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ARCHIV
FÜR
NATURGESCHICHTE
GEGRÜNDET VON A. F. A. WIEGMANN,
FORTGESETZT VON W. F. ERICHS ON.
IN VERBINDUNG MIT
PROF. DP'- LEU CK ART IN GIESSEN
HERAUSGEGEBEN
D« F. H. TROSCHEI.,
PROFESSOR AN DER FRIEDRICH-WILHELMS-UNIVERSITÄT ZU BONN.
VIEB UND DBEISSIGSTEB JAHBGANa.
Elrster Band.
Mit 10 Tafeln.
Berlin,
N i c o I a i s c li e Verlagsbuchhandlung.
(A. Eflert und L. Lindtner.)
1868.
Inhalt des ersten Bandes.
Seite
lieber einige ostasiatische Süsswasserthiere. Von Dr. Eduard
V. Martens. Hierzu Taf. I 1
Nachschrift. Notiz über Palaemon Gaudichaudii und iiiloticus.
Von demselben ........ 65
Ophiocrinus, eine neue Comatuliden - Gattimg. Von Dr. C.
S e m p e r in Würzburg 68
Berichtigung über die Gattung Scarostoma. Briefliche Mit-
theilung an den Herausgeber. Von Professor Dr. R.
Kner in Wien 70
lieber Heringsasung. Von Axel Boeck. Uebersetzt vom
Herausgeber 72
lieber eine merkwürdige in der Nordsee lebende Art Spon-
gia. Von S. Loven. Uebersetzt vom Herausgeber.
Hierzu Taf. H 82
lieber eine Zwitternemertine (Borlasia hermaphroditica) von
St. Malo. Von Prof. W. Keferstein in Göttingen.
Hierzu Taf. HI. Fig. 1 und 2 102
lieber das Männchen und Weibchen der Gattung Lernaea vor
dem Eintritt der sogenannten rückschreitenden Metamor-
phose. Von Dr. A. Metzger in Norden . . . 106
Psaenythia, eine neue Bienengattung mit gezähnten Schienen-
sporen. Von A. G er st a eck er . . . . . 111
Zur Entwickelungsgesch ichte der Cestoden. Von Dr. Fritz
Pt a t z e 1. Hierzu Taf. IV. Fig. 1—7 .... 138
IV Inhalt.
Seite
Beschreibimg einiger neuen Parasiten. Von Dr. Fritz Kat-
zel. Hierzu Taf. IV. Fig. 8— 14 150
lieber das Gebiss von Eburna und Nassaria. Von Troschel.
Hierzu Taf. III. Fig. 3—5 157
Verzeichniss der von Dr. Gundlach auf der Insel Cuba ge-
sammelten Chrysomelinen. Von Dr. E. S u f f r i a n, Schul-
rath in Münster (Schluss) 163
üeber die Batrachier Australiens. Von Prof. W. Kef er stein
in Göttingen. Mit Taf. V, VI, VII u. VIII. Fig. 1—32 . 253
üeber einige Batrachier aus Costarica. Von demselben.
Mit Taf. VIII. Fig. 33, 34 und Taf. iX . . . .291
Sphaeronella Leuckarti, ein neuer Schraarotzerkrebs. Von W.
Salensky aus Charkow. Hierzu Taf. X . . . 301
Beiträge zur Kenntniss der Wirbelthiere Südbrasiliens. Von
Dr. Rein hold Heusei (Fortsetzung) . . . .323
Ueber einige ostasiatische Süsswasserthiere.
Von
Dr, Eduard ?. Marteus.
Hierzu Taf. I.
Vor 10 Jahren habe ich in dieser Zeitschrift einige
italienische Süsswasserthiere beschrieben und das Vor-
kommen vereinzelter Süsswasserformen in vielen vorherr-
schend meerbewohnenden Gattungen und Familien be-
sprochen. Diese Erscheinung hat seitdem in Folge der
Entdeckung mehrerer den marinen nächst verwandter Cru-
staceen in den grossen Seen Skandinaviens ein neues
Interesse erhalten durch die geistvolle Deutung der dor-
tigen Naturforscher, namentlich des Professor Loven, als
Reste einer vormaligen reinen Meeresfauna (Versamm-
lung der skandinavischen Naturforscher 1863). Hieran
anknüpfend möchte ich im Folgenden Einzelnes über
süsswasserbewohnende Fische, Crustaceen und eine Spongie
mittheilen, welche ich während meines Aufenthaltes im
Östlichen Asien, 1860—1863 angetroffen, mit besonderer
Rücksicht darauf, welche Familien und Gattungen dort
im Vergleich zu Europa einen w^esentlichen Bestandtheil
der Öüsswasserfauna bilden.
1. Fische.
Für die Klasse der Fische trat der besondere
Uebelstand ein, dass solche viel leichter und häufiger
von dem Naturforscher auf dem Markte gekauft, als von
ihm selbst ans dem Wasser herausgeholt werden, die
Verkäufer aber meist nicht die Fischer selbst sind und
eine x\uskunft von ihnen, ob es Süsswasser- oder Meer-
Archiv f. Naturg.XXXIV. Jahrg. 1. Bd. 1
2 V. Martens:
fische seien, stösst theils auf Sprachschwierigkeiten, theils
wird sie illusorisch durch die Gewohnheit der Verkäufer
jede Frage aus Unterwürfigkeitssinn oder Berechnung zu
bejahen; der einer 8chilfsexpedition beigegebene Natur-
forscher kommt nämlich meist nur in Städte , auf deren
Markt die Seefische die Süsswasserfische entweder gar
nicht aufkommen lassen oder doch ihnen starke Concur-
renz machen, wie z. B. in Siianghai, Kanton, Bangkok,
Batavia. Einen Fisch desshalb für einen Süsswasserfisch
zu halten, weil er auf dem Markt in Bangkok oder
Shanghai, also in reinem Süsswassergebiet, gekauft, wäre
möglicherweise derselbe Fehler, wie wenn man den Dorsch
und Flunder, Hummer, Auster und die blaue Miesmu-
schel, Mytilus edulis, für Süsswasserthiere halten würde,
weil sie frisch, die drei letztern noch lebend in Berlin
verkauft werden.
1. Japanische Süsswasserfische.
Im nördlichen Theil Japans, der Insel Jesso, sind
wie in Lappland und Island, Salmoniden die herr-
schenden Süsswasserfische; dieses zeigt sich in der von
der ersten amerikanischen Expedition auf Hokodade ge-
machten Ausbeute von Salmoniden und darin, dass die
japanischen Bilderbücher so oft Salmoniden darstellen,
während ich in Jeddo keine in Natur erhalten konnte.
Hier im mittlem Theil von Japan herrschen wie in Mit-
teleuropa die Cyprinoiden. Ich habe Arten von Kar-
pfen, koi, und Karauschen, funa, in den Süsswasserteichen
der Hauptstadt als Beute der Angelliebhaber gesehen,
einen Squalius, ungui, auf dem Markte gekauft und kleinere
Arten (Capoeta lanceolata Schlegel, Achilognathus Blee-
ker) selbst in kleinen Bächen und Wassergräben um
Yokohama gefangen. Hierzu kommen noch, wie in Deutsch-
land, als ächte Süsswasserfische die Gattungen Cobitis
mit mehreren, Silurus und Anguilla mit je einer Art;
der japanische Wels, S. Japonicus Schlegel, [= asotus L.?)
heisst dort namasu, und kommt dort häufig auf den Fisch-
markt, ich sah und hörte aber nichts davon, dass er so
üeber einige ostasiatische Süsswasserthiere. 3
gross würde, wie der europäische. Der Aal, Anguilla
Japonica Schlegel, findet sich sowohl in süssem wie in
brackischem Wasser ; in Jeddo und Yokohama hörte ich
ihn nur anango nennen, während die japanischen Schriften
den eigentlichen Aal als unangi vom Meeraal, anango,
unterscheiden. Endlich erhielt ich daselbst auch ein Neun-
auge, Petromyzon, welches der Anordnung seiner Zähne
nach eine eigene Art zu sein scheint und dort etwas
minder unsinnig Acht-augen-aal, yats'-me-anango, genannt
wird.
An Grösse und Gestalt steht dieser japanische Pe-
tromyzon dem gewöhnlichen P. fluviatilis L. Europas sehr
nahe, unterscheidet sich aber schon durch den Silberglanz
der Seiten und bei näherer Betrachtung auch im Gebiss
durch weniger, aber verhältnissmässig stärkere Seiten-
spitzen am unteren Zungenzahne, sowie durch eine regel-
mässige Reihe kleiner Hornzähnchen, welche zwischen
den äussern Zahnkranz des Mundrandes und den untern
zusammengesetzten Zahn eingeschaltet ist, ferner dadurch
dass alle seitlichen zusammengesetzten Zähne nur zwei-
spitzig, nicht dreispitzig sind, und dass der untere zu-
sammengesetzte Zahn eine gerade Zahl von Spitzen, alle
einfach, hat, während bei P. fluviatilis die mittleren von
jenen dreispitzig sind , dieser aber eine ungerade An-
zahl von Spitzen hat, fünf einfache und jederseits eine
zweispaltige. In all diesen Beziehungen stimmt das Ori-
ginalexemplar des (indischen?) P. argenteus Bloch und
der von v. Ben eden unterschiedene europäische P. Uma-
lei mit fluviatilis zusammen gegen unsere neue Art.
Petromyzon JapoDiGus n. sp. Taf. I. Fig. 2.
Oben schiefergrau, an den Seiten nnd unten silber-
glänzend. Länge 0,454 m., Entfernung des Auges von der
Schnauze 0,029 m. Umfang am hintersten Kiemenloch
0,071 m. Die erste Rückenflosse beginnt ein wenig hinter
der Mitte des Körpers, 0,224 m. vom vordem Körperende
entfernt, und ist von der zweiten durch einen Zwischen-
raum getrennt, welcher das 2V2 fache des Augendurch-
4 V, M a r t e n s :
messers beträgt. After 0,116 m. vor dem hintern Ende.
Spritzioch weiter nach vorn als der vordere Augenrand.
Eine haisbandförmige einfache Bogenreihe von Schleim-
poren eine Strecke hinter der Unterlippe. Die Anordnung
der Hornzähne ist ähnlich wie bei Petromyzon fluviatilis
L. und verweist die neue Art in dieselbe Unterabtheilung
(Lampetra Gray 1851, non Malm, Petromyzon Malm 1861,
non Gray). Die Zähnchen des Mundrandes in einer Reihe,
schlank und spitzig, alle gleich gross, die Reihe nur oben
nicht geschlossen. Zwischen diesem äussersten Zahnkranze
und den zusammengesetzten Zähnen im Innern des Mun-
des unten eine einfache Reihe ebenso kleiner, ähnlich
geformter Zähnchen, 16 an der Zahl, oben dagegen meh-
rere grössere, in quincunx stehend, nach innen an Grösse
zunehmend. Von den zusammengesetzten Zähnen ist der
obere (upper inner tooth bei Gray, Pflugbeinszahn bei
Malm) halbmondförmig, jederseits in eine starke, nach
vorn und unten gerichtete Spitze ausgehend. Seitliche
zusammengesetzte Zähne, (zusammengesetzte Oberkiefer-
zähne Malms) jederseits drei, jeder mit zwei nach innen
und vorn gerichteten Spitzen, wovon die innere stets
die stärkere. Unterer zusammengesetzter Zahn (lower
inner tooth Gray, zusammengesetzter Unterkieferzahn Malm)
mit sechs nach vorn gerichteten Spitzen, wovon die zwei
äussersten stärker, die vier innern gleich. Unterer Zahn
der Zunge (^äusserer Zungenzahn bei Malmj quer ver-
breitert ohne Mittelfurche, mit einer starken Mittelspitze
und jederseits nur vier seitlichen, alle aufwärts gerichtet;
oberer Zungenzahn (Schluckzahn bei Malm), paarig, schmal,
mit einander zugewandten zahlreichen Spitzen.
Tilesius hat in Pallas' zoographia rosso-asiatica vol.
III. pag. 67 einen Petromyzon marinus Camtschaticus be-
schrieben, welcher in Grösse und Färbung dem unsrigen
ähnlich scheint, aber weder was von der Stellung der
Zähne, noch von der abgestutzten Form der Schwanzflosse
gesagt wird, kann ich auf die unsrige beziehen ; ferner
soll das Spritzloch zwischen den Augen stehen und die
Schleimporen der Unterseite des Kopfes beiderseits eine
Ueber einige ostasiatische Süsswasserthiere. 5
Schlangenlinie bilden. Die citirte Abbildung ist leider
nicht auf unserer Bibliothek vorhanden.
Von Deutschland fremden Familien fand ich nur
eine in den süssen Gewässern Japans vertreten, die der
Cyprinodonten durch den kleinen, aber in den Bächen
um Yokohama häufigen Haplochilus latipes Schleg. sp.,
japanisch metaka genannt. In den mit dem Meer in
offener Verbindung stehenden Brackwassergräben, welche
das Städtchen Yokohama umgeben, treten aber schon ma-
rine Formen auf, zwei Gobius und ein Sparoid, Chry-
sophrys hasta Bleeker. x\uf den südlichen japanischen
Inseln, Kiüsiü und Sikok, dürften diese Verhältnisse ähn-
lich sein, da in Siebold's Fauna Japonica, deren Mate-
rialien doch hauptsächlich zu Nangasaki gesammelt wur-
den, keine wesentlich andere Süsswasserformen sich be-
merklich machen.
2. Chinesische Süssw asser fische.
Ein Bild der nordchinesischen Süsswasserfische gibt
Basilewky's Arbeit in den Nouvelies memoires de la so-
ciete des naturalistes de Moscou Band X. 1855, aber
getrübt durch einige Meerfische, welche im Winter ge-
froren bis nach Peking gebracht werden. Ein wesentlich
damit übereinstimmendes Bild gab mir der Fischmarkt
von Shanghai; die Cyprinoiden schätzte ich auf etwa die
Hälfte der vorhandenen Arten und Individuen, darunter
Gattlingsgenossen unseres Karpfens, der Karausche, des
Uekelei (Alburnus) und der Ziege (Pelecus Ag. oder
Chela Buch.). Ferner waren die folgenden Familien in
ansehnlicher Individuenzahl auf dem Fischmarkt ver-
treten :
Percoiden : Perca (Siniperca) chuatsi Basil.
Labrax (Percalabrax) Japonicus C. V.
Sciaenoiden : Collichthys lucidus Rieh.
Sparoiden : Chrysophrys.
Cataphracti ; Trigla.
Mugiloiden: Mugil sp.
6 V. Märten s:
Gobiolden: Gobins ommaturus Rieh.
Elcotris potamopliila Rieh.
Labyrinthiei : Ophicephalus argiis Cantor.
Siliiroiden: Bagriis (Pseudobagriis) fulvidraeo Rieh.
Clupeoiden : Coilia nasus Schleg.
Muraenoiden: Ein Aal und eine Muraene.
Pleuronectides : Plagusia sp.
Da mir hier durch Mangel an Kenntniss der ehine-
sischen Sprache eine direkte Erkundigung, wo jede ein-
zelne Art gefunden wurde, unmöglich war, so suchte ich
mir eine hypothetische Antwort auf diese Frage zu geben
nach der Gesammt - Färbung jeder einzelnen Art in Er-
innerung daran, wie viele Thiere die vorherrschenden
Farben ihres Wohnortes zeigen, und mit Benutzung der
sichereren Erfahrungen über dieselben Gattungen in andern
Ländern. Die silberglänzenden Fische müssen demnach
in klarem Wasser leben, und da alle Cyprinoiden auf
dem Rücken blfwu, grün oder hellbraun waren, nahm ich
die ebenso bald mehr grün, bald mehr braun auf dem
Rücken gefärbte Coilia, hier tong genannt, ebenfalls für
einen Bewohner klarer süsser Gewässer. Dagegen waren
Trigla und Chrvsophrys die einzigen rosenrothen und dabei
silberglänzenden Fische des Marktes und da man noch
nie von einer Süsswasser-Trigla gehört, nahm ich daher
an, dass sie beide aus dem offenen Meere kommen. Der
matter glänzende, trübblaue Mugil ist anderswo ein La-
gunenfisch und mag also auch hier im Brackwasser leben.
Eine eigenthümlich messinggelbe matt glänzende Färbung,
von einer dichten aber abwischbaren schwarzen Schiclite
überdeckt, zeigt der ;,gelbe Drache", Bagrus fulvidraeo,
welcher vermuthlich, wie der ebenfalls schwärzlich ge-
färbte europäische Wels in stehenden Gewässern mit moo-
rigem Grunde lebt; die schwarzgrüne Farbe des Aales
von Shanghai deutet auf ein ähnliches Vorkommen. Die
erdfarbige Zunge, Plagusia, und die ebenfalls erdfarbige,
doch etwas dunklere Eleotris dürften auf dem Schlamm-
grunde der Flussmündungen, also im Brackwasser leben,
was mit dem Vorkommen der europäischen Zunge über-
lieber einige ostasiatische Süsswasserthiere. 7
einstimmt. Die eintönig blassgelbe Farbe des Gobius
ommaturus passt vortrefflich zur trübgelben, erbsensup-
penartigen Farbe des Yangtsekiang an seiner Mündung,
welche sich noch meilenweit hinaus in die 8ee erstreckt,
den ankommenden Schüfen das erste Zeichen der An-
näherung an das Land gebend; auch die ganz blasse,
glanzlose, weissliche Farbe des Leimfisches, Collichthys,
und die ganz weisse des kleinen Leucosoma Chinense
deutet auf Mangel an Licht durch die vielen suspendirten
gelben Schlammtheilchen, welche das Wasser undurch-
sichtig machen; noch deutlicher spricht sich derselbe
aus in der unverhältnissmässigen Kleinheit der Augen
des grossen Poljodon gladius, eines Bruders des LöfFel-
störs im Mississippi, von mir beschrieben in den Monats-
berichten der Berliner Akademie vom Mai 1861. S. 476,
von Kaup als Spatularia angustirostris in diesem Archiv
Jahrg. XXYIII, 1862. S. 278 beschrieben, mit der unrichti-
gen Fundortsangabe: japanisches Meer; Kapitän Werner
erhielt das von Kaup beschriebene Exemplar gleichzeitig
mit mir, als unsere Schiffe von Wusung unterhalb Shang-
hai im untersten Theil des Yangtsekiang lagen und zeigte
mir sein Exemplar mit den Worten : er habe etwas ganz
Neues, einen Süsswasserhai. Auch bei Basilewski er-
scheint derselbe Fisch nach chinesischen Quellen unter
dem Namen syungyai als aus dem gelben Fluss (Hoangho)
stammend. Mit mehr oder weniger Wahrscheinlichkeit
nehme ich all diese blassgefärbten Fische also für Be-
wohner des untersten Theils des Yangtsekiang , ohne
entscheiden zu können, ob sie alle oder welche dem rein
süssen, welche dem brackischen Wasser angehören.
Die beiden oben erwähnten Percoiden sind schwarz
gefleckt, aber in sehr verschiedener Weise, der Labrax
hat kleine Flecken auf Silbergrund, die Perca grosse
auf trübgrauem Grund, nicht gar so unähnlich der Fär-
bung unseres Flussbarsches. Nach Analogie unserer
europäischen Arten und dem Vorkommen des ersteren
in Japan möchte ich die Perca für einen ächten Süss-
wasseifisch, den Labrax für einen Bewohner von Lagu-
8 V. Martens:
nen und Flussmiindungen, aber immer noch mehr Meer-
ais Süsswasserfisch halten.
Ophicephalus ist entschieden ein Süsswasserfisch;
dafür spricht die Analogie aller andern Labyrinthici, die
scharlachrothe Färbung seiner paarigen Flossen, die auch
bei einigen unserer Cyprinoiden vorkommt, und die aus
den chinesischen Schriften zu entnehmende Thatsache,
dass er in China als hochgeschätzte Speise gezüchtet und
verpflanzt wird, was bei den meerscheuen Chinesen nur
von Süsswasserfischen gelten kann. Derselbe Umstand
erklärt auch, wie dieser einer sonst rein tropischen Fa-
milie angehörige Fisch hier so weit nach Norden vor-
kommt, selbst noch in der Gegend von Peking nach
Basilewsky; er ist vermuthlich aus dem südlichen, tro-
pischen Theil von China eingeführt, mehr oder weniger
akklimatisirt. Noch mehr an die Tropenzone erinnert
das von Basilewsky angegebene Vorkommen eines Osteo-
glossum bei Peking.
Im Uebrigen bietet so wie ich sie zu deuten ge-
wagt, das Bild der Öüsswasserfische dieses Theils von
China nichts, was nicht auch in ähnlicher Weise in Europa
oder Nordamerika vorkäme. Gobiusarten leben auch in
Europa in brackischem, einzelne in süssem Wasser und
der Sciaenoid findet in den Corvinen der canadischen Seen
seine Analogie.
3. Süsswasser fische des indischen Archipels.
Innerhalb der Tropenzone habe ich hauptsächh'ch
auf Borneo Gelegenheit gehabt, Süsswasserfische zu
sammeln, in zwei grössern Stromgebieten, dem des Kapuas
an der Westseite und dem des Sambas an der Nord West-
seite der Insel, im Gebiete des erstem namentlich auch
im grossen Landsee Danau Sriang, welcher in gerader
Linie ungefähr 40, dem Wasserlaufe nach gerechnet 60
geogr. Meilen vom Meere entfernt ist. Sein Wasser ist
süss, Salz nehmen die dortigen Eingebornen lieber als
Geld, und doch begegnen unter den Fischen des Sees
mehrere Familien, welche wir in Europa nur als marin
lieber eiinge ostasiatische Süsswasserthiere. 9
kennen. Die folgenden Fische sind mir während meines
Aufenthaltes auf einer Insel dieses Sees, Piilo Matjan,
von den EIngebornen frisch gebracht worden: , .
Stachelflosser.
IPercoIdei : Ambassis (Bogoda) ralcrolepis ^) malaiisch
rimba tawan.
Pristipomatldae: Datnioides microlepis Bleeker, mal.
ringau.
Labjrlnthlcl : a) eigentliche, vier Arten, darunter Helo-
stoma und Betta.
b) Ophicephalus pleurophthalmus Bleek.
c) Luciocephalus pulcher.
Siluroldel: 7 Arten, worunter die Gattungen Bagrus, Pha-
lacronotus, Clarlas und Chaca.
Acanthopsides : 1 Cobitls (Nemachllus Blk.)
Cyprinoidei; 19 Arten, worunter die Gattungen Dangila,
Systomus, Puntius, Cyclochlllchthys, Ham-
pala, Rohteichthys, Rasbora und Luciosoma.
Clupeoidel: Osteoglossum formosum Sal. Müller, 1 Noto-
pterus, 1 Engraulls.
Scomberesoces : 1 Belone, ikan buaja, Krokodilfisch von
den Malaien genannt.
1) Dieser Fisch unterscheidet sich durch die Kleinheit der
Schuppen, 70 in der Seitenlinie, auffällig von den andern Ambassis-
arten. Bleeker selbst nennt die Schuppen sehr klein, minutissimae ;
trotzdem wird er von demselben nicht nur einmal, sondern in allen
spätem Yerzeichnissen, in denen der Name vorkommt, macrolepisj
d. h. grossschuppig genannt. Entweder ist dieses ein Druckfehler für
microlepis, kleinschuppig, und wurde nur aus Versehen beibehalten,
oder aber dieser Name soll nur einen Gegensatz zu der andern Art
von Bogoda (Chanda bogoda Buch. Harn., Ambassis bogoda C V.,
Bogoda nama Blk.) ausdrücken, bei welcher nach Bleeker die Schup-
pen sehr klein und kaum sichtbar genannt werden, während sie bei
B. macrolepis sehr klein, aber doch sichtbar seien. Ausser der
Kleinheit der Schuppen stimmen alle Charaktere von Bogoda mit
denen von Ambassis überein und will man daher mit Cuvier nnd
Günther sie bei Ambassis lassen, so kann man die Art vernünfti-
gerweise nicht macrolepis nennen.
10 V. Martens:
Plectognathl : 1 Tetrodon (Arothon).
Lophobranchii : 1 Sygnathus.
Im obern Lauf des Kapnasflusses^ zu Sintang an der
Mündung des Melawi, kamen noch Repräsentanten einiger
andern Familien hinzu, ein Mastacemblus, eine kleine Pleu-
ronectide, (Achiroides melanorhynchusBleeker) und meh-
rere Arten von Polynemus. Der in den Naturwissen-
schaften nicht unbewanderte Militärarzt Dr. Hunius sprach
mir auch von Haien und Rochen, welche daselbst zuwei-
len gefangen worden seien. Der Hai stellte sich als
Polynemus heraus, ein Beispiel, wie Missverständnisse
entstehen können, indem in der That die Lage des Mundes
unten und hinter der stark vorspringenden Schnauze den
grossen Exemplaren von Polynemus einige Aehnlichkeit
mit Haien gibt. Ueber den Rochen kann ich nicht ur-
theilen, da während meines Aufenthalts keiner gefangen
wurde; doch Hess die Beschreibung, welche mir der
Genannte aus der Erinnerung davon gab, an nichts An-
deres als einen wirklichen Rochen denken. Erst im
untersten Theil des Kapuasstromes, bei Pontianak, noch
4 geogr. Meilen vom Meer entfernt, kamen mir Gobioiden,
worunter Gobius xanthozonus Bleek. und eine Eleotris
vor, ferner die Gattung Scatophagus ; auf dem Fisch-
markte war auch ein Mugil und ein Carcliarias häufig
zu sehen; für all diese habe ich keinen Grund zu der
Annahme, dass sie den Fluss viel weiter hinaufsteigen ;
nur eine Eleotris (marmorata) hat Bleeker auch aus Sin-
tang erhalten.
Im Ganzen habe ich auf Borneo 94 Süsswasserfische
beobachtet, wovon 38 den Cyprinoidcn, 17 den Siluroi-
den, 15 den Labyrinthici angehören und die übrigen sich
auf 13 andere Famih'en vertheilen.
Unter den Silur oi den, sind mehrere durch einen
etwas matten Metallglanz ausgezeichnet, so Phalacronotus,
welcher desshalb lais-tima, Zinn-wels, genannt wird ; die
meisten sind aber glanzlos, bald grau oder schwärzlich
(Bagrus und dessen nächste Verwandte), bald erdbraun
(Plotosus canius, Ciarias und Chaca, diese beim ersten
lieber einige ostasiatische Süsswasserthiere. 11
Anblick einem Lophius ähnlicher als einem Wels); meh-
rere der mit Bagrus näclistverwandten besitzen einen
zähen gelblichen Schleimüberzug, welcher bei Bagroides
raelanopterus ßleek. so schön königsgelb ist, dass er
demselben den Namen ikan pisang, Bananeniisch, ver-
schafft hat.
Unter den Cyprinoiden ist der Metallglanz zwar
die Regel, doch fällt eine ganze Reihe von Arten durch
ihre dunkle trübgraue glanzlose Färbung auf, so mehrere
Dangila und Roliita. Andere zeigen eine bestimmte
Zeichnung des Körpers, so Systomus Sumatranus Bleek.
vier schwarze Vertikalbänder, das vorderste durch das
Auge gehend ; ähnliche braune finden sich bei Botia ma-
cracantha. Eine schwarze Längsbinde bei Rohita vit-
tata; eine blass messinggelbe bei Dangila festiva, Rasbora
Dusonensis und einer wahrscheinlich neuen Chela; ein
runder schwarzer Fleck an jeder Seite des Schwanzes
wie bei so manchen Meerfischen, findet sich bei Cyclo-
chilichthys apogon Bleek. Die Flossen sind sehr oft ganz
oder theilweise roth gefärbt, am häufigsten die Rücken-
flosse, oft auch zugleich die Schwanz-, After-, und Bauch-
flosse, seltener die Brustflosse, diese fand ich intensiver
roth als die anderen, nur bei Systomus Sumatranus, ebenso
roth oder weniger blasser bei Cyclochilichthys apogon
und ßarbodes rubripinna). Gar nicht selten verbindet sich
eine schwarze und rothe Zeichnung auf derselben Flosse
und zwar in sehr verschiedener Art : das Roth nimmt in
der Regel auf derselben Flosse an allen Strahlen und
dazwischen befindlichen Hautstellen gegen das freie Ende
hin an Intensität zu oder tritt erst hier auf (Barbodes
rubripinna, Cyclochih'chthys apogon, Puntius bulu u. s. f.);
das Schwarz bildet Bänder, welche entweder längs den
Flossenstrahlen gehen und daher bei zusammengelegter
Flosse den Längsbändern am Rumpfe entsprechen, und
zwar am Rande der Flossen, dem vordem der Rücken-,
After- und Bauchflosse, dem obern und untern der Schwanz-
flosse bei Barbodes rubripinna, nur an der Schwanzflosse
oben und unten bei Hampala macrolepidota; zwei schwarze
12 V. Märten s:
Längsbänder nalie dem obern und dem untern Rande
der Schwanzflosse finden sich bei Systomus Schwanefeldi,
Dangila festiva, Lnciosoma trinema und Chela n. sp.,
bei dem erstgenannten zugleich auf der Rückenflosse
ein querlaufendes, d. h. die Strahlen durchschneidendes
schwarzes Band, ein ähnliches Querband, aber etwas tie-
fer liegend, bei Systomus Sumatranus. Das freie Ende
der Flosse ist schwarzgesäumt an der Rückenflosse bei
Dangila festiva, an der Schwanzflosse bei Rosbora Duso-
nensis, an beiden und an der Afterflosse bei Balantiochi-
lus melanopterus. Wo schwarze Bänder auf einer Flosse
vorhanden sind, ist dieselbe im üebrigen mehr oder we-
niger intensiv roth oder doch pomeranzengelb gefärbt,
nicht blass; die einzige Ausnahme hievon unter den Cy-
prinoiden, die ich auf Borneo gezeichnet, bildet die vor-
hin erwähnte Chela. Eine lebhaft rothe Farbe der obern
Hälfte der Iris, wie diejenige die einer bekannten euro-
päischen Art den Namen Rothauge , erythrophthalmus,
verschafft, fiel mir unter den Cyprinoiden von Borneo bei
Luciosoma trinema, Systomus Schwanefeldi und Cyclochi-
lichthys apogon auf, also gerade denjenigen Arten, welche
auch in den Flossen viel Roth und eine bestimmte Zeich-
nung besitzen; dagegen war die ganze Iris glcichmässig
roth und mehr karmin, als scharlach, bei einigen Rohita-
arten, welche sich auch durch die düstere Farbe des
Leibes auszeichneten.
Dieselbe Färbung der Iris hatten manche Laby-
rinth ici und auch bei diesen war, wie im Allgemeinen
in dieser Familie, der Leib düster gefärbt, doch nicht
einfarbig, sondern mit zahlreichen schmalen Binden, diese
zuweilen senkrecht und schwärzlich (Anabas, Polyacan-
thus), bald der Länge nach verlaufend und gelblich (He-
lostoma); ein einzelner schw^arzer runder Fleck findet
sich in dieser Familie häufig ; zuweilen sind einzelne
Flossen, namentlich die Bauchflosse roth. Lebhafte be-
stimmte Zeichnungen finden sich wieder in der Gattung
Ophicephalus : bei 0. rhodotaenia Bleeker läuft eine blass
rosenrotiie, oben und unten blau geräumte Längsbinde
Ueber einige ostasiatische Süsswasserthiere. 13
über Rumpf und Schwanzflosse^ bei 0. pleurophthalmus
eine Reihe orangefarbiger Flecken und (oft unvollstän-
diger) Ringe auch über beide, bei einer andern im Üe-
brigen einfarbigen Art sind die Rücken-, Schwanz- und
Afterflosse lebhaft roth gesäumt.
Aus den übrigen Familien sind der Färbiuig wegen
noch zu erwähnen Osteoglossum und Datnioides. Ersteres
ist sehr bunt, glänzend blaugrün, jede der grossen Schup-
pen mit goldgelbem Rand, ebenso die Kiemendeckel; die
Flossen ebenfalls dunkelblaugrün mit pomeranzengelbem
Rand, daher der Artname formosum. Datnioides micro-
lepis ist blass fleischfarben mit acht schw^ärzlichen etwas
schiefen Vertikalbändern , das erste durch das Auge,
die zwei letzten einander genähert unmittelbar vor der
Schwanzflosse; die drei Vertikalflossen (Rücken-, Schwanz-
und Afterflosse) ebenfalls blass fleischroth mit breitem
schwarzen Saum. Bei diesem Fisch zeigte sich mir be-
sonders auffällig der Wechsel der Färbung, welcher auf
Contraktion der Chrom atophoren (Siebold, Süsswasser-
fische von Mitteleuropa S. 15 — 17) beruht: nicht nur dass
bei einzelnen Exemplaren die Bänder stellenweise sehr
blass, und dazw^ischen wieder an einzelnen Punkten tief
schwarz erschienen, sondern an einem schon todt erhal-
tenen Exemplar war auch die eine Seite des Körpers
in Betrefi" der Bänder auflällig blasser als die andere,
wahrscheinlich diejenige, auf welcher der Fisch gelegen,
als er starb.
Die grössten Süsswasserfische, welche mir auf Borneo
vorgekommen, sind die folgenden:
Polynem. : Polynemus (paradiseus ?) 0,75 m.
Clupeoid.: Notopterus hypselonotus ßlk. 0,668 m.
„ Osteoglossum formosum 0,610 m.
Siluroid. : Phalacronotus micropogon Blk. 0,62 m.
Cyprinoid. : Ein nocht nicht bestimmter Cypri-
noid, djilawat der Eingebornen 0,575 m.
„ Barbodes rubripinna Blk. 0,37 m.
Percoid. : Datnioides microlepis 0,34 m.
Siluroid. : Hemibagrus sp. 0,35 m.
14 V. Marte n s :
Ophic. : Opliicephaliis plenrophthalmiis Blkr. 0^323 m.
Cyprinoid.: Pimtius bulu ßlk. 0,265 m.
Labjr. : Helostoma sp. 0,25 m.
Der kleinste Süsswasserfisch des Indisclien Archipels
ist meines Wissens Haplochilus panchax oder Panchax
Buchanani, der durch einen Silberfleck auf dem flachen
Kopfe leicht erkennbar ist und kaum eine Länge von
0,U5m. erreicht.
Die meisten Fische werden von den Eingebornen
gegessen, der Fischfang geschieht theils mittelst Angeln
und Netzen, die grössern werden auch gestochen mittelst
eines von den Dajakern geschmiedeten Dreizacks, durch-
aus ähnlich dem aus der antiken Mythologie als Attribut
Neptun's uns bekannten, ohne Zweifel bei den alten
Griechen auch praktisch üblich gewesenen. Eine weitere
Methode ist das Betäuben der Fische durch die Wurzel
einer Pflanze, tuwn, welche zerschnitten und mit etwas
Wasser zu einer trüben Emulsion vermengt eimerweise
in stehendes Wasser gebracht wird und die darin befind-
lichen Fische innerhalb weniger Stunden so afficiren
soll, dass sie wie todt auf der Oberfläche treiben und
mit den Händen gegrifi'en werden können. Wahrscheinlich
ist es Anamirta cocculus (Menispermum) L., welche auf
andern malaiischen Inseln ebenfalls tuba genannt wird
und selbst gegenwärtig in der Bierbrauerei m.issbraucht
w^erden soll. Mir brachte man als solche eine andere Pflanze,
mit welcher der Versuch missrieth.
Als besonders delikat gilt bei den Einwohnern Bor-
neo's der Biawan genannte Fisch, zur Gattung Helostoma
gehörig, und auch dessen Rogen, ferner der Rogen des
nur zu gewissen Jahreszeiten vorhandenen, also wahr-
scheinlich aus dem Meere um zu laichen in die Flüsse
aufsteigenden urubu, einer iVrt Alausa, also v^erwandt
dem Maifisch des Rheines; sein Rogen wird eingesalzen
und als Handelsartikel verschickt. Auf Java wird be-
kanntlich der gorami, Osphromenus, wie der biawan den
Labyrinthfischen zugehörig, als der delikateste Fisch be-
trachtet und desshalb eigens in Teichen gezogen.
Ueber einige ostasiatische Süsswasserthiere. 15
Die Süss^vasserfische Sumatras sind soweit mir
dieselben bekannt wurden, ähnlich denen ßorneos^ theil-
weise sogar dieselben Arten, wie uns schon der Name
des mehrfach erwähnten Öystomus Öumatranus zeigt. Cj-
prinoiden, namentlich auch die dunkel gefärbten mit lan-
ger Rückenflosse und Knorpel platten an den Lippen aus
der ünterfamilie der Labeoninen, z. B. der schwarze Me-
rulius chrysophekadion Blk., ferner Siluroiden und Laby-
rinthici bilden auch hier die Hauptmasse der Süsswasser-
fische; zu Rinduhati oberhalb Benkulen erhielt ich den
einzigen 8üsswasseraal^ der mir im Archipel vorgekom-
men. Java's Fische sind durch Bleeker näher bekannt,
und es bestätigt sich auch hier, wie bei den Säugthieren,
Vögeln, Reptilien und Landschnecken, dass bei allge-
meiner Aehnlichkeit der Fauna zwischen diesen drei
grossen Sundainseln doch Sumatra und Borneo weit mehr
Arten unter sich und auch mit Malakka gemein haben,
als mit Java; so sind z. B. die Bleeker'schen Gattungen
Epalzeorhynchus , Balantlochilus , Amblyrhynchichthys,
Rohteichthys und Thynnichthys Java fremd, aber Suma-
tra und Borneo gemeinsam und die meisten davon auch
in Hinterindien vorhanden.
Während demnach auf den drei grossen Sundainseln
die Cyprinoiden und Siluroiden noch die grösste Rolle
unter den Süsswasserfischen spielen, brechen sie nach
Osten plötzlich ab, der Süsswassersee von Tondano im
nördlichen Celebes besitzt noch mehrere Süsswasserfische
aus den Familien der Percoiden (Dules), Labyrinthici
(Anabas, Ophicephalus) und Gobioiden (Sicydium, Platy
ptera) nebst einem Aal; auf den Molukken selbst nimmt
ihre Zahl noch mehr ab, auf Batjan soll nur Dules ein
eigentlicher Süsswasserfisch sein, auf Buru nur der weit-
verbreitete Aal des indischen Archipels, Anguilla Elphin-
stoni (Bleeker, Reise durch Minahassa I. S. 22 und 249.
IL S.37), während an den Flussmündungen mehrere, die
eigentlich Brackwasserfische sind, noch etwas ins süsse
Wasser hereinkommen, so Arten von Ambassis, Eleotris
und Mugii. Dieses erinnert an die Lisel Sardinien inner-
16 V. Ma rtens:
halb der europäischen Fauna^ wo auch Forelle und Aal
die einzigen Süsswasserfische sind, dagegen die Brack-
• wasserfische durch Sargus annularis, Chrysophrys aurata,
Labrax lupus, Mugil und Cyprinodon reich vertreten
sind (vgl. Cetti, Naturgeschichte von Sardinien, wo diese
Bewohner der Strandseen ,,Teichfische^ im Gegent;atz zu
den Flussfischen genannt werden, und meine Bemerkun-
gen über Cyprinodon in. diesem Archiv Jahrg. XXIV, 1858).
Die einzigen Siluroiden, welche Bleeker von Celebes
kennt, sind die meerbewohnenden Plotosus und zweiArius,
A. liocephalus und A. nasutus (Gattung Netuma Bleek.).
Für beide gibt derselbe ausdrücklich an, dass sie zu Ma-
kassar im Meere gefunden worden seien, und in der That
habe ich auch ebenfalls zu Makassar am ofi'enen Meeres-
strand unter einem Steine einen solchen Arius gefunden,
malaiisch ikan duri, Stachelfisch, welcher mittelst seines
gesägten ersten Brustüossenstachels eine sehr unange-
nehme Wunde dem festhaltenden Finger beibrachte, woran
ich mehr als eine Woche lang zu leiden hatte. Gün-
ther, catal. fish. V. p. 40 giebt zwar einen Siluroiden aus
einer Süsswassergattung, Cryptoptcrus amboinensis, aus
Amboina an, aber nur auf die wenig zuverlässige Auto-
rität eines Händlers, und deutet selbst nachher, p. 429,
dessen Identität mit Cr. bicirris C.V. sp. an, einer in Java,
Borneo und Sumatra verbreiteten Art; weder Bleeker
noch ich haben auf Amboina oder sonst auf den Moluk-
ken je einen andern Siluroiden als den marinen Plotosus
anguillaris Bl. sp. gesehen.
Cyprinoiden treten erst in Neuholland wieder auf;
abgesehen von der gemischten Fauna der Ostsee und
des kaspischen Meeres kommt keiner von ihnen in Meer-
wasser vor. Von den übrigen uns in Europa als Süss-
wasserfische geläufigen Formen fehlen die Salmonen,
Cottus, Gasterosteus , Esox , Acipenser, wahrscheinlich
auch Lota und Petromyzon völlig in den süssen Gewäs-
sern des indischen Archipels; es sind das lauter nordi-
sche Gattungen, von denen mehrere auch auf der südli-
chen Halbkugel, jenseits des Wendekreises, in Chile und
lieber einige ostasiatisclie Süsswasserthiere. 17
Australien Verwandte finden, aber der Tropenzone blei-
ben sie fremd. An unsern Hecht erinnert einigermassen die
Cyprinoidengattiing Luciosoma durch die weit nach hinten
gerückte Rückenflosse und den weit gespaltenen Mund,
ferner Luciocephalus durch den platten Kopf und etwa
auch durch seine Zähne der kleine Pa?ichax (Esox pan-
chax von Buchanan genannt), welcher sich übrigens we-
sentlich an die Cyprinodonten anschliesst, in den kleinen
still fliessenden Bächen von Singapore wie in den stag-
nirenden Gräben um Bangkok (Siam) zwischen Wasser-
pflanzen häufig lebt und durch den schön silberglänzen-
den Flecken auf dem Scheitel schon auf einige Entfer-
nung leicht kenntlich ist. Unter den Cyprinoidengattun-
gen, wie sie gegenwärtig wohl allzuklein angenommen
werden, ist abgesehen von den in Java eingeführten
nordasiatischen Karpfen, Cyprinus haematopterus, die Gat-
tung Chela Buch. = Pelecus Ag. die einzige, welche
dem indischen Archipel und Europa gemeinsam ist, übri-
gens bekanntlich in Europa auch auf die östlichen Fluss-
gebiete beschränkt ist. Die Süsswasserfamilie der Cha-
racinen, welche in Südamerika, wo keine Cvprinoiden
sind, herrschen und in Afrika neben solchen vorkommen,
ist im Archipel gar nicht vertreten; der einzige Cha-
racine, von dem man es früher angenommen, Coregonus
amboinensis Artedi = Tetragonopterus chalceus Ag., hat
sich als Bewohner von Guyana herausgestellt. (Günther
catal. fish. V. p. 320).
II. Crustaceen.
1. Brachyuren des süssen Wassers.
Was die kurzschwänzigen Decapoden oder Krabben
betrifft, so fand ich in Ostasien Süsswasserthiere unter
denselben in den Gattungen T h elphusa, Sesarma und
P s e u d 0 g r a p s u s M. E. Die erstgenannte Gattung oder,
wenn man will, Familie ist die einzige, welche aus-
schliesslich dem süssen Wasser eigen ist, und als solche
Archiv für Naturg. XXXIV. Jahrg. 1. Bd. Q
18 V. Härtens:
ist sie in der heissen und in der wärmeren gemässigten
Zone durch beide Hemisphaeren in verschiedenen geo-
graphisch enger begränzten Untergattungen verbreitet, so
Thelphusa im engern Sinn (mit einem Seitenzahn) in
Europa und Afrika; hieher die früher beschriebene
Th. fluviatilis, Th. nilotica M. E., Th. perlata M. E.
aus Südafrika, Th. aurantia Herbst aus Vorderindien
und der der letztern sehr ähnliche Cancer iberus Gül-
denstedt aus Tiflis, nach der Abbildung in Eichvrald's
Fauna Caspiocaucasia durch die in der Mitte nicht
unterbrochene crista postfrontalis von der europäi-
schen Art abw^eichend.
Geothelphusa (ohne Seitenzahn), Th. Dehaani White
= Th. Berardi Haan, in Japan; ich fand diese Art
wiederholt bei Yokohama an Bachufern, oft ausser
dem Wasser, aber nie von ihm entfernt, also ungefähr
in derselben Weise Landthier, wie die europäische
Art.
Parathelphusa M. E., (durch mehrere starke Seitenzähne
ausgezeichnet), im tropischen Ostasien, nach Stimpson
bei Kanton im Brackwasser (in aquis subsalinis Üu-
vii), von mir in Siam und auf Borneo in rein süssem
Wasser gefangen.
Boscia, Dilocarcinus, S jlviocarcinus, Potamocarcinus und
Trichodactylus im tropischen Amerika.
Ueber einzelne Arten ist noch Folgendes zu be-
merken.
Thelphusa Borneensis n.
Die ganze Oberfläche des Rückenschildes mit ver-
tieften Punkten besät. Der Stirnrand nimmt ein Drittel
der grössten Breite des Thorax ein und ist in der Mitte
kaum eingebuchtet. Die Stirne und die Gegend hinter
den Augenhöhlen bis zum Seitenrand mit kurzen Quer-
runzein; hinter der Stirne eine sanfte in der Mitte un-
terbrochene Anschwellung, als Andeutung der bei andern
Arten hier vorkommenden Querleiste; sie lässt sich seit-
lich nicht weiter verfolgen als die Breite der Stirne zwi-
schen den Äugenhöhlen beträgt. Die äussere Ecke der
Ueber einige ostasiatische Süsswasserthiere. 19
Augenhöhle bildet einen stumpfen, fast rechtwinkligen
Zahn ; der Seitenrand trägt im ersten Viertel seiner Länge
einen spitzigen Zahn; nach innen von demselben auf dem
Rücken einige erhabene kurze schieflaufende Querrun-
zeln, die denjenigen des Seitenrandes selbst, welche bei
allen Thelphusen sich finden, gleichen. Die Bewaffnung
der letzten Fussglieder und ihre Form wie gewöhnlich in
dieser Gattung; die Länge der grössern Scheere bei
einem Männchen gleich % der Länge des Cephalothorax ;
das vorletzte Abdominalsegment des Männchens IY2 tnal
länger als breit. Cephalothorax des grössten Exemplares
(Männchen) 31 Mill. breit, 27 lang. Borneo bei Seminis
im Flussgebiet des Sampas und zu Lempai nahe dem See
Danau Sriang im obern Kapuasgebiet.
Diese Art kommt nach der von Milne Edwards
in Ann. sc. nat. 1853. Bd. XX. S. 209—213 gegebenen
Uebersicht der Gattung neben Th. Goudoti aus Madagas-
kar zu stehen als zweite Art mit nur schwacher Andeu-
tung der Leiste hinter der Stirne und mit einem gut
entwickelten Epibranchialzahn: Mi Ine Edwards schreibt
dieser Th. Goudoti einen sehr aufgeblasenen Rückenschild
und sehr verlängerte Scheeren zu ; unsere neue Art zeich-
net sich in diesen Beziehungen nicht von dem Typus
der Gattung, der südeuropäischen Th. fluviatilis, aus.
ThelpJiusa fFarathelpliusaJ tridentata und /S^7^eris^sM.E.
Milne Edwards hat an dem angeführten Ort und
in den Archives du Museum d'hist, naturelle, tome VII.
die neue Gattung Parathelphusa aufgestellt, welche sich
nur durch die Mehrzahl der Zähne des Seitenrandes von den
andern Thelphusen unterscheidet; die Stirne ist an den mir
vorliegenden Exemplaren nicht weiter vorgezogen und die
Branchialgegend nicht weniger entwickelt, als bei meinen
Exemplaren der Th. fluviatilis aus Italien, obwohl Milne
Edwards diese beiden Punkte in die Gattungsdiagnose
aufnimmt, ohne dieser jedoch eine neue Gattungsdiagnose
von Thelphusa entgegenzusetzen. Dem Unterschied in der
Zahl der Seitenzähne möchte ich nur artlichen, nicht
generischen Werth geben, um so mehr als innerhalb
20 V. Martens
Thelphusa selbst bald ein, bald kein Seitenzahn vorkommt.
Ich habe Exemplare aus dem südlichen China (Hongkong?),
8iam, Sumatra, Borneo und Java vor mir. Die chinesi-
schen und siamesischen unterscheiden sich durch
drei spitzige Seitenzähne (die stumpfere Aussenecke der
Augenhöhle nicht mitgerechnet) und den gebogenen Verlauf
der Leiste hinter der Stirne, -welche nahe dem Seitenrande
sich stark nach rückwärts wendet und nahe der Basis
des letzten Seitenrandes aufhört ; sie stimmen ohne Zwei-
fel mit der von Milne Edwards sinensis genannten Art,
Arch. Mus. VII. pL IB. fig. 2., doch sind sie viel grösser als
dessen Abbildung. Cephalothorax 50 Mill. breit, 44 lang.
Vorletztes Abdominalsegment des Männchens lV2i5ial länger
als breit, vorn am breitesten und in den hintern zwei
Dritteln seiner Länge bedeutend schmäler. Ich habe
diese Exemplare zu Bangkok und Petshaburi in Siam,
auf dem Lande am Ufer süsser Gewässer selbst gefangen;
die Angabe Hongkong für andere Exemplare ist minder
sicher, da sie von einem andern Sammler unserer Expe-
dition herrühren, dessen Fundortsangaben ich wiederholt
wenig zuverlässig gefunden; doch stimmt es damit über-
ein, dass auch Milne Edwards die Art chinesisch
nennt, doch hat er jedenfalls Unrecht, les mers de la
Chine ihr zum Vaterland zu geben.
Die Exemplare von den drei grossen Sundainseln
stimmen unter sich alle darin überein, dass nur zwei
spitzige Seitenzähne vorhanden sind, die Leiste hinter
der Stirne gerade verläuft und ganz nahe der Basis des
vorderen Seitenzahnes endigt, ohne sich nach hinten zu
biegen. Sie sind demnach ohne Zweifel die von Milne
Edwards tridentata genannte Art (derselbe zählt die
äussere Ecke der Augenhöhle als dritten Zahn) meine
Exemplare von Borneo erreichen vollständig die Grösse
seiner Abbildung, Arch. Mus. VII. pl, 13. fig. 1. Zu be-
merken ist dabei übrigens, dass der Unterschied im Ver-
lauf der genannten Leiste genau genommen nicht so gross
ist, als er auf den ersten x\nblick erscheint, denn von
dem seitlichen Ende derselben ganz nahe der Basis des
lieber einige ostasiatische Süsswasserthiere. " 21
vorderen Seitenzahnes bis zur Basis des dritten findet
sich eine Reihe von meist drei unter sich allerdings nicht
zusammenhängenden Höckerchen ^ welche das Analogon
zu dem schroff zurückgebogenen Stück der Leiste bei
der andern Art ist. In der Stärke der Stacheln an den
letzten Fussgliedern finde ich zwischen beiden Arten keinen
Unterschied, wohl aber zwischen den kleinern und grös-
sern Exemplaren der tridentata. Ebenso verhält es sich
bei sinensis, wovon ich grosse und kleine Exemplare vor
mir habe; und so lässt sich erklären, dass Milne Ed-
wards seiner tridentata, von der er nur ein Exemplar und
zwar ein grosses vor sich hatte, „Dactylopodites fortement
armes ^, seiner Sinensis, von der er mehrere, aber nach
seiner Abbildung nur beträchtlich kleinere hatte, „Epines
des dactjlopodites faibles^ zuschrieb. Das vorletzte Abdomi-
nalsegment meiner männlichen tridentata von Borneo und
Java (von Sumatra habe ich nur ein weibliches) ist ebenfalls
etwa lY2mal so lang wie breit, aber der Breitenunter-
schied zwischen seinem vordem und hintern Theile ist
sehr gering. Mein Exemplar von Java und dasjenige
von Sumatra sind gleich gross, der Cephalothorax etwa
24 Mill. breit und ebenso lang; die äussere Ecke der
Augenhöhle ist weit stumpfer als die zwei Seitenzähne,
und der Seitenrand zwischen jener Ecke und dem vor-
dem dieser Zähne gleichmässig convex. Bei den sieben
Exemplaren von Borneo aber, wovon das kleinste schon
merklich grösser als jene ist, ist die äussere Augenecke
beinahe so spitzig wie die Seitenzähne und tritt in der
hintern Hälfte jenes Stückes vom Seitenrand ein zwar
abgerundeter und stumpfer, aber doch deutlich begränzter
Vorsprung hervor. Es ist möglich, dass dieses nur Al-
tersunterschied ist, aber in der Milne E d war ds'schen
Abbildung, welche doch ein Exemplar von gleicher
Grösse vorstellt, ist ein solcher Vorsprung nicht gezeich-
net^ man kann daher fragen, ob diese Bildung nicht als
Eigenthümlichkeit einer Lokalrasse aufzufassen sei. Es
ist nicht zu verkennen^ namentlich bei Berücksichtigung
der Stellung zur mehrerwälmtcn Leiste hinter der Stirne,
22 V. Martens:
dass jener abgerundete Vorsprung der tridentata von Bor-
neo das Analog des vordem Seitenzahns der sinensis ist,
und wenn wir bei letzterer mit Edwards vier Zähne
zählen, jene von Borneo als 3V2 zähnig zu bezeichnen
wäre. Von Sinensis habe ich nur grosse Exemplare, die
Seitenzähne derselben verhalten sich aber, wie bei der
Mi Ine Edward s'schen Abbildung eines kleinern.
Die nähern Fundorte meiner tridentata sind Singka-
wang an der Westküste von Borneo, Surabaja im öst-
lichen Theil von Java und Lahat im mittlem Sumatra
an einem Zuflüsse des Musi. An allen drei Orten fand
ich sie am Ufer süsser Gewässer. Milne Edwards
erhielt seine tridentata von Le Guillou, und vermuthet,
sie sei aus Neuseeland. Le Guillou machte als SchifFs-
arzt die sogenannte Expedition „au pole sud" unter Du-
mont d'Urville mit den Schiffen Astrolabe und Zelee
1837—1840 mit; diese Expedition berührte auch die Phi-
lippinen, Molukken und Java; Le Guillou beschrieb selbst
Landschnecken von den Molukken und Sundainseln (Revue
zoologique 1842. pag. 141, 142); so liegt es nahe, auch
letztere Inseln als Vaterland des von Milne Edwards
beschriebenen Originalexemplares zu betrachten.
Die Gattung Sesarma Say ~ Pachysoma De
Haan ist eigentlich für das Brackwasser charakteristisch
und als solche durch die heisse und wärmere gemässigte
Zone beider Erdhälften verbreitet, z. B. S. cinerea Bosc.
= reticulata Say, die typische Art, im wärmeren Nord-
amerika, in muddy salt-marshes, banks of creeks (Say
Journal Acad. n. sc. Philadelph. L 1817, pag. 73 und 74),
S. Husardi Desm. (als Grapsus) „h l'embouchure du fleuve
Senegal^, und ebenso fand ich von Japan bis zu den
Molukken Arten dieser Gattung häufig auf dem Schlamm-
boden der Fluss- oder Bachmündungen zunächst dem
Meere, doch wiederholt auch an und in Süsswasserbächen
in massiger Entfernung vom Meere und namentlich in eini-
ger Höhe über dessen Niveau, zwischen Land- und Süsswas-
serpflanzen, doch stets in der Küstengegend, so in Japan
bei Yokohama (S. haematochir und S. Dehaani M. E. =
lieber einige ostasiätische Süsswasserthiere. 28
qiiadrata Dehaan) andere Arten auf Ceram , Java und
Ceylon. Damit stimmen die Beobachtungen Stimpsons, wel-
cher ebenfalls S. Dehaani „in aestuariis, interdum in aquis
dulcibus^ angibt; auch nach Say findet sich die schon
genannte S. cinerea in Ostflorida im St. Johnfluss noch 60
engl. Meilen aufwärts von dessen Mündung (1. c. p.442). Die
Gattung Eriochir De Haan — Pseu dograpsus M. E.,
durch die dichtbehaarten Scheeren ausgezeichnet, findet
sich schon beiRumph unter dem Namen Cancer barba-
tus als Bewohner der Süsswasserflüsse auf Amboina und
Ceram, selbst in den Bergen (;,in Süsswasserflüssen, z. B^
im Olifantfluss auf Amboina, grösser im Fluss Hatihan
auf Ceram, ziemlich fern im Gebirge, amboinsche rari-
teitkamer pag.'26.); die auch hieher gehörige Utica gra-
cilipes White fand Cuming „in a freshwater-rivulet
among the mountains of the Island of Negros^ und Arthur
Adams „in the deep still muddy freshwater rivulets^ bei
Zamboanga, Insel Mindanao (Zoology of the voyage of H.
M. S. Samarang, Crustacea, pag. 53 J, während S ti m p s o n
die von ihm noch unterschiedenen Gattungen Eriocheir
und Pseudograpsus nur als Brackwasser- („in aestuariis^)
und Litoralkrabben kennt, dagegen eine den eigentlichen
Grapsus näher stehende Untergattung Geograpsus auf
den Bonininseln „inter folia putrida et sub lapidibus prope
rivulos montanes" kennt. (G. rubidus Stimps. Proceed.
Ac. nat. sc. Philadelphia 1858 pag. 50). Eine weitere zu
Grapsus gehörige Form, Platynotus depressus, soll nach
De Haan, Fauna Japonica p.63 in Japan „in fluviis mon-
tanis" leben, wird dagegen von Stirn pson (I.e.) für ein
Meerthier erklärt.
Entschiedene Brackwasserbewohner, stets in der Nähe
und im Niveau des Meeres, wenn auch an den schlam-
migen Ufern der Flussmündungen, sind die Arten der
Gattung Gelasimus (Cancer vocans L.), durch die eine
unverhältnissmässig grosse Scheere ausgezeichnet, meist
lebhaft gefärbt, häufig an den Küsten des indischen Oceans
vom südlichen China bis zu den Molukken und mit ähn-
licher Lebensweise durch die ganze Tropenzone verbrei-
24 V. Martens:
tet, z. B. Gelasimus pulchellus Stimps. „ad insulam Tahiti
in aestuariis arenosis^, G. palustris M. E. in Westindien und
Brasilien „in bay-shores and salt-marshes^ (Say 1. c.) u. s. w.
Endlich sei hier noch der Landkrabben gedacht,
es sind eigentlich Süss- und Brackwasserthiere, welche
den grössern Theil ihres Lebens über Wasser zubringen.
Während meines Aufenthaltes in Ostasien ist mir nur
Eine solche vorgekommen, Cardisoma carnifex Herbst sp.,
innerhalb der Stadt Amboina in der Speisekammer mei-
nes Wirthes lebend gefangen, etwa 500 Schritt vom
Meer und etwas weniger von dem die Stadt durchflies-
senden Bache entfernt; sie scheint demnach dort einiger-
maassen die Rolle der Ratten zu spielen, welche bekannt-
lich auch gerne von Kanälen und Kloaken aus in die
Häuser der Menschen eindringen. Dieselbe Art ohne
Zweifel ist es, welche Rumph als erste Art der Hunds-
krabbe, Cancer caninus, schildert; nach ihm lebt sie so-
wohl in dem Wasser als auf dem Lande, klettert selbst
auf Cocosbäume (diese wachsen meist am Seestrand im
Gebiet des Meer- oder Brackwassers), macht hohle Gänge
unter die Wohnhäuser, aus denen sie Nachts hervorkommt,
grossen Lärm macht und selbst lebende Hühner raubt.
Dieselbe Art ist auch sonst im Gebiet des indischen Oceans
beobachtet, z. B. bei Pondichery (Milne Edwards) und
auf den Liukiuinseln (Stimpson, der sie in Bezie-
hung auf ihr Vorkommen als „palustris'^ bezeichnet), wäh-
rend die Mehrzahl der Landkrabben (Gecarcinus und
Cardisoma) westindisch und brasilianisch ist. Die syste-
matisch zn ihnen gerechnete Uca beobachtete ich in Rio-
Janeiro in einem seichten schlammigen mit dem Meer
zusammenhängenden Sumpfe, in Gesellschaft von Gela-
simus, meist unter Wasser.
Es ist bemerkenswerth, dass all diese Süss- und
ßrackwassergattungen der grossen Familie der Cancroi-
den und namentlich den Catometopen von Milne Ed-
wards angehören, welche auch in ihren acht marinen
Arten sich dadurch auszeichnen, dass die Thiere gern über
Wasser an die Luft kommen, wie ich und Andere es hun-
lieber einige ostasiatische Süsswasserthiere. 25
dertmal von verschiedenen Grapsiis an Steinen und Klip-
pen, von Ocypode auf Sandstrand beobachtet haben, auch
Carciniis Maenas L. sp. kommt auf den steineren Treppen in
der Stadt Venedig öfters freiw^illig aus dem Wasser hervor.
Dagegen besitzen die Abtheilungen der Oxyrhynchen und
Oxystomen von Milne Edwards ebensovrenig Süsswas-
serbewohner, als die zu ihnen gehörigen Thiere je frei-
willig das Wasser verlassen; höchstens werden sie ein-
oder das anderemal auf den Korallenriffen bei Ebbe vom
Wasser verlassen, meist aber leben sie tief genug, um
davor sicher zu sein, und im Durchschnitt sind sie auch
weit träger und langsamer, als die Cancroiden, so dass
gesehen und gefangen werden bei ihnen meist dasselbe
ist, was z. B. von Ocypode und Grapsus keineswegs gilt.
In all diesem macht aber Pinnoteres eine merkliche Aus-
nahme von den übrigen Cancroiden, er und seine näheren
Verwandten kommen nicht an die Luft, scheinen über-
haupt wenig Ortsbewegung zu entfalten und fehlen gänz-
lich dem süssen Wasser.
2. Anomuren.
Unter den Anomuren fallen im indischen Archipel
die Einsiedlerkrebse, namentlich die Gattung Coenohita,
als Strandbewohner auf, stets am Meere, aber meist über
Wasser, am häufigsten auf dem kahlen Sandstrand, in
dem Meeresauswurf sowohl Nahrung als Schirm gegen
die Sonne und vor dem Auge etwaiger Feinde findend;
nicht selten erstrecken sich ihre Exkursionen landein-
wärts bis zu mit den ersten Landpflanzen bewachsenen
Stellen des flachen Gestades oder auch an steilerem
mehrere Fuss aufwärts, doch immer nur wenige Schritte
von der See; im Brackwasser fand ich sie seltener und
auch da nur in der unmittelbaren Nähe des Meeres, nie
stundenweit davon entfernt in salzhaltigem Wasser; in
süsses Wasser gebracht, geben sie sich alle Mühe heraus-
zukommen und über Nacht darin eingesperrt, sind sie
in der Regel am nächsten Morgen todt, während sie im
Trocknen mehrere Tage am Leben erhalten werden
26 V. Martens:
können. Aehnlicli scheint sich der ihnen verwandte Bir-
gus latro zu verhalten, nach Rum ph's Schilderung, wel-
cher denselben auch wie die eben erwähnte Landkrabbe
auf dieCocosbäume klettern lässt. x\usschliessliche Brack-
wasserbew'ohner gibt es nicht unter ihnen und ebenso-
wenig Süsswasserthiere. Die einzige Anomure, welche
in süssem Wasser und zwar ausschliesslich so viel wir
wissen, in solchem lebt, ist die südamerikanische Gattung
Aeglea, schon dicht an der Gränze der Macrouren
stehend; sie wurde in Chile, z. B. bei Cuesta del Prato,
60 engl. Meilen vom Meere entfernt (Dana, Aegl. laevis),
eine angeblich andere Art im Rio de Maypo 2000 Fuss
über dem Meer (Gray A. intermedia) und in neuester
Zeit von Dr. R. He n sei auch in Gebirgsbächen von Rio
Grande do Sul (südliches Brasilien) gefunden.
3. Macrouren.
Die Gattung und Familie, welcher der gemeine
Flusskrebs Europa's angehört, Astacus, fehlt meines
Wissens im indischen Archipel und ist überhaupt zwi-
schen den Tropen, soviel wir bis jetzt wissen, nur spär-
lich vertreten , so in Mittel - Amerika durch Cambarus
Cubensis Erichs, und C. consobrinus Sauss. auf Cuba, C.
aztecus Öauss. im heissen Küstenlande von Mexiko. Am
Südrande der Tropenzone treten sie auch in der alten
Welt wieder auf. Vom nördlichen Neuholland, Port Es-
sington, soll nach Gray Astaeus bicarinatus (Cheraps?)
kommen; auf Madagaskar lebt Astacoides Madagascarien-
sis M. E. (= Goudotii Guerin); diese Insel liegt zn einem
guten Theile schon ausserhalb der Tropenzone, aber ihre
Fauna ist im Wesentlichen eine tropische und die von den
Europäern, namentlich Franzosen öfter besuchten Gegen-
den derselben liegen noch innerhalb der Wendekreise.
Jenseits derselben, in der südlichen gemässigten Zone
sind Süsswasser-Astacinen häufig in Neuholland (eigent-
liche Astacus, Cheraps, Engaeus, Astacoides spinosus
Heller Novara = Astacus armatus m. Ann. Mag. N. H.),
Neuseeland (Astacus Novae Zeeiandae und zwei Parane-
üeber einige ostasiatische Süsswasserthiere. ^7
phrops) imd im Capland, in dessen Bergbäclien nach
Krau SS der von M i 1 n e Edwards in die Gattung unse-
res Hummers gestellte Ast. Capensis Herbst lebt. Marine
Astacinen waren lange nur aus der nördlichen gemässig-
ten Zone, Europa und Nordamerika bekannt , und nur
aus zwei Gattungen, Homarus undNephrops; in neuester
Zeit wurden auch tropische Arten einer neuen Astaci-
nengattung beschrieben, Enoplometopus pictus, Alph. Milne
Edwards in Maillard's Note sur File Reunion (Bourbon)
und E. antillensis Lütken , Videnskab. Meddelels. 1864.
pap. 13, aber bei keinem von beiden wird gesagt, ob er
im Meere oder im süssen Wasser lebe.
Die häufigsten und grössten Süsswasserkrebse der
Tropenzone beider Hemisphären liefert die Gattung Pa-
laemon und zwar diese im engsten Sinne nach der
Umgränzung von Stimpson u. A. genommen, so dass
sie nur die Arten mit zwei Stacheln hintereinander am
vordem Theil des Cephalothorax, die zweite Hälfte der
Gattung bei Milne Edwards, in sich begreift und alle
europäischen Arten (Leander bei Stimpson) ausschliesst.
Dass der in Südamerika weit verbreitete Palaemon Ja-
maicensis im süssen Wasser lebe, wurde schon in meiner
früheren Zusammenstellung (dieses Archiv XXIII. 1857.
S. 188) berührt und ist seitdem von Dr. Hensel bestä-
tigt worden, welcher denselben in einem Süsswasser-
teich des botanischen Gartens bei Rio -Janeiro gefangen
hat. Aber auch die ostasiatischen Arten dieser Abthei-
lung, wie P. carcinus F., ornatus Oliv., Lamarei M. E.,
haben sich als Süsswasserbewohner gezeigt. So habe ich
z. B. Pal. carcinus, von der Schnabelspitze zur Schwanz-
spitze 0,291 Meter lang, im Binnenlande von Borneo, an
der schon erwähnten Station Sintang von den Eingebor-
nen erhalten. Pal. Javanicus Heller noch weiter aufwärts,
zu Lempai vom Danau Sriang: Pal. ornatus Olivier in
Süsswasserbächen auf Amboina, und der Insel Adenare
bei Flores.
Ob dieselben Arten auch im Salzwasser leben, ist
gegenwärtig noch nicht zu beantworten. Auf Larentuka
28 Vi Martens:
erhielt ich ebenfalls Pal. ornatus und auf meine Frage,
ob aus dem Meer oder aus dem Bache, antwortete der
Eingeborene, der ihn mir gebracht: aus dem Meer. Die-
selben und ähnliche Arten sind auf den Fischmärkten
der Küstenstädte, wo sich Süsswasser-, Brackwasser- und
Meerthiere zusammenfinden, zahlreich vertreten, so Pal.
Idae Heller in Singapore, Pal. Sinensis Heller in Shang-
hai. Die Literatur gibt hierüber keinen genügenden Auf-
schluss: auf Milne Edwards' Angaben „dans la mer
des Indes oder l'ocean indien^ kann ich keinen Werth
legen, da sie nicht näher begründet sind und ebensowohl
nur der allgemeinen Annahme, sie seien wie die Mehrzahl
der Macrouren marin, entsprungen sein können, als be-
stimmten Angaben über die ihm vorliegenden Exemplare
in dieser Hinsicht. Von Pal. Lamarei sagt derselbe:
trouve sur les cotes de Bengale, par M. Lamare Picot.
Von demselben Lamare Picquot sind nun aber zahlreiche
Süss- und Brackwassermollusken (Limnaeus, Melania, Unio,
Assiminea Francisiae) aus der dortigen Gegend im Ber-
liner Museum vorhanden, so dass es mir wahrscheinlich
ist, dass auch sein Palaemon aus demselben Gebiet, Brack-
oder Süsswasser kommt, um so mehr als dieselbe Art
dasselbe Museum auch später von Calcuttä erhalten hat.
Dana und Heller (Novara-Expedition, Crustaceen) geben
nur die Aufenthaltspuncte der betreffenden See-Expeditio-
nen an, an w^elchem die bezügliche Art acquirirt wurde,
ohne über deren nächsten Aufenthalt oder die Art der
Erwerbung etwas zu sagen ; so dass sie für die Frage, ob
Meer- oder Süsswasserbewohner, gar keinen Anhaltspunkt
geben; wahrscheinlich stammen die meisten, wie viele
der von mir zurückgebrachten, auch vom Fischmarkt.
Für die amerikanischen Arten bemerkt Saussure (m6-
moires sur l'hist. nat. de Mexique L 1858 p. 82) ausdrück-
lich, dass sie nicht im eigentlichen Meer, sondern im Brack-
wasser leben und so neige ich mich der Ansicht zu, dass
diese ganze Abtheilung der Palaemon mit zwei Stacheln
hintereinander dem süssen und brackischen Wasser, aber
nicht dem freien Meere angehört.
lieber einige ostasiatische SüsswassertMere, 29
Nördlich der Tropengrenze Ist diese Abtheilung noch
durch einige^ durchschnittlich kleinere Arten vertreten,
Pal. Sinensis Heller und eine oder zwei andere auf dem
Fischmarkt von Shanghai, eine Art P. Boninensis auf
den Bonininseln „in rivulis montanis^ (Stimpson), mehrere
von De Haan beschriebene Arten in Japan, über deren
näheres Vorkommen ich leider sowenig wie er sicher be-
richten kann, endlich im Nil durch Klunzinger's Palaemon
Niloticus (Siebold's Zeltschr. für wissensch. Zoologie Bd.
XVI. 1866), welcher ebensov»'ohl ein mit dem Nil herab-
gekommener tropischer .Gast im Gebiet der Mittelmeer-
fauna sein dürfte, wie Ampullaria und Lanistes unter den
SüsswassermoUusken Aegyptens.
Nicht hieher gehört aber der italienische Palaemon
lacustris, den ich vor 10 Jahren in diesem Archiv be-
schrieben habe und der seitdem von Prof. Balsamo Cri-
velli auch um Pavia zu jeder Jahreszeit und in allen Al-
tersstufen beobachtet wurde; derselbe stimmt in der An-
ordnung der Stacheln am vordem Rand des Cephalotho-
rax mit den europäischen Meer-Palaemonen (Leander
Stimps.) gegen die tropischen Süsswasserbewohner überein,
ist aber von Heller mit Recht wegen des Mangels eines
Palpus am Oberkiefer in die Gattung Anchistia versetzt
worden, wo er bis jetzt die einzige Süsswasserart zu sein
scheint.
Was nun die Arten der Gattung Palaemon in
Ostasien betrifft, so haben schon Olivier, Mi Ine Ed-
wards und Dehaan mehrere beschrieben, in neuerer
Zeit Dana, Stimpson und namentlich Heller (Sitzungs-
berichte der Wiener Akademie Bd. 45, erste Abtheilung,
1862 und Crustaceen der Novara Expedition) manche neue
hinzugefügt, doch ohne auf die Geschlechts- und Alters-
unterschiede einzugehen. Gemeinschaftlich allen ost-
asiatischen Süsswasserarten, so weit ich sie kenne, ist
ausser den zwei Stacheln hintereinander am Cephalotho-
rax über der Einlenkung der äussern Fühler, welche
diese Abtheilung charkterisiren, und dem einen ähnlichen
Stachel an der Basis dieser Fühler selbst, welcher allen
30 V. Martens:
Palaemonen zuzukommen scheint, ferner noch, dass das
erste Fusspaar, nach vorn gestreckt (es ist bei den ohne
weitere Präparation aufbewahrten Exemplaren in der Regel
in seiner Glitte, dem Gelenk zwischen Brachium und Car-
pus, gebeugt) die Fühlerschuppe überragt, die drei hin-
tern Fusspaare deren Vorderende aber gerade noch oder
beinahe erreichen (mit Ausnahme des einen gleich zu
beschreibenden Pal. Siamensis), ferner dass das Mittel-
blatt der Schwanzflosse (siebentes Bauchsegment) kürzer
ist, als deren Seitenblätter, auf seinem Rücken zwei Paare
kleiner Stacheln, jeder in einem dunkelgefärbten Ring,
trägt (Mi Ine Edwards spricht bei Charakteristik der
Gattung von einem fünften unpaaren Stachel, welchen
ich bei den meisten Individuen dieser Abtheilung ver-
misse) ; endlich, dass dieses Mittelblatt der Schwanzflosse
in drei kleine stumpfe Zähnchen ausgeht, nach innen
jedes seitlichen Zähnchens aber ein längeres eingelenktes,
nicht continuirlich damit verbundenes trägt. Die brauch-
barsten Artkennzeichen liefern der Schnabel und das
zweite Fusspaar. Die Zahl der Zähnchen am Ober- und
am Unterrande des Schnabels variirt wohl innerhalb ge-
wisser Gränzen, z. B. von 12 zu 14, 7 zu 8, 3 zu 4 ganz
individuell an Exemplaren gleicher Grösse und gleichen
Fundortes ; ausnahmsweise kommt auch eine stärkere Ab-
weichung vor, z. B. 9 statt 13 bis 14 bei Pal. carcinus,
indem die vordersten Zähnchen undeutlich werden oder
ganz schwinden und zwar zugleich am obern und untern
Rande ; das vorderste Zähnchen oben ist stets ganz nahe
der Spitze, näher als das vorderste unterste (eine Aus-
nahme soll hierin Pal. Lamarei machen). Auch das hin-
terste der oberen Zähnchen, schon auf dem Cephalotho-
rax selbst gelegen, ist oft kleiner als die andern und
kann ganz schwinden, so dass die Bestimmung, ob das
dritte oder vierte über dem Auge steht, als Artkenn-
zeichen trügen kann. Die Länge des Schnabels ist auch
nicht absolut gleich, bei Exemplaren derselben Art und
desselben Fundortes kann der Schnabel den vordem Rand
der Fühlerschuppe ein wenig überragen oder ein wenig
lieber einige ostasiatische Süsswasserthiere. 31
dagegen zurückbleiben, oder ebenso im Yerhältniss zum
Stiel der obern Fühler, so dass in einer Beschreibung
ohne Abbildung die Ausdrücke ,,Schnabel länger (oder kür-
zer) als die Fühlerschupppe'^ bei Bestimmung vereinzelter
Exemplare irre führen können. Grössere Variationen in
der Länge des Schnabels sind selten, doch nicht ganz
ausgeschlossen : so liegt mir ein Exemplar des Pal. car-
cinus vor, bei welchem derselbe die Fühlerschuppe kaum
überragt, während er in der Regel bei dieser Art dop-
pelt so lang als diese ist.
Alters- oder Geschlechts-Unterschiede sind mir am
Schnabel nicht aufgefallen; junge Pal. carcinus von nur
130 Mill. Länge zeigten ihn verhältnissmässig ebensolang
und ebensoviele Zähne, oben 14, unten 13, an demselben
wie ganz grosse von 300 Mill. Länge. Die Art-Charaktere,
welche der Schnabel bietet, sind daher von Werth, um
die Jugendformen zu den erwachsenen zu finden und um
Exemplare zu bestimmen, welche beide grosse Scheeren
verloren haben , und solche erhält man auf den Fisch-
märkten und sonst oft, da die Thiere mit diesen, dem
zweiten Fusspaar, fremde Gegenstände ergreifen und fest-
halten, sie daher bei unsanfter Behandlung leicht abge-
rissen werden.
Diese Scheeren bieten nun ebenfalls wichtige Artkenn-
zeichen, erstlich in der Behaarung und Bezahnung der
Finger und zweitens in dem Verhältniss der Länge zwi-
schen Carpus, Hand und Finger, und drittens in der
Gleichheit und Ungleichheit der rechten und linken Hand.
Darin unterscheiden sich die meisten Arten frappanter
als durch den Schnabel, aber diese Kennzeichen entwik-
keln sich erst bei einer gewissen Grösse und lassen bei
jungen Exemplaren mehr oder weniger im Stich. Die
Behaarung (abgesehen von den einzeln stehenden Borsten)
und Bezahnung der Finger entwickelt sich erst von einer
gewissen Grösse der Individuen an, die Scheeren sind
bei allen jungen schlank, cylindrisch, schwach oder gar
nicht dornig, und ganz oder nahezu unter sich gleich,
die Finger gerade, dicht anliegend, während sie im Alter
32 V. Martens:
bei der einen Art so bleiben, bei andern dick, platt,
stark dornig oder sehr ungleich, die Finger hakenförmig
gebogen werden. Ebenso ändert sich das Verhältniss
der Länge und auch der Dicke zwischen den einzelnen
Gliedern mit dem Alter und zwar in der Regel so, dass
das für die Art eigenthlimliche Uebergewicht eines Glie-
des über das andere, z. B. des Carpus bei Pal. Idae Heller,
des Palmartheils der Hand bei Pal. ornatus, mit der Zu-
nahme der absoluten Grösse immer greller hervortritt. Auch
das Verhältniss der Länge des zweiten Fusspaars zur
Körperlänge nimmt mit der absoluten Grösse des Thiers
zu: bei allen mir vorliegenden Exemplaren unter 100 Mill.
Länge, welcher Art sie auch angehören, ist das zweite
Fusspaar kürzer als der Körper (den ich wie gewöhn-
lich von der Schnabelspitze zur mittlem Schwanzspitze
messe.) Exemplare von mehr als 150 Mill. Körperlänge
kenne ich nur von Pal. carcinus und ornatus, und bei
denselben ist das zweite Fusspaar dann auch bedeutend
länger als der Körper (bei Pal. ornatus immer, bei Pal.
carcinus machen nur Weibchen eine Ausnahme, z. B. ein
Weibchen von 212 Mill. Körperlänge mit nur 140 Mill.
langem zweiten Fusspaar). Es ist wahrscheinlich, dass
manche andere Arten nie so gross werden und das zweite
Fusspaar nie den Körper an Länge übertrifft, dieser Un-
terschied also wohl ein artlicher ist, aber wir dürfen
doch nicht die grosswerdenden Arten durch die ver-
hältnissmässige Länge dieses Fusspaares von den klein-
bleibenden unterscheiden, weil wir dadurch ihre Jugend-
formen ausschliessen und den andern zuschieben wairden.
Diese grossen Exemplare mit Scheeren länger als
der Körper sind, so weit meine Erfahrung reicht, meist
Männchen, wie auch Milne Edwards IL p. 396 für
Pal. carcinus angibt; ich glaubte anfangs, alle seien Männ-
chen, aber unter den trocknen Crustaceen, welche seit
langer Zeit im Berliner Museum, befindet sich ein Weib-
chen dieser Art, dessen Körper 300, das zweite Fusspaar
470 Mill. misst, sogar um 25 Mill. mehr als ein Männchen
gleicher Körperlänge derselben Sammlung; auch habe
- Ue"ber einige ostasiatische Süsswasserthiere. 33
ich ein Weibchen von ähnlicher Körperlänge mit kurzen
Scheeren gesehen. Bei kleinern Exemplaren von Pal.
carcinus so wie bei den kleiner bleibenden Arten über-
haupt aber sind durschschnittlich bei gleicher Körper-
länge die Scheeren der Männchen etwas länger als die
der Weibchen, doch nicht besonders aufiallend und mit
solcher Breite der individuellen Variation , dass z. B.
unter sechs Männchen und ebenso vielen Weibchen nahezu
gleicher Körpergrösse von Pal. asperulus, die ich desshalb
in zwei Reihen nebeneinander legte, die grössten Schee-
ren auf der weiblichen Reihe die kleinsten der männli-
chen übertrafen. Ausser den Geschlechtsöffnungen selbst,
bei den Weibchen am dritten, den Männchen am fünften
Fusspaar, dient es auch zur Unterscheidung der Geschlech-
ter, dass die fünften Füsse an ihrer Basis bei den Weibchen
einen auffallend grössern Zwischenraum zwischen sich
lassen, als die vorhergehenden, bei den Männchen aber
eher enger zusammenstehen. Alle Exemplare, welche
Eier an den Abdominalfüssen trugen, haben sich bei der
Untersuchung, wie zu erwarten, als Weibchen herausge-
stellt, aber die Eier sind keine Bürgschaft dafür, dass
das Exemplar die volle Grösse der Art erreicht, denn
ich finde hier wie bei einigen andern Crustaceen eiertra-
gende Exemplare derselben Art und desselben Fundor-
tes um die halbe Körpergrösse unter sich abweichend.
Nach diesen Vorbemerkungen lassen sich die Arten
der ostasiatischen Süsswasserpalaemonen, soweit ich sie
beobachten konnte, folgendermassen unterscheiden:
Archiv für Naturg. XXXIV. Jahrf. 1. Bd.
u
y. Martens:
Palaemon,
Scheeren.
Finger.
carcinus F.
ornatus Oliv.
Idae mir.
dispar n.
Sinensis HUr.
asperulus n.
latimanus n.
Javanicus Hllr.
grandimanus
Randall
3-4
gleich.
wenig
ungleich
gleich
ungleich
gleich
ungleich
cylindr.
abgepl.
etwas ab-
geplattet.
abgeplat-
tet.
^^ ^^ — - - der bewegliche
allein wollig,
mit 1—2 starken
Zähnen
mit innererKante.
(/* beide vielzäh-
nig.
rinnenförmig.
rinnenförmig.
beide bezahnt.
schlank.
der grossen Schee-
re gezahnt , der
kleinen Scheere
langhaarig.
1. Palaemon carcinus Linne, Fabr., M. E.
HerbstIL Taf.28. Fig.l. Rumph Taf.l. Fig. B.
Schnabel die Fühlerschuppen überragend, vorn
aufsteigend, oben und unten mit nahezu gleich vielen
(11 — 14) Zähnchen. Scheeren der Erv^achsenen dornig,
(getrocknet blau) ; der bewegliche Finger allein mit brau-
ner wollenartiger Behaarung bedeckt. Körperlänge bis
300, Länge des zweiten Fusspaares bis 435Mill.
Variationen: Der Schnabel überragt die Fühler-
ßchuppe durchschnittlich um die Hälfte ihrer Länge, zu-
weilen um weniger. Als Anzahl der Zähnchen oben
und unten finde ich bei verschiedenen Exemplaren die fol-
genden;
14 14 13 13 13 12 12 12 11 11 ^.^ ^^^^^^ ^^^^^^
14 13 14 13 12 13 12 11 10 9
in gleicher Entfernung von einander, die obern da, wo der
Ueber einige ostasiatische Süsswasserthiere. 35
Schnabel sich aufwärts zu biegen beginnt, weiter ausein-
ander als vorn und hinten, oder lassen hier eine förmliche
Lücke. Wie schon erwähnt, nimmt die Länge des zweiten
Fusspaares mit dem Alter mehr als verhältnissmässig zu;
seine Bedornung und die Behaarung des einen Fingers
ist bei jungen schwach oder fehlt noch ganz. Der Car-
pus ist bei allen grossen Exemplaren dünner und unge-
fähr ebenso lang als der Palmartheil der Scheere, bei
kleineren, sowohl Männchen als Weibchen, länger (bis
5:3) und nach vorn zu verdickt, der Dicke der Scheere
gleichkommend, die beiden Scheeren in der Regel gleich
gross.
Weit verbreitet durch den indischen Archipel; ich
erhielt ihn zu Singapore (^Fischmarkt), Sumatra (Palem-
bang mit Süsswasserflschen wie Ophicephalus, Toxotes,
verschiedenen Cyprinoiden und Labvrinthkiemern), Bor-
neo (Sintang im Binnenland). Von den Philippinen, Rio
bical, auf Luzon hat F. Jagor denselben dem Berliner
Museum zugeschickt. Auf dem asiatischen Festland fand
ich in Siam zu Bangkok auf dem Fischmarkte kleinere
im Wesentlichen übereinstimmende. Das Exemplar von
Sintang zeigt für seine bedeutende Grösse nur eine sehr
schwache Bedornung der Scheerenfüsse; das erwähnte
philippinische Exemplar einen auffallend kurzen Schna-
bel. Milne Edwards nennt die Gangesmündung als
Vaterland.
Ferner liegen mir aus Siam (Bangkok), Sumatra
(Palembang), Borneo (Kopiang bei Mandhor, Flussgebiet
des MusI), durch Jagor von den Philippinen (Taclobang
auf der Insel Leyte) und aus anderen Händen von Cal-
cutta noch eine Reihe Exemplare vor, welche im Uebrigen
mit jugendlichen gleich grossen des Pal. carcinus über-
einstimmend, sich dadurch unterscheiden, dass der Carpus
bedeutend länger als der Palmartheil der Hand ist; nach
de Haan Fn. jap. p. 171 könnte es Pal. Lamarei M. E.
sein, aber die von Milne Edwards selbst für die-
sen gegebene Beschreibung weicht davon wesentlich ab,
erstlich in der Zahl der Zähne am Schnabel, 8 — 10 oben
36 V. Martens:
und 5 — 6 unten, und zweitens in der Angabe, dass der
Carpus ungefähr so lang wie der Palmartheil der Hand
sei. De Haan nimmt an, dass Mi Ine Edwards nur
jüngere Exemplare gehabt und bei diesen die vordem
Zähne noch fehlen, erst bei altern sich entwickeln, eine
Annahme, welche mir, nach Analogie des Pal. carcinus,
nicht wahrscheinlich ist.
In Japan selbst habe ich Pal. carcinus nicht gese-
hen und auch keine andere Art von derselben Grösse
oder von ähnlicher relativer 8chnabellänge. Doch haben
andere Mitglieder der preussischen Expedition ächte er-
wachsene Exemplare von Pal. carcinus mit der Angabe
Jedo und Yokohama mitgebracht, welche sich jetzt im
Berliner Museum befinden; de Haan 1. c. führt seinen
mir fraglichen Pal. Lamarei als japanisch auf, verneint
dagegen ausdrücklich das Vorkommen des (langarmigen)
Pal. carcinus daselbst. Auch in den zahlreichen Thier-
abbildungen, welche ich in Jedo und Yokohama gesehen
und gekauft, kann ich nur kleinere doch auch langarmige
Palaemonen und den grossen dort häufigen Peneus cana-
liculatus Oliv, erkennen. Für ein Öüsswasserthier wäre
auch die Verbreitung derselben Art von der Tropenzone
bis in das mittlere Japan eine höchst auffällige.
Bei allen folgenden Arten überragt der Schnabel
nicht oder doch nur um sehr Weniges die Fühlerschuppe
und hat unten weit weniger Zähnchen als oben.
2. Palaemon ornatics Oliv.
Encyclop. m^thod. , Entomologie pl. 318. flg. 1.
Heller, Sitzungsberichte Wien. Akad.1862. Bd.
45, 1. Taf. 2. Fig. 42. 43 (vagus).
Zähne des Schnabels oben 6 — 8, unten 3. Die bei-
den Finger der Scheere mit stark gebogener Spitze,
an der Innenseite gezahnt, nämlich je ein grösserer
Zahn im hinteren Drittel des beweglichen Fingers, hin-
ter diesem am unbeweglichen Finger 1 — 2 Zähne von
ähnlicher Stärke. Die beiden Finger sehr oft dunkel ge-
färbt mit helleren Flecken. Carpus kürzer als der Pal-
Ueber einige ostasiatische Süsswasserthiere. 37
martheil der Hand. Körperlänge bis 150, Länge des
zweiten Fusspaares bis 170 Mi IL
Variationen: Die zweitgrösste der mir bekannten
Arten und mit der vorigen darin übereinstimmend, dass
die Scheerenfüsse bei jüngeren nicht über Körperlänge,
bei alten viel länger sind. Je grösser, desto mehr krüm-
men sich die Fingerspitzen (bei jüngeren Exemplaren bis
107 Mill. schliessen die Finger noch völlig aneinander),
und desto stärker entvrickeln sich die Zähne ; bei ganz
grossen finde ich die Scbeeren einfarbig (in Spiritus roth),
■während bei mittleren und kleinen die hellen Flecken,
welchen die Art ihren Namen zu verdanken scheint, sel-
ten fehlen. Der Unterschied in der Länge zwischen
Carpus und Palmartheil der Hand nimmt mit der Grösse
des ganzen Fusses sehr auffällig zu ; bei jüngeren Weib-
chen sind beide nahezu gleich lang, bei Männchen mitt-
lerer Grösse verhält sich der Carpus zum Palmartheil der
Hand, wie 2 : 3, bei einem ganz grossen wie 4 : 7, bei
einem anderen grossen dagegen nur wie 4 : 5. Die Fin-
ger sind ungefähr so lang wie der Carpus, sowohl bei
kleinen als grossen Exemplaren ; unter unseren philippi-
nischen Exemplaren findet sich aber eines, dessen Finger
beträchtlich kürzer sind, als der Palmartheil der Hand,
etwa wie 2:3, wodurch die Scheere der von Heller I.e.
Fig. 44 als equidens von Mauritius abgebildeten sehr ähn-
lich wird. Das ganze zweite Fusspaar ist bestachelt, am
Carpus und Palmartheil der Hand marklren sich einzelne
stachellose Streifen, einer längs der Oberseite, meist auch
einer an der Innenseite und öfters noch ein dritter an
der Aussenseite. Die beiden Scheeren sind meist etwas
ungleich, bald die rechte, bald die linke grösser.
Auf Amboina und auf der Insel Adenare bei Flores
in süssem Wasser von mir gefunden, nur kleinere Exem-
plare bis 107 Mill. Körperlänge mit 130 Mill. langen
Scheerenfüssen; bei all diesen die Finger schön gefleckt.
Ganz ähnliche, aber mit einfarbig hellen Scheeren im
nördlichen Celebes, aus dem Tondanoflnss bei Sawangan.
Grosse mit einfarbigen Scheeren von den Philippinen
38 V. Martens :
erhielt das Berliner Museum durch F. Ja gor. Mi Ine
Edwards nennt Amboina und Waigiu (Insel bei Neu-
Guinea), Heller Amboina und Taheiti als Vaterland
seines P. vagus, Auckland (Neuseeland) als Fundort des
P. ornatus.
Namen. Die Abbildung in der Encyclopedie me-
thodique lässt mir keinen Zweifel, dass unsere Art damit
gemeint sei. P. hirtimanus, ebenda pl. 318. fig. 2, un-
terscheidet sich durch die stärkere Ungleichheit der
Scheeren und die verhältnissmässig grössere Breite des
Carpus und der Palma der grossen Scheere. Die weni-
gen beschreibenden Worte im Text, Entomologie Bd.
III. S. 686 und 687 für diese zwei Arten schliessen ein-
ander nicht aus und lassen sich beide auf die mir vorlie-
gende Art beziehen. Aus der längeren Beschreibung bei
Milne Edwards (IL p. 396 und 400, passt das über
die Scheeren von ornatus Gesagte auf meine Exemplare
von Amboina, dagegen die Zahl der Stirnzähne für
ornatus 8—10 kaum noch. Von Bedeutung ist noch, dass
Milne Edwards Amboina als Vaterland seines ornatus
nennt, da ich selbst auf Amboina nur diese Art von grös-
seren Palaemonen zu sehen bekam. Pal. lar Fabricius suppl.
entomol. syst. p. 402 aus Indien scheint mir derselbe,
während dessen longimonus durch ungleiche Scheeren
und glatte Füsse abweicht. Heller's vagus ist nach
dessen Abbildung und Beschreibung identisch mit der
mir vorliegenden Art; er trennt ihn von ornatus, weil
letzterer die Finger nur halb so lang als den Palmar-
theil der Hand und den Carpus ebenso lang wie letz-
teren habe, vagus aber die Finger gleich der Palma und
den Carpus etwas kürzer. In M ilne E d war ds' Be-
schreibung finde ich nur das eine, „carpe ä peu pres
de la longeur de la portion palmaire de la main^ und
weiss daher nicht, ob Heller den zweiten Charakter
für ornatus aus der Abbildung Oliviers, Pariser Origi-
nalexemplaren oder von ihm selbst bestimmten entnom-
men hat. Den Carpus nahezu so lang wie die Palma,
finde ich, wie schon erwähnt, bei jüngeren Exemplaren
lieber einige ostasiatische Süsswasserthiere. 39
von Amboina, welche mit anderen zugleich gefange-
nen (im Ganzen sieben) mit kürzerem Carpus ganz
zweifellos zusammen gehören, die Finger finde ich bei
meinen Exemplaren immer kürzer als den Palmartheil.
3. Palaemon Jc^ae Heller.
Heller 1. c. Fig. 40, 41. S. 416.
Zähne des Schnabels oben 9 — 10, unten 3 — 5. Schee-
ren dünn, cjlindrisch, Carpus länger als das vorherge-
hende Armglied und länger als der Palmartheil der Hand,
Finger kürzer als dieser, ziemlich gerade und erst an der
Spitze gebogen; der unbewegliche Finger zeigt
an seinem Innenrande eine ein fa che Kante. Kör-
perlänge bis 115, Länge des zweiten Fusspaares bis
200 Mill.
Variationen: Bei diesem grössten Exemplare,
einem Männchen aus Java, verhält sich der Carpus zum
Palmartheil wie 4 : 3, bei einem kleineren Männchen aus
Singapore wie 3:2, die Finger zum Palmartheil durch-
schnittlich wie 2 : 3, bei den grossen Exemplaren aber
kürzer, bei kleinen mehr, so dass bei grossen der Carpus
länger, bei ganz kleinen kürzer als die ganze Hand, bei
mittleren ihr gleich ist. Die Finger sind meist schwach
gefleckt. Am meisten scheint ihre Bezahnung zu varii-
ren; Heller nennt sie zahnlos, so finde ich es bei keinem
der mir vorliegenden Exemplare ; schon ein kleines Weib-
chen von QQ Mill. Körperlänge und nur 45 Mill. Länge
des zweiten Fusspaars zeigt am beweglichen Finger zwei
schwache Zähne; bei anderen grösseren, männlichen Exem-
plaren sind am beweglichen Finger ebenfalls zwei, am
unbeweglichen aber einer vorhanden, beide im hinteren
Theile des Innenrandes. Bei dem schon erwähnten gros-
sen Männchen von Java tragen beide Finger einen ziem-
lich grossen Zahn, welchem nach vorn zu auf dem unbe-
weglichen die für die Art charakteristische Kante, auf
dem beweglichen zwölf kleinere folgen; dadurch tritt die-
ses Exemplar nahe an die folgende Art, dispar, heran.
Bei den meisten Exemplaren tragen die Finger nur ein-
zelne Borsten, bei einem Männchen mittlerer Grösse von
40 V. Martens:
Singapore aber sind beide Finger (der linken Scheere)
an den Seiten des Innenrandes mit dicht gedrängten kur-
zen Haaren besetzt, welche Kante und Zähne beim An-
blick von der Seite verdecken. Die rechte und linke
Scheere sind bei den mir vorliegenden Exemplaren, so
weit beide vorhanden, gleich oder beinahe gleich.
Vorkommen: Singapore, auf dem Fischmarkte er-
halten; Java F. Jagor; Borneo von Ida Pfeiffer ge-
sammelt nach Heller; Philippinen, in der Laguna del
Bay von mir, in den Provinzen Albay und Camarines
Sur, beide ebenfalls auf Luzon, von F. Jagor einge-
schickt. Jene Lagune ist Süsswasser und Jagor nennt
ebenfalls einen Bach als Fundort seiner Exemplare.
Dana hat einen Pal. equidens (aequidens) von Sin-
gapore beschrieben, mit 10 — 11 Zähnen oben, 6 unten am
Schnabel; das zweite Fusspaar fehlte seinen Exemplaren.
Da ich auf Singapore keine andere Art als P. carcinus
und Idae erhalten, und in der Zahl der Zähne nur ein
unbedeutender Unterschied, sonst in der Beschreibung
und Abbildung bei Dana kein Unterschied von meinem
Idae aus Singapore zu erkennen ist, so bin ich geneigt
Dana's Art auch hieher zu ziehen, während Heller sie in
einer Art von der Insel Mauritius mit kürzerem Carpus
wieder zu erkennen glaubt (1. c. S. 418).
Pah Sundaicus Heller 1. c. Fig. 38, 39 von Java hat
ebenfalls einen Carpus, der länger als das vorhergehende
und als das folgende Glied ist ; auch die Zahlen der Schna-
belzähne— z — ^, weichen nicht wesentlich ab. Was He 1-
4—5 '
1er als bezeichnend anführt, „dass das zweite Fusspaar
kürzer und schmächtiger erscheint und die Länge des
Fingers der Länge des Handgliedes fast gleich kommt^,
erscheint mir als jugendlicher Charakter und damit stimmt
überein, dass weder von Haaren noch Zähnen an den
Fingern die Rede ist, dieselben auch „gut schliessend'^
sind. Länge 3 Zoll.
Pal. lanceifrons Dana, Taf. 38. Fig. 13, von Manila
und nach Heller auch auf Ceylon, schliesst sich durch
Ueber einige ostasiatische Süsswasserthiere. 41
die Länge des Carpus an Pal. Idae an, aber ist durch die
Zahl der Schnabelz'ahne und die verhältnissmässig dicke-
ren Scheeren verschieden.
4. Falaemon dispar n.
Zähne des Schnabels oben 9—10, unten 3—5. Scheeren
dünn, cyb'ndrisch, ungleich gross; Carpus länger als
das vorhergehende Armglied und länger als der Palmar-
theil der Hand, Finger kürzer als dieser, etwas gebogen,
blass gefleckt , mit zerstreuten grossen Borsten besetzt ;
beide Finger längs ihres ganzen Innenran-
des bei den Männchen mit kurzen konischen Zähnen be-
setzt, bei den Weibchen mit einer Kante versehen. Kör-
perlänge bis 73, Länge des zv^eiten Fusspaares 120 Mill.
Die Zähncben am Innenrande beider Finger finden
sich bei Weibchen und Männchen, auch schon da, wo das
betreffende Fusspaar nur 50 Mill. lang ist; ihre Zahl be-
trägt 9 — 12, sie nehmen nach vorn zu an Grösse ab. Diese
Zähnchen unterscheiden unsere Art von Idae. Der Car-
pus verhält sich zum Palraartheil der Hand wie 5 ; 3 bis
4 : 3, die Finger zu demselben wie 1 : 3 oder 2 : 7. Die
Scheeren sind bei allen meinen Exemplarrn beträchtlich
ungleich, in ganz besonders hohem Grade aber bei den
Männchen, wo die eine Scheere zuweilen doppelt so lang
als die andere ist, und zwar ist bald die rechte, bald die
linke die grössere. Bei den Weibchen sind die Scheeren
auch ungleich, aber überhaupt kürzer, bei keinem der
mir vorliegenden weiblichen Exemplare übertrifft die
Länge dieses Fusspaars die Körperlänge, wie doch so oft
bei den männlichen. Ferner finden sich bei den Weibchen
nur auf dem beweglichen Finger und auch hier nur we-
nige Zähne, während der unbewegliche nur eine Kante
am Innenrande zeigt ; auch der bewegliche besitzt vor den
Zähnen eine solche Kante.
Fundort : Insel Adenare, unweit Flores.
' Diese x\rfc ist offenbar der vorigen. Pal. Idae, sehr
nahe und schwer durch eine kurze scharfe Diagnose zu
unterscheiden, doch muss ich, da mir mehr als 20 über-
einstimmende Exemplare vorliegen, die Ungleichheit der
42 V. Martens: "
Scheeren und die Zähnchen an beiden Fingern bei
Männchen, deren Grösse der meiner meisten Exemplare
von Pal. Idae nachsteht, für einen artlichen Unterschied,
nicht individuelle Variation halten.
5. Palaemoyi Sinensis Heller.
Heller Crust. d. Novara Exp. Taf. 10. Fig. 11.
Zähne des Schnabels oben 12 — 14, unten 2 — 3.
Scheeren dünn, cylindrisch, gleich; der Carpus etwas
länger als das vorhergehende Armglied und als der Pal-
martheil der Hand, durchschnittlich wie 3 : 2, die Finger
mit Borsten besetzt, am Innenrande rinnenförmig. Ce-
phalothorax glatt. Körperlänge bis 73, Länge der zweiten
Fusspaares bis 50 Mill.
Bei den Männchen sind durchschnittlich die Finger
etwas länger, dem Palmartheil beinahe oder ganz gleich,
bei den Weibchen etwas kürzer, doch ist der Unterschied
nicht bedeutend. Bei beiden Geschlechtern treten ein-
zelne Zähne am Innenrande der Finger auf, sowohl des
unbeweglichen, als des beweglichen, doch nicht bei allen
und oft an einer Scheere vorhanden, an der andern nicht.
Die Scheeren sind durchschnittlich gleich, seltener eine
etwas grösser als die andere. Bei einzelnen Exemplaren
(Männchen und Weibchen) zeigt der Innenrand beider
Finger dichter gedrängte, kurze Haare. Die Rinne des
Innenrandes der Finger ist oft verhältnissmässig breit,
bei kleineren Scheeren aber nicht selten sehr schmal und
scheint zuweilen nach vorn durch Vereinigung ihrer Rän-
der in eine Kante überzugehen.
Shanghai, auf dem Fischmarkt häufig.
Unter den in Yokohama (Japan) gesammelten Cru-
staceen finde ich ein weibliches Exemplar, welches in
allem Uebrigen mit gleich grossen Weibchen dieses Si-
nensis übereinstimmt, aber an der vorderen Schnabel-
hälfte statt der Zähne nur einzelne stumpfe Ecken zeigt,
entweder nicht normal ausgebildet oder abgenutzt. Viel-
leicht gehört de Haan's Pal. nipponensis auch hieher.
Auch diese Art ist noch nahe mit Pal. Idae ver-
wandt, doch durch die Zahl der Schnabelzähue unter-
Ueber einige ostasiatische Süsswasserthiere. 43
schieden und vielleicht auch dadurch, dass sie nicht so
gross wird, wie Idae.
6. Palaemon asperidics n. Taf. I. Fig. 5.
Zähne des Schnabels oben 9 — 11, unten 2 — 3. Schee-
len gleich, cyiindrisch, etwas dick, rauh ; Carpus solang
wie das vorhergehende Armglied und kürzer als der
Palmartheil der Hand. Finger viel kürzer als der letz-
tere, wie 2 : 3, aussen mit einzelnen Borsten, innen dicht
behaart, rinnenförmig. Regio gastrica des Cephalothorax
durch ganz kleine, weitläufig gestellte Stachelchen rauh.
Körperlänge bis 83, Länge des zweiten Fusspaares bis
48 Hill.
Auch hier haben die Männchen durchschnittlich grös-
sere Scheeren als die Weibchen, und je grösser die
Scheere absolut ist, desto relativ breiter ist auch die Rinne
ihrer Innenränder. Bei dem grössten Männchen reichen
der Stiel der untern Fühler, die äussere Kieferfüsse, der
Arm des zweiten Fusspaars und die Spitzen der beiden
hinteren Fusspaare gleich weit nach vorn, das dritte Fuss-
paar etwas weiter, der Arm des ersten etwas weni-
ger weit.
Shanghai, auf dem Fischmarkt mit Pal. Sinensis.
Diese Art steht durch die Kürze des Carpus zu-
nächst den japanischen Pal. brevicarpus und Japonicus
de Haan (welche vielleicht als Männchen und Weibchen
zusammengehören); ersterer hat aber gezahnte, haarlose
Scheeren, letzterer die Finger so lang wie den Pal-
martheil der Hand. Unterscheidet sich von Pal. asper
Stimps. aus Hongkong durch die Kürze des Carpus;
dass bei P. asper die Scheeren gezahnt sind und das
Armglied des zweiten Fusspaares nach vorn gelegt
die Spitze der Fühlerschuppe erreicht , bei unserer
Art dahinter zurückbleibt; doch könnten diese zwei
Unterschiede auch nur darauf beruhen, dass meine Ex-
emplare jünger als das von Stimps on beschriebene
wären; leider giebt Stirn pson die absolute Grösse des
erwachsenen Männchens, das er seiner Beschreibung zu
Grunde legt, nicht an (Proc. Acad. Nat. Sc. Philadelphia
44 V. M a r t e n 8 :
1860. p 110). Aber die Kürze des Carpiis bleibt als we-
sentlicher Unterschied ; denn bei dem jüngsten der mir
vorliegenden männlichen Exemplars, dessen Körper 2/3^ und
dessen zweites Fusspaar nahezu die Hälfte der oben an-
gegebenen Länge hat, ist der Carpus nur um sehr we-
nig kürzer als der Palraartheil der Hand, seine relative
Kürze nimmt demnach mit dem Alter zu, nicht ab.
Von Pal. scabriculus Heller, Crust. d. Novara Taf. 10.
Fig. 9 aus Ceylon, unterscheidet sich unsere Art durch die
Kürze der Finger und die geringere Anzahl der Schna-
belzähne.
Heller hat noch eine andere Art von Shanghai,
FaJ. spectahüisj Crust. der Novara, Taf. 10. Fig. 10, wel-
che sich von allen mir bekannten Arten dadurch unter-
scheidet, dass die Finger länger als der Palmartheil der
Hand sind.
7. Fal. latimanus n.
Schnabel kürzer als die Fühlerschuppe, nur dem
Stiele der obern Fühler gleich, oben mit sechs, unten mit
zwei Zähnen. Scheeren gleich, abgeplattet, Car-
pus kürzer als das vorhergehende Armglied und bei-
nahe halb so kurz als der Palmartheil der Hand; Fin-
ger ebenfalls kürzer als dieser, mit Borsten und Höckern
besetzt, beide Finger am Innenrande mit 6 — 8 Zähnen un-
gleicher Stärke. Körperlänge 97, Länge des zweiten Fuss-
paare 85 Mill.
Wenn man die Länge des Vorderarmglieds = 1
setzt, beträgt der Carpus ^k, der Palmartheil der Hand
*/3) die Finger 1. Der Carpus ist nach vorn sehr ver-
dickt, der Palmartheil im Verhältniss von 2 : 3 abgeplat-
tet. Eine stachellose Linie auf der obern Fläche des Car-
pus, eine zweite an seiner Aussenseite und diese sich ein
Stück weit auf die Palma fortsetzend. Der Innenrand
beider Finger trägt in zwei Dritteln seiner Länge un-
gleiche, stumpfe Zähne und im vordem Drittel eine
schwarze scharfe Kante. Die Finger sind noch dichter
als der Palmartheil mit Höckern und Körnchen besetzt.
Finger klaffend, stampf.
Ueber einige ostasiatische Süsswasserthiere. 45
Philippinen, bei Loqiiilocun auf der Insel Samar
von F. Jagor gefunden. Ein Exemplar (Männchen.)
Oliviers Abbildung Encycl. 318, 2 von Pal. hirtima-
nus ist dieser Art durch die Kürze des Carpus und auch
sonst recht ähnlich, aber die Scheeren sehr ungleich und
die Finger so lang als die Palma.
8. Palaemon JavariicuS Heller.
Heller, Sitzungsber. d. Wien. Akad. 1862. Bd. 45,1.
Taf. 2. Fig. 48, S. 421.
Schnabel so lang wie die Fühlerschuppe, oben mit 10—
11, unten mit 4— 6 Zähnen. Scheeren ungleich, schlank,
der Carpus ungefähr so lang v^ie das vorhergehende Arm-
glied und beinahe so lang wie der Palmartheil der Hand
an der grösseren Scheere; dieser etwas abgeplattet (wie
3 : 4), Finger schlank, mit scharfer gebogener Spitze,
die Finger der grösseren Scheere kürzer als der Palmar-
theil und mit mehreren starken stumpfen Zähnen . die
der kleineren Scheere so lang wie der Palmartheil ihrer
Hand und zahnlos. Körperlänge 74 Milk, grösseres Schee-
renfusspaar 56 MilL
Es liegen mir nur zwei Männchen dieser Art vor,
bei dem einen ist die rechte, bei dem andern die linke
Scheere die grössere. Die grössere Scheere ist viel rau-
her als die kleinere, welche nahezu glatt ist. Die Schee-
renspitzen meiner Exemplare hellfarbig.
Borneo, am Binnensee Danan Sriang von mir erhal-
ten. Java nach Heller.
9. Palaemon grandimanus Randall.
Dana Crust. Taf. 38. Fig. 12.
Schnabel oben mit 14 — 15, unten mit 3 — 4 Zähnen.
Scheeren sehr ungleich, an der kleineren die Fin-
ger stark klaffend, innen mit sehr langen
Haaren dicht besetzt und länger als der Palmartheil
der Hand, die grosse Scheere abgeplattet, ihre Fin-
ger relativ kürzer, gezahnt und ohne lange Haare. Kör-
perlänge bis 110, Länge des zweiten Fusspaars bis
120 MilL
Variationen ; Die grosse Scheere ist bald die rechte,
46 V. Märten 8 :
bald die linke. Der Schnabel ist in der Regel so lang
wie der Stiel der oberen Fühler, zuweilen noch kürzer.
Bei den kleinen Exemplaren ist die grössere Scheere sehr
stachlig und die Finger ungefähr so lang als die Hand,
wie es auch Randall angiebt, bei den grössten unseres
Museums, welche von Manila angegeben sind, sind an
der grossen Scheere die Finger sogar bedeutend kürzer
als der Palmartheil der Hand, der bewegliche in seiner
vordem Hältfe sichelförmig gebogen, der Palmartheil sehr
stark abgeplattet (wie 1 : 2) und nur mit äusserst kleinen
Stacheln besetzt, so dass er fast glatt erscheint.
Ich habe bis jetzt nur Männchen gesehen und weiss
daher nicht wie die Scheeren der Weibchen sich ver-
halten.
Philippinen, in einem Bach der Provinz Caraarines
Sur auf Luzon und zu Borongan auf der Insel Samar
von F. Jagor gesammelt.
Sandwich-Inseln nach Rand all und Dana.
Alpheus brevirostris Olivier, Encjcl. meth. pl. 319.
fig. 4 gleicht in Betreff der Scheeren auffallend die-
ser Art.
Die Abtheilung der Palaemonen mit zwei Stacheln
übereinander am vorderen Rande des Cephalothorax (spina
antennalis und branchiostega nach Stimps on's Termi-
nologie, Gattung Leander der Neueren) ist dem indischen
Archipel auch nicht fremd, so fand ich z. B. Pal. debilis
Dana auf Amboina an der Mündung des Flüsschens Wey-
nitu im Salzwasser, Süsswasser- Arten sind mir aber unter
ihnen nicht vorgekommen.
Verwandt mit Palaemon sind ferner zwei chilenische
Süsswasserkrebse, Cryphiops spinulosus Dana und Bithy-
nis longimana Philippi (dies. Archiv XXVI. 1860), beide
in der Bildung der Füsse mit Palaemon übereinstimmend,
aber ersterer durch die verdeckten Augen den Alpheus
analog.
Einen zweiten Typus tropischer Süsswassercrustaceen
Ueber einige ostasiatische SüESwasEerthiere. 47
bildet die Gattung Ätya. Auf der Insel Ceram, in einem
Bache der Nordküste bei Wahai fieng ich eine kleine
Garneele (Taf. I. Fig. 6), deren zwei vordere Fusspaare
eigenthümlich gebildete Scheeren (Fig. 6a) tragen : das letzte
Glied ist nämlich ganz nahe an der Basis des vorletzten
eingelenkt, beide beinahe gleich lang und schmal, mehr
zwei gleiche Finger oder eine Pincette, als eine Hand
mit eingesetztem Daumen darstellend, beide an ihrer
Spitze mit einem Haarbüschel umhüllt; das drittletzte
Glied sehr verkürzt, dreieckig, an einer seiner Ecken das
vorletzte tragend. Eine solche Schecrenbildung ist für
die Gattung Atya Leach charakteristisch (Mi Ine Ed-
wards crust. atl. pl. 24. fig. 18), aber die folgenden Fuss-
paare sind bei meinem Exemplare alle gleich schlank und
nahe zu gleich lang, während Atya noch durch die un-
gewöhnliche Stärke des dritten Fusspaares charakterisirt
wird; Rand all und ihm folgend Dana haben hienach
eine Gattung Atyoida, auf der Gleichmässigkeit und
Schlankheit der drei hintern Fusspaare beruhend, unter-
schieden. Dana drückt übrigens selbst Zweifel über den
Werth dieses Kennzeichens aus und nach dem mir vor-
liegenden Material muss ich vermuthen, dass die relative
Entwickelung der Fusspaare nicht einmal eine Unter-
gattung begründe, sondern in derselben Art je nach
Alter und Geschlecht verschieden ist. Das Berliner
zoologische Museum hat nämlich von Hrn. F. Jagor
eine Reihe von sechs Exemplaren einer pbilippiniscben
Atya, gleichzeitig und am gleichen Orte, Loquilocun im
Binnenlande der Insel Samar, gesammelt, erhalten, wel-
che unter sich in nichts anderem als in der absoluten
Grösse der Thiere überhaupt und in der damit Schritt
haltenden relativen Verdickung des dritten Fusspaares
sich unterscheiden; das grösste Exemplar stimmt mit Atya
armata Alph. M. Edw. (Annales de la Societe entomol.
de France 1864. p. 149. pl. 3. fig. 3 ebenfalls von
den Philippinen) überein; je kleiner die Exemplare sind,
desto weniger übertrifft auch ihr drittes Fusspaar die
zwei folgenden an Dicke und Länge, der starke Fortsatz
48
V. Martens:
an dessen viertletztem Gliede sinkt zu einem schwachen
Stachelchen herab und das kleinste Exemplar ist durch
keinen haltbaren Charakter mehr von meinem noch klei-
neren Exemplare aus Ceram zu unterscheiden ; dieses
muss ich daher vorerst für eine jun^e Atya armata hal-
ten. Die Form des Schnabels bleibt dagegen, nach den
genannten Exemplaren zu urtheilen , zwischen jungen
und alten Exemplaren gleich und mit der erwähnten Ab-
bildung übereinstimmend, sie dürfte also auch hier für
die Speciesunterscheidung mehr Zutrauen verdienen als
das Grössenverhältniss der Füsse. In der That ergiebt
eine Yergleichung der Exemplare des Berliner Museums
mit der mir bekannten Literatur, dass bereits auf allen
drei Hauptinselgruppen des indischen Archipels Exem-
plare von beiderlei Verhältnissen der Fusspaare vorge-
kommen sind, nämlich:
1. Philippinen
2. Sundainseln
3. Molukken
I. Drittes Fusspaar stär-
ker als die folgenden,
mit starkem Dorne.
A. armata AIph.M.Edw.
1. c. und Exemplare
von F. Jagor.
A. armata von Batavia
Alph. M. Edw. 1. c.
p. 145 u. 152.
II. Drittes Fusspaar ähn-
lich den zwei folgen-
den.
Exemplare von F. Ja-
gor.
Altera species ex in'
sulis Sondaicis pedi-
bus tertiis et quartis
aequalibus, De Haan
1. c.
Mein Exemplar von
Ceram.
A. Moluccensis De Haan
Fn.Jap. Crust.p. 186.
Nach den Charakteren des Schnabels zu urtheilen
gehören I, 1 und 2, II, 1 und 3 zu einer Art, und es ist
daher wahrscheinlich, dass auch die von De Haan er-
wähnten, über deren Schnabelform nichts gesagt wird,
derselben angehören *).
Milne Edwards hat die Gattung Atja in seine
*) Alph. M, Edw. hat die De Haan'sche kurze Notiz in seiner
Monographie nicht berücksichtigt.
Ueber einige ostasiatische Süsswassertliiere. 49
Familie Alpheens gestellt, welche hauptsächlich Meerbe-
wohner enthält und eigentlich nur durch die geringe
Entwickelung des Schnabels (rostrum) von den Palemo-
niens sich abgränzt. Dana vereinigt Atja, Atyoida und
Caridina zu einer Unterfamilie Atyinae und diese mit
Ephyra zur Familie Atyidae. Ephyra pelagica lebt, wenn
den Angaben Risso's zu trauen ist, in grossen Meeres-
tiefen, aber *Atya (inclusiva Atyoida) und Caridina, ob-
wohl beide Gattungen ursprünglich ohne Kenntniss des
Vorkommens der typischen Arten aufgestellt, stellen sich
mehr und mehr, je spezieller die Fundorte zur Kenntniss
kommen, als Süsswassergattungen heraus. Für Atya lie-
gen folgende Angaben vor :
Ätya Mexicana Wiegmann in diesem Archiv IL 1836.
S. 148 von Misantla (Städtchen an einem kleinen Kü-
stenfluss des mexikanischen Golfes, südlich vom Te-
colutla, etwa 20 Kilometer von dem Meere entfernt),
von Alphonse Mi Ine Edwards in der ebener-
wähnten Monographie dieser Gattung mit Recht als
identisch mit der typischen Art dieser Gattung, A,
sca6ra Leach, anerkannt. Während der ältere Milne
Edwards noch 1837, bist, nat d. crust. IL p. 348
„les cotes du Mexique^ als Vaterland angiebt, offen-
bar unter dem allgemeinen Eindruck, dass alle Ca-
riden, mit sehr wenigen Ausnahmen, Meerthiere seien,
sagt Alph. M. Edw. 1865 am angeführten Orte
wenigstens „les environs du Mexique'^ was doch wohl
auf die Stadt Mexiko, nicht das Land, zu beziehen
ist und also die Anerkennung des Lebens im süssen
Wasser einschliesst.
Atya sulcatipes Newport Ann. and Mag. nat. bist. XIX.
1847. p. 158: in fresh water, 300 feet above the level
of the sea, at San Nicoiao, Cap Verde islands.
Atyoida Mexicana Saussure m^moires sur l'hist. nat. de
Mexique 1. 1858. p. 48 (als Caridina, p. 82 zu Atyoida
gebracht): les ruisseaux de la cote de Mexique, dans
le voisinage de Veracruz.
Archiv f. Naturg. XXXIV. Jahrg. 1. Bd. 4
50 V. Martens:
Atyoida Tahitensis ötimpson Proc. Ac. nat. sc. Philadel-
phia 1864 p. 97: in aquis dulcibus insulae Tahiti.
Für Caridina:
Hippolyte Desmaresti Millet Ann. sc. nat. XXV. 1825.
p.461: les eaux de laMayenne, de la Sarthe, du Loire
du Thouat et du Layon. Hiernach bei M. Edw. crust. II.
p. 376: habite les eaux de plusieurs ritieres du de-
partement de Maine-et-Loire. Joly Ann. Sc. Nat.
XIX. 1843 versetzt die Art in die Gattung Caridina
und fügt noch als Fundorte den Adour und den Ca-
nal du Midi hinzu. Heller (Crust. des südl. Euro-
pa's) Valle d'Ombla bei Kagusa.
Caridma longirosiris M. Edw. 1. c. p. 363 : trouvee dans
la riviere de la Macta pres d'Oran par M. Roux.
Caridina leucosticfa Stimpson 1. c. p. 97 : in flumine prope
urbem Simoda Japoniae; C. nmltidentata und acumi-
nata ibid. p. 98: ad insulas Bonin in rivulis monta-
nis; C. serrata ibid.: ad insulam Hongkong in rivu-
lis; C. hrevirostris und exilirostris ibid.: ad insulam
Loochoo in aquis dulcibus.
Alphonse Mi Ine Edwards zählt 10 Arten von
Atya, inclusive Atyoida auf, von Caridina sind von dem
altern Milne Edwards, De Haan und Stimpson
11 Arten beschrieben, hievon sind nach Obigem respective
5 und 8 Arten als Süsswasserbewohner bezeugt, von der
neuseeländischen Atya pilipes giebt Newport 1. c. an,
sie lebe in brackischem Wasser, aber von keiner einzigen
bis jetzt ist der Aufenthalt im Meere selbst ausdrücklich
nachgewiesen; es scheint demnach, dass diese beiden na-
türlichen Gattungen Atya und Caridina entweder aus-
schliesslich oder doch vorzugsweise Süsswasserbewohner
seien. Ihre Verbreitung erstreckt sich über die tropische
und die wärmere gemässigte Zone, Atya sowohl iji Ame-
rika (Mexiko, Cuba, Venezuela, woher das Berliner Mu-
seum ein Exemplar besitzt) als den ostasiatischen und
polynesischen Inseln (Philippinen, Molukken, Neucaledo-
nien , Neuseeland, Gesellschafts- und Sandwichs -Inseln)
Ueber einige ostasiatische Süsswasserihiere. 51
und bis jetzt eine Art auf den w^stafrikanischen Inseln ;
Caridina im südlicheren Theile von Europa, Nordafrika,
Persien (C. fossarum Heller), Inseln von Japan bis
Java (C. laevis Heller) ; aber bis jetzt nicht von Amerika
bekannt.
An Caridina schliesst sich noch enge an die euro-
päische blinde Höhlengarnele Troglocaris.
Eine weitere Gattung von Süsswassergarneelen (Taf.
I. Fig. 4) fand ich in Bächen um Yokohama, Japan.
Es istDe Hasn^s Ephyra C07npr€ssaj (fauna japoniae p. 186.
Taf. 46. Fig. 7) im Allgemeinen von Palaemonartigem Aus-
sehen, aber mit einem Palpus an den Thoraxfüssen(Fig.4c) ;
derYorderrand desCephalothorax trägt zwei Stacheln, wel-
che aber anders als bei den Palaemonen stehen, der obere
nämlich dicht neben der Basis des Schnabels, über dem
Auge (Fig. 4b). Die Gattung Ephyra wurde von Roux
1831 in einer systematischen Uebersicht der Cariden
des Mittelmeers aufgestellt für zwei von Risso erst
als Alpheus (1816), dann als Pandalus (1826) beschriebene
Arten, pelagica und punctulata, welche in grössern Tie-
fen des Mittelmeeres leben sollen: „dans des grandes
profondeurs de notre mer, sur le grand banc calcaire
compacte qui traverse, de Pest ä l'ouest, la mer de Nice^
Risso bist. nat. desCrustaces deNicel816. p. 91 für Alpheus
pelagicus ; „abimes vocailleux, apparence Juillet et Aoüt",
Risso bist. nat. de TEurope raeridionale, Bd. V. p. 79 für Pan-
dalus pelagicus ; „regions sublonneuses profondes, apparence
Aoüt, Septembre", ebenda p. 80 für P. punctulatus. We-
der im Texte, noch auf den Abbildungen kann ich die
oben angegebenen Charaktere, Palpus an den Thoraxfüs-
sen und Zahn zwischen Auge und Schnabelbasis, heraus-
finden. Milne Edwards und Heller ( Crustaceen
des südlichen Europa) haben keine Exemplare vor sich
gehabt, sie wiederholen nur für die Gattung, was Roux,
für die Art, was Risso angiebt. In neuster Zeit wurde
in Portugal ein ähnliches Thier gefunden und als neue
Gattung Aiyepliyra Uosiana beschrieben (Brito Capello,
descripcao de algumas especces novas de Crustaceos e
52 V. Martens:
Arachnidos de Portugal , Lisboa 1866. 4. Taf. I. Fig. 1);
sie besitzt einen Palpus an den Thoraxflissen wieEphyra,
die Zähne am vordem Thoraxrande stimmen auch mit
der Japanischen überein, die Scheeren aber mit denen
von Atya. Der Fundort, bei Coimbra ,,em uma valle'^
deutet auf Sijsswasser. Diese neue Gattung stimmt in
allen wesentlichen Kennzeichen mit unserer Japanerin,
De Haan's Ephyra compressa, überein.
Das Berliner zoologische Museum hat von Prof.
Häckel eine Garnele erhalten, welche derselbe mit an-
dern Meerthieren in Messina gesammelt hat, und welche
durch einen langen Palpus an jedem der Thoraxfüsse,
den langen beiderseits gezähnten Schnabel und darin,
dass die drei hinteren Fusspaare unter einander ähnlich
und scheerenlos sind, mit all den genannten übereinstimmt
und sich als Ephyra im Sinne von Roux und Mi Ine
Edwards herausstellt. Vergleichen wir nun diese
Meergarneele, Ephyra Haeckelii, mit der japanischen Süss-
wassergarneele, Atyephyra compressa, so finden sich fol-
gende wesentliche Unterschiede:
1. Die Mandibel der * Ephyra Haeckelii Taf. I.
Fig. 7 a ist mit einem ausgebildeten Taster versehen, im
Uebrigen nicht in zwei Aeste zerspalten, sondern in der
Form ähnlich derjenigen von Atya und Atyoida, Dana
atl. Taf. 34. Fig. 1. Bei Atyephyra compressa, Fig. 4 a,
fehlt der Taster.
2. Die beiden Endfäden der oberen Antennen sind
bei Atyephyra compressa und Rosiana an ihrem Ursprung
ziemlich gleich, während bei Ephyra Haeckelii der äus-
sere Endfaden an seinem Ursprung weit dicker und birn-
förmig angeschwollen, wie bei Pasiphaea, ist.
3. Der Schnabel trägt bei Ephyra Haeckelii und
bei den beiden Risse' sehen Arten grosse, weit auseinan-
der stehende Zähnchen in geringer Anzahl, 6 — 7, bei
Atyephyra Rosiana und compressa zahlreiche, über 20,
auffallend kleine.
4. Bei Ephyra Haeckelii steht ein deutlicher Sta-
chel am vordem Rand des Cephalothorax unterhalb der
lieber einige ostasiatische Süsswasserthiere. 53
Einfügung der unteren Fühler wie bei den europäi-
schen Palaemon-Arten (spina branchiostega bei Stimpson),
oberhalb jener Einfügung bildet der Rand wohl einen
spitzigen Winkel , doch ohne nach auswärts wie ein
Dorn vorzutreten; ähnlich zeigt es sich aufRisso's Ab-
bildung Ton Eph. pelagica, crust. de Nice, pl. 2. fig.7.
lieber dem Auge steht kein Dorn. Bei Atyephyra com-
pressa und Rosiana steht ein Dorn über dem Auge zur
Seite der Schnabelbasis (spina supraorbitalis Stimps.), und
ein zweiter unter dem Auge über dem unteren Fühler
(spina antennalis Stim.ps.). Dieser entspricht dem obern
Dorn bei Palaemon squilla, der Dorn der Ephyra Haeckelii
dem unteren desselben Palaemon.
5. Die Scheeren sind gegen ihre Spitze zu bei
Atyephyra compressa (nach meinen Exemplaren) und A.
Rosiana behaart, bei Ephyra Haeckelii nicht.
6. Das Abdomen ist bei Ephyra nach den Angaben
von Risso und Roux, so wie bei unserer Ephyra Hae-
ckelii scharf gekielt, wie bei Peneus, bei Atyephyra com-
pressa (,,corpore compresso, supra obtuso" De Haan) und
Rosiana oben abgerundet, ohne Kante.
7. Bei Atyephyra compressa und Rosiana ist der
Carpus am ersten Fusspaar kurz , ungefähr so lang,
wie der Palmartheil der Hand; bei Ephyra Haeckelii ist
das erste Fusspaar ebenso, das zweite fehlt unseren Ex-
emplaren.
Leider ist mir die Arbeit von Roux, in welcher
derselbe die Gattung Ephyra aufgestellt hat, nicht im
Originale bekannt, sondern nur durch einen Auszug in
Ferussac's Bulletin und durch das, was Milne Ed-
wards in seiner bekannten histoire naturelle des Cru-
staces daraus entlehnt hat. Dass Roux die Thiere selbst
vor sich gehabt und seine Angaben nicht nur aus Risso
entlehnt hat, ergiebt sich gerade daraus, dass er die Gat-
tung auf einen Charakter, Palpus der Thoraxfüsse, grün-
det, dessen Risso gar nicht erwähnt. Was aus Risso
zu entnehmen ist oben mit eingeÜochten. Es bleibt, aber
noch nachzuweisen, ob in der That bei den von Roux
54 V. Martens:
gemeinten Originalarten der Gattung Ephyra die Mandi-
bel ebenso beschaffen wie bei unserer E. Plaeckelii.
De Haan hat seine compressa nur mit einem Fra-
gezeichen zu Ephyra gestellt und konnte nicht wohl an-
ders, da er keine Mittelmcer-Ephyra zur Vergleichung
hatte, und in der Gattungsdiagnose, welche Mi Ine Ed-
wards von Roux entlehnte, der Mandibel nicht er-
wähnt wird. Dana und Heller haben keine Ephyren
vor sich gehabt, aber den Mangel des Tasters an der
Mandibel von der De Haan'schen compressa entnommen
und danach die systematische Stellung der Gattung bestimmt.
Auf Grund der eben auseinander gesetzten Unter-
schiede und üeberelnstimniungen glaube ich in der Hae-
ckel'schen Art die nächste Verwandte der Risso'schen
bis jetzt ungenügend bekannten Mittelmeerarten zu sehen,
und weil diese nach jetzigen Begriffen generisch von der
japanischen compressa abweicht, letztere aus der Gattung
Ephyra entfernen zu müssen.
Die Gattung Ephyra, mit Mandibeltaster und gekiel-
tem Abdomen, beschränkt sich damit auf marine Arten,
bis jetzt kennt man sie nur aus dem Mittelmeer und die
einzig mir vorliegende E. Haeckeliim. unterscheidet sich
als Art von den zwei Risso'schen pelagica und pun-
ctulata, durch die Zahl der Zähne am Schnabel (Taf. I.
Fig. 7 b); oben 7, dann nach hinten auf dem Rücken
selbst noch 2 — 3 kleinere, unten 5, alle auffallend weit
von einander entfernt. Risso giebt für Eph. pelagica
oben 5, unten 2, für Eph. punctulata oben 6, unten 1 an.
Der Schnabel von Eph. Haeckelii ist sehr schlank und
überragt bedeutend die Fühlerschuppen; diese sind nach
vorn schmal und spitzig. Die äussern Kieferfüsse sind in
ihrer ersten Hälfte stark nach aussen gebogen und ihre
Spitze überragt den Stiel der äussern (untern) Antennen
aber erreicht nicht die Spitze der Fühlerschuppen. Das
erste Fusspaar überragt nur um sehr weniges den ge-
nannten Antennenstiel, seine Finger sind glatt und klein,
kürzer als der Palmartheil der Hand. Die drei hinte-
ren Fusspaare sind unter sich sehr ähnlich und reichen^
Ueber einige ostasiatische Süsswasserthiere. 55
indem die hintersten etwas länger sind, alle nahezu eben
so weit nach vorn als das erste Fusspaar. Länge des
Körpers von der Schnabel- bis zur Schwanzspitze 69 Mill.,
hiervon kommen 11 — 12 auf den Schnabel.
Diese Gattung Ephyra passt, wenn wir von Eph.
Haeckelii ausgehen, in keine der von Dana und Hel-
ler gemachten Abtheilungen der Cariden : die Mandibel
ist nicht tief zweigetheilt wie bei den Palaemoniden, aber
hat doch den Taster, dessen Mangel für die Atyiden ver-
langt wird; durch den Palpus der Thoraxfüsse und die
Anschwellung des einen der beiden Endfäden der obern
Fühler nähert sie sich der Gattung Pasiphaea, aber ihr
zweiter Kieferfuss ist platt wie bei den andern Cariden
und nicht dünn fussförmig wie bei Pasiphaea.
Die Gattung Atyephyra dagegen, von Brito Ca-
pe 11 o ohne nähere Kenntniss von Ephyra wegen einiger
Aehnlichkeit der Scheeren mit denen von Atya aufge-
stellt, muss nun auch De Haan's compressa aufnehmen,
deren Scheeren nicht wesentlich verschieden sind, wenn
auch die Hand etwas minder spitzig auf dem Carpus auf-
sitzt. Sie umfasst demnach bis jetzt Süsswasserarten aus
verschiedenen Gegenden der östlichen Halbkugel, die
portugiesische Rosiana, die japanische compressa, welche
ich nicht selten in Bächen und Süsswassergräben fand;
auch in der Tropenzone wird diese Gattung nicht fehlen,
denn auf der kleinen Insel Adenare bei Flores, im in-
dischen Archipel, habe ich, ebenfalls in süssem Wasser,
eine Garnele gefunden, an welcher ich bis jetzt keine
specifischen Unterschiede von der japanischen compressa
erkennen konnte.
Diese Gattung Atyephyra schliesst sich durch ihre
Mandibel und auch durch die Scheeren an die ebenfalls
süsswasserbewohnenden Atyen und Caridinen an, womit
sie schon De Haan, Dana und Heller in der Mei
nung, es sei Ephyra, zusammengestellt haben ; damit sind
alle Atyiden im Sinne Dana's Süsswasserthiere.
56 V. Martens:
4. Tetradecapoden.
Unter den Amphipoden treten im mittleren Europa
zwei Formen aus der Ueberzahl der marinen heraus,
einige Arten der Gattung Gammarus als Süsswasserthiere
und die durch die Kürze der obern Fühler charakterisir-
ten Talürus nebst Orohestia als Strandthiere, zwar an das
Meer gebunden, doch über Wasser lebensthätig ; jedem
Badegaste an der Ostsee fallen die gewaltigen Sprünge
dieser Flohkrebse in der Abendzeit auf, während mancher
Binnenländer es für nöthig hält, die Brunnenkresse (Na-
sturtium) vor dem Genüsse zu durchsuchen, ob nicht
vielleicht eine Geize (Gammarus) darin steckt, deren
Verspeisung ihm schaden möchte. Beiderlei Formen sind
weit auf unserer Erde verbreitet, mit verschiedenen Mo-
difikationen ihres Vorkommens.
Schon auf Madeira war mir aufgefallen , dass ein
Gammarus am Ufer der Bäche häufiger über als unter
Wasser zu finden sei, im Gegensatz zu unsern deutschen
Arten. In Japan war ich erstaunt, auf einer Wiese am
Waldrande, zwischen abgefallenem feuchtem Laube, aber
doch nicht im Wasser, einen Flohkrebs zu finden, wel-
cher sich bei genauerer Besichtigung nicht als Gamma-
rus, sondern als Orchestia ergab. Schon Dana hat
(crust. IL p. 874) eine Orchestia sylvicola beschrieben
„from meist seil in the bottom of an extinct voleano of
Taiamai, New-Zealand, twenty miles from the sea, and
about the joints of succulent plants,^ und eine Orchestia
Tahitensis von Tahite aus 1500' Höhe über dem Meere
später Heller (Verhandl. d. zool.-bot. Gesellsch. in
Wien 1865. S. 79) eine Süsswasserorchestia aus Cypern
0, cavimana. Die Kennzeichen der japanischen Art sind
folgende:
Orchestia Jiumicola n.
Die vier vordem Epimeralstücke verhältnissmässig
gross, gerundet, das fünfte etwas kürzer und viel schmä-
ler als das vierte. Die obern Fühler nicht länger als
das erste Basalglied der untern. Diese halb so lang als,
der Körper, die Geissei ungefähr eben so lang als der
Ueber einige ostasiatische Süssvrasserthiere. 57
Stiel. Glieder der Geissei kurz. Zweites Fusspaar fast
doppelt so lang wie das erste mit einer kleinen, flachen,
länglich-elliptischen Hand, deren Daumen kaum zu er-
kennen ist. Drittes und viertes Fusspaar um weniges
länger, aber dünner, mit einfachem spitzigen Endgliede,
wie die folgenden; das fünfte wiederum etwas länger,
sonst gleich. Das sechste und siebente unter sich gleich,
sehr lang und kräftig, Afterfüsse mit mehreren kurzen
Endborsten, aber an den Seiten ohne Borsten.
Die Gattung Amphüoe, ohne den bei Gammarus vor-
handenen Nebenfaden an den grossen obern Fühlern
ist in Nordsee und Mittelmeer nicht selten, aber inner-
halb Europa's im süssen Wasser nicht vertreten; dagegen
lebt im östlichen Sibirien Amphitoe muricata Fall. sp.
in der Angara (Jenisei) und in Nordamerika A. dentata
Saj „in freshwater-marshes" von Südcarolina.
Die nicht hüpfenden Gammariden (Corophium) und
die Hyperineen, die Laemodipoden, Areturus, die Prani-
ziden und Bopyriden (Dana's Anisopoden) so wie die
besser zu den Spinnen gerechneten Pycnogoniden besit-
zen meines Wissens bis heute keinen Repräsentanten im
süssen Wasser.
Unter den regelmässigen gehenden Isopoden sind
in Europa längst bekannt die Idoteen des Meeres, die
Asellus des süssen Wassers mit einigen verwandten ma-
rinen Gattungen, die Ligien des Meeressauras und die
Oiiisciden nehst Armadillidien auf dem Lande. Onisciden
und Ligien sind ebenso in den Tropengegenden beider
Hemisphären von Andern und mir gefunden worden, Ar-
madillidien habe ich wohl auf Madeira, in Brasilien und
Japan, aber nicht in Siam und nicht im indischen Archi-
pel, Asellus nur auf Madeira und zwar ebenfalls aus dem
süssen Wasser, gesehen. In der Literatur finde ich noch
indische Idoteen, nordamerikanische Süsswasser-Asellus
einen Porcellio von den Freundschaftsinseln und ein Ar-
madillidium von den Marianen (A. galbineum Eschscholtz).
Der südamerikanischen Chaetilia als Süsswasser-Idoteide
ist schon in meiner früheren Zusammenstellung gedacht.
58 V. Martens:
Unter den schwimmenden Isopoden sind die mari-
nen Kugelasseln (Sphaeroma) und Fischläuse sowohl aus
Europa als den andern Erdtheilen (Cymothoa etc.) be-
kannt. Im Jahre 1856 habe ich eine Süsswasser-Art der
Gattung Sphaeroma in Italien gefunden; während der
ostasiatischen Expedition ist es mir gelungen auch in
Japan, in den Gräben der Reisfelder um Yokohama und
auf Singapore in einem Bache des Innern dieser Insel
welche zu finden.
Im Binnenlande von Borneo, zu Sintang, habe ich
an einem Notopterus hypselonotus eine der sonst ma-
rinen Gattung Aega angehörende Art angeklammert ge-
funden; dieses ist meines Wissens der zweite Fall eines
parasitischen Isopoden an Süsswasserfischen, der erste
Gerstfeldt's Cymothoa amurensis an einem Süsswasserfische,
Cyprinus lacustris, aus dem mittleren Laufe des Amur-
stroms (beschrieben Mem. des etrangers presentes a l'acad.
de Petersbourg VIII. 1858. p. 279).
Aega {Conilera) interrupta n. Taf. I. Fig. 3.
Körper I6V2 Mill. lang, 6 Mill. breit, ziemlich flach,
glatt. Obere oder innere Fühler mit cylindrischen, nicht
plattenartig verbreiteten Basalgliedern am vordem Stirn-
rande eingefügt; ihre Endspitzen reichen nur bis zum
Ende des vorletzten Gliedes des Stieles der äussern Füh-
ler; diese letzteren reichen nach hinten über den Hinter-
rand des ersten Brustsegraentes hinaus. Die Augen sind
um 74 der Kopfbreite von einander getrennt. Am ersten
Brustsegment ist das Epimeralstück nicht abgegliedert;
an den folgenden ist dieses der Fall; am zweiten und
dritten nimmt das Epimeralstück die ganze Länge des
Segmentes ein und es ist nach hinten abgerundet, nicht
zugespitzt; am vierten ist es nur halb so lang und liegt
nach vorn von der Seitenspitze des betreftenden Segmen-
tes. Am fünften, sechsten und sieb ent en Brust-
segment nimmt das Epimeralstück nur das
hintere Drittel des Seitenrandes ein und liegt
schief von unten und vorn nach hinten und oben, hier
mit einem stumpfen Vorsprung endigend; diese drei
Ueber einige ostasiatisclie Süsswasserthiere. 59
letzten Brustsegmente sind auch nur in ihrem hinteren
Drittel hartschalig und glänzend; der vordere Theil der-
selben ist weicher, d. h. äusserem Drucke mehr nachge-
bend und glanzlos, wie die Unterseite der Brust. Die
Gränzlinie beider Theile ist sattelartig, in der Mitte nach
hinten eingebogen, und fällt hier, aber nicht an den Sei-
ten, mit der Querfurche zusammen, welche bei dieser wie
bei andern Aegaarten auf den Brustsegmenten einen vor-
dem und einen hintern Theil abgränzt; die Epimeral-
stücke sind an dem noch hartschaligen aber schon vor
dieser Querfurche liegenden Seitenpartieen der Segmente
eingefügt. Die drei vordem Fusspaare hakenförmig, ohne
Borsten, mit stark gebogener Endklaue, wie bei Aega
emarginata. Die vier hinteren länger und schlanker, mit
Dornen am unteren Ende jedes Gliedes und 1—2 steifen
Borsten im Verlaufe der Glieder; Endglied weit dünner
und weniger gebogen, als bei den drei vordem Fusspaa-
ren. Das erste (oberste) Glied derselben ist merklich
breiter als die folgenden, von denen das zweite bis fünfte
zusammen (die vier vorletzten) reichlich doppelt so lang
sind als jenes erste. Das letzte Schwanzsegment ist abge-
rundet vierseitig, sein Hinterrand etwa halb solang als der
Vorderrand; es zeigt weder Zähne am Rande noch be-
sondere Erhabenheiten auf seiner Fläche; die Schwanz-
anhänge sind an ihrem Rande mit feinen Häärchen dicht
besetzt.
Borneo, im Kapuasfluss bei Sintang am Kiemen-
deckel von Notopterus hypselonotus.
Durch die breite, nicht zugespitzte Form des Schwanz-
segmentes unterscheidet sich diese Art auf den ersten
Blick von Aega multidigita Dana und A. basalis Heller,
welche beide ebenfalls im indischen Archipel (Borneo
und Nikobaren) zu Hause sind ; näher steht ihr hierin
A. Novae-Zeelandiae und A. efferata Dana, die neusee-
ländische Art hat aber die Augen weit mehr von einan-
der entfernt, A. efferata von Rio-Janeiro ein verhältniss-
mässig längeres Schwanzsegment und kürzere Glieder an
den vier hintern Fusspaaren. A. serripes M. E. hat starke
60 V. Märten s:
Zähne an den Schenkeln und mehr Dornen an den fol-
genden Fiissgliedern. A. bicarinata und tridens Leach
unterscheiden sich durch die Kiele des Schwanzsegmen-
tes, A. emarginata Leach und affinis M.E. durch die platten-
artigc Verbreiterung der Basnlglieder der inneren Füh-
ler. Da diese bei unserer neuen Art einfach cylindrisch
sind, so würde dieselbe der Gattung Conilera Leach an-
gehören, wenn man dieselbe annehmen wollte; die ein-
zige bis jetzt als Conilera aufgeführte Art, die britische
C. Montagui Leach, ist aber bis jetzt zu oberflächlich von
ihrem Autor beschrieben (Des mar est crust. p. 304,
Milne Edwards crust. IIL p. 242), als dass eine Ver-
gleichung damit etwas ergeben könnte. Da aber bei den
ausländischen Alten jene Verbreiterung der inneren Füh-
ler in sehr verschiedenem, oft nur geringen Masse auf-
tritt, so hat Dana wohl Recht Conilera als Untergattung
unter Aega zu subsumiren.
Unsere Süsswasser- Aega unterscheidet sich nach
Obigem von allen genügend bekannten Arten, auch ab-
gesehen von der eigenthümlichen Erweichung der Brust-
segmente und dem damit ohne Zweifel zusammenhängen-
den Weitauseinanderstehen der drei letzten Epimeralstücke;
hierin steht sie einzig da. Zwar sagt Milne Edwards
III. p. 240 von der gemeinen nordeuropäischen A. emar-
ginata, ihre drei letzten Epimeralstücke seien von einan-
der sehr entfernt (tres-ecartöes les unes des autres) und
unterscheidet sie gerade dadurch von A. affinis; aber an
allen Exemplaren des Berliner Museums von verschie-
dene Fundorten erreicht diese Entfernung nicht die Hälfte
der Länge eines einzelnen Segmentes, bei den meisten
kaum ein Drittel, während sie bei unserer Art volle
zwei Drittel ausmacht. Einen Unterschied in der Ober-
flächenbeschaffenheit (Härte und Glanz) zwischen den
vordem und hintern Theilen der betreffenden Segmente
habe ich aber an keinem der mir vorliegenden Exemplare
von A. emarginata oder irgend einer anderen Art gefun-
den. Uebrigens ist mir A. interrupta nur in einem P^xem-
plar vorgekommen und dieses erst jetzt von mir näher
lieber einige ostasiatische Süsswasserthiere. 61
in Augenschein genommen worden, so dass diese Erwei-
chung; der wichtigste Unterschied, wenn er sich bestä-
tigt, möglicherweise doch nur abnorm, sei es patholo-
gisch oder erst nach dem Tode durch die Einwirkung
des Spiritus entstanden sein könnte; bei letzterer An-
nahme bleibt aber die Schwierigkeit , warum nur ein
gleichmässig und symmetrisch abgegränzter Theil jedes
der drei Segmente verändert sein sollte.
So verringert sich/ je mehr verschiedene Länder
darauf untersucht werden, die Anzahl der ausschliesslich
marinen Gattungen und Familien. Doch bleiben selbst
noch einige höhere Abtheihingen des Thierreichs dem
Süsswasser völlig fremd, so die Cephalopoden, Brachio-
poden, Echinodermen und eigentlichen Korallen ; es ist be-
merkenswerth, dass dieses gerade die Klassen sind, wel-
che in der Vorzeit eine bedeutende Rolle spielten und
grossentheils reicher vertreten waren als gegenwärtig.
Man könnte daran denken , dass diese Aega aus dem
Meer in den Fluss gekommen , bei diesem Uebergang
allmählich nach dem Gesetz der Endosmose mehr Süss-
wasser aufgenommen als Salzwasser abgegeben und da-
durch abnorm aufgeschwollen sei mittelst bedeutender
Ausdehnung der weichen Haut zwischen den betreffenden
Segmenten. Diese Hypothese würde aber wiederum vor-
aussetzen 1) dass dieselbe Art auch im Meere lebe, wo-
von bis jetzt nichts bekannt; 2) dass unser Thier von
einer andern Fischgattung auf Notopterus übergesiedelt,
denn dieser ist meines Wissens ein reiner Süsswasser-
fisch; 3) dass die abnorme Anschwellung längere Zeit
bestehen blieb, ohne wesentlich zu schaden, da es so weit
aufwärts im Flusse gefunden worden ist. Vorerst hat
also diese Hypothese keine Wahrscheinlichkeit.
lY. Ein Süsswasserschwamm aus Borneo.
Zu Sintang machte mich der nun auch verstorbene
Dr. Hunius, ein Deutscher von Geburt und Militärarzt
in holländischen Diensten, welcher mir auch von dem
62 V. Martens:
Vorkommen von Rochen und Polynemns in dem Ka-
puas-Strom erzählt hatte, darauf aufmerksam, dass an den
Zweigen der am Ufer wachsenden Bäume, welche vom
Wasser bei hohem Stande desselben erreicht würden,
eigenthümliche Gebilde sich finden, Wespennestern ähn-
lich, aber doch, so weit er es beurtheilen könne, keine
Produkte des Kunstfleisses von Insekten, da er nie sol-
che darin gefunden habe, sondern eigene organische „Ge-
wächse'^, welche vermuthlich während des hohen Was-
serstandes sich bilden und während der trockenen Jah-
reszeit, ausserhalb des Wassers, eine Periode des Still-
standes haben. Noch weiter aufwärts, im Binnensee Da-
nau Sriang, fand ich nun wirklich diese Gewächse an
den Zweigen einer im Wasser stehenden Barringtonia
(Myrtaceen), mehrere Fuss über Wasser , und erkannte
bald, dass mein Freund vollkommen Recht hatte, es war
in der That kein Wespennest , sondern ein Schwamm,
Spongiila vesparium n., Taf. I. Fig. 1. Derselbe beklei-
det in oft faustgrossen, dickspindelförmigen Massen meist
ringsum symmetrisch, seltener excentrisch schief abste-
hend, die dünnen gegen die Wasserfläche herabhängen-
den Zweige. Zuweilen sind zwei von benachbarten Zweigen
miteinander verschmolzen, oder wo einer an einer Zweig-
gabel sitzt, hat er sich bei fortschreitendem Wachsthum
auf beide Zweige fortgesetzt nnd dadurch selbst nach
dieser Seite in zwei Lappen gespalten. Er ist trocken
hart und stachlig anzufühlen und erweicht auch im Was-
ser nicht viel. Seine Oberfläche bildet ein rauhes Netz-
werk, dessen Maschen 3 — 5 Mill. gross sind und dessen
Knoten sich in einfache oder gegabelte, bis 4 Mill. lange
stumpfe Stacheln erheben. Die Maschen selbst enthal-
ten wieder ein feineres Netzwerk, durch dessen kleinere
Maschen man tiefer und tiefer innen wieder neues Netz-
werk sieht. Nur da wo er die Rinde des Zw^ciges, an
dem er sitzt, berührt, bildet der Schwamm eine für das
blosse Auge kontinuirliche papierdünne Schichte, welche
aber an den trockenen Exemplaren nicht fest aufsitzt,
sondern sich mit dem ganzen Schwämme am Zweige hin
üeber einige ostasiatisclie Süsswasserthiere. 63
und her schieben lässt. Im natürlichen feuchten Zustande
habe ich ihn nie gesehen, da zu der Zeit, als ich an
diesem See war, Mai 1863, der Wasserstand desselben
sehr niedrig war, mehrere Fuss unter seinem gewöhnli-
chen Niveau, wie die Ufer und Anlanden deutlich er-
kennen Hessen und die Eingebornen bezeugten. Die
Farbe des trockenen Schwammes ist dunkel graubraun,
die Balken des Netzwerkes zeigen sich unter der Lupe
rauh, höckerig oder auch etwas zerfasert. . Die mikrosko-
pische Untersuchung crgiebt zweierlei Kieselgebilde,
glatte Nadeln und beiderseits mit einer Querscheibe ver-
sehene Amphidisken (als Spicula der Ovarien von B o-
werbank bezeichnet). Die Kieselnadeln sind stumpf,
schwach gebogen, glatt, 0,18 — 0,22 Millim. lang, 0,01
—0,015 Mill. dick. Amphidisken 0,04-0,05 Mill. lang,
mit ungleichen Scheiben, die grössere 0,015 — 0,02 Mill.
dick, mit gelapptem Rande; einzelne zeigten bei günsti-
ger Beleuchtung radiale Rippen, welche den Rand nicht er-
reichen; die kleineren Scheibchen sind etwa ^^ so gross,
glatt, knopfförmig; Stiel des Amphidiscus 0,003 dick,
mit Höckern besetzt, welche vorherrschend die der gros-
sen Scheibe nähere Hälfte desselben einnehmen, doch
einzelne auch die entgegengesetzte. Gemmulae bis 2/3 Mill.
gross, kugelförmig; an der Peripherie derselben treten
die Amphidisken und zwar mit ihrem kleinern knopfför-
migen Ende hervor. Neben den Nadeln und Amphidis-
ken fanden sich unter dem Mikroskope öfters runde
Scheibchen von grösserem Durchmesser als die der Am-
phidisken, und von derselben Lichtbrechung wie die Na-
deln, ganzrandig, mit einzelnen helleren theils radial, theils
concentrisch laufenden Streifen, welche ich nicht zu deu-
ten vermag, deren regelmässige Form und öfteres Wie-
derkehren in den Präparaten aber den Gedanken nahe
legt, dass sie auch zu der Spongille gehören. Durch die
beträchtliche Ungleichheit beider Scheibchen und die
stumpferen Enden der Nadeln unterscheidet sich diese
Art von den meisten der in Proc. Zool. Soc. 1863. Taf. 38
von Bowerbank abgebildeten Spongillen; am nächsten
64 V. Märten s: Ueber einige ostasiatische Süsswasserthiere.
kommt ihr von diesen Sp. reticulata^ fig. 9 vom Amazo-
nenstrom, ebenfalls an Baumzweigen, die ins Wasser hän-
gen; bei dieser sind aber die Nadeln verhältnissmässig
kürzer.
ErklaruBg der Abbildungen.
Taf. I.
Fig. 1. Spongilla vesparium aus Borneo, ein kleineres Stück in na-
türlicher Grösse. 1 a. Nadeln und Amphidisken bei 300-
facher Vergrösserung.
» 2. Petromyzon japonicus, Mundöfifnung von vorn.
» 3a. Aega interrupta, IVs^^al vergrössert, von oben, 3 b von
der Seite, 3 c das letzte Fusspaar noch mehr vergrössert.
» 4. Atyephyra compressa (De Haan) von Japan, a Mandibel
30mal vergrössert, b vorderer Theil des Körpers dreimal
vergrössert, die Fühler nicht ausgezeichnet, c Scheeren-
fuss.
> 5. PaTaemon asperulus von Shanghai, vorderer Theil des Kör-
pers in natürlicher Grösse.
» 6. Atya armata (M. E.) juv. von Ceram., in natürlicher Grösse,
6 b ein Scheerenfuss derselben vergrössert.
x> 7 a. Mandibel, 7 b Schnabel von Ephyra Haeckelii aus Messina.
(Nachschrift.)
Notiz über Palaenion Gaudichaudii und Niloticus.
Das Königl. zoologische Museum in Berlin erhielt
so eben durch die Güte des Dr. R. A. Philippi meh-
rere Exemplare seiner neuen Gattung von Süsswasser-
krebsen aus Chile, Bithynis longimanay s. dieses Archiv
XXVI. 1860. S. 160. Eine Vergleichung derselben mit
Palaemon Gaudichaudii M. E. bist. nat. crust. IL 1837.
p. 400 lässt mich keinen Unterschied zwischen beiden
finden. Der Schnabel reicht bei den P hil i ppi'schen
Exemplaren meist bis an das Ende des ersten Gliedes des
Stiels der oberen Fühler, bei einigen auch etwas darüber
bis zur Mitte des zweiten Gliedes, die Zähne des Schna-
bels sind je nach den Exemplaren oben 6 — 8, unten 2 — 3
und diese letztern meist sehr klein. Ein im Uebrigen über-
einstimmendes Exemplar des Berliner Museums, aus Peru
von Winterfeld erhalten, weicht darin sowohl von
Mi Ine Edwards' Beschreibung als von den Phi lippi'-
schen Exemplaren ab, dass der Palmartheil der Hand etwas
länger als die Scheerenfinger, etwa im Verhältniss von
5 : 4, ist. Auch die Gestalt der Mandibel, deren oberer
Arm in drei starke Zähne ausläuft, stimmt zu Palaemon ;
der Taster (Palpus) an derselben ist stark entwickelt, so
lang wie der obere Arm, wie es auch de Haan für Pal
carcinus und ornatus abgebildet hat. Palaemon caemen-
tarius Moliua sp., aus der Mündung des Flusses Aconcagua.
in Chile, scheint wiederum nach der von Pöppig in die-
sem Archiv IL 1836. S. 143 gegebenen Beschreibung
dem Pal. Gaudichaudii nächst verwandt, nur widersprechen
die Worte rostro subtus integerrimo und pedum par se-
Archiv für Naturg. XXXIV. Jahrg. 1. Bd. 5
V. Martenst
«
cundum . . . brachio, carpis atque manu cylindricis, haud
compressis nee angulosis, extus sulco unico exaratis einer
Identification der Art, da Exemplare von Palaemon Gau-
dichaudii und Bithynis longimana von einer Grösse, die
der bei Pöppig angegebenen nahe kommt, die Scheere
von oben nach unten plattgedrückt und mit zwei seich-
ten Furchen nahe dem x\ussenrande , einer obern und
einer untern versehen zeigen. Philip pi hat bei Auf-
stellung seiner neuen Gattung kaum an Palaemon ge-
dacht und dieselbe kurzweg „durch die Bildung des
Stirnschnabels" von den Palaemoniden ausgeschlossen,
1. c. S. 164 ; und in der That, wem nur die europäischen
Formen von Palaemon bekannt sind, der wird den chi-
lenischen Krebs auf den ersten Anblick viel mehr für einen
Astacinen als für ein Palaemon halten; aber der Schna-
bel ist nicht anders gebildet als z. B. bei Jamaicensis,
abgesehen von der Zahl der Zähne, welche ja auch bei
anderen Arten geringer ist, grosse stachlige Scheeren
finden sich bei demselben Pal. Jamaicensis und regel-
mässig ungleiche bei andern Arten, z. B. P. heterochirus
Wiegm. und grandimanus Randall. Pal. Gaudichaudii
bildet bei Milne Edwards eine eigene ünterabthei-
lung der Gattung Palaemon, durch Mangel eines zwei-
ten Stachels am vordem Theil des Cephalothorax cha-
rakterisirt, es ist nach Stimpson's Definition nur der
Antennal- Stachel vorhanden, der Hepatical- sowohl als
der Branchiostegal-Stachel fehlen, und wer mit Stimp-
s 0 n dieser Stacheln wegen Leander als Gattung von Pa-
laemon trennt, mag desshalb auch Bithynis als solche,
aber jedenfalls mit Palaemon nächstverwandte anerken-
nen. Uns interessirt hier zunächst, dass sie eine weitere
Gruppe von Süss wasserpalämonen darstellt, welche
so viel wir bis jetzt wissen, auf den westlichen Theil von
Südamerika beschränkt ist, während im östlichen Süss-
wasserpalämonen mit zwei Stacheln (Pal. Jamaicensis Oliv.,
Amazonicus und Nattereri Heller) herrschen.
Palaemon Niloticus Klunzinger in Siebold's Zeit-
schrift für wissensch. Zool. XVI. 1866. S. 357. Taf. 20 ist
Notiz über Palaemon Gaudichaudii und Niloticus. 67
identisch mit Pal. Niloticus Ronx Annales des sciences
naturelles, tome XXVIII. 1833. p. 73. Taf. 7. Fig. 2, eine
kurze Notiz, auf welche mich erst Pleller's x\rbeit auf-
merksam gemacht hat. Es ist ein glücklicher Zufall, dass
Dr. Klunzinger denselben allerdings nahe liegenden
Namen gewählt hat, und der Umstand, dass er sowohl als
V. Siebold und ich die Art für neu hielten, um so
eher zu verzeihen, als Mi Ine Edwards selbst, welcher
ein Jahr nach der Publication von Roux die Redaction
derselben Zeitschrift übernommen, dessen Art in seiner
vier Jahre später erschienenen bist. nat. des Crustaces
vollständig übergangen, eine zweite von Roux ebenda
benannte und abgebildete Süsswassercaride des Nils, Pe-
lias Niloticus, aber unter einem neuen Namen Caridina
longirostris aus Algerien beschrieben hat.
Ophiocrinus. eine neue Comatuliden-lianung.
Von
•r. C. SfHper
in Würabursr.
Unter den zahlreichen von mir bei Bohol aufgefun-
denen Comatuleu befindet sich eine Art, die nur fünf
vollständig ungetheilte Arme besitzt. Ich hielt sie an-
fanglich für ein jungem Exemplar irgend einer echten
Comatula; da sie aber mit keiner der philippinischen Ar-
ten in erheblicher Weise übereinstimmt, so scheint mir
die Beschreibung derselben als besondere Species gerecht-
fertigt. Dann aber giebt ihr die üngetheiltheit der Arme
das Anrecht auf eine besondere Gattung.
Ophiocrt7ius n. gen.
Fünf ganz ungetheilte Arme. Sie entspringen direkt
von dem centralen Knopf, welcher unten die Ranken
trügt; weitere Kelchglieder fehlen durchaus. Scheibe?
Ophiocrmus indirisu-s n. sp.
16 Ranken stehen in einfacher Reihe um den flachen
kleinen Knopf. Rankenglieder IS — 20, sehr knotig, na-
mentlich am Ursprung, die Verdickung entspricht den
Gelenken: die zwei ersten Glieder niedrig, so hoch als
breit, das 3te bis 6te die längsten, doppelt so lang als
breit. Die letzten Glieder schwach comprimirt, glatt, das
letzte hat ausser dem Endhaken einen starken Zahn.
Das erste Glied der direkt vom Kelchknopfe ent-
springenden Arme trägt gleich eine Pinnula und hat ein
Sem per: Ophiocrinus, eine neue Coraatuliden-Gattung. 69
Syzygiiim; das zweite ist ohne Pinnula, das dritte trägt
eine solche und das vierte hat eine Pinnula und zugleich ein
Syzygium. Nun folgen sich die Pinnulae regelmässig ab-
wechselnd, und je ein Syzygium zwischen 3 — 5 Gliedern.
Die Glieder der Arme sind fast doppelt so lang als hoch und
keilen sich namentlich in der Mitte stark an den Seiten aus.
Die zwei ersten Pinnulae sind klein, die dritte und vierte
die längsten, dann folgen kürzere, die allmählich gegen
das Ende der Arme zu länger und zugleich dünner wer-
den, während die ersten mit ziemlich breiter Basis ent-
springen. Länge der Arme 80 Mm., der Ranken 9 Mm.,
der längsten Pinnula 8 Mm. Durchmesser des Ranken-
knopfes 2 Mm.
Die Scheibe fehlt leider an dem einzigen Exemplar.
Die Pinnulae sind hell und dunkel gelbbraun gesprenkelt ;
der Rücken der Arme ist durch zwei geschlängelte Linien
bezeichnet.
Pandanon bei Bohol in 30 Faden Tiefe.
Berichtigung über die Gattung Scarostoma.
Briefliche Mittheilung an den Herausgeber.
Von
Professor Dr. R. Rner
in Wien.
Ich glaube Ihnen vor nicht langer Zeit meine iVrbeit
über ^Neue Fische aus dem Museum Godeffroy'^ zugesen-
det zu haben (Sitzungsber. der Wiener Akademie 56.
Octbr. 1867), in welcher sich die Beschreibung und Ab-
bildung des von mir als Scarostoma insigne bezeichneten
schönen Fisches befindet. Ich erkannte in ihm den Ver-
treter einer eigenen Stachelflosser-Familie und glaubte
ihn als nov. gen. ansehen zu dürfen. Leider machte ich
gestern die sehr unangenehme Entdeckung, dass letzteres
allem Anschein nach nicht der Fall ist, und dass er wohl
nichts als eine neue Art der Gattung Hoplegnathus ist,
die Günther als Repräsentanten einer eigenen Familie
gleichfalls ansieht, und von der er drei Arten anführt,
säramtlich aus dem indo-chinesischen Meere. In der Fauna
japonica von Schlegel findet sich auf Taf. 41 Scarodon
fasciatus abgebildet, der mich so w^enig wie Günther's
Beschreibung daran zweifeln lässt, dass er und mein
Scarostoma der gleichen Gattung angehören, als Arten
aber beteutend von einander verschieden sind. Günther
giebt zwar im Charakter der Gattung an : keine Zähne
am Gaumen, Dorsale mit 12 Stacheln, während bei mei-
ner Art beides sich anders verhält; demnach glaube ich,
dass mein Scarostoma = dem Hoplegnathus Günth. ist;
Kner: Berichtigung über die Gattung Scarostoma. 71
sollten letzterem wirklich Zähne am Ober- und üntergau-
men fehlen und die Dorsale 12 Stacheln besitzen, so könnte
vielleicht mein Scarostoma als nächst verwandte zweite
Gattung in der kleinen Familie Hoplegnathidae gelten.
Ich bin aber sehr geneigt zu vermuthen, dass auch Ho-
plegnathus Zähne am Gaumen besitzt, (Schlegel's Figur
giebt hierüber keine Auskunft und scheint überhaupt nicht
sehr genau), und dass somit meine neue Gattung Scaro-
stoma nicht haltbar ist.
Sie haben wohl die Gefälligkeit, in einem der näch-
sten Hefte Ihrer Zeitschrift die Erklärung aufzunehmen,
dass der von mir als neue Gattung unter dem Namen
Scarostoma beschriebene und abgebildete Fisch nachträglich
von mir selbst als der Familie und wahrscheinlich auch
der Gattung Hoplegnathus Günth. angehörig erkannt
wurde, und nur noch als neue Art angesehen wird. So
unangenehm auch das Geständniss fällt, einen Irrthum oder
ein Uebersehen verschuldet zu haben, so ziehe ich es
doch einem absichtlichen Verschweigen oder dem Ver-
suche es zu beschönigen und vorzüglich in der Irrung zu
beharren, vor.
V^ien, den 18. April 1868.
lieber Ueringsasiing.
Von
Axel Boeck.
Uebersetzt aus Tidsskrift for Fiskeri I. Jcahrg. p. 154.
Kopenhagen 1867.
Vom
Herausgeber.
Von den nordischen Heringsfischereien ist zwar die,
welche im Frühjahr nördlich von Stavanger und Bergen
getrieben wird, die wichtigste wegen der grossen Aus-
beute — in den letzten Jahren 600000 bis 1 Million Ton-
nen jährlich — aber die Heringe stehen an Qualität weit
hinter denen zurück , welche später im Jahre während
der Sommer- und Herbstmonate längs den nördlichen Be-
zirken unserer Küsten gefangen werden. Sie sind aus-
gezeichnet fein und fett, und werden gut zubereitet eben
so hoch gestellt wne der Englische und zum Theil der
Holländische Hering. Aber zum grossen Schaden für
diese Fischerei ist die sogenannte Äsung (Aat), die den
gesalzenen Hering verdirbt, und also für das Land zum
grossen Verluste gereicht, da in gewissen Jahren viele
Procente der Waare für den Handel unbrauchbar werden.
Erst in neuerer Zeit sind die Klagen darüber lauter ge-
worden, während man in der älteren Zeit, bis zur Mitte
des vorigen Jahrhunderts, nur wenig oder gar nicht da-
von hat reden hören, obgleich die Fischerei damals nicht
Boeck: lieber Heringsasung. 73
unbedeutend war. Es kann jedoch niclit bezweifelt wer-
den, dass diese Äsung bei den Fischern und Händlern
wohl bekannt gewesen ist, da in den Handelscorrespon-
denzen öfters davon die Rede ist, dass in gewissen Jah-
ren die Heringe untauglich zum Einsalzen waren, und
dies wurde für eine Gottesschickung angesehen , wofür
Niemand Rath wusste. Zum erstenmal stösst man auf be-
stimmte Nachrichten über diese Äsung in der bekannten
Verordnung von 1753, welche herauskam, nachdem Klagen
von Seiten der Händler über schlechte Zubereitung laut
geworden waren, und nachdem eine Commission sich mit
allen Verhältnissen des Fischfanges und der Fischzube-
reitung bekannt gemacht hatte. In dieser Verordnung,
welche betitelt ist : „Forordning af den 12te September
1753 angaaende Fiskerierne og Fiskehandelen norden-
fjelds i Norge samt, hvordeles med Fiskens Virkning,
Tilberedning og Saltning skal forholdes," wird Folgendes
in Betrefif der Äsung angeführt : Und da Wir uns aller-
gnädigst haben berichten lassen, dass ausser dem vorhin
erwähnten fetten nordländischen Hering zu gewissen Jah-
reszeiten weiter nach Süden in der Vogtei Nordmör und
Romsdal im Stift Drontheim, so wie in der Vogtei Sund-
mör und den übrigen im Stift Bergen, eine grosse Menge
anderer Heringssorten entfallen, wie Frühlingshering,
Strohhering und Sonnenhofhering (Vaar-, Straae- og Sol-
hove Sild), der meist bis in den Januar und Februar
geht, so wie Sommerhering (Sommersild) , der mit dem
Johannistage beginnt und Herbsthering (Höstsild), dessen
Zugang gewöhnlich zu Michaelis eintritt, welche Sorten
Hering von grossem Nutzen im Verkehr sein könnten,
wenn sie richtig behandelt werden, anstatt dass in eini-
gen Jahren, vermittelst ihrer schlechten Behandlung und
Zubereitung, nicht allein Unsern Unterthanen ohne Vor-
theil gewesen sind, sondern sie sogar zum grossen Theil
die nordenfjeldschen Produkte an gesalzenen Heringen
in Misskredit gebracht haben, dem Ausfuhr-Handel zum
grossen Schaden, so wollen Wir hiermit strenge verboten
haben, dass kein Sommerhering, er möge sein von wel-
74 B 0 e c k :
eher Art er wolle , Sardellen (Brislinger) einbegriffen,
aus dem Netz genommen, gesalzen und zubereitet werden
darf, bevor er, nachdem er gestängt, drei bis vier Tage
im Netz gegangen ist, um inzwischen die schädliche Äsung
auszuscheiden. Dieses Verfahren, ihn im Netze gehen
zu lassen, soll vom Johannistage, wo dieser Hering be-
ginnt, bis zu Michaelis dauern, doch soll sowohl diesem
wie anderem Hering so grosser Raum gegeben werden,
wenn das Netz ans Land gezogen wird, dass er nicht
sterbe u. s. w."
Die Heringsfischerei an den Küsten von Nordmör,
Romsdal und Söndmör hatte nicht, bevor diese Verord-
nung herauskam, die Bedeutung, welche sie später er-
hielt, was gewiss zum Theil dadurch verursacht wird,
dass nun der grösste Theil des verasten Herings zu einer
brauchbaren Handelswaare werden konnte. Die ange-
führte Verordnung scheint auch im Anfang besser beob-
achtet worden zu sein, als es gewöhnlich mit den meisten
andern geschieht , vornämlich da es im Interesse der
Kaufleute lag, ihr nachzukommen.
Bereits vor dieser Zeit war der veraste Hering Ge-
genstand der Aufmerksamkeit für die Holländer gewor-
den. Da die grosse holländische Heringsfischerei sich
gegen das Ende des 17. Jahrhunderts stark erweitert
hatte, und die Anzahl der Schiffe bis über Tausend ge-
stiegen war, da suchten manche von ihnen an der nor-
wegischen Küste zu fischen und Heringe zu kaufen.
Da der grosse Frühlingshering seit 1758 die Küste
nördlich von Bergen verlassen hatte und die Concurrenz
unter den Kaufleuten grösser wurde, wurde die Verord-
nung nicht so vollständig eingehalten wie vorher, und
nun begannen wieder Klagen über schlechte Zubereitung,
unter anderen auch darüber , dass veraste Heringe in
grosser Menge zubereitet würden, und Viele verlangten,
dass die Verordnung verschärft werden sollte. Diese ho-
ben auch hervor, dass es zu gewissen Zeiten nicht genug
wäre, den Hering drei Tage stehen zu lassen, sondern
länger bis zehn, da sie nicht-von der Äsung befreit wer-
Ueber Heringsasimg. 75
den könnten, ja man wünschte sogar zu gewissen Zeiten,
dass der Netz-Gebranch verboten werden solle, und es
solle nur erlaubt werden mit dem Treibgarn weiterhinaus
auf dem Meere und mit dem Setzgarn in der Tiefe zu
fischen, da man gefunden hatte, dass der Hering, den
man so fängt, mehr frei von Äsung sei, als der, welcher
im Netz gefangen wird. Dies führt auch Prof. Ratke
an, als er von der Regierung aiisgesandt war um die Fi-
schereien an unseren Küsten im Jahre 1799 und 1800 zu
untersuchen. Der Vogt Biostrup in Nordmör sagt in
einer Anmerkung zu dem Plakat vom 29. Juni 1775,
welches in Betreff dieses Punktes vollkommen mit der
Verordnung von 1753 übereinstimmt, dass „diese Äsung
sich bei der Sommerhitze vom Grunde oder Schlamm im
Meere erzeuge und dem Fische zur Nahrung diene, so dass
es nicht möglich sei den Fisch davon zu reinigen. Doch
schiene es am besten, dass kein Hering um diese Zeit
gefangen würde. ^ Doch wurde von Seiten der Gesetz-
gebung in dieser Sache nichts weiter gethan. Obgleich
es demnach für unser Land sehr wichtig ist, die Äsung
zu kennen, so hat man bisher nur wenig Kenntniss da-
von gehabt, und es ist nur mehr zufällig von den frühe-
ren Zoologen untersucht worden. Das Wort Äsung (aat)
kommt von „essen (aeta),^ speisen, und es ist immer allen
Fischern, Zubereitern und Naturforschern bekannt gewe-
sen, dass es das Futter der Heringe war, welches mit
diesem Wort bezeichnet wurde ; aber dass dieses an ver-
schiedenen Stellen und zu verschiedenen Zeiten verschie-
den sein müsse, und dass nicht alle Nahrung schädlich
sein könne, das bedachten sie nicht. Professor Ström
erwähnt es in seiner Beschreibung von Söndmör Th. 1.
p. 160 und sagt, dass es sich nur im Frühling finde, und
nicht alle Jahre vorkomme. Er giebt an , dass es eine
Art W^urm oder Annelide von einer rothen Farbe sei.
Nach ihm erwähnt Bock^), dass es ein wurmförmiges
1) Bock, Versuch einer vollständig'en Natur- und Handelsge-
schichte des Herings. Königsberg 1762.
76 Boeck:
Thier sei. Später fand jedoch Ström ^)^ dass es nicht
ein Wurm wäre , sondern eine Garnele, was auch F a-
bricius annimmt und ihn als „Cancer ostacus harengum"
bezeichnet. Naturforscher anderer Länder haben auch
die Resultate ihrer Untersuchungen über die Nahrung der
Heringe mitgetheilt und Bloch 2) nimmt an, dass sie aus
kleinen Krebsen und Würmern bestehe, während Prof.
Kroyer ^) sie für eine Garnele „Mysis^ ansieht. In dem
Magen des schottischen Herings sind nach Valencien-
nes einige kleine Crustaceen aus der Copepoden-Ord-
nung gefunden, namentlich „Tispe furcata'^ und „Cantho-
camptus Strömii,^ und nach Prof. Munter ^) ist die
hauptsächliche Nahrung des Herings an der Pommerschen
Küste ein ähnlicher Copepode „Cyclopsine castor," der im
Brakwasser lebt.
Bei meinen Untersuchungen an unserer Westküste
habe ich Veranlassung gehabt die Äsung der Heringe
näher kennen zu lernen, indem ich sie theils lebend un-
tersucht habe, theils die zugesandten und theils den er-
haltenen Inhalt der Magensäcke von verastem Hering,
der als imbrauchbar für Handelswaare betrachtet war.
Die Fischer theilen die Äsung in drei Arten, wel-
che sie Rothasung (Rödaat) , Gelbasung (Gulaat) und
Schwarzasung (Svartaat) oder Pulverasung (Krutaat) nen-
nen. Diese Benennungen hat die Äsung theils nach der
Farbe erhalten, die sie darbietet, wenn sie lebendig ist,
theils nach der Farbe der Excremente des Herings. Da
diese verschiedenen Arten Äsung aus sehr verschiedenen
Thi erformen bestehen und von ungleicher Schädlichkeit
für die Zubereitung des Herings sind; will ich jede Sorte
genauer besprechen.
1) Norske Vidensk. Selskabs Skrifter. Ny Sämling. 1. Bd. Kjö-
benhavn 1784. S. 155.
2) Bloch, Oeconomische Naturgeschichte der Fische Deutsch-
lands. 1782.
3) Danmarks Fiske III. p. 168.
4) Archiv für Naturgesch. 29. Jahrg. 1. Bd. S. 306 flg.
üeber Heringsasung. 77
Die Rothasung kommt am gewönlichsten von allen
vor, und ist daher am besten bekannt Sie kommt längs
unserer ganzen Küste vor und ist am häufigsten an den
Mündungen der Buchten ; während sie sparsamer in dem
Wasser der Buchten und aussen im offenen Meer gefunden
wird, als wenn sie beträchtlich in der Tiefe abnähme. Zu
gewissen Zeiten im Sommer kann sie in so unglaublichen
Massen vorkommen, dass sie auf grossen Strecken das
Meer roth färbt.
Bei Mandal hatte ich vor einigen Jahren Gelegen-
heit dieses Phänomen zu sehen und zu untersuchen. Nach
einer längeren Zeit ruhigen Wetters sah ich längs dem
Ufer der Insel getrennt vom Lande das Meer in einem
ziemlich breiten Gürtel roth gefärbt. Fischer sagten mir,
dass es Rothasung (Rödkam oder Rödaat) sei, welches
diese Farbe verursachte und zeigten, wie Schaaren von
Makrelen von dieser Nahrung frassen , während Fischer
mit grossen Netzen diese allzu gcfrässigen Fische fingen,
die nun nicht so scheu waren, wie gewöhnlich. Ich zog
eine grosse Menge dieser Thiere aus dem Meere und
fand bei der Untersuchung unter dem Mikroskop, dass
es kleine Copepoden waren, die zu den kleinsten Cru-
staceenformen gehören. Die grössten derselben waren
nur eine Linie lang und kaum mit blossen Augen zu
sehen. Besonders waren darunter Arten der Gattungen
Calanus, Eikocalanus, Centropages und Anomalocera re-
präsentirt, welche die grössten Arten an unseren Küsten
besitzen. Man sollte nicht glauben, dass so kleine Thier-
formen von einer solchen Bedeutung für die Oeconomie
des Landes sein könnten, aber die Makrelen und Herbst-
heringe verdanken fast allein diesen Thieren ihre grosse
Fettigkeit, denn innerhalb ihrer dünnen Schale sieht man
unter dem Mikroskop Fett in deutlichen Streifen zwischen
den Muskeln und Eingeweiden.
Bei Spitzbergen kommen sie auch in so unglaubli-
cher Masse vor, dass selbst Vögel diese fette Nahrung
einschlürfen, und in dem Südeismeere dienen sie sogar
den grossen Walfischen zur Nahrung.
78 Boeck:
Wenn der Hering nun eine grosse Menge von die-
ser Äsung verzehrt hat und gefangen und getödtet wird,
bevor er sie vollständig verdaut hat, so wird die Äsung
im Magen der Fische faul, bevor sie von dem Salze er-
reicht wird. Der Magen selbst wird dadurch aufgelöst
nebst dem grossen Blutgefäss, welches unter dem Rück-
grat liegt, wonach der Blutfarbestoff austritt, so dass das
Fleisch längs dem Rückgrat roth wird. Deshalb ist es
angeordnet, dass der Hering drei Tage im Netze bleiben
soll, in welcher Zeit alle aufgenommene Nahrung ver-
daut sein wird, wenn der Fisch nicht inzwischen einige
neue Nahrung erhält. Das geschieht jedoch oft, indem
Seewinde Äsung in das gestängte Netz treiben, und der
hungerige Fisch die G elegenheit benutzt zu verzehren, was
er bekommen kann. Somit wird selbst diese Verordnung
unnütz, und Viele, die das wahre Verhältniss nicht ken-
nen, glauben, es sei ihr Fehler, was auf unglücklichen
Umständen beruht.
Wenn dieExcremente, welche aus der Analöffnung
hervorkommen, wenn man den Hering drückt, gelb sind,
sagt man, dass er Gelbasung (Gulaat) genossen hat. Diese
Äsung ist nicht sehr häufig, und ich habe keine Gele-
genheit gehabt, sie im Meere zu sehen, oder Heringe zu
untersuchen, welche sie im Magen hatten ; aber durch Be-
sprechungen mit alten Fischern bin ich zu der üeber-
zcugung gekommen, dass sie theils aus Crustaceen besteht
und dann besonders aus ganz durchsichtigen Copepoden,
theils und vielleicht hauptsächlich aus Entwickelungsfor-
men von Würmern oder Anneliden, welche in unglaub-
lichen Massen an unserer Westküste vorkommen können.
So hat mich Prof. Chr. Boeck benachrichtigt, dass man
bei Christiansand die Oberfläche des Meeres mit kleinen
Würmern oder Anneliden von einer Linie Länge erfüllt
gesehen hat, welche lebhaft mit Hülfe von Flimmerhaaren
umherschwammen, die an gewissen Körperringen befestigt
waren. Diese Thierchen waren bereits so weit entwickelt,
dass man sie als die Jungen von Leucodore ciliata erkennen
konnte. Die Fischer erzählten mir, dass diese Erscheinung
Ueber Heringsasung. 79
nicht so selten sei, und dass Heringe und Makrelen die-
sen Thieren nachgingen, so wie dass die Gelbasung mei-
stentheils aus feinen Nadeln bestehe, welche nichts anderes
sein können als die Borstenbündel, die solche Anneliden-
larven an ihren Gliedern tragen. Diese Äsung ist nicht
sehr gefährlich für den Hering, da sie sehr schnell ver-
daut werden kann.
„Schwarzasung (Svartaat)" ist dagegen die gefähr-
lichste von allen Arten. Man nennt sie auch „Pulverasung
(Krutaat)," weil man sie im Meere als kleine schwarze
Körner sieht, welche sich an der Oberfläche bewegen,
aber untersinken, wenn man sie berührt. Besonders soll
diese Äsung in sehr regnigten Jahren vorkommen, wenn
es auf kurze Zeit schönes und klares Wetter geworden
ist, wie es im vorigen Jahre war, ist aber verhältniss-
mäsßig sehr selten. Den Hering, der diese Äsung ge-
nossen hat, sieht man für gänzlich unbrauchbar zum Ein-
salzen an, selbst wenn er länger im Neste bleibt, als vor-
geschrieben ist, denn der gesalzene Fisch rieht abscheu-
lich, selbst nachdem der Magensack mit der Äsung her-
ausgenommen ist. Durch das Königliche Departement
für das Innere erhielt ich im vorigen Jahr eine Partie
„Pulverasung^ zugesandt, die aus dem gefangenen Hering
genommen, und theils in Spiritus, theils im getrockneten
Zustande aufbewahrt war. Als ich die Spiritusflasche
öffnete, stank es nicht unbedeutend. Der Geruch glich
dem von verfaulten Schnecken. Der Inhalt bestand aus
einem zähen dunklen Schleim, worin viele kleine Schnek-
kenschalen eingestreut waren , die grösstentheils ganz
waren, während eine Partie Fragmente auf dem Boden
des Glases lag. Bei der Ansicht unter dem Mikroskop
erkannte ich sofort diese Schalen, welche ich einige Jahre
früher in grossen Massen an einem südlicheren Theile
unserer Küste gesehen hatte. In der Strasse zwischen
Karmöe und dem Festlande sah ich nämlich eines Tages
im Monat Juli, als der Strom nicht sehr stark ging, das
Meer, welches zu anderen Zeiten ganz klar war, in lan-
gen Streifen dunkel gefärbt, und am Strande war es noch
80 Boeck:
stärker gefärbt. Ich schöpfte etwas Wasser mit der ge-
färbten Substanz, und fand nun, dass diese ausschliesslich
aus kleinen Schnecken bestand. Dies waren alles Junge
von einigen zwischen Tang lebenden kleinen Arten der
Gattung ^Rissoa/ und schwammen mittelst zweier mit
feinen Wimpern besetzten Schwimmlappen umher, während
der übrige Theil ihres Körpers in einer starken, aber durch-
sichtigen Kalkschaale von 3 bis 7 Windungen eingeschlos-
sen war. Sie waren etwas über eine Linie lang und
ziemlich breit, besonders w^enn sie die Schwimmlappen
ausgebreitet hielten. Wenn sie berührt wurden, zogen
sie sogleich ihre Schwimmlappen in die Schale zurück
und sanken zu Boden. Im völlig entwickelten Zustande
haben sie ihre Schwimmlappen verloren und kriechen dann
mittelst eines grossen Fusses zwischen dem Tang umher.
Bei der Vcrgleichung der von mir von Karmöe heimge-
brachten Rissoa-Jungen mit dem Inhalte des Marens von
dem „verasten" Hering aus dem Nordmeere fand ich, dass
beide vollkommen übereinstimmten, und dass die gefähr-
liche Pulverasung allein aus solchen kleinen Schnecken-
larven besteht, was später von mehreren Fischern und
Händlern bestätigt wurde, die ich darüber befragt habe.
Wesshalb diese Pulverasung so viel gefährlicher und zer-
störender ist, als die anderen, lässt sich leicht begreifen,
wenn man den Bau dieser Thiere betrachtet. Während
die Schale der Rothasung ziemlich dünn und der Körper
der Gelbasung ganz weich ist, ist der Körper der Schwarz-
oder Pulverasung wohl bedeckt von einer Schale, die von
den Verdauungsorganen der Heringe nicht angegriffen
werden kann, so dass nur die äusseren Theile des Kör-
pers oder die Schwimmlappen schneller verdaut werden
können, während die in der Schale besser verborgenen
Theile verfaulen. Deshalb muss auch das Fleisch der
Heringe riechen, selbst wenn er Zeit hat. Alles auszuwer-
fen, und selbst wenn das Thier nicht fault, hat es den
eigenthümlichen üblen Geruch, welcher sich sogleich dem
Fisch mittheilt, der es verschluckt hat. Es würde auch
nicht besonders viel helfen, wie ich früher vorgeschlagen
üeber Heringsasung. 81
habe, dass man die Magensäcke aus den Heringen her-
ausnehmen sollte, bevor man ihn zubereitet^ denn die übel-
riechende Flüssigkeit ist dann bereits in den Körper auf-
genommen.
Nun drängt sich endlich die Frage auf, warum be-
sonders der Sommer- und der Herbsthering diese Äsung
erhalten soll, und nicht der Frühlingshering, oder der,
welchen die Holländer im Meere fangen, denn diese wer-
den beide mit dem Netz gefangen und sogleich nach dem
Fange zubereitet. Der Grund muss einzig und allein
darin gesucht werden, dass die Wanderungen der Früh-
lingsheringe und der Holländischen Heringe wesentlich
aus dem Triebe entspringen sich fortzupflanzen und die
für die Entwickelung der Jungen passenden Stellen auf-
zusuchen. In dieser Zeit erscheint der Ernährungstrieb
zurückgedrängt zu sein, und ich habe auch in dem Ma-
gen der Frühlingsheringe nur unbedeutende Reste der
Nahrung gefunden, die gewiss lange vorher eingenommen
war. Dagegen sind die Wanderungen der Sommer- und
Herbstheringe Nahrungswanderungen, indem diese gerade
den zu der Zeit in grossen Massen auftretenden Larven
niederer Thiere, welche an der Oberfläche des Meeres
schwimmen, nachgehen.
.Archiv für Natur^. XXXIV. Jahrg. 1.
lieber eine merkwürdige in der [Nordsee lebende
Art Spongia.
Von
S. Loveu.
(Uebersetzt aus Ofversigt af kongl. Vetensk. Akad. För-
handlingar. Stockholm 1868. p. 105 vom Herausgeber.)
Hierzu Taf. II.
Das naturhistorische Reichs -Museum besitzt zwei
Exemplare von einer Kiesel-Spongie, welche wohl eine
nähere Untersuchung zu verdienen scheint. Das eine ist
unter den Sammlungen, v/elche ich vor langer Zeit aus
Finmarken mitbrachte, das andere wurde voriges Jahr
bei Storeggen an der Norwegischen Küste, in einer Tiefe
von etwa 200 Klafter, von Herrn G. v. Yhlen gefun-
den, der es dem Reichsmuseum, zugleich mit anderen
werthvoUen Funden aus derselben Tiefe jener Gegend der
Nordsee, überliess. Beide Exemplare sind in Weingeist
aufbewahrt.
Schon die äussere Form dieser Spongie ist unge-
wöhnlich : ein keulenförmiger Körper, den man den Kopf
nennen kann, getragen von einem dreimal so langen,
schlanken und runden, etwas gebogenen Stamm, welcher
mit seinem unteren Ende durch zahlreiche Wurzeln am
Meeresgrunde befestigt war, Fig. 1. Die ganze Spongie,
ausser den Wurzeln, ist 52 Mm. hoch, die Länge des
Loven: ;Ueb. eine merkw. in d. Nordsee lebende Art Spongia. 83
Kopfes 13 Mm., des Stammes 39 Mm. Die Farbe ist blass
gelbgrau. Der Kopf; dessen Querdurchschnitt etwas
oval ist, hat die obere Fläche abgeplattet. An dem einen
Exemplare ist sie ganz eben ; an dem anderen, Fig. 2, ist
sie mit einer grossen, länglichen, wohl begrenzten Oeff-
nung versehen, in deren Tiefe man Röhrengänge in das
Innere gehen sieht, getrennt durch unregelmässige Zwi-
schenbalken. Dies ist die wohlbekannte Ausströmungs-
öffnung (osculum Bowerbank) der Spongie , welche sie
lebend öffnen oder vollkommen schliessen kann, und ihr
inneres Kanalsystem. Die Oberfläche des Kopfes (Fig. 3),
ist übrigens fast glatt, fein und unregelmässig netzförmig,
mit einigen grösseren Lücken, unter dem Mikroskop äus-
serst fein zottig von hervorstehenden Spicula. Der Stamm,
hart, fest, elastisch, hat eine deutliche, fein zottige Haut-
schicht. Nach unten nimmt er an Dicke zu und endet
mit einer erweiterten Basis. Die feinen Wurzelfasern ver-
zweigen sich, bilden Schlingen und haben eine Menge
Sandkörner, Spongiennadeln und Polythalamien an sich
angeheftet.
Eine nähere Untersuchung hat Folgendes ergeben. Die
Haut des Stammes ist eine dünne, aber ganz feste Schicht,
welche in langen Stücken abgezogen werden kann. Diese
zeigt dann ein helles, farbloses, zähes Protoplasma ange-
füllt mit kleinen gelblichen Körpern, fein körnige, mit
oder ohne grössere Körner, andere grössere mit solchen
Fig. 4. In diesem Parenchym liegt (Fig. 5) ein Filz von
vielen kleinen, spindelförmigen, schwach gebogenen, in
der Mitte nicht angeschwollenen, mit Kernkanal versehe-
nen, in allen Richtungen neben und über einander dicht ge-
lagerten Kieselspicula (Fig. 6), deren Messung von 0,1 Mm.
Länge bei 0,0018 Mm. grösster Dicke, bis 0,08 Mm. Länge
bei 0,002 Mm. grösster Dicke, eine mittlere Länge von
0,08 Mm. ergab, und das Verhältniss der Länge zur Dicke
bei einem wie 100:3,6, bei einem andern wie 100 : 1,8,
im Mittel von 8 Messungen wie 100 : 2,76. In Glycerin
treten die Körner des Parenchyms deutlich hervor, in
Canada-Balsam die Spicula.
84 L o V e n :
Innerhalb dieser Kaut besteht der Stamm aus dicht
der Länge nach liegenden Spiciila, zusammengehalten von
einer nicht bedeutenden Menge Parenchym ; Fig. 7. Auf
den ersten Anblick sieht es aus, als wenn der Stamm
aus sehr vielen langen schwach spiralgewundenen Fäden
zusammengesetzt wäre , aber eine nähere Untersuchung
zeigt, dass die Spicula kurz sind, aber solchergestalt in
Strängen geordnet, dass das Ganze das Aussehen hat,
wie es Fig. 8 angiebt. Die Spicula gehören alle zu einem
und demselben Typus. Es sind spindelförmige Nadeln,
Fig. 9, 10, 11, welche nicht w^eit von der Mitte eine runde,
schwache aber deutlich abgesetzte, umfassende Anschwel-
lung haben, und sich von diesem Punkte gleichmässig
und allmählich abspitzen, aber nicht in derselben Ebene,
sondern so, dass, die von der Mitte ausgehenden gegen-
seitig einen sehr grossen Winkel bilden. Durch diese
Form der einzelnen Nadeln geschieht es, dass sie, ver-
eint in Reihen, den spiralen Bau des Stammes verursachen.
Jede Nadel endet, an jedem Ende mit einer feinen aber
abgerundeten Spitze ; Fig. 12. Sie sind mehr oder weniger
gedreht. Die Schichten, aus denen sie bestehen, sind
nicht zu unterscheiden, nur die äusserste zeigt sich, im
Querdurchschnitt, Fig. 13, wie ein feiner Ring. In seiner
Mitte haben sie einen feinen Kanal, welcher, wenn nur die
Nadel nicht abgebrochen ist, dicht innerhalb der Spitze
blind endet. Ist die Anschwellung in der Mitte nicht
grösser als sie durch Fig. 9, 10, 11 dargestellt wird, geht
der Kernkanal durch sie, ohne einen Ast abzugeben. Aber
da, wo, wie es jedoch sehr selten angetroflPen wird, die
Anschwellung etwas mehr an zwei entgegengesetzten
Stellen zunimmt und so wird wie Fig. 14 zeigt, sieht man
zwei feine, aber deutliche Querkanäle kreuzförmig von
dem Kernkanale ausgehen, jeden in seiner Anschwellung.
Länger als Fig. 14 angiebt habe ich diese Bildung nicht
werden sehen. Es ist eine beginnende Verästelung und
kommt auch an anderen Stellen der Nadel vor. Fig. 15
und 16 zeigen die Anlagen von solchen Aesten, gerichtet
nach der Mitte der Nadel; Fig. 17, 18 dieselbe einfache Ver-
lieber eine merkwürdige in der Nordsee lebende Art Spongia. 85
ästelung mit der Richtung nach der Spitze. Bisweilen ist
die Verästelung in doppelter Kreuzform angelegt, vier
Aeste mit vier Kanälen, Fig. 19, bald regelmässig, bald
etwas unregelmässig, in Verbindung mit einer bereits vol-
lendeten Spaltung, wie Fig. 20. Man findet ausserdem
bisweilen einen unregelmässigen Haufen von gerundeten
blasenartigen Bildungen, Fig. 21, 22, 23, zu welchen der
Kernkanal keine Aeste abgiebt. Oft kommen Nadeln mit
Absätzen an der Spitze vor, Fig. 24, 25 ; ganz selten ha-
ben sie die Oberfläche bedeckt mit vorstehenden Zacken,
Fig. 26.
Wenn die Nadel vollkommen ganz und unverletzt
ist, enthält ihr Kanal, auch nach dem Sieden in Salpeter-
säure, einen klaren durchscheinenden Inhalt. Aber ist sie
zerbrocben, wenn auch kaum merkbar an ihrer alleräus-
sersten Spitze, dann sieht man zuweilen den Kanal stück-
weise mit Gas gefüllt in langen abgebrochenen Pfeilern,
dicker als das Lumen des Kanals im Uebrigen ; Fig. 28,
29, 30. Lieb erkühn hat beobachtet, wie Kieselspicula
zuerst in ganz jungen Individuen von Spongilla gebildet
werden. In einer Zelle mit Nucleus und Nucleolus tritt
zwischen dem Kern eine kleine Kugel von Kieselerde
auf, von welcher an entgegengesetzten Seiten, oft nicht
ganz in derselben Fläche, zwei Spitzen hervorwachsen,
welche sich allmählich verlängern, bis die Gestalt einer
spindelförmigen Nadel erreicht ist, wo denn die Kugel in
der Mitte übrig ist. Es ist wohl anzunehmen, dass die
Anschwellung, wie man sie an den spindelförmigen Na-
deln bei der nordischen Spongie sieht, und in welcher,
so lange sie nur eine geringe Grösse hat, der Kerukanal
keine Zweige abgiebt, deren frühest gebildeter Theil, die
Kieselkugel, ist. Wie darauf die Nadel wächst, frei im
Parenchym, davon wissen wir für jetzt nicht viel. Ihre
Grösse nimmt durch Schichten zu, die sich von aussen
um einander legen. Kölliker, welcher den Kanal für
eine solide Faser von weichem organischen Stoff hält,
auf welchem sich innerhalb der Zelle, aus deren Inhalt,
Kieselerde absetzt, nimmt an, dass die im Parenchym
86 Loven:
freien Nadeln durch Ausscheidung ans demselben wach-
sen, durch Kiesellamellen, die sich um einander schich-
ten ^). Bei unserer Spongie können die Schichten kaum
unterschieden werden. Dagegen hat die Untersuchung
einer andern Kieselspongie aus dem nördlichen Eismeer
einige Beobachtungen gegeben, welche verdienen dürften
hier im Voraus mitgetheilt zu werden. Die Schichten
sind sehr deutlich, wohl begrenzt, und scheinen abwech-
selnd weich und kieselhart zu sein. Eine lange Nadel
hat nahe dem Ende die äussere Schichte ganz verloren,
so dass die im üebrigen unbeschädigte Spitze aus der
rückständigen hervorsprosst, wie aus einer Scheide. Man
sieht, dass zwischen der äussersten abgebrochenen Kie-
sellamelle und der äusseren der unbeschädigten Spitze
ein Zwischenraum ist, dessen früherer Inhalt, eine w^eiche
Substanz, nun verloren ist, so dass der Canadabalsam
daselbst ein wenig eindringt. Wenn eine von den in Sal-
petersäure gekochten Nadeln eine geringe Verletzung
bekommen hat, ist ihr Inneres verändert. Ist bloss die
äusserste Spitze abgebrochen, dann zeigt sich im Kanäle
auch zwischen zwei oder mehreren Kieselschichten, ne-
ben etwas Gas, ein schwarzer Stoff, die verkohlte weiche
Zwischensubstanz. Ist die Verletzung nicht an der Spitze,
sondern an der Seite, scheint dieser Stoff sich zwischen
der äussersten Kieselschichte und der nächsten ausgebrei-
tet zu haben , aber der Kanal und die innere Zwischen-
schicht haben ihre Durchsichtigkeit unverändert behal-
ten. In einer Nadel, welche anfängt einen Ast anzulegen,
ist an der Stelle ein Theil des Kanales und des mit der
dunklen Substanz erfüllten Zwischenraumes zwischen der
innersten und der darauf folgenden Schicht wne heraus-
gedrängt, quer durch eine dritte Schicht durch sehr feine
auf die Längsaxe rechtwinklige Poren. Es dürfte hier-
aus hervorgehen, dass der normal an den Enden geschlos-
sene Kanal einen w^eichen organischen Stoff enthält, und
dass die Schichten eines solchen Stoffes mit Kiesellamel-
1) Kölliker, Icones histiologicae I. p. 61.
lieber eine merkwürdige in der Nordsee lebende Art Spongia. 87
len abwechseln, auf die Weise, dass eine von diesen die
äusserste ist, und dass die Schichten von Poren durcli-
drimgen sind. Der flüssige Inhalt der Nadeln würde so-
nach mit dem x\eussern in Berührung kommen und ein
Substanzwechsel möglich sein. Dass dies wirklich ge-
schieht, geht aus der Bildung, an ungleichen Stellen der
Nadel, von Auswüchsen, werdenden Aesten, hervor, bei
deren erster Anlage man die vorher festen, der Länge
nach geradlinigen Lamellen, ohne Berstung, durch Ans-
beugung, bei unverminderter Dicke, einem aus dem Li-
nern kommenden Drucke nachgeben, sich nach aussen
krümmen und bald einen aus dem Kernkanal abgehen-
den Ast entstehen sieht. Der Kieselgehalt der äussersten
Schichte dürfte seine Quelle in dem umgebenden Paren-
chym haben. Die Nadel belegt sich allmählich an der
Aussenseite mit neuen Kieselschichten. Wenn ein An-
ker-Spiculum, welches auch von demselben Bau ist, mit
Kernkanal und geschichteten Lamellen, mit einer Nadel in
Berührung kommt, verbindet es sich fest mit ihr, wird von
Kieselschichten umlagert, und liegt schliesslich zumTheil
in die Nadel eingesenkt, dick und mit stumpfen Contouren, .
während in ihrem Innern die ursprüngliche feine Form
genau durch die glashelle Masse wieder erkannt wird.
Die Länge der Nadeln in dem Stamm bei der nor-
dischen Spongie ist ungleich. Ich fand sie von 2,93 Mm.
Länge bei 0,047 Mm. Dicke bis 0,79 Mm. Länge bei
0,01 Mm. Dicke; mittlere Länge 2,12 Mm.; Verhältniss
zwischen Länge und Dicke bei einem wie 100 : 1,95,
bei einem andern wie 100 : 0,93, im Mittel wie 100 : 1,42.
Der Stamm geht in den Kopf hinein, bis über des-
sen Mitte und endigt da konisch. Aus diesem seinem
Theile gehen die Nadeln hervor, welche dem Kopfe seine
Form und Festigkeit geben; Fig. 31, 32. Zwischen den
aufsteigenden Spicula des Stammes sitzen Nadelbündel
eingekeilt Fig. 33, welche nach verschiedenen Richtungen
ausstrahlen, — ob mit einiger Regelmässigkeit habe ich
nicht bestimmen können — nach unten, nach oben, nach
den Seiten, Da sind dicke und starke wie der Stamm,
88 Loven
gebogene^ allmählicL breitere und etwas platte, in mehrere
fast cylindrische Aeste gespaltene^ und deren Flächen
unter grösseren oder kleineren Winkeln die Längsaxe
des Kopfes schneiden. Diese Bündel bestehn auch aus
spindelförmigen Nadeln von demselben Tvpus wie die
des Stammes, aber kleiner. Zehn Messungen ergaben von
1,14 Mm. Länge bei 0,013 Mm. Dicke bis 0,4 Mm. Länge
bei 0,011 Mm. Dicke; die mittlere Länge war 0,73 Mm.
und das Verhältniss der Länge zur Dicke bei einer wie
100 : 2,86, bei einer andern wie 100 : 1,09, im Mittel aus
zwölf Messungen wie 100 : 1,85. Aeusserst selten kommen
sehr kleine gerade Nadeln ohne Anschwellung in der
Mitte vor, Fig. 27. Je näher der Oberfläche, desto mehr
theilen sich diese Bündel, aber keine von ihren Nadeln
erstreckt sich, in der Regel , bis ausserhalb der Ober-
fiächenbedeckung. In dieser treten andere Nadeln auf,
Fig. 34, von demselben Typus wie die, welche in der
Haut des Stammes sitzen, aber länger als diese, gebogen,
ohne Anschwellung in der Mitte, Fig. 35, und in der
Oberfläche des Kopfes auf dieselbe Weise geordnet, wie
jene. Die Messungen ergaben von 0,45 Mm. Länge bei
0,004 Mm. Dicke bis 0,34 Mm. Länge und 0,0)46 Mm.
Dicke; die mittlere Länge von 0,39 Mm., das Verhältniss
zwischen Länge und Dicke bei einer wie 100 : 1,25, bei
einer andern wie 100 : 0,8, im Mittel wie 100 : 1.
Der Zwischenraum zwischen diesen Bündeln von
Spicula, welche die Zwischenbalken zwischen dem Röh-
rensystem des Kopfes bilden, wird von dem Parenchym
ausgefüllt, das, obgleich lange unter Einwirkung von Spi-
ritus, eine gelbbraune Farbe hat, fest und zähe ist, sehr
zahlreiche meist oblonge Körperchen und Körner enthält,
und darunter grössere runde mit körnigem Inhalt Fig. 36.
Aus der etwas verdickten Basis des Stammes ent-
springt aus deren Haut eine sehr grosse Anzahl Wurzel-
fasern, welche krumm, ungleich, und indem sie Aeste
abgeben, welche hier und da wieder zu dem Hauptaste
zurückgehen und Schlingen bilden, sich allmählich über
ein Feld vertheilen, fast doppelt so gross als die obere
lieber eine merkwürdige in der Nordsee lebende Art Spongia. 89
Fläche des Kopfes, Fig. 37. Die Fasern bestehen zum
grösseren Theile aus einem ziemlich durchsichtigen, farb-
losen weichen Stoff, demselben wie der der Haut, wel-
cher auf seiner Oberfläche eine ziemlich dünne Schicht von
feinen gelblichen Körnern hat. Sehr seltene, äusserst
kleine, gerade Spicula dürften dieser Schicht angehören,
obgleich es unsicher ist, sie bestimmt dahin zu verweisen,
unter denen grosse Mengen von kleinen und grossen frem-
den Körpern von mancherlei Art, welche daran befestigt
sind, auf die Weise, dass die feinkörnige Schicht der
Oberfläche über den gefangenen Gegenstand hinkriecht
und sogar in den Kanal der Spongiennadeln eindringt,
Fig. 38.
Wenn man den Stamm dieser Spongie nicht weit
von der Wurzel abbricht, sie auf und nieder wendet und
sie auf die platte Oberfläche des Kopfes stellt, mit dem
Stumpf des Stammes nach oben gerichtet, gewährt er
eine unverkennliche Uebereinstimmung mit der bekannten
Hyalonema Sieboldi Gray, so wie sie bisher aufgefasst
worden ist. Was wir hier Kopf genannt haben, entspricht
dem Schwamm bei Hyalonema, und der Stamm, so wie
man sich bisher vorgestellt hat, die daraus aufsteigende
prächtige Quaste. Aber der Unterschied in der Grösse
ist sehr bedeutend. Das von Max Schnitze abgebil-
dete grosse Exemplar von Hyaloneuia hat den Schwamm
zehnmal höher, an Volumen mehr als sechshundertmal
grösser als der Kopf bei unserer Spongie ist , die Quaste
achtmal länger und viel dicker.
Hyalonema, nunmehr auch aus dem atlantischen Ocean
an der portugiesischen Küste und aus dem mexikanischen
Meerbusen bekannt, zuerst und lange allein aus dem Ja-
panischen Meere, soll dort auf tief liegenden Klippen
bei Enosima wachsen, woselbst die Fischer, welche sie
in ihren Geräthen fangen, sie an die Besucher des Tem-
pels verkaufen. Von den Japanesen als ein Zierrath an-
gewendet, seit mehr als dreissig Jahren als eine kostbare
Seltenheit in die Europäischen Museen unter dem Namen
der Glaspflanze eingeführt, und als ein merkwürdiges
90 L o V e n :
Erzeugniss, in gewisser Hinsicht einzig in seiner Art,
angesehen, ist sie Gegenstand häufiger Untersuchungen
und verschiedener Meinungen geworden ^). Alle Exem-
plare, w^elche untersucht worden sind, sind getrocknet
gewesen, und die meisten von ihnen hatten die Quaste,
auf einen bedeutenden Theil ihrer Länge, mit einem
Zoophyten aus der Gattung Palythoa Lamouroux beklei-
det. Dieser Umstand veranlasste von Anfang an eine
falsche Deutung. J. E. Gray, der erste, welcher Hya-
lonema beschrieb und benannte, und später mehrmals Ihre
Untersuchung wieder aufnahm , sieht sie als aus zwei
durchaus verschiedenen, einander ganz und gar fremden
Organismen bestehend an. Von diesen ist das Zoophyton
das Wesentliche, die aus einer grossen Anzahl langer
Kieselnadeln zusammengesetzte Quaste ist seine Axe,
einigermassen analog mit den Gorgonien oder Pennatu-
linen, aber der Schwamm ist ein für das Zoophyt frem-
der Gegenstand, in welchen die japanische Art, um eine
aufrechte Stellung zu gewinnen, mit seinen spitzigen Enden
eingesenkt lebt, ungefähr so wie Pagurus seine Wohnung
in einem Schneckenhause nimmt. In Folge dieser Auf-
fassung schliesst Gray Hyalonema aus der Klasse der
Spongien aus, stellt sie zu den Zoantharien, und bildet
darin zwei Gattungen, verschieden durch die Anzahl der
Tentakeln der Polypen, und darin, dass die eine, Hyalo-
nema, in einer Spongie befestigt, die andere, Hyalothrix,
frei lebt. Gray war der erste, welcher die Zusammen-
setzung der Kieselnadeln aus concentrischen Schichten
beschrieb, und die Widerhaken an ihrem freien Ende.
Auch Brandt sah Hyalonema, mit der Palythoa an
der Quaste, für ein Zoophyt von bisher unbekannter Fa-
milie, Hyalochaetides, an, mit cylindrischer Axe von spi-
ralgewundenen Kieselfasern. In den ungleichen Formen
der Polypen sah er Charaktere für zwei verschiedene
Gattungen, Hyalonema Gray und Hyalochaeta Brandt,
aber den Schwamm hielt er für einen Parasiten, der all-
1) S. am Schlüsse der Abhandlung die Litteratur.
Ueber eine merkwürdige in der Nordsee lebende Art Spongia. 91
mählich die Polypen umstricken and tödten sollte. Ihm
folgte, wie es scheint, v. ISlordmann.
Dieser Art Hyalonema zu deuten schloss sich auch
Barboza du ßocage an, welcher durch Haifischfischer
in Setubal, die jetzt weiter hinaus in die See gehen als
sonst, zusammen achtzehn getrocknete Exemplare von
Hyalonema lusitanicum erhielt, welche er wegen der
Formen, Grösse und Stellung der Polypen für verschie-
den von H. Sieboldi ansah, und der die Gattung Hyalo-
thrix Gray blieb. Er sah jedoch kein Individuum mit
Schwamm, ausser einer einzigen Quaste mit dem schma-
leren Ende von einer Palythoa überzogen, mit kleineren
Polypen, und in dem „corium polypigerum*^ fand er eine
Menge Kieselnadeln, und jeden Polypen gestützt von
einem Gerüst von solchen.
Andererseits sprach Val encie nne s längst seine
Meinung aus, dass Hyalonema eine Spongie sei. Mit ihm
stimmt B owerb ank überein, jedoch mit der Auslegung,
dass die aufsteigende Quaste das Skelett eines „pfeiler-
förmigen Kloakensystems'^ sei , die Palythoa die Haut
der Spongie, und ihre Polypen ihre Ausströmöffnungen,
oscula ßow.
Die ersten genauen Untersuchungen gab Max
Schnitze. Auch er nahm im Anfange das Zoophyt für
einen Theil der Spongie, und dessen Polypen für Nodo-
sitäten, welche nicht die dünnen Theile ßrandt's, son-
dern dagegen, besonders in der Substanz, welche sie
vereinigt, zahlreiche Spongienziadeln enthalten soll. In
seiner grösseren Arbeit trennt er später die Spongie
Hyalonema von dem Zoophyt, welches sie bewohnt, —
das an einigen von den achtzehn untersuchten Exempla-
ren vermisst wird — sowohl die auf der Quaste lebende,
lange bekannte Polythoa, deren Nesselorgane er entdeckte,
wie ein anderes bisher übersehenes, welches in dem
Schwamm selbst lebt. Er zeigt, dass der Schwamm und
die gemäss seiner und Anderer Vorstellung, daraus auf-
steigende Quaste, zusammen die Spongie ausmachen, so
dass, als er zwei Exemplare von Quasten fand, welche
92 L 0 V e n :
wie die von ßarboza du Bocage beschriebenen ohne
Schwamm waren, und deren schmales Ende allerdings von
der Polythoa überzogen, und zugleich beobachtete, dass
innerhalb die Spitzen ihrer Kieselnadeln abgebrochen
waren, sah er darin einen Beweis, dass der Schwamm
todt und die Quaste abgefallen war ehe die Polythoa
ihn so überwachsen konnte. Mit Sorgfalt studirte er die
verschiedenen Arten von Kieselnadeln, bestätigte Gray's
Angabe über ihre Widerhaken und ihre Zusammenset-
zung aus concentrischen Schichten, und Grant's und
Anderer über die für die Kieselnadeln der Spongien be-
zeichnenden Kernkanäle. Nächst verwandt mit Hyalonema
fand er Euplectella und bildete für diese beide eine neue
Familie Lophospongiae, Halichondrinen ohne Hornfasern,
ausgezeichnet durch zahlreiche, lange Spicula, welche aus
einem Ende des Schwammes aufsteigen.
Wyville Thomson, welcher eine Zusammenstel-
lung der verschiedenen Ansichten gab, schloss sich an
Max Schultz e's Meinung an, deutete auf die Aehn-
lichkeit mit der Kalkspongie Sycon ciliatum hin, und
schlug vor unter den Porifera silicea für Hyalonema^
Euplectella, Dactylocalyx u. a. eine neue Ordnung „vitrea"
zu bilden. Auch Leidy und v. Martens, welcher letz-
tere einen neuen Beweis gab, dass Polythoa ein fremder
Gast sei, deuten Hyalonema als eine Spongie.
Ehrenberg, welcher Anfangs Hyalonema zu den
Anthozoen brachte, wurde, nachdem er zwei unvollstän-
dige Exemplare, beide ohne Schwämme, untersucht hatte,
der Meinung, dass es ein Kunstproduct wäre, lange Kie-
selfäden von einer noch unbekannten Spongie, gereinigt
und gebleicht, und in eine röhrenförmige lebende Paly-
thoa hineingesteckt.
So verschieden sind die Gedanken über Hyalonema
gewesen. Dass der Zoophyt Palythoa und die Spongie
Hyalonema jeder für sich seibstständige Organismen sind,
darüber kann nicht der geringste Zweifel sein. Max
Schultze's Untersuchungen haben diese Frage erledigt,
in welcher die Meinungen so getheilt waren. In einer
Ueber eine merkwürdige in der Nordsee leben de Art Spongia. 93
anderen Hinsicht dagegen sind Alle einig gewesen, wel-
che Hyalonema für ein Naturproduct hielten ; sie nahmen
x\lle den Schwamm für den Basaltheil , die Quaste für
einen daraus aufsteigenden Theil.
Aber wenn man Hyalonema in der entgegengesetz-
ten Weise betrachtet, wenn man sie so hält, dass der
Schwamm oben ist, die Quaste unten, wenn man dabei
annimmt, dass diese nur ein Stück ihres Stammes ist,
welches durch das Netz der Fischer abgerissen wurde,
während das übrige Stück mit der festen Wurzel auf
dem Meeresgrunde stehen geblieben ist, so wie z.B. der
tief versenkte Lygus mirabilis (0. F. M.) so oft von dem
Schleppnetz abgerissen wird, und wenn man sie zugleich
näher mit der Spongie vergleicht, welche hier beschrie-
ben und abgebildet ist, wird man, wie ich zu zeigen
versuchen will, eine Vorstellung von ihrem Bau und ihrer
Lebensweise bekommen, welche der Wahrheit näher kommt,
als die bisher herrschende.
Die Oberfläche, welche bei Hyalonema die untere
des Schwammes genannt wurde, wird dann dessen obere
Fläche, und entspricht der, welche in Fig. 1 mit a be-
zeichnet und in Fig. 2 dargestellt ist. Bei unserer Spongie
ist diese Oberfläche mit einer grossen Ausströmungsöffnung
(Osculum) versehen, in deren Tiefe man das Kanalsystem
in das Innere des Kopfes abgehen sieht. Max Schnitze
ist der Einzige, welcher diese Oberfläche bei Hyalonema
beschrieben hat. Wenn sie bei dieser Gattung an dem
Meeresgrunde befestigt wäre, würde sie Anzeichen davon
tragen; Sand, Stücke von Schneckenschalen, Polythala-
mien müssten, wie es z. B. auch bei Euplectella cucu-
mer Ow. und E. aspergillum Ow. gewöhnlich ist, fest
daran haften. Solches wird gleichwohl nicht erwähnt.
Dagegen öfinen sich, an dieser Oberfläche, bis sechs
einen halben Zoll weite, unregelmässig ovale Oeffnungen,
von denen aus man in untereinander anastomosirende von
membranartigen, porösen, aus Kieselnadeln gewebten
Wänden begrenzte Bohren kommt, die sich bis zwei Zoll
weit von unten herauf in den Schwamm verfolgen lassen
94 L o V e n :
und in ein iinregelmässig-es Lacunensystem übergehen,
mit dem dann wieder die OeiFnungen auf der Oberfläche,
aber nur durch feine Maschen des spongiösen Gewebes
in Verbindung stehen ^). Es sind offenbar die Ausströ-
mungsöffnungen mit dem Kanalsystem, was M. Schnitze
hier beschreibt, und es ist das Ungewöhnliche schwer
zu erklären, dass sie, für ihr Leben so wichtig, ihren Platz
an der Stelle haben sollten, mit welcher das Geschöpf
festgewachsen ist, da der Ausgang des Stromes ihrem
Widerstand begegnen müsste, und deren Wirksamkeit
also fast vernichtet wäre.
Durch einen Einschnitt in den Kopf (Schwamm) legte
Max Schnitze den inneren Bau zu Tage. Der Stamm
(Quaste) setzt sich wie bei der nordischen Spongie weit
darin fort, verschmälert sich dabei und nähert sich als
eine feine Spitze der platten Oberfläche. Die feinen
Spicula mit dem Schwammgewebe greifen tief zwischen
den dickeren in dem Axenstrange ein. An diese schliesst
sich das grossmaschige Schwammgewebe in der Weise,
dass es sich zwischen dieselben in Form von platten,
häutig ausgebreiteten Strängen oder Blättern legt, und
das in einer rundum regelmässigen Vertheilung, so dass
ihre Stellung sich auf gleiche Weise zeigt, man mag den
Schwamm spalten wo man will. Die Zeichnung ^) giebt,
obgleich schwach, diesen Bau an, welcher wohl mit dem
übereinstimmt, der oben bei der nordischen Spongie be-
schrieben ist. Das Parenchym war durch Trocknen in
hohem Grade bei der von Schultze untersuchten Hya-
lonema vermindert.
Es ist in die Augen fallend, dass an allen beschriebe-
nen Exemplaren von Hyalonema der Stamm (Quaste) an
seinem freien Ende abgerissen ist. Schultze sagt aus-
drücklich, dass seine langen Nadeln alle abgebrochen
sind. Sie sind von demselben Formtypus wie bei vmserer
Spongie, spindelförmig, mehr oder weniger vollkommen
1) Max Schultze: Die Hyalonemen p. 7.
2) Max Schultze: Die Hyalonemen Taf. 2. Fig. 1.
lieber eine merkwürdige in der Nordsee lebende Art Spongia. 95
rund, am dicksten nahe der Mitte, von da sich nach bei-
den Enden zuspitzend, schwach in einer Spirale gebogen.
Die dickste Stelle ist bei vielen der kleineren und mit-
telgrossen durch eine Anschwellung ausgezeichnet, und
in diese treten vom Centralkanale aus, rechtwinklig, auf
entgegengesetzter Seite zwei kleine Querkanäle ein. Alles
dieses ist wie bei der nordischen Spongie. Von dieser
einfachen Grundform leiten sich bei Hyalonema viele
stark ausgebildete Veränderungen ab, im Grunde diesel-
ben, welche wir, obgleich schwach entwickelt, bei der
Spongie des nordischen Meeres sahen. Die Spitze hat
Absätze (t. 3. fig. 5, 6, 7) wie bei unserer Fig. 42, 25; die
Oberfläche bekommt kurze konische Zacken, in welche
der Kanal nicht eintritt (t. 3. fig. 1 — 4, 9 — 15) wie bei
unserer Fig. 26; in zwei oder vier einander kreuzenden
Richtungen bilden sich Aeste (t. 4. fig. 1) wie unsere
Fig. 14, IG, aber bei Hyalonema sind sie kräftig und voll-
ständig ausgewachsen, zu sechsstrahligen Nadeln, oder zu
fünfstrahligen , wenn der eine Theil der primitiven Na-
del verkümmert ist (t. 4. fig. 3, 5, 6). Auch bloss einsei-
tig kann ein Ast abgehen (t. 3. fig. 15), zu vergleichen
mit unserer Fig. 15, 18. Ob die gebogenen Spicula ohne
Anschwellung in der Mitte, wie sie unsere Spongie in
der Hautschichte hat, fig. 6, 35, bei Schnitze t. 3. fig. 2, 3
wiedergefunden werden können , mag dahin gestellt
bleiben.
Neben diesen Uebereinstimmungen giebt es auch
Verschiedenheiten. Hyalonema hat neben den spindel-
förmigen Nadeln auch einen anderen Typus von Kiesel-
spicula, welcher ganz und gar bei den von mir unter-
suchten Individuen der nordischen Spongie fehlen. Es
ist die Amphidisken-Form (birotulate spicula Bow.), wel-
che Bowerbank und Schnitze beschrieben und ab-
bildeten. Die Spicula von dieser Form finden sich, so
weit es bisher bekannt ist, unter den Meeresspongien so
ausgebildet einzig und allein bei Hyalonema, minder
entwickelt bei Halichondria, aber sonst bei der Süsswas-
sergattung Spongilla, wo sie durch vortreffliche und wie-
96 L 0 Y e n :
derholte Untersuchungen wohl bekannt sind \). Aber da
haben sie eine bestimmte Stelle. In grosser Anzahl und
regelmässig geordnet bekleiden die Amphidisken die Ober-
fläche der Gemmulae der Spongillen (Ovaria Bow.). Diese
Art der Spicula steht somit in Verbindung mit der Fort-
pflanzung. Sicherlich suchte Schnitze vergebens eine
solche Anordnung bei Hyalonema, aber bei einem oder
dem andern getrockneten Exemplare dürfte sie nicht mehr
in ihrer ursprünglichen Ordnung wieder gefunden werden
können. Wenn das hier beschriebene Exemplar der nor-
dischen Spongie, so ausserordentlich klein im Vergleich
zu der riesengrossen Hyalonema Sieboldi, jung war, noch
nicht fruchtbar — oder wenn die Geschlechter bei dieser
Form getrennt sein sollten — so wäre die Abwesenheit
der Amphidisken dadurch erklärlich.
Die spindelförmigen Nadeln des Stammes haben bei
Hyalonema eine ungeheure Länge. Die meisten von ihnen
reichen von seinem einen Ende bis zum andern, einige
sind bis 0,67 Meter lang. Ihre grösste Dicke haben die
unbeschädigten etwas unter der Mitte. Bei den längsten,
aber freilich abgebrochenen Nadeln liegt die dickste Stelle
nahe dem freien Ende. Dieser Punkt wird ungefähr
0,5 Meter von der im Innern des Schwammes verborge-
nen Spitze der Nadel angegeben, dann haben die läng-
sten Nadeln, wenn sie unbeschädigt waren, eine Länge
von einem Meter gehabt, fast achtmal die Längsachse des
Kopfes. Bei unserer Spongie erreichen die längsten Na-
deln nicht ein Viertel des Kopfes. Der Stamm bei der
japanischen Spongie kann die Länge einer einzigen Nadel
gehabt haben, bei der Nordsee-Spongie würden dreizehn
der längsten, in eine Reihe gelegt, Spitze an Spitze, kaum die
Länge des Stammes ausmachen, welche gleichwohl nicht
mehr als die dreifache des Kopfes ist. Diese bedeutende
Ungleichheit in der Länge der Nadeln kann nicht ganz und
gar in der Jugend der Individuen ihren Grund haben.
1) Lieberkühn I. c. tab. 15. fig. 28, 29, 30. — Bowerbank
British Spongiadae fig. 208—222, 317—319.
lieber eine merkwürdige in der Nordsee lebende Art Spongie. 97
aber dieser Charakter der unvollständigen Entwickelung
tritt jedoch hervor, wie oben bemerkt ist, bei Vergleichung
zwischen den aus den einfachen Spicula abgeleiteten For-
men, welche bei unserer Öpongie weit schwächer ausge-
bildet sind, und wird wahrscheinlich auch dadurch ange-
deutet, dass bei unserer Spongie die in der Mitte gelegene
Anschwellung höchst selten Querzweige von dem Kern-
kanale macht, was bei Hyalonema gewöhnlich ist. Es
verdient auch bemerkt zu werden, dass bei den längsten
Nadeln von Hyalonema die Ueberlagerung von Kiesel-
häutchen so weit gegangen ist, dass die Anschwellung in
der Mitte äusserlich ganz unmerklich bleibt, während die
innersten Schichten, durch ihre Biegung nach aussen,
doch zeigen, dass sie noch gefunden sein würde, als die
Nadel noch kleiner war. Also auch hierin liegt mögli-
cher Weise eine Andeutung, dass die untersuchten Exem-
plare ältere Individuen sind.
Die langen Nadeln bei Hyalonema haben eine von
Gray zuerst angezeigte Eigenthümlichkeit, wovon bei
unserer Spongie keine Spur gesehen wird. Ihr freies
Ende hat in Ringen oder Spiralen gestellte Widerhaken,
die nach dem dicksten Punkte der Nadel gerichtet sind.
Schnitze bemerkt ausdrücklich, dass dies nicht darauf
beruhen kann, dass die äussere Schichte zum Theil ab-
gesprungen sei. Dies ist ein ungewöhnliches Verhalten.
Max Schnitze, welcher die Ausströmungsölfnun-
gen an der platten Oberfläche des Kopfes bei seinen
grossen Hyalonemen beschrieb, fand dagegen bei den
kleineren jungen Exemplaren diese Oberfläche mit einem
Netzwerk von Spicula überzogen, gleich denen, welche
das freie Ende von Euplectella aspergiilum Owen und
Euplectella cucumer Owen bedecken. Ein ähnliches Netz
findet sich bei unserer Spongie nicht.
Der Kopf bei dem grossen Exemplar von Hyalo-
nema, welches Max Schnitze untersuchte, zeigt eine
grosse Anzahl kreisrunder Löcher , bis zu einer Linie
Durchmesser, begrenzt von Bündeln feiner Kieselnadeln,
welche nach allen Seiten von ihren Rändern ausstrahlen.
Archiv für Naturg. XXXIV. Jahrg. 1. Bd. 7
98 L 0 V e n :
Sie werden ganz bei unserer Spongie vermisst. Schultae
sieht sie für Schornsteine, d. h. Ausströmungslöcher an,
aber diese liegen, wie oben gesagt ist, bei Hyalonema,
wie bei unserer Art, an der freien platten Oberfläche
des Kopfes. Poren für eingehende Ströme können sie
nicht sein, gleichen auch nicht irgend welchen bei ande-
ren Spongien vorkommenden OefFnungen. Nach ihrer
Form sind sie wohl am ehesten für die Organisation von
Hyalonema fremde Gänge, Parasitenwohnungen, gebildet
von demselben Zoophyten, welchen Schultz e in ihrer
gelbbraunen Bekleidung entdeckte und dessen Nesselor-
gane und Polvpenarme er wiedererkannte. Die Arbeit
des Parasiten hat wahrscheinlich bei der Spongie eine
Gegenwirksamkeit in der nächsten Umgebung der Löcher
hervorgerufen , was die dort beobachtete Stellung der
Spicula erklären kann.
Fasst man schliesslich zusammen, was oben angeführt
ist: die Ungleichheiten, welche zum Theil auf Artver-
schiedenheit, zum Theil auf unvollständiger Untersuchung
beruhen dürften ; die Uebereinstiramungen : Form des
Kopfes, mit seinen auf der freien Oberfläche liegenden
grossen Ausströmungslöchern, im Innern mit Bündeln von
Kieselnadeln, strahlig um das obere Ende des Stammes
gestellt, und dessen spirale Zusammensetzung aus spin-
delförmigen Kieselnadeln, dann findet man, dass die im
Nordmeerc in grosser Tiefe lebende Spongie ein Hyalo-
nema Ist, in vollständiger Beschaffenheit, mit unverletz-
tem Stamm und mit Wurzel. Aber legt man Gewicht
auf gewisse Verschiedenheiten, Abwesenheit der Amphi-
disken , die , wie es bei Spongilla bekannt ist, zu der
Fortpflanzung gehören ; die viel kürzeren spindelförmigen
Nadeln und die geringe Entwickehmg ihrer abgeleiteten
Formen, dann scheint es annehmlich, dass die von mir
beschriebenen Exemplare junge Individuen von einer
Art H3^alonema sind, verschieden sowohl von H. Sieboldi
Gray, wie von H. lusitanica Barboza du Bocage. Wie
diese beiden Arten zu unterscheiden sind, weiss ich nicht.
Sie scheinen einander sehr nahe zu stehen. Es finden
Ueber eine merkwürdige in der Noi-dsee lebende Art Spongie. 99
zwischen den Thieren des Japanischen Meeres und der
Nordsee, sowohl den jetztlebenden wie den fossilen der
Cragbildungen gewisse Aehnlichkeiten statt, welche be-
achtet zu werden verdienen, und können vielleicht zurück
bis zu den tertiären Zeiten verfolgt werden. Die Gat-
tung Hyalonema scheint übrigens alt zu sein; Suess hat
sie in der fossilen Serpula parallela M'Coy i) im Kohlen-
kalk von Yorkshire wiedererkannt.
Hyalonema Gray.
Spongia silicea ; corpus clavatum in facie superiore,
applanata oscula gerens, stipite intrante sufFultum tereti,
radicalis affixo. Spicula fusiformia; stipitis ad longitu-
dinem spiraliter et arte coniuncta parenchymate tenui ;
corporis in fasciculos radiantes congesta, interstitiis paren-
chyma lacunosum amplum continentibus ; cuticulae simpli-
cia arcuata; amphidisci (gemmulas vestientes?).
1. U. Bieholdi Gray.
Hab. in mari Japoniae.
2. H. lusitanicum B. du Bocage.
Hab. in mari atlantico extra oras Lusitaniae.
8. H. horeale n.
Hab. in mare septentrionali extra oras Norvegiae,
profunditate 200 orgyarum.
Explicatio figurarum tab. 11.
1) Hyalonema horeale n. magnitudine sesquies aucta. — 2) Fa-
cies superior cum osculo. — 3) facies externa strati dermalis. —
4) eadem, magnitudine auctiore. — 5) spiculorum eiusdem congeries.
— 6) spicula singula. — 7) stipitis pars, sublato strato dermali. —
9—11) spicula fusiformia, simplicia. — 12) apex spiculi. — 13) Sectio
1) Verhandl, d. zoolog.-botan. Gesellsch. in Wien XII. 85.
Annais nat. bist, third ser. XVIII. 404.
100 liovön:
eiusdem. — 14) spiculi pars media, varicibus canalem secundarium
excipientibus. — 15 — 26) spiculorum formae secundariae. — 27) spi-
culum minutum simplicissimum, rarum. — 28 — 30) spicula fracta,
canali aere repleto. — 31, 32) sectiones longitudinales corporis. —
33) finis stipitis in eodem, cum fasciculis spiculorum radiantibus. —
34) ramuli ultimi fasciculi. — 35) spiculum strati dermalis corporis.
— 36) parencbyma corporis. — 37) radicis pars. — 38) sponolithes
in parenchymate radicis exceptus.
Scriptores.
1835. J. E. Gray, Proc. zool. soc. p. 63.
1840. J. E. Gray, Synopsis of the British Museum 42 ed. p. 72.
1848. Ehrenberg, Berliner Bericht p. 243.
1849. Ehrenberg, Berliner Bericht p. 75.
1850. Valenciennes, in Milne Edwards et Haime Brit. foss.
Corals p. 81.
— Gray, Annais nat. hist. sec. ser. VI. p. 306.
1857. Brandt, Melanges biologiques de l'Acad. de St. Petersbourg II.
p. 606. (27. Mai); Bull. Acad. de St. Petersbourg XVI. no. 5.
— Gray, Proc. zool. soc. XXV. p. 279.
— Valenciennes, in Milne Edwards et Haime Hist. nat. des
Coralliaires I. p. 324.
— V. Nordmann, Amtl. Bericht der Versammlung Deutscher
Naturforscher. Carlsruhe p. 202.
1859. Brandt, Symbolae ad polypös hyalochaetides spectantes, —
gratulatur Acad. Caesar. Petropolitana fol. c. tabb.
— Gray, Annais nat. hist. third ser. IV. p. 441.
1860. Ehrenberg, Berliner Bericht XXV. p. 173.
— Max Schnitze, Comptes rendus L. p. 792.
— MaxSchultze, Die Hyalonemen, ein Beitrag zur Natur-
geschichte der Spongien. fol. Bonn.
— Leidy, Proc. Acad. Philadelphia p. 85.
1861. Ehrenberg, Berliner Bericht XXVI. p. 448.
— E. V. Martens, ib. p. 479.
1863. Bowerbank, Transact. philos. soc. Vol. 152. p. 825.
1864. Barboza du Bocage, Proc. zool. soc. p. 265.
1865. Barboza du'Bocage ib. p. 662.
— Bowerbank, Monograph of British Spongiadae I. p. 197;
H. p. 9.
Ueber eine merkwürdige in der Nordsee lebende Art Spongie. 101
1866. Gray, Annais nat. bist, tbird ser. XVIII. p. 287.
— Bowerbank, ib. p. 397.
— Gray, ib. p. 485.
— Ehrenberg, Berliner Bericht p. 823 ; Annais nat. bist.
third ser. XIX. p. 419.
1867. Bowerbank, Proc. zool. soc. p. 18.
— Gray, ib. p. 117.
— Bowerbank, ib. p. 350.
— Ehrenberg, Sitzungsberichte der Gesellsch. Naturforschen-
der Freunde in Berlin März.
— Max Schnitze, Annais nat. bist, third ser. XIX. p. 153.
— Wyville Thomson, Intellectual Observer p. 81.
— Ehrenberg, Berliner Bericht p. 298.
— Barboza du Bocage, Annais nat. bist. XX. p. 123.
1868. Wyville Thomson, Annais nat. bist, fourth ser. I. p. 114.
— Gray, ib. p. 169.
lieber eine Zwitternemertine (Borlasia hermaphro-
ditica) von St. Malo.
Von
Wilh. Hefersteiu M, D.
Prof. in Göttingen.
Mit Tafel III. Fig. 1 und 2.
Während man in früherer Zeit auf das Zusammen-
vorkommen männlicher imd welbh'cher Geschlechtsorgane
in demselben Individuum und auf das Getrenntsein der-
selben auf zwei Organismen einen so hohen Werth legte,
dass man in vielfacher Beziehung darin einen Spiegel
der ganzen Organisation und damit ein vorzügliches Kenn-
zeichen für tiefgreifende systematische Eintheilungen er-
blickte, haben neuere Beobachtungen erwiesen, wie bei
den niederen Thiercn diese Verhältnisse nur geringe Be-
deutung geniesscn und häufig selbst nur Art-Unterschiede
bedingen.
So kennt man jetzt unter den Borstenwürmern und
Nematoden einzelne Zwitter, unter den Trcmatoden ein-
zelne getrenntgeschlechtliche Arten und noch neuerdings
hat Gl aparede ^) aus der sonst ganz hermaphroditischen
Gruppe der Planarien eine Art mit getrennten Geschlech-
tern (Planaria dioica von St. Vaast) beschrieben.
1) Beobachtungen über Anatomie und Eniwickelungsgeschichte
wirbelloser Thiere. Leipzig 1863. fol p. 19.
Keferstein: lieber eine Zwitternemertinc von St. Malo. 103
Nicht zu sehr durfte ich mich desshalb wundern, als
ich im August v. J. in St. Malo eine hermaphroditische
Nemertine fand, während alle bisher bekannten Arten
dieser Gruppe getrennte Geschlechter zeigen. Immer-
hin scheint es jedoch wichtig genug diese Beobachtung
mit wenigen Worten zu beschreiben.
Die Zwitter-Nemertine wurde am tiefen Ebbestrande
gefunden, war röthlich, theilweis gelblich von Farbe und
hatte eine Länge von 10 Mm., eine Breite von 1 — lV2Mm.
Dieselbe ordnet sich der Gattung Borlasia, in der von
mir *) gegebenen Begränzung unter, weicht aber' von allen
kenntlich beschriebenen Arten dieser Gattung ab, so dass
ich sie als neue Spezies mit dem Namen Borlasia lierma-
phroditica bezeichne.
Der Kopf ist nicht vom Körper abgesetzt, und hat
etwa eine Körperbreite hinter dem zugespitzten Vorder-
ende jederseits eine kleine Einsenkung, in die auf der
Unterseite eine kurze, quergestellte Furche, Kopf spalte,
mündet. In der Mitte zwischen Vorderspitze und Kopf-
spalte befindet sich jederseits ein Augen fleck, der aber
nicht durch besondere Grösse sich auszeichnet. Etwa
zwei Körperbreiten hinter der Vorderspitze liegen die
Hirngangli en 2)^ an denen man den Bau, wie er für
die Tremocephaliden charakteristisch ist und die dünnere
Rücken- wie breitere Bauchcoramissur deutlich bemerkt.
Nach vorn gehen jederseits vom Gehirn drei starke Ner-
ven ab, wovon einer zum Auge führt ; nach hinten schickt
es den Seitennerven ab, der viele und starke seitliche
1) Untersuchungen über die Nemertinen in Zeitschr. für wiss.
Zoologie XII. 1862. p. 54.
2) Im Gehirn erkennt man deutlich einen centralen faserigen
Theil und eine äussere Belegmasse von Ganglien, ähnlich wie es bei
vielen niederen Thieren vorkommt. Erst nachträglich werden mir
die darauf bezüglichen Angaben Axel Boeck's (Nervesystemets
Bygning hos Slaegten Nemertes) in Meddelelser Naturhistor. Foren.
Kjöbenhavn 1866. p. 141 — 150. c. fig.) bekannt, weicheich bedauere
in mehreren Punkten nicht haben prüfen zu können.
104 Keferstein:
Zweige abgiebt. Unter der Kopfspalte liegt das kleine^
eiförmige 'S eitenorg an, in das ein flimmernder Canal
tief eindringt und das durch einen dicken Strang mit dem
Gehirn verbunden ist.
Den feineren Bau der Seitenorgane konnte ich nicht
erkennen, doch verfolgte ich bei dieser wie bei anderen
Arten, einen wimpernden oft verknäuelten Canal von der
Kopfspalte an tief hinein, der bei einer Art selbst mit
einer verdickten Mündung in die Körperhöhle zu münden
schien, so dass die Aehnlichkeit dieser Organe mit man-
chen Segmentalorganen von Borstenwürmern überraschend
wurde. Meine abweichenden früheren Angaben ^) über
diese räthselhaften Seitenorgane muss ich hiernach ver-
bessern, doch hinderte leider das ganz ungenügende mir
in St. Malo zur Beobachtung kommende Material die Sache
zur Entscheidung zu bringen.
Der Rüssel bei der hermaphroditischen Art öffnet
sich in der Vorderspitze des Körpers, ist mit langen,
zugespitzten Zotten bekleidet und trägt ein Kalkstilet
von gewöhnlicher Form, nebst Hülfsstachehi in raehre-
ren Taschen. Der Mund liegt gleich hinter dem Ge-
hirn und der Darm beginnt ohne eine Speiseröhre gleich
in voller Breite und mit tiefen Aussackungen.
Auf der äusseren Haut sieht man zwischen den
dichtstehenden feinen Cilien zerstreute, lange Tastbor-
sten, ziemlich an allen Stellen des Körpers, und bei der
Kleinheit des Thiers möchte dies Vorkommen, wie auch
das von zwei Augen auf einen Jugendzustand einer sonst
anders beschaffenen Art deuten, wenn nicht die ausgebil-
deten Geschlechtsorgane die Reife des Thiers, wenigstens
was die Fortpflanzung betrifft, erwiese.
Die Geschlechtsorgane traten an den Körper-
seiten zwischen den Darmtaschen sehr deutlicJi hervor
und zwar erschienen sie in der vorderen Körperhälftc
als dunkle, in der hinteren als hollere Massen. Bei ge-
1) A. e. a. 0. p. 82.
Ueber eine Zwittern emertine von St. Malo. 105
naiierer Betrachtung zeigten sich die vorderen Massen
als Hoden, die hinteren als Eierstöcke. Die Hoden
waren strotzend gefüllt mit reifen Zoospermien, welche
einen dickern geschlängelten Kopf (von 0,008 — 0,01 Mm.)
und einen feinen langen Schwanz hatten. Die Entwicke-
lung der Zoospermien aus den Samenzellen konnte ich
nicht verfolgen. Während die Zoospermien ganz ausge-
bildet waren, zeigten sich, namentlich was die Grösse
betrifft, die Eier in den Eierstöcken noch nicht ganz
vollendet, obwohl sie Dotter, Keimbläschen und Keimfleck
deutlich aufwiesen. Leider fand ich nur ein Exemplar
dieses merkwürdigen Thiers und es war desshalb nicht
weiter zu entscheiden, ob die in den als Hoden bezeich-
neten Massen befindlichen Samenfäden, dort wirklich ent-
stehen, oder nicht vielleicht dort nur wie in Samentaschen
aufbewahrt werden und von einem andern (männlichen)
Individuum dorthin gebracht sind. Doch scheint mir diese
letztere Annahme eine zu künstliche Erklärung der ein-
fachen Beobachtung.
Wie weit der Fund einer Zwitter-Nemertine die
Beobachtungen von lebendig gebärenden Nemertinen mit
den Jungen in der Leibeshöhle, wie sie von Max
Schnitze, von Claparede und mir selbst gemacht
sind, zu erklären vermag, will ich hier nicht ausführen,
doch scheint mir für jene Fälle die Möglichkeit einer
Fortpflanzung auf ungeschlechtlichem Wege und das Vor-
kommen eines Generationswechsels bei den Nemertinen
sehr in Betracht zu ziehen zu sein.
Erklärung der Abbildungen.
Fig. 1. Linke Seite des vorderen und mittleren Theila der Borlasia
hermaphroditica vom Rückerf:
g Gehirn, c Rückencommissur. c' Bauchcommissur. n Ner-
ven, n' Seitennerv, s Seitenorgan. s' Dessen Verbindung mit dem
Gehirn, k Kopfspalte, oc Augen, v Magen, x Fäden die den-
selben an die Körperwand befestigen, r Rüssel, innen mit Zotten,
t Hoden, im Vordertheil. ov Eierstöcke, im Hintertheü.
Fig. 2. Samenfaden der Zwitternemertine.
lieber das Männehen und Weibchen der Gattung
Lernaea vor dem Eintritt der sogen, rnckschrei-
tenden Netamorphose.
Von
Dr. A. ffletzger
in Norden.
Im März 1866 entdeckte ich an den Kiemen von
PJatessa flosns ausser dem gewöhnlich dort zu findenden
Chondracanthiis cornutus einen neuen^ etwa eine Linie
langen und ausserordentlich zierlichen Copepoden. Wie
mich später fortgesetzte Nachforschungen überzeugt haben,
ist derselbe indessen fast zu allen Jahreszeiten an jedem
grösseren Individuum der genannten Fischart in grosser
Menge zu treffen, entzieht sich aber nur gar zu leicht
seiner Kleinheit und versteckten Lage wegen der Beob-
achtung. Beim ersten Anblick der Kiemen bemerkt man
in der That ausser kleinen dunkeln Pünktchen und Stri-
chen Nichts, was einen Schmarotzer verrathen k-önnte;
erst wenn man die ausgeschnittenen Kiemen unter Was-
ser bringt, und sich dadurch die einzelnen Blättchen von
einander lösen, sieht man den kleinen Parasiten mit sei-
nem freien Körperende an den Kiemenspitzen flottiren.
Bei genauer Musterung der einzelnen Individuen
konnte ich nun sofort zwei von einander abweichende
Formen unterscheiden: eine kürzere, mehr gedrungene
und eine schlankere mit verlängertem Hinterleib. Meine
Vermuthung, hierin Geschlechtsunterschiede zu erblicken,
wurde bald durch Auffindung zahlreicher vereinter Pär-
chen bestätigt. Bei jedem solchen Pärchen war immer
Metzger: Ueb. d. Männchen u. Weibchen d. Gatt. Lcrnaea. 107
die kürzere Form vermittelst ihrer starken Klammeran-
tennen am Grunde des Hinterleibes der schlankeren be-
festigt. Weibehen mit Eierschnüren konnte ich trotz
wiederholter, bis spät in den Herbst hinein fortgesetzter
Nachsuchungen niemals auffinden. lieber die systema-
tische ßestimmimg des anscheinend zu den Dichelestiinen
gehörenden Copepoden blieb ich daher vorläufig im
Zweifel.
Endlich im April des folgenden Jahres fand ich
wider mein Erwarten dasselbe Thierchen auch an den
Kiemen eines nicht sehr grossen Cyclopterus Lumpus,
zugleich aber an den Kiemenbogen desselben auch vier
Exemplare einer Jugendlichen Lernaea,^ als welche sich
dieselben auf den ersten Blick durch drei stielrunde, am
oberen Theile des Rumpfes befindliche Hörner, so wie
durch den bereits etwas verhornten und S-förmig ver-
drehten Hinterleib zu erkennen gaben. Wie gross war
aber meine Ueberraschung, als ich bei näherer Unter-
suchung an dieser Lernaea sämmtliche Merkmale meines
fraglichen Parasiten wiederfand. Die* Bildung der An-
tennen und Gliedmassen, die eigenthümliche feine Quer-
streifung des Abdomens u. s. w. war so übereinstimmend,
dass mir über die Zusammengehörigkeit beider Formen
kein Zweifel mehr bleiben konnte. Da nun, so viel ich
weiss, die Männchen von Lernaea, so wie die der Penel-
linen überhaupt, noch nicht bekannt sind i), und man ausser
den bereits gänzlich umgeformten Weibchen nur das erste
Naupliusstadium und einige sogenannte Jugendformen
beschrieben findet 2): so wird das im Folgenden mitge-
theilte Entwickelungsstadium, in welchem aller Wahr-
scheinlichkeit nach die Begattung vor sich geht,
des Interesses nicht ganz entbehren.
Männliche Form. Cephalothorax (Kopf und
1) Vergl, Claus, Ueber die I'amilie der Lernaeen in Würz-
burg, naturw. Zeitschrift, II B. p. 17.
2) Kröyer, Naturhist. Tijdskrift I. p. 203 und van Bene-
den, Recherches sur la faiine litor. de Belgique (Crustaces) p. 130.
pl. XIX. fig. 5- 12.
108 Metzger:
erster Thoracalring) länger als breit, den dritten Theil
der gesammten Körperlänge übertreffend, vorn bogig zu-
gerundet, hinten abgestutzt. Auf dem vordem Theile des
Cephalothorax findet sich in der Mitte ein ziemlich gros-
ser Augenfleck mit zwei kugelförmigen Linsen. Zweites,
drittes und viertes Thoracalsegment frei, alimählich an
Breite abnehmend, zusammen kürzer als der Cephalotho-
rax. Genitalsegment gegen das Ende an Breite zuneh-
mend, fast so lang wie die drei freien Thoracalringe.
Schwanzstücke durch eine leichte seitliche Einschnürung
in zwei ungleiche Abtheilungen getheilt, wovon die letzte
grössere zwei kleine Fortsätze (furca) trägt, die an ihrer
Spitze mit je drei längeren Borsten endigen.
Erstes Fühlerpaar schlank , undeutlich gegliedert,
vorn mit feinen Haaren besetzt und mit Borsten endigend.
Zweites Fühlerpaar kräftig, dreigliederig; zweites
Glied mit einem zahnartigen Fortsatz, gegen welchen das
sichelförmig gekrümmte Endglied einschlägt.
In dem beweglichen Mundkegel liegt die cylindri-
sche Saugröhre, welche mit einem Ringe endigt, der auf
seinem ganzen Umfange mit einer zierlichen Reihe ge-
krümmter Zähnchen bewafl:net ist; darunter folgen noch
zwei vorn (bauchwärts) offene Ringe, die je aus zwei
halbkreisförmigen Bogen gebildet werden, welche hinten
an einer zum Grundgerüst des Mundkegels herablaufen-
den Leiste eingelenkt scheinen. Aussen am Grunde des
Kegels liegen jederseits die Taster, welche am Ende zwei
längere steife und auf einer seitlichen Basalerweiterung
eine kürzere Borste tragen.
Erstes Paar der Maxillarfüsse dreigliederig; Basal-
glied gross und vorn an der Aussenseite mit einem zahn-
artigen Fortsatz, zweites Glied nach dem Ende zu schräg
verbreitert, drittes klauenförmig, leicht gekrümmt. Das
zweite und dritte Glied sind zusammen dem Bilde einer
zeigenden Hand nicht ganz unähnlich.
Zweites Paar der Maxillarfüsse etwas kräftiger, aus
einem grossen eiförmigen Basalgliede und einem langen
hakenförmigen Klaueugliede bestehend.
Ueber das Männchen und Weibchen der Gattung Lernaea. 109
Erstes und zweites Pacar der Schwimmfiisse zwei-
armig, die Arme zweigliederig, letztes Glied mit langen
Schwimmborsten.
Drittes und viertes Paar der Schwimmfüsse einar-
mig, im Uebrigen mit den beiden vorhergehenden über-
einstimmend.
Das ganze kaum über ^4 Linien lange Thierchen
ist bis auf einzelne Körperstellen, welche ein dunkelvio-
lettes bis blaues Pigment enthalten, durchscheinend und
von eigenthümlicher, bläulichgrauer Farbe.
Die weibliche Form unterscheidet sich von der
männlichen 1) durch den Mangel des zweiten Paares der
Maxillarfüsse und 2) durch den verlängerten, nur wenig
abnehmenden, cylindrischen und leicht gebogenen Hin-
terleib, an welchem Genitalsegment und Schwanzstück
äusserlich nicht zu unterscheiden sind. Die beiden End-
fortsätze (furca) sind verschwindend klein und nur mit
zwei oder drei kürzeren Borsten besetzt. Ausserdem zeigt
die Oberfläche des ganzen Hinterleibes eine äusserst feine
und regelmässige Querstreifung, in Folge deren die Rän-
der des Abdomens bei leichter Pressung durch ein Deck-
gläschen wie gezähnelt erscheinen.
Die Schwimmfüsse, das erste Paar der Maxillarfüsse
der Mundkegel und die Antennen sind von denen des Männ-
chens nicht verschieden. Während nun bei sämmtlichen
männlichen Individuen , die mit weiblichen vereint gefun-
den wurden, das Genitalsegment angeschwollen war und
an den Stellen, wo die beiden Geschlechtsöffnungen lie-
gen, je eine kuglige Auftreibung zeigte, war dagegen
bei den Weibchen etwas Derartiges, auf den Beginn des
Generationsgeschäftes Hindeutendes nicht zu bemerken.
Selbst bei weiter fortgeschrittenen, schon in der rück-
schreitenden Metamorphose befindlichen Individuen, an
denen der Cephalothorax und die drei freien Thoracal-
segmente nicht mehr zu unterscheiden waren, die aber
sämmtlich noch beide Antennenpaare, das Maxillarfuss-
paar und die im Basalgliede allerdings schon etwas ver-
kürzten vier Paare Schwimmfüsse besassen, so wie noch
110 Metzger: Üeb. d. Männchen u. Weibchen d. Gatt. Lernaea.
einzelne der oben erwähnten Pigmentstellen zeigten, war
eine Auftrcibnng des Hinterleibes durch die Geschlechts-
stoffe nicht zu bemerken. Das Abdomen war nur be-
deutend verlängert, stark S-förmig verdreht und zeigte
selbst noch unter dem dünnen Hornüberzuge die für die
weibliche Form so charakteristische Querstreifung, Den-
noch glaube ich, dass in dem oben beschriebenen Ent-
wickelungszustand die Begattung e rfolgt, wofür ja
ausser der so häufig von mir beobachteten, immer in der-
selben Weise stattfindenden Vereinigung beider Ge-
schlechter noch der Umstand spricht, dass man selbst an
den schon in der Umformung befindlichen und noch nicht
mit Eierschnüren versehenen Lernaeaformen Männchen
niemals gefunden hat. Nach erfolgter Begattung verlässt
dann das Weibchen die Kiemenblättchen seines Wirthes
und sucht dafür die Klemenbogen desselben oder eines
anderen Fisches auf. Hier erst entwickeln sich die eine
dauernde Fixirung herbeiführenden Hörner, welche ähn-
lich wie das Haftorgan der Lernaeapoden das zweite Ma-
xillarfusspaar des Männchens vertreten, und die darauf
nicht mehr In Funktion kommenden Glied massen ver-
kümmern oder verschwinden nach und nach. Das Männ-
chen dagegen wird einer solchen Umwandlung nicht un-
terliegen, denn „ihm bleibt ja nach wie vor die Aufgabe
activer Gesclilechtsthätlgkelt, vor Allem das Weibchen
zur Begattung aufzusuchen" (Claus, Freilebende Co-
pepoden S. 7) ; es erlangt mithin die für die Familie und
Gattung aufgestellten Charaktere niemals. Ueberhaupt
aber geht aus dem Obigen hervor, dass beide Geschlech-
ter der hier in Frage stehenden Lernaea eine Stufe der
morphologischen Ausbildung zeigen, wie sie zunächst erst
bei den Dichelestilnen wiedergefunden wird und wie sie
die Chondracanthen und Lernaeopoden schon nicht mehr
erreichen, was offenbar für die systematische Stellung der
Lernaeen nicht ohne Bedeutung sein kann.
Psaenythia, eine neue Bienengattung mit gezähnten
Schienensporen.
Von
A. derstaecker
in Berlin.
Es ist bereits von Hcartig in seiner für die Mor-
phologie des Hyraenopteren-Körpers recht inhaltreichen
„allgemeinen Einleitung zur Naturgeschichte der Hyme-
nopteren" ^) darauf hingewiesen worden, dass die Zahl
der Schienensporen in dieser Ordnung der Insekten je
nach den Familien und Gattungen eine vielfach schwan-
kende sei und besonders hat der genannte Autor her-
vorgehoben, wie gerade die Familie der Blattwespen,
welche man gewöhnlich an das Ende der Hvmenopteren
zu setzen pflegt, durch die constante Ausbildung zweier
Endsporen an allen drei Schienenpaaren ausgezeichnet,
gleichsam in einer Art Gegensatz zu allen übrigen Ader-
flüglern stehe, deren Vorderschienen stets nur einen
einzelnen Endsporn erkennen lassen. Indem Hart ig
mit Recht als das verbreitetste Zahlenverhältniss der Hy-
menopteren- Schienensporen 1.2.2 hinstellt, hebt er als
Abweichungen von demselben bereits für die Familie der
Vesparien die Gattung Eumenes — welcher er auch Ody-
nerus j Hoplopus , Pterochüus u. s. w. hätte anreihen
1) Die Familien der Blattwespen und Holzwespen (Berlin, 1837)
p. 21f.
112 Gerstaecker:
können^ — für die Crabroninen die Gattungen OxyhehtSj
Crahro und FJnlanflius hervor und bekundet sich da-
durch als einen exakteren Beobachter denn Shuckard,
welcher in seinem gleichzeitig erschienenen Werke über die
Hymenoptera fossoria i) die später durch D ah 1 b o m ^) und
Wesmael ^) widerlegte Angabe machte^ dass allen unter
jenem Namen zusammengefassten Hymenopteren an Mit-
tel- und Hinterschienen stets paarige Endsporen zukä-
men. Nachdem sich nun bei einer spezieller auf diesen
Gegenstand gerichteten Untersuchung herausgestellt hat,
dass bei den doch schon zu den höher organisirten Hy-
menopteren gehörenden Crabroninen und Yesparien trotz
der noch vielfach vorkommenden doppelten Endsporen
der Mittelschienen, die ausschliessliche Entwickelung eines
einzelnen schon im weiterem Umfange Platz gegriffen hat, so
rauss es offenbar von besonderem Interesse erscheinen,
dass in der Familie der Apiarien, welcher wohl einstim-
mig der erste Platz in der Reihe der Hymenopteren ange-
wiesen wird, das bei jenen beiden Gruppen angebahnte
Verhältniss eine ausnahmslose Constantheit erlangt hat.
Wenigstens ist bis jetzt ebenso wenig eine Gattung der
Bienen zur Kenntniss gekommen, bei welcher die Mittel-
schienen zwei, wie eine solche, in der dieselben gar keinen
Endsporn bcsässen. Die einzige in Betreff der Zahl der
Öchienensporen überhaupt bekannt gewordene Ausnahme
bilden die gesolligen, honigsammclnden Bienen mit ein-
zelner Königin, den Latreille'schen Gattungen Apü, Me-
lipona und Trigona angehörend, welchen bekanntlich die
Endsporen der Hinterschienen abgehen ^), während der-
1) Essay on tbe iiidigenoiis fossorial Hymenoptera (London,
1837) p. 20.
2) Hymenoptera Europaea 1. Sphex. p. XXXYII.
3) Revue critique des Hymenopteres fouisseurs de Belgique
p. 98, 117. 123 u. f.
4) Es ist nicht ohne Interesse, dass in vereinzelten Fällen die
Endsporen der Hinterschienen abnormer Weise solchen Arten feh-
len, welchen sie der Regel nach zukommen. Am 7. Juni d. J. fing
Psaenythia, eine neue Bienen-Gattung. 113
jenige der beiden vorderen Paare in gewohnter Weise zur
Ausbildung gekommen ist ^).
Auch rücksichtlich der Form lassen die Schienen-
sporen der Apiarien im Ganzen eine viel grössere Gleich-
förmigkeit erkennen, als man dies bei der unendlichen
Mannigfaltigkeit in der Bildung aller übrigen Theile der
Beine a priori erwarten sollte. Nicht etwa, dass sich
bei einem speziell darauf gerichteten Vergleich dieser
Organe an verschiedenen Gattungen oder auch an den
beiden Geschlechtern derselben Art nicht fassbare Unter-
schiede in Grösse, Krümmung, Zuschärfung u. s. w. nach-
weisen Hessen — wie denn z. B. die Schienensporen bei
Anthophora und Dasypoda beträchtlich länger, schlanker
und schärfer zugespitzt sind als bei Megachile, wo sie
selbst im Gegensatz zu der nahe verwandten Gattung
Osmia besonders kurz und stumpf erscheinen — in der
grossen Mehrzahl der Fälle erweisen sich jedoch diese
Unterschiede als mehr oder weniger relative und deshalb
auch für die systematische Feststellung der Gattungen
nicht gut verwendbare. Wie der in seiner typischen Ge-
staltung für die grosse Mehrzahl der Hymenopteren cha-
rakteristische Endsporn der Vorderschienen sich auch
ich in der Freienwalder Gegend eine männliche Systropha spiralis,
welche an beiden Hinterbeinen nicht eine Spur von Schienensporen
aufzuweisen hat. Dabei erwies sich das so beschaffene Exemplar
nach der Intaktheit der Behaarung und der Flügel als ein offenbar
frisch ausgeschlüpftes, für welches ein nachträglicher Verlust der
Schienensporen gar nicht denkbar ist.
1) Bei den mit monströs verdickten Hinterbeinen versehenen
Männchen einiger Nomia-Arien, wie N. difformis Latr., aiireocincta
Costa und diversipes Latr., fehlen den Hinterschienen die Endsporen
gleichfalls, während die mit mehr regulär gebildetem drittem Bein-
paar versehenen solche besitzen. Dass bei den erstgenannten Arten
die von der Spitze der Hinterschienen ausgehenden blatt- oder ha-
kenförmigen Fortsätze nicht etwa, wie es zuerst scheinen könrite,
durch Umformung der Endsporen entstanden sind, ist aus einigen
exotischen Formen ersichtlich, bei welchen letztere neben jenen Fort-
sätzen zur Ausbildung gekommen sind.
Archiv für Naturg. XXXI V. Jahrg. 1. Bd, 8
114 Gerstaecker:
unter den Apiarlen callgemein durch die breite lamellöse
Schneide der Innenseite auszeichnet, so stimmen die meist
einander gleich gebildeten Sporen der Mittel- und Hin-
terschienen fast durchweg darin iiberein, dass ihr innerer,
dem Metatarsus zugewandter Rand bei gewöhnlicher Lu-
penvergrösserung glatt erscheint, während erst bei An-
wendung stärkerer Gläser die äusserst feine, kammartige
Zähnelung des schmalen, durchsichtigen Innensaumes
deutlich hervortritt.
Trotz dieser sich auf die überwiegende Mehrzahl der
Gattungen erstreckenden Gleichförmigkeit fehlt es in der
Familie der Bienen jedoch keineswegs an mehr oder we-
niger auffallenden Ausnahmen und es muss nur in Er-
staunen versetzen, dass solche bisher wohl an einzelnen
exotischen Formen, nicht aber an den viel leichter zu-
gänglichen und von viel zahlreicheren Beobachtern stu-
dirten einheimischen Gattungen und Arten näher zur
Sprache gebracht worden sind — ein Beweis, dass die
Hymenopteren trotz der Aufmerksamkeit, welche ihnen
selbst hochberühmte Entomologen gewidmet haben, noch
bei weitem nicht so genau untersucht worden sind, wie
sie es bei der vielfachen wunderbaren Adaptation ihrer
Körpertheile an andere Gegenstände, mit denen sie durch
ihre Lebensweise in nähere Berührung kommen, offenbar
in so hohem Maasse verdienen. Bald sind es in diesen
allerdings nur sporadisch auftretenden Gattungen die End-
sporen der Mittel-, bald der Hinterschienen, mitunter auch
beide gleichzeitig, welche entweder bei beiden, oder nur
eiq einem Sexus — in letzterem Falle meistens beim
Weibchen — eine von der gewöhnlichen abweichende Bil-
dung zeigen, wie sich dies aus der nachfolgenden Aufzäh-
lung, in welcher ich die mir bis jetzt bekannt geworde-
nen Fälle von exceptioneller Schienensporen -Bildung bei
den Apiarien erörtern will, ergeben wird.
1) Wie bereits Lepeletier^) hervorgehoben hat, zeich-
nen sich die durch Farbenpracht nicht minder wie durch
1) Hist. nat. des Insectes Hymenopteres II. p. ^155 ff.
Psaenythia, eine neue Bienen-Gattung. 115
mannigfaltige plastische Merkmale hervorragenden Süd-
Amerikanischen Gattungen Aeanthopus Klug, Melissodes
Latr. (=: CteniosGlielus de Romand), Mesoplia Lepel.
(= HopUphoraJ^ei^el.) und Mesocheirahepel. durch eine
sehr in die Augen fallende Bildung des Endsporns der
Mittelschienen aus, während der paarige der Hinterschie-
hen normal gebildet ist. An seiner Innenseite rinnen-
förmig ausgehöhlt, zeigt jener Endsporn gegen die Spitze
hin meist eine hand-, seltener eine löiFelförmige Verbrei-
terung und ist am Ende mit fingerförmig gestellten Dor-
nen bewehrt, von denen der durch bedeutendere Grösse
ausgezeichnete äussere gleichsam den Daumen darstellt.
In gewissen Fällen (z. B. bei Melissodes Latr.) nach den
beiden Sexus leichte Unterschiede darbietend, ist die
sehr aufFalleude Bildung der Hauptsaclie nach doch bei-
den Geschlechtern gemeinsam.
2) üeber die sowohl nach den Sexus durchgängig, als
auch zum Theil nach den x\rten auffallend verschiedene
Bildung der Schienensporen bei der durch ebenso zahlreiche
als häufige Europäische Arten vertretenen Gattung Hylaeus
Fab. (Halicttcs Latr.) ist mir bis jetzt in der dieselben
behandelnden, ziemlich reichhaltigen neueren Literatur
keine einzige, in der älteren nur die kurze Angabe II-
liger's 1) aufgestossen, dass die Weibchen „sägezähnige
Schiendornen '^ besitzen. Ich muss also vermuthen, dass
die hier auftretenden, übrigens sehr leicht zu constatiren-
den Verhältnisse bisher keine nähere Beachtung gefun-
den haben. Bei den männlichen Hylaeen sind die gleich
grossen Endsporen der Hinterschienen glatt und von ge-
wöhnlicher Form. Dasselbe ist bei den meisten Arten
auch mit dem Einzeisporn der Mittelschienen der Fall;
doch stellen sich in Bezug auf letzteren als abweichend
Hyl. arbustortim Banz, und alternans Fab. heraus, bei
welchen dieser Endsporn auifailend kurz, hakenförmig
gekrümmt, an der Spitze breit und schräg abgeschnitten
und in gewisser Richtung deutlich zweizinkig erscheint.
1) Magazin für Insektenkunde V. p. 52.
116 Gerstaecker:
Es stehen hierdurch die beiden genannten Arten in einem
auffallenden Gegensatz zu dem ihnen nahe verwandten
Männchen des Hyl. quadricincius Fab., der grössten bis
jetzt bekannten Europäischen Art ^) bei welcher der in
Rede stehende Endsporn lang, gerade und scharf zuge-
spitzt erscheint. — Was nun die Weibchen der Gattung
Hylaeus betrifft, so ist bei ihnen nicht nur abweichend
von ihren eigenen Männchen, sondern auch im Gegensatz
zu den Weibchen der nahe verwandten Gattungen An-
drenaj Sphecodes, CoUetes, Macropia und Dasypoda, wel-
che an den Hinterschienen zwei gleiche, glatte Endsporen
besitzen, der hintere dieser etwas kürzer als der vordere,
leicht geschwungen und an seinem Innenrande mit fünf
bis sieben meist sehr scharfen, übrigens je nach den Ar-
ten verschieden langen Zähnen bewehrt. So finde ich
es wenigstens bei folgenden von mir näher untersuchten
Arten : Hyl. arbustorum Panz. , xanthopus , ruhicundus,
sexnotatusy laevigatus und leucozonius Kirbj, interruptus
Panz., flavipes Fab., villosulus und Smeatlmianelhis Kirby,
während bei Hyl. cylindricus Fab. (fem. = fulvooinctus
Kirby) und quadricinctus Fab. (fem. = quadristrigatus
Latr.) die Zahl dieser Zähne eine höhere und die der
Spitze genäherten dicht zusammengedrängt und beträcht-
lich kürzer sind.
3) Die von Spinola^) aufgestellte Gattung ii^opÄifes,
deren Art: Uoph. quinquespinosus sich in der Freienwal-
der Gegend Mitte Juli's nicht selten findet, ist ihrem er-
sten Begründer nur dem männlichen Geschlechte nach
bekannt geworden und scheint der Aufmerksamkeit L e-
peletier's, welcher sie in seinem Werke gar nicht er-
1) Es ist diese Art zuerst von Kirby und nach ihm von
Smith, Schenck u. A. durchaus verkannt worden, indem der
Name derselben auf eine viel kleinere Art, den Hyl. tetrazonius Klug
übertragen worden ist. Die Prüfung des P'abrici u s'schen Origi-
nal-Exemplares hat ergeben, dass dasselbe als Männchen zu Hyl
qiiadristrigatus Latr. (= grandis Illig.) gehört.
2) Insectorum Liguriae species novae aut rariores II. p. 9 f.
Psaenythia, eine neue Bienen-Gattung. 117
wähnt, ganz entgangen zu sein. In neuerer Zeit ist die-
selbe zwar von Schenck^) und Giraud^) auch nach
dem Weibchen näher charakterisirt worden , ohne dass
jedoch dabei des auch hier recht auffallenden Unterschie-
des Jn der Bildung der Schienensporen nach den Geschlech-
tern gedacht worden wäre. Der Sachverhalt ist hier fol-
gender: Der Endsporn an den Mittelschienen des Männ-
chens ist kaum halb so lang als der Metatarsus, gerade,
allmählich zugespitzt und ganzrandig; beim Weibchen
dagegen ist er reichlich so lang wie der ganze Metatar-
sus, deutlich S-förmig geschwungen und längs der grös-
seren Spitzenhälfte, welche sich von der breiteren Basis
fast winklig absetzt, innen mit neun scharfen Zähnen be-
wehrt. — Die Endsporen der Hinterschienen sind beim
Männchen glatt, beim Weibchen aber innen gleichfalls
gezähnt; an dem hinteren Sporn erstreckt sich die Zah-
nung über die ganze Länge, an dem etwas kürzeren vor-
deren beschränkt sie sich dagegen auf sieben, die Spitzen-
hälfte einnehmende Zähne.
4) Auch die zu den seltneren einheimischen Bienen
gehörende Gattung Melitturga Latr., deren Art Melitt.
clavicornis Latr. übrigens ebenfalls schon in der Umge-
gend Berlins aufgefunden worden ist, wurde von ihrem
ersten Begründer nur auf männliche Individuen basirt ^),
Lepeletier ^), welcher zuerst das AV eibchen bekannt
machte, giebt über die Schiensporen nur an, dass dieje-
nigen der Hinterbeine „fein gezähnelt" seien, ohne dabei
auf das Sexus, welchem diese Eigenschaft zukommt, ein-
zugehen. Später hat einer der sorgsamer beobachtenden
lebenden Hymenopterologen, G i r a u d ^) bei der Beschrei-
1) Jahrbücher des Vereins für Naturkunde im Herzogthum
Nassau IX. p. 103 f.
2) Verhandl. d. zoolog. -botan. Gesellsch. in Wien XI. p. 457
[Blwphitoides),
3) Genera Crustaceorum et Insectorum IV. p. 176.
4) Hist. nat. des Insectes Hymenopteres II.
5) Verhandl. d. zoolog.-botan. Gesellschaft in Wien XI. p. 447.
118 Gerstaecker:
bung seiner Melitturga praestans fem. wenigstens hervor-
gehoben, dass der Endsporn der Mittelschienen länger als
der entsprechende Metatarsns sei , dabei aber übersehen,
dass dies kein Art- , sondern ein sexueller Gattungscha-
rakter ist. Bei Melitturga clavicornis stellt sich nämlich
der Unterschied in der Bildung der Schienensporen beider
Geschlechter als ein ganz analoger wie hei Hophites her-
aus; Der Endsporn der Mittelschienen kommt beim Männ-
chen etwa ^5 der Metatarsus-Länge gleich und lässt nur
bei stärkerer Vergrösserung die bekannte feine und dichte
Kammzähnelung des Innenrandes erkennen; beim Weib-
chen übertrifft er dagegen noch ein wenig die ganze
Länge des Metatarsus, ist hier überdies leicht geschwun-
gen, sehr scharf zugespitzt und innen mit zwölf scharf
eingeschnittenen Zähnen besetzt, welche von der Spitze bis
über die Mitte seiner Länge hinabreichen. Von den bei-
den Endsporen der weiblichen Hinterschienen ist der
vordere etwas dünner als der hintere, gegen die Spitze
hin mit fünf schmaleren, schrägen Zähnen besetzt, der
hintere dagegen mit stärkeren und breiteren Zähnen sei-
ner ganzen Länge nach bewehrt.
5) Der auf ein einzelnes Weibchen einer Neuhollän-
dischen Biene begründeten Gattung Stenotritub Smith ^)
werden gleichfalls kammartig gezähnte Schienonsporen zu-
geschrieben und zwar soll bei ihr nach Angabe des Verf.'s
ausser dem Einzelsporn „der Vorder- und Mittelschienen^
auch der „innere" der Hinterschienen diese Eigenschaft
besitzen. Wenn Smith glaubt,, dass die von ihm nach
den Mundtheilen nicht charnkterisirte Gnttung schon nncli
der hervorgehobenen Bildung der Schienensporen leicht
kenntlich sei, so erklärt sich dies aus seiner Unbekannt-
schaft mit dem wiederholten Vorkommen ähnlicher Bildun-
gen bei anderen Bienen - Gattungen und entbehrt mithin
der Begründung.
6) Spinola hat bei seiner Bearbeitung der Chile-
1) Catal. Hymeuopt. Insects in thc collect, of thc British Mu-
seum I. p. 119.
Psaenythia, eine neue Bienen-Gattung. 119
nischen Hymenopteren in Cl. Gay's Historia fisica e
politica de Chile i) für acht der früher von ihm errichte-
ten Gattung Campt opoeum ^) zuertheilten Arten die End-
sporen der Mittel- und Hinterschienen als gezähnt ange-
geben und diejenigen der letzteren von dem Weibchen
'seines Camptopoeuni nomadoides auf Taf. 1. Fig. 3 d und e
abgebildet. Nach dieser Abbildung ist der vordere End-
sporn kürzer und stärker gekrümmt als der seiner ganzen
Länge nach fein gesägte hintere und abweichend von
diesem an seinem Innenrande mit vier grossen scharfen
Zähnen bewehrt. Ob diese Bildung, wie zu vermuthen
steht, nur den Weibchen eigen ist, oder auch den Mann-
1) Zoologia VI. p. 195—200. Atlas, Hymenopt. tab. 1. fig. 3.
2) Die von Spinola (Annal. soc. entom. de France 2. ser. I.
p. 139) auf Prosopis frontalis Fab. (Syst. Piezat. p. 296. No. 14. =
Panurgus nasutus S^in. 1838. = Pamir gus fasciatus Gir2i\id,Yerh..
d. zoolog.-botan. Vereins VII. p. 179) begründete Gattung Gampto-
poeum, mit welcher Panurginus Nylander (Acta soc. scient. Fen-
nicae IV. 1847. p. 223) in allen wesentlichen Merkmalen überein-
stimmt, lässt an den mir vorliegenden Arten weder gesägte Schienen-
sporen noch verschiedene andere, in der Abbildung des Camptopoeum
nomadoides hervortretende Eigenthümlichkeiten, wie die doppelte
Radialzelle und die verkürzte zweite Cubitalzelle der Vorderflügel,
den aufifallend verbreiterten weiblichen Hinterleib u. s. w. erkennen,
80 dass es kaum einem Zweifel unterliegen kann, dass die acht von
Spinola beschriebenen Chilenischen Arten, vorausgesetzt, dass sie
gleiche Gattungsmerkmale wie Campt, nomadoides darbieten, der ge-
nannten Gattung in Wirklichkeit nicht angehören. — Von Europäi-
schen Arten schliessen sich an Camptopoeum frontale, welches in Italien,
Ungarn, Oesterreich und Aegypten einheimisch ist, zunächst Campt,
venustum (= Panurgus venustus Erichs, in Waltl's Reise nach
dem südl. Spanien II. p. 106) aus Andalusien und Campt, interruptum
Spinola (Annal. soc. entom. de France 2. ser. I. p. 140) aus Spa-
nien an, indem beide gleich der Fabri cius'schen Art mit hellen
Hinterleibsbinden versehen sind. Dergleichen Auszeichnungen feh-
len den übrigen von Giraud (Verhandl. d. zoolog.-botan. Gesell-
schaft XI. p. 453) unter Panurginus aufgezählten und zum Theil neu
aufgestellten Arten, welche überdies durch geringere Grösse und
schlankeren Körperbau abweichen, so dass sie vorläufig immerhin
als besondere Untergattung Pa^wr^m?«.? abgetrennt bleiben könnten.
120 Gerstaecker:
chen der Chilenischen Camjytojyoeum- Arten zukommt,
darüber lässt sich Spinola nicht näher aus.
7) Der Zahl der durch abweichende Schienensporen-
Bildung ausgezeichneten Apiarien - Gattungen schliesst
sich eine im Folgenden unter dem Namen Psaenythia zu
beschreibende neue an , welche gleichfalls durch eine
Reihe Süd-Amerikanischer Arten rcpräsentirt ist. Nach
den mir im Augenblick noch zur Prüfung vorliegenden
Psaen, philanthoidesj capitOy nomadifortnisy chrysorrJioea
und an7iulata (vgl. weiter unten!) sind die zwischen den
beiden Sexus bestehenden Unterschiede in Betreff der
Schienensporen folgende : Bei den Männchen sind die bei-
den Endsporen der Hinterschienen sowohl unter einander,
als mit demjenigen der Mittelschienen gleich gebildet, von
gewöhnlicher Form und Grösse, längs des ganzen Innen-
randes fein, aber deutlich kammartig gezähnt. Bei den
Weibchen ist der Endsporn der Mittelschienen mehr denn
doppelt so lang als beim Männchen, dem Metatarsus fast
an Länge gleichkommend, scharf zugespitzt und am In-
nenrande mit 6 bis 7 sperrig stehenden, sehr scharfen
Zähnen besetzt. Die beiden Endsporen der Hinterschie-
nen sind nur wenig länger als beim Männchen, gleich
gestaltet, der vordere innen mit sieben schmaleren und
spitzeren, der hintere mit fünf breiteren und stumpferen
Zähnen versehen. Es schliesst sich hier also der Haupt-
sache nach die Schiensporen-Bildung der Weibchen der-
jenigen von Rophites und Melitticrga eng an, wenn sie
auch an den Hinterbeinen etwas modificirt erscheint.
Bringt m.an nun die im Vorstehenden erwähnten
Apiarien-Gattungen auf ihre sonstigen Uebereinstimmungen
und verwandtschaftlichen Beziehungen mit einander in
Vergleich, so ergiebt sich leicht, dass sie sich auf meh-
rere, durch Lebensweise und organische Eigenthümlich-
keiten recht differente Gruppen der Bienen vertheilen,
und dass mithin eine systematische Bedeutung dem sie
vereinigenden Merkmal der Schicnensporen-Bildung in kei-
ner Weise beigelegt werden kann. Die sub No. 1 er-
wähnten Süd-Amerikanischen Kukuksbienen würden trotz
Psaenythia, eine neue Bienen-Gattung. 121
der sehr elgenthllmliclien Bildung des Endsporns ihrer
Mittelschienen immer in nächster Verwandtschaft mit
Melecta, Crocisa ii. s. w. verbleiben müssen, sich aber kei-
neswegs passend z. ß. mit üophites und Meliiturga in
engere Beziehung setzen lassen. Muss demnach von einer
systematischen Verwerthung des hervorgehobenen Cha-
rakters vollständig abgesehen werden, so möchte dagegen
der Umstand, dass bei den mit Sammelorganen versehe-
nen Gattungen es stets die Weibchen sind, welche ab-
weichend von ihren Männchen exceptionell gebildete
Schienensporen besitzen, unzweifelhaft darauf hinweisen,
dass die eigenthümllche Form dieser Organe gleich so
zahlreichen anderen Theilen an den Beinen der weibli-
chen Bienen in einer speziellen Beziehung zu der Brut-
pflege, sei es bei der Anfertigung der Bauten, sei es bei
der Zubereitung des Larvenfutters, stehe. Dass es sich
dabei nicht um Zierrathen, um unwesentliche Zuthaten,
wie sie sich bei anderen Insekten häufig genug vorfinden,
handeln kann, liegt wohl auf der Hand; so gewiss, wie
der Mangel der Schienensporen an den Hinterbeinen der
Honigbiene in unmittelbarer Beziehung zu dem Aufspei-
chern des Pollen in den Wachszellcn steht, so wird auch
der Zahnung des einen Hinterspornes der weiblichen Hy-
laeen und der auffallenden Verlängerung des Mittelspor-
jies bei Rophifes , Melüturga und Fsaejiythia eines be-
stimmten, uns freilich vorläufig noch unbekannten Zweckes
nicht ermangeln. In jedem Falle muss aber die Kennt-
nlss derartiger Bildungen, deren sich bei weiter auf die-
sen Gegenstand ausgedehnten Untersuchungen gewiss noch
eine grössere Zahl nachweisen lassen wird, schon für die
präcisere Charakteristik der Gattungen sowohl als man-
cher Arten (^z//a<?z/s-Männchen) von Interesse sein.
Die neue Gattung der Bienen-Familie, deren eigen-
thümllche Schienensporcn-Bildung zu der vorstehenden Er-
örterung Anlass gab, Ist auf eine Anzahl von Arten ge-
gründet, welche bereits vor einer längeren Reihe von
122 Gerstaecker:
Jahren durch Sello im südlichen Brasilien und in neuerer
Zeit durch ßurmeister dort sowohl als besonders in
den La-Plata-Staaten gesammelt, auch in anderer Bezie-
hung das Interesse der Entomologen in Anspruch zu
nehmen geeignet sind. Von verhältnissmässig schlankem,
grabwespenartigen Körperbau und fast nackter Oberfläche,
auf dunklem Grunde mit hellgelben Binden- und Flecken-
zeichnungen versehen , welchen sich bei einigen Arten
auch lebhaft roth gefärbte Partieen beimischen, bieten
sie der Mehrzahl nach, besonders aber im männlichen
Geschlechte, eine so auffallende habituelle Aehnlichkeit
mit gewissen Crabroninen- Gattungen, vor allen mit den
so charakteristischen Fhüa?itlms - Arten dar, dass selbst
das Auge des mit solchen Analogieen vertrauten Ento-
mologen durch dieselben unwillkührlich getäuscht wer-
den möchte. In bei weitem höheren Grade, als bei allen
übrigen bisher bekannt gewordenen wespen- oder grab-
wespenähnlichen Bienengattungen, wie Nomada, Lioga-
sira Perty u. a. ist die Uebereinstimmung in der Ge-
sammtform des Körpers und in der Bildung verschiedener
einzelner Thcile bei Fsaenythia eine frappante, so dass
sie offenbar den eklatantesten Nachbildungsformen („mi-
metic species^) beigerechnet werden muss, deren durch
Westwood ^j, Bates^) und mich selbst 3) nach und
nach bereits eine ansehnliche Reihe aus verschiedenen
Insekten-Ordnungen zur Kenntniss gebracht worden ist.
Um auf die charakteristischen Merkmale dieser merk-
würdigen Bienen-Gattung näher einzugehen, so wird zu-
nächst der ihr anhaftende P/iiianthus- artige Habitus, ab-
gesehen von der Färbung und Zeichnung des Körpers, bei
1) Illustrations of relationships existing among natural objects,
selected from the class of Insects (Transact. Linneau soc. of Lon-
don XVIII. p. 419).
2) Contributions to an Insect Fauna of the Amazon Valley,
Heliconidae. (ebenda XXIII. p. 509.)
3) Scepastus und Phylloscyrtus, zwei käferähnliche Grylloden-
Gattungen, nebst Bemerkungen über Form- Analogieen unter den In-
sekten (Stettin. Entora. Zeit. XXIV. p. 408 ff.).
Psaenythia, eine neue Bienen- Gattung. 123
den männlichen Individuen vor Allem durch das Missver-
hältniss bedingt, in welchem der Kopf zu dem Mittelleibe
steht, indem derselbe den schmächtig gebauten letzteren
nicht selten um die Hälfte, bei einer Art (Ps. capito) so-
gar fast um das Doppelte an Breite übertrifft, dem ent-
sprechend aber auch auffallend starke Dimensionen in der
Länge und Höhe erkennen lässt. Abweichend von den
meisten Philanthus-Arten ist nur der starke mittlere Aus-
schnitt des Hinterhauptes, in welchen sich der erste ßrust-
kastenring hineinerstreckt, und welcher ein seitliches Um-
fassen des letzteren durch die stark entwickelten und
weit nach hinten ausgezogenen Backentheile zur Folge
hat. Ausserdem ist es neben den ähnlich gestalteten,
wenn gleich dünneren Fühlhörnern der Hinterleib, wel-
cher durch seine schmal und beiderseits zugespitzt ovale
Form lebhaft an Philanthus erinnert, wie denn auch
schliesslich die Form- und Längsverhältnisse der Beine
und Flügel dieser Aehnlichkeit einen weiteren Ausdruck
verleihen. Wesentlich reducirt ist letztere dagegen bei
den Weibchen, welche sich schon durch den sehr viel
kleineren , gewöhnlich gebildeten Kopf von den Männ-
chen entfernen und deren dicht behaarte Hinterschienen
den Bienentypus sofort in die Augen treten lassen; auch
die flachere, weniger zugespitzte Form des Hinterleibs
erinnert mehr an die Bildung der kleineren Andrenen,
die helle Zeichnung derselben mehr an Nomada.
Die beträchtliche Grössenentwickelung des männli-
chen Kopfes als Ganzen hat gleichzeitig eine sehr auf-
fallende Gesichtsbildung zur Folge. Im Gegensatz zu
den Weibchen, deren Gesicht v>om Scheitel bis zum un-
teren Augenwinkel von gleicher Breite ist, erweitert sich
letzteres beim Männchen unter starker Divergenz der
inneren Augenränder sehr beträchtlich, so dass der stark
in die Quere gezogene Clypeus die Scheitelbreite reich-
lich um ein Dritttheil übertrifft. Letzterer weicht von
demjenigen des Weibchens zugleich durch eine tiefere
mittlere Ausrandung für den Hervortritt der Oberlippe
ab und lässt gleich dem Gesicht eine bei weitem ausge-
124 Gerstaecker:
(lehntere gelbe Pleckenzeichnung, welche sich gleichzeitig
auf die Oberlippe und die Maiidibeln erstreckt, erkennen.
Mit der Erweiterung des männlichen Clypeus ist selbst-
verständlich auch eine ansehnlichere Längsentwickelung
der Oberkiefer verbunden, welche unmittelbar dem Un-
terrande der Augen sich anschliessend, bei beiden Ge-
schlechtern schmal sichelförmig, ungezähnt, mit der ab-
gestumpften, löfFelförmigen Spitze übereinandergreifend,
beim Männchen aber zugleich leicht S-förmig geschwun-
gen sind. Im Uebrigcn wäre als sexueller Unterschied
für den Kopf nur noch hervorzuheben, dass bei den
Weibchen in der Höhe der Ocellen innerhalb der Netz-
augen eine tief eingegrabene Furche herabzieht, welche
beim Männchen auf einen kurzen, grubenartigen Eindruck
reducirt ist. Netzaugen, Ocellen und Fühlerinsertion
sind trotz der differenten Kopfform bei beiden Geschlech-
tern übereinstimmend, auch die Fühler selbst, von dem
accessorischen dreizehnten Gliede des Männchens abge-
sehen, nicht verschieden. Der Schaft ist schlank und
verlängert, das dritte Glied gleichfalls verdünnt und lang-
gestreckt, die ganze Bildung überhaupt mit derjenigen
von Andrena sehr übereinstimmend.
Unterkiefer und Unterlippe zeigen keine wesentli-
chen Unterschiede von der durch Spinola ^) für Camp-
tojpoeum nomadoides gegebenen Darstellung. Die Bildung
der Unterlippe ist diejenige der Aiulrenidae acutilingues
Westw., indem die LIgula linear und zugespitzt, die Pa-
raglossen um mehr als die Hälfte kürzer als diese und
beide von den Tastern nicht scheidenartig umschlossen
sind; allerdings ist das erste Glied derselben von ansehn-
licher Entwickelung, nämlich fast um die Hälfte länger
als die drei Endglieder zusammengenommen und mehr
flachgedrückt, der ganze Taster indessen dünn und be-
trächtlich kürzer als die Ligula , alle Glieder ausser-
dem in gerader Richtung aneinandergefügt. Maxlllarladen
verlängert, fast gleich breit , an der Spitze abgerun-
1) Historia fisica etc. de Chile, Atlas, Hymenoptera tab. 1. fig. 3 b.
Psaenythia, eine neue Bienen-Gattung. 125
dct und mit einem dünnen Haarbüschel versehen; Kie-
fertaster sechsglledrig, das erste Glied etwas länger als
die sehr allmählich und nur wenig kürzer werdenden
folgenden.
Am Brustkasten zeichnet sich der Prothorax durch
eine für die Familie der Bienen verhältnissmassig be-
trächtliche Grössenentwickelung aus. Sein Rückentheil
kommt so ziemlich der halben Länge des Mesonotum gleich
und der aufsteigende Hinterrand desselben ist zuweilen
so stark ausgebildet, dass er sich (Fs. cainto, nomadifor-
mis) als Querwulst über den Vorderrand des Mittelrückens
erhebt. Letzterer erscheint vorn und hinten leicht abge-
rundet, ist mit Tegulis von gewöhnlicher Grösse und einem
quer viereckigen Schildchen versehen, dessen Breite sei-
ner doppelten Länge gleichkommt; dasselbe ist gleich
dem nur halb so langen Postscutellum unbewehrt. Die
Vorderflügel enthalten eine einfache, von der Spitze
schräg nach innen abgestutzte Radial- und drei geschlos-
sene Cubitalzellen , deren letzte langgestreckt und (wie
bei Andrena) nach hinten verschmälert ist. Retinaculum
der Hinterflügel bei der Einmündung der vorderen Längs-
ader beginnend und aus zehn Häkchen bestehend. Beine
der Männchen ohne Besonderheiten, der Metatarsus der
beiden vorderen Paare nur wenig, am dritten dagegen fast
um die Hälfte kürzer als die hier stärker verlängerte und
am Aussenrande fein gekerbte Schiene; die vier letzten
Tarsenglieder aller drei Paare zusammengenommen nur
wenig länger als der Metatarsus, die Fussklauen schlank,
mit gespaltener Spitze. Bei den Weibchen sind Schen-
kel und Schienen der vorderen Beine ebenso kurz wie
bei Andrena, der Metatarsus kürzer und breiter, am Ende
quer abgestutzt. An den mehr verlängerten Hinterbei-
nen fehlen die Sammelhaare der Schenkel, ebenso die
bei Andrena stark entwickelte Hüftlocke, welche nur durch
kurze Wimperung ersetzt wird; Hinterschienen etwas
schlanker, übrigens mit gleicher Haarbürste wie bei An-
drena versehen, der Metatarsus aussen über das folgende
Fussglied hin fingerartig ausgezogen.
126 Gerstaecker:
Der Hinterleib beider Geschlechter stimmt darin
überein, dass sich von den einzelnen Rückenschienen ein
ungewöhnlich breiter, durch mattere Färbung und schwä-
chere Skulptur unterschiedener Hintersaum absetzt, wel-
cher vom dritten Ringe an fast der Hälfte der Segment-
länge gleichkommt. Der siebente Hinterleibsring des
Männchens ragt frei hervor, ist beträchtlich schmaler
als der sechste und gleich diesem oberhalb mit dichten
Haaren gefranzt, welche jedoch seine schmalere, abge-
rundet viereckige und mit Kielen versehene Spitze frei-
lassen; zu beiden Seiten desselben tritt eine ovale, mit
dichten Haaren gepinselte Hornplatte hervor. Beim Weib-
chen ist das fünfte Segment mit einer dichten seidigen
Haarfranze versehen, das letzte schmal, abgestutzt drei-
eckig, der ganze Hinterleib mehr abgeflacht als beim
Männchen.
Die Haarbekleidung des Körpers ist eine sehr kurze
und sparsame, so dass die Skulptur der Oberfläche überall
deutlich unter derselben hervortritt; nur auf der Gesichts-
fläche, am Hinterhaupt und an den Seitenrändern des so-
genannten Metanotum (des mit dem Thorax verwachse-
nen ersten Hinterleibssegmentes) erscheint sie etwas dich-
ter. Unterschiede in der Skulptur nach den Geschlech-
tern treten durchweg deutlich am Kopf und Thorax
hervor; beim Männchen ist die Punktirung besonders auf
dem Thorax stets sparsam und fein, beim Weibchen da-
gegen mehr oder weniger dicht gedrängt, zuweilen selbst
körnig, die Oberfläche daher bei ersterem glänzend, bei
letzterem matt.
Die verwandtschaftlichen Beziehungen der vorlie-
genden Gattung betreffend, so würde sich Psaenythia
durch die Bildung der Unterlippe mit ihren Tastern zu-
nächst an Famirgus und Calliopsü anschliesscn, an erstere
überdies so wie durch die starke Entwickeiung des Kopfes
bei den Männchen, durch die am Ende abgestutzte Radial-
zelle erinnern. Mit Andrena stimmt sie andererseits durch
die Form der Fühler und der Cubitalzellen, die Bildung
des w^eiblichen Hinterleibs und die Schienbürstc überein,
Psaenythia, eine neue Bienen-Gattung. 127
während sie sich von beiden auffallend durch die oben
besprochene Öchienensporen-Bildung entfernt. Von den
Chilenischen Campt opoeum- Arten, mit denen sie die Form
der Mundtheile gemein hat, weicht sie in gleicher Weise
wie von Panurgus schon durch drei geschlossene Cubital-
zellen der Vorderflügel ab.
Uebersicht der Arten.
(Hinterleib ander Basis licht ziegelroth gefärbt 1. Ps.phüanthoides.
( „ „ „ „ dunkel gefärbt 2.
2 (Die hellen Hinterleibsbinden in der Mitte unterbrochen 3.
( „ „. „ nicht unterbrochen ... 5.
(Thorax obenauf rostroth 2. Ps. thoracica.
i „ „ schwarz 4.
( Ister bis 5ter Hinterleibsring mit hellen Binden 3. Ps. Burmeisteri.
i2ter „ „ „ „ „ „ 4. Ps. capito,
{Die hellen Hinterleibsb. auf allen Segment, vorh. 5. Ps. nomadoides.
„ „ „ „ dem Isten Segment fehlend 6.
„ „ „ „ den beiden 1. Segm. fehlend 7.
^t Schildchen gelb gefleckt . 6. Ps. picta.
i Schildchen ungefleckt 9. Ps. trifasciata.
„(Gesicht des Weibchens mit 4 hellen Flecken . 7. Ps.chtysorrhoea.
( „ „ „ mit 2 hellen Flecken .... 8.
gf Die hellen Flecke am Seitenrande d. Gesichtes 8. Ps. facialis.
( „ „ „ in der Mitte d. Gesichtes 10. Ps. annulata.
1. Ps. philaiithoides. Anteyinarum hast, teguHs, ahdominis
segmeutis duobus hasalibus pedihicsque laete rujh: protho-
racis margine postico abdomiyiisqice fasciis duahus (mas)
vel unica (fem.) stramineis. Long. 9 mill. cT $• Patria:
M endoza.
Männchen. Kopf dick, um die Hälfte breiter
als der Thorax, hinter den Augen beiderseits glänzender
und loser punktirt als auf der Stirn, wo die schwarze
Farbe unter der feinen Behaarung fast greis erscheint.
Die Seiten des Gesichtes bis fast zur Höhe der Fühler-
insertion, zwei kleinere Flecke unterhalb der letzteren,
der Clypeus, die Oberlippe so wie der obere Rand der
128 Gerstaecker:
Mandibeln gelblich weiss. Clypeus und Oberlippe sind
schwarz gesäumt, letzterer zu beiden Seiten seines tiefen
mittleren Ausschnittes mit einem scharfen Winkel hervor-
tretend. Nicht selten zeigt auch der obere Theil der
Backen in der Höhe des oberen Augenwinkels einen
weisslichen Längsstrich. Fühler bis gegen das neunte Glied
hin rostroth, an der Spitze schwärzlich. Thorax im Ver-
hältniss zum Kopf sehr schmächtig erscheinend, im Mittel-
rücken kaum halb so breit als dieser; letzterer so wie das
Schildchen glänzend; fein und zerstreut punktirt, der auf-
geworfene Hinterrand des Pronotum so wie eine schmale
Querbinde an der Basis licht rostroth , von dem End-
rande des zweiten Segmentes an schwärzlich pechbraun;
die gelbweissen Halbbinden des dritten Segmentes etwas
weiter nach innen reichend als die des vierten, welche
schmaler sind und ein wenig schief verlaufen. An den
licht rostrothen Beinen die Hüften und die Schenkel
bis zur Spitze pechbrauu;, letztere jedoch zuweilen nur
am Ober- und Unterrande; die Tegulae und das Geäder
der Flügel mit Einschluss des Stigmas hell rostroth, die
Radialzelle so wie eine breite Plinterrandsbinde der Yor-
derflügel satt braun, lichter die Spitze der Hinterflügel.
Weibchen. Kopf um die Hälfte kleiner als beim
Männchen, fein und dicht gekörnt punktirt, seidenartig
matt, das Gesicht nur mit zwei weisslich gelben Flek-
ken etwas unterhalb der Fühler, von wo sie sich bis
zum inneren Augenrand erstrecken. Thorax mit gleicher
Skulptur wie der Kopf, ausser dem Hinterrande des Pro-
notum auch der schmale Vordersaum desselben gelb ge-
färbt, ebenso das Postscutellum in weiterer Ausdehnung
als beim Männchen. Der Hinterleib ist nur auf dem drit-
ten Segmente mit einer, in der Mitte ganz schmal unter-
brochenen weisslich gelben Binde geziert und an der
Spitzenhälfte des fünften Ringes tief schwarz gefranzt.
Die Hinterschenkel sind gar nicht, die vorderen nur an der
äussersten Basis (gleich Hüfte und Trochanter) pechbraun,
an den Mittelbeinen der Tarsus bis auf die Spitze, an
den hinteren überdies auch die Schienen an ihrer Aussen-
Psaenythia, eine neue Bienen-Gattung. 129
uad Vorderseite stark gebräunt, die Sammelhaare schwarz
die Wimpern der Innenseite gelblich.
Beide Geschlechter von Burme ister bei M en-
do za gesammelt.
2. Ps. thoracica. Mesonoto sangnineoy abdominis fa-
sciis interruptis flavescentibus sex. Long. 7 mill. ^. —
Patria: Parana.
Kopf nur von massiger Grosse, schwarz, greis be-
haart, hinterwärts glänzend, ein Längsfleck hinter den
Augen, das ganze Gesicht unterhalb der Fühler (beider-
seits sogar fast bis zum oberen Ende der Augen), der
Clypeus, die Oberlippe und die Vorderseite der Mandi-
beln wachsgelb; der Clypeus mit scharfwinkligem, tiefen
Ausschnitt, dessen seitliche Ecken in Form eines spitzen
Zahnes hervortreten. Fühler rothbraun, mit schwarzem
Schaftgliede und gebräunter Spitze. Die hell blutrothe
Färbung des Mittelrückens ist seltner nur auf die Mitte
seiner Scheibe beschränkt , dehnt sich dagegen häufiger
bis nahe zum Vorderrand und nach hinten auf beide
Schildchen aus; der aufgeworfene Hinterrand des Prono-
tum so wie eine Schwiele unterhalb der Tegulae sind
hellgelb. Der schwärzlich pechbraune Hinterleib zeigt
auf allen sechs Segmenten vor deren Hinterrande gerade
hellgelbe Querbinden, welche auf dem 2. bis 5. in der
Mittellinie meist nur schmal unterbrochen, auf dem ersten
dagegen auf ein Paar seitliche kleine Dreiecksflecke be-
schränkt sind; zuweilen sind jedoch auch die Halbbinden
des zweiten Ringes nach innen schon stark abgekürzt
und hier zugleich verschn;älert. Beine pechbraun mit
hellgelbem Kniefleck; Tegulae, Flügelgeäder bis zum
Stigma und dieses selbst rostfarbig, der Aussenrand bei-
der Flügel und die Radialzeile der vorderen etwas stär-
ker gebräunt als die Scheibe.
Männchen; bei Parana einheimisch (Bur meist er).
3. Ps. Burnieisteri. Mesonoto concolore, scutello fla-
vo-hipunctatOf ahdomine fasciis interruptis quinque: alis
fusco-termiyiatis. Long. 11 — 12 mill. cT ?. Patria : Parana.
Archiv für Naturg. XXXIV. Jahrg. 1. 9
130 Gerstaecker:
Männchen. Kopf im Verhäitniss stärker entwik-
kelt als bei der vorigen Art, aber nicht so plump wie bei
Ps. philanthoides ; greis behaart und dicht runzlig punk-
tirt, aber dabei glänzend. Ausser einem ansehnlichen
Längsfleck hinter jedem Auge sind die Seiten des Ge-
sichtes bis^u zwei Dritttheilen der Augenhöhe, drei da-
von getrennte MittelÜecke unterhalb der Fühler (die seit-
lichen länglich, der mittlere kurz), der Clypeus, die
Oberlippe und die Mandibeln mit Ausnahme ihrer Ränder
und Spitze goldgelb; der Clypeus, an dessen oberem
Rande zwei schwache schwarze Flecke sichtbar sind, ist
über der Oberlippe wenig ausgeschnitten, aber zu beiden
Seiten derselben in einen starken, nach aussen gebogenen
und schief abgestutzten Zahn ausgezogen. Fühler pech-
braun, längs der Mitte unterhalb röthlich. Thorax stark
glänzend, ziemlich dicht aber fein punktirt; ausser dem
Frothoraxsaum und den Schulter Schwielen auch zwei
Punkte zur Seite d'es Schildchen und eine Querbinde auf
der Basis des Postscutellum hellgelb. Yon den gleich-
gefärbten Halbbinden des matt pechschwarzen Hinter-
leibes sind die des 1. bis 3. Ringes in der Mitte weiter
getrennt und nach innen mehr kegelförmig zugespitzt
als die einander mehr genäherten und fast linearen des
4. und 5. Beine braunroth, die Hinterschenkel ganz, die
Vorder- und Mittelschcnkel meist nur bis zum letzten
Dritttheil , oder selbst nur an der Basis pechbraun, ein
Kniefleck am Grunde der Schienen weissgelb. Die Te-
gulae, das Stigma der Vorderflügel und die Adern nahe
der Basis licht rostroth; die Flügel selbst leicht gelblich
getrübt, mit sattbrauner Spitzenbinde.
Weibchen. Der Kopf ist nur von Thoraxbreite
und hinter den Augen wenig aufgetrieben; die gelben
Gesichtsseiten hängen mit den beiden seitlichen unter-
halb der Fühler gelegenen Flecken zusammen, während
der kleine mittlere fehlte; Mandibeln und Oberlippe sind
ganz schwarz. Der Thorax ist dicht chagrinartig punk-
tirt, nur matt speckartig glänzend, der vordere gelbe
Saum breiter, die Flecke des Schildchen grösser, die
Psaenythia, eine neue Bienen-Gattung. 131
Pleurae hinter dem Schwielenfleck noch mit einem grös-
seren trapezoidalen weissgelben gezeichnet. Die Hinter-
leibsbinden sind breiter und sämmtlich mehr nach der
Mittellinie hin verlängert; alle Schenkel pechbraun, die
Hinterschienen nebst Tarsen ebenfalls dunkler gefärbt und
erstere an der Aussenseite russig gebürstet.
Bei Paranä, im December (Burmeister).
4. Ps. capito. Picea, capite latissimo, thorace nigro,
immaculato , ahdomine fasciis interrupHs quatuor. Long.
1172 mill. ^ Patria: Ouropreto Brasilia e.
Kopf äusserst breit und durch den sehr tiefen Aus-
schnitt des Hinterhauptes verhältnissmässig kurz erschei-
nend, auf Stirn und Scheitel lang und dicht fahlgelb, zu
beiden Seiten dagegen kurz greis behaart; hinten p echbraun,
auf der Gesichtsfläche schwarz, ein dreieckiger Fleck am
Innenrand der Augen, der ganze Clypeus, die Oberlippe
und Mandibeln gold- oder rothgelb. Der mittlere Aus-
schnitt des Kopfschildes ist nur flach und die seitlichen
Winkel desselben kaum hervortretend; die Fühler ganz
pechschwarz. Am Thorax ist derYorderrücken sehr fein
ciselirt, speckartig glänzend, pechbraun, der Mittelrücken
glänzend schwarz, weitläufig punktirt, die beiden Schildchen
dichter punktirt, der Hinterrücken glatt, beiderseits weiss-
haarig. Die vier sehr schmalen, goldgelben Halbbinden
zu jeder Seite des pechbraunen Hinterleibes liegen auf
der vorderen Hälfte des zweiten bis fünften Ringes; wäh-
rend die beiden ersten stets durch einen breiten Mittel-
raum getrennt sind, treten die beiden letzten viel weiter
nach innen und zuweilen selbst nahe aneinander. Die
Beine sind in ihrer ganzen Ausdehnung pechbraun, ebenso
die Tegulae und das Stigma der Vorderflügel; letztere
sind von der Basis bis zur Mitte gelblich und von gleich-
gefärbten Adern durchzogen, an der Spitzenhälfte wässrig
braun mit dunklerer Randbinde.
Nur Männchen vorliegend, welche von allen Arten
den. Phila7itJms-aTt\geTi Habitus am auffallendsten zur Schau
tragen; von Sello und Bur meist er in Süd-Brasi-
1 i e n aufgefunden.
132 Gerstaecker:
5. Ps. nomadoides. Nigro-piceaj opaca, thorace imma-
culato, abdominis fasciis flavescentihus quinque haud inter-
ruptis. Long. 11 mill. $. Patria: Brasilia.
Kopf des Weibchens von gewöhnlicher Grösse, dicht
körnig punktirt, auf Scheitel und Stirn gelblich, hinter-
wärts greis behaart, ein schmaler und oben spitz auslau-
fender Fleck am Innenrande der Augen so wie ein
querer zu jeder Seite des Clypeus trübe rostgelb. Der
Thorax mit Ausnahme des glänzend schwarzen und glat-
ten Hinterrückens oberhalb durch dicht gedrängte, körnige
Punktirung matt, die Pleurae glänzender, stärker aber
loser punktirt, greishaarig. Am Hinterleib ist nur die
Basis der einzelnen Segmente und ein schmaler Quer-
streif über die Mitte derselben schwarz; letzterer trennt
die breiten und durchgehenden goldgelben Querbinden von
den noch breiteren rostfarbigen Hinterrändern, w^elche,
je weiter nach hinten, auch ihrerseits immer lichter, fast
goldgelb werden. Die Beine sind in ihrer ganzen Aus-
dehnung röthlich pechbraun, die Aussenseite der Plinter-
schienen russbraun bezottet; Tegulae hell rostroth, Vor-
derflügel bis zur Mitte gelb und ebenso geädert, auf der
Spitzenhälfte grau mit brauner Randbinde und pechbrau-
nem Stigma.
Aus Süd-Brasilien von Sello; möglicherweise als
Weibchen zur vorhergehenden Art gehörend, von der sie
jedoch wiegen der zu auß'allend verschiedenen Binden-
zeichnung des Hinterleibes wenigstens vorläufig getrennt
werden muss.
6. Ps. picta. Nigra f nitida, capite thoraceque flavo-
pictis, abdominis segmentis 2.-5. ßavo-fasciatis, alis dilute
fuscis. Long. 6— 8 mill. c/'^. Patria: Paranä.
Männchen. Kopf dick, fast doppelt so breit als
das Mesonotum, glänzend, dicht und fein punktirt, das
ganze Gesicht bis zur Höhe der Fühlerinsertion mit Aus-
nahme eines viereckigen Mittelfleckes, der Clypeus, die
Oberlippe und die Mandibeln , ebenso ein Längswisch
hinter den Augen citronengelb ; der Clypeus mit einem sehr
Psaenythia, eine neue Bienen-Gattung. 133
breiten Ausschnitt, welcher die Breite der Oberlippe fast
um das Doppelte übertrifft und beiderseits in einen stark
hervortretenden Zahn endigt. Fühler pechbraun mit
schwarzem Schaft und rostrother Unterseite der Geissei.
Thorax sehr glänzend schwarz, zerstreut punktirt, der
aufgeworfene Hinterrand des Pronotum, zwei Querflecke
auf dem Scutellum, eine Querbinde des Postscutellum so
wie zwei Seitenmakeln unterhalb der Tegulae gelb. Von
gleicher Färbung sind auf dem pechbraunen Hinterleibe
vier Querbinden über die Mitte des zweiten bis fünften
Ringes, von denen die erste zuweilen schmal unterbrochen
ist, ausserdem auch zwei Querflecke oder Halbbinden des
ersten Ringes ; der Hinterrand aller Segmente zeigt einen
matten, bleigrauen Schiller. Die Beine sind pechbraun
mit schwefelgelbem Kniefleck und hellrostrothen Tarsen
(vom zweiten Gliede an); auch die Innenseite der Vor-
derschienen ist ganz hell gefärbt. Die Tegulae, das
Stigma der Vorderflügel so wie deren Geäder auf der
Basalhälfte licht rostroth; die Spitzenhälfte aller Flügel
wässrig braun mit dunklerer Randbinde.
Weibchen. Der Kopf ist nur von Thoraxbreite,
durch dichte und feinkörnige Punktirung matt, der Cly-
peus so wie Oberlippe und Oberkiefer ganz schwarz,
nur ein quer quadratischer Fleck zu jeder Seite des Ge-
sichtes goldgelb. Der Thorax, dessen Färbung der des
Männchens entspricht, ist ebenfalls ganz dicht gedrängt,
fast körnig punktirt und daher nur leicht glänzend; auf
dem Hinterleib sind die goldgelben Binden breiter, die
erste ebenfalls zuweilen schmal unterbrochen, der erste
Ring jedoch ohne Seitenflecke. Die pechbraune Färbung
der Beine erstreckt sich auch auf die Innenseite der Vor-
derschienen ; die Bebürstung der Aussenseite der Ilinter-
schienen ist aschgrau.
Bei Paranä vom November bis Januar. (Bur-
meister.)
7. Ps. chrysorrhoea. Nigro-pioea, suhniiida, ahdorrd-
nis segmentis 3, — 5. fascia ulri/iqiie emarginata, aureo-
134 Gerstaecker:
flava signatis. Long. 9 — 10 mill. ^5. Patria: Brasilia
meridionalis.
$ Facie maculis flavis qiiatuor, clypeo duabus signato.
Männchen. Im Habitus fast ganz der Fs. capito
gleichend, nur kleiner und durch die Zeichnung des Ge-
sichtes und Hinterleibes leicht zu unterscheiden. Der
Kopf ebenso kurz und so tief ausgeschnitten wie bei
jener, aber nicht ganz so breit und besonders unterhalb
weniger erweitert; auf Scheitel und Stirn dicht körnig,
nach hinten nur wenig gesperrter punktirt, ein länglich
dreieckiger Fleck jederseits am Innenrande der Augen,
drei kleinere in der Mitte des Gesichts unterhalb der
Fühler, der ganze Vordersaum des Clypeus so wie die
Oberlippe und Mandibeln goldgelb gefärbt. Der helle
Fleck hinter den Augen ist nur von geringer Ausdehnung
und fast rostfarben , der Ausschnitt des Clypeus seicht
und sein Rand zu jeder Seite des Ausschnittes schwielen-
artig verdickt. Die Fühler oberhalb pechschwarz, die
Unterseite der Geissei lichter pechbraun. Am Thorax
ist der aufgeworfene Rand des Pronotum beiderseits gelb
gefärbt, das Mesonotum glänzend, fein und zerstreut, die
beiden Schildchen etwas stärker punktirt. Der pech-
schwarze Hinterleib, dessen Segmente breite röthlich-
braune Hinterränder zeigen, Ist auf dem dritten bis sech-
sten Ringe mit einer durchgehenden goldgelben Quer-
binde gezeichnet, welche auf dem dritten und vierten
jederseits am Hinterrande deutlich ausgebuchtet erscheint.
Beine ganz pechbraun, die Vorder- und Mittelschienen
mit einem kleinen hellgelben Punkt an der äusscrsteu
Basis; Tegulae, Costa und Stigma der Vorderflügel rütli-
lichbraun, die Flügel selbst zum grössten Theil rostgelb,
an der Spitze graulich, mit brauer Spitzenbinde.
Weibchen. Der nicht verbreiterte und durch
dichte, körnige Punktirung matte Kopf ist mit vier senk-
recht stehenden goldgelben Gesichtsflecken, von denen
die äusseren länger und schmaler als die unter den Füh-
lern liegenden mittleren sind, gezeichnet ; zwei S-förmig
geschwungene Querflecke von gleicher Farbe zieren den
Psaenythia, eine neue Bienen-Gattung. 135
Clypeus. Der viel zahlreicher als beim Männchen punk-
tirte Thorax, dessen Glanz übrigens dadurch kaum ge-
ringer ist, zeigt keinen hellgefärbten Hinterrand des Pro-
notum; dagegen sind die goldgelben Hinterleibsbinden des
3. bis 5. Ringes etwas breiter, die beiden vordersten
seitlich in entsprechender Weise ausgeschnitten. Die
Bürste an der Aussenseite der Hinterschienen ist russ-
braun, die gelbe Färbung der Flügel besonders intensiv.
Aus Süd-Brasilien, von Sello.
8. Ps. facialis. Nigra, fere opaca, abdotninis segmen-
tis 3.-5. fascia utrwque emarginata, aureo-flava signatis.
Long. 10— lOV2mill. cT $• Patria: Banda oriental.
$ Facie utrinque ßavo-limhata, clypeo immaculaio.
Männchen. Etwas grösser als dasjenige der vo-
rigen Art, dem es überhaupt ausserordentlich ähnlich
sieht; die unterscheidenden Merkmale lassen sich in Fol-
gendem zusammenfassen ; die goldgelben Seitenflecke des
Gesichtes stossen mit ihrer ganzen Basis an den seitlich
ganz hell gefärbten Clypeus; von den drei unterhalb der
Fühler stehenden Flecken sind die beiden seitlichen kür-
zer und breiter, quadratisch und der hinter den Augen
liegende ist goldgelb und weiter nach abwärts gef-ückt.
Der Thorax ist beträchtlich feiner und dichter punktirt
und dadurch fast matt; die Hinterleibsbinden sowohl auf
dem fünften wie auf den beiden vorhergehenden Segmen-
ten seitlich ausgcrandet und der zweite Ring jederseits
ebenfalls mit einem kurzen gelben Querstrich gezeichnet.
Weibchen. Es unterscheidet sich von dem der Ps.
chrysorrhoea zunächst dadurch , dass auf der Gesichts-
fläche nur die beiden gelben Seitenflecke vorhanden sind,
während sowohl die mittleren als diejenigen des Clypeus
fehlen. Ausserdem ist die Oberfläche des Thorax durch
dicht gedrängte, körnige Punktirung ganz glanzlos, die
Querbinden des Hinterleibes breiter und die zwei vorde-
ren jederseits am Hinterrande tiefer ausgeschnitten.
Von Burmeister in der Banda oriental ge-
fangen.
136 Gerstaecker:
9. Ps. trifasciata. Atra, fere opaca, ahdominis fasciis
trihus ($) vel quatuor (^) vitellinis, anteriore utrmque
ahhreviaia. Long. 8— 9 mill. ^^ $. Patria: Parana.
Männchen. Kohlschwarz, matt, nur am Hinter-
kopfe und auf der Oberseite des Thorax glänzend. Der
Kopf ist für ein Männchen nur von geringer Entwicke-
lung, kaum um ein Dritttheil breiter als der Thorax, das
Gesicht jederseits unterhalb der Fühler mit einer aus zwei
schwefelgelben Flecken bestehenden Querbinde; Mandi-
beln, Oberlippe und Clypeus ganz glänzend schwarz, letzte-
rer tief ausgeschnitten und jederseits scharf zahnartig her-
vortretend. Thorax fein und zerstreut punktirt mit hellgel-
bem Hinterrand des Pronotum ; von den dottergelben
Hinterleibsbinden ist die des zweiten Ringes jederseits
abgekürzt, dagegen die der drei folgenden durchgehend.
Die Unterseite des Hinterleibes und die Beine ganz
pechbraun, letztere weisslich behaart; die Tegulae roth-
braun, die Vorderflügel mit rostgelbem Geäder und Stigma,
an der Spitze mit brauner Binde.
Weibchen. Kopf schwarz, ohne alle gelbe Zeich-
nung, Thorax sehr dicht und fein chagrinartig punktirt,
matt, der Saum des Pronotum jedoch wie beim Männchen
gelb. Die Hinterleibsbinden, hier nur auf dem zweiten
bis vierten Ringe vorhanden, um die Hälfte breiter, sonst
mit denen des Männchens analog; Beine pechschwarz,
die Hinterschienen mit rauchbrauner Bürste.
Vaterland: Paranä. (Bur meist er.)
10. Ps. annulata. Nigra, submtida, ahdomine faaciis
trihus vitellinis, omnihus integris. Long.* 82/3 mill. $. Pa-
tria: Brasilia merid i o nalis.
Der Kopf des allein vorliegenden Weibchens ist von
Thoraxbreite, durch dicht gedrängte und tiefe Punktirung
wenig glänzend, mit zwei senkrechten, länglichen gelben
Flecken unterhalb der Lisertion der Fühler, auf der Ge-
sichtsmitte. Am Thorax ist die Punktirung auf Mesono-
tum und Schildchen bedeutend gröber, aber zugleich
sperriger als auf dem Kopf, daher der Glanz ihrer Ober-
Psaenythia, eine neue Bienen-Gattung. 137
fläche stärker; auf dem Postscutellum ist sie gleichfalls
noch grob, aber gedrängt, auf dem Hinterrücken und den
Pleurae dagegen sehr feinkörnig, so dass diese durchaus
matt erscheinen. Der aufgeworfene Rand des Pronotum
ist jederseits schmal gelb gezeichnet, ebenso drei breite
durchlaufende Querbinden des Hinterleibes auf dem drit-
ten bis fünften Ringe, von denen jedoch die letzte bei
zurückgezogenem vorletzten Segment verborgen bleiben
kann. Die pechbraunen Beine zeigen an der äussersten
Basis der Vorder- und Mittelschienen einen gelben Knie-
punkt; Tegulae rothbrann, Flügelgeäder und Stigma der
Vorderflügel rostgelb, eine breite Spitzenbinde wässe-
rig braun.
Aus Süd-Brasilie n , von Sello.
Zur Entwickelniigsgeschichte der Cestoden.
Von
Dr. Fritz Ratzel.
(Hierzu Tafel IV. Fig. 1—7.)
Caryophyllaeus appendiculatus Ratzel ^).
In allen Wachsthumsstufeii von Tubifex riviilonun
Lam., die ganz jungen Thiere ausgenommen, findet man
in der Leibeshöhle derjenigen Segmente, welche die Ge-
schlechtsorgane und die Geschlechtsprodukte bergen, also
etwa der zwischen dem zehnten und zwanzigsten gele-
genen, ziemlich häufig parasitische Cestoden, zur Gat-
tung Caryophyllaeus gehörig. Da man diesen Parasiten
auf den verschiedensten Stufen der Entwickelung begeg-
net, kann man drei HauptforJiien unterscheiden:
1) der Körper ist ein einfacher Schlauch mit paren-
chymatösem Gewebe augefüllt, am Hinterende mit
sechs Häckchen bewafi'net;
2) der hintere Theil des Körpers hat sich vom vorde-
ren abgeschnürt und in letzterem hat sich ein deut-
liches Gefässsystem entwickelt, theilweise auch schon
die Anfänge der Geschlechtsorgane;
1) Die Oertlichkeiten^ an denen ich Exemplare von Tubifex Lam,,
die mit diesem Parasiten behaftet waren, auffand, sind das Albflüss-
chen bei Carlsruhe und der Neckar bei Heidelberg.
Ratzel: Zur Entwickelungsgeschichte der Cestoden. 139
3) das Thier ist geschlechtsreif.
Was wir so eben über die erste der von uns beob-
achteten Entwickelungsstufen gesagt haben, spricht das
Wesen derselben ziemlich vollkommen aus, das ganze
Thier ist ein ungegliederter Körper, der im hinteren
Drittel etwas schmäler ist als vorne und dessen Vorderende
noch einen unbestimmten ziemlich unregelmässigen Um-
riss zeigt; seine Gewebe bestehen aus einer die äussere
Hülle bildenden, strukturlosen Cuticula und dem von die-
ser umschlossenen parenchymatösen Gewebe, in welchem
es noch nicht gelang entschiedene Muskelzellen nachzu-
weisen, sondern das hauptsächlich aus lichten, hüllen-
losen Zellen mit kleinem, körneligen Kerne bestand; an
der Stelle indessen, wo sich das etwas -schmälere Hinter-
ende gegen den breiteren Vordertheil absetzte, schien
dieses Zellgewebe etwas dichter zu sein, nach dem opti-
schen Verhalten zu urtheilen. Ganz am Hinterende Sas-
sen drei Paar Häkchen (Fig. 2), leicht zu übersehen we-
gen ihrer Kleinheit. Ein Paar ist grösser als die beiden
andern, nämlich durchschnittlich 0,013 Mill. lang, während
diese nur 0,007 Mill. massen. Alle sind sie aber sehr dünn
und tragen einen kleinen Widerhaken dem einen Ende
genähert. Mit derselben Grösse und Form kehren diese
Häkchen am Hinterende aller der untersuchten Thiere
wieder und ich betrachte sie als den sogenannten Em-
bryonalhaken, wie sie von den Embryonen anderer Ce-
stoden beschrieben wurden, entsprechend. Mit denselben
befestigt sich das Thier an der Körperwand oder der
Darm wand wie man bei glücklicher Präparation des Wohn-
thieres und dem Versuch den Parasiten von ihm zu lösen
bald bemerkt. Die mittlere Grösse der auf dieser Ent-
wickelungbstufc untersuchten Thiere beträgt 0,9 Mm. in
der Länge und 0,3 Mm. in der Breite.
Die zweite Gruppe von Entwickelungsformen ist von
der ersten unter allen Umständen geschieden durch die
Abschnürung des schon vorhin durch seine Öchmalheit
charakterisirten hinteren Drittels des Körpers zu einem
schwanzartigen Anhange, den ich als Schwanzbiase be-
140 Ratzel:
zeichnen will und der an seinem Ende die Embryoncal-
haken trägt. Ferner ist auch das Vorderende des Kör-
pers nun bestimmter umschrieben und zeigt sich als eine
dreieckige Verbreiterung, die in der Mittellinie zu einer
stumpfen Spitze zuläuft. Diese zwei Punkte charakteri-
siren die jüngsten Formen in dieser Gruppe, welche an
Grösse und histologischem Bau der vorigen Stufe noch
ähnlich sind. Die Schwanzbla&e ist ein Drittel bis die
Hälfte des ganzen Körpers, sie ist stets schmäler als die-
ser und drehrund, aber ihre Gewebe gehen continuirlich
in die des eigentlichen Körpers über, obwohl ihre Ver-
bindung mit demselben auf einen dünnen Stiel beschränkt
sein kann; stets besteht sie aus der Cuticula und dem
oben beschriebenen Parenchym und zeigt niemals eine
weitere DIfferenzirung, sondern tritt von nun an in de"t
ganzen Entwickelungsreihe constant mit den eben ange-
gebenen Eigenschaften auf. Die erste DifFerenzirung,
welche am eigentlichen Körper stattfindet, besteht in der
Sonderung einer helleren peripherischen Schicht, einer
subcutanen Muskellage vom Parenchym und in diesem
selbst eines Gefässsystems (Fig. 4). Dieses Gefässsystem
besteht ans acht Hauptstämmcn, welche am Hinterende
in der durch die Abschnürung und Einstülpung des Stie-
les der SchwaiwHblase gebildeten Grube in einen gemein-
samen Stamm münden, welcher seinerseits sich in die
Schwanzblase zu öffnen scheint, jedenfalls noch nicht mit
einer contraktilen Blase nach aussen mündet, wie das
z. B. am geschlechtsreifen Caryophyllaeus mutabilis Rud.
geschieht ^). Die Gefässstämme sind erst durch kurze,
später durch längere Queräste untereinander verbunden,
welche zuletzt an Länge und Querdurchmesser derart
zunehmen, dass sie nicht mehr von den Hauptstämmen
zu unterscheiden sind, sordern mit diesen zusammen ein
polygonal maschig verästeltes Netzwerk bilden ; ein sol-
ches bildeten am Kopfende die Gefässstämme von Anfang
an und die einzelnen Aestchen haben hier, indem sie an
1) Icones zootomicae herausgeg. von J. V. Carus 1857. Ta-
fel VII. fig. 12.
Zur Entwickelungsgeschichte der Cestoden. 141
die Peripherie herantreten, ampullenartige Anschwel-
lungen.
Die dritte Entwickelungsstufe beginnt mit der Ab-
lagerung ovaler Körperchen im Parenchym, welche beste-
hen aus 4 — 8 kern- und kernkörperhaltigen Zellen, die von
einer gemeinsamen Hülle umgeben sind und 0,03 — 0,04 Mm.
in der Länge messen; sie sind in der Art angeordnet,
dass sie in zwei Längsreihen gelagert sind und so einen
medianen und zwei seitliche Räume frei lassen. In einem
Thier, das l,8Mm. Durchmesser hat, stehen sie vom Rande
0,16, vom Vorderende 0,6, vom Hinterende 0,5 Mm. ab,
rücken aber bei fortschreitendem Wachsthum sowohl gegen
die Mitte als gegen hinten zurück. In den von diesen Kör-
pern freigelassenen randlichen Räumen entwickeln sich
nun Schläuche, die mit ihrem blinden Ende der Periphe-
rie, mit der Mündung dem Binnenraum des Körpers zu-
gekehrt sind; sie enthalten eine feinkörnige, braune Masse,
die in concentrischer Weise um einen hellen Mittelpunkt
angeordnet ist und ich halte sie für Hodenbläschen, ob-
wohl wirkliche Samenelemente noch nicht in ihnen aus-
gebildet w\aren, ebenso wie ich — nach der Analogie mit
Caryophyllaeus mutabilis ^) — die zuerst erwähnten
ovalen Körper als Dotterstöcke bezeichne. In dem Hin-
terende des Körpers, welches stark aufgehellt ist, liegt
ein geschlossener Körper von elliptischer Form und
0,17 Mm. Durchmesser, in welchen ein Schlauch einge-
stülpt ist, den man als Penis, den Sack als Cirrhusbeutel
ansprechen darf, und ausserhalb dieses Körpers ist dann
das Hinterende von zusammengewundenen Schläuchen
erfüllt, welche Eileiter darstellen. Ohne Zweifel haben
wir in dieser Ausbildungsform geschlechtsreife Thiere vor
uns; die Länge sammt der Schwanzblase erreicht 2,5 Mm.,
und die letztere nimmt davon durchschnittlich stets ein
Drittel in Anspruch ^).
1) Icones zootomicae herausgeg. von J. V. Carus 1857. Ta-
fel VIT. fig. 11.
2) G. Wagener, Beiträge zur Entwickelungsgeschichte der
Eingeweidewürmer. Harlem 1857. S. 9.
142 Ratzel:
Mit den im Vorhergehenden beschriebenen Entwicke-
lungsformen von Caryoi^hyllaeus appendiculatus Ratzel
ist in erster Reihe der eigenthümliche Entwickelungsmo-
dus der Cestoden, der charakterisirt ist durch Knospimg
des Thieres am Embryo und Absonderung des letzteren
vom so gebildeten eigentlichen Cestodenkörper, auf eine
Form ausgedehnt, von welcher man denselben bis jetzt
nicht kannte und in welcher man denselben wegen ihrer
sonstigen, bedeutenden Abweichungen vom Bau und den
Fortpflanzungsverhältnissen der Cestoden nicht vermuthet
hat. G. Wagen er, der treffliche Forscher auf dem Ge-
biete der Entwickeln ngsgeschichte der Eingeweidewürmer,
stellte — ■ wahrscheinlich nur vermuthungsweise — Caryo-
phyllaeus in Bezug auf seine Entwickelung mit Ligula
zusammen, indem er sagt: ^) „die Cestodenblase erzeugt
also hier nichts Neues, was sie bildet sind nur die Ge-
schlechtsorgane und Massen zur Vergrö'sserung ihres Kör-
pers. Sie ist also als Larve anzusehen." Wagen er
nimmt also an, dass der sechshakige Embryo, der in an-
deren Cestoden zur Blase des Blasenwurmes wird, wel-
che diesen durch Knospung an sich erzeugt, in dem Falle
von Ligula und Caryophyllaeus sich unmittelbar zum
fertigen Thiere entwickelt, so dass demnach — w^enn wir
seine Meinung richtig interpretiren — der geschlechts-
reife Caryophyllaeus und die geschlechtsreife Ligula einer
geschlechtlich entwickelten Cestodenblase homolog er-
achtet werden dürften. Allein es fehlt hier der Nach-
weis, was mit den Embryonalhaken geschieht, welche wir
unter keinen Umstanden im reifen Körper des Caryophyl-
laeus oder der Ligula finden. Das Schicksal dieser Ha-
ken haben wir im Obigen nachgewiesen, wir haben aber
gezeigt, dass dieselben, die die unverkennbarste Signatur
des Cestodenembryo bilden, in einer Richtung verwandt
werden, welche die Wagener'sche Vermuthung über
die Entwickelung des Caryophyllaeus als nicht ganz den
1) G. Wagener, Beiträge zur Entwickehmgsgeschichte der
Eingeweidewürmer. Herlem 1857. S. 9.
Zur Entwickelungsgeschichte der Cestoden. 143
Tliatsachen entsprechend erscheinen lässt. — Wir hahen
ferner im Vorhergehenden gezeigt, dass unsere Art von
CaryophylJaeus ihre ganze Entwickelung bis zur Ge-
schlechtsreife an demselben Orte und in demselben Wohn-
thiere abwickelt und endlich dass der Embryonaltheil
des Körpers, die Schwanz- oder Cestodenblase auf kei-
ner Entwickelungsstufe gänzlich abgeworfen wird, wie das
doch bei allen anderen Cestoden geschieht.
Versuchen wir es nun aus unseren Beobachtungen
einige allgemeine Schlüsse zu ziehen, so drängt sich vor
Allem die Frage auf, in welchem Verhältniss die Ent-
wickelung des Caryophyllaeus zu dem entsprechenden
Abschnitte der übrigen Cestoden, welchen man als
Generationswechsel bezeichnet hat, stehe. Der einzige
Grund, welcher uns bestimmen kann, die Entwickelung
des Caryophyllaeus nicht als blosses Wachsthum zu be-
trachten ist die Absonderung des Embryonalkörpers (der
Schwanzblase) vom übrigen, vom Geschlechtskörper, wel-
che wir schon oben als die aller Cestodenentwickelung
gemeinsame Eigenschaft bezeichneten. Am natürlichsten
wird es wohl sein, diese Scheidung so aufzufassen, dass
man den ganzen Körperabschnitt, der in dem geschlechts-
reifen Caryophyllaeus vor den Geschlechtsorganen liegt,
morphologisch als Kopftheil betrachtet. Da dieser Kopf-
theil nun in Länge ziemlich übereinstimmt mit der Länge
des ganzen Körpers, wenn dieser sich von der Schwanz-
blase gesondert hat, so könnte man wohl sagen die Ab-
schnürung finde statt, wenn der Kopftheil des reifen Thie-
res fertig entwickelt ist und die Entwickelung desjenigen
Körpertheils beginnt, welcher bestimmt ist die Geschlechts-
organe in sich zu bilden und aufzunehmen. Mit dieser
Auffassung würde es sehr gut stimmen, dass in der weit-
aus grössten Zahl der Cestoden der Embryonalkörper
(Cestodenblase) nur den Kopftheil des künftigen Ge-
schlechtsthieres an oder in sich hervorbringt, worauf dann
die Trennung dieses von jenem statt hat. Nicht unwahr-
scheinlich giebt es sich auf den ersten Blick, die Ent-
wickelung des Gefässsystems in Caryophyllaeus als Haupt-
144 Eatzel:
Ursache der Abschnürung anzusehen ; der Hauptstamm der
Gefässe tritt wenigstens an der Abschnürungsstelle auf
und mündet hier wohl in die Schwanzblase, doch kom-
men Formen zur Beobachtung, in denen die Abschnürung
schon stattgefunden hat, das Gefässsystem aber noch nicht
einmal in Spuren differenzirt ist (Fig. 3). Wenn übrigens
die mehr und mehr hervortretende nahe Verwandtschaft der
Würmer und Echinodermen im Einzelnen festgestellt wer-
den soll, so möchte gerade dieses Verhältniss des Ge-
fässsystems zum Embryonalkörper, wie es in Caryophyl-
laeus, Triaenophorus ^) u. a. uns entgegentritt, von Bedeu-
tung werden für die Vergleichung. Denn der Haupt-
stamm der Gefässe öffnet sich mit einer contraktilen Blase
genau an dem Punkte, wo der Embryonalkörper sich ab-
schnürt, so wie das Wassergefässsystem der meisten Echi-
nodermen an derjenigen Stelle durch die Madreporen-
platte mit der Aussenwelt communicirt, wo das radiäre
Geschlechtsthier sich von der bilateralen Amme abge-
löst hat.
Welches auch immer die Ursache der Abschnürung
sein möge, so haben wir in dieser Thatsachc die einzige
Berechtigung, die Entwickelung des Geschlechtskörpers
aus dem. Embryonalkörper nicht als einfaches Wachsthum
zu betrachten, sondern als einen der Knospung verwand-
ten Vorgang. In Bezug auf die phyletische Erklärung
dieses Vorganges haben wir die Wahl, ob wir denselben
als einen abgeschwächten, der Entwickelung durch ein-
faches Wachsthum zustrebenden Generationswechsel, ähn-
lich dem vieler Echinodermen, einiger Gephyreen und
Nemertinen, aber einfacher als dieser, betrachten wollen,
oder als den Anfang einer Entwickelungsreihe, welche
in einigen Taenien (Coenurus) eine der typischsten Aus-
bildungen des ächten Generationswechsels erreicht hat.
Letzterer scheint in jedem Falle das Fruchtbarere und
Natürlichere, denn es giebt uns ein Mittel den Genera-
tionswechsel der Cestoden in seinen verschiedenen Stufen
1) G. Wagener, a. a. 0. Taf. VII. Fig. 1.
Zur Entwickelungsgeschichte der Cestoden. 145
der Ausbildung als aus einfachem Wachsthum durch den
Einfluss äusserer Umstände entstanden zu denken. Von
Wachsthum zu Knospung ist nur ein Schritt. Johannes
Müller fasst die Knospe als ein Minimum, das in oder
am anderen Thiere entsteht *). Ha e ekel giebt dem Be-
griff mit Recht eine weitere Fassung, indem er sagt: die
beiden Spaltungsprodukte sind bei der Knospung von ver-
schiedenem Alter, bei der Theilung von gleichem Alter 2).
Unstreitig fällt die Abschnürung des Caryophyllaeus nach
dieser letzteren, der einzigen logischen Definition noch
unter den BegriflP der Knospung, und vrir können dann
verfolgen, v^ie in den übrigen Cestoden die Knospung
immer entschiedener ihren augenfälligen Charakter an-
nimmt, wobei wir doch immer auf einer Linie bleiben
und nicht anzunehmen brauchen, dass von zwei nahe ver-
wandten Thieren das eine einfach, das andere mit Gene-
rationswechsel sich entwickele, was immer etwas Verdäch-
tiges an sich hat.
Gehen wir die treffliche Darstellung durch, welche
G. Wagener von den Entwickelungsmodalitäten der Ce-
stoden gegeben hat 3), so folgt hier auf Caryophyllaeus und
Ligula zuerst Triaenophorus. Aus der Cestodenblase (dem
Embryonalkörper) entwickeln sich hier direkt die Haken
des Kopfes und die beiden flachen Gruben, die den Kopf
dieses Thieres auszeichnen ; mit der Reife des Kopfes wird
die ehemalige Cestodenblase in Form eines Schwanzan-
hanges von diesem abgeschnürt und abgeworfen. Als
diesen ähnlich werden (nach Stein) die Entwickelungs-
vorgänge der Taeniae inermes geschildert; die Cestoden-
blase hängt dem Hinterende der entwickelten Taenie an
und ist das erste Glied, welches abgeworfen wird. Auch
die Entwickelung der Tetrabothrien scheint nicht sehr
abzuweichen, Waagen er fasst dieselben so zusammen:
der Kopf des Tetrabothrium besteht aus dem Vordertheil
1) Von G. Wagen er a. a. 0. S. 89 citirt.
2) Ernst Haeckel, Generelle Morphologie. Bd. II. S. 44.
3) G. Wagener a. a. A. S.8— 16.
Archiv für Naturg. XXXIV. Jahrg. 1. 10
146 Ratzel:
des Embryo ; der sich metamorphosirt hat. Der andere
Theil des Embryo , das Schwanzende mit dem pulsiren-
den Schlauch wird abgeworfen ; in diesem Falle kommt
sowohl Einstülpung als Ausstülpung des Kopfes vor, und
die erstere ist auch in der folgenden Gruppe nicht ge-
radezu nothwendig oder ausschliesslich. Es folgen nun
die Taeniae armatae und die Tetrarhynchi mit den be-
kannten, charakteristischen Cysticercuszuständen.
Indem wir das Gemeinsame aller dieser Vorgänge
zusammenfassen, finden wir für die Embryonalentwicke-
lung der Cestoden den gemeinsamen Ausdruck, dass am
Vorderende des Embryonalkörpers das Geschlechtsthier
sich entwickele, während der hintere Theil desselben
nach dieser Entwickelung abgeworfen werde. Ob in die-
ser Entwickelung der Geschlechtskörper in Form einer
Knospe am Embryonalkörper oder durch einfaches Wachs-
thum des Vorderendes dieses entstehe, wird höchst wahr-
scheinlich durch das Grössenverhältniss des Kopftheiles
zu dem die Geschlechtsorgane bergenden Theile des rei-
fen Thieres bestimmt, d. h. je geringer an Grösse und je
differenzirter der Kopftheil, desto mehr wird die Embryo-
nalentwickelung sich dem Begriff der Knospung, wie wir
ihn oben von J. Müller citirt haben, nähern^).
1) Unsere hier kurz zusammengefasste Ansicht über den Ge-
nerationswechsel der Cestoden bildet in gewissem Sinne eine Er-
gänzung zu einem Theil der trefflichen Darstellung, welche Ernst
Hacke 1 in seiner generellen Morphologie Bd. II. S. 88 — 99 von
dem Generationswechsel überhaupt gegeben hat. Wenn er nämlich
dort mit Rücksicht auf die phyletische Entwickelung einen regres-
siven und einen progressiven Generationswechsel statuirt, von de-
nen der erstere als ein Rückschlag von geschlechtlicher (amphigener)
in ungeschlechtliche (monogene) Fortpflanzung, der andere als ein
Fortschreiten von dieser zu jener aufgefasst wird, so erscheint nach
unserer Darstellung der embryonale Generationswechsel der Cesto-
den, indem wir Caryophyllaeus an den Anfang der Entwickelungs-
reihe stellen, zwar auch als ein regressiver, indem die ungeschlecht-
liche Fortpflanzung immer entschiedener hervortritt, abar diese wach-
sende Tendenz beruht nicht auf einer Veränderung in der geschlecht-
Zur Entwickeluügsg'eschiclite der Cestoden. 147
Zum Schlüsse möge noch daran erinnert werden,
dass unseres Wissens unser Caryophyllaeus der erste
Cestode ist , welcher in einem wirbellosen Thiere ge-
schlechtsreif wird.
Cysticercus Lumhriculi Ratzel.
In Lumbriculus variegatus Grube fand ich zu allen
Jahreszeiten , in denen mir die Untersuchung vergönnt
war, d. h. im Winter, Frühling und Sommer ziemlich
häufig einen Cysticercus, welchen ich nach seinem Wohn-
thier Cysticercus Lumbriculi genannt habe. Derselbe be-
findet sich in der Körperhöhle, also zwischen Darm und
Körperwandung, und durch den ganzen Körper hindurch
in allen Segmenten, während wir sonst für die Parasiten
der Oligochaeten eine Bevorzugung der Geschlechtsseg-
mente und der ihnen unmittelbar nächstgelegenen als
Wohnplätze sehr allgemein finden. Die Zahl der Cysti-
cerken in einem einzigen Lumbriculus kann bis auf acht
steigen, in soweit ich beobachtete, normal ist aber bloss
einer, und man kann durchschnittlich auf zwanzig von
diesem Parasiten freie Thiere ein mit ihm behaftetes an-
nehmen.
Das ganze Thier ist kugelrund, von einem mittleren
Durchmesser von 0,42 Mm. Seine äusserste Schicht ist
von der Blase gebildet (Fig. 5 a), deren Gewebe mit dem
übereinstimmt, welches wir oben für Caryophyllaeus als
parenchymatöses Gewebe bezeichnet haben, d. h. es be-
steht aus sehr hellen, weichen hüllenlosen Zellen mit
kleinen, körneligen Kernen, einigen zwischen den Zellen
liehen Sphäre, wie Haeckel sie für seinen regressiven Generations-
wechsel als charakteristisch bezeichnet, sondern auf einer Verände-
rung in der Leibesform, d. h. auf grösserer Diiferenzirung des
Kopftheils, vielleicht auch theilweise auf Veränderung der Lebens-
verhältnisse, besonders den Wanderungen mit dem damit verbunde-
nen Durchlaufen einzelner Entwickelungsstadien an Oertlichkeiten,
an denen die Möglichkeit ungehemmter Entwickelung nicht ge-
boten ist.
148 Ratzel:
zerstreuten Fettkörnehen und wenigen Muskelfasern. Die
nächste Schicht (b) ist gebildet durch eine sehr resistente
Chitinkapsel, welche an beiden Enden offen ist. Gegen
diese Oeffnungen hin verdickt sich die Wand der Kapsel
und biegt sich in dieselben hinein und durch die eine
dieser Oeffnungen (c) steht der Blasenkörper mit dem
Blasenwurm in Verbindung. Von diesem ist immer nur
der Kopf entwickelt und der später zwischen diesem und
den Proglottiden gelegene Theil , welcher als Hals be-
zeichnet zu werden pflegt und in diesem Blasenwurm
charakterisirt ist durch die Einlagerung zahlreicher Kalk-
körperchen, von denen einige bis 0,006 Dr. erreichen. Am
Kopfe unterscheidet man ein Rostellum und einen Kranz
von zehn Haken, deren charakteristische Form in Fig. 7
dargestellt ist, endlich vier Saugnäpfe mit radiär gestell-
ten Muskelfasern. Zwischen der resistenten Hülle b und
dem eigentlichen Blasenkörper a befindet sich ein heller
Raum, der mit Flüssigkeit erfüllt ist. Am wahrschein-
lichsten ist, dass dieser Cysticercus sich zu einer Vogel-
taenie entwickelt; und zwar am wahrscheinlichsten zu der
eines Sumpfvogels, denn es ist mir bis jetzt nur in einem
sumpfigen Walde am Rhein bei Carlsruhe gelungen die-
sen Parasiten zu finden , während in einer sehr grossen
Anzahl von Lumbriculus, welche aus fliessendem Wasser
und aus einem kleinen Sumpfe auf dem Heidelberger
Schlosse entnommen waren, keine Spur desselben nach-
zuweisen war.
ErkläruBg der Abbildungen.
Taf. IV. Fig. 1—7.
Fig. 1. Unterste Stufe der Embiyonalentwickelung; der Geschlechtg-
körper und der Embryonalkörper bilden ein Continuum,
60 f. Vergr.
Fig. 2. Die Embryonalhaken. 500 f. Vergr.
Zur Entwickelungsgeschichte der Cestoden. 149
Fig. 3. Mittlere Entwickelungsstufe. Die Schwanzblase abgeschnürt.
60 f. Vergr.
Fig. 4. Geschlechtsreifes Thier mit entwickeltem Gefässsystem.
40 f. Vergr.
Fig. 5. Cysticercus Lumbriculi Ratzel. 100 f. Vergr. a. Blasen-
schicht, b. Chitinschicht, c. Oeffnung durch welche der
Wurm mit der Blase in Zusammenhang steht.
P'ig. 6. Der Blasenwurm von den Hüllen befreit. 100 f. Vergr.
Fig. 7. Ein Haken. 400 f. Vergr.
Beschreibung einiger neuen Parasiten,
Von
Dr. Fritz Ratzel.
(Hierzu Tafel IV. Fig. 8— 14.)
1. Heterakis perarmata Ratzel. *)
Die hier zu beschreibende Art der Gattung Hetera-
kis fand sich in einer bedeutenden Anzahl ven Individuen
{g^g^n dreissig) im Darmkanal von Tarsius spectrum, und
zwar vorwiegendi m Blinddarm, sehr wenige im Mastdarm.
Beide Geschlechter waren mit blossem Auge zu unter-
scheiden, die Weibchen durch ihre bedeutendere Grösse,
die Männchen durch die langen, weit hervorstehenden
Spicula. — Die Weibchen mit theilweise völlig reifen
Eiern, in welchen die Jungen schon entwickelt waren,
massen im Mittel 8-10 Mill. Länge, bei 0,4 Mill. grösster
Breite, die Männchen dagegen überschritten nicht die
Länge von 6—7 Mill. und die Breite von 0,2 Mill. Der
Mund ist gebildet durch das vordere Ende des Oesopha-
gus, welches quer abgeschnitten und fein gezähnelt Ist,
und etwas über das Vorderende des Körperschlauches
hervorragt. Letzteres trägt papillenartige Längswülste.
Die Länge des Oesophagus beträgt stets etwa Vs der
Körperlänge, doch ist er stets etwas länger als der ihn
umgebende Theii des Körperschlauches, daher etwas ge-
1) Von Hrn. Prof. Pagenstecher aufgefunden und mit-
getheilt.
Beschreibung einiger neuen Parasiten. 151
wunden , in einem Individuum sogar zu einer Schlinge
zusammengelegt. Ehe er in den Darmkanal übergeht,
bildet er eine kegelförmige nach allen Seiten deutlich ab-
gesetzte- Anschwellung , welche 0,15 Mill. Durchmesser
besitzt. Im Oesophagus liegen zweierlei Bewaffnungen,
die eine nahe dem Mundende, die andere in dem Bulbus
Oesophagi. Die erstere liegt etwa 0,05 Mill. hinter dem
Mundrand und besteht aus drei längeren und drei kür-
zeren messerartigen, etwas gebogenen Gebilden, welche
gegen die Mundöffnung hin convergiren; nach hinten
gehen sie in Falten über, welche in Form von drei Strei-
fen eine Strecke weit an der Innenseite des Oesophagus
herablaufen und an der Basis nahe zusammentreten. Die
Bewaffnung des Bulbus Oesophagi ist sehr ähnlich der,
welche man auch aus anderen Arten von Heterakis be-
schrieben und abgebildet hat i), sie besteht nämlich aus
drei mondsichelförmigen, gegeneinander gestellten Zäh-
nen. Ueber weitere Verhältnisse des Verdauungskanals
habe ich nichts ermittelt, da der Erhaltungszustand kein
günstiger war.
Von den Geschlechtsorganen des Männchens sind
die Spicula und der Saugnapf die charakteristischen Stücke
und zugleich diejenigen, welche im vorliegenden Thiere
allein mit Sicherheit zu verfolgen waren. Die Spicula
sind in der Zahl von drei vorhanden, ein kürzeres und
zwei längere. Die längeren sind symmetrisch, etwa 2,5 Mill.
lang, wovon gegen 0,5 Mill. aus dem Körper hervorragen,
am Vorderende sind sie knopfförmig verdickt, am Hin-
terende in eine feine Spitze ausgezogen. In der Längsaxe
verläuft auf einer der Seiten ein Kamm, der durch die
durchgehende schraubenartige Windung dieser Organe
leicht erkannt wird. Das unpaare kürzere Spiculum liegt
über diesen beiden in der Art, dass seine Spitze in einer
Linie liegt mit der Oeffnung , aus der die Hinterenden
jener hervortreten, sein breiteres Ende aber nach vorne
1) A. Schneider, Monographie der Nematoden 1866. S. 70
und S. 185 fif.
152 Ratzel:
gerichtet ist. Die Länge dieses Spiculum ist 0,15 Mill.,
am breiteren Ende ist es ausgeschweift, am entgegenge-
setzten in eine stumpfe Spitze der Art ausgezogen, dass
sein Umriss ein flaschenförmiger wird ; an den Seiten ist
es herabgebogen, so dass seine eine Fläche halbkreisför-
mig ausgehöhlt ist. Der Saugnapf — nur dem männli-
chen Geschlechte zukommend — ist eine elliptische Grube
in der Haut mit etwas aufgewulsteten Rändern und ra-
diärer Muskulatur und liegt 0,5 Mill. von der Schwanz-
spitze nach vorn. — Die weibliche Geschlechtsöffnung
konnte nicht mit Sicherheit beobachtet werden, liegt je-
doch ohne Zweifel, wie bei der üebereinstimmung mit
der Gattung Heterakis geschlossen werden darf, wohl
auch hier etwas hinter der Mitte des Körpers.
Da es nicht möglich war die Papillen des Schwan-
zes mit einiger Sicherheit zu bestimmen, so hebe ich als
die specifischen Charaktere dieser neuen Art hervor: die
Länge des Oesophagus, seine vordere Bewaffnung, die
scharfe Absetzung des Bulbus Oesophagi; was die schrau-
benförmige Windung der längeren, paarigen Spicula be-
trifft, so möchte sie doch der Einwirkung des langen
Liegens in Weingeist wenigstens zum Theil zuzuschrei-
ben sein und sich weniger als Artcharakter empfehlen.
2. Filaria sp. ^)
In demselben Exemplar von Tarsius spectrum, wel-
ches den vorhergehenden Parasiten beherbergt hatte, fand
sich im Magen eine bedeutende Anzahl von Nematoden,
welche als zur Gattung Filaria erkannt wurden, jedoch
nicht genügend erhalten waren, um sie mit irgend einer
Species dieser Gattung zu identificiren. Folgende Cha-
raktere Hessen sich erkennen : durchschnittliche Länge
1—1,5 Mill., Breite 0,03— 0,04 Mill. Die Weibchen ent-
1) Von Hrn. Prof. Pagenstecher aufgefunden und mit-
getheilt.
Beschreibung einiger neuen Parasiten. 153
halten Eier mit genabelten, deutlich abgesetzten Polen,
von denen die reifen 0,03 lang und 0,02 Mill. breit sind.
Schon Bur meist er hatte in Tarsius spectrum eine
Filaria parasitisch im subcutanen Bindegewebe gefunden,
welche von Creplin als Filaria laevis beschrieben
wurde ^).
3. MonoStoma IsabellimtmB.d,tze\.^).
Dieser Parasit fand sich encystirt zwischen den Häu-
ten, die das Gehirn von Gadus aeglefinus Linne umhül-
len und die Innenwand des Schädels auskleiden. Die
Cysten sind von elliptischer Form, durchsichtig, 0,6 Mill.
lang und 0,5 Mill. breit, ihre Hülle spröde. Beim Druck
mit dem Deckgläschen entliessen sie den in ihnen ent-
haltenen Trematoden nebst einer kleinen Menge körniger
Masse. Der Trematode misst 1,4 Mill. in der Länge und
0,45 Mill. in der Breite, ist von regelmässig birnförmiger
Gestalt. Der Mund hat die Form eines Schlitzes ist 0,08
lang und liegt in einem Saugnapf von 0,19 Dr., dem keine
Hartgebilde eingelagert sind. Der Darm ist einfach,
schlauchförmig und enthält in geringer Entfernung vom
Mund einen muskulösen Schlundkopf, welcher kugelför-
mig ist und 0,12 Dr. hat. i\m Hinterende bemerkt man
einen etwa 0,3 Mill. langen birnförmigen Körper, der wohl
mit dem Excretionsorgan in Zusammenhang steht und nach
aussen mündet. Die ganze Oberfläche des Körpers —
den Saugnapf ausgenommen — ist mit feinen Stacheln
bedeckt, die mit den Spitzen nach hinten gerichtet sind,
und sie erscheint daher bei hoher Einstellung durchaus
mit in schiefen Linien sich kreuzenden Streifen chagrin-
artig gezeichnet. Sämmtliche Thiere waren noch nicht
geschlechtsreif.
Ausser in die Grössenverhältnisse, welche ich des
systematischen Zweckes wegen, an sämmtllchen zugäng-
1) Diesing, Systema Helminthum 1851. Bd. II. S, 265.
2) Von Frau Isabella Warschawsky in St. Petersburg
mitgetheilt.
154 Ratzel:
liehen Exemplaren bestimmte und aus welchen obige An-
gaben die Mittelzahlen sind, setze ich die Arteigenthüm-
lichkeit besonders in die Hautbeschaffenheit.
4. Psorospermien in Affenmuskeln *).
Zwischen die Muskelprimitivfascrn sind die Psorosper-
mienschläuche als Körper von länglich-lanzettlicher Form
gelagert, deren Länge 2,1 — 3 Mill. beträgt, während ihre
Breite 0;,2 Mi 11. nicht übersteigt. Die Hülle ist strukturlos
und durchaus mit feinen Stacheln bedeckt, die an beiden
Polen der Längsaxe einander entgegengesetzt stehen und
hier so gedrängt sind, dass sie fest aneinandergelegt er-
scheinen, im ganzen übrigen Theil des Körpers aber ste-
hen ihre Spitzen stark ab und die Hülle erscheint durch
sie von schief sich kreuzenden Linien bezeichnet. Der
Inhalt der Schläuche besteht aus kreisrunden bis ovalen
Körperchen von 0,004 — 0,006 Dr. Diese Körperchen wer-
den durch Zusatz von kohlensaurem Natron in längliche
wurstförmige Gestalten verwandelt , sie enthalten feine
glänzende Körnchen in verschiedener Menge, so dass sie
in ihrem Inhalt wesentlich den Pseudonavicellen gleichen,
ihre Hülle ist jedoch weniger resistent als die dieser.
Diese Körperchen sind zu Ballen zusammengeformt, wel-
che, ursprünglich rund, durch das Zusammenliegen poly-
gonal werden und 0,04 — 0,05 Mill. Durchmesser haben,
und zuweilen von einer eigenen, strukturlosen Hülle um-
geben sind.
In allen denjenigen Partien des Muskelsystems, wel-
che untersucht werden konnten, war die Verbreitung die-
ser Psorospermienschläuche eine wesentlich gleichartige,
und möchte nach ungefährer Schätzung je ein Schlauch
auf einen Quadrat-Centimeter Muskelsubstanz anzunehmen
sein, so dass man wirklich sagen kann, die Muskeln wa-
ren durchsäet mit solchen Gebilden, in den Becken-
muskeln und denen des Gefässes war sogar stelLenweise
1) Aus einem in einer Thierbude verstorbenen Inuus.
. Beschreibung einiger neuen Parasiten. 155
eine noch stärkere Anhäufung zu beobachten und es
scheint mir nicht unwahrscheinlich , dass der Affe, der
vor seinem Tode mehrere Wochen lang bettlägerig ge-
wesen und nach der Aussage seiner Wärter gleichsam
gelähmt war, sehr erheblich gerade durch diese Psoro-
spermien krankhaft affizirt worden war. Ich erinnere
hierbei an die Angaben, welche Prof. A. Pagenste-
cher in seiner Schrift über Trichina spiralis in Bezug
auf Psorospermien des Maskenschweins und der Haus-
maus gemacht hat ^). Diejenige Form, welche dort vom
Maskenschwein beschrieben wurde, stimmt, abgesehen von
der Grösse, in hohem Grade mit der im Vorhergehen-
den beschriebenen, und da jenes Maskenschwein ebenso
wie unser Affe aus einer Thierbude stammte, wäre es
nicht ganz unwahrscheinlich, dass die Ursachen der Er-
scheinungen in beiden Fällen dieselben gewesen, etwa in
der Fütterung oder der abnormen Lebensweise beruhten.
1) Prof. A. Pagenstecher, Die Trichinen. 2te Aufl. 1866.
Hier wird ausser den von uns beschriebenen und abgebildeten Kör-
perchen noch ein anderer Bestandtheil der Schläuche folgendermas-
sen beschrieben (S. 98): ^>Zwischen den Pseudonavicellen fanden sich
zahlreich spermatozoidienähnliche Körperchen , deren Köpfe nicht
den zehnten Theil der kleineren festeren Pseudonavicellen massen,
deren Schwanzfäden aber deutlich bemerkt werden konnten und die
sich bei Entleerung der Schläuche in wenig Wasser lebhaft und
anhaltend bewegten. Zuweilen fand man ein Paar^, mehrmals einen
ganzen Haufen solcher spermatozoiden ähnlichen Körperchen mit den
Köpfen noch aneinanderklebend.« Sich stark bewegende, kleine
Körperchen, viel kleiner als das was hier Pseudonavicellen genannt
ist und was ich in der obigen D arstellung als »Körperchen« bezeich-
net habe, sah auch ich häufig in dem Inhalt der Schläuche. Hier
waren jedoch diese Bildungen so klein (in meinen Notizen finde ich
mehrmals das Maass annähernd angegeben als nicht einmal immer
so viel, nie aber mehr betragend als das der Körnchen im Innern
der Pseudonavicellen). dass ich das Vorhandensein eines Schwanz-
fadens für die Körperchen, die ich gesehen, weder unbedingt zuge-
ben noch bezweifeln möchte, da allerdings bei der schnellen, roti-
renden Bewegung der Anschein, als ob ein solcher vorhanden sei,
sehr oft entsteht. Ich habe diese kleinsten Bildungen stets als aus
den Pseudonavicellen ausgetragenen Inhalt betrachtet.
156 Katzel: Beschreibnng einiger neuen Parasiten.
Erklärung der Abbildungen.
Taf. IV. Fig. 8-14.
Fig. 8. Heterakis perarmata. Oesophagealtheil des Körpes, 75 f.
Vergr. Bei a der Bulbus Oesophagi.
Fig. 9. Heterakis perarmata. Hinterende des Körpers, 75 f. Vergr.
a. Saugnapf, b. Unpaares Spiculum, c. Paarige Spicula.
Fig. 10. Heterakis perarmata. Das unpaare Spiculum, 150 f. Vergr.
Fig. 11. Heterakis perarmata. Die Mundhöhlenbewaffnung, 400 f.
Vergr.
Fig. 12. Filaria sp. Ein reifes Ei, 400 f. Vergr.
Fig. 13. Endtheil eines Psorospermienschlauches aus Affenmuskeln,
200 f. Vergr.
Fig. 14. Pseudonavicellen aus den Ballen von dessen Inhalte,
1000 f. Vergr. a. Normal, b. Mit kohlens. Natron behandelt.
Heber das Gebiss tou Eburna und Nassaria.
Von
Troschel.
(Hierzu Taf. III. Fig. 3—5.)
In meinem Werke ^das Gebiss der Schnecken Bd. II.
S. 87 habe ich die Familie Nassacea abgehandelt. Von
den vielen Gattungen^ welche die Gebrüder Adams in
Genera of recent Mollusca in ihrer Subfamilie Nassina
vereinigen, musste ich damals die Gattungen Northia, Trun-
caria, Desmoulea, Teinostoraa, Nassaria und Cyllene nach
ihrer Stellung im System zweifelhaft lassen, weil ich
keine Gelegenheit gehabt hatte, ihr Gebiss zu untersu-
chen, lieber Eburna erlaubte ich mir ein Urtheil nach
einer älteren Abbildung der ZungenbewafFnung, wonach
ich diese Gattung aus der Familie der Nassaceen auswei-
sen zu müssen glaubte.
Neulich hatte mein werther Freund, Herr Professor
Dunker in Marburg, die Güte, mir die Thiere aus einer
Anzahl von Schneckenhäusern, die er in Weingeist von
Say-gon erhalten hatte, zur Untersuchung zu schenken.
Ich bin ihm für diese Freundlichkeit um so dankbarer,
da mir diese Sendung Gelegenheit gegeben hat, zwei der
oben genannten Gattungen, Eburna und Nassaria kennen
zu lernen. Gewiss weiss mancher Conchyliologe mit den
Thieren seiner in Weingeist aufbewahrten Schnecken
nichts anzufangen, entfernt sie aus den Schalen und wirft
sie weg. Solchen Herren möchte ich es doch ans Herz
158 Troschel:
legen, dass sie im Interesse der Wissenschaft die weichere,
zartere, vielleicht bessere Hälfte ihrer Exemplare nicht
so verächtlich behandeln, sondern dieselbe mir zusenden
möchten. Ich kann zwar nicht versprechen, dass sie im-
mer solchen Erfolg bieten, wie die letzte Sendung Du n-
k e r's, aber immer ist es wichtig das Material für diese
Untersuchungen zu häufen. Freilich ist die unumgäng-
liche Bedingung für irgend welchen wissenschaftlichen
Gewinn , dass die einzelnen Stücke vorher richtig be-
stimmt sein müssen. Ganz ohne Bestimmung eingesandte
Thiere sind fast werthlos, da wir noch nicht so weit in
unseren Kenntnissen gekommen sind, nach den Thieren
allein die Species zu bestimmen ; für diesen Zweck sind
immer die Schalen das einzige sichere Mittel. Falsch
bestimmte Thiere werden mehr Verwirrung als Nutzen
bringen, da es nicht immer leicht ist zu erkennen, dass
die Bestimmung falsch war.
Ich gebe hier das Resultat meiner Untersuchungen
an Eburna und Nassaria als einen Nachtrag zum Gebiss
der Schnecken.
Eburna lutosa Lam.
Taf. m. Fig. 4.
Meines Wissens ist bisher nur eine einzige Notiz über
des Gebiss von Eburna spirata Lam. durch Qu oy und G ai-
mard Voyage de l'Astrolabe MollusquesII. p. 458. pl. 31.
fig. 13 gegeben worden. Ich copire Taf. III. Fig. 3 die
Figur. Im Text heisst es: „On voit sortir de la bouche
une tres - grosse et longue trompe cylindrique, pourvue
d'un ruban lingual peu long, dont les epines sont sur
trois rangees ; les deux laterales simples, fortement cou-
dees, les moyennes h cinq dents." Dies veranlasste mich
anzunehmen, die Seitenplatten besässen nur einen Haken
oder Zahn und ich verschob (vgl. Gebiss der Schnecken
Bd. IL S. 88) die Besprechung der Gattung Eburna für
das dritte Heft des zweiten Bandes, in welchem diejenigen
Rhachiglossen abgehandelt werden, welche durch Seiten-
platten mit einem Haken oder Zahn ausgezeichnet sind
tJeber das Gebiss von Eburna und Nassaria. 159
(Farn. Strigatellacea, Harpacea, Olivacea^ Muricea und
Purpuracea).
Durch die oben erwähnte Sendung Dunker's ist
es mir nun möglich geworden Eburna lutosa Lam. selbst
zu untersuchen, und mich zu überzeugen, dass die Ab-
bildung und Beschreibung von Quoy und Gaimard
ganz unzulänglich sind, und mich auf einen falschen Weg
geführt hatten. ^
Die Mittelplatten tragen freilich fünf Zähne, aber
die Abbildung bei Quoy und Gaimard zeigt wirklich
keine Aehnlichkeit in der Foi^m. Der Vorderrand ist
ausgeschweift, der Hinterrand trägt fünf Zähne : der mitt-
lere steigt schräg in die Höhe, die übrigen liegen mehr
horizontal; die äusseren Zähne sind kurz, nicht halb so
lang als die drei grossen mittlem, von denen wieder der
mittlere von seinen Nachbarn ein wenig überragt wird,
wenn man die Platte von oben betrachtet, was sich dadurch
erklärt, dass der Mittelzahn schräg in die Höhe gerichtet
ist. Zwischen den fünf Zähnen werden vier Buchten
gebildet, die beiden mittleren sind scharfe spitze Ein-
schnitte, die beiden seitlichen sind breit ausgerundet. Die
Seitenplatten sind am Vorderrande reichlich halb so lang
wie die Mittelplatten und tragen zwei grosse Zähne. Der
äussere Zahn ist lang, bis fünf Sechstel der Breite der
Mittelplatte, ein wenig nach innen gebogen; der innere
ist viel kürzer, etwa halb so lang und trägt am Aussen-
rande an der Plattenbasis ein winziges stumpfes Zähn-
chen. Die Entfernung der Spitzen der beiden Zähne ist
wenig grösser als die Tiefe der Bucht und gleicht der
Plattenbasis. 38 Glieder. Breite der Mittelplatte 0,6 Mm.
Breite der Seitenplatte 0,375 Mm.
Was hiernach die Verwandtschaft der Gattung Eburna
betrifft, so stimmt sie zwar mit den Nassaceen in dem
Bau der Seitenpiatten überein, weicht aber durch die ge-
ringere Zahl und Grösse der Zähne an den Mittelplatten
von dieser Familie ab ; auch zeigt sie keine Spur der
accessorischen Platten, die bei den Nassaceen so gewöhn-
lich sind (vergl. Gebiss der Schnecken II. Taf. 8. Fig.
160 Troschel:
11 — 20). Eher noch lässt sie sich mit den Photinen ver
gleichen (ib. Tl. Taf. 8. Fig. 1 — 4) , die auch drei grössere
Zähne an der Mittelplatte tragen, aber von diesen unter-
scheidet sie sich durch das Hinzutreten der beiden äus-
seren Zähne der Mittelplatte und dem verhältnissmässig
kürzeren inneren Zahn der Seitenplatten.
Somit kann nur die Wahl bleiben , ob man die Pho-
tina durch Aufnahme von Eburna erweitern, oder ob man
Eburna zu einer eigenen kleinen Gruppe erheben will,
die dann den Photina am nächsten steht. Ich entscheide
mich vorläufig für das Letztere, da der Mittelplatte auch
die den Photinen zukommenden vorderen Lappen der Mit-
telplatten fehlen.
Bei dieser Erörterung bin ich immer von der Vor-
aussetzung ausgegangen , dass Eburna lutosa eine echte
Eburna ist, und dass die übrigen Arten im Gebiss keine
wesentlichen Abweichungen zeigen werden, wenn sich
Gelegenheit giebt ihre Radula zu untersuchen.
Nassaria (Hindsia) acuininata Reeve.
Taf. III. Fig. 5.
Von der Gattung Nassaria ist bisher noch nichts
über das Gebiss bekannt geworden.
Die Mittelplatten sind fast rechteckig, der Vorder-
rand sanft convex, die Seitenränder ein wenig geschweift,
der Hinterrand zwischen den zahnartig vorgezogenen
Ecken schwach convex. Ausser den beiden zahnartigen
Ecken stehen am PL'nterrande sechs Zähne, von denen
die beiden mittelsten die schlanksten und kürzesten sind.
Die Seitenplatten sind drei Viertel so breit wie die Mit-
telplatten und tragen zwei kräftige Zähne, von denen der
äussere der längste ist. Die Entfernung der beiden Spitzen
ist wenig grösser als die Tiefe der Bucht. 72 Glieder.
Breite der Mittelplatte 0,13 Mm., Länge derselben mit
Einschluss der Zähne 0,065 Mm. , Breite der Seitenplatte
0,095 Mm., Länge ihres äusseren Zahnes 0,1 3 Mm.
Auch die Gattung Nassaria weicht demnach wesent-
Ueber das Gebiss von Eburna und Nassaria. 161
lieh von den Nassaceen ab und kann nicht füglich in die-
ser Familie bleiben. Die rechteckige Ivlittelplatte ohne
vordere Lappen, die sechs Zähne am fast geraden Hin-
terrande derMifctelplatte sind ihr ganz eigenthiimlich. Diese
Zähne erinnern zwar an Biiccinnm nndatnm und hydro-
phanum (Gebiss der Schnecken IL Taf. 6. Fig. 10, 11) aber
die Seitenplatten lassen keine Annäherung an Buccinum
zu. So muss denn auch die Gattung Nassaria vereinsamt
bleiben, und vorläufig ihren Platz zwischen den Photina
und den Nassaceen einnehmen.
Ich will schliesslicli noch hinzufügen, dass von bei-
den eben besprochenen Gattungen bereits Abbildungen des
Thieres bekannt sind, und dass sich auch daraus eine
Verschiedenheit von den echten Nassaceen ergicbt. Sehr
charakteristisch für diese letzteren sind die beiden faden-
artigen Zipfel, in welche hinten der Fuss ausläuft, und
der am Rande gezähnelte Deckel.
Von der Gattung Eburna liegen mir vor: Emma
Maria Gray, Figures of Molluscous animals IL tab. 85 a.
fig. 4 Eburna canaliculata, copirt aus Voyage de la Bonite
tab. 4L fig. 28; ib. tab. 93. fig. 2, copiert nach Kiener; und
H. and A. Adams Genera of recent Mollusca pl. IL fig. 5
Eburna spirata. Bei beiden ist der Deckel länglich, ziem-
lich spitz, ganzrandig, also von Nassa ziemlich verschie-
den; den Deckel habe ich an meinen Weingeistexempla-
ren von Eburna lutosa nicht. — Bei der Gray'schen Ab-
bildung ist der Fuss hinten breit abgerundet, trägt keine
Zipfel, bei der Adams'schen Figur läuft der Fuss hinten
in einen spitzen Zipfel aus. Meine Exemplare von E.
lutosa tragen, wie bei letzterer, hinten einen Zipfel. Man
könnte darin wohl eine Annäherung an Nassa erblicken,
aber andererseits ist es doch eine grosse Differenz, ob der
Fuss sich in zwei Zipfel spaltet, oder ob er sich einfach
zu einer Spitze verschmälert. Die Augen stehen aussen
etwa auf dem ersten Viertel der Höhe der Fühler. Die
Archiv für Naturg. XXXIV. Jahr?. 1. Bd. 11
162 Troschel: Ueber dafs Gebiss von Eburna und Nassaria.
Fühler sind durch einen Zwischenraum von einander
getrennt.
Nassaria alba ist bei Adams 1. c. pl. 13. fig. 1 ab-
gebildet, der Deckel von N. acurainata ebenda fig. 1 a und
b. Der Fuss ist hinten abgerundet, ohne jeglichen An-
hang, was ich ebenso an meinen Weingeistexemplaren
finde ; der Deckel ist länglich, spitz, mit apicalem Apex
und ganzrandig. Auch die Schale hat in der That mit
Nassa wenig Aehnlichkeit. Die Fühler stehen dicht bei
einander, ohne Zwischenraum, sind sehr schlank, und tra-
gen die Augen gegen die Mitte ihrer Höhe.
Demnach spricht Alles zu Gunsten der Ausscheidung
der Gattungen Eburna und Nassaria aus der Familie der
Nassaceen.
Verzeichniss der von Dr. Guiidlach auf der Insel
€uba gesaniuielteu Clirysomeliuen.
Von
Dr. E. Sulfrian,
Schulrath in Münster.
(Schluss; s. Jahrgang XXXIII. p. 283.)
Unter allen Gruppen der Chrysomelinen- Familie
bilden die mm folgenden Haitiken diejenige, über de-
ren systematiscbe Stellimg und Eintbeilung die Entomo-
logen bis jetzt am wenigsten zu übereinstimmenden An-
sichten gelangt sind. Nur darüber scheint eine gewisse
Einigkeit vorhanden zu sein, dass die zuletzt von Fa br i-
cius im Syst. Eleuth. vorgenommene Vertheilung der
hierher gehörenden Arten unter so verschiedenartige Gat-
tungen, wie Chrysoinela, Galleruca, Criooeris es sind,
eine widernatürliche, und die von Illiger vorgenommene,
von 0 1 i V i e r und L a t r e i 1 1 e angenommene Wiederver-
einigung derselben zu einer einzigen Gruppe oder nach
damaligen Begriffen Gattung durch den übereinstimmen-
den Bau aller wesentlichen Körpertheile gerechtfertigt
sei. Aber selbst hiergegen werden von einem so gewieg-
ten Forscher, wie Lacordaire (Phytoph. I. pag, LH),
noch Bedenken erhoben, und noch weniger ist man zu
einem Einverständnisse darüber gekommen, ob auch bei
einem Festhalten der Zusammengehörigkeit dieser Arten
und Formen dieselben mit Latreille nur als eine Un-
terabtheilung in die Gruppe der G a 1 1 e r u c i d e n einzu-
164 Suffiiau:
ordnen^ oder als eine gleichwertliige Gruppe zwischen den
letzteren und den Hispiden einzuschalten sein werde.
Lacordaire, welcher sich (und darin ist ihm H. Clark
in dem unten angeführten Buche gefolgt) für diejenigen
Arten, welche er nicht den Eumolpiden beigesellen
will, der erstei*en Ansicht anschliesst, glaubt dabei dem
Springvermögen nur eine untergeordnete Bedeutung („2me
mediocre importance^ Phyt. I. p. XXVI. und LH.) beile-
gen zu dürfen; man vergi. jedoch, was von Erich so n
(s. dieses Archiv 1845, IL 8. 255) hiergegen und wohl
nicht ohne guten Grund erinnert worden ist.
Die auf Cuba vorkommenden Arten^ deren bereits
über 40 aufgefunden worden sind, schliessen sich der
kleineren Hälfte nach an die im Allgemeinen Amerika-
nischen, der grösseren nach unseren bekannten Europäi-
schen Formen an, und eine dieser letzteren Arten findet
sich sogar in Europa nicht weniger, als auf dem Nord-
amerikanischen Festlandc w^ieder. B eschr ieb en sind
von jenen Arten nur erst wenige ; keine einzige derselben
kommt in dem bei dem jähen Tode des Verfassers
unvollendet gebliebenen Catalogue of Halticidae in the
coilection of the British Museum von H. Clark. London
1860. Part. L vor, und auch in dem 18(35 von demselben
Autor bekannt gemachten Namenverzeichnisse der für den
zweiten (ung^druckt gebliebenen) Band bestimmten Arten
ist nur eine und die andere Cubanische Art erwähnt.
Selbst Jacqu elin-D uval im 7. Bande des mehrei'wähn-
ten Werkes von Ramon de Sagra kennt nur 10 Cu-
banische Haitiken, so dass hier Hrn. Dr. G und lach
ein sehr reiches Feld für seine Entdeckungen geblie-
ben ist.
Bei der grossen Zahl der unserem Europäischen Ty-
pus angehörenden Arten hat es nun meine Absicht nicht
sein können, für die verhältnissmässig geringe Zahl der
specifisch Amerikanischen Formen in eine Erörterung der
bis dahin für letztere angenommenen Gattungen einzuge-
hen. Ich habe mich vielmehr bei meinem vorzugsweise
auf die Unterscheidung und Feststellung der von Dr. G.
Verzeichn. d. auf d. Insel Cuba gesammelt. Chrysomelinen. 165
aufgefundenen Arten gerichteten Zwecke einstweilen
an die gangbaren Gattungen, soweit sie mir begründet
erscheinen, gehalten, und bin insbesondere für die Euro-
päischen Formen der Anordnung von Redtenbachen.
undKutschera gefolgt, da ich mich mit deren Zersplit-
terung in eine Reihe sogenannter nur auf habituelle Merk-
male gegründeter Gattungen, wie sie nach dem Vorgange
des Dejean'schen Katalogs in neuerer Zeit von Allard
und Foudras vorgenommen worden ist, nicht einver-
standen erklären kann.
XX. Oedionychis Latr.
111. O. cvanipennis Fabr. Gallcruca id. Fabr.
Syst. Eleuth. T. 494 n. 86. Haltic. id. Oliv. Eub. VI. 676.
n. 12. tab. I. fig. 12. Omophoita id. Jacq. Duv. ap. Ramon
de Öagra. 1. c VII. p. 308. Die Grundfarbe der Art ist
etwas wandelbar, und es linden sich eben sowohl Stücke,
auf welche Fahr ic ins und Olivier's Angabe „ferru-
ginea," als J. Duvals Bezeichnung „testacea^ Anwen-
dung leidet. Die Färbung des Kopfes hat der erstge-
nannte Autor in der Diagnose sehr ungenau als den Flü-
geldecken gleich bezeichnet, während die andern richtig
des runden gelben Stirnfiecks gedenken. Auch die Farbe
der Flügeldecken scheint sehr veränderlich ; bei den nor-
malen Stücken sind sie schön veilchenblau mit metalli-
schem Glänze; J. Duval gedenkt auch grünlichblauer
Stücke, und bei dem Stücke der letzten Gundlach'schen
Sendung sind sie tief metallisch schwarzblau. Die Un-
terseite der Hinterschienen fällt mehr oder weniger ins
Gelbliche , ihre Oberseite ist der Länge nach ziemlich
breit und stark rinnenförmig ^vertieft mit gewimperten
Rändern, und von diesen der äussere nabe an dem Unter-
ende mit einem feinen, stumpfen Höckerchen besetzt. Die
Unterseite der Fühlerwurzeln ist gleichfalls mehr oder
weniger gelblich. Der untere Thcil des Kopfes bis an
die schwärzliche Oberlippe ist, wie Olivier richtig an-
giebt, gelb, und durch eine schmutzig bräunliche oder
166 Siiffrian:
schwärzliche Querbinde zwischen den Fühlerwnrzeln von
dem geiben Stirnfleck getrennt.
112. O. fasciata Fabr. Galleruca id. Fabric. 1.
c. 1.491. n.67. Haltica id. Olivier Ent. VI. 675. n. 9. tab. I.
fig. 9. Oedionychis id. Jacq. Duv. 1. c. p. 307. Die Vor-
derwinkel des Halsschilds sind nicht ganz so stark auf-
getrieben, wie bei der vorhergehenden Art, die Fühler
schmutzig lehmgelb mit zuweilen leicht gebräunten En-
den, oder auch ganz gebräunt, oder auch schwarz; die
Hinterschienen gebaut, wie bei der vorhergehenden Art.
Der Hinterkopf ist bei einem ungewöhnlich grossen
Stücke grob punktirt, bei allen übrigen mir noch vorlie-
genden Stücken spiegelglatt und ohne Punkte. Die Deck-
schilde sind eigentlich , vvie die Färbung ihres umge-
schlagenen Randes zeigt, von der lehmgelben Farbe des
Körpers, die hintere Hälfte und eine das grössere Vor-
derviertel längs der Wurzel einnehmende Querbinde
schön metallisch veilchenblau , wie bei den normalen
Stücken der vorhergehenden Art. Bei oberflächlicher
Betrachtung aber erscheinen sie, wie sie auch von den
Autoren beschrieben werden, veilchenblau mit einer ge-
meinsamen breiten, an der Naht kaum durch einen dunk-
leren Raum unterbrochenen, ziemlich breiten Querbinde.
Die Art ändert jedoch ab
ß. Die Querbinde an der Naht durch einen breite-
ren Zwischenraum unterbrochen, am Vorder- und Hinter-
rande etwas wellig, und durch Absclirägung des ersteren
nach der Naht zu verschmälert. Zu dieser Form, welche
G. nur in einem einzigen, ziemlich kleinen Stücke mit ganz
schwarzen Fühlern eingesandt hat, ziehe ich, da die ganze
übrige Beschreibung zutrifft, die von 1 1 1 i g er Mag. VI. 34.
n. 14 als species incertae patriae aufgeführte Haltica in-
terru'ptalWiQ.'^ ob damit jedoch die inClark's oben ge-
nanntem Verzeichnisse S. 6 unter n. 217 als var. der 0.
fasoiaia Fabr. angegebene 0. inierrupta Chv. identisch
ist, wage ich bei dem Mangel einer Diagnose nicht zu
bestimmen, üebrigens scheint auch Haltica dmddiata
Oliv. Ent. VI. 676. n. 11. tab. 1. hg. 11 nur eine Form
Verzeichn. d. auf d. Insel Cuba gesammelt. Cbrysomelinen. 167
der vorliegenden Art zu seiu^ bei -welcher die gelbe
Querbinde die ganze Yorderhälfte der Deckschilde ein-
nimmt Dr. G. hat diese Form nicht aufgefunden; Oli-
vier hat sie, wie die H. fas data seihst, nach Stücken von
St. Domingo beschrieben.
In dem genannten Clark'schen Verzeichnisse wird
auch noch die Galleruca bicolor Fabr. 1. c. 494. n. 82 ^)
als Varietät zu 0. fasciata gebracht. Jacq. Duval 1.
c. 308 führt die 0. bicolor Fabr. gleichfalls als Cubani-
schen Käfer auf; von G. ist dieselbe nicht mit eingesandt,
daher auch wohl nicht gefunden worden. An sich er-
scheint mir die Vereinigung beider Arten gar wohl statt-
haft; was Ol i vier 1. c. 677. n. 14 von 0. bicolor an-
giebt, steht einer solchen nicht entgegen, und die Dia-
gnosen beider bei Illiger (H. bicolor Mag. Yl. SS. n. 1
und H. mterrupta ib. 94. n. 14; die normale H. fas-
ciata Fabr. ist Illiger unbekannt geblieben), wie bei
Jacquelin- Duval stimmen gut genug mit einan-
der übereiu, so dass zur Unterscheidung nur die gelbe
Flügeldecken - Querbinde der 0. fasciata Fabr. übrig
bleibt, deren Veränderlichkeit schon die obige var. ß. ge-
nügend darthut. Wenn aber Illiger die Fabr. Diagnose
der H. bicolor durch einen Zusatz {elytris cyaneis vel
viridibics) erweitert, so ist damit nur ein ähnliches Far-
benspiel angedeutet, wie es Jacq. Duval auch der vor-
hergehenden Art beilegt. Nach Illiger ist die H. bi-
color auf den Amerikanischen Inseln, auch in Südamerika
zu Hause; Linne und Fabricius nennen im Allgemei-
nen Amerika, Olivier speciell die Insel St. Thomas
1) Eigentlich als Galleruca bicolor Fab. II. zu bezeichnen, da
F. ebd. 482. n. 21 denselben Namen noch einmal für eine nicht
springende Galleruke aus Sumatra verwandt hat; — letzteres um
so unbegreiflicher, als -die Amerikanische Haltike schon von Linne
Syst. nat. I. 593. n. 52 als Chrysomela hicolor (und zwar bis auf den
nicht recht passenden Vergleich mit Chrys. polygoni recht treffend)
beschrieben und Linne's Diagnose von F. einfach abgeschrieben wor-
den ist. Erst in Illig. Mag. II. 293 ist der Name der G. bicolor I.
von F. in G. liaemorrhoa geändert worden.
168 Suffrian:
als Vaterland. Jedenfalls würde Linne's Name als der
ältere für die Art zur Anwendung kommen müssen, wenn
die Zusammengehörigkeit der 0. fasciaia und hicolor
sich später ganz unzweifelhaft herausstellen sollte.
113. O. crueipennis m. Atra nitida vix punctu-
lata, thoracis elytrorumque limbo, hisque fascia angusta
luteis. Long. 3— 31/2'"; lat. 2—2^1^".
Von der Gestalt der vorhergehenden Art, aber noch
etwas grösser, und an der eigenthümlichen Färbung und
Farbenvertheilung leicht zu erkennen. Die Grundfarbe
des auf der Oberseite stark glänzenden, auf Halsschild
und Deckschilden kaum punctirten Körpers ist schwarz,
auf den letzteren zuweilen mit einem leicht stahlbläulichen
Anfluge ; ein schmaler Vorder- und Hintersaum und ein
doppelt breiterer Seitenrand des Halsschilds, ein ziemlich
breiter Aussen- und Spitzenrand und ein etwas schmalerer
Nahtrand der Flügeldecken mit einer oben schmalen, nach
aussen leicht verbreiterten Querbinde etwas vor der Mitte
des Rückens lehmgelb, durch welche Binde das schwarze
oder leicht stahlbläu liehe Mittelfeld der Flügeldecken in
zwei grosse Längsflecke getheilt wird; der vordere
kleinere berührt mit dem äusseren Theile seines abge-
rundeten Vorderrandes die Wurzel, während der hintere
grössere mit seinem gleichfalls abgerundeten Hinterende
ziemlich weit von der breit gelben Spitze entfernt bleibt.
Am Kopfe sind nur die Fühlerhöcker gelb, seltener die
2 — 3 unteren Fühlerglieder an ihrer Wurzel gelblich
geringelt, oder auch noch die Spitze des ersten gelb-
lich; das Schildchen ist verwaschen schwarzbraun mit
meist hellerer Spitze. Auf der Unterseite sind der um-
geschlagene Theil des Halsschilds mJt Vorder- und Mit-
telbrust, die Hinterenden der Hinterbrust und ein breiter
verwaschener Rand des Hinterleibes gelb, dieParapleurcn
schmutzig braun mit helleren Vorder- und Hinterenden.
Am Kopf zeigt der Nacken eine breite, kurze Längsfurche
und meist einige zerstreute gröbere Punkte ; auch die Quer-
furche zwischen den obern inneren Augenrändern ist deut-
lich, und eben so deutlich treten die beiden unter ihr
Verzeichn. d. auf d. Insel Cuba gesammelt. ChrysomelineD. 169
liegenden flachen Beulen hervor^ an deren Zwischenlinie
sich unterwärts der die Fühlcrwurzeln trennende Längs-
kiel anschliesst. Am Halsschilde ist der niedergedrückte
Seitenrand besonders nach vorn breiter abgesetzt als bei
den vorhergehenden Arten, die denselben nach vorn be-
gränzende Anschwellung der Vorderecken ist aber flachei',
in eine längere Spitze ausgezogen und nach aussen leicht
ausgeschweift. Die Querbinde der Flügeldecken erwei-
tert sich beim Ueberfliessen in den Seitenrand so, dass
die schwarzen Scheibenflecke sich hier leicht zurunden;
nach der Naht aber verschmälert sie sich zuweilen so
sehr, dass beide Flecke hier durch einen leichten bräun-
lichen Pleck zusammenzufliessen scheinen^ und daher wohl
noch Stücke gefunden werden könnten , bei denen sie
gänzlich unterbrochen ist. Die Beine zeigen Nichts Auf-
fallendes, die Krallenhäkchen sind gelbbraun, auch der
Stiel der vor den Krallenhäkchen stark blasig aufgetrie-
benen hinteren Krailenglieder schimmert bräunlich durch.
Die Hinterschienen sind gebaut wie bei den vorhergehen-
den Arten, zeigen aber an ihrem unteren Ende einen
etwas deutlicheren Sporn.
114. 0. complanata m. Luride grisea vix punc-
tulata, capite, thorace limboque elytrorum laterali dilutio-
ribus, his pone medium macula parva nigra notatis. Long.
2V4'"; lat. IVe"'.
Kleiner und flacher als die vorhergehenden Arten,
schmutzig dunkel greis, Kopf, Halsschild und ein verwa-
schener Seitenrand der Flügeldecken mehr ins hell gelb-
lichgreise fallend , Fühler und Schenkel dagegen etwas
dunkler, mehr schmutzig braunlich greis, jede Flügeldecke
hinter der Mitte mit einem kleinen aber ziemlich deutlichen
eirunden schwarzen Längsfleckchen: dabei die ganze
Oberfläche kaum punktirt, und nur der Kopf längs jedem
inneren Augenrande mit einer dem letztern entsprechend
gekrümmten Linie von deutlichen, aber ziemlich weit ge-
trennten Punkten besetzt. Die Stirn von einer feinen
sich bis zu dem Längskiele zwischen den Fühlern fort-
setzenden Längslinie durchschnitten, welche zwischen der
170 Suffrian:
Mitte der Augen durch eine etwas abwärts gekrümmte
Querlinie durchsetzt wird; die durch letztere abgegränz-
ten unteren Felder breit und flach, nicht beulig aufge-
trieben. Das Halsschild kurz, der Seitenrand durch eine
ihn begleitende ziemlich tiefe aber schmale Längsfurche
stark aufwärts gebogen, die aufgetriebenen Vorderenden
wenig hervortretend, der Hinterrand vor dem gleichsei-
tig dreieckigen Schildchen kaum ausgeschweift. Die Deck-
schilde nur sehr schwach gewölbt, hinterwärts etwas er-
weitert, mit vorn hinter den Schultern ein wenig ver-
breitertem und durch eine breite Furche aufwärts gcdrük-
tem Seitenrande. Der Rücken hinter dem Schildchen der
Naht entlang sehr flach eingedrückt; von einer Punkti-
rung zeigt sich kaum eine Spur. Unterseite und Schen-
kel etwas dunkler als die Oberseite, Schienen und Fuss-
glieder Avieder heller gelblich greis. Der Bau der Hin-
terschienen wie bei den vorhergehenden, mit einem kurzen,
aber kräftigen Sporn.
115. 0. 10-punctata m. Luride fusco-grisea, ca-
pite dilutiore, thorace nigro-bipunctato, elytris punctulatis,
maculis 4 nigricantibus (2, 2). Long. 2'"; lat. T".
An Gestalt und Färbung der vorhergehenden un-
gemein ähnlich, so dass ich für alle wesentliche Punkte
auf deren Beschreibung Bezug nehmen kann, aber doch,
obgleich mir von jeder nur ein einziges Stück vorliegt,
nach meinem Dafürhalten eine von jener gut unterschie-
dene Art. Sic ist merklich kleiner als jene und auf den
Flügeldecken mit einer feinen dichten Punktirung be-
deckt , die sich zwar von der Mitte an abschwächt, aber
doch bis zur Spitze kenntlich ist. Die Farbe ist im All-
gemeinen etwas dunkler, besonders hinterwärts, so dass
nur der Kopf erheblich heller als die übrige Oberseite
erscheint, ausserdem sind die Fühlerglicder vom 7ten bis
zum lOten deutlich geschwärzt. Am Halsschilde sind die
Seitenränder fast gerade, daher die Vorder- und Hinter-
ecken zwar stumpf, aber nicht abgerundet, erstere auch
etwas stärker aufgetrieben, und vor dem Hinterrande ein
schwacher Quereindruck. Die Scheibe zeigt in der Mitte
Verzeichü. d. auf d. Insel Cuba gesammelt. Chrysomelinen. 171
neben einander zwei kleine schwarze Längsflecke. Das
fast schwärzliche Schildchen ist nicht dreieckig, sondern
an der Wurzel breiter mit stumpf abgerundetem Hin-
terende. Auf jeder Flügeldecke befinden sich vier paar-
weise gestellte schwärzliche Flecke, die beiden hinteren
auf der Mitte neben einander, der äussere etwas schräg
gestellt; von den vorderen deutlicheren steht der äussere
auf der Schulterbeule, der innere etwas mehr nach hin-
ten gerückt, beide länglich, und mit den entsprechenden
Flecken der anderen Flügeldecke einen nach hinten
gekrümraten Bogen bildend. Zwischen den beiden äus-
seren Flecken zeigt sich noch ein unscheinbares schwärz-
liches Querfleckchen, und -ein eben so unscheinbarer
schwärzlicher Längswisch auf der Naht zwischen den vier
Mittelfiecken, welche Zeichnungen vielleicht bei anderen
Stücken etwas stärker hervortreten. Die Brust ist etwas
dunkeler als bei der vorhergehenden, und die Schenkel
zeigen auf ihrer breiten Aussenfiäche einen ihrer Dicke
entsprechend hinterwärts an Stärke zunehmenden schwärz-
lichen Längswisch. Im üebrigen sind die Beine gebaut
wie bei den vorhergehenden, nur ist auch die blasige
Auftreibung des Krallengliedes an den Hinterfüssen ge-
schwärzt.
116. 0. tortuosa m- Fusca vix punctulata, ca-
pite thoracisque limbo dilutioribus, elvtris luteis , vitta
marginali suturah'que tortuosa obscurioribus. Long. 1^4 —
272'"; lat. •V4-IV4'".
Abermals der vorhergehenden sehr ähnlich, eben so
fiach und schlank, von Pünktchen kaum auf den Flügel-
decken eine schwache Spur. Die Farbe schmutzig braun,
die unteren Fühlerglieder^ der Kopf und die verwasche-
nen Ränder des Halsschilds, bei einem der vorliegenden
Stücke auch die Beine, besonders die stark aufgetriebenen
Hinterschenkel etwas heller. Die Querfurche zwischen
den Augen kräftig, in der Mitte deutlich abwärts gekrümmt,
das unter ihr liegende Querfeld jederseits nur leicht auf-
getrieben, der Längskiel zwischen den Fühlern schwach.
Das kurze Halsschild flach gewölbt, die durch deutliche
172 ^iuffrian:
Längseindrücke abgesetzten Seitenränder aufgebogen und
nach vorn fast in gradcn Linien convergirend, Vorder- und
Hinterecken kurz abgerundet, erstere kaum vortretend,
und vor dem Hinterrande eine schmale, nicht tiefe Quer-
furche. Das dreieckige Schildchen etwas breiter als lang,
hinten abgestumpft, bei einem der vorliegenden Stücke mit
einem schmalen Längseindrucke. Die flachgewöibten
Deckschilde hinterwärts etwas erweitert, die Seitenränder
durch tiefe Furchen breit abgesetzt und stark aufgebogen,
besonders hinter den Schultern, wo ein leichter die Naht
durchsetzender Quereindruck sich zum Seitenrande hin-
absenkt. Die Farbe schmutzig lehmgelb, ebenso schmutzig
braun ist eine breite inner^eits drei buchtige Randbinde,
die sich jedoch schon vor der am Nahtwinkel rundlich
abgeschrägter Spitze von dieser trennt, und von deren
drei nach Innen gerichteten Zipfeln der zweite (auf der
Mitte) und der dritte (auf der Wölbung) fast die Naht-
binde erreichen. Die letztere ist gleichfalls buchtig, eigent-
lich beiden Flügeldecken gemeinsam, vorn sich gabelnd,
so dass der schmale mittlere Theil die Naht bis zum
Schildchen einnimmt, wähi'end der breitere vordere jeder-
seits als ein fast abgetrennterLängsfleck von dem mittle-
ren durch einen licht verbleibenden Zwischenraum ge-
schieden wird. In derselben Weise erweitert und theilt
sich die Binde denli auch wieder hinter der eingedrück-
ten Stelle des Rückens, so dass nur ein feiner dunkler
Saum die Naht hinterwärts begleitet, während der län-
gere und breitere Arm der Naht parallel fast bis zur
Wölbung hinzieht, und sich hier wieder m.it jener verei-
nigend jederseits abermals einen hellen Längsfleck längs
der Naht abgränzt. Unter der Wölbung bricht die Binde
ab, da, wo ihr der hintere Innenzipfel der Randbinde nahe
kommt, während der mittlere Zipfel dieser letzteren etwa
der Mitte des hinteren Längsarms der Nahtbinde gegen-
über liegt. Ich bezweifle daher auch nicht, dass es Stücke
geben werde, bei denen beide Binden durch das Zusam-
menstossen dieser Zipfel zusammenfliessen, wo dann die
Deckschilde schmutzig braun mit vereinzelten schmutzig
Yerzeichn. d. auf d. Insel Cuba gesammelt. Chrysomelmen. 173
gelben Längsflecken erscheinen würden. Auch die Un-
terseite ist schmutzig braun mit hellerer Mitte der Bauch-
ringe, der Sporn an der Spitze der Hintersehienen wenig
bemerkbar, der aufgetriebene Theil des Krallcngliedes
honiggelb durchscheinend.
117. 0. picta m. Ferruginea, antennarum apice,
thoracis disco. scutelio^ elvtris basi maculaque illi connexa
cruciformi pectoreque nigris. Lond. 2'^!^'" ; lat. P^'"«
Etwas kleiner als die grösseren Stücke der vorher-
gehenden, aber stärker gewölbt , hinterwärts deutlicher
verbreitert und dadurch mehr den erst beschriebenen
Arten dieser Gattung ähnlich. Die Farbe hellrostroth,
das 5te und 6te Fühlerglied gebräunt, die oberen schwarz.
Schw^arz sind eben so, bis auf die breit eingedrückten
Seitenränder und einen feinen verwaschenen Vorder- und
Hinterrand, das Halsschild, das Schildchen und die Wur-
zel der Deckschilde zwischen den Schulterbeulen, so
dass die hier vorhandene gemeinsame Wurzelbinde aus-
serhalb der Schulterbeulen einen breiten Seitenrand frei
lässt und -auch längs der Naht hinter dem Schildchen
einen schmalen dreieckigen Ausschnitt zeigt; endlich
noch hinter der Mitte ein plumper Kreuzfleck, dessen
kurzer und breiter Querbalkeji Naht und Seitenrand nicht
erreicht, während der schmale lange Vorderzipfel die Wur-
zelbinde berührt und der eben so gestaltete Hinterzipfel
auf der Wölbung abbricht. Eben so ist auf der Unter-
seite die Hinterbrust geschwärzt, mit hinterwärts pech-
schwärzlicher, verwaschener Begränzung. Am Kopfe ist
die Querfurche breit und tief, und über ihr zeigt der
Nacken ein rundliches Grübchen; das Feld unter ihr ist
aber (bei dem einzigen vorliegenden Stücke) ungetheilt,
und verläuft sich unmittelbar in den Längskiel zwischen
den Fühlerwurzeln. Das kurze Halsschild zeigt vor und
hinter der Mitte einen deutlichen bogenförmigen Quer-
eindruck ; die massig aufgebogenen, breit abgesetzten Sei-
tenränder sind gekrümmt, und die Vorderecken wenig
vortretend. Von einer feinen Punktirung zeigen die
Flügeldecken nur eine schwache Spur, ihre Seitenränder
174 Suffrian:
sind bis zur Wölbung bin massig abgesetzt, die binteren
Nabtwinkel ziemHcb stumpf und neben diesen ist die
Spitze kaum merklieb ausgescbweift. Der Sporn an den
Hinterscbienen ist kurz aber deutlich, die blasige Auftrei-
bung des Krallengliedes kräftig, in der Mitte leicht ge-
bräunt, aber doch ziemlich durchscheinend.
XXL Hadropoda Ahr.
118. H. ferruginea m. Ferruginea puberula,
thorace subquadrato, elytris subtiliter punctato- striatis,
basi leviter tuberculatis. Long. 1'" ; lat. Va'".
Eine kleine und zierliche, an der Einfachheit ihrer
Färbung und Sculptur sehr leicht kenntliche Art. Die
Farbe ist ein helleres oder dunkleres, bei einzelnen (etwa
durch Alter oder Nässe verdunkelten?) Stücken ins
schmutzig Pechbraune fallendes Rostroth, welches durch
eine feine dicht angedrückte weissliche Behaarung wie
mit einem weisslichen Dufte überflogen erscheint; bei
jenen dunklern Stücken ist vorzugsweise die Mitte des
Ilalsschilds und der Flügeldecken verwaschen gebräunt.
Die schlanken Fühler sind fast von Körperlänge; das 2te
Glied eiförmig aufgeblasen, die vier folgenden dünn und
verkehrtkegelförmig, das 3te und 6te doppelt- , das 4te
und 5te je 272«ial länger als das zweite, die oberen etwas
dicker, mehr ins Walzenförmige übergehend, vom 8ten
bis zum löten allmählich an Länge abnehmend, so dass
letzteres das 2te nur etwa um die Hälfte übertrifft, und
das in eine Spitze ausgezogene Endglied etwa wieder
dem 3ten gleich. An den Kinnladentastern ist das vor-
letzte Glied stark verbreitert, das Endglied kurz dreieckig
zugespitzt. Die Stirn ohne Querfurche , bei einzelnen
Stücken von einer feinen eingegrabenen Längslinie durch-
schnitten, die sich bei anderen zu einem kurzen Grüb-
chen zusammenzieht oder auch ganz fehlt; der Kiel zwi-
schen den Fühlerwurzeln schwach, aber doch erkennbar.
Die ziemlich stark hervortretenden Augen schwarz, ver-
hältnissmässig grob gekörnt. Das Halsschild wenig brei-
Verzeichn. d. auf d. Insel Cuba gesammelt. Chrysomelinen. 175
ter als lang, hinten breit und flach quer eingedrückt, die
Seitenränder als unscheinbare grade Linien schräg nach
vorn und unten abwärts ziehend, von oben her kaum zu
sehen. Die Oberfläche dicht und überaus fein punktirt,
matt, und ihre Färbung längs dem verwaschenen Vorder-
rande meist etwas lichter. Das Schildchen gleichseitig drei-
eckig. Die Deckschilde länglich-viereckig, etwa doppelt so
lang als breit, hinterwärts kaum verbreitert, flach gewölbt,
hinter der Wurzel schwächer oder stärker aufgebuckelt
und dahinter breit quer eingedrückt, bis gegen die Wöl-
bung hin fein aber deutlich und sehr regelmässig punkt-
streifig, mit flachen, durch eine noch feinere Punktirung und
die angedrückte weissliche Behaarung matten Zwischen-
räumen. Die Hinterschenkel kurz, aber breit aufgetrieben;
die Hinterschienen unten abgeschrägt, so dass das erste
Fussglied an dem oberen Rande dieser Schrägfläche ange-
heftet ist, und der untere sich in einen deutlichen Sporn
verlängert. Von den Fussgliedern selbst zeigt auch das
erste am unteren Ende des Rückens eine leichte Auftrei-
bung, und unter der stark blasenförmigen Anschwellung
des Krallengliedes sind die Krallen selbst kaum be-
merkbar.
Eine Gattung Oedipodes lUig., wie solche die neueren
Kataloge aufführen, existirt nicht; Illiger hat niemals
eine solche benannt. Vielmehr hat er in seiner Bearbeitung
der Flohkäfer (Mag. VI. 81 ii.) S. 105 (vergl. S.ö6) seine
zweite, die blasenfüssigen Haltikcn mit punktstreifigen
Flügeldecken enthaltende Familie als „Oedipodes" aufge-
führt, gerade wie er ebd. S. 82. (vgl. S. 54) die entsprechen-
den Arten mit regellos punktirten oder glatten Flügelde-
cken „Physopodes" nannte. Beide Benennungen sind aber
keine Substantiva, sondern adjectivische Pluralformen (von
OedipuSy Fhysapus) bei denen „Halticae^ zu ergänzen
ist, und deshalb als Gattungsnamen unbrauchbar. Dieser
zweiten Uli ger'schen Gruppe {Halticae Oedipodes) würde
nun auch die vorbeschriebene Art angelfören, und nach
der von H. Clark (Catalogue of Halticidae etc. Part. I)
aufgestellten Systematik am passendsten in dessen Gat-
176 Suffrian:
tung Homototus (ebend. S. 208) etwa neben 0. hiher-
ctdaius Cl. oder 0. Dohrnii Cl. (ebenda S. 213. 214) un-
tergebracht werden können. leb habe mich jedoch der
Annahme dieser Gattung für jetzt noch enthalten, weil
es mir noch sehr fraglich erscheint, ob alle und ev. w^elche
der in jenem Werke von H. Clark aufgestellten, über-
wiegend nur auf habituelle Merkmale gegründeten Gat-
tungen sich bei einer nochmaligen kritischen Untersuchung
werden behaupten können. Mit dem von mir hier ange-
nommenen Namen Hadropoda hatte mein verewigter Lehrer
Ahrens in seiner Sammlung jene ganze zweite II liger'-
sche Gruppe bezeichnet, und er wird ihr auch bis zu
einer durchgreifenden systematischen Bearbeitung der gan-
zen Familie verbleiben können. Er ist zwar auch nicht
ganz sprachrichtig, aber doch in einer Form gebildet,
welche (vergl. Dasypoda, Arsipoda und die ähnliche Bil-
dungen Mpgacephalay Hoplia etc.) sich in der Entomolo-
gischen Nomenclatur längst eingebürgert hat, und daher
auch keinen weiteren Anstoss erregen wird.
XXII. Haltiea lUig.
Unter diesem Namen fasse ich hier mit Redten-
b acher (Faun. Austr. ed. II. 934) Alles zusammen, was
den auch in Europa vertretenen Gruppen (nach Chevro-
lat Gattungen) Graptodera, Crepidoderaj Fhyllotreta und
Aphtho)ia angehört, und muss eben so Hrn. Leconte
ganz beistimmen, wenn er, nachdem er (Col. of Kansas
and eastern New -Mexico etc. p. 15) Graptodera nur als
eine Unterabtheilung (division) von Haltiea bezeichnet hat,
eben daselbst auch von den specifisch Amerikanischen
Formen noch Disonyoka und Systena Chv. mit dieser
Gattung verbindet. Denn auch hier liegen überall nur
unwesentliche, habituelle Unterschiede vor, diemeist durch
ganz unmerkliche Uebergänge verbunden werden, und
selbst die grossentheils durch Färbung und Körpergrösse
ausgezeichneten Disoriycha- Arten lassen keine ■wesentlichen
Abweichungen erkennen, so dass Leconte a. a. 0. bei
Verzeichn. d. auf d. Insel Cuba gesammelt. Chrysomelinen. 177
seiner H. pluriligata mit Reclit bemerkt: „Both this and
the precedirig (H. punetigera), as well as the next species
(H. cervicalis und H. semicarbonata) helong to Chevrolats
division (called genus by some authors) Disonycha.^ Die
sogenannten Gattungen Monomacra, Strabala und Lac-
patica Chev. hat schon Erich son (Consp. Ins. Col. Pe-
ruan. in diesem Archiv 1847. I, S. 173) zu einer Gattung
Lactica Er. verbunden, aber auch diese wird eingezogen
werden müssen, nachdem der von dem Autor a. a. O.
noch gemachte Versuch, lUiger's Halticae sulcicolles
und caesae noch als besondere Unterabtheihingen aufrecht
und auseinander zu halten, sich durch die Untersuchun-
gen der oben genannten Schriftsteller als nicht mehr
durchführbar ergeben hat. Eine definitive Feststellung
der Systematik würde auch hier ausgedehntere Unter-
suchungen erfordern, als sie mir bei meinen spärlichen
Mussestunden und dem mir zu Gebote stehenden Materiale
möglich sind, darf aber wohl mit Grund von dem Fort-
gange des verdienstlichen Lacordaire'schen Werkes
über die Genera des Coleopteres erwartet w^erden.
a. Corpus ovatum vel elongatum , thorax laevis,
eljtra laevia vel punctata. Pedum posticorum tibiae ex-
trinsecus subsulcatae, breviter calcaratae, unguiculi dente
lato obtuso instructi. Disonycha Chev.
119. H. fimbriolata m. Pallida, antennis pedi-
busque nigro-variis, scutello nigro, elytris atrocoeruleis
opacis, lirabo externo pallido. Long. 874'"; lat. IVa'".
Eine grosse, schöne, durch ihre matten tief schwarz-
blauen, bleich gesäumten Deckschilde sehr ausgezeichnete
Art. Die Farbe ein helles bleiches Strohgelb, am Kopfe
ausser den xAugen noch die Oberlippe mit den Mundthei-
len und Tasterenden, ein Querfleck auf der Stirn, und
ein schmaler, in der Mitte mit einem breiteren rundlichen
Lappen abwärts tretender Nackensaum schwarz. An den
schlanken, langgestreckten Fühlern sind die unteren Glie-
der mit einer feinen schwärzlichen Längslinie gezeichnet,
die oberen an den Spitzen schwärzlich geringelt; an den
Beinen ein verwaschener Fleck an der breiten Innen-
Archiv für Naturg. XXXIV. Jahrg. 1. 12
178 Suffrian:
Seite der Hinterschenkel, die Knie und die untere Hälfte
der Schienen nebst den Füssen schwarz. Das Halsschild
zeigt sieben schwache und verloschene schwärzliche
Fleckchen, deren vier in einer vorderen, drei in einer
hinteren Querreihe, einzelne manchmal unscheinbar oder
ganz fehlend, nur der linienartig ausgezogene Mittelfleck
der Hinterreihe anscheinend immer vorhanden. Das kurz
und breit dreieckige, hinten abgerundete Schildchen glän-
zend schwarz. Die Deckschilde gestreckt und sehr flach
gewölbt, gleichbreit, vorn innerseits der kräftigen Schul-
terbeulen tief eingedrückt, hinten einzeln breit abgerun-
det, matt tiefer oder heller schwarzblau, ohne deutliche
Punktirung, mit einem schmalen, an den Schultern bis
zum Nahtwinkel die Flügeldecken umziehenden, scharf
begränzten bleichen Saume, unterhalb dessen jedoch der
umgeschlagene Seitenrand wieder die ursprüngliche
schwärzliche Färbung zeigt. Auch die Unterseite ist
bleich und einfarbig gelb. Am Kopfe ist die Querfurche
nur fein und linienartig, etwas nach unten gekrümmt, das
unter ihr liegende Querfeld deutlich in zwei flache Beul-
chen getheilt, der Längskiel zwischen den Fühlern kräf-
tig mit zugerundeter Firste, unterwärts an das sehr breite,
aber nur kurze und etwas aufgetriebene Kopfschild an-
geschlossen, zwischen welchem und den Augen sich da-
durch jederseits eine breite und tiefe Fühlergrube bildet.
Das kurze Halsschild ist etwas uneben, vor der Mitte mit
einer Reihe theilweise zusammenhängender flacher Quer-
eindrücke besetzt, in denen sich die erwähnten dunkleren
Fleckchen befinden, hinter der Mitte mit einer abgekürz-
ten, stumpf erhöhten Querlinie, an deren Aussenenden
die schwärzlichen Seitenpunkte der hinteren Reihe ge-
stellt sind; hinter jener Querlinie das Halsschild nochmals
breit und flach quer eingedrückt, und das mittlere schwärz-
liche Längsfleckchen hinterwärts bis in diesen Querein-
druck ausgezogen. Die etwas aufgebogenen Seitenränder
des Halsschilds fast gerade, mit etwas vortretenden stum-
pfen, stark aufgetriebenen Vorderecken; die kurzen,
etwas niedergedrückten Hinterecken scharf, und neben
Verzeichn. d. auf d. Insel Cuba gesammelt. Clirysomelinen. 179
ihnen der Hinterrand vor den stark vorgezogenen Schul-
tern ziemlich stark ausgebuchtet, so dass dessen Mitte
als ein kurzer, aber sehr breiter, fast gerade abgestutzter,
in der Mitte leicht ausgeschweifter Lappen hervortritt.
Aeussere Geschlechtsmerkmale habe ich nicht wahrneh-
men können.
120. H. m argin ipennis m. Testacea nitida, an-
tennis (basi excepta), scutello, elytrorum disco, tibiarum
apice tarsisque nigris. Long. 3'" ; lat. lYs'".
In der Grösse und der Favbenvertheilung der vor-
hergehenden Art sehr ähnlich, aber doch bei genauerer
Betrachtung von ihr ebenso sehr verschieden. Der Rücken
ist stärker gewölbt, die Farbe der Deckschilde und des
Schildchens ein reines und glänzendes Schwarz, der helle
Rand der ersteren merklich breiter, hinten am Nahtwin-
kel jederseits mit einem hakenförmigen Lappen in das
schwarze Mittelfeld eingreifend ; das Gelb des Körpers
dunkler, mehr ins Knochengelbe fallend. Am Kopfe ist
die Querfurche schwach, das unter ihr liegende Feld un-
getheilt, und, wie der Kiel zwischen den Fühlerwurzeln,
breit und flach. Die kurzen und gedrungenen Fühler
sind schwarz, die unteren Glieder, besonders das kugelige
zweite, auf der Unterseite gelblich, auch auf der Ober-
seite an Wurzel und Spitze heller geringelt ; das End-
glied istbei einem der beiden vorliegenden Stücke schmutzig
gebräunt, bei dem anderen hellgelb, und ich möchte, da
bei dem letzteren zugleich die Fühler etwas länger und
schlanker sind, darin ein Geschlechtsmerkmal des J" er-
kennen. Das kurze Ilalsschild Ist flach quer übergewölbt,
hinten leicht niedergedrückt, auf der hinteren Hälfte mit
einer feinen, eingedrückten Mittellinie; die feingerandeten,
tief abwärts gezogenen Seiten stark zugerundet, die kurzen
Vorderecken wenig aufgetrieben, die Hinterecken mit ei-
ner kurzen aber kräftigen Schwiele besetzt, der Hinterrand
in der Mitte schwächer-, jederseits neben der Hinterecke
tiefer ausgebuchtet. Das breit dreieckige Schildchen
hinten kurz zugerundet. An den Beinen die massig auf-
getriebenen Hinterschenkel in der Mitte der Länge nach
180 Suffrian:
verwaschen geschwärzt, die untere Hälfte der Schienen
und die Fussglieder bei dem muthmasslichen ^ gebräunt,
bei dem anderen Stücke stärker schwarz angelaufen; die
leicht gekrümmten Schienen auf der Aussenseite schwach
längsrinnig, unten mit einem feinen aber deutlichen Sporn
versehen.
121. H. coli ata Fabr. Crioceris id. Fabr. Syst.
Eleiith. I. 463. n. 67. Haltica id. lllig. Mag. VI. 126. n. 61.
Oliv. Ent.VI. 702. n. 61. Tab. 4. fig. 61. Diese auch auf
dem Festlande von Nordamerika weitverbreitete, bis zu
den Canadischen Seen sich erstreckende Art scheint nach
der Anzahl der von G. eingesandten Stücke auch auf
Cuba keine Seltenheit zu sein. Der Farbenton der Deck-
schilde ist sehr veränderlich; gewöhnlich sind dieselben
dunkelgoldgrün, wie bei unserer Galleruca halensis Lin.;
bei einem mir vorliegenden Stücke aus Maryland er-
scheinen sie dagegen ziemlich dunkel erzgrün, und unter
den Cubanischen Stücken finden sich auch solche mit
metallisch blaugrünen oder blauen Deckschilden vor. Die
Farbe des Oberkopfes wird von Fabricius und Oli-
vier ungenau als schwarz bezeichnet, sie stimmt, wie
Illiger richtig angiebt, stets mit der Farbe der Deck-
schilde überein; in einer änderen Beziehung aber ist (was
sehr selten der Fall !) Fabricius (und entsprechend
Olivier's) Angabe genauer als die von Illiger, indem
letzterer die Art ungenau schlechtweg als „'pallide testa-
cea^ bezeichnet, während jene Autoren richtiger die Un-
terseite als schwarz mit hellerem Ilinterleibsende be-
schreiben. Mittelbrust und Hinterbrust sind nämlich
schwarz, und der Hinterleib ist verwaschen schwärzlich
mit breitem schmutzig gelblichem Rande. An den Beinen
sind nicht bloss die Schenkel, wie beide Schriftsteller
angeben, sondern auch die grössere obere Hälfte der
Schienen gelb, während erst die untere sich mit ver-
waschener Begränzung schwärzt, und nur die Füsse (bei
Illiger richtig: pedum apex) wirklich schwarz erschei-
nen. In der Grösse wechselt die Art von IV2 — 273"'
Länge; übrigens ist sie an der zerstreuten groben Punkti-
Verzeichn. d. auf d. Insel Cuba gesammelt. Chrysomelinen. 181
rung des Oberkopfes leicht kenntlich , und kommt in den
Sammlungen auch unter dem Namen Disonycha ßavicol-
lis Dej. vor, welcher indess schon im Sturm'schen Ka-
talog richtig als Synonym zu H. coLlata Fabr. gebracht
worden ist.
Die überaus nahe verwandte, von Fabricius selt-
samer Weise zu seiner Gattung Galleruca gebrachte H.
GoUaris Fabr. unterscheidet sich leicht durch den grösse-
ren, besonders mehr gestreckten Körper, den ganz schwar-
zen Kopf, die schwarzen nur an den Schenkelwurzeln
schmutzig braungelben Beine, und die fein runzlig-punk-
tirten, trüber erzgrünen, daher auch weniger glänzenden
Deckschilde. Sie ist jedoch auf Cuba noch nicht gefun-
den worden.
122. H. chlorotica Oliv. Ent. VI. 690. n.37. Tab.
2. fig. 37. In den Sammlungen kommt diese hübsche Art
in zwei verschiedenen Formen vor, welche bis dahin als
Farbenvarietäten angesehen worden sind, die aber Dr.
G und lach als die beiden Geschlechter der Art nach-
gewiesen hat. Ihre Grundfarbe ist ein ziemlich helles
und bei dem Mangel jeder Punktirung stark glänzendes
Ziegelroth, die Fühler und Beine sind schwarz, mit zu-
weilen tief gebräuntem Wurzelgliede der ersteren. Bei
dem (von Ol i vier a. a. O. sehr gut beschriebenen) $
zeigen Kopf und Halsschild dieselbe Färbung, und an
den Beinen ist die Wurzel der Vorder- und Mittelschen-
kel (manchmal bis zu deren Mitte) mit dem grösseren
Theile der Hinterschenkel gleichfalls geröthet; bei dem
c/* {Disonycha melampoda Mus. Berol.) aber sind Kopf
und Halsschild, letzteres bis auf die kurze aufgetriebene
Spitze der Vorderecken, schwarz, bei gut ausgefärbten
Stücken mit einem Stich ins Metallischschwarzblaue, so
dass nur zwischen den Fühlern eine mehr oder weniger
ausgedehnte verwaschen gebräunte Stelle zurückbleibt,
und auch an den Schenkeln ist die helle, meist nur
bräunliche Färbung auf die schmalen Wurzeln beschränkt.
Charakteristisch für die Art ist noch der Bau der
Fühler, indem bei diesen das 3te und 4te Glied stark
182 Suffrian;
verbreitert, die vier folgende nach dem oberen Ende zu
(in allmählich abnehmendem Grade) stark aufgetrieben
sind, so dass bei dem 5ten das obere Drittel doppelt brei-
ter ist als die Wurzel. Die Fühler erhalten dadurch an
ihrem oberen Ende eine stark verdünnte, borstenförmige
Gestalt. Am Kopfe fehlt die Querlinie zwischen den
Augen, dafür zeigt sich jederseits am oberen inneren Au-
genrande ein ziemlich tiefes Grübchen , weiter unter-
wärts meist auch eine abgekürzte Stirnlinic. Der Kiel
zwischen den Fühlerwurzeln ist ziemlich stumpf. Oli-
vi er's Käfer stammte aus Guyana; G's. cubanische Stücke
sind in den Bezirken von Cardenas und Baracoa gesam-
melt worden.
123. H. ambulans m. Rufa laevissima, ore an-
tennis, scutello, pectore, abdomine pedibusque nigris. Long.
IV2-IV4"'; lat. 1-1 V4"'.
Von Hrn. Chevrolat ist diese und die folgende
Art zu seiner Gattung Strabala gebracht worden. Von
der Querfurche jedoch, welche nach Erichson (a. a. O.
unter Laciica) diese auf der hinteren Hälfte besitzen soll,
ist bei der folgenden gar nichts, bei der vorliegenden
nur eine schwache Spur und ohne die seitlich begrän-
zende Längslinie wahrzunehmen, so dass mir eine Tren-
nung derselben von der Gattung lialtica weder noth-
wendig, noch natürlich erscheint. Insbesondere aber steht
die vorliegende Art der vorhergehenden so überaus nahe,
dass eine Sonderung beider von einander durchaus als
widernatürlich bezeichnet werden müsste. Sie ist nur
wenig kleiner als j*ene. verhältnissmässig breiter, die Farbe
ein mehr dunkles, ins Kirschrothe fallendes Roth, Füh-
ler, Beine , Schildchen , Brust und Hinterleib schwarz,
von den Mundtheilen die Oberlippe mit den Tastern und
den Enden der Kinnbacken geschwärzt. Der Kopf oben
fein punktirt, ohne deutliche Querlinie, die beiden Beul-
chen auf der unteren Stirn flach und wenig ausgebildet,
nur durch eine feine Längslinie geschieden, die Fühler
kurz und gedrungen, fast schnurförmig. Das seitlich fein
gerandete Halsschild daselbst in der Mitte stumpfwink-
Verzeichn. fl. auf d. Insel Cuba gesammelt. Chrysomelinen. 183
lig verbreitert, vor den Hinterecken leicht schwielig auf-
getrieben; vor dem Hinterrande ein seichter und unschein-
barer, seitlich allmählich veilaufender, jedoch nicht ein-
mal bei allen Stücken in gleicher Länge und Deutlichkeit
ausgebildeter Quereindruck. Das fast halbelliptische Schild-
chen hinten stumpf zugespitzt. Die hinterwärts etwas
erweiterten Deckschilde flach gewölbt, hinten mit stum-
pfen Naht winkeln breit zugerundet, vor der Mitte leicht
quer niedergedrückt, seitlich nur schwach gerandet, mit
breiten, einerseits durch einen schwachen Längseindruck
abgesetzten Schulterbeulen, kaum punktirt, glänzend dun-
kel kirschroth. Yorder- und Mittelbrust mit den umge-
schlagenen Seiten des Halsschilds roth, der übrige Theil
der Unterseite mit den Beinen und dem Pygidium schwarz
mit schmal gerötheten Hüften. Der Sporn an der Spitze
der 11 interschienen fein und zart, fast nur einer dicken
Borste gleichend.
Die vorstehend beschriebene Art wurde von Dr.
G und lach unter dem Namen Strahala scuteliaris Oliv,
eingesandt. Aber was Ol i vier (Ent. VI. 699. n. 56) von
seiner Haltica scuteliaris angiebt, will weder rücksicht-
lich der Heimath (Midi de la France) noch auch, wenn
jene unrichtig sein sollte, nach der Beschreibung der Un-
terseite {„Le dessous du corps est testaccy avec Vextre-
mite des cuisses, les jamhes et les tarses 7ioirs") auf den
vorliegenden Käfer passen. Nach Hrn. Riehls Mitthei-
lung kommt letzterer in den Sammlungen auch unter der
Benennung Strahala intermedia Mus. Berol. vor. Auch
Jacq. Duval ap. Ramon de Sagra 1. c. VII. 311 führt
eine St. intermedia Dej. als Cubanischen Käfer auf; aber
auch seine Angaben passen nicht auf die vorliegende Art,
da sein Käfer zwar schwarze Brust und Beine, aber ein
Abdomen fuscum und femora postica hasi plus minusve
ohsGure ferricginea besitzen soll. Wohl aber stimmen
diese Angaben recht gut zu einer nahe verwandten Art,
welche Moritz Wagner im Jahr 1855 aus Costa rica
mitgebracht hat, und von welcher ich ein gut erhaltenes
Exemplar selbst besitze. Dasselbe unterscheidet sich vom
184 Suffrian:
G u n d 1 a c Ii'schen Käfer durch einen etwas grösseren Kör-
per, längere besonders in der unteren Hälfte mehr ge-
streckte und daselbst etwas stärker geröthete Fühler, etwas
deutlichere hintere Querfurche des Halsschildes, überaus
feine aber doch kenntliche Punktirung der Deckschilde,
und die Färbung der ziemlich dicht greis behaarten Un-
terseite, auf welcher die Mitte der Hinterbrust und des
Hinterleibes verwaschen geröthet ist, und auch die grös-
sere obere Hälfte der Hinterschenkel mit ziemlich deut-
licher Begränzung i^oth erscheint. Ich halte deshalb diese
Art für die echte H. intermedia Jacq. Duv. a. a. O. ; von
Dr. G. ^ist sie jedoch auf Cuba noch nicht gefunden
worden.
124. H. minima Chv. Ferruginea, antennarum
femorumque apice, tibiarumque basi nigricantibus, elytris
basi subtilissime punctulatis. Long. Ve— 1'"; lat. 72— V12'".
Ein kleiner zierlicher Käfer, welcher durch seinen
breit und flach gewölbten J{^örper gewissermassen den
Bau der H. collaia im Kleinen wiederholt, durch die breit
erweiterten S^eiten des Halsschilds aber auch wieder der
vorhergehenden Art nahe tritt, und von dieser sich vor-
zugsweise durch das hinten flache, keine Spur eines Quer-
eindrucks zeigende Halsschild habituell unterscheidet. Die
Farbe des ganzen Körpers ist ein ziemlich helles, an den
Fühlerwurzeln ins durchscheinend Gelbliche übergehen-
des Ziegelroth; nur die Augen sind schwarz, und die
obere Hälfte der Fühler, der untere Theil der Schenkel
und die Wurzel nebst der Aussenseite der unterwärts
besonders an den Hinterbeinen stark verbreiterten Schie-
nen mehr oder weniger geschwärzt. An den ziemlich
schlanken Fühlern ist das zweite Glied stark kugelig auf-
getrieben, das 4te (längste) fast doppelt länger als das
3te; der Kopf ohne Querfurche, der Längskiel zwischen
den Fühlerwurzeln ziemlich breit und flach. Das nach
vorn hin stark gerandete Halsschild vor der Mitte bogig
erweitert, und der Rand von da ab bis zu den schwielig
aufgetriebenen Vorderecken aufgebogen ; die Hinterecken
stumpf abgerundet. Der Hinterrand wellig gebuchtet,
Verzeichn. d. auf d. Insel Cuba gesammelt. Chrysomelinen. 185
die Oberfläche ohne deutliche Punktiriing. Das Schild-
chen gleichseitig-dreieckig mit abgerundetem Hinterende.
Die flach gewölbten Deckschilde hinterwärts etwas er-
weitert, hinter dem Schildchen die Naht entlang leicht
eingedrückt, vorn fein und verstreut aber doch deutlich
punktirt; die Pünktchen an und hinter den Schulterbeu-
len stellenweise zu abgerissenen Längslinien geordnet,
von der Mitte ab kaum noch zu bemerken. Auf der Un-
terseite die Schenkel schwarz mit vorn schmaler geröthe-
ter Wurzel, welche Färbung sich an den sehr stark auf-
getriebenen Hinterschenkeln wenigstens auf deren unte-
rer Seite über ihren grösseren Theil ausdehnt , an den
Schienen der obere Theil und die Aussenselte fast bis
zur Spitze geschwärzt; die Fussglieder wieder röthlich.
b. Corpus ovatum; thorax punctulatus; elytra rüde
bifariam punctato -striata, interstitiis convexiusculis. Fe-
mora postica modice incrassata, tibiae posticae apice sul-
catae, brevissime calcaratae, unguiculis basi late dentatis.
125. H. adspersula m. Pallida, thorace punctu-
lato, tibiis tarsisque, metasterno elytrisque nigris, his bi-
seriatim punctato-striatis. Long. 272 — ^V^"'; lat. lYe — 1V2'"-
Die bis jetzt einzige Art dieser Gruppe unterschei-
det sich von denen der vorhergehenden eigentlich nur
durch die wellig doppelstreifige Punktirung der Deck-
schilde, und steht deren grösseren Arten, namentlich der
H. marginipennis in Habitus, Grösse und Färbung des
Körpers so nahe, dass sie von derselben in keiner Weise
generisch getrennt werden könnte. Die Farbe ist ein
helles bleiches Rothgelb mit schmutzig gebräuntem End-
gliede der Fühler; schwarz sind Augen, Schildchen, Hin-
terbrust, auch die Schienen bis auf deren schmale Wurzel,
die Fussglieder bis auf das mit den Krallenhäkchen wie-
der gelbliche Ende des letzten Gliedes, und die Flügel-
decken, welche bei dem grösseren der beiden verliegen-
den Stücke (dem $?) mit einer Anzahl sehr feiner, auf
den erhöhten Zwischenräumen sehr unordentlich vertheilter
gelber Spritzfleckchen bestreut sind. An den sehr schlan-
ken Fühlern sind nächst dem etwas gekrümmten Wur"
186 Suffrian:
zelgllede das 5tc und 6te, und das diesen gleiche End-
glied die längsten ; die unteren nehmen vom 2ten bis zum
5ten allmählich zu, die oberen vom 6ten bis zum lOten
gleichfalls allmählich aber langsamer wieder ab, so dass
das lOte der Grösse nach zw^ischen dem 3ten und 4ten
mitten innen steht; dabei sind die mittleren vom 4ten ab
an ihrer Spitze ziemlich stark nach aussen erweitert.
Die Querlinie auf der Stirn ist in der Mitte abgeschw^ächt,
fast unterbrochen, über ihr der obere Theil des Kopfes
von einer haarfeinen Längslinie durchzogen, unter ihr
der Kiel zwischen den Fühlern von zwei tiefen Längs-
linien eingeschlossen, die sich abwärts fortsetzen und
durch welche der untere Theil der Stirn in drei flache
Querbeulchen getheilt wird; übrigens ist diese Sculptur
bei dem kleineren Stücke mehr verwischt und schwerer
zu erkennen. Das kurze und breite Halsschild ist fein
punktirt und etwas uneben, mit den gerundeten, fein ge-
randeten Seiten nach vorn ein wenig verbreitert, mit
kurz schwielig vortretenden Vorder- und stumpf abge-
rundeten Ilinterccken, vor der Mitte des nicht ausgebuch-
teten Hinterrandes ein leichter Quereindruck. Das Schild-
chen breit halbelliptisch, in der Mitte der Länge nach
seicht niedergedrückt, ohne deutliche Punktirung. Die
flach gewölbten Deckschilde hinten etwas erweitert und
innerseits der Schulterbeulen leicht eingedrückt, punkt-
streifig, wie bei unserer H. nitidula etwas wellig, und
die oberen fast bis zur Wölbung hin unordentlich ver-
doppelt, der 7te bis 9te mit ihrer ganzen Hinterhälfte,
und die beiden letzteren auch mit den die Schulterbeulen
aussen umziehenden Vorderenden einfach, bei dem grös-
seren ($?) Stücke mit vereinzelten feinen, bis zu 5 und
6 auf je einem Zwischenraum stehenden, aber wieder der
Zahl noch der Stellung nach auf beiden Flügeldecken
gleichraässig vertheilten, etwas dunkler gelben Pünktchen
bestreut. An den Beinen sind die Schenkel und die ver-
waschen bcgränzten Schienen wurzeln gelb, während dei
untere grössere Theil der Schienen allmählich aus dem
Bräunlichen ins Schwarze übergeht ; die Füsse schwarz,
Verzeichn. d. auf d. Insel Cuba gesammelt. Chrysomeliiien. 187
und nur das ünterende des letzten Gliedes mit den Kral-
lenhäkchen wieder bräunlich, der Sporn an der Spitze
der Hintcrscbienen sehr klein und unscheinbar, bräunlich
durchscheinend, die Rinne auf der Aussenseite der Hin-
terschienen breit und tief, lang gewimpert, ihr Inneres
unten bis zur Anschwellungsstelle des ersten Fussgliedes
mit dessen Gclenkkopfe gelblich.
c. Corpus elongatum, oculis maximis approximatis,
intus sinuatis. Thorax rüde punctatus, postice in medio
lobatus. Elytra bifariam undulatim punctato-striata, inter-
ötitiis angustis elevatis. Femora postica raodice incras-
sata, tibiae posticae sulcatae, brevissime calcaratae, ungui-
culis basi late dentatis.
126. H. i nter stitialis m. Luride testacea, tho-
race profunde punctato, interstitiis elytrorum subaequalibus.
Long.lV3-lV2'"; lat. 73-%'".
Diese und die nächstfolgenden Arten bilden eine
durch ihre grossen hervorgequollenen Augen und die
dadurch bis auf eine schmale Längsleiste verengte Stirn,
durch das grob punktirte, hinte in der Mitte lappig er-
weiterte Halsschild, und den schmalen flach gewölbten,
mehr in die Gestalt einer Europäischen Phratora hin-
überspielenden Körper eine sehr eigenthümliche Halti-
kengruppe, deren beide erste Arten zugleich durch Ha-
bitus und Färbung an gewisse Arten einer sonst sehr
fremdartigen (der Helophoriden-) Familie, namentlich an
Helophoriis nuhüus Aut. und dessen Verw^andtc erinnern.
Wird aber einmal, wie wenigstens bisher geschehen, als
Merkmal für die Unterscheidung der Haitikengattungen
vorzugsweise der Bau der Beine festgehalten, so kann
jenen Eigenthümlichkeiten nur eine untergeordnete Be-
deutung zugestanden werden, die sie deshalb auch nur
zum Ausscheiden einer gutbegränzten Unterabtheilung
eignet.
Die Farbe der vorliegenden Art ist ein schmutziges,
ziemlich einfarbiges Knochengelb, Fühler und Fussglieder,
bei einzelnen wahrscheinlich alten Stücken auch der
hintere Theil der Deckschilde etwas trüber und dunkler
188 Suffrian:
gefärbt. Der grosse Kopf ist fast vollständig durch die
grossen eirunden, grob gekörnten, innerseits leicht aus-
gebuchteten Augen eingenommen, deren obere Innenrän-
der nur durch einen schmalen, convexen, jederseits von
einer eingedrückten Längslinie begleiteten Längskiel ge-
trennt werden. Ueber den Fühlern ist derselbe durch
ein tiefes Grübchen unterbrochen, neben welchem die
Stirn sich jederseits zu einer rundlichen Beule erweitert;
unter jenem Grübchen setzt sich dann der Längskiel
etwas verbreitert zwischen den Fühlern hindurch bis zu
dem durch seine Erweiterung gebildeten Kopfschilde fort,
und eben so erweitert sich der Stirnkiel an seinem obe-
ren Ende zu einem breit dreieckigen Nackenfelde, von
welchem über jedem oberen Augenrande durch eine ge-
krümmte Querfurche eine jenen Rand umziehende erhöhte
ßogenlinie abgeschnitten ist. Die schlanken Fühler von
massiger Länge, das gestreckte Wurzclglicd etwas ge-
krümmt, die vier folgenden an Länge allmählich zuneh-
mend, so dass das 5te etwa die doppelte Länge des 2ten
erreicht; die folgenden wieder eben so allmählich jedoch
noch langsamer sich verkürzend, so dass das lOte etwa
noch dem dritten gleichkommt ; das in eine lange Spitze
ausgezogene Endglied noch etwas länger als das 5te. Das
kurze und sehr flach gewölbte Ilalsschild grob und ziem-
lich dicht aber ungleichmässig punktirt, dadurch uneben
und an den nicht punktirten Stellen schwielig erhöht, die
Seiten gerundet und fein gcrandet, Vorder- und Hinter-
ecken stumpfwinklig, der wellig gekrümmte Hinterrand
vor dem Schildchen in einen breiten stumpfen Lappen
ausgezogen. Das Schildchen kurz und breit, hinten stumpf
zugerundet und etwas eingesenkt. Die sehr flach ge-
wölbten Deckschilde fast gleichbreit und um die Hälfte län-
ger als breit, hinten jederseits des stumpfen Nahtwinkels
überaus leicht ausgeschweift, vorn hinter dem ersten Vier-
tel ihrer Länge seicht quer niedergedrückt, mit neun flach
erhöhten Zwischenräumen, durch welche zehn deutliche
Punktstreifen von einander getrennt werden. Von letz-
teren ist der lOte (Rand-) Streifen nach seiner ganzen
Verzeicbn. d. auf d. Insel Cuba gesammelt. Chrysomelinen. 189
Länge^ der 9te in seiner grösseren Hinterhälfte einfach,
die Rückenstreifen dagegen sind aus feineren etwas wel-
ligen Doppelreihen gebildet), die sich erst gegen die
Wölbung hin vereinfachen oder vielmehr zu gröberen
einfachen Streifen zusammenfliessen. Von den Zwischen-
räumen erscheinen einzelne, besonders hinterwärts, etwas
schwächer, doch ohne eine so bestimmte Regel, wie sie
bei der folgenden Art hervortritt. Die Zwischenräume
selbst sind nur von massigem Glänze, hier und da seit-
lich überfliessend und die Punktstreifen zerrcissend. Die
Hinterschenkel nur massig aufgetrieben, die Hinterschie-
nen aussen fast ihrer ganzen Länge nach gefurcht, mit
gewimperten Rändern ; die P'üsse verhältnissmässig kurz,
mit sehr breitem dritten Fussgliede, und die Krallenhäk-
chen an der Wurzel breit aber nur stumpf gezähnt.
127. H. clathrata m. Obscurius luride testacea,
thorace profunde punctato, antennarum apice pectoreque
fuscis, interstitiis elytrorum alternis debilitatis. Long. IVe'";
lat. 73"'.
Der vorhergehenden Art überaus ähnlich, nur etwas
kleiner, im Ganzen dunkler , die obere grössere Fühler-
hälfte und die Brust ins schmutzig Schwarzbräunliche
fallend. Den Hauptunterschied beider Arten aber bildet
die Sculptur der Deckschilde. Auf letzteren sind näm-
lich bei der vorliegenden die geraden Zwischenräume
(2te, 4te, 6te und 8te) in Gestalt deutlicher und ziemlich
glänzender Längsrippen erhöht, die ungeraden abge-
schwächt, der 3te und 5te fast ganz geschwunden oder
nur durch undeutliche Runzelhöckerchen angedeutet und
dadurch auch die bezüglichen Punktstreifen bis zum Un-
deutlichen verwischt, während andererseits durch das Zu-
sammentreffen des 2ten, 4ten und" 6ten Zwischenraums
auf der W'ölbung sich hier eine kräftige und etwas ge-
bogene Querschwiele bildet. Alles Uebrige wie bei der
vorhergehenden Art.
128. H. pyritosa Mus. Berol. Obscure aenea,
ore, clypeo, antennarum basi, prosterno pedibusque fer-
rugineis, ano scutelloque fuscis, thorace punctato, elytro-
190 Suffriau:
riim interstitiis ■ conyexiusciilis. Long. IV4 — IV2'"; lat.
Diese Art zeigt zwar einige habituelle Abweichungen
von den beiden vorhergehenden, die sich namentlich in der
erzfarbigen Oberseite, den nur flach gewölbten, nicht
rippenartig erhöhten Zwischenräumen der Deckschilde
und dem etwas breiteren Stirnkiel aussprechen; sie steht
denselben aber doch im Grossen und Ganzen so nahe,
dass sie von denselben nicht füglich als eine besondere
Unterabtheilung getrennt werden kann. Die Farbe des
Körpers ist ein dunkles, auf der Oberseite ziemlich stark
glänzendes Erzgrün, bei einzelnen Stücken stellenweise,
besonders auf den Deckschildeu ins buntkupferfarbige
fallend; die vier oder fünf unteren Glieder der schwar-
zen Fühler, der Unterkopf mit den Mundtheilen, die
Yorderbrust und die Beine heller oder dunkler röthlich-
gelb; das Schildchcn und die Spitze desPygidiums und des
letzten Bauchringes trüber röthlichbraun , von welcher
Färbung zuweilen auch auf den Beulchen über den Füh-
lerwurzeln eine Spur bemerkbar wird. Der Bau des Ko-
pfes wie bei den vorhergehenden Arten, nur ist der Kiel
zwischen den Augen etwas breiter und stumpfer , von
tieferen Seitenlinien begränzt. unten kräftiger unterbro-
chen, und der Bogen über i.\en oberen Augenrändern
etwas kürzer, der Nacken selbst nur mit einigen , eine
wellige Querlinic bildenden Punkten besetzt. Das sehr
kurze, breite, stellenweise llach eingedrückte Halsschild
ist deutlich aber ungleichmässig punktirt, mit breiten, flach
gewölbten, durch einen mehr oder weniger deutlichen
Längseindruck abgesetzten Seiten; die stumpfen Vorder-
ecken kurz schwielig aufgeworfen, fein geröthet, auch
die Hinterecken breit stumpfwinklig, der Hinterrand
jederseits wellig geschweift, mit breitem, kräftig ausge-
zogenem Mittellappen. Das etwas eingesenkte Schildchen
gleichseitig-dreieckig, spiegelglatt, bräunlich durchschei-
nend. Die gleichbreiten Deckschilde etwa um die Hälfte
länger als breit, nach Gestalt, Färbung und Sculptur de-
nen einer deutschen Phratora täuschend ähnlich, hinter
Verzeichn. d. auf d. Insel Cnba gesammelt. Chrysomelinen. 191
dem ersten Viertel quer niedergedrückt und vor demsel-
ben leicht buckelig aufgetrieben; die Punktstreifen bis
über die Mitte hinaus von massiger Stärke, etwas wellig,
stellenweise unregelmässig verdoppelt , hinterwärts in
leichte Längsfnrchen eingedrückt, mit flach gewölbten
sehr fein zerstreut punkfcirten, stellenweise mit einer un-
terbrochenen Längsreihe etwas gröberer Punkte besetzten
Zwischenräumen. Das Ilinterende des Pygidiums und
des letzten Bauchringes in verschiedener Ausdehnung
braunroth, auch wohl die Seiten des vorhergehenden Bauch-
ringes tief gebräunt, Vorderbrust und Beine heller gerö-
thet, zuweilen selbst auch ein Theil der Hinterbrust ver-
waschen röthlich. Die Hinterbeine gebaut wie bei den
vorhergenden Arten, das dritte Fussglied sehr breit, mit
rundlichen Lappen, und die Schienen kurz und dünn
gespornt.
129. H. robusta m. Chalybea, ore, antennis, ab-
domine tarsisque ferrugineis, femoribus scutelloque fuscis,
thorace punctato, elytrorum interstitiis convexiusculis.
Long. 1— IV2'"; lat. V5-V4'".
Wie die zweite Art dieser Gruppe der ersten, so
ist auch die gegenwärtige der vorhergehenden überaus
ähnlich, und von ihr nur durch wenige, aber doch sichere
Merkmale verschieden. Sie ist, besonders in den grös-
seren wahrscheinlich $ Stücken, bei etwa gleicher Länge
etwas breiter, dabei stärker gewölbt und auf dem Rücken
schwächer eingedrückt, daher dem ganzen Habitus nach
kräftiger und plumper. Am Kopfe sind die Bogenlinien
über den oberen Augenrändern tiefer und breiter, der
Kiel zwischen den Augen ist etwas breiter und flacher,
unterwärts nicht unterbrochen, und der ganze Unterkopf
von den beiden über den Fühlerwurzeln liegenden flachen
ßeulchen ab roströthlich; eben so auch die Fühler, deren
Glieder vom dritten ab ziemlich gleiche Länge und Dicke
zeigen und, bei geringerer Dicke als das 2te, doch dieses
in der Länge etwa um die Hälfte übertreffen. Das Hals-
schild wie bei der vorigen, und die Seiten kaum aufgetrie-
ben, und die fein röthlich gelben Vorderecken stärker
192 Suffrian:
aufgebogen. Das Schildchen gleichseitig dreieckig, glän-
zend braun. Die gleichbreiten Deckschilde stark gewölbt,
vor der Mitte nur schwach quer eingedrückt, hinten stark
abfallend, mit eckig vortretenden Schulterbeulen, die
kräftigen Punktstreifen etwas wellig, auf dem Rücken
stellenweise unregelmässig verdoppelt, hinterwärts stark
vertieft ; die sehr breiten, flach gewölbten Zwischenräume
unregelmässig zerstreut punktirt und ziemlich glänzend.
Die Farbe der ganzen Oberseite ein reines, dunkles Stahl-
blau. Auf der Unterseite die Brust gleichfalls stahlblau,
aber trüb stellenweise bräunlich durchscheinend, der Hin-
terleib heller rothgelb. An den Beinen die Schenkel ge-
bräunt mit bläulichem Anfluge der Aussenseite, die Schie-
nen stahlbläulich mit leicht gebräunter Wurzel und Spitze,
die Fussglieder wieder heller geröthet. Alles Uebrige,
wie bei den vorhergehenden.
d. Corpus elongatum postice vix dilatatum, oculis
distantibus. Frons integra. Thorax laevis, postice trans-
versim sulcatus, sulco abbreviato, utrinque lineola brevi
impressa terminato. Femora postica leviter incrassata, ti-
biae posticae sulcatae, tenue calcaratae, unguiculis basi late
dentatis. Zacfi'ca Erichs. inWiegm. Archiv. XIII. I. p. 173.
Monomacra Chv.
Die von Erichson a. a. 0. aufgestellte Gattung
Lactica und die auf unsere lebende H. oleracea Lin. ge-
gründete Gattung Graptodera Chev. bieten eigentlich
keinen andern Unterschied als den Bau der hinteren
Querfurche des Halsschilds, welche sich bei letzterer bis
zu den Seitenrändern desselben hinzieht oder vorher all-
mählich verläuft, während sie bei jener jederseits abge-
kürzt und durch eine kurze und tiefe gerade Längslinie,
wie bei Crepidodera Chev. begränzt ist. In den verhältniss-
mässig dünnen Hinterschenkeln und der regellosen feinen,
oder auch ganz fehlenden Punktirung der Deckschilde
stimmen beide überein, und es ist desshalb auch kein
zwingendes Bedürfniss ihrer Trennung vorhanden : will
man die vorliegende jedoch als eine Gruppe beibehalten,
so müssen die bisher dazu gerechneten Arte nnun auch
Verzeichn. d. auf d. Insel Cul3a gesammelt. Chrysomelinen. 193
wirklich nach jenem Merkmale geschieden werden; wie es
z. B. von Jacq. Duval hinsichtlich seiner Monomacra
costipennis nicht geschehen ist.
130. H. religata Klug. Monomacra id. Jacq. Duv.
1. c. VII. 311. Der von diesem Autor a. a. O. gut und
kenntlich charakterisirte Käfer liegt mir nur in zwei
Stücken vor, und scheint daher zu den seltenern zu ge-
hören. Die Farbe ist ein bleiches, reines Strohgelb, die
Fühler mit Ausschluss des gelb verbleibenden Wurzel-
gliedes, auch die Schenkelspitzen nebst Schienen imd
Füssen schwarz, die Lappen des 3ten Fussgliedes unten
gebräunt, und die Krallenhäkchen wieder gelblich. An
den schlanken Fühlern wachsen das 2te bis 4te Glied
allmählich, das 5te ist noch fast dem vierten gleich, und
die folgenden nehmen allmählich wieder ab, doch so, dass
erst das lOte etwa wieder dem dritten gleichkommt. Der
Oberkopf zeigt weder eine Qu er furche noch Beulchen
über den Fühlerw^urzeln, die Stirn geht vielmehr durch
den die Fühler trennenden kurzen und stumpfen Längs-
kiel sogleich in das Kopfschild über. Die Querfurche
des Ilalsschildes ist breit und tief, jederseits durch eine
gleichfalls tiefe und scharf eingegrabene Längslinie be-
schränkt.
e. Corpus elongatum vel subovatum , oculis late
distantibus. Thorax laevis, postice transversim sulcatus,
sulco integro. Pedes postici ut in divis. d. Graptodera Chv.
Halticae sulcicolles Illig.
131. H. costipennis Jacq. Duv. Monomacra id.
Jacq. Duv. 1. c. VII. 310. Wenn dieser Autor a. a. O.
die vorliegende Art seiner Gattung Monomacra zugetheilt
hat, so kann er dazu nur von einer ganz oberflächlichen
Berücksichtigung der bei beiden allerdings in sehr auf-
fallender Weise übereinstimmenden Färbung und Farben-
vertheilung verleitet worden sein, da die vorliegende Art
in jeder anderen Beziehung der Graptodera-Gru^^Q an-
gehört. Selbst die eigenthümliche Sculptur der Flügel-
decken findet Ihre Analogien bei mehreren blauen Arten
dieser Gruppe, so namentlich bei der auf dem nord-
Archiv für Naturg. XXXIV. Jahrg. 1. Bd. 13
194 Suffrian:
amerikanischen Festlande weit verbreiteten H. phcipenms
Man. (Käferfaiina der Aleuten 11. s.w. 1843. S. 138. n.291),
bei welcher wenigstens die auf der Aussenseite der Schul-
terbeule entspringende äusserste Rippe zu vollständiger
Ausbildung gelangt ist^ und diese letztere bildet dadurch
einen vollständigen Uebergang zu den übrigen blauen
Arten^ bei denen, wie bei der folgenden Art, auch noch
eine Andeutung einer solchen jtlippe sich erkennen lässt.
Der vonJacq. Duval a.a.O. gegebenen sehr aus-
führlichen und im Ganzen treffenden Diagnose habe ich
noch Einiges hinzuzusetzen. Die Farbe scheint dort nach
einem schlecht ausgefärbten Thiere beschrieben zu sein,
da die Art als „flavo-testacea aniennia (basi excepta), ti-
biis iarsisque fuscis bezeichnet ist. Bei sieben mir gleich-
zeitig vorliegenden Stücken finde ich die Farbe rostgelb,
stark ins Röthliche fallend, die Fühler (bis auf deren
Wurzel), die Schienen und Füsse (bis auf das wieder
röthliche Krallenglied) schwarz, meist auch die liinter-
brust mit den Parapleuren schwärzlich angelaufen. Der
Kopf ist jederseits an den Augen deutlich und breit , in
der Mitte tiefer eingedrückt, neben diesem mittleren Ein-
drucke mit den gewöhnlichen Beulchen, zwischen deren
unterem Ende der die Fühlerwurzeln trennende, sich
nach unten breit in das Kopfscbild erweiternde Längs-
kiel entspringt; zuweilen zeigt auch der obere Theil der
Stirn in der Mitte noch ein schwächeres Grübchen. Die
derben und kräftigen, etwas zusammengedrückten Fühler,
deren 5tes Glied das längste ist, sind schwarz, die bei-
den unteren Glieder rothgelb mit gebräunter Spit'^e, sel-
tener auch das 2te schwarz und das Wurzelglied tief
gebräunt mit heller durchscheinender Wurzel ; bei solchen
Stücken sind dann auch die Mundtheile bräunlich oder
scliwärzlich. Die Halsschildfurche ist breit und seicht,
seitlich schwächer, bis zu den breit stumpwinkligen Hin-
terecken hinziehend und hier mit dem die Seiten beglei-
tenden flachen Längseindrucke zusammenfallend; die brei-
ten und gleichfalls stumpfen Vorderecken schwielig auf-
getrieben. Das Schildchen kurz und breit dreieckig.
Verzeichn. d. auf d. Insel Cuba gesammelt. Chrysomelinen. 195
Die Deckschilde mit je] fünf erhöhten stumpfen Längs-
rippen, von denen die beiden inneren näher zusammen-
gerückt, etwas schwächer, und bei einzelnen Stücken
nur auf der vorderen Hälfte erkennbar, zuweilen fast
ganz erloschen sind, so dass von den sieben mir augen-
blicklich vorliegenden Stücken nur eins alle fünf Rippen
in deutlicher Ausbildung zeigt ; von den drei stets kennt-
lichen äusseren ist die mittlere, gerade auf der Schulter-
beule entspringende, die stärkere. Das oben bezeichnete
Stück ist zugleich merklich grösser, heller gefärbt und
ohne den Glanz der übrigen sämmtlich kleineren und be-
sonders schmaleren Stücke, und könnte deshalb sehr wohl
das $ dieser Art bilden.
132. H. p lebe ja Oliv. Ent. VI. 626. n. 19. tab. 2.
iig. 27 (Galleruca). Graptodera id. Jacq. Duv. 1. c. VII.
309. Die Synonymie dieser in den Sammlungen nicht
seltenen Art ist noch keines weges im Klaren. An der
Richtigkeit jener Citate für die von Dr. G. eingesandte
Cubanische Art zweifle ich nicht, da dieselbe die von
beiden Autoren angegebene feine aber deutliche Punkti-
rung der Flügeldecken besitzt. Dagegen kann ich die
von Jacq. Duval dazu gezogene H. Jamaice7isis Fabr.,
welche auch Sturm im Cat. (1843) hierher bringt, nicht
mit dem O liv ier'schen Käfer vereinigen. Fabricius
hat diese Galleruca JamaiGensis zuerst in der Ent. Syst.
II. 16. n. 14 kenntlich und gut (allerdings mit Verken-
nung des ümstandes, dass die Art eine G. saltatoria sei,
— den übrigens auch Olivier bei seiner G. plebeja
übersehen hat) beschrieben, sie insbesondere richtig mit
Gall. alni L. verglichen und nach Lund's Sammlung als
in Jamaica einheimisch angegeben. Später im Syst.
Eleuth. II. 484. n. 29 citirte er jene G. Jamaicensis^ die
er wahrscheinlich nicht nochmals vergleichen konnte, zu
seiner neu eingeschalteten Galt. Bassiaej welche (gleich-
falls nach Lund's Sammlung) in Ostindien auf Bassia
longifolia wohnen soll, und corrigirte, um die frühere
Diagnose der neuen Art anzupassen, jene dadurch, dass
er das Wort „oblonga^' wegstrich und dafür ein j,oculis
196 Suffrian:
alhis" hinzusetzte; letzteres augenscheinlich, um die Art von
der gleich darauf folgenden Qall. Lawsoniae zu unterschei-
den, welche nach Daldorff gleichfalls in Ostindien auf
Lawsonia spinosa wohnt und lediglich „ocidis 7iigris^' von
Gall. Bassiae verschieden sein soll; — eine Unterschei-
dung, über welche Illiger im Mag. IL 423. n. 29. 30.
mit Recht seine Verwunderung ausspricht. Sind daher
nicht etwa, was anzunehmen ich mich vorläufig nocli nicht
entschliessen kann, was aber Hr. Schiödte wohl würde
aufklären können, in der Lund'schen Sammlung selbst
Verwechslungen vorgekommen, so liat Fahr i eins selbst
die Verwirrung hervorgerufen, und die Sache gehört zu
den Nachlässigkeits- und Flüchtigkeitsfehlern, deren bei der
Redaction des Syst. Eleutheratorum so viele vorgekommen
sind; die echte Gall. Jamaicensis Ent. Syst. ist demnach
dem Autor später wirklich abhanden gekommen, und ihr
Citat bei Gall. Bassiae im Syst. P]leuth. zu strolchen.
Jac q. Du v a 1 aber hat diese Verwirrung nur noch grösser
gemacht, da er nicht bloss die Gall. Jo/i)taicensü Fabr.,
sondern gar auch noch dessen Gall. Bassiae zu der Cu-
banischen Gall. plebeja Oliv, citirt.
Wäre nun jene Gall. Jamaicensis Fabr. von Ja-
maica wirklich mit Olivier's auf St. Domingo gefunde-
ner und nach den vorliegenden Stücken auch auf Cuba
häufiger Art identisch, so würde es am besten sein, den
ersteren Namen als zweideutig geworden mit Jacq. Du-
val ganz fallen zu lassen. Jene Identität ist aber noch
keinesweges erwiesen, ja nicht einmal wahrscheinh'ch.
Denn es giebt auf Jamaica wirklich einen Fahr icius
Worten genau entsprechenden Käfer, von dem ich ein
in der Sammlung meines Freundes Riehl befindliches
Exemplar zum Vergleiche vor mir habe, und in dem ich
die echte Gall. Jamaicensis Fabr. zu erkennen glaube.
Dasselbe unterscheidet sich von H. plebeja bei im Ganzen
übereinstimmender Gestalt und Grösse durch eine etwas
dunkler blaue, mit unserer Gall. alni übereinstimmende
Färbung, durch eine zwar dichtere aber überaus feine und
dadurch gar sehr gegen die der H. plebeja abstechende
Verzeichn. d. auf d. Insel Cuha gisammelt. Clirysomelinen. 197
Punktirung der Dcckschildc , und durch die Öculptur
des iUuterfeldes auf dem Halsschilde zwischen der Quer-
furche und dem Hinterrandc, welches bei H. plebeja nur
sehr fein punktirt und fast glatt^ bei jenem Käfer von
Jamaica aber dicht und fein iängsrunzlig gestrichelt ist.
Die Längsrippe in der Verlängerung der Schulterbeule
ist bei //. plebeja nicht ganz so kräftig wie bei H. costi-
pemiis und bei Id. plicipennis Man. , zuweilen fast verlo-
schen ; die Längsschrammen zu beiden Seiten derselben
sind ziemlich breit und flach; zuweilen zeigen sich jedoch
bei sehr schräger Beleuchtung auch noch Spuren weiterer
Rippen, namentlich einer solchen zwischen der ersteren
und dem Seitenrande. An den Fühlern ist das 4te Glied
das längste, aber doch nur wenig länger als das 5te.
133. H. occidentalis Mus. Ber. Oblongo-ovata
convexa coerulea, antennis tarsisque nigricantibus, carinula
frontali lata obsolcta, elytris punctulatis. Long. 1 Vs — l^/s'" ;
lat. 2/3 — ^U'"' Graptodera oleracea Jacq. Duv.- 1. c.
Vn. 310?
Diese Art ist unserer gemeinen H. oleracea täuschend
ähnlich, und ich bezweifle daher nicht, dass Jacq. Du-
val sie unter seinem als fi. oleracea bezeichneten Käfer
gemeint habe. Ich habe jedoch sein Citat nur zweifelhaft
angeführt, weil ich seinen Käfer nicht gesehen habe (er
hat nur ein einziges Exemplar vor sich gehabt) und es
doch auch nicht unmöglich ist, dass mit Küchengewächsen
sich auch unsere Europäische Art nach Cuba übergesie-
delt habe.
Die Art gleicht nun, wie bemerkt, in Allem unserer
bekannten FL oleracea Linn. iVut. ; nur sind die mir ziem-
lich zahlreich vorliegenden Stücke überwiegend dun-
kelblau, nur einzelne mit einem lichten grünlichen und
dann vorzugsweise auf dem vorderen Theile des Körpers
hervortretenden Schimmer. Die Punktirung auf Halsschild
und Deckschilden ist deutlich, dort sehr vereinzelt, auf
den Deckschilden dichter gedrängt, hinterwärts nicht so
sehr abgeschwächt als dies bei H. oleracea der Fall zu
sein pflegt, zuweilen fast ganz fehlend. Bei sehr schrä-
198 Suffrian:
ger Beleuchtung von hinten her betrachtet zeigen ein-
zelne Stücke Spuren erloschener, den Rippen der vor-
hergehenden Arten entsprechender Längsleisten. Die we-
sentlichen Abweichungen aber zeigt der Bau von Kopf und
Halsschild. Letzteres besitzt bei H. oleracea sehr stumpf-
winklige, fast abgerundete Hinterecken, wogegen es bei
der vorliegenden an den Enden der hinteren Querfurchc
am schmälsten ist und sich hinter dieser wieder zu einer
scharf dreieckig vorspringenden Ecke erweitert. Der
Kopf zeigt beiH. oleracea zwei deutliche rundliche Beul-
chen über den Fühlerwurzeln, zwischen welche sich das
obere Ende eines ziemlich schmalen, zwischen den Füh-
lern nur wenig verbreiterten und sich unten deutlich bis
zum unteren Ende des Kopfschildes fortsetzenden Längs -
kiels einschiebt. Bei der vorliegenden dagegen zeigt
die Stirn nur zwei einander durchkreuzende Schrägli-
nien, in deren seitlichen Winkeln statt jener ßeulchen
ein pnar grössere aber ilachere Schrägfelder liegen; eben
so ist auch der untere Kiel weit breiter, aber nur flach,
und am oberen Ende kurz rautenförmig zugeschärft, nach
unten hin kaum noch wahrnehmbar. An den kräftigen
Fühlern sind die unteren Glieder von der Spitze des er-
sten an manchmal pechbraun, bei G.'s typischem Stücke
sogar die vier unteren ziemlich hell roströthlich gefäibt.
Alles üebrige wie bei H. oleracea.
Noch eine nahe verwandte, mit unserer IL oleracea
in Färbung, Sculptur, Bau des Halsschilds und des Ko-
pfes genau übereinstimmende Art findet sich im Süden
des Nordamerikanischen Festlandes , und liegt mir in
einem Stücke aus Texas vor. Dieselbe weicht von H.
oleracea nur ab durch einen besonders unterwärts etwas
schwächeren Kiel des Kopfes und rostbräunliche Färbung
der Schienen, Füsse und der Spitze des Wurzelgliedes
an den Fühlern. Ob dieser Käfer wirklich eine sclbst-
ständige Art oder nur eine Form der H. oleracea sei,
wird sich nur durch den Vergleich eine längeren Exem-
plarenreihe ermitteln lassen. Ich würde sehr geneigt
sein, bei der im Allgemeinen gut zutreffenden Beschrei-
Veizcichi). d, auf tl. Insel Ciiba gesamüiclt. Clirysomelinen. 199
bung darin die in Ger mar Ins. spec. 610. n. 865 als
Kentucky -Käfer aufgeführte H. carinata zu erkennen,
welche auch im M e 1 she im er'schen Kataloge S. 121 als
eine Graptodera aufgeführt wird, wenn Germar einer
Halsschildsfurche erwähnte, während er doch deren Vor-
handensein durch die Einreihung seiner Art unter die
Halticae saltatrices Illig. geradezu verneint. Auch die
Beschreibung der H. puuctipenms'Lec. Col. of Kansas etc.
n. 25 würde sehr wohl auf grössere Stücke der vorliegen-
den Art passen, wenn nicht Leconte die Sculptur des
Kopfes und die Färbung der Beine unerwähnt Hesse,
sonach eine Verschiedenheit dieser letzteren von der
übrigen Körperfärbung seiner als „laete viridis ae?iea^
beschriebenen Art nicht anzunehmen ist. Ich weiss daher
vorläufig mit dem Thierc Nichts anzufangen.
134. IL subaurea m. p]longata aureo-aenea sub-
tiis virescens, convexiuscula, antennis tibiis tarsisque ni-
gris, carinula frontali lata obsoleta, elytris densius punctu-
latis. Long. IVe— IVs"'; lat. V12— Vs"'-
Der vorhergehenden sehr ähnlich und möglicher
Weise nur eine Form derselben; Uebergänge liegen mir
jedoch nicht vor, und ausserdem finden sich einige Ab-
weichungen, die mich veranlassen, sie bis auf Weiteres als
eine eigene Art festzuhalten. Sie ist in allen Theilcn klei-
ner, besonders flacher als H. ocGide7italii>, die Punktirung
der Deckschilde merklich dichter und dabei doch der Glanz
derselben stärker ; die Farbe ist ein dunkles Erzgrün, wel-
ches auf Halsschild,. Schildchen und Deckschilden stark ins
Goldgelbe fällt; die Fühler sind schwarz mit leicht pech-
bräunlicher Spitze des Wurzelgliedes, eben so die Beine, bei
denen jedoch die Schenkel, besonders die Hinterschenkel,
mehr oder weniger einen erzgrünlichen Anflug zeigen.
Die Hinterecken des Halsschilds sind zwar auch scharf,
treten jedoch etwas weniger als bei der vorhergehenden
Art hervor. Alles Uebrige wie bei diese letzteren.
135. H. purpurascens Chev. Ovata postice di-
latata gibbula violaceo - purpurascens, antennarum apice
tarsisque nigris, elytris subtiliter punctulatis, ante medium
200 S u f f f i a n :
profunde transversim inipressis. Long. 1 72 — l^a'" ; l^t.
Mit dieser Art beginnt eine neue Reihe von Arten,
die von den vorhergehenden mehr gestreckten durcli ihren
kürzeren gedrungeneren, hinterwärts mehr verbreiterten,
vor der Mitte quer eingedrückten, hinter ihr meist stär-
ker gewölbten Körper abweichen. Bei dem vorliegenden
stattlichen Käfer ist dieser Typus am vollkommensten
ausgeprägt. An Länge gleicht derselbe den grösseren
Stücken der H. occideiitalis, ist aber durch die über das
Halsschild eckig heraustretenden Schultern hinterwärts
merklich verbreitert, daselbst stark aufgebuckelt, und
dieser hintere emporgedrückte Theil der Deckschilde
von dem kleineren vorderen durch einen kräftigen hinter
den Schultern liegenden Schrägeindruck wie abgeschnitten.
Die Farbe des Thiers ist ein schönes dunkles, überall
auf der Oberseite mit einem Purpurschimmer überfloge-
nes, auch wohl auf den Deckschilden und stellenweise
auf dem Halsschilde ins Kupfergrünliche spielendes Stahl-
blau, nur die auf der untern Hälfte metallisch ange-
flogenen Fühler, und die meist auch auf ihrer Oberseite
ins Metallische fallenden Fussgliedcr schwarz. Am Kopfe
sind Querlinie, Stirnbeulen und die schmale Kiellinie
zwischen den Fühlern kräftig ausgebildet. An den faden-
förmigen Fühlern nehmen die unteren Glieder vom 2ten
bis zum 8ten allmählich zu ; das 8te bis lOte sind von
gleicher Länge, je etwa doppelt so lang als das stark
birnförmige 2te, das Endglied noch etwas länger. Das
Halsschild ist stark gewölbt, hinterwärts etwas verschmälert,
sehr fein und zerstreut punktlrt, vorn jederseits mit eini-
gen gröberen Punkten besetzt; die Querfurche tief und
in der Mitte etwas geschweift, die Hinterecken stumpf-
winklig, aber scharf. Das Schildchen fast gleichseitig-
dreieckig. Die Deckschilde vorn breiter als das Hals-
schild, mit rechtwinklig vortretenden Schultern, hinter-
wärts noch etwas erweitert und daselbst buckelig aufge-
trieben, innerseits der grossen rundlichen Schulterbeulen
breit aber nur kurz eingedrückt, mit einem stärkeren,
Verzeicbn. d. auf d. Insel Ciiba gesammelt. Chrysomelineii 201
die Deckschilcle zusammenschnürenden^ etwas schräg lie-
genden Quereindrucke hinter den Schulterbeulen. Die
Oberfläche fein und dicht punktirt^ mit starkem Glänze.
Unterseite und Beine, auch der umgeschlagene Rand der
Deckschilde fallen gewöhnlich etwas stärker ins Erz-
grünliche.
136. H. gra vidu la Mus. Ber. Oblongo-ovata con-
vexa violacca, antennarum apice tarsisque nigris^ elytris
subtilitcr punctulatis. Long. ^4 — Ve'" ; ^^^' Vs — V2'"-
Der vorhergehenden ungemein ähnlich und dieselbe
gewissermassen im Kleinen wiederholend, aber doch auch
durch gute Merkmale von ihr verschieden. Sie ist bei
gleicher; nur weniger ins Purpurschillernde fallender Fär-
bung und Farbenvertheilung kaum halb so gross, hinter-
wärts weniger erhöht und verbreitert, vor der Mitte der
Deckschilde nicht zusammengedrückt, nur an der Naht
daselbst leicht quer eingedrückt; die Fühlcrglieder wach-
sen nur vom 2ten bis zum 5ten Gliede und nehmen vom
6ten bis zum lOten allmählich wieder ab, die Fühlerhöcker
sind röthlich, und auch die Spitze des ersten Fühlerglie-
des zeigt manchmal einen leichten röthlich en Anflug. Die
Stirnbeulen sind dagegen verhältnissmässig noch kräfti-
ger als bei der vorhergehenden Art, während der Kiel
zwischen den Fühlern zu einer schmalen Längslinie zu-
sammenschwindet. Alles Uebrige wie bei jener Art.
137. H. asphaltina Mus. Ber. Oblonga conve-
xiuscula piceo-nigra, antennis pedibusque iuteis, elytris
densius subtilissime punctulatis. Long. V2 — Vs'" 5 !''''*•
V5-V4'". ^ ^ ' ^
Eine kleine, zierliche Art, fast vom Habitus der
vorhergehenden , dabei etv/as flacher und gestreckter,
aber etwa nur halb so lang und breit als jene, und an
ihrer eigenthümlichen Färbung leicht kenntlich. Diese
ist ein reines und einfarbiges , stark glänzendes Pech-
schwarz, zuweilen der Vordersaum des Halsschildsund
meist auch der letzte Hinterleibsring nebst der Mitte des
vorhergehenden etwas heller, diese hellere Stelle zuwei-
len etwas eingedrückt. Kinnbacken, Beine und Fühler
202 S u f f r i a LI :
eben so einfarbig gelb; letztere kurz und gedrungen,
das 2te bis 4te Glied von gleicher Länge, nur ersteres
merklich dicker als die beiden andern, das 5te und 6te
einander gleich und je etwas länger als das 4te, die fol-
genden alhnählich abnehmend, so dass das lOte kaum
wieder dem 2ten gleich ist, dabei alle vom 6ten ab etwas
verbreitert, und das dünnere und zugespitzte Endglied
w'ieder von der Länge des 4ten. Auf dem Kopfe sind
die Stirnbeulen flach, die Augen grob gekörnt, der Kiel
zwischen den Fühlern verhältnissmässig breiter als bei
der vorhergehenden. Der obere Theil des Kopfes und
das Halsschild spiegelglatt und ohne Punkte ; die Quer-
furche des letzteren tief und leicht geschwungen, in der
Mitte etwas erweitert und stärker eingedrückt. Das
Schildchen kurz und breit, hinten abgerundet, die Deck-
schilde sehr fein und ziemlich dicht punktirt, die Punkte
hier und da zu abgerissenen Längslinien an einander ge-
reiht, mit glänzendem Zwischengrunde. Der Rücken am
ersten Viertel schwach quer niedergedrückt und vor die-
ser Stelle leicht aufgetrieben.
lo8. H. pauxilla m. Oblonga convexiuscula fer-
ruginea, antennis apice nigris, elytris subtilissime punctu-
latis viridi-aureis. Long. Vs'" ; b^^- Vö'"-
Eine der kleinsten der Cubanischen Haitiken und
der ganzen Gattung überhaupt, zugleich durch ihre Zier-
lichkeit in die Augen fallend. Die Farbe hell rostroth,
an den Fühlern das 5te Glied heller-, das 6te dunkler
gebräunt, die fünf oberen schwarz. Die Deckschilde hell
erzgrüm ins Goldgrüne fallend, sehr glänzend , überaus
fein und dicht punktirt. Die Fühler kurz und gedrun-
gen, das 2te bis 4tc Glied von gleicher Länge, aber
letztere beide merklich schmaler als jenes, die folgenden
bis zum lOten wieder ziemlich gleich lang, das Endglied
fast doppelt länger als das vorhergehende und in eine
pfriemliche Spitze ausgezogen. Die Stirnbeulchen nur
schwach angedeutet; das Halsschild mit sehr stumpfen,
fast abgerundeten Hinterecken, glatt und glänzend, die
Querfurchc kräftig und etwas geschwungen. Das fast
Verzeichii. d. auf d. In.'iel Ciiba oosammelt. Chrysomelineii. 20B
gleichseitige! releckige Schildclien hinten abgerundet, und,
wie der ganze übrige Körper, rostroth.
139. H. dichroa m. Elongata depressa ferruginea,
antennis apice nigris, thoracis sulco medio, elytris subtiliter
punctulatis violaceis. Long. Vs — Ve'" ; ^^^' V4— V2'"-
Diese Art bildet wieder eine kleine isolirte Abthei-
lung innerhalb der Grapiodera-Gru^^e, und unterscheidet
sich von allen vorhergehenden durch den Üachen gestreck-
ten, einen Uebergang zu den Systena- und Fhyllotreta-
Arten bildenden Körper, und durch die Lage der Hals-
schilds furchC;, welche nicht, wie bei den vorhergehenden,
an den Hinterrand des Halsschilds gerückt ist, sondern
quer über dessen Mitte zieht und dasselbe dadurch in
zwei gleich grosse Querfelder theilt. Die Körperfarbe
ist auch hier ein schönes, helles Rostroth, welches nur
auf den Deckschilden durch ein eben so schönes , zu-
weilen ins Purpurfarbige überspielendes, metallisch glän-
zendes Veilchenblau ersetzt wird; die obere Hälfte der
Fühler ist schwarz, nur bei einem der vorliegenden Stücke
sind die ganzen Fühler roth, die oberen Glieder an der
Spitze geschwärzt. Die Querlinie auf der Stirn ist sehr
deutlich und scharf, mit den Enden auswärts gebogen
und hier bis zu den oberen Augenrändern reichend ; die
darunter liegenden Beulchen sind flach, etwas in die Quere
gestreckt, mehr rautenförmig, die Kiellinie zwischen den
Fühlern ist nur fein, und auf der oberen Stirn zeigt sich
ein breiter und flacher, mehr oder weniger deutlicher
Längseindruck. An den Fühlern ist das 2te Glied ver-
hältnissmässig gross, und länger als die Hälfte des er-
sten, das dritte nur v/enig länger, das 4te bis 6te bei dem
5 gleich lang, bei dem J" das 5te und 6te je noch etwas
länger als das 4te, die oberen wieder kürzer und bei dem
$ merklich verkürzt, das Endglied bei dem cT ziemlich
lang ausgezogen, um mehr als die Hälfte länger als das
vorhergehende, bei dem $ dasselbe nur wenig übertref-
fend. Das Halsschild ist reichlich 272t-üal breiter als
lang, vor der Mitte stark im Bogen erweitert, sehr flach
gewölbt, glatt und glänzend, mit stumpfen Hinterecken;
204 Siiffiian:
der grössere mittlere Theil der Querfurche ist etwas ge-
schweift und mehr wie doppelt breiter und tiefer als die
Seitenenden; der Hinterrand noch von einer fein einge-
schnittenen Qiierlinie begleitet. Das kSchildchen hinten
breit abgerundet, fast halbeiförmig, gleichfalls rothgelb.
Die Deckschilde fast doppelt länger als breit, sehr flach
gewölbt, längs der Naht vorn breit eingedrückt und jc-
derseits davon leicht aufgetrieben, sehr fein uud dicht
punktirt, die eckigen Schuiterbeulen auf der Innenseite
durch einen kurzen aber tiefen Eindruck abgesetzt. Die
Hinterschenkel verhältnissmässig dünn, der Zahn an der
Wurzel der Krallenhäkchen breit und derb.
f. Corpus elongatum , oculis distantibus. Thorax
inaequalis, postice transversim sulcatus, sulco obsoleto,
foveolis tribus profundioribus notato. Elytra vix punctu-
lato-striata, interstitiis elcvatis. Femora postica fortius
incrassata, tibiis externe sulcatis brcvissime calcaratis, un-
guieulis late dentatis.
140. H. stomachosa ra. Ekingata convexa cha-
lybea, capite thorace scutello prosterno pedibusque fer-
rugineis, antennis apicc fuscis, elytris ferrugineo-linibatis,
subtilissime punctato-striatis, interstitiis costacforniibus lac-
vibus. Long. D/s — IV2'"; l^^t. V2 — V12'".
Eine sehr eigenthümliche Art, welche in der »Sculp-
tur der Deckschilde an //. costiperwis, in der Beschaf-
fenheit der Halsschildsfurche einigermassen an die Mono-
wacra-Gi'uppe erinnert, aber doch mit keiner der vorher-
gehenden Gruppen vereinigt werden kann. Der Kopf
grob runzlig punktirt, ohne Querlinie, mit zwei ziemlich
flachen, eigentlich nur durch die darüber liegende, die
Stirnfurche niederdrückende Punktirung gehobenen, durch
eine Längslinie getrennten Beulen, auch die Längserhö-
hung zwischen den Fühlern breit und stumpf, nicht kiel-
artig. An den schlanken Fühlern die Glieder vom 2ten
bis zum 4ten allmählich zunehmend , das 5te noch fast
dem 4ten gleich, die folgenden sich wieder allmählich
aber kaum merkbar verkürzend, so dass das lOte dem
dritten nur wenig nachsteht, und das lang zugespitzte
Verzeiclin. d. auf d. Insel Cuba gesfimmelt. Chrysomelinen. 205
Endglied wieder dem 4ten gleichkommt. Die Farbe
dunkel rostroth, von der Spitze des 3ten ab allmälilicli
sich bräunend, die mittleren am stärksten, und die obe-
ren wieder röthlich durchscheinend. Das Halsscbild etwa
doppelt breiter als lang, quer übergewölbt, die Seiten hin-
ter den stumpfen Vorderecken etwas im Bogen erweitert,
hinterwärts leicht ausgeschweift, mit kurz und spitz vor-
tretenden Hinterecken, die mittlere Hälfte des Hinter-
randes breit heraustretend, und vor letzterem eine sehr
flache, eigentlich nur durch eine grössere quer gezogene
Mittelgrube und jederseits eine Seitengrube angedeutete
Querfurche ; letztere nach aussen hin ziemlich scharf be-
gränzt und die Seitenränder nicht erreichend; die Ober-
fläche glänzend dunkelrostroth, ohne Punktirung. Das
punktirte, kaum glänzende Schildchen ziemlich gleichsei-
tigdreieckig, gleichfalls rostroth. Die gewölbten Deck-
schilde gestreckt, um mehr wie die Hälfte länger als
breit, merklich breiter als das Halsschild, mit sieben er-
höhten Längsrippen, welche deutlich die ersten sechs und
den 8ten Zwischenraum darstellen, indem jederseits der
äussersten noch ein sehr breiter, den Raum für eine
fehlende Rippe darbietender Zwischenraum vorhanden
ist. In den dazwischen liegenden Furchen finden sich
stellenweise erloschene Spuren der ursprünglichen Punkt-
streifen, die man aber nur wahrnimmt, wenn man den
Käfer unter schräger Beleuchtung hin- und herwendet;
sonst sind die Deckschilde glatt und ziemlich glänzend.
Die Farbe stahlblau, der umgeschlagene Rand fein ge-
röthet. Auf der Unterseite ist der umgeschlagene Theil
von Kopf und Halsschild mit Vorderbrust, Mittelbrust und
Beinen schön roth, Hinterbrust und Hinterleib sind dun-
kel schwarzblau. Die Hinterschenkel ziemlich stark auf-
getrieben, die Hinterschienen aussen der ganzen Länge
nach seicht gefurcht.
Von der vorliegenden Art hat G. zwei nicht völlig
übereinstimmende Stücke eingesandt. Von dem ersten,
welches ich für das typische halte, ist die obige Be-
schreibung entnommen; bei dem zweiten Ist der dunkle
206 Snffrian:
Theil der Fühler etwas mehr geschwärzt imd scheint nur
erst an der Spitze bräunlich durch, an den Deckschilden
Ist der rothe Saum deutlicher und auch längs der Naht
wahrnehmbar, und die Längsrippen der Deckschilde sind,
besonders nach aussen hin, schwächer , so dass die aus-
serste, in der Verlängerung der Schulterbeule liegende
und bei dem ersten Stücke schärfere hier nur durch eine
breite und stumpfe Längserhöhung angedeutet ist. G.
hatte dieses Stück unter einer besonderen Nummer einge-
schickt; ich möchte darin aber bei der sonst völligen Ue-
bereinstimmung nur eine zufällige Abänderung erkennen,
wenn nicht etwa das andere Geschlecht und zwar das </
darunter verborgen ist. Vgl. das oben über eine ähnliche
Bildung bei H. costipennis Bemerkte.
141. H. 14-punctata m. Elongata dcprcssiuscula
pallide testacea , antennis apicc fuscis , elytris obsolete
costulatis, punctis septem nigris (2, o, 2) notatis. Long.
IV3— IV2'"; lat. 7i2— V2'".
Bei etwa gleicher Länge mit der vorhergehenden merk-
lich flacher, auch dabei nicht ganz so breit, und dadurch,
wie durch die helle mit schwarzen PunktcMi gezeichnete
Färbung von ihr äusserlich sehr abweichend. Die Farbe
ist ein bleiches, auf der Mitte des Halsschilds zuweilen
etwas getrübtes Knochengelb, die grössere obere Hälfte
der Fühler schmutzig Igebräunt, die Flügeldecken bei
vollständig ausgebildeter Zeichnung njit je sieben in drei
Querreihen gestellten, gewöhnlich etwas länglichen schwar-
zen Flecken besetzt. In der ersten Reihe stehen deren
zwei, der äussere auf der Schulterbeule, der innere auf
der Mitte zwischen jenem und der Naht; in der zweiten
Reihe (auf der Mitte der Flügeldecken) drei, der innere
und äussere hinter jenen, doch etwas weiter auseinander
gerückt, der mittlere zwischen beiden , etwas nach vorn
geschoben und dem äusseren Fleckchen näher gerückt,
dasselbe zuweilen berührend : die hintere Reihe auf der
Wölbung, schräg, der äussere Fleck hinter dem der Iten
und 2ten Reihe, der innere mehr nach vorn gestellt, mit
seinem Vorderende hinter dem Innenfleckc der 2ten Reihe
Verzeiclm. d. auf d. Insel Cuba gesammelt. Chrysomelinen. 207
stehend, manchmal hinten schräg nach Aussen verlängert
und wie aus zwei Flecken zusammengeflossen, wie eine
solche Trennung auch wirklich bei einem der mir vorlie-
genden Stücke zu bemerken ist. Auch sonst unterliegt die
Zeichnung noch manchen Abänderungen. Bei einem sehr
kleinen (daher wohl cT) Stücke sind die beiden Hinter-
flecke zu einem dicken Schrägflecke zusammengeflossen,
und dasselbe zeigt auch noch auf dem Halsschilde zwei ne-
ben einander stehende sehr kleine, aber scharf begränzte
schwarze Punkte, so wie überwiegend schwarze Fühler;
bei einem anderen sind alle Punkte sehr klein und der
mittlere der zweiten Reihe fehlt ganz, während er wie-
der bei einem anderen zu einem feinen Längswische ge-
schwunden ist, und bei demselben ist der äussere Hin-
terfleck auf der Unken Flügeldecke in zwei hinter einan-
der stehende Punkte zerrissen; bei noch einem anderen
ist die Trennung jenes Hinterflecks nur auf der rechten
Flügeldecke eingetreten ; kurz, es giebt kaum zwei Stücke,
welche in Zahl, Gestalt und Grösse jener Flecke völlig
übereinkommen, während doch der Typus der Art überall
hervortritt.
Dabeiist, wie bei der vorigen, die Stirn grob runzlig
punktirt, mit schwachen Beulen und breitem, stumpfen
Kiele zwischen den Fühlern; letztere schlank mit schmal
elliptischem, ziemlich langgestrecktem 2ten Gliede; das
4te und 5te Glied gleich lang und am längsten, die obe-
ren wieder bis zum lOten abnehmend, alle vom 4ten ab
schmutzig gebräunt mit heller durchscheinender Wurzel,
bei dem oben genannten Stücke fast schwarz. Das kurze
Halsschild etwas uneben, vorn jederseits breit im Bogen
erweitert und darüber mit einem schräg nach vorn und
aussen ziehenden schrammenartigen Eindrucke; die stum-
pfen Vorderecken kurz aufgebogen , die Hinterecken
wieder scharf hervortretend, der Hinterrand leicht ge-
schweift, mit schwach vorgezogener Mitte. Die Oberfläche
zerstreut punktirt mit massig glänzendem Zwischengrunde,
die Querfurche etwas deutlicher als bei der vorherge-
henden Art, ihre drei Grübchen meist durch einen schwä-
208 Suffrian:
cheren Quereindriick verbunden. Das Schildcben fast
gleichseitigdreieckig, undeutlich punktirt; die Deckschilde
mit neun flach erhöhten , stellenweise besonders nach
aussen hin undeutlichen Längsrippen, welche die Zwi-
schenräume verloschener, hier und da noch schwach an-
gedeuteter Punktstrelfen bilden , dabei von massigem
Glänze. Die Unterseite des Körpers etwas trüber gelb,
die Beine wieder heller, mit stark verdickten, glänzenden
Hinterschenkeln.
g. Corpus minutum, convexum. Thorax puncta-
tus, postice sulcatus, sulco abbreviato. Elytra punctato-
strlata, pubescentia. Pedes posticl ut in div. f. Crepido-
dera sp. Chevr. Ex Halticis caesis II Hg.
142. H. pubescens Ent. H. Ent. Hefte IL 37.
n. 17. (excl. var. a. b) lUig. Mag. VI. 112. n.a7. Gyll.
Ins. Suec. HI. 555. n. 27. Crepidodera fuscata Jacq. Duv.
1. c. VII. 312. Der von Dr. G. unter diesem letzteren
Namen eingeschickte Käfer stimmt zu Jacq. DuvaTs
ausführlicher Diagnose so genau , dass ich nicht daran
zweifle, die von letzterem gemeinte Art wirklich vor mir
zu haben, aber eben so wenig kann ich In ihm eine eigene
Art erkennen, da er in Nichts von unserer bekannten
deutschen H. pubeacens der Ent. Hefte verschieden ist.
Es ist auch längst bekannt, dass diese Art in Nordame-
rika eine weite Verbreitung besitzt. Schon III ige r a.
a. O. giebt Pennsylvanlen als Ihre Heimath an; ich selbst
besitze sie aus Maryland und anderen Theilen des nord-
amerikanischen Festlandes, und Gyllenhal bemerkt
a. a. 0., dass er von For ström mitgebrachte Stücke
von den Inseln St. Barthelcmy und St. Eustache besitze.
Diese Westindischen Stücke sollen sich zwar von den
Europäischen durch ganz gelbe Farbe der Fühler (welche
von ihm bei dem schwedischen Käfer als nigrofiiscae
versus hasin pallide testaceae angegeben werden) und
etwas heller gelbe Färbung der Hinterschienen und
HInterfüsse untersclielden, aber diese augenscheinlich
mit einander zusammenhängenden Abweichungen sind
durchaus von keiner Bedeutung. Denn während auch
Verzeichn. d. auf d. Insel Cuba g'esammeU. Chrysomelinen. 209
die Eni. Hefte a. a. 0. jene Tlieile als bräunlichgelb mit
gegen das Ende dunkleren Fühlern beschreiben, bezeich-
net 111 ig er a. a. O. dieselben einfach als ^rufae^ und
auch ich. selbst besitze unter meinen Europäischen Stücken
solche vom Harze, welche in den einfarbig gelben Bei-
nen (die stets und auch bei dem Cubanerkäfer pechbrau-
nen Hinterschenkel kommen dabei nicht in Betracht) mit
diesem letzteren übereinstimmen.
Noch ist zu Jacq. Duval's Diagnose zu bemer-
ken, dass das darin angegebene am Seitenrande des Hals-
schilds hinter der Vorderecke stehende Zähnchen durch
eine winklige leicht schwielig aufgetriebene Krümmuno-
des Randes gebildet wird und, obwohl von den Verfas-
sern der Ent. H. und Gyllenhal nicht erwähnt, doch
aber eben so bei dem Europäschen Käfer vorhanden ist;
und dann, dass sein Ausdruck, die Halsschildsfurche bilde
ein V-ähnliches Zeichen, nicht zu wörtlich genommen
werden darf. Die Furche liegt nur nicht regelrecht quer,
sondern bildet in der Mitte einen leicht hinterwärts ge-
schweiften Zipfel (--), eben so v;ie bei unseren Europäi-
schen Stücken.
143. H. h i r t i p e n n i s Melsh. Crioceris parvula
Fab. Syst. Eleuth. 1. 468. n. 94. Haltica parvula Illig.
Mag. VI. 111. n.35. Diesen letzteren Namen kann der
Käfer wegen der viel älteren P aykul l'schen Art nicht
behalten, und es ist deshalb nicht zu billigen, dass 111 i-
ger, um ihn beibehalten zu können, den Namen der
PaykulPschen Art (ebend. 170. n. 13S) in Halt, pumila
abgeändert hat, eine Aenderung, die deshalb auch von
Kedtenbacher (Faun. Austr. ed. IL 943) mit vollem
Rechte rückgängig gemacht worden ist. Die Fabr.
Art muss deshalb einen anderen Namen erhalten, und
.ich habe sie hier daher unter der Benennung aufge-
führt, unter der sie mir aus Nordamerika zugekom-
men ist; ich muss jedoch bemerken, dass ich die betref-
fende M e 1 s h e i m e r'sche Beschreibung (Proceedings
of the Acad. of nat. Sc. of Philadelphia HI. 165) nicht
Archiv für Naturg. XXXIV. Jalir^. 1. 14
210 Suffrian:
liabe vergleichen können ^). Die Art selbst, welche sich
von H. pubescens bei etwa um die Hälfte geringerer Länge
noch durch einen sehr merklich schmaleren, daher stär-
ker gewölbten, mehr gestreckt eiförmigen Körper und
eine mehr vereinzelte aber struppigere Behaarung der
Deckschilde unterscheidet, ist von Fahr i eins und II-
liger a. a. 0. sehr kenntlich charakterisirt worden, und
dem dort Gesagten nur hinzuzufügen, dass die schmutzig
bräunliche Querbinde der Deckschildc mehr oder weniger
unregelmässig, mit verwaschener Begränzung oft unter-
brochen und abgekürzt ist, manchmal auch ganz verschwin-
det, während andererseits bei recht intensiver Färbung
derselben sich auch wohl die Naht schmal und verwa-
schen bräunlich färbt. Abgeriebene Stücke, wie sie nicht
selten gefunden werden, pflegen stärker zu glänzen, und
ein solches mag Fabricius vor sich gehabt liaben, wenn
er in der Descr. seinem Käfer Elytra iaevia beilegt. Die
Halsschildsfurche ist schmaler, auch weniger tief als bei
der vorhergehenden Art, und in ihrer Mitte nicht hinter-
wärts gebogen. Stücke, bei denen sie, wie 111 ig er an-
giebt, in der Mitte unterbrochen wäie, habe ich nicht
gesehen, zweifle aber bei dem verschiedenen Ausbildungs-
grade derselben, wie ihn die vorliegenden Stücke zeigen,
an ihrem Vorkommen nicht.
h. Corpus ovatum convexiusculum. Thorax postice
integer, elytra Iaevia vel subtilissime punctulate. Fe-
mora postica modice incrassata, tibiae et unguiculi ut in
Sect. praec. Aphthona Chevr. Ex Halticis saltatricibus
Uligeri.
1) Die ersten fünf Bände dieser Proceedings (bis einschliess-
lich 1851) scheinen in den deutschen Bibliotheken zu den giössten
Seltenheiten zu gehören. Das einzige Exemplar, welches ich von
denselben gesehen habe, befand sich in der Germar'schen Biblio-
thek und ist von mir früher (speciell jene M eis heim er'sche Ab-
handlung) bei meiner Bearbeitung der Nordamerikanischen Crypto-
cephalen benutzt worden. Der spätere Verbleib dieses Exemplars
ist mir unbekannt.
Verzeiehn. d. auf d. Insel Cuba gesammelt. Chrysomelinen. 211
144. H. compressa m. Ovata convexa rufa, ely-
tris postice dilatatis ante medium profunde transversim
impressis subtilissime punctulatis violaceis nitidls. Long.
^ir\ lat. V2'".
Der ganze Körper schön roth, der obere Theil der
stark weisslich behaarten Fühler kaum etwas dunkler,
nur die Deckschilde eben so schön veilchenblau mit Stahl-
glanze, nur zuweilen leicht ins Röthlichblaue spielend.
Der Körper hinterwärts etwas verbreitert und daselbst
leicht buckelig erhöht , wodurch die Art der oben be-
schriebenen H. gravidula im Habitus einigermassen ähn-
lich wird. Der flache Kopf ist bei einigen der vorliegen-
den Stücke glatt, bei anderen ziemlich dicht punktirt,
ohne merkliche Beulchen , mit scharfem Kiele zwischen
den Fühlern. Letztore gestreckt und schlank, das zweite
Glied kurz eiförmig, das 3te um die Hälfte und das 4te
doppelt länger, die oberen wieder sehr allmählich ver-
kürzt, so dass das vorletzte etwa wieder dem dritten
gleichkommt, dabei vom 6ten ab leicht zusammengedrückt,
das Endglied auch nur wenig länger als das vorherge-
hende. Das Halsschild quer übergewölbt mit etwas ein-
gesenktem Hinterrande, welcher zugleich in der Mitte
kaum merklich ausgebuchtet erscheint; die Seiten sanft
gerundet, mit kurzen stumpfen, kaum schwielig aufgetrie-
benen Vorder-, aber scharf zugespitzten Hinterecken; die
Oberfläche spiegelglatt. Das Schildchen fast gleichseitig-
dreieckig, mit sanft gerundeten Seiten, gleichfalls glän-
zend roth. Die Deckschilde etwas breiter als das Hals-
schild, hinterwärts verbreitert, hinter dem ersten Viertel
ihrer Länge stark quer zusammen- und hinter den Scl^ul-
terbeulen quer eingedrückt, durch diesen an der Naht
sich verflachenden Eindruck hinterwärts etwas aufgetrie-
ben, auch nach vorn v^rieder erhöht und daselbst zur
Wurzel hin bogig abfallend, die Naht hinter dem Schild-
chen der Länge nach flach niedergedrückt. Die grossen
Schulterbeulen innerseits durch einen kurzen, breiten
Längseindruck abgesetzt. Die Oberfläche dicht und fein
212 Suffrian:
punktirt; glänzend veilchenblau. Unterseite und Beine
gleichfalls einfarbig roth.
145. H. auri pe nnis m. Elongata convexiuscula
ferruginea^ antennis apice infuseatis, elytris leviter im-
pressis vix punctulatis viiidi-aureis. Long. ^5 — ^U'" \
lat V4-V3'".
Der vorhergehenden überaus ähnlich, aber meist
etwas kleiner, besonders schmaler und deshalb gestreck-
ter, auch der Rücken flacher und der vordere Ein-
druck der Flügeldecken schwächer, dafür aber mit sei-
nem Innenende der Naht näher gerückt. Am Kopfe sind
die 8tirnbeulen deutlicher, und der Zwischenraum zwi-
schen den Fühlern ist verhältnissmässig breiter, aber
stumpfer gekielt. Die Farbe des Körpers ist ein viel
helleres Rothgelb, die Fühler sind gebräunt, mit lichterer
Färbung der drei oder vier unteren Glieder; die Deck-
schilde zeigen kaum eine Spur feiner Punktiruiig, und
sind dabei schön glänzend einfarbig goldgrün. Alles An-
dere wie bei der vorhergehenden Art.
i. Corpus elongatum, sublineare, depressiusculum.
Antennae longiores, versus apicem incrassatae. Thorax
postice integer. Elytra punctata. Femora postica fortiter
incrassata. Tibiac et unguiculi ut in Sectt. praecedenti-
bus. Systena Chv.
146. H. basalis Jacq. Duv. Elongata acnca pro-
funde punctata, antennarum basi, abdomine, elytrorum
vitta testaceis.
(^ capite, antennis pedibus vittaque elytroruum inte-
gra testaceis. Syst. parallela Mus. Berol.
2 capite obscuriore, antennis pedibusque infuseatis,
femoribus nigro-aeneis basi apiceriue lutescentibus, vitta
elytrorum intcrrupta vel antice tantum abbreviata, plerum-
que punctiformi. Syst. basalis Jacq. Duv. 1. c. \ li. 312.
Syst. pyritosa Mus. Berol.
Long. IV4-IV2'"; lat. V2— Vs'".
Dass die vorbezeichneten, im Mus. Berol. als beson-
dere Arten betrachteten Thiere nur die verschiedenen
Geschlechter einer Art bilden, ist von Dr. G. festge-
Verzeichn. d. auf d. Insel Cnba gesammelt. Chrysomelineu. 213
stellt worden. Die von Jacq. Diival a. a. 0. gegebene
Diagnose des $ Ist im Ganzen treffend, und derselben
nur hinzuzufügen, dass nach fünf mir vorliegenden $ die
Körperfärbung nicht als erzgrün (viridi-aeneus), sondern
als schwarzgrün bezeichnet werden muss, dass Kopf und
Beine, bis auf die hellere Fühlerbasis des ersteren und
die geschwärzten nur an Wurzel und Spitze helleren
Schenkel der letzteren, nicht gelb sondern schmutzig
braungelb sind, und dass der Fleck an der Wurzel bald
nur klein, rundlich, trübgelb und zuweilen fast ganz
verschwunden ist, bald aber sich zu einem deutlichen,
heller gelben, das abgerissene Vorderende der Längsbinde
des f/ darstellenden Längsfleck ausstreckt, und fast Im-
mer in einem ähnlichen aber meist kleineren Flecke vor
der Spitze der Flügeldecken ein entsprechendes Ende
findet. Bei dem kleineren und schmaleren cT ist die
Längsbinde vollständig, hinter der Mitte ein wenig ver-
schmälert, fast bis zur Spitze reichend, so dass das Thier
gleichsam unsere H. vittula Redt, im Grossen wieder-
holt; Fühler, Beine und Kopf sind hellgelb. Die Füh-
ler, an denen das 4te Glied das längste ist, sind bei bei-
den Geschlechtern nach der Spitze zu deutlich verdickt.
147. PL c 0 erule ip e n nis m. Elongata luteo-fer-
ruginea, antennis apice, abdomine, tibils tarsisque nigris,
elytris subtiliter punctulatis atrocoeruleis nitidulis. Long
P/s'"; lat. Vs'".
Ziemlich gleichbreit, auch das Halsschild fast so breit
als die Deckschilde, und daher in der Gestalt einer klei-
nen Lema oder einem Luperus nicht unähnlich. Die
P'arbe des Körpers ist ein ziemlich helles Rost- oder Zie-
gelroth; die Fühler schwarz, die 3 — 4 unteren Glieder
an der Wurzel, Spitze und Unterseite bräunlich durch-
scheinend, auch der Hinterleib mit den Fussgliedern und
dem unteren und äusseren Theile der Schienen schwärz-
lich ; die fein aber dicht und deutlich punctirten Deck-
schilde tief schwarzblau. Der Kopf glatt, die länglichen
Stirnbeulen kräftig, durch eine kurze aber tiefe Längs-
furche getrennt und sich mit ihren unteren Enden zu
214 Suffrian:
dem die Fühler trennenden, gleich kräftigen Längskiele
vereinigend. An den Fühlern das 2te bis 5te Glied all-
mählich wachsend, das 5te bis 7te von gleicher Länge,
eben so das (wieder kürzere) 8te bis lOte an Länge kaum
verschieden. Das leicht quer gewölbte Halsschild hinten
etwas abgeflacht, mit kurzen, stumpfen, etwas aufgebo-
genen und schwielig aufgetriebenen Vorderecken; auch
die schärferen Hinterecken wenig hervortretend. Die
Oberfläche kaum punktirt, spiegelglatt. Das 8childchen
etwas breiter als lang, mit stumpf abgerundetem Hinter-
ende. Die Deckschilde längs der Naht etwas flach ge-
drückt, hinter dem Schildchen leicht eingedrückt, und an
den Beinen die Hinterschenkel kräftig aufgetrieben, sonst
aber ohne besondere Auszeichnung.
k. Corpus elongatum, angustum, depressiusculum.
Antennae graciles, artic. 2. et 3. ferc aequalibus. Thorax
postice integer. Elytra punctulata. Femora postica modice
incrassata, tibiae tarsique graciles, tibiae poslicae calcare
tenui instructae. Fhyllotreta Chvr. Ex Halticis saltatri-
Gihus ItUgeri,
148. H, fallax m. Elongata obscure viridl-aenea, an-
tennis nigris, basi, tibiarum apice tarsisque luteis, thorace
elytrisque subtilissime punctulatis. Long. ^^'^ ; lat. Vs'"-
Ein Käfer von ganz und gar Europäischem Habitus,
unserer gemeinen Haltica lepiduEnt. H. an Grösse, Ge-
stalt, Sculptur und Färbung, selbst in den hinten abge-
rundeten Flügeldecken zum Verwechseln ähnlich, und von
ihr nur durch wenige und überaus feine Merkmale zu un-
terscheiden. Die Punktirung des Halsschilds ist ein wenig
deutlicher, zuweilen noch durch einen flachen Längsein-
druck vor dem Schildchen verstärkt, die Farbe manchmal
etwas mehr ins Grünliche ziehend; die Wurzel der Füh-
ler bald ziemlich dunkel, bald mehr ins heller Gelbliche
fallend, wenn auch nicht so hell als bei unseren gleich-
falls nahe verwandten aber merklich gröber punktirten
Arten ff. atra Pajk. und ohsGureUa Illig., zuweilen das
2te bis 4te Glied hellgelb, die Unterseite des ersten mit
Wurzel und Spitze desselben und der Wurzel des 5ten
Verzeichn. d. auf d. Insel Cuba gesammell, ( hrysomelinen. 215
trüber gebräunt. Bei diesen Stücken sind auch die in
der Mitte wieder ins Erzgrünb'che fallenden Schienen und
die Fussglleder gelblich ; beiden (meist kleineren, ob r5^?)
dunkleren Stücken fällt nur die Wurzel der Schienen
mit dem längeren ersten Gliede der Hinterfüsse ins trüb-
gelbliche, während die unteren Fussglieder bräunlich
und selbst verwaschen geschwärzt erscheinen.
XXIII. liOng^itar^iis Latr.
149. L. varicornis m. Elongatus ferrugineus, pe-
dibus antennisque pallidioribus medio nigricantibus, femo
ribus posticis infuscatis, elytris vix punctulatis. Long. Va —
2/5'"; lat. Ve-Vö'".
Von der Gestalt und dem Habitus unseres L. pra-
tensis Ent. H., aber noch kleiner als dessen kleinste Stücke,
und ausserdem an seiner Färbung und Farbenvertheilung
leicht kenntlich. Die Farbe ist ein ziemlich dunkles aber
reines und glänzendes Rostroth , 'die Beine und Fühler
etwas heller, bei helleren Stücken bleichgelb, die kräftig
aufgetriebenen Hinterschenkel auf ihrer breiten Innenseite
schmutzig geschwärzt; das 5te bis 8te Fühlerglied gleich-
falls geschwärzt, auch bei den helleren Stücken tief ge-
bräunt, und dadurch gegen die dann gleichfalls lichtere
Wurzel und Spitze der Fühler genugsam abstechend. Die
Fühler selbst schlank, das 2te Glied schmal elliptisch, wenig
kürzer als das verkehrt kegelförmige dritte, die folgenden
vom 4ten bis zum lOtcn ziemlich gleich lang, und das
noch etwas längere Endglied in eine kurze stumpfe Spitze
ausgezogen. Die Stirnbeulen undeutlich, zuweilen kaum
getrennt, der Kiel zwischen den Fühlerwurzeln schmal
und stumpf. Das flach walzliche Halsschild um die Hälfte
breiter als lang, in der Mitte in kräftigem. Bogen erwei-
tert, Vorder- und Hinterecken stumpf, letztere etwas
aufgebogen; die Oberfläche punktirt und wenig glänzend.
Das kleine Schildchen fast gleichseitigdreieckig mit ge-
rundeten Seiten. Die Deckschilde breiter als das Hals-
schild, mit stumpf vortretenden, fast rechwiakligen Schul-
216 Suffrian:
tern, aus dem Walzenförmigen hinten etwas erweitert,
vor der Mitte durch einen je nach der Grösse der Stücke
mehr oder weniger deutlichen Quereindruck etwas verengt,
kaum sichtbar punktirt, glänzend.
Dieselbe Art besitze ich; von Hrn. Pfarrer Scriba
mitgetheilt, aus Venezuela.
150. L. serainulum m. Elongatus testaceus, an-
tennarum basi tibiis tarsisque pallidioribus, elytris subti-
liter punctulatis. Long. Vi'"; l^*« Ve'"-
Von dem Habitus unseres L. parvuhis Payk. und
pusülus Gyl., aber noch merklich kleiner, die Farbe
mehr ein schmutziges Ziegelroth, die Wurzel der Fühler
und die Beine (bis auf die wieder mehr getrübten, stark
aufgetriebenen Hinterschenkel) etwas heller gelb. Der
Kopf ohne deutliche Stirnbeulen, mit einer leichten Quer-
linie und kräftig vortretendem Längskicle zwischen den
Fühlern; letztere derb, von massiger Länge, das langge-
streckte 2te Glied um die Hälfte länger und zugleich
dicker als das 3te, die oberen wenig stärker, das Endglied
in eine kurze stumpfe Spitze ausgezogen. Das flach wal-
zenförmige Halsschild um die Hälfte breiter als lang, an
den Seiten kaum erweitert, aber deutlich gerandet, mit
ziemlich scharfen, aber wenig vortretenden Ecken, ohne
deutliche Punktirung, schmutzig ziegelroth, mit verwasche-
nem lichteren Vordersaume, Das Schildchen sehr kurz und
breit dreieckig, mit etwas abgerundeten Seiten. Die flach
und schmal eiförmigen Dcckschilde fallen seitlich und
hinterwärts stark ab, sind aber ohne sichtbaren Eindruck,
dabei fein und dicht punktirt, massig glänzend, und die
Schultern reichen rechtwinklig über das Halsschild hin-
aus. Alles Uebrige wie bei der vorhergehenden Art.
151. L. subaeneus m. Elongatus, luride testa-
ceus, aenescens, capite obscuriore, antennis apice nigri-
cantibus, thorace elytrisque punctulatis. Long. Vs — V2'" ;
Schmaler und mehr gestreckt als die beiden vor-
hergehenden, an Länge etwa dem L. variGornis gleich,
aber die Schultern weniger heraustretend; und der ganze
Verzeicbn. d. auf d. Insel Cuhp< gesammelt. Chrysomeliüen. 217
Käfer mehr nacii vorn allmählicher aber auch deutlicher
verschmälert. Die Farbe ist bei den drei mir vorliegenden
Stücken niclit völlig gleich, obwohl ich an deren Zusam-
mengehören sonst nicht zweiÜe. Sie ist bei allen ein ins
schmutzig Strohgelbe fallendes Greisgelb^ aber bei dem,
welches ich für das am besten ausgefärbte halte, zeigen
Kopf, Halsschild und der hinten verwaschen begränzte
mittlere Theil des Kückens der Deckschilde bis zur Wöl-
bung einen deutlichen metallischen, ins Erzgrünliche fal-
lenden Anflug, durch den nur die Schultern etwas heller
durchschimmern; bei dem zweiten etwas helleren ist die-
ser Anflug nur auf Kopf und Halsschild deutlich, auf den
Deckschilden aber sehr abgeschwächt ; und bei dem drit-
ten (etwas grösseren und daher wahrscheinlich $) Stücke
findet er sich eigentlich nur am Kopfe, ist auf dem beson-
ders hinterwärts schmutzig wellig durchscheinenden Hals-
schilde merklich schwächer, und auf den Deckschilden
auf einen verwaschenen Querfleck an der Wurzel und
das Schildchen beschränkt. An den massig langen Füh-
lern ist das 2te Glied gestreckt, eben so lang aber dicker
als das dritte, kaum kürzer als das 4te, aber kürzer als
das (längste) 5te: die drei unteren Glieder sind bleich-
gelb, das 4te leicht gebräunt, die oberen schwarz, die
4 — 5 letzten bei dem cT etwas dicker als bei dem (muth-
masslichen) $. Auf der Stirn sind die Beulchen unge-
mein schwach; der Längskiel deutlich. Das walzenför-
mige, seitlich scharf gerandete Halsschild hinter den kur-
zen Vorderecken leicht erweitert, dicht und deutlich punk-
tirt, mit glänzendem Zwischengiundc. Das Schiidchen
breit und sehr kurz dreieckig, ebenso gefärbt und punk-
tirt wie die Deckschilde selbst, und daher nur mit Mühe
wahrnehmbar. Die schmal eiförmigen Deckschilde vorn
kaum breiter als das Halsschild, hinterwärts schwach ver-
breitert, seitlich mit steiler Krümmung abfallend, fast
zusammengedrückt, dicht punktirt, mit stark glänzendem
Zwischengrunde. Unterseite und Beine bleichgelb, die
stark verdickten Hinterschenkel auf der breiten Innenfläche
mit einem bräunlichen Längswische gezeichnet.
218 Siiffriaii:
XXIV. PlectrosceliiS Redt.
152. PL tuber culata m. Pallida nitida; tho-
race punctulato, elytris aenescentibus, ante medium pro-
funde transversim impressis , basi tuberculatis, laevibus.
Long. Vs-Vs'"; lat. Ve-W"-
Länglich eifömig. hinterwärts etwas verbreitert, bleich
gelb mit etwas dunkleren Fühlercnden und Deckschilden,
die Oberseite mit starkem Glänze, welcher auf den Deck-
schilden ins Metallische fällt und stellenweise selbst einen
buntkupfrigen Schimmer zeigt. Die Stirn oben mit einer
abgekürzten, sehr fein eingeschnittenen Längslinie, nach
unten mit zwei länglichen Beulchen, zwischen welchen
das obere Ende des die Fühler trennenden Längskiels
sich einschiebt; letztere kräftig, das 2te Glied nur wenig
kürzer als das dritte, dieses und die folgenden bis zum
7ten gleich lang, das 8te bis lOte besonders bei dem $
allmählich kürzer und dadurch anscheinend dicker, das
Endglied mit kurzer Spitze. Die Faibe der oberen vom
6ten oder 7ten ab mehr oder weniger geschwärzt. Das
Halsschild etwa doppelt breiter als lang, flach quer ge-
wölbt, und nach vorn und hinten gleichmässig abfallend,
die fein gerandeten Seiten in der Mitte in sanftem Bo-
gen erweitert, mit etwas aufgebogenen Vorder- und kur-
zen spitz hervortretenden Hinterecken; der etwas ge-
schweifte Hinterrand in der Mitte leicht heraustretend.
Die Oberfläche etwas uneben, deutlicli und ziemlich dicht
punktirt, mit glänzendem, leicht erzschimmerndem Zwi-
schengrunde. Das dreieckige Schildchen hinten stumpf
abgerundet , längs der Mitte seicht eingedrückt. Die
Deckschilde etwa Va länger als breit, hinterwärts wenig
erweitert, breit und flach gewölbt, vorn etwas breiter als
das Halsschild ; die stumpfen Schulterbeulen innerseits
durch einen flachen dreieckigen Eindruck abgesetzt, der
Rücken hinter dem ersten Viertel tief quer eingedrückt,
und dadurch der vor diesem Eindrucke zwischen Naht,
Wurzel und Schulterbeulcn liegende Theil der Flügel-
decken in Gestalt eines breiten abgerundeten Querbuckels
Verzcichn. d. auf d. Insel Cuba gesammelt. Chrysomeliiien. 219
aufgetrieben. Die Oberfläche deutlich punktstreifig, die
breiten fiachgewölbten Zwischenräume spiegelglatt, mit
mehr oder weniger deutlich ins Grünliche , selbst ins
Buntkupferige fallendem Erzglanze. Unterseite und Bei ne
lehmgelb; die breiten Innenseiten der Hinterschenkel
zuweilen mit einem schmutzig bräunlichen Längswische;
der Zahn über dem unteren Ende der Flinterschienen nur
wenig hervortretend.
153. PI. apricaria Mus. Berol. Atro-aenea niti-
dula, antennis pedibusque (femoribus posticis exceptis)
flavis, thorace subtiliter dense punctulato, elytrorum stria
7ma antice abbreviata, insterstitiis subtilissime transverslm
rugulosis. Long. V4— /V'S" lat. Ve — V".
Nach Habitus und Färbung (der ausgefärbten Stücke)
unserer Halt, dentipes Ent. H. zu vergleichen, aber kaum
halb so gross, und ausserdem an der dichten Punktirung
des Halsschilds und der eigenthümlichen Sculptur der
Deckschilde leicht zu erkennen. Die Farbe ein tiefes
metallisch schimmerndes Schwarzgrün, bei einzelnen sonst
nicht abweichenden und auch völlig ausgehärteten Stücken
mehr ins metallisch pechbraune und dann leicht kupferglän-
zende fallend; Fühler, Mundtheile und Beine, letztere
bis auf die stark verdickten, metallisch schwarzgrünen
Hinterschenkel, hell und rein gelb. Der Kopf mit zwei
feinen, von den oberen Augenrändern unterwärts zusam-
mengeneigten, und mit ihren unteren Enden durch eine
ebenso feine Querllnie verbundenen Schräglinien ; der die
Fühlerwurzeln trennende Längskiel breit und flach, sich
nach unten dreieckig erweiternd und unmittelbar in das
Kopfschild übergehend. Die Fühler oberwärts leicht ver-
dickt, das 2te Glied merklich dicker und nur wenig län-
ger als das dritte. Das flach gewölbte Halsschild mit
fast geraden Seltenrändern nach vorn wenig erweitert,
aber daselbst durch die schräg abwärts gedrückten Vor-
derwinkel anscheinend verschmälert, der feine Seiten-
rand nach unten umgebogen, oberwärts von einem flachen
meist unscheinbaren Längswulste begleitet , die Kante
selbst nach vorn verbreitert und etwas unterwärts ge-
2ü0 Suffrian:
drückt, der Hinterrand jederseits mit einem feinen, aber
bei einzelnen Stücken fehlenden kurz linienförmigen
Schrägeindruck. Die Oberfläche dicht und ziemlich fein
punktirt. Das Schildchen kurz und breit, hinten abge-
rundet. Die Deckschilde ziemlich schmal eiförmig, vorn
wenig breiter als das Halsschild, hinten stumpf zugerun-
det, flach gewölbt, vor der Mitte leicht quer niedergedrückt,
sehr regelmässig punktstreifig, die Vorderenden des Sten
und 9ten Streifens etwas tiefer eingedrückt und meist aus
grösseren Punkten gebildet; dagegen fehlt dasselbe bei
dem 7ten Streifen, so dass dieser etwa am ersten Sechstel
der Flügeldeckeulänge nach vorn in den 8ten Streifen
ausläuft, oder vielmehr sein Vorderende mit dem des 8ten
zusammenfällt. Die Zwischenräume flach gewölbt, dicht
und fein querrunzlig punktirt, massig glänzend. Die Un-
terseite schwarz oder pechbiaun. Die zahnartige Erwei-
terung vor der Spitze der Hinterschienen stumpf und
wenig bemerkbar.
Eine der vorstehend beschriebenen überaus ähnliche
Art findet sich in Venezuela und ist mir von Herrn Pf.
Scriba ohne Namen mitgetheilt worden, wie es scheint,
auch noch nicht beschrieben. Sie ist bei gleicher Länge
mit der vorliegenden noch etwas schmaler (L. ^U'"] ßr. Vt'")»
ebenso dunkel schwarzgrün als die dunkelsten Stücke der
Fl. apricaria^ und unterscheidet sich von ihr durch die
dunkler lehmgelbe Färbung von Fühlern, Schienen und
Füssen, dunkel pechbraune, an Wurzel und Spitze hel-
lere Schenkel, und durch die Sculptur, bei welcher auf
den Deckschilden der Tte Streifen vollständig ausgebildet
ist, das matt glänzende Halsschild aber entweder gar keine
oder doch eine überaus feine und zerstreute Punktiruiig
zeigt. Ich nenne die x\rt einstweilen PL minuttssima und
diagnosire dieselbe als: PI. atroaenea, ore, antennis, ti-
biis tarsisque luteis, femoribus piceis, thorace opaco vix
punctulato, elytrorum insterstitiis subtilissime transversim
rugulosis nitidulis.
Verzeichn. d. auf d. Insel Cuba gesammelt. Chrysoraelinen. 221
XXV. »ibolia Latr.
154. D. rubr 0- p u stulata m. Ferruginca pun-
ctulata, antennis (basi excepta), femorum posticorum apice,
tarsis scutcllo elytrisqiie nigris, bis lituris sex riibris.
Lond. IV4'" ; lat. 2/2'".
var. ß. Tiiorace medio infuscato, elytrorum lituris
deletis.
Eine grosse, stattliche, zugleich durch die eigenthüm-
liche Zeichnung der Flügeldecken auffallende Art. Die
Grundfarbe des Körpers ist ein ziemlich helles Ziegel-
roth,- schwarz sind die grossen schmal eirunden, mit ihren
oberen Rändern auf der Stirn fast zusammenstossenden
Augen, die kräftigen Fühler bis auf deren drei untere
röthliche Glieder, die Fussglieder, die verwaschenen Un-
terenden der stark aufgetriebenen Hinterschenkel und
(in geringerer Ausdehnung) der Hinterschienen , das
Schildchen und die Flügeldecken, bei welchen letzteren
jedoch der umgeschlagene Rand röthlich bleibt, und eine
Anzahl Wische eine röthliche Färbung zeigen. Von die-
sen liegen drei auf der vorderen Hälfte der Flügeldecke,
nämlich eine fast die Wurzel erreichende abgekürzte
Längslinie neben dem Schildchen , ein entsprechender
Längswisch am Schulterrande ausserhalb der Schulter-
beule, und ein unregelmässiger breiter Fleck etwas hin-
terwärts zwischen der erstcren Linie und der Schul-
terbeule, dessen innerer Rand sich nach vorn zu einer
ziemlich langen aber schmalen Längslinie ausstreckt. Die
drei anderen Wische liegen hinterwärts auf und unter-
halb der AVölbung vor der Spitze; ein breiterer Längs-
wisch am Aussenrande, ein zweiter, dem erstercn parallel
laufender und stellenweise mit ihm verschwimmender
etwas weiter nach innen, und ein dritter, beiden Flügel-
decken gemeinsamer auf der Naht bis zur Spitze hin,
alle drei hinteren sehr verwaschen und unklar begränzt.
Bei dem oben als var. ß. bezeichneten Stücke ist von den
vorderen nur der Schulterwisch, hinten nur ein Theil
der beiden äusseren Flecke in schwacher Andeutung nur
222 Suffrian:
dann kenntlich, wenn man den Käfer anfeuchtet; bei
demselben Stücke ist zugleich der mittlere Theil des
Halsschilds in die Quere leicht und verwaschen gebräunt.
An den kräftigen Fühlern ist das zweite Glied breit
eiförmig, reichlich so lang aber dicker als das 3te; erst
das 4te ist verkehrt kegelförmig gestreckt und fast dop-
pelt länger als das 3te, das 5te noch etwas verlängert und
diesem das 6ie gleich^ die oberen allmählich wieder ver-
kürzt. Stirn und Nacken feld dreieckig, beide nur durch
eine schmale, die oberen Augenränder trennende Längs-
leiste verbunden; erstere mit schmaler aber deutlicher Quer-
furche, und unter dieser die beiden gewöhnlichen, unten zu
einer herzförmigen Schwiele verbundenen ßeulchen. Der
ganze Kopf und eben so das Halsschild nicht glänzend,
aber doch ohne deutliche Punktirung. Das Halsschild
kurz und breit, seitlich deutlich gerandet, die den Rand
absetzende Linie vorn plötzlich schräg einwärts gebrochen
und stark vertieft, die dadurch abgesetzte stumpfe Vor-
derecke schwielig aufgetrieben und etwas aufgebogen.
Das Schildchen kurz und breit dreieckig, hinten abge-
rundet. Die Deckschilde gestreckt elliptisch , ziemlich
gleichbreit, hinten kurz abgerundet, die, grossen, längli-
chen Schulterbeulen innerseits durch einen sehr schwa-
chen Eindruck abgesetzt; die Oberfläche durch eine dichte
und feine runzlige Punktirung matt. Die Hinterschenkel
stark aufgetrieben, der Dornfortsatz an der Spitze der
Hinterschienen kurz und breit, etwas aufwärts gebogen,
am Ende breit ausgerandct.
155. D. adulta m. Pallida vix punctulata, anten-
nis (basi excepta) nigris, thoracis lineola media impressa.
Long. P"; lat. Va'".
Bei gleicher Breite mit der Vorhergehenden etwas
kürzer, daher breiter eirund, beiderseits stärker im Bogen
verschmälert, übrigens nach Bau und Färbung höchst
einfach. Die Farbe ein helles Knochengelb, nur die lan-
gen, schmal eiförmigen, oben auf der Stirn fast zusam-
menstossenden Augen und die Fühier bis auf deren drei
untere Glieder schwarz, an den Hinterschienen der fein
Verzeichn. d. auf d, Insel Cuba gesammelt. Chrysomelinen. 223
gesägte Rand der Tarsenrinne, das ansgerandete Ende
des Dornfortsatzes und die Krallenhäkchen schwärzlich.
Der Bau des Kopfes und der Fühler wie bei der vor-
hergehenden Art, nur das 6te Fühlerglied merklich län-
ger als das 5te. Das Halsschild mit stark schräg aufge-
bogenen, stumpfen Vorderecken, überaus fein und dicht
punktirt, mit massigem Glänze ; über die Mitte eine leicht
eingedrückte, sich hinten zu einem breiten aber sehr fla-
chen rundlichen Eindruck erweiternde Längslinie. Das
Schildchen gleichseitigdreieckig. Die Deckschilde breit
eirund^ hinter den Schultern noch etwas im Bogen er-
weitert, sanft gewölbt, mit flachen wenig hervortretenden
Schulterbeulen, überaus dicht und fein punktirt, kaum
glänzend. Der Fortsatz der Hinterschienen an der Wur-
zel etwas eingeschnürt und nachdem ausgerandeten Ende
zu erweitert, diese Ausrandung selbst aber weniger tief
als bei der vorhergehenden Art.
XXVI. Arg^opUJS Fischer.
156. A. coc ci ne 11 oi des m. Hemisphaericus fer-
rugiijeus punctulatus, antennis pallidis apice nigris, fronte
thorace pedibusque nigricantibus. Long. 1'"; lat. ^e'".
var. /i. fronte thoraceque concolore, pedibus pices-
centibus.
Von unserer einzigen Eur^opäischen Art dieser Gat-
tung {A. hemisphaericus Duft. Ahrensii Grm.) weicht der
vorliegende Käfer habituell ab durch die nicht abgerun-
deten, sondern winkligen Hinterecken des Halsschilds
und die flachere Rinne der Hinterschienen; eine wesent-
lichere Abweichung bildet die Stellung der Fühler, welche
sich scheinbar am unteren Rande des Kopfes befinden,
und die, diese Stellung bedingende Lage des Kopfschil-
des, welches nach unten umgebogen und schräg nach der
Vorderbrust zu gerichtet ist, daher nur, wenn man das
Thier umkehrt, wahrgenommen werden kann. Hierdurch,
wie durch die kurzen gedrungenen Fühler bildet das
Thier einen vollständigen Uebergang zu den nun folgen-
224 Suffrian:
den Unterfamilien der Hispiden und Cassiden^ während
der Gesammteindruck mehr dem einer Coccinella von mitt-
lerer Grösse gleicht: ich bezweifle deshalb auch nicht, dass
der Käfer bald als Typus einer eigenen Gattung werde auf-
gestellt werden, habe jnich jedoch aus den mehrfach an-
gedeuteten Gründen enthalten, selbst eine solche daraus
zu bilden, und ihn deshalb einstweilen als Unterabthei-
lung in einer bereits bekannten und ihm nahestehenden
Gattung untergebracht.
Die Farbe des Thieres ist ein ziemlicli helles
Rostroth; die Fühler bleichgelb, die vier oberen Glieder
schwarz, auch das 7te meist schon leicht gebräunt. Der
obere Theil des Kopfes , das Halsschild und die Beine
bei zweien der vorliegenden Stücke schwärzlich; bei einem
dritten sind die zuerst genannten Thcile von derselben
röthlichen Färbung, wie der übrige Körper, die Beine
pechbraun, an den p'ühlern nur die drei letzten Glieder
schwarz, das 8tc schmutzig gebräunt ; ich bin jedoch un-
gewiss, ob ich darin eine Geschlechtsverschiedenheit oder
nur eine Farbenvarietät erkennen soll. Der von oben
sichtbare Theil des Kopfes ist zwischen den Augen ziem-
lich schmal, etwas eingedrückt, kaum punktirt, matt; die
Augen selbst an den Fühlern leicht ausgerandet, und
letztere selbst nur durch ein feines, das obere Ende des
Kopfschildes bildendes Knötchen getrennt. Das Kopf-
schild selbst nach unten umgeschlagen, gross, dreieckig,
oben der Länge nach sanft muldenförmig eingedrückt und
von einem feinen, haarförmigen Längskiele durchzogen,
welcher am oberen Ende in das schon erwähnten Knöt-
chen ausläuft. Unten ist der mittlere Theil des Kopf-
schildes zur Aufnahme der Oberlippe breit ausgerandet,
seine Seitenränder aber ziehen sich auswärts um letzteie
herum, und treten neben ihr als schmale scharf fiügel-
artig erhöhte Kanten hervor. An den Fühlern ist das
3te Glied um die Hälfte länger aber schmaler als das
kuglige 2te; das 4te (längste) fast doppelt länger als das
3te, die folgenden nach und nach wieder kürzer, diclit an
einander geschlossen, allmählich sich verdickend, so dass
Verzeichn. d. auf d. Insel Cuba gesammelt. Chrysomelmen. 225
die oberen . wie bei den Cassiden, eine schwache aber
ziemlich gedrungene Keule bilden; das Endglied stumpf
kegelförmig auslaufend. Die Mundtheile vollständig von
dem vortretenden Rande der Vorderbrust bedeckt. Das
Halsschild kurz und nach vorn verschmälert, von der
Wurzel an stark abwärts gekrümmt ; die fast geraden Sei-
tenränder nur erst dicht hinter den breit abgestumpften
und stark aufwärts gekrümmten Vorderecken etwas ein-
wärts gebogen , durch eine feine Längslinie abgesetzt,
welche sich um die stumpfwinklig abgerundeten Vorder-
ecken umbiegt, hier aber noch ausserhalb der Schulter-
beulen abbricht, w^ährend sie sich vorn innerseits der stumpf
aufgebogenen Vorderecken zu einem kräftigen Schräg-
eindrucke erweitert. Der Hinterrand bildet einen ziem-
lich regelmässigen Kreisbogen ; die Obcifläche ist dicht
und fein punktirt, und die Farbe fällt auch bei den
Stücken mit schwärzlichem Halsschilde längs der Mitte
des Hinterrandes verwaschen ins llöthliche. Das Schild-
chen gleichseitig- dreieckig mit fein erhöhten Rändern.
Die Deckschilde vorn in breiten Bogen ausgeschnitten,
mit den Schultern eng an das Halsschild angeschlossen,
so dass der Umring des Körpers sich fast kreisförmig
zusammenfügt; die Schulterbeulen wenig bemerkbar, auch
die Oberfläche nur sehr fein punktirt, mit massigem Glänze.
Auch die Unterseite röthlich. . Die Hüften aller Bein-
paare weit getrennt; die Vorderbrust hinten tief quer ein-
gedrückt und zur Aufnahme des abgerundeten Vorder-
randes der Mittelbrust bogenförmig ausgeschnitten. Die
Beine kurz und kräftig, schwarz mit röthlichen Hüften,
Schenkelspitzen und Schienenwurzeln ; die Hinterschenkel
stark aufgetrieben, die Hinterschienen breit, oben eigent-
lich nur abgeflacht, mit fein erhöhten, keine vollständig
ausgebildete Tarsenrinne einschliessenden Rändern, die
sich erst kurz vor der Spitze etwas stärker erhöhen. Das
Ende der Schienen mit einem kurzen und breiten , in
zwei ungleichen Zähnchen vorspringenden Fortsatze. Die
Krallenhäkchen an der Wurzel mit einem ziemlich lan-
gen, feinen und spitzen Zähnchen besetzt. Bei dem Stücke
Archiv für Naturg. XX XIV. Jahrg. 1. 15
226 Suffrian:
mit rothem Kopfe imrl Halsschilde sind anch die Beine
nicht schwarz, sondern rostbraun mit geschwärzten Rän-
dern der Hinterschienen.
XXVIL Odoiitota Chevr.
157. O. axillaris Dej. Jacq. Diiv, ap.Ramon de Sagr.
1. c. VIT. 313. Die Länge der Art wechselt, anscheinend
dem Geschlechte nach, von 3 — 4'", während sich in der
Breite zwischen den kürzeren nnd längeren Stücken nur
ein sehr geringer Unterschied zeigt. Kopf, Fühler nnd
Beine (letztere mit der Unterseite leicht ins Stahlblän-
liche fallend) sind mit der Hinterbriist und dem sehr
schmal heller gesäumten Hinterleibe schwarz, das Hals-
schild nebst seinem umgeschlagenen Theile und der Vor-
derbrust roth, die Mittelbrust und die Vorsprünge der
Hinterbrust über der Anheftungsstelle der Hinterhüften
trüb geröthet. Bei den Stücken mit heller rothgelber
Wurzel der Flügeldecken ist auch wohl die Mittelbrust
sammt dem mittleren Theile der Hinterbrust und dem
Mittclzipfel des ersten Bauchringes zwischen den Hinter-
hüften, so wie den an der Wurzel verwachsenen Kral-
lenhäkchen gelb. Das nach vorn kegelförmig verschmä-
lerte Halsschild ist grubig punktirt, heller oder dunkler
roth, mit kurzen spitz vorspringenden Vorderecken, hin-
ten breit eingedrückt. Das fast quadratische Schildchen
stark ansteigend, hinten gerade abgestutzt, roth oder roth-
gelb. Die linienförmigen Deckschilde gleichbreit und
viermal länger als breit, sehr flach gewölbt, mit den ge-
wöhnlichen zehn Punktstreifen der Chrysomelinen, wel-
che sich von der Naht ab zu fünf Paaren aus dicht an
einander gereihten Grübchen gebildeter, bei ihren fei-
nen ZAvischenbrücken ein gitterförmiges Netz darstellen-
der Doppelstreifen ordnen; die ungeraden Zwischenräume
fein und linienförmig, von den geraden der 2te, 4te und
8te derb und als glänzende Rippen erhöht, der 6te un-
scheinbar, nur vorn und hinten kenntlich, in der Mitte
fast erloschen, und dieser Stelle gegenüber auch der 9te
Verzeichn. d. auf d. Insel Cuba .orosammelt. Chrysomelinen. 227
kaum zu bemerken. Auf dem ersten der in solcher Weise
gebildeten fünf Längsfelder läuft der abgekürzte Streifen
mit dem ersten in einander; ebenso fliessen der 3te und
4te in ihrer sehr genäherten Mitte zusammen, und der
5te zeigt schräg hinter und unter der Schulterbeule einen
kurzen, ziemlich tiefen Eindruck. Dabei ist die vortre-
tende Kante des Seitenrandes ihrer ganzen Länge nach
gekerbt , und diese Kerbzähnchen werden hinterwärts
immer grösser und deutlicher, bis sie sich um die ganze
breit gerundete Spitze herum zu breit dreieckigen, den
Zwischenräumen entsprechenden Zähnen vergrössern. Die
Farbe der Flügeldecken ist gleichfalls stahlblau, die Wur-
zel und eine an diese sich anschliessende , hinterwärts
dreieckig verschmälerte, längs dem Seitenrande aber sich
bis auf 73 der Flügeldeckenlänge hinausziehende Rand-
binde roth, bei den Stücken mit hellerem Halsschilde
noch heller rothgelb. Die Vorder- und Mittelschienen
sind bei dem kleineren ^ stärker-, dem $ schwächer ein-
wärts gekrümmt; bei ersterem ist auch das letzte Hin-
terleibssegment am Hinterrande tief halbmondförmig ein-
gedrückt.
Die schnurförmigen, in ihrem oberen Theile wenig
verdickten Fühler sind deutlich 11-gliedrig; das 3te Glied
gleicht an Gestalt dem ersten und ist nur ein wenig län-
ger und dünner ; die übrigen zerfallen in zwei Hälften,
die untere aus vier, die obere aus fünf Gliedern beste-
hend; jede Hälfte für sich etwa gleich dick, die obere
aber gegen die untere deutlich abgesetzt, in jeder das un-
terste Glied, also das 3te beziehungsweise das 7te etwas
länger als jedes der drei folgenden; das Endglied das
grösste des ganzen Fühlers , und ohne seinen dreieckig
zusammengedrückten Fortsatz dem lOten gleich.
Nach dem S tu rm'schen Kataloge kommt diese Art
auch auf St. Domingo vor.
158. O. cyanoptera Mus. Berol. Cyanea subtus
nigricans, clypeo, prosterno thoraceque profunde punc-
tato rufis, elytris 8-striatis, interstitiis alternis elevatiori-
bus. Long. 2V4'"; lat. 1/2'".
228 Suffrian:
Der vorhergehenden ähnlich, aber nicht bloss klei-
ner^ sondern auch durch die verhältnissmässig geringere
Breite schlanker, mehr gestreckt, und an der abweichenden
Sculptur der Flügeldecken sehr leicht kenntlich. Die
Farbe des Körpers ist ein unten dunkleres, oben helleres
Stahlblau, das Halsschild, die Vorderbrust und das bei
ziemlich glänzendem, auf der Mitte etwas schwielig er-
höhtem Zwischengrunde grob und ziemlich dicht punc-
tirte, hinten jederseits breit eingedrückte Halsschild roth;
zuweilen fällt auch der obere tief längsfurchige Theil des
Kopfes ins trübröthliche, und dann sind meist auch die
Vorderschenkel auf der Innenseite oder auch noch an der
Wurzel geröthet, während die Glitte der Vorder- und der
deutlich nach Innen gekrümmten Mittelschicnon ins trü-
ber röthliche fällt. Die Fühler gebaut wie bei der vor-
hergehenden Art, aber das 2te Fühlerglied merklich län-
ger als das erste, auch etwas länger als das dritte. Das
stark ansteigende Schildchen fast quadratisch und hinten
gerade abgestutzt. Die Deckschildc linealisch, und in
der Sculptur von denen der vorhergehenden Art beson-
ders dadurch verschieden, dass von den fünf durch die
fünf Doppelstreifen gebildeten Längsfeldern eins gänz-
lich fehlt, so dass — abgesehen von dem auch nicht ein-
mal bei allen Stücken vorhandenen abgekürzten Streifen
(wo er sich findet, zählt er nur 2 — 3 Punkte) — über-
haupt nur acht Streifen vorhanden sind. Augenschein-
lich sind der normale 5te bis 8te Streifen, welche schon
bei der -vorigen Art theil weise zu einem Felde zu-
sammengeflossen und daher nicht überall als vier Strei-
fen erkennbar sind, hier ganz zu zwei Streifen zusam-
mengeschwunden. Ueberdies sind auch hier, gerade wie
bei jener, die ungeraden Zwischenräume nur fein und
fadenförmig, während die geraden als derbe und kräftige
Längsrippen hervortreten. Von diesen treffen der 2te
und 8te (der fehlende als der Gte angenommen) hinten zu-
sammen, während der 4te für sich ausläuft. Ausserdem
ist an den Flügeldecken der hintere Theil des Seitenran-
des nebst der breit abgerundeten Spitze leicht gekerbt.
Verzeicbii. d. auf d. Insel Cuba gesammelt. Chrysomelinen. 229
Aeussere Geschlechtskennzeichen linde ich nicht, nur schei-
nen an den Stücken mit ganz blauen Beinen die Mittel-
schienen stärker gekrümmt als an den übrigen, so dass
erstere vielleicht die d^ sind.
159. 0. rufiventris m. Nigro - cyanea, thorace
profunde punctato scutello corporeque subtus rufis, clytris
10-striatis, striis 5 — 8. antice confluentibus, interstitiis al-
ternis elevatioribus, sexta in medio deleta. Long. 3'" ;
lat. %'".
Von dieser in Dr. G.'s letzten Sendungen nicht wie-
der mitgekommenen Art kann ich nur ein einziges von
ihm früher als 0. ci/anoptera Mus. ßerol. geschicktes
Stück vergleichen, und weiss daher auch nicht bestimmt,
welche Art früher von E r i c h s o n eigentlich mit jenem
Namen bezeichnet worden ist: derselbe mag jedoch der
vorbeschriebenen von G. zuletzt darunter begriffenen Art
verbleiben. An der Selbstständigkeit der gegenwärtigen
Art zweifle ich jedoch nicht. Dieselbe steht zwischen
den beiden vorhergehenden genau in der Mitte, indem
sie sich in der Sculptur mehr an 0. axillaris, in der Fär-
bung dagegen an 0, cyaiioptera anschliesst. Die Farbe
ist ein tiefes Schwarzblau, nur das dicht und grob grubig
punktirte Ilalsschild mit dem Schildchen und der glän-
zenden Unterseite dunkelroth; die Beine wieder schwarz,
die Wurzel der Vorderschenkel und die Krallenhäkchen
leicht geröthet. Die Vorderschienen gerade, die mittle-
ren anscheinend gekrümrat; bei genauerer Betrachtung
ergiebt sich jedoch bald, dass dieselben sich mit fast ge-
radem Innenrande nur am unteren Ende leicht einwärts
krümmen, während das untere Drittel des Aussenrandes
unter einem ziemlich stumpfen Winkel gegen die Spitze
hin abgeschrägt ist und dadurch nur jener Rand selbst
eine ziemlich deutliche Krümmung erhält. Die Stirn
zeigt zwischen den Augen eine deutliche Längsfurche,
und jederseits derselben noch eine feinere eingegrabene
Längslinie ; die Fühler sind verhältnissmässig kurz, schnur-
förmig, ihre Glieder, mit Ausnahme des ersten und des
Endgliedes, je breiter als lang, die vom 2ten bis zum 6ten,
230 Suffriau:
und dann wieder die vom 7ten bis zum lOtcn einander
gleiclij, die untere grössere Hälfte des Endgliedes an Ge-
stalt und Grösse dem lOten gleich, der Fortsatz dessel-
ben etwas kürzer, und breit zusammengedrückt. Das
Halsschild hinten quer niedergedrückt; das stark anstei-
gende Schildchen quadratisch, roth, mit leicht bläulichem
Anfluge. Die Flügeldecken fast schwarz, in der »Sculptur
denen der 0. axillaris gleich, der abgekürzte Streifen
am Schildchen fehlend, von den fünf Doppelstrelfen das
Iste, 2iQ und 5te Paar vollständig ausgebildet, das 3te
und 4te Paar in der Mitte durch eine annähernde Krüm-
mung des 4ten und 8tcn Zwischenraums eingeengt, so
dass hier eine kurze Strecke lang nur zwei, und vor und
hinten dieser Stelle nur drei Reihen von Längsgrübchen
sichtbar werden, daher hier von dem 6tcn Zwischenräume
nur das hintere Ende erkennbar, von dem 5ten und Ttcn
kaum eine schwache Spur w^ahrzunehmen. Von den übri-
gen treten nur der 2te, 4te und 8te als deutlich erhöhte
schmale aber glänzende Längsrippen hervor; die unge-
raden sind auch hier nur zart und fadenförmig, das .Vor-
derende des ersten und die kleinere Hälfte des 9tcn nur
leicht angedeutet. Am Ausscnrande der Flügeldecken
ist deren hinteres Drittel so wie deren Spitzenrand fein
sägezähnig, wenn gleich in geringerer Stärke, als dies bei
0, axillaris der Fall ist.
XXVIIL Uroplata Chv.
160. U. pu Ichella Chv. Rufa, antennis, pedibus,
elytrls apice lacte cyanels, his profunde 8-striatis, inter-
stitlis alternis postlce elevatioribus. Long. 27V" ; lat. 1'".
Die zu dieser Gattung gehörenden Thiere stehen
nach Habitus und Sculptur denen der vorhergehenden
überaus nahe, unterscheiden sieb aber ausser dem brei-
teren und daher anscheinend flacheren Körper von Ihnen
sogleich durch den Bau der Fühler , an denen nur die
sieben unteren Glieder vollständig von einander getrennt
Verzeichn. d. auf cl. Insel Cuba g-esammelt. (.'hrysomelinen. 231
erscheinen ; das Hte schliesst sich den folgenden schon
so nahe an, dass man es nur, wenn man die Fühler von
der Spitze nach der Wurzel zu betrachtet, durch eine
mehr oder minder deutliche Querfurche von dem Oten
getrennt wahrnimmt, und die drei folgenden sind dann
zu einem einzigen walzenförmigen, am Ende zusammen-
gedrückt-zugespitzten Gliede verschmolzen, bei dem die
Grenzlinie zwischen dem 9ten und lÜten, wie zwischen
dem lOten und dem Endgliede nur durch eine feine, nur
unter günstiger Beleuchtung erkennbare Querlinie gebil-
det wird. Von den beiden hierher gehörenden Arten,
welche die Cubanische Fauna aufzuweisen hat, ist die
vorliegende , anscheinend dort keinesweges seltene Art
den vorhergehenden nicht unähnlich. Die Farbe ist ein
schönes, dunkles Roth; die Mundtheile, die acht unteren
Fühlerglieder und die Beine (bis auf die rothen Hüften,
und die gieichgefärbten Wurzeln der Vorder- und Mit-
telschenkel sammt den Krallengliedern) dunkelstahlblau,
das letzte Drittel der daselbst zugleich um die Spitze hin
deutlich gesägten Plügeldecken aber heller stahlblau, mit
mehr oder weniger deutlichem Purpurglanze, und bald
gerader, bald in der Mitte bogig nach vorn erweiterter
Begränzung. An den Fühlern sind die fünf unteren Glie-
der glatt und glänzend, die drei folgenden in zunehmen-
der Stärke, daher mit abnehmendem Glänze dünn greis
behaart; das letzte (Collectiv-) Glied ist schwarz, durch
dichte Behaarung matt und ins Greise fallend : die breit
elliptischen Augen schwarz, die Stirn mit drei kräftigen
Längsfurchen. Das grob runzlig punktirte Ilalsschild
nach vorn deutlich kegelförmig verschmälert, mit kurzen
scharfen Vorderecken, vor dem Schildchen eingedrückt.
Das schräg ansteigende Schildchen quer viereckig, hin-
ten leicht doppelt ausgeschweift, längs der Mitte flach
eingedrückt. Die gleichbreiten Dcckschilde hinter den
Schulterbeulen kräftig zusammengedrückt, und unter und
vor dem jederseits entstehenden Grübchen bogig, den
Seitenlappen der Clvthren und Cryptocephalen entspre-
chend, erweitert, grob punktstreihg. Der abgekürzte Naht-
232 Suffrian:
streifen fehlt, daher auf jeder Flilgeldecke acht Streifen,
welche durch grosse und tiefe, grübchenartige Punkte
gebildet werden, und bei nur feinen Querscheidewänden
ein regelmässig gegittertes Netz darstellen. Auf dem
grösseren vorderen rothen Theile der Flügeldecken sind
die Zwischenräume von gleicher Stärke, auf dem hinteren
blauen werden die ungeraden allmählich schwächer, und
der 7te verliert sich gewöhnlich ganz, wogegen sich hier
ausserhalb des 6ten überzählige Punkte einstellen, zuwei-
len auch das Hinterende dieses letzteren etwas vorschie-
ben und dadurch andeuten, dass hier aussen eigentlich
ein Streifenpaar verloren gegangen ist. Nur in seltnem
Fällen ist das Seh wacher werden der ungeraden Streifen
schon vor der Mitte der Flügeldecken zu bemerken.
Die Mittelschienen sind ziemlich stark einwärts gekrümmt,
und das untere Innenende der Schienen springt in Ge-
stalt eines kurzen Zähnchens etwas vor; ich finde darin
jedoch bei den verschiedenen vorliegenden Stücken kei-
nen Unterschied, den man als Geschlechtsmerkmal deuten
könnte, und habe ebenso wenig andere äussere Geschlechts-
merkmale auffinden können.
161. U. tricolor m. Rufoferrnginea, pedibus lu-
teis, antennis medio elytrisque apicc obscurioribus, bis
postice dilatatis, profunde 8-striatis, interstitiis alternis ele-
vatioribus, quarto antice supra humcrum angulato-producto.
Long. 21/2'"; lat. 1"^
Bei etwa gleicher Länge mit der vorhergehenden
Art und gleicher Grundfarbe von ihr hauptsächlich durch
die kürzeren Fühler, die hellgelben Beine, die Beschrän-
kung der dunkleren Spitzenfärbung der Deckschilde, so
wie durch deren wirkliche Erweiterung, und die schein-
bare über den Schultern abweichend. Die kurzen schnur-
förmigen P'ühler nach der Spitze zu allmählich dicker,
auch das 2te Glied etwas breiter als lang, die Farbe trüb
roth, das 2te bis 6te Glied geschwärzt. Die schmale
Stirn mit zwei durch eine schmale Kiellinie getrennten
eingedrückten Längslinien. Das Halsschild nach vorn
stark kegelförmig verschmälert, hinten leicht quer einge-
Verzeichn. d. auf d. Insel Cuba gesammelt. Chrysomelinen. 233
drückt, dicht und grob rnnzb'g piinktirt. Das Schildchen
ansteigend, etwas breiter als lang und hinterwärts mit
abgerundeten Hinterecken verschmälert. Die Deckschilde
länglichviereckig, fast überall gleichbreit, über den pa-
rallelen Seitenrändern durch die vorspringenden Brücken
zwischen den Grübchen des Randstreifens fein gekerbt,
die Spitze mit einer leichten Krümmung des Seitenrandes
über dessen eigentlichen Kiel hinaus durch einen stumpf
dreieckigen Lappen nach aussen verbreitert, und in einem
gemeinsamen flachen Bogen abgerundet, längs diesem letz-
teren mit etwas gröberen, aus der Verlängerung der Zwi-
schenräume entspringenden Zähnen besetzt. Die Flügel-
decken auch hier mit je vier groben, aus tief eingestoche-
nen Punkten gebildeten Doppelstreifen, ohne abgekürzten
Streifen am Schildchen; die ungeraden Zwischenräume fein
und linienförmig, in der Mitte kaum erkennbar, die ge-
raden, wie die Naht selbst, rippenförmig erhöht, der 4te
vorn etwa am 4ten oder 5ten Punkte gespalten, so dass
der innere gerade Arm sich in gleicher ßtärke bis zur
Wurzel fortsetzt, der äussere aber sich mit starker flügel-
artiger Erhebung in Gestalt eines stumpfen Dreiecks schräg
nach vorn und aussen wendet und hier an der von ihm
scheinbar überdeckten Schulter mit dem Vorderende des
6ten Streifens zusammentrifft. Der vordere kurze Zwi-
schenraum zwischen beiden Armen ist mit einem abge-
kürzten Doppelstreifen ausgefüllt , dessen äussere Reihe
schon auf der schräg ansteigenden Fläche jenes Flügel-
kiels steht, und der ohne Zw^eifel den Rest des ausgefal-
lenen mittleren (eigentlich dritten) Doppelstreifens bildet;
während der jetzige dritte (eigentlich vierte) Doppel-
streifen mit seinem Vorderende aussen an und unter dem
sich etwas nach aussen überwölbenden Kiele liegt. Der
Vorderrand dieses letzteren ist zugleich von der Spitze
bis zur Schulter von einer ziemlich tiefen Längsfurche
durchzogen. Dass der die zw^eite Rippe bildende vierte
Zwischenraum dadurch eigentlich als aus zweien (dem
4ten und 6ten) verwachsen betrachtet werden müsste,
ergiebt sich leicht von selbst. Die Farbe der Flügel-
234 Suffrian:
decken ist, wie die des übrigen Körpers, roth, nur ein
schmaler , der seitlichen Erweiterung entsprechender
Spitzensaum tief gebräunt mit verwaschener vorderer ße-
gränzung. Auch die Unterseite des Körpers roth, die
Beine hell strohgelb, die kurzen Vorder- und Mittelschie-
ncn an der Wurzel gekrümmt und unterwärts stark nach
aussen erweitert.
Nur einmal gefunden.
XXIX. Octotoifiia Dej.
162. O. G und lach ii Mus. Berol. Atro-purpuras-
cens, thoracis disco transversim elevato, elytris apice
dilatatis profunde punctatis, foveolato-reticulatis. Long.
2V4"'-3-'; lat. ^U-l'l^.
Die Abweichung dieser Gattung von der vorher-
gehenden ist zwar auch überwiegend nur habituell, doch
bietet sich in dem Bau der Fühler wenigstens ein scharf
trennendes Merkmal dar, indem bei diesen das Endglied
nicht aus drei, sondern aus vier verwachsenen und nur
durch feine Querringe getheilten Gh'edern besteht, so dass
sich ausser diesem nur sieben deutliche Glieder unter-
scheiden lassen. Von diesen sind das 2iQ bis 6ste zwar
unter sich an Dicke gleich, bleiben aber darin sehr auf-
fällig gegen die zwei (bez. vier) oberen zurück, und die
Fühler erhalten dadurch eine deutlich keulenförmige Ge-
stalt. Die Farbe des Körpers ist schwarz, auf den Deck-
schilden und an den Beinen mehr oder weniger purpur-
farbig, stahlblau oder erzfarbig 'angeflogen, bei einem
Stücke von ziemlich starkem Mctallglanze; die Mund-
theile, das Wurzelglicd der Fühler (bei einem $ sogar
auch die folgenden Glieder bis zum 6ten) , die Krallen-
häkchen und ein verwaschener Qucrfleck auf der Mitte
des Vorderrandes vom Halsschilde trüb geröthet. Bei
dem einzigen mir vorliegenden cT ist das Halsschild ein-
farbig schwarz und dasWurzelglied der Fühler nur schwach
gebräunt; ob diese Verschiedenheit jedoch als wirkliches
Geschlechtsmerkmal aufzufassen sei oder nur eine zufäl-
Verzeichn. d. auf d. Insel Cuba gesammelt. Chrysomelinen. 235
lige Farbenvarietät bezeichne^ werden weitere Beobach-
tungen lehren müssen. Das Wurzelglied der kurzen
Fühler kugelig, die fünf folgenden um die Hälfte dün-
ner, das 2te und ote verkehrtkegelförmig und letzteres
etwas länger als jenes, die drei folgenden allmählich
kürzer; das 7te wieder plötzlich aufgetrieben, doppelt
länger und breiter als das vorhergehende, von dem ge-
streckten Endgliede durch eine tiefe Einschnürung ge-
trennt und, wie dieses, ziemlich dicht greis behaart. Die
flache Stirn mit fein eingeschnittener Längslinie, unre-
gelmässig schwach gerunzelt, bei einem $ mit ziemlich
hell geröthetem Wurzelgliede der Fühler gleichfalls zwi-
schen den letzteren verwaschen geröthet. Das Halsschild
doppelt breiter als lang, ziemlich grob runzh'g punktirt,
vor der Mitte schmal quer aufgewulstet und die Enden
dieses Wulstes vor der Mitte des hier dreieckig erwei-
terten Seitenrandes als stumpfe Winkel heraustretend;
der hintere flache Theil des Halsschilds dann nochmals
von einer, von der Mitte jenes Querwulstes ausgehenden,
eine eingeschnittene Längslinie tragenden Längserhöhung
durchsetzt , und jederseits derselben quer eingedrückt.
Das quadratische Schildchen schräg ansteigend, mit einer
hinterwärts tieferen Längsfurche. Die Deckschilde sehr
flach gewölbt, von den eckig hervortretenden Schulter-
beulen ab bis nahe an die Spitze ziemlich gleichbreit,
vor der breit zugerundeten Spitze jederseits , wie die
vorhergehende Art, durch einen stumpf dreieckigen Lap-
pen erweitert; der Seitenrand hinter der Mitte tief aus-
gebuchtet, so dass dadurch jederseits hart hinter der
Schulter ein zugleich fein gekerbter Seitenlappen gebil-
det wird. Auch die beiden Hinterlappen und die breite
Spitze der Deckschilde selbst sind deutlich gezähnt. Die
Oberfläche ist grob runzlig punktirt, und dazwischen mit
einem Netze von maschig verschlungenen, kielartig zu-
geschärften, zum Theil sehr stark erhöhten Runzeln be-
deckt, zwischen denen der Zwischengrund in Gestalt ziem-
lich tiefer, zum Theil im Inneren jene grobe Punktirung
zeigender Gruben stehen bleibt. Höhe und Vertheilung
23G Suffrian:
dieser kantigen und gekrümmten Runzeln ist nicht ein-
mal stets auf beiden Flügeldecken desselben Stückes,
viel weniger bei den verschiedenen Stücken dieselbe ;
gewöhnlich aber zeigt sich eine Längsreihe stärkerer
Runzelhöcker auf der Mitte jeder Flügeldecke, der Naht
6twas näher als dem Aussenrande gerückt , von denen
meist die beiden ersten am stärksten hervortreten, wäh-
rend allerdings bei einem der vorliegenden $ der erste
ganz fehlt und dafür der letzte vor der Spitze am meisten
ausgebildet erscheint. Unterseite und Schenkel deutlich
punctirt, die Hinterränder der letzten Bauchringe zuwei-
len röthlich gesäumt. Die Schenkel vor den Knien mit
einem stumpfen, zahnartigen Höckerchen besetzt, die
Vorderschienen an der Wurzel einwärts gebogen, nach
unten erweitert und messerförmig zusammengedrückt; die
Mittelschienen oben noch stärker einwärts gekrümmt, die
hinteren fast gerade.
XXX. Porpliyra^piis Hope.
163. P. xanthocera Erichs. Jacq. Duv. apud R.
de S. l. c. Vn. 314. ßohem. Cassidid. I. 98. n. 9. Die
Grösse der Art wechselt von IV4 — l'A'" Länge, wahr-
scheinlich dem Geschlechtc nach. Die Farbe der Ober-
seite ist ein schönes, dunkles Veilchenblau; ausserdem
zeigen alle mir vorliegenden Stücke bei schräger Be-
leuchtung auf jeder Flügeldocke hinter der Schulter-
beule einen purpurblauen verwaschenen Querwisch, wel-
cher die Stelle des gelben Querflecks der beiden folgen-
den Arten vertriit. Der Seitenrand der Flügeldecken
fällt in schräger Ebene ab; die Grübchen der Punktstrei-
fen sind mehr oder weniger rund, während sie bei der
nahe verwandten V. cryilirocera Germar (cyanca Say.
Boh. IV) etwas in die Quere gezogen sind, und auch
der Seitenrand der Flügeldecken über der Kante der
Länge nach sehr schwach eingedrückt ist. üeberdem ist
die Farbe der letzteren ein viel tieferes einfarbiges
Schwarzblau. In den Sammlungen war die vorliegende
Verzeichn. d. auf d. Insel Cuba gesainTnelt. Chrysomelinen. 237
Art früher auch unter der Benennung P. fiaviöoriiis Mus.
Bero.l. bekannt.
164. P. Gundlachii Boh. l'. c. IV. 43. n. 16. Der
gelbe Querfleck an der Wurzel der Flügehlecken füllt
mit seinem breiteren inneren Theilc den ganzen Winkel
zwischen Wurzel, Schildchen und Naht aus^ und streckt
sich dann mit seinem schmaleren Aussenende hinter der
von ihm hakenförmig umzogenen Schulterbeule noch
eine Strecke weit nach aussen fort. Bei (seltener eintre-
tender) Vergrösserung des Fleckes fliesst auch dessen
vorderer Rand längs der Wurzel nach aussen über , und
vereinigt sich ausserhalb der Schulterbeule mit dem hin-
teren Theile, so dass nur die Spitze dieser letzteren als
ein vereinzeltes kleines Pünktchen innerhalb des jetzt
ziemlich breiten Querflecks zurückbleibt. Solche Stücke
hat Boheman a. a. O. als var. a. aufgeführt: ich habe
sie ebenso wie die Stammform, in kleineren und grösseren
Stücken, also wahrscheinlich in beiden Geschlechtern vor
mir. Bei beiden Formen sind übrigens die Vorderecken
des Halsschilds nicht selten fein gelblich gesäumt.
165. P. fallax m. Oblongo - rotundata convexa
laete cyanea nitidula subtus nigra, antennis tarsisque fla-
vo- testaceis , thorace ruguloso disco subtilius lateribus
parce profundius punctato, elytris punctato-striatis, inter-
stitiis convexiusculis subtilissime rugulosis, raacula basali
transversa extrorsum abbreviata flavo - testacea. Long.
IV2'"; lat. 1-.
Von dieser schönen Art ist zwar nur ein einziges Stück
vorhanden ; ihre Abweichungen von der vorhergehenden
treten jedoch so bestimmt hervor, dass mir ihre Selbst-
ständigkeit keinem Zweifel zu unterliegen scheint. Ich habe
dieselben in der den Boh eman'schen Diagnosen der von
ihm aufgeführten Porphyraspis- Arten angepassten, daher
etwas lang gerathenen Diagnose anzugeben versucht, und
deren Inhalt daher nur Weniges hinzuzufügen. Jene Ab-
weichungen zeigen sich wesentlich in der Gestalt, Sculp-
tur und Färbung. In der Länge gleicht das Thier den
grössten Stücken der P. Gundlaohuj ist aber schmaler,
238 Suffrian:
besonders hinterwärts stärker verschmälert, daher mehr
von gestrexiktem, länglichrundem Umrisse. Die Farbe
des Körpers ist blau, oben etwas heller als bei der Vor-
hergehenden; gelb sind nur die Fiissglieder und die Füh-
ler, mit schmutzig gebräuntem Wurzelgliede der letzte-
ren. An der Wurzel der Flügeldecken ist der ganze
Raum zwischen dem Schildchen und den (ziemlich stum-
pfen) Schulterbeulen mit einem gelben Querflecke ausge-
füllt, welcher sich in fast gleicher Breite nach aussen zieht,
und an der Schulterbeule abbrechend etwa die ganze
innere Hälfte der Wurzel einnimmt, der feine gelbliche
Saum an den Vorderecken des Halsschilds ist auch hier
vorhanden. Dabei ist der Kopf fast ohne Punkte ; das
fein verworrene in die Länge gestrichelte Halsschild zeigt
hinten eine fein eingeschnittene Mittellinie, und eine spar-
same, auf der Scheibe feine, längs dem Vorderrande und
besonders an den Seiten stärkere Punktirung. Die sehr
regelmässigen Punktstreifen sind von massiger Stärke,
kaum halb so stark als bei der vorhergehenden, die Zwi-
schenräume daher breit und sehr flach gewölbt; der die
beiden Randstreifen von den Streifen der Scheibe tren-
nende besonders hinter der Schulterbeule deutlich brei-
ter als die übrigen; übrigens ist die ganze Oberfläche der
Flügeldecken dicht und fein narbig-gerunzelt, daher auch
nur von mattem Seidenglanze.
XXXI. Chelymorpha Boh.
166. Ch. flavic Ollis Klug. Jacq. Duv. 1. c. VH.
316. Boh. 1. c. II. 25. n. 21. Die Flügeldecken werden
hier von dem Autor als „nigra^ bezeichnet; ich finde sie
jedoch bei allen mir ziemlich zahlreich vorliegenden Stücken
tief schwarzblau, und nur den aufgeworfenen spiegelglän-
zenden Saum schwarz. Ausserdem liegen mir zwei ganz
übereinstimmende Stücke eines nahe verwandten, etwas
kleineren Käfers vor, welchen ich von den gewöhnlichen
Stücken der Ch. flavicollis nur durch die geringere Länge
und den dadurch bedingten, etwas breiteren üniriss (der
Verzeichn. rl. auf rl. Insel Cuba gesammelt. Chrysomelinen. 239
Körper ist nicht länger, als an der breitesten Stelle der
Deckschilde breit) und einfarbig schmutzig hellbraune Deck-
schilde zu unterscheiden vermag. Mittel- und Hinterbrust
nebst dem Hinterleibe sind bei dem einem Stücke gleichfalls
einfarbig hellbraun; bei dem zweiten ist der vordere und
hintere Theil der Hinterbrust nebst der Mittelbrust leicht
geschwärzt. Ueber das Yerhältniss dieses Käfers zu der
gewöhnlichen Ch. flavicollis werden weitere Beobachtun-
gen entscheiden müssen ; einstweilen bin ich sehr geneigt,
darin das ^ der Ch. flavicollis zu erkennen^ wenn nicht
etwa das Auffinden von Stücken dieser letzteren mit glei-
cher Färbung darin nur eine unvollkommene Stufe der
Ausfärbung nachweisen sollte.
167. Ch. angusti collis m. Rotundata convexa
ferruginea opaca, antennis tarsisque flavescentibus, thorace
angustissimO; elytris dense punctafis, ante medium valde
rotundato-ampliatis. Long. 3'" ; lat. 3Y2'".
Dieser, so viel ich weiss, bis dahin unbeschriebene
Käfer ist in drei völlig gleichen Stücken vorhanden. Im
Habitus gleicht er den bei der vorhergehenden erwähnten
braundeckigen Stücken derselben, ist aber noch merklich
grösser, übrigens eben so matt, und der Rücken der Deck-
schilde, wenn von dem breit abgeflachten Rande abgesehen
wird, in Gestalt einer halben röthlichgelben Erbse auf-
getrieben. Die Farbe des Körpers ist hell rostgelb; nur
die Augen schwarz; die Fühler bleichgelb mit röth-
lichem Wurzelgliede, auch die breiten Fussglieder ziem-
lich hellgelb. Das Kopfschild in der Mitte tief gefurcht,
jederseits davon in Gestalt einer schrägen Beule auf-
getrieben; auch die breite Stirn über den Augen mit
einer deutlichen Längsrinne. Das Halsschild im Allge-
meinen dem einer Mesomphalia ähnlich (wie denn über-
haupt auch nach Hrn. Boheman's Bemerkung manche
Mesomphalia- Kri^n den Habitus der Chelymorphen täu-
schend wiedergeben), daher kurz und schmal, kaum dop-
pelt breiter als lang; die Vorderecken kurz abgerundet,
die Seiten in der Mitte breit erweitert, mit dem hinteren
Theile ihrer Randes fast senkrecht gegen die Wurzel
240 • Snffrian:
der Flügeldecken gerichtet; der flinterrand jederseits aus-
geschweift , mit kurz ausgezogenem , breit abgestutztem
Mittelzipfel. Die Oberfläche jederseits am Rande breit
niuldenfö]-mig eingedrückt, auf der Ilinterhälfte mit einer
fein eingeschnittenen Längslinie , auf der Scheibe fein
zerstreut-, an den Seiten dichter und kräftiger punktirt.
Das breit dreieckige Schildchen gleichfalls roströthlich.
Die Deckschilde halbkugelig aufgetrieben, ohne deutliche
Schulterbeulcn, die Naht hinter dem Schildchen kamm-
artig erhöht, die Seiten von den Schultern ab flügelartig
erweitert, mit flach abstehendem, hinterwärts alhnählich
verschmälertem , von der Mitte ab durch eine seichte
Längslinie abgesetztem Seitenrande, dicht siebartig punk-
tirt und in jedem dieser Punkte bei schräger Beleuchtung
von hinten her ein goldschimmerudes Wärzchen zeigend,
mit mattem Zwischengrunde. Die besonders auf dem Hin-
terleibe stark glänzende Unterseite mit den Beinen gleich-
falls einfarbig rostroth.
168. Ch. lurida m. Oblongo- rotundata modice
convexa luride testacea opaca, thoracis lateribus elytris-
que punctulatis, bis ante medium valde rotundato-amplia-
tes. Long. ^^j<i"\ lat. 372'"-
An Grösse den grössten Stücken der Ch. ßavicollis
gleich und ihr überhaupt so nahe verwandt, dass es hier
nur einer Angabe der Abweichungen bedürfen wird. Die
Farbe (des todten Thiers) ist ein schmutziges, ins Greise
fallendes Gelb, zeigt aber auf den Deckschildcn nocli
stellenweise Spuren eines früher vorhanden gewesenen
Goldschimmers, gerade wie ein solcher auch zuweilen bei
einzelnen Stücken der Nordamerikanischen Chrysomela
spiraeae Say wahrgenonmien wird. Das ILilsschild ist vor
dem Schildchen breiter flach gedrückt, auf der Scheibe
mit einer sehr feinen und zerstreuten, seitlich mit einer
zw^ar nicht viel dichteren aber merklich deutlicheren Punkti-
rung bestreut. Auf den Deckschilden ist die Punktirung
etwas dichter und viel kräftiger als bei flavicolh's, dazu
sind die Punkte auf der äusseren Hinterhälfte der Flügel-
decken mehr oder weniger ausgerissen und durch solche
Verzeichn. d. auf d. Insel Cuba gesammelt. Chrysomelinen. 241
Risse verbunden, wodurch, wenn dieselbe gegen das
Licht gehalten wird, sie als mit einem feinen Maschen-
netze dunkler Linien durchwebt erscheint. Die Punkte
auf dem flach ausgebreiteten Rande sind noch etwas
gröber als bei der genannten Art, dagegen scheint der
aufgeworfene Rand schwächer und weniger glänzend zu
sein. Die Unterseite gleichfalls schmutzig greisgelb mit
ziemlich starkem Glänze. Alles Uebrige, wie bei Ch.
flavicollis.
Nur einmal gefunden.
169. Ch. fimbrialis m. Ovata convexiuscula coe-
rulea, capite, antennis, thorace, pedibus, elytrorum limbo
laterali ferrugineis, his dense profundeque punctatis.
Long. 2V4'"; lat. IV2'".
Eine schöne und zierliche, gleichfalls nur einmal
gefundene Art. Die Grundfarbe ist tief blau mit fast
schwarzer Unterseite; der Kopf (bis auf die schwarzen
x^ugen), die Fühler, das Halsschild, ein massig breiter,
oberwävts verwaschen begränzter Rand der Deckschilde
und die Beine (bis auf die geschwärzten Schenkelwurzeln)
rostgelb. Ebenso ist auch ein seitlich verbreiterter Hin-
terrand der Bauchringe rostgelbiich, und der hintere
Therl der etwas aufgeworfenen Naht leicht gebräunt. Die
Fühler sind verhältnissmässig etwas kürzer und gedrun-
gener als bei den anderen Arten der Gattung; das Hals-
schild ist spiegelglänzend mit wenigen vereinzelten Punk-
ten und den muldenförmigen Eindrücken längs den Sei-
tenrändern. Das Schildchen gleichfalls kurz und breit,
schwarzblau mit gebräunter Mitte. Die Punktirung der
Flügeldecken dicht und grob, siebartig, wie auf der Ober-
fläche eines Fingerhuts zusammengedrängt, seitlich unter
dem Eindrucke über dem erweiterten Seitenrande bis auf
letzteren hinab in die Quere ausgerissen und runzlig ver-
fliessend. Die dunkler gebräunten Krallenhäkchen an
der Wurzel mit einem derben und kräftigen Zahne.
190. Ch. argus Hbst. Jacq. Duv. 1. c. VIL 316.
Boh. 1. c. IL 38. n. 34. Nur die auch von Hrn. B 0 h e-
Archiv für Naturg XXXIV. Jahrg. 1. Bd. 16
242 Suffrian:
man a. a. O. als Cubanisch aufgeführte var. d. „pedibus
rufotestaoeis, genicuLia iaraisque nigris.^ Dieselbe liegt
mir in zwei, in allen wesentlichen Punkten übereinstim-
menden Stücken vor , welche sich nur darin unterschei-
den, dass bei dem einen (kleineren) die schwarze Färbung
der Knie etwas beschränkter, der verwaschen bräunliche
Seitenrand der Hinterleibsringe deutlicher, und auch die
Farbe der Hüften braun ist. Ob jedoch dieser Cubani-
sche Käfer {Gh. geniculata Dej.) wirklich nur eine Form
der festländischen Ch. argus Hbst. bildet, zu welcher ihn
Boheman a. a. O. gebracht hat, ist mir noch etwas
zweifelhaft. Der letztere mir aus Illinois zugegangene
Käfer ist nicht allein bedeutend grösser, viel heller roth
gefärbt, und auf den Flügeldecken mit viel grösseren
Flecken (nicht, wie die Cubanische Ch. geniculata, Punk-
ten) bezeichnet, von denen besonders die beiden hinteren
deutlich in der Quere gezogen sind, sondern zeigt auch
noch andere auffallende Abweichungen. Unterseite und
Beine sind einfarbig schwarz, die mittleren Bauchringe
jederseits mit einem ziemlich scharf begränzten bräunli-
chen Flecke, welche Flecke aber nicht zu einem Seiten-
saume verfliesscn ; eben so ist an den Fühlern (im Gan-
zen der Boheman'schen Beschreibung entsprechend)
das 2te bis 4te Glied roth, an der Spitze mit einem dunk-
leren Schatten, während bei dem Cubanerkäfer die vier
unteren Fühlerglieder einfarbig roth sind, und auch die
Unterseite des 5ten Gliedes heller geröthet ist, als bei
jener Art. Die Punktirung ist bei ersterem auf dem
Halsschilde überaus fein und ziemlich zerstreut, auf den
Deckschilden grob und ziemlich dicht zusammengedrängt,
bei den Stücken aus Illinois dagegen auf dem Halsschilde
mehr als doppelt stärker und dichter, auf den Deckschil-
den merklich feiner und mehr zerstreut, hinter dem Schild-
chen jederseits der Naht wie abgeschliffen, mit ziemlich
stark glänzendem Zwischengrunde. Ob diese Abweichun-
gen nun eine mehr als lokale Bedeutung haben, wird
sich nur durch den Vergleich einer grösseren Reihe von
Exemplaren, als mir jetzt zu Gebote stehen, ermitteln
Verzeichn. d. auf d. Insel Cuba gesammelt. Chrysomelinen. 243
lassen. Uebergänge sind mir indessen noch nicht vor-
gekommen.
XXXII. Batonotä Hope.
171. B. Lerouxii Jacq. Duv. I.e. VII. 318. Bob.
1. c. II. 183. n. 87. Das Innere der groben, grübchenarti-
gen Punkte in den Piioktstreifen der Deckschilde ist bei
den zahlreichen mir vorliegenden Stücken heller oder
dunkler gebräunt, und eben so zeigen alle über der brei-
testen Stelle des erweiterten Seitenrandes der Flügel-
decken einen tiefen, längsgruben-artigen Eindruck, wel-
cher dadurch gebildet wird, dass 3 — 4 Punkte des äusser-
sten Streifens merklich tiefer eingedrückt sind, während
die unmittelbar darüber liegenden Punkte des nächst vor-
hergehenden sich in gleichem Masse abgeschwächt haben.
Bei mehreren Stücken fällt der Zwischengrund zwischen
den rundlichen Beulen, mit denen das Halsschild besetzt
ist, und dem äusseren Theile des ausgebreiteten Randes
der Deckschilde besonders vorn mehr oder weniger ins
bleichrosenröthliche, und es ist daher wahrscheinlich, dass
das lebende und vollständig ausgefärbte Thier eine an-
dere Farbe zeigen werde, als der Käfer unserer Sammlun-
gen, welcher sonst noch unter dein Namen B. foraminosa
Mus. Berol. bekannt ist.
Bei einem der von Dr. G. eingesandten Stücke ist
die Seitengrube der Flügeldecken merklich breiter, mit
ihrem äusseren Theile bis in die Mitte des abgeflachten
Seitenrandes ausgedehnt, letzterer dagegen merklich fla-
cher, glänzender und kaum quer gerunzelt, von solchen
Runzeln nur längs dem erhöhten Aussensaume einzelne
Spuren wahrnehmbar. Dr. G. bemerkt dazu: var. an n.
sp.?, ich möchte vorläufig weder das eine noch das andere
annehmen, das Stück vielmehr nur als eine vereinzelte
Missbildung ansehen, die erst, falls sie sich Öfters wie-
derholen sollte, den Rang einer Sculpturvarietät beanspru-
chen kann.
Einer früheren Sendung an Hrn. Riehl hatte Dr.
244 Suffrian:
G. auch die Larve und Puppe dieser Art beigegeben.
Beide liegen mir durch die gefällige Mittheilung des Be-
sitzers gleichfalls vor, leider aber aufgespiesst und einge-
trocknet, daher kaum noch zu beschreiben. Die Larve
gleicht im Ganzen den bekannten Cassidenlarven; ihre
Farbe ist ein schmutziges Braungelb , auf dem Vorder-
rücken mit zwei vertieften dreieckigen schwarzen Feldern
und jederseits mit drei kurzen dicken, an der Spitze ab-
gerundeten und mit kürzeren Stachelhöckern besetzten
Randdornen, deren erster an seiner Basis einen gleichge-
stalteten etwas kürzeren IN ebendorn trägt. Einen ebenso
gestalteten Dorn trägt jedes Rückensegment auf seiner
Aussenseite; nur die des vorletzten Ringes sind kegel-
förmig zugespitzt und aufgerichtet, und die gleichgestal-
teten noch etwas längeren Afterdornen rückwärts nieder-
gelegt. Die Stigmenröhrchen sind deutlich erhöht, be-
sonders auf dem vorderen Rückenringe, und knochengelb.
Auch die Puppe ist verhältnissmässigj klein, etwa 2^4'"
lang und in der Mitte IVt'" breit, schmutzig greis; das
Halsschild sehr uneben, ohne Randdornen, und die Seiten-
fortsätze der Hinterleibsringe kurz und breit lappenförmig
zugerundet. Am Hinterthcile der Puppe finden sich noch
die Reste der abgestreiften Larvenhaut, namentlich der
Afterdornen, und sind silberweiss.
XXXHL £iirypepla Boh.
172. E. vitrea Jacq. Duv. 1. c. VQ. 818. Boh.
1. c. 239. n. 3. Nur ein einziges, nicht eben gut erhal-
tenes Stück, welches zu besonderen Bemerkungen keinen
Anlass bietet. Charakteristisch für den Käfer ist die
dicht gedrängte, unserer Europäischen Cassida equestris
gleichende Punktirung der Deckschilde. Die Gattun^^
selbst erscheint mir überwiegend habituell, und von Fhy-
sonota und Platycyola nicht wesentlich verschieden.
XXXIV. P^alidonota Boh.
173. Ps. dorsopu nctat a Klug. Boh. 1. c. HL
Vei'zeiclm. d. auf d. lusel Cuba ^esamiuelt. Clirysomeliueu. 245
87. 11. 6. Coptocycla id. Jacq. Duv. 1. c. VII. 319. Die
hier in der Beschreibung erwähnte , die Scheibe der
Deckschilde umziehende und hinter der Mitte sich inner-
seits verbreiternde Seitenbinde ist eigentlich eine Längs-
schwicle, welche dadurch gebildet wird, dass die Punkt-
streifen hier theilweise unterbrochen sind oder aus schwä-
cheren und nicht tief eingedrückten Punkten bestehen.
Bei dein lebenden Thiere scheint diese Längsbinde, so
wie die ähnliche schwielenartige Erhöhung an der Wur-
zel der Flügeldecken sammt der Scheibe des Halsschilds
eine lebhaftere Färbung zu besitzen, denn ein Stück in
Riehl's Sammlung zeigt an dieser Stelle noch Spuren
eines bleichgrünlichen Goldglanzes, während die Scheibe
der Deckschilde besonders hinterw^ärts ähnliche Spuren
eines dunkler röthlichgelben Metallglanzes erkennen lässt.
Der Wurzelrand der Flügeldecken von dem Ausschnitte
am Schildchen ab bis zu der Bucht, von welcher ab der
flügelartige Seitenrand vorspringt, ist fein schwarz ge-
säumt und mit dichten Sägezähnchen besetzt.
XXXV. Coptocycla ßoh.
174. C. bisbinotata Boh. 1. c. III. 144. n. 48.
Eine in der Färbung, wie in der Zeichnung und Grösse
ausserordentlich veränderliche Art, deren verschiedene
mir in zahlreichen Stücken (auch unter den Benennungen
C. 6-punctata Fabr., dorsonoiata Chv. und bis - tri7iotata
Mus. Ber.) vorliegende Formen ich aber bei dem Vorhan-
densein aller Uebergänge und ihrer übereinstimmenden
Sculptur nicht als besondere Arten anzuerkennen vermag.
Die kleinsten Stücke erreichen kaum die Länge von P/V",
während die grössten über 2V4'" hinausreichen. Die Farbe
der Oberseite ist gewöhnlich ein ziemlich dunkles Lehm-
gelb, seltener ein schönes Ziegelroth mit bleichem, glas-
hell durchscheinendem Rande, meist stark glänzend mit
mehr oder weniger Spuren eines erloschenen Goldglan-
zes. Unterseite und Beine bald, wie sie Boheman be-
schreibt, blassgelb, bald der obere Theil der Schenkel in
246 Suffrian:
verschiedener Ausdehnung, die Bnist und der mittlere
Theil des Hinterleibes schwarz, mit breitem verwasche-
nem, brandig begränztem, röthlich gelbem Rande; welcher
sich manchmal auch noch längs der Wurzel des Hinter-
leibes hinzieht und dadurch auf dessen Mitte einen gros-
sen vereinzelten schwarzen Fleck abschliesst. Solche
Stücke gehen in den Sammlungen auch als C. sexpmic-
tata Fabr., unterscheiden sich aber von dem echten Kä-
fer dieses Namens leicht durch die einfarbig gelben Füh-
ler. Die von Jacq. Duvai a. a. O. VH. 319 als cuba-
nisch unter letzterem Namen aufgeführte Art scheint
nach der Angabe über die Farbe der Fühler wirklich
Fabricius Käfer zu sein, ist aber von G und la ch nicht
aufgefunden worden.
Der Flecke auf den Flügeldecken sind eigentlich
drei, wie sie sich auch noch bei einzelnen Stücken vor-
finden; zwei vor der Mitte neben einander, der innere
schwächer, der äussere tiefer eingedrückt, mit seinem
äusseren Theile über den tiefen, den flachen Rand ab-
setzenden Punktstreifen hinausreichend, beide gewöhnlich
durch einen schwächeren Querwisch verbunden und da-
durch einen schmalen, gestreckten Querfleck bildend ; der
hintere, hinter dem äusseren Vorderfleck stehende gleich-
falls an den abgesetzten Seitenrand gelehnt. Die P\arbe
dieser Flecke gewöhnlich mehr oder weniger erloschen,
aus dem Schwärzlichen etwas ins Blaue fallend, manchmal
nur einen leichten Schatten bildend ; die Punktstreifen
auf dem Rücken merklich feiner als an den Seiten, die
Vorderenden vom 3ten ab bis zur Schulterbeule fast ge-
schwunden, mit flachen glänzenden Zwischenräumen.
175. C. 4 -sign ata Boh. 1. c. IIL 150. n. 54. Die
vorliegende Art ist zwar von dem Autor einer ganz an-
deren Abtheilung, wie die vorhergehende, zugezählt wor-
den, derselben aber doch überaus ähnlich. Sie ist etwas
kleiner, so dass ihre grösseren Stücke den kleineren der
vorhergehenden gleichkommen, übrigens ihr im Habitus
und die Stücke mit gelber Unterseite und gelben Beinen
ihr auch in der Färbung völlig gleich, meist etwas heller
Verzeichn. d. auf d. Insel Cuba gesammelt. Chrysomelinen. 247
gelb, und gleichfalls mit Spuren eines geschwundenen
Goldglanzes. Die Unterseite ist (bis auf die schwarz
verbliebenen Augen) mit den Beinen einfarbig gelb; die
Fühler bleichgelb mit fast weisslichen oberen Gliedern.
Auch die Punktstreifen sind wie bei der vorhergehenden
Art, auf dem Rücken fein und stellenweise wie abge-
schliffen, seitlich stärker, der ausgebreitete Rand glashell
und ohne Punkte. Den Hauptunterschied von der vor-
hergehenden Art bildet die Zeichnung. Jede Flügel-
decke trägt nur zwei sehr verwaschene schwarzblaue Flecke,
einen, grösseren unförmlichen abgerundet dreieckigen auf
und unter der Wölbung im hinteren Nahtwinkei, jedoch
die Spitze nicht erreichend, dafür aber nicht selten an der
Naht mit seinem Gegenflecke zusammenstossend und mit
ihm einen gemeinsamen , nach vorn offenen Bogenfleck
bildend. Der 2te etwas kleinere, gleichfalls verwaschene
Fleck liegt vorn zwischen dem , den Mittel - und den
vorderen Seiteneindruck der Flügeldecke verbindenden
Sattel und der SchulterbeuJe, von welchen Eindrücken
er mit seinem hinteren Innenende manchmal den erste-
ren, aber bei keinem der mir vorliegenden Stücke auch
den letzteren erreicht. Nach vorn dehnt er sich manch-
mal bis zur Schulterbeule selbst oder noch innerseits der-
selben aus, während er bei den Stücken, wo dies nicht
der Fall ist, mehr oder weniger quer gezogen erscheint.
Die Art scheint im Allgemeinen weniger häufig als die
vorhergende zu sein.
176. C. oblita m. Rotundata convexa ferruginea,
pectoro, abdominis disco, femorum basi, punctisque tribus
(2, 1) elytrorum nigris, bis profundo punctato-striatis, in-
terstitiis convexiusculis opacis. Long. 272'"; lat. 1^/4'".
Diese anscheinend sehr seltene Art ist in der letzten
G.'schen Sendung nicht wieder mitgekommen, ich kann
daher von ihr nur ein einziges, von G. früher unter der
C. hishinotata an Herrn Riehl gesandtes Stück verglei-
chen, welches indess zu ihrer Sicherstellurig vollständig
ausreicht. Sie gleicht im Habitus und Im Allgemeinen
auch in der Färbung der schon genannten Art und zwar
248 Suffrian:
deren unten theilweise schwarz gefärbten Stücken; sie
ist nämlich oben rostgelb mit glänzendem und längs dem
Hinterrande äusserst fein und zerstreut punktirtem Ilals-
schilde; unten ist der Kopf i;leichtalls rostgelb mit schwar-
zen Augen, die Brust solnvarz, das Vorderende der Hin-
terbrust und die Schulterblätter verwaschen geröthet, auf
dem Hinterleibe der grössere mittlere Theil wieder
schwarz, mit verwaschen begränztem breiteren Seiten-
und schmaleren Hinter- und Vorderrande, der letztere
thellweise trüber gebräunt. Die Beine rothgelb , die
Schenkel an der Wurzel geschwärzt, und diese Färbung
hinterwärts allmählich zunehmend , so dass sie an den
Mittelschenkeln deren grössere Hälfte, bei den hinteren
über ^4 <icr Schenkellänge hinwegnimmt. Die schlanken
Fühler Ihellgelb , das 3te Glied etwas länger und dem
4ten gleich, das Endglied lang zugespitzt. Das grosse
Schildchen glänzend rostroth, dreieckig und mit geschwun-
genen Seiten hinterwärts pfriemlich ausgezogen.
Die Hauptabweichungeu von den vorhergehenden
Arten bilden die Sculptur und die Zeichnung der Deck-
schilde. Die Punktstreifen sind aus kräftigen , auf dem
Rücken länglichen, seitlich rundlichen Punkten gebildet,
welche dicht aneinander gerückt sind und dadurch deut-
liche Längslinien eindrücken, dadurch aber wieder deutlich
gewölbte Zwischenräume emporheben ; letztere sind dabei
nicht glänzend, sondern matt mit Spuren eines geschwun-
denen Goldschimmers , welcher sich theilweise wieder
hervorrufen lässt, wenn der Käfer längere Zeit in star-
ken Spiritus gelegt wird. Die Eindrücke sind die ge-
wöhnlichen dieser Gruppe : vor der Mitte ein kleiner rund-
licher, durch eine tiefe Einsenkung des 4ten und r)ten
Punktstreifens gebildeter, welcher aber durch den wieder
erhöhten 4ten Zwischenraum in zwei kleinere gethcilt
wird, und von diesen nach aussen ein derberer auf dem
Randstreifen; welter hinterwärts sind dann noch einige
l^unkte des durch die Randschwiole abgesetzten Rand-
streifens etwas grubig eingedrückt, ohne jedoch einen
eigentlichen Eindruck zu bilden. Als Zeichnung trägt
Verzeichn. d. auf d. Insel CuVja gesammelt. Chrysomelincn. 249
jede Flügeldecke drei kleine rundllclie schwarze Flecke;
zuerst sind auf dem Rückeneindrucke die hier tiefer ein-
gesenkten Punkte des 4ten und 5ten Punktstreifens
schwarz gefärbt, so dass dieser Fleck eigentlich aus zwei
kurzen, tief schwarzen, durch eine hellere Zwischen-
linie getrennten Längslinien besteht. Auch der 2te
(schwächere) Vorderfleck ist in ähnlicher Weise gebildet,
hier sind je 2—3 Punkte des 8ten, 9ten und lOten Pvand-
streifens (im letzteren nur die dem Rücken zugekehrten
Enden) leicht geschwärzt, die Zwischenräume noch leich-
ter angeflogen, und der Fleck besteht sonach nur aus drei
verwaschenen Längsfleckchen mit etwas lichteren Zwi-
schenräumen. Der Hinterfleck ist wieder etwas grösser
und deutlicher, er liegt auf dem Tten, 8ten und 9ten
Punktstreifcn , zwischen denen der 7te Zwischenraum
gleichfalls geschwärzt, der 8te dagegen als eine schmale
röthllche Längslinie zurückgeblieben ist. Nach aussen
dehnt sich dieser Fleck mit einem leichten Wische noch
auf den 9ten Zwischenraum aus. Der flache Seitenrand der
Deckschilde ist puüktirt und glänzend, wodurch er ebenso
wie das Halsschild in auffallender Weise gegen die Scheibe
der Deckschilde absticht.
177. C. conflagrata Boh. 1. c. IIL 294. n. 194.
Nur zwei Stücke; bei beiden, während sie sonst mit der
angeführten Beschreibung übereinkommen, nur die Yor-
derschicnen, wie die Fussglicder, rostroth ; an den Mit-
telschienen ist nur die Innenseite, an den Hinterschienen
nur die Spitze gcröthet, dagegen an dem 6ten Fühler-
gliede die Wurzel deutlich rothbraun. Das 3te Fühler-
glied ist, dem Gattungscharakter zuwider, merklich kür-
zer als das 2te, und zeigt dadurch, dass die Gattung
Coptocycla noch manche heterogene Elemente in sich
schliesst, wenn man nicht lieber auf die Benutzung die-
ses Längsverhältnisses zur Begründung! dieser, wie es mir
scheint, überhaupt von (Jassida nicht wesentlich verschie-
denen und deshalb sehr entbehrlichen (Jattung verzich-
ten will.
178. C. repudiata m. Subovata convexa ferru-
250 Suffrian:
glnea^ antennarum articulis 5 ultimis, femomm basi, pe-
ctore abdomineque nigris, hoc ferrugineo-limbato, intersti-
tiis punctato-striatis, stria nona sursiim curvata, marglne
oblique deflexo crebrius pnnctato, interstitiis planis subtilis-
sime rugulosfs. Long. IV2'"; lat. 1'".
Durch den eiförmigen^ hinterwärts verschmälerten
Umriss und die spitzen Hinterecken des Halsschilds noch
mehr als die vorige einer Europäischen Cassida ähnlich,
ausserdem durch den ziemlich steil abfallenden und dabei
dicht und derb puuktirten Seitenrand der Flügeldecken
sehr ausgezeichnet. Der Kopf mit dem unteren Theile
der Fühler rostroth, das 3te Glied dieser letzteren deut-
lich länger als das 2te, die fünf oberen schwarz mit ge-
bräunter Wurzel des 7ten Gliedes. Das Halsschild kurz
und breit, mit flachem netzförmig durchscheinendem Rande,
der Hinterrand jederseits dicht vor den Hinterecken kurz
ausgehuchtet, und dadurch die Ecke selbst hakenförmig
nach hinten gekrümmt. Das Schildchen gleichseitig-drei-
eckig und, wie das Halsschild, ohne Punkte. Die Deck-
schilde oben hoch gewölbt, vom 5ten Punktstreifen ab
seitlich ziemlich steil abfallend, der breite Seitenrand zwar
durch den gröberen und eine deutliche Längsfurche ein-
drückenden lOten Streifen abgesetzt, aber dann wieder die
schräg abfallende Richtung der Flügeldecken fortsetzend,
dabei kräftig und ziemlich dicht punktirt, das Innere
dieser Punkte gegen das Licht gehalten, tropfenartig
durchscheinend. Die Puuktstreifen sehr regelmässig,
überall deutlich , auf dem vorderen Drittel nach aussen
stärker, der lOte vor der Mitte eine Strecke lang tiefer
eingedrückt, und der 9te längs dieser Stelle aufwärts
gekrümmt, so dass sich hier der Ote Zwischenraum sehr
stark verbreitert. Die Zwischenräume flach, matt und
überaus fein netzartig gerunzelt, die hinten aufgeworfene
Naht an jeder Flügeldecke in eine feine Stachelspitze
ausgezogen. Die Farbe rostroth, vorn nur das Schildchen
bis zu den Schultern stellenweise unter schräger Beleuch-
tung schwach goldig schimmernd, schwächer in ähnlicher
Weise auch die Scheibe des Halsschilds, als ob das Thier
Verzeichn. d. auf d. Insel Ciiba gesammelt. Chrysomelinen. 251
hier im Leben Goldglanz gezeigt hätte. Auf der Unter-
seite ist der Kopf (bis auf die schwarzen Augen) mit
mit den umgeschlagenen Theilen des Halsschilds roth,
Brust und Hinterleib schwarz mit schmal röthlichem
Rande des letzteren; 'die Beine roth mit geschwärzten
Schenkelwurzeln, an den Hinterbeinen der grössere Theil
der Schenkel schwarz.
Nur in einem einzigen Stücke gefunden.
179. C. guttata Oliv. Bohem. 1. c. III. 314. n. 213.
Eine anscheinend auf Cuba sehr gemeine, in der Grösse
der gelben Flecke auf der Scheibe der Deckschilde aus-
serordentlich und fast bis zu deren Verschwinden abän-
dernde Art, welche in den deutschen Sammlungen am
meisten unter dem Namen C. signifer Hbst. bekannt,
und unter diesem auch von Jacq. Duval bei Ramon de
Sagr. VII. aufgeführt worden ist. Die Cubanischen Stücke
entsprechen der von Bohem an a. a. O. als Typus be-
schriebenen Form, während seine var. a. durch die Stücke
mit" beschränkter Zeichnung der Deckschilde gebildet wird.
Die Exemplare seiner var. b., welche in den Sammlungen
ziemlich einfarbig lehmgelb erscheinen, machen den Ein-
druck unausgefärbter Thiere : dem ist jedoch nicht so,
sie sind vielmehr ebenso ausgefärbt als die normalen,
und zeigen im frischen Zustande denselben schönen Gold-
glanz, wie diese. Dergleichen Stücke finden sich übri-
gens ebensowohl von der festländischen Form mit schwar-
zer Unterseite , als von dem Cuba-Käfer; in den Samm-
lungen pflegt der vordere schräge Schulterwisch zu einem
leichten und schlecht begränzten bräunlichen Schatten zu
verbleichen oder auch ganz zu verschwinden. Seine varr.
c. und d. aber werden durch die auf dem Festlande von
Nordamerika vorkommende und daselbst von Yucatan
bis zu den Canadischen Seen verbreitete Form mit schwar-
zer Unterseite des Körpers gebildet.
Bei dem frischen Käfer, den ich in Nordamerikanischen
Stücken wiederholt und in Mehrzahl erhalten habe, ist der
breite flache Rand des Halsschilds und derDeckschilde durch-
scheinend glasheilgclb j der Kopf dagegen und die lichten
252 Suffrian: Verzeichn. d. auf d. Insel Cuba ges. Chrys.
Flecke auf der Scheibe des Halsschilds mit Allem, was
bei dem Käfer der Sammlungen auf den Deckschilden
gelb erscheint, zeigen einen prachtvollen, dem Glänze un-
serer Cassida austriaca ähnlichen Goldglanz, welcher auf
dem Halsschilde und längs dem Rande der Deckschilde
mehr ins Goldgrüne, auf deren Rücken mehr ins Hoch-
goldene, selbst Feuergoldene und Kupfergoldene fällt.
Bei den lebend in starken Spiritus geworfenen und darin
aufbewahrten Thieren erhält sich dieser Glanz Jahre lang ;
sind sie aber einmal trocken geworden, so verschwindet
er gewöhnlich schon am zweiten oder dritten Tage, und
lässt nur bei einigen Stücken wenige und schwache Spu-
ren zurück. Weitere Abweichungen in der Färbung, als
die oben bezeichneten, finde ich bei den Cubanischen
Stücken nicht; dagegen besitze icli festländische mit
schwarzer Hauptfarbe der Deckschilde, bei denen der nach
der vorderen Ecke des Seitenrandes hinziehende dunkle
Schrägstreifen nicht schwarz, sondern hellbraun gefärbt ist.
lieber die Batrachier Australiens.
Von
Wilh. Referstein 1. D.
Professor in Göttingen.
(Mit Tafel V, VI, VII und VIII. Fig. 1—32.)
Das Göttinger Museum besitzt besonders durch die
Liberalität meines Verwandten des Herrn Dr. R. S c hu e 1 1 e
in Sydney, wie durch die Freundschaft des Herrn Gerh.
Krefft, Director des Australischen Museums in Sydney,
eine grosse Anzahl australischer Frösche. Bei der Ein-
ordnung derselben in die Sammlung machte die richtige
Bestimmung mancherlei Schwierigkeiten und es zeigten
sich so häufig Ungenauigkeiten in den vorhandenen Be-
schreibungen, dass es nicht unnütz erscheinen wird, wenn
ich im Folgenden meine Bemerkungen über die mir vor-
liegenden Arten mittheile.
Im Ganzen konnte ich 29 Arten von australischen
Fröschen, manche in sehr zahlreichen Exemplaren, beob-
achten 1). Noch 19 andere Arten sind in der Literatur
vom Festlande Australiens und von Van Diemensland
aufgeführt, wovon einige allerdings wohl keine spezifi-
sche Berechtigung haben. Diese 19 Arten habe ich an
den betrefi'enden Stellen eingeschaltet, aber keine Beschrei-
bung hinzugefügt, da ich dabei nur das hätte wiederholen
können, was meine Vorgänger mitgetheilt haben.
1) Von den 18 im Folgenden mit einem * bezeichneten Arten
giebt das Göttinger Museum, am liebsten gegen andere Batrachier
Doubletten in Tausch ab.
254 Keferstein:
Von diesen 48 australischen Fröschen gehören 15
Arten den Cystignathiden und 19 Arten den Hyliden an,
woraus die grosse Aehnlichkeit der südamerikanischen
Froschfauna mit der australischen deutlich hervorgeht.
In der Eintheilung und Beschreibung der hier auf-
geführten Frösche habe ich mich möglichst an Gün-
ther's^) Arbeit angeschlossen, ausserdem aber vielfach
Cop e's 2) besonders auf den Skelettbau begründeten Ver-
theilung der Frösche Rücksicht genommen. Einige mei-
ner Bemerkungen über die australischen Batrachier habe
ich schon vorläufig an einer anderen Stelle ^) mitgetheilt,
muss jedoch ein paar meiner dortigen Angaben nach Un-
tersuchung eines neuen viel beträchtlicheren Materials
ändern.
Ueber die geographische Verbreitung, die Lebens-
weise und das Vorkommen der australischen Frösche ver-
danken wir Gerh. Krefft^) einige Mittheilungen.
Fam. Cystigiiathidao.
Mixophyes Gthr. 1864.
Kopf breit. Zunge rundlich, kaum eingebuchtet.
Vomerzähne zwischen den Choanen. Choanen weit,
1) Alb. Günther Catalogue of the Batrachia salientia in the
Collection of the British Museum. London 1858. 8. mit 12 Taf.
und On the systematie Arrangement of the tailless Batrachians etc.
in Proceed. Zool. Sog. of London. Part. 26. 1858. p. 339— 362.
2) Eduard D. Cope Sketch on the primary groups of Ba-
trachia salientia in Natural History Eeview, a quarterly Journal of
Biological Science. V. 1865. p. 97—120.
3) Ueber einige neue oder seltene Batrachier aus Australien
und dem tropischen Amerika in Nachrichten v. d. Kön. Gesellsch. d.
Wiss. in Göttingen 1867. Nro. 18. Juli 24. p. 341—361.
4) On the vertebrated Aniraals of the Lower Murray and
Darling, their habits , economy and geographical distributions in
Transact. of the Philosoph. Soc. of New-South- Wales 10. Sept. 1862.
und The Frogs of Australia in Monthly Notices of Papers and
Proceedings of the Royal Society of Tasmania. March 1865. p. 16 — 20.
lieber die Batrachier Australiens. 255
grösser als die Oeffniingen der Eiistacliischeri Röhren.
Trommelfell nicht von der Haut überzogen. Finger völ-
lig frei , Zehen mit ausgebildeter Schwimmhaut. Am
äusseren Metatarsus ein grosser, sichelförmiger Tuberkel.
Mixophyes fasciolatus. Tafel V. Fig. 6.
Mixophyes fasciolatus Günther Proceed. Zool. Soc.
London 1864. p.46. 47. PI. VJI. Fig. 1, Ann. Mag.
Nat. Hist. (3). XIV. 1864. p. 311. 312. — Stein-
dachner Novara Expedition , Amphibien. 1867.
p.lO. 11.
Der Kopf (bis zum Mundwinkel) ist breiter als lang.
Canthus rostralis abgerundet, Zügelgegend etwas concav,
Nasenlöcher auf dem Canthus, in der Mitte der Schnauze.
Vomerzähne in z-svei, von den inneren, vorderen Ecken
der Choanen entspringenden, mediauwärts etwas conver-
girenden Reihen. Hinter den Choanen jederseits ein
querer Knochenwulst. Das Trommelfell sehr deutlich,
etwas kleiner als die grossen, weit vorspringenden Au-
gen. — Die Finger und Zehen enden mit knopfförmigen
Verdickungen, Zehen zu Zweidrittel der Länge mit
Schwimmhäuten. Unter den Gelenken rundliche Ballen.
Am Metacarpus des Daumens ein rundlicher Höcker,
ein kleinerer an dem der Hand. Der erste, zweite und
vierte Finger von gleicher Länge, ebenso die dritte und
fünfte Zehe. Die erste nur halb so lang als die zweite. —
Haut des Rückens und des Bauches glatt, bis auf eine
scharfe Falte, die vom hinteren Augenwinkel bis etwas über
das Trommelfell hinausreicht. — Rückenseite bräunlich,
am Canthus rostrah's (vom Nasenloch unterbrochen) und
der Falte hinter dem Auge ein schwärzlicher Streif, zv^^i-
schen den Augen eine dunklere Querbinde, Rücken mit
dunkleren Marmorirungen , Körperseiten mit schwarzen
Flecken. Hintere und vordere Extremitäten bis zu den
Phalangen hin an der Rückenseite mit schwärzlichen Bin-
den, die seitlich sich dreieckig verbreitern. Die ganze
Unterseite hell, nur am Unterkiefer etwas bräunlich.
256 - Keferstein:
Das Brustbein zeigt die typische Ausbildung der
Areiferen, wesshalb auch Cope ^) diese Gattung mit Recht
zu den Cystignathen und nicht wie Günther zu den
Kaniden rechnet. Das Coracoid ist nicht viel schwächer,
wie die Clavicula. Beide Knochen divergiren nach der
Medianlinie zu, wo sie durch einen Knorpelstreifen ver-
bunden sind, der sich über oder unter der der anderen
Seite schiebt. Das Manubrium ist deutlich entwickelt,
aber nur knorpelig. Der Proc. xiphoideus besteht nur
aus einer, hinten zweilappigen Knorpelplatte. — Die
Querfortsätze des Sacralwirbels sind an der Rückenseite
abgeplattet und doch so viel verbreitert, dass sie am
äusseren Ende die doppelte Breite wie am Ursprung ha-
ben. Die Ossa fronto-parietalia sind schmal und stossen
ohne jede Fontanelle an einander.
Körper 70 Mm. , Bein 108 Mm. , davon der Fuss
48 Mm. lang.
Zwei weibliche Exemplare, eins vom Clarence-River,
das andere von Pine Mountains, Neu-Süd- Wales.
Limnodynas t es Fitz. 1843.
Diese zuerst von Fitzinger^) und später von Gi-
rard (unter dem Namen Wagleria) von der grossen Gat-
tung Cystignathus, die in Südamerika ihr Verbreitungs-
centrum hat, für die verwandten, australischen Formen
abgetrennte Gattung , unterscheidet sich von ihr beson-
ders durch die fast in einer geraden, in der Mitte kaum
unterbrochenen Linie , hinter den Choanen stehenden
Vomerzähne. Dies Kennzeichen tritt öfter jedoch erst
bei älteren Individuen deutlich hervor. — Der Kopf ist
etwas zugespitzt und abgeflacht, das Trommelfell undeut-
lich sichtbar. — Am Schädel zeigt sich eine schmale
Fontanelle zwischen den Ossa fronto-parietalia.
1) Nat. Hist. Review. 1865. p. 111.
2) Systema Reptilium. 1843. p. 31.
tJeber die Batrachier Australiens. 257
* Limnodynastes Feronit Taf. V. Fig. 1.
Cystignathiis Peronil Dumeril etBibron Erp^tolo-
gic gen. VIII. 1841. p.409. 410.
Limnodynastes Peronii Günther Cat. Batrach. 1858.
p. 134. — Keferstein Göttinger Nachricht. 1867.
p.343. 344.
Wagleria Peronii Girard Proceed. Ac. Nat. Sc. Phi-
ladelphia VI. 1853. p.421.
Die in der Mitte kaum unterbrochene gerade Linie dar
Vomerzähne ragt an den Seiten (wenigstens in den älteren
Exemplaren) über die Choanen hinaus. Finger ganz frei,
aber, wie es Günther zuerst bemerkt, bei dem Weib-
chen am ersten und zweiten mit breiten Schwimmsäumen.
Am Metacarpus des Daumens ein grosser Ballen, der beim
Männchen vorn scharf ist und stark hervorragt, am 3ten
und 4ten Metacarpus zwei dicht an einanderstehende klei-
nere Ballen. Bisweilen ist die fleischige Spitze des Dau-
mens scharf nach aussen gewandt, während der Knochen
der Phalange an der ümbiegungsstelle tuberkelartig vor-
ragt. Der Iste, 2te und 4te Finger etwa von gleicher
Länge. — Am Fuss nur unbedeutende Andeutungen von
Schwimmhäuten, bisweilen schmale Säume an den Zehen.
Am inneren Metatarsus ein rundlicher Höcker. Die 3te
und öteZehe von gleicher Länge. — Eine schmale weisse
Medianlinie vom Scheitel bis zum After, jederseits davon
ein dunkles Band, das sich zwischen den Augen erwei-
tert und jederseits vom Auge bis zum Schenkel noch ein
dunkles Längsband. An den Seiten des Körpers und
auf der Rückenseite der Beine und Arme dunkle Fleck.
Am Canthus rostralis ein dunkler Streif, der sich hinter
dem Auge verbreitert und sich bis über die das Trom-
melfell hinaus fortsetzt, dort an der Unterseite von einer
weissen Längsfalte begränzt. Bauchseite weiss, an der
Kehle und den Körperseiten dunkel melirt. — Meistens
sind die hellen und dunklen Längsstreifen der Rücken-
seite ausgebildet, bisweilen aber findet man Exemplare
Ajrchiv für Naturg. XXXIV. Jahrg. 1. 17
258 Keferstein:
deren Grundfarbe so diinkelgrau ist, dass die dunkleren
Streifen kaum hervortreten.
Am Brustbein sind Coracoid und Clavicula etwa
von gleicher Stärke, letztere ist stark gebogen. Das
Manubrium ist ausgebildet aber nur knorpelig, der Pro-
cessus xiphoideus ist ein längliches Blatt, dessen media-
ner Theil, in der vorderen Hälfte aus Knochen besteht.
Nach Cope^) soll am Xiphoideum ein Basaltheil oder
ein Stiel vorhanden sein, den ich aber nicht finde. —
Querfortsätze des Sacralwirbels cylindrisch.
Körper 5') Mm., Bein 90 Mm. lang, wovon 40 Mm.
auf den Fuss kommen.
Sehr zahlreiche Exemplare aus Sydney und vom
Clarence-River, Neu-Süd- Wales.
* L. Peronii Var. Krefi'tii.
Limnodynastes Krefi'tii Günther Ann. Mag. Nat. Hist.
(3). XI. 1863. p. 26. — St ein dach ner NovaraExped.
Amphibien 1867. p. 26. 27.
Limnodynastes Peronii Var. Krefi'tii Keferstein Göt-
ting. Nachrichten 1867. p. 345.
Diese Varietät unterscheidet sich von der typischen
Art besonders durch die Färbung. Der Rücken ist hier
nicht regelmässig gestreift, sondern mit grossen rundlichen
dunklen Flecken versehen, welche theils zu Längs-, theils
zu Querstreifen zusammenfliessen. Die Rückenlinie ist
sehr selten zu erkennen. Bisweilen sind die Schwimm-
häute der Zehen etwas ausgebildeter.
Sydney.
* Lvmndoynastes tasmaniensis.
Limnodynastes tasmaniensis Günther Catal. Batrach.
1858. p.33. PL IL Fig. B. — Steind achner No-
vara Exped. Amphibien 1867. p. 26.
1) Nat. Hist. Review 1865. p. 113.
üeber die Batrachier Australiens. 259
Limnodynastes Peronii Var. tasmaniensis Keferstein
Götting. Nachr. 1867. p. 344.
Limnodynastes affinis Günther Ann. Mag. Nat. Hist.
(3). XL 1863. p.27.
Diese Art gleicht der L. Peronii sehr, doch sind
einige constante Unterschiede aufzufinden. Einmal er-
reicht sie (wenigstens nach den mir vorliegenden etwa
40 Exemplaren) lange nicht die Grösse von L. Peronii,
ferner sind am Metatarsus zwei kleine Tuberkel vorhan-
den. Die Vomerzähne bilden meistens zwei etwas ge-
bogene Linien, die seitlich über die Choanen nicht hin-
ausragen. — Auf dem Rücken sieht man meistens eine
vollständige oder doch Theile einer weissen Medianlinie,
neben der eine oder zwei Reihen dunkler Flecke sich
befinden, die zuweilen zusammenfliessen und dadurch eine
Aehnlichkeit mit der Färbung von L. Peronii hervor-
rufen, der sie sonst in den anderen Theilen gleicht. Un-
terseite weiss. — Brustbein ähnlich wie bei L. Peronii.
Körper 38 Mm., Beine 48 Mm. lang, wovon 24 Mm.
auf den Fuss kommen.
Sydney.
L. affinis von Günther soll sich durch zwei Tu-
berkel am Metacarpus von tasmaniensis mit drei Tuber-
keln unterscheiden. Mit Recht bemerkt aber schon
Steindachner, dass der äussere Tuberkel der Hand oft
zweigetheilt, oft einfach ist und darin keine Beständigkeit
herrscht.
Die Var. rugulosus Keferstein Götting. Nachr.
1857. p. 344 enthält die Exemplare dieser Art, deren
Rücken mit auffallenden Höckerchen bedeckt ist und die
überdies gar keine Medianlinie haben. Doch bin ich
nicht sicher ob diese Punkte zur Unterscheidung einer
besonders aufzuführenden Varietät ausreichen.
Limnodyyiastes Salminii
Limodynastes Salmini Steindachner Novara Exped.
Amphibien 1867. p. 27. 28. Taf. IV. Fig. 12—15.
260 Keferstein:
Vomerzähne wie bei L. Peronii; Hände und Füsse
ebenfalls, am Metatärsus gleichfalls nur ein rundlicher
Höcker. Die Unterschiede von L. Peronii liegen in der
Färbung. Eine weisse Medianlinie ist nur in der Kreuz-
gegend vorhanden, sonst zeigt der Rücken rundliche dunkle
Flecke, die oft in Längsstreifen zusammenlaufen. An den
Seiten des Rückens zieht sich ein etw^as gebogener heller
oder röthlicher Streifen von der Arm- bis zur Lenden-
gegend. Die Seiten des Körpers und der Schenkel mei-
stens mit kleinen weissen Flecken. Färbung des Kopfes
und der Unterseite, wie bei L. Peronii ; auch das Brust-
bein ist wie da, nur dass keine knöchernen Theile im
Xiphoideum auftreten.
Körper 63 Mm., Bein 72 Mm. lang, wovon 33 Mm.
auf den Fuss kommen.
Sydney (6 Exemplare).
LiTYinodynastes dorsalis.
Cystignathus dorsalis Gray in Grey Journ. Exped.West.
Austr. n. 1841. p. 446. 447 und in Eyre Journ. Exped.
Centr. Aust. L 1845. p. 407. PI. L Fig. 2.
LimnMynastes dorsalis Günther Catal. Batr. 1858. p. 33.
West- und Nord- Australien.
F latyplectrum Gthr. 1863.
Günther stellte diese Gattung für Arten von Lim-
nodynastes-artigem Habitus auf, welche am Metatärsus
einen breiten, scharfkantigen Höcker oder Sporn tragen.
Der Kopf ist kurz, hoch, mit scharfem Canthus rostralis.
Die Vomerzähne stehen in einer queren Linie hinter den
Choanen. Die Finger sind ganz frei, die Zehen ebenso
oder auch mit geringen Schwimmhäuten oder Hautsäu-
men. Das Trommelfell ist von der Haut überzogen, die
Zunge kreisförmig, hinten schwach ausgeschnitten.
Zwischen den Stirnscheitelbeinen eine schmale Fon-
tanelle, Querfortsätze des Sacralwirbels etwas verbreitert,
abgeflacht.
üeber die Batrachier Australiens. 261
Platyplectru7n marm orahcm,
Platyplectrum marmoratum Günther Ann. Mag, Nat.
Hist. (3). XI. 1863. p. 27. PL IV. Fig. A.
Vomerzähne in zwei geraden in der Mitte fast zu-
sammenstossenden Linien; entweder zusammen eine gerade
Linie bildend oder nach hinten etwas convergirend.
Schnauze kurz, so lang als das Auge, hoch. Extremitä-
ten kurz. Finger ganz frei, am Metacarpus des Daumens
ein länglicher Höcker, ein anderer an der Handfläche.
Zehen mit kleiner Schwimmhaut und mit Hautsäumen
bis zur Spitze. Metatarsushöcker lang und scharf. —
Haut auf dem Rücken und hinten an den Oberschenkeln
höckerig. Grundfarbe der Rückenseite grau, mit dunkeln,
rundlichen oder unregelmässigen Flecken bestreut oder
marmorirt. Zwischen den Augen ein helles Querband,
dahinter ein dunkles und auf dem Nacken eine grosse,
fast viereckige helle Stelle. Beine und Arme auf der
Rückenseite gebändert. Unterseite weiss.
Am Brustbein sind Coracoid und Clavicula sehr di-
vergirend und etwa von gleicher Stärke. Das Manubrium
ist ganz schwach, das Xiphoideum breit und im mittle-
ren Theil an der Basis knöchern. Die Querfortsätze des
Sacralwirbels sind abgeflacht und etwas verbreitert. Eine
schmale Fontanelle zwischen den Stirnscheitelbeinen.
Körper 42 Mm., Bein 62 Mm. lang, wovon auf den Fuss
26 Mm. kommen.
Sydney und Clarence-River Nord-Süd- Wales.
Nach einer Mittheilung meines Freundes K refft in
Sydney hat das Männchen dieser Art zwei zahnartige
Auswüchse am Unterkiefer und einen ^weit grösseren
Kopf als das Weibchen.
Platyplectrum ornatum.
Perialia? ornata J. E. Gray in Eyre Journ. Exped.
Cent.-Austr. L 1845. p. 407.
Discoglossus ornatus J. E. Gray a. a. 0. PL IL Fig. 2.
262 Kefer stein:
Limnodvnastes ornatus Günther Catal. Batrach. 1865.
p. 33. 34
Platvplectrum ornatum K e f er st ein Götting. Nachricht.
1867. p.346.
Opisthodon Frauenfeldii St eind achner Novara Exp.
Amphibien 1867. p. 9. 10. Taf. I. Fig. 1—4.
Gleicht der vorhergehenden Art sehr, nur bilden
die Vomerzähne zwei etwas gebogene Linien unmittelbar
hinter den Choanen, die Extremitäten sind länger und die
Färbung des Rückens ist regelmässiger, indem die Flecke
in Längsreihen stehen oder in Längsstreifen verschmol-
zen sind. Der helle Nackenfleck ist ebenso ausgebildet,
dagegen ist die Rückenfläche nur mit kleinen Höckern
versehen.
Körper 30 Mm., Bein 50 Mm. laug, wovon 22 Mm.
auf den Fuss kommen.
Sydney, drei Exemplare.
Nach Steindachner's genauer Beschreibung kann
kein Zweifel sein, dass seine Art, auf die er eine neue Gat-
tung und zwar in der Familie der Ranidae gründet, hier-
her gehört. — J. E. G r a y bemerkt a. a. O. sehr richtig,
dass diese Art ziemlich dem Discoglossus gleicht und
wirklich sind hier wie in der vorhergehenden die Quer-
fortsätze des Sacralwirbels so deutlich verbreitert, dass
man sie dennoch zu dea Discoglossiden stellen könnte.
Platyplectrum Dumerilii.
Limnodynastes (Platyplectron) Dumerilii Peters Ber.
Berlin. Akad. 1863. April p. 235.
Adelaide.
Neobatrachus pictus,
Neobatrachus pictus Peters Ber. Berlin. Akad. 1863.
April, p.234. 235.
Adelaide, Süd-Australien.
Crinia Tsch. 1839.
Gaumenzähne ganz gering oder völlig fehlend, Kie-
Ueber die Batrachier Australiens, 263
ferzähne ausgebildet. Zunge oval, ganz. Trommelfell
nicht oder kaum sichtbar. Zehen frei oder mit Haut-
säumen, Finger frei. Querfortsätze des Sacralwirbels
deutlich verbreitert. Zwischen den 8tirnscheitelbeinen
eine grosse Fontanelle, so dass von jenen Knochen an
der Oberseite des Schädels nur ein schmaler Streif zu
sehen ist. Am Brustbein sind Coracoid und Clavicula
von gleicher Stärke, letztere ist sehr gebogen. Manu-
brium schwach, Xiphoideum schmal, knorpelig.
Die ursprüngliche Art dieser Gattung wurde von
Dumeril und Bibron, die sie zuerst beschreiben, zu
Cjstignathus gerechnet, während für eine nahe verwandte
Form Peters 1863 die Gattung Camariolius, besonders
nach der Abwesenheit der Gaumenzähne, und Lütken
im selben Jahre die Gattung Pterophrynus, besonders nach
den gesäumten Zehen, aufstellten. — Ebenso wie sich
zwischen ganz wenigen und gar keinen Vomerzähnen alle
üebergänge finden, ist dies auch mit den gesäumten oder
nackten Zehen der Fall, ohne dass in anderen Charakteren
Veränderungen einträten und es scheint desshalb passend
wie es Girard ^) und Cope ^) thun und auch Gün-
t h e r ^) andeutet, die sonst kaum angenommene von
Tschudi für diese Formen gegründete Gattung Crinia
wieder einzuführen.
* Crinia Georgiana.
Cystignathus Georgianus Bibr. Dumeril und Bibron
" Erpet. gen. YIII. 1841. p. 416. — Bell Zool. of the
Beagle. Reptil. 1843. p. 33. Taf. 16. Fig. 4. — Gün-
ther Catal. Batrach. 1858. p. 30.
Crinia Georgiana Tschudi Class. d. Bat. M6m. Neu-
chatel II. 1839. p. 38 u. 78. — Kef er stein Götting.
Nachricht. 1867. p. 347. 348. — Girard Proc. Ac.
Nat. Sc. Philadelph. VI. 1853. p. 422.
1) Proceed. Ac. N. S. Philad. VI. 1853. p. 420.
2) Nat. Hist. Review 1865. p. 114.
3) Proceed. Zool. Soc. 1864. p. 48.
264 Keferstein:
Ranidella signlfera Girard a. a. O. p. 421. 422.
Pterophrynus afiinis Günther Proc. Zool. Soc. 1864.
p.47. Pl.VIL Fig. 21 undAnn. Nat. Eist. (3). XIV.
1864. p. 312. 313.
Gewöhnlicli jederselts zwei oder drei kleine Vomer-
zähne hinter den Choanen nahe der Mittellinie; Zunge
schmal, oval. Zehen und Finger lang, ganz frei. Hand-
und Fusssohle mit vielen kleinen Tuberkeln, am Ende
des Metatarsus jederseits ein kleiner Höcker. Rücken-
seite fast glatt, Bauchseite höckerig ähnlich w^ie bei den
Laubfröschen; an der Unterseite des Schultergelenks ein
grösserer Höcker. Die Rückenseite ist (in Spiritus) bräun-
lich, variirt in der weiteren Färbung aber sehr. Bald
hat die braune Rückenseite nur undeutliche hellere oder
dunklere Flecke, bald befindet sich jederseits eine Reihe
sehr scharfer dunkler Flecke, oder es zeigt sich auf jeder
Seite ein dunkler aussen weiss begrenzter Längsstreifen,
oder endlich der Rücken weist eine dunklere Marmori-
rung, meistens zur Medianlinie symmetrisch gestellt, auf.
Im letzteren Falle sind zwischen den dunklen Stellen
meistens auch ganz helle markirt und eine helle Binde
zwischen den Augen. Gewöhnlich sind die Beine und
Arme quergebändert. Die Unterseite ist weiss und die
Hinterseite der Oberschenkel, wie Unterschenkel, ebenso
wie die Inguinalgegend zeigt eine Purpurfärbung.
Körper 29 Mm., Bein 86 Mm. lang , wovon 18 Mm.
auf den Fuss kommen.
King Georges-Sound, West- Australien. (Ein Exem-
plar genau von diesem Fundort, zahlreiche andere nur
mit Australien bezeichnet.)
* Crinia varia Taf. VI. Fig. 11—13.
Camariolius varius Peters Ber. Berlin. Akad. 1863.
April, p. 236.
Pterophrynus verrucosus Lütken Vidensk. Meddelels.
Kjöbenhavn 1863. p.302. Taf. L Fig. 4.
Pterophrynus varius Steindachner Navara Exped.
Amphib. 1867. p. 31. Taf. IL Fig. 1—6.
üeber die Batrachier Australiens. 265
Pterophrynus fasciatns Steindachner a. a. O. p.31.
32. Taf.V. Fig. 3. 4.
Crinia Georgiana Var. varia und laevipes Keferstein
Götting. Nachricht. 1867. p. 348. 349.
Diese Art hat gar keine Vomerzähne, ist olivenfar-
big oder grau auf der Rückenseite und schwarz und
weiss marmorirt auf der Bauchseite, hat nie Purpurflecke
an den Schenkeln, gleicht aber sonst sehr der vorherge-
henden Art und variirt in Zehenbildung und Färbung ganz
ausserordentlich.
Bei der typischen Form, wie sie Peters beschreibt,
sind die Zehen breit gesäumt und die Fusssohlen glatt;
bei der Var. laevipes sind die Zehen ohne Saum und die
Sohlen zeigen zahlreiche kleine Warzen.
Die verschiedenen Färbungsvarietäten des Rückens
sind wesentlich wie sie bei der vorigen Art angegeben
wurden, nur kommen hier viele ganz unregelmässig ge-
zeichnete Exemplare vor.
Körper 23 Mm., Beine 29 Mm. land.
Sydney (Nord- Süd- Wales und Süd- Australien).
Crina tasmaniensis.
Pterophrynus tasmaniensis Günther Proceed. Zool. Soc.
1864. p. 48. PL VII. Fig. 3 und Ann. Mag. N. H. (3).
XIV. p.313.
Van Diemens-Land.
Crina laevis.
Pterophrynus laevis Günther a. a. O. p. 48. PL VII.
Fig. 3 und p.314.
Van Diemens-Land.
Heliorana Steind. 1867.
Körper breit, Kopf breit und abgeflacht, mit sehr
flachem Canthus rostralis. Vomerzähne in einer in der
Mitte kaum unterbrochenen geraden Linie hinter den Cho-
anen. Trommelfell klein, kaum sichtbar. Zunge gross,
rund, kaum ausgebuchtet. Finger frei , Zehen frei oder
266 Ke ferst ein:
mit schmalen Säumen. Beim Weibchen auch der erste
und besonders der zweite Finger mit breiten Hautsäumen.
Am Metatarsus ein breiter, scharfer Tuberkel oder Sporn.
Zwischen den Stirnscheitelbeinen eine grosse Fon-
tanelle, deren Breite der eines dieser Knochen gleich
kommt. Querfortsätze des Sacralwirbels etwas verbrei-
tert, oben kantig, also pyramidal. Brustbein mit sehr
divergirenden und fast gleich starken Coracoid und Cla-
vicula, letztere sehr gebogen. Manubrium schwach. Xi-
phoideum breit, in der Mitte an der Basis knöchern.
Diese Gattung unterscheidet sich wesentlich durch
den Habitus und den Knochenbau (am Schädel und Sa-
cralwirbel) von Platyplectrum, der sie sonst sehr gleicht.
Steindachner giebt auch eine Paratoide (sichtbar
allerdings nur bei einem Einschnitt in die Haut) an, ich
habe jedoch auch, wenn ich die Haut ganz abzog, nichts
der Art auffinden können.
He lioran a Gr ay i.
Heliorana Grayi Steindachner Novara Exped. Am-
phibien. 1867. p.32. 33. Taf. H. Fig. 11-14.
Rücken und Hinterseite der Oberschenkel mit klei-
nen Wärzchen. Gelenkballen an Händen und Füssen
gross. Am Metacarpus des Daumens ein grosser Höcker,
an dem der Haud zwei ähnliche nahe zusammenstehende.
Rückenseite dunkelgrau oder bräunlich mit einigen schwach
angedeuteten dunkleren Flecken. Ein dunkler Streif am
Canthus rostralis, der sich hinter dem Auge sehr ver-
breitert und dreieckig zugespitzt bis hinter das Trommel-
fell reicht. Unter diesem dreieckigen Fleck eine weisse
Hautfalte von unter dem Auge bis zur Schulter verlau-
fend. Auf Kopf und Kacken kleine dunkle Pünktchen.
Seiten des Körpers dunkel marmorirt auf weissem oder
gelbem Grunde. Unterseite hell oder (bei einem Exem-
plare) gleichmässig grau marmorirt.
Körper 58 Mm., Bein 85 Mm. lang, wovon 40 Mm.
auf den Fuss kommen.
Sydney und Clarence-River Neu-Süd-Wales.
Ceber die Batrachier Australiens. 267
Heliorana supercüiaris Taf. V. Fig. 7.
Platyplectrum superciliare Ke ferste in Götting.Nach-
richten 1867. p. 346. 347.
Diese Art unterscheidet sich von der vorhergehen-
den durch eine hellere Rückenfärbung, wodurch die
dunklere Marmorirung des Rückens deutlich hervortritt.
Ausserdem ist eine weisse Rückenlinie vorhanden. Viel-
leicht ist diese Art aber nur als eine Varietät der vori-
gen anzusehen, doch fehlen mir die Uebergänge.
Körper 45 Mm., Bein 58 Mm. lang, wovon Mm. auf
den Fuss kommen.
Fam. Discoglossidae.
Chiroleptes australis.
Alytes australis Gray Zool. Mise. 1831. p.56.
Chiroleptes australis Günther Catal. ßatrach. 1858.
p. 34.
Port Essington.
Chiroleptes in erm is.
Chiroleptes inermis Peters Ber. Berlin. Akad. 1867.
Jan. p. 30.
Queensland.
Cyclorana Novae Hollandiae.
Cyclorana Novae Hollandiae Steindachner Novara
Exped. Amphibien 1867. p. 29. 30. Taf. IL Fig. 7—10.
Phractops alutaceus Peters Ber. Berlin. Akad. 1867.
Jan. p.30— 32.
Queensland.
Cryptotis Gthr.
Körpergestalt ähnlich wie bei Limnodynastes. Vo-
merzähne in zwei kleinen Gruppen. (Vorn jederseits am
Unterkiefer ein von der Haut überzogener^ zahnartiger
Auswuchs.) Trommelfell von der Haut überzogen. Keine
Parotiden. Finger und Zehen frei. Zunge gross, rundlich.
268 Keferstein:
Die Querfortsätze des Sacralwirbels etwas verbrei-
tert. Schädelkapsel schmal^ ganz ohne Fontanelle. Am
Brustbein ist das Coracoid stärker, wie die Clavicula. Das
Manubrinm ist ganz gering. Das Xiphoideum länglich und
knorpelig.
* Cryptotis brevis.
Cryptotis brevis Günther Ann. Mag. N. H. (3). XL
1863. p. 27. 28. PL IV. Fig. B. — Steindachner
Novara Exped. Amphib. 1867. p. 30.
Kopf breit, mit abgeflachtem Canthus rostralis. Schnauze
doppelt so lang als die kleinen Augen. Die zahnartigen
Fortsätze am Unterkiefer beim Männchen sehr lang, beim
Weibchen unbedeutend. Vomerzähne in zwei kleinen
nach hinten convergirenden vom inneren, hinteren Win-
kel der Choanen entspringenden Gruppen. Zehen frei, die
beiden inneren beim Weibchen mit breiten Hautsäumen.
Zehen frei. Ballen unter den Gelenken gross. Spitzen der
Finger und Zehen geknöpft. Am Metacarpus der Hand
zwei längliche Höcker, am Metatarsus an der ersten Zehe
ein kleiner rundlicher Höcker, an denjenigen der vierten
Zehe ein ähnlicher, der beim Weibchen aber kaum aus-
gebildet ist. — Die hintere Hälfte der Rlickcnseite und
die Oberseite der Beine ist mit spitzen Wärzchen be-
setzt, am vorderen Theil des Rückens sind diese Wärz-
chen rundlich (besonders auf den Augenlidern ausgebil-
det). — Färbung des Rückens grau mit dunklen Marmo-
rirungen, zwischen den Augen eine helle Binde oder ein
heller Fleck, dahinter auf dem. Nacken ein grösserer dunk-
ler). Bisweilen sind die helleren Stellen des Rückens
etwas röthlich. - Oberseite der Extremitäten mit dunklen
Binden. — Unterseite schwarz und weiss gefleckt und
marmorirt, Kehlgegend granulirt.
Körper 40 Mm., Bein 52 Mm. lang.
Clarence - River Nord - Süd -Wales. (Zahlreiche Ex-
emplare.)
Ueber die Batrachier Australiens. 269
Farn. Alytidae.
Heliop o rus Gray 1841.
Körper gedrungen, Kopf kurz, breit und hoch, mit
fast reckteckigem Canthus rostralis. Augen gross, so
lang wie die Schnauze. Extremitäten kurz. Finger frei.
Zehen mit Andeutungen von Schwimmhäuten und gerin-
gen Hautsäumen. Am inneren Metatarsus ein länglicher,
scharfer, spornartiger Höcker. Eine Parotis, die keinen
Vorsprung der Haut macht, sich aber bis zu dem Sacral-
wirbel ausdehnt. Vomerzähne in zwei länglichen Grup-
pen. Zunge gross. Trommelfell von der Haut über-
zogen.
Querfortsätze des Sacralwirbels verbreitert, pyrami-
dal. Schädelkapsel breit mit grosser Fontanelle. Brust-
bein mit Coracoid und Clavicula von ziemlich gleicher
Stärke, mit unbedeutendem Manubrium und länglichem,
theilweis knöchernem Xiphoideum.
Helwporus alhopunctatus Taf.V. Fig. 2 — 5.
Helioporus albo punctatus J. E. Gray in Grey Journ.
West-Austr. n. 1841. p. 447. PI. L Fig. 2. — Gün-
ther Catal. Batr. 1858. p. 38. 39.
Perialia Eyrei J. E. Gray in Eyre Journ. Exped.
Cent.-Aust. I. 1845. p. 407. PL II. Fig. 3.
Vomerzähne in zwei Querlinie, nach hinten nur we-
nig convergirenden länglichen Gruppen zwischen den
Choanen. Handsohle mit vielen Höckern, am Metacarpus
des Daumens der grösste. Während Gray die Zehen
als ganz frei bezeichnet, nennt sie Günther half-web-
bed, während bei allen meinen fünf Exemplaren nur ganz
kleine Reste einer Schwimmhaut und kleine Hautsäume
sich finden. — Rücken rauh wie Chagrin, bräunlich mit
weissen Marmorirungen oder Flecken. Schnauzenspitze
weiss. Unterseite gleichmassig hell.
Körper 48 Mm., Beine 61 Mm. lang (wovon 29 Mm.
auf den Fuss kommen).
Sydney.
270 Keferstein:
üperoleia Gray 1841.
Keine Vomerzähne , Zunge länglich, oval. Trom-
melfell nicht sichtbar. Eine grosse längliche Parotis, die
aber oft wenig hervortritt. Finger und Zehen ganz frei.
Querfortsätze des Sacralwirbels verbreitert , Schä-
delkapsel breit mit ganz schmaler Fontanelle. Brustbein
mit wenig stärkerem Coracoid als Clavicula, ohne Ma-
nubrium und mit geringem Xiphoideum.
Der Habitus ist ähnlich wie bei Crinia, wie Gray
schon andeutet.
* Uperoleia marmorata Taf. VI. Fig. 14.
Üperoleia marmorata J. E. Gray in Grey Journ.
West-Austr.II. 1841. p. 448. — Günther Catal.
Batrach. 1858. p. 39. —Keferstein Götting.Nach-
richt. 1867. p. 349. — Steindachner Novara Ex-
ped. Amphib. 1867. p. 33.
Haut der Rückenseite gewöhnlich warzig, Zehen
ganz frei, aber oft schmal gesäumt, unten am Metatarsus
innen wie aussen ein ziemlich hoher spitzer Höcker.
Rücken grau mit dunklen Marmorirungcn oder Flecken,
vorn vor den Augen bleibt fast stets ein heller^ dreiecki-
ger Fleck. Ein runder gelblicher Fleck vorn und hinten
am Schenkel und am Armgelenk, bisweilen auch in der
Kniebeuge. Unterseite glatt, einfarbig hell oder schwärz-
lich melirt.
Körper 29 Mm., Beine 33 Mm. lang.
Sydney, Raudewick- und Clarence-RiverN.-S.-Wales
(sehr zahlreiche Exemplare).
Krefft 1) beschreibt eine Fliege, deren Larve unter
der Haut dieses Frosches lebt und da eine auffallend
grosse Geschwulst bedingt. Unter meinen Exemplaren
habe ich auch eins, welches hinter der Parotis eine solche
1) Notes on the metamorphosis of a dipterous insect of the
genus Batrachomyia, the larva of which is Parasitical upon various
species of Australian F r o g s in Transact. of the Entomol, Soc. of
New-South-Wales I. 2. Sydney 1864. p. 100. 101. PI. VIII.
Ueber die Batrachier Australiens. 271
Larve trägt, welche fast die ganze Seite des Thieres ein-
nimmt.— NacK K refft werden auch andere australische
Frösche, wie Crinia varie, Pseudophrjne Bibronii, Hyla
citropus von solchen Larven bewohnt.
Farn. Phryniscidae.
P seudophryn e Fitz.
Keine Zähne im Kiefer und Vomer. Kopf zuge-
spitzt mit steilem Canthus rostralis. Rudimentäres Ge-
hörorgan. Kein Trommelfell. Zunge länglich, schmal.
Finger und Zehen frei. Männchen mit einem Kehlsack.
Schädelkapsel breit, mit grosser Fontanelle. Quer-
fortsätze des Sacralwirbels verbreitert und abgeplattet.
Brustbein mit Coracoid und Clavicula von gleicher Stärke,
ohne Manubrium und mit kleinem, länglichen Xiphoideum.
* Fseudophryne australis.
Bombinator australis J. E. Gray Proceed. Zool. Soc.
1835. p.57.
Phryniscus australis J. E. Gray in Eyr e Journ. Exped.
Centr. Austral. L 1845. p.407. Taf. IL Fig. 1.
Phryniscus albifrons D u m e r i 1 Erpet. gen. IX. 1854.
p.413. PI. 100. Fig. 3.
Rückenseite glatt , dunkelgrau oder bräunlich mit
gelben Sprenkeln. Der ganze Vorderkopf gelb. Ein
gelber Streif auf dem Steissbein. Ein gelber Fleck vorn
und hinten am Oberschenkel, ein ähnlicher am Oberarm.
Unterseite hinten mit rundlichen Warzen, weiss und
schwarz marmorirt. Handsohle höckerig. Am Metatarsus
ein Tuberkel. Zehen mit kleinen Säumen.
Körper 22 Mm., Beine 26 Mm. lang.
Neu-Süd- Wales. (Zahlreiche Exemplare.)
* Fseudophryne Bihronii.
Phryniscus australis Dumeril et Bibron Erpet. gön.
VIII. 1841. p. 725. PI. 100. Fig. 2. 4.
272 Kefersteini
Pseudophryne Bibronii Günther Catal. Batrach. 1858.
p. 46 und p. 137. — S teindachn er Novara Exped.
Amphib. 1867. p.34. 35. Taf. V. Fig. 1. 2.
Rücken mit Wärzchen, die bisweilen in regelmässi-
gen Reihen geordnet sind. Färbung des Rückens grau,
olivenfarbig oder bräunlich, mit einigen dunkleren Fleck-
chen. An der Hinterseite der Oberschenkel eine grosse,
ovale Drüse, meistens von gelblicher Farbe. Häufig ein
gelber Fleck oben auf dem Oberarm. Unterseite schwarz
und weiss marmorirt, Kehlgegend bisweilen grau melirt.
Zehen mit kleinen Säumen oder ganz nackt. Am Me-
tatarsus der ersten und vierten Zehe ein kleiner Höcker.
Körper 26 Mm., Beine 27 Mm. lang.
Neu-Süd- Wales, Queensland (Brisbane).
Mehrere meiner zahlreichen Exemplare haben Dip-
terenlarven von 11 Mm. unter der Haut des Rückens,
wie es K refft (siehe oben S. 270) schon angiebt.
Pseudophryne coriacea sp. n. Taf. VI. Fig. 15.
Pseudophryne nov. spec. K refft Monthly Notic. Roy.
Soc. Tasmania March. 1865. p. 17.
Rücken glatt, von bräunlicher Färbung, an den Sei-
ten dunkler. Am Schenkel keine Drüse, aber vorn und
hinten am Oberschenkel ein gelber Fleck, ebenso am
Oberarm. Unterseite weiss und schwarz gross marmorirt,
am Unterschenkel und Fuss eine helle Querbinde. Am
Metatarsus zwei kleine Höcker.
Körper 27 Mm., Beine 32 Mm. lang.
Clarence-River, N.-S. -Wales.
Ueber der Schulter findet man bei einigen Exem.-
plaren (Männchen?) eine grosse, längliche Geschwulst,
ähnlich einer Parotis, die aber von einem grossen Sack
gebildet wird, der hinten in den Schlund zu münden
scheint.
Bicffonella crucigera.
Buffonella crucigera Girard Proceed. Acad. Nat. Sc.
Philadelphia VI. 1853. p. 424.
Ueber die ßatraoliier Australiens. 273
Neu- Holland (Vielleicht ist diese Art, auf die Gi-
rard eine eigene Gattung gründet, mit Pseudophryne
ßibronii identisch. Buffonella soll jedoch ein deutliches
Trommelfell haben).
Farn. £ngystonii(]ae.
Myobatrachus paradoxics.
Myobatrachus paradoxus Sc h 1 e gel Proceed. Zool. See.
" 1850. p. 9. 10. ~ Schlegel Handleiding de Dier-
kunde IL Breda 1858. Atlas van Plalen Kruipende
Dieren PL IV. Fig. 76. — Günther Catal. Batrach.
1858. p.3 und 128. — Peters Ber. Berlin. Akad.
1867. p.37.
Breviceps Gouldii Gray in G rey Journ. Exped. West-
Aust. IL 1841. p.448. 449. PLI, Fig. 1.
Myobatrachus Gouldii Gray Proceed. Zool. Soc.'
1850. p. 10.
Chelydobatrachus Gouldii Gray, Günther Catal. Batr.
1858. p. 53. 54.
West- Australien.
Fachybatraohus n. gen.
Körper kurz und dick, Kopf klein mit einer Schnauze
die kürzer ist wie das Auge. Mundspalte kurz, bis etwa
zur Mitte der Augenlänge reichend. Extremitäten kurz.
Trommelfell von der Haut überzogen, aber sichtbar, klein.
— Keine Zähne im Kiefer und Vomer. Am letzteren
aber jederseits neben dem hinteren Winkel der sehr
grossen Choanen ein hoher von weicher Haut überzoge-
ner Höcker. Hinter der Mitte des hinteren Randes der
Choanen ein ähnlicher, kleinerer, Ocffnungen der Eu-
stachischen Röhren bedeutend kleiner als die Choanen.
Zwischen den Eustachischen Röhren bildet die Gaumen-
haut einen queren , gefranzten Wulst Zunge länglich,
ganz. — Finger ganz frei, Zehen mit Andeutungen von
Schwiujmhäuten und Säumen. Die Fusssohle wird hinten
Archiv für Naliirg A'XXIV. Jahrg. 1. \U\. 18
274 Keferstein:
begränzt von zwei grossen, spornartigen Höckern. Der
innere vom Metatarsus der ersten bis zu dem der vierten
Zehe reichend ist der grössere.
Die Schädelkapsel ist sehr breit, zeigt aber keine
Fontanelle. Die Querfortsätze des Sacralwirbels sind in
grosse Platten verbreitert, die durch einen Knorpelrand
noch vergrössert werden. Am Brustbein fehlt das Manu-
brium und die Clavicula gänzlich. Die Coracoidea sind
sehr gross und stossen mit ihren verbreiterten medialen
Enden an einander. Das Xiphoideum ist sehr bedeutend
und besteht aus einem herzförmigen kurz gestielten, knor-
peligen Blatte.
Pachybatrachus Fetersu sp. n.
Taf. VI. Fig. 8— 10.
Das Trommelfell ist höchstens ein Drittel so lang
als das Auge. Die Haut ist dick, lederartig und zeigt
auf dem Rücken rundliche, in der Umgebung des Afters
spitzige Warzen. Die Färbung des Kückens ist braun
mit hellen Marmorirungen. Die Unterseite ist einfar-
big hell.
Körper 55 Mm. lang , 31 Mm. breit , 24 Mm. hoch,
Bein 61 Mm. lang, wovon 31 auf den Fuss kommen.
Neu-Süd- Wales, ein Exemplar.
Zuerst habe ich diesen Frosch für den Chelydoba-
trachus Gouldii Gray ^) gehalten, mit dem nach Gray^)
und Peters^) neuerer Untersuchung der wunderbare
von Schlegel^) aufgestellte Myobatrachus paradoxus
1) Breviceps Gouldn in Gray in Grey West. Aust. II. 1841.
p. 448. 449. PI. I. Fig. 1. und Günther Catal. Batrach. 1858.
p. 53. 54.
2) Proceed. Zool. Soc. 1850. p. 10.
3) Ber. d. Berl. Akad. Jan. 1867. p. 37.
4) Proceed. Zool. Soc. 1850. p. 9. 10. und Ann. Mag. Nat.
Hist. VII. 1851. p. 70. — Günther Catal. Batr. 1858. p. 3 u. 128.
— Schlegel Handleiding de.Dierkunde. II. Breda 1858. Altas van
Platen. Kruipende Dieren. PI. IV. Fig. 76.
Ueber die Batrachier Australiens. 275
identisch ist. Nach Günther's ^) Angaben sind bei Che-
Ijdobatrachus aber die Choanen und Eustachischen Röh-
ren von gleicher Grösse und es ist eine Clavicula vor-
handen ; überdies scheinen keine Doppelsporen da zu
sein, wenigstens erwähnt sie Günther nicht und auch
auf Gray's Abbildung ist nichts davon zu sehen. — Am
meisten stimmt unsere Gattung Pachybatrachus mit Bre-
viceps überein, der auch den zweiten seitlichen Sporn
wenigstens gering aufweist. Es fehlt Breviceps jedoch
das sichtbare Trommelfell und wie es Günther 2) schon
für Br. gibbosus angiebt, und ich bestätigen kann, ist
eine starke, knöcherne Clavicula vorhanden und das Xi-
phoideum klein und ungestielt. — Bei Engystoma fehlen
am Fusse die Sporen ganz, während allerdings, wie bei
Pachybatrachus, auch keine Clavicula sich findet. — Bei
Hypopachus (Keferstein Götting. Nachr. 1867. p.351.
352) sind ähnlich wie bei Breviceps und Pachybatrachus
Doppelsporen an der Fusssohle, von der letzteren Gat-
tung, der sie übrigens sehr nahe steht, unterscheidet sie
sich durch das Vorhandensein einer, wenn auch sehr fei-
nen Clavicula.
Farn. Polypedatidae.
Hyperolius hicolor.
Eucnemis bicolor Gray Zool. Mise. 1831. p. 5.
Hyperolius ? bicolor Günther Cat. Batrach. 1858. p. 89.
Port Essington.
Farn. Hylidae.
Hyla Laur. 1768.
Kopf breit, oval oder zugespitzt, Körper und Extre-
mitäten schlank. Vomerzähne deutlich vorhanden. Trom-
melfell nicht von der Haut überzogen. Finger mehr oder
1) Caial. of Batrach. 1858. p. 53. 54.
2) Catal. of Batrach. 1858. p. 53.
276 Kefer stein:
weniger frei, Zehen fast stets mit ausgebildeten Schwimm-
häuten. Zunge gross und breit. — Zwischen den Stirn-
scheitelbeinen stets eine grosse Fontanelle.
Ich schliesse in die Gattung Hyla auch die Litoria
Tschudi 1839 ein. Die Charaktere dieser letzteren Gat-
tung, der entgegenstcllbare Daumen, der spitze Kopf und
die kleinen Haftscheiben finden sich ähnlich auch bei
mehreren Hylaarten. Nach Cope^) soll bei Litoria die
Scheitelfontanelle schmal sein; doch zeigte sie mir bei L.
Freycinetii keinen Unterschied von der Form bei den
ächten Hyliden , wo sie ^a^^in die Breite der Scheitel-
beine stets als breit bezeichnet werden muss. — Die grosse
Schlankheit des ganzen Körpers giebt den Litorien aber
doch einen übereinstimmenden Habitus, so dass man sie
als Untergattung wohl noch zusammenfassen kann.
* Hyla (Litoria) Freycinetii Taf. VI. Fig. 17.
Litoria Freycinetii D u m e r i 1 und B ib r o n Erp6t. gen.
VIIL1841. p.504. PL 88. Fig.2. — Tschudi M6m. de
Neuchatellll 1839. p. 77. — Günther Catal. Batr.
1858. p. 97. — Steindachncr Novara Exped. Am-
phib. 18G7. p. 55. 56. — Keferstein Götting. Nachr.
1867. p. 355. 356.
Kopf spitz, Schnauze mit der Spitze über den Mund-
rand hervorragend. Vomcrzähnc in zwei kurzen querge-
stellten Reihen zwischen den vorderen Theilen der Choa-
nen. Finger frei. Zehen zur Hälfte ihrer Länge durch
Schwimmhäute verbunden. Am Daumen ein länglicher
flacher Ballen, ein spitzer Höcker am Metatarsus der er-
sten Zehe ein viel kleinerer an dem der vierten Zehe,
am inneren Tarsenrande eine Hautfalte. Der Rücken ist
glatt, seine Färbung ist braun mit grossen, dunklen, run-
den Flecken, die bisweilen zusammenfliessen. Eine dunkle
Binde zwischen den Augen. Vorderkopf braun, oft in
der Mitte mit einem dunklen Fleck. Ganthus rostralis
]) Natural History lleview 18G5. p. 110.
lieber die Batrachier Australiens. 277
dunkel, ebenso wie die Schläfengegend. Ein weisser
Streifen zieht von der Unterseite der Augen bis hinter
den Mundwinkel, den dunklen Schläfenfleck unten be-
grenzend, Lippenrand weiss gefleckt. — Btauchseite war-
zig, einfarbig Jiell.
Körper 43 Mm., Bein 86 Mm. lang.
Sydney, zahlreiche Exemplare.
Junge Exemplare augenscheinlich dieser Art, von
etwa 18 Mm. Körperlänge , 'zeigen die Rückenseite mit
grossen Warzen besetzt und bisweilen auch eine einför-
mig dunkelbraune Färbung. (Var. verruculata K efers tein
Götting. Nachricht. 1867. p. 355).
* Hyla (Litoria) nasula Taf. VI. Fig. 16.
Pelodytes nasutus Gray Zool. Mise. 1831. p. 56.
Litoria nasuta Günther Catal. Batr. 1858. p. 97. Stein-
dachner Novara Exped. Amphib. 1867. p. 56.
Rückenseite mit zahlreichen Längsfalten von ver-
schiedener Länge. In der Mitte des Rückens ein dunkler
Längsstreif, dann jederseits ein heller, grauer oder brau-
ner, darauf an den Seiten wieder ein breiter, dunkler. —
üebrige Färbung und Beschaffenheit ganz wie bei L.
Freyclnetii, der diese Art sehr nahe steht. In der Stel-
lung des Nasenloches finde ich keinen Unterschied bei
beiden Arten ; dasselbe befindet sich bei beiden etwas
vor der Mitte der Linie vom Auge zur Schnauzenspitze.
Körper 43 Mm., Bein 88 Mm.
Sydney und Clarence-River, Neu-Süd- Wales.
Hyla (Litoria?) punctata.
Litoria punctata Dumeril Ann. Sc nat. (3). XIX.
1853. p. 149. 150. — Günther Catal. ßatrach.
1858. p. 145.
Sydney.
Hyla. (Litoria?) marmorata.
Litoria marmoratn Dumeril Ann. Sc. nat. (3). XIX.
278 Keferstein:
1853. p. 150. 151. — Günther Catal. Batrach. 1858.
p. 145. 146.
Neu-Holland.
Hyla (Litoria) WHgoxU,
Litoria Wilcoxii Günther Proceed. Zool. Soc. 1864.
p.48. 49, Ännal. Mag. Nat. Hist. (3). XIX. 1864.
p. 313. 314.
Clarence-River, Neu-Süd-Wales.
Hyla (Litoria?) Copei.
Litoria Copei Steind achner Novara Exped. Amphib
1867. p.56. 57. Taf. IIL Fig. 14-17.
Neu-Süd-Wales.
Hyla adelaidensis.
Hyla adelaidensis Gray in Grey Journ. Exped. West-
Aust.IL 1841. p. 447. PI. 8. Fig. 2. - Günther
Catal. Batr. 1858. p. 113. — Gegenbaur Unter-
suchung, zur vergl. Anat. II. 1865. Taf. IIL Fig. 6.
(Brustbein).
Hyla binoculata Gray a.a.O. p. 447.448. PI. 8. Fig. 1.
West- Australien bis zum Murray in Neu-Süd-Wales.
* Hyla Lesueicrii Taf . VII. 24. 25 und Taf. VIII. 26.
Hyla Lesueurii Dumeril et Bibron Exped. g6n.
VIIL 1841. p. 595-597. —Steindachner Novara
Exped. Amphib. 1867, p. 60. 61. -
Schnauze zugespitzt und etwas über den Mundrand,
der einen etwas erhobenen Halbkreisbogen bildet, vorge-
zogen. Canthus rostralis ziemlich steil. Vomerzähne in
zwei kleinen nach hinten convergirenden Reihen, die in
der Höhe des vorderen Choanenrandes beginnen. Augen
gross, Trommelfell kaum die Hälfte so gross. — Finger
ganz frei, Daumen entgegenstellbar, mit langem, flachen
Höcker an der Basis, an der Handsohle eine ähnliclio
Doppelschwiele. Zehen mit grossen Schwimmhäuten, die
Ueber die Batrachier Australiens. 279
an der vierten Zehe die zwei letzten Phalangen, an den
übrigen nicht ganz die letzte frei lassen und als Säume
bis zur Spitze ziehen. Am Metatarsus der ersten Zehe
ein rundlicher Höcker, an dem der vierten Zehe ein ähnli-
cher, viel kleinerer. — Die Rückenseite ist einseitig
bräunlich, bisweilen auch mit dunkleren, aber wenig deut-
lichen Marmorirungen. Am Canthus rostralis ein dunk-
ler Streif, der sich verbreitert hinter dem Auge bis über
die Schulter fortsetzt. An den Seiten des Körpers einige
dunkle , runde Flecke. Hinterseite der Oberschenkel
dunkel mit weissen Flecken. Unterseite hell, am Unter-
kiefer bisweilen grau.
Körper 52 Mm., Bein 96 Mm. lang, wovon 42 Mm.
auf den Fuss kommen.
Sydney, Clarence-River, Neu-Süd- Wales.
Nach den Vomerzähnen und der Färbung muss ich
meine ziemlich zahlreichen Exemplare dieses Frosches
zu dieser Art rechnen, obwohl die Beschreibung der
Kopfform von H. Lesueurii wie sie Dum^ril und Bi-
bron geben, nicht passt. Es heisst nämlich bei ihnen
a. a. O. Tete courte, plate, elargie en arri^re, ä cotes en-
terieurs formant un angle obtus, arrondi ä sommet. Nach
der Stellung der Vomerzähne und den freien Fingern
könnten sonst nur H. adelaidensis und Verreauxii in Ver-
gleich gezogen werden, die aber beide eine ganz abwei-
chende Färbung haben.
Hyla Verreauxii,
Hyla Verreauxii Dum eril Ann. Sc. nat. (3). XIX. 1853.
p. 171. 172. — Günther Catal. Batr. 1858. p.ll5.
Neu-Holland.
Hyla Schuetteii sp. n. Taf. VUI. Fig. 27. 28.
Der Kopf ist verlängert, aber vorn stumpf, der Mund-
rand bildet ein längliches Oval. Die Vomerzähne stehen
in zwei kurzen queren Linien, zwischen den hinteren
Enden der Choanen, Die Zunge ist länglich. Finger
280 Keferstein:
mit ganz kleinen Schwimmhäuten; Zehen mit grossen
Schwimmhäuten, die nur einen Theil der letzten Phalan-
gen frei lassen. Am Metatarsus ein langer spitzer Höcker.
— Der Rücken ist braun, mit scharfen, dunklen Flecken.
Canthus rostralis dunkel. Hinter dem Auge ein breiter
dunkler bis über die Schulter fortsetzender Fleck, der in
seinem vorderen Theile unten von einem weissen Streif
begränzt ist. Oberseite der Extremitäten dunkel melirt.
Unterseite hell, am Unterkiefer bräunlich.
Körper 34 Mm., Bein 52 Mm. lang, wovon 22 Mm.
auf den Fuss kommen.
Sydney (ein Exemplar).
Nach der Stellung der Vomerzähne steht diese Art,
welche ich nach meinem Freund und Verwandten Dr. R.
Schuette in Sydney benenne, dem ich fast den ganzen
Reichthum australischen Thieren, welche das Guttinger
Museum besitzt, verdanke, der H. Krefftii am nächsten,
von der sie aber schon durch die Färbung sich leicht
unterscheidet.
* Hyla Krefftii.
Hyla Krefftii Günther Ann. Mag. Nat. Hist. (3). XI.
' 1863. p. 28. PL IV. Fig. C und Proeeed. ZooJ. Soc.
1863. p. 250. PI. XXX. Fig. D, Ann, Mag. (3). XIII.
1864. p. 252. — Keferstein Götting. Nachrichten
1867. p. 357.
Kopf kurz, Mundrand ein abgeflachter Bogen. Vo-
merzähne in zwei kleinen Gruppen zwischen oder etwas
hinter den hinteren Ecken der Choanen. Trommelfell
halb so gross als das Auge. Finger mit kleinen Schwimm-
häuten, Zehen mit grossen Schwimmhäuten, die an der
vierten Zehe die zwei letzten, an den übrigen nur die
letzte Phalange frei lassen. Am Metatarsus der ersten
Zehe ein länglicher Höcker , ein viel kleinerer, runder
an dem der vierten Zehe. Rücken an der Seite grau,
in der Mitte aber von der Schnauze bis zum x\rtcr dun-
kel. Ein dunkler Streif am Canthus ro,ätralis, in der
Ueber die Batracbicr Australiens. 281
Schläfcngcgcnd und bis in die Mitte der Körperlänge
fortgesetzt. Unterseite hell.
Körper 27 Mm., Bein 40 Mm. lang.
»Sydney (zahlreiche Exemplare).
Hyla öüropus Taf. VII. Fig. 22. 23.
llyla citropa P6\ et Les. Diimöril et Bibron Erpct.
gen. VIII. 1841. p. 600-602.
Dendrohyas citropa Tschudi Mem. de Neuchatel II.
1839. p. 75.
Hyla citropus Günther Catal. Batr. 1858. p. 115.
Kopf breiter als lang, flach, mit steilen Seiten. Im
Ganzen vom Habitus des Pelodryas coeruleus. Vomer-
zähne in zwei nach hinten convergirenden Reihen, etwa
in der Mitte der inneren Ränder der Choanen beginnend
und bis hinter dem Hinterrand derselben fortsetzend. —
Finger frei, Zehen mit grossen Öchwimmhäuten, die an
der vierten Zehe zwei Phalangen, an den übrigen nur
eine Phalange frei lassen. Am Metatarsus der ersten
Zehe ein kräftiger Höcker, ein ganz kleiner an dem der
dritten oder vierten Zehe. — Rücken gewöhnlich mit fei-
nen Wärzchen, einfarbig bläulich violet (in Spiritus). Ein
dunkler Streif, der sich vom Canthus rostralis, über das
Trommelfell bis über die Schulter hinaus, sich verbrei-
ternd fortsetzt. Unter- und Hinterseite der Schenkel ein-
farbig gelblich.
Körper 46 Mm., Bein 86 Mm. lang.
Nord-Shore, Sydney.
Hyla phyllochroa.
Hyla phyllochroa Günthe r Proceed. Zool. Soc. 1863.
p. 251. PI. XXX. Fig.C, Ann. Mag. N. H. (3). XIV.
1864. p. 252. — Steind achner Novara Exped.
Amphib. 1867. p. 61. 62.
Neu-Süd- Wales.
282 Keferstein:
Hyla Jervisiensis.
Hyla Jervisiensis Dumeril et Bibron Erpet. g^n.
VIIL1841. p. 580.581. — Günther Catal. Batracb.
1858. p. 1 13.
Neu-Holland.
* Hyla Peronii Taf. VIII. Fig. 30. 31.
Hyla Peronii Dumeril et Bibron Erpet. g6n. VIIL
1841. p. 569— 571. — Günther Catal. Batr. 1858.
p. 112. 113 und Proceed. Zeel. Soc. 1863. p.250.
PI. XXX. Fig. A. B. — Steindachner Novara
Exped. Amphib. 1867. p. 60.
Dendrohyas Peronii Tschudi Mem. de Neuchatel IL
1839. p. 75.
Kopf kurz, abgestutzt, Mundrand ein etwas abge-
flachter Halbkreis. Seiten des Kopfes hoch, Canthus ro-
stralis abgerundet. Vomerzähne in zwei kleinen, queren
Reihen, gerade zwischen den Choanen. Trommelfell
grösser als die Hälfte der Augen. Hand mit Schwimm-
häuten, die nur die letzten Phalangen frei lassen. Fuss
mit grossen Schwimmhäuten bis zu den Zehenenden, nur
an der vierten Zehe die letzte Phalange frei lassend. Am
Metatarsus der inneren Zehe ein länglicher starker Hök-
ker; am Tarsus ein Hautsaum. Füsse und Handsohle
warzig. Haftscheiben sehr gross. — Rücken mit feinen
Warzen, meistens hell- und dunkelbraun melirt oder
marmorirt, seltener fein gefleckt oder einfarbig. Hinter-
seite der Schenkel meistens mit gelben Flecken. — Eine
grosse Falte über der Brust.
Körper 48 Mm., Bein 80 Mm. lang.
Sydney, Clarence-River, Neu-Süd- Wales (sehr zahl-
reiche Exemplare).
Hyla Ewingii.
Hyla Ewingii Dumeril et Bibron Erp(St. g^n. VIII.
1841. p. 597 — 598. — Jacquinot in Dumont
d'UrviUe Voy. au Pol du Sud IIL 1853. p. 26, Atlas
Ueber die Batrachier Australiens. 283
Batrach. PI. I. Fig. 3. — Günther Catal.Batr. 1858.
p.m. — Steindachner Novara Exped. Amphib.
1867. p. 62.
Kopf kurz, Mundrand ein vorn etwas abgestutzter
Halbkreis. Vomerzähne in zwei kleinen queren Reihen
etwas hinter den Choanen. Trommelfell kleiner als die
des Auges. Finger frei, Zehen mit grossen Schwimm-
häuten; die am vierten Finger die zwei letzten Phalan-
gen, sonst nur die letzte frei lassen. Am Metatarsus ein
kräftiger Höcker. Rücken mit zerstreuten Warzen, blau-
grau mit feinen dunklen Punkten. Ein dunkler Streif
am Canthus rostralis, verbreitert in der Schläfengegend
und bis zur Mitte der Körperseiten fortgesetzt. Hinter
dem Mundwinkel eine weisse Linie bis zur Schulter. Un-
ter- und Hinterseite der Oberschenkel hell.
Körper 30 Mm., Bein 47 Mm. lang.
Neu-Süd- Wales (ein Exemplar).
Ich bin in der Bestimmung dieses Frosches nicht
ganz sicher.
* Hyla rubella Taf. VIU. Fig. 29.
Hyla rubella Gray Zool. Mise. 1831. p.57. — Gün-
ther Catal.Batr. 1858. p. 111.112. — Keferstein
Götting. Nachr. 1867. p. 357. 358.
Hyla nigrogularis Krefft in lit.
Schnauze abgestutzt, Nasenlöcher nahe dem Vorder-
rande derselben. Vomerzähne in zwei kleinen dicht zu-
sammenstehenden Gruppen hinter den Choanen. Trom-
melfell nicht ganz von halber Augenweite. Finger frei.
Zehen mit Schwimmhäuten, an der vierten Zehe zwei,
an den übrigen eine Phalange frei lassend. Metatarsus
mit einem länglichen Höcker. Rückenseite glatt, grau-
braun mit ganz feinen, dunklen Pünktchen. Ein dunkler
Strich vom Canthus rostralis, bis zur Mitte der Körpor-
seiten. Unterseite hell, Kehlgegend öfter schwärzlich.
Körper 25 Mm., Bein 33 Mm. lang.
Neu-Süd-Wales. (Mehrere Exemplare.)
284 Kefcrstein:
Hyla dentaia sp. n. Taf. VIIi. Flg. 20. 21.
Kopf kurz, abgestutzt; Seiten hoch, Canthus rostralis
abgeflacht. Trommelfell mindestens halb so gross als die
sehr hervortretenden Augen. Habitus ähnlich der H. Pcronii.
Vomerzähne hinter den Choanen in zwei halbkreis- oder
hufeisenförmigen, nach vorn offenen Gruppen, die min-
destens so grossen Durchmesser als die Choanen haben.
An der Hand sehr kleine Schwimmhäute, am Fusse sehr
grosse , die nicht einmal ganz die letzten Phalangen frei
lassen und als Säume sich bis zu den Zehenspitzen fort-
setzen. Haftscheiben gross. Hand- und Fusssohlen mit
feinen Warzen. Am Metatarsus ein stumpfer Höcker, am
Tarsus eine Hautfalte. — Rückenseite theilweis mit klei-
nen, rundlichen Höckern, hellbraun mit feinen dunklen
Punkten. Vom Canthus rostralis an zieht an den Seiten
bis zur Mitte der Körperlänge ein dunklerer Streif. Un-
terseite einfarbig hell ; über der Brust eine quere Hautfalte.
Körper 29 Mm., Bein 45 Mm. lang, wovon 20 Mm.
auf den Fuss kommen.
Neu-Süd- Wales (ein Exemplar).
Schon durch die eigenthümllch gestellten Vomer-
zähne unterscheidet sich diese Art von allen sonst be-
kannten, da mir jedoch nur ein Exemplar zu Gebote
steht, muss ich es unentschieden lassen in wie weit die
ringförmige Stellung derselben ein constantes Merk-
mal ist.
* Hyla aurea Taf. VH. Fig. 18. 19.
Rana aurea Lesson in Duperrey Voj. Coquille Zool.
IL 1829. p. GO. PI. VII. Fig. 2.
Hyla jacksonensis Dum er 11 et BibronErpet. gen.
VIII. 1841. p. 602—604.
Ranoidea jacksonensis Tschu di Mem. de Neuchatel IL
1839. p. 35 und 76.
Hyla aurea Günther CataL ßatr. 1858. p. 114. 115.
Abbildung bei Gray in Grey Journ. Exped. West.
lieber die Batrachier Australiens. 285
Austr. II. 1841. PL 8. Fig. 3 (ohne Namen). —
Steindachner Novara Exped. Ampliib. 1 867. p. 61 .
Ranoidea resplendens und flavoviridis Girard Proeeed.
Acad. Nat. Sc. Philadelph. VI. 1853. p. 422. 423.
Cliirodryas raniLormis Kefer stein Götting. Nachr.
1877. p. 358. 359.
Kopf mit stark abgeflachtem Canthus rostralis und
unten nach vorn vorgezogener Schnauzenspitze, so dass
diese auch abgeflacht (wie bei Rana) und nicht wie bei
den meisten Hylaarten abgestutzt ist. Mundrand bildet
einen etwas erhobenen Halbkreisbogen. Trommelfell fast
so gross als das Auge. Vomerzähne in zwei etwas nach
hinten convergirenden kurzen Linien, gerade zwischen
den Choanen oder auch hinten etwas über dieselben hin-
ausragend. — Finger frei, Daumen entgegenstellbar. Ze-
hen mit grossen Schwimmhäuten, die nicht einmal die
letzte Phalange ganz frei lassen und als Säume sich bis
zu den Spitzen fortsetzen. Haftscheiben klein, kaum brei-
ter als die Phalangen. Am Metatarsus ein stumpfer
Höcker, am Tarsus eine Hautfalte. — Der Rücken ist
gewöhnlich glatt, bei älteren Exemplaren zeigt er öfter
aber starke rundliche Warzen. An den Seiten des Kör-
pers verläuft hinter dem Auge über dem Trommelfell be-
ginnend eine weissgefärbte Hautfalte, die im vorderen
Theile oft als eine Parotis aussieht, aber keine Drüsen
enthält. Bei älteren Exemplaren pflegt nur der vor-
dere Theil dieser Falten ausgebildet zu sein. Der Rücken
ist entweder einfarbig bläulich (in Spiritus) oder er zeigt
bläuliche und bräunliche Marmorirungen. Bisweilen tritt
auch ein heller Rückenstreif auf. Am Canthus rostralis
eine dunkle Linie, die sich verbreitert hinter dem Auge
und unter dem weissen Seitenstreif bis zur Mitte der Kör-
perlänge fortsetzt. Hinter der Mundecke findet sich eine
durch Fett hervorgebrachte oft bedeutende Anschwel-
lung, über die ein bis unter das Auge reichender weisser
Streif verläuft (der bei älteren Exemplaren fehlt). Un-
terseite von der Brust bis zu den Knien stark warzig,
einfarbig hell, an der Kehle graulich.
286 Kef er stein:
Schädelkapsel schmal, ganz ohne oder mit sehr
schmaler Fontanelle. Ethmoidenm knöchern und breit,
die vorderen Stirnbeine weit auseinander drängend. Cla-
vicula nicht viel schwächer als das Coracoideum ; Manu-
brium kurz und breit; Xiphoideum gross, zweizipfelig,
theilweis knöchern.
Körper 80 Mm., Bein 120 Mm. lang, wovon 52 Mm.
auf den Fuss kommen.
Sydney und Clarence-River, Neu-Süd- Wales.
Bei den jüngeren Exemplaren ist diese Art durch die
zwei weissen Seitenfalten am Rücken sehr leicht zu er-
kennen; bei älteren Exemplaren fehlen diese Falten aber
oft bis auf den Theil über dem Trommelfell, der dann
wie eine Parotis aussieht, und auch nicht mehr weiss ge-
färbt ist. Dazu wird dort oft der Rücken warzig, eine
helle Medianlinie tritt auf und es war ein solches altes
Exemplar dieser Art auf das ich a. a. O. die Gattung
Chirodryas gründete. Jetzt stehen mir über hundert
Exemplare von H. aurea, von allen Grössen zur Verfü-
gung und ich sehe, dass der Chirodryas raniformis nur
ein altes Exemplar der H. aurea ist.
Tschudi bildete aus dieser Art nach ihrem Kana-
artigen Habitus und besonders Kopf, wie nach den klei-
nen Haftscheiben eine eigene Gattung Ranoidea und da zu
diesen Charakteren noch die fehlende oder geringfügige
Fontanelle der Schädelkapsel hinzukommt, könnte man
recht gut diese Gattung annehmen, wie es z. B. auch
schon von Girard geschehen ist. — Günther i) will
die H. aurea allein nach dem entgegenstellbaren Daumen
zu Litoria rechnen, wie Steindachner ^) aber schon
bemerkt, kommt diese Eigenschaft vielen ächten Hyla-
arten zu.
Nach den Vomerzähnen gruppiren sich die austra-
lischen Hylaarten folgendermaassen:
1) Proceed. Zool. Soc. 1864. p.49.
2) Novara Exped. Amphib. 1867. p. 56.
Ueber die Batrachier Australiens. 287
A. Vomerzähne in zwei quergestellten Linien :
a. zwischen den Vorderrändern der Clioanen:
Freycinetli, nasuta, Copei, Jervisiensis;
b. zwischen den mittleren Theilen der Choanen:
Peronii, Adelaidensis ;
c. zwischen den hinteren Rändern der Choanen:
Krefftii, phyllochroa, Schuetteii;
d. hinter den Choanen:
Ewingii, rubella.
B. Vomerzähne in zwei nach hinten convergirenden
Linien :
a. zwischen den Vordertheilen der Choanen:
punctata, marmorata, Wilcoxii;
b. zwischen den mittleren Theilen der Choanen:
aurea, Yerreauxii;
c. hinter oder theilweis hinter den Choanen:
citropus.
C. Vomerzähne in zwei vorn offenen Kreisen:
a. hinter den Choanen:
dentata.
Ganz kleinen Schwimmhäute findet man an den
Händen von H. Schuetteii und dentata, ein Viertel der
Phalangenlänge erreichen sie bei H. Peronii, die Hälfte
bei Jervisiensis. Ueberall sind die Schwimmhäute der
Füsse gross, nur bei citropus sind sie auf den Grund der
Zehen beschränkt.
Farn. Pelodryadidae.
P elodryas Günth. 1858.
Kopf breit und hoch, im hinteren Theile bedeckt von
einer dicken Parotis, welche , über dem Trommelfeld die
grösste Hervorragung bildet. Vomerzähne in zwei aus
mehreren Reihen bestehenden Gruppen. Finger und
Zehen mit Schwimmhäuten. Haftscheiben gross.
Schädelkapsel hinten schmal, mit einer ansehnlichen
Scheitelfontanelle. Ethmoidale sehr breit, die vorderen
Stirnbeine weit auseinanderdrängend und mit einem schma-
288 Keferstein:
Icn und langen KnorpelfortScatz über dem Ange. Brust-
bein mit stark divergirender Clavicula und Coracoideum,
die etwa von gleicher Stärke sind. Manubium kurz, breit
und knorpelig. Xiphoideum breit, zweizipfelig, ohne
Stiel, knorpelig. — Querfortsätze des Sacralwirbcls in
breiten Platten vergrössert.
* Pelodryas coerulcns T. VIII. Fig. 32.
Rana caerulea White Journ. Neu -Süd -Wales 1790.
p. 248. PI.
Hyla cyancaDaudin Hist. nat. Rept. VIII. p. 43. 1802.
" — Schlegel Abbildung, p. 26. Taf. IX. Fig. 2. —
Dumöril et Bibron Erpet. gön. VIII. 1841.
p. 577—580.
Calamites coerulcus Wag 1er Syst. Amphib. 1830. p. 200.
Calamita cyanea Tschudi Mcm. de Neuchatel II.
1839. p. 73.
Pelodryas coeruleus Günther Catal. Amph. 1858.
p. 119. 120. Taf. IX. Fig. B und Procced. Zool. Soc.
1863. p. 250.
Calamites cyanea S t e i n d a c h n e r Novara Exped. Am-
phib. 1867. p. 66.67. — Parker Shoulder-Girdle and
Sternum 1868. p. 76. PL VII. Fig. 6. (Brustbein).
Vomerzähne in zwei nach hinten etwas convergiren-
den Gruppen, beginnend an der hinteren Ecke der Choa-
nen. Trommelfell frei, nicht viel kleiner als das Auge.
Finger mit Schwimmhäuten zwischen den hintersten Pha-
langen, als Säume aber bis zur Spitze sich fortsetzend.
Am Fuss grosse Schwimmhäute bis zum Anfang der
letzten Phalangen, als breite Säume bis zu den Spitzen
reichend. Ein stumpfer, kräftiger Höcker am inneren
Mctntnrsus, an dem der dritten Zehe ein kleinerer, rund-
licher. Am Tarsus eine Hautfalte. — Oberseite glatt,
bläulich oder violet (in Spiritus). Bisweilen unter dem
Trommelfell und hinter dem Mundwinkel ein weisser
Streif. Bisweilen auch ein weisser Fleck auf dem Ober-
arm und ähnliche Flecke an den Seiten des Körpers.
lieber die Batrachier x4ustraliens. 289
Meistens eine schmale weisse Linie an der Hinterseite
des Arms, wie an der Innenseite des Unterschenkels und
Aiissenseite des Fusses. Hinterseite der Oberschenkel
farblos. Unterseite warzig einfarbig hell.
Körper 90 Mm., Bein 128 Mm. lang (wovon 60 Mm.
auf den Fuss kommen). Haftscheiben 6 Mm. des Fusses
breit.
Neu-Süd- Wales und Nord-Ostküste Australiens (sehr
zahlreiche Exemplare). Ein schönes Exemplar dieses
Frosches besitzt das Göttinger Museum aus Timor.
Die grosse den ganzen Hinterkopf mit bedeckende
Parotis liegt ganz in der Haut, wie die gewöhnlichen
Hautdrüsen^ so dass die innerste Schiclit der Haut glatt
darüber weggeht und an der Innenseite der abgezoge-
nen Haut keine Drüsen sichtbar sind. — Der Daumen ist
entgegenstellbar: es ist irrthümlich, wenn Cope ^) das
Gegentheil angiebt.
Erkläruag der Abbildungen.
Tafel V.
Fig. 1. Limnodynastes Peronii aus Sydney. Weibchen.
» 2. HeUoporus albopunctatus aus Sydney.
j> 3, Gaumenfiäche ebendaher.
» 4. Brustbein ebendaher,
» 5. Schädel ebendaher.
» G. Brustbein von Mixophys fasciolatus vom Clarence-River.
» 7._ Heliorana superciharis aus Neu-Süd-Wales.
Tafel VI.
Fig. 8. Pachybatrachus Petersii aus Neu-Süd-Wales.
» 9. Gaumenfläche ebendaher.
» 10. Brustbein ebendaher.
» 11. Crinia varia aus Neu-Süd-Wales.
» 12. Dieselbe, in anderer Färbung, ebendaher.
» 13. Fuss derselben.
1) Nat. Eist. Review 1865. p. 109.
Archiv für Naturg. XXXIV. Jahrj?. 1. Bd. 19
290 Keferstein: Ueber die Batrachier Australiens.
Fig. 14, Uj^eroleia marmorata vom Clarence-River.
» 15. Pseudophryne coriacea vom Clarence-River.
» 16. Hyla (Litoria) nasuta von Sydney.
» 17. Schädel von Hyla (Litoria) Freycinetii von Sydney.
Tafel VII.
Fig. 18. Hyla aurea, ein sehr altes Exemplar, von mir früher als
Chirodryas raniformis beschrieben aus Neu-Süd- Wales.
» 19. Schädel von Hyla aurea.
» 20. Hyla dentata aus Neu-Süd-Wales.
» 21. Gaumenfläche derselben.
» 22. Hyla citropus aus Neu-Süd-Wales.
» 23. Gaumenfläche derselben.
» 24. Hyla Lesueurii vom Clarence-River,
» 25. Gaumenfläche derselben.
Tafel VIII.
Fig. 26. Hyla Lesueurii aus Neu-Süd-Wales, von mir früher als
Litoria unicolor beschrieben.
» 27, Hyla Schuetteii aus Sydney.
» 28. Gaumenfläche derselben.
» 29. Hyla rubella aus Neu-Süd-Wales.
» 30. Hyla Peronii von Sydney.
» 31. Gaumenfläche derselben.
» 32, Schädel von Pelodryas coeruleus ans Neu-Süd-Wales,
Heber einige Batrachier aus Costarica.
Von *
Wilh. Refersteiu 1. D.,
Professor in Göttingen.
(Mit Tafel VIII. Fig. 33. 34 und Tafel IX.)
Herr Professor K. von Seebach schenkte dem
Göttinger Museum einige Batrachier, welche er auf sei-
ner vorzugsweise geologischen Reise in Costarica 1865 ge-
sammelt hatte, von welchem Lande bisher erst sehr we-
nige Amphibien bekannt geworden sind. Schon an einem
andern Orte ^) habe ich einige der neuen oder weniger
bekannten Formen dieser kleinen aus neun Arten bestehen-
den Sammlung kurz erwähnt und benutze die Gelegen-
heit hier nebst den genaueren Beschreibungen auch die
Abbildungen mitzutheilen, die zur Erläuterung derselben
nothwendig sind.
A. Batrachia anura s. salientia.
Fam. Rhiuodermaddae.
Atelopus Dum. et Bibr. 1841.
Keine Zähne weder im Kiefer noch im Vomer,
Zunge klein, schmal und ganz. Trommelfell von Haut
1) Ueber einige neue oder seltene Batrachier aus Australien
und dem tropischen Amerika in Nachrichten von der Köuigl. Ge-
sellsch. d. Wiss. zu Göttingen 1867. Juli. p. 341—361.
292 Keferstein:
überzogen, aber von aussen zu erkennen. Keine Parotis.
Finger und Zehen plattgedrückt, zwischen den Fingern
unbedeutende oder keine Schwimmhäute, Zehen mit gros-
sen Schwimmhäuten, die innere Zehe kaum aus der Haut
herausragend.
Querfortsätze des Sacralw^irbeis in breite Platten
vergrössert. Schädelkapsel breit, ohne Fontanelle. Brust-
bein mit dünner, gerader Clavicula und starkem Coracoi-
deum, das in der Mittellfnie mit dem der anderen Seite
zusammenstösst.
Atelo'pus varius Taf. VIII. Fig. 33. 34.
Phrynidium varius Nomenclat. Rept. Berolin. 1856.
p. 40. 41.
Atelopus varius Peters Ber. Berlin. Ak. 1863. p. 82.
Atelopus varius K e fer s t e i n Götting. Nachricht. 1867.
p.350. 351.
Kopf kurz, abgeflacht mit Avenig vorspringenden
Augen. Körper schmal und schlank. Zwischen den bei-
den inneren Fingern eine kleine Schwimmhaut ; Zehen
alle durch grosse Schwimmhäute verbunden, die an der
vierten Zehe aber die zwei letzten Phalangen frei Lassen,
als breite Säume jedoch überall bis zu den Spitzen rei-
chen. Fusssohlen glatt, am äusseren Metatarsus ein un-
bedeutender, oft kaum bemerkbarer Höcker. An der
inneren Seite des Tarsus eine schmale Hautfaltc. — Rücken-
seite dunkelbraun mit gelblichen und röthlichcn Flecken
von verschiedener Grösse, Form und Anordnung. Bisweilen
haben die hellen Flecken, bisweilen die dunkle Grund-
farbe die Oberhand. Der untere Theil der Kopf- und
Körperseiten, wie die ganze Unterseite gelblich, selten
mit einzelnen, dunklen runden Flecken.
Körper 40 Mm., Bein 53 Mm. lang.
Costarica.
lieber einige Batrachier aus Costarica. 293
Farn. Eogystomatiilae.
Hypopackus Keferst 1867.
Kopf ganz klein, dreieckig, in den Rumpf einge-
zogen. Körper sehr dick, Extremitäten kurz, Augen
klein, kaum hervorstehend. Keine Zähne, weder im Kie-
fer noch im Vomer. Zunge gross, nicht oder kaum aus-
geschnitten. Trommelfell nicht sichtbar. Finger ganz
frei, Zehen mit ganz kleinen Schwimmhäuten. Sohlen
glatt am inneren Metatarsus ein hoher, spornartiger Höcker,
daneben nach aussen ein ähnlicher, kleinerer.
Schädelkapsel namentlich hinten sehr breit, ohne
Fontanelle, Frontalia anteriora gross, vorn die Nasengru-
ben umschliessend, hinten an die Parietalia stossend. In-
nerstes Gehörknöchelchen sehr dick. — Querfortsätze
des Sacralwirbels in grosse Platten verbreitert. Clavicula
sehr dünn, Coracoideum von bedeutender Stärke. Manu-
brium kaum vorhanden, Xiphoideum ein kurzgestieltes,
breites und kurzes Blatt.
Am nächsten steht diese Gattung der australischen
Gattung Pachybatrachus (s. oben S. 273), mit der sie
auch die Doppelsporen der Beine gemeinsam hat, von der
sie sich jedoch z. B. durch die kleinen Augen und die
Anwesenheit der Clavicula unterscheidet.
Hypopaohus Seebachu Taf. IX. Fig. 1. 2.
Hypopachus Seebachii Kef er stein Götting. Nachrich-
ten 1867. p. 352.
Haut glatt. Rückenseite blaugrau (in Spiritus) zu-
weilen mit einigen dunkleren Flecken, an den Seiten des
Körpers vom Auge bis zum Schenkel ein dunkler Streif,
nach oben meistens hell begränzt. Vom hinteren Augen-
winkel schräg nach unten zur Schulter ein weisser Streif.
Unterseite dunkel mit weissen Flecken und Marmori-
rungen.
Körper 48 Mm. lang (davon der Kopf 6 Mm.) und
34 Mm. breit, Bein 50 Mm., Arm 25 Mm. lang.
Costarica.
294 Keforsteiii:
Farn. Biifouidae.
Bufo acjua Latr.
Bufo aguaDumeiil etBibron Erpet. gen. VIII. 1841.
p. 703— 710. — Günther Catal. Batr. 1858. p. 65.
Costarica.
Bufo subgen. G iii tophryne Fitz. 1843.
Diese von Cope M als Gattung angenommene Sub-
genus enthält die Bufo- Arten mit starken Parietalkristcn
auf dem Schädel, welche hinter dem Auge einen Querast
abgeben.
Bufo (Chilophryne) sternosignatus.
Bufo sternosignatus G ü nther Catal. Batrach. 1858. p.68.
69. Pl.V. Fig.C.
Bufo (Chilophryne) sternosignatus Kef er stein Göt-
ting. Nachricht. 1867. p. 352. 353.
Kopf flach ; jederscits von der Schnauzenspitze an
bis hinten am Schädel eine starke s. g. Parietalkriste, die
vor dem Auge einen seitlichen Ast abgiebt und hinter
dem Auge einen ähnlichen abschickt, welcher über dem
Trommelfell wieder in eine kurze zur rundlichen, dicken
Parotis reichenden Längsleiste übergeht. Canthus rostralis
fast rechteckig, Schnauze ziemlich gerade abgestutzt. Hand
mit zwei Metacarpalhöckern, Fiiss mit zwei grossen, spit-
zen Metatarsalhöckern. Innenseite des Tarsus mit einer
Tuberkelreihe. Zehen bis etwa ein Drittel ihrer Länge
mit Schwimmhäuten versehen, die als schmale Säume
theilweis bis zur Spitze ziehen, Rücken mit grossen,
Bauch rüit kleinen Warzen. Rückenseite dunkel, bräun-
lich, auf dem Kopfe jederseits zwei sammetschwarze Flecke ;
ähnliche grosse und kleine auf dem Rücken. Eine schmale,
helle Rückenlinie von der Schnauze bis zum After.
1) Proceed. Acad. N. Sc. Philadelphia. 1862. p. 358.
lieber einige Batrachier aus Costarica. '295
Bauchseite hell mit dunkleren Stellen im vorderen Theile;
über dem Brustbeine ein Beiles, rechtwinkliges Kreuz.
Körper 45 Mm., Bein 52 Mm. lang.
Costarica.
Bufo subgen. Rhaeho Cope 1862.
Diese Untergattung umfasst die zierlichen schlanken
Krötenarten mit scharfem Canthus rostralis und ohne
alle Schädelkristen. Sie war 1843 von Fitzingcr unter
dem Namen Phrynomorphus aufgestellt, womit jedoch
schon 1863 Curtis eine Hemiptere bezeichnet hatte.
Bufo (Rhaebo) haematiticus Taf. IX. Fig. 7.
Rhaebo haematiticus CopeProceed. Acad. N. Sc. Phi-
ladelph. 1862. p. 157.
Bufo (Rhaebo) haematiticus Kef er stein Götting. Na-
richt. 1867. p. 353. 354.
Canthus rostralis rechtwinklig, Seiten des Kopfes
flach , Schnauze vorgezogen, abgestutzt. Rücken flach
von den Körperseiten abgesetzt. Trommelfell; deutlich,
etwa ein Viertel der Augenlänge gross. Haut überall
fast ganz glatt. Am Metatarsus zwei kleinen Höcker,
an der Innenseite des Metatarsus ein Hautsaum. Schwimm-
häute an den Zehen nur unbedeutend. Parotis länglich
mit scharf abgesetzter oberer und seitlicher Fläche ; von
ihrer hinteren Ecke setzt sich eine Hautfalte bis nahe
zum Schenkel fort. Rücken graulichgrün mit drei oder
mehreren Paaren von sammetschwarzCD, weissgeränderten
Flecken und schmaler, weisser Medianlinie. Körpersei-
ten von der Schnauze an schwärzlich ; Unterseite schwärz-
lich mit kleinen weissen Flecken. Beine und Arme schwarz
gebändert.
Körper 32 Mm., Bein 42 Mm. lang.
Costarica. (C o p e's Exemplare stammen aus Truando
in Neu -Granada.)
296 Keferstein:
Farn. Polypedatidae.
L eiy la n. gQii.
Körper schlank, Kopf zugespitzt mit steil abfallendem
Canthns rostralis. Vomerzähne hinter den Choanen. Zunge
hinten frei und ausgerandet. Trommelfell ganz deutlich.
Finger frei, Daumen entgegenstellbar. Zehen mit klei-
nen Schwimmhäuten. Endscheiben klein und dünn. Rücken
rauh, Bauch ganz glatt.
Schädelkapsel schmal , ohne Fontanelle. Vordere
Stirnbeine sehr gross, das Ethmoidale ganz bedeckend
und sich in grosser Ausdehnung in der Mittellinie be-
rührend. Querfortsätze des Sacral wirbeis cylindrisch.
Brustbein wie bei den Areiferen. Clavicula und Coracoid
von gleicher Stärke. Xiphoideum gross, ungestielt, knor-
pelig, Manubrium lang und schmal, knorpelig.
Leiyla Günther ii sp. n. Taf. IX. Fig. 4. 5.
Mundrand von der Form eines oben abgestutzten
Spitzbogens. Augen vorspringend, Trommelfell etwa
halb so gross als die Augen. Vomerzähne hinter den
Choanen in einer in der Mitte kaum unterbrochenen Quer-
linie, welche aber kürzer als der Zwischenraum zwischen
den inneren Nasenlöchern. Finger ganz frei. Am Fusse
lassen die Schwimmhäute an der ersten und zweiten Zehe
eine, an der dritten und fünften Zehe zwei, an der vier-
ten Zehe drei Phalangen frei, reichen aber als schmale
Hautsäume bis zur Spitze. Am Metatarsus der ersten
Zehe ein schmaler Höcker, ein ähnlicher an dem der
vierten Zehe. Eine Tarsalfalte. — Die Haut des Rückens
ist mit Wärzchen und kleinen Längswülsten bedeckt, die
Unterseite ganz glatt. — Die Rückenseite ist bräunlich
bis olivenfarbig mit einigen dunkleren Flecken, von de-
nen einer ein Querband zwischen den Augen bildet. Hin-
terseite der Schenkel weiss gefleckt, ebenso wie der
Rand des Oberkiefers. Oberseite der Schenkel schwach
lieber einige Batrachier aus Costarica. 297
gebändert. — Unterseite einfach hell, bis auf die Kehl-
gegend, welche braun gefleckt und melirt Ist.
Körper 43 Mm., Bein 80 Mm. lang (wovon 36 Mm.
auf den Fuss kommen).
Costarica (ein Exemplar).
Dieser Frosch bildet eine neue Gattung, welche,
wegen der cylindrischen Sacralfortsätze, wie Acris und
Pseudacris, sich an Polypedatiden (welche in ihren ty-
pischen Formen nur in der alten Welt vorkommen),
wegen ihres areiferen Brustbeins aber wie dieselben
amerikanischen Gattungen sich an die ächten Hyliden
anschliesst. Von diesen entfernt sie sich wie H. aurea
durch den Mangel einer Parietalfontanelle und zeichnet
sich überdies durch eine ganz glatte Bauchseite aus.
Fam. Hylidae.
Hy l a Mo r elett ii.
Hyla Morelettii Dumeril Ann. Sc. nat. (3). XIX. 1853.
p. 169. 170. — Keferstein Götting. Nachricht. 1867.
p. 356. 357.
Ilyla holochroa Salvin Proceed. Zool. Soc. 1860.
p.460. 461. Plates Reptiles. PL 32. Fig. 2.
Agalychnis holochroaCop e Proceed. Acad. Philadelph.
1865. p. 194 und Nat. Hist. Review 1865. p. 110.
Kopf breit mit ganz abgeflachtem Canthus rostralis.
Vomerzähne in zwei kleinen Gruppen, gerade am Vor-
derende der Choanen beginnend und etwas nach hin-
ten convergirend. Zunge hinten ausgeschnitten. End-
platten der Finger und Zehen sehr gross , so gross
oder grösser als das Trommelfell. Zwischen allen Fin-
gern Schwimmhäute von halber, zwischen den Zehen
solche von dreiviertel Phalangenlänge. Grosse Subarti-
cularhöcker an Händen und Füssen; ein starker Höcker
unten am Metatarsus. Haut am Rücken ganz glatt, am
Bauch mit flachen Warzen. Die ganze Rückenseite ein-
förmig grün (in Spiritus bläulich); Unterseite einförmig
hell (gelblich).
*
298 Kefer stein:
Körper 67 Mm., Bein 105 Mm. lang (wovon 45 Mm.
auf den Fnss kommen).
Costarica. Ein anderes Exemplar besitzt das Göt-
tinger Museum aus Mexiko. Dumeril's und Salvin's
Exemplare stammten aus Guatemala.
Cope gründete diese Art (und auf H. callidryas)
eine eigene Gattung Agalychnis nach den weissen Adern
im untern Augenlide und der hinten in grosser Ausdeh-
nung freien Zunge.
Fam. Deudrobatidae.
Dendrohates Wagl. 1830.
Keine Zähne weder im Kiefer noch im Vomer;
Zunge länglich, oval, ganz. Trommelfell deullich. Keine
Parotiden. Finger und Zehen ganz frei, ITaftscheiben
dreieckig. Haut an der Bauchseite glatt. — Schädelkap-
sel sehr breit, keine Parietalfontanelle, Ethmoidale gross,
verknöchert, die vorderen Stirnbeine weit auseinander
drängend. Coracoideum sehr stark, Clavicula kräftig; in
der Mittellinie sind beide Knochen untereinander knöchern
verbunden und stossen mit denen der anderen Seite zu-
sammen. Ganz rudimentäres Xiphosternum, kein Manu-
brium, Querfortsätze des Sacralwirbels cylindrisch oder
doch sehr wenig verbreitert.
De7idrohates typographus. Taf. IX. Flg. 7.
Dendrohates typographus Ke ferst ein Götting. Nach-
richt. 1867. p.360.
Schnauze stumpf, Canthus rostralis abgerundet. Der
erste Finger kleiner wie der zweite, Fingerscheiben viel
grösser als das Trommelfell. Haut ganz glatt. Färbung
von Rücken und Bauch silbergrau, auf der Rückenscite
mit vielen kleinen dunkeln Flecken von Form der Schrift-
zeichen. Beine und Arme einfarbig dunkel.
Körper 18 Mm., Bein 24 Mm. lang.
Costarica (ein Exemplar).
Ueber einiofe Batracbier aus Cop.tarica. 299
B. Batrachia urodela s. graclle n tia.
Farn. Plethodoutidae.
0 e d ip i n a n. ^Qi^-
Zunge klein, rund, auf einem langen in q,u\q. Scheide
zurückziehbaren Stiel. Gaumenzähne amVomer in einer
hinter den Choanen stehenden Querreihe; am Keilbein
die untere dreieckige Fläche desselben gieichmässig be-
deckend (nicht in zwei Längsreihen). Körper cylindrisch
vom Hals bis zur Schwauzspitze, nur der Kopf ist etwas
abgeplattet. Schwanz über doppelt so lang als der Rumpf.
Extremitäten sehr klein. Zehen kurz, stumpf, mit einan-
der verwachsen, vorn vier, hinten fünf. Haut ganz glatt.
Diese Gattung unterscheidet sich von Oedipus Ts chu d i
ausser durch die ganz abv/eichende Körperform, durch
die gleichförmig vcrtheilten nicht in zwei hinten divergi-
renden Reihen stehenden Sphenoidalzähne und durch die
mit einander ganz verwachsenen Zehen,
Oedipina uniformis sp. n. Taf. IX. Fig. 8. 9.
Der ganze Körper einförmig bläulich. Mit der Loupe
erkennt man zahlreiche weisse Pünktchen, Hautdrüsen. Die
Extremitäten sind heller gefärbt, bis farblos. Der Körper
zeigt entsprechend den Wirbeln an den Seiten Andeu-
tungen von Ringelungen , entweder durch schwache,
dunkle oder helle Linien. Auf den Raum zwischen den
Vorder- und Hinterbeinen kommen neunzehn solche Ring-
andeutungen. Hinter dem Kopf bemerkt man an der Un-
terseite eine deutliche quere Kehlfaite.
Körper 137 Mm. lang, Kopf 5 Mm. lang, von der
Schnauzenspitze bis zum Vorderbein 11 Mm., vom Vor-
der- bis Hinterbein 35 Mm. , vom Hinterbein bis zur
Schwanzspitze 90 Mm., Beine 5 Mm. lang, Kopf 4,5 Mm.
breit, Rumpf 4 Mm., Schwanz an seiner Basis 3 Mm. breit.
Costarica (ein Exemplar).
300 Keferstein: Ueber emigo Batrachier aus Costarica.
Erklärung der Abbildungen.
Tafel VIII.
Fig. 33. Atelopus varius. Costarica.
» 34. Brustbein desselben.
Tafel IX.
Fig. 1. Hypopachus Seebachii. Costarica.
» 2. Brustbein desselben.
» 3. Rbaebo haematiticns. Costarica.
» 4. Leiyla Güntherii. Costarica.
» 5. Brustbein derselben.
» 6. Brustbein von Dendrobastes tinctorius aus Popayan.
» 7. Dendrobates typographus. Costarica.
» 8. Oedipina uniformis. Costarica.
» 9. Gaumenfläche und Zunge derselben.
ein neuer Schmarotzer krebs.
Von
W. Salensky
aus Charkow.
(Hierzu Tat". X.)
Während meines Aufenthaltes in Neapel im April und
Mai d. J. fand ich an einer Amphitoe sp. -) einen kleinen
1) Ich erlaube mir die hier zu beschreibende Form meinem
hochverehrten Lehrer ITrn. Prof. Leuckart. zu widmen, um so
mehr, als die nachstehenden Untersuchungen unter seiner speciellen
Leitung gemacht wurden.
2) Da ich diese Art der Amphitoe in keinem der mir zu
Gebote stehenden Verzeichnisse von Amphipoden auffinden konnte,
so erlaube ich mir beiläufig eine kurze Charakteristik derselben
zu geben.
Der Kopf ist abgerundet, ohne Rostrum. Die vorderen An-
tennen doppelt so lang, als die hinteren und aus einem zweigliedrigen
Schaft und einer 16-gliedrigen Geisscl zusammengesetzt. Die hinteren
Antennen weisen einen 3-gliedrigen Basalschaft und eine 5 — 6-glie-
drige Geissei auf. Der Rücken ist leicht abgerundet und ist nicht
mit Dornen besetzt. Die Augen sind fast rund. Das erste Fuss-
paar ist bedeutend kräftiger als das zweite und endigt mit einer
grossen Kralle; das letzte Paar der Thoracalfüsse ist bei weitem das
längste von allen. Von den sechs Paar Afterfüssen sind die drei
vorderen Paare bedeutend länger. Das Abdomen endigt mit einer
dreieckigen Platte. Fundort an der Dogana Immaculata im Golf
von Neapel.
*
302 Salensky:
parasitischen Krebs, der meines Wissens noch nicht be-
schrieben ist. Das Thier fand sich in der Bruthöhle
der Weibchen und an der unteren Fläche der entspre-
chenden Brustsegmente der Männchen und war an den
äusseren Bedeckungen des Wirthes mittelst eines beson-
deren Saugapparates befestigt. In der Regel war an
jedem Wirthe nur ein Exemplar oder deren zwei (dann
Männchen und Weibchen) zu linden, aber bisweilen kamen
noch einige junge dazu, welche dann an der Platcs epi-
meriens sich befestigten. Die Weibchen lassen sich schon
mit blossem Auge w^ahrnehmen und erscheinen als kug-
lige Körper von grüner Färbung.
Die weibliche Form (Taf. X. Fig. 1), von ungefähr
1,5 Mm. Länge, ist von kugliger Gestalt mit einem nur
verhältnismässig sehr kleinem Kopfsegmente. Die ganze
Kugel entspricht dem thoracalen Theile des Körpers der
verwandten Formen. Das Kopfstück ist mit einem vier-
eckigen Schilde bedeckt , welches sich nach vorne zu
verengt. Die Seitenränder schlagen sich nach dem
Bauche um, während der hintere Rand sich scharf von dem
Abdomen absetzt. Die Bauchränder des Schildes sind
mit Haaren besetzt. Am vorderen Theile des Schildes
sind kleine Einschnitte für die Insertion der Antennen.
Es ist dieses das vordere , allein bei der erwachsenen
Form vorkommende Paar und besteht aus drei Gliedern.
Im Ruhezustande liegen die Antennen horizontal. Jedes
Glied trägt eine kleine Borste, nur das Endglied läufl
in eine grosse aus. Tasthaare sind nicht vorhanden. Die
Mundtheile stellen eine Saugröhre dar und besitzen ein
besonderes Chitingerüst (Taf. X. Fig. 2). Von der Seite
gesehen erscheint der Apparat von konischer Gestalt.
Die Rückenfläche des Gerüstes stellt eine vorn zu-
gespitzte viereckige Platte dar, welche am hintere Rande
jederseits einen Chitinhöcker trägt, mittelst dessen sie
mit dem Kopfschilde articulirt. An der Bauchflächc ist
der Saugapparat mit einer länglich rhomboidalen Platte
belegt ; sie besteht aus zwei dreieckigen Stücken, einem
rechten und einem linken, welche mit ihrer Basis unter
Sphaeronella Leuckarti. 303
einem stumpfen Winkel zusammenstossen , so dass die
ganze Platte mehr oder weniger gewölbt erscheint. Die
Längslinie, an der die beiden constituirendcn Stücke zu-
sammenstossen , markirt sich als beträchtlich nach innen
vorspringende Leiste. Die Seitentheile des Saugapparates
sind jederseits mit einem schmalen Chitinstreifen belegt,
welcher l^on dem Seitenrande der Rückenplatte seinen
Ursprung nimmt, erst vor- und abwärts zieht und sich
alsdann nach oben und vorn krümmt, um mit seinem Ge-
genstücke vor der Spitze der Rückenplatte zu convergiren.
Auf den vorderen Enden aller so eben beschriebenen Chi-
tintheile des Saugapparates ist ein gleichfalls chitinöser
Ring aufgesetzt. Er besteht aus zAvei Halbkreisen, wel-
che an der dorsalen und ventralen Fläche zusammenstossen.
An der Ventraivereinigung bilden die Enden der beiden
Halbringe einen Vorsprung nach innen. Der eigenliche
Saugapparat stellt ein flaches napfförmiges Gebilde dar,
welches an seinem Boden eine kleine Ocffnung zeigt —
den Mund. Der Rand des Saugnapfes ist mit einer Mem-
bran versehen, welche, in Radiärfalten gelegt, einem Wim-
perkranz täuschend ähnlich ist. Der Saugnapf zeigt an
seiner dorsalen Fläche einen Längsschlitz , welcher von
einem Chitinstäbchen ausgefüllt wird. Dieses Chitinstäb-
chen ist hinten kugelförmig aufgeschwollen und läuft
jederseits in eine lange und platte Chitinspange aus; letz-
tere wendet sich nach dem Rückenschild zu und stützt
sich auf denselben an der Stelle, wo der seitliche Chi-
tinstreifen des Saugapparates entspringt. Der Saugnapf
ist mit dem Stützring mittelst einer dünnen Membran ver-
bunden. Schliesslich ist noch ein Stäbchen zu erwähnen,
welches jederseits neben der Bauchplatte der Länge nach
verläuft und sich nach dem oberen Ende verjüngt, um
sich mit dem entsprechenden der anderen Seite vor dem
seitlichen Chitinstreifen an vereinigen. Sie dienen haupt-
sächlich den rudimentären Kiefern zur Stütze, welche
jederseits neben dem Saugnapfe angebracht sind. Es
sind nämlich zwei Paar solcher Kiefern vorhanden, welche
eingliedrig sind und an ihrem Ende eine Borste tragen.
304 Salensky:
Der ganze Saiignpparat inserirt sich an einem com-
plicirten System von Cliitingebflden. Die liauptsäclilich-
sten derselben sind zwei Streifenpanre, von denen das
eine in der Mitte des Körpers longitudinal verläuft, das
andere aber nach rück- nnd abwärts geht und sich imten
gabelförmig spaltet. Das zuletzt erwähnte Plattenpaar
dient gleichzeitig den Maxiilarfüsscn zur Stütze?;
Das erste Paar der Maxillarfüsse (Taf. X. Fig. 3)
besteht bloss aus dem Thoracalgliede nebst einer Kralle.
Dieses Glied ist von unregelmässiger Gestalt, trägt oben
einen Borstcnkamm und unten einen Höcker. Nach der
Basis zu ist das Glied verengt und läuft in einen Fort-
satz, den Gelenkfortsatz, aus. Die Krallen sind stark
entwickelt, nach unten gekrümmt und' in fortwähren-
der Bewegung. Das zweite (Taf. X. Fig. 4) Paar der
Maxillarfüsse besteht aus drei Gliedern, von denen das
erste stark entwickelt, aufgetrieben und an der Innen-
fläche mit Haaren besetzt ist. Die beiden übrigen Glie-
der sind bedeutend kleiner; das letzte trägt an der In-
nenfläche eine Borste und läuft in eine Kralle aus.
Der Thoracaltheil ist kugelförmig und bildet bei
weitem den grössten Abschnitt des Körpers. Bei den
jungen Weibchen ist er dicht mit Haaren bestetzt, welclie
sich mit zunehmendem Alter allmählich verlieren. An
der Bauchfläche trägt er zwei Paar rudimentärer Schwimm-
füssc, und ein Paar rudimentärer Furcalanhängc, welche
aus einem Gh'edc bestehen und in zwei Borsten auslaufen.
Am hinteren Körporcndc gew^ahrt man ein Gebilde, wel-
ches zwei Genitalöfi'nungcn zeigt und deshalb Genitalplafte
(Taf. X. Fig. 5) genannt werden kann. Sie hat die Ge-
stalt einer liegenden 8; der obere Theil ihrer Innenränder
ist fein behaart. Die Genitalöff'nungen selbst sind halbmond-
förmige Spalten, die den oberen Theilen der Genital-
platte anliegen. Diese Gebilde entwickeln sich erst zur
Zeit der Geschlechtsreife, obgleich sie im rudimentären
Zustande bereits bei den so eben aus der Puppenhaut
geschlüpften Weibchen existiren.
Die Untersuchung der inneren Theil e des Thieres
Sphaeronella Lenckarti. 305
wird durch den Fettkörper sehr erschwert, welcher alle Or-
gane im Thorax dicht einhüllt. Ohne Präparation ist die-
selbe nicht gut möglich. Und auch diese bietet wegen der
Kleinheit des Thieres manche Schwierigkeiten. Die beste
Methode der Untersuchung besteht in der Anfertigung von
Querschnitten (Taf. X. Fig. 1).
Die Körperbedeckung unseres Thieres besteht aus
einer Cuticular- und Hypodermisschicht. Die Cuticular-
schicht erscheint als eine structurlose, durchsichtige, gelb-
liche Membran von 0,0015 Mm. Dicke. Stellenweise ist
die Cuticula mit Haaren bedeckt; weder eine Schichtung
noch Porenkanäle Hessen sich an ihr unterscheiden. Die
an die Cuticula sich dicht anlegende Hypodermis besteht
aus einer Schicht schöner, grosser, polygonaler Zellen
(Taf. X. Fig. 6 A. B). Diese messen 0,012 Mm., besitzen
eine deutliche Membran, einen nicht weniger deutlichen
Kern und ein feinkörniges Protoplasma. Bei Einwirkung
von Alkohol hellt sich das Protoplasma auf.
Die Zellen liegen im allgemeinen dicht aneinander
gedrängt, lassen jedoch an einigen Stellen zwischen sich
eine dünne stärker lichtbrechende Intercellularsubstanz
wahrnehmen. Die Bewegungen des Thieres bestehen
vorzüglich aus einer Verkürzung des Körpers in seiner
Längsaxe, welche durch die Thätigkeit der Länge nach
unter der Haut verlaufender Muskelfasern bedingt wird.
Vom Nervensystem und den Sinnesorganen konnte ich
an meinen Präparaten keine Spur nachweisen. Die Lei-
beshöhle ist von einer hellen gelblichen Flüssigkeit er-
füllt, welche bei der geringsten Verletzung der äusseren
Bedeckungen massenhaft hervorquillt. Der Darmkanal zieht
sich durch die ganze Länge des Thieres, um hinten ver-
muthlich blind zu endigen, da ausser den Genitalöffnun-
gen keine andere nachzuweisen ist. Er hat die Form
eines cylindrischen Rohres und kann nur an Querschnit-
ten dargestellt werden. Er ist dicht umlagert von den
breiten, grünlichen Lappen des Fettkörpers. Der Fett-
körper schliesst eine Menge von Fetttropfen in sich ein
und hat keine beständige Gestalt bei den einzelnen In-
Archiv für Naturg. XXXIV. Jahrg. 1. 20
306 Salensky:
dividnen. Gewöhnlich lässt er zwei grosse^ vorn mit
einander verbundene Seitenlappen und einen mittleren
ventralen unterscheiden. Die Genitalorgane stellen einen
röhrenförmig ausgezogenen Schlauch dar, der an Länge
den Körper bedeutend übertrifft und derart gewunden ist,
dass man an ihm einen mittleren quer am Rücken gelager-
ten Abschnitt unterscheiden kann, dessen beide Enden
sich nach hinten und unten fortsetzen, um in zwei ventrale
Abschnitte überzugehen , welche von hinten nach vorn
verlaufen und vorn blind endigen. In der ganzen Aus-
dehnung dieser Röhre kann man zwei Bestandtheilc wahr-
nehmen, von denen der innere aus einem Protoplasma
mit eingebetenen Kernen, der äussere aus reifen Eiern
besteht. In Bezug auf diesen histologischen Bau der Ge-
nitaldrüse weicht unser Thier von den übrigen Siphono-
stomen ab, und nähert sich mehr den Isopodcn. Hier,
wie dort nehmen dfe unreifen Eier die innere Partie, die
reifen die äussere der Genitaldrüse in Anspruch. Aus-
führungsgänge der Genitaldrüse konnte ich nicht auffin-
den , obgleich ich Schnitte durch die unteren Theile
des Ovariums und die Kittdrüsen anfertigte. Im unteren
Theile des Körpers liegen zw^ei grosse Drüsen, deren
Zellen mit einer stark lichtbrechenden Substanz erfüllt
sind. Es sind dieses eben die Kittdrüsen. Sie haben eine
fast birnförmige, leicht gebogene Gestalt und liegen der-
massen fest den unteren Theilen der Eierstöcke an, dass
sie sich schwer von denselben isoliren lassen. Ihre pe-
ripherische Schicht ist von lobulärem Bau und lässt nur
stellenweise eine zellige Structur deutlich erkennen; die
centrale ist in der Regel mit einer stark lichtbrechender
Kittmasse erfüllt. Die beträchtliche Entwickelung dieser
Drüsen, so wie auch der Genital drüsen, steht mit der
enormen Fertilität des Thieres im Zusammenhang.
Die männliche Form (Taf. X. Fig. 8), 0,21 Mm. in
der Länge, ist bedeutend kleiner als die w^eibliche und
weicht von ihr dem Baue nach bedeutend ab. Die bei-
den Körperabschnitte setzen sich beim Männchen nicht
so scharf von einander ab, wie beim Weibchen, da seine
Sphaeronella Leuckarti. 307
Form etwas schmächtiger ist. Der Riickenschild bedeckt
nicht bloss den Kopf, sondern auch einen Theil des Tho-
racalsegmentes und endigt mit einem behaarten Rande,
der sich nach der Bauchfläche umschlägt. An seinem
vorderen Rande kann man drei lappenförmige Auswüchse
unterscheiden, von denen der mittlere der grössere ist.
Die Antennen sind nicht in Ausbuchtungen des Rücken-
schildes eingepflanzt, wie bei den Weibchen, sondern
inseriren sich an seiner unteren Fläche. Die Bildung des
Saugapparates, so wie der rudimentären Kiefer und des
ersten Paares der Maxillarfüsse ist der der Weibchen
entsprechend. Das zweite Paar der Maxillarfüsse jedoch
bietet einige Verschiedenheiten (Taf. X. Fig. 9). Ihr Ba-
salglied ist eckiger und mehr behaart an der Innenfläche,
an welcher ein Höckerchen mit mehreren Borsten sitzt.
Die Kralle des letzten Gliedes ist an ihrem Ende finger-
förmig gezähnt. Ein wesentliches Unterscheidungsmerk-
mal bietet das Yorhandensein zw^eier grifFelförmiger
Beine, welche sich zwischen dem zweiten Paar der Ma-
xillarfüsse inseriren. Sie bestehen bloss aus einem am
Ende zugespitzten und hakenförmig gekrümmten Gliede
und dienen höchst wahrscheinlich ebenso wie das zweite
Paar der Maxillarfüsse zum Festhalten der Weibchen
während der Begattung. Zwischen diesen Beinen befin-
det sich ein oblonger Chitinring, der möglicher Weise
gleichfalls bei der Copulation eine Rolle spielt. Die drei
Paare rudimentärer Schwimmfüsschen sind beim Männ-
chen mehr entwickelt und von einander verschieden. Sie
sind sämmtlich eingliedrig, aber die ersten zwei Paare
tragen an ihrer unteren Fläche einen Fortsatz, haben eine
etvas gekrümmte Form und endigen mit zwei langen
Borsten, welche über den Rand des Körpers hervorra-
gen. Das dritte Paar befindet sich zwischen dem!;zweiten
und endigt mit vier kurzen Borsten.
In Bezug auf den inneren Bau bin ich im Stande
nur wenig mitzutheilen, da das Männchen bei seiner
Kleinheit besonders schwer zu untersuchen ist. Die Ge-
nitaldrüsen befinden sich , wie ich zu sehen glaube, im
308
Saleiisky
vorderen Thelle des Körpers, hinter dem Saugapparato
und erscheinen als zwei durchsichtige, ovale Massen, de-
ren Structur nicht genau zu unterscheiden ist. Im un-
teren Theile des Körpers gewahrt man auch zwei grosse
rundliche Organe, welche den Kittdrüsen der Weibchen
entsprechen dürften und möglicher Weise sich bei der
Bildung der Spermatophoren betheiligen. Das Männchen
sitzt gewöhnlich am Wirthe unweit des Weibchens und
befestigt sich an den Plates epimeriens. Nur einmal
hatte ich Gelegenheit ein Männchen auf einem Weibchen
sitzend, wahrscheinlich in Copula, zu beobachten. Das
Männchen haftete an der unteren Fläche des Thoracal-
segmentes des Weibchens, dicht an der Genitalöffnung.
An mehreren Weibchen gewahrte ich Gebilde, ähn-
lich denen, die von Claus an Caligus gesehen und von
ihm als Spermatophoren gedeutet wurden. Sie sind fla-
schenförmig und mittelst eines Stieles neben der Genital-
öffnung befestigt. Ihre Gestalt entspricht der von Claus
abgebildeten, so dass ihre Deutung, meiner Meinung nach,
unzweifelhaft ist.
Die Form der Eiersäckchen ist eine birnförmige,
und ihre Zahl ist sehr verschieden bei den einzelnen
Individuen, denn sie beträgt, merkwürdiger Weise, je
nach der Grösse des Weibchens von 8 bis 14 und selbst
in manchen Fällen bis 18. Sie sitzen gewöhnlich rund
herum um den Leib des Weibchens mittelst des Secretes
der Kittdrüsen an den Plates epimeriens oder den äus-
seren Bedeckungen der Bauchsegmente des Wirthes. Die
Eier in den einzelnen Eiersäckchen sind in^ verschie-
denen Entwickelungsstadien, so dass man bei ein und
demselben Thiere mehrere Phasen gleichzeitig sehen
kann, wobei die Jüngern in der Regel dem Leibe der
Mutter näher sitzen, als die älteren. Die jüngsten Eier,
die noch keine Spur der Entwickelung zeigen, haben
ungefähr 0,018 Mm. im Durchmesser und sind mit einer
Dottermembran umhüllt. An diesen Eiern konnte ich
mit Deutlichkeit nur eine Haut unterscheiden ; sollte eine
zweite dennoch schon vorhanden sein, so müsste sie
Sphaeronella Leuckarti. 309
sehr diclit der Dotterhaut anliegen und darum sich der
Beobachtung entziehen. Die Existenz eines Keimbläschens
Hess sich nicht nachweisen. Die jüngsten von mir beob-
achteten Eier waren schon im Begriif der Theilung und
liessen sechs Furchungskugeln unterscheiden, welche kei-
neswegs von gleicher Grösse waren. Der Klüftungs-
process geht hier nicht so gleichmässig, wie bei den
übrigen Copepoden, vor sich, der ganze Dotter klüftet
sich nämlich nicht gleichzeitig, sondern die eine Hälfte
viel rascher als die andere. In diesem frühesten Stadium,
welches auf Taf. X. Fig. 10 abgebildet ist, bestand die
Hälfte des Dotters aus fünf Furchungskugeln, von denen
eine die übrigen um das Doppelte an Grösse übertraf,
während die andere Hälfte noch ganz intact war und
auch später verblieb, um zum Nahrungsdotter zu werden.
In diesem Stadium schon ist der ganze Dotter also in
Bildungs- und Nahrungsdotter gesondert. Das folgende
Stadium zeigte eine weiter fortgeschrittene Theilung des
Bildungsdotters. Derselbe erscheint jetzt als ein Haufen
von kleinen Zellen mit deutlich hervortretenden Kernen
und nimmt fast den halben Theil des Dotters in Anspruch
(Taf. X. Fig. 1 1 ). Darauf theilen sich die Furchungsku-
geln immer mehr und mehr und bilden bald eine Schicht,
welche immer mehr nach unten zu wächst, immer dünner
wird, so dass sie endlich den Nahrungsdotter in Form einer
Blase umhüllt. Schliesslich besteht sie aus einer Schicht von
runden gleichen Zellen (Taf. X. Fig. 13). Wir haben also
als Endresultat der Dotterklüftung die Bildung der Keim-
scheibe vor Augen. Der Klüftungsprocess geht so rasch
vor sich, so dass die ersten Stadien bis zur Bildung der
Keimscheibe verhältnissraässig nur sehr selten angetrof-
fen werden. Die folgenden Veränderungen im Dotter
bestehen in starker Vermehrung der Zellen der Keim-
scheibe an einem Pole des Eies, welchen wir den oberen
nennen können, weil er dem Kopftheil des späteren Embryo
entspricht. Die Folge dieser Zellenvermehrung ist eine Ver-
dickung des betreffenden Poles, welche man die Kopfkappe
nennen könnte, weil sie in der That der gleichnamigen
310 Salensky:
Bildung bei den übrigen Arthropoden entspricht. Diese
Verdickung liegt anfangs in der Mittellinie des oberen
Endes (Taf. X. Fig. 14), breitet sich aber alsdann mehr
nach den Seiten aus, wodurch die ersten Spuren der
Symmetrie am Kopfende angedeutet werden; sie scheint
in einem etwas späteren Stadium in Form zweier symme-
trischen Wülste, welche auf den darunterliegenden Nah-
rungsdotter drücken und ihn eine etwas verengte Form
im oberen Ende annehmen lassen. Die Contouren der
Zollen im oberen Theile des Dotters werden jetzt undeutlich,
während die Zellen im unteren Theile eine cylindrische
Gestalt annehmen und eine einfache Schicht darstellen.
In solchem Zustande scheint das Ei bis zur Bildung der
ersten Anhänge zu bleiben ; wenigstens habe ich keine
dazwischen befindliche Stadium beobachtet. Die Grösse
des Eies ist dieselbe wie zu Anfang der Klüftung. Die
ersten bemerkenswerthen Veränderungen im Embryo be-
stehen darin, dass von beiden Seiten der gebildeten Kopf-
keimwülste je ein Paar Anhänge, die späteren Antennen
der Larve, hervorwachsen. Dieselben sind von gleicher
Form und Grösse, entsprechen aber in diesem Stadium
natürlich nur den Schaftgliedern der späteren Antennen
(Taf. X. Fig. 15). Wir haben also gleichsam ein Nau-
pliusstadium im Ei vor uns, welches von dem gleichna-
migen freilebenden Stadium der übrigen Cepepoden nur
insofern verschieden ist, als es noch der definitiven Ent-
wickclung entbehrt , namentlich noch keine Haare und
Borsten oder anderen Einrichtungen zum Schwimmen
besitzt. Es bedarf aber auch nicht dergleichen, weil
die Naupliusform im Ei bleibt und sich hier wei-
ter metamorphosirt. Vermuthlich dauert das Nauplius-
stadium ziemlich lange Zeit, da man sehr oft die Embryo-
nen in diesem Stadium antrifft.
Das bisher beschriebene bezog sich auf die Verän-
derungen der Kopfwülste und der Keimscheibe ; Rücken
und Bauchfläche Hessen sich nicht von einander unterschei-
den. In dem folgenden Stadium wachsen die Kopfwülste
immer mehr nach unten zu, und um dieselbe Zeit tritt an
Sijhaeronella Leuckarti. 311
der späteren ßaiichfläche eine Verdickung der Keirahaut
auf, in Form eines breiten Wulstes, welcher dem Keim-
streif der übrigen x\rthropoden entspricht. Ob dabei
auch ein Paar Keimwülste als Andeutungen der Sym-
metrie auftreten, muss ich dahingestellt sein lassen; die
Durchsichtigkeit des Keimstreifens und die ündurchsich-
tigkeit des Nahrungsdotter lassen diese Frage nicht ent-
scheiden. Die Hauptsache ist die, dass im folgenden Sta-
dium von beiden Seiten des Keimstreifens gleichzeitig und
in gleichen Abständen sechs Paar Anhänge von gleicher
Grösse sprossen (Taf. X. Fig. 16). In diesem Stadium
kann man schon die MundöiFnung unterscheiden. Sie
bildet eine quere unten gebogene Spalte, welche zwi-
schen dem neu erschienenen ersten Paar der Anhänge,
den späteren Kieferanhängen, liegt. Während diese Vor-
gänge ablaufen, erscheint vorn auf dem Rücken ein kleiner
länglicher Körper mit ziemlich unregelmässigen Contou-
ren, welcher stark lichtbrechend ist und den Krystallkör-
per darstellt. In diesem Stadium lässt sich auch schon
die zweite Hülle an dem Ei erkennen in Form einer zarten
structurlosen Membran, welche den ganzen Körper um-
giebt und sich etwas von der Dotterhülle abhebt. Die
Mundgrube vertieft sich mehr und mehr, so dass ihre
Fortsetzung endlich bis zum Nahrungsdotter reicht und
einen feinen Kanal, den primitiven Oesophagus darstellt.
Die Verhältnisse zwischen beiden Antennen verändern sich
auch und zwar in der Weise, dass die inneren in ihrem
Wachsthum zurückbleiben und schon in diesem Stadium
etwa halb so gross, wie die äusseren sind.
Von den sechs Paaren der später erschienenen Anhänge
behalten im folgenden Stadium die beiden ersten ihre
Grösse bei, während die übrigen stark zu wachsen an-
fangen. Am meisten Avachsen die zwei folgenden Paare,
die Maxillarfüsse: sie übertreffen bald bedeutend an Grösse
alle übrigen Anhänge und nehmen eine gekrümmte Form
an und zwar so, dass das erste seine Convexität nach aus-
sen, das zweite aber nach innen kehrt (Taf. X. Fig. 18).
Der Keimstreif verdickt sich immer mehr und mehr und
312 Salensky:
wächst stärker nach hinten gegen die Rückenfläche zu,
wo man in diesem Stadium gleichfalls schon einige Ver-
änderungen bemerken kann. Es lässt sich namentlich eine
Differenzirung des Rückenschildes unterscheiden, welche
wahrscheinlich durch das Wachsthum der Kopfwülste
nach unten und hinten entsteht. Eine solche Art der
Entstehung ist um so wahrscheinlicher, als in diesem
natürlich rudimentären Zustande des Rückenschildes man
noch keine obere und keine seitliche Contour erkennen
kann. Dasselbe stellt jetzt eine dünne Lamelle dar, welche
ununterbrochen von dem Kopfe bis zur Basis des letzten
Fusspaares hinzieht und hier durch deutliche Contour
nach hinten, resp. unten begrenzt wird. Wir haben ge-
sehen, dass der Keimstreif stark nach hinten wächst;
hier verdickt er sich bedeutend und stellt so ein Gebilde
dar, welches der Schwanzkappe der übrigen Arthropo-
den analog ist und sich von derselben eigentlich nur durch
ihr späteres Auftreten unterscheidet. Diese Schwanz-
kappe zeigt bald darauf eine so bedeutende Verdickung,
dass sie bereits ein Viertel des ganzen Eies in Anspruch
nimmt; sie biegt sich nach unten und reicht fast bis zum
unteren Ende des Rückenschildes. Zwischen beiden bleibt
noch ein kleiner Streifen der Keinihaut. An beiden En-
den dieses Streifens sprossen jetzt als unmittelbare Ver-
längerung zwei kleine Anhänge — die Ursprünge der
späteren Furca — welche auf der Schwanzkappe, wie ein
Reiter auf dem Pferde, sitzen (Taf. X. Fig. 18 B). Die
Schwanzkappe wächst jetzt mehr nach oben und erreicht
endlich die untere Contour des Rückenschildes. Jetzt
verdeckt sie den mittleren verbindenden Streifen nebst
den beiden Anhängen der rudimentären Furca; später
wächst sie auch in die Breite und giebt der späteren un-
teren Abtheilung des Rückenschildes seinen Ursprung.
Diese untere Abtheilung verwächst schliesslich mit dem
Haupttheile des Rückenschildes und überdeckt das letzte
Paar der Schwimmfüsse und einen Thcil der Furca. Das
letzte Paar der Anhänge — die späteren Schwimmfüsse
der Larve — bleiben auch nicht ohne Veränderung. Sie
Sphaeronella Leuckarti. 313
wachsen fort, und obgleich ihr Wachsthum nicht so schnell
ist wie das der Maxillarfüssre, so überw-achsen sie doch
die äussere Contour des Keimstreifens und spalten sich
dann der Länge nach bis ungefähr zu ihrer Mitte. Sie
bestehen also schon in diesem Stadium aus dem Basal-
gliede und zwei seitlichen Aesten. Diese Spaltung ist auf
der Tafel nicht abgebildet, weil die inneren Aeste von
den äussern verdeckt sind.
Wir haben gesehen, dass die Mundspalte eine etwas
gekrümmte nach unten gebogene Form hatte. Später
erleidet sie folgende Veränderungen. Ihr Rand verdickt
sich an beiden Seiten so, dass die Mitte sich in eine Spitze
nach unten auszieht (Taf. X. Fig. 19). Der untere Rand
der Mundspalte wächst immer nach oben und überdeckt
schliesslich die Spalte, so dass dieselbe, vom Bauch aus
betrachtet, bis auf eine mittlere dreieckige Oeffnung un-
sichtbar wird. Die zuerst unbedeutenden Verdickungen
erheben sich darauf über die Körperoberfläche des Em-
bryo und erscheinen dann als zwei symmetrische sichel-
förmige Wülste, die mit ihren unteren Enden einander ent-
gegen wachsen (Taf. X. Fig. 20). In dieser Zeit vertieft
sich der Raum zwischen beiden so gebildeten Wülsten,
und hiermit entsteht die erste Anlage der späteren Saug-
röhre, welche ihre definitive Ausbildung erst nach dem
Ausschlüpfen der Larve erlangt.
In dem zuletzt durch die Bildung der Furca cha-
rakterisirtem Stadium wächst der Embryo vorzüglich in
die nach, und da er am vorderen Theile breiter ist, als
am hinteren, so wird dabei aus einer ovalen eine birnför-
mige Gestalt. Die Hüllen, welche ziemlich elastisch sind,
wiederholen in allem die Form des Embryo. — Noch
vor der Bildung der Saugröhrenwülste, gleichzeitig mit
der ersten Anlage der Furca, lässt sich am oberen Pole
des Embryo, etwas, über der Mundöffnung eine kleine
Verdickung des Keimstreifens erkennen, welche merk-
lich über die übrigen Theile hervortritt. Dieser Theil
vergrössert sich in den folgenden Stadien immer mehr
und bildet ein Organ, welches gewissermasson der Ober-
314 Salensky:
Jippe der übrigen Lernaeaclenlarvcn entspricht (Taf. X.
Fig. 18 c).
Die folgenden Stadien charakterisiren sich durch
die definitive Entwickehmg der Organe, d. h. durch die
Bildung der Borsten und Haare, und durch die Segmen-
tirung der Anhänge. Dem nächsten Stadium, welches ich
am häufigsten zu untersuchen Gelegenheit hatte, gehör-
ten Embryonen von 0,11 Mm. in der Länge an (Taf. X.
Fig. 21). Das Rückenschild ist hier beinahe ausgebildet.
Es difFerenzirt sich schon in seinem oberen Theile und
überdeckt nach unten die Furca und die Schwimmfüssc.
Eine sehr wichtige Erscheinung in diesem Stadium ist
die Bildung des Cyclopodenauges in Form von zweien
am oberen Theile etwas verdickten sichelförmigen Pig-
mcntflecken, welche in der Mitte sich berühren und eine
x-förmige Figur darstellen. Der Krystallkörper ist jetzt
nicht mehr nachweisbar, vielleicht weil er von den Pig
mentfiecken verdunkelt wird. Der Oberlippenfortsatz er-
reicht in diesem Stadium seine grösste Entwickehmg. Ein
Verbindungskanal zwischen der Mundöffnung und der
Dotterblase konnte ich, ungeachtet der Häufigkeit dieses
Stadiums, nicht wahrnehmen. Die Oberlippe stellt sich
als ein Conus nut breiter Basis dar und besitzt zwei seit-
liche von der Spitze zur Basis verlaufende Leistchen.
Die Antennen bekommen einen grossen schwertförmigen
Fortsatz, welcher sich später rhitinisirt und einen guten
Ruderapparat für die Larve abgiebt. Eine Gliederung ist
noch nicht vorhanden , und das Schaftglied besteht noch
aus einem Stücke. Wir haben früher gesehen, dass unter
dem Munde zwei halbmondförmige Wülste auftreten,
welche einander entgegen wachsen, um schliesslich zu
einem Ringe zu verschmelzen und zur Anlage des Saug-
apparates zu werden. In dem uns jetzt beschäftigenden
Stadium geht die Differenzirung noch weiter. Der
ringförmige Wulst erhebt sieh, bekommt mehr oder we-
niger die Form eines Kegels mit abgeschnittener Spitze.
Seine Basis ist verdickt und die OefFnung von einem
Ringe eingefasst. Auf der Basalplattc des Kegels lassen
Sphaeronella Leuckarti. 315
sich bald zwei kleine Grübchen bemerken, welche vorn
rechts und links gelagert sind; sie vergrössern sich und
verschmelzen zu einer Grube, welche die ganze Basis bis
auf einen schmalen peripherischen Streifen — den zu-
künftigen Stützring — in Anspruch nimmt. Die Kie-
feranhänge verändern sich wenig, weder an Gestalt noch
an Grösse. Die Schwimmfüsse spalten sich noch weiter; es
kann an ihnen nunmehr auch ein Basalglicd und zwei End-
glieder unterschieden werden. Jedes der Endglieder läuft
in drei lange Haare aus (Taf. X. Eig. 21). Die Furca,
welche auf Fig. 21 von den Schwimmfüssen bedeckt wird,
ist von vier Gliedern gebildet, von denen das letzte gleich-
falls zwei kleine Fortsätze trägt. In dieser Periode tritt
noch ein Gebilde auf, welches bloss eine provisorische
Bedeutung hat, da es bei der Häutung der Larve verlo-
ren geht. Es ist dies ein Bauchschild ; es hat die Ge-
stalt eines Dreiecks mit nach vorn gerichteter Basis und ist
eine blosse Verdickung der Körperintegumente. Es hebt
sich nach rückwärts, später jedoch erhält es eine mehr
vcrticale Lage. Der Nahrungsdotter hat an Quantität
abgenommen -und eine Orangefärbung bekommen. Er
häuft sich mehr am Rückentheiie an, geht aber von da
auf die Seitenflächen über.
Das nächste auf Taf. X. Fig. 22 abgebildete Stadium ist
besonders dadurch charakterisirt, dass die Anhänge sich
mehr differenziren ; ihre Form wird mehr gestreckt. An
den Kieferfüssen tritt eine Gliederung auf. Jeder Fuss
zerfällt in drei Glieder, von denen das Basalglied das
längste ist und das letzte Glied eine Borste, anstatt der
spätem Klaue, trägt. Nach diesem Stadium verschwindet
die Oberlippe allmählich, so dass der Raum zwischen ihr
und dem Saugapparat , welcher bisher die Rolle der
Mundhöhle spielte, von oben her jetzt offen ist. Die un-
tere Wand der früheren Mundhöhle wölbt sich nach
aussen hervor und scheidet zur Zeit des Ausschlüpfens
der Larve die oben bei der erwachsenen Form beschrie-
bene Rückenplatte des Saugapparates. Statt der verloren
gegangenen Mundoffnung bildet sich nunmehr eine neue
316 Salensky:
am Grunde des Saugrohres. In dem letzten Stadium
ist besonders eine DifFerenzirung der Gewebe bemerk-
bar. Es treten die Muskeln auf und, der Embryo wird
beweglich, erhebt und senkt die Kieferfüsse.
Obgleich ich die letzten Stadien am häufigsten zu
beobachten Gelegenheit hatte, war ich doch niemals Zeuge
des Ausschlüpfens; indessen glaube ich, dass dieser Act sehr
rasch durch eine starke Muskelaction vollzogen wird. Die
ausgeschlüpfte Larve liegt noch einige Zeit im Eiersack
eingeschlossen; Individuen in diesem Zustande trifft man
fast bei jedem alten Weibchen. Die vollkommen ausge-
schlüpfte Larve von 0,18 Mm. Länge (Taf. X. Fig. 23)
vollzieht rasche Bewegungen mit Hülfe der Ruderanten-
nen und der mit Borsten diclit besetzten Schwimmfüsse.
Das Rückenschild dieser Form ist vorn gewölbt, seitlich
verbreitert und zerfällt in zwei Abschnitte, die scharf von
einander begrenzt sind. Der vordere grössere ist viereckig
mit abgerundeten Ecken und bedeckt den ganzen Leib
bis zu den Schwimmfüssen, während der untere trape-
zoidale nur die Schwimmfüsse und zum Theil die Furca
bedeckt. Die vorderen Antennen sind viergliedrig und
setzen sich je in eine breite und lange Borste fort. Die
hinteren Antennen inseriren sich etwas vor dem Saug-
apparate an den Weichtheilen des Embryo und nicht wie
bei der erwachsenen Form in Ausbuchtungen des Rücken-
schildes. Die unteren Antennen bestehen gleichfalls aus
vier Gliedern, doch sind sie schwächer gebaut, haben
eine nur kleine Borste und verbergen sich unter dem
Rückenschild. Die Mundwerkzeuge bestehen aus Saug-
rohr und den rudimentären Kiefern, welche wohl kei-
ner Function obliegen dürften. Der Saugapparat ist ganz
ähnlich wie bei der ausgewachsenen Form gebaut, unter-
scheidet sich jedoch durch die Abwesenheit der Mundsaum-
membran. Die Kieferanhänge haben eine noch horizon-
tale Richtung und können ihrer Kleinheit wegen leicht
übersehen werden. Das erste Paar der Maxillarfüsse be-
steht aus einem Gliede und einer Kralle. Die Glieder des
zweiten Paares sind schlanker gebaut, als bei den ausge-
Sphaeronella Leuckarti. 317
Wcichsenen Individuen ; dtas letzte Glied läuft in eine
schmale und zugespitzte Kralle aus. Die Schwimmfüsso
bestehen aus einem Basalgliede und zwei Endgliedern,
von denen das äussere drei, das innere vier gegliederte
Borsten trägt. Das Abdomen besteht aus vier kleinen,
schmalen Segmenten, ven denen das vordere das grösste und
an den Seiten mit je einer Borste besetzt ist. Das letzte
Terminalglied, das mit zwei langen Borsten ausgestattet ist,
stellt die Furca dar. Die Bauchflächc der Larve ist mit
dem oben beschriebenen Bauchschilde belegt. Unter dem
Bauchschilde liegt die Anaiöffnung in Form einer bogen-
förmigen Spalte. Etwas über der Saugröhre sieht man das
Auge in Form von zwei sichelförmigen Pigmentflecken.
Um die weiteren Metamorphosen der Larvenform
zu verfolgen, versuchte ich dieselbe mit Amphithoe zu-
sammen zu setzten, doch erzielte ich dabei nicht die ge-
wünschten Resultate, weil die Larven bald absterben.
Indessen habe ich die Formen, welche zwischen der Larve
und der definitiven Form liegen, an einzelnen Individuen
beobachten können. Diese Beobachtungen habe ich lei-
der nicht an Ort und Stelle, sondern erst später an den
in Glycerin aufbewahrten Präparaten angestellt. Die
Veränderungen, welche die Larve bei ihrer weiteren Um-
wandlung erfährt, sind so auffallend, dass sie kaum ver-
standen werden können, wenn nicht die nächst folgen
den Stadien bekannt werden.
Das Stadium (Taf. X. Fig. 24), welches ich seiner
Grösse nach für das nächste auf das Larvenstadium fol-
gende halte, hat eine eiförmige Gestalt bei 0,12 Mm. Länge.
Es ist dies ein von dicker Chitinwondung begränzter
Sack, der auf seiner ganzen Oberfläche mit feinen Haaren
bedeckt und mit einem gelblichen feinkörnigen Inhalt
erfüllt ist. Weder innere Organe , noch selbst irgend
welche Formelemente Hessen sich im Inneren wahrneh-
men ; doch könnte möglicher Weise der Darmkanal vor-
handen sein und nur durch die zahlreichen Körnchen ver-
dunkelt werden. Am vorderen zugespitzten Ende findet sich
ein Auswuchs, der dem Stirnfortsatz der übrigen Lernaea-
318 Salensky:
den analog ist und der Puppe — denn so darf wohl
dieses Stadium gedeutet werden — zur Befestigung an den
Plates epimcriens des Wirthes dient. Er besteht aus
einer Substanz, welche das Licht stärker bricht, als das
Chitin, und »^ liegt theils innerhalb, theils ausserhalb der
Puppe. Der innere Theil hat eine stumpf zapfenförmige
Gestalt, der äussere eine trichterförmige. Die Wan-
dungen des letztern sind in Längsfalten gelegt. Unge-
fähr in der Mittellinie liegt auf der Puppenhaut ein
ziemlich complicirtes Chitingebilde, dessen Ursprung und
Bedeutung mir unbekannt geblieben ist. Es besteht aus
einem Chitinkreise , der in der Mitte durch eine Leiste
in zwei Halbkreise gethcilt wird. Neben und vor dem
Chitinkreise liegt ein System von vier Plättchen, welche
die Form eines M zusammensetzen. Das Ganze bietet"
Aehnlichkeit mit einem Querschnitte des Mundapparates,
doch lässt es sich seiner Lage nach nicht als Ueberrest
des genannten Apparates deuten. Es muss vielmehr als
eine Neubildung ini Bereiche des Kückenschildes betrach-
tet werden ^). Das Wachsthum geht in dieser Periode sehr
rasch vor sich.
1) Ausser den beschriebenen Fortätzen sind keine anderwei-
tigen wahrnehmbar. Alle Erscheimingen in dieser Periode sprechen
dafür, dass die Cliitinliaut der Puppe sich in der Larvenhaut ge-
bildet haben rauss . ähnlich wie bei den Insekten und Acariden
sich die Puppenhaut unter der Larvenhaut bildet. Wie ich kürz-
lich beobachtet habc^ gehen bei dem Uebergange der Larve von
Atax ypsilophorus in das Puppenstadium ganz ähnliche Procease vor
sich. Die sechsfüssigen Larven dieser Hydrachnide wandern be-
kanntlich vor ihrem Uebergange in den Ruhezustand in die Kie-
men der Najaden ein . und befestigen sich zwischen den Kiemen -
blättern dieser Thiere. Die Beine verlieren bald darauf ihre Mus-
kulatur, so dass bloss ihre Chitinscheiden zurückbleiben. Das Thier,
noch von der Larvenhaut umhüllt, behält alle Organe der Larve bei,
aber zwischen der Larvenhaut und dem Thiere sammelt sich eine
Flüssigkeit an, und gleichzeitig bildet sich unter der Larvenhaut
eine structurlose cuticulare Membran, die echte Puppenhaut, welche
von den früheren Autoren, meines Wissens, übersehen wurde. Sie
besitzt oleichfalls keine Anhänae und lässt bei ihrer Elasticität ein
Sphaeronella Leuckarti. 319
Das nächste zur Untersuchung gelangte Stadium
betrug schon 0,19 Mm. Länge (Taf. X. Fig. 25). Die Form
sowohl, als auch die charakteristischen Bildungen sind
dieselben geblieben. Die Veränderungen innerhalb der
Puppe bestehen in einer Anhäufung des Inhaltes um
den Mittelpunkt. Der Inhalt diiferenzirt sich in zwei
Lagen. Die peripherische Scbicht besteht aus einer hel-
len feinkörnigen Masse ; in der centralen häuft sich eine
Quantität von Fettkugeln an, wobei der Inhalt grobkör-
nig wird. Dies ist die einzige Difi'erenzirung in dem
leider vorletzten der zur Untersuchung gelangten Stadien
der so interessanten Entwickeiungsvorgänge. Das letzte
von mir gesehene Stadium zeigte das unter der Puppen-
haut schon vollkommen ausgebildete Thier mit allen An-
hängen. Die Puppe hat eine Länge von 0,27 Mm. er-
reicht (Taf. X. Fig. 26) ; an ihrer Oberfläche sind keine
Veränderungen sichtbar. Das ganze unter der Puppen-
haut liegende Thier zerfällt in zwei Abschnitte, welche
fast von gleicher Grösse sind und das Kopf- und Brust-
segment darstellen. Ausser den Körperproportionen un-
terscheidet sich das Stadium von dem vollkommen aus-
gebildeten noch durch seine Behaarung. Die Antennen
liegen der Längsaxe parallel an der Bauchfläche. Der
Saugnapf hat seine Mundsaummembran erhalten. Zu
seinen beiden Seiten befinden sich dir rudimentären Kie-
ferapparate. Alle Theile der Saugröhre haben bereits
ihre definitive EntwjLckelung erreicht. Am Thoracalseg-
mente sind drei Paar rudimentärer Beinchen aufgetreten,
welche gar nicht mehr den Ruderfüssen der Larve ähnlich
sehen, deren Stelle sie jedoch vertreten. Sie bestehen
beträchtliches Wachstlium des Thieres zu. Die Larveiihaiit platzt
schliesslich und bedeckt in Form von zwei Lappen die Puppe während
des ganzen Ruhezustandes. Sie dient zur Befestigung der nicht
mit Anhängen versehenen Puppe. Der ganze Unterschied zwischen
Atax und Sphaeronella besteht in dieser Beziehung darin, dass bei
dem letztern die Häutung früher vor sich geht, was durch das frü-
here Auftreten des Stirnfortsatzes, eines Haftorgans, durch welches
die Larvenhaat überflüssig wird, erklärt werden könnte.
320 Salensky:
bloss aus einem Glied e mit zwei Borsten. Das dritte
Paar liegt unter der rudimentären Genitalplatte, welche
zwei Vertiefungen in der Haut darstellt. Die Genital-
spalten sind noch nicht bemerkbar. In solchem Zustande
befindet sich das Thier, wenn es die Puppenhaut vorn
durchbricht und zunächst sein vorderes Ende hervorstreckt.
Erst später verlässt das Thier die Puppenhaut vollkom-
men, da ich Individuen traf, bei welchen die Puppenhaut
so lose sass, dass sie bei leichtem Druck vollkommen
abfiel.
Wenn wir versuchen, auf Grund des anatomischen
Baues und der Entwicklungsgeschichte unserem Krebs
eine »Stellung in der Reihe der 8iphonostomen anzuwei-
sen, so dürfte sich ergeben, dass er in keine der bis
jetzt aufgestellten Familien vollkommen hineinpasst. Die
Körpergliederung und Form, das Vorhandensein bloss
eines Antennenpaares, 7 — 9 Paar Eiersäcke, welche abge-
legt und nicht vom Thier mjt sich umhergetragen werden
— dies alles sind Kennzeichen, welche die Sphaeronella
von sämmtlichen Siphonostomen entfernen. Wollen wir
uns übrigens nach denjenigen Formen umsehen, welchen
sich die unsrige am meisten nähert, so dürfte uns als
bester Leitfaden dabei der Bau der Mundwerkzeuge dienen.
Ungeachtet der complicirten Verhältnisse lässt sich eine un-
bestreitbare Aehnlichkeit mit derjenigen der Lernaeaden
nicht verkennen. Die Richtigkeit dieser Behauptung tritt
besonders hervor, wenn wir die kürzlich veröffentlichten
Untersuchungen von Claus an Lernaea hranchialis zu
Rathe ziehen '). Bei diesem Thier besteht der Saugap-
parat zur Zeit der Begattung im Wesentlichen aus den-
selben Theilen, wie bei Sphaeronella, denn wir erkennen
an ihm den Stützring und einen ähnlichen Saugnapf, der
sich nur dadurch unterscheidet, dass er nicht von einer
1) Beobachtungen über Lernaeocera, Peniculus und Lernaea.
Sehr, der naturwissensch. Gesellsch. zu Marburg 1868.
Sphaeronella Leuckarti. 321
Membran umsäumt, sondern an seinem freien Rande ge-
zähnelt ist (s. Claus 1. c. Taf. lY. Fig. 17). Selbst die
Kieferanhänge und die Kieferfüsse bieten ihrer Form und
ihrer Lage nach eine unverkennbare Aehnlichkeit. Diese
gemeinsamen Kennzeichen bestehen aber für Lernaea bran-
chialis nur zur Zeit der Begattung und fallen später einer
retrograden Metamorphose anheim, während bei unserer
Form dieselben persistiren, weil ihre Metamorphose nicht
so weit geht und die Begattung erst nach der Metamor-
phose vor sich geht. Diese Analogie in der Bildung der
Mundwerkzeuge nähert unsere Form den Lernaeaden,
von denen dieselbe in anderer Beziehung jedoch mehr-
fach abweicht — freilich zumeist nur in Momenten, die
durch einen verschiedenen Grad der Metamorphose ihre
Erklärung finden.
Die ganze Metamorphose der Sphaeronella beschränkt
sich nämlich auf die Anschwellung des Thoracaltheiles, auf
den Schwund des Abdominalringes und auf das Auftreten des
Genitalringes. Die oben hervorgehobene Verwandtschaft
der Sphaeronella zu den Lernaeaden tritt auch hervor, wenn
wir die Entwickelungsgeschichte der Lernaeaden mit der-
jenigen unseres Krebs vergleichen. Das Naupliusstadium
der Achteres percanim hat allerdings nur zwei Paar An-
hänge, doch befinden sich unter der Larvenhaut die übrigen
sechs Fortsätze in derselben Lage und Form wie bei Sphae-
ronella im Ei. Noch auffallender wird diese Aehnlichkeit
durch das Cjclopenstadium der Achteres und Lernaea
documentirt, indem sich dieser nur durch das Vorhanden-
sein der Klammerantennen unterscheidet. Nur das an-
hangslose sonderbare Puppenstadium stellt eine isolirte
bisher bei den Siphonostomen nicht bekannte Erscheinung
dar, durch welche Sphaeronella in gewisser Weise zu den
Acariden in Beziehung tritt.
Archiv für Naturg. XXXIV. Jahrg. l.Bd. 21
322 Salensky: Sphaeronella Leuckarti.
Erklärung der Abbildungen.
Taf. X.
a. Vordere Antennen i. Zweiter Schwimmfuss.
b. Hintere Antennen, k. Furca.
c. Oberlippenfortsatz. 1. Unteres Schildstück.
d. Mandibulae. ra. Bauclischild.
e. Maxillen. n. Genitalplatte.
f. Erster Maxillarfuss. kt. Kittdrüse.
g. Zweiter Maxillarfuss. ov. Ovariiim.
h. Erster Schwimmfuss. oc. Auge.
Fig. 1. Sphaeronella Leuckarti. Weibchen.
1. "llückenplatte. 2. Bauchplatte. 3. Stützring. 4. Saugnapf.
» 2. Saugapparat derselben.
» 3. Erster Maxillarfuss derselben.
» 4. Zweiter Maxillarfuss.
» .5. Genitalplatte, spätere Genitalspalte.
» 6. Die Zellen der Hypodermis. A. Von oben. B. Im Profil.
» 7. Querschnitt durch den mittleren Theil des Körpers des
Weibchens, dk. Darrakanal. ft. Fettkörper, ov. Ovarium.
» 8. Männchen, gr. Greifbeine.
» 9. Zweiter Maxillarfuss desselben.
» 10. Ei im Klüftungsprozess.
» 11. Weiteres Stadium der Klüftung.
» 12. Der Bildungsdotter fängt an sich in den Nahrungsdotter
umzuwandeln,
» 13. Die Bildung der Keimscheibe.
» 14. Am Vordertheil der Keimscheibe bildet sich eine Verdickung.
» 15. Naupliusstadium im Ei.
» 16. Bildung der Extremitäten. Bauchansicht.
» 17. Dasselbe Stadium. Profilansicht.
» 18. Bildung des Oberlippenfortsatzes und der Furca.
A. Profilansicht.
B. Dasselbe Stadium. Rückenansicht.
» 19. Bildung des Saugapparates.
» 20. Etwas weitere Entwickelung desselben.
» 21. Stadium mit dem ausgebildeten Auge. Bauchansicht.
» 22. Dasselbe Stadium. Rückenansicht.
» 23. Cyclopsähnliche Larve.
j> 24. Erstes Stadium des Puppenzustandes.
» 25. Zweites Stadium des Puppenzustandes.
»26. Puppe mit ausgebildetem Thiere.
» 27. Eben aus der Puppenhaut ausgeschlüpfte Sphaeronella.
Beiträge zur Keiintiiiss der Wirbeltliiere
Sndbrasilienst
Von
Dr. Reinhold Hensel.
(Fortsetzung.)
Nachdem bereits die erste Abtheilung dieser Bei-
träge gedruckt war ^), sind nachträglich noch alle übri-
gen von mir in Südbrasilien gesammelten Naturalien
wohlbehalten in Berlin angelangt. Meine 'Voraussetzung,
dass sich unter diesen Vorräthen noch wichtiges Material
für die Bearbeitung der Batrachier befinden würde, hat
sich nicht bestätigt. Wesentlich neues Material fand sich
nicht vor, wohl aber erhielt ich manche Ergänzungen zu
dem früher Gesammelten, so z. ß. mehrere Altersstufen
des Bufo agua, die geeignet sind, das Bild von den durch
das Alter bedingten Farbenveränderungen dieser Art zu
vervollständigen. Auch mehrere Entwickelungszustände
des Cystignathus mystaceus fanden sich vor, und eine
kleine Hyla ist dabei, die vielleicht als eine junge H.
Yautieri anzusprechen sein wird. Man kann daher wohl
vermuthen, dass die von mir bisher beschriebenen Arten
ein ziemlich vollständiges Bild der Batrachier-Fauna des
südlichsten Brasiliens geben. Natürlich werden immernoch
manche Arten sich meinen Beobachtungen entzogen haben,
1) Vergl. dieses Archiv 1867. p. 120.
324 Hensel:
denn das Verborgene in der Lebenswelse so vieler Batra-
chier erschwert namentlich dem Reisenden das Sammeln
derselben in hohem Grade. Wenn man im Innern des
Urwaldes oder an den sumpfigen Ufern grosser Flüsse
das Nachtlager aufgeschlagen hat, so wird man oft über-
rascht durch seltsame Laute, die aus dem Innern der
Erde oder eines hohlen Stammes, aus den Laubkronen
hoher Bäume oder aus dem undurchdringlichen Dickicht
massenhafter Wasserpflanzen hervorzuschallen scheinen,
und gewiss immer auf Batrachier zurückzuführen sind.
Nähert man sich dem Orte, so verstummt der Laut, noch
ehe man nur ungefähr den richtigen Baum herausfand, und
beginnt nicht eher wieder, als bis man sich in grössere
Entfernung zurückgezogen hat. Stundenlanges Warten
würde zu keinem Resultate führen. Kröten sind die zu-
traulichsten, Frösche viel scheuer, die Laubfrösche aber
scheinen mit den feinsten Sinnesorganen begabt zu sein,
um jede Gefahr auf grosse Entfernung hin vermeiden
zu können.
In den nachfolgenden Zeilen sind über die übrigen
Ordnungen der Reptilien Mittheilungen gemacht, wobei
das ganze von mir gesammelte Material, so weit es diese
Thierklasse betrifft, den Beschreibungen zu Grunde ge-
legt worden ist. W^as die Ortsnamen und andere geo-
graphische Beziehungen betrifft, so muss ich auf meine
seither erschienenen „Beiträge zur näheren Kenntniss
der brasilianischen Provinz Sao Pedro do Rio-Grande do
Sul'^ in der Zeitschrift der Gesellschaft für Erdkunde,
Bd. II. Berlin 1867. p. 227—269 und p. 342—376 mit einer
Karte auf Taf. III, verweisen.
^clilang^eii.
1) Liophis Merremii (Coluber Merremii M. z. Wied).
Die häufigste unter allen Schlangen Südbrasiliens.
In der Jugend zeichnet sie sich durch eine Grundfarbe
Beiträge zur Kenntniss der Wirbelthiere Südbrasiliens. 325
von lebhaftem Grün mit schwärzlichen Zeichnungen aus,
im Alter jedoch wh'd sie auf der Oberseite einfarbig
grünlichgrau, Sie vertritt in Rio Grande do Sul vollkom-
men unsern Coluber natrix, hält sich wie dieser gern am
Wasser auf, doch sieht man kleinere Exemplare nach Re-
genwetter auch nicht selten im feuchten Grase umher-
kriechen. Sie lebt meist von Batrachiern, doch fängt
sie auch, wie eins meiner Exemplare zeigt, Fische. Sie
schwimmt gut, flüchtet aber, w^#nn sie gejagt wird, aus
dem Wasser auf das Land. Ein Exemplar, welches ich
in Montevideo durch Hrn. v. Gülich erhielt, ist der Co-
luber poecilogyrus des Prinzen zu Wied. Unter den 21
Exemplaren, die ich in Rio Grande do Sul sammelte,
befindet sich keins, welches in Farbe und Zeichnung so
genau mit der vom Prinzen gegebenen Abbildung (Ab-
bildungen zur Naturg. Brasiliens. Tab.) dieser Art über-
einstimmte, wie das erwähnte Exemplar von Montevideo.
2) Liophis dorsalis.
Zwei Exemplare, die in der Nähe der Stadt Rio Grande
do Sul gefangen wurden , die einzigen , welche ich be-
merkt habe, beweisen, dass diese Art in Süd-Brasilien
selten ist.
3) Tomodon dorsaUis Dum. Bib.
Diese in den Europäischen Museen selten vertretene
Schlange ist in Rio Grande do Sul häufig, so dass ich
davon fünf ganze Exemplare und mehrere einzelne Köpfe
gesammelt habe. Leicht hätte ich eine grössere Anzahl
sammeln können, wenn ich nicht aus Mangel an literari-
schen Hülfsmittein die Art verkannt hätte. Man sieht
die Schlange nicht selten in feuchtem Grase umher-
kriechen.
4) Xenodon rhabdocephalus (Coluber rhabdocephalus
M. z. Wied. Beitr. p.355. Abbild.).
Von dieser nicht seltenen Art wurden an verschiede-
nen Gegenden der Provinz Rio Grande do Sul acht ganze
Exemplare, darunter zwei Junge und drei einzelne Köpfe
326 H e n s e 1 :
gesammelt. Die Zahl der oberen Labialia ist immer 7,
die der unteren 8 — 9. Das vordere Ocular ist einfach,
zuweilen befindet sich an seinem unteren Ende noch ein
kleines überzähliges Schildchen. Die Zahl der hinteren
Augenschilder beträgt drei , in zwei Fällen beiderseits
zwei und in einem Falle auf der linken Seite zwei, auf
der rechten eins. Die Zahl der Bauchschilder ist an den
sieben grösseren Exemplaren 137, 140, 141, 142, 143, 145,
147, wobei zu bemerken ist, dass das Exemplar mit 137
Bauchschildern auch dasjenige ist, welches nur zwei hintere
Orbitalia besitzt. Die Zahl der Schwanzschilderpaare ist
in derselben Reihenfolge, wie bei Angaben der Bauchschil-
der 34, 42, 33, 34 (der Schwanz des fünften Individuums
war verstümmelt), 35, 34. Das vierte obere Labiale berührt
stets das Auge mit seiner oberen Seite. Das dritte La-
biale stösst gewöhnlich auch an das Auge, jedoch meist
nur mit einer Spitze ; wenn das überzählige vordere Ocu-
lare vorhanden ist, reicht es gar nicht bis an das Auge.
Bei dem Exemplare mit der grössten Zahl der Bauch-
schilder und der geringsten Zahl der hinteren Augen-
schilder berührt links das dritte Labialschild die Orbita
nur mit einer Ecke, das vierte aber ist durch das grosse
untere Postoculare und durch ein kleines davor liegendes
Schild von der Orbita ganz ausgeschlossen. Rechts ist
das dritte Labiale von dieser ausgeschlossen, das vierte
aber berührt sie mit einer Ecke. Eine gleiche Unregel-
mässigkeit findet bei den Temporalschildern statt, zwischen
die sich zuweilen auch kleine überzählige Schildchen ein-
schieben. Herr Dr. Günther hat einen Xenodon irre-
gularis ^) beschrieben, der sieben obere Labialia besitzt,
unter denen nur ein einziges sich an der Bildung der
Orbita betheiligt. Berücksichtigt man das Verhalten die-
ser Theile bei X. rhabdocephalus, so muss es zweifelhaft
erscheinen, ob diese beiden Arten wirklich von einander
verschieden sind , denn bei der Variabilität der Farben
und Zeichnungen könnte auch der weisse Streifen am Aus-
1) Anuals and Mag. Nat. Hist. Loudon 1863. p. 354. VI V. Fig.D,
Beiträge zur Keiintiiibs der Wirbelthierc Südbrasiliens. 327
senrande jeder Schuppe für X. irregularis nicht charak-
teristisch sein.
Die Grundfarbe des Rückens ist graugelb mit mehr
oder weniger braun. Die Zahl der Querbänder beträgt
vom Kopf bis After 18 — 19, wenn man die beiden ge-
wöhnlich getrennten Flecke hinter dem Nacken als das
erste Band zählt. Die Bänder sind auf dem Rücken ver-
schmälert und in der vorderen Hälfte des Körpers nicht
selten ganz getrennt, so dass sie ijur aus zwei halbmondför-
migen Flecken bestehen, wie sie die Erpet. gen. Atlas PI.
82 bis Fig. 1 von Bothrops alternatus abbildet. Diese
Halbmonde stehen entweder einander gegenüber oder
alterniren, dann sind die Bänder der hinteren Körper-
hälfte schief gestellt. Gegen das Ende des Rumpfes hin
theilen sie sich zuweilen auf unregelmässige Weise, so
dass sie nicht mehr mit Sicherheit zu zählen sind, und
ihre Zahl scheinbar grösser wird. Bei einzelnen Exem-
plaren , namentlich bei den grössten, werden die Zeich-
nungen des Kopfes und der vorderen Körperhälfte un-
deutlich und unterscheiden sich wenig von der überhand-
nehmenden Grundfarbe. Bei einem grossen Individuum,
dessen Kopf allein aufbewahrt werden konnte, waren so-
gar alle Zeichnungen verschwunden, und das ganze Thier
war einfach graugelb , am Rücken dunkler, am Bauche
heller.
Das grösste der gesammelten Exemplare hat eine
Gesammtlänge von 890 Mm., wovon 110 Mm. auf den
Schwanz kommen. Die Thiere leben immer in der Nähe
des Wassers, da sie sich vorzugsweise von Batrachiern
nähren. Wenn sie sich auf trocknen Stellen, auf dem
Rasen oder auf dem Wege sonnen, so breiten sie durch
Erheben und Rückwärtswenden der Rippen den Körper
so aus, dass dieser nur als ein handbreites flaches Band
erscheint. Die Ausdehnbarkeit des Kopfes und Rumpfes
ist ungeheuer und die Xenodon-Arten können vielleicht
unter allen Schlangen die grössten Thiere verschlingen.
Gefangen bcissen sie heftig, wobei sie das Eigenthüm-
liche haben, dass sie das Gesicht ganz nach oben erhe-
328 Hensel:
ben können, so dass es senkrecht zum Schädel steht, imd
die kurzen Oberkiefer so nach oben gewendet werden,
dass ihr hinteres Ende nach vorn gerichtet ist. Dadurch
wird es ihnen möglich, mit den hintersten grossen Zäh-
nen der Oberkiefer zu beissen. Von den Eingebornen
werden sie ihrer Färbung wegen nicht von Bothrops un-
terschieden und als Jararaca bezeichnet.
5) Xenodon Neuwiedii, Günther (Annais and Mag.
of Nat. Hist. 1863. p. 354. PI. V. Fig.C.)
Diese durch acht obere Labialia und die grosse
Zahl der Ventral- und Subcaudal-Schilder leicht kennt-
liche Art ist in Rio-Grande do Sul seltener, da sich unter
den von mir gesammelten Schlangen nur drei grosse und
zwei kleine Exemplare dieser Art vorfinden. Die Ersteren
besitzen 163, 163 und 176 Ventralschilder und in derselben
Reihenfolge 69, 57 und 55 Paare der Subcaudal-Schilder.
Die Zahl der Längsreihen der Rückenschilder beträgt 21.
Bei allen finden sich zw^ei hintere Ocularia und ein vorderes
Oculare vor. Das vierte und fünfte obere Labiale neh-
men Thell an der Bildung der Orbita und zwar mit der
gebogenen oberen Seite. Die beiden jungen Individuen,
welche auch zusammen gefangen wurden, also vielleicht
Geschwister sind, zeigen eine ganz übereinstimmende
Färbung und Zeichnung. Die Grundfarbe des Rückens
ist braungelb oder dunkelgraugelb mit schmalen, gelb-
lichweissen Querbinden, die sich im Vordevkörper als
Fortsetzungen der hellen Bauchfarbe darstellen. Jedes
Band hat an der Hinterseite einen etwas schmäleren un-
regelmässigen schwarzen Saimi. Die beiden Seitenhälften
jeder Binde bilden entweder auf dem Rücken einen Win-
kel, dessen Scheitelpunkt nach hinten gerichtet ist, oder
sie entsprechen und berühren einander nicht, sondern
alterniren. Dazwischen treten oft noch Spuren überzäh-
liger Binden auf, so dass sich eine bestimmte Zahl der
Streifen nicht angeben lässt. Bei dem grösseren der bei-
den jungen Individuen kann man deren ungefähr 36 vom
Kopfe bis After zählen, unter denen jedoch nur die acht
Beiträge zur Kenntniss der Wirbelthiere Südbrasiliens. 329
vorderen einen wirklichen Winkel bilden, also einfach
gezählt werden müssen. Am Unterkiefer und am Vor-
derende der Unterseite des Körpers zeigen sich einige
schwarze Flecke. Unter den drei grossen Exemplaren
ist das. kleinste (das erste bei Aufzählung der Ventral-
Schilder) ebenso gezeichnet und gefärbt wie die jungen
Exemplare^ bei den beiden anderen jedoch ist die ganze
Oberseite einfarbig gelbgrau y der Bauch hell , nur auf
dem Kopfe zeigen sicli einige Spuren der dunkleren
Zeichnung, namentlich der schwarzbraunen Binde, welche
vom Hinterrande des Auges nach dem Mundwinkel geht,
und im hinteren Drittel des ganzen Thieres sieht man
auf dessen Rücken einige kleine schwärzliche Flecke,
welche als Ueberreste des schwarzen Saumes hinter dem
hellen Querstreifen zu betrachten sind. Das anatomische
Museum zu Berlin besitzt noch sieben Exemplare dieser
Art, die wahrscheinlich aus dem nördlichen Brasilien
stammen und alle Uebergänge zwischen Zeichnung und
Farbe der von mir gesammelten Individuen zeigen. Eins
derselben ist sogar sehr dunkelbraun mit sehr wenig her-
vortretenden helleren Zeichnungen. Das grösste der von
mir gesammelten und zugleich das grösste aller mir vor-
liegenden Exemplare (das letzte bei der Aufzählung der
Ventralschilder) hat eine Länge von 895 Mm. , wovon
134 Mm. auf den Schwanz kommen. Der Xenodon Neu-
wiedii hat wahrscheinlich die Lebensweise der vorigen
Art, wenigstens ist mir hierin nichts Besonderes aufge-
fallen.
6) Heterodon cVOrhignyi Dum. Bib.
Diese Krt ist selten in Rio-Grande do Sul, denn es
wurde daselbst, und zwar bei Porto Alegre, nur ein ein-
ziges ziemlich kleines Exemplar dieser Art beobachtet
und gefangen.
7) Helle ops carmicauda (Coluber carinicaudus Max
zu Wied).
Findet sich häufig im Guahyba und seinen Zuflüs-
sen. Die braunrothen Längsstreifen des Rückens werden
330 Hensel:
im Spiritus ziemlich undeutlich. Der weisse Bauch ist
entweder mit zwei schwarzen Längsstreifen oder ganz
schwarz gefleckt, die zehn von mir gesammelten Exem-
plare zeigen alle Uebergänge zwischen diesen Extremen.
Diese Schlange ist in Wirklichkeit eine ächte Süsswas-
serschlange. Man findet sie niemals auf dem Lande, son-
dern immer nur in den stillen Buchten der Gewässer,
wo sie sich in der Nähe des Ufers im seichten Wasser
zwischen Wasserpflanzen umhertreibt und Fische fängt.
Wird sie verfolgt, so taucht sie sogleich unter und sucht
sich auf dem Grunde des Wassers zu verbergen, flüchtet
aber nicht auf das Land. Dass diese Schlange lebendige
Junge gebiert, wie ich beobachtet habe, ist schon be-
kannt.
8) Spüotes variabilis M. z. Wied.
Unter allen von mir gesammelten Schlangen ist
diese von den Brasilianern Caninanha genannte Schlange
die grösste, denn sie erreicht eine Länge von 8 bis 9 Fuss.
Doch ist sie selten und findet sich nur im Schatten des
Urwaldes gewöhnlich in hohlen Bäumen oder unter de-
ren Wurzeln. Sie ist muthig und setzt sich dem Men-
schen gegenüber zur Wehr. Ob sie auf Bäume oder
Sträucher steigt und Vögel fängt, v/ie mir einmal erzählt
wurde, konnte ich nicht beobachten.
9) Coryphodon pantheriniis Merr.
Diese Schlange, welche fast die Länge der vorher-
gehenden erreicht, aber dicker wird , hat eine ziemlich
ausgedehnte Verbreitung, denn sie findet sich nicht selten
bei Rio de Janeiro, wo sie von mir an den Sümpfen auf
dem Wege nach der Tejuca gesammelt wurde. Seltner ist
sie in Rio-Grande do Sul, wo sie ihrer fleckigen Zeich-
nung wegen mit der Jararaca verwechselt und also als
sehr giftig gefürchtet wird.
10) Herpetodryas carinatus (Coluber carinatus L.).
Ist vielleicht in Südbrasilien nicht so selten, als es
den Anschein hat, (nur zwei Exemplare wurden gesam-
Beiträge zur Kenntniss der Wirbelthiere Südbrasiliens. 331
melt), da sich das Thier nur unter Hecken in Wäldern auf-
zuhalten scheint und dort durch eine unglaubliche Schnel-
ligkeit allen Nachstellungen entgeht. Mit einer blitzähn-
lichen Geschwindigkeit besteigt es die Hecken und schwingt
sich durch ihre Gipfel fort, so dass die Erzählung, es
nähre sich von Vögeln, nicht unglaubwürdig erscheint.
11) Philodryas taeniatus n. sp.
Herr Prof. Peters hat die Güte gehabt, die neue
Art im Berliner zoologischen Museum zu vergleichen
und mir folgende Beschreibung derselben mitzutheilen.
Schlank, etwas zusammengedrückt, Kopf langgestreckt,
Schnauze convex.
Rostrale convex , mit der abgerundeten Spitze oben
sichtbar, im Allgemeinen dreieckig, mit eingebuchteten
Seitenrändern ; Internasalia trapezoidal, etwa halb so lang
wie die Praefrontalia ; Frontale schmal, fast dreimal so lang
wie breit, vorn stumpf-, hinten spitzwinklig; Parietalia
etwas länger als das Frontale, doppelt so breit wie das
Frontale, an beide Postocularia stossend; zweiNasalia, das
erste etwas höher als das zweite; Frenale rhomboidal,
etwas länger als hoch; ein Anteorbitale , welches kaum
von oben sichtbar ist; Temporalia 1 +2 + 3; sieben Su-
pralabialia, das dritte und vierte unter dem Auge befind-
lich. Mentale spitzwinklig; neun Infralabialia, das erste
Paar zusammenstehend ; zwei Paar lange Submentalia,
jedcrseits mit fünf Infralabialia in Verbindung stehend.
Papille rund ; 6 — 7 glatte , kurze , allmählich etwas
stärker werdende Oberkieferzähne, dahinter ein grosser
Furchen zahn.
Schuppen in 17 Längsreihen, rhomboidal, glatt und
ohne Endgrübchen; 170 Bauchschilder, Anale getheilt und
74 Paar Subcaudalschilder.
Längs der Rückenmitte, drei Schuppenreihen breit,
eine olivenbraune Bincle bis zum Schwanzende, jederseits
von einer fast drei Schuppen breiten grünlichgelben Binde
von den olivenbraunen Seiten getrennt und durch die
schwarzen Seitenecken der Schuppen schärfer abgesetzt,
332 Hensel:
die unterste Schuppenreihe mit einer mittleren feinen
hellen Längslinie : Bauchseite grünlichgelb oder gelb,
jederseits mit einer bläulichen Längslinie. Kopf oliven-
farbig, die einzelnen Schilder mit dunkleren und helleren
Zeichnungen; eine weisse Linie von dem Rostrale unter dem
Nasale über die Mitte der vier vorderen Supralabialia ver-
laufend, welche sich vor dem oberen Ende des vierten
Supralabiale bis zum Mundwinkel fortsetzt.
Totallänge 0,615, Kopflänge 0,020, Kopfbreite 0,0075,
Schwanz 0,150 M.
Fundort : Porto Alegre.
12) Philodryas Olfersii Licht.
Zwei in der Nähe von Porto Alegre gefangene Ex-
emplare, deren eins auf einem Strauche ergrifi^'en wurde,
als es beschäftigt war, einen kleinen so eben gefangenen
Laubfrosch zu verschlingen, boten keine Gelegenheit, die
Lebensweise dieser ziemlich seltnen Schlange genauer zu
erforschen.
13) Philodryas Schottii Fitz.
Diese Schlange hat einige Aehnlichkeit mit den
alten Exemplaren der Liophis Merremii und scheint auch
eine gleiche Lebensweise zu führen. Unter sieben von
mir gesammelten Exemplaren (vier ganze Individuen und
drei Köpfe) wurde kein einziges auf Hecken oder Sträu-
chern bemerkt, sondern alle waren am Boden im Grase
kriechend gefangen worden.
14) Philodryas carinatus.
Verhält sich ähnlich wie die vorige Art. Die vier
von mir gefangenen und in Spiritus conservirten Lidivi-
duen boten keine Gelegenheit zu besonderen Beobach-
tungen.
15) Thamnodynastes Nattereri Mik. und
16) Thamnodynastes punctatissimus Wagl.
gehören zu den häufigem Schlangen in Südbrasilien.
Die vier ^Exemplare der ersten Art und die fünf der
Beiträge zur Kenntniss der Wirbelthiere Südbrasiliens. 333
zweiten, welche ich gesammelt habe, wurden in den Plan-
tagen und Potreiros der Colonisten im Rio - Grandenser
Urwalde gefangen.
17) Oxyrhopus petolarius (Coluber petolarius L.)
Diese im Leben prachtvoll gefärbte Schlange wird
ihrer Farben wegen von den Brasilianern mit Elaps lem-
niscatus verwechselt und gilt als sehr giftig. Sie ist
ziemlich selten, und nur vier Exemplare wurden von mir
beobachtet und gesammelt. Das einzige ausgewachsene
Individuum unter diesen, ein grosses Exemplar, wurde
in einer Farinha-Mühle gefangen, während die übrigen auf
dem Camp in der Nähe der Costa da Serra gefunden
wurden.
18) Oxyrhopus immaculatus Dum. Bib.
Gehört zu den seltensten Schlangen der Provinz, da
nur ein einziges Exemplar dieser Art gesehen und ge-
sammelt wurde.
19) Elaps corallinus (Coluber corallinus L.)
Gehört ebenfalls zu den seltnen Schlangen Südbra-
siliens, da er auch nur in einem einzigen Exemplare von
mir gesammelt wurde. Dagegen gehört der
20) Elaps lemmscatus (Coluber lemniscatus L.)
zu den gewöhnlichsten Schlangen von Rio-Grande do Sul
und wird in der Häufigkeit des Vorkommens kaum von
Liophis Merremii übertroffen. Er ist überall unter dem
Namen „Coralschlange" bekannt und als ein höchst gif-
tiges Thier gefürchtet. Doch schreibt ihm der Brasilia-
ner statt der Giftzähne einen eisernen Stachel an der
Schwanzspitze zu, mit dem er tödtlich verwunden soll.
Ich habe trotz aller Nachfragen niemals Jemanden ge-
funden, der Augenzeuge bei einer Vergiftung durch den
Biss dieser Schlange gewesen wäre. Immer nur wurden
die Erfahrungen und Erzählungen Anderer reproducirt.
Auch zeigten alle von mir getödteten Coralschlangen keine
Spur einer Widersetzlichkeit, sondern suchten sich bloss
334 Hensel:
durch die Flucht zu retten, so dass die Erzählungen,
welche über die Gefährlichkeit dieses Thieres im Gange,
ohne Zweifel erfunden oder wenigstens übertrieben sind.
21) Bothrops atrox Wagl. (Coluber atrox L.)
Zu den hervorragendsten Arten der Gattung Bothrops
gehören der ß. alternatus D. B., B. Jararaca D. B., (Co-
phias Jararaca M. zu Wied, Craspedocephalus brasiliensis
Gray), und der oben genannte B. atrox. Letztere Art
hat Herr Dr. Wucherer i) in Bahia einer genaueren
Vergleichung unterworfen , wonach ihr wesentlichster
Charakter in dem Vorkommen von nur sieben oberen Lip-
penschildern bestehen soll. Drei Exemplare, die sich von
den übrigen unterschieden, hatten acht obere Lippenschil-
der, und Hr. Wucherer war geneigt, sie für Craspedo-
cephalus brasiliensis zu halten. Bothrops alternatus fand
sich bei Bahia nicht vor. Das mir vorliegende ziemlich
reiche Material besteht in 31 ganzen Exemplaren und 4
einzelnen Köpfen, welche letztere nebst 16 ganzen Thie-
ren von mir in der Provinz Rio-Grande do Sul gesammelt
wurden, während die übrigen 15 Exemplare im hiesigen
anatomischen Museum aufbewahrt werden. Als deren Fund-
ort ist im Allgemeinen Brasilien angegeben, gewiss sind
sie aber nicht südlich von Rio de Janeiro gesammelt wor-
den. Aus einer Vergleichung aller dieser Exemplare er-
giebt sich nun ein so vollständiger üebergang zwischen
ihnen , dass eine bestimmte Grenze zwischen den drei
oben genannten Arten zu fehlen scheint. Das eine Extrem
der ganzen Reihe bildet ein Bothrops alternatus, der von
mir in der Vaccaria 2) auf dem Hochlande von Rio-Grande
gefunden wurde, N. 1 der Tabelle. Derselbe zeigt die
dunkelbraunen Hufeisen'flecke der Oberseite in schönster
Ausbildung, genau so, wie sie in der Erpet. gener. Atlas
1) On the species of Craspedocephalus which occur in the
Province of Bahia. (Proc, Zool. Soc. 1863 und Ann. and Mag. Nat-
Hist. 1863. p. 242. 246.)
2) Vgl. Zeitschr. f. Erdkunde u. s. w. Berlin Bd. II. 1867. p. 350.
Beiträge zus Kenntniss der Wirbelthiere Südbrasiliens. 335
PL 82. fig 1 dargestellt sind. Der Bauch hat schmale
schwarze Querflecke. Hieran schliessen sich zwei Exem-
plare in der Sammlung des anatomischen Museums, Ca-
tal. N. 21684, an deren grösserem, N. 2, die hufeisenför-
migen Flecke zum Theil noch deutlich erkennbar, aber
unregelmässiger sind. Der Bauch hat an den Seiten
grössere, schwarze Flecke, und ist in der Mittellinie gros-
sentheils schwarz. An dem dritten Exemplare, N. 3, sind
die Hufeisenflecke schon in hohem Grade undeutlich.
Zuweilen trennen sich an ihnen die beiden Enden von
dem Mittelstücke, welches mit dem der anderen Seite zu
einem queren in der Mittellinie eingeschnürten Fleck
verschmilzt. Auch am Kopf tritt die helle Zeichnung
mehr hervor als an den beiden vorhergenannten Exem-
plaren. Folgende Tabelle macht einige Verhältnisse an
ihnen anschaulicher.
Der wesentlichste Charakter des Bothrops alterna-
tus liegt in der Kleinheit der oberen Labialschilder, die
im Allgemeinen viel länger als hoch sind, ausgenommen
das kleinere zweite Labiale, dessen Höhendurchmesser
der grössere ist. Die zw^ei oder drei letzten Labialien
sind ungefähr so hoch wie lang. Durch die Kleinheit
der Labialien wird die Zahl der Schuppen vermehrt,
welche sich zwischen diesen und dem Auge befinden. Die
drei Exemplare sind in obiger Tabelle nach dem Grade der
Ausbildung ihrer Hufeisenflecke geordnet, so zwar, dass
336 Hensel:
sie bei N. 1 am deutlichsten ausgeprägt sind. Vergleicht
man damit die übrigen Verhältnisse, so findet man, dass
bei N. 1 die oberen Labialia am zahlreichsten sind. Sie
sind aber auch hier am niedrigsten, während man eher
das Gegentheil erwarten sollte. Ferner nimmt in dersel-
ben Reihenfolge zum Theil auch die Zahl der Längs-
reihen der Schuppen, also auch die Breite des Thieres
ab, während die Zahl der Subcaudalschilder, die absolute
und relative Länge des Schwanzes^ zunimmt. Nur bei den
Ventralschildern findet eine Unregelmässigkeit statt. Bei
N. 4, dem grössten der von mir gesammelten Bothrops,
sind links neun, rechts acht obere Labialia. Das vierte
derselben ist länger als hoch, das fünfte und sechste sind
höher als lang. Die Hufeisenflecke sind mehr oder we-
niger spitz nach dem Rücken zu , immer aber noch
deutlich zu unterscheiden. Man würde das Exemplar als
B. Jararaca bezeichnen müssen. Dasselbe gilt von N. 5
(Anat. Mus. Catal. N. 21683), an dem die Hufeisenflecke
gestreckter sind und mehr als Kreisbogen erscheinen.
N. 6 dagegen (Anat. Mus. Catal. N. 17836) mit nur sieben
oberen Lippenschildern ist schon ein normaler B. atrox,
bei dem aber auch noch, obschon undeutlich, die Form
der Hufeisenflecke zu erkennen ist. Die oberen Labialia
sind gross, das fünfte derselben ist so hoch wie lang,
das sechste länger als hoch. Bei anderen, sonst vollkom-
men übereinstimmenden Exemplaren sind von den Hufei-
senflecken, die sich von beiden Seiten her in der Mittel-
linie des Rückens vereinigt haben, nur noch die breiten
Querbänder übrig geblieben, während die Grundfarbe
der Thiere hell gelbgrau wird. Vergleicht man die An-
gaben in der oben stehenden Tabelle, so findet man, dass
von B. alternatus bis B. atrox die Längsreihen der Schup-
pen an Zahl abnehmen, und die Thiere schlanker wer-
den, während die Zahl der Ventral- und Subcaudal-
Schilder zunimmt und die Länge des Schwanzes bedeu-
tender wird. Obgleich man die Extreme der Reihe sehr gut
charakterisiren kann, und B. alternatus und B. atrox als
zwei ganz verschiedene Species auftreten, so sind doch die
Beiträge zur Kenntniss der Wirbelthiere Südbrasiliens. 337
Uebergänge so vollständig, dass es nnmöglicli wird, eine
bestimmte Grenze zwischen beiden anzugeben.
Eine andere Frage ist die, ob man deswegen meh-
rere Arten zusammenziehen soll, weil man die Ueber-
gänge zwischen ihnen in den Händen hat, oder ob man
die Extreme immer als gesonderte Species gelten lassen
kann. Offenbar bestehen im System sehr viele Arten,
deren Uebergänge entweder noch nicht oder nicht mehr
uns vorliegen. Die Trennung der Species würde somit
nur vom Zufall, nicht aber von einem bestimmten Prin-
zip abhängen.
In Bezug auf die Verbreitung der in Rede stehen-
den Bothrops-Arten wäre zu berücksichtigen, dass Herr
Dr. Wucherer 1. c. bei Bahia fast ausschliesslich nur
ß. atrox mit sieben oberen Labialien gefunden, während
unter den von mir gesammelten Exemplaren fast alle
deren acht besitzen, nur ein einziger Kopf besitzt beider-
seits sieben, ein einziges Thier links acht, rechts sieben
Schilder der Oberlippe, ohne sich jedoch dabei von an-
deren Thieren irgendwie zu unterscheiden. Bothrops
alternatus ist vielleicht nur eine vorzugsweise südliche
Form. Unter den von mir gesammelten Individuen be-
finden sich sechs Junge, welche angeblich aus der Mut-
ter herausgeschnitten wurden, und deren Nabel in der
That noch nicht vollständig geschlossen ist. Sie haben
sämmtlich acht obere Labialia, nur eins besitzt auf einer
Seite sieben derselben. Ihre Zeichnung lässt die Huf-
eisenflecke erkennen , welche jedoch nach dem Rücken
zu nicht abgerundet, sondern spitz sind. Man würde
daher wohl die Species als den B. Jararaca bezeichnen
müssen. Alle haben weisse Schwanzspitzen, deren
Länge an dem grössten Exemplare, 330 Mm. lang, 17 Mm.
beträgt.
Die Bothrops-Arten verbergen sich wie alle Schlan-
gen in Rio-Grande do Sul während des Winters, ohne
jedoch einen festen Winterschlaf zu halten, denn an w^ar-
men Wintertagen kommen sie am Mittage nicht selten
an offene Stellen, um sich zu sonnen. Der Bothrops
Archiv für Naturg. XXXIV. Jahrg. 1. Bd. j^^
338 fiensel:
nährt sich vielleicht ausschliesslich von Nagethleren, na-
mentlich von den im hohen Grase zahlreichen Cavien.
Deswegen findet er sich vorzüglich an Waldrändern oder
auf dem offenen Camp; seltner im Walde, und hier fast
nur an den Rändern der Plantagen, wo er auch zuweilen
die Sträucher und dichten Hecken von Rohrgras ersteigt,
um sich auf deren Blättern zusammengerollt der Sonne
auszusetzen.
Sein Biss ist nicht immer tödtlich, besonders bei
schnell angewendeter Hülfe, doch bleiben oft für das
ganze Leben sehr störende Folgen. Alle Falle, in denen
der Biss durch Sympathie oder andere Mittel vollständig
wirkungslos geblieben sein sollte, lassen sich durch die
ausnahmslose Verwechselung des gebissigen Xenodon
rhabdocephalus mit dem Bothrops erklären.
22) Crotalus horridus L.
Diese Schlange ist bei weitem seltner als die Bo-
throps-Arten, so dass es mir nur gelang, zwei Exemplare
derselben zu erhalten und zwar auf der Colonie Santa
Cruz, woselbst sie häufiger zu sein schien, als in anderen
Gegenden der Provinz. Während meiner Anwesenheit
auf der genannten Colonie wurde in der Nähe der Stadt
Rio-Pardo eine ausserordentlich grosse Klapperschlange
getödtet, deren Klapper angeblich aus 14 Gliedern be-
stand, die grösste Zahl dieser Theile, welche hier bisher
beobachtet worden war. Die Brasilianer beurtheilen das
Alter dieser Schlange nach der Zahl der Ringe an der
Klapper, indem sie der Ansicht sind, dass jährlich ein
neuer Ring hinzukomme. Diese Ansicht ist wahrschein-
lich ganz richtig, beruht aber gewiss nicht auf Erfahrung,
wie schon die Erzählung von dem eisernen Stachel der
Coralschlange vermuthen lässt. Die Klapperschlange,
casca velha der Brasilianer, hält sich am liebsten an off-
nen, grasreichen , mit Felsen und Hecken eingefassten
Stellen auf, wo die Cavien ihre ausschliessliche Nahrung
zu bilden scheinen.
üeberblickt man das Verzeichniss der von mir auf
Beiträge zur Kenntniss der Wirbelthiere Südbrasiliens. 339
einem ziemlich beschränkten Gebiete gesammelten Schlan-
gen, so sieht man sogleich, dass die Zahl der eigentli-
chen Giftschlangen gegenüber der der giftlosen zurück-
tritt, da unter jenen nur die Gattungen Bothrops und
Crotalus vielleicht mit nur je einer Art vertreten sind.
Wenn auch die Bothrops- Arten der Zahl der Individuen
nach zu den häufigsten gehören, so wird doch dadurch
das Verhältniss der giftigen Schlangen zu den giftlosen
bei der grossen Anzahl dieser nicht w^esentlich verändert,
und man kann annehmen, dass unter 20 gefangenen
Schlangen sich immer nur eine Giftschlange (mit Aus-
schluss der Elaps- Arten) befinden wird.
Cidechjseii.
1) Ämphisbaena vermiGularis D. B.
«
Auf das dreieckige Rostralschild folgt jederseits ein
trapezoidförmiges Nasale, unter dessen vier Seiten die ge-
gen das Frontale hin die längste ist ; fast ebenso lang ist
die gegen das erste Labiale, nur wenig kürzer die etwas
bogenförmige gegen das Rostrale gerichtete, die kürzeste ist
die Trennungslinie gegen das Nasale der anderen Seite, sie
ist etwa halb so lang als die längste Seite. Das Nasenloch
liegt nahe der unteren Vorderecke. Darauf folgen zwei
Nasofrontalia, deren jedes mit der ganzen Vorderseite
das entsprechende Nasale berührt. Die Innenseite eines
jeden Nasofrontale, d. h. die Furche, welche beide von
einander trennt, ist länger als der Vorderrand und zu-
gleich ihre längste Seite. Der Aussenrand besteht aus
zwei Theilen, die in einem sehr stumpfen Winkel an-
einanderstossen. Der vordere derselben berührt das zweite
Labiale, der hintere das einfache Augenschild. Beide
zusammen sind etwas länger als der Innenrand, der Hin-
terrand eines jeden Nasofrontale bildet mit dem des an-
deren einen Ausschnitt, der meist etwas tiefer ist als der
bogenförmige Vorderrand vorsteht. Jeder Hinterrand
340 Hensel:
ist ebenso lang wie der Theil des Aussenrandes, welcher
mit dem Augenschild zusammenstösst. In jenen Aus-
schnitt der Nasofrontalia passt die Vorderseite der beiden
Frontalia. Diese bilden zusammen ein symmetrisches,
mehr oder weniger deutliches Sechsseit, dessen Median-
linie, die längste unter den Seiten jedes PVontale, so lang
ist wie die Naht, welche die beiden Nasofrontalia mit
einander verbindet. Unter den drei anderen Seiten jedes
Frontale ist die äussere die längste, die hintere die kür-
zeste. Zuweilen sind die Ecken des Sechsseits so wenig
entwickelt, dass dasselb e mehr einem Dreiseit mit nach
vorn convexer Basis gleicht. Dann bilden auch die Fron-
talia mit den Nasofrontalia ein grosses Dreiseit, dessen
Basis vorn etwas gekrümmt ist. Auf die Frontalia folgen
zwei nicht ganz regelmässig fünfseitige Parietalia. Diese
gehören schon dem ersten vollständigen Ringe des Kör-
pers an und bilden dessen obersten Theil, daran schliessen
sich jederseits nach unten drei mehr oder weniger un-
regelmässig vierseitige Schilder, so dass die ganze obere
Hälfte des ersten Ringes von einem Mundwinkel bis zum
anderen über den Scheitel hinweg aus acht Schildern
oder Feldern besteht, die nach den Mundwinkeln zu
immer kleiner werden und hier in die aus zwölf Feldern
bestehende Unterseite des ersten Ringes übergehen. Vor
der oberen Hälfte dieses Parietal-Ringes liegen zwei Tem-
poral-Schilder, deren oberes (oder inneres) fünfseitig ist,
in der vorderen Seite mit dem Augenschilde, in der in-
neren mit der vorderen Hälfte der Aussen sei^ des Fron-
tale, in der Aussenseite mit dem unteren Temporale und
in den beiden hinteren Seiten mit dem Parietale und dem
zunächst darunter liegenden Schilde des Parietal-Ringes
zusammenstösst. Das untere oder äussere Temporale ist
dreiseitig und berührt mit der Vorderseite das letzte La-
bial-Schild, mit der Innenseite das obere Temporale und
mit der mehr oder weniger deutlich zweitheiligen Hinter-
seite die beiden unteren Schilder (das dritte und vierte
Schild von der Mittellinie des Rückens aus gezählt) der
Oberseite des Parietal-Ringes. Der zweite vollständige
Beiträge zur Kenntniss der Wirbelthiere Südbresiliens. 341
Körpergürtel, den man den Occipital-Ring nennen könnte,
gleicht schon ganz den übrigen Gürteln, nur sind vier
oder sechs innerste Schilder, d. h. je zwei oder drei zu
beiden Seiten der Rückenmedianlinie, ein wenig grösser
als die anderen desselben Ringes. Die Erpet. gen. sagt
Bd. V. p.489: „Region occipitale couverte par huit petits
compartiments carres; un egal nombre de ces comparti-
ments sur chaque tempe.*' Es ist hieraus nicht ersicht-
lich, welcher Umfang für die einzelnen Regionen ange-
nommen wird. Der oberen Labialschilder giebt es drei ^).
Das erste hat vier Seiten, für das Rostrale, Nasale, zweite
Labiale und den Lippenrand. Das zweite hat fünf Seiten,
für das erste Labiale, das Nasofrontale, das Oculare, das
dritte Labiale (durch eine krummlinige unregelmässige
Naht), und den Lippenrand. Das dritte Labiale hat vier
Seiten, eine vordere für das zweite Labiale, zwei obere,
eine kleinere vordere für das Oculare und eine längere
hintere für das untere Temporale , und eine untere für
den Lippenrand. Seine hintere Ecke, die am Mundwinkel
endet, ist zuweilen so abgestumpft, dass hier noch eine
kleine Seite unterschieden werden kann. Das kleine
Oculare steht mit seinen vier Ecken nach vorn, oben,
hinten und unten, während die Seiten mit dem Nasofron-
tale, oberen Temporale, dem zweiten und dritten Labiale
in Verbindung treten. Bei jüngeren Individuen leuchtet
das dunkle Auge hindurch, bei älteren dagegen, beson-
ders wenn sie im Spiritus gelegen haben, deutet nur
eine helle Stelle seine Gegenwart an.
Der Unterkiefer hat ein unpaares Mentale und jeder-
seits drei Labialia, deren erstes das kleinste, das zweite
das grösste ist. Zwischen ihnen befindet sich ein meist
fünfseitiges unpaares Submaxillar-Schild, auf welches eine
Reihe von vier Schildern, zwei äusseren grösseren und
zwei inneren kleineren, folgt. Die letzteren haben zu-
weilen noch zwei bis vier Schilder zwischen sich, so dass
1) J. E. Gray giebt dafür ^/g an.
Crocodiles and Amphisbaenians etc. London 1844. p. 71.
342 • H e n s e l :
die ganze Reihe aus sechs bis acht Schildern besteht, diese
beiden innersten sind aber zmveilen in ein unpaares rund-
liches Schild zwischen dieser und der nächst folgenden
Reihe verwandelt. Diese, welche bis zum Mundwinkel
reicht, trägt sechs regelmässige Schilder, zwischen denen
in der Medianlinie der Unterseite noch ein bis vier un-
regelmässig kleinere Schildchen zu liegen pflegen.
Die Zahl der Körperringe beträgt bei einem Indivi-
duum, 218 ohne das kappenförmige Ende des Schwanzes.
Davon kommen 193 vollständige Ringe vom Mundwinkel
bis zum After, zwischen den 193sten und unvollständigen
194sten schieben sich die vorderen Analplatten ein, der
letztere tritft an den Winkel des Afters. Zwischen den
194sten und den ebenfalls unvollständigen 195sten schie-
ben sich die hinteren Analplatten ein, der 196ste ist wie-
der vollständig, der 218te ist nur auf der Rückenseite
vollständig entwickelt, auf der Bauchseite sind seine Fel-
der nicht mehr von der Schwanzkappe getrennt. In der
Mitte des Körpers hat jeder Ring oberhalb der Seitenli-
nien zwölf Felder, unterhalb derselben sechszehn. Diese
Verhältnisse variiren ein wenig.
An dem grössten der sieben von mir gesammelten
Individuen beträgt die Zahl der Ringe vom Mundwinkel
bis zum After 190, der Schwanz hat, mit Ausschluss der
drei unvollständigen Anal-Ringe, deren 11, die Schwanz-
kappe ist ausserordentlich gross und deutet vielleicht auf
einen früher stattgehabten Substanzverlust. Oberhalb der
Seitenlinie zählt man 14 Felder, 18 dagegen auf der Un-
terseite. Diese Abweichung von dem Verhalten des
ersten Exemplares rührt davon her, dass die Felder zu-
nächst der Seitenlinie ziemlich rudimentär sind, so dass
leicht ein überzähliges auf jeder Seite der Seitenlinie
auftreten kann. Die Farbe der Oberseite ist bräunlich-
grau, die der Unterseite weisslich, doch erstreckt sich
die dunkle Farbe der Oberseite auch zum Theil mehr
oder weniger weit auf die Bauchfläche.
Vor den vorderen Analplatten befinden sich bei vier
Individuen vier Drüsenöffnungen, die gross, gelblich und
Beiträge zur Kenntniss der Wirbelthiere Südbrasiliens. 343
sehr deutlich zu sehen sind, bei drei Individuen sieht man
an deren Stelle mit einer guten Lupe nur vier feine
Eindrücke, wie mit einer Nadelspitze gemacht. Ob die
Ursache dieser Verschiedenheit, der die Systematik Cha-
raktere der Arten entlehnt hat, im Geschlecht, im Ge-
schleo^itsleben der Individuen oder in Zufälligkeiten be-
gründet ist, bleibt noch zu untersuchen.
Die wurmförmige Blindwühle findet sich sehr zahl-
reich im Urwalde von Rio-Grande do Sul, wo sie nach
Art der Regenwürmer im lockern Acker lebt und bei
Bearbeitung desselben häufig an's Tageslicht gebracht
wird. Bei Porto-Alegre habe ich sie, vielleicht zufälliger-
weise, niemals gefunden.
2) Amphisbaena Kingii (Anops Kingii Bell, Zool.
Journ. V. 1832—1834. p. 391. Tab. XVI. fig. 1).
Bei dieser abweichenden Art erreicht das Rostrale
eine im Verhältniss zu den übrigen Kopfschildern so
grosse Entwickelung, indem es zugleich die Gestalt eines
helmartigen Kammes annimmt, dass diese theils in hohem
Grade rudimentär werden, theils ihre Lage sehr verän-
dern. Wegen fehlender Zwischenstufen lässt sich ihre
Homologie nicht mit Sicherheit begründen. Durch Herrn
Gray ^) ist eine neue Gattung Baikia mit der Species
B. africana l. c. p. 450 — 451. fig. 3 u. 4 beschrieben wor-
den, welche in der Kopfbildung einige Verwandtschaft
mit A. Kingii zeigt, namentlich in der grossen Entwicke-
lung des Rostrale, doch geht der Verf. in der Beschrei-
bung der Gattung nicht speciell auf die Homologie der
Kopfschilder ein, sondern sagt von ihnen bloss „crown with
two pairs of band-like shields behind the upper edge of
the rostral, the front pair narrow; . . . temples with two
1) A revision of the genera and species of Amphisbaenians,
with the descriptions of some new species now in the Collection of
the British Museum. Proc. Zool. Soc. 1865. p. 442—455 mit Holz-
schnitten.
344 H e n s e 1 :
small shields;*' die beigefügten Zeichnungen machen die
Verhältnisse auch nicht deutlicher. Berücksichtigt man
die Beschreibung und Abbildung des Kopfes* der Gattung
Bronia, 1. c. p. 448— 449. fig. 1 u. 2, so könnte man bei A.
Kingii die Schilder zunächst hinter dem Rostrale als Na-
sofrontalia und Frontalia (bei A. vermicularis) deuten,
allein dann fehlen die Homologa für die seitlichen
Schilder.
Bei A. Kingii kommen an der Oberlippe ebenfalls
drei Labialia vor. An die Oberseite des ersten dersel-
ben stösst das schmale , vorn abgerundete Nasale, die
oberen Kanten des zweiten und dritten Labiale bilden
einen stumpfen Winkel, in den die Unterseite eines unre-
gelmässig eckigen Schildchen eingefasst ist, durch wel-
ches das dunkle Auge deutlich hindurchschimmert, so dass
seine Deutung als Oculare nicht zweifelhaft ist. Zwischen
Nasale und Oculare, also auf der Oberkante des zweiten
Labiale, befindet sich ein längliches Schild, das wohl als
Nasofrontale angesehen werden muss. Bis hierher bietet
die Deutung der Schilder keine Schwierigkeit. Allein
zwischen diesen und dem hinteren Ende des Rostrale
befinden sich mehrere Schildchen, von denen es zweifel-
haft bleibt, ob sie den Schildchen der übrigen Amphis-
baenen entsprechen oder vielleicht durch Theilung ein-
zelner derselben entstanden sind. Oberhalb des Oculare
mit seinem unteren Rande zwischen diesem und dem
Nasofrontale befindet sich ein unregelmässig gestaltetes
Schildchen, welches vielleicht als das obere Temporale
zu deuten wäre. Darüber und zunächst dem hinteren
Theile des Rostrale liegen zwei schmale Schildchen, deren
vorderes oberhalb des Nasofrontale zu liegen kommt,
während sich das hintere auf dem Scheitel mit dem der
anderen Seite berührt. In die dadurch nach vorn zu ge-
bildete Bucht wird das hintere lang ausgezogene Ende
des Rostrale aufgenommen. Eine Deutung dieser Schild-
chen lässt sich nicht gut ausführen. Wollte man das
vordere als das Frontale (d. h. nach der Bezeichnung, die
oben bei A. vermicularis gebraucht wurde), das hintere
Beiträge zur Kenntniss der Wirbelthiere Südbrasiliens. 345
als das Parietale ansehen, so würde sich dieses sehr weit
von dem ersten vollständigen Ringe hinter dem Mundwin-
kel entfernen , dem es bei T. vermicnlaris angehört.
Vielleicht muss man beide zusammen als das quergetheilte
Frontale betrachten, da bei der Schmalheit des Schädels
eine Quertheilung nicht sehr unwahrscheinlich erscheint,
auch finde ich bei einem der fünf von mir gesammelten
Exemplare auf der rechten Seite nur ein einfaches Schild,
während die linke Seite das normale Verhalten zeigt. Nach
hinten folgt jederseits ein grösseres Schild, welches auf
dem Scheitel in einer kurzen Linie mit dem der anderen
Seite in Verbindung steht. Diese beiden Schilder müssten
dann als Parictalia gedeutet werden, allein sie liegen noch
vor dem ersten vollständigen Körperringe und gehören
demjenigen an, welcher von seiner unteren Hälfte durch
den Mundwinkel getrennt wird. Zuweilen liegen sie auch
vor diesem Ringe, der hinter ihnen von einigen kleinen
Platten, vier bis fünf, geschlossen wird, dann tritt einige
Aehnlichkeit mit den Frontalia bei A. vermicularis ein,
namentlich wenn sich noch am unteren Ende ein kleines
Schildchen vorfindet, welches einem Temporale entspre-
chen würde. Die Modificationen, welche hier eintreten
können, sind folgende: entweder liegen die beiden frag-
lichen Schilder in dem unvollständigen Ringe, oder zum
Theil vor ihm , während die kleinen Schildchen hinter
ihnen liegen, oder sie liegen vollständig vor dem Ringe,
während sich noch ein kleines Schildchen jederseits von
Aussen anlehnt. In dem ersten Falle zählt dieser Ring
in seiner oberen Hälfte jederseits noch fünf Schilder,
also deren zwölf im Ganzen, die nach dem Mundwinkel
zu immer kleiner werden, und deren viertes von unten oder
drittes vom Scheitel her an das Oculare stösst Nimmt
man für die Homologie den ersten Körperring als die
Basis, so müsste man die beiden genannten grösseren
Schilder als Parictalia bezeichnen und annehmen, dass das
Nasofrontale jederseits wenigstens in drei bis vier Stücke
getheilt sei. Die obersten Schilder des ersten Körper-
ringes sind nur unbedeutend grösser als die übrigen des-
346 Hensel:
selben. Die Schilder des Unterkiefers sind nur wenig
verschieden von denen der vorhergehenden Art.
230 Ringe zählt man vom Mundwinkel bis zu den
vorderen Analplatten, 4 — 5 unvollständige Ringe liegen
in der Analgegend, 17 — 19 Ringe nebst einer kleinen End-
kappe hat der Schwanz. Sechs vordere und 12 hintere
Analplatten. Alle Individuen haben vier undeutliche
Analdrüsen, die zuweilen selbst bei einer Vergrösserung
durch eine Lupe wie feine Nadelstiche aussehen. Vier-
zehn Felder hat die Oberseite der Körperringe, 16 — 18 ihre
Unterseite. Die Farbe der Oberseite ist röthlichgrau,
die der Unterseite reiner weiss und gegen die Oberseite
schärfer abgesetzt als bei A. vermicularis.
Das Thier findet sich häufig bei Porto-Alegre unter
Steinen, Brettern u. s. w. nach der Art der Regenwürmer,
dagegen habe ich es niemals im Urwalde erhalten.
Lepidosternon sp. ?
Bei Rio de Janeiro fand ich ein todtes, sehr schlecht
erhaltenes Exemplar, welches eine genaue Bestimmung
der Art nicht mehr zuliess.
In Südbrasilien erzählt man häufig von den „Schlan-
gen mit zwei Köpfen'^ (d. h. vorn und hinten), welche
in Ameisenhaufen leben sollen. Es gelang mir nicht,
dieselben aufzufinden, doch lässt sich vermuthen, dass sie
auf Amphisbaena- oder Lepidosternon -Arten zurückzu-
führen sind.
3) Ophiodes striatus Wagl. Bipes striatus Hoev.
Es wurden nur fünf Exemplare und zwar auf den
Campos in der Nähe des Urwaldes von Rio-Grande do
Sul gefunden. Hier Und da hört man auch von einer
sehr seltnen Schlange mit Beinen erzählen, doch scheint
die Beschreibung , welche von diesem Thiere gegeben
wird, nicht auf den Ophiodes zu passen, so dass man
dabei vielleicht an Chalcides oder Heterodactylus zu den-
ken hat.
Beiträge zur Kenntniss der Wirbelthiere Südbrasiliens. 347
4) Fantodactylus Sohreibersii D. B.
Von dieser seltnen Eidechse wurden zwei Exem-
plare an der Costa da Serra in der Nähe des Hambur-
ger Berges gesammelt, als sie im Begriff waren, an dem
Stamme eines Baumes hinaufzulaufen.
5) FocUnema Teguixin (Lacerta Teguixin L.)
Diese grösste unter allen Eidechsen Süd-Brasiliens
ist auch zugleich die häufigste und am leichtesten zu
fangen, entweder durch Schiessen oder durch Hunde,
welche die Thiere in ihre Höhlen treiben, wo sie ausge-
graben werden können. Der Lagarto der Brasilianer
gehört zu den schädlichen Thieren, da er in Folge seiner
grossen Dreistigkeit und Raubsucht sich den menschli-
chen Wohnungen nähert und hier Jagd auf junges Ge-
flügel macht. Mit grossem Muthe vertheidigt er sich ge-
gen Hunde und diese dürfen nicht zu klein sein, wenn
sie einen alten Lagarto überwältigen wollen. Das Fleisch
wird von Brasilianern gern gegessen, es gleicht an Farbe
dem Fischfleische, ist aber härter als dieses. Die Eier
erreichen bei grossen Exemplaren fast die Länge der
Taubeneier , sind aber schmäler und an beiden Enden
stumpf. Ihre Schale ist weiss uud sehr hart. Im Win-
ter ist der Lagarto in Rio-Grande do Sul verborgen und
kommt nur bei andauerndem besonders warmen Wetter
zum Vorschein.
6) Acrantus viridis (Tejus viridis Merrem).
Ist im Allgemeinen in Südbrasilien nicht selten (es
wurden hier acht Stück gesammelt) und hält sich gern
unter einzelnen Sträuchern auf dem Camp in der Nähe
des Urwaldes auf, allein seine Vorsicht und Schnelligkeit
lassen ihn gewöhnlich allen Nachstellungen entgehen.
Wie aus einem einzelnen Schädel meiner Sammlung her-
vorgeht, kommt er auch bei Rio de Janeiro vor.
7) Tropiduras torquatus M. z. Wied.
Wurde nicht in Rio-Grande do Sul beobachtet, fin-
det sich aber sehr häufig in der Nähe von Rio de Ja-
348 H e n s e 1 :
neiro. Hier sieht man ihn in der nächsten Umgebung
der Stadt, namentlich auf dem Wege der nach dem Cor-
covado hinaufführt. Bei der Annäherung eines Menschen
ergreifen die Thiere, welche sich auf dem Wege sonnen,
sogleich die Flucht und eilen mit einer unbegreiflichen
Schnelligkeit die vollkommen senkrechten Felswände zur
Seite der Strasse hinauf doch immer in etwas schräger
Richtung. Ihre Scheue und ihre Geschicklichkeit im
Klettern sind so gross, dass es sehr schwer hält, unbe-
schädigte Exemplare zu sammeln.
8) Urotr opinis Vautieri.
Zwei wohl erhaltene Exemplare dieser Art wurden
bei Porto Alegre gesammelt, wo sie jedoch selten sein
müssen, da andere nicht bemerkt wurden. Die Verwandt-
schaft mitTropidurus lässt auf eine ähnliche Lebensweise
schliessen.
9) Hemidactylus Mabouia Cuv.
Dieser Gecko wurde in Südbrasilien nicht beobach-
tet. Unter den drei von mir heimgebrachten Exempla-
ren wurden zwei bei Rio de Janeiro hinter dem von der
Mauer abstehenden Kalkbewurf alter Häuser gesammelt,
das dritte Exemplar erhielt ich von Herrn Dr. Fritz
Müller in Desterro auf der Insel Sta. Catharina.
Crocodile.
Alligator latirostris (Daudin, Hist. des Reptiles
II. p.417).
Im ganzen Jacuhygebiet habe ich nur diese eine
Species gefunden, die unter dem Namen Jacare allgemein
bekannt ist. Zwar hört man in Porto -Alegre wie im
ganzen Flussthale des Jacuhy noch von einer zweiten
Art sprechen, die als papo amarello (gelbe Kehle) be-
zeichnet wird und grösser und gefährlicher als der Ja-
care sein soll, allein ich habe mich vergebens bemüht, ein
Beiträge zur Kenntniss der Wirbelthiere Südbrasiliens. 349
Exemplar dieser zweiten Art zu erhalten, obgleich ich
speciell solche Orte aufgesucht habe, an denen der papo
amarello vorkommen sollte. Immer habe ich dort nur
den gemeinen Jacare angetroffen. Ich bin daher zu der
Ueberzeugung gelangt, dass der papo amarello nur auf
die alten und grossen Exemplare des Jacare zu beziehen
ist. Bei diesen werden die aus Grüngelb und Schwarz-
braun bestehenden Zeichnungen der ganzen Oberseite
undeutlich und machen einem mehr einfarbigen, grünlich-
grauen Tone Platz, wodurch wohl die Sage von der
Existenz zweier Arten hervorgerufen werden konnte.
Die grössten Exemplare des Allig. latirostris errei-
chen eine Länge von höchstens 12'. Doch ist das Maxi-
mum der Länge nicht so leicht zu ermitteln, da die
grösstea Exemplare, wohl nur die Männchen, fast immer
mehr oder weniger verstümmelte Schwänze haben. Dass
das in Rede stehende Crocodil den Menschen gefährlich
sei, wird zwar hier und da behauptet, allein die angeb-
lichen, dieser Ansicht zu Grunde liegenden Facta sind
sehr unsicher und bedürfen erst noch einer Bestätigung.
Die Hauptnahrung dieses Alligators sind Fische, welche
er trotz seiner Plumpheit in den seichten Buchten der
grösseren Gewässer leicht zu fangen weiss. Allein er
verzehrt auch wirbellose Thiere, wie die zahlreichen Ge-
häuse und Deckel der grossen Ampullarien beweisen,
die man stets in seinem Magen antrifft. Die hartschali-
gen Eier sind sehr lang und schmal und ausserordentlich
rauh. Die jungen Thiere besitzen noch einige Zeit nach
dem Ausschlüpfen auf dem Vorderende der Schnauze eine
hornige Spitze, welche wohl nach Analogie mit den Vö-
geln und eierlegenden Reptilien in Beziehung zu dem
Durchbrechen der Eischale steht.
Der Allig. latirostris wird als das einzige Crocodil
der Banda oriental bezeichnet ^), doch muss ich bemer-
ken, dass alle ausgestopften Crocodile , welche ich in
1) Vergl. A. Strauch, Synopsis der gegenwärtig lebenden
Crocodile, St. Petersburg 1866.
350 Hensel:
Montevideo und Biienos-Ayres zu sehen Gelegenheit hatte,
einer ganz verschiedenen langschnauzigen Art angehörten.
Sie werden gewöhnh'ch von Schiffern den Parana herun-
tergebracht, so dass sich ihre Fundorte nicht immer mit
Sicherheit feststellen lassen. Ein recht grosses Exem-
plar dieser schmalschnauzigen x\rt, dessen Fell ich in
Montevideo sah, sollte angeblich von Rosario gebracht
worden sein. Ich erinnere mich gegenwärtig nicht mehr
mit Bestimmtheit, dass mir in den genannten Orten der
breitschnauzige Alligator von Porto-Alegre vor die Au-
gen gekommen wäre.
I§childkröten.
In der Provinz Rio-Grande do Sul, wenigstens in-
nerhalb des Jacuhygebietes, findet sich nur eine einzige
Schildkröte vor, die
1) Platemys Geoffreya7ia Dum. Bibr. (Erpet. Gen^r.
Tom. IL 1835. p.418).
Ein ziemlich reiches Material zeigt, in welchem Um-
fange diese Art variirt. Das kleinste, in Spiritus wohl-
erhaltene Exemplar hat einen Längsdurchmesser der
Schale von 45 Mm. Die grösste Breite derselben be-
trägt 37 Mm. Die Platten des Riickenschildes sind rauh,
wie gekörnt, da sie mit zahlreichen kleinen Höcker-
chen besetzt sind. Die Vertebralplatten haben einen
stumpfen Kiel, d. h. sie sind auf der Wirbelsäule ein
wenig dachförmig gebogen, die erste derselben fast gar
nicht, nur an ihrem Ilinterrande bemerkt man eine Spur
der Biegung, die zweite ist etwas stärker gebogen, die
vierte am stärksten, die fünfte zeigt nur an ihrem Vor-
derrandc eine Spur der Biegung, dagegen ist auf ihr ein
eigenthümlicher Kiel angedeutet, da sich die Höckerchen
der Oberfläche in der Mittellinie hinter einander geordnet
haben und miteinander verschmolzen sind. Auf der letzten
Costalplatte sieht man ebenfalls eine solche Andeutung eines
Kieles in der Mittellinie und kann sie auch über die an-
Beiträge zur Kenntniss der Wirbelthiere Südbrasiliens. 35 1
deren Costalplatten verfolgen, doch verschwindet sie auf
der ersten derselben fast ganz. Die Randplatten sind
glatt, nur die vorderen derselben sind undeutlich ge-
körnt. Die Form der Rückenplatten ist ganz verschie-
den von der bei den erwachsenen Individuen, da sie viel
breiter als lang sind, so beträgt z. B. an der zweiten
und dritten Platte der Längsdurchmesser (von vorn nach
hinten) genau die Hälfte der Länge des Hinterrandes.
Die erste, besonders die letzte Platte, weichen weniger
von der Form im Alter ab. Ein ähnliches Verhältniss
findet bei den Costalplatten statt, denn unter diesen sind
auch die zweite und dritte fast so lang wie breit, und
zwar ist die zweite genau so lang wie die dritte Verte-
bralplatte und die dritte so lang wie die zweite Yerte-
bralplatte. Ihre grössten Querdurchmesser sind nur we-
nig länger als ihre Längsdurchmesser. Die Felder des
Kopfes sind sehr deutlich. Die Farbe der Oberseite ist
bräunlichgrün. Jede der Rückenplatten hat am Hinter-
rande einen dunklen Fleck, der am deutlichsten auf der
zweiten bis vierten Vertebralplatte ist, auf den letzten Co-
stalplatten ganz fehlt. Die Randplatten besitzen diesen
Fleck gleichfalls nicht, dagegen ist der Aussenrand gelb.
Die Platten des Brustschildes, welche alle ganz glatt und
gelb sind, haben je einen kleinen schwarzen Fleck am
Rande, die grösseren unter ihnen auch einen solchen
nach dem Innenrande zu. Auch die Unterseite der obe-
ren Randplatten ist gelb, an den mittleren mit je einem
schwarzen Fleck am Hinterrande.
An einem grösseren Exemplare, ebenfalls in Spiritus,
dessen Schale 70 Mm. lang und 59 Mm. breit ist, haben
die Platten des Rückenschildes schon wesentliche andere
Dimensionen angenommen, denn , wie man dies ja bei
Emys europaea und anderen Schildkröten sehen kann,
wachsen die Platten nicht gleichmässig nach allen Seiten,
sondern vorzugsweise in gewissen Richtungen. Die Me-
dian-Platten wachsen am stärksten an ihrer Vorderseite
und in der Vorderhälfte der Aussenseite, fast gar nicht
an der Hinterseite. Die Anwachsstreifen laufen den Rän-
352 H#nsel:
dern der Platte parallel und umgeben "so die ursprüngli-
che jugendliche Platte, die unverändert ihre Rauhigkeit
behalten hat und dadurch leicht wieder zu erkennen ist.
Diese rauhen Stellen haben an dem vorliegenden Exem-
plare genau das Ansehen und die Grösse wie an dem
vorhin beschriebenen kleinen Exemplare. An ihrer Hin-
terseite ist aber die Breite des Neugewachsenen fast gleich
Null, an der Vorderseite beträgt sie ungefähr die Hälfte
des Längsdurchmessers (von vorn nach hinten) der rau-
hen Fläche. Ausserdem ist jede der Medianplatten un-
deutlich radiär gestreift, oder genauer, mit undeutlichen
Kielen versehen, welche, wie Radien von dem schwarzen
Fleck in der Nähe der Hinterseite auszugehen scheinen,
eigentlich aber nur auf dem anwachsenden Theile deut-
lich zu sehen sind. Am stärksten sind unter diesen ra-
diären Kielen die nach den Ecken der Platten gerich-
teten. Ganz dieselben Verhältnisse zeigen sich an den
Costalplatten. Diese haben ebenfalls die rauhe Fläche aus
dem früheren Jugendalter, wachsen aber am stärksten an
der Aussenseite, am wenigsten an der Hinterseite, wobei
aber die erste Platte den breitesten, die vierte den schmälsten
Hinterrand besitzt, da hier die rauhe Fläche fast dicht
an der Hinterseite (die hier zur Hinterinnenseite wird)
liegt. An den Randplatten liegt die (hier glatte) ur-
sprüngliche Jugendplatte am Aussen- und am Hinter-
rande natürlich mit Modification der Lage nach der Stel-
lung zum Thiere, da z. B. die Innenseite der seitlichen
Randplatte zur Vorderseite der hinteren Randplatte wird.
Die Randplatten sind bis hierher nur an zwei Seiten ge-
wachsen, vorn und innen, denn die an der dritten Seite,
der Hinterseite (diese Ausdrücke sind bloss auf die seit-
lichen Randplatten bezogen), befindlichen Anwachsstreifen
sind so unbedeutend, dass sie kaum in die Augen fallen.
Am Bauchschilde sind die Jugendreste der Platten nicht
so deutlich, da sie glatt sind, doch kann man sie ohne
Mühe herausfinden. Es würde von Interesse sein, das
Wachsthum der Hautplatten mit dem der darunter liegen-
den Skelettheile in Verbindung zu bringen. Die Jugendplat-
Beiträge zur Kenntniss der Wirbelthiere Südbrasiliens. 35S
ten schwinden nicht dnrch Resorption oder Verdrängung,
sondern werden in einem gewissen Alter abgestossen,
denn an dem eben beschriebenen Exemplare lassen sie
sich schon theilweise abheben.
Ein drittes Exemplar in Spiritus , dessen Panzer
121 Mm. lang und 99 Mm. breit ist, welches aber (angeb-
lich mehrere Jahre) in einem kleinen Brunnen unter un-
günstigen Verhältnissen gelebt hat, und dadurch wahr-
scheinlich im Wachsthum zurückgeblieben ist, zeigt nichts
mehr von den Jugendplatten, sondern die ganze Schale
ist verhältnissmässig glatt zu nennen. Nur auf den Me-
dianplatten sieht man noch eine Spur des dachförmigen
Kieles mit etwas radialer Streifung. Die Platten des
Ilückenschildes stehen in Bezug auf ihre Gestalt im All-
gemeinen in der Mitte zwischen der Form bei den Jun-
gen und der bei den Alten. Die Medianplatten sind im-
mer noch entschieden breiter als lang und schieben sich
mit einem Winkel zwischen je zwei Costalplatten ein.
Bei diesen Letzteren herrscht bereits die Breitendimen-
sion vor.
Bei einem vierten Exemplare, dessen (trockne)
Schale 230 Mm. lang ist, haben alle Platten schon die
Form, wie sie bei den alten vorkommt, d. h. die Costal-
platten sind viel breiter als lang und unter den Median-
platten sind die zweite und dritte nur wenig kürzer als
breit, die vierte dagegen viel länger als breit. Ihre Sei-
tenränder sind einander fast parallel, da sie sich nicht
mit einem Winkel zwischen die Costalplatten einschie-
ben, sondern an der Stelle desselben nur eine kleine
Spitze nach Aussen zu hervorsteht. Das grösste der von
mir gesammelten Exemplare ist weiblich und hat eine
Länge der (trocknen) Schale von 373 Mm., während die
Breite hinter der zweiten Costalplatte 260 Mm. beträgt.
Die Männchen unterscheiden sich sehr deutlich von den
Weibchen durch das concave Bauchschild und durch die
grössere Breite der hinteren Fortsätze an den letzten
Platten des Bauchschildes. Die Farbe des Rückenschil-
des ist im Alter bräunlichgrün. Diese Schildkröte, wel-
Archiv für Naturg. XXXIV. Jahrg. l.Bd. 23
354 Hensel:
che sicli von Fischen nährt und durch grosse Bis-
sigkeit auszeichnet, ist die einzige im ganzen Jacuhyge-
biete, ja vielleicht in der Provinz selbst, wenigstens habe
ich niemals Nachricht von einer anderen erhalten. Sie
findet sich stets nur einzeln und erreicht die bedeutendste
Grösse in dem Wasserbecken des Guahyba und in dem
unteren Laufe seiner Zuflüsse, so wurde das oben gemes-
sene grösste Exemplar bei S. Leopoldo gefunden. Auf
der sogenannten Stanz (Estancia velha) an der Costa da
Serra in der Nähe des Hamburger Berges befindet sich
ein Weiher oder kleiner Teich, der ohne Verbindung mit
grösseren Gewässern ist. In ihm lebt unsere Schildkröte
gleichfalls, erreicht aber keine bedeutende Grösse, wo
das grösste der beobachteten Exemplare gefangen wurde.
Seine Schale hat nur eine Länge von 226 Mm., sonst aber
die gewöhnliche Form und Farbe. Das Bauchschild da-
gegen ist ungefleckt und einfarbig, aber mit einem rost-
braunen Anfluge, als wenn das Thier im eisenhaltigen
Wasser gelebt hätte. Eine ähnliche Färbung zeigt die
Bauchschale eines anderen Thieres, welches am 4. Juli,
also in der Mitte des Winters, gefangen wurde und im
Begriff'e ist sich zu häuten. Die alten Epidermisplatten
haben sich zum Theil abgelöst, und die darunter liegen-
den neuen sind schon vollkommen entwickelt und ausge-
färbt. Daher ist es nicht unmöglich, dass bei dem oben
genannten Exemplare aus dem Weiher der Estancia velha,
welches im März also im Spätsommer oder Herbst), ge-
fangen wurde, gleichfalls die Häutung binnen kurzer Zeit
bevorstand. Wenigstens zeigt sich auf dem Rückenschilde
da, wo die Epidermis abgebröckelt ist, bereits eine neue,
noch nicht vollständig entwickelte, an der die alte noch
festhängt. Ob die Häutung stets im Winter stattfindet,
lässt sich nicht mit Sicherheit feststellen.
Ob die Platemys Geofiroyana auch auf dem Hoch-
lande der Serra vorkommt, konnte ich nicht ermitteln,
da ich dasselbe in einem strengen Winter bereiste. In
den Flüssen und Bächen des Urwaldes findet sie sich da-
gegen, w^enn auch wie überall immer nur vereinzelt. Lei-
Beiträge zur Kenntniss der Wirbelthiere SüdbrasilieftS. 3t^5
der gelang es mir nur ein einziges Exemplar der sehr
scheuen Thiere von daher zu erhalten und zwar aus dem
Rio-Cadea, da wo er die Pikada do Cafe durchschneidet.
Dieses Exemplar, dessen trockne Schale 202 Mm. lang
ist, gleicht in der Gestalt und allen Verhältnissen des
Körpers den anderen Exemplaren aus dem Guahyba, ist
aber durchaus verschieden gefärbt. Die Bauch schale und
die untere Seite der Rückenschale sind nämlich ohne alle
Flecken, einfarbig blassgelb , wie bei dem Thiere von
der Estancia velha, die Rückenschale dagegen ist (im
trocknen Zustande) sehr dunkel, fast schwarzbraun mit
gelben Zeichnungen, welche aus unregelmässigen und
zum Theil verwischten Linien besteht, die wellenförmig
und oft unterbrochen verlaufend eine undeutliche radiäre
Streifung der Rückenplatten hervorrufen, wobei sie auf
jeder Platte von derjenigen Stelle auszugehen scheinen,
welche dem verschwundenen Jugendstück entspricht.
Nach den Aussagen einiger Anwohner des oben genann-
ten Flusses sollen sich zuweilen noch grössere Exem-
plare vorfinden, als das oben gemessene. Es rauss un-
entschieden bleiben, ob wir es hier nur mit einer indi-
viduellen Abweichung oder mit einer durch den Stand-
ort bedingten Varietät oder selbst mit einer anderen Art
zu thun haben. Das letztere erscheint nicht wahrschein-
lich, da mir im Tieflande, wohin doch die Gewässer des
Urwaldes sich schliesslich ergiessen, niemals eine ähn-
liche Form aufgestossen ist , während andererseits die
durchaus verschiedene Lebensweise in den steinigen und
rauschenden Bächen des Urwaldes, so wie der beschränkte
Raum in denselben wohl geeignet sein können, einige Mo-
dificationen nicht bloss in der Farbe und Zeichnung her-
vorzurufen.
2) Chelodina Maximiliani (Emys Maximil. Mikan,
Delect. Flor, et Faun, ßraz.)
Ein einziges Exemplar dieser Art, dessen getrock-
nete Schale 102 Mm. lang ist, erhielt ich in Montevideo
durch Herrn v. Gülich. Das Thier soll in der Banda
356 Hensel:
orienta] nicht sciton sein, im Jaciihygeblotc habe ich sie,
Vv^ie schon oben bemerkt wurde, nicht gefunden. Das
vorliegende Exemplar besitzt noch auf allen Platten die
rauhen Stellen, welche die Platten des ganz jungen Thie-
res vorstellen. Die Medianplatten des Rückenschildes
besitzen noch starke Kiele, welche sich in den rauhen
Jugendplatten zu spitzen Höckern erheben, und um so
höher und schärfer ausgebildet sind, je weiter die Plat-
ten nach hinten zu liegen. Auf den Costalplatten findet
sich wohl der Höcker, aber der Längskiel fehlt. Aus-
serdem haben alle Platten deutlich radiäre Leisten, von
denen wieder die nach den Ecken der Platte zugehen-
den die deutlichsten sind. Auch auf den Randplatten
bemerkt man die Höcker und radiären Leisten.
Fii§iclie.
1) Salminus Orhignyanus Val. (Hist. nat. des Pois-
sons. Tom.22. Paris 1849. p. 64. d'Orb. Voy. Amer.
Sud, Poiss. pl. 9. fig. 3.)
Von diesem Fische, dem grössten des Jacuhygebie-
tes, habe ich nur einen Schädel zurückgebracht, welcher
in allen Theilen der von Yalenciennes 1. c. gegebe-
nen Beschreibung entspricht. Alle grösseren Zähne ha-
ben die Eigenthümlichkeit, dass ihr Basaltheil von der
Krone abwärts durch Furchen mehrfach getheilt ist und
so eine Annäherung an die Wurzelbildung der Säuge-
thierzähne bildet. Man unterscheidet vorzugsweise eine
Furche an der Vorder-, der Aussen- und Innenseite. Aus-
serdem treten einige mehr oder weniger deutliche Rin-
nen auf, namentlich an den grössten Zähnen. Der Zwi-
schenkiefer besitzt eine doppelte Zahnreihe, und zwar
enthält die vordere derselben 16 Zähne von gleicher
Grösse, welche zugleich die grössten des ganzen Gebis-
ses sind. Der Oberkiefer enthält nur eine einfache Zahn-
reihe, deren Zähne kleiner sind als die vorderen des Zwi-
schenkiefers. Der grösste unter ihnen ist der dritte, der
Beiträge zur Kenntniss der Wirbelthiere Südbrasiliens. 357
nur wenig" kleiner ist, als ein Zahn des Zwischenkiefers;
der zweite und vierte Zahn gleichen ihm fast ganz. Von
ihnen ans nehmen alle Zähne continuirlich an Grösse ab
bis an das Ende der Zahnreihe, deren jede (mit Hinzu-
rechnung der Lücken in Folge des Zahnwechsels) 44
Zähne enthält. Der erste Zahn des Oberkiefers ist klein
und gleicht an Grösse ungefähr dem 27sten oder 28sten
der ganzen Reihe. Die zweite Zahnreihe des Zwischen-
kiefers enthält 26 Zähne oder deren Stellen, unter ihnen
sind die vier innersten die grössten. Sie gleichen den
grössten Zähnen der Oberkiefer ungefähr in der Breite,
sind aber niedriger sowohl an der Krone wie am ßasal-
theile. Die beiden jederseits folgenden Zähne sind klei-
ner und gleichen ungefähr denen aus der Mitte des Ober-
kiefers; die übrigen sind merklich kleiner ohne Ueber-
gang und untereinander fast von gleicher Grösse oder nur
wenig kleiner nach Aussen und gleichen ungefähr den
Zähnen im letzten Viertel des Oberkiefers. Der Unter-
kiefer besitzt eine doppelte Zahnreihe, deren vordere im
Ganzen 69 Zähne enthält und zwar 36 in der linken und
33 in der rechten Hälfte des Unterkiefers. Der dritte
und vierte Zahn jederseits, von der Symphyse aus gezählt,
sind die stärksten des Unterkiefers und gleichen de-
nen des Zwischenkiefers. Die benachbarten Zähne im
Unterkiefer sind nur wenig kleiner, die Zahnreihe nimmt
aber im Ganzen nach hinten continuirlich an Grösse ab und
die letzten Zähne gleichen ungefähr denen aus der Mitte
des Oberkiefers. Die zweite Zahnreihe des Unterkiefers
beginnt hinter dem zweiten Zahne der Vorderreihe, oder
genauer, hinter dem Zwischenräume zwischen dem ersten
und zweiten Zahne. Sie enthält in jeder Hälfte des Un-
terkiefers ungefähr 87 bis 90 sehr kleine Zähnchen, wel-
che unter einander fast von gleicher Grösse und kleiner
sind, als der letzte Zahn des Oberkiefers. Diesem gleicht
nur der erste Zahn an der Symphyse, der etwas kräfti-
ger ist als alle anderen Zähne der zweiten Zahnreihe.
Diese endet etwas später als die vordere und überragt
sie etwa um den Querdurchmesser einer der grossen
358 Hensel:
Zähne. Zu einem Vergleiche mit den Arten der Gat-
tung, namentlich mit S. maxillosus Val. fehlt das Mate-
rial. Die Brasilianer nennen den Fisch seiner schönen
Goldfarbe wegen Dourado und schätzen sein Fleisch.
Er wird sehr gross und erreicht zuweilen die Länge
eines Menschen. Sein Aufenthalt scheint in den schnell
fliessenden Gebirgsflüssen zu sein, wo er namentlich in
den tiefen Stellen unterhalb der Stromschnellen in Ge-
sellschaften lebt. In trocknen Sommern, wenn der Was-
serstand der Flüsse sehr niedrig wird, begiebt er sich in
die Ebene, wo er vielleicht auch laicht. In seiner Mund-
höhle findet man immer in zahlreichen Exemplaren einen
Gyropeltis , der sonderbarer Weise alle anderen Fische
des Jacuhygebietes verschont.
2) Poecilia uiiimaculata? Valenc. in Humboldt
Observ. Zool. III. Paris 1833. p. 158. pl.51. fig. 2,
5 und 6.
Eine jederscits durch einen schwarzen Fleck ge-
zeichnete Poecilic wird häufig aus den Pfützen und Grä-
ben um Rio de Janeiro angeführt, doch w^eichen die Be-
schreibungen derselben von dem, was ich an den eben-
daselbst von mir gesammelten Exemplaren beobachtet
habe, so wesentlich ab, dass ich die Frage über die Iden-
tität der Species noch nicht zu entscheiden wage. Was
die Farbe betrifft, so sind meine Exemplare in Spiritus,
8 $ und 3 d^, ohne Ausnahme bräunlichgelb, mit der bei
der ganzen Gattung gewöhnlichen braunen netzförmigen
Zeichnung, welche auf den Seiten des Schwanzes sehr
fein, am Rumpf nach dem Rücken zu breiter wird , so
dass dieser gegen die helle Bauchseite dunkel erscheint:
der schwarze Fleck hat ungefähr den Durchmesser des
Auges und liegt vor dem Ursprünge der Rückenflosse in
der dritten Längsreihe der Schuppen. Bei den kleinsten
Exemplaren umgiebt ein heller Kreis den schwarzen
Fleck. Ausserdem besitzen aber alle grösseren Exem-
plare noch vier bis sechs hellbraune Streifen, schmäler
als der schwarze Fleck, welche von diesem an senkrecht
Beiträge zur Kenntniss der Wirbelthiere Südbrasiliens. 359
von der Ober- nach der Unterseite zu verlaufen. Vor
dem schwarzen Fleck sind kerne Streifen zu unterschei-
den^ ebenso fehlen sie im Allgemeinen an sehr kleinen
Exemplaren. In den Beschreibungen der Poecilia uni-
maculata (bei Valenc. Jenyns, Günther, auch in Hist.
nat. poiss.) werden diese Streifen nirgends erwähnt. Auch
die Caudalflosse hat zwei dunkle Querstreifen , einen an
der Basis, den anderen in der Mitte. Die Rückenflosse
besitzt einen dunkeln Fleck längs der Basis und die
Spur eines solchen an der Spitze. Bei den männlichen
Fischen sind die Zeichnungen der Flossen deutlicher als
bei den weiblichen. Die wichtigsten Unterschiede liegen in
dem Bau der Flossen, denn für die von mir gesammelten
Exemplare heisst die Formel D 8, A 10, V 6, C 20 (aus-
serdem noch einige sehr kleine Strahlen). Dagegen giebt
Valenciennes 1. c. für P. unimaculata D 7, A 7 an,
ebenso in der Hist. nat. poiss. Vol. 18. p. 129; Gün-
ther *) und Kner ^) geben dieselbe Zahl an, dagegen
sagt Jenyns^) l. c. D 7, A 9, bezeichnet aber den letz-
ten Strahl der Dorsal- und Analflosse als doppelt, was
also D 8, A 10 ergeben würde. Hier kann wohl nur
eine neue Untersuchung der Original-Exemplare Aufklä-
rung geben.
Was die Differenz im Bau der Flossen bei beiden
Geschlechtern betrifft, so ist Folgendes zu bemerken. Bei
den Weibchen entspricht der Ursprung der Dorsalflosse
der 12ten Schuppe der Seitenlinie und liegt genau über
dem Anfange der Analflosse. Diese ist kürzer als die
Pectoralflosse (wenn man die Länge von dem Anfange
der Basis bis zur äussersten Spitze rechnet). Die äus-
serste Spitzt der Pectoralflosse reicht bis zur Vertical-
linie des Afters. Die Ventralflossen sind normal ent-
wickelt und reichen bis zum Ursprünge der Analflosse.
Bei dem Männchen ist die Analflosse so lang wie die
1) Catal. of the Fishes Yol. 6. London 1866. p. 346.
2) Novara Expedition. Zoologischer Theil. Bd.I. Fische p. 345.
3) ZooL of the voy. of Beagle. P. IV. Fish. London 1842. p. 114.
360 Hensel:
Pectoralflosse, ihr Ursprung liegt weit vordem der Dorsal-
flosse, sie ist durch Verlängerung des dritten bis fünften,
besonders aber des dritten und vierten Strahles, unge-
wöhnlich entwickelt und dient wahrscheinlich als Copu-
lationsorgan. Sie ist so weit nach vorn gerückt, dass
sie von der Basis der Ventralflossen nur durch den After
geschieden wird, und dass die Spitze der Pectoralflosse
hinter ihren Ursprung fällt ungefähr an das Ende des
ersten Drittels. Die Ventralflossen sind sehr verlängert,
so dass sie ungefähr bis an das letzte Viertel der Anal-
flosse reichen, wenn diese Flossen an den Leib ange-
drückt sind. Der zweite Strahl der Ventralflosse ist vor-
zugsweise entwickelt, doch hat er keine abnorme Bildung.
Die erste Zahnreihe wird von grossen gebogenen
Zähnen gebildet , die im Unterkiefer spitziger als im
Zwischenkiefer sind, hinter ihnen befindet sich ein brei-
tes Band kleiner hecheiförmiger Zähnchen. Das grösste
der von mir gesammelten Exemplare ($) ist (ohne Schwanz-
flosse) 39 Mm. lang.
3) Girardi7ius januariua ^) nov. spec.
Die Gattung Girardlnus unterscheidet sich beson-
ders durch eine einfache Zahnreihe von Poccilia, wo die
hinter den vorderen grösseren Zähnen stehenden Hechel-
zähne ein breites Band bilden. Die beiden von mir ge-
sammelten Arten haben aber hinter den grösseren Zähnen
der Vorderreihe noch eine zweite Reihe sehr kleiner
Zähne, welche man am deutlichsten an getrockneten
Präparaten sieht. Es fragt sich nun, zu welcher der bei-
den Gattungen sollen sie gerechnet werden, oder hat
man vielleicht bei Girardlnus die hintere^ Reihe ihrer
Kleinheit wegen stets übersehen? Die Formel der Flos-
senstrahlen ist für die neue Art: D. 9, A. 10, V. 6, die
Seitenlinie hat '21 Schuppen, diejenigen nicht mitgezählt,
welche die Schwanzflosse an ihrer Basis bekleiden. Das
kleine vorstreckbare Maul ist ähnlich dem der vorherge-
1) Von Rio de Janeiro.
Beiträge zur Kenntniss der Wirbelthiere Südbrasiliens. 361
Lenden Art. Die vordere Zahnreihe hat verhältniss-
mässig etwas breite und flache Zähne, die an den Spitzen
gelblichbraun gefärbt sind. Die beiden Unterkieferhälf-
ten sind nicht fest mit einander vereinigt. Bei den Weib-
chen fällt der Ursprung der Dorsalflosse in die Mitte der
Basis der Analflosse. Sind diese beiden Flossen zurück-
gelegt^ so reichen sie mit ihren Spitzen gleich weit. Die
grösste Länge (Höhe) der Analflosse ist gleich der Höhe
des Körpers am Ursprung der Dorsalflosse und etwas we-
niger als das Doppelte der Länge der Pectoralflosse. Die
Ventralflossen sind sehr klein, und sind nur 2/3 — ^/^ so
lang wie die Pectoralflossen. Sie reichen mit ihren äus-
sersten Spitzen bis an den Hinterrand der Afteröffnung,
sind aber sonst normal entwickelt. Die Spitzen der Pecto-
ralflossen fallen in dieselbe Verticalllnie mit den Ven-
tralflossen. Die grösste Höhe des Körpers beträgt V* sei-
ner Länge (ohne Schwanzflosse), und die Höhe des Schwan-
zes ist Vs der Entfernung des Ursprunges der Dorsal-
üosse bis zur Basis der Schwanzflosse.
Die Männchen sind kleiner und merklich schlanker
als die Weibchen. Ihre Analflosse ist verlängert und
penisartig umgestaltet, sie reicht mit ihrer Spitze hin-
ter die Spitze der Dorsalflosse , deren Ursprung weit
hinter ^as Ende der Basis der Analflosse fällt. Der
After ist so weit nach vorn gerückt, dass der Ur-
sprung der Ventralflossen unter die Basis der Pecto-
ralflossen fällt. Die Ventralflossen sind so verkümmert,
dass sich die Zahl ihrer Strahlen nicht mit Sicherheit
erkennen lässt. Die Analflosse ist fast halb so lang wie
der ganze Körper (ohne Schwanzflosse). Ihre Spitze ist
etwas gebogen, trägt aber keinen Zangenapparat. Bei
beiden Geschlechtern ist die Farbe und netzförmige
Zeichnung wie bei voriger Art. An den Seiten des Kör-
pers laufen im Durchschnitt 7 — 8 braune Striche vom
Rücken nach der Unterseite. In einem Falle beträgt
ihre Zahl 10, in einem anderen bloss 5. Die Striche sind
nicht breiter als die Pupille. Auf den Seiten des Rumpfes
sind sie verkürzt, und liegen näher dem Rücken, vom
362 Hensel:
Ursprünge der Dorsalflosse an werden sie aber lang und
reichen fast über die ganze Seite, nach der Schwanz-
flosse zu verkürzen sie sich wieder und zuweilen erschei-
nen die letzten nur noch als Punkte. Die Flossen sind
ungefärbt, obgleich auf ihnen, besonders auf der Rücken-
flosse, zahlreich die kleinen braunen Punkte vorkommen,
aus denen die netzförmige Zeichnung des Körpers zu-
sammengesetzt ist. In der Analflosse der Männchen sind
die dicksten Strahlen zum Theil schwärzlich. Auch ver-
läuft ein schwarzer Strich auf der Unterkante des Schwan-
zes, bei den Weibchen ist er schwächer. Unter 33 Weib-
chen war das grösste 29 Mm. (ohne Schwanzflosse), und
unter 8 Männchen das grösste 19 Mm. lang. Aufenthaltsort
und Lebensweise wie bei der vorhergehenden Art.
Ein einziges Exemplar, welches zugleich mit den an-
deren gefangen wurde, zeichnet sich dadurch von diesen
aus, dass es viel kürzer und höher ist, indem die Höhe
des Rumpfes wenig mehr als Vs der Länge beträgt. Die
Zahl der Streifen an den Seiten des Körpers ist gerin-
ger und beträgt rechts sechs, links fünf, da sich auf der
rechten Seite noch ein kleiner Punkt vorfindet, bis zu dem
die Spitze der Brustflosse reicht. Aus diesem einen
Exemplare nach den Flossen zu urtheilen ein Weibchen,
lässt sich nicht mit Sicherheit der systematische Werth
desselben erkennen. Vielleicht handelt es sich bloss um
ein Extrem in der Körperform.
4) Girardinus caiidimacu latus nov. sp.
D 8, A. 10. V. 5. L. lat. 28.
Die Mundöff"nung klein und vorstreckbar wie bei
Poecilia unimaculata. Oben und unten ist die erste Zahn-
reihe von grösseren Zähnen gebildet, die schmäler als bei
der vorhergehenden Art sind. Hinter ihnen befindet sich
eine zweite Reihe sehr kleiner Zähne. Der Körper ist
ebenso gestreckt wie bei der vorhergehenden Art. Bei
den Weibchen ist der Ursprung der Rückenflosse ebenso
weit vom Iliuterhaupt entfernt wie von der Caudalflossc.
Beiträge zur Kenntniss der Wirbelthiere Südbrasiliens. 363
Ausserdem fällt der Ursprung der Dorsalflosse in die
Basis der Analflosse sehr nahe ihrem hinteren Ende. Die
grösste Höhe der Analflosse ist kleiner als die Länge des
Kopfes und beträgt V2 der Entfernung der Dorsal flösse
von der Schnauzenspitze. Die Spitze der Pectoralflosse
fällt ein wenig hinter den Ursprung der Ventralflosse,
diese sind klein und erreichen mit ihrer Spitze den After.
Sie haben nur 5 Strahlen. Bei den Männchen, die etwas
schlanker sind und einen spitzeren Kopf haben, als die
Weibchen, sind dieselben Geschlechtsunterschiede vorhan-
den, wie bei der vorhergenannten Art, d. h. After und
Analflosse sind weit nach vorn gerückt, letztere penisartig
umgewandelt und mit einem Zangenapparat an der Spitze.
Die Höhe der Analflosse ist grösser als die Länge des
Kopfes, sie reicht von der Schnauzenspitze fast bis an
die Spitze der Pectoralflosse. Diese fällt hinter das Ende
der Basis der Analflosse. Der Ursprung der Yentral-
flosse, welche mit der äussersten Spitze den Ursprung
der Analflosse erreicht, liegt unter des Basis der Pecto-
ralflossen. Die Farbe ist bei beiden Geschlechtern bräun-
lichgelb und zwar mehr gelb als bei den beiden vorher-
gehenden Arten mit der gewöhnlichen netzförmigen
Zeichnung. An der Seite des Schwanzes ungefähr in der
Verticallinie des hinteren Endes der Basis der Rücken-
flosse befindet sich auf der 11. — 13ten Schuppe der Sei-
tenlinie von hinten aus gezählt, wenn man die Schuppen,
welche die Basis der Schwanzflosse bekleiden, nicht mit-
rechnet, ein schwarzer senkrechter Fleck. Dieser ist
schmal, ungefähr so breit wie die Pupille, oben und un-
ten zugespitzt, erreicht aber nicht die Ober- und Unter-
seite des Körpers. Ausserdem befinden sich noch mit
diesem Fleck parallel mehrere senkrechte feine braune
an den Seiten des Körpers, die am Schwänze am deut-
lichsten sind. Von dem Fleck aus kann man bei den
Weibchen höchstens eins bis zwei sehr undeutliche Stri-
che zählen, hinter ihm aber deren drei bis vier. Bei sehr
jungen Exemplaren bemerkt man noch keine Striche,
sondern nur den Fleck, aber auch selbst bei grossen
364 H e u s e 1 :
werden sie zuweilen bis zum Verschwinden undeutlich.
In einem Falle fehlt auf der einen Seite auch der
schwarze Fleck, während er auf der anderen wenig deut-
lich ist. Bei den Männchen sind die braunen Striche
viel deutlicher, und man kann deren vor dem Fleck drei
bis fünf zählen, und ebenso viele hinter demselben. Der
Fleck selbst ist höher und kann zuweilen die Ober- und
Unterkante des Körpers erreichen. Letztere beiden sind
durch eine dunkle Linie gezeichnet, die bei den Weib-
chen fehlt oder sehr undeutlich ist, auch läuft eine solche
Linie vom Hinterhaupte nach der Dorsalflosse, die auch
bei den Weibchen vorhanden ist. Die Flossen sind un-
gefärbt und zeigen nur, durch die Lupe gesehen, die fei-
nen dunklen Punkte, welche am Körper die netzförmige
Zeichnung bilden. Bei den Männchen sind die abnorm
entwickelten Strahlen der Analflosse schwärzlich gefärbt,
und auf der Spitze der Rückenflosse findet sich eine
grössere, an ihrer Basis eine kleinere dunkle Stelle. Das
%rösstc Exemplar unter 32 Weibchen ist 32 Mm. (ohne
Schwanzflosse) lang, das grösste unter 9 Männchen 23 Mm.
Sie wurden an der Costa da Serra bei S. Leopolde in
Brunnen und Gräben gesammelt.
5) Girardinus decem-maGulatusf Poecilia decem-ma-
culata Jenyns (Zool. Voy. Beagle Part. IV. Fish.
London 1842. p. 115. PI. XXIL flg. 1).
Ein nur 15 Mm. langes, also wohl sehr junges Exem-
plar eines Girardinus, welches ich bei S. Leopolde am
Ufer des Rio dos Sinos fing, könnte vielleicht der ge-
nannten Species von Maldonado angehören. Es ist so
schlecht erhalten, dass eine Zählung der Flossenstrahlen
nicht mit Sicherheit auszuführen ist. Die Analflosse ist
penisartig entwickelt und trägt an der Spitze einen Zan-
genapparat. An den Seiten jdes Körpers zählt man in
einer horizontalen Linie sechs schmale dunkle Flecke,
welche etwas winkelförmig gebogen und mit dem Schei-
telpunkt nach vorn gerichtet sind, wie es die Abbildung
bei Jenyns I.e. zeigt. Diese Flecke befinden sich meist
Beiträge zur Kenntniss der Wirbelthiere Südbrasiliens. 365
an den Seiten dos Schwanzes, ob deren auch im Vorder-
theile des Körpers vorhanden waren, lässt sich bei dem
schlechten Znstande des Exeraplares nicht erkennen.
6) liivulus oceilatus nov. sp.
D. 9. A.n. C. 17. L. lat. 39.
Die Unterkiefer fest vereinigt. Die vordere Zahnreihe
besteht aus grossen spitzen Zähnen, die nach hinten gebo-
gen nnd weiss oder nur an der Spitze kaum merklich
gelblich sind. Sie stehen sehr weitläufig, und ihre Zahl
beträgt in jedem Unterkiefer fünf bis sechs, im Zwischen-
kiefer weniger. Hinter ihnen sind mehrere Keihen klei-
ner hecheiförmiger Zähnchen. Die Augen sind gross,
ihr Durchmesser beträgt ungefähr ^4 des Abstandes der
Augen von einander. Die Mundölfnung ist diesem fast
gleich , und grösser als bei Poecilia unimaculata. Das
Maul ist vorstreckbar, die Länge der Pectoralflossen ver-
doppelt, erreicht den Ursprung der Analflosse. Die Ven-
tralflossen sehr klein , erreichen mit ihren Spitzen den
After. Der Ursprung der Dorsalflosse in der Vertical-
linie des Endes der Basis der Analflosse. Der Ursprung
der Dorsalflosse ist von der Kiemenöffnung ungefähr um
das Doppelte der Kopflänge, von der Caudalflosse um die
Kopflänge selbst entfernt, der erste Strahl in der Dor-
sal- und Analflosse ist sehr klein und leicht zu übersehen.
Die Caudalflosse hat 17 grössere und einige ganz kleine
Strahlen. Die Farbe (in Spiritus) ist gelblich graubraun,
nach dem Rücken zu dunkler als an der Unterseite. An
der Schulter über dem Ursprünge der Pectoralflosse be-
findet sich ein dunkler Fleck ungefähr von der Grösse
des Auges, ein anderer, kleinerer, an der Basis der Cau-
dalflosse, oberhalb der Mittellinie der Seite nahe dem obe-
ren Rande, ein noch kleinerer etwas undeutlicher genau
in der Mittellinie der Seite an der Basis der Caudalflosse.
Die Dorsal- und Caudalflosse, welche an ihrer Basis mehr-
fache Reihen kleiner Schuppen hat, sind undeutlich ge-
fleckt. Eine Untersuchung der Eingeweide hat nicht
stattgefunden.
366 Hensel:
Die Länge des einzigen Exemplares, welches bei
ivio de Janeiro in Gesellschaft der Poecilien gefangen
wurde, ist 37 Mm. (ohne Schwanzflosse).
8) Loricaria lima Kner (Denkschrift, der k. Akade-
mie der Wissenschaft math. - naturw. Kl. Bd. VI.
Wien 1854. p. 89. Taf. VI. fig. 1 a. b).
Unter drei von mir in den steinigen Gebirgsbächen
von Santa Cruz zu gleicher Zeit und an demselben Orte
gefangenen Exemplaren einer Loricaria stimmen zwei in
der ganzen Gestalt und in der Behaarung der Kopfseiten
ganz genau mit der von Kner 1. c. gegebenen Abbil-
dung der L. lima, nur sind sie unbedeutend kleiner, das
dritte etwas grössere Exemplar stimmt wohl in der gan-
zen Gestalt, entbehrt aber der Borsten an den Seiten des
Kopfes. Da nun auch die beiden zuerstgenannten Exem-
plare eine im Verhältniss etwas kleinere Analgrube mit
einer xlnalpapille besitzen, bei dem unbehaarten Exem-
plare eine solche aber fehlt, und auch die Analgrube
etwas grösser ist, so ist wohl kein Zweifel, dass die Un-
terschiede nur eine Geschlechtsverschiedenheit sind, ob-
gleich eine Untersuchung der Genitalien selbst noch nicht
stattgefunden hat.
Ein Unterschied meiner Exemplare gegenüber der
Abbildung bei Kner scheint in der Rückenflosse zu
liegen, da diese immer acht Strahlen enthält, während in
der citirten Abbildung deren nur sechs zu zählen sind.
Allein der Text sagt von der Rückenflosse ausdrücklich
„ihre Strahlen sind abgebrochen", w^as sich nur auf die
Zahl der Strahlen, nicht aber auf deren Länge beziehen
kann, da sich diese in der Abbildung der sechs vorhan-
denen Strahlen als unversehrt erweist. Im Zwischen-
kiefer, der an dem getrockneten Exemplare, nach wel-
chem die Species aufgestellt wurde, nicht sichtbar war,
befinden sich jederseits sieben bis acht Zähne von der
gewöhnlichen zweilappigen Form, die des Unterkiefers,
deren Zahl jederseits ungefähr acht beträgt, sind unbedeu-
Beiträge zur Kenntniss der Wirbelthiere Südbrasiliens. 367
tend grösser und stärker gelappt. Das vordere Mnnd-
segel ist sehr klein und bedeckt Lüchstens die Zähne des
Zwischenkiefers, das hintere ist etwas fleischig, und legt
sich dicht an die Kehle an. Es ist am Hinterrande unbe-
deutend ausgeschnitten und auf seiner freien Oberfläche
mit kurzen Papillen besetzt, sein Rand ist undeutlich ge-
franzt und hat am Aussenrande eine kleine Spitze. Der
senkrechte Durchmesser der Orbita beträgt ungefähr ^/s
der Entfernung zwischen beiden Orbiten. Der horizon-
tale Durchmesser der Orbita mit dem hinteren Aus-
schnitte derselben ist gleich dem Abstände der beiden
Orbiten von einander. Die Seiten des Körpers haben
27 Schilder, wenn man hinter dem kahlen Fleck zu zäh-
len beginnt, in dem die ersten Röhrchen der Seitenlinie
sichtbar sind ; zählt man die Schilder unterhalb der Sei-
tenlinie, so müsste man noch die drei Schilder hinzu-
rechnen, deren erstes hinter der Kiemenöffnung gross
und fest ist und mit dem Schultergürtel in Verbindung
zu stehen scheint, während die beiden folgenden, deren
letztes sehr klein ist und zuweilen fehlt, unterhalb des
erwähnten ,kahlen Fleckes liegen. Die beiden Kanten
jeder Seite sind auf den 16 vorderen Schildern getrennt
von einander, auf dem ITten derselben vereinigt. Das
letzte Schild oder der letzte Ring des Panzers zunächst
der Schwanzflosse ist ziemlich undeutlich, so dass Zäh-
lungen von verschiedenen Beobachtern auch zu verschie-
denen Resultaten führen können. Die Rückenflosse wird
von 5 Schildern jederseits begleitet, 17 Rückenplatten be-
finden sich zwischen ihr und der Schwanzflosse. Die Anal-
fiosse wird jederseits von drei Schildern begleitet, zwi-
schen ihr und der Schwanzflosse befinden sich 15 Schil-
der. Sie beginnt hinter der Basis der Rückenflosse. Bauch
und Brust sind gepanzert. Man kann hier in der Mitte
zw^ischen den schmalen Randschienen, etwa drei Reihen
kleiner, ziemlich unregelmässiger Schildchen unterschei-
den, die nach vorn zu immer kleiner werden und eine
die beiden Kiemenöffnungen verbindende Querlinie fast
erreichen. Die Schwanzflosse ist schwach ausgeschnit-
368 H e 11 s e 1 :
tcn, das obere und untere Ende derselben f;ieicb Lang.
Ein Poriis lateralis (Kner) ist vorhanden.
Die übrigen Verbältnisse des Körpers ergeben sich
aus der Abbildung bei Kner 1. c. Die Farbe ist grau-
braun ohne alle Flecken.
D. 8. P. 7. V. 6. A. 6. C. 12.
Die beiden Exemplare mit behaarten Kopfseiten sind
(ohne Schwanzflosse) 94 und 96 Mm. , das dritte unbe-
haarte 100 Mm. lang.
8) Loricaria strigilata nov. sp.
Die Borstenbekleidung des ganzen Thieres ist sehr
reichlich, doch bilden sie an den Seiten des Kopfes kei-
nen deutlich wahrnehmbaren Bart, wenn sie hier auch
etwas entwickelter sind als an den übrigen Theilen des
Kopfes mit Ausnahme des oberen Randes der Orbita und
des Kieles, der von ihrem Vorderrande aussen bei den
Nasenlöchern vorbeigeht, wo ebenfalls etwas stärkere Bor-
sten stehen. In die Augen fallend ist die reihenweise
Anordnung der Borsten auf der Oberseite des Thieres
und zwischen den Seitenkanten, ohne jedoch so deutlich
zu sein wie bei Chaetostomus cirrhosus. Daher sieht die
Oberseite des Thieres, besonders am Kopf wie gestri-
chelt aus. Nur ein schmaler Streifen zu beiden Seiten
der Rückenflosse und der Rücken hinter dieser, so weit
sie angedrückt reicht, sind ganz glatt. Das Hinterhaupt
und die beiden folgenden Rückenschilder sind gekielt.
Der senkrechte Durchmesser der Orbita beträgt unge-
fähr % des Abstandes beider Orbiten von einander, der
horizontale Durchmesser ungefähr ^j^ desselben. Die Form
des Kopfes ist schmäler als bei der vorhergehenden Art
und gleicht mehr der der Loricaria nudirostris in der von
Kner 1. c. Taf. IV. fig. 1 gegebenen Abbildung dieser
Art, doch erscheint der Kopf noch etwas spitzer als hier, da
seine Seiten noch weniger convex sind als in der citirten
Abbildung. In jedem Zwischenkiefer sieben zweilappige
Zähne, in jedem Unterkiefer wahrscheinlich ebenso viele,
doch sind nicht alle erhalten. Mundse^el wie bei der vo-
Beiträge zur Kenntniss der Wirbelthiere Südbrasiliens. 369
rigen Species, nur sind die Papillen des hinteren Segels
stärker entwickelt , fast zottenförmig, auch ist sein Rand
stärker gefranzt. Die Seiten haben 26 (27) Schilder^ die
beiden Seitenkanten sind auf den 1-1 vorderen Schildern
noch getrennt, anf den übrigen vereinigt. Die Rücken-
flosse wird jederseits von vier Schildern begleitet, doch
ist das Vorderende ihrei; Basis noch in das vorherge-
hende grosse unpaare Rückenschild so eingeschoben, dass
dessen Seitentheile, die man auch noch als selbstständige
Schilder zählen kann, den Ursprung der Flossenbasis
einschliessen. Zwischen Rücken- und Schwanzflosse be-
finden sich noch 17 (18) Schilder, doch sind diese in der
Richtung des Körpers viel länger und im seitlichen Durch-
messer viel kürzer als bei der vorigen Art, so dass das
Thier viel schlanker erscheint, die Pectoralflossenreihen
bis zum hinteren Rande der Basis der Ventralflossen. Die
Analflosse wird jederseits nur von zwei vollständigen
Schildern begleitet, an ihrem Anfange auch noch von
den Hinterrändern eines vorangehenden Schilderpaares.
Zwischen Anal- und Caudalflosse befinden sich 15 Schil-
der. Bauch und Brust sind gepanzert, fast so weit wie
bei der vorigen Art. Zwischen den seitlichen Schienen
sind im Allgemeinen fünf undeutliche Längsreihen klei-
ner unregelmässiger Schildchen eingeschoben, iknalporus
mit Papille. Die Farbe ist wie bei voriger Art, nur sind
die Strahlen der Caudalflosse undeutlixih gefleckt, so dass
bei dem Zusammenlegen derselben vier bis fünf ganz un-
deutliche Querbänder gebildet werden können. Ausser-
dem ist die Flosse sehr schwach concav ausgeschnitten
und oben und unten gleich lang. Der Perus lateralis
ist vorhanden , die Flossenbildung wie bei voriger Art.
Ein Individuum ohne Caudalflosse 110 Mm. lang wurde
in einem steinigen Bache bei Santa Cruz gefangen.
9) Loricaria cadeae nov. sp.
Die allgemeine Körperform gleicht mehr noch als
bei der vorhergehenden Art der von Kner 1. c. Taf. IV.
fig. 1 gegebenen Abbildung der Loricaria nudirostris, nur
Archiv f. Naturg. XXXIV. Jahrg. 1. Bd. 24
370 H e n s e 1 :
sind die Seiten des Kopfes gerader^ daher auch dei\Kopf
in der Region der Nasenlöcher schmäler erscheint als bei
dieser Art, während er wieder breiter ist als bei L. stri-
gilata. Die ganze Behaarung des Thieres ist so fein,
dass es als glatt bezeichnet werden miiss; daher ist auch
keine Spur einer reihenweisen Anordnung der Härchen
zu bemerken. In jedem Zwischenkiefer stehen sieben bis
acht zweigablige Zähne von gewöhnlicher Form, in jeder
Unterkieferhälfte deren neun, die etwas grösser und mehr
gekrümmt als die oberen sind. Die Form der Mundse-
gel wie bei voriger Art, nur weniger deutlich gefranzt
und auch die Papillen sind etwas weniger deutlich ent-
wickelt. Das äusserste Ende der Schnauze ist kahl, die
darüber stehenden Borsten sind etwas stärker ausgebil-
det als sonst auf dem Scheitel. Der senkrechte Durch-
messer der Orbita beträgt 2/3 tl^s Abstandes der Orbiten
von einander, der horizontale ist diesem gleich. Die Sei-
ten haben 27 Schilder, auf 16 derselben verlaufen die
Seitenkanten getrennt. Die Dorsalflosse wird jederseits
von fünf Schildern begleitet, doch erstreckt sich ein Haut-
saum am Ende ihrer Basis zum Tlieil noch auf das fol-
gende unpaare Schild. Zwischen ihr und der Caudalflosse
befinden sich 17 — 18 Schilder, je nachdem man den letz-
ten Ring des Schwanzes, der die Caudalflosse trägt, hin-
zurechnet oder nicht. Die Brustflosse erreicht den Ur-
sprung der Bauchflosse und dieses wieder geht bis zur
Wurzel der Analflosse. Diese wird jederseits von drei
Schildern begleitet. Zwischen ihr und der Caudalflosse
befinden sich 15 — 16 Schilder. Der Bauch ist gepanzert,
doch lassen sich in der Mitte nur mit Schwierigkeit drei
Längsreihen der Schilder unterscheiden. Diese gehen
nur bis an den Brustgürtel. Die Farbe ist grau doch
nicht ganz einförmig, indem sich wohl dunklere Stellen
aber keine gesonderten Flecke unterscheiden lassen. An
allen Flossen sind die Strahlen gefleckt, die Membranen
dazwischen aber ganz farblos. Die Unterseite des Thie-
res ist heller als die Oberseite. Ein Porus lateralis ist
vorhanden. Ein grösseres Exemplar ist (ohne Caudal-
Beiträge zur Kenntniss der Wirbelthiere Südbrasiliens. 871
flösse) 112 Mm. lang, ein kleineres von nur 61 Mm. Länge
(ohne Caudalflosse) besitzt eine geringere Anzahl Zähne,
in iedem Zwischenkiefer 4 — 5, In jedem Unterkiefer un-
gefähr ebensoviele. Die Farbe ist im Ganzen etwas
heller, imd man unterscheidet mehrere dunklere Quer-
binden, am Vorderende der Dorsalflosse, an ihrem Hin-
terende, d. h. da, w^o dieses angedrückt den Rücken be-
rührt, zwei zwischen ihm und der Caudalflosse, endlich
einen dunkleren Fleck auf der letztern, dicht an Ihrem
Ursprünge. Die ßauchschilder erreichen den Brustgürtel.
Das Uebrige wie bei dem grösseren Exemplare, nur er-
scheinen die Kanten und Kiele deutlicher, z. B. auf dem
Hinterhaupt und den beiden folgenden Schuppen des
Rückens.
Dieser Fisch fand sich sehr häufig in den kleinen
steinigen Bächen, die in den Rio Cadea münden. D. 8.
R 7. V. 6. A. 6. C. 12.
10) Loricaria sp. luv. ?
Ein kleines (ohne die Schwanzflosse) nur 48 Mm.
langes Exemplar einer Loricarie, welches bei Porto Ale-
gre gefangen wurde, zeichnet sich durch seinen, von
oben gesehen, dreieckigen Kopf aus, dessen Vorderende
spitz ist, und dessen Seiten fast grade Linien bilden, doch
ist die Breite des Kopfes an den Kiemenöftnungen nur
wenig kleiner als die Entfernung dieser von der Schnau-
zenspitze. Die Zahl der Seitenschilder beträgt 27, deren
15 die Seltenkanten getrennt haben, die gegenseitige An-
näherung dieser ist allmählich , so dass der Ort ihrer
Vereinigung nicht mit unumstösslicher Gewissheit ange-
geben werden kann. (3ben sind nur sechs Zähne von
gewöhnlicher Gestalt jederseits vorhanden, unten deren
sechs bis sieben. Das hintere Mundsegel ist mit Papillen
besitzt , und der Rand mit Franzen, die mehr rund als
flach erscheinen und einige Aehnlichkeit mit verlänger-
ten Papillen haben. Die Rückenflosse scheint jederseits
von fünf Schildern begleitet zu werden, doch lässt sich das
Verhältniss nicht ganz sicher ermitteln^ da an dem gan-
372 Hensel:
zen in Spiritus conservirten Tliiere die Schilder nicht
deutlich genug hervortreten. Sie scheinen vielmehr, na-
mentlich in der Vorderhälfte des Thieres, in der Haut
verborgen zu sein, durch welche nur die reihenweise
geordneten Borstenhaare hervortreten. In trocknem Zu-
stande würden alle Schilder deutlicher hervortreten. Zwi-
schen der Rücken- und Schwanzflosse befinden sich 17
Schilder. Die ganze Unterseite ist weiss, die Oberseite
auf hellem Grunde mit zahlreichen kleinen hellbraunen
Flecken oder Tupfen, doch kann man sechs dunklere
Querbänder unterscheiden, das erste am Anfang, das zweite
am Ende der Dorsalflossc, die anderen zwischen dieser
und der Caudalflosse. Flossenstrahlen der Pectoral-, Dor-
sal- und Caudalflosse sind gleichfalls gefleckt, ihre Mem-
branen ganz farblos. An der Ventralflosse finden sich
nur gegen die Spitze Flecke an den Strahlen, welche
bei zusammengelegter Flosse einen einzigen matten Fleck
bilden. Die Analflosse ist ganz weiss, wie die Unter-
seite. Wäre es gewiss, dass das Exemplar ausgewachsen
oder fast ausgewachsen wäre, so würde an der Selbst-
ständigkeit der Art kein Zweifel sein, allein die Möglich-
keit, dass wir es nur mit dem Jugendzustande einer schon
bekannten Art zu thun haben, ist nicht ausgeschlossen,
obgleich die geringe Anzahl der Zähne und die Undeutlich-
keit der Schilder des Vorderrückens nicht durchaus Ju-
gendcharaktere sein müssen, sondern auch kleinen Arten
zukommen können.
Abweichend und nicht für einen Jugendzustand spre-
chend ist die Lebensweise des Thierchens, welches ent-
gegengesetzt den anderen Loricarien , die besonders den
Schlamm schnellfliessender steiniger Bäche lieben, sich am
Ufer desGuahyba einzeln zwischen Wasserpflanzen aufhält.
Hier kommt es an freien Stellen meist rückwärts bis an
die Oberfläche des Wassers und verhairt hier, den Körper
nach der Tiefe gerichtet unbeweglich, indem es sich nur
durch schnelles Vibriren der Brustflossen, wie man es
z. ß. auch bei Gasterosteus sehen kann, an demselben
Orte erhält. Naht eine Gefahv, so schiesst es blitzschnell
Beiträge zur Kcnutniss der Wirbclthiere Südbrasiliens. 373
ia die Tiefe , um nach kurzer Zeit an einer benachbarten
Stelle wieder emporzukommen. Daher ist auch der Fang
des Thierchens sehr schwierig.
11) CalUohthys aroifer nov. sp.
D. 9. A. 7. V. 6. P. 7. C. 16. L. lat. 25 : 27.
Der Kopf ist breit und flach, der Körper seitlich
zusammengedrückt. Die Mundwinkel mit zwei kleinen,
ziemlich dicken Barteln, deren unteres oder hinteres bis
an das Auge reicht, das vordere ist kürzer. Im Unter-
kiefer befinden sich nach den Mundwinkeln hin einige
kleine Zähnchen. Die Schilder der Seiten, in der oberen
Reihe 25, in der unteren 27, sind wie bei voriger Art
klein und lassen am Rücken und am Bauche einen breiten
Streifen kahl, und sind an ihrem Ilinterrande mit ziem-
lich langen Dornen besetzt, deren sich einige auch am
Rande des Kiemendeckels befinden. Der Ursprung der
Rückenflosse fällt zwischen Brust- und Bauchflosse. Von
ihm geht jederseits eine gebogene Knochenleiste dicht
unter der Haut nach unten und etwas nach vorn und
endet an der Seitenlinie. Die Brustflossen, deren Strah-
len mit kleinen Dornen besetzt sind, erreichen nicht den
Ursprung der Bauchflosse und liegen angedrückt nicht
an 'den Seiten des Körpers , sondern am Bauche. Die
Strahlen der Bauchflossen sind gleichfalls mit Dornen
besetzt, auch die der Analflosse. Diese liegt weit nach
hinten, erreicht aber nicht den Ursprung der Caudal-
flosse. Der Ursprung der zweiten Rückenflosse, die nur
aus einem mit kleinen Dornen besetzten Stachel besteht,
fällt in die Basis der Analflosse, doch erreicht die Spitze
des Stachels den oberen Ursprung der Caudalflosse. Vor
der zweiten Rückenflosse befinden sich zahlreiche kleine
Dornen ungefähr bis zur halben Entfernung von der er-
sten Rückenflosse. Die Caudalflosse ist keilförmig zu-
gespitzt. Die Farbe (in Spiritus) ist hellbraun mit klei-
nen dunkleren Flecken, der Bauch und die Brust sind
weisslich, ungefleckt.
Die Länge (ohne Caudalflosse) beträgt 34 Mm.
374 Hensel:
Das einzige Exemplar wurde in Gemeinschaft mit
den Poccilien bei Rio de Janeiro gefangen.
12) CalHohthys kemiphraotus nov. sp.
D. 1/9. P.* 1/6. A. 1/6. V. 1/5.
Die beiden Scliilderreihen der Seiten, oben 27, un-
ten 26, sind so schmal, dass sie weder den Rücken noch
den Bauch erreichen, sondern von beiden durch breite
Zwischenräume getrennt werden, und zwar ist die obere
Schilderreihe fast eben so weit vom Rücken entfernt, als
ihre Höhe von der Seitenlinie aus beträgt, die untere
Reihe geht etwas näher an die untere Mittellinie des Kör-
pers heran. Der Kopf ist mit Schildern bekleidet. Das
hintere Nasenloch liegt dicht am Auge an der Innen-
V Orderseite desselben. Das vordere Nasenloch liegt vor
dem'Auge, ist von diesem um dessen Durchmesser getrennt,
seine Entfernung vom hinteren Nasenloch ist etwas ge-
ringer. Die zurückgeschlagene Unterlippe ist in der Mitte
etwas getheilt. Von den beiden Bartfäden des Mundwin-
kels reicht der hintere bis in die Mitte der angedrückten
Pectoralflosse, der vordere bis zu ihrem Ursprünge. Die
Pectoralflosse ist kleiner als die Ventralflosse und er-
reicht nicht deren Ursprung. Der Ursprung der ersten
Dorsalflosse fällt in die Mitte zwischen Pectoral- und Ven-
tralflosse, die zweite Dorsalflosse oder Fettflosse hat einen
starken Dorn, der angedrückt noch hinter den Ursprung
der Caudalflosse reicht. Er ist wie der Dorn der anderen
Flossen mit feinen, kurzen Stacheln besetzt. Vor ihm, in
der Mittellinie des Rückens, beflndet sich eine Reihe ganz
gleicher Stacheln, die ungefähr bis zur Spitze der ange-
drückten Rückenflosse reicht, aber keine besonderen me-
dianen Schilder enthält. Die Analflosse ist vor der Fettflosse,
reicht aber angedrückt mit ihrer Spitze über den Ursprung
der Caudalflosse weg. Sie wird von der Ventralflosse
erreicht und ist von ihr ungefähr ebenso weit entfernt wie
diese von der Pectoralflosse. Die Caudalflosse ist etwas
abgerundet. Die Farbe des Körpers und der Flossen ist
(in Spiritus) hellbraun mit kleinen dunkelbraunen Flecken.
Beiträge zur Kenntniss der Wirbelthiere Südbrasiliens. 375
Der Bauch und die Kehle sind sehr hell und die Flecke
fehlen hier ganz oder sind sehr undeutlix^h. Die Ven-
tral- und Pectoralflossen sind hell und sehr undeutlich
gefleckt. Das lebend in den Spiritus gelegte Thier über-
zieht sich mit einer dichten Pseudomembran von gehärte-
tem Schleim, die erst entfernt werden muss, damit die
Farbe und Bildung der Haut, z. B. die Schilder des Ko-
pfes, zum Vorschein kommen. Unter sechs Individuen
ist das grösste (ohne Schwanzflosse) 42 Mm. lang. Das
Thier lebt häufig im Schlamm der Gräben und Brunnen
an der Costa da Serra gemeinschaftlich mit Girardinus
caudimaculatus.
(Fortsetzung folgt.)
Bonn, Druck von Carl Gcorgi.
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