Ley di g ^) , (ob-
gleich derselbe die bezügliche Stelle aus der Fi s ch er'schen
Schilderung citirt: dass die in Rede stehende Art sich
unter Anderem charakterisire „durch den schwachen
Stachel am Hinter ende des Un terra nd es^), und
ebenso auch Sars ^), das Vorhandensein eines Schalen-
dorns in Abrede stellt. — Dass die Cuticula der Schale
eine analoge Skulptur, wie bei der vorigen Art, aufzu-
weisen hat, ist bereits oben angedeutet, und auch von
Fischer ausdrücklich hervorgehoben worden.
Eine recht specifische Abweichung von der B. cor-
nuta ist in der Bildung der Tastantennen wahrzunehmen.
Stamm und Endstück derselben erscheinen etwa gleich
lang. Ersterer verläuft fast gerade : das stark zugespitzte
Endstück aber ist so erheblich angelhakenförmig
nach hinten und aussen gekrümmt, dass die freie Spitze
desselben, wie die obigen Messungen ergeben, der Basis
der Tastantennen merklich näher gerückt ist, als bei der
vorigen Art. Und hiermit zusammenhängend ist, dass die
geknöpften Enden des Tastborstenbüschels über das ge-
krümmte Endstück der Tastantennen hinausragen. Die
Anzahl dieser Borsten beträgt fünf. Die ungeknöpften
1) Naturgeschichte der Daphn. S. 208.
2) L. c. B. 2, p. 30.
Die Cladoceren des frischen Haffs. 55
Borsten des Rüssels stehen von der Rüsselspitzc ebenso-
weit entfernt, als von dem Auge.
Das Postabdomen vorhält sich nach Form mid Be-
wehrung wie bei der ß. longiroscris.
Berlin, September 1864.
ErkiaruHg der Abbilduugcn.
Tafel I.
Fig. 1. Hyalodaphnia Kahlbergiensis $ in seitlicher Lage, a Ge-
hirn, b Anhänge des Magens, c Herz, d Darmkanal, e Eier-
stock, f Schalendrüse, g Endkrallen des Postabdomens, h
Bruthöhle.
„ 2. Dasselbe Thier in der Kückenlage.
„ 3. Männchen derselben Art. a Hoden; b Klaue und c. Geissei
des ersten Fusspaars; d Geissei der Tastantennen.
„ 4. Kopf einer weiblichen Hyalodaphnia Berolinensis.
„ 5. Mandibeln derselben Art.
„ 6. Tastantenne des männlichen Eurycercus lamellatus.
„ 7. Kopfhelm der weiblichen Hyalodaphnia Cederströmii. Co-
pirt nach einer „Conceptzeichnung" des Freiherrn G. C.
Cederström.
Tafel II.
Fig. 8. Hyalodaphnia Berolinensis $ mit Ephippium.
„ 9. Bosmina gibbera $. a ungeknöpfte Borste des Rüssels , b
Stützfasern der Schale, c Herz, d Sommereier, e Schalen-
drüse, f Darmkanel, g Tastantenne, h Oberlippe, i Ruder-
antennen.
„ 10. Bosmina longicornis $•
„ 11. Rüsselspitze und Tastantennen desselben Thiers in stär-
kerer Vergrösserung.
„ 12. Postabdomen und hinterer Theil der Schale desselben Thiers.
i Krallenträger, m Schalendorn.
„ 13. Bosmina rotunda $.
„ 14. Postabdomen desselben Thiers.
Tafel III.
Fig. 15. Hyalodaphnia Berolinensis $ mit abgerundeter Helmkuppe.
„ 16. Bosmina longirostris ^. a Hoden , b ungeknöpfte Borste
der männlichen Antenne, c Geissei des ersten Fusspaars.
56 Schoedler:
Fig. 17. Postabdomen desselben Thiers in stärkerer Vergrösserung.
a Hoden , b Ausführungsgang des Hoden , d Darmrohr , e
Scbalendorn, c Zoospermien.
„ 18. Kopf der weiblichen Bosmina cornuta. a Rüsselborste, b
Stamm und c Endstück der Tastantenne , d Tastborsten-
büschel.
„ 19. Postabdomen desselben Thiers. a Afterspalte, b Krallen-
träger, c Darm.
„ 20. Postabdomen der männlichen Bosmina cornuta. a Darm, b
Hoden , c Ausführungsgang des Hoden , d Afterspalte , e
Schalendorn, f Krallenträger.
„21. Endglied des ersten Fusspaars von demselben Thier. a
Klaue, b Geissei.
„ 22. Tastantenne desselben Männchens.
,, 23. Bei der Häutung abgeworfener Kopfpanzer der Bosmina
longirostris.
„ 24. Junges Exemplar der weiblichen Bosmina gibbera.
lieber ostasiatische Echiuoderineu.
Von
Dr. E. ?. fflarteus.
(Fortsetzung.)
3. iSeesterne des indiischen Archipels.
D. h. von Niederländisch Indien und Singapore,
denen ich die wenigen auf den Philippinen gesammelten
einreihe, da es grösstentheils identische irrten sind.
Die grössern Seesterne dieses Gebiets sind schon
seit lange von den Holländern gesammelt worden, und
daher dem Systematiker altbekannte Arten, aber bestimmt
lokalisirte Fundorte derselben findet man nur spärlich
angegeben; früher achtete man gar nicht darauf, später
begnügte man sich mit „indischer Ocean^ oder „Eastern
seas^ ; wer Genauigkeit liebte , gab „Java" oder „die
Mollukken" als Ursprung der Exemplare an, und konnte
es nicht besser, aber der mit den dortigen Verhältnissen
Vertraute weiss, dass diese zwei Angaben kaum mehr sagen,
als dass das Objekt überhaupt aus einer in dem Gebiet
von Niederländisch Indien gemachte Sammlung stamme.
Nur der alte Rumph, der selbst in Amboina lebte, gibt
genaue Fundorte, aber dabei muss man erst entziffern,
welche Art er meinte. Der Zweck dieser Zusammenstel-
lung ist hauptsächlich , Reihen sicherer Fundorte für die
bekannten Arten zu geben und auf Grundlage meines
neuen Materials zu bemerken , was mir bei Bestimmung
desselben über die Variabilität der Arten und ihre Sy-
nonymie aufgestossen ist. Einige neue Arten liessen
sich aber dabei nicht vermeiden, deren Bestimmung ich
in der Litteratur wie in den Museen von London und
58 V. Martens:
Leiden vergeblich gesucht habe. Das letztere enthält
eine schöne Sammlung indischer Echinodermen, neben den
früheren von Boie, Kühl, van Hasselt, Macklot
^besonders aus Timor} und Sah Müller (Neuguinea),
die schon bei Müller und Troschel erwähnt sind,
auch neuere von den Militärärzten Semmelink auf La-
rentuka, Insel Flores , und Wienecke auf Atapupu,
Timor, gesammelt; beide Männer habe ich auf jenen ent-
legenen Inseln persönlich kennen gelernt, verdanke ihnen
freundliche Unterstützung und sie mir theilweise einige
Anregung zum Sammeln. Auch dem Civilbeamten von
Rosenberg, einem Deutschen von Geburt, verdankt
das Berliner Museum eine auf Amboina gemachte Na-
turaliensammlung, welche mehrere Seesterne enthält, die
mir während meines dortigen Aufenthaltes nicht vorge-
kommen. Es ist das nicht zu verwundern, da sein Auf-
enthalt auf Amboina nach Jahren zählt ; vielleicht stam-
men aber einige davon auch von der Südküste der na-
hen Insel Ceram, wo derselbe sich längere Zeit aufhielt.
Verhältnissmässig viele Arten — sie sind im Folgenden
mit (A), bezeichnet — scheinen nicht nur durch den ganzen
indischen Archipel, sondern bis an die Ostküsten Afrikas
verbreitet zu sein ; eine Vergleichung mit denen von
Mossambique , welche Prof. Peters auf seiner Reise,
denen, welche Prof. Ehrenberg im rothen Meer ge-
sammelt, und Michelin's Verzeichniss der Echinoder-
men von Ile de France ergiebt , dass unter den 22 von
mir im indischen Archipel beobachteten 10, unter den 27
aus anderen Quellen von dort bis jetzt angegebenen 6
(32 oder 45 Procent) auch in Ostafrika wiederkehren.
Noch grösser ist selbstverständlich die Uebereinstimmung
der Gattungen. Von den kosmopolitischen Ästenden,
deren Joh. Müller in der Uebersicht der geographischen
Verbreitung der Ästenden, (Wiegmann's Archiv 1843)
mehrere und drei bestimmt als dem indischen Ocean
mit den europäischen Meeren gemeinsam erwähnt, ist
mir aber nur Eine in Indien vorgekommen , Asterina
gibbosa. Penn, sp., und auch für diese die Identität mit
der europäischen noch nicht recht sicher, so dass ich
Ueber ostasiatisclie Echinodermen. -60
auch bei den Seesternen die Verbreitung Einer Art durch
verschiedene Zonen und Oceano für eine seltene Aus-
nahme zu halten geneigt bin. Selbst in den Gattungen
scheint mehr Unterschied zu sein, als bis jetzt angenom-
men war. Wenigstens von den zwei in Europa arten-
und individuen-reichsten Gattungen Asterias (Asteracan-
thion M. Tr.) und Astropecten ist mir auch nicht Eine
Art im indischen Archipel vor Augen gekommen, obwohl
einige in der Literatur als indisch angegeben sind. Die
häufigsten Seesterne im Archipel sind Linckia und Orea-
ster", dann folgt Archaster und Asterina, der Individuen-
zahl der mir vorgekommenen nach zu urtheilen.
1. Echinaster ecJdmilatus Müll. Trosch. sp. Ophidiaster
echinulatus Müller und Troschel System der Asteri-
den S. 32. 1842. Heresaster paplllosus Michelin Revue
zoologique 1844. p. 173; Magasin. de zool. 1845, pl. 9.
Fünf Arme ; Verhältniss des Scheibenradius zum
Armradius wie 1:9; Arme fast cylindrisch, etwas abge-
plattet, am Ende plötzlich verdünnt, mehr als 6mal so
lang als breit. Ein (an getrockneten Exemplaren) stark
vortretendes sternartiges Balkennetz; auf einem Theil
der Knotenpunkte desselben erheben sich, in sieben Ra-
dialreihen angeordnet, stumpfe, nach oben nur wenig
verjüngte , mit ungleichgrossen kreisrunden oder ovalen
Schuppen ganz bedeckte Stacheln; 10 — 13 Stacheln
längs jedes Armes in einer Radialreihe. Scheibe ohne
Stacheln. Das Balkennetz und dessen Zwischenräume von
kleinen, rundlichen oder sturapfcylindrischen Höckerchen
bedeckt. Poren einzeln. Furchenpapillen in zwei Rei-
hen, ebenfalls mit körnchenartigen Schuppen bedeckt,
etwas kürzer als die Stacheln, auf je Eine der äusseren,
dickcylindrischen kommen in der inneren Reihe 5 — 6
weit dünnere, fächerartig gestellt.
Farbe während des Lebens braun
Grösse: Armradius 85 Mill., Stacheln 4V2 Mill.
L a r e n tu k a auf der Insel Flores, östlich von Java M.
Molukken, Amsterdamer Museum. (A).
Schliesst sich im Habitus zunächst an Ech. spi-
nosus Nardo sp. , Müll, und Troschel g. 22 m, unter-
60 V. Martens:
scheidet sich aber von diesem durch weit längere, schlan-
kere Arme und die körnig - schuppige Bedeckung der
Stacheln sowohl als der ganzen Haut. Der letztere Um-
stand passt freilich nicht auf die Definition der Gat-
tung: pHaut nackt^. Du j ardin hat nach dem Vorgang
von Agassiz und Gray eine Gattung Cribreila von
den Müller'schen Echinaster abgetrennt , wegen der
mit zahlreichen feinen Rauhigkeiten bedeckten Oberfläche;
hieher würde auch vorliegende neue Art gehören, aber
deren verhältnissmässig lange Stacheln und vortreten-
des Balkennetz trennen sie auf den ersten Anblick von
allen Cribrellenarten Dujardin's und nähern sie dem
nackthäutigen Ech. spinosus. Michelin macht daraus
eine eigene Gattung ; seine Figur zeigt zwar nichts von
dem sternartigen Balkennetz, aber die Beschreibung nennt
doch sternförmige Höcker.
Echinaster rigidus Grube, (Act. acad. caes. leop.
XXVn.) ist nicht unähnlich im Habitus, hat aber kürzere
Arme, ein mehr vortretendes quadratisches, nicht stern-
artiges Balkennetz , eine grössere Zahl Stacheln ; diese
werden einfach „rauh^ genannt, auf der Figur ist diese
Rauhigkeit nicht ausgedrückt und sie erreicht somit wohl
nicht den hohen Grad wie bei der vorliegenden Art.
2. Echinaster fallax M. Tr. 1. c. S. 23.
Amboina, sechsarmig. — Atapiupu auf Timor,
Wienecke im Leidner Museum. — Luzon, Cuming (Othilia
Luzonica). (A).
2b. Echinaster (Heliaster) solaris Schmidel sp., Müll, und
Troschel syst. ast. S. 25. Vermuthlich Stella marina
quindecim radiorum Rumph amb. rarit. S. 39 ohne
Figur. Asterias echinites Lam. Echinites solaris Müll,
u. Trosch. Wiegm. Arch. 1844. Heliaster solaris Hup6
und Dujardin. Larique, Südwestspitze von Amboina,
nach Rumph. Sumatra, Salomon Müller, und Ternate,
Forsten, im Leidner Museum. „Molukken," Amsterda-
mer Sammlung. Ich finde unter meinen Notizen eines
dreizehnarmigen Seesterns erwähnt, den ich auf einer
Korallenbank bei Zamboanga , Insel Mindanao , Phi-
lippinen gesehen ; vermuthlich war es diese Art.
Ueber ostasiatische Echinodermen. 61
Hält sich nacli Rnmpli mehr in der Tiefe auf und
soll bei Berührung einen brennenden Schmerz verursa-
chen ; was Rumph von einem Gelenk an jedem Strahl
sagt, bleibt unverständlich.
Linchia Nardo. A) Bedeckung des Rückens ungleichmässig.
3. Linchia tuhercidata Müll. Trosch. (Ophidiaster) , Syst.
d. Asterid. p. 32.
Ziemlich variabel , namentlich weichen die Exem-
plare aus Batjan (a) und Amboina (b) von denen aus Flores
(c) durch schlankere Arme und unverhältnissmässig stär-
kere Höcker ab, wie folgende Yergleichung zeigt :
ab c
Scheibenradius zum Armradius =1:7 6 ÖVs — 4V2
Breite der Arme an ihrer Basis zum
Armradius = 1 : 5^2 ^% 4,8— 4V2
Breite der Arme an ihrer Basis zu
ihrer Höhe = 1:1 0,7 0,66—0,72
Die Höcker stehen nicht ganz unregelmässig, son-
dern eigentlich in fünf Längsreihen auf jedem Arm,
einer centralen und je zwei seitlichen; aber in diesen
Reihen selbst in unregelmässiger Häufigkeit und nament-
lich bei den Originalexemplaren Müllers, so w^ie den
von mir auf Flores gesammelten in den drei obern Reihen,
so sparsam, dass die Reihenfolge nicht ins Auge fällt.
Bei den Exemplaren von Amboina sind die Höcker nicht
nur zahlreicher, sondern auch stärker, so breit als hoch.
Bei den Originalexemplaren sind die Arme an ihrer Basis
etwas verschmälert , wie eingeschnürt, und damit zusam-
menhängend der Scheibenradius verhältnissmässig klei-
ner als bei den von mir gesammölten.
Die drei Reihen der Furchenpapülen sind, auch an
den Originalexemplaren, ziemlich unregelmässig und ver-
worren.
Farbe während des Lebens braungelb, mit dunkel
blutrothen Querbinden.
Grösse: Armradius bis 131, Scheibenradius bis 52Mill.
Nicht selten auf grobsandigen, ebenen Stellen der
Korallenbänke, einen oder einige Fuss unter Wasser.
62 V. Härtens:
' Molukken auf den Inseln Batjan und Halmahera
(Dodinga) ; Amboina am Eingang- der Binnen-Bai.
Insel Flores bei Lar entuka.
Atapnpu auf Timor, Wienecke im Leidner Museum
Timor, von Macklet ebenda.
NB. Gomophia Aegyptiaca Gray Ann. and mag. nat.
bist. VI. 1841. p. 286 aus Aegvpten — wobl dem rotben
Meer — , Nardoa tuberculata eiusd. ibid. S. 287 von den
Philippinen und Scytaster cancellatus Grube Wiegm.
Archiv. 1857. S. 340 scheinen den Beschreibungen nach
alle in den Höckern mit unserer Art übereinzukommen,
aber zeigen einzelne Poren, keine Porenfelder.
4. LincJcia pusti(,lata n. sp.
Fünf cylindrische Arme, am Ende stumpf. Scheibenra-
dius zum Armradius wie 1 : 9, Armbreite an der Basis zum
Armradius wie 1 : 8. Furchenpapillen sehr kurz und platt,
in doppelter, dichter Reihe, nach aussen davon erhebt sich
zwischen der Granulation der Bauchseite der Arme eine
Reihe dicker, stumpf konischer Höcker, weit weniger
zahlreich als die Furchenpapillen. Auf den Seiten und
dem Rücken der Arme zusammen 7 regelmässige Reihen
erhöhter gekörnter nahezu quadratischer Tafeln , die
Zwischenräume ebenso gekörnt und von den Porenfel-
dern eingenommen; 5 — 8 Poren in einem Porenfeld. Aus-
ser diesen 7 Hauptreihen lassen sich jederseits an der
Bauchseite zwischen ihnen und der genannten Höckerreihe
noch zwei minder hervorragende Reihen kleinerer ebenso
gekörnter Täf eichen erkennen. Die Körnelung ist im
Allgemeinen gleichartig und ziemlich grob, aber es finden
sich an den Seiten der Arme zahlreich, auf dem Rücken
der Arme und der Scheibe seltener, grössere Körner^
welche nicht höher sind, sondern in der Mitte eine tiefe
spaltförmige Vertiefung zeigen , sehr oft zwei solcher
dicht bei einander, die Figur der Ziffer 8 nachahmend
und an klappenartige Pedicellarien erinnernd; diese x'^chter
finden sich nicht nur auf den erhöhten Reihen, sondern
auch zwischen denselben, aber nicht leicht mehr als
Einer in dem Räume einer Tafel oder eines Porenfeldes.
After central, von etwas grösseren Körnern umgeben.
üebe^ ostasiatische Echinodermen. 63
Farbe hell purpiirroth , frisch mit intensiver rothcn
Qu erb ändern. Armradius 54 Mill.
Larentuka auf Flores und Amboina, je ein
Exemplar von mir gesammelt.
Gleicht im Habitus sehr dem Oph. cylindricus Müll,
und Troschel von Ile de France , ist aber durch die
Furchenpapillen und die Granulation verschieden. Wenn
hier wie bei den übrigen Linckien von Tafeln gespro-
chen wird, so sind damit nur die ziemlich deutlich um-
gränzten Erhöhungen der granulirten Körperdecke ge-
meint, ohne dass damit ausgesprochen wird, dass es für
sich bestehende, von einander geschiedene Kalkkörper
seien, was ohne Verletzung der Exemplare nicht nach-
zuweisen ist.
B) Rückenplättchen gleichmässig in Reihen.
5. Linchia liosenhergi n. sp.
Steht dem vorigen nahe, unterscheidet sich aber von
demselben durch folgende Merkmale:
1) An der Bauchseite nach aussen von der Höcker-
reihe längs der Bauchfurche und nach innen von
der Bandreihe grösserer Plättchen befinden sich nicht
zwei, sondern vier scharf ausgeprägte Reihen gekörn-
ter Täfelchen.
2) Die Porenfelder liegen zwischen den zwei Reihen
grösserer Plättchen an der Armseite dicht aneinander,
ohne alle Unterbrechung (wie bei Oph. suturalisMüll.
Trosch.), aber die Poren behalten dieselbe Anordnung
in runde Gruppen (Felder) von circa 10 Poren bei.
3) In der Mitte des Armrückens bis etwa zur Mitte
der Armlänge zeichnet sich eine Plattenreihe durch
engeres Aneinanderschliessen aus, ohne dass Poren-
felder dazwischen liegen. Im Uebrigen sind auf dem
Armrücken noch 4 — 5 Plattenreihen zu unterschei-
den, aber nicht so regelmässig, wie bei L. pustulata,
sondern öfters durch ein Poren feld unterbrochen
und nicht regelmässig durch Porenfelder von dem
nächstfolgenden getrennt.
Als Unterschied von suturalis ist noch hervorzuhe-
64 V. Marte n s:
ben, dass auf der ganzen Scheibe Porenfelder sicli finden.
L. (Oph.) cylindrlca Lam., M. Tr. hat imregelmässige
Höckerchen statt der gleichmässigen Granulation auf den
Plättchen des Arm- und Scheibenrückens. L. (Oph.) Hem-
prichi M. Tr. hat stärkere cylindrische Höcker längs
der Bauchfläche und zwischen diesen und den Randrei-
hen nur Eine Reihe Plättchen.
Armradius 39^ Scheibenradius 8, Breite der Arme
zwischen den Armwinkeln 7 MilL
Amboina v. Rosenberg.
C) Rückenplättchen gleichmässig, nicht in regelmässigen
Reihen, Poren gehäuft.
6. JÄnchia miliaris (Linck) Müll. Trosch. sp. — Stella
marina I, de gemeene soort Rumph amboinsche rariteit-
kamer, 1. Th. S.39.— SebaHL 6, 14, 15. — Pentadacty-
losaster asper miliaris Linck stell, mar. p. 34. Taf. 28.
Fig. 47. — Asterias iaevigata Linne und Lamarck. —
Linckia typus Nardo Isis 1834. — Linckia Brownii
Gray Ann. nat. bist. VI. 1841. — Ophidiaster miliaris
MülL Trosch. syst. ast. 1842. S. 30.
Formverhältnisse etwas wechselnd. Scheibenradius
zum Armradius wie 1 : 5V2 bis 1 : 7. Breite der Arme
an ihrer Basis zum Armradius wie 1 : 4V2 bis 1 : 6V2.
Höhe der Arme zu ihrer Breite in der Mitte ihrer Länge,
an lebenden Exemplaren gemessen, zwischen 1 : 2 und
10 : 13 wechselnd; je breiter die Arme, desto deutlicher
eingeschnürt erscheint ihre Basis. Unter sehr vielen Exem-
plaren in verschiedenen Lokalitäten fand ich nur eins mit
vier, nie eins mit mehr als fünf Armen. In den meisten
Porenfeldern viel mehr als 12, sehr oft 30 — 40 Poren.
In der Anordnung der Plättchen des Armrückens, so wie
der Porenfelder, ist keine Regel ersichtlich, nur an der
Wurzel der Arme zuweilen eine mittlere Radialreihe von
Plättchen erkennbar. Die Plättchen auf dem Rücken der
Arme sind bald kaum, bald merklich kleiner, als die
seitlichen, welche sich in Reihen ordnen, und in letzterem
Falle mit einzelnen grösseren untermischt. Die Poren-
felder überall gleichgross, auf dem Armrücken zerstreut,
lieber ostasiatische Echinodermen. 65
an den Seiten der Arme eine ziemlich regelmässige
Längsreihe bildend. Armradiiis bis 122 Millimeter.
Farbe während des Lebens oben meist schön him-
melblau^ seltener grünblau oder blassgrün; Unterseite
oft auch blau, zuweilen orangeroth (auf Amboina). Weisslich,
wieRumpli die Unterseite angiebt, sah ich sie nicht.
Häufig im ganzen indischen Ocean, auf flachem, san-
digen oder grusigen Grunde, auch auf Korallenbänken.
Ich fand ihn bei Makassar auf Celebes, Za mboan ga auf
Mindanao, auf B a t j a n (Molukken), Amboina am Ein-
gange der Binnenbai, zu Larentuka auf und Adenare
neben Flores, endlich beiKupang und bei Atapupu auf
Timor, auf letztgenannter Insel oft mit relativ kürzeren Ar-
men, 1:6; das Exemplar mit den kürzesten Armen, 1 : 572
ist von Makassar. B 1 e e k e r, reis door de Minahassa en den
Molukschen Archipel 1856. I. S.242 nennt ihn auch von der
Banda-Gruppe; Andere geben ihn von den Philippinen
an, J. Müller u. Tr OS eh. Archiv 1843. S. 127, als den
Molukken, Carolinen und Neuholland gemein. Dagegen
scheint er weiter westlich, namentlich in Ostafrika, zu
fehlen.
Ueber die Wahl der Namen ist oben Bd. XXXL S. 350.
gesprochen. Linckia tvpus von Gray, welche Müll er und
Troschel auch hieher citiren, ist nach Angabe der Arm-
länge , der Farbe, des Fundortes und der Erwähnung
einer „Kometenform^ gewisss die folgende Art.
7. Linchia multiforis Lam. (Asterias.) — Ophidiaster m.
Müll. Trosch. S. 31. — Linckia typus Gray Ann. Mag.
nat. bist. VI. 1841. p. 284, vielleicht auch dessen L.
Leachii ebenda.
Arme lang und schlank, 8 — 13mal so lang als der
Scheibenhalbmesser, mehr oder weniger ungleich. In
zwei Interbrachialräumen eine Madreporenplatte. Poren-
felder zahlreich, rosettenartig, die grösseren 12 — 14 Poren
enthaltend.
Farbe frisch blass ziegelroth, getrocknet schmutzig
hellgelb.
Larentuka auf Flores , zahlreich zwischen Stei-
Ai-chiv f. Naturg. XXXII. Jahrg. 1. Bd. 5
66 V. Martens:
nen am Ufer. Amboina, selten. Von Makassar auf Ce-
lebes, im Leidner Museum (A.)
^Vier, fünf oder sechs Arme. Die Madreporenplatte
ist doppelt bei Individuen von vier und fünf Armen, drei-
fach bei sechs Armen.^ Müller und Troschel 1. c. Eine
Besichtigung meines Materials so wie der im Berliner
zoologischen Museum vorhandenen ostafrikanischen Exem-
plare ergab , dass die Zahl der Madreporenplatten und
die der Arme unabhängig von einander ist, dass fünf
Arme und zwei Madreporenplatten aber die allgemeine
Regel ist, wovon nur Abweichungen nach beiden Seiten
hin, besonders gerne Vermehrung der Arme zu 6 — -7,
stattfinden. Wo mehr als eine Madreporenplatte vorhan-
den ist, befindet sich die zweite entweder in demselben
Interbrachialraum oder in einem andern. Zwei solche in
demselben Interbrachialraume, beide gut ausgebildet und
durch eine Strecke gewöhnlicher Granulation von einan-
der getrennt, hievon habe ich nur einen Fall unter mehr
als fünfzig Exemplaren gesehen ; die eine sitzt im Arm-
winkel, die andere in demselben Meridian näher dem
Scheitel. Dasselbe Exemplar trägt zugleich im benach-
barten Interbrachialraum eine dritte. Ziemlich häufig sind
aber zwei, ja drei Madreporenplatten dicht aneinander
angeschmiegt, so dass sie auf den ersten Anblick nur
eine zu sein scheinen, aber durch die Trennung und
Richtung ihrer Furchen als ebenso viel geschiedene sich
erweisen. Von hier aus scheint ein stufenweiser Ueber-
gang zu einer einzigen Madreporenplatte stattzufinden,
daher sich dafür die Häufigkeit nicht in Zahlen ausdrük-
ken lässt.
Auch die Zahl der mit Madreporenplatten versehe-
nen Interbrachialraume steht zu der der Arme überhaupt
in keinem festen Verhältnisse , wie folgende üebersicht
zeigt :
üeber ostasiatische Echinodermen.
67
F Exemplare von Flores. A afrikanische Exemplare.
Die zwei betreffenden InterbracLialräiime und der
von beiden umschlossene Arm ist oft stärker entwickelt
als die andern. Wo drei Interbrachialräume Madreporen-
platten tragen, ist bei vier Armen nur Eine Anordnung
möglich, bei fünf und mehr Armen fragt es sich, ob der
dritte Interbrachialraum den andern benachbart oder ent-
gegengesetzt ist; bei dem einen vorliegenden Exemplare
ist er benachbart. Dieses lässt wahrscheinlich erscheinen,
dass auch da, wo nur ein Interbrachialraum eine solche
Platte trägt, es eben auch einer von den sonstigen zweien,
nicht gerade der ihnen entgegengesetzte ist, d. h. dass
die Madreporenplatte kein sicheres Mittel zur Orientirung
der Seesterne im bilateralen Sinne ist.
Es ist schon erwähnt worden, dass der von zwei Ma-
dreporenplatten umgebene Arm oft stärker entwickelt
ist, als die andern, länger oder doch dicker als die an-
dern. Da die Madreporenplatte zugleich die Communi-
kation des Wassergefässsystems mit dem umgebenden
Meerwasser vermittelt, so kann man annehmen, dass der
Stoffwechsel durch die doppelte Communikation vermehrt
werde und diese Vermehrung am meisten dem Wachs-
thume des den beiden Oeffnungen benachbarten Armes
zu gute komme.
Uebrigens existirt noch eine ganz andere Ursache für
die so häufige Ungleichheit der Arme dieser Art ^), wel-
1) Sollte der Name multiforis selbst vielleicht ursprünglich
ein Schreibfehler für multiformis sein? Die Zahl der Poren zeichnet
diese Art nicht aus , wohl aber die Vielgestaltigkeit ihrer äusseren
Erscheinung.
68 V. Martens:
che keineswegs von der vermehrten Zahl derselben abhängt,
denn auch 4- und 5-armige Exemplare zeigen dieselben
und die vielarmigen Solaster haben meist ziemlich gleiche
Arme. Aber Linckia multiforis besitzt zugleich ein un-
gewöhnliches Reproductionsvermögen, und so mögen die
kleineren Arme oft nur jüngere sein. An einigen Exem-
plaren aus dem rothen Meere, von Prof. Ehrenberg ge-
sammelt, sieht man klar, dass ein abgetrennter Arm allein,
ohne Scheibe, im Stande ist eine neue Scheibe und neue
Arme durch Sprossen zu entwickeln. Dieses ist die
sogenannte Kometenform. Es ist ferner sehr bemerkens-
werth, dass ein zweiter Seestern einer ganz anderer Gat-
tung, Asterias tenuispinaLam. (Asteracanthion M. Tr.) die-
selbe Eigenschaften in sich vereinigt : Mehrzahl und Un-
gleichheit der Arme, Mehrzahl der Madreporenplatten und
starkes Reproduktionsvermögen; letztgenannte Art findet
man so häufig scheinbar aus zwei ungleiche» Hälften be-
stehend, nämlich eine ganz verloren gegangene Hälfte
reproducirend , dass man schon an freiwillige (normale,
nicht durch äussere Gewalt hervorgerufene) Halbirung
zum Zwecke der Individuenvermehrung bei ihr gedacht
hat. Auch Echinaster solaris verbindet Mehrzahl der
Madreporenplatten mit Mehrzahl der Arme, Asterias he-
lianthus Mehrzahl der Arme und leichte Reproduktion
derselben mit Zerfallen der Madreporenplatte in eine
Gruppe einzelner Stücke. Dass Reproduction zur Ver-
mehrung der Armzahl führen kann, lässt sich durch das
Beispiel von Eidechsen erläutern, denen nach partieller
Verletzung des Schwanzes ein zweiter aus der Wundstelle
hervorwuchs, während der ursprüngliche nicht verloren
war. Aber wie die Mehrzahl der Madreporenplatten mit
jenen zwei Eigenschaften zusammenhängt, ist nicht recht
einzusehen, da die Madreporenplatte gerade ein von der
ersten Entwickelung des Seesterns bedingtes Gebilde ist.
Nur ganz im Allgemeinen darf man vielleicht wieder auf
Begünstigung des Wachsthums durch erhöhte Stoffauf-
nahme hinweisen, wonach also die Mehrzahl jener Plat-
ten die primäre jener Eigenschaften wäre.
Ueber ostasiatische Echinodermen. 69
8. Linchia pauciforis. n. sp.
Fünf platte Arme, Scheibenradius zum Armradius
wie 1 : 5V2- Breite der Arme an ihrer Basis zu ihrem
Radius = 1 : 4 — 5, Höhe (an getrockneten) nur die Hälfte
der Breite. Furchenpapillen der inneren Reihe 3, zu-
weilen 4 auf jeder Platte, flach, gleich gross, nach aussen
davon gleich lange dickere, im Durchschnitt drei- vieleckig,
in zwei verworrene Reihen gestellt, allmählich in die Gra-
nulation der Bauchseite übergehend. Eine Reihe kleinerer
Plättchen an der Bauchseite nach aussen von diesen Fur-
chenpapillen, dann zwei Reihen doppelt so grosser Plat-
ten. Platten der Rückenseite wieder nur halb so gross,
rundlich, nicht in Reihen gestellt; Granulation aufRücken-
und Bauchseite gleichmässig. Porenfelder auf der Rük-
kenseite zahlreich zwischen den Platten verthellt, jedes
nur 4 — 6 Poren enthaltend; Madreporenplatte einfach.
Farbe (der trockenen Exemplare) hell gelbbraun.
Armradius bis 100 MIU.
Insel A d e n a r e bei Flores.
Aehnlich der L. Ehrenbergi (Ophidlaster) Müll. Tr.,
unterscheidet sich durch die Anordnung der Furchenpa-
pillen, die einfache Reihe kleiner Täfelchen zwischen die-
sen und den grössern seitlichen Reihen, so wie durch die
einfache Madreporenplatte.
D) Gleichmässige Rückenplatten, Randplatten stark
entwickelt, Poren einzeln.
9. Linchia milleporella Lam. sp. Asterias milleporella
Lam. an. s. v. nr. 35., ed. 2. vol. III. p. 253. Scyta-
ster milleporellus Müll. u. Troschel syst. ast. p. 35,
Fünf Arme. Scheibenradius zum Armradius wie
1 : 4, Höhe der Arme an der Basis % ihrer Breite,
weiterhin gleich der Breite. Furchenpapillen In zwei
Reihen, in der Innern dicht aneinander, alle gleich gross,
schlank. In der äusseren weltläufiger gestellt, breiter
und kürzer, je eine auf einem Plättchen. Hierauf folgen
auf der Unterseite noch zwei, in der zweiten Hälfte der
Arme nur eine Reihe massig grosser, viereckiger, granu-
lirter Platten, deren jede in der Mitte ein etwas grösse-
res Höckerchen trägt. Der Rand wird von zwei Reihen
70 V. Märten s:
grösserer angeschwollener Platten gebildet,
in der untern Reihe 12 — 15, in der obern weniger und
noch grössere, nur 8 — 9, welche letztere, gegen die Spitze
der Arme zu öfters Lücken zwischen sich lassen; die
Grösse dieser obern Randplatten und die Ausdehnung
der zwischen ihnen bleibenden Lücken an verschiedenen
Armen desselben Individuums ungleich, die obern und
untern meist mit einander mehr oder weniger abwech-
selnd, stellenweise auch entgegengesetzt. Manche dieser
Randplatten tragen auch noch ein grösseres Höckerchen
in ihrer Mitte, die meisten nicht. Die Oberseite flach,
bedeckt von massig grossen, ovalen, flachen, gleichmäs-
sig gekörnten Platten, zwischen denen überall verhält-
nissmässig grosse, einzeln stehende Poren vorhanden sind,
4 — 7 im Umkreis einer Platte. Drei Reihen solcher Plat-
ten im grösseren Theile der Arme, nach ihrer Spitze zu
bleibt nur eine, deren Platten die Grösse und Convexität
der nächstliegenden Randplatten nachahmen. Madreporen-
platte weit näher dem Rande als der Mitte.
Farbe in Spiritus sehr blass grüngelblich.
Armradius 29 Mill.
Amboina, v. Rosenberg (A).
Bildet gewissermassen den üebergang von Scytaster
zu Goniaster, indem die grossen Randplatten zusammen
eine senkrechte Randfläche bilden ; namentlich kommt er
dem neuen Goniaster clavatus nahe.
Der sogenannte Oreaster Desjardinsii Michelin, Mag.
ZooL 1845. pl. 2 hat im Habitus viel mit diesem Seestern
gemein, unterscheidet sich aber durch die Anordnung der
Platten; auf der Unterseite ist nur eine oder gar keine
Platte zwischen den Randplatten und Furchenpapillen dar-
gestellt, auf der Oberseite trägt die Mittellinie der Arme
grössere Knoten.
10. Leiaster speciosus n. sp.
Arme cylindrisch, am Ende rasch zugespitzt, (beim
Trocknen je nach der zufälligen Lage abgeplattet)- Arm-
radius zum Scheibenradius wie 1 : 12. Furchenpapillen der
Innern Reihe zu je zwei auf einer Platte , ungefurcht,
durch einen Zwischenraum von denen der nächsten Platte
Ueber ostasiatische Echinodermen. 71
getrennt; die der äussern Reihe weniger zahlreich als die
Paare der innern; grösser, abgeplattet keulenförmig. Po-
renfelder in acht regelmässigen Reihen längs der Arme,
in den einzelnen Feldern je 10 — '15 Poren, (bei dem ge-
trockneten Exemplare nur stellenweise deutlich zu erken-
nen). Eine glatte, während des Lebens sehr schleimige
Haut, reich besät mit zangenförmigen kleinen Pedicel-
larien , ohne alle Stacheln oder Platten, überzieht die
ganze Oberfläche des Seesterns und lässt im getrockne-
ten Zustande die Skelettheile des Arms als reihenweise
geordnete stumpfe Knoten erkennen , welche der Quere
des Arms nach durch schmalere Brücken verbunden wer-
den und die Porenfelder zwischen sich nehmen; solcher
Knotenreihen zählt jeder Arm 11, die zwei äussersten,
d. h. der Armfurche nächsten haben keine Porenfelder
zwischen sich.
Farbe im Leben dunkelblutroth ; die Furchenpapil-
len der äussern Reihe sind roth mit blassem Ende, die
der innern Reihe blass mit rother Spitze.
Armradius 255 Mill.
Fundort : Larentuka auf der Insel Flores.
Sehr verwandt mit L. coriaceus Peters (Monatsbe-
richte der Akademie der Wissenschaften zu Berlin 1852.
S. 177), durch die Anordnung der innern Furchenpapillen
leicht zu unterscheiden. Leiaster, ebendaselbst von Pe-
ters als Untergattung aufgestellt, dürfte mit demselben
Rechte als selbständige Gattung zu betrachten sein, wie
jede andere auf die äussere Bedeckung gegründete Gat-
tung der Asteriden und namentlich mehr von Ophidiaster
verschieden sein, als Ophidiaster von Scytaster.
11. Culcita dücoidea Lam. Mülh u. Troschel 1. c. S. 37.
EncYcl. meth. 98, 2. 99, 1.
Farbe während des Lebens oben dunkel purpurroth,
unten blasser.
Auf Amboina mehrmals erhalten. Auch D ole-
schall fand ihn dort. Bleeker giebt ihn von Ter-
nate und Banda an. (Reise in die Minahassa etc. Bd. I.
S. 191 u.U. S. 242.) Es ist auffallend, dass crvonRumph
und andern altern Schriftstellern nicht erwähnt wird,
72 V. Märten s:
vielleicht weil er schwer zu trocknen und so für Samm-
lungen zu erhalten ist. Bekanntlich findet sich in ihm
öfters ein kleiner farbloser Fisch, Oxjbeles, wie ein Ver-
wandter desselben in neapolitanischen Holothurien. (A.)
12. Asterina gihhosa Penn. sp. var. — Asterina Burtoni
Gray Ann. and mag. n. h.VI. 1841. S. 289. — Asteriscus
verruculatus Müller u. Troschel S.41. z. Theil.
Armradius etwas mehr als doppelt so gross, wie der
Scheibenradius, am Ende stumpf, Winkel zwischen den
Armen deutlich, Höhe der Scheibe über die Hälfte des
Scheibenradius. Zwei bis drei Stacheln auf jedem Plätt-
chen der Bauchseite, am Rande regelmässig drei.
Arme öfters ungleich.
Armradius 16—28, Höhe 5—9 Mill.
Insel Bat Jan (Molukken) und Flores unter und
an Steinen, nahe der Oberfläche. Philippinen, im Ber-
liner Museum, Rothes Meer, Burton bei Gray und Ehren-
berg im Berliner Museum (A).
Müller und Troschel vereinigen diese Art mit
der europäischen Ast. gibbosa Penn, als Asteriscus ver-
ruculatus. Beide stehen sich allerdings sehr nahe, doch
finde ich bei Vergleichung gleich grosser Exemplare, wel-
che ich selbst bei Neapel gesammelt, dass bei den euro-
päischen der Raum zwischen den Armen abgerundet, der
Scheibenradius bedeutend grösser (% des Armradius),
dagegen ihre Höhe geringer, die Hälfte des Scheibenra-
dius nicht übersteigend, ist. Auf den Tafeln der Bauch-
seite finde ich bei denen des Mittelmeeres — abgesehen
vom Rande — nie drei Stacheln, bei den indischen ziem-
lich oft, wenn auch weit auf den meisten zwei. Die von
He mp rieh und Ehrenberg im rothen Meere ge-
sammelten stimmen in Grösse, Gestalt und Zahl der Bauch-
stacheln mit diesen indischen übere in. Die Abbildung in
der Description d'Egypte pl. 4. fig. 2 giebt den Armra-
dius nicht ganz doppelt so gross als den Scheibenradius
und doch regelmässig drei Stacheln auf jeder Bauch-
platte; die Armspitzen erscheinen stumpfer, als an meinen
indischen und gleichen hierin den neapolitanischen. So-
mit würde diese Form ein Verbindungsglied bilden; man
lieber ostasiatische Echinodermen. 73
"weiss leider nicht, ob sie aus dem rothen oder mittellän-
dischen Meere stammt.
13. Asterina coronata n. sp. Stella coriacea umbilicata
Linck p.31. Taf. 34. Fig. 57?
Fünf spitzige, etwas ungleiche Arme. Scheibenra-
dius zum Armradius wie 1 : 2 — 2V3. Breite der Arme
an ihrer Basis zu deren Radius von 1 ; P/4 — 2V4. Win-
kel zwischen den Armen spitzig. Furchenpapillen in einer
Reihe, 4 oder 5 fast gleich grosse auf jeder Platte. Auf
den Bauchplatten je zwei spitze verhältnissmässig lange
Stacheln. Die Platt chen des Rückens erheben sich der-
gestalt, dass die ganze Rückenseite ein bienenwabenarti-
ges Ansehen erhält, wie bei A. verruculatus, fünf oder mehr
Stacheln tragend, aber über ihr Niveau erheben sich Bü-
schel von 2 — 4 starken Stacheln mit gemeinsamer Basis;
solche Büschel stehen auf den Armen ziemlich zerstreut,
sowohl auf dem Rücken als an den Seiten, aber nie ganz
nahe am Rande ; auf der Scheibe bilden sie ein geschlos-
senes unregelmässiges Fünfeck, dicht ausserhalb desselben
liegt die Madreporenplatte. Poren gross, einzeln.
Farbe während des Lebens wie bei pentagonus,
grosser Radius (an frischen Exemplaren gemessen) 28,
kleiner 12, Höhe der Scheibe 9 Mill.
Auf Batjan, seltener als Ast. verruculatus, und La-
ren tuka von mir, auf Amboina von Rosenberg gefunden.
Es ist mir gegenwärtig nur eine Art von Asterina
aus der Litteratur bekannt , deren Rückseite einzelne
Stachelbündel zeigt, Patiria coccinea Gray, von Südafrika.
Ann. and mag. n. h. VI. 1841. S- 290. Leider ist von
derselben das Verhältniss der Arme zur Scheibe nicht
angegeben. Auf der Bauchseite ■ sollen die Stacheln in
„gleichförmigen ausstrahlenden Gruppen" stehen , die
Farbe sei scharlachroth. Demnach scheint es eine andere
Art zu sein.
Linck's Figur könnte ebensowohl für eine Aste-
rina gibbosa gelten ; aber da im Text einer Vertiefung
auf dem Rücken gedacht wird und sie darnach benannt
ist, ziehe ich sie lieber hieher. Sie wird von den Auto-
ren nicht citirt. Diese Art ist ähnlich der vorigen und viel-
74 V. Märten s:
leicht nur als Yarletät derselben zu betrachten, da Exem-
plare derselben von den Philippinen ähnliche Ungleich-
heiten in der Rückenbedeckung, wenn auch nicht so aus-
gesprochen, zeigen.
14. Asterina jyeniagona Müll. Trosch. (Asteriscus) S. 42.
Seba III. 5, 13, copirt Encycl. meth. 100, 3.
Armradius kaum um V4 grosser als der Scheiben-
radius, die Bauchplatten mit nur Einem Stachel, der kurz
und dick ist.
Farbe während des Lebens oben graubraun, unten
trüb grünlichblau. Armradius 15, Höhe 4MilI.
Palabuan nahe der südwestlichen Ecke von Java,
und auf Batjan, Molukken, an Steinen nahe dem Mee-
resspiegel. M. Tabaco und Legaspi , Provinz Albay, auf
Luzon, Philippinen, von F. Jagor gesammelt (A.)
15. Asteri7ia peniciUaris Lam. sp. x\steriscus Müll. Trosch.
S. 42.
Unter Anderen leicht dadurch von gibbosa zu un-
terscheiden, dass die Stachelbündel der Rückenseite kleine
Bogen bilden, in deren Convexität 1—2 Poren sich be-
finden.
Nur ein etwas abnormes Exemplar mit ungewöhn-
lich langen Armen, (Scheibenradius zum Armradius wie
1 ; 3), drei ausgebildet und drei nachsprossend (vgl. das
bei Linckia multiforis Bemerkte), fand ich auf der kleinen
Insel Adenare bei Flores. — Java, Leidner Museum.
Molukken, Amsterdamer Sammlung, (ii.)
16. Gymnasterias carinifera Lam. sp. Asteropsis c. MülL
Troschel S. 43.
Amboina, ein ungewöhnlich grosses Exemplar, (Arm-
radius 80, Scheibenradius 30 MilL), v. Rosenberg (A.)
17. Gymnasterias hiserrata n. sp.
Fünf Arme. Verhältniss des Scheibenradius zum
Armradius wie 1 : 2. Arme mehr als anderthalbmal so
lang wie breit. Furchenpapillen in 2 Reihen, in der in-
neren 3— 4 auf jeder Platte, die eine oder zwei mittleren
etwas länger, in der äussern eine dicke Papille auf jeder
Platte. Die Plättchen der Bauchseite fein granulirt,
meist sich berührend, die seltenen Zwischenräume zwi-
Ueber ostasiatische Echinodermen. 75
sehen ihnen einfach häutig; sie bilden eine regelmässige
Reihe längs der Armfurche und eine regelmässige Reihe
unterer Randplatten; diese beiden Reihen liegen von der
halben Länge der Arme an bis zu deren Spitze unmit-
telbar aneinander und alle ihre Platten sind stets vier-
eckig ; der Zwischenraum beider Reihen in den Arm win-
keln wird von mehr regellos gestellten ungleich grossen,
oft fünfeckigen Platten ausgefüllt. Die unteren Rand-
platten sind grösser als die übrigen Platten der Bauch-
seite, und jede trägt an ihrer äusseren und der Arm-
spitze zugewandten Ecke einen kurzen Stachel, Sie
bilden nicht selbst den Rand, sondern werden überragt
durch die oberen Randplatten , welche eine mehr abge-
rundete Gestalt haben, ebenfalls fein gekörnt sind und
von denen ebenfalls jede an ihrem äusseren Rande einen
Stachel; wie die untere, trägt. Die Stacheln der oberen
wie der unteren Randplatten sind dick konisch , ohne
Körnelung, und schief nach der Armspitze zu gerichtet,
wie Zähne einer Säge ; die der oberen noch einmal so
gross als die der unteren. Obere und untere Randplat-
ten an jeder Armseite 12 — 13. Die Plättchen der Rück-
seite sind ziemlich kreisförmig, alle nahezu gleichgross,
etwas kleiner als die oberen Randplatten , fein gekörnt
und lassen regelmässig nackthäutige Zwischenräume zwi-
schen einander ; sie ordnen sich in radiale Reihen, von
denen namentlich eine mittlere auf jedem Armrücken
deutlich hervortritt, aber sich nicht als Kiel über die
andere erhebt und so wenig als die anderen Rückenplat-
ten Stacheln trägt. Pedicellarien über den Rücken zer-
streut, häufiger nahe am Rande, auf der Bauchseite keine
sichtbar.
Farbe w^ährend des Lebens dunkelroth, unten orange.
Armradius 24 Mill.
Larentuka auf der Insel Flores.
Nahe verwandt G . carinifera, unterscheidet sich durch
die Stacheln der unteren Randplatten, den Mangel der Arm-
kiele u.a. Bei G. carinifera trägt je eine der oberen Rand-
platten einen grösseren und die nächste einen kleineren
oder gar keinen Stachel; bei G. biserrata tritt ein sol-
76 V. Mar teil s:
eher Wechsel nur zunächst der Armspitze auf^ während die
grosse Mehrzahl der oberen Randplatten gleich grosse
Stacheln trägt. Angesichts der grossen Variabilität der
Randstacheln bei Oreaster würde es nicht sehr zu ver-
wundern sein, wenn Zwischenformen gefunden würden,
welche G. biserrata eng an carinifera anknüpften.
Da die Gattungsnamen Gymnasterias (Gray schreibt
minder gut ohne s Gymnasteria) und Asteropsis ziemlich
gleichzeitig gegeben zu sein scheinen , dürfte der weit
mehr bezeichnende dem fast bedeutungslosen vorzuziehen
sein. Ausnahmsweise rührt in diesem Falle jener von
Gray, dieser von den deutschen Forschern her.
18. Oreaster tarritus (Linck) Gray sp. Stella marina quarta
Rumph amboinsche rariteitkamer erster Theil Seite
39. Taf. 15. Fig. A. — Pentaceros gibbus turritus
Linck de stellis marinis p. 22. Taf. 2 und 3. Fig. 3, —
kopirt in der Encycl. meth. pl. 105. — Asterias no-
dosa Linne zum Theil, Lamarck. — Pentaceros tur-
ritus Gray 1. c. — Oreaster turritus Müller u. Tro-
schel syst, asterid. p. 47.
Oberseite voll cylindrischer kleiner Papillen und
starker spitzer Höcker, welche nidit bis zur Spitze ge-
täfelt sind und auf den Armen eine Reihe bilden , auf
der Scheibe gruppenweise vereinigt sind. Unterseite mit
flachen, eckigen, ungleichen Körnchen bedeckt. Keine
Randstacheln. Zangenförmige Pedicellarien nicht selten
zwischen den Papillen der Oberseite. Arme verhältniss-
mässig lang und schmal, Armradius 165, Scheibenradius
70, Höhe 39 Mill. Nur an der Spitze der Arme sind die
Höcker rund.
Farbe während des Lebens hellbraungrau, Rand und
Armspitzen orange, Höcker schwarz. Untere Randplatten
in der Mitte schwarz, ringsum orange.
Amboina auf sandigem Grund, ein paar Fuss unter
Wasser , (am „Koolenhoofd" dicht bei der Stadt) nicht
selten , aber schwer zu trocknen. Rumph gibt ferner
die Nordküstc von Ceram und die Insel ßonoa an der
Ueber ostasiatische Echinodermen. 77
Nordwestecke von Ceram als Fundorte an, Bleeker auch
ßanda und Sal. Müller Buru.
19. Oreaster muricatus (Lfnck) Gray. Pentaceros muri-
catus Linck de stellis mariiiis p. 23. Taf. 7. Fig. 8,
kopirt in der Encyclopaedie 106, 1. — Seba Band III.
Taf. 7. Fig. 3. — Asterias nodosa Linne zum Theil. —
Ast. nodosa var. 3 Lam. — Pentaceros muricatus Gray
Ann. and mag. n. h. VI. 1841. p. 277. — ? Oreaster tu-
berculatus Müller und Troschel syst, asterid. p. 47. —
Oreaster castcllum Grube Breslauer Zeitung vom
7. Febr. 1865.
Rückenseite gekörnt mit grössern Höckern, die in
ihrer unteren Hälfte stets mit flachen Körnchen bedeckt
sind und uuf den Armen eine mittlere Reihe bilden;
Unterseite mit gekörnten Täfelchen und einzelnen klappen-
artigen Pedicellarien bekleidet, Furchenpapillen in 2 Rei-
hen, in der inneren je sieben bis zehn, schlank, die mitt-
leren länger, in der äusseren 2 — 3 flache, stumpfe, gleich-
lange; Randstacheln sehr variabel, nie an allen Rand-
platten vorhanden.
Es liegt mir eine grössere Anzahl von Exemplaren
sowohl desselben als verschiedener Fundorte vor, und
erlaubt mir, die fast masslose Schwankung aller Artkenn-
zeichen etwas näher zu verfolgen. Auf der Rückenseite
tritt das Balkennetz , dessen Maschen die Porenfelder
darstellen, bald mehr bald weniger hervor, indem die
Granulation entweder gröber und flacher ist als die der
Porenfelder und ziemlich genau derjenigen der Höcker
gleicht, bald hierin kaum ein anderer Unterschied als der
durch das Zwischentreten der Poren selbst bedingte statt-
findet; Uebergänge von dem einen zum andern kommen
an demselben Individuum vor. Wo die Körnelung ganz
gleichmässig wird (Exemplare von Larentuka) , ist das
Balkennetz als solches nicht mehr ins Auge fallend.
Ueberhaupt bietet es ein netzartiges Ansehn mit grad-
linig begränzten Maschen nur auf der Scheibe. An den
Armen treten die Verbindungslinien zurück und man sieht
nur Reihen von rhombischen etwas erhabenen gekörnten
Platten, getrennt durch die Porenfelder, und auf jedem
78 V. M a r t e n s :
Arm anfänglich fünf, gegen die Spitze zu nur drei, indem
die äussere bald früher bald später in den Randplatten
endigt. Die Höcker sind eigentlich nichts anderes, als
solche gekörnte Platten, welche hoch konisch oder kugelig
sich erheben und in der Mitte (Spitze) fast immer der
Körnelung entbehren; diese nackte Spitze ist bald mehr
bald weniger von dem mehr gewölbten gekörnten unte-
ren Theile abgesetzt. Solche Höcker finden sich stets
in der Mittellinie der Arme , mehr oder weniger regel-
mässig abwechselnd mit gew^öhnlichen Platten, meistens
8 in Einem Radius; die fünf innersten bilden ein Fünfeck
auf der Scheibe und ihnen gesellen sich bei grösseren
Exemplaren fast immer noch einige ähnliche ausserhalb
dieser Reihen in den Armwinkeln liegende bei, nur bei
Einem grossen Exemplar von Mossambique entwickelt
auch die nächstobere Plattenreihe des Armrückens einige
solche Höcker, so dass dieselben hier (abgesehen von
den Randplatten) in drei Reihen stehen. Ein centraler
Höcker in der Mitte der Scheibe ist meist vorhanden,
aber kleiner als die fünf umgebenden ; zuweilen fehlt er
völlig und zwar ist sein Vorhandensein und seine Grösse
nicht im Verhältnisse zur Deutlichkeit des Balkennetzes,
welches hier in der Mitte der Scheibe eine regelmässige
fünfstrahlige Sternfigur bildet. Diese Höcker sind mit
flacher Granulation besetzt und zeigen in der Regel eine
abgesetzte Spitze : an denselben Exemplaren finden sich
aber auch solche die oben abgerundet und vollständig
von Granulation bedeckt sind.
Die grösste Variation zeigen die Stacheln der Rand-
platten ; bald sind einzelne an Grösse und P'orm voll-
ständig den Höckern auf dem Armrücken gleich wie auch in
den angeführten Abbildungen, so namentlich an der Arm-
spitze, bald fehlen sie, und zwar beides ebensowohl bei
kleineren (jüngeren) als bei grösseren Exemplaren. In
den Armwinkeln fehlen sie den oberen Randplatten fast
immer, von der Mitte bis zur Spitze der Arme zeigen
sie Neigung zum Abwechseln, indem auf eine Randplatte
mit grossem Stachel (Höcker) eine andere mit kleinem
oder gar keinem folgt. Hier kann man besonders deut-
Ueber ostasiatische Echinodermen. 79
lieh sehen, dass der Höcker nichts anderes ist, als die
angeschwollene gekörnte PLatte selbst plus dem auf-
sitzenden nackten Stachel. Die Stacheln der unteren
Randplattcn sind meistens kleiner, mehr gleichmässig und
mit wenigen Ausnahmen auf allen Platten vorhanden,
namentlich auch in den Armwinkeln ; nur nahe der
Spitze der Arme werden sie bei einzelnen Exemplaren
grösser, selbst so gross wie die grössten Randplatten.
An manchen Exemplaren ermangeln alle untern Randplat-
ten der Stacheln, so an den grössern Exemplaren von
Mossambique, während an den kleineren von ebenda ein-
zelne vorhanden sind.
Auch die Körnelung der Platten der Bauchseite
zeigt Schwankungen ; im Allgemeinen sind es eckige,
flache Körnchen, meist gröber und immer unregelmässi-
ger als die Körnelung der Randplatten und der Rücken-
höcker, zuweilen aber auch wenig davon unterschieden
(Exemplare von Mossambique) ; manchmal erhebt sich nahe
dem Munde auf fast jeder Platte ein höheres, fast stachel-
artiges Körnchen über die anderen, so bei einigen Exem-
plaren von Larentuka.
Endlich zeigen die Furchenpapillen Verschieden-
heiten, indem in der äusseren Reihe bald drei bald zwei
auf je eine Platte kommen, bei kleineren Exemplaren
gegen die Armspitze sehr oft auch nur eine, in der inneren
aber auf einer Platte bald eine grade, bald eine ungrade
Zahl steht, so dass bald eine bcald zwei in der Mitte die
längsten sind und hiedurch wie durch Hinwegfallen der
kleinsten äussersten der auf einer Platte vorhandenen
ihre Anzahl von 7 bis 10 schwankt.
All diese Variationen kreuzen sich so sehr durch-
einander, dass man darnach keine irgendwie bestimm-
baren Lokalvarietäten aufstellen kann; dagegen gränzen
sich einige der mir vorliegenden Exemplare durch die
gleiche Combination der an anderen zerstreut vorkom-
menden Abweichungen zu bestimmbaren Abarten ab :
19 a. var. nmltispina. Seba III. 6. 1,2, 11, 12. Klein. Höcker
in Einer Reihe, die meisten, wie die meisten Rand-
platten mit einem Stachel. Balkennetz nicht vortretend.
80 V. Martens:
19 b. var. mutica, Job. Müller's und Troschel's Oreaster
hiulcus S. 48 und wahrscheinlicli auch Gray'sPen-
taceros liiulcus 1. c. S. 276^ aber nicbt der von bei-
den citirte Pentaceros biulcns Linck. tab. 26. fig. 41,
welcher übrigens irgend eine andere Form dieser
vielgestaltigen Art sein mag.
Nicht nur die erste, sondern auch die zweite Plat-
tenreihe zwischen Armrücken und Randplatten bis nahe zur
Spitze der Arme fortlaufend ; keine Höcker oder Stacheln
weder an den oberen noch unteren Randplatten ; die Höcker
des Armrückens und der Scheibe ungewöhnlich gross und
kugelartig, meist ohne, selten mit kurzer nackter Spitze, die
fünf mittleren noch höher als die übrigen, dagegen nie ein
unpaarer Höcker im Mittelpunkt der Scheibe. Bezüglich
des Unterschieds der Granulation auf Balkennetz und Po-
renfeldern, sowie des Fehlens oder Vorhandenseins sekun-
därer Höcker auf der Scheibe ausserhalb der fünf grossen
ist diese Varietät denselben Variationen unterworfen.
19 c. var. intermedia.
In der Rückenbedeckung und dem Mangel aller Rand-
stacheln mit der vorigen übereinstimmend ; keine einzelnen
Höcker ausserhalb der fünf Reihen; einige Höcker endi-
gen bei der Mehrzahl der Exemplare in einen längeren
nackten Stachel wie es bei muricatus Regel ist, bei an-
deren sind sie stumpf abgerundet ; die Arme sind verhält-
nissmässig breiter und kürzer als bei der gleich grossen
mutica aus Timor.
Farbe während des Lebens grau oder röthlich, der
Rand lebhaft roth, die Höcker schwärzlich ; je nach der
Lebhaftigkeit der Färbung kann man zwei Abänderungen
unterscheiden: a) die rothe: oben und unten purpurroth,
die Höcker schwarz mit intensiver rothem Hof, der Rand
tief karminroth : b) die graue : oben und unten braungrau,
die Armspitzen und die Höcker schwarzbraun, der Rand
orangefarbig.
An einzelnen Individuen geht die graue Färbung
gegen die Spitze der Arme zu plötzlich in die rothe
über. Die schwarze Farbe erblasst in Spiritus meist völlig
oder wird wenigstens schieferblau, die rothe wird erdbraun.
Ueber ostasiatische Echinodermen.
81
Oreaster tiiberciüatiis Müller und Troschel S. 47
möchte, nach dem einzigen im Berliner zoologischen
Museum vorhandenen Exemplar, einem verkrüppelten und
verzerrten, zu urtheilcn, auch noch in den Kreis dieser
Art gehören; es zeichnet sich aus durch kleine, aber
zahlreiche spitze Höcker, Stacheln auf fast allen unteren,
aber auf keiner der oberen Randplatten, ferner durch
vereinzeltes Vorkommen von klappenartigen Pedicellarien
auf den oberen Randplatten und der Rückenfläche, was
ich an allen anderen Exemplaren vermisse.
Oreaster mamillatus Audouin Descr. Eg. pl. 5; Müll.
Trosch. S. 58 aus dem rothen Meer ist nur durch die
schlankeren Arme und die Grösse von meinen Exempla-
ren aus Flores zu unterscheiden.
Dimensionen in aMillimetern.
Die Hauptform habe ich nicht selbst im indischen
Ocean gesehen (A). Var. multispina auf Larentuka,
Insel Flores.
Var. mutica m. (hiulcus Müll.^ Trosch.) auf der Insel
Timor bei Kupang und Atapupu.
Var. intermedia m. auf Bat j an (eigentliche Moluk-
ken); Rosenberg sandte dieselbe aus Amboina dem Kgl.
Museum zu.
20. Oreaster obtusatus Müll. Troschel p. 50. — Encycl.
method. pl. 103.
Scheibenradius zum Armradius nur wie 1 : 2V3. Rük-
kenseite wenig erhaben, voll kleiner gekörnter Plättclien,
Archiv f. Naturg. XXXII. Jahrg. 1. Bd. 6
82 V. Martens:
welche oft ein kleines Höckerchcn tragen ^ aber ohne
grössere Knoten und Stacheln.
A ta p 11 p u auf Timor, von Dr. Wienecke zu Atapupu
mir gegeben. — Molnkken (Amsterdamer Museum).
21. Go7iiaster clavatus m.
Fünf Arme. Scheibcnradins zum Armradius wie 1 : 3^2 5
Breite der Arme an ihrer Basis zu demselben wie 1:3;
Winkel zwischen den Armen nicht abgerundet. Furchen-
papillen in einfacher , eng zusammenhängender Reihe.
Untere Fläche mit abgerundet vieleckigen sehr fein
gekörnten Platten besetzt ; 3 — 4 Radialreihen hievon zwi-
schen der Armfurche und den Randplatten, die äusserste
unregeimässig, ihre Platten in der Mitte öfters nackt;
die Platten der innersten (der Armfurchc nächsten) klei-
ner. Obere und untere Randplatten einander gleich, je
12 — 13 an einer Armseite, an ihren Rändern mit sehr
feiner Granulation überdeckt, in der Mitte nackt und con-
vex; meist abwechselnd in derselben Reihe eine längere
und eine kürzere, oft stärker convexe, letztere öfters etwas
aus der Reihe heraustretend. Rückenseite flach, mit kleine-
ren abgerundet- vieleckigen sehr feingekörnten Plättchen
bedeckt, zwischen denen zahlreiche einzelne verhältniss-
massig grosse Poren sich befinden. Armrücken schwach
kantig, mit einer einfachen nicht zusammenhängenden
Reihe (8) grösserer Platten, welche den Randplatten ähn-
lich sind, d. h. grösser als die anderen, nur an der Peri-
pherie mit Körnelung bedeckt, in der Mitte nackt und
erhaben ; eine ähnliche Platte in der Mitte der Scheibe
und fünf solche, aber ganz flache auf der Scheibe, den
Armwinkeln entsprechend. Kleine Pedicellarien zerstreut
auf der Rückenseite, Madreporenplatte höckerartig erha-
ben, ungefähr in der Mitte zwischen Centrum und Rand,
die eine der erwähnten fünf Zwischenarmplatten zum
Theil verdrängend.
Farbe aus Erdgrau und Blassroth gemischt; das
Roth hat sich in den Zwischenräumen der kleinen Platten
auf Rücken und Bauchseite erhalten; die nackte Mitte
der Rand- und Rückenplatten schwärzlich. — Armradius
24 Mill.
Ueber ostasiatische Echinodermen. 8&
Larentuka auf Flores.
Weicht von den anderen Arten der Gattung Astro-
gonium ab , nicht aliein durch die verhältnissmässig
langen Arme^ worin ihm Astr. Soulevetii Dujaidin et
Hupe (hist. nat. des zoophytes echinoderraes 1862. Taf. 7.
P'ig. 6) ähnelt, sondern auch durch die Ungleichheit der
Randplatten unter sich und ihre Aehnlichkeit mit solchen
auf der Rückenliäche^ sowie durch die einfache Reihe
der Furchenpapillen. Er nähert sich dadurch ziemlich den
Linckien mit stark ausgebildeten Randplatten, wie z. B.
L. milleporella , bleibt aber doch noch hinreichend im
Habitus verschieden. Die Beschaffenheit des Armrückens
nähert unsere x\rt einigermassen der Gattung Oreaster,
indem die nackte stark convexe Mitte der einzelnen
Platte an die ötachelhöcker dieser Gattung erinnert.
22. Archaster iijpimis Müll. TroscJi. 1. c. Ö. 6(3. Taf. 5. Fig. 2.
Unterscheidet sich von Astropecten, dem er im Habitus
ähnelt, neben den wichtigeren Unterschieden des Afters
und der Saugscheibe an den Ambulakren auch dadurch,
dass die oberen Randplatten wesentlich an der Seite des
Armes liegen und nur mit ihrem obersten Theil den
Rücken erreichen, so dass die Kante, welche die Rük-
ken- und Seitenfläche bildet, in den oberen Rand der
Randpiatte fällt und nicht in deren Mitte. Diese oberen
Randplatten sind mit stumpfen keulenförmigen Fort-
sätzen dicht besetzt, ähnlich denen der Rückenfläche,
aber gleichmässig dicht gedrängt und im Allgemeinen
feiner; wo sie abgefallen sind, erscheint die Platte mit
feinen in etwas wellige Radialreihen gestellten Narben
bedeckt. Die unteren Platten sind mit kurzen schup-
penförmigen Stacheln bekleidet, ^velche (bei trockenen
Exemplaren) alle nach oben sich anlegen; nach dem
Abfallen derselben bleibt eine schuppig-höckerige weit
gröbere Sculptur. Die Stelle des Afters im Centrum der
Scheibe ist öfters deutlich durch längere und etwas zu-
sammenneigende Fortsätze bezeichnet. Der Rücken ist
mit Reihen von Höckern besetzt, deren jeder eine Anzahl
kurzer keulenförmiger Fortsätze trägt; die Höcker der
mittleren Reihe jedes Armes sind breiter als die übrigen.
84 V. Martens:
Furchenpapillen der inneren Reihe 3 auf jeder Platte,
die mittleren etwas grösser. Zahl der (unteren) Rand-
platten an einer Armseite 40 — 45, bei A. Mauritianus Gray
sp. (angulatus Müll. Tr.) 70.
Farbe während des Lebens oben aschgrau, mit mehr
oder weniger bestimmten schwärzlichen Querbändern auf
den Armen; unten blassgelb.
Armradius bis 69 Mill. Scheibenradius zum Armra-
dius wie 1 : 4 — 4Y2- Armbreite zum Armradius wie 1 : 3—4.
Armhöhe zur Armbreite wie 6:11.
Insel B atj an (Molukken) häufig an sandigen Stellen,
2 — 3 Fuss unter Wasser bei Ebbezeit, Insel Timor und
A d e n a r e neben Flores. A m b o i n a nicht häufig. — Java,
Frank im Berliner Museum. Von denselben Orten, aber
anderen Findern auch im Leidner Museum.
23. Luidia maculata Müll. Trosch. 1. c. S. 77.
In der Bai von Manila ein achtarmiges Exemplar
gefunden. Dieser Fundort verknüpft einigermassen die
zwei bis jetzt bekannten entlegenen: Japan und Mossam-
bique (A.)
In der Literatur und den Museen finde ich folgende
weitere Seesterne aus dem Gebiete des indischen Archi-
pels mit mehr oder weniger Bestimmtheit angegeben :
Asterias tenuispina Lam. Java, Kühl und Hassclt
bei Müller und Troschel S. 16, Molukken und Neuhol-
land, Müller in Wiegmann's Archiv 1843. Ist eine Art
des Mittclmeers , wird aber auch aus Ile de France an-
gegeben. Hongkong, Grube Breslauer Zeit. Febr. 1865.
Asterias calamaria Gray Ann. mag. n. h. VI. 1840.
S. 179 *von Ile de France und Neuholland, sollte demnach
auch im indischen Archipel sich finden.
Echinaster oculatus (Linck.) Penn. sp. = sepositus
Retz. Java, Boie und Timor, Wienecke, Leidner Museum.,
sechs bis siebenarmig. (A) Im nördlichen Europa zu Hause.
Es scheint sehr unwahrscheinlich, dass diese nordische
Art auch in Indien lebe, und dürfte vielleicht eine Ver-
wechselung mit E. fallax der Bestimmung zu Grunde liegen.
üeber ostasiatische Echinodermen. 85
Echinaster crassus Müll. Trosch. „Mers de l'Inde*'
Dujardln und Hupe.
Solaster gracilis Grube Breslauer Zeitung 7. Febr.
1865. Achtarmig. Hongkong.
Chaetastcr cylindratus Mübius 1. c. ^Ostindien."
Linckia pusilia Müll. Trosch. Wiegm. Arch. 1844
Philippinen.
Linckia suturalis Müll. Trosch. blau, wie miliaris, aber
mit breiteren Armen , vielleicht nur Abart desselben,
wenigstens das so bestimmte Exemplar des Leidner Mu-
seums von Atapupu.
Linckia cylindrica Lam. sp., Müll. Tr. Molukken, Am-
sterdamer Museum (A). Vielleicht obige L. pustulata?
Linckia (^Scytaster) pistorius Müll. Tr. = Fromia
milleporella Gray. Molukken, Amsterdamer Sammlung (A).
Linckia (Scytaster) semiregularis Müll. Tr. Java.
Reinwardt im Leidner Museum. (Habe ich in Japan ge-
funden. Sollte Reinwardt ihn auch von dort durch die
aus Japan nach Batavia zurückkehrenden holländischen
Schiffe erhalten haben?)
Linckia (Scytaster) Kuhlii Müll. Tr. Java, Kühl und
Hasselt, Leidner Museum.
Culcita Novae Guineae Müll. Tr. Neuguinea , Sal.
Müller im Leidner Museum.
Asterina Cepheus Val. Batavia, Reynaud im Pariser
Museum. Müll. Tr. p. 42.
Asterina trochiscus Retz. „Indisches Meer.^
Oreaster superbus Möbius 1. c. Sumatra.
Oreaster reticulatus L. sp. wird von Einigen der
Figur bei Rumph wegen als indisch, speziell in Am-
boina vorkommend betrachtet, aber mit Unrecht, denn
jene Figur ist erst in Holland dem Manuskript von
Rumph beigegeben worden, wie der Text ergiebt; die
Art ist westindisch.
Oreaster aculeatus Gray sp., Müll. Tr. Die mit die-
sem Namen bezeichneten Exemplare aus den „Molukken'^
im Amsterdamer Museum dürften wohl zu muricatus ge-
hören; Gray selbst giebt seine Art aus Westindien an.
Goniaster a) Astrogonium Müll.
86 V. Märten s:
Goniaster semilunatus Linck = cnspidatus Gray,
Celebes von Schönlein im Berliner Museum.
Goniaster inaequalis Gray sp. Proceed. zool. soc.
1847. p. 79 ^Neu-Guinea? oder Amboina? Sir Belcher."
b) Goniodiscus.
Goniaster Sebae Müll. Troscli. aus den Molukken
von Macklot und Sal. Müller und aus Neu - Guinea im
Leidner Museum ; Molukken, Amsterdamer Sammlung. Am-
boina nach Bleeker.
Goniaster Pleyadella Lam. sp. Molukken , Amsterda-
mer Sammlung. Im Pariser Museum Exemplare von Perons
Reise ohne näheren Fundort, muthmasslich von Timor. .
Goniaster cuspidatus Lam. sp., Müll. Tr. = scaber
Möbius 1. c. „Ostindien." Ebenfalls von Perons Reise
in der Pariser Sammlung.
c) Randasia Gray.
Goniaster Luzonicus Gray Ann. mag. n. h. VI. 1841.
Philippinen.
Goniaster gracilis Gray Ann. mag. n. h. VI. 1841.
Ternate (Molukken).
d) Hosia Gray.
Goniaster spinulosus Gray Proceed. zool. soc. 1847.
p. 78 Philippinen.
e) Longimani.
Goniaster longimanus (Astrogonium) Möbius 1. c. 1860.
Taf. I. Fig. 5, 6. — Astrog. Souleyeti Dujardin et Hupe
bist. nat. des Echinodermes 1862. pl. 7. fig. 6. Strasse
von Malakka, Souleyet.
f) Stellaster Gray.
Goniaster Belcheri Gray „Amboina )
oder Neu- Guinea". I ^gl- ^^^ chinesi-
Goniaster gracilis Möbius (= eque- ( sehen Seesterne,
stris Retz) Sumatra, Möbius. j
Archaster angulatus Müll. Tr. S. ß6. unter diesem
Namen vereinigen die Verfasser ein javanisches und ein
ostafrikanisches Exemplar des Berliner Museums; das
ostafrikanische, worauf hauptsächlich die Beschreibung
gegründet scheint, ist eine gut unterschiedene Art, muss
aber den älteren Artnamen Mauritianus Gray erhalten.
Ueber ostasiatische Echinodermen. 87
Das javanische scheint mir kaum sich von typicus zu un-
terscheiden.
Astropecten scoparius Müll. Tr. Indischer Ocean,
Schönlein im Berliner Museum. Ist sicher in Japan zu
Hause.
Astropecten Chinensisl Grube Breslauer Zeitung,
— umbrinus ( 10. Januar 1865. Hongkong.
II. Ophiuren.
Da mir die Ophiuren -Literatur gegenwärtig nicht
vollständig zur Hand ist, begnüge ich mich, nur einige
der bis jetzt bestimmten Arten der Fundorte wegen an-
zuführen und denselben einige Bemerkungen über Tri-
chaster anzuknüpfen.
Ophiolepis annulosa Blainv. sp. Müll. Tr. Amboina,
V. Rosenberg.
Ophiocoma erinaceus Müll. Tr. Amboina (A).
Ophiocoma scolopendrina Lam. sp., Müll. Tr. die häu-
figste Art auf den Korallenbänken, ich fand sie bei B e n-
kulen (westliches Sumatra), Palabuan fsüdl. Java) und
Timor (A).
Ophiomastix annulosa Lam. sp. , Mülh Tr. Timor
und Amboina.
Ophiothrix longipeda Müll. Tr. Timor bei Kupang
nicht selten, schön blass violett. So auffallend diese Art
durch ihre Farbe und Länge der Strahlen ist, habe ich
sie doch auf keiner anderen Insel bemerkt, als auf Timor,
von wo sie schon seit lange bekannt ist.
Trichaster i\g. Arme nur nahe der Spitze mehrfach
gegabelt. Nackthh'utlg mit zwei ^Reihen stachelförmiger
Höcker. Scheibenrücken mit 10 Radialrippen, wie bei
Astrophyton.
Trichaster ■flagellifer m. (vergleiche palmiferus Lam.
sp. Encycl. meth. pl. 126 Müll. Trosch. ast. p. 120?)
Singapore und Banka, je ein Exemplar von mir
gefunden.
Die Betrachtung derselben ergiebt folgende Abwei-
chungen von der angeführten Beschreibung.
88 V. Martens:
Mundspalten kurz und weit, mit ganz kurzen stum-
pfen Papillen besetzt; die Zähne in drei Längsreihen, aus
der Tiefe des Mundes zur Oberfläche heraufsteigend, die
der mittleren Reihe dicht gedrängt, platter und kürzer,
die der äusseren weniger zahlreich und fast cylindrisch,
papillenförmig, weit länger als die Mundpapillen. Keine
besonderen Mundschilder in den Interbrachialräumen zu
erkennen. Die 10 Rippen der Rücken seite tragen jede
nahe ihrem äusseren Ende einen kleinen Stachel. Die
(etwas grösseren) Stacheln des Armrückens stehen meist
altcrnirend, sehr selten entgegengesetzt, mit sehr zahl-
reichen Lücken, und hören schon eine bedeutende Strecke
vor der Theilung gänzlich auf. Eine Granulation der
Armseite ist nicht zu erkennen. Die Kämme an der
Unterseite der Arme bestehen stets aus nur 2 Papillen,
deren Basis auf einer queren Hautfalte steht, welche
nach innen sich noch etwas weiter erstreckt, aber doch
noch durch einen platten Zwischenraum von derjenigen
der anderen Seite desselben Arms getrennt bleibt.
Die zwei vorliegenden Exemplare stimmen unter
sich in all diesem überein ; dass die genannten Charaktere
eine spezifische Trennung von der bis jetzt allein be-
schriebenen Art rechtfertigen, ist mir wahrscheinlich,
aber ohne Vergleichung mit Exemplaren nicht sicher.
Die Abbildung der Encyclopädie gibt zu wenig Detail,
von Stacheln auf dem Scheibenrücken ist aber keine Spur
zu sehen. Nach Duj ardin und Hupe echinod. p. 300
existirt noch eine zweite Art, T. annulatus Yal. im Pariser
Museum, ist aber nirgends beschrieben. Für palmiferus
wird ziemlich Vag „Indien^ als Fundort angegeben, ich
weiss nicht nach welcher Autorität, da Lamarck das
Vaterland gar nicht kennt.
Zu B öl sehe Ziisaiiiiiieiistelliing der Eehiniden ans
der Gruppe der Diademiden.
Nachtrag zu Bd. XXXI. S. 324.
Untersuchungen an den in diesem Jahre von Herrn
Alex. Agassi z in Cambridge Mass. dem hiesigen zoolo-
gischen Museum gesandten Original-Exemplaren von Ga-
relia cincta haben bestätigt^ dass die Gattung Garelia von
Echinothrix sich nur durch die relative Grösse der schup-
penförmigen Yorsprünge der Interambulacralstacheln un-
terscheidet und deshalb mit letzterer zu vereinigen ist.
Ech. cincta steht durch die Beschaffenheit seiner Stacheln
der Ech. Petersii sehr nahe, unterscheidet sich aber von
ihr sogleich durch die 4 Reihen von fast gleich grossen
Tuberkeln auf den Ambulacralfeldern. Ob die kleinere
Afteröffnung bei Ech. cincta als ein constanter specifi-
schcr Unterschied anzusehen ist, lasse ich noch unent-
schieden. Bei einer Breite von 68 Mm. betrug bei Ech.
cincta der Durchmesser der After Öffnung 5,5 Mm. und bei
derselben Breite des Exemplars bei Ech. Petersii 9 Mm.
Ich kann mich daher der Meinung des Herrn Alex.
Agassiz nicht anschliessend wenn er in einem Briefe
an Prof. Ke ferste in d. D. 26. Juni d. J. seine Garelia
cincta mit meiner Echinothrix Petersii für identisch und
die Echinothrix turcarum für den Jugendzustand der
letzteren halten möchte.
Der einzige Unterschied, den ich zwischen'Diadema
setosa Rumph und D. antillarum Philippi nach einer ge-
nauen Vergleichung habe finden können, besteht darin,
dass bei ersterer die Quirle an den Stacheln enger stehen,
als bei letzterer. Bei D. setosa sind 10 Quirle nicht
höher, als 7 bei D. antillarum.
Göttingen, 28. Juli 1865.
Heber Actiuoiuetra Beiiiietti und eine neue Comatula-
Art (Antedon Dübenii).
Von
Wilhelm Bölsche
in Göttingen.
(Hierzu Taf. IV. Fig. a. b.)
Actinometr a Bennetii Müller sp.
79 Arme bei gewölmlich vierfacher Theiliing der
Kelchradien; der erste Kelchradius theilt sich in 16, der
zweite in 15, der dritte in 18, der vierte und fünfte in 15
Arme (Taf. IV. Fig. a). Der Durchmesser des Central-
knopfes beträgt 12 Mm., seine Höhe 4 Mm.; die cirrenlose
flach ausgehöhlte Mitte besitzt einen Durchmesser von
6 Mm. Etwa 50 Girren mit 30 Gliedern. Die Basis der
Ranken besitzt einen kreisrunden Querschnitt ; nach dem
Ende zu erhalten sie einen elliptischen Querschnitt. In
dem mittleren Theile der ausgewachsenen Girren sind die
Glieder nicht höher als breit, Das Endglied besitzt ausser
dem Ilaken noch an der Innenseite einen kleinen stumpfen
Fortsatz. Von den Radialia sind aussen nur 2 sichtbar.
Auf das Radiale axillare folgen bis zur nächsten Theilung
4 Glieder, von denen das vierte wieder axillar ist. Ebenso
befinden sich zwischen den Axillar-Gliedcrn je zweier
folgenden Theilungcn immer 3 Glieder. Stets bildet das
dritte Brachiale mit dem darüber folgenden Axillare bra-
chiale ein Syzvgium. Nach der letzten Theilung der
Arme wird wieder das erste Syzygium von dem dritten
und vierten Gliede gebildet. Dann folgen 17—31 Glieder
bis zum nächsten Syzygium. Von hier an liegen zwischen
den folgenden Sy/iygien 3—7 Glieder. (Die Zahl 3 herrscht
B ö 1 s ch e : Ueb. Actinometra ßennetti u. eine neue Comatula-Art. 91
bei weitem vor.) Die Glieder der Arme sind m'edrig.
Bei näherer Betrachtung mit der Loupe findet man, dass
ihre Oberfläche mit kleinen Längsrippen bedeckt Ist, die
nach dem aboralen Rande hin vcrlanfen und hier in frei
hervorragenden Stachelchen endigen. Die Pinnulae neh-
men von der ersten bis zur sechsten rasch an Grösse ab.
Während der Armtheilungen befindet sich die Pin-
nula Immer am zweiten Gllede über dem Axillare. An
der Innenseite des folgenden Hypozygale Ist keine Pinnula
vorhanden. Die Endglieder der ersten 5 — 7 Pinnulae be-
sitzen auf ihrer Innenseite ziemlich hoch hervorragende
fein längsgefurchte Querwülste, die der meisten anderen
Pinnulae zwei oder mehrere Reihen von kleinen nach ein-
wärts gebogenen Dörnchen. Die Arme sind bis zur
zweiten oder dritten Thellung durch die Haut der Scheibe
verbunden. Auf letzterer befinden sich einige zerstreut
stehende, kurze, stumpfe Knochen- Tuberkeln. Die Mitte
der Scheibe nimmt die lange Afterröhre ein. Der Mund
liegt In der Nähe der Peripherie. Von ihm verlaufen die
Rinnen In unsymmetrischer Vertheilung zu den Armen.
Farbe braun. Scheiben -Durchmesser 28 Mm.; Durchmes-
ser des Exemplars 28 Cm.
Fundort: Schiffer-Inseln; gesammelt von Dr. Gräffe.
Göttinger Museum.
Diese Species wurde zuerst von Johannes Mül-
ler ^) als Comatula Bennetti beschrieben. Zu derselben
Gattung ist sie auch von Dujardin und Hupe^) ge-
stellt. Die von ihnen gegebene Beschreibung Ist unvoll-
ständig. Durch die gütige Vermittelung des Herrn Pro-
fessor Ke f er stein wurde Ich in den Stand gesetzt, von
Herrn Herklo ts, Conservator am Reichs - Museum zu
Leyden, durcli Vergleichung meiner Beschreibung mit
dem Original-Exemplare von J. Müller die Richtigkeit
der Bestimmung des vorliegenden Exemplars feststellen
zu lassen.
1) Monatsber. d. Berl. Acad. 1841. p. 187. Wiegmanns Arch.
1841. p. 146.
2) Hist. nat. d. zooph. echin. (Suite ä Buffon. . 1862. p. 208.
92 B ö l s c h e : Ueb. Actinometra Bennetti u. eine neue Comatula-Art.
Antedon Dühenii n. sp. (Fig. b.)
10 Arme. Breite des pentagonalen Centralknopfes
21/2 Mm., Höhe 1 Mm. Gegen 40 Ranken mit 12—14, in
mehreren Wirtein angeordneten Gliedern j die cirrenlose
ganz ebene Mitte ungefähr 1 Mm. breit. Die Glieder in
der Mitte der Ranken höher als breit, von der Seite
etwas zusammengedrückt. Aussen nur 2 Radialia sicht-
bar ; alle 3 Radialia sind durch elastische Interartieular-
substanz verbunden. Das zweite (a) Radiale ist sehr nie-
drig, das Radiale axillare (b) dreieckig. Zwischen je 2
Radialia secunda liegt noch in der Mitte ein kleines Kno-
chenplättchen (c). Das erste Syzygium (d) wird vom dritten
und vierten Gliede gebildet; dann liegen 1 — 4 Glieder
zwischen den Syzygien. Die Pinnulae nehmen von der
ersten bis zur dritten an Grösse ab. Die erste, die sich
am zweiten Gliede über dem Radiale axillare befindet, ist
fast noch einmal so lang, als die zweite und besitzt gegen
24 Glieder. Die zweite Pinnula hat ebenso, wie die fol-
genden 12 — 14 Glieder, die viel höher als breit sind. Die
ganze Oberfläche der Arm- und Pinnulae-Glieder ist mit
einer grossen Menge von feinen Längsrippen bedeckt,
die am aboralen Rande in feinen Spitzchen endigen.
Arme sind bis zum zweiten Brachiale durch die Haut der
Scheibe verbunden. Mund central; After excentrisch.
Farbe braun. Grösse des Exemplars gegen 90 Mm.; Schei-
ben-Durchmesser 7 Mm.
Fundort : Rio-Janeiro. Göttinger Museum.
Göttin gen, 28. Juli 1865.
Die Murmclthiere und Zieselmäuse Polens und
Galiziens.
Von
Ernst Schauer
in Krakau.
(Hierzu Taf. IV.)
Zuerst das Pcrlziesel Spermophilus guttatus T. Was
ich von diesen Tliierchen selbst gesehen habe, will ich
getreulich berichten. Das erste Exemplar sähe ich anfangs
November 1850 in Poturzjca bei Sokal am Flusse Bug
in Galizien in der Gefangenschaft, ich nahm es zu mir,
trug es in den Taschen herum und nahm es mit auf
Reisen, manchmal schlief es ein oder zwei Tage hindurch,
starb am 26. Dec. wahrscheinlich an den bitteren Mandeln
des Weihnachts-Kuchens. Man tröstete mich, dass ich
zum Frühjahre deren genug haben könnte ; der Schnee
ging weg , ich besah mir die Röhren in welchen sie
wohnten ; der Schnepfenstrich und der April gingen zu
Ende, und obschon ich alle Tage in's Feld ging, hatte
ich noch kein Susel gesehen. Endlich in den ersten
Maitagen, wahrscheinlich am dritten, denn ich hatte keine
Flinte mit, und muss wohl ein ^^onntag gewesen sein,
vv^aren wie mit einem Zauberschlage die Susli auf der
Oberwelt erschienen. Ende Juni trieb ich welche mit
Wasser aus ihren Röhren, bekam dabei vier junge halb-
wüchsige, machte zwei Dutzend Bälge, die zwölf Jahre
unbeachtet im Kasten blieben, bis ich sie vor zwei Jahren
mit nach Berlin nahm. Ein andermal habe ich Perlziesel
gesehen in Podolien vor Kamieniec-podolski in den Fel-
dern, 29. Mai 1858, hinter Kamieniec po. aber keine mehr.
94 Schauer:
auch nicht im nördlichen Bessarabien. Dort sah ich ein
Sp. citillus^ welches mir und dem Hunde entschlüpfte.
Einen zweiten citillus bemerkte ich in Podolien am Ufer
des Dniesters dort, wo derselbe das Flüsschen Ladawa
aufnimmt; drei Meilen vor Mohilew, am 4. Juni i858, er
schlüpfte in einen Steinhaufen, und als ich die Steine
auseinander warf, fing ihn der Hund. Hatte ich während
meines fünfjährigen Aufenhalts in Poturzyca versäumt,
mich mit den Perlzieseln bekannt zu machen, so wollte
ich es im vergangenen Jahre wieder einbringen, und fuhr
nach Poturzyca, Eigenthum des Herrn Grafen W. Dzie-
duszycki, wo ich am 1. October ankam. Leider zu spät,
die Susli schliefen schon. Mit Aufmerksamkeit unter-
suchte ich die Röhren um einen Winteraufenthalt zu ent-
decken, fand aber nichts, als an wenigen Orten ausge-
worfenen Lehm und Kreidemergel. In einem Kleefelde
liess ich graben, die Rohre lief schräg, (und das sind
seltene Fälle, gewöhnlich sind sie fallrecht)^ machte eine
halbe Schneckenwindung und in einer Tiefe von drei
Fiiss kam ich in eine Kammer, mehr als einen Kubikfuss
Raum enthaltend, und ganz ausgefüllt mit Strohsplittern
und Heu, auch einigen Kleeblättern und Kleeblüthen ;
behutsam wurde alles hinweggeräumt und auf dem Boden
der Kammer zeigten sich zwei Röhren, die sich nach
unten senkten und zwei Fuss tiefer zu einer zweiten
eben so grossen Kammer führten, nur halb mit Stroh
und Heu ausgefüllt, und wieder liefen zwei Röhren aus,
horinzontal und in entgegengesetzten Richtungen ; ich ver-
folgte sie, die eine war drei, die andere vier Fuss lang,
und am Ende in jeder Röhre sass eine Kröte, Bufo viri-
dis, variabilis. Dieser Bau war sicher zu einem Winter-
quartier hergerichtet worden, Stroh, Heu, Kleeblätter w^aren
ganz trocken und unlängst eingetragen. Am anderen
Tage liess ich einen zweiten Bau ausgraben; vier Fuss
tief fand ich eine Kammer wie die gestrigen, ohne Ne-
bengänge, aber ganz ausgefüllt mit Heu und Stroh, und
drin sassen drei Kröten. Die folgenden Tage arbeitete
ich weiter, durchstach an zwei Stellen einen Damm,
dessen Inneres ein Labyrinth von Gängen und Röhren
Die Murmelthiere u. Zieselmäuse Polens u. Galiziens. 95
war; alle wurden sorgfältig sondirt mit Weidenruthen, an
welche ich Drahthäkchen befestigt hatte. Noch an vielen
andern Stellen liess ich graben , kam aber auf keine
Ziesel und gab meine Nachsuchungen auf, mit dem Vor-
satze, sie künftiges Jahr weiter zu betreiben. Am 2.
August dieses Jahres reiste ich von Krakau ab, und da
ich in Tarnow und Lemberg Geschäfte hatte, traf ich erst
am 13. Aug. in Poturzyca Abends um 6 Uhr ein und
ging sogleich in's Feld, sähe drei Susli, zwei im Hafer,
eins im Buchweizen und schoss zwei davon, die heute noch
abgebalgt wurden. Der Magen, noch einmal so gross
als der Kopf," war voll, enthielt fast trockenes Mehl mit
nur wenig grünen Pflanzenstoffen. Der eine hatte in jeder
Backentasche 62 schöne, ausgewählte Buchweizenkörner,
der andere in jeder Backentasche 40 Ilaferkörner, die
sehr sorgfältig in zwei Reihen geschichtet lagen, kein
Korn lag verwendet, Spitze neben Spitze, Stielnarbe
neben Stielnarbe, sie waren niclit ausgehülset. Am an-
dern Tage wurde die Sache grossartiger betrieben, ich
liess ein Fass mit Wasser in's Feld bringen und wo ich
ein Susel einschlüpfen sah, goss ich ihn aus. Ein, zwei
höchstens drei Eimer voll Wasser, wie man sie in den
Pferdeställen braucht, reichen hin, sie kommen sogleich
heraus, man kann sie mit der Hand greifen und in den
Sack stecken, jedoch vorsichtig dabei zu Werke gehen,
denn sie beissen empfindlich bis auf's Blut , und die
Wunden heilen nicht gut. Ich nahm nur sechs Stück, so
viel als ich bearbeiten wollte und wiederholte die Jagd an
dem folgenden Tage. Es trat unfreundliches Wetter ein
und die Susli Hessen sich mehrere Tage lang nicht sehen.
Als sie wieder heraus kamen, verwendete ich meine Zeit
dazu sie zu beobachten und namentlich um ein AYinter-
quartier auszuspähen, konnte jedoch nichts entdecken, nie
sah ich zwei Stücke beisammen oder einen Bau stärker
befahren, und am 2. September waren alle verschwun-
den. Nur an dem trockenen Ende einer Wiese, die mit
Feldern umgeben war, bemerkte ich noch Susli, sonst
an keinem andern Orte. Die Ursache war nicht weit zu
suchen; alle Felder in der Nähe der Wiese wurden um-
96 Schauer:
geackert, die Thiere bei ihren AYolinungen gestört, denn
sie verlassen auf der Stelle jedes frisch gepflügte Feld.
Alle Tage fing ich da einige Thierchen auf einem nur
fünf Morgen grossen Stück Land; der Hühnerhund hatte
sich zuletzt so eingearbeitet, dass er mir unfehlbar jede
Röhre anzeigte, in welcher ein Susel sass. Man kann
nicht zweifeln, dass die Susli auf dieser Wiese unvorbe-
reitete Winterquartire hätten einnehmen müssen. Das
letzte Exemplar erlegte ich am 9. Sept. mit der Flinte ;
auf der kurzgemähten Wiese Hess es sich nicht nahe bei-
kommen; nach dem Schusse wälzte es sich vor der Röhre,
schlüpfte jedoch ein bevor es der Hund nehmen konnte. Ich
war an demselben Tage beschäftigt die Baue zu untersuchen,
und da es sich mir gleich blieb wo ich nachgrub, so suchte
ich nach dem angeschossenen. Die Röhre ging drei Fuss
fallrecht und theilte sich in zwei horizontal laufende nach
entgegengesetzten Richtungen, die eine war zwei Fuss,
die andre , in welche der Susel gegangen, zwei Klafter
lang, er sass am Ende der Röhre, und in der Mitte der
lagen einige grüne Grashalmen, und ähnlich habe ich
alle dergleichen Baue gefunden. Ich glaube darin, dass
die Thiere so spät im Jahre ihre Wohnungen in den ge-
ackerten Feldern verliessen und sich auf der Wiese
neue suchten, einen Beweis zu finden, dass sie keinen
Wintervorrath eintragen. Drei Tage lang trieb sich ein
Wiesel auf der W^iese herum, ich habe aber nicht be-
merkt, dass es Jagd auf Ziesel gemacht hätte, am dritten
Tage, wo es mir sehr dick und angefressen vorkam,
schoss ich es todt ; es hatte eine Feldmaus Hyp. arvalis
verzehrt. Yom 10. September an habe ich auch auf
dieser Wiese keinen Susel mehr gesehen. An vielen
Stellen habe ich wieder nachgegraben und nachgesucht,
aber weder ich noch der Hund konnten eine Winterwoh-
nung entdecken. Ein Bauer erzählte mir, dass er beim
Graben einer Grube um KartotFeln für den Winter auf-
zubewahren, beisammen zehn schlafende Susli gefunden
habe. Nachdem ich einen ganzen Monat meiner Lebens-
zeit ausschliesslich damit zugebracht, die Perlziesel zu be-
obachten, verliess ich Poturzyca am 16. Sept. und hatte
Die Murmelthiere u. Zieselmäuse Polens u. Galiziens. 97
20 Bälge, 10 in Spiritus und nahm 20 lebendig mit, fuhr
nach Zalosce um dort abgelassene grosse Teiche abzu-
suchen, wo ich sonst viele seltene Enten und Strand-
vögel erjagt habe. Zwei Tage dauerte die Reise, und
drei meiner Perlziesel fand ich ermordet, eins hatten
die andern fast aufgefressen, einem andern die Einge-
weide ausgerissen, und das dritte lag mit aufgeschlitztem
Bauche in den letzten Zügen ; später vrurden zwei flüch-
tig, aber immer habe ich 15 Stück gesund nach Krakau
gebracht, und mit ihnen eine Reise von 80 Meilen ge-
macht. Sechs davon schenkte ich dem zoologischen Gar-
ten in Breslau, und erfahre, dass sie sich recht wohl be-
finden.
Es liegt etwas Geheimnissvolles in dem Leben und
Treiben dieser Thiere ; mir kommen sie vor wie Kobolde
und Gnomen, denen es nur zu Zeiten gestattet ist, auf
die Oberwelt zu gehen. Man geht in's Feld, und ein
Susel , welchen man nicht sah, stand bei seiner Röhre
und schlüpfte mit Blitzesschnelle ein, der Eindruck bleibt
dem Auge, man blickt nach der Erscheinung, und der
kleine Erdgeist ist verschwunden; man wartet bis er
herauskömmt, lenkt aber unterdess die Aufmerksamkeit
auf etwas anderes, und mit einem male steht das Vexir-
teufelchen da, um eben so geschwind wieder zu ver-
schwinden. Manchmal sieht man sie bei gutem Wetter
nicht, manchmal laufen sie während des Regens herum.
Jede Aenderung des Wetters bringt sie in Aufregung,
auch in der Gefangenschaft. Bevor die Sonne unter-
geht, sind sie schon verschwunden, und die Sonne steht
schon hoch, bevor sie sich zeigen und die letzten Thau-
tropfen von den Pflanzenstengeln ablecken. Jedes Thier-
chen hat sein Territorium, um welches nicht selten im
Frühjahr auf Leben und Tod gekämpft wird. Am besten
kann man dies sehen auf Wiesen und Rasenhügeln. Von
einer Hauptröhre, die durch den häufigsten Gebrauch
am weitesten geworden ist, gehen nach 3, 4, 5 Seiten
fest ausgetretene 1, 2, 3, 4 Klafter lange Fusssteige, ein
jeder führt zu einer Röhre, von welcher w^iederum Fuss-
steige ausgehen, und je weiter der Bewohner zum Wei-
Archiv f. ISaturg. XXXU. Jahrg. 1. Bd. 7
98 Schauer:
zenfelde hat, desto mehr hat er Löcher. Eine solche
Röhre fällt senkrecht ein und in einer Tiefe von unge-
fähr drei Fuss theilt sie sich in 1, 2, 3 wagreciit laufende
Aeste (die längste habe ich zwei Kiafter lang gefun-
den), die aber nicht mit andern in Verbindung stehen;
ich habe hunderte solcher Löcher voll Wasser gegossen,
und mehr als 20 ausgegraben, aber nur dreimal fand ich
welche mit einander in Verbindung. Niemals liegt bei
solchen senkrechten Löchern ausgeworfene Erde , die
Oefinung ist oft mit Gras überwachsen, dass man sie
nicht sieht , den Fusssteig sieht man immer. Geht das
Thierchen von dem Hauptloche in's Feld, so geht es
an keiner Röhre vorüber ohne einzuschlüpfen, kömmt
heraus, macht ein Männchen, sieht sich vorsichtig um
und geht zur nächsten Röhre und so fort bis in's Korn-
feld, wo es sich auch noch Nothbaue gräbt, die nicht tief
sind, und bei welchen immer Aehren und Spreu liegen.
Eine Röhre hat 2V2 — 3 Zoll Durchmesser. Den Fluss
Bug bewohnen sie bei Sokal und Poturzyca an beiden
Ufern; man muss sich über ihre Verbreitung wundern,
ich kenne ein Dorf von Wald und Sumpf umgeben und
auf den Feldern leben Susli. Sie können nicht schwim-
men und gebärden sich im Wasser ganz unbändig und
ungeschickt, der Hamster hingegen ergiebt sich in sein
Schicksal, bläst die Backentaschen auf und weiss sich so
über dem Wasser zu erhalten; giesst man die Susli mit
kaltem Brunnenwasser aus, so erstarren sie und verlieren
alle Geistesgegenwart. Bei Annäherung einer Gefahr,
oder w^enn sie bei schlechtem kalten Wetter in den Lö-
chern sitzen und nur die Nase herausstecken, lassen sie
einen scharfen sehr hoch gestimmten Pfiff hören, den
ich mir nicht getraue mit einer Note zu bezeichnen ; geht
man übers Feld und hört den Ton, so kann man nie mit
Bestimmtheit sagen, von welcher Richtung er kam ; sie
täuschen und necken den Beobachter. Alle die, welche
ich im September bekam, hatten nur grünes Gras in dem
immer vollen Magen, sie sind in dieser Zeit erstaunlich fett.
Ich bin zur Ueberzeugung gekommen, dass sie keinen
Wintervorrath eintragen vmd die Eingangsröhren zu den
Die Murraelthiere u. Zieselmäuse Polens u. Galiziens. 99
Winter(|iiartlercn äussorlicli nicht verstopfen. lieber ihre
Vermehrung könnte man leicht in's KLare kommen, wenn
man Im Frühjalire alle Tage ein Weibchen untersuchte,
denn man kann voraussetzen, dass diese Thiere, die wie
mit dem electrischen Schlage an einem Tage erwachen
und einschlafen, auch an einem Tage sich begatten und
an einem Tage Junge zur Welt bringen. Unter den 50
Exemplaren, die ich gesammelt, waren zwei fast ausge-
wachsene Junge, man kennt sie an den schwachen Zäh-
nen, und an der dunkel gelberen Unterseite. Auch Win-
terquartiere könnte man entdecken, wollte man nur Ob-
acht geben wo im Frühjahre die ersten herauskommen,
vielleicht wird ein W^interbau mehrere Jahre benutzt.
Sic wohnen nur in strengem Lehmboden oder Kreide-
mergel, sandige Orte meiden sie, auch zu trockene oder
zu nasse. Wo die Susli eine Flur bewohnen, da sind
sie auch häufig, und der Schaden, den sie anrichten, ist
erheblich; Herr Solowej, Güterverwalter, sagte mir, dass
sie Maispflanzungen viele Morgen gross vernichten, wenn
die Samenkörner keimen. In der Gefangenschaft suchen
sie sich in ihr Schicksal zu finden. Bringt man sie vom
Felde nach Hause und setzt sie in den Käfig, so ist das
erste und nothwendigste was sie zu thun baben, zumal
wenn sie noch nass sind, sich zu kämmen und zu putzen,
aufrecht sitzend fahren sie mit den Händen über den
Nacken und Kopf, und das sieht recht possirlich aus ; sie
fressen sogleich und zanken sich mit einander immer in
aufrechter Stellung, schlagen sich mit den Händen und
schreien dabei gewaltig wie Ferkelchen; sie durchnagen
einen Brettkasten , machen sogar Löcher in gebrannte
Ziegelsteine, während der Arbeit treten oft Pausen ein,
in welchen sie ihre Schneidezähne aneinander wetzen,
und zwar mit solcher Geschwindigkeit , dass man das
Schwirren einer Heuschrecke zu vernehmen glaubt; alles
was sie fressen halten sie mit den Händen, einen Gras-
halm, ein Haferkorn etc. So viel man ihrer auch in einen
Kasten zusammengiebt, so drängen sich alle, wenn sie
ruhen oder schlafen, auf einen Haufen und liegen auf- und
übereinander, was doch wohl auf einen gesellschaftlichen
100 Schauer:
Winterschlaf hindeutet; nie tragen sie in der Gefangen-
schaft Körner von einem Orte zum andern^ was sie zwei-
felsohne thun würden, wenn sie wie die Hamster Win-
tervorrath eintrügen. Wenn sie des Nachts oder bei
Tage fest schlafen und man an den Käfig stösst, so
lassen sie ohne zu erwachen, wie im Traume den schon
erwähnten Pfiff hören ; sie halten sich äusserst reinlich,
beschmutzen nie ihre Schlafstelle, aufgeregt und zornig
stellen sie die Schwanzhaare vertical auf wie eine Fla-
schenbürste. Ausser den Körnerfrüchten fressen sie in
der Gefangenschaft begierig Birnen, Blumenkohl, Pasti-
naken, gelbe Rüben und dergl., und solches Futter muss
man ihnen geben des Wassergehaltes wegen. Wie zier-
lich und liebenswürdig auch diese Thierchen sein mögen,
und wenn sie uns noch so freundlich, gutmüthig und
seelenvoll mit ihren grossen schwarzen Augen anblicken,
als frei herumlaufende Zimmerthiere sind sie nicht zu
empfehlen, sie steigen auf Schränke, gehen in die Betten,
in die Kleider, und zernagen alles was ihnen vor die
Zähne kömmt. Zur bekannten Beschreibung des Thier-
chens habe ich zu erinnern, dass das Schwänzchen überall
zu lang angegeben ist, es hat nur IV2Z0II, der verkürzte
Daumen hat einen Nagel, die Krystalllinse ist bernstein-
gelb, im After sind drei Drüsen wie Hirsenkörner, die
beständig herausgedrückt und zurückgezogen werden.
Die Flecken lassen sich schwer zählen, auf dem Nacken
und Kopfe werden sie zu klein, auf den Schulterblättern,
Schenkeln und an den Seiten fliessen sie mit der Bauch-
farbe zusammen die Zahl variirt, bei einem Männchen
zählte ich deren 200, bei einem Weibchen 120 ; jeden
einigermassen deutlichen Fleck bezeichnete ich mit einer
Stecknadel. Die beiden Unterkiefern sind nicht mit ein-
ander verwachsen und das Thierchen kann die oberen
Schneidezähne zwischen die untern einschieben. Grosse
Feinde haben sie an Katzen, auch der Wanderfalke fängt
sie; von sechs Zwergadlern, Aq. pennata, minuta, die ich
in Poturzyca schoss, hatten deren fünf, jeder ein Susel
im Kröpfe, der sechste bei schlechtem Wetter eine Lerche.
Bussarde, Milane, Weihen, Raben sind zu ungeschickt
Die Murmelthiere u. Zieselmäuse Polens u. Galiziens. 101
einen Snsel zu fangen, ich kenne kein Beispiel, obsclioji
ich in jener Gegend Hunderte solcher Rauhvögel ge-
schossen und untersucht habe. Ist ein Raubvogel in den
Lüften, so geht kein Susel von der Röhre weg, die
Zwergadler und Wanderfalken setzen sich auf einen Maul-
wurfshügel oder auf eine Erdscholle und warten zum
Fange geschickt den Zeitpunkt ab, wenn sich ein Susel
zu weit in's Feld gewagt jiat. Mitunter haben die Susli
auch Flöhe, vielleicht solche, die die Füchse oder häufig
herumlaufende Hunde verloren haben. Man benutzt weder
das Fleisch noch die Pelze, nicht einmal die Naturalien-
händler kaufen sie, und wären sie noch so schön präpa-
rirt. Die Susli verbreiten sich von Poturzyca und Sokal
aus nördlich über die Gränze in das Königreich Polen
bis Lublin. Herr Prof. Kessler in Kiew hat die Perl-
ziesel in Podolien und im Gouvernement Kiew häufig
gefunden und sie beobachtet, 1850, und erzählt, dass
er ein trächtiges Weibchen bekommen , welches acht
Junge brachte, nackt und blind und schätzt die Tragezelt
auf 25 — 30 Tage. Nach Brandt finden sie sich im
ganzen südlichen Russland, von Bessarabien bis an die
Wolga zwischen 46 — 53^ nördlicher Breite. Plerr Pie-
truski hat sieben Stück aus dem Czortkower Kreise,
Galizien, bekommen. Nach Herrn Belke sind sie häufig
bei Kamieniec, wo ich sie auch gesehen habe. HerrZa-
wadski kennt sie nicht. Aeltere Autoren verwechseln
sie mit Sp. citillus.
Was Spermophilus citillus anbelangt, so ist er wohl
in allen polnischen Faunen angeführt, aber nirgends wird
ein Fact angegeben, niemand sagt: ich habe ihn da oder
dort gesehen. Nach Lithauen soUfe ihn Fürst Karl Rad-
ziwill des Jagdvergnügens wegen eingeführt haben,
aber man erfährt nicht, ob er noch lebt, und ob es in
der That Sp. citillus gewesen ist. Im Königreiche Polen
habe ich ihn nicht gefunden, in sandigen Gegenden leben
diese Thiere überhaupt nicht. In Galizien giebt es
keine, und in Podolien habeich, wie schon erwähnt, am
Ufer des Dniestr's an der b essarabischen Grenze ein
einziges Exemplar gefunden, wo sie also auf beiden
102 Schauer:
Seiten des Flusses, wie die Susli am Bug bei Sokal, nur
in geringerer Anzahl leben , als ob kein Fluss da wäre ;
man rauss sich um so sehr darüber wundern, da diese
Thierchen nicht schwimmen können. Ein Beweis mehr,
dass Flüsse der Verbreitung der Thiere keine Grenzen
setzen, wie sie sich eben so wenig zu politischen Grenzen
eignen, die grössten Städte liegen an zwei Flussufern.
Wollte ich nun die politischen Grenzen Polens und
Galiziens respectiren, so wäre ich mit den Murmelthieren
fertig, denn in Polen, in Galizien, auch in Podolien giebt
es keine Marmotten, giebt es keine Bobaks.
Es ist ein schweres Wort, welches ich hier ausge-
sprochen habe, und werde suchen Beweise beizubringen,
obschon ich mir die Sache leichter machen könnte, wenn
ich Beweise forderte von allen Denen die über galizische,
polnische, podolische Marmotten und Bobak's geschrieben
und abgeschrieben haben.
Unter Polen versteht man gewöhnlich im Auslande
das Königreich jetzt unter russischer Herrschaft; wenn
aber der Pole Polska sagt, so umfasst er alle Länder,
die jemals unter polnischer Botmässigkeit standen, auch
die Zips, die Kaiser Siegismund an den König von Polen
Wladislaw Jagiello 1412, für 37000 Schock prager Gro-
schen verpfändete. Polen blieb im Besitz der Grafschaft
bis sie bei der ersten Theilung Polen' s Oesterreich zu-
fiel. Auch die Ukraine an beiden Ufern des Dniepr's,
frühere Wohnsitze der Gothen und Hunnen gehörte zu
Polen. 1331 besiegte Olgierd Grossfürst von Lithauen
die Tartaren und erweiterte die Grenzen des ruthenisch-
lithauischen Reiches bis an das schwarze Meer. Jagiello
vereinigte Polen mit Lithauen. Es kamen harte unruhige
Zeiten, der Fall Konstantinopels, die Eroberung der Krim
durch die Türken, häufige Einfälle der Tartaren, Auf-
stände religiöser Bedrückungen zu Folge, die namentlich
unter Jan Kasimir an Bedeutung zunahmen, erschütter-
ten das Land. Hetman Chmielnicki verwüstete Podolien.
Gegen Ende des siebzehnten Jahrhunderts nahmen die
Türken den südlichen Theil der Ukraine, die Russen
Die Murmelthiere u. Zieselmäuse Polens u Galiziens. 103
Kiew und den jenseits des Dniepr's gelegenen Tlieil, der
Rest blieb bei Polen.
In den zipser Alpen mm lebten und leben vielleicht
noch Alpenmurmelthiere, und in der Ukraine hinter dem
Dnlepr leben Bobak's, daher von zwei Seiten auf einmal,
der Name Bobak, polnisches Murmelthier, Marmotte de
Pologne. Man hielt diese Thiere, und hält sie heute noch
für ein und dasselbe (Graf Wodzicki und K. Pietruski),
man folgerte, dass wenn das Thier auf den zipser Alpen
und in der Ukraine vorkömmt, eben so gut auch in den
dazwischen gelegenen Ländern leben kann, und ohne
Grund hat man nach und nach Galizien, Polen, Podolien
als Aufenthaltsorte des Bobak's genannt.
Ich berufe mich auf das, was ich bereits über die zip-
ser x\lpen, oder die Tatra und über die Alpenmurmelthiere
in meinen Tagebuch notizen während eines ornithologischen
Ausflugs in jenes Gebirge in den Monaten Juli und Au-
gust 1861 gesagt habe. Journal für Ornithologie, heraus-
gegeben von Dr. J. Cabanis und Dr. E. Baldamus
X. Jahrgang 1862. Kassel, Verlag von Theodor Fischer,
und auf Herrn Friedrich Fuchs, Die Centralkarpathen.
Pest 1863. Verlag von Gustav Heckenast.
Der Göral, Gebirgsbewohner nennt . dieses Thier
Swistak auch Swiszcz von swistac pfeifen; in der Ebene
nennt man es gemeinhin Bobak, ein Name der manche
andere Bedeutungen hat und sich auf jeden Popanz an-
wenden lässt, es ist auch ein sanftes Schimpfwort für
einen lächerlichen oder furchtsamen Menschen und lässt
sich mit bobo, ein Gespenst, womit man kleine Kinder
schreckt^ mit zabobon eine abergläubische Handlung, mit
boje sie, ich fürchte mich, zusammen führen, und ist in
der Sprache der Wissenschaft zu hohen Ehren gelangt.
Oefters habe ich auch die Perlziesel Bobaki nennen
hören.
Werfe man einen Blick auf die Landkarte so wird
man finden, dass die galizische Grenze sich plötzlich auf
die Tatra, auch Centralkarpathen genannt, drängt und
ihren höchsten Punkt auf der 7000 Fuss hohen Swinica
erreicht. Innerhalb dieser Grenze giebt e^ heute keine
104 Schauer:
Murmelthlere mehr; noch bemerkt das aufmerksame Auge
Stellen, wo sie In früheren Jahren ausgegraben wurden.
Ich habe mir während meines zweimonatlichen Aufent-
haltes auf der Tatra viel Mühe gegeben etwas von den
Murmelthieren zu sehen^ und selbst habe ich die Spur
eines einzigen Thieres auf dem Krywan, zipser Alpen,
gefunden, eine Stelle, wo es in den Boden gekratzt und
einige Pflanzenstengel abgebissen hatte ; ich zeigte meinen
Fund dem alten schon oft erwähnten Gebirgsführer,
Gemsjäger und ehemaligen Murmelthiergräber Wala, auch
dem Jas Pitun, die die Sache bestätigten, aber weder
sie selbst, noch irgend ein andrer Führer oder Jäger
konnten mir die geringste Spur solcher Thiere andeuten,
sie zucken mit den Achseln und sagen, dass sie sonst
welche ausgegraben haben und zeigen auch dann und
wann eine Stelle. Der Swistakgräber belauschte sie Ende
August, versicherte sich wo sie Winterquartiere machen,
und grub sie im November aus. Es ist werth nachträg-
lich zu erinnern, dass damals am 8. Aug. im Mengsdorfer
Thale, ebenfalls zipser Alpen, Herr Homolacs, als er
sich von unserer Gesellschaft entfernte, zu seiner grossen
Freude ein Alpenmurmelthier hat pfeifen hören.
In der krakauer Zeitung, Mittwoch 20. September 1865,
No. 220, und in dem Czas Donnerstag 28. September 1865,
No. 221, finden wir zwei Aufforderungen zum Schutze
der Gemsen und Murmelthiere, da ihre gänzliche Aus-
rottung bevorsteht, und die krakauer physiographische
Gesellschaft hat sich der Sache angenommen, sich an die
Behörden, weltliche wie geistliche gewendet, die auch in
freundlichen Antwortschreiben versichern, bereitwilligst
allen ihren Einfluss zur Erhaltung der Gemsen und Al-
penmurmelthiere aufzubieten. Wie sehr steht diess
im Widerspruch mit dem was unsere Faunen
und natur geschi chtlichen Bücher sagen!!! Die
Trata ist ein kleiner Complex, kaum zwei Meilen breit,
gegen fünf lang, wird nördlich und südlich durch meh-
rere Meilen breite Ebenen von dem Karpathenzuge ab-
geschnitten, und östlich und westlich hängt sie kaum
noch, mit demselben zusammen. Die Vorgebirge sind mit
Die Murmeltliiere u. Zieselmäuse Polens u. Galiziens. 105
Nadelwald bewachsen und im Hochgebirge steigt er so
hoch, als nur etwas Humus liegt, 5000 Fuss, über der
Waldregion wachsen noch Krummholzkiefern und in und
über denselben weiden Schafe und wo die nicht hin-
gehen können, klettern noch Ziegen herum, die spärliches
Futter suchen; wo aber Schafe und Ziegen gehen, da
halten sich keine Gemsen, da halten sich keine Murmel-
thiere auf; welcher enge Raum, welche karge Kost auf
den nackten Granitmassen bleibt nun noch den Murmel-
thieren übrig, deren Aufenthaltsort an ihre Baue gebun-
den ist und die nicht wie Gemsen im Gebirge herum
schweifen? sie können nie in grosser Menge dagewe-
sen sein.
Im Jahre 1849 hielt ich mir ein zahmes Thier von
der Tatra, es kam in das krakauer Cabinet, und wurde
später bei einem ungünstigen Tausche an das Gymnasium
nach Rzeszow abgegeben. An manchen Orten habe ich
gelesen, dass man diese Thiere nach Belieben, je nachdem
man sie der Kälte oder der Wärme aussetzt, zum Schla-
fen veranlassen kann; mein Thier, wenn ich es schlafend
in die Kälte brachte, erwachte bald, jammerte und weinte,
aber schlief nicht. Zwei andere lebende zahme Thiere
sah ich in Zakopane am Fusse der Tatra bei Herrn Ed.
von Homolacs im Jahre 1861. Ein todtes, welches Herr
Dr. theol. Janota in Krakau viele Jahre gehalten, fiel
mir vor zwei Jahren in die Hände, und das krakauer
Cabinet hat zwei sehr alte und so schlechte Exemplare,
dass ich bei Aufnahme eines neuen Inventars, amtlich
nur ein Stück eingeschrieben habe, und mehr habe ich
von diesen Thieren nicht gesehen. Sie ändern ein wenig
in der Färbung^ die vordere Fläclie der oberen Schnei-
dezähne ist bräunlich, der Daumenstummel fehlt ganz,
Herr Professor Blasius hat sie als marmota erkannt,
Seite 284, und da ist nichts mehr einzuwenden. Möglich,
dass die Marmotten der Tatra mit denen der Schweiz
und Savoyen's nicht in allen Stücken auf das genauste
übereinstimmen, ich habe keine zum Vergleichen, und
soll ich einen Vergleich bei den Gemsen machen, so
möchte ich sagen , dass die unsrigcn im Allgemeinen
106 Schauer:
etwas schwächer und im Sommer wie im Winter etwas
bräunlicher gefärbt sind.
Nun habe ich noch zu beweisen, dass es keine Bo-
bak's in Polen, Galizien und Podolien giebt, und darzu-
thun, wie dem Bobak der fälschliche Verbreitungskreis
unterschoben wurde. Ueberall in den älteren wie in den
neuesten Werken lesen wir: der Bobak lebt in den Kar-
pathen, Galizien, Polen, Podolien in ununterbrochener
Verbreitung etc. Aber wo sind die Facta? Herr Prof.
Blasius zeigt drei Schädel vor, aber zwei sind aus dem
südlichen Russland und einer aus Sibirien. Herr Professor
Kessler in Kiew hat die Bobaks gefunden im Bezirke
Konstantinogrod zwischen den Flüssen Sula und Supoja,
erzählt uns, dass er auf 20 geschossen, aber nur drei
erlegt hat; dort hat sie auch Beauplan und Pallas
gesehen. Herr Prof. Kessler sagt ausdrücklich (1<S50
dieThiere des Gouvernements Kie w ), dass sich
die Bobaki nicht im Gouvernement Kiew finden, auch
nicht in Czernigow", auch nicht in Podolien; das ist
schon ein grosser Riss in dem Verbreitungs-
kreise der Bobaki. Aber aus Galizien, Polen, Po-
dolien liegen keine Facta vor.
Durch die Güte des Herrn Buchhändler Friedlein
fällt mir ein Blatt in die Hände aus :
Histoire de l'Acadcmie Royale des Sciences et Bel-
les-Lettres: 1778, Seite 57.
Observations sur le Bobak de Pologne et Hi-
stoire de ce Quadrupede. Envoye a l'Academie par M. J.
B. Dubois, Conseiller de la Cour de S. M. le Roi de
Pologne.
Examen des Descriptions du Bobak, don-
n^es par Rzaczynski et M. de Buffon.
Herr Dubois macht B u f f o n den Vorwurf: Ce su-
blime Naturaliste n'a consulte que Rzaczynski, und über
Rzaczynski sagt er: Cr Rzaczynski n'a point observe les
Bobaks et n'a fait que mettre ä contribution les Natura-
listes etrangers les Chroniques nationales et les traditions
vulgaires. Sagt ferner, dass Rz. Beschreibung auf jedes
Die Murmelthiere u. Zieselmäuse Polens u. Galiziens. 107
andere Thicr anzmvenden ist, beinahe auf ein Pferd ^),
und beschreibt selbst einen Bobak, welchen er in Krakau
gesehen hat, und der ihm \Yahrscheinlich Gelegenheit zu
seiner Abhandlung, Examen, gegeben; seine Beschreibung
aber ist nicht besser als die Bzaczynskis, und lässt nicht
erkennen, ob er eine Marmotte oder einen Bobak vor
sich gehabt hat, man kann nicht anders vermuthen, als
dass es eine Marmotte von der nahen Tatra gewesen ist,
die früher manchmal nach Krakau gebracht wurden^ und
die Herrn D u b o i s unter dem Namen Bobak gezeigt
wurde, denn er giebt, fast möchte man sagen absichtlich,
die Zahl der Finger nicht an, die er doch genau gekannt
hat, wie aus folgenden Worten seines Examens hervor-
geht: „Autant il est certain'^ dit M. de Buffon, „que le
Hamster n'est point une Marmotte, autant il est probable
que le Bobak en est une.^ Et quelques lignes plus bas :
„Du reste, la Marmotte lui ressemble (ou Bobak) en tout,
ce qui peut faire presumer, que ces deux animaux ne
forment pas deux especes distinctes et separees." Pour-
quol donc serait-il probable que le Bobak est une Mar-
motte, plutöt que le Hamster, surtout lorsque le Bobak
a constamment un doigt ou un ongle de plus que la Mar-
motte, ce qui distingue aussi le Hamster de cette derniere,
et que d'ailleurs les figures du Hamster et du Bobak ont
des ressemblances frappantes? Herr Dubois beruft sich
auf Beauplan, qui a vecu tant d'annees sur les lieux
011 Ton trouve les plus de Babaks etc. II est vrai qu'il
ne decrit presque point les Bobaks, et qu'il se contente
de dire, que ce sont des petits animaux qui approchent
de la forme et de la hauteur des Lapins de Barbarie, qui
n'ont que quatre dents, savoir deux en haut et deux en
bas, de poil et couleur de Blaireau. Ohne allen Zweifel
1) Historia naturalis curiosa etc. P. Gabrielis Rzaczynski Soc.
Jesu. Sandomiriae Anno 1721. S. 233 : Mus alpinus Plinio, Mus
montanus aliis, Gallis Marmotana, Italis Marmontana, Germanis
Murmelthier, nobis Bobak, Swiszcz. Feie est corpulentior, sed bre-
vior cruribus, colore ut plurimum rufo, oculis magnis et prominen-
tibus, auriculis quasi decurtatis. Pedibus posterioribus non secus
ac Ursus uii seiet, ac iuterdum iügredi bipes.
108 Schauer:
hat Herr Wilhelm leVasseur, Sienr de Beauplan
zwischen Sula und Supoja die wahren Bobaki gesehen^
obsclion er manche Sachen erzählt^ die er heute nicht
verantworten könnte , z. B. dass sie insgesammt Her-
maphroditen sind^ dass sie Kammern graben zu Grabmä-
lern, in welche sie ihre Todten bringen , dass die Repu-
blik manche als Sclaven behandelt, dieselben als Schlitten
braucht, um Gras einzufahren und sagt dazu : Ich habe
sie verschiedene Male bei dieser Arbeit angetroffen. Die
Originalausgabe 1640 und zweite Auflage 1660. Descrip-
tion de r Ukraine mögen selten sein, eine deutsche Ueber-
setzung erschien vonMoeller bei Korn in Breslau 1780.
In der Uebersetzung aber finde ich nicht was Herr Du-
bois weiter Herrn Beauplan unterlegt, und kann es
auch unmöglich auf die Bobaks, sondern auf die Perl-
ziesel anwenden, und offenbar hat Herr Dubois Nach-
richten über das Perlziesel unter dem Namen Bobak ein-
gezogen: aussi le trouve-t-on principalement en Ukraine
et en Podolie, schon haben die Bobaks ein Land erobert.
II y a quelquefois trois ou quatre habitatlons de Bobaks
dans l'espace d'une toise quarree. Wo die Feldmäuse
Hyp. arvalis überhäufig vorkommen, sitzen sie nicht so
dicht beisammen , und auf die Susli angewendet, wäre
es schon eine französische Uebertreibung. Ce sont des
trous perpendiculaires, de la profondeur de deux ä trois
aunes, qui se communiquent souvent, parce qu*a une cer-
taine profondeur ils creusent horizontalement, diese Worte
beziehen sich offenbar auf die Susli, quelquefois aussi on
le saisit avec la main, mais alors il faut le prendre par
le col, Sans quoi il fait des morsures tres douloureuses,
ist wiederum nur auf die Susli anzuwenden, der Bobak
hat den Hals dicker oder vielmehr bedeutend breiter
als den Kopf, lässt sich kaum mit zwei Händen umfas-
sen, würde bei der geringsten Bewegung entschlüpfen,
und könnte man ihn halten, so würde er sich sicher mit
seinen stark bewafi'neten kurzen Füssen, deren Kraft
durch Schlüsselbeine noch unterstützt wird, so verthei-
digen, dass er die tiefsten Verletzungen beibringen könnte.
Erwägt man die vorstehenden Worte genau, so kommt
Die Murmeltbiere u. Zieselmäuse Polens ii. Galiziens. 109
man zur Ueberzengnng, dass der Siisel seinen Verbrei-
tungskreis, durch Verwechslung des Namens, mit dem
Bobak getheilt hat. Noch andere Stellen sind beachtens-
wcrth: II est vrai qiie Rzaczynski dit, qiie les Bobaks
habitent aussi les montagnes du Comte de Zips. D'abord
je doute du fait, et il a pu confondre un animal avec un
autre. Ensuite le fait fut-il vrai, il y a une distance im-
mense entre la hauteur des Alpes oü se rencontrent les
Marmottes et celle des Montagnes du Comte de Zips.'^
Monsieur le conseiller de la cour de S. M. le Roi de Po-
logne, Lehrer an der Königl. Kadettenschule in War-
schau, hat mithin nicht gewusst, dass die Zips über 8000
Fuss hohe Alpen und Alpenmurmelthiere hat, und hat
ein solches für einen Bobak angesehen „D'ailleurs je
n'ai jamais entendu dire qu'on trouvat des Bobaks dans
les Krapaks, ni dans ancune autre montagne de la Po-
logne."
Auctuarium S. 327 sagt Rzaczynski: „Commora-
tur in Montibus Scepusiensibus, visus in Russiae Palatinatu
prope Podciemne, ZImnawoda etc. pagos,^ giebt also nur
zwei Fundorte an, aber hält beide Thiere für ein und
dasselbe, ein Fehler, der bei der oberflächlichen Aehn-
lichkeit dieser Thiere und bei dem damaligen Stande der
Naturwissenschaften wohl Herrn Rzaczynski zu ver-
zeihen ist, weniger aber Herrn Pletruski: Historya na-
turalna zwierzat ssacych dzikich galicyjskich. Lwöw 1853.
Marmotta führt er nicht auf, und vom Bobak sagt er
S. 80: Mieszka w Galicyi, Polsce, Ukraine i w Azyi pöl-
nocnej az ku Kamczatce lubi göry suche, iyse, lub plasz-
czyzny pagörkowate i stepy w Tatrach pospolity. „Wohnt in
Galizien, Polen, Ukraine und nördlichen Asien bis Kamt-
schatka, liebt trockene nackte Berge oder bergigte Ebe-
nen und Steppen, auf der Tatra ist er gemein. Kluk 1779,
unterscheidet beide Thiere, über Marmotta sagt er S.369:
szegolnie z wiadomosci mi uczyniony, z'e sie^ na Karpa-
tach znaydowac maja gorach," dass nach speciellen Nach-
richten die er eingezogen, sie sich auf den Karpathen
finden sollen; und über Bobak S. 366: „Jest naszym
wlasciwym ükrainskim lub Podolskim Zwierzeciem. Nie
110 Schauer:
wielki jest. Lecz powiadaia, ze sl« jnz z naszych Kraiow
do Moskwy przeniosiiy." Es ist unser, der Ukraine und
Podolien eignes Tliier. Es ist nicht gross. Jedoch sagt
man, dass sie bereits aus unsern Ländern nach Russland
ausgewandert sind/^ Der alte Kluk geht sehr ehrlich
zu Werke, sagt nicht mehr als er verantworten kann,
und gesteht stillschweigend, dass er keines dieser Thiere
gesehen hat, sagt auch nicht, dass sie in Polen und Ga-
lizien sind, und unter „unsern Ländern" versteht er ja
auch die Ukraine und Podolien. Nach JundziO 1807,
wohnt der Bobak von den Bergen der Karpathen an
in dem gemässigten und mittleren Theile Europas bis
nach China und Kamtschatka, am Dniepr in der Ukraine
zwischen den Flüssen Sula und Stupnoij ist er gemein.
Herr Prof. Zaw adzki sagt: der Bobak bewohnt die
niedrigeren Gebirge von Galizien und der Bukowina.
Wo wir über den Bobak nachschlagen und nachlesen
mögen, überall sind Polen, Galizien, Podolien als Wahn-
orte angegeben, aber niemand sagt: ich habe in diesen
Ländern einen gefangen, geschossen, bekommen, gese-
hen u. s. w., es fehlen alle Beweise und Facta. Herr Graf
K. Wodzicki sagt: (Wycieczka ornitologiczna w Tatry
i Karpaty galicyjskie, Leszno bei Günther 1851), „poda-
nie bowiem na doswiadczeniu nie opjarte i nie potwierd-
zone dowodami, nie sprzyja postepowi nauki, lecz ja cofa.
S. 52. Denn Angaben , nicht auf Erfahrung gestützt
und mit Beweisen nicht bestätigt, fördern die Wissen-
schaft nicht, sondern machen sie rückgängig. Erzählt
uns aber S. 22, dass der Bobak auf unsern und den un-
garischen Karpathen gemein ist, pospolity, spricht von
Pelzkleidern aus den Fellen der Bobaks, die aber nach
dem Zeugnisse des Hrn. Grafen kaum ein Jahr dauern,
ledwie rok, und bei der Beschreibung giebt er dem armen
Thierchen aufgerichtete Ohren, S. 23, uszy do göry.
Nicht minder traurig als den galizischen Bobaks,
Alpenhasen, sarmatischen Iltissen, Steinböcken u. s. w.
ergeht es auch den galizischen Vögeln, und ich werde
nächstens Berichtigungen geben und erzählen, was ich
gesehen und nicht gesehen habe.
Die Murmelthiere u. Zieselmäuse Polens u. Galiziens. 111
Noch einmal^ Arctomys bobac ist nicht in Galizien,
Polen, Podolien, und wollte man dem geringsten Hand-
ianger beim Baue der Naturwissenschaften keinen Glau-
ben schenken, so beachte man die Worte des alten Jä-
frers, der der Jasrdlust halber 27 Jahre in diesen Ländern
gelebt, der offene Augen für alles hatte, was sich regt,
und immer eine unfehlbare Unze Blei in der Flinte trug.
Zwölf Jahre lang, von 1850 — 1862, war ich mit einem
geschickten Gehülfen beschäftigt das ornithologische und
oologische Cabinet des Hrn. Grafen W. Dzieduszycki
in Lemberg einzusammeln und aufzustellen, und hatte
Gelegenheit die Alpen, Gebirge und Steppen, die Teiche
und Sümpfe, die Wälder und Felder zu durchsuchen;
sechs Jahre habe ich im Königreiche Polen gejagt und
Naturalien gesammelt , und während eines sechsjährigen
und eines dreijährigen Aufenthalts in Krakau, habe ich
zu jeder Jahreszeit Reisen in das Land gemacht und
kann keck behaupten, dass sich in diesen Ländern kein
Bobak ündet. Wie ich erfahre, soll der zoologische Gar-
ten in Wien einen Bobak haben und als Fundort Gali-
zien angegeben sein. Aus Galizien ist er sicher nicht
und kann wohl auf Umwegen durch das Land gekommen
sein; es wäre wohl der Mühe werth nachzuforschen, wo
er gefunden ist.
Eben habe ich vorstehenden Aufsatz beendet, als
mir, wunderbar genug, ein Bobak unter das Messer kömmt.
Er lebte acht Jahre in der Gefangenschaft, wurde von
Herrn Dr, Janota in einer Menagerie gekauft und
stammt angeblich aus der Ukraine. Es ist ein grosses,
starkes Thier, ohne Schwanzhaare, die ihm fehlen, 23
rheinländische Zoll lang, auf die ^chwanzrübe kommen
5 Zoll. Zur bekannten Beschreibung : weisse Schneide-
zähne, starken Daumenstummel mit Nagel u. s. w. habe
ich nur zu bemerken: die Unterkiefern sind nicht mit
einander verwachsen und auch der Bobak kann die un-
tern Schneidezähne von einander entfernen, gerade so
wie der Susel. Kann man auf die Behaarung eines acht
Jahre lang in der Gefangenschaft gehaltenen Thieres
Rücksicht nehmen, so ist sie spärlicher, einfarbiger, hei-
112 Schauer: Die Murmelthiere u. Ziezelmäuse Polens etc.
1er, anliegender, kürzer als die der Alpenraurmelthlere
von der Tatra, darum auch das Ohr dieses Bobaks nicht
so tief im Pelze versteckt liegt als das der Marmotten.
Die Stachelhaare des Bobaks sind an der Wurzel und
Spitze dunkel; in der Mitte hell ; die der Marmotten an
der Wurzel dunkel, in der Mitte hell, nach dem Ende
zu schvs^arz, die Spitze weiss. Man fühlt, dass die Be-
haarung des Bobaks für ein warmes Klima, die der Mar-
motte für die Nähe der Gletscher ist. Jemehr man sich
mit dem Bobak bekannt macht, desto mehr glaubt man
zu bemerken, dass der Bobak, trotz seiner Grösse, sich
mehr dem Perlziesel als der Marmotte zuneigt.
Hat man die Zieselmäuse von den grossen Murmel-
thieren bloss deshalb getrennt, weil jene Backentaschen
haben, so ist dem Bobak grosses Unrecht widerfahren;
er hat Backentaschen, man kann den halben Finger
einer mittelmässigen Hand einführen, mit Kraft aufgebla-
sen werden sie so gross wie Wallnüsse.
Ich erwarte, dass diese nicht unwichtige Bemerkung
mit der Zeit ihre Bestätigung findet.
Krakau, im Oktober 1865.
ErklariiHg der Abbildungen.
Taf. IV.
Fiff. 1 und 2. Plan der Aufenthaltsörter zweier Perlziesel.
lieber ein paar neue Chilenische Sängethiere,
Von
Dr. R. A. Philippi.
1. Vespertilio mag eilanicus Ph.
V. supra pilis nigris apice fulvescentibus, siibtus pilis
nigris apicc griseo-albis vestitus ; auribus sat magnis, dis-
jimctis, ovatis, longltudine tibiam aequantibus ; facie brevis-
sime pilosa.
Länge des Thieres von der Schnauzenspitze bis zur
Schwanzspltze 3 Zoll 8 Linien
Flügelspannung 10 „ 4 „
Länge des Vorderarms , . . . . 1 „ 1 „
„ „ Daumens — „ 3 „
„ „ dritten Fingers .... 2 ■„ 8 ^
;, „ Unterschenkels .... — n ^ n
j, „ Schwanzes 1 ;, 8 „
n n Ohres — ^ 8V2 ^
„ Tragus .,,,.,.— ^ 32/3 ;,
Das Fell ist ungemein weich. Die einzelnen Haare
sind braunschwarz ; auf der Oberseite haben die des
Rückens von dem Beginn des Nackens an so wie die am
Grunde der Ohren falbe Spitzen,^ während sämmtliche
Haare der Unterseite eine weit längere^ gelblich greise
Spitze zeigen, ja in der Gegend der Schwanzwurzel und
auf der Innenseite der Schenkel fast ganz gelblich weiss
werden. Das Gesicht ist bis zur Stirn fast ganz
kahl, was gegen die lange, plötzlich beginnende Be-
haarung der Stirn sehr absticht, und diese Art auf den
ersten Blick von den ähnlichen Chilenischen Arten aus-
zeichnet. Die Ohren sind innen spärlich mit weissen
Archiv f. Naturg. XXXII. Jahrg. 1. Bd. 8
114 Philippi:
Häärclien besetzt, und weit grösser als bei V. cbiloensis ^),
regelmässig eiförmig, indem ihr Aussenrand nicht wie
bei dieser breit ausgeschnitten ist; der Tragus ist im Yer-
hältniss etwas länger und schmäler; aussen sind sie ganz
kahl und schwarz. Während bei V. chiloensis die beiden
Lückenzähne im Oberkiefer zwar sehr klein aber doch
deutlich zu erkennen sind, kann ich bei gegenwärtiger
Art keinen falschen Backenzahn entdecken, sondern es
folgt unmittelbar auf den Eckzahn ein sehr grosser, drei-
kantiger Zahn, der aussen am Grunde noch eine Spitze
hat. Im Unterkiefer stehen die Schneidezähne nicht in
einer zusammenhängenden Linie, sondern theilweise einer
vor dem andern, so : "r: ^'" , und die Schnauze ist weni-
ger spitz als bei V. chiloensis ; es sind zwei ziemlich
grosse Lückenzähne vorhanden, und der zweite ist bedeu-
tend grösser als der erste. Die Flughaut ist schwarz und
reicht bis zur Spitze des Schwanzes.
Der Jäger des Museums hat ein Exemplar dieser
Fledermaus von seiner Expedition nach der Magellans-
strasse mitgebracht, die im Ganzen eine höchst geringe
Ausbeute gegeben hat.
2. Vespertilio Gapucinus Ph.
V. vellere supra fusco-castaneo, pilis apice fulvis,
subtus fusco, pilis apice longiore flavis ; basi aurium rufo-
fulva; fasciculo pilorum longiorum in medio naso; facie
caeterum brevissime pilosa; auriculis disjunctis, ovatis, ti-
biam longitudine aequantibus.
Gesammte Länge des Thieres . . 3 Zoll 10 Linien
Flügelspannung lö ;? — »
Länge des Vorderarms 1 „ 8 „
„ „ Daumens — „ 3V2 n
„ „ dritten Fingers .... 2 „ 11 „
^ „ Unterschenkels .... — „ 9 „
„ „ Schwanzes ^ n ^ »
„ „ Ohren — ;, 9 „
„ Tragus — ;, ^Vs ;,
1) Diese Art habe ich vor zwei Jahren in S. Fernando ge-
fangen, sie erstreckt sich also weit von Süden nach Norden.
lieber ein paar neue Chilenisclie Säugethkre. 115
Wie aus den mitgethcilten Dimensionen hervorgeht,
ist diese Art eben so gross und hat ziemlich dieselben Ver-
hältnisse der einzelnen Glieder wie V. magellanicus ; auch
haben die Haare wie bei dieser helle Spitzen. Allein
die Grundfarbe der Haare ist ein dunkles Braun, und
die Haare der Unterseite haben keine greise, sondern
rothgelbe Spitzen, so dass die Färbung doch auf den
ersten Blick sehr verschieden erscheint ; endlich sind die
Haare grob er. Auffallend ist die rothgelbe Färbung des
Untertheils der Ohren und der nächsten Umgegend, und
besonders der Büschel langer Haare auf der
Mitte des Nasenrückens, der durch eine kahle Stelle
von der Behaarung der Stirn geschieden ist ; das übrige
Gesicht ist ebenfalls kurz behaart wie bei V. magellani-
cus, während bei V. chiloensis das ganze Gesicht mit
langem, wolligen Haar bekleidet ist. — Die Spitze des
Schwanzes ragt fast in der Länge von zwei Linien frei
über die Flughaut hinaus.
Was das Gebiss anbetrifft so ist dasselbe weit kräf-
tiger als bei der vorigen Art; die Zähne sind länger
und namentlich dicker; die Schneidezähne des Unterkie-
fers sind ebenso gestellt wie bei V. magellanicus, der
zweite Backenzahn des Unterkiefers ist aber beinahe zwei
Mal so hoch wie der erste und fast so hoch wie der
dritte, und es sind, wenn ich recht sehen kann, sechs
Backenzähne unten vorhanden. Im Oberkiefer ist der
erste Backenzahn der längste, dreikantig, wenig kleiner
als der Eckzahn, d. h. es fehlt der Lückenzahn. Da das
Exemplar ausgestopft ist, kann ich nicht mehr vom Ge-
biss erkennen.
Ich kann leider nicht angebeü, von welchem Theil
Chiles diese Fledermaus ist.
3. Desmodus d^ Orhzgny i Waterh.
Im September dieses Jahres (1865) habe ich endlich
diesen Chilenischen Vampyr erhalten, und zwar in der
Hacienda Catapilco, Prov. Aconcagua. Der Jäger des
Museums fand fünf Exemplare in einer Höhle nahe am
kleinen Hafen Zapallar, von denen das eine die Einge-
116 Philippi:
weide mit Blut angefüllt hatte. Das Thier ist gar nicht
selten und allgemein dort bekannt, allein die Leute sind
zu gleichgültig selbst gegen, das Geld um dem Sammler
irgend etwas anzuschaffen. Der Beschreibung von Wa-
terhouse wüsste ich nichts hinzuzusetzen.
4. Canis an nova species? patag 07iicus mihi?
Der Jäger des Museums bekam in der Magellans-
Strasse von einem Patagonen einen vortrefflich abgezo-
genen Fuchsbalg, dem indessen leider der Schädel fehlte.
Er ist von Herrn Landbeck sehr gut ausgestopft, und
zeigt einige z. Th. erhebliche Verschiedenheiten von dem
gewöhnlichen Chilenischen Fuchs, der Chilla der Ein-
gebornen, oder dem Canis Azarae^ namentlich ist der
Schwanz auöallend kürzer. Das Magellanische Exemplar
ist Ende April, also im Herbst erlegt, ich vergleiche es
mit einem im Juni, also im Winter erlegten Exemplar
der Chilla aus der Cordillere von Santiago, und finde
folgende Verschiedenheiten.
1) Das Wollhaar des Canis patogonicus, wie ich vor
der Hand diesen Fuchs aus der Magellans-Strasse nennen
will, ist gelblich grau und viel kürzer als bei C. Azarae,
wo es röthlich, weit dichter und weit länger ist.
2) Das Borstenhaar ist viel weicher und kürzer. Die
allgemeine Färbung des Rückens und der Seiten ist hel-
ler, mehr gelbgrau, nicht so gewellt, als bei unserm C.
Azarae (die Abbildung dieser Art in der Zool. of the
Beagle tab. VII ist viel schwärzer als die Färbung die
ich bei derselben beobachtet habe).
3) Die schwärzliche Färbung des Kinns erstreckt
sich viel weiter über den Mundwinkel hinaus (fast sechs
Linien weiter) als bei C. Azarae, und die weisse Färbung
der Oberlippe ist viel schniäler und fällt viel weniger in
die Augen.
4) Die innere Färbung der Beine ist weniger weiss,
und fällt mehr in das Fahlgelbe.
5) Der Schwanz ist bedeutend kürzer; seine Haare sind
kürzer, die Grundwolle ist aschgrau, während sie bei C.
Azarae hellgelb ist; die Borstenhaare bilden ziemlich deut-
Ueber ein paar neue Chilenische Säugethiere. 117
liehe, schwarze Querringe, deren man etwa zehn unter-
scheiden kann, und die auf der Schwanzwurzel mit weis-
sen Ringen abwechseln.
6) Die Krallen sind scharf und lang, indem sie bis
acht Linien messen, schwarz mit weisslicher Spitze, wäh-
rend sie bei dem verglichenen C. Azarae kurz und ab-
gestumpft sind. Hieraus geht wohl soviel hervor, dass C.
patagonicus nicht gräbt.
Im üebrigen sind beide Thiere einander sehr ähn-
lich, und haben die Körpertheile dieselben Verhältnisse
mit Ausnahme des Schwanzes, wie nachstehende Verglei-
chung zeigt.
Canis patagonicus C. Azarae
Fuss Zoll Lin. Fuss Zoll Lin.
Länge von der Schnauzenspitze
bis zur Schwanzspitze .111 4 111 2
„ des Schwanzes .... 1 — 10 1 3 9
„ der Ohren — 3 — — 3 —
„ von dem untern Ohrwinkel
bis zur Schnauzenspitze . — 4 6 — 4 6
„ vom Auge bis zur Schnau-
zenspitze — 2 3 — 2 3
„ des Vorderlaufes ... — 6 — — 6 —
„ des Tarsus .....— 3 2 — 3 2
Schulterhöhe i) — 10 6 — 10 6
Ich muss es erfahreneren Zoologen überlassen zu be-
urtheilen, welchen Werth die oben angegebenen Ver-
schiedenheiten haben.
1) Waterhouse giebt 1. c. 14 Engl. Zoll an, was wohl da-
her kommt, dass das abgebildete und beschriebene Exemplar im
Leibe viel zu dick ausgestopft ist.
Kurze BescIireibuDg einiger Chilenischen Zoophyten.
Von
Dr. R. A. PhiUppi.
Herr Hupe sagt bei Gay (Zoolog, de Chile. VHI.
p. 445): ;,Die zweite Familie der Zoantharien (die leder-
artigen) existirt in Chile nicht^ und von der dritten Ord-
nung, in welche er daselbst die Zoophyten eintheilt, von
den Sertularien führt er nur eine neue Art : Tubularia
chiloensis auf. Ich bin im Stande einige chilenische Zoo-
phyten aus beiden Abtheilungen zu beschreiben.
Flexaura (Ehrenb.)
1. PL arhuscula Ph. PI. 4 — 6 pollicaris, a basi inde
in formam fruticuli divisa, roseo-coccinea ; ramis subdi-
chotomis, omnibus libris; ramulis ultimis l^s lin. crassis.
Scheint ziemlich häufig; es liegen sechs Exemplare
vor, von denen zwei noch von Herrn Gay gesammelt sind ;
der südlichste Fundort ist die Insel Santa Maria vor der
Bucht von Arauco. — Die Farbe ist dunkel pfirsichblüth-
roth ; der Stamm erreicht unten bis vier Linien im Durch-
messer, und theilt sich sogleich nach allen Seiten hin,
die Aeste gabeln meist alsbald zu wiederholten Malen,
und verbinden sich nie oder höchst selten ; die letzten
Aestchen sind kaum zusammengedrückt und sechs bis
zwölf Linien lang. Die einzelnen Polypenzellen stehen
2/3 bis ^/i Linie von einander ab. Die hornige Achse ist
hellbraun, und in den letzten Aesten sehr dünn, beinahe
fadenförmig. Die Basis ist sehr breit blattartig ausge-
breitet. — Nach der Beschreibung bei Ehrenberg ist
dessen PL miniacea wohl der eben beschriebenen chile-
nischen Art am ähnlichsten, allein sie ist subflabellato-
dilatata, die Aeste sind ruthenförmig , wenig verästelt,
und die Färbung mennigroth.
2. Plexaura rosea Ph. PI. IV2 pedalis, roseo-carnea,
P h i 1 i p p i : Kurze Beschreibung einiger Chilenischen Züophyten. 1 19
subflabellato-dilatata; ramis virgatis, subnodosis liberis;
ramulis ultimis elongatis, cylindricis, 1 V2 lin. crassis, saepe
6 poll. longis.
Das Museum besitzt nur ein einziges Exemplar,
welches bei Algarrobo etwas südlich von Valparaiso beim
Fischen aus dem Meer herausgezogen ist; es sitzt auf
einem grossen , mit Calyptraeen bedeckten Stein. Etwa
zwei Zoll über der Basis fängt die Verästelung an, welche
Anfangs dichotomisch, dann aber unregelmässig ist ; die
Aeste liegen ziemlich alle in einer Ebene^ und treiben die
Hauptäste bald nur kurze, bis acht Linien lange Neben-
äste, während die Endäste oft sechs Zoll lang sind; die
unregelmässigen Knoten sind offenbar unentwickelte Sei-
tenästchen. Die hornige Axe scheint etwas dunkler als
bei der vorigen Art, der deutlich gestreifte Stamm ist
wenigstens beinahe schwarz. Die Entfernung der einzelnen
Poljpenzellen ist ziemlich dieselbe wie der vorigen Art.
— Diese Art steht der PI. miniacea Ehrbg. offenbar noch
näher als die vorige, und scheint sich fast nur durch die
Färbung zu unterscheiden.
3. Plexaura platyclados Ph. PI. rosea, flabellatim
ramosa; ramis latissimis, valde compressis, loriformibus.
Von dieser sehr eigenthümlichen Art besitzt das Mu-
seum nur ein Exemplar, welches bei der Insel Santa Maria
gefischt und mir von Herrn White, damals Director der
Kohlengruben des Herrn Cousinno in Lota geschenkt
ist. Es ist sieben Zoll ;hoch und oben sechs Zoll breit;
die Dicke der Aeste beträgt wenig über eine Linie, ihre
Breite erreicht aber fünf Linien, und sinkt selten auf
zwei Linien herab. Die Basis des Stammes ist fünf Linien
breit und nur zwei Linien dick;, fünf Linien von der
Wurzel beginnt bereits die Theilung, und gehen die
Aeste unter einem sehr spitzen Winkel von einander ab.
Die Rinde ist sehr dünn, die Axe ziemlich hellbraun,
und man unterscheidet in derselben einzelne, dickere und
hellere Längsfasern, die bisweilen In den Endzweigen
schmale, linienförmige Löcher zwischen sich lassen.
4. Aus dem Meere von Callao habe ich durch Herrn
Guglielmo Acton, Commandanten des Italienischen
120 P h i 1 i p p i : Kurze Beschreibung einiger Chilenischen Zoophyten.
Kriegsschiffes Principe Humberto, eine weisse Plexaura
bekommen, welche mit Ehrenberg's Beschreibung seiner
Plexaura retioulata, deren Fundort bisher unbekannt ge-
wesen ist, vollkommen übereinstimmt
5. Dynamene hidentata Ph. D. capillacea, dichotome
divisa; cellulis valde prominentibus, margine superiore
horizontalibns, ore bidentatis, interstitia aequantibus. Te-
rebratulis in freto Magellanico ab orn. Acton thalassiarcha
lectis adhaerebat.
Die Höhe des Bäumchens beträgt 20 Linien, die Breite
desselben 8 Linien? Der Hauptstamm ist hin und her
gebogen, und entsendet in Abständen von etwa Linien
zwei bis drei Mal gegabelte Aeste; nur ein Mal findet
sich ein vier Mal gegabelter Ast. Die einzelnen Zellen
stehen ungefähr V4 t)is Vs Linie von einander entfernt,
und das Paar derselben ist ebenso breit; betrachtet man
sie von der Seite, so bilden die obern Ränder eine ho-
rinzontale, zusammenhängende Linie, die also mit der
Axe einen rechten Winkel macht; der untere äussere
Rand der Zelle ist concav. Die Mündung der Zellen
zeigt zwei spitze, fast dornenartige Zähne. Brutzellen sind
an keinem Exemplare vorhanden, aber mehrere Exemplare
zeigen kleine, parasitische Cellularien.
6. Sertularia Äotom I*h. S. pumila; ramulis alternis,
simpliciusculis ; cellulis approximatis, fere tubulosis, ore
maximo, obscure tridentato.
Cum priore lecta est.
Ich besitze nur zwei, sieben bis acht Linien lange
Exemplare, mit vier bis fünf Aesten jederseits, von denen
die meisten sieben Zellen tragen; zwischen je zwei Aesten
stehen auf jeder Seite zwei Zellen am Stamm. Die Zellen
verschmälern sich unmerklich bis zur Spitze, die Mün-
dung derselben ist daher sehr gross ; sie ist mit drei,
wenig in die Augen fallenden Zähnchen versehn.
7. Cellaria tenella?
Cum prioribus inventa.
Die Exemplare sind klein, und passt darauf ziem-
lich die in der zweiten Ausgabe von Lamarck gege-
bene Beschreibung der C. tenella.
Beiträge zur Fauna Chiles.
Von
Dr. R. A. Philipp! und L. Laudbeck
in SantiasfO.
1. Pteroptochos castaneus Ph. et Ldb. nov. sp.
Artkennzeichen.
Kinn, Kehle, Brust und Magengegend, Stirn bis hinter
die Augen, ein breiter Längsstreif über dem Auge bis
zum Genicke lebhaft kastanienbraun.
Beschreibung:
Fuss Zoll Linien
Gänze Länge von der Schnabel- bis zur
Schwanzspitze — 10 —
Schnabel: lang — — 11
„ hoch — — 4
„ breit — — 4
Flügelbreite 1 6 —
Flügelbreite vom Bug bis zur Spitze . — 4 2
Schwanz — 4 —
Schienbein — 2 2
Tarsus -.. — 1 7
Innenzehe ohne Nagel — — IOV2
;, der Nagel — — 7
Mittelzehe ohne Nagel — 1 1
„ der Nagel — — 7
Aussenzehe ohne Nagel ..... — — IIV2
„ der Nagel — — 7
Hinterzehe ohne Nagel — — 7
„ der Nagel _ _ 91/2
122 Philipp! und Landbeck:
Die Flügelspitzen endigen 3" vor der Schwanzspitze.
Der Schnabel ist in Gestalt und Grösse wie bei
Pt. Tarnii, glänzend schwarz, ebenso die Füsse; die lan-
gen sanft gebogenen Nägel sind aber an den Spitzen
ziemlich abgestumpft, was bei St. Tarnii nicht der Fall
ist. Das Auge ist ziemlich gross und umberbraun. Das-
selbe ist von einer halbnackten, mit einzelnen weisslichen,
wolligen Federchen besetzten Haut umgeben. Die Stirn
bis zur Mitte des Scheitels und ein breiter Streif über
dem Auge bis zum Genick lebhaft kastanienbraun. Die
Ohrfedern schiefergrau ; vom Hinterkopf bis zum Ende
des Oberrückens grauschwarz, jede Feder mit lichterem
grauen Rande, wodurch eine geschuppte Zeichnung ent-
steht. Schulter- und Unterrückenfedern haben dieselbe
dunkelgraue Grundfarbe, aber einen olivenbräunlichen
Anflug. Die Bürzelfedern sind grauschwarz mit zwei
schwarzen , einer rostfarbigen Querbinde und einer weis-
sen Spitzenkante jeder Feder; die Oberschwanzdeckfe-
dern sind dunkelrostbraun. Der Schwanz besteht aus
14 ziemlich breiten Steuerfedern, indem die äusserste
Seitenfeder um 1" kürzer ist als die mittlere, schwarz,
an der Wurzel fast bis auf die halbe Länge breit rost-
braun gekantet. Der Flügel ist ebenfalls abgerundet: die
erste Schwungfeder ist die kürzeste, die 5te bis 8te
gleich lang und die längsten; von Farbe braunschwarz,
auf der Aussenfahne der Schwung- und Deckfedern oli-
vengrünbraun überlaufen, was an den Deckfedern in roth-
braun übergeht; die vier letzten Schwungfedern zweiter
Ordnung und ebenso die grossen Deckfedern dieses Thei-
les haben vor der breiten fahlweissen Spitze einen schwar-
zen Halbmond, wodurch eine hübsche Querbinde über
den Flügel entsteht. Die Unterseite der Schwungfedern
ist atlasglänzend schwarzgrau, die Schwungfedern erster
Ordnung mit gelbbräunlichem Schimmer, Die vorderen
Unterflügeldeckfedern grauschwarz, die hintern rostbraun
mit hellen und dunkeln Flecken. Kinn, Kehle, Brust
und Magengegend sind schön kastanienbraun, was gegen
den Bauch in lichteres Rostfarben übergeht, aber nur
als breite Spitze auf den dunklern Bauchfedern erscheint.
Beiträge zur Fauna Chiles. 123
Die Seitenfedern sind im Grunde aschgrau, im äussern
Dritttheil rostgraubraun, in der Mitte dieses Dritttheils
ein nach vorn zugespitzter schwarzer Fleck, vor diesem
eine weissliche Einfassung, welche allmählich in Rostroth
übergeht und dadurch eine Art von Auge bildet, vor
diesem ein breiter dunkelgrauer Rand und endlich eine
weisse Spitzenkante. Die Mitte des Bauches bis zum
After ist schwarzgrau mit bräunlichem Anfluge; die Un-
terschwanzdeckfedern haben dieselbe Zeichnung wie die
Bürzelfedern. Die Unterseite des Schwanzes braun, an
der Wurzel rostbräunlich durchschimmernd. Schienbein-
befiederung rostgraubraun.
Alte Männchen und Weibchen sind in Grösse
und Färbung nicht verschieden; dagegen weichen die
Jungen von den Alten ziemlich und, wie es scheint, auch
nach den Geschlechtern unter sich ab.
Junges Männchen: Die Hauptfarben der Ober-
seite sind so ziemlich dieselben wie beim alten Yogel,
aber das Kastanienbraun auf der Oberseite des Kopfes
und der Augenbinde ist nur angedeutet, indem die Stirn-
federn zwar weichselbraun, aber mit breiten schwarzen
Spitzenkanten versehen sind, welche das Braun grossen-
theils verdecken; die übrigen Federn des Oberkopfes
haben rostfarbige Kanten, die Längsbinde über dem Auge
ist lichtrostfarbig und schwarz quergebändert, aber weit
schmäler als bei den Alten; die schwarzen und weissen
Spitzenflecken an den letzten Schwung- und den grossen
Flügeldeckfedern sind kleiner und es haben diese Federn
ausserdem einen schwarzen Spitzensaum. Wangen, Kinn,
Kehle und Brust dunkelrostbraun, die meisten Federn
mit schwarzem Endsaume und hellem Schaftflecke ; Un-
terbrust und Magengegend rostweisslich mit breiter schwar-
zer Endeinfassung; die übrigen Bauch- und Seitenfedern
trübbraun mit rostweisslichen und schwarzen Querbin-
den; die After- und Unterschwanzdeckfedern ziemlich wie
bei den Alten gefärbt. Oberschnabel hornbraun, Unter-
schnabel hornwciss mit etwas dunklerer Spitze. Schien-
beinbefiederung wie bei den Alten. Der nackte Fuss
schwarz.
124 Philippi und Landbeck:
Das junge Weib eben ist dem jungen Männeben
sehr ähnlich; aber einfarbiger und düsterer gefärbt. Die
Oberseite des Kopfes ist grauschwarz und zeigt keine Spur
der Rostfarbe des jungen Männchens; Wangen ; Kinn,
Kehle und Brust sind düster rostgraubraun mit kaum be-
merkbaren dunklern Federrändern, der übrige Unterleib
hat dieselbe Rostfarbe, aber mit schwarzen und etwas
lichtrostbraunen Querbinden gezeichnet. Hinterkopf und
Hinterhals sind schiefergrau, jede Feder mit schmaler
schwarzer Kante, die übrige Oberseite graubraun, gegen
den Bürzel immermehr in reineres Rostbraun übergehend,
welches endlich in den Oberschwanz deckfedern am rein-
sten erscheint. Die Halbmonde auf den Flügeln sind hier
nur hellrostfarbige Flecke, an der Spitze mit schwarzer
Einfassung. Diese beiden Jungen haben als Reste vom Du-
nenkleide noch graue Flaumhaare auf Kopf und Rücken.
Dieser Vogel scheint grosse Anlage zum Ausarten
zu besitzen, indem unter sieben Exemplaren, welche wir
besitzen, drei Stück, zwei alte und ein junger Vogel,
grosse weisse Flecke am Unterbauche haben.
Den ersten Vogel dieser neuen Art fanden wir im
Dezember 1860 in der Hacienda la Puerta in der Provinz
Colchagua in einer mit Quila (einer strauchartigen Gras-
art, welche durch vielfache Verästelungen und Verschlin-
gungen undurchdringliche Dickichte bildet und die sum-
pfigen Schluchten, wo sie am üppigsten wächst, oft un-
zugänglich macht), und Coyguc (einer hochwachsenden
Buchenart) bewachsenen Schlucht der daselbst etwa 4 —
5000' hohen Cordillere und erlegten denselben neben
mehreren seiner Art- und Gattuugsgenossen; im Novem-
ber 1865 erhielten wir aus derselben Provinz, aus einer
mehr nördlich gelegenen Gegend , welche Talcarcguc
heisst, zwei Paare alte und ein Paar junge Vögel, welche
ebenfalls in der Quila in ziemlicher Menge lebten. Der
neue Pteroptochos ersetzt hier den Pt. Tarnii d'Orb., dem
er in Lebensart und Gestalt, auch Färbung mehr oder
weniger ähnlich ist, und welcher von der Provinz Cooc-
poion bis in die düstern Wälder der Magellansstrasse ver-
breitet, in den Buchenwäldern und Quilaschluchten und
Beiträge zur Fauna Chiles. 125
Sümpfen Valdivias und Chilocs aber sehr häufig ist und
dieselben durch seine sonderbaren Locktüne belebt, lieber
die Gränzen der Verbreitung nach Norden und Süden
haben wir keine weiteren Erfahrungen, vermuthen aber,
dass sein Vorkommen gegen Norden durch das Aufhören
der Buchenwälder begränzt ist, dass er aber nach Süden
wahrscheinlich mit der vorerwähnten Art zusammenstösst.
Wir hatten nur kurze Zeit Gelegenheit zu seiner Beob-
achtung, allein dieselbe war hinreichend, zu bemerken,
dass seine Locktöne so ziemlich dieselben sind wie bei
Pt. Tarnii, so dass wir uns dadurch täuschen Hessen, den
Vogel vor dessen Erlegung für die verwandte Art zu
halten. Er lebt in der Provinz Colchagua in den tiefsten,
feuchten Schluchten zwischen Quila undFarrenkräutern und
treibt dort sein Wesen auf ähnliche Weise wie der Pt.
Tarnii. Er scheint sehr früh zu brüten, denn wir erhiel-
ten in dem ersten Dritttheil des Monats November voll-
kommen erwachsene Junge. Er legt ohne Zweifel wie
alle Artverwandten 2 — 4 ziemlich runde , glänzende,
schneeweisse Eier. Zum Schlüsse haben wir noch die
Merkmale anzugeben, wodurch die neue Art von Pt.
Tarnii, dem sie so sehr ähnlich ist, sich unterscheidet.
1) Scheint der Tarsus bei P. Tarnii stets etwas län-
ger zu sein, obgleich in der Form und Färbung der
Füsse, sowenig wie in der des Schnabels ein Unterschied
bemerkbar ist, ausser, dass die Nägel bei P. Tarnii an
den Spitzen nicht abgerieben sind, während dieses bei
unserem Vogel in Folge seines Aufenthalts in steinigen
Schluchten stets der Fall ist.
2) Bei Pt. Tarnii sind Kinn, Kehle und Oberbrust
einfarbig grauschwarz gegen die kastanienbraune Unter-
brust scharf abgeschnitten, welche Theile bei der neuen
Art einfarbig lebhaft kastanienbraun gefärbt sind.
3) Ist bei Pt. Tarnii die ganze Oberseite des Kopfes,
die Haube, lebhaft rostbraun, während bei unserem Vogel
nur die Stirne und ein Längsstreif über dem Auge diese
Farbe tragen.
4) Ist die Hals- und Rückenfärbung bei Pt. Tarnii
weit dunkler grauschwarz als bei unserem Vogel.
126 Philipp! und Landbeck:
5) Fehlen bei Pt. Tarnii die hüb sehen charakteristi-
schen Halbmonde auf den Spitzen der letzten Schwung-
und grossen Oberflügeldeckfedern.
Die Jungen beider Arten unterscheiden sich auf
ähnliche Weise wie die Alten, wobei jedoch ganz beson-
ders auffallend der Bauch des Pt. Tarnii von dem unserer
neuen Art sich unterscheidet. Bei jenem haben die Bauch"
federn einen schwarzen Mittellängsfleck umgeben von
einem hell in dunkel verlaufenden rostfarbigen Felde,
welches durch eine halbkreisförmige schwarze Binde ein-
gefasst, gegen die Spitze aber wieder von einem rost-
weisslichen breiten Saume umgeben ist, wodurch eine
hübsche schuppenförmige Zeichnung entsteht. Diese
Zeichnung ist bei unserem neuen Vogel nur matt ange-
deutet.
2. Sterna luctuosa Ph. et Ldb. nov. sp.
Artkennzeichen:
Stirn hufeisenförmig weiss^ übrige Oberseite schwarz,
Unterseite weiss und silbergrau.
Besc hreibung :
Fuss Zoll Linien
Länge von der Schnabel- bis Schwanzspitze 15 6
Schnabel von der Spitze bis zur Stirn . — 17
„ „ „ „ „ zum Winkel — 2 3
„ hoch — — 5
„ breit — — 6
Schwanz: äusserste Feder — 8 —
„ mittlere Feder — 3 —
Breite: Flügelspitzen 2 11 —
Flügel vom Bug bis Spitze — 11 9
Fuss: Schienbein — 1 8
Tarsus — — 11
Mittelzehe — 1 1
Innenzehe — — 9
Aussenzehe — — 11
Hinterzehe — — 3
Diese grosse Seeschwalbe ist schlank und zierlich
gebaut und zeichnet sich auffallend durch ihren stark
Beiträge zur Fauna Chiles. 127
ausgeschnittenen Gabelschwanz und ihre langen Flügel,
welche 1" von der Schwanzspitze endigen, aus.
Der Schnabel ist im Verhältnisse zur Grösse des
Vogels etwas kurz, und von der Mitte nach der Spitze
zu schwach abwärts gebogen, von Farbe glänzend schwarz,
Filsse und Krallen braunschwarz. Iris dunkelbraun. Vor-
derstirn von der Schnabelwurzel an weiss, was über dem
Auge endigt, indem vom Scheitel aus das Schwarz
stumpfwinkelig in dem Weiss abgeschnitten ist. Vom
Schnabelwinkel an zieht sich ein 3'" breiter schwarzer
Zügel durch und über das Auge und verbindet sich mit
der übrigen schwarzen Kopfplatte. Der ganze übrige Theil
der Ober- und Hinterseite des Kopfes, Hinterhals, Rük-
ken, Flügel, kurz die ganze Oberseite, auch der Schwanz
sind schwarz, der Kopf und Hinterhals am intensivsten,
der Rücken mit bräunlichem Schimmer , die Schwung-
federn atlasglänzend grauschwarz, die äusserste Schwanz-
feder an der Aussenfahne ganz, an der Innenfahne gegen
die Wurzel weiss, welche Farbe auch der Vorderrand
des Flügels hat. Kinn, Kehle, Brust, Wangen, sowie
die untere Seite der Schäfte der Flügel- und Schwanz-
federn weiss ; Unterflügeldeckfedern, Bauch, Seiten, After
und Unterschwanzdeckfedern silbergrau.
Unser Vogel ist ein altes Weibchen, das sehr abge-
magert und ohne Zweifel durch Stürme aus seiner Heimath
verschlagen war. Es wurde am 2. Aug. 1855 auf dem
Rio de Valdivia zwischen Corral und Valdivia von den
Ruderern eines Bootes mit dem Ruder erschlagen und
Ldb. überbracht. Es ist wohl das einzige bis jetzt in Chile
erlegte Exemplar.
3. Synallaxis Masafucrae Ph. et Ldb. nov. sp.
Artkenn zeichen.
Hauptfarbe des Körpers ein schmutziges Graubraun.
Beschreibung:
Fuss Zoll Linien
Längevon der Schnabel- bis Schwanzspitze — 5 —
„ des Schnabels . — — 6V2
„ „ Schwanzes — 2 3 — 8
128 Philipp! und Landbeck:
Fuss Zoll Linien
Länge des Schienbeins — 1 —
„ Tarsus — — 11
„ der Mittelzehe _ _ 8
^ „ Aussenzehe — — 6
„ „ Innenzehe — — 5V2
„ „ Hinterzehe _ _ 71/2
Flügel vom Bug bis zur Spitze .... — 2 5
Dieser Vogel schliesst sich im Systeme zunächst an
die längst bekannte und in Chile häufige Syn. spinicauda
an, indem er wie diese am Schwanzende verschmälerte
Federn hat, wodurch scheinbar bartlose gebogene Spiesse
entstehen und in dem auch Kopf- und Flügelzeichnung
einige Aehnlichkeit hat. Er ist jedoch soweit von dem-
selben verschieden, dass eine Verwechselung nicht wohl
möglich ist.
Der Schnabel ist verhältnissmässig zur Grösse des
Vogels und verglichen mit der vorgenannten Art sehr
stark und lang. Oberschnabel sanft abwärts gebogen,
hornbraun, Unter schnabel ziemlich gerade, horngelblich-
w^eiss nur an der Spitze etwas dunkler. Iris braun. Tar-
sus horngrau ; die Nägel stark gebogen, hornweiss. — Die
Grundfarbe des Körpers ist ein düsteres Rauchgrau, auf
Rücken und Steiss in Oelbraun übergehend. Die Stirn,
ein Streif über und einer unter dem Auge schmutzig
weiss, rostgelblich überlaufen; Stirn und Scheitel braun-
schwarz. Der Flügel ist schwarz, sämmtliche Deckfedern
mit rostgelblichen lichten Spitzenflecken, wodurch Quer-
binden entstehen, von der vierten bis drittletzten Schwung-
feder hat jede auf der Aussenfahne an der Wurzel einen
4r"' langen hochrostrothen Fleck, wodurch ein schräger
von vorn nach hinten laufender Spiegel gebildet wird.
Ein zweiter hellrostfarbiger Längsfleck entsteht durch
die breiten rostfarbigen Einfassungen der Aussenfahne
der letzten Schwungfedern vor deren Spitzen; die zwei
letzten Schwungfedern sind auch auf der breiten Fahne
hellrostgelb gerändert. Die sechs letzten Schwungfedern
haben weisse Spitzchen. Die Deckfedern auf der Unter-
seite des Flügels, sowie ein Fleck in den Schwungfe-
Beiträge zur Fauna Chiles. 12Ö
dern, welcher mit der oberen Zeichnung cinigermasscn
übereinstimmt, sind lichtrostweisslich. — Der Schwanz
ist stufenförmig, so dass die mittelsten Federn die äus-
sersten um 1" 4'" überragen, in demselben Verhältnisse
sind auch die schmalen Schwanzspiesse verlängert, indem
dieselben an den ersten Federn 3'", an den letzten oder
mittlem aber 10'" messen. Der Schwanz ist schwarz, aber
die Spitzenhälfte der vier äussern Federn jederseits rost-
roth, ebenso die Innenfahne der zwei mittelsten Schwanz-
federn; sowie auch die Oberschwanzdeckfedern dieselbe
Farbe zeigen — die ölbraunen Rücken- und Schulterfe-
dern haben eine ^schwarze Randeinfassimg. Das Kinn ist
schmutzigweiss, die ganze übrige Unterseite ranchgrau,
mit sanft rostbräunlichem Anfluge, welcher am Ende der
Seiten-, After- und Unterschwanzdeckfedern in intensi-
veres Rostbraun übergeht.
Von dem Leben des Vogels weiss man weiter nichts,
als dass er auf der Insel Masafucra gefunden wird, wo
er in den dortigen V^^äldern in grösseren Gesellschaften
sich herumtreibt, wie auf dem Festlande von Chile Syn.
spinicauda.
Unter den Vögeln, welche Dr. Philippi neuerlich
von der Nachbar-Insel Juan Fernandez mitbrachte, war
der beschriebene Vogel nicht enthalten, obgleich derselbe
einen tüchtigen Jäger und Sammler bei sich hatte; wo-
nach es scheint, dass unser Vogel der kleinen, von Juan
Fernandez etwa 40 Leguas entfernten Felsen-Insel Masa-
fucra eigenthümlich ist.
4. Numeniue micr orhynchus Ph. etLdb. nov. sp.
Artkennzeichen:
Schnabel, verglichen mit den Schnäbeln der Gat-
tungs-Verwandten auffallend klein, kurz und dünn.
Beschreibung:
Fnss Zoll Linien
Länge von der Schnabel- bis Schwanzspitze 11 —
Schnabel — 2 6
Schwanz — 3 —
Archiv f. Natur^. XXXII. Jahrg. 1. Bd. 9
130 Philip pi und Landbeck:
Fuss Zoll Linien
Breite 2 5 6
Flügel vom Bug bis Spitze — 7 9
Schienbein — 2 6
dessen nackter Theil über dem
77
Gelenke — — 9
Tarsus — 1 10
Mittelzehe — 1 2
Aussenzehe - . — — 11
Innenzehe — — 10
Hinterzehe — — 5
Der Flügel überragt die Schwanzspitze um
etwa — 1 6
Oberschnabel ganz hornschwarz, Unterschnabel an
der Spitzenhälftc ebenfalls hornschwarz; gQgGTi die Mitte
hornbraun und von der Mitte bis zum Ursprung horn-
gelb. Iris dunkelbraun. Der nackte Fuss dunkelbraun-
grau. Die Nägel schieferschwarz. Oberseite des Kopfes
braunschwarz mit einzelnen weissen Spitzenfleckchen ;
längs der Mitte von der Schnabelwurzel bis zum Genick
läuft eine aus unzusammenhängenden weissen Fleckchen
bestehende Längsbinde; von der Nasengegend bis zum
Genick zieht sich über dem Auge hin eine zweite^
schmutzigweisse Binde; das Auge selbst ist ebenfalls von
einer weissen Federpartie umgeben; vor dem Auge ein
schwarzer Fleck, welcher von der Schnabelwurzel bis vor
das Auge mit der weissen Binde parallel verläuft. Kinn
und Kehle ziemlich rein weiss, Backen und Ohren gelb-
lichweiss mit schwarzbraunen Fleckchen und Längs-
schmitzen. Der ganze übrige Hals ringsum rostgelblich,
jede Feder mit lanzetförmigem braunen Liingsmittelstrich.
Die ganze übrige Oberseite grünschwarz, metallisch schim-
mernd, mit rostfarbigen und weisslichen Rändern, welche
bald gerade verlaufen, bald Zacken und Randflecken
bilden, wodurch das Ganze etwas unregelmässig gebän-
dert und gefleckt erscheint. Die grossen Schwungfedern
sind einfarbig grünschwarz, etwas verblichen, aber braun-
schwarz , mit w^eisslichen Federschäften, welcher an der
ersten am hellsten ist. Der Schwanz ist rostfarbig und
Beiträge zur Faima Chiles. 131
liat acht breite dunkle Qiieiblnden, wovon die Spitzen-
binde die doppelte Breite der übrigen hat. Die ganze
Unterseite etwas schmutzig rostgclblich und rostweisslich,
in der Baiichmittc und den Unterschwanzdeckfedern am
hellsten. Brust- und Seitenfedern haben einen braunen
Mittelstrich und vor dem Aussenrande eine bogenförmige
braune Einfassung, (etwa so 4^) diese Zeichnung ist an
den Bauchseiten und den sogenannten Tragfedern am
kräftigsten und gehäuftesten, in der Bauchmitte aber nur
schwach und einzeln, w^as auch bei den Unterschwanzdeck-
federn der Fall ist. Die Deckfedern auf der Unterseite
d6s Flügels sind rostw^eiss und schwarzbraun quergebän-
dert; die Unterseite der Schwungfedern ist aschgrau. —
Die erste Schwungfeder ist die längste, doch wenig län-
ger als die zweite. — Schienbeinfedern einfarbig rost-
w^eisslich.
Mit der anderen chilenischen Brachvogelart, dem
Numenins hudsonicus, hat unser Vogel im ganzen Ha-
bitus viele Aehnlichkeit, ist jedoch nicht mit demselben
zu verwechseln, denn er ist 1) bedeutend kleiner, 2) sein
Schnabel mit dem des vorigen verglichen, äusserst dünn
und schwach, 3) die Brust- und Bauchzeichnung ganz
anders, 4) die grossen Schwungfedern einfarbig, während
sie bei jenem gebändert sind.
In der Uebersetzung von Cu vier s Thierreich durch
Yoigt ist S. 864 ein Numenius beschrieben, Avelcher mit
unserm Vogel nahe verwandt, vielleicht gar identisch
sein dürfte; es ist jedoch dessen Beschreibung zu frag-
mentarisch, um mit Sicherheit danach bestimmen zu kön-
nen, auch fehlt die Angabe des Vaterlandes, so dass die
Identität stets zweifelhaft bleibt.
„22. Num. brevirostris Col. 381.
Mit auffallend dünnem , kleinen Schnabel , blass
aschbraun mit ungefleckter Kehle, aber Kopf und Hals
längs-, Brust quer-, Bauch zackiggefleckt. Rücken, Flü-
gel und Scliwanz mit dunkelbraunen, weiss eingefassten
Federn."
Das hiesige Museum besitzt zw^ei Exemplare dieses
Vogels: das eine, ein altes Männchen im October 1858
132 Philipp! und Laiidbeck: Beiträge zur Fauna Chiles.
in Chiloe erlegt^ und das andere von Arica in Peru aus
der Sammlung des verstorbenen Frobeen. Beide stim-
men in der Hauptsache genau mit einander überein^ nur
sind die Farben des peruanischen etwas mehr abgebleicht,
lieber Lebensart, Sitten u. s. w. ist uns nichts be-
kannt, da der Vogel wahrscheinlich als kleines Exemplar
des hier häufigen Numenius hudsonicus betrachtet und
deshalb nicht weiter beachtet wurde.
Heber o$ta$i<at]sclie Echiuodernien.
Von
Dr. E. y. larteiis.
(Fortsetzung von p. 88.)
III. Ecliiniclen.
1. Japanische Seeigel.
Temnoplcurus Ag. Nähte in Ambulakral- und Inter-
ambiilakralzone vertieft; porenähnliche Oeffnimgen in der
mittlem Längsnath beider Zonen ; Ambulakralporen in
fortlaufender Reihe.
1. Temnopleicriis Japonicus n. sp.
Interambulakralzone in der obern Hälfte zu beiden
Seiten der Mittelnaht kahl^ seitlich je eine Längsreihe
grosser; gekerbter Höcker, von zahlreichen kleinen um-
geben, in der untern Hälfte die Höcker zahlreicher und
bis zur Mittelnath herantretend, so dass in der Peripherie
und etwas tiefer sechs Längsreihen fast gleich grosser
Höcker vorhanden sind; jeder von einem Kranze kleiner
umgeben; nahe dem Munde treten die innern und äus-
sern wieder an Grösse zurück. Nahtgruben breit und
tief, querverlaufend; rechteckig, zu vier Reihen in jeder
Interambulakralzone; die der zwei^ mittlem am innern
Ende in die porenähnliche Nahtöffnung endigend, welche
bei älteren Exemplaren Öfters geschlossen erscheint. Am-
bulakralporen in ziemlich geraden Reihen, zwischen den-
selben in jeder Ambulacralzone zwei Reihen grosser ge-
kerbter Höcker, von einem Kranze ganz kleiner umge-
ben, in der untern Hälfte der Schale zwischen diesen
zweien eine dritte unregelmässig Zickzackförmige Reihe
mittelgrosser Höcker. Nahtgruben der Ambulakralzone
1 34 V. M a r t e n s :
kürzer und breiter^ mehr rnndllcK als die der Interam-
bulakralzone^ in zwei Reihen, ebenfalls an ihrem innern
Ende in die Nathöönung übergehend. MundöfFnung mit-
telweit, ihr Rand mit 10 seichten Ausbiegungem Genital-
platten stumpf herzförmig, in 1/5 — Vs ihrer Länge sich
berührend, ihre Oeffnung kreisrund, nahe der Spitze, doch
nicht am Ende gelegen; sie tragen nahe ihrer dem After
zugewandten Seite mehrere Höcker, wovon meist drei
grösser, und sind an der Spitze immer glatt; diejenige,
welche zugleich Madreporcnplatte ist, trägt keine oder
doch kleinere und weniger Höcker; ihre Oeffnung ist noch
näher an die Spitze gerückt. Ocellarplatten kleiner, mit
ungleichen Höckern, die Stelle zwischen ihr und der
Achsel der zwei anliegendel Genitalplatten bei Jüngern oft
auffallend vertieft, aber nicht völlig durchbohrt. Stacheln
klein, abgeflacht, schwach gestreift, grün, an der Spitze
roth, beim Trockenen oft ganz röthlich werdend. Ge-
sammtform der Schale flach konisch, Basis flach, so dass
die grösste Peripherie unter die Mitte der Höhe fällt.
Jüngere sind in der Regel flacher und weit mündiger.
Peripherie kreisförmig ohne vortretende Ecke.
d ist ein ungewöhnlich hohes, e ein ungewöhnlich
flaches Exemplar.
Verhältniss der Breite in der grössten Peripherie
zwischen Ambulakral- und Interambulakralporen wie 3 : 4,
bei Jüngern der Unterschied geringer.
In der Bai von Jedo bei Yokohama die häufigste
Art von Seeigeln, daher darf wohl die Abbildung der
Encyclopädie, Heft 27. S. 21 darauf bezogen w^erden. Hier
werden die Seeigel uni oder noni genannt.
T. toreumaticus Leske (sculptusLam.), T. Reynaudii
zeigt auch in der Peripherie noch einen beträchtlichen
Grössenunterschied zwischen den Höckern der zwei Haupt-
reihen und der sekundären; ebenso nach Gray's Be-
schreibung Toreuüiatica llardwickii^ Proceed. zool. soc.
Ueber ostasiatischc Echiiiodormcn. 135
ISoö. p, 39, während dessen T. granulosa schmale, T.
Keevesii und concava nur undeutliche (indistirtct) Nath-
gruben zeigen.
AI. Agassi z hat. zwei nahe verwandte japanische
Seeigel zu eignen Gattungen erhoben, Antechinus ro-
seus, mit vorspringenden Ambulakralzonen und den Geni-
talöftnungen im Rande ihrer Platten, und Temnotrema
sculpta, ebenfalls fünfeckig, mit vier Analplatten wie
Echinocidaris.
2. Ednmcs clisjunGtics n. sp. •
Schale ziemlich kugelig, vom Habitus des europäi-
schen Ech. brevispinosus. Grössere flöcker in der Ara-
bulakralzone in vier, in der Interambulakralzone in acht
Reihen, kleinere zahlreich; überall zwischen den grösseren
zerstreu t= Stacheln kurz, konisch, stumpf, stark gefurcht,
einfarbig purpurbraun. Poren in Bogen von fünf Paaren,
durch einzelne zwischenliegende Höcker getrennt, das
oberste oder die zwei oberen Paare weiter von einander
entfernt als die übrigen und mehr seitlich von diesen
liegend, w^ie bei Ech. granularis Lam. An der Basis die
Bogen etwas mehr horizontal geneigt, im üebrigen
gleich. Mundhaut voll kleiner Schüppchen, welche im
peripherischen Theil derselben noch durch kleine nackt-
häutige Zwischenräume getrennt sind, dicht vor den Zäh-
nen aber sich unmittelbar berühren. Mundeinschnitte
kaum merklich.
Durchmesser 60, Höhe 35, Durchmesser der Mund-
öffnung 19, Länge der Stacheln 13 Mill.
Nangasaki, 0- Schottmüller, ein Exemplar.
Unterscheidet sich von Ech. granularis durch die
geringere Reihenzahl grösserer Höcker im Interambula-
kralraum, (bei Ech. granularis und brevispinosus 10), von
Loxechinus dadurch, dass die Porenbogen weniger hori-
zontal geneigt und durch einzelne Höcker, nicht Hök-
kcrreihen getrennt sind , von Hipponoe ~ Tripneustes da-
durch, dass in jedem Porenfeld die Innern, d. h. die der
Mitte der ganzen Ambulakralzone zugekehrten, nicht die
mittlem Poren die unregelmässigeren und minder zahl-
reichen sind.
136 V. Martens:
3. Boletia radiata n. sp.
Halb so hoch als breit, etwas fünfeckig ; in der
Peripherie zeigt der mittlere Raum der Ambulakralzone
vier, die Interambulakralzone sechs Reihen grösserer
Höcker, nach oben gegen den Wirbel zu fallen je zwei
Reihen aus, indem die Höcker derselben zur Kleinheit
und mehr zu den zwischengestreuten kleineren herabsin-
ken und damit auch ihre reihenweise Anordnung ver-
lieren. Kein Unterschied in Beziehung auf Grösse der
Höcker zwischen der Ambulakral- und Interambulakral-
zone. Die Poren in acht Bogen von vier Paaren geord-
net, dazwischen Höcker eingestreut; zwischen je dem drit-
ten Paare (von der Aussenseite der Ambulakralzone nach
ihrer Mitte und zugleich von unten nach oben gezählt)
der aufeinanderfolgenden Bogen ein grosser Höcker, fast
so gross wie die grossen Höcker der Interambulakral-
zonen. Mundeinschnitte kurz und spitz. Farbe der Schale
blassviolett, ohne Ringbänder. Stacheln kurz, stumpf, in
den Ambulakralzonen sehr blassviolett, in der Mitte der
Interambulakralzone schmutziggrün; dadurch entsteht auf
der bestachelten Schale die Zeichnung von fünf grünlichen
Radien auf blassviolettem Grund, schmäler als ihre Zwi-
schenräume.
Mundhaut dicht beschuppt mit vereinzelten kreis-
runden durchbohrten Plättchen (in zwei Kreisen von je
fünf?), an der Basis des Kauapparats zeichnen sich fünf
Gruppen etwas grösserer Schüppchen aus, an derselben
Stelle, wo bei Toxocidaris purpurata die fünf Paare Mund-
schilder.
Durchmesser 28, Höhe 13Y2; Weite der Mundöff-
nung 9V2. Länge der Stacheln nicht über 4 Mill.
Nangasaki (wahrscheinlich bei Mogi), Schottmüller.
Ein einziges Exemplar liegt mir vor, das im Habi-
tus an den europäischen Echinus Dröbachcensis Müll.,
welcher nach Stimpson auch im nördlichsten Theile
des stillen Oceans vorkömmt, in der Farbenvertheilung an
die ostindischen Tripneustes erinnert, durch Anordnung
der Poren aber an Boletia sich anschliesst. Wie bei den
typischen Arten von Boletia die Mundhaut bekleidet ist.
Ueber ostasiatische Echinoclermen. 137
kann ich weder an den mir vorliegenden Exemplaren,
noch aus der mir zu Gebote stehenden Literatur ersehen.
Toxocidaris AI. Agassiz. Poren auf der Oberseite
in Bogen von mehr als drei Paaren, auf der Unterseite
in mehr querlaufenden Reihen, je ein Paaar auf einer
Platte.
4. Toxocidaris pur pur ea n. sp.
Halb so hoch als breit ; auf der Oberseite zwei
Reihen grösserer Höcker in den Interambulakrai- wie in
den Ambulakralzonen, die der letzteren etwas kleiner,
dazwischen in beiden bedeutend kleinere, wenig zahlreich,
namentlich die Ränder der Platten besetzend. Meist sechs
Porenpaare in einem Bogen, diese Bogen schmal, zwi-
schen Tuberkeln eingezAvängt. Unterseite ganz flach, die
Höcker daselbst bedeutend kleiner, 3 — 4Porenpaare in einer
Reihe. Stacheln feingestreift, stumpf, dunkelpurpurroth,
ihre Länge '-/s des Schalendurchmessers. Einschnitte des
Mundrandes seicht. Mundhaut mit kleinen einander nicht
berührenden Schüppchen bekleidet, um den Mund selbst
10 grössere Mundschilder (ecussons buccaux), je paar-
w^eise sich berührend, in ihrer äussern (aboralen) Hälfte
eine runde Oeffnung, in der innern eine Grube und am
adoralen Rand gekerbt. Scheitelplatten stark gewölbt,
ungleich bestachelt, After etwas excentrisch, in etwa Vs des
Durchmessers des Scheitels gelegen; nach seiner Lage be-
stimmt, liegen die drei grössten Scheitelplatten nach vorn
und die Madreporenplatte im rechten vordem Interambu-
lakralraum; diese ist stark gewölbt, trägt an ihrem innern
Rande drei Höckerchen und ganz nahe ihrer äussern
Spitze die kleine Oeffnung.
Durchmesser bis 41, Höhe bfs 21, Länge der Sta-
cheln bis 33 Mill.
Nangasaki (wahrscheinlich bei Mogi gesammelt),
Schottmüller.
AI. Agassiz, Proceedings nat. soc. Philadelphia Dec.
1863. p. 353 charakterisirt drei Species dieser Gattung
aus Japan und eine aus China, aber keine der etwas
kurzen Beschreibungen passt befriedigend auf die vorlie-
gende Art, welche iiu Habitus an den europäischen Echinus
138 ^ V. Märten s:
lividus erinnert, aber durch die grössere Verschiedenheit
der Porenanordnung zwischen Ober- und Unterseite sich
von demselben entfernt.
5. Seilt ella Japonica m. Monatsberichte der Berliner Aka-
demie 30. März 1865. p. 140. Chaetodisciis scutclla Lüt-
ken^ Motsingai der japanischen Encyclopaedie Heft 47.
S. 20 ff.
Abgerundet fünfeckig, oben schwach convex, unten
völlig flach. Ambulakralblätter unter sich gleich , am
Ende convergirejid, aber nicht völlig geschlossen, zwei
Drittel der Entfernung von der Mitte zum Rande ein-
nehmend. Die Poren eines Paares in der Mitte des Ambu-
lakralblattes entfernter, als am radialen und am centralen
Ende, daher auch die sie verbindenden Furchen daselbst
länger. Rand unregelmässig wellenförmig. x\nus im Rande,
selbst kaum etwas mehr nach oben sehend. Furchen der
Unterseite schon im ersten Drittel der Entfernung vom
Mund zum Rand in zwei Aeste getheilt, nahe dem Rande
sich mehrfach verzweigend, aber nicht den Rand nach
oben überschreitend.
Dunkelviolett. Durchmesser 64, Höhe 8 Mill.
Bei von Jedo, auf Sandgrund, nicht selten.
Verbindet die Gattung Scutella mit Echinarachnius
im engsten Sinn und Dendraster Ag., indem sich die Fur-
chen der Bauchseite ganz wie bei Scutella verhalten, sich
früher und mehr theilen, als bei Echinarachnius, aber
doch nicht auf die Oberseite übergreifen und ebenso
auch die Ambulakralblätter nicht ungleich und nicht ex-
centrisch sind, wie bei Dendraster. Der Anus ist nicht
unter dem Rande wie bei allen bis jetzt bekannten (fos-
silen) Arten der Gattung Scutella, sondern marginal, wie
bei Echinarachnius. Die Abbildung der Encyclopedie me-
thodique , pl. 146. fig. 4. 5 (Scutella truncata genannt,
kömmt im Habitus unsrer Art recht nahe, unterscheidet
sich aber durch die Lage des Afters noch auf der Un-
terseite , den frühern Beginn der Verzweigung zweiten
Grades an den Bauchfurchen und den im Analfünftel ge-
radlinigen Rand, wie bei Encope.
Am nächsten steht ihr unter den fossilen Arten die
Ueber ustasiatisclie Echinodermen. 139
miocaene 8c. subrotunda Gmcl. Lam., aber auch bei ihr
steht der After noch unter , wenn auch dicht an dem
Rande.
Scaphcchinus mirabills Alexander Agasslz Proceed.
acad nat. sc. Philad. 1863. p. 359 vom nördl. Japan, Ha-
kodadi, ebenfalls purpurfarbig, gleicht unsrer Scutclla in
der Verzweigung der ßauchfurchen, hat aber die Inter-
amhulakralräume vertieft wie Arachnoides.
Ferner sind folgende Echiniden in Japan und auf
den aussertropischen Inseln des chinesischen Meers bei
Gelegenheit der amerikanischen Expeditionen beobachtet
w^orden.
Diaderaa nudum AI. Agassiz Proceed. ac. n. h. Phi-
ladelphia 1863. Ousima^ Stimpson.
Glyptocidaris crenularis AI. Agassiz ibid. Hakodadi,
Stimpson.
Psammechinus intermedius Barnes ibid. Hakodadi und
Ousima, Stimpson.
Psammechinus pulcherrimus Barnes ibid. Hakodadi,
Stimpson.
Microcyphuselegans AI. Ag. ibid. Hakodadi, Stimpson.
Anthechinus roseus AI. Ag. ibid. ^^Jnpan/ Stimpson.
Temnotrema sculpta A. Agassiz ibid. Kagosima,
Stimpson.
Hippenoe violacea AI. Ag. ibid. Ousima und Liukiu-
Inseln, Stimpson.
Mespilia globulus L. sp. Ousima und Liukiu-Inseln,
Stimpson.
Toxocidaris nuda AI. Agassiz ibid. Nordost -Ende
von Nippon, Stimpson.
Toxocidaris crassispina id. ißid. Nordost -Ende von
Nippon und Hakodadi, Stimpson.
Toxocidaris depressa id. ibid. Nordost - Ende von
Nippon, Stimpson.
Toxocidaris globulosa id. ibid. Keelung im nördli-
chen Formosa.
Echinometra lucuntur L. sp. Ousima und Liukiu-[n-
seln, Stimpson.
Fibularia sp. Kagosima, Stimpson.
140 V. Martens:
Echinocyarans sp. Kagosima, Stimpson.
Laganuni Putnami Barnes 1. c- Ousima, Stimpson.
Öcaphecbinus mirabilis Barnes 1. c. Hakodadl^ Stimpson.
Lobopliora texta A.1. Ag. Tanegasima und Ousima,
Stimpson.
Spatangus (Maretia) altus AI. Ag. L c. Kagosima,
Stimpson. (Herklots fn. jap. tab. inedit. 1, fig. 1. 3 ii. 7. 9?)
Lovenia triangularis AI. Ag. 1. c. Kagosima, Stimp-
son. (Herklots fn. jap. tab. inedit. 7, fig. 4. 6?)
EcbinocardiumStirapsonii AI. Ag. Kagosima^ Stimpson.
Ferner verschiedene andere auf der benachbarten
Gruppe der Bonin -Inseln, wovon besonders interessant
Parasalenia gratiosa AI. Ag. der einzige Repräsentant
der Saleniden in der Jetztzeit,
2. Seeigel des indischen Archipels.
Familie Cidariden. After oben, Mund unten, beide
central.
Cidaris (Leske) Ag.
Cidaris premier groupe, les Turbans Lamarck. Sub-
genus Phyllacanthus Brandt prodr. 1835. Cidarides angusti-
stelles Desor. ech. foss.
Grosse Höcker und Stacheln in je zwei Reihen in
jedem Interambulakralfeld , erstere mit einem centralen
Loch. Ambulakren schmal, wellenförmig gebogen, nur
kleine Höcker und kurze, platte, niederiiegende Stacheln
enthaltend.
Desor, Synopsis des echinides foss., unterscheidet
eine Gattung Leiocidaris wegen der durch eine Furche
verbundenen Poren, während dieselben bei seinen ächten
Cidaris dicht nebeneinander stehen ohne Verbindungs-
furche. Duj ardin und Hupe nehmen diese Gattung
an und bringen dazu neben den europäischen und kali-
fornischen Arten nur eine aus dem indopacifischen Gebiet,
C. imperialis Lam., lassen aber C. metularia, tribuloides,
baculosa, pistillaris, annulifera u. a. bei den Cidaris im
Sinne von Desor. Die genannten Arten zeigen aber,
nach den im Berliner zoologischen iNfuscum vertretenen
und grösstentheils von Job. Müller bestimmten Indivi-
Ueher ostasiatisclie Echinodermen. 141
duen , alle die Poren von einander abstehend und durch
eine breite , wenig tiefe doch seitliche Furche verbun-
den; unter allen Arten unseres Museums ist überhaupt
die als Cid. pa])illata bestimmte nordische^ deren Bestim-
mung in Zweifel zu zielien ich keine Veranlassung habe,
die einzige, bei der die Poren derselben Ambulakral-
hiilfte einander ganz nahe stehen und der Verbindungs-
furche entbehren. Alexander Agassiz, Proceedings
of the Acad. of nat. sc. et Philadelphia 1863. p. 353 nimmt
die Gattung Leiocidaris als solche an, giebt ihr aber der
Priorität wegen den Namen PhvUacanthus Brandt, obwohl
Brandt an eine derartige Unterscheidung nicht dachte.
Mir scheint der angeführte Unterschied nicht von gene-
rischem Werth; w^ill man ihn aber anerkennen, so mag
es in Anbetracht der grossen Anzahl fossiler Cidariden
allerdings die geringere Störung sein, die meisten leben-
den Cidariden in Phyllacanthus umzutaufen. Die Unter-
scheidung der Arten lässt noch manches zu wünschen
übrig. Im Berliner zoologischen Museum finden sich
folgende aus dem Gebiet des indischen Oceans, inclusive
Ostafrikas, meist in einer Reihe von Exemplaren dessel-
ben Fundortes.
1. Gidaris verticülata Lam.
Encycl. meth. 136. 2. 3. Echinometra digitata seeun-
da, dritte Sorte, Rumph amboinsche Rariteitkammer p. 33.
Grosse Stacheln schuppenartig rauh mit wiederholten
regelmässigen Kreisen (Wirteln) von zusammengedrückten
Höckern ; die Anzahl der Höcker eines Wirteis unbe-
ständig, meist 10 oder 12. Im Ambulakralfeld nur vier
Reihen von Höckerchen, die der äussern, d. h. den Poren
näheren Reihe grösser, die der innern sehr klein, einen
Zwischenraum zwischen sich lassend, ihre Stacheln zu-
w^eilen sehr hinfällig. Ebenso in der Mitte jedes Inter-
ambulakralfeldes ein im Zickzack gebogenes glattes Band,
an dessen Rändern langgestielte Pedicellarien häufig sind.
Scheitel voll kleiner Stacheln. Farbe auch während des
Lebens trüb röthlichgrau , die grossen Stacheln mehr
grau, erdfarbig, selten mit Spuren von heilem und dunk-
lern Ringbändern, ihr Hals blass amarantroth; die ihre
142 V. Martens:
Basis umgebenden kleinen platten Stacheln regelmässig
an der Spitze heller.
Larentuka auf Fiores und Atapupu auf Timor.
Amboina, Ruraph, Timor, Macklot im Leidner Mu-
seum. Molukken, Amsterdamer Sammhmg.
2. Cidaris metularia Lam.
Echinometra digitata secunda Rumph amb. Rar. p. 33.
Taf. 13. Fig. 3. 4. — Seba III. 13, 10. := Encycl. 134, 8.
Wahrscheinlich auch Seba III. 13, 11. Gymnocidaris m.
AI. Agassiz.
Klein, Stacheln nicht länger , meist kürzer als der
Durchmesser der Schale, mit 15 — 19 Längsreihen von
Höckerchen, welche an dem Ende desselben einen eben-
sovielstrahligen kleinen Stern bilden, innerhalb dessen
das stumpfe gekörn elte Ende des Stachels selbst sich
flach brustwarzenartig abgränzt. Die Zahl der grossen
Stacheln in einer Reihe wechselt von 4 — 6, die obern
sind stets die grössten, die zwei untersten immer bedeu-
tend kleiner. Nur zw^ei Reihen Höcker und Stacheln
im Ambulakralfeld, durch einen glatten Zwischenraum
getrennt. Kein solcher höckerloser Raum im Interam-
bulakralfeld zwischen den grossen Höckern. Scheitel
getäfelt, ohne Stacheln. Farbe trüb rothgrau, die
grossen Stacjieln immer mit mehreren dunkleren Ring-
bändern, die kleinern flachen, sowohl rings um die Basis
der grossen, als in den Ambulakren, einfarbig purpurbraun.
Varietäten: 1. metularia vera, Seba III. 13, 10. Grosse
Stacheln von der Mitte ihrer Länge bis zum Ende gleich
dick, plötzlich abgestumpft, von der Länge des Schalen-
durchmessers (die zwei untern klein).
2. spuria. Grosse Stacheln gegen das Ende ein wenig
an Dicke abnehmend, daher der Stern am Ende kleiner
und zuweilen weniger ausgeprägt; ihre Länge meist ge-
ringer als der Schalendurchmesser. Hieher Rumph flg.
cit. und Seba III. 13,11, jene von Lamarck, diese von
Du j ardin zu tribuloides citirt.
Amboina, Rumph und Seba (spuria); von mir wie-
dergefunden (vera); Mossambique, Peters (spuria); Rothes
Uober ostasiatische Echiiiodermen. 143
Meer, Hemprich und Ehrenberg (vcra) ; Ile de France,
nach Lamarck.
In der siidchlnesischen See fischte ich den 28. Aug.
1860 aus einer Tiefe von 40 Faden einen kleinen Seeigel
auf, welcher hieher zu gehören scheint.
Lütken in seiner lehrreichen Uebersicht der west-
indischen Seeigel ( Videnskabelige meddelelser fra den
naturhistoriske forening i Kjöbenhavn for 1803. 1864.
p. 79) vindicirt den Namen metularia einer westindischen
Art, führt aber für dieselbe nur andere Citate an, als
Lamarck selbst; er stützt sich nur darauf, dass La-
marck St. Domingo als Vaterland nenne, aber da der-
selbe den indischen Ocean und Ile de France noch vor-
her nennt, so ist darauf kein Gewicht zu legen.
3. Cidaris tribuloidcs Lam.
An. s. vert. ed. 2. vol. III. p. 380, ;,spinis raajoribus
tereti-attenuatis, apice subplicatis, obtusis, ad series octonü.^
— TAgassiz und Desor cat. rais. p. 22?)
Hieher möchte ich ein Exemplar des Berliner zoo-
logischen Museums ziehen, von Lamare Picquot aus
dem indischen Ocean stammend, das bei allgemeiner Aehn-
lichkeit sich von metularia dui ch Folgendes unterscheidet.
1) Es ist grösser und mehr kugelförmig:
bei tribuloides metularia vera-spuria
Durchmesser der Schale 43 18 27
Höhe der Schale 34 12 17
Längster Stachel 24 17 15
2) Vier Reihen Höckerchen und kleinere Stncheln
im Ambulacrum, die zwei innern wie immer bedeusend
kleiner. Agassiz und Desor, cat. raisonne p. 22, deren
Beschreibung im übrigen passt, geben sechs Reihen Am-
bulakralhöcker und als Vaterland neben dem von L a-
amrck entlehnten indischen Ocean auch Cuba, durch
Orbignv beglaubigt, an, also wohl eine andere Art.
3) Der Zwischenraum zwischen den zwei Reihen
grosser Höcker und Stacheln im Interambulakralraum
breiter, doch auch dicht mit kurzen platten Stacheln er-
füllt, welche nur eine schmale Zickzacklinie übrig lassen.
4) Grosse Stacheln abwechselnd 9 bis 10 in jeder
144 V. Martens:
Reihe^ die zweiten, dritten und vierten die längsten ;
die Stachelrclhen erstrecken sich nämlich weiter gegen
den Wirbel zu, als bei C. metularia und verticillata, und
da die in den beiden Reihen desselben Interambulakral-
raums abwechsehid zu einander stehen^ hat je eine Reihe
einen Stachel mehr und reicht sowohl oben als unten
etwas w^eiter, als die andere desselben Interambulakral-
raums.
5) Die Stacheln sind nahe ihrer Basis am dicksten
und nehmen gleichmässig aber wenig gegen die Spitze
zu an Dicke ab. Der Stern am Ende ist zuweilen deut-
lich; öfter gar nicht mehr zu erkennen. Bänder (am ge-
trockneten) kaum noch zu erkennen.
6) Der Scheitel Ist mit kleinen Stacheln besetzt.
Indischer Ocean, von Lamare Picquot gesammelt.
Encycl. meth. 136^ 4. ö, von Lamarck gar nicht,
von Du j ardin zu tribuloides citirt, würde Ich unbe-
denklich für dieselbe Art halten, wenn die Stacheln nicht
beträchtlich grösser und namentlich gegen das Ende zu
dicker gezeichnet wären.
4. Cidaris baculosa Lam.
An. s. vert. ed. 2. III. p. 380; Michelin Magasin de
Zoologie 1845. planche 8. — • Ag. etDesor cat. rals. p. 23.
Es liegen mir acht Exemplare aus dem rothen Meer,
zwei von Mossambique ('als pistlUaris bestimmt), eins von
Amboina und fünf auf der Insel Flores östlich von Java
von mir gesammelt, vor. Alle haben kleine Stacheln auf
dem Wirbel, vier, einzelne stellenweise auch fünf und
sechs Reihen kleiner Höcker in den Ambulakren, Ihre
Stacheln sind mit Körnerreihen und einzelnen grössern
spitzigen, dornenförmigen Höckern besetzt, welche meist
zerstreut stehen, zuweilen aber auch In weltläufige Halb-
ringe sich ordnen und auf der Unterseite der Stacheln
fehlen; sie sind nahe der Basis nicht stielrund, sondern
von oben nach unten etwas abgeflacht, und von da an
bis zum Ende sich verjüngend, das Ende selbst bald recht
dünn, namentlich an den obern Stacheln, bald noch ziem-
lich dick und dann um so deutlicher den Terminalstern
zeigend, aber ohne dessen mittlere papillenförmige Er-
lieber ostasiaiisclie Echinodcrmen. 145
liöliiingv Grosse Stacheln mit dieser und Stacheln mit
jener Endform finden sich an denselben Exemplaren, und
zwar an allen, oben spitzige, unten abgestutzte, aber bei
denen des rothen Meers ist die Abnahme der Dicke
gegen die Spitze zu nur an wenigen einzelnen Stacheln
beträchtlich, bei denen von Mossambiquc schon an meh-
reren, bei denen von Flores an fast allen, mit Ausnahme
der zwei bis drei untersten. Bei denen vom rothen Meer
und Mossambique ist die Färbung der grossen Stacheln
einförmig, die der kleinen flachen einfarbig dunkelbraun ;
bei denen von Flores hat sich auch an den trockenen
Exemplaren die ursprüngliche Färbung und F^arbenver-
theilung erhalten : an den meisten der grossen Stacheln
abwechselnd dunkelpurpurrothe und blasse gelbliche Ring-
bänder, an den kleinen Stacheln, sowohl um die Basis
der grossen als in den i\mbulakren, ein mittlerer Längs-
streif von dunkelpurpurroth, während die freien Ränder
blass sind. Diejenige von Amboina ist dunkelpurpurroth
mit zwei weissen Kreisbinden nahe der Spitze der gros-
sen Stacheln, an Acrocladia erinnernd. Der Hals der gros-
sen Stacheln zeigt bei allen, auch denen von Mossam-
bique und dem rothen Meer, die kleinen dunkelpurpur-
rothen Flecken, w^elche Lamarck bei C. baculosa er-
wähnt, aber die Encyclopädie auch bei pistillaris abbil-
det ; sie stehen in drei bis sechs ringförmigen Reihen,
sind von einander getrennt, gleich gross und rund oder
verbinden sich zuweilen der Quere oder Länge nach mit
einander zu unregelmässigen länglichen Figuren.
Die Länge der grössten Stacheln übertrifft in der
Regel den Schalendurchmesser, aber kaum je das An-
derthalbfache desselben. Die Anzahl der grossen Sta-
cheln in einer Reihe wechselt von sechs bis acht.
Einzelne Stacheln der Exemplare von Mossambique
passen recht gut auf die in der Encyclopädie abgebil-
deten von pistillaris, ausser dass auch bei ihnen der Hals
glatt ist. Wenn in der That bei pistillaris die rauhen
Längsreihen der Stacheln sich auch auf den Hals der-
selben erstrecken, wie Lamarck und die genannte Fi-
gur andeutet, so sind unsere Exemplare nicht pistillaris
Archiv f. Naturg. XXXII. Jahrg. 1. Bd. 10
1 46 V. M a r t e n s :
und kenne ich überhaupt keine solche. Auch ist die
Länge der Stacheln in der Abbildung der Encyclopädie
relativ beträchtlich grösser, bis über das doppelte des
Scheibendurchmessers.
Desor und Agassi z schreiben ferner den Sta-
cheln von C. pistillaris nur Körnerreihen zu, und nicht
dornenförmige Rauhigkeiten wie der darauf folgenden
baculosa.
In der schönen Abbildung derDescription del'Egypte
pl. 7. flg. 1, von Agassiz und Desor zu baculosa citirt,
erscheint die Mehrzahl der grossen Stacheln nach der
Spitze hin gar nicht verjüngt, im [Jebrigen passt sie zu
den unsrigen; die obersten Stacheln sind übrigens auch
zugespitzt wie bei den unsrigen. In der minder detail-
lirten von Michelin, Magasin de Zoologie 1845. pl. 11,
ist dagegen die Verjüngung der Stacheln nach der Spitze
zu in höherem Grade ausgedrückt, als an unsern Exem-
plaren. AI. Agassiz erklärt diese zwei Abbildungen
für zwei unter sich verschiedene Gattungen.
Lamarck hat eine Cidaris annulifera aus Neuhol-
land beschrieben, bei der einige Stacheln der Oberseite
abgestutzt seien, doch bemerkt er dabei, dass er nur ab-
getrennte Stacheln gesehen habe; Agassiz und Desor
nennen nun die Stacheln der Oberseite cupules, (becher-
förmig?) mit ausgesprochenem Gegensatz zu pointus. Du-
j ardin und Hupe, bist. nat. des zoophytes echinodermes
1862. p. 471, geben bei dieser Art, wie auch sonst oft,
nur die kurze Charakteristik von Agassiz mit etwas
Veränderung in der Wortstellung wieder, face inferieure
statt superieure. Wenn das eine wahre Berichtigung ist
und cupules kuppelförraig zugerundet bezeichnen soll,
dann würde ich meine Exemplare von Flores für solche
annulifera halten können.
Cid. ornata Gray, Proceed. zool. soc, 1855. p. 37 aus
Ostindien, würde der Beschreibung nach ganz mit der
meinigen von Flores passen, aber Gray sagt, Basis der
Stacheln rothgefleckt und mit Körnerreihen; bei den
unsrigen schliessen sich Flecken und Körnerreihen aus.
üeber ostasiatische Kchinodermen. 147
Sollte hier wieder La marc k s pistillarls vorliegen? oder
nur ein ungenauer Ausdruck Gray's?
Rumph erwähnt als vierte Sorte einer Cldaris mit
langen schlanken weissen Stacheln^ die mir unbekannt
ist. In der Amsterdamer Sammlung findet sich eine mit
der Bezeichnung C. circinata, angeblich aus den Moluk-
ken, welche mit (jualtieri tab. 108. fig. D, (Cid. hystrix
aus dem Mittelmeer) nahe übereinkommen soll.
Es ist sehr schwierig, die Arten dieser Gattung
kenntlich zu charakterisiren, da die grossen Stacheln zwar
leicht fassbare Kennzeichen darzubieten scheinen, aber
an demselben Individuum variiren. So ist es mir nicht
möglich die von Gray Proceed. zool. soc. 1855. S. 37
u. 38 beschriebenen wiederzuerkennen.
5. Cldaris {irtiperialis Lam. ?) fustigera AI. Ag.
Lam. an. s. v. ed. 2. vol. IIL p. 378. AI. Agassiz
Proceed. ac. n. sc. Philadelphia 1863. p. 353.
Leicht kenntlich durch seine äusserliche Aehnlich-
keit mit Echinometrn mammillata L. sp., welche haupt-
sächlich auf der Färbung der Stacheln beruht. Diese sind
violett, g^^^^ die Spitze zu dunkler und vor derselben
(bei dem einzigen mir vorliegenden Exemplar) konstant mit
zwei schmalen weissen Binden geziert. Die Furchen der
Stacheln werden am Ende derselben plötzlich tiefer und
weniger zahlreich und convergiren auf der Endfläche zu
einem Stern ; die Endfläche selbst ist etwas convex und
der Stachel vor ihr etwas verjüngt. Indem die zwei
Reihen grosser Stacheln in jedem Interambulakralraum
abwechselnd stehen, so ist auch die Zahl der Stacheln
in jeder Reihe ungleich, einmal vier und einmal fünf;
wo vier, ist der oberste Stachel der stärkste und keulen-
förmig zu nennen ; wo fünf, ist der zweite diesem ähn-
lich und der oberste etwas schlanker und kleiner. Die
kleinen flachen Stacheln an der Basis der grossen und in
den Ambulakren einfarbig dunkel purpurroth. Die Ober-
seite der Schale innerhalb der grossen Stacheln flach
und unbewaffnet, bis auf den Scheitel selbst, der von
zusammenneigenden kleinen schlanken Stacheln bedeckt
ist. Grösse gleich der von C. metularia.
148 V. Martens:
Amboina, Rosenberg. Gasparstrasse, Stimpson. Mo-
lukken, Amsterdamer Sammlung. Rothes Meer, Lamarck.
Die Abbildung von Seba, Bd. III. Taf. U. Fig. 3,
wird von Lamarck hieher citirt und von Alexander
Agassiz sogar gut genannt. Sie stellt aber eine weit
grössere Menge von grossen Stacheln dar, als einem
Cidaris überhaupt zukommt, während doch das übrige
Detail, soweit erkenntlich, wie die Endskulptur der gros-
sen Stacheln und die Reihen kleiner platter in den Am-
bulakren, entschieden auf die Gattung Cidaris w^eist und
sich sehr kenntlich von dem der nebenstehenden Echi-
nometra mammillata, Fig. 1, unterscheidet. Vielleicht hat
gerade desshalb Seba mehr Stacheln zeichnen lassen,
als sein Exemplar wirklich hatte, damit es nicht neben
diesem seinem Nachbar ärmlich erscheine.
Alexander Agassiz, Bulletin of the Museum of
comparative zoology 1863. Nro. II. pag. 17, beschränkt
den Gattungsnamen Phjllacanthus Brandt auf die als
Cidaris imperialis bekannten Arten und unterscheidet de-
ren zwei : Ph. fustigerus von Neuholland und den „ost-
indischen Inseln,'^ Ph. imperialis, bei Seba abgebildet,
von Zanzibar und Mossambique; wie sich beide unter-
scheiden, wird nicht gesagt. Wenig später, an der oben
angeführten Stelle, erwähnt derselbe „Phyllacanthus fusti-
gera Barnes mscr." als bei Puloe Leat (Liat) in der Gas-
parstrasse (zwischen Banka und Biliton) gefunden und
gibt eine kurze Beschreibung, welche auf unser Exem-
plar passt.
Cidaris tubaria Lam. an. s. vert. ed. 2. III. p. 382,
Agassiz cat. rais. p. 23. Molukken, von Eydoux und Sou-
leyet gesammelt, ist mir unbekannt. Die Beschreibung
erinnert etwas an Goniocidaris.
Gatt. Diadema Ag.
Die grossen Höcker gekerbt und mit einer tiefen
Grube auf ihrem Gipfel, in den Ambulakren in mehr
als zwei, meist sehr schiefe Reihen geordnet. Die gros-
sen Stacheln mit Längsfurchen, die durch zahlreiche
Querabsätze rauh werden, innen mehr oder weniger hohl.
Ueber ostasiatische Echinodermen. 149
Diese Gattung wurde schon von Laiuarck er-
kannt, aber nur als ünterabtheilung von Cidaris aufge-
führt, indem sie mit dieser in der Beschaffenheit der
grossen Höcker übereinstimmt; aber durch den Bau des
Kauapparates und der Mundhaut entfernt sie sich von
derselben und schliesst sich an die eigentlichen Echinus
an. Die Schale ist stets abgeflacht, die Ambulakralzonen
springen oft vor und sind stets verhältnissmässig schmal.
Man hat diese recht natürliche Gattung von verschiedenen
Seiten in mehrere zerspalten, nach der Ausdehnung der
kahlen Stellen der Interambulakralzone, nach der ver-
hältnissmässigen Grösse und nach der Hohlheit der Sta-
cheln, endlich nach der Anordnung der Poren. Alle
diese Abtheilungen dürften nicht mehr als Gruppenv^erth
haben, da die genannten Charaktere bei den verschiede-
nen Arten nicht so bestimmt in zwei Kategorien : gross und
klein, hohl und nicht hohl, einfache oder dreifache Reihe
u. s. w. zerfallen. Unter den Stacheln des Originalexem-
plars von Prof. Peters' Astropyga sind welche, die
nahe der Spitze hohl werden, unter denen von Echino-
thrix solche, welche nahe der Basis solid sind, und die
feinen Ambulakralstacheln seines Originalexemplars von
Echinothrix zeigen unter der Lupe ebenfalls ihre Längs-
streifen regelmässig abbrechend wie die grossen Inter-
ambulakralstacheln, bei denen durch das sehr schroffe
Abbrechen die Ringelung entsteht.
Erste Gruppe Echinothrix Peters.
In den Ambulakren nur verhältnissmässig kleine
Stacheln. Porenpaare zu drei schiefe Reihen bildend,
wie bei den eigentlichen Echinus. Die kahle Stelle der
Interambulakralzone auf die Mittellinie der obern Hälfte
beschränkt, nicht nach unten in zwei divergirende Schenkel
fortgesetzt. Interambulakralstacheln gross, ganz hohl. Der
Name Echinothrix wurde von Prof. Peters 1853 in den
Monatsberichten der Berliner Akademie S. 487, mit Angabe
der wesentlichen Kennzeichen, veröffentlicht, worauf in
den 18Ö5 erschienenen Abhandlungen derselben Akademie
eine ausführlichere Beschreibung folgte. In demselben
150 V. Martens:
Jahr 1855 stellte Gray die Gattung Garelia auf, Pro-
ceedings of the zool. soc. p. 36, welche damit zusammen-
zufallen scheint, wenn man annehmen darf, dass der
Autor die kleine schmale kahle Stelle der Interambu-
lakralzone zu unbedeutend fand, um ihr den Namen eines
glatten Bandes zuzuerkennen. Desor endlich in der
Synopsis des echinides fossiles, 1858, führt eine neue Gat-
tung Savignya ein, auf die Anordnung der Poren ge-
gründet, welche ebenfalls mit Echinothrix zusammenfällt.
Alexander Agassiz, Proceed. of the acad. of nat.
scienc. of Philadelphia 1863. S. 353. 354, unterscheidet Echi-
nothrix und Garelia, ohne (an dieser Stelle) etwas über
die Unterschiede anzugeben und eine frühere Arbeit des-
selben konnte ich mir noch nicht verschajffen.
Die Arten sind alle untereinander sehr ähnlich, und
aus blossen Beschreibungen kaum herauszufinden, da die
Zahlenverhältnisse, z. B. der Breite der Ambulakren, der
Tuberkelreihen, von oben bis unten nicht gleich bleiben.
6. Diadema calamare Pallas sp.
Echinus c. Pallas spicilegia zoologica fasc. X. Taf. 2.
Fig. 4— 8, kopirt Encycl. meth. 131, 9— 11. A— D. -Tür-
kischer Bund bei Rumph Taf. 14. Fig. B. (erst in Holland
der Rumph'schen Arbeit hinzugefügt). Cidarites calama-
ria Lam. Astropyga calamaria Agassiz catal. rais. p. 41.
Echinothrix calamaris und Ech. Turcarum Peters. Ga-
relia turcarum A. Agassiz. Ech. Turcarum Bölsche. Dia-
dema Desjardinsii Michelin Mag. Zool. 1845. pl. 7. (Abbil-
dung passt sehr gut; Stacheln nicht bekannt.)
Grosse Stacheln mit scharf ausgeprägten ringförmi-
gen Absätzen, welche durch gleichzeitiges schuppenar-
tiges Erheben der Längsfurchen und ihrer Zwischenräume
entsteht, mit grünen und weissen weltläufigen ungleich-
breiten Ringbändern. Drei Reihen grosser Höcker jeder-
seits in einer Interambulakralzone (in ihrer untern Hälfte) ;
die zwei obersten, der Genitalplatte anliegenden Inter-
ambulakralplatten tragen keinen grossen Höcker und
Stachel mehr. Die Interambulakralfelder massig vorste-
hend, der Raum zwischen beiden Porenzügen nicht brei-
Uebei- üstasiatische Echinudurmeu. 151
tcr und oft schmäler als die beiden Porenzügo zusammen^
im grössten Theil ihres Verlaufes mit vier Reihen von
Höckern, wovon diejenigen der beiden äussern Reihen
gekerbt und mit tiefer Mittelgrube versehen sind, wie
die Interambulakralhöcker, aber bedeutend kleiner als
diese und auch nur sehr dünne, einfarbige, nicht gerin-
gelte Stacheln tragen; nach oben und unten schwinden
die mittleren Reihen, so dass auf der Unterseite regel-
mässig nur zwei, oben stellenweise nur drei sich finden.
Auch in der Mitte sind sie nie ganz gleichmässig; die
darauf folgenden Höcker oft in Grösse und Stellung zur
Mittellinie etwas von einander verschieden, und nie zwei
nebeneinander in gleicher Höhe, wie ja überhaupt alle
Höcker bei den Echiniden im quincunx stehen, und da-
zwischen liegen noch zahlreiche ganz kleine Höcker-
chen, von denen einzelne auch stellenweise grösser wer-
den, so dass die Angabe der Reihenzahl nur eine annä-
hernde sein kann.
Die Stacheln der von mir gesammelten Exemplare
sind durchschnittlich um Weniges kürzer als der Durch-
messer der Schale, sie verjüngen sich allmählich gegen
ihr freies Ende hin und sind an diesem zwar wie abge-
schnitten, doch solid und abgeflacht. Dagegen befinden
sich im Berliner zoologischen Museum zwei andere Exem-
plare unbekannten Fundortes, bei welchen die Stacheln
durchschnittlich noch etwas kürzer, am freien Ende kaum
merklich abgeflacht und offen sind, ebenso beschreibt
Pallas diejenigen seines Exemplars. Dass sie trotzdem
nicht alle abgebrochen sind , zeigt bei manchen Stacheln
die regelmässige und etwas verengte Form der Endöff-
nung, während andere in der That abgebrochen scheinen.
Der Unterschied ist aber nur ein relativer, indem auch
an meinen Timoresischen Exemplaren einzelne Stacheln,
besonders an der Unterseite, in gleicher Weise offen
endigen und an den vorhin genannten einzelne ein solides
Ende zeigen.
Im frischen Zustand waren die grossen Stacheln
welssllch mit dunkelblauen Ringbändern und zuweilen
auch eben solchen Längsstreifen ; letztere sind beim Treck-
152 V Martens:
nen ganz verschwunden, erstere grün geworden. Die bor-
stenförmigen Stacheln der Ambulakralzonen goldglänzend-
braun. Diese brechen sehr leicht ab und ihnen glaubte ich
den brennenden Schmerz zuschreiben zu müssen, den ich
wiederholt beim Anfassen der lebenden Seeigel empfand;
derselbe war aber nicht lange anhaltend. Rump h macht
eine schlimmer lautende Beschreibung von dem Schmerz,
den seine Echinometra setosa erregt, schreibt es aber
wohl mit Recht dem Umstand zu, dass die Spitzen in
der Haut der berührenden Hand abbrechen und stecken
bleiben.
Kupang (Timor), auf Korallengrund. Von derselben
Insel Exemplare im Leidner Museum, von Macklot ge-
sammelt. Amboina, Hombron und Jacquinot nach Agassiz
cat. rais., und Bleeker bei Bölsche.
7. Diadema spinosissimum Lam.
Cidarites spin. Lam. an. s. vert. ed. 2. III. p. 383,
„spinis longitudinaliter striatis, fuscoviolaceis" Astropyga
spinosissima Ag. et Desor cat. rais. p. 41.
Mit dem vorigen zusammen kam mir auf Timor ein
Exemplar vor, das sich sogleich durch seine einförmige
schwarzviolette Farbe auszeichnet und bei näherer Be-
trachtung in der Sculptur der Stacheln sich von den
vorigen unterscheidet. Die Absätze der Längsfurchen der-
selben sind nämlich nicht so schroff, schuppenartig wie
bei dem vorigen, sondern nur schwach angedeutet, und
auch nicht regelmässig in einem Kreise um den ganzen
Stachel laufend, daher keine Querringel entstehen, son-
dern nur ein unregelmässig schilferiges Aussehen der
Längsfurchen ; dieser Unterschied ist so frappant, dass
man bei nicht genauer Untersuchung sehr wohl die Sta-
cheln des einen als bloss längsgefurcht von den (längs-
und) quergefurchten des andern unterscheiden kann, wie
Lamarck es gemacht zu haben scheint. In der Gestalt
der Schale, der Anordnung der Höcker, der relativen
Länge der Stacheln gleicht übrigens dieser Seeigel ganz
dem vorigen. Auf die Färbung als spezifischen Un-
terschied mag ich auch nicht viel Gewicht legen, da
manche Stacheln spurweise, einzelne deutlich auch Quer-
üeber ostasiatische Echinodermen. 153
bänder zeigen, dunkler violett auf etwas hellerem Grunde,
und ferner da ein weiteres Exemplar des Berliner zoolo-
gischen Museums in allen seinen Stacheln die Skulptur
dieser zweiten Art, aber die grüne Färbung und regelmäs-
sige Bänderung der vorigen zeigt, dabei auch die offenen
Enden, von denen dort die Rede war.
Nach Lamarck zeichnet sich Cid. spinosissima
durch Grösse und längere Stacheln von calamaria aus ;
dieses trifft bei dem meinigen nicht zu. Derselbe un-
terscheidet ferner eine Cid. subularis , deren Stacheln
längsgestreift, wie bei spinosissima, aber nicht so lang,
und quergebändert wie bei calamaria, aber nicht abge-
stutzt, wie bei dieser seien. Dieses scheint also eine
weitere Mittelform zwischen spinosissima und calamaris
zu sein, so dass wir fast alle möglichen Combinationen der
drei in Skulptur, Färbung und Endigung der Stacheln
liegenden Kennzeichen hätten:
Skulptur nicht quergefurcht.
Färbung dunkelviolett.
Ende dünn, solid, wie die obige spinosissima Lam.
Ende abgestutzt, hohl, vacat.
Färbung grün und weisslich gebändert.
Ende dünn, solid : subularis Lam.
Ende abgestutzt, hohl : Ex. des Berliner Museums
No. 38 aus Ostindien undNo. 317 angeblich aus
Java, bei diesem sind auch die Ambulakral-
stacheln gebändert.
Skulptur mit ausgesprochenen Querringen.
Färbung dunkelviolett.
Ende dünn, solid, vacat.
Ende abgestutzt, hohl, hielier Ech. annellata Pet.
Färbung grün und weisslich gebändert.
Ende dünn, solid ; meine Exemplare von Timor.
Ende abgestutzt, hohl : der eigentliche calamaris
Fall., Lam.
Agassiz und D e s o r, catal. rais. S. 41, geben nun
die Rücksicht auf die Skulptur ganz auf, und unterschei-
den ihre Astropyga calamaria, spinosissima und subularis
nebst einer vierten Art, A. Desorii aus dem rothen Meer,
154 V. M a r t e n s :
hauptsächlich nach den relativen Charakteren schmälerer
öder breiterer Zonen, mehr oder weniger vorspringender
Ambulakralzonen, mehr oder weniger gedrängter Höcker-
chen in denselben, .endlich der Grösse und Abflachung
der Schale. Da sie aber dabei stets nur im Comparativ
reden, ohne ein Verhältniss in Zahlen auszudrücken, so
kann der Leser daraus allein die ihm vorliegenden Arten
nicht bestimmen ; nur bei A. subularis findet sich ein
scheinbar bestimmtes Kennzeichen angegeben : die grossen
Höcker reichen bis zum Gipfel der Interambulakralfelder.
Ich finde nun bei allen mir vorliegenden Exemplaren, dass
die zwei obersten an die Seite der Genitalplatte sich an-
legenden Interambulakralplatten keine grossen Höcker
und Stacheln mehr tragen; wohl aber berührt die dritte
Taterambulakralplatte, d. h. die erste einen grossen Hök-
ker tragende, mit ihrer innern obern Ecke noch die Spitze
der Genitalplatte. Wenn dieses hinreicht, um zu sagen,
dass die grossen Höcker sich bis zum Gipfel der Inter-
ambulakralflächen erheben — und ich glaube, es kann
nicht mehr damit gemeint sein — so finde ich auch für
die als subularis bezeichnete Art in den Worten des catalo-
gue raisonne keinen ausreichenden Grund zur Trennung.
Gray, Proceed. zool. soc. 1855. S. 36, unterscheidet
in seiner neuen Gattung Garelia zwei Typen, mit ge-
wirtelten und mit längsgestreiften Stacheln; in der Be-
schreibung seiner G. aequalis finde ich kein wesentliches
Unterscheidungsmoment von unserer D. calamare.
Alexander Agassiz, Bulletin of the museum of
comparative zoology, Cambridge in Massachusetts 1863.
p. 19, begründet auf den Unterschied in der Skulptur
der Stacheln sogar eine generische Trennung, indem er
den Namen Echinothrix auf die Arten mit scharf gerin-
gelten Stacheln beschränkt und für diejenigen mit längs-
gestreiften (d. h. bei denen die Querabsätze minder tief
sind — die andern sind auch längsgestreift) den Namen
Garelia Gray anwendet, der mit Echinothrix Peters ganz
synonym war. Seine Garelia cincta, 1. c. S. 18 von den
Südseeinseln der Kingsmill-, Sandwich- und Boningruppe,
kann ich nach der gegebenen Beschreibung nicht von
Ueber ostasiatische Echinodermen. 155
dem oben als D. spinosissimum bezeichneten Exemplar
unterscheiden; die Färbung ist nicht angegeben.
Bölsche, im vorigen Jahrgang dieser Zeitschrift,
XXXI. p. 328—335, führt die bis dahin aufgestellten Ar-
ten als unter sich verschiedene auf, beschreibt nur die
eine E. turcarum, und fügt eine neue, E. Petersii von
den Fidji-Inseln, hinzu- Dieselbe hat nach der Abbildung
weniger grosse Ambulakralhöcker — nur 3 Reihen jeder-
seits bildend — und mehr kleine Ambulakralhöcker. Die
Skulptur der Stacheln ist wie bei meinem oben als D. spi-
nosissimum bezeichneten Exemplar.
Zweite Gruppe Diadema im Sinne von Peters.
Ambulakrale Höcker und Stacheln nicht oder kaum
kleiner als die interambulakralen. Stacheln ebenfalls hohl.
Porenpaare senkrecht übereinander in einer Reihe.
Die Reihen der Interambulakralhöcker sind noch
auffallender schief als bei Echinothrix und während bei
letzteren die wellenförmige Mittelnath des Interambula-
kralfeldes zwischen den schiefen paarigen Höckerreihen
bis zur halben Höhe der Schale jederseits von einem
höckerlosen Saume begleitet wird, beginnt dieselbe bei
Diadema schon welter oben, vom Zusammentreffen der
zweiten schiefen Höckerreihe an, unmittelbar zwischen
den Höckern sich durchzuwinden, ohne solchen Saum ;
dagegen setzt sich ein glatter Zwischenraum jederseits
zwischen der ersten und zweiten schiefen Höckerreihe fort.
8. Diadema Savigmji Michelin.
Descr. Eg. planche 6 ; Mag. zool. 1845. p. 11; Böl-
s ch e dieses Archiv XXXI. S. 327. (Cjdaris diadema Lam.?)
Im Ambulakralfeld nur zwei Reihen massig grosser Hök-
ker, dazwischen sehr wenige kleinere vereinzelt; im In-
terambulakralfeld zweimal zwei schiefe Höckerreihen,
die Innern wenig über der halben Höhe der Schale zu-
sammentreffend; zwischen den letztern noch einige klei-
nere Höcker. Ambulakralfeld 1/3 so breit als das Inter-
ambulakralfeld. Stacheln einfarbig schwarz, länger als
der Schalendurchmesser.
Durchmesser der Schale 64, Höhe 38 Mill.
156 V. Mart ens:
Länge der Stacheln bis 108, Dicke höchstens bis
2 Mill.
Kupang auf Timor und Batjan, Molukken, von
mir, im Golf von Siam an dessen Ostküste von Freiherrn
von Richthofen während der ostasiatischen Expedition
gefunden. Insel Samar, Philippinen, F. Jagor im Ber-
liner Museum. Molukken, Leidner Museum.
D. setosum Peters und D. nudum AI. Ag. weiss
ich bis jetzt noch nicht davon zu unterscheiden. Die
Abbildung bei Rumph 14, B, erst in Holland hinzuge-
fügt, und diejenige in der Encyclopedie methodique
pl. 133. fig. 10 unterscheiden sich darin, dass der durch
eine dunkle Linie angedeutete glatte Interambulakral-
streifen bei der erstem einfach, bei der zweiten von An-
fang an doppelt ist, während er bei unserer Art erst ein-
fach ist und dann sich gabelt, es fragt sich aber, wieviel
Verlass hierin auf jene älteren Figuren ist.
NachBölsche I.e. unterscheidet sich setosum von
Savignyi darin, dass bei letzterem die Interambulakral-
felder an der Rückenseite eingesenkt und die Farbe der
Stacheln schwarz, bei setosum violett und weiss geringelt.
Mit setosum hält derselbe D. Antillarum Phil, für iden-
tisch und dehnt damit dessen Vaterland auf „Antillen,
Mauritius, Amboina^ aus, was ohne direkte Vergleichung
von Exemplaren, deren Herkunft aus dem atlantischen und
aus dem indischen Ocean sicher ist, doch wenig glaublich
erscheint. Alle ächten Diademen, die mir im indischen
Ocean vorgekommen, hatten die Interambulakralfelder
oben etwas eingesenkt, aber nicht sehr auffallend, wie
diejenigen aus dem rothen Meer und Ostafrika, und die
Farbe der Stacheln schwarz, und ebenso beschreibt Rumph
die Stacheln seiner Echinometra setosa. Uebrigens ist
dessen Beschreibung und eigene Figur, 13, 5, zu wenig
detaillirt, um mit Sicherheit gedeutet zu werden. Die
Beschreibung der Stacheln als bis sieben Zoll lang und
nähnadeldick passt auf Diadema und Astropyga besser
als auf Echinothrix, aber dass er von kleinern haardün-
nen, die dazwischen stehen , spricht und in der Figur
auch etwas derartiges als Gränzen des mittlem kah-
Ueber ostasiatische Echinodermen. 167
len Streifens zeichnet, mahnt an Echinothrix. In der
Bai von Amboina , wo Rumph sammelte, habe ich nur
die folgende Untergattung und Art gefunden , und zu
dieser passt weder die Höhe seiner Figur, noch seine
Angabe über die Farbe der Stacheln. R u m p h's Art
scheint mir daher nicht mit befriedigender Sicherheit ge-
deutet werden zu können, und ich halte es für geboten
die Benennungen derjenigen beizubehalten, welche die
Art kenntlicher dargestellt haben.
Dritte Gruppe Astr opy ga (Gray) Peters.
Grössere Höcker und Stacheln in den Ambulakrai-
und Interambulakralfeldern gleich; Porenpaare zu drei in
schiefe Reihen gestellt. Glattes Band der Interambulakra
sehr ins Auge fallend, in ^4 der Höhe in zwei Schenkel
getheilt, welche schmäler werdend weit herabsteigen.
9. Diadema radiatum Leske sp.
Seba III. 14, 1. 2. — Cidaris radiata Leske Klein
echinoderm. 44, 1. Encycl. meth. 140, 5. 6. — Astropyga
radiata Gray Annais of philos. 1825, nicht Astropyga Gray
Proceed. z. s. 1855. Astropyga Mossambica Peters Mo-
natsberichte d. Berl. Akad. 1853. S. 484 und Abhandl. d.
Berl. Akad. 1855. p. 110.112. — Astropyga major Bölsche
dieses Archiv XXXI. p. 335. Flach gedrückt, stumpf fünf-
eckig, die glatten Interambulakralbänder sehr augenfällig;
im Ambulakralfeld zwei Reihen grösserer Höcker und
dazwischen einzelne viel kleinere ; im Interambulakralfeld
ausserhalb des glatten Bandes je eine, innerhalb 4 schiefe
Reihen grösserer Höcker, die innersten schon in halber
Höhe zusammentrelfend. Das glatte Band röthlich mit
dunkelrothen runden Flecken geziert. Die Stacheln alle
dünn und schlank, an Länge den Scheibendurchmesser
nicht erreichend, feingefurcht mit vorhandenen aber we-
niger augenfälligen ringförmigen Absätzen , blassroth mit
breiten dunkelrothen Querbändern. Die Stacheln sind
nicht völlig solid, sondern zeigen im Innern eine mark-
artige Lücke und gegen die Basis zu einen deutlichen
Centralkanal, aber weit enger als bei Echinothrix. Mass
meines kleinsten Exemplars; Durchmesser 41, Höhe 13V2,
168 V. Martens:
Mimdöffnnng 1(3^ Breite der Ambiilakralzone in der Pe-
ripherie 7V2, der Interambulakralzone 20 Mill.
Insel Moti, Molukken, und Amboina in der Bai
unweit Amboina^ nur in einzelnen Exemplaren von mir
gefunden. MolukkeU; Leidner Museum.
Das von Prof. Peters aus Mossambique mitge-
brachte, bedeutend grössere Exemplar zeigt einen Durch-
messer von 105, eine Höhe von 40 Mill. (70 in der Ab-
handlung von Prof. Peters ist ein Druckfehler). Breite
des Ambulakral- zum Interambulakralfeld wie 2:7. Mein
kleinstes Exemplar von Moti hat jederseits zwei schiefe
Reihen grosser Höcker innerhalb des glatten Streifens
des Interambulakralfeldes, das mittelgrosse von Amboina
drei, dasjenige von Peters vier. Ist es möglich, dass
die kleinen Höcker während des Wachsthums sich zu
relativ grossen ausbilden?
Gatt. Salmacis Ag.
Oeffnungen zwischen den Platten der Mittelnath in
der Ambulakral- wie in der Interambulakralzone.
Obwohl diese Gattung hauptsächtlich im indischen
Ocean zu Hause ist, sind mir doch keine Exemplare
während meines Aufenthaltes daselbst vorgekommen, ich
führe daher nur der üebersicht wegen die bis jetzt un-
terschiedenen auf, welche in unser Gebiet fallen.
A) Untergattung: Temnopleurus Ag. (Toreumatica
Gray) Porenpaare in einer fortlaufenden, doch wellenför-
migen Reihe. Näthe der Interambulakralpiatten vertieft.
S. (T.) Rejnaudi Agassiz cat. rais. p. 56. Malacca,
Eydoux und Souleyet.
S. (T.) Reevesii Gray Proc. zool. soc. 1855. p. 39.
Hongkong, Stimpson. (Südliches China, Reeves).
S. (T.) concava Gray Proc. zool. soc. 1855. p.39. Hong-
kong, Stimpson.
B) Untergattung: Salmacis Ag. (Diploporus Tr.)
Porenpaare zu je drei angeordnet. Nathgruben seicht.
S. sulcata Ag. cat. rais. p. 55. Philippinen.
S. rarispina Ag. cat. rais. p. 55. (Melebosis r. Girard
Ueber ostasiatischo Echinodermen. 159
"lind AI. Ag.) Singapore, Hombron et Jacquinot. Strasse
von Malakka, Eydoiix u. Soiileyet.
S. varia Ag. cat. rais. p. 55. SIngapore, Hombron et
Jacquinot.
S. Dnssnmleri Ag. cat. rais. p. 55. Singaporc, Hom-
bron? Chinesische See, Dussumier.
10. Salmacü pyramidata (Troschel mns. Berolin.) n. sp.
Konisch kugelig. Auf der Oberseite sowohl in den
Ambulakral- als Interambulakralzonen jederseits nur eine
Reihe grösserer, gekerbter Höcker; auf der Unterseite
in den Interambulakralzonen drei Yertikalrelhen gleich
grosser Höcker. Farbe der trockenen Exemplare blassgrün,
Stacheln quergebändert. Die Poren stehen in der obern
Hälfte regelmässig zu drei Paaren in einer schiefen
Reihe, auf der Unterseite minder regelmässig, eine Stel-
lung in zwei Vertikalreihen, wovon die innere doppelt
soviel Paare enthält, als die äussere und letztere, aber
dafür durch Tuberkel unterbrochen wird, wie es für den
Typus von Salmacis (bicolor Ag.) und bei Mespilia dar-
gestellt wird, lässt sich nur an einigen Stellen der Un-
terseite heraussehen. Hierdurch nähert sich diese Art der
(Unter)gattung Melebosis Girard. Näthe schmal, aber deut-
lich vertieft. Durchmesser 50, Höhe 32V2; Mündung 1272;
Breite der Ambulakral- zur Interambulakralzone in der
Peripherie = 13 : 18 Mill.
Timor, Berliner Museum.
Ein grösseres Exemplar unbekannten Fundortes misst
beziehungsweise Qo, 45 und 16 Mill.
11. Salmacis conica n. sp.
Gestalt hoch konisch, nach oben stark verengt und
fast geradlinig, unten flach. Anzahl der Verticalreihen
gleich grosser Höcker in der Peripherie, in den Inter-
ambulakralzonen jederseits fünf, in den Ambulakralzonen
drei, nach oben wn*e nach dem Munde zu rasch abneh-
mend, indem an die Stelle der grossen immer häufiger
nur kleine Höcker treten; doch bleiben für den grössern
Theil der obern Hälfte jederseits drei Interambulakral-
und zwei Ambulakralreihen, die innern der letzteren aber
sehr mangelhaft. Nathöffnungen deutlich; Näthe durch
160 V. Martens:
schmale aber deutliche Yertiefimgen bezeichnet ; an der
andern Seite der Nathöffnung, wo keine Nath anstösst,
ein wcisslicher sehr schwach ausgehöhlter Streif. Poren-
paare regelmässig zu je drei in einer schiefen Reihe.
Farbe der trockenen Exemplare grünllchweiss. Stacheln
kurZ; stumpf, etwas platt, mit grünen oder blassvioletten
Ringbändern. D.urchmesser 72, Höhe 55, Mundöffnung 18
Mill. Ambulakral- zur Interambulakralzone in der Peri-
pherie wie 4 : 5.
Das Berliner Museum erhielt zwei Exemplare von
demjenigen aus Greifswald ; vermuthlich stammen sie aus
dem indischen Ocean, und sind vielleicht von dem ver-
storbenen Arndt eingesandt.
C) Untergattung Microcyphus: Porenpaare zu je zwei
in schiefen Reihen. Interambulakralplatten längs der Näthe
kahl. Nathöffnungen klein.
S. (M.) maculata Ag. cat. rais. p. 54. „Molukken'^ nach
der Amsterdamer Sammlung.
Gatt. E chinus.
Untergattung: Tripneustes Ag. 1847. Hvppo7ioe Gray
1841. non Hipponoe Audouin et Milne Edwards 1834 (An-
nelid).
Porenpaare jedes Ambulacrums in zweimal drei Rei-
hen, je die mittleren Reihen unregelmässig. Mundsaum
eingeschnitten.
12. Echinus Sardicus Leske (Lam.?)
Encycl. 141, 4. 5. Echinus fasciatus und obtusangulus
Lam. no. 6 und 12. Ech. fasciatus Michelin. Tripneustes
Sardicus Ag. cataL rais. p. 59. Duj. et Hupe p. 523. Flach
kugelig, mit mehr oder weniger Andeutung von fünf
Kanten; Interambulakralzone und Mittelfeld der Ambu-
lakralzone dunkel violettbraun, mit je einer Reihe etwas
grösserer Höcker längs ihrer äussern Seite, und einzelne
selten ebenso grosse durch ihre untere Hälfte zerstreut,
in ihrer obern Hälfte auffallend kahl. Die 10 Porenfelder
selbst blass rosenfarbig (oder bei getrockneten auch
gelblich), mit ebenso grossen Höckern zwischen den Rei-
hen der Porenpaare. Stacheln kurz und stumpf, schwach
üeber ostasiatische Echinodermeu. 161
gestreift, weiss Miindbaut nackt, blass, mit fünf Gruppen
dunkelvioletter Ambuiakralfüsscben.
Masse :
b. c.
57 42
33 25
0,525 0,6
16 I2V2
0,27 0,3
Verbältniss der Ambulakral- zur Interambulakralzone
in ibrer grössten Breite rr 31 : 26. An trockenen Exempla-
ren stechen die Zonen sehr durch ihre Färbung ab.
Die häufigste Art im Indischen Archipel : ich sam-
melte denselben auf Batjan, Timor (a. c) und Flores
(d) ; von ersterer Insel ist er auch in den holländischen
Sammlungen vertreten (e). Prof. Peters sammelte ihn
in Mossambique (Querimba-Inseln), Matbieu auf Isle de
France, Rousseau und Botta bei Bombay.
Nahe verwandt und vielleicht nicht konstant ver-
schieden sind Ech. pentagonus Lam. und subcoeruleus
Lam., ersterer mehr fünfeckig, letzterer mehr konisch,
Ebenso ist Hipponoe violacea AI. Agassiz, auf den Sand-
wich-Inseln, Japan und Liu-kiu gefunden, vielleicht die-
selbe Art, wie ihr Urheber selbst zugiebt. (Proc. acad.
nat. sc. Philadelphia Dec. 1863. p. 355.)
Eine westindische Art dieser Gruppe ist Ech. ven-
tricosus Lam,, bei welchem die Höcker an sich und na-
mentlich gegen die Wirbel hin zahlreicher sind; biezu
citirt Lamarck Rumph's gemeinsten und grössten
Seeigel aus Amboina, Taf. 13. Fig. B. C, der allerdings,
w^enn überhaupt aus der Abbildung soviel geschlosssen
werden darf, seiner zahlreichen und grossen Höcker we-
gen nicht Sardicus, aber überhaupt seiner schmalen Am-
bulakren wegen keine Art dieser Gruppe sein kann. Dass
Ech. Sardicus auch im Mittclmeer lebe, ist wohl ohne
Zweifel ein Irrthum ; zuweilen wurde Ech. Flemingii For-
bes damit verw^echselt, so von delle Cbiaje.
Was die Abbildungen in der Encyclopedie metho-
Archiv f. Naturg'. XXXII. Jahrg. 1. Bd. H
160 V. Martens:
diqne betrifft, so citirt Lamarck selbst 141, 1. 2 zu
seinem Sardicus und 133, 7 zu seinem obtusangulus, keine
zu pentagonus. Agassi z im catalogue raisonne dagegen
141, 1. 2 gar nicht, aber 133, 7 als Sardicus. Beide sind
unter sich sehr ähnlich, und mehr konisch , als die mir
vorliegenden Exemplare, welche weit besser zu Encycl.
141, 4. 5 passen. Diese wird von Lamarck zu varie-
gatus gezogen, womit ich wenig Aehnlichkeit linde.
Ob E. pentagonus Lam. no. 11, Agassiz cat. rais. p. 59
durch mehr fünfeckige Gestalt sich hinreichend als Spe-
cies vom vorigen unterscheide, bezweifelt Agassiz selbst ;
in dem Reichsmuseum zu Leiden ist ein von M a c k 1 o t
in Timor gesammelter als solcher bezeichnet. Auch E.
subcoeruleus Lam. no. 23, Ag. cat. rais. p. 59, in der Am-
sterdamer Sammlung von den „Molukken" angegeben,
ist in Bezug auf seine Unterschiede von Sardicus erst
noch näher zu untersuchen.
Subgenus Boletia Desor.
Flach, weitmundig, die Porenpaare zu drei in einer
schiefen Reihe, durch zwischenliegende Höcker öfters
gestört.
13. Eohinus {Boletia) folyzonalis Lam.
Gualtieri tab. 107. fig, M. bene. — Argenville conchy-
liologie pl. 25. fig. H. — Echinus pol. Lam. an. s. vert. ed.
2. in. pag. 362. — Ech. pileolus Lam. ibid. p. 360.
Flach, stumpf zehneckig; Oberseite der Schale mit
4 grünlichen Kreisbinden, welche durch die stets blassen
Ambulacralfelder unterbrochen werden. Poren je in drei
Paaren, welche schief über einander folgen; kleine Hök-
ker in den Ambulacralfeldern, theils median, theils seit-
lich. Interambulacralfelder mit zweierlei Höckern unter
einander, die einen ungleich gross, brustwarzenförmig,
d. h. auf einem angeschw^ollenen Hofe aufsitzend, die
andern bedeutend kleiner, einfach, in grösserer Zahl vor-
handen. Mundöffnung gross, mit 10 schmalen Einschnit-
ten , deren Rand gefaltet erscheint. Madrcporenplatte
breit herzförmig, nach oben ausgerandet. Durchmesser 50,
Höhe 22V.>, Durchmesser der Mundöffnung ohne Ein-
lieber ostasiatische Echinodermen. 163
schnitte 21 , Länge eines Randeinschnitts 3V2 Mill. Sta-
cheln sehr ungleich gross, zahlreich, abgeflacht, scharf
gefurcht, vorn gerade abgesciinitten, während des Lebens
dunkel violett mit weisser Spitze, beim Trocknen werden
sie blassgriiu und gegen die Spitze blass purpurroth.
Viele zangenförmige Pedicellarien auf der Oberseite.
Timor Batjan pileolus
I. II. III. IV.
Durchmesser 100* öT 49 119
Höhe 48 32V2 23 54
Durchmesser der 31 (Vs) 24V2 20 (V5) 347.
Mundöffnung (über Va) (zw. Vs u. V4)
Batjan (Molukken) und Timor bei Atapupu.
Auch hier ist die Artunterscheidung schwierig; ich
stelle den Namen polyzonalis voran, da Lamarcks Be-
schreibung desselben und die dazu citirte Abbildung Gu-
altieris mir keinen Zweifel über die Identität übrig las-
sen. Desor, catal. rais. p. 59 erklärt Ech. polyzonalis
Lam. für den Jugendzustand von dessen pileolus und so-
wohl an so bezeichneten Exemplaren des zoologischen
Museums zu Berlin (s. oben IV), als in den Worten von
A g a s s i z und L a m a r c k selbst finde ich keinen Unter-
schied, aber in der von D u j a r d in gegebenen Abbildung
von pileolus Taf. 9, Fig. 4 erscheint die Mundöffnung ver-
hältnissmässig kleiner, obwohl gerade bei pileolus A gas-
siz sagt: bouche tres-grande, und eine ebenso kleine
finde ich bei einem grossen Exemplar des Berliner zoolo-
gischen Museums, das als pileolus bezeichnet ist und
dessen Maasse oben angegeben sind. Es fällt mir auf,
dass Agassiz ebenda auch Ech. obtusangulus Lam. dazu
citirt, welcher nach den Citaten^ sowohl als dem Aus-
druck fasciis trifariam porosis ein Tripneustes ist.
Desor unterscheidet noch zwei weitere Arten dieser
Gruppe aus dem indischen Ocean, B. heteropora, bei der
an jedem Porenpaar die äussere grösser als die innere
sei, und Ech. maculatus Lam., mehr höckerig, mehr ko-
nisch, mit schärfer ausgeprägten Näthen, Charaktere,
welche allerdings auf keines der mir vorliegenden Exem-
plare passen.
164 V. M arte 11 s:
In dem Reichsmusenm zu Leiden befinden sich unter
der Benennung Boletia pileolus^ in der Amsterdamer Samm-
lung als B. polyzonalis und als B. maculata Exemplare
aus den „Molukken^ aufgestellt, deren spezifische Cha-
raktere verglichen zu werden verdienen.
Eclmiometra (Klein) Blainv.
Ein Durchmesser verlängert. Porenpaare in Bogen.
Höcker gross, glatt, ohne mittlere Vertiefung. (Echinus
zweite Section bei Lamarck.)
Erste Gruppe : Echiiwmetra Ag.
Stacheln massig gross, spitz, gleichmässig, feinge-
streift. (Schale von vorn nach hinten verlängert.)
14. Ec/miometra lucunter L. sp.
Echinus saxatilis Rumph amb. rariteitk. p. 31. — • Echi-
nus lucunter L. Encycl. meth. pl. 134. fig. 3. 4. 7. Lam. an. s.
vert. ed. 2. III. p. 368. Echinometra 1. Dujardin und Hupe
p. 538.
Der häufigste Seeigel in den von mir besuchten
Theilen des indischen Archipels, an seiner länglichen und
in dieser Längsrichtung unten concaven Gestalt leicht
zu erkennen. Mundöfiriung und Laterne (Kauapparat) ver-
hältnissmässig sehr gross. Stacheln höchstens halb so
lang als der grössere Durchmesser, tief gefurcht, spitz, im
Durchschnitt nicht ganz rund, sondern mehr oder weni-
ger abgeflacht, gelblich weiss, oder schwarzbraun mit einer
schwarzen Längslinie, oder blassgrün, oder blassrosenroth,
an jedem Exemplar alle von der gleichen Farbe. Rings
um den Wirbel steht ein Kranz kleinerer Stacheln. Die
Ocellarplatten mit kleinen oder ohne Stacheln. Poren
meist zu vier, stellenweise und weit seltener zu fünf in
einem Bogen; an der Unterseite nähert sich die Richtung
der Bogen plötzlich weit mehr dem Horizontalen und
zu Unterst zählt ein Bogen meist nur 3 Porenpaare. Ver-
hältniss des längern zum kürzern Durchmesser an der
Schale ohne Stacheln schwankt von 1 : 0,70 bis 1 : 0,78;
zur Höhe zwischen Mund und Wirbel := 100:42—50.
Pulotikus unweit Benkulen an der Westküste von
Sumatra. Insel Batjan (eigentliche Molukken), Amboina
lieber ostasia tische Echinoderirien. 165
(bei Batnmera), Timor (bei Kiipang); Flor es (bei La-
rentuka) und Adenare, auf Korallengrus und Korallen-
bänken, den Aushöhlungen in einspringenden Ecken der-
selben sich anschmiegend.
Insel Buru, Bleeker ; Samar (Philippinen) sowie Tor-
resstrasse, Hombron und Jacquinot; Cochinchina, Eydoux
und Soulcyet, sowie an den ostafrikanischen Küsten, Mos-
sambique und Isle de France.
Rumph's zweiter Echinus ist nach dem Text ganz
sicher diese Art; er nennt sie selbst länglich; die dazu
gegebene Abbildung aber, Taf. 14. Fig. A., zeigt einen
runden ümriss, entweder in Folge von perspektivischer
Verkürzung oder Verwechslung mit einem ganz andern
Seeigel.
Lütken in seiner lehrreichen Abhandlung über die
westindischen Seeigel (Videnskabelige m^eddelelser fra
den naturhistoriske forening i Kjöbenhavn 1863. S. 89)
hebt als Unterschiede zwischen der Echinometra des west-
indischen Meeres und der ostindischen richtig hervor,
dass bei der westindischen 6 — 7 Porenpaare in jedem
Bogen, der Unterschied zwischen den Höckern erster und
zweiter Grösse bedeutender, die Form der Schale weni-
ger länglich, aber stärker übergebeugt sei. Ich kann
nach Exemplaren aus Venezuela hinzufügen, dass die west-
indische durchschnittlich grösser ist und meistens merk-
lich fünfeckig erscheint. Nach den Massangaben von
Lütken variirt bei den westindischen das Verhältniss
der Länge zur Breite zwischen 100 : 80 und 100 : 94, zur
Höhe 100:58—62; an den Exemplaren von Venezuela
finde ich ersteres wie 100: 76— 88, letzteres wie 100 : 43—46
und an einem besonders kurzen Exemplar wie 100 : 60.
Diese Verhältnisse bieten also keine zuverlässigen Unter-
scheidungsmerkmale. Minder in seinem Recht ist Lüt-
ken darin, dass er die westindische Art lucunter nennt.
Linne syst. nat. ed. XII. vol. IL p. 1103 sagt von seinem
Echinus lucunter: habitat in oceano indico ; er citirt Gu-
altieri 107, C, Klein 2, C, D und Seba IIL 11, 12,
wovon die erste Abbildung ihrer Schmalheit nach nur
auf die ostindische, die beiden andern w^enigstens eben-
166 V. M a r t e n s :
sogiit auf die ostindische wie auf die westindische Art
passen. Auch Lamarck gibt nur den indischen Ocean,
speziel] Isle de France als Wohnort des Echinus lucunter.
Agassiz und Desor, catal. rais. p. 68 nennen sowohl
ost- als westindische Fundorte für ihre Art, welche sie
als Echinometra lucunter bezeichnen, geben aber aus-
drücklich als Kennzeichen 4 — 5 Porenpaare in einem Bo-
gen an.. Lütken selbst erkennt auch Desor's lucunter
für die ostindische Art an, aber damit Hegt auch gar
kein Grund vor, diesen Artnamen, der früher alle Arten
der jetzigen Gattung umfasste, aber von der bahnbrechen-
den Arbelt Desors enger umschränkt wurde, dieser Art
zu entziehen und beliebig einer andern zu geben. Ich
bin im Gegentheil sehr geneigt die gewöhnliche west-
indische Art, wie schon Joh. Müller im Berliner zoo-
logischen Museum gethan, als Ech. acufera (Blainv.) Desor
zu bezeichnen.
Echinometra Mathieul Blainville ist nach den Angaben
von Agassiz und Dujardin sowohl in Ostafrika, Zan-
zibar, als bei Neuguinea, Waigiu und den Salomonsinseln
zu Hause, wäre demnach auch Im indischen Archipel zu
erwarten. Echinometra lobata wird sehr unbestimmt vom
„indischen Ocean" angegeben. Ich muss gestehen, dass
ich über die Unterscheidung der Arten innerhalb der
Untergattung Echinometra nicht Ins Klare zu kommen
vermochte und in allen bis jetzt mir vorgekommenen in-
dischen nur Ech. lucunter sehe.
Zweite Untergattung Heterocentrotus Brandt =
Acrocladia Ag.
Stacheln sehr ungleich, fast glatt, die grössten in
der Peripherie, mehr oder weniger dreikantig, kürzere
flachere um den Mund ; ganz kurze oben abgestutzte über-
all verthellt. (Schale In die Quere verbreitet).
15. Echinonietra mainmil/ata L. sp.
Echinometra digitata prima s. oblonga Rumph amb.
rar. S. 32. Taf. 13. Fig. 1. 2. — Echinometra ovalls clatter
Gualtieri index tab. 108. fig. C. und F. — Seba III. 13, 1.
Klein cchinoderm. tab. 6. Echinus mammlllatus Linne, Lam.
Encycl. meth. p. 138. Acrocladia mam. Ag. cat. rais. p. 70
lieber ostasiatische Echinodenneii. 167
Die grossen Stacheln stumpf dreikantig, am Ende
abgerundet, frisch dunkel braunviolett, mit einem breiten
oder zwei schmalen weissen Ringbändern nahe der Spitze;
Umgebung des Wirbels ohne solche, dicht von kleinen
abgestutzten Stacheln bedeckt. Farbe der kleinen Sta-
cheln dunkel violett, der grössern etwas heller, mit orange
oder scharlach-rothen Spitzen.
B a t j a n, Molukken , A m b o i n a, Larentuka auf F 1 o-
res, Amboina, Südküste von Ceram, Ternate und Xula-
inseln, nach Rumph, Philippinen im Pariser Museum,
Timor, Macklot im Leidner Museum.
Bei den Exemplaren von Batjan sind die Stacheln
im Durchschnitt abgerundet, die meisten ohne Spur von
Kanten.
16. Echinometra trigonaria Lam. sp.
Seba III. 13, 4. Cidaris mammillata var. Leske. Echi-
nus trigonarius Lam. Encycl. pl, 139. Acrocladia tr. Ag.
cat. rais. p. 69.
Grösste Stacheln länger, scharf dreikantig, am Ende
zugespitzt, einzelne etwas kleinere näher zum Wirbel
herantretend. Farbe dunkler, weisse Bänder oft fehlend,
Spitzen aber auch roth.
Java? zu Batavia von Major Kock erhalten.
Bei der Variabilität der Stacheln ist die bestimmte
Unterscheidung der Arten und damit die Angabe der
geographischen Verbreitung einer jeden noch ziemlich
dem Streit unterworfen; so soll trigonaria nach Agas-
siz cat. rais. zugleich auf den Salomonsinseln und auf
Isle de France vorkommen, also östlich und westlich von
unserm Gebiet, innerhalb dessen ihr Vorhandensein noch
nicht konstatirt ist; sein Sohn unterscheidet aber im Bul-
letin of the museum of comp. anat. 1857 die Art von
Isle de France als Acrocl. cuspidata und kennt trigonaria
noch weiter östlich von den Kingsmillinseln der Südsee.
Blainville und Brandt haben von mammillata meh-
rere Arten unterschieden, nach Stimpson erstreckt sich
aber die ächte mammillata im Nordosten bis auf die Bonin-
und Sandwichinseln.
Agassiz cat. rais. I.e. citirt Rumph s Abbildung
168 V. Härtens:
ZU trigonaria ; ich finde keinen Grund sie für diese statt
für mammillata zu halten.
Dritte Untergattung Colohocentrotus Brandt :=
Podophora Ag.
Obere Stacheln kurz, platt, dachziegelförmig sich
deckend, die untern länger. (Schale in die Quere ver-
breitert.)
17. Echinometra atrata L. sp.
Echinus atratus Linne, Lam. Cidaris violacea Leske.
Encycl. meth. pl. 140. fig. 1 — 4. Podophora atrata Ag. Ein-
farbig violett-schwarz.
Java, Amsterdamer Sammlung. Molukken, Leidner
Museum. Ich erhielt sie zu ßatavia von Major Kock.
Dujardin in der zweiten Ausgabe von Lamarck
citirt Rumph's Echinus niger hieher , und Bleeker
hat darauf hin diese Art in seine Aufzählung der Thiere
von Amboina aufgenommen. Leider hat Rumph keine
Abbildung gegeben, seine Beschreibung, amb. rar. S. 31,
ist nicht nur ungenügend kurz, sondern enthält auch
Angaben, die obiger Deutung entschieden widersprechen,
wie z.B. dass die zehn helleren Zonen (Ambulacra?) mit
sehr kurzen und feinen, borstenähnlichen Stacheln be-
setzt seien; sollte er eine Art der Gruppe Echinothrix
meinen? Ein sicherer spezieller Fundort für Podophora
im indischen Archipel ist demnach noch nicht bekannt,
da „Java" und ,, Molukken'^ nicht viel mehr bezeichnen,
als dass sie aus Niederländisch -Indien nach Europa ge-
bracht wurden ; wohl aber gibt es besser beglaubigte
Fundorte derselben Art im westlichen Theil des indischen
Oceans: Isle de France, (Desjardins) und Seychellen,
(Rousseau), sowie ähnliche Arten im nördlichen Theil des
stillen Oceans: E. Quoyi Blainv. auf den Sandw^ichinseln
(Stimpson) und Mertensii Brandt auf den Bonininseln.
Familie Qaleritiden Ag.
Ambulakren ununterbrochen vom Wirbel zum Munde,
wie bei den regelmässigen Seeigeln, aber kein Kaiiappa-
rat, wie bei diesen.
Ueber ostasiatiscbe Echiiiodermen. 169
Echino7ieus (Leske) Lam.
Form oval; Mund schief, Anus auf der Unterseite
nahe dem Munde, spitz oval. Kleinere glasglänzende Hök-
kerchen zwischen den andern. Die Bestimmung der Arten
ist ziemlich schwierig, indem sie hauptsächlich nur auf
der relativen Grösse und Anzahl der Höcker beruht.
18. Eckinonetcs minor (Leske) Desor.
Monogr. gal. p. 45 und 91. Taf. 6. Fig. 16, Gray, Du-
jardin. Ech. semllunaris var. 2. Lam. Seba III. 15, 37.
Rumph amb. rarit. p. 36. Taf. 14. Fig. D. — öeba III. 10,
7. Länglich, Glashöcker wenig und klein.
Larentuka auf Fiores. Amboina, Rumph, (wejin
in der That diese Art. Nach Desor westindisch.
E. cyclostomus Gmel. sp. Lam. — Seba III. 15, 30.
E. conformis Desor 1. c. p. 48 u. 91. Fig. 17, 21. Flacheiför-
mig; ein Theil der Glashöcker fast so gross wie die Sta-
chelhöcker, zahlreich. Mossambique, Peters. Philippinen,
Desor catal. rais.
jE. serialis Desor 1. c. p. 48 und 91. Fig. 10, 12. Flach-
eiförmig, die grossen Höcker ordnen sich in den Ambula-
cralfeldcrn ziemlich bestimmt in Reihen ; Glashöcker klein.
Aus Manila durch Meyen (I) und vom indischen Ocean
ohne nähere x\ngabe von Lamare Picquot (II) im Ber-
liner zoologischen Museum.
E. crassus Desor catalogue raisonne p. 143 von Zan-
zibar „Forme allongöe. Test epais, Anus grand." Diese
sechs Worte genügen nicht zur Wiedererkennung der
Art. Sollte mein Exemplar aus Fiores dahin gehören?
aber dessen Anus ist nicht relativ grösser als bei andern
Arten, wie folgende üebersicht der Ausmessungen lehrt:
E. minor serialis I serialis II conformis
Es scheint demnach, je kleiner die Exemplare an
170 V. Martens:
sich, desto grösser verhältnissmässig Mund und Anus
zu sein.
Andere Arten in Westindien, eine in Neuseeland.
Familie Soutelliden Gray = Glypeastr oid en
Agassiz und Desor.
Mund ganz oder beinahe central, Anus ganz excen-
trisch. Ein Kauapparat wie bei den regelmässigen Seeigeln.
Clypeaster Lam.
Unterseite concav, Anus an der Unterseite nahe oder
in dem Rande; Ambulacralblätter breit.
19. Clypeaster testudinarius Gray.
(Echinanthus) Proc. zool. soc. 1851 ; catal. of the
recent Echinida in the Brit. Mus. 1855. p. 6. pl. 1. fig. 1.
Cl. tumidulus Joh. Müller mus. zool. Berolin.
Fast so hoch gewölbt als Cl. rosaceus L. sp., unten
etwas weniger ausgehöhlt, Umriss breiter, fünfseitig mit
schwach eingebuchteten Seitenrändern. After entschieden
nicht im Rande, sondern nach innen davon. Die fünf
Ambulakralblätter sehr wenig über das Niveau ihrer Um-
gebung sich erhebend, gleich lang, Vs der Entfernung
vom Wirbel zum Rand einnehmend, das unpaare allein
am peripherischen Ende nicht geschlossen, kein glatter
Streifen als Fortsetzung der Ambulakra bis zum Rande
wie auch bei Cl. rosaceus. Länge 98, Breite 87, Höhe
37 Mill.
Timor, vor längerer Zeit vom Leidner Museum er-
halten. Borneo, Belcher bei Gray.
Steht dem Cl. explanatus Gray in Grösse, Umriss,
Länge der Ambulakralblätter und Offenbleiben des un-
paaren recht nahe, unterscheidet sich aber durch grössere
Wölbung, minder eingebuchtete Seiten und Schluss der
beiden hinteren Ambulakralblätter. Gray's Abbildung
stellt alle Ambulakralblätter nicht geschlossen dar; im
Uebrigen passt sie gut.
NB. Hieher scheint auch die Abbildung bei Rumph
Taf. 14. Fig. C. zu gehören, Desmoulins macht daraus
eine eigene Art, Clypeaster Rumphii, deren Beschreibung
lieber ostasiatische Echinodermen. 171
Ich nicht kenne. Die genannte Fignr stimmt übrigens
nicht mit dem Text von Rumph S. 36, dem sie beige-
geben ist (vgl. unten bei Schizaster canah'ferus), imd es
ist daher nicht zuverlässig, dass sie eine Art des indi-
schen Archipels darstelle.
Zweifelhafter bleibt mir ein weiterer Clypeaster,
ebenfalls mit der Angabe Timor vom Leidner Museum
erhalten, er gleicht in vielem Cl. subdepressus Gray =
Rangianus Desmoul. und einem andern, diesem recht
ähnlichen aus dem rothen Meer; ist oben deutlich aber
schwach convex, unten kaum in der Nähe der Mundes
etwas ausgehöhlt, der Umriss schmäler als bei diesem
und bei placunarius, die Ambulakralblätter kaum erhaben,
2/3 des Raumes von Wirbel zu Rand einnehmend, das
vordere fast völlig, die andern völlig geschlossen, das
hintere Paar auffallend kürzer als die andern. Länge 72 V2,
Breite 58, Höhe 14 Mill.
20. Clypeaster rettculatus Gmel. sp., Desmoul.
Echinus reticulatus Gmel. Gualtieri tab. 110. fig. D.
= Encycl. meth. 144, 5. 6. — Seba III. 15, 23. 24. — Cl.
scutiformis Lam. var. minor. Desor catal. rais. p. 130. —
Echinanthus scutiformis Lam. var. minor. Gray catal. brit.
mus. p. 5. Rand breit angeschwollen, über die Fläche der
Rückenseite sich erhebend. Alle Ambulakralblätter ge-
schlossen. Färbung der Schale braunfleckig. Stacheln
zw^eierlei, die einen braun und dicker, die andern weiss-
glänzend, schlank, alle spitzig, bis 41/2 Mill. lang, bei
einem Exemplar von 38 Mill. im längern und 29 im kür-
zeren Durchmesser. Der Anus sitzt bald unmittelbar unter
dem Rande, bald ein wenig mehr nach innen.
Inseln Timor (bei Kupang) und Flor es (bei La-
rentuka).
Ob Clyp. scutiformis Lam. hieher gehört, kann ich
nicht entscheiden; die von Lamarck und nach seinem
Beispiel von Desor und Gray citirte Figur der Ency-
clopädie, 147, 3. 4, ist der Gestalt der Ambulakra nach
ein Laganum, wie Dujardin und Hupe S. 559 richtig
angeben.
Gray 1. c. setzt die Art in die Abtheilung: vent
172 V. Martens:
in margin, im Gegensatz zn beneath tlie margin und sagt
doch in der Artbeschreibung nur vent near the margin.
Seinen Echinanthus Coleae von Mauritius kann ich nach
der gegebenen Abbildung pl. 2. (ig. 6 nicht davon unter-
scheiden.
21. Clypeaster plaGwnarius Lam. sp., Desor.
Echinanthus pl. Gray. — Seba III. 15, 11. 12. Scutellen-
artig flach, Unterseite nur um den Mund herum vertieft;
Rand dünn, Ambulakralfelder fast geschlossen, Gestalt
bald breiter, fast wie ein reguläres Fünfeck : Seba III. 15,
11.12, Scutella placunaria Lam., bald schmäler: Seba III.
15, 13. 14. Encycl. meth. 145, 3. 4. Sc. ambigena Lam.
Anus nach innen vom Rande. -'-^> ^.^
Aus dem südlichen Ocean, Peron, Timor, Macklot
im Leidner Museum, beide Formen (ob in der That zu-
sammengehörig?). Auch im rOthen Meer, und zv^^ar eben-
falls beide Formen daselbst vonEhrenberg gesammelt.
Dass die Ambulakralblätter nur bis zur Hälfte der Ent-
fernung vom Centrum zum Rande reichen, passt nicht
auf alle Exemplare, namentlich nicht auf die Ehren-
berg'schen.
Diese Art verbindet eng die beiden Gattungen Cly-
peaster und Laganum, indem sie in der allgemeinen Ge-
stalt und der Lage des Afters der letztern sehr nahe
kommt; auch die Breite der Ambulakralblätter ist ein
sehr relativer Charakter, so dass die Gränze beider Gat-
tungen gegeneinander sehr wenig bestimmt ist
Laganum Agassiz.
Flach, mit abgerundetem Rande, fünfeckig, ohne
Einschnitte; Ambulakralblätter schmäler, offen, eben.
22. Laganum Bonanni Agassiz. • •
Monogr. scutell. p. 108 und 149. Taf. 23. Fig. 8—12;
Desor, Gray, Dujardin. Cuv. ed. ill. zooph.pl. ^^. fig. 2.
Echinus planus no. 2. Rumph S. 37 und hierzu die Abbil-
dung Taf. 14. Fig. E. — Gualtieri 110, C. — Seba IIL 15,
25. 26. — Echinus laganum Gmel. Clypeaster laganum Lam.
Wirbel unregelmässig vertieft, von fünf Genitalporen
umgeben; Rand dick; Umriss regulär fünfseitig, die zwei
Uel)er ostasiaiiache Ecliinodcrmen. 173
hintern Ecken abgeschnitten. Anus länglich, in der Mitte
zwischen Mund und Rand. Häufig im indischen Ocean :
Java, Leidner Museum, Amboina, Runiph; auf den eigent-
lichen Molukken, nämlich der kleinen Insel Kajoa
unweit Batjan, ferner auf Buru, auf xVdenare bei Flo-
res und auf Timor (Kupang) von mir gesammelt. Neu-
Guinea und Yanikoro, Quoy und Gaimard.
23. Laganum depressum Lessony Ag.
Monogr. p. 110 u. 149. Taf. 23. Fig. 1—7, Gray, brit.
mus. p. 10. Encycl. meth. 147, 3. 4. (Clypeaster scutifor-
raisLam. ?). Fünf Genitalporen ; Gestalt dem vorigen ähn-
lich, aber flacher. Anus kreisrund, nahe dem Rande.
Auf Makao im südlichen China^ ein Exemplar mit
stark eingebogenem Hinterrande^ sonst mit der citirten
Abbildung, Fig. 4, gut stimmend. Insel Siquijor, Philippi-
nen, durch Cuming im britischen Museum. Buru, Lesson
und Garnot im Pariser Museum.
Gray 1. c. zieht wahrscheinlich mit Recht auch das
beträchtlich höhere und grössere L. Tonganense Quoy
und Gaimard, Ag. 1. c. 26, 7. 19 als Varietät hieher. Von
Amboina, Neu -Guinea und den Freundschaftsinseln.
24. Laganum decagonum Lesson, Ag.
Monogr. p. 112 u. 150. Taf. 23. Fig. 16—20; Gray 1. c.
p. 12. Cuvier ed. ill. zooph. pl. 15. fig. 4. Flach, nahezu
regulär lOseitig; fünf Genitalporen; Ambulakralblätter
kurz, kaum oder nicht ganz die Hälfte der Entfernung
zwischen Mitte und Rand erreichend; Anus näher dem
Rande.
Makao im südlichen China. Insel Waigiu bei Neu-
Guinea, Lesson.
Unter den sechs von mir gesammelten Exemplaren
ist eines, das grösste, weniger gleichseitig als die andern,
sondern nähert sich im Umriss sehr dem depressum, indem
die vordere Seite schnabelartig schmal wird, während es
aber durch die kurzen Ambulakralblätter augenfällig ver-
schieden bleibt; das nächstgrosse hat 42 Mill. im Durch-
messer, das erstgenannte 43. Der Anus steht bei allen
diesen chinesischen Exemplaren nicht ganz so nahe am
174 V. Märten s:
Rande, wie in der citirten Abbildung. Von rotlier Farbe
ist nichts zu sehen.
Laganum latissimum Lam. sp., Desor catal. rais. p. 133,
gross, mit dünnem Rand, vom „indischen Ocean^ ist mir
unbekannt.
Laganum orhiculare Gmel. sp., Agassiz mon. scutell.
p. 120 und 150. Taf. 22. Fig. 16—20. Vermuthlich Echinus
planus no. 3. Rumph 1. c. S. 37, ziemlich sicher Gualtieri
110, B. — Encjcl. 147, 1. 2. Nur vier Genitalporen, Um-
riss nahezu kreisförmig, Anus rund. Batavia, Ag. und
Desor catal. rais.
Laganum Lesueuri Val. Ag. mon. scutell. 24, 3. 6.
Rumphia L. A. Agassiz Proc. ac. n. sc. Philadelph. 1853.
p. 359. Nur vier Genitalporen. Umriss fünfseitig. Oben
blassroth, unten blass gelbgrün. Hongkong, in 6 — 10 Fa-
den, Stimpson.
Arachnoides Ag.
Scheibenförmig, ohne Einschnitte, die Arabulakral-
blätter über die Interambulakralräume erhoben, weit offen.
Anus dicht über dem Rande. Furchen der Unterseite bis
zum Rande einfach.
25. Arachnoides placenta L. sp., Ag.
Monogr. scutell. p. 94 und 149. Taf. 21. Fig. 35— 42,
Gray 1. c. p. 13, Dujardin. Echinus planus no. 1. Rumph
amb. rar. S. 36. Gualtieri 110, G. Encycl. method. 133,
11. 12. Echinus pl. Linne, Scutella pl. Lam. Umriss etwas
lappig. Stacheln kurz, gleichartig, braun seidenglänzend.
Agassiz 1. c. erklärt es für einen Irrthum, dass
diese Gattung im indischen Ocean vorkomme; sie sei im
Gegentheil nordisch; es scheint diese von Forbes her-
rührende Angabe auf Verwirrung mit der in der That
nordischen Gattung Echinarachnius zu beruhen, deren
Bauchfurchen verzweigt sind.
Auf Timor bei Atapupu lebend, auf Buru (Mo-
lukken) und Adenare ausgeworfen von mir gefunden.
Scheint auf Timor häufig zu sein, denn er wurde daselbst
auch von Macklot (Leidner Museum) und vielleicht
schon von Peron (bei Lamarck mit der vagen An-
lieber ostasiatische Echinodermen. 175
gäbe mers australes) gefunden. Ferner besitzt ihn die
Amsterdamer Sammlung aus Amboina, das Berliner zoo-
logische Museum aus Java und Mergui in Birma, letzteres
durch Theodor Philippi, das britische Museum aus
dem nördlichen Neuholland, bein Vorkommen im Indi-
schen Ocean ist also vollkommen sicher, obwohl er an
den ostafrikanischen Küsten nach den Sammlungen von
Ehrenbe rg, P eters und Michelin zu fehlen scheint.
Die Täfelung von Arachnoides placenta bietet sehr
auffallende Unterschiede von derjenigen der Gattungen
Echinarachnius und Scutella, indem auf der Unterseite
die Interambulakralplatten grösstentheils fehlen. Es möge
daher eine kurze Beschreibung der Täfelung von Arach-
noides hier folgen:
Oberseite: in jedem Ambulakrum zwei Reihen
von Ambulakraiplatten, etwas erhaben, rechteckig und
breiter (in der Richtung der Peripherie) als die Interam-
bulakralplatten, mit schiefen Streifen und damit abwech-
selnden Körnchenreihen bedeckt; die Interambulakralplat-
ten sind ungefähr quadratisch und dicht mit Körnchen
besät. Eine schmale Mittelfurche zwischen je beiden Am-
bulakralplatten eines Paares, keine zwischen den Inter-
ambulakralplatten. Die Anzahl der Ambulakralplatten
einer Reihe vom Centrum zur Peripherie steigt bis über
23 ; je eine trägt zwei Porenpaare an ihrem Abfall gegen
die Interambulakralplatten; die acht äussersten aber sind
ohne Poren und von diesen acht hat je eine den innern
Seitenrand kürzer als den äussern, die nächste umgekehrt,
so dass alle trapezförmig statt rechteckig werden.
Unterseite: auch hier sind ^le Ambulakralplatten
in der Richtung der Peripherie verbreitert und schief ge-
streift, die Interambulakralplatten dicht mit Körnchen
besät, die Mittelfurche zwischen den zusammengehörigen
Ambulakralplatten ist etwas breiter und verbreitert sich
nahe dem Munde noch mehr. Eine ähnliche glatte Mit-
telfurche befindet sich in demjenigen Interambulakralfeld,
welches den After enthält ; sie reicht aber nicht bis zum
Munde, indem sie auf der dem Munde nächsten unpaaren
interambulakralen Platte nicht mehr vorhanden ist. Die
176 V. Martens:
Anzahl der Ambulakralplatteu ist weit geringer als oben,
nur vier in jeder Reihe vom Centrum zur Peripherie,
die innersten daher sehr lang, trapezförmig. Die Inter-
ambulakralplatten fehlen mit Ausnahme des
innersten Kreises fast gänzlich, indem nur ein-
zelne bei einzelnen Individuen zu sehen sind und zwar
finde ich von solchen an meinen Exemplaren erstlich ein
Paar an der Peripherie im linken vordem Interambula-
kralraum, die hintere oder linke stets grösser als die an-
dere; zweitens ein Paar nahezu gleich grosser im rechten
hintern Ambulakralraum, ebenfalls am Rande ; drittens im
Analradius gegen das Centrum zu eine einzelne interam-
bulakralc zwischen den ersten iVmbulakralplatten. Mit
Ausnahme dieser individuellen Vorkommnisse gränzen
alle Ambulakralplatten der Unterseite ohne Unterbrechung
ringsum einander, concentrische Bänder bildend ; übrigens
entbehren sie an ihren interambulakralen Rändern, d. h.
da wo sie an die Interambulakralplatten anliegen wür-
den, wenn letztere da wären, ihrer sonstigen Streifung
und ihre Höcker ordnen sich hier in eine andere, schiefe
Richtung, wie sie sonst nur auf den Interambulakralplat-
ten vorkommt. Man könnte also sagen, beide Arten von
Platten seien hier mit einander verschmolzen ; eine Nath-
linie ist aber weder an der unverletzten Fläche, noch
nach vorsichtigem Abschaben mit dem Messer zu finden.
Ein Exemplar zeigt nahe dem Rande ein diesem
paralleles schmales Loch durch die ganze Schale hindurch,
also hier abnorm, was bei Mellita und Lobophora Regel
ist; es liegt im hintern linken Interambulakralraum.
Bei Echinarachnius Atlanticus sind auf der Ober-
seite die Ambulakralplatten nur nahe dem Rande merk-
lich breiter als die interambulakralen, auf der Unterseite
beiderlei in gleicher Anzahl und Grösse vorhanden, ab-
gesehen von den zwei innersten Kreisen, indem der in-
nerste wie immer von fünf interambulakralen, der nächste
von 10 ambuiakralen Platten gebildet wird.
Lobophora Ag. {Eohi7iodisous Gray).
Platt, mit zwei Einschnitten oder Löchern an der Hin-
Ueber ostasiatische Echinodermen. 177
terscite; Anus auf der Unterseite ; Furchen der Unterseite
verzweigt.
2(). l.obophora hifissa Lam. sp.
Agassiz monogr. sciitell. pag. G7 und 147. Taf. 13.
Fig. 2— 6; Taf. 14. Fig. 1.2. — Eine grosse und seltene
Art von Ecliinus planus Rumpli S. 37. Taf. 14. Fig. F. —
Seba III. If), 3. 4. — Scutella bifissa Lam. — Ecliinodis-
cus inaurita (siel) Gray catal. p. 21. Echinoglvcus inauri-
tus (Plielsiim) Bleeker Reise In die Minaliassa IL S. 72.
Ambulakralblätter völlig geschlossen; Einschnitte offen;
Hinterrand zwischen denselben geradlinig.
Amboina, Rumph. Auch an den ostafrikanischen
Küsten: rothes Meer, Savigny. — Zanzibar, Rousseau. —
Querimbainseln, Peters.
Lobophora tenuissima Valenciennes ist nur aus der
gar zu kurzen Angabe im Catalogue raisonne von Agas-
siz und Desor p. 136 bekannt, auf der Liscl Waigiu
bei Neu-Gulnea von Lesson gefunden.
27. Lobophora hiforis Gmel, Lam. sp.
Echinus biforis Gmel syst. nat. p. 3188 Scutella bi-
fora Lam. an. s. vert. ed. 2. III. p. 281 exclusis varr. Scu-
tella bilinearifora Desmoulins. Lobophora biforis Ag. mo-
nogr. pl. 12. flg. 1. 2.
Zwei geschlossene lange, schmale Löcher, Hinterrand
gerade.
Palabuan an der Südküste von Java, auf sandigem
Boden, nicht tief. Auch an den ostafrikanischen Küsten.
Auch diese scheint in der Form ziemlich zu varii-
ren, je grösser die Exemplare, desto mehr ist der Hin-
terrand geradlinig und desto länger und schmäler sind
auch die zwei Löcher, welche bei Jüngern oval sind.
I
Länge der Schale in Millimeter 78
Breite der Schale zur Länge 1,07
Länge der Löcher zur Schalenlänge 0,28
Breite der Löcher zu deren Länge 0,19
Entfernung der Löcher von den hin-
teren Ambulakren zur Schalenlänge 0,06
I. Exemplar von den Querimbainseln bei Mossam-
bique, von Peters gesammelt.
Archiv f. Naturg. XXXII. Jahrg. 1. Bd. 12
178 • V. Martens:
II — IV. Exemplare von Palabuan.
V. Exemplare von Mergui in Hinterindien; durch
Theodor Philippi erhalten. Diese^ drei an der Zahl,
stimmen alle in der geringen Grösse, dem fast kreisför-
migen, auch hinten abgerundeten Umriss und der Kürze
der Löcher, daher auch ihrer grössern Entfernung von
den Arabulakralblättern, unter sich überein, und bilden
daher vielleicht eine eigene Art. (= bifora var. 2. Lam.,
Encycl. 147, 7. 8. = L. truncata Ag.
Eine Form mit so kreisrunden, weit innen gelege-
nen Löchern, wie in der Abbildung der Encyclopädie,
147, 5. 6 (bioculata Desmoulins) ist mir lebend nicht vorge-
kommen. Die Ambulakralblätter aller mir vorliegenden
Exemplare sind fast vollständig geschlossen , die zwei
hintern sind stets kürzer, das vordere bald merklich, bald
kaum länger als die mittlem.
Alle Arten dieser Gattung sind im indischen Ocean
einschliesslich des rothen Meeres zu Hause.
Familie Cassi du Helen.
Kein Kauapparat, der Mundrand einwärts aufgebo-
gen; Ambulakren unterbrochen; Mund (meist) fünfeckig.
Ecli in 0 lampas Gray.
Eiförmig, unten ausgehöhlt; die Ambulakren brechen
auf der Rückseite ab, treten aber nahe am Munde wieder
auf; Anus an der Hinterseite.
28. Echmo lampas oviformis Gmel sp.
Desor catal. rais. p. 35. — Clypeastor oviformis Lam. —
Echinorrhodon ovatum (Phelsum) Blceker — Rumph 14, 3.
Seba III. 10, 23 = Encycl. 10, 23 und Ech. orientalis
Gray, mit längeren und breiteren x\mbulakren, von D e-
sor als eigene Art, von Gray selbst 1. c. nur als Va-
rietät betrachtet. „Molukken" im Leidner Museum, unter
beiden Namen. Aus der Südsee von Peron mitgebracht,
(ovif.), im rothen Meer von Botta gefunden (Orientalis).
Die in Rumphs Werk befindliche Abbildung rührt nicht
mit Sicherheit von den Molukken her, daher noch kein
spezieller Fundort aus dem Archipel bekannt.
Ueber ostasiatische Echinodermen. 179
29. Nucleolus epigonus m.
Monatsberichte d. Berlin. Akademie 30. März 1865.
pag.143.
Schale flach eiförmig, mit gleichniässigen (stachel-
tragcnden) Höckerchen bedeckt, deren jedes von einem
vertieften Hot" umgeben ist. Unterseite schwach concav,
Miindöflnung nahe deren Mitte, (in Vn der Länge), längs-
oval, ihr Rand nach innen aufgerichtet, glatt ; von einem
Ambulakralstern um dieselbe keine andere Spur, als dass
sich die Richtung, in welcher die Ambulakralzonen ver-
laufen, in der Anordnung der Höckerchen und in kaum
erkennbaren Depressionen der Schalenfläche finden lässt.
Afteröfinung länglich-oval, in der angeschwollenen Hin-
terseite des Seeigels, fast vertikal, nur sehr wenig nach
oben geneigt, über dem Rande, doch nicht auf die Rük-
keiifläche sich erstreckend; nach unten von ihm eine
kurze breite rinnenartige Aushöhlung bis zum unteren
Rande. Ambulakralblätter gleichmässig schmal, nicht ge-
schlossen, reichen bis zur Hälfte der Entfernung zwischen
Wirbel und Peripherie, die zwei hintern ein wenig län-
ger, und bei diesen ist auch deutlicher als bei den andern
zu erkennen, dass sie sich als je zwei weissliche Streifen,
doch ohne Poren, bis zur Peripherie und über diese hinaus
gegen den Mund fortsetzen. Die Poren desselben Paares
durch sehr seichte, nur an einzelnen Stellen deutlich
ins Auge fallende Furchen verbunden. Ambulakralblätter
in demselben Niveau mit den Interambulakralräumen ; das
unpaare hintere der letzteren zeigt in seiner Mittclh'nie
eine sehr schwache, dachfirstartige Kante, vom Wirbel
bis zum obern Rand der Afteröfi'nung.
Länge 17, Breite l^k, Höhe 8, Längsdurchmesser
der Mündung 2 Mill.
Insel Adenare am östlichen Ende von Flores (zwi-
schen Java und Timor). Ein Exemplar ausgeworfen am
Strande gefunden.
Die einzige früher bekannte Art dieser Gattung aus
der Gegenwart, N. recens Milne Edwards von Neuhol-
land, unterscheidet sich wesentlich durch eine tiefe Furche
im hintern Interambulakralraum , worin die Afteröfi'nung
180 V. Martens:
liegt, neben ihrer breiteren Gestalt, von der unsrigen,
bei welcher die kurze Rinne unter dem After die einzige
Andeutung jener Furche ist. Dagegen kennt man zahl-
reiche Arten aus Jura-, Kreide-, und Tertiärepoche, mit
und ohne Rückenfurche, mit und ohne Verbindungsfur-
chen zwischen den Ambulakralporen ; die meisten mit
mehr nach oben gerückter Analöffnung, doch stimmt hierin
z. B. der bekannte N. Neocomensis Ag. nach den Exem-
plaren der hiesigen paläontologischen Sammlung mit un-
serer Art überein. Der Ausdruck: AnalöfFnung oben,
oder auf der Rückenseite, wie es in den meisten Büchern
bei Charakteristik dieser Gattung heisst, ist daher genauer
so auszudrücken: Analöffnung über der Peripherie. De-
sor in seiner neuesten Bearbeitung der Echiniden, Sy-
nopsis des echinides fossiles 1858, spaltet die Gattung
Nucleolites in zwei, je nachdem die Ambulakralporen
eines Paares durch Furchen verbunden sind (Nucleolites)
oder nicht (Echinobrissus). Die seichten, schwer erkenn-
baren Furchen der vorliegenden Art rechtfertigen eine
solche Trennung nicht.
Familie Spataiig oiden,
Mund und After excentrisch, von symmetrischer,
nicht radialer Form.
Spatangus (Klein) Ag.
Zweierlei Höcker auf dem Rücken. Ambulakralblät-
ter gross, an der Stelle des unpaaren (vordem) eine
Furche.
30. Spatangus planulatus Lam.
Mittleres Bauchfeld ohne Höcker und Stacheln.
Südliche Meere, Peron. Java, Quoy und Gaimard.
Insel Batjan, (Molukken), von Herrn Heukelom einge-
sandt, in der Amsterdamer Sammlung. Insel Waigiu bei
Neu-Guinea, Lesson und Garnot. Isle de France, Michelin.
Brissus (Klein) Ag.
Höcker in der vordem Hälfte und in allen Inter-
ambulakralräumen zweierlei, grössere und kleinere gleich-
lieber ostasiatische Echinodermen. 181
massig. Die paarigen Ambulakralblätter verlieft, das un-
paare obliterirt.
31. BrissKs cariiiatus Lam.
Gualtieri 108. G- Seba III. U, 3. 4. = Encycl. meth.
]r)8; 11 und 159, 1. Hinterer Interambnlakralraum in einen
deutlichen nasenförmigen Kiel erhoben. Analöffnung nach
unten gerichtet.
Isle de France, im Britischen und Pariser Museum.
Von Chamisso mitgebracht ohne nähere Angabe des Fund-
orts, im Berliner zoologischen Museum.
32. Bri8sui> maculosus Leske.
Rumph Taf. 14. Fig. 1. — Gualtieri 109, A. — Klein
eehinod. 26, A. Brissus maculosus ß. ventricosus. — Seba
IIL 10, 22 a. b, kopirt in Encycl. meth. 158, 7. 8. — 8pa-
tangus brissus var. maculosus Leske additam. ad Klein. —
Echinus spatagus a maculosus et d orthopetalus Gmel syst.
nat. p. 3199. 3200. — Spatangus ovatus var. b. Lam, an. s.
vert. ed. 2. III. p. 325. — Brissus areolatus Val. Ag. et
Desor catal. rais. p. 13. Gray cat. Brit. Mus. p. 53.
ümriss abgerundet fünfseitig, wie bei Br. carinatus,
aber Höhe geringer; Mittellinie in der vorderen Hälfte
der Rückenseite nur schwach oder gar nicht vertieft, in
der hintern eben oder eine kaum merkliche Kante bil-
dend. Vorderes A m bu lakralpaar geradlinig und
bestimmt nach vorn gerichtet, nur wenig kürzer
als das hintere, die Blätter des letztern beträchtlich
divergirend (die Angabe der Winkel siehe unten),
Subanalfeld herzförmig oder quer oval, seine dem Anus
zugewandte G ranze gerade oder convex, mit jederseits
vier wenig ausgeprägten ausstrahlenden Furchen, welche
je in eine Pore endigen. Grössere Höcker auf der Rük-
kenseite vor dem vordem Ambulakralpaar zahlreich, in
und ausserhalb des Peripetalbandes, in den zwei mittlem
und dem hintern Intcrambulakralraum wenig zahlreich,
in kurze schiefe Reihen gestellt und nur innerhalb der
Peripetalfascie vorhanden. Diese vor dem vordem Am-
bulakralpaar jederseits einmal tief einspringend, im mitt-
lem und hintern Intcrambulakralraum gar nicht. Ober-
seite der (von Stacheln entblössten) Schale gartenbeet-
182 V. Martens:
artig bunt, die Beete braun oder grau, durch weisse
Säume getrennt. In frischem Zustand treten diese Säume
weit weniger hervor. Rand der GenitalöfFnungen einfach.
Mittleres Bauchfeld ungefähr ein Drittel der Breite der
Bauchseite einnehmend, seitlich fast geradlinig abgegränzt,
mit deutlichem aber nicht vortretenden mittlem Längs-
kiel. Die Stacheln kurz, ungleich, weisslich.
Atapupu auf Timor und Insel Adenare bei Flores,
von mir gesammelt. Luzon (Philippinen), und nördliches
Neuholland, im britischen Museum, (ß. areolatus).
Die Synonymie der Brissusarten ist recht schwierig,
da die neueren Autoren nur ein oder das andere Kenn-
zeichen, keine genauere Beschreibung zu geben pflegen.
Unsere Art bildet im Analfeld das Verbindungsglied zwi-
schen Plagionotus und den gewöhnlichen Brissus. Sollte
es Br. areolatus Yal. sein? aber bei diesem werden die
vordem Anibulakraipaare als gebogen „inflechis^^ bezeich-
net, und den Ausdruck: Ränder der Coronal-Plattcn glatt,
verstehe ich nicht. Gualtieri's Abbildung übertreibt
die schiefe Richtung des vordem Ambulakralpaars, indem
sie aus beiden Paaren ein regelmässiges Kreuz macht.
Klein's 26, B. C, denLamarck für seinen eigentlichen
Spatangus ovatus erklärt, passt auch recht gut auf den
unsrigen, nur soll er einfarbig sein. Br. Scillae Ag. aus
dem Mittelmecr, zu welchem Desor und Gray die oben
nngeführte Figur der Encyclopädie citiren, unterscheidet
sich sogleich durch die Anordnung der Ambulakren, die
derjenigen bei Br. compressus gleicht. Exemplare lagen
mir nicht vor.
33. Brissus sternalis (Lam.V Desor V)
Gray catal. brit. Mus. Echinid. p. 51. Gualtieri 109, B.
(Südliche Meere, Peron?) Isle de France, Lady Cole im bri-
tischen ]\Iuscum. Unterscheidet sich nach G r ay durch zahl-
reichere Furchen und Poren im Subanalfeld, eine zur Seite
des Anus aufsteigende Binde und nach G u alt ieri's Büd
durch eine breite tiefe vordere Längsfurche. Letzteren
Umstandes wiegen recline ich hielier ein Exemplar aus
dem rothen Meer, von Ehrenberg gesammelt und
im zoologischen Museum zu Berlin aufbewahrt, bei wel-
Ueber ostasiatische Echinodernien. 183
chem leider das Analfeld fast ganz zerstört ist. Bauch-
feld \vie bei dem obigen ventricosus, Richtung der Am-
bulakralblätter ebenfalls, aber die hintern kaum länger
als die vordem, die grössern Höcker in den mittlem und
dem hintern Interambulakralraum längs des Randes der
Ambulakren angehäuft, nicht in schiefe Reihen gestellt.
Desoria Australis Gray Ann. and mag. n. h. 1851 ;
catal. brit. mus. Echinid. p. 58. Taf. 6. Fig. 2 im Allge-
meinen obigem Br. maculosus ähnlich, aber es fehlt ihm
das bestimmt begränzte Subanalfeld. Neuholland und Phi-
lippinen.
34. Bi'issiis coinpressus Lam.
(Spatangus) c. Lam. an. s. vert. ed. 2. III. p. 326. —
Br. dimidiatus fAgassiz et Desor catal. rais. p. 13?) Pe-
ters Monatsberichte der Berl. Akad.
Schmal, die Seiten des Umrisses fast geradlinig,
einfarbig weiss. Mittellinie vorn nicht vertieft, hinten sehr
stumpf angeschwollen. Vorderes Ambulakralpaar
queer nach der Seite laufend, nahe der Spitze
etwas nach vorn sich biegend; die zwei hinte-
ren Ambulakren wenig von einander diver-
girend, entschieden länger als die vordem. Subanalfeld
quer nierenförmig, die dem Anus zugekehrte Seite stark
einspringend, jederseits mit drei Poren, ohne Furchen.
Höcker auf der vordem Hälfte der Rückenseite und nach
hinten inneihalb des Peripetalbandes zweierlei, grosse
und kleine fast gleich zahlreich ; in der hintern Hälfte
ausserhalb des Peripetalbandes alle ziemlich gleich gross,
ihre Grösse die Mitte zwischen den beiderlei der Vor-
derseite haltend. Peripetalfascie vor dem vordem Ambu-
lakralpaar jederseits zweimal stark einspringend, in den
mittlem und dem hintern Ambulakralraum winkelförmig
gegen den Wirbel vordringend. Mittleres Bauchfeld reich-
lich die halbe Breite der Unterseite einnehmend , mit
convexen Seitenrändern, längs seiner Mitte kaum eine
schwache Andeutung einer Kante. AnalöfFnung vertikal
oder ein wenig überhängend.
Querimbainseln bei Mossambique, Prof. Peters. --
Isle de France, Mathieu bei Lamarck.
184 V. Martens:
Die wenigen Worte, womit Lamarck seinen Sp.
compressus charakterisirt, lassen sich auf die vorliegende
Art beziehen und dazu kommt die Uebereinstimmung des
Fundortes. Desor und Gray (IL cc.) scheinen die L a-
ni a r ck'sche Art nicht wiedererkannt zu haben, da beide
nur dessen Citat ohne ein Wort der Charakteristik geben.
Mit carinatus, als dessen Varietät Gray ihn betrachten
möchte, stimmt er allerdings in der Anordnung der Am-
bulakren überein, unterscheidet sich aber durch die all-
gemeine Gestalt, den weiter nach vorn gerückten Wirbel,
den weit minder entwickelten Kiel, die mehr vertikale
Stellung des Anus und endlich die jederseits doppelte
Einbiegung des Pcripetalbandes vor dem vordem Am-
bulakralpaar, durch letztern Charakter auch von dem west-
indischen Br. columbaris Lam., Gray catal. Taf. 6. Fig. 2
und Seba III. 10, 19. = Encycl. 158, 9. 10; letztere Fi-
gur zeigt den Wirbel zu sehr in die Mitte gerückt. Ein
Exemplar dieses Br. columbaris aus Venezuela im Ber-
liner Museum zeigt dieselbe beetartige Färbung wie der
obige Br. ventricosus, wovon die Autoren nichts erwäh-
nen noch zeichnen. Br. dimidiatus, ist von A gassi z nach
einem Exemplar von den kanarischen Inseln aufgestellt;
von den drei angegebenen Kennzeichen passt die Lage
des Afters auf die meisten Brissusarten ausser carinatus,
die Angabe, dass die Plöcker der vordem Körperhälftc
grösser als die hintern seien, kann auf unsere Art nur
in sofern bezogen werden, dass dabei von den kleinern
der Vorderseite ganz abgesehen sei, endlich das dritte
oder vielmehr erste: haute et crenelee (statt carenee?)
comme B. carinatus will mir nicht passen, und da auch
der Fundort, die kanarischen Inseln, abweicht, so scheint
mii' der Artname compressus sicherer.
Vergleichende Masse der besprochenen Brissusarten.
I. Brissus carinatus, Exemplar von Chamisso's Erdum-
segelung, ohne näheren Fundort.
II. Brissus maculosus Leske. Timor.
IIL Brissus maculosus Leske. Adenare bei Flores.
IV. Brissus maculosus Leske. Amboina.
Ueber ostasiatische Echinodermen.
185
V ßrissns sternalis Lara, nach Gualtieri's Abbildung.
VI. Brissus sternalis Lara.? Rothes Meer von Ehrenberg.
VIT. Brissus coliirabaris Lam. von Venezuela.
VIII. Brissus compressus Lam. von den Querirabainscln.
IX. Brissus (Plagionotus) pcctoralis Lam. von Westindien.
I. IL III. IV. V. VI. VIT. VIII. IX.
Länge
Breite
Höhe z wisch. Mund
und Wirbel
Höhe im hintern
Drittel
Wirbel in Bruch-
theilen d. Länge
Divergenz der vor-
deren Ambnlakren
Divergenz der hin-
teren Ambulakren
200
147
56
60
0.40
108"
C.30"
Plagionotu.s, vonDesor als Untergattung, von Gray
als Gattung aufgestellt, unterscheidet sich nur durch sehr
relative Charaktere von Brissus : die Höcker sind bei
allen mir bekannten Brissusarten auch zweierlei, grössere
mit deutlich abgesetzter ^Yarzenförmiger Spitze, und klei-
nere, innerhalb des Peripetalbandes und an der Vorder-
seite auch ausserhalb desselben ; bei Plagionotus ist der
Unterschied zwischen beiden nur noch grösser. Das so
ausgezeichnete Subanalfeld von Plagionotus hat seines
Gleichen bei Br. sternalis und in dem oben beschriebe-
nen Br. maculosus einen Uebergang zu dem der andern
Brissus, die Peripetalfascie endlich ist bei demselben Br.
ventricosus kaum mehr eingebogen als bei Plagionotus.
Schizaster Ag."
Alle fünf Ambulakralblätter ausgebildet und vertieft.
Genitalöffnungen 2 — 4.
Eine Art dieser Gattung, und zwar in dem stark
vertieften unpaaren Ambulakralblatt mit der europäischen
Art Seh. canaliferus Lam. sp. übereinstimmend, findet
sich auch im indischen Archipel. Rumph amb. rarit. p. 36
beschreibt sie deutlich als Echinus sulcatus, Todtenkopf,
woran die Erwähnung der gelippten Mündung und der
186 V. Martens:
fünf ^Strahlen/' wovon drei länger und vertieft, nicht
zweifeln lassen. Der Herausgeber hat aber fälschlich als
Illustration die Abbildung eines Clypeastcr Taf. 14, Fig. C
gegeben. Auf derselben Tafel, Fig. 2 ist ein Schizaster
abgebildet, nach der Anmerkung des Herausgebers aus
einem holländischen Kabinet stammend; vielleicht ist nur
die Bezeichnung beider Figuren verwechselt. Bleeker
Reise in die Minahassa II. S. 241 nimmt auf diese Figur
hin diese Art des Mittelmeers Seh. canaliferus Lam. sp.
(Micraster bei Agassiz) als amboinisch an. Man kennt
Arten dieser Gattung bereits aus dem rothen Meer, Seh.
gibberulus Ag. und aus Neuholland, Seh. ventricosus und
Jukesii Gray.
Indem schon im Vorhergehenden des Zusammen-
hanges wegen manche Arten des indischen Oceans aus
der Literatur aufgcfülirt sind, bleiben mir hier nur noch
einige zu nennen übrig, welche an den nördlichen Gränz-
gebieten des indischen Archipels, auf Luzon von Cuming
und bei Hongkong von Stimpson gesammelt wurden und
worüber ich nur auf die bekannton Arbeiten von Gray,
catalogue of the recent Echinida of the British Museum I.
1855. 8. und AI. Agassiz in den Proceedings of the
academy of natural sciences at Philadelphia 1863. 8. ver-
weisen kann.
Diadema nudum AI. Ag. Flongkong.
Toxocidaris crassispina AI. Ag. Ebendaher.
Temnopleurus (Toreumatica) concavus Gray. Ebendh.
— — Reevesii A. Ag. Ebendh.
Lovenia subcarinata Gray I.e. 5,3. Luzon. Die Gat-
tung Lovenia scheint nicht mehr von Echinocardium = Am-
phidetus verschieden zu sein, als Plagionotus von Brissus.
Kleinia Luzonica Gray I. c. 4, 5. Luzon.
Lcskea mirabilis Gray 1. c. 4, 4. Luzon U. Hongkong.
Pseudoindische Echiniden.
Rumph's schätzenswertlies Werk über die niedern
Ueber ostasiatiscbe Echinodermen. 187
Tbiere von Amboina ist durcb die Flücbtigkeit späterer
Compilatoren zu einer Quelle falscber Vaterlandsangabcn
geworden. Das Werk ist auf Amboina gescbrieben aber
erst nach des Verfassers Tode in Holland erschienen und
die Herausgeber haben eine Anzahl nicht von Rumph
herrührender Abbildungen zu den andern hinzugefügt,
theils in der guten Absicht, auch die vom Verf. bloss
beschriebenen, nicht abgebildeten Arten zu illustriren,
theils indem sie eben das Werk, wie der Titel besagt,
als Raritäten - Sammlung, nicht als Fauna, betrachteten
und mit noch einigen hübschen Stücken aus andern in
Holland befindlichen Sammlungen bereichern wollten. In
den Anmerkungen zum Text ist darüber stets Rechen-
schaft gegeben, aber viele spätere Autoren haben diese
nicht beachtet und unbedenklich für alle x\rten, die bei
Rumph abgebildet, Amboina als Vaterland angenommen.
Ich stelle daher im Folgendem diese fälschlich für am-
boinisch gehaltenen Echiniden zusammen und füge ihnen
einige bei, deren angebliches Vorkommen im indischen
Ocean aus andern Gründen zn bezweifeln sein dürfte.
Echinocidaris punctulata (Echinus) Lamarck, aus West-
indien und Westafrika: Lamarck citirt mit Fragezei-
chen Rumph's Echinus saxatilis hinzu, der Echinometra
lucunter ist, und ß lecker führt in Folge davon die L a-
marck'sche Art unbedenklich als Amboinesin auf.
Echinus (Hipponoe) veutricosusLam. Rumpli's gröss-
ter und gemeinster Seeigel, Echinus esculentus, Seite 31.
Taf. 13. Fig. A. B von Amboina ist leider so unvollstän-
dig beschrieben und abgebildet, dass er nicht mit Sicher-
heit wieder zu erkennen ist. Wohl möchte man ihrer
Häufigkeit im indischen Archipel wegen an die Gruppe
Hipponoe (Tripncustes) denken, aber hiezu passen weder
die schmalen Ambulakren noch die grossen Höcker der
Abbildung. Lamarck, der für manche Arten das Vater-
land noch nicht hinreichend genau kannte, citirt Rumph's
Abbildung zu seinem Ech. ventricosus, welcher allerdings
mehr Höcker als Sardicus hat, aber doch noch nicht so
starke, wie jene Abbildung andeutet; dieser ventricosus
hat sich seitdem als westindische Art herausgestellt. Nichts
188 V. Martens:
destoweniger führt Bleeker ihn 1. c. als aniboinesische
Art auf.
Clypeaster rosaceus L. sp. Die Angabe, dass diese
westindische Art auch in Ostindien vorkomme, beruht
höchst wahrscheinh'ch auf Verwechslung mit CI. testu-
dinarius.
Clvpeaster Rumphii Desmoulins, Rumph; Fundort
unsicher, vergleiche oben bei Schizaster. 14, C, unsi-
chere Art.
Echinarachnius Rumphii Agassiz, Rumph 14, G. von
Gray und Duj ardin fälschlich als amboinesisch an-
geführt.
Echinarachnius parma (Scutella) Lam., (Echinodiscus)
Bleeker Reise in die Minahassa IL S. 72 nach derselben
Figur, fälschlich als indisch angegeben.
Rotula dentata Leske sp. Scutella dentataLam. Echi-
nodiscus dentatus Gray, Echinotrochus dentatus Bleeker
1. c. Rumph 14, J. Duj ardin, echinod. p. 570 nennt die
Philippinen als Wohnort, ohne irgend eine Autorität dafür
zu nennen; Agassiz und Gray stimmen darin überein,
dass sie mit Zuverlässigkeit nur von Westafrika be-
kannt sei.
Rotula Augusti Ag. East coast of Afrika, Gray catal.
brit. mus. Echinid. p. 18 ist Versehen für West coast, vgl.
Ag. und Desor catal. rais.
Mellita quinquefora Lam. sp. Ag. ist im Leidner Mu-
seum mit dem Fundort „Molukken" bezeichnet; alle zu-
verlässigen Angaben in der Literatur und in andern Samm-
lungen, die mir bekannt geworden, stimmen darin überein,
dass nicht nur diese Art, sondern die ganze Gattung dem
westindischen Meer und Brasilien angehört.
Encope emarginata Gmel sp., Ag. „l'habitat de cette
espece n'est pas exactement connu ; eile parait provenir
des Philippines" Agassiz, monogr. scutell. p. 47, alle
späteren speziellen Angaben verweisen dieselbe nach Bra-
silien und Westindien ; ich habe sie selbst bei Rio-Janeiro
lebend gefunden.
Encope tetrapora Gmel sp. East coast of Africa, Rang
Ueber ostasiatische Echinodermen. 189
bei Gray catal. brit. Mus. p. 26. (Echlnoglycus) ist der-
selbe Schreib- oder Uebersetzungsfehler für West - coast,
wie bei Rotula Augusti.
Alle Arten der Hattimg Encopc gehören, soweit
wir bis jetzt wissen, dem tropisch-atlantischen oder auch
der amerikanischen Seite des stillen Oceans (Enc. Sto-
kesii Ag.) an.
Tripylus (Faorina) Chinensis Gray catal. of Echinid.
p. 57. Das Vorkommen desselben in China erscheint dess-
halb etwas Zweifel zu verdienen, weil alle andern Arten
der Gattung dem südlichsten Amerika angehören.
Ein Beitrag zur ichthyologischeii Fauna der Inseln
des Grünen Vorgebirges.
Von
Troschel.
(Hierzu Taf. V.)
Herr Dr. S tu bei in Dresden hat eine Sammlung
von Fischen auf den Cap Verdischen Inseln zusammenge-
bracht, und mir nicht nur dieselben zur Bearbeitung an-
vertraut, sondern mir vollkommen die Disposition über
dieselbe überlassen, als ich den Wunsch äusserte, sie für
das Bonner naturhistorische Museum zu erwerben. Ich
sage ihm hiermit für das werthvolle Geschenk öffentlich
meinen Dank, und erfülle zugleich eine Pflicht gegen
das wissenschaftliche Publicum, weil dadurch bekannt
wird, an welchem Orte das Material zu den folgenden
Bemerkungen aufbewahrt wird und für etwaige Verglei-
chungen zu finden ist.
Die Sammlung enthält nur 42 Species, die sämmt-
lich marine Formen sind. Wenngleich sie auch nicht an-
nähernd einen Anspruch auf Vollständigkeit machen darf,
so liefert sie doch einen nicht unwichtigen Beitrag zu
der verhältnissmässig noch wenig bekannten ichthyologi-
schen Fauna der Inseln des Grünen Vorgebirges.
Als bei diesen Inseln selbst vorkommend sind bis jetzt
überhaupt nur wenige Arten verzeichnet worden, nämlich
bei Cuvier und Valenciennes in der Histoire natu-
relle des poissons 11 Arten: Öerranus taeniops, Rypticus
saponaccus, Ilolocentrum hastatum, Sphyraena viridensis,
Upencus prayensis, Pristipoma viridense, Glyphisodon
saxatilis, Pelamys sarda, Trachinotus teraia, Trachinotus
Troschel: Ein Beitrag zur ichthyologischen Fauna etc. 191
ravrias und Caranx Jacobaeus; — ausserdem in Günther's
Catalogue of the iishes of the British Museum: Apsilus
fuscus, Serranus goreensis, Pristipoma suillum, Pristipoma
octolineatuni^ Smaris melanurus, Box goreensis, Ephippus
gorcensis, Salarias vonierimis, Cossyphus scrofa — also zu-
sammen 20 Arten. Von diesen ist etwa der dritte Theil
auch von Dr. St übel gesammelt worden.
Bei der grossen Nähe des Festlandes von Africa am
Grünen Vorgebirge^ unter gleicher geographischer Breite,
darf es nicht auffallen, dass nicht wenige Arten auch an
den Cap Verdischen Inseln gefunden wurden, die man
von dem Grünen Vorgebirge und einem in seiner Nähe
gelegenen Küstenplatze Goree kannte, der für die Fisch-
sammlung des Jardin des plantes Material geliefert hatte.
Ja es ist nicht unwahrscheinlich dass die allermeisten
Fische sich von dieser Küste des Afrikanischen Festlan-
des bis zu den nahe gelegenen Inseln verbreiten und
dass sie somit eine gemeinsame Fischfauna ernähren. A.
Dumeril hat ein Verzelchniss der Fische des westlichen
Africa im X. Bande der Archives du Museum d'histoire
naturelle p. 261 zusammengestellt, unter denen die von
Goree einen grossen Bruchtheil bilden.
Ein viel grösseres Interesse bietet die Frage, wie
weit sich die Fische des Grünen Vorgebirges und seiner
Inseln nach Norden und nach Süden ausbreiten, und wie
viele von ihnen den atlantischen Ocean bis zu den Ame-
rikanischen Küsten durchsetzen. Es wäre überhaupt eine
belohnende Arbeit, eine Zusammenstellung der geogra-
phischen Verbreitung aller Fische des atlantischen Oceans
vom Vorgebirge der guten Hoffnung und vom Cap Hörn
bis hinauf zu dem Nördlichen Eismeere zu machen. Für
unseren gegenwärtigen Zweck wird es genügen, die Cap
Verdischen Fische mit denen der Canarischen Inseln und
von Guinea zu vergleichen, um zu entscheiden, ob die
Fauna mehr Uebereinstimmung mit dem Norden, mit dem
Süden oder mit dem Westen (Amerika) hat.
Die Fische der Küste von Guinea hat Bleeker
zusammengestellt „Memoire sur les Poissons de la Cote
de Guinee. Harlem 1862.^ Sein Verzeichniss enthält 90
192 Troschel:
Arten, welches sich jedoch noch um mehr als ein Dutzend
vermindert, wenn man die Süsswasserfische davon ab-
zieht. Folgende Arten aus diesem Verzeichnisse hat auch
Dr. Stübel gesammelt: Holocentrum hastatum, Vomer
Brownii, Lichia glaucos, Trachinotus goreensis, Hemi-
ramphus Brownii, Thyrsoidea maculipinnis, — zusammen
sechs Arten, die sich also über den Aequator hinaus
nach Süden verbreiten. Ich habe hierbei Mesoprion gri-
seus und Galeoldes polydactylus Gthr. nicht mitgezählt,
die gleichfalls In dem B 1 e e k er'schen Verzeichnisse ste-
hen; Mesoprion griseus nicht, weil B lecker als seinen
Fundort ausdrücklich Fernando Po angiebt, welches noch,
nördlich vom Aequator liegt; Galeoldes polydactylus nicht,
weil es mir zweifelhaft ist, ob wirklich Polynemus deka-
dactylus und enneadactylus Cuv. Val. specifisch identisch
sind, ob nicht vielmehr dekadactylus südlich, enneadacty-
lus nördlich vom Aequator lebend , als zwei gute Arten
unterschieden zu werden verdienen. — Recht auJÖPallend
ist es mir , dass im Meerbusen von Guinea kein einziger
Sparoid vorkommen soll, da doch die ganze nördliche
Küste des atlantischen Oceans bis herab zu dem Grünen
Vorgebirge gut vertreten ist, und auch in den Gewässern
des Vorgebirges der guten Hoffnung wieder eine Anzahl,
freilich anderer Arten, lebt. Wenn sich die Thatsache be-
stätigt, so würde am Aequator eine für die Mitglieder
dieser Familie unzugängliche Zone liegen, auf deren nörd-
licher wie südlicher Grenze Arten derselben Familie leben,
lieber die Fische der Canarischen Inseln hat be-
kanntlich Valenciennes in Webb und Berthelot*s HI-
stolre naturelle des lies Canaries Paris 1844 geschrieben.
Von den von ihm verzeichneten Fischen finden sich In
der Stübel'schen Sammlung folgende Arten: PristIpoma
Bennettii, Scorpaena scrofa, Lichia glaucos, Hemiramphus
Brownli und Monacanthus filamentosus , zusammen fünf,
also noch eine weniger als vorhin nach Süden sich ver-
breitend genannt werden konnten. Zu bemerken ist dabei,
dass unter diesen Arten zwei sich wiederholen, nämlich
Lichia glaucos und Hemirhamphus Brownli, die also eine
weitere Ausbreitung nach Norden und nach Süden neh-
Ein Beitrag '/mv Ichthyol. Fauna d. Inseln d. Grünen Vorgeb. 193
men, und daher bei einer Vergleichiin^^ der Faimcn wenig
Gewicht haben. — Hinzuzufügen sind jedoch noch »Sphy-
raena vulgaris^ Priacanthus macrophthalmus, Dactylopterus
volitans, Charax puntazzo, Atherina presbyter^ Blennius
sanguinolentus, Muraena lielena, deren weiter nördliches
Vorkommen allgemein bekannt ist.
Von Arten die auch an den Amerikanischen Küsten
vorkommen, lassen sich nennen: Mesoprion griseus, Pria-
canthus macrophthalmus, Mugil brasiliensis, Caranx pun-
ctatus, Trachinotus goreensis, Vomer Brownii, Lichia glau-
cos, Acanthurus phlebotomus, Glyphisodon saxatilis, Be-
tone hians, Hemiramphus Brownii, zusammen 11 Arten.
Von ihnen sind schon drei bei denen von Guinea genannt:
Vomer Brownii, Lichia glaucos und Hemiramphus Brownii,
Priacanthus macrophthalmus steigt der afrikanischen Küste
entlang nach Norden auf.
Eine Art, Belone trachura kommt auch bei der In-
sel Ascension vor.
Die Fauna des Grünen Vorgebirges lässt sich viel-
leicht am einfachsten so auffassen, als wenn sie hauptsäch-
lich einen eigenthümlichen Stamm besässe , in welchen
sich aber dreierlei Gäste mischten: vom Norden, vom
Westen und vom Süden. Ausserdem erscheinen noch einige
sehr weit verbreitete Arten, die ihr Bürgerrecht auf einen
grösseren Theil des atlantischen Oceans ausdehnen.
Obgleich ich auf die Zahlen, welche aus unserer
kleinen Sammlung hervorgehen, da sie unzw^eifelhaft nur
einen kleinen Theil der Cap Verdischen Fische enthält,
nur einen sehr geringen Werth legen kann, so mag ich
doch bei der geringen Kenntniss, dje man von den Fi-
schen der Afrikanischen Westküste hat, wie schon Bl ec-
ke r I.e. sehr richtig bemerkt, meine Betrachtungen nicht
auf die Arten ausdehnen, die in den Verzeichnissen figu-
riren. Theils sind auch sie viel zu unvollständig, um
daraus richtige Zahlenverhältnisse abzuleiten, theils han-
delt es sich oft um Namen, deren Bedeutung Zweifel
übrig lässt. Ich will mich also begnügen unsere 42 Ar-
ten nach den vier eben genannten Kategorien zusammen-
zustellen.
Archiv f. Naturg. XXXII. Jahrg. 1. Bd. 13
194 Troschel:
1. Weit verbreitete Arten : Priacantlms macrophthal-
mus, Dactylopterus volitans; Vomer Brownii, Lichia glau-
cos und Hemiramphus Brownii — 5 Arten.
2. Gäste vom Norden : Pristipoma Bennettii, Sphy-
raena vulgaris, Scorpaena scrofa, Charax puntazzo, Athe-
rina presbyter, Blennius sanguinolentus, Muraena helena
und Monacantbus filamentosus — 8 Arten.
3. Gäste vom Westen; Serranus taeniops, Mesoprion
griseus, Mugil brasiliensis, Caranx punctatus, Acantburus
pblebotomus, Glypbisodon saxatilis, Belone bians, Belone
tracbura — 8 Arten.
4. Gäste vom Süden: Holocentrum bastatum, Tra-
cbinotus goreensis und Tbyrsoidea maculipinnis — 3 Arten.
5. Eigentbümlicbe Cap Verdiscbe Arten: Serranus
goreensis, Myripristis viridensis, Genyatremus latifrons,
Genyatremus angustifrons, Galeoides enneadactylus, Scor-
paena laevis, Sargus fasciatus, Pagellus goreensis, Dentex
multidens, Letbrinus atlanticus, Box goreensis, Upeneus
prayensis, Girella Stübeli, Mugil nigrostrigatus, Mugil
pulcbellus, Cossypbus jagonensis, Onycbognatbus cautus,
ßbinobatus cemiculus — 18 Arten.
Um einem etwaigen Missverständnisse vorzubeugen
will icb binzufügen, dass icb dem Ausdruck Gäste nicbt
gerade ausdrücklieb die Bedeutung beilegen will, dass
diese Fiscbe eigentlicb anderwärts zu Hause geboren
und nur ausnabmsweise, etwa zum Besucbe, nacb dem
Grünen Vorgebirge gelangten. Icb babe das Wort Gäste
gewäblt, da wenigstens die Tbatsacbe vorzuliegen scbeint,
dass sie am Grünen Vorgebirge ibre Grenze erreicben,
die nicbt wesentlicb überscbritten wird, wäbrend sie nacb
den anderen Riebtungen, nacb Norden, Westen oder
Süden mebr oder weniger weit sieb erstrecken. Es ist
aber nicbt anzunebmen, dass ibre ursprünglicbe Heimatb
gerade an der Grenze ibrer Verbreitung liegen werde.
Andererseits ist nicbt zu leugnen, dass die Gäste des
Westens ebensogut durcb den Amerikaniscben Continent
ibre Grenze finden mussten, wenn sie etwa von der
Afrikaniscben Küste ausgingen, und dass die Gäste des
Nordens, wie die des Südens nacb Norden oder nacb Süden
Ein Beitraof zur ichthyol. Fauna d. Inseln d. Grünem Vorgeb. 195
durch klimatische Verhältnisse gleichfalls ihre Grenze fin-
den miissten, wenn sie am Grünen Vorgebirge ihren
Ursprung genommen hätten. Vom Osten konnten keine
Gäste erwartert werden, da der grosse Afrikanische Con-
tinent so unmittelbar an unser Faunengebiet grenzt.
Unter den eigenthüm liehen Arten sind alle diejenigen
aufgezählt, die noch nicht in anderen Meerestheilen be-
obachtet worden sind, und diejenigen, welche ich als neue
Species unterscheiden zu müssen glaubte. Die neuen
Arten sind: Myripristis viridensis, Genyatremus latifrons,
Genyatremus angustifrons, Scorpaena laevis, Girella Stü-
beli, Mugil pulchellus, Onychognathus cautus, — 7 Arten,
von denen die letzte den Typus einer interessanten
neuen Gattung darstellt.
Selbstredend würde die Zahl der eigenthümlichen
Arten durch Berücksichtigung des Verzeichnisses von A.
Dumeril stark vermehrt werden.
Ich lasse nun die Bemerkungen folgen, welche sich
mir bei der Bestimmung der Sammlung aufgedrängt haben.
1. Serranus taeniops Cuv. Val.
Cuv. Val. Hist. nat. des poissons IL p. 370. Günther
Catalogue I. p. 121.
Durch die Cuvier'sche Beschreibung ist die Art
leicht kenntlich gemacht. Es liegen in der S tübel'schen
Sammlung drei Exemplare vor. Das grössere von 13 Zoll
Länge ist grell zlegclroth, auch alle Flossen, die Bauch-
flosse nur an der Basis gefleckt, mit blauem Rande, die
übrigen Flossen sind ebenso hell wie der Körper und
ganz mit Flecken bedeckt; auch die oberen vier Kiemen-
hautstrahlen sind gefleckt. Unter dem Auge sind die
Flecken zu einer Binde verschmolzen, die bis auf den
Oberkiefer reicht; die Binde über dem Auge besteht aus
sechs getrennten Flecken. — Die beiden kleineren Exem-
plare von beinahe 9 Zoll Länge sind dunkler gefärbt,
aber auch roth, namentlich der obere Theil des Kopfes
und sämmtliche Flossen. Bei allen dreien zeichnet sich
am hinteren Ende des Unterkiefers eine Querbinde aus,
die Cuvier in seiner Beschreibung nicht angegeben hat.
196 Troschel:
Die Bezahniing der Kiefer ist sehr ähnlich wie bei S.
goreensis C. V.; ebenso die Beschuppiing.
2. Serranus goreeMsis Cuv. Val.
Cuv. Val. Hist. nat. des poissons VI. p. 511, Günther
Catalogue I. p. 133.
Diese Art ist sehr selten in den Sammlungen, da
sie nicht einmal das britische Museum besitzt. Ich er-
gänze deshalb die Valenciennes'sche Beschreibung, welche
ziemlich oberflächlich ausgefallen ist, nach einem Exem-
plare von I6V2 Zoll der Stübel'schen Sammlung. Die
Höhe ist etwas geringer als die Kopflänge und Sy^ mal in
der ganzen Länge enthalten, der Kopf misst nur Vs der
ganzen Länge. Das Auge liegt dicht am oberen Kopf-
rande; die Entfernung der Augen von einander gleicht
einem Augendurchmesser ; die Entfernung des Auges von
der Schnauzenspitze ohne den Zwischenkiefer ist etwas
grösser, von der Spitze des Operculums vier mal so gross
wie der Augendurchmesser. Der Oberkiefer reicht fast
bis unter den Hinterrand des Auges und ist schuppenlos;
er wird zur Hälfte von dem fleischigen Lappen des Zwi-
schenkiefers bedeckt. Der Unterkiefer überragt den Ober-
kiefer und ist mit sehr kleinen, die Wangen und das
Praeoperculum mit etwas grösseren, das Operculum mit
noch grösseren Schuppen bedeckt. Der Winkel des
Praeoperculums trägt grössere und stumpfere Zähne als
der hintere über dem Winkel etwas ausgeschweifte Rand,
der untere Rand ist zahnlos und von fleischigem Rande
überragt. Das Operculum hat drei Dornen, von denen
der mittlere bei weitem der grösste. Durch einen diese
Dornen um 10 Mm. überragenden Lappen wird das Oper-
culum sehr spitz. Die Zähne des Zwischenkiefer stehen
in einer breiten Binde, die nach hinten schmaler wird,
aber immer noch aus zahlreichen Reihen besteht, aussen
begleitet von einer Reihe stumpfer dickerer Zähne, deren
einer oder zwei sich gegen die Mitte zu Hundszähnen
vergrössern; vorn ist die Binde am breitesten, hier sind
ihre inneren Zähne verlängert, schlank, nach hinten ge-
richtet und etwas beweglich. Im Unterkiefer ist die Zahn-
Ein Beitrag zur ichthyol. Fauna d. Inseln d. Grünen Vorgeb. 197
binde schmaler, wird schon in einiger Entfernung von
der Spitze des Kiefers dreireihig, auf der Hälfte des Kie-
fers zweireihig, und endigt einreihig; die Zähne der in-
neren Reihe sind ebenso kräftig wie die der äusseren,
aber länger, die zwischen beiden stehenden Zähne sind
kleiner, vorn steht jederseits ein massiger Hundszahn. —
Die Farbe des Körpers ist braun, und wie es an dem
Weingeistexemplare scheint, mit dunklen, ganz unregel-
mässigen Flecken. Der vordere Rand der Wangen, wel-
cher von dem Oberkiefer verdeckt wird, ist schwarz, und
von da zieht sich in gerader Linie bis zum Rande des
InteropercuFums die Grenze zwischen der braunen Kör-
perfarbe und der weisslichen Färbung der Unterseite des
Kopfes. Alle Flossen sind hell gerandet; die Bauchflosse
ist innen dunkel und dadurch, dass die Strahlen heller
sind als die Zwischenräume, längs gestreift, aussen scheint
sie grüngelb gewesen zu sein, mit zwei dem Hinterrande
parallelen dunkleren Binden, eine nahe dem Rande, die
andere etwa in der Mitte. Die Brustflosse ist öVs mal in
der ganzen Fischlänge enthalten, bei S. gigas 6V2 mal.
Die Schwanzflosse ist abgestutzt, in der Mitte sogar etwas
concav. D. 11. 15; A. 3. 8; P. 17; V. 1. 5; C. 14.
3. Mesoprion griseus Cuv. Val.
Die Unterscheidung der Arten der Gattung Meso-
prion ist sehr im Argen, namentlich soweit die Arten
des atlantischen Oceans zu berücksichtigen sind. Ich
kann zur Lösung dieser Schwierigkeit nicht beitragen,
weil mir nur ein sehr geringes Material zu Gebote steht.
Günther hat die Frage dadurch zu erledigen ver-
sucht, dass er eine ganze Reihe Cuvier'scher Arten mit
M. griseus Cuv. Val. vereinigt, namentlich M. flavescens,
linea, jocu und goreensis. A. Dumeril hat dagegen
diese Arten noch um eine Art vom Grünen Vorgebirge
vermehrt, die er M. dentatus nennt, w^obei er übersehen
hat, dass dieser Name bereits für eine ganz andere Cu-
banische Art vonGuichenot vergeben war. Obgleich
die beiden Exemplare der Stübel'schen Sammlung mit
keiner Beschreibung der genannten Autoren recht über-
198 Troschel:
einstimmt, bin ich doch nicht geneigt, sie als neue Spe-
cies zu bezeichnen, um so weniger, da sie unter sich auch
nicht ganz vollkommen übereinstimmen. Ich führe sie
daher unter dem von Gü nth e r gewählten Sammelnamen
auf, und bezeichne die Abweichungen durch eine Be-
schreibung der wichtigsten Proportionen. Von der Farbe
ist bei dem mangelhaften Conservationszustande wenig zu
sagen. Die Höhe ist in der Länge S^/a mal enthalten
und gleicht der Kopflänge. Das Auge ist fast so lang
wie die Schnauze, und nur 372 mal in der Kopflänge ent-
halten. Derselbe Augendurchmesser ist der Entfernung
des unteren Randes des Praeoperculums bei dem grösse-
ren Exemplare gleich, übertrifft diese Entfernung bei
dem kleineren Exemplare. Der Unterkiefer überragt den
Oberkiefer. Die Entfernung der Augen ist bei dem grös-
seren Exemplare gleich, bei den kleineren geringer als
der Augendurchmesser. Im Oberkiefer stehn zwei mas-
sige Hundszähne und eine Reihe konischer Zähne, die
von einer Binde hecheiförmiger Zähne begleitet wird. Im
Unterkiefer zeichnen sich keine Hundszähne aus, und
die äussere Reihe konischer Zähne wird nur vorn von
einer Binde hecheiförmiger Zähne begleitet, so dass die
hinteren zwei Drittel nur von einer einzigen Zahnreihe
besetzt sind. Die Brustflossen sind länger als die Bauch-
flossen, und erreichen beinahe den After. D. 10. 14;
A. 3. 8; P. 17; V. ]. 5; C. 17. Die beiden Exemplare
messen 7 Zoll 8 Lin. und 6 Zoll 10 Lin. — Danach wei-
chen unsere Fische nicht unbedeutend von M. goreensis
Cuv. Val. ab, namentlich, wenn man die Beschreibung
von A. Dumeril in Archives du Museum d'histoire na-
turelle X. p. 245 vergleicht.
4. Priacanthus macrophthalmus Cuv. Val.
Leider steht mir in der Sammlung des Bonner Mu-
seums kein Exemplar der genannten Art zur Verfügung,
um es mit den beiden der Stübel'schen Sammlung ver-
gleichen zu können. Wenn man mit Günther den Pr.
arenatus C. V. und fulgens Lowe zu Pr. macrophthalmus
zieht, dann bleiben nur zwei Atlantische Arten dieser
Ein Beitrag zur ichthyol. Fauna d. Inseln d. Grünen Vorgab. 199
Gattung übrig, und von diesen gleichen dann unsere
Fische am meisten dem Pr. macrophthalmus. Ich habe
doch einige Eigenthümlichkeiten anzumerken. Der Au-
gendurchmesser ist 2V4 der Kopflänge. Länge der Sei-
tenlinie sind 7 oder 8 dunkle Flecken sichtbar, die ich
in keiner Beschreibung beachtet finde. Die Haut zwischen
den Strahlen der Bauchflossen ist schwärzlich. An der
Seitenlinie zähle ich 98 Schuppenreihen, also mehr als
bei Pr. macrophthalmus von Günther angegeben sind.
Längs der Basis der weichen Rückenflosse zieht sich je-
derseits eine Reihe kleiner spitzer Stachelchen hin, deren
jeder einem Strahle entspricht; ähnlich an der Afterflosse.
Längs dem Bauche zwischen den Ventralen und der
Anale sind 4 bis 5 Reihen Schuppen jederseits knochiger
ausgebildet als die übrigen Schuppen und bilden stumpfe
Tuberkelchen, ohne jedoch bei der Streichung nach vorn
Widerstand zu leisten. Diese Art scheint im Atlantischen
Ocean eine weite Verbreitung zu haben. D. 10. 14; A. 3.
15—16; P. 19; V. 1. 5; C. 16; Lin. lat. 98.
5. Myripristis viridensis n. sp.
Bisher sind aus der Gattung Myripristis zwei atlan-
tische Arten bekannt, nämlich M. jacobus C. V. und tra-
chypoma Gthr. , beide von der amerikanischen Seite des
Oceans. Ein Exemplar von den Capverdischen Inseln
ist von beiden Arten verschieden. Die Zahl der Flossen-
strahlen stimmt mit M. jacobus überein: D. 10 — '1. 14;
A. 4. 13. Die Höhe ist 3 mal, die Länge des Kopfes 3V2
mal in der ganzen Länge enthalten ; der Zwischenraum
zwischen den Augen ist der vierte Theil der Kopflänge;
die Entfernung des Auges vom Deckelrande ist gleich
dem Durchmesser .des Auges; der Oberkiefer reicht bis
hinter die Augenmitte und ist an seinem unteren Win-
kel gezähnelt; der Kiemendeckel trägt statt des sonst ge-
wöhnlichen Dornes mehrere wenig grössere Zähne, von
wo der Rand nach oben und nach unten geradlinig ver-
läuft; die Brustflosse ist länger als die Bauchfloss'e, er-
reicht aber den After bei weitem nicht; die obere Hälfte
der Kiemenspalte und die Achsel der Brustflosse sind
200 Troschel:
schwärzlich. Die Seitenh'nie enthält nur 34 Schuppen. —
Im Vergleiche mit den Günther'schen Beschreibungen
scheint dieser Fisch die meiste Aehnlichkeit mit M. pra-
linius C. V. caus dem Indischen Ocean zu haben, von
dem er aber durch die Zahlen bestimmt abweicht. Die
Zähne, welche sich jederseits ausserhalb der Binde he-
cheiförmiger Zähne am Zwischenkiefer finden (2—3), so
wie die Zähne, welche an der Spitze des Unterkiefers
zwei vorstehende Haufen bilden (etwa 7 jederseits) sind
sehr dick und stumpf abgerundet. Länge über 7 Zoll.
6. Holocentrum hastatum C. V.
Cuv. Yal. Hist. des poissons III. p. 208. pl. 59, Gün-
ther Catalogue I. p. 39.
Es ist mir nicht zweifelhaft, dass die drei vorlie-
genden Exemplare mit denjenigen specifisch übereinstim-
men, die Cuvier von den Capverdischen Inseln erhal-
ten hatte, und die er zu H. hastatum zieht. Nur darin
weichen sie von der 1. c. gegebenen Beschreibung ab,
dass sie nur 13 Strahlen der zweiten Rückenflosse be-
sitzen. D. 11. 13; A. 4. 9. Die Seitenlinie hat 44 Schup-
pen , in Uebereinstimmung mit der Günther'schen Zäh-
lung. Sie haben 11 Längsbinden, von denen vier über
der Seitenlinie liegen. Die oberste erreicht nur den drit-
ten Rückenflossenstachel, die zweite endigt unter dem
Ende der Rückenflosse, die dritte und vierte erreichen
die Schwanzflosse. Auf der Haut der ersten Rückenflosse
sind zwischen allen Strahlen verwaschene schwarze Flek-
ken sichtbar, die sich mehr oder weniger deutlich zu
zwei Längsbinden ordnen, eine nahe dem Rücken, die
andere deutlichere und breitere über der Mitte der Flos-
senhöhe. Die Achsel der Brustflossen ist braun gefärbt.
Unsere Exemplare sind lOVn Zoll lang.
7. Pristipoma Bennettii Lowe.
Günther Catalogue I. p. 298.
Die Günther'sche Beschreibung veranlasst mich, einen
Fisch der Stübel'chen Sammlung für diese Art zu be-
stimmen, weil sie gut zu ihm passt. Obgleich Günther
Ein Beitrag zur ichthyol. Fauna d. Inseln d. Grünen Vergeh. 201
Pristiporaa Bennottii und rhonchus Valencienncs in Wcbb
und Berthelot hist. nat. des Canaries hierher zieht^ würde
ich nach den dort gegebenen Beschreibungen unseren
Fisch mit ihnen nicht identificirt haben. Von den Gün-
ther'schen Charakteren finde ich nur eine kleine Diffe-
renz, nämlich dass der zweite Analstachel länger ist als
der dritte. In Betreif der Beschuppung will ich noch
anmerken^ dass der Kopf oberhalb bis zwischen die Nas-
löcher mit Schuppen bedeckt ist, ebenso alle Deckelstücke
und die Wangen, auch der Unterkiefer. Der Suborbital-
knochen scheint auf den ersten Anblick glatt und schup-
penlos zu sein, bei näherer Untersuchung ergiebt sich,
dass er doch einige grosse Schuppen trägt, die aber
ganz unter der glatten und glänzenden Haut verborgen
sind. Am oberen Schnauzenrande liegt jederseits eine
Grube, welche in eine innere Höhlung unter der Haut
der Schnauze innerhalb der Naslöcher führt. Diese Gru-
ben verhalten sich ganz so wie die der Gattung Genja-
tremus. Länge 9 Zoll. Fünf kleinere Exemplare von 3
bis 5V2 Zoll gehören derselben Art an. Alle haben oben
am Kiemendeckel einen dunklen Fleck.
Gatt. Genyatremus Gill.
In der Stübel' sehen Sammlung finden sich zwei
Arten, die sich in keine der Cu vier' sehen oder Günther'-
schen Gattungen fügen wollen. Sie unterscheiden sich
von Pristipoma durch den Mangel der mittleren Grube
unter der Symphyse des Unterkiefers , haben dagegen
die sechs Poren, genau wie DIagrarama. Unter den Dia-
gramma würden sie sich nur mit D. cavifrons vergleichen
lassen, von dem sie jedoch auch in mehrfachen Punk-
ten abweichen. Ueberhaupt haben sie im Habitus viel
mehr Aehnlichkeit mit Pristipoma, da ihr Kopfprofil gar
nicht sehr auffallend gewölbt ist. — Gill hat, wie an
so vielen Orten in der Ichthyologie, vielleicht an zu
vielen, so auch in der Gruppe Pristipomatinae massen-
haft generische Trennungen vorgenommen. In den Pro-
ceedings of the Academy of natural sciences of Philadel-
phia 1862. p. 256 gründet er eine Gattung Genyatremus,
202 Troschel:
welche er von Pristipoma durch die Abwesenheit einer
Kinngrube, die niedrigen Präorbitalknochen, die herab-
gekrümmte Schnauze, und 14 (Cuvier zählt nur 13)
langsam niedriger werdende Rückenflossenstacheln unter-
scheidet. Dieser Gattung stehen unsere beiden neuen
Arten offenbar am nächsten, weil auch ihnen die Kinn-
grube fehlt; aber die Praeorbitalknochen sind nicht so
niedrig , auch wie bei Haemulon und Pristipoma mit
Schuppen bedeckt , die Schnauze ist nicht so herabge-
krümmt und es sind nur 13 Rückenflossenstacheln vor-
handen. Ich halte diese Abweichungen jedoch nicht ge-
nügend um abermals eine neue Gattung zu gründen und
sehe Genyatremus Gill als ein Zwischenglied zwischen
Pristipoma und Diagramma an, unterschieden von Pristi-
poma durch den Mangel der Kinngrube, von Diagramma
durch das wenig gewölbte Kopfprofil. Ich möchte die
Gattungsdiagnose folgendermassen stellen: Corpus com-
pressum squamosum, praeoperculum serratum, dentes ma-
xillarum setacei seriei externae majores, subconici, man-
dibulae foramina sex, fovea centralis nulla, pars radiosa
pinnarum verticalium squamosa, dorsalis unica, membrana
branchiostega radiis septem.
8. Qenyatremus latifrons n. sp.
Unterscheidet sich von Diagramma cavifrous durch
die nicht eingebogene Stirn und durch den beschuppten
Suborbitalknochen. — Die Höhe am Anfang der Rük-
kenflosse ist gleich der Kopflänge und fast viermal in der
ganzen Länge enthalten. Das Profil des Kopfes ist wenig
gewölbt, das obere etwas mehr als das untere, und der
Kopf ziemlich spitz. Der Unterkiefer ragt etwas vor,
der Oberkiefer reicht bis unter den Vorderrand des Auges.
Das Auge ist gross; sein Durchmesser übertrifft ein wenig
die Entfernung der vorderen Spitze des Suborbitale vom
Augenrande und ist 3^4 mal in der Kopflänge enthalten;
er ist gleich der Entfernung der Augen von einander.
D. 13. 14—15; A. 3. 7; P. 17; V. 1.5; C. 17. Der fünfte
Stachel der Rückenflosse ist der längste, länger als V^
der Kopflänge. Der zweite Stachel der Afterflosse ist
Ein Beitrag zur ichthyol. Fauna d. Inseln d. Grünen Vorgeb. 203
noch länger, und zn<T:leIch viel dicker, längs gestreift,
und nicht ganz so lang wie der dritte. Die Brustflosse
beginnt vor und endigt hinter der Banchflosse, sie ist
5-/;imal in der ganzen Länge des Fisches enthalten. Die
Schwanzflosse ist ganz ausgebreitet, am Hinterrande ein
wenig concav, fast abgestutzt. Alle Theile des Kopfes
sind beschuppt, nur die Schnauze vor den Naslöchern,
Oberkiefer und Unterkiefer sind nackt, so wie der Raum
zwischen den Unterkiefern und die Kiemenhaut. Auch
die Haut zwischen den ^veichen Strahlen der senkrechten
Flossen ist mit kleinen Schuppen bedeckt. Die Körper-
schuppen sind massig, jedoch grösser als die des Kopfes,
am Grunde der Schwanzflosse werden sie wieder sehr
klein. Die Seitenlinie ist wenig deutlich. Unter der Sym-
physe des Unterkiefers ist keine Spur einer mittleren
Grube zu entdecken, dagegen sind drei Porenpaare sehr
deutlich, das vordere kleiner als die beiden folgenden.
Am Rande der Schnauze oberhalb des Zwischenkiefers
sind zwei tiefe spaltförmige Gruben vorhanden, die ein-
ander etwas näher liegen als die Naslöcher. Sie sind
sehr ins Auge fallend ; um so mehr nimmt es mich Wun-
der, dass sie, die häufiger in der Sciaenoidenfamilie im
Cuvier'schen Sinne vorkommen, noch so wenig von den
Ichthyologen beachtet sind. Cuvier hat nur hier und
da ihrer Erwähnung gethan, während er doch die Poren
am Unterkiefer für wichtig genug hielt, um sie zu Gat-
tungs-Charakteren zu benutzen. Sie verdienen es, weiter
beachtet zu werden. Die hecheiförmigen Zähne sind so-
wohl im Zwischenkiefer, wie im Unterkiefer von einer
äusseren Reihe grösserer conischer Zähne begleitet. —
Länge 14 Zoll.
9. Genyatremus angustifrons n. sp.
Diese Art hat in fast allen Punkten so grosse Aehn-
lichkeit mit der vorigen, dass die Beschreibung ebenso
lauten würde. Daher genügt es, die Differenzen anzu-
geben. Die Höhe ist mehr als 4 mal in der ganzen Länge
enthalten; die Entfernung der Augen ist viel kleiner als
der Durchmesser des Auges, und über 4 mal in der Kopf-
204 Troschel:
länge enthalten. D. 13. 14-15; A. 3. 7; P. 18; Y. 1. 5;
C. 17. Der zweite Stachel der Afterflosse ist länger als
der dritte. — Länge 8V2 Zoll.
10. Galeoides enneadactylus.
Polynemus polydactylns Bl. S. p. 19.
Poljnemiis enneadactylus Cuv. Yal. IIL p. 392.
Galeoides polydactylus Günther Catalogue IL p. 332.
Günther hat P. enneadactylus und decadactylus
C. Y. vereinigt. Unsere beiden Exemplare von den Cap
Yerdischen Inseln gehören zu enneadactylus. D. 8 — 1.14;
A. 2. 11. Der vorderste Stachel der ersten Rückenflosse
ist sehr niedrig, ja er fehlt bei dem einen Exemplare
ganz. Die Zähnelung des Praeoperculums ist sehr stark,
ein Dorn am Winkel ist der grösste. Operculum und
Suboperculum laufen nach hinten in eine dünne, weiche,
durchsichtige Membran aus, die in kleine spitze Fäden sehr
regelmässig zerfetzt ist, so dass sie abgesehen von der
YVeichheit ebenfalls tief gezähnt erscheint. Wenn wirk-
lich die beiden Bloch'schen Arten zusammenfallen, dann
läge hier ein Beispiel vor, dass ein Fisch der Cap Yerdi-
schen Inseln mit einem von der Goldküste identisch wäre.
11. Sphyraena vulgaris Cuv. Yal.
Die fünf vorhandenen Stücke sind nur 5 bis 7 Zoll
lang, und in schlechtem Erhaltungszustande. Obgleich
sich nach dem Yaterlande vermuthen lässt, dass wir Sph.
viridensis Cuv. Yal. vor uns haben, welche die Yerfasser
der Histoire des poissons jedoch nur durch die zickzack-
artige Abgrenzung der dunklen Rückenfarbe gQ^^ri die
helle Bauchfarbe von Sph. vulgaris unterscheiden konn-
ten, so lässt sich durch unser Material kein weiterer Anf-
schluss erlangen, die Farben- Abgrenzung ist nicht mehr
zu erkennen. Günther unterscheidet Catalogue IL p. 334
nur zwei Arten des atlantischen Oceans, deren Haupt-
difFerenz derselbe in die Zahl der Schuppen an der Sei-
tenlinie und die Insertion der Rückenflosse setzt. Ich
zähle an unseren Fischen 110 — 120 Schuppen; jedoch ist
bei dem Conservations-Zustande die Zählung keine sichere.
Ein Beitrag zur iclithyol. Fauna d. Inseln d. Grünen Vorgeb. 205
Günther zählt alle atlantische Formen^ bei denen der
Anfang der Rückenflosse weit hinter dem Ende der Brust-
flossen und in der Mitte der Fischlänge ohne Schwanz-
flosse liegt, zu 8ph. vulgaris; diejenigen, deren Rücken-
flosse über der Spitze der Brustflossen und weit vor der
Körpermitte beginnt, zu Sph. picuda. Das stellt unsere
Fische zu Sph. vulgaris, ßleekers Sph. dubia Poissons
de la cöte de Guinee würde hiernach zu Sph. picuda
gehören. Bei einer Revision der atlantischen Arten wird
immer die Stellung der Rückenflosse einen der wichtig-
sten Anhaltspunkte geben. Auch die Länge des Ober-
kiefers ist zur Charakteristik der Arten brauchbar.
12. Dactylopterus volitans Cuv. Val.
Dass sich dieser bekannte Fisch bis zu dem Grünen
Vorgebirge hinab ausbreitet ist bekannt. Die beiden vor-
liegenden Exemplare unterscheiden sich nicht unwesent-
lich von einander, so dass es mir notirt zu werden ver-
dient. Ich halte sie für Männchen und Weibchen, und
es scheint, als wenn sowohl Cuvier's, wie Günther's
Beschreibungen nach weiblichen Exemplaren entworfen
wären. Unser Männchen ist 16", unser Weibchen 14 Zoll
lang. Die Bauchflossen sind beim Männchen länger und
breiter und die längeren Strahlen sind von einer auffal-
lend verdickten Haut umgeben, auch sind diese Flossen
wie die ganze Unterseite der Brust, zum Theil auch des
Bauches dunkel gefleckt. Der Kopfpanzer des Männchens
hat eine gröbere Sculptur und ist in allen Theilen kräf-
tiger entwickelt; der obere Ast nm Hinterrande des Sub-
orbitalknochens ist viel breiter (^ 8 Mm., $ 5 Mm.) und
daher der Ausschnitt zwischen beiden Aesten kleiner;
die Scapulardornen reichen verhältnissmässig weiter nach
hinten, convergircn ein wenig nach hinten, die Entfer-
nung ihrer Spitzen ist nur ^4 geringer als die Tiefe des
Ausschnittes zwischen ihnen. Bei beiden Exemplaren von
den Cap Verdischen Inseln ist die Oberseite der grossen
Brustflossen dunkel gefleckt auf hellerem Grunde, wäh-
rend bei einem Exemplare aus der Strasse von Messina,
demselben, mit welchem sich im Jahre 1853 Job. Müller
206 Troschel:
viel beschäftigte, um die Ursache des von diesen Fischen
erzeugten Tones zu ermitteln, zahlreiche bläuliche Flek-
ken auf dunklerem Grunde hat. Ein jüngeres Exemplar
von 7" Länge, das ich gleichfalls in Messina gesammelt
habe, ist auf der ganzen Oberseite von den Augen bis
zur Schwanzflosse mit bläulichen Flecken bedeckt. Bei
diesem letzteren, auch ein Weibchen, ist die Entfernung
der Spitzen der Scapulardornen von einander grösser als
die Tiefe des Ausschnittes zv^ischen ihnen, es scheint
also dass sich diese Dornen mit dem Alter verlängern.
13. Scorpaena scrofa L.
Ich finde nirgends eine Angabe , dass diese Art so
weit südlich vorkäme, da jedoch nach Valenciennes
dieselbe bei den Canarischen Inseln gefunden worden ist,
so zweifle ich nicht, dass auch der vorliegende Fisch
dieser Art angehöre. Ich will jedoch nicht unbemerkt
lassen, dass die Entfernung des Auges von dem vorderen
Suborbitalrande ein wenig grösser ist als der x\.ugen-
durchmesser, wie ich es auch an einem Exemplare von
Madeira finde, welches das Bonner Museum durch Dr.
Carl Wolff erhielt, wogegen bei freilich jüngeren Exem-
plaren von Messina diese Entfernung viel geringer ist.
Auch die Entfernung der Augen von einander ist grösser,
sie ist weniger als 6 mal in der Kopflänge enthalten,
nach Günther 7^2 mal. Die Schuppen sind ctenoid und
tragen am Hinterrande eine einfache Reihe Dörnchen,
die schon mit der Loupe deutlich zu sehen sind. Der
schwarze Fleck zwischen dem 6. und 9. Dorn der Rük-
kenflosse ist sehr deutlich vorhanden.
Die ganze Mundhöhle war besetzt mit schönen Exem-
plaren von Pennella sultana Milne Edw., deren wohl über
20 von verschiedener Grösse in die Haut eingesenkt
waren.
14. Scorpaena laevis n. spec.
Diese Art unterscheidet sich trotz der grossen Ueber-
einstimmung in der Bedornung des Kopfes sogleich durch
die Schuppen, die durchaus keine Dörnchen am Hinter-
Ein Beitrag zur ichtliyol. P'auua d. Inseln d. Grünen Yorgeb. 207
rande tragen, daher auch beim Streichen mit dem Finger
von hinten nach vorn der Fisch vollkommen glatt er-
scheint, was meines Wissens bei keiner anderen Scor-
paena der Fall ist. Ferner trägt der Kiemendeckel, mit
Ausnahme seiner Mitte zwischen den beiden in Dornen
auslaufenden Leisten und unter denselben ansehnliche
Schuppen.
Die Höhe des Fisches ist viermal in der ganzen
Länge enthalten; der Kopf ist etwas länger als der dritte
Theil der Fischlänge ; die Breite des Kopfes lässt sich 42/:}
mal auf der Fischlänge abtragen. Das Auge ist vom
Vorderrande des Suborbitale um seinen Durchmesser ent-
fernt ; etwas kleiner ist die Entfernung der Augen von
einander; die Entfernung des Auges von dem Rande des
hinteren Lappens des Kiemendeckels beträgt das drei-
fache des Augendurchmessers (bei Scrofa höchstens das
2V2 fache). Der Oberkiefer reicht bis hinter die Mitte
des Auges. Der Unterkiefer überragt den Oberkiefer. Der
Raum zwischen den Augen, die Scheitelgrube, Bedor-
nung des l-Copfes wie bei Sc. scrofa. Die Beschuppung
des Kopfes beginnt dicht hinter dem Auge und bedeckt
den ganzen Umfang des Operculums bis auf das Ende
des dasselbe überragenden Lappens. Diese Schuppen
sind am Hinterrande ganzrandig, dornenlos und liegen
ganz in der Haut verborgen ; sie sind zwar voii ansehnli-
cher Grösse (7 Mm. lang), aber doch viel kleiner als die
des Körpers, die aus der Haut herausgezogen 11 Mm. lang
sind. Ich zähle 46 Schuppen längs der Seitenlinie. Auch
die äussere Basis der Brustflossen ist beschuppt, ebenso
die ganze Brust zwischen Bauchflossen und Brustflossen,
soweit sie nicht von der Membrana branchiostega bedeckt
wird. — In der Rückenflosse sind 12 Stacheln und 10
Strahlen enthalten; der vierte Stachel ist der längste, halb
so hoch wie der Körper unter ihm, der 12te ist etwas
länger als der Ute. Der zweite Dorn der Afterflosse ist
etwas länger als der dritte und so lang wie der siebente
der Rückenflosse. — Die Brustflosse reicht bis unter den
12ten Stachel der Rückenflosse; auf ihren obersten ein-
fachen Strahl folgen neun verzweigte, dann noch neun
208 TroHchel:
einfache. — Der Stachel der Bauchflossen übertrifft die
Plälfte der weichen Strahlen an Länge; der fünfte Strahl
ist bis auf die Hälfte seiner Länge durch eine Haut an
dem Bauche befestigt. — Die Schwanzflosse ist abgerun-
det und enthält h Hauptstrahlen. D. 12. 10; A. 3. 5; P. 19;
V. 1. 5; C. 11.
Farbe: Der Kopf hat viele sehr unregelmässige und
wenig scharf ausgeprägte dunklere Flecke und Marmori-
rungen auf hellerem röthlichen Grunde. Am Körper be-
merkt man drei sehr undeutliche breite dunkle Binden,
die sich vom Rücken nach dem Bauche herabziehen, ohne
ihn zu erreichen; die hintere Binde erstreckt sich nach
oben auf die vordere Hälfte der weichen Rückenflosse.
Rücken- und Afterflosse sind dunkel gefleckt und mar-
morirt. Die Brustflossen sind aussen und innen mit gros-
sen dunklen Flecken bedeckt, die sich in fünf undeut-
liche Binden ordnen; ihre Achsel ist roth mit einigen
undeutlichen dunkleren Flecken. Die Bauchflossen sind
einfarbig roth und schwärzen sich g^gen das Ende. Die
Schwanzflosse trägt zwei deutliche breite dunkle Binden,
deren letzte den Rand der Flosse einnimmt.
Das einzige Exemplar der Stübel'schen Sammlung
ist über 1 Fuss lang.
15. Sargus fasciatus Gthr. ^)
Günther Catal. I. p. 448 von Valenc. in Webb et
Berthelot Hist. des Canaries p. 29.
1) Ein kleines Exemplar eines Sargus, wenig über 2" lang, und
wahrscheinlich jugendlich , lässt sich für keine bisher beschriebene
Art erkennen. Es ist misslich, nach so geringem Material eine
neue Species aufzustellen ; während es andererseits Pflicht scheint
auch das geringste Material nicht stillschweigend zu übergehen,
sondern es künftigen Forschern zu Gute kommen zu lassen. Ich
notire also seine Charaktere, ohne ihm einen neuen Namen zu geben.
Die Höhe am Anfang der Rückenflosse ist fast viermal in der gan-
zen Länge enthalten. Der Augendurchmesser ist grösser als die
Entfernung des Auges von der Schnauze, etwas kleiner als seine
Entfernung vom Deckelrande. Oben und unten stehn je acht vor-
wärts geneigte Schneidezähne in der äusseren Reihe ; sie haben
Ein Beitrag zur ichthyol. Fauna d. Inseln d. Grünen Vorgcb. 209
Beide vorliegende Exemplare dieses Fisches haben
^% Schneidezähne und stimmen auch sonst so ziemlich
mit den (TÜnther'schen Charakteren überein, so dass ich
keinen Anstand nehme sie danach zu bestimmen. Be-
merken will ich jedoch, dass die Schnauze nicht doppelt
so lang ist wie der Augendurchmesser. Dieselbe über-
trifft den Durchmesser nur wenig, etwa V4 wenn man
die Zähne nicht mitmisst; mit Einschluss der vorstehen-
den Zähne ist das Auge höchstens l^/omtd in der Schnauze
enthalten. Die Höhe ist oYsmal in der ganzen Länge
mit Einschluss der Schwanzflosse enthalten. Der Rand
des Kiemendeckels und der Membrana branchiostega ist
schwarz gefärbt. Das grössere Exemplar ist über G Zoll,
das kleinere über 4 Zoll lang.
16. Charax puntazzo Cuv. Yal.
Es liegt ein Exemplar von 41/4 >^oll Länge vor. Es
weicht einigermassejgL von der Cuvier' sehen Beschreibung
und Abbildung ab; ich möchte aber um so weniger eine
neue Art darauf gründen, als ich kein mittelmeerisches
Exemplar zur Vergleichung zur Hand habe. Günther
hat in seinem Catalogue I. p. 453 ein Exemplar von Lan-
zarote gleichfalls für identisch mit dem mittelmeerischen
Fische erkannt. Bei dem Fische von den Cap Verdischen
Inseln ist das Profil von der Rückenflosse zur Schnauze
viel weniger gewölbt als in der Cuvier'schen Abbildung,
fast geradlinig, und die Afterflosse steigt viel steiler auf,
als es die genannte Abbildung zeigt. Das Auge erscheint
grösser; sein Durchmesser ist der Entfernung von der
Schnauze ohne die Zähne fast gleich. Oben sind nur
sechs Schneidezähne vorhanden, falls nicht etwa der äus-
einen dünnen Stiel und breite Schneide, werden nach aussen kleiner.
Hinter ihnen steht eine zweite Reihe kleiner, spitzer Zähnchen, die
vorn in der Mitte beginnt und sich bis hinten erstreckt, wo sie in
die äussere Reihe der rundlichen Mahlzähne übergeht; innerhalb
der letzteren liegt eine zweite Reihe etwas grosserer Mahlzähne.
D. 12. 13; A. 3. 13. Der ganze Fisch ist silberfarbig und hat nur
den schwarzen Fleck am Schwänze.
Archiv f. Naturg. XXXII. Jahrg. 1. Bd. 14
210 Troschel:
sere jederseits verloren gegangen sein sollte. Es sind
nur drei deutliche schwarze Querbinden vorhanden, doch
sieht man in den Zwischenräumen noch je einen schwach
angedeuteten Streifen. Der Fleck am Schwänze ist scharf
ausgeprägt. D. 11. 14; A. 3. 12. Ich setze voraus, dass
die Abweichungen in den Formverhältnissen durch den
jugendlichen Zustand des Exemplares erklärt werden kön-
nen. — Valenciennes hat sich in Webb und Berthelot
Hist. nat. des Canaries p. 29 und 30 gegen die Trennung
der Gattung Charax von Sargus ausgesprochen. Ich
stimme jedoch entschieden mit Günther überein, der
diese Trennung festhält. Die Schneidezähne sind aller-
dings denen von Sargus ganz ähnlich, um so weniger
die winzigen sogenannten Backenzähne. Sie sind eher
borstenförmig zu nennen, sind viel höher als breit, und
wenn ein Anfänger unseren Fisch z. B. nach Günther's
Uebersicht bestimmen wollte, würde er nicht auf den
richtigen Weg kommen, da er ihn nicht in der Gruppe
Sargina suchen könnte, die durch die seitlichen Molar-
zähne charakterisirt ist. Ein solcher Backenzahn (Taf. V.
Fig. 1. 2) ist 0,39 Mm. hoch bei einer Dicke von 0,09 Mm.
er ist also 4V3 n^al so hoch wie breit. Von seinem Grunde
steigt er gleichmässig auf und trägt an seinem Gipfel
eine kopfartige Anschwellung, die wenig dicker erscheint
als der Stiel und den dritten Theil der Höhe des gan-
zen Zahnes einnimmt. Von der Basis aus zieht sich eine
Höhlung von 0,0225 Mm. in dem Zahn in die Höhe,
welche bis in den Knopf reicht, und die mit Luft erfüllt
war, als ich den Zahn untersuchte; bei geringem Druck
liess sich ein Theil der Luft als ein Bläschen aus der
Basalöffnung herauspressen. Im Knopfe, am oberen Ende
des Längskanal es ist ein sehr zartes System von inneren
Kanälen sichtbar, welche meist nicht mit dem Längskanal
zu communiciren scheinen, die sich strahlenförmig aus-
breiten und sich nach der Oberfläche des Zahnes verästeln.
Die zarten Stämme dieser Kanälchen schätze ich auf etwa
0,0006 Mm.
Ein Beitrag- zur ichtliyol. Fauna d. Inseln d. Grünen Vorgeb. 211
17. Pagellas goreenais Cuv. Val.
Cuv. Val. VI. p. 203.
Während C u v i e r und Valenciennes selbst ihren
Pagellus goreensis als zum Verwechsehi ähnlich mit ihrem
Pagellus mormyrus bezeichnen, jedoch bestimmte Diffe-
renzen angeben^ hat Günther die beiden Arten ver-
einigt. Derselbe scheint sich besonders dadurch haben
bestimmen lassen, diese Vereinigung vorzunehmen, weil
er an allen Exemplaren von P. mormyrus dieselben
Zahlen der Flossenstrahlen fand, wie sie Cuvier und
Valenciennes für P. goreensis angeben, nämlich D. 11.
12; A. 3. 10. — Da in der Sammlung des Herrn Dr.
Stübel drei Exemplare von den Cap Verdischen Inseln
vorliegen, die unzweifelhaft als echte P. goreensis C. V.
gelten können, so suchte ich durch Vergleich mit einem
mittelmeerischen Exemplare des Bonner Museums zur
Ueberzeugung über die Gültigkeit oder Ungültigkeit der
Art zu kommen. Ich muss danach der Cuvier -Valen-
cienncs'schen Ansicht mich anschliessen, weil sich die
drei Cap Verdischen Exemplare, unter sich übereinstim-
mend, bestimmt von dem mittelmeerischen Exemplare
unterscheiden lassen. Die Formen, welche an den Cana-
rischen Inseln vorkommen, hält Valenciennes ^) für
übereinstimmend mit der Art des Mittelmeers.
Bei der sehr nahen Verwandtschaft der beiden in
Rede stehenden Arten und der grossen Aehnlichkeit in
der so charakteristischen Färbung, darf ich mich hier da-
rauf beschränken, diejenigen Differenzen hervorzuheben,
durch welche mir die Artberechtigung erwiesen scheint.
Was zuerst die äusseren Kennzeichen betrifft, so ist
P. goreensis langstreckiger. Die Höhe über der Bauch-
flosse und am Anfang der Rückenflosse ist 31/2 mal in
der Länge mit Ausschluss der Schwanzflosse enthalten,
bei P. mormyrus nur 3 mal, und zwar bei gleicher Grösse
der Exemplare. Der Kopf ist bei P. mormyrus länger als
bei P. goreensis ; seine Länge gleicht in beiden Arten der
1) Webb et Berthelot Hist. nat. des lies Canaries Poissons p. 35»
212 Troschel:
Körperhöhe. Auch die Entfernung der Augen von ein-
ander ist bei P. mormyrus beträchtlicher als bei P. go-
reensis. Diese Körperverhältnisse möchten jedoch durch
einen besseren Ernährungszustand des mittelmeerischen
Exemplares erklärt werden können, und es ist vielleicht
hierauf kein sehr grosses Gewicht zu legen. — Die
Schnauze ist bei P. goreensis kürzer, wie schon Valen-
ciennes angiebt. Das gleich grosse Auge ist bei P.
goreensis nur 1^/3 mal in der Schnauze enthalten, bei P.
mormyrus mehr als 2 mal. Dieser Unterschied hängt mit
der verschiedenen Grösse des Suborbitalknochens zusam-
men , was auch schon Valenciennes gesagt hat. Der
vordere Suborbitalknochen ist bei P. mormyrus in allen
Dimensionen grösser, die folgenden Knochen unter dem
Auge sind ebenfalls viel höher. Die Folge davon ist,
dass der Raum für die Schuppen an der Wange bei P.
goreensis viel beträchtlicher ist, als bei P. mormyrus. Bei
P. goreensis unterscheidet man sehr deutlich fünf Reihen
grosser Schuppen an der Wange, bei P. mormyrus sind
diese Schuppen kleiner, viel dichter an einunder gedrängt,
und nicht deutlich in Reihen geordnet. Sehr ähnlich ver-
hält sich die ßeschuppung des Operculums. — Die Sta-
cheln der Rückenflosse sind bei P. goreensis viel höher
und schlanker als bei P. mormyrus; der vierte Stachel
ist bei P. goreensis 272, bei P. mormyrus 4 mal in der
Körperhöhe enthalten. Auch die Strahlen der Afterflosse
sind, wie Valenciennes richtig bemerkt, bei P. go-
reensis höher. — Das Gebiss zeigt gleichfalls eine ent-
schiedene Abweichung. Hauptsächlich fällt es in die
Augen, dass die äussere Reihe der hechelförmigen Zähne
vorn in den Kiefern, namentlich im Oberkiefer, bei P.
goreensis viel grösser sind, als bei der anderen Art, sie
gleichen einer Reihe conischer etwas gekrümmter Hunds-
zähne, während sie bei P. mormyrus die übrigen Zähne
nicht wesentlich überragen. Die Valenciennes'sche Angabe,
dass bei P. mormyrus die zweite Reihe, bei P. goreensis
die dritte Reihe der Backenzähne, die grössten Zähne
enthalte, ist im Allgemeinen richtig, und kann als specifi-
scher Unterschied gelten, obgleich bei P. mormyrus einer-
Ein Beitrag- zur ichtbyol. Fauna d. Inseln d. Grünen Vorgab. 213
seits neben der äusseren Zahnreihe noch zwei Zähne
stehen, die allenfalls wie eine zweite Reihe erscheinen.
Die Färbung ist bei beiden sehr ähnlich^ sie haben
vierzehn dunkle Querbinden. Dass sie bei P. goreensis
dunkler sind, weiter lierabreichen, und daher deutlicher
ausgeprägt erscheinen, darf kaum als speciiischer Unter-
schied angesehen werden. Die Exemplare sind zwischen
8 und 9 Zoll lang.
18. Dentex rmdtidens Cuv. Val.
Cuv. Val. VI. p. 238; Günther Catal. I. p. 373.
Ein Exemplar von den Cap Verdischen Inseln stimmt
mit der freilich unvollständigen Beschreibung, welche
Valenciennes von einem Fisch unter obigem Namen
giebt, so gut überein, dass ich glauben muss es gehöre
derselben Art an. Freilich hat Valenciennes die Art
nach einem alten Exemplar der Pariser Sammlung auf-
gestellt, dessen Vaterland unbekannt war, hat aber nach-
her in einem Fische des Berliner Museums, gesammelt
von Ehrenberg im Rothen Meere, die Art wiederer-
kannt, und so ist eigentlich nicht zu erwarten, dass diese
Art auch bei den Cap Verdischen Inseln vorkommen
sollte. Sollte unser Fisch specifisch verschieden von dem
Valenciennes'schen sein, so mag sich dies durch Verglei-
chung mit den Pariser und Berliner Originalexemplaren
herausstellen. Zur Feststellung unseres Fisches gebe Ich
hier die Beschreibung.
Die Höhe des Fisches am Anfange der Rückenflosse
gemessen ist 2^/3 mal in der Länge ohne Schwanzflosse
enthalten; 3V2nial in der ganzen Länge; der Kopf 474
mal in der ganzen Länge. Das Auge Ist 4V2 nial in der
Kopflänge; 1^/2 mal in der Schnauzenlänge enthalten. Der
Suborbitalknochen ist fast so hoch wie der Augendurch-
messer, und doppelt so lang; sein unterer Rand ist grob
crenullrt. Diese höhere Partie des Suborbitalrandes wird
durch den ersten und zweiten Suborbital knochen gebil-
det, von denen der erste l^^nial so lang ist Avie der
zweite : letzterer ist mit kleinen Schuppen versehen. Die
214 Troschel:
Schnauze nebst einem schmalen Streifen um das Auge
und der Unterkiefer sind nackt^ alle übrigen Tlieile des
Kopfes beschuppt. An der Wange finden sich neun Schup-
penreihen, die mit den Schuppen des Operculums und
Suboperculums gleich gross sind, die Schuppen des Prae-
operculums und Interoperculums sind viel kleiner. Der
Oberkiefer wird vom Suborbitalknochen nicht völlig ver-
borgen. — Im Oberkiefer ist eine schmale Binde kleiner
hecheiförmiger Zähne vorhanden, ausserhalb von einer
Reihe entferntstehender conischer, gekrümmter, sehr spitzi-
ger Zähne umgeben, von denen die acht mittleren den
Namen von Hundszähnen verdienen, auf sie folgen dann
noch jederseits mehrere kleinere. Aehnlich vorhalten sich
die Zähne im Unterkiefer, jedoch ist die Binde hechei-
förmiger Zähne noch schmaler. Die Rückenflosse ent-
hält 11 Stacheln und 11 weiche Strahlen. Der erste Sta-
chel ist niedrig aber kräftig und legt sich als Stütze
dicht an die Basis des viermal längeren zweiten Stachels.
Der dritte Stachel ist mehr als dreimal in der Höhe des
Fisches enthalten. Der vierte und fünfte Stachel sind
eben so hoch. Die folgenden Stacheln und die weichen
Strahlen sind etwas niedriger. Der letzte weiche Strahl
ist getheilt; sein vorderer Ast ist länger, reichlich so
lang wie der dritte Stachel, sein hinterer Ast zwar kür-
zer als der vordere, aber doch auch noch länger als die
übrigen weichen Strahlen. Die Afterflosse enthält drei Sta-
cheln und neun weiche Strahlen ; der letzte weiche Strahl
ist verlängert und verhält sich ebenso wie der letzte
Strahl der Rückenflosse. Die Brustflosse ist spitz und
von Länge des Kopfes. Sie besteht aus 14 Strahlen (Va-
lenciennes zählt 17) von verschiedener Länge, deren
Verhältniss sich am besten aus den absoluten Maassen
in Millimetern von oben nach unten fortschreitend wird
erkennen lassen: 21, 46, 62, 83, 77, 54, 39, 34, 29, 25, 22,
27, 36, 25. Die Bauchflossen sind vor dem Anfange der
Rückenflosse inserirt. Sowohl der Stachel, wie die fünf
weichen Strahlen sind sehr breit; der Stachel ist so lang
wie die weichen Strahlen, und 2^2 nial in der Höhe des
Fisches enthalten. Die Schwanzflosse ist seicht aiisgc-
Ein Beitrag- /.ur ichthyol. Faiiua d Inseln d. Gi'ünen Vorg-eb. 215
schweift, der obere Lappen etwas länger. — Der Fisch
ist 141/2 Zoll lang.
Die Schuppen sind gross und haben 10 fächerför-
mige Streifen im vorderen Theil.
19. Lethrinns atlanticiis Cuv. Val.
Cuv. Val. VI. p. 275 ; Günther Catal. L p. 460.
Mir ist kein Zweifel, dass wir es hier mit der oben
genannten iVrt zu thnn haben, auch dass Günther die-
selbe in Händen gehabt hat. Unsere drei Exemplare sind
G — 7 Zoll lang.
20. Box goreensis Cuv. Val.
Es ist sehr nahe gelegt zwei kleine Exemplare der
Gattung Box, welche sich in der Sammlung des Herrn
Dr. Stube l finden, für Box goreensis Cuv. Val. anzu-
sprechen. Da Günther diese Art als eine sehr zwei-
felhafte bezeichnet, wozu allerdings nach der Valencien-
nes'schen Beschreibung alle Berechtigung vorliegt, so
benutze ich diese Gelegenheit, die Fische genau mit
einem mittelmeerischen Exemplare von Box salpa, das
sich seit lange im Bonner Museum befindet, so w4e mit
einem Exemplare von Madeira, welches Dr^ Carl Wolff
für unser Museum gesammelt hat, zu vergleichen. — Das
Auge unserer Exemplare ist grösser, es nimmt den drit-
ten Theil der Kopfläne^e ein und ist gleichweit von der
Schnauzenspitze und vom Rande des Kiemendeckels ent-
fernt ; bei Box salpa nimmt es nur den vierten Theil
der Kopflänge ein und ist fast um seinen doppelten Längs-
durchmesser von dem Dcckelrande entfernt. Die Ent-
fernung der Augen von einander ist bei B. goreensis
gleich dem Augendurchmesser, bei B. salpa das andert-
halbfache des Augendurchmessers. In den Körperverhält-
nissen kann ich einen wesentlichen Unterschied nicht
finden. Die Höhe des Körpers, am Anfang der Rücken-
flosse gemessen, ist 4 mal, die grösste Höhe, welche weiter
zurück liegt, nur 8^/2 mal in der ganzen Länge enthalten.
Die Angabe von Valenciennes, dass die Stacheln der
Rückenflosse höher sind, finde ich bestätigt. Der fünfte
216 Troschel:
Stachel ist bei B. goreensis 2V4; bei B. salpa mehr als
3 mal in der Höhe am Anfange der Rückenflosse ent-
halten. Die Zahl der Flossenstrahlen ist nicht verschie-
den. Den schwarzen Fleck an der Achsel der Rücken-
flosse ist bei unseren Cap Verdischen Exemplaren wirk-
lich nicht vorhanden. Im Gebiss finde ich keinen be-
merkenswerthen Unterschied. Oben stehen jederseits 6
zweispitzige Schneidezähne, die von der Mitte nach hinten
gleichmässig abnehmen; imten finden sich jederseits 7
Zähne, von denen die mittleren etwas kleiner sind als
ihre Nachbaren, von wo aus sie nach hinten allmählich
kleiner werden. Die mittleren sind unten lanzettförmig
spitz mit schwachen seitlichen Zähnchen; vom vierten an
werden sie niedriger, mehr abgerundet an der Schneide
und die Zahl der Seitenzähnchen nimmt zu; die letzten
sind klein, niedrig, abgerundet und am Rande crenulirt.
— Die angegebenen Differenzen scheinen mir hinreichend,
um eine specifische Verschiedenheit anzunehmen.
21. üpeneus prayensis Cuv. Va].
Cuv. Val. IIL p. 485; Günther Catalogue 1. p. 409.
Bei diesem Fisch habe ich nur eine Bemerkung
über das Gebiss hinzuzufügen. Es liegen zwei Stücke
von 7 und von 5V2 Zoll vor; beide stimmen mit der Cu-
vier-Valenciennes' sehen und mit der Günther'schen Be-
schreibung gut überein. Das kleinere Exemplar hat in
beiden Kiefern eine Reihe nicht sehr li'edrängtcr stumpf
konischer Zähne, oben wie unten etwa 30 an der Zahl.
Das grössere dagegen hat im Zwischenkiefer vor der
Zahnreihe noch sechs kräftigere Zähne, eine vordere Reihe
bildend. Die beiden mittleren sind breit und kurz, nie-
drige grade Kegel bildend, die beiden folgenden Paare
sind dünner und stark nach aussen gekrümmt. Diese
auffallende und eigenthümliche Zahnbildung ist wahr-
scheinlich eine Auszeichnung des männlichen Geschlech-
tes. D. 8—1. 8; A. 1. 6.
Das Cuvier-Valcnciennes'sche Exemplar stammte vom
Grünen Vorgebirge, das des Britischen Museums vom
Ein Beitrag zur ichlhyol. Fauna cl. Inseln d. Grünen Yorgeb. 217
Niger. Die Art scheint sich nicht weiter nach Süden zu
verbreiten.
22. Girella Stübeli n. sp.
Der vorliegende Fisch hat eine auffallende Ueber-
einstimmiing mit der Beschreibung, welche Günther
Catalogue I. p. 429 von seiner Girella zonata giebt. Er
hat sogar die hellere Querbinde, welche sich von der
Mitte der ersten Rückenflosse nach dem Bauche herab-
zieht. Günther giebt als Vaterland fraglich Australien
an. Wahrscheinlich hatte sein Specimen aus der Haslar
Collection gar keine Vaterlandsangabe, und er kam zu
der ausgesprochenen Vermuthung, weil die gattungsver-
wandten Arten australische und chinesische Meere bewoh-
nen. Ich würde danach keinen Anstand nehmen, unseren
Fisch für identisch mit der Günther'schen Art zu halten,
wenn er nicht doch in einigen Punkten abwiche, deren
Angabe ausreichen wird, seine specifische Berechtigung
geltend zu machen. Er hat 15.12 Strahlen in der Rücken-
flosse, 3.11 in der Afterflosse (Günth er zählte bei seiner
Art 14.14 in der Rückenflosse); die Bauchflossen erreichen
den After bei w^eitem nicht, ihre Spitze bleibt vom After
noch um die Hälfte ihrer Länge entfernt. Die Entfernung
der Augen von einander ist nicht dreimal in der Kopf-
länge enthalten, w^ie bei Günther's Art, sondern nur
272iEal, wenn m.an den Zwischenkiefer mitmisst, bis zur
Spitze der Schnauze ohne den Zwischenkiefer gemessen,
ist der x\ugenabstand noch nicht ganz 27:$ mal in dieser
Länge enthalten; am vorderen Theile des Gaumenbeins
ist ein kleiner Haufen stumpfer Zälinchen angebracht.
Zur Vergleichung mit Girella zonata Gthr. füge ich
dieselben Maasse, welche Günther gemessen hat, in
Rheinischem Maasse hinzu. Günther hat wahrscheinlich
nach ''englischem Maasse gemessen; er wendet aber die
Theilung des Zolles in 12 Linien an, wie sich aus der
Angabe der Kopflänge ersehen lässt.
G. zonata. G. Stübeli.
Ganze Länge 8" 4'" 9" 5'"
Höhe des Körpers 2 10 3 2V2
218
Troschel;
G. zonata. G. Stübeli.
Länge des Kopfes . .
Entfernung der Augen
Durchmesser des Auges
Länge des sechsten Rückenstachels
Länge eines Schwanzlappens .
Länge des dritten Analstachels
Länge des fünften Analstrahles
Länge des elften Analstrahles .
Länge der Brustflosse
Länge der Bauchflosse
Länge einer Schuppe .
Höhe einer Schuppe .
1" IV
- 8
- 5
- 10
2 —
9
4
7
7
5
3V2
3
2
11"'
9
5V2
9V2
1
8V2
7
6V2
8
6
3V2
— 3
Wenn man die angegebenen Abweichungen in die
Günther'sche Beschreibung von G. zonata einträgt, dann
habe ich nur noch das Gebiss genauer zu beschreiben.
Im Zwischenkiefer, der wie der Unterkiefer von einer dik-
ken fleischigen Lippe umgeben ist, stehen zwei durch eine
Furche sehr deutlich getrennte Querbinden von Zähnen.
Die der äusseren Binde sind gross, beweglich, in drei
bis vier Reihen unregelmässig geordnet. Sie haben (Taf. V.
Fig. 3. 4. 5) einen langen Stiel, an dessen Ende sich eine
breitere Platte im rechten Winkel herabbiegt. Die mittleren
Zähne, sowie die äusseren Zähne sind dreispitzig, neben
der abgerundeten Spitze des Zahnes steht jederseits ein
kürzeres Nebenspitzchen; die übrigen Zähne der äusseren
Binde des Oberkiefers haben eine abgestutzte Endplatte
ohne Einkerbung. Der Stiel dieser Zähne ist 3V2 Mm.
lang, die Endplatte fast 1 Mm. Die Zähne der inneren
oder hinteren Binde sind unregelmässig in vielen Reihen
geordnet, sehr klein und wenig beweglich; am Yorder-
rande der Binde steht eine Reihe grösserer am Ende
verbreiteter Zähne, die am Ende in drei stumpfe Läpp-
chen getheilt sind. Von den äusseren Enden dieser hin-
teren Binde zieht sich eine Reihe stumpf conischer Zähn-
chen nach hinten. Ganz ebenso verhalten sich die Zähne
des Unterkiefers, nur sind hier fast alle beweglichen
Zähne der vorderen Binde dreilappig, was vielleicht auf
eine mindere Abnutzung der unteren Zähne schliessen
Ein Beitrag zur Ichthyol. Fauna d. Insehi d. Grünen Vorgeb. 219
lässt. Am Anfange jedes Gaumenbeins ist ein kleines
Häufchen stumpf conischer Zähnchen vorhanden. Vomer
und Zunge sind .zahnlos.
Cuvier setzte die Gattung Pimelepterus in die Fa-
milie der SquamipenneU; Günther zählte sie zu den Spa-
roiden. Die Gattung Girella hat manche nahe Beziehun-
gen zu Pimelepterus. Beide haben die Beschuppnng der
senkrechten Flossen, ihnen fehlen die grossen Schuppen
in den Achseln der Brust- und Bauchflossen, ihr ganzer
Habitus weicht von den Sparoiden ab. So erscheint es
ganz zweckmässig die Pimelepterus und Girella zu einer
besonderen kleinen Familie, wie Gill Proc. Philadelphia
1862. p.244 vorgeschlagen hat, zu vereinigen. Dadurch wer-
den die Squamipennen und Sparoiden gereinigt. Welche
von den von Günther in die Nähe von Girella gestell-
ten Gattungen Pachymetopon, Dipterodon, Proteracanthus,
Doydixodon, Tephraeops und Gymnocrotaphus mit in
diese Familie eintreten müssen, darüber enthalte ich mich
der Entscheidung, da mir keine Exemplare zur Unter-
suchung vorliegen. Die Schuppen von Pimelepterus und
Girella sind keine echten Sparoidschuppen. Ihre feinen
concentrischen Linien laufen zwar gegen den. oberen und
unteren Rand aus, aber unter sehr spitzem Winkel. Gi-
rella hat sehr zahlreiche (26 — 28) , Pimelepterus wenige
(5 — 6) nach dem vorderen Rande auslaufende Fächer-
strahlen. Bei Girella bleiben alle concentrischen Linien
völlig getrennt, bei Pimelepterus (pehmel) vereinigen sie
sich zu mehreren nach hinten, wodurch ihre Zahl gegen
den gezähnelten Theil viel geringer wird.
23. Mugil nigro-strigatus Gthr.
Günther Catalogue IH. p. 457.
Scheint bei den Cap Verdischen Inseln häufig zu
sein, da in der Stübel'schen Sammlung 9 Stücke von 473
bis 6V3 Zoll Länge vorliegen. Durch dieses Vorkommen
gewinnt die Günther'sche Vermuthung, dass die Vater-
landsangabe des einen Exemplares im Britischen Museum
von Borneo irrthümlich sei, sehr an Wahrscheinlichkeit.
Eine Verbreitung von den Westindischen bis zu den Cap
220 Troschelr
Verdischen Inseln ist viel eher denkbar; wenn nicht etwa
durch eine Verwechselung der Cap Verdischen Insel St.
Vicente mit der westindischen St. Vincent, das zweite
Exemplar des britischen Museum ein wahrer Landsmann
unserer Fische sein sollte. In diesem Falle möchte leicht
die Species eine der Cap Verdischen Inseln eigenthüm-
liche sein. — Ich habe der Günther'schen Beschreibung
nur eine Bemerkung über die Zähne beizufügen. An der
Oberlippe steht eine Reihe deutlich sichtbarer Zähne
(Taf. V. Fig. 6 und 7) von 0,13 Mm. Länge, die wirkliche
Zähne sind, mit einer Höhle an der cylindrischen Basal-
hälfte und einem System feiner Porenkanäle in dem plat-
ten, fast löffeiförmigen Endtheil. Die Befestigung dieser
Zähne ist, wie wahrscheinlich bei allen Mugil eine recht
eigenthümliche, wovon ich jedoch nur bei Günther Ca-
talogue HI. p. 412 eine entfernte Andeutung finde. Er
sagt daselbst, „der vordere Rand des Zwisclienkiefers sei
mit einer Reihe borstenförmiger Knochenfranzen verse-
hen.'^ Es entspringen nämlich vom Zwischenkiefer sehr
zahlreiche elastische Fasern, platt, sich mehrfach ver-
ästelnd, und in zwei Schichten. Der Zwischenkiefer bil-
det nach vorn zwei ziemlich scharfe Ränder, einen oberen
und einen unteren, weit getrennt durch eine Vertiefung;
von jedem Rande entspringt eine Schicht dieser elasti-
schen Fasern. Sie durchsetzen die ganze Dicke der Ober-
lippe und tragen an ihrem Ende die Zähne, so jedoch,
dass immer die Aeste der benachbarten Fasern und auch
aus beiden Schichten zusammentreten um die Ansatzstelle
für einen Zahn zu bilden. Durch diese Vorrichtung sind
die Zähnchen sehr beweglich, und werden doch immer
■wieder in ihre Lage zurückgebracht. Vorn vom Unter-
kiefer entspringen zwei ganz ähnliche Schichten elasti-
scher Fasern, eine vom unteren, die andere vom oberen
Kieferrande. Sie bilden die Stütze der dünnen nach vorn
scharf vortretenden Unterlippe, tragen aber keine Zähne,
sondern ihre verästelten Enden treten am Lippenrande
hervor und geb^n ihm das fein ciliirte Ansehen. Am
Gaumen stehen keine Zähne ; zwei Stellen sind mit klei-
nen Papillen von ungefähr 0,08 Mm. Höhe besetzt, die
Ein Beitrag zur ichthyol. Fauna d. Inseln d. Grünen Vorgeb. 221
mit der Lupe betrachtet wie feine Zälmchen aussehen,
sie sind jedoch von weicher Beschaffenheit. Die Zunge
erhebt sich dacbförmig zu einer mittleren Leiste; auf
jeder Seite und vorn an der Spitze ist ein Zug kleiner
conischer, spitzer, nach innen und hinten gekrümmter
Zähncheu von 0,15 Mm. Höhe vorhanden (Taf. V. Fig. 8),
die mittlere Leiste ist zahnlos. Der den Rand umge-
bende Zug besteht aus einer Anzahl an der Oberfläche
der Haut gelegener. Knochenplättchen, auf denen die
Zähnchen in mehreren unregelmässigen Reihen stehen,
ein jeder auf einem Höckerchen befestigt, mit deutlicher
zur Hälfte der Höhle reichender Zahnhöhle und darüber
mit feinen Kanälchen.
24. Mugil hrasüiensis Gthr.
Günther Catalogue IIL p. 43L
Für die Unterscheidung der Species dieser schwie-
rigen Gattung haben wir Günther sehr viel zu ver-
danken, und doch lassen sich diese Fische nicht leicht
mit voller Sicherheit bestimmen, zumal wenn man nicht
über eine reiche Sammlung zur Vergleichung zu verfügen
hat. Ein Fisch der Stübel'schen Sammlung besitzt wohl
entwickelte Augenlieder, neun weiche Strahlen in der
Afterflosse, 36 Schuppen zwischen Kopf und Schwanz-
flosse, einen ganz verborgenen Oberkiefer und der Win-
kel des Unterkiefers ist ein rechter. Demnach muss man
ihn für Mugil brasiliensis nehmen, falls nicht Abweichun-
gen von der weiteren Beschreibung zur Aufstellung einer
neuen Art berechtigen sollten. Die Abweichungen sind
folgende: Die Höhe ist 5 mal in der ganzen Länge ent-
halten, die Entfernung der Augen von einander 2^4
(nicht 2V3) mal in der Kopflänge, das hintere Nasloch
liegt viel näher dem Auge als der Schnauzenspitze (nicht
auf der Mitte); kleine Abweichungen, die ohne Ver-
gleichung von richtig bestimmten Exemplaren für speci-
fische Sonderung nicht ausreichend scheinen. Dabei setze
ich voraus , dass der Präorbitalknochen übereinstimmt,
von dem Günther sagt: „the praeorbital tapers poste-
rior ly, has the anterior margin tinely serrated ct.*^ Bei
222 Troschel: ,
unserem Cap Verdischen Exemplare läuft derselbe nach
unten in eine Spitze aus, ist also von dreieckiger Gestalt,
und ist am Vorderrande gezälinelt, mit nach unten ge-
richteten Zähnen, am Hinterrande findet sich über der
Spitze nur ein einziges Zähnchen. Günther citirt zu
dieser Art Mugil curema Cuv. Val., dessen Beschreibung
in der Hist. nat. des poissons XI. p. 87 gut auf unseren
Fisch passt. Die Verhältnisse stimmen überein, ebenso
die Beschuppung von Rücken- nnd Afterflosse und die
schwarz gerandcte Afterflosse; nur die Angabe, das Sub-
orbitale sei abgestutzt und an der Spitze gezähnt deutet
auf einen anderen Fisch. — Nicht fern stehend von M.
brasiliensis scheint M. ashanteensis zu sein, denBleeker
in seinem Memoire sur les poissons de la cote de Guinee
pl. 19 abgebildet hat ; unser Exemplar ist jedoch nicht
mit ihm zu identificiren. Im Zwischenkiefer wie im Unter-
kiefer stehn sehr deutlich sichtbare Zähne in mehreren
Reihen. Wie bei der vorigen Art entspringen auch hier
verästelte elastische Fasern, die sich am Lippenrande zu
den Basen vereinigen , auf welchen die einzelnen Zähne
stehen. Diese elastischen Fasern sind von einer Haut
überzogen, die sich leicht ablösen lässt, und jedes Zähn-
chen tritt aus einem kleinen Loche in der Lippenhaut
hervor. Die einzelnen Zähne (Taf. V. Fig. 9) sind 0,5 Mm.
lang. Der ganze Gaumen ist mit zahlreichen Papillen
besetzt, die beim Anblick mit der Loupe leicht für Zähn-
chen genommen werden; sie sind aber alle ganz weich.
Ebenso ist die Zunge dicht mit weichen Papillen besetzt;
ich habe keine Zähne finden können.
25. Mugil iJulcJtellus n. sp.
Am auflallendsten macht sich diese Art dadurch
kenntlich, dass im Oberkiefer eine Reihe sehr deutlicher
Zähne sichtbar ist, was mich anfänglich verleitete, sie
der Günther'schen Gattung Myxus zuzuzählen. Ich finde
jedoch, dass die Bezahnung von anderen Mugil nicht
wesentlich abweicht; es ist mir überhaupt zweifelhaft, ob
sich die Gattung Myxus werde halten lassen. Unsere
Art hat keine Fettlage an den Augen, die Oberlippe
Ein Beitrag zur ichthyol. Fauna d. Inseln d. Grünen Vorgeb. 223
nicht auffallend verdickt, neun weiche Strahlen in der
Afterflosse und etwa 39 Scliuppcn in der Seitenlinie. Sie
gehört also nach der Günther'schcn Uebersicht unter IL
B. c, stimmt aber mit den darunter enthaltenen beiden
Arten weder nach dem Vaterlande noch sonst wie überein.
Die Höhe an den Bauchflossen ist G mal^ die Kopf-
länge 42/3 mal in der ganzen Länge enthalten. Der Längs-
durchmesser des Auges ist länger als die Entfernung
des Auges von der Schnauzenspitze, etwas kleiner als die
Entfernung der Augen von einander und 1^/3 mal in der
Entfernung des Auges vom Deckelrande enthalten. Das
Praeorbitale ist unten abgerundet, am Vorderrande, Un-
terrande und am unteren Theile des Hinterrandes scharf
und deutlich gezähnt. Die Länge der Brustflossen ist fast
gleich der Körperhöhe. Die Lisertion der Bauchflossen
ist näher der Brustflosse als der Rückenflosse. Sowohl
die Oberlippe, wie die Unterlippe sind durch die eigen-
thümlichen elastischen Fasern gestützt. An der Oberlippe
steht am äusseren Rande eine Reihe sehr deutlicher Zähne,
(Taf. V. Fig. 10), über 20 an jeder Seite, jeder 0,24 Mm.
lang ; nahe dahinter folgt eine zweite Reihe viel kleinerer
von 0,09 Mm. Länge, die mit denen der ersten Reihe al-
terniren. Am Unterkiefer habe ich kaum Spuren von
Zähnchen bemerken können, dagegen treten die Enden
der Zweige der elastischen Fasern hervor, und lassen den
scharfen Rand gewimpert erscheinen. Der vordere Rand des
Vomer ist querüber mit einem in der Mitte wenig unter-
brochenen Zuge von kleinen Zähnchen besetzt. Sie sind
fest am Knochen befestigt, conisch, spitz, etwas nach hinten
gekrümmt und bis 0,12 Mm, lang. Auf der Zunge liegen
in drei Reihen, einer mittleren und einer am Rande jeder-
seits, kleine Knochenplättchen, länger als breit, die auf
ihrer Oberfläche mit ganz ähnlichen Zähnen (Taf. V. Fig. 11)
wie der Vomer besetzt sind , von verschiedener Grösse,
aber auch zum Theil eine Länge von 0,12 Mm. erreichend.
— Von der Farbe ist nach den vorliegenden fünf Exem-
plaren wenig zu melden. Sie sind in Spiritus conservirt,
fast ganz entschuppt, oben dunkelblau, unten weiss, an
den Seiten mit dunklen Längslinien, etwa sechs, die aus
224 Troschel:
Punkthaufen zusammengesetzt sind, deren jeder einer
Schuppe entspricht. Das kleinste ist 1 Zoll 10 Lin., das
längste 3 Zoll lang. D. 4—1. 8 ; xl. 3. 9 ; P. 14 ; V. 1. 5;
C. 14.
26. Atherina presbyter Cuv.
Da diese Art nach Lowe sich bis Madeira aus-
dehnt, darf es nicht Wunder nehmen, wenn sie auch
noch weiter südlich vorkommt. Die drei vorliegenden
Exemplare stimmen am besten noch mit A. presbyter
überein, Immerhin bedarf aber die Gattung Atherina noch
eingehender Untersuchungen zur sicheren Feststellung der
Arten. Die Strahlenzahlen sind an zwei Exemplaren D. 7
-1. 12; A. 1. 16, an dem dritten D. 6—1. 11; A. 1. 15.
27. Carmix ptmctatus Cuv. Val.
Cuv. Val. bist. nat. des poissons IX. p. 38.
Unser Fisch gehört in die Gruppe mit einer falschen
Flosse oben und unten. Es war zu vermuthen, dass sich
in ihm C. Jacobaeus Cuv. Val. würde erkennen lassen,
da diese grossen Ichthyologen als sein Vaterland die Cap
Verdischen Inseln bezeichnen. Dies ist jedoch unmöglich,
weil die Seitenlinie unseres Fisches schon unter dem er-
sten Viertel der zweiten Rückenflosse mit Schildern be-
waffnet wird, was nach Cuv i er bei C. Jacobaeus erst
unter dem Ende der zweiten Rückenflosse geschieht. Auch
giebt Cuvier die Zahl der Schilder auf 23 oder 24 an,
während unser Fisch deren 40 besitzt. — Der Besitz
von schwarzen Punkten auf dem unbewaffneten Theil der
Seitenlinie bringt ihn zur Vergleichung mit C. Sanctae
Helenae und C. punctatus. Das Vaterland lässt zwar eher
an die erstere der genannten Arten denken; aber sowohl
die Zahl der Schilder an der Seitenlinie, wie die Be-
schaffenheit derselben muss für die letztere die Entschei-
dung geben. Die Zahl der Flossenstrahlen stellt ihn mit-
ten zwischen beide. D. 8-1.33 -fl; A^2-1.28 + 1. Er
hat weniger Strahlen als C. Sanctae Helenae, mehr als
punctatus. Nicht unwahrscheinlich ist es mir, dass wir
es hier mit einer weitverbreiteten und variablen Art zu
Ein Beitrag znr ichthyol. Fauna d. Inseln d. Grünen Vorgeb. 225
thun haben, und dass C. Sanctae Helenae mit punctatus
vereinigt werden müsse, denen C. macarellus imd Jaco-
baens vereinigt eine verwandte Art bilden. Die Hanpt-
differenz zwischen den beiden so entstehenden Arten würde
die Ausdehnung der Bewaffnung der Seitenlinie sein, die
bei punctatus unter dem vorderen Viertel oder Drittel, bei
macarellus erst unter dem Hinterende der zweiten Rücken-
flosse beginnt. — Auffallend ist es mir, dass Günther
C Sanctae Helenae mit einer chinesischen Art C ma-
ruadsi Temm. Schi, vereinigt.
Die Zähne unseres Fisches sind im Zwischen- Kiefer
mehr mit dem Finger zu fühlen als zu sehen, um die
Cuvier'sche Ausdrucksweise zu gebrauchen, im Unterkiefer
sind die Zähne deutlich zu sehen , sie stehen in einer
Reihe und sind klein, spitz, konisch. Auf dem vorderen
Theile des Vomer steht eine mitten unterbrochene Quer-
binde kleiner spitzer Zähne, dahinter folgt bis weit hin-
ten in die Rachenhöhle eine Längsreihe etwas grösserer
stumpfer Zähne. Auch die Gaumenbeine sind mit einer
Reihe Zähnchen besetzt und die Zunge trägt eine Längs-
binde kleiner hecheiförmiger Zähnchen.
Von der Günther'schen Charakteristik weicht unser
Fisch einigermassen ab. Er hat Zähne auf der Zunge,
hat nur 40 Schilder an der Seitenlinie, der Unterkiefer
steht ein wenig weiter hervor als der Oberkiefer, der
Oberkiefer erreicht den vorderen Rand des Auges nicht,
der schwarze Fleck am Kiemendeckel ist sehr deutlich.
28. Vomer Browiiii Cuv. Val.
Cuv. Val. Hist. nat. des poiss(?ns IX. p. 189.
Argyreiosus setipennis Gthr. Catalogue II. p. 459.
An dem vorliegenden Exemplar von 14 V2 Zoll Länge
finde ich im Vergleiche zu der Cuvier'schen Beschreibung
folgendes zu bemerken. Die Höhe ist 2V4mal in der gan-
zen Länge, die Länge des Kopfes U/i'^ial in seiner Höhe
enthalten. Die Stacheln der ersten Rückenflosse sind auf
fünf rcducirt, von diesen ist der fünfte nur ein winziger
Höcker. Die zweite Rückenflosse hat einen Stachel und
23 weiche Strahlen. Die Afterflosse besteht aus einem
Archiv f. Naturg. XXXII. Jahrg. 1. Bd. 15
226 Troschel:
Stactel und 20 weichen Strahlen. Die beiden freien Sta-
cheln vor derselben, die in der Cuvi er' sehen Figur (pl. 256)
so deutlich abgebildet sind, fehlen gänzlich. Die Schup-
pen der Seitenlinie sind entschieden knochig und gekielt,
aber diese Kiele sind stumpf und treten nicht in eine hintere
Spitze hervor. — Günther vereinigt diese Gattung mit
Argyreiosus, trotzdem die verlängerten Flossenstrahlen der
letzteren Gattung ein ganz anderes Ansehen geben. Ob
die drei von Günther bezeichneten Varietäten den Rang
von Species verdienen, wie derselbe es für möglich hält,
dazu kann ich aus Mangel an Material zur Vergleichung
keinen Beitrag liefern. Unser Exemplar zu Var. B.
29. Lichia glaucos Cuv. Val.
Cuv. Val. Hist. nat. des poissons VIII. p. 358.
Lichia glauca Günther Catalogue IL p. 477.
Glaucus Rondeletii Bleeker Poissons de la cöte de
Guinee p. 75.
Drei Exemplare von öVs, 7V2 und 11 Vs Zoll. Bei
dem grössten ist das Auge verhältnissmässig kleiner als
bei den anderen, es ist 2Y2nial den Durchmesser vom
Deckelrande entfernt, bei den anderen nur 2mal. Der
Bauch ist bei dem grossen schön lachsfarbig, bei den
kleineren gelblich. Bei dem grossen sieht man vier rund-
liche schwarze Flecke über der Seitenlinie, die den klei-
neren fehlen. — Diese Art hat eine sehr weite Verbrei-
tung: sie findet sich im ganzen Mittelmeer, steigt an der
afrikanischen Küste hinab bis zum Vorgebirge der guten
Hoffnung und geht durch den Ocean bis nach Brasilien.
30. Trachinotus goreensis. Cuv. Val., Gthr.
Es liegt ein schönes Exemplar eines Trachinotus
von I3V2 Zoll Länge vor. Der nahe liegende Versuch,
ihn als eine der von Cuvier und Valenciennes be-
schriebenen Arten von der Westküste Afrika's und na-
mentlich von Gorea zu bestimmen, misslingt, weil er mit
keiner Beschreibung übereinstimmt, sondern von allen
irgend etwas Abweichendes hat. Wollte man strenge die
von Cuvier zur Unterscheidung gewählten Merkmale
Ein Beitrag zur ichthyol. Fauna d. Inseln d. Grünen Yorgeb. 227
aufrecht erhalten, dann müssten wir in unserem Fische
eine neue Species erkennen, und es lässt sich vorausset-
zen, dass noch eine ganze Reihe neuer Arten entstehen
würde , wenn noch mehr Exemplare aus den dortigen
Meeren vorlägen. Da jedoch die Arten von Cuvier
vorzüglich nach dem Verhältniss der Höhe zur Länge,
der mehr oder weniger deutlichen ßezahnung, der Höhe
der Spitzen von Rücken und Afterflosse u. dgl. unter-
schieden sind, — alles Punkte, die nach Alter und Ge-
schlecht abändern können, so glaube ich vielmehr, man
könne die vier Arten, T. teraia, goreensis, maxiilosus
und myrias, vereinigen, bis an reicherem Material die
spccifische Differenz gründlicher nachgewiesen sein wird.
— Günther zieht in seinem Catalogue II. p. 481 ct. T.
teraia zu T. ovatus (T. rhomboides Cuv. Val.) und giebt
dieser Art eine überaus weite Verbreitung durch alle
Meere, vereinigt maxiilosus mit goreensis und hält myrias
als eigene Art aufrecht. Auch zu Günther's Diagnosen
fügt sich unser Fisch nicht, daher sind sie mir auch nicht
ganz überzeugend für die Species. Die Höhe des Kör-
pers verhält sich zur Länge wie 1 : 2^4, danach gehört
er zu goreensis; die Länge des Kopfes ist in der ganzen
Länge öYsmal enthalten, danach gehört er zu glaucus ;
einer der Schwanzflossenlappen 3Y2 in der ganzen Länge,
danach gehört er zu ovatus; die vorderen Strahlen der
Rücken- und Afterflosse reichen bis über die Mitte der
Schwanzflosse, danach gehört er zu glaucus; der vordere
der fünf Seitenflecke bildet einen senkrechten Strich,
danach gehört er zu myrias ; die Strahlenzahl ist D. 6 —
1.21; A. 2 — 1 . 19; danach gehört er zu ovatus. Der
Oberkiefer reicht bis unter den Anfang des Auges. — -
Bleeker unterscheidet 1. c. T. goreensis und maxiilosus.
Auch mit seinen Beschreibungen stimmt unser Fisch nicht
vollständig.
31. Acanthur US Phlebotomus Cuv. Val.
Cuv. Val. Hist. nat. des poissons X. p. 176.
Günther vereingt Catalogue III. p. 330 diese Art
mit A. chirurgus C. V. ; ich kann aber nach Vergleichung
228 Troschel:
eines Exemplars von den Cap Verdischen Inseln diese
Vereinigung nicht unbedingt annehmen. Es hat D. 9 . 27;
A. 3.26; P. 16, also überall mehr Strahlen, als Cuvier
beiden in Rede stehenden Arten zuschreibt. Es scheint
jedoch, als ob die Zahl der Strahlen bei Acanthurus nicht
constant genug sei, um Artmerkmale daraus herzuleiten.
Am auffallendsten ist die abgestutzte Schwanzflosse, mit
kaum concavem Rande und kaum längerer oberer Spitze.
Nehmen wir die Bemerkung Cuvier's hinzu, wonach
gerade diese Art die einzige ist, welche auch auf der
Ostseite des atlantischen Oceans vorkommt, da er sie von
Gorea kennt, so ist nicht zu bezweifeln, dass unser Fisch
seinem A. phlebotomus entspricht. Er hat oben 14, unten
16 Zähne. Die Farbe ist braun ohne bestimmte Zeich-
nungen. Der Schwanzstachel liegt in einem gelben Felde.
Alle Flossen sind dunkel. Die Brustflossen sind am Rande
der kürzeren Strahlen gelblich, die Schv>^anzflosse hat
einen breiten schwarzen Rand. Ganze Länge 4^/4 Zoll.
— Die grössere Zahl der Flossenstrahlen würde für die
üebereinstimmung mit dem sehr verwandten A. matoi-
des C. V. aus dem Indischen Ocean sprechen, was mir
jedoch wegen des Vaterlandes nicht wahrscheinlich ist.
32. Blenmus saiiguinolentus Pall.
Blennius parvicornis Cuv. Val. Hist. nat. des poissons
XL p.257.
Günther Catalogue III. p. 218.
Das einzige Exemplar ist nur 3 Zoll lang. D.1L22;
A. 2. 22. Es ist grau mit weisslichen Flecken an den
Seiten, am Schwänze vier graue Längsbinden, die After-
flosse mit schwärzliclier Längsbinde nahe dem Rande,
aus der die weissen Spitzen der Strahlen hervorragen.
Es stimmt mit der Beschreibung Val e n cienn es' von
parvicornis ziemlich gut überein. Ob die Art wn'rklich
mit Bl. palmicornis C. V. identisch ist, davon muss ich
Günther die Verantwortlichkeit überlassen. Unseren
Fisch für Bl. goreensis C. V. zu bestimmen, den Gün-
ther nicht kennt, muss ich abstehen, da der Tentakel
über dem Auge kürzer ist als der Augendurchmesser, da
Ein Beitrag zur ichtliyol. Fauna d. Inseln <\. Grünen Voro-eb. 229
die Strahlcnzahl eine andere ist, und da die Afterflosse
von Bl. goreensis keine weisse Spitzen haben soll.
33. Cossyplius jagonensis.
Labriis jac^onensis Bowd. Cuv. Val. Hist. nat. des
poissons XIII. p. 100.
Cossyplins trcdecimspinosus Günther Catalogiie IV.
p. 107.
Zwei unserer Fische, einer von 14 Zoll, der andere
von 12 Zoll Länge, haben in den Verhältnissen und in
der Farbe mit der Giinther'schen Beschreibung seines
Cossyphus trcdecimspinosus solche ücbereinstiramung, dass
ich mich nicht entschliessen kann, sie als eigene Art abzu-
trennen, trotzdem sie in zwei von Günther für wesentlich
gehaltenen Punkten abw^eichen, nämlich dass sie nur 12
Stacheln der Rückenflosse haben, und dass ihr Präoper-
culum zwar sehr fein, aber doch vollkommen deutlich
gezähnt ist. Günther kannte nur ein Exemplar und
das mag vielleicht als individuelle Abweichung einen
überzähligen Stachel gehabt haben, und die feine Zähne-
lung des Vordcckels mag abgenutzt gewesen sein. Die
schwarze Qnerbinde, welche vom 9. 10. und 11. Dorsal-
stachel sich herabzieht, ist bei unseren beidem Exempla-
ren deutlich vorhanden; der weisse Fleck unter dem wei-
chen Thoile der Rückenflosse ist nicht sehr merklich.
Günther kennt das Vaterland seines Fisches nicht; er
stammt aus der Haslar CoUection, und da diese Samm-
lung viele Fische von der westafrikanischen Küste ent-
hält, so ist das Vaterland kein Hinderniss gQs^Qn die spe-
cifische Vereinigung mit unseren Fischen. Valencien-
nes kennt in dem 13. Bande der Hist. nat. des poissons
nur zwei Labroiden vom Grünen Vorgebirge: Labrus
scrofa, der ein ganz anderer Fisch ist, und L. jagonensis
Bowd. Ich vermuthe staik, dass Bowdich unseren Fisch
vor sich gehabt habe, obgleich die gegebene Beschreibung
zu unvollkommen ist, als dass jemals eine ganz sichere
Aufklärung zu erwarten steht. Da Va 1 e n ci enn e s ein-
mal den Bowdich'schen Namen aufgezählt hat, so Avird man
ihn niclit gern ganz vergessen wollen. Ich halte es für
230 Troschel:
zweckmässig ihn fortan als Synonym für die in Rede
stehende iVrt fortzuschleppen. Wenn ich mich in der
Identität unserer Exemplare mit der Günther'schen Art
nicht täusche, dann ist der Günther'sche Name bedauer-
lich, und wird das Wiedererkennen sehr erschweren, da
jeder, der diesen Fisch bestimmen will, sogleich über den
tredecimspinosus hinweggehen wird, wie ich es anfäng-
lich natürlich auch gethan habe. Ich habe es daher ge-
wagt, die obige Synonymie hinzustellen. Im Uebrigen
habe ich noch folgende Bemerkungen der Günther'schen
Beschreibung hinzuzufügen, theils um zu berichtigen, theils
um zu ergänzen.
Das vordere Nasloch ist überaus klein, zu einer
punktförmigen Oeffnung reducirt und daher leicht zu über-
sehen. Die Neigung zu ähnlicher Bildung haben mehrere
Labroiden. Der hintere Rand des Präoperculums ist
sehr zierlich und fein gezähnelt. Die Beschuppung reicht
oben bis an den Hinterrand der Augen, so dass Schnauze
Präorbitalknochen und Unterkiefer nackt sind. Die Schup-
pen des Körpers sind gross, 34 längs der Seitenlinie, die
der Brust und des Operculums kleiner, die der Wangen
viel kleiner. D. 12.10; A. 3.12; P. 17; V. 1.5; C. 14.
In der Rückenflosse sind die weichen Strahlen länger als
die Stacheln, der 6. und 7. die längsten. Der Stachel der
Bauchflossen ist fast doppelt so lang wie die Stacheln
der senkrechten Flossen, der erste Strahl der Bauchflossen
ist in eine lange Spitze verlängert, die die Afterflosse
erreicht. Die Schwanzflosse ist abgestutzt, oben und un-
ten in eine Spitze vorgezogen. Das grössere Exemplar
ist, so weit es sich nach der Conservation in Spiritus be-
urtheilen lässt, dunkler gefärbt als das kleinere. Die
Grundfarbe scheint roth gewesen zu sein. Bei beiden ist
aber die dunkle Binde vorhanden, welche sich vom 9. bis
12. Rückenflossen-Stachel schräg nach vorn herabzieht.
Sie ist am Rücken sehr deutlich, verblasst nach unten,
hat wenig scharfe vordere und hintere Begrenzung, lässt
sich aber bis zum Bauche verfolgen. Auch der Rand
der Rücken- und Afterflosse, der obere und untere Rand
Ein Beitrao- zur Ichthyol. Fauna d. Inseln d. Grünen Yorgeb. 231
der Schwanzflosse, und die Spitzen der Brust- und Bauch-
flossen sind schwarz gefärbt.
34. Giyphisodon saxatilis C. V.
Cuv. Yal. Hist. des poissons V. p. 446, Günther Ca-
talogue IV. p.35.
Cuvier giebt bereits an, 1. c. p. 450, dass es ihm
unmöglich war, Exemplare von den Cap Verdischen In-
seln von den Amerikanischen zu unterscheiden; daher
liegt es nahe, die drei vorliegenden Exemplare ebenso zu
bestimmen. Leider besitzt unsere Sammlung keine wei-
teren Exemplare dieser Art, und ich kann daher eine
wirkliche Vergleichung nicht anstellen, sondern nur nach
den vorhandenen Beschreibungen urtheilen. Die kleinen
Abweichungen in den Maassen und Zahlen mag ich ohne
Vergleichung nicht als specifische Differenzen ansehen.
D. 13.13, der vierte weiche Strahl der längste, die Sta-
cheln vom vierten bis zum letzten ziemlich gleich lang
und fast Vi der Körperhöhe; A. 2. 13, der fünfte und
sechste Strahl die längsten ; P. 19, Y^ der ganzen Fisch-
länge; V. 1.5, der erste Strahl in eine Spitze verlän-
gert, V5 der Fischlänge ; C. 15, der obere Lappen länger.
Die Körperhöhe ist 2mal in der Länge ohne die Schwanz-
flosse enthalten. Unsere Exemplare sind 6 bis 6V2 Zoll lang.
Ony cho g nathus nov. gen. (Pomacentroideorum).
Praeoperculum irregulariter denticulatum; os pro-
tractile; dentes intermaxillares et mandibulares plurise-
riati conici, serie externa maiores; maxilla acute carinata
supra uncitioretrorso u\siv\\Q,t?L] Spinae dorsales 12, anales
2; radii membranae branchiostegae sex; pseudobranchiae.
35. OnychognatJms cautusn. si^ec. (Taf. V. Fig. 12 — 14.)
Von dieser Art habe ich drei Exemplare von 4 Zoll
Länge vor mir. Die in einer Binde stehenden Zähne
lassen nur eine Vergleichung raitDascyllus oder Heliases
zu. Abweichungen von beiden veranlassen mich zur Be-
gründung einer neuen, sehr eigenthümlichen Gattung.
Die Höhe am Anfang der Rückenflosse ist 4raal, der
232 Troschel:
Kopf 5mal in der ganzen Länge mit Einschluss der
Schwanzflosse enthalten ; die Dicke ist gleich der halben
Kopflänge. Der Augendurchmesser ist gleich der Ent-
fernung der Augen von einander, grösser als die Schnauze
und etwas kleiner als die Entfernung des Auges vom
Deckelrande. Die kleine, schräge Mundspalte reicht nicht
bis zum Auge. Im Zwischenkiefer steht eine Binde ko-
nischer Zähne, deren äussere Reihe grösser ist ; ebenso
im Unterkiefer, wo sich an der Symphyse sechs Zähne
durch ihre Richtung nach vorn und ihre Dicke auszeich-
nen. Gaumen und Zunge sind zahnlos, aber mit Papil-
len besetzt, die bei oberflächlicher Beschauung leicht für
niedrige stumpfe Zähne genommen werden können. Der
Oberkiefer (Fig. 13 u. 14) liegt hinter dem Seitenaste des
Zwischenkiefers und reicht mit seinem Ende bis unter
den Vorderrand des Auges. Er verbirgt sich fast ganz
unter dem Präoculare, erhebt sich aber an seinem Vor-
derrande der ganzen Länge nach in eine scharfe Leiste,
die am oberen Ende einen kurzen, dicken Haken bildet,
dessen freies abgerundetes Ende nach hinten gerichtet
ist, und ein weiteres Eintreten unter das Präoculare ver-
hindert. Dieser Haken gleicht einem Nagel, dessen Kopf
sich nach hinten ausdehnt. Solche Vorrichtung ist mir bei
keinem anderen Fische bekannt; sie hat mir Veranlassung
zu dem Gattungsnamen sowohl w^ie für den Speciesnamen
gegeben. Der Mund ist weit vorstreckbar und bekommt
dadurch viele Aehnlichkeit mit den Gerres. Jederseits
ist nur ein Nasloch vorhanden, welches dem Auge etwas
näher liegt, als dem Schnauzenrande. Das Präorbitale
ist ein fast vierseitiger Knochen, ganzrandig, unten ab-
gerundet, mit grossen Schuppen bedeckt, doppelt so hoch
wie lang; seine Höhe ist zwei Drittel des Augendurch-
messers. Das Präoperculum ist ziemlich grob gezähnelt,
das Operculum ist ganzrandig, und läuft in eine dornar-
tige Spitze aus. Suboperculum und Interoperculum sind
ganzrandig. Der vierte Kiemenbogen ist mit dem Schlund-
knochen verwachsen, ohne eine Spalte zwischen sich zu
lassen. Die beiden unteren Schlundknochen sind zu einem
unpaaren Stücke verwachsen, ohne eine Naht bemerken
Ein Beitrag zur iclithyol. Fauna d. Inseln d. Grünen Vorgeb. 233
ZU lassen. Dasselbe ist dreieckig mit drei lang ausge-
zogenen Winkeln und ausgerundeten Seiten-, seine ganze
Oberfläche ist mit langen aber stumpfen Zähnchen hechei-
förmig besetzt. Die Nebenkieine ist vorhanden. D. 12. 11 ;
A. 2, 11; P. 19; V. 1.5; C. 15. Die Rückenflosse be-
ginnt ein klein wenig hinter der Bauchflosse ; ihre Sta-
cheln nehmen bis zum vierten an Länge zu, die übrigen
Stacheln sind ungefähr von gleicher Länge, länger als
ein Drittel der Körperhöhe ; die weichen Strahlen sind
länger als die Stacheln. Die Afterflosse steht dem Strah-
lentheil der Rückenflosse gegenüber; ihr erster Stachel
ist sehr kurz, ein Drittel des zweiten Stachels, der von
gleicher Länge mit den weichen Strahlen ist, kaum er-
reichend. Die Brustflosse ist ein wenig vor der ßauch-
flosse inserirt; beide reichen mit ihren Spitzen bis zum
After, der so weit von der Afterflosse entfernt ist wie
der zweite Stachel dieser Flosse hoch ist. Die Schwanz-
flosse ist gabiig ausgeschnitten mit spitzen Lappen, der
obere länger als der untere. — Der Körper ist von ziem-
lich grossen Ctenoid-Schuppen bedeckt, etwa 30 in einer
Längslinie; auch der ganze Kopf ist beschuppt bis zu
den Naslöchern. Die Farbe scheint grau gewesen zu sein,
die Achsel der Brustflossen ist schw^arz, der obere und
untere Rand der Schwanzflosse dunkler.
36. Belone hians Cuv. Val.
Cuv. Val. Hist. nat. des poissons XVIIL p. 432.
Von diesem prachtvollen Fische, der nach der An-
gabe von Valenciennes in Westindien lebt, und auch
an der Brasilianischen Küste vorkommen soll, enthält die
Stübel'sche Sammlung ein grosses Exemplar von 3 Fuss
Länge. Es stimmt in allen Punkten mit der Beschreibung
von Valenciennes überein. Nur in Betreif der Far-
ben habe ich hinzuzufügen, dass unter der Rückenflosse
und unterhalb der dunklen Färbung des Rückens, die
ziemlich scharf von der helleren Farbe der Seiten abge-
setzt ist, vier dunklere, graue Flecke in einer Längsreihe
liegen, die einen Durchmesser bis 15 Mm. haben. An der
unteren Hälfte des Fisches sieht man zahlreiche viel klei-
234 Troschel:
nere schwarze Punktflecke, die über der Afterflosse am
häufigsten und deutlichsten sind. Die Spitzen der beiden
Kiefer sind abgebrochen.
37. Belone trachura Cuv. Val.
Cuv. Val. Hist. nat. des poissons XVIII. p. 456.
Die Verfasser der berühmten Histoire naturelle des
poissons beschreiben unter obigem Namen einen Horn-
hecht von der Insel Ascension, von dem sie im Eingange
den niedrigen Schwanz und seine breiten Seitenkiele als
Hauptcharakter hervorheben. Eine Belone der Stüberschen
Sammlung hat einen so gebauten Schwanz, die Valencien-
nes'sche Beschreibung passt für die meisten Punkte recht
gut, bis auf die etwas abweichende Flossenstrahlenzahl,
zudem ist die Entfernung von der Insel Ascension nicht
geeignet eine Identität einer marinen Fisch-Species von
dort und den Cap Verdischen Inseln überraschend er-
scheinen zu lassen. Daher bestimme ich unseren Fisch
für diese Art. Da ich eine Vergleichung von Exempla-
ren nicht anstellen kann, und da die Valenciennes'sche
Beschreibung etwas allgemein gehalten ist, so lasse ich
hier eine kurze Beschreibung des vorliegenden Exempla-
res folgen.
Der Schnabel ist sehr lang, der Unterkiefer länger
als der Oberkiefer, welcher letztere an der Spitze ein
wenig verletzt ist , so dass das Verhältniss der Länge
beider Kiefer nicht genau angegeben werden kann. Der
Unterkiefer von der Spitze bis zum Augenrand ist 3mal
so lang wie die Entfernung des vorderen Augenrandes
vom Rande des Kiemendeckels, und stimmt mit der Va-
lenciennes'schen Maassangabe überein, dass der Unter-
kiefer 2^/3m3il so lang ist wie der Rest des Kopfes, wenn
man vom Mundwinkel, gerade am Rande des Subocular-
knochens an misst Auch die Länge des ganzen Kopfes
ist, wie bei den Valenciennes' sehen Exemplaren P/emal
in dem übrigen Körper enthalten. Der Längsdurchmes-
ser des Auges ist etwas grösser als der Querdurchmes-
ser, etwa gleich der Entfernung beider Augen, l^/iUial
in der Entfernung des Auges vom Deckelrande, 8mal in
Ein Beitrag zur ichthyol. Fauna d. Inseln d. Grünen Vorgeb. 235
der Entfernung des Auges von der Unterkieferspitze
enthalten. Der Kopf ist in der Angengegend wenig
höher als dessen Längsdurchmesser. Auf dem Ober-
schnabel verläuft eine longitudinale linienförmige mitt-
lere Furche, die sich gegaii die Basis hin zu einem läng-
lichen mit Schuppen bedeckten Felde erweitert. Jeder-
seits am Oberkiefer verläuft eine Reihe punktförmiger
Eindrücke, die von der Mitte an seltener werden und
w^eiter nach der Spitze zu ganz aufhören. Die Oberseite
des Kopfes ist an Stirn und über den Augen gestreift,
hinter den Augen liegen zahlreiche Punktgrübchen, die
eine Querbinde über den Kopf bilden. Der erste Subor-
bitalknochen, welcher bei den Belone besonders brauchbar
für speciiische Unterscheidung zu sein scheint, ist im
Ganzen von unregelmässig viereckiger Gestalt. Sein oberer
Rand läuft fast horizontal,' nach hinten ein wenig gesenkt ;
ein tiefer Einschnitt zur Bildung des Nasloches trennt den
hinteren Theil des Randes vom vorderen Theile, so dass sie
sich verhalten wie 1 : 3. Von dem Vorder rande des Nas-
loches zieht sich eine Knochenleiste nach unten herab. Der
vordere Rand fällt schräg nach hinten ab, bildet mit dem
oberen eine nicht sehr vorgezogene Spitze, bildet in seiner
Mitte eine Einbucht und geht in abgerundetem Bogen in
den fast horizontal liegenden Unterrand über. Der Hin-
terrand läuft am Auge hin und bildet hier eine Leiste
und hinten mit dem Unterrande einen spitzen Winkel. —
Der Anfang der Rückenflosse ist doppelt so weit vom
Deckelrande entfernt wie von der oberen Spitze der
Schwanzflosse. Sie enthält 14 Strahlen, von denen die
vorderen zu einem höheren Lappen vereinigt, die hinte-
ren wenig mit einander verbunden sind. Der dritte Strahl
ist der längste und um Vs höher als der Körper unter ihm.
Die Afterflosse liegt unter der Rückenflosse, ist aber län-
ger ; ihr erster Strahl liegt vor, ihr letzter Strahl hinter
der Rückenflosse. Sie enthält 18 Strahlen, die sich ähn-
lich verhalten wie die der Rückenflosse, nur ist ihr vor-
derer Lappen um Ys höher als der der Rückenflosse. Die
Entfernung der Insertion der Brustflosse von der Baueh-
flosse ist doppelt so gross, als von da bis zur Rücken-
236 Troschel:
flösse. Die Baiichflossen sind so lang wie die Körper-
höhe über ihnen ; die Brustflossen übertreffen die Bauch-
flossen um die Hälfte ihrer Länge. B. 11; D. 14; A. 18;
P. 11; V. 6; C. 15. — Längs dem ganzen Körper ver-
läuft jederseits ein stumpfer Kiel, so dass der Durchschnitt
des Körpers wegen der beiden unteren Seitenkanten fünf-
seitig erscheint. Am Schwänze wird dieser Kiel scharf
und vorstehend; so dass der Schwanz breiter ist als hoch.
— Die Farbe ist am Rücken dunkel, am Bauche hell,
zwischen beiden Farben scheint längs des seitlichen Kie-
les eine silberne Binde zu verlaufen ; an dem scharfen
Schwanzkiele ist die dunkle Farbe des Rückens gegen die
des Schwanzes scharf abgesetzt. — Unser Exemplar ist
I8V2 Zoll lang.
38. Hemiramphus Brownii Cuv. Val.
Hemiramphus vittatus Valenciennes in Webb et Ber-
thelot Hist. nat. des Canaries Poissons p. 70.
Hemiramphus Brownii Cuv. Val. Hist. nat. des pois-
sons XIX. p. 13.
Hemiramphus vittatus Bleeker Poissons de la cotc
de Guinee.
Nach Valenciennes kommt dieser Fisch bei den
Antillen, an der Brasilianischen Küste, am Grünen Vor-
gebirge und bei den Canarischen Inseln vor; Bleeker
erhielt ihn von Guinea. Er hat also eine sehr weite Ver-
breitung, wenn an allen genannten Fundorten wirklich
dieselbe Art lebt. Ich stehe um so weniger an, unser
Exemplar mit den Valenciennes'schen zu identificiren,
als von ihm selbst Goree als Fundort bezeichnet wird,
und bei der Vergleichung der Beschreibungen von V a-
lenciennes wie von Bleeker sich keine auffallende
Differenz ergab, die man allenfalls als specifisches Merk-
mal hätte benutzen können. B. 14; D. 13; A. 13; P. 11;
V. 6. Diese Zahlen lassen sich mit den Bleeker'schen
vereinigen, Valenciennes giebt bei Webb et Berthelot
D. 14; A. 10, in der Hist. des poissons D. 12; A. 13 an. In
der Kiemenhaut zähle ich deutlich 14 Strahlen, während
Ein Beitrag zur ichthyol. Fauna d. Inseln d. Grünen Vorgeb. 237
B lecker nur 12, Valenciennes gar nur 10 angiebt.
Unser Exemplar ist 12 Zoll lang, ausser dem grössten-
theils abgebrochenen Unterkiefer.
39. Micraena Helena L.
Kaup Catalogue of Apodal fish p. 55.
Zwei grosse Exemplare, von 2 Fuss 4 Zoll und 2
Fuss IV2 Zoll, deren Köpfe mehr oder weniger zerstört,
und dalier das Gebiss nicht mehr vollständig ist. Beide
sind mit zahlreichen weissen Flecken besäet, so dass
der dunkelbraune Grund fast netzartig erscheint. Die
Kiemenöffnungen sind von einem fast zollgrossen runden,
schwarzen Felde umgeben, unter dem Schwänze, vom
After beginnend ziehn sich jederseits zwei schmale schwarze
Binden bis gegen das Ende des Schwanzes.
40. Thyrsoidea maGulipin7iis Kaup.
Kaup Catalogue of Apodal fish p. 82.
Thyrsoidea maculipinnis A. Dum. Archives du Mu-
seum X.' p. 260. pl. 28. fig. 1.
Gymnothorax maculaepinnis Bleeker Poissons de la
cote de Guinee.
Nach Kaups Beschreibung w^ürde ich unseren Fisch
eher für Th. lineopinnis bestimmen, da ich keine Flecken
an der Rückenflosse bemerken kann, wohl aber die schräg
nach hinten aufsteigenden Linien, da die Röhren der
vorderen Naslöcher deutlich über die Schnauze hervor-
ragen u. s. w. Indessen spricht das geographische Vor-
kommen mehr für maculipinnis , und die Bemerkungen
Bleeker's, wonach der Kopf von lineopinnis nur den
11. Theil der Länge betragen soll, haben mich auch für
die Th. maculipinnis entschieden. Der vordere Theil des
Kopfes ist ziemlich zertrümmert, jedoch lassen die sich
Zähne deutlich wahrnehmen. Die ganze Länge ist 35 Zoll,
von der Schnauzenspitze bis zum After 17 Zoll, bis zur
Kiemenöfthung 51/2 Zoll, Höhe des Körpers 2^4 Zoll, Höhe
der Rückenflosse 1 Zoll, Höhe der Afterflosse 5 Linien.
In der Rückenflosse sind über 300, in der Afterflosse
über 200 Strahlen enthalten; eine genaue Zählung ist
238 Troschel:
mir nicht gelungen. Die Farbe ist einfarbig dunkel, die
Afterflosse ist schmal weiss gerandet.
41. Monaoanthus filamentosus Val.
Webb et Berthelot Hist. nat. des lies Canariea p. 95.
pl. 16. flg. 1.
Die Abweichungen unseres Exemplares, welches
8V4 Zoll lang ist, von der Valenciennes'schen Beschrei-
bung sind sehr geringe, und beziehen sich fast nur auf
die Zahl der Flossenstrahlen D. 1—29; A. 30; C. 12;
P. 13; V. 0. Also zwei Strahlen in der Rückenflosse,
einer in der Afterflosse weniger als Valenciennes
angiebt. Es ist unzweifelhaft ein Druckfehler, wenn 1. c.
steht D. 13. 1 anstatt 1. 31. Die charakteristische Ver-
längerung des zweiten Strahles der Rückenflosse hebt
über jeden Zweifel an der specifischen Identität hinweg.
Es fiel mir auf, dass der Fisch so besonders rauh anzu-
fühlen war. Dies wurde dadurch veranlasst, dass die
Oberfläche mit einer grossen Zahl kleiner Krystalle be-
säet war, die so fest an den Schuppen waren, dass sie
nicht bloss wie Sand anhafteten, sondern dass es mir
schien als ob sie an dieser Stätte krjstallisirt wären.
42. Uhinohatus cemioulus Geoffr.
Müller und Henle Plagiostomen p. 118.
Die bei MüUor und Henle angegebenen Verhält-
nisse stimmen mit unseren beiden Exemplaren so gut,
dass ich sie dafür nehme. Ich muss jedoch bekennen,
dass ich kein Material zur Vergleichung besitze, und
daher nicht völlige Sicherheit habe. Die Schnauze ist
weiss gefärbt, scharf abgesetzt gegen die braune Farbe
des Kopfes. Von brauner Farbe ist auch der Kiel, wel-
cher also die weisse Farbe des Vorderrandes theilt. In
diesem Punkte hat unser Fisch viel Aehnlichkeit mit R.
ligonifer Cantor Catalogue of Malayan fishes pl. 415. p. 14;
seine Verhältnisse sind jedoch andere.
Ein Beitrag zur Ichthyol. Fauna d. Inseln d. Grünen Vorgeb. 239
Erklärung der Abbildungen.
Taf. V.
Alle Figuren sind vergrössert.
ig. 1. Ein Backenzahn von Charax puntazzo Cuv. Yal.
» 2. Derselbe von der Seite gesehen.
» 3. Ein Zahn von Girella Stübeli aus dem Zwischenkiefer, nahe
der Mitte.
» 4. Das obere Ende desselben von vorn gesehen.
» 5. Derselbe Zahn von unten gesehen.
» 6. Zähne aus dem Zwischenkiefer von Mugil nigrostrigatus
Gthr., um ihre Anfügung an die elastiscben Fasern zu
zeigen.
5> 7. Ein solcher Zahn, noch stärker vergrössert.
» 8. Ein Zahn von der Zunge des Mugil nigrostrigatus.
> 9. Ein Zahn aus dem Zwischenkiefer von Mugil brasiliensis.
» 10. Zwei Zähne aus dem Zwischenkiefer von Mugil pulchellus.
» 11. Drei Zähne von der Zunge des Mugil pulchellus.
» 12. Der Kopf von Onychognathus cautus.
» 13. Der Oberkiefer der rechten Seite von demselben, a. der
Haken, welcher den Eintritt unter das Präoculare ver-
hindert.
» 14. Derselbe Oberkiefer von der Seite gesehen.
Georg Fabricins als Naturhistoriker.
Ein Beitrag zur Geschichte der Naturkunde in Sachsen
im sechszehnten Jahrhundert.
Von
Dr. med. Thierf eider sen.
in Meissen.
Wenn wir den Geist der wissenschaftlichen Forschung
in Europa im sechszehnten Jahrhundert mit dem des un-
mittelbar vorhergegangenen Jahrhunderts vergleichen^ so
tritt uns eine mächtige und tief eingreifende Veränderung
desselben entgegen. Während nämlich zu Anfange des
fünfzehnten Jahrhunderts noch alle Bestrebungen im Be-
reiche des Wissens auf das A 1 Ige mein e^ das heisst,
das aus der sinnlichen Beobachtung einzelner Gegenstände
durch verstandesgemässe Absonderung Ihrer gemeinschaft-
lichen Merkmale Gewonnene, gerichtet waren und der
Verstand in Bildung leerer und unfruchtbarer Begriffe
und spitzfindiger Unterscheidungen ohne Gehalt in allen
Zweigen der Wissenschaft sich vergeblich abmühte, war
zu Anfange des sechszehnten Jahrhunderts und weiterhin
der Blick vorzugsweise und unmittelbar dem Besondern,
Einzelnen, Thatsächlichen zugewendet. Alles in der Natur,
auch das Kleinste, erschien merkwürdig, das Sonderbare
und Seltene reizte die Aufmerksamkeit, und in der Re-
gung des ersten Bestrebens, die lange übersehene Natur
wieder mit dem menschlichen Geiste zu befreunden, bil-
dete sich jener naturwissenschaftliche Verkehr unter den
Gelehrten Europas, und ihm folgten späterhin jene gross-
artigen Naturforschergesellschaften dieses und des zu-
nächstfolgcnden Jahrhunderts In Italien, Deutschland, Eng-
Georg Fabricius als Naturhistoriker. 241
land und Frankreich, welche den Grund zu dem wirkli-
chen Wissen oder den Erfahrungswissenschaften der
neueren Zelt legten und die Vorrathskammern derselben
mit ihren heute noch scliätzbaren Sammlungen füllten,
hierdurch aber zugleich dem naturwissenschaftlichen Geiste
der Folgezeit den Weg bahnten, der sich so wesentlich
von dem trockenen scholastischen Ciiaraktcr der wissen-
schaftlichen Studien im fünfzehnten Jahrhundert unter-
scheidet. Wir müssen einer künftigen Geschichtsschrei-
bung der Naturwissenschaft überlassen, die vermittelnden
Bedingungen nachzuweisen, auf welchen diese auch für
unsere Zeit, die sich ja daraus entwickelt hat, so bedeu-
tungsvolle Geistesumänderung beruhte. Nur ein paar
allgemeine Andeutungen darüber mögen uns hier gestat-
tet sein !
Der Geist wissenschaftlicher Forschung im sechs-
zehnten Jahrhundert, der unläugbar die Neuzeit vom
Alterthum ^) scheidet, sprang nicht sogleich in voller
Rüstung, wie Pallas Athene aus dem Haupte des
Zeus, hervor ; er deutet wenigstens auf das fünfzehnte
Jahrhundert zurück. Aber er erstand nicht bloss bei
den Einzelnen aus den Veränderungen in. ihrem ge-
lehrten Treiben, sondern auch im Ganzen neben und mit
ihnen, oder vielmehr er trat ihnen entgegen als eine
1) Wir sagen absichtlicli vom Alterthum, nicht vom Mit-
telalter, mit welchem letzteren Worte man den Zeitraum von
476 — 1453 n. Chr. im chronologischen Sinne zu bezeichnen pflegt.
Denn in culturhistorischer Hinsicht ist das Mittelalter kein Zeitraum,
sondern ein Zustand des Ueberganges vopi'Alten zum Neuen in der
Entwickelungsgeschichte der Menschheit während eines mehr als
tausendjährigen Zeitraumes, in welchem die letztere von der höch-
sten Stufe geistiger Bildung, die sie durch das morgenländis che und
griechische Alterthum erreicht hatte, überging wie zu einem neuen
und höheren geistigen Leben überhaupt, so zu einer freieren wis-
senschaftlichen Forschung insbesondere im christlichen Europa. Wie
aber dieser Uebergang der alten in die neue Zeit bei seinem An-
fange durch das arabische Volk vermittelt wurde, so erfolgte sein
Abschluss im christlichen Abendlande durch die Reformation des
sechszehnten Jahrhunderts.
Archiv f. Naturg. XXXU. Jahrg. 1. Bd. 16
242 Thierfelder:
gleichzeitige Rückwirkung des Gesammtgeistes gegen das
allgemeine^ todte Begriffswesen , in welchem man seit
Jahrhunderten sich herumgetrieben und den Geist er-
müdet hatte — er erstand aus dem nothwendigen, immer
reger werdenden Gefühle der Sehnsucht nach dem Neuen^
Frischen, Lebendigen — nach der Natur selbst und ihrer
besseren Erkenntniss. Diese Sehnsucht vermochte die der
Gegenwart immerhin fernstehende Welt der Alten nicht
ganz mehr zu stillen, selbst nicht in ihrer humoristischen
Verjüngung; ihr konnte keine Wiederherstellung eines
bereits Dagewesenen, das sein Leben hinter sich und
seine Geltung verloren hatte, genügen. Aber eben so
wenig konnten auch die regeren Gemüther einer so lern-
begierigen Zeit^ wie die des sechszehnten Jahrhunderts,
welches schon die zeugende Kraft eines Weltalters, das
heisst jenes Zeitraumes, innerhalb dessen sich die be-
kannten, grossen und bedeutsamen Veränderungen auf
allen Gebieten des Culturlebens der europäischen Mensch-
heit entwickelt haben, als Keim in seinem Schoosse trug,
durch Etwas, das sein Leben über sich , in einer über-
sinnlichen, oft bloss erträumten Welt des Geistes hatte,
ausgefüllt und befriedigt werden. — Das sechszehnte
Jahrhundert stand nun einmal und vorzugsweise unter
der Forderung und Herrschaft des unmittelbar Wirkli-
chen, des sinnlich Wahrnehmbaren, der Beobachtungs-
thatsachen. Dieser auf das Wirkliche gerichtete Sinn,
dieser Geist der Forschung war es, der neben dem bloss
gelehrten auf Ueberlieferung beruhenden Naturstudium
ein dergleichen mehr selbständiges und selbstforschendes
zur Hauptbeschäftigung der Zeit machte, der die Gelehr-
ten aus den finstern klösterlichen Studiengemächern hin-
austrieb in die freie Natur, um in Berg und Thal, in
Wald und Flur, in Flüssen und in den Tiefen der Erde,
bald die heilsamen Kräuter, bald die nützlichen oder schäd-
lichen Thiere, bald das kostbare und edle Gestein zu
suchen und durch eigene Anschauung kennen zu lernen,
von denen man bisher nur imPlinius oder höchstens
in Dioskorides und Theophrastos die todte Be-
schreibung gelesen hatte, oder auch um das bereits be-
Georg Fabricius als Naturhistoriker. 243
kannte Naturwissen durch neue Entdeckungen^ namentlich
vaterländischer PÜanzcn, Thiere und Steine, zu berei-
chern, und dessen erste Regungen auf den einzelnen Ge-
bieten der Naturkunde, besonders der beschreibenden
Naturwissenschaft^ in Deutschland sich In den Arbeiten
der Naturforscher O. B r u n f e 1 s, C o n r. G e s n e r und
Georg Agricola zeigten.
Zu den Männern aber, welche, ohne Naturforscher
von Beruf zu sein, das Bedürfniss wirklicher Naturer-
kenntniss ebenfalls fühlten, und sich in Folge dessen an
den naturhistorischen Bestrebungen ihrer Zeit thatsächlich
bcthelligten, gehört auch der in der Ueberschrift dieses
Aufsatzes genannte G eorg Fabricius aus Chemnitz in
Sachsen ^j, einer der berühmtesten Humanisten seiner Zeit,
durch seine sinnvolle Richtung, welche er auf die leben-
dige Natur nahm. Wir glauben daher der Zustimmung
aller derer gewiss zu sein, welche mit uns sowohl die
Wurzeln unserer gegen\värtigen wissenschaftlichen Bil-
dung in der Vergangenheit zu suchen gewohnt sind, als
auch das gleiche vaterländische Interesse thellen, wenn
wir hier zum ersten Male eine kurze aus den Quellen
geschöpfte Darstellung dessen, was Georg Fabricius
in der Naturkunde gebildet hat, versuchen ^).
1) Geb. daselbst 1516, gest. zu Meissen 1571 als Rector der
Fürsteiischule (von 1546—1571).
2) Die älteren Biographen des Ge org Fabri c ins, wie D r es-
se r, Alb in US, Schreber und Müller, haben zwar zur Kenntniss
und Würdigung desselben als Menschen, Philologen und Rector der
meissener Fürstenschule Vieles beigetragen, die hier zu erörternde
Seite seiner wissenschaftlichen Thätigkeit aber ganz unberücksichtigt
gelassen. Nur seinem neuesten Biographen, dem um eben diese
Schule hochverdienten, durch Gelehrsamkeit, Humanität und persön-
liche Liebenswürdigkeit gleich ausgezeichneten verstorbenen Rector
derselben, Doctor K. W. Baumgarten-Crusius, gebührt auch
das Verdienst, in seiner Schrift: De Georgii Fabricii Chemnicensis
vita et scriptis. Misenae 1839. 8. S. 92—99 zuerst auf die naturhi-
storischen Leistungen dieses Mannes hingewiesen zu haben. Wir
freuen uns bei dieser Gelegenheit an Baumgarten-Crusius er-
innern zu dürfen — einen Mann, dem wir während seines Lebens
244 Thierfelder:
Nachdem wir bereits im Vorhergehenden — in der
allgemeinen Charakteristik des wissenschaftlichen Geistes
im sechszehnten Jahrhundert — zugleich auch den wis-
senschaftlichen Standpunkt und die Forschungsrichtung
des Georg F ab r i c i u s charakterisirt haben , kann un-
sere Aufgabe nur noch sein nachzuweisen , was der-
selbe im Gebiete der beschreibenden Naturwissenschaft
im Einzelnen geleistet hat. Aus seinen meissner Anna-
len ^), die er als Rector der meissner Fürstenschule schrieb,
geht hervor, dass er sich am meisten mit Pflanzen und
Thieren, am wenigsten mit Mineralien beschäftigt hat.
Aber er hat auch die seltenen und merkwürdigen Er-
scheinungen und Ereignisse am Himmel und auf der Erde,
wie Kometen, Nebensonnen und Nebenmonde, Meteore,
Erdbeben, Orkane, ungewöhnliche Witterungsverhältnisse
und deren Folgen: Ueberschwemmungen, grosse Trok-
kenheit, Misswachs oder übermässige Fruchtbarkeit, Men-
schen- und Thierseuchen , menschliche und thierische
Missbildungen u. s. w., zum Gegenstande seiner Beob-
achtung und Aufzeichnung gemacht. Mit üebergehung
der näheren Angabe der zuletzt genannten in das Gebiet
der Astronomie, Physik und Medicin gehörigen Thatsa-
chen, die nichts Neues darbieten, aber entgegen der ge-
wöhnlichen Auffassung damaliger Zeit, grösstentheils frei
sind von abergläubischer Deutung und Erklärung, be-
schränken wir uns auf die Betrachtung dessen, was uns
Fabricius als Naturhistoriker hinterlassen hat. Hier ^)
tritt uns zunächst sein Pflanzenverzeichniss entge-
gen, in welchem er die im Garten des Apothekers Dr.
med. Leu sehne r in Meissen im Jahre 1555 ^) gepfleg-
ten Arznei-, Gewürz-, Nahrungs- und Zierpflanzen be-
und Wirkens in Meissen vielfach näher zu stehen das Glück hatten
und stets die aufrichtigste Verehrung und dankbarste Liebe be-
wahren werden.
1) Rerum Misnicarum libriYII. Lipsiae (1569.) 4.
2) A. a. 0. S. 233—263 und S. 351—352.
3) A. a. 0. S. 211.
Georg Fabricius als Naturhistoriker. 245
schreibt. Es umfasst 267 verschiedene Arten derselben
und, wenn man deren Abarten mitzählt, weit über 300,
unter lateinischen und deutschen Namen in alphabetischer
Reihenfolcre, und ist insofern nicht ohne Werth als man
daraus einerseits den wesentlichen Inhalt eines vorzüglich
zur Zucht von Heilpflanzen bestimmten Privatgartens im
sechszehnten Jahrhundert kennen lernt, und andererseits
auf den Umfang und die Art der Kenntnisse, welche Fa-
bricius in der Pflanzenkunde besass, schliessen kann.
In dieser letzteren Beziehung giebt derselbe nicht bloss,
wie die früheren botanischen Schriftsteller, bei jeder
Pflanze an, was die Griechen und Römer und die Neue-
ren von ihren Eigenschaften und Wirkungen gesagt haben,
gewöhnlich unter Anführung der betreffenden Stellen,
besonders aus lateinischen Dichtern, sondern er bemerkt
auch — und dies eben spricht für seine Ueberzeugung
von der Unerlässlichkeit eigener Naturbeobachtung —
woher und von wem er manche Pflanze mitgetheilt er-
holten, und w^elche derselben er auf seinen Reisen im
südlichen Deutschland und in Italien selbst gesehen hat.
Nur von der Nothwendigkeit naturgemässer Beschreibung
der Pflanzen und der übrigen Natiirkörper, wie wir weiter
sehen werden, war er noch nicht überzeugt, und ebenso
wenig von deren wissenschaftlicher Anordnung. Indessen
bezeichnet er manche Pflanze durch einzelne kleine Züge
oft recht treffend, oder man begegnet bei ihm hie und
da einer glücklichen Andeutung von Zusammengehörig-
keit einiger Pflanzen. Der Humorist hatte sich in Fa-
bricius noch nicht zum Naturforscher durchgearbeitet;
es waren nur die ersten, aber dankenswerthen Versuche
der Art. Wenn wir ihn also auch nicht zu den Botani-
kern von Fach zählen können, so gehört er doch jeden-
falls zu den Förderern der Pflanzenkunde, und sein Pflan-
zenverzeichniss verdient um so mehr unsere Anerkennung
und Aufmerksamkeit, als es ein unverkennbares Zeichen
der iVchtung ist, welches Fabricius schon zu einer
Zeit, in welcher man in Deutschland eben erst angefan-
gen hatte , die Botanik wissenschaftlich zu betreiben,
diesem Zweige der Naturgeschichte zollte. Nächst diesem
246 Thierf eider:
Pflanzenverzeichnisse giebt uns Fabricius^) noch zwqI
andere Verzeichnisse: Eines der Fische, welche in der
Elbe lebten und gefangen wurden^ um als Speise zu
dienen, das Andere der Vögel des Elbthales, sie mochten
auf dem Flusse selbst oder an dessen Ufer sich aufhal-
ten. Wie er dort der Unterstützung gedenkt, die ihm
zwei meissner Fischer, Sigismund und Georg Kern,
Vater und Sohn, geleistet haben, so sagt er hier, dass
er die Kenntniss der Vögel, welche er verzeichne, seinem
gelehrten Zeitgenossen, dem meissner Arzte, Dr. med.
Johann K e n t m a n n ^) zu verdanken habe. Das V e r-
zeichnlss der Fische zählt im Ganzen 40 verschie-
dene Arten und zerfällt in drei Abtheilungen, von denen
die ersten beiden die Fremdlinge und Gäste namhaft
machen, welche aus dem Meer oder aus andern Flüssen
und Bächen zu Zeiten in die Elbe gelangen, aber daselbst
nicht lange dauern können ohne zu erkranken und zu
sto-rben ; die dritte Abtheilung verzeichnet die einheimi-
schen Fische und Schalthiere. Das V e r z e i c h n i s s der
Vögcl^) enthält 55 Arten und Abarten, nach der ßuch-
stabenfolge geordnet. Wir haben nicht ermitteln können,
ob die deutschen und lateinischen Namen, unter denen
die Fische aufgeführt werden, von Fabricius selbst
herrühren, oder ob die deutschen Namen dieselben sind,
welche in der Volkssprache jener Zeit gebräuchliche
waren und denen er nur die lateinische Benennung hin-
zugefügt hat. Bei den Vögeln ist es gewiss, dass er
sie mit den beigesetzten deutschen und lateinischen Namen
zuerst bezeichnet hat. In Betreff der Mineralogie
endlich begnügt sich Fa br i ci u s ^) mit der ziemlich aus-
führlichen Beschreibung der Kalktuffbrüche bei Robschütz
im Trübischthale (zwei Stunden von Meissen entfernt),
1) A. a. 0. S. 220—222.
2) Geb. zu Dresden 1518, gest. zu Torgau 1574. Er schrieb
sich lateinisch Kentmanus, nicht Chentmanus, wie in Folge
von Druckversehen bei Fabricius zu lesen ist. Vgl. Beckmann,
Gesch. d. Erfif. V, 146.
B) A. a. 0. S 223—225.
4) A. a. 0. S. 227.
Georg Fabricius als Naturhistoriker. 247
hl der er besonders die im Kalktuff vorkommenden Vcr-
stcineriiniren von Pflanzen und Thieren und deren Ab-
drücke hervorhebt, und als Z^veck dieser Beschreibung
die Erläuterung dessen, was Georg Agricola aus
Glauchau ') darüber nur angedeutet hatte, bezeichnet.
Nach dem so eben Gesagten wird es wohl keiner
Rechtfertigung bedürfen, wenn wir des F abri cius Ver-
zeichnisse der Pflanzen-, Pisch- und Vogclnamen, mit
Weglassung der niclit unmittelbar zur Sache gehörigen
Anmerkungen desselben, hier wieder abdrucken lassen,
und zwar um so weniger als das Werk dieses Mannes,
in welchem sie stehen, sehr selten geworden ist, und
kein Geschiohtschreiber der Botanik und Zoologie und
ihres Schriftenthums dieselben bisjetzt benutzt oder auch
nur gekannt hat. Wir würden aber imserer Arbeit jeden
Anspruch auf Verdienstlichkeit zu i-auben uns einbilden,
wenn wir nicht eine kurze Erläuterung der in jenen Ver-
zeichnissen mitgetheilten Pflanzen-, Fisch- und Vogelna-
men wenigstens versuchten. Denn die naturhistorischc
Kunstsprache, deren Mangel die älteren Benennungen
und Boschreibungen der Pflanzen und Thiere so schwan-
kend und räthselhaft macht, stand in Folge gänzlicher
Vernachlässigung der allgemeinen Pflanzen- und Thier-
kunde zur Zeit, als Fabricius seine Verzeichnisse schrieb,
noch ganz in der Kindheit, bis Joachim J u n g i u s im
siebenzehnten und Karl von Linne im achtzehnten
Jahi'hundcrt ihr eine w^isscnschaftliche Ausbildung gaben.
Insofern also der hier mitgetheilte Versuch einer Deutung
und Bestimmung der in den Verzeichnissen des Fabri-
cius enthaltenen Pflanzen-, p'isch- und Vogelnamen durch
Zurückführung dei'selben auf die neueren botanischen und
zoologischen Nomcnclaturen seinem Zwecke entspricht,
wird er weder für unzulässig noch für überflüssig ge-
halten werden können, und wir befürchten nur, bei der
Schwierigkeit dieses Vei'suches, ihm nicht allenthalben
denjenigen Grad von Vollkommenheit gegeben zu haben,
dessen er vielleicht fähig und zu Erleichterung des Ver-
1) In dessen Opus de fossilibus. Basileae 1558 f.
248 Thierfelder:
ständnlsses seines Gegenstandes auch wohl bedürftig ist.
Aus diesem Grunde haben wir nicht verfehlt, unseren
Versuch dem um das Studium der Naturgeschichte viel-
fach verdienten Herrn Prof. Röper in Rostock zur Prü-
fung und Vervollständigung vorzulegen, und nichts ist
uns erfreulicher, als die uns von ihm zu Theil geworde-
nen Belehrungen und die Erlaubniss, sie jenem Versuche
hinzuzufügen, wo wir sie durch R. bezeichnet haben *),
L Das Pflanzenverzeichniss des Georg Fabricius.
(A. bedeutet Arzneipflanze, G. Gewürzpflanze, N. Nahrungspflanze^
Z. Zierpflanze. Ein f bedeutet , dass die Pflanze unbestimmt ge-
lassen werden musste.)
Absinthium ponticum, römischer Wermuth. — Artemisia pon-
tica L. A.
Abrotonus , Stabwurzel. — Artemisia Abrotanum L. Eber-
raute. A. Z.
Abutilon Avicennae, welsche gelbe Pappel. — Sida Abutilon. R.
Acanthus verus, welsche Bärenklau, — Acanthus spinosus L. Z.
Achillea — wahrscheinlich Ach. magna L. Achilleskraut, nicht
die gemeine Schafgarbe Ach. Millefolium L. Z.
Aconitum — vielleicht unser Ac Napellus.
Ageratum verum, kleine welsche Frauenmünze. — Achillea Age-
ratum L. A.
Agnus s. Yitex, Pfeff'crbaum. — V. A. castus L. A.
Alcea veneta, venedische Pappel. — Ale. rosea. L. Z.
Allium creticum. — All. Ampeloprasum? R.
Allium montanum. — All. victorialis R.
Alsine, Mausöhrlein — vielleicht Lithospermum purpureo-cae-
ruleum L. Myosotis palustr. R.
Amarantus cristatus, grosses Liebröschen. — Celocasia cri-
stata R. Z.
Amni verum. — Psychotis coptica Dec. Herrenkümmel. Der
Saame bekannt unter dem Namen Semen amneos veri als Arznei.
*) Die blossen Namen der Verzeichnisse reichen freilich nicht
aus, um darauf sichere Bestimmungen zu gründen. Indessen lässt
sich doch voraussetzen, dass der Verfasser die Gegenstände gut ge-
kannt und die gangbaren Volksnamen angewendet habe. Dadurch
sind diese alten Verzeichnisse immerhin nicht unwichtig. Bei den
Fischen habe ich mir erlaubt einige Bemerkungen in Parenthese
mit Beisetzung meines Namens hinzuzufügen. Troschel.
Georg Fabricius als Naturhistoriker. 249
Amomum, welsche Petersilie. — Sison Amomum R.
Amygdalus, Mandelbaum. — Amygdalus communis L. A. Z.
Anagyris — Anagyris foetida L. Stinkblume. Z.
Anemone, rothe Chamille. — Anemone coronaria? R.
Anethum — Aneth. graveolens L. Dill. A. G.
Angt'lica hortensis, welsche wohlriechende Chamille. — Ange-
lica Archangelica L. A.
Anthemis. - Anthemis nobilis L. A.
Antirrhinon, welscher Orant. — Antirrhinura majus R.
Apium hortense, Eppich. — Apium graveolens L. Garten-
eppich oder Sellerie. G. N.
Aquilegia, Ackelei, Theriakskraut. — Aquilegia vulgaris L. Z.
, Aristolochia, Osterluci; Ar. rotunda, vera; Ar. longa, vulgaris
— wahrscheinlich imsere Ar. clematitis L.
Arizarum. — Arisarum europaeum L. A.
Arona — verstümmelt, wahrscheinlich Aronia.
Arrhegonon. f
Artemisia minor, Beifuss. — Artemisia vulgaris L. A. G.
Asarum, Haselwurzel. — As. europaeum L. (Bis auf die Ein-
führung der Ipecacuanha das beliebteste Brechmittel.)
Asparagus maior italicus. Spargelkraut. — Asp. officinalis L.
Asphodelus silvestris. — Asph. ramosus? Lilium Martagon? R.
Atriplex. — Atr. hortensis L. Gartenmelde. N.
Atriplex hispana vulgo Spinachia. — Spinachia L. Spinat. N.
Baccaris Matthioli. — Bacchiris Dioscoridis?
Balsamine utraque. — Vielleicht ist die eine Impatiens Balsa-
mina. R.
Barbula hirci. — Lycium barbarum? R.
Belvider. — Chenopodium Scoparia? R.
Berberis frutex, Sauerdorn. — Berb. vulgaris L. A. Z.
Beta, Mangold. — Cicla u. Beta vulgaris L. Bet. rubicunda,
nigra. — Vielleicht unsere rothe Rübe. N.
Botrys, Träubleinkraut. — Chenopodium Botrys L. A. Z.
Brassica, Kohl, f Br. Appiana, Crispa, marina.
Brassica capitata, Hauptkohl. — Br. oleracea capitata ballata L.
unser Wirsing. N.
Bryonia baccis rubeis, Gichtrübe. — Br. dioica L. A.
Buglossum verum, Welschbuglossen. — Anchusa officinalis L. A.
Calamintha, Kornmünze. — Thymus Calamintha Pers. A.
Caltha duorum gener., Ringelblumen — unsere Calendula
officinalis L. A. Z., wohl auch Calend. pluvialis. R.
Carduus. — Cynara Scolymus L. Artischocke. N.
Carex. — Car. acuta L. Riedgras. A.
Centaureum malus. Rha ponticum. — Rheum rhaponticum. R. A.
Cepa, Zwiebel. — AUium Cepa L. A. G. N.
•250 Thierfelder:
Chamaecissos. — Glechoma hederacea L. Gundelrebe. A.
Chamaedaphne, Kellerhals. — Daphne Mezereum. R.
Chamaedrys vera. — Teucrium Chamaedrys L. A.
Chamaeijytis, Jelängerjelieber. — Ajuga Chamaepytis L. Z.
Chelidonia, Schölkraut. — Chelidonium malus L. A.
Ciclioreum italicum, Wegeleucht, Hindläuft. - Cichor. Intybus
L. A. N.
Cistus mas et foemina. — Cistus creticus. R.
Clymenon. — Etwa Lonicera periclymenum ? R.
Colocasia. — Arum Colocasia? R.
Colutea arbor, welscher Sennetbaum. — Col. arborescens L.,
baumartiger Blasenstrauch, dessen Blätter statt der Sennesblätter
benutzt wurden. A.
Coris. — Hypericum Coris L. Z.
Cornus arbor baccifera. — Corn. mascula L. Kornelkirscbe,
Durbitzenbaum. Z. N.
Coronopus. - Lycopodium clavatum? oder Cochlearia coro-
nopus ? R.
Corruda. — Asparagus silvestris oder Asp. acutifolius L. Z.
Crocus Martins 1. silvestris. — Croc. vernis L. Frühlingssafran
der Alpen. Z.
Crocus hortensis. — Croc. sativus L. A.
Cucumis silvestris. — Momordica Elaterium. R.
Cucumis sativus, — Cucum. sat. L. Unsere Gurke. A. N.
Cucurbita rotunda, longa, Kürbis. — Cucurbita Pepo L. N.
Cyanens italicus, welsche Kornblume. — Centaurea cyanus L. Z.
Cyclaminus. — Cylcamen europaeum L. Erdapfel, Schweinbrod.
Erdwicke. A. Z.
Cyperus, Galganwurzel. — Cyp. rotundus, longus ? R.
Cuminum, Kümmel. — Cuminum Cyminum L., römischer Küm-
mel; vielleicht auch nur Carum Carvi. R. A, G.
Cytisus. — Vielleicht unser jMedicago arborea L. Nicht Cytisus
Laburnum? R.
Daucus creticus verus. — Athamanta cretensis L. Kretischer
Möhrenkümmel. Z.
Delphinium trium generura, welscher Rittersporn. — Delph.
Aiacis L., unser allbekannter Gartenrittersporn. Z.
Dictamnus albus, weisser Diptam. — Dictamn. FraxinellaPers-
Wird ausdrücklich vom kretischen Diptam, Origanum Dictamnus L.
unterschieden. A. Z.
Dipsacus silvestris, Tuchmacherkarke. — Dips. fullonuniL. Z.
Dorychnion 1. Halicacabus peregrinus. — Physalis AikekengiL.
Judenkirsche. A. Z.
Doronicum, Gemsenwurzel. — Dor. Pardalianches ? R.
Dracunculus verus. — Arum dracunculus L. A. Z.
Georg Fabricius als Natiirhistoiiker. 251
Dulcis radix francica, Lakriz. — Glycyrrhiza glabra L.
Draba, welsche Salatkraut. - Cüchlearia officinalis L. achtes
LöÖelki-aut. A. N-
Ebenus 1. sanctum lignum. — Anthyllis cretica Larnak. Ebe-
nos cretica L. ? R.
Elichryson odoratum italicum. — Helichrysum Stoechas? R.
Eruca et Erucula, weisser Senf — Brassica Eruca L., unser
Sinapis alba. A. G.
Ervum, Erbeis. — Ervum Lens L. Linse. N.
Erysimon, Hedrich. — Erysinium ofticinale L. Wegsenf. A,
Euphorbium. — Euphorbia officinarum ? R.
Fabae, Bohnen. -- Vicia Faba L. N,
Ferula, frutex italicus. — Fer. communis L., gemeines Stecken-
kraut, Ruthenkraut. Z.
Ficus. — Fic. carica L., gemeiner Feigenbaum. A. N. Z.
Filix, Farren. — Aspidium Filix mas L., männliches Farren-
kraut. A. Z.
Galbanum. — Ferula Galbanum? wohl eher Bubon macedo-
nicum. R.
Genista frutex. — Spartium junceum. R.
Gentiana, Enzian. — Gentiana lutea L. A. Z.
Gladiolus indicus. — Glad. communis? R.
Glaux 1. Glaucium. — Glauc. luteum. R
Hedera, E})pich. — Hed. Helix L. Epheu. Z.
Hedisaron. — Hedysarum obscurum L. Z.
Helenicum s. Enula. Alant. - Unsere Inula Helenium L. A.
Heliochryson. — Heliochrysum arenarium? oder vielleicht H.
Orientale. R.
Heliotropium malus et minus, Sonnenwirbel. — Hei. europaeum
L. und H. peruvianum (malus) R. A. Z.
Helleborum album. — Veratrum album L., weisse Nieswur-
zel. A. Z.
Helleborum nigrum verum. — Helleborum niger L., schwarze
Nieswurzel. A.
Hellebori species, Consiligo, Läuskraüt. — Üelphinium Sta-
phypsagria? R.
Helleborine. — Serapias Helleborine L. Knabenkraut, Cym-
belblume. Z.
Helxine s. Parietaria, Winden. — Polygonum Convolvulus L. Z.
(Unsere Parietaria ist P. officinalis L. Mauerkraut, Glaskraut.)
Hemerocallis, Rainlilien. — Hem. flava L. Z.
Horminium malus, minus, Scharlach. — Salvia Horminium L. Z.
Hyacinthus orientalis. H. or. L. Z.
Hyacinthus vulgaris. — H. non scriptus ? R.
Hyssopus flore albo, Eisop. — Hyssup. offic. L. A. Z.
252 Thierfelder:
Holoconitis Hippocratis, Dulichini Italis. — Cyperus esculen-
tus L. Erdmandel. N. Z.
Hydropiper, Wasserpfeffer. — Polygonum Hydropiper L. A.-
Hyoscyamus, Bilsenkraut. — H. niger L. A.
Jasraenus frutex. — Unser Jasminum officinale L. oder auch
Philadelphus coronarius. R. Z.
Iberis. — Ib. urabellata L. A. Z.
Iris illyrica, Viole. — Ir. florentina L. A. Z.
Ir. verna, vulgaris. — Ist unsere Ir. germanica L., blaue Lilien. Z.
Isatis, Weid. — Is. sativa L. od. Is. tinctoria L. A. Z.
luncus, Binsen, f
Labrusca. — Bryonia alba L. Zaunrübe, Gichtrübe. A. Vgl.
auch Vitis hederacea. R.
Lactuca, Salat. — Lact, sativa L. N.
Ladanum frutex. — Cistus Ladanum? R.
Lapathum hortense malus, Sauerampfer. — Rumex acetosaL. A.
Laurus, Lorbeerbaum. — Laurus nobilis L. A. G. Z.
Lauras alexandrina frutex. — Ob Ruscus Hyi^oglossum L. A.
Lepidium maius, römische Kresse. — Wohl Lepidium latifo-
lium? R.
Leucoia varia, Muskatenblümchen. — Muscari moschatum? R.
Libanotis, Weihrauch, Rosmarin. — Vielleicht Libanotis mon-
tana. R.
Ligusticum. — Lig. levisticum., gemeiner Liebstöckel. Z.
Ligustrum, Rainweiden. — Lig. vulgare L. Haartriegel. A.
Lilium album. Lilien. — Lil. candidum L. A. Z.
Lilium rubens, luteum, canens. — Wahrscheinlich Lil. Mar-
tagon L. Türkenbund, oder Lil. bulbiferum L.. rothe Lilie, und Lil.
chalcedonicum L., gelbe Lilie. Z.
Lithospermum vulgare. — Lithosp. officinale L. Steinsamen,
Meerhirse. A.
Lonchitis, Spikantenkraut. — Blachnum boreale. R.
Lotos sativa, Siebengezeit. — Melilotus coerulea L. Siebenge-
ruch oder auch Lotus Tetragonolobus. R.
Lunaria, Meerviole. — Viola latifolia L. Mondviole; Lunaria
annua. R.
Lupinus hispanicus. — Lup. albus L. Weisse Feigbohne. A. Z.
Lupinus silvestris. — Lup. luteus L., eigentliche Feigbohne;
Viehfutter, w^omit aber auch arme Leute sich behelfen.
Lupulus, Hopfen. — Plumulus Lupulus L. A. Z.
Lychnis coronaria , flos Jovis silvestris , Marienröschen. —
Lychnis dioica L. flore rubro. — Lychnis diurna Sibthorp. R. Z.
Lysimachium, Wederich. — Lythrum salicaria L. A.
Malache. — Ist unsere Malva rotundifolia L. Käsepappel, Gän-
sepappel. A.
Georg Fabricius als Naturhistoriker. 253
Malva, Pappeln. — Ein vieldeutiger Name, der fast alle Mal-
vaceen umfasst, mit grösster Wahrscheinlichkeit Alcea rosacea L,
Pappelrosen. A. Z.
Malva crispa 1. syriaca. — Malva crispa L. G.
Malum Armeniacum, ungarische Amarelen. — Prunus Arme-
niaca L., unsere Aprikose. N. Z.
Malum punicum. — Punica granatum L. Granatapfel. A. Z.
Mandragora, Alraun. — Wahrscheinlich Atropa Mandragora L.
und zwar Mandragora autumnalis Bertol. A. (Es zeigt von kriti-
schem Sinne, dass die Fabel von der menschenähnlichen Gestalt der
Wurzel der Alraun gar nicht erwähnt und dadurch dem Glauben
daran kein Vorschub geleistet wird.)
Marisca, wilde Feige. — Ficus caprificus L. A.
Marrubium. — Unser Marr. vulgare L., weisser Adorn. A.
Melantium. — Eichtiger Melanthium {^^lav^iov), Nigella sa-
tiva L. A. Z.
Melilotus Appula, vera, rechter Steinklee. — Ist unsere Mel.
officinalis Lamb. oder Trifolium Melilotus L., gelber Steinklee. A.
Melissa turcica. — Dracocephalum Moldavica L. A. Z.
Menta, Krausemünze. — Mentha crispa L., römische Krause-
münze, Gartenmünze. A. G.
Mentastrum. — Mentha silvestris L., wilde Münze. A.
Millefolium, Garbe. — Unser Achillea Millefolium L., Schaf-
garbe. A. Z.
Milium Aethiopicum, Meerhirse. —Sorghum saccharatum? R.
Morion Theophrasti , Tollwurzel. — Atropa Belladonna L.,
Tollkirsche. A.
Myrrhis. — Scandix adorata L., wohlriechender Kerbel. A. G. Z.
Myrtus frutex Tarentina. — Unser Myrt. communis L. Myr-
tenbaum. A. Z.
Napellum. — Aconitum Napellus? R.
Narcissus Italicus albus. — - Narc. Tazetta L., die Tazette. Z.
Narc. luteus et purpureus, Zeitlosen. — Narc. pseudonar-
cissus et Narc. poeticus L. R.
Nasturtium, Kresse. — Sisymbrium Nasturtium L., gebräuch-
liche Brunnenkresse. A. G.
Nepeta. — Vielleicht Melissa Nepeta L., römischer Polei od.
Melissa offic. L. Citronenmelisse, A. Nepeta cataria? R.
Nymphea, Seeblume. — Nymph. alba L. A. Z.
Olea arbor, Oelbaum. — Ol. europaea L. A. G.
Olus atrum. — Smyrnium ol. atr. L., Thruswurzel. A.
Onobrychis Italica. — Hedysarum onobrychis. R.
Oj-iganum 1. Onitis. — Ist wahrscheinlich unser Orig. vul-
gare L. A. G.
254 Thierf eider:
Orig-anum italicum, welscher Tost. — Ist Orig. Onitis L. od.
sicilianischer Majoran. A.
Orchis Vera, Knabenkraut.— Orch. militaris L., unser Salep. A.N.
Ochros. — Pisum Ochros L. Ochererbse, italienische Erbse. N.
Osyris vera. — Os. alba R.
Oxalis rumicis genus, Sauerampher. — Rumex acetosella L.,
Sauerklee. A.
Paeonia, Pfingstrose. — Paeon. offic. L,. A. Z.
Panacea. — Laserpitium latifolium? od. Las. Siler? R.
Papaver trium generum, album, Mohn. — Pap. somniferum L.
A. N. Z. Pap. nigrura. — Ist Glaucium flavum Crantz, eder Cheliäo-
nium Glaucium L. A, Pap. corniculatum. — Glaucium luteum? R.
Vielleicht drei Spielarten des Pap. somniferum.
Pastinaca. — Past. sativa L. weisse Möhre od.Pastinatwurzel. N.
Pentaphyllum, Fünffingerkraut. — Potentilla reptans L. A.
Pepon. — Cucumis Melo L., unsere Melone. IST.
Petasites, Pestilenzkraut. — Tussilago petasites L., grossblät-
teriger Huflattig. A.
Phasganion. — Ob Gladiolus communis L. ? Vielleicht auch
Iris pseudacorus. R.
Phyllitis 1. Scolopendria. — Scolopendrium offic. L., gemeine
Hirschzunge. A.
Peucedanum. — Peuc. offic. L., gemeiner Haarstrang. A.
Piperitis, Siliquastrum, Frauenkraut. — Ist zweifelsohne Cap-
sicum annuum. Vielleicht auch Tanacetum Balsamita L., wegen des
deutschen Namen. R.
Pisa. — Pisum sativum L.. unsere Erbse. N.
Plantago minor et maior, Wegerich. — PL maior und PI.
conceol. R.
Polypodium, Engelsüss. — Pol. vulg. L. A.
Polygonum, Wegetritt. — Unser Polyg. aviculare L., Knö-
terich. A.
Porrum, Lauch. — Porr. concavum L. od. Allium porrum L.
Gemeiner Lauch. A. G.
Portentilla. Pot. torm entilla Libth. od. Torment. erecta L.
Tormentillfingerkraut. A.
Portulaca. — Unsere Port. oleraceaL., gemeiner Portulak. A. N.
Psyllion, Flöhkraut. — Plantago Psyllium L. A.
Pulegium, Poley. — Unsere Mentha Pulegium L. A.
Pyrethrum, Berthram. — Anthemis Pyrethrum L. A.
Quinquefolium generum duorum — Comarum palustre L. und
Potentilla reptans L.? R.
Ranunculus. — Verschiedene Ranunkelarten. Z.
Rhamnus. — Rhamn. catharticus L. Kreuzdorn. A.
Raphanis, Rettich. — Raphanus sativus L. A. G.
Georg Fabricius als Naturhistoriker. 255
Rapnm, Rübe. — Unsere Brassica Rapa L. N.
Rhodia. — Rhodiola roseaL. Rosenwurzel. A. Kann auch Me-
dicago arborea sein od. Convolvulus scoparius, der freilieb damals
noch nicht cultivirt war. R.
Ribes frutex, Johannisbeere. — Rib. rubrum L. A.
Ricinus. — Rio. communis L., Wunderbaum. A. Z.
Rosae. — Rosa centifolia L. A. Z.
Rosmaris. — Unser Rosmarinus oftic. L. Rossmarin. A, Z.
Ruscus frutex. — Rusc. aculeatus ? R.
Ruta, Raute. — R. graveolens L., Weinraute. A.
Sabucus. — Sambucus nigra L., Fliederhollunder. A.
Salvia minor odoratissima. - Salv. oflfc. L., Gartensalbei. A.Z.
Salvia silvestris. — Salv. pratensis L., Wiesensalbei. A.
Saliunca. — Unsere Valeriana celtica L. A. Z.
Samsucum, Meieran. — Origanum Majorana L., Sommermajo-
ran. A. G.
Sanguinaria. — Geranium sanguineum. R.
Sanguisorba, Herrgottsbärtle. — Poterium sanguisorba L,, Gar-
tenbecherblume, Pipernelle. A. Z.
Satyrion. — Orchis bifolia L., Knabenkraut. A.
Scabiosa, Apostemenkraut. — Scab. arvensis L. A.
Scilla, Meerzwiebel. — Scilla maritima L. A.
Scorpioides. — Vielleicht Ornithopus scorpioides L., vielleicht
ein Cynoglossum, R.
Sedum malus et minus, Hauswurzel. — Sempervivum tecto-
rum L., grosse Hausw. und Sed. acre L., kleine Hausw. A.
Serpillum, Kümmel. — Thymus Serpyllum L., Feldkümmel,
Feldthymian, Quendel. A.
Seseli creticum, Bärwurzel. — Tordylium offic. L. A.
Silphium. f
Sinapis, Senf. — Sinap. nigra L. A.
Siser, Gritzelmöhren. — Siuai Sisarum L., Zuckerwurzel. A.
Sisymbrium. — Ist Mentha aquatica L. A.
Solanum. — Sol. nigrum L., gemeiner- Nachtschatten. A. Z.
Solatrum, Nachtschatten. — Physallis Alkekengi? oder auch
Solanum Dulcamara V R.
Sparganium. — Sp. L., Igelsknospe. A.
Spartum hispanicum. — Lygeum spartum od. Stipa tenacis-
sima. R.
Spica. — Unsere Lavendula Spica Wild., Lavendelblume. A. Z.
Spina alba, Mariendistel. — Carduus marianus L. A.
Stach ys. — St. recta L., gemeines Beschreikraut. A.
Staphylodendron arbor, Pimpernüsschen. — Staphylea pin-
nata L. A.
256 Thierfelder:
Staechas arabica. — St. L., Schopflavendel A. oder Gnapha-
lium stoechas L. oder Gn. Orientale ? K.
Sycomorus. — Ob Morus alba und M. nigra L., unser Maul-
beerbaum ?
Simphytum, consolida maior, Waltwurzel. — Syraph. off. L. A.
Tages, afrikanisclie Näglein. — Tagetes patula L. A. Oder
Tag. erecta, die häufiger ist. R.
Teucrium verum. — T. v. L. , Katzenkraut, Katzengaman-
der. A. Z.
Thlaspi, Meerrettich. — Cochlearia Armoracia L. A, G.
Thymbra. — Satureja hortensis L. , Gartensaturey, Pfefifer-
kraut. A. G. Z.
Thymus, welscher Quendel. — Th. vulgaris L. A. G. Z.
Tithymallus myrsinites, Wolfsmilch. — Euphorbia ParaliasL. A.
Tragacanthus. — Astragalus Tragacanthus ? R.
TragiumDioscoridis. — Hypericum hircinum. R, Bockskraut A. Z.
Trichomanes s. polytrichon. — Asplenium trichomanoides L.,
kleine Streifenfarren. A. Z.
Trifolium, Klee. — Vielleicht Tr. Menyanthes. R.
Tripolium. — Aster Tripolium L., Meeraster. Z.
Triticum bactrianum, Indianisches Korn. — Zea Mays L. ? od.
vielleicht Polygonum Fagopyrum? R.
Tussilago. — Tuss. Farfara L., gemeiner Huflattig. A.
Typha. Narrenkolben. — Typh. latifolia u. Typh. angustifolia L.
Kolbenrohr. A. Z.
Valeriana, Baldrian. — Valeriana offic. L. A. Z.
Veratrum album, Niesswurzel. — Ver. alb. L., weisse Niess-
wurzel. A. Z.
Veratrum nigrum. — Holleborus niger L., schwarze Niess-
wurzel. A. Z.
Verbascum, Königskerze. — Verb. Thapsus L. A. Verb, mon-
tanum f. Verb, purpureum, f
Verbena, Eisenkraut. - Verb, offic. L., gemeiner Eisenhart. A.
Vettonica. — Betonica offic. L., gemeine Betonie. A.
Violae, Violen, Veilchen. — Unsere Viol. odorata L,, März-
veilchen. A. Z.
Ulpica. f
Umbilicus Veneris. — Unsere Cotyledo Umbilicus L., Nabel-
kraut. A.
Urtica, Nesseln. — Vielleicht Urt. dioica. A.
Urtica iners, Todtenesseln. — Lamium album L., taube Nessel. A.
Xyphion — Iris Xiphium. R.
Xyris maior, minor, Wandläusekraut. — Iris foetidissima. R.
Inguinaria Aeginetae. — Aster Amellus L. , italienisthe Stern-
blume. Z.
Georg Fabricius als Naturhistoriker. 267
Ozymum, Basilien, — (Richtiger Ocimura {eiixi/nov), unser Oci-
mum basilicum L, A. Z.
Siliqua graeca, Johannisbrot. — Ceratonia Siliqua L. A. N.
Veneris capillus, Mauerpfeffer. — Unser Adiautum Capillus Ve-
neris L., Frauenhaar. A. Z.
II. Das Fischverzeichniss des Georg Fabricius.
A. Die Fremdlinge oder Gäste unter den Fischen der Elbe
aus dem Meere.
Lachs, Esox. — Der Salm der Alten, Salmo Salar L.
Stöhr, Sturio. — Acipenser Sturio L. R.
Ziege, Goltfisch. Vetula fluviatilis, Alausa Gesnero. — Cypri-
nus cultratus ? R. *)
Halbfisch, Passer. — Salmo albula, R. **)
Lampret. Lampetra. — Petromyzon marinns L., Neunaugen,
Steinsauger aus der Nordsee.
Neunauge, Mustela levis. — Petromyzon fluviatilis L., Neunauge
aus der Weichsel und Ünterelbe. Flussfisch.
Wek, Amia. — Silurus glanis L. Der Wels ist ebenfalls ein
Flussbewohner.
B. Fische, die aus anderen Flüssen oder aus Bächen in die
Elbe gelangen.
Fore, Aurata 1. Yariolus. — Salmo fario L., Forelle.
Asche, Thymallus. — Salmo Thymallus. R.
Olrupen, Mustelii Bellonii. — Gadus Iota L., Aalraupe, Aal-
quappe.
Steinbeis, Gobio fluviatilis. — Cobitis Taenia L.
Bapst, Müllen, Citharus. — Cottus Gobio, R.
Smerling, Turdi, — Cobitis barbatula L., Schmerle.
*) Ist gewiss nicht Cyprinus cultratus, zu dieser Deutung
hat sich Herr R. wohl durch den deutschen Namen »Goltfisch« ver-
leiten lassen. Ich vermuthe darin vielmehr Alausa finta, der zu-
weilen geräuchert noch jetzt unter dem Namen Goldfisch auf den
Markt gebracht wird. Jedenfalls muss es ein Wanderfisch sein, der
ins Meer geht. Troschel.
**) Ich vermuthe hier vielmehr eine Pleuronectes-Art, wahr-
scheinlich Pleuronectes passer Linn., eine Varietät der Flunder, Pleu-
ronectes flesus. Man findet zwar in manchen Gegenden auch einige
Cyprinoiden Halbfisch genannt, diese sind jedoch keine Wanderfische.
Troschel.
Archiv f. Naturg. XXXII. Jahrg. 1. Bd. 17
268 Thierfelder:
SteinscTimerlmg, Turdi Saxatiles. — Cobitis Taenia L. ? E.
Eidritz, Bdella. — Cyprinus phoxinus L. Elritze, Pfeile.
Stichling, Columbi. — Gasterosteus aculeatus und G. pungi-
tius L. R.
Schlei, Scorpius. — Cyprinus Tinea L., Schleihe.
Aal, Anguilla. — Muraena Anguilla L.
Beisker, Mustela varia. — Cobitis fossilis. R.
C. Die eigentlicben Elbfische, die in der Elbe geboren werden
und wachsen.
Hecht, Lucius. — Esox lucius L.
Carp, Carpio. — Cyprinus Carpio L., unser Karpfen.
Leiner od. Morfling, Carpiones quibus neque lactes neque ova
sunt t *).
Streifbersing, Perca. — Perca fluviatilis. Barsch.
Kaulbersing, Perca minor. — Acerina cernua. R.
Parme, Mullus. — Cyprinus Barbus L., Flussbarbe oder Barme.
Cobitis barbatula? R.
Jesen, Alosa 1. Alausa. — Cyprinus Tinea L. od. Cypr. leses L. R.
Dibel, Elten e Gobiorum genere, Cyprinus Dobula. R.
Rap e coracinorum genere. — (Cyprinus aspius L., Aspius
rapax Ag. Troschel.)
Blehe, Brasen, Prasinus. — Cyprinus Brama, Bleie, Brachsen R.
Heseling , Asellus — Thymallus verus, Asche ? R. (Cyprinus
leuciscus L. Hasel, Häsling. Troschel.)
Geuser. f
Rotengel, Rubelli. — Vielleicht Rothäugel {iQvd-QoipS-ak/uog)
Cyprinus erythrophthalmus ?
Zerten. t — (Abramis vimba, Zärthe. Troschel.)
Gründling, Funduli. — Cyprinus Gobio. R.
Ocklen, Weissfisch, Allurni. — Cyprinus leuciscus L., Bläue,
Pletze. (Cyprinus alburnus L. Ueckeley. Troschel.)
Karas, e carpionum genere. — Cyprinus Carassius L. Karausche.
Oberkottigen, Gobionis genus. f
Schneppelfischchen, Phoxini Gesnero. ~ Coregonus oxyrrhyn-
chus? R. (C. oxyrrhynchus geht nicht so weit die Elbe hinauf!
Troschel.)
Krebs, Cancer vulgo, verius locusta. — Astacus fluviatilis L.
Flusskrebs.
Schnecken, Cochleae bivalves et turbinatae.
*) üeber sterile Karpfen vergl. v. Siebold Süsswasserfische
von Mitteleuropa p.89. Troschel.
Georg Fabricius als Naturhistoriker. 269
in. Das Vögelverzeiclmiss des Georg Fabricius.
Brandgemse. — Anas Todorna L. R.
Blesling e fulicarum genere, avis parva. — Fulica atra? R.
Bachstelze, Wasserstelze, Saxonibus Ackermmencken, Mota-
cilla, Jurico , flava a colore ventris. — Motacilla flava L., M. viri-
dis. — M. Hippolais L., graugelbe Grasmücke, Motacilla alba? R.
Eisvogel, Halcedo, Ispis. — Alccdo ispida L.
Ente, Anas: Grossente, An. magna, Penelops, insigni collo
propter colorem puniceum et viridem ; Mittelente , Boscas , anas
mediocris ; Krucentlein oder Kricbentlein, Qaerquedula Varroni, an.
parva ; Löffelente, Breitschnabel, a lato rostro ; Langschnabel, Lon-
girostra ; Roteente', Glaucium ; Tauchente , Mergus ; Mörente, wilde
Ente, an. palustris; weisse Ente, a colore candido; bunte Ente, a
colore vario.
Facke. — Villeicht Podiceps-Arten, Taucher? R.
Gans, Anser, GansaPlinio: Löffelgans, Pandirostra; Schneegans,
quasi nivalis; Sehegans, Schemgans, Phalocorax, Junio; Welsche-
gans, Ans. magnus, Penelops; Quicquid enim excellit magnitudine,
id Germani appellant Italum; Stoppelgans, Chenelops, ut Trochus
Ascaniensis existimat; Wildgans, quasi fera et peregrina.
Himmelziege, Vanellus, Capella Theodoro Gazae. — Capri-
mulgus europaeus. R.
Kranich, Grus, avis Palamedis, quae Pygmeo sanguine gaudet
avis, rex ranarum. — Grus cinerea. R.
Kibitz, Gavia cinerea Gesn. — Vanellus cristatus. R.
Mibe, Larus, magnus, grosse Mibe; parvus, kleine Mibe; va-
rius, bunte Mibe; gilvus cum pedibus rubeis, graue Mibe; cinereus
cum pedibus puniceis, aschenfarbige Mibe ; albus, weisse Mibe, quo-
rum hoc anno (1564) maxima fuit copia, cum rari alias appareant,
et tantum Martio atque Aprili mensibus.
Münchle, Corruca aquatica, Atricapilla Gazae. — Ob Motacilla
atricapilla L., schwarzköpfige Grasmücke?
Pilwenkchen, Fliegenstecher, Cynclus, lynx. — lynx torquilla,
Wendefels R.
Rordümmel, Ardea stellaris a colore et punctis, a voce Ono-
crotalus, aliis nominibus : Mosskii, Mossochse. — Cinclus aquaticus,
Wasserstaar. R.
Racke a Saxonibus Harbolle, Phalaris. — Coracias garrula,
Blauracke R.
Reiger, Ardea. avis Diomedis : weisse, Candida, aetatis primae ;
bunte, varia, aetatis adultae; graue, cana, aetatis ultimae; rothe,
Ard. rubea; braun, punicea; Santreiger, quasi dicas harenaria. —
Ardea cinerea u. a. Arten. R.
270 Thiorfcldor: Gcorfif Fabricius als Naturhistoriker.
Korspcrling, quasi dicas passer harundineus. — Vielleicht
Crex porzana. R. (oder Emheriza schoeniclus ? Troschel.)
Storch, Cicouia. — Cic. alba L.
Schwarzer Storch, Cic. tota nigra. — Cic. nigra L.
Schwalbe, Hirundo.
Schwan, Cygnus, Clor. — Cygn. Clor L., zahmer Schwan;
Scln-ciender Schwan, quasi clamosus. — Cygn. musicus L., der
wilde Schwan. II.
Schnetz, Salus, f
Taucher, Mergus, quasi Urinator: magnus, catarractes, corvus
aquaticus ; rostruni habet serr-atuin, quibus pisces maiores sccat per
medium, ut vesci praeda possit; niger, Wasseramsel; flavus; varius.
— Merg. merganscr, M. scrrator L. R.
Teucherlein, Mergulus, Pumilio — Colymbus?
Tittilvcn. f
Wasserhünlein, Tryngas. — Ob Fulica chloropus L. ? Vielleicht
Tringa pugnax. R.
Wasserrabe, Carbo cormoranus. R.
Wasserschwalbe, Apus. — Eine Art Sterna, vielleicht Hirundo. R.
lieber Dasypus gigas Cuv.
Von
Prof. Dr. F. Krauss
in Stuttgart.
Nach den Mittheilungen von Herrn Kappler ge-
hört das Ricsengürtelthier auch in Surinam zu den gros-
sen Seltenheiten. In einem Zeitraum von 20 Jahren haben
wir durch Ihn nur 5 Exemplare erhalten, dagegen gelang
es ihm in den letzten 4 Jahren nach und nach 6 Thicre
im Balg und Skelet einzusenden. lieber letztere, sowie
über das im hiesigen Museum aufgestellte Thier und
Skelet habe ich einige Notizen und Maassverhältnisse zu-
sammengestellt, welche Ich in Nachstehendem mittheile.
Von diesen 7 Exemplaren, welche ich mit No. I
bis VII bezeichnen will, gehören 4 weiblichen und 3
männlichen Thieren an. Alle sind erwachsen, unter Ihnen
nach der Grösse und dem Verwachsensein der Knochen
IV und V die ältesten, II und VI die jüngsten. Nur von
II ist In unserer Sammlung der Balg ausgestopft und das
Skelet macerirt und aufgestellt, alle übrigen sind nach
dem Balg und den rohen Skeletten untersucht worden.
Die Maassverhältnisse des Thieres In Centimeter sind
folgende :
272
Krauss:
vn
?
Länge d. ganzen Rumpf-Panzers
Länge des Schwanzes von der 1.
Schilderreihe bis zur Spitze .
Zahl der Schilderreihen des
ganzen Rumpf-Panzers
Zahl der Schulterpanzerreihen
Zahl der Rückenpanzergürtel .
Zahl der Kreuzpanzerreihen .
Zahl der Schilder der 2. Reihe
des Schulterpanzers . .
Zahl der Schilder der 4. Reihe
des Schulterpanzers . . .
Zahl der Schilder der letzten
Reihe des Schulterpanzers .
Zahl der Schilder der 6. Reihe
des Rückenpanzers
Zahl der Schilder der 24. Reihe
des ganzen Panzers . . .
Zahl der Schilder der 30. Reihe
des ganzen Panzers . . .
Zahl der Schilder der vorletzten
Reihe des ganzen Panzers .
74
42
39
10
12
17
11
18
34
39
39
29
10
Die Länge des ganzen Rumpf-Panzers wurde in der
Mittellinie des Rückens von dem ersten Schultergürtel
bis zur letzten Schilderreihe oder der Querlinie gemes-
sen, welche die Randschilder der rechten und linken
Seite des Panzers in gerader Linie verbindet. Die Maass-
verhältnisse des Kopfes konnten nicht mit Genauigkeit an-
gegeben werden, weil die Haut zusammengeschrumpft war.
Von den Schilderreihen des Schulterpanzers sind
die 3 (bei III die 4) vordersten erhaben und etwas be-
weglich, die letzte Reihe ist etwas abgesetzt, den Rük-
kengürteln ähnlich. Die Reihen sind häufig gegen den
Rand hin getheilt oder unregelmässig. Bei III sind am
Rande der 11. Reihe auf der rechten Seite zwei Schilder
anstatt einem vorhanden. Bei II ist dieselbe Reihe (die
erste des Rückenpanzers) rechts sogar bis in die Mitte
getheilt, so dass die überzählige Reihe aus 16 Schildern
besteht, während auf der linken Seite keine der Reihen
getheilt ist. Bei IV ist die 10. Reihe rechts am Rande
in 2 getheilt, wovon die überzählige 4 Schilder hat. Bei
üeber Dasypus gigas. 273
V sind am Rande 3 Reihen etwas verschoben. Bei VI
ist die vorletzte Reihe nicht vollständig, indem sie rechts
nur bis zur Mittellinie geht, links am Rande angedeutet
ist und aus nur 5 Schildern besteht. Bei VII ist zwi-
schen der 7. und 8. Reihe eine überzählige Reihe mit 8,
links zwischen der 10. und 11. mit 13 Schildern. Von
den Kreuzpanzerreihen ist die erste noch etwas beweg-
lich, bei VII ist es zweifelhaft, ob sie nicht zu den Rük-
kengürteln gezählt werden sollte. Eine scharfe Tren-
nung zwischen Rückengürteln und den Schilderreihen des
Schulter- wie des Kreuzpanzers ist überhaupt manchmal
schwer. Hinter der letzten Reihe des Kreuzpanzers ist
häufig noch ein Schild oder ein Paar unregelmässiger
Schilder vorhanden.
Der ganze Schwanz, die Oberseite aller Füsse und
auch die Unterseite der Hinterfüsse ist mit dicken har-
ten, unregelmässig 4 — 6-seitigen, meist abgerundeten Schil-
dern besetzt. Bei IV und V sind an der Schwanzspitze
(2—3 Zoll lang) die Schilder sehr erhaben, gewölbt und
in sechs Längsrefihen geordnet. Die grösste Kralle des
Vorderfusses hat eine Länge (über den Rücken gemessen)
von 13 — 14,8 Centim. und eine Breite an der Basis von
4 — 4,2 Cm. Die Schilder auf dem Schädeldach und auf
dem ganzen Panzer haben auf ihrer Oberfläche einen
hufeisenförmigen Eindruck, während sie am Schwänze
und an den Füssen ganz glatt sind.
Der Bauch ist ebenfalls mit Querreihen (20 — 25)
rundlicher Schilder besetzt, die aber von denen des Pan-
zers ganz verschieden sind, indem jedes einzelne, einer
Warze ähnlich, aus vielen unregelmässig aneinander ge-
reihten kleinen und dünnen Plättchen besteht.
Mitten zwischen den Vorder- und Hinterbeinen sind
bei beiden Geschlechtern , beim Männchen nur viel klei-
ner, zwei Zitzen vorhanden, die gewöhnlich 7 — 9, beim
Männchen V sogar 11 Cm. vom Panzerrande entfernt sind.
Der obere Theil des Kopfes so wie des Panzers und
der obere vom Panzer bedeckte Theil der Beine ist
schmutzig braun, der übrige Theil, der ganze Schwanz
und die Ohren sind gelblich. Das gelbliche Band am
274
Krauss:
Panzerrande ist an den Vorder- und Hinterfüssen 8—10,
in der Mitte 5 — 6 Cm. breit.
Die Zahl der Zähne ist, wie schon die bisher bekannt-
gemachten Beschreibungen beweisen, sehr verschieden.
Die vorderen 6 — 9 Zähne sind von aussen nach innen
stark zusammengedrückt, gewöhnlich kaum 0,1 Cm., die
hinteren von ovalem oder rundem Durchmesser bis zu
0,2 Cm. dick, alle von der Krone bis zur Wurzel ge-
wöhnlich von gleichen Dimensionen. Ii> der Grösse sind
aber die Zähne nicht ganz gleich, häufig ist am vordem
oder hintern Ende der Reihen der kleinste; bei III ist in-
der rechten Oberkieferhälfte der letzte, in der linken der
vorderste viel kleiner als die übrigen, während im lin-
ken Unterkieferast der 6. und 7. viel kleiner, vielleicht
durch Theilung eines einzigen entstanden ist und nach
ihnen eine Lücke folgt. Bei IV ist in der linken Ober-
kieferhälfte der 2., im Unterkiefer rechts der 3., links
der 6. der kleinste. Bei V, dem alten Männchen, sind die
Zähne überhaupt kleiner, stehen weiter von einander ent-
fernt und ist die Zahnreihe durch einige Lücken unter-
brochen. Die grössere Anzahl der Zähne und eine in
Vergleichung mit den übrigen Schädeln doch nicht län-
gere Zahnreihe bei YII lässt sich dadurch erklären,
dass bei den vorderen Zähnen, weil meist von vorn nach
hinten kürzer als sonst, einzelne in zwei Theile getheilt
sind. Hinter dem letzten im Oberkiefer ist eine Alveole
ohne Zahn, welche mit Zellgewebe verschlossen war.
Die Zahnreihen beginnen im Oberkiefer 0,2 Cm.
Ueber Dasypus gigas. ' 275
hinter dem vordem Ende des Oberkieferbeins, im Unter-
kiefer 3,2 bis '),7 Cm. hinter dem vorderen Ende jedes
Astes. Die Zahnreihen laufen im Oberkiefer nicht ganz
parallel, vorn stehen sie einander am nächsten, bauchen
sich dann in ihrer vorderen Hälfte ein Aveaig nach aussen
aus und stehen am hinteren Ende am meisten von einan-
der entfernt. Im Unterkiefer divergiren die Reihen stär-
ker nach hinten als im Oberkiefer.
An dem Skclet zeigen hauptsächlich die Wirbel
der oben verzeichneten Exemplare einige Abweichungen
von dem was bisher darüber bekannt gemacht wurde.
Unter den Halswirbeln ist immer der Epistro-
pheus mit dem dritten verwachsen, bei den meisten voll-
ständig, bei H und VI ihre Trennung noch durch eine
schwache Querlinie auf der Bauchfläche der Wirbelkör-
per angedeutet. Ein Verwachsensein des 4. Halswirbels
mit dem dritten, wie Bur meist er (Thiere Brasiliens I.
p. 280) angiebt, konnte ich nirgends finden, sie sind wohl
sehr fest an einander gelegt, insbesondere bei VII, aber
immer noch beweglich, selbst bei den beiden ältesten IV
und V. Dagegen ist bei IV und V der letzte Halswirbel
mit dem ersten Rückenwirbel an den Fortsätzen, am Kör-
per und Bogen innig verwachsen, und der Dornfortsatz
des ersten Rückenwirbels verläuft soo-ar in ununterbro-
ebener Linie bis zum vorderen Rande des letzten Hals-
wirbelbogens, wodurch beide so vollständig verbunden
sind, dass nur die zwei Foram. intervertebralia jeder
Seite auf das Vorhandensein zweier Wirbel hinweisen.
Der Dornfortsatz, der übrigens der längste, der ganzen
Wirbelsäule ist, ist durch diese Verschmelzung an seiner
Basis von vorn nach hinten breiter, als bei den Skeleten,
bei welchen der letzte Kaiswirbel noch vollständig vom
ersten Rückenwirbel getrennt ist. Solche Skelete haben
den Anschein, als ob sie nur fünf Halswirbel hätten. Die
Querfortsätze des letzten Halswirbels bilden ein Dach
über die Artikulationsfläche für die 1. Rippe und tragen
dadurch zur Bildung derselben bei.
Beim Messen der Länge des Halswirbeltheils ist zu
berücksichtigen, dass die Wirbelsäule eigenthümlicherweise
276 Krauss:
gerade zwischen dem letzten imd vorletzten Halswirbel
unter einem starken fast rechten Winkel in die Höhe
steigt, daher die Länge des Halswirbeltheils auf seiner
nach unten und vorn gekehrten flachen Seite länger ist,
als auf der Rückenflächc. Bei alten Individuen lässt sich
desshalb der Halswirbeltheil am leichtesten zwischen den
beiden letzten und ebenso auch zwischen den beiden er-
sten Halswirbeln trennen. Die Bogen der vier letzten
Halswirbel berühren einander, nur in der Mitte zwischen
dem 5. und 6. ist eine Spalte; der Bogen des sechsten
ist von vorn nach hinten der schmälste. Ausser dem zu
einem hohen und langen Kamm zusammengewachsenen
Dornfortsatz des 2. und 3. Wirbels hat nur der 4. einen
Dornfortsatz, der aber sehr kurz und zugespitzt ist. Er-
wähnenswerth ist, dass ausser der Verbindung der Wir-
belkörper die Bogen und Fortsätze der vier letzten Hals-
wirbel durch drei Artikulationsflächen auf jeder Seite
mit einander verbunden sind.
Unter sieben Skeleten haben sechs zwölf Rücken-
wirbel und nur das W^eibchenYII hat deren 13 mit ebenso
vielen Rippenpaaren, v. Rapp (Edentaten, 2. Aufl. p.28)
und Bur meiste r geben 13 an. Nach unseren Skeleten,
deren Brustkasten noch nicht macerirt und vollständig an-
einandergefügt waren, wären aber 12 Rückenwirbel als nor-
mal zu betrachten. Die eigenthümlichen grossen, aus- und
vorwärtssteigenden Fortsätze (Metaphysen nach Owen),
welche zur Unterstützung des Panzers mit beitragen, be-
ginnen bei allen, selbst bei VH am 10. Rückenwirbel, sie
sind aber schon vom 5. an angedeutet. Die Dornfort-
sätze der 5 — 6 letzten Rückenwirbel sind am hinteren
Ende gabelförmig, in die Spalte legt sich die Spitze des
folgenden.
Ueber die Zahl der Lendenwirbel sind die An-
sichten verschieden, v. Rapp (l. c. p.28) nimmt nur
einen, Burmeister (1. c. p. 280) vier an, indem er die
beiden an ihren Metaphysen mit dem Darmbeinkamm
verwachsenen zu den Lendenwirbeln und daher zum
Kreuzbein nur 10 Wirbel zählt, während v. Rapp und
A. Wagner (Säugethicre IV. p. 164) 12 annehmen.
lieber Dasypus gigas. 277
An den fünf Skeletten, welche ich gegenwärtig zur
Vergleichung vor mir liegen habe und von welchen nur
das Skelet II macerirt und aufgesetzt ist, haben die von
den Männchen II und V und von dem alten Weibchen IV
entschieden zvv^ei, dagegen die von dem Männchen VI und
dem alten Weibchen VII entschieden nur einen freien, mit
dem Kreuzbein nicht verwachsenen Lendenwirbel. Wenn
an dem Skelet VII nur einer vorhanden ist, so lässt sich
dies dadurch erklären, dass es, das einzige unter sieben,
13 Rückenwirbel und ebenso viele Rippen hat, was auch
mit der Angabe von v. Rapp übereinstimmt, ein einziger
freier Landenwirbcl bei 12 Rückenwirbehi, wie bei VI
scheint aber ganz ungewöhnlich zu sein. Da jedoch unter
sieben von mir bis jetzt untersuchten Skeleten fünf zwei
nicht mit dem Kreuzbein verwachsene Lendenwirbel ha-
ben, so dürften zwei, und wenn man mit Burmeister
noch die zwei folgenden mit dem Kreuzbein verwachsenen
Wirbel zu den Lendenwirbeln rechnen will, vier Lenden-
wirbel als normal angenommen werden.
Für die Ansicht B urm eiste r's spricht, dass die
beiden mit dem Kreuzbein verwachsenen Wirbel des Ske-
lets VI, das einem erwachsenen Thier angehört, dessen
Epiphysen aber noch getrennt sind, wohl mit Ihren Körpern
und Dornfortsätzen unter sich und zum Theil auch mit den
folgenden Kreuzbeinwn'rbeln verwachsen, aber mit ihren
Metaphysen vom Darmbein getrennt sind. In der liga-
mentösen Masse, welche diese Thelle deckt, hat sich aber
bereits ein Knochenkern gebildet, der sich an den Enden
der Metaphysen und zwischen diesen und dem Darmbein-
kamm hereinlegt, jedoch durch Maceratlon vollständig
losgelöst ist. Demnach verbinden sich nicht die Meta-
physen unter sich und mit dem Darmbeinkamm, sondern
eine neu sich bildende Knochenmasse verbindet die ein-
zelnen Theile unter sich.
Ferner zeigen bei allen Skeleten die verwachsenen
ebenso wie die freien Lendenwirbel an Ihrer ßauchfläche
an der äusseren Seite der Foramina intervertebralia stark
hervorragende, nach vorn gerichtete Fortsätze, die als
Processus transversi angesehen werden können, und welche
278 Krauss:
am Kreuzbein selbst vollkommen fehlen. Die mit dem
Kreuzbein verwachsenen Wirbel bilden entweder alle
beide mit dem Ende ihrer Metaphysen und dem Darm-
beinkamm eine längliche Knochenplatte wie bei IT^ IV
und VII^ oder es nimmt nur einer daran Theil wie bei V.
Die Kreuzbeinwirbel sind unter sich und mit
dem Darm- und Sitzbein verwachsen, nur bei II u. VI
ist noch die Trennung sichtbar und es sind, wenn die
beiden vorderen schon bei den Lendenwirbeln abgehan-
delten abgerechnet werden , unzweifelhaft bei II zehn,
bei VI eilf zu unterscheiden. An den übrigen Skeleten
sind bei V, das einen Lendenwirbel zu wenig hat, eilf,
bei VII zehn Kreuzwirbel (IV ist beschädigt) vorhanden,
wenn nach den zum Durchtritt der Nerven bestimmten
Löchern gezählt wird. Das durch die Verwachsung der
Dornfortsätze gebildete und ebenfalls zum Tragen des
Panzers dienende Knochendach erreicht bei VII eine
Breite von 3 Cm. Die Querfortsätze der vier letzten
Kreuzwirbel (bei VI fünf); welche mit dem Sitzbein ver-
bunden und im Alier verwachsen sind, sind sehr lang,
bei II und VII ist der des letzten, bei IV, V und VI der
des vorletzten am längsten.
Die vorwärts und gegen das Dornfortsatzdach an-
steigende Sitzbeinecke ist oben ganz flach, dreieckig und
bei dem Weibchen III so ausserordentlich verlängert,
dass die rechte und die linke mit dem Dornfortsatzdach
verwachsen eine grosse dreieckige Fläche darstellen,
während die der übrigen Skelete 3—4 Cm. vom Dache
entfernt endigen.
Der erste der 21-24 Schwanzwirbel hat ebenfalls
noch lange Querfortsätze, die mit ihren Enden unter das
Kreuzbein untergeschoben auch noch an diesem unge-
wöhnlich entwickelten Gerüste Theil nehmen, während
er wegen seiner unteren Dornfortsätze als Schwanzwirbel
anzusehen ist.
Von den Rippen steht nur die erste breiteste (von
2,4—3,0 Centim.) und kürzeste (von 5—6 Centim.) mit
dem Manubrium , dem grössten fast viereckigen , vorn
ausgerandeten und unten gekielten Stücke des Brustbeins
üeber Dasypus gif^as. 279
unmittelbar in Verbindung. Die folgenden sieben (bei
IV, V, VI) oder acht (bei 11 und VII) an Länge zu-
nehmenden Rippen verbinden sich durch ebenso viele
4— 10 Cm. lange den RippenknorpeJn entsprechende Kno-
chenstiele mit sieben unten schmalen knorrigen^ oben
breiten und flachen Brustbeinsegmenten, und die letzte
Rippe auch mit dem bis zu 3,8 Cm. breiten und 4,7 Cm.
langen Proc. xlphoideus. Die 3 — 4 letzten Rippen erreichen
das Brustbein gar nicht, indem bei II die 10. und 11.,
bei IV, V, VI, VII die 9., 10., 11. durch allmählich kür-
zerwerdende und dachziegelförmig über einander gelegte
Knochenstiele auf der unteren Fläche und dem äusseren
Ende des grössten Knochenstiels der 8., bei II der 9ten
Rippe sich anlagern. Die letzte Rippe endet frei, ist
höchstens 10 Cm., gewöhnlich auf beiden Seiten gleich
lang, bei VI ungleich, rechts 7,6, links nur 3,8 Cm. lang.
Schliesslich gebe ich zur Vergleichung mit dem
Riesen- und anderen Gürtelthieren die Dimensionsver-
hältnisse nach Centimeter, wobei ich über die Maassab-
nahme Folgendes bemerke. Beim Messen des ganzen
Skelets wurde der Fischbeinmaassstab auf den Wirbel-
körpern aufgelegt. Die fünf Theile der Wirbelsäule wur-
den je von dem vorderen Rande des ersten bis zum hin-
teren Rande des letzten Wirbels gemessen.
280
Krauss: Ueber Dasypus gigas.
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Verzeichniss der von Dr. Gundlach auf der Insel
€uba gesammelten Chrysomelinen.
Von
Dr. E. Suffrian,
Schulrath in Münster.
Hr. Dr. Gundlach^ von welchem die Insectenfauna
der Insel Cuba schon seit drei Jahrzehnten mit ausdau-
erndem Fleisse auf das Sorgfältigste durchforscht und
mit einer Reihe ausgezeichneter Entdeckungen bereichert
worden ist, hat mir die von ihm daselbst seit dem Jahre
1838 gesammelten Chrysomelinen mit dem Wunsche zu-
gehen lassen, dass ich ein Verzeichniss derselben ver-
öffentlichen, und die darunter befindlichen neuen Arten
beschreiben möchte. Ich habe mich dieser Mühe um so
lieber unterzogen, als grade diese Familie sich einer be-
sonders grossen Anzahl von Dr. Gundlach zuerst auf-
gefundener Arten erfreut, von denen nur erst ein ge-
ringer Theil durch meine Bearbeitung der Nordamerika-
nischen Cryptocephalen zur Kenntniss des Entomologischen
Publicums gebracht worden ist, während anderntheils
die inzwischen von Dr. Chevrolat unternommene Be-
arbeitung der Cubanischen Käferfauna bis dahin jene
Familie unberührt gelassen hat. Ich gebe nun zuerst in
dem Folgenden ein Verzeichniss der betreffenden , zum
Theil auch von Hrn. Professor Poey mit beigesteuerten
Arten selbst, wobei ich, soweit Lacordaire's Phyto-
phagen erschienen sind, die in diesem Werke angenom-
mene Reihenfolge zum Grunde lege, und behalte mir
vor, die allgemeinen Bemerkungen, zu denen jene Arten
Anlass bieten, am Schlüsse hinzuzufügen.
282 Suffrian:
I. Donacia Fabr.
1. D. Antillarum m. Rufescenti-aenea subtus ar-
genteo-sericea, antennis pedibnsque nigro-maculatis, tho-
race transverso nftidissimo postice impresso, sulco dorsali
tenni abbrevlato, elytris postice attenuatis apice snbemar-
ginatis pnnctato-striatis vix impressis, interstitiis planis
subtilissime alutaceis.
(/ femoribiis posticis subtus bidcntatis, deute exte-
riore majore aeuto, interiore minuto.
$ femoribus posticis subtus unidentatis.
Long. 3V2-4V2'"5 Lat. IV3— IV4'".
Bis dahin die erste und einzige in VVestindien auf-
gefundene Art dieser Gattung, durch welche der Yer-
brcitungsbezirk dieser letzteren auf der westlichen Halb-
kugel um ein Bedeutendes nach Süden erweitert wird.
Der Käfer gleicht am meisten der D. rufipennis Lac,
verschmälert sich aber nicht, w^ie diese Art, gleich von
der Wurzel der Flügeldecken ab hinterwärts, sondern be-
hält seine Schulterbreite bis fast g^^Qvy. das letzte Drittel
derselben, und verengt sich dann bis zur Spitze immer
stärker, wie ein Gleiches auch bei D. 'palmata und epi-
scopalis, eben so auch bei unserer D. crassipes der Fall
ist. Der Kopf mit schwacher Stirnfurche, die Fühler
röthlich, ihre Glieder nur an der Spitze leicht geschwärzt.
Das Halsschild quer viereckig, verhältnissmässig kürzer
als bei D. rufipennis, mit ganz kurzen, kaum sichtbaren
•Vorderecken und eben so schwachen Buckeln hinter
denselben; die Oberfläche erzfarbig glänzend, kaum wahr-
nehmbar gerunzelt, die Mittellinie sehr fein, beiderseits
abgekürzt, ihr Hinterende in einen eiförmigen flachen
Eindruck verlaufend, zu dessen Seiten sich vor den kur-
zen scharfen Hinterecken ein gleichfalls leichter und
schmaler Quereindruck bemerklich macht. Das dreieckige
Schildchen greishaarig. Die Punktstreifen regelmässig,
vorn etwas feiner, in dem Längseindrucke innersei ts der
Schulterbeulen von einigen überzähligen Punkten beglei-
tet; die Zwischenräume flach, fein querrunzlig, hinten
leicht rippenförmig erhöht, glänzend; die Oberfläche röth-
Verzeichn. d. auf d. Insel Cuba gesammelt. Chrysomelinen. 283
lieh erzfarbig, längs den Seiten verloschen ins Grünliche
fallend. Die gewöhnlichen Eindrücke sind bei dem cT
schwächer, dem einzigen vorliegenden $ etwas deutlicher.
Die Spitze sehr seicht ausgerandet, so dass auch die
äusseren obwohl sehr stumpfen Ecken etwas hervortreten.
Die Unterseite dicht silberhaarig mit gerötheten Hinterrän-
dern der Bauchringe ; die Beine röthlich , die Keulen
der Schenkel mit einem an den hinteren dunkler erz-
farbigen Längsfleck bezeichnet. Hinterschenkel und -schie-
nen des cT etwas verlängert^ letztere geschweift, erstere
vor den Knien zweizähnig, der äussere grössere Zahn
ziemlich breit, zusammengedrückt und scharf, der innere
kleiner und mehr einem spitzigen Höcker gleichend,
etwas mehr aufwärts aber nicht näher nach vorn gerückt;
zwischen dem ersteren und dem Knie nur ein schwacher
Höcker zu finden. Bei dem $ fehlt der innere, kleinere
Zahn ganz, der äussere ist etwas kleiner, der Höcker an
demselben aber auch hier deutlich vorhanden.
II. liema Fabr.
2. L. CO c ruleipennis Lac. Phyt. I. 386. n. 87.
Das Blau der Deckschilde ist bald ein reines Stahl-
blau, bald fällt es tief ins Violette, und zeigt dann stel-
lenweise einen purpurröthlichen Anflug. Die Punkte des
zweiten und vierten Streifens sind da, wo diese Streifen
den hinter der Schulterbeule heraufziehenden Quereindruck
durchsetzen, gewöhnlich etwas gröber.
3. L. perizonata Lac. ibid. 397. n. 99. Von dieser
Art ist nur ein einziges Stück gefunden worden, welches,
während es im Bau genau mit der von Lacordaire a.
a. O. gegebenen Beschreibung übereinstimmt, doch in der
Färbung einige bemerkenswerthe Abweichungen zeigt,
und dadurch die bereits von jenem Autor hervorgehobene
Veränderlichkeit der Art bestätigt. Die Farbe der Deck-
schilde ist ein tiefes, wenig glänzendes Stahlblau, welches
auf dem letzten Drittel der Flügeldeckenlänge nach Aus-
sen auf den rothen Rand übertritt und letzteren dadurch
so sehr verschmälert, dass von ihm nur die äussere mit
Archiv f. Naturg. XXXH. Jahrg. 1. Bd. 18
284 Suffrian:
ihrem Ende den Nahtwinkel nicht erreichende Hälfte
übrig bleibt. Der röthliche Fleck vor der Spitze ist viel
trüber , eigentlich nur bräunlich durchscheinend , und
hängt mit dem rothen Rande selbst nur unvollkommen
zusammen. Endlich sind an den Fühlern das 6. und 8.
Glied geschwärzt, nur an der Wurzel und Spitze röth-
lich durchscheinend, und eine gleiche Färbung zeigt die
Spitze des 5. Gliedes auf der oberen, der obere Theil
des 9. Gliedes auf der Unterseite. Zu bemerken ist noch,
dass die zusammenfallenden Hinterenden des 2. und 8.,
in geringerem Grade auch des 1. und 9. Zwischenraums
stark schvnelig aufgetrieben erscheinen.
4. L. placida Lac. ibid. 404. n. 106. Von den vor-
liegenden Stücken ist bei einem der Kopf schwarzblau,
bei einem zweiten nur der hinter den Augen liegende
schmale Theil geröthet, bei dem dritten der Kopf roth
und nur zwischen den Fühlern schmutzig verdunkelt:
eben so ist bei allen die vordere rothe Querbinde der
Flügeldecken mit der hinteren durch einen vorn breite-
ren, hinten wieder etwas verschmälerten röthlichen Naht-
streifen verbunden, so dass man eigentlich, wie bei der
vorhergehenden, die rothe Färbung als die Grundfarbe
des Körpers anzusehen haben wird. Die Fühler sind je-
doch bei allen Stücken schwarz, und den Hinterleib finde
ich nicht dunkler gefärbt als die übrigen röthlichen Kör-
pertheile. Die vorliegenden Stücke würden daher nach
der Farbenvertheilung mehr zu L. quadricolor Lac. (ibid.
402. n. 103) passen; ich finde aber nur bei einem der-
selben eine schwache Andeutung der bei der letzteren
Art von dem Autor angegebenen Punktirung des Hals-
schilds, und bei einem andern das 2. Fühlerglied leicht
gebräunt, so dass, wenn weiter keine scharfen Merkmale
zur Unterscheidung beider Arten vorhanden sind, die
specifische Verschiedenheit beider mir doch noch etwas
zweifelhaft erscheint.
5. L. lunigera m. Breviter oblongo - parallela fer-
ruginea, capite antennarum basi pedibusque (femorum basi
excepta) nigris, thorace modice coarctato, postice obsolete
transversim sulcato , elytris convexis , infra basim late
Verzeichn. d. auf d. Insel Cuba gesammelt. Chrysomelineii. 285
depressis, strils siibtilioribus postice deletis^ macula scu-
telLari, lunula Immerali fasciaque lata ante apicem nigro-
violaccis. Long. 3'"; lat. 173'"-
Von der Grösse und Gestalt der vorhergehenden,
auch in der Färbung ihr nicht unähnlich. Der Kopf mit
den drei unteren Fiihlergliedern schwarz^ letztere auf der
Unterseite und an den Spitzen bräunlich angelaufen; die
oberen Glieder der verhältnissmässig langen und dünnen
Fühler hell rothgelb, dicht und fein angedrückt weiss-
lich behaart. Das Halsschild in der Mitte tief quer ein-
geschnürt, oben vor dem aufgetriebenen Hinterrande
quer eingedrückt, spiegelglänzend rothgelb, sehr fein und
zerstreut punktirt, die Punkte auf der Mitte zu einer
unregelmässigen Längslinie zusammengestellt. Die Deck-
schilde hinter den Schultern quer zusammengedrückt und
dieser Eindruck, ob auch abgeschwächt, bis zur Naht
bemerkbar; die Schulterbeulen innerseits je durch einen
tiefen dreieckigen Längseindruck abgesetzt. Die Punkt-
streifen regelmässig, die Vorderenden der oberen bis zu
dem Qnereindrucke grob, von da ab alle merklich schwä-
cher und auf dem letzten Drittel wie weggeschliffen; die
Zwischenräume flach, glänzend, bis gegen die Mitte hin
mit einer undeutlichen feinen Punktreihe besetzt. Die
Farbe rothgelb; ein gemeinsamer viereckiger, auch das
Schildchen einschliessender Vorderfleck , eine gleichfalls
gemeinsame breite, gegen die Naht hin nach vorn sich er-
weiternde Querbinde, und auf jeder Flügeldecke ein die
Schulterbeule einnehmender, hinterwärts verbreiterter und
mit dem hinteren Innenende bnchtig ausgezogener Schui-
terfieck schwarz mit dunkel stahlbläulichem Anfluge. Die
Beine schwarz mit gerötheten Schenkel wurzeln; die Un-
terseite selbst hell rothgelb mit leicht geschwärzter Mitte
des Hinterleibes.
Nur einmal im Bezirke Grmntanamo gefunden.
6. L. conf u sa Chv. Lac. ibid. 409. n. 112. Von dieser
Art liegt sowohl die von Laccrdaire als die Stamm-
form vorangestellte Form, als seine var. A. vor; bei der
ersteren ist der Nacken geröthet, bei der letzteren schwarz.
286 Siiffrian:
Auch zeigt bei dieser der schwarze Spitzenfleck eine
bedeutend grössere Ausdehnung als bei jener.
7. L. postica Guer. Lac. ibid. 447. n. 150. Bei
dieser Art bemerkt Lacordaire: „antennis articulo 'primo
praetermisso nigris^^j und gibt auch in der Beschreibung
das er ste Fühlerglied als rostroth an. Wahrscheinlich
waltet hierbei ein Schreibfehler ob, denn ich linde bei
den mir vorliegenden Stücken nicht das erste, sondern
das Endglied, meist auch noch den grösseren oberen
Theil des vorhergehenden Gliedes rostroth ; an der Wur-
z4 der Fühler ist dagegen zuweilen der obere Theil
(}es zweiten Gliedes leicht gebräunt. Die Gestalt der
hinteren Binde ist etwas veränderlich, sie erscheint bald,
w^fe Lacordaire sie beschreibt, nach den Seiten hin ver-
schmälert und in der Mitte auf der Naht zipf eiförmig
yerbreitert, bald gleichbreit, und in diesem Falle so
breit^ wie sie sich bei den typischen Stücken auf der
N9|ht. darstellt.
• 8. L. punctato-fasciata Lac. ibid. 494. n. 205.
V-OU; dieser anscheinend seltenen Art liegt nur ein ein-
ziges Stück vor, und dieses kommt mit keinem der von
Lacordaire a. a. 0. beschriebenen in der Färbung genau
üW^eij;!. Auf der vorderen Hälfte der Flügeldecken er-
scheint dieselbe so, wie sie von jenem Autor als die
tjpisplie angegeben wird, nämlich auf jeder Flügeldecke
drei ; blaue Fleckchen, deren erster (länglicher) auf der
Sehulterbeule, der zweite (ebenfalls längliche) gleich hin-
ter, dem Schildchen an der Naht und mit seinem Gegen-
flecke ein fast quadratisches Rechteck bildend, und der
dritte (kürzere und mehr rundliche) vor der Mitte der
Flü^el(lecke zwischen dem 5. und 7. Streifen. Dagegen
setzt sich die vorn zugerundete, hinten zackig begränzte
Hinterbinde jederseits nur bis zu dem 9. Streifen fort.
9.^^.L. dorsalis Oliv. Lac. ibid. 499. n. 209. Der
vorhergehenden zwar sehr ähnlich, aber von ihr besonders
di'ifch' die' viel gröberen Punktstreifen, und die längere,
eiÜÖ^'^ripflö'nartige Auftreibung bildende Unterbrechung
dÖ^' 9.' Sfriöifens unterschieden. Alle von Dr. G. einge-
sandten Stücke gehören zu der var. C. Lac. a. a. 0. mit
Verzeichn. d. auf d. Insel Cuba gesammelt. Chrysomelinen. 287
schwarzen Bnistseiten und Beinen, die hintere Binde er-
reicht mit ihrer Mitte stets das Ende der Naht, die
Schalterflecke sind bald grösser, und dann zeigt sich der
gemeinsame Fleck hinter dem Öchildchen gleichfalls gross
und hinterwärts dreieckig verbreitert, wie ihn Oliviers
Abbildung pl. IL fig. 27 darstellt, — oder jene Flecke
sind nur klein, und dann zieht sich auch der Nahtfleck
zu einem nur schmal elliptischen Längsflecke zusammen.
10. L. intermedia m. Oblongo-parallela fcrruginea,
ore antenni^ corpore subtus nigris, thorace postice valde
constricto, eljtris planiusculis modice punctato-striatis,
Stria nona in medio interrupta, macula communi baseos
elliptica, punctis duobus, altero humerali, altero subme-
dio, apiceque antice triangulariter producto chalybeis.
Long. 21/2'"; lat. Ve'".
Gewissermassen eine Mittelart zwischen den beid-ea
vorhergehenden, an Grösse und Habitus mehr der L.
dorsalis, in der Sculptur und dfiv Zeichnung der Deck^
Schilde mehr der L. punGtßtanfctsQiata , gleichend, von
beiden aber an der/! schwarzen Färbitng yoü Brust und
Hinterleib sogleich zu unterscheiden. Die Farbe ein etwas
dunkleres, schwjaehgjp^ Ba;äun]icl\^.^^llen^§s Rostroth, der
Farbe unsrer L. 5-panctata Fab. ähnlich, Kopf und Hals-
scliiid hei de^nMeinzigen;,vorliegendeji Stücke njit eiinigen
(ifff^rscjieinlich: ind^v-idueljen), i schwärzlichea Wolkerifleckr
£i[i)en^gc^eLchnot,,;d(ör lüntejtkopf' mit Fühlern Und' Mund-
,theilj3n;>sph>varz:. ■ Pas HaUschil.d' seitlich tief eingeschnürt)
mit zerstreuten, auf der Mitte etwas deutlicheren. Punkten
bßse\tzt;,;di/e fScülp^ur der iFiügeldecken wie bei [Alpunc-
tfut,<^^f.<^Qi>atUf diehiUnterbrechung des 9. Runktstreifens>
weil .d^^ich-,di^(:grö.ssetyie lA-Wsdehnung des blauen Hinter-
fleöks )t>tdingj;, ,:noch, et^as länger., Au^h die Zeichrlung
der. Flügeldecke©, (Entspricht der detA-genanntcnArt, ein
Läwgfiflq^kcheh ai^ffdOr Sp^iiKi^bQiile, )tQÜi .zi,emlicbr.unf
^dbeinbarea? iPunkt ,vc)cider Mitte ,^z\Visc]len dem 5, undi7.
j?'U;jpk.ts1reifen>! lUiiid )öin gemoiiljamot' olliptischev N^ahtfleßk
binteivld^in iSichildchen .dunkel )«iiiahlhilaii.; auss.eTdem laibeir
mti^. dii^) jganz-e'Sipitt^e.MdiU^thii -einen -nach YptMä rliOiBä-
bki^ aiisgezogßneniihlaiißöjigi^möin^aiiaagiii fljnt^rflßck i i^ia-f
288 Suffrian:
genoramen^ dessen Vorderzipfel fast das Hinterende des
elliptischen Nahtflecks erreicht^ während er auf der hin-
teren Seite noch zur Hälfte von dem bis dahin rothgelb
verbleibenden Rande der Flügeldecken umzogen wird.
Hinterbrust, Hinterleib und Beine schwarz, Knie und
Mitte der Flinterschienen trüb bräunlich durchscheinend.
Nur ein einziges Stück, von Prof. Poey gefunden.
11. L. Poeji Lac. ib. 510, n. 222. Lacordaire's
Diagnose dieser Art könnte leicht zu einem Irrthum Anlass
geben, sofern sie die Beine derselben schlechthin als
schwarz bezeichnet. In der Beschreibung ist jedoch
richtig gesagt worden, dass die Hinterschenkel bis auf
Wurzel und Spitze roth seien; man findet sogar Stücke,
bei denen auch die Unterseite der Mittelschenkel eine
trüb röthliche Färbung zeigt. Die Hinterschenkel sind
ungewöhnlich stark aufgetrieben und dann auf der Un-
terseite vor den Knieen ausgebuchtet, so dass sich vor
dieser Ausbuchtung ein stumpfer, zahnartiger Höcker
bildet; die Unterbrechung des 9. Streifens ist sehr kurz,
und bietet kaum für 3 oder 4 hier fehlende Punkte Raum.
III. liamproj^oma Kby.
12, L. auricolle m. Breviter ovatum supra viola-
ceum nitidissiinura, capite thorace punctato postice obtuse
lobato viridi-aureis, elytris subtiliter punctato-striatis, in-
terstitiis punctulatis, prosterno late coarctato. Long. Vs'" >
lat. 1/2'".
Diese zierliche Art bringt der kleinen von Lacor-
daire Phyt. IL 629 ff. unter n. (SQ und 67 aufgestellten
Lamprosomen-QiVW^'^Q mit dünnem, etwas verlängertem
Stiele des Krallengliedes eine sehr erwünschte Erweite-
rung, und steht gewissermassen zwischen den beiden dort
beschriebenen Arten in der Mitte, indem sie sich in dem
einem gedrungenen Moiiaolms gleichenden Habitus mehr
an L. longifronsj in dem Baue der Vorderbrust dagegen
mehr an L. annectens anschliesst. Kopf und Halsschild
sind goldgrün mit starkem Glänze, letzteres in der Mitte
mehr ins Kupfriggoldene fallend und dabei mit einer
Verzeichn. d. auf d. Insel Cuba gesammelt. Chrysomelinen. 289
zerstreuten aber deutlichen Punktirung bedeckt; der Kopf
dagegen kaum piinktirt, mit feiner Stirnlinie. Die Augen
seicht aiisgerandet, das Wiirzelglied der Füliler nebst
den folgenden auf der Unterseite gelblich. Der Hinter-
rand des Halsschilds jederseits zunächst der Mitte in einem
breiten Bogen ausgeschnitten^ und dadurch diese Mitte
selbst als stumpfer Winkel etwas ausgezogen. Die Flü-
geldecken schön glänzend veilchenblau, mit eckig vortre-
tenden Schulterbeulen, aber schwachen Seltenlappen ; die
Punktstreifen aus deutlichen, aber nicht tief eingedrück-
ten Punkten gebildet, die flachen Zwischenräume mit
einer feineren, stellenweise runzlig verfliessenden Punk-
tirung bestreut. Die Unterseite schwärzlichgrün, die Beine
manchmal leicht ins dunkel Goldgrüne fallend. Das Pro-
sternum durch die hineintretenden Yorderhüften jeder-
seits tief ausgebuchtet und dadurch hinterwärts dreieckig
verschmälert ; der Stiel des Krallengliedes sehr dünn,
fast doppelt länger als das vorhergehende, wenig ausge-
randete dritte Glied, und an der Kralle selbst nur wenig
verdickt.
IV. Clilaiuy^ Knoch.
13. Chi. conifera Lac. Phyt. H. 733. n. 75. Das
Vorkommen einer brasilianischen Chlamys- Art auf Cuba
erscheint allerdings einigermassen befremdend; aber das
genaue Zutreffen der Beschreibung lässt an der Richtigkeit
der Gu n dlach'schen Bestimmung keinen Zweifel, und
ich würde deshalb eher in der aus dem Mus. BeroL her-
stammenden Heimathsangabe bei Lacordaire einen Irr-
thum vermuthen. Die Ausdehnung der gelblichen Fär-
bung auf der Oberseite ist sehr verschieden; bei den
hellsten Stücken auf dem Halsschilde nur die Höcker an
den Seiten und hinten auf den Deckschilden nur die
Höcker und einige Wische zwischen denselben röthlich-
oder schwärzlichgebräunt, während bei den dunkleren, wie
Lacordaire deren vor sich gehabt hat, nur die Seiten
des Halsschildes und einige Fleckchen und Wische der
Deckschilde jene heller gelbe Färbung zeigen, und auch
290 Suffrian:
diese dann noch manchmal durch dunklere Wolkenflecke
getrübt ist.
14. Chi. flavi colli s Lac. ibid. 823. n. 164. Nur
einmal gefunden. Die Färbung dieses Stückes ist von
der a. a. 0. gegebenen Beschreibung nur in soweit ab-
weichend, als der Kopf rein schwarz ist, und auf den
Deckschilden eigentlich nur die Schultergegenden nebst
den Rippen und Höckern eine schmutzig bräunliche Fär-
bung zeigen, während der bläuliche Glanz besonders nach
der Naht zu in den zwischen den Rippen liegenden rund-
lichen Vertiefungen zum Vorschein kommt. Die Fuss-
glieder sind, bis auf das wieder schmutzig gebräunte Wur-
zelglied, ebenso hellgelb als das Halsschild. Das Pygi-
dium zeigt die Mitte entlang zwischen den beiden Längs-
kielen noch eine dünne, erhöhte Kante.
15. Chi. melanospila m. Elongata rufescens,
fronte pectore abdominis basi pedibusque nigris, thorace
elevato-gibboso grosse punctato - varioloso , angulis po-
stlcls nigricantibus, elytris punctatis 4-tuberculatis antice
bicarinatis maculis binis nigricantibus basi annexis. Long.
13/4—2'"; lat. 1—1 V12'".
Der vorhergehenden nahe verwandt, und mit ihr
auch zu derselben Gruppe gehörig. Der Körper läng-
lich viereckig, fast doppelt so lang wie breit; die Farbe
ein helles, auf dem Höcker und den Seiten des Hals-
schilds mehr ins Rothbraune fallendes Rothgelb, welches
in den breiten Hinterwinkeln desselben immer mehr in
ein nicht überall scharf begränztes Schwarz übergeht;
auch das Schildchen mit der Wurzel der Flügeldecken
tief schwarzbraun, und dieser Wurzelsaum hinterwärts
auf jeder Flügeldecke in zwei grosse schlecht begränzte
Flecke erweitert, der innere zwischen Schildchen und
Schulterbeule , plump viereckig , der äussere auf der
Schulterbeule selbst, und am Seitenrande so weit verlän-
gert, dass er zugleich den ganzen Seitenlappen umfasst.
Die Unterseite schwarz, mit gelbem an der Wurzel ge-
schwärzten Hinterleibe, die zusammengedrückte Spitze
des Prosternums, Wurzel und Spitze der Hinterschenkel
und die Füsse röthlichgelb. Der Kopf grob punktirt,
Verzeichn. d. auf d. Insel Cuba gesammelt. Chrysomelinen. 291
schwarzbraun, die ziemlicli tiefen Aiigenbnchtcn und der
untere Thcil des Kopfschildes schmutzig röthlichgelb, die
Fühler heller gelb ; das 3. und 4. Glied verkehrtkegelförmig,
ziemlich gleichlang, das 4te etwas dicker als das 3te, die
sieben oberen bei ziemlich gleicher Länge stark erwei-
tert, und nur das Endglied doppelt länger als die vor-
hergehenden; die Erweiterung des 5ten Gliedes etwas
schwächer als die der folgenden, welche letzteren eine
derbe und kräftige gesägte Keule bilden. Das gleich-
falls grob punktirte Halsschüd mit einem kräftigen, plum-
pen, vorn und hinten steil abfallenden Querhöcker be-
setzt, welcher oben zwei mehr oder weniger deutliche,
eine flache hinten heller gelb gefärbte Längsrinne ein-
schliessende Längskiele trägt. Seitlich von diesen Längs-
kielen ist die obere und äussere Rundung der Höcker
durch grobe , tiefe Grübchen einschliessende Runzeln
maschenartig zerrissen. Das Schildchen verkehrt drei-
eckig, in einen Ausschnitt des Halsschildlappens ein-
greifend, schw^arz. Die Deckschilde matt, mit ziemlich
groben, zerstreuten, im Innern dunkleren, und mehr oder
weniger reihenweise geordneten Punkten besetzt, zwi-
schen denen einzelne Längsrippen hervortreten; der
innere Vorderfleck etwas runzlig erhöht, mit Ansätzen
von 2. — 3. durch grobe Runzeln zerrissenen Längskielen,
die bei einem der vorliegenden Stücke auf der rechten
Flügeldecke zu einer stumpfen Erhöhung zusammenflies-
sen. Ausserdem zeigt jede Flügeldecke noch vier in
einer länglichen Raute liegende Höcker, von denen
die beiden inneren etwas w^eiter nach vorn gerückt und
grösser sind , als die äusseren. Der vordere von jenen
liegt am Hinterende des inneren jener Längskiele am
Hinterrande des braunen Fleckes, der hintere auf der
Wölbung, wo er das Hinterende einer aus dem mittleren
Kielansatze entspringenden flachen Längsrippe bildet;
von den beiden äusseren liegt der vordere hinter dem
äusseren Hinterzipfel jenes braunen Flecks, der hintere
hart am Aussenrande der Flügeldecke. Im Innern der
Raute, so wie zwn'schen und hinter den beiden: Hiötei"-^
höckern finden sich dann noch einige iSstumpfb'^^-fl^be
292 Suffrian:
Längs- und Schräg - Erhöhungen , in denen sich un-
schwer Reste oder Hinterenden getrübter Längsrippen
zwischen den verschobenen Punktstreifen erkennen las-
sen. Das stark längskielige Pygidium mit der Unter-
seite grob und tief punktirt ; das Prosternum dreieckig,
hinten in eine stark zusammengedrückte Spitze auslaufend.
Das letzte Segment des $ mit einer tiefen, glänzenden
Grube.
16. Chi. nig rite IIa m. Subquadrata nigra, an-
tennis elytrorumque tuberculis luridis , thorace globoso,
gibbere 6-tuberculato interrupto - bicarinato, elytris inae-
qualibus, costa fracta ab humero decurrente tuberculo
maiore baseos plurimisque minoribus pone medium instru-
ctis. Long. 11/4"'; lat. 1'".
Wenig länger als breit , schwarz, nur die Fühler
schmutzig greisgelb mit geschwärzter Oberseite des Wur-
zelgliedes, auch die Keule etwas dunkler; das 5te Glied
nicht ganz so breit als die folgenden: auch die Höcker
der Flügeldecken, besonders nach der Spitze zu auf der
hinteren Seite ins trüb und schmutzig Gelbgreise, zuwei-
len kupfrig schimmernde fallend. Kopf und Halsschild
grob runzlig punktirt, die Stirn der Länge nach seicht
eingedrückt mit feiner Mittellinie ; die Oberlippe schmut-
zig gelb. Das Halsschild mit einem kräftigen Querwulste,
dessen Vorderhälfte zwei fast bis zum Vorderrande rei-
chende, je zweimal unterbrochene Längskiele zeigt; das
Hinterende jeder Kiellinie ist nach aussen und vorn wie-
der umgebogen und dadurch zu einem etwas gekrümm-
ten Höcker vergrössert. W^eiter hinterwärts läuft über
den Querwulst noch ein in der Mitte unterbrochener und
jederseits dieser Unterbrechung zu einem hinten steil
abfallenden und selbst etwas ausgehöhlten Höcker auf-
getriebener Querkiei , und endlich findet sich noch auf
der Vorderseite jederseits neben der ersten Unterbrechung
der beiden Kiellinien ein kräftiger, warzenförmiger Höcker,
während die ganzen Aussenseiten des Halsschildes noch wei-
ter mit schwächeren Erhöhungen bedeckt sind. Das Schild-
chen hinten dreieckig verbreitert, vorn leicht doppelt
ausgerandet, scharf längskielig, und mit der etwas vor-
Verzeichn. d. auf d, Insol Cuba gesammelt. Chrysomelinen. 293
gezogenen Spitze dieser Kiellinie in den kurzen und
stumpfen Ausschnitt des Ilalsscliildes eingeschoben. Die
Deckschilde so lang wie breit , mit länglichen ziemlich
flachen Schulterbeulen und sehr kräftigen Seitenlappen.
Die Oberfläche grob runzlig punktirt und uneben, matt
schwarz, und mit einer Anzahl von Höckern und erhöh-
ten Linien besetzt. Zuerst steht ein solcher Höcker auf
jeder Flügeldecke dicht an der Wurzelkante mitten zwi-
schen Schildchen und Schulterbeule, und an seiner Aus-
senseite zieht sich eine schwach erhöhte (bei einem Stücke
erloschene) Schräglinie nach hinten und innen, erweitert
sich neben der Naht zu einem Höcker und verlängert
sich dann bis zur Mitte der Flügeldeckenlänge, wo sie
sich an die Innenseite eines ebenfalls kräftigen Querhök-
kers anschliesst. An die Aussenseite des letzteren lehnt
sich dann eine zweite, stärkere vSchräglinie, welche von
der Schulterbeule ausgehend erst leicht gekrümmt, dann
fast rechtwinklig gebrochen sich nach Hinten und Innen
wendet. Alsdann folgt noch eine Längsreihe von drei
rundlichen Höckern die Naht entlang, von denen der
mittlere etwas nach Aussen gerückte auf der Wölbung der
derbste ist; weiter finden sich vier längs dem Aussen-
rande, deren vorderer ausserhalb der Schulterbeule sich
etwas kielartig in die Länge streckt und dadurch mit
dem 2ten undeutlich zusammenhängt; und endlich liegt
zwischen dem ersten Höcker der inneren und dem zwei-
ten der äusseren Reihe noch eine undeutliche höckerartige
Erhöhung, welche mit der äusseren vorderen Schräglinie
durch eine scharfe Längsrippe verbunden ist. Das Pygi-
dium mit drei Längskielen, deren Zwischenräume wieder
durch Querrippen in je drei längliche, vertiefte Felder
vertheilt sind; das Innere derselben matt, kaum punktirt,
der ausserhalb der seitlichen Kiele liegende Raum dage-
gen mit zerstreuten gröberen Punkten besetzt. Unterseite
und Beine gleichfalls schwarz ; das letzte Segment des
$ mit dem gewöhnlichen Grübchen.
17. Chi. straminea m. Pallida, thoracis trans-
versim gibbosi maculis duabus posticis, elytrorum litura
294 Suffrian:
pectoris medio fiisco-brunneis, elytris pimctatis octo-tuber-
culatis. Long. Ve'"; lat. ^-k'".
Eine kleine, bis dahin nur in zwei Stücken gefun-
dene, durch ihre Färbung sehr ausgezeichnete Art. Die
letztere ist ein bleicbes, weissliches Gelb, am Hinterrande
des Halsschildes jederseits des Mittellappens mit einem
schlecht begränzten, schmutzig bräunlichen Längs wische,
und einem ähnlichen gemeinsamen, aber schwächeren und
vorn noch mehr abgeschwächten auf der Naht bis zur
Mitte ihrer Länge hin, von welchem aber bei einem jener
beiden Stücke nur das unscheinbare Hinterende vorhan-
den ist; eben so ist auch die Mitte der Hinterbrust mit
dem Unterrande des Kopfschildes schmutzig gebräunt.
Der Kopf mit deutlicher Stirnlinie, grob punktirt, die
Augen schwarz; die Fühler mit sehr grossem, kugelför-
migem zweiten Gliede, die drei folgenden dünn verkehrt-
kegelförmig, glashell durchscheinend, die Keule erst an
dem 6ten aber die Breite der folgenden nicht ganz er-
reichenden Gliede beginnend, ziemlich dicht gedrängt aber
nicht sehr breit, leicht gebräunt. Das Halsschild seitlich
etwas uneben, auf der Mitte mit einem massigen, vorn
mit schwächerer Krümmung, hinten steiler abfallenden
Querwulste besetzt, welcher oben durch eine seichte Längs-
furche in zwei kurze und stumpfe Längshöcker getheilt
wird. Von der Aussenseite dieses Querwulstes schräg
nach vorn liegt ein kleinerer, rundlicher Höcker, uiad iein
noch scliAvächerer zwischen letzterem und der-iMitt^* deS
Seitenrandes in der verlängerten Richtuiigi'^der SGhbMe^]-
beule. Das Schildchen dreieckig, \hi'rit'eia<'geraxle dbgd^
stutzt, mit dem Vorderzipfell dienk ' Ä^nsiscHnütte' des Hais-
Schildslappens eing<ifög*.i nl Die' > D^ckschiidiq ":läng<Ikl!^v)ijgii+
eckigy nejLwiai; ^4 längeriiaUl'breit, vöa?n IrnniidabüScMldiMien
e'biyab nded^Vgddiüe'khJ, giröb* piviafetitty-und' die ii(im-^inneTh
gißbräwliiitWn) • xPw.üktei 'sSt^lle^i weise] ■ 'bcso-nders * ^OTn,:t lanas^sen
aiild IvoniderSfiitfe^ z« !abgerrs«eben dnfdiWeUig 'gekf-uibmf
ten Längslinien an einaMör g^ei'eiiit/Lwbd\ir?2hiditefHDC(ke^
^Wj^ei^q,..^^ s(;l^,^ielige „A]if,ty^*f^pnge» 49a-)ZAyj?chen-
j:^|]^npfe,,^V^S^?Wlp'^i*..^Pvde,;i. .Pa.sijnd,;' einige U^iinf^ia Vyjwl^t:^
abgerechnet, auf jeder Flügeldecke acht vorhanden, nämlich
Verzeichn. d. auf d. Insel Cuba gesammelt. Chrysomelinen. 295
vor der Mitte vier in eine schräg nach aussen gerich-
tete Raute gestellt, und zwar zwei an der Wurzel, deren
äusserer mit der Schulterbeule zusammenfällt, und zwei
dahinter, mehr einwärts gerückt, zwischen denen hinter-
wärts noch eine schwächere Auftreibung. Alsdann hin-
ter der Mitte nochmals vier in einem bis zur Wölbung
reichenden und hier sich verengenden Viereck, in dessen
Mitte sich noch einige schwächer erhöhte Schwielen zei-
gen. Von diesen acht Höckern sind die vier Inneren die
stärkeren, ziemlich gleichmässig gestaltet , und in eine
vorn stärker, hinten schw^ächer nach aussen gekrümmte
Längslinie gestellt. Auf der Unterseite ist auch der
breite Aussenrand des ersten Ringes jedeiseits mit zwei
hinter einander liegenden rundlichen Beulen besetzt. Die
Fussglieder massig breit, das Krallenglied kräftig mit
geschwärzten Krallenhäkchen. Das Prosternum jederseits
breit ausgebuchtet, hinterwärts zusammengedrückt- ver-
schmälert; das letzte Segment des allein vorliegenden $
mit einer länglichen, glänzenden Grube.
V. Cryptoeephaluis Geoffr.
Bei der Aufzählung der langen Reihe der dieser
ganzen Gruppe angehörenden Arten folge ich der von
mir zuletzt in der Linnaea Ent. XII. S. 345 ff. aufgestell-
ten Anordnung.
a. (Rotte 1.)
18. Cr. er enu latus m. Linn.^Ent. XII. 345. n. 2.
In die Diagnose und Beschreibung dieser Art haben
sich ein paar sinnentstellende Druckfehler eingeschlichen.
In der ersteren muss es, wie auch schon die Zusam-
menstellung mit Cr. ornatus und die nachfolgende Be-
schreibung ergiebt, heissen: „mit zwei tiefbraunen S ehr äg-
binden" (nicht: Querbinden): und in der Beschreibung
Z. 6 V. u. statt: „Querwurzeln^ gelesen werden: „Quer-
runzeln." Die beiden Schrägbinden sind stets tiefer ge-
bräunt als bei Cr. ornatus, zuweilen auch schwarz-
296 Suffrian:
b. (Rotte 3.)
19. Cr. chloroticus Oliv. Linn. Ent. VI. 247.
n. 9. XII. 350. n. 11. Von Dr. Gundlach nun auch auf
Cuba gefunden, und zwar in beiden von mir erwähnten
Formen eingesandt. Die beiden vorliegenden Stücke sind
$ ; das eine von G. selbst gefundene ist etwa S^/s" lang,
zeigt ein ungeflecktes Haischild, und stimmt auf das Ge-
naueste mit Oliviers Beschreibung (dem Habitus auch
gut genug mit dessen Abbildung) überein. Bei dem 2ten,
noch etwas grösseren (Prof. Poey gehörig) ist der Fleck
des Halsschildes in ziemlicher Intensität und mit im Gan-
zen scharfer Begränzung vorhanden, aber nach aussen
stark verkürzt, und in der Mitte durch die schon Linn.
XII. 350 erwähnte helle Längslinie vollständig in zwei
Querflecke zerrissen. Uebrigens sind die $ dieser Art
hinterwärts merklich weniger verschmälert als die d^;
und ausserdem ist die Färbung der Beine bei den vor-
liegenden Stücken dunkler, mehr ins Rothgelbe fallend,
der Zeichnung des Halsschilds ähnlicher, und daher deut-
lich gegen die Färbung der Deckschilde abstechend. Wei-
tere, etwa eine specifische Verschiedenheit begründende
Abweichungen finde ich nicht.
c. (Rotte 4).
20. Cr. grossulus m. Linn. Ent. VL 248. n. 10.
XII. 350. n. 12, Auch bei den jetzt wieder von G. ein-
gesandten Stücken zeigt das cT die von mir an der er-
steren Stelle als die normale beschriebene Färbung, das
(merklich grössere) $ die Färbung der an der letzteren
Stelle aufgestellten var. ß, und ich habe deshalb kein Be-
denken, jene Verschiedenheiten als eine sexuelle Ditfe-
renz, und den Mangel der an der Naht unterbrochenen
rothen Querbinde, so wie die Unterbrechung des rothen
Aussenrandes hinter der Querrunzel als die Merkmale
des $ anzunehmen.
21. Cr. margin ic Ollis Latr. ibid. VL 258. n. 15.
XII. 351. n. 17. Die Art ist wegen der folgenden nahe
verwandten folgendermaassen za charakterisiren : „Cr. po-
Verzeichn. d. auf d. Insel Cuba gesammelt. Chrysomelinen. 297
stice angustatus brunneo -coerulescens, thoracis rugoso-
punctati margine antico et laterali maculisque duabus,
elytrorum limbo pone medium interrupto fasciaque inter-
rupta flavis, interstitiis subrugosis convexiusculis." Long.
2— 27.'"; lat. IV2— IV4'".
22. Cr. commutatus m. Cylindricus brunneo-
coerulescens, tlioracis siibtillssime rugulosi margine antico
et laterali maculisque duabus, elytrorum limbo basali et
apicali fasciaque interrupta flavis , interstitiis subrugosis
convexiusculis. Long. IVs — 2Y2'"; lat. 1 — 1 V2'".
Der vorliegende Käfer ist von G. mit dem vorher-
gehenden vermengt und als eine Form desselben einge-
sandt worden, ihm auch täuschend ähnlich, aber doch auch
wieder so abweichend, dass ich ihn nicht mit jenem ver-
einigen kann. Diese Abweichungen zeigen sich zunächst
im Umrisse, indem die vorliegende Art sich nicht, wie
Cr. marginiGollü j hinterwärts stark eiförmig verschmä-
lert, sondern sich bei beiden Geschlechtern in einer dem
Gr. 14:-signaUii> Mann, ähnlicher Weise w^alzenförmig in
die Länge streckt, daher bei einer für das $ gleichen, das
(-^ etwas geringeren Grösse auch an der breitesten Stelle
des Körpers gleich hinter den Schultern merklich schma-
ler als Cr. marginicollis erscheint. Ausserdem ist das
Schildchen bei gleicher Länge um die Hälfte schmaler
als bei jenem. Die Sculptur des Halsschüds wird durch
äusserst feine, schräg nach vorn und aussen gerichtete
dicht gedrängte Nadelrisse gebildet, durch welche die
Oberfläche einen stark seidenglänzenden Schimmer erhält.
Die gelbe Zeichnung der Oberseite ist beschränkter, ins-
besondere sind die Flecke des Halsschilds kleiner, mehr
schräg liegend, zuweilen nur punktförmig; auf den Deck-
schilden ist die gelbe Wurzelbinde auf den Raum zwi-
schen Schildchen und Schulterbeule beschränkt, so dass
letztere nebst dem Schulterrande bis zur Querbinde frei
bleibt; letztere selbst ist in drei vereinzelte Flecke aufge-
löst, deren innerer auf den drei ersten Zwischenräumen, der
2. auf dem 6. und 7. hinter der Querrunzel, der dritte
auf letzterer selbst und vor ihr auf dem 9. Zwischenräume,
und von diesem in den hinteren Theil des Seitenlappens
298 Suffrian:
übertretend. Auch der Spitzenfleck ist kleiner, und liegt
nicht in, sondern vor der Spitze, so dass der von dem
zusammenfliessenden 1. und 9. Zwischenräume gebildete
Hinterrand der Flügeldecken, wenn auch in der Mitte
zuweilen ins verwaschen Gelbliche fallend, doch von dem
eigentlichen Spitzenflecke nicht berührt wird. Endlich
ist auch der Vorderrand des Prosternums bei beiden Ge-
schlechtern in eine blasenförmige Spitze ausgezogen, nicht,
wie bei Cr. marginicollis, nur zugerundet. Alles Uebrige
wie bei der genannten Art.
23. Cr. sericatus m. Linn. Ent. XII. 351. n. 22.
24. Cr. e latus m. Fusco-brunneus, thoracis rugu-
losi margine antico et laterali macula postica transversa,
elytris basi fascia interrupta maculisque duabus femorum
apice flavis, interstitiis subrugosis convexiusculis. Long.
IVs'"; lat. 1-'.
Etwa von der Gestalt und dem Umrisse des Cr.
strigiGollis und sericatus, von beiden aber durch die Fär-
bung, von ersterem auch durch die Sculptur des Hals-
schilds, von letzterem durch die ganz abweichende Far-
benvertheilung hinlänglich verschieden. Die Farbe braun-
roth, ins Weinrothe fallend, mit leicht bläulichem Schim-
mer. Der Kopf fein längsrunzlig mit kurzer Stirnlinie,
das Kopfschild sehr fein längskielig, seine Seiten , das
Innere der Augenbuchten mit den üeberresten der Füh-
ler, den Mundtheilen bis auf die schwarzen Kinnbacken,
und dem unteren Theile der Oberlippe hellgelb. Das
Halsschild fein narbig gerunzelt, seidig durchschimmernd,
ein breiter Seiten- und ein schmaler, in der Mitte hin-
terwärts etwas erweiterter Vorderrand mit einer die Mitte
des Hinterrandes einnehmenden, deutlich aus zwei fast
quer liegenden länglichen Flecken gebildeten Querbinde
hellgelb. Das Schildchen länglichviereckig mit grossem
Vordergrübchen, hinten breit abgestutzt. Die Deckschilde
wenig länger als breit, hinterwärts etwas verschmälert,
Schulterbeulen und Seitenlappen schw^ach entwickelt, die
Punktstreifen sehr regelmässig und bis zur Spitze deut-
lich, die Querrunzcl fast quer liegend , die Vorderen-
den des 6. und 7. Streifens vor ihr vollständig ausge-
Verzeichn. d. auf d. Insel Cuba gesammelt. Chrysomelinen. 299
bildet^ hinter Ihr der 6. sich sogleich fortsetzend, caber
weiterhin cabgckürzt; vor der Fortsetzung des 7. und 8.
ein viereckiges Längsfeld, hinter welchem von dem 7. nur
wenige, bald mit dem Hinterende des 6. zusammenlaufende
Punkte sich finden, während der 8. dagegen erst vor der
Wölbung ausläuft. Die flach gewölbten Zwischenräume
durch feine Runzeln etwas matt ; die Wurzel der Flügel-
decken von der Schulterbeule bis zur hinteren Schild-
chenecke gelb, und dieselbe Farbe zeigt eine auf der
Mitte liegende, hinterwärts zurücktretende und aus drei
oder eigentlich vier getrennten Flecken bestehende Quer-
binde : der innere längs der Naht sich zipfelförmig nach
hinten streckend, nach aussen den 2. und 3. Streifen
unterbrechend und dann wieder auf dem 3. Zwischen-
räume nach vorn ausgezogen, der 2. auf der Querrunzel
und dem viereckigen Felde hinter derselben, hinter letz-
terem noch von einem trüben Fleckchen begleitet; der
äussere ein breiter Längsfleck auf dem 9. Zwischenräume
über dem Seitenlappen. Weiter hinterwärts findet sich
noch ein Längsfleck in dem Winkel, wo der 5. und 8.
Punktstreifen zusammentreffen , und endlich liegt noch
ein an den Enden verwaschener ßogenfleck auf dem zu
sammenstossenden 2, und 8. Zwischenräume vor der Spitze;
dazu noch einzelne verloschene gelbliche Ijängswische
auf dem einen und dem anderen Zwischenräume, aber
nicht einmal auf beiden Flügeldecken gleichmässig ver-
theilt. Das mit der Mitte des Hinterleibes stärker ins
Bläuliche fallende Pygidium zeigt am Unterrande zwei
verwaschene gelbliche Flecke ; eben so sind auf der Un-
terseite die Schulterblätter, je ein Fleck an den Seiten
des ersten Bauchringes und, w^enn auch trüber, der un-
terbrochene Hinterrand des letzten Bauchringes gelblich.
Die Beine mit den Hüften gelb, die Schenkel in der
Mitte breit gebräunt. Das Prosternum gelb, hinten tief
eingedrückt, in zwei kurze , breit dreieckig zugespitzte
Zipfel auslaufend. Das letzte Segment des einzigen vor-
liegenden $ mit einer grossen, rundlichen Grube.
Nur einmal von Prof. Foey gefunden.
25. Cr. cur tus m. Linn. Ent YL 268. n. 20. XIL
.Vrchiv f. Naturg. XXXII. Jahrg. 1. Bd. 19
300 Suffrian:
353. n. 23. Bei einem der vorliegenden $ hat sich die
stahlblaue Färbung soweit ausgedehnt^ dass eins Plalsschild
bis auf einen schmalen Vorder- und Seitenrand und die
hinteren punktförmigen Fleckchen stahlblau erscheint.
Auch auf den Deckschiiden haben sich die beiden stahl-
blauen Querbinden entsprechend verbreitert , und der
übrig gebliebene Theil des weisslichen Grundes stellt
fast ganz genau — nur mit breiteren, sowohl den zusam-
menstossenden 1. und 9., wie den 2. und 8. Zwischen-
raum einnehmenden Spitzenflecken — die gelbliche Flü-
geldeckenzeichnung des Cr. mar g 17110 oUis dar. Bei ein-
zelnen Stücken fällt die blaue Zeichnung, besonders auf
dem Halsschilde, stark ins Grünliche.
26. Cr. rusticus m. Linn. Ent. VI. 270. n. 21. XIL
353. n. 24. Die Beine, wie die Binden der Deckschilde
erscheinen manchmal tief stahlblau, und letztere zuweilen
so stark verbreitert, dass sie, wie bei dem oben erwähn-
ten $ des Cr. curtuSj anscheinend die Grundfarbe bilden,
und die rostrothe Grundfarbe wenigstens längs der Wur-
zel und in der Mitte zu einer durch die groben Punkt-
streifen und das schwärzliche Innere ihrer Punkte zer-
rissenen Querbinde zusammenschwindet. Das (/ ist merk-
lich kleiner als das $ (Long. IY2'"; lat. 1'"), und auf dem
letzten Bauchringe nur sanft quer niedergedrückt.
27. Cr. V i n c t u s m. Purpureo - brunneus , antennis
tibiis tarsisque, thoracis profunde rugoso-punctati limbo
antico, elytris basi fascia media punctisque ante apicem
flavis, his profunde punctato-striatis, interstitiis convexius-
culis. Long. 12/3-2 V2'"; lat. P/e— IVs'".
Gleichmässig purpurbraun, das Halsschiid mit den
Mundtheilen und Fühlern , ein meistens unterbrochener
Vorderrand des Ilalsschilds, ein schmaler schwielig er-
höhter Wurzelsaum, und eine eben so schmale, häufig
unterbrochene Querbinde der Flügeldecken mit 2 — 3 Punk-
ten vor der Spitze hell gelb. Bei dem c/ sind diese
Zeichnungen deutlicher, gewöhnlich auch noch die oberen
inneren Augenränder schmal gelb gesäumt und die Hin-
terecken des Halsschilds gelb, während umgekehrt bei
schwach gezeichneten $ die Punkte vor der Spitze der
VA
Verzeichn, d. auf d. Insel Cuba gesammelt. Chrysomelinen. 301
Flügeldecken theihvcise oder ganz fehlen, auch die Mit-
telbinde sich trübt, oder gar sich in wenige und verein-
zelte Punkte auflöst. Kopf und Plalsschild dicht und
grob punktirt, letzteres vor dem Hinterrande jederseits
nur wenig schräg niedergedrückt. Das ziemh'ch schmale
Schildchen etwas länger als breit, mit deutlichem Vor-
dergrübchen. Die Deckschilde hinterwärts etwas ver-
schmälert, die Schulterbeulen flach, die Seitenlappen tief
herabgezogen, auf ihrem umgeschlagenen Rande mit einer
Reihe tief eingegrabener Punkte besetzt, und über ihnen
die Deckschilde stark zusammengedrückt. Die Punkt-
streffen grob, aus tiefen grübchenartigen, dicht gedräng-
ten Punkten gebildet, bis zur Spitze gleichmässig ; die
Querrunzel schmal, die vor ihr liegenden Vorderenden
des 6. bis 8. Streifens dicht zusammengeschoben, aber
doch erkennbar, hinter ihr nur die Hinterenden des 7.
und 8. Streifens vorhanden. Die Zwischenräume schmal
und leistenförmig, fein gerunzelt, daher nur schwach
glänzend; die gelbe Querbinde eben so schmal wie der
Wurzelsaum , mit ihrem äusseren Theile die Querrunzel
einnehmend, daher bei Unterbrechung oder theilweiser
Trübung doch stets mehr oder weniger erkennbar; ihr
äusserstes Ende in der Regel durch den gröberen 9.
Punktstreifen als vereinzelter Punkt abgerissen. Von den
hinteren Punkten stehen, wenn alle vorhanden, zwei auf
der Wölbung, der eine auf den 2. und der andere auf
dem 8., ein dritter (meist der deutlichste) unter der
Wölbung auf dem 6. Zwischenräume. Das grob punk-
tirte Pygidium fällt mit Unterseite und Schenkeln stark
ins Stahlblaue; Vorder- und Mittelbrüst, manchmal auch
ein Längsfleckchen auf der Innenkante der Vorderschen-
kel sind gelb. Das Prosternum runzlig punktirt, vorn in
eine kahnartige Spitze ausgezogen, hinten eingedrückt
und mit zwei schwieligen Spitzen vorspringend. Das
letzte Segment des d^ einfach, das $ mit der gewöhnli-
chen rundlichen Grube.
28. C r. r u b r 0 f a s c i a t u s Chv. Linn. Ent. VI. 273.
n. 23. XII. 353. n. 2G. Nach den auch jetzt w^ieder ein-
gesandten Stücken scheint es bei dieser Art als Regel
302 Suffrian:
gelten zu müssen, dass die beiden röthlichen Fleckchen
vor der Spitze der Flügeldecken mit einander und dem
die Spitze umziehenden Saume zu einem grossen röthli-
chen, quergezogenen Spitzenfleck zusammenfliessen. Eins
dieser Stücke zeigt zugleich die mittlere rothe Querbinde
unterbrochen , und stellt wohl eigentlich den Typus der
Art dar.
29. Cr. Poeyi m. Chalybeus, antennis pedibus
elytrorum macula media rubris, thorace nitido, elytris sub-
tiliter punctato-striatis, interstitiis planis laevibus. Long.
2V/"; lat. IV2'".
Ein schöner, stattlicher Käfer, noch etwas grösser,
besonders breiter als der vorhergehende, und in der Fär-
bung dieser Art, in der feinen Sculptur und dem glatten
Halsschilde mehr den beiden folgenden ähnlich. Die
Farbe ein reines, glänzendes, ins Veilchenblaue fallendes
Stahlblau, Oberlippe, Fühler, Taster, Beine und ein brei-
ter Querfleck auf jeder Flügeldecke eben so rein roth.
Der Kopf zerstreut punktirt, matter als der übrige Kör-
per. Das Halsschild spiegelglatt, vor dem Schildchen
jederseits ein ziemlich tiefer Schrägeindruck, und auch
der Hinterrand deutlich eingesenkt. Das Schildchen um
die Hälfte länger als breit, hinterwärts wenig verschmä-
lert und kurz abgestutzt, mit unscheinbarem Vordergrüb-
chen. Die Deckschilde um die Hälfte länger als breit,
bei dem allein vorliegenden $ seitwärts wenig verschmä-
lert, längs der Wurzel nach vorn schräg abwärts gewölbt ;
die Schulterbeulen eckig, die Seitenlappen gross, und
über ihnen die Deckschildc sehr scharf zusammenge-
drückt. Die Punktstreifen regelmässig, vorn von mas-
siger Stärke, von der Mitte ab merklich feiner ; die Quer-
runzel gross, flach erhöht, bei ihrem Zusammenhange
mit dem 4. Zwischenräume bogig verbreitert, vor ihr der
6. und 7. Punktstreifen vollständig ausgebildet, hinter-
wärts von beiden nur ein paar gröbere, von dem 6. dann
nur noch einige schwächere Punkte vorhanden, während
der 7. sich hinter jenen gröberen Punkten zwar abschwächt,
aber doch bis zur Wölbung kenntlich ausläuft. Zwischen
jenen gröberen Punkten und der Querrunzel selbst noch
Verzeichn. d. auf d. lusel Cnba gesammelt. Cluy.souielineii. 303
ein kleineres, aber gleichfalls etwas erhöhtes Querfeld.
Die Zwischenräume vorn leicht aufgewölbt, hinterwärts
flach, und dabei glänzend. Längs der Wurzel geht die
stahlblaue Färbung in ein tieferes öchwarzblau über, und
spielt in dem tiefen Quereindruck über den Scitenlappen
leicht ins ßlaugrünliche : ausserdem zeigt jede Flügel-
decke in der Mitte einen grossen rothen Querfleck zwi-
schen dem 1. und 8. Punktstreifen, so dass der äussere
und schärfer begränzte Theil die Querrunzel und das hin-
ter ihr liegende Feld einnimmt. Das Pjgidium zerstreut
aber deutlich punktirt, auf der Unterseite nur der Hin-
terleib sehr fein und zerstreut gerunzelt. Das Prosternum
der Länge nach leicht aufgetrieben, hinten dreieckig ein-
gedrückt, mit kurzen, breiten, scharf vorspringenden Hin-
terenden; der Vorderrand abwärts gebogen und in eine
breit löfFelförmig ausgehöhlte, abgerundete Spitze vor-
gezogen. Das letzte Segment des $ mit einer breiten,
halbkugligen glänzenden Grube.
Nur ein $ von Prof. Poe 7 gefunden.
30. Cr. bicinctus m. Linn. VL 275. n.24. XIL
354. n. 27. Nur die an der letzteren Stelle aufgeführte
var. ß. mit breit verwaschen gerötheter Spitze der Deck-
schilde.
31. Cr. hypocrita m. Linn. VL 277. n. 25. XIL
354. n. 28. Die specifische Verschiedenheit dieser und
der vorhergehenden Art ist mir einigermassen zweifel-
haft geworden, da die von G. jetzt eingesandten Stücke
Mittelformen zwischen beiden zu bilden scheinen, und zu-
letzt ausser der intensiver goldgrünen Färbung des Cr.
hypocrita kaum etwas Anderes als die, bei letzterem etwas
gröbere Sculptur der Deckschilde und ein etwas schma-
leres Schildchen übrig bleibt. Etwas Sicheres wird sich
jedoch erst feststellen lassen , wenn von beiden eine
grössere Zahl von Exemplaren zum Vergleiche vorliegt.
Ich habe früher von jeder nur ein einziges $ vor mir
gehabt, und auch jetzt hat G. von jeder nur ein einziges
Stück eingesandt, so dass beide zu den seltenern Käfern
zu gehören scheinen.
32. C r. r u f i t a r s i s Klug. Linn. Ent. VL 278. n. 26.
804 Suffrian:
XII. 354. n. 29. Das J" ist von dem ^ des folgenden
weniger in der Grösse, als im Umrisse verschieden. Un-
ter den von G. früher eingesandten Stücken befand sich
auch ein tief blangrünes $.
33. Cr. tibiellus m. Linn. Ent. XII. 354. n. 30.
Die jetzt von G. gesandten Stücke stimmen ganz mit
den früheren überein, und zeigen daher auch die a. a. 0.
hervorgehobenen Unterschiede in der Vertheilung der
rothen Farbe von der vorhergehenden Axt. Die Sculptur-
verschiedenheit beider Arten auf den Deckschilden ist
so gross, dass, wenn man gleiche Geschlechter zusammen-
hält, die gröberen Punktstreifen des Cr. rufitarsis^ na-
mentlich bei dessen 5, schon mit blossem Auge wahrge-
nommen werden können. Uebrigens findet sich auch Cr.
tibiellus in einer tief ins Blaugrüne fallenden Form.
34. Cr. viridipennis Dej. Linn. Ent. VI. 280.
n. 27. XII. 355. n. 31. Eine auf Cuba anscheinend nichts
weniger als seltene, in der Grösse, der Färbung, auch
in der Sculptur des Halsschilds überaus veränderliche
Art. In der Grösse erreichen die kleinsten mir vorlie-
genden ^^^ kaum eine Länge von IV3'", während die gröss-
ten $ noch über 3'" hinausreichen; in der Färbung- ge-
winnt das Goldgrün der Deckschilde zuweilen eine sol-
che Ausdehnung, dass von der weinrothen Grundfarbe
nur ein verwaschenen Seitenrand und eine ziemlich schmale,
schlecht begränzte Querbinde der Deckschilde übrig
bleibt: andererseits verschwindet jene Färbung bis auf die
Schulterbeule, einen schwachen Schimmer längs der Naht
und einen Wolkenfleck auf der Wölbung bei einzelnen
Stücken fast ganz, und an die Stelle der weinrothen Grund-
farbe tritt dann auf Kopf, Halsschild und Deckschilde
ein fahles Ziegelroth, welches ich nur als Folge einer nicht
vollständig verlaufenen Ausfärbung ansehen mochte, wel-
ches aber noch sehr weit von dem reinen, hellen Roth
des folgenden Käfers verschieden ist. Endlich zeigt auch
noch die Sculptur des Halsschildes, abgesehen von Grösse
und Färbung, sehr bemerkenswerthe Verschiedenheiten.
Der Regel nach ist dasselbe sehr dicht und fein gerun-
zelt, daher etwas seidenartig schimmernd, oder auch auf
Yerzeichii, d. auf d. Insel Ciiba gesammelt. Chrysomelinen. 305
der Mitte stärker glänzend; bald aber erscheint statt der
feinen Runzeln oder stellenweise mit ihnen gemischt
eine dichte und feine, aber etwas deutlichere Punktirung ;
dieselbe wird nach den Seitenrändern zu stärker, und
zwischen ihnen treten hier, besonders längs der hinteren
Hälfte des Seitenrandes und allmählich auch den Hinter-
rand begleitend, grössere narbig -runzlige Vertiefungen
und Eindrücke auf, die sich immer weiter ausdehnen und
zuletzt die ganze Fläche des Halsschilds einnehmen, nur
dass dann der vordere Theil des Mittelfeldes weniger
grob als die übrige Fläche davon ergriffen erscheint.
Nach Dr. Gundla ch's Mittheilung sind alle diese Stücke
mit grobgerunzelten Seiten des Halsschilds von ihm in
Baracoa am östlichsten Ende der Insel gefunden worden,
während alle bei Cardenas und in den mittleren Gegen-
den des Landes gesammelten Exemplare nur jenes glatte,
fein gerunzelte Halsschild besitzen. Weitere Unterschiede
habe ich jedoch weder im Bau einzelner Körpertheile,
noch in der Sculptur und der Färbung auffinden kön-
nen, und wir vv^erden es deshalb, da unzweifelhafte
üebergänge vorliegen, hier wohl einmal mit einer wirk-
lichen Lokalvarietät zu thun haben.
35. Cr. pictus m. Linn. Ent. XH. 355. n. 32.
Auch bei dem nochmaligen Vergleiche des Käfers mit
19 mir augenblicklich vorliegenden Stücken der vorherge-
henden Art finde ich keine üebergänge, und halte des-
halb jetzt den Cr. pictus bestimmt für eine gute Art. Die
wesentlichsten Abweichungen bilden der ganz verschie-
dene Umriss, das bei sehr feiner dichter Punktirung doch
spiegelglänzende Halsschild, das rein,e Roth der Grund-
farbe, und die sehr scharfe Begränzung der goldgrünen
oder blaugrünen Zeichnung der Deckschilde, von denen
die hintere Binde ein volles Drittel umfasst. Bei dem
vorliegenden ^ hängt die vordere Binde mit der hinte-
ren längs dem 8. Zwischenräume durch einen metallisch
schimmernden braunlichen Wisch zusammen.
d. (Rotte IL)
36. Cr. pavidus m. Pallidus, thorace punctato.
306 Suffrian:
elytris profunde punctato-striatis litura nigricante, stria
quarta abbreviata, sexta et septima antice confusis, inter-
stitiis convexiusculis. Long. IY4 — IV2'"; lat. ^4 — 1'"-
Eine ToUständige Mittelart zwischen der vorherge-
henden und der gegenwärtigen Gruppe, in Färbung und
Habitus dem Gr. exaratus nicht unähnlich, aber nach der
Sculptur der Flügeldecken doch hierher gehörig, und
hinter dem Mexikanischen Cr. rimosus m. (Linn. Ent. XII.
368. n. 69) einzuschalten. Die Farbe ein ziemlich helles,
bleiches Strohgelb, die (bei dem ^ etwas mehr genäherten)
Augen, die obere Hälfte der Fühler und der Wurzelsaum
der Deckschilde schwarz; ausserdem die Oberseite der
unteren Fühlerglieder, das Innere der Punkte auf den
Deckschilden, und je eine Längslinie in den Punktstrei-
fen hinter der Mitte verwaschen geschwärzt, wodurch
daselbst eine ganz schwach angedeutete und unterbrochene
dunklere Querbinde gebildet wird; von einer ähnlichen
zeigt sich vor der Mitte eine nur bei einiger Entfernung
vom Auge wahrnehmbare schwache Andeutung. Kopf
und Halsschild dicht punktirt, mit massigem Glänze, letz-
teres hinten mit den gewöhnlichen beiden Schrägein-
drücken; das Schildchen lang und schmal dreieckig, hinten
kurz abgestutzt, mit undeutlichem Vordergrübchen, an der
Wurzel gleichfalls fein schwarz gesäumt. Die Deckschildc
hinterwärts stark verschmälert, hinter der Wurzel und dann
wieder vor der Mitte quer niedergedrückt, über den gros-
sen Seitenlappen stärker zusammengedrückt, mit flachen
Schulterbeulen. Die Punktstreifen grob, die Punkte ein-
ander ziemlich nahe gerückt, hinten in etwas vertiefte
Streifen eingedrückt, im Inneren geschwärzt, und diese
schmutzige Färbung hinter der Mitte in jedem Streifen zu
einer schmutzig getrübten Längslinie zusammenfliessend ;
letztere treten besonders auf dem 1. bis 4., und dann wie-
der auf dem 8. und 9. Streifen hervor, und bilden dadurch
die oben erwähnte schwache und trübe, unterbrochene
Querbinde. Hinter der Mitte läuft der erste Punktstreifen
mit dem 2. zusammen, der 4. bricht daselbst mit der auf
ihm liegenden schwärzlichen Längslinie ganz ab; die
Vorderenden des 6. bis 8. Streifens aber sind hinter der
Verzeichn. d. auf d. Insel Cuba gesammelt. Chrysomelinen. 307
Schulterbeule etwas in einander gewirrt, nachher theil-
weise unterbrochen, und bilden dadurch einige unregel-
mässige , nicht einmal immer auf beiden Flügeldecken
übereinstimmende Felder, hinter denen nur der 6. und 8.
Streifen sich bis zur Wölbung fortsetzen. Die Zwischen-
räume flach gewölbt und leicht gerunzelt, das Pygidium
punktirt, mit Unterseite und Beinen weisslichgelb. Der
Vorderrand des Prosternums spitz kahnförmig vorgezogen,
die Mitte der Länge nach aufgetrieben, hinten niederge-
drückt, mit kurzen, stark zugespitzten Hinterenden. Das
letzte Segment des cT einfach, des $ mit einer tiefen,
rundlichen Grube.
37. Cr. signatellus m. Luteus, thorace vario-
loso-punctato disco virescente, elytris lituris 4 virescenti-
bus (2, 1, 1), profunde punctato-striatis, stria 6ta et 7ma
abbreviatis , interstitiis convexis nitidulis. Long, ^/s'" ;
lat. Vs'".
Noch etwas kleiner als Cr. steroorator, aber diesem
letzteren sehr nahe verwandt. Die Farbe ein bleiches
Lehmgelb, die Fühlerenden schwärzlich; die Scheibe des
Halsschilds zeigt ein manchmal verwaschenes und ins
Bräunliche fallendes Grün, mit eben so verwaschenem gelb-
lichem Vorder- und Seitenrande, und vor dem Hinter-
rande liegen zwei nicht immer deutliche bleichere Schräg-
flecke. Ebenso liegen auf jeder Flügeldecke vier ver-
waschen bräunlichgrüne, metallischschimmernde Wische,
und zwar zwei vorn, der äussere auf der Schulterbeule,
der innere zwischen jenem und dem Schildchen auf dem
2. und 3. Zwischenräume, der 3. hinter der Mitte inner-
seits des schwieligen Längsfelds, und der 4. (grosseste)
auf der Wölbung zwischen dem 3. und 8. Streifen. Die
Unterseite schmutzig bräunlichgelb , die Ränder nebst
Pygidium und Beinen heller gelb. Dabei ist die ganze
Oberfläche lackglänzend, der auf der Stirn etwas gebräunte
Kopf massig- , das Halsschild grob und grubig punktirt ;
das Schildchen dreieckig mit undeutlichem Vordergrüb-
chen, bräunlicli oder grünlich; Schulterbeulen und Sei-
tenlappen schwach. Die Punktstreifen grob, hinten in
deutliche Furchen eingedrückt, der 6. und 7. vorder
308 Suffrian:
Mitte abgebrochen und dadurch zwischen dem 5. und 8.
Streifen ein länglichviereckiges schwielenartiges Feld
gebildet, um welches der 5. Streifen, dasselbe zuweilen
nochmals in die Quere durchsetzend, derartig herumzieht,
dass er hinterwärts nur eine gemeinsame Fortsetzung des
5. — 7. Streifens zu sein scheint. Die Zwischenräume sind
vorn leicht gewölbt, hinter der Mitte zu deutlichen Rip-
pen ausgebildet, die Punkte im Innern schmutzig ge-
bräunt. Die Hinterenden des Prosternums als kurze,
scharfe Spitzen vortretend, der Vorderrand mit gleich-
falls kurzer, flacher Rundung vorgezogen. Das letzte
Segment des — ■ ob immer? — unklarer gezeichneten ^
einfach, das ^ mit einer grossen, glänzenden Grube.
e. (Rotte 14.)
38. Cr. xeramp elinus m. Linn. Ent. VII. 45.
n. 74. XII. 373. n. 84.
f. (Rotte 19.)
39. Cr. pusio m. Linn. Ent. XII. 375. n. 107.
Diese Art ist a. a. O. von mir nach dem Habitus und der
Färbung in die folgende Rotte gebracht worden; sie
findet jedoch nach dem Bau des ziemlich breiten Schild-
chens und der Beschaffenheit der Punktstreifen hinter der
Schulterbeule hier ihre richtige Stelle, und ist am näch-
sten dem Columbischen Cr. globulosus m. (Linn. Ent. XV.
282. n. 59) verwandt. Uebrigens kommt der Käfer auch
auf Portorico und in Columbien vor.
40. Cr. squalens m. Linn. Ent. VIL 73. n. 88.
XII. 377. n. 97.
g. (Rotte 21.)
41. Cr. dives m. Linn. Ent. VII. 82. n.95. XII.
378. n. 105. Alle mir bis jetzt zu Gesicht gekommenen
$ zeigen den a. a. 0. erwähnten accessorischen rothen
Querfleck an der Wurzel der Flügeldecken neben dem
Schildchen. Bei einem der zuletzt eingesandten Stücke
ist derselbe jedoch so klein, dass er nur als Qm schma-
ler, nur die Breite des Schilchens selbst erreichender
Verzeichn. d. auf d. Insel Cuba gesaminelt. Chrysomelinen. 309
Schrägfleck erscheint^ und dadurch einen Uebergang zu
der normalen Form des J' bildet.
42. Cr. a z 11 r e i p e n n i s Chv. Linn. Ent. VII. 83.
n. 96. XII. 378. n. 106. Das c/ ist bedeutend kleiner (nur
etwa 1 72'" laiig)j besonders schmaler, und zeigt ein ein-
faches letztes Hinterleibssegment; die Farbe der Deck-
schilde ist übrigens eben so oft schön blau als blaugrün.
Von der einfarbigen Form des Cr. vinulus unterscheidet
sich die Art besonders durch den verhältnissmässig schlan-
ken_, auf dem Rücken weniger abgeflachten Körper und
das reine Roth von Kopf, Halsschild und Unterseite ; auch
fällt bei dieser Form des Cr. vinulus der rothgefärbte
Theil der Schenkel gewöhnlich viel mehr ins trüb Bräun-
lichröthliche, wie dasselbe auch bei dem Halsschilde der-
selben Art der Fall ist. Bei der vorliegenden sind die
aneinander stossenden Nahtkanten mitunter zart geröthet.
Hinsichts des nun folgenden, in der Linn. Ent. VII.
84. n. 97 von mir beschriebenen Cr. sauciua habe ich
schon ebend. XII. 380 angegeben, dass die von mir frü-
her als Cr. sauoius cT und $ verbundenen Käfer zwei
verschiedenen Arten angehören, und zugleich deren Merk-
male auseinander gesetzt. Beide Arten müssen daher in
folgender Weise diagnosticirt werden :
43. Cr. saucius m. Ferrugineus thorace laevissimo,
elytris coeruleis punctato-striatis, interstitiis convexiuscu-
lis, carina laterali antice ferruginea. Long. IV4 — IV/" 5
lat. V4-V6"'.
Cr. sancins. Linn. Ent. XII. 380. n. 108. — Cr. sancins ^. ib.
VII. 84. n. 97.
44. Cr. ephippium m. Dilute ferrugineus, tho-
race laevissimo ; elytris punctato-striatis planiusculis, basi
apiceque coeruleis. Long. 1 — l'Vs'" ; hat. -/.•} — '"/o"'-
Cr. ephippitfw. Linn. Ent. XII. 380. n. 109. — Cr. saucius $.
ib. VII. 84. n 97.
Die genaue ren Unterschiede beider, mir jetzt in bei-
den Geschlechtern bekannt gewordenen Arten sind von
mir in der Linnaea Ent. XII. a. a. 0. angegeben worden.
45. C r. V i n u 1 u s Mus. B. Linn. Ent. VIL 87. n. 99.
XU.38L n. 111. Das Halsschild ist stets trüber und dunk-
310 Suffrian:
1er gefärbt als bei Cr. azureipennis, und dadurch, "wie
durch den plumperen Körper und die gröberen Punkt-
streifen auch die ungefleckte var. /?. leicht von der erst-
genannten Art zu unterscheiden.
46. Cr. rubetra m. Linn. Ent. XII. 381. n. 112.
Das Schildchen ist bei dieser Art etwas kürzer und brei-
ter als bei den verwandten Arten, jedoch nicht derartig
abweichend , dass es deshalb nothwendig schiene, sie von
den letzteren zu trennen.
47. Cr. tortuosus Mus. B. Linn. Ent. VIL 59.
n. 100. XII. 383. n. 113. Bei einem zugleich ungewöhn-
lich grossen $ der letzten G.'schen Sendung (L. 274'")
hat die schwarzblaue Färbung der Flügeldecken sich soweit
ausgedehnt, dass nur noch die Wurzel, der Kiel des Sei-
tenlappens, ein schmaler Querfleck vor der Spitze, und
eine doppelte Querreihe vereinzelter, auf beiden Flügel-
decken weder der Zahl noch der Grösse nach gleichen
Fleckchen gelb geblieben ist. Zu dieser Form ziehe ich
ohne Bedenken den Cr. hardus Chevr. in Guer. Revue
et Mag. de Zool. 1864. n. 6. S. 180. Auch der a. a. 0.
als var. ß beschriebene Käfer ist wieder mitgekommen,
und Dr. Gundlaoh geneigt, darin eine eigene Art zu er-
kennen; ich vermag jedoch dieser Ansicht aus den dort
angegebenen Gründen nicht beizutreten, zumal ich die
Uebergänge gesehen habe, und ausser der Zeichnung und
der etwas geringeren Grösse sich weiter keine Verschie-
denheiten darbieten. Das oben erwähnte, auf den Flü-
geldecken überwiegend schwarzblaue ? bildet das entge-
gensetzte Extrem.
Uebrigens sind auch jetzt wieder alle eingeschickten
Stücke $, so dass das </ bis heute noch nicht aufgefunden
zu sein scheint.
4«. Cr. censorius m. Linn. Ent. XII. 383. n. 114.
Beide a. a. O. angeführte Abänderungen zeigen in der
Färbung noch mancherlei Verschiedenheiten. Bei der
von mir als typisch angenommenen Form ist die Vorder-
binde bald ununterbrochen, bald in drei mehr oder we-
niger getrennte Flecke zerrissen, der lichte Hinterfleck
innerhalb der Hiuterbinde jederseits der Naht bald nur
Verzeichn. d. auf d, Insel Ciiba gesammelt. Chrysomelinen. 311
zart, bald zu einem dicken gelben Bogenflecke erwei-
tert : bei der var. ß mit getrennten Flecken sind diese
bald grösser, bald kleiner, so dass zuletzt ausser dem
gemeinsamen vorderen Nahtflecke jede Flügeldecke eine
Längsreihe von drei schwarzen Flecken zeigt, welche
von dem gleichfalls in der Breite veränderlichen schwar-
zen Seitenrande mehr oder weniger weit entfernt sind.
Solche Stücke sind einzelnen Stücken des folgenden Cr.
5-punctatus sehr ähnlich, aber doch an der schwarzen
Färbung des Schildchens, der schärferen ßegränzung aller
schwarzen Zeichnungen, dem vereinzelten Hinterfleck und
dem stärkeren Hervortreten des 9. Zwischenraums von ihm
leicht zu unterscheiden ; nicht selten zeigt sich ausserdem
noch bei ihm eine feine schwärzliche Längslinie auf der
Aussenseite der Schienen.
49. Cr. 5-punctatus Mus. B. Linn. Ent.VH. 91.
n. lOL XII. 285. n. 116. Mit dem typischen Cr. ö-pun-
ctatus hat G. in Mehrzahl auch einen anscheinend sehr
veränderlichen Käfer eingesandt, den er für eine eigene
Art zu halten geneigt ist, und es lässt sich auch nicht
verkennen, dass einzelne extreme Formen desselben den
Eindruck einer solchen specifischen Verschiedenheit her-
vorrufen. Allein alle Unterschiede, die ich in der Ge-
stalt des Schildchens, in der Punktirung der Deckschilde,
und der Zeichnung von Halsschild und Flügeldecken zu
finden glaubte, haben sich, weil fast niemals bei densel-
ben Stücken zusammentreffend , als trügerisch erwiesen,
und ich kann deshalb bis auf Weiteres alle jene Formen
nur für Abänderungen einer und derselben Art halten,
die sich, wie nachstehend angegeben,^ unterscheiden lassen.
Das Halsschild ist bald ungefleckt, bald (und zwar nicht
gerade stets bei den Stücken mit sehr starker schwarzer
Zeichnung der Deckschilde) mit einem schwächeren oder
stärkeren eiförmigen, schlechtbegränzten, schwarzbläuli-
chen Querwische (wie bei Cr. censorius^ nur weniger in
die Quere ausgezogen) auf der Mitte gezeichnet. Das bei
den helleren Formen stets gelbe, auch bei den dunkleren
nur am Rande gebräunte Schildchen ist bald aus ziem-
lich breiter Basis mit tief ausgeschnittenen Seiten ver-
312 Suffrian:
schmälert, bald mehr gleichbreit; die Punktirung der
Deckschilde ist bald etwas weniger, bald mehr grob, in
letzterem Falle besonders hinter den Schnlterbeulen auf
die Zwischenräume übergreifend und dadurch gröbere
Querrunzeln bildend; der Saum der Flügeldecken ist leicht
gebräunt, bei den dunkleren Stücken in ein tieferes, aber
stets nur verwaschenes Braun übergehend, und die Zeich-
nung derselben (ausser dem stets gebräunten Inneren der
Punkte) in folgender Weise abändernd :
a. Die Flügeldecken einfarbig weissii'elb, nur die
Schulterbeulen leicht gebräunt. Ich habe davon Stücke
mit ungeflecktem Halsschilde, und auch solche vor mir,
wo dessen Mitte mit einem kleinen schmutzig bräunlichen
Querwische gezeichnet ist. ^ $. Bei einem dieser cT ist
das Schulterfleckchen etwas stärker und hinten zeigt sich
schon ein leichter bräunlicher Schatten. Ein solches un-
geflecktes $ hat Chevrolat in Guer. Revue et Mag. de
Zool. 1864. S. 180 unter dem Namen Gr. distensus be-
schrieben.
ß. Dieselben mit der in der Linn. Ent. a. a. 0. be-
schriebenen Zeichnung, nämlich einem gemeinschaftlichen
Nahtflecke hinter dem Schildchen und je zwei schwärzli-
chen, verwaschenen Flecken, der vordere auf der Schul-
terbeule, der hintere auf dem letzten Drittel der Flügel-
deckenlänge; das Halsschild ungefleckt. ^.
y. Alle diese Flecke grösser , intensiver, schärfer
begränzt, thellweise in die Quere ausgezogen, der Saum
der Flügeldecken fast schwarz; das Halsschild mit leich-
tem Mittelwisch. cT $•
d. Die drei vorderen und die beiden Hinterflecke
je zu einer gemeinsamen dicken schwarzen Querbinde
zusammengeflossen, welche bei einigen Stücken seitwärts
nur bis zu dem 9. Streifen reicht, bei anderen aber über-
fliessend sich mit dem bräunlichen oder schwärzlichen
Aussenrande vereinigt. Das Halsschild mit leichtem Mit-
telwische. Auch hiervon J" $.
Das d" ist etwas kleiner als das $ (nur etwa IV2'"
lang) und das letzte Hinterleibssegment bei ihm einfach.
50. Cr. complanatus m. Lina. Ent. VII. 91.
Verzeichn. d. auf d. Insel Cuba gesammelt. Chrysomelinen. 313
n. 101. XIL 385. n. 116. Ausser der etwas geringeren
Grösse und der meist iiclleren Färbung bestehen die
Plauptunterschiede dieser Art von der vorhergehenden in
dem flacheren Körper und der stets rein schwarzen Fär-
bung des Schildchens und Fliigeldcckensaumcs. Das Hals-
schild ist bei allen mir vorliegenden Stücken ungefleckt;
Abänderungen kenne ich nur hinsichts der Zeichnung
hinter dem Schildchen. Entweder fehlt letztere ganz^
oder es erscheint jederseits etwas schräg hinter dessen
Hinterende ein rundlicher schwarzer Punkt, oder diese
beiden Punkte fliessen zu einem, vom Schildchen getrenn-
ten und die Naht durchziehenden Querflecke zusammen,
oder letzterer erreicht vorn auch das Schildchen, und
bildet mit diesem einen dreieckigen Schildchenfleck. Die
am erst bezeichneten Orte erwähnte var. ß mit einem
dritten schwärzlichen Flecke unter der Wölbung habe ich
nicht wieder zu Gesicht bekommen, und würde jetzt da-
rin meine var. ß des Cr. censorius erkennen, falls von
letzterer Art, wie von Cr. ö-punctahcs Stücke mit gefleck-
tem und ungeflecktem Halsschilde vorkommen sollten.
51. Cr. cylindricus m. Linn. Ent. XII. 385. n.
117. Bei dem jetzt eingesandten ^ (Länge V/2'') spielt
die Färbung der Deckschilde trüb ins Purpurschwärzli-
che, während die Grundfarbe des Körpers in ein helleres
Rothgelb, fast Lehmgelb übergeht. Die Augen stossen
auf der Stirn vollständig zusammen, der Kopf ist gelb-
lich, die Stirnhöcker und der dazwischen liegende Raum
mit den Mundtheilen schwärzlich. Das Pygidium bleich-
gelb, mit einem grossen dreieckigen schwärzlichen Fleck
am unteren Rande, dessen Spitze nur wenig über die
Mitte des Pygidiums emporreicht; eben so sind die Sei-
ten von Hinterbrust und Hinterleib hellgelb, und gleiche
Färbung zeigt die breite Unterseite aller Schenkel, wäh-
rend die Knie röthlich durchscheinen. Das letzte Hin-
terleibssegment einfach. Ein noch weiter eingesandtes $
zeigt die hinteren Ränder aller Bauchringe breit rothgelb.
314 Suffrian:
VI. Maj^tacantlius m.
52. M. insularis m. Linn. Ent. VII. 136. n. I.
XII. 392. n. 1. Der vonCbevrolat in Querin Revue et
Mag. de Zool. 1864. S. 281 als Cubanische Art beschrie-
bene M. arcustriaius ist mir unbekannt. Er soll sich von
M. insularis durch abweichende Gestalt der Halsschilds-
zeichnung und nur eine Krümmung des 3. — 5. Punkt-
streifens unterscheiden.
VII. Pacliybracliys m.
53. P. tostus Mus. B. Linn. Ent. YIL 143. n. 1.
XII. 393. n. 1. Nachdem ich jetzt eine längere Reihe
von Stücken dieser Art, und mit dieser nochmals das
einzige von mir früher beschriebene c^ des P. costipen-
nis habe vergleichen können, stehe ich nicht an, den
letzteren nur für eine sehr eigenthümliche, aber keines-
weges das Extrem bildende Form des ersteren zu erklä-
ren, so dass die verschiedenen Formen des Cr. tosius fol-
gendermassen zu ordnen sind :
a. Plell und einfarbig rostgelb, obwohl vollständig
ausgehärtet, und deshalb wohl nicht ein blosses Produkt
unvollkommener Ausfärbung.
ß. Hell gelbbraun mit etwas tiefer gebräunter Wur-
zel der Deckschilde. Linn. E. XII. 393. u. 1. var. ß.
y. Hellbraun mit gelblichem Rande des Haldschilds,
die Deckschilde braun, die Wurzelkante, eine aus abge-
rissenen Längslinien gebildete Querbinde auf der Mitte,
und der Spitzenrand gelblich. P. costipennis Linn. E. a.
a. 0. n.2.
6. Wie y j nur der Raum vor und hinter dieser
gelben Querbinde nicht braun, sondern schwarz, und nach
den Binden hin ziemlich scharf begränzt.
e. Tief braun, die Querbinde verloschen und auch
die Spitze der Deckschilde nur trüb gelblich durchschei-
nend. P. iostus Linn. Ent. VII. 143. n. 1.
c. Pechschwarz, ohne Spur einer Querbinde, und
auch die Spitze der Deckschilde kaum etwas lichter. P.
tostus. Linn. Ent. XII. 393. n. 1. var. /.
Verzeichu. d. auf d. Insel Cuba gesammelt. Chrysomelinen. 315
Die cT sind ein wcnif^ kleiner und schmaler als die
$^ und ausserdem an den fast zusammenstossenden Augen,
wie an dem einfachen letzten Hinterleibsringe leicht kennt-
lich. Die Sculptur des Halsschilds ist sehr veränderlich,
im Allgemeinen aber bei den helleren Stücken feiner als
bei den dunklern, daher bei jenen auf der Mitte meist
sehr fein und zerstreut mit fast spiegelndem Zwischen-
grunde,- übrigens ist sie nach dem Seitenrande zu, beson-
ders in den Hinter winkeln, merklich kräftiger und auch
dichter gedrängt als auf dem Mittelfelde.
54. P. CO nglomeratus m. ib. XH. 395. n. 3. Eine
nach den zahlreichen mir jetzt vorliegenden Stücken
höchst veränderliche Art. Es zeigt sich dies sowohl in
der von 2— BVo'" in der Länge, l^/a— 2V2"' in der Breite
abändernden Grösse, als auch besonders in der Zeichnung
von Halsschild und Deckschilden. Ersteres ist zuweilen
einfarbig braun mit verwaschen helleren Seiten, oder es
erscheint vor der Mitte ein abgekürzter verwaschen hel-
lerer Längswisch, und jederseits ein ähnlicher vor dem
Hinterrande, oder dieselben klären sich zu reineren weiss-
lichgelben Flecken, wobei zugleich der hellere Seiten-
rand schärfer begränzt, auch lichter wird und sich haken-
förmig am Vorderrande fortsetzt. Endlich wird das Hals-
schild einfarbig weisslichgelb, und die ursprünglich braune
Grundfarbe zieht sich zu einem dicken die Mitte ein-
nehmenden V und jederseits einem grossen dreieckigen
Flecke zusammen, welcher den grössten Theil des Hin-
terwinkels ausfüllt. Auf den Deckschilden erscheinen
bei dunkleren Stücken nur die weisslichgelben Längsli-
nien auf den Zwischenräumen, während die Stelle der
lichten Querbinde nur durch einen vor ihr liegenden
dunkleren Querschatten angedeutet wird; oder die Binde
und der hintere Nahtwinkcl "sverden tief und verwaschen
braunroth oder braungelb, bis endlich die Binde in schär-
ferer Begränzung zickzackartig hervortritt. Zwischen
allen diesen Stücken sind jedoch die leisesten Uebergänge
vorhanden. Die an den Seiten grobe Punktirung des
Halsschilds ist auf dem Mittelfelde meist feiner und zer-
streuter, zuweilen ganz abgeschliffen, während bei ande-
Archiv f. Naturg. XXXII. Jahrg. 1. Bd. 20
316 Suffrian.:
ren Stücken sich dieselbe ziemlich gleichförmig über die
ganze Oberfläche ausdehnt.
Die d^ sind etwas kleiner, besonders schmaler als
die$, und leicht zu erkennen an den einander fast berüh-
renden Augen und dem einfachen letzten Hinterleibs-
ringe.
55. P. p u m i c a t u s m. ib. VII. 147. n. 3. XII. 398.
n. 5. Der von mir a. a. 0. beschriebene echte Käfer die-
ses Namens war unter Dr. Gundlachs letzter Sendung
nicht wieder enthalten ; dieselbe brachte vielmehr, wahr-
scheinlich in Folge der durch eine Auslassung an dem
erstgenannten Orte entstellten Diagnose, unter jener Be-
nennung mehrere andere von jener Art sehr gut unter-
schiedene neue Arten unter einander gemengt. P. pumica-
tus ist jedoch leicht kenntlich an dem gelben Schwielen-
flecke auf jeder Flügeldecke neben der Naht, welcher hin-
terwärts in die (von der Naht ab gezählt) 2. gelbe Längs-
linie ausläuft. Diesem Schwielenflecke gegenüber sind die
hinter der Schulterbeule liegenden Längsstreifen derartig
gestört und unterbrochen, dass der 8. Zwischenraum mit
einer oder mit zwei hinter einander liegenden, nur durch
wenige Reste der unterbrochenen Streifen geschiedenen
Querschwielen einwärts tritt, und sich dadurch bis zum
5. Punktstreifen ausdehnt. Uebrigens ist auch die Be-
schreibung des Käfers a. a. 0. VII. 147. Z. 2. von unten
noch durch einen Druckfehler entstellt, indem statt: „an
dem einen Parapleurenrande'^ gelesen werden muss: „an
dem inn ern."
In der Diagnose bei Ramon deSagra bist, fisic.
etc. de la Isla de Cuba VII. S. 298 (der französischen von
Jacquelin Duval besorgten Ausgabe) ist der Käfer gar
nicht zu erkennen. Es scheint derselben im Ganzen die,
wie oben angegeben, mangelhafte Diagnose aus der Linn.
Ent. VII zum Grunde zu liegen, die Bezeichnung der
Flügeldecken als „ßavomargmata'^ aber auf einem Miss-
verständnisse zu beruhen, und die Angabe über die Fär-
bung der Unterseite und Beine aus meiner Beschreibung
entnommen zu sein.
Zu diagnosticiren ist die Art als : P. brunneus flavo-
Verzeichn. d. auf d. Insel Cuba gesammelt. Chrysomelinen. 317
Vciriegatus, thorace flavo - marginato lateribns punctato,
elytris crenato-siilcatis flavo-llneatls, intcrstitiis convexlus-
cuHs, secundo versus raedinm dilatato-calloso.
56. P. dccipiens m. Brunnens flavo-variegatuS;
thorace flavo-noarginato lateribus punetato, elytris crcnato-
sulcatis, intcrstitiis convexiusculis, octavo postice dilatato.
Long. 11/2-P/e-; lat. 1— IVe'".
Dem echten F. pumicatus nahe verwandt^ gewisser-
massen eine Mittelart zwischen ihm und dem F, conglome-
ratuSj vom Habitus des erstcren, aber doch nach meiner
Ansicht zureichend verschieden. Die Augen bei dem ^
fast zusammenstossend, dem $ doppelt weiter getrennt,
die Mitte der Stirn durch eine dichte Punktirung etwas
niedergedrückt. Das Halsschild hinten jederseits doppelt
quer eingedrückt, seitlich grob punktirt, die Punktirung
in der Mitte fein und fast erloschen; die braune Grund-
farbe in der Mitte durch den stark verbreiterten Seiten-
fleck, und ausserdem noch durch schlecht begränzte lichte
Wolkenflecke unterbrochen. Die Punktstreifen im Gan-
zen wäe bei F, pumicatus, der 6. hinter der Schulterbeule
bald abgerissen und hinterwärts nur durch einige Punkte
fortgesetzt, der 7. fehlt ganz, der 8. aber krümmt sich
kurz vor der Wölbung hakenförmig in die Quere und
schliesst sich an den 5. an, wodurch sich hier der 8.
Zwischenraum mit einem breiten, schiefwinklig vierecki-
gen Querfelde bis zum 5. einwärts erweitert. Hinter
diesem aber trennt sich der 8. Streifen wieder von dem
5., und kehrt hakenförmig gebrochen wieder in seine
ursprüngliche Richtung zurück. Dagegen ist die Ver-
breiterung des 2. Zwischenraums neben der Mitte der
Naht nur unbedeutend und nicht aufgetrieben. Die Farbe
braun, der erhöhte Wurzelrand, der breit ausgedehnte
hintere Nahtwinkel und eine Längslinie auf jedem Zwi-
schenräume weisslichgelb, letztere Linien in der Mitte etwas
breiter als nach den Enden zu, und dadurch die Deck-
scliilde wie mit einer unterbrochenen hellen Mittel- Quer-
binde gezeichnet. Das Pygidium gelblich mit brauner
Mittellinie, die Unterseite wae bei F. pumicatus, nur der
Hinterleib des cT in der Mitte braun, bei dem $ in sei-
318 Suffrian:
nen Zeichnungen weniger intensiv gelb, was besonders
auf dem ersten Ringe hervortritt. Das letzte Segment
des ,/ einfach, des $ mit einer tiefen runden, glänzen-
den Grube.
57. P. parallelepipedus m. Flavicans, capitis
thoracisque lituris, abdomine pedibusque brunneis, pectore
elytroruni strils nigricantibus; thorace punctato, eljtris
crenato-striatis, iuxta scutellum callosis, interstitiis con-
vexiusculis, secundo et octavo dilatatls. Long. IV2 — IVs'";
lat. IVe-lV/".
Bei gleicher Länge mit dem vorhergehenden etwas
breiter, mehr länglich viereckig, vorn weniger verschmä-
lert, und schon an der gelben Färbung auf den ersten
Blick zu erkennen. Die Augen des (/ sehr genähert,
des $ weit getrennt; der Kopf gelb mit schwach vertief-
ter, dicht punktirter Mitte der Stirn. Das Halsschild vor
dem Hinterrande jederseits tief quer eingedrückt und
daselbst vor der Mitte noch ein schwächerer Quereindruck ;
die Punktirung seitlich gröber, nach der Mitte zu etwas
feiner und sparsamer, aber eigentlich nur ein schmaler
Längsfleck daselbst ohne alle Punkte. Die Farbe bei
lichteren Stücken hochgelb mit 5 unregelmässigen verwa-
schen gebräunten Wolkenflecken, die sich bei dunkleren
Stücken zu einem plumpen, auf der Mitte liegenden V und
zu einem ziemlich grossen Seitenflecke verdichten. Das
Schildchen gelb mit gebräunten Säumen. Die Deckschilde
kerbstreitig mit flach gewölbten, leicht rippenförmigen
Zwischenräumen; am Schildchen jederseits ein verkehrt
herzförmiger, breiter Schwielenfleck, durch welchen das
Vorderende des abgekürzten Streifens bedeckt, und der
erste bogig nach aussen gedrängt wird. Der Raum hin-
ter diesem Schwielenfleck Ist mit einer ziemlich kräftigen
Punktirung besetzt, in welcher der hintere Theil des ab-
gekürzten und der erste Streifen deutlich zu erkennen
sind. Es entsteht dadurch ein rundlicher, vorn quer nie-
dergedrückter, seitlich von dem gleichfalls gekrümmten
2. Streifen eingeschlossener Raum, welcher hinterwärts
bis zur Mitte der Flügeldecke reicht und auch hier durch
den sich rechtwinklig nach hinten brechenden 2. Streifen
Verzeichn. d. anf d. Insel Cuba gesammelt. Chrysomelinen. 319
begränzt wird. Von den übrigen Streifen sind der 3.,
4. und 5. vollständig vorhanden; der 3to läuft mit dem
2. schon vor der VVölbimg bogig zusammen, bildet aber
schon vorher mit demselben ein dreieckiges, merklich
erhöhtes, eine Erweiterung des 2. Zwischenraums bilden-
des, hier zuweilen noch durch einige Querpunkte abge-
schlossenes Schwielenfeld. Der 4. läuft daher noch früher
für sich oder in den 5. aus als der 2. und 3., der 5. und 9.
ziehen sich, manchmal mit ihren Enden zusammenlaufend,
etwas tiefer hinab, und dadurch entsteht zwischen der Naht
und dem 5. Streifen ein drittes, ziemlich viereckiges, hell
und glänzend gelbes Schwielenfeld, in welches die vor-
hergehenden Zwischenräume auslaufen. Hinter der Schul-
terbeule sind nur die Vorderenden des 6.-8. Streifens
vorhanden, von denen der 7. zuweilen ganz mit dem 8.
zusammenfällt, und verlaufen sich in eine nicht überall
gleichgestaltete, in den 6. Streifen einfallende gekrümmte
Linie, die sich noch 2 — 3mal von dem letzteren trennt,
und haken- oder schlingenförmig in den breiten, zwischen
dem 5. und 9. Streifen liegenden Zwischenraum eingreift.
In dem letzteren bilden sich dadurch einige, eine Ver-
breiterung des 8. Zwischenraums darstellende Querfel-
der , WMC denn überhaupt jene Haken und Schlingen
eigentlich als die wieder hervortretenden Reste der ab-
gerissenen Streifen zu betrachten sind. Die Farbe hoch-
gelb, das Innere der Punktstreifen geschwärzt, so dass
die Deckschilde als gelb mit schwarzen Längslinien er-
scheinen und die gelben Sclnvielenflecke schon für das
blosse Auge sehr kenntlich hervortreten. Das Pygidium
gelb mit gebräunter Mittellinie. Auf der Unterseite die
Hinterbrust nebst den Parapleuren geschwärzt mit gelb
gesäumtem Innenrande der letzteren ; Vorder- und Mit-
telbrust mit dem Hinterleibe und den Beinen bei dem ^
dunkler- , dem $ heller rostroth, die Schenkelw^urzeln
etwas lichter, und der Rand des Hinterleibs verwaschen
gelblich. Das letzte Segment des d* einfach, des $ mit
einem flachen Grübchen.
58. P. G u n d 1 a c h i i m. Linn. Ent. XIL 398. n. 6;
320 Suffrian:
bis dahin nur in dem einzigen a. a. O. von mir beschrie-
benen (^ eingesandt.
59. P. militans m. Rufo-brunneus, capite abdo-
mineque flavo-vario, thorace dense aeqiialiter pimctato
flavo-marginato, elytris crenato-striatis costa basali^ macula
media transversa, linea apicali flavis, interstitiis convexis
nitidiusculls. Long. 273'" ; lat. IVs'"-
Ebenso schlank als die vorhergenden, auch im Ha-
bitus dem cT des P. tostus nicht unähnlich , das einzige
vorliegende (d^) Stück mit zusammenstossenden Augen.
Die Körperfarbe ein reines, schönes, ins dunkel Purpur-
röthliche fallendes Braun; der ünterkopf gelb mit einigen
bräunlichen Wolkenflecken, die Stirn oben braun mit
gelben oberen Augenringen ; auch die langen fadenför-
migen Fühler braun mit gelblicher Unterseite der unte-
ren Glieder. Das Halsschild am Hinterrande jederseits
tief quer eingedrückt, überall dicht und gleichmässig sieb-
artig punktirt, mit massig glänzendem Zwischengrunde,
auf der Mitte eine feine, leicht erhöhte, nicht punktirte
Kiellinie; der etwas schwielig erhöhte, scharf begränzte
Rand gelb. Das fein punktirte Schildchcn röthlich-braun.
Die Sculptur der Deckschilde der des P. Gundlachii
ähnlich, die Vorderenden der oberen Punktstreifen unre-
gelmässig verdoppelt, daher die Zwischenräume hier nur
linienförmig und schwach erhöht; vom ersten Drittel der
Naht ab, da wo der erste Punktstreifen dieselbe erreicht,
werden jene breiter, höher und mehr rippenartig, und
erreichen ihre grösste Breite auf der Wölbung, wo nach
dem Erlöschen des 4. Streifens und der Streifen hinter
der Schulterbeule nur noch fünf Zwischenräume übrig ge-
blieben sind. Auf dem breiten Zwischenräume zwischen
dem 5. und 8. Streifen überhaupt ein ziemlich unregel-
mässiges Gewirre von Punkten, die jenen Zwischenraum
verschiedentlich und sehr ungleichmässig zerrcissen, zwi-
schen denen jedoch das Vorderende des 6ten Streifens
einigermassen kenntlich bleibt. Die Wurzelkanten und
ein den hinteren Nahtwinkel ausfüllender, längs der Naht
sich bis zur Wölbung hinaufziehender Längswisch hoch-
gelb, und dieselbe Färbung zeigt ein auf der Mitte der
Verzeichn. d, auf d. Insel Cuba g:esammelt. Chrysomelinen. 321
Flügeldecken stehender, aus vier abgerissenen Längsli-
nien (auf dem 2., 3., 4. und den zerrissenen breiten Zwi-
schenräume) gebildeter Querfleck , neben welchem der
8. und 9. Zwisclienraum eine schwache Spur ähnlicher,
aber fast ganz verloschener Längslinien erkennen lässt.
Das Pygidium verwaschen bräunlichgelb, die Parapleuren
schwärzlich mit gelbem Innensaume, die Ilintcrbrust, be-
sonders in der Mitte, und die Schulterblätter mit dem
Hinterleibe trüb bräunlichgelb mit heileren Seiten des
letztern. Die Beine rothbraun, die Schenkelwurzeln und
die breiten Innenseiten der Schenkel, die Schienenenden
und die Innenseite der Hinterschienen schmutzig gelb.
Das letzte Segment des J" einfach.
60. F. devotus m. Brunnens flavo - variegatus,
thorace lateribus profunde punctato flavomarginato et tri-
lineato, elvtris crenato-substriatis interrupto-flavolineatis
et maculatis convexiusculis. Long. IVs; lat. V^'"-
Ein kleiner, schlanker, zwar dem P. decipiens nahe
verwandter, aber doch zureichend verschiedener Käfer. Der
Kopf des allein vorliegenden ^ weisslichgelb, ein drei-
eckiger Nackenfleck, und ein durch die tief eingeschnit-
tene gebräunte Stirnlinie damit zusammenhängender un-
terer, dreieckig-zweispaltiger Stirnfleck braun. Die Füh-
ler braun mit hellerer Wurzel und geschw^ärzter Spitze.
Der untere Theil des Kopfes grobzerstreut punktirt. Das
Halsschild hinten jederseits tief quer eingedrückt, die
Punktirung seitlich grob und dicht, nach der Mitte zu
mehr zerstreut und merklich schwächer; der Rand, eine
abgekürzte Mittellinie, jederseits eine ihr gleichlaufende
beide Ränder erreichende Seitenlinie, und bis auf einige
bräunliche Wische der ganze Raum zwischen diesen Sei-
tenlinien und dem Seitenrande gelb, so dass dadurch auf
der Mitte ein sehr regelmässiges , durch die Mittellinie
nochmals getheiltes, fast quadratisches Feld gebildet wird.
Das Schildchen braun, hinten mit einem grossen verwa-
schen begränzten gelblichen Fleck. Die Deckschilde hin-
terwärts etwas verbreitert ; die Punktstreifen längs der
Naht sehr gestört und durch überzählige Punkte von
gleicher Stärke getrübt, vorn nur der 2. bis ö., der 8.,
322 Suffrian:
und in seiner ganzen Länge nur der 9. erkennbar, die
hinteren Enden mehrfacli wellig gekrümmt und in einan-
der laufend, dabei jeder mit einer bräunliclien, häufig auf
die Zwischenräume überfliessenden und diese verwaschen
trübenden Längslinie bezeichnet, so dass die gelbe Farbe
der Zwischenräume dadurch in sehr unregelmässige nicht
einmal auf beiden Flügeldecken gleichmässig gestaltete
gelbliche Flecke und Längswische aufgelöst wird: diese
ganze Zeichnung aber trüb, verwaschen, nirgends scharf
begränzt, auch ohne merklichen Glanz. Die Beine gelb
mit ins Röthliche fallenden Schenkelenden, die Hinter-
brust mit den Parapleuren bis auf deren Innenrand braun,
der Hinterleib schmutzig gebräunt mit breit gelblichem
Rande; das Pygidium gleichfalls braun, die breiten un-
terwärts verschmälerten Seitenränder, sowie ein breiter
verwaschener Rand des vorletzten Rückensegments' gelb-
lich. Das letzte Segment des $ mit einer flachen rund-
lichen Grube.
61. P. brunneolus m. Dilute brunneus flavo-
variegatus, thorace punctato flavo-marginato et trilineato,
elytris crenato-striatis, interstitiis flavolineatis convexius-
culis, secundo in medio dilatato. Long. ^4"' ; lat Vs'"-
Dem vorhergehenden sehr ähnlich, und mögli-
cherweise dessen cT; aber fast nur halb so gross, hel-
ler gelblichbraun, und ausser den fast zusammenstossen-
den Augen und dem einfachen letzten Hinterleibsringc
eigentlich nur durch die Sculptur des Halsschilds ver-
schieden, auf welchem die Punktirung des Mittelfeldes
nur etwas sparsamer, nicht aber auch, wie bei jenem,
zugleich merklich feiner ist als die seiner Seiten. Aus-
serdem sind auf den Flügeldecken die Punktstreifen etwas
regelmässiger, und der zweite Zwischenraum ist etwas
nach Innen erweitert. Alles üebrige, wie bei der vor-
hergehenden Art.
62. P. flavo - callens m. Rufo-brunneus, pro-
funde et crebre punctatus, capite thoracis linea antica
margineque interrupto, scutello, elytris basi guttis quin-
que pedibusque flavis, striis antice evanidis. Long. 2V2'";
lat. IVV".
Verzeichn. d. auf d. Insel Cuba gesammelt. Chrysomelinen. 323
Eine grosse und schöne, durch den Mangel fast aller
Punktstreifen und die warzenförmigen Schwielenflecke der
Deckschilde ausgezeichnete, bis jetzt aber nur in einem
einzigen ^ vorliegende x\rt. Die Farbe ein schönes, mas-
sig glänzendes Rothbraun, der Kopf bis auf den schmalen
Raum zwischen den fast zusammenstossenden Augen und
einen aus dessen unterer Gabelung entspringenden, jeder-
seits bis zu den Fühlerwurzeln hinziehenden Schrägfleck
hochgelb. Dieselbe Färbung zeigt der vorn zwischen
den Augen abgeschwächte, hinten längs des Mittelzipfels
unterbrochene Rand des Halsschildes, und eine vordere,
hinten bis über die Hälfte hinausreichende Mittellinie des-
selben, das (dunkler gesäumte) Schildchen, der bis zu des-
sen Hinterrande reichende Vorderrand der Flügeldecken,
und eine Anzahl von fünf, wie aufgetragenen und die
Punktirung verdeckenden ziemlich grossen Schwielenflek-
ken der letzteren. Von diesen liegen zwei vorn am Aus-
senrande über dem Seitenlappen nebeneinander und nur
durch einen Punktstreifen getrennt, der dritte neben der
Mitte der Naht, der 4te etwas weiter hinterwärts, näher
dem Aussenrande und in gerader Linie mitten zwischen
dem inneren Vorderfleck und dem öten Fleck, welcher
den hinteren Nahtwunkel einnimmt; ausserdem kommen
noch hier und da auf den Zwischenräumen einzelne gelb-
liche Atomenwische zum Vorschein. Gelb sind ausser-
dem die untere Hälfte des Pygidiums mit verwaschener
oberer Begränzung, der auf dem 2ten bis 4ten Bauchringe
abgeschwächte Rand des Hinterleibes, der Mittelzipfel des
ersten Bauchringes und die Hüften mit den Beinen ; jedoch
sind die Vorder- und Mittelschenkel in der Mitte breit
bräunlich geringelt und auch die unteren Schienenenden
bräunlich angelaufen. Die langen, dünnen Fühler sind
röthlich gelb mit rauchgrauen Enden. Das hinten tief
niedergesenkte, seitlich nach vorn stark schräg zusammen-
gedrückte llalsschild ist mit einer groben, ziemlich dich-
ten, nur auf den gelbgezeichneten Stellen meist fehlen-
den Punktirung bedeckt. Die Punktirung der Deckschilde
noch grober, vorn nur einzelne Spuren abgerissener
Punktstreifen und zwischen diesen zwei , den 2. und 4.
324 Suffrian:
Zwischenraum andeutende Längslinien zeigend: auf der
hinteren Hälfte sind die Flügeldecken wenigstens längs
Naht und Seitenrand mit deutlicheren, flach gewölbten,
durch etwas wellige Punktstreifen getrennten Rippen be-
setzt, mit ziemlich glänzendem Zwischengrunde. Das letzte
Segment des einzigen vorliegenden ^ einfach.
Die nun folgende Gruppe der Eumolp i den würde
für die Feststellung und Zusammenordnung der Gattun-
gen einer vorzugsweise auf systematische Untersuchungen
gerichteten Thätigkeit ein reiches Feld bieten. Ich glaube
mich einer solchen jedoch um so mehr enthalten zu müs-
sen, als einestheils der hierher gehörenden, von Dr. Gu nd-
lach eingesandten Arten nur eine geringe Zahl ist, an-
derentheils es mir bedenklich erscheint, den gründlichen
und eingehenden Untersuchungen über diesen Gegen-
stand, die wir in der nächsten Zeit von dem Fortgange
von Lacordaire's Genera des Coleoptbres erwarten
dürfen, durch einseitige und deshalb wahrscheinlich ephe-
mere Schöpfungen vorzugreifen. Ich beschränke mich
deshalb darauf, die von G. eingesandten Arten unter den
in den Sammlungen ziemlich allgemein zur Annahme ge-
langten Gattungsbenennungen aufzuführen, ohne dadurch
zugleich für die Haltbarkeit dieser Gattungen selbst ein-
zutreten; zumal sich nicht verkennen lässt , dass selbst
das vonErichson (Wiegm. Archiv 1847. 1. 159. ff.) über
mehrere derselben Bemerkte überwiegend nur in einer
Zusammenstellung habitueller, zur Abgränzung von Gat-
tungen wenig geeigneter Merkmale besteht.
Ueber die systematische Stellung der Eumolpiden im
Allgemeinen hat sich Lacordaire in der Monographie
des Phytoph. I. p. L. und IL p. 8 näher ausgesprochen,
und es könnte dem dort Gesagten nur noch hinzugefügt
werden, dass, während die genannte Gruppe sich einer-
seits an die Lamprosomen, andererseits (durch Co las -
pis) an die eigentlichen Chrysomelen anschliesst, die
echten Etimolpen-YoruiQn {EtimolpuSj Myochroms etc.) seit-
lich wieder zu den Cryptocephaliden hinüber zu leiten
scheinen.
Verzeichn. d. auf d. Insel Cuba gesammelt. Chrysomelinen. 325
VIII. Colaspis Fabr.
63. C. smaragdula Oliv. Wegen der folgen-
den neuen Art also zu diagnosiren:
Laete viridis aut cuprascens profunde punctata, labro
antennis pedibusque flavis; thorace lateribus obtuse angu-
lato, elytris fortius bifariam striatis^ striis antice gemella-
tis. Long. 372-472'"; lat. IV4— 272"'.
Colaspis smaragdula Oliv. Eilt. Y. 883. n. 9. Tab. I. fig. 9. —
Ramon de Sagra Hist. fisica etc. VII. 299.
Die Farbe des Thieres ist nicht, wie sie Jacq. D u-
val a. a. 0. angiebt, „2in rouge testace" j sondern ein tie-
fes, wie' von einem dünnen goldgrünen Ueberzuge be-
decktes Rothbraun, welches nur stellenweise mehr durch-
schimmert, wenn man den Käfer gegen das Licht hält;
sonst aber erscheint derselbe glänzend goldgrün, seltener
über die breite Mitte des Plalsschilds und der Deckschilde
ins tief Violettpurpurne fallend, wobei dann die Seiten
manchmal auch ins Bläuliche spielen. Oberlippe, Fühler
und Beine sind hellgelb , die obere Hälfte des letzten
Fühlergliedes geschwärzt; seltener zeigen auch die obe-
ren Enden der beiden vorhergehenden einen verwasche-
nen schwärzlichen oder rauchgrauen Schatten. Die derbe
nur den unteren Theil des Kopfschildes frei lassende
Punktirung ist auf dem Kopfe verhältnissmässig am schwäch-
sten, wird auf dem Halsschilde gröber, und noch gröber
auf den Deckschilden, wo sie sich zu mehr oder weniger
deutlichen, durch runzelige Querbrücken zerrissenen Punkt-
streifen an einanderreihen. Nicht selten sind die oberen
zwischen Naht und Schulterbeulen bis gegen die Mitte
oder über diese hinaus, auch wohl die Hinterenden der
äusseren verdoppelt und dadurch die Zwischenräume rip-
penartig emporgehoben; ausserdem ist dies bei fast allen
Zwischenräumen zunächst vor der Spitze der Fall. Die
5 unterscheiden sich von den ^ durch den grösseren
Körper und eine leichte Ausbiegung der Flügeldecken-
spitze vor dem Nahtwinkel, wodurch das Ende der Naht
als ein stumpfes Zähnchen hervortritt. Die Krallenhäk-
326 Suffrian:
chen an der Wurzel mit einem stumpfen, aber breiten
und blattartigen Zahne.
Der hier beschriebene, in den Sammlungen keinesweges sel-
tene Käfer ist jetzt ziemlich überall als die von Olivier a. a. 0.
beschriebene (von St. Domingo stammende) Art angenommen, ob-
wohl 0. der sehr bezeichnenden Färbung der P'ühlerenden nicht
gedenkt. Letzterer Umstand hat daher auch wohl die Veranlassung
gegeben, dass Hr. Chevrolat darin eine neue Art za erkennen ge-
glaubt und diese als Col. terminalis sibi bestimmt hat. Ich möchte
indess jenes Uebergehen nur für eine Nachlässigkeit halten, deren
wir bei 0. so mancher begegnen, zumal er eines ebenso wesentlichen
Merkmals, der Verdoppelung der Punktstreifen, auch weder in der Dia-
gnose noch in der lateinischen, wohl aber in der französischen Be-
schreibung gedenkt. Mit seiner Abbildung ist allerdings Nichts an-
zufangen; sie zeichnet die Fühler schwarz, an den Beinen nur die
Schenkel roth, Schienen und Füsse aber ohne irgend eine Färbung.
64. C. alcyonea Mus. B. Laete viridis aut coe-
rulea profunde punctata, labro antennis pedibusque flavis,
thorace lateribus rotundato, elytris punctato - substriatis.
Long. 372-472'"; lat. 174-272'".
Von der Grösse und Gestalt der vorhergehenden
Art, und ihr deshalb bei oberflächlicher Betrachtung täu-
schend ähnlich, aber doch sicher verschieden. Die Un-
terschiede zeigen sich zunächst in der Färbung: das Grün
ist weniger glänzend, aber reiner, dunkler, ohne den
bräunlichen Untergrund der C. smaragdula, und überall
bei schräger Beleuchtung mit einem leichten bläulichen
Anfluge, aus dem sich zuweilen eine vollständig blaue
Färbung des Körpers entwickelt. Dabei sind die Fühler
einfarbig gelb, während die Farbe der Oberlippe gewöhn-
lich etwas mehr ins Bräunliche fällt. Die Ränder des
überhaupt hinten breiteren Halsschilds sind flach zuge-
rundet, während sie bei der vorhergehenden mit zwei
stumpfen Winkeln vorspringen, von denen der grössere
hinter, der schwächere vor der Mitte liegt: die Hinter-
ecken sind gleichfalls merklich schwächer ausgezogen.
Die grobe Punktirung des Halsschilds ist gleichmässiger,
seitlich besonders nach den Vorderwinkeln zu dichter
gedrängt, aber der Zwischengrund nicht zu Runzeln ver-
flossen; ebenso ist auch auf den Deckschilden die Punk-
Verzeichn. d. auf d. Insel Cuba gesammelt. Chrysomelinen. 327
tiriing gleichmässig verbreitet, nur stellenweise zu abge-
rissenen Punktstreifen an einander gereiht, wie wenn dio
ursprünglich vorhanden gewesenen Streifen durch eine
ebenso grobe und ziemlich dicht gedrängte Punktirung
der Zwischenräume getrübt wären: dem Zwischengrunde
aber mangeln die groben, runzelartigen Querbrücken der
vorhergehenden Art, und diese Sculpturverschiedenheiten
geben sich schon dem unbewaffneten Auge kund. Nur
dicht vor der Spitze ist das hintere Ende des 9ten Zwi-
schenraums als eine kurze, kräftige Rippe zu bemerken.
Endlich sind noch die Spitzen der Flügeldecken inner-
seits des Nahtwinkels bei dem $ ungleich stärker ausge-
buchtet, als bei dem $ der vorigen, daher die Nahtecken
selbst bei jener auch weit deutlicher hervortreten. Alles
Uebrige wie bei der vorhergehenden Art.
IX. Clialcopliana Chv.
* Corpus oblongo-elongatum ; antennae filiformes ; thorax
lateribus rotundatus.
65. Ch. e long ata m. Cupreo-aenea profunde
rugoso-punctata, thoracis angulls prominulis, ore antennis-
que fuscis. Long. 2V3 — 3'"; lat. 1 — IVs"'-
Gestreckt, flach gewölbt, von trüber kupferbräunli-
cher Färbung und nur geringem Glänze. Der Kopf
dicht und ziemlich stark punktirt, mit massig glänzendem
Zwischengrunde, das Kopfschild durch eine seichte Quer-
furche von der Stirn geschieden; die kugelförmigen, in-
nerseits nur leicht ausgerandeten Augen ziemlich stark
hervortretend. Oberlippe und Mundtheile pechbraun, die
Taster bei dem J' etwas heller mit in der Mitte schwärz-
lich geringeltem Endgliede, bei dem $ fast schwarz. Die
Fühler dünn und schlank, von mehr als halber Körper-
länge ; das 2te Glied schmal birnföi^mig, das 3te um die
Hälfte länger und dünn kegelförmig, die folgenden je
doppelt länger als das 2te, gleichfalls dünn, und ober-
wärls nur schwach verbreitert. Die Farbe bei dem (^
trüb gelbbraun, das 5te bis 7te und auch das Endglied
auf der Oberseite dunkler angeflogen, bei dem $ alle
328 Siiffrian:
Glieder trüber^ mit verwaschen geschwärzter Oberseite.
Das Halsschild etwa doppelt breiter als lang, mit schwach
aufgebogener Mittelfirste, vorn über den scharf aufgebo-
genen Vorderecken durch ein ziemlich tiefes Grübchen
zusammengedrückt; die Seiten gerundet, die Hinterecken
gleichfalls scharf. Die Punktlrung fast doppelt stärker
als die des Kopfes, besonders seitlich und vor dem Hin-
terrande dicht zusammengedrängt. Das Schildchen breit
halb elliptisch, hinten kurz zugespitzt, glänzend kupfer-
braun und ohne Punkte. Die Deckschilde gestreckt, flach
gewölbt, fast doppelt länger als breit, von der Wurzel
aus hinterwärts allmählich verschmälert und dann kurz
und breit zugerundet, hinter Ihr leicht quer aufgewölbt
und dann ebenso leicht quer niedergedrückt : die Schul-
terbeulen schmal aber eckig heraustretend , und in ihrer
Verlängerung eine stumpfe, hinterwärts stärker aufgetrie-
bene Längserhöhung, durch welche auf dem letzten Drittel
der Aussenrand der Flügeldecke weit überdeckt und nach
Innen gedrängt wird, so dass man, um ihn wahrzunehmen,
den Käfer auf die Seite wenden muss, auch die Spitze
der Flügeldecken dadurch seitlich zusammengedrückt er-
scheint. Die Punktlrung noch merklich gröber als die
des Halsschilds, seitlich schon von den Schulterbeulen,
oben wenigstens von der Mitte ab den Zwischengrund zu
Runzeln zerreissend; auf dem Drittel jederseits zunächst
der Naht mit Andeutungen unausgebildeter Punktstreifen,
deren Zwischenräume sich als stumpfe Rippen bemerk-
lich machen. Unterseite und Beine schwärzlich mit trüb
metallischem Schimmer, Krallen und drittes Fussglied
leicht bräunlich durchscheinend ; das Prosternum kurz und
breit, dicht aber ziemlich fein runzlig punktirt; die ein-
zelnen Krallenhäkchen an ihrer Wurzel mit einem stum-
pfen, blattartigen Zahne.
66. Ch. abdominalis m. Laete viridis profunde
punctata, thorace antice constricto, angulis prominulis, ore,
antennarum basi , abdomlne pedibusque flavescentibus,
elytrls postice iuxta suturam punctato-striatis. Long. IV2'";
lat. V3'".
Der vorhergehenden Art habituell ungemein ahn-
Verzeichn. d. auf d. Insel Cuba gesammelt. Chrysomclinen. 329
lieh, aber merklich kleiner, und von jener auch ausserdem
durch Färbung und Sculptur sehr verschieden. Der Kopf
derb und auf dem eingedrückten Kopfschilde dicht runz-
lig punktirt, die Stirn mit einer breiten flachen Längs-
rinne, die Farbe freudig grün, Oberlippe, Mundtheile
und die drei unteren Fühlerglieder hellgelb, das 4te in
der Mitte leicht gebräunt, die oberen schwärzlich, an
Wurzel und Spitze heller durchscheinend. Der Bau wie
bei der vorhergehenden Art, nur das 2te Glied verhält-
nissmässig etwas stärker aufgetrieben. Das FTalsschild
breit und flach, längs dem Vorderrande durch einen
gleichfalls breiten und flachen, jedcrscits in einem tiefe-
ren Grübchen endenden Quereindruck eingeschnürt, mit
kurzen, scharfen, etwas aufgebogenen Vorderecken; die
Seiten breit zugerundet, so dass die grösste Breite des
Halsschilds etwas vor die Mitte fällt. Die Punktirung:
deutlich, nach den Seiten hin dichter gedrängt und stel-
lenweise zu Runzeln verfliessend mit ziemlich glänzen-
dem Zwischengrunde. Das Schildchen aus dem Halbel-
liptischen hinter zugespitzt, etwas niedergedrückt, glän-
zend und ohne Punkte. Die Deckschilde doppelt länger
als breit, mit länglichen, stark hervortretenden Schulter-
beulen, von der Wurzel ab hinterwärts allmählich ver-
schmälert und dann an der Spitze kurz zusammengedrückt,
zwischen Schulterbeulen und Naht flach quer aufgetrie-
ben und dahinter wieder niedergedrückt. Die Punktirung
doppelt gröber als die des Halsschilds, zwischen Naht
und Schultörbeulen bis über die Mitte hinaus unordent-
liche und durch überzählige Punkte gestörte Doppelstrei-
fen bildend, aus denen sich hinterwärts jederseits der
Naht wenigstens drei ziemlich regelmässige Punktstreifen
entwickeln ; ähnliche zeigen sich auch auf dem stark um-
gebogenen Seitenrande , welcher durch eine dem 8ten
Zwischenräume entsprechende, sich hinten mit dem 9ten
vereinigende Längsrippe noch tiefer einwärts gedrängt
wird. Die Spitze zwischen diesen vor ihr auslaufenden
Rippen auch hier etwas zusammengedrückt. Aehnliche
obw^ohl flachere Längsrippen zeigen sich auf der hinte-
ren Hälfte des Rückens, und sind auch hier aus Zwischen-
330 Suffrian:
räumen imdeiitllcher Punktstreifen hervorgegangen. Die
Farbe ein schönes freudiges Grün , das Innere der
Punkte eben so schön stahlblau, daher die Deckschilde
unter schräger Beleuchtung einen mehr oder weniger
deutlichen stahlblauen Schimmer zeigen. Die Unter-
seite trüb schwärzlichgrün, die vier letzten Bauchringe
und die verwaschene Hinterhälfte des ersten schmutzig
lehmgelb, und eine ähnliche Färbung zeigen auch Hüften
und Beine, bei denen jedoch die unteren Schenkelhälften
nebst der Aussenseite der Schienen und Füsse schmutzig
und verwaschen gebräunt sind. Das Prosternum verein-
zelt grob punktirt, viereckig und etwas länger als breit,
vorn und hinten schräg niedergedrückt, so dass die zwi-
schen den Vorderhüften liegende Mitte als ein leichter
Querwulst hervortritt. Die Mitte des letzten Bauchrin-
ges bei dem einzigen vorliegenden Stücke mit einem
leichten elliptischen Quereindruck, in welchem ich ein se-
xuelles Merkmal und zwar des </ vermuthe; die Krallen
wie bei der vorhergehenden Art.
** Corpus ovatum ; antennae filiformes ; thorax
lateribus rotundatus.
67. Ch. fervida Mus. B. Viridi-aurea profunde
punctata, antennis palpisque testaceis, thorace transverso
lateribus rotundato, angulis anticis prominulis. Long. 2V4
-2V2'"; lat. IV3-V5'".
Breit. elliptisch, vorn und hinten gleichmässig und
ziemlich breit zugerundet, in der Färbung unserer Chrys.
raphani F. nicht unähnlich, zuweilen auf den Deckschil-
den mehr oder weniger stark ins Feuergoldene fallend.
Der Kopf zwischen den Augen jederseits etwas aufgetrie-
ben, derb aber nicht dicht punktirt, die länglichen Augen
stark hervorgequollen, über den Fühlergruben mit einer
schwachen Ausrandung. Die Fühler von etwas über
halber Körperlänge, fadenförmig, das Endglied über der
Mitte schwach erw^eitert und dann in eine dreieckige Spitze
auslaufend; die Farbe gelb mit metallisch grünlicher Ober-
seite des Wurzelgliedes. Auch die Taster gelb mit
rauchgrau angelaufenem Endgliede. Das Halsschild merk-
Verzeichu. tV auf d. Insel ('uba gesammelt. Chrysomelinen. 331
lieb breiter als lang, hinten wie an den gerundeten Seiten
scharf geraiidet, die scharfen Vorderecken nach aussen
etwas vorgezogen, die hinteren stumpfwinklig und etwas
niedergedrückt. Die Punktirung sehr grob, aber nicht
eben dicht, mit glänzendem Zwischengrunde. Das Schild-
chen halbelliptisch, spiegelglatt. Die Deckschilde um V3
länger als breit, halbelliptisch und hinten breit zugerun-
det, breit und flach gewölbt, mit grossen aber nur massig
hei-vortretenden Schulterbeulen. Die Punktirung grob
und nicht sehr dicht, bis über die Mitte hinaus ziemlich
regellos in einander gewirrt, so dass nur an der Wurzel
und dann wieder längs dem Seitenrande Spuren gestör-
ter Punktstreifen sichtbar werden ; auf dem letzten Drittel
treten solche auch längs der Naht etwas kenntlicher her-
vor. Der Rand der Deckschilde besonders hinten etwas
einw^ärts gekrümmt; der Zwischengrund massig glänzend.
Unterseite und Beine etwas dunkelgrün, die unteren
Schienenenden etwas fuchsröthlich behaart, auch die Fuss-
glieder röthlich oder gelblich durchscheinend. Vorder- und
Mittelschicnen auf der Aussenseite mit ,einer deutlichen,
unten verbreiterten Längsrinne, deren hintere Kante
sich am unteren Ende zu einem nach aussen gerichteten
Sporn erweitert, während die vordere sich daselbst in
der plattenförmig erweiterten , die Wurzel des ersten
Fussglicdes deckenden Vorderseite der Schiene verliert.
An den Flinterschienen ist statt jener Rinne nur eine
feine und fadenförmig eingegrabene Längslinie vorhan-
den. Die Krallen ziemlich lang gestielt, ihre Häkchen
gross und derb, auf der Innenseite je mit einem breiten,
aber sehr kurzen und daher nur bei günstiger Beleuch-
tung bemerkbaren Zähnchen. Die kugeligen Vorderhüf-
ten ziemlich weit getrennt, das Prosternum seicht rinnen-
förmig, vorn und hinten abwärts gekrümmt; die merklich
breitere Mittelbrust vorn dem Hinterrande des ersteren
schräg entgegen geneigt, ihr hinterer Rand etwas wulstig
und gegen die Hinterbrust deutlich abgesetzt.
68. Ch. viridula m. Viridl-aenea profunde pun-
ctata, ore palpis antcnnis tarsisque testaceis, thorace trans-
verso lateribus rotundato, angulis anticis vix prominulis,
Ajchiv f. Naturg. XXXII. Jahrg. 1. Bd. 2X
332 Suffrian:
elytris postice et ad 1 atera punctato-striatis. Long. 1V4'''5
lat. Ve'".
Kaum halb so gross als die vorhergehende Art, und
derselben zwar sehr ähnlich, aber doch an der abweichen-
den Färbung und Sculptur leicht zu unterscheiden. Die
erstere bildet ein viel gleichmässigeres dunkleres Goldgrün,
Taster , Fühler und Fussglieder ziemlich hellgelb mit
grünlich schimmernder Oberseite der letzteren, die vor-
deren Öchenkelw^urzeln und die Gelenkköpfe der Vor-
derhüften verwaschen gebräunt; auch die Mundtlieile
bräunlichgeib. Die eingedrückte Längslinie auf dem
Kopfe etwas stärker angedeutet, die Punktirung des Hals-
schildes vorn und an den Seiten dichter gedrängt, die
Vorderecken desselben kaum vortretend. Auch auf den
Deckschilden die Punktirung bei gleicher Stärke merk-
lich dichter, auf der hinteren Hälfte besonders der Naht
und dem Seitenrande zu in ziemlich regelmässige Längs-
streifen geordnet, zwischen denen, bei sehr schräger Be-
leuchtung von hinten her betrachtet, einzelne Zwischen-
räume als flache Rippen zu erkennen sind. Alles Uebrige
wie bei der vorhergehenden Art.
*** Corpus ovatum ; antennae subclavatae, apice com-
pressae; thorax lateribus non rotundatus.
Die beiden folgenden Arten "weichen zwar durch
das vorn zusammengedrückte, seitlich nicht gerundete
Halsschild, die kürzeren nach der Spitze zu leicht ver-
dickten Fühler, den kürzeren mehr gedrungenen Kör-
perbau, und das breite, der Länge nach nicht verdickte
Prosternum von den vorhergehenden Arten ab : es lässt
sich jedoch nicht verkennen, dass diese Abweichungen
überwiegend nur habitueller Art sind, und ich habe mich
deshalb aus den oben angegebenen Gründen enthalten,
sie als eine besondere Gattung aufzustellen. Ich führe
sie vielmehr einstweilen als Arten der überwiegend be-
reits zur Annahme gelangten Gattung CUalcophana auf,
in der auch bereits Erichson (Wiegm. Archiv etc. 1847.
I. S. 161 flP.) Arten von sehr verschiedener Gestalt und
Stellung der Fühler, darunter auch eine mit etwas zusam-
Verzeichn. d. auf d. Insd Cnba g-csammelt. Chrysoraelinen. 33S
mengedrückten Fühlern zusammcngefasst hat, zumal sie
sich den dahin gerechneten Arten sowohl im Habitus als
auch im Bau der Fussglieder immer noch am besten an-
schliessen.
Die Mundthelle der zunächst beschriebenen Ch, va-
ricornis m. — der einzigen^ welche mir in einer grösse-
rer Zahl von Exemplaren vorliegt, sind, nachdem ich sie
schon früher untersucht hatte, jetzt auf meine Bitte von
dem durch seine ausgezeichneten Zergliederungen rühm-
lichst bekannten Herrn Dr. H. Landoi s hier einer noch-
mah'gen Untersuchung unterzogen worden. Sie gleichen
in vielen Beziehungen denen der Cr jpto c ephali den,
namentlich derjenigen Gattungen, in denen, wie bei Mo-
nachus und CryptocephaluSj die Unterlippe vorn nicht
ausgebuchtet oder herzförmig, sondern abgerundet er-
scheint, und unterscheiden sich von denselben nur durch
die Beschaffenheit des inneren Maxillarlappens und das
Längenverhältniss der Tasterglieder. Die Oberlippe ist
vorn ausgerandct; die Oberkieferladen sind innerseits an
jedem Rande gezähnt, und zwar befindet sich der Zahn
an dem inneren Rande in der Mitte, eigentlich nur einen
leichten, durch eine vor und hinter ihm liegende sanfte
Ausbuchtung des Randes herausgehobenen Vorsprung
bildend ; am äusseren Rande steht der Zahn nahe an der
gleichfalls zahnartig ausgezogenen Spitze, ist dieser gleich-
laufend, nur kürzer, und von ihr auch nur durch einen
schmalen Ausschnitt getrennt. An den Maxillen ist
der innere Lappen breit, vorn leicht ausgerandet^ der
äussere lang und schmal, mit dem oberen Ende etwas
einwärts gekrümmt. An den Kiefertastern sind das Iste,
3te und 4te Glied von gleicher Grösse; das vierte sich
nach Aussen verjüngend, das 3te von da ab sich wie-
der verbreiternd, das Endglied walzenförmig, erst vom
letzten Viertel ab sich allmählich verschmälernd , mit
fast abgerundetem Vorderende; das 2te (kürzeste) Glied
nur halb so lang als das Endglied. An den Lippen-
tastern bildet das dem Endgllede der Kiefertaster gleich
gestaltete, nur etwas dünnere Endglied die Hälfte des
ganzen Tasters, und das zweite ist dann wieder doppelt
334 Suffrian:
länger, wenn auch nur wenig dicker als das Wurzelglied.
Die Mitte der Unterlippe bildet vorn einen ziemlich breit
abgerundeten Lappen. Das Unterende des kStiels jeder
Unterkieferlade zeigt nach aussen dieselbe, ihm die Ge-
stalt eines Stiefels gebende Verlängerung, wie bei den
Cryptocephalen, und eine Abweichung tritt nur darin
hervor, dass der darüber liegende eingeschnürte Theil des
Stiels länger ist als bei jenen, und in seiner Mitte auf
der Aussenseite noch ein kleiner zahnartiger Vorsprung
bemerkbar ist.
69. Ch. varicornis m. Cupreo-aenea aut viridis
profunde punctata, antennis pallidis, annulo articulisque
duobus ultimis nigris, tibiis tarsisque dilutioribus, thorace
antice compresso, lateribus subrecto. Long. 1— r^/3'";
lat. V4-IV6'".
Von den beiden, dieser Gruppe angehörenden Arten
ist die vorliegende im Allgemeinen die grössere, übrigens
nach ihrer Grösse, wie nach der Färbung sehr verän-
derlich. Die letztere ist gewöhnlich ein dunkles Kupfer-
braun mit stärkerem oder schwächerem Glänze, seltener
ein trübes metallisches Grün, letzteres vorzugsweise bei
den kleineren, muthmasslich </ - (übrigens nicht weiter
abweichenden) Stücken; es liegen mir jedoch auch
kleine Exemplare in normaler Färbung vor. Der Kopf
ist flach mit oben leicht quer niedergedrückter Stirn, die
Augen sind auf der Innenseite etwas stärker ausgeschweift
als bei den vorhergehenden; die Punktlrung massig dicht,
aber »grob, mit einem kurzen greisen Häärchcn in jedem
Punkte, Oberlippe und Taster schmutzig gelbbraun. Die
Fühler von halber Körperlänge, unten mit keulig aufge-
triebenem Wurzelgliede, schlank und alle Glieder einan-
der ziemlich gleich, die oberen vom Tten ab alliuählich
sich etwas verbreiternd, was besonders bei den vier letz-
ten hervortritt. Die Farbe ein bleiches Weissgelb, die
beiden Endglieder schwarz, und unterhalb des 8ten ein
schwärzlicher Ring, welcher gewöhnlich das 6te und 7te
Glied umfasst, sich zuweilen auf letzteres beschränkt, zu-
weilen auch, wenn gleich abgeschwächt, sich noch weit
über das 5te Glied ausdehnt. Weitere Verschiedenheiten
Ver/eichn. *!. auf d. Insel Cuba gesammelt- Chrysomeliueii. 335
aber bieten solche Stücke nicht, und allen i.-,t die rein
weisse Färbiino^ des 8ten und 9ten, wie die schwarze des
7ten, löten nnd Uten Gliedes gemeinsam. Das Ilnlsschild
etwa 2\A2mal breiter als lang^ nach vorn stark zusammen-
gedrückt und dadurch merklich verengt, die Seiten in
der Mitte schwach erweitert, fast gerade, Vorder und
Hinterecken scharf, crstere spitz-, letztere fast rechtwink-
lig ; die Oberfläche grob und ziemlich dicht punktirt;
seitlich, besonders in den Vorderecken, mit einer gleichen
greisen Behaarung, wie der Kopf, besetzt. Das Schild-
chen breit, halbelliptisch und hinten kurz zugespitzt, kaum
punktirt. Die Deckschilde wenig länger als breit, hinten
breit zugerundet mit hochgewölbtem Rücken, hinter den
schmalen aber stark hervortretenden Schulterbeulen etwas
zusammengedrückt; die Punktlrung noch gröber als die
des Halsschildes, zuweilen mit Andeutungen abgerissener
Längsreihen, die dünne Behaarung oben meist abgerieben.
Unterseite und Schenkel von der Farbe der Oberseite,
jene runzlig punktirt und mit den Beinen dünn greis-
haarig, Hüften, Schienen und Fussglieder, zuweilen, auch
noch die verwaschenen Hinterränder der Bauchringe
heller oder dunkler pechbräunlich. Die kurzen Schenkel-
stark aufgetrieben und dann wieder vor den Knien ein-
geschnürt, auch die Schienen kurz und kräftig, unterwärts
verbreitert, die vorderen und mittleren etwas einwärts
gekrümmt, crstere vor dem ünterende aussen leicht aus-
geschweift. Die drei oberen Fussglieder kurz, breit, un-
ten dicht weissgepolstert; die Krallen auf der Innenseite
an der Wurzel mit einem sehr kurzen, wenig bemerk-
baren Zähnchen.
Von Dr. Gundlach war diese Art unter dem Namen Tijpo-
phorns nujrihis Fab. eingesandt worden, mit welchem Käfer sie aber
gar nichts zu thun hat. Auch R. de Sagra a. a. 0. S. 299 führt
den T. 7n(irifiisY'A\). als Cubanischen Käfer auf: ol) er darunter den
echten Käfer dieses Namens gemeint hat, wage ich nach seinen kur-
zen Angäben nicht zu entscheiden, wiewohl namentlich das über die
Farbe der Fühler und die Sculptur Gesagte nicht widersprechen
würde. Ein diesen Angaben entsprechender Käfer ist jedoch von
G. nicht gefunden worden ; Fabricius selbst giebt übrigens »Ame-
rica meridionalis« als Heimath seines Eumolpus nigritus an. Oli-
336 Suffrian:
viers gleichnamige Art (Ent. VI. 912. n. 30) aus Guyana scheint
nach der Beschreibung der Fühler — »antennae basi ferrugi7ieae, medio
atrae, nitidae (tres-noires), arlicvlis quinquc uUimis fuscis (dun noir
obscur)« — wiederum verschieden; aus der Abbildung Tab. 11.
fig. 24 ist jedoch Nichts zu entnehmen, da sie einen dunkelblauen
Käfer mit schwarzen Beinen und nicht punktirten Deckschilden
darstellt.
70. Ch. striata m. Violacca profunde punctata,
antennis pallidis annulo artiouloque ultimo nigris, tarsis
piceis, tborace antice compresso latcribus subrecto, elytris
punctato-striatis. Long. IVs'"; b^t. 74'".
Nur in einem einzigen, nicht gut erhaltenen Stücke
vorliegend, aber doch sieber eine gute Art. Von der
Länge der kleineren Stücke der vorbergebenden, aber
verbältnissmässig etwas schmaler, deshalb gestreckt-el-
liptischer, und von jener tbeils durcb die Sculptur, tbeils
durcb die Färbung verschieden. Erstere bildet auf den
Deckscbilden regelmässige, in ziemlich deutliche Längs-
linien eingedrückte oder solche niederdrückende Punkt-
streifen, deren zwischen Naht und Scbulterbeulen, den
innersten abgekürzten eingerechnet, je sieben gezählt
werden, der 5te aber vor der Mitte durcb einzelne über-
zählige oder aus der Reihe W' eichende Punkte gestört
ist; dann folgen vier auf und an den Scbulterbeulen ent-
springende, von denen der 4te sieb in einem stark nach
dem Rande zu ausspringenden Bogen krümmt, und da-
durch innerseits einen etwas breiteren, vorn zugespitzten
mit einem ungeordneten accessoriscben Streifen besetz-
ten Zwischenraum bildet, endlich liegt noch ein Streifen
ausserhalb der Scbulterbeule, krümmt sich, dem vorher-
gehenden entsprechend, gleichfalls nach aussen, und fällt
in der Mitte eine Strecke lang mit dem Randstreifen zu-
sammen, löset sich von diesem aber später wieder ab und
läuft in der Spitze aus. Der vorn zwischen diesem Strei-
fen und dem Randstreifen liegende schmale Zwischen-
raum ist gleichfalls mit einigen gröberen Punkten be-
setzt; alle Zwischenräume aber sind mehr oder weniger
stark rippenförmig erhöht. Die Seiten des Halsschilds
sind fast noch gerader als bei der vorhergehenden Art,
auch vorn noch etwas stärker zusammengedrückt, und die
Verzeichn. d. auf d. Insel Cuba gesammeli. Chrysomelineii. 337
Vordcrwinkcl röthlich durchscheinend; die Körperfarbe
selbst ist ein schönes helles Stahlblau, in den Punkten der
üeckschilde thcilweise ins Grünliche spielend^ während
die Zwisclienriiunie besonders hinterwärts bei sehr schräger
Beleuchtung einen schw^achen Purpurglanz zeigen. Die
Fühler weissgelb, das Endglied und das 7te geschwärzt
mit verwaschen hellerer Spitze; das 5te und dte in der
Mitle der Oberseite mit einem bei jenem schwächeren
Längswische. Alles Uebrige, w^ie bei der vorhergehen-
den Art.
X. Heteraispiis Chv.
71. H. nana Mus. ßerol. Aenea punctata parce
albido - pubescens, ore antennis pedibusque flavis. Long.
P"; lat. 23-.
Von dei- Grösse eines mittelmässigen MonaohuSj aber
mehr gleichbreit, an beiden Enden gleichmässig zugerun-
det und daher im Umfange mehr elliptisch, auf der gan-
zen Oberseite dicht und massig stark punctirt, mit einer
dünnen, hinterwärts angedrückten hellgreisen Behaarung
bedeckt, zwischen welcher der erzfarbige stellenweise ins
Kupfrige spielende ziemlich glänzende Zwischengrund
überall hindurch schimmert. Die Stirn gewölbt, durch
eine breite Stirnfurche in zwei flache Höcker getheilt,
das schmale Kopfschild durch eine seichte Querfurclie
zwischen den Fühlerhöckern abgcgränzt, die Oberlippe
etwas eingezogen. Mundtheile und Fühler hellgelb, das
2te Glied der letzteren auf der Innenseite etwas aufge-
trieben, auf der äusseren leicht ausgebuchtet, an Grösse
von den vier folgenden nur wenig verschieden, die fünf
oberen w^iederum einander gleich, etwas grösser als die
vorhergehenden, das 6te oberw^ärts breit dreieckig erwei-
tert und mit den folgenden noch breiteren deutlich zu-
sammengedrückt, daher eine gestreckte leicht verbreiterte
Keule bildend, diese zugleich an der Spitze der einzelnen
Glieder leicht gebräunt. Das kurze und breite Ilalsschild
flach gew ölbt, mit tief eingezogenen Vorderecken und über
den Augen leicht ausgebuchtetem Vorderrande; die fein
338 Suffrian:
gerandeten Seiten grade, die Hinterecken stumpf abge-
rundet, die Punktirung etwas feiner und sparsamer als
die der Deckschilde. Das Schildchen breit lialbelliptisch,
hinten kurz zugespitzt, kaum punktirt, leicht ins Messing-
grünliche fallend. Die Deckschilde etwas länger als breit,
hinten kurz und breit zugerundet, hinter der tief einge-
senkten Wurzel etwas aufgetrieben, und dann hinter den
breiten, innerseits durch einen kurzen Läng seindruck ab-
gesetzten Schulterbeulen wieder leicht zusammengedrückt;
die Seiten von der Mitte ab etw^as unter- und einwärts
gebogen, wodurch daselbst jederseits ein stumpfer, unter
der Wölbung vor der Spitze sich zu einer die Naht durcli-
setzenden kielartigen Querlinie verschmälernde Längs -
wulst gebildet wnrd. Die Unterseite trüb erzfarbig, runz-
lig punktirt, dünn greishaarig, die Beine gelb mit etwas
dunkleren Krallenhäkchen ; letztere sehr klein, zweispaltig,
so dass das innere Zähnchen das kleinere ist und zugleich
etwas zurücktritt. Dabei liegen die Krallenhäkchen bei
dem einzigen vorliegenden Stücke so dicht an einander,
dass sie einen vicrzähnigen Kamm mit kleineren und etwas
rückwärts gestellten Mittelzähnen zu bilden scheinen ; ob
beide Häkchen aber wirklich zu einer festen vierzähnigen
Kralle verwachsen sind, habe ich bei der Unmöglichkeit,
jenes einzige Stück zu zerbrechen, nicht ermitteln kön-
nen, halte es jedoch bei der übereinstimmenden Krallen-
stellung aller sechs Füsse für wahrscheinlich. Das F^roster-
num runzlich punktirt und behaart.
Einige Bemerkungen zur Charakterisirung der Gat-
tung Heteraspis hat Leconte in dea Coleopter. of Kan-
sas and Eastern New Mexico (1859). S- 23 mitgetheilt.
Dieselben sind jedoch theils nur negativ, theils von dem
Habitus entnommen, und reichen daher auch zur Abgrän-
zung der hierher gehörenden Arten nicht aus. Nach L's
Anga-be ist bei den von ihm dazu gerechneten Arten die
Krallenbildung sehr verschieden, der innere Zahn näm-
lich bald lang und spitz,^ bald kurz und spitz, bald nur
verkümmert („almost obsolete"). Die vorbeschriebene Art
"Würde in die 2te dieser Gruppen gehören.
Verzeichu. d. auf d. Insel ('Td)a oesaniTnelt. ("hrysomelinen. 339
XI, ]fIetachroma Cliv.
Die in unseren Sammlungen gewöhnlich zu dieser,
so viel ich weiss, zuerst von llrn. C h c v r o l a t ausgeschie-
denen aber nicht charaktcrisirten Gattung gebrachten Ar-
ten sind von Hrn. Lcco nt e in den Proceed. of the Acad.
of Nat. sc. of Phüadelphia 1858. S. Söu. 8G in zwei ver-
schiedene Gattungen, Paria Lee. und Metachroma Chv.
Lee. geschieden, auch deren Merkmale angegeben wor-
den. Werden aus diesen Merkmalen diejenigen ausgeson-
dert, welche einander nicht ausschliessen, oder (wie der
der Bau der Ilinterschenkel und der Grad der Ausran-
dung vor der Spitze der hinteren Schienen) Uebergänge
zeigen, oder nur habituell sind, so bleiben als wirkliche
Unterscheidungsmerkmale nur die relative Länge des 2ten
und 3ten Fühlergliedes (beide bei Metachroma gleich
lang, bei Paria das 2te kürzer als das ote) und der Bau
des Prosternums, welches vorn bei Metachroma den Mund
frei lässt, bei Paria zu dessen Aufnahme etwas vorgezo-
gen und ausgehöhlt ist. Beiden Merkmalen vermag ich
keine besondere Bedeutung beizulegen, da wenigstens in
einer anderen Chrysomelinen-Familie, der der Gryptoce-
phaliden, bei diesen Theilcn sich in einer und derselben
(iattung die unmerklichsten Uebergänge und Zwischen-
formen finden: ebenso wenig aber lässt sich verkennen,
dass beide Gattungen oder Gruppen sich habituell leicht
unterscheiden lassen, und namentlich der Bau des Hals-
schilds (bei Metachroma an den Seiten gerundet, mit ohr-
oder zahnförmig ausgezogenen Ecken, bei Paria seitlich
mehr oder weniger deutlich zusammengedrückt, fast ge-
rade, ohne vorspringende Ecken) dazu ein sehr geeignetes
Merkmal darbietet. Beide werden daher mindestens als
Gruppen füi- die bereits ziemlich angewachsene Gattung
Metachroma beizubehalten sein. Uebrigens gehören die
von G und lach auf Cuba gefundenen einander überaus
ähnlichen Arten sämmtlich den eigentlichen Metachromen
mit geöhrtem Hals.^childe an.
72. M. adusta Gundl. Fusco-brunnea, ore, an-
tennis, pedibus, elytrorum abdominisque apice dilutioribus,
340 Suffrian:
thorace laevi , punctorum striis postice evanescentibus.
Long. P/4'"; l^t Ve'".
Von der Gestalt und dem Habitus einer mittelgros-
sen Halticay und wie die folgenden^ von den Arten des
nordamerikanischen Festlandes besonders durch den fla-
cheren Körper abweichend, schmutzig braungclb, der Un-
terkopf, die Schultern und Seiten der Flügeldecken nebst
deren hinterem Drittel verwaschen lehmgelb; auch der
Hinterleib mit Beinen und Fühlern heller als die übri-
gen vorderen Theile des Körpers. Der Kopf flach mit
etwas gewölbtem Nacken und abgekürzter Stirnlinic, dicht
und fein punktlrt; das grosse Kopfschild quer viereckig,
oben zugerundet und unten zur Aufnahme der Ober-
lippe ausgerandet. Die Fühler fadenförmig und von mehr
als halber Körperlänge, das Wurzeiglied und das um die
Hälfte kleinere zweite innerseits etwas aufgetrieben und
dafür unterwärts ausgehöhlt, das 3te dem 2ten an Länge
gleich, die folgenden bis zum 7tcn allmählich zunehmend,
und dem letzteren wieder die oberen gleich, letztere auch
vom 7ten ab, doch in abnehmender Stärke, nach ihrer
Spitze zu leicht verdickt. Die Augen kurz eiförmig, in-
nerseits deutlich ausgebuchtet, am oberen Rande von einer
schmalen Furche umzogen. Das Halsschild doppelt breiter
als lang, leicht gewölbt, vorn hinter den Augen eingedrückt
und dadurch hier merklich verschmälert, die Seiten in brei-
tem Bogen gerundet und mit den Rändern aufgebogen.
Vorder- und Hinterecken als kräftige Zähne heraussprin-
gend : Oberfläche glatt mit massigem Glänze, der Vor-
derrand verwaschen heller als die übrige Färbung. Das
grosse Schildchen halb elliptisch, hinten plötzlich, ver-
schmälert und dann kurz zugespitzt. Die Deckschilde
von den Schultern ab hinterwärts noch etwas verbreitert
und dann kurz zugerundet, hinter der Wurzel leicht quer
aufgetrieben; die Schulterbeulen länglich und schmal,
innerseits durch einen tiefen Längseindruck abgesetzt.
Die Punktstreifen regelmässig, aus kräftigen Vorderenden
bald schwächer und von der Mitte ab noch wenig kennt-
lich, der 7te und 8te aus gemeinsamem Vorderende ent-
springend, zwischea dem 7ten und 9teu, und dann wie-
Verzeichn. d. auf d. Insel Cuba gesammelt. ( lirysumeliiien. o41
der zwischen dem 9tcn und lOten tan der Schulter der
Ansatz eines überzähligen Streifens, der letztere sehr
kräftig und die Flügeldecke dadurch der Länge nach etwas
eingedrückt. Die Unterseite schmutzig braungelb, der
Hinterleib eben so schmutzig lelimgclb, der mittlere Theil
der drei vorderen ßauchringe verwaschen gebräunt. Die
Beine ziemlich schlank, die stärker aufgetriebenen Schen-
kel vor den Knieen eingeschnürt, Mittel- und Hinterschie-
nen vor der Spitze an der Aussenseite mit einem zahn-
artigen, stark gelblich gewimperten Vorsprunge, bei
jenen stärker und dem unteren Ende 'näher gerückt, bei
diesen schwächer und vom Ende mehr entfernt. Unter
diesem Zähnchen ist die Aussenseite der Schiene bogen-
förmig ausgeschnitten und hier gleichfalls mit abstehen-
den Wimpern besetzt. An den Füssen ist das Krallen-
glied langgestielt, die Krallen selbst sind verhältnissmäs-
sig klein und an der Wurzel mit einem deutlichen Zähn-
chen besetzt.
73. M. puncticollis m. Lutea, thorace punctato
raedio obscuriore, elytris fortiter punctato-striatis. Long.
V4— IV12'"; lat. Vs— /a'".
Gewissermassen die vorhergehende Art im Kleinen,
im Umriss und Habitus ihr völlig gleichend, aber auch
in ihren grössten ($) Stücken um mehr als die Hälfte
kleiner, und auch ausserdem von ihr nach Färbung und
Sculptur genugsam verschieden. Die Stirn fein punktirt
mit kurzer Längslinie, das zerstreut aber gröber punktirte
Kopfschild oben durch eine gebrochene Bogenlinie ab-
gesetzt, am unteren Rande eingezogen, mit stark zurück-
tretender Oberlippe. Das Halsschild vorn über und hin-
ter den Augen stark eingezogen, hinten ziemlich abge-
flacht, seitlich breit gerandet und zugerundet, die Vor-
derecken stäiker die hinteren schwächer zaJinartig her-
austretend. Die Oberfläche nicht sehr dicht aber deut-
lich punktirt, das Mittelfeld besonders bei den grösse-
ren Stücken ins Verwaschene gebräunt, zuweilen mit
schwach erzgrünlichem Schimmer. Das Schildchen hin-
ten nur stumpf zugerundet. Die Punktstreifen der Deck-
schilde besonders vorn kräftig, von der Mitte ab zwar
342 Suffrian:
etwas feiner, aber bis zur Spitze deutlich, der 7te und
9te hinter den Schulterbeulen einander genähert, hinter-
wärts divergirend, und auf ihrem daselbst stark verbrei-
terten Zwischenräume sowohl der 8te als der accessorische
Streifen deutlich ausgebildet, ebenso auch noch zwischen
dem 9ten und lÜten Streifen der sehr regelmässige und
kräftige Anfang eines überzähh'gcn Streifens vorhanden.
Die Zwischenräume ziemlich glänzend, hinten flach, vorn
flach gewölbt, mit Spuren von sehr feinen, aber nicht
regelmässigen Punktreihen. Unterseite und Beine gleich-
falls lehmgelb, ers'tere bei den Stücken mit dunklerem
Halsschilde ebenfalls verwaschen und schmutzig gebräunt :
die Zähnchen der Mittel- und Flinterschienen verhältniss-
mässig etwas stärker, als bei der vorhergehenden Art.
Alles XJebrige, wie bei dieser letzteren.
74. M. suturalis m. Lutea, thorace subtilissime
punctato opaco sutura et limbo elytrorum externo obscu-
rioribus, his fortiter punctato-striatis. Long. IV2'" ; lat. V/".
Der Grösse nach zwischen den beiden vorhergehen-
den in der Mitte stehend, in der Sculptur mehr der M.
puncticollis ähnlich , aber an der vorn breit gebräunten
Naht und dem ebenso gebräunten Aussenrande der Deck-
schilde leicht zu unterscheiden, übrigens bei fast gleicher
Länge mit M. adusta merklich schmaler als diese letztere
Art. Kopf und Halsschild im Wesentlichen wie bei die-
ser, nur die Fühler nach oben hin verhältnissmässig etwas
derber and kräftiger, das Halsschild schmutzigbraun mit
einem leichten grünlichen Schimmer, der breite Seiten-
und Hinterrand verwaschen lehmgelb, dabei die Scheibe
matt und glanzlos, mit einer äusserst feinen und nicht
dichten Punktirung bestreut. Das Schildchen halb ellip-
tisch, kurz zugespitzt, braun. Die gestreckten Deckschilde
fast doppelt länger als breit, flach gewölbt und glänzend,
die Schulterbeulen innerseits durch einen tiefen Eindruck
abgesetzt, der Rücken hinter dem Schildchen jederseits
ziemlich breit aber nur schwach quer niedergedrückt.
Die Punktstreifen regelmässig, von ziemlich gleichmäs-
sigcr Stärke, nur der 5te bis 8te hinter der Mitte allmäh-
lich feiner -und noch vor der Wölbung erlöschend ; zwi-
Verzeichn. d. auf d. Insel Ciiha oesammelt. riirysomelineii. B43
sehen dem 7ten und 8tcn, und dann wieder zwischen dem
9ten und dem Randstreifen ist dann noch der Ansatz zu
einem überzähligen, aber ebenfalls bald abreissenden Strei-
fen erkennbar. Die Zwischenräume leicht gewölbt, die
Farbe lehmgelb, die Naht bis über die Mitte hinaus mit
seitlich schlechter ßegränzung und hinterwärts sieh ver-
schmälernd schmutzig braun, und eine gleiche oder noch
etwas dunklere Färbung zeigt der hinterwärts gleichfalls
verschmälerte Seitenrand der Flügeldecken bis gegen die
Wölbung hin. Auch Unterseite und Beine lehmgelb mit
geschwärzten Paraplcuren, bei einem der vorliegenden
Stücke auch der letzte ßauchring schwärzlich; der Bau
der Beine wie bei den vorhergehenden Arten.
75. M. li tu rata m. Lutea laevissima, antennarum
apice, thoracis elytrorumque lituris nigricantibus, puncto-
rum striis pone medium deletis. Long. IV4'"; l^t. '/o'".
Von den vorhergehenden unterscheiden sich die vor-
liegende und die folgenden Arten habituell durch das
schmalere Halsschild und die entsprechend stärker vor-
tretenden Schultern, die mehr gleichbreiten, oben flache-
ren, vorn neben der Naht stärker bucklig aufgetriebenen
Decks'childe, und die, durch den hinter diesen Buckeln
liegenden Eindruck plötzlich abgeschwächten, bald ganz
verschwindenden Piinktstrcifen, w^ährend die Beschaffen-
heit dieser letzteren vorzugsweise die Unterscheidungs-
merkmale für die einzelnen Arten selbst abgiebt. Bei
der vorliegenden zeigt der Kopf eine sehr ungleichmäs-
sige Stirn linie, deren oberer Theil sehr fein und zart, der
untere furchenartig verbreitert ist und dann unten in die
ebenso kräftig eingegrabene, das ^grob punktirte Kopf-
schild umziehende Bogenlinie ausläuft: in die letztere laufen
ebenso die, die oberen inneren Augenränder umziehen-
den eingedrückten Linien aus, wodurch die Stirn an ihrem
unteren Ende die Gestalt zweier rundlich vortretender
Lappen erhält. An den Fühlern sind die fünf oberen
Glieder geschwärzt, mit etwas heller gebräunten Wurzeln
und Spitzen. Das Halsschild etwas flacher als bei den
vorhergehenden Arten, vorn durch einen sanften, hinter
den Augen die Vorderwinkel stärker niederdrückenden
344 Suffrian:
Qiierelndrnck leicht eingeschnürt; die Seiten schmal ge-
landet, breit zugerundet, die Zähnchen der Vorder- und
Hinterecken kurz, aber doch kenntlich. Die Oberfläche
spiegelglatt, die Farbe schmutzig lehmgelb, auf der Mitte
ein dicker, verwaschen begränzter, hinten doppelt ausge-
buchteter schwärzlicher Querfleck. Das halbelliptische
Schildchen hinten kurz zugespitzt. Die Deckschilde vorn
etwas breiter als das Halsschild, daher die Schultern ge-
gen letzteres abgesetzt, hinterwärts noch etwas verbrei-
tert; der Rücken sehr flach gewölbt, vorn zwischen dem
tiefer eingedrückten abgekürzten und dem 5ten Punkt-
streifen flach querwulstig aufgetrieben und dahinter durch
einen breiten, seichten Quereindruck zusammengeschnürt;
die kräftigen Schulterbeulen länglich, durch jenes tiefer
eingedrückte Vorderende des 5ten Streifen von dem
Querwulste getrennt. Die Punktstreifen sehr regelmäs-
sig, der abgekürzte und öte vorn vertieft, von den vier
dazwischen liegenden hinter der scharfen Wurzelkante
nur je der erste Punkt deutlich, die Fortsetzung auf dem
Querwulste bis auf die etwas merklicheren Punkte des
ersten Streifens fast abgeschliffen ; in dem Quereindrucke
treten alle Streifen wieder deutlich hervor, werden aber
— bis auf den ersten, der sich als leicht eingegrabene
Linie längs der Naht bis zur Spitze fortsetzt — bald
schwächer, und sind von der Mitte ab kaum noch kennt-
lich. Von den seitlichen, hinter und ausserhalb .der Schul-
terbeulen liegenden Streifen sind überhaupt nur schwache
Andeutungen wahrzunehmen, und nur der abgekürzte
Streifen auf dem Uten Zwischenräume findet sich durch
ein paar gröbere Punkte vertreten. Die Oberfläche ist
auch hier spiegelglatt, die Farbe schmutzig lehmgelb
mit etwas verdunkelter Naht und zwei aus trübschwärz-
lichen verwaschenen Flecken bestehenden, unterbroche-
nen Querbinden, die vordere auf dem Quereindrucke, auf
dem öten Punktstreifen sich verbreiternd, ausserhalb des-
selben unterbrochen, die zweite hinter der Mitte, mit
einer Unterbrechung zwischen dem 4ten und Gtea Strei-
fen und dann wieder auf dem 8ten Zwischenräume. Un-
terseite und Beine gleichfalls lehmgelb mit leicht ge-
Verzeichr. d. auf d. Insel Tuba gesammelt, rhry^omelinen. 345
bräunter Hinterbrust, die Zähnclien an den Mittel- und
Hinterscliienen stärker als bei der vorhergehenden Art.
16. M. laeviuscula m. Lutea laevissima, anten-
nis apice nigricantibus, clypci angulis prominulis, elytro-
rum striis iam ante medium deletis. Long. IV4'"; lat. 72"'-
Der vorigen überaus ähnlich, von gleicher Grösse
und Gestalt, aber doch m. E. von ihr genugsam verschie-
den. Die Farbe ist ein reines, helles Lehmgelb, auf der
wulstigen Auftreibung der Deckschilde und bis über de-
ren Mitte hinaus mit Spuren erloschenes Goldglanzes, so
dass ein solcher wahrscheinlich bei dem lebenden Tbiere
vorhanden ist: nur die Spitzen der Kinnbacken und die
fünf oberen Fühlergiieder sind schmutzig geschwärzt, mit
heller durchscheinender Wurzel und Spitze ; das üte und
6te Glied auch schon leicht gebräunt. Die Stirn ohne
Längslinie und auch, wie das Kopfschild, ohne Punkte;
die das letztere oben abgränzende Querlinie feiner und
flacher als bei der vorhergehenden Art; der untere Theil
des Kopfschilds der Länge nach seicht muldenförmig ein-
gedrückt, so dass die unteren Ecken desselben als breite,
dreieckige Zähnchen hervortreten. Die Sculptur der
Deckschilde im Ganzen noch feiner als bei der vorigen
Art; ausser dem abgekürzten und dem hinterwärts längs
der Naht als eine eingedrückte Längslinie fortziehenden
ersten Streifen ist vorn nur der 5te deutlich, die dazwi-
schen liegenden sind auf dem Querwulste sehr schwach,
in dem dahinter liegenden Quereindrucke nur auf eine kurze
Strecke deutlicher, schwächen sich abei* bald so ab, dass
schon vor der Mitte auch bei stärkerer Vergrösserung
kaum noch eine Andeutung von ihnen zu erkennen ist.
Die äusseren Streifen sind schon von vorn ab fast weg-
geschliffen, und auch von den überzähligen zeigt sich
auf dem 9ten Zwischenräume kaum eine schwache Spur.
Alles Uebrige, wie bei der vorhergehenden Art.
77. M. sordida m. Sordida luteo-fusca laevissima,
antennis apice nigricantibus, clytrojum striis iam ante
medium deletis, suturali profundiore. Long. IV12 — D/4'";
lat. V2— '/s'".
Den beiden vorhergehenden abermals sehr nahe ver-
346 Suffrian:
wandt, aber die Deckschilde hinterwärts etwas verbrei-
tert, das Halsschild kürzer und nach vorn ein wenig
versclimälert, und der Käfer ausserdem von M. liturata
durch den Mangel der Stirnlinie und der Punktirung auf
dem Kopfe, so wie durch die feineren Punktstreifen, von
M. Laeviusciilaj mit w^elchcr er in diesen Merkmalen über-
einkommt, ausser dem Habitus noch durch das über die
Mitte leicht quer wulstige, mit seinen unteren Ecken nicht
vorspringende, am unteren Rande tief eingezogene Kopf-
schild, und die ganz kurze, fast rechtwinklig vorgestreckte
Oberlippe abweichend. Die Punktstreifen wie bei M,
laeviusculaj nur der Nahtstreifen etw^as tiefer eingedrückt,
auch die zunächst liegenden etw^as weiter hinterwärts zu
verfalgen. Die P'ärbung anscheinend sehr veränderlich
und bei den drei vorliegenden Stücken verschieden. Als
normal gefärbt betrachte ich ein schmutzig lehmgelbes
Stück, bei welchem die Unterseite und der vordere Theil
der Deckschiide verwaschen gebräunt sind, während das
Halsschild eine verhältnissmässig heller gelbliche Färbung
zeigt; bei einem zweiten nimmt die schmutzig gebräunte,
auf der Mitte fast schwärzliche Färbung beinahe die gan-
zen Deckscliilde ein, und lässt nur noch auf der Schulter-
beule und dem letzten Drittel der Deckschilde die ursprüng-
liche gelblich braune Farbe durchscheinen ; bei dem 3ten
endlich ist die ganze Oberseite bis auf die verwaschen
lichtere Spitze der Deckschilde schmutzig braun, wenn
gleich nicht ganz so dunkel als auf den Deckschilden des
zweiten Stückes, und mit diesen Abänderungen ist die
Reihe derselben wahrscheinlich noch k eines weges er-
schöpft. Der Bau der Beine, wie bei den vorhergehen-
den Arten.
XI. MyoelirOU.^ Erichs.
78. M. dubius Ramon de Sagra a. a. 0. S. SCO.
Zu der von R. de S. oder seinem Bearbeiter gegebenen
Diagnose dieser Art habe ich nur zu bemerken, dass die
Punktstreifen der Flügeldecken eigentlich Doppelstreifen
sind, deren Zwischenräume dadurch zu schmalen faden-
förmigen Längsrippen zusammenschwinden, während die
Verzuichn. d. auf d. Insel Cuba gesammelt. Chrysomclinen. 337
vorn gröberen Punkte daselbst durch runzlig und wellig
verfliesscnde Querbrücken getrennt werden. Ob der von
Fabricius (S. Eleuth. II. 53. n. 69) aufgeführte Cry-
ptocephalus (nicht, wieJacq. D. schrieb: Eumolpus) du-
hius aus Südamerika hierher gehöre, ist mir noch eini-
germassen zweifelhaft, da Fabricius in der im Allge-
meinen zutreffenden Beschreibung zwar wohl der Zähne
an den Hinterschenkeln, nicht aber der ungleich schär-
feren Zähne an den Vorderschienen, und ebenso wenig
der gelblichen Fühlerwurzeln gedenkt. Leconte hat
diesen Öchienenzahn für so wichtig gehalten, dass er ihn
{Coleopter. of Kansas etc. S. 24) sogar unter die Gattungs-
merkmale aufgenommen hat, während Er i c h s o n, welcher
die von Chevrolat benannte Gattung zuerst (Wiegm.
Archiv 1847. I. S. 164j kenntlich charakterisirt hat, eben
daselbst gerade eine Art mit zahnlosen Vorderschienen
{M. iminuadus Erichs, aus Fern) beschreibt, üebrigens
ist der von II liger (Mag. III. 168. n. 69) zuerst zu Eu-
molptis gebrachte Cr. duhüis Fabr. in der Fabr. Samm-
lung noch vorhanden, und dadurch die Möglichkeit gege-
ben, über seine eventuelle Uebereinstimmung mit der
Cubanischen Art noch einmal Gewissheit zu erhalten.
(Die Fortsetzung folgt später.)
Archiv f. Naturg. XXXn. Jahrg. 1. Bd. 22
lieber die Aiinelideii-Ciattuiig Sphaerodorum Oersted
uud einen neuen Repräsentanten derselben:
Sphaerodorum Claparedii.
Von
Dr. Richard tJreeif,
Prlvatdocenten in Bonn.
(Hierzu Taf. VI.)
Unter dem Namen Sphaerodorum iiat Ocrsted^)
im Jahre 1844 eine neue Anneliden-Gattung gegründet,
die sich durch die kuglige Gestalt der Rückencirren und
durch zahlreiche auf dem vorderen Kopfend-e stehende
Papillen auszeichnet. Später ist dieselbe von John-
ston 2) unter dem Namen Pollicita (peripatus) und neuer-
dings genauer von Claparede ^) und besonders be-
züglich des Baues der charakteristischen kugeligen Rük-
kencirren von Kölliker '') beschrieben worden. Bei
einem kurzen Aufenthalte in Dieppe im vorigen Jahre
fand ich in den dortigen Austernbassins eine kleine An-
nelido, die mit der berührten Gattung eine grosse Ver-
wandtschaft zeigt, sich aber wiederum in mehreren Punk-
ten von derselben entfernt und ausserdem auch in ande-
rer Hinsicht einige, wie mir scheint, sehr interessante
Eigenthümlichkeiten bietet, wesshalb sie wohl einer nä-
1) Zur Klassification der Annulaten. Dieses Archiv X. Jahrg.
1844. S. 108.
2) Annais and Mag. of nat. bist. Vol. XVI. p. 5. pl. IL Fig. 1-6.
3) Beobachtungen über Anatomie und Entwickehmgsgeschichte
wirbellos. Thiere. Leipz. 1863. S. 50. Taf. XI. Fig. 8 18.
4) Kurzer Bericht über einige vergl.-anat. Untersuchungen.
Würzburg, naturwiss. Zeitschr. 1864. Bd. V. 3 und 4. Heft. S.240.
Taf. VI. Fig.'l.
Greeff: Ueb. d. Anneliden-Gattung Sphaerodoriim. 339
Iiereii Beschreibung ^), werth sein möchte. Auf die mit
Sphaerodorum gemeinsamen und davon abweichenden
Charaktere werde ich am Schlüsse meiner Mittheilungen,
um die Vergleichung zwischen beiden besser handhaben
zu können, zurückkommen.
Unser Thierchen misst kaum 2 Mm. in der Länge, hat
aber eine im Verhältnisse hierzu bedeutende Breite, die
in den mittleren Körperregionen fast 0,6 Mm. erreicht.
Nach vorne und hinten ist dasselbe verschmälert, derge-
stalt, dass die ganze Körperform, die äusseren Anhänge abge-
rechnet, sich der eines Ovales nähert, indessen zeigt der Vor-
derkörper eine kürzere mehr abgerundete Verschmälerung,
während der Hinterkörper mehr gestreckt erscheint. Die
Haut hat eine im Allgemeinen leicht braungelbe Färbung mit
einzelnen unregelmässig über die ganze Körperoberfläche
verbreiteten dunkelbraunen Plaques, die die mannigfach-
sten Figuren annehmen und die, so wie hier schon bemerkt
werden mag, möglicherweise das von den Hautdrüsen abge-
sonderte Sekret darstellen. An keiner Stelle findet eine
quere durch äussere Furchen bezeichnete Segmentirung
des Körpers Statt. Diese letztere wird indessen durch
die äusseren Hautanhänge hinreichend gegeben und zer-
fällt hiernach der ganze Körper in 18 Segmente. Das
Kopfsegment, das beim ersten Anblick (vergl. Taf. VI.
Fig. 1) fast mehr Aehnllchkeit mit dem Kopfe einer
Schnecke wie mit dem einer Annelide hat, ist von
allen das längste : der vordere etwas abgestutzte Stirn-
rand desselben (Taf. VI. Fig. 1) zeigt in der Mitte einen
deutlichen aber nicht tief eindringenden Einschnitt zur
Bildung der beiden seitlichen Kopflappen. An jedem
Kopflappen sitzen zwei keulenförmige Fühler und zwar
einer mehr auf der oberen Fläche, der andere mehr nach
unten dem Munde zu gerichtet, so dass also im Ganzen
1) Eine kurze Mittheilung darüber habe ich bereits in der
Sitzung der hiesigen niederrheinischen Gesellsch. f. Natur- u Heil-
kunde vom 8. Febr. d.J. gegeben, woselbst ich auch die betreffenden
Zeichnungen vorlegte. Kölnische Zeitung vom 31. März 1866. No. 90.
2tes Blatt.
340 Greeff:
vier vordere Kopf- oder Stirnflililer (Fig. 1, a) vorhanden
sind, zwei obere und zwei untere. Die Basis dieser so wie
die Zwischenräume zwischen denselben sind mit kleinen,
ebenfalls mehr oder minder keulenförmigen Papillen dicht
besetzt, die sich von den eigentlichen Fühlern in Nichts
unterscheiden wie durch ihre geringere Grösse, so dass
man also die Fühler ihrem ganzen Habitus nach und im
Vergleiche mit den sie umgebenden kleinen Papillen
ebenfalls als Papillen bezeichnen könnte, die aus der Mitte
der zahlreichen kleineren aber sonst durchaus gleicharti-
gen Gebilde als besonders entwickelt hervorragen. Ihr
constantes Vorkommen aber an den angegebenen Stellen
des Kopfes, ihre Grösse und Beweglichkeit berechtigen
für sie die obige Bezeichnung als Fühler. Weiter nach
hinten ungefähr auf der halben Länge des Kopfsegmentes
stehen wiederum zwei Fühler auf jeder Seite einer
(Fig. 1, b) ganz ähnlich den vorderen Kopffühlern, die
man als die hinteren Kopffühler oder F ü h 1 e r ci r r e n
bezeichnen könnte, so dass wir also hiernach im Ganzen
sechs Kopffühler haben, vier vordere und zwei hintere.
Die oben erwähnten in den Zwischenräumen der vorde-
ren Fühler befindlichen kleinen keulenförmigen Papillen
erstrecken sich auch in die Gegend der hinteren, sind
indessen hier nicht so dicht gedrängt und beginnen auch
von hier aus im weiteren Verlaufe in eine veränderte
Form, nämlich von der keulenförmig gestreckten in eine
mehr kuglige überzugehen. Ich mache auf diesen Ueber-
gang hier schon aufmerksam, da er zu gleicher Zeit eine
Aenderung in der Funktion dieser Hautanhänge bezeich-
net, indem nach meiner Meinung die vorderen keulen-
förmigen Papillen Tastorgane sind, während die hinteren
kugeligen Anhänge den Drüsen beizuzählen sind. Der
mittlere Theil des Kopfsegmentes trägt zwei rothbraune
Augen, die an der Basis der beiden seitlichen hinteren
Fühler etwas mehr nach innen gerichtet sitzen. Aus
jedem Auge taucht nach vorn und aussen das Segment
einer kugeligen Linse hervor.
Das Kopfsegment ist, wie schon oben für die Seg-
mcntirung im Allgemeinen bemerkt wurde, von dem er-
lieber die Anneliden-Gattunuf Sphaerodorum. 341
steil Körpersegnient durch keine Querfurche geschieden,
sondern geht ohne bestimmte Grenze in dasselbe über.
Das erste Körpersegment wird daher theils durch die un-
teren borstentragendon Fussliöcker (Fig 1, c), theils durch
die an dieser Stelle ringförmig um den ganzen ßrei-
tenumfang sich hinziehenden grossen kugeligen Plautan-
hange (Fig. 1, d u. d') bestimmt. Ich sage ringförmig
und nuiss das besonders hervorheben, da merkwürdiger-
weise diese Anhänge nicht bloss auf der Rückenfläche
zwischen den beiden seitlichen Fussstummeln quer auf-
gereiht sind, sondern in derselben Weise auch die Bauch-
fläche besetzen ^). Rücksichtlich der Zahl ist indessen zwi-
schen den auf Rücken- und ßauchfläche stehenden ein
beachtenswerther Unterschied : während nämlich auf dem
Rücken sechs dieser kugeligen Körper in einer Reihe
stehen, sind auf der Bauchfläche nur vier. Dieses Ver-
hältniss ist natürlich sehr dazu angethan, die Ansicht her-
vorzurufen , wonach man die beiden äusseren seitlichen
über den Fusshöckern auf dem Rücken angebrachten
Fortsätze als die beiden eigenth'chen Rückencirren an-
sieht. Indessen sind die beiden seitlichen Gebilde den
übi'igen in einer Reihe zwischen ihnen stehenden sow'ohl
bezüglich der Grösse w^ie der Form durchaus gleich.
Auch in Rücksicht auf die P^unktion ist kein Unterschied
vorhanden. Alle nämlich sind, wie war weiter sehen
werden, Drüsen. Wollte man also die beiden seitlichen
Fortsätze als Rückencirren bezeichnen , so könnte man
dasselbe für die übrigen auf dem Rücken stehenden glei-
chen Anhänge fordern und nach derselben Ordnung
müsste man auch die auf der Bauchsei4:e liegenden Quer-
reihen Baucheirren nennen. Gegen eine solche Auffas-
sung würde kein Ilindernlss sein, dass alle diese An-
hänge, wie gesagt, Drüsen sind, da die Girren der Anne-
liden im Allgemeinen nicht bloss als Tast- oder Bewe-
gungsorgane anzusehen sind, sondern, w^'e es den An-
1) Bei Sphaerodorum peripat-us steht bekanntlich nur ein
Paar dieser kugeligen Hautanhänge auf jedem Segmente und zwar
auf dem Kücken jt^derseits einer
342 Greeff:
schein hat, sehr mannigfachen Leistungen untergeordnet
sein können ^). — Betrachtet man nun diese kugeligen
Hautanhänge näher, so bemerkt man schon bei einer ge-
ringen Vergrösserung, dass die Höhlungen derselben mit
einem Knäuel wurmförmig gewundener Körper erfüllt
sind, die schon Oersted^; in den Rückencirren von
Sphaerodorum gesehen und beschrieben hat und wobei
er die Frage aufstellt, ob sie nicht Ovarien seien. John-
ston ^) scheinen jene eigenthümlichen Gebilde ganz
entgangen zu sein, was ich mir nur dadurch erklären
kann, dass derselbe sie nicht im frischen Zustande un-
tersucht hat. Sind nämlich die betreffenden Thiere ab-
gestorben oder eine Zeit lang behufs der Beobachtung
einer Compression ausgesetzt, so bleibt bald nichts mehr
von dem ursprünglichen Bilde durch Zerfall der wurm-
förmigen Körper. Johns ton deutet die kugligen An-
hänge bei Sphaerodorum (Pollicita peripatus) als Kiemen.
Claparede gebührt das Verdienst zuerst genauer die
morphologischen Verhältnisse aufgefasst zu haben, ob-
gleich er über die physiologische Bedeutung zu keiner
bestimmten Ansicht gelangen konnte. Er glaubte an dem
papillenförmigen Aufsatze, der sich abweichend von un-
seren Thieren oben auf den kugligen Rückencirren von
Sphaerodorum befindet , eine Oeffnung ^) zu sehen, fand
aber im üebrigen die Kapsel geschlossen, was indessen,
wieKöUiker nachgewiesen, auf einem Irrthume beruht.
Kölliker ^) nämlich hat die histologischen und
dadurch auch die physiologischen Verhältnisse erst in
das richtige Licht gesetzt, indem er fand , dass der pa-
pillenförmige Aufsatz bei Sphaerodorum nicht durch-
bohrt sei, sondern dass jeder der im Lmern der Kapsel
1) Vergl. Ehlers: die Borstenwümer S. 22.
2) Zur Classifikation der Annulaten. Dieses Archiv 1844.
S. 108.
3) Annais etc. of nat. Hist. Vol. X VI. p.5. pl. II.
4) Beobachtung über Anatomie der wirbell. Thiere S. 51. Taf. XL
Fig. 12 u. 13. m.
5) Würzb. naturw. Zeitschr. 1864. S. 240. Taf. VI. Fig. 1.
Ueber die Anneliden-Gattung Sphaerodorum. 848
Hegenden wiirmförmigen Körper für sich mit einer feinen
Oelfnung nach aussen münde. Die einzelnen Körper
selbst erklärt er für schlauchförmige Drüsen, die
„scheinbar ganz und gar aus rundlicheckigen, dunkeln
zellenähnlichen Gebilden bestehen."
Was meine eigenen Beobachtungen betrifft, so habe
ich bezüglich des Baues dieser Organe den Kölliker'-
schen Angaben nur wenig hinzuzufügen. Der bei Sphae-
rodorum auf den Kapseln vorkommende brustwarzenför-
migc Aufsatz fehlt bei unseren Thieren durchweg, ich
kann also bezüglich der Durchbohrung desselben, die
Claparede angiebt, nach Kölliker aber nicht vor-
handen ist, keine Meinung äussern, kann indessen den
Befund Kölliker's, wonach jede der schlauchförmigen
Drüsen für sich mit einer Oeffnung nach aussen mündet,
vollkommen bestätigen (Taf. VI. Fig. 10—14).
Was den Inhalt der einzelnen Schläuche betrifft, so
besteht derselbe häufig aus dichtgedrängten scharf ge-
geneinander abgegrenzten mehr oder minder rundlichen
kleinen Körpern, die schon Claparede sah und die
Kölliker, wie schon erwähnt, zellenähnliche Gebilde
nennt. Ich konnte selbst bei Anwendung starker Ver-
grösserung in den einzelnen Körperchen keine kernarti-
gen Gebilde oder dergl. erkennen.
Die Deutung Kölliker's, der also die fraglichen
Gebilde für schlauchförmige Drüsen erklärt, ist wohl die
einzig annehmbare, was durch die besprochene Ausmün-
dung eines jeden Schlauches nach aussen besonders be-
gründet wird.
Wir haben also, um zu der Beschreibung unseres
Thierchens zurückzukehren, zehn jener grossen kuge-
ligen Drüsenkapseln, die den Breitenumfang des ersten
Körpersegmentes und von da ab jedes folgenden in zwei
Querreihen, eine auf der Kücken- und eine auf der Bauch-
seite, umstellen. Nur in den letzten Segmenten nimmt
die Zahl um 1—2 Kapseln in jeder Reihe ab. Zwischen
den regelmässigen Reihen dieser grossen Hautanhänge
findet sich nun über die ganze Körperoberfläche ver-
breitet eine sehr grosse Anzahl unregelmässig gestellter
344 Greeff:
kleinerer aber ebenfalls kugliger Kapseln, deren Grösse
auch untereinander sehr variirt. Sie alle repräsentiren
auch, wie die beschriebenen grossen Gebilde, Plautdrüsen,
bei deren Durchmusterimg man nun die wie mir scheint
höchst interessante Beobachtung einer vollständigen Ent-
wickelung der fraglichen Drüsenkörper machen kann. Ich
habe (Taf. VI. Fig. 3—9) einige der hauptsächlichsten
Formen und Entwicklungsstufen, so weit das beschränkte
Material dies gestattete, aufgezeichnet. Die erste und klein-
ste dieser Formen (Fig. 3) stellt ein Bläschen dar von
nur 0,009 Mm. Durchmesser, in dessen Innern ein ziem-
lich scharf gezeichneter compakter Kern Hegt, oft auch
zwei, selbst drei, wovon indessen einer sich gewöhnlich
durch seine Grösse auszeichnet. Eine weiter vorgeschrit-
tene Form (Fig. 4) zeigt das Bläschen fast um das Dop-
pelte des Durchmessers vergrössert und ebenso den ein-
geschlossenen Kern, der sich ausserdem mit einer fein-
körnigen Substanz erfüllt hat. Diesen Typus hält auch
die folgende Stufe fest, nur dass die körnige Substanz
des Kernes dichter geworden ist und einige Körnchen
als dunkelglänzende Kügelchen daraus hervorleuchten.
Zu einer gewissen Grösse gelangt, findet nun an irgend
einer Stelle, meist nahe der Peripherie des Kernes, eine
rundliche Durchbohrung der Kernsubstanz selbst statt,
die sich bald erweitert, so dass der Kern an dieser Stelle
wie durchstossen erscheint. Oft folgt diesem einen Loch
noch dicht dabei ein zweites. Indem sich nun diese
Oeffnung erweitert, bricht die nach der Peripherie zu
gelegene Brücke resp. der dünnste Saum der Oeffnung
durch und die beiden durchbrochenen Enden weichen
dann von einander, so dass wir alsdann statt des runden
Loches in der Kernsubstanz eine von dem äusseren Umfang
nach der Mitte zu dringende tiefe Einbuchtung der Kern-
substanz vor uns haben. Durch diesen einfachen Vor-
gang ist also, wie leicht ersichtlich, die Gestalt des oben
besprochenen Drüsenschlauches sehr bald hergestellt, der
anfänglich, indem sich die beiden Enden abrunden, un-
gefähr das Bild einer mit zwei Flächen aneinandergeleg-
ten Wurst bietet und diese Gestalt auch oft noch im
Ueber die Anneliden-Gattung Sphaerodorum. 345
ausgebildeten Znstande beibehält. Meist wird indessen
beim weiteren Wachsthiim des Schlauches , indem die
beiden Enden desselben sicli mehr oder minder von ein-
ander entfernen und sich dann das eine derselben krümmt
oder einrollt und dadurch auch wohl die benachbarten
Schläuche umschlingt, Lage und Gestalt der einzelnen
Drüsen vielfach verändert, wodurch das oben beschrie-
bene Bild des wurmförmig gewundenen Drüsenknäuels als
Kapselinhalt entsteht.
Was nun die weitere histologische Differenzirung,
der einzelnen Drüsenschläuche betrifft, so füllen sich die-
selben während der oben beschriebenen Vorgänge im-
mer mehr mit dunkelkörniger Substanz^ in der im weite-
ren Verlaufe grössere hellere Körper auftreten, die immer
mehr zunehmen, so dass schliesslich der ganze Schlauch
mit diesen rundlichen Körpern oder, wie sie Kölliker
nennt, zellenähnlichen Gebilden erfüllt ist, die oben schon
besprochen worden sind. Der fertige Drüsenschlauch ist
mit einem Ende, oft schien es mir sogar mit beiden En-
den, der Kapselwand angeheftet, aber bloss das eine Ende
und mit ihm die Kapsel wand an jener Stelle zeigt eine
rundliche Oeffnung nach aussen.
Die Zahl der in einer Kapsel eingeschlossenen Drü-
sen ist nicht bei allen constant, die oben beschriebenen
grossen in regelmässigen Querreihen gestellten Kapseln
enthalten meistens drei oder vier, selten mehr (Fig. 10-14),
die kleineren nur ein höchstens zwei Schläuche.
Häufig sieht man an verschiedenen Stellen der Kör-
peroberfläche theils auf, theils zwischen den Kapseln, zu-
weilen auch innerhalb derselben dunkelbraune Plaques
liegen, die mannigfaltige und wegen ihrer zähen Be-
schaffenheit oft langgezogene nur durch schmale Brücken
miteinander zusammenhängende Figuren bilden. Zu den
in der Haut der Anneliden vielfach vorkommenden Pig-
mentbildungen scheinen jene Substanzen nicht zu gehö-
ren, ob sie indessen, wie ich vermuthe, als das von den
Drüsen gelieferte Sekret anzusehen sind und welche Ver-
wendung dasselbe im letzteren Falle findet, vermag ich
nicht zu entscheiden.
346 Greeff:
Ich habe schon oben auf den üebergang der auf
der ersten Hälfte des Kopfsegmentes stehenden kleinen
keulenföi'fnigen den Fühlern ähnlichen Hautanhängen zu
den von da ab kugelig gestalteten (Fig. 1) aufmerksam
gemacht^ und dass mit diesem Wechsel der Form auch
ein Wechsel in der Funktion verbunden sei. Diese An-
sicht gründet sich darauf, dass ich in den kleinen Papil-
len des Kopfsegmentes niemals Bildungen wahrgenommen
habe, die an die beschriebenen Entwickelungsstufen der
Drüsen oder an die Letzteren selbst mit ihren Oetfnungen
erinnern, dagegen schienen mir in einige derselben von
unten feine Fäden einzutreten, die nach oben in körnige
Anschwellungen übergingen, die also in diesem Falle für
Nervenenden zu halten wären. Ich glaube desshalb, dass
die fraglichen kleinen Papillen des Kopfsegmentes den
Tastorganen beizuzählen sind zum Unterschiede von den
auf dem übrigen Körper stehenden kugeligen Anhängen,
die sämmtlich, wie oben ausgeführt, Hautdrüsen sind.
Kölliker bemerkt in Bezug auf Sphaerodorum, dass
die (sämmtlichen) kleinen Papillen der Haut nicht von
Drüsen durchbohrt seien, sondern Nervenenden enthal-
ten im direkten Gegensatze zu Gl aparede, der bei
demselben Thiere die Papillen der ganzen Hautoberfläche
von den Ausführungsgängen kleiner Hautdrüsen durch-
bohrt fand. Da mir von Sphaerodorum bloss einige im
vorigen Sommer in Helgoland gesammelte Exemplare
in Spiritus zu Gebote stehen, so vermag ich nicht über
jene Differenz zu urtheilen, und ob auch bei Sphaerodo-
rum der oben geschilderte Unterschied zwischen Tast-
und Drüsen-Papillen besteht.
Ausser dem beschriebenen Kranz der kugeligen
Drüsenkapseln, oder wenn man will, der Querreihen von
Rücken- und Baucheirren trägt jedes Segment auch noch
ein Paar einruderiger Fussstummel. Jeder Fussstummel
(Fig. 1, c u. Fig. 2) besteht aus einem kegelförmigen Hök-
ker, an dessen Spitze zwei blattartige Fortsätze oder Flos-
sen sich befinden, und einem im Höcker steckenden
Bündel von circa 6 zusammengesetzten Borsten (Fig. 2) ;
nach hinten zu nimmt die Zahl der letzteren ab, so dass
lieber die Amieliden-Gattungf Sphaerodorum. 347
an den letzten Segmenten nur 1 oder 2 aber den vorderen
ganz äliuliclic Borsten in jedem Höcker stecken. Die
Fussstiimmel sitzen gerade unter den beiden seitlichen
Rückenkapseln und werden von letzteren gewöhnlich zum
Tlieil verdeckt.
Was den Verdauungsapparat unseres Thieres anbe-
langt^ so beginnt derselbe mit einer auf der unteren Seite
des Kopfsegmentes nach dem vorderen Rande gelegenen
Mundöffnung, die im zurückgezogenen Zustande einem
in zahlreiche Falten gelegten Trichter ähnlich ist. Der
Mund führt alsbald in einen sehr geräumigen flaschen-
förmigen Oesophagus (Fig. 1, e) oder Kaumagen mit dop-
pelter Wandung oder der vielmehr aus zwei gewisser-
massen in einandergesetzten Behältern besteht. Durch
Compression kann der innere Theil hervorgeschoben wer-
den^ ob derselbe auch freiwillig hervorgestreckt werden
kann und somit als Rüssel zu betrachten ist, habe ich nicht
beobachten können. An den Oesophagus schliesst sich
direkt, das Endstück des letzteren noch umgreifend, ein
dunkelbraun gefärbter ziemlich weiter Darm, der ohne
Anheftungen oder Einschnürungen lose in der Leibeshöhle
liegt und bis zu dem terminal am hinteren . Leibesende
gelegenen After ungefähr 4 — 5 Windungen ausführt
Ueber die Geschlechtsverhältnisse kann ich nur mit-
theilen, dass ich eins der untersuchten Thiere mit rund-
lichen scheibenförmigen Eiern ziemlich dicht erfüllt fand;
dieselben lagen vollständig lose unregelmässig in der
Leibeshöhle und wurden, den Darmkanal von allen Seiten
umgebend, durch die Bewegungen 4cs letzteren und des
ganzen Thiers bald hier- bald dorthin in der Leibeshöhle
umhergetrieben.
Werfen wnr nun noch einmal einen Rückblick auf
die zoologischen Charaktere unseres Thierchens beson-
ders in Vergleich mit der Gattung Sphaerodorum, so wer-
den uns für beide einige gemeinschaftliche Gesichtspunkte
alsbald in die Augen fallen. Hierzu gehören vor allen
die kugeligen mit Drüsen erfüllten Hautanhänge und die
Form des Kopfsegmentes mit seinen eigenthümlich ge-
348 Greeff:
stalteten Fühlern und Papillen. Fernere Vereinigungs-
punkte bieten die Form und Zusammensetzung der Fuss-
stummel, die bei beiden aus einfachen, ein Bündel zu-
sammengesetzter Borsten tragenden kegelförmigen Ru-
dern bestehen. Oersted^j beschreibt allerdings von
Sphacrodorum ein violästiges Ruder (pinna unica raulti-
fida), indessen ist diese Anschauung, wie schon Claparede
ganz richtig bemerkt, oö'enbar daraus hervorgegangen,
dass jener Forscher die häufig den Fussstummeln auf-
sitzenden drüsigen Anhänge als Theile resp. Aeste des
Ruders betrachtet hat. Ausserdem ist beiden gemein-
schaftlich das Fehlen einer äusseren Segmentirung des
Leibes resp. Ringelung desselben durch Querfurchen, wie
auch im Anschluss hieran keine inneren Einschnürungen
des Darmes vorhanden sind, vielmehr der letztere bei bei-
den ein loses in mehrere Windungen zusammengelegtes
Rohr darstellt.
Betrachten wir nun aber die Eigenschaften unseres
Thierchens, die dasselbe von Sphacrodorum entfernen, so
sehen wir zunächst, dass, während Sphacrodorum auf jedem
Segment nur ein Paar jener grossen kugeligen Haut-
anhänge auf dem Rücken trägt, bei unserem Thiere
deren 10 auf jedem Segmente stehen, 6 auf dem
Rücken und 4 auf der Bauchseite. Ausserdem besteht
auch eine Differenz in der Form dieser Hautanhänge,
indem bei Sphacrodorum auf der kugeligen Kapsel sich
noch ein papillenförmiger Aufsatz befindet, während bei
unserem Thiere, wo dieser Aufsatz fehlt, die Kugelgestalt
der fraglichen Gebilde viel reiner gegeben ist. Bezüg-
lich des Mundsegmentes stimmt allerdings bei beiden das
Vorhandensein und auch die Gestalt der 4 Stirnfühler,
indessen haben wir eben noch zwei hintere, den Stirn-
fiihlern durchaus gleiche Fühler oder Fühlercirren be-
schrieben, die bei Sphacrodorum fehlen und an deren
Stelle hier bloss zwei rudimentäre drüsige Anhänge stehen.
Unterschiede von allerdings untergeordneter Bedeu-
tung sind, dass an den Spitzen der Fusshöcker bei un-
l) A. a. 0. S. 108.
Ueber die Anneliden -Gattimg Sphaerodorum. 349
sercm Thicrc sich noch zwei blattartige Flossen, die bei
Sphaerodonim fehlen^ finden, während auf der anderen Seite
die Eigenthümlichkeiten , die Ciaparede an einigen
Segmenten seiner Fiissstiimmel beschreibt, (am 3, 4. etc.)
wiederum den unsrigen mangeln. Sphaerodorum trägt fer-
ner nach den Angaben aller Autoren 4 Augen, während
unser Thierchen deren nur zwei zeigt. Auf die Ueber-
einstimmung des eigentlichen Darmes haben wir schon
oben hingewiesen, indessen finden wir wiederum rücksicht-
lich des vorderen Theiles des Verdauungsrohres wesentliche
Abweichungen, da derselbe bei Spliaerodorum aus drei auf
einander folgenden Abtheilungen besteht (vergl. Clapar.
Anat. u. Entwickig. etc. S. 51), die sich mit der von uns
beschriebenen Bildung des Oesophagus etc. nicht verei-
nigen lassen.
Was endlich die äussere Form des Körpers im All-
gemeinen betrifft, so ist dieselbe wiederum bei beiden
äusserst verschieden. O erste d sagt von Sphaerodorum:
corpus lineare teretiusculum, Johns ton: body serpenti-
form und Claparede endlich nennt Sphaer. einen 2
Zoll lang cvlindrischen Wurm. Halten wir hiergegen
unser oben beschriebenes kaum 2 Mm. langes, verhält-
nissmässig sehr breites, fast ovales Thierchen, so w^ird
der Unterschied bald augenfällig sein.
Trotz aller dieser Verschiedenheiten ziehe ich es
indessen doch auf Grund der zuerst besprochenen Ver-
wandtschaften vor, vorläufig unser Thierchen mit Sphae-
rodorum zu einer Gattung zu vereinigen, wodurch aller-
dings die von Oersted und den andern gegebenen Gat-
tungschnraktere einige Modlfikationt^n erfahren müssen.
Hiernach möchte ich die Gattung folgendermassen be-
stimmen:
Genus Sphaerodorum Oersted.
Der mehr oder minder gestreckte stets nach vorn
oder auch nach hinten verschmälerte Körper zeigt an
keiner Stelle eine durch äussere Furchen bezeichnete
Quer-Ringelung resp. Segmentirung, die indessen durch
die äusseren Anhänge bestimmt ist. Das Mundsegment
350 Greeff:
trägt am Vorderrande der kleinen nicht tief eindringen-
den Kopflappen 4 keulenförmige nach vorne etwas an-
geschwollene Stirnfühler, deren Basis und Zwischenräume
mit kleinen ebenfalls keulenförmigen Papillen dicht be-
setzt sind. Weiter nach hinten ebenfalls auf dem Mund-
segmente zwei Fühlercirren, jederseits einer, die bald den
Stirntentakeln gleich sind und in diesem Falle auch in
Bezug auf ihre Funktion als wirkliche Fühler zu be-
trachten sind, bald in der Gestalt und Bedeutung den
kugligen Hautanhängen der folgenden Segmente sich
nähern und dann als drüsige Organe gelten müssen. Das
erste Körpersegment und alle folgenden zeichnen sich
durch grosse kugelige mit gewundenen schlauchförmigen
Drüsen erfüllte Hautanhänge aus. Entweder trägt jedes
Segment deren nur zwei auf dem Rücken und zw^ar je-
derseits über den Füsshöckern einen l^Rückencirren) oder
das ganze Segment ist mit einem Kranz dieser Hautan-
hänge umstellt, die in regelmässigen Abständen eine Quer-
reihe auf dem Rücken und eine auf dem Bauche bilden.
Zwischen den grossen Hautanhängen befinden sich zahl-
reiche kleine unregelmässig über den Körper zerstreut.
Ruder einfach, umfassen ein Bündel zusammengesetzter
Borsten.
L ßphaerodoriim flavum Oerst.
Annulat. Danicor. conspectus. Fase. I. p. 43. pl. I.
Fig. 5. pl. VI. Fig. 92, 101.
Archiv für Naturg. v. Wiegmann etc. 1844. 1. p. 108.
Corpore 1 V2" longo ^/4'" lato teretiusculo flavescente
utrinque fere aequaliter attenuato, segmentis 150 duplo
latioribus quam longis, papillarum 12 — \ß in margine
anteriore capitis, duabus paulo longioribus, oculis quatuor
quadratum formantibus, pinnis abbreviatis 7 — 8 fidis, setis
5 — -1 uncinatis.
Die vorstehende Charakteristik der Oe r sted'schen
Art muss jedenfalls nach den obigen Auseinandersetzun-
gen einige Abänderungen erfahren. Da indessen Sphaer.
flavum bisher, wie es scheint, andererseits nicht beob-
achtet worden ist, so lasse ich vorläufig die Beschreibung
Ueber die Amieliden-Gattimg Sphaeiodürum. 351
Oerstcd's unverändert. Mög'liclierweise besteht ausser-
dem kein Art-Unterseliied zwischen Sphaer. flavun» und
Sphaer. peripatus.
II. Sphaerodorum peripatus Grube.
(Die Familien der Anneliden S. 07.)
Follicita peripatus Jolinston.
(Ann. of nat. bist. Vol. XVI. p. 5. pl. II. Fig. 1— 6.j
Sphaerodorum peripatus ist, wie oben häufig bemerkt,
die von C 1 a p a r e d e und K ö 1 1 i k e r untersuchte Art.
III. Sphaerodorum Claparedii nov. spec. (Taf. VI.)
Ich erlaube mir unsere neue oben ausführlich be-
schriebene Art nach dem unermüdlichen auch um die
Naturgeschichte der Anneliden viel verdienten Forscher
zu benennen.
Erkläruug der Abbildiiiigon.
Taf. VI.
Fig. 1. Splifterodorvm Claparedii bei circa GOfacher Vergrösserung
gezeichnet.
a. Vordere Kopffühler (Stirnfühler).
b. Hintere Kopffühler (Fühlercirren),
c. Ruder mit Borstenbündel.
d. Seitliche Drüsenkapseln (Rückencirren).
d'. Mittlere auf der Rücken- und Bauchfläche stehende
grosse kugelige Drüsenkapseln.
e. Oesophagus.
» 2. Ruder mit dem Bündel zusammengesetzter Sichelborsten
von Sph. Claparede, bei stark SOOfacher Vergrösserung.
» 3— 9. Entwickelungsstufen der drüsigen Hautanhänge.
» 10—14. Ausgebildete Drüsenkapseln mit den darin liegenden
und mit einer feinen Oeffnung in der Kapselwand nach
aussen sich öffnenden Schläuchen.
» (3 - 14. Sind bei circa GOUfachcr Vergrösserung gezeichnet.)
Heber Autol^^tus prolifer.
Von
Dr. Richard Oreeif,
Privatdocenten in Bonn.
(Hierzu Taf. VII.)
Im Jahre 1850 stellte Grube ^) unter dem Namen
Autolytus eine neue Annelidengattung auf, die bis dahin
als Species von Syllis gegolten hatte. Autolytus trägt
in der That, wie ein nur kurzer Vergleich mit Syllis
zeigt, so bestimmte und von Syllis abweichende Charak-
tere, dass jene Trennung als eine durchaus berechtigte
ja nothwendige bezeichnet werden muss. Die eigentliche
Begründung indessen jenes glücklichen Griffs verdanken
wir A. Kr 0 hn, der in seinem klassischen Aufsatze ^) „TJe-
ber die Erscheinungen bei der Fortpflanzung von Syllis
prolifera und Autolytus prolifer" die unterscheidenden
Merkmale zwischen den beiden Gattungen zuerst in deut-
lichen Zügen hervorhob. Auch die interessanten Vor-
gänge bei der Fortpflanzung von Syllis prolifera und Au-
tolytus prolifer, die allerdings bezüglich des Letzteren
schon von Leuckart und Frey ^) eine sorgfältige
Beobachtung erfahren hatten, finden in jener Arbeit ihre
1) Dieses Archiv 1850. S. 309 und die Familien der Anneli-
den u. s. w. 1851. S. 62.
2) Dieses Archiv 1852. S. 66.
3) Beiträge zur Kenntniss wirbelloser Thiere u. s. w. 1847.
S. 91. Taf. II. Fig. 1. Wegen der früheren Beobachtungen vonO. F.
Müller, Milne Edwards, Quatrefages, Johnston u. s. w.
vergl. die vorstehend citirten Arbeiten.
Greeff: üeber Autolytus prolifer. 353
auf sorgfältige Beobcachtung gegründete Erörterimg, so-
wohl bezüglich dessen, was beiden dabei gemeinsam, als
die Sonderheiten eines Jeden. Für Autolytns prolifer
konnte Kr oh n die schon zum Theil vonLeuckart und
Frev 1) gewonnenen Thatsachen bestätigen, obgleich
jene Forscher Aut. prolifer noch irrthümlicher Weise mit
Syllis prolifera identifizirten, und desshalb auch den über
letztere schon früher von Quatrefages ^) gemachten
Beobachtungen nicht genügende Rechnung tragen konnten.
Einen weiteren Fortschritt in der Naturgeschichte von
Autolvtus lieferte Ma X M üll er ^) durch seine trefflichen
Beobachtungen über Sacconereis helgolandica, obgleich
ihm der genetische Zusammenhang von Sacconereis und
Autolytus verborgen blieb. Es war wiederum Krohn*),
der die Zusammengehörigkeit dieser beiden Thiere mit
richtigem Blick erkannte und feststellte , dass die von
Max Müller beobachteten männlichen und weiblichen
Individuen von Sacconereis helgolandica nichts anderes
seien als die frei gewordenen männlichen und
weiblichen Sprösslinge von Autolytus pro-
lifer. In demselben Jahre (1855) und unabhängig von
den Mittheilungen Max Mülle r's wurde auch die Sac-
conereis von P. H. Gosse •^) und zwar der männliche
Sprössling derselben beschrieben, dem jener Forscher
den neuen Namen Crithida thalassina zuertheilt. — Eine
sehr ausführliche Abhandlung vom Jahre 1862 über die
Naturgeschichte besondei's die Geschlechtsvcrhältnisse und
1) A. a. 0. S. 91. Taf.II. Fig. 1.
2) Comptes rendus de l'Academie des'scieuces. Aoüt 1843 und
Annales des sc. nat. 1844. T. I. p.22. Vergl. auch die spätere aus-
führlichere Arbeit über Syllis prolifeia: Memoire sur la generatiun
altemante des Syllis iu Annales des sc. natur. IV. Serie Tome 2.
p. 143. PI. 4.
3j Mülle r's Archiv für Anatomie u. s. w. Jahrg. 1855. S. 13.
Taf.II. u. III.
4) Ibid. S. 4H9.
5j Notes on some new or little known Marine-Animals. An-
nais and Mag. of nat. bist. Vol XVI. 2. Series 1855. p. 305. PI. VIII.
Fig. 5.
Archiv f. Naturg. XXXH. Jahrg. 1. Bd. 23
354 Greeff:
Entwickelung von Autolytus verdanken wir dann A g a s-
siz 1), der indessen im Ganzen nur die schon von Kr ohn
ausgesprochenen Gedanken besonders bezüglich der Zu-
sammengehörigkeit von Sacconereis und Autolytus weiter
ausführte, und ausserdem noch nachwies, dass auch die
von Oersted 2) im Jahre 1843 gegründete Gattung
Polybostrichus ebenfalls nur ein Sprössling von Autoly-
tus sei und zwar der männliche, also identisch mit der
männlichen Sacconereis helgolandica M. M ü 1 1 e r' s ^)
und der Crithida thalassina von Gosse. Agassiz ist
ferner der Erste, der die Brut der Geschlechtsspröss-
linge von Autolytus und ihre Entwickelung zu den
Stammindividuen beobachtete und dadurch eine bis dahin
bestandene wesentliche Lücke ausfüllte. Indessen trotz
des von ihm gebotenen grossen Materiales ist derselbe
doch rücksichtlich der Treue und Schärfe der Beobach-
tung in mancher Beziehung hinter Kr ohn zurückgeblie-
ben. Besonders sind die von Kr ohn für Autolytus so
bestimmt hervorgehobenen Gattungscharaktere von Agas-
siz nicht gebührend berücksichtigt worden, so wird z.B.
der charkteristische zierliche Kranz von kleinen spitzen
Zähnen, der den Eingang der schlingenförmig gebogenen
öchlundröhre krönt sowohl in der Beschreibung wie in
den zahlreichen Abbildungen vollständig vermisst. Cla-
parede, der diesen Mangel auch bemerkt, hat in seiner
reichhaltigen Anneliden - Arbeit vom Jahre 1864 ^) das
1) On alternate Generation in Annelids and the Embryology
of Autolytus cornutus. Boston Journal of nat. bist. Vol. VII. 1859.
p. 384. pl. IX. X u. XI.
2) Grönlands Annulata dorsibranchiata p. 30. PI. V. fig. 62.
Kjöbenh. 1843.
3) Die Identität von Sacconereis und Polybostrichus wurde in
demselben Jahre und wie es scheint vor Agassiz auch von Ke-
ferstein (siehe unten) ausgesiDrochen. Zeitschr. f. wiss. Zoologie
XII. Bd. S. 113. Taf.XI. Fig. 1-6.
4) Glanures zootomiques parmi les Annelides (Tire des Me-
moires de la societe de Physique et d'Histoire naturelle de Geneve,
tome XVII. 2. partie) p. 102. pl. 7.
Ueber Autolytus prolifer. 355
Genus Autolytus, wie es vonKrohn vorgezeichnet war,
wieder hergestellt und ausserdem unsere Kenntniss um
drei neue schöne Arten bereichert. Ehlers^) hingegen
hat in seinem Werke über die Borsten würmer unsere
Gattung wiederum sehr stiefmütterlich behandelt, so dass
er aus einem Wurme, der ohne Zweifel ein Autolytus
zu sein scheint, eine neue Gattung Proceraea (picta) bil-
det. Dass die Kückencirren am dritten Körpersegmente
etwas länger wie an den folgenden Segmenten sind (was
übrigens auch bei anderen Repräsentanten von Autolytus,
z. B. bei Aut. scapularis Ciapar. a. a. O., vorkommt) kann
doch unmöglich allein zur Aufstellung einer neuen Gat-
tung genügen, und doch scheint dieses das einzige difFe-
renzirciide Merkmal zu sein, da im Uebrigen nach der
vortrefflichen und sorgfältigen Beschreibung und Abbil-
dung die Proceraea picta in allen wesentlichen Charak-
teren ein echter Autolytus ist. Ebenso wenig darf der
Ehlers'sche Wurm desshalb von Autolytus getrennt wer-
den, weil Ehlers keinen Generationswechsel dabei beob-
achtete. Abgesehen davon, dass die Angaben über die
Geschlechtsverhältnisse bei Proceraea unvollständig sind,
würde auch selbst die constatirte Abwesenheit des Ge-
nerationswechsels, wie auch schon Claparede^) ganz
richtig für seinen Autolytus scapularis geltend macht,
keinesweges allein die Aufstellung eines neuen Genus
rechtfertigen. Ich glaube desshalb vorschlagen zu dür-
fen, die Proceraea picta vorläufig in Autolytus pictus um-
zusetzen.
Unter dem schon oben berührten Gattungsnamen
Palybostrichus von Oersted, dessen Zusammengehörig-
keit mit Autolytus Agassiz beschrieben hat, hat auch
Kefer stein ^} w^erthvoUe Beobachtungen über den
männlichen Sprössling von Autolytus geliefert, dessen
Identität mit Sacconereis helgolandica von Max Müller
er nachzuw^eisen sucht. Merkwürdigerweise erwähnt er
1) Die Borstenwürmer. Leipzig 1864. S. 263.
2) A. a. 0. S. 109.
3) Zeitschr. für wiss. Zool. XII. Bd. S. 113. Taf. 11. Fig. 1-6
und ibid. S. 464. Taf. 42. Fig. 5— 11.
356 Greeff:
indessen in seinen beiden Abhandlungen mit keiner Silbe
des genetischen Zusammenhanges von Sacconcreis und
Polybostrichus mit Autolytus, den K r o h n und A g a s s i z
so bestimmt ausgesprochen haben, sondern behandelt sei-
nen Polybostrichus als vollkommen selbstständige Gattung.
Was nun meine eigenen Mittheilungen betrifft, so
bezwecken dieselben hauptsächlich, gestützt auf Beobach-
tungen, die ich im vorigen Jahre auf Helgoland und zum
Theil auch durch einen späteren Aufenthalt am Kanal
(hauptsächlich Ostende) gewonnen habe, den ; wie aus
Obigem hervorgeht, noch vielfach variirenden Angaben
gegenüber, vorläufig noch einmal drei für die Naturge-
schichte von Autolytus wichtige Punkte hervorzuheben,
nämlich erstens den bestimmt ausgeprägten
Gattungscharakter; zweitens d as Verh äl tniss
des Knospensprösslings zu seinem Stammin-
dividuum nebst der Zusammengehörigkei t von
Sacconereis und Polybostrichus mit Autolytus
und drittens einige Bemerkungen über die bisher am
meisten untersuchten aber in Bezug auf genaue Bestim-
mung noch sehr schwankende Art, nämlich des A u t o-
lytus prolifer Grube.
Was den ersten Punkt betrifft, so möchte ich nach
meinen Beobachtungen den Gattungscharakter in Folgen-
dem zusammenfassen (siehe Taf, VII. Fig. 1).
Kopflappen nicht getrennt, sondern nur durch einen
Einschnitt auf der unteren Seite angedeutet. Drei unge-
gliederte Stirnfühler , die durch ihre lebhaften Bewe-
gungen und Contractionen über die ganze Länge hin
unregelmässig verlaufende Quer- und Kreisfurchen zeigen,
so dass sie wie gedreht erscheinen. Das erste Körper-
segment ohne borstentragende Ruder aber mit zwei Füh-
lercirren jederseits, von derselben Beschaffenheit wie die
Kopffühler. An den folgenden Segmenten jederseits ein
Rückencirrus und ein einästiges borstenbündeltragendes
Ruder. Die zusammengesetzten Borsten des Ruders (Taf.
VII. Fig. 3) tragen an ihrem kurzen sichelförmigen An-
hange drei Häkchen, ein mittleres und zwei seitliche.
Baucheirren fehlen allen Segmenten.
üeber Autolytus prolifer. 357
Die hervorstülpbare feste chitinige Sclihmdrölire
(Fig. l.a) ist von einer muskulösen Scheide umgeben und
an iiirer vorderen Mündung mit einer Krone von kleinen
spitzen Zähnen bewaftnet, während ein grösserer mittle-
rer, bei den Syllideen sonst als MundbcwafFnung vielfach
verbreiteter, Bohrzahn fehlt. Die Schlundröhre zeichnet
sich durch bedeutende Länge aus, so dass bloss etwa die
vordere Hälfte einen geraden gestreckten Verlauf hat,
während die zw^eite Hälfte stets in Schlingen zusammen-
gelegt erscheint. Auf die Schlundröhre folgt der allen
Svllideen gemeinsame Schlundkopf (Fig. 1. b) oder Drü-
senmngen. Dieser letztere geht ohne besondere x\nhänge
an seinem unteren Theile, in den gerade nach hinten
verlaufenden Darmkanal über, der an seiner Innenwand
im Endstück mit Wimperepithel ausgekleidet ist. — Bei
einigen Repräsentanten von Autolytus hat man eine Art
von Generationswechsel beobachtet, derart, dass von den
Stammindividuen resp. von den Ammen, zum grössten
Theil durch Knospung, Geschlechtsthiere producirt und
abgelöst werden, die entweder bloss männliche oder bloss
weibliche Zeugungsstoffe tragen, und die eine Zeitlang
frei umherschwimmend auf geschlechtlichem Wege wie-
derum die Form der Mutterthiere hervorbringen. Die
Abkömmlinge sind sowohl den Mutterthieren unähn-
lich als auch die männlichen und weiblichen Abkömmlinge
unter sich.
Bezüglich des zweiten Punktes möchte ich zu-
vörderst noch einmal hervorheben, dass Krohn es war,
der den genetischen Zusammenhang zwischen den freien
Abkömmlingen (Sacconereis und Poly-,bostrichus) und den
Stammindividuen von Autolytus zuerst vollständig er-
kannt und ausgesprochen hat. In seiner ersten Abhand-
lung (dieses Archiv 1852) hatte er nicht nur die weibli-
che Sacconereis richtig beschrieben, sondern auch schon
die männliche, indem er die charakteristische und abwei-
chende Bildung der Fühler des Männchens besonders
hervorhob. S. 70 sagt er: „dagegen sind beim Männchen
die beiden Seitenfühler gabelförmig in zwei diver-
girende Aeste, von denen der eine etwas kürzer, ge-
358 Greeff:
theilt.^ In seiner zweiten Mittheilung (Müller's Archiv
1855. Ö. 489) weist er dann mit Bestimmtheit auf die
Identität resp. den Ursprung der von Max Müller be-
schriebenen Gattung Sacconcreis von Autolytus hin. Ich
selbst habe die genannten Formen sämmtlich vielfach
beobachtet und kann deren Zusammengehörigkeit auf das
Bestimmteste bestätigen, obgleich ich bezüglich der Art
und Weise der Prolifikation einige abweichende Beob-
tungen gemacht habe. Krohn sagt in seiner Schilde-
rung der Bildung der Knospensprösslinge (a. a. O. S. 74),
dass mit Aussnahme des ersten Abkömmlinges am hin-
teren Leibesende des Stammthieres, der auf Kosten des
hinteren Leibesstückes der Mutter entstellt (indem nach
Leuckart und Frey die Knospen erst zwischen dem
hinteren und vorderen Leibesstück entstehen resp. sich
zwischen dieselben einschieben), dass also mit Ausnahme
dieses ersten wirklichen Theilungssprösslinges in allen
späteren aus Knospen sich entwickelnden Individuen Eier
und Samen nicht eher entstehen als bis wenigstens schon
der Kopf mit den Anlagen der Augen und Fühler sich
ausgebildet hat. Dieser Angabe kann ich indessen nicht für
alle Fälle beitreten. Ich habe Beispiele vor Augen ge-
habt wo über dem jüngsten, also dem dem Mutterthiere
zunächst hängenden Sprössling, schon einige Segmente
des Stammkörpers Eier enthielten, ohne dass an oder über
diesen Segmenten schon die geringste Anlage eines Ko-
pfes u. s. w hätte wahrgenommen werden können. Taf. VII.
Fig. 2 zeigt einen solchen Fall genau wie ich ihn aufge-
funden: der hintere weibliche Sprössling war mit Kopf
und seinen drei Fühlern schon vollkommen ausgebildet
und in seinen beiden folgenden Segmenten mit Eiern strot-
zend erfüllt, so dass das zweite Körpersegment eine un-
gewöhnliche Ausdehnung erlangt hatte. Aber auch die
letzten an den Kopf des Sprösslings stossen-
den Segmente des Stammthieres enthielten
sclion Eier, ohne dass hier eine Kopfbildung
u. s. w. hätte bemerkt werden können. Es lässt sich also,
wie ersichtlich, die obige Angabe Krohn's in ihrer All-
gemeinheit nicht aufrecht erhalten. Weiteriiin erfährt
lieber Autolytus prolifer. 859
aber auch durch unsere Beobachtung der Modus der
Fortpflanzung eine nicht unwesentliche Modifikation, in-
dem dieser Fall darthut, dass nicht bloss die ausgebilde-
ten Sprösslinge befähigt sind Eier u. s. \v. zu produciren
wie man bisher für Autolytus angenommen hatte, sondern
dass Eier auch schon im mütterlichen Körper resp. in der
Amme selbst entstehen können, und zwar in Segmenten,
die noch vollständig und unverändert derselben angehö-
ren, wie das für Syllis prolifera bekanntlich schon nach-
gewiesen ist. Hierdurch würde also die Amme zu glei-
cher Zeit durch Knospung auf ungeschlechtlichem Wege
Sprösslinge erzeugen die ihrerseits bestimmt sind Ge-
schlechtsprodukte hervorzubringen, als auch die Amme
selbst im Stande ist in unveränderten Segmenten ihres
eignen Leibes Geschlechtsprodukte resp. Eier zu erzeu-
gen. Indessen bietet doch unser Fall genau betrachtet
kaum eine ernstliche Abweichung von dem gewöhnlichen
Vorgange bei der Prolilikation von Autolytus wie er
bisher in übereinstimmender Weise von den Autoren
beschrieben worden ist. Hiernach nämlich, wie schon
oben bemerkt, entstehen die Knospensprösslinge anfäng-
lich nicht am Ende des mütterlichen Körpers sondern
ungefähr in der Mitte desselben, indem sie sich zwischen
zwei Segmenten durch Knospung einschieben und zwar
so, dass der jüngste Sprössling immer der vorderste und
auf diese Weise dem vorderen Stammthiere nächste ist.
Dadurch wird also das ganze Stammindividuum in zwei
Theile getheilt, in einen vorderen und einen hinteren,
die durch die dazwischenliegenden Sprösslinge getrennt
sind und je nachdem die Zahl der Knospen wächst immer
weiter von einander entfernt werden. Der hintere Theil
nun des Stammes geht aber nicht verloren, sondern bildet
sich ebenso wie die Knospen zu einem neuen Individuum
das auch in derselben Weise wie jene bestimmt ist Ge-
schlechtsprodukte zu erzeugen. Wir sehen also auch hier
auf dem Boden eines früher continuirlichen Theiles des
Stammindividuums, in primitiven Segmenten der ur-
sprünglichen Amme Geschlechtsprodukte entstehen, nur
dass dieser Theil nicht mehr in direktem Zusammenhange
360 Greeff:
mit dem vorderen Stammtheile steht, wie dieses bei
dem oben von mir beschriebenen und in Fig. 2 darge-
stellten Falle Statt findet. Trotzdem ist wohl nicht in
Abrede zu stellen, dass beide Fälle eine grosse Analogie
bieten, indem sowohl hier wie dort in primitiven Seg-
menten des ursprünglichen Ammenkörpers Geschlechts-
produkte entstehen.
Durch diese Thatsachen nähert sich nun, was ich be-
sonders betonen möchte, auch die Fortpflanzungsweise von
Autolytus, der also nach dem Obigen immer wenigstens
einen reinen Theilungssprössling abgiebt, auf auffallende
Weise der Fortpflanzung von Syliis prolifera, wo nach
den Untersuchungen von Krohni) und Qu a tr ef ages 2)
die neuen Individuen bloss durch Theilung entstehen
sollen. Indessen leuchtet bei genauerer Betrachtung ein,
wie Ehlers^) zuerst in scharfsinniger Weise ausgeführt
hat, dass auch bei Syliis prolifera die Vermehrung durch
Theilung nur scheinbar eine durchgreifende ist, im Grunde
genommen aber ebenso zum grössten Theile auf dem
Wege der Knospung erfolgt wie bei Autolytus. Es steht
nämlich fest, dass die von dem Mutterthiere zur Bildung
neuer Individuen benutzten resp. die dadurch verloren
gegangenen Segmente alsbald an der Theilungsstelle
durch Knospung vorn Stammindividuum aus wieder
ersetzt werden, und zwar entweder noch während des
Zusammenhanges der Jungen mit dem Stamme oder gleich
nach Ablösung der Ersteren. Diese durch Knosp ung
neugebildeten Segmente werden nun gerade so wie ihre
Vorgänger zu einer neuen Generation von Abkömmlin-
gen erzogen und als scheinbare Theilungssprösslinge ab-
gelöst, während sie doch in der That nur neugebildete
Knospen darstellen. Dieser ersten Knospen - Prolifika-
tlon folgt nun an der vordersten Theilungsstelle wiederum
eine zweite Knospung, die nach erlangter Reife mögli-
cherweise einer dritten Platz macht, und so fort. Es be-
1) Dieses Archiv 1852. S. 66.
2) Siehe die oben angeführten Arbeiten.
3) Die Borstenwürmer S. 208.
lieber Autolytus prolifer. 361
steht demnach bei Syllis prolifera bloss die erste sich
ablösende Generation aus wirklichen primitiven Segmen-
ten des Stamnithieres, während alle folgenden ohne Zwei-
fel zum grössten Thcile aus neugcblldeten resp. durch
Knospung entstandenen Segmenten ihren Ursprung neh-
men, ich sage zum grössten Theile, da es nach den Be-
obachtungen von Krohn (a.a.O. S. 72) immerhin mög-
lich ist, dass bei einer neuen Knospengeneration einige
Segmente des Stammthieres wiederum an der neuen
Theilung participiren und mit abgelöst werden, zumal
wenn jene Segmente schon vorher mit Eiern etc. erfüllt
waren und also einen gewissen Grad der Reife erlangt
hatten. Aus diesen Betrachtungen erhellt also, dass der
anscheinend so verschiedene Vorgang in der Prolilikation
bei Syllis und Autolytus genau betrachtet kaum wesent-
liche Differenzen bietet. Bei Autolytus wie bei Syllis
sind, wie wir gesehen haben, die ersten Abkömm-
linge stets reine T hei lung s spr össli ng e, die
folgenden aber entstehen bei beiden durch
Knospunge n.
Ein wiederum anderer Modus der ungeschlechtlichen
Vermehrung kommt bekanntlich bei Nais vor^ wo nach
den schönen und sorgfältigen Untersuchungen von Max
Schnitze (dieses Archiv 1849. S. 293 und ebend. 1852.
S. 3) für jedes neue Individuum ein Segment des Stamm-
thieres sich ablöst resp. zur Bildung des Ersteren ver-
wandt wird. Dieses Segment wird, nicht wieder ersetzt,
so dass bei fortschreitender Prolifikation das Mutterthier
ebenso viele Segmente einbüsst als es Junge absetzt. M.
Schnitze nennt diesen Vorgang mit Recht eine Fort-
pflanzung durch Theilung, indem für jedes neue Thier
ein ursprünglicher Theil der Mutter absorbirt wird. In-
dessen ist wohl nicht zu übersehen, dass aus diesem einen
primitiven Theilungsglied sich erst das wirkliche viclglic-
drige Thier aufbaut, indem aus dem einen Segmente eine
grössere oder geringere Anzahl von Segmenten, so viele
ihrer zum fertigen Thiere erforderlich sind, sich neu-
bildet resp. her vor knospet. Auf diese Weise ist
also jedes neue von dem Stammthiere sich ablösende In-
862 Greeff:
dividuiim das Produkt einer reinen Theilung mit
nachfolgender reinen Knosp ung, und so haben
wir also auch hier gewisserniassen wieder denselben Ge-
siciitspnnkt für die Art und Wdse der Fortpflanzung wie
hei Syllis und Autolytus, nämlicli die Combination
von Theilung und Knospung, nur dass dieselbe bei
Nais in sehr regelmässiger und roiner Form für jedes
einzelne neu zu bildende Individuum eintritt.
Um nun noch einmal zu unserer Abbildung (Taf. VII.
Fig. 2) zurückzukehren, so ist, wie ersichtlich, der Ab-
kömmling noch fest mit seiner Mutter, sogai* noch durch
den Besitz eines gemeinschaftlichen Darmes verbunden,
trotzdem derselbe mit reifen Fiern schon strotzend erfüllt
ist. Durch diese Beobachtung wird aber, wie das übri-
gens schon von Krohn hervorgehoben worden ist, die
Vermuthung von Frey und Leuckart widerlegt, dass
die durch die Fntwickelung von Knospen entstandenen
neuen Individuen, so lange sie noch in den gemeinschaft
liehen Thiorstock eingereiht sind, keine solche Stufe der
Entwickelung erreichen sollen, dass sie zur Produktion
von Eiern befähigt würden.
Was schliesslich den dritten zu erörternden
Pun k t, nämlich die Feststellung des Autolytus prolifer als
Species betriö't, so mnss ich gestehon, dass ich anfänglich
glaubte in dem auf Taf. VII. Fig. 1 abgebildeten Thiere
eine neue Alt vor mir zu haben, woran zum Theil die
Unzulänglichkeit der Beschreibung von Autol. prolifer als
Art und der Mangel genauer Abbildungen i) Schuld war.
Ich habe mich indessen bei weiterer Vergleichung, so weit
dieselbe thunlich war, nicht zur Aufstellung einer neuen
Art entschliesscn können, sondern glaube annehmen zu
müssen, dass mein Thier mit Autolytus prolifer zusam-
menfällt. Ebenso glaube ich mit Wahrschei nl i c hkei t
aussprechen zu dürfen, dass der von Agassiz als neu
aufgeführte Autolytus cornutus ebenfaHs mit Aut. prolifer
1) So vortrefflich auch für die damalige Zeit die von 0. F.
Müller gelieferte Abbildung- seiner Nereis prolifera in Zool. danic.
Icon. Fase. II. Tab. LH. Fig. 6 ist, so reicht sie doch nicht zu einer
Artbestimmung aus.
Ueber Autolytus prolifer, 868
identisch sei ; ich habe wcnif^stens weder ans der Bo-
schroibinig noch aus den allerdings für Artbcstiminung
ungenügenden Abbildungen wesentliche Unterschiede
zwischen Aut. cornutus und Aut. prolifer und meinem
eigenen aufzuHndon vermocht. WasAgassiz (a. .'i. O.
p. 391) über die vcischiedcne Zahl und Gestalt der Ringe
und die vei-.schicdene Zahl der langen einfachen Borsten
/wischen den Spiösslingen von Autolytus cornutus und
prolifer (»Sacconcreis helgolandica) sagt, scheint mir durch-
aus nicht dazu angcthan Artunterschiede der Stamniindi-
viduen zu begi'ünden, da die Knospcnspiösslinge nach
don obigen Erörterungen bezüglich der Segmentzahl u.s. w.
nicht bloss untereinander verschieden sein können, son-
dern sogar oft nothwendig hierin von einander abweichen
müssen.
Anders verhält es sich mit dem unter dem Namen
Polybostrichus longosetosus Oerst. bekannten männlichen
Abkömmling eines Autolytus, der aller Wahrscheinlich-
keit nach eine andere Art, als Aut. prolifer repräsentirt,
da durch die genauen Untersuchungen von Kefer stein
wesentliche Verschiedenheiten in der Kopfbildung u. s. w.
desselben mit Polybostrichus Mülleri (Sacconereis helgo-
landica) dem männlichen Abkömmling von Aut. prolifer
festgestellt worden sind.
Die Artcharaktere ^) nun von Autolytus prolifer sind
in mancher Hinsicht schwer zu fixiren; so muss man na-
türlich von vorne herein auf ein auch nur annähernd fe-
stes Längenmass oder eine bestimmte Segmentzahl für
das Stammindividuum verzichten, da diese Charaktere,
wie leicht einzusehen durch die ProlifikationsverlȊltnisse
sehr variiren. Das kleinste in der Prolifikation begriffene
Stammindividuum, das ich beobachtete, mass 2 Millini. bis
1) Ich werde hier bloss die Artcharaktere der Stammindivi-
duen von Aut. prolifer besprechen, da von den männlichen und
weiblichen Sprösslingen (Sacconereis und Polybostrichus ausgezeich-
nete und vollkommen ausreichende Beschreibunjjen der oben ge-
nannten Autoren vorhegen, denen ich nichts Wesentliches hinzuzu-
fügen habe.
364 Greeff:
zum jüngsten Sprössling und zählte bis eben dahin 14
Segmente mit Ausnahme des Kopfes. Das längste eben-
falls in der Prolifikation befindliche Stammthier hingegen
mass mehr als das Doppelte des Ersterwähnten und zählte
bis zum Beginne der Sprösslinge 39 Segmente. Das aus-
gewachsene Thier vor Beginn der Prolifikation ist also
jedenfalls noch um ein gutes Stück länger gewesen. Ich
glaube indessen, dass die Länge von Autolytus prolifer,
wie auch Krohn angiebt, im Gewöhnlichen zwei Linien
nicht weit übersteigen wird.
Der Kopf zeigt auf der oberen Seite keine Andeu-
tung von Lappenbildung, hingegen ist auf der unteren
Seite ein schmaler mittlerer Längs-Einschnitt vorhanden,
der nach hinten bogenförmig nach rechts und links
aus einander fährt und sich erweitert und auf diese
Weise den vorderen Mundwinkel bildet, so dass die
hinteren Theile der Kopflappen gleichzeitig die vorde-
ren Mundlappen oder Lippen darstellen; diesem vorderen
Mundwinkel steht ein hinterer gerade gegenüber, der mit
seinen beiden Schenkeln sich mit denen des vorderen
vereinigt, so dass dadurch auch jederseits ein seitlicher
Mundwinkel hergestellt ist. Die Mundöffnung hat daher
die Gestalt eines Vierecks, das von nach innen convexen
Linien begrenzt ist. Der Kopf trägt auf seiner oberen
Fläche vier braunrothe mit Linsen versehene Augen, de-
ren Stellung indessen variirt, je nachdem die zwei auf
jeder Seite stehenden weiter von einander entfernt sind
oder sich näher rücken, wie dieses in unserer Abbildung
der Fall ist. Meistens gruppiren sie sich in einem Vier-
eck, indem das vordere Paar weiter auseinander steht
wie das mehr nach hinten gerückte zweite Paar. Die
drei Kopffühler habe ich von sehr verschiedener Grösse
bei den einzelnen Lidividuen angetroffen; im Allgemei-
nen indessen erreichen sie nicht die beträchtliche Länge,
wie sie Fig. 1 dargestellt sind, sondern sind viel kürzer ;
sie besitzen dann eine sehr lebhafte Beweglichkeit, wer-
den fortwährend tastend hin und her und durcheinander
geschoben und geschlagen, und zeigen dabei das eigen-
thümlich quergefurchte und gedrehte Ansehen, wie es
Ueber Autolytus prolifer. 366
oben bei der Beschreibung der Gattung angegeben wurde.
Die Fühler wie auch die folgenden Fühler- und Rücken-
cirren sind gCAvöhnh'ch graugelb mit Ausnahme der Spitze,
die zuweilen hellgelb gefärbt ist. Sämmtliche Fühler
und Girren sind auf ihrer ganzen Länge mit mehr oder
weniger dichten, feinen und weichen Borsten (Tasthaa-
ren) besetzt, und zeigen in ihrem Inneren eigenthümh'che
scharf contourirte rundliche, längliche oder unregelmässig
gestaltete Körperchen. Auf das Kopfsegment folgt das
(besonders von oben gesehen) sehr schmale erste Körper-
segment, das beiderseits zwei Fühlercirren von geringer
Länge aber kein borstenführendes Ruder trägt. Erst
an dem zweiten Körpersegment, das bedeutend breiter
als das erste ist, tritt jederseits ein kurzes einästiges mit
zwei wenig vorspringenden Lippen versehenes Ruder auf.
Li dem Ruder steckt ein Bündel von 8 — 10 dicht zusam-
mengedrängten, starken und kurzen Borsten. Zwei Bor-
sten und zwar die stärksten und meist etwas mehr zu-
rückstehenden sind einfach, die anderen zusammengesetzt.
Die einfachen Borsten haben ganz die Gestalt der zusam-
mengesetzten, nur dass bei den ersteren das sichelförmige
Endglied fehlt und die sonst kurze Endspitze besonders
an den hinteren Segmenten etwas verlängert ist. Die
zusammengesetzten Borsten tragen das schon bei dem
Gattungscharakter beschriebene kurze dreizackige End-
glied (Fig. 3). Ueber den Rudern des zweiten Segmentes
befindet sich jederseits ein langer den Kopffühlern ähnli-
cher Rückencirrus. Die Rückencirren der folgenden
Segmente sind bedeutend kürzer. Die Rückencirren be-
stehen sämmtlich aus zwei Gliedern, einem kurzen, koni-
scher, höckerartigen Basalgliede und einem dünneren
Endgliede. Das BasalgHed zeigt an allen Girren eine
lebhafte Flimmerbewegung, die sich aber niemals auf die
Endglieder erstreckt. Die Baucheirren fehlen an allen
Segmenten. Die Schwanzcirren sind meist lang mit vie-
len Tastborsten versehen. Bezüglich des charakteristi-
schen Verdauungsapparates, besonders der Schlundröhre,
verweise ich im Allgemeinen auf die bei dem Gattungs-
charakter (siehe oben) gegebene Darstellung und unsere
366 Greeff:
Abbildung (Fig. 1. a, b, c). Im Gewöhnliclien beginnt
die Schlundi'öhre bei Autolytus prolifer im oder unter
dem zweiten borstentragenden Segmente, der Drüsenma-
gen gewöhnlich mit dem 8ten oder 9ten und umfasst ge-
wöhnlich 2 — 3 Segmente in der Länge. Der Darm ist
breit und zeigt keine den einzelnen Segmenten entspre-
chenden Einschnürungen, sondern alle 2 — 3 — 4 Segmente
erfolgt eine Einschnürung, die indessen nicht tief ein-
dringt. Kopf und Körper zeigen auf ihrer Oberfläche
eine gelbbraune Färbung mit dunkel rothbraunen unre-
gelmässigen, kleinen Körnchen, Fleckchen und Strichel-
chen besprengt. Häufig sieht man auch vom Kopfe aus
beginnend beiderseits einen röthlich-braunen Längsstrei-
fen über den Rücken laufen, die indessen gewöhnlich
bloss bis zum Drüsenmagen reichen.
Zum Schlüsse möchte ich noch eine Beobachtung
über das V o r k o m m e n der frei gewordenen geschlechts-
reifen Sprösslinge (Sacconereis und Polybostrichus) an-
fügen, die ich sonst nirgends erwähnt finde. Dieselben
tummeln sich nämlich, ganz nach Art der schwärmenden
Annelidenlarven und zwischen diesen, vielfach an der
Oberfläche des Meeres umher , so dass ich fast in jedem
Glase, das mit den bei ruhiger See von der Oberfläche
vermittelst des feinen Netzes gefischten kleinen Thierfor-
men erfüllt war, regelmässig mehrere Autoljten-Spröss-
linge und zwar fast immer männliche fand, die eine grosse
Beweglichkeit besassen. Stammindividuen hingegen habe
ich, wie auch wohl leicht erklärlich, niemals an der Ober-
fläche gefunden.
Erklärung der Abbildungen.
Taf. VII.
Fig. 1. Vordertheil von Autolytus prolifer mit Kopf, den ersten
Körpersegmenten und den Hauptabschnitten des Verdauungs-
apparates.
lieber Autolytus prolifer.
367
a. Schluiidröhre mit seiner Krone von spitzen Zähnchen
an seinem vorderen Eingang und seiner in Schlingen
gebogenen zweiten Hälfte.
b. Schlundkopf oder Drüsenmagen.
c. Darm.
Fig. 2. Die hinteren, Eier enthaltenden Segmente des Stammthieres,
mit einem an diese hängenden und durch gemeinschaftlichen
Darm noch mit dem Stammthiere verbundenen mit Eiern
strotzend erfüllten Abkömmling.
d. Der neu gebildete Kopf des Sprösslings mit den eben-
falls neugebildeten Augen und Fühlern.
> 3. Zusammengesetzte Sichelborste von Autolyt. prolifer.
Fernere Bericfatigung über die Thierpflanze
und Beschreibung eines neuen Insektes.
Von
Professor del fastillo
in Mexico.
Mitgetheilt von
dem Geheimen ßergrath Dr. Burkart.
(Hierzu Taf. VIII.)
Unter obigem Titel hat Professor del Castillo in
Mexico im vorigen Jahre an seinem Wohnorte eine Ab-
handlung veröffentlicht nnd mir mitgetheilt, von ^reicher
ich im Nachstehenden eine Uebersetzung in's Deutsche
gebe. Dabei sei es mir gestattet zu bemerken, dass ich
die Ansichten sowohl von Don Leopoldo Rio de la Loza
als auch von Don Antonio del Castillo über die so ge-
nannte Thierpflanze f animal - planta) in der Herbst-Ver-
sammlung des naturhistorischen Vereines der preussischen
Rheinlande und Westphalens am 10. Oktober 1864 ^) vor-
getragen und bereits damals hervorgehoben habe, dass
der von Rio de la Loza beschriebene Gegenstand von
del Castillo als Cadaver der Nymphe einer Cicade, er-
füllt mit einem Parasiten-Pilz, den er zum Genus Sphaeria
und zur Species Sobolifcra rechne, bezeichnet worden sei.
Später, als ich einige Individuen dieser Nymphe
mit dem Pilze aus Mexico erhalten hatte, legte ich die-
1) Verhandlungen des naturhistorischen Vereins der preuss.
Rheinlande und Westphalens. Jahrg. 1864. Correspondenzblatt N. 2.
S. 98 u. f.
Bericht, üb. d. Thierpflanze ii. Beschr. eines neuen Insektes. 369
selben in der Versammhing der niederrheinischen Ge-
sellschaft für Natur- und Heilkunde, der physikalischen
Section, zu Bonn am 4. Mai 1865 vor ^) und machte da-
rauf aufmerksam, dass auch M ilne-Ed war ds 2) die von
del Castillo ausgesprochene Ansicht bestätigt habe. Auf
diesen Gegenstand bezieht sich die nachfolgende erste
Mittheilung des letztern.
I. Thierpflanze.
Am 31. August vorigen Jahres (1864) habe ich eine
Erklärung über die Erscheinung der Thierpflanze (animal-
planta), welche Rio de la Loza zu unserer Kenntniss ge-
bracht, gegeben und solche in der Zeitung ;,La Sociedad
N. 441" veröftentllcht. Auch ist dieselbe in dem Boletin
de la sociedad mexicana de geografia y estadistica T. X.
p. 453 erschienen.
Nach meiner Ansicht ist die „Thierpflanze'^ ein In-
secten-Pilz oder die Nymphe einer Zirpe, erfüllt mit
einem parasitischen Pilze , und obgleich ich über die
Classification der letztern noch keine Gewissheit erlangt
hatte, so rechnete ich denselben doch schon sogleich zum
Genus Sphaeria und zur Species Sobolifera.
Mi In e-E dwar d s weist diesem Pilze in seinem
Berichte über einige der wissenschaftlichen Commission
für Mexico in Paris von dem Obersten de la Jaille über-
sendeten Exemplare desselben, dieselbe Stelle im Systeme
an, und giebt über die Erscheinung dieselbe Erklärung
wie ich, wie aus dem 2. Hefte p. 207 der „Archives" der
wissenschaftlichen Commission für Mexico hervorgeht ^).
1) Ebendaselbt. Jahrg. 1865. Sitzungsberichte der niederrhei-
nischen Gesellschaft etc. S. 70.
2) Archives de la commission scientifique du Mexique. Paris
1865. p. 207.
3) Dr. Bach in Boppard, dem ich seiner Zeit ein Exemplar
des mexicanischen Insekten -Pilzes übersendet, machte mich darauf
aufmerksam, das nach Schaefer, Trierische Flora, Band. III. 1829
S. 179, Sphaeria militaris (Ciavaria milit. L.) auf feuchter Erde in
erstorbenen Larven und Puppen wurzelnd, bei Trier im Walde ge-
funden wurde. Der Uebers.
Archiv f. Naturg. XXXII. Jahrg. 1. Bd. ^ 24
370 del Castillo:
Die Erörterung der Frage über die Natur der „Tliier-
pflanze" dürfte hiermit erledigt sein, sowohl durch die
Thatsachen, auf welche Mi in e-E d war ds seinen Bericht
gestützt hat, als auch durch dessen anerkannte Autorität
in den:i einschlägigen Fache.
IL Neues Insekt. (?)
Hiermit lege ich jetzt die Beschreibung eines In-
sectes vor, welches ein besonderes Interesse darbietet
durch seine wächsernen Secretionen, die ihm als eigen-
thümllche, wie bei einem Gefieder aus einem Schöpfe,
Flaum und Schwänze bestehende Organe angehören.
Dieses Insect gehört zum Genus Fulgora und zum Sub-
genus Lystra vonLatreille und da ich dasselbe weder
in seiner, einen Theil von Cuvier's Thierreich bildenden
Entomologie, noch in einem andern mir zugänglichen
Werke auffinde und die ganze Bekleidung des Insectes,
wie sich im Feuer ergibt, eine wächserne ist, so glaube
ich dasselbe als „Lystra cerifera mexicana^ bezeichnen zu
können. Obgleich die Erscheinung wächserner Secre-
tionen bei diesem Subgenus bereits bekannt ist, so ist
bei der in Rede stehenden Species die Häufigkeit und
Form der Secretionen doch sehr merkwürdig.
Es ist aber auch möglich, dass diese Species im
Auslande schon bekannt und in den Verzeichnissen mexi-
canischer Insecten bereits aufgeführt ist; bis uns letztere
indessen zugänglich geworden, möge es mir gestattet
sein, zu Ehren der Entomologie Mexico's die Lücke durch
eine Beschreibung und Abbildung des Insectes auszufül-
len, da solche vielleicht dazu dienen möchten, die com-
petenten Fachgelehrten in den Stand zu setzen dem In-
secte die ihm gebührende Stelle im System anzuweisen.
Beschreibung:
Der Kopf des Insektes ist kurz, seine Stirn vier-
eckig, in eine dreieckige Spitze auslaufend, mit Rändern,
denjenigen an dem Nasloche einer jungen Taube ähnlich,
Bericht, üb. d. Thierpflanze u. Beschr. eines neuen Insektes. 371
und mit einer, einen besondern Tlieil bildenden sehr
kleinen Lippe (labio) endigend.
Die Vorderbriist (protliorax) besteht aus einem horn-
artigen, dünnen, wie eine Kapuze gewölbten Stück, w^el-
ches gleich bei dem hintern Thclle des Kopfes beginnt,
auf dem Rücken der Mittelbrust (mesothorax) aufgesetzt,
und nach der Brust hin gekehrt ist, zwei Falten bildend,
w^elche bei der Stirnspitze auslaufen und den Ansatzpunkt
des ersten Beinpaares bedecken.
Die Mittelbrust wird nur durch das Schildchen
(escudo) gebildet, welches nach der obern Seite muschel-
förmig, nach der unteren Seite aber dreickig ist. Seine
Episterna in Verbindung mit den zusammengefügten
Theilen des Sternum's bilden den Ausschnitt, aus welchem
das zweite Beinpaar hervortritt. Seine Epimeren werden
von den Schulterblättern bedeckt, unter welchen das
erste Flügelpaar hervortritt.
Auf der Hinterbrust (metathorax) gewahrt man auf
dem Rücken das Praescutum, das Scutum und das Scu-
tellum. Auf der Seite desselben befindet sich das zweite
Flügelpaar und unter demselben das dritte Beinpaar;
unter den Epimeren befindet sich eine Luftwarze (stigma).
An dem unteren Theile oder dem Sternum sieht man
bei einigen Individuen zwischen seinem zweiten und
dritten Stücke, aus denen es besteht, eine Querfurche,
welche bei andern Individuen durch eine concave durch-
scheinende Membran bedeckt zu sein scheint. Diese
Querfurche ist theilweise durch diejenigen Theile (epi-
sternum) bedeckt, in welchen das dritte Beinpaar einge-
fügt ist.
. Die Hinterbrust ist durch einen auf der Rückseite
sehr wahrnehmbaren Gürtel von dem Hinterleibe (abdo-
men) getrennt und hat nach jeder Seite hin drei Luft-
warzen (Stigmata).
Fünf Ringe des Hinterleibes bilden an der Ober-
seite gleichsam einen Kiel und jeder davon zwei Falten
auf jeder Seite (Epimeren), von denen vier auf jeder
Seite vier Stigmen verbergen. Darauf folgt ein hohler
372 del Castillo:
Raum und unmittelbar darauf ein anderer breiter kielför-
miger Ring , unter welchem das äusserste Ende des
Hinterleibes sich verbirgt. An der Unterseite sind die-
selben Ringe wahrzunehmen, deren Gestalt zwischen dem
Kiel- und Eiförmigen inne steht und welche die gedachte
Extremität schützen, indem sie ein Gewölbe über der-
selben bilden, üeber diese Extremität ragt ein hohler
halber Mond empor und aus dem Centrum desselben ein
conischer Stachel hervor, der ein dem Legebobrer (tala-
dra oder oviscapto) der Zirpe ähnliches Organ bildet,
w^omit das Insect die Bäume anbohrt um seine Eier in
die Löcher zu legen.
An der Unterseite der Extremität des Hinterleibes
ge^vahrt man drei kleine Ringe unter dem Gewölbe der
vorhergehenden, welche durch das Begattungsorgan (or-
gano copulatriz) gespalten sind und von denen der letzte
den Eierleiter enthält.
Die Stirn, der Kopf und die Falten des Hinterlei-
bes sind wachsgelb, die Vorder- und die Mittelbrust so
wie die drei Paar Beine sind von derselben Farbe, aber
schwarzbraun gefleckt und punktirt. Die Schulterblätter
und die Basis der Flügel sind blutroth, die übrigen be-
schriebenen äusseren Theile aber schwarz; alle jedoch
sind wachsglänzend, sobald man sie von dem sie bedek-
kenden Staube oder Häutchen reinigt.
Das erste Flügelpaar ist etwas stärker als das zweite
und etwas hornartig. Es schliesst sich dachförmig und
jeder Flügel hat an der Oberfläche eine Falte, welche
mit derjenigen des Schildes der Mittelbrust ein spitzes
gleichseitiges Dreieck bildet. Diese Flügel sind bräun-
lich-schw^arz, kaum durchscheinend und haben dünne Längs-
adern, welche mit feinen Queradern netzförmig verbun-
den sind.
Das zweite Flügelpaar ist häutig, leicht und mit
netzförmigen Adern versehen. Sie sind in ihrem grössten
Theile weiss und durchsichtig und nur nach ihren End-
spitzen hin schwarzbraun gefleckt. Beim Schliessen legen
sie sich nach der innern Seite hin fast zur Hälfte dop-
Bericht, üb. d, Thierpflaiize u. Beschv. eines neuen Insektes. 373
pelt zusammen. Sic haben 12 Adern, abwechselnd eine
feine (fina) und eine dünne (dclgada); die erstem bilden
den Rücken einer untern^ die letztern den Rücken einer
obern Falte wie bei einem Fächer. Die drei ersten der
dünnen Adern laufen gegen das Ende der Flügel gabel-
förmig auseinander und sind mit feinen Adern netzförmig
verbunden.
Die beiden ersten Beinpaare haben eine gleiche Bil-
dung. Die Oberschenkel derselben sind weit grösser als
bei dem dritten Beinpaar. Die Tarsen sind schwarz und
bestehen aus zwei TheiJen oder kleinen Gliedern und
einem dritten grössern etwas gebogenen, welches zwei
Klauen oder Krallen hat. Der Oberschenkel des letzten
Beinpaares ist sehr kurz, die Schiene desselben dagegen
grösser als diejenige der ersten Beinpaare und auch die
drei Tarsenglieder sind verschieden von denjenigen der
letztern, wie fig. 7 zeigt.
Der Bau der drei Beinpaare ist ganz derselbe wie
bei einer Varietät der Fulgora laternaria (Laternenträ-
gers), welche ich aus Yucatan besitze, und auch an den
Küsten von Tuxpan lebt.
Die Beschreibung der beiliegenden, das Insect dar-
stellenden Tafel, wird dasjenige erläutern, was noch etwa
unverständlich geblieben, und dessen Angabe für den
Entomologen überflüssig sein möchte.
Das Insekt ist bekleidet oder bedeckt mit einem
Staube, mit einem Häutchen, mit Flocken oder Girren
(cirros), langen Fäden, weissem Flaum und einem merk-
würdigen gelben Schöpfe, wie in den beiden ersten Fi-
guren der beifolgenden Tafel angegeben ist, und diese
ganze Bekleidung besteht, wie ich schon im Eingange
angegeben habe, aus Wachs. Sie zerfliesst schon bei
einer niedrigen Temperatur unter Krystallisationserschei-
nungen. Nähert man nämlich einen kleinen Theil dieser
Bekleidung dem Lampenlichte auf einer dünnen Glas-
scheibe, so zerfliesst dieselbe bereits ehe das Glas die
Lampenflamme berührt und es bilden sich concentrische
Ringe auf der Glasscheibe, auf denen sich viele sehr
374 del Ca Stil lo
feine Nadeln, wie Radien eben so vieler Sternchen an-
häufen.
Dieses Insekt und seine Lebensweise ist noch nicht
näher bekannt. Es ist wahrscheinlich nächtlich und mir
bis jetzt noch kein Männchen davon zugekommen. Das
Insekt lebt vorzugsweise auf einer Species von Eichen,
welche in Mexico ,,Manzanillo^ (Quercus lanceolata von A.
von Humboldt) genannt wird, und ist in den Wäldern
des nordöstlichen Abhanges des Gebirges von Real del
monte, des südlichen Theiles des Thaies von Mexico ober-
halb des Pedregal, des Gebirges von Huatusco und in
einigen Exemplaren auch in den Promenaden der Haupt-
stadt gefunden worden. Das erste der von mir unter-
suchten Exemplare erhielt ich von den Herren Don Gu-
mesindo Mendoza und Don Alfonso Herrera, die letz-
ten aber von Don Manuel Villada, junge Leute, welche
durch ihre Anlagen zum Studium der Naturgeschichte
grosse Hoffnungen erwecken, dereinst zur Erweiterung
der Kenntnisse Mexico's in den hier einschlägigen Fä-
chern wesentlich beizutragen.
Erklärung der Abbildungen.
Taf. VIII.
Fig. 1. Stellt die »Lystra cerifera« im Fluge dar. Die Vorder-
und Mittelbrust sind entblösst von dem sie bedeckenden
goldgelben Flaum um ihre Umrisse besser erkennen zu
können.
» 2, Dasselbe Insect ruhend gezeichnet. Der Schopf besteht
aus äusserst feinen Fäden und Stäubchen. Der Kopf ist
im Profile dargestellt und zeigt: 1. ein zusammengesetztes
oberes Auge von leberbrauner Farbe mit schwarzen Flecken;
2. ein einfaches unteres Auge (ocellus), einen weisslichen
Punkt der im Original kaum sichtbar ist;
3. einen Fühler; bestehend aus einer pfrieraenförmigen
Borste (cilium), welche aus einer Vertiefung des zweiten
halbkugeligen Gliedes (articulo) hervorragt und an einem
Bericht, üb. d. Thierpflanze u. Besclir. eines neuen Insektes. 375
in einer hornartigen Röhre eingefügten Stiel (pedunculo)
eingefügt ist.
Diese Figur zeigt auch die seidenartigen, staubartigen
Flocken, die den ganzen Körper des Insectes bedecken,
auf den Seiten herabhängen^ und am Ende des Hinter-
leibes in Gestalt eines Schwanzes, aus 4.bis 6 gesonderten
Bündeln biegsamer, weisser, dicker Fasern bestehend, her-
vorragen.
Fig. 3. Dasselbe Insect ohne seine Flügel , Beine, seidenartigen
Flocken und Fasern und ohne seinen weissen Staub. Es
ist in beinahe doppelter Grösse dargestellt, um seine Be-
deckung (tegumento) auf der Oberseite oder im Rücken zu
zeigen und zwar bei: a den Kopf; b die Vorderbrust; c
die Mittelbrust ; d die Hinterbrust ; e den Hinterleib ; f die
Stigmen (stigmata) ; g den Logebohrer (oviscapto) oder das
dem Bohrer der Zirpen ähnliche Organ, welches in einer
halbmondförmigen Höhlung besteht , aus deren Centrum
ein kegelförmiger Stacbel hervorragt.
» 4. Derselbe Rum^^f des Insectes von unten oder in der Brust
in gleicher Vergrösserung dargestellt, so dass bei a die
Ansatzpunkte des ersten, bei b des zweiten und bei c des
dritten Beinpaares, bei d die Furche mit einer Membran,
bei e die Stigmen (stigmata) und bei f die Falten liegen,
welche die Ringe des Hinterleibes aufbeiden Seiten bilden,
und auf jeder 'Seite vier Stigmen bedecken.
» 5. Der Kopf des Insectes von vorn gesehen und vergrössert,
a die Stirn, welche in eine Spitze (pico) ausläuft, von de-
ren Ende die sehr kleine Oberlippe (labro superior) aus-
geht, ihrer Kleinheit wegen in der^ Zeichnung aber nicht
■ angegeben ist. b Drei dünne Borsten oder Stacheln, welche
zufällig aus der eingefurchten Scheide hervorragen, c Der
Rüssel (trompa), aus vier Gliedern bestehend, von denen
zwei sehr klein sind und die Fortsätze einer dünnern unter
dem Halse liegenden Röhre bilden, der dritte mittlere
aber sehr lang und das letzte, das Endglied, kurz ist.
» 6. Ein vergrössertes vorderes Bein. Der Tarsus ist dreiglie-
drig. Zwei dieser Glieder sind klein, das dritte Glied aber
ist grösser als die beiden ersten und etwas gekrümmt und
mit zwei Klauen oder Krallen versehen. Der ganze Fuss
ist schwarz. Die beiden ersten Beinpaare sind von gleicher
Beschaffenheit und die Hüfte ist so gross als der Ober-
schenkel (muslo) und Trochanter (trocanter) zusammen ge-
nommen.
376 del Castillo: Bericht üb. d. Thierpfl. u. s. w.
Fig. 7. Ein Hinterbein ebenfalls vergrössert. Es ist grösser als
die vordem Beine und die Tarsenglieder sind verschieden
von denjenigen der letztern. Das erste der Tarsenglieder
ist so gross als die beiden letzten zusammen und das mitt-
lere Glied ist das kürzeste von ihnen. Sie laufen jedes
in eine nach vorn ausgeschnittene Krone von Stacheln aus
und greifen über einander, wobei die Ausschnitte den Glie-
dern gestatten sich in einem rechten Winkel nach vorn
zu bewegen.
Mexico den 29. November 1865.
Beiträge zur Keiiiitniss der istrischeii
Amphipodenfauna.
Von
Prof. Dr. Ed. Grube.
(Hierzu Taf. IX und X.)
Die hier beschriebenen Amphipoden sind bei Triest,
im Quarnero (bei Abbazia und Martinsica unweit Fiume,
Kosulic, Val Cassione^ Cherso) und bei Lussin (Lussin pic-
colo^ Cigale, Lussin grande, Neresine) von Dr. Lorenz
und mir gesammelt. Zur leichteren Vergleichung mit den
Beschreibungen anderer Forscher bemerke ich, dass ich
an den Beinen sechs Glieder der Zahl nach bezeichne,
indem ich das Basalstück, an welchem die Kieme und
das zum Tragen der Eier bestimmte borstenrandige Blatt
befestigt ist, und das zwar von der Epimeralplatte aussen
überwachsen aber doch von dieser unterscheidbar ist, als
Ites Glied oder Hüftglied zähle; das 2te (bei Bruze liu s
das Iste), der Schenkel wird von Spence Bato und
West wo od Basis genannt, es ist immer von ansehn-
licherer Länge, an den drei hinteren Beinpaaren meistens
plattenartig verbreitert ; das 3te immer das kürzeste
(Ischion Sp. B.); das 6te Tarsus (Propodos Sp. B.), das ge-
streckteste, trägt die Klaue, die man wohl als 7tes Glied
ansehen müsste, der Kürze wegen bezeichne ich sie mit
ersterem Namen. Das 4te und 5te Glied (Meros und Car-
pus 8p. B.) sind ziemlich gleich lang und kürzer als das
6te, aber mitunter wird auch das 5te an den drei Hinter-
beinen kürzer, als das 4te. Kömmt es zur Bildung einer
Schere oder Afterschere, so habe ich die herkömmliche
378 Grube:
Bezeichnimg „Hand^ für das 6te Glied beibehalten. Den
Ausdruck Telson von Spence Bäte für den dem letz-
ten Segment aufsitzenden kleinen Anhang (Appendix cau-
dalis Bruz.) habe ich der Kürze wegen aufgenommen.
Ampliipoda geiiiiiua.
Corpus longiusculum compressura rarius subteres
vel depressum. Segmenta trunci pedigera 1, postabdo-
minis 6 (raro 5) pedibus spuriis, anteriora plerumque na-
tatoriis, posteriora styligeris fsaltatoriis) munita, postre-
mum dorso in appendicem minutam simplicem vel bipar-
titam (telson) exiens. Branchiarum paria 5.
I. GammariDa.
Pedes maxillares satis elaborati^ basi connati, labium
sternale quadrilobum palposque 2 mentientes. Caput seg-
mento proximo haud altius. Antennae plerumque fla-
gellis filiformibus instructae. Epimera altitudinem seg-
mentorum adaequantia vel superantia.
Farn. Orchestidae.
Corpus compressum. Antennae superiores breves,
inferioribus haud longiores, plerumque iam pedunculo
eorum breviores^ flagello simplici. Mandibulae et maxil-
lae paris Imi palpo nullo vel minimo instructae. Epimera
pedum anteriorum magna. Pedum spuriorum styligeri
longitudine decrescentes, paris 3ii ramo 1 tantum muniti.
Orchestia Leach.
Orchestia Leach Linn. Transact. Vol. XL p. 356.
Antennae spinulosae, superiores pedunculo inferio-
rum breviores, inferiores multo fortiores.
Mandibulae dentatae, semper fere palpo carentes.
Pedes maxillares validi, breves, articulo extremo obtuso,
exungui. Pedes paris Imi subchelati , 2di maiores arti-
culo 6to dilatato, feminae cum ungue brevissimo chelam
debilem componentc , maris manu maxima cum ungue
Beiträge zur Kenntniss der istrischen Amphipodenfauna. 379
longo Vcalido chelam spnriam efficiente. Fedes ceteri,
maxime paris postreral, validi, spinosi. Epimeron paris
5ti antice 4to band Ita huiuilius. Telson crassum simplex,
margine spiniiloso.
0. litlorea Leach.
Cancer {Gammarus) littoreus Mont. Linn. Tr ansäet.
IX. p. 96. tab. IV. Fig. 4.
Orchestia littorea Desmarest Consid. p. 261. pl. 145.
Fig. 3, Spence Bäte and Westwood ßritisb Sessil-eyed
Crust. I. p. 27. Fig. (altes Männeben).
Orchestia euchore Fr. Müll. Arcb. f. Naturgescb. 1848.
I. p. 53. Taf. IV. Fig. 1-17.
(Talitrus platycbeles Guer. Lorenz Pbysikaliscbe
Verbältnisse des Qiiarneriscben Golfes p. 288.)
Antennae superwres capitis longitudine, usque ad
articulum 3ium inferiorum pertinentes, articulis 7, inferiores
dimidio corporis breviores^ articulis plus 15, 1^^ (occulto)
et 2do brevissimis, 3io iis iunct is longiore, breviore quam
4to. Oculi suborbiculares. Fedes paris Imi maris articulo
6to subtus dilatato , 2di maris manu latissime subovali,
margine infero late truncato, angulo postico prominente,
ungue aequaliter curvato eum attingente, pedes p. 5ti paulo
longiores quam 4to^ breviores quam 6ti, ut bi fernere
subtus angustiore, 7mi proximis vix longiores, femore ro-
tundato subquadrato, articulo 4to maris adulti triangulos
subtus latiore, 5to maiore triangulo basi latiore, mares
iuniores et feminae articulo 4to et 5to angustis. Telson
triangulo-rotundatum, paene aequilaterum.
Länge nacb Spence Bäte i§ Zoll bei den erwach-
senen Männchen, die mir vorliegenden Exemplare waren
nur 6 und 7,5 Mill. lang und zeigten zwar die breite
abgerundete viereckige Hand des 2ten Fusspaares, aber
am 7ten Fusspaar nicht die breite dreieckige Gestalt des
4ten und 5ten Gliedes, welche Spence Bate's Figur
darstellt, stimmten vielmehr mit Desmarest's Abbil-
dung überein, und würden, wenn man 0. Bottae für eine
eigene Art hält, mit diesem Namen zu bezeichnen sein;
doch möchte ich mit Spence Bäte glauben, dass diese
380 Grube:
Art nicht aufrecht zu erhalten, sondern der Jugendzu-
stand von 0. littorea sei. Zu bemerken ist noch, dass die
alten Männchen, nach der Figur von Spence Bäte zu
urtheilen, auch längere untere Antennen haben, deren
4tes Stielgiied bei weitem länger als das 3te ist und deren
Geisselgliederzahl bis auf 32 steigt, Avährend ich nur 15
bis 17 zähle.
Bei Abbazia westlich von Fiume von Dr. Lorenz
gesammelt.
0. Montagni Aud.
Orchestm Montagui Aud. Savigny Description de
l'Egypte Crustac. pl. 11. Fig. 7 (altes Männchen).
Orchestia littorea Rathke Fauna der Krym p. 81.
tab. V. Fig. 1 — 6 (aus d. Memoir. d. Petersb. Akad.)
? Orchestia mediterranea Cost. Spence Bäte and West-
wood Brit. Sess. eyed Crust. I. p. 31. Fig.
Orchestiae littoreae ^luiWWmti, se manus pe dum 2^ovw.m
maris adulti latissime ovalis, antice maxime angustata,
ungue ultra dimidiam longitudinem eins producto , ad
basin maxime curvato, ceterum paene recto, apice paulo
seposito excavato ; femur feminae paulo dilatatum. La-
minae pedum fotoriae oblongo-ovalis, circum circ setosae.
cT Länge (wie bei den übrigen im Bogen gemessen)
14 Mill., $ 10 Mill.
Von mir am Strande der Insel Sansego bei Lussin
unter ausgeworfener Zostera gesammelt. Männchen und
Weibchen hatten lebhaft rosenrothe Fühler oder Fühler-
geisseln und Klauen an den hinteren Beinpaaren.
Die kräftige Hand des 2ten Fusspaars vom alten
Männchen zeigte am Hinterrand (Unterrand) einen noch
tieferen Ausschnitt und bei geschlossener Klaue eine
grössere Oeffnung als bei Rathke's Abbildung. Der
Rand oberhalb des Ausschnitts war mit einer Reihe win-
ziger Zähnchen besetzt, die durch einen kleinen Vor-
sprung des Innenrandes abgesetzte Spitze der Klaue rin-
nenartig ausgehöhlt. Ganz winzig erscheint dagegen das
schwache Greiforgan am 2ten Fusspaar des Weibchens,
seine Hand ist nicht grösser als der Carpus, weder län-
Beiträge zur Kenntniss der istrischen Amphipoclenfauna. 381
gcr noch breiter als er, doch überragt das abgerundete
Ende der Hand noch merklich die winzige Klaue oder
vielmehr das stumpfe Griffelchen, das ihre Stelle vertritt,
und sich fast der Beobachtung entzieht. Der Schenkel
dieses Fusspaars erscheint beim Weibchen, indem der
Vorderrand convex wird, nach vorn hin verbreitert, wäh-
rend derselbe beim Männchen dem Hinterrand parallel
läuft. Am 7ten Fusspaar des alten Männchens bildet die
Hinterecke des 4ten Gliedes eine lange Zacke ohne die
breite Basis des folgenden Gliedes zu überragen, Vorder-
und Hinterrand beider Glieder sind mit sehr weitläufig
stehenden Zähnchen bewaifnet. Die Mundtheile, die ich
von dieser Art untersuchen konnte, zeigten folgende Be-
schaffenheit : die Mandibeln liefen in stachelförmige Zähne
aus, unter denen drei gefiederte Borsten standen, weiter
hinten erhob sich der Rand in eine niedrige wie sie
horngelbe Leiste, die bei stärkerer Vergrösserung dicht
quergefurcht erschien, zwischen den Furchen wie fein
gekörnelt. Das äussere Blatt des Isten Maxillenpaars
war lang rechteckig, der Endrand mit neun langen leicht
gekrümmten an einer Seite scharfzackigen Stacheln be-
setzt, das innere kürzere etwa Vs so schmal, trug am
Endrand nur zwei stark gekämmte leicht gekrümmte
Borsten. Die beiden Blätter des 2ten Maxillenpaar waren
an Breite weniger verschieden, zarter, am Endrande mit
einer Franze ziemlich dicker stumpfer Borsten besetzt,
die Innenecke des inneren noch mit einer längeren stär-
keren gekämmten. Die breiten KieferfUsse sind 5-glie-
drig, jedes der beiden Basalglieder setzte sich innen in
ein länglich rundes bis zum 2ten Gliede reichendes Blatt
fort, die drei Endglieder (sog. Palpe) waren fast quadra-
tisch, das letzte etwas schmäler als das 2te, am Ende ge-
rundet, klauenlos, bloss mit Randborsten besetzt, die Vor-
derecke am Aussenrande der vier andern Glieder trug ein
bis drei kurze Dornen.
Spence Bate's Abbildung der 0. mediterranea
Cost., zu w^elcher er Rathke's 0. littorea als Synonym
citirt, zeigt eine langsam verjüngte Hand des 2ten Fuss-
paars vom Männchen, ohne einen Absatz am Unterrande
382 Grube:
und die Lücke zwischen ihm und der eingeschlagenen
Klane ist sehr lang und schmal: auch fehlen an dem
breitdreieckigen vorletzten Gliede des 7ten Fusspaars die
Randdornen. Costa's Beschreibung seiner 0, mediter-
ranea erwähnt deren ausdrücklich; jedenfalls möchte ich
Spence Bate's Art dieses Namens als fragliches Sy-
nonym von 0. Montagui anführen.
All 0 r ch es t es Dana.
AlLorohestes Dana United States Explor. Expedit,
p. 883.
Antennae setigerae: superiores pedunculo inferiorum
longiores vel aeque longo prominentes. Mandihulae den-
tatae. Fedes maxiUares unguiculati. Fedes paris Imi et
2<li subchelati, 2di maris manu multo maiore, carpo subtus
in angulum producto. Epimeron 5tum plerumque 4to multo
humilius. Telson simplex vel bipartitum.
Spence Bäte spricht bloss von einem Telson sim-
plex, aber nach Bruzelius ist es bei Ä. Nilsso7ii ge-
theilt, und ebenso finde ich es bei den hier beschriebenen
Arten.
A. PerievL Taf. IX. Fig. 2.
Orchestia Ferieri. Lucas Exploration de 1' Algerie
Crust. p.52. pl.V. Fig. Ld^.
Sordide flavescens. Antennae superiores dimidium
inferiorum adaequantes, articulum 4tum eorum longo
excedentes , articulis 16 , Imo longitudine 2di et 3ii iun-
ctorum, pedunculo multo breviore quam flagello, infe-
riores dimidio corporis longiores, articulis 31 ad 36, a
pedunculi longitudine crescentibus, flagelli gracillimi cras-
sioribus , quam flagelli superiorum. Oculi ovales. Pedes
maxiUares ungue lato curvato muniti, articulo proximo
late ovali, penultimo sinu nullo seposito. Fedes minus
validi, posteriores 3 paulo fortiores, paris 6ti et 7ti lon-
giores. Fedes spurii parium posteriorum 3 longitudine
valde decrescentes. Telson duplex obtusum.
Mar ist pedes paris Imi manu subovali, postice in
processum brevem obtusum exeunte, 2<ii proximis Ion-
Beiträge zur Kenntniss der istrischen Ampliipodenfauiia. 383
giores manu perraagna a latere visa subpyriformi , antice
angiistiore^ margine posteriore paene usque ad basin serie
spinulariim armato, ungue leniter curvato.
Fewdnae: pedes paris Inii et 2di proximis breviores,
subchelati, ceterum minus ab iis difFerentes.
Länge d^ 7 MilL, $ etwas über 5 Mill.
Am Lazzaretto bei Fiume von Dr. Lorenz ge-
sammelt.
Der einzige Zweifel ob diese Art Orchestta Perieri
sei, könnte daher entstehen, dass bei Lucas die Schwimm-
füsse kürzer als das Iste Paar der Springfüsse abgebildet
und beim Männchen die ßtachelchen nicht erwähnt sind,
welche mit wenigen Borsten untermischt, wie die Zähn-
chen eines Kammes den Hinterrand der Hand fast auf -j^
seiner Länge, von dem spitzeren Ende an gerechnet be-
setzen. Ebenso weit reicht die schlanke nur wenig ge-
krümmte, an der Basis des Innenrandes mit einem leich-
ten Ausschnitt versehene Klaue. Die Stachelchen stehen
genauer betrachtet in 2 Reihen ; die eine am Bande selbst
fällt sogleich in's Auge, die andere daneben ist mehr
nach innen und ihre Stachelchen emporgerichtet. Zwi-
schen diesen Stachelchen häuft sich in der Regel ein
fein zertheilter Schmutz an, und hierauf bezieht sich
wohl, was Lucas vom bord inferieur dieses Fusspaa-
res sagt „qui est parseme d'une tomentositö courte et
serree." Der Carpus ist nur mit der vorderen Hälfte
des Basalrandes der Hand eingelenkt, seine freie Hinter-
ecke bildet einen ziemlich spitzen Winkel, ohne jedoch
über den Hinterrand der Hand hinaus zu ragen. Am
Isten viel kürzeren Fusspaare des Männchens ist die Hand
ganz klein und mehr oval, die Hintcrecke des Carpus
bildet einen kurzen stumpfen Fortsatz. Die Klaue ist
stärker gekrümmt. Bei den etwas kleineren weiblichen
Exemplaren finde ich das Iste und 2te Fusspaar von dem
nächstfolgenden wenig abweichend gebaut, nur kürzer
als sie und ihr letztes und vorletztes Glied breiter als
bei diesen. Die Augen erschienen nicht so oval, wie bei
den andern, bei denen sie übrigens nicht vollständig er-
halten waren, sondern ziemlich kreisrund; so gestreckt
384 Grabe:
und scliraal, wie sie Lucas darstellt, sehe ich sie auch
bei den Männchen kaum.
Die fünf hinteren Beinpaare des Rumpfes bieten bei
allen nichts auffallendes dar, das 7te ist nicht besonders
verlängert. Das Telson besteht deutlich aus zwei weit
aus einander klaffenden Blättchen von stumpfer Form,
üebrigens bemerke ich durchaus nicht die für Talitrus und
Talorchestia so charakteristische Bekleidung der Antennen
und Beine mit kurzen aufgerichteten Stachelchen, son-
dern es treten hier schon Borsten auf.
Unter den von Dana^) beschriebenen und abgebil-
deten Arten stimmt Ä. hirtipalma, A. novae Zelandiae und
A. hawaieiisis in der Handbildung des 2ten Fusspaares
der Männchen, A. novae Zelandiae auch in dem Längen-
verhältniss der Antennen mit dieser Art am meisten
überein.
A. Helleri Gr. Taf.IX. Fig. 3.
A. imhricatus Spence Bäte ?juv. Grube Lussin
und seine Meeresfauna p. 72.
Antennae au'periores dimidium inferiorum aequantes
pedunculum eorum longe excedentes, articuHs 15,lpio
vix longitudine 2di et 3ii iunctorum, pedunculo multo
breviore quam flagello, capitis iongitudinem haud attin-
gente, inferiores dimidium corporis superantes, articulis
28,lnio et 2do brevissimis, 3io iunctis illis paulo longiore,
breviore quam 4to. Oouli orbiculares, maiores diametro ^3
longitudinis capitis aequante. Pedes maxillares pro ungue
stylum minutum gerentes, articulo proximo late ovali,
penultimo sinu nullo seposito. Segmenta dorso neque cari-
nata neque imbricata. Pedes posteriores 3tö et 4to multo
validiores, ungue forti curvo paene V'2 articuli proximi ae-
quante, hoc curvato basin versus paulo attenuato, articulo
5to ut 4to alterum tantum longiore quam lato, subtus sen-
sim latiore, femore late ovali, margine posteriore et in-
feriore crenulato. Telson duplex subovatum.
1) United states Explor. exped. 1852. Crust. II. p. 888, 894,
906. pl. 60. Fig. 4. pl. 61. Fig. 1. Fig. 5.
Beiträge znrKenntniss der istrischen Amphipodenfauna. 385
Maris: pedes paris Imi multo minores quam 2<ii^
subchelati, manu similis formae, ne dimidia quidem lon-
gltudlne 2dae^ pedes paris 2di manu valida, paene alte-
rum tantnm longiore quam lata, margine anteriore et po-
steriore subparallelis, inferiore aequo longo ac posteriore,
valde obllquo, spinuloso, basali leniter rotundato, carpo
postice angulum acutum exhibente.
Feminae: pedes paris 9mi et 2di vix subchelati
manu angusta gracili.
Länge </ etwa 5 MilL, $ 3, 5 Mill.
Bei Abbazia von Dr. Lorenz und bei Lussin pic-
colo von mir und ihm gefunden.
Obwohl dieses Thier dem Allorchestes imhricatus
Sp. B. 1) sehr nahe steht, als dessen jüngeren Zustand
ich es früher ^) fraglich bezeichnet, glaube ich es doch aus
folgenden Gründen für eine eigene Art halten zu müssen.
Das Auge ist entschieden grösser, indem sein Durchmes-
ser Ya der Kopflänge gleich kommt und steht höher, schon
hinter den oberen Antennen. Der 3-gliedrige Stiel der
letzteren ist noch nicht so lang als der Kopf, bei A. im-
hricatus etwas länger und seine Glieder am Oberrande
schärfer abgesetzt und gestreckter, bei unserer Art ist
die Geissei entschieden länger, bei A. imhricatus ebenso
lang als der Stiel. Am 2ten Fusspaar des Männchens
finde ich den unteren Rand, gegen den die Klaue ein-
schlägt, gegen den Vorder- und Hinterrand stark geneigt,
während ihn die Figur von A. imhricatus horizontal ab-
gestutzt angiebt, die Reihe von Stachelchen, die ihn bei
unserer Art besetzt, ist bei Spence Bäte nicht ange-
geben. Endlich vermisse ich auf dem Rücken der Seg-
mente den Kiel, von dem Spence ßate's Art den Na-
men hat, auch kann ich nicht bestätigen, dass die Seg-
mente merklich über einander greifen.
1) Spence Bäte and West wood Brit. Sess. eyed Crustac. I.
p. 43. Fig.
2) Lussin und seine Meeresfauna p. 72.
Archiv f. Naturg. XXXIT. Jahrg. 1. Bd. 25
386 Grube:
A. slylifer Gr. Taf. IX. Fig. 4.
A7itennae superiores dimidinm inferiorum siiperantes,
pedunciilum earum longe excedenteS; articulis 12, pedun-
culo breviore quam flagello, inferiores dimidium corporis
adaequantes, articulis 21,lmo et 2do brevissimis, 3io üs
iunctis satis longiore, aeque longo atque 4to. OguU ova-
les. Pedes maxiLlares unguem gracilem minus curvum
gerentes , articulo ultimo lato subquadrangulo margine
externo curvato, interno cavo, penultimo apicem versus
introrsum dilatato. Fedes posteriores baud ita validi,
ungue brevi nondum Vs longitudinis articuli proximi ae-
quante, articulo 3io subtus baud dilatato, femore late ovali
margine posteriore leniter crenulato. Telson duplex, sub-
ovatum.
Maris: pedes paris Imi multo minores quam 2di üs
similes, sed carpo trigono, acutangulo, baud ita multo
minore quam manu, 2di manu permagna oblonga, mar-
gine anteriore et posteriore subparallelis , inferiore valde
obliquo, spinuloso, longitudine posterioris, carpo multo mi-
nore satis lato, postice in processum styliformem curva-
tum exeunte. Pedes maxillares ad articulum ultimum supra
unguem fasciculum setarum latum ferentes.
Feminae : pedes paris Imi et 2di vix inter se diffe-
rentes carpo triangulo, multo minores quam in mare.
Länge 5 Mill.
Bei Abbazia und Kosulic von Dr. Lorenz unter
Strandsteinen gefunden.
Aebnelt in vielen Stücken der Ampliithöe Frevosti
Milne Edw. i), die ebenfalls ein AUorchestes ist, nament-
licb aucb in der Gestalt der Hinterbeine, die bei der vo-
rigen ganz anders war, unterscheidet sich aber nicht bloss
durch die grössere Länge der oberen Antennen und den
kürzeren schrägen Unterrand der Hand des 2ten Fuss-
paars bei dem Männchen , sondern auch durch den ge-
krümmt griffelförmigen Fortsatz ihres Carpus, zu dem
nur A, australis Dana ein Seitenstück liefert.
1) Ann. des scienc. nat. II. Ser. Tom. III. pl. 14. Fig. 11. Hist.
nat. des Crust. III. p. 36.
Beiträge zur Ivemitniss der istrischen Amphipodenfauna. 387
Nie ea Nicol,
Nicea Nicolet Ga 7 Plist. fis. 1 polit. de Chili Vol. III.
p. 237 (Cit. Spenc. Bäte.)
Anterinae superiores et inferiores breves, longitudine
subaequales, pedimciilo flagelloque minus distinguendis.
Pedes imris Imi et 2^1 subchelati. Telson profunde divi-
snm. Cetera ut in Allorcheste genere.
Spence Bäte und West wo od fügen nur bei die-
ser Gattung der Orcliestiden liinzu : „coxae of the third
pair of pereiopoda (d.li. des 5ten Fusspaars) much shorter
than tlie proceding", doch finde ich bei der Vergleichung
der Figuren ihrer Allorchestes und Nicea hierin keinen
Unterschied; wohl aber ist bei OrcheÄtia die 5te Epimere
vorn beinahe eben so hoch oder nur wenig niedriger als
die 4te.
^. istrica Gr. Taf. IX. Fig. 5.
Die Beschreibung dieser, früher als Ämphithöe (HyaleJ
istrica von mir aufgeführten Art habe ich bereits in die-
sem Archiv Jahrgang XXX. 1863.1. p. 200 vervollstän-
digt, und füge hier bloss noch die Abbildung von dem
vorderen Körpertheil eines Männchens hinzu — ein Weib-
chen habe ich bisher nicht erhalten '— aus welcher
ersichtlich ist , wie viel länger die oberen Antennen
als bei N. Luhhochiana Spence Bäte ^) sind , indem sie
hier nur bis zum 2ten, bei N. istrica hingegen bis zum
3ten Segment reichen, (Spence Bäte selbst sagt von
ihnen sogar nur „scarcely l(?nger than the head^) und
wie viel gestreckter ihre drei ersten Glieder sind , die
zusammengenommen schon die Länge des Kopfes über-
treffen und von denen das Iste länger als jedes der
zwei folgenden ziemlich gleich langen ist. Die unteren
Antennen haben sowohl einen längeren Stiel als eine
längere Geissei, und besitzen 12 Glieder (3 mehr als die
oberen), das Iste Stielglied ist kürzer als jedes der nächst-
folgenden gleich langen, die Geisseiglieder sind nicht
1) Spence Bäte and Westwood Brit. Sess. eyed Crust.
p. 47 Fig.
388 Grube:
stärker als die der oberen Antennen und kaum etwas
kürzer. Der ganze Kopf ist grösser als bei N. Luhhockia7ia,
die Augen dagegen verhältnissmässig kleiner , überdies
oval. Der spitze hintere Fortsatz am Ende des Car-
pus vom 2ten Fusspaar ist so viel länger als bei jener
Art, dass er fast der halben Länge der Hand gleich kommt.
Die Klaue der Kieferfüsse ist breiter als bei der folgen-
den Art und fast gar nicht gekrümmt. Die Mandibel
gezähnt.
iV. longicornis Gr.
Femina. Antennae superiores inferioribus paulo lon-
giores et fortiores, usque ad segmentum 5tum pertinentes,
articulis 14, 2do longitudine Imi^ dupla 3ii, iiiferiores ar-
ticulis 14, a. pedunculi longitudine crescentibus, li^ao bre-
vissimo, 3io pedunculum superiorum vix excedente. Caput
segmento Imo longius, oculi late ovales. Fedes maxüla-
res unguiculo tenui curvato armati. Fedes paris Imi et
2di: subaequales, subchelati, manu angusta elongata margi-
nibus parallelis, inferiore oblique truncato, carpo postice
haud in angulum producto, p. 3ii et 4ti paulo longiores
ungue longiore, p. 'posteriores robustiores, articulo 4to la-
tissimo, deorsum in processum acutangulum exeunte, a.
5to angustiore infra tantum paulo dilatato, femore subor-
biculari. Fedes saltatorii longitudine maxime decrescen-
tes. Telson profunde bipartitum, lobis obtusis.
Länge 4 Mill.
Von mir in nur einem Exemplare gefunden bei Lus-
sin piccolo.
Die im Verhältniss ansehnliche Länge der Anten-
nen, von denen die oberen sogar die unteren noch etwas
überragen und entschieden stärker sind, steht im Wider-
spruch mit einem Hauptcharakter der Familie der Or-
chestiden, doch weist der sonstige Bau des Körpers durch-
aus auf diese und zwar auf die Gattung Allorchestes oder
Nicea hin. Die kräftige Gestalt der hinteren Beinpaare,
auch die Form der Antennen und ihrer kurzen Stielglie-
der und nicht langen Geissein könnte unter den Gam-
mariden an Calliope erinnern, allein hier zeichnen sich
Beiträge zur Kenntniss der istrischeii Amphipodenfauna. 389
gerade die Springfüsse nicht durch Stärke und schnelle
Abnahme der Länge aus, im Gegentheil ragt das letzte
Paar derselben nach hinten gestreckt ebenso viel oder
noch weiter als die nächsten vor und trägt überdies zwei
Griffelanhänge, die Gattungen, die ausnahmsweise unter
den Gammariden deren nur einen besitzen, Gammarella
und Crangonyx, haben einen anderen Habitus und an den
oberen Antennen eine kleine Nebengeissel. Wünschens-
werther wäre es freilich gewesen, ein Männchen die-
ser Art zu erhalten, da die Weibchen in der Handbil-
dung der zwei vorderen Fusspaare mehr mit einander
übereinstimmen, die drei hinteren Beinpaare sind ausser-
ordentlich kräftig und namentlich fällt das 4te Glied durch
seine Breite und vierseitige Gestalt, den weit über das vor-
hergehende hinausragenden Hinterrand und dessen scharf
vorgezogene untere Ecke auf, während das 5te mehr mit
N. Lubbockiana übereinstimmt. Der Schenkel wenigstens
des Tten Fusspaars ist fast kreisrund, am Unterrande leicht
gekerbt.
Farn. Gammaridae Dana.
Corpus magis minusve compressum. Mandihulae
paene nunquam palpo carentes; palpus triarticulus. A7i~
tennae plerumque elongatae, flagellis multiarticulis, supe-
riores saepissime duplicibus, inferiores superioribus raro
longiorcs. Epimera anteriora segmentls raro humiliora. Fe-
des spurii parü i^ostremi biiidi, ramo alterutro interdum
maiore, rarissime simplices. Telson laminare, saepe duplex.
Ly s ianas s a Milne Edw.
Lysiaiiassa M. Edw. Ann. des scienc. nat. Tom. XX.
Antennae superiores breves, pedunculo plerumque
crasso, flagello duplici, raro longiore quam pedunculo,
inferiores plus minus longiores debiliores, flagello longiore
quam pedunculo. Mandihulae processu interne et palpo
munitae. Pedes paris Imi et 2di satis tenues, minus ela-
borati Imi non subchelati, 2di subchelati, 3ü et 4ti vix
minus debiles , posteriores validiores. Epimera parium
390 Grube:
anterioriim 4 altissima, 4ti ceteris haud latius. Pedes po-
steriores spuriorum haud ita breves^ paris postremi bifidl.
Telson squamiforme integrum vel fissum.
Spence Bäte, der neben Ljsianassa die Gattung
Anonyx beibehält^ zugleich aber darauf aufmerksam macht,
wie schwankend die Charaktere dieser letzteren Gattung
bei einzelnen Arten seien, findet in der Gestalt des Tel-
son noch einen der durchgreifendsten. Es heist bei Ly-
sianassa „Telson single, s quam i form, entire", bei Anonyx
„Single claviform cleft.'^ Unter den hier zu beschreiben-
den Arten giebt es aber zwei, welche in allen anderen
Stücken mit den übrigen übereinstimmen, aber entschie-
den ein tiefgespaltenes Telson besitzen, weshalb ich diese
Abweichung in den Gattungscharakter von Lysianassa
mit aufgenommen habe. Das 2te Beinpaar, das sich durch
seine Zartheit auszeichnet, ragt trotz seiner Länge oft-
mals doch gar nicht vor, weil es wie bei manchen Cari-
den, im Hauptgelenk zusammengeklappt zwischen den
Epimeren ganz versteckt getragen wird.
L. spinicornis A. Costa. Taf. IX. Fig. 6.
L. spinicornis A. Costa Ricerche sui Crostac. Amfi-
podi del regno di Napoli p. 185. tab. I. fig. 4.
Albicans, saepius rutilans, fasciis dorsi transversis pun-
ctisque coxarum rubricosis vel fuscis. Antennae superio-
res inferioribus paulo longiores, repositae segmentum 2duin
superantes, articulis 16, pedunculi 3 longitudine sensim
decrescentibus, Imo ceteris 2 iunctis paulo longiore, sub-
tus in spinulam exeunte, flagello principali longitudine
pedunculi, articulis secundarii 5; antennae inferiores ar-
ticulis 11 ad 15, pedunßulo multo tenuiore ad basin Vs
fere crassitudinis superiorum aequante, vix longius pro-
minente. Oculi magni, subreniformes. Pedes paris Imi
breves, usque ad articulum 4tuin fere p. 2di pertinentes,
p. Idi manu oblonga ad basin attenuata, dimidia carpi
longitudine, margine anteriore et posteriore serie setarum
munito, carpo medio latiore quam manu margine anteriore
recto, inferiore curvato, articulo 4to postice setoso. Pe-
des ceteri haud validi, paris oü et 4ti illis paulo longiores,
Beiträge zurKenntniss der istrischen Amphipodenfauna. 391
5ti breviores, femore subquadrato, antice rotimdato, quam
epimero minore^ ceteri longitndine crescentes, femore
maiore, siibtus angustiore, epimero minore. Fedes spurii
paris Inii histyli natatoriis paulo tantum longius promi-
nentes. Tclsoii semiovale, integrum, excavatum.
Länge 12 Mili., Höbe fast ^4 Mill.
Bei Triest, mehreren Orten des Quarnero und bei
Lussin piccolo.
Die oberen Antennen reichen zurückgelegt etwas
über das 2tQ. tSegment hinaus, das 2te Glied des Stieles
ist fast nur um die Hälfte länger als das 3te, über Vs
kürzer als das Ite, vorn an der Unterseite in einen Zahn
oder kurzen Stachel auslaufende, zwar viel stärkere aber
doch nicht ^Q^Qn die Basis hin angeschwollene, der Stiel
hat die Länge der ziemlich kräftigen Hauptgeissel. In
Costa's Figur ist das grosse ^3 ^^^ Kopflänge und V2
oder mehr der Kopfhöhe einnehmende nierenförmige Auge
nicht erkennbar, der Kopf vorn zu breit abgestutzt. Das
2te Fusspaar viel länger als das ote, die untere Ecke
seines abgestutzten Endrandes schärfer ausgezogen und
die kleine Klaue desselben kräftiger als ich sie sehe, und
mit einem Zahn unter der Spitze bewaffnet dargestellt,
das 4te Fusspaar und auch die folgenden nicht stark, ihr
Schenkel gegen die Basis hin nicht breit genug. Das
Telson ist bei dieser Art ganzrandig und hat die Form
eines quer durchschnittenen Ovals. Seine Gestalt und
der ganzrandige Hinterrand der Schenkel der drei letzten
Fusspaare sind gute Kennzeichen für die hintere Körper-
partie dieser Species,
Bei einzelnen Individuen, die" ich aber sonst nicht
zu unterscheiden vermag, finde ich den Zahn am Basal -
gliede der oberen Fühler sehr wenig ausgeprägt.
? L. loricafa A. Cost.
Lysianassa lorioata K. Costa. O. c. p. 186. tab. I. fig. 5.
Antennae breves, superiores paulo longius prominen-
tes, reversae segmentum 2dum vix excedentes, articulis 11
ad 14, pedunculo flagellum paene aequante, articulis lon-
gitndine decrescentibus, Imo ceteris 2 iunctis vix longiore.
392 Grube:
Spina nulla armato, flagelli principalis Imo crassitudine
minus insigni, inferiores articulis Vi, pedunculo longitu-
dine p, superioris, articulis longitudine cresccntibus. OguU
reniformes, dimidia capitis altitudine. Fedes paris Imi
fortes, 2dis breviores, similes atque in L. spinicorni, arti-
culo ultimo apicem versus attenuata^ 2<ii manu paulo lon-
giore quam in illa, apice truncata, unguiculo minimo tri-
angulo , vix distinguendo , ceterum similes , pedes ceteri
debiles, posteriores 3 femore suborbiculari margine inte-
gre, articulo 5to longiore quam lato, pedes spurii ut in
L. spinicorni. Telson semiovale.
Länge gegen 10 Mill., Hölie 4 Mill. (Weibchen.)
Von Lorenz bei St. Martine, von mir bei Lussin
gefunden.
Diese Art schliesst sicli durch die Form und Grösse
der Augen, die Bildung der Antennen und die Dünnheit
der Beine, deren vorletztes Glied viel schmäler als lang
ist, an L. spinioornis und L. Costae, welche einander sehr
ähnlich zu sein scheinen. Sie unterscheidet sich von L.
spiniGornis durch die etwas geringere Lange der Anten-
nen und den Mangel des Stachels am ßasalglied der obe-
ren, die unteren reichen bei gestrecktem Körper öfters
kaum über dessen unteren Rand hinaus. Der Carpus des
2ten Fusspaars ist wie bei L. spinioornis ^Q^^n das Ende
hin verbreitert und gleich jenem mit mehreren Querrei-
hen kürzerer Haare und mit längeren Randborsten be-
setzt, die Hand aber verhältnissmässig etwas gestreckter,
die Klaue kleiner, doch schwankt dies mitunter so sehr,
dass ich an diesem Charakter beide Arten nicht zu un-
terscheiden vermöchte, ich kann sogar meinen Zweifel
nicht unterdrücken, ob beide Arten scharf gesondert wer-
den können, da bei manchen L. spinicornis der Stachel
der Antennen unbedeutend ist; wenigstens stehen mir nicht
Exemplare genug zu Gebote um hierüber zu entscheiden.
Das Kiemensäckchen und der borstenrandige griffelför-
mige Anhang an dem Basalstück des Beines, die ich an
einem jüngeren Exemplare untersuchte, zeigten nur darin
eine Abweichung von L. spiniGornisy dass dort die Zahl
Beitrage zur Keniitniss der istrischen Amphipodenfauna. 393
der Borsten eine etwas geringere (sechs) war, vielleicht
vermehrt sie sich mit dem Heranwachsen.
Dieses Thierchen trug schon einige Eier an der Un-
terseite und man sah deutlich an der concav convexen
Form der Kicmensäckchen, Avelche sich dem anliegenden
Ei anschmiegte, wie viel auch diese Organe zum Halten
und Unterstützen der Eier beitragen.
L. ciliata Gr. Taf. IX. Fig. 7.
Lysianassa ciliata Grube Ausflug nach Triest und
dem Quarnero p. 135.
Dorsum latius rotundatum. Antennae breves fere
aeque longe prominentes, reversae segmentum 2dum paulo
excedentes, superiores articulis 12, pedunculo flagellum
paene aequante, articulis longitudine dccrescentibus, l^^y
ceteris 2 iunctis vix longiore, spina nulla armato, 3io bre-
vissimo annuliformi, articulo flagelli principalis basali
crassiore elongato conico, subtus serie densa pilorum cras-
siorum ornato, articulis flagelli secundarii 5; antennae in-
feriores articulis 12, pedunculo longitudinem superiorum
aequante, articulis longitudine crescentibus, Imo brevis-
simo. Oculi parvi^ ovales, 7^ fere altitudinis capitis ae-
quantes. Pedes paris Imi fortes, 2clis satis breviores, ar-
ticulo ultimo conico, penultimo apicem versus incrassato,
2di manu oblonga marginibus rectis parallelis barbatis, ad
basin coarctata, ungue subrecto minuto, carpo ea Ys ^ere
longiore, similiter barbato. Pedes ceteri robusti, breves,
postremum versus longitudine minus crescentes, articulo
5to fere aeque lato ac longo, multo^ breviore quam 4to po-
steriores 3, margine femoris posteriore integre, anteriore
articuli 5ti et 6ti spinoso. Pedes spiirii bistyli breviores
quam in L. longicorni. Telson oblongum longitudine
appendicum pedes bistyli 3ii, usque ultra medium fissum.
Länge 8 MilL, Höhe über 3 Mill,, Breite bei einem
bereits Junge tragenden Weibchen 3 ^lill.
Bei Triest und Lussin.
Diese Art, welche im Bau des Isten Fusspaars mit
L. spinioornis übereinstimmt, nicht aber den Stachel am
394 Grube:
Basalgliede der oberen Antennen trägt, macht sich zu-
nächst durch die Kleinheit und ovale Form der Augen,
sodann durch die kräftige kurze breitgliedrige Gestalt
der fünf hinteren ßeinpaare bemerkbar, deren 5tes bis
7tes am Vorderrande der beiden letzten Glieder mit weit-
läufig stehenden starken Stacheln bewaffnet ist. Auch
die Franze von langen etwas gekrümmten und etwas
dicken Haaren an dem Unterrande des 4ten Gliedes der
oberen Antennen, welche aus einer Reihe dünner rasch
auf einander folgenden ßündelchen besteht, scheint eine
Eigenthümlichkeit dieser Art, die ich nur bei einem Exem-
plare vermisst habe: durch ein Versehen ist dieselbe in
meiner früheren Mittheilung am 3ten Stielglied angegeben,
letzteres ist ganz kurz und ringförmig, nicht immer leicht
unterscheidbar, während das nächstfolgende (Iste Glied
der Hauptgeissel), an dem jene'Bürste vorkommt, sich vor
den übrigen durch Länge und Dicke auszeichnet. Wenn
ich nicht irre, hat diese Art im Leben dunkelbraune oder
schwarze weisspunktirte Augen.
Alle von mir bei Lussin in der zweiten Hälfte des
August gesammelten Thiere waren Weibchen , welche
Eier oder schon Junge trugen. Das Kiemensäckchen hatte
die gewöhnliche einfache Form und reichte nicht bis zum
Ende des Schenkels, der andere Anhang sah wie ein
seitlich ganz zusammengedrückter Griffel aus, war etwas
länger und trug an seinem äussersten Ende einen Fächer
von sieben langen elastischen Borsten.
Bei einem ganz jungen aus der Bruthöhle seiner Mut-
ter genommenen Jungen von 2,5 Mill. Länge, waren schon
alle sieben Beinpaare vorhanden und zeigten denselben
Bau wie bei den Alten, doch fehlten noch die starken
Dornen am Vorderrande der beiden Endglieder der drei
hinteren Beinpaare, ebenso an den Anhängen der hinter-
sten drei Afterfusspaare, die oberen Antennen, welche
zurückgelegt bis an das 3te Segment reichten, hatten erst
sieben, die nur wenig über das Basalglied der Haupt-
geissel hinausreichende Nebengeissel erst zwei, die unte-
ren Antennen sechs Glieder. Die Augen waren oval und
Beiträge zur Kenntniss der istrischen Amphipodenfauna. 395
klein, das Telson so lang als der obere Anhang- des letz-
ten Afterfiisspaars.
L. humilis Costa.
Lysianassa humilis A.Costa 1. c. p. 187. tab. I. fig. 6.
Antennae breves, superiores infcrioribus paiilo lon-
giores, repositnc segmentum Imum superantes (oi^im minirae
attingentes) pedunculo fere V4 longiore quam flagello,
articiilo basali tiimido^ 2do et 3io aeque brevibus, annula-
ribus, iimctis longiore, articulis flagelli principalis 9, se-
cundarii 4, inferiores basi multo tenuiores, articulis fere
9, 2do et 3io paene aeque longis. Oculi magni, renifor-
mes. Pedes paris Imi satis validi, articulo ultimo multo
longiore quam proximo haud attenuato , ungue curvato,
p, 2di articulo ultimo margine extremo truncato, ungue
brevissimo , triangulo, vix distinguendo, p. bti, 6ti^ 7mi ma-
gnitudine minus crescentes femoris margine posteriore
subrecto, articulo 5*0 multo longiore quam lato, paene
aeque longo atque 4to. Telson oblongum, integrum.
Länge 4 Mill.
Gefunden bei Lussin piccolo in zwei Exemplaren.
* Trotz mancher Abweichungen von C 0 sta's Beschrei-
bung und Abbildung möchte ich doch glauben, hier keine
andere Art als seine L. humilis vor mir zu haben. Die
Abweichungen sind namentlich folgende : das 2te Fusspaar
soll gar keine Klaue tragen, und hierauf würde sich
dann seine Nebenfigur 6. d beziehen (während in der
Hauptfigur 6 die Klaue sehr deutlich und zwar gekrümmt
erscheint), doch könnte wohl die Klaue wegen ihrer Klein-
heit und schmal dreieckigen Form Costa entgangen sein,
indem sie beim Einschlagen über den abgestutzten End-
rand gar nicht hinausragt, und nur ein kurzer schräger
Einschnitt an der Innenecke dieses Randes ihre Stelle
bezeichnet. Der Augen ist in der Beschreibung nicht
gedacht, in der Abbildung erscheinen sie viel kleiner
als ih meinen Thieren, aber auch weiter nach hinten ge-
rückt als in den anderen Arten, die Figur dürfte hierin
nicht genau genug sein , wie denn z. B. den fünf hinte-
ren Fusspaar en das ote Glied fehlt. Die Gliederzahl der
396 G r u b p. :
unteren Antennengeissel soll 8 bis 10 sein, die Figur
zeigt 14, ich sehe nicht mehr als 6.
Diese Art würde von L. ciliata zu unterscheiden
sein durch den Mcangel der Haarfranze am Isten Geissei-
gliede der oberen Antennen, die entschiedene Nierenform
und ansehnlichere Grösse der Augen, die gestrecktere
Gestalt des 5ten Gliedes der drei hinteren Beinpaare und
das nicht gespaltene Telson.
L. longicornis Luc. Taf. IX. Fig. 8.
cT Lysianassa longicornis Lucas Explor. scient. de
l'Algerie Crust. p. 53. pl. 5. fig.2, Sp. Bäte und West-
wood 0. c. p. 85. fig.
Fem,ina. Brunnea vel aurantiaca fasciis dorsi trans-
versis albis. Antennae superiores inferioribus multo bre-
viores, V4 ^^ V3 longitudinis corporis aequantes, reposi-
tae segmentum 4tum paene superantes, articulis 27 ad 32,
pedunculoj breviore quam capite, cum articulo flagelli Imo
conum elongatum exhibente, articulo Imo pedunculi cete-
ris iunctis longiore, 3io brevissimo, articulis flagelli Imum
(i. e. antennae 4tum) proxiinis vix longioribus quam latis,
flagello secundario fere V4 principalis aequante, articulis
7 ad 9; antennae inferiores dimidiam longitudinem cor-
poris haud attingentes raro longiores, articulis fere 37 ad
52, pedunculo hanc superiorum partem satis superante,
articulo Imo brevi, occulto 2mo brevissimo, 3io tripla fere
longitudine eius; 4to vix breviore, paulo tenuiore, articu-
lis flagelli iam prioribus , longioribus quam latis. Oculi
maximi, reniformes. Pedes paris Imi tenues, paene usque
ad articulum 6tnm paris 2di pertinentes, unguiculo curvo,
ad basin flabello setarum curvatarum armato, articulo 5to
et 6to aeque longo et angusto, paris 2di et ceteri similes
atque in L. spinicorni , vix debiliores, femur paris 5ti,
6ti y 7mi margine posteriore serrato , appendices pedum
spuriorum posteriorum paulo longiores et tenuiores. ' Tel-
son elongato-triangulum, supra truncatum, anguste fissum.
Mas. Antennae superiores breviores quam in femina,
fere usque ad segmentum 4tum pertinentes, pedunculo (ra-
Beiträge zur Keuntniss der istrischen Amphipodenfauna. 397
tione antennae habita) longiore, longiore quam capite, ar-
ticulo Imo snbtns in splnam longam cxciUTente, 2do band
miilto breviore quam illo, articuiis flageUi princlpah's 11
ad 16, secundarü (Y2 fere eius aequantfs) 5; antennae in-
feriores longitudinem corporis attingentcs vel cxcedentes,
articulo Imo et 2do brevissimis, 3io eos iunctos adaequante,
4to elongato fusiform^i, illls longiore, supra serie fascicu-
lorum setularum ornato, articuiis flagelli longissimi calceola
ferentis plus 52. Pedes paris Imi breviores quam in fe-
mina, crassiores, articulo extremo longiore quam proximo,
conico, ungue forti recto. Telson brevius, semiellipticum,
integrum.
Länge der Weibchen bis 10 Mill. bei fast 4 Mill.
Höhe, der Männchen 7 Mill. bei über 2 Mill. Höhe.
Diese Art wurde in ziemlich zahlreichen Exempla-
ren, unter denen sich jedoch nur wenige Männchen be-
fanden, von Dr. Lorenz und mir bei Triest, Martinsica
und Lussin piccolo gesammelt ; die in der zweiten Hälfte
des August gefundenen Weibchen trugen grossentheils
schon weit entwickelte Eier, die Augen waren im Leben
dunkelbraun, weiss punktirt.
Bisher ist von dieser Art nur das Männchen aus-
führlicher beschrieben und abgebildet worden, Lucas
scheint das Weibchen gar nicht gekannt zu haben, S p.
Bäte und Westwood, welche durch Verglcichung von
Originalexemplaren von Lucas mit ihren englischen die
Identität beider festgestellt haben, fügen nur am Schluss
ihrer Beschreibung hinzu, dass sie einige bei Dublin ge-
fangene Thiere dieser Species, deren untere Antennen
kürzer als der Körper seien, für Weibchen hielten, ma-
chen auch darauf aufmerksam, dass die unteren Antennen
der letzteren die mikroskopisch kleinen von Stimpson
als Calceola bezeichneten Organe fehlten , die bei den
Männchen vorkämen. Dies muss ich bestätigen, doch finde
ich nicht, dass sie, wie Spence Bäte angiebt, sich an
jedem Glicde derselben zeigen, vielmehr erscheinen sie
nur an jedem zw^eiten, und über die Mitte der Antenne
hinaus vermisse ich sie gänzlich. Jenes Organ, das als
„a small membranous vesicle in forme like an inverted
398 Grube:
shoe^ beschrieben wird, hatte die Form eines ganz nie-
drigen sehr schräg abgestutzten Cylinderchens und stand
unmittelbar hinter den zwei Borsten des Oberrandes, welche
die Ecke des Gliedes besetzen. An der entsprechenden
Stelle des ünterrandes fehlen den Männchen die Borsten
oder sie sind äusserst winzig und einzeln nur hier und
da zu sehen, während bei den Weibchen hier gerade zwei
längere auftreten. Die Unterschiede beider Geschlechter
erstrecken sich aber weiter als bloss auf die Gegenwart
der Calceola und die Länge der unteren Antennen, und
sind bedeutender als bei vielen anderen Gammaroiden.
Doch suchte ich bei den Weibchen vergeblich nach dem
Organ, welches sie sonst allgemein kennzeichnet, näm-
lich nach dem neben der Kieme am Basalstück des Bei-
nes sitzenden borstenrandigen, zum Umfassen und Halten
der Eier dienenden Blatte.
Was die sonstigen Unterschiede betrifft, so finde ich
folgende: Bei den Männchen ist der Stiel der oberen
Antennen länger als bei den Weibchen, länger als der
Kopf, auch länger im Verhältnisse zur Geissei, sein Ba-
salglied stärker und am Ende mit einem langen Stachel
bewaffnet, dessen auch Lucas, nicht aber Spence
Bäte erwähnt, beim Weibchen zeigt sich nur eine An-
deutung davon, das 2te Glied ist kürzer als jenes aber
nicht so kurz als beim Weibchen, wo ich einen kleinen
Stachel wahrnehme, das 3te ganz kurz, aber doch deut-
licher als beim Weibchen, das 4te Glied dagegen bei letzte-
rem länger und mehr konisch. Die Geissei der Männchen
ist kürzer und zeigt mir nur 15 bis 17 Glieder (Sp. Bäte
fand nur 6 bis 7), beim Weibchen länger und mit 27 bis 32
Gliedern. Die beiden Basalglieder der unteren Antennen
sind in beiden Geschlechtern gleich kurz, das 3te beim
Weibchen gestreckt und ein wenig länger als das 4te, beide
drehrund, beim Männchen das 3te stärker und entschie-
den viel kürzer als das 4te, im Gelenk scharf herabge-
bogen, so dass die Geissei ganz zwischen den Beinen
versteckt ist, und an der Oberseite mit einer langen
Reihe von schmalen Borstenbündelchen besetzt. Bei den
Weibchen ist dieselbe nur kurz, wofür aber an der Un-
Beiträge zur Kenntniss der istrisclien Amphipodenfauna. 399
terseite des 3ten und 4ten Gliedes einige Biindelchen
sehr langer Borsten vorkommen. Keines meiner Männ-
chen zeigt Geissein von mehr als Körperlänge^ wie sie
Spence Bäte und Westwood abbilden, nicht ein-
mal so lange als bei Lucas, dessen Exemplare aber auch
eine viel ansehnlichere Grösse besitzen. Bei Männchen,
deren Geissein etwa nur der halben Körperlänge gleich
kamen, vermisste ich die Calceola. Der Scheitelabstand
der Augen, deren Gestalt und Grösse mit L. spinicornis
übereinstimmt, schien mir bei den Männchen noch gerin-
ger als bei den Weibchen : sie stiessen oben fast zu-
sammen.
Am Isten Fusspaar der Weibchen sind die beiden
letzten Glieder sehr gestrekt und fast gleich lang, die
Klaue gekrümmt, oberhalb am Grunde mit einem Büschel
langer gerader Borsten, unterhalb mit einem Fächer kür-
zerer etw^as stärker gekrümmten versehen, bei den Männ-
chen ist dieses Fusspaar kürzer , kräftiger, das letzte
Glied etwas länger als das vorletzte, konisch verjüngt
und seine Klaue dicker und sehr w^enig gekrümmt, fast
gerade. Die übrigen Beine, so w^eit ich sie an den nicht
sehr gut erhaltenen Männchen vergleichen konnte, schie-
nen mir nicht stärker als beim W eibchen.
Das Telson, dessen Form als charakteristisch für die
Species gilt, war hier bei Männchen und Weibchen ver-
schieden gestaltet, bei beiden zwar länglich, oben etwas
verschmälert mit geraden Seitenrändern, aber bei jenen
ganzrandig und abgerundet bei diesen hingegen länger
und scharf und tief eingeschnitten, daher zweispitzig, jede
Spitze mit einem Stachelchen besetzt.
Die Mundtheile von Lysianassa longicorniSy spinicor-
nis und ciliata zeigen einige Verschiedenheiten, weniger
in Betreff der Mandibeln und der Maxillen des 2ten Paa-
res als der Maxillen des Iten Paares und der Kieferfüsse.
L. longicornis und apinicornis stimmen hierin mit einander
mehr als mit L. ciliata übercin. Bei jenen ist die Haupt-
lade der Maxillen des Iten Paares bedeutend länger, im
Verhältniss weniger breit und ihr Endrand mit einer Reihe
leicht gekrümmter kräftiger Stacheln bewaffnet, die Palpe,
400 G r u be :
die über die Stacheln nur wenig hinausragt^ hat einen
kurzgezähnelten Endrand. Ebenso sind die beiden äus-
seren Lappen der Sternallippe und ihre Palpen länger,
das Iste Glied der letzteren das kürzeste, das 2te das
längste. Bei L. ciliata dagegen erscheinen Maxillen und
Kieferfüsse viel kürzer, beinahe nur halb so lang als
dort, von den beiden Laden der Isten Maxille ist die
Hauptlade (die äussere oder obere) verhältnissmässig brei-
ter, als bei den anderen Arten, der Endrand mit kürze-
ren schwächeren Stacheln besetzt, die Palpe ähnlich be-
waffnet, die innere oder untere kleine Lade schmal und
mit drei gefiederten Borsten versehen, die Palpen der
Sternallippe kräftiger, untersetzt, mit längerer Klaue. Die
beiden inneren Lappen dieser Lippe sind bei L. ciliata
schmal und spitz dreieckig, bei L. longicornis breit ab-
gestutzt und wie bei ciliata viel kürzer als die äusseren,
bei L. spinicornis etwas spateiförmig gerundet und nur
wenig kürzer als die äusseren. Bei L. spinicornis zähle
ich sechs sehr deutlich kerbzähnige Stacheln am End-
rande der Isten Maxille, und der Innenrand war unbe-
haart, bei L. longicornis zähle ich fünf Stacheln, deut-
liche Kerbzähne kann ich an ihnen nicht bemerken, und
derLmenrand ist der Länge nach mit Borsten bewimpert,
zwischen denen drei einzelne gezähnte Stachelchen auf-
treten. Die Maxillenladen des 2ten Paares sehen bei L. lon-
gicornis und spinicornis ziemlich lanzettförmig aus mit fast
abgestutztem Aussenrande, bei L. citiata denselben Theilen
des Iten Paares ähnlicher mit breitem kaum gekrümmten
Endrand, und ihre Borsten sind nicht einfach, sondern
dicht gefiedert. Die Mandibeln aller drei Arten zeigen
neben der Lade einen kurzen stumpfen Fortsatz und selbst
bei L. ciliata lange Palpen, deren Basalglied das kürzeste
und deren 2tes das längste ist, bei L. spinicornis erscheint
letzteres noch schlanker als bei den anderen. Am leich-
testen scheinen die Borsten am Rande der Lippenblätter
verloren zu gehen, dann aber deutet auf ihre frühere
Anwesenheit eine strahlige gegen den Rand hin laufende
Streifung des Blattes, welche von der weichen Innensub-
stanz desselben ausgeht, und es sind'*zarte Stränge, die
Beiträge zur Kenntniss der istrischeu Arnphipodenfauna. 401
dieselbe zur Basis der Borsten absendet, eine kreisrunde
Stelle am Rande selbst bezeichnet die frühere Insertion
der Borste.
Endlich muss ich noch einmal auf die beiden an dem
Basalstücke des 2ten und der vier folgenden Beinpaare
sitzenden Organe zurückkommen, weil sich auch in die-
sen ein Unterschied der drei Arten von Lysianassa aus-
spricht und das eine derselben überdies bei L. longicor-
nis eine eigenthümliche Bildung zeigt. Ich habe sogar
oben bemerkt, dass das borstenrandige nach hinten von
der Kieme entspringende Blatt, das bei den Weibchen
aller Amphipoden zum Unterstützen und Bedecken der
unter dem Bauche befindlichen Eier dient, bei L. longi-
Gornis durchaus zu fehlen scheint, wenigstens habe ich
es an keinem meiner Exemplare nachweisen können, viel-
leicht ist die kleine mitunter auch längere Anschwellung,
die man zuweilen an der Basis der Kieme wahrnimmt,
eine Andeutung derselben, doch erscheint sie weder blatt-
artig zusammengedrückt noch am Rande mit Borsten be-
setzt. Bei L. sjnnicornis und ciliata ist dasselbe vorhan-
den (Taf. IX. Fig. 6 u. 7) , griffelartig schmal, und trägt
nur am Ende (7 bis 8) Borsten; bei ciliata stehen sie nur
am äussersten Ende, bilden vollkommen einen Fächer und
zeichnen sich durch grössere Elasticität aus, bei spinicor-
nis sind sie etwas auseinander gerückt, ziehen sich noch
ein wenig an dem einen Seitenrande herab und sind bieg-
samer und weniger elastisch. Was aber die Kieme be-
trifft, so zeigt sie bei diesen letztgenannten Arten wie
gewöhnlich die Form eines Säckchens, doch nicht eines
ovalen, sondern am Ende abgestutzten, ^^g^^'^ die Basis
hin verschmälerten, an Länge dem borstenrandigen An-
hang fast gleichkommt, während sie bei L. longicornis in
ganz abweichender Weise pyramidal gestaltet und rechts
und links mit dicht auf einander folgenden gegen die
Spitze an Grösse abnehmenden Blättern besetzt ist (Taf. IX.
Fig. 8). Die äusserste Spitze der Pyramide selbst ist
nackt und etwas sackartig angeschwollen, wie denn auch
die ganze Kieme zuweilen aufgebläht erscheint.
Archiv f. Naturg. XXXU. Jahrg. 1. P.d. 26
402 Grube:
P r 0 l 0 ni cd ei a Kr.
Frotomedeia Kroyer TIdsskr. IV. p. 154.
Leptocheirus Zcadd. Synops. Crustac. Priisslc. p. 8.
Ftüocheirics Stimps. Mar. Invertebr. of Grand Ma-
nan p. 55.
Dorsum latius rotundatum; epimera satls magna.
Anteiiuae super iores inferioribus longiores/ pedimcuio
elongato^ flagello diiplici, secimdario brevissimo, inferio-
res peduncuio longissimo, ex articiilis 4 composito, fla-
gello Vs ei^s aequante vel minore. Pedes maxiUares exun-
giies. Pedes paris Imi et 2cli proximis paiilo latiores, illi
subchelati; hi ungue recto, minuto^ plerumque setls lon-
gissimis ornati, articulJs inferioribus minus mobiiibus, p.
3ii et 4ti ungue longo paene recto, ceteri breviore. Pedes
spurii paris j)ostremi furcati. Telson supra excavatum.
Pr. hirsiilimana Sp. Bäte ? Taf. X. Fig. 2.
Protomedeia hirsutimana S]^.^Site and Westw. 1. c. I.
p.298. Fig.
Femina. Albicans , capite supra fusco, segmentis
(2do et posterioribus 4 exceptis) fascia transversa fusca in
epimera vel femora quoque descendente ornatis. Antennae
superiores dimidio corpore breviores^ articulis 15, pedun-
cuio paulo longiore quam flagello, articulo Imo breviore
quam 2do^ longiore quam 3io, flagello secundario articu-
lis 3 ; antennae inferiores ^/^ superiorum fere aequantes,
articulis 8, l^o brevissimo subtus in spinam excunte, 2do
et 3io longitudine crescentibus, 4to fere V^ breviore et
tenuiore quam oio. Frons inermis, oculi suborbiculares.
Pedes paris Imi et 2di maxime setosi, setis utrinque bre-
viter ciliatis, Imi subchelati, femore aeque lato, antice
setoso, ceteris articulis postice setosis, manu latius ovali,
breviore quam carpo, longiore quam a. 3io vel 4to^ bis
setas multo longiores, carpo manuque breviores gerenti-
bus; p. 2cli illis et proximis 2 longiores, femore basin ver-
sus sensim dilatato, margine postico truncato, antico cur-
vato, limbato, setis longissimis longitudinem reliqui pedis
aequantibus, seriem densissimam componentibus, articulo
Beiträge znrKenntniss der istrischen Arnphipodenfauna. 403
proximo ccteris breviore, eseti, 4to^ 5to^ 6to aeque longls,
illis parte intcriore, liis per totam longitudinem setis
praelpngis antrorsum versis, 5to et Gto margine postico quo-
quc brevibiis oriiato^ ungiie brcvi styliformi, pedes paris
3ii et 4ti luiguibiis longioribiis quam ccteri armati, articulo
4to alterum tantiim longiore quam lato, ad apicem minus
dilatato, ceteri longitudinc crescentcs, ut ilh', spinis setis-
que parcis brcvibus; ad unguis basin setis longls pluribus
muniti. Pedes natatorii longitudinc paris 3ii 4ti. Pedes
spurii histyli, per se longitudinc valde decrescentcS; si
posteriora versus directi aeque prominentes ; Telson la-
mina firmior, supra et antice excavata.
Länge im Bogen gemessen l,b Mill., bei einem an-
deren Exemplare 5 MilL, bei 1,5 Mill. mittlerer Höbe.
Bei Abbazia ohnweit Fiume von Dr. Lorenz, bei
Lussin piccolo von mir gefunden.
Nachdem ich die Notiz von Fr. Müller über Lepto-
clieirus pilosics aufgefunden ^), der walirscbeinlicli meK-
rere Exemplare untersucht hat, bin ich sehr zweifelhaft
geworden, ob die vorliegende Art aus der Adria, wie ich
früher geglaubt (Lussin und seine Meeresfauna p. 72), zu
jener Species gerechnet werden kann. Doch, stimmt auch
mit Protomedeia hirsutimana nicht alles überein, so dass,
da die Beschreibung der anderen Arten nichts hervor-
hebt, was auf eine Identität mit dieser schliessen lässt,
dieselbe vielleicht eine noch unbekannte ist. Ich führe
sie daher nur fraglich als Pr. hirsutimana auf.
Z ad dach zählt in der Geissei der oberen Anten-
nen vonL. pilosus \2j in der Geissei der unteren 7 Glie-
der, ich finde bei unserer Art 13 und 4, Spence Bäte
bildet 15 und 9 ab. Bei Spence Bäte ist das 4te Glied
der unteren Antennen kürzer als die Geissei, ich finde
es ebenso lang als diese. Das Iste ganz kurze, unten in
eine Spitze auslaufende Stielglied scheint Z a d d a c h
übersehen zu haben. Bei dem von mir zuerst untersuch
ten Exemplar fehlte den oberen Antennen die Nebengeis-
1) Zaddach Synopseos Crustac. Prussic. Prodr. p. 8. Fr.
Müller im Arch. f. Naturg. XIV, 1. p. 62.
404 Grube:
sei: dasselbe ist Zaddach begegnet und hat ihn veran-
lasst^ nur an eine Unterscheidung seiner neuen Gattung
Leptocheirus von AmphithÖe zu denken. An einem zwei-
ten Exemplare fand ich die Nebengeissel und zwar eine
3-gliederige ; Fr. Müller giebt bei L. pilosus nur eine
1 -gliederige an und fügt hinzu, dass sie höchstens ^/^ so
lang als das Iste Glied der Hauptgeissel und an der
Spitze mit mehreren Borsten besetzt sei.
Die Mandibelpalpen finde ich, wie sie Zaddach
beschreibt, 3-gliederig mit ziemlich gleich langen Glie-
dern und borstentragendem Endglied, und die Lade selbst
seitlich gesehen vierseitig, man kann daran eine stärkere
in einen quergerieften Hübel vorspringende und eine dem
Palpus nähere minder starke breite lappenartige unter-
scheiden, letztere trägt eine Reihe langer Kammzähne
oder Stacheln (acht), deren äusserster länger und breiter
als die andern. Mandibeln und Oberlippe sind violet
bräunlich gefärbt. An dem schmalen inneren Lappen des
Isten Maxillenpaars erwähnt Zaddach eines gekrümm-
ten spitzen Zahnes, den ich nicht gefunden habe; den
Endrand des breiteren und längeren äusseren Lappen be-
sitzt eine Reihe Borsten, ebenso den Endrand der Palpe,
die ebenso schmal als der innere Lappen ist, aber noch
weiter als der äussere vorragt. Die Palpe des 2ten Maxil-
lenpaars ist breiter als diese, gegen das Ende verschmälert
und hier mit Borsten besetzt, der Lappen etwas lanzett-
förmig, am langen Rande mit einigen Borsten. Auch
die Lappen der Sternallippe sind ziemlich schmal, die
Palpe derselben trägt statt der Klaue ein kleines griffei-
förmiges Endglied mit einigen Endborsten, so dass man
sie 4-gliederig nennen kann, das vorletzte ist besonders
reich damit versehen.
Zadda ch's Beschreibung des so charakteristischen
Isten und 2ten Fusspaars stimmt mit der meinigen fast
durchaus überein, wenn man Zaddach's Istes Glied
meinem 2ten (dem Schenkel), sein 2tes meinem 3ten u. s. f.
gleich setzt. Ich füge nur noch hinzu, dass die Hand
des Iten Fusspaars etwa Vs so lang als das vorherge-
hende Glied, der Carpus, ist, einen sehr sanft gekrümmten
Ueiträge zur Kcniitiiiss der istrischen AmphipodeBfaiina. 405
Vorder- und Hinterrand hat, an jenem drei, durch weitere
Zwischenräume getrennte, an diesem fünf Querreihen von
Borsten trägt, und sich nach unten Langsam verbreitert. Der
Unterrand, gegen den sich die KLiue einschlägt, ist fast ab-
gestutzt. Aehnliche Querreihen von Borsten ziehen sich
nach dem Hinterrande des Carpus hin, während die Bor-
sten am Hinterrand der zwei vorhergehenden kurzen Glie-
der mehr eine einfache Längsreihe biklen, und hier am
Schenkel fehlen. Der Unterrand des ersten , auf den
Schenkel folgenden kurzen (oder 3ten) Gliedes ist mit
einer Reihe sanft gekrümmter sehr langer, jedoch die
Hand nicht erreichender Borsten besetzt, die hinter und
parallel dem Vorderrande des Schenkels laufende Reihe
besteht aus etwas küi^zeren. Am 2ten Fusspaar sind das
auffallendste die ungemein langen gekrümmten Borsten,
die in herabsteigender Reihe wie ein Kamm nahe hinter
dem Vorderrande entspringen und noch das Ende des
Fusses überragen, etwas kürzere aber stärkere sieht man
an der unteren Hälfte des Vorderrandes vom 4ten, vorn
an der Basis des 5ten und am ganzen Vorderrande des
6ten Gliedes: alle diese langen Borsten sind gefiedert.
Am Vorderrande des 5ten Gliedes stehen nur ganz kurze
einzelne Borsten, am Hinterrande des 5ten und 6ten Glie-
des zarte Bündelchen von ebenfalls kurzen, geraden Bor-
sten. Der Hinterrand des Schenkels und des 4ten Gliedes
und das ganze 3te Glied ist borstenlos. Das 6te Glied
ist beinahe ebenso lang als das 5te, bei Pr. hirsutimana ^),
welche unserer Art sehr nahe steht, merklich kürzer
als dieses, besitzt nicht die gestreckte Form desselben
und das 4te, das bei unserer Art .über die Basalgrenze
der Einlenkung des 5ten mit einem schmalen Zipfel weit
vortritt und eben an dessen Rande so lange Borsten trägt,
muss bei Pr, liirsictimana anders aussehen. Bei Pr. hir-
sutimana ist ferner die Klaue des 2ten Fusses spitzig, bei
unserer Art, von der ich freilich nur Weibchen gesehen
habe, wird sie durch ein ganz winziges, stumpfes mit
1) Protomedeia hirsutimana Spence Bäte, Hist. of the British
Sessil-eyed Crust. p. 298.
406 Grube:
einigen ebenso langen Borsten versehenes GrifFelchen er-
setzt, Z ad dach bezeichnet diesen Theil als einen „un-
guis rectus debilisque.^ Die ansehnlichen, einem quer
durchschnittenen Oval ähnlichen und fast gleich grossen
Epimeren beider Fusspaare finde ich am Unterrande
weitläufig mit Haaren besetzt, die ich in den Figuren und
der Beschreibung von Spence Bäte vermisse und de-
ren auch Zaddach nicht gedenkt, und ihre Höhe etwas
geringer als die Höhe des Leibes, was auch von den zwei
folgenden gilt, die jedoch minder breit sind. Bei Pr.
pingids Stimps. soll die Iste Epimere sehr klein und ziem-
lich dreieckig sein. Das 3te und 4te Beinpaar ist etwa
um Y4 kürzer als das 2iQ, und zeichnet sich durch sehr
lange, fast gerade, dünne, spitze Klauen aus, die nur Vs
kürzer als das vorhergehende Glied sind. Dieses ist
merklich schlanker als die übrigen, und an Länge dem 4ten
nach dem Ende wenig verbreiterten gleich, an dessen vor-
derer unterer Ecke ein paar Borsten stehen; am Hinter-
rande des 5ten sehe ich drei Haare in weiten Abständen,
an den andern Gliedern fehlen sie- Dies alles stimmt
besser mit Pr. hirsiotimana als mit Leptocheirus pilosus
überein, bei dem das ote Glied (mein 4tcs) durch starke
untere Verbreiterung beinahe herzförmig aussehen und das
folgende sehr kurz und viel schmäler als jenes sein soll.
Während das 5te Beinpaar die Länge des 4ten hat,
wächst dieselbe am 6ten und Tten bedeutend, so dass
letzteres noch das 2te übertrifi't, alle drei tragen an Vor-
der- und Hinterrand weitläufig stehende Bündelchen von
Stachelborsten und eine kurze sanft gekrümmte von
den Endborsten des vorhergehenden Gliedes überragte
Klaue. Am 5ten und 6ten Bein ist das 4te und 6te Glied
ziemlich gleich lang, letzteres jedoch nicht so viel schlan-
ker als die vorhergehenden, am Tten das 6te Glied fast
2mal so lang als das 4te. Die plattenartig verbreiterten
Schenkel der drei letzten Beinpanre sind am Hinterrand
weitläufig mit Borsten besetzt, aber nicht, wie Sp. Bäte
wenigstens am 5ten von Pr. hirsutimana darstellt, gekerbt,
auch nicht der Hinterrand am Ende eingezogen, der
Schenkel des Tten Paares ist unten am Vorderrande mit
Beiträge zur Kenntniss der istrisclien Amphipodenfauna. 407
mehreren Borstenbündeln versehen. Von den betreffen-
den Epimeren reicht die erste mit einem Vorderlappen
beinahe bis zum Ende des Schenkels, die übrigen sind
durchweg nur Vs so hoch als diese Theile an den vor-
deren vier Beinpaaren. Die an der Innenseite des Ba-
salstückes der Beine sitzenden zum Halten der Eier be-
stimmten Blättchen sind im Verhältnlss zu ihrer Länge
ausserordentlich schmal, schwach gekrümmt, säbelförmig
und ringsum spärlich mit einzelnen sehr langen Borsten
besetzt. Bei dem von mir untersuchten Exemplar konnte
ich diesen Anhang am 6ten Beinpaare, wo er sonst noch
vorzukommen pflegt, nicht bemerken, fand dagegen an
diesem ein ovales Kiemensäckchen, das ich an den vorher-
gehenden vermisste. Es war über halb so lang als der
Schenkel.
Die Schwimmfüsse reichen etwa bis zum Anfange
des 6ten Gliedes vom letzten Beinpaar und sind etwas
länger als das Iste Paar der Springfüsse, wenn es ihnen
parallel herabhängt. Letztere nehmen an Länge bedeu-
tend ab, alle tragen zwei griffeiförmige Anhänge. Auf
dem Rücken des Uten und 12ten Segments vor dem Hin-
terrande sieht man ein paar Borsten.
Das Telson ist niedrig und stellt ein dickes ober-
halb tief ausgehöhltes und jederseits am Oberrande aus-
geschnittenes Blatt dar, das an der Ecke vor diesem Aus-
schnitt eine schwache Borste trägt.
Die Länge der vordersten drei Segmente im Ver-
hältnisse zu einander und zum Kopfe bietet den Abbil-
dungen und der Beschreibung nach bei unserer Art, bei
Pr. hirsutimana und Fr. j^iiiguis ^) yerschiedenheitcn dar.
Bei Pr. ?nrs2ctimana ist das Ite Segment fast halb so lang
als das 2te dargestellt, also sehr kurz, und seine Epimcre
spitz eckig (zum Theil von einem hinteren Fortsatz des
Kopfes bedeckt) , bei Pr. pinguis und unserer Art im
weiblichen Geschlecht ebenso lang als das 2te und als
das 3te und etwas kürzer als der Kopf, wogegen beim
1) Leptorheirns pinouis Stimps. Synopsis of the marine Tnverte-
brata of grand Manan.
408 Grube
Männchen von Fr. fingnis das Iste Segment ebenso lang
als der Kopf oder als das 2te und ote Segment zusam-
mengenommen^ und beim Weibchen halb so lang als der
Kopf sein soll. Die Yerhältaisse der ßeinglieder und die
Anordnung der Borsten an ihnen hat Stimpson nicht
angegeben, die Färbung des Körpers dieser Art soll bis
auf die Schenkel herab dunkelgraulich, das Auge nieren-
förmig sein.
%_ lieber Fr. fasoiata Kr. ^) ist mir keine nähere Angabe
bekannt, als dass sie etwa zehn schwärzliche Querbinden,,
ziemlich kurze Epimeren, eine vielgliedrige Nebengeissel
und Rumpfsegmente haben soll, die breiter als hoch sind.
Die Länge dieser grönländischen Art beträgt 4 Linien.
Pr. guttata Gr. Taf. X. Fig. 3.
Fr. guttata Gr. Sitzungsb. der Schles. Gesellsch. am
1. April 1863. s. Jahresbericht.
Femina. Fulva, capite et segmentis (Imo et poste-
rioribus 4 exceptis) serie transversa guttarum rubricarum,
in epimera vel in femora quoque descendente ornatis,
segmento llmo supra dentibus minutis posterioribus 3 ar-
mato, dente impari paulo breviore, anteposito. Antennae
superiores Vs fei'e corporis aequantes, articulis 10, pedun-
culo paulo breviore quam flagello articulo Imo et 2do aeque
longis; antennae inferiores illis haud ita multo breviores,
articulis 7, Imo brevissimo subtus in spinam exeunte, cum
2clo iuncto 3ium paene aequante. Oculi suborbiculares.
Fedes paris Imi et 2di ut ceteri cum Fr. pilosa congruen-
tes, sed 2cli ungue gracili acuto paene recto proximis vix
minore, armati , articulo 5to et 6to minus quam in Fr.
pilosa elongatis. Telson et cetera huic similia.
Länge 5 Mill.
Bei Val Cassione von Dr. Lorenz gefunden.
Diese Art stimmt mit der ebenbeschriebenen in vie-
len Stücken, namentlich im Längenverhältnisse der vor-
deren Segmente und des Kopfes, der Art und Weise der
Behaarung der beiden vorderen Beinpaare, der kreisrun-
l) Kröyer Naturliist. Tidschr. IV. p. 154.
Beiträge zur Kenntniss der istrischen Amphipodenfauna. 409
den Form der Augen und der Gestalt des Telson^ so wie
in den Verhältnissen der Springbeine überein, allein die
oberen Antennen (bei denen ich die Nebengeissel ver-
misste), sind kürzer sowohl im Vergleich mit den un-
teren als mit dem Körper, die beiden letzten Glie-
der des 2ten Beinpaars minder gestreckt, seine Klaue
eben so schlank und spitz, wenn auch weniger lang als
am 3ten, das 3te Glied des 3ten und 4ten Beinpaars kür-
zer und breiter, dem quadratischen sich nähernd, das 5te
dagegen etwas länger, die Epimeren zwar auch rand-
haarig, aber die Schenkel der vier vorderen Beinpaare
weniger weit von ihnen bedeckt, das 5te Beinpaar etwas
kürzer, auch das 7te nicht so sehr verlängert als bei Pr.
'pilosa. Sehr charakteristisch endlich sind die drei Rücken-
zähnchen an der hinteren Partie des Uten Segments, de-
ren mittlerer vor den seitlichen steht und die Färbung
und Zeichnung des Thieres, deren lebhaft röthlichbraune
runde Tropfenflecken auch jetzt noch nach mehr als vier-
jähriger Aufbewahrung in Weingeist nicht verwischt er-
scheinen. Das einzige Exemplar war ein Weibchen.
Kroyer vermuthet, dass am 3ten und 4ten Bein-
paar der Protomedeien das 6te Glied des 3ten und 4ten
Beinpaars mit seiner Klaue gewissermassen nur ein Glied
bilde, das sich gegen die beiden vorhergehenden Glieder
wie eine Greifklaue einschlagen könne. Dies kann ich
für die beiden hier beschriebenen Arten nicht bestätigen,
ich finde vielmehr, dass die Klaue mit dem anstossenden
Gliede einen stumpfen oder rechten Winkel bildet.
C r atig ony x Sp. Bäte.
Crangonyx Sp. Bäte Proceed. DubL Univ. Zool. and
Bot. Assoc. 1859 (v. Sp. Batc and Westwood Op. cit. I.
p. 327.
Corpus Gammaro simile, pectinibus spinularum dor-
sualium nullis. Antennae superiores inferioribus longiores^
flagello duplici munitae. Pedes jparis Imi (vel 2di quoque)
subchelati, p. spurii paris postremi appendice una tantum
instructi, antecedentibus haud longius prominentes. Tel-
son simplex.
410 Grube:
Diese Gattung hat SpenceBate nach einem Exem-
plar einer Art aufgestellt, das er aus einer Pumpe in
Ringwood erbalten hatte. Ihr lässt sich ein zweiter Am-
phipode des süssen Wassers anschliessen, der mit jener
zwar grosse Aehnlichkeit zeigt, aber doch einer anderen
Art anzugehören scheint.
Cr. recurvus Gr. Taf. X. Fig. 1.
Gammanis recurvus Grube Ausflug nach Triest und
dem Quarnero p. 137.
Crangonyx recurvus Grube Arch. für Naturgesch.
1863. XXX. Bd. I. p. 200.
Femina. Corpus tenerum, minus elongatum, dorso
recto vel leniter recurvo, segmento 8vo^ 9no^ lOmo antece-
dentibus haud longiore. Äntennae superwres dimidio
corporis paulo longiores, articuiis 17 ad 18, pedunculo
dupla fere capitis longitudine, multo breviore quam fla-
gello principali, articuiis longitudine et crassitudine sen-
sim decrescentibus, flagello secundario fragilissimo, bre-
vissimo articuiis 2, aniennae inferiores dimidium superio-
rum excedentes, articuiis 9 vel lU, V^^ (subtus in dentem
exeunte) et 2^0 brevissimis, 3io et 4to multo longioribus
aeque longis, 4to pedunQulum superiorura excedente. Oculi
parvi, diametro basis antennarum, ovales vel subrenifor-
mes. Fedes paris Imi et 2di subchelati, simillimi, proxi-
mis breviores, manu alterum tantum latiore quam tarso
horum, longiore. quam lata, subquadrangula, antice paene
recte truncata, postice rotundata ut carpo setosa, ungue
leniter curvato, carpo ea vix breviore, p^i manu carpoque
paulo longioribus. Pedes ceteri graciles, setis singulis te-
neris muniti, ungue brcvi. Epimera anteriora segmentis
paulo altiora, femora posteriorum 3 subovalia, margine
postico crenulato. Pedes spurii paris postremi brevissimi,
proximis minus prominentes, appendice breviore quam
articulo basali, (crassa) longitudinem telsonis haud ita su-
perante, spinula 1 tantum vel 2 extremis armata. Telsoii
longiusculum, complanatum, usque ad medium incisum,
bicuspis. Laminae ovorum fotoriae magnae, latissimae.
Beiträge zur Kenntniss der istrischen Amphipodenfaima. 411
epiraera excedentes^ margine longe setosae, paris postremi
minimae, branclilas longitudine vix superantes.
Länge 3 MiU.
Im Grana-See auf der Insel Cherso von mir ge-
funden.
Die wenigen von dort mitgebrachten Exemplare
dieses zarten Amphipoden waren sämmtllch Weibchen,
welche Eier trugen. Die hinteren drei Beinpaare hatten
leider ihre beiden Endglieder verloren, die Nebengeissel
der oberen Antennen war bei zweien abgebrochen. Da
von der einzigen sonst bekannten Art, Crangonyx sub-
terraneus Sp. Bäte ^), nur, ein männliches Exemplar be-
kannt ist, so führt die V^ergleichung mit dessen Beschrei-
bung und Abbildung zu keiner sicheren Feststellung mei-
ner Art. Sehr auffallend ist die Abweichung im Bau des
letzten Afterfusspaares, dessen Anhang bei Cr. suhterra-
neus merklich länger als das Basalglied ist und über das
Telson hinaus ragt, bei meiner Art dagegen ungemein
kurz ist, bei jenem wird das Telson einfach und ganz-
randlg genannt, bei Cr. recurvus finde ich es scharf ein-
gekerbt, daher zweispitzig. Dort sollen die oberen Anten-
nen etwa Y^ der Körperlänge betragen, hier reichen sie
über die Hälfte der Länge hinaus. Von den Augen heisst
es dort, dass sie unvollkommen ausgebildet und nur an
einigen kleinen citronengelben Flecken erkennbar waren;
bei unserem Crangonyx erscheinen sie zwar auch nicht sehr
scharf umschrieben und das Pigment locker vertheilt, an
manchen Stellen fehlend, so dass die einzelnen Aeugelchen
nicht durchweg gut erkennbar sind, aber es ist ganz
schwarz : die Zahl der Aeugelcben beträgt bei einem
Exemplar 15 ; das Auge ist nur massig gross und liegt
halb hinter den oberen und halb hinter den unteren An-
tennen. In Spence ßate's Abbildung, in welcher der
Körper etwas eingekrümmt ist, erreicht das Ende des hin-
tersten Paars der Schwimmfüsse, lange nicht die Anhänge
des nächsten nach hinten gestreckten Paars der After-
füsse, wie es bei unserer Art der Fall ist, deren Exem-
1) Spence Bäte and Westwood 1. c. I. p.327.
412 Grube:
plare mit einer Ausnahme rückwärts emporgebogen oder
doch geradrückig waren. Die stärker vergrösscrten Ab-
bildungen des Isten und 2ten ßeinpaars von Cr. recurvus
stimmen mit meinen Exemplaren ziemlich überein^ woge-
gen die Hauptfigur leicht irre führt, da in dieser die
Afterschere des 2ten Beinpaars wenig breiter als das End-
glied der folgenden Fusspaare erscheint. Der Unter-
schied in der Länge dieser ßeinpaare von dem 3ten und
4ten ist minder bedeutend als bei unserer Art. Am öten
bis 7ten Beinpaar tragen die Schenkel hinten eine Reihe
längerer Randborsten, ich sehe bei Cr. recurvus nur einen
weitläufig gekerbten Hinterrand mit äusserst kurzen Borst-
chen. Die Gestalt des Kieferfusspaars von Cr. suhterra-
neus ist uns wohl bekannt geworden, die Figur, die ich
davon bei Cr. recurvus gegeben, zeigt, dass die Glieder
der Palpen an Länge wenig verschieden sind und nichts
besonders charakteristisches haben, die Glieder der Man.
dibelpalpen sind nicht gegen das Ende verbreitert, wie
Spence Bäte bei seiner Art abbildet.
Ausserordentlich gross sind die borstenrandigen An-
hänge der Basalpartie der Beine, welche zum Halten der
Eier dienen: sie haben die Gestalt eines ovalen Blattes,
welches am 3ten Beinpaar wohl die doppelte Länge und
Breite des ebenfalls ovalen Kiemensäckchens hat und
weit über die Epimeren hinausragt.
Gammarns Fabr. s. str. Sp. Bäte.
Gammarus Sp. Bäte and Westw. O. c. I. p. 365-
Antennae superiores filiformes, pedunculo minus in-
crassato, flagello duplici, inferiores iis breviores, rare lon-
giores. Epimera anteriora corpore raro humiliora. Pedes
jparis Imi et 2<ii subchelati, forma et magnitudine subae-
quales, manu carpum magnitudine superante. Pedes spu-
rii paris postremi bifidi, appendicibus ceteras magnitudine
superantibus. Segmentum llmum 12uium 13ium supra pe-
ctine spinularum armata. Telson duplex, longiusculum.
Beiträge zur Kenntniss der istrischen Amphipodenfauna. 413
G. poecilurus Rathke.
Gammarus poecilurus Ratlike Nov. Act. Leopold. XX.
p. 68. tab. IV. fig. 2. , Bruzelius Skandinav. Amphipod.
Gammarina p. 54.
Gammarus Olivii in Grube Ausflug nach Triest und
dem Quarnero p. 125.
Antennae superiores reversae usque ad segmentum
ßtum vel Tmum pertinentes, articulis fere 25, pedunculo
dimidium fcre flagelli aequante, articulo Inio breviore quam
capite, vix longiore quam 2do^ 3io trientem Imi superante,
flagello secundario articulis 4 ad 6, a. inferiores breviores,
usque ad segmentum 4tum pertinentes, paululum crassio-
res magis setosae, articulis 13, Imo (brevissimo, spinam
gerente) et 2^o (paulo longiore) iunctis 3io brevioribus,
4to liimc aequante. Oculi reniformes. Pedes paris Imi
et 2di manu antice oblique truncata latiore et longiore quam
carpo, p.3ii et 4ti vix breviores, pec?es posierVores validiores,
fernere oblongo aeque lato, articulo 4to 5to 6to aeque lon-
gis. Pedes spurii paris postremi ramis maxime differenti-
bus, exteriore lanceolato, segmento 12mo et 13io iunctis
longiore, margine spinulis setisque ciliatis ornato, interiore
minutissimo, angustissimo, fera Ye longitudinis illius, p.
parium antecedentium fere aeque (usque ad basin ramo-
rum Ultimi) prominentes. Telson oblongum attenuatum
longitudine pedunculi pedis postremi.
Länge 8 bis 10 Mill.
Bei Triest, Abbazia, Kosulic und an anderen Loka-
litäten des Quarnero.
R a t li k e's Beschreibung seines^ Gammarus poecilurus
pnsst auf meine Exemplare fast genau, doch nennt er den
grossen Ast des letzten Afterfusspaars bloss haarig (pi-
losus) im Gegensatz zu G. Kroyeri, wo er mit Dornen
besetzt sein soll (spinosus); bei einem wohl erhaltenen
jüngeren Exemplare finde ich seine Ränder eben so wohl
mit einer Reihe von Haaren als Stachelchen besetzt, jene
sind zart gefiedert und stehen in schmalen Bündelchen,
diese zu je drei, sie treten hier viel mehr als jene vor,
werden aber bei älteren Thieren durch mächtigere Haar-
414 Grube:
bündel dem Blick mehr entzogen oder brechen auch wohl
leichter ab. Die Augen, die Rathke gross nennt, sind
jedenfalls im Verhältniss etwas kleiner als bei G. loGusfa, wo
sie tiefer unter die Basis der oberen Antennen herabgehen,
auch vorn tiefer ausgeschnitten und deshalb ausgeprägter
nierenförmig sind. Bruzelius undSpence Bäte hal-
ten G. poecilurus für einerlei mit G. Kroyerij Spence
Bäte auch für einerlei mit G. Olivii Milne Edw., was
Rathke und Bruzelius nicht annehmen, indem jener
auf die Verschiedenheit der Hand, letzterer auf die mehr
lanzettförmigen Augen hinweist. Bei G. Olivii erscheint
die Hand vorn verschmälert, die Klaue schlägt nicht ge-
gen einen Endrand, sondern gegen einen schrägen Un-
terrand ein , die Abbildung der Hand von G. Kroyeri
zeigt ein ähnliches Verhalten und bekommt bei meinen
Thieren ein ähnliches Aussehen, sobald sie nur etwas ge-
neigt liegt und verkürzt erscheint. Da nun G. Olivii
nach Spence Bäte auch identisch mit dem mir unbe-
kannten G. marinus Leach sein soll, so ziehe ich es vor,
den Rathke'schen Namen beizubehalten.
G. gracilis Rathke.
Gomrnarus gracilis Rathke Fauna der Krym p. 84.
Tab. V. Fig. 7—10.
Ante7inae superiores longiores articulis fere 27, fla-
gelli secundarii 5, inferiores crassiores articulis fere 20.
Oculi reniformes. Pedes paris Imi et 2di manu antice
oblique truncata, ungue marginem posteriorem (inferiorem)
haud tangente, p. 2di manu latiore, paulo longiore. Pedes
spurii paris postremi ramis ut in G. poeciluro maxime
differentibus, exteriore lanceolato, longissimo, longitudinem
segmenti ISmi et 13ii superante, utrinque setis longissimis
densis spinisque singulis brevioribus ornato, interiore an-
gustissimo, V4 ^^^^ longitudinis illius aequante, in setas
longas excurrente. Cetera cum G. poeciluro congruunt.
Länge 12 Mill.
Bei Cherso gefunden.
Rathke's Gammarus gracilis steht dem G. poeoi-
Beiträge zur Kenntniss der istrischen Ampliipodenfaima. 415
lurits so nahe, dass er vielleicht doch nur als Varietät
desselben betrachtet werden müsste , wenn die von ihm
beschriebene Handforrn bloss dem Männchen zukäme,
doch hat Rathke sowohl Männchen als Weibchen vor
Augen gehabt, ohne in dieser Beziehung einen Unter-
schied hervorzuheben. Unter meinen Exemplaren, bei de-
nen allen die Handbildung übereinstimmt, befinden sich
keine, welche Eier tragen. Das von Rathke abgebil-
dete 7te Fusspaar hat wohl nur zufälh'g die kleine Klaue
verloren, das Glied, dem sie angefügt ist, finde ich nicht
immer so schlank, seinen Schenkel aber immer am Hin-
terrande mit langen und dichtstehenden Borsten besetzt.
Der lange Ast des hintersten Afterfusspaars sieht fast wie
eine Federfahne aus, so continuirlich laufen die Bündel-
chen der Borsten fort, deren ich jederseits 20 zählte, sie
enthalten 3 bis 5 Borsten und die letzten werden so lang,
dass sie die halbe Länge des Anhangs selbst übertreffen.
Das Postabdomen kommt mir nicht eben länger und
platter als bei anderen Arten vor, Rathke hebt hervor,
dass dem Endsegmente ein paar Stacheln fehlen , ich
kann deren Abwesenheit nicht bestätigen. Zwischen den
Rückenstachelchen der letzten Segmente finde ich auch
bei dieser Art einige Borsten.
G. locusta (L.)
Cancer locusta Linn. Faun. Suec. p. 497. (Bruzel.)
Gamniarus locusta Ysihw Milne Edw. , Bruzelius
Scandin. Crust. Amphipod. p. 52, Spence Bäte and
Westw. 0. c. I. p. 378. Fig.
Antetinae super ior es longiores,-articulis fere 32, fla-
gelli secundarii a. 5 ad 9, inferiores articulis 24. Oculi
magni, reniformes. Pedes spur vi paris postremi ramis
lanceolatis, margine spinis setisque ciliatis ornatis, aeque
longis aut exteriore interiorem V4 superante. Spinulae
dorsuales segmentorum posteriorum 3 longiores. Cetera
cum G. poeciluro congruunt.
Länge bis 18Mili. (2/3 Zoll).
Bei Triest.
Bei dem Männchen finde ich die Hand des Isten
416 Grube:
und 2ten Beinpcaars fast 3mal so lang und breit als beim
Weibchen; auch gewölbter und den Vorderrand entschie-
den schräger laufend und länger, in die Wölbung des
ünterrandes übergehend. Im Uebrigen darf ich hier nur
auf die sehr ausführliche Beschreibung von Bruzelius
verweisen, in der auch gesagt ist, dass neben den Rücken-
stachelchen der drei letzten Segmente Borsten stehen und
dass die Borsten der Anhänge vom letzten Afterfusspaare
gefiedert sind, doch giebt es auch einzelne längere un-
gefiederte. Die Stacheln und Borsten des Aussenrandes
stehen in Bündelchen in grösseren Zw^ischenräumen, am
Innenrande sind die Stachelchen spärlicher und die Bor-
sten bilden mehr eine fortlaufende Reihe.
(Fortsetzung folgt.)
Erkläruug der Abbildungen.
Taf. IX.
Fig. 1. Ein Fuss des 2ten Paares von einem Männclien der Or-
chestia Montagvi Aud., 6mal vergrössert.
» l. a Ein Fuss desselben Paares von einem Weibchen dessel-
ben Thieres.
» 1. b Das plattenartig verbreiterte Endglied mit der Klaue die-
ses Fussus, 60fach vergrössert.
» 2. Ein Fuss des 2ten Paares des Männchens von Allorchestes
Perieri (Luc).
» 3. Allorchestes Helleri Gr. Männchen 8mal vergrössert.
» 3. a Ein Fuss des 2ten Paares desselben Thieres.
» 4. Ein Fuss des 2ten Paares vom Männchen von Allorchesles
stylifer Gr.
» 5. Vordertheil des Körpers von JSicea istrica Gr.
» 6. Kieme und borstentragender Anhang zum Halten der Eier
von Lysianassa spinicornis A. Cost,
» 6. M Eine Mandibel mit ihrer Palpe.
» 6. m Erste Maxille desselben Thieres , man sieht die Palpe
von der Seite, nicht in ihrer ganzen Breite.
» 6. p Kieferfusspaar desselben Thieres.
» 7. Kieme und borstentragender Anhang von Lysianassa ciliata
Gr. in Verbindung mit dem Coxalstück des Beines an dem
sie sitzen und der mit demselben verwachsenen Epimere.
Beiträge zur Kenntniss der istrisclien Amphipodenfauna. 417
Fig. 7. a Obere Antenne desselben Thieres.
» 7. b Ein Fuss des 2ten Paares.
» 7. m Erste Maxille.
» 7. p Kieferfusspaar.
» 8. Gefiederte Kieme (ß) in Verbindung mit dem Coxalstück
des Beines und der Epimere von Lysianassa longicornis
Luc. (Weibchen). /3' einzelne Blättchen der einen Seitenreihe.
» 8. a Vordertheil von dem Weibchen derselben Art. 4mal ver-
grössert.
» 8. b Einige Glieder der unteren Antenne des Männchens mit
den sogenannten Calceola.
>> 8. c Ein Paar Glieder der unteren Antennen des Weibchens.
» 8. M Die Mandibel mit der Palpe von demselben Weibchen.
» 8. m Die erste Maxille desgl.
» 8. p Das Kieferfusspaar dgl. (das eine der Aussenblätter ist
ausgebreitet, das andere mehr in seiner natürlichen Stel-
lung eingekrümmt gezeichnet; .
» 8. T Telson des Männchens von Lysianassa lotigicornis.
» 8. T' Telson des Weibchens.
Taf. X.
Fig. 1. Cranyunyj: lecurtns Gr. Weibchen, 6mal vergrössert.
» 1. a Obere Antenne desselben Thieres.
» l.M Mandibel mit ihrer Palpe, welche der schenkeiförmigen
Oberlippe (1) anliegt.
» 1. p Kieferfuss.
» 1. b Fuss des Isten Paares.
» 1. c Fuss des 2ten Paares.
» 1. z Die letzten drei Segmente mit dem Telson (Tj und ihren
Afterfusspaareii.
T' Das Telson von oben gesehen, stärker vergrössert.
» 2. Vrolomeäeia pilosa (Zadd.) lOmaJ vergrössert (Färbung nach
einem frischen Weingeistexemplare).
T'. Telson stärker vergrössert.
» 2.M Mandibel desselben Ihieres.
» 2. m • Erste Maxille.
» 2.m' Zweite Maxille.
» 2. p Kieferfusspaar.
» 2. P Basalstück des 3ten ßeinpaars mit dem von ihm abge-
henden borstenrandigen säbelförmig-schmalen, zum Um-
fassen der Eier dienenden Anhang, f. Schenkel. E. Epimere.
» 3. Vrolomedeia guttata Gr. lOmal vergrössert.
Bonn, Druck von Carl Georgi.
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