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ARCHIV
FÜR
NATURGESCHICHTE
GEGRÜNDET VON A. F. A. WIE GM ANN,
FORTGESETZT VON W. F. ERICHSON.
IN VERBINDUNG MIT
PROF. DR. LE UCK ART IN LEIPZIG
HERAUSGEGEBEN
Dr f. h. troschsi.,
PROFESSOR AN D"ER FRIEDRICH-WILHELMS-UNIVERSITÄT ZU BONN-
FÜNF UND BUEISSiaSTEM JÄHMGÄNa.
Tiiiveiter Band.
Berlin,
Nicolaische Verlagsbuchhandlung.
(A. Effert und L. Lindtner.)
1869.
Inhalt des zweiten Bandes.
Seite
Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte der Säu-
gethiere während des Jahres 1868. Von Tr ose hei . 1
Bericht über die Leistungen in der Herpetologie während des
Jahres 1868. Von Troschel 26
Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie während des
Jahres 1868. Von Troschel 39
Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte der Mol-
lusken während des Jahres 1868. Von Troschel . . 58
Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte der Vö-
gel während des Jahres 1868. Von Dr. Hartlaub . 105
Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen im Gebiete
der Myriopoden, .Arachniden und Crustaceen während
der Jahre 1867— 68. Von Dr. A. Gerstaecker . . 133
Myriopoden I35
Arachniden . . . . , , .139
Crustaceen jg2
IV Inhalt.
* •
Seite
Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen in der Natur-
geschichte der niedern Thiere während der Jahre 1868
und 1869. Zweite Hälfte. Von Dr. Rud. Leuckart.
Erste Hälfte 207
Yermes . . , 214
Annelides 217
Piatodes 303
Ciliati 329
Berielit über die Leistungen in der NatHrgescliichte
der Säugethiere Wcälirend des Jahres 1868,
Von
Troschel.
Von Moritz Wagner erschien eine Schrift :^Die
Darwin'sche Theorie und das Migrationsgesetz der Orga-
nismen. Leipzig 1868.^ Obgleich ihr Inhalt nicht gerade
in die Naturgeschichte der Säugethiere eingreift, so mag
ihrer doch hier kurz erwähnt werden. Verf., ein An-
hänger der Darwn'n'schen Transmntationstheorie, glaubt
der Erscheinung der Bildung neuer Rassen und demnach
neuer Arten durch sein Migrationsgesetz eine bessere Be-
gründung zu geben, und viele Schwierigkeiten und Ein-
würfe zu beseitigen. Er nimmt an, einzelne Individuen
müssten stets trachten ihren Verbreitungsbezirk zu über-
schreiten, und wo wenige Individuen sich von ihren Art-
genossen auf lange Zeit räumlich absondern können, da
entstehe eine wirkliche Varietät, d. b. eine neue Art.
Unbeschränkte Vermischung aller Individuen werde stets
Gleichförmigkeit erzeugen, Absonderung sei für die Bil-
dung neuer Arten Bedingung. Er sagt: Das Migrations-
gesetz der Organismen und die natürliche Zuchtwahl
stehen in einem innigen Zusammenhange; die geogra-
phische Vertheilung der Formen würde ohne die Dar-
win'sche Theorie nicht erklärbar sein. Andererseits könnte
aber auch die Zuchtwahl ohne eine Wanderung der Or-
ganismen, ohne die längere Isoürung einzelner Individuen
Archiv f. Naturg-. XAXV. Jalirij. Bd. 2. ^
2 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgescliichte
vom Verbreitimgsbezirk der Stammart nicht wirksam wer-
den. Beide Erscheinungen stehen in enger Wechselwir-
kung. — Die Abhandlung ist anziehend geschrieben und
möchte, soweit es die ßassenblldung angeht, nicht viele
Einwände zulassen, und weiter geht Verf. nicht. Ob alle
gegebenen Beispiele, wie die Begrenzung der Verbrei-
tungsbezirke der Species durch Flüsse wirkliche Begrün-
dung haben, das ist eine andere Frage.
Kinberg hat Studien über den p]pistropheus ge-
macht, und führt dessen Eigenthümlichkeiten von einer
ganzen Reihe von Säugethiercn an. Er sucht zu beweisen,
dass, wenigstens bei den Säugcthieren, im Allgemeinen
der Processus odontoideus längere oder kürzere Zeit durch
zwei Intervertebralepiphysen von dem eigentlichen Corpus
epistrophei getrennt sei ; dass der Processus odontoideus
dem arcus entsprechende Theile habe, jedoch nicht zu
einem wirklichen Bogen entwickelt, sondern analog mit
gewissen Schwanzwirbeln gebildet; dass also der Epistro-
pheus zwei Körper habe, welche wie die Sacralwirbel
verwachsen, und dass folglich der Epistropheus durch
Verwachsung zweier Wirbel entstanden sei. Ofversigt
Vetensk. Akad. Förhandlingar p. 429—448.
Wyman schrieb in Proc. Boston Soc. p. 246 eine
Abhandlung über die Symmetrie und Homologie in den
Gliedmaasscn, worauf hier kurz hingewiesen werden mag,
ohne einen Auszug zu geben. Als homolog werden be-
zeichnet: Scapula und Illum, Clavicula und Ischium, Co-
racoideum und Pubes; Humerus und Femur; Ulna und
Tibia, Radius und Tibula u. s. w.
Eine Schrift von Parker über den Bau und die
Entwickelung des Schultergürtels und des Brustbeins bei
den Wirbelthieron, London 1868, ist von der Ray Society
in 4. mit Tafeln herausgegeben w^orden.
Zur Morphologie der Haare hat Goette im Archiv
für mikroskopische Anatomie IV. p. 272—322 geschrieben.
Sclater stellte In einer Tabelle die Geburten der
Säugethicre im zoologischen Garten zu London während
der letzten 20 Jahre zusammen. Es wurden geboren 31
Quadrumana, 85 Carnivora, 33 Rodentia, 300 Artyodactyla,
der Säugethiere während des Jahres 1868. S
7 Pcrissodactyla, 1 Dasypus, 42 Marsupialia. Diese Ge-
burten erfielen von zusammen 105 Spccies. Proc. zool. soc.
p. 623.
Eisen und Stuxbcrg haben in einem Beitrage
zur Kenntniss von Gotska Sandön, einer kleinen Insel
nördlich von Gotland, auch eine üebersicht der Fauna
gegeben. Von Säugethieren werden genannt: Phoca vi-
tulina, Ph. hispida^ Halichoerus grypus, Lepus timidus^
Rangifer tarandus und Ovis aries. Ofversigt Vetensk.
Akad. Förhandlingar 1868. p. 369.
Stricker theilte, Zool. Garten p. 63, aus Guthe's
Werk „die Lande Braunschweig und Hannover, mit Rück-
sicht auf die Nachbargebiete geographisch dargestellt.
Hannover 1867.'' Notizen über die in Niedersachsen aus-
gerotteten Säugethiere mit. Er nennt das Rennthier, Rie-
senhirsch, Elch, Wisent, Ur, Bäi-, Luchs, Wolf, Otter, Biber
und Nörz.
Francis H. Brown machte Proc. Boston, soc. XH.
p. 205 Bemerkungen über die Fauna von Madeira, nicht
jedoch in Folge eigener Beobachtungen, sondern untei-
Benutzung der einschlägigen Litteratur. Von Säugethie-
ren wird gesagt, dass es ausser einigen Fledermäusen keine
eingeborenen gäbe; wilde Ziegen und Schweine seien
unzw^eifelhaft durch Schiffe eingeführt u. s. w. Bei den
übrigen Thierklassen kommen wir nicht weiter auf diese
Arbeit zurück.
Murray berichtet über v. Heuglins Reise nach
Abessinien, den Gala-Ländern, Ost-Sudan und Chartum,
Jena 1868, und zieht Schlüsse aus den darin enthaltenen
zoologischen Angaben auf die frühere Formation des
Landes. The Journal oftravel and natural history L 1868
p. 146.
Die geographische Verbreitung der im nordöstlichen
Afrika wild lebenden Säugethiere behandelte Ha r tm a nn
in der Zeitschrift der Ges. für Erdkunde zu Berlin 1868,
p. 28, 232, 345, 404. Der Aufzählung der Arten wurden
genauere Angaben über die geographische Verbreitung
und Notizen über Lebensweise, Jagd u. s. w. beigefügt.
Das Verzeichniss enthält 12 Affen worunter ein Troglo-
4 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
dytes, den Verf. für den Repräsentanten einer eigenen
Art nehmen möchte^ 1 Halbaffen, 46 Fledermäuse, 8 Katzen,
3 Hyänen, 1 Proteles, 10 Hunde, 2 Viverren, 8 Herpestes,
3 Mustelineii, 1 Ursus, 14 Insectivoren, 54 Nagetbiere, 1
Orycteropus, 1 Manis, 1 Giraffe, 2 Hirsche, 31 Antilopen
(deren Lebensweise und Jagd), 2Ibex, 1 Ovis, 1 ßos, 5
Schweine, 3 Einhufer, 1 Hippopotamus, 2 Rbinoceros, 3
Hyrax, 1 Elephas, 5 Cetaceen.
Unter der Ueberschrift „Ergebnisse einer Reise in
Nord-Ost- Afrika^ schilderte Monro die von ihm dort be-
obachteten Säugethiere. Zool. Garten p. 81, 168.
Travels in the Interior of South- Africa by James
Chapman. Vol. H. London 1868. p.333 enthält einen
Anhang mit beschreibenden ßemerkuugen über die Säu-
gethiere des intertropischen Südafrika, beschrieben wer-
den folgende Arten : Gazella pygarga, albifrons, Tragulus
melanolis, Cephalopus coerula, Tragelaphus sylvatica, Re-
dunca capreolus, Redunca Lalandii, (U-eotragus saltatrix,
Redunca scoparia, Redunca eloolragus, Cephalopus raer-
gens, — ferner Khanametla, die Tuania oder rothe Katze
(Lynx), der kleine Otter, die Ta-he, der Machuani oder
Honigfuchs, der Tookue, Felis jubata, Elcphant Bull,
Gemsbock (weiblich), ein weisses Rbinoceros (weiblich),
Leche (männlich und weiblich), Büffel, Steinbock, Hasen,
ein anderes weisses Rbinoceros, die Tsiepa oder gestreifte
Katze.
Aus Mittheilungen Grandidier's an die Pariser
Academie geht hervor, dass die Insel Madagascar, die
jetzt ihre ganz eigenthümlichen Thierformen hat, und
keinen Repräsentanten der grossen Herbivoren aufweist,
welche der afrikanischen und asiatischen Fauna ihren
Hauptcharakter verleihen , dereinst grosse Paehydermen
besass, nändich eine Art Hippopotamus, die im subfossilen
Zustande aufgefunden von Gran di die r den Namen H.
Lemerlei erhielt. Derselbe entdeckte auch drei Arten
Chirogalus. Revue de zoologie p. 466.
Wie Perceval Wright erzählt, sollen auf den
Seychellen keine Säugethiere leben, mit Ausnahme von
zwei Fledermäusen, Pteropus Edwardsii und einer neuen
der Säugethiere während des Jahres 1868. 5
Art, die Peters Coleura sechellensis genannt bat. An-
nais nat. bist. IL p. 436.
Nacl) einem Voi'trage von Tristram Proc. Royal
Soc. x\pril 186S über die geographiscbcn Beziehungen der
Fanna imd Flora von Palästina, kommen daselb.st 82 Säu-
getbiere vor, von denen 41 der Pnläarctisclien Region,
30 (von denen 9 auch indisch sind) der Aethiopiscben, 13
mit Einscbluss jener 9) der Indischen Region angehören,
und 7 eigenthümlicb sind.
Tvtler giebt an, Revue de zool. p. 195, dass auf
den Andamanen Sus andamanensis Blytb sebr bäufig sei,
ein auffallend kleines Tbier, wclcbes Mollusken und Cru-
staceen frisst. Ausserdem kommen daselbst einige Ratten,
ein Paradoxurus und mebrere Fledermäuse vor.
lieber die von dem Marquis Doria in Sarawak auf
Borneo gesammelten Fledermäuse bericbtete Peters
Berliner Monatsberichte p. 626. Das Verzeicbniss entbält
14 Arten, w^orunter aucb eine neue.
In einem Bucbe Tbe Pbilippine Islands, Molluccas,
Siam, Cambodia, Japan and Cbina at tbe close of tbe
16. Century by Antonio de Morga, translated from
tbe Spanisb by Stanley. London 1868 finden sieb p. 277
einige zoologiscbe Bemerkungen. Unter anderen wird
eines grossen Fiscbes erwäbnt, der 1596 bei einem grossen
Sturm strandete. Wird wobl ein Cetacee gewesen sein?
Robert Brown bat eine Arbeit über die Säuge-
tbierfauna Grönlands Proc. zool. soc. p. 330 — 362 geliefert.
Nach ihm leben daselbst folgende 30 Arten : üi'sus mari-
timus L., Vulpes lagopus Riclr, Canis familiaris L. Var.
borealis ; Myodes torquatus Keys. Blas., Lepus glacialis
Leacb; Ovibos moscbatus Blainv,, Rangifer tarandus Baird ;
Callocepbalus vitulinus F. Cuv., Pagomys foetidus Gray,
Pagopbilus groenlandicus Gray^ Pboca barbata Fab., Tri
checbus rosmarus L., Halicboerus grypus Nilss., Cysto-
pbora cristata, Nilss.; Balaena mysticetus L., Pbysalus
antiquorum Gray, Balaenoptera gigas Escbr., rostrata
Gray, Megaptera longimana Gray, Catodon macrocepbaliis
Lac; Delpbinus eupbrosyne Gray, Lagcnorbyncbus albi-
rostris Gray, leucopleurus Gray, Orca gladiator Sund.,
6 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Phocaena communis Brookes^ Beluga catodou Gray, Mo-
nodon raonoceros L., Globiocephalus svineval Gray, Hy-
peroodon butzkopf Lacep., latifrons Gray. — Es folgt
dann eine Schilderung der geographischen Verbreitung
der Grönländischen Säugethlere, Bemerkungen über die
Lebensweise, Verbreitung und Svnonymie der Landsäu-
gethiere, nnd über einige zweifelhafte oder mythische
Thiere von Grönland.
In einem Kapitel über die Jagd auf Vancouver Is-
land in Scenes and studies of savage life by S proat. Lon-
don 1868. p. 231 ist die Rede von Panther, Wolf Bär,
Cervus canadensis und virginianus, Marder, Mink, Wasch-
bär, Biber.
In einer neuen Zeitschrift Vargasia, Boletin de la
Sociedad de ciencias fisicas y naturales de Caracas. 1868
p. 33 findet sich ein Verzeichniss der Säugethiere von
Venezuela von A. Ernst. Es enthält folgende Arten:
Mycetes seniculus, Ateles Beelzebul und paniscus, Lago-
thrix Humboldtii, Cebus capucinus, Brachyurus chiropotes,
Cebus Apella, Cebus albifrons, Cebus xanthocephalus ,
Chry.^othrix sciureus, Hapale argentata, Brachyurus rufi-
venter, Callithrix torquata, Nyctipithecus trivirgatus, eine
unbestimmte Art, Brachyurus melanocephalus, — jdie
Chiropteren sind vorbehalten, — Ursus ornatus, Procyon
cancrivorus, Cercoleptes caudivolvus, Nasua socialis, Me-
phitis sutfocans und andere Arten, Lutra brasiliensis und
enhydris, Galictis vittata und barbara, Canis Azarae, Felis
concolor und discolor, Felis pardalis, Felis Onza, Felis
nigra, Felis mitis, Felis tigrina, — Didelphis opossum,
Didelphis dorsigera, Chironectes variegatus, — Sciurus
aestuans, Mus decumanus und tectorum, Mus musculus,
Cavia aperea und leucopyga, Hydrochoerus capybara, Da-
syprocta aguti und acuchy, Coelogenys paca, Myopotamus
coypus, Lepus brasiliensis, Cercolabes prehensilis und in-
sidiosa^ Loncheres cristata und hispidus, — Myrmecophaga
jubata, didactyla und tamandua, Bradypus tridactylus, Da-
sypus novemcinctus und duodecimcinctus, — Tapirus ame-
ricanus, Dicotyles labiatus und torquatus, — Cervus sim-
plicicornis und rufus, — Manatus australis, Delphinus del-
der Säu^ethiere während des Jahres 1868. 7
phis und amazonlciis, Physeter macrocephaliis, zusammen
etwa 64 Arten.
Panceri gab einen Catalngo sisteraatico del Gabi-
netto di Anatomia comp.-irata nella Regia TJnIveröitä degli
studi di Napoli heraus. Napoli 1868. 8. 107 Seiten mit
Grundriss des Locfiles. Dieses Buches sei hier erwähnt,
ohne es bei den übrigen Thierk lassen zu wiederholen.
Von den Proceedings of the zoological society of
London ist ein Index für die Jahrgänge 1848 bis 1860
erschienen, und zwar bereits unter der Jahreszahl 1863.
Er scheint jedoch erst jetzt versandt zu sein. Er enthält
1) die Liste der Namen der Autoren mit Angabe der
einzelnen Abhandlungen, 2) die Liste der Illustrationen,
3) den Index der beschriebenen Species. Auf diesen In-
dex, der natürlich die Thiere aller Klassen enthält, möge
hier aufmerksam gemacht sein. Er erleichtert sehr die
Benutzung dieser so überaus inhaltsreichen und wichtigen
Zeitschrift.
Quadrumana.
Die Abhandlung von Mivart über das Appendicu-
larskelett der Primates, deren schon im vorj. Bericht vor-
läufig erwähnt wurde, ist in Philosophical Transactions
of the Royal Society of London Vol. 157 p. 299—429,
begleitet von 4 Tafeln ausführlich erschienen. Wir ent-
halten uns eines Auszuges.
Simiae. Abbot theilte Proc. Boston soc. XI. p. 137 einen
Bericht über die Jagd und den Fang eines grossen männlichen Go-
rilla mit. übersetzt aus dem Bericht von H. deParville in der
Union medicale de Paris.
Eine kurze Notiz über Hylobates hoolock und H. lar von
Grote ist in Proc. zool. soc. p. 526 mitgetheilt.
Bei Gelegenheit der Beschreibung eines neuen Colobus Kirkii
Proc. zool. soc. pl. 15 von Zauzibar charakterisirte J. E. Gray verglei-
chend die neun bekannten Arten dieser Gattung. Die neue Art hat
am Scheitel des Kopfes zurückgewendete Haare, etwas strahlig vorn
an der Stirn, Umfang des Gesichtes glatt, kahl ; Rücken und Schwanz
rothbraun; Nacken, Füsse, Ausseuseite der Arme und Schenkel
8 Tr ose hei: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
■SS-
schwarz ; Stirn , Wangen , Unterseite und Innenseite der Beine
weisslich.
Auch Peters beschreibt einen neuen Colohus palliatus von
Zanzibar : Ater, fascia frontali, temporibus, malis, gula, juba hume-
rali, caudaeque apice albis: regione genital! flavida. Berliner Mo-
natsberichte p. 637.
Gray gab Proc. zool. soc. p. 182 eine kurze Uebersicht der
18 im britischen Museum befindlichen Arten der Gattung Cercopi-
thecus. Er unterscheidet: a) Nase blau, Bart gelb C. cephus.
b) Nase mit weissen Haaren bedeckt C. petaurista, melanogenys,
Martinii, nictitans, ludio. c) Nase und Ohren mit rothen Haaren
bedeckt C. erythrotis. d) Nase wie der Körper gefärbt. Hier wird
weiter unterschieden: *) Schenkel (haunches) mit einem weissen
Streifen C. diana, leucocampyx. **) Schenkel mit einem weissen
Fleck C. mona, Grayii. ***) Schenkel ohne Streifen oder Fleck.
t) Kopf mit einem schwarzen Schläfen streifen C. pogonias, Erxle-
benii, pluto, erythrogaster. ff) Kopf ohne schwarzen Streifen C.
Campbellii (Burnettii Gray), albogularis, saimango.
Von Java-Meerkatze und Rhesusäffinnen sind zwei Bastarde im
zoologischen Garten in Hannover erzogen worden. Niemeyer im
zool. Garten p. 69.
Gray bildete eine neue Art Macacus lasiotus aus dem Innern
Chinas ab. Proc. zool. soc. p. 60. pl. 6; Annais nat, bist. I. p. 154.
Schwanzlos, gelblich olivenfarbig, Gesicht weisslich mit einem klei-
nen rothen Fleck an der Aussenseite jedes Auges.
J. E. Gray beschrieb einen neuen amerikanischen Affen
Mico sericeus, der im zoologischen Garten zu London lebt. Sein
Pelz ist weiss und seidenartig, Füsse und Schwanz gelblich, Ohren
gross mit einem doppelten Kranze von ausgespreizten Haaren. Proc.
zool. soc. p. 256.
PrOSimii. F. Schlegel schrieb (Zool. Garten p. 1) über die
Lemuren unserer zoologischen Gärten. Bei der Veränderlichkeit,
namentlich in der Farbe, möchte Verf. zur Unterscheidung der Ar-
ten einen Beitrag geben. Die hier erwähnten Arten sind : L. catta
L., varius L., Macoco L., rubriventer Geoffr., mayotteusis Pollen
und anjuanensis Geoffr.
Dönitz weist nach, dass die grossen Zähne des Unterkiefers
der Lemuriden, welche zwischen Schneidezähnen und Backenzähnen
stehn, wirklich die Eckzähne seien, und dass sie nicht hinter den
oberen Eckzähnen eingreifen, sondern vielmehr an der inneren Seite
derselben. Sitzungsberichte der Gesellsch. naturf. Freunde zu Berlin
1868. p. 32.
Chirogaleus Samati Grandidier Revue de zool. p. 49 ; Annales
der Säugethiere währ-enil des Jahres 1868. 9
des sciences nat. VIII. p. 294 ; Annais nat. bist. II. p. 172 vom Fluss
Tsidsibon in Madagaskar.
Volitaiitia.
Jacke 1 verzeichnete die Insekten, welche während der Jahre
1866 und 67 der gemeinen Fledermaus, Vespertilio murinus, nach
seinen Beobachtungen zur Nahrung dienten.
Unter dem Namen Peronymus stellte Peters Berliner Mo-
natsberichte p. 145 eine neue Untergattung für seine Peropteryx leu-
coptera auf, da sich diese Art durch die mit einander verwach-
senen Ohren, den am abgestutzten Ende unregelmässig gezackten
Tragus, die bis zu dem Metatarsus herabsteigenden Flughäute und
im Schädelbau besonders durch den Mangel der Auftreibung des
Schuauzentheiles verschieden zeigt.
Peters las ib. p. 361 über die zu den Glossophagae gehörigen
Flederthiere. Er bringt sie in folgende Uebersicht : A, Innere obere
Schneidezähne mehr entwickelt und breiter als die äusseren, die
Kaufläche der wahren Backzähne mit deutlicher W-förmiger Bildung
und daher ausser dem inneren Zahnkranzhöcker mit zwei vordem
Höckern versehen. a) Schädel mit wohl entwickeltem Jochbogen
Gatt. Glossoi)liag a Geoflfr. , Monopliyllus Leach , Ischno-
glossa Sauss. mit je einer Art. b) Kein Jochbogen Gatt. Phyl-
lonycteris Guudl. mit zwei Arten. — B. Innere obere Schneide-
zähne kleiner als die äusseren, untere Schneidezähne hinfällig, a)
Jochbögen entwickelt. Gatt. Loncho glossa n. gen.. gegründet
auf Glossophaga caudifer und ecaudata Geoffr., die zusammengezo-
gen werden; b) Jochbogen fehlt, Gatt. Glossony cteris n. gen.
mit einer neuen Art Gl. lasiopyga aus Mexiko und Gh o er ony cte-
ris Lichtst. Tschudi mit 2 Arten, wovon Cli. minor neu aus
Surinam.
Peters beschrieb ib. p. 367 eine neue Art Coleura seychellensis
von den Seychellen.
Ferner desgleichen Vesperus (Hesperoptenus) Doriae Peters
ib. p. 626 von Borneo.
' Der im vorigen Jahre beschriebene Rhinolophus capensis wird
nun ib. p. 637 von Peters Bh. aethiops genannt; daselbst wird
dann eine neue Art Vesperus (Hesperoptemis) Kraussii aus Guinea
beschrieben, und die Maasse von Vesperugo molossus Temm. gegeben.
insectivora.
Ed. Brandt machte wichtige Untersuchungen über das Ge-
biss der Spitzmäuse bekannt. Bull, de Moscou 1868. 3. p. 76 mit
10 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturj/eschichte
6 Tafeln. Es ist ihm gelungen an allen Untergattungen die Zwi-
schenkiefernath zu beobachten, und dadurch zur Gewissheit über die
Gebissformeln zu kommen. Er bestätigt zwar die Angabe von P e-
ters über Crocidura sacralis, fand aber in den Zahnformeln Ver-
schiedenheiten nach den üntergattuiigen. Bei Pachyura liegt sie
zwischen dem 2. und 3. mittleren Zahne, so dass 2 seitliche Schnei-
dezähne, 1 Eckzahn und 1 Lückenzahn anzunehmen ist; bei Diplo-
mesodon liegt sie zwischen dem 1. und 2. mittleren Zahne, bei So-
rex zwischen dem 3. und 4. mittleren Zahne und bei Crossopus zwi-
schen dem 2. und 3. — Verf. beachtet dann noch ausdrücklich das
Verhalten der Zähne bei geschlossenen Kiefern. Die Zacken und
Spitzen der oberen Zähne greifen in die Zwischenräume an den
unteren ein und umgekehrt, doch so dass die unteren Backzähne
nach innen von den oberen zu liegen kommen. Die unteren Schnei-
dezähne sieht Verf. als aus der A^erschmelzung mehrerer Zähne an,
wobei bei einigen Gruj)pen eine Spur dieser Verschmelzung durch
die Zacken angedeutet wird, während bei Crocidura jede Spur da-
von verschwunden ist. Verf. erkennt in dem Zahnsystem der Spitz-
mäuse den allgemeinen Typus des Zahnbaues der Insectivoreu, der
sich in den scharfen, spitzigen Höckern der Backzähne, in den ru-
dimentären Eckzähnen, und in der Lagerung der unteren Zähne vor
den entsprechenden oberen zeige. Auf den zugehörigen 6 Tafeln
ist das Zahnsystem von Sorex vulgaris und pygmaeus, Crossopus
fodiens, Crocidura leucodon, arauea und suaveolens, Pachyura etrusca
und indica, und Diplomeso don pulchellus abgebildet. Eine Fortset-
zung ist verheissen.
Carnivora.
Ursina. Sclater gab Proc. zool. soc. p. 71 vorläufige Nach-
richt von einem mit Ursus americanus verwandten Bären, den er
Ursus nasutus nennt. Er ist schwarz, hat eine hellbraune Schnauze
und einen halbmondförmigen weissen Fleck an der Brust. Ist Taf. 8
abgebildet. — Bei dieser Gelegenheit zählt Verf. die im zoologi-
schen Garten in London lebenden Bären auf. Es ist 1 U. mariti-
mus, 2 arctos, 2 syriacus , 2 piscator, 3 tibetanus, 1 japonicus. 3
americanus, 1 nasutus, 2 malayanus imd 1 labiatus, zusammen 19
Individuen.
Mustelina. J. E. Gray unterscheidet Proc. Zool. soc. p. 206
einen Dachs aus China als eigene Art Meles chinetisis, und giebt
eine üebersicht der vier ihm bekannten Arten: 1) Meles, Schädel
eiförmig, hinten angeschwollen ; Stirn und Obertheil der Nase breit,
oben flach, an den Seiten gerundet, Gesicht kurz, dick. Fleisch-
zähne des Unterkiefers massig, kürzer als die Zabulinie der drei
der Säugethiere währt ud des Jahres 18()8. 11
Prämolaren. M. taxus L. Europa und M. anakuma Temm. Schl^
Japan. 2) Pseudomel es Rodgson. Schädel langstreckig; Stirn
und Obertheil der Nase schmal, oben cylindrisch, Gesicht lang, ver-
schmälert, vorn gerundet; Nasloch massig, rund, so breit wie lang,
Fleischzähne des Unterkiefers gross, länger als die Zahnliuie der
Präniolaren. M. leucurus Tibet und chinensis China.
In der Gegend von Freiburg in Br. beobachtete v. Schil-
ling einen Dachs, der am Tage seinen Bau verlassen hatte. Zool.
Garten p. 316.
Die Otter von Surinam, Pteronura Sandbachii, wovon bisher
ein einziges Exemplar im Museum zu Livei'pool vorhanden war, ist
nun auch im britischen Museum zu London angekommen, wovon
J. E. Gray Annais nat. bist. I. p. 154 Nachricht giebt. Sie ist
Proc. zool. soc. p. 61. pl. 7 abgebildet, so wie deren Schädel in
Holzschnitt.
GäQinä. Gray hat auf Grund des Studiums der Schädel des
britischen Museums die Familie der Hunde (Canidae) in eine Ue-
bersicht gebracht. Proceed. zool. soc. p. 493—523. Er charakteri-
sirt die Familie durch zwei Höckerzähne in jedem Kiefer,
' ' 7-7
Backenzähne oder mehr ; Füsse vorgestreckt ; Zehen f , gerade, frei,
mit stumpfen, vorstehenden, an der Spitze abgenutzten Krallen, die
vordere Innenzehe hoch, selten fehlend. Er unterscheidet dann I.
N o r m al e Canidae. Der obere Fleischzahn comprimirt, dreilap-
pig, mit einem kleinen Höckeransatz vorn am Innenrande. 1. Section
Lupina e. Schädel dick, fest; Postorbitalfortsatz dick, oben convex
und an der Spitze herabgebogen. 1. Subfam. Lycaonina, Kopf
kurz, breit, Nase kurz, breit; Zähne gross, dicht zusammen; Gau-
men sehr breit, kurz ; Schwanz kurz, gerade. Gatt. Lycaon mit
1 Art. — 2. Subfam, C an Ina, Kopf verlängert, Nase verschmälert,
Zähne massig, Gaumen verlängert, a Wölfe, Schwanz kurz, ge-
rade, buschig : Schädel länglich. *) Kopf kurz, Zähne 38, Höckerzähne
— — -^ Gatt. Icticijon 1 Art. **) Kopf kurz, Zähne 40, Höckerzähne
- — ^* Gatt. (7wo>i 4 Arten. ***) Kopf verlängert, Zähne 42, Hocke r-
2 2
zahne - — -, Schläfenmuskeln durch eine schmale lineare centrale
Ä — 2
Leiste getrennt. Gatt. Lupus, Kopf massig, Nase breit, 6 Arten.
Gatt. Simenia, Kopf sehr laug, Nase schlank, Lückenzähne sehr ent-
fernt, klein. 1 Art. Gatt. Chrysocyon, Kopf sehr lang, Nase schlank,
Lückenzähne genähert, gross, 2 Arten, b. Hunde, Schwanz lang,
gekrümmt oder gedreht, Schädel kurz oder verlängert, Gatt. Ganis,
domesticirt, 4 Arten, c. Fuchssch w äuzig e Wölfe. Schwanz
12 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
o o
verlängert, haarig. *) Zähne 42, Höckerzähne " Gatt. Lycalo-
2i — 2i
pex, Pupille rund, obere Höckerzähne gross, 2 Arten, Gatt. Pseuda-
lopex, Pupille länglich, obere Höckerzähne massig, 5 Arten. **)
2 2
Zähne 44, Höckerzähne — — • Gatt. TJious 2 Arten. — 2. Section
3 — 3
Vulpiyiae, Schädel dünn, verlängert, Nase verschmälert, lang, Post-
orbitalfortsatz dünn, oben concav und an der Spitze horizontal aus-
gebreitet. 3. Subfam. Vulpina. d. Füchse, Schwanz lang, bu-
schig, mit einer von gefärbtem Haar bedeckten Drüse am oberen
Theil nahe der Basis, Schädel sehr lang, oberer Fleischzahn compri-
mirt, dreilappig, mit einem kleinen Höckeransatz vorn an der In-
2 2
nenseite, Höokerzähue ; Pupille oft elliptisch, senkrecht. Gatt.
Vulpes, Ohren massig, Ohrblasen massig, 17 Arten. Gatt. Fennecus,
Ohren sehr gross, Ohrblasen gross, 4 Arten. Gatt. Leucocyon, Schä-
del breit vor den Augenhöhlen, e. Bors t en seh wänzigc Füchse.
Schwanz lang, haarig, mit einem Borstenkamm längs dem oberen
Rande; Zähne wie bei den Füchsen. Gatt. Urocyon mit 2 Arten.
f. Waschbär-Hunde. Schwanz kurz, gerade, buschig: oberer
Fleischzahn comprimirt, dreilappig, mit einem kleinen vorderen in-
neren Lappen; Höckerzähne ?^. Q^tt. Nyctereutes mit 1 Art.
— H. Aberraute Canidae oder Viv err en-Hun de. Oberer
3 3
Fleibchzahn klein, dreieckig , so breit wie lang, Höckerzähiie ?
O ö
länglich quer, fast gleich. 4. Subfam. Megalotina. Schwanz ge-
rade, kurz, buschig; Schädel lang, Ohren gross. Gatt. Megalotis
mit 1 Art. *
Darwin erörtert in seinem Buche: »Das Variiren der Thiere
und Pflanzen im Zustande der Domestication, übersetzt von V. Ca-
rus Stuttgart 1868. p. 18 — 54 eingehend und scharfsinnig die Frage
über die Abstammung der Haushunde. Er schliesst sich der Ansicht
an, dass die verschiedenen Rassen von verschiedeneu wilden Arten,
Wölfen, Schakalen u, s. w. abstammen, und sich diuxh Domestication
und Kreuzung gebildet haben.
Kinberg beschrieb Öfvers. Vetensk. Akad. Forbandlingar
p. 403 ein Fuchsskelett, welches 10 — 15 Fuss tief zu Marieberg bei
Uddevalla gefunden worden war. Er vergleicht die Maasse- der ein-
zelnen Knochen mit denen von C. vulpes und C. lagopus.
Dönitz über einen monströsen Fuchsschädel. Sitzungber.
der Ges. naturf. Freunde zu Berlin 1868. p. 21.
Im zoologischen Garten zu Hannover wurden Bastarde zwi-
der Säugethiere während des Jahres 1868. 13
sehen Fuchs und Hündin erzielt, die aber nach wenigen Tagen star-
ben. So berichtet Niemeyer. Zool. Garten p. 69.
Hyaenina. Die Familie Hyaenadae, welche eng an die Familie
Canidae angeschlossen wird, charakterisirt Gray Proceed. zool.
SOG. p. 524 fulgeudermassen: Kopf etwas verlängert, Nase gerun-
det; ein Höckerzahn im Oberkiefer, bei Proteles fehlend; Füsse
vorgestreckt, Zehen gerade, frei, mit stumpfen, vorstehenden abge-
nutzten Krallen; Schwanz kurz, buschig. Die drei Gattungen wer-
den in folgendes Schema gebracht. *) Zähne gross, wohl entwickelt,
34, Schnauze vorn verschmälert. Gatt. Hyaena mit einer grossen,
tiefen Subcaudaldrüse ; Höckerzahn des Oberkiefers länglich, mit 3
Wurzeln; Fleischzahn mit drei gleichförmigen Lappen, der vordere
Lappen gross, 2 Arten. Gatt. Crocuta. Keine Subcaudaldrüse ; Höcker-
zahn klein, mit zwei Wurzeln, Fleischzahn mit ungleichen Lappen,
der vordere klein, der hintere verlängert, 1 Art. **) Alle Zähne
klein, rudimentär, 32, kein oberer Höckerzahn, Schnauze des Schä-
dels breit, vorn gerundet, Gatt. Proteles mit 1 Art.
M o n r o fand bei Kassala in Afrika viele Hyänen, meist ge-
fleckte. Er bezeichnet die gestreiften als minder hässlich und im
Umgang angenehmer als die gefleckten. Zool. Garten p. 172.
Darwin weist nach, »das Variiren der Thiere und Pflanzen
im Zustande der Domestication« übersetzt von V. Carus p. 54, dass
die Hauskatze sich in Europa, Asien, Afrika und Amerika mit ver-
schiedenen wilden Arten gekreuzt hat, dass aber trotz ihrer Ab-
stammung von verschiedenen distiucten Arten, oder doch der Mo-
dification durch gelegentliche Kreuzungen, ihre Fruchtbarkeit nicht
beeinträchtigt worden sei. Die Rassen sind jedoch in keinem Lande
so ausgesprochen, wie beim Hunde, was Verf. durch die herumtrei-
bende Lebensweise erklärt, indem dadurch eine Zuchtwahl nicht gut
möglich sei.
Fitzinger schrieb im Zool. Garten p. 51 über diellassen der
Hauskatze, Felis domestica. Er sieht sie hauptsächlich als von Felis
maniculata in Äegypten, so wie aus Bastardirung mit Felis catus
und der zahmen Rassen unter einander entstanden an. Die Rassen
sind: 1) Zahme ägyptische Fahl-Katze (F. maniculata domestica, 2)
spanische Hauskatze (F. domestica hispaniea), Farbenveränderung der
vorigen, 3) gestreifte Hauskatze (F. domestica striata), Bastard von
der ägyptischen mit der wilden Katze, 4) blaue Hauskatze (F. dome-
stica coerulea), Bastard der ägyptischen mit der angorisclien Haus-
katze, 5) angorische Hauskatze (F. domestica angorensis), Bastard
der ägyptischen Katze mit Felis Manul, 6) japanische Hauskatze
(F. domestica japonica), durch Verstümmelung des Schwanzes her-
vorgerufene Abänderung der spanischen Hauskatze, 7) chinesische
Hauskatze (F. domestica sinensis) mit hängenden Ohren, die an-
14 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschiclite
gorische Hauskatze, deren Ohren durch künstlich angewandte Mit-
tel hängend geworden sind, 8) malayische Hauskatze (F. domestica
indica), die zahme ägyptische und spanische Katze mit abweichen-
der Bildung des Schwanzes durch Krankheit, 9) paraguayische Haus-
katze (F. domestica paraguensis). Abänderung einiger europäischen
Rassen, mit fast nacktem Schwänze, 10) nackte Hauskatze (F. dome-
stica depilata), völlig haarlos, soll durch Anwendung künstlicher
Mittel hervorgerufen werden.
Dönitz hält die bisher angegebenen Unterschiede im Schä-
del der Wildkatze von der Hauskatze nicht für durchgreifend.
SitzungsberT der Gesellsch. naturfursch. Freunde zu Berlin 1868. p. 7.
Piunipedia.
Robert Brown machte Bemerkungen über die Geschichte
und geographischen Beziehungen der Pennipedien der Spitzbergi-
schen und Grönländischen Meere. Proc. zool. soc. p. 405 — 440. Diese
Bemerkungen beziehen sich auf die Lebensweise und den Instinkt
im Allgemeinen ; dann folgen die Bemerkungen über die einzelnen
Arten, die bereits oben p. 5 aufgeführt sind, sieben an der Zahl,
und schliesslich wird über die commercielle Wichtigkeit der See-
hunds-Fischereien gehandelt. Durchschnittlich werden in den Grön-
ländischen Meeren 200,000 Stück gefangen zum Preise von 110,000
Pfund Sterling. Dabei ist der Dänische und Russische Fang nicht
mitgerechnet.
Bartlett berichtete über die Geburt einer Phoca foetida
im Zoologischen Garten zu London. Sie wurde nahe dem Rande
des Wasser geboren, und war nach einigen Minuten durch llmher-
wälzen ganz von Haaren entblösst, welche eine vollkommene Matte
bildeten, auf welcher das junge Thier während der ersten zwei Stun-
den lag. Nach drei Stunden schwamm sie im Wasser wie die Alten.
Proc. zool. soc. p. 402.
Gray schrieb über die Seebären (Otariadae) der Falklaud-ln-
seln und Südamerika's. Aunals nat. hist. Lp. 99. Verf. erklärt es
für sehr schwierig, die Arten nach den Schädeln zu bestimmen, wenn
mau nicht ganze Reihen vor sich hat, da sie in der Form nach dem
Alter stark abändern. Es werden 5 Arten von den Falklandinseln
unterschieden: Arctocephalus falldandicus Shaw., Euotaria ni(jre-
scens Gray, Phocarctos Uookeri Gray, Otaria jubata und Ärctophoca
Phüippi Peters.
Weitere Bemerkungen über die antarctischen und Cap'schen
Seebären machte Gray ib. p. 215, und beschreibt daselbst eine neue
Art Arctocephalus nivosus vom Vorgebirge der guten Hoffnung;
schwarz mit weissen Flecken.
der Säugethiere während des Jahres 18G8. 15
Abbott kennt nur vier Arten Seehunde an den Falklands-
Inseln, nämlich den See-Elephanten (Morunga elephantina), den See-
Löwen (Otaria jubata), den Pelz-Seehund (Otaria falklandica) und den
See-Leoparden (Stenorhynchus leptonyx). Diese Notiz ist von Be-
merkungen Sclater's begleitet. Proc. zool. soc. p. 189.
Burmeister unterscheidet an den Küsten von Buenos-Aires
nur zwei Arten Otaria, nämlich Otaria leonina, von der 0. jubata,
Byronia, Godeffroyi und Ulloae nur individuelle Abweichungen sind,
und Otaria falklandica, mit der 0. nigrescens Gray und Philippii
Peters identisch sind. — Die männlichen Schädel zeigen alle mehr
oder v\^eniger Eigenthümliches, während die weiblichen eine viel
grössere üebereinstimmung an den Tag legen und die specifische
Identität sicher feststellen. Berliner Monatsberichte p. 180.
Sclater erzählt Proc. zool. soc. p. 527 von einer jungen
Otaria jubata, die lebend in den zoologischen Garten zu London von
den Falklandinseln durch Leconte geliefert wurde.
Murie berichtete Proc. zool. soc. p. 67 über die Krankheita-
Erscheinungen bei einem Walross des zoologischen Gartens in Lon-
don. Der Magen zeigte sich bei der Section ganz mit Ascariden
erfüllt, die als neue Art beschrieben wurden.
Rodentia.
Sciuromorpha. Tiemann notirte die Eigenthüralichkeiten
eines gezähmten Eichhörnchens. Zool. Garten p. 78.
Blanford berichtigt einige Fundorte, welche Gray im vori-
gen Jahre für Indische und Burmesische Eichhörnchen angegeben
hatte. So kommt Sciurus Phagree Blyth nicht in Malabar. sondern
in Martaban, Burma vor; Sc. chrysonotus Blyth stanunt aus Tenasse-
rim; Sc. atrodorsalis Gray von Moulmain ; Sc, Blanfordii Blyth aus
Ober-Burma u. s. w. Verf. klagt, dass die europäischen Naturfor-
scher dem Namen »Indien« eine viel zu weite Ausdehnung geben.
Annais nat. his.I. p. 151.
Gray sagt der Gingee Squirrel des Sonnerat, Sciurus dschin-
schicus Gmel. sei kein Xerus, sondern entweder eine nicht wieder
aufgefundene Art. oder eine Varietät von Macroxus bicolor. An-
nais nat. bist. I. p. 309.
Myomorpha. Eine Schrift von Morgan »The American Bea-
ver and bis Works. Philadelphia 1868« ist mir nur aus einer An-
zeige, welche Friedel im Zoologischen Garten p. 218 gemacht
hat, bisher bekannt geworden. Die Schilderungen der Bauten sollen
viel Interesse darbieten.
Murie spricht von einer Ratte des zoologischen Gartens in
London, deren Vaterland unbekannt, und von der er zweifelhaft
16 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
ist, ob es eine Varietät von Mus rattus oder eine neue Species sei.
Proc. zool. SOG. p. 157.
Tiemann beobachtete wieder eine Singmaus. Zool. Gar-
ten p. 157.
Gerbe schilderte die Lebensweise von Arvicola subterraneus
Selys. Revue de Zoologie p, 417.
Alphonse Milne Edwards sprach in der Pariser Aka-
demie über die Gruppe der Maulwurfsmäuse, hob hervor, dass F.
Cuvier inthümlich einen Schädel von Spalax typhlus für den von
Siphneus abgebildet habe, und hielt sich veranlasst die Gattung
Siphneus aus der Familie der Maulwurfsmäuse zu entfernen, und
sie in die Nähe von Arvicola zu setzen, weil ihre Backenzähne, drei
an der Zahl, keine Wurzeln haben, und daher durch Abnutzung ihr
Ansehen nicht verändern. Ihnen liess er die Gattung Elobius folgen,
während Spalax mit Bathyergus und Georychus in der Familie der
Maulwurfsmäuse verbleiben. Der bekannten Art von Siphneus fügt
Verf. zwei neue hinzu : S. Fontanierii von Peking und Armandii aus
Mongolien. Revue et mag. de Zoologie p. 397.
Peters stellt die Nagergattung Platacanthomys (iasiurus Blyth)
aus Ostindien nach dem Schädelbau zu der Familie der Mäuse, wäh-
rend das Aeu.ssere verleiten würde, sie mit den Myoxiuen zu ver-
einigen, wie es Blyth getliau hatte. Sitzungsber. der Ge.<=». naturf.
Freunde zu Berlin 1868. p. 24.
Die Arten der Saccomyinae oder Taschen-Mäuso des britischen
Museums stellte J. E. Gray synoptisch zusammen. Proc. zool.
soc. p. 199. I. D ipo domyina , Backenzähne wurzellos, obere
Schneidezähne mit einer Längsfurche, Pelz weich, lang, ohne Bor-
sten. 1. G&ii. Dipo domys Gra.y mit 5 Arten. II. Heteromyina.
Backenzähne mit Wurzeln, a) Obere Schneidezähne mit einer Längs-
furche. 2. Gatt. Perognathus Pr. Max. Pelz stachlig oder bor-
atig, mit 4 Arten. 3. Gatt. Abromys Gray. Pelz weich, lang,
Schwanz mit kurzen Haaren , welche die Schuppenringe fast be-
decken, eine Art A. Lordi (P. monticolor Lord). 4. Gatt. Crice-
todipus Peale. Sohlen der Hinterfüsse in der hinteren Hälfte mit
kurzen Haaren bedeckt, Schwanz spärlich behaart, ohne Büschel an
der Spitze, mit 2 Arten. b) Obere Schneidezähne breit und vorn
glatt. 5. Gatt. Heteromys Gray. Pelz mit flachen Stacheln, mit
6 Arten, worunter melanoleucus von Honduras, irroratus, longicau-
datus und alholhnhatus von Mexiko neu. 6. Gatt. Saccomys F.
Cuv. Pelz weich, ohne Stacheln mit 1 Art.
Lägomorphä- Von Krause erschien ein Lehrbuch der Anato
mie des Kaninchens in topographischer und operativer Rücksicht.
Leipzig 1868. 229 S. mit 50 Figuren in Holzschnitt.
Paul Schneider, Topographische Anatomie des Vorder-
der Sänofetbiere während des Jahres 1868. 17
halses beim Kaninchen und der Kohlkopf desseben. Berlin 1868. 4.
25 S. mit Tafeln.
Darwin, der die verschiedenen Rassen der gezähmten Kaninchen
alle von dem wilden Kaninchen abstammen lässt, der einzigen Le-
pus-Art, welche gräbt, bringt in seinem Werke »das Variiren der
Thiere« p. 128 interessante Nachweise über die Entstehung einiger
Rassen bei, so von den verwilderten Kaninchen auf Jamaica, den
Falklandinseln und auf Porto Santo. Er geht dann näher auf die
osteologischen Eigenthümlichkeiten ein.
Ar long hat die Geschlechtsorgane von Leporiden untersucht,
die von einem männlichen und weiblichen Bastard zwischen einem
männlichen Hasen und einem weiblichen Kaninchen erzeugt waren.
Die Geschlechtsorgane waren in beiden Geschlechtern vollständig
ausgebildet, und glichen in einigen Beziehungen dem Hasen, in ande-
ren dem Kaninchen. Beide Geschlechter dieser Bastarde sind frucht-
bar. Comptes rendus 1868. p. 1267 ; Annais nat. bist. H. p. 236.
Edentata.
Flower konnte die Angaben von Gervais über die Entwicke-
lung und den Wechsel der Zähne bei den Gürtelthieren bestätigen.
nach Beobachtung mehrerer Schädel von Tatusia peba Desm. Proc.
zool. soc. p. 378.
Noll schilderte die Gewohnheiten eines im Hamburger zoo-
logischen Garten lebenden Ameisenbären , Myrmecophaga jubata.
Der Zool. Garten p. 30.
Solidungula.
Sanson hält dafür, dass im Orient zwei Arten Equus exi-
stiren, die unter der arabischen Rasse confundirt sind, eine init 5,
die andere mit 6 Lendenwirbeln. Erstere hat eine ebene Stirn und
geradlinige Nasenbeine, letztere eine convexe Stirn und krummlinige
Nasenbeine. Erstere soll dem afrikanischen, letztere dem asiatischen
Continente angehören. Revue de zool. p. 153.
Darwin hat in seinem Werke- »das Variiren der Thiere und
Pflanzen, übersetzt von Carus« p. 60 — 77 die Verschiedenheit der
Rassen der Pferde besprochen und namentlich die Färbung hervor-
gehoben. Er führt zahlreiche Beispiele von Streifung bei den Pfer-
den an; am häufigsten ist ein Rückenstreif, jedoch kommen auch
oft bei graubraunen Pferden Schulterstreifen und Beinstreifeu vor.
p]r hält die Abstammung aller existirenden Pferde-Rassen von einem
einzigen graubraun gefärbten, mehr oder weniger gestreiften ur-
sprünglichen Stamm für wahrscheinlich, in welchen unsere Pferde
gelegentlich noch zurückschlagen. — Den domesticirten Esel hält
Darwin ib. p. 78 von dem Asinus taeniopus aus Abyssinien ab-
stammend, und möchte gewisse Fälle analoger Variation in der Fär-
Archiv 1'. N.ilurg XXXV. Jdhrt^. 2. Jiil. ^ J3
18 ■ Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Natiirsfeschichte
bung von Pferd und Esel durch einen theilweisen Rückschlapj in der
Färbung auf den gemeinsamen Urzeuger, sowohl dieser beiden Ar-
ten als der übrigen Arten dieser Gattung, erklären.
Ramon de la Sagra zeigt an, dass eine Maulthierstute ein
Füllen geworfen habe, es auch' säugte, doch wenige Liebe füs das-
selbe zeigte. Revue de zool. p. 258.
Nultiingiila.
Froboscidea. Gray Hess Proc. zool. soc. p. 491 zwei sehr kleiae
Fötus vom Elephanten uud vom Nilpferde in natürlicher Grösse in
Holzschnitt abbilden.
Marno schildert den Fang und Transport afrikanischer
Elephanten. Zool. Garten p. 81. ^
Aüisodactyla. Murray leugnet die x^ngabe Gray's, dass Rhi-
nocerosse auf Borueo vorkämen. Proc. zool. soc. p. 440.
Sclater liess ib. pl. 41. p. 529 ein junges Exemplar von Rhi-
noceros bicornis abbilden, welches in den zoologischen Garten zu
London gekommen.
J. E. Gray revidirte die Species von Hyrax nach den Exem-
plaren des Britischen Museums. Annais nat. bist. I. p. 35. Verf.
unterscheidet 10 Arten in drei Gattungen. 1) Hyrax. Schädel im
erwachsenen Zustande mit einer deutlichen schmalen Sagittal-Lei ste
am hinteren Theilc des Scheitels ; Nase kurz. Zahnlücke kurz, nicht
so lang wie die Aussensieiten der drei ersten Prämolaren; Backen-
zähne in einer gebogenen Linie ; Molaren gross, breit viereckig, viel
grösser und breiter als die comprimirten Prämolaren, der erste sehr
comprimirt. Augenhöhle hinten unvollständig. Unterkiefer hinten
sehr breit. Schulterblatt verlängert dreieckig. Dahin IL capensis
Schreb. aus Südafrika, Biirtonii (H. syriacus Gray, abyssinicus Bur-
ton) aus Nord- und Westafrika, Welmtßcliii ''arboreus Peters) von
Angola, Briicei (syriacus Schreb., abyssinicus Rüpp., ruficeps Ehrl)g.j
aus Abyssinien, Alpini aus Abyssinien, sinaiticus Hempr. Ehrbg. —
2) Euliyra X, Schädel im erwachsenen Zustande mit einer deut-
lichen schmalen Sagittal-Leiste in ganzer Länge des Scheitels, Hinter-
hauptsbein oben nicht erweitert ; Nase verlängert, vorgezogen. Zahn-
lücke lang, läuger als die Aussenseiten der drei ersten Prämolaren;
Backenzähne in einer fast geraden Reihe : Molaren viereckig, grösser
als die comprimirten Prämolaren. Augenhöhle hinten unvollständig.
Eine Art E. abyssinicus (habessinicus Hempr. Ehrbg., abyssinicus
Giebel, syriacus Hempr. Ehrb.) aus Abyssinien. — 3) Dendr oliy-
rax. Schädel etwas verlängert, mit einem breiten flachen Scheitel.
der in ganzer Länge die Schläfenmuskeln trennt; Nase verlängert,
vorgezogen. Zahnlücke lang, länger als die Aussenseiten der drei
ersten Prämolaren ; Backenzähne in einer fast geraden Linie, und fast
der Säugethiere während des Jahres 1868. 19
von derselben Gestalt, der vordere Prämolare nur ein wenig kleiner.
Augenhöhle vollständig (oder unvollständig bei einem alten Schädel).
Zwei Subgenera: a) Dendrohyrax mit vollständiger Augenhöhle.
D. dorsalis Fräser (abyssinicus Read, arboreus Blainv.) von West-
afrika, arboreus Smith von Südafrika, b. HeteroUyrax mit un-
vollständiger Augenhöhle. D. ßlainvillii, nur nach dem Schädel
bekannt.
In einem Bericht über eine Abhandlung die Gattung Hyrax
betreffend, Bulletin de St. Petersbourg XIII. p. 342, erklärt Brandt
diese Gattung für eine eigene Untergattung der Hufthiere, die be-
deutend zu den Nagern hinneigt, weshalb er sie Gliriformia oder
Gier io idea nennen möchte.
Setigera. Gray hai Proc. Zool. soc. p. 17 eine Synopsis der
Schweine-Arten des Britischen Museums zusammengestellt. Die
Schwierigkeit der Classification der Schweine schiebt er auf die
Domesticirung, die leichte Rückkehr zum wilden Zustande und die
Leichtigkeit der Kreuzung mit fruchtbarer Nachkommenschaft. Die
Familien und Gattungen bringt Verf. in folgende Uebersicht.
I. Prämolaren bleibend, in einer Reihe mit den Molaren.
Farn. 1. Suidae. Zähne 44 oder 40: Schneidezähne |7f; Eckzähne
dreieckig, die oberen nach oben gekrümmt; Prämolaren |-r| oder
ll%. Molaren lz%, die hinteren die grössten. Schwanz lang, selten
fehlend. 10 selten 8 Zitzen. Zehen 4.4; die hinteren an jedem
Fuss kürzer, kleiner. Europa, Asien, Afrika. A. Typische
Schweine (b'MA'na). Schneidezähne |, Zwischenkiefer kurz, Lücke
zwischen Vorderzähneu und Backenzähnen kurz, Eckzähne dick,
ausgespreizt, die oberen nach aussen und oben gewendet, Prämola-
ren-*-':*, a) Wilde Schweine. Ohren aufrecht, massig, haarig. Ein-
farbig oder gesprenkelt, in der Jugend gelb, gestreift; Schädel lang,
Gesichtsliuie gerade, Stirn convex. I.Gatt, Sus mit 11 Arten, Oh-
ren oval, haarig : Schwanz massig, am Ende mit Büschel, Schädel :
Nase convex, gerundet, und oben an den Seiten glatt ; die Conca-
vität der Wangen reicht bis zum Augenrande. Männchen mit einer
Leiste über der Basis der oberen Eckzähne. 2. Gatt. Porcula mit
2 Arten. Ohren oval, haarig, Schwanz rudimentär, Schädel: Nase
verschmälert, etwas verdickt am Rande vor dem Auge. Eckzähne
klein, ausgebreitet, die oberen nicht aufgekrümmt, ohne Rand an
der Scheide. 3. Gatt. Potamochoerus mit drei Arten. Ohren
lang, verschmälert, spitz und an der Spitze gepinselt, Schwanz dick,
hoch oben auf den Hüften. Schädel: Nase oben flach und etwas
verdickt an dem obern Rande; die Concavität der Wangen von dem
Auge durch eine bi:eite Leiste getrennt, Männchen am obern Na-
senrande warzig, und am obern Theil der Scheide des Eckzahns mit
einem grossen Fortsatz; Weibchen nur mit einer Leiste über den
Eckzähnen. — b. Zahme Schweine (Verf. hält weder das zahme
20 T r 0 s c h e 1 : Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Schwein noch die Katze oder den Hund für Abkömmling vom wil-
den Schwein , der wilden Katze Schottlands oder dem europäischen
Wolf! !) Ohren hängend, oft sehr gross. Farbe schwarz, weiss oder
scheckig, in der Jugend wie die Alten. Schädel kurz, Gesichtslinie
vertieft, Stirn und Nasengipfel flach; Nase an den Seiten gerandet.
4. Gatt. Scrofa mit 1 Art. Gesicht glatt. Schädel: Scheide der
obern Eckzähne mit einer Längsleiste an der Basis. 5. Gatt. Cen-
turiosus mit 1 Art. Gesicht stark concentrisch gerunzelt. Schädel:
Scheide der obern Eckzähne mit einem grossen runden Höcker an
der Basis. — B, Abnorme Schweine (B abir ussina). Schnei-
dezähne ^, Zwischenkiefer und Oberkiefer bilden vorn eine grosse
Lücke zwischen den Schneidezähnen und Backenzähnen; Eckzähne
aufrecht, parallel; die Scheiden der obern Eckzähne vom Grunde
nach oben gewendet, und dicht an die Seiten der Wangen anlie-
gend; Prämolaren |i|, die vordem leicht ausfallend. 6. Gatt. Ba-
hirussa mit 1 Art, — Fam. 2. Dicotylidae. Zähne 38: Schnei-
dezähne f i|, die äusseren unteren klein, die obern Eckzähne ab-
wärts gebogen, Backenzähne |l-^. Am Rücken eine Drüse. Kein
Schwanz. Zwei Zitzen. Zehen 4 . 3, die äusseren hinteren Zehen
fehlen. Amerika. 1 Gatt. Notophorus mit 1 Art. Seiten des
Gesichts vor den Augen erweitert, ausgebreitet. 2 Gatt. Dicoty-
les mit 1 Art. Seiten des Gesichts vor den Augen flach. —
IL Prämolaren hinfällig, ihre Stelle wird durch die Entwickelung der
Molaren eingenommen. Fam. Pha cochoeri dae. Zähne verän-
derlich: Backenzähne |; Prämolaren |l| , leicht ausfallend; Eck-
zähne fast cylindrisch, die obern sehr gross, aufgekrümmt; der
letzte Backenzahn sehr gross , convex, in viele konische Spitzen
getheilt. Zehen 4.4; die beiden hintern an jedem Fuss klein,
Mrzer. Afrika. 1 Gatt. Phaco choerus mit 1 Art.
Von den gezüchteten Schweine-Rassen nimmt auch Darwin
an, das Variiren der Thiere p. 82, dass sie von zwei verschiedenen
Arten abstammen, oder wenigstens zu zwei Typen gehören, näm-
lich Sus scrofa und Sus indica.
Nach ßickmore ist die östliche Grenze des Vorkommens
von Babirussa alfarus Less. Buru. die westliche Celebes. Proc. Bo-
ston Soc. Xn. p. 217.
Ruminantia.
Devexa. Monro machte in Zool. Garten p. 168 einige Be-
merkungen über Giraffen bekannt, die er in Afrika besass und trans-
portirte.
Gavicorniä- Sclater Hess Proc. zool. soc. p. 214. pl. 16 ein
junges Männchen von Hippotragus Bakeri Heugl. abbilden, welches
sich in der Königl. Menagerie zu Turin befindet.
der Säugethiere während des Jahres 1868. 21
V. Willemoes-Su-hm schildert die in Hohenschwangau noch
zahheich vorhandenen Gemsen, Der zool. Garten p. 73,
Bruhin bestätigt das Vorkommen von Gemsen-Albinos in
den rhätischen Alpen, und giebt unvollständige Notizen über den
Gemsenfang. Der zool. Garten p. 39.
Von monströsen Gemsenhörnern gab v. Tschudi Nachricht.
Zool, Garten p. 111.
Hayes schrieb einen längeren Aufsatz über die Angora-
ziege, ihren Ursprung, Cultur und Producte. Proc. Boston Soc. XI.
p. 405—432.
Eine Abbildung der Ziege von den Rocky-Mountains findet sich
im Report of the Commissioner of Agriculture for the Year 1867.
p. 218.
lieber das Vorkommen des Steinbocks, Ibex alpiuus, in der
Schweiz berichtet Lungers hausen nach Mittheilungen von v.
Beck-Peccoz. Zool. Garten p. 76.
W i 1 c k e n s trug seine Ansicht über das Wiederkauen und
die Verdauung des Schafes vor. Bericht über die Thätigkeit der
allg. naturw. Section der schlesischen Gesellsch. im Jahre 1867. p. 38.
lieber einige merkwürdige Rassen der Schafe macht Darwin,
das Variiren der Thiere p. 117, interessante Bemerkungen.
Eine Reihe ausgezeichneter Schafrassen ist im Report of the
Commissioner of Agriculture for the Year 1867. pl. 22—27 abge-
bildet.
Darwin, das Variiren der Thiere p. 99 erkennt die Art-Ver-
schiedenheit von Bos indicus (Zebu), primigenius, longifrons, frou-
tosus u. s. w. an, und findet in der fruchtbaren Kreuzung aller do-
mesticirten Rinder-Rassen eine Stütze der Pallas'schen Theorie, dass
die Nachkommen von Arten, welche bei einer Kreuzung kurz nach
ihrer Domestication wahrscheinlich steril geworden waren, nach einer
lange dauernden Domestication vollkommen fruchtbar werden. Verf.
ist der Ansicht, dass das Hausrind von obigen verschiedenen Arten
abstamme.
Lodge schrieb über Mast -Rindvieh in den mittleren Staaten,
Feeding beef cattle in the middle states, mit Abbildung eines Stie-
res. Report of the Commissioner af Agriculture for the Year
1867. p. 212.
Durch die Ankunft eines jungen männlichen Auerochsen im
zoologischen Garten zu Moskau ist der Zweifel beseitigt, ob der
Kaukasische Auerochs mit dem Lithauischen specifisch überein-
stimme, da er sich durchaus übereinstimmend mit demselben zeigte.
Vergl. hierüber Noll im zool. Garten p. 216.
Agassiz setzte Proc. Boston Soc. XL p. 317 die Verschie-
denheit des Amerikanischen Bison und des Europäischen Auerochsen
auseinander.
22 Troschel: Bericht iih. (\. Leist. in d. Naturge schichte
Cetacea.
Sirenia. Brandt hat von seinen Symbolae Sireuologicae in
den Abhandhingen der Petersburger Akademie Fasciculus II et III
erscheinen lassen: Sireniorum, Pachydermatum, Zeuglodontum et
Cetaceorum ordinis osteologia conjparata, nee non Sirenioriim gene-
rum Monographiae. Der zweite Fascikel wurde der Akademie be-
reits 1861-, der dritte Ende 1867 vorgelegt. 9 Tafeln begleiten das
Werk. Der grösste Theil des zweiten Fascikels war schon 1862
gedruckt. In diesem Fascikel p. 1 — 221 beschreibt Verf. die Skelete
von Rhytina und der übrigen Sirenen sehr ausführlich, hebt dann
das Charakteristische der Sirenen-Gattungen, Manatus, Rhytina, Ha-
licore, Halitherium hervor, vergleicht ferner die einzelnen Sirenen-
gattungen unter sich, mit den Pachydermengruppeu und den eigent-
lichen Cetaceen. — In dem dritten Fascikel ist die Litteratur, die
eigentliche Zoologie, die geographische Verbreitung und die Lebens-
weise, sowohl im Ganzen, wie für die einzelnen Familien und Gat-
tungen abgehandelt. Verf. ist der Ansicht, die Sirenen müssen eine
eigene Ordnung der Säugethiere bilden, die sowohl von den Huf-
thieren wie von den fleischfressenden Cetaceen zu trennen sei. Es
werden darin zwei Famihen unterschieden 1) Man atida mit der
Gattung Manatus, deren nur eine Species anerkannt wird. 2) Ha-
lle ori da mit den Gattungen Halitherium Kaup (Halianassa Meyer)
mit drei Arten, Halicore Illig. mit zwei Arten, H. cetacea III. und
H. australis Ow. und Rhytina 111. mit einer Art. Vergl. auch Bulletin
de St. Petersbourg XII. p. 21.
Cetacea. Van Beneden hat ein Verzeichniss aller der Ske-
lette von Cetaceen, wie sie in den einzelnen Museen aufbewahrt
sind, zusammengestellt. Die Museen sind alphabetisch geordnet.
(Les squelettes de Cetaces et les Musees qui les renferment.)
Von Van Beneden und Gervais, Osteographie des Ceta-
ces vivants et fossiles comprenant la description et l'iconographie
du squelette et du Systeme dentaire de ces animaux ainsi que des
documents relatifs ä leur histoire naturelle. Paris 4. mit Atlas in
fol.« ist nur die erste Lieferung mir bisher bekannt geworden. Das
Werk ist auf 13 Lieferungen berechnet.
Van Beneden hat im Bulletin de l'Acad. de Bruxelles
Tom. 25. p. 9 über die geographische Verbreitung der Balaenen seine
Ansicht dahin ausgesprochen, dass B. mysticetus den arctischen
Ocean bei Grönland, Sibirien und Ochotsk bewohne, biscayensis in
einem Gürtel des atlantischen Oceans, japonica in einem Gürtel des
stillen Oceans. australis in einem Gürtel des südatlantischen Oceans
und antipodarum in einem Gürtel des südpacifischen Oceans von
Südamerika bis Neuseeland lebe. Dagegen macht Gray Annais nat.
hist. I. p. 242 seine Bemerkungen, indem er dem Verf. vorwirft, er
der Häugethiere während des Jahres ISH«. 23
habe die Arten des indischen Oceans, B. marginata und austraheu-
sis, ganz ignorirt, und die von ihm angenommene Verbreitung sei
gar nicht erwiesen. Er sagt, wir wissen nur, dass B. mysticetus in
Grönland, biscayensis au der spanischen Küste, australis und Tem-
minkii am Cap, antipodarum bei Neuseeland, australicnsis und mar-
ginata bei Australien, japonica in Japan, nodosa in Nordamerika
vorkomme ; sisarctica möchte dieselbe Art sein, wie nodosa.
Ein Auszug aus Hammer's Tagebuch über die Fischerei
unter Island im Sommer 1866 mit einleitenden Bemerkungen, nebst
einigen Erläuterungen über die Dänische Fischerei-Gesellschaft ist
in Fiedler und P'eddersen Tidsskrift for Fiskeri II p. 218 — 219 u. III.
p. 44 — 105 enthalten. Bezieht sich besonders auf den Walfischfang.
Bemerkungen über die Naturgeschichte und geographische
Verbreitung der Cetaceen, welche in der Davis-Strasse und Baffins-
Bai vorkommen. Von Eobert Brown. Proc. zool. soc. p. 533.
Folgende Arten werden besprochen: Balaena mysticetus L., Physalus
antiquorum Gray, Balaenoptera gigas Eschr., rostrata Fab., Megaptera
longimanaGray, Catodon macrocephalus Lacep., Delphinus euphrosyne
Gray, Lagenorhynchus albirostris Gray, leucopleurus Gray, Orca
gladiator Sund., Phocaena communis Brookes, Beluga catodon Gray,
Monodon monoceros L,, Globiocephalus svineval Gray, Hyperoodon
Butzkopf Lacep., lalifrons Gray, zusammen 16 Arten. x\m ausführ-
lichsten ist Balaena mysticetus behandelt.
J. E. Gray verglich die Schädel einiger Arten von Tursio,
und fand bei Tursio truncatus beträchtliche Verschiedenheiten. Proc.
zool. soc, p. 560.
Gray unterschied einen neuen Delphin CAymene svmüis vom
Cap. Die Pterygoidbeine mit der hintern Nasenöffnung dieser Art
und von Gl. obscura Gray sind in Holzschnitt abgebildet. Proceed.
zool. soc. p. 146.
Burmeister beschrieb eine neue Art Globiocephahm Grayi
nach einem Schädel, der an der Küste von Buenos-Ayres gefunden
worden ist. Annais nat. hist I. p. 52. pl. II. fig. 2, 3.
Gerrard zog aus einem Globiocephalus svineval von 12 Fuss
Länge einen 3 P\iss langen Fötus hervor. Annais nat. hist. I. p. 224.
Atwood machte Bemerkungen über die Lebensweise des
Pottfisches (Sperm whale). Die Männchen sind viel grösser als die
Weibchen, und geben bis 100 Barrels Gel und darüber, die Weib-
chen nur 25, höchstens 40 Barrels Gel. Ein Drittel des Gels findet
sich im Kopfe. Sie tauchen 20 Minuten bis 1 Stunde, dann kom-
men sie an die Oberfläche und blasen 20 bis 25mal. Wenn sie har-
punirt werden, sobald sie an die Oberfläche kommen, werden sie
leicht getödtet, haben sie aber einige Male gespritzt, dann tauchen
sie oft und tief bevor sie sterben. Proc. Boston soc. XU. p. 84.
24 Troschel: Bericht ül). d. Leist. in d. Naturgeschichte
Sophas Hallas machte seine Beobachtungen über einige
auf einer Walfischfangsfahrt in dem Isländischen Meere beobachte-
ten Wale bekannt. Optegnelser om nogle paa et Ilvalfangst-Tog i
Havet omkring Island iagttagne Hvaler (Vidensk. Meddelelser nat.
Foren, for 1867. p. 150 — 177). Von .grossen Walfischen aus der
Gattung Balaenoptera kennen die Isländer 2 Arten, deren eine mit
grösserer Rückenfinne sie Hnifill nennen, die andere Steypireydr
oder JReydarfiskur ; ausserdem sprechen sie von einer kleineren Wal-
fischart mit Bauchfurchen unter dem Namen Hrefna. Von Mega-
ptera kennen die Isländer eine Art, welche sie Hnufubäkr nennen.
Auch die Walfischfänger unterscheiden zwei Arten Balaenoptera;
die eine mit bedeutend grösserer Rückenfinne nennen sie FinbacJc^
die andere Sulphurhottom ; auch kenneu sie nur eine Art Megaptera
unter dem Namen Humpbach. Verf. hat nur eine Art Balaenoptera,
nämlich den Steypireydr und die Megaptera-Art, den Humpback
oder Hnufubäkr beobachtet. Es schildert die Lebensweise dersel-
ben im Allgemeinen und beschreibt dann mehrere Exemplare mit
Abbildung der Brustflossen, Rückenflossen und Schwanzflossen in
Holzschnitt und Angabe der Maasse.
Die Abhandlung von R einhardt über den bei den Isländern
Steypireydr genannten Finnwall (Balaenoptera Sibbaldii Gray) ist
aus ]\Jeddelelser Nat. Foren, i Kjöbenhavn 1867. p. 178, ins Englische
übersetzt Annais nat. bist. II. p. 323.
Malm hat 1867 in Stockholm die Monographie eines am 29.
Oct. 1865 an der Westküste Schwedens gefangenen Finnwales her-
ausgegeben. Das detaillirt beschriebene und in Photographien ab-
gebildete Thier wurde von ihm Balaenoptera Carolinae genannt. —
Flow er giebt seine Meinung dahin ab, dass dies Physalus Sibbal-
dii Gray sei. Proc. zool. soc. p, 187.
Malm beschrieb ein im zoologischen Reichsmuseum zu Stock-
holm befindliches Skelett von Balaenoptera musculus von Finmarken.
Öfversigt af kongl. Vetensk. Akad. Förhandlingar 1868, p. 95. Es
misst in ganzer Länge 61' 2,3" schwed.
IHarsupialia.
Die Abhandlung von Flow er: »On the development and suc-
cession of the teeth in the Marsupialia. vergl. vorj. Ber. p. 43 ist
in Philosophical Transactions of the Royal Society of London Vol.
157. p. 631—641 mit 2 Tafeln erschienen.
K refft stellte nach dem Schädel eine neue Art Thylacinus
hreviceps auf. Annais nat. bist. II. p. 296.
Nach N i e m e y e r ist im zoologischen Garten zu Hannover
ein Bastard von Macropus Benettii und Halmaturus Thetidis gefal-
len. Zool. Garten p. 69.
«Ipi- Säugethiere während <les Jahres 18H8 25
Kretl'i giebt an, dass die gewöhnliche Känguruh-Art, welche
im Südwesten von Victoria vorkommt , Ilalmaturus Billardieri ist,
dieselbe Art, welche in Tasmania lebt. — Von Myrroecobius fascia-
tus wird bemerkt, dass nur vier Zitzen vorhanden seien, und dass
wahrscheinlich höchstens vier Junge geworfen werden. Proceed.
ZOOl. 8UC, p. 2.
M'Coy überzeugte sich an dem Schädel von Phascolomys se-
tosus Gray, dass dies wirklich eine gute Art sei, verschieden von
platyrhinus; wogegen er P. niger Goidd nur für eine Varietät von
platyrhinus hält. Annais nat. bist. I. p. 30.
Mouotremata.
Monotrematä- Peters legte das Os tympanicum nebst Ham-
mer und Ambos von Tachyglossus hystrix vor und erblickte darin
einen neuen Beweis gegen die Ansicht, dass das Os quadratum der
übrigen Wirbelthiere mit dem Ambos der Säugethiere zu identifici-
ren sei. Sitzungsber. der Gesellsch, naturforsch. Freunde zu Berlin
1868. p. 1. — Reichert sprach ib. über die Homologie zwischen
Ambos und Hammer der Säugethiere einerseits und zwischen dem
Quadratbein und dem Gelenkstück (os condyl.) des Unterkiefers der
übrigen Wirbelthiere andererseits. Er erkennt den Gegenbeweis von
Peters nicht an. Vergl. auch Berliner Monatsber. p. 143.
Bericht über die Leistiiiigeii in der Herpetulogie
während des Jahres I8ö8.
Von
T r 0 s c h e I.
Wenngleich die ForschiingcMi über die Amphibien
auch in diesem JaJire niclit ganz ausgeblieben sind^ so
haben wir doch nur wenige Arbeiten zu erwähnen, die
sich auf die allgemeinen Organisations- Verhältnisse dieser
Thierklasse beziehen, und auch solche, die die geogra-
phische Verbreitung derselben behandeln, sind nur spar-
sam erschienen. An neuen Gattungen und Arten fehlt
es auch diesmal nicht.
Jeffreys äusserte sich mit Beziehung auf Plateau's
Untersuchungen (vergl. Ber. 1866 p. 84) über das Auge
der Fische und der im Wasser lebenden Amphibien.
Die typischen Fische haben eine dünne Cornea, kleine
vordere Kammer und eine sphärische Krystalllinse. Unter
Wasser verliert die Cornea ihr Brechungsvermögen, da
sie auf beiden Seiten von Flüssigkeiten derselben Dich-
tigkeit umgeben ist; die Linse allein erzeugt die nöthige
Brechung. Ausser dem Wasser würde kein vollkommenes
Bild erzeugt werden, wäre nicht das Centrum dei- Cornea
über der kleinen Pupille abgeflacht. JSo ist es bei allen
Fischen, von denen ja nur wenige das Wasser verlassen.
Unter den Reptilien haben Krokodile und Alligatoren
Augen wie die P'ische, manche Schlangen wie Tropido-
notus natrix und Eunectes marinus, ferner Hydrophis,
Troschel: Bericht ül». d Tieist. in d Heipetologie 27
Piatunis, Apysuia^ Disteira, Pelamis, Acalypta ct.; ebenso
.die Batrachier, welche mehr oder weniger im Wasser
leben. Im Allgemeinen wird also die Darstellung Pla-
teau's bestätigt. Proc. Boston JSoc. XII. p, 225.
Von Amphibien leben auf Gotska Sandön in der Ostsee,
nördlich von Gothind, nach dem Berichte von Eisen und
iStuxberg Ofvcrs. Vetensk. Akad. Förhandlingar p. 372
nur zwei Schlangen, Coluber natrix und Vipera berus,
und die Kröte, But'o vulgaris.
Von den 48 in Palästina lebenden Reptilien gehören
nach Tristram 25 der Paläarctischen, lo der Aethiopi-
sehen, 2 der indischen Region an, 4 sind eigenthümlich,
und 5 kommen auch in anderen asiatischen Ländern aus-
ser der indischen Kegion vor. Proc. Royal Soc. April 1868.
K e f e r s t ei n schrieb in unserem Archiv p. 252 über
die Batrachier Australiens, mit 4 Tafeln.
Einige Berichtigungen in Beziehung auf die herpe-
toiogische Fauna von Victoria gab Krefft Proc. zool.
soc. p. 2.
Allen stellte ein Verzeichniss der Reptilien zusam-
nie]i, w^elehe in der Nähe von Springfield Mass. gefundeii
worden sind, mit Notizen über alle übrigen in dem Staate
voi'kommenden Arten. Das Verzeichniss enthält Ö Schild-
kröten, 14 Schlangen, 10 ungeschwänzte und 8 ge-
schwänzte Batrachier, zusammen 38 Arten. Ein ange-
hängtes Namen-Verzeichniss der Reptilien von Massachu-
setts weist nach 8 Schildkröten, 1 Eidechse, 15 Schlangen,
11 ungeschwänzte und 10 geschwänzte Batrachier, zusam-
men 45 Arten. Proc. Boston Soc. XII. 171 — 204.
An exarnination of thelieptilia and Batrachia obtained
by the Orton Expedition to Equador and the Upper Ama-
zon, with notes on other Species, By E. D. Cope. Pro-
ceedings Acad. of Philadelphia 18(38 p. 96 — 140. Die Ex-
pedition wurde im Herbst 1867 unter Leitung des Pro-
fessor Orton unternommen. Die Gesellschaft theilte sich,
indem ein Thcil den Orinoco hinauf ging, um den an-
deren Theil in Ost-Ecuador wieder zu trelfen, der in
Payta und Guayaquil den Contincnt berührte und dann
über die xAnden nach Quito ging, dann über Pafallacta, am
28 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Herpetologie
Ostabharig der östlichen Corclilleie, und über Archiaona
in Ecuador nach Napo und von da den Napofluss in Ca-,
noes herunter nach dem Maranon und dem Amazon.
Die Beute ist reichlich ausgefallen^ wie die Arbeit von
Cope beweist; es werden besprochen 1 Krokodil, 2 Schild-
kröten, 18 Eidechsen, 49 Schlangen, 15 ungeschwänzte
ßatrachier und 2 Coecilien. Mehrere^ Species sind neu.
In zwei Anhängen werden ausserdem noch neue Arten
beschrieben.
Kefer stein über einige ßatrachier aus Costarica
s. unser Archiv p. 291.
Von Cope findet sich Proc. Philadelphia 1868 p. 126
die beiläufige Notiz, dass. von der kleinen Insel Navassa,
südwestlich von St. Domingo fünf Reptilien an die Smith-
sonian Institution gelangt sind, nämlich Typhlops sulcatus
Cope, Ungalia pardalis Gosse, Liocephalus eremitus Cope,
Metopocerus cornutus Wagl. und Celestus badius Cope,
Henselhat im Archiv für Naturgeschichte p. 328
seine Beiträge zur Kenntnis« der Wirbelthiere Südbrasi-
liens fortgesetzt, indem er die von ihm beobachteten (22)
Schlangen, (9) Eidechsen, (1) Alligator und (2) Schild-
kröten beschrieb und ihre Lebensweise schilderte.
In einem sechsten Beitrage zu der Herpetologie des
tropischen Amerika Proc. Philadelphia p. 305 hat Cope
eine neue Gattung und mehrere neue Arten beschrieben.
Chelonii.
Dermatemys abnormis Cope Proc. Philadelphia 1868. p. 120
voD Yacatan. Verf. macht auf eine Eigen thümlichkeit im Skelett
dieser Gattung aufmerksam, und unterscheidet die drei Arten : ab-
normis, Berardii Dum. und Mavei Gray.
Etnyda scutata Peters Berliner Monatsber. p, 449 aus Pegu.
Hydraspis Gordoni Gray Proc. zool. soc. p. 563. pl. 42 von
Trinidad.
«
Saurii.
CrOCOdilini. Haughton schrieb über die Muskel-Anatomie
deß Alligators des Mississippi. Er beschreibt die Muskeln der Hin-
während des Jahres 1868. 29
terbeine. der Vorderbeine, der Kiefer und des Koi^fes, und ver-
gleicht die des Beckens und der Schultern. Annais nat. hist, I.
p. 282.
Peters zeigte an jungen Exemplaren von Alligator und Cro-
codilus die Beziehungen des Hammers mit dem Meckel'schen Knor-
pel, und sieht darin eine Bestätigung seiner früher ausgesprocheneu
Ansicht von der Homologie des ()s tympanicum der Säugthiere mit
dem Os quadratum der Vögel. Berliner Monatsberichte p. 592.
J. E. Gray widerspricht dem Ausspruche Strauch's, dass
Adanson's Crocodile noire nicht Cr. frontatus, sondern cataphractus
sei. Annais nat. hist. I. p. 65. — Strauch kommt Bulletin de St.
Petersbourg XIII. p. 51 nochmals sehr eingehend auf diesen Gegen-
stand zurück und hält seine Ansicht aufrecht.
RbynchOCephalia. E. v. Martens sprach sich Zool. Garten
p. 205 über die merkwürdige Brückeneidechse Neuseelands (Halte-
ria Gray) aus, und setzte die Beziehungen zu den Krokodilen, Schlan-
gen und Batrachiern auseinander. Vom Darwin'schen Standpunkt,
sagt Verf., sei es ein Reptil, das im Grossen und Ganzen zu den
Eidechsen gehört, in einigen wichtigen Bildungscharakteren aber
auf der Stufe der Batrachier stehen geblieben, andere (Anpassungs-)
Charaktere aber nach der Weise der Krokodile und Schlangen aus-
gebildet habe.
Ghamaeleontes. Ghamaeleo hasiUscus Cope Proc. Philadelphia
p. 316 aus Nubien. — Ch. KerstenU Peters (Ch. superciliaris Pet.,
non Kühl) aus Wanga. Berliner Monatsber. p. 449.
Geckones. Hemidactylus longipes von Manilla und hexaspis
von Madagascar Cope Proc. Philadelphia p. 320. — H. variegatu&
Peters Berliner Monatsberichte p. 449 von Zanzibar. — H. guineen-
sis Peters ib. p. 640 aus Guinea.
Pentadactylus brunneus Cope Proc. Philadelphia p. 320 von
Australien.
Oedura Verrillii Cope Proceed. Philadelphia p. 318 aus Au-
s tralien.
Peropus Packardii von Malacca, roseus, piisillus von Südau-
stralieu Cope ib. p. 318. j
Ameivae- Ameiva chrysolaema Cope Proc. Philadelphia 1868.
p. 127 von Gonave, westlich von Hayti. — Ä. Petersii Cope ib. p. 99
vom Napo oder Maranon.
Holcosus Bridgesii (Jope ib. p. 306 ohne Angabe des Vater-
landes.
Centropyx pelciceps Cope ib. p, 98 aus Ecuador.
Euspondylus stragiilanus Cope ib. p. 99 vom Napo.
Lo xopholis n. gen. Ecpleopidarum Cope Proc. Philadel-
phia p. 305, unterscheidet sich von Cercosaura nur in der Beschup-
30 Troscliel: Bericht üb. d. Leist. in d. Herpetolosfie
pimg. Schuppen dachziegelartig- in schiefen Reihen; der freie Theil
dreieckig, stark gekielt; Praefrontalia, Frontoparietalia, Parietalia
und luterparietalia deutlich; seitliche und Kehlschuppen wie am
Rücken, Bauchschnppen breit, glatt; keine Kehlfalte, keine Seiten-
falte; Zehen 5 — 5, alle mit Krallen. Augenlied mit durchsichtiger
Scheibe. L. rugieeps aus Neu-Granada.
Lacertao. Tappe schilderte in einer Inauguraldisserta,tiün :
»die einheimischen Eidechsen. Bonn 1868« den Körperbau und das
Leben der Eidechsen, und unterscheidet die vier bekannten Arten :
Lacerta stirpium Daud., viridis Daud., vivipara Jacq. und mura-
lis Merr,
Liebe beobachtete Lacerta ocellata lebend in der Gefangen-
schaft. Zool. Garten p. 108.
Iguanini. JAocephalus eremäii.s Cope Proc. Philadelphia 1868.
p. 122 von der Jnsel Navassa, südv^estlich von St. Domingo. Verf.
giebt eine Synopsis der ihm bekannten 14 Arten.
Änolis Ortonii Cope ib. p. (<7 vom Napo oder dem oberen
Maranou.
Ptychopleurae. Gerrhonotus miritiLs Cope Proc. Philadel})hiii
p. 306 von Vera Paz.
Cope beschrieb ib. p. 97 eine neue Gattung Ojyhi ogno-
nion trisanale aus der P"'amilie Chalcididae, unterschieden von Chal-
cis in der Lage der Naslöcher und in den Kopfschildei-n, die oben
denen einiger mexicanischen Gattungen der Calamarien sehr ähnlich
sind. Die Art ist am Napo oder oberen Maranon gesammelt.
Scinci. JaJumeces perdicicolor Cope Proc. Philadelphia p. 817
«von Zanzibar.
Panasp is u. gen. Scincidarum Cope ib. p. 317 unterschie-
den von Morethia Gray durch die Trennung der Frontoparietalia
von einander und von den luterparietalia; keine AugenHeder, ein
Supranasale, Rostrale nicht vorspringend, Beine kurz, Zehen 5 — 5,
Schuppen glatt. F. aeneua wahrscheinlich vom SvvaTi-River in Au-
stralien.
Von der Gattung Celestus Gray giebt Cope eine Synopsis der
Arten Proc. Philadelphia p. 123 und beschreibt als neu C. deyener
von Portorico, plioxinus von Hayti, Weinlandii von Gonave westlich
von Hayti, hadiu^ von Navassa, impressus von Jamaica.
Sepsina yrammica Cope ib. p. 318 von der Süd Westküste
Afrika's.
Ophidii.
Typhlopidae. Ttjphlops sulcafus Cope Proc. Philadelphia 1868.
p. 128 von Navassa südwestlich von St. Domingo. — T. {Ophthalmi -
während des Jahres 1868. 31
dion) elegans Peters Berliner Monatsberichte p. 450 von der Prin-
zeninsel.
Lethe ob in. n. gen. Typhlopidarum Cope Proc. Philadelphia
p. 322 unterschieden von Typhlop'? durch die Theilung der Ocular-
platte in zwei Schuppen gleich denen des Körpers ; die Supraciliar-
platte ist auch von den Körperschuppen nicht zu unterscheiden ;
keine Augen; drei obere Lippenschilder. Dahin Onychocephalus
caecus Dum. und eine neue Art L. pallida von Zanzibar.
Peropodes. Von der Gattung Ungalia Gray giebt Cope Proc.
Philadelphia p. 128 eine Synopsis der Arten, und beschreibt als neu
[f. cana von der Bahama-Insel Inagua, semicincta (maculata Var. se-
micincta Gundl. Pet.) von Cuba, dipsadina von Cuba.
Galamaridae. Xenoc alamus n. gen. Günther Annais
nat. bist. I. p. 414. Körper cylindrisch, langstreckig; Schwanz kurz :
Kopf lang, depriniirt, schmaler als der Nacken. Auge äusserst klein,
mit runder Pupille, Rostrale gross, kcgelföi-mig vorstehend, Mund
ganz unterhalb ; ein Paaj- Frontalia, Scheitelschild sehr gross, Occi-
pitalia klein, Nasenloch zwischen zwei Schildern; kein Zügelschild;
Schuppen glatt, ohne Grube an der Spitze, in 17 Reihen; Anal- und
Subcaudalschilder paarig; Kieferzähne wenig zahh'eich, glatt; Gau-
men ohne Zähne. X. bicolor pl. 19. fig. A vom Zambeze.
Rhabdosonia microrhi/nchum ('ope Proc. Philadelphia p. 102
von Guayaquil.
Geophis latifrons pl. 19. fig. ß und bicolor Günther AnnaLs
nat. bist. I. p. 415, erstere von Pebas, letztere von Mexiko.
Catostoma nasale Cope Proceed. Philadelphia p. 131 von Gua-
temala,
ColophrifS n. gen. Cope ib. p. 130. Zähne gleich; Anal-
schild einfach. Subcaudalschilder getheilt; zwei Paar Genial- und
Frontalschiider; kein Praeoculare oder Superciliare , die Vertical-
schilder bilden die Augenbrauen; zwei Nasalia; Schuppen glatt. C
rhodogaster von Guatemala, — Verwandt mit Catostoma chalybaeum.
Goronellidao. Simotes amabiUs pl. 17. fig. A von Arrakan, ■
cruentatus und Tlieobaldi aus Pegu Günther Annais nat. bist. I. p.416.
Ablabes bistrigatus Günther Annais nat. bist. I. p. 417 aus Pegu.
1/iophis pygmaeus Cope Proc. Pliiladelphia p> 103 vom Napo.
— L. flavitorques aus Neu-Granada und persimilia von Rio de Ja-
neiro Cope ib. p. 307,
Tachymema canilaliis Cope ib. p. 104 von Guayaquil.
Erythrolampriis ocellatus Prters Berliner Monatsberichte p. 642
unbekannten Vaterlandes.
Rhadinaea chrysostoma (Jope Proceed. Philadelphia p. 105
vom Napo.
Natricidae. Gray giebt an, dass zuweilen (Joluber natri.x im
32 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d, Herpetologie
Meere an den Norwegischen und Englischen Küsten gefunden sei,
und glaubt dadurch die Angabe erklären zu können, dass auch See-
schlangen in den Europäischen Meeren gefunden seien, die demnach
nicht zu den Hydridae gehörten. Er glaubt, dass diese Coluber
durch die Fluth in das Meer gespült worden seien. Annais nat.
bist. II. p. 389.
Tropidonottts Sivinhonis Günther Annais nat. bist. I. p. 420.
pl. 19. fig. F von Formosa.
Eutaenia phenax Coi^e Proc. Philadelphia p. 134 von Cordova.
Vera Cruz.
Helicops fumigatus von Surinam und cyclops von Bahia. Cope
ib. p. 3.
Xenodon suspectus Cope ib. p. 133 vom See Jose Assu in Bra-
silien; nebst Synopsis der Arten der Gattung.
Colubridae- Elaphis pardalinus Peters Berliner Monatsberichte
p. 642 unbekannten Vaterlandes.
Spüotes piceus Cope Proc. Philadelphia p, 1U5 vom Napo. —
Sp. grandisquamis Peters Berliner Monatsberichte p. 451 von Co-
starica.
Masticophis pulcJiriceps Cope Proc, Philadelphia p. 105 von
Quito. — M. melanolomus Cope ib. p. 134 von Yucatan.
Dryadidae. Herpetodryas occipitalis Günther Annais nat. bist.
1, p. 420 von Pebas. — H. (Drymohius) Meissii Peters Berliner Mo-
7iatsberichte p. 640 aus Guayaquil.
Cyclophis nebulosus Günther Annais nat. bist. 1. p. 418. pl. 19.
lig. C von Nagasaki.
Dromicus viperinus von Pebas und laureatus pl. 19. fig. E von
Mexiko Günther Annais nat. bist. I. p. 418.
Opheomorphus alticolus Cope Proc. Philadelphia p. 102 von
Quito. — 0. ?>m?ms Cope ib. p. 307 aus Ecuador oder Neu-Granada.
PsammOphidae. Mimophis n. gen. Günther Annais nat.
bist. I. p. 421. Körper und Schwanz massig schlank, kaum compri-
mirt, Kopfform wie bei Psammophis, aber die Zügelgegend weniger
deutlich gefurcht ; Rostrale nicht erweitert ; Auge von massiger
Grösse, mit runder Pupille; Nasloch klein, in einem Schilde, hinter
welchem ein anderes kleines Schild; kein Zügelschild, ersetzt durcli
das hintere Frontale , welches an den Seiten abwärts gebogen ist ;
Schuppen glatt, mit einer Apicalgrube, in 17 Reihen, die der Ver-
tebralreihe nicht erweitert; Bauchschilder nicht gekielt; Anal- und
Subcaudalschilder doppelt; der dritte oder vierte Kieferzahn grösser,
der hintere Kieferzahn gefurcht ; die vorderen Zähne des Unterkie-
fers grösser als die hinteren., M. madagascariensis pl. 18 von Ma-
dagaskar.
Psammophis (Psammodynastes) conjnnctus Peters Berliner Mo-
uatsberichte p. 451 von Calcutta.
während des Jahres 1868. 33
Ehagerrhis unguiculata und tritaeniata Günther Annais nat.
hist. I. p. 422, pl. 19. fig. G, H, erstere von Zanzibar, letztere aus
dem südwestlichen Afrika.
Dendrophidae. Ahaetulla dorsalis (Leptophis dorsalis Bocage)
von Angola und Kirkii von Zanzibar Günther Annais nat. hist. I.
p. 424.
Thrasops cupreus Cope Proc. Philadelphia p. lOG vom Napo. —
Th. praestans Cope ib. p. 309 von Guatemala. — Th. citrinus Cope
ib. p. 322 aus den Seychellen.
Homalopsidae. Hydrops callostictus Günther Aunals nat. hist.
I. p. 421. pl. 17. fig. B vom oberen Amazon.
Dipsadidae. Leptodira nigrofasciata Günther Annais nat. hist .
1. p. 425 aus Nicaragua. — L. paciflca und personata Cope Proceed.
Philadelphia p. 3 von Mazatlan.
Conophis pulcher Cope ib. p. 307 von Vera Paz.
Pliimothyra decurtata Cope ib. p. 3.
Dipsas ochraceus Günther Annais nat. hist. I. p. 425 aus Pegu.
Bei einer Zusammenstellung der Arten der Gattung Lepto-
gnathus Dum. Bibr. unterscheidet Cope Proc. Philadelphia p. 135
als neu: L. articidata (Dipsas brevis D. B.) von Costa-Rica, antlira-
cops aus Central-Amerika, turgida vom Paraguay-Fluss. — L. oreas
Cope ib. p. 109 von Quito.
Pythono dip sas n. gen. Günther Annals nat. hist. I. p. 425.
Kopf deprimirt, vom Nacken sehr deutlich abgesetzt ; Körper de-
primirt, von massiger Länge; Augen massig; zwei Paar Frontaliai
ein Verticale; Superciliare sehr entwickelt ; Occipitalia durch Schup-
pen ersetzt, Labialia vom Auge durch einen Ring von Schuppen
getrennt; Schuppen gekielt, in 21 Reihen, Subcaudalia einfach; der
hinterste Zahn des Oberkiefers etwas grösser und an der Basis ge-
furcht; vordere Kieferzähne und vordere Gaumenzähne etwas grös-
ser als die mittleren. P. carinata pl. 19. fig. K vom Zambezi.
Lycodontidae. Lycophidium acutirostre Günther Annals nat.
hist. I. p. 427. pl, 19. fig. D von Zanzibar.
Elapidae. Elaps Batesii Günther ib. p. 428 von Pebas, — E.
Imperator Cope Proc. Philadelphia p. 110 vom Napo.
Callopihis japonicus Günther Annals nat. hist. I. p. 428. pl, 17,
fig. C von Nagasaki,
Strauch beschrieb im Bulletin de St. Petersbourg XIII. p. 81
die von Eichwald unvollständig beschriebene und in Vergessen-
heit gerathene Tomyris oxiana ausführlich. Er erklärt die Gattung
Tomyris für nicht verschieden von Naja, die Art aber als fünfte
der Gattung für gut.
Atractaspididae. Atractaspis rostrata Günther Aunals nat.
hist, I. p. 429 von Zanzibar.
Archiv tiir Naturt,' XX.W .hilut; 2 \'.>\ (j
34 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Herpetologie
Crotalini- Trigonocephälus xantliogrammus Cope Proc. Phila-
delphia aus Ecuador.
Batraehii.
lieber das Gehörorgan der Frösche schrieb C.
Hasse. Zeitschr. für wiss. Zoologie XVIII. p. 359— 420.
Taf. 26—28.
Die Histologie des Bogenapparates und des Stein-
sacks der Frösche untersuchte Hasse Zeltschrift für wis-
senschaftliche Zoologie XVm. p. 71— '94 mit zwei Tafeln.
Ueber die Endigungen der Geschmacksnerven in
der Zunge des Frosches schrieb Engelmann ib. p. 142
mit einer Tafel.
Gouriet machte einen Versuch über die parallele Classifika-
tion der Batrachier. Revue de Zoologie p. 199. Er spricht von der
Naturwidrigkeit, wenn man die Batrachier in eine Reihe bringen
will, weil, die Caecihen an die Spitze gestellt, höher organisirte
Thiere hinter ihnen folgen würden, und weil, die Caecilien an das
Ende gebracht, kiemeulose Thiere den kiementragenden nachstehen
würden, was beides unnatürlich sei. Er fügt die Gruppen daher in
folgendes Schema:
1. Eubatraciens 2. Adelobatraciens
Ij Pipaeides
JBufonides Batrachophidiens
Anoures Uamdes ^^^ Peromeles
(Hylaeides
Urodeles {Salamandrides
Fulmones,
Caeciloides
Trematoderes Amphiumides
Tetrameies Proteides
urancm- hr)/»„e?es Sireuides Ichthyohatraciens
pulmones j^^^^^^^^g., Lepidosirenides.
Günther glebt ein Verzeichniss derjenigen unge-
schwänzten ßetrachler, die seit 1858, wo er die Sammlung
des britischen Museums bestimmt und geordnet hatte, der-
selben hinzugefügt worden sind, und beschreibt eine An-
zahl neuer Gattungen und Arten, die auf vier Tafeln ab-
gebildet sind. Die Zahl der Arten des britischen Mu-
seums hat sich seit jener Zeit vdu 214 auf 313 erhöht. Proc.
zool. soc. p. 478.
während des Jahres 1868. 35
Ranidae. Toynoptema Idbrosa von Madagaskar wn^porosa von
Japan Cope Proc. Philadelphia p. 138.
Pithecopus tomopteinus und torsms Cope ib. p. 112 vom Napo.
Henii})1iractus divaricatus Cope ib. p. 114 vom Napo.
In der Familie Ranidae stellte Mi vart Proc. zool. sog. p. 557
eine neue Gattung Pachybatrachus auf, ohne Fingerscheiben;
Maxillarzähne, aber keine Vomerzähne; Sacralwirbel nicht erweitert,
keine Parotiden oder Lendendrüsen, aber eine drüsige Falte an jeder
Seite des Körpers ; Finger ganz frei und normal gestellt; Zehen mit
Schwimmhäuten; ein kleiner Tarsalhöcker am Grunde der ersten
Zehe, und ein kleines Rudiment an der Basis der vierten Zehe; Tar-
sus weniger als halb so lang wie die Tibia, Zunge hinten tief einge-
schnitten und frei; Trommelfell sehr gross, aber nicht sehr deutlich;
eustachische Röhren massig. P. robustus.
Cystignathidae. Cystignatlms rhodonotus Günther Proc. zool.
soc. p. 481. pl. 37. fig. 1 aus Peru. — C. hylaedactylus Cope Proc.
Philadelphia p. 115 vom Napo.
Lystris n. gen. Cope Proc. Philadelphia p. 312 unterschei-
det sich von Pleurodema nur durch die Gegenwart von zwei starken
Metatarsal-Schaufeln. L. brachyops aus Neu-Granada.
ÄSteropbrydidae. N annoplirys n. gen. Günther Proc. zool.
soc. p. 482. Finger und Zehen zugespitzt, frei bis zum Grunde;
Unterkiefer vorn mit einem Paar sehr schwach vorspringender Apo-
physen und mit einem spitzen Höcker an der Symphyse ; innere
Naslöcher und eustachische Röhren klein, Trommelfell massig, deut-
lich; keine Parotiden; Querfortsätze der Sacralwirbel zu einem fla-
chen Dreieck verbreitert; Vomer mit zwei sehr undeutlichen Vor-
sprüngen, an denen keine Zähne bemerkbar sind; Zunge hinten tief
eingeschnitten; oberes Augenlied schlaff, ohne vorstehenden Rand,
N. ceylonensis von Ceylon.
BombiDatoridae. Cacotus n. gen. Günther Proc. zool. soc.
p. 482. Finger und Zehen spitz ; Oberkiefer und Vomerzähne deut-
lich: Zunge breit, hinten schwach ausgeschnitten; Zehen ganz frei,
Metatarsus mit zwei Höckern; Trommelfell fehlt; eustachische Röh-
ren zu einem kleinen Loch reducirt; Querfortsätze der Sacralwirbel
nicht erweitert. C. maculatus pl. 38. fig. 5 aus Chile.
Phryniscidae. Nattereria lateristrica Steindachner 1864 ist
= Phryniscus Olfersii Mus. Berol. Peters in Berliner Monatsber.
p. 453.
Pseudophryne coriacea Keferstein Archiv f. Naturgesch. p. 272
Taf. 6. fig. 15 von Neu-Südwales.
Rhinodermatidae. Atelopus longirostris Cope Proc. Philadel-
phia p. 116 von Quito.
Glyphoglossus n. gen. Günther Proc. zool. sog. p. 483.
36 Troschel: Bericht über d. Leist. in d. Herpetologie
Nahe verwandt mit Cacopus (Uperodon), hat aber eine lange, freie,
hinten und vorn eingeschnittene Zunge, <^ie durch eine tiefe Furche
in zwei seitliche Hälften getheilt ist; 'der Raum zwischen und hin-
ter den inneren Naslöchern eben, ohne Papillen. Gl. molossus pl. 38-
fig. 1 aus Pegu.
Engystomidae. Pachyb atracJiu s n. gen. Kefer stein Archiv
f. Naturgesch. p. 273. Derselbe Name ist von Mivart für eine
Gattung der Ranidae, s. oben, in Anwendung gebracht. P. Petersii
von Neu-Südwales,
Bufonidae. Bufo argUlaceus Cope Proc. Philadelphia p. 188.
von Colima im westlichen Mexiko. — B. gldberrimus Günther Proc.
zool. soc. p. 483. pl. 37. fig. 2 von Bogota.
Peltaphryne lemur^ßo^pe ib. p. 311 von Portorico. — Pelta-
phryne erapusa Cope wird ib. Otaspis empusa genannt.
Polypedatidae. Hylorana leptoglossa und subcoerulea Cope Proc.
Philadelphia p. 139 aus Burmah.
Ixalus macropus Günther Proc. zool. soc. p. 483. pl. 39. fig. 4
aus Ceylon. — I. nasutus Günther ib. aus Ceylon. — I. opisthorho-
dus Günther ib. pl. 37. fig. 3 vom Nilgherri-Gebirge.
Megalixalus n. gen. Günther Proc. zool. soc. p. 485. Keine
Vomerzähue; Finger und Zelien mit Schwimmhäuten, kein Finger
den andern gegenübergestellt; Trommelfell klein, eustachische Röh-
ren und innere Naslöcher massig weit; Zunge frei und hinten tief
eingeschnitten; Pupille vertical; Apophysen des Sacrahvirbels stiel-
förmig; drei Phalangen der fünften Zehe frei von der vierten. M.
infrarufus unbekannten Vaterlandes.
Pohfpedates namis pl. 39. fig. 3, nasutus pl. 39. fig. 2, caviro-
stris pl. 39. fig. 1, rufescens Günther Proc. zool. soc. p. 485. erstere
drei von Ceylon, letzterer aus Westafrika.
Leiyla n. gen. Keferstein Archiv f. Naturgesch. p. 296. L.
Günthern Taf. 9. fig. 4, 5 von Costarica.
Hylodidae. Bappia lagoensis Günther Proc. zool. soc. p. 487.
pl. 40. fig. 2 von Lagos.
Hylambates viridis Günther ib. p. 487 ohne Angabe des Fund-
ortes. — H. palniatus Peters ßerhner Monatsberichte p. 453 von der
Prinzeninsel/
Hylodes Sallaei Günther Proc. zool. soc. p. 487. pl. 38. fig 3
aus Mexiko.
Prostherapis n. gen. Colosthethidarum Cope Proc. Phila-
delphia p. 137, Xiphisternum häutig. Manubrium ein knöcherner Stiel
mit Knorpelscheibe: Metatarsus mit schwacher Haut. Erweiterungen
stark, jede mit zwei Hautschuppen an der obern Seite, getrennt
durch eine Spalte; Endphalangen klein. T-förmig; Zunge cylindrisch.
frei; keine Yomerzähne, Bauch nicht gefeldert (areolate); Pupillen
während des Jahres 1868. 37
louoiiudiiial; Kihmoid vorn wohl entwickelt. Präfroutaleii seillich,
getrennt. P. inguinalis von Neu-Granada.
Hylidae. HyU dasynotus pl. 38. fig. 2 aus Brasilien, rhodopo-
rus pl. 37. fig. 4 vom oberen Amazonenstrom, triangulum pl. 38. fig. 4
aus Brasilien, ruhicunda Reinh. u. Lütken pl. 40. fig. 3 aus Brasilien,
leucotaenia pl. 40. fig. 4 von Rio-Grande Günther Proc. zool. sog.
p. 488. — H. dentata Ke^ersiem Arch. für Naturgesch. p. 284. Taf. 8.
fig. 20, 21 von Neu-Süd-Wales.
HyJella carnea Cope Proc. Philadelphia p. 111 vom Napo.
Hylodactylidae. Galhda guthäata (Megalophrys guttulata
Blyth) Günther Proc. zool. soc. p. 490. pl. 40. fig. 1 aus Pegu.
Caudati. L e s s o n a hat Beobachtungen über die Lebensweise
von Salamandrina perspicillata in der Umgebung von Genua gemacht.
Proc. zool. soc. p. 254.
Banodon Kessler i Ballion Bull. Soc. imp. de Moscou 1868. I.
p. 138 aus dem südlichen Theile Westsibiriens.
Oedipus Scdvinii Gray Annais nat. bist. II. p. 297 von Gua-
temala.
Oedipina n. gen. Keferstein Archiv f. Naturgesch. p. 299.
Oe. umformis Taf. 9. fig. 8. 9 von Costarica.
Ophiohatrachus n. gen. Gray Annais nat. bist. IL p. 297
unterscheidet sich von Batrachoseps durch den cylindrischen Schwanz,
der von demselben Durchmesser und dem geringelten Ansehen ist,
wie Körper und Kopf, so dass das ganze Thier wie eine Coecilia
oder ein Wurm aussieht. Die Beine sind entfernt, dünn, vorn mit 4.
hinten mit 5 freien Zehen. 0. vermicularis von Costarica.
Marsh beobachtete die Metamorphose von Siredon lichenoi-
des Baird in Amblystoma mavortium Baird an Exemplaren, die er
im See Como, Wyoming Territory auf 7000' üb. M. fand. Das Licht
hatte grossen Einfluss auf die Farbe, aber alle ändern die Farbe
in der Metamorphose. Die Mundöfihung wird grösser, die Naslöcher
schwellen mehr an, die Zunge vergrössert sich, die Gaumenzähne
verändern sich bedeutend, wenngleich nicht in allen Fällen ganz
gleich. Im Ganzen wird der Körper kleiner, die Schwimmhäute ge-
ringer; alle häuten sich, zuweilen mehrmals während und nach der
Metamorphose. Nach dem Verlust der äusseren Kiemen kamen sie
häufiger an die Oberfläche und versuchten das Wasser zu verlassen.
Verf. lässt es zweifelhaft, ob diese Thiere sich auch in ihrer Hei-
math verwandeln, weil dort die kältere Temperatur hierzu weniger
günstig ist. Proc. Boston Soc. XIL p. 97; Silliman Amer. Journ. 46.
p. 364 mit Abbild.
B. Silliman berichtet ib. p. 421, dass eine Anzahl Exemplare
derselben Species, ebenfalls aus dem See Como, sich in Cheyenne
gleichfalls in Amblystoma umwandelte.
38 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Herpetologie
Ehrenberg berichtete wieder über den von ihm seit fast 9
Jahren lebend erhaltenen Hypochthon Laurent!. Sitzungsber. d. Ges.
naturf. Freunde zu Berlin 1868. p. 14.
Apoda. Leydig gab in der Zeitschrift für wissenschaftliche
Zoologie XVIII. p. 280—300 mit 2 Tafeln einen Beitrag zur Ana-
tomie der Schleichenlurche (Coeciliae). Er behandelt 1) die äussere
Haut, mit den darin gelagerten Schuppen, 2) die Augen, die auch
Coecilia lumbricoidea besitzt, obgleich verkümmert, mit verhältniss-
mässig sehr grosser Thränendrüse. 3) die falschen Nasenöffnungen,
die hauptsächlich die Aufmerksamkeit des Verf. gefesselt haben. Verf.
möchte sie wohl als den Kopfgruben der Giftschlangen analog betrach-
ten, aber nicht als Thränenhöhle, sondern als ein eigenes Sinnesor-
gan, das aber noch weiterer Aufklärung bedarf.
Bericht über «lie Leistiiiigeii in der Ichthyologie
während des Jahres 1868.
Von
T r 0 s c h e 1.
L. Stieda hat in der Zeitsclir. für wissenschaftliche
Zoologie XVIIL p. 1-70 mit zwei Tafeln seine Studien
über das centrale Nervensystem der Knochenfische ver-
öffentlicht. Am ausführlichsten ist das Gehirn der Quappe
(Godus Lota L.) und des Hechtes behandelt. In der Deu-
tung der Theile im Gehirn der Knochenfische schlicsst
sich Verf. zunächst an die von Tiedemann an.
Franz Bell untersuchte die von H.^ Müller und
Leydig Ampullen genannten Organe (öchleimkanäle) der
Selachier an einer nicht näher bestimmten Species, und
nennt dieselben zum Unterschiede von den Ampullen des
Gehörorgans Lo renzin i'sche Ampullen zu Ehren des
ersten Entdecker's derselben. Auch Boll erklärt sie für
Sinnesorgane und wahrscheinlich dazu bestimmt, die Thiere
über die Natur und die Bewegung des umgebenden Me-
diums zu unterrichten. Archiv für mikroskopische Ana-
tomie IV. p. 375.
In einer „Denkschrift der Gesellschaft für Natur-
und Heilkunde in Dresden zur Feier ihres fünfzigjährigen
Bestehens ct." Dresden 1868 p. 33 hat Geinitz die
fossilen Fischschuppen aus dem Plänerkalke in Strehlen
beschrieben, und als Einleitung allgemeine Bemerkungen
über die Schuppen lebender Fische gemacht, auch Schup-
pen von Oyprinus Carpio, Gobius fiuviatilis, Salmo salar,
Esox lucius, Clupea harengus, Engraulis encrasicholus,
Perca fluviatilis und Lucioperca sandra abgebildet.
40 Tr OS eil ei: Bericht üh. d. Leist. in d. Ichthyologie
Baiidelot hat sich mit der Deutung der Knochen
beschäftigt, welche mit den ersten Wirbeln bei den
Cyprinen, Pietzgern und Siluren in Beziehung stehen.
Comptes rendus 66. p. 330. Er erklärt die sogenannten
Gehörknöchelchen, welche die Schwimmblase mit dem
Gehörorgan verbinden, folgend ermassen: die Hammer
Webers stellen die Zweige des untern Bogens des dritten
Wirbels dar, deren oberer Bogen, gebildet aus zwei breiten
Stücken, durch einen Intercruralknochen vervollständigt
ist, — die Ambosse sind die Zweige des oberen Bogens
des zweiten Wirbels, deren unterer Bogen durch zwei
lange Quer-Apophysen dargestellt ist, die sich an den
Wirbelkörper anfügen, — die Steigbügel stellen die
Zweige des oberen Bogens des ersten Wirbels dar, dessen
unterer Bogen durch zwei Quer-Apophysen gebildet ist,
mehr oder weniger verlängert und an den Wirbelkörper
angefügt, — die Claustra sind nichts anders als ein in
zwei getheilter Intercruralknochen, dessen Hälften in der
Mitte getrennt bleiben.
Hyrtl hat über Ampullen am Ductus cysticus der
Fische geschrieben. Wiener Denkschriften 28. p. 185 mit
3 Tafeln. Der Ductus cysticus erweitert sich fast allge-
mein bei den Fischen vor seiner Einpflanzung in den
Darm zu einer Ampulle, welche gewöhnlich mehrere
Ductus hepatici aufnimmt. Sie ist sehr klein bei Esox,
am grössten bei Anarrhichas lupus; bei Aulostoma, Ma-
stacembelus, beim Zitteraal und beim Huchen fehlt sie.
Sie wird beschrieben und meist abgebildet von Lophius
piscatorius, Anarrhichas lupus, Lota molva, Gadus mor-
rhua, Scomber thynnus, Acanthurus schal, Otolithus re-
galis, Chironectes dentex, Rhombus maximus, Gymnotus
electricus, Acipenser rubicundus, Tetroden reticulatus.
Day stellte Proc. zooL soc. p. 274 Versuche über
die Athmung an Süsswasserfischen Indiens an. Manche
Fische sind Wasserathmer, sie können im Wasser leben,
ohne an die Oberfläche zu kommen ; andere sind Misch-
athmer, sie müssen von Zeit zu Zeit an die Oberfläche
steigen, um Luft zu athmen, und sterben bald, wenn sie
daran verhindert werden, können aber lange auf dem
wahrona des Jalires 1868. 41
Trocknen leben. Daran sehllessen sich manche interes-
sajite Beobachtungen über das Leben ausser dem Wasser.
Die ausführliche Abhandlung von Ransoni „Ob-
scrvations on thc Ovum of osseous fishcs/ deren schon
Erwähming- im Berichte über 18G6 p. 48 gethan wurde,
Ist in Philosoph ical Transactions of the Royal Society of
London Vol. 157. p. 431— 501 nebst 4 Tafeln erschienen.
Es wird zunächst das unbefruchtete Ei von Gasterosteus,
Salmo, Esox, Acerina, Perca beschrieben, in Beziehung
auf seinen Bau, seine physicalischen und chemischen Ei-
genschaften im reifen Zustande und während seiner Ent-
wn'ckelung; dann das befruchtete Ei mit Rücksicht auf
die Art der Befruchtung und die darauf folgenden Er-
scheinungen. Als Anhang folgt eine kurze Geschichte
der Beobachtungen über die Micropyle der Fischeier.
Owsjannikow stellte Untersuchungen über die
Entwickeln ng und den Bau der Samenkörperchen der
Fische an. Bull, de St. Petersbourg XIIL p. 245. Sie
entstehen aus Zellen. Der Kern der Zelle wird zum
Kopf und das denselben umgebende Protoplasma zum
Schwänze desselben.
Kupffer hat eine Arbeit über die Entwickelung
der Knochcniische geliefert. Archiv für mikroskopische
Anatomie IV. p. 209—272 mit drei Tafeln. Die Beobach-
tungen bezichen sich auf Gasterosteus aculeatus, Spina-
chia vulgaris, Gobius minutus und Gobius niger und ha-
ben die Ermittelung der ersten, grundlegenden Vorgänge
bei der Entwn'ckelung der Knochenfische zum Gegen-
stande.
P e r c e V a l W r i g h t schilderte die Schwierigkeiten,
unter denen er einige Exemplare des einzigen Cyprinoiden
der Sechellen, Haplochilus Playfairii lebend nach Europa
gebracht hat. Die Mühe wurde jedoch nicht belohnt, da
das letzte Exemplar bei der Ankunft in Paris starb. An-
nais nat. bist. IL p. 438.
Lyman hat in Proc. Boston Soc. XL p. 125 die
Wichtigkeit von Fisch- Wegen in grossen Flüssen hervor-
gehoben. Die Hauptursache der Abnahme der W^ander-
fische sind die Anlagen von unübersteiglichen Dämmen,
42 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Ichthyologie
und da sind Fisch- Wege zum Durclilass derselben noth-
wendlg geworden. Dieselben sind entweder einfache
Durchlässe oder Treppen, eine Reihe von Stufen , auf
deren jeder ein Wasserbecken ist. Beide müssen den
Fischen für den Hin- und Rückgang offen stehen. Bei
dieser Gelegenheit sind über die Gewohnheiten und das
Laichen zweicrW^andcrfische, Alosa praestabilis und Salmo
salar, interessante Angaben gemacht.
In dem Report of the Commissioners of Fisheries
über das Jahr 1866 in Boston , erstattet von Lyman
undField werden die Fischwege zu Lowell beschrieben
und durch Abbildungen erläutert. — In dem gleichen
Berichte über das Jahr 1867 wird zu erweisen versucht,
dass künstliche Fischzucht und freie Fischwege über die
Dämme die beiden Hauptbedingungen zur Wiederbevöl-
kerung der Flüsse seien. Ausserdem finden sich darin
Notizen über einige Fische von ökonomischem Werth,
wie Salmonen, Grystes fasciatus, Alosa tyrannus. Ein An-
hang handelt über die künstliche Fischzucht der Forellen
und Alosa praestabilis: Artificial breeding of trout and
shad. Von letzterer Art sind die Embryonen auf einer
Tafel abgebildet.
In Fiedler und Feddersen's Tidsskrift for Fiskeri IL
p. 142 — 217 ist der Versuch einer Uebersicht über die
Fischerei in Dänemark mit Beziehung auf ältere und
neuere Gesetzgebung fortgesetzt.
Ebenso der bereits in den vorigen Berichten er-
wähnte Aufsatz von Kr oy er historisch-statistische Ueber-
sicht über die dänischen Fischereien ebenda III. p. 1 — 27.
Fiedler schrieb Bemerkungen zu dem letzten Ge-
setzesvorschlag über den Zutritt zur Fischerei und deren
Ausübung. Tidsskrift for Fiskeri HL p. 106.
Folgende Schriften über Fischereien oder darauf
bezügliche Ausstellungen, die dem Referenten nicht zu
Händen gekommen sind, mögen hier ihre Stelle finden,
da ihre Titel manchem unserer Leser von Interesse sein
könnten.
Beretning om den internationale Fiskeriudstilling
während des Jahres 1868. 43
i Bergen i Aaret 1865 herausgegeben vom Ansstellnngs-
Comittö, mit 5 Photographien und 28 Tafeln.
Oversigt over Litteratur, Love, Forordninger, Re-
scripter m. ra. vedr^rende de norske Fiskerier von Thor-
vald Boeck. Christiania 1866.
Veiledning i at bygge Laxetrapper (Anleitung zum
Bau von Lachstreppen) von G. FTetting mit vier Holz-
schnitten. Christiania 1866.
Les peches de la Novwhge par Her man Baars.
Boulogne sur mer 1866.
Rapport sur Fexposition internationale de peche de
Bergen par Jules Leb eau ct. I. L onqu ety. Boulogne
sur mer 1866.
Catalogue de I'exposition internationale de peche ct.
Boulogne sur mer 1867.
Beretning over den internationale Fiskeriudstilling
i Boulogne sur mer 1866 af Her man Baars. Ber-
gen 1867.
Beskrivelse over det naturlige og kunstige Fiskeop-
draet ved P^t M-alle. Von Carl Ludvigsen. Aarhus 1867.
Die Spanische Regierung veröffentlichte zwei Bände
von Graells und Fernandez über die maritime und
fluviale Piscicultur und die Fischerei überhaupt.
Unter derUeberschrift „Ichthyologische NotizenVIL""
hat öteindachner Wiener Sitzungsber. 57 Mai 1868
theils ältere Arten besprochen oder ausführlicher charak-
terisirt. Erstere sind unten namhaft gemacht, zu letzteren
gehören Serranus humeralis C. V., Pagrus (Chrysophrys
laticeps C. V., coeruleostictus C. V., Dentex filosus Val.,
filamentosus Rüpp., Pristipoma falvomaculatum Mitch.,
Pentaroge marmorata C.V., Corvina fasciataTschudi, Scom-
ber loo C. V., raoluccensis Blkr., Thyrsites prometheus
C. V., Centrophorus ovalis C. V., Salarias tridactylus Bl.
S. (Sal. alticus C. V.), meleagris C. V., lineatus C. V.,
Cossyphus atrolumbus C. V., Trochocopus sorofa C. V.
Gthr., Centrolabrus trutta Lowe, Monacanthus hippoere-
pis Q. G., Arius argyropleuron C. V. u. A. — Hierzu
5 Tafeln.
Von faunistischen Schriften sind folgende zu erwähnen.
44 Troschel: Bericht üb. «i lieist. in d. Ichthyologie
In einem Bericht über eine zoologische Reise nach
Bohiislän und Skagerrack^ Ofvers. Vetensk. Akad. För-
handh'ngar p. 471 hat 01s so n seine Aufmerksamkeit na-
mentlich auf die Fische gerichtet^ deren er 48 Arten
untersuchte.
Bölling theilt mit, dass Lota vulgaris, Phoxinus
aphya, Botia taenia und Gobio fluviatilis nicht selten an
einigen Orten in Dänemark vorkommen. Fiedler und
Fcddersen Tidsskrift for Fiskeri II. p. 291.
Steindachncr hat von seinem ichthyologischen
Berichte über eine nach Spanien und Portugal unternom-
menen Reise eine fünfte und sechste Fortsetzung erschei-
nen lassen, die im 57. Bande der Sitzungsberichte der
Wiener Akademie enthalten sind. Sie setzen die Ueber-
sicht der Meeresfische an den Küsten Spaniens und Por-
tugals fort (vergl. den vorj. Bericht p. 76). In der 5ten
Fortsetzung sind die Familien Scombridae mit 2 Scomber,
5 Thynnus, 1 Pelamys, 1 Auxis, 1 Naucrates, 2 Echeneis,
2 Zeus, 2Stromateus, iCcntrolophus, 3 Coryphaena, iBrama,
2 Schedophilus (1 neu), 1 Diana, l Ausonia, 1 Lampris;
Carangidae mit 5 Caranx, 2 Seriola, 2 Lichia, 1 Temnodon,
1 Capros; Xlphlidae mit 1 Xiphias; Gobiidae mit 9 Gobius;
Calllonymidae mit 5 Calllonymus ; Batrachldae mit 1 Ba-
trachus; Pediculati mit 2 Lophius enthalten. — Die 6te
Fortsetzung bringt die Familien ßlenniidae mit 11 Blen-
nius, 1 Cristiceps, iTripterygium, 1 Zoarces; Trachypteridae
mit 1 Trachypterus; Atherinidae mit 3 Atherina ; Mugi-
lidae mit SMugil; Cepolidae mit 1 Cepola ; Gobiesocidac
mit 3 Lepadogaster, iGouania; Centriscidae mit 1 Cen-
triscus; Pomacentridae mit 1 Heliastes; Labridae mit 5 La-
brus, 10 Crenilabrus, 1 Ctenolabrus, 1 Acantholabrus, 1 Xy
richthys, 1 Julis, 1 Coris, 1 Scarus; Gadidacmit 5 Gadu?,
1 Mora, 1 Merluccius, 1 üroleptes, 2 Phycis, 2Motella;
Ophididae mit 2 Ophidium, 1 Fierasfer, 2 Ammodytes; Ma-
cruridae mit 2 Macrurus; Pleuronectidae mit 2 Rhombus,
1 Scophthalmus, 4 Arnoglossus, 1 Citharus, 1 Bothus, 1 Pleu-
ronectes, 11 Solea (1 neu), 1 Plagusia; Sternoptychidac
mit 1 Argyropelecus ; Scopelidae mit 1 Saurus, 1 Aulopus,
1 Scopelus, 1 Alepidosaurus; Sa^monldae mit 1 Argentina,
während dei5 Jahres 1868. 45
tScombercsocidae mit 2 BclonC; 3 Exocoetus; Clupeidae
mit 2 Alausa, 1 Eiigraulis. — Bis dahin enthalt das Ver-
zeichniss 232 Arten. Zu jeder dieser beiden Fortsetzungen
gehören 6 Tafeln.
Eine Arbeit über die essbaren Fische, welche man
an den spanischen Küsten des Mittelmeer's und in den
Flüssen und Seen der Provinz Valencia fängt, von Cis-
ternas, Gatalogo de los Pesces ct. Valencia 1867, ist mir
nur aus einer Anzeige in Revue de Zoologie p. 363 be-
kannt geworden. Das Verzeichniss enthält nach einer
Aufzählung der einschlagenden Schriften die wissenschaft-
lichen und Localnamen der Arten, Angaben über die
Zeit ihres Auftretens und Laichens u. s. w.
Beiträge zur Kenntniss der Fischfauna des Adria-
tischen Meeres von Senoner. Zool. Garten p. 136, 243.
Eine Art Verzeichniss mit Bemerkungen über die ein-
zelnen Arten. Verf. sagt am Schluss, das Gebiet des
Adriatischen Meeres von Istrien bis nach Venedig beher-
berge eine grosse Anzahl von wohlschmeckenden Fisch-
arten, die regelrecht in den Handel gebracht ausserordent-
lichen Gewinn abwerfen könnten; aber der Fischtransport,
die Einsalzung, das Einpökeln, die Verpackung u. s. w.
lassen noch viel zu wünschen übrig; ausserdem sei die
Art der Fischerei selbst, Methode und Gernthe, höchst
beklagcnswerth, und inusste einer grossen Reform unter-
worfen werden.
Gü n th er berichtet Proc. zool. soc. p. 225 über eine
Fischsammlung von St. Helena, gesammelt durch Mel-
liss. Es sind 35 Arten, unter denen mehrere neue.
Von Peters Naturwissenschaftliche Reise nach Mos-
sambique, in den J^iiren 1842 — 1848 ausgeführt, erschien
imjnhre 1868 die Jmtheilung der Flussfische, mit 20 Ta-
feln. Im Ganzen s'^jm 51 Arten aufgezählt und beschrie-
ben, die meistens d^i Flussgebiete des Zambeze ange-
hören. Die neuen. Arten, bereits 1852 aufgestellt, sind
abgebildet.
Play fair verzeichnete Proc. zool. soc. p. 9 eine kleine
Sammlung von Seefischen, die Grandidler aus Madagaskar
eingesandt hatte. Sie enthält PJ Arten, worunter zwei neue.
46 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Ichthyologie
In Palästina leben nach Tristram 17 Flussfische,
von denen 1 der Paläarctischen, 3 der Aethiopischen, 3
der indischen Region angehören, 10 eigenthümlich sind ;
von letzteren kommen jedoch 5 auch in Syrien und Klein-
asien vor. Proc. Royal Sog. April 1868.
Day beschrieb einige neue Indische Fische meist
von Madras. Proc. zool. soc. p. 149, die unten namhaft
gemacht werden. — Von Day sind ferner ib. p. 192
weitere neue Fische von Madras beschrieben.
Peters machte das Verzeichniss von 146 Fischen
bekannt, die Jagor in dem ostindischen Archipel gesam-
melt hat. Eine ziemliche Anzahl derselben wird als neu
beschrieben; dieselben sind unten namhaft gemacht. Ber-
liner Monatsberichte p. 254.
Ueber die Süsswasscrfische Japan's, China's und des
Indischen Archipels hat v. Märten s in unserem Archiv
p. 1 — 17 Nachricht gegeben.
Sproat hat in seinem Buche „8cenes and studies
of savage life," London 1868 p. 215 der Fischerei der Sal-
men, Häringe, Halibut und Cod auf Vancouver Island
ein Kapitel gewidmet.
Die Abhandlungen von Stör er über die Fische
von Massachusetts, welche in den Memoirs of the Ame-
rican Academy of Arts and Sciences erschienen waren,
sind als ein besonderes Buch mit 39 Tafeln wieder abge-
druckt und in Cambridge and Boston 1867 erschienen.
Cope hat in einer Abhandlung ;,0n the distribution
of Fresh- water Fishes in the Allegheny Region of South-
wes.ern Virginia" Journal of the Acad. of Philadelphia
VI. p. 207 — 247 seine Untersuchungen über die Fisch Fauna
der Q.'cllgebiete von vier Flüssen niedergelegt; diese
sind de • James, der Roanoke, der Kanawha, und der
Holston. Sie kommen in ihren obersten Zuflüssen ein-
ander se ',r nahe. — Das Verzeichnis der beobachteten
Arten, die während eines viermonatii^hen Fanges mit dem
feinen Netz gewonnen wuiden, enthält eine Reihe neuer
Arten und selbst einige neuen Gattungen, die unten nam-
iiaft gemacht werden. Sie gehören den Familien Perci-
dae, Centrarchidae, Triglidae, Cyprinidac, Siiuridae, Cy-
während des Jahres 1868. 47
prinodontidae^ Esocidae^ Salmonidae, AnguilUdae, Lepi-
dosteidae und Petromyzontidae an, so jedoch dass die
Peroiden, Centrarchiden und Cypriniden an Artenzahl
bei weitem den Vorrang haben. Die Totalsumme der
Arten ist 56; von diesen sind 5 allen vier Flüssen ge-
mein, 4 dem Roanoke und James, 4 dem James und Ka-
nawha, 2 dem Kanawha und Flolston, 1 dem James, Roa-
noke und Kanawha. Verf. geht endlich in Betrachtun-
gen ein, um das Vorkommen derselben Arten auf beiden
Seiten trennender Wasserscheiden zu erklären, und über-
haupt die geographische Verbreitung der Süsswasserfischc
zu erörtern.
Günther stellte Annais nat. bist. l. p. 475 Dia-
gnosen einer Anzahl neuer Süsswasser-Fische aus Surinam
und /Brasilien auf, die in den Proc. zool. soc. p. 229 aus-
führlicher beschrieben und abgebildet sind.
Hensel hat im Archiv für Naturgeschichte die von
ihm in Südbrasilien beobachteten Fische bearbeitet. Unter
den 12 erwähnten Arten werden sieben als neu be-
schrieben.
Acanthopteri.
Berycidae. Bhynchichthys ornatus Day Proc. zool. soe. p. 149
von Madras.
Percldae. Centropristes Ayresi Steindachuer Ichth. Notizen 7.
p. 1 aus Brasilien.
Anthias fronticinctus Günther Proc. zool. scc. p. 226. pl. 18
von St. Helena.
Serranus maculato-fasciatus Steindachner Ichth. Notizen 7. p. 5
von Mazatlan.
Priacanthichthys n. gen. Day Proc. zool. soc. p. 193. Sie-
ben Kiemenhautstrahlen ; Zähne hechelförmig- mit einer äusseren
Reihe grösserer; Hundszähne in beiden Kiefern: Zähne am Gaumen ;
Zunge glatt; eine Dorsale mit 11, Anale mit 3 Stacheln; Ventrale
mit einem gesägten Stachel und fünf Strahlen ; Operculum mit star-
ken Dornen; Präoperculum am verticalen Rande gesägt, mit einem
langen gesägten Dorne am Winkel; Präorbital schmal und ganzran-
dig; Schuppen klein, ctenoid ; Unterkiefer mit einem etwas vorste-
henden Kinne; .\ugen gross. P. maderaspatensis von Madras.
48 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Ichthyologie
Centrarchidae. C o p e stellte Journ. Acad. Philadelphia VI. p. 216
die mit Pomotis verwandten Genera in folgender vergleichenden Ue-
bersicht zusammen :
I. Dorsale länger als die Anale, cc. Dorsalen tief getheilt.
1 Gatt. Micropterus Lac. Gill (Grystes Cuv.) Gaumenzähne^ 10
Stacheln in der Dorsale, Caudale ausgerandet. ß. Dorsale zusam-
menhängend. 2, Gatt. Amblop Utes Raf. Agass. Gaumenzähne,
10 Dorsalstacheln, Schuppen ctenoid, Caudale ausgerandet, A. 5, 6.
S.Gatt. Acantharchus. Gaumenzähue. 10 Dorsalstacheln, Schup-
pen cyclcid, Caudale convex . A. 5, 6. 4. Gatt. Enne acanthus
Gill. Gaumenzähne, D. 9, A. 3, Caudale convex. 5. Gatt. Hemio-
plites Cope u. gen. Gaumenzähne, D. 8, A. 4, Caudale convex. 6.
Gatt. Mesog onistius Gill, Gaumenzähne. D. 10. A. 3, Caudale
convex. b. Deckel mit einem ganzrandigen convexen Fortsatz, D. 10,
A. 3. ' 7. Gatt. L e p omis Raf. (Bryttus, Calliurus, Chaenobryttus)
Gaumenzähne vorhanden oder fehlen, untere Schlundzähne konisch.
Caudale ausgerandet. S.Gatt. Pomotis. Keine Gaumenzähne, un-
tere Schlundzähne pflasterförmig, Caudale ausgerandet. — II. Dor-
sale und Anale gleich lang, Gaumenzähne. 9. Gatt. Centrar chus.
Dorsalstacheln länger als die Strahlen, mit ihnen einen Winkel bil-
dend. 10. Gatt. Hyperistius. Dorsalstacheln kürzer als die
Strahlen, mit ihnen verwachsen. D. 7,8. 11. Gatt. Pomoxys. Dor-
sale wie bei voriger Gattung, aber nur 6 Stacheln.
Als neu werden daselbst aus dieser Familie beschrieben:
Amhloplites cavifrons aus dem Roanoke-River, Virginia, — Hemio-
plites simulans pl. 22. fig. 7 aus dem Tuckahoe-ßach, der in den
Jamesfluss fliesst, Virginia, — Lepomis ophthalmicus und Gülü
aus Virginia, anagallmus aus Kansas, ardesiacus und nephelus aus
Pennsylvanien,
Etheostomata. Die mit Boleosoma verwandten Gattungen hat
Cope Journ. Acad. Philadelphia VI. p. 210 in eine üebersicht ge-
bracht, zählt sie jedoch zu den Percidae. I. Zweite Dorsale gleich
der Anale, Vomerzähne. 1. Gatt. Etheostoma Raf. Ag. Cope (Ha-
dropterus, Albordius, Aplesion, Diplesion). Eine Reihe hinfälliger
Bauchschilder, 2. G?iit. Co tto gas t er Fuinam. Keine Bauchschilder,
Körper beschuppt. 3 Gatt. Pleurolepis, Schnauze stumpf konisch,
Analstacheln, Schuppen nur in wenigen Reihen an den Seiten. II.
Zweite Dorsale viel grösser als die Anale, Vomerzähne. 4. Gatt.
Percina Haldeman. Schnauze konisch abgestutzt. Körper ganz be-
schuppt, 2 Analstacheln, 5. Gatt. Poecüichthys Agass. (Catonotus
und Poecüichthys). Schnauze stumpf, konisch oder herabgekrümmt,
2 Analstacheln, Körper beschuppt. 6. Gatt. Boleosoma De Kay.
Schnauze stumpf konisch, 1 Analstachel, Körper beschuppt. III.
Zweite Dorsale viel grösser als die Anale, keine Vomerzähne. Hyo-
stoma Agass. Schnauze stumpf, 2 Analstacheln, Körper beschuppt.
während des Jahres 1868. 49
Cope stellt daselbst folgende neue Arten auf: Cottogaster au-
rantiacus pl. 24. fig. 6, Poecüichthys zonalis pl. 24. fig. 1, Hyostoma
hlennioperea und simoterum pl. 24. fig. 5. Alle aus dem südwestli-
ohen Virginien.
Prlstipomatidae. Therapon brevispinis Peters Berliner Monats-
berichte p. 256 von Luzon.
Haemulon corvinaeforme Steindachner Ichth. Notizen 7. p. 16
aus Brasilien.
Diagramma aeneuni Peters Berliner Monatsberichte p. 454 von
der Prinzeninsel.
Dentex (Heterognathoclon) Smithii Steindachner Ichth. Notizen
7. p. 14.
Sparidae. Leth/rinus Jagorii Peters Berliner Monatsberichte
p. 257 von Luzon.
Mullidae. Upeneoides fasciolatus DsLyFroc. zool. soc. p. 151 von
Madras. — U. caerideus Day ib. p. 194 von Madras.
Sqaamipennes. Chaetodon Sanctae iZe/ewae Günther Proc, zool.
soc. p. 227 von St. Helena.
Holacantlms ocidaris Peters Berliner Monatsberichte p. 147 aus
der Südsee. — H. poecilus Peters ib. p. 454 von Zanzibar,
Cataphracti. Aug. Dumeril stellte die Arten der Gattung
Peristethidion (Peristedion Lacep.) zusammen, indem er den sechs
bekannten eine neue P. prionocephalum aus China hinzufügte. Nou-
velles Archives du Museum IV. p. 108, pl. 23.
Platycephalus maculosus Peters Berliner Monatsberichte p. 258
von Singapore.
Scorpaena Mellissii Günther Proc. zool. soc. p. 228. pl. 19 von
St. Helena.
Sebastes nigropunctatus Günther Proc. zool. soc. p. 227 von
St. Helena.
Labyrinthici. Peters spricht sich für die Vereinigung der
Ophiocephalidae, Labyrinthici und Luciocephalidae, wie sie Bleeker
und Günther trennen, zu einer Familie aus. die er Labyrinthici nennt.
Berliner Monatsberichte p. 259.
Ophiceplmlus vagus Peters Berliner Monatsberichte p. 260 von
Luzon, Samar und Leyte.
Taenioidei. Einen lO' 2" langen Gymnetrus. der am Cap ge-
fangen wurde, hält Layard für G. capensis Cuv. Proceed. zool.
soc. p. 322.
Scombridae. SchedophUus Botteri Heckel bei Steindachner
Ichthyol. Bericht über eine Reise nach Spanien ct. l. c. von Barcelona.
Unter dem Namen Tholichthys osseus beschreibt Günther
Annais nat. bist. I. p. 457 einen kleinen nur 11 Mm. langen Fisch,
Archiv f. Naturg XXXV. Jahrij. 2. ".id. D
50 Troscliel: Bericht üb. d. Leist. in d. Ichthyologie
dem er die systematische Stellung in der Scomberoiden- Gruppe Cyt-
tina anweist. Verf. hat gewiss recht, wenn er vermuthet, dass die-
ser Fisch ein Jugendzustand ist. der vielleicht noch bedeutende Ver-
änderungen einzugehen hat. Der Kopf ist eigenthümlich mit Kno-
ebenplatten bedeckt. Sein Vaterland ist Zanzibar.
Hoplegnathidae. K n e r erklärt in diesem Archiv p. 70
seine Gattung Scarostoma für identisch mit der Gattung Hoplegna-
thus Gthr.
GoMoidei- Gobius Doriae Günther Annais nat. hist. I. p. 265.
pl. 12. flg. A von Sarawak. — G. Granäidierii Playfair Proc. zool.
soc. p. 10 aus dem Mouroundava - River in Madagascar. — G. ma-
draspatensis und Neilli Day ib. p. 152 von Madras. — G. Bleekeri
Day ib. p. 195 von Madras. — G. avernensis Canestrini Commenta-
rio della Fauna ct. Nr. 3. Venezia 1868 aus dem Arno. — G. leu-
comelas Hempr. Ehrbg. Peters Berliner Monatsberichte p. 147 aus
dem Rothen Meere. — G. obscuripinnis. dispar, lacrymosus und ar-
gulus von Luzon Peters ib. p. 263.
Euctenogobius striatus Day Proc. zool. soc. p. 272 von Ma-
dras. Der ganze Fisch, der Mund und die dreieckigen unteren Schlund-
knochen mit mittlerer Naht sind in Holzschnitt abgebildet.
Gobiosorna marmoratum Peters Berliner Monatsberichte p. 267
von der Insel Samar.
Apocryptes variegatus Peters ib. p. 267 von Singapore.
Eleotris dasyrliynchus Günther Annais nat. hist. I. p. 265. pl. 12.
fig. B von Sarawak.
Blennioidea. Enchelyums n.gen. Peters Berliner Monats-
berichte p. 268. Gebiss und der schuppenlose Körper wie bei Pe-
troscirtes. Kiemenspalten massig gross, seitlich, der Basis der Brust-
flossen entsprechend. Rücken- und Analflosse mit der Schwanzflosse
vereinigt. E. flavipes von Singapore.
Salarias Kirkii Günther Annais nat. hist. I. p. 458 von Zanzi-
bar. — S. hilineatus Peters Berliner Monatsberichte p. 269 von der
Insel Samar.
Tripterygium pMlippinum Peters Berliner Monatsberichte p. 269
von Luzon.
Aphredoderidae. Aphredodems gibbosus hat nach Teil kampf's
Untersuchung keinen Luftgang der Schwimmblase, wird also der
Repräsentant einer Familie unter den Stachelflossern sein, die den
Amblyopsis unter den Malacopterygii apodes entspricht. Annais
Lyceum Nat. hist. of New-York VIII. Archiv für Anatomie p. 88.
Anacanthini.
Gadidae. A t w o o d machte einige Bemerkungen über das Vor-
kommen und die Lebensweise der in Massachusetts einheimischen
während des Jahres 1868. 51
Gadidae, Merlangus carbonarius, Phycis americanns und Brosmius
vulgaris. Proc. Boston Soc. XI. p. 100.
Xipliogadus mndagascariensis Playfair Proc. zool. soc. p. 11
aus dem Mouroundava-River in Madagascar.
Brotula maculata Day Proc. zool. soc. p. 196 von Madras.
Pleuronectae. Malm lieferte einen Beitrag zur Kenntniss der
Entwickelung und des Baues der Pleuronecten, Bidrag tili kännedom af
Pleuronektoidernas utveckling och byggnad. Kongl. Svenska Vetensk.
Akad. Handlingar. Bd. VII. 1868. Nach der Betrachtung einiger
osteologischen Verhältnisse des Kopfes beschreibt er die ersten
Stadien der Entwickelung von Pleuronectes flesus, limanda, Solea
vulgaris, Rhombus vulgaris. Die seltsame Erscheinung, dass die
Pleuronecten ihr Leben auf einer Körperseite hinbringen, erklärt
er durch die grosse Körperhöhe mit Einschluss der Rücken- uud
Afterflossen bei der geringen Entwickelung der horizontalen Flos-
sen, namentlich der ßauchflossen, und bei der fast gänzlich reducir-
ten Schwimmblase. Zwei Tafeln sind beigegeben.
Pleuronectes Güli Steindachner Ichth. Notizen 7. p. 40 aus dem
Eismeer bei Nordisland.
Äpionichthys Oitom's Steindachner Ichth. Notizen 7. p. 41 von
Sicilien.
Solea Ca^JeWom's Steindachner Ichthyol. Bericht über eine Reise
nach Spanien 1. c. von Gibraltar.
Pharyngognathi.
Labroidei. Canestrini hat im Commentario della Fauna,
Flora e Gea Nr. 3. Venezia 1868 Studien über die Labroiden des
Mittelmeers veröffentlicht. Er unterscheidet 18 Arten, nämlich La-
brus turdus Bl. S. (L. psittacus Lacep.. saxatilis Risse, viridis C.V.),
L. festivus Risso (L. zittoides Raf., zittus Raf., ballan Risso, Nardii
Per., pincus Nardo), L, merula L. (Turdus niger Willugh., L. me-
rula L.. livens Brunn., ossiphagus Risso, lividus C. V., lirabatus C.V.,
Scarus viridis Gronov.). L. mixtus L. (Labrus trimaculatus Lac, varie-
gatus Lac, coquus Lac, quadrimaculatus Risso, carneus Bonap.), L,
lineolatus C. V. ; — Crenilabrus pavo C.V. (C. lapina Bonap., Geoffroi
Risso, foetidus Nardo, verdutius Nardo, polychrous Pall.), Cr. mediter-
raneus L. (Lutjanus bidens Lac, Brunnichii Lac, raassiliensis Lac,
nigrescens Risso, boryanus Risso, pittima Bonap.), Cr. melanocercus
Risso (Cr. caeruleus Risso), Cr. Roissali Risso (L. guttatus Bonnat, Cr.
tigrinus Risso, varius Risso, quinquemaculatus Risso, capistratus C.V..
aegurinosus Kessl., frenatus Pall.), Cr. griseus L. (Cr. Cottae Risso,
cornubicus Risso, masse Risso, fuscus Pall., Staitii Nordm., pusillus
Nordm.), Cr. ocellatus Forsk. (Lutjanus olivaceus Lac, L. reticulatus
52 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Ichthyologie
Lac, perspicillatus Nordm., argenteostriatus Nordm.. littoralis Risso,
olivaceus Risso), Cr. rostratus Bl. (Coricus virescens Risso, Lamar-
ckii Risso, rubescens Risso, brama Nordm.), Cr. tiuca Brunn.; —
Ctenolabrus iris C. V. ; — Acantholabrus palloni Risso (Cr. exole-
tus Risso, A. Couchii C. V., L. nellus Chiereghini) ; — Julis medi-
terranea Risso (J. Geoffredi Risso). J. turcica Risso (J. pavo Cuv.,
Blochii C. V., unimaculata Lowe); — Xyrichthys novacula Cuv. (X.
cnltratus C. V., Novacula coryphaena Risso, cultrata Gthr.).
Dieselbe Abhandlung, weiter ausgeführt und mit vollständig
citirten Synonymen, so wie begleitet von 2 Tafeln, auf denen 6 Ar-
ten abgebildet sind, erschien Annuario della societa dei Naturalisti
in Modena III. p. 104—144.
Novacula Sanctae Helenae Günther Proc. zool. soc. p. 228 von
St. Helena.
Scomberesoces. Uemirhamplms (Zenarcliopterus) pliüi'piyiniis
und Buffonis Peters Berliner Monatsberichte p. 273, ersterer von
Luzon und Samar, letzterer von Singapore.
Collingwood macht Beobachtungen über die fliegenden
Fische (Exöcoetus). Sie verlassen das Wasser nie, ohne von den
sie verfolgenden Feinden dazu gedrängt zu werden, und obgleich
ihr Austritt aus dem Wasser in die Luft immer von einer heftigen
Schwingung der Brustflossen begleitet ist, so wiederholt sich die-
selbe nicht , ohne dass der Fisch durch einen Wellengipfel streicht
oder so zu sagen seine Flossen frisch befeuchtet. In diesem Falle
findet eine neue Schwingung statt. Aber der Fisch kann mit gros-
ser Geschwindigkeit 70 bis 80 Ellen zurücklegen, ohne eine neue
Schwingung, obgleich er sich niemals mehr als einen Fuss oder
achtzehn Zoll über die Fläche der Fluthen erhebt. Report of the
37. meeting of the British Association for the Advancement of science
held at Dundee, Sections p. 80.
Exöcoetus melanopus Günther Annais nat. bist. L p. 459 von
Zanzibar.
Physostoini.
Silnridae. Silurus punctatus Day Proc. zool. soc. p. 155 aus
dem Fluss Wynaad, 3000' üb. d. M.
Arius granulatus Peters Berliner Monatsberichte p. 454 aus
Lagos in Westafrika.
Synodontis zanziharicus Peters ib. p. 600 von Mombas.
Peters ist zu der Ueberzeugung gekommen, dass es im
Afrikanischen Continente nur eine einzige Art von Zitterwelsen,
Malapterurus electricus giebt, da die angegebenen Unterschiede der
übrigen aufgestellten Arten nicht stichhaltig sind. Berliner Monats-
berichte p, 121.
während des Jahres 1868. 53
Boras helicophilus' Günther Annais nat. hist. I. p. 475; Proc
züol. soc, p. 229 aus Surinam.
Oxyäoras acipenserinas Günther Annals nat. hist. I. p. 475;
Proc. zöol. soc. p. 230. pl. 20 von Xeberos.
Cliilo glanis n. gen. Peters Berliner Monatsberichte p. 599.
Caput corpusque nuda: apertura branchialis angusta. nares anterio-
res a posterioribus sejunctae, os inferum, labia reflexa dilatata, labio
superiore dentato, mandibula duplici dentium serie armata, dentes su-
periores elongati mobiles, tentacula maxillaria et labialia inferiora,
pinna dorsalis radiata in anteriore corporis parte ante ventrales se-
ptemradiatas posita, pinna adiposa mediocris anali opposita. Gh.
Decken ii aus Südafrika pl. 2,
Chaetostomus Fordii, depresstis, megacephalus, dentex Günther
Annais nat. hist. I. p. 476; Proc. zooi. soc. p. 231. pl. 21, die drei
ersteren aus Surinam, letzere von Xeberos.
In der Gruppe der Hypostomiden stellte Günther ib. eine
neue Q2kii\mg Hypoptopoma auf, die sich von Plecostomus durch
die besondere Bildung des Kopfes unterscheidet, der deprimirt, spa-
telförmig ist, mit den Augen am Seitenrande. Die beweglichen
Kiemendeckel sind zu zwei Knochen reducirt, nämlich dem Opercu-
lum und einem zweiten Knochen (Interoperculum ?) vom Auge durch
einen schmalen Suborbitalring getrennt, an der unteren Seite des
Kopfes. H. thoracaUim von Xeberos.
CdlUchthys armatus Günther Annais uat. hist. 1. p. 476 ; Proc.
zool. soc. p. 230 von Xeberos und Huallago. — C. areifer und lie-
viiphractus Hensel Archiv f. Naturgesch. p. 373 aus Südbrasilien,
Loricaria lanceolata von Xeberos, platystoma von Surinam,
lamina von Xeberos Günther Annais nat. hist. I. p. 477; Proc. zool.
soc. p. 235 in Holzschnitten abgebildet. — L. strigüata und cadeae
Hensel Archiv f. Naturgesch. p. 368 aus Südbrasilien.
Gyprinidae. Aus der Cyprinenfamilie beschrieb Cope Journ.
Acad. Philadelphia VI. p. 226 folgende neue Arten : Ceratichthys liya-
Unus pl. 23. fig. 1 aus Nebenbächen das Holston-Kiver, C. monacus
pl. 23. fig. 2 aus dem Kanal des Holston-River. Hijhopsis longiceps
aus dem Roanoke, spectrunctdiis pl. 22. fig. 3 aus Nebenbächen des
Holston, ruhricroceus pl. 24. fig. 4 mit dem vorigen, lacertosus ebenso,
Älbnrnellus micropteryx aus dem Holston, Chrosomus oreas pl. 23.
fig. 7 in Bergströmen des Roanoke, Hyborhynchus superciUosus pl. 23.
fig. 4 aus Nebenbächen des Kanawha. Teretidus cervinus pl. 24. fig. 3
aus dem oberen Roanoke und James.
Puntius (Capoeta) lepidus Bowany, MettapoUiam, PucJcelU Ban-
galore Day Proc. zool. soc. p. 196.
Barhus Neüli, Güntheri, amlassis, Nashii und melanampyx Day
54 Tioschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Ichthyologie
ib. p. 580 aus Indien. — B. Kerstenii und zansibaricus Peters Ber-
liner Monatsberichte p. 601 von Zanzibar.
Danio Uneatus Day Proc. zool. sog. p. 198 von Madras.
V. Martens charakterisirte ein neues Subgenus der Gattung
Homaloptera unter dem Namen Octonema. Vier Paar Bartfäden,
eines zwischen Auge und Oberlippe, zwei an der Oberlippe, eines
am Mundwinkel ; Schwanzflosse abgerundet. Homaloptera (Octonema)
rotundicauäa von Hongkong.
Gyprinodontes. In dieser Familie stellte Peters Berliner Mo-
natsberichte p. 145 zwei neue Gattungen auf:
Nothohranchius unterscheidet sich von den übrigen kurz-
darmigen Cyprinodonten durch die Gestalt der Zwischenkiefer, wel-
che zum Mundwinkel hinabsteigen, ohne einen nach. hinten vorspringen-
den Winkel zu bilden, und ausserdem von allen Cyprinodonten durch
die Anwesenheit von freien Pseudobranchien. Diese Gattung ist für
eine vom Verf. früher zu Cyprinodon gestellte Art gegründet, die
aber a. a. 0. nicht namhaft gemacht ist.
Lycocyprinus hat ebenfalls freie Nebenkiemen, aber gebo-
gene Zwischenkiefer und eine kurze über dem Ende der Anale ste-
hende Dorsale. Für Poecilia sexfasciata Pet, (Haplochilus infrafa-
sciatus Gthr.) aufgestellt.
He n sei beschrieb Archiv f. Naturgesch. p, 360 als neu Gi-
rardinus jamiarius von Rio - Janeiro, G. catidimaculatus von der
Costa da Serra bei S. Leopoldo und Bivulus ocellatus von Rio-Janeiro.
Characini. Günther stellte aus der Characinenfamilie fol-
gende neue Arten ^auf: Curimatus asper, leucisciis und dobiila von
Huallaga, Hemiodus Kappleri von Surinam, Leporinus hypselonotus
von Xeberos, Tetragonopterus ovalia ebendaher, Äphyocharax n.
gen. pusillus von Huallaga und Xeberos, Anacyrtus affinis und ama-
zonum von Huallaga und Xeberos. Annais nat. bist. I. p. 478; Proc.
zool. soc. p. 239. pl. 22,
Die neue Gattung Äphyocharax unterscheidet sich von
Chirodon durch die Gegenwart von Maxillarzähuen, Die Dorsale
in der Mitte der Körperlänge hinter den Ventralen; Anale ziemlich
lang; Körper länglich, mit massigen Schuppen; Seitenlinie nur an
einem Theil der Schuppen sichtbar; Bauch vor den Ventralen ab-
gerundet; Mundspalte eng; Kiefer kurz; Zwischenkiefer, Ober- und
Unterkiefer mit einer Reihe spitzer Zähne, die des Zwischenkiefers
mit einem kleinen Lappen an einer oder beiden Seiten.
Leporinus microlepidotus Peters Berliner Monatsberichte p.455
von Rio de Janeiro.
SalmOüGS. Murie berichtete über einige Junge von Salmo
salar, welche im zoologischen Garten zu London aus den Eiern ge-
zogen, fünf Jahre im süssen Wasser zurückgehalten waren. Sie sind
während des Jahres 1868. 55
beschrieben und abgebildet. Ihre Grösse ist viel geringer geblie-
ben, als wenn sie ihre Wanderung ins Meer hätten ansführen kön-
nen, auch haben sie eine andere Färbung und Gestalt, lieber die
wichtige Frage, ob sie dennoch Salmen geblieben sind, oder ob sie
durch dies Verbleiben im süssen Wasser P^'orellen geworden sind,
ist es nicht recht zur Entscheidung gekommen. Einige halteii sie für
Salmen, wegen ihrer Geschichte . wegen einiger Aehnlichkeiten ;
Günther dagegen hält sie nicht für echte Salmen. kann jedoch
nicht sagen, welcher Species sie angehören, und möchte sie für hy-
bride Formen ansprechen, deren Abstammung er nicht kennt. Verf.
sagt schliesslich: Je länger ich die Frage in Betracht ziehe, um so
mehr scheint die Verallgemeinerung des Gesetzes zu wachsen. Den-
ken wir uns eine plötzliche Erschütterung, und ein Fluss ist in
einen Landsee umgewandelt. Würde dann der Salm zu einer Fo-
relle werden? Wir können wirklich so beträchtliche Veränderun-
gen begreifen. Ist die Species von den Veränderungen der alten
Mutter Erde abhängig? oder ist »Natural selection« das, was die
Grenzen der Species umschreibt? Proc. zool. soc. p. 247.
V. Siebüld berichtete der Münchener Akademie über den
Versuch, den Saibling (Salmo Umbla) aus den bayerischen^Alpenseeu
nach Neu-Seeland zu verpflanzen, Herr Lindon aus London hatte
10.000 befruchtete Eier aus dem Schliersee glücklich in Eis ver-
packt nach London transportirt und dort für Neu-Seeland einge-
schifft. Sitzungsberichte der Münchener Akademie 1868. p. 300.
Gaiaxidae. Galaxias SchomlmrgJcn Peters Berliner Monatsbe-
richte p. 455 von Adelaide.
Glupeacei- Günther unterscheidet nur 5 Arten von Clupea-
ceen an den britischen Küsten. Clupea harengus, sprattus, alosa,
finta und pilchardus. — Rogenia alba Valenc. erklärt er für den
jungen Häring, Leachii Yarrell für eine Varietät des Häriugs und
Alosa squamo-pinnata Couch für Bastard zwischen Pilchard und
Alse. Proc. zool. soc. p. 377.
Apodes. S t e i n d a c h n e r hat die Gymnotiden des Naturalien-
kabinets zu Wien bearbeitet. Wiener Sitzungsberichte. 58. Juli. Er
berichtigt die Synonymie einiger bekannten Arten und beschreibt
mehrere neue, so Sternarchus Nattereri und Schotti von Barra do
Rio-Negro, mormyrus von Marabitanos, Ehamphichthyt! brevirostris
von Guapore. Alle vier sind abgebildet. Es verdient bemerkt zu
werden, dass sich Verf. überzeugt hat, der peitschenförmige Rücken-
anhang bei Sternarchus sei im Leben des Fisches nicht vom Rücken
abgetrennt.
Sternopygus axillaris Günther Annais nat. hist. I. p. 451
aus Para.
Durch Vorlage einer ganz jungen Cepola rubescens aus Mes-
56 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Ichthyologie
sina wies Peters nach, dass die Vermuthuug von V. Carus, die
Leptocephali des Mittelmeeres verwandelten sich in die daselbst
vorkommenden Cepolae, unbegründet sei. Berhner Monatsber. p. 130.
Lophobranchii.
Syngnathus fistulatus von Puerto Cabello, margaritifer von
Sydney, poecilolaemus von Adelaide und Martensii von Borneo Peters
Berliner Monatsberichte p. 456.
Für seinen Syngnathus zambezensis hat Peters Berliner Mo-
natsberichte p. 147 eine eigene Gattung Belo nichthys aufge-
stellt: Corpus elongatum, heptagonoteres, inerme^ cauda tetragona,
corpore reliquo vix longiore vel breviore; rostrum inerme, fissurae
occipitales nullae ; pinna dorsalis elongata in trunci medio incipiens ;
raas abdomine valvulato.
Microphis caudatus von Samar, pleurostictus von Luzon und
Jagorii von Samar Peters ib. p. 276.
Nerophis Dumerili Steindachner Ichth. Notizen 7. p. 38 von
Bombay.
Cronoidei.
Ghondrostei. Äcipenser Dahryanus A. Dumeril Nouvelles ar-
chives des Museum IV. p. 98. pl. 22. fig. 1 aus dem blauen Fluss
in China.
Mit Bemerkungen über die Familie der Spatularien beschreibt
A. Dumeril Nouvelles Archives du Museum IV. p. 100 den Polyo-
don gladius v. Martens und giebt pl. 22. fig. 2 eine Abbildung des-
selben.
Selachii.
Galeocerdo Bayneri Macdonald Proc. zool. soc. p. 368. pl. 32
aus der Südsee.
Macdonald beschreibt Heptranchus indicus und hobt haupt-
sächlich die Unterschiede zwischen Männchen und Weibchen hervor.
Ersteres war 5' 9", letzteres 3' 10" lang. Proc. zool. soc. p. 371.
pl. 23.
Gray zeigte an, dass Echinorhinus spinosus, 7 Fuss lang, und
Hexanchus griseus. 6 Fuss lang an der britischen Küste gefangen
sei. Annais nat. bist. I. p. 79.
€ycIostomi.
Petromyzon Japonicus v. Martens die^ Archiv p. 3. Taf. 1. Fig. 2
von Japan.
während des Jahres 1868. 57
Leptocardii.
Owsjannikow hat das Centralnervensystem des Amphioxus
lanceolatus einer eingehenden Untersuchung unterzogen. Das Rük-
kenmark ist im Wesentlichen nach demselben Grundprincip gebaut,
wie das aller andern Wirbelthiere, besitzt keine Anschwellungen,
die Spinalnerven entspringen auf beiden Seiten unsymmetrisch, ab-
wechselnd bald auf der vorderen seitlichen, bald auf der hinteren
seitlichen Fläche des Rückenmarks in verschiedener Höhe, als Ge-
hirn kann höchstens der um und vor dem Ventrikel liegende Theil
betrachtet werden, das Auge besteht nur aus einem Haufen von
Pigmentkörnchen. Bulletin de St. Petersbourg XH. p. 287.
Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
der Mollusken während des Jahres 1868.
Von
Troschel.
Seitdem wir zuletzt im Berichte über das Jahr 1866
von dem Fortschreiten von LovellReeves Conchologia
iconica gesprochen hatten^ ist durch den Tod des Ver-
fassers eine Unterbrechung in der Erscheinung der Lie-
ferungen eingetreten. Es ist jedoch die Fortsetzung bald
wieder aufgenommen, so dass in dem Jahre 1868 der
16. Band dieses kostbaren Werkes vollendet ist. Er ent-
hält die Gattungen Unio mit im Ganzen 525 Arten auf
96 Tafeln, Pleiodon mit 2 Arten, Bulla mit 19 Arten auf
6 Tafeln, Mycetopus mit 10 Arten auf 4 Tafeln, Iridina
mit 5 Arten auf 2 Tafeln, Haminea mit 30 Arten auf
5 Tafeln, Hydatina mit 4 Arten auf 2 Tafeln, Aplustrum
mit 3 Arten auf 1 Tafel, Galatea mit 16 Arten auf 6 Ta-
feln, Akera mit 7 Arten auf 1 Tafel, Dolabella mit 6 Arten
auf 2 Tafeln, Dolabritera mit 7 Arten auf 1 Tafel. Der
Hauptwerth des Werkes besteht in den schönen Abbil-
dungen. Ob dasselbe noch weiter fortgesetzt werden
soll, ist nirgends angegeben, ebenso wenig, wer die Her-
ausgabe des vorliegenden Bandes nach dem Tode des
Verf. besorgt hat. Der Text ist ganz in hergebrachter
Weise abgefasst und hat nicht viel Bedeutung, die Syno-
nymie ist dürftig und mehrfach ist nicht leicht ersichtlich,
ob die Species für neu gehalten wird oder nicht.
Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturg'eschichte ct. 59
Von der Küste r'schen Ausgabe des Systematischen
Conchylien-Cabinet von Martini und Chemnitz sind
nach längerer Unterbrechung wieder drei Lieferungen
187 — 189 erschienen. In ihnen beginnt die Familie der
Veneraceen bearbeitet von Pfeiffer und zwar Cyprina
L. mit 1 Art, Cytherea Lam. bis zur 40sten Art. Ferner
die Familie der Cardiaceen von Ed. Römer, deren Gat-
tung Isocardia Lam. in die Sectionen Ty c hoc ardia
Köm. mit 1 Art und Meiocar dia Ad. mit 2 Arten zer-
fällt, während von der Gattung Cardium die Sectionen
Tr opidocar dium Rom, mit zwei Arten beginnt und
Ag ant h 0 G a r dium Rom. bis zur 4. Art fortgeführt ist.
— In Lief. 189 ist die Gattung Murex bis zur 56sten
Art weitergeführt ; die Gattungen Argonauta, Nautilus
und Spirula mit resp. 6, 5 und 1 Art, denen Sepia offi-
cinalis angehängt ist, bearbeitet von Küster; die Gattun-
gen Janthina mit 14, und Recluzia mit 2 Arten, gleich-
falls von Küster bearbeitet; endlich ist der Text der Gat-
tung Ricinula mit 44 Arten abgeschlossen, darunter eine
ii. albovaria p. 31 unbekannten Fundortes neu.
Von Pfeiffer's Novitates conchologicae, Land-
Conchylien sind zwei Doppellieferungen (29 — 32) im Jahre
1868 erschienen.
Sie bringen Abbildungen von Helix imperator Montf.,
melanocephala Gundl. — ßulimus gigas Poey, microsto-
mus Gundl., gonostomus Gundl., Gundlachi Arango, sagax
Friv., anachorcta Pfr., Kotschyi Pfr., densus Pfr., miles
Pfr., — Helix rostrella Pfr., vitellus Shuttl., semiclausa
Martens, — Macroceramus Pazi Gundl, Cierchi Arango,
latus Gundl., amplus Gundl., crenatus Gundl., variabilis
Pfr., festus Gundl., costu latus Gundl., Arangoi Pfr., clau-
dens Gundl., ßlaini Arango, Helix Apollo Pfr., jactata
Gundl., rostrata Pfr., Pazensis Poey, marginelloides
d'Orb. Varr. umbilicata, Gutierrezi Poey, Arangiana Poey,
Var., Carocolla L. juv. , Livesayi Pfr., Malziana Parr.
horrida Pfr. — Macroceramus notatus, catenatus, Gro-
bei, parallelus, Poeyi, Palenquensis , maculatus Wright,
Jeannereti Gundl., infradenticulatus Wright, elegans Gundl.,
simplex Pfr., inermis Gundl., minor Arango, — Pineria
60 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Vicquensis Pfr., — Bulimus leucostomus Sow., chordatus
Pfr., denticnlatus Ffr., Atahualpa Dohrn, tessellatus Shuttl.,
leucostictus Phil., rectilinearis Pfr., Bahamensis Pfr., San-
tacruzensis Orb., Chiapasensis Pfr., elobatus Gould, Cora
Orb., Costaricensis Pfr., aurifluus Pfr., Landauer! Pfr., vir-
ginalis Pfr., Heynemanni Pfr., pluvialis Pfr., bacillus Pfr.,
pyrgiscus Pfr., lactifiuus Pfr., acuticostatus Orb., Pichardi
Arango, manzanillensis Gundl., scalarinus Gnndl., tuber-
culatus Gundl., blandas Friv., lucidus Poey.
Von D un ker's Novitates concliologicae, Meeres-Con-
chylien, erschien 1868 nur die 13. Lieferung. Sie ist den
Arcaceen und Solenaceen gewidmet; in ihr sind viele
ganz neue Arten beschrieben, die unten namhaft ge-
macht werden.
Ausser den im regelmässigen Fortgange begriffenen
ausschliesslich der Malacologie gewidmeten Zeitschriften,
nämlich : 1) den malacozoologischen Blättern, 2) dem
Journal de Conchyliologie, 3) dem American Journal of
Conchology erschien 4) in Pisa Bullettino Malacologico
Italiano, Volume primo 1868 Molluschi terrestri e d'acqua
dolce, und 5) hat sich gegen das Ende des Jahres 1868
eine Deutsche Malacozoologische Gesellschaft gebildet,
mit dem Sitze in Frankfurt a. M. Dieselbe giebt ein
monatlich erscheinendes „Nachrichtsblatt" heraus, von
dem im December 1868 die erste Nummer ausgegeben
ist. Von dem wissenschaftlichen Inhalt desselben werden
wir in den folgenden Berichten zu sprechen haben.
Lacaze Duthiers behauptet, dass stets der aku-
stische Nerv bei den Mollusken von den oberen Schlund-
ganglien entspringe; das Gehörbläschen könne zwar auf
dem locoraotorischen Fussganglion ruhen, aber niemals
entspringe sein Nerv aus ihm. Die Lage des Gehör-
organs oder des Otolithen kann variiren, aber die Ver-
bindung mit dem centralen Nervensystem bleibt immer
dieselbe bei den Gasteropoden, Heteropoden und Cepha-
lopoden; und so hängen alle Sinnesorgane von dem
oberen Schlundganglion ab, während dem Fussganglion
ausschliesslich die Bewegung verbleibt. (Dies ist der
bisherigen Ansicht durchaus entgegen, und ein detaillirter
der Mollusken während des Jahres 1868- 61
Nachweis bleibt zu erwarten. Ob dieser Ausspruch auch
für das tief herabgesenkte Fussganglion der Muscheln,
Geltung haben soll, an welchem bekanntlich das GehÖr-
bläschen liegt, darüber hat sich Verf. a. a. O. nicht ge-
äussert, obgleich man es vermuthen sollte, da er die Be-
hauptung ganz allgemein ausspricht, Ref.). Revue de Zoo-
logie p. 442.
Stoliczka beobachtet bei Naniiia poUux in der Mi-
nute 46, Helix propinqua 50 Pulsschläge des Herzens.
Wenn das Thier längere Zeit in die Schale zurückge-
zogen ist, vermindern sich die Pulsschläge bis zu 17 in
der Minute. Proc. Asiat. Soc. of Bengal 1868 p. 263.
Einige Gattungen, welche Arthur Adams aufge-
stellt hatte, sind nunmehr in Journal de Conchyliologie
p. 40 Tab. 4 abgebildet und mit Bemerkungen von Crosse
versehen. Auch die natürliche Grösse ist neben der Fi-
gur angezeigt, was um so wichtiger ist, da die Maasse
früher in den Annais nat. bist, bei der ersten Aufstellung
nicht angegeben waren. Hier sind neu abgebildet die
Gattungen Sarepta, einer besonderen Subfamilie zwi-
schen den Nuculinae und Malletiinae angehörig, 6' 3/ r iV/a
soll der Familie Arcidae angehören, Älcyna verwandt
mit Elenchus, wird von Crosse vielmehr mit Phasianella
verglichen, Jolaea (Jole olim) zwischen Monoptygma
und Menestho, C onstaniia Familie Scalidae, Fenella
Familie der Rissoiden, des Verf. Gatt. Dunkeria wird mit
Fenella vereinigt, Scaliola, die Stellung dieser Gattung
ist nicht bezeichnet, S t e n 0 1 1 s erinnert an Naticina, mög-
licherweise aber verwandt mit Lacuna, Crossen Familie
Scalidae, Crosse vergleicht die Schale mit einem Embryo
von Murex:
Lewis machte Amer. Journ. Conchol. IV. p. 2 Be-
merkungen über einige Süsswasserschnecken in Darwi-
nistischem Sinne. So weit er von Physa, Lymnaea, Stre-
pomatidae u. s. w. von der grossen Veränderlichkeit der
Species spricht, hat er gewiss recht.
Power empfiehlt Glycerin als x\ufbewahrungsmittel
für Nacktschnecken. Annais nat. bist. I. p. 153.
Mörch empfiehlt Landschnecken, die man für ana-
62 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
tomische Untersuchungen tödten will^ in ein Glas mit
Wasser ohne Luftzutritt zu setzen, und ein wenig Tabak,
ein Stück Cigarre, hinein zu thun; dann sterben sie
schnell und ihre Tentakeln, Kiefer und die Ruthe treten
hervor. Journ. de Conchyl. p. 350.
Mörch veröffentlichte in Malakoz. Bl. p. 1 — 31
einen Versuch einer Geschichte der conchyliologisehen
Nomenclatur.
In Bezug auf die Anwendung der Nomenclatur ist
zu bemerken, dass Cooper Amer. Journ. Conchol. IV.
p. 174 die Frage aufwirft, welche Specics, z. B. von Helix
die typische sei. Er meint es müsse immer die erste
sein, wie lapicida bei Helix, und diese müsse bei Spal-
tung der Gattung den Namen Helix behalten. -- In einer
Anmerkung ib. ist Tryon der Meinung, man müsse das
Gesetz der Exclusion anerkennen , d. h. man müsse
nach Ausscheidung aller Arten , die in andere aner-
kannte Gattungen gestellt worden sind , die erste übrig
bleibende als die typische ansehen. — Es scheint dem
Ref. als ob diese Frage sich principiell nicht erledi-
gen liesse. Die Gattungen sind Begriffe, die nicht aus
einer Species, sondern aus einer Summe von Species ab-
geleitet waren. War diese Summe aus heterogenen Spe-
cies gezogen, wie so oft, dann kann man nicht sagen, die
erste Species sei die typische; diese war vielleicht die
grösste, vielleicht die durch Form auffallendste und da-
durch abweichende, vielleicht die seltenste. Bleibt nach
Abzug des Auszuscheidenden ein ansehnlicher Stamm
übrig, dann mag der den Namen weiterführen, ist dies
nicht der Fall, wie bei Pyrula Lam., dann war die Gat-
tung schlecht, und der Name verdient nicht die Un-
sterblichkeit.
V. Frauenfeld hat in der dritten Abtheilung des
zweiten Bandes des zoologischen Theils der Reise der
österr. Fregatte Novara die Mollusken bearbeitet. Daselbst
ist eine Anzahl neuer Arten beschrieben und abgebildet.
Aus Versehen sind diese bereits in den vorjährigen Be-
richt gekommen, obgleich der Band erst 1868 erschienen
war, und sind also dort nachzusehen.
der Mollusken während des Jahres 1868. 68
Europa. Von Isländischen Land- und Süsswasser-
raollusken gab Mörch Amer. Journ. Conchol. IV. p. 41
ein Verzeichniss. Es enthält 21 Arten, nämlich 1 Liraax,
2 Arion, 1 Vitrin^i, 2 Hyalina, 1 Conuhus, 1 Arianta, 1 He-
licogena, 1 Cionella, 1 Pupa , 1 Succinea, 3 Limnaea,
1 Planorbis, 5 Pisidium, dazu 5 zweifelhafte Arten.
Ein vierter Bericht über den Schleppnetzfang bei den
Shetland-Inseln von Jeffreys findet sich im Report of
the 37. Meeting of the British Association for the advanc.
of science held at Dundee p. 431. Als neu für die Bri-
tische Fauna werden erwähnt : Terebratella Spitzbergen-
sis Davids., Rhynchonella psittacea Gmel, Leda pernula
Müll., Siphonodentalium Lophotense Sars , Cadulus sub-
fusiformis Sars, ütriculus globosus Loven.
In einem Preliminary Report ct. von Shetland wer-
den von Norman ib. p. 437 einige Tunicaten angeführt.
Nach dem Bericht über den siebenten Schleppnetzfang
an den Shetland Inseln, Annais nat. bist. IL p. 298, erhielt
Jeffreys Pleurotoma carinata ßivona lebend und einige
seltene Arten. 75 Arten verzeichnet Verf. als identisch
mit Mittelmeerischen. Die Summirung des Verzeichnisses
der erhaltenen Mollusken ergiebt an marinen Arten 6 Bra-
chiopoden, 119 Conchiferen, 3 Solenoconchia, 218 Gastero-
poden, 4 Pteropoden, 4 Cephalopoden ; an Land- und Süss-
wasser- Mollusken 2 Conchiferen und 21 Gasteropoden.
Die britischen Mollusken belaufen sich auf 720 Arten.
— Gegen einige allgemeine Schlussfolgerungen des Verf
erhebt M'Andrew ib. p. 357 Einwendungen. Er leug-
net , dass die Nord-Europäischen Exemplare gewöhnlich
grösser seien als die Süd - Europäischen derselben Art,
dass die Farbe der Exemplare aus den grössten Tiefen
nicht weniger lebhaft sei als aus flachem Wasser u. s. w.
— Jeffreys giebt einen kleinen Nachtrag ib. p. 387, —
und erwiedert ib. p. 448 auf M'Andrew's Einwände.
Mörch theilte ein Verzeichniss der von Möller
bereits im Jahre 1843 mit dem Schleppnetz bei Fair-Isle
zwischen den Orkney und Shetland gesammelten Mol-
lusken. Es sind 85 Arten. Report British Association
held at Dundee p. 93.
64 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Von der Commission zur Erforschung der marinen
Fauna und Flora der Südküste von Devon und Cornwall
wurde ein kleines Verzeicliniss der Mollusken im Report
of the 37. Meeting of the British Assoc. for the advan-
cement of science held at Dundee p. 275 mitgetheilt.
Von Lindström erschien eine Schrift über die
jetzt lebenden Mollusken Gotlands (om Gotlands nutida
Mollusker). Wisby 1868. 8. mit drei Tafeln. Darin wer-
den von Gotländischen Mollusken 82 Arten verzeichnet,
nämlich 75 Land- und Süsswasserarten und 7 Meeresar-
ten. Nach Gattungen vertheilen sie sich so: 3 Limax,
1 Lehmannia, 1 Vitrina, 6 Zonites, 2 Arion, 13 Ilelix,
1 Bulimus, 1 Zua, 11 Pupa, 1 AUoglossa n. gen., 1 Ba-
lea, 4 Clausilia, 3 Succinea, 1 Carychium, 1 Physa, 1
Aplexa, 4 Limnaea, 8 Planorbis, 1 Ancylus, 2 Valvata,
2 Bythinia, 1 Hydrobia, 1 Neritina, 1 Anodonta, 2 Cyclas,
2 Pisidium ; — dazu von See-Mollusken : 1 Embletonia,
1 Pontolimax, 1 Mytilus, 1 Cardium, 1 Tellina, 1 Mya.
Die Abbildungen beziehen sich hauptsächlich auf das Ge-
biss. Auf Einzelnes müssen wir unten zurückkommen.
Am Schluss geht Verf. näher auf das Vorkommen und
die Verbreitung der Arten ein.
Das Verzeichniss der Mollusken von der kleinen Insel
Gotska Sandön, welches Eisen und S t u x b e r g Öfvers.
Vetensk. Akad. Förhandlingar p. 373 gegeben haben, ent-
hält 19 Arten Landschnecken, nämlich 2 Arion, 4 Limax,
1 Vitrina, 7 Helix, 1 Zua, 1 Vertigo und 1 Clausilia.
Nach Reinhardt kommt Hyalina subterranea Bour-
gignat weitverbreitet in Norddeutschland vor. Sitzungs-
berichte der Ges. naturf. Freunde zu Berlin 1868. p. 31.
Reinhardt fügte der Fauna der Mark Branden-
burg zwei neue Arten hinzu, nämlich Vitrina diaphana
Drap, und Pupa costulata Nilss., welche letztere er für
identisch mit Pupa ascaniensis A. Schmidt hält. Sitzungs-
berichte d. Gesellsch. naturf. Freunde zu Berlin 1868. p. 10.
Reinhardt bestimmte eine Schnecke aus der klei-
nen Schneegrube des Riesengebirges als Pupa arctica
Wallenberg, die bisher nur in Lappland gefunden war,
und schloss daraus auf eine frühere Uebereinstimmung der
der Mollusken während des Jahres 1868. 65
Fauna des Rieseiigebirges mit Scandinavien. Sitzungs-
berichte der Geselisch. naturf. Freunde in Berlin p. 10.
Sandberge r schrieb über die Conchylicn-Fauna
der Gegend von Würzburg. Das Verzeichniss enthält
'J Arion, 3Liniax, lAmalia, 1 Daudcbardia, 1 Vitrina ,
4 liyalina, IG Helix, 4 Buliminus, 1 Cionella, 1 Caecilio-
nella, 1 Baiea, 6 Clausilia, 6 Pupa, 3 Succinea, 1 Ancylus,
G Limnaeus, 1 Physa, 3 Planorbis, 2 Valvata, 1 Bythinia,
1 Neritina, — 2 Anodonta, 3 Unio, 2 Cyclas, 1 Tichogonia;
zusammen 73 Arten. Verhandi. der physicai. medicin.
Ges. in Würzburg 18G8. I. p. 38.
ßielz, Fauna der Land- und Süsswasser-Mollusken
Siebenbürgens. Zweite Auflage. Hermannstadt 1867.
Catalogue des Moliusques niarins, terrestres et flu-
viatiles observes dans le departement du Morbihan par
M. Taste pere, Vannes 1867. Enthält 420 Arten. Vergl.
eine Anzeige in Journ. de Concliyl. p. 202.
Drouet, MoUusques terrestres et fluviatiles de la
Cöte d'or. Paris 1867. 8. Das Verzeichniss enthält 138
Arten, unter denen eine Hydrobia und 1 Geomalacus neu.
Es sind 4 Arion, 1 Geomalacus, 6 Limax, 2 Vitrina, 6 Suc-
cinea, 8 Zonites, 27 Helix, 3 Bulimus, 2 Cliondrus, 1 Azeca,
1 Zua, 1 Caecilioides, 7 Clausilia, 1 Balea, 7 Pupa, 4 Ver-
tigo, 1 Carychium, 1 Cyclostoraa, 2 Pomatias, 10 Planorbis,
3 Physa, 8 Limnaea, 2 Ancylus, 4 Hydrobia, 1 Bythinia,
1 Paludina, 3 Valvata, 1 Neritina, 4 Anodonta, 7 Unio,
7 Pisidium, 3 Cyclas, 1 Dreissena.
Rambur beschrieb einige neue Heliceen a.7s ""^pa-
nien und Frankreich. Journ. de Conchyl. p. 265 .^^'^^^
Gentiluomo verfasste Bullettino malacologico ita-
liano I. p. 67 — 100 einen Katalog der Land- und Süsswas-
ser-Mollusken von Toäcana. Einige von Issel im Anhange
zu einer Arbeit von Carina ^Delle condizione fisiche ct.
del territorio dei Bagni di Lucca, 1863" beschriebene,
so wie einige andere seltenere Arten sind auf zwei Tafeln
abgebildet und ausführlicher beschrieben. Das Verzeich-
niss enthält 158 Arten: 1 Arion, 6 Limax. 3 Tcstacella,
1 Vitrina, 2 Succinea, 16 Zonites, 39 Helix, 6 Bnlimus,
2Caecilianella, 2Ferussacia, 10 Clausilia, 1 Balea, 10 Pupa,
.Vn:liiv t Mitiir- XXXV .lahr^. 2.M. E
66 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
5 Vertigo, 1 Carychiuni, 2 Alcxia, 10 Planorbis, 3 Pliysa,
6 Liinnaea, 4 Ancylus, 1 Velletia, 1 Cyclostoma, 2 Po-
inatias, 1 Acme, 7 ßytblnia, 1 Paludina, 2 Valvata, 1 Me-
Janopsis, 2 Neritina, 2 Anodonta, 4 Unio, 2 Pisidium, 3
Sphacrium.
Von Weinkauffs „Conchylicn des Mittelmceres,
ihre geographische und geologische Verbreitung" ist der
zweite i^and erschienen. In diesem I^ande sind 459 Spe-
cies enthalten. Auf die Berichtigung der Synonymie ist
viel Sorgfalt verwendet.
Ed. V. Martens hat eine Molluskenfauna der
Abruzzen zusammengestellt. Er verzeichnet 17 Helix, 2 Bu-
liminus, 1 Stenogyra, 8 Clausilia, 4 Pupa, 1 Pomatias,
3 Lymnaeus und 3 Bythinia, zusammen 39 Arten. Malak.
Bl. p. 73. — Ein Abdruck im Bulletino malacologico ita-
liano p. 49 und p. 65 ist um eine Helix- Art vermehrt.
üeber Hidalgo's Catalog der Marinen Mollusken
der spanischen Küsten und der Balearen hatte schon im
vorigen Jahre Jeffreys einige Bemerkungen gemacht (vergl.
vorj. Ber. p. 117). Hidalgo hat Journ. de Conchylio-
logie p. 27 — 35 eingehend darauf geantwortet.
Issel verzeichnete die Land- und Süsswasser-Mol-
lusken des Archipels von Malta im Bullettino malacologico
italiano 1. p 1 und 17. Von den 44 Arten des Archipels
von Malta kommen 30 auch in öicilien vor, 3 fehlen in
Sicilien linden sich aber auf andern Punkten des mittel-
meerischen Littorals, 7 sind dem Maltesischen Archipel
eigr -»t^imlich, 4 Bpecies incertae. Es sind 2 Limax, 3 Zo-
nitc>/jV.7 Helix, 2 Bulimus, 1 Ferussacia, 2 Caecilianella,
1 Pupa, 4Clausilia, 1 Cyclostoma, 1 Bythinia, 1 Hydrobia,
1 Melania, 2 Alexia, 1 Ancylus, 1 Physa, 2 Lymnaea, 1 Pia-
norbis, 1 Pisidium.
Africa. Von Bourguignat erschien Paris 1868
eine neue Schrift Histoire malacologique de la regence
de Tunis in 4. mit Karten und Tafeln. Dieselbe ist mir
noch nicht zu Gesicht gekommen.
Von der „Monographia molluscorum torrestrium, flu-
vialium, lacustrium insularum Maderensium, auctore Ba-
rone d e C a s t e 1 1 o d e Pa i va Olislpone 1867. 4. mit 2 Ta-
der Molluske« während des Jahres 1868. 67
fajn,^ die mir nicht aus eigener Ansicht bekannt gewor-
den ist, findet sich eine eingehende Anzeige von Pfeiffer
in Malak, Bl. p. 39 und von Crosse in Journ. de Con-
chyl. p. 200, auf die wohl hier, bei der allgemeinen Ver-
breitung dieser Zeitschriften verwiesen werden kann.
Das Werk wird daselbst sehr gerühmt.
Manzoni beschrieb 8 neue Rissoen von den Cana-
rischen Inseln und Madeira. Journ. de Conchyl. p. 1G4.
Er lieferte ib. ein Verzeichniss der durch Mac-Andrew
daselbst gesammelten Rissoen. Es sind 23 Arten, von
denen obige acht abgebildet sind; ebenso R. calathus Forb.
Hanl. In einem Anhange vereinigt Verf. die Arten mit
doppeltem Mundrande zu einer besonderen Gruppe.
Mollusques terrestres et fluviatiles du Voyage du
Dr. Fr. Wel witsch dans les Royaumes d' Angola et de
ßenguella. Von Arthur Morelet. 4. mit 9 Tafeln.
Paris 1868. In dieser Schrift sind 35 neue Arten be-
schrieben. Vergl. auch eine Anzeige in Malak. Bl. p. 134,
und Journal de Conchyl. p. 196. Verf. unterscheidet im
Königreich Angola drei Höhenregionen: die Litoralregion,
die Bergregion, und die Region der Hochebenen. Verf.
betont die Gleichförmigkeit der eigentlich africanischen
Fauna und glaubt sogar, dass mehrere Landschnecken
dem obern Nilgebiet und Westafrica gemeinsam seien.
Er theilt Africa in drei Faunengebiete: das nördliche,
centrale, und südliche. — Vergl. hierzu eine Bemerkung
von Morelet Journ. de Conchyl. p. 144.
Crosse hat nach den Forschungen von Welwitsch,
Dohrn und Pires die von der Insel Sanct Thomas im
Meerbusen von Guinea bekannten Landschnecken zusam-
mengestellt. Er beschreibt 4 Helix, 1 Bulimus und 4
Achatina, zusammen 9 Arten. Journal de Conchyl. p. 125.
Henry Adams beschrieb wieder eine Anzahl von
Geoffrey Nevill auf Mauritius gesammelter Conchy-
lien, die auch abgebildet sind. Proc. zool. soc. p. 12 pl. 4.
Neue durch G e of fr ey Nevill auf Mauritius, Isle
de Bourbon und den Seychellen gesammelte Conchylien
wurden durch Henry Adams Proc. zool. soc. p. 288
pl. 28. beschrieben und abgebildet.
68 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Crosse und Fischer beschrieben Journ. de Con-
chyl. p. 180 einige neue Landschnecken von Madagaskar,
die im fossilen Zustande gesammelt wurden, von denen
sie aber vermuthen, dass sie auch noch lebend auf dieser
Insel gefunden werden würden.
Asien. Nach Tristram leben in Palästina 146
Mollusken, von denen 48 der paläarctischen, 8 der aethio-
pischen, 2 der indischen Region angehören und 81 eigen-
thümlich sind. Proc. Royal Soc. April 1868.
Lerch sammelte im Sande der Wüste Karakum
wohlerhaltene Exemplare von Cardium edule und Dreis-
sena poljmorpha, Arten, die noch jetzt im Aral-See
und im Kaspischen Meere leben. Bulletin de St. Peters-
burg XIII. p. 23.
V. Martens schrieb über einige Heliceen vom Hi-
malaja, darunter zwei neue Arten. Malak. Bl. p. 157. —
Ebenso ib. p. 162 über drei philippinische Cochlostylen,
nämlich C. rcginae mit Eh'sabethae Semper wohl iden-
tisch, onyx ßrod. nächst verwandt mit Alberti und eine
neue Art.
Lischke gab Malak. Bl. p. 218 Diagnosen neuer
Meercs-Conchylicn von Nagasaki in Japan, die in einer
eigenen Schrift über die Molluskenfauna Japans welter
beschrieben werden sollen.
Arthur Adams verzeichnet die in Japan gefun-
denen Arten der Caecidac, Corbulldae, Volutidae, Can-
cellariidae und Patellidae. Annais nat. bist. II. p. 363.
Australien. A monograph of Australian Land
Shells. By James C Cox, with 18 colored plates.
Sydney 1868. 8. In diesem Werke sind 262 Arten be-
schrieben und meist abgebildet. Eine Anzahl neuer
Arten ist aufgestellt aus den Gattungen Helix, Bulimus,
Pupa, Vitrina, Succinea, Truncatella, Blanfordia, Pupina.
Ihre Namen sind unten angegeben.
Pease hat die Synonymie einer grossen Anzahl
mariner Gasteropoden Polynesiens zusammengestellt, wie
sie sich ihm bei seinen Studien ergeben haben. Amer.
Journ. Conchol. IV. p. 103—132.
der Mollusken während des Jahres 186R. 69
Im Journal de Conchyliologie wurden mehrere neue
Arten von Neu-Caledonien aufgestellt. So von CrosüC
p. 91 vier Arten Helix, p. 146 von Fischer zw^ei neue
Limacinen, p. 146 von Crosse acht Landschnecken von
dem Berge Mou bei Noumea, der 1219 Meter hoch ist;
p. 317 giebt Crosse ein Verzeichniss der Physa Neu-
Caledoniens.
Amerika. In einem Berichte von Dali über die
Naturgeschichte von Alaschka wird angegeben, dass von
Landschnecken die Gattungen Helix, Pupilla und Suc-
cinea vertreten sind, von Süsswasser-MoUusken die Gat-
tungen Planorbis, Lymnaea, Valvata, Pisidium , Sphae-
riura und Anodon. Proc. Boston soc. XII. p. 144.
Knock er hat auf einer Reise von Vancouver Island
nach England fast täglich nach pelagischen Schnecken
gefischt und in einer Tabelle die Species, welche er an
den einzelnen Tagen erlangte, mit Angabe des Ortes
nach Breite und Länge verzeichnet. Daraus ist die weite
Verbreitung vieler Arten ersichtlich. Er verzeichnete
12 Hyalaea, 5 Cleodora, 5 Creseis, 2 Cuviera, 4 Spirialis,
5 Atlanta, 2 Oxygyrus, 6 Janthina, worunter eine neu,
3 Litiopa, 1 Spirorbis, 4 Cheletropis, 1 Spirula, 1 Carinaria.
Er fand die Nächte bei Mondschein am ergiebigsten.
Zuerst kamen die Atlanta an die Oberfläche, dann die
Creseis und zuletzt Hyalaea und Cleodora, die selten vor
Sonnenuntergang und gewöhnlich erst eine Stunde später
erscheinen. Proc. zool. soc. p. 615.
Cooper schrieb über die Verbreitung und die Lo-
calitäten der Landschnecken an der Westküste Nord-
amerika's. Amer. Journ. Conchol. IV. p. 211. Verf. hebt
es als das Besonderste hervor, dass man in der Richtung
von der Küste landeinwärts über eine Anzahl paralleler
Zonen kommt, deren jede ihre besonderen Arten hat,
und wenige, die allen gemein sind. Er vergleicht dies
dem Wechsel der Faunen beim Ersteigen eines hohen
isolirten Berges. Dagegen von der Fuca-Strasse süd-
wärts, allmählich an den Bergabhängen aufsteigend findet
man bei 6000 bis 8000' in der Breite von San Diego
(32*^ 30') dieselbe Fauna wie beim Ausgange (49^). Verf.
70 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
o-iebt nun Bemerknntcen über die Localitäten und die Be-
dingungen des Vokommens, zuerst in Betreff der Cali-
fornischen Heliceen-Fauna, dann der von Oregon, wo
rauf dann eine Uebersiclit der grösseren Species folgt.
Die Ausdehnung und die Richtung ihrer Verbreitung
ist auf einer zugehörigen Karte angedeutet.
De Folin veröffentlichte eine kleine Schrift unter
dem Titel „Les Meleagrinicoles.^ Havre 1867. 8. mit
6 Tafeln. Verf. hat 72 Arten von Mollusken beschrieben,
die parasitisch an Meleagrinen, meist aus der Bai von
Panama leben. Unter den meist sehr kleinen Arten
werden viele neue beschrieben, die unten namhaft ge-
macht werden. Eine Anzeige dieser Schrift findet sich
Malak. Bl. p. 131.
Mörch schrieb Amer. Journ. Conchol. IV. p. 25
über die Land- und Süsswasser- Mollusken Grönlands.
Die Landschnecken Grönlands sind nahe verwandt mit
denen Islands, wogegen die Süsswasser-MoUusken von
diesen ganz verschieden sind. Die aufgezählten und be-
schriebenen Arten sind : Vitrina Angelicae Beck, Hya-
lina alliaria MilL, Conulus Fabricii Beck, Vertigo Hoppii
Moll., Succinea (Lucena) groenlandica Beck, Planorbis
arcticus Beck, Limnaea (Limnophysa) Vahlii Beck und
Holböllii Beck, Pisidium Steenbuchii MölL, wozu noch
7 zweifelhafte Arten kommen.
De Pourtales hat seine bereits im vorj. Bericht
p. 119 erwähnten Untersuchungen über die Fauna in gros-
sen Tiefen des Golfstromes fortgesetzt. Bulletin of thc
Museum of Comparative Zoology, Cambridge 1868. Nr. 7.
p. 121. Diesmal wurde die Küste von Florida untersucht.
Von Mollusken waren die an Individuen zahlreichsten
die Brachiopoden, besonders Terebratula cubensis n. sp.
und Waldheimia floridana n. sp. Terebratulina Cailleti,
welche an der Küste von Cuba gemein ist, wurde sehr
selten an der Küste von Florida gefunden, und immer
todt. Gasteropoden sind zahlreicher als die Acephalen,
aber beide sind durch kleine Arten vertreten. Die gröss-
ten sind Voluta junonia und ein Trochus von gleicher
Grösse. Zahlreich kamen nur vor ein Pleurotoma, eine
der Mollusken während des Jahres 1868. 71
MaigiiieUa^ ein Vernictus, eine Monodonta und eine Cu-
cuUaea.
Cataloguc of marine Mollusca collected in the Ba-
hama Islands in November 1866. By H. J. Krebs. An-
nais Lyceum Nat. Rist, of New- York VIII. 1867.
Von Try on's Monograph of the terrestrial Mollusca
of ihe United 8tates (vergl. vorj. Ber. p. 127) erschien
Amer. Journ. Conchol. IV. p. 5 der Schluss. Dieser
enthält die Familien Auriculidae mit zwei Subfamilien,
Auriculinae mit 2 Arten in 2 Gattungen, und Mclampinae
mit 10 Arten in 5 Gattungen; Cyclophoridac mit einer
Art; Helicinidae mit 5 Arten; Truncatellidae gleichfalls
mit 5 Arten.
Die Bemerkungen über einige Mollusken des Thaies
des Mohawk von Lewis Amer. Journ. Conchol. IV. p. 241
beziehen sich zunächst auf einige in den Erie-Kanal ein
geschleppte Species, als welche Melantho rufa, Gonio-
basis virginica, Somatogyrus isogonus und Amnicola lu-
strica genannt werden. Dagegen werden manche gross
sere Arten von Landschnecken selten.
Lewis hat versucht eine grosse Menge von Vivi-
para contectoides Binney und Trypaerastinia Lewisii Lea
in den Mohawk River und in den Erie-Kanal zu setzen.
Ob sie dort sich ansiedeln werden, darüber soll später
Nachricht gegeben werden. The Amer, Journ. of Science
and arts 45. p. 137.
Tryon verzeichnete einige in Nebraska durch
Hay den gesammelte Mollusken, aus dem Big Blue River,
Jowa River, Nebraska City, Great Nemaha River und
Omaha River. Amer. Journ. Conchol. IV. p. 150.
Wyman hat die Schalenhaufen am St. John's
Flusse in Florida untersucht. Sic bestehen an der See-
küste aus marinen, im Inlande aus Süsswasscr-Schalen.
Von letzteren wurden 28 untersucht; sie bestanden gros-
sentheils aus AmpuUaria und Paludina mit einigen Unio-
nen. Verf. hält sie für sehr alt. Proc. Boston Soc. XL
p. 158. — Ferner untersuchte Wyman Schalenhaufen
in Salisbury bei Newburyport, eine Meile vom Merrimac,
und Mann fügt hinzu, dass in Concord am Concord-River
72 T rose hei: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturoeschichte
ein 15 Fuss hoher Haufen sei, dor nus Schalen von Unio-
niden besteht. Ib. p. 242. — Ein Öclialenhaufen, den
Wyman auf einer Insel an der Nordseite der French-
man's-Bay, Maine, untersuchte, bestand aus Mya arenaria,
nebst Buccinum undatum, Natica heros, Tritonlum decem-
costatum und einer Art grossen Mytilus. Er bestand
aus zwei Schichten, die offenbar aus verschiedener Zeit
stammten. Knochen vom Elenn, Hirsch, Biber, Seehund,
Wasservogel und Fischen waren dabei, auch ein Stück
eines Geschirrs ü. s. w. Ib. p. 288. — Fernere Nachrichten
über solche Schalenhaufen s. ib. p. 301, 337.
Von der bisher in Beziehung auf die Fauna der
Landschnecken sehr wenig bekannten Insel Dominique
unter den kleinen Antillen hat Guppy ein Verzeichniss
von 20 dort gesammelten Arten gegeben. Von diesen
leben 11 auch auf den benachbarten Inseln, 9 hält Verf.
für neu. Nach den Gattungen vertheilen sie sich folgen-
dermassen : 1 Glandina, 1 Stenogyra, 1 Hyalina, 4 Helix,
3 Bulimulus, 2 Amphibulima, 1 Succinea, 1 Cyclotus und
6 Helicina. Annais nat. bist. I. p. 429. — Derselbe Verf.
zählt ib. p. 435 als von der Insel Grenada kommend
14 Arten auf, unter denen eine neu; nämlich 1 Veronicella,
1 Conulus, 2 Helix, 1 Plecocheilus, 1 Bulimulus, 1 Tornatel-
lina, 3 Stenogyra, 1 Ennea, 1 Succinea, 1 Cyclotus und
1 Helicina. — Endlich ib. p. 437 elf Arten von Trinidad,
worunter 9 neu, die unten namhaft gemacht sind.
Heber die eben genannten Arbeiten Guppy 's, durch
welche die Kenntniss der Faunen von Trinidad, Grenada
und Dominique bekannter geworden, als sie es zur Zeit
der Veröffentlichung von Blands Katalog der Landschnek-
ken Westindiens war, macht Bland seine Bemerkungen.
Er bespricht 38 Arten von Trinidad, 14 von Grenada, 21
von Dominica, 4 von Cura^ao, 2 von Buen.-Ayre (Bonair).
Araer. Journ. Conchol. p. 177.
Strobel verkündet, dass er in Südamerika drei
Schnecken gefunden habe, die aus Europa eingewandert
seien, von denen zwei gegessen werden. Er fand Helix
aspersa Müll, in Santiago di Chili, Helix lactea Müll,
var. punctatissima in Montevideo und Limax variegatus
der Mollusken währeiul des Jahres 1868. 73
In Buenos-Ayrcs. Atti della Soc. ital. di scieiize natu-
rali XI.
Strobel zeigt Atti dclla 8oc. ital. di scienzc na
turali XI. an^ dass es ihm gelang während eines zwei-
monatlichen i\ufenthaltcs in der Provinz Mcndoza, Ar-
gentina^ 3 Helix, 2 Bulimus, 1 Limax, 1 Succinea, 1 Chiiina^
1 Limnaeus^ 2 Planorbis, 1 Paludinella, 1 Cyclas zu sam-
meln, zusammen 13 Arten, deren Beschreibung noch zu
erwarten ist.
Ed. V. Martens schrieb Malak. Bl. p. 169 über süd-
brasilianische Land- und Süsswasser-Mollusken, nach den
Sammlungen von Dr. R. Hensel. Es werden 23 Land
Schnecken, 21 Süsswassermollusken und 4 Brackwassermol
lusken besprochen. Die südbrasilischen und argentinischen
Land- und Süsswasser-Mollusken sind in einer üebersicht
zusammengestellt, nach den Rubriken Rio- Janeiro, Jacuhy-
Gebiet und La Plata-Gebiet. Melanien und Süsswasser-
neritinen fehlen, ihre Stelle vertreten die Chilinen als
Schnecken der fliessenden Gewässer mit steinigem Grunde ;
die Land-Deckelschnecken kommen in geringer Anzahl
vor, die Gattung Lymnaeus ist schwach vertreten, wäh-
rend die sonst tropischen Ampullarien weit über den
Wendekreis hinaus in Zahl und Grösse der Individuen
reich vertreten sind. — In Beziehung auf die geographi-
schen Verhältnisse des Plussgebietes des Jaculiy verweist
Verf. auf des Reisenden Berichte in der Zcitschr. der Ge-
sellsch. für Erdkunde in Berlin 1867. Die Stadt Porto-
Alegre liegt in der Tiefebene des Jacuhy-Flusses, nörd-
lich davon erhebt sich die Costa da Serra und der noch
höher gelegene Urwald; auf ihn folgt als dritte Stufe
ein Plateau von 3~4000Fuss Höhe, Cima da Cerra, das
grossentheils nur Grasflächen bietet, und daher weniger
reich an Landschnecken ist, als die Stufe des Urwaldes.
Pili lip pi beschrieb einige neue Conchylien aus der
Magellanstrasse. Malakozoologische Blätter p. 222 — 226.
74 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Cephalopoda.
Max Schnitze erläuterte den Bau der Retina der
Cephalopoden, namentlich der percipirenden Elemente
derselben, der Stäbchen. Er fand m ihnen dieselbe Zu-
sammensetzung aus dünnen Platten wie bei den Wirbel-
thieren, ihre Lage ist aber bei den Cephalopoden be-
deutend anders als bei den Wirbelthieren, und schliesst
jeden Gedanken an eine bloss reflectirende Function aus.
Verhandl. d. naturh. Vereines der preuss. Rheinlande
und Westphalens. Sitzungsber. d. Niederrheinischen Ge-
sellscb. für Natur- und Heilkunde p. 74.
Crosse beobachtete einige Cephalopoden lebend
in Aquarium zu Arcachon, nämlich Loligo vulgaris, Sepia
oflicinalis und Octopus vulgaris, und schilderte nament-
lich die Art ihrer Locomotion. Journ. de Conchyl. p. 8.
On the structurc of the optic lobes of the Cuttlefish. By
Lokhart Clarke ist Philosophical Transactions of the Royal
Sog. of London L')7. p. 155 mit Tafel erschienen (vergl. vorj.
Ber. p. 130).
Ford machte Amer. Journ. of Conchology IV. p. 276 auf
einige sich widersprechende Angaben über Argonauta aufmerksam,
z. B. bezüglich ihres Parasitismus, das Vorhandensein der Schale
bereits im Ei u. s. w.
Sepioteuthis ovata Gabb Amer. Journ. Conchol. IV. p. 193. pl. 17
von Westindien.
Onychoteuthis aequimanus Gabb Amer. Journ. of Conchol. IV.
p. 23. pl. 2 von den Gesellschafts-Inseln.
Bickmore gab eine Notiz über einen Nautilus pompilius, den
er auf Amboina lebend bekam. Er glaubt sich überzeugt zu ha-
ben, dass das Thier sich niemals vom Grunde des Meeres erhebt
Proc. Boston Soc. XII. p. 157.
Derselbe zeigte ib. p. 216 eine Reihe junger Schalen des
Nautilus pompilius, die so lose gewunden sind, dass man zwischen
die Windungen sehen kann. Sie repräsentiren also die lose gewun-
denen Nautiloiden der früheren geologischen Epochen, und der Nau-
tilus pompilius sei in seinen verschiedenen Grössenstadien ein Epi-
tome der ganzen Gruppe. — Hierzu bemerkte Hyatt, dass die
jungen aller gewundenen Cephalopoden in einen geraden oder ge-
bogenen Conus vorspringen und ihre Windung plötzlich beginnen,
stets eine Oeffnung durch den Urabilicus durch das Centrum der
ersten Windung lassend. Die Entwickelung der Nautiloiden sei auch
der MüUuakeii während des Jahres 1868. 75
durch eine allmähliche Aufrollung ivon dem vollkommen geraden
Orthoceras bis zum Nautilus pompilius bezeichnet, wo die Ausdeh-
nung der letzten Windung den Nabel verbirgt. Der Fortschritt der
Ammonoidcn andererseits sei durch das allmähliche Nichtgewunden-
sein der Schale bezeichnet, bis zu den graden IJaculiten der Kreide.
Wyman überzeugte sich ib. p. 227, dass die Kammern eines
in Alkohol bewahrten Exemplares von Nautilus pompilius Luft
enthielten.
Gasteropoda«
Macdonald äusserte sich über den typischen
Werth der Zungenbewaffnung für die richtige Verthei-
Jung der Schnecken-Gattungen in natürh'che Gruppen
und Familien. Annais nat. bist. II. p. 237. Verf. wider-
legt die Einwürfe, welche noch immer hier und da gegen
den Werth des Schneckengebisses für die natürliche Clas-
sification gemacht werden. Er will das Gebiss ange-
wendet wissen, während auch allen anderen Structurver-
hältnissen Rechnung getragen werde, und die Familien
nach den Zähnen unterscheiden, subordinirt allgemeineren
Organisationsverhältnissen, etwa der Vereinigung oder
Trennung der Geschlechter. Einen besonderen Werth
legt Verf. mit vollem Recht, und wie ich es längst ge-
than, darauf, ob die Schneide vom Vorderrande umge-
bogen (recurved) oder vom Hinterrande entspringt (direct),
mehr als auf die Zahl der Längsreihen. Er hält es für
ein allgemeines Gesetz, dass die Schnecken mit umge-
bogener Schneide phytophag, die mit directer Schneide
zoophag seien, ein Satz, dessen Allgemeinheit doch noch
nicht feststeht. Nach einigen Bemerkungen über die
Terminologie wendet er sich dann speciell zur Unter-
scheidung der Buccinidae und Muricidae, beide in sehr
weitem Sinne gefasst. — Es ist sehr auffallend, dast ein
Autor, der sich so tiefgehend mit diesem Gegenstande
befasst, gar keine Kenntniss von des Ref. Arbeiten, wie
sie im „Gebiss der Schnecken" niedergelegt sind, be-
kommen hat. — Gray will ib. p. 386 in einer Bemerkung
über den Macdonald'schen Aufsatz seine Principien nicht
gelten lassen, und möchte namentlich die Beschaffenheit
der Seitenzähue als Charaktere für die Familienunter-
76 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Scheidung nicht annehmen. Ich glaube nicht, dass seine
Einwendungen ganz stichhaltig sind.
Referent hat im zweiten Hefte des zweiten Bandes
seines ^Gebiss der Schnecken^' die Abtheilung Rhachi-
glossa zu behandeln angefangen. Er vereinigt unter die-
sem Namen die von Gray unterschiedenen Rhachiglossa,
Odontoglossa und Hamiglossa, weil er zwischen ihnen
keine bestimmte Grenze finden konnte. In diesem Hefte
sind die Familien Volutacea, Marginellacea, Fasciolariacea,
Mitracea, Fusacea (mit den (Gruppen Buccinina, Neptunina,
Cassidulina, Photina, Vasina, Imbricarina), Nassacea darge-
stellt, die sich alle sehr bestimmt durch die Bewaffnung der
Radula unterscheiden. Die Volutaceen und Marginellaceen
besitzen in jedem Gliede der Radula nur eine Platte, gehören
also zu Gray's Rhachiglossa, die Fasciolariacea und Mitracea
haben sehr breite kammartige Seitenplatten, die Fusacea
und Nassacea tragen an den Scitenplatten zwei bis sechs
grosse Zähne. Die alte Gattung Mitra musste zerlegt
werden, indem die Arten mit innen glatter Schalenmün-
dung allein in der Familie Mitracea verbleiben, wogegen
die Arten mit innen gestreifter Schalenmündung als be-
sondere Familie abgetrennt werden mussten , weil ihre
Scitenplatten nur in einen einzigen Dorn auslaufen; die
Imbricaria gehören nach dem Gebiss in die Familie Fu-
sacea, Cylindra in die Familie Marginellacea.
Guppy und Hogg haben, in Anerkennung der
Wichtigkeit für die Erkennung der verwandtschaftlichen
Beziehungen der Schnecken, das Gebiss einiger West-
indischen Gasteropoden abgebildet, nämlich Bulimus mul-
tifasciatus , Stenogyra octona, Marginclla coerulescens,
Plecocheilus auris-sciuri, Tornatellina lamellata, Streptaxis
deformis, Macroceramus signatus, Cistula pupiformis, Neri-
tina microstoma, Adamsiella aripensis, Cyclotus trans-
lucidus, Cylindrella trinitaria, Ampullaria effusa, Marisa
cornu arietis. Transactions of the Linnean Soc. of London
XXVI. p. 191 pl. 11.
Heynemann hat die Mundtheile einiger Brasilia-
nischen Land- und Süsswasserschnecken beschrieben und
abgebildet. Es handelt sich um Veronicclla Langsdorfi
der Mollusken während des Jahres 1868. 77
F^r., Streptaxis dcprcssiis Marteiis, Limax ngrestis L.?,
Amalia sp., Hyalina semen lim* Moric, Helix semiclausa
Mart., ßnlimns oblongus Müll., sporacUciis Orb., BuHmulus
auris leporis Briig., papyracciis Mawe, Simpnlopsis sulcu-
losa Fer., Pclliciila coiivexa Mart., Chlilna flumlaea Orb.
Malak. Bl. p. 99.
Panccri sprach wieder über die Ge^^enwart von
Schwefelsäure in dem Speichel einiger Mollusken. Sulla
presenza delT Acido solforico nella saliva di alcuni moi
luschi, lettera al Senatore Matteucci. Nuovo Cimento
Tomo 27. Pisa 1868.
Derselbe raachte weitere Mittheilungen über die Or-
gane, welche bei den Schnecken Schwefelsäure secerni-
ren. Rendiconto della R. Acad. di Napoli Aprile 1868.
Taenioglossa.
Pomatiacea- Pomatlas atlanticus Letourneux Bourguignat Re
vue de Zoologie p. 430 aus Algerien.
Gyclotacea. Cyclotus amethysUnus Guppy Annais nat; hist. I.
p. 433 von Dominique,
Cyathopoma Blanfordi Adams Proc. zool. soc. p. 291. pl. 28*
fig. 13 von den Seychellen. — Blanford brachte in einer Mono-
graphie seiner Gattung Cyathopoma neun Arten in folgende Ueber-
sicht: 1) Normale Arten, a. Spiraliter liratae, 6 Arten, von denen
neu C. Deccanense pl. 12. fig. 2 aus dem Syhadrigebirge bei Bom-
bay, Wynaadeiise fig. 3 aus dem Nilghirigebirge, Coonoorense aus
dem hohen Nilghirigebirge. b. Laevigatae. C. malaharicum pl. 12.
fig. 7 aus dem hohen Nilghirigebirge. 2) Aberrante Arten, 2 Arten,
wovon C. procerum aus Malabar neu.
Pterocyclus microchüus Crosse Journ. de Conchyl. p. 170
aus China?
Diadema n. gen. Pease Amer. Journ. Conchol. IV. p. 157.
Testa globoso-turbinata, umbilicata, peristoma continuum, rectum,
liberum aut vix adnatum, simplex, subcirculare. Operculum sub-
cartilagineum, elevatum, spiraliter lamellatum, intus concavum, basi
late reflexum. Die Gattung unterscheidet sich von Pterocyclos durch
den Mangel des Einschnitts an der Mündung und den am Grunde
zu einer breiten Scheibe ausgebreiteten Deckel, und ist neuliollän-
disch, während die Arten von Pterocyclos asiatisch sind. Gegründet
auf Pterocyclos parva Pease 1865 »ind eine neue Art D. rotella pl. 12.
fig. 13 von der Insel Atiu,
Cyclophorus Layardi Adams Proceed. zool. soc. p. 294. pl. 28.
fig. 21 von Ceylon.
78 Troscbel: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Pupina robusta Cox Monograph of Australian Land Shells.
Omphalotropis borhonica Adams Proc. zool. sog. p. 292. pl. 28.
fig. 14 von Isle de Bourbon. — 0. Pfeifferi Crosse Journ. de Con-
chyl, p. 178 von den Neuen Ilebriden.
Acicalacea. Äcicula mauritiana Adams Proc. zool. soc. p. 290.
pl. 28. fig. 7 von Mauritius.
In einer Monographie der Gattung |Acme (Acicula) zählt Pa-
ladilhe 12 Arten auf, die ausführlich beschrieben werden und unter
denen neu sind : Äcme oedoggra pl. 13. fig. 4 — 6 von Kieco, trigo-
nostoma pl. 13. fig. 13 — 15 von Neu-Breisach. Revue et Mag. de
Zoologie p. 225, 273 und 321.
DiplommatiDacea- Blanford äussert seine Ansicht über das
Vorkommen von Diplommatina Hnttoni Pfr. und Ennea bicolor Hut-
ton in Westindien, welches im vorhergehenden Jahre durch Guppy
angezeigt wurde, dahin, dass wahrscheinlich diese beiden Schnecken
durch Pflanzentransporte dahin übertragen seien, da doch eine Wan-
derung durch die tertiäre Atlantis nicht wohl anzunehmen sei. Annais
nat. bist. I. p. 110. — Crosse hat Journ. de Conchyl. p. 100 seine
Diplommatina paradoxa (1867) ür identisch mit D. Martensi Adams
(186G) anerkannt.
Diplommatina minuta H. Adams Proc. zool. soc. p. 16. pl. 4.
fig. 15 ohne Vaterlandsangabe.
Pdlaina Coxi 11. Adams Proc. zool. soc. p. 16. pl. 4. fig. 14
von Norfolk-Island.
Für die kleinen Diplommatinen des südlichen Indiens, die sich
durch den Mangel der senkrechten Rippen und des Columellarzah-
nes unterscheiden, gründete Blanford Journ. de Conchyl. p. 330
ein eigenes Subgeniss iV^c/cZrt. Testa ovata, imperforata, sculptnra
verticali dentequc columellari omnino carens, glabra vel spiraliter
lirata, nitidula. Operculum corneura, subobsolete multispirum. Es
werden zwei Sectiouen unterschieden: 1) Glabrae, dahin Diplom-
matina Nilgirica und Kingiana Blanf. und Pulneyana pl. 14. fig. 2,
nitidula fig. 3, Fairbanki fig. 4. 2} Spiraliter 11 ratae, mit liri-
cincta fig. 5.
Cyclostomacea. Cydostowa (Otopoma?) Grandidieri Crosse et
Fischer Journ. de Conchyl. p. 185. pl. 7. fig. 3, fossil von Mada-
gaskar.
Traccatellacea. Truncatella cristata und Arcasiana Crosse
Journ, de Conchyl. p. 177, letztere von den Vitiinseln. — T. Yor-
kensis, Brazieri Cox Monograph of Australian Land-Shells.
Blanf ordia pyrrhostoma Cox Monograph of Australian Land-
Shells.
Paladinae. Lewis macht Amer. Journ. of Conchol. IV. p. 57
kritische Bemerkungen über Binney's Land- und SüssM'asser-Mollus-
der Mollusken während des Jahres 18G8. 79
ken Nord-Amerika's, die sich namentlich auf die Paludinen-Familie
beziehen.
Lewis fand ib. p. 133 bei einigen Jungen der Gattung Me-
lantho solche Verschiedenheiten, dass er hierin specifische Verschie-
denheit sehen möchte, selbst da, wo sich die erwachsenen Exem-
plare nicht unterscheiden. Die Unterschiede beziehen sich auf die
Farbe, Gestalt, Grösse, Zahl und Procentsatz der Linksgewundenen.
Er unterscheidet M. ponderosa Say, obesa, fecunda, integra.
Lewis zeigt ib. p. 82, dass Melautho gibba Currier (vergl.
vorj. Ber. p. 133) nur eine Monstrosität von M. rufa ist.
Bythiniae. Lind ström bildete die Zungenbewaffnung von
Bythinia tentaculata L. und Leachii Shep. ab. Om Gotlands nutida
Mollusker p. 26. — Ebenso von Paludinella baltica Nilss. ib. p. 31.
Der letzteren Art ist eine weitere Beschreibung gewidmet.
Hydrobiae. Hydrohia carinulata Drouet Moll, de la Cote d'Or.
p. 90. — IL antarctica Philipp! Malak. Bl. p. 224 aus der Magel-
lanstrasse.
MelaHiacea. Brot hat zu seinem Catalogue systematique des
especes qui composent la famille des Melanien«, Zusätze und Be-
richtigungen in einer eigenen Schrift. Genf 1868 mit drei Tafeln
veröffentlicht. Verf. macht kritische Bemerkungen zu den Gattun-
gen Paludomus, vielen Gruppen von Melania, Hemisinus, Canidia,
Clea und Melanopsis, und beschreibt mehrere neue Arten, so wie
einige ältere mit neuen Diagnosen versehen sind: Melania insolita
pl. 3. fig. 4 aus Indien und citrina pl. 3. fig. 13 aus Siam aus der
Gruppe von M. varicosa Tr., M. Bernardü pl. 2. fig. 13 unbekann-
ten Vaterlandes und fumosa Hinds pl. 2. fig. 12 aus der Gruppe von
M, aculeus Lea, M. Petitii Phil. pl. 2. fig. 7, Landaueri Brot pl. 2.
fig. 2, 3, Moricandi pl. 3. fig. 6, 7, compressa pl. 3. fig. 5 aus der
Gruppe von M. Petitii Phil., M. Christobalensis pl. 2. fig. 1 von den
Salomonsinseln aus der Gruppe von M. acuminata Dkr., M. nana
Lea pl. 1. fig, 8, granospira Monsa. pl. 1. fig. 10, armiUata Lea pl. 1.
fig. 12, celebensis Q. G. pl. 1. fig. 13, asperula pl. 1. fig. 11, Bamonis
pl. 1. fig. 9 von den Salomonsinseln aus der Gruppe von M. grani-
fera Lam., M. calcitrapa pl. 3. fig. 9 aus der Gruppe von M. spinu-
losa Lam., M. Zollingeri pl. 2. fig. 4 von Java aus der Gruppe von
M. zonata Bens., M. suhaurita pl. 1. fig. 1 — 3 und M. tessellata Lea
pl. 1. fig. 4, 5 aus der Gruppe von M. auritaMüll. — Pirena aspera
]»1. 1. fig. 6. — Hemisinus Osculati pl, 2. fig. 9 von Quito, und H.
thermalis Titius pl. 3. fig. 14, 15. — Cleo pisum pl. 2. fig. 5 von
Java? — Melanopsis obesa Guirao MS. pl, 1. fig. 14, 15 aus der
Provinz Murcica, M. faseolaria Dkr. in sehed. pl. 2. fig. 10 von
Persepolis,
Lea hat Proc. Philadelphia p 151 folgende neue Arten der
80 Tros chel: ßericlit lib. d. Leist. in d. Natutgeschichte
Gattung Goniobasis aufgestellt und dieselben in Journal Philadel-
phia VI. auf Taf. 54 abgebildet: Goniobasis Wheatleyi fig. 1, Ala-
bama, similis fig. 2, Georgia, sulcata fig. 3, Alabama, arata fig. 4,
Georgia, Gesnerii fig. 5, Alabama, Whitfieldensis (tenebrosa Proc.
Philad.) fig. 6, Georgia, bifasciata fig. 7, Alabama, datlirata fig. 8,
Alabama, Gouldiana (pulchella Proc. Philad.) fig. 9, Alabama, luteocella
fig. 10, Georgia, Connesaiigaensis fig. 11, Georgia, contigua fig. 12,
Georgia, Murrayensis fig. 13 Georgia, granatoides fig. 14, Georgia,
clavula fig. 15, Alabama, cochliaris fig. 16, Alabama, venusta fig 17,
Alabama, ornata fig. 18, Georgia.
Dasselbe gilt von 4 Arten Trypanostoma: Tr. nuciforme fig. 19,
Georgia, castaneum fig. 20, Alabama, Wheatleyi fig. 21. Alabama,
terebrale fig 22, Alabama.
Ebenso von Lithasia purpurea fig. 23, Alabama, citrf« fig. 24,
Alabama, Wheatleyi fig. 25, Alabama, cylindrica fig. 26, Alabama.
Desgleichen von Schizostoma Wheatleyi fig. 27, Coosa Ri-
ver, und
Änculosa Bowniei fig. 28, Georgia.
Melanopsis Penchinati Bourguignat Revue de Zoologie p. 432.
pi. 15. fig. 1 — 4 aus Spanien.
LittOriDaCOä- Fischer fand bei Trouville Littorina rudis
bei sehr vorgerückter Jahreszeit sehr allgemein in der Begattung,
an der vielfach noch unausgewachsene Exemplare sich betheiligteu.
Journal de Conchyliologie p. 15.
Fossarus mediocris de Folin Meleagrinicoles p. 50. — F. Pe-
titianus Tiberi Journ. de Conchyl. p. 179 aus dem Mittelmeer.
RiSSOacea.- Rissoa Zeltneri, insignis de Folin Meleagrinicoles
p. 47. — U. Schythei Philippi Malak. Bl. p. 225 von der Magellan-
strasse. — M. Wlacandrewi, mirabilis, crystallinula, depicta, callosa,
R. (Cingula) balteata, B. (Setia) permininia. eämmtlich von den Ca-
narischen Inseln, B. coriacea von Madera Manzoni Journal de Con-
chyl. p. 164.
Adams gründete Proc. zool. soc. p. 289 zu Ehren des Herrn
Geoffrey Nevill in der Rissoidenfamilie eine neue Gattung Nevil-
lia, testa imperforata, acuto-ovata, anfractibus convexis, spiraliter
liratis, longitudinaliter striatis. AjDertura ovalis, columella callosa
et deute introrsum desinente munita, labro acuto, intus laevigato,
extus vuricoso. A'. picta von Mauritius und lucida von Isle de
Bourbon pl. 28. fig. 2, 3.
Fairb anTcia n. gen, Rissoidarum William Blanford Annais
nat. bist. II. p. 399. Animal tentaculis longis filiforraibus; oculis ad
basin tentaculorum sessilibus; proboscide elongata; pede antice lato,
sinuato, postice rotuudato. — Testa imperforata, turrita, epidermide
fuscainduta; apertura subovah. antice rotundata; peristomate le-
der Mollusken während des Jahres 1868. 81
viter dilatato, margine externo acuto, sed extus variciformi - in-
crassato. Operculum corneum subovale, subannulare; nucleo ex-
centrico, iuxta medium lateris columellaris posito, intus costa elon-
gata verticali munitum. JB , homhayana von Bombay.
Pyramidellacea. Ghemnitsia Eangii de Folin Meleagrinico-
les p. Gl.
Turbonüla festiva de Folin ib. p. 49.
Tiberi theilt die bisher im Mittelmeer beobachteten Arten
von Odostomia in zwei Gruppen nach der Form der Schale, nämlich
Turbonilliformes mit 6 Arten und Rissoiformes mit 11 Arten, unter
denen 0. neglecta pl. 5. fig. 3 neu. Journal de Conchyliologie p. 60.
Eulimacea. Eulima suhpellucida Pease Amer. Journ. Conchol.
IV. p. 94 von Tahiti. — E. adamantina, proca, gibba, elegantissima.
Elodia, opalina de Folin Meleagrinicoles p. 62.
Styliferidae. Stylifer speciosus Adams Proc. zool. soc. p. 289
pl. 28. fig. 4 von Mauritius.
In dieser Familie stellte Adams Proc. zool. soc. p. 292 eine
neue Gattung Plicifer auf, testa imperforata, ovato-subulata, non
nitens, spira in stylura producta, nucleo sinistrali, columella plicata,
labro flexuoso, postice sinuato, apertura antice integra. P. Nevilli
von Ceylon.
Coecacea. Heber die Gattung Coecum vergl. de Folin Me-
leagrinicoles p. 29, woselbst 18 Arten unterschieden werden.
Cerithiacea. Cerithium Moreleti, Kanoni, Destrugesi de Folin
Meleagrinicoles p. 68.
Triforis cucullatus de Folin Meleagrinicoles p. 72.
Planaxis ahhreviata von Tahiti und fasciata von Paumotus
Pease Amer. Journ. Conchol. IV. p. 101. pl. 12. fig. 16 u. 17.
Turritellacea. Nach M ö r c h gehört Turritella reticulata Migh.
und erosa Couth. wegen des Deckels mit 9 engen Windungen nicht
zu Mesalia. Er nennt sie Tachyrhynchus. Amer. Journ. Conchol.
IV. p. 46.
Capuloidea. Crepidula Beshayesi de Folin Meleagrinico-
les p. 28.
Alata. Gabb revidirte die Genera der Familien Strombidae
und Aporrhaidae unter namentlicher Berücksichtigung der fossilen
und Aufstellung einiger neuen fossilen Gattungen. I. Fam. Strom-
bidae. a. Subfam. Strombinae. Gatt. Strombus L., Pugnellus Con.,
Pterocera Lam. (Subgenus Millipes Ad. und Phyllocheilus Gabb);
b. Subfam. EosteUarinae. Gatt. Rostellaria Lam., Hippochrenes
Montf.. Spinigera d'Orb., Rimella Agass., Isopleura Meek, Cyclomo-
lops Gabb, Calyptraphorus Con. ; c. Subfam. TerebeUinae. Gatt. Te-
rebellum. II. ¥Q.m. Aporrhaidae. a. Subfam. ^^jorrTiamae. Gatt.
Archiv für Naturg. XXXV. Jahrg. 2. Bd. , F
82 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Aporrhais Dillw. (Subgenus Goniocheila Gabb, Arrhoges Gabb),
Anchura Con.^ Helicaulax Gabb, Dicroloma Gabb, Alaria Morris et
Lyatt, Tessarolax Gabb, Pterocerella Meek; b. Subfam. Struthiola-
rinae. Gatt. Struthiolaria Lam., Loxotrema Gabb, Pelicaria Gray,
Halia Risso. Amer. Journ. of Conchol. IV. p. 137. — Dass die Gat-
tung Halia nicht hierher gehört, ist längst bekannt und durch Fi-
scher nachgewiesen, dass sie zu den Toxoglossen gehört. Vergl-
mein Gebiss der Schnecken II. p. 36.
Pedicalariacea. Pedicularia pacißca Pease Amer. Journ. Con-
chol. IV. p. 96, ])]. 11. fig. 17, 18 von der Insel Apaian.
Amphiperasidae. Ami^Tiiperas semistriata Pease Amer. Journ
Conchol. IV. p. 96. pl. 11. fig. 16 von der Insel Ponape.
Sigaretina. Sigaretus Souverhiei de Folin Meleagrinicoles p. 68.
Ponton vermuthet, das Vaterland von Natica catenata Phil,
sei Mazatlan. Annais nat. hist. I. p. 385.
Cypraeacea. Cypraea poUta Roberts Amer. Journ. Conchol. IV.
p. 70. pl. 15. fig. 1 — 3 von den Sandwich-Inseln, wozu p. 251 eine
spätere Bemerkung. — C. fuscomaculata und candidaTeü,se ib. p. 95.
pl. 11 von der Insel Apaian. — C. Annae von den Sandwichiuseln
und Helenae Roberts ib. p. 250. pl. 15. — C. Bregeriana Journ. de
Conchyl. p. 277 aus Neu-Caledonien.
Marrat beschreibt ein völlig ausgewachsenes Exemplar von
Cypraea fusco-dentata Gray. Annais nat. hist. II. p. 455.
Luponia castanea Higgins Proc. zool. soc. p. 178. pl. 14. fig. 1
von Südostafrika.
Triviacea. Trivia corrugata Pease Amer. Journ. Conchol. IV.
p. 95. pl. 11. fig. 14, 15 von Paumotus.
Tritoniidae. Triton C2/?m(?ncMS Pease Amer. Journ. Conchol. IV.
p. 94. pl. 11. fig. 9 von Tahiti. — Tr. Dunkeri Lischke Malak. Bl,
p. 219 von Nagasaki in Japan.
Toxoglossa.
Conoidea. Conus (Chelycomis) borbonicus Adams Proc. zool.
soc. pl. 28. fig. 1 von Isle de Bourbon. — C. floridanus Gabb Amer.
Journ. Conchol. IV. p. 19. pl. 15. fig. 4 aus der Tampa-Bay in Florida.
Flearotomacea. Pleurotoma Carpenteri, Godfroidi, leucolabra-
tum, pustulosum, nodosum, Mrsutum, Imperfectiim de Folin Melea-
grinicoles p. 53.
Bela demersa Tiberi Journ. de Conchyl. p. 179 von Corsica.
Tiberi hat Journal de Conchyliologie p. 68 die Risso'schen
Gattungen Lachesis und Nesaea angenommen und die mittelmee-
rischen Arten bearbeitet. Er setzt sie in die Familie der Buc-
der Mollusken während des Jahres 1868. 83
ciniden. Die Gattungen werden mit verbesserten Diagnosen ver-
sehen :
Ladies i s B.isso. Testa fusiformis, apice mamillata ; spira
valde elevata; anfractus convexiusculi, sutura parum profunda divisi ;
apertura ovato-lanceolata, in canalem subito desinens; labrum Sim-
plex, integrum, scissura nulla interruptum; columella nuda; cauda
recta, brevissima. Dahin Buccinum minimum Montagu pl. 5. fig. 7,
Lachesis mamillata Risso pl. 5. fig. 6, Lachesis areolata Tiberi (Fusus
granulatus Calcara).
Nes aea Risso. Testa ovato-elongata, apice mamillata; spira
modice elevata; anfractus rotundati. sutura profunda divisi; apertura
ovata; labrum integrum, extus varicosum, columella nuda; cauda
recta, brevissima, truncata. Dahin Nesaea granulata (einschliesslich
mamillata) Risso, Nesaea lineolata Tib. pl. 5. fig. 5 (Murex Masenae
Chiaie), Buccinum candidissimum Phil. pl. 5. fig. 4.
DapJmella magellanica Philippi Malak. Bl. p. 223 von der Ma-
gellanstrasse.
Citharopsis n. gen. Pease Amer. Journ. Conchol. IV. p. 97
testa parva, fusiformi, longitudinaliter costata, nitida, interdum iri-
descente; labro superne* emarginato, intus lirato aut denticulato;
apertura angusta. C. ornata pl. 11. fig. 19 von Tahiti und C. graci-
lis pl. 11. fig. 20 von Paumotus.
Cancellariacea. Cancellaria Souverhiei Crosse Journal de Con-
chyl. p. 272. pl. 9. fig. 5 ohne Fundortsangabe.
Rhachiglossa.
Volutacea. Gray erzählt, die Voluten grüben sich bei der
Ebbe in den Sand ein, und würden nur gefunden, wenn man danach
gräbt, oder wenn der Sturm so stark ist, dass er den Sand weg-
spült. Annais nat. bist. I. p. 310. — Cuningham bestätigt dies
ib. II. p. 454 für Voluta magellanica und eine andere Art.
Ponton erklärt Melo Georginae Gray für specifisch identisch
mit M. ducalis, umbilicata undDiadema; Cymba porcina Lam. nimmt
er für eine Varietät von C. proboscidalis Lam.; Cymba navicula
Gmel. kann er nicht von dem Jugendzustande von C, Neptuni unter-
scheiden, nur die Zahl der Falten scheint verschieden; Cymba pa-
tula Brod. scheint ihm näher verwandt mit C. olla als mit Neptuni.
Proc. zool. soc. p. 374.
Voluta Thatcheri M'Coy Annais nat. bist. I. p. 54. pl. II. fig. 1
unbekannten Vaterlandes. — V. Rückeri Crosse ist Journal de Con-
chyl. p. 97. pl. 1. fig. 1 abgebildet.
Fasciolariacea. Latirus Uratus Pease Amer. Journ. Conchol. IV.
p. 152 von den Marquesas-Inseln.
84 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Fusacea. Fischer schrieb Journ. de Conchyliologie p. 35
über die Arten der Gattung Fusus die an den oceanischen Küsten
Frankreichs leben. Alle gehören der Gruppe Chrysodomus an. Die
Arten sind Fusus antiquus L. , contrarius L. , Berniciensis King,
gracilis Da Costa, Jeffreysianus n. spec. und propinquus Alder.
Fusus inconstans Lischke Malak. Bl. p. 218 ans Japan. — F.
unicarinatus Philippi ib. p. 223 von der Magellanstrasse.
Buccinum antarcticum und Actonis Philippi Malak. Bl. p. 222
von der Magellanstrasse.
Pisania strigata Veo^se Amer. Journ. Conchol. IV. p. 93. pl. 11.
fig. 6 von der Insel Ponape,
Mitra (Imhricaria) Crouani Crosse Journ. de Conchyl. p. 274.
pl. 9. fig. 6 von den Gallapagosinseln.
Referent untersuchte das Gebiss der Gattungen Eburna und
Nassaria. Erstere Gattung hat noch am ersten Aehnlichkeit mit
Phos, letztere muss zwischen den Nassaceen und Photineen eingereiht
werden. Dies Archiv p. 157,
Nassacea. JSfassa Lecadrei de Foliu Meleagrinicoles p. 73. —
N. japonica Lischke Malak. Bl. p. 220 von Nagasaki. — N. Morleti
Crosse (1867) ist Journ. de Conchyl. p. 169. pl. 6. fig. 3 abgebildet.
Columbellacea. Columhella Ehenum Philippi Malak. Bl. p. 223
von der Magellanstrasse.
Olivacea. Ponton hält Annais nat. bist. I. p. 344 die von
Marrat (vergl. vorj. Ber. p. 140) beschriebenen Oliven nicht für
neue Species. Oliva violacea sei = reticularis, jamaicensis ebenfalls
= reticularis, polita = jaspidea, piperata ebenfalls = jaspidea,
faba = carneola Lam. , blanda = ispidula, cylindrica = irisans,
pallida = scripta, oblonga = fusiformis, truncata = polpasta =
reticularis. Auch ornata und similis sind dem Verf. verdäclitig, —
Hiergegen vertheidigt sich Marrat ib. p. 472, und hält die Güte
seiner Arten aufrecht. — Vergl. eine weitere Entgegnung von Pon-
ton ib. IL p. 76.
Marrat hält Annais nat. bist. IL p. 167 Oliva aquatilis Reeve
für identisch mit 0. auricularia Lam. ; 0. auricularia d'Orb. dagegen
für eine verschiedene Art, die er 0. Orhignyi nennt.
Als neu beschrieb Marrat ib. p. 212: Oliva lignaria von
Borneo, 0. sdbulosa, 0. angustata aus China, 0. nota, 0. exilis aus
Südamerika, 0. pulehra aus Californien.
Muricea. Murex Troscheli Lischke Malak. Bl. p. 219 von Na-
gasaki in Japan.
Trophon antarcticus Philippi Malak. Bl. p. 225 von der Ma-
gellanstrasse.
Purpüracea. Purpura marmorata'Pesise Amer. Journ. Conchol.
p. 92. pl. 11. fig, 5 von der Insel Apiana.
der Mollusken während des Jahres 1868. 85
Sistrum rugiilosum Pease Amer. Journ. Conchol. IV. p. 93.
pl. 11. flg. 7 von der Insel Howland.
Ptenoglossa.
Scalariacea. Scalaria soluta Tiberi, die früher nach jugend-
lichen Exemplaren abgebildet war, ist Journal de Conchyl. p. 84.
pl. 5. fig. 2 nach einem vollständig ausgewachsenen Exemplare ab-
gebildet.
Solariacea. Solarium pulchellum Tiberi Journ. de Conchyl.
p. 179 aus dem Mittelmeer.
Torinia discoidea Pease Amer. Journ. Conchol. IV. p. 102.
pl. 12. fig. 18 von Paumotus. — Lagoda beschreibt eine anormale
Varietät von T. variegata. Journ. de Concliyl. p. 264. pl. 9. fig. 7.
Die Gattung Gyriscus Tiberi (vergl. vorj. Ber. p. 134) ist
Journal de Conchyliologie p. 56. pl. 5. fig. 1 abgebildet. Verf. setzt
die Gattung wegen des Deckels in die Nähe von Torinia, worin ihm
Crosse gewiss mit Recht beistimmt; wenn er sie jedoch deshalb in
die Familie Littorinidae setzt, so muss bemerkt werden, dass die
Solariaceen mit den Littorinen keine Gemeinschaft haben.
Janthinacea. Janthina nitida A, Adams Proc. zool. soc. p. 620
aus dem pacifischeu und südatlantischen Ocean.
Rhipidoglossa.
Helicinacea. Helidna episUUa, humilis, velutina und conuloi-
des Guppy Annais nat. hist. I. p. 433 von Dominique. — H. igni-
coma Guppy ib. p. 441 von Trinidad. — H. parvula von der Insel
Atiu und rugulosa von der Insel Tahaa Pease Amer. Journ. Con-
chol. IV. p. 156. pl. 12. fig. 10, 11.
Trochacea. Turbo Gaillardi de Folin Meleagrinicoles p. 52.
Mörch giebt an, Omphalius coelatus Adams habe einen
kalkigen Deckel, gehört also zu Turbo, und er nennt ihn Turbo Mac-
Andrewii, da es schon einen Turbo coelatus L. giebt. Amer. Journ.
Conchol. IV. p. 46.
Collonia maculosa, picta, granulosa Pease Amer. Journ. Con-
chol. IV. p. 91. pl. 11, erstere beiden von Paumotus, letztere von
Ponape.
Cydostrema Nevilli und C. (Daronia) suhdisjuncta Adams
Proc. zool. soc. p. 293. pl. 28. fig. 17, 18 von Ceylon.
Vitrinella Ponceliana de Folin Meleagrinicoles p. 51.
Stomatia variegata H. Adams Proc. zool. soc. p. 12. pl. 4. fig. 1
von Mauritius.
86 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Fissurellacea. Emarginula datJirata Pease Amer. Journ. Con-
chol. IV. pl. 11. fig. 24 von der Insel Howland.
Docoglossa.
E d. B r a n d t hat im Bulletin de St. Petersbonrg XIII.
das Nervensystem von Patella vulgaris (p. 457) und Chiton
(Acanthochites) fascicularis (p. 462) einer genauen Unter-
suchung unterworfen, auch beide abgebildet. Verf. fand
eine üebereinstimmung, die am meisten in dem stomato-
gastrischen Systeme auffällt; ein neuer Beweis für die
Molluskennatur der Chitonen, die sonst in mancher Hin-
sicht von den Schnecken abweichen.
Tecturacea. Tectura tahitensis von Tahiti und conoidalis von
der Insel Roratonga Pease Amer. Journ. Conchol. IV. p. 98. pl. 11.
%. 21, 22.
Acmaea Schrenckii Lischke Malak. Bl. p. 220 von Nagasaki.
ScutelUna compressa von Tahiti, granocostata und aculeata von
Hawaii Pease Amer. Journ. Conchol. IV. p. 99. pl. 11.
Patellacea. Patella emargimiloiäes Philippi Malak. Bl. p. 224
aus der Magellaustrasse.
Chitonidae. Reine ke hat Beiträge zur Entwickelungsge-
schichte der Stacheln im Mantel der Chitonen gegeben. Zeitschr.
wiss. Zoologie XVIII. p. 305. Tafel 21, 22.
Pulmonata.
Lindström theilt in seiner Schrift Om Gotlands
nutida Mollusker p. 6 die Helicea auf Grund des Gebisses
in drei Tribus: Limacidae mit den Gatt. Limax, Leh-
mannia, Vitrina und Zonites, Heticidae mit den Gatt.
Arion, Helix, Bulimus, Zua, Pupa, Balea, Clausilia, Suc-
oinidae mit der Gatt. Succinea.
Die Arten der in Japan gefundenen Landschnecken
hat Arthur Adams Annais nat. bist. I, p. 459 ver-
zeichnet. Die Familien Philomycidae und Limacidae sind
jede durch eine Art vertreten ; aus der Familie Helicidae
enthält die SubfamilieSuccininae 2 Succinea, die Subfamilie
Helicinae 28 Helix^ worunter 19 neu, die Subfamilie Vi-
trininae 11 Hyalina, wovon 5 neu, die Subfamilie Clausi-
liinae 14 Clausilia, von denen 8 neu. Die zahlreichen
neuen Arten sind unten verzeichnet.
der Mollusken während des Jahres 1868. 87
Nevill machte Bemerkungen über die Thiere einer
Anzahl von Landschnecken, welche auf Mauritius und
den Seychellen leben. Er fand so bestimmte und be-
ständige Differenzen zwischen den Arten, selbst wenn
die Schalen nahe verwandt sind, dass ihm diese Differenzen
bei der Bestimmung von Nutzen waren. Proc. zool. soc.
p. 257.
Limacea. Mabille bearbeitete Revue de Zoologie p. 129 die
Europäischen Nacktschnecken der Familien Arionidae und Limaci-
dae; es werden zwei neue Gattungen und mehrere neue Arten be-
schrieben :
Auf Arion timidus Morelet wird eine eigene Gattung Bau-
donia gegründet: Corpore ovato-elongato, subcylindraceo, postice
paululum attenuato, antice patulo: supra rugosulo, non carinato; clypeo
parvo, antico, rotundato, rugosulo aut leviter striatulo ; cavitatis
pulmonaris orificio medio ac dextrorso; capite parvulo, distinctis-
simo; tentaculis 4, superioribus parvis. B. timida und montana
Portugal. — Aus der Gattung Arion werden als neue Arten be-
schrieben : A. lusitanicus (A. rufus Var. y ei ä Morelet) und pas-
caUanus (A. fuscatus Morelet) Portugal, hihernus, campestris, di-
stinctus, neustriaciis und Bourguignati aus der Gegend von Paris.
Von Limaeiden wird zunächst die Gattung Krynickellus in
zwei Gruppen getheilt, Arten mit chagrinirtem Schilde (Malino)
und mit gestreiftem Schilde (Malinastrum); aus ersterer wird K.
hrunneus (Limax brunneus Drap.), aus letzterer K. cyrniaciis aus
Corsica beschrieben. — Auf Limax carinata d'Orb. (polyptyelus
Bourg.) wird eine neue Gattung Lallemantia gegründet: Animal
corpore nudo, elongato, compresso, elevato; supra sulcis rugisque
obliquis subparallelis ornato, ac carina elevata, secante, munito. an-
tice posticeque attenuato; clypeo oblongo, rugoso, ad mediam cir-
citer partem corporis sito, extremitatibus rotundato, medio dupli-
cato, orificio cavitatis pulmonaris dextrorso medioque; capite parvo;
tentaculis 4, superioribus elongatis cylindraceis, apice inflato ac
valde subgloboso; inferioribus conico cylindraceis, maiusculis; pede
angusto, subtus rugis obliquis ornato. Die Art wird L. polyptyela
genannt, Teneriffa. — Ferner werden beschrieben Milax atratus,
Limax baeticus und Zonites Dutaillyamis.
Limax varians Adams Annais nat. bist. I. p. 460 aus Japan.
Dendrolimax n. gen. Heynemann Malak. Bl. p. 32. In der
hinteren Ecke des Mantels ein durchgehendes Loch, Lungenöffnung
hinter der Mitte der Mantellänge, Rücken mit stark entwickeltem
Kiele bis zum Mantelrande, Schwanzdrüse gross. Kiefer glatt; in-
nere Schale kalkig, mit Epidermis. D. Heynemanni Dohrn von der
Prinzeninsel.
88 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Arion nibiginosus Baudon bei Drouet Moll. Cote-d'Or. 1. c.
Geomalacus Tiiemalis Drouet Moll, de la Cote-d'Or, p. 27. —
G. Mabillei Baudon Journ. de Conchyl. p. 142 aus Frankreich.
Veronicella myrmecophila Heynemann Malak. Bl. p. 37 von der
Prinzeninsel.
Vaginulus tubereulosus v. Martens Malak. Bl. p. 174 aus dem
Urwalde Südbrasiliens (Picada do Cafe). — V. pleheius Fischer Journ.
de Conchyl. p. 145 aus Neu-Caledonien. — F. honariensis Strobel
Atti della Soc. ital. di scienze naturali XI von Buenos- Ayres.
AtlioracopTiorus hirudo Fischer Journ. de Conchyl. p. 146 aus
Neu-Caledonien. — Derselbe gab ib. p. 225. pl. XI die Anatomie
dieses Thieres. Er will diese Gattung in die Gruppe Succinea
setzen, mit der vereinigt eine Reihe gebildet wird, die der der
Arionidae oder Limacidae parallel sei. Nämlich 1) Innere Kalkkör-
ner, Athoracophorus ; 2) innere Schale, Hyalimax; 3) äussere Schale,
die das Thier nicht bedecken kann, Omalonyx; 4) äussere Schale,
die das ganze Thier aufnimmt, Succinea. — Bei der Arionidae:
1) Innere Kalkkörner, Arion: 2) äussere Schale, die das Thier nicht
bedecken kann, Xanthonyx, Pellicula ; 3) äussere Schale, die das
ganze Thier aufnimmt, Helix. — Bei den Limacidae: 1) Innere
Schale nicht spiral, Limax, 2) innere Schale mit einer Spira, Par-
macella; 3) äussere Schale, die das Thier nicht bedecken kann, He-
licarion, Vitrina; 4) äussere Schale, die das ganze Thier aufnimmt,
Zonites, — Testacellidae : 1) Aeussere Schale, die das Thier nicht
bedecken kann, Testacella, Daudebardia; 2) äussere Schale, die das
ganze Thier aufnimmt, Glandina.
Helicea. Ein im December 1868 erschienenes Supplement zu
A. D. Brown's Catalogue enthält Helix Nr. 1008—1195 und Plecto-
stoma Nr. 1.
Von Pfeiffer's Monographia Heliceorum ist ein sechster
Band erschienen, auf den wir hier nicht näher eingehen, da das
Werk selbst wohl allgemein zugänglich ist.
TestaceUea. Der Name der Gattung Physella Pfr. vergl.
den Bericht 1861. p. 256 haben Crosse et Fischer Journal de
Conchyl. p. 90 in Strehelia umgeändert, weil derselbe bereits von
Haldeman für eine Abtheilung vonPhysa in Anwendung gebracht
worden war.
Von dem Subgenus Streptostyla Shuttl, beschrieben Crosse
und Fischer 11 neue Arten in einer eigenen kleinen Brochüre,
welche unter dem Titel: Diagnoses MoUuscorum novorum Guatemalae
et Reipublicae Mexicanae 1868 erschienen war, und im Journal de
Conchyl. 1869 wieder abgedruckt ist. Die neuen Arten sind: St.
Binneyana Guatemala, Edwardsiana Orizaba, Sallei Orizaba, cingu-
Zaia Veracruz, Blandiana Veracruz, Boyeriana Orizaba, fulvida Ori-
der Mollusken während des Jahres 1868. 89
zaba, Sololensis Guatemala, cornea Guatemala, Bocourti Guatemala,
glandiformis Orizaba,
In der eben erwähnten Abhandlung bildet den Schluss p. 7
eine neue Gattung Petenia, die auf Glandina ligulata Morelet
gegründet ist : Testa imperforata, bulimiformis, haud stria,ta, epider-
mide tenui, laevigata, nitida, partim deeidua induta, transversim
imifasciata; spira subelongata; ultimus anfractus spira paulo minor;
columella alba, intorta, basi vix truncatula; peristoma acutum. —
Animal carnivorum, ex utroque latere depressum, postice subito
truncatum et poro muciparo instructum; tentaculis superis apice
inflatis, ommatophoris, et lobis 2 ad latera oris sitis, prominulis,
trigonis minutum.
Spiraxis simplex Guppy Annais nat. bist. I. p. 438 von Tri-
nidad. — Sp. tenuis Pfeiffer Malak. Bl. p. 84 aus Mexiko.
Glandina perlucens Guppy Annais nat. bist. I. p. 430 von Do-
minique.
Crosse und Fischer beschrieben die Radula von Glandina
algira, die sie sehr ähnlich mit der von Daudebardia fanden, und
die sich von den Testacellen bestimmt unterscheiden. Journal^ de
Conchyl. p. 234.
Bland hat bei mehreren Arten der Gattung Cylindrella aus
der Gruppe Mangel einen sehr kleinen und zarten Kiefer aufgefun-
den, der mit dem von Macroceraraus Aehnlichkeit hat. Annais nat.
bist. II. p. 389. — Ebenso bei Cylindrella Newcombiana. Journ.
de Conchyl. p. 316.
Crosse wies die Identität von Helix Petiveriana Fer-, und
Cylindrella crenata Weinl. und Martens mit Cylindrella eximia Pfeif-
fer nach. Journ. de Conchyl. p. 347.
Wegen des Vorhandenseins eines Kiefers und geradliniger
Zähne der Radula gründeten Crosse und Fischer Journ. de
Conchyl. p. 85 auf Cylindrella Giesbreghti eine neue Gattung Eu-
calodium , der dann auch noch C. decollata, mexicana, grandis,
splendida, turris, clava, speciosa und Boucardi zugezählt werden:
Animal maxilla arcuata, longitudinaliter tenuissime striata, parte
marginis inferi media obsolete prominula, margine supera radicem
rotundatam emittente instructum. Radula seriebus transversis, rec-
tilinearibus numerosis uniformibns constituta, acie uncinorum basin
subquadratam vix superante; dens medianus uncinis paulo minor,
acie tricusx^ide. Animal caeterum ad familiam Helicidarum omnino
referendum. Testa subrimata, turrita, cylindrellaeformis late trun-
cata; ultimus anfractus breviter solutus, dorso angulatus, plus mi-
nusve filo-carinatus ; columella intus plerumque uniplicata , plica
columnam internam ambiente, in vicinio aperturae evanida. — E.
Blandianum Crosse et Fischer ib. p. 276 aus Mexiko.
90 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Vitrinea. Vitrina Angasi H. Adams Proc. zool. soc. p. 15.
pl. 4. fig. 11 von Capengo in Westafrika. — V. Welwüschii, Gome-
siana, Ängolensis, corneola Morelet bei Welwitsch 1. c. — V. suh-
viridis und fusca Pease Amer. Journ. Conchol. IV. p. 154 von den
Marquesas. — V. 3Iastersi, megastoma, Macgülwrayi , aquila Cox
Monograph of Australian Land Shells.
Nanina (Botula) cernica H. Adams Proc. zool. soc. p. 12. pl. 4.
fig. 3 von Mauritius. — N. (Xesta) sulcifera Barclay ib. p. 15. pl. 4.
fig. 12 von Mauritius. — N. (Xesta) De CrespigniiUiggms ib. p. 179.
pl. 14. fig, 4 von Labaun. — N. (Macrochlcmiys) Geoffreyi Adaras
ib. p. 289 pl, 28. fig. 5 von Isle de Bourbon. — N. (Macrochlamys)
Poweri Adams ib. p. 293. pl. 28. fig. 20 von Mauritius.
Macrochlamys tenuicula H. Adams Proc. zool. soc. p. 14. pl. 4.
fig. 9 von Bombay.
Discus vorticella H. Adams Proc. zool. soc. p. 12. pi. 4. fig. 2
von Mauritius. — D. serratus Adams Proc. zool. soc. p. 290. pl. 28.
fig. 6 von den Seychellen.
Zonites implicans und umbratüis Guppy Annais nat. bist. I.
p. 440 von Trinidad. — Z. issericus Latourneux MS. Bourguignat
Revue de zoologie p. 369. pl. 16. fig. 1—7 aus Cabylien. — Z. Mor-
tilleti Pecchioli BuUettino malacologico italiano I. p. 25. tav. 2. fig. 8,
12 von Gerfalcü. Der Name wird ib. p. 52 in Z. Gerfalchensis um-
geändert.
Nach S t r 0 b e 1 kommt Zonites Leopoldianus au.ch im nördli-
chen Italien vor. BuUettino malacologico italiano I. p. 34.
Hyalina (Conulus) phyJlophüa, incerta, tenera, stenogyra, acu-
tangula Adams Annais nat. bist. I. p. 467 aus Japan.
Helicacea. Mörch zeigt an, dass Mühl enpfordt aus-
ländische lebende Helix-Arten in Blumentöpfen, halb mit Erde ge-
füllt und mit einer wollenen Decke versehen (Leinwand wird durch
die Helices zernagt), lebend erhielt. Eine Helix diodonta hatte
Junge gebracht, von denen eines in einem Jahre fast erwachsen
war. Journ. de Conchyl. p. 351.
Helix hactricola Guppy Annais nat. bist. I. p. 440 von Trini-
dad. — H. (Camena) miranda, serotina und Editha Ad&ms ib. p. 461
aus Japan. — H. (Fruticola) patruelis, peculiaris, gibhosa, sphincto-
stoma, ColUnsoni, commoda, despecta, craspedoclieüa, proha, con-
cinna Adams ib. p. 462 aus Japan. — H. (Plectotropis) conella,
setocincta, trocTiula, scahricula Adams ib. p. 465 aus Japan. — H.
(Patula) elatior und depressa Adaras ib. p. 466 aus Japan. — H.
(Aglaja) Farrisi Higgins Proc. zool. soc. p. 179. pl. 14. fig. 5 aus
Peru. — H. (Bhagada) Silveri Angas ib. p. 257 von Südaustralien.
Helix chrysosticta Morelet bei Welwitsch 1. c. — H. alta von der
Insel Ponape, Marquesana von den Marquesas, congrua von Ponape
der Mollusken während des Jahres 18G8. 91
Pease Amer. Journ. of Conch. IV. p. 153. pl. 12. fig. 1—4. - H.
Guyana Strobel (vgl. vorj.Ber. p. 146) Atti delkSoc. ital. di scicnze
natural! XI aus der Provinz Mendoza in Argentina. — H. Gobanzi
Frauenfeld Malak. Bl. p. 59 aus Tirol. — H. crypta aus Dalmatien,
H. chamaeUon aus Kärnthen Parreyss ib. p. 83. — IL (Lahtjrinthus)
tripUcata v. Martens ib. p. 156 aus Costarica. — H. (Ärionta) ela-
tior und H. (Gorilla) pettos v. Martens Malak. Bl. p. 158 vom Hi-
malaya. — H. Faidherbiana pl. 14. fig. 1— 3 Algerien, Djerharica
fig. 4— 8 von Oran, Tlemcenensis fig. 9— 13 von Tlemcen Bourgui-
gnat Revue de Zoologie p. 371. — H. microplhis, caledonica, acanthi-
nula und dendrobia Crosse Journ. de Conchyl. p. 91. pl. I. fig. 3—6
von Neu-Caiedonien. — H. Tournoueri Crosse ib. p. 101 aus China,
vgl. auch p. 173. pl. 6. fig. 4. — H. Candeloti pl. 8. fig. 2 und Bavayi
fig. 3 Crosse et Marie, cerealis pl. 9. fig. 1, Mouensis pl. 8. fig. 5,
Paulucciae pl. 8. fig. 4, chelonitis pl.9. fig. 2, trictiocoma pl. 8. fig. 6
Crosse ib. p. 148 vom Berge Mou in Keu-Caledonien. — H. leuco-
lena Grosse (1867) ist ib. p. 171. pl. 6. fig. 6 abgebildet. — H. siibse-
pulcralis von Madagaskar, pletliorica und ancylocliüa ohne Vaterlands-
angabe, abrochroa von Viti-Levu Crosse ib. p. 174. — H. monaecensis,
Mirandae, madritensis, diniensis, vestita. Becasis, herculeus Rambur
ib. p. 265 aus Spanien und Frankreich. — H. Guestieriana Crosse
ib. p. 268. pl. 9. fig. 4 von Madagaskar. — Daselbst ist H. Villan-
drei (1865) pl. 9. fig. 3 abgebildet. — H. nimbosa und eoa aus Japan
und Ferrieziana aus Neu-Caledonien Crosse ib. p. 277. — H. Coro-
nadoi Hidalgo ib. p. 352. pl. 13. fig. 5 von den Philippinen. — H.
Luganensis Schintz Var. Phüippi-Mariae Stabile ist Bullettino ma-
lacologico italiano I. p. 26. tav. 2. fig. 7 abgebildet. — H. pudi-
bunda, inusta, Brazieri, Älbanensis, funerea. vinitincta, mucosa,
Tasmaniae, Hobarti , cuprea, Melbournensis, Legrandi, similis, Na-
moiensis, Harriettae, Bamsayi, Victor iae , expeditionis, 3Iulgoae,
pacliystyloides , exocarpi, Bladcmani, Buralensis , hystrix, cerata,
Edwardsi, Creedi, Wesselensis Cox Monograph of Australian Land
Shells.
lieber die Varietäten von Helix nemoralis vergl. Bullettino
malacologico italiano 1. p. 27. — Ebenda ist H. nemoralis Var. un-
dulata Gentiluomo j). 9. tab. 1. fig. 9, 10 abgebildet. Desgleichen
H. cingulata Var. Änconae Gentiluomo ib. p. 40. tav. 3. fig. 9—11.
Ebenso H. (Campylaea) Gobanzi Frauenfeld ib. p. 42. tav. 3. fig. 12
— 14. Vergl. dazu die Erörterung von Gentiluomo ib. p. 53.
Unter dem Titel Archives malacologiques §. II schrieb Ma-
bille über einige Arten aus der Gruppe von Helix serpentina und
muralis. Revue et Mag. de Zoologie p. 12. Folgende Arten wer-
den unter Berichtigung der Synonymie (beschrieben: H. serpentina
Fer., hospitans Bonelli (Carae Cantr., serpentina var. hospitans Moq.
92 Troschel: Bericht üb. cl. Leist. in d. Naturgeschichte
Tand.), isüensis Villa MS. aus Sardinien und Corsica , Magnettii
Cantr. (serpentina Dupuy), muralis Müll., abromia Bourg. MS. aus
der Lombardei, orgonensis Philbert (undulata Mich.), dbraea Bourg.
MS. aus der Lombardei, substrigata Bourg. MS. aus Sicilien, um-
brica Charpentier MS. vom Monte di Somma in Umbrien, Bamhuri
Mabille aus der Krim, surmontana (Pascali Mabille olim), arenivaga
Mabille aus Südfrankreich, apalolena Bourg.
Cooper gründete eine neue Gattung der Heliceen Amer.
Journ. Conchol. IV. p. 209: Ammonitella testa ammonitiformis,
parva, spira concava, multivolvi, anfractibus lente crescentibus, ver-
ticaliter appressis, ultimo dimidium praecedentis amplectente; peri-
stomate simplici, crescentiformi, labro intus parum incrassato; re-
gione umbilicali expanso, spirae depressione parum profundiore.
Animal adhuc ignotum. Die Art A. Yatesii pl. 18. fig. 1 — 14 wurde
etwa 100 Fuss innerhalb der Mündung der Kalkhöhle bei Cave City
in Californien, 8000' üb. M. gefunden.
Cochlostyla cliloroleuca v. Martens Malak. Bl. p. 165 von den
Philippinen.
Bulimus electrinus Morelet bei Welwitsch 1. c. — B. (odonto-
stonius) tudiculatus v. Martens Malak. Bl. p. 178 von Rödersberg in
Südbrasilien. — B. Membielinus Crosse (1867) ist Journ. de Con-
chyl. p. 99. pl. 1. flg. 2 abgebildet. — B. Bavayi Crosse et Marie
ib. p. 161 vom Berge Mou in Neu-Caledonien. — B. Grandidieri
pl. 7. fig. 1, subohtusatiis flg. 2 Crosse et Fischer ib. p. 182, fossil
von Madagaskar. — B. Bidwelli Cox Monograph of Australian Land
Shells.
Limicolaria Hidalgoi Crosse (1867) ist Journ. de Conchyl. p. 17,
pl. 6. fig. 1 abgebildet.
Orthaiice a. Bulimulus laticinctus nnä stenogyroides Gu-ppy
Annais nat. bist. I. p. 431 von Dominique. — B. indistinctus Guppy
ib. p. 436 von Grenada. — B. rliodotrema v. Martens Mala,k. Bl.
p. 156 aus Costarica. — B. Henselii v. Martens ib. p. 180 von Costa
da Serra in Südbrasilien. — B. (Otostomus) rubrovariegatus und
Lamas Higgins Proc. zool. soc. p. 178. pl. 14. fig. 2 aus Peru.
Pupacea. Partida strigata und recta Pease Amer. Journ.
Conchol. IV. p. 155. pl. 12. fig. 7, 8 von den Marquesas.
Zu der Gattung Auriculelle, Subgenus von Helicteres Fer.
(Achatinella) beschreibt Pease Journ. de Conchyl. p. 342 fünf neue
Arten: A. expansa pl. 14. fig. 8, uniplicata fig. 7, ambusta, tripUcata,
pulchra fig. 6, alle von Hawai.
Glessula fusca H. Adams Proc. zool. soc. p. 15. pl. 4. fig. 10
von Bombay.
Ferussacia Oranensis und diodonta Bourguignat Revue de
Zoologie p. 374. pl. 15. fig 5 — 13 von Oran.
der Mollusken während des Jahres 1868. 93
Stenogyra plicatella und coronata Guppy Annais nat. hist. I.
p, 439 von Trinidad. — Achatina monetaria, ^'perfecta, zehriölata.
gracilenta, muscorum, nigella Morelet bei Welwitsch,
Balea variegata Adams Annais nat. hist. I. p. 469 aus Japan.
Adolf Schmidt ist nach längerer Pause wieder mit einer
conchyliolögischen Arbeit hervorgetreten, indem er ein »System der
europäischen Clausilien und ihrer nächsten Verwandten, Cassel 1868«
herausgab. Im Besitze eines sehr reichen Materiales und nament-
lich vieler Original - Exemplare glaubt er hiermit ein natürliches
System gefunden zu haben. Er theilt die Clausilien in sechs Fel-
der, das zweite und sechste mit zwei Abtheilungen, und jedes Feld
zerfällt dann wieder in Formenkreise. — Verf. zeigte selbst sein
Buch in den Malak. Bl. p. 64 an.
Clausilia tuba Hanley Annais nat. hist. I. p. 343 aus der ost-
indischen Provinz Shan. — Cl. (Phaedusa) plicüabris, Stimpsoni,
stenospira, Gouldi, proha, spreta, pinguis, lirulata Adams ib. p. 469
aus Japan. — Cl. tichohates und Gobanzi Parreyss Malak. Bl. p. 60,
erstere aus Dalmatien, letztere aus Steiermark. — Ct. Lucensis Gen-
tiluomo BuUettino malacologico italiano I. p. 6. tav. 1. fig. 1—3 aus
Lucca. — Cl. Davidiana pl. 16. fig. 12—15 und prophetarum fig. 8
— 11 Bourguignat Revue de zoologie aus Syrien. — Bourguignat
theilte ib. p. 379 die Syrischen Clausilien, deren er 33 Arten kennt
in fünf Gruppen: 1) Carinatae, 5 Arten, 2) Coerulescentes,
5 Arten, 3)Vesicantes, 6 Arten, wovon Cl. Gaudryi und Bar-
gesi neu, 4) Striata e, 12 Arten, unter denen Cl. judaica, Dutaü-
lyana, phaeniciaca und sancta neu, 5) Denticulatae, 4 Arten.
— Cl. Lucensis Gentiluomo BuUettino malacologico italiano I, p. 6.
tav. 1. fig. 1 — 3 von Lucca. Dieselbe Art wird ib. p. 36 mit Cl. co-
mensis Shuttlew. 'verglichen. — Cl. Isseli Villa ib. p. 37. tav. 3.
fig. 1-4.
Pupa uvulifera und auriformis Guppy Annais nat. hist. I.
p. 441 von Trinidad. — P. (Pupilla) exigua H. Adams Proc. zool.
soc. p. 13. pl. 4. fig. 4 von Mauritius. — P. flocculus Morelet bei
Welwitsch 1. c. — Crosse berichtigte Journ. de Conchyl. p. 337
den Fundort von Ferussac's Helix decumanus, von der er Exem-
plare von Castle Island, Bahamas, erhielt. Er beschrieb sie als Piipa
decumana, und zog Pupa mumia Sow. und Pupa regia Benson als
Synonyme zu ihr. — P. Nelsoni, Margaretae, Moretonensis Cox
Monograph of Australian Land Shells.
Stabile erörterte die Synonymie von Pupa psarolena Bourg.
und Mortilleti Stab. BuUettino Malacologico Italiano p. 33.
Auf Pupa avenacea Brug. gründet L in d strö m (Om Gotlands
nutida Mollusker p. 18) eine eigene Gattung Allo glossa: Animal
quod ad partes exteriores attinet Pupis simile, Cochlea Torquilla-
94 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
rum. Uncini vero membrauae nt dicitur lingualis a typo Heliceo
valde discrepantes. Uncinus medius uncinis lateralibus primi ordi-
nis minor, basi producta aequilatera, capite brevi, inflato, cuspide
obtusa. Uncini laterales primi ordinis 18, forma simillinia. Late-
rales secundi ordinis 12, basi brevi, lata, cuspide unico vel pluri-
bus usque ad quatuor. Mandibulum marginibus rectilineis, infra.
irregulariter serrulatis, partes laterales latae.
Vertigo (Alaea) borhonica Adams Proc. zool. soc. p. 290. pl. 28.
flg. 8 von Isle de Bourbon.
Ennea (Elma) Nevüli Adams Proc. zool. soc. p. 291. pl. 28.
fig. 12 von den Seychellen. — E. iyu;pa.eformis, rmgicula und vitrea
Morelet bei Welwitsch 1. c.
Gibhus (Gibhulina) Mondraini, Barclayi, inoductus H. Adams
Proc. zool. soc. p. 13. pl. 4. fig. 5 — 7 von Mauritius. — G. (Gibhu-
lina) clavulus H. Adams ib. p. 16. pl. 4. fig. 13 von Mauritius. —
G. (Gibhulina) Deshayesii, Moreleti und cyJindrelhis Adams ib. p. 290,
pl. 28. fig. 9 — 11 von Isle de Bourbon und Seychellen.
Streptaxis Wehoitsehii und turbinata Morelet bei Welwitsch 1. c.
— St. apertus v. Martens Malak. Bl, p. 180 aus Südbrasilien.
Succinea. Succinea Vadia Morelet bei Welwitsch 1. c. —
S. (Pellicula) convexa v. Martens Malak. Bl. p. 183 von Porto Alegre.
— S. aperta Cox Monograph of Australian Land Shells.
Ämphibulima pardalina Guppy Annais nat. bist. I. p. 432 von
Dominique.
Auriculacea. CarycMum ßicosta Morelet bei Welwitsch 1. c.
Melampus striatus Pease Amer. Journ. Conchol. IV. p. 100.
pl. 12. fig. 14 von Tahiti.
Laimodonta conica Pease Amer. Journ. Conchol. IV. p. 101.
pl. 12. fig. 15 vonPaumotus.
Limnaeacea. Chilina parva v. Martens Malak. Bl. p. 185 aus
dem Urwald bei Rödersberg in Südbrasilien.
Physa Angolensis, crystallina, capilacea, canescens, apiculata,
semipUcata, turricula, claviilata Morelet bei Welwitsch 1. c. — Ph.
Pisana Issel BuUettino malacologico italiano I. p. 7. tav. 1. fig. 1, 8
von Pisa. — Unter den 8 bisher bekannten Physa aus Neu-Caledo-
nien, welche Crosse Journ. de Conchyl. p. 317 beschreibt, sind 4
Arten abgebildet und Ph. Guillaini Crosse et Marie pl. 13. fig. 1
neu. — Ph. pisana Issel BuUettino malacologico italiano p. 7. tav. 1.
fig. 7, 8 von Pisa.
Lewis erklärt Bulinus Tryoni vergl. vorj. Ber. p. 150 für
nicht specifisch verschieden von B. hypnorum. Amer. Journ. Con-
chol. IV. p. 81.
Planorbis salinarum und misellus Morelet bei Welwitsch 1. c
der Mollusken während des Jahres 1868. 95
— PI. purus V. Martens Malak. Bl. p. 190 von Rödersberg in Süd-
brasilien.
Limnaea Bocageana, Benguellensis, sordulenta, orophila More-
let bei Welwitsch 1. c.
lieber die Gattung Pompholyx Lea (vergl. den Bericht über
d. J. 1866 p. 111) macht Gray Annais nat. bist. II. p. 387 eine Be-
merkung. Verf. glaubt, sie möchte zu den Auriculaceen gehören.
Notobranchia.
Collingwood machte einige Bemerkungen über die Verbrei-
tung der Nudibranchier in dem chinesischen Meere. Sowohl die
Zahl der Species, wie die der Individuen ist nach seinen Beobach-
tungen eine geringe. Annais nat. bist. I. p. 90.
Acera. Cylklma cmieata Tiberi Journ. de Conchyl. p, 180
von Neapel.
Haminea nigropunctata von Raiatea, ovalis, simüUma und
aperta von Tahiti Pease Amer. Journ. Conchol. IV. p. 71. pl. 7.
Volvatella pyriformis von Huaheine und cmidida Pease Amer.
Journ. Conchol. IV. p. 73. pl. 7. fig. 5 u. 6. — V. fragilis Pease ist
fig. 6 zur Vergleichung abgebildet.
Ebenda fig. 7 ist auch Cryptophthalmus cylindricus Pease ab-
gebildet.
Lophocercidae. LopJwcercus viridis Pease Amer. Journ. Con-
chol. IV. p. 74. pl. 8. fig. 1, 2 von Huaheine.
Lohiger picta Pease Amer. Journ. Conchol. IV. p. 75. pl. 8.
fig. 3 von Huaheine.
Aplysiacea. Dalahrifera fusca und Tahitensis Pease Amer.
Journ. IV. p. 76. pl. 8. fig. 4, 5 von Tahiti.
Syphonota viridescens von den Kiugsmill-Inseln und punctata
von Huaheine Pease Amer. Journ. Conchol. IV. p. 77. pl. 10. fig. 1
und pl. 9. fig. 2.
Monopleurobranchia.
Pleurohranchus grandis von Huaheine, ovalis Tahiti, delieatus
Huaheine und ^esseZ?aiws Pease Amer. Journ. Conchol. IV. p. 78. pl. 10.
fig. 2. pl. 9. fig. 3. 1 u. 4.
Siphonaria depressa Pease Amer. Journ. Conchol. IV. p. 98.
pl. 11 fig. 23 von der Insel Apaian.
Hypobranchia.
Phyllidia nigra Pease Amer. Journ. Conchol. IV. p.80. pl. 9.
fig. 5 von Tahiti.
96 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Brachiopoda.
De [Pourtales hat zwei neue Brachiopoden beschrieben:
Terehratula cuhensis von Havanna Pull. Mus. Compar. Zoology Cam-
bridge 6. p. 109 und Waldheimia floridana ib. 7. p. 127 von Florida.
Lamellibraiicliia.
Eine Abhandlung vonHIncks im Canadian Journal
of Industrj, Science and Art. Toronto Sept. und Dec.
1867 ist mir nur aus einer Anzeige von Tr von im Amer.
Journ. of Conchol. p. 161 bekannt geworden. Sie be-
schäftigt sich mit der Eintheilung der Conchiferen^ die
manches Seltsame enthält, wie der genannte Berichter-
statter mit Recht bemerkt. Es werden folgende Ord-
nungen aufgestellt.
1) Asiphonida. Mantellappen und Kiemenla-
mellen frei; Muskeleindruck meist einer, Fuss gewöhnlich
entweder verkümmert oder byssustragend. Farn. Ostraei-
dae, Mytilidae, Aviculidae, Pectinidae, Arcadae.
2) Nayades. Mantelränder zwischen den aus- und
einführenden Oeffnungen verwachsen, und selten vor der
letzteren; die ausführende Oeffnung glatt, die einführende
gefranzt, Fuss sehr gross; Kiemenlamellen hinten mit
einander und mit dem Mantel verwachsen; Geschlechter
getrennt; im süssen oder Brackwasser; Schalen gewöhn
lieh innen perlmutterartig. Fam. Mülleridae, Atheriadae,
Anodontidae, Trigoniadae, Unionidae.
3) Brachysiphonida. Thier mit Siphonen, Man-
tellappen mehr oder w^eniger verwachsen, Siphonen kurz,
Mantellinie einfach. Fam. Chamidae, Lucinidae, Cardiidae,
Cycladidae, Cyprinidae.
4) Macr osiplionida, Fam. Myadae, Solenidae,
Mactridae, Tellinidae, Veneridae.
5) Inclusa. Die Thiere bohren in Felsen, Thon
oder Holz, ihre langen unvollkommen rückziehbaren Si-
phonen zuweilen in eine Kalkröhre eingeschlossen, in
welche das Muschelpaar zuweilen eingewachsen ist; die
der Mollusken während des Jahres 1868. 97
Muscheln bedecken den Körper nicht ganz, sind oft hart
und raspelartig, und mit accessorischen Stücken bei den
Wirbeln. Fam. Gastrochaenidae, Pholadidae.
Die Charaktere dieser Eintheilung sind nicht exclusiv und da-
her nicht ausreichend. Tryon tadelt die Einführung des Namens
Inclusa für Pholadacea; derselbe ist jedoch viel älter.
Ostreacea. In Tidsskrift for Fiskeri von Fiedler und Fedder-
sen II. p. l-i5 ist ein Auszug von dem Vortrage abgedruckt, den
Rasch bei der internationalen Fischerei -Ausstellung in Bergen
über Austernfischerei gehalten hat, nebst Bemerkungen über die
verschiedenen Methoden, welche in späterer Zeit angewendet wor-
den sind, um die Ausbeute dieser Fischerei zu vermehren, und in
wieweit sie anwendbar für die Norwegische Küste erscheinen.
Eine als Manuscript gedruckte Denkschrift von Sturz wurde
dem Norddeutschen Reichstage vorgelegt: »Austernbetrieb in Ame-
rika, Frankreich und England mit Hinblick auf die deutschen Nordsee-
küsten.« Diese Schrift bringt manches interessante statistische De-
tail zur Sprache, und hat zum Zweck die Anlegung erhöhter Au-
sternkultur an den deutschen Nordseeküsten anzuregen, was auch
wohl mit Erfolg gekrönt werden wird.
Auch Friede! hat »Neues über Züchtung und Eingewöhnung
der Auster« im Zool. Garten p. 247. 298 und 333.
Fectinacea. Crosse machte einige Angaben über die Lebens-
weise von Pecten maximus, Journ. de Conchyl. p.. 6.
Spondylus cruentus Lischke Malak. Bl, p. 221 von Nagasaki.
Malleacea. Mdlleus obvolutus de Folin Meleagrinicoles p. 27.
Arcacea. In Dunker's Novitates conchologicae p. 107 sind
folgende neue Arcaceen beschrieben und abgebildet: Barhatia ÄdolpM
von Neuholland, ohlonga von den Philippinen, — Scapharca pumüa,
— Anomalocardia aequüatera aus dem Indischen Ocean, — Area
constricta, Martensii, signata, — Anomalocardia piilchella, — Bar-
hatia solidula aus Californien, — Anomalocardia Lischkei, Ehren-
bergii aus dem Rothen Meere.
Tiberi erklärt Journ. de Conchyl. p. 81 die Area Weinkau ffi
Crosse für eine Varietät von Area Diluvii Lara.
Trigoniacea. Selenka beschrieb die Anatomie von Trigo-
nia margaritacea Lam. Malak. Bl. p. 66, begleitet von einer Tafel
mit Abbildungen.
Najades. White zeigte, dass alle Najaden unter der Epi-
dermis eine Schicht von prismatischer Structur haben, die allein
Archiv für N.itnrg. XXXV. Jahrg. 2. Hd. G
98 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
übrig bleibt , wenn sie fossil werden, wenigstens in Kalklagern.
Silliman Amer. Journ. p, 45 ; Annais nat. hist. I. p. 485.
Isaac Lea hat im Journal of the Academy of natural scien-
ces of Philadelphia VI. p. 249—302 wieder einen Artikel über neue
Unionidae, hauptsächlich aus den Vereinigten Staaten, bekannt ge-
macht. Die Arbeit ist von 17 Tafeln mit Unionen begleitet. 37
ünio, 2 Monocondylaea und 1 Anodonta sind früher schon in den
Proc. Philadelphia 1864—67 aufgestellt gewesen. Die Arten, wel-
che 1868 in derselben Zeitschrift charakterisirt und hier abgebildet
sind, heissen: Anodonta granadensis pl. 41. fig. 100, Jeweitii fig. 101,
lenticularis fig. 102, Bridgesii fig. 104, inaequivalva fig. 108, alle
aus dem See Nicaragua. — Ünio granadensis, encarpus, Gdbhianus,
Nigaraguensis. alle vier aus dem Nicaragua, U. Bcaverensis, nubüiis,
datus, dorsatus, humerosus, Paivensis aus dem Beaver-Creek, Long-
Creek, Paw-Creek ct.
In dem Separatabdruck ou the Observations Genus ünio Vol.
XII ist schon die Fortsetzung mit ferneren 9 Tafeln enthalten. Sie
bringt folgende Arten : Unio Murrayensis pl. 46. fig. 115 Georgia,
Uhareensis fig. 116 Uharee - River, genuinus fig. 117 Bisseis Pond,
fassinans pl. 47. fig. 118 Holston- River, sparus fig. 119 Georgia,
Copei fig. 120 Holston-River, cylindrellus pl. 48. fig. 121 Tennessee,
Brazosensis fig. 122 Texas, corvinus fig. 123 Georgia, difßcilis pl.49.
fig. 124 Georgia, Lincecumii fig. 125 Texas, topekaensis fig. 126 Kan-
sas, corvunculus fig. 127 Georgia, vaUatus pl. 50. fig. 128 Alabama-
River , planior flg. 129 Tennessee. refiilgens ^\. 61. fig. 130 Missis-
sippi, Strebelii fig. 131 Mexiko, spliaericus fig. 132 Mississippi, Vera-
cruzensis pl. 52. fig. 133 Mexiko, Ortonii fig. 134 Ecuador, prunoides
pl. 53. fig. 136 Südamerika, chinensis fig. 138 aus China. — Ferner
Anodonta Strebelii pl. 52. fig. 135 Mexiko, napoensis pl. 53. fig. 137
Ecuador. — Als Anhang beschreibt Verf. die weichen Theile von
folgenden Arten: Unio pliciferus Lea, umbrosus Lea, granulatus Lea,
consanguineus Lea, Lewisii Lea und Mai'garitana Ilolstonia Lea.
Uuio rivicoliis Conrad Amer, Journ. of Conchology IV. p.280.
pl. 18. fig. 4 aus Florida. — U. Lawleyanus Gentiluomo BuUettino
malacologico italiano I. p. 54. tav. 4. fig. 1 — 3 von Lucca.
Iridina Welwitschii Morelet bei Welwitsch 1. c.
Solenaia n. gen. Conrad Amer. Journ, Conchol. IV, p. 249.
Langstreckig dünn, vorn klaffend, Schloss mit einem langen nadei-
förmigen Seitenzahn in jeder Schale, schwach entwickelt. Dahin
Mycetopus emarginatus Lea.
Mycetopus falcatus Higgins Proc, zool. soc. 179. pl. 14. fig. 6
vom oberen Amazonenstrom.
Castalia Pazi Hidalgo Journ. de Conchyl. p. 353. pl. 13. fig. 6
aus Ecuador.
der Mollusken während dos Jahres 1868. 99
Mytilacea. Mytilus crassitesta liischke Malak. Bl. p. 221 aus
Japan.
Modiola excavata de Folin Meleagrinicoles p. 25. — M. an-
tarctica Philipp! Malak. Bl. p. 224 aus der Magellanstrassc.
Tichogoniacea. lieber die Verbreitung der Dreissena gab v.
Martens eine fernere Notiz. Zool. Garten p. 115,
Gassies fand diese Muschel auch in der Gardnne und f)eob-
achtete sie lebend. Journ. de Conchyl. p. 17.
Cardiacea. E. Römer, der eine grössere Arbeit über Car-
dium vorbereitet, wozu er ein reiches Material besitzt, macht vor-
läufig Bemerkungen über einige Arten von Cardium bekannt. Er
bespricht hier 33 Arten. Malak. Bl. p. 85.
Crosse beobachtete Cardium norvegicura lebend im Aquarium
zu Arcachon. Journ. de Conchyl. p. 6.
Cycladea. Pisidlum insigne Gabb Amer. Journ. Conchol. IV.
p. 69. pi. 2. fig. 2 aus Californien.
Galeommidae. Thyreopsis n. gen. H, Adams Proc. zool.
soc. p. 14. Testa aequivalvis. aequilateralis, trigono-ovata, aperta;
raargine dorsali convexo, ad umbones subacuto. Cardo edentulus,
ligamento interno sub urabonibus instructus. Th. coralliophüa pl. 4.
flg. 8 von Mauritius.
Petricolidae. Petricola anachoreta, venusta de Folin Meleagri-
uicoles p. 18.
Veneracea. Pfeiffer bat in der Absicht, für die neue Aus-
gabe des Martini-Chemnitz'schen Conchylien-Cabinets die Familie der
Veneraceen zu bearbeiten (was auf Fortsetzung des lange unterbro-
chenen Unternehmens Hoffnung giebt), vorläufig Studien über die
Familie der Venusmuscheln in Malak. Bl. p. 141 veröffentlicht. Er
giebt zunächst Nomenclatorische Bemerkungen, in denen er auf die
Begrenzung der Gattungen kommt, und namentlich auf ein hisher
kaum beachtetes Merkmal aufmerksam macht, nämlich die Ungleich-
heit der beiden Arealhälften , und das damit im Zusammenhange
stehende Üebergreifen der rechten Lippe, was besonders bei Dosi-
nia vorkommt. Darauf bespricht er eine Reihe noch zweifelhafter
Chemnitz'scher Arten.
Venus australis Philippi Malak. Bl. p. 225 aus der Magel-
lanstrasse.
Cypricardia Noemi de Folin Meleagriuicoles p. 24.
Tellinacea. In dem Catalog über die Familie Tellinidae un-
terscheidet Try on Amer. Journ. of Conchology IV. Anhang p. 72
vier Subfamilien: Tellininae mit 5 Asaphis Modeer, 70 Gari
Schum. (davon 20 dem Subgenus Psammacola Blainv., 9 dem Sub-
100 Troschel: Bericlit üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
genus Amphichaena Phil, angehörig), 4 Sanguinolaria Lam., 39 Hia-
tula (davon 16 zum Subgenus Psammotea Lam., 7 zum Subgenus
Psammotella Desh. gehörig) , 2 Elizia Gray , 271 Teilina (79 Telli-
nella Gray, 23 Peronaeoderma Mörch, 20 Moera Adams, 44 Arco-
pagia Leach, 2 Phylloda Schum., 61 Angulus Mühlf., 16 Tellinides
Lam., 25 Peronaea Poli), 17 Strigella Turt., 3 Capsa Bosc, 85 Ma-
coma Leach (2 zum Subgenus Rexithaerus Conr.), 2 Oedalina (1 Coo-
perella), 14 Metis Adams, 3 Tellidora Mörch, 5 Gastrana Schum.,
6 Lucinopsis Forb. Hanl. ; Dotiacinae mit 92 Donax L. (davon
17 Latona Schum., 6 Hecuba Schum., 39 Serrula Chemn., 3 Capsella
Gray, 5 Heterodonax Mörch), 6 Iphigenia Schum., 2 Fischeria Bernardi,
IBGalathea Brug,; Scrohiculariinae mit 8 Scrobicularia Schum.
(davon 2 Jacra Adams), 2 Leptomya Ad., 1 Leiomya Ad., 7 Theora
Ad., 5 Abra Leach, 70 Semele Schum., 1 Thyella Ad., 14 Cumingia
Sow^. ; Paphiinae mit 11 Paphia Lam., 4 Mesodesma Desh., 4 Ce-
ronia Gray, 9 Donacilla Lam., 2 Anapa Gray, 3 Davilla Gray, 5 Er-
vilia Turt.
Lankester bezeichnete folgende Punkte, die er bei der Ana-
tomie von Teilina (Limpet) gefunden habe: 1) die Existenz einer
grossen gelben Speicheldrüse mit vier Ausführungsgängen; 2) die
Abwesenheit eines Oviducts ; 3) die Gegenwart zweier Capitopedal-
Oeffnungen, vielleicht für den Austritt der Eier und des Samens;
4) die Structur des grossen Nierensackes , welcher zwei äussere
Oeffnungen an jeder Seite des Afters hat, und eine kleine Oeffnung,
die mit dem Pericardium communicirt. Report 37. Meeting brit.
Association for the Advancemeut of science held at Dundee, Se-
ctions p. 85.
Scrohicularia (Capsa) rostrata Adams Proc. zool. soc. p. 292.
pl. 28 von der Seychellen.
Erycina biocculta, proxima, triangularis de Folin Meleagrini-
coles p. 21.
Cumingia Moulinsii de Folin Meleagrinicoles p. 16.
Conrad hat einen Catalog der Familie Anatinidae verfasst.
Amer. Journ. of Conchology IV. Anhang p. 49. Er enthält 37 Ar-
ten Anatina, 2 Pelopia, 12 Periploma, 2 Alicia, 28 Lyonsia, 2 Myti-
limeria, 4 Cyathodonta, 27 Thracia, 1 Asthenothaerus, 1 Pholadomya,
3 Poromya, 1 Tyleria, 21 Neaera, 1 Plectodon, 4 Myochama, 1 Cha-
mostrea.
Pelop ia n. gen. Anatidarum H. Adams Proc. zool. soc. p. 16,
Testa inaequivalvis, subovata, ventricosa, clausa, superficie valvarum
scabra, umbonibus integris. Cardo sub umbonibus apophysibus
duabus, horizontalibus, antice curvatis munitus ; cartilago interna,
ossiculo magno curvato instructa'; ligamentum subinternum. Im-
der Mollusken während des Jahres 1868. 101
pressiones musculares conspicuae, posterior magna, rotundata; linea
pallialis sinuata. P. hrevifrons pl. 4. fig. 16. unbekannten Vater-
landes.
Pandoridae. Carpenter hatAmer. Journ. of Conchology IV.
Anhang p. 69 einen Catalog dieser Familie zusammengestellt, er
umfasst 8 Clidophora Carp. , 6 Coelodon Carp. , 10 Pandora Brug.
(davon 3 zum Subgenus Kennerlia Carp.) und 12 Myodora.
Gorbulidae. Der von Tryon im Amer. Journ. of Conchology IV.
Anhang p. 63 veröffentlichte Catalog dieser Familie umfasst 73 Cor-
bula (davon 10 dem Subgenus Azara d'Orb. angehörig) 4 Sphenia und
8 Cryptomya.
Corbula (Azara) rostrata Adams Proc. zool. soc. p. 293. pl.28.
fig. 19 von Ceylon.
Sphenia pacißcensis de Folin Meleagrinicoles p. 15.
Myidae. Tryon's Catalog über diese Familie in Amer, Journ.
of Conchology IV. Anhang p. 62 enthält 3 Mya, 1 Platyodon, 6 Tu-
gonia.
Saxicavidae. Der von Tryon verfasste Catalog der Familie
Saxicavidae Amer. Journ. of Conchology IV, Anhang p. 59 enthält
9 Saxicava, 8 Glycimeris, 2 Panopaea und 2 Cryptodaria.
Saxicava initidlis, acuta de Folin Meleagrinicoles p. 13.
Solenacea. Solen acutangulus Dunker Novitates conchologicae
p. 417. pl. 39. fig. 2.
Gastrocbaenidae. Marie beobachtete, dass die Fistulaneen
Neu-Caledoniens, die in reinem, nicht schlammigen Sande leben, in
ihrer Jugend vorn nicht geschlossen, immer frei und hinten in allen
Wachsthumsstadien ähnlich gebildet sind. Verf. meint, wenn das
Niveau des Bodens sich etwas erhöhe, dann sei das Thier genöthigt
sich zu verlängern, und er erklärt dadurch einige sehr lange Exem-
plare. Journ. de Conchyl. p. 139.
Gastrochaena denticulata, Folini, distincta de Folin Meleagri-
nicoles p. 10.
Tunicata.
Von der Embryonalentwickelung der einfachen Asci-
dien gab uns Metschnikow im Bull, de St. Peters-
bourg XIII. p. 293 Kenntniss. Der grössere Theil der
inneren Organe bildet sich auf Kosten einer eingestülpten
Schicht, deren zuerst entstandener Abschnitt sich zum
Nervensystem, der zweite zum Verdauungs- und Respi-
102 Troschel: Bericht über d. Leist. in d. Naturgeschichte
rationsapparat, der dritte zum Muskelsystem gestattet. Nach
dem Entstehen dieser Organe lässt sich eine oberfläch-
liche rinnenformigc Vertiefung wahrnehmen, die der
Bauchseite entspricht. Dann tritt der Unterschied zwi-
schen Körper und Schwanz deuth'ch hervor. Das Weitere
mag in der Abhandlung selbst nachgesehen werden.
Stepanoff schrieb über die Entwickelung der weib-
lichen Geschlechtselemente von Phaliusia. Bulletin de
l'acad. de St. Petersbourg XIII. p. 209. Er benutzte zu
seinen Untersuchungen Phallusia intestinalis des schwarzen
Meeres. Besonders erregte die das Ei der Ascidien um-
gebende Gallertschicht, die keinen Antheil an der Dotter-
furchung nimmt, und sich später in die äussere Mantel-
schicht des Embryos umwandelt. Er sieht in den weib
liehen Geschlechtselementen von Phallusia eine Mittel-
form zwischen dem Ei und der Knospe. Sie bestehen
aus einem Dotter, welcher einer Furchung unterliegt und
sich in den künftigen Embryo umwandelt; es wird aber
ausserdem ein Theil des Embryos ohne Antheil dieses
Dotters aufgebaut, denn es wird seine Tnnica interna
direct aus den Zellen des mütterlichen Leibes, die sich
an den Dotter anschliessen, gebildet.
Metschnikow behauptet. Bull, de St. Petersbourg
XIII. p. 291, dass keine der beiden Formen der ge-
schwänzten Larven von ßotryllus aus mehreren Indivi-
duen zusammengesetzt sei. Bei B. auratus ist der Körper
der Larve mit drei conischen vom Mantel überzogenen
Anhängen versehen, ausserdem sind noch acht andere
Anhänge vorhanden ohne Mantelüberzug. Diese Gebilde
wurden bisher irrthümlich für besondere Individuen ge-
halten; die ganze Larve ist nur ein Individuum mit einem
Verdauungsapparat, einem Herzen, einem Endostyl. Die
acht Anhänge stellen die mit dem Leibesraum communi-
cirenden in die Zellulosemasse eingebetteten Hautan-
hänge des festgehefteten Thieres dar. Bald nach seinem
Festsetzen beginnt das junge Thier seitliche Knospen zu
treiben, erst eine, die sich dann durch Knospung ver-
mehrt. Jede neu gebildete Knospe erscheint als ein
der Mollusken während des Jahres 1868. 103
Radius der späteren sternförmigen Kolonie. — Bei den
Larven anderer Arten fehlen die acht Hautfortsätze.
Kowalevsky lieferte in den Göttinger Nach-
richten 1868. p. 401 eine vorläufige Mittheilung zur Ent-
wickelungsgeschichte der Tunicaten. — Zuerst theilt
Verf. seine Beobachtungen über die Entwickelungsge-
schichte von Pyrosoma mit. Aus dem reifen Ei entsteht
nach einer partiellen Furchung ein Embryo, das von
Huxley sogenannte Cyathozooid^, welches alle zum Le-
ben nothwendigen Organe besitzt, ein Darmrohr, eine mit
Nahrungsdotter erfüllte Leibeshöhle und ein Herz, aber
geschlechtslos ist. Aus dieser ersten Generation entste-
hen durch Knospung die vier Ascidiozooide Huxley's,
die nun die Anlage der künftigen Kolonie geben; sie
haben nur die Anlagen der Geschlechtsorgane, welche
in die neuen, durch Knospung aus den Ascidicide sich
entwickelnden Individuen übergehn. Verf. erkennt in
diesem Vermehrungsmodus der Pjrosomen die grösste
Analogie mit der Entwickolung des Doliolum. Bei die-
sem entwicklt sich aus dem Ei auch ein geschlechtsloses
Individuum , welches auf einem centralen Keimstocke
Knospen treibt, die wieder einen dorsalen Keimstock
entwickeln, auf dem sich die Geschlechtsthiere bilden. —
Zwischen der ersten Knospe der Pyrosomen und dem
kleinen Keimstocke der Salpen findet Verf. die vollstän-
digste Analogie, nur mit dem Unterschiede, dass bei den
Pyrosomen das Ei schon in dem Mutterthiere sich ent-
wickelt hat, wogegen wir bei den Salpen ein Rohr ha-
ben, welches die Eierstockskapseln an die einzelnen Ket-
tensalpen liefert. Schliesslich hebt Verf. die Analogien
hervor, welche zwischen der Entwickelung von Salpa,
Pyrosoma und Doliolum zu bemerken sind. Bei den Sal-
pen entwickelt sich aus dem Ei eine allgemeine Embryo-
nalanlage, welche in zwei Theile zerfällt; aus der einen
bildet sich die Placenta, aus der anderen der eigentliche
Embryo, welcher einen dorsalen Keimstock treibt^ auf
welchem nun die Geschlechtsindividuen sprossen. Bei
Pyrosoma entwickelt sich aus dem Ei ein sehr wenig
104 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte ct.
ausgebildeter Embryo, welcher durch Knospung vier Em-
bryonen producirt, die nun ihrerseits auf dem dorsalen
Keimstocke vier Geschlechtsindividuen entwickeln. Bei
Doliolum entwickelt sich aus dem Ei ein vollständig aus-
gebildetes Individuum nur ohne Geschlechtsorgane. Es
treibt einen ventralen Keimstock, auf welchem sich In-
dividuen bilden, die einen dorsalen Keimstock erzeugen,
aus dem die Geschlechtsthiere entstehen.
Durch ein Versehen ist leider in den vorstehenden
Berichten der Inhalt des 18. Bandes der zoologisch-bota-
nischen Gesellschaft zu Wien übergangen worden. In den
Berichten des nächsten Jahres wird diese Auslassung nach-
geholt werden.
Bericht ober die Leistuugeii in der Naturgeschichte
der Vögel während des Jahres 1868.
Von
Dr. G. Uartlaub
in Bremen.
Unter zahlreichen guten und werthvollen Arbeiten,
welche die ornithologische Litteratur des Jahres 1868
uns zur Beurtheilung überliefert hat, wüssten wir keiner
ein sehr hervorragendes Verdienst zuzuschreiben. Der
Forschungen Hu xley's wurde bereits gedacht. Wie weit
sich schliesslich ihre Bedeutung erstrecken wird in Hin-
blick auf eine endgültig gute Classification, lässt sich
noch keineswegs mit Gewissheit absehen. So viel aber
ist ausgemacht, dass keine spätere Anschauung, sei sie
noch so abweichender Art, die grosse Wichtigkeit dieser
schönen Entdeckungen jemals unterschätzen wird. — Den
übertriebenen Erwartungen, die Madagascar bis jetzt wach
gehalten, ist durch die sehr verdienstliche Arbeit Schle-
gel's und Pollen's zunächst ein Maass und Ziel gesetzt
worden. Wir meinen , die Aufmerksamkeit künftiger
Reisender müsste vor Allem dem südöstlichen Theile der
Insel zugewendet werden. Wie es Swinhoe war, der
die Vögelwelt Formosa's zuerst unsern Blicken erschlossen
hat, so war er es auch, der die erste Einsicht in die der
wie es scheint sehr abweichend zoologisch charakterisirten
Insel Hainan thun sollte. Nähere Auskunft steht zu er-
106 Hartlaub: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
warten. Im Verein mit Dr. 0. FInsch haben wir die
erste umfassendere Nachricht von der Avifauna der Pe-
lew-Inseln geben können. Sclater und Salvin fahren
mit unermüdlichem Eifer fort, die' Ornithologie Südame-
rika's durch vortreffliche monographische und lokal-fau-
nistische Beiträge zu fördern. Wir wollen dabei eine
Bemerkung nicht zurückhalten. Ein eingehendes^ gewis-
senhaftes und seit Jahren fortgesetztes Studium der Vögel
Afrika's hat unserer Ueberzeugung mehr und mehr eine
etwa? weitere Fassung und Begrenzung des Art-Be-
griffes als das einzig Richtige und Naturgemässe aufge-
nöthigt. So können wir denn unser Befremden darüber
nicht unterdrücken^ dass die beiden eben genannten in
jeder Hinsicht competenten Forscher durch ihre speciellste
Beschäftigung mit den Vögeln Aracrika's nicht längst zu
ähnlichen Ansichten bekehrt worden sind. Die grosse
Bedeutung und Tragweite lokaler und individueller Ab-
weichung verkennen, heisst in unsern Augen den besten
und von der Natur selbst dargebotenen Standpunkt für
die Beurtheilung einer der schwierigsten Fragen will-
kührlich preisgeben.
A. Newton veröffentlichte sehr beachtenswerthe
^Remarks on Prof. Huxley's proposcd Classification of
Birds^ Ibis p. 85. In den Hauptpunkten mit Huxley's
Ansichten übereinstimmend, glaubt Newton um so mehr
hervorheben zu müssen, was ihm an denselben noch in-
congruent und widersprüchlich erscheint. Es wird eben
nicht als richtig anerkannt, die Vögel ausschliesslich nach
den Gaumenknochen zu classificiren.
Oberförster A. Müller und Pfarrer K. Müller
entgegnen auf Altun^'s Schrift „der Vogel und sein Leben*''
Gab. Journal p. 265. In dieser sehr eingehenden scharf-
sinnig und mit Sachkenntniss verfassten Replik wird der
von uns bereits proclamirte Standpunkt gegenüber den
naturphilosophischen Ansichten Altum's näher beleuchtet
und durch siegreiche Widerlegung des Buches im Ein-
zelnen bestätigt. Wir empfehlen die Leetüre dieser Ar-
der Vögel während des Jahres 1868. 107
beit dringend denen, die, selbstständiger Entscheidung
auf so schwierigem Gebiete ferner stehend, durch die
beredte Sophistik Altum's irre geleitet, Vernunft und
Wissenschaft zu verläugnen in Gefahr schweben. Die
Brüder Müller haben sich durch diese ernsthaft und
geschickt durchgeführte Widerlegung ein dauerndes Ver-
dienst erworben.
üeber das grossartige und durchaus originelle ^Verk
von Alphonse Mi Ine Edwards, „Recherche« anato-
miques et paJaeontologiques pour servir a l'histoire des
oiseaux fossiles de la France'^ können wir leider noch
immer nicht aus eigener Anschauung urtheilen. Eine aus-
führliche Beurtheilung aus A. Newton's Feder bringt
der Ibis 8. 220. Das Werk scheint einen raschen und
ungestörten Fojtgang zu nehmen. Dreizehn Lieferungen
mit 43 vortrefflich ausgeführten Tafeln waren bereits er-
schienen. Allgemeine Betrachtungen über die Osteologie
der Vögel bilden den Anfang des Textes. Dann folgen
die osteologische Charakteristik der Palmipedes lanielli-
rostres, der Palmipedes totipalmes u. s. w. Gastornis pa-
risiensis bleibt systematisch noch unklar. Es scheint in
der That, als sei diese vortreffliche Arbeit recht eigentlich
dazu bestimmt, der in Verfall begriffenen und durch die
über die Maassen ungründlichen Arbeiten Bonaparte's in
Misscredit gerathenen ornithologischen Litteratur Frank-
reich's neuen und erhöhten Glanz zu verleihen.
Die preussische Expedition nach Ostasien. Nach
amtlichen Quellen. Zoologischer Theil bearbeitet von E.
V. Martens. Erster Band. Erste Hälfte. „Die Thierwelt
der besuchten Gegenden.^ Ornithologisch von verhält-
nissmässig geringem Nutzen, w^eil nur allgemein gehalten.
Der geographischen Verbreitung wird die gebührende
Berücksichtigung zu Theil. Bezugnahme auf die japa-
nische Encyclopedie. Japanische Nomenclatur.
Toramaso Salvadori „Studio intorno al lavoii
ornithologici de Professore Filippo de Filippi" (Estratto
degli Atti della R. Acad. d. Scienc. di Torino etc. p. 257).
Sehr verdienstliche Brochüre, die sämmtlichen von de
108 Hartlaub: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Filippi als neu beschriebenen Arten die nöthige critische
Beleuchtung zu Theil werden lässt. Eine Aufgabe, der
Keiner in solchem Grade gewachsen war, wie eben Sa 1-
vadoriund die von diesem fleissigen und durchaus com-
pctenten Forscher befriedigend gelöst worden ist.
E. V. Martens verdeutscht die von Salvadori
publicirten Beschreibungen neuer Gattungen und Arten
von Vögeln in Caban. Journ. p. 371 — 389.
Louis Figuier: „Les poissons, les Reptiles et les
Oiseaux.^ 1. vol. 8. Mit zahlreichen recht hübschen Holz-
schnitten und 24 grösseren Corapositionen. 420 ö. der
Text zu dem besseren zählend, die Kupfer zum Theil
recht gut.
Charles D arwin's zweibändiges Buch; „Variation
of animals and plants by domestication etc.** enthält eine
Fülle merkwürdiger Thatsachen bezüglich der Züchtung
unter den Hausvögeln, namentlich Tauben und Hühnern.
Hugh Blackburnc: .^ßirds drawn from nature"
part 2. Meist sehr gelungene Darstellungen.
Der „Ibis" und „Cabanis" Ornithologisches Journal
erschienen in regelmässiger Weise. Hoffentlich lässt der
versprochene Index zu letzterem nicht mehr lange auf
sich warten. Jede litterarische Berücksichtigung des In-
halts ist zur Zeit in solchem Grade erschwert, dass man
lieber ganz darauf verzichtet, das Verlangen nach. Aus-
hülfe also ein durchaus gerechtfertigtes.
Europa.
Von G o u Id's „Birds of Great Britain" part 13 u. 14.
Es erscheint uns überflüssig, zum Lobe dieser vortreff-
lichen Abbildungen noch irgend etwas hinzuzufügen.
Edward Hearne Rodd: A list of British Birds
as a guide to the Ornithology of Cornwall, especially
in the Lands-end-district, with remarks on the capture,
habits etc. of some of the rarer species. 42 S. London.
Schon 1864 erschienen.
Clark Kennedy: „The Birds of Berkshire and
der Vögel während des Jahres 1868. 109
ßuckinghamshire; a contribution to the Natural History
ofthe two counties." Eton and London 8. 232 S. Scheint
nach A. Newton's Beurtheilnng (Ibis p. 339) eine sehr
gnte alles Lob verdienende Arbeit zu sein.
L G. Keuleman's „Onze vogels in huis en tuin^
beschreven en afgebelt etc.^ Leiden (Trap) 14. Liefer.
mit fünf lithographirten Tafeln. Ganz gut für populäre
Belehrung.
Baron Droste-Hülshoff fährt fort den Vögeln
Borkum's Aufmerksamkeit zu schenken: Gab. Journ. 1868
Heft 1. Unser nächster Bericht wird eine uns bereits
vorliegende grössere Arbeit die Ornithologie dieser Insel
betrefi'end zu besprechen haben. Zunächst nur soviel^
dass v^ir dieses Werk als einen wichtigen Beitrag zur
Förderung unserer vaterländischen Vögelkunde allen Freun-
den derselben nach bester Ueberzeugung zur Kenntniss-
nahme anempfehlen möchten.
Baron Droste-Hülshoff giebt ein Verzeichniss
seltnerer in Ostfriesland vorkommender Vögel: Caban.
Journ. f. Ornith. Heft 6. Nov.
RobertCollett: ^Zoologisk-botaniske Observatio-
ner fra Hvalöerne.^' Christiania. 83 S. Schon 1866 er-
schienen.
A. E. Holmgren: „Handbok; Zoologie für Landt-
brukare, Skogshushollare, Fiskerüdare och Jägare" Stockh.
1866. 434 S. Der zweite Theil dieses gut zusammenge-
stellten Werkes enthält eine Naturgeschichte der skan-
dinavischen Vögel.
Carl A. Winterl und: „JSkandinavisk Oologi, Ut-
bredning, Bo och Aegg af Sveriges och Norges foglar,
jemte Ornitologisk Excursions Fauna etc.^ Stockh. 1867.
250 S. Versucht eine wissenschaftliche Behandlung der
Oologie in erster critischer Weise. Vier Hauptformen
der Eier werden unterschieden, ovale, ovate, birnförmige
und spindelförmige. Desmur's Werk blieb dem Ver-
fasser leider unbekannt.
Ludwig Holtz schreibt in Cabanis' Journal über
110 Hartlauh: Bericht üb. d. Leist. in d Naturgeschichte
die Brutvögel der Insel Gottland. Scheint sehr fleissig
und ge\Yissenhaft gearbeitet. S. 100 — 131.
Und ebendaselbst sehr instructiv über die Insel
Gottska-Sandö ; S. 145. Gute physiographische Einleitung,
Alex. Baron Hoiningen-Hiienc: „Ornithologisclie
Mittheiiungen ans Estland. Fortpflanzung von Linaria
rubra in der Gefangenschaft u. s. w. Gab. Journ. f. Orn.
Heft 4.
W. Mewes: „Bidrag tili Sverige's Ornithologi.
Berättclse om en rosa tili Ocland och Skane."' (Ofvers.
k. Vetensk. Ac. Förh. 1868 Nr. 3).
Eugenio Bettoni's Werk über die Vögel der
Lombardei nahm seinen Fortgang. Wir sahen 14 Fa-
scikel. Text und Abbildungen verdienen Lob.
A. G. Smith: „A sketch of the Bird.s of Portugal
Ibis pt. 16. Ein vortrefflicher sehr erwünschter Beitrag
zu unserer Kunde von den Vögehi Europa's. Smith
lernte 193 Arten kennen. Eine Einleitung erledigt die
allgemeineren Gesichtspunkte und schildert die physi-
calischen Verhältnisse. Otis* tetrax ist sehr gemein.
Beide PyiThocorax auf den Gebirgen. Cyanopica Gooki!
Afrika.
Th. V. Hcuglin's „Synopsis der Vögel Nordost-
Africa's, des Nilquellengebictcs und der Küstenländer
des rothen Meeres" in Gabnn. Journal für Ornithologie
wurde fortgesetzt und bringt die Fringilliden zum Ab-.
schlnss. Die in lateinischer Sprache gegebenen Beschrei-
bungen sind ziemlich nusfiihrlich. Auch der synonymi-
sche Theil erstrebt Vollständigkeit. Dann folgen critische
und biographische Bemerkungen^ letztere oft von nicht
geiingera Interesse, und schliesslich wird der constatirten
Fundorte gedacht. Von verschiedenen „neuen'^ Arten
später. Heuglin's ernstliaftcs Stieben nach gründlicher
und gewissenhafter Behandlung seines Gegenstandes be-
kundet sich auch in seinen neuesten Arbeiten auf das
deutlichste. Die bedeutendste derselben, das eigentliche
der Vögel während des Jahres 1868. 111
Endresultat der langjährigen Forschungen Heuglin's
auf afrlcanisciiem Boden, ist dessen:
Ornithologie N o r dost-A fri ca's^ der Nilquellen
und Küstengebiete des rothen Meeres und des 8omali-
landes. 15 Liefer. mit 50 Tafeln Abbildungen. (Cassel.
Tli. Fischer). Erste Lieferung: Accipitres p. 1 — 64^
und 4 Tafeln uiit den Abbildungen von Falco semitor-
quatus , Circaetos zonurus , Corythaix leucoloplius und
Prittacus citreicapillus. Die Behandlung des Textes ist
ganz die in der so eben besprochenen Synopsis. Was
die vonlleuglin meisterlich gezeichneten und colorirten
Kupfer anbetrifft^ so können wir die Reproduction der
Farben durch den chromolithographischen Process noch
keineswegs als gelungen bezeichnen. Gould'schen Ab-
bildungen gegenüber erscheinen diese matt und ausdrucks-
los. Immerhin ist aber die endliche ornithologische Be-
arbeitung eines so reichen und weiten Gebietes von durch-
aus kundigei- Hand als ein glückliches Ereigniss und ein
erhebh'cher Fortschritt für unsere Wissenschaft anzuer-
kennen.
Layard veröffentlicht Naclitra'ge und Berichtigungen
zu seinem Werke über die Vögel Öüdafrica's: Ibis. p. 242.
Neben allerlei Interessantem über die Lebensweise man-
cher Arten erfahren wir, dass seit dem Erscheinen jenes
Buches (las Interesse für Ornithologie bei den Bewohnern
der Capcolonie sehr erheblich zugenommen hat; ohne
Zweifel zu Nutz und Frommen späterer^uflagen desselben
oder noch besser einer neuen gänzh'ch umzugestaltenden
Arbeit. Layard scl^eint zunächst dem Wandern und
Ziehen der Vögel Südafrica's besondere Aufmerksamkeit
zu schenken. Ibis p. 119.
J. H. Gurney giebt ein 8tes additionelles Ver-
zeichniss der Vögel des Natal-Gebietes. Ibis Heft L Wir
begegnen hier wieder der merkwürdigen zuerst von
Rad de am Amur beobachteten unserem Rothfussfalken
so nahe verwandten Art Falco Raddei. Vergl. Finsch
et Hartl. Ornith. Ostafr. p. 74.
W. Peters: Vorläufige Mittheilungen über einige
112 Hartlaub: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
neue Vogelarten aus Mossambique. Gab. Journal f. Or-
nith. p. 131. Lateinische kurze Beschreibungen und Maasse
von 13 Arten. Von diesen ist Caprimulgus mossambicus
nicht verschieden von Capr. Fossei, Vcrr. (Hartl. Westafr.
p. 23) und Andropadus oleogineus gleichartig mit A. fla-
vesccns, Hartl. (Proc. Z. S. 1867, p. 825). Criihagra oras-
sirostris bleibt weiterer Bestätigung bedürftig.
J. H. Gurney veröffentlicht wichtige und sehr
willkommene „Notes on Mr. Layard's" Birds of South-
Africa. Ibis p. 135 — 164. Auch hier über Falco Raddei.
Falco vespertinus scheine südlich von Damarnland nicht
vorzukommen. Mit Recht wird hervorgehoben, dass die
inhaltreiche kleine in der Gapstadt gedruckte Brochüre
von A. Smith, „Report of an Expedition" etc., von
Layard gar nicht benutzt wurde. Von dieser in Europa
allerdings über die Maassen schwer zugänglichen Schrift
musste doch am Druckorte selbst ohne Mühe Einsicht zu
erlangen sein.
RowlandM. Sperling: „Ornithologlcal notes
from the Ethiopian region" Ibis pt. IV. Eine Reise vom
Gap nach Zanzibar und Mossambique und zurück bot Ge-
legenheit zum Beobachten und Sammeln. Es werden
43 Arten namhaft gemacht. Kurze aber nicht unwichtige
Notizen über Lebensweise. Galamodyta rufescens K. et
Blas, flog 150 Meilen von der Küste Madagascars an Bord.
Von Squatarola helvctica sah man im November junge
Vögel auf Zanzibar. Pholidauges leucogaster (od e r r
reauxi? Ref.) war in Mossambique häufig.
Barboza du Bocage: „Aves des possessoes
Portug. Afr. occid. Terceira lista." Separatabdruck aus
dem Journ. Sc. mathcm.-physic. e natur. etc. Wie die
früheren Mittheilungen des Verfasser's von grösster W^ich-
tigkeit.
a) Aves de S. Joao do Sul no rio Goroca et Porto
Alessaudre. Und Aves de Bibella et Maconjo. 67 Arten;
unter ihnen als neu: Nectarinia ludovicenaisy Drymoeca
ÄTichietae (die aber gleichartig ist mit Ghaetops Gravi),
b) Aves de Huilla. 26 Arten; darunter ob neu: Hirundo
der Vögel während des Jahres 1866. 113
aagole7iaiSj Crateropus Hartlaiibü, Gallinago angolensis^
Semeiophorus vexillarms von Biballa; Cypselus apus am
Rio Chumba; Psittacus Meyeri] Campephaga xanthor-
noides Lessl
E. Fritsch's hübsches Reisebnch „drei Jahre in
Südafrika" enthält gelegentlich auch Ornithologisches.
Warum nicht mehr, da doch der Verfasser wie es scheint
nicht ganz unbewandert war auf diesem Gebiete zoolo-
gischen Wissens?
Öchlegel's und Fr. PoUen's treffliches Werk:
;,Recherches sur la Faune de Madagascar etc., ist mit
der 4ten Lieferung zum Schluss gekommen. Wir finden
gut abgebildet: Noctua Polleni, Zosterops madagascariensis,
Z. mayottensis, Z. haesitata, Z. mauritanica^ Z. borbonica,
Muscipeta mutata in fünf sehr verschiedenen Farbenklei-
dern, Artamia bicolor in 4 Kleidern, Columba Meyeri,
Glareola ocularis^ Rallina kioloides, Podiceps Pelzelnii,
Calicalicus madagascariensis, Haliaetos vociferator, Ca-
iamoherpc Newtoni, Eliisia typica, Gervaisia albospecularis.
Verschiedene gute Indices. Ein wichtiger Nachtrag be-
handelt die introducirten Vögel.
Asien.
Von Gould's „Birds of Asia'^ erschien die 20ste
Lieferung mit den schönen Abbildungen von Falco ba-
bylonicus, F. sacer, F. lanarius, Ceriornis satyra, Salpor-
nis spilonota, Malacoturnix superciliosa, Hesperiphona
affinis, Cecropis rufula, C. daurica, C. erythropygia, C.
hyperythra, Delicbon nipalensis, Hypurolepis domicola,
Lagenoplastes fluvicola, Melanochlora sultanea, Callene
albiventris,
H. B. Tristram: „The Natural History of the
Bible: being a review of the physical Geography, Geo-
logy and Meteorology of the Holy Land, with a des-
scription of cvery animal and plant mentioned in the holy
scripture. 1 vol. 516 S. Vögel p. 156 — 253. Zahlreiche
aber nur zum Theil gute Plolzschnitte. Wir könnten
uns ein so anziehendes Thema, als es die Naturgeschichte
Archiv f. Naturg. XXXV. Jahr«. 2.iäd. H
114 Hartlaub: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
der Bibel ist, kaum instructiver und unterhaltender be-
handelt denken, als es in diesem Buche eines der hervor-
ragendsten Gelehrten England's geschehen ist. iTristram
kennt als Naturforscher Palästina wie wohl nur Wenige,
und sein mit Hülfe der Ray Society demnächst erschei-
nendes Manual of the Fauna and Flora of Palästina wird
eine längst gefühlte Lücke in der Litteratur des heiligen
Landes in befriedigendster Weise ausfüllen.
H. B. Tristram's interessante Mittheilungen über
die Vögel Palästina's im „Ibis" wurden fortgesetzt. Ab-
bild, von Serinus aurifrons.
V. Pelz ein: Ueber die von Dr. Stoli c zka im Hi-
malaja und in Thibet gesammelten Vogelarten. Gab. Journ.
f. Ornith. p. 21. Sehr wichtig, schon der genauen An-
gaben der Lokalitäten halber. Der verticalen Verbreitung
der beobachteten Arten wird specielle Beachtung zu
Theil. Zu den ausführlicher behandelten zählen Ruticilla
caeruleocephala, Zoothera monticola, Hemichelidon fuli-
ginosa, Cyornis ruficauda, Muscicapula superciliaris, Fre-
gilus graculus, den v. Pelzeln für gleichartig mit hi-
malajanus erklärt, Melophus melanicterus, u. s. w. — Eine
Uebersetzung dieser Arbeit im Ibis Nr. 15.
T. Stoliczka: Ornithological observations in the
Sutley Valley, N. W. Himalaja. Journ. of the Asiat. Soc.
of Beng. vol. 35.
Allan Hume; „Stray Notes on Ornithology in
India" Ibis p. 1 und 233. Ausführliche Mittheilungen über
Grus leucogeranus. Hume beobachtete diesen prachtvollen
Kranich nicht selten in dem sogenannten Dnab, dem Di-
stricte zwischen Ganges und Yumna, oder zwischen Agra
und Cawnpore. Saxicola capistrata sei der jüngere Vogel
von S. picata, dessen Lebensweise Hume bespricht.
Pelecanus crispus ist unzweifelhaft indischer Vogel. Beschr.
und Maasse. Dann ganz interessant über den Passer sa-
licarius Indiens.
Capt. R. C. Beavan: „Notes on varions Indian
Birds*^ Ibis, p. 73 u. s. w. wichtig.
E. Blyth commentirt mit überlegener Sachkennt-
der Vögel während des Jahres 18^8. 115
niss Beavan's Bericht über die Vögel der Andamanen.
Ibis, p. 131. CoUocalia affinis sei nur C. Linchi, ebenso
Palaeornis affinis das Weibchen von P. erythrogenys,
Tephrodornis grisola sei gleich Hyloterpe philomela, My-
iagra Tytleri sei sehr wahrscheinlich azurea, Herodias
andamanensis ganz sicher eins mit H. concolor, u. s. w.
R. C. Tytler: „Notes on the Birds observed du-
ring a march from Öimla to Mussoree/ Ibis Apr. Sehr
verdienstliche Mittheilung eines der geübtesten Beobachter
indischen Vogellebens. Die verschiedenen Stationen des
Weges geschildert. 126 Arten.
Leith Adams: „W^anderings of a Naturalist in
India, the Western Himalaja, and Cashmere." Edinb.
1867. 8. 335 S. Die grosse Mehrzahl der in diesem Bande
niedergelegten ornithologischen Beobachtungen ist den
Lesern der Proceedings of the Zool. Soc. und des Ibis
nicht neu; aber es war immerhin verdienstlich, dieselben
in einem sehr lesbaren und instructiv geschriebenen Buche
zusammenzustellen.
A. R. Wallace: „Corrections off, and additions to
the Catalogue of the Raptorial Birds of the Malay Ar-
chipelago." Ibis Apr.
R. Swinhoe setzt seine ornithologischen Berichte
aus China fort. Ibis p. 52. Amoy. Ausführlicher über
Tachypetes minor. Forphyrio coelestis n. sp. (?) von
Amoy. Und verschiedene Novitäten aus dem Norden des
Reiches durch den Lazaristenpater David. Cochoa viridis
bei Amoy!
R. Swinhoe berichtet von einem ersten Besuche
auf der Insel Mainan. Ibis, p. 353. Ein kleines aber bis
jetzt zoologisch völlig unbekanntes Gebiet wird uns er-
schlossen. Coniferen und Cocospalmen in nächster Be-
rührung. Viel interessantes von kleineren Vögeln. Zwei
Papageien, kein Fasan, ein gelbhalsiger Argala!
E. V. Homeyer giebtin übersichtlicher Zusammen-
stellung, was uns durch Radde, v. Middendorf und
Schrenk an Kunde von den Vögeln Ostsibiriens und
des Amurgebietes zukam. Cab. Journ. für Ornith. Nr. 93.
116 Hartlaub: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
B. Dybo wsky und A. Parrex: „Yerzeicbniss der
während der Jahre 1866—67 im Gebiete der Mineral-
wässer von Darasun in Daurien beobachteten Vögel.*^
Gab. Journ. für Orn. p. 530. Schilderung der Oertlichkeit.
Es werden 193 Arten namhaft gemacht und die interes-
santeren darunter etwas ausführlicher behandelt. Man
erlangte die Eier von 52 Arten. Pica leucoptera, Fregllus
graculus var. (Schnabel und Füsse kürzer)^ Calamodyta
certhiola (Eier); Turdus rufogularis, Turdus eunomus,
pelios (? — Ref.), obscurus, Phyllopneuste Maackii, Pi-
coides crissoleucus, Cuculus bubu (? Ref.), Perdix barbata,
Tringa salina.
Amerika.
G. Elliot's grosses Werk über die Vögel Nord-
amerika's nahm seinen Fortgang. Abgebildet in pt. V:
Lampronetta Fischeri , Lophophanes inornatus , Macro-
rhamphus scolopaceus, Nephocaetes niger, DIomedea chlo-
rorhyncha. In pt. VI: Haliaetos pelagicus, Zonotrichia
Belli; Brachyrhamphus Temminkii, Colaptes chrysoides,
Phaleris pusilla; pt. VII: Graculus Bairdi, Scardafella
inca, Ereunetes occidentalis, Contopus pertinax, Larus
occidentalis, Larus callfornicus; pt. VIII: Buteo zonocer-
cuS; Vireo plumbeus, V. vicinior, V. Swalnsonii, V. pu-
sillus, Brachyrhamphus hypoleucus, Dendroeca Graciae,
Cymochorea melania, Halocyptena microsoma ; pt. IX:
Exanthemops Rossii (die kleine Schneegans Hearne's),
Parus montanus; Nectris fuliginosus, Xenopicus albolar-
vatuS; Mitrephorus fulvifrons, Nectris amaurosoma.
R. Brown: ^Synopsis of the Birds of Vancouver
Island" Ibis p. 414. Wichtig, 153 Arten. Meist nur Na-
men. Etwas mehr von Trochilus rufus, Leucosticte gri-
seonucha, Haematopus niger, Ceratorhina monocerata und
wenigen anderen.
E. A. Samuels: ;,Ornithology and Oology ofNew
England; contalning füll descriptions of the birds of New
England and adjoining states and provinces, arranged etc.
der Vögel während des Jahres 1868. 117
togetherwith complete list oftheir habits, times of arrival
and depaitiire, distribution, food, song, time of breeding,
and a carefuU description of their nests and eggs. Boston
1867. 8. 583 S. Ein populär gehaltenes aber sehr nütz-
liches Handbuch. Die Kupfer lassen viel zu wünschen
über, aber viele der Nester und Eier sind hier zum ersten
Male abgebildet.
In einem neuen Journale: ^The American Naturalist^
schrieb J. A. Allen; ^Winter notes of an Ornithologist*^
und Brewer berichtigt daselbst: „some errors regar-
ding the habits of our birds,^ die von Wilson, Au-
dubon und Nuttal begangen worden waren.
Von Sclater et Salvin's „Exotic Ornithology"
erschienen neue Lieferungen. Part V giebt vortreffliche
Abbildungen von Tachyphonus phoeniceus, T. Delattrei,
Xiphocolaptes migrans, X. major, Accipiter chilensis, Leu-
coptermis superciliaris, Geotrygon chiriquensis, G. Bour-
cieri. Part 7: Leucopternis palliata, Scops flammeola, Sc.
barbarus, Chaetura semicollaris, Porzana Hauxwelli, P.
melanophaea, P. albigularis, P. leucopyrrha. Part 9 : Fu-
lica ardesiaca, F. armillata, F. leucopyga, F. leucoptera,
Leucopternis semiplumbea, Cardinalis phoeniceus, Pyr-
gisoma rubricatum und P. leucotis.
„List of Birds collected in Southern Arizona by
Dr. E. Palm er with remarks by Dr. Elliott Coues.
87 Seiten. Keine neue Arten. Die geographische Ver-
breitung specieller berücksichtigt.
H. ßryant: „Additions to a list of birds seen at
the ßahama's." Proc. Bost. Soc. of N. H. XL p. 63—71,
H. Bryant: „List of the birds of St. Domingo^
ibid. p. 89 — 98. Mit Beschreibung und Abbild, einerneuen
Art: Chrysomitris dominicensis.
H. B. Butcher: „List of Birds collected at Laredo,
Texas. Proceed. Acad. N. Sc. Philad. p. 148. Nur Na-
men, aber darunter seltnere Arten, wie Scardafella inca,
Harporhynchus longirostris , Oreoscoptes montanus, Pa-
roides flaviceps, Plectropterus Mac'Cownii, Peucaea Gas-
118 Hartlaub: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
sinii, Emberuagra rufivirgata, Pipilo chlorurus^ Calamo-
splza bicolor.
Lawrence: „A Catalogue of Birds found in Co-
starica.*' Ann. Lyc. N. Y. vol. IX. Separatabdruck. Sehr
wichtig, schon weil auf Vollständigkeit Anspruch ma-
chend. Gewissenhafte Berücksichtigung des bisher Ge-
leisteten. 474 Arten!! mit genauer Angabe des Fundortes.
Die nächste Veranlassung zu dieser Arbeit gaben die
Sammlungen der Herren Carmiol, Vater und Sohn. Ein-
zelne kritische Bemerkungen. Der Catalog geht nur bis
zu den Gallinaceen. Von den neuen Arten desselben im
speciellen Theile.
Sclater et Salvin: ^On Venezuelan birds col-
lected by M. A. Goering.^ Proceed. Zool. Soc. p. 165.
Behandelt 126 Arten. Azara's Suirirl pardo e roxo nennt
Sclater Myiarchus erythrocercus ; Heteropelma stenorhyn-
chum n. sp. ; Basileuterus griseiceps p. 170, Euscarthmus
impiger pl. 13, fig. 1, Sublegatus glaber ib. fig. 2.
Sclater et Salvin: „On Peruvian birds collected
by M. H. Whitely.^ Proceed. Zool. Soc. p. 174—183.
28 Arten aus dem Thale des Tambo, der sich südlich
vom Hafen Islay in den stillen Ocean ergiesst. Ausführ-
licher über den seltenen Xenospingus concolor, d'Orb.
Lafr. (Abbild, von Kopf und Flügeln), Oedicnemus super-
ciliaris, Aegialites nivosus Cass. (gute Art), Fulica chi-
lensis c. fig. cap., Larus Bonapartei (Winterkl.); Podilym-
bus antarcticus. Nach Sclater wäre Rhynchocyclus cer-
viniventris Salvad. = Contopus pallidus, Gosse; Anae-
retes cristatellus, Salv. = Serpophaga subcristata, Vieill.,
Thamnistes affinis, Salvad. = $ von Thamnomanes glau-
cus, Myrmotherula minox, Salv. = M. brevicauda, Sw.,
Myrmeciza marginata, Salv. — M. ruficauda, Wied. Por-
phyriops leucopterus sei vielleicht gleichartig mit Tschudi's
Crex femoralis. — Weiteres auf S. 568. Whitely er-
langte im Ganzen 83 Arten im westlichen Peru. Merk-
würdig daselbst die grosse Armuth an Arten, namentlich
an Passeres. Die waldliebenden Familien sind gar nicht
oder nur sehr schwach vertreten, so die Formicaridae,
der Vögel während des Jahres 1868. 119
Cotingidae, Galbulidae, Dcndrocolaptidae , Psittacidae,
Rhamphastidae, Trogonidae^ Capitonidae, etc.
V. P elzein: ;,Zur Ornithologie Brasiliens*' IL Eine
der ausführlichsten und der wichtigsten Arbeiten, deren
dieser Bericht zu gedenken hat. Endlich erhalten wir
also noch eine kritische vollgültige Verwerthung der
18jährigen Anstrengungen Natterer's! Als neu werden
beschrieben: Hylophilus hypoxanthus, Basileuterus leu-
cophrys Natt, Cyclarhis Wiedii v. Pelz., Thamnophilus
unduliger P., Th. Borbae P., Th. Tschudii P., Th. moestus
P. (Cajenne), Th. cinereoniger P., Th. sticturus P., Th.
cinereiceps P., Th. cinereinucha P., Th. stictocephalus
P., Th. punctuliger P., Th. polionotus P., Th. saturninus
P., Th. incertus P., 'Dasithamnus affinis P-, Herpsiloch-
mus atricapillus Natt., H. longirostris N., H. dorsimacula-
tus N., Myrmotherula assimilis P.^ M. longipennis P., M.
luctuosa, Temm. (M. S.)? Formicivora melanogastra N.,
F. leucophthalmos, F. ruficauda N., F. bicolor N., Tere-
nura melanoleuca N., Rhamphocaenus collaris Natt., Cer-
comanes approximans P., C. ruficauda P., Percnostola
minor P., P. leucostigma N. Sclerurus rufigularis N., He-
terocnemis albiventris P., Myrmeciza squamosa N., Hy-
pocnemys flavescens N., H. maculicauda P., H. margari-
tifer P., Pithys cristata N., P. griseiventris P., Attila va-
lidus P., A. rufigularis P., A. phoenicurus N., Todiro-
strum guttatum P., Euscarthmus zosterops P., E. latiro-
stris P., E. senex P., E. inornatus P., Hapalocercus rufi-
marginatus P., Phyllomyias subviridis, P. lividus Temm.
M. S., Elaenia spectabilis P., E. cristata P., E. albivertex P.,
E. parvirostris P., E. elegans P., E. ruficeps P., E. litto-
ralis N., E. cinerea P., Rhynchocyclus assimilis P., Pi-
tangus parvus P., Empidochanes poecilocercus P., My-
iarchus cantans P., M. tricolor N., M. gracilirostris P.,
Tityra leucura N. , Lipaugus virussa N. , Heteropelma
rufum N., H. chrysocephalum P., Heterocercus flaviver-
tex P., Pipra opalizans P., P. virescens P. Dann folgt
zum Schluss eine zoogeographische Tabelle mit genauer
Angabe der einzelnen Standorte brasilischer Yögel. Das
120 Hartlaub: Bericlit üb. d. Leist. in d. Naturgescliiclite
Ganze unentbehrliche Ergänzung zu Prinz Neuwied's und
Burmeister's Werken.
Carl Euler in Cantagallo fährt fort mit seinen in
hohem Grade werthvollen und interessanten Beiträgen
zur Naturgeschichte der Vögel Brasilien's. Gab. Journ.
für Ornith. Nr. 93. Wir lesen mit Vergnügen seine Mit-
theilungen über die Fortpflanzung von Serpophaga ni-
gricans , Myiobius xanthopygius, Synallaxis albescens,
Myrmonax loricatus, Dasycephala cinerea, Thamnophilus
palliatuS; Th. scalaris, Basileuterus vermivorus, Geothlypis
stragulata, Arremon semitorquatus, Crax rubrirostris.
Sclater et Salvin: ;,List of birds collected at
Conchitas (Argent. Republ.) by M. W. H. Hudson. Pro-
ceed. Zool. Soc. p. 138. Zählt 96 Arten auf, von welchen
14 in Burmeister's Verzeichniss fehlen: Geothlypis velata,
Molothrus rufaxillaris; Synallaxis maluroides, S. anthoides,
Limnornis curvirostris, Myiotherctes rufiventris, Myiobius
naevius, Circus macropterus, Columba pieazuro, Aegialites
falclandica, Tringa ßonapartei, T. Bairdii, Butorides cya-
nurus.
H. Burmeister: ;,Contributions to the Ornithology
of the Argentine Republic and the adiacent lands.^ Pro-
ceed. Zool. Soc. p. 633. Cymindls boliviensis, B. n. sp.,
Pachyrhamphus albinucha, B. n. sp., Synallaxis sulfurifera,
Burm. n. sp. Ueber einzelne seltnere Arten etwas aus-
führlicher, so über Anabates lophotes, Taenioptera varie-
gata, Elaenia albescens.
Rob. 0. Cunningham schreibt im Ibis allerlei
Ornithologisches aus Chiloe, so über Spheniscus demer-
sus, Chionis u. s. w.
Sclater and Salvin: ,,List of birds collected in
the straits of Magellen by Dr. Cunningham, with remarks
on the Patagonian Avifauna. Wichtig. Erst das Geschicht-
liche, Forster, Darwin, King etc. Nur sehr wenige der
von Cunningham gesammelten Arten waren den genannten
Forschern entgangen. Die namhaft gemachten 30 Passeres
Patagonien möchten mit wenigen Ausnahmen auch in
Chile vorkommen.
der Vögel während des Jahres 1868. 121
Australien.
Sylvester Diggles Kupferwerk über die Orni-
thologie Australien's nahm seinen Fortgang und begegnet
nach wie vor rühmlicher Anerkennung Seitens der eng-
lischen Critik, Der Text scheint etwas mager zu sein.
Jeder Theil enthält 6 colori'rte Tafeln. Casuarius John-
soni ist natürlich australis, eine prachtvolle neue Art
dagegen Ptiionorhynchus Rawnsleyi aus Nordaustralien.
Nähert sich Sericulus. Pitta Mackloti soll bei Cap York
vorkommen.
E. P. Ramsay: ;,0n certain new and rare species
of birds found at Rockingham Bay^ Queensland. Pro-
ceed. Zool. Soc. p. 381. Die Lokalität scheint von gros-
sem Interesse und eine zoologisch reiche zu sein. Die
Feststellung der Art lässt an Sicherheit zu wünschen
übrig. Tanysiptera sylvia^ Gerygone Kaupii^ Machaeri-
rhynchus flaviventris, Glyciphila subfasciata n. sp., Cisti-
cola ruficeps, iMcyone pusilla^ Orthonyx Spaldingii, n. sp.;
Casuarius austrah's scheint in jenem Theile Australiens
nicht selten zu sein.
Julius Haast: ^Report on the headwaters of the
river Rakaia, with 20 lUustr. 1 vol. 8. Christchurch 1867.
Viel Ornithologisches eingestreut. S. 32 u. s. w. Näheres
über Nestor notabilis, Charadrius obscurus, Hiaticula bi-
cincta. Drei Arten, die jederzeit auf den alpinen Höhen
anzutreffen sind. In der obersten Schneeregion lebt noch
eine Certiparus-Art, die sich bei Verfolgung unter Steinen
verkriecht, anstatt davon zu fliegen.
Dr. O. Fi n seh übersetzte Haast's Beobachtungen
über einige Vögel Neusecland's in Gab. Journ. für Or-
nith. Heft 4. Sehr werthvolle kritische Zugaben Seitens
des Üebersetzers.
0. Finsch und G. Hartlaub: ,,0n a collection
of birds from the Pelew-Islands.^ Proceed. Zool. Soc.
p. 4. Es werden 35 Arten aufgezählt, darunter als neu:
Psamathia Annae, abgeb. pl. 2, eine zu der Calamoherpe-
gruppe zählende Form, Tephras Finschii, pl. 3. (Zoste-
122 Hartlaub: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschicbte
ropillen), Rhipidura lepida, Myiagra erythrops, Ptilinopus
pelewensis; dann Notizen über einige Arten, wie Rallina
fasciata, Nycticorax goisagi, Porphyrie malanotus, Fuli-
gula cristata, in nichts verschieden von unserer europäi-
schen Art. Später noch ebendaselbst Nachträgliches
p. 116; Zosterops Semperi n. sp. Im Ganzen 41 Arten.
Accipitres.
A. E. Brehm: Die Raubvögel der deutschen Thiergärten.
Cab. Journ. für Ornith. Heft 1. Fortsetzuug. Sehr lesenswerth.
C. Farm an: »On some of the birds of Frey of central Bul-
garia.« Ibis pt. 16. Umfasst das Gebiet zwischen Rustschuck und
Yarna. Cathartes monachus, Vultur fulvus, Neophron percnopte-
rus, Falco sacer, F. lanarius, F. peregrinus, F. aesalon, F. tinnun-
culus, F. palumbarius, Circus aeruginosus, cyaneus und cineraceus.
R. C. Beavan: »Sundry notes on Indian Raptores.« Ibis.
Viel Hübsches über die Lebenweise mancher indischer Raubvögel.
Im Ganzen handelt der Verfasser von 81 Arten. Abbild, von Neo-
pus malayensis pl. 34.
Eine briefliche Mittheilung, indische Rapaces betreffend, giebt
W. E. Brooks. Ibis IV.
A. R. Wallace: On the Raptorial Birds of the Malay Ar-
chipelago.« Ibis p. 1 — 28. Sehr wichtig. Geier kommen bekannt-
lich nicht vor. Eine tabellarische Uebersicht illustrirt die geogra-
phische Verbreitung. Keine Beschreibungen, aber zahlreiche kriti-
sche Notizen. Am reichsten erscheint Java mit 17 Falconiden und
8 Eulen, dann folgt Celebes mit 17 Falconiden und 5 Eulen u, s. w.
Auf S. 215 Nachträgliches. Spizaetos nanus von Borneo sei doch
wohl nur der jüngere Vogel von S. alboniger. Vergl. Abbild. Ibis
pl. 1. p. 14.
Neue Arten: Strix Walleri Diggl. 1. c. pt. 7. Queensland. —
Scops harharus Sclat. Salv. Proc. p. 56. Guatemala. — Syrnium ful-
vescens, id. ib. p. 58. Guatemala. — Gymnoglaux Lawrencii, Proceed.
Z. S. p. 327. pl. 29. Cuba. Ist S. nudipes Lemb.
Sclat er berichtet über ein Paar Falco Eleonorae von Mo-
gador und beschreibt die merkwürdige Lokalität ihres Vorkommens
daselbst. Proceed. Zool. Soc. p. 567.
der Vögel während des Jahres 1868. 123
Diggles bringt einige Notizen über den seltenen Falco sub-
niger Australiens, 1. c.
Abbild. Sarcorhamphus californianus , pull. Proceed. Zool.
Soc. p. 183.
G. Vogel glaubt das Vorkommen von Buteo tachardus in
der Schweiz constatiren zu können. Gab. Journ. f. Ornith. V.
Psittaei.
Sehr interessante und ausführliche Mittheilungen über den
merkwürdigen Geopsittacus oecidentalis bringt James Murie,
Proceed. Z. S. p. 158. Die Lebensweise der Erdpapageien ist eine
vorzugsweise nächtliche, wie auch Dr. Müller versichert. Die
Gawler Ranges lieferten ein Exemplar. Abbild, von sternum, Kopf
und Füssen.
A. Milne Edwards: »Memoire sur un Psittacien de l'ile
Rodriguez (Psittacus mauritanicus), Rev. zool. p. 7.
Picariac.
Ficidae Dr. CT. Jackson schreibt über gewisse Spechte,
die die Gewohnheit haben Eicheln aufzuspeichen. (Red-headed Cali-
fornien Woodpecker). Es geschehe dies nur der Würmer und In-
sekten halber, die an diese Früchte gehen.
Neu : Picus aurantiiventris Salvad. Borneo. Alti d. Acad.
Sc. Torin. III. p. 524. — Hemicercus hroökeanus Salvad. ib. Borneo.
Alcedinidae. Eine vorzügliche monographische Arbeit, ver-
spricht dieser Familie in ziemlich erschöpfender Weise gerecht zu
werden, R. B. Sharpe: »A monograph of the Alcedinidae or King-
fishers« London 4. Part 1 giebt schöne Abbildungen mit erläutern-
dem Text von Caridonax fulgidus, Ceryle superciliosa, Carcineutes
pulchellus, Halcyon pileata, Halcyon dryas, Ceyx cayeli, C. Wallacei
Sh., Ceryle alcyon. Part II : Cittura sanghirensis (Proceed. Z. S.
pl. 27. p. 270), C. cyanotis, Ceyx lepida, C. solitaria,' C. tridactyla,
C. melanura, Carcineutes melanops und Ceryle Cabauisii ; und pt. III :
Dacelo Gaudichaudii, D. tyro, Tanysiptera nympha, Halcyon badia,
Syma torotoro, S. flavirostris , Ceyx tridactyla, Ceyx philippensis
Gould n. sp. (Proceed. Z. S. p. 404). Wir wünschen dieser fleissigen
Arbeit den besten Erfolg und jedwede Unterstützung von Seiten des
ornithologischen Publikums.
Ob neu? Tanysiptera Eiedelii J. Verr. Bullet. Nouv. Arch. du
Mus. Woher?
124 Hartlaub: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Ausführlich über Ceyx schreibt Sharpe Proc. Zool. Soc. p. 587.
Als neu wird Ceyx Dülioynni von Labuan beschrieben.
Trogonidae. Neu : Trogon Bairdii Lawr, Ann. Lyc. N. Y.
Costarica.
BuCCOnidae. lieber Tetragonops Frantzii in Costarica vergl.
Lawr. Ann. Lyc. N. Y. IX.
Neue Art: Monasa grandior Sclat. Proc, Zool. Soc. p. 327.
Costarica.
Rhamphastidae. Von der trefflichen monographischen Bear-
beitung Cassin's in den Proceed. Ac. Nat. Sc. Philad, war bereits
die Rede. Sie zählt zu den letzten und besten des zu früh für die
Wissenschaft dahingeschiedenen Gelehrten. Es werden ausführlich
beschrieben von Rhamphastos 17, von Pteroglossus 22, von Seleni-
dera 7, von Aulacorhamphus 4 und von Andigena 5 Arten. Sorg-
fältige Feststellung der geographischen Verbreitung. In dieser wie
in so mancher früheren Arbeit hat C a s s i n das ungeheuere ihm
zu Gebote stehende Material musterhaft zu verwerthen gewusst.
Neue Art : Aulacorhamphus sexnotatus Gould, Proceed. Zool.
Soc. p. 219.
Caculidae. Neue Arten. Centropus lafrenaganus Verr. Bull.
Nouv, Arch. Mus. Madagascar. Wohl nur C. tolu ! — Dromococcyx
rufogularis Lawr. Proc. Ac. N. Soc. Philad. p. 232. Guatemala. —
Chrysococcyx russatus Gould, Proc. Z. S. p. 76. Cap York.
Gaprimulgidae. Rieh. Baron König-Warthausen: lieber
die Fortpflanzung einiger Caprimulgiden. Gab. Journ. f. Orn. p, 361.
Oologisch. Besonders die Eier von Caprimulgus europaeus, C. ru-
ficollis, C. isabellinus , C, carolinensis , C. vociferans, C. aethereus
u. s. w. Im Ganzen 28 Arten.
Trochilidae. Als neu wurden beschrieben: Eriocnemis sma-
ragdinipectus Gould, Ann. Mag. N. H. p. 322. Ecuador. — Gouldia
melanosterna Gould, ib. Peru. — Glaucis aeneus Lawr. Proc. Ac.
Phil. p. 232. Costarica. — Eupherusa nigriventris Lawr. ib. —
Thaumatias Luciae Lawr. 1. c. Honduras. — Eupherusa egregia
Sclat. Salv. Proc. Z. Soc. p. 388. Veragua.
Passeres.
Pittidae. Neu : Pitta Bertae Salvad. Atti Ac. Sc. Torin. III.
p. 527. Borneo. — P. similUma Gould, Proc. Z. S. p. 36. Cap York.
Formicariidae. Als neu wurden beschrieben: Myrmotherula
modesta Lawr. Ann. Lyc. N. Y. Ccstarica. — Th. virgatus Lawr.
Proc. Ac. Philad. p. 30. Neugranada. — Thamnophüus nigriceps Sclat.
der Vögel während des Jahres 1868- 125
Proc. Z. S. p. 571. Neugranada. — Ceriomaera napensis Sclat. 1. c.
Rio Napo. — JSypocnemis hypoxantha Sclat. ib. t. 43. Oberer Ama-
zonas. — H. Simplex Sclat. 1. c. Surinam. — Gonopophaga guttu-
ralis Sclat. ib. Neugranada.
Sclater bemerkt, dass Neoctantes niger gleichartig sei| mit
Xenaps niger Natt. (Pteroptochus niger v. Pelz.) aber jedenfalls als
neue Form den Thamnophilinen beizuzählen.
Dendrocolaptidae. Neue Arten sind : Dendrocolaptes puncticol-
lis Sclat. und Salv. Proceed. Zool. Soc. p. 54. pl. 5. Guatemala. —
Dendrocincla ruficeps Sclat. Salv. 1. c, Panama. — Syndllaxis rufi-
pennis Lawr. Ann. Lyc. N. Y. Costarica.
Nectariniadae. Eine neue Art ist N. ludovicensis Barb. du
Boc. Av. Possess. Portug. III. p. 4. Biballa.
Ampelidae. Heuglin giebt in Caban. Journ. für Ornith. eine
gute Abbildung von Ilypocolius ampelinus (seiner Ceblepyris isa-
bellina). Ein schönes Exemplar dieses ausserordentlich seltenen
Vogels sahen wir kürzlich in Turin. (Niam-nianländer. Piaggia).
Timaliidae. Als neu wurden beschrieben: Tterorliinus Da-
vidii Swinh. Ibis p. 61. Peking. — Brachypteryx macropterus Saiiy&ö..
Alli etc. Sc. Torin. III. p. 528. Borneo (ob Mycothera umbratilis
Müll. Bp. Cousp.?) — B. stellatus Gould, Proceed. Z. S. p. 218.
Nepal. — Älcippe cinereocapüla Salvad. 1. c. Borneo. — Ä, pecto-
ralis Salvad. 1. c. Borneo.
Hirundinidae. Neu: Hirundo Alfredi Hartl. und Gurn. Ibis
p. 152. pl. 4. Natal. — H. angolensis Barb. du Boc. Av. Poss. Port.
III. p. 10.
Tyrannidae. Als neu wurden beschrieben: Myiöbius latiro-
stris Verr. Bull. Nouv. Arch. Mus. Neugranada. — Empidochanes
Euleri Gab. Journ. Orn. p. 195. Brasilien. — E. altirostris, id. ib.
Cartagena. — E. argentinus Gab. ib. Buenos x\yres. — Basileuterus
melanotis Lawr. Ann. Lyc. N. Y. Costarica. — Myionectes olivaceus
Lawr. 1. c. Costarica. — Bhynchocydus griseimentalis Lawr. 1. c. Co-
starica. — Leptotriccus superciliaris Sclat. Salv. Proceed. Z. S. p. 389.
Veragua.
Dicruridae. Neu: Volvocivora bornensis Salvad. Atti Acad.
Sc. Torin. III. p. 532. — Bhuchanga Waldeni Beav. Ibis p. 497.
Beschreib. Indien.
Laniidae. Viscoulnt Waiden: »Notes on Lanius melanthes
Swinh. and Lanius cephalomelas Bp. Ibis p. 68. Die erstere Art
fällt zusammen mit Lanius fuscatus Less. und L. lugubris Temm.
Nach T. Verreaux und Grandidier wäre Oriolia Bernieri
der jünger9 Vogel von Artamia leucocephala. Rev. zool. p. 48.
126 Hartlaub: BericM üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Muscicapidae. Neue Arten: Cyornis heccariana Salvad. I.e.
Borneo. — Prionochilus xanthopygms Salvad. Borneo.
Salvadori: »Nota intorno al genere Prionochilus Strickl.
Estratt. degli Alti della R. Acad. Sc. Torin. Die vier bekannten
Arten werden beschrieben und eine neue fünfte hinzugefügt.
Mniotiltidae. Neu: Dendroeca capitalisLsiWT. Proc. Acd. Phi-
lad. p. 359. Barbados.
Turdidae. Heu gl in schreibt instructiv über Cichladusa ar-
quata und C. guttata. Ibis p. 280. pl. 9. fig. opt.
Abbild. Melanotis hypoleucus Sclat. u. Salv. Exot. Orn. pl 43.
Sylviidae. Baron König- Warthausen: »Zur Fortpflan-
zungsgeschichte von Acrocephalus stentoreus Ehrb. mit Abbild, von
Nest und Eiern. Gab. Journ. f. Ornith.
Neue Arten: Calamodyta Doriae Salv. AttiAcad. Sc. Torin. III.
p. 531. Borneo. — Drymoeca peJcinensis Swinh. Ist nach Ver-
reaux ein Amytis. Ibis p. 499. — Dr. Änchietae Barb. du Boc.
Av. Possess. Port. 3. p. 4. Ist Chaetops Grayi.
Troglodytidae. Ramsay schreibt Wichtiges über Menura
Buperba. Proceed. Zool. Soc. p. 49. Nach Beobachtungen im Illa-
warradistrikt wird die Fortpflanzung ausführlich beschrieben. Die
Eier variiren sehr. Auch einiges über Menura Alberti. Hinsicht-
lich der generischen Stellung ist Sicheres sehr zu wünschen. Mög-
licherweise den Paradiseidae beizuordnen.
Paridae. Neue Arten: Melaniparus semüarvatus Salvad. Alti
Acad. Sc. Torin. Himalaja. Wir hatten Gelegenheit diesen merk-
würdigen Vogel in der Turiner Sammlung constatiren zu können.
— Aegithaliscus anophrys Swinh, Ibis p. 64. Tingchow. — Parus
commixtus id. 1. c.
R. B. Sharpe: »On the genus Acredula.« Ibis p. 296. Es
werden 6 Arten characterisirt. Acredula caudata, rosea, trivirgata,
Swinhoei, tephronota und glaucogularis n, sp.
Tanagridae. Als neu wurden beschrieben: Calliste Cdbanisü
Sclat. Ibis p. 71. pl. 3. Guatemala (= C. Sclateri Gab.). — Phoeni-
cothraupis Carmioli Lawr, Ann. Lyc. N. Y. Gostarica. — Chlorospin-
gus hypophaeiis Salv. Sclat. Proceed. Z. S. p. 389. Veragua. — Ta-
chyphonus atricapillus Lawr. Proceed. Acad. Philad. p. 360. Trinidad.
Abbild. Clbloroplionia frontalis Sclat. Salv. Exot. Orn. pl. 41.
Chi. longipennis id. ibid. pl. 41. — Chi. occipitalis id. pl. 42.
Nach Sclat er ist Tanagrella Dabusi, beschrieben in Dubois'
Archiv. Gosmologiques = Chlorochrysea calliparaea Tsch. von
Ecuador.
Fringillidae. Von hervorragender Bedeutung ist v. Heug-
lin's ausfühlichst eingehende Arbeit über die finkenartigen Vögel
der Vögel während des Jahres 1868. 127
Nordostafrika's (Ploceidae, Fringillidae u. s. w.) in Caban. Journ. für
Ornith. Hier über die seltenen Arten Estrelda rhodopareia, E. ni-
gricollis pl. 1. fig. 1, E. hypomelas Heugl. ib. fig. 4, E. rhodopsis
Heugl. ib. flg. 3, E. Ernesti, die von E, Dufresnii bestimmt ver-
schieden sein soll und E. paludicola Heugl. 1. c. flg. 2.
E. Ramsay schreibt sehr anziehend über die Lebensweise
von Donacola castaneothorax. Ibis p. 232.
Neue Arten: Pducaea notosticta Sclat. Oalv. Proceed. Zool
Sog. p. 322. Südmexiko. — Peucaea quinquestriata Sclat. ib. Mexiko
— Fyrgisoma Cdbanisii Sclat. 1. c. Costarica. — Leucosticta Gig
lioli Salvad. Proceed. Zool. Soc. p. 579. pl. 44. Doch wohl ver
schieden von L. brunneonucha, in der Turiner und Bremer Sammlung
Abbild. Petronia hrachydactyla. Ibis pl. 6. opt.
Pyrgisoma Cabanisii Sclat. ist Melozone biarcuata Gab. (nee
Prev.) und auch gleichartig mit Pyrgisoma Kieneri Cass. Darüber
noch auf S. 325.
Alandldae. Ob neu? Megälophonus rufocinnamomeus Salvad. 1. c.
Gab. Journ. p. 68. Abyssinien,
Icteridae. Neue Art: Quiscälus fortirostris Lawr. Proceed.
Acad. Philad. p. 360. Barbados.
Oxyrhamphidae. Eine interessante neue Art, die zweite die-
ser eigenthümlichen Form, ist Oxyrhamphus frater Sclat. Salv. Pro-
ceed. Zool. Soc. p. 326. Veragua.
Sturnidae. Ob neu ? Lamprocolms DefiUppii Salvad. 1. c. Wo-
her? Wir konnten diesen Vogel genau untersuchen und müssen
annehmen, dass eine lange Einwirkung von Licht oder Weingeist
entfärbend und verändernd auf das Exemplar der Turiner Sammlung
eingewirkt haben.
Eine gute Art scheint Sturnus purpurascens Gould von Erze-
roum zu sein. Proceed. Zool. Soc. p. 219.^
Coluttibae.
Dididae. Report of the exstinct birds of the Mascarene Is-
lands by a comraittee consisting of Prof. A. Newton, Rev. H. B.
Tri st am and Dr. Sclat er: Rep. Brit. Assoc. Adv Sc. for 1866.
Und Supplem. Resumirt gut das bisher Erlangte.
A. Newton und E. Newton: »On the Osteology of the So-
litaire or the Didine Bird of the Island of Rodriguez.« Proc. Roy.
Soc. Nr. 103. Sehr wichtig. Unterschiede von Didus und Diduncu-
lus. Leguat's Beschreibung ganz richtig. Das Skelett bestätigt
den kleinen Höcker am Buge. Pezophaps minor Strickl. ist solita-
128 Hartlaub: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
rius, Pezophaps steht gleichsam in der Mitte zwischen Didus und
den ächten Tauben. Die Armatur des Flügels ist Pezophaps eigen-
thümlich. Mit Didunculus allerdings Verwandtschaft.
H. C. Millies fand eingeklebt in ein Exemplar des Clusius
eine Originalabbildung der Dronte mit der Inschrift: vera effigies
avis Walghvogei (quae a nautis propter foedam posterioris partes
crassitiem Dodaers nuncupatur) qualis viva Amstelodamum perlata
est ex insula Mauritii anno 1626. — Manu Adriani Vennis pictoris.
Davon eine Nachbildung in den Transact. Ac. Nat. Sc. Amsterd. XI.
Separatabdruck mit Titel: Over eene nieuw entdekte affbeelding van
de Dronte. Amsterd. 4. 20 S.
Pfarrer Jäkel über eine alte Abbildung der Dronte. Zoo-
log. Gart. p. 35. In der Galerie Sommersfelden bei Bamberg. Die
Abbildung ist eine von sehr massigem Interesse.
Dr. Behn theilte in^der Zoologischen Section der Gesellschaft
Ibis in Dresden Bemerkungen über" den Bodo mit, die Neues ein-
schlössen. Volquard Yversen. ein Holsteiner erwähnt des Vogels in
dem Werke: Orient. Reisebesch. v. Jürgen Andersen aus Schleswig
und V. Yversen aus Holstein. Schleswig 1669. Fol. S. 195,
Die in dem Werke: »Oost Indianische Voyage etc.« durch J.
Chr. Hoffman, vormals auf der Insel Mauritius u. s. w. (Cassel
1680) genannten Toddärsche, »so dick wie ein Huhn« sind wohl auf
die Poule rouge zu beziehen.
A. Newton: »On a picture supposed to represent the Di-
dene Bird ef the Island of Bourbon.« Transact. Zool. Soo. Lond.
VI. p. 373. pl. 62. Der Maler des Bildes ist Pierre Witthoos (f 1693).
Die wichtigste der hier zu erwähnenden Arbeiten ist aber: v.
Frauen feld: Neu aufgefundene Abbildung der Dronte und eines
zweiten kurzflügelichen Vogels, wahrscheinlich der Poule rouge en
bec de Becasse der Maskerenen in der Privatbibliothek des ver-
storbenen Kaisers Franz. 4 Kupfert. Wien. Fol. 17 S. Dem Kaiser
dedicirt und wahrscheinlich von der Hand des berühmten G. H o e f-
nagel, Malers am Hofe Rudolf IL (1552—85). Es ist diese Abbil-
dung der Dronte ohne Zweifel die allerälteste, da sie spätestens in
das erste Jahrzehend des 17. Jahrhunderts fällt. Der Vogel der
zweiten Abbildung, Frangois Canche's Poule rouge en bec de be-
casse, will Frauenfeid Aphanapteryx imperialis genannt wissen.
Die Farbe des Didus ineptus erscheint auf dieser Abbildung ganz
dunkelbraun mit Einschluss des Schnabels; nur die Flügelfedern
etwas heller. Aphanapteryx imperialis ist lebhaft rothbraun ge-
färbt; Schnabel und Füsse schwarz. Auf Tafel 3 und 4 Copien der
bekannten Didinen-Abbildungen in Umrissen. Der Text resumirt
der Vögel während des Jahres 1868. 129
ausführlich und in sehr übersichtlicher Weise das literarische
Material.
Columbidae. Als neu wurden beschrieben : Leptoptila plu7n-
biceps Solat. Salv. Proceed. Z. S. p. 59. Vera-Paz. — L. cerviniven-
tris id. 1. c. Vera-Paz. — Chloroenas suhvinacea Lawr. Ann. Lyc.
N. Y. Costarica. — Geotrygon costarieensis Lawr. 1. c. — G. eaeru-
leiceps id. 1. c. Costarica. — Leptoptila Biöttei Lawr. 1. c. Costarica.
Gallinae.
Phasianidae. Ein Brief des Pater David an Sei at er berichtet
über die nordchinesischen Fasanen torquatus, Reevesii, pictus, Cros-
soptilon auritum und über eine Ceriornis-Art, die noch schärferer
Bestimmung bedürftig.
Abbild. Lopliophorus VHuysi, Proceed. Zool. Soc. p. 1. pl. 1.
f. opt. Vergl. darüber auch A. Geoffr. St. Hü. Bull. Soc. Acclim.
ser. n. t. 3. p. 223.
Tetraonidae. Abbild. Perdix rubra pull. Rev. zool pl. 1. —
P. graeca pull. Rev. zool. pl. 2. — Und auf pl. 21 die Köpfe der
Nestjungen von Tetrao urogallus, tetrix, bonasia, scoticus, saliceti
und lagopus von oben gesehen.
Tinamidae. Neue Art: Tinamus Frantzii Lawr. Ann. Lyc. N.
Y. Costarica.
Abbild. Wiyncliotis rufescens pull. Proceed. Zool. Soc. pl. 13
und fig. 2. Ei. — Tinamus robustus Sclat. Salv. Exot. Orn. pl. 14. —
Crypturus Sallaei ib. pl. 45. — Cr. Boucardi ib. pl. 46. — Cr. me-
serythrus ib. pl. 47.
Struthiones.
Struthionidae. Sclat er über Casuarius australis. Proceed.
Zool. Soc. p. 896.
Aepyornithidae. »Observations on the Eggbeds of Aepyornis,
by A. Grand idi er. Ibis p. 65. Sehr interessant. Fragmente von
Aepyornis-Eiern wurden häufig gefunden, ganze Eier ausserordentlich
selten. Noch seltener aber findet man Knochen. Das Terrain wird
genau geschildert. Am ergiebigsten erwies sich bis jetzt das Ge-
biet zwischen St. Marie und Machicora, dann auch die Insel Me-
nangoi zwischen St. Marie und Port Leven.
Apterygidae. Ba. tlett: »On the incubation of the Apteryx.
Proceed. Zool. Soc. p. cjt^.
Archiv für Naturg. XXXV. Jahrg. 2. Bd. I
130 Hartlaub: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Cirallae.
Otididae- Murie: »Observations concerning the pressence and
function of the gular pouch in Otis Kori and 0. australis. Pro-
ceed. Zool. Soe. p. 471. c. fig. Der Kehlsack lässt sich bis jetzt con-
statiren bei Otis tarda, kori, australis, nigriceps und tetrax. Der-
selbe erscheint als sexuelles Organ nur auf der Höhe der Brunst-
zeit beim alten männlichen Vogel. Der Mechanismus des Aufblasens
wird eingehend demonstrirt.
Abbild. Otis tetrax pull. Rev. pl. 17.
Charadriidae. Wohl neu: Oedicnemus inornatus Salvad. Gab.
Journ. p. 69. Weisser Nil.
T. V. d. Hoeven: Annotationes de Dromade ardeola c. tab«
Dresd. 1866. 4.
Abbild. Glareola pratincola pull. Rev. zool. pl. 5. — Chara-
drius hiaticula pull. pl. 9. — Glareola Nordmanni Ibis pl. 8.
Scolopacidae. A summary of the occurrence of the Grey Pha-
larope in Great Britain during the autume of 1866, by J. H. Gur-
ney jun. London 1867. 8. 14 S.
Swinhoe's Recurvirostra sinensis wird von Trist r am ge-
wiss sehr richtig für ein Winterkleid von R. avocetta erklärt.
Neue Art: Scolopax angolensis Barb. du Boc. Av. Poss.
Port. m. p. 12.
Abbild. Charadrius cantianus pull. Rev. zool. pl. 10.
Ardeidae. W. K. Parker: Ueber die Ostoleogie von Rhino-
chetos jubatus. Transact. Zool. Soc. Bildet mit Eurypyga und Pso-
phia eine eigene Ordnung der Geranomorphae Huxley's.
Abbild. Tigrisoma Cabanisii Heine, in Sclat. Salv. Exot. Or-
nith. pl. 48. — Ei von Rhinochetos jubatus. Proceed. Zool. Soc.
pl. 12. flg. 3. — Ei von Eurypyga helias ib. pl. 4.
Rallidae. Sclater et Salvin: Synopsis of the American
Rails (Rallidae). Proceed. Zool. Soc. p. 442. In dieser vortrefflichen
Arbeit werden sämmtiiche Arten charakterisirt. 8 Rallus, 7 Arami-
des, 18 Poryana, 1 Crex, 1 Thyrorhina (Th- Schomburgkii Gab.) e.
fig. cap. Dann die Subfamilie Fulicariae : Porphyrio 2, Porphyriops 2,
Fulica 7 Arten, Heliornis 1 Art.
Neu: Porzana Levraudi Salv. Sei. Proc. Z. S. pl. 33. Vene-
zuela. — Porphyriops leucopterus Salvad. Gab. Journ. p. 69. La Plata
Staaten. — Aramides albiventris Lawr. Proceed. Ac. philad. p. 234
Honduras.
Abbild. GalUnula BaiUoni pull. Rev. zool. pl. 3. — G. crex
pull. ib. pl. 4.
der Vögel während des Jahres 1868. 131
Anseres.
Anatidae. William Hincks in Toronto sucht zu beweisen,
dass Cygnus Passmori wirklich verschieden von C. buccinator.
Der von H. W. Feilden bei Secunderabed in Indien erlangte
und von Blyth für neu gehaltene Flamingo (Ibis p. 496) ist zwei-
felsohne Phoenicopterus minor, eine bisdahin nur aus Afrika be-
kannte constant kleinere Art.
Abbild. Fuligula cristata pull. Kev. zool. pl. 10. — Änser
leucopsis pull. ib. pl. 18. — Anas clangula pull. ib. pl. 20.
Pelecanidae. P. L. Sclater über die Pelecaniden des zoolo-
gischen Gartens in London. Proceed. Zool. Soc. p. 264, mit treff-
licher Abbildung von Pelecanus fuscus pl. 25 und P rufescens av.
jun. pl. 26. Die sehr instructive Abhandlung giebt noch die Abbil-
dungen der Köpfe von P. cristatus, rufescens und onocrotalus.
A. Milne Edwards: »Onthe existance of a large Pelican in
the English Fens.« Ibis pt. 16. Aus den peet-bogs der Fenlande
in Cambridgeshire. Ausführlich beschrieben.
Podicipidae. Neue Arten: Podiceps affinis Salvad. Gab. Journ
p. 70. Nach einem augenscheinlich jüngeren Exemplar aufgestellt
und der Bestätigung dringend bedürftig. — P. micropterus Gould,
Proc. Zool. Soc. p. 220. Titicacasee.
Elliott Gou'es: über die anatomische Structur von Colym-
bus glacialis. Mem. Bost. Soc. of Natur. Hist. vol. I. p. 131—172.
Osteologie. Myologie.
Auch Grandidier hält Podiceps Pelzelnii Hartl. für eine
gute Art. Rev. zool. p. 6.
Alcidae. Elliott Coues: »A Monograph of the Alcidae.«
Proceed. Ac. N. Sc. Philad. p. 2. Fleissige sehr dankenswerthe
Arbeit. Vollständige Kenntniss und Benutzung der Litteratur. Sag-
matorhina Lathami und S. Suckleyi Cass. alt und jung mit Abbild,
der Schnäbel. Simorhynchus tetracula und dubius sind zwei gute
Arten. Simorhynchus Cassinii n. sp. p. 45 mit Abbild, des Kopfes.
Unimackpassage im Russischen N. Amerika. Auch Brachyrhamphus
Craveri Salvad. wird für eine gute Art erklärt. Lomvia californica
Bryaut p. 79. c. fig. rostr.
Der erste Theil des zweiten Bandes des Bulletin de la Societe
Ornith. Suisse behandelt ausführlich Alca impennis und bringt
eine französische Uebersetzung von Steenstrup's bekannter Arbeit,
zudem aber Bemerkungen über die in den heutigen Sammlungen
befindlichen Exemplare der Vögel, Eier und Skelette. Eine gute
colorirte Abbildung des alten Brillenalks ist beigefügt.
132 Hartlaub: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte etc.
Dubois' wenig bekanntes Buch Archives cosmologiques bringt
neben ziemlich werthlosen Notizen über Alca impennis gute Abbil-
dungen der beiden schönen Eier in der Sammlung des Herrn De-
mezemaaker.
Phaleris psittacula wurde an der schwedischen Küste gefangen.
Rev. zool. p. 95.
G. A. Boardman bestätigt die Thatsache, dass üria grylle
an der Küste von Maine den ganzen Winter hindurch ihr volles
schwarzes Gefieder behält. Amer. Natur, p. 53.
Ueber Uria columba bei Coues vergl. Newt. Ibis p. 484.
Neue Art: Uria Craveri Salvad. Caban. p. 76. Insel Nativi-
dad nahe der Westküs te von Unter- Californien. Kleiner als alle.
Bericbt über die wissenschaftliclien Leistungen im
Gebiete der Myriopodeii^ Arachiiideii und Crustaceen
während d. J. 1867—68.
Von
Dr. A. Grerstaecker.
Eine wichtige Abhandlung von ^I. Sars: „Fortsatte
Remaerkninger ovcr det dyriske LIvs üdbredning i Havets
Dybdcr^ (Vidensk.-Selskab. Forhandling. for 1868, p. 246
—275) enthält auf p. 259—262 die in einer Tiefe von
200—450 Faden an der Norwegischen Küste bis jetzt
beobachteten Arachniden und Crustaceen verzeichnet.
Erstere Classe ist nur durch einen Pantopoden (Nymphen),
letztere durch 3 Cirripcdicn, 2 Copepodcn, 17 Ostracoden,
21 Amphipoden, 17 Isopoden, 18 Cumacecn, 13 Schizo-
poden und 8 Decapodcn repräsentirt. Am tiefsten (450 Fa-
den) sind bis jetzt gefunden worden eine Ostracode: Cy-
thcrella abyssorum Sars und ein Schizopode: Pscudomma
roseura Sars; die Mehrzahl der verzeichneten Arten hält
sich in 250, sehr zahlreiche auch in 300 Faden Tiefe auf.
Grube gab in seinen ^Mitthcilungen über St. Vaast-
la Hougue und seine Meeres-, besonders seine Anneliden-
Fauna^ (Sepaiat-Abdruck aus den Abhandl. d. Schles.
GescUsch. f. vaterl. Cultur, 38 pag. in gr. 8. mit 1 Taf.)
u. A. ein Verzeichniss der von ihm an der genannten
Lokalität aufgefundenen und beobachteten Arachniden
und Crustaceen, von welchen er einige zugleich als neu
beschrieb. Von Arachniden werden 3 Pantopoden, von
Crustaceen im Ganzen 35 Arten (13 Decapodcn, 8 Amphi-
poden, 10 Isopoden, 2 Copepoden und 2 Cirripedien) auf-
gezählt.
Archiv für Naturg. XXXV. Jahrg. 2. Bd. J
134 Gerstaecker: Bericht üb. d. wissensch. Leist. im Gebiete
Joseph (Bericht über die Thätigkcit der naturwiss.
Sektion d. «Schlcsisch. G eselisch. f. vateil. Cultnr im
J. 1868, p. 22 if.) besprach die in den Krainer Höhlen
vorkommenden Arthropoden, deren Kenntniss er durch
drei neue Entdeckungen bereichert. Zu den Glieder-
spinnen kommt ausser einem neuen Obisium eine neue
Gattung Cyphophthalmus (vgl. Phalangiidae !), zu den
Amphipoden eine grosse neue Art der Gattung Niphargus
aus einer Grotte in Üntcr-Krain. Für letztere schlägt
Verf. den Nnmen Kiph. orcinus vor.
Bilimek's „Fauna der Grotte Cacahuamilpa in Me-
xiko*'(Verhandl. d. zoolog. bot. Gesellsch. in Wien XVII.
1867, p. 901 — 908) entiiält u. A. die Charakteristik von
drei Arachniden und einem I^opoden.
Die bemerkenswerthesten in der Umgegend Tübin-
gen*s vorkommenden Crustacecn, Myriopoden und Arach-
niden verzeichnete und besprach F. Leydig in seiner
„Skizze zu einer Fauna Tubingensis" (Stuttgart, 1867.
46pag. in 8.) p. 11—16.
L. Koch, Beschreibungen neuer Arachniden und
Myriapoden (Verhandl. d. zoolog. botan. Gesellsch. in
Wien XVII. 1867, p. 173—249). Die hier in ansehnlicher
Zahl bcscluicbenen neuen Arten stan\men aus Queensland in
Australien (Brinsbanc) und von den Samoa-lnseln (Upolu).
Unter den Arachniden sind besonders reich die Arancinen,
ausserdem auch die Arthrogastren und Acarinen ver-
treten. Die Myriopoden gehören mit einer Ausnahme
den Chilognathen an.
Derselbe,, ;,Zur Arachniden- und Myriapoden-
Fauna Süd-Europa's" (ebenda XVII. 1867, p. 857-900)
machte eine grössere Anzahl Araneinen, Phalangiiden,
Chilognathen und Chilopoden von Corfu, Syra, Tinos
und Montenegro bekannt.
M e e k and W o r t h e n, Preliminary notice of a Scor-
pion, a Eurypterns? and otherfossils froni the Coal-measures
of Illinois (Silliman's Americ. Journal 2. ser. T. XLIV.
1868. p.l9— 28) machen vorläufige Mittheilungen über einige
schon durch ihr hohes Alter interessanten Arthropoden
aus den Steinkohlen-Lagern von Illinois, ^ unter welchen
d. Myriopoden, Aracbniden u. Crustaceen währ. d. J. 1867—68. 135
besonders eia den lebenden Arien nahe verwandter
Skorpion bemcrkenswerth ist.
Die Reste eines Eiirypterus ähnlichen Krebses, dessen Thorax
bei zwei Zoll Länge 2,45 Zoll in der Breite misst, werden unter
dem Namen Euryi:>terus Mazonensis beschrieben; derselbe könnte
möglicher Weise zur Gattung Adeloplithalmus Jord. gehören, viel-
leicht aber auch eine besondere neue Untergattung Antliraconectes
bilden. Ein zweites Crustaceum wird als Ceratiocoria? sinuatus be-
zeichnet. — Von dem als Scorpio (Buthus ?) carhonarius aufgeführ-
ten Skorpion, für welchen, wenn er sich als generisch verschieden
herausstellen sollte, der Gattungsname Eoscorpius vorgeschlagen
wird, fehlen Augen und Palpen, indem der Cephalothorax unvoll-
ständig erhalten ist; von dem Cyclophthalmus Sternbergi der böh-
mischen Kohle weicht die scharfe Trennung von Abdomen und
Schwanz ab. — Endlich werden Reste von Gliederthieren mit zahl-
reichen Segmenten (75 bis 76 auf der Rückenseite und doppelt so
viele auf der Bauchseite) erwähnt, welche die beiden Verf. auf My-
riopoden deuten. Ein Exemplar derselben misst 3,90 Zoll in der
Länge bei 0,20 Zoll Breite; andere werden nach Fragmenten auf
12 bis 15 Zoll berechnet. Die dafür aufgestellle neue Gattung wird
Euphoberia, die beiden präsumirten Arten Euph. armigera und
major genannt.
i. Myriopoden.
Hör. Wood, Descriptions of new species ofTexan
Myriapoda (Proeecd. acad. nat. scienc. of Philadelphia
1867, p. 42 — 44) mncbte vier neue, den Cliilognathcn und
Chilopoden angehorige. Arten aus Texas bekannt.
Derselbe, Notes on a collection of California My-
riapoda, witb the descriptions of new Eastern species
(ebenda 1867, p. 127—130) gab eine Aufzählung von 13
auf zehn Gattungen vertlieilten CaliforniscLen Myriopoden,
beiden Ordnungen angehörend, welche, so weit sie sich
als neu ergeben haben (sechs an Zahl), charakterisirt
werden.
J. L üb bock, On Pauropus, a new type of Cen-
tipede (Transact. Linnean soc. of London XXVI. p. 181
— 190, tab. 10; im Auszuge auch: Journ. of the Linnean
soc., Zoology IX. 1868, p. 179 f., Annais of nat. bist.
3. ser. XIX. 1867, p. 8 — 10). In der erstgenannten, aus-
führlichen und durch Abbildungen erläuterten Abband-
136 Gerstaecker: Bericht üb. d. wissensch. Leist. im Gebiete
lung erörtert Yerf. die wesentlichen Differenzen, welche
die schon im Jahresber. 1865—66. p. 151 erwähnte Gattung
Pauropus von den beiden Typen der Chilopoden und
Chilognathen erkennen la'sst und begründet darauf ihre
Abtrennung nicht nur als Familie, sondern auch als eine
dritte, selbstständige Ordnung Pauropoda. Dass es sich
bei dieser durch auffallende Kleinheit (725 Zoll Länge)
bemerkenswerthcn Gattung nicht etwa um eine Insekten-
larve handeln könne, weist Verf. aus der Entwickelungs-
gcschichte nach. Die jüngste Form ist mit drei, die
folgenden mit fünf, sechs, sieben und acht Beinpaaren
versehen, bis dann mit neun Paaren das geschlechtliche
Stadium hergestellt ist. Eine Entwickelungsform mit vier
Beinpaaren existirt nicht; vielmehr entwickelt sich die
mit fünf Paaren versehene direkt durch Häutung aus
der ersten.
Pauropus , nov. gen, Körpersegmente einschliesslich des
Kopfes nur zu zehn vorhanden, gewölbt, mit zerstreuten Borsten
bekleidet. Neun Beinpaare. Fühler fünfgliedrig, an der Spitze
zweitheiKg und mit drei langen, mehrgliedrigen Anhängen verse-
hen. — Zwei, in der Fühlerbildung von einander abweichende Ar-
ten: Paar. Huxleyi und pedtinculatus, beide in England unter abge-
fallenem Laube, in Gesellschaft von Poduren aufgefunden.
A. Dohrn, Jf/./ub Brassii, nov. spec, ein Myriapode
aus der Steinkohlcnformation (Verhandl. d. naturhist. Ver.
d. Preuss. Rheinlande XXV. 1868. p. 335 f., Taf. 6. fig. 2).
Die Art ist nach sechs (auch dem Ref. zur Ansicht vor-
gelegten) Exemplaren aus den Thoneisenstcin-Gruben von
Lebacli aufgestellt, aber in ihren Charakteren nicht näher
erörtert worden. Die Zahl der Korperringe wird auf
50 bis 56 geschätzt. (Dass oberhalb der Beine liegende
Eindrücke keine Stigmen sein können, hätte wohl als
bekannt vorausgesetzt werden könneu ; die Stigmen von
Julus liegen in der Mitte der Bauchseite, zwischen dem
Ansatz der Beine. Ref.)
Chilognatha.
C. 0. V. Porath, Bidrag tili kännedom om Sve-
riges Myriapoder, Ordningen Diplopoda (Symbolae ad
d. Myriopoden, Arachniden u.Crustaceen währ. d. J. 1867—68. 137
monogrnphi'am Mvriapodum Suociac) Stockholm 1866. 8.
— Diese in der folgenden Arbeit erwälinte und berück-
sichtigte Schrift ist dem Ref. nicht aus eigener Ansicht
bekannt geworden.
Fr. Meinert, Danmarks Chilognather (Naturhist.
Tidsskr. 3. Rack. V. 1868. p. 1-32). Verf. giebt nach
einer kurzen Charakteristik der Ordnung im Allgemeinen
eine auf erneueten selbstständigen Untersuchungen be-
ruhende Beschreibung der in Dänemark repräsentirten
Familien, Gattungen und Arten, unter welchen letzteren
sich eine Anzahl neuer befindet. Die Gattung Polyxcnus
wird den übrigen Chllognathen wegen ihrer wesentlichen
Abweichungen als besondere Sektion gegenübergestellt;
die eigenl liehen Chilognathon umfassen die drei Familien
Julidae mit den Gattungen Julus (HA.), Blaniulus (2 A.)
und Isobatcs (1 A.), Polydesmidae mit den Gattungen
Polydesmus (1 A.) und Craspedosoma (2 A.) und Glome-
ridae mit der Gattung Glomeris (1 A.)
Die elf von ihm aufo^eführten und charakterisirten Julus-Arten
vertheilt Verf. unter zwei Sectionen: a) Lamina labialis stipite
dimidio longior. Mas articulo ultimo pedum primi paris un-
ciformi, pedibus secundi paris processu niillo -vel brevissimo: Jul,
Londinensis Leach, luscus, n. Ä., pusillus Leach, foetidus Koch, sa-
bulosus Lin. (bilineatus Koch), Sjaelandicus n. A., süvarum (luridus
Por.), punctatus Leach, falJax (ferrugineus Por.). — b) Lamina la-
bialis parte stipitis tertia brevior. Mas articulo ultimo pedum primi
paris minimo, conico, pedibus secundi paris processu longo: Jul.
terrestris Lin. (?) und rugifrons n. A. — In der Gattung Blaniulus
werden Blan. guttulatuy Fab. (?) und venustus (pulchellus Koch),
unter Isobates eine Art beschrieben, deren Identität mit Isob. se-
misulcatus Menge dem Verf. zweifelhaft ist, welche er aber trotz-
dem mit diesem Namen belegt. Die übrigen Gattungen sind durch
die allgemein bekannten und verbreiteten Arten vertreten.
Polydesmus imimrus, Julus caesius und diversipes als u. A.
aus Texas, letztere auch aus Illinois, von H. "Wood (Proceed. acad.
nat. scienc. of Philadelphia 1867. p. 43 f.) beschrieben
Polydesmus dissectus Wood n. A. von Fort Tejon (ebenda
1867. p. 129).
Spirostreptus impresso-punctatus und maritimus, Strongylosoma
asperum, transversetaeniatum, ruhripes und diibium Koch u. A. von
Brinsbane (Verhandl. der zoolog.-botan. Gesellschaft XVII. 1867.
p. 243—248). ♦
138 Gerßtaecker: Bericht üb. d. wissensch. Leist. im Gebiete
Lysiopetdlum insculptmn aus Montenegro und Dalmatien, Ly-
siop. scabratum, ictericum, Erheri und Corycaeum von Corfu als n.
A. von Koch (ebenda XVII. 1867. p. 893—807) beschrieben.
Humbert, Observations sur les Glomeris (Rapport sur les
travaux de^ la soc. de physiqne de Geneve 1867. Annal. d. scienc.
natur. 5. ser. Zool. VII. p. 379) beobachtete in der ümg^egend Genfs
die Begattung von Glumeris limbata und marmorea, welche bisher
als einer und derselben Art anofehörig betrachtet wurden, aber in
beiden Sexus existiren. Die doppelten Appendices hinter dem letz-
ten Beinpaar des Männchens sind die Copulationsorgane. Die kleine
kuglige erdige Masse, welche die Glomeris-Eier einhüllt, wird vom
Weibchen beim Eierlegen aus dem After (?) abgesondert und durch
die Beine um das Ei befestigt.
Chilopoda.
Lucas (Bullet, soc. ent. 1868. p. 47) machte Mit-
tlieilung" von dem Lebcndlggcbären einer (unbestimmten)
Scolopendra aus dem Fran?. Guvana. Ein Weibchen
gebar vierzig Junge, welche 20 Mill. lang und mit der
vollen Zniil der Körpersegmenlc und Fiihlerglieder ver-
sehen waren. Verf. bestätigt hiermit die Angaben Ger-
vais' über die Ovoviviparität der Gattung Scolopendra.
J. G. Palmberg, Bidrag tili kännedora om Svc-
riges Myriapoder, Ordningen Chilopoda. (Symbolac ad
monographiam Myriapodum Sueciae, Chilopoda) Stock-
holm, 1866. 8. — Ist dem Ref. nur dem Titel nach aus
der folgenden Arbeit bekannt geworden.
Fr. Meiner t, Danmarks Scolopcndrcr og Lithobier
(Naturhist. Tidsskr. 3. Raek. V. 1868. p. 241-268). Verf.
behandelt im Anschluss an die früher von ihm bearbeiteten
Geophiliden hier die in Dänemark einheimischen Scolo-
pendriden (nur eine der Gatt. Cryptops angehörende Art)
und Lithobiiden, welche durch die Gattungen Lithobius
(mit 10 Arten) und Lamyctes (mit 1 Art) vertreten sind.
Diese beiden Gattungen stellt Verf. als Trib. Litho-
biini der von Brandt als besondere Sektion Schizotarsia
angesehenen Gattung Cermatia (Scutigera) gegenüber,
welche letztere er als Trib. S c u t i g e r i n i den Lithobiiden
unterzuordnen vorschlägt.
Die einzige in Dänemark einheimische Cryptops -Art beschreibt
d. Myriopoden,Arachniden ii.Crustaceen währ. d. J. 1867 — G8. 139
Verf. als Crypt. agili$ n. A. — Der Auseinandersetzung der schwie-
rigen Lilhol)ius-Arten schickt Verf. eine eingehende Besprechung
der von L. Koch für ihre Feststellung verwendeten Merkmale vor-
aus. Seine eigene Anordnung ist folgende : 1) Lamina dorsalis 9.,
11., 13. angulis productis. a) Pedes anales \ingue singnlo armati :
Lith. agilis Koch (?), bucculentus Koch (? = velox et venator Koch)
und intrepidus n. A. — 2) Lamina dorsalis 9. angulis r» ctis, 11. et
13. angulis productis: Lith. borealis n. A. — 3) Lanjina dorsalis
9., 11., 13. an ulis rectis. a) Pedes anales ungue singulo armati:
Lith. crassipps Koch, b) Pedes anales unguibus binis armati: Lith.
erythrocephalus und calcaratus Koch, microps n. A. — Die neue
Gattung Lamyctes (ob = Henicops Newp.?) unterscheidet sich von
Lithobius durch die beiderseits sparsam gewimperte Oberlippe,
durch die kleinen und sparsam beborsteten MaxiUen des zweiten
Paares, die nur aus einer Ocelle bestehenden Augen, die unbcwehr-
ten Beine, deren grössere Endklaue mit einer Borste besetzt ist
und durch die drehrunde ungetheilte Klaue der weiblichen Geschlechts-
organe. — Lam. fulvicornis n. A.
Hör. Wood (Proceed. acad. nat. scienc. of Phila'lelphia 18G7.
p. 42) machte Cermatia Linceci n. A. aus Texas, (ebenda p. 128 ff)
Mecistocephalus qiiadratus, Strigamia gracüis und inermis, Cryptops
asperipes und Lithobius hildbiatus n. A, aus Californien bekannt.
Koch (Verhandl. d. zoolog. -botan. Gesellsch. zu Wien XVIL
1867. p. 248) Cormocephdlus brevispinatus n. A. von Brinsbane
(p. 897 ff), Henia minor, Lithobius pubescens, litoralis und nigripal-
pis n. A. von Tinos.
2. Arachiiidcn.
Eine Alhandlnng von F. Dujardin, nach seinem
Tode unter dem Titel „Memoire sur les ycux simples
DU st?mmates des animaiix articnles" in den Annal. d.
Bcienc. natur. 5. ser. Zool. VIL p. 104—112 publicirt, be
schäftigt sich mit dem Nachweis, dass in den einfachen
Augen der Insekten und Arachniden keine besondere,
hinter der Cornea liegende Brechnngslinse (Joh. Mül-
ler) vorhanden, sondern dass die Linso eine innere, auf
Schichtung beruhende Verdickung des äusseren Intcgu-
mentes (Cornea) sei. (Verf. ist mithin durch seine Unter-
suchungen zu demselben Resultat gekommen, wie Ley-
dig. Ref.)
Die während der Weltumsegelung der Schwedischen
140 Gerstaecker: Bericht üb. d. wissensch. Leist. im Gebiete
Fregatte Eiigenie gesammelten Arachaiden hat T. Tho-
rell zu bearbeiten begonnen. Die erste, im September
18G8 ausgegebene Lieferung (Kongl. Svenska Fregatten
Eiigcnies Eesa omkring Jorden, Zoologi. Arachnider,
Fase. 1. p. 1 — 34) umfasst die Beschreibung der Araneinen
aus der Famih'e Epeiridae, welche Verf. der Mehrzahl
nach schon im J. 1860 durch vorläufige Diagnosen be-
kannt gemacht hatte. Einige nachträglich beschriebene
neue Gattungen und Arten sind an ihrem Ort aufgeführt.
G. Fritsch (das Insektcnlebcn Süd- Afrika' s, ßerl.
Ent. Zeitschr. XI. 1867. p. 247 ff.) erwähnt u. A. auch
einige in Süd-xVfrika häufiger vorkommende Arachnidcn
(p. 249—252), über deren Lebensweise er Angaben macht.
Ausser zwei Mygalc-Arten, von denen die eine unter
Steinen, die andere auf Gesträuch lebt, wird einer in
Häusern vorkommenden grossen Lycosa, einiger besonders
auffallenden Epeiridcn, eines Galeodes und dreier Scorpio-
Arten gedacht.
V. Frauenfeld (Das Inscktenleben zur See, Verb,
d. zoolog. bot. Gescllsch. zu Wien XVIL 1867. p. 434
u. 461 f.) führt u. A. auch sieben auf der Novara an Bord
beobachtete Arachnidcn: 1 Ilyalomma, 1 Obisiura, 1 Phol-
cus, 2 Rhipicephalus und 2 Theridium auf. Vier dieser
Arten werden als neu beschrieben.
Giebel, Zur Schweizerischen Spinnenfauna (Zeit-
schr. f. d. gesammt. Naturwiss. XXX. 1867. p. 425—443).
Verf. verzeichnet 32 sich auf 18 Gattungen vertheilende
Schweizerische Arten aus den Ordnungen der Araneinen
und Phalangiiden, bringt ergänzende Bemerkungen zur
Charakteiistik der bereits bekannten bei und beschreibt
einige Araneinen als neu.
Die Araneinen gehören den Gattungen Epeira (6), Zilla (3),
Theridium (9j, Linyphia (2), Tegenaria (1), Pythonissa (1), Clu-
biona (1), Thomisus (2), Thanatos (1), Sparassus (1), Ocyale (l), Lei-
monia (1), Pardosa (2), Trochosa (1) und Calliethera (1), die Pha-
langier den Gattungen Opüio (3) , Cerastoma (2) und Leiobu-
num (1) an.
A. Äusserer, Die Arachnidcn Tyrols nach ihrer
horizontalen und vertikalen Verbreitung, L (Verh. d.
d. Myriopoden, Arachniden u. Crustaceen währ. d. J. 1667—68. 141
zoolog. botan. Gescllsch. XVII. 1867. p. 137—169, Taf. 7
u. 8). Verf. verzeichnet In diesem faunistischen Beitrag
hauptsächlich die von ihm für die Innsbrncker Umgegend
durch z\vcIjUl>rigcs Sammeln festgestellten Arachniden,
berücksichtigt jedoch nebenher auch die aus Südtyrol
bekannt gewordenen Arten. Die sich auf die Ordnungen
der Araneinen, Phalangiiden und Pedipalpen erstreckende
Aufzählung weist im Ganzen 233 Arten für Tyrol auf.
Die bisher wenig untersuchten Alpen, ^velche bei 4000
—5000' Höhe einen eigenthümlichen Charakter der Arach-
niden-Fauna zu zeigen beginnen, stellen zu dieser Auf-
zählung nur ein geringes Contingent; doch ist bemerkens-
werth, dass eiazeine Arten dieser Region, wie Phiüx
sanguinolenta Lin., Xysticus morio Koch, Scorpio Italicus
Koch und Euophrys lineata Koch mit südeuropäischen
und selbst nordafrikanischen identisch sind. Dem Ver-
zeichniss folgt die durch Abbildungen illustrirte Beschrei-
bung von sieben neuen, in Tyrol aufgefundenen Arten.
Die Ordnung der Araneiden ist durch folgende Gattungen
vertreten: Mygalidae: Atypus 1 A. — F i listatidae: Filistata
1 A. — Dysderidae: Segestria 2, Dysdera 2 A. — Drassidae:
Pythonissa 7, Micaria 3, Drassus 6, Me]anophora4, Anyphaena 1, Phru-
rolithus 2, Cheiracanthium 4, Clubiona 4, Liocranum 1, Agroeca 1,
Zora lA. — Theridiidae: Tapinopa 1, Pachygnatha 2, Ero 1,
Theridiura 15, Episinus 1, Erigone 11, Linyphia 22 A. — Epeiri-
dae: Meta 5, Züla 2, Singa 3, Epeira 20, Atea 3, Nephila 1, Te-
tragnatha 1, Uloborus 1 A. — Agelenidae: Mithras 1, Dictyna 2,
Amaurobius 4, Coelotes 1, Apostenus 1. Hahnia 1, Textrix 2, Agelena 2,
Pholcus 1, Tegenaria 5, Argyroneta 1 A. — Lycosidae: Ocyale 1,
Dolomedes 1 , Trochosa 2 , Tarantula 7 , Aulon^ia 1 , Leimonia 5,
Pardosa4, Sphasus 2 A. — Attidae: Pyrophorus 1, Heliophanus 5,
Calliethera 2, Philia 1, Marpissa 2, Icelus 1. Dendrypbantes 3, Euo-
pbrys 11, Attus 3 A. — Thomisidae: Sparassus 2. Philodromus 7.
Thomisus 8, Xysticus 13 A.
In der Ordnung der Arthrogastra werden verzeichnet: A.
Phalangiidae: Opilionina: Egaenus 1, Platybunus 2, Acantho-
lophus 2, Platylophus 2, Cerastoma 1, Opilio 11, Leiobunum 2, Ne-
mastoma 5 A. — Trogulidae: Trogulus 3 A, — B. Scorpioni-
dae: Scorpio 2 A.
142 Gerstaecker: Bericht üb. d. wissensch. Leist. im Gebiete
Arthrogastra.
Krohn, Ucber die Anwesenheit zweier Drüsen-
säcke im Crplialotliorax der Pl.alnnf^iidcn (Archiv f. Natnr-
gesch.XXXill. 1867. p, 79— 83), ins Englische übersetzt:
On the prescnce of two glandulär sacs in the cephalo-
thornx of the Phalangiidae (Annais of nat. bist. 4. ser. II.
1868. p. 87— 90). —Die beiden schon von Latreille
gekannten, seitlich vom Rückcnschilde der Phalangier
gelegenen Ocifniingen führen durch einen kurzen Canal
in einen (von Treviraniis irrthünilich als Auge ge-
deuteten) Drüsensack, welcher zuweilen ziegelroth oder
braim pigmentirt ist. Derselbe besteht aus einer sehr
zarten, von Tracheen-Verzweigungen umsponnenen Tn-
nica proprio, einem aus secernirendcn Zellen zusammen-
gesetzten Epithel und einer die Höhle des Sackes begren-
zenden, durchsichtigen, fein gefaltenen Intima. Jede Zelle
scheint durch ein äusserst feines Ausführungs-Canälchen
mit der Intima im Zusamnienhnng zu stehen und enthält
ausser einer feinkörnigen Substanz einen rundlichen Kern.
Wo der Sack pigmentirt ist (Cerastoma cornutum, Pha-
langin m parictinum) Hegt das körnige Pigment zwischen
der Zellenschicht und der Intima. Das Sekret dieser
Drüsensäcke betreffend, so fand Verf. in dem Sack theils
kleine krystallinische Ablagerungen von strohgelber Farbe
und von der Form rhombischer Täfelchen — in einem
Fall einen grösseren Crystall von Oktaeder -Form — ,
theils (Leiohunum) eine rnüchweisse Flüssigkeit, welche
sich unter dem Mikroskop als aus farblosen Fetttröpfchen
bestehend ergab.
Scorpiodea. Guyon, Sur un phenomene produit par la pi-
qüre du scorpion (Compt. rendus 20. Mai 1867. Rev. et Mngas. de
Zool. 2. ser. XIX. p. 235 f.). Verf. beobachtete in drei Fällen von
Skorpionssticlicn bei Knaben in Algier eine vollständige Turgescenz
des Geschlechtsgliedes, welche auch nach dem Tode anhielt. Bei
Thieren, welche von Skorpionen gestochen worden waren, ist be-
reits früher dieselbe Erscheinung constatirt worden. — Ausserdem
giebt Guyon eine interessante Statistik über die durch Skorpions-
Btiche verursachten Mortalitätsverhältnisse zu Durango in Mexiko.
Unter einer Bevölkerung von 15—16,000 Seelen sollen jährlich
d. Myriopoden, Arachniden u. Cnistaceen wahr. d. J. 1867 — G8. 143
200—250 Kinder daran zu Grunde gehen. Die Kinder werden zum
Fangen des Scorpions bei Nacht mit Fackeln angehalten und sind
daher dem Stich leicht ausgesetzt. Die Häufigkeit des Scorpions ist
in Durango so gross, dass während der drei heissen Monate eines
Jahres 80—100,000 Exemplare gefangen werden. Der Ortsvorstand
zahlt für das Dutzend 30 Centimes. Die Aissaua's (oinc Völker-
schaft) werden vom Skorpion häufig in den Kopf gestochen, weil
sie die Gewohnheit haben, ihn, wenn sie kein Gefäss zur Hand ha-
ben, in ihr Haar zu setzen. Sie essen die Skorpione in Menge
und zwar fangen sie beim Kopfende an, indem sie das Endglied des
Schwanzes zwischen Daumen und Zeigefinger fassen.
Rieh. Hill, Notes on the natural history of the Scorpion (An-
nais of the Lyceum of nat. bist, of New-York YIII. 18G7. p. 387—393)
und Additioual note on the natural history of the Scorpion (ebenda
p 486). — Verf. diskutirt die von Dufour, Marcel de Serres,
Eeaumur u. A. gemachten Angaben über die Nahrung, die Fähig-
keit zu fasten, die Geburt der Jungen, über ihren Aufenthalt auf
dem Körper der Mutter u. s. w. und fügt denselben eigene und
von H. Krebs ihm mitgetheilte Beobachtungen hmzu. Nach des
Letzteren Angabe werden die Jungen in Zwischenräumen geboren,
da die vorn auf dem Körper der Mutter sitzenden bedeutend grös-
8er sind als die hinterwärts vorhandenen. Die Jungen gehen ihre
erste Pläutung auf dem Körper der Mutter ein, verlassen denselben
aber wahrscheinlich bald nach dieser. Der Westindische Scorpion
lässt von den Blattinen, welche ihm zur Nahrung dienen, nur die
Flügel übrig.
Koch (Verhandl. d. zoolog.-botan. Gesellsch. zu Wien XVII.
1867. p. 233—240) machte Opistophthalmus calvus n. A. Südafrika,
Telegonus politus und lunatus n. A. Südamerika, Ischmirus caudicula
n. A. Brinsbane, Lydias melanodactylus n. A. ebendaher, bekannt.
PseudOSCOrpiones. Leydig fand bei Tübingen den Chelifer
cancroides Lin. mehrmals schmarotzend an Phalangium opilio, einen
Amerikanischen Chelifer am Hinterleib von .Acrocinus longimanus
(Skizze zu einer Fauna Tubingensis p. 16).
Hagen tProceed. Boston soc. of nat. bist. XI. p. 323) brachte
von Neuem das Vorkommen der Chelifer-Arten auf dem Köri)er von
Insekten zur Sprache und schliesst sich der Ansicht an, dass die l)e-
treffenden Individuen damit eine Ortsveränderung bezwecken.
. Zwei neuerdings beobachtete Fälle betreffen eine Fliege und einen
Alans oculatus. Verf. zählt bei dieser Gelegenheit zugleich die aus
Amerika bis jetzt bekannt gewordenen Chelifer-Arten auf.
Obisium longicolle Fr auenfe Id .(Verhandl. d. zoolog.-botan.
Gesellsch. XVII. 1867. p. 461) als n. A. beschrieben, an Bord der
Novara bei den Nicobaren gefunden.
144 Gerstaecker: Bericht üb. d. wissensch. Leist. im Gebiete
Phrynidae. Phrynus Mexicanus Bilimek (Verhandl. d. zoo-
log-.-botan. Gesellsch. zu Wien XVII. 1867. p. 905) n. A. aus der
Höhle Cacahuamilpa in Mexiko.
Fhrynus Äustralianus Koch (ebenda XVII. p. 231) n. A. von
Upolu.
Phalangiidae. G. Joseph, Cyphophthalmus duricorius, eine
neue Arachniden-Gattung aus einer neuen Familie der Arthroga-
stren-Ordnung, entdeckt in der Lueger Grotte in Krain (Berl. Ent.
Zeitschr. XII. p. 241— 2£0. Taf. 1) nebst Nachtrag zu dieser Beschrei-
bung (ebenda p. 270—272). Die vom Verf. beschriebene und abge-
bildete neue Gattung Cypliophthalmus steht (nach einem dem Ref.
zur Ansicht vorliegenden Exemplar) in nächster Verwandtschaft mit
Trogulus, von welcher sie sich durch den stärker entwickelten Ce-
phalothorax, die zur Seite gerückten und auf einem hervorspringen-
den Höcker liegenden Augen, die längeren Taster und Scheerenfüh-
1er, die Gliederung der Beine und des Hinterleibes unterscheidet.
An den Beinen ist der Schenkeltheil kurz, der auf die zweitheilige
Schiene folgende Tarsus zweigliedrig, mit kurzem Basal- und lang-
gestrecktem Endgliede; der ovale Hinterleib ist achtringlig. (Die
nichts weniger als naturgetreue Abbildung des Thieres giebt z. B.
von der Bildung des Cephalothorax eine ganz unrichtige Vorstel-
lung; ebenso wenig ist die Charakteristik in allen Punkten correkt).
Die Art: Cyph. duricorius, 2 Mill. lang, findet sich in den Krainer
Grotten am Eingang unter abgefallenem Laub in Gesellschaft von
Trogulus, Obisium, Poduren u. s. w. iVerf. will auf die Gattung eine
besondere Familie Cyphophthalmidae gründen, deren Charaktere
mit denjenigen der Gattung zusammenfallen.)
ÄcantJiolophus Helleri, Nemastoma dentipalpis und Trogulus
perforaticeps als n. A. aus Tyrol von Äusserer (Verhandl. d. zoolog.-
botan. Ges. zu Wien XVII. 1867. p. 167 ff., Taf. 8) beschrieben und
abgebildet.
Trogulus opilionoides n. A. Corfu, PJatylophus strigosus n. A.
Montenegro, ÄcantholopJms annidipes n. A. Montenegro, Opilio mol-
luscus n. A. Montenegro, Opilio laevigatus und praefectus n. A. Syra,
Opilio pristes n. A. Corfu, Op. instratus und vorax n. A. Syra,
Nemastoma glohulifermm. A. Syra, von Koch (ebenda XVII. 1867.
p.883— 8i)3) beschrieben.
Trogulus nepaeformis Latr. und eine zweite Art der Gattung
fand Leydig (Skizze zu einer Fauna Tubingensis p. 15) unter feucht .
liegenden Steinen bei Tübingen.
Araneina.
Eine umfang- und inhaltreiche Abhandlung von F.
d Myriopoden, Arachnidenu. Crustaceen währ. d. J. 1867—68. 145
Plateau, Observations sur l'Argyron^te aqnatique
(Bullet, de l'acad. de Belgl.]ue 2. ser. XXIII. 1867. p. 96
— 125. avec 1 pl., Annal. d. scienc. natur. 5. ser. Zool. VII.
1867. p. 345— 368. pl. 1), im Ausziige: Rcv. et Magas. de
Zoolog. 2. ser. XIX. 1867. p. 155 f. und ;,Observations
on Argyroneta aquatlca^' (Annais ofnat. bist. 3. ser. XIX.
1867. p. 283 — 286) entbält neben mannigfachen interes-
santen Beobachtungen über die Lebensweise, den Kunst-
trieb, die Fortpflanzung u. s. w. der genannten merkwür-
digen Wasserspinne auch eine eingehende Darstellung
ihrer Entwickeln ng im Ei, w^elche nach den Angaben
des Verf.'s mehrfache Eigenthümlichkeitcn erkennen lässt.
Die von einem glatten Chorion umgebenen, mehr ovalen
als kugligcn Ovarial-Eier lassen an der Oberfläche des
Dotters den hellen Keimflock, an der Seite desselben
aber nicht *den bei Tegcnaria, Lycosa, »Saltieus und Tho-
misus beobachteten dunkeln Körper erkennen. Der aus
gelben Kernen in verschiedener Zahl (bis zehn) bestehende
Keimfleck verschwindet schon sehr früh, bei einer Grösse
des Eies von Vs Mili. Durchmesser. Die um diese Zeit
unter oberflächlicher Dotterklüftung auftretende Keim-
scheibe wächst sehr schnell zur Keimhaut aus, welche
den ganzen Dotter schon bei ^/g Mill. Durchmesser des
Eies umgicbt. Die volle Grösse von 1 Mill. Durchmesser
erreicht das Ei im Qvarium im Verlauf von fast einem
Monat. Die EntwM*ckclung des Embryo in den vom Weib-
chen abgesetzten Eiern nim.mt zuerst einen sehr rapiden
Verlauf. Auf der einen Seite der Keimhaut zeigt sich
eine Reihe grosser, dunklerer Zellen, welche von einem
Pol bis zum anderen reicht und die erste Anlage der
Bauchseite des Embryo darstellt. Mit der Zeit sondert
sich dieser Längsstreifen in fünf Querbänder, welche
sich ihrerseits in der Mitte theilen und so zwei parallele
Reihen mit je fünf wulstigen Auftroibungen darstellen.
Indem dieselben schlauchförmig auswachsen und sich
f;cgen einander neigen, bilden sie mit der Zeit die An-
lage der vier Beinpaare und der Taster, welche bereits
nach 15 bis 20 Stunden deutlieh hervortritt. Noch bevor
diese die Grundlage der Gliedmassen bildenden Höcker
146 Gerstaecker: Bericht üb. d. wissensch. Leist. im Gebiete
sich zu verlängern beginnen, legt sich der Kopftheil der
Spinne mit den Kiefcrfiihlern und Maxillen an, sodann
in gerader Linie von diesem bis zum hinteren Ende des
Embryo der Darmkana!. Der ganze Aufbau des jungen
Thieres bis zum Verlassen der Eihülle erfordert acht bis
zebn Tage ; aber auch dann ist dasselbe noch in mehr-
facher Beziehung unvollkommen ausgebildet. Die Beine
entbcbren abgesehen von der Hüfte und dem Trochanter,
noch der Gelenke, die Tarsen der Endkhiuen, die Körper-
obcrfläcbe der Behaarung. Die Kieferfühler und Maxillen
sind noch mit einer Haut überzogen, erstere unbeweglich
und eingeschlagen. Die Haut ist so durchsichtig, dass
man alle inneren Organe und die Blutcirculation wahr-
nehmen kann; das Herz lässt 85 bis 90 Schläge in der
Minute erkennen.
Zur Ablage der Eier fertigt das Argyroneta -Weibchen be-
kanntlich ausi-er dem von ihm selbst bewohnten Cocon noch einen
eigenen, über die Oberfläche des Wassers hinausragenden glocken-
förmigen Behälter an, welcher in zwei Kammern gelbeilt ist: wäh-
rend es auf den'lBoden der oberen die Eier absetzt, begiebt es sich
selbst zum Schutz derselben in die untere. Aus den Eiern hervoi'-
gegangen , verbleiben die jungen Argyroneten noch längere Zeit,
bis zu einer Woche, in der oberen Kammer. Sie verlassen den Co-
con bei 2^2 Mill. Länge, nachdem sie allmählich eine dimkelgraue
Färbung angenommen haben. Jede derselben beginnt nun einen
eigenen lufthaltigen Cocon von 3 bis 4 Mill. Durchmesser und aus
einem fast unsichtbaren Gew^ebe bestehend , anzufertigen. Das
Wachsthum geht sehr langsam vor sich; !*/•> Monatenach dem Ver-
lassen des mütterlichen Cocons sind sie erst 3 Mill. lacg und die
Fussklauen erscheinen erst l-l Tage nach jener Zait. — Ausser die-
ser Entwicklung behandelt Verf. eingehend die Anlage des luft-
haltigen Cocons unter der Oberfläche des Wassers und die Art
der Re5^piration. Er weist durch Experimente nach, dass das An-
haften einer Luftschicht an der Bauchseite der Spinne nicht auf
der Absonderung eines Fettes oder Firnisses (nach Lignac und
Latreille), sondern allein auf der dicht gedrängten kurzen, seidi-
gen Behaarung an der Unterseite des Cephalothorax und Abdomen
beruhe. Um den Cocon mit neuer Luft zn füllen, schwimmt die
Spinne rücklings bis an die Oberfläche des Wassers, hebt den Hin-
terleib über dieselbe hervor, nimmt so Luft an die Bauchseite des
letzteren und zugleich an die Innenseite der Hinterschenkel auf und
schwimmt nun mit Hülfe der drei vorderen Beinpaare zum Cocon
d. Myriopoden, Arachniden u. Crustaceen währ. d. J. 1867 — 68. 147
zurück. Durch Anpressen der Hinterschenkel an den Bauch scheint
sie die Luft in das Innere des Cocons hinein abzustreifen; wenigstens
findet sich bei ihrem abermaligen Verlassen desselben zwischen
beiden keine deutliche Luftschicht mehr vor.
Kehr er thefltc in seinen ^jSludien über dns Ans-
scliHipfen der Thiorembryonen ans üiren Eihüllen" (12.
Bericht d. Oberhossisch. G eselisch. f. Nntiir- und Heil-
kunde, Giessen 1867. p. 72— 107. l\nf. 2) eine Beobnchtung
über das Ausschlüpfen der jungen Micrommnta aus dem Eie
mit, welche von denjenigen de Geer's und Ilerold's darin
abweicht, dass das Chorion nicht an der Rückenseite
längs des Cephalothorax, sondern an der Bauchseite, auf
der Grenze zwischen Cephalothonix und Abdomen oder
in der Gegend der hinteren Beinpaare berstete. Dem
Einreissen gingen w^'ederholte Streckungen der beiden
Körperabschnitte und eine Bewegung der Beine voraus.
Durch die hervortretenden Beine wird das Chorion zuerst
von diesen weggedrängt und dann über den Cephalothorax
zurückgeschoben, so dass es zuletzt nur noch das Ab-
domen umhüllt. Verf. hat diesen Vorgang an zahlreichen
Individuen in stets übereinstimmender Weise beobachtet.
O. Her man, Ueber das Sexualorgan der Epeira
quadrata Vv'^alck. (Verhandl. d. zool. botan. Ges. zu Wien
XVIIL 1868. p. 923-930). Verf. bestreitet die Existenz
der von den Autoren an den Bauch der männlichen
Spinnen verlegten doppelten Geschlechtsötfnung (analog
der weiblichen), von deren Mangel er sich überzeugt zu
haben meint. Er sieht die männlichen Taster für wirk-
liche Copulationsorgane an, in welche die njännlichen
Samenausführungsgänge direkt, durch den liinterleibsstiel
und den Cephalothorax hindurch, einmünden. Drücke
man den männlichen Hinterleib zur Zeit der Begattung
auch nur leicht, so bew irke dies eine Eiektion der Taster
und ein Hervortreten des in ihnen befindlichen compli-
cirten Apparates. (Letzteren bildet Verf. von Epeira qua-
drata in zweifacher Ansicht ab.)
Buchholz und Landois, Anatomische Untersu-
chungen über den Bau der Araneiden. 1. Ueber den
Spinnapparat von Epeira diadema (Archiv f. Anat. u.
148 Gerstaecker: Bericht üb. d. wissensch. Leist. im Gebiete
Physiol. Jahrg. 1868. p. 240-254. Taf. 7 u. 8 a). Den An«
gaben von H. Meckel und Oeffinger entgegen unter-
scheiden die beiden Verf. nur drei (nicht fünf) Arten
von Spinndrüsen bei Epeira diadcma, nämlich ausser den
allgemein bekannten birnförmigen (Glandulae aciniformes
Meck.), ^velche mit ihrem Ausführungsgang je in einen
Spinnstift dos Spinnfeldes ausmünden, nur cylindrische
und baumförmige. Von den cylindrischen Drüsen, welche
zu vier (nicht, vrie Meckel angiebt, zu sechs) Paaren
vorhanden sind, lassen sich die Glandulae ampuUaceae
MeckePs nicht trennen: der Unterschied beider beruht
nur auf einer stärkeren oder geringeren Anfüllung mit
Spinnsubstanz und ist in Folge dessen auch nicht con-
stant. Die baumförmigen Drüsen (Gland. aggregatae
Meck.) sind jederseits zu fünf (nicht zu zweien, nach
Meckel) vorhanden, während die von Meckel angegebene
„knollige Drüse" nach den Untersuchungen der beiden
Verf. überhaupt nicht cxistirt. Sowohl von diesen ver-
schiedenen Arten der Spinndrüsen wie von den Spinn-
warzen und ihren einzelnen Theilen (Spinnrohren, Spinn
zapfen) geben die beiden Verf. eine nähere Charakte-
ristik, welche von den Angaben Meckel's und Oef-
finger's mehrfach abweicht.
J. Black wall, Remarks on the Falces and Maxillae
of Spiders (Annais of nat. bist. 3. ser. XIX. p. 258—259.
pl. 10. fig. 1 — 3). Verf. widerlegt die Ansicht, wonach
die Araneinen aus der Mygale-Gruppe der sonst bei den
Spinnen an der Innenseite des ßasalgliedes der Maxillen
(Taster) vorkommenden Cutikular- Anhänge in Form von
Zähnchen oder Dörnchen entbehren. Wenigstens fand
er bei Mygalc ursina und zebra, bei Cteniza nidulans und
Atypus Sulzeri nm Basalglied der Maxillen, bei Mygale
ursina auch vor der Spitze der Unterlippe eine Struktur,
welche für jene Bedornung eine Art Ersatz gewährt.
Dieselbe besteht in zahlreichen, kurzen schuppenartigen
Dörnchen, welche zu einem Felde von verschiedener
Form und Ausdehnung (je nach den Arten) vereinigt
sind und sich an der Maxille von Mygale zebra in eine
Reibe S-förmig geschwungener Reifen fortsetzen.
d. Myriopoden, Arachniden u. Crustaceen währ. d. J. 1867 — 68. 149
Researches and experiments lipon silk from Spiders
and upon tlieir reproduction by Raymond Maria de
Termeger, a Spaniard. Translated from the Italian,
revised by ß. 8. Wilder. (Proceed. of the Essex In-
stitute V. 1866—67. p. 51—79).
Terby^ Observations siir le procdde qu'emploient
les Araignees poiir relier des points eloignes par im fil
(Bullet, de l'acad. de Belgique 2. ser. XXIIL 1867. p. 274
— 298. avec pl. — Annal. d. scienc. natur. 5. s6r. Zool. IX.
1868. p. 72—89. pl. 1. fig. 8—12). Aus einer Reihe von
Versuchen, welche Verf. mit Nuctobia callophyla (?),
Epeira diadema und Tetragnatha extensa anstellte, und
welche er ausführlich beschreibt, zieht er den Schluss,
dass diese Spinnen, wenn sie, nachdem sie sich an einem
Faden herabgelassen haben, einem (natürlichen oder künst-
lich hergestellten) Luftstrom ausgesetzt werden, sofort
einen freien, in der Richtung dieses Luftstromes flottiren-
den Faden absondern. Sie können einen solchen aber
auch erzeugen, ohne sich aufzuhängen, indem sie dann
die Spitze des Hinterleibes von dem Gegenstand, auf
welchem sie sich befinden, emporheben. Es steht im
Belieben der Spinne, das Ende dieses flottirenden Fadens
entweder an einen anderen Gegenstand oder an einen
Punkt des Aufhängefadens zu befestigen, im letzteren
Fall also eine Schlinge herzustellen; sie bringt dabei
ihren Körper in eine bestimmte Richtung und hilft aus-
serdem mit dem letzten Beinpaare nach. Die oft bis zu
einer sehr bedeutenden Länge gesteigerte Ausdehnung
des flottirenden Fadens wird gleichfalls durch den Luft-
strom bewirkt. Verf. vermuthet, dass diese flottirenden
Fäden aus anderen Spinndrüsen abgesondert werden, als
welche den Aufhängefaden liefern.
Sc hin er, lieber Spinnen (Verb. d. zoolog. bot.
Gesellsch. zu Wien XVIII. 1868. p. 916 K) theilte eine
an Epeira pyramidata Clerk gemachte Beobachtung mit,
aus welcher ihm hervorzugehen scheint, dass die Spinnen
ihre Fäden nicht ausschlessen, sondern ein ganzes Bündel
solcher aus dem Leibe pressen, um sie nachher durch
den Luftzug auseinanderzerren zu lassen. Aus dem raa-
Archiv fiii Naturg. XXXV. Jahrg. 2, lld. K
150 Gerstaecker: Bericht üb. d. wissensch. Leist. im Gebiete
schenartigen Bündel sollen sich von allen Seiten her
Fäden loslösen, welche beim Herumflattern in der Luft
sich an feste Gegenstände anheften. V^erf. glaubt, dass
auf diesen Fadenbüudeln auch der sogenannte fliegende
Sommer beruht. — An demselben Faden, an welchem
das Netz einer Epeira patagiata Koch angeheftet war,
fand Verf. noch zwei kleine, offenbar einer anderen Art
angehörende Netze. (Letztere Beobachtung ist schon von
Vinson mitgetheilt; nach diesem sind es Linyphia-Arten,
welche ihr Netz an den Brückenfäden der Epeiren auf-
hängen. Ref.)
Äusserer, Beobachtungen über Lebensweise, Fort
pflanzung und Entwickelung der Spinnen (Zeitschr. d.
Ferdinandeum zu Innsbruck, 3. Folge, Heft XIH. p. 181
— 209). Hat dem Bef. nicht zur Einsicht vorgelegen.
V. Kempelen, Bemerkungen über Spinnen im All-
gemeinen und eine Untersuchung von Drassus lapidicola
insbesondere (Verh, d. zool. botan. Gesellsch. zu Wien
XVII. 1867. p. 545—550). Verf. macht auf die Nothwen-
digkeit, bei der Beschreibung von Spinnen das Alter der
Individuen und die Art ihrer Conservation (getrocknet
oder in. Weingeist) speciell hervorzuheben, aufmerksam.
Für Drassus lapidicola hebt er die Form- und Färbungs-
Unterschiede ausgewachsener und jugendlicher Indivi-
duen hervor.
Emerton, The habits of Spiders (American Na-
turalist Vol. IL 1868. p. 476— 481. pl. 11) gab eine populär
abgefasste Beschreibung der Epeira vulgaris Hentz und
ihrer Lebensweise, Fortpflanzung vi. s. w.
Wyman (Proceed. Boston soc. of nat. bist. XL
p. 287) beobachtete eine weibliche Epeira, welche hinter-
einander fünf Männchen ihrer eigenen Art in ihrem Netz
tödtete und aussog.
Lucas (Bullet, soc. entom. 1868. p. 19) machte Mit-
theilungen über die Häutungen und die Wachsthumsver-
hältnisse einer schon seit vier Jahren im Jardin des
plantes lebend erhaltenen Mygale bicolor. Die Häutung
fand regelmässig einmal im Jahre statt; ihr Körper ist
gegenwärtig 85, ihr Cephalothorax 32 Mill. lang.
d. Myriopoden, x\rachniden u. Crustaceen währ. d. J. 1867—68. Inl
Hentz, Supplement to the descriptions and figures
of the Aranefdes of the United States, edited by S. S cud-
der (Proceed. Boston sog. of nat. hist. XL p. 103—111.
with 2 pl.). Dieser Nachtrag beschränkt sich auf kurze
ergänzende Bemerkungen zu mehreren vom Verf. früher
beschriebenen Arten und liefert für viele derselben nach-
träglich Abbildungen der Augenstellung und der Kiefer,
für einige auch Darstellungen von Netzen.
Nach einer Notiz in Revue et Magas. de Zoologie
2. s^r. XIX. p. 376 sind von de Brito Capello im
Jornal de Sciencias der Akad, d. Wissensch. zu Lissabon
einige neue und weniger bekannte Aran einen der West-
küste Afrika's bekannt gemacht und durch Abbildungen
erläutert worden :
Epeira Ängolensis n. A., Argyope sericea auct. mit ihren Va-
rietäten, Argyope flavicollis Lucas, Nephila Aubryi Luc, Thomisus
Bragantinus n. A. und Tetragnatha Cabindae u. A.
Blackw^all, Descriptions of several species ofEast-
Indian Spiders apparently new or little know^n to Ara-
chnologists (Annais of nat. hist. 3. ser. XIX. p. 387— 394).
Die vom Verf. charakterisirten Arten stammen aus Nord-
Indien (Meerut, Agra und Delhi); es sind folgende:
Lycosa GreenalUae, Salticus higuttatus und candidus, Sparas-
sus striatus, Drassus delicatus, Pholcns Lyoni. Auch Artema con-
vexa Blackw. war in der Sammlung vertreten.
Derselbe, Notes on Spiders, with descriptions of
several species supposed to be new^ to Arachnologists
(ebenda 3. ser. XIX. p. 202—213). Die theils neuen,
theils bereits bekannten Arten verschiedener Gegenden,
welche in dieser Abhandlung beschrieben werden, sind
folgende:
Filistata distincta n. A. Jaraaica, Lycosa ingens Blackw. mas,
Salticus diUgens, vafer, catus, sublestus und mgilans n. A. von Ma-
dera, Phüodromus amhiguus (pallidus Blackw., nee Walck.) und
Drassus Collingsiae n. A. aus England. Ausserdem werden Veleda
pallens Blackw.^ Theridion triste Hahn, grossura Walck., Latrodectus
Erebus und Segestria perfida in ihrer Lebensweise, nach ihren Al-
tersstufen, in ihrer Synonymie u. s. w. nochmals erörtert.
Derselbe, Notice of several Spiders supposed to
152 Gerstaecker: Bericht üb. d. wissensch. Leist. im Gebiete
be new or little known to Arachnologists (ebenda 4. ser.
IL 1868. p. 403— 410).
Salticus diversus n. A. Bermuda-Inseln, Thomisus pallensn. A.
ebendaher, Tom. Gloveri n. A. England, Clotlio Paivani n. A. Tene-
riffa. — Der Name von Sphasus pulchellus Blackw. wird, als schon
vergeben, in Sphas. ornatus abgeändert; Drassus Bewickii Blackw.
wird nach dem Männchen beschrieben.
Drassus pallidipalpis und Pholcus cordatus Bilimek (Verh.
d. zoolog.-botan. Gesellsch. zu Wien XVII. 1867. p. 906 f.) n, A. aus
der Höhle Cacahuamilpa in Mexiko.
Tlieridium püigeru7nFrsiuenfeld (ebenda XVII. 1867. p. 462)
n. A. bei den Nicobaren, an Bord der Novara, gefunden.
Nephila sexpunctata Gieb el (Zeitschr. f. d. gesammt. Natiir-
wis8. XXX. 1867. p. .325) n. A. von Mendoza.
Thor eil (Eugenies Reise omkring Jorden, Arachnider Fase. 1)
charakterisirte als neue Gattungen und Arten aus der Familie
Epeiridae: Celaenia nov. gen., durch den verkehrt herzförmigen
Cephalothoi'ax, dessen Kopftheil klein, der hintere dagegen gross
und höher gewölbt ist, ferner und besonders durch die beiden
vorderen Beinpaarc ausgezeichnet, welche mit ungleichen oberen
Endklauen, deren äussere viel länger und nicht gekämmt, versehen
sind und gleichsam Raubbeine darstellen. Hinterleib sehr gross, dick,
quer, dünnhäutig. — Art: Cel. Kinbergi von Sidney. — Caero-
stris nov. gen., auf Epeira mitralis Vins. begründet, zwischen Epeira
und Gasteracantba die Mitte haltend, mit drei neuen Arten : Caer.
Keyserlingii, Walühergii und Vinsonii aus dem Caffernlande. —
Peniza nov. gen., von Gasteracantba durch den vorn nicht erha-
benen Cephalothorax, von Cyrtaraclme (neue Benennung für Cyrtoga-
ster Keys.) durch den unbe wehrten Hinterleib und den Cephalotho-
rax, welcher länger als broit ist. unterschieden. — Art: Pen. testudo
Caffernland. (Die übrigen vom Verf. beschriebenen Arten sind schon
im Jahresber. 1860 namentlich aufgeführt worden.)
Von Koch (Verhandl. d. zoolog.-botan. Gesellsch. zu Wien XVII.
1867. p. 173 — 230) wurden als n. A. beschrieben: Epeiridae: Ga-
steracantha turrigcra, Cyrtogaster excavata und Epeira Brinshanae
von Brinsbane. Epeira rhomhoides Upolu, producta Brinsbane, litora-
lis Upolu, Argyopes plana, Nephila venosa und Tetragnatha bituber-
culata von Brinsbane, Tctr. granulata Walck. ebendaher, — The-
ridiidae: Ero albostriata, Theridium decoratum, coeliferum, pyra-
midale und humile, Pholcus litoralis. Enyo annulipes und Amauro-
hius longinquus S2i,mmi\'\ch von Brinsbane. — Lycosidae: Dolome-
des flaminius und albicomus, Lycosa furcillata und excusor ebenda-
her. — Thomisidae: Ocypede procera und vasta, Belena imma-
nis, Xysticus dimidiatus, pilula, adustus, himaciilatus. nigropuncta-
d. Myriopoden, Arachniden u. Crustaceerj währ, d, J. 1867—68 153
ttis, evanidus und pustulosus ebendaher. — Attidae: Attus Poly-
phemus und m'grofemoratus Brinsbane, piscuJus und foUatus Upolu,
quadratarius Kriusbane, calvipalpis Upolu . Deinopis cylindraceus
Koch (Brinsbane).
Derselbe (Zur Arachniden- und Myriapoden - Fauna Süd-
Europa's, ebenda XVII. p. 857 — 883) machte folgende neue Arten
bekannt : Ärgyopes impudicus Tinos, Epeira impedita und Singa
semiatra von Corfu, Theridium margaritatum Tinos, Micaria prae-
signis Syra, Melanopliora insulana und graeca Tinos, Liocranum
ochraceum Corfu, viride Tinos, Oxyopes candidus Corfu, Xysticus bi-
color Syra, CalUethera olivacea, Heliophanus eqiiester, melinus, älho-
signatus, Attus capreolus, sulphureus, leporinus, taeniatus, armiger,
mitratus, papiUonaceus, regillus und lippiens von Tinos. Syra u. s. w.,
Cteniza tigrina Syra.
Giov. Canestrini, Intorno agli Aracnidi delF
oidine Aranclna osservati nel Yeneto e nel Trentino
(Estratto dal Commentario della P^auna, Flora c Gea no. 2.
Venezia, 1. Ottobre 1867.) 6 pag. In 8. Ein systema-
tisches Nainensverzeicliniss von 109 Venezianischen Ara-
neinen, nebst Angabe des Fundorts und des Sammlers,
Araneidei Italiani perGiov. Canestrini ePietro
Pavesi (Estratto dagli Atti della societä Italiana di
ßcienze naturali Vol. XL Fase. 3. 1868). Separa^t: 1869.
8. 135 pag. — Einer historischen üebersicht der über
Italienische Spinnen handelnden früheren Arbeiten lassen
die beiden Verf. eine systematische Aufzählung der bis
jetzt bekannt gewordenen Arten nebst einer Charakte-
ristik der für neu angesehenen folgen. Letztere belaufen
sich auf 30, während die überhaupt als Italienisch ver-
zeichneten 404 betragen; es ist dies immeihiu schon eine
ansehnliche Zahl, da aus Schweden nur 308, aus England
304, aus Frankreich 280, aus Oesterreich 205, aus Prcussen
153 Arten bekannt geworden sind.
Die einzelnen Familien und Gattungen sind in demVerzeich-
niss der beiden Verf. durch folgende Artenzahlen vertreten: 1) My-
galidae: ^ k. (Mygale 1, Mygalodonta 4, Atypus 1 A.). 2) Fili-
stat idac 1 A. 3) Scytodidae 4 A. 4) Dysderidae 15 A.
(Segeatria 4, Dysdera 9, Ocnops 1, Stalita 1 A.}. 5) Drassidae
70 A, Pythonissa 7, Micaria 7, Drassus 5, Melanophora 14, Any-
phaena 2, Phrurolithus 3, Cheiracanthium 6, Clubiona 11, Liocra-
num 1. Agroeca 2, Zora 2 A.). 6) Theridiidae 77 A. (Clotho 3,
154 Gerstaecker: Bericht üb. d. wissensch. Leist. im Gebiete
Enyo 1, Tapinopa 1, Pachygnatha 3, Formicina 2, Ero 3, Asagena 1,
Theridium 25 , Latrodectes 2, Episinus 1 , Trachelas 1. Erigone 16,
Linypliia 20 A.). 7) Epeiridae 50 A. (Meta 5, Zilla 4, Singa 5,
Epeira 33, Nephila 1, Argyopes 2, Tetragnatha 1, Uloborus 1 A.).
8) Ciniflonidae 11 A, (Dictyna 4, Amaurobius 7 A.). 9) Age-
lenidae 28 A. (Mithras 1, Caelotes 2, Tetrix 4. Agelena 3, Pliol-
cus 5. Kachus 1, Tegenaria 10, Hadites 1, Argyroneta 1 A. 10) Ly-
cosidae 42 A. (Ocyale 1, Dolomedes 1, Trochosa 2, Arctosa 2, Ta-
rantula 19, Aulonia 1, Leimonia 5, Pardosa b, Potamia 3, Sphasus
3 A.). 11) Chersidae 2 A. (Chersis 2 A.). 12) Attidae 65 A.
(Eresus 4, Pyrophorus 6, Heliophanus 5, Calliethera 4, Philia 3,
Marpissa 5, Icelus 1, Dendryphantes 10, Euoplir^s 18, Attus 5, Sal-
ticus 4 A.). 13) Thomisidae 33 A. (Sparassus 2, Ocypete 3,
Thanatus 2, Artamus2, Philodromus 3, Thomisus 11, Xysticus lOA.).
Als neue Arten werden (p. 108 - 135) folgende beschriebea:
Scytodes um'color, Dysdera JSHnnü, grisea, tesselata, Micaria aurata
und exiUs, Drassus laticeps, Melanophora Kochi und gracüis, Chei-
racanthiiim Itdlicum, Cliibiona pulchella, Enyo Italica, Formicina
mutinensis und pallida, Theridium Nicoluccii , Linypliia ruhecula
und lithobia. Epeira ornata und biocellata, Dictyna mandibulosa,
Amaurohis 12-maculatus, Pholcus ruher, Tegenaria circumflexa, Py-
rophorus venetiarum'mid flaviventris, Marpissa Canestrinii und Nar-
doi, Euophrys ohscuroides (!), Ocypete nigritarsis und Philodromus
Generalii.
E. 0hl ert, Die Araneiden oder echten Spinnen
der Provinz Preiissen, beschrieben. Nebst einem syste-
matischen und alphabetischen Register und zwei Tafeln,
die Augenstellungen der Spinnen darstellend. Leipzig,
1867. (kl. 8. 172 pag.) — Bei dem Mangel eines Hand-
buches zur Bestimmung der einheimischen Spinnen wird
das vorliegende Werkchcn durch seine präcise und über-
sichtliche Charakteristik der Familien, Gattungen und
Arten gute Dienste und einer weiteren Verbreitung des
Studiums der Spinnen unzweifelhaft Vorschub leisten.
Da Verf. die (von ihm ausschliesslich citirten) Werke
von Hahn, Koch und Walckenaer gut durchgearbeitet
und seine Arten nach diesen Autoren bestimmt hat, so
wird der sein Buch zu Rathe Ziehende in den meisten
Fällen eine sichere, wenn auch vielleicht nicht immer
die älteste Benennung der von ihm gesammelten Arten
erhalten. Ob Verf. die von ihm aufgestellten, für eine
Norddeutsche Fauna ziemlich zahlreichen neuen Arten
d. Myriopoden. Arachniden u. Criistaceen währ. d. J. 1867—68. 155
schon auf die umfangreiche neuere Literatur (Westring,
Black wall, L. Koch, Menge u. A.) geprüft hat, giebt
er nicht an und es ist daher fast zu vermuthen, dass es
nicht geschehen sei; für diesen Fall möchte wohl die
eine oder andere auf früher beschriebene zurückzufüh-
ren sein.
Die vom Verf. fürPreussen aufgeführten Spinnen belaufen sich auf
205 Arten, welche sich auf 59 Gattungen und 8 Familien vertheilen:
Epeiridae 23 A. in 8 Gatt., Theridiidae 65 A. in 11 Gatt., Agelenidae
8 A. in 4 Gatt., Drassidae 37 A. in 9 Gatt., Dysderidae 2 A. in 2 Gatt.,
Thomisidae 24 A. in 9 Gatt., Lycosidae 27 A. in 9*Gatt. und Attidae
19 A, in 7 Gatt. — Als neu werden beschrieben: a) Epeiridae: Atea
spinosa. b) Theridiidae: JEitcliaria zonata, Linyphia leprosa und
älbomaculata, Micryphantes conifer, gibbus, stylifer, frontalis, capito.
cristatopälpus, grandimanus und ruficephalus (!). c) Drassidae
Pythonissa comata. Clubiona rubropunctata. Macaria myrmecoides.
d) Lycosidae: Trochosa rubrofasciata. e) Attidae: Heliopha-
nus aurocinctus. — In einer Einleitung erörtert Verf. die äussere
Körperbildung und die Terminologie der Spinnen von Epeira dia-
dema. Für den vorliegenden Zweck, den Anfänger in das Verständ-
niss des Spinnenkörpers einzuführen, genügt dieselbe vollständig;
doch ist sie nicht durchweg wissenschaftlich correkt, da z. B, der
augentragende Vordertheil des Cephalothorax nicht ohne Weiteres
als »Kopf« bezeichnet werden kann und eigentliche »Oberkiefer«
(Mandibulae) bei den Spinnen überhaupt nicht existiren.
V. Kempelen, Th y sa pythonissaeforinis, eine neue Gattung
und Art (Verhandl. d. zoolog.-botan. Gesellsch. zu Wien XVII. 1867.
p. 607—610). Die neue Gattung Thysa (Abbildung auf Taf. 14B.)
weicht von Pythonissa durch die Zahl der Augen, w'elche nur zu
sechs vorhanden sind, von Segestria und Dysdei a durch die Stellung
und Grössenverhältnisse derselben ab. Die Augen sind in drei
Querreihen angeordnet; diejenigen der ersten Reihe sind gross, um
ihren eigenen Durchmesser vom Stirnrande and um mehr als den
dreifachen unter einander entfernt, die der zweiten kleiner als die
der dritten, welche ihrerseits bedeutend kleiner als diejenigen der
ersten Reihe sind. —Die einzige Art: Th. pißhonissaeformis stammt
aus Ungarn.
Von Äusserer (ebenda XVII. 1867. p. 160 Ö*., Taf 7) wur-
den Linyphia Keyserlingi, Amaurobius Kochi, Apostenus saxatilis
und Philodromus auronitens als n. A. aus Tyrol bekannt gemacht.
Giebel (Zeitschr. für d. gesammt. Naturwiss. XXX. 1867.
p. 434 fif.) beschrieb Zilla alpina, Tegenaria similis, Sparasstis longi-
pes. Pardosa obscura und Calliethera alpina als n. A. aus der
Schweiz.
156 üerstaecker: Bericht üb. (\. wissensch. Leist. im Gebiete
E. Simon, Monographie des especes eiiropeennes
de la famille des Attides (Annal. soc. entern, de France
4. ser. VIIL 1868. p. 11—72 und p. 529-717. pl. 5—7).
Verf. liefert in dieser umfangreichen Arbeit eine Charak-
teristik der ihm aus eigener Anschauung bekannten Atti
den Europa's, welche durch die Entdeckung zahlreicher
neuer, besonders Südeuropäischcr Arten einen sehr be-
trächtlichen Zuwachs erhalten haben. Dieselben ver-
theilen sich nach ihm auf 10 Gattungen, von welchen
Marpissus Koch durch 6, Attus Walck. durch 120, Ylle-
nuSj nov. gen. durch 1, Dendryphantes Koch durch 8,
Plexippus Koch durch 1, Callietherus Koch durch 15,
Menemerus, nov. gen. durch 3, Heliophanus Koch
durch 39, Salticus Latr. durch 5 und Pyr o der es (neue
Benennung für Pyrophorus Koch) durch 1 Art vertreten
ist. Den von ihm beschriebenen Arten fügt Verf. am
Schluss jeder Gattung die ihm unbekannt gebliebenen
früherer Autoren hinzu. Die sehr zahlreichen Attus-
Arten, bei deren Beschreibung Verf. sich vorwiegend
an die Färbung hält, werden unter sechszehn Gruppen
vertheilt.
Die vom Verf. als neu aufgestellten Arten sind folgende:
Marpissus hadius Sicilien, monachus Grande Chartreuse, Attas (Gruppe
des A. sanguinolentus:) -yanats Spanien, (Gruppe desA. castaneus:) ca-
staneus Dalmatien, Corfu, Phrygianus Frankreich, niteltnus Spanien,
(Gruppe des A. arcuatus:) albocüiatus Polen, Oesterreich, riciniatus
Schweiz, (Gruppe des A. floricola:) riparius Baiern, diagonalis (lip-
piens Koch fem.) Türkei und Griechenland, brevis Frankreich und
Spanien, getiiciilatus Sicilien und Corfu, cingulatus Zermatt, laeviga-
tus Corfu, Syra, ostrinus Corfu, (Gruppe des A. falcatus :) Tacza-
noioskii Lithauen, nervosus Südfi-ankreich, imitatus Dalmatien, alter
Spanien, (Gruppe des A. insignitus :) candidus Andalusien, mustel-
latus ebendaher, güvus Kiew, Ogieri Spanien und Griechenland,
(Gruppe des A. agilis:) latifasciatus Corfu, ornaticeps Anda-
lusien, distinguendus Russland, illihatus ebendaher , (Gruppe des
A. pubescens:) innotatus Südfrankreich, lemniscus Französische
Alpen , diversipes Andalusien , (Gruppe des A. fasciatus :) Bogen-
hoferi Oesterreich , einer eofasciatus Südfrankreich , fulvaster Si-
cilien , Sierranus Spanien, suhfasciatus Kiew , semiglabratus Nord-
Spanien, (Gruppe des A. barbipes:) harbipes Südfrankreich und Ita-
lien, (Gruppe des A. striatus :) vicinus Andalusien, ravidus Lithauen,
d. Myriopoden. Arachniden u. ( rustaceen währ. d. J. 1807 — GS. 157
picaceus Sicilien, crassipes Spanien, Gruppe des A. hastatus:) bom-
hycius und sexpunctatus 'Polen, nigritarsis Ost-Pyrenäen, parcus
Andalusien und Sicilien, semiater Andalusien, (Gruppe des A. fron-
talis:) difßcüis Corsica, Sicilien und Griechenland, /im'ifwms Nord-Ita-
lien, fucatus Türkei, gambosus Spanien, Sicilien, Griechenland, cal-
vus Corfu, obsoletus Corfu, scriptus Schweiz, Italien und Spanien,
luridatus Nord-Italien, riifibarbis Auvergue und Tyrol, Westringii
(laetabundus Westr.) Schweden. Polen und Spanien, multipunctatus
Südfrankreieh und Sicilien, satageus Capri, trianguUfer Andalusien,
miser Alpen, (Gruppe des A. cerussatus :) pidex Portugal, inaequali-
pes Tyrol, cerussatus Sicilien, Corfu, subsultans Südfrankreich, mem-
hrosus Spanien, Corsika, Wmikowiczii Lithauen, (Gruppe des A. ar-
genteolineatus:) argenteolineatus Andalusien und Türkei, (Gruppe
des A. bcevipes :) rufipes Sicilien, aenescens Polen, tantulus und de-
cipiens Spanien, seguipes Dalmatien. — Yllenus nov. gen., auf
Yll. arenarius Menge begründet. — Dendryphantes neglectus Türkei,
nigriceps Illyrien, Callietherus major Spanien , dispar Andalusien,
similatus Frankreich, conjonctus (sie ! ) Nord-Italien , mandibular is
Corfu, scitulus Sicilien, unciger Tyrol, unicolor Corfu, infimus Sici-
lien, Griechenland und Spanien. — Menemerus (nov. gen., auf
Euophrys vigoratus Koch = Attus agilis Walck. begründet), falsi-
ficus Basses- Alpes, Heydenii Andalusien, Heliophanus cuprescens
Spanien, globifer Oesterreich, Spanien, simplex Corfu, inornatus Zer-
matt, apiatus Neapel, recurvus Alpen, Karpinslcü Polen, (Gruppe
des A. flavipes:) varians Polen, Branichii Provence und Triest,
hecticus Alpen, exultans Griechenland, viriatus Alpen, grammicus
Frowence, lineiventris Spanien, Sicilien, ;Gruppe des H. uncinatus:) un-
cinatus und cognatus Alpen, rufdhorax Corsika, tribulosus Ost-Py-
renäen, Canibridgii Oesterreich , Corfu, furcillatus Sicilien , Corfu,
expers England, (Gruppe des H. armatus:) Kochii Tyrol und Süd-
frankreich, armatus Ost-Pyrenäen, calearifer Corfu, cernuus Andalu-
sien, Salticus Feresii Andalusien, todülus Sicilien.
Derselbe, Sur trois Araignees nouvelles (Rev. et Magas.
de Zool. 2. ser. XIX. 1867. p. 15—24) erörterte die Charaktere der
Gattungen Arachnoura Vinson und Micrathena Sund., welche er je
um eine neue Art bereichert und fügt die Charakteristik einer drit-
ten neuen, den Theridiiden ungehörigen Gattung TritJiena hinzu,
welche sich von Theridion hauptsächlich durch harte und dicke
Körperhaut des Hinterleibes und durch die Bewahrung der Vorder-
ecken desselben mit je einem langen , cylindrischen, senkrechten
Dorn unterscheidet. — Art: Tr. inuncans Brasilien. — Die Cha-
rakteristik der Gatt. Arachnoura modificirt Verf. mit Rücksicht auf
die von ihm beschriebene neue Art: Araclin. melanura (Vaterland
nicht angegeben) und hebt die nahe Verwandtschaft mit Siuga her-
vor. Micrathena Suud. bringt Verf. in nähere Beziehung mit Acro-
158 Gerstaecker: Bericht ül'. d. wissensch. Leist. im Gebiete
somus und beschreibt Micr. hufonia als n. A. von den Molukken
(Gilolo).
Derselbe, Sur quelques Araneides du midi de la France
(Rev. et Magas. de Zoolog. 2. ser. XX. 1868. p. 449—456) gab eine
ausführliche Charakteristik der wenig bekannten Epeira pallida Oliv
(Olivieri Walck.) nach weiblichen Individuen (Stammform und zwei
Varietäten) und machte Singa Laurae, Sparassus fulvus und Fili-
stata tuma als n. A. aus Südfrankreich bekannt.
Thor eil, Om Aranea lobata Pall, (sericea Oliv.) in: Öfvers.
Vetensk. Akad. Förhandl. 1867. p. 591—596, Annais of nat. bist.
4. ser. II. 1868. p. 186 — 191) erörterte die Synonymie der in ganz
Süd-Europa, Süd-Sibirien, Nord-Afrika, auf den Cap-Yerdischen In-
seln und am Senegal vorkommenden Argj^ope lobata Pallas (= seri-
cea Oliv. Latr. = margaritacea Risso = argentea Gmel. = Sege-
stria dentata Risso = Argyopes praelautus Koch).
Acarina.
Die wissenschaftliche Kenntniss dieser Ordnung ist
nach den verschiedensten Seiten hin, in anatomischer,
histiologischer und embryologischer, nicht minder aber
in zoologischer Beziehung durch eine umfangreiche Ab-
handlung von E. Claparede: „Studien an Acariden"
(Zeitschr. f. wissensch. Zoolog. XVIII. 1868. p. 445—546.
Taf. 30 — 40 — auch im Separatdruck: „Studien an Acari-
den,*' Leipzig 1868. 8., mit 11 color. Taf. erschienen) in
namhafter Weise gefördert und bereichert worden. Verf.
publicirt in derselben aus umfangreicheren Studien, welche
er im Bereich der Acarinen angestellt hat, vorläufig
Bruchstücke in Form von Monographien über eine Reihe
von Gattungen, wie Atax, Tetranychus, Tjroglyphus,
Hypopus (männliche Form von Tyroglyphus), Hoplopho-
rus, Myobia musculi und Myocoptes musculinus, welchen
er ^Betrachtungen über die Klammerorgane mancher Aca-
riden^ im Darwin'schen Sinne anschliesst. Die erste
Stelle nehmen in diesen Abhandlungen schon ihrem
räumlichen Umfang nach die Untersuchungen des Verf.'s
über die Entwickelung im Ei ein, welche er an Atax
ßonzi, Hoplophora contractilis, Myobia musculi, Tyrogly-
phus siro und Tetranychus telarius angestellt hat. Die
Wichtigkeit derselben überhebt uns der Nothwendigkeit,
sie hier in ihren einzelnen Vorgängen zu analysiren, in
d. Myriopoden, Arachniden u. Ciustaceen währ. d. J. 1867—68. 159
gleichem Maasse, wie ihre Ausführlichkeit dies zugleich
kaum möglich erscheinen lässt. Dem zunächst treten
die Beobachtungen über die nachembryonale Entwicke-
lung und über die anatomischen Verhältnisse der Ge-
schlechtsformen in den Vordergrund. Letztere werden
besonders bei Atax, Tetranychus und Myobia ausführ-
licher erörtert und die sie betreffenden Angaben für ge-
wisse Organsystemc (Muskulatur , Blutbewcgungs- und
Athmungsorgane) gleichzeitig auf die Acarinen im All-
gemeinen ausgedehnt. Die verschiedenen Entwickelungs-
stadien, welche das aus dem Eie hervorgehende junge
Thier bis zur Erlangung der Geschlechtsreife durch-
macht, schildert Verf. von Atax Bonzi, mit welchem Atax
ypsilophorus und crassipes in näheren Vergleich gebracht
werden, ferner an Tyroglyphus, welcher Gattung er die
von D u j a r d i n irrig als Gamasus-Larven angesprochenen
Hypopus als männliche Form zuweist — Verf. beobach-
tete die Ent Wickelung von Plypopus direkt in den von
Tyroglyphus- Weibchen gelegten Eiern, während in an-
deren sich wieder Tyroglyphus (weibliche Form) aus-
bildeten — drittens an der Oribatiden-Gattung Hoplo-
phora, an welcher Verf. die höchst interessante Beob-
achtung machte, dass sie sich innerhalb einer achtbei-
nigen, weichhäutigen Acarus-Form ausbildet. In zoolo-
gischer Beziehung ist besonders auf die , sorgfältige Fest-
stellung der äusseren Sexualunterschiedc der genannten
Gattungen bei verschiedenen ihnen angehörigen Arten,
so wie auf die Angaben über die Lebensweise der letz-
teren, ihre Art- Unterschiede, Synonymie u. s. w. hinzu-
weisen. Einen Beweis für die Richtigkeit der Darwin'-
schen Theorie findet Verf. in dem Umstände, dass die
Schmarotzer-Milben unter einander weniger nahe ver-
wandt als gewisse mit nicht schmarotzenden Formen,
w^ährend die auf die schmarotzende Lebensweise gerichtete
Umformung bestimmter Extremitäten zu Klaüenorganen
bei allen sehr analog ist.
Unter Hinweis auf die ungerechtfertigte Vervielfältigung der
Atax-Arten durch 0. F. Müller und Koch nach der weissen
Rückenzeichnung, macht Verf. die spezifische Identität des Trom-
160 Gerstaecker: Bericht üb. d. wissensch. Leist. im Gebiete
bidium nutatum Rathke, Limnochares anodontae Pfeiffer und Hy-
drachna concharum v. Baer mit dem Atax ypsilophorus Bonz wahr-
scheinlich, während er eine von letzterem Autor damit vermengte
»weite, auf Unio schmarotzende Art als Ätax Bonzi bezeichnet, —
Die Gattung Myobia Heyd. nimmt Verf. für den Pediculus musculi
Schrank (= Myob. coarctata Heyd.) an; für den gleichfalls auf der
Hausmaus vorkommenden Dermaleichus musculinus Koch, welcher
sich von Dermaleichus (Typus : Acarus passerinus de Geor) wesent-
lich durch die Umwandlung des dritten Beinpaares in Klammeror-
gane und die in Form dreieckiger Platten erscheinenden Mandibeln
unterscheidet, errichtet er eine neue Gattung Myocop tes.
Robin, Memoire siir les Sarcoptides avicoles et sur
les m^tamorphoses des Acariens (Compt. rendus 20. Avril
1868. p. 776 Rev. et Magas. de Zool. 2. s^r. XX. 1868.
p. 251 — 253), ins Englische übersetzt: On the avicolar Sar-
coptidae and on the metamorphoses of the Acarina (Annais
of nat. hisf. 4. ser. IL 1868. p. 78 f.). — Nach den Beob-
achtungen des Verf.'s treten die Weibchen der auf Vögeln
lebenden Sarcoptiden nach zurückgelegtem sechsbeinigem
Larven- und achtbeinigem Nymphen-Stadium noch in zwei
aufeinanderfolgenden geschlechtlichen Formen auf. von
denen die erste der Nymphe gleicht und der Vulva noch
entbehrt, aber beträchtlich dicker ist und bei einigen Arten
bereits Copulationsorgane besitzt. Diese Form wird von
den männlichen Individuen, wie sie unmittelbar aus der
Nymphe hervorgehen, begattet, während die letzte, welche
von jener ebenso wie von den Männchen formell ver-
schieden ist, keine Begattung mehr eingeht, sondern be-
reits mit einem Ei im Geschlechtsapparat versehen ist.
Diese letzte Geschlechtsform entwickelt sich aus der vorü-
bergehenden durch eine Häutung, deren die Weibchen
mithin eine mehr als die Männchen durchzumachen haben.
Frauenfeld (Zoologische Misccllen XV., Verh. d.
zoolog. botan. Gesellsch. zu Wien XVIIL 1868. p. 893 f.)
fand auf dem weichen Hinterleib eines Nicobarischen Ein-
siedler-Krebses (Calciüus tibicen) eine eigenthümliche
zeckenartige Milbe von kreisförmigem Umriss und mit
nur sechs Beinpaaren versehen, von welcher er unter
dem Namen Cyclotlwrax carcinicola eine vorläufige Cha-
rakteristik nebst Abbildung im Holzschnitt giebt.
d. Myriopodeu, Acachniden u. Crustaceen währ, d, J. 1867—68. 161
Derselbe (ebenda XVIII. p. 889 f.) beschrieb Rhyncliolophus
oedipodarum n. A., im Jugendstadium von 2 bis 3 Mill. Länge an
den Hinterleibs -Einschnitten von Oedipoda variabilis Pall. schma-
rotzend. Verf. brachte die beim Tode der Heuschrecke loslassenden
Milben auf feuchter Erde zur ferneren Entwickelung, Ausser den
Larven beschreibt er das beinlose Puppenstadium und das mit vier
Beinpaaren versehene Geschlechtsthier.
Derselbe (ebenda XVII. 1867. p. 462) machte RMpicephalus
carinatus und ruhicundus als u. A. bekannt, erstere im Chinesischen,
letztere im Sunda-Meer an Bord der Novara aufgefunden.
Koch (ebenda XVII. 1867. p. 241 ff.) beschrieb Ixodes deco-
rosus n. A. von Hydrosaurus giganteus. Moreliae von Morelia Ar-
gus, varani von Hydrosaurus giganteus, Smaridia extranea und Ga-
masus flavolimhatus, sämmtlich von Brinsbane.
Donn adieu, Recherches anatomiqiics et zoologi-
ques sur le genre Trichodactyle (Annal. scfenc. natnr,
5. s4r. Zoologie X. p. 69 — 84. pl. 1). Verf. unterwirft
den äusseren Körperbau, d. b. das Hautskclet des Rum-
pfes und der Gliedmaassen von Trichodactylus Osmiae
Duf. und von Trich. xylocopae n. A. einer detaillirten
Schilderung und berichtigt mehrere von Dufour über
erstere Art gemachte Angaben, z. B. die Bildung der
Beine betreffend. Er stellt die Charaktere der von D u-
four errichteten Gattung von Neuem fest und erörtert
die Unterschiede des Trich. xylocopae von der erstge-
nannten Art.
Lucas, Un mot sur le Tetranychns lintearius, Arachnide tra-
cheenne de la tribu des Acaridies (Annal. soc. entom. de France
4. ser. VIII. 1868. p. 741—743). Verf. beobachtete die ausgedehn-
ten Gewebe dieser Acaride. welche wie feines Leinenzeug aussehen,
in grosser Menge bei Roseoff anUlex Europaeus. Neben ausgewach-
senen Individuen fand er fhich die sechsbeinigen Jungen.
Guerin-Me uev ille, On the development of small Acari
in Potatoes (Annais of nat. bist. 3. ser. XIX. 1867. p. 71 f ) üeber-
setzung aus Compt. rendus Octbr. 18G6. p. 570 f.).
Nach A. Fumouze (De la Cantharide officinale, 1867) wer-
den die in den Handel gebrachten Canthariden-Präparate von fünf
Acarinen angegriffen: Tyroglyphus longior Gerv., Tyr. Siculus n. A.
(von Robin und Fumouze hier beschrieben), Glyciphagus cursor
Gerv. und spinipes Koch und Cheyletus eruditus Latr. (Rev. et
Magas. de Zool. 2. ser. XIX. 1867. p. 453).
lieber das Vorkommen von Milben auf Insekten, kurze Notiz
162 Gerstaecker: Bericht üb. d. wisseusch. Ijeist. im Gebiete
von F. Loew, siehe: Verhandl. d. zoolog.-botan. Gesellsch. zu Wien
XVII. 1867. p. 745.
Pantopoda.
Hesse (Annal. scienc. natur. 5. ser. Zool, VII. p. 199 ff., pl. 4)
machte eine neue Gattung Oi ceobathes (? !) bekannt, welche sich
durch die beiderseits erweiterten vier beintragenden Körperseg-
mente, das ungegliederte lanzettliche Abdomen und die stark ge-
dornten Beine, an welchen die vier Basalglieder kurz, das vierte
blasig angeschwollen, kuglig oder eiförmig, die drei folgenden lang-
gestreckt sind, auszeichnet. — Art: Oic. arachne, 6—7 Mill. lang,
bei Brest auf Meerespflanzen, 50 Metres tief gefunden. — Ferner :
Phoxichüus inermis n. A., am Kiel eines aus dem Mittelmeer zu-
rückgekehrten Schiffes angetroffen.
Grube (Mittheilungen über St. Vaast-la-Hougue und seine
Meeresfauna p. 25 ff., fig. 4—6) gab von Abbildungen begleitete,
nochmalige Charakteristiken von Ammothea longipes Hodge (?),
Achelia echinata Hodge und Pallene brevirostris Johnst.
Derselbe (Bericht über die Thätigk. d. naturwiss. Sekt. d.
Schlesisch. Gesellsch. f. vaterl. Cultur im J. 1868. p. 28 f.) handelte
über einige neue und weniger bekannte Pycnogoniden des ßreslauer
Museums: Nymphon longiceps n. A. aus dem Chinesischen Meere
und eine vielleicht mit Phoxichilidium chiragrus M. Edw. identische
Art von derselben Lokalität, beide vorläufig ckarakterisirt. Eine
dritte, noch im Larvenstadium befindliche Art aus Australien wird
als Pycnogoniim australe n. A. bezeichnet.
3. Crustaceen.
M. Seh ultze, Untersuchungen über die zusammen-
gesetzten Augen der Krebse und Insekten. Mit zvv^ei
col. Taf. Bonn 1868. (Zur Feier des 50jährigen Doctor-
Jubiläums seines Vaters, des Geh. Mediz. Raths Dr. C. A.
Schultze) fol. 32. pag. (Auch im Auszuge mitgetheilt
unter dem Titel: ^^Ueber die Endorgane der Sehnerven
im Auge der Gliederthiere" im Archiv f. raikroskop.
Anatom. III. 1867. p. 404—408). Die Theile des zusam-
mengesetzten Arthropoden-Auges, welchen Verf. vorwie-
gend seine Aufmerksamkeit zugewendet hat, sind die
Crystallkegel und die sich ihnen nach hinten anreihen-
den nervösen Sehstäbe, welche bekanntlich von Leydig
als continuirliche Theile eines und desselben Gebildes
d. Myriopodeu, Arachniden u. Crastaceen währ. d. J. 1867 - 68. 168
in Anspruch genommen worden sind. Verf. ist durch
seine Untersuchungen sowohl für die Krebse wie für die
Insekten zu dem Resultat gekommen, dass die Nerven-
stäbe stets gegen die Crystallkcgel scharf abgesetzt auf-
hören ; letztere sitzen mit einem vierzipfligen Ende auf
einer halbkugligen Anschwellung des Nervenstabes auf,
ohne mit demselben in Continuität zu stehen. An dem
Crystallkcgel von Astacus und Palaemon weist Verf.
eine Diffcrenzirung in drei aufeinanderfolgende Abthei-
lungen, deren mittlere vorn und hinten convex endigt
und stärker lichlbrechend als die vordere und hintere
erscheint, nach; bei Carcinus raaenas fehlt eine solche
Scheidung vollständig. Eine Schichtung ist in diesen
viertheiligen Crystallkegeln nirgends nachweisbar. Da-
gegen stellt sich für die Nerven-(Seh-)Stäbe eine deut-
liche Plättchenstruktur heraus, welche jedem der vier
Längsstränge, aus denen ein Nervenstab besteht, beson-
ders eigen ist. Beim Flusskrebs, wo der Nervenstab
(frisch untersucht) roscnroth erscheint, wechseln farblose
und rothe Plättchen ab und zwar springen erstere seitlich
stärker hervor ; die farblosen sind schwarz pigmentirt
und weniger quellbar als die rothen, welche durch Ver-
änderung schnell in den von Job. Müller angegebenen
,^gewundenen Schlauch" übergehen. Gewöhnlich sind
beim Flusskrebs 18 bis 20 Schichten nachweisbar, doch
kommen auch längere Spindeln mit 30 und mehr vor;
die Dicke der einzelnen Plättchen beträgt 6 bis 8 Mlkro-
millim. Bei Carcinus maenas ist die Zahl der Plättchen,
welche auch hier abwechselnd hell und pigmentirt sind,
sehr viel grösser, ihre Dicke sehr viel geringer. — Auf
Grund dieser Strukturdifferenz sieht Verf. die Crystall-
kegel in Gemeinschaft mit den Cornealinsen als dioptri-
sche, die Sehstäbe dagegen als percipirende Apparate an.
Hesse setzte seine „Observations sur des Crustac^s
rares ou nouveaux des cotes de France" während d. J.
1867—68 mit sechs ferneren Abschnitten fort, welche
theils Nachträge zu früher behandelten Gruppen, wie
den parasitischen Copepoden und den Peltogastrinen,
enthalten, theils neue Arten aus den Familien der Cu-
164 Gers taecker: Bericht üb. d. wisseiiscli. Leist. im Gebiete
maceen und der freilebenden Copepoden, so wie aus den
— vom Verf. noch den Crustaceen beigezählten — Pan-
topoden zur Kenntniss bringen. Andere Formen, wie
z. B. Limnoria, werden bezüglich ihrer Lebensweise,
noch andere, wie die Cirripedien, in ihrer Entwickelungs-
geschichte, wenn auch nicht mit besonderem Glück und
mit der nötliigen Kritik , erörtert , wie denn überhaupt
die Arbeiten des Verf.'s neben einer grossen Weitschwei-
figkeit in der Darstellung den Mangel einer gründlichen
Kenntniss des Gegenstandes vielfach zur Schau tragen,
von seinen barbarischen Namenbildungen, welche er mit
den meisten seiner Landsleute theilt, gar nicht zu reden.
— Die Titel der einzelnen Abschnitte sind folgende: 11.
article. Memoire concernant deux Crustaces nouveaux
trouves parrai des Balanes sillonnöes (Baianus sulcatus)
et des Anatifs lisses (Anatifa laevis) in: Annal scienc.
natur. 5. s6\ VIL 1867. p. 123-15L pl. 2 et 3. — 12.
article. Memoire sur les nouveaux genres Oiceobathe, Upe-
rogcos et Sunariste (ebenda VII. p. 199 — 216. — 13. et
14. article. Description de deux Sacculinidiens, d'un Pel-
togaster, d'un Polychliniophile et de deux Cryptopodes
nouveaux (ebenda 5. s^r. VIIL p. 377 — 381 und 5. s^r.
IX. 1868. p. 53—61). — 15. article. Description d'un
nouveau Crustace appartenant au genre Limnoria (ebenda
5. ser. X. 1868. p. 101— 119. pl. 19). — 16. article. Re-
cherches sur les Cumades, description de cinq nouvelles
cspeces de ce genre (ebenda 5. ser. X. 1868. p. 347 — 370.
pl. 19).
Indem wir in Betreff des Inhalts von Art. 12. bis 16. auf den
speciellen Theil des Berichtes verweisen, glauben wir auf denjeni-
gen des 11. schon hier eingehen zu müssen, weil Verf. darin ganz
verschiedenartige Crustaceeu-Formen. wie Cirripedien und Isopoden
in genetische Beziehungen zu einander bringt, ohne dafür einen
anderen Anhalt als ihr gemeinsames Vorkommen zu habei}. Von
Baianus sulcatus und Analifa laevis bildet er die (bereits hinrei-
chend bekannte) aus dem Ei hervorgehende Nauplius-Form ab und
giebt von derselben eine (nichts Neues enthaltende) Charakteristik.
Im Anschluss hieran giebt er Beschreibungen und Abbildungen
mehrerer auf einander folgender Jugendstadien zweier Isopoden aus
der Familie der Bopyrinen, von denen er nach ihrem Zusammen-
d. Myriopoden, Arachiiiden u. Crustaceen währ. d. J. 1867 — 68. 165
leben mit den genannten Cirripedien annehmen zu dürfen glaubt
oder sich selbst wenigstens einzureden versucht, dass sie die wei-
teren Entwickelungsphasen jener Nauplius-Formen darstellen. Ja
er will sogar, lediglich auf diese Vermuthung der Zusammengehö-
rigkeit hin die Bopyrinen, deren formelle Aehnlichkeit mit jenen
Larven er selbst anerkennt, als nahe Verwandte der Cirripedien in
Anspruch nehmen. Dass jene von ihm beobachteten Isopoden-
Larven^ welche er mit Liriope pygmaea und Bopyrus abdominalis
Kroyer in Vergleich bringt, einem ganz anderen P^ormenkreise an-
gehören könnten^, scheint dem Verf. gar nicht in den Sinn gekom-
men zu sein; ebenso wenig muss er davon Kenntniss haben, dass
die Entwickelungsreihe der Cirripedien schon seit 35 Jahren in
ihren Hauptzügen und seit mehr als zehn Jahren vollständig be-
kannt ist.
A history of the British sessile-eyed Crnstacea by C.
Spence Bäte and J. 0. Westwood. VoL IL London,
1868. (536 pag. in 8.) Mit Ausnahme der beiden ersten
Lieferungen (p. 1 — 98), welche bereits im vorigen Jahresbe-
richte erwähnt wurden, ist der jetzt vollständig vorlie-
gende zweite Band des Werkes während d. J. 1867 — 68
publicirt worden. Derselbe enthält auf p. 99 — 495 eine
sehr umfassende systematische Bearbeitung der Britischen
Isopoden, in einem Appendix (p. 497— 530) ausserdem
Nachträge und Verbesserungen zu den früher abgehan-
delten Amphipoden. Auch in dem vorliegenden Ab-
schnitt ist das Werk durch die ebenso sorgsame wie aus-
führliche Charakteristik der Gattungen und Arten, so
wie durch seine reiche Ausstattung mit charakteristischen
Darstellungen derselben in Holzschnitt als ein für die
Bestimmung besonders nützliches und brauchbares zu
bezeichnen und wird mit Ausnahme der (in England,
wie es scheint, verhältnissmässig schwach vertretenen)
Land-Isopoden den nordeuropäischen Artenbestand der
betreffenden Ordnungen in so überwiegender Mehrzahl
umfassen, dass es auch für den ausserenglischen Carci-
nologen als ein mannigfache Belehrung bietendes Hand-
buch gelten kann. Leider ist der Preis von fast 20 Thalern
für zwei Oktav Bände ein unverhältnissmässig hoher.
Ein durch reichen Inhalt und schöne Ausstattung
gleich hervorragendes Werk über die Süsswasser-Krebse
Archiv für Naturg. XXXV. Jahrg. 2 Bd. Jj-
166 Gerstaecker: Bericht üb. d. wissensch. Leist. im Gebiete
Norwegens hat G. O, Sars unter dem Titel: „Histoire
naturelle des Crustaces d'eau douce deNorvege" begonnen.
Die im J. 1867 erschienene erste Lieferung (Christia-
nia 1867. 4. 145 pag. c. tab. 10 aen.) desselben er-
streckt sich auf die Malacostraken und behandelt ab-
gesehen von dem allbekannten Astacus fluviatilis alle
dieser Gruppe angehörigen^ im süssen Wasser vorkom-
menden Norwegischen Arten^ deren es bekanntlich eine
grössere Zahl als in Mittel-Europa giebt. Von Schizo-
poden die Mysis oculata Fabr. var. rellcta, von Amphi-
poden den Gammarus neglectus Lilljeb., die Pallasea
cancelloides Gerstf. var. quadrispinosa Esm., den Gamma-
racanthus loricatus Sab. var. lacustris und die Pontopo-
reia affinis Lindstr., von Isopoden den Asellus aquaticus
Linn. Verf. hat diese Arten nach allen Seiten hin, in
zoologischer, morphologischer, anatomischer und embryo-
logischer Beziehung auf das Eingehendste untersucht und
bearbeitet, so dass bei allen ferneren Forschungen über
dieselben auf sein Werk zurückgegangen werden muss.
Besonders ist auf die anatomischen Untersuchungen von
Mysis und Gammarus, auf die Embryologie von Gamma-
rus und Asellus und auf die Entwickelung der Sperma-
tozoon bei Mysis und Asellus zu verweisen. Die sehr
reich ausgestatteten, von Loevendal vorzüglich ge-
stochenen Tafeln enthalten stark vergrösserte Abbildun-
gen sowohl der behandelten Arten selbst als ihrer ein-
zelnen Skelettheile und Organe.
M. Sars, Bidrag til Kundskab om ChristianiaFj Or-
dens Fauna. (Christiania, 1868. 104 pag. in 8. tab. 7 aen.).
In diesem selbstständig erschienenen Werkchen behandelt
der jetzt verstorbene hochverdiente Verf. in sehr um-
fassenden und eingehenden, durch vortreffliche Abbil-
dungen illustrirtcn Beschreibungen eine kleine Anzahl Nor-
wegischer Meeres-Crustaceen, welche mit einer Ausnahme
schon früher von ihm provisorisch bekannt gemacht wor-
den sind. Fünf derselben gehören den Decapoden: Pon-
tophilus Norvegicus Sars, spinosus Leach, Orangen echi-
nulatus Sars, Pasiphae Norvegica Sars und sivado Risso,
eine den Isopoden; Munnopsis typica Sars, an.
d. Myriopoden, Arachniden u. Crustaceen währ. d. J. 1867 — 68. 167
Ach. Costa, Saggio della collezione de' Crostacei
del Mediterraneo del Museo Zoologico della Universitä.
di Napoli (Annuario del Museo zoologico della R. Uni-
versitc\ di Napoli, Anno IV. 1867. p. 38-46). Verf. stellt
ein systematisches Verzeichniss von 72 im Golf von Ne-
apel, bei Tarent, Messina u. s. w. vorkommenden Crusta-
ceen zusammen, welches 30 Decapoden, 1 Schizopoden,
27 Amphipodcn, 1 Laemodipoden, 10 Isopoden und 3 En-
tomostraken umfasst. Bei einigen Arten sind erläuternde
Bemerkungen beigefügt. Guerinia Nicaeensis Costa und
Jaera Hopeana Costa v^erden auf der beifolgenden Taf. 3
abgebildet.
J. Marcusen, „Zur Fauna des schwarzen Meeres,
Vorläufige Mittheilung^ (dies. Arch. f. Naturgesch. XXXIII.
1867. p. 357—363) lieferte durch Aufzählung der im
schw^arzen Meere bis jetzt aufgefundenen und durch
seine eigenen Nachforschungen ansehnlich vermehrten
Crustaceen den interessanten Nachweis, dass dasselbe
nicht dem Faunengebiet des Mittelmeeres angehöre, viel-
mehr in seinen Crustaceen eine ausgedehntere Ueber-
einstimmung mit den nordischen Meeren bekunde. Die-
jenigen Arten, welche das schwarze Meer mit dem mit-
telländischen gemein hat, sind, wie Carcinus maenas,
Xantho rivulosus, Eriphia spinifrons, Portunus holsatus,
Porcellana longicornis, Pachygrapsus marmoratus u. A.,
überhaupt weit verbreitet, während die dem ersteren
eigenthümlichen Arten dem letzteren fehlen. Ueberein-
stimmungen mit den nordischen Meeren geben dagegen
die Cumaceen, Bathyporeia, Podocerus, Siphonoecetes,
Mysis, Fabricia quadripunctata u. A. an die Hand. Einen
Anhalt hierfür liefert vielleicht der Salzgehalt, welcher
im Sund und Kattegat 11 bis 19, im schwarzen Meere
15, im Mittelmeer dagegen 36 bis 39 Tausendtheile be-
trägt.
Die vom Verf. vorläufig nur namentlich aufgeführten Cru-
staceen des schwarzen Meeres belaufen sich auf 57 Arten, von wel-
chen 7 den Brachyuren, 2 den Anomuren, 6 den Macruren, 5 den
Schizopoden (Mysis, Podopsis), 3 den Cumaceen, 22 den Amphipo-
den, 4 den Isopoden, 5 den Copepoden, 1 den Ostracoden und 3 den
Balaniden angehören.
168 Ger staecker: Bericht üb. d. wissensch. Leist. im Gebiete
Derselbe Gegenstand wurde in umfassenderer Weise
von Voldemar Czerniavsky in einer russisch ge-
schriebenen Abhandlung unter dem gleichzeitigen Titel:
Materialia ad zoographiam Ponticam comparatam, Basis
genealogiae Crustaceorum (120 pag. in gr. 4. c. tab. 8
lith. Octbr. 1868j behandelt. Die in derselben vom Verf.
gegebene faunistische Uebersicht der im Schv\rarzen Meere
einheimischen Crustaceen erstreckt sich auf sämmtliche
Ordnungen bis zu den Cirripedien herab und umfasst
die ansehnliche Zahl von 93 Arten^ welche, so weit sie
bereits bekannt sind, in ihren lokalen Abänderungen und
in ihrer Synonymie eingehend erörtert werden, während
für die neuen eine ausführliche, durch zahlreiche Detail-
zeichnungen erläuterte Charakteristik gegeben wird. (In
Rücksicht auf den reichen Inhalt der Arbeit ist es zu
bedauern, dass dieselbe nicht in deutscher oder fran-
zösischer Sprache abgefasst ist; glücklicher Weise ist
wenigstens den russischen Beschreibungen der ziemlich
zahlreichen neuen Arten eine lateinische Diagnose bei-
gefügt.) Die vom Verf. verzeichneten Arten vertheilen
sich auf die einzelnen Ordnungen folgendermassen: Cir-
ripedia 3, Copepoda 18, Ostracodea 4, Phyllopoda 3, Iso-
poda 14, Laemodipoda 5, Amphipoda 27, Decapoda 19
(Cumacea 1, Schizopoda 1, Macrura 7, Anomura 2, Bra-
ch yura 8). Ausserdem werden vier Larvenformen (Ba-
ianus und 3 Zoea) erwähnt.
Packard, Observations on the Glacial Phaenomena
of Labrador and Maine, with a view of the recent inver-
tebrate Fauna of Labrador (Memoirs read before the
Boston soc. of nat. bist. I. 2. p. 210—303. pl. 7 u. 8. Bo-
ston 1867. 4.). Von Crustaceen, welche in den Glacial-
schichten Labradors bis jetzt beobachtet worden sind,
erwähnt Verf. Baianus porcatus, rugosus und Hammeri,
Eupagurus Bernhardus, Cancer borealis und Hyas aranea.
Die lebenden Crustaceen der Fauna Labrador's belaufen
sich nach der vom Verf. (p. 295—303) gegebenen Zusam-
menstellung auf 65 Arten, nämlich: Cirripedia 5, Lernae-
odea 1, Ostracodea 1, Phyllopoda 3, Isopoda 7, Amphi-
poda 26, Cumacea 1, Schizopoda 1, Macrui'a 14, Pagu-
d. Myriopoden, Arachniden u. Crustaceen währ. d. J. 1867 — 68. 169
rina 2, Brachyura 4. Einige Isopoden und Amphipoden
werden als neu beschrieben und abgebildet.
V. Märten s behandelte in einem Aufsatze: ^jUeber
einige Ostasiatische Süsswasserthiere" (Archiv f. Natur-
gesch. XXXIV. 1868. p. 1—64. Taf. 1) mit besonderer
Ausführlichkeit die im süssen und im Brackwasser vor-
kommenden Crustaceen aus den Ordnungen der Deca-
poden, Amphipoden und Isopoden, indem er neben den
hier speziell in Betracht gezogenen Ostasiatischen Arten
und Gattungen auch auf diejenigen der übrigen Welt-
theile eingeht. Von Brachyuren kommen für Asien Tel-
phusa als Süsswasser-, öesarma und Gelasimus als Brack-
wasserformen in Betracht. Während von Anomuren
solche aus der alten Welt überhaupt nicht bekannt ge-
worden sind, hat sich unter den Macruren nach und nach
eine ganz ansehnliche Zahl als Süsswasserformen ergeben.
Ausser Astacus mit den Untergattungen Cambarus, En-
gaeus, Cheraps und Astacoides sind die Palaemonen im
engeren Sinne (mit zwei hintereinanderfolgenden Stacheln
am vorderen Theil des Cephalothorax), wie es scheint,
sämmtlich Süsswasserkrebse. Dasselbe ist mit Atya
(nebst Untergattung Atyoidea), Caridina und Atyephyra
(Ephyra compressa de Haan) der Fall, während Ephyra
Roux marine Arten enthält. Von Tetradecapoden wird
aus den Gattungen Orchestia und Aega je eine Süss-
wasser-Art zur Kenntniss gebracht.
Frauenfeld stellte in seinen „Beiträgen zur Fauna
der Nicobaren^ (Verhandl. d. zoolog. bot. Gesellsch. zu
Wien XVIII. 1868. p.293 f.) ein systematisches Verzeich-
niss der 88 an der genannten Lokalität gesammelten Cru-
staceen, meist den Decapoden angehörig, zusammen.
Spence Bäte, Carcinological Gleanings n. III.
(Annais of nat. bist. 4. ser. I. 1868. p. 442—448. pl. 21)
machte briefliche Mittheilungen Cunningham's über einige
an der Küste Süd-x\merika's (zwischen Rio Janeiro und
der Maghellans-Strasse) beobachtete Crustaceen verschie-
dener Ordnungen bekannt und bestimmte dieselben als
Alima hyalina (welche er für die Larvenform von Squilia
ansieht), Ligia spec, Idotea annulata Dana, Themisto ant-
170 G erstaecker:_^Bericht üb. d. wissenscli. Leist. im Gebiete
arctica Dana, Galathea monodon Edw., Uca nov. spec.
und Caprella dilatata Dana.
Derselbe, Carcinological Gleanings n. IV. (Annais
of nat. bist. 4. ser. IL 1868. p. 112—121. pl. 9—10, Ab-
stract from the report of the Committee appointed to
explore the Marine Fauna and Flora of the Soutb Coast
of Devon and Cornwall in: Report Brit. associat. for 1867.
p. 275 — 284) machte eine Reihe von Mitttheilungen über
seltnere, an den Englischen Küsten vorkommende Deca-
poden, welche er theils in ihrer Synonymie, theils in
ihren Merkmalen erörtert, so wie ferner über die Larven-
formen der Gattungen Porcellana, Pagurus und Palinurus.
Diejenige der letzteren Gattung stellt er in näheren
Vergleich mit Phyllosoma, welches ihm als spätere Ent-
wickelungsform von Palinurus zweifelhaft erscheint; von
Pagurus beschreibt er drei verschiedene Larvenstadien,
deren letztes sich der ausgebildeten Form schon nahe
anzuschliessen scheint. (Auffallend iöt es, dass Verf. bei
Behandlung dieses Gegenstandes nicht auf die wichtigen
und zum Theil (Phyllosoma) viel umfassenderen Beobach-
tungen von Claus und Fr« Müller eingeht.) Von
den drei beifolgenden Tafeln erläutern die beiden ersten
die Larvenformen der drei genannten Gattungen mit
Einschluss von Phyllosoma, die dritte einige weniger
bekannte ausgebildete Formen.
Die Abbildungen, welche Verf. von dem ersten Larvenstadium
(Zoea-Form) der Gattungen Porcellana und Pagurus giebt, sind
flüchtige Skizzen, welche den von Fr. Müller publicirten weit
nachstehen; ebenso enthalten seine von denselben gegebenen Cha-
rakteristiken nichts Neues. Eine zweite, weiter vorgeschrittene Lar-
venform von Pagurus — vom Verf. dieser Gattung wenigstens zu-
geschrieben — hat noch einen langen Stirnstachel, ungestielte Au-
gen, einen grossen, schuppenförmigen Appendix an den unteren Füh-
lern, hinter den Mundtheilen drei Paare längere Spaltbeine, das
Postabdomen sehr laug und dünn, sechsringlig, am zweiten bis fünf-
ten Ringe bereits die Pedes spurii entwickelt. Das dritte Ent-
wickelungsstadium, dessen Körpergrösse leider nicht angegeben ist,
zeigt etwa den Habitus einer Callianassa. Die Augen sind gestielt,
über den Stirnstachel hinwegragend, das vordere Beinpaar schee-
renförmig, gross, unsymmetrisch, von den vier folgenden nur die
beiden ersten von grösserer Längsausdehnung, die beiden hinteren
d. Myriopoden, Arachüiden u.Crustaceen währ. d. J. 1867 — 68. 171
dagegen noch stnmmelförmig ; das Postabdoraen (nach der Abbil-
dung) deutlich fünfringlig, die einzelnen Ringe scharf von einander
abgegrenzt und mit Spaltbeinen versehen. Ein einzelnes , so gestal-
tetes Exemplar wurde an einem warmen Junitage nahe der Ober-
fläche des Meeres schwimmend angetroffen; Verf. glaubt, dass die
Paguren sich in dieser Form leere Schneckengehäuse aufsuchen,
denn er fand Exemplare von geringerer Grösse, aber in einem be-
reits weiter vorgeschrittenen Stadium der Entwickelung schon im
Besitz solcher. — Die Zweifel, welche Verf. gegen die Zugehörigkeit
von Phyllosoma zu der Entwickelungsreihe der Palinuren äussert,
basiren 1) auf der ungewöhnlichen Grösse dieser Form bei wenig
veränderter Gestalt (der von Couch bekannt gemachten Palinurus-
Larve gegenüber; 2) auf der verhältnissmässig ausgebildeten Form
der Fühlhörner bei Phyllosoma; 3) auf der rudimentären Bildung
der Mundtheile ; 4) auf der Seltenheit der Phyllosomen an den Kü-
sten Englands, wo Palinurus sehr häufig ist und 4) auf der Anwe-
senheit der Kiemenblasen an der Basis der Phyllosomen-Beine, wo
sie bei der Palinurus-Larve fehlen. Die beiden letzten Argumente
hält Verf. indessen selbst nicht für stichhaltig.'
Im Uebrigen behandelt Verf. Galathea bamffica (Munida Ron-
deletii Bell), Galathea digitidistans (!) n. sp., vielleicht nur eine
Varietät von Gal. squamifera, das Vorkommen von Scyllarus arctus,
von dem neuerdings einige Exemplare an der Küste Englands ge-
fischt worden sind, die Synonymie von Homarus vulgaris, welche
er Homarus marinus Fab. zu nennen vorschlägt, die Reproduktion
eines verloren gegangenen Fühlhornes bei dieser Art (nach den
Beobachtungen von Lloyd im Hamburger Aquarium) — , ferner die
Identität von Orangen fasciatus und sculptus, das Vorkommen von
Alpheus Edwardsii an der Englischen Küste, Typton spongiosus n.
A. (mit nochmaliger Charakteristik der Gattung Typton Costa =
Pontonella Heller), Nika Couchii, welche er nur für eine Varietät
von Nika edulis hält, endlich Hippolyte Barleei, w^elche er auf Hip.
Cranc hü zurückführt.
Desselben Verf.'s Report of the Comittee appointed
to cxplore the Marine Fauna and Flora of the South
Coast of Devon and Cornwall, n. 2 (Report of the Brit.
associat. for advanc. of science hold at Dundee, Septb.
1867. London 1868. p. 275—287) enthält ausser den vor-
stehenden, in den Annais of nat. hist. reproducirten No-
tizen ein systematisches Verzeichniss der an der Süd-
küste von Devon und Cornwall aufgefundenen Dccapoden
mit speciellen x\ngaben über ihre Tiefen-Verbreitung,
ihre Häufigkeit und über die ßodenbeschafFenheit ihres
172 Gerstaecker: Bericht üb. d. wissensch. Leist. im Gebiete
Fundorts. Es werden 27 Brachyuren, 15 x\nomuren und
18 Macruren aufgezählt. In Betreff der Tiefen-Verbrei-
tung ist Verf. der Ansicht, dass sie vorwiegend durch
die Nahrung bedingt wird und von dem Vorkommen
dieser in Abhängigkeit steht ; es wird dies dadurch sehr
wahrscheinh'ch, dass einzelne Arten in sehr verschiedenen
Tiefen, z. B. Eurynome aspera von 4 bis 40, Xantho tu-
berculatain 4 bis 45 Faden Tiefe beobachtet worden sind.
AI fr. Norman, Report of the Committee appoin-
ted for the purpose of exploring the coasts of the He-
brides by means of the dredge. Pt. IL On the Cru-
stacea, Echinodermata, Polyzoa, Actinozoa and Hydrozoa
(Report Brit. associat. f. advanc. of science 1866, at Not-
tingham p. 193 — 203). — Die an der Küste der Hebriden
erbeuteten Crustaceen belaufen sich auf 212 Arten, welche,
in systematischer Reihenfolge aufgezählt, sich in fol-
gender Weise vertheilen: Brachyura 16, Anomura 10,
Macrura 14, Schizopoda 2, Cumacea 2, Amphipoda 51,
Isopoda 10, Phyllopoda 1, Ostracodea 64, Copepoda 22,
Cirripedia 3 A. Ausserdem werden 15 Süsswasser-Arten
aus den Abtheilungen der Daphnioiden, Ostracoden und
Cyclopiden verzeichnet. Als neu werden sechs Arten
beschrieben.
V er rill, Remarkable instances of Crustacean Pa-
rasitism (Silliman's Americ. Journ. 2. ser. XLIV. 1867.
p. 126. Annais of natur. bist. 3. ser. XX. 1867, p. 230).
Verf. fand in etwa 90 Exemplaren eines kleinen Seeigels
von der Peruanischen Küste (Euryechinus imbecillis)
ausnahmslos die mit Pinnotheres verwandte Fabia Chi-
lensis Dana zu je einem weiblichen Exemplare vor, wäh-
rend das kleinere Männchen zuweilen zwischen den Sta-
cheln der Oberfläche sass. Durch den Parasiten, welcher den
Seeigel nicht verlassen, sondern nur seine Beine aus einer
Oeffnung hervorstrecken kann, wird die Schale des Echinus
deformirt; sie zeigt eine seitliche Anschwellung und eine
grosse Oeffnung, welche in die den Krebs umgebende
Cyste einmündet. Verf. vermuthet, dass Pinnaxodis hir-
tipes Heller mit jener Art identisch sei. — Der von
Stimpson beschriebene Hapalocarcinus marsupialis setzt
d. Myriopoden. Arachniden u. Crustaceen währ. d. J. 1867 — 68. 173
sich nach Verill's Beobachtung zwischen die Veräste-
lungen der Poecilopora caespitosa Dana fest und verur-
sacht eine Wucherung der Corallenmasse, welche schliess-
lich so um ihn heruinwächst, dass er wie in einen Käfig
eingeschlossen ist.
Nach Semper's Beobachtung (Einige Worte über
Euplectella aspergillum Owen und seine Bewohner, Ar-
chiv f. Naturgesch. XXXIIL 1867. p. 84 ff.) findet sich
im Innern des Kieselgerüstes von Euplectella aspergillum
einerseits eine Aega-Art (vom Verf. als Aega spo7igiophtla
n. sp. beschrieben) , andererseits und noch häufiger ein
bis jetzt nicht näher bekannter Palaemonide und zwar
stets in einem männlichen und einem weiblichen Exem-
plare vor.
H. Wo od ward, öecond and third report on the
structure and Classification of the fossil Crustacea (Report
Brit. associat. f. advanc. of science 1866. p. 179 — 182 und
1867. p. 44 — 46) gab eine vorläufige Uebersicht über die
hervorragendsten neueren Funde im Bereich der fossilen
Crustaceen.
Eine neue Gattung Discinocaris mit der Art: Disc. Brow-
niana schliesst sich zunächst an Peltocaris au. Von Limuliden hat
Verf. neuerdings aus den Kohlenlagern von Kilmaurs (Dudley) Formen
erhalten, welche einerseits einen deutlichen Anschluss an die älte-
ren Eurypteriden, andererseits an die lebenden Limulus erkennen
lassen. Die beiden Unterordnungen der Eurypteriden und Xiphosu-
ren charakterisirt Verf. hier in gleicher Weise, wie in seiner vor-
jährigen Monographie der erstereu.
H. Woodward^ A monograph of the British fossil
Crustacea belonging to the Order Merostomata, Part IL
(London 1869. 4. p. 45 — 70. pl. 10— 15) in: Palaeontograph.
Society of London for 1868. — Diese Fortsetzung, der im
vorigen Jahresberichte erwähnten Abhandlung des Verf.
über die fossilen Eurypteriden beschäftigt sich ausschliess-
lich mit der Erörterung des Pterygotus bilobus Salter,
welcher in einer Reihe ausgezeichneter Exemplare ab-
gebildet wird.
Reuss, Ueber einige Crustaceen-Reste aus der al-
pinen Trias Oesterreichs (Sitzungsber. d. Akad. d. Wis-
174 Gerstaecker: Bericht üb. d. wissensch. Leist. im Gebiete
sensch. zu Wien, math. naturw. Klasse LV. 1. 1867.
p. 277—284, mit Taf.). Verf. beschreibt die Fragmente
der Rückenschale eines von ihm den Phyllopoden zuge-
rechneten Crustaceum, welches er mit den Silurischen
Formen Discinocaris und Peltocaris als zunächst ver-
wandt ansieht und auf welches er eine besondere Gat-
tung Aspidocaris mit der Art: Äsp, triasica gründet.
Ausserdem wird eine neue Art der Poecilopoden-Gattung
Halicyne von 34 Millim. Länge als Halio. elongata und
eine neue Ostracode aus den Raibler Schichten als Cy-
there fraterna beschrieben.
Decapoda.
Vict. Lemoine, Recherches pour servir a Phi-
stoire des systemes nerveux, musculaire et glandulaire
de l'Ecrevisse (Annales d. scienc. natur. 5. ser. Zool. IX.
p. 99—280. pl. 6—11. und X. p. 5—54). Verf. handelt in
dieser umfangreichen Abhandlung zunächst über die hi-
stiologische Struktur und die Physiologie des Bauchmarkes
vom Flusskrebs, welche letztere er durch eine Reihe von
Experimenten näher zu beleuchten unternimmt. Er be-
schreibt die Erscheinungen, welche die Abtragung des
einen Fühlcrnerven, die Zerstörung des einen Gehirn-
lappens, die Durchschneidung der beiden Pedunculi cere-
brales, resp. des einen derselben, die Zerstörung des un-
teren Schlundgangiion, die Durchschneidung des Bauch-
markes hinter letzterem, hinter dem Ganglion des ersten
Beinpaares , ein Einschnitt in die Commissur zwischen
dem dritten und vierten Thoraxganglion, die Trennung
des Bauchmarkes zwischen Cephalothorax und Abdomen
u. s. w. zur Folge gehabt und stellt die Resultate seiner
Experimente mit denjenigen früherer Autoren in Ver-
gleich, ohne sie jedoch zu resumiren. In gleicher Aus-
führlichkeit behandelt er die Struktur der einzelnen Sin-
nesorgane so wie die Morphologie und Histiologie des
sogenannten sympathischen Nervensystems. Der zweite
x\bschnitt behandelt einerseits das animale Muskelsystem,
andererseits die Anatomie und Struktur des Herzens;
d. Myriopodeii, Arachuiden u. Crustaceen währ. d. J. 1867—68. 175
der dritte geht auf das Hautpiginent, die Blutkörperchen,
die Darmdrüsen, die Leberorgane, die Hoden, die grüne
Drüse und den Ausführungsgang derselben ein. Der
grosse Umfang der durch zahlreiche iVbbildungen erläu-
terten Darstellung und der Mangel einer Zusammenstel-
lung der aus den Beobachtungen des Yerf.'s sich erge-
benden neuen Fakta lässt uns von einem näheren Ein-
gehen auf den Inhalt der Arbeit absehen. In jedem Fall
ist dieselbe schon wegen der Fülle der darin niederge-
legten Untersuchungen der Beachtung zu empfehlen.
Claus (Ueber die Gattung Cynthia, Zeitschr. f.
wissensch. Zoologie XVIII. 1868. p. 272 ff.) macht auf
den wesentlichen Unterschied der männlichen Begattungs-
organe bei Cynthia und Euphausia (Thysanopoda) auf-
merksam. Beim Männchen der ersteren Gattung findet
sich am letzten Beinpaar des Cephalothorax ein Anhang,
welcher das mit Spermatozoen gefüllte untere Ende des
Vas deferens in sich aufnimmt; die an demselben lie-
gende Geschlechtsöffnung wird, wie bei Mysis, von einem
kurzen, fingerförmigen Zapfen überragt. Mit der Aus-
bildung eines solchen Penis steht der Mangel spermato-
phorenartiger Hüllen der Samenmasse in Verbindung.
Bei Euphausia, wo der Penis fehlt, werden ganz ähnliche
Spermatophoren wie bei den Calanideu producirt, die-
selben auch in analoger Weise nahe den weiblichen Ge-
schlechtsöffnungen angekittet. Mit letzterem Akt steht
offenbar die Umbildung der beiden vorderen Abdominal-
Fusspaare des Männchens im Zusammenhang.
Moebius, Ueber die Entstehung der Töne, welche
Palinurus vulgaris mit den äusseren Fühlern hervorbringt
(Archiv f. Naturgesch. XXXIII. 18G7. p. 73—75). Bei
starken Bewegungen mit den äusseren Fühlern lässt Pa-
linurus sowohl in als ausser dem Wasser ein crepitirendes
Geräusch hören, welches durch eine am untersten be-
weglichen Gliede sitzende runde Platte erzeugt wird.
Die Oberfläche derselben zeigt ein halbmondförmiges,
leicht gerunzeltes und mit feinen Härchen besetztes
Rand- und ein elliptisches, von parallelen Furchen durch-
zogenes zweites Feld. Das Knarren beruht auf dem
176 Gerstaecker: Bericht üb. d. wissensch. Leist. im Gebiete
Gleiten des Randfeldes über die glatte Fläche des Ringes,
in welchem das erste Fühlerglied artikulirt ; intermittirend
wird es dadurch, dass sich die Spitzen der Haare gegen
die aufwärtsgehende Bewegung anstemmen. Beim Ab-
wärtsgleiten entsteht kein Ton.
Hilgendorf (Sitzungsber. der Gesellsch. naturf.
Freunde zu Berlin, 21. Jan. 1868. p. 2) machte Angaben
über einen Crepitationsapparat bei Matuta. An der In-
nenseite der Scheere finden sich zwei geriefte Feldchen,
welche gegen ein neben der Mundgegend gelegenes Lei-
stensystem bewegt werden. Das Männchen besitzt aus-
serdem zur Erzeugung eines feineren Tones eine ge-
furchte Leiste am Daumen der Scheere.
V. Härtens, Ueber einige neue Crustaceen (Mo-
natsbericht d. Berlin. Akad. d. Wissensch. 1868. p. 608
— 615). Beschreibung von acht neuen Arten aus den
Gruppen der Brachyuren und Macruren.
Lucas (Bullet, soc. entom. de France 1868. p. 91) fand an
der Küste bei Roscoff folgende Decapoden : Platycarcinus pagurus,
Cancer maenas, Crangon vulgaris, Palaemon serratus (mit Bopyrus
squillarum), Corystes personatus (oder dentatus), Scyllarus latus,
Palinurus vulgaris und Homarus raarinus.
Gancrina. Alph. Milne Edwards, Descriptions de quel-
ques especes nouvelles de Crustaces Brachyures (Annal, soc. entom.
de France 4. ser. Vll. 1867. p. 263—288). Verf. macht 40 neue
Arten aus den Gruppen der Oxyrrhynchen, Cyclometopen und Ca-
tometopen, zum Theil Kepräsentanten neuer Gattungen, bekannt.
Dieselben stammen der Mehrzahl nach aus Neu-Caledonien, von den
Sandwichs-Inseln, von Zanzibar und Angola.
Oxyrrhyncha. — Mithrax spinifrons Milne Edwards n. A,
von den Schiffer-Inseln, Mimulus acutifrons desselben n. A. uubek.
Vaterl. (Annal. soc. entom, de France 4. ser. VII. p. 263 f.)
Blanchardj De l'acroissement de la taille chez les animaux
ä sang froid (Compt. rendus 18. Mars 1867, Rev. et Magas. de
Zoolog. 2. ser. XIX. p. 152) giebt die Länge eines Beines bei einem
grossen Exemplar der Macrocheira Kaempferi auf P/sMetres und
den Querdurchmesser des ganzen Thieres bei ausgestreckten Beinen
auf 2^/6 Metres an. Letzterer erreicht sogar die Länge von 11 Fuss.
Cyclometopa. — Alph. Milne Edwards (Annal. soc.
entom. de Franc 4. ser. VII. 1867. p. 265 ff.) machte folgende neue
Arten und Gattungen bekannt: Actumnus nudus Pondichery, Xan-
d. Myriopoden, Arachniden u. Ciuataceen währ. d. J, 1867—68. 177
tho hidentatus Sandwichs-Inseln, X. nudipes von den Seychellen und
Neu-Caledouien, crassimanus Neu-Caledonien, jpüipes Senegal, Xan-
thodes pachydactyliis Neu-Caledonien, Cyloxanthus Uneatus Neu-Ca-
ledonien und Lifu, Medoeus elegans Neu-Caledonien, nodosus eben-
daher, Zozymus pilosus Neu-Caledonien, Loyhozozymus cristatus,
actaeoides und pulchellus Neu-Caledonien, Menippe Leguüloun aus
dem Indischen Ocean, Menippe grcmulosa BataviB,. — Hetero zius,
nov. gen., Cephalothorax vorn abgerundet, stark niedergedrückt,
Stirn schmal und hervortretend, Basalglied der äusseren Fühler die
Stirn nicht erreichend: drittes Glied der äusseren Kieferfüsse sehr
klein und nach vorn verschmälert ; keine Mundrinne , Abdomen
fünfringlig. — Art: Heterozius rotundifrons Neu-Caledonien. —
Panopeus Äfricanus Angola. — Eurycarcinus nov. gen., von
der Amerikanischen Gattung Eurytium, mit Vv' elcher sie zunächst
verwandt, dadurch unterschieden, dass am Hinterleibe des Männ-
chens sämmtliche Ringe frei sind. — Zwei Arten: Eur. Grandidierii
von Zanzibar und orientalis von Bombay. — Pilumnopeus macula-
tus Zanzibar, crassimanus Port- Western in Neu-Holland, Pseudozius
Sinensis China, Epixanthus Hellerü Gabon und Senegal, Buppellia
granulosa von den Marquesas-Inseln. — Bupp ellioides (! !), nov.
gen., von Ruppellia dadurch unterschieden, dass der Infraorbitallap-
pen sich nicht mit der Stirn vereinigt, sondern dass das Basalglied
des äusseren Fühlers stark entwickelt ist und sich zwischen jene
beiden hindurch verlängert, so dass die EndgrifFel des Fühlers in-
nerhalb der Orbita zu liegen kommt. — Art: Bup. convexus Neu-
seeland. — Pilumnus Äfricanus Angola, ovalis Sandwichs-Inseln,
deflexus Australien, Trapezia acutifrons Sandwichs-Inseln, latifrons
ebendaher, Goniosoma Hellerii (G. Orientale Heiler) aus dem Indischen
Archipel und von Neu-Caledonien.
Pilumnus hirtellus var. Pontica aus dem Schwarzen Meere,
von Czerniavsky (Materialia ad zoograph. Pontic. compar. p. 59)
beschrieben.
Catometopa. — Alph. Milne Edwards (Annal. soc ent.
de France 4. ser. VII. 1867. p. 283 ff.) beschrieb Metopograpsus
pictus von Neu-Caledonien. — Discoplax nov. gen., aus der Gra-
psus-Gruppe : Cephalothorax vorn abgerundet, Stirn sehr abschüssig
und schmal, Seitenränder nur mit einzelnem schwachen Zahn hinter
dem Orbitalwinkel, Augenhöhlen gross, durch eine Ausrandung nach
aussen hin verlängert, Augenstiele kurz, Basalglied der äusseren
Fühler klein und frei, drittes Glied der äusseren Kieferfüsse lang,
vom abgestutzt; Vorderbeine gleich stark entwickelt, Gangbeine
auffallend lang, besonders diejenigen des zweiten Paares; männli-
cher Hinterleib siebenriuglig — Art: Disc. longipes Neu-Caledonien.
— Libystes nov. gen., mit Carcinoplax nahe verwandt, unterschie-
178 Gerstaecker: Bericht üb. d. wissensch. Leist. im Gebiete
den durcb das an seinem vorderen Aussenwinkel stark erweiterte
dritte Glied der äusseren Kieferfüsse und durch das grifPelförmige
Endglied der drei ersten Gangpeinpaare, während dasjenige der
hinteren zusammengedrückt und stark gewimpert ist; die Mundöff-
nung nach vorn sehr breit, das Basalglied der äusseren Fühler nicht
die Stirn erreichend. — Art: Lib. nitidus Zanzibar. — Macroph-
thälmus Grandidieri Zanzibar, inermis Sandwichs-Inseln und Neu-
Caledonien, laevis Indischer Ocean, Pinnotheres Fisclierii Neu-Ca-
ledonien.
Hilgendorf (Sitzungsber. d. Gesellsch. Naturf. Freunde zu
Berlin, 21. Jan. 1868, p. 2) machte eine vorläufige Mittheilung über
eine neue Gattung DecTcenia (Art: Deck, imitatrix) von Sansibar,
welche gleichsam die Charaktere der Telphusen mit denjenigen
der Oxystomen in sich vereinigt. Mit jenen stimmt sie in der Aus-
mündung der männlichen Genitalien auf den Hüften und in der
Körperform, mit diesen in der Anlage der ausführenden Canäle der
Kiemenhöhlen, welche bis zum Vorderrand der Stirn reichen und
von unten her geschlossen sind, überein; die inneren Fühler stehen
in der Längsrichtung, die äusseren sind ganz in die Orbitae hin-
einverlegt.
V. Härtens (Archiv f. Naturgesch. XXXIV. p. 18 ff.) machte
Telpliusa Borneensis als n, A. aus Flüssen von Borneo bekannt und
erörtete die Art-Identität vonTelph. tridentata und Sinensis M. Edw.,
welche in verschiedenen Abänderungen von den Sunda-Inseln bis
nach Siara und Hongkong verbreitet sind.
Derselbe (Monatsber. d. Berl. Akad. d. Wissensch. 1868.
p. 608 ff.) beschrieb Telpliusa Philippina, Jagori und picta als n. A.
von Luzon, transversa von Cap York, Sesarma ohlonga von Samar
(Philippinen).
Spence Bäte (Annais of nat. bist. 4. ser. I. 1868. p. 447 f.,
pl. 21. flg. 3) stellte Uca Cunninghami als n. A. aus der Provinz
Rio-Janeiro auf.
Porcellanidae. Porcellana digitalis Heller var. Pontica aus dem
Schwarzen Meere wurde von Czerniavsky (Material, ad zoogr.
Pont. comp. p. 55) charakterisirt.
Astacina. v. Martens (Monatsber. Akad. d. Wissensch. zu
Berlin 1868. p. 612 ff.) beschrieb Axius hiserratus n. A. Malacca,
glyptocercus n. A. Cap York, Callianassa tridentata n. A. Java.
Derselbe (ebenda 1868. p. 615—619) gab einen >>Ueberblick
der Neuholländischen Flusskrebse.a Verf. verzeichnet im Ganzen
elf Arten, welche er nach der Consistenz der Schwanzflossen in drei
Gruppen vertheilt: a) Adominalflosse häutig, mit Kalkstückchen am
Rande : Ast. serratus White (spinifer Hell. = armatus Mart.), no-
d. Myriopoden, Arachniden u. Crustaceen währ. d. J. 1867—68. 179
bilisDana und plebejus Hess. — b) Alle Blätter der Schwanzflossen
in der hinteren Hälfte weichhäntig; Abdominalflosscn nicht häutig
(Cheraps Erichs.) : Ast. quinquecarinatus Gray, qiiadricarinatus n. A.
Cap York, bicarinatus Gray, Preissii fi^richs. — c) Weder die Ab-
dominal- noch die Schwanzflossen weichhäutig: Ast. Tasmaniens
Erichs., Australensis M. Edw., fossor und cunicularius Erichs. —
Die Abtrennung der beiden letztgenannten Arten zu der Untergattung
Engaeus Er. scheint dem Verf. nicht genügend begründet.
Grube (Bericht über die Thätigkeit d. naturwiss. Sekt, der
Schlesisch. Gesellsch. f. vaterl. Cultur im J. 1868. p. 29) handelte
gleichfalls über einige Arten der Gattung Astacus, von denen er be-
sonders den Ast. serratus Shaw (= Astacoides spinifer Heller) nach
einem ihm vorliegenden Exemplar näher charakterisirt.
Schauer, Mittheilung über das Vorkommen des Astacus
leptodactylus in den grossen Teichen zwischen Brody und Tarnopol
(Verhandl. d. zoolog-botan. Gesellsch. zu Wien XVH. 1867. Sitzungs-
ber. p. 74).
Ein prachtvoll blau gefärbtes Exemplar des Astacus fluviatilis
wurde ebenda XVIII. 1868. p. 69 erwähnt.
A. Fritsch, lieber die Callianassen der Böhmischen Kreide-
formation (Prag 1867. 4.) ist dem Ref. nur aus einer Buchhändler-
Anzeige bekannt geworden.
Caridae. Johnson, Descriptions of a new genus and a new
species of MacrurousDecapod Crustaceans belonging to the Penaeidae,
discovered at Madeira (Proc. zool. soc. of Lond. 1867. p. 895—901).
Die vom Verf. errichtete neue Gattung Funchalia soll bei son-
stiger üebereinstimmung mit Penaeus sich von dieser durch die
Mandibeln, welche sich in Form zweier sichelförmiger Scheeren vor
der Mundöffnung kreuzen, unterscheiden. Die Art, Funch. Wood-
wardi von Madeira, 6^/2 Lin. lang, ist auf ein einzelnes, an Fühlern,
Augen und Stirnschnabel lädirtes Exemplar begründet. — Penaeus
Edwardsianus n. A. von Madeira. — Den früher (1863) von ihm
aufgestellten Penaeus Bocagei führt Verf. jetzt auf Pen. longiro-
stris Lucas zurück.
Spence Bäte, On a new genus with four new sj)ecies of
Freshwater Prawns (Proceed. zoolog. soc. of London 1868. p. 363 —
368. pl. 30 u. 31). Die vom Verf. aufgestellte neue Gattung Ma-
crohr achium ist nach seinem eigenen Geständniss von Palaeraon
nur habituell und zwar durch die stark in die Länge gezogenen
Scheercnbeine des zweiten Paares unterschieden. Im üebrigen will
Verf. die Selbstständigkeit der Gattung durch ihr Vorkommen im
süssen Wasser begründen, wobei er jedoch übersieht, dass auch
Palaemon-Arten aus solchem bekannt sind. Die vom Verf. beschriebe-
nen und abgebildeten Arten sind: Macrohr. Amcricamim Guatemala,
180 Gerstaecker: Bericht üb. d. wissensch. Leist. im Gebiete
Formosense von Formosa, longidigitum Vaterl. unbek., Africanum
aus dem Tambo-Fluss.
C. Semper, Some remarks on the new genus Macrobrachium
of Mr. Spence Bäte (ebenda 1868. p. 585— 587) weist die völlige
Identität von Macrobrachium und Palaemon nach und führt drei der
von Sp. Bäte als neu beschriebenen Arten auf längst bekannte zurück :
Macr. Americanum = Palaemon Jamaicensis Herbst, Macr. Formo-
sense = Pal. ornatus Oliv, var., Macr. Africanum = Pal. Gaudi-
chaudii Oliv. Mit letzterer Art, welche nicht aus Afrika, sondern
aus Peru stammt, ist ausserdem Palaem. caementarias Popp, und
Bithynis longimana Phil, identisch.
v. Martens (Archiv f. Naturgesch. XXXIV. 1868. p. 29 ff.
Taf. 1) erörterte die Artmerkmale. Geschlechts- und Altersverschie-
denheiten der Süsswasser -Palaemonen im Allgemeinen und behan-
delte von Ostasiatischen Arten speciell Pal. carcinus Lin., ornatus
Oliv., Idae Heller, dispar n. A. von Adenare bei Flores, Sinensis
Heller, asperulus n. A. Shanghai, laUmanus n. A. Philippinen, Java-
nicus Heller und grandimanns Rand. — Verf. bespricht ferner
die Veränderlichkeit in der Beinbildung von Atya armata M. Edw,,
welche mit At. Moluccensis de Haan zusammenzufallen scheint,
weisst Ephyra compressa de Haan als zur Gattung Atyephyra ge-
hörig nach und beschreibt Ephyra Haeckelii als n. A. von Messina.
Norman. On the British species of Alpheus, Typton and
Axius, and on Alpheus Edwardsii of Audouin (Annais of nat. bist. 4.
ser. II. p. 173—178). Verf. giebt erneute Charakteristiken der drei
Englischen Alpheus- und einer Typton-Art und stellt die Synonymie
derselben, abweichend von Spence Bäte folgendermassen fest: 1)
Alph. Edwardsii Aud. Hell. 2) Alph. megacheles Haiist. (= Hippo-
lyte rubra Westw. = Alph. Edwardsii M. Edw., Sp. Bäte = Alph.
affinis Guise = Alph, platyrrhynchus Hell.). 3) Alph. ruber M.
Edw., Bell, Hell. — Typton spongicola Costa (= Pontonella glabra
Heller = Typton spongicola Heller = Alph. Edwardsii Couch =
Typt, spongiosus Sp. Bäte). — Crangon sculptus und fasciatus sind
nicht nur spezifisch verschieden, sondern gehören sogar verschiede-
nen Gruppen der Gattung an.
Derselbe (Report Brit. associat. f. advanc. of science 1866.
p. 200) machte Hippolyte cultellata als n. A. von den Hebriden
bekannt.
Pasiphae Norvegica Sars (Bidrag til kundsk. Christiania-fjör-
dens Fauna p. 42 ff., tab. 4 u. 5) n. A. von den Lofoteu, 100 bis
300 Faden tief.
Virbius gracilis Heller var. intermedia und longirostris aus
dem Schwarzen Meere wurden von Czerniavsky (Mater, ad zoo-
graph. Ponticam comparat. p. 53 f., Taf. 5) beschrieben.
d. Myriopoden, Arachniden u. Crustaceen währ. d. J. 1867—68. 181
Schizopoda. Claus, lieber die Gattung Cynthia als Ge-
schlechtsform der Mysideen-Gattung Siriella (Zeitschr. f. wissensch,
Zoolog. XVIII. 1868. p. 271—279. Taf. 18) lieferte den interessanten
Nachweis, dass die Gattung Siriella Dana von Cynthia Thomps. nur
sexuell verschieden sei, indem erstere nur Weibchen, letztere nur
Männchen enthalte. Eine vom Verf. als Cynthia Edwardsii bezeich-
nete Art wurde nach beiden Geschlechtern an der Küste von Val-
paraiso gesammelt. Was Da na als Männchen von Siriella beschreibt,
ist ein jugendliches, noch unentwickeltes Weibchen. Die für Siriella
und Cynthia angegebenen generischen Unterschiede beschränken sich,
bei sonstiger üebereinstimraung im Bau des Cephalothorax, der
Augen, der Schreitbeine u. s. w., auf den verbreiterten und gewim-
perten Pedunkulus der oberen Fühler des Männchens (Cynthia) und
die allerdings auffallend differente Bildung der Schwimmbeine des
Postabdoraen, welche beim Weibchep (Siriella) sehr rudimentär,
dünn geisseiförmig, beim Männchen dagegen sehr kräftig entwickelt,
zweiästig und mit Kiemenanhängen versehen sind. Doch sind ähn-
liche sexuelle Unterschiede auch anderen Mysideen-Gattungen (Mysis,
Nematopus) nicht fremd. Verf. unterwirft den äusseren Körperbau
beider Geschlechter einer speziellen Schilderung, in welcher ver-
schiedene von Dana, gemachte Angaben berichtigt werden. Ob das
Weibchen der vom Verf. beschriebenen Art mit einer der Dana'schen
Siriella- Arten identisch ist, lässt sich nicht entscheiden ; auf das
Männchen könnte sich möglicher Weise die Cynthia Thompsonii Edw.
und auf ein jüngeres Individuum die Cynth. inermis Kroyer beziehen.
Siriella laltensis n. A, aus dem Schwarzen Meer, von Czer-
ni av s ky (Material, ad zoograph. Ponticam comparat. p. 50 f., Taf. 4.
fig. 12 u. 13) beschrieben und abgebildet.
Squillina. Kessler, Ueber die Squilla eusebia Risso (Horae
societ. entom. Rossic. IV. 1867. p. 41—48, Taf. 1.' fig. 5). Verf
erhielt aus dem Mittelmeer ein Exemplar* einer zur Untergattung
Coronis gehörenden Squilla, welches er der äusserst seltenen, weder
von Milne Edwards noch von Heller gekannten Squilla eusebia
Risso zurechnet. Verf. widerlegt die von Desmarest gemuthmasste
Identität dieser Art mit Squ. scolopendra Latr. und giebt von der-
selben eine ausführliehe Charakteristik und exakte Abbildung.
Cumacea. Diastylis lamellata Norman (Report Brit. assoc.
f. advanc. of science 1866. p. 200) n. A. von den Ilebriden.
Hesse (Annal. d. scienc. natur. 5. ser. Zoolog. X. p, 347—362.
pl. 19) machte als n. A. von der Küste Frankreichs bekannt: Cama
terginigra, punctata, rufa. fasciata und parva. Von ersterer Art
wird neben Männchen und Weibchen auch der Embryo beschrieben
und abgebildet.
Archiv für Naturg. XXXV. Jahrg. 2. !id. ]^
182 Gers ta eck er: Bericht üb. d. wissensch. Leist. im Gebiete
Czerniavsky (Material, ad zoograph. Pontic. compar. p. 48
Taf. 5. fig. 1) charakterisirte eine neue Cumaceen-Gattung Straiichia
folgendermassen : Cephalothorax bauchig , mit kurzem Schnabel ;
fünf freie Thoraxringe, der erste sehr kurz. Obere Fühler unge-
spalten, kürzer als der Cephalothorax, untere sehr dünn und klein.
Nur das 2. und 3. Beinpaar beim Weibchen mit Tasteranhang, das
4. und 5. mit langen Borsten an den beiden vorletzten Gliedern,
das Endglied klauenförmig. Mittlerer Schwanzanhang unbewehrt,
kürzer als der Stamm der seitlichen; diese verlängert, ihre Griffel
gegliedert, mehr denn dreimal so lang als der Stamm. Augen gross.
— Art: Strauchia Taurica aus dem Schwarzen Meer.
Amphipoda.
Norman, Oü Ciustacea Amphipoda new to science
or to Britaiu (Annais of nat. bist. 4. ser. II. 1868. p. 411
—420. pL 21 — 23) charakterisirte eine Anzahl theils neuer,
theils unvollständig bekannter, von den Englischen Küsten
stammender Arten, welche zum Theil neue Gattungen
bilden. Einige andere bei den Hebr'iden aufgefundene
Arten macht Verf. im Report of the British associat. f.
advanc. of scienco 18G6. p. 193 ff. bekannt.
In ersterer Zeitschrift werden folgende Gattungen und Arten
abgehandelt: Haploops Lilljeb. mit Hapl. tubicola Lilljeb. (Ampelisca
Eschrichti Lilljeb.). — Tessarops, nov. gen., durch vier Augen aus-
gezeichnet, von denen zwei grosse über dem- Ursprung der oberen
Antennen, zwei fast einfache unter jenen, an der Basis der oberen
Antennen liegen. Fühler-Anhang schlank, beide Kieferfusspaare
einfach, letztes Beinpaar. kurz. Postabdomen mit gezähnten Se-
gmenträndern, Schwanzplatte schuppenförmig, letztes Paar der Pedes
spurii zweiästig. — Art: Tessar. hastata (ob = Tiron acanthurus
Lilljeb.? = Syrrhoe bicuspis Goes?) — Xicippe Bruz. mit Nie.
tumida Bruz., Eriopis Bruz. mit Eriop. elongata Bruz., Maera Loveni
Bruz. und Batei n. A. — Helleria nov. gen., Augen zusammen,
gesetzt, obere Antennen schlank, viel kürzer als die unteren, mit
Anhang. Beide Kieferfusspaare etwas scheerenförmig, letztes Bein-
paar kurz, mit langen, gefiederten Borsten besetzt. Am Postab-
domen der 5. und 6- Ring verschmolzen; letztes Paar der Pedes
spurii zweiästig. — Art: Hell, coalita. — Microprotopus, nov. gen.,
mit Microdeuteropus nahe verwandt, aber dadurch unterschieden,
dass das zweite Kieferfusspaar grösser als das erste und dass das
letzte Paar der Pedes spurii nur einästig ist. — Art: 3ficr. maculatus.
(1. Myriopoden, Arachniden u. Trustaceen währ. d. J. 1867 — 68. 188
Die letztgenannte Gattung wird gleichzeitig im Report Brit,
associat. 1866. p. 201 fi\ charakterisirt; ausserdem: Iphithoe serrata.
Anonyx melanophthalmus und Etionyx (nov. gen., von Anonyx durch
scheerenförmiges erstes Kieferfusspaar und stärkeres, fast scheeren-
förmiges zweites unterschieden) chelatus, n. A.
• Die von S. Czerniavsky (Material, ad zoograph.
Pontic. comparat.) bekannt gemachten neuen Amphipoden
des Schwarzen Meeres vertheilen sich auf folgende Fa-
milien:
Carprellina: Protella typica und intermedia. Caprella pro-
telloides, ferox und Danilevskii n. A. (p. 75 ff. Taf. 7),
Chelurida: Chehira Pontica n. A. (p. 79. Taf. 7).
Corophiidae: Cerapus macrodactylus Dana var. Pontica,
pugnax Dana var. Pontica, hidens n. A., Padocerus dentex n. A.,
Sunamphithoe valida n. A., Amphithoe Vaillanti Luc. var. Pontica.
— Grubia, nov. gen. Am Pedunculus der oberen Antennen das
erste, an den unteren die beiden ersten Glieder verdickt, die beiden
folgenden lang und dünn. Geissei beider Fühlerpaare lang und
vielgliederig, die oberen mit eingliederiger Anhangsgeissel. — Art:
Grub. Taurica, (p.81ff. Taf. 8).
Gammarina: Niphargus Ponticus. Pheriisa Pontica n. A.,
Dexaraine spiniventris Costa var. Pontica, Proholium Ponticum n.
A. (p. 92 ff. Taf. 8).
Orchestiidae: Nicea Perieri Luc. var. Pontica und brevi-
cornis, Orchestia Bottae M. Edw. var. feminaeformis (p. 100 ff.).
In Spence Bate's und Westwood's British ses-
sil-eye Cdrustacea IL p. 497—524 sind nachträglich noch
mehrere neue Arten aus den Familien der Gammarina
und Hyperina bekannt gemacht worden^ von denen eine
gleichzeitig zu einer neuen Gattung erhoben wird,
Gammarina: Orchestia bremdigitata, Opis leptochela und
quadrimana. — Lepidepecreum, nov. gen. aus der Lysianassa-Gruppe,
von Anonyx durch den Mangel eines Nebenanhanges an den oberen
Fühlern unterschieden; das erste Glied des Pedunculus schnabel-
förmig ausgezogen und den übrigen Fühler überdachend. Kopf unter-
halb desselben stark nach vorn heraustretend. — Art : Lepid. cari-
natum. vielleicht nur das junge Weibchen von Anonyx longicornis.
— Monoculodes longimanus, Kroyera brevicarpa und Megamoera
multidentata (Norman mscpt.).
Hyperina: Hyperia tauriformis , prehensilis und Vibilia
horealis n. A.
184 Gerstaecker: Bericht üb. d. wissensch. Leist. iin Gebiete
Packard (Memoirs Boston soc. of nat. bist. I. 2. p. 298 —
300. pl. 8) gab Beschreibungen und Abbildungen von Atylus (Pa-
ramphithoe) inermis Kroyer, Monoculodes nuhüatus n, A., Ampe-
lisca Gaimardi und Pontoporeia femorata Kroyer von Labrador.
Orchestia humicola v. Martens n. A. aus Japan, auf einer Wiese
Zwischen feuchtem Laube gefangen (Arch. f. Naturgesch. XXXIV-
p. 56 f.).
Urothoe marinus Sp. Bäte var. pectinatus Grube von St. Vaast-
la Hougue (a. a. 0. p. 29. Taf. 1. fig. 1).
Isopoda. '
Spence Beate und Westwood (British sessil-
ejed Crustacea II. p. 115) theJlen nach einer kurzen Cha-
rakteristik des Isopoden-Körperbaues diese Ordnung zu-
nächst in die beiden Hauptgruppen der Isopoda aber-
rantia und normalia. Zu der erstcren rechnen sie die
Tanaidae, Anthuridae und Anceidae, von denen die bei-
den ersten zusammen als „Vagantia/ die letzteren als
;,Subparasitisa" bezeichnet werden. Die Isopoda normalia
zerfallen sie in Aquaspirantia und Aerospirantia, indem
sie unter letzteren die Onisciden, unter crsteren alle noch
übrig bleibenden Formen begreifen. Die Aquaspirantia
theilen sie wieder a) in Parasitica (Bopyridae, Cymothoidae
und Aegidae) und b) in Liberatica (Asellidae, Munnopsi-
dae, Arcturidae, Idoteidae und Sphaeroraidae).
Die Britische Fauna ist in dem Werk der beiden Verf. durch
folgende Gattungen und Artenzahlen vertreten :
Tanaidae: Tanais 2 A., Leptochelia 1 A., Paratauais 2 A.,
Apseudes 2 A.
Anthuridae: Anthura 1 A., Paranthura 1 A.
Anceidae: Anceus 5 A.. wovon 4 als zweifelhaft bezeichnet
werden; die Beziehungen von Anceus zu Praniza werden hier einer
eingehenden Erörterung unterworfen.
B opyridae: Bopyrus 1 A., Gyge 2 A., Phryxus 6 A.,
Jone 1 A., Cryptothiria (Liriope Rathke, Hemioniscus Buchh.) 2 A.
Aegidae: Aega^4A., Rocinela 1 A.. Cirolana 2 A., Coni-
lera 1 A., Eurydice (Slabberina v. Bened.) 1 A.
Asellidae: Jaera 2 A., Munna 2 A., Leptaspidia 1 A,, Ja-
nira 1 A., Asellus 1 A., Liranoria 1 A,
d. Myriopoden. Arachniden u. Crustaceen währ. d. J. 1867 — 68. 185
Arcturidae: Arcturus 3 A.
Idoteidae: Idotea 7 A.
Sphaeromidae: Sphaeroma 5 A., Dyuamene 3 A., Cymo-
docea 2 A., Naesa 1 A., Campecopea 2 A.
Oniscidae: Ligia 1 A., Philoscia 2 A.. Philougria 3 A.. Pla-
tyarthrus 1 A.. Oniscus 2 A., Porcellio 7 A., Armadillü 1 A,
Von neuen Arten werden im Ganzen 9 bekannt gemacht,
welche sich auf die Familien der Tanaidae (2). x\nccidae (1, Bopy-
ridae (4j, Asellidae (2) und Idoteidae (1) vertheilen; dieselben sind
nebst einer den Aselliden angehörigen neuen Gattung an ihrem
Ort namhaft gemacht.
Aselliua. A n t. D o h r n (Zeitsclir. f. wissensch.
Zoolog. XVII. 1867. p. 221—278. Taf. 14 und 15) hat die
embryonale Entwickelung des Asellus aquaticus zum Ge-
genstand einer umfassenden Darstellung gemacht. Von
den drei Abschnitten, in welche dieselbe zerfällt, behan-
delt der erste die Entstehung der Keimhaut, des Keim-
streifens, die Bildung der — gleich nach der Anlage des
Keimstreifens auftretenden — sogenannten blattförmigen
Anhänge (Rathke), die mediane Furchung des Keimstrei-
fens, die Anlage der späteren Gliedmaassen, von denen
die beiden Maxillenpaare zuerst zu entstehen scheinen,
während die sechs Beinpaare sich erst nach Abschnürung
der beiden Fühlerpaare, der Mandibeln und der Unter-
lippe (drittes Maxillenpaar) bemerkbar machen; ferner
die weiteren Veränderungen am Keimstreifen, die An-
lage des Postabdomen und der Kiemen, die Entstehung
des vom Verf. unpassend als „accessorische Mundtheile^
bezeichneten, zwischen Mandibeln und Maxillen hervor-
tretenden zweilappigen Vorsprunges (welcher, wie sich
leicht nachweisen lässt, der Gliedmaassen -Reihe nicht
angehört, dessen übrigens im Gegensatz zu der Behaup-
tung des Verf.'s sowohl in zoologischen Flandbüchern wie
in Special-Abhandlungen überall Erwähnung geschieht),
die Bildung des Afters, des Kopftheiles und der Ober-
lippe, so wie die weitere Entwickelung der Gliedmaassen.
V^ährend dieser Periode wird das Chorion durch das
seitliche Hervortreten der blattförmigen Anhänge, so wie
durch das Wachsthum des Embryo überhaupt gesprengt;
186 Gerstaecker: Bericht üb. d. wissensch. Leist. im Gebiete
einlegen hat sich innerhalb der inneren Eihaut eine von
Fr. Müller als Larvenhant bezeichnete zweite Hülle
gebildet. — In dem zweiten Abschnitt behandelt Verf.
neben der Entwickeliing der Leber, des Magens, Darms
und Rückengefässes die Ausbildung der Körperwandung
und die weitere der Gliedmaassen bis zu dem Zeitpunkt,
wo am Embryo die ersten Bcwegungserscheinungen auf-
treten; in dem dritten diejenigen Veränderungen, welche
während des letzten Embryonalstadiums vor sich gehen.
Hesse, Description d'un nouveau Crustace apparte-
nant au genre Liranorie (Annal d. scienc. natur. 5. ser.
X. 1868. p. 101—119. pl. 19). Der Beschreibung einer
neuen Art der Gattung Limnoria, welche er in ihrer Le-
bensweise erörtert, fügt Verf. auch einige Angaben über
die inneren Organe und über die Bildung des Embryo
im Eie hinzu.
Die mit dem Namen Limnoria xylophila belegte ueue Art
bewohnt in zahlreichen Individuen submarine Hölzer, besonders
Fichtenholz, welches sie durchlöchert und zerstört. Sie zeichnet
sich durch verbreiterte und abgeflachte, dicht buschig behaarte
äussere Fühler und besonders durch die auffällige Bildung des Hin-
terleibsendes mit seinen Anhängen aus. Beim Männchen endigt
der grosse Endring des Postabdomen in einen starken, mittleren
Dorn, 'zu dessen Seiten zwei senkrecht gestellte, stark gezähnte,
grosse rundliche Lamellen artikuliren. Das Endglied des letzten
Paares der Pedes spurii ist stark vt-rlängert, beträchtlich länger
und schmaler als beim Weibchen, seine Ränder scharf gezähnt. —
Die Art lebt in Gesellschaft von Limnoria terebrans, ist aber we-
niger häufig.
Von Spence Bäte und Westwood (British sessil-eyed
Crustacea II. p. 329 ff.) wurden als neue Englische Formen bekannt
gemacht: Munna Whiteana n. A. — Leptaspidia nov. gen., Körper
von birnförmigem Umriss, abgeflacht, an den Seiten gewimpert;
innere Fühler fast von Vs der Länge der äusseren, Beine mit
einfachem spitzem Klauengliede, Augen verkümmert; Postabdomen
eiförmig, mit ganzrandiger Spitze. — Art: Lept brevipes, V20 Zoll
lang. — Idotea paraUela fchelipes Costa, nee Fabr.) n. A.
Idotea marmorata Packard CMemoirs Boston soc. of nat. bist
I. 2. 1867. p. 296. pl. 8. flg. 6) n. A. von Labrador.
Pranizidae. Änceus Halidaii (? = formica Hesse) n. A. ausEng-
land(Sp. Bäte und Westwood, Brit. sessil-eyed Crust. IL p. 203).
d. Myriopoden. Arachnidon n. Crustaceen währ. d. J. 1867—68. 187
Tanaidae. Paratanais rigidus und Paranthiira Costana (Anthura
gracilis M. Edw.) u. A. aus England, von Spence Bäte und
Westwood (a. a. 0. II. p. 141 u. 165).
Oniscodea. V. v. Ebner. HelJeria, eine neue Isopoden-Gattung
aus der Familie d(3r Oniscoidea (Verh. d. zoolog.-bot. Gesellsch. XYIII.
1868. p. 95— 114. Taf. 1). Die unter dem — gleichzeitig bei den
Amphipoden vergebenen — Narnen Helleria publicirte neue Gattung
ist von ovalem, halbcylindrischem und zum Zusammenkugeln befä-
higtem Körper, au dessen Postabdoioen die fünf vorderen Segmente
zu einem gemeinsamen Rückenschilde, verschmolzen sind. Die Fühler
sind verhältnissmässig kurz, bestehen aus drei gedrungenen Basal-
und drei langgestreckten Endgliedern, deren letztes an der Spitze
noch einen sehr kurzen, zweigliedrigen Endgriffel trägt. Die kleinen
Fühler sind ganz verkümmert. — Art: Hell, hrevicornis, 20 Mill.
lang, von Ajaccio auf Corsika. — Verf. stellt die Gattung trotz der
abweichenden Bildung des Postabdomen in die nächste Beziehung
zu Tylos Latr. und reiht an die ausführliche Charakteristik derselben
eine vergleichende Betrachtung der Familie der Tylinen an.
Ärmadülo Cacahuamilpensis Bilimek (ebenda XVII. 1867. p. 907)
Q. A. aus einer Höhle in Mexiko.
Lucas (Bullet, d. 1, soc. entom. de France 1868, p. 91) fand
Platyarthrus Hoffmannseggii an der Küste bei Roseoff,
Cymothoadae. Czerniavsky (Material, ad zoograph. Pon-
ticam coraparat. p, 65) verwandte den Namen Helleria zum dritten
Male für eine neue, mit Euridice Leach zunächst verwandte Gattung
mit langgestrecktem Körper., grossem, hervortretendem Kopf, grossen
Augen und sechsringligem Hinterleib, dessen Endsegment gross und
rundlich dreieckig ist. Innere Fühler kürzer, äussere lang; Beine
des ersten Paares mit schwacher Scheere. — Art : Hell. Pontica auf
Taf. 6. flg. 4— 6 abgebildet. — Livoneca Taurica n. A. (ebenda
p. 113).
Norman, On two Isopods, belonging to the genera Cirolana
and Anilocra, new to the British Isles (Annais of nat. hist. 4. ser.
II. 1868. p. 421 f pl. 23) beschrieb Cirolana truncata n. A. von den
Shetlands-Inseln und Anilocra mediterrauea Leach von der Eng-
lischen Küste.
Aega spongiophila Semper (Archiv f Naturgesch. XXXIII.
1867. p. 87) n. A. von den Philippinen , im Kieselgerüst von Euple-
ctella aspergillum vorkommend,
Aega (Conilera) interrupta v. M a r t e n s (ebenda XXXIV, 1868.
p. 58 f. Taf. 1. fig. 3) n. A. von Borneo, am Kiemendeckel des Süss-
wasser-Fisches Notopterus hypselonotus gefunden.
188 Gerstaecker: Bericht üb. d. wissensch, Leist. im Gebiete
Bopyrini. Spence Bäte und West wo od (British sessil-
eyed Crustacea II. p. 225 - 246) machten folgende neue Arten aus
den Englischen Meeren bekannt: Gyge Galatheae aufGalathea squa-
mifera,. Plwyxus fusticaudatus an den Kiemen von Pagurus Bern-
hardua, Phryxus Hyndmanni an Pagurus, Miryx. longibranchiatus
an Pagurus Thompsoni.
Bopyrus oceZ?at«ts Czerniavsky (Mater, ad zoograph. Pontic.
compar. p. 63. Taf. 6. fig. 1—3) n. A. aus dem Schwarzen Meer.
Bopyrus mysidum Packard (Memoirs Boston soc. of nat.
hist. I. 2, p. 295. pl. 8. fig. 5) n. A. von Labrador.
Hesse (Annal. d. scienc. uatur. 5. ser. Zool. VII. 1867. p. 125
— 134 u. p. 136 — 141. pl. 2 u. 3) gab Beschreibungen und Abbil-
dungen von einer Reihe jugendhcher Isopoden-Formen, welche aller
Wahrscheinlichkeit nach sämmtlich den Bopyrinen angehören. Die
eine derselben stimmt der Hauptsache nach mit der von Lillje-
b o r g als erstes Entwickelungsstadium der Liriope pygmaea bekannt
gemachten Form überein, während die übrigen durch die schmalere
Körperform mehr an die Rathke'sche Liriope erinnern. Die beiden
weiter entwickelten Formen scheinen in der That, v^e Verf. es an-
nimmt, ein späteres Stadium jener ersten zu repräsentiren, da sie
sich bei sonstiger üebereinstimmung nur durch den verschieden
geformten Kopf und die bereits ausgebildeten Augen unterscheiden.
Die Annahme H esse's, dass diese Isopoden in die Entwickelungs-
reihe von Cirripedien 'Anatifa, Baianus) gehören, ist natürlich voll-
ständig aus der Luft gegriffen. Wahrscheinlicher ist es, dass sie
als Larvenformen einem Parasiten der Cirripedien angehören.
Trilobitae.
"Val. von Moeller^ ücber die Trilobiten der 8tein-
kohlenfoimation des Ural^ nebst einer Uebersicht und
einigen Ergänzungen der bisherigen Beobachtungen über
Kohlen-Trilobiten im Allgemeinen (Bullet, d. natur. de
Moscou, Bd. 40. I. 1867. p. 120—200. Taf. 2). Verf. un-
terwirft sämmtliche über Trilobiten der Steinkoblenfor-
mation handelnde Publikationen in chronologischer Rei-
henfolge einer eingehenden kritischen Besprechung, er-
örtert die Artrechte, rcsp. die Synonjmie der in den-
selben aufgestellten Arten und kommt dabei zu dem
Resultat, dass alle Trilobiten der Steinkohlenformation
sich auf die Gattungen Phillipsia und Brachjmeto-
d. Myriopoden. Arachniden n. Crustaceen währ. d. J. 1867 — 68. 189
pus beschränken, dass von den 30 bisher nnfgestellten
PhilHpsia-Arten drei zn ßrachymetopus gehören und dass
unter den übrigen nur neun als sichere Arten anzuerken-
nen sind.
Als neue Arten beschreibt Verf. ausführlich: Phülipsia Boe-
meri (Taf. 2, fig. 5 — 21) aus dem Ural und Grüneivalclti (Phill. inde-
terminata Grünew.) aus dem Gouvernement Ufa (Taf. IL fig. 22 — 31).
Alex. Win ch eil and Oliv. Marcy, Enumeration of Fossils
cöllected in the Niagara Liraestone at Chicago, Illinois, with de-
Bcriptions of several new species (Memoirs read before the Boston
80c. of nat. hist. I. 1. p. 81 — 112. pl. 2 u. 3). Es werden hier u. A.
(p. 103 ff. pl. 3) folgende neue Trilobiten bekannt gemacht: Lichcis
pugnax und decipiens, Bronteus occasus, Illaenus (Bumastus) Wor-
thenanus und Äcidaspis Icla.
Branchiopoda.
Phyllopoda. Klunziuger. Ueber Branchipus rubricaudatus,
nov. spec. (Zeitschr. f. wissensch. Zoolog. XVII.. 1867. p. 23 — 33.
Taf. 4j. Verf. macht unter obigem Namen eine neue, bei Kos-
seir am Rothen Meere in Regenbehältern nach beiden Geschlech-
tern aufgefundene Art bekannt, deren Männchen sich durch sehr
auffallend geformte Greifantennen ' auszeichnet. Dieselben sind von
halber Körperlänge, vielfach gewunden und ausgezackt, an der Basis
des zweiten Gliedes mit einer Anhangsgeissel versehen, am Ende
zweispaltig; der eine Ast äusserst langgestreckt und schmal, am
Innenrande gezähnt. — Verf. beschreibt diese Art ausführlich nach
ihrem äusseren Körperbau und fügt ausserdem kurze Angaben über
die beiderseitigen Geschlechtsorgane, den Darmkanal und das Herz bei.
Jäckel. Zur Naturgeschichte des Apus cancriformis (Curresp.-
Bl. d. zool. miueralog. Vereins zu Regensburg XXI. 18G7. p. 51 f.).
Verf. verzeichnet in dieser Mittheilung die verschiedenen bisher be-
kannt gewordenen Fundorte des Apus cancriformis in Baiern. Er
selbst fand eine grössere Anzahl weiblicher Individuen noch Mitte
Octobers 1866 in einem nur mit wenigem Wasser versehenen und
täglich von einer Rinderheerde durchwateten Graben, selbst nachdem
schon gelinder Frost eingetreten war. Die mit Kaulquappen und
jungen I^röten in ein Gefäss zusammengesperrten Krebse nagten
jenen die Schwänze und Beine ab und nährten sich dauernd von
ihnen. Verf. schliesst hieraus, dass die Froschlarvcn auch im Freien
die Hauptnahrung des Apus bilden.
Singer (ebenda XXII. 1868. p. 158) erwähnt gleichfalls des
190 GerBtaecker: Bericht üb. d. wissensch.-Leist. im Gebiete
Vorkommens des Apus cancriformis und des Branchipus stagnalis
bei Regensburg.
Nach Grube (Bericht über d. Thätigk. d. naturwissr. Sekt. d.
Schlesisch. Gesellsch. für vaterl. Cultur im J. 1868. p. 29) ist Lim-
netis brachyurus und Estheria tetracera jetzt auch in Schlesien, bei
Breslau aufgefunden werden.
Morse (Proceed. Boston soc. of nat. bist. XI. p. 404:: erwähnt
der Entdeckung einer Limnadia in Amerika, der ersten bis jetzt be-
kannten dieses Erdtheiles. Er nennt sie Limnadia Äniericana und
erwähnt des auf Häutungen beruhenden Wachsthums der zweiklap-
pigen Schale durch concentrische Ringe.
Verrill (ebenda XI. p. 111) erwähnt auch einer in dem Cali-
fornischen Salzsee Mono entdeckten Artemia-Art, gleichfalls der
ersten aus Amerika bekannt gewordenen.
Cladocera. Ueber die Entwickclungsgeschichte dieser
Familie liegen äusserst sorgsame^ durch vorzügliche Ab-
bildungen erläuterte Beobachtungen von P. E. Müller
in dessen: ^jBidrag til Cladocerernes Forplantningshi-
storie" (Schiödte's Naturhist. Tidsskr. 3. Raek. V. p. 295
— 354. tab. XIII. — auch im Separatabdruck, 8. Kjöben-
havn 1868) vor. Verf. behandelt in dieser umfangreichen
Arbeit nach Beobachtungen au Holopedium gibberum,
Daphnia galeata, Leptodora hyalina, Bythotrephes Ceder-
stroemii und 8ida crystallina die Entstehung des Eies im
Innern des Ovariums, die Anlage und Ausbildung des
Embryo innerhalb der in die Bruthöhle gelangten soge-
nannten Sommer-Eier und die nach dem Ausschlüpfen
des jungen Thieres vor sich gehenden postembryonalen
Veränderungen, Sodann stellt er die Eibildung der Cla-
doceren in Vergleich mit derjenigen gewisser Insekten
und findet; dass sie gleichsam die Mitte halten zwischen
derjenigen der Miastor-Larven einer- und der Schmetter-
linge und Dipteren andererseits. Die Bildung der Ova-
rium und der Eikeime im Embryo finde bei den Clado-
ceren in ähnlicher V\"eise wie bei den Aphiden statt.
Ihre Fortpflanzung stimme zwar in der abwechselnden
Erzeugung befruchtungsfähiger und jungfräulicher Eier
mit derjenigen der Aphiden übereiu; weiche aber darin
ab, dass beide von einem und demselben Weibchen pro-
d. Myriopoden, Arachniden u. Crastaceen währ. d. J. 18G7- 68. 191
ducirt würden; den Cocciiien und Psychiden gegenüber
bestehe wieder die Unähnlichkcit der beiderseitigen Eier.
Sie halte daher gleichsam die Mitte zwischen einer Par-
thenogcnesis und einem Generationswechsel. — Der in
dänischer Sprache abgcfasstcn ausführlichen Abhandlung
lässt Verf. einen Auszug in lateinischer Sprache folgen,
aus welchem wir Folgendes hervorheben:
Eibildung^. Im Eierstock der jungen oder heranwachsenden
Weibchen findet sich gegen den kurzen Eileiter hin ein Haufen
dickwandiger und mit einem Nucleus versehener kleiner Bläschen
im Protoplasma suspendirt vor. Letzteres sondert sich in bestimmt
abgegrenzte Theile. deren jeder ein Bläschen gleichsam als Kern
einschliesst. Auf diese Art entstehen Zellen, von denen sich je vier
in einer Reihe liegende gegen einander abschnüren ; jedes solches
Päckchen amgiebt sich bei Holopedium mit einer gemeinsamen
feinen Membran. In einer der beiden mittleren Zellen entstehen
sodann Dotterkörnchen und meist auch (Daphniden — nicht bei
den Polyphemiden) ein rothgelber Oeltropfen, welcher jedoch den
Winter-Eiern stets fehlt. Während nun diese einzelne mit Dotter
gefüllte Zelle an Umfang zunimmt, behalten die drei übrigen eines
Päckchens zuerst ihre Grösse bei, um später abzunehmen: in jener
einzelnen mehrt sich die Zahl und Grösse der Dotterkörnchen, da-
gegen verschwindet das zuerst centrale, dann peripherisch gewor-
dene Keimbläschen allmählig ganz. Mit der Zeit erscheint an der
Oberfläche dieser vergrösserten Zelle eine mit sehr kleinen Dotter-
körperchen versehene durchsichtige Plasma-Schicht, welche sich zu-
gleich mit über die drei in der Abnahme befindlichen Zellen aus-
dehnt und diese so ganz eingehen lässt. In diesem Zustand tritt
die Einzelzelle als Ei, welchem eine Dotter-Membran fehlt, in den
Brutraum der weiblichen Cladoceren. Bei einigen Arten (Polyphe-
mus. Moina) scheinen die Sommer-Eier nur aus einer einzelnen
Zelle zu entstehen ; auch entbehren sie des Nahrungsdotters gänzlich.
Von den Winter-Eiern unterscheiden sich die Sommer-Eier, wie es
scheint, durch die Grösse und die Zusammensetzung des Nahrungs-
dotters, welchem der gelbe Oelfleck fehlt.
Embryonal-Entwickelung. In die Matrix gelangt, um-
giebt sich das Ei mit einer aus Plasma gebildeten Dottermembran
(die Winter-Eier mit dem aus einer Hautdrüsen- Absonderung gebil-
deten Ephippium); sodann zeigen sich an seiner Oberfläche grosse,
platte Zellen, welche, indem sie sich fortwährend theilen, die Keim-
haut bilden. Diese sondert sich in eine oberflächliche und in eine
tiefere Lage (Primitivtheile) ; die Zellen der letzteren wachsen in
192 Gerstaecker: Bericht üb. d. wissensch. Leist. im Gebiete
die Tiefe des Eies hin aus und bewirken daher ihre Verdickung. An
diesem inneren Theil der Keimhaut entstehen ohne Anlage von
Keimwülsten durch zarte Furchungen die ersten Anlagen der spä-
teren Gliedmaassen des Embryo und zwar in querer Richtung und
continuirlicher Reihenfolge die sechs' Beinpaare (Leptodora), vor den-
selben die Kiefer und kleinen Fühler, an der Aussenseite und in
der Längsrichtung die grossen Ruderfühler. Gleichzeitig wird auch
der After und die Oberlippe angelegt. Bei fortschreitender Ent-
wickelung sondern sich die einzelnen Rumpftheile deutlicher von
einander und die Gliedmaassen heben sich schärfer ab ; nachdem
die Ruderfühler in ihren Spaltästen frei geworden, tritt an der Bauch-
seite des Hinterleibs ein kleiner Körnchen -Haufen als erste Anlage
der Eierstöcke auf, etwas später mit stärkerer Längsstreckung des
Körpers das Rudiment der zweikiappigen Schale als Duplikatur der
Rückenhaut. Nachdem der bis dahin an der Bauchseite angesam-
melte Dotterrest verschwunden, erscheint der den Körper durchzie-
hende Darmkanal vollständig ausgebildet, während Oesophagus und
Magen noch von einem zelligen Körper bedeckt sind. Kurz vor
dem Ausschlüpfen des jungen Thieres besteht das Ovarium aus einem
geschlossenen sackförmigen Bläschen, welches kleine, frei in Plasma
schwimmende Zellen enthält.
Eine zweite, gleichfalls sehr ausgezeichnete Arbeit
desselben Verfassers: „Danmarks Cladocera" ved P. E.
Müller (Naturhist. Tidsskr. 3. Raek. V. p. 53— 240. tab.I
— VI. — Im Separatabdruck : Kjöbenhavn, 1867. 188 pag.
in 8. c. 6 tab.) ist vorwiegend systematischen und fauni-
stischen Inhalts, indem sie die bis jetzt in Dänemark
aufgefundenen Cladoceren durch genaue Beschreibungen
und zahli'ciche, vortrefflich ausgeführte Abbildungen zur
Kenntniss bringt, nicht minder aber auch in anatomischer
und histiologischer Hinsicht wichtig. Insbesondere sind
es die llautstruktur, die Sinnesorgane, die beiderseitigen
Geschlechtsapparate u. s. w\, über welche Verf. nicht nur
in einem vorausgeschickten allgemeinen Theil umfassende
Angaben macht, sondern auf welche er auch bei den
einzelnen Familien, Gattungen und Arten wiederholt
näher eingeht, um die darauf bezüglichen Untersuchun-
gen L e y d i g's zu ergänzen und zu vervollständigen.
Nach der vom Verf. gegebenen systematischen Darstel-
lung ist die Cladoceren-Fauna Dänemarks eine ebenso
d. Myriopoden, Arachuiden ii. Cnistaceen währ. d. J. 1867—68. 193
mannigfaltige an Gattungen wie reich an Arten; unter
letzteren findet sich trotz der mehrfach erforschten nord-
europäischen P^auna der Süsswasser-Crustaceen eine an-
sehnliche Zahl neuer oder unvollständig bekannter Arten,
welche auch in Rücksicht auf ihre Svnonymie einer gründ
liehen Erörterung unterzogen werden. Die vom Verf.
gegebene Eintheilung und Anordnung der Gattungen
ist (unter Angabe der Arten-Zahlen) folgende :
Farn. 1. Daphnidae. Pedes vibratiles, lamellati, obscure ar-
ticulati, valvulis obtecti.
Subfam. 1, Sidinae. Pedes utrinque sex, omnes habitu aequa-
les, foliacei. Coparum ramus alter 2 — 3 articulatus, alter 2 — 3 arti-
culatus aut in mare 2 articulatus, in femina nuUus. — Gattungen:
a) Latona, Sida, Daphnella. b) Holopedium,
Subfara. 2. Daphninae. Pedes utrinque 4 — 6, habitus inae-
qualis, ex parte modo foliacei. Coparum ramus älter 3-, alter 4 ar-
ticulatus. — Gattungen: a) Dapbnia, Simocephalus, Scapholeberis,
Ceriodaphnia, Moina. b) Macrothrix , Drepanotbrix , Lathonura,
Bosmina, Acantholeberis, Iliocryptus.
Subfam. 3. Lynceinae. Pedes utrinque 5 — 6, habitus inae-
qualis, ex parte modo foliacei. Coparum ramus uterque 3 articula-
tus. — Gattungen : a; Eurycercus. b) Camptocercus , Acroperus,
Alonopsis, Alona, Phrixura, Pleuroxus, Chydorus, Monospilus
Fam. 2. Polyphemidae. Pedes prehensiles, subteretes, mani-
festo articulati, liberi.
Subfam. 1. Polypheminae. Pedes utrinque 4. Coparum ramus
alter 3-, alter 4-articulatus. — Gattungen: Polyphemus, Bythotre-
phes, Podon, Evadne.
Subfam. 2. Leptodorinae. Pedes utrinque 6. Coparum ramus
uterque 4 articulatus. — Gattung: Leptodora.
Die einzelnen Gattungen sind in Dänemark folgendermaassen
repräsentirt: Latona 1, Daphnella 2, Sida 1, Holopedium 1 A. —
Daphnia 7 A. (neu : D. pellucida), Simocephalus 3, Scapholeberis 1,
Ceriodaphnia 7 A. (neu: Cer. punctata und laticaudata = quadran-
gula Sars). Moina 1, Macrothrix 2, Drepanotbrix 1, Lathonura 1,
Bosmina 7 A. (neu: Bosm. microps, maritima, irevirostris und dia-
phana), Acantholeberis 1, Iliocryptus 1 A. — Eurycercus 1, Cam-
ptocercus 3, Acroperus 3 A. (neu: Acr. cavirostris) , Alonopsis 1,
Alona 13 A. (neu: Äl. oblonga =? quadrangularis Liev., Lilljeb.,
sanguijiea, dentata), Phrixur a nov. gen.. »Caput immobile, im-
pressione nulia a thorace disjunctum, testa lata, non carinata obte-
194 Ge rstaecker: Bericht üb. d. wissensch. Leist. im Gebiete
ctum. Oculus aclest. Testa corporis lata, oblonga: longitudo mar-
ginum caudalium altitudiue maxima animalis paulo minor. Cauda
mediocris, teres, apice obtuso, dentibus sparsim obsita, unguibus
minimis, dentes maguitudine vix superantibus. — Art: PJirix. recti-
rostris. — Pleuroxus 6, Chydorus 2, Monospilus 1 A. — Polyphe-
ffius l, Bythotrephes 1, Podon 2, Evadne 2 A. (neu: iJv. spinifera
= Ev. Nordmanni Lilljeb. nee Loven), Leptodora 1 A.
Von Czeruiavsky (Material, ad zoograpb. Ponticam p.41 — 45,
Taf. 8) wurden Evadne Nordmanni Lov. var. Jaltensis , Podon
Mecznikovn und Pleopis Schoedleri als u. A. aus dem Schwarzen
Meere bekannt gemacht.
Ostracodea. Claus, Beiträge zur Kenntniss der
Ostracoden. I. Entwickelungsgeschichte von Cypris. Mit
zwei Tafeln. Marburg 1868. 8. (Schrift, d. Gesellsch.
zur Beförd. d. gesammt. Naturwiss. zu Marburg IX. p. 151
— 166). Verf. -hat seine früheren Beobachtungen über
die Entwickeluug von Cypris (1865) an Cypris fasciata
und vidua wieder aufgenommen und jetzt durch Verfol-
gung sämmtlicher Entwickelungsstadien von der aus dem
Ei schlüpfenden Jugendform bis zum Eintritt der Ge-
schlechtsreife die allmähligen an . der äusseren Körper-
form vorgehenden Veränderungen genauer kennen ge-
lernt, ausserdem auch Einiges über die Ausbildung der
inneren Organe ermitteln können. Wie bereits im letzten
Jahresbericht p. 215 f. angegeben worden ist, sind in der
Entwicklung von Cypris neun aufeinander folgende Sta-
dien nachweisbar, von denen das letzte das der Ge-
schlechtsreife ist, während das erste nach der Anlage
und Zahl der Gliedmaassen gleichsam als Nauplius Sta-
dium angeschen werden kann. Aus dem dritten, zuerst
als Bein auftretenden Gliedmaassenpaar entwickelt sich
im zweiten Stadium die Mandibel mit ihrem Taster. Die
Maxillen des zweiten Paares entstehen nicht, wie Verf.
früher angegeben, während des dritten, sondern erst im
vierten Entwickelungsstadium; während des fünften, in
welchem die Hakenborste des Fusssturaniels abgeworfen
ist, fungiren sie als Beine und endigen mit einer kräf-
tigen Hakenborste. Letztere, für die Bewegungen und
Lebensfunktionen der jungen Cypriden von wesentlicher
d. Myriopoden. Arachnideii u. Crustaceen währ. d. J. 1867 — CS. 195
Bedeutung, unterliegt während der Entwickelung einem
vierfachen Wechsel, indem sie zuerst am Mandibularbein
(der dritten Extremität der Nauplius-Form), sodann am
Fussstummel, dann an den hinteren Maxillen (Maxillar-
füssen), zuletzt am vorderen Beinpaare auftritt. Während
dieses als kleiner Stummel schon im zweiten Entwicke-
lungsstadium entsteht, sich aber erst im fünften weiter
entwickelt, um im sechsten als viergliedriges Bein von
bleibender Form aufzutreten , zeigt sich das hintere
Beinpaar in seiner ersten Anlage erst während des
sechsten Entwickelungsstadiums, erhält dann jedoch schon
im nächsten, also gleichzeitig mit dem ersten Paare,
seinen formellen Abschluss. Mit dieser im siebenten Sta-
dium vollendeten Ausbildung sän^mtlicher Giiedmaassen
fällt die erste Anlage der Geschlechtsorgane zusammen,
deren weitere Entwickelung nach der männlichen resp.
w^eiblichen Richtung jedoch erst dem achten Stadium zu-
kommt ; während des letzteren lassen die Ovarialschläuche
neben zahlreichen kleinen Keimen schon deutlich ge-
sonderte Eier erkennen und die Ausführungsgänge treten
deutlich hervor. Nur die Ausbildung der Receptacula
seminis und der Geschlechtsöfinungen bleibt dem letzten
Stadium vorbehalten. Bei weitem früher bilden sich
schon die Leberschläuche aus, welche bereits im fünften
Entwickelungsstadium aus dem Magenabschnitt hervor-
wachsen und in die Schalenklappen eintreten. Auch
zeigt sich während dieser Periode in dem oberen und
vorderen Theil der Schale die Anlage eines Organes,
welches Verf. als Schalendrüse in Anspruch nehmen zu
dürfen glaubt.
George S t e w. ß r a d y, A monograp'h of thc re-
cent British Ostracoda (Transact. Linnean soc. of Lon--
don XXVI. 2. 1868. p. 353—495. pl. 23—41). Das unge-
mein reichhaltige, in dieser umfangreichen Abhandlung
bearbeitete Material so w^ie die Illustration der Gattungen
und Arten durch zahlreiche, vortrefflich ausgeführte Ab-
bildungen lässt dieselbe als eine für die systematische
Kenntniss der marinen und Süsswasser-Ostracoden be-
196 Gerstaecker: Bericht üb. d. wissensch. Leist, im Gebiete
sonders wichtige Publikation erscheinen, welche zwar
gleich der vorjährigen des Verf.'s in erster Reihe auf
die Form und Skulptur der Mantelschalen eingeht, aber
auch die innerhalb gelegenen Tbeile, besonders die Glied-
maassen und den Copulationsappaiat nicht unberücksichtigt
lässt. Betreffs der Systematik hat sich der Verf. der
von G. 0. Sars im J. 1865 publicirten, dem Ref. leider
nicht näher bekannt gewordenen Einthcilung in dessen
„Oversigt af Norges marine Ostracodcr^ angeschlossen
und dieselbe nur mit Rücksicht auf die Süsswasser-For-
men und im Bereich der Gattungen, deren Abgrenzung
mehrfach modificirt wird, weiter ausgeführt. Von den
19 das Werk begleitenden Tafeln enthalten die 13 ersten
Abbildungen der Schalen in verschiedenen Ansichten,
die 6 übrigen dagegen Darstellungen der Gliedmaassen,
des Geschlechtsapparates u. s. w. Die einzelnen Familien
und Gattungen sind in der Arbeit des Verf.'s folgender-
maassen repräsentirt:
1. Farn. Cypridae: Cypris Müll. 20 A. (neu: C. obliqua^
salina = strigata BairJ, trigonella und cinerea), Cypridopsis
(nov. gen., auf C. vidua Müll, und villosa Jur. begründet) 3 A.,
Paracypris Sars 1 A., Notodromas Lilljeb. 1 A., Candona Baird 5A.,
Pontocj'^pris Sars 4 A. (neu: P. angusta), Bairdia M'Coy 4 A. (neu:
B. acanthigera), Macrocypris (nov. gen, auf Cyth. minna Baird
begründet) 1 A,
2. Fam. Cytheridae: Cythere Müll. 33 A. (neu: C. tenera,
rubida, pulchella, cuneiformis = ventricosa Sars, glohulifera, dubia,
semipunctata, Jeffrey sii, laticarina, mirabilis und acerosa), Limni-
cythere (nov. gen., auf C'ylh. inopinata Baird und monstrifica Norm,
begründet) 2 A., Cytheridea Bosq. 8 A. (neu: Cyth. zetlandica)
Eiicythere Brady (neue Benennung für Cytberopsis Sars) 2 A., Ilyo-
bathes Sars 1 A., Loxoconcha Sars 5 A. (neu: Lox. elUptica), Xe-
stoleberis Sars 2 A., Cytberura Sars Iß A. (neu: Cyth. angulata,
lineata, cuneata, Sarsii, producta, Bobertsoni und cornuta), Cythe-
ropteron Sars 6 A. (neu: Cyth. nodosum , punctatum und rectum),
Bythocythere Sars 3 A., Pseudocythere Sars 1 A., Cytherideis Jones
1 A., Sclerochilus Sars 1 A., Paradoxostoma Fisch. 10 A. (neu: Par.
Normani, Hibernicum, Sarniense, ensiforme und arcuatumj.
3. Fam. Cypridinidae: Philomedes Lillj. 1 A., Cylindro-
leberis (nov. gen., für Cypridina Mariae Baird) 2 A., Bradycinetus
Sars 2 A.
d. Myriopoden, Arachniden w. Crustaceen währ. d. .T. 1867— (18. 197
4. Fani. Concho eciad ae: Conchoecia Dana 1 A.
5. Fam. Polycopidae: Polytope Sars 2 A. (neu: Pol.
dentata.)
6. Fam. Cytherellidae: Cytherella Bosq. 2 A.
In einem Appendix werden ausserdem noch beschrieben
Bairdia fulva n. A., Eiicythere Änglica n. A. und Cythere emargi-
nata Sars. In einer angehäugten Tabelle wird die geographische
"Verbreitung der marinen Arten erläutert.
Brady, Contributions to the Entomostraca, No. I. Ostracoda
from the arctic and Scandinavian Seas (Annais of nat. bist. 4. ser.
IL 1868. p. 30—35. pl. 4 u. 5). No. II. Marine Ostracoda from tho
Mauritius (ebenda 11. p. 178 — 183. pl. 12 u. 13). No. III. Marine
Ostracoda from Tenedos (ebenda II. p. 220—224. pl. 14—15). In
der ersten dieser drei Abhandlungen zählt Verf. 33 aus den arkti-
schen Meeren stammende Ostracoden, deren Nomenklatur erzumTheil
'gegen seine vorjährige Abhandlung in den Transact. zoolog. soc. of
London rectificirt, auf und beschreibt darunter (neben Cythere pul-
chella) folgende vier als n. A.: Cythere horedlis von 67^ 17' nördl. Er.,
Robertsoni aus dem Christiauia - Fjord, 30 — 35 Faden tief, Cythero-
pteron 'pyramidale ebendaher und Cytherura rudis aus der Davis-
strasse. — In der zweiten werden 15 Arten von Mauritius aufge-
zählt und darunter als neu beschrieben : Pontocypris attenuata, Da-
visoni, Cythere demissa, plana, fumata, hamigera, hispinosa und con-
voluta, Cytheridea spinulosa und Loxoconcha Lilljehorgii; auch Cy-
theridea punctillata und Cythere Darwinii werden nochmals erör-
tert. — Die dritte Abhandlung beginnt mit einer .Aufzählung von
19 bei Tenedos aufgefundenen Arten unel enthält die Charakteristi-
ken von folgenden neuen: Pontocypris intermedia, Bairdia formosa,
Cythere crispata, favoides, Speyeri, dissimilis , Loxoconcha alata,
Cytherura acris , Sclerochilus ? Aegaeus und Paradoxostoma ? re-
niforme.
Derselbe, Report on the Ostracoda dredged amongst the
Hebrides (Report Briti-sh »ssociat. 1866 at Nottingham p. 208— 211)
zählte 60 sich auf 19 Gattungen vertheilende, bei den Hebriden ge-
fischte Ostracoden auf und beschrieb darunter folgende als neu :
Pontocypris acupimctata, Bairdia complanata, Cythere? suhflaves-
cens, emaciata, complexa, Cytherura humilis, Bythocythere? flexuosa.
Cytherella scotica und laevis. Für die einzelnen Arten werden die
Tiefen ihres Vorkommens angegeben.
Rup. Jones and B. Ho 11, Notes on the palaeozoic bivalved
Entomostraca; No. VIII. Some Lower-Silurian species from the Chair
of Kildaire, Ireland. (Annais of nat. bist. 4. ser. IL 1868. p. 54—61).
pl. 7). Ausser Primitia M. Coyi werden acht neue Arten von der
Archiv für Naturg. XXXV. Jahrg. 2. Bd. N
108 Gerst aecker: Bericht üb. d. wisf?ensch. Leist. im Gebiete
genannten Lokalität beschrieben: Primitia Sancti Patricii, Cythere
Whrigtiana, Jukesiana, Bailyana und Hacknessiana, Bairdia Mur-
chisoniana, Griffithmna und Salteriana. x\nhangsweise werden die
14 bis jetzt aus der Carados-Formatiou bekannten Ostracoden auf-
gezählt.
Copepoda.
Ueber freilebende Copepoden sind während des
J. 1867—68 nur folgende wenige Mittheilnngen gemacht
worden :
Nach Axel Boeck (Ueber Heringsfang. Tidsskr. for Fiskeri
I. 1867. p. 154, übersetzt im Archiv f. Naturgesch. XXXIV. 1868.
p. 72 ff.) besteht die sogenannte Rothasung (»Rödkam« oder »Rö-
daat«) des Herings an der Norwegischen Küste aus den das Meer
in weiter Ausdehnung rothfärbeDden Copepodeu-Gattungen Calanus,
Eikocalanus, Centropages und Anomalocera.
Grube (Mittheil, über St. Vaast-la-Hougue und seine Meeres-
fauna p. 32. Taf. 1. fig. 3) beschrieb mit Abbildung Äntaria lateri-
cia als n. A., 3V3 Mill.
Hesse (Annal. d. scienc. nat. 5. ser. Zool. X. p. 362 ff.) Thau-
matoessa Armoricana n. A., nach einem seit längerer Zeit aufbe-
wahrten Präparat. (Die vom Verf. citirte Gattung Kroyer's, zu
welcher er diese' Art bringen will, heisst nicht Thaumatoessa, son-
dern Thaumaleus. Ref.)
Czerniavsky (Material, ad zoograph. Ponticam compar.
p. 32 ff., Taf. 1—3) machte folgende neue Arten, resp. Varietäten
aus dem Schwarzen Meere bekannt : Cyclopina Clausi. Cleta uncinata,
Dactylopus brevifurcus, Thalestris Pontica und brevicornis, Har-
pacticus Nicaeensis Cl. var. Pontica, Älteutha tyirica und aberrans,
Ponteila brunescens, PontelUna viediterranea var. laltensis.
Zu den halbparasitischen Formen kommen wieder
einige neue Gattungen und Arten, welche von Hesse
an der Nordküstc Frankreichs theils in Ascidien, thcils
im Gehäuse eines Pagurus aufgefunden und in den Annal.
d. scienc. natur. 5. ser. Zool. T. VII— IX beschrieben
und abgebildet worden sind.
Uperogco s (sie! wird aus vn^Qoyy.og gebildet) nov. gen. (a.
a. 0. 5. ser. VII. p. 203 ff. pl. 4. fig. 7), von Ergasilus-artigem üm-
riss, mit einem weit über den Cephalothorax-Rand hervortretendem,
scharf abgesetztem, ein Einzelauge tragendem Stirnfortsatz. Die
beiden ersten Abdominalringe seitlich lappenförmig erweitert und
d. Myriopoden, Arachnideo u. Ciustaceen währ. d. J. 1867—68. 199
daher breiter als der Cephalothorax. die drei folgenden schmaler,
aber gleichfalls gelappt. Das Postabdomen linear, vierringlig, mit
griffeltörmiger Furca. Beide Fühlerpaare fünfgliedrig, massig lang.
— Art: Up. testudo, 3Mill., auf Cystoseira fibrosa. — Sunaristes
nov. gen. (ebenda YII. p. 205 ff. pl. 4. fig. 11 u. 12). Körper äus-
serst langstreckig, mit schmal eiförmigem Cephalotorax, vier freien
Abdominalringen und sehr verlängertem, fünfgliedrigem Postabdo-
men; der erste Ring des letzteren fast so lan^ wie die folgenden
rusammengenommen. Das Weibchen mit doppelten, seitlich entsprin-
genden, sehr langen Eiersäcken und sechsgliedrigen . einfachen
Vorder- und Hinterfühlern. Beim Männchen beide Fühlerpaare län-
ger, mit geschwollenen, fiederborstigen Gliedern und sehr kräftiger
Greifklaue am Ende; das dritte Schwimmbeinpaar mit einfacher,
das vierte mit doppelter grosser Klaue am Innenaste. — Art: Sun.
paguri. 5 Mill. — Folychliniopliüus fo^-ficula n. A. in Polyclinum
spec. Cryptopodus albus und crassus n. A. in zusammengesetzten
Ascidien (a. a. 0. 5. ser. IX. 1868. p. 57 ff.)
Von eigentlichen Parasiten ist zunächst die vonSa-
lensky (Archiv f. Naturgesch. XXXIV. 1. p. 301— 321.
Taf. 10) nach beiden Geschlechtern ausführlich charak-
terisirte und in ihrer Entwickeliingsgeschichte geschil-
derte Spliaeronella (nov. gen.) Leucharti, in der Brut-
höhle, resp. an den Bauchvrandungen einer bei Neapel
vorkommenden Amphithoe angesogen lebend, zu erwäh-
nen. Das Thier gehört sowohl nach seinen morphologi-
schen Charakteren wie nach seiner Entwickelungsge-
schichte zu den merkwürdigsten bis jetzt bekannt gewor-
denen parasitischen Copepoden. Während es in ersterer
Beziehung wohl noch am meisten an Nereicola, Lamippe
und Verwandte erinnert, indem bei dem Weibchen auf
den deutlich abgesetzten, mit Fühlern, Saugmund und
Kiefer füssen versehenen Cephalothorax ein sehr volumi-
nöser, kugliger, völlig ungegliederter hinterer Körperab-
schnitt folgt, weicht es von allen übrigen Mitgliedern der
Ordnung nicht nur durch die Zahl der vom Weibchen
producirten Eiersäcke (8 bis l8), sondern auch dadurch
ab, dass diese abgelegt werden; sie finden sich nämlich
an den Leibeswandungen des Wirthsthieres angeklebt.
Ebenso auffallend ist, was Verf. von der Entwickeln ng
des Thieres angiebt. Aus dem Ei geht dasselbe in einer
200 Gerstaecker: Bericht üb. d. wissensch. Lei^t. im Gebiete
verhäitnissmässig weit vorgeschrittenen Form, dem jugend-
lichen Cjclops'Stadinra entsprechend (und dem Nicothoe-
Männchen nicht unähnlich) hervor; sodann heftet es sich,
wie es scheint, mittels eines Stirnfortsatzes an den Kör-
per des Wirthsfchieres fest und nimmt dabei die Gestalt
eines eiförmigen Sackes an, innerhalb dessen sich die
spätere parasitische Form ausbildet. Es schiebt sich da-
her zwischen die frei umherschwimmende Larve und die
endgültige Form hier gleichsam ein Puppenstadium ein.
Claparede machte in seineu »Miscellanees zoologiques«
(Annal. d. scienc. natur. 5. ser. Zool. YIII. 1867. p. 5—36. pl. 3-6.
Nr. IV. Sur nn Crustace parasite de la Lobularia digitata delle Chiaje,
p. 23 ff, pl. 5) eine neue Art der Gattung Lamippe Bruz. bekannt,
welche in der Körperhöhle der Alcyonarie Lobularia digitata bei
Neapel angetroffen wird. Verf. beschreibt dieselbe nach beiden, äus-
serlich ganz mit einander übereinstimmenden Geschlechtern und
nennt sie wegen der Fähigkeit, ihrem Körper die verschiedensten
Formen von einem langen, dünnen Schlauch bis zu einer Kugel zu
geben, Lamippe Proteus. Die richtige Stellung der Gattung unter
den Siphonostomen ist nicht im geringsten zweifelhaft, wiewohl die
Reduction der Gliedmaasseu auf zwei Fühler- und zwei sehr ru-
dimentäre Beinpaare ungewöhnlich erscheint. Zwischen den beim
Weibchen die Ovarien einschliessenden langen Leibesschlauch und
den Furcal-Lamellen sind zwei deutlich geschiedene Körpersegmente,
welche ausgestülpt werden können, nachweisbar. Die Männchen
sind durch die Anwesenheit der Hoden, der in eine Vesicula semi-
nalis endigendeu Vasa deferentia und die in letzteren befindlichen
Spermatophoren kenntlich.
Grube (Mittheilungen über St. Vaast-la-Hougue und seine
Meeresfauna p. 33. Taf. 1. fig. 2) beschrieb und bildete ab Nereidi-
cdla "bipartita n. A., an dem Ruder einer Nereis caltrifera an der
Französischen Küste gefunden.
Czerniavsky (Material, ad zoograph. Ponticam p. 40. Taf. 8
Caligus hyalinits als n, A aus dem Schwarzen Meere.
R. Bergh. On Phidiana lynceus and Ismaila monstrosa (Vi-
densk. Meddelelser fra den naturhist. Forening iKjöbenhavn f. 1866.
p. 97—130. tab. 4 B, Aunak ofnjat. bist. 4. ser. IL 1868. p. 133—137.
pl. 1) fand parasitisch auf einem Nacktkiemer (Phidiana) ein merk-
würdig gestaltetes Copepoden-Weibchen, welches einigermaassen an
Splanchnotrophus Hanc. erinnert, aber durch den stark entwickel-
ten Cephalothorax, das gegliederte Abdomen, den Mangel wirkli-
cher Gliedmaassen u. s, w. abweicht. Er begründet auf diese mon-
d. Myriopoden, Arachniden n.Crustacopn währ, d J. 1867 — 68. 201
ströse Form eine neue Gattung Ismaila mit folgenden Charakte-
ren: »Cephalothorax distinctus, diio aijtennarum paria: autenuae
priores minutae. posteriores paullo majores, prensoriae. Abdomen
supra in tria segmenta divisum, ultimum in appendicem erectam
productum: segmenta omnia utroque latere in bracbium clongata:
duo priora segmenta inferiore pagina, pedum abdominalmm loco,
duobus paribus brachioium inter sese similium praedita. Cauda
elongata, apioe solum articulata, ultimo segmento appendicibus cau-
daiibus brevissimis seligeris. - Art : Ism. monstrosa, soll den Mund
mit einem Paar sehr kräftiger Mandibeln bewehrt haben.
Zu den interessantesten und wichtigsten Entdeckun-
gen im Bereich der parasitischen Copepodcn gehört die
im J. 1868 durch die Nachforschungen A. Metzgcr's
und C. Claus' ihrem ganzen VerL'iuf nach dargelegte
Entwickelungsgeschichte der Lernaeen, deren Männchen
bisher völlig unbekannt geblieben war. Das hierauf be-
zügliche Material ist in folgenden Schriften niedergelegt:
1) A. Metzger, Ueber das Männchen und Weibchen
der Gattung Lernaea vor dem Eintritt der sogenannten
rückschreitenden Metamorphose (Nachr. v. d. Gesellscli.
der Wissensch. an der Universität zu Göttingen Nr. 2.
15. Januar 1868. p. 31 — 36 und Archiv f. Naturgesch.
XXXIV, 1. p. 106— 110). 2) C. Claus, Ueber die Me-
tamorphose und systematische Stellung der Lernaeen
(Sitzungsber. d, Gesellsch. zur ßeförd. d. gesammt. Na-
turwlss. zu Marburg 1868, Nr. 2. März, p. 5—13.) 3) C.
Claus, Beobachtungen über Lernaeocera, Peniculus und
Lernaea. Ein Beitrag zur Naturgeschichte der Lernaeen,
Marburg, 1868. (4. 32 pag. mit 4 Taf. — Separat- Abdruck
aus den Schriften d. Gesellsch. z. Beförd. d. gesammt. Na-
turwiss. zu Marburg, 2. Supplement-Heft). In letzterer, den
Gegenstand am ausführlichsten behandelnden Schrift sind
neben der Entwickelung der Lernaea branchialis noch
andere verwandte Formen berücksichtigt. — Das Aufhn-
den copullrter Lernaea-Pärchen an den Kiemen der Schol-
len, welches Metzger zu verdanken hi, hat gegen alle
Erwartung dargelegt, dass den Lernaeen keine Pygmäen-
Männchen nach Art der Chondracanthinen und Lernaeopo-
den zukommen, sondern dass diese Caligus- oder Diche-
202 Gerstaecker: Bericht üb. d. wissensch. Leist. im Gebiete
lestliinen-artig gestaltet sind, so wie ferner, dass nicht
das bereits retrograd raetamorphosirte Weibchen von dem
Männchen begattet wird, sondern dass die Copulation
während eines sehr frühen, gleichfalls noch Dichclesthi-
nen- förmigen Stadiums des Weibchens vor sich geht.
Beide Geschlechter gleichen sich während der Begat-
tungszeit in allen w^esentlichen Merkmalen vollkommen
und zeigen nur solche Unterschiede, wie sie (z. ß. in
Betreff einer grösseren Entwickelung des Postabdomen
beim Weibchen) den Caligiden sehr allgemein eigen
sind; auch die Grösscndifferenz bewegt sich nur zwischen
1,8 (^lännchen) und 2,8 bis 3 Mill, (Weibchen). Ausser
mit zwei Fühlerpaaren, deren hinteres die Form kräftiger
Klauenhaken hat , sind Weibchen sowohl wie Männchen
mit vier Paaren ausgebildeter Schwimmbeine ausgestattet.
Das bei der Begattung dem Rücken des Weibches auf-
sitzende Männchen stirbt nach vollzogener Copula offen-
bar ab, während ersteres, zu jener Zeit noch im Stande,
sich durch Schwimmen fortzubewegen, sich ein neues
Wirthsthier behufs der Produktion von Nachkommen-
schaft aufsucht. An dieses angeheftet, scheint es die re-
trograde, mit der bekannten Deformation des Körpers
verbundene Metamorphose sehr schnell einzugehen, da
einige von Metzger neben grosseren Individuen ange-
troffene jugendliche Weibchen von nur 3 Mill. Länge
schon die cigcnthümlichen Kopfhörner und den S-förmig
gedrehten Hinterleib besassen, im üebrigcn aber noch
die Merkmale der in der Begattung befindlichen Form
erkennen liessen. Letztere verschwinden allmählich mehr
bei der Längen- und Dickenzunahme des Leibes, dessen
Gliederung (im Bereich der hinter dem Cephalothorax
liegenden Segmente) verloren geht, während die Glied-
maasscn allerdings persistiren, ohne jedoch an Grösse zu-
zunehmen. Den höchsten Grad der Deformation bringt
dann die in die letzte Lebensperiode fallende Entwicke-
lung der Geschlechtsorgane zu Wege, durch welche die
Körpermasse etwa bis auf das Tausendfache vermehrt
wird. — Nach der anderen Seite hin hat die Entwicke-
d. Myriopoden, Arachniden u. Cruataceen währ. d. J. 1867 — 68. 203
lungsgeschichte von Lernaea durch Claua (in seiner
letztgenannten grösseren Abhandlung) durch den Nach-
weis der dem begattungstahigen Stadium vorausgehen-
den Jugendformen eine Vervollständigung erfahren. Die
sich aus der Nauplius-Form entwickelnde freischwimmende
Cyclops-artige Larve ist mit zwei Schwimmfusspaaren
und freien Haftantennen versehen. Zwischen ihrer Fest-
heftung und dem Eintritt der Geschlechtsreife macht
dieselbe noch vier Entwich elungsstadicn durchs "welche
unter allmählicher Ausbildung weiterer Segmente und
Gliedmaassen mit einem die Haftantennen nach vorn
überragenden Stirnzapfen, resp. Stirnband versehen sind.
Auch die Kenntniss der verwandten Gattungen Ler-
naeocera, Peniculus und Pennella ist in morphologischer
Beziehung durch fortgesetzte Untersuchungen von Claus
wesentlich gefördert worden. Nachdem derselbe zuerst
an Lernaeocera (Sitzungsber. der Naturf. Gesellsch. zu
Marburg 1867. p. 5) ein mit lichtbrechenden Kugeln ver-
sehenes Auge aufgefunden hatte, gelang es ihm (ebenda
p. 90 ff.) für Peniculus wenigstens einen oberhalb des
Saugrüssels liegenden dreitheiligen Augenfleck^ für Pen-
nella dagegen drei grosse, für Lernaea branchialis zwei
kleine lichtbrechende Kugeln, welche einer schwarzen
Pigmentanhäufung einsassen, nachzuweisen. Letztere drei
Gattungen besitzen nach seinen Untersuchungen auch
die für Lernaeocera bereits von Brühl festgestellten
Furcalglieder. Ausführlichere Mittheilungen über die
Körperbildung von Lernaeocera esocina (=■ L. cyprina-
cea Nordm. nee Lin., = L. gasterostei Brühl) und von
Peniculus fistula hat Verf. in seiner obengenannten, die
Entwickelung von Lernaea behandelnden Schrift gemacht.
Erstere Art wird hier in verschiedenen Altersstufen des
Weibchens, unter welchen besonders die jüngeren, mit
noch geradem, linearem Abdomen versehenen hervorge-
hoben zu werden verdienen, dargestellt und erörtert, be-
sonders in Bezug auf die noch wenig genau erkannten
Fühler, Mundtheile und Schwimmbeine, deren erstes noch
im Bereich der zwei grossen hinteren Kopflap^en gelegene
204 Gerstaecker: Bericht ü"b. d. wissensch. Leist- im Gebiete
Paar von Brühl übersehen worden ist. Auch über die
Hautstruktur, den Darmkanal, die Geschlechtsorgane und
die umfangreiche, zwischen Körperhaut und Eingeweiden
befindliche fetthaltige Bindegewebsmasse macht Verf. er-
gänzende und berichtigende Angaben. In Bezug auf
Peniculus ist hervorzuheben, dass die bei v. Nordmann
erwähnte gespaltene Verlä'ngerung des Kopfstückes in
Wirklichkeit auf den Klammerfühlern beruht.
Cirripedia.
Eine Abhandlung Fr. Müller's „Ueber ßalanus
armatus und einen Bastard dieser Art und des Baianus
improvisus var. assinilh's Darw." (Arch. f. Naturgesch.
XXXIlL 1. 1867. p. 329—356. Taf. 7—9) — ins Englische
übersetzt: „On Baianus armatus and a hybrid between
this species and Baianus improvisus var. assimills Darw."
(Annais of nat. bist. 4. ser. I. 1868. p. 393—412. pl. 20)
enthält eine Reihe für die Kcnntniss der Balaniden wich-
tige Beobachtungen. An lebenden Exemplaren von Te-
traclita porosa stellte Verf. Versuche über die Wirkung
der einzelnen ^lantel- (Kalkgerüst-) Muskeln an. Das
Oeffnen des Deckels kann nicht (nach Darwin) durch
die Musculi dcprcssores laterales, sondern nur durch An-
drängen des Thieres gegen die Deckelspalte bewirkt
werden. Bei dem kräftigen Niederhalten des Deckels
agiren allein die Musculi depressores tergi, nicht zugleich
die verschiedenen Depressores sculi. Durch letztere, die
laterales sowohl wie die rostrales , wird die Basis der
8cuta niedergezogen, der Kielrand der Terga gehoben,
so dass der Scblussrand eine mehr oder weniger steile
Lage annimmt. Ein Heben und Senken des Deckels
findet überhaupt nur in ziemlich beschränktem Maasse
statt. — In verschiedenen Schwämmen der Brasilianischen
Küste (Papillina, Rcnlera und einer auf Carijoa rupicola
vorkommenden dottergelben Art) fand Verf. einen Ba-
ianus eingebettet, welcher in ähnlicher Weise wie bei
einigen Acasta- Arten (nach Darwin") eines der Ranken-
d. Myriopoden, Arachniden u. Crustaceen währ. d. J. 1867—68. 205
fnsspaare mit Dornen bewehrt zeigt. Bei diesem als
Baianus armaius, n. sp. beschriebenen ist nicht das vierte,
sondern das dritte Rankenpaar an seinen beiden Aesten
mit einer viel grösseren Zahl von Dornen (Zähnen) als
bei Acasta besetzt. Sonst ist diese Art dem ßalanus tri-
goniis so ähnlich, dass man sie für eine Varietät desselben
ansehen könnte. Auf die Erfahrung, dass nur die in
Schwämmen eingebetteten Balaniden gezähnte Ranken
besitzen, basirt nun Verf. den Schluss, dass diese Beweh-
rung durch den Wohnsitz bedingt sei und dazu diene,
die Oeffnung des Schalengerüstes durch Zerreissen der
überwuchernden Schwammmasse von dieser frei zuhalten.
— Auf experimentellem Wege weist Verf. ferner nach,
dass die Empfänglichkeit der Balanen gegen Lichtein-
drücke von der Anwesenheit der Augen (bei Bai. armatus
scheinen solche überhaupt zu fehlen) unabhängig sei.
Ein aus seinem Gehäuse losgelöster und der xAugen be-
raubter Balan. tintinnabulum rollte jedesmal seine Ranken
zusammen, wenn er beschattet wurde. — Dass die Selbst-
befruchtung der Balanen die Regel sei, zieht Verf. nach
zwiefacher Beobachtung in Zvv^eifel. Erstens sah er, dass
mehrere dicht bei einander sitzende Balan. armatus ihre
weit hervorgestreckte Ruthe der DeckelöfFnung ihrer
Nachbarn näherten und fand bei der Untersuchung, dass
einerseits ihre eigenen Eier bereits befruchtet und in der
Furchung begriffen waren, anderseits ihr Ruthenkanal
von Spermatozoon strotzte. Zweitens fand er unter zahl-
reichen Balan. improvisus var. assimilis einige Exemplare,
welche die Charaktere dieser Art mit denjenigen des
Balan. armatus in sich vereinigten, vermuthlich also Ba-
starde beider Arten darstellten.
Hesse (Annal. d. scienc. natur. 5, ser. Zool.VII. 1867. p. 124
u. 134 fl'.. pl. 2 u. 3) bildete die Embryonen und die ersten Larven-
formen von Baianus sulcatus und Anatifa laevis in wenig naturge-
treuer Weise ab und gab von denselben eine oberflächliche Be-
schreibung, Als weitere Eutwickelungsstadien dieser Larven nimmt
er die mit ihnen zusammen gefundenen Jugendformen zweier Bopyri-
nen in Anspruch.
Derselbe (ebenda 5. ser. Zool. VIIL p. 378— 380 und: »De-
Archiv f. Naturg. XXXV. Jahrg. 2. B.i. N*
206 Gerstaecker: Ber. üb. A. wiss. Leist. im Gebiete u. s. vv.
scription of two Sacculinidae,« Annais of nat. bist. 4. ser. II. 1868.
p. 234 f.) beschrieb Sacculinidia (sie !) Gibbsii (am Hinterleib von
Pisa Gibbsii) und Sacculinida (sie!) Herhstia nodosa (! !) am Hin-
terleib von Herbstia nodosa, beide au der Französischen Nordsee-
Küste aufgefunden. — Ebenda 5. ser. Zool. IX. p. 53 f. werden Pel-
togaster paguri und albidus n. A,, letztere nur durch weissliche Fär-
bung von ersterer unterschieden, charakterisirt. Von der zweiten
Art fanden sich auf drei Individuen des Pagurus pubescens im
Ganzen 81 Exemplare angeheftet.
Bericht über die wisseiiscliaftlicheii Leistungen in der
Naturgeschichte der niederen Thierc Wcährend der
Jahre 1868 und 1809.
Von
Dr. Rud. Leuckart,
Professor der Zoologie und vergl. Anatomie in Leipzig.
(Erste Hälfte.)
Schon bei verschiedenen Gelegenheiten haben wir in
unseren letzten Berichten darauf hingewiesen, wie unsere
Kenntnisse und Erfahrungen über das faunistische Vor-
kommen und die Tiefenverbreitung der marinen Thier-
formen, Dank namentlich den Bemühungen scandinavischer
und englischer Forscher, seit etwa einem Jahrzehnt einen
ungewöhnlichen Aufschwung genommen haben. Die frü-
her herrschende Ansicht, dass schon etwa in einer Tiefe
von 300 Faden die Existenz thierischer Organismen wie-
gen des Druckes der darauf lastenden Wassersäule un
möglich sei, ist durch diese Erfahrungen als durchaus
irrthümlich erkannt; wir wissen , dass auch in der Tiefe
ein reges Thierleben herrscht, und dass solches selbst bis
über 1000 und 2000 Faden hinabreicht. Da der thieri-
sche Körper allenthalben von Flüssigkeiten durchzogen
und getränkt ist, die unter demselben Drucke stehen,
wie dieser, der Wasserdruck also, wie der Luftdruck,
dem die Landthiere ausgesetzt sind, durch einen entspre-
chenden Gegendruck balancirt wird, so haben w^ir kein
Recht, denselben — und wäre er auch noch so gross —
als ein Hinderniss des thicrischen Lebens zu betrachten.
Wenn trotzdem in beträchtlichen Tiefen eine Abnahme
oder vielleicht richtiger eine Beschränkung desselben
auf gewisse niedere Formen stattfindet, so ist es weit
mehr der Einfliiss des Lichtes, der Temperatur und des
Gasgehaltes, der dabei in Rechnung gebracht werden
208 Leiickart: Bericht üb. d. Leist.^ iu d. Naturgeschichte
miiss, so wie der Umstand, dass der Pflanzenwuchs, der
von den äusseren Agentien In einem noch höheren Grade
ablrängt^ als der thierische Organismus, schon in gerin-
ger Entfernung von dem Wasserspiegel fast vollstän-
dig aufhört. Aus letzterem Grunde wird denn auch die-
Thierwelt der Tiefe voraussichtlich nur durch ' eine be-
ständig neue Zufuhr thierischer Substanz aus den höhe-
ren Regionen in ihrem Bestände gesichert sein.
Die hohe Bedeutung und das wissenschaftliche In-
teresse der hier vorliegenden Fragen macht es begreiflich,
dass denselben eine immer wachsende Aufmerksamkeit
geschenkt wird, und so haben wir denn auch dieses Mal
wieder, ja mehr noch als früher, über eine Reihe darauf
bezüglicher Abhandlungen zu berichten.
Zunächst erw ahnen wir hier der „fortsatte Bemacrk-
ningar over det dyriske Livs udbretning i Havels dyb-
der" von M. Sars (Videnskab. Sclskabs Forhandlingar
for 1868. p. 246 — 275, übersetzt Annais and Mag. nat.
bist. T. III. p. 423—441), in welcher dieser die von ihm
selbst, von seinem Sohne O. Sars, so wie von Koren
und Danielsse n, namentlich aber von O. S a r s, während
einer Schleppnetz-Expedition nach den Lofoten in Bezug
auf die bathyerglsche Vertheilung der Thiere gew^onne-
nen Resultate übersichtlich zusammenstellt. Das darin mit-
getheilte Verzeichniss sämmtlicher bisher in einer Tiefe
von 200—450 Faden an der norwegischen Küste lebend
aufgefundenen wirbellosen Thicrformcn enthält nicht we-
niger als 427 Arten (68 Rhizopoden, 5 Sponglen, 2 Hy-
drozoen, 20 Anthozoen , 2 Gilnolden, 21 Asteriden, 5
Echiniden, 8 Ilolothurien, 35 Polyzoen, 6 Gephyreen, 51
Anneliden, — die übrigen Mollusken und Arthropoden),
vielleicht acht Mal so viel, als Verf. in seinem ersten
Verzeichnisse (1866) aufzuführen im Stande war. Die
darunter aufgezählten neuen (30) Arten werden hoffentlich
von dem talentvollen Sohn des inzwischen leider durch
den Tod uns entrissenen Forschers beschrieben werden.
Noch bedeutender und grossartiger sind die Resul-
tate, welche durch die im Auftrage des NordamerikanI-
der niederen Thiere walirciid der .1 1H68— 1869. 209
sehen Kiistenamtes (eoast survcy officc) mittelst eines
eigens für die Untersuchung des Golfstromes comman-
dirten Regicvungsdampfers vom Grafen Pourtales vor-
genommenen Draggungen an der Ostküste Floridas gewon-
nen wurden, Resultate, die uns eine ganz neue, vielfach
an die Fauna der Kreideperiode erinnernde Thierwelt
erschlossen haben und auch unsere geologischen Kenntnisse
und Anschauungen in mehr als einer Richtung zu erwei-
tern und umzugestalten geeignet sind. Vergl. hierzu
vornämlich L. Agassiz, Report upon deep-sea dredgings
in the Golf Stream, Bullet. Mus. Compar. Zool. Cam-
bridge Nr. 13. p. 363—386), Besonders reich ergab sich
dabei ein 10 — 20 Meilen breites felsiges Hochland, das
sich in einer Tiefe von 50 — 250 Faden westlich an das
ungleich tiefere (400— 700 Faden) Schlammbett des Golf-
stromes anschliesst und von Agassiz als „Pourtales Pla-
teau^ bezeichnet wird, eine Localität, deren Boden von
einem kalkreichen Conglomerat organischer Ueberreste
gebildet ist und somit Verhältnisse wiederholt, wie die
Geologen sie in der sog. Coralrag-Formation kennen.
Graf Pourtales selbst hat — zum Theii in Gemein-
schaft mit AI. Agassiz und Lyman — die zoologi-
schen Ergebnisse der zwei ersten von ihm in den
Jahren 1867 und 1868 unternommenen Expeditionen vor-
läufig in Nr. 6, 7, 9, 10, 11, 12 der schon oben erwähn-
ten Bulletins (Contributions to the fauna of the golf
stream at great depths p. 103 — 142, p. 252— 362) niederge-
legt und durch die grosse Menge der von ihm entdeckten
Formen den Beweis geliefert, dass trotz allen den täg-
lich neu beschriebenen Arten unsere Kenatniss der
Thierwelt noch immer im hohen Grade lückenhaft sind.
Wir werden später, an verschiedenen Stellen, besonders
bei Gelegenheit der Echinodermen und Polypen, Veran-
lassung finden, auf diese wichtigen Mittheilungen zurück-
zukommen und erwähnen hier nur den interessanten Um-
stand, dass eine Anzahl charakteristischer Formen (wie
der zuerst von Sars entdeckte Rhizocrinus lofotensis —
Bourgueticrinus Hotessieri Pourt. — und Lophelia pro-
210 Ltuckart: Berieht üb il. Leist. iii il. Naturoeseliichle
lifera — L. nfüiiis Ponrt. — ") den Meerestiefen Floridas
und Norwegens gemeinschaftlich sind, ein Umstand, der,
wie L. Agassiz mit Recht hervorhebt, bestimmt nur
dem Eintlnsso des Golfstromes zugeschrieben werden
kann.
Dass ib'e englischen Zoologen hinter den Skandina-
vischen und Nordamerikanischen nicht zurückbleiben wür-
den, war bei dem grossen Interesse, welches dieselben seit
Forbes' Zeiten den Tiofgrundfischereien zugewendet
haben, von vorn herein zu erwarten. Wyv. Thomson
und Carp enter wusstcn die Royal Society of London
für die neuen Untersuchungen zu gewinnen, und diese
veranlasste ihrerseits die englische Admiralität, den ge-
nannten Forschern für ihre Zwecke ein passendes Dampf-
schiff zur Disposition zu stellen. So ausgerüstet unternah-
men es dieselben im August und September des Jahres
1868, den Atlantischen Ocean zwischen der Westküste
Schottlands und den Faröern in einer Tiefe von 500 —
650 Faden mit der Drague zu durchforschen. Sie kamen
im Wesentlichen zu denselben Resultaten, wie Pourta-
les, entdeckten aber dabei in der Tiefe des Atlantischen
Oceans westlich von dem warmen Golfstrom einen in
entgegengesetzter Richtung verlaufenden kalten Strom,
der gegen den erstem eine Temperaturerniedrigung von
ungefähr 15*^ zeigt und in gleicher Weise durch die Be-
schaffenheit seines Grundes, wie den Charakter und Reich -
thum seiner Fauna von demselben abweicht. Die Fauna
des letztern zeigt einen mehr borealen Charakter, wäh-
rend die warme Area Thierformen von sehr verschiede-
ner Beschaffenheit enthält. Der Boden der letztern wird
von einem Kalkmud gebildet, der nicht bloss zahllose Fora-
miniferen und Schwämme, bosonders Glasschwämme, trägt,
sonders auch von einem lebendigen Protoplasma durch-
zogen wird, dessen Natur bis jetzt noch nicht mit völ-
liger Sicherheit erkannt ist. Die specicU zoologische
Ausbeute unserer :Yerfi'. ist bis jetzt noch -nicht be-^
kannt geworden, wie denn überhaupt die Mittheilungen
derselben einstweilen einen präliminarischen Charakter
der niederen Tliiere währenri der J. 1 R68t*-- 1 809 . 211
tragen (prellminary report of dredging Operations in the
seas to the north of the britl.-h islands; Proceed. roy. Soc.
Vol. XVII. p. 168 — 200j. Wir erfahren nur gelegentlich,
dass dieselben u.a. interessanten Thierformen den Sars'-
schen Khizocrinus, die dem fossilen Protaster am nächsten
stehende Brisinga, eine der fossilen Oculina explanata ^
verwandte lebende Form , Kophobelemnon , Hyalonema
Sieboldii u. a. eben so merkwürdige Glasschwämme, rie-
senhafte Khizopoden u. s. w. erbeuteten — genügend, um
auch hier die grosse Bedeutung derartiger Forschungen
für zoologische und paläontologische Fragen ausser Zwei-
fel zu stellen.
üeber die im vorigen Jahre von Gwyn Jeffries
und \V y V. T h 0 m s on weiter südlich unternommenen Tief-
draggungen sind bisher erst w^enige Notizen kund ge-
w^orden. Ebenso von den Resultaten der 1868 unter Lei-
tung des Prof. Nordenskiöld nach Spitzbergen aus-
gerüsteten und mit den Apparaten zur Tiefgrundfischerei
ausgestatteten Expedition.
Fischer's rcsultats zoologiques des draguages exe-
cutes dans le golfe de Gascogne (Cpt. rend. T. 67. p. 1004
— 1006) beziehen sich vornämlich auf Mollusken.
Grube veröffentlicht «Mittheilungen über St. Vaast-
la-Hogue und seine Meeres- besonders seine Anneliden-
fauna" 39 S. in Oct. mit 1 Tafel (aus den Abhandl. der
Schles. Gesellsch. für vaterl. Cultur 1869) und schliesst
die an interessanten Notizen reiche Abhandlung mit einem
Verzeichniäs der daselbst gesammelten Evertebraten, das
u.a. 60 Chätopoden, 2 Sipunculiden, 10 Turbellarien,
2 Nematoden , 9 Echinodermen und 7 Polypen enthält.
Auf einzelne dieser Arten (Würmer) werden wir später
noch besonders zurückkommen.
Die in russischer Sprache publicirten Verhandlungen
der Petersburger Naturforschcrversammlung enthalten in
ihrem zoologischen Theile (311 S. in gr. Quart mit 21
Tafeln Petersburg 1868) eine ganze Anzahl interessanter
Abhandlungen über niedere Thiere, besonders Würmer.
Ebenso die Protocolle der vorjährigen Versammlung in
212 Lenckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Moskcau (Moskau 1869, 16 S. in Octav). Ich verdanke es
dei^ freundlichen Theilnahme meiner Schüler, der Herren
Ganin, Melnikoff und Sa eng er, dass ich im Stande
bin, an den betreffenden Orten darüber weiter zu be-
richten. Einstweilen mag- hier nur der Mittheilungon
Erwähnung geschehen, die Tscher niawsky auf der
Moskauer Yersanmilung über die Wirbellosen des Schwar-
zen Meeres und eines damit zusammenhängenden Sees in
Mingrelien (Paläotomm) gemacht hat. Der letztere enthält
eine Fauna, die trotz der Trinkbarkeii seines Wassers
einen fast völlig marinen Charakter trägt, wie schon das
Auftreten von Baianus, Nereis, Nemertes u. s. w. zur Ge-
nüge andeutet. Im Schwarzen Meere sammelte Verf. bis
an hundert verschiedene iVrten von Wirbellosen, obwohl
er nur die Strandfauna zu berücksichtigen im Stande
war. Die grösste Mehrzahl ist mit mittelmeerischen Ar-
ten identisch oder nahe verwandt.
Das Vorwort zu dem vierten Cataloge des Museum
Godefroy (Hamburg 1869) enthält eine Zusammenstellung
von Mittheilungen der von dem genannten Institute be-
schäftigten Sammler über die faunistischen Verhältnisse
der von denselben besuchten Gegenden. A^on besonde-
rem Interesse darunter sind die Mittheilungen Gr äffe's
über den Archipelagus der Viti - Inseln und die benach-
barten Gebiete.
Die „entwickelungsgeschichtlichen Beiträge" von
Mec znikoff (Bullet.Acad. imper. St.Petersbourg T.XIII.
p. 284 — 299) betreffen die Echinodermen , Nemertinen,
Bothriocephalen und Ascidien und werden später, so weit
sie uns hier interessiren, noch besonders angezogen wer-
den. Gleiches gilt von den Mittheilungen desselben Verf.'s
„über die Metamorphose einiger Seethiere (Cyphonautes,
Mitraria, Actinotrocha) in den Nachrichten von der K.Gesoll-
schaft der W^isscnsch. zu Göttirigen 1869. S. 227—233 und
den Angaben über die pelagische Fauna des schwarzen
Meeres (Eucope, Kalliphobe, Noctiluca) in den Verhand-
lungen der Petersburger Naturforscher - Versammlung
p. 267— 271.
der niederen Thiere während der J 1868—1869. 213
Den letztern Gegenstand behandelt auch Oulianin
in den — russiscli geschriebenen — Sitznngsprotocollen
der kais. Gesellschaft der Freunde der Natiirwiss. in
Moscau, 1868. p. 57—63.
Ein Theil der ersterwähnten Beobachtungen von
M ecz niko ff ist inzwischen unter dem Titel: ^Studien
über die Entwickelung der Echinodermen und Nemertinen*'
in den Mem. Acad. imper. St. Petersbourg T. XIV. 1859.
(72 S. in Quart mit 12 Kupfertafeln) ausführlich ver-
öffentlicht worden.
Ratzel bringt „histologische Untersuchungen an
niederen Thieren^ und zwar zunächst (Zeitschrift für wis-
senschaftl. Zoologie Bd. XIX. S. 257-280. Tab. XXII u.
XXIII) Beobachtungen über das Muskelgewebe, beson-
ders der Würmer.
Auch in Schwalbe's Arbeit y,über den feineren
Bau der Muskelfasern wirbelloser Thiere" (Archiv für
mikroskop. Anatomie Bd. V. S. 205—259. Tab. XIV u. XV)
finden sich Angaben über die Histologie des Muskelge-
webes bei den Würmern, Echinodermen und Coelen-
teraten.
Häc k eis „Natürliche Schöpfungsgeschichte" (Ber-
lin 1868. 568 S. inOctav), eine Sammlung gemeinverständ-
licher wissenschaftlicher Vorträge über die Entwickelungs-
lehre im Allgemeinen und diejenige von Darwin, G ö-
the und Lamarck im Besondern, über die Anwendung
derselben auf den Ursprung des Menschen und andere
damit in Verbindung stehende Grundfragen der Natur-
wissenschaft, interessirt uns hier vornämlich insofern, als
Verf. darin die früher in der generellen Morphologie von
ihm ausgesprochenen Ansichten über die verwandtschaft-
lichen Beziehungen der Thierformen in mehrfacher Be-
ziehung modificirt hat. So w^erdcn die Schwämme jetzt
aus dem Reiche der Protisten ausgeschlossen und den Coe-
lenteraten vereinigt, so auch die Bryozoen und Tunikaten
(als Sackwürmer, Himatega) der Abtheilung der Würmer
zugerechnet, die Arthropoden aber als Repräsentanten
eines eigenen Pylum davon abgetrennt.
van Beneden behandelt in seiner Rede „sur le
Archiv f. Naturg. XXXV. Jahrg:. 2. Bd. 0
214 Leuckart: Bericht üb- d Leist. in d. Naturgeschichte
commensalisme dans le regne animal*^ (Bruxelles 1869,
30 S. in Oct., aus den Bullet, acad. roy. de Belgique T. 28
besonders abgedruckt) ein dem Parasitismus nahe verwan-
dtes Verhältniss und illustrirt dasselbe durch eine Reihe
passend ausgewählter Beispiele von Thieren, die als tem-
poräre oder stationäre Inquilinen von den Abfällen an-
derer leben.
I. V e r m e s.
Nach H ä c k e l's jetzigen Ansichten (natürliche
Schöpfungsgeschichte S. 404) sind die Würmer am na-
türlichsten folgendermassen zu vertheilen: 1) in Urwür-
mer^ Archelminthes mit den Infusorien (Archezoa, Ci-
liata, Acinetae ; 2) in Weichwürmer, Scolecida, mit den
Plattwürmern (Turbellaria, Trematoda, Cestoda, Hirudi-
nea, Onychophora, Nemertina) und Rundwürmern (Chae-
tognathi, Nematoda, Acanthocephala) ; 3) in Sackwür-
mer, Himatega mit den Moosthieren (Gymnolaema,
Phylactolaema) und Mantelthicren (Chthonascidiae =
Ascidiae, Nectascidiae =: Salpae); 4) in Gliedwürmer
Colelminthes mit den Sternwürmern (Sipunculida , Echi-
urida), Ringelwürmern (Drilomorpha, Chaetopoda, Arctisca)
und Räderthieren.
Schneider schlägt für die früher von ihm als
Nemathelminthes bezeichneten Rundwürmer jetzt die Be-
nennung Loboccphaln vor. Gleichzeitig wird für die
Gruppe der Rhynchclminthes (die dabei auch die Bryo-
zoen in sich aufnehmen soll) der Name Rhynchocephala
in Anwendung gebracht. Das Verhältniss dieser beiden
Gruppen vergleicht Verf., der die Thiere der letztern — auf
Grund der Beobachtungen an Actinotrocha, Mitraria, Cy-
phonautes und Echinorhynchus, über die w^ir theilweise erst
später berichten können — durch eine mehr oder min-
der evidente Knospung entstehen lässt, dem der Hydroid-
polypen mit Geschlechtsorganen zu den Medusen. Ebenso
ist Yerf. auch weiter geneigt, die Platyhelminthen als
^Geschlechtsknospen" den letztern zu parallelisiren. Ar-
chiv für mikroskop. Anatomie Bd. V. S. 276 ff.
der niederen Thiere während der J. 1868— 18G9. 215
Kessler berücksichtigt in seinen Beiträgen zur
zoologischen Kenntniss des Onegasees und dessen Um-
gebung (Beilage zu den Abhandlungen der Petersburger
Naturforscherversammlung, 183 S. VIII Taf.) u. a. auch
die Würmer und beschreibt dabei 8 grösstentheils neue
Oligochäten, 9 Ilirudineen, 6 Nematoden, 5 Echinorhyn-
chen, 3 Trematoden, 8 Cestoden.
Der fünfundzwanzigste Band der Transact. roy. Soc.
Edinburgh enthält (T. 2. p. 305-426. Tab. IV— XVI)
eine Abhandlung on the structure of the british Nemer-
teans and new british Annelids von M'In tos h, die ihrem
Haupttheile nach der Anatomie der Nemertinen gewidmet
ist und später von uns noch besonders angezogen wer-
den wird.
Cobbold's Entozoa being a Supplement to the in-
troduction to the study of helminthology (London 1869.
124 S. in gr. Octav) handeln vorzugsweise über Trichinen,
Tänien und Distomen, und zwar auf Grund von Experi-
menten und Beobachtungen, die Verf. meist schon an
anderen Orten bekannt gemacht hat. Gleiches gilt von
den Mittheilungen über die Individualität der Helm.inthen
und die Eingeweidewürmer der Hunde, nur dass denselben
hier noch ein Excurs über die Entozoen der Haselhühner
un d des Vogelwildprets überhaupt hinzugefügt ist.
Baill et's histoire naturelle des helminthes des prin-
cipaux mammiferes domestiques, die im Jahr 1868 von
Seiten der Pariser Akademie mit einem Preise ausge-
zeichnet worden, ist der Separatabdruck des Artikels
„Helminthes'^, den der Verf. in dem Dictionnaire de me-
decine, de Chirurgie et d'hygiene veterinaires publicirt hat.
Ref. kennt diesen Artikel nur aus der Note sur les stron-
gyliens et les sclerostomiens de Tappareil digestif des be-
tes ovines par Bai 11 et (Paris 1868. 63 S. in Octav) oder
vielmehr aus der dieser Mittheilung angefügten Entgeg-
nung gegen Colin, welcher (Bullet, soc. imper. de me-
decine veterinaire in den recueil m6d. vöter. 1868) die
Arbeit Bai 11 et's einer scharfen Critik unterbreitet hatte.
Nach dem hier Mitgetheilten hat es übrigens den An-
schein, als wenn die genannten Forscher beide von den
216 Le uckart: Bericht üb. d. Leist. in d Naturgeschichte
Arbeiten der jüngeren deutschen Helminthologen und
namentlich denExperinientaluntersuchungen des Ref. nur
eine sehr unvollständige Kenntniss besässen. Nicht bloss,
dass ihnen die seit 1865 mehrfach besprochenen Unter-
suchungen des Ref. über Nematodenentwickelung gänzlich
unbekannt geblieben sind; es scheint sogar, als wenn die-
selben nicht ein Mal den bereits im Jahre 1863 abge-
schlossenen ersten Band des vom Ref. herausgegebenen
grossen Parasitenwerkes zu Gesicht bekommen hätten.
Es würde wenigstens sonst kaum erklärlich sein, wie
Bai 11 et sich z. B. für den Ersten halten kann, der
die Embryonen von Distoma hepaticum gezüchtet habe,
oder Colin dazu kommt, in den sechziger Jahren die
Lebensgeschichte und Entwickelung der Pentastomen zu
entdecken, die schon seit 1857 und 1858 in allen wesent-
lichen Punkten zum Abschluss gekommen ist. Der
Hauptstreit zwischen Baillet und Colin dreht sich
übrigens um die Strongjliden der Haussäugethiere. Wir
gehen hier nicht näher darauf ein, weil die Angaben
sowohl des Einen, wie des Andern durch die Unter-
suchungen des Ref. theils anticipirt, theils widerlegt sind.
O 1 s s 0 n veröffentlicht in Lund's Univ. Arsskrift
T. IV den zweiten Theil seiner Abhandlung über die
Eingeweidewürmer der Skandinavischen Seefische (en-
tozoa, iakttagna hos Skandlnaviska hafsfiskar, 63 Seiten u.
3 Tafeln in Quart) und behandelt darin vornämlich die
von ihm beobachteten Trematoden (31 Arten, von denen
8 neu sind). Durch die gleichzeitig mitgetheilten Nach-
träge über Cestoden steigt die Zahl der von unserm
Verf. in 76 verschiedenen Fischen (860 Exemplaren)
aufgefundenen Platyhelminthen — mit Ausschluss der
Jugendformen — auf 55 Arten.
Die „helminthologischen Notizen'^ von R. v. Wil
lemoes-Suhm in der Zeitschrift für wissensch. Zool.
Bd. XIX. S. 469—475. Tab. XXXI betreffen die Embryo-
nen von Schistocephalus, einen Zwitter von Ascaris he-
teroura und eine neue Art des Gen. Ophlostomum. Wir
werden später darauf zurückkommen.
der niederen Thiere während der J. 1868—1869. 217
1. Annelides.
Chaetopodes.
Polychaeti. Der vergangene Jahresbericht enthielt
die Mittheilung, dass Claparede ein grösseres Werk
über Neapolitanische Chätopoden vorbereite. DasWerkist
inzwischen unter dem Titel : les anneh'des chetopodes du
Golfe deNaples(Geneve etßalel868) in Form eines ansehn-
lichen Quartbandes von 500 S. mit 32 theilweise kolorirten
schönen Kupfertafeln erschienen. Es bildet eine wich-
tige Bereicherung unserer Litteratur, nicht bloss in de-
scriptiv zoologischer, sondern auch in anatomisch-histolo-
glscher Hinsicht, da Verf. in der Lage war, die von
ihm beschriebenen Arten (etwa 150) sämmtlich im leben-
den Zustande zu beobachten. Durch delle Chiaje ist
Neapel bekanntlich ein klassischer Ort für Chätopoden-
untersuchungen geworden, aber die Arten, die derselbe
aufgestellt hat, sind grösstentheils unvollständig beschrie-
ben und abgebildet, so dass es vielfach erst der vorlie-
genden Untersuchungen bedurfte, um sie richtig zu deu-
ten und unter» den älteren Benennungen in das System
einzuführen. Zu den schon bekannten Arten kommen aber
nicht weniger als c. 80 neue, und unter ihnen manche,
die durch die Eigenthümlichkeiten ihres Baues ein ganz
besonderes Interesse in Anspruch nehmen. Da Verf.
überdiess, so weit es anging, neben den gerade vorlie-
genden Arten auch die verwandten Formen in Berücksich-
tigung zog und den Arbeiten anderer Forscher überall
gebührende Beachtung schenkte, auch zahlreiche irrthüm-
lichc Angaben (besonders aus dem grossen Anneliden-
"werke von Quatrefages) berichtigt, so darf sein Werk
mit Recht eine grössere Bedeutung beanspruchen, als solche
sonst gewöhnlich den f^uinistischcn oder dcscriptiv ana-
tomischen Abhandlungen zukommt. Die Uebersicht über
den anatomisch-histologischen Bau der Chätopoden, die
Verf. seinen Beschreibungen vorausschickt, ist vornäm-
lich gegen die Darstellung gerichtet, die Q u a t r e-
218 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
fages gegeben hat, und hat auch von Seiten des letzern
eine Entgegnung hervorgerufen (Cpt. rend. 1859 T. 68
Jan.), die freilich kaum geeignet sein dürfte, die kriti-
schen Bemerkungen unseres Verf. 's zu entkräftigen. Wir
haben dieser Einleitung (p. 1 — 34), die Verf. früher schon
in der Bibl. univers. Geneve hat abdrucken lassen, be-
reits in unserem letzten Berichte kurz erwähnt, halten
es aber trotzdem für gerechtfertigt, hier auf einige An-
gaben unseres Verf.'s specieller zurückzukommen. So
bemerken wir denn zunächst, dass die Cuticularhüllen un-
serer Anneliden ziemlich allgemein von zweierlei Oeff-
nungen durchsetzt werden, von denen die einen als Po-
renkanälchcn zu bezeichnen sind, während die andern
als Ausführungsöffnungen von Hautdrüsen dienen, die bald
ein schleimiges Secret, bald stäbchenförmige Körperchen,
bald Körner nach Aussen entleeren. Diese Drüsen haben
einen tubulären Bau und erreichen mitunter, wie namentlich
bei den Lycoriden, eine sehr ansehnliche Grösse. Ob die
stäbchenförmigen Körperchen als Ncsselorgane zu betrach-
ten sind, steht dahin, zumal sie eine homogene Beschaf-
fenheit zu besitzen scheinen. Sie finden sich namentlich
bei den Spioniden, Aricinen, Chätopteridcn, Phyllodociden,
PIcsioniden und gewissen Syllideen, sind gber auch sonst
durchaus, nicht selten und an allen Körperthcilen nach-
weisbar. Die Muskulatur, die in histologischer Bezie-
hung mancherlei auffallende Unterschiede zeigt, besteht
aus Längs- und Ringmuskeln, von denen die letztern nach
aussen liegen und die gewöhnlich in vier Bündel ange-
ordneten Längsfasern in sich einschliessen. Dass diese
sich an den einzelnen Segmenten inseriren, wird von
unserem Verf. geleugnet. Sie sollen ohne Unterbre-
chung durch die ganze Körperlänge hinziehen. Die un-
tern Längsmuskeln werden gewöhnlich noch von Querfasern
überlagert, die zw^ischen der Ringmuskelschicht und der
ventralen Mittellinie ausgespannt sind und am deutlich-
sten auf Querschnitten (Halla) gesehen werden; doch
giebt es auch Fälle, in denen dieselben fehlen. Die Lei-
beshöhle ist von einer mehr oder minder deutlichen
Peritonealhülle ausgekleidet, die in einzelnen Fällen ein
der niederen Thiere während der J. 1868 — 1869. 219
förmliches Mesenterium bildet und bei den anangischen
Formen (sonst nur bei Terebella vestita) mit Flimmerhaa-
ren besetzt ist. Als Athmungsorgane functioniren an
Statt der eigentlichen neben den Fussanhängen vorhan-
denen Kiemen gelegentlich auch anderweitige Gebilde,
wie Cirren und Tentakel, die dann — mit Ausnahme
der Sabellen — überall ein zuführendes und abführen-
des, meist durch zahlreiche feine Schlingen in Verbin-
dung stehendes Gefäss enthalten. Die Bildung der Ge-
schlechtsorgane zeigt zahlreiche Verschiedenheiten, wie
der Verf. das durch seine Specialuntersuchungen nach-
weist. Am häufigsten besitzen dieselben die Form von
mehr oder minder zusammengesetzten agglomerirten Hau-
fen oder Strängen, deren Achse dann gewöhnlich (aus-
genommen sind natürlich die anangischen Aphrodi-
teen) von einem Gefässe gebildet w^ird. Dass die Eier
dabei in einigen Fällen einzeln von einer besondern Kap-
sel umschlossen sind, ist wohl zuerst (für Polynoe) vom
Ref. nachgewiesen w^orden. Nach Verf. findet sich das-
selbe auch bei Owenia. Die abweichendsten Formen bie-
ten einerseits die Lycoriden, bei denen die Zeugungsstoffe
im Umkreis der Fuss- und Perivisceralgefässe aus einem
fast die ganze Leibeshöhle erfüllenden Zellengewebe her-
vorgehen (das übrigens wohl nur dem Peritonäum zuge-
hört, welches wir überhaupt als Matrix der Geschlechts-
stoffe zu betrachten haben), und andererseits die Arten
mit flottirenden Geschlechtsorganen (richtiger Ei- und
Samenzellenhaufen) , die an verschiedenen Stellen der
Leibeswand hervorknospen, wie das Ref. gleichfalls wohl
zuerst für Tomopteris beschrieben hat. Da übrigens die
Zeugungsstoffc überall bei den marinen Chätopoden von
ihrer Bildungsstätte sich loslösen und eine Zeitlang frei
in der Leibeshöhle umhertreiben, erscheint diese Form,
die Verf. auch bei Polynoe spinifera, Dasybranchus und
andern verwandten Arten beobachtete, für unsere Wür-
mer weniger auffallend, als es sonst vielleicht der Fall
sein würde. Dass die Segmentalorgane zur Ausführung
der Geschlechtsstoff'e dienen, ist seit Ehlers' Unter-
suchungen allgemein anerkannt und wird auch von un-
220 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. m d. Naturgeschichte
serem Verf. bestätigt, nur dass dieser — und zwar mit
Recht — darüber die secretoriscbe Natur der betreffen-
den Gebilde nicht ausser Acht lässt. Die von Leydig
zuerst bei den Hirudineen beschriebene sog. folliculäre
Bildung der Ganglien findet sich nach unserm Verf.
auch bei einzelnen Polychäten, wie z. B. bei Nereilepas
caudata. Ebenso besitzen manche derselben (Capitellen,
Spioniden, Sylliden, Euniciden) auch die an der Kücken-
fläche des Bauchmarks hinziehenden breiten Fasern, die bei
den OHgocbäten schon seit längerer Zeit bekannt sind.
Die sog. Cystallinsen in den Augen der Nereiden u. s. w.
hält Verf. für ein gleichzeitig brechendes und percipi-
rendes Gebilde. Besonders interessant sind die Beob-
achtungen unseres Verf.'s über Nervenendigungen an den
Tentakeln u. s. w., die wir hier freilich eben so wenig,
wie die zahlreichen Angaben über den Bau der Borsten
und festen Mundthcile specieller berücksichtigen können.
Ueberhaupt müssen wir ein für alle Mal bemerken, dass
Verf. mit der zoologischen Charakteristik der einzel-
nen Arten fast überall auch eine mehr oder minder
vollständige Schilderung des inneren Baues verbun-
den hat.
lieber den äusserst reichhaltigen speciellen Theil des
Werkes folgendes.
Wie Audouin und de Q ua t refages, so theilt
unser Verf. die polychäten Chätopoden zunächst in zwei
Ordnungen, die Erraticae und Sedentariae, nur, dass er
dieselben anders begrenzt und auch zahlreiche Ueber-
gänge zwischen ihnen zulässt.
A. Erraticae.
Die Familie der Aphroditeen, mit der Verf. seine
Beschreibungen beginnt, ist anatomisch durch die Anwe-
senheit von Flimmerhaaren auf dem Peritonäura und
den Mangel von Blutgefässen ausgezeichnet, durch zwei
Charaktere, die Verf. bei einer grossen Menge von Ar-
ten aus den verschiedensten Gruppen zu constatiren im
Stande war. Kiemen finden sich nur bei den Sigalioni-
dcn, bei denen sie freilich früher (bis auf Ehlers) für
Rückencirren gehalten wurden. Die übrigen Arten ath-
der niederen Thiere während der J. 1868 — 1869. 221
men vornämlich durch Hülfe der Riickcnhaiit, die unter-
halb der Elytern durch förmliche Respirationsbewegungen
mit Wasser bespühlt wird. Hermione hystrix besitzt,
wie Aphrodite, am obern Fussstummcl einen Büschel dün-
ner und zeriilzter Haare, die nicht selten sogar die Ely-
tern mehr oder minder vollständig bedecken. Die Bor-
sten sind Anfangs — wie das übrigens auch bei andern
Arten, bei Lumbriconereis Laurcntiana, Eunice taenia,
Psammathe cirrata, der Fall — mit einem scheidenar-
tigen Spitzendecker versehen, der beim Vortreten die
Haut durchstösst, dann aber gewöhnlich ziemlich bald
verloren geht. Eine nahe verwandte Art, die Baird als
H. chrysocoma — und Quatrefages, wie Ref. hinzu-
fügen möchte, als Aphrodite echlnus — beschrieben hat,
wird von unserem Verf. zum Typus eines neuen Gen.
F oiitagenia gemacht. Sie hat eine stärker entwickelte
Haardecke und gewaltige Borsten, die durch ihre Grup-
pirung auf den ersten Blick an eine Palmyra erinnern,
auch viel einfachere Formen haben, wie bei Hermione
hystrix. Die von Kinberg und Malmgren vorge-
schlagene Zersplitterung des Gen. Polynoe glaubt Verf.
nach seinen Beobachtungen nicht empfehlen zu dürfen,
zumal die Borsten, auf welche beide so grosses Ge-
wicht legen, nicht selten bei den einzelnen Individuen,
ja selbst den einzelnen Fussstummeln grosse Verschie-
denheiten darbieten. Die von denselben aufgestellten Ge-
schlechter dürfen — mit Ausnahme des Gen. Hermadion,
das sich durch die Kleinheit der Elytern und die unvoll-
ständige Bedeckung des Rückens in sehr charakteristi-
scher Weise auszeichnet — höchstens aU Untergruppen
betrachtet werden. Als neu beschreibt Verf. Pohjnoe
torquata und Hermadion fragile, so wie weiter Pholoe
synophthalmica, die einem bisher nur in nordischen Mee-
ren beobachteten kleinen Genus angehört und durch ein
Paar kleiner, demBuccalsegmente angehöriger Elytren in
einer sonst noch nirgends weiter beobachteten Art aus-
gezeichnet ist. Bei Polyodontes maxillosus, dem Riesen
der Europäischen Anneliden, beobachtete Verf. im Innern
der Fusshöcker einen aus mehreren Tausend feinen Haa-
222 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
ren zusammengesetzten Strang von imbekannter Bedeutung
(nach der Ansicht des Ref. vielleicht eine blosse Modifi-
cation der gewöhnlichen iStützborste). Das Gen. Ste-
nelais ist durch Anwesenheit zweier löfFelförmiger Kopf-
lappen zu den Seiten der unpaaren Antenne ausgezeich-
net, durch Gebilde, die bisher nur unvollkommen beob-
achtet wurden und mit ihrem kräftigen Flimmcrbesatzc
wirksame Strudelorgane darstellen. Auf der Grenze von
Kopf und Buccalsegment stehen überdiess zwei Flimmer-
gruben, die in mehr oder minder abweichender Form
auch bei andern Chätopoden vorkommen (z. B. bei Stau-
rocephalus, Rhynchobolus , Lumbriconereis, Notocirrus,
Nereis caudata) und vom Verf. wohl mit Recht für Sin-
nesorgane (Riechgruben? Ref.) gehalten werden. Die vom
Verf. beobachteten vier Arten, die sich leicht durch die
Bildung ihrer Elytren unterscheiden, sind sämmtlich neu
und als St. ctenolepis, St. fuligiiiosa, St. ieiolepis, St. den-
drolepis beschrieben. Das nahe verwandte Gen. Sigalion,
das sich vornämlich durch Mangel der mittleren Antenne
und einfachere Bildung der Kopflappen unterscheidet, ist
im Golf von Neapel durch das schon von Delle Chiaje
benannte S. squamatum vertreten. Sigalion Herminiae Gr.
(non Aud. Edw.) wird dem Kinbe rg'schen Gen. Psam-
molyce überwiesen und unter dem Chiaje'schen Namen
Ps. arenosa beschrieben. Das neue Gen. Lepidopleu-
rus gehört zu den wenigen Arten mit Elytern an allen
Segmenten und unterscheidet sich von Pelogenia Schmar-
da's vornämlich durch Abwesenheit der Saugfüsse. Die
einzige Art, L. incluaus n., trägt an den vordem Elytren
ein Paar Fortsätze, die den Kopf bedecken und kapuzen-
artig einhüllen.
Aus der Familie der Palmyrinen (p. 107, 108)
beobachtete Verf. nur Chrysopetalum fragile Ehl., in dem
er jetzt auch die von ihm früher beschriebene Palmyra
Evelinae wieder erkennt.
Euphrosyne Audouini Costa (= E. mediterraneaGr.
und E. racemosa Ehl.), der einzige vom Verf. aufge-
fundene Repräsentant der A m p h i n o m e e n (p. 108
— 111) besitzt Borsten, die sich in gleicher Weise durch
der niederen Thiere während der J. 1868—1869. 223
ihre ZcrbrechUchkcit. ^vie dnrcli einen für Chätopodcn
bis jetzt unerhörten Kalkreichthnm auszeichnen, so dass
sie in Berührung mit Säuren stark aufbrausen.
Der Familie der Euniciden (p. 111 — 152) müssen
nach der Ansicht unseres Verf.'s, der darin mit S a v i g n y
übereinstimmt, auch die Lumbriconereiden zugerechnet
werden, obwohl dieselben — mit Ausnahme der Lysidice
parthenopeia, für die Verf. nach Costa's Vorgange den
Genusnamen Halla (= Lysarete Kinbg.) in Anwendung
bringt — ohne Kiemen sind. Die Rudercirren enthalten in
ihrem Basaltheile gewöhnlich eine Stützborste und liefern
damit den Beweis, dcass sie nicht blosse Anhänge darstel-
len, sondern als Auswüchse der Fusshöcker zu betrachten
sind. Bei Staurocephalus Chiaji n. ist dieser Basaltheil
deutlich ^^g^i^ das cirrusartige Endstück abgesetzt und
mit Flimmerhaaren garnirt. Weitere neue Arten sind
Onuphü Fanoeriiy Ralinoecia rigida mit äusserst dicker
Cuticula und*, einem starren Körper, fast nematodenartig,
Eunice cingulata (= E. violacoa Gr.), Die Kiemen von
Halla, deren wir oben gedachten, sind übrigens keine
selbstständigen Anhänge, wie bei den echten Euniciden,
sondern Rückencirren, die durch Flächenbildung, Flimme-
rung und Blutreichthum zu einer respiratorischen Function
befähigt sind. Lysidice margaritaceay Ltiinbriconereis Jilum
— nach Ehlers Repräsentant eines eigenen Genus — ,
L. impatiens (= Lumbricus fragilis delle Ch. non Müll.),
Notocirrus geniculatics werden ebenfalls zum ersten Male
beschrieben.
Die von Ma hagren In der Familie der Lycori-
den (p. 152 — 176) unterschiedenen Gattungen haben für
unsern Verf. nur den Werth von Subgenera. Hieher als
nn. sp. Nereis peritonealia (eine Art , die, wie die fol-
gende , ihre Färbung den durchscheinenden Pigment-
zellcn des Perltonäums verdankt, später aber von unserm
Verf. als N. Dumerili Aud. Edw. erkannt wurde), A^. pe-
riviaceraliSy N. (Oeratonereis) guttata , N. (Nereilepas)
parallelogramma — N. pulsatoria Gr., Hetcrnoereis Malm-
greriiy eine äusserst zierliche pclagische Form mit autfal-
224 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
lendeii Geschicchtsimterschieden, der H. Oerstedti Quatref.
nahe verwandt.
Ans der Familie Nephthydeen (p. 176 — 180) be-
schreibt Verf. Nephthys scolopendroides Delle Ch. = N.
neapolitana Gr. (und N. Hombergii Aud. Edw. ?) mit
Muskelfasern , die von einem körnigen Achsenstrange
durchzogen werden.
Die der Familie der Glycereen (p. 180 — 190) zu-
gehörenden Chätopoden sind sämmtlich anangisch, wie die
Aphroditecn, obwohl die rothc Färbung der perivisceralen
Ernährungsflüssigkeit nicht selten zu der Annahme be-
sonderer Gefässe veranlasst hat. Die Bildung des Rüs-
sels zeigt Verschiedenheiten, indem die Mehrzahl der Ar-
ten mit vier Kiefern versehen sind, während andere (wie
Glycera unicornis Sav. und Gl. capitata Oerst. — bei
welcher letzteren übrigens von Oerstedt Kiefer beschrie-
ben wurden) derselben entbehren. x\us der erstem bil-
det Verf. das Gen. n. Hhynch obolus.
Die Familie derSyllideen (p. 190 — 224) wird von
unserm Verf. abermals mit einer ganzen Anzahl neuer
und zum Theil sehr interessanter Arten bereichert. Hie-
her ausser Syllis liamaia (ohne zusammengesetzte Borsten)
S. hacilligera j S. aurantiaca , Odontosyllis ctejiostoma,
Trypanosyllü coeliaca (mit einem blindarmartigen An-
hange am Pylorus), SphaerosyUis — ein Genus, das Verf.
jetzt auf die Arten mit nur einem einzigen Paar Tenta-
kelcirren beschränkt — j)ir{fera und Gruhea — dessen
Diagnose Verf. gegen Quatrefagcs berichtigt — lim-
bata^ besonders auch das mit Exogone, Exotocas und vor-
nämlich mit Oophylax in Bau und Brutpflege verwandte
Gen. n. Paedophylax (P. claviger^ P, verruger) und
das Gen. n. Anoplo sy llis (Ä, edoiiula), von denen das
letztere freilich nur in unreifem Zustande zur Beobach-
tung kam. Auch die Arten mit Generationswechsel be-
kommen Zuwachs durch Autolytus hesperidumy Proceraea
{= Stephanosyllis Cl.) aurantiaca und Myrianida macu-
lafa. Das Costa'schc Genus Nicotia (= Gattiola Johnst.)
fällt, wie schon im letzten J. ß. hervorgehoben wurde,
mit Pterosyllis Cl. zusammen.
der niederen Thiere während der J. 1868—1869. 225
Was die nicht minder interesvsante Familie der He-
sioniden betrifft (p. 227 — 235), so liebt Verf. zunächst
hervor, dass Psammathe cirrata Keferst. keineswegs, wie
Quatrefages es gethan, als Repräsentant eines eigenen
Genus Kefersteinia zu betrachten sei, auch nicht mit
den öylliden verbunden werden könne , sondern eine
echte Plesionide sei, die von Castalia vornäralich durch die
Abwesenheit der Kieferbewafinung sich unterscheide.
Gleichfalls damit verwandt, aber mit impaarer Antenne
und Stirnhöcker ausgestattet ist das neue Gen. Tyr-
rhena mit T. Claparedii Costa. Ebenso unterscheidet sich
das auf Hesione sicula Delle Ch. gegründete Gen. n. Te-
lamo7ie von dem nahe verwandten Gen. He.sione durch
den Besitz eines einzigen Antennenpaares.
Aus der Familie der Phyllodoccen beschreibt
Verf. (p. 235 — 252) folgende neue Arten: Phyllodoce
corniculatay Anaitis ceplialotesy Eteone armata, E. laciea,
Eulalia 'pallida, E. microceros, E. Umhataj E. ^narginata
und E. velifera (= E. macroceros Gr.). Die drei letzt-
genannten Arten vereinigt Verf. zu einem besondern Un-
tergenus F t e r 0 et r rus , dessen Eigenthümlichkeiten
darin beruhen, dass der ventrale Tentakelcirrus des zwei-
ten Segmentes aus einem cylindrischen Stamme und damit
verbundenen häutigen Saume besteht. Sonst ist übrigens
Verf. der übermässigen Zersplitterung der einzelnen Ge-
nera hier ebenso abhold, wie in andern Familien. Caro-
bia Quatref. und Genetyllis Malmgr. verbindet er mit
Phyllodoce, Mysta Malmgr. mit Eteone, Eumida Malmgr.
und Eracia Quatref. mit Eulalia.
Die schon aus einer mit Panceri gemeinschaft-
lich herausgegebenen — inzwischen auch Ann. and Mag.
nat. bist. T. IV. p. 29 in's Englische übersetzten — Ar-
beit von früherher uns bekannte Alciopina parasitica
dient mit ihrer eigenthümlichen Entwickelungsweise zur
Illustration der Alciopinen (p. 252 — 259).
Schliesslich noch, in Betreff der Tomopteridcn
(p. 259, 260), die Bemerkung, dass das Gen. Eschscholtzia
Quatref., wie das auch schon von Ref. hervorgehoben
worden, eingehen müsse, da das zweite Antennenpaar,
226 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
dessen Anwesenheit für dasselbe charakteristisch sein soll,
ein blosses Attribut der Jugendformen darstelle.
B. Sedentariae.
Die zweite Ordnung der Chätopoden beginnt Verf.
mit der Farn, der Ci rr atu lin ee n (p. 261 — 269). Das
Gen. Audouinia, das Quatrefages von Cirratulus ab-
getrennt hat, wird gut geheissen, der unterscheidende
Charakter aber ausschliesslich auf die Gruppirung der
dorsalen und seitlichen Kiemenfäden beschränkt, da die
Verschiedenheiten in der Borstenbildung nicht durch-
greifend sind. Zu diesem Gen. Audouinia gehört auch
der Cirratulus filigerus delle Gh., den Verf. ausführlich
beschreibt, während der Bau von Cirratulus s. st. an einer
kleinen neuen Art, C. chrysoderma, geschildert wird. Bei
letzterer enthalten die Rückenfäden des vierten Segmen-
tes kein respiratorisches Gefässnetz mit Arterien und Ve-
nen, wie es sonst überall in den Kiemen der Chätopoden
gefunden wird, sondern ein einziges unverästeltes Längs-
gefäss, das durch seine Pulsationcn das Blut bald nach
vorn, bald nach hinten treibt, eine Bildung, w^ic sie sonst
nur den Tentakeln gewisser Arten (der Spioniden, Am-
phicteneidcn, Phcrusineen, auch den untern Tentakeln von
öturocephalus) zukommt.
Bei Gelegenheit der Capitellineen (p. 270— 282)
spricht sich Verf. mit Recht sehr entschieden gegen die
Zulässigkeit der von C a r u s aufgestellten und von
Hacke 1 angenommenen Gruppe der Haloscolecina aus,
um darauf sodann die Beschreibung einer ganzen Anzahl
von Arten folgen zu lassen, von denen Capitella Cosiana^
C. (?) majorj Notomastus lineatus — niit zungenförmigen
Kiemen an den Hakenfüsseu — neu sind. Interessant
ist die weite Verbreitung der nordischen Capitella capi-
tata, die Verf. nicht selten antraf, die also von Spitzber-
gen bis Neapel vorkommt — eine schlagende Wiederle-
gung der Angabe von Quatrefages, dass das Mittel-
meer keinerlei Chätopoden mit dem atlantischen Ocean
gemein habe. Für Notomastus ist die kolossale Ent-
wickelung der Segmentalorgane hervorzuheben, die bei
keinem anderen Chätopoden (Capitella major ausgenom-
der niederen Thiere während der J. 18§8— 18G9. 227
men, die darin mit Notomastus übereinstimmt) in gleicher
Weise gefunden werden. Mit Capiteila vereinigt Verf.
ausser Lumbriconais Oerst. auch Valla Johnst. (Valla ci-
liata = Cap. capitata) und Ancistria Quatref.^ so wie mit
Notomastus die Gen. Arenia Quatref. (Ar. cruenta —^ Ca-
piteila rubicunda Keferst.) und Sandanis Knbg., von de-
nen letztere überdiess unrichtiger Weise zu den Ammo-
charineen gestellt ist.
Der Familie der Ophelineen (p. 282—295) ver-
bindet Verf., wie de Filippi und Gr u be, das Gen. Po-
lyophthalmus, von dem eine neue Art^ P. pallidus, be-
schrieben wird. Auch Ophelia besitzt an ihrem Kopfe
ein Paar retractiler Flimmerorgane, die den Flimmerlap-
pen von Polyophthalmus homolog sind, bisher aber über-
sehen wurden. Die mit starren Pseudopodien versehenen
grossen Lymphkörperchcn aus der Leibeshöhle von Ophelia
bicornis delle Ch. enthalten, wie schon durch Kowa-
lewsky (J. B. 1867. S. 177) bekannt geworden, einen
Chitinstab, der durch Auflagerung neuer Schichten immer
grösser wird und mit seinen Enden nicht selten über die
Oberfläche der Körperchen hervorragt, üebrigens hat
schon Costa diese sonderbaren Gebilde beschrieben,
irrthümlicher V\^eise aber in die Blutgefässe verlegt. Die
Kopfhöhle ist durch ein nach hinten zipfelförmig ver-
längertes musculöses Diaphragma von der Leibeshöhle
geschieden, das den früheren Beobachtern zu machcrlei
irrthümlichen Deutungen Veranlassung gegeben hat. Verf.
sieht in diesem Organe, das seinen Inhalt bald nach vorn
in die Kopfspitze übertreibt und diese dann aufbläht, bald
auch unter Zusammenfallen des Kopfendes wieder in sich
aufnimmt, eine Einrichtung, die den Ophelinen das Gra-
ben im Sande erleichtert.
Die der Familie der Thelethusiee n (p. 295-303)
angehörenden Arenicolen sind im Mittelmeere theils durch
A. marina L., theils durch A. Gritbii n. (mit Kiemen,
die schon am zehnten Segmente beginnen) vertreten. Die
Kiemenfäden der erstem sah Verf. jedoch nicht büschel-
förmig zusammengruppirt, wie sie gewöhnlich geschildert
und abgebildet werden, sondern in einer Ebene neben
228 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
einander, wie es Williams auch für die Arenicolen der
englischen Küste hervorhebt und Lütken jüngst bei einer
an den Antillen lebenden Art, die er darauf hin zum Ty-
pus eines besondern Genus Pteroscolex nimmt (J. B. 1868.
S. 228), beschrieben hat.
Zu den Farn, der Aricieen (p. 304— 312) gehören
als neue Arten Arioia foetida, die mit Ar. Cuvieri Aud.
Edw. nahe verwandt ist, und Theodisca liriostoma.
Die Spioniden (p. 312 — 336) unterscheiden sich
von den Aricieen nicht bloss durch ihre langen Tenta-
kel, die nur bei Prionospio fehlen, sondern auch dadurch,
dass ihre Kiemengefässe nur am Ende in einander über-
gehen und ohne seitliche Verbindungen sind. Das Gen.
Polydora, das mitLeucodore Johnst. zusammenfällt, wird
durch P. Agassizu, P. iiophira, eine in den Balanenschalen
bohrende Form, und P. antennata bereichert. Ebenso
das Gen. Spio (= Colobranchus Schmda, Malacocerus Qtrf.,
Uncinia Qtrf.) durch Sp. fuliginosua und Sp, Meczniho-
wianusj der durch die eigenthümliche Bildung seiner
Spermatophoren ausgezeichnet ist, ^vie das von Spio viel-
leicht nur ungenügend (durch Anwesenheit eines lamel-
lösen Saumes an den Kiemen) unterschiedene Gen. Ne-
rine durch Nerine cirraiulus (= Lumbricus cirratulus delle
Gh.), N. Sarsiar/a, N. auriseta. Als zweite Art des in-
teressanten Gen. Prionospio beschreibt Verf. Pr. Malm-
greni n. Da die gefiederten Kiemen ausserordentlich
leicht sich abtrennen, so vermuthct Verf., dass die am
Vorderende statt ihrer in unregclmässiger Zahl vorkom-
menden einfachen Kiemenfäden durch Regeneration erst
nachträglich entstanden seien. Die grossen Eier von Ne-
rine cirratulus und N. auriseta enthalten im Umkreis des
ansehnlichen Keimbläschens dieselben kranzförmig unter-
halb des Chorions gelegenen hellen Bläschen, die Verf.
schon früher bei Aonides auricularis aufgefunden hat.
Freilich gelang es dieses Mal nicht, den damals beschrie
benen Zusammenhang mit dem Chorion zu constatiren.
Durch die Gen. Spiochaetopterus, Phyllochaetopte-
rus und Telepsavus wird die Familie der Chätopteri-
den (p. 336— 354) so eng mit den Spioniden verbunden,
der niederen Thiere während der J. 1868—1869. 229
dass nur die Bildung der Fusshöckcr und die vollstän-
dige Abwesenheit des Gcfässsystems als unterscheidender
Charakter übrig bleibt. Besonders frappant ist die Aehn-
lichkeit mit Polydora und Dlsoma^ zumal auch bei den
Chätopteriden (am 4. Segmente] dieselben eigenthümlichen
Steigborsten gefunden werden, die diesen Genera zukom-
men. Für denraittelmeerischen Chaetopterus (Ch.Leuckartii
Quatref.), der bei Neapel und Triest derselbe ist, wird
die alte Renier'sche Bezeichnung variopedatus in Anwen-
dung gebracht. Das Costa'sche Genus Telepsavus (das
Calparede mit T. Costarum n. beibehält) unterscheidet
sich von dem sonst nahe verwandten Gen. Splochactopte-
rus eigentlich nur dadurch, dass die Segmente vom Uten
an sämmtlich mit Kiemenanhängen versehen sind. Die
Arten des Gen. Phyllochaetopterus besitzen ausser den
schon von Kowalewskj gesehenen grossen Tentakeln
noch zwei kleinere mit einigen darin eingelagerten fei-
nen Borsten. Der Vorderleib bedeckt sich beim Angrei-
fen mit zahllosen rasch nach Aussen hervorschiessenden
Fäden, die besonders an dem Kopflappen und den Buc-
calsegmenten sich bemerklich machen und nicht etw^a fa-
denförmig erstarrende Schleimmassen sind. Neu : Ph. so-
cialisj der zu zwei oder drei gewöhnlich dieselbe Röhre
bewohnt, obwohl nur ein einziger daraus seine Tentakel
hervorstrecken kann, und in grossen Gesellschaften lebt,
deren Glieder sämmtlich desselben Geschlechtes sind,
Ph. fallaxj Ph, major Die Rückenanhäuge des mittleren
Körperabschiwttes sind trotz ihrer wechselnden Form
überall als Kiemen zu deuten.
Dass die Familie der Stern aspiden (p. 355, 356)
den Chätopoden zugehört, ist für unseren Verf. nicht
zw^eifelhaft, indessen will er nicht entscheiden, ob ihre
natürliche Stellung in der Nähe der Pheruseen ist. Sehr
cigenthümlich ist der Bau der zu den Kiemen führenden
Gefässe, die je mit einer soliden Achse in Verbindung
stehen und damit in eine muskulöse Scheide eingeschlos-
sen sind.
Das von unserem Verf. restaurirte Gen. Stylarioides
delle Ch. (= Lophiocephala Costa) enthält Pheruseen,
Archiv f. Naturg, XXXV. Jahrg. 2. Bd. P
230 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
bei denen die Kieraenfäden einem breiten und häutigen
Stiele aufsitzen und die Borsten der zwei vorderen Seg-
mente weit über den Kopf nach Aussen hervorragen, wäh-
rend die übrigen Segmente nur kurze Borsten tragen. Hie-
her St. monilifer delle Ch. (=: Loph. Edwardsii Costa), Si-
phonostoma papillosum Gr., Trophonia barbata Aud. Edw.,
bei der zu den Seiten des Mundes zwei kurze Tentakel ste-
hen, deren Flimmerbesatz einen Strudelapparat zu bilden
scheint. Ausserdem Troplionia eruca n. und Siphono-
stoma diplochaitos Otto mit ihren langen durch den um-
hüllenden Schleim hervorragenden Tastpapillen.
Aus der Familie der Amphic teneen (p. 373— 384)
beschreibt Verf. zunächst die schon früher bekannte mit-
telmeerische Pectinaria als Repräsentant einer neuen Art
(F. neapoUtana)^ die übrigens der P. belgica sehr nahe
verwandt ist. Merkwürdiger Weise verhält sich bei der-
selben der Blutlauf insofern abweichend,^ als er in den
Bauch- und Darmgefässen nach vorn, in den beiden Rük-
kengefässen aber nach hinten gerichtet ist. Die grossen
Drüsen des Vorderkörpers, die auch bei den Pheruseen vor-
kommen und rundliche Concretionen enthalten, werden
vom Verf. auf Segmentalorgane zurückgeführt. Wie die
neapolitanische Pectinaria, so ist auch die dortige Am-
phictcne möglicher Weise eine neue, von der nordischen
verschiedene Art.
In der Familie die Ter ehe 11 e en (p. 385— 408) un-
terscheidet Verf. nur zwei Gruppen, die sich vornämlich
durch die Entwickelung ihres circulatorischpn Apparates
unterscheiden, indem nämlich die einen mit Gefässen ver-
sehen sind, während die andern derselben entbehren.
Damit fällt in der Regel auch die Anwesenheit oder der
Mangel besonderer Kiemen zusammen. Die vonQuatre-
fages als Heteroterebellen bezeichnete Gruppe kann
Verf. nicht anerkennen, da ihre Vertreter, wenn auch ge-
nerisch verschieden, doch im Wesentlichen mit den ge-
fäss- und kiementragenden echten Terebellen übereinstim-
men. Bei der Unterscheidung der sonst nicht leicht zu
bestimmenden Arten ist es wichtig, die bisher meist
übersehenen Verschiedenheiten in der Gruppirung der
der niederen Thiere während der J. 1868-1869. 231
(von dem T.Segment an gewöhnlich in Doppelreihen hin-
ter einander stehenden) Hakenborsten zu berücksichtigen.
Wo die Fusshöcker eine bedeutendere Länge erreichen,
da sind die Hakenborsten auch noch mit besonderen
tStützborsten in Verbindung, die den Höckern eine ge-
wisse Rigidität sichern. Von neuen Arten beschreibt
Verf. aus der Gruppe der echten Terebelliden Heterote-
rehella (Lepraea Malmgr.) aanguineaj so genannt, weil die
Körperchen; der periTisceralen Ernährungsfähigkeit hier
trotz der Anwesenheit besonderer Blutgefässe eine rothe
Färbung besitzen, Terehella flavescens (mit sechs Paar
Segmentalorganen, während andere Terebellen, auch He-
teroterebella sanguinea, deren nur eines besitzen, das
dann eine unverkennbare Aehnlichkeit mit den oben er-
wähnten Segmentalorganen der Amphictenecn und Pheru-
seen hat), T. vestita, — möglicher Weise eine Jugendform,
mit Flimmerhaaren auf der Haut — , T. laevirostriSj T,
suloigeray Ueterophenacia (= Neottis Malmgr., Grymaea
Malmgr., Thelepus Malmgr.) nucleolaiay eine kleine Art
mit eigenthümlicher Hakenstellung, Fhenacia ambigrada,
Ph. retrograda, beide klein mit w^enigcn Tentakeln und
Kiemen, und ohne Gehäuse. Zu der Gruppe der ge-
fäss- und kiemenlosen Terebellaceen gehört Folycirrus
caliendrum n. sp., eine mit P. aurantiacus Gr. sehr nahe
verwandte Art, von der Verf. einzelne (sterile) Indivi-
duen von sonst normaler Bildung mit nur 8 — 10 Seg-
menten antraf, obwohl sonst die Zahl derselben auf 115
sich beläuft.
In der Familie dcrSerpuleen (p. 408 — 445) un-
terscheidet der Verf. nach der Anwesenheit oder dem
Mangel des Halskragens — nicht des Deckels — die
Gruppe der Serpulidcn und Sabelliden. Heterosabellen
im Sinne von Quatrefagcs cxistiren nicht, da sämmt-
liehe dahin gerechnete Arten dieselben Unterschiede von
Thorax und Abdomen besitzen, wie die echten Sabellen.
Die an der Bauchfläche der Sabellen meist deutlich er-
kennbare Furche ist mit Flimmerhaaren ausgekleidet, die
eine nach vorn gerichtete Strömung unterhalten und dazu
dienen, die Fäcalraassen aus der Röhre zu entfernen. Bei
232 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
den Serpiiliden wird dieselbe Function von den die
Bauchfläche bekleidenden Flimraeihaaren vollzogen. Ei-
genthümlich ist die Häufigkeit des Hermaphroditismus
in dieser Familie ; den bisher bekannten Fällen werden
vom Verf. noch drei andere hinzugefügt. Spirograpbis
Spalanzanii, die bei Neapel sehr häufig ist, zeigt man-
cherlei Varietäten , die zur Aufstellung verschiedener
Arten veranlasst haben. Wie bald die rechte, bald die
linke Kieme am meisten entwickelt ist, so wechselt die
Zahl der Umläufe bei der grossen Kieme von 1 bis 6.
Charakteristisch ist die Zahl der Thoracalsegmente, die
stets acht beträgt. Die Kiemenfäden enthalten bei den
Serpulaceen überall nur ein einziges Gefäss, wie sonst
die Tentakel. Das Gen. Branchiomma Köll. glaubt Verf.
beibehalten zu müssen, obwohl Br. Daljelli; auf welches
dasselbe vor nämlich gegründet worden, eine echte Dasy-
chonc (D. bombjx) ist. Er beschränkt dasselbe auf die
Arten mit ansehnlich entwickelten terminalen Augen und
beschreibt als dahin gehörend Br. Kölliheri n. und Br.
vesiculosum Mont., von denen letztere übrigens möglicher
Weise nur die erwachsene Form des crsteren ist. Lao-
nome Salmacidis n. ist hermaphroditischen Geschlechtes
und D ia lych one acustica n., zugleich Repräsentant eines
neuen mit Chone verwandten, aber durch den Mangel der
Tnterbranchialhaut davon verschiedenen Geschlechtes, mit
Gehörorganen in den ersten Segmenten ausgestattet. Bei
Psygmobranchus protensus fand Verf. an der strickleiter-
förmigen Ganglienkette in den einzelnen Segmenten der
Brustregion je drei Ganglienpaare. Ps. multicostatus und
Salmacina incrusians sind neu, die letztere ausserdem,
wie die nahe verwandte — wohl auch dem neuen Gen.
Salmacina zugehörige — Protula Dysderi, durch herma-
phroditische Vereinigung beider Geschlechtsstoflfe und
Fähigkeit der Knospung ausgezeichnet. Weitere neue
Arten sind Eupomatus lunuHfer und P ileo laria milita-
risy eine Spirorbis mit Kalkzähnen am Deckel, unter dem
hier, ähnlich wie bei Spirorbis, der sich die Art auch
durch den Hermaphroditismus anschliesst, die jungen Lar-
ven zur Entwickelung kommen.
der niederen Tliiere wäLrend des J. 1868—1869. 233
Für Ammocliarcs Ottonis Gr., die Verf. zum Typus
einer besondern, zwischen den Scrpuliden und Clymeni-
den stehenden kleinen Familie macht (p. 445 — 451), wird
der ältere delle Chiaje'sche Namen Owenia filiformis in
Anwendung gebracht. Der Darm derselben ist, wie bei
öerpula, in ein Blutgefäss eingeschlossen.
Aus der Familie der C 1 y m e n i d e n (p. 452 — 458 j
beschreibt Verf. schliesslich noch Fraxilla Simplex, Fr.
collarisy Axiotliea constricta und Maldane criatagalliy die
sämmtlich neu sind.
Zur Charakteristik der von unserem Verf. neu auf-
gestellten oder wesentlich emendirten Genera lassen wir
hier noch deren lateinische Diagnose folgen.
Pontogenia e fam. Aphrodit. Antenna mediana multi-articu-
lata; antennae laterales nullae; oculi pedimciilis siiffulti; dorsum
tela tomentosa tectum; setae ramorum dorsualium crassae, apice
obtuso, flabellum efficieutes, numquam glochideae ; setae ramorum
Ventralium perpaucae, hidentatae. Maxillae nullae,
Lepidopleurus e fam. Aphrodit. Polylepidae ely tris mediocri-
bus utrimque imbricatis, partem vero mediam dorsi non tegentibus.
Antennae laterales nullae. Palpi longi. Maxillae cornfeae vali-
dissimae.
Rhynchobolus e fam. Glycer. Lobus cephalicus eonico-acu-
minatus, annulatus, apice antennis quatuor brevissirais. Proboscis
exertilis maxillis quatuor aduncis armata.
Paedophylax e fam. Syllid. Palpi maximi coaliti, sulco tarnen
medio ventrali profunde separati. Proboscis aculeo unico armata.
Proventriculi paries glandulosus, ventriculo brevissimo, glandulis la-
teralibus binis saccatis. Antennae tres. Oculorum paria duo, aliud
lobo cepbalico. aliud segmento buccali insidens. Cirrorum tenta-
cularium par unum. Cirri dorsuales et ventrales fere obsoleti. (Ge-
neratio alternans deest. Feminae ova ad eclosionem usque gerunt.)
Anoplosyllis. Syllidae palpis haud i)roductis, fere obsoletis.
Proboscis brevissima, inermis. Antennae tres. Cirrorum tentacu-
larium paria bina segmento buccali insidentia. Pedes cirris dor-
sualibus et ventralibus praediti.
Tyrrhena. Hesionidae segmentis haud numerosis compositae,
lobo cephalico autennas quinque tuberculumque frontale praebente.
Pedum ramus superior setis capillaribus, inferior festucis instructus.
Cirrorum tentaculariura paria octo. Proboscidis maxillae duo.
Telamone e fam. Hesionid. Corpus segmentis paucis compo-
234 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
situm, antennis duabus. Cirrorum tentacularium paria sex. Pedes
uniremes, festucis armati. Proboscis inermis.
Prionospio Malmgr. Spionidae antennis tentaculisque desti-
tutae, branchiis aliis pennatis, aliis simplicibus, in antica corporis
parte tantummodo sitis. Pedum anteriorum rami distincti lobo mem-
branoso marginati, posteriorum ad instar cristae transversae coaliti.
Telepsavus Costa. Chaetopteridae quatuor tentaculis, aliis
brevibus, aliis longissimis sulcoque longitudinali ornatis munitae.
Corpus e regionibus constans duabus , anteriori depressa, subtus
convexa, pedibus simplicibus compressis, flabello setarum unico;
posteriori pedibus compositis instructa, ramo dorsuali foliaceo ac
verticali, setis simplicibus, ramo ventrali duplici, uncinis permultis
armato.
Phyllochaetopterus Gr. Corpus in tres regiones divisum. Re-
gio antica pedibus simplicibus, compressis, flabello setarum simpli-
cium instructis praedita; media ramis pedum ventralibus duplici-
bus, uncinigeris, ac ramis dorsualibus verticalibus foliaceis multilo-
batis, flabellum setarum capillarium includentibus insignis; postica
ramis ventralibus sicut in regione media duplicibus, ramisque dor-
sualibus cylindraceis, setas aciculares includentibus praedita. Lobus
cephalicus minimus, segmento buccali insidens. Tentaculorum paria
duo inaequalia, altero Spionidarum tentaculis simillimo, altero multo
breviori, acicula tenuissima includente.
Branchiomma Köll, Sabellidae toris ventralibus thoracicis
Serie duplici setarum. aliis uncinatis, aliis jaculiformibus munitae, bran-
chiis oculis compositis subterminalibus ornatis.
Dralychone. Sabellidae regione thoracica hamis manubrio
longo armata insignes ; branchiae membrana palmari pinnisque dor-
sualibus omniuo destitutae. Collare integrum.
Salmacina. Serpulidae membrana thoracica instructae, bran-
chiis aequalibus basi circulari, operculo destitutis. Segmentum tho-
racicum primum utrimque fasciculo setarum dorsualium segmenti-
bus multo maiorum formaque distinctarum munitum. Tubus cal-
careus.
Pileolaria. Serpulidae membrana thoracica munitae, bran-
chiis paucis, operculo compresso calcareo dentato. Tubulus creta-
ceus spiralis.
Ueber die Gruppe der Polycirren, deren Synonymie sehr im
Argen liegt, giebt Verf. (p. 406) folgende Uebersicht:
A. Des pharetres setigeres et des tores uneinigeres.
a. Plaques onciales aviculaires.
«. Soies dorsales jusqu'ä l'extremite du corps
Aphlebine Quatref.
(Apneumaea Quatref., Polycirrus Malmgr.)
der niederen Thiere während der J. 18G8— 1869. 235
ß- Soies dorsales dans la region anterieure seulement
Polycirrus Gr. non Malmgr.
(Leucariste Malmgr., Ereutho Malmgr.)
B. Des pharetres dorsales. Point des plaques onciales. Lysilla Malmgr,
Nicht minder werthvoll, als die hier angezogenen
Mittheilungen Claparede's, sind die Untersuchungen,
die Ehlers in der zweiten Abtheilung seiner „Borsten-
würmer^ (Leipzig 1868. 8. 269—748. Tab. XII— XXIV)
über die Familien der Euniceen, Lycorideen, Nephthydeen
und Glycereen niedergelegt hat. Wie in der vor vier
Jahren veröffentlichten ersten Abtheilung dieses wichtigen
Werkes, hat Verf. auch dieses Mal wieder den anatomi-
schen Verhältnissen eine besondere Berücksichtigung ge-
schenkt und die Ergebnisse seiner Beobachtungen bei den
einzelnen Familien und Geschlechtern in geschickter und
glücklicher Weise verarbeitet. Allerdings waren es gros-
sen Theiles Spiritusexemplare, an denen derselbe seine
Untersuchungen angestellt resp. vervollständigt hat, Ob-
jecte also, die durch ihren Erhaltungszustand nicht in
gleicher W^eise, wie frische Thiere, eine erschöpfende
Behandlung zulassen, aber trotzdem ist es ihm gelungen,
auch dieses Mal wieder eine Reihe wichtiger und interes-
santer Thatsachen zu constatiren. So ist er u. a, im Stande
gewesen, nachträglich noch an seinen Objecten das von
Quatrefages entdeckte Rüsselnervensystem zu finden,
das bei der Untersuchung lebender Thiere eben sowohl
ihm, wie auch Claparede so vollständig entgangen war,
dass letzterer sogar an der wirklichen Existenz desselben
zu zweifeln geneigt scheint. Durch mehrfache Zusendung
neuer Materialien (besonders nordamerikanischer Chäto-
poden von Agassi z) war Verf. übrigens bei der Heraus-
gabe der neuen Abtheilung im Stande, seinen Untersu-
chungen und Darstellungen eine grössere Ausdehnung zu
geben, als das ihm früher möglich war. So beläuft sich
denn die Zahl der speciell beschriebenen Arten auf nicl^t
weniger als 70 (25 Euniceen, 25 Lycorideen, 8 Nephthydeen
und 12 Glycereen), von denen 26 hier zum ersten Mal
namhaft gemacht sind. Daneben haben aber noch zahl-
reiche andere Arten, besonders solche, die eigene Genera
236 Leuckart: Bericht üb. d Leist in d. Naturgeschichte
repräsentiren, eine mehr oder minder eingehende Berück-
sichtigung gefunden, wie denn auch die synoptischen Ta-
bellen, die Verf. der Schilderung der einzelnen Familien
zugefügt hat, den gesammten systematischen Inhalt der-
selben wiedergeben. Der Titel: „Borstenwürmer^, den
Verf. seiner Arbeit vorgesetzt hat', erscheint auf diese
Weise denn auch in gewissem Sinne gerechtfertigt, ob-
wohl die Einzelbeschreibungen einen nur beschränkten
Kreis von Arten zum Gegenstande haben. Mit wel-
cher Ausführlichkeit und Sorgfalt übrigens diese Be-
schreibungen ausgeführt sind, mag daraus erhellen,
dass die Darstellung von Eunice Harassii 32 grosse Quart-
seiten und die von Nereis cultrifera deren sogar 41
(Nephthys coeca 28, Glycera dibranchiata 21) in Anspruch
nimmt. Natürlich unter solchen Umständen, dass wir uns
in unserem Berichte auf verhältnissmässig nur wenige An-
gaben beschränken.
Die Familie der Euniceen fS. 269 — 442) fasst
Verf. in dem Sinne der früheren Zoologen — mit Ein-
schluss also der Lumbriconereiden — und zwar auf Grund
gewisser Eigenthümlichkeiten im Bau des Rüssels, die,
wie Verf. im Speciellen nachweist, allen Euniceen und
nur diesen zukommen, für die Systematik aber bis jetzt
ganz ohne Verwerthung geblieben sind. Sie bestehen, wie
schon im letzten J. B. nach einer vorläufigen Mittheilung
desVerf.'s bemerkt wurde, darin, dass die aus einem Ober-
und Unterkiefer gebildete RüsselbewafFnung in einem
nach hinten blind geschlossenen, dickwandigen Sacke
liegt, der als eine Ausstülpung des Schlundrohres zu be-
trachten ist und damit auf der Rückenfläche durch einen
Längsschlitz in Verbindung steht. Die bei den Lumbri-
conereiden u. a. Arten im Nacken liegenden Wimperor-
gane werden auch von unserem Verf. schon wegen ihres
Zusammenhanges mit dem Hirne als Sinnesorgane in An-
spruch genommen. Je nachdem die einzelnen Stücke
des Oberkiefers mehr oder weniger ungleich sind und
eine bogenförmige oder gradlinige Gruppirung besitzen,
unterscheidet Verf. zwei Gruppen, in deren jeder die Kör-
peranhänge, sowohl der Ruder, wie der Kopflappen, eine
der niederen Thiere vväJnend der J. 1868—1869. 237
sehr ungleiche, bald einfaclie, bald sehr complicirte Bil-
dung besitzen, wie das am besten aus der nachfolgenden
Uebersicht hervorgeht.
A. Die den Oberkiefer zusammensetzenden verschiebbaren Stücke
ungleichartig, die auf die Träger (die Grundstücke) folgenden
zwei grössern Stücke (Zunge und Zahn) werden von den davor
gelegenen kleineren Stücken im Halbkreis umgeben. Ruder
einästig mit mehreren Borstenformen. (Eunicea labido-
g n a t h a).
I. Die beiden Hälften des Oberkiefers haben eine ungleiche
Zahl von Kieferstücken, in der linken Hälfte eines mehr, als
in der rechten. Kopflappen stets mit Fühlern. (Eun. labi-
dognatha tentaculata).
1. Fünf hintere und zwei vordere lange Fühler
Heptaceras n. gen.
2. Fünf hintere lange; zwei vordere Stummelfühler.
a. Zwei Fühlercirren Diopatra Aud. Edw.
b. Fühlercirren fehlen Onuphis Aud. Edw.
3. Fünf Fühler; Kiemen vorhanden.
a. Zwei Fühlercirren Eunice Cuv.
b. Fühlercirren fehlen Marphysa Quatrf.
4. Fünf Fühler; keine Kiemen . . . Nicidion Kingb.
5. Drei Fühler.
a. Kiemen vorhanden Amphiro Kingb.
b. Kiemen fehlen Lysidice Sav.
6. Ein Fühler.
a. Mit Rückencirren NematonercisSchm.
b. Ohne Rückencirren Blainvillea Quatref.
II. Die beiden Kieferhälften haben eine gleiche Zahl von Kie-
ferstücken ; Kopflappeu ohne wahre Fühler (Eun. labid. nuda).
1. Mit Kiemen Ninoe Kinbg.
2. Ohne Kiemen . LumbriconereisBl.
B. Die den Oberkiefer zusammensetzenden Stücke liegen in Reihen
hinter einander und sind mehr oder weniger gleichförmig ge-
bildet. Ruder einästig mit einer Borstenform oder zweiästig mit
zwei Borstenformen (Eunice prionognatha).
I. Ruder einästig, mit einfachen Borsten (Eun. prionog. mo-
nocopa).
1. Rückencirren verkümmert oder fehlend,
a. Das erste Paar der Kieferzähne mit zangenförmigen
Endhaken.
«. Die zangenförmigen Kieferzähne gleich,
f Alle Kieferzähne gleich.
238 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
§ Fünf Paar Kieferzähne . Aracoda Smd.
§§ Vier Paar Kieferzähne . Laranda Kinbg.
ff Die Kieferzähne des zweiten Paares ungleich
Arabella Gr.
ß. Die zangenförmigen Kieferzähne ungleich
Larymna Kinbg.
b. Das erste Paar der Kieferzähne ohne zangenförmige
Endhaken.
a. Ruder mit verkümmerten Rückencirren
Nötocirrus Schm.
ß. Ruder ohne Rückencirren . Notopsilus n. gen.
2. Rückencirren blattförmig.
a. Träger im Oberkiefer lang, stabförmig.
«. Fühler fehlen Oenone Sav.
ß. Drei Fühler.
t Kopflappen vom ersten Segmente bedeckt
Aglaurides n. gen.
ff Kopflappen frei.
§ Zwei Augen, vor den Trägern fünf Paar unglei-
cher gesägter Kieferzähne Cirrohranchia n. g.
(= Halla Costa).
§§ Vier Augen; vor den Trägern sechs Paar Kiefer-
zähne Danymene Kinbg.
b. Träger im Oberkiefer kurz, plattenförmig
Lysarete Kinbg.
II. Ruder zweiästig, mit einfachen und zusammengesetzten Bor-
sten (Eun. prionogn. dicopa) .... Staurocephalus Gr.
Nach einer späteren Mittheilung unseres Verf. 's (Göttingische
gelehrte Anzeigen 1869. S. 614) lässt sich übrigens das hier wieder-
gegebene System der Euniciden dahin vereinfachen, dass Aracoda,
Laranda, Arabella und Larymna in ein Genus (Arabella Gr.) zu-
sammengezogen, und ebenso auch Aglaurides, Cirrohranchia und Da-
nymene mit einander vereinigt werden.
Als neu beschreibt Verf. Dlopatra teres Sidney,
Eunice ruhrooinoia Quarnero (= E. vittata Clap.?), El
limosa ebend., Nematonereis oculata ebend., Luinhricone-
reis hreviceps Neapel (= Lumbrfcus fragilis delle Gh.,
ob = L. impatiens Clap. ist fraglich), L. graGilis Quar-
nero. Die nordische Onuphis tubicola ist von der mittel-
meerischen (0. sicula Quatref ) nicht verschieden. Ebenso
erkennt Verf. In Eunice gigantea (Cuv.) var. die Pallas'-
sche E. aphroditois, die Verf. an einem Exemplare aus
Sidney zu untersuchen in der Lage war. Die in dem
der niederen Thiere wählend der J. 1868—1869. 239
Mittelmeer lebende nahe verwandte Eun. gigantea delle
Ch. ist = E. maxima Quatref. Eunice taenia Clap. fällt
mit E. siciliensis Gr. (= E. adriatica Schm.) zusammen.
Der bekannte Palolowurra, den Ref. früher (J. B. 1859.
S. 118) auf Lumbriconereis deutete, ist nach unserem
Verf. eine Lysidice. Die in der Medianlinie desselben
vorkommenden augenartigen Flecken, die auch In unserem
Berichte schon einmal (1864. S. 194) ervvähnt sind, wer-
den als eine besondere Form von Drüsenausführungsgän-
geu gedeutet. Zu Lysidice Ninetta rechnet Verf. als
Varietäten die Lys. Mahagony Clap. und L. torquata Quatf.
Zygolobes Edwardsii Clap. fällt mit Lumbriconereis tin-
gens Kfrst. zusammen.
Die Familie der L y c orid een (S. 443— 581) ent-
hält bei Ehlers nur vier oder — mit Einschluss von
Tylorrhynchus, Vorrede S. XX — fünf Gattungen, also be-
deutend w^eniger, als Malmgren und Kinberg unter-
schieden haben. Es rührt das daher, dass unser Verf.
theils die von letzterm betonten Merkmale für zu gering-
fügig hält, um besondere Genera darauf zu begründen,
theils auch die an Heteronereis sich anschliessenden Gattun-
gen sämmtlich einzieht, da die dahin gerechneten For-
men als gewöhnliche Nereiden im Hochzeitkleide (epitoce
Nereiden) zu deuten seien. Verf. bezieht sich in dieser
Beziehung auf die schon Im letzten J. B. angezogenen
interessanten Untersuchungen, die hier in extenso noch-
mals veröffentlicht werden und In der That über die
Zusammengehörigkeit vieler bisher getrennter Thiere
und die wahre Natur der Heteronerelden keinen Zweifel
lassen. Zur Zeit der höchsten geschlechtlichen Entwicke-
lung, so dürfen wir hiernach behaupten, geht mit der
Mehrzahl der Nereiden eine mehr oder minder beträcht-
liche Veränderung vor sich, die sich hauptsächlich an den
Rudern des hinteren Körpertheiles, an den Aftersegmen-
ten und den Augen kund thut , In manchen Fällen aber
auch auf die Rücken- und Baucheirren der vordem Seg-
mente ausdehnt. Die Veränderungen der hintern Ruder
sind vielleicht immer auf eine bestimmte, bei den männ-
lichen Thieren grössere Anzahl von Segmenten beschränkt
240 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
und bestellen vornämlich in einer VergrÖsserung und einer
stärkeren Sonderung der einzelnen Tlieile, so wie in dem
Auftreten besonderer Borsten mit messerförmigem End-
stück. In der Mehrzahl der Fälle gesellen sich dazu
aber noch grosse plattentormige Hautauswücbse , die
meist durch Vergrösserung der unteren Lippe des oberen
Astes und der hinteren Lippe des unteren Astes entste-
hen oder auch selbstständig an der Basis des Rücken-
und Bauchcirrus hervorkommen. Beim Männchen erhält
der Eückencirrus überdiess noch gewöhnlich eine Reihe
warzenartiger Answ^üchse. Die Männchen unterscheiden
sich im epitocen Zustande auch sonst nicht selten mehr-
fach von den Weibchen, wie z. B. darin, dass die Mes-
serborsten der umgewandelten Segmente die früheren
Borsten vollständig verdrängen, was bei den Weibchen
nur theilweise der Fall ist. Ob übrigens die epitocen
Individuen nach Beendigung des Fortpflauzungsgeschäf-
tes wieder zur einfachen (atocen) Form zurückkehren,
um bei Eintritt einer neuen Brunstzeit von Neuem sich
umzuwandeln, bleibt noch zu untersuchen, wie es denn
ebenso unentschieden ist, ob nicht einzelne Individuen —
wie Verf. nach Beobachtungen an N. vircns anzunehmen
geneigt ist — ohne die sonst gewöhnliche Umwandlung
zur vollen Geschlechtsreife kommen. Ebenso dürfte es
auch Arten geben, die ihre üeschlechtsfunctionen völlig
unter atoker Form vollziehen. Die systematischen Bezie-
hungen der Lycorideen glaubt Verf. am besten durch
nachfolgende üebersicht ausdrücken zu können.
A, Ruder einästig Lycastis Aud. Edw.
B. Ruder zweiästig.
a. mit einfachen Rückencirren.
1. mit oberen und unteren Züngelchen Nereis Cuv.
2. ohne obere Züngelchen Ceratocephala Mgrm.
3. ohne untere Züngelchen .... Tylorrhynchus Gr.
b. mit gefiederten Rückencirren . . . Dendronereis Peters.
Zu Nereis cultrifera Aud. Edw. gehört nach unse-
rem Verf. nicht bloss N. Beaucoudrayi Kef. — non Aud-
Edw. — , sondern als epitoke Form auch N. lobata Rathke,
eine Art, mit der die nur im epitoken Zustande unserem
der niederen Thiere wälirend der J. 1868—1869. 241
Verf. bekannt gewordene N. ßoridana n. sp. nahe Ver-
wandtschaft hat. Von den gleichfalls neuen N. cylindrata
aus Fiume und N. nigripcs aus Florida wird nur die
atoke Foiin beschri(;ben. Dass N. pclagica und Hetero-
nereis grandifolia, N. Dumerilii und Heteronereis fuci-
cola, so wie N. vexillosa Gr. und N. "arctica Gr. nur
verschiedene Entwickelungszustände derselben Art sind,
ist schon im letzten J. B. hervorgehoben. Von N. rava
n. sp. aus dem Quarnero kennt Verf. gleichfalls beiderlei
Zustände. Ebenso von N. virens Sars (= N. grandis
Stimps.) und von N. longissima Johnst., deren atoke Zu-
stände Quatrefages als N. regia und N. edentnla be-
schrieben hat. Zu N. fiicata Sav. wird N. podophylla
Aud. Edw. (= Heteronereis glaucopsis Malmgr.) als epi-
toke Form gezogen. Dass N. diversicolor (= N. de-
pressa Lt.) eine in der Nord- und Ostsee weit verbreitete
Form, die selbst im Brakwasser lebt, in atoker Form zur
vollen Geschlechtsreife kommt, ist schon vonM. Schnitze
beobachtet, der dieselbe lebendige Junge gebären sah.
(Ebenso legt nach Gl aparede auch N. guttata = N.
Costae Gr. ohne Formveränderung ihre Eier ab.) Als neu
werden weiter aufgeführt: N. rubicunda aus dem Quar-
nero, N. californica, N. Agassizii (in beiderlei Zuständen)
gleichfalls aus Californien, N. -ßavipes aus dem Quarnero,
N. (xcuminata aus Neapel, N. procerä aus Georgien, N.
lamellosa aus der Adria, N. limhata von der Amerikani-
schen Ostküste. N. foliata Baird ist mit N. Brandtii Malmgr.
(— N. virens Gr.) identisch.
Die Gruppe der Nephthydeen (S. 582—638), die
nicht bloss durch ihre zoologischen Eigenthümlichkeiten,
sondern auch durch ihre anatomischen , besonders die
Abwesenheit einer durch starke Seiteumuskeln vertre-
tenen Ringmuskelschicht zur Genüge als eine selbitrstän-
dige Familie charakterisirt ist, besteht nach unserem Verf.
aus nur zwei Gattungen , Nephthys mit vier Fühlern
und einem Aftercirrus und Portalia Quatf. mit zwei Füh-
lern und zwei Aftercirren. Bei der Unterscheidung der
Arten ist in erster Reihe die Form der Ruder, dann
die Bildung des Rüssels , zumal die Anordnung seiner
242 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Papillen zu verwerthen, während die Gestalt des Kopf-
lappens und der Fühler, so wie der Anhänge des ersten
Segmentes und der Umgebung des Mundeinganges erst
in zweiter Linie in Betracht kommt. Von neuen Arten
beschreibt Verf. Nephthys hucera aus der Massachusets-Bay,
N. cirrosa von der englischen Küste, N. discors von
Eastport in N. A., N. picta gleichfalls von der Ostküste
Nord-Amerika's und N. nudipes von Bergen.
In der Familie der Glycereen (S. 638— 722) un-
terscheidet Verf. zwei Formenkreise, die trotz der Ver-
schiedenheiten der Rüsselbildung in so vielen und bedeu-
tungsvollen Eigenthümlichkeiten unter sich übereinstim-
men, dass die Trennung derselben in zwei besondere Fa-
milien, wie Kinberg und Malmgren sie aufgestellt
haben, kaum gerechtfertigt erscheint. Ebenso wenig kann
Verf. sich entschliessen, die neuerlich aufgestelUen Gat-
tungen Lacharis, Epicaste, Leonnatus, Glycinde, Eone von
Goniada generisch abzutrennen. Auf diese Weise ge-
staltet sich die systematische Uebersicht über die Glyce-
reen folgender Maassen:
A. Rüssel mit vier gleichen, grosse Anhangsdrüsen tragenden Kie-
fern; Ruder an allen Segmenten gleichförmig (Gl. tetragnatha.)
1. Ruder einästig, mit nur einem Bündel zusammengesetzter
Borsten und einer Stütznadel . . . Hemipodus Qtrfg..
2. Ruder mit zwei mehr oder minder stark verschmolzener
Aesten; zwei Borstenbündel mit je einer Stütznadel
Glycera Sav.
B. Rüssel mit mehreren ungleich geformten, keine Anhangsdrüsen
besitzenden Kiefern; Ruder der vordem und hintern Körper-
hälfte ungleich (Gl. polygnatha). Einziges Genus
Goniada Aud. Edw.
Am ausführlichsten sind die Mittheilungen unseres
Verf. über Glycera, dessen Arten in dem Bau der Ruder
eine fortlaufende Entwickclungsreihe darstellen, indem das
Anfangs undeutlich zweiästige Ruder (Gl. capitata Oerst.
und verwandte) durch das Auftreten von vier deutlich
gesonderten Lippen vollkommen zweiästig wird (hieher
ausser Gl. tessellata Gr., fallax Qtf. u. a. von neuen Ar-
ten noch GL rohusta von Californien und Gl. folliculosa
vom Mittelmecr, wahrscheinlich = Gl. siphonodonta Clap.),
der niederen Tliiere wählend der J. 1868—1869. 243
lind daneben an den Rudern In inin?cr reicherer Entfaltung
Kiemen auftreten, anfänglich nur auf dem dorsalen Um-
fange des Ruders als sackartige Ausstülpungen der Lei-
beswand (Gl. alba Rathke, Gl. convoluta Keferst.), dann
fingerförmig (Gl. tridactyla Schmd.), g^l^l'^ getheilt (Gl.
unicornis Sav., Gl. Meckelii Aud. Edw. u. a.), baumförmig
verästelt (Gl. americana Leidy u. s. w.) und zuletzt nicht
nur am dorsalen, sondern auch am ventralen Umfange
des Ruders, gross, blattförmig {Gl. dihranchiata n. sp.
von der Ostküste N.-Amer.). Dass es kieferlose Glycereen
giebt, wie Claparede annimmt, ist nicht wahrschein-
lich, da sowohl Gl. capitata Oerst., wie Gl. unicornis Sav.,
die als Beispiele dafür angeführt werden, nach unserem
Verf. mit Kiefern versehen sind.
Mit den Glycereen beschliesst Verf. die Gruppe der
Nereideen und damit auch zugleich den ersten Band seiner
Untersuchungen. Mag die Absicht, auch die übrigen Grup-
pen der Chätopoden einer Revision zu unterwerfen, nicht
allzu lange unausgeführt bleiben.
Die neu aufgestellten Gattungen charakterisirt Verf.
wie folgt:
Heptaceras Ehl. Kopflappen mit fünf hintern und zwei vor-
dem fadenförmigen Fühlern, zwei Palpen. Zwei Fühlercirren. Kie-
men schon vom ersten Kuder an, zuerst einfach fadenförmig, weiter-
hin mit spiralig gestellten Fäden: Rückencirren blattförmig. Hier-
her als einzige Art : Diopatra polycirra Schm.
Notopsilus Ehl, Kopflappen nackt, Ruder ohne Girren mit
einfachen gesäumten Borsten. Im Oberkiefer lange Träger, dazu
vier Paar Kieferstücke, von denen die Stücke des ersten Paares nicht
in einen Endhaken auslaufen. Auf Lais acutus Krbg. begründet.
Aglaurides Ehlers. Kopflappen mit drei kurzen Fühlern;
die beiden folgenden Segmente ohne 'Ruder, das erste nach vorn
über dem Kopflappen in zwei Lappen erweitert. Zwei ruderlose
Segmente. Ruder zweilippig, nach hinten grösser werdend, mit ein-
fachen Borsten, Rückencirren blattförmig. Im Oberkiefer zwei dünne,
nach vorn verbreiterte Träger, links fünf Kieferzähne und vier Reib-
platten , rechts vier Kieferzähne und drei Reibplatten , Unterkiefer
kurz, die gleichförmigen Hälften nach vorn knopfartig verdickt. Ein-
zige Art Aglaura fulgida Sars.
Cirrobranchia Ehl. (= Halla Costa). Kopflappen frei, mit
drei kurzen, vor dem Hinterrande in einer Querreihe stehenden Füh-
244 L e 11 c k a r t : Bericht üb. d Leist. in d. Naturgeschichte
l^rn und jederseits davon mit einem dunklen Augenfleck ; erstes und
zweites Segment ohne Ruder. Ruder zweilippig, die untere Lippe
etwas grösser, als die obere; nur einfache gesäumte Borsten. Rük-
kencirrus blattförmig, mit kurzem Stiel entspringend. Unter dem
Ruder auf der Bauchfläche ein Höcker mit einem Loche auf der
Spitze. Aftersegment mit vier Aftercirren. Oberkiefer mit zwei
langen schlanken Trägern, davor fünf Paar ungleichförmiger gesäg.
ter Kieferstücke; links vier, rechts drei Reibplatten ; Unterkiefer aus
zwei derben fast gleichförmigen Stücken bestehend. Hieher N. (Halla)
parthenopeia delle Ch.
Weiter handelt E h 1 e r s über „die Neubildung des Kopfes
und des vorderen Körpertbeils bei polychäten Anneliden*^
(akademisches Programm, Erlangen 1869. 24 S. in Quart)
und zwar auf Grund von Beobachtungen, die er bei einer
Nordamerikanischen Diopatra angestellt hat. Die Art
ist neu und wird als D. fragilis beschrieben. Bei zweien
Exemplaren fehlte das Kopfende mit 18 resp. 8 Seg-
menten, an dessen Stelle sich ein kleines 1 — IV2 Mm.
langes schmächtiges Zäpfchen entwickelt hatte, das bei
dem einen Thiere nur undeutliche Segmente und An-
hänge erkennen^ liess, während es bei dem andern deut-
lich in Kopf und sieben Ringe getheilt war, von denen
die drei letzten bereits mit Kiemenrudimenten verschen
waren. Der Kiefersack war in beiden Fällen noch ohne
Kiefer. Ein drittes Exemplar besass ein Kopfende, wel-
ches fast nur noch durch seine blasse Färbung verrieth,
dass es gleichfalls das Product einer Neubildung sei.
Da auch Quatrefages eine Diopatra mit regenerirtem
Kopfende beobachtet hat, ist Verf. geneigt, die Abtren-
nung des Vorderkörpers hier als einen physiologischen,
mit der Fortpflanzung im Zusammenhang stehenden Vor-
gang zu betrachten. (Bei dieser Gelegenheit erwähnt
Ref., dass er einen decapitirfen Blutegel besitzt, der seit
Jahresfrist noch heute lebt, auch nach Berührung munter
umherschwimmt, den Verlust aber nicht ergänzt hat.
An der sonst verharrsch ten Schnittfläche sieht man das
hintere Segment des durchschnittenen Pharynx frei nach
Aussen hervorragen.)
Grube erwähnt auch einer Sabella pavonina, die
eben im Begriff stand, ihr Vorderende zu reproduciren.
der niederen Thiere während der J. 1868—1869. 245
Die Kiemenfäden waren noch ganz kurz^ der Halskragen
noch ganz schmal, der Borstenwechsel schon hinter dem
6ten Borstenbündel bemerkbar. Mittheilungen über St.
Vaast-la-Hogue S. 19.
Durch M. G. Moquin-Tandon erfahren wir von
der Existenz einer hermaphroditischen Nereide, Nevis
(? Nereis) massilie?isis n., die an den Küsten von Mar-
seille häufig ist und als herbivor bezeichnet v/ird. Unter
11 Exemplaren zeigten 9 in der Leibeshöhle Samenfäden
und Eier verschiedener Entwickelung, während die zwei
andern bloss ausgereifte Eier enthielten. Cpt. rend. T. 68.
p. 869, Annais and Mag. nat. bist. T. IV. p. 73.
In Folge der von Ehlers über den Zusammen-
hang der Heteronereisformcn mit Nereis ausgesprochenen
Ansicht (Jahresber. 1867. S. 23) veröffentlicht M almgren
In dem Archiv für Naturgesch. 1869. I. S. 58 und der
Zeitschrift für wissensch. Zool. Bd. XIX. S. 476 die Ue-
bersetzung einiger den gleichen Gegenstand betreffenden
Publicationen, die aus den Jahren 1865 und 1867 stam-
men und zur Genüge beweisen, dass Verf. schon vor
Ehlers die genetischen Beziehungen sowohl der Hete-
ronereis grandifolia zu Nereis pelagica, wie auch der He-
teronereis fucicola zu Nereis Dumerilii gekannt hat.
Eine Zeitlang dachte M almgren allerdings daran, diese
beiderlei Formen nach Analogie des Generationswechsels
in Beziehung zu bringen, aber später hat er, unabhängig
von Ehlers und schon vor demselben, die Heteronereis-
formcn einfach als geschlechtlich entwickelte Individuen
gewöhnlicher Nereiden erkannt, auch dabei die Vermu-
thung ausgesprochen, dass dieselben nach der Fortpflan-
zungszeit ihre charakteristischen Eigenthümlichkeiten wie-
der ablegen und zu der früheren Form zurückkehren.
Die erste der citirten Abhandlungen enthält überdiess noch
Mittheilungen über die Geschlechtsunterschiede der He-
teronereis grandifolia.
Nach den neuesten Untersuchungen von Clapa-
r ^ d e gewinnt es übrigens den Anschein, als wenn das
Vcrhältniss der hier in Betracht kommenden Formen
noch weit verwickelter sei, als es von M almgren und
Archiv für Naturg. XXiV. Jahrg. 2. Bd. Q
246 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Ehlers dargestellt worden. Anfangs — noch in seinem
grossen Werke über die Neapolitanischen Chätopoden —
der Ansicht von M a 1 m g r e n und Eh 1 e r s abhold,
gewann unser Verf. durch fortgesetzte Untersuchungen
später die Ueberzeugung (Rech, sur les Ann^lides Prä-
sentant formes sexuels distinctes Gen^ve 1869. 34 Seiten
in Octav aus dem Octoberhefte der Bibliotheque univers.
de Geneve 1869 besonders abgedruckt) nicht bloss, dass
die Unterschiede der Hetcronereiden von den gewöhn-
lichen Ncreisformen viel durchgreifender sind, als man
bisher ahnte, sondern weiter auch, dass dieselbe Art —
Verf. untersuchte N.Dumerilii — nicht bloss in der Form
einer Hetcronereis, sondern auch in der ursprünglichen
Nereisform zur Geschlechtsreife gelangt, mit anderen
Worten also zweierlei von einander verschiedene ge-
schlechtsreife Zustände aufweist. Verf. nimmt für seine
Art sogar zweierlei Heteronereisformen in Anspruch, eine
grössere (von 60—85 Mm., mit 80—95 Segmenten) und
eine kleinere (von 20—40 Mm., mit 65—75 Segmenten),
von denen die letztere meist auf dem hohen Meere
schwimmend gefunden wurde, während die erstere, wenn
auch schwimmfähig, doch keine eigenth'ch pelagische
Lebensweise führt. Da die geschlechtsreife Nereisform
gewöhnlich nur 12—15 Mm. misst und nicht über 30—
45 Segmente zählt, so hält es Verf. für wahrscheinlich,
dass unsere Thiere zuerst mit Beibehaltung ihrer frühe-
ren Organisation sich fortpflanzen, dann aber später, bei
Eintritt einer neuen Brunstperiode, die Heteronereisform
annehmen. So viel ist jedenfalls gewiss, dass es nicht
die kleinen, sondern die grösseren Thiere sind, welche
zu Hetcronereiden werden, wogegen die kleineren ohne
Formveränderung ihre Geschlechtsstoffo entwickeln. Wäh-
rend diese bei den grösseren Exemplaren der Reifung
entgegen gehen, entstehen an den Segmenten der hinte-
ren Leibeshälfte die für Hetcronereis charakteristischen
Ruder mit d-en Schwiaimborsten , welche die früheren
Borsten ersetzen. Der Kopf wächst in die Breite und
die Augen gewinnen durch Pigmentanhäufung eine be-
trächtlichere Grösse. Gleichzeitig entfärbt sich der Hin*
der niederen Thiere während der J. 1868— 18G9. 247
terleib, vornämlich durch Resorption der früher massen-
haft in das Peritonäum eingelagerten Pigmentzellen, die
der N. Dumerilii im lebenden Zustande ein so eigen-
thümliches Aussehen geben, dass Verf. dieselbe darauf hin
(s. o.) unter dem Namen N. peritonealis als neu beschrei-
ben konnte. An der Bauchfläche der Segmente entwickeln
sich eigenthümliche, früher in dieser Form fehlende Haut-
drüsen; selbst das Muskelgewebe und die Anordnung der
Blutgefässe geht gewisse Veränderungen ein. Auch auf
die Geschlechtsproducte erstrecken sich die Unterschiede
zwischen den beiderlei Formen, und zwar eben sowohl auf
das Aussehen derselben, wie auch deren Entwickelungs-
weise. (In der Bildung der Eier fand Verf. auch zwi-
schen den oben erwähnten zweierlei Heteronereisformen
einige Differenzen.) Auch von dem Heteronereiszustande
abgesehen, zeigen unsere Thiere übrigens, besonders in
der Bildung der Mandibeln und Paragnathen, mancherlei
individuelle Unterschiede, die um so wichtiger sind, als
man diese Organe bisher als besonders stabil ansah und
bei der differenziellen Diagnostik vor allen übrigen be-
rücksichtigte.
Grube erkennt in Heteronereis Schmardaei Qatrf.
die epitoke Form von Nereis irrorata Malmgn. ßreslauer
Zeitg. 1868. Nr. 131. ßer. der naturwiss. Section der
Schles. Gesellsch. 1869. S. 25.
Greeffs Arbeit über Autolytus prolifer, über die
wir in unserem letzten Berichte referirten, w^ird in's Eng-
lische übersetzt. Annais and Mag. nat. bist. 1868. T. I.
p. 173 ff.
Krohn berichtet (Archiv für Naturgesch. 1869. I.
S. 197 — 199) „über eine lebendig gebärende Syllisart", die
sich von Syllis prolifera Krohn (= S. Armandi Clap.)
durch die in dem hinteren Leibesdritttheil enthaltene
Brut und das mit einfacher, nicht, wie bei S. prolifera,
zweigetheilter Spitze auslaufende Endstück der Sichel-
borsten unterscheidet. Mit der vorschreitenden Ausbil-
dung und dem W^achsthum der Jungen treibt sich der
dieselben enthaltende Leibesabschnitt immer stärker auf,
während der Enddarm der Mutter nach und nach so zu-
248 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
sammengedrllckt wird; dass seine Kammern ganz un-
kenntlich werden. Zuletzt, wenn die Jungen ihre völlige
Reife erlangt haben, trennt sich der sie beherbergende
Abschnitt entweder stückweise oder als Ganzes von dem
übrigen Leibe des Mutterthieres ab — wie er es bei den
Syllisarten mit Generationswechsel schon früher unter
der Form eines selbstständigen Individuums thut — , so
dass dann die Jungen in's Freie gelangen und sich
nach allen Richtungen zerstreuen. Dieselben messen
um diese Zeit nahezu T" und haben 23 Segmente, glei-
chen aber sonst im Habitus und Bau vollkommen ihrer
Mutter.
Buchholz liefert (Zeitschrift für wissensch. Zool.
Bd. XIX. S. 95-98. Tab. IV) Beschreibung und Abbil-
dung der schon im letzten J. B. S. 184 als eines zweiten
Schmarotzers bei Cydippe densa erwähnten Alciopina
und schlägt für dieselbe den Artnamen Ä. Fancerii vor.
Eine dritte wiederum verschiedene Schmarotzerform
derselben Rippenqualle mit nur einem abortiven Segmente
wird von Panceri auf das ,Costa'sche Genus Rhyncho-
nereella (Rh. gracilis Costa?) gedeutet. Rendiconto reale
Accad. di Napoli Fase. 3. Marzo 1868.
M'Intosh beobachtet die ersten Entwickelungsvor-
gänge von Phyllodoce maculata (Ann. and Mag. nat. bist.
Vol. IV. p. 104—107. PI. VI) und beschreibt die Larven,
die aus den zu Gallertklumpen verklebten Eiern nach
Aussen hervortreten. Es sind kuglige, später sich etwas
streckende Geschöpfe mit einem äquatorialen Flimmer-
ringe und einem Cilienschopfe auf dem Scheitel. Auch
die Umgebung des klafienden Mundes ist mit Flimmer-
haaren besetzt.
Die „Beiträge zur Kenntniss der Entwickelungsge-
schichte der Chätopoden^^ von Gl apa rede und Meczni-
koff (Zeitschrift für wissensch. Zool. Bd. XIX. S. 163 —
206. Tab. XII— XVII) enthalten eine Fülle Ton Beobach-
tungen, die unsere VeriF. während des Winters 1866 — 67
in Neapel an theils gefischten, theils auch durch Zucht
in ihren Aquarien gewonnenen Annelidlarven angestellt
haben. x\ls allgemeines Resultat stellte sich dabei heraus,
der niederen Thiere während der J. 1868—1869. 249
dass den Versuchen, diese Larven nach der Anordnung
und Zahl der Schwimmgürtel in natürliche Gruppen zu
theilen, ein nur sehr bedingter Werth beigelegt werden
kann. Je nachdem diese Thiere nämlich eine mehr pe-
lagische Lebensweise führen oder mehr in die Nähe ihrer
Geburtsstätte gebannt sind, haben sie auch innerhalb der
gleichen Familie (z. B. bei den Terebellen, Euniciden)
eine ganz verschiedene Ausrüstung mit Wimperappara-
ten^ so dass man sie nach den früheren Einthcilungsprin-
cipien trotz der systematischen Verwandtschaft der Eltern
bald vielleicht der Gruppe der Atrochae, bald der der
Polytrochae einzureihen hätte. Nur zur Bezeichnung ge-
wisser auffallender Bildungscharaktere können diese Na-
men heute noch beibehalten werden. Doch mögen die
Bildungs- und Lebensverhältnisse der Chätopodenlarven
noch so sehr auseinander gehen, die ersten Bildungssta-
dien derselben sind überall sehr ähnlich. Ueberall führt
der Vorgang der Dotterklüftung zunächst zu der Bildung
von zweierlei Dotterelementen, von peripherischen, die sich
durch ihre geringe Grösse auszeichnen und zum Aufbau
der Leibeswand dienen, und von centralen, die zur Ent-
wicklung des Verdauungstractus bestimmt sind. Die
Bildung dieser zweierlei Furchungskugeln rührt gewöhn-
lich schon von der ersten Zweitheilung her, indem schon
hier meist eine kleinere (animalische) in eine grössere (ve-
getative) Kugel angelegt wird. Das Schicksal des Keim-
bläschens ist den Verff. unklar geblieben, doch glauben
sie für mehrere Arten annehmen zu müssen, dass es nach
der Befruchtung verschwinde. In manchen Fällen Hessen
sich aber auch in den ersten Furchungskugeln keine
Kerne nachweisen. Ein Primitivstreifen, dessen x\uftre-
ten man bisher auf einige wenige Chätopodenarten, die
schon bei dem Hervorschlüpfen aus den Eiern eine re-
lativ grosse Entwickelung besitzen, beschränkt glaubte,
bildet sich nach unseren Verff. bei allen Chätopoden, doch
in der Regel nicht während des Eilebens, sondern, wie es
bekanntlich auch bei vielen Blutegeln vorkommt, wäh-
rend des freien Larvenlebens. Die Aehnlichkeit mit den
Bdellodeen spricht sich auch weiter noch dadurch aus,
250 Leuckart: Bericht üb. d. Lcist. in d. Naturgeschichte
dass die Oligochäten — wie es inzwischen auch von
Ratzel beobachtet ist — dieselben kolossalen Zellen am
Ende ihres Primitivstreifens aufweisen, die hier bei vie-
len Blutegeln beobachtet wurden. Die einzelnen Anga-
ben der Yerff. beziehen sich auf die Familien der 8pio-
niden, Chätopteriden, Eunieiden, Nephthydeen, Phyllo-
dociden, Capitelliden, Cirratnliden, Terebellidcn und Ser-
puliden, können hier aber natürlich nicht alle gleichmäs-
sig Berücksichtigung finden. Bei den Spioniden wurde
von unseren Verff. die schon mehrfach beobachtete That-
sache constatirt, dass die Dotterhaut sich mit Cilien be-
deckt und zur äussern Hülle der freischwimmenden Larve
wird, ein Verhältniss, welches aber nicht auf alle Chä-
topoden übertragen werden darf, da sich in anderen Fäl
len, bei Spirorbis, Dasychone, Fabricia n. sp., das Aus-
schlüpfen des Embryo aus der zerrissenen Dotterhaut mit
Sicherheit nachweisen Hess. Die Larven der Spioniden
entwickeln sich von vorn herein zu sog. Teletrochen,
doch giebt es auch Arten, bei denen sich zu den beiden
endständigen Wimperreifen noch Wimperbögen am Bauche
(Spio Mecznikowianus Cl.) oder gar solche am Bauche
und Rücken (Nerine cirratulus) hinzugesellcn, also Arten,
deren Larven als Gastrotrochen und x\niphitrochen be-
zeichnet werden könnten. Die ersten Borsten sind bc-
kanntlich oftmals, besonders, wie es scheint, da, wo sie
sehr frühe gebildet werden, hinfällig. Zu den Spioniden
gehört wahrscheinlicher Weise auch eine schon vor vielen
Jahren von M i 1 n c Edwards beobachtete , aber den
Amphinomcen zugerechnete Larvenform, die trotz der 15
bis 20 Segmente, die sie trägt, noch keinerlei Fussstum-
mel hat. Spio Mecznikowianus ist noch dadurch ausge-
zeichnet, dass er in den zur Brunstzeit vergrösserten
Segmentalorganen des mittleren und hinteren Leibes eine
Anzahl spindelförmiger Spermatophoren bildet, die ausser
den spiralig zusammengewundenen Samenfäden noch eine
zähflüssige Substanz in sich einschliessen, welche allem
Anschein nach dazu dient, durch allmähliges Aufquellen
die (wohl nur in die Wohnröhre des Weibchens abgeleg-
ten) Spermatophoren zum Bersten zu bringen. Die — wahr-
der niederen Thiere während der J. 1868—1869. 251
scbeinlich schon von Busch beobachteten — Larven von
Telepsavus Costarnm CI. und Phyllochaetoptcius gehören,
wie die von ChaetopteruS; dem Mesotrochatypus an, doch
besitzt die der erstgenannten Art nur einen einzigen
Scliwimmgürtei. Freilich ist daneben noch die ganze
Körperfläche mit kurzen Flimmerhaaren besetzt, die übri-
gens auch bei den ausgebildeten Thicrcn gefunden werden.
Die Larve von Phyllochaetopterus besitzt am Aftersegmente
zwei Oeffnungen, aus denen sie einen kugelförmigen, ganz
mit ötäbchenkapsein erfüllten Körper (einen Ncssclknopf)
hervorstülpt. Die atrochische Larve einer Eunicide (Lum-
briconereis oder Notocirrus) verlor den Wimperbesatz be-
reits zu einer Zeit, in der das Thier erst zwei Borstenseg-
mente besass, während die polytrochische Form einer an-
deren bis jetzt noch neuen Art {0 p hryo t r o ch a puerüis)
ohne Verlust der Larvenorgane zu einem geschlechtsrei-
fen 15 — 16-gliedrigen Wurme von 2,5 Mm. Länge ward,
der an jedem einzelnen Segmente mit einem rund her-
umlaufenden Wimperreifen versehen war und am Kopf-
lappen sogar noch einen zweiten und dritten Wimperreif
trug. Auch bei den Jungen von ötaurocephalus Chiaji
Cl. sind die Larvenmerkmale schon sjimmtlich zurückge-
bildet, wenn die Körpergrösse 0,8 Mm. beträgt und die
Zahl der Segmente auf neun herangewachsen ist. Die
Nephthyslarven sind Telotrochen, die sich genau nach
dem sog. Lovenschen Typus entwickeln, auch, wie die
Mehrzahl der Telotrochen, Anfangs nur einen einzigen
Wimpergürtel tragen. Dem monotrochen Stadium von
Nephthys ähnlich sind auch die jüngsten Phyllodociden,
doch wird dieser Typus hier beibehalten, da es nicht
zur Entwickelung eines zweiten (analen) Wimperreifens
kommt. Dafür flimmert aber die ßauchfläche vom Munde
bis zum After, wie denn auch der Vorderleib an seiner
ßauchfläche eine Flimmerlage und dicht dahinter einen
hakenförmig gekrümmten Wimperschopf trägt. Auch
bei den telotrochen Larven der Capitelliden bemerkt man
eine gleichmässige Flimmerung der Bauchfläche. Die
Borsten bilden sich erst, wenn das Thier bereits 12 — 14
Segmente besitzt, und zwar in den drei ersten Segmenten
252 Leuckart: Bericht üb d. Leist. iu d. Naturgeschichte
Haarborsten und den übrigen Hakenborsten, obgleich das
ausgebildete Thier erst von dem achten Segmente an
Haken besitzt. Die Färbung der Blutkörperchen beginnt
bei Thieren von 1 Mm., die der Larvenorgane bereits
völlig ledig sind. Eine Cirratulusart, die sich von C.
chrysoderma Cl. hauptsächlich durch den Besitz zweier
Augen unterschied, erwies sich als vivipar. Dieselbe
enthielt jederseits in mehreren Segmenten der mittleren
Leibesregion (vielleicht eingeschlossen in den Segmen-
talorganen) einen jungen bereits vielfach geringelten,
auch schon mit fünf bis sechs borstentragenden Segmenten
versehenen Wurm, an dem nicht bloss äusserlich zwei
Paare ansehnlicher Kiemenfäden, sondern im Innern auch
schon Rüssel, Darm und alle Haupttheile des Gefässsy-
stemes sich erkennan liessen. Die einzigen flimmernden
Stellen am Körper waren die Seitenflächen des durch
schwache Einschnürung von dem übrigen Leibe getrenn-
ten Kopflappens. Die Audouinien legen ihre Larven-
charaktere schon ab, vrenn sie etwa 1 Mm. messen und
zehn Segmente haben, nur dass die Hakenborsten auch
bei ihnen Anfangs in Rücken- oder Bauchhöckern (wie
bei Capitella ) weiter nach vorn reichen. Im Gegen-
satze zu den pelagischen Larven von Terebella con-
chilega haben die von T. Meckelii (— T. nebulosa M.
Edw.) statt der dorsalen Wimperbogen ein uniformes
kurzes Flimmerkleid, das mit den wurmförmigen Bewe-
gungen des Körpers für die Bedürfnisse der auf dem See-
grunde im Schutze des Schleimes des früheren Eierklum-
pens lebenden Thiere ausreicht und bis auf zwei kleine
Wimperbüschel an der Bauchseite des zweiten borsten-
führenden Segmentes bereits verloren geht, wenn die
Zahl der Borstensegmente auf fünf oder sechs gestiegen
ist. Auch Gehörkapseln sind bei den jungen Larven
niemals nachweisbar. Die Jugendformen von Sabella Lu-
culiana, die ebenfalls keine pelagische Lebensweise füh-
ren , besitzen einen einfachen Flimmergürtel, von dem
schon früh zwei in der Mittellinie auf einander stossende
Flügelfortsätze, als erste Anlage des Kiemenapparates,
sich bilden, während gleichzeitig nach hinten die ersten
der niederen Thiere während der J. 186ö— 1869. 253
Borstenpaare bervorkommeD. Nachdem der Kiemenfort
satz in zwei fingerförmige Lappen zerfallen ist und an der
Bauchseite jederseits zwei neue Kiemenstrahlen hervor-
geknospet sind, bildet sich der Flimmergürtel bis auf ein
Residuum an den Lippen zurück. Für Spi^orbis Pagen-
stecheri bestätigen die Verff. — wie es auch Ref. schon
gethan hatte — die Angaben Pagen steche r's. Sie
konnten sich weiter auch davon überzeugen, dass die
nahe verwandte Pileolaria eine ganz ähnliche Entwickc-
lung durchlaufe.
Zur Charakteristik des in Larvenform reifwerdenden sonderba-
ren Genus Ophryotrocha Cl. M. fügen wir hier noch hinzu, dass
die den zwei vordem und dem Aftersegmente fehlenden Fussstum-
mel ein aus einem Aciculum und mehreren zusammengesetzten Si-
chelborsten bestehendes Borsienbündel enthalten. Dazu kommen
noch zwei kurze knopfförmige Fühler, hinter denen zwei Augenflecke
stehen, die einen diffusen blassvioletten Fleck zwischen sich neh-
men. Am Aftersegment zwei keulenförmig angeschwollene Cirren.
Der obere Hauplkiefer stellt einen kräftigen Haken dar, während
der Nebenkiefer sieben Borsten und einen nach hinten gerichteten
stabförmigen Stiel trägt. Die zwei gezackten Hälften des Unter-
kiefers sind nach hinten in eine lange Handhabe ausgezogen.
Die bis dahin immer noch ziemlich räthselhafte Mi-
traria müssen wir nach den jetzt vorliegenden Untersu-
chungen gleichfalls den Cha'topodenlarvcn hinzurechnen.
Die ersten Mittheilungen über die Metamorphose dersel-
ben verdanken wir Schneider, der binnen wenigen
Stunden aus einer Mitraria unter Verlust der grossen
Stacheln und des Wimperreifens einen ziemlich plumpen
Wurm mit geradem Darme hervorgehen sah. Die eine
Körperhälfte desselben war abgeplattet und seitlich ne-
ben der Sohle mit zehn Bündeln von je 2 — 3 feinen und
langen Stacheln versehen, während die Insertionspunkte
derselben über dem Rücken durch eine Querreihe sehr
kurzer Stäbchen oder Stacheln verbunden schienen. Verf.
vermuthet, dass diese Umwandlung dadurch vor sich ge-
gangen ist, dass sich der bei Mitraria bekanntlich
hufeisenförmig gekrümmte Darm theilweise nach Aus-
sen umstülpte und den anderen Theil dann in sich auf-
nahm, obwohl er dafür ausser der — doch wohl nicht
254 Leuckart: Bericht üb. d. Leist, in d. Naturgeschichte
völlig* zutreffenden — Analogie mit Actinotrocha nur den
ziemlich plötzlichen Eintritt und raschen Verlauf der
Metamorphose anzuführen weiss. In Uebereinstiramung
mit dieser seiner Ansicht sieht Verf. den Wurm denn
auch nicht für einen Chätopoden^ sondern eine Gephyree
mit endständigem After an, vielleicht dem Gen. Sterna-
spis zugehörig. Archiv für mikroskop. Anatomie Bd. V.
S. 271-274. Mit Abbild.
Anders nach M e c z n i k o f f, der (Nachrichten von der
K. Gesellsch. der Wissensch. zu Göttingen 1869. S. 229
—232) nicht ein einziges, sondern zahlreiche Exemplare
von Mitraria zur Untersuchung hatte und auch die frü-
heren Entwickelungsstadien beobachtete, in denen die
Thiere noch ohne ausgebildete Wimperschnüre waren und
eine" dicke Cuticula trugen, die wohl als die zurückge-
bliebene Eihaut aufzufassen ist. Die Einleitung zur spä-
teren Metamorphose geschieht durch Bildung einer breiten
Hauteinstülpung zwischen beiden Körperöffnungen, die sich
allmählich dem hufeisenförmig gebogenen Darm anlegt
und die Anlage der späteren Bauchfläche, also eine Art
Primitivstreif, darstellt. Später kommt auf der Oberfläche
der Larve ein kleiner Zapfen zum Vorschein, der neben dem
Enddarm auch die Fortsetzung dieses Primitivstreifens in
sich schliesst und, ganz wie bei den Chätopoden mit Lo-
venschem Typus, durch Längenwachsthum und Gliederung
allmählich in den Wurmkörper übergeht. Auf dem Rücken
der Segmente entstehen lange und dünne Haarborsten, wäh-
rend auf der Bauchfläche dagegen kleine, in lange Kämme
geordnete Häkchen erscheinen. Im Innern erkennt man
ausser den Augen und dem Nervensystem besondere
Schleimdrüsen und andere Organe. Hat der Wurm nach
dem Abwerfen der Larvenborsten und der Wimperschnur
eine völlig gestreckte Lage angenommen, dann scheidet
er eine cylindrische mit Sandkörnchen besetzte Röhre
aus. Er besitzt in diesem Zustande zwölf Segmente und
trägt neben dem After zwei breite Lappen.
Ray Lancaster handelt (Ann. and Mag. nat. bist.
1868. Vol. I. p. 232—238. PL XI) „on lithodomous Anne-
lides*' mit besonderer Berücksichtigung der Sabella saxi-
der uicdercu Thiore währeml der J. 1868 — 1869. 255
Cava und einer Lciicodoic, die an den Englischen Küsten
ihre Bohrgänge eben so wie es lief. (vgl. J. ß. für 1861.
S. 81) in Dieppe beobachtet hatte, in den Kalkstein ein-
treibt. Dabei spricht Verf. die Vermuthiing aus, dass
diese Bohrgänge durch eine Säure eingeätzt würden,
welche die Würmer absonderten, eine Veimuthung, s;q-
gen die M'Intosh (on the boring of certain Annelides",
ebendas. Vol. 11. p. 276-295. PI. XVIII und XIX) mit
Recht hervorhebt, dass Leucodore nicht bloss in Kalk,
sondern auch im Thonschiefer bohre und bei chemischer
Untersuchung überdiess keine saure Reaction erkennen
lasse. Verf. ist übrigens der Ansicht, dass die von ihm
genau untersuchte und beschriebene fragliche Leucodore
die gewöhnliche L. ciliata Auct. sei, deren Bohrfähigkeit
auch schon bei den älteren Beobachtern mehrfach Be-
rücksichtigung gefunden habe. Aus den litterarischen
Angaben des Verf. geht überhaupt hervor, dass die boh-
renden Anneliden schon seit langer Zeit bekannt sind.
Die Bohrgänge von Leucodore sind übrigens merkwür-
diger Weise doppelt und an beiden Ausgangsöffnungen
mit einem schornsteinförmigen Aufsatze versehen. "
An dieser Stelle mag auch die Beobachtung von
Pourtales erwähnt sein, dass bei Stylaster erubescens
— wie es V er rill auch für AUopora californica an-
giebt — nicht selten Zweige vorkommen, die verdickt
und hohl sind und nahe den Enden eine Oeffnung tra-
gen, aus der eine Annelide hervorragt. Bull. zool. Mus.
Cambridge Nr. 7. p. 136.
Kinberg handelt „om Amphinomernas Systematik"
(Ofvers. kongl.Vetensk.-Akad. Förhandl. 1867. p. 83— 91)
und charakterisirt dabei eine Anzahl neuer Genera, v»'äh-
rend er die neu von ihm beobachteten Arten einstweilen
nur namentlich aufführt. Das Nähere erhellt aus der
nachfolgenden Uebersicht.
a. Chloeia-Gruppe.
Gen. Chloeia Sav. mit 4 Arten, darunter neu: Clil. hengalensis
und Chi. malaica.
Gen. n. Thesmia. Setae iufra apices inflatae, apicibus se-
tarum dorsualium singuHs, ventralium binis et ternis. Hieher Chi.
flava Quatref.
256 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Gen. n. Chloenea. Antennae et palpi a segmento buccali
(Orientes), setae dorsuales serratae et bifidae, ventrales bifidae. Aus-
ser Chi. Candida Kinbg. noch als neu Ch. pallida aus Brasilien.
Gen. n. Chloochaeta- Setae dorsuales filiformes, ventrales
illas aequantes 1. vix bidentatae. Habitus Chloeiae. Mit Chi. iner-
mis Quatref., Ch. nuda Quatref., Ch. venusta Quatref., Chi. egena Gr.
Gen. n. Strategis. Setae dorsuales serratae. ventrales fili-
formes aliaeque bifidae. ftabitus Chloeiae. Hieher Chi. fucata Qtrf.
b. Notopyge-Gruppe.
Gen. Notopyge Gr.
Gen. Lisione Kinbg., mit L. splendens aus Tahiti und L. ma-
culata aus Panama als neu.
c, Amphinome-Gruppe.
Amphinome Brug. . der Verf. als neu hinzufügt: Ä. Luzo-
niae und Ä. natans von der Spanischen Küste.
Gen. n. Äsloe gia. Carunculus sulcatus, antennae a segmento
buccali et ex parte a lobo cephalico Orientes, setae dorsuales acicu-
laeformes, laeves. Mit Ä. capülata n. aus Bahia.
Gen. n. Golonianella. Carunculus circularis; setae dor-
suales obsolete serrulatae, aliae quadrupliciter serratae, ventrales
leviter arcuatae. Mit (7. rostrata von La Plata.
Gen. Hermodice Kinberg mit 6 Arten, unter denen neu: H.
picta aus dem Mittelmeere und H. striata aus dem stillen Ocean.
Gen. n. Ämphibranchus. Carunculus lamellosus; bran-
chiae pedum dorsualium binae. Hieher ausser A. didymorbranchia-
tus Baird als neu: Ä. occidentalis von Barthelemy.
Gen. n. Blenda. Rami branchiarum sessiles; setae dorsua-
les laeves, arcuatae, obtusae; ventrales bifidae. Mit Bl armata n.
aus Panama.
Gen. Lycaretus Kinbg.
Gen. Eurythoe Kinbg. Hieher 25 Arten mit folgenden neuen
E. Hedenhergi aus dem Mittelmeere, E. syriaca, E. chilensis, E.
capensis, E. pacißca, E. corallina aus Honululu, E. Kamehameha
ebendah., E. havaica ebendah., E. alhosetosa von Eimea, E. indica
aus Bengalen, E. Ehlersi aus Tahiti.
Amphinome umba n. sp. (aus der Südsee?) zeichnet
sich eben sowohl durch die Kleinheit und Einfachheit der
Karunkel, wie der Kiemen aus. Grube in den Ber. d.
naturh. Sect. der Schles. Gesellsch. 1869. S. 26.
Die mit Pagurus Prideauxii in denselben Schnecken-
schalen zusammenlebende Nereide wird von Grube, der
dieselbe bei St. Vaast jetzt ebenfalls beobachtete, als
der niederen Thiere während der J. 1868 — 1869. 257
N. fucatci Sav. (= M. billneata Johnst.) bestimmt. Mit-
theilungen u. s. w. S. 23.
Nereis vitiensis n. sp. von den Viti-Inseln ähnelt in
der Bewaffnung des Rüssels der N. aegyptiaea Sav., be-
sitzt aber ungegliederte FühlercirrcD. Grube, Ber. der
naturh. Sect. d. Schles. Gesellsch. 1869. S. 26.
Baird macht (Journ. Linnaean Soc. Vol. 1869. X,
p. 341 — 361) nach den im Britischen Museum enthaltenen
Species Bemerkungen über die Gruppe der Euniceen
und beschreibt dabei eine Anzahl neuer Arten: Eunice
Elsyi Nord - Australien, E. FijiensiSj E. Woodwardi von
Corunna (vielleicht identisch mit Leodice hispanica Sav.),
E. antarGtica (? = E. havaica Kinbg.) E. 'plicata von Au.
stralien, E. Bowerhanhii ebend., E. guttata von Bombay,
E. Narconi von der Insel Narkon, E. Quildingi von VVest-
indien, Marphysa Farishii aus Brasilien, Tradopia (n
gen.) maculata von Madras, Hyalinoecia hüineata von
Cornwall, H, varians aus Westindien. Das neue Gen.
Tradopia wird von den verwandten folgendermaassen un-
terschieden ;
Branchiae pectinated. Tentacular cirri placed on dorsal part
of buccal Segment. Tentacle, antennae and palpi strongly annulated
on inferior or basal portion.
Auch Grube berichtet „über mehrere neue Euniceen
von den Schiffer- und Fidschi-Inseln^: EuniGe cirrihran-
chis mit einfädigen Kiemen, E. tristriata^ E. tejptoöirrus,
E, parvibranchisj E, firahriata, E, bitorquata mit einfa-
chen Kiemenfäden, die aber erst am 104. Segment auf-
treten. Bericht d. naturh. Sect. d. Schi. Gesellsch. 1869.
S.27, 28.
lieber die Gattungen Onuphis und Diopatra (D.
Agave n. sp. aus Desterro) und deren Unterschiede vgl.
Grube, ebendas. 1868. S. 33.
Derselbe veröffentlicht (a. a. 0. 1869. S. 28-40)
„Bemerkungen über die Familie der Glycereen'^ und
liefert darin nach der Beschreibung zahlreicher unvoll-
ständig gekannter und neuei* Arten {GL Martensii von
Laventuka, GL russa von Ovalau, GL Mauritiana von
258 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Mauritius und GL hrevicirris von unbekanntem Fundort)
eine systenriatisclie üebersicht der bis jetzt aufgestellten
Formen, bei der in erster Reihe die Gegenwart oder das
Fehlen der Kiemen^ sodann die Ruderbildung und das
früher zu wenig berücksichtigte Verhältniss ihrer Lippen
und die Form der Rlisselpapillen in Betracht gezogen
wird. Die Genera Leonnatus Kb., Lacharis Kb., Epicaste
Kb. und Eone Mgr. sind theils in der Rüsselbewaffnung,
theils in der Ruderbildung von Goniada abweichend (La-
charis hat nur einästige, Epicaste bloss zweiästige Ruder,
Eone ist ohne die Winkelhaken und die beiden Reihen
der Kieferspitzen auf der Oberfläche des Rüssels, Leon-
natus — L. echiuulata n. sp. aus Desterro — dagegen
mit zahlreichen Nebenkiefern versehen), dass sie kaum,
wie Ehlers will, damit vereinigt werden können. Das-
selbe gilt von Glycinde Müll., die gleichfalls in der Be-
waffnung des Rüssels und der Gestalt der Ruder ab-
weicht. Der Rüssel, der bei Gl. multidens Müll, fast 7?
der Leibeslänge misst, erinnert durch die Zahl und Grup-
pirung seiner Platten auf der Rückenseite fast an die
Reibplatte der Gasteropoden.
Ebendas. (1868. S. 33— 41) spricht sich Grube von
Neuem für die Einreihung der Polyophthalmen in die Fa-
milie der Opheliaceen aus, die er jetzt, mit Ausschluss der
früher von ihm dazu gerechneten Gen. Eumenia und Sca-
libregma, unter Ausscheidung auch zugleich der Schmar-
da'schen Gattung Branchiscolex , die am besten neben
Cirratulus und Aricia steht, auf solche Anneliden be-
schränkt, deren Körper bei einer nicht eigentlich wurm-,
sondern mehr maden- und spindelförmigen Gestalt aus
einer geringen (höchstens 60) und für die einzelnen Ar-
ten nahezu oder völlig constanten Zahl von schwach ab-
gesetzten , mehr oder wenig geringelten Segmenten be-
steht und sich an der Bauchseite oft verflacht und soh-
lenartig absetzt. Nach der kurzen Beschreibung einiger
neuen Arten, von. denen die eine (trotz des Vorhanden-
seins seitlicher Wimperspalten am Kopflappen) wahr-
scheiniicb zu Armandia Fil. gehört, während die andern
als F olyophtJialmus australis (vom Cap York) und Travisia
der niederen Thiere während der J. 1868—1869. 259
chmensts aufgeführt werden, gieb Verf. die nachfolgende
Eintheilung der Familie :
1. Ohne Kiemen : Polyophthalraus.
2. Mit Kiemen oder cirrusartigen Organen.
A. Kiemen griffelförmig, ausnahmsweise gabelig.
a. ßauchfläche nicht höhlenartig abgesetzt. Travisia und
Dindymene.
b. Bauchfläche platt mit Mittelrinne.
ct. Pharynx mit zwei Papillenbüscheln, Körper spindel-
förmig, Borstenbündel zweizeilig. Ladice, Terpsichore.
ß. Pharynx ohne Papillenbüschel, Leib gestreckt mit fünf-
ringeligen Segmenten.
* Ohne Kopf- und Leibesaugen, mit zweilappigen Bor-
stenbüscheln und zwei Aftercirren ausser den Anal-
papillen. Cassandane, Nitetis, Ophelia.
** Augen an Kopflappen und mittleren Leibessegmen-
ten, Borstenbündel einzeilig. Aftercirren fehlen. Ar-
mandia.
*** Ohne Augen, mit einzeiligen Borstenbüscheln. Am-
motrypane.
B. Mit zusammengesetzten Kiemen. Euzonus.
Die Gattungen Scalibregma und Eumenia bilden bei Malm-
gren sehr passend eine eigene kleine Familie (Scalibregmidae) in
der Nähe der Opheliaceen. Man könnte derselben vielleicht auch
das Grube'sche Genus Sclerocheilus zurechnen.
Die von uns schon ina vorigen Berichte (S. 221) an-
gezogene Abhandlung desselben Verf.'s über die Familie
der Maldanieeu wird in's Englische übersetzt und in den
Annais and Mag. nat. bist. Yol. IL p. 393 ff. abgedruckt.
Eine von Müller aus Desterro als Ammochares
brasiiiensis eingesendete Art ist möglicher Weise mit
der ebenfalls brasilianischen A. Sundevalli Kinbg. oder
A. tegula. Kinbg. von der La Platamündung identisch.
Grube, Bericht der schlesischenGesellsch. A. a. O.S. 42.
Ebendas. 1869. S. 41, 42 handelt Grube „über die
Goldkrönchen (Sabellarien oder Hermellen)", deren Arten
sich vorzugsweise durch die Gestalt ihrer Paleon unter-
scheiden, wie u. a. durch die Beschreibung derselben bei
Sabellaria bella n. sp. aus Desterro , S. ßssidens n. sp.
aus Chile (mit dreifacher Krone), so wie bei S. Castel-
260 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
naui Qtfg. und S. laevispinis n. sp. ans IJpolii näher be-
gründet wird.
Ueber Melinna (Sabellides) palmata n. sp. und Ercutho
serrisetis n. sp. von St. Malo vergl. gleichfalls Grube,
a, a. 0. S. 40.
Marphysa floridana, M. tibiana und M. antipathum
drei neue das Pourtales-Plateau bewohnende Röhrenwür-
mer bei Pourtales 1. c. p. 108, 109.
Grube's Mittheilungen über St. Vaast la Hogue
(S. 36) entnehmen wir die Bemerkung, dass Lysidice Ninetta
M. Edw. Aud. mit L. punctata Risso zusammenfällt, und
wahrscheinlich auch L. Mahagoni Gl., so wie L. torquata
Quatref. dahin gezogen werden muss. (Ebenso ist Lum-
briconereis Latreillei M. Edw. Aud. von L. NardonisGr.
nicht zu unterscheiden und Nereis bih'neata Quatref. =
N. cultrifera Gr. (N. margaritacea der Abbildungen in Cu
vier's R. anim.). Petaloproctus terricola Quatref. ist früher
schon von Grube als Clymene spathulata beschrieben
und muss daher den letztern Namen tragen. Ebendas.
auch eine kurze Beschreibung von Qricbea adspersa n.
und Sylline flava n.
Von faunistischen Arbeiten erwähnen wir zunächst
der „Beschreibungen einiger von Georg Ritter von
Frauenfeld gesammelter Anneliden (und Gephyreen)
des rothen Meeres^, die Grube in den Verhandlungen
der zoolog.-bot. Gesellsch. in Wien Bd. XVIIl. 1868.
S. 629—650. Tab. VII publicirt hat. Dieselbon betreffen
folgende Arten : Polynoe (Lepidonotus^ quadricarinata n.,
P. fumigata n., Psammolyce rigida n., Chloeia bistriata n.,
Eu)iice Gollaris n., Lysidice coUaris Ehrbg., Zygolobus
gracilis n. , Lumbriconereis versicolor Ehrbg. , Ophelia
polycheles n., Siphonostomum tenerum n., Clymene dia-
dema Ehrbg., Sabella altioollis n., Serpula (Eupomatus)
heterooerus n., S. (Pomatoceros) multicornis Gr., S. Ger-
vaisii Quatref. (?).
Im Anschluss ein diese Untersuchungen beschreibt
Grube später (Berliner Monatshefte 1869. S. 484— 521)
auch die vonEhrenberg im rothen Meere gesammelten
Anneliden, so weit dieselben neu oder doch nur wenig
der niederen Thiere während der J. 1868—186^. 261
bekannt sind. Es sind folgende : Pohjnoe (Lcpidonotus)
trissocJiaetus n. (kommt auch anf Samoa und den Viti-
Inseln vor)^ P. quadriearinata Gr., P. carinulata n., mit
Lep. Jacksoni Kinbg. verwandt, P. impatiens Sav., Poly
noe (Harmothoe) grisea n., Sihenelais iongipinnis n., E21-
nice flaccidaii., E. longicirria n., E, pectinata n., E. flavo-
cuprea n., E. collaris n., Lysidioe collaris n., Lumhrico-
nereis versicolor n., L. nitida n., X. Hempricliii n., Ne-
reis fasciata n., N. (Heteronereis) Ehrenbergi Gr., Syllis
picta n,, S. violacea n. , S. 7ieglecta n., S. moniliformis
Sav., Cirratulus aicrioapillus n., C. gracilis n., C. nigro-
maculatus n., Dasybranchiis carneus n. (an var. D. caduci
Gr.), Siphonostomum tenerum Gr., Clymene diademaGr.,
Phylloohaetopterus arabicus n., Terehella thoracica n., T.
vigintipes n. , T. variegata n. , T. virescens n., T. Ehren-
bergi n. , (säramtlich mit drei Kiemenpaaren) , Terebella
(Phyzelia) ocltroleuca n , T. atricapilla n., T. fasciata n.
(mit zwei Kiemenpaaren), TerebeUides umbella n. der T.
Sieboldii Kinbg. sehr ähnlich, Polyoirrus (Leucariste Mgr.)
coccineus n., Sabella fuscan,, Sab. (Dasychone) luctuosan.,
Serpula (Pomatoceros) crucigera Gr., 8. multicornis Gr.,
S. (Pomat.) sanguinea n., Serp. (Eupomatus) albiceps n.
Bobrezky handelt über die Chaetopoden der Bucht
von Sebastopol (Verhandlungen der Petersburger Natur-
forscherversammlung Zool. p. 137 — 161 mit 2 Tafeln Ab-
bild.) und beschreibt dabei Sigalion ocellatzim n., Lysidice
ninetta M. Edw. Aud., Heteronereis maculata n., H. cre-
naticirra n, , H. bipartita n., FhyUodoce tuberculaia n.,
Eulalia virens Ehl., EuL flavescens n., Eteone striata n.,
Cirratulus concitmatus n., TerebeUides (Corephorus Gr.)
carnea n., Poiycirrus jubatus n.
M'Intosh fügt seiner Abhandlung über Britische
Nemertinen (Transact. roy. Soc. Edinb. Vol. XXV. P. 2.
p. 406—426. Tab. XV u. XVI) einen Anhang über briti-
sche Anneliden an. Er handelt darin über einige zwanzig
Arten, die bisher von den Englischen Küsten nur unvoll-
kommen oder gar nicht bekannt waren, und beschreibt
darunter auch einige neue Species: FrionosylUs Malm-
greni y Staurocephalus Kefersteini, Motocirris scoticus,
Archiv f. Naturg. XXXV. Jahrg. 2. lid R
262 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Eumenia Jejfreysii, Siphonost oma Buskii, Polycirrus tri-
hullata. Von den übrigen Arten erwähnen wir Amphi-
nome vagans Leach (?) , die mit Eurythoe borealis Sars
nahe verwandt scheint , Stenelais dendrolepis Ciap.,
Ophiodromus vittatus Sars , Sphaerosyllis hystrix Clap.,
Trophonia glauca Malmgr., Rhodine Loveni Mlgr., Pra-
xiila arctica Mlgr. (?), Lysiila Loveni Mlgr., Trichobran-
chiis ghicialis Mlgr. (Eine vorläufige Aufzählung der
hier beschriebenen Arten in den Annais and Mag. nat.
bist. Vol. IL p, 249, report on the Annelids dredged off
Shetland Islands by Gwyn Jeffreys in 1867.)
Sars erwähnt bei verschiedenen. Gelegenheiten
einer Anzahl neuer nordischer Anneliden, ohne diesel-
ben jedoch näher zu beschreiben. So in den Forbandl.
Videnskab. Selsk. 1866. p. 291 : Dasycltone inconspicnaj
Clymene laeviceps, C cylindricauda , Aricia norwegica,
A. armiger a (Zool. dan.), C tevio sp i o (n. gen.) plumosus,
Siphonosiomum peihcciduni, Eteone fucat a, Lophosyllis
(n. gen.), maculaia, Onuplns quadricuspis. Ebcndas. 1868.
p. 253, weiter: Frotula borealis^ Maldane (?) peUucidaf
Eumenia (?) erucaeformi», Chlor aema pellucidum, Tropho-
nia pallida, Tr. pilosay Tr.flahellaia, Pyg opJielia (n. gen.)
singularis, Umb e llisy l lis (n. gen.) fasciata j Onuphis
quadricuspis, Folynoe (Eunoa) abyssicota, Paramphi-
nome (n. gen.) pulchella, sänimtlich von der norwegen-
schen Küste, aus einer Tiefe von 300 Faden.
Durch die Untersuchungen von Ehlers wird die
Existenz fossilei*, dem Kreise der labidognathen Euniceen
zugehörender Borstenwürmer ausser Zweifel gestellt.
Körperform , ßorstenbildung und Kieferapparat liessen
sich deutlich erkennen und erlaubten eine eingehende
Vergleichung mit den lebenden Verwandten. Verf. schlägt
für die von ihm auf einer Sohlenhofer Schieferplatte
beobachtete Form den Namen Eunicites avitus vor. Eine
kritische Beleuchtung der bisher beschriebenen fossilen
Würmer zeigt übrigens, dass nicht alle diese Ueberreste
von Anneliden herrühren, während dagegen Germar's
Geophilus proavus sicher dahin, und zwar wiederum zu
Eunicites zu rechnen ist. Was Geinitz als altsilurische
der niederen Thiere während der J. 1868—1869. 263
Chätopoden beschrieben hat — dieselben sonderbaren
Formen, dielläckelin seiner nat. Schöpfungsgeschichte
als die von ihm hypothetisch schon längst vorausgesetzten
Stammformen der Seesterne (als Fanzerwiirmer, PJiractel-
minthes) in Anspruch nimmt (vergl. J. B. 1866. S. 46) —
glaubt Verf. als Laichbänder von Ctenobrunchiatcn deu-
ten zu müssen. Uebrigens kommen bereits im Silur echte
Würmer vor, aber blosse Röhrenbewohner, die demnach
den erst im Jura auftretenden frei lebenden Formen
vorausgingen. Zeitschrift für wissensch. Zool. Bd. XVIIT.
8.431—444. Taf.XXIX)
In einer späteren Abhandlung (über fossile Würmer
aus dem lithographischen Schiefer in Baiern, Palaeonto-
graphica Bd. ^XVII. S. 145— 175. Tab. XXXI-XXXVI)
beschreibt derselbe Verf. noch andere fossile Chäto-
poden, die theils dem Eun. avitus nahe verwandt sind
(Eun. atavus, Eun. proavus, Eun. dentatus), theils auch
zu anderen Familien gehören, wie Lumbriconereites de-
perditus und Meringosoma curtum, von denen letzteres
nach seiner Körperform den Amphinomeen zugehört,
während ersterer trotz der Kleinheit seiner Kieferbewaff-
nung augenscheinlich die Charaktere von Lumbricone-
reis an sich trägt. Ctenoscolex procerus lässt sich , ob-
wohl ein evidenter Borstenwurm, doch keiner der bis
jetzt bekannten Familien einreihen. Ausser den hier nam-
haft gemachten Objecten beobachtete Verf. auch lieber-
reste anderer, vielleicht den Sipunculiden und Ncmerti-
nen zugehörender Wurmformen.
Oligochacta. Die Untersuchungen, die Claparede
an den marinen Chätopoden angestellt hat, führten den-
selben auch wieder zu den Regenwürmern, die sich aus
nahe liegenden Gründen für die Zwecke der histologi-
schen Forschung uns Binnenländern am meisten empfeh-
len und doch bis jetzt im Ganzen erst wenig berücksich-
tigt sind. Freilich ist auch die Nothwendigkeit der hi-
stologischen Durchforschung hier erst seit kurzer Zeit
an uns herangetreten; erst durch die Erfahrungen der
letzten Jahre sind w^ir sow^ohl auf die Lücken unserer bis-
herigen Kenntnisse, wie auch darauf aufmerksam gewor-
264 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
den, dass hier noch ein weites und lohnendes Feld der
Untersuchung voriiegt. Die Mittheilungea, die Clapa-
rede (histologische Untersuchungen über den Regen-
wurm, Lumbricus terrestris, Zeitschrift für wissensch.
Zool. Bd. XIX. ö. 563—624. Tab. XLIII— XLVIll) über
seine Studien macht, haben diese Lücken allerdings zum
grossen Theil gefüllt und auch unsere Kenntnisse über
die anatomische Bildung des Regenwurms vielfach abge-
rundet. Es gilt das vornämlich für die Haut und den
davon kaum zu trennenden Muskelapparat, so wie für
das Nervensystem und den Yerdauungskanal unserer
Thiere, also gerade für diejenigen Organisationsverhält-
nisse, die bisher noch am wenigsten genaue und einge-
hende Berücksichtigung gefunden haben. Die Hypoder-
mis, die auf den ersten Blick ein einfaches Cylinderepi-
thel darzustellen scheint, ergiebt sich bei näherer Unter-
suchung als ein von kernhaltigen Zellen gebildetes Netz-
werk, dessen Maschenräume mit einer hellen Substanz
gefüllt sind, die wohl als ein Absonderungsproduct zu
betrachten sein dürfte und wahrscheinlich durch die Po-
renkanäle der Cuticula nach Aussen gelangt. In dem
Clitellum trägt diese Hypodermis nach innen noch eine
mächtige sog. Säulcnschlcht, die durch zahlreiche, theils
senkrecht auf die Achse des Thierkörpers , theils auch
concentrisch angeordnete Bindegewebs-Lamellen in eine
Menge von kleinen Räumen zerfallen ist, in denen man
dieselbe helle Substanz antrifft, deren wir so eben als
eines Secretionsproductes erwähnt haben. In den Scheide-
wänden verlaufen Capillaren, die aus einer unterhalb der
Säulenschicht hinziehenden Gefässschicht hervorkommen.
Die Quermuskeln, die bekanntlich nach Aussen liegen
und zugleich den Sitz der Pigmentablagerung abgeben,
bestehen aus hellen Bändern, die selbst freilich kernlos
sind, zwischen denen aber zahlreiche Kerne, dem intra-
muskulären Bindegewebe oder Sarcolemma angehörig, vor-
kommen. Die Längsmuskeln bestehen dagegen (bei L.
terrestris, nicht aber L. communis) aus Muskelplatten-
bündeln, wie solche übrigens schon von Schneider (J.
B. 1867. S. 177) vor Yerf. gesehen und beschrieben sind.
der niederen Thiere während der J. 1868—1869 265
Die centrale Lamelle, der beiderseits die Platten auf-
sitzen, wird von zwei Hälften gebildet, die zur Auf-
nahme von Blutgefässen gelegentlich auseinander weichen.
Die Septa, wclclic die Leibeshöhle kammern, bestehen
ihrer Hauptmasse nach gleichfalls aus muskulösen Faser-
bündeln, die sich bis in die Ringfaserschicht hinein ver-
folgen lassen und um das Verdauungsrohr, wie den Bauch-
strang mit dem Rückengefässe, an dem der Schluss freilich
weniger vollständig ist, einen förmlichen Sphihcter bilden.
Diese Muskelplatte wird nun aber auf beiden Flächen
von einer ßindegewebslage gedeckt, die nach Art eines
Peritonealüberzuges die ganze Leibeshöhlc auskleidet und
die verschiedenen Organe derselben überzieht. Meist von
dem Aussehen einer homogenen Membran mit eingestreu-
ten Kernen nimmt dieselbe an andern Orten durch schär-
fere Begrenzung und Auftreibung der einzelnen Zellen
eine mehr blasige Beschaffenheit an. Der Borstensack der
Lumbricinen ist nach seiner anatomischen Entwickelung
als eine einfache Einstülpung der Haut aufzufassen, aber
die Entwickelung der Borsten geschieht nicht im Grunde
derselben, sondern im Innern besonderer kleiner Follikel,
die nach einer — freilich nur wenig wahrscheinlichen —
Vermuthung des Verf.'s ursprünglich als Gefässdiver-
tikel ihren Ursprung nehmen. Was den feineren Bau
des Nervensystems betrifft, so schliesst sich der Verf.
durch seine Darstellungen zunächst an Leydig an, nur
dass er die drei sog. kolossalen Nervenfasern jetzt auf die
Aussenfläche des inneren Neurilems verlegt und ihre Na-
tur als Nervenfasern zweifelhaft lässt. Ausser den Gang-
lienzellen und der fibrillären Punktsubstanz beschreibt
Verf. in der Markmasse des Nervensystems auch noch ein
kernführendes Bindegewebe und Gefässschlingen, welche
letztere sich freilich auf die peripherisch gelagerten Gang-
lienzellen beschränken und nirgends in die innere Punkt-
substanz eindringen. Die Beschreibung, welche Qua-
trefages von dem Schlundgeflechte der Regenwürmer
gegeben hat, betrachtet Verf. als irrig, da er nur ein
Paar einfacher Nervenstämmchen von den Hirncomrais-
suren aus in den Schlund verfolgen konnte und von einem
266 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
ganglionären Flechtwerke'Nichts beobachtete, obwohl die
Rindenschicht des sehr merkwürdig gebauten Schlund-
kopfes eine Anzahl zelliger Knoten enthält, die man für
mikroskopische Ganglien ansprechen könnte. Die Haupt-
masse des Schlundkopfes besteht übrigens ans zahlreichen
in allen möglichen Richtungen mit einander zerfilzten
Muskelfasern, zwischen welchen ausser den eben erwähn-
ten Knoten und Gefässschlingen noch grosse kernhal-
tige Zellen eingelagert sind, die man für einzellige Drü-
sen halten könnte, wenn man einen Ausführungsgang
daran nachzuweisen vermöchte. Auf den Schlundkopf
folgt die Speiseröhre, die bis in das 13. Segment hin-
einragt und in ihrer ganzen Länge einen drüsigen Bau
hat, indem die Wand derselben aus lauter senkrecht zur
Achse gestellten Qncrblättern besteht, die von Gefässen
durchzogen sind und eine dicke Lage von Drüsenzellen
tragen. An drei auf einander folgenden Stellen bildet
diese Wand durch stärkere Entwickelung der Plattenfolli-
kel jederseits eine halbkugelförmige Anschwellung, in
der sich das Secret in grösserer Menge anhäuft. Diese
Anschw^ellungen bilden die sog. Kalksäcke, in denen das
kalkreichc Secret (Kalkmilch) sich zu Körnern und Kry-
stallen gestaltet, die dann durch besondere Oeffnungen
in die Speiseröhre übertreten. Der Ycii. glaubt, dass
diese Concretionen als Zähne oder Mahlsteine bei der
Zerkleinerung der Nahrung zu dienen hätten und sucht
seine Ansicht durch die Behauptung zu stützen, dass die
letztere nicht aus der Erde entnommen werde, welche
nur beim Wühlen den Darm passire, sondern aus ver-
wesenden Pflanzen-, vielleicht auch Thierresten bestände,
wie sie zu Zeiten ausschliesslich im Innern des Darmes
anzutreffen seien. Die beiden Muskellagcn des Magens
sind in ähnlicher W^eise wie die der Leibeswand von einan-
der verschieden, nur dass es hier die Quermuskelschicht
ist, welche die Platlenbündel aufweist. Auch findet sich
insofern ein Unterschied, als die Centrallamellen der
Bündel hinweggefallen, die Anordnung der Platten also
eine minder regelmässige ist. An dem eigentlichen Darme
unterscheidet man ausser dem Epithel und den beiden
der niederen Thiere während der J. 1668—1869 2G7
Muskelschichten bekanntlich noch die sog. Lebcrzellen-
lage (Chloragogen Morr.), die aber auch das Rückenge-
fäss überzieht und wahrscheinlicher Weise dazu bestimmt
Ist, aus dem Gefässnetze des Darmes gewisse Substan-
zen In die Pcrivisceralflüssigkelt abzuscheiden. Die sog.
Typhlosoh's wird von unserem Verf. mit Recht der Spi-
ralklappe der Ganoiden und Petromyzonten an die Seite
gestellt, darf aber keineswegs (mit Quatrefages) als
ein allgemeines Merkmal der Oligochäten betrachtet wer-
den, da sie bloss bei Lumbricus vorkommt. Was He-
ring bei Lumbricus als Samenblasen beschreibt, betrachtet
Verf. als die wahren Hoden; während er demselben da-
gegen Recht glebt, wenn er die Ovarien in das drei-
zehnte und nicht das zwölfte Segment verlegt (wie d'üde-
kem durch ein Verschen im Zählen falsch angiebt) und
ausser den Ovarien noch besondere Tuben beschreibt.
Zum Schluss spricht sich Verf. noch gegen Ray Lan-
kaster aus, der bekanntlich auch bei Lumbricus die
Ausführungsgänge der Genitalien als modificirte Scgmen-
tnlorganc in Anspruch nimmt und darauf hin den einzel-
nen Segmenten zwei Paare solcher Gebilde vindicirt.
Nach der Ansicht des Verf.'s ist der Unterschied zwi-
schen Limnicolen und Terricolen in Bezug auf die Lei-
tungsapparate für die Gcschlechtsproducte nur so aufzu-
fassen, dass bei diesen besondere Leitungsapparate exi-
stiren, während der Mangel derselben bei jenen dadurch
einen Ersatz findet, dass sich einzelne Segmentalorgane
zur Aufnahme und Leitung der Gcschlechtsproducte nach
Aussen elgenthümlich umbilden.
Nach Ratzel lassen sich (Zeitschrift für wissensch.
Zeel. Bd. XIX. S. 259tf.) bei den Oh'gochäten drei von
einander verschiedene Muskelfaserformen nachweisen:
bandartige Fasern ohne Unterschied von Mark- und Rin-
densubstanz (einfache Muskelfasern), Fasern mit körniger
Achsensubstanz (EL'rudlneenmuskeln) und Fasern mit bruch-
sackartig hervorragenden Blasen von Marksubstanz (sog.
nematoide Muskeln). Die letzte Form, die man früher
ausschliesslich auf die sog. coelomyarischen Nematoden
beschränkt glaubte, findet sich nach unserem Verf. auch
268 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
bei Enclijtracus und Tubifex, aber nur in der Längsfa-
serschicht, jedoch insofern von dem gewöhnlichen Ver-
halten abweichend, als der Markblasen hier meistens eine
grössere Menge sich entwickeln. Die an dem fibrillären
Rande hervortretenden Zöttchen lassen sich in derselben
Weise auch bei den Nematoden nachweisen (Ref.) und
dienen offenbar nur zur Insertion der Faser. Auch die
einfachen Fasern sind häufig mit solchen zottenförmigen
Fortsetzungen versehen. Die Ringfasern des Muskelschlau-
ches sind durchweg schmaler und auch sonst einigermas-
sen in ihrer Bildung von den Longitudinalfasern ver-
schieden. Aehnliches gilt für die Elemente in den bei-
den Faserschichten des Magens, die den sog. einfachen
Fasern zugehören, in der Längsfaserschicht aber vielfach
zerschlitzt und an beiden Rändern zottig gefunden wer-
den. Dass die embryonalen Muskelfasern von den defi-
nitiven verschieden sind, ist für Hirudo schon vom Ref.
nachgewiesen worden. Bei den Blutegeln lässt sich auch
der Nachweis führen, dass die embryonalen Fasern mit
dem Primitivstreifen Nichts zu thun haben, da sie schon
vorhanden sind, bevor der letztere sich bildet.
Schwalbe beschreibt die Muskelfasern von Lum-
bricus terrestris als homogene Fasern mit einem Kerne,
der auf der Oberfläche der contractilen Substanz, nur zu-
weilen von wenigen feinen Körnchen umgeben, aufsitze
und ein deutliches Kernkörperchcn erkennen lasse. Die
marinen Chatopoden besitzen dagegen eine centrale Mark-
substanz und eine Rindenschicht, welche bei Arenicola
ein eigenthümliches doppeltschräggestrciftes Aussehen dar-
bietet, wie Verf. es auch bei anderen Wirbellosen (un-
deutlich und schwer zu erkennen auch bei Lumbricus)
beobachtete. Archiv f. mikrosk. Anat. Bd. V. S. 222—227.
Ratze i's „Beiträge zur Anatomie von Enchytraeus
vermicularis" (Zeitschrift für w^isöcnsch. Zool. Bd. XVIII.
S. 99—108. Tab. VI u. VII) enthalten vornämlich Bemer-
kungen über das Schlundnervensystem, die Samenblase
und die Speicheldrüsen des genannten Wurmes. Das er-
stere soll nach unserem Verf. eine eben so complicirte,
wie eigenthümliche Entwickelung besitzen und aus zwei
der niederen Tliiere wählend der J. 1868—1869 269
Seitenstämmeu bestehen, die vorn mit den Sclilundcommis-
suren, hinten mit dem dritten Baiichganglion zusammen-
hängen und an der Rückcnfiäche durch eine Anzahl
grösserer und kleinerer Ganglienpaare unter sich in Ver-
bindung stehen. Die drei grösseren dieser Ganglien paare
sind dieselben Gebilde, dieBuchhülz (J. B. 1862. S. 88)
in seiner Abhandlung über Enchytraeus als die keimbe-
reitenden Geschlechtsorgane in Anspruch genommen hat.
Die eiförmigen Saraentaschen sind im ausgebildeten Zu-
stande an der Einmündungsstelle des x\usführung.sganges
mit 4 — 5 kurzen Ausstülpungen versehen, die zur Auf-
nahme der Samenfäden dienen und diese durch das Flim-
merepithel , welches sie auskleidet , zu einem ovalen
Ballen verfilzen. Trotz der zusammengesetzten Form er-
scheinen die Samenblasen übrigens Anfangs als einfache
cylindrische Schläuche, den Segmentalorganen nicht un-
ähnlich, die sie im 12. Segmente vertreten. Die Speichel-
drüsen wurden von unserem Verf. als verästelte Schläuche
erkannt. Ebenso Hess sich an den vom Muskelschlauche
abgelösten Fasern, besonders der Dissepimente und Re
tractoren des Schlundes, eine deutliche Querstreifung
nachweisen.
Die „Beiträge zur anatomischen und systematischen
Kenntniss der Oiigochäten" desselben V er fassers (Zeit-
schrift für wissensch. Zoologie Bd. XVIII. S. 563-591.
Taf. 42) beziehen sich vorzugsweise auf Lumbriculus,
Enchytraeus, Tubifex, Limnodriius, und betreffen ebenso-
wohl die Eierstöcke, wie das Nervensystem und deren
Blutgefässapparat. Bei Tubifex beschreibt Verf. einen
Dimorphismus der Eierstöcke, je nachdem die Zellen,
welche dieselben zusammensetzen, bald — wie gewöhn-
lich — mit einander zu einer gemeinschaftlichen Masse
vereinigt bleiben und darin einzeln zur Entwickelung
kommen, bald auch gruppenweis auseinander fallen und
dann (als sog. flotlirende Ovarien) in der Leibeshöhle um-
hertreiben. Aehnliche individuelle Unterschiede finden sich
auch bei Enchytraeus, nur dass hier der Zerfall der Ovarien,
die im 12. Segmente dicht neben den vielfach zusammen-
gerollten Ausführungsgäagen der Receptacula seminis
270 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
gelegen sind, die Regel bildet. Lumbriculns variegatus
besitzt auf der Bauchflächc eine Menge kleiner und grös-
serer Flecken, die durch ihren mikroskopischen Bau einige
Aehnlichkeit mit einzelligen Hautdrüsen haben, durch
ihre Verthcilung und ihren Zusammenhang mit dem Ner-
vensystem indessen sich deutlich als Sinnesorgane ma-
nifestiren. Dieselben Gebilde finden sich auch bei Sty-
lodrilus Heringianus, nur dass hier die Aehnlichkeit mit
Hautdrüsen schon mehr verloren geht. In Betreff des
Schlundnervensystems von Enchytraeus wiederholt Verf.
die schon oben mitgetheilte Deutung mit der Bemer-
kung, dass er auch bei Lumbriculus und Nais Spuren
dieses Gebildes „mit ziemlicher Sicherheit" erkannt habe.
Die starke Entwickelung bei Enchytraeus hänge vielleicht
mit der Thatsache zusammen, dass die genannte Gattung
die einzige sei, welche an der Basis des Schlundringes
keine Ganglienhaufen habe, in den Seitensträngen des-
selben vielmehr blosse Fasersubstanzen aufweise. Die
Einzelnheiten in der Bildung des Nervensystems scheinen
dem Verf. für die natürliche Verwandtschaft der Arten
von grosser Bedeutung. Die geformten Elemente der
Körperflüssigkeit leitet Verf. von den Drüsenzellen ab,
welche die äussere Darmwand überziehen.
Unter den beschriebenen Arten Enchytraeus Pagenstecheri und
Limnodrüus Claparedianus nn sp. Ausserdem Bemerkungen über
Enchytraeus latus Leyd., E. galba Hoffm. , E. albidus Henle. Das
Gen. Pacbydrilus Cl. ist von Enchytraeus wahrscheinlich nicht zu
trennen, obwohl seine Arten nur im Seewasser vorkommen. (Eine
Ausnahme macht Pachydrüus KroJmü n. sp. aus der Salzlauge zu
Kreuznach, Claparede, Zeitschrift für wiss. Zool. Bd. XIX.
S. 571. Anm.)
Unter dem Titel: a contribution to the knowledge
of the lower animals liefert Ray Lankaster (Transact.
Linnaean Soc. Vol. XXVI. p. 631-646. Tab. 48, 49) eine
den äusseren und inneren Bau gleichmässig berücksich-
tigende Schilderung von Chaetogaster lymnaei, so wie
Bemerkungen über Chaetogaster niveus Ehbg. und Aeo-
losoma quaternarium Ehrbg. Die beobachteten Exemplare
waren sämmtlich unreif, und theilweise (auch Aeolosoma)
in der Theilung begriffen. Die nächsten Verwandten
der uiederon Thiere während der J. 1868—1869. 271
derselben siebt Verf. in den Schmidt'schen Gattungen
Partlienopc (= Ctenodnlus Clap., P. serrata Schm. =
Ct. pardalis Cl.) und Thysanoplea, die in gewisser Be-
zieliung den Uebergang von Chaetogaster zu Aeolosoma
bilden sollen.
Später gelang es unserem Verf. auch die geschlecht-
liche Form von Chaetogaster Lymnaei und Ch. diaphanus
— der früher beobachtete Ch. nivcus wird dabei gele-
gentlich als Ch. Mülleri d'Üd. bestimmt — aufzufinden
(the sexual form of Chaetogaster lymnaei, Journ. microsc.
sc. 1869. Vol. IX. 14 Seiten Tab. XIV u. XV). Die Thiere
waren nicht bloss durch beträchtlichere Grösse und die an-
sehnliche Zahl ihrer Segmente, die mindestens 16 beträgt,
verschieden , sondern auch dadurch, dass ihre ßorsten-
büschel die doppelte Zahl von Borsten enthielten und
neben dem ersten Abdominalborstenbiischel (das übri-
gens wahrscheinlicher Weise neu gebildet ist, da das erste
Abdominalborstenbüschel der Jugendform seiner Lage nach
dem darauf folgenden Büschel entspricht) noch eine be-
sondere Gruppe eigens geformter Borsten trugen, die durch
ihre Lage neben der männlichen OcfFnung eine directe
Beziehung zu den Genitalfunctionen zur Schau tragen
und desshalb denn auch als Genifalborsten bezeichnet w^er-
den. Sie sind von gedrungener Gestalt und ohne Spal-
tung des Endhaken. Was den Bau der inneren Genita-
lien betrifft, so vermisst Verf. die von d'üdeke.m be-
schriebenen Receptacula. Wo diese gelegen sein sollen,
da beschreibt Verf. zw^ei Hoden, w^ie er denn auch die
Ovarien nicht einfach, sondern doppelt sah.
Dass die Genitalborstcn eine grössere Verbreitung
haben, beweist der Umstand, dass, gleichfalls nach den
Beobachtungen unseres Verf.'s (Annais and Mag. nat.
history T. IV. p. 102 — 104) Nais serpentina und andere
iVrten dieses Genus im geschlechtsreifcn Zustande ober-
halb des sechsten Bauchborstenbüschels eine Gruppe von
3 oder 4 Borsten besitzen, die durch ihre Form und die
Beschaffenheit ihrer Endhaken mit den oben beschriebe-
nen Gebilden die grosseste Aehnlichkeit haben.
Ratzel und Warschawsky glauben aus ihren
272 Leuckart: Bericht üb d. Leist. in d. Naturgeschichte
Untersuchungen „zur Entwickelungsgeschichte des Re-
genwurmes^ (Zeitschrift für wissensch. Zoologie Bd. XVIII.
S. 547—562. Taf. 41) den Schluss ziehen zu können^ dass
dem Aufbau des Embryo und der dazu hinführenden un-
regelmässigen Klüftung noch eine Reihe eigenthümh'cher
Veränderungen vorausgingen, die wesenth'ch darin be-
ständen, dass der Dotter nach vorheriger totaler Furchung
sich wieder in eine zusammenhängende Protoplasmamasse
auflöse. Was VerfP. aber für ihre Ansicht anführen, sind
offenbar blosse Erscheinungen des Zerfalls in den nicht
befruchteten Eiern, die man in den Cocons der Regen-
würmer häufiger, als z. B. bei Hirudineen beobachtet,
da das Eiweiss eine ungewöhnliche Dichtigkeit besitzt
und die Verbreitung der Samenfäden erschwert, wess-
haib man denn auch die letzteren meist noch bündel-
weise vereinigt sieht. Der Primitivstreif bildet sich un-
ter der Form zweier anfangs divcrgirender Zellenbänder,
die das noch kugligo Ei umfassen und von zwei grossen
Zellen ausgehen, welche offenbar den sog. kolossalen
Zellen von Nephelis und Clepsine entsprechen. Sie sollen
nach den Darstellungen unserer Verff. gewissermaassen
den Mutterboden dos Primitivstreifens abgeben , indem
die Zellen des letztern von ihm aus gebildet werden.
Wenn der Primitivstreifen eine gewisse Entwicklung
erreicht hat, entsteht auf demselben in einiger Entfernung
von dem Munde je eine kleine flimmernde Hervorragung
(nach unsern Verff. den Wimpersegeln der Gastropoden
vergleichbar), die aber bald wieder verschwendet und
einem medianen Wimperstreifen Platz macht, der vom
öbern Rande der Mundöffnuug bis zum Hinterende des
Primitivstreifens hinzieht, bei fortschreitender Streckung
des Körpers aber gleichfalls verloren geht. Die Seg-
mentalorgane bilden sich, wenn der Embryo etwa 0,3 Mm.
misst und die Ringelung deutlich zu werden anfängt,
und zwar als Ansammlungen glänzender Zellen, die je um
einen schlingenförmigen Canal gruppirt sind. Die Bor-
sten entstehen unabhängig von dem Primitivstreifen im
Innern heller Bläschen.
In einer späteren Mittheilung Ratzel's (ebendas.
der niederen Thiere während des J. 1868—1869. 273
Bd. XIX. S. 281— 283) \yird die Behauptung, dass der
Dotter des Lumbricus vor dem Beginne der eigentlichen
Embryonalentwickelung zerfalle, aufrecht erhalten und
der Versuch gemacht, ähnliche Vorgänge auch für die
Eier von Nephelis nachzuweisen. Auch die Anlage und
Entwicklung des Embryo soll in beiden Fällen auf eine
im Wesentlichen übereinstimmende Welse erfolgen.
Leon Vaillant liefert eine Beschreibung des äus-
seren und inneren Baues von Perichaeta cingulataSchmarda
und P. poathuma n. sp. (aus Java), die in unverkennbarer
Weise die nahe Verwandtschaft documentirt, die diese
Thiere mit Lumbricus besitzen. Der schon im letzten
J. B. erwähnte Blindsack am Darme von P. cingulata
fehlt bei P. posthuma und ist, da er nur bei einem Exem-
plare nachgewiesen worden, vielleicht als individuelle
Eigenthümlichkeit zu betrachten. Die Hoden sind in
nur vierfacher Anzahl vorhanden und mit einem Vas de-
ferens in Verbindung, welches zwei Segmente hinter dem
Gürtel ausmündet und unmittelbar vorher mit einer ge-
lappten Drüse in Verbindung tritt. Im 4., 5., 6. und 7.
Segmente ist jederseits eine flaschenförmige Samenblase
vorhanden. Der (borstenlose) Gürtel enthält drei Gang-
lien und entspricht somit drei auf einander folgenden
Segmenten. Note sur l'anatomie de deux especes du gcnre
Perichaeta, Annal. des sc. natur. 1868. T. X. p. 224 ff.
PI. X.
Nach Baird muss übrigens die Bezeichnung Peri-
chaeta dem älteren Genusnamen Megaloscolex Templet.
(1845; Platz machen, da die Unterschiede, die Schmar da
zwischen beiden annahm, auf einer Missdeutung der Tem-
pi eton'schen Di.ignose beruhen, wie die im Britischen
Museum befindlichen Originalexemplare zur Genüge be-
weisen. Die Untersuchung derselben wurde dadurch ver-
anlasst, dass Baird aus North- Wales mehrfach Regen-
■würmer mit den Artcharakteren von Perichaeta zuge-
schickt bekam, die er als neu erkannte und mit dem Namen
P. (Megaloscolex) diffringens bezeichnete. Da übrigens das
Gen. Megaloscolex sonst in Europa nicht einheimisch ist,
so hat die Vermuthung grosse Wahrscheinlichkeit, dass
274 Leuckart: Berieht üb. d Leist. in d, Naturgeschichte
die betreffenden Thiere mit Orchideenerde aus Indien
nach England importirt worden sind. Proc. Zool. Sog.
1869. p. 41. Mit Holzschnitt, Damit stimmt denn auch
die später constatirte Thatsaclie , dass der betreffende
Wurm auch in Suffolk und anderswo in England in Privat-
gärten vorkommt und erst seit etwa 20 Jahren daselbst zu
Hause ist. Ibid. p. 387. (Möglichenfalls ist auch der
von Ref. früher einmal erwähnte Lumbricus aus dem Bota-
nischen Garten zu Giessen, der durch seine Borstenbil-
dung an L. corethrurus Müll, aus Centralamerika erin-
nert, ein solcher fremder Eindringling, wie man Gleiches
denn auch früher schon von der Landplanarie des Gies-
sener Gewächshauses vermuthet hat.)
Kessler beschreibt aus dem Onegaasee resp. dessen
Umgebung (1. c. p. 103 — 108) ausser Lumbricus agricola
Hoffm. und L. communis Hoffm. Encliytraeus juliformisj
E. anvellaius, Nais ^?c;;?7/c/6a, N. giganiea, Saevnris lov-
gicauda, S. itmbellifera, die säramtlich neu sind. Zur
näheren Charakteristik derselben mögen die folgenden
Bemerkungen dienen.
Enchytr'aeus juliformis hat 50 schwer unterscheidbare Ringe
und leicht an der Spitze gekrümmte, paarweise jederseits in zwei
Reihen angebrachte Borsten. 12 — 15 Mm. lang.
Enchytraeus annellatus mit ähnlichen Borsten, aber 60 Ringen,
die sich deuthch gegen einander abgrenzen. Der zehnte Ring trägt
ein Paar lanzettförmiger Anhänge (penes) und ist mit den zwei
folgenden etwas verdickt. Die Länge des Wurmes beträgt 20 Mm,
Nais papulosa. Der 20 Mm. lange Körper besteht aus 50 —
60 Ringen und trägt auf der Grenze des vorderen Viertheils einen
Gürtel, der 5 oder 6 Ringe enthält. Die Lij)pe ist wenig entwickelt
und die Augen fehlen. Die Borsten der oberen Reihe sind haar-
artig, die der unteren zweigablig. Der ganze Leib ist mit kleinen
papillenförmigen Hautwärzchen besetzt.
Nais gigantea. Erreicht eine Grösse von 65 Mm. und enthält
dann 200 Ringe, während Exemplare von 25 Mm. deren nur 96
zeigen. Gleicht auf den tersten Blick einem Lumbricus. unterschei-
det sich davon aber durch Verwachsung der Lippe mit dem ersten
Segmente, durch Abwesenheit des Gürtels, die Lage der Geschlechts-
öffnungen am IL Segmente, so wie die grössere Zahl und die zwei-
gablige Form der Borsten.
Saenuris longicauda. Dünne und lange (00— 70 Mm.) weisse
der niederen Thiere während der J. 1868—1869. 275
Würmer, die der S. variegata Hoffm. verwandt sind. Die Borsten-
bündel der oberen Reihe enthalten theils lange Haare, theils zwei-
gablige Borsten, während die unteren 3—4 zweigabligc Haare besit-
zen. So wenigstens vorn, während hinten die Borsten an Zahl und
Grösse abnehmen, oben haarartig, unten hakenartig erscheinen.
Saenuris unibellifera. Mit 90 Ringen, von denen vier (9 — 12;
einen verdickten Gürtel bilden. Die Borsten sind jederseits in zwei
Reihen geordnet und haben die Form eines zweigabligen Hakens.
Die untern Bündel bestehen an den acht vordem Segmenten aus 3,
sonst nur aus 2 Borsten. Die letztere Zahl kehrt auch in den obern
Bündeln des hintern Leibes wieder, während die obern Bündel an
den acht vordem Segmenten je vier lange haarartige Borsten und 5
oder 6 kurze mit Endkamm enthalten. Am 9, und 10. Segmente
wurden unten anstatt der Borstenbündel paarweise gestellte War-
zen beobachtet, die eine Oefihung (Geschlechtsöffnung?) tragen.
Länge 28, Dicke 0,6 Mm.
Tscherniawsky erwähnt nach den Protocollen der
Moskauer Naturf. Versamml. eines Enchytraeus jaltensis n.
aus dem Landsee Paleostom in Mingrelien.
Leon Vaillant stellt in dem seiner Anatomie von
Perichaeta angehängten Essai de Classification des ann6-
lides lombricines (Annal. des sc. natur. T. X. p. 254) die
folgende systematische Uebersicht über die Lumbrici-
nen auf:
I. Soies simples (Lumbr icina).
1. Soies isolees ou groupees deux par deux (except. Lumbicus
- multispinus Gr. = Echinodrilus n. gen.). Lumhicina
propria.
A. ün rang de soies sur la ligne dorsale ou raoins an-
terieurement.
a. Soies tres nombreuses.
a. Regulierement distribuees autourdu corps
Perichaeta Schm.
b. Sur des papilles rasserablees ä la partic dorsale
(?Vergl. S. 273.) Megaloscolex Tempi.
b. Soies au nombre du 9 an plus par anneau.
a. Alternant longitudinalement d'anneau en anneau.
Pontoscolex Schm.
b. En series longitudinales regulieres
Hypogaeon Sav.
2. Pas de soies sur la ligne dorsale. Sur chaque anneau
276 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
a. 20 soies en quatre groupes Echinodrilus n. gen.
b. 8 soies.
0. Receptacles de la semence en avant des canaux
deferans.
a. Pas de vaisseaux lateraux en coecums.
t Lobe cephalique distinct,
* avec un prolongement posterieur entamant
plus ou moins le premier anneau setigere
Lumbricus L.
** sans prolongement posterieur
Helodrilus Hofifm.
tt Lobe cephalique soude au premier anneau
setigere Criodrilus Hofim.
ß. Des vaisseaux lateraux en coecums contractiles
Euaxes Gr.
h. Receptacles de la semence en .arriere des canaux def.
Trichodrilus Cl.
c. 4 soies Phreoryctes Hoffm.
2. Soies au nombre du trois ou plus par faisceaux
Enchytraeida.
A. Sang generalement rouge, pas de pores ä la ligne
dorsale Pachydrilus Cl.
B. Sang incolore, un pore sur chaque segment ä la ligne
dorsale Enchytraeus Hofifm.
IL Soies befides ou capillaires , au moins en partie, rarement
pectinees (Naidea).
1. Soies sur quatre rangs, exceptionellement biseriees et
alors toutes capillaires. Naidea propria.
A. Soies dorsales du cinquieme au treizieme annean cü-
puliforme ä l'extremite . . . Heterochaeta Cl.
B. Soies fourchues ä tous les faisceaux, ou au moins aux
faisceaux ventraux.
a. Prolongement caudale simple.
a. Une paire de'penis aceres, long et non retractiles
Stylodriles Cl.
b. Pas de penis distinct.
«. Auses vasculaires avec des coecums contractiles
Lumbriculus Gr.
ß. Anses vasculaires sans coecums contractiles.
t Toutes les soies fourchues . Clitellio Sav.
tt Des soies capillaires dans le faisceau superieur,
* Des anses vasculaires dilatees et contractiles
au 8. anneau au moins . Tubifex Lam.
** Pas d 'anses vasculaires contractiles Nais Müll.
der niederen Thiere während der J. 1868—1869. 277
b. Prolongement caudale termine par des digitations
a. nombreuses Dero Oken.
b. au nombre du deux .... Aulophorus Schm.
C. Toutes les soies capillaires.
a. Tube digestif libre cylindrique, droit
Mesopachys Oerst.
b, Tube digestif presentant des dilatation au spiral
Aeolosoma Ehrbg.
2. Soies biseriees, jamais capillaires. Chaetogastrina,
a. Soies siraplement fourchues . Chaetogaster Baer.
b" Soies presentant lateralement ä l'extremite des pro-
longements en dents du peigne . Ctenodrilus Ct.
Onychophori. Der seit Grube (1853) nicht wieder
untersuchte Peripatus wird cauf Anregung des Ref. von
Sa eng er zum Gegenstand einer anatomischen Unter-
suchung gemacht, deren Hauptresultate vorläufig in den
Protocollen der Moskauer Naturforscherversammlung mit-
getheilt sind. Verf. untersuchte zwei Arten, den P. ca-
pensis Gr. und eine neue schon vor mehreren Jahren
vom Ref. in diesen Berichten erwähnte neuholländische
Art., die vom Verf. als P. Leucharti bezeichnet wird.
Beide unterscheiden sich nicht bloss durch ihre Färbung
und die Zahl der Beinpaare, sondern auch durch die Lage
der Vulva von einander. Dass die Thiere, wie früher
behauptet wurde, Zwitter sind, wird vom Verf. in Zwei-
fel gezogen, da nicht bloss die sog. Hoden keine Samen-
fäden enthalten , sondern auch bei P. capensis Unter-
schiede beobachtet wurden — überzählige Krallen an dem
Hinterende eines Exemplares — , die auf Geschlechts-
unterschiede hindeuten. Was man als Hoden in Anspruch
nahm, die beiden an einem abortiven Fusspaare ausmün-
denden Schläuche, die übrigens bisher nur unvollständig
und theiiweise beschrieben worden, sind nach unserem
Verf. wahrscheinlich nur als mächtig entwickelte Seg-
mentalorgane aufzufassen, wie solche, nur weit geringer
entwickelt, unter verästelter Schlauchform auch sonst in
den einzelnen Ringen vorkommen und an den Bauchsei-
ten der Fusshöcker ausmünden. Verf. glaubt übrigens,
dass diese Gebilde nicht bloss zur Absonderung dienen,
sondern auch als Respirationsorganc fungiren (was aber
Archiv für Naturg. XXXV. Jahrg. 2. Bd. S
278 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
dadurch sehr unwahrscheinlich wird, dass die Schläuche
keine Luft enthalten). Die Bauchfläche der Segmente
und das Krallenglied der Füsse enthält noch besondere
Drüsen, die vielleicht ein giftiges Secret liefern, obwohl
unsere Würmer nicht bloss Insekten fressen (nicht aus-
saugen), sondern auch — nach dem Inhalte ihres Darm-
kanales — eine vegetabilische Speise geniessen. Was
Grube für ein Gehörorgan gehalten hat, besitzt einen ex-
quisit nervösen Bau und ergab sich als ein Anhang des
Kopfganglions. Ebenso sind auch an den Quercommis-
suren zwischen den beiden Seitennerven ganglionäre
Anschwellungen zu bemerken. Die Enden der Seiten-
nerven lösen sich selbstständig auf, ohne einen Bogen
zu bilden.
Polygordii. Wie schon im letzten J. B. (S. 183 u. 228)
gelegentlich bemerkt ist, gehören die von Schneider
in Helgoland aufgefundenen zwei borstenlosen Glieder-
würmer nicht zu dem R athk e'schen Genus Rharapho-
gordiiis, wie derselbe früher annahm. Sie bilden viel-
mehr ein besonderes Genus, das von Rhamphogordius
verschieden ist und jetzt als Polygordiits bezeichnet
wird. (Archiv für Anat. u. Physiologie 1868. S. 51 — 60.
Taf. II u. III.) Der ausführlichen Beschreibung beider
Arten entnehmen \\\v noch die Bemerkung, dass der
Darm in der Medianlinie des Rückens und Bauches
durch ein Mesenterium befestigt ist, das an der Rücken-
fläche ein Längsgefäss cinschliesst, von dem in den ein-
zelnen Segmenten ein blindgeendigter Seitenzweig nach
der Bauchfläche umbiegt. Das Blut ist roth, ohne Kör-
perchen. Das Nervensystem, das sich nach den Anga-
ben des Verf.'s nicht auffinden Hess, besteht, wie Ref.
hinzufügt, aus einer ventralen Ganglienkette, die sich bei
den (bekanntlich schon vonLo ve n beobachteten und auch
von unserem Verf. wie von A g a s s i z beschriebenen)
schwärmenden Larven in günstiger Lage sehr deutlich
erkennen lässt. Der auf dem Scheitel vorspringende Za-
pfen, der die Augenflecke der Larven trägt, enthält im
Innern das Oberschlundganglion. Was übrigens den
echten Rhamphogordius betriflft, der dem Verf. in dem
der niederen Thiere während der J. 1868—1869. 279
einzigen Originalexemplar vorlag, so ist auch dieser ein
unzweifelhafter Nemathelmintli , und keine Nemertine,
in vieler Beziehung alj^r so merkwürdig, dass er zur
Aufstellung einer besonderen Ordnung nöthlgcn wird.
Verf. stellt über denselben für später noch eine beson-
dere Mittheilung in Aussicht.
Euteropneustl. Die bis jetzt ohne alles Bedenken für
eine Echinodermenlarve gehaltene und in der That auch
von den bekannten Formen der Bipinnarien und Brachio-
larien nur in gewissen Nebenpunkten (besonders der
Lage des Afters auf dem unteren Körperpole) verschie-
dene Tornaria verwandelt sich nach Mecznikoff (Nach-
richten der K. Gesellschaft der Wissensch. zu Göttingen
1869. S. 287—292) in die von demselben Beobachter frü-
her beschriebene Jugendform des Balanoglossus oder
eines andern nahe verwandten Wurmes — wohl ein neuer
Beweis für die nahen und innigen Beziehungen, welche
zwischen den Würmern und den Echinodermen cxistiren
und in unseren systematischen Anschauungen über kurz
oder lang noch einen bestimmteren Ausdruck finden wer-
den. Die Umwandlung wird dadurch eingeleitet, dass
der obere Theil des Tornarienkörpers, welcher den Was-
sergefässschlauch und das von Fr. Müller entdeckte
pulsirende Herz in sich einschliesst, in einen grossen
keil- oder zapfcnförmigen Anhang aus wächst, in dessen
Innern sich dann der Wassergcfässschlauch in ausseror-
dentlicher Weise erweitert , so dass Verf. den ganzen
Anhang (den Rüssel des späteren Balanoglossus) für ein
vergrössertes Ambulacralfüsschen in Anspruch zu nehmen
sich versucht fühlt. Gleichzeitig entstehen in dem hinteren
Körperabschnitt Gefässe und zwei flimmernde Kiemen-
säcke, die auf der Rückenfläche mit einer grossen OefF-
nung versehen sind und mit dem Oesophagus in direktem
Zusammenhang stehen, die ersten Andeutungen des so
eigenthümlich geformten (vonKow^alewsky entdeckten)
Respirationsapparates. Die zwei „wurstförmigen Organe^
(lateralen Scheiben unseres Verf.'s) umwachsen, wie bei
den Echinodermenlarven, den Darm und liefern die Lei-
besmuskeln mit dem peritonealen Darmüberzug, indem
280 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
sich ein im Innern derselben gelegener Spaltrauni zu
der Leibeshöhle des definitiven Thieres ausweitet.
•*
Gephyrea.
Mecznikoff macht Mittheilungen über Actinotro-
cha und deren Umwandlung in Phoronis (Nachrichten
von der K. Gesellsch. der Wissensch. zu Göttingen 1869.
S. 232 u. 233). Er bemerkt, dass man bei der von ihm beob-
achteten Art, die sowohl von der neapolitanischen Form,
wie von A. brachiata verschieden ist, nach der Armzahl
acht auf einander folgende Stadien unterscheiden könne,
und giebt an, dass beim Uebergang in den definiven
Zustand resp. bei Ausstülpung des Schlauches — den
man nach der Ansicht des Ref. weit besser mit dem ein-
gestülpten Primitivstreif der Libelluliden und Hemipteren
vergleichen kann, als mit der Hauteinstülpung an den
Pluteusformen der Seeigel, mit der sie von unserem Autor
(Mem. Acad. St. Petersbourg T. XIV. No. 8. p. 64) zusam-
mengestellt wird — der ganze Vordertheil (Kopfkappe
mit Armen) von dem Wurme verschluckt werde. Der
übrige Körpertheil der Larve bleibt im Zusammenhang
mit dem Wurmkörper und nur der After wimperring löst
sich davon ab. Die Phoronistcntakel entstehen als kleine
fingerförmige Warzen auf der Unterseite der Armwur-
zeln. Der Hauptact der Verwandlung, d. h. das Ein-
dringen des Darmes in den Wurm und das Verschlucken
der Actinotrochatheile, dauert ungefähr eine Viertelstunde.
Die Embryonalentwnckelung vonPhascolosoma schliesst
sich, einer gelegentlichen Notiz desselben Beobachters zu
Folge (Mem. Acad. St. Petersbourg 1. c. p. 65), nicht
bloss durch die Schicksale der Eimembran, die sich in
die Cuticula- des jungen Wunnes verwandelt, an die
Chätopoden an, sondern auch dadurch, dass sich am
Embryo sehr frühe ein bauchständiger Keimstreif ent-
wickelt. Dass ausserdem an demselben ähnliche Wim-
perapparate vorkommen, wie bei den meisten Chätopo-
denlarven, ist schon seit längerer Zeit bekannt.
Schwalbe fand in der Leibeshöhlenflüssigkeit von
der niederen Thiere whln-ond der J. 1868—1869. 281
Phascolosoma elongatum zwei Arten von Blutkörperchen.
Die einen bestehen aus contractilen Kügelchen von körniger
Beschaffenheit, die den bei Wirbellosen gewöhnlich vor-
kommenden farblosen protoplasmatischen Blutzellen gleich
zu setzen sind, während die andern, welche die bei wei-
tem überwiegende Mehrzahl bilden, in allen wesentlichen
Verhältnissen eine merkwürdige Uebereinstimmung mit den
farbigen Blutkörperchen der niederen Wirbelthiere zeigen.
Archiv für mikroskop. Anatomie Bd. V. S. 248 — 256.
Auch AI. Brandt untersucht die Blutflüssigkeit der
Sipunculiden und findet an den topfförmigen Körperchen
derselben kolbige Wimperhaare (ciliae capitatae), die er
Anfangs, bevor er geschlechtsreifc männliche Thiere sah,
für Spermatozoen zu halten geneigt war. Ebenso gelang
es demselben das Schlundgefäss der Sipunculiden zu inji-
ciren und den Verlauf der zwei Längsstämme und des
Ringgofässes zu verfolgen. Bei der Zusammenziehung
der Tentakel fliesst das Blut in die Ge fasse, während
die Tentakel umgekehrt durch die Contractionen der Ge-
fässe mit Blut versorgt werden. Protocolle dcrMoscauer
Naturforscherversammlung 1869.
Bei Phascolosoma fand Schwalbe (Archiv für
mikrosk. Auat. Bd.V. S.222) Muskelfasern, die eine körnige
Marksubstanz mit Kernen enthalten und eine contractile
dicke Rindenschicht aufweisen, welche im frischen Zu-
stande vollkommen homogen ist, bei Einwirkung von
Reagentien aber mit grosser Leichtigkeit in Fibrillen
zerfällt.
Sa eng er spricht in der Moskauer Naturforscher-
versammlung übor Halicryptus spinulosus, den er sowohl
in der Kieler Bucht, wie auch bei Danzig und Reval in
einer Tiefe von 2 — 5 Faden ziemlich häufig antraf. An
den beiden Localitäten sind die Thiere — wohl im Zu-
sammenhang damit, dass sie am ersten Orte im feinen
Schlamme, am andern im Sande leben — insofern ver-
schieden, als die Schlundzähne der Kieler Varietät 8 — 12
Seitenzähne tragen und in 8 Reihen stehen, während sie
bei der Danziger Form nur in 5 Reihen stehen und 4—8
Seitenzähne besitzen. Im Umkreis des Oesophagus fand
282 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Verf. eine Anzahl von 18 kngligen Drüsenschläuchen,
die nach der Mundöflfnung zu einen Ausführungsgang
abzugeben schienen und Tielleicht mit fünf neben dem
Munde auf kleinen Erhebungen angebrachten Löchern
einen Zusammenhang haben. Ausser den kurzen Retrac-
toren finden sich auch lange, wie bei Priapalus. Eigent-
liche Geschlechtsdrüsen fehlen , indem die Geschlechts-
producte an der Aussenfläche der zur Anheftung der Lei-
tungsröhren dienenden Pcritonealfalten hervorknospen und
später frei in der Leibeshöhle gefunden werden. Das
Nervensystem liegt unmittelbar unter der Subcuticula,
nach Aussen von den Ringmuskeln (nicht zwischen Ring-
und Längsmuskeln, wie von Ehlers angegeben). Die Chi-
tinbildungen der Haut sind — von den schon oben er-
wähnten Zähnen abgesehen — dreierlei Art: Taströhr-
chen mit Stäbchenbesatz am weichen Ende, Widerhaken
von zweizackiger Form und Chitinröhren mit feiner Spitze.
Die letztern bedecken den ganzen Körper, während die
erstgenannten zwei Bildungen nur am Rüssel gefunden
werden.
Baird veröffentlicht (Proceed. zool. Soc. 1868. p.76
— 114. PI. IX— XI) „a monograph of the species of worms
belonging to the subclass Gephyrea, with a notice of
such species as are contained in the collection of the
british Museum" und giebt darin eine Aufzählung der
bisher bekannten Species mit Beschreibung und Abbildung
folgender neuen Arten: Sipimculus Angasii von Port
Lincoln, S. deformis von Nord-Australien, S. aeneus von
Neu-Seeland, S. eximio-clathraius von den Philippinen,
Phascolosoma capstforme von den Falklands Inseln, Fk.
Jejf'reysii von Spezzia, Fk. fasoiatiim von Madeira, Fh,
placostegi vom Cap d. g. Hoffn., Fh. mgriceps von Chili,
Fh. perlucetis von Jamaica, Fh. albo-luieatum von den
Philippinen, Fh. Lordi von den Vancouver-Inseln, Ph.
planispi7iosum von unbek. Herkunft, Themiste (Gr. 1828 =
Dendrostomum Gr.) lageniformis von Australien, Aspido-
siphon Cumiiigii von den Philippinen, Pseudaspidosi-
phon (n. gen. , auf Grund des wenig deutlichen Nacken-
schildes von Aspidosiphon abgetrennt) graciie von den
der niederen Thiere während der J. 1868—1869. 283
Philippinen, PriapuUis tiiberGuiato-spinostcs von den Falk-
lands-Inseln.
Die Auftreibungen^ welche den Leib des hier er-
wähnten Sipunculiis deformis Baird auszeichnen, sind übri-
gens nach den Mittheilimgcn Grube's (^ßer. d. naturhist.
Sect. d. Öchles. Gesellsch. 1869. S. 42) krankhafter Art
und überall zu beobachten, wo man Phascolosomen einige
Tage in einem Becken voll Wasser mit anderen leicht
absterbenden Thieren aufbewahrt.
Ausser den schon im letzten J. B. erwähnten Phas-
colosoma semirugosum Gr. und Ph. asperum Gr., so wie
den ebendas. aufgeführten Ph. (Aspidosiphon) annulosum
beschreibt Grube in den Verhandl. der zoolog.-botan.
Gesellsch. in Wien 1868. S. 641—647. Tab. VIII aus dem
Rothen Meere noch Fh. liüppelii n, (vielleicht identisch
mit Ph. longicoUe Lt.), und Ph. (Aspidosiphon) elegans
r= Sternaspis elegans Cham, et Eysenh. Das Gen. Loxo-
siphon, das Die sing auf die letztgenannte Art gegründet
hat, muss eingehen, nachdem auch das Lox. aspergilium
Dies, sich als ein Aspidosiphon erwiesen hat.
Unter den an der Norwegenschen Küste aufgefun-
denen Tiefwasserthieren führt Sars einen neuen Sipun-
culus und 3 neue Phascolosomen {Fh. olivaGeum, Fh. pusil-
lurriy Ph. laevissimimi) auf. L. c. p. 252.
Als Epitrachys rugosus und E. granulatus beschreibt
Ehlers die fosssilen Ueberreste zweier Würmer, die
allem Anschein nach den Sipunculiden zugehören. Ueber
fossile Würmer u. s. w. Palaeontographica 1. c. p. 166 —
169. Tab. XXXVI.
Nematodes.
Den von Grenacher wieder aufgenommenen Un-
tersuchungen „über die Anatomie der Gattung Gordius'^
(Zeitschrift für wissenschaftl. Zoologie Bd. XVIII. S. 322
— 344. Taf. 23, 24) ist es endlich gelungen, die vielfach
verkannte Organisation dieses merkwürdigen Wurmes
dem besseren Verständnisse zugänglich zu machen. So
lange derselbe noch als Parasit im Innern seines Wirthes
284 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
]ebt — Verf. untersuchte vornämlich eine grosse exoti-
sche Form, die Prof. Semper auf den Phih'ppinen aus
dem Leibe einer Mantide entnommen hatte, Gorcl. orria-
his n. — , besitzt er auf der vordem Körperspitze einen
deutlichen Mund, der jedoch nach der Auswanderung
mitsamrat dem zunächst darauf folgenden Abschnitte des
Darmkanales obliterirt, obwohl der letztere sonst in gan-
zer Länge peristirt. Es ist der von Meissner als „Ex-
cretionsorgan" beschriebene hohle Cylinder, den schon
Schneider als Darm in Anspruch genommen hat. Der
letztere hat dabei freilich den Irrthum begangen, den
ursprünglich richtig von ihm erkannten Bauchstrang
(Meissner's Ganglienstrang) als Oesophagus zu deuten. Das
hintere Ende des Darmes m.iindet in beiden Geschlechtern
gemeinschaftlich mit den Geschlechtsorganen durch eine
kurze Kloake nach aussen, die sich bei den weiblichen
Exemplaren zunächst in einen kurzen Uterus und sodann
in ein nach vorn darüber ziemlich weit hinausragendes
blindsackförmiges Receptaculum seminis fortsetzt, das
schon V. Sicbold kannte, Meissner aber als den obe-
ren Theil des Uterus in Anspruch nahm, obwohl die
Oviducte unterhalb desselben, an der Vereinigungsstelle
mit dem Uterus einmünden. Die beiden Ovarien, die
schon während des parasitischen Lebens strotzend mit
dicht gedrängten Eiern erfüllt sind, durchsetzen, wie die
Hoden, den grossesten Theil des Leibes und stehen mit
den neben ihnen hinlaufenden Oviducten durch einen
Längsschlitz in Verbindung. Was Meissner als Ova-
rien beschreibt, sind nur diese beiden Eileiter, die nach
dem Uebertritte der Eier stark gedehnt werden, während
die eigentlichen Ovarien sich zurückbilden. Traubenför-
mig zusammenhängende Eier, wie sie Meissner beschreibt
und durch Prolification aus der primitiven Eizelle ent-
stehen lässt, finden sich nirgends. Die von Schnei-
der als Fibrillen gedeuteten Muskelleisten betrachtet
Verf. als Fasern, wie bei Ascaris. Unser Gordius würde
demnach den sog. Coelomyariern zugehören, wenn wir
die Nomenclatur Schneider's anziehen wollen. Th an-
derer Hinsicht ist Gordius aber von den übrigen Nema-
der niodeivii Thiere wiiht«^iid der J. U-68— 1869. 285
todcn, selbst von dem damit häufig ziir-ammengcstclltea
Gen. Mermis, so verschieden, dass man dem Verf. nur
beistimmen kann, wenn derselbe dieNothwendigkeit betont,
die Gordien auch im Systeme davon schärfer abzutren-
nen, als man in der neuesten Zeit anzunehmen geneigt
war. Zum Schlüsse erwähnen wir noch der Tliatsache,
dass Gordius kurz vor dem Beginne des freien Lebens
einer Häutung unterliegt, nach der erst die so eigcn-
thümliche gefelderte sog. Epidermis frei zu Tage kommt.
Dass diese Felder übrigens — wie auch schon Ref. her-
vorgehoben hat — nur irrthümlicher Weise als Zellen
gedeutet wurden, geht nicht blos aus dem Mangel eines
Kernes hervor, sondern auch daraus, dass dieselben bei
G. ornatus von ansehnlichen Warzen vertreten sind,
die dem Körper der genannten Art ein bereiftes iVussehen
geben und in der Mittellinie des Bauches sowohl, wie des
Rückens einen Besatz von soliden haarartigen Fortsetzun-
gen tragen, w^ie sie Moebius einst als charakteristisch
für seinen Chordodes beschrieben hat.
Nachträglich Ca. a. 0. Bd. XIX. S. 287) berichtet
unser Verf. noch die Thatsache, dass es ihm durch An-
wendung der Moleschottschen Kalilösung bei einem fri-
schen Gordius gelungen sei, die Muskelzellen zu isoliren
und zu messen. Ihre Länge wird auf 0,5 bis 0,66 Mm.,
ihre Breite auf 0,06 Mm. angegeben.
Im Gegensatze dazu nimmt übrigens Schneider
(ebenda S. 284 — 286) die Muskelbänder von Gordius nach
wie vor als Fibrillen oder vielmehr, wie er jetzt lieber
sagen möchte, als Fibrillensäulchen, wie sie von Cohn-
heim in den Muskelbündeln der Wirbelthiere nachge-
wiesen seien, in Anspruch.
Kessler beschreibt ausser dem Gordius subbifurcus
einen 0. inermis n., der in Russland weit verbreitet sei und
sich von G. setiger Sehn, namentlich durch Abwesenheit
der Spitzen und Härchen am männlichen Hinterleibsende
unterscheide. Beiträge zur zoolog. Kenntniss des Onega-
sees 1. c. p. 119.
Grube berichtet über Gordien bis zu 1 Fuss
286 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Länge aus lebenden nnd todten Engerlingen. Bericht
d. naturhist. Sect. iSchles. Gesellsch. 1869. S. 43.
Referent behandelt in der Fortsetzung seines Hand-
und Lehrbuches über „die menschlichen Parasiten und die
von ihnen herrührenden Krankheiten" (ßd. IL Lief. 2, Leip-
zig 1868. S. 257—512) den Bau und die Naturgeschichte
von Ascaris mjstax, Ox juris vermicularis, Eustrongylus
gigas, Strongylus longevaginatus, Dochmius duodenalis
und Trichocephalus dispar. Bei der Darstellung, die auch
hier überall auf eigner selbstständigcr Forschung und
Experimcntaluntersuchung beruht, sind zugleich die ver-
wandten Schmarotzer unserer Hausthicre vielfach berück-
sichtigt. So namentlich Dochmius trigonocephalus, Scle-
rostomum equinum , Trichocephalus affinis, deren Ent-
w^ickelungsgeschichte unser Verf. , so weit das anging,
vollständig verfolgt hat. Auch sonst bietet Verf. zahl-
reiche neue Thatsachen, besonders in Betreff von Oxyu-
ris und Eustrongylus. Dass erstere sich, wie Küchen-
meister und V ix behaupteten, im Blind- und Dickdarm
ohne Auswanderung vermehre, wird in Abrede gestellt.
Allerdings durchlaufen die Embryonen derselben gelegent-
lich schon im menschlichen Darme ihre volle Entwicke-
lung, aber sie verweilen in den Eierhüllen und schlüpfen
erst aus, wenn sie den Magen passiren. Dazu kommt,
dass die Mehrzahl der Eier mit einer noch unvollständi-
gen kaulquappenartigen Embryonalform den Darm ver-
lässt, und erst im Freien ihre spätere Entwicklung ab-
schliesst. Bei Einwirkung höherer Temperaturgrade (über
32" R.) geschieht das nicht selten schon nach wenigen
Stunden. Da die Eier und Embryonen überdiess ohne
Verlust der Keimkraft eintrocknen können und sich ihrer
Kleinheit wegen leicht verschleppen lassen, so erklärt
sich die weite Verbreitung dieses häufigsten aller mensch-
lichen Parasiten. Das massenhafte Auftreten beruht in
der Mehrzahl der Fälle auf wiederholter Selbstanstek-
kung, die durch die bekannten Auswanderungen der le-
benden Würmer nicht wenig erleichtert wird. Die post-
embryonale Entwickelung nimmt gleichfalls nur eine
der niederen Thiere während der J. 1868 — 1869. 287
kurze Zeit in Anspruch und ist nach einmaliger Häutung
vollendet. Lippen und geschlechtliche Auszeichnungen
lassen sich, wie bei x\scaris, erst nach der Ablösung der
Embryonalhaut unterscheiden. Eustrongylus trägt — ein
bisher übersehener Charakter — auf den Seitenlinien
eine Reihe warzenförmiger Tastpapillen. Ebenso dieRu-
dolphische Filaria cystica, in der Verf. mit Schneider
die Larve eines Eustrongylus — freilich nicht des Eustr.
gigas — erkennt. Auch der Rand der in ganzer Aus-
dehnung muskulösen männlichen Bursa ist mit Tastpa-
pillen besetzt. Die Eier und Samenzellen entwickeln
sich ohne Rhachis, sind dafür aber wie Epithelzellen
eine Zeitlang auf der Wand der Geschlechtsdrüsen be-
festigt. Der bisher erst ein Mal beobachtete Strongylus
longevaginatus ist mit Str. paradoxus aus den Lungen
des Schweines nahe verwandt, wenn nicht — wie Ref.
nachträglich hinzufügen möchte — identisch. Wie bei
den übrigen Lungenstrongyliden werden die Embryonen
desselben wahrscheinlich in einem Zwischenwirthe auf-
gezogen, während die Darmstrongyliden in der Jugend
unter Rhabditisform ein freies Leben führen und dann
(nach Dochmius trigonocephalus zu schliessen) alsbald
in ihren definitiven Wirth übertreten, um hier entweder
(Dochmius trigonocephalus) unter mehrfachen Häutungen
ihre ganze Metamorphose im Darmkanale zu durchlaufen,
oder bis zur Entwickelung der definitiven Form zunächst
in anderen Organen (Sclerostomum equinum in den an-
eurysmatisch veränderten Darmarterien , Sei. tetracan-
thum ? in Kapseln der Darmwand zu verweilen. Auch
die Trichocephalen haben keinen Zwischenwirth ; sie ge-
langen nach Abschluss der Embryonalentwickelung noch
von der Eihaut umschlossen in den Darm ihrer späteren
Träger und wachsen in diesem binnen vier Wochen zu
langen und schlanken Trichosoma-artigen Parasiten aus,
die erst mit Eintritt der Geschlechtsreife (durch Ent-
wickelung und Anhäufung der Gcschlechtsproducte) die
später so charakteristische Körperform annehmen. Mit
Hülfe des fadenförmig dünnen Körperendes sind die
Würmer unter der Schleimhaut befestigt. Im Embryo-
288 LeuckaiM,: Beriebt üb d. Leist. in d. Naturgeschichte
nalzustandc sind die innern Organe nur wenig differen-
zirt, Tvie solches auch für die nahe verwandten Trichinen
bekannt ist.
Die Mittheilungon, die Zenker (Tageblatt der 42
Versammlung deutscher Naturforscher und Aerzte No 7
S. 140) über die Lebensgeschichte und Entwickelung von
Oxyuns vermicularis macht, stimmen in allen wesentli-
chen Punkten mit den Angaben des Ref. überein.
Flügel liefert eine auf genauer Untersuchung be-
ruhende Darstellung der Mimdorgane bei Oxyuris vermi-
cularis, 0. obvelata und 0. curvula , und liefert damit
den Beweis, dass diese Gebilde bei sonst nahe stehenden
Formen in sehr mancbfaltiger Weise differircn. Während
dieselben bei der erstgenannten Art denen der Gattung
Ascaris nahe kommen, lässt 0. curvula kaum noch eine
Aehnhchkeit damit erkennen. Statt der dreikantigen
Mundöffnung ist nach dem Schwunde der Lippen hier eine
sechskantige Oeffnung vorhanden. Die sechs Papillen,
die m der Peripherie der Mundöffnung gefunden wer-
den, haben bei Ox. obvelata die gleiche Bildung, obwohl
sonst die sog. Lateralpapillen von den vier submedianen
verschieden sind. Ueber die Lippen einiger Oxyurisar-
ten, Zeitschrift für wissensch. Zool. Bd. XIX S 2S4— 04.q
Taf, XX. . . •* -*ö.
V. Wi 11 emoes-Su hm beobachtete ein weibliches
Exemplar von Ascaris heteroura Crepl. mit turgesciren-
den Geschlechtsorganen und reifen Eiern, das neben dem
After an dem sonst weiblich gebildeten Schwänze zwei
vollkommen männlich entwickelte Spicula trug. Zeitschrift
für wissenschaftl. Zool. Bd. XLX. S. 472. „Ueber einen
Zwitter von Asc. heteroura." Ein ähnlicher Fall ist be-
kanntlich, wie auch Verf. anzieht, früher schon von Meiss-
ner bei Mermis albicans beschrieben, nur war hier das
äussere Ansehen auch sonst mehr männlich als weiblich.
Davaine benutzt die seltene Gelegenheit, die Eier
eines Eustrongylus gigas frisch zu untersuchen, zu einer
Reihe von Experimenten (rech, sur le developpement et
la propagation du Strongle geant. Compt. rend. T. 69.
p. 1091-1095). Die Eier, die noch in dem Uterus der Mut-
der niederen Thiere wahrend der J. 1868—1869 289
ter bis zur Zweitheilung, des Dotters gelangt waren,
blieben von November bis Mitte April im Wasser und
feuchter Erde ohne Veränderung, begannen aber dann
ihre Entwickelung so rasch zu durchlaufen, dass die
Embryonen schon nach vier Wochen ihre volle Ausbil-
dung erreichten. Sie maassen 0,24 Mm. in der Länge und
0,014 Mm. in der Breite und verschmiilerten sich allmählich
nach hinten. Der Kopf war zugespitzt und wahrscheinlich
mit einem kleinen retractilen Stachel versehen, der Oe-
sophagus wenig scharf begrenzt. Die Embryonen schlü-
pften nicht aus, obwohl sie sich 5 Monate unverändert
erhielten. Da sie im Wasser nach der Entfernung der
Schale rasch zu Grunde gingen, so schloss Verf., dass
sie noch unter dem Schutze der Umhüllungen in ihren
Wirth einwanderten, allein die Versuche, den Hund direct
damit zu iniiciren, schlugen fehl. Die Embryonen fielen
nicht einmal aus ihren Schalen aus, und diese blieben
meist unverändert. Ebenso wenig gelang es, sie in
Aalen, Karpfen, Tritonen und Schlangen zur Ansiedelung
zu bringen. x\uch Gammarus pulex erwies sich nicht
als der rechte Zwischenträger.
Die Angabe von Co b hold, dass die Lebensge-
schichte von Syngamus trachealis bis jetzt noch unbe-
kannt sei (Entozoa p. 68), veranlasst Ref. zu der Bemer-
kung, dass die Embryonen dieses Wurmes einige Wo-
chen nach dem Ablegen der Eier zur Entwickelung
kommen und in den festen Schalen ohne auszukriechen
verharren, bis sie von einem Zvv^ischenwirthe (Insekten-
Larve?) gefressen werden. Beim Uebertritte in den de-
finitiven Wirth sind die Thiere noch ohne geschlecht-
liche Auszeichnung und mit einem kleinen provisorischen
Mundzapfen versehen, der bei der nächsten Häutung abge-
lc[''t wird. Die Copulatlon geschieht unmittelbar nachdem
die Würmer durch diese Häutung ihre definitive Bildung
erreicht haben , noch vor Eintritt der eigentlichen Ge-
schlechtsreife.
Wucherer, der, wie wir wissen (J. B. 1866. S. 274),
den Dochoiius duodcnalis auch in Brasilien als Ursache
der daselbst ebenso, vvie in Aegypten, endemischen Ohio-
290 Lcuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
rose nachgewiesen hat, macht "die dortigen Aerzte mit
den Hanptresultaten meiner Untersuchungen über den
Dochmius trigonocephalus bekannt und giebt bei dieser
Gelegenheit an, dass sich die Embryonen des menschli-
chen Dochmius, wie das auch von mir vermuthet war,
gleich denen des D. trigonocephalus binnen wenigen Ta-
gen in ihren Eiern entwickeln, dann nach aussen aus-
schlüpfen und hier unter Nahrungsaufnahme rasch um ein
Ansehnliches auswachscn. Dieselben gleichen vollkom-
men den von mir beschriebenen Jugendformen von Doch-
mius trigonocephalus, sind aber etwas schlanker. Ga-
zeta medica di Bahia 1869. Nr. 63, 64, 65.
Nach Gerlach's klinischen Beobachtungen soll
zwischen der Lungen- und Magenwurmseuche der Läm-
mer der Art ein Zusammenhang bestehen, dass im Som-
mer bis Herbst die Lungenwürmer vorkommen, im Herbste
und Winter beide Wurmformen neben einander existiren
und im Frühjahr bloss noch die Mngenwürmer gefunden
werden. Dass dieser Umstand jedoch zu der Annahme
eines genetischen Zusammenhangs zwischen Strongylus
filaria und Str. contortus genüge, resp. eine solche Vermu-
thung rechtfertige, scheint Ref. sehr zweifelhaft. Der letz-
tere hat nicht einen einzigen, sondern vielleicht ein Dutzend
Fütterungsversuche mit den Embryonen von Str. filaria
angestellt — was dem Verf. freilich unbekannt geblieben
ist — , aber niemals, weder Lungen würmer, noch Magen-
würmer in seinen Fällen beobachtet. Jahresber. der
Königl. Thierarzncischule in Hannover. Zweiter Bericht
1869. S. 72.
Auch Colin handelt (Rec. Med. veter. 1868. S. 539)
über die Strongyliden aus dem Darmkanale des Schafes
— Strongylus contortus, St. filicollis, St. cernuus und St.
hypostomus — und liefert den Nachweis, dass St. cer-
nuus ein Dochraius sei, wie das auch von Ref. in seinem
Parasitenwerke hervorgehoben wurde. Wenn gleichzeitig
auch St. hypostomus als Dochmius bezeichnet wird , so
beruhtdas auf einem Irrthum, da dieses Thier entschieden
der Sclerostomumgruppe zugehört.
Denselben Gegenstand behandelt BaiUet, der so-
der niederen Thiere während der J. 1868—1869. 291
wohl von Strongylus fillcollis, wie von Dochmius cernuus
eine zutreffende Beschreibung giebt und dabei die Unter-
schiede von den verwandten Arten (Strongylus contortus
— Sclerostomum hypostomum) hervorhebt. Die Embryo-
nen dieser Thiere sah Bai 11 et aus ihren Eihiillen her-
vorschllipfen und eine Zeitlang frei leben, ohne jedoch
ihre Rhabditisform zu erkennen. BaiUet, note sur les
strongyliens et les sclerostooiiens de l'appareil digestif
des betcs. Paris 1868.
Colin's Mittheilungen über die Pallisadenwürmer
aus den Bronchien des Kalbes, Schweines und Schafes
(1. c.) enthalten nichts Neues. Verf. sah die trächtigen
Würmer auf feuchter Erde bald absterben, die junge
Brut aber noch eine Zeitlang daselbst sich bewegen.
Die von Legros (Herings Repertor. für die Thierheil-
kunde Jahrg. XXIX. S. 63) und von Colin (rec. de med.
veterin. 1867. T. IV) aus dem Lungengewebe der Katze
beschriebenen tuberkelartige Wurmknoten rühren ohne
Zweifel von OUulanus tricuspis her, dessen Lebensge-
schichte nach den Untersuchungen des Ref. in dem letz-
ten Jahresberichte dargestellt wurde.
Die sonderbare Onchocerca reticulata Dies. (Spiroptera
concinnata Ercol.l ist neuerdings sowohl von Ercolani
in Bologna, wie von Baumgarten in Wien mehrmals
im Fesselbeinbeuger, wie im Nackenbande des Pferdes
aufgefunden. Es ist schwer, das Thier zu entrollen und
so mag denn auch die angegebene Grösse (45 — 50 Ctm.)
vielleicht noch zu klein sein. Die Weibchen, deren Ge-
schlechtsöffnung in der Nähe des zugespitzten Kopfendes
vorhanden ist, enthalten zahlreiche Eier mit und ohne Em-
bryonen. Li einem (zerrissenen) Exemplare wurde eine
unglaubliche Menge langer und schmaler zugespitzter
Gebilde beobachtet, die eine grosse Achnlichkeit mit den
Spermatozoiden niederer Thiere hatten und auch wohl
solche gewesen sind. Oesterreichische Vierteljahresschrift
für wissensch. Veterinärkunde Bd. XXIV. S. 32.
Rivolta giebt an, in einem flechtenartigen Aus-
schlage an den unteren Theilen der Gliedmaassen eines
Pferdes Rundwürmer bis zu 3 Mm. Länge und ohne
292 Leuckart: Bericht üb. cl. Leist. in d. Naturgeschichte
Geschlechtsorgane aufgefunden zu haben. Die Vermu-
thung, dass diese Parasiten zu Filaria medinensis gehörten,
entbehrt allen Grundes. Hering's Repertor. für Thier-
heilkunde Jahrg. 29. S. 373 und Archiv für Parasiten-
kunde I, S. 222. (Nach einer Notiz aus il medico veteri-
nario Torino 1868 p. 300.)
Nachdem sich die Brasih'anische Chlorose als dieselbe
Helminthenkrankheit erwiesen hatte, wie die Aegypti
sehe, lag es nahe, auch die in Brasilien, wie in andern
tropischen Ländern, einheimische Hämaturie von dem-
selben Gesichtspunkte aus ätiologisch zu prüfen. Wuche-
rer, der auch hier die Initiative ergritl', fand jedoch in
dem Harne der an dieser Krankheit leidenden Brasilia-
ner keine Spur von Distonium, wohl aber (Gazetta med.
di Bahia 1868. Nr. 57) mikroskopische Spulwürmer, die
Referent nach den von W u c h e r e r ihm übersandten
Proben als Embryonen (von 0,3 Mm. Länge) eines noch
unbekannten Spulwurmes, wahrscheinlich aus der Familie
der Strongylii'en, erkannte. Gleichzeitig fand Ref. in den
untersuchten Proben noch die Eier eines zweiten eben-
falls unbekannten Nematoden (Vao ^l"i- lang mit dicker
Schale und abgeplattetem einen Pole). Es ist zu hoffen,
dass wir auf dem Wege der Autopsie bald eine bestimm-
tere Kenntniss über die neuen Parasiten gewinnen wer-
den. So viel aber steht schon heute fest, dass wir es
hier wiederum mit Parasiten zu thun haben, die uns in
Betreff der Actiologie der endemischen Krankheiten eine
weite Perspective eröffnen. (L. c. 1869. Nr. 16, Zeitschrift
für Parasitenkunde L p. 376—379.)
Nach den Beobachtungen W e i j enb e rgh's (notice
sur le filaroides musteLirum , Archivs, neerlandaises sc.
exact. et natur. T. III. p. 428—434. PI. XVI) lebt die
Rudolphischc Filaria mustelarum nicht bloss in den Lun-
gen ihres Wirthes, sondern auch in den Sinus frontales,
deren Knochenwandungen sie nicht selten in mehr oder
minder sarker Ausdehnung bis auf das Periost zur Re-
sorption bringt. Der Mund des Wurmes wird von zwei
dreieckigen Erhebungen begrenzt und der Penis mit Recht
als doppelt, nicht als einfach beschrieben. Das von
der niederen Thierc während der J. 1868—1869. 293
Weijenbergh beobachtete Vorkommen erinnerte mich
an die von meinem Onkel Sig. Leiickart aufgefundene
Spiroptera (?) nasicola der Musteliden, die ich bei nä-
herer Vergleichung jetzt auch als identisch mit Filaroi-
dcs mustelarum erkannt habe. Dass dieses Thier den
Strongyliden zugehört, hier aber wegen der eigenthüm-
lichen , bis jetzt noch nirgends richtig dargestellten
Bildung der Schwanzblase ein eigenes Genus zu bilden
hat, ist schon in meinem Parasitenwerke II. S. 402 be-
merkt worden. Ebendas. auch einige Notizen über den
Bau und die muthmassliche Lebensgeschichte der Em-
bryonen,
Colin's „Etudes experimentales sur les Trichines
et la trichinöse dans leurs rapports avec la zoologie,
rhygiene et ia pathologie" (Cpt. rend. T. 66. p. 1127—
1131) enthalten für den deutschen Leser nichts Neues,
wohl aber mancherlei Irrthümliches, wie u. a. die An-
gabe , dass die männliche Trichine zwei Spicula be-
sitze und die Einkapselung der Embryonen nicht in, son-
dern zwischen den Muskelbündeln vor sich gehe.
Kreisthierarzt Schirliz will bei einem Schweine
nicht nur in den Muskeln, sondern auch in dessen Finnen
(Cysticercus cellulosae und Echinococcus) Trichinen ge-
funden haben. Gurlt und Hartwig's Magaz. für Thier-
heilkunde Bd. XXXIV. S. 44.
Dagegen giebt Zürn — entgegen den Beobach-
tungen von Pagen stech er u. A. — an, bei den mit
trichinigem Fleische gefütterten Fliegenlarven niemals
Trichinen beobachtet zu haben. Zeitschrift für Parasiten-
kunde I. S. 362. (Die Fütterungsversuche des Ref. lie-
ferten dieselben negativen Resultate.)
Cobbold behandelt die Geschichte der Entdeckun-
gen über die Trichinen und erklärt, dass Paget schon
vor Owen den Wurm im Innern seiner Kapsel gesehen
habe. Entozoa p. 1—8. Die ebendaselbst (p. 9 — 17) mitge-
theilten Fütterungsversuche sind schon früher von uns
berücksichtigt. Dass übrigens die Trichinen in England
fehlen und nur gelegentlich durch deutsche Schweine
eingeführt würden, dünkt Ref. sehr unwahrscheinlich.
Archiv f. Naturg. XXXV. Jahrg. 2. IJd. T
294 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Verf. würde sich allein Vermuthen nach rasch durch Un-
tersuchung der Ratten aus den Londoner Fleischhallen vom
Gegentheil überzeugen können. Und wo die Ratten tri-
chinig sind, da finden sich die Parasiten gelegentlich auch
bei den Schweinen — eine Thatsache, die Verf. freilich
noch immer ohne Berücksichtigung lässt.
Bei Plotus anhinga fand Wyman (Proceed. Bost.
Soc. T. XII. p. 100-104) 17 Mal in 19 Fällen zwischen
Pia mater und Arachnoidea auf dem kleinen Hirne einen
viviparen Rundwurm, den er Filaria anhingae benannte.
Männliche und weibliche Thiere waren immer in mehre-
ren Exemplaren vorhanden, die erstem 30, die anderen
etwa 60 Mm. lang. Mundpapillen sollen fehlen. Ein ein-
lappiges gekrümmtes Spiculum. Die weibliche Oeftnung
wurde nicht aufgefunden, wie denn auch in Betreif der
Ein- und Auswanderung keinerlei Anhaltspunkte geboten
werden.
Heterahis perarmata n. aus dem Darmkanale von
Tarsius spectrum mit drei mondsichelförmigen gegenein-
ander gestellten Zähnen in der Mundhöhle, 6 — 10 Mm.
gross, Ratze 1, Archiv für Naturgesch. 1868. S. 150— 150.
Ebendas. erwähnt Ratzel einer Filaria (? Ref.) von
1 — 1,5 Mm. Länge, die in Menge den Magen von Tarsius
bewohnt und genabelte Eier von 0,03 Mm. enthielt.
Mittheilungen über Ascaris mucronata, Ancyracan-
thus impar, CucuUanus elegans und Leptodera nigro-ve-
nosa bei Kessler 1. c. p. 120—124.
Als Ascarü bicolor benennt Baird (Proceed. zool.
Soc. 1868. p. 70 mit Holzschnitt) eine mit A. simplex Rud.
verwandte Spulwurmart von 2V2 — 3" Länge, die in grosser
Menge den Magen eines jungen Wallrosses erfüllte und
auf dessen Wand zahlreiche Erosionen und Ulcerationen
hervorgerufen hatte, in Folge deren das Thier auch zu
Grunde gegangen war.
Ebendas. (p. 262 mit Holzschnitt) beschreibt Baird
auch einen neuen Spulwurm aus dem Magen des Afrika-
nischen Elephanten, Sclerostoma clathratum, durch Grösse
und Körperform von dem früher vom Verf. neu aufgestellten
Sei. sipunculiforme desselben Trägers verschieden. Die
der niederen Thiere während der J. 1868—1869. 295
Darstellung des Details lässt, wie bei fast allen Beschrei-
bungen des Verf., Vieles zu wünschen übrig.
Ophiostomimi spinosivm n. sp. aus Brachiotus mysta-
cinus in Berchtesgaden, mit kräftigen Bauchhaken, die
beliebig auf- und niedergeschlagen werden und jederseits
am Bauche eine über zwei Dritttheile des Körpers hin sich
erstreckende Reihen bilden, v. W i 1 1 e m o e s - S u h m, Zeit-
schrift für wissensch. Zool. Bd. XIX. S. 475.
Claus verfolgt seine ^Beobachtungen über die Or-
ganisation und Fortpflanzung von Leptodera appendicu-
lata'^ und stellt dieselben in einer besonderen kleinen
mit drei hübschen Kupfertafeln ausgestatteten Monographie
(Marburg und Leipzig 1869. 24 S. in Quart) zusammen.
Im Wesentlichen eine Bestätigung und weitere Ausfüh-
rung der schon im letzten J. B. angezogenen Thatsachen,
enthält dieselbe auch mancherlei neue Angaben, besonders
über den feineren Bau und die histologische Entwicke-
lung der Geschlechtsorgane und ihrer Producte. Leider
ist es Verf. nicht gelungen, die Embryonen zur Einwan-
derung in lebende Schnecken und damit zur Umwand-
lung in die x\lloeonemaform zu veranlassen. Wir müssen
es desshalb auch dahin gestellt sein lassen, ob die Ver-
muthung die richtige ist, dass diese Einwanderung von
den Embryonen beider Generationen ausgeführt werde,
obwohl wir gerne anerkennen , dass die Uebereinstim-
mung in Grösse, Gestalt und Organisation, die sie zur
»Schau tragen, dieser Vermuthung eine gewisse Wahr-
scheinlichkeit giebt, auch beiderlei Embryonen unter den
Bedingungen ungünstiger Ernährung und mangelnder
Feuchtigkeit in gleicher Weise die Fähigkeit, sich direct
zur Geschlechtsreife auszubilden, zu verlieren scheinen.
Sollte die Einwanderung bei unserer Leptodera wirklich
eine nur facultative sein, beide Generationen also, wenn
auch genetisch verbunden, doch von einander unabhängig
sich erhalten können, so läge hier die Möglichkeit vor,
dass eine Thierart sich unter Voraussetzung bestimmter
Lebens- und Existenzbedingungen in zwei neben einan-
der bestehende verschiedene Arten auflöse. Auch da,
wo die beiden Generationen neben einander existiren,
296 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
verhalten sie sich insofern wie Repräsentanten verschie-
dener Arten, als sie keinerlei geschlechtlichen Verkehr
eingehen.
Davaine hebt hervor (Cpt. rend. T. 67. p. 495), dass
er bereits vor Perez eine mit der Beschreibung des
letztern übereinstimmende Darstelhing von derEientwicke-
lung bei den Nematoden gegeben habe.
Kühn liefert auf experimentellem Wege den Nach-
weis, dass die von ihm früher beschriebene Anguillula
dipsaci auf den Roggen, Hafer, Buchweizen und Klee
übergeht und hier die unter dem Namen „Stock" bekannte
Krankheit bedingt, die in neuester Zeit mehrfach in be-
denklicher Ausbreitung beobachtet ist. Mit Berücksich-
tigung dieses ümstandes schlägt Verf. für seine Art jetzt
den Namen Ä. devastrix vor. Sitzungsber. der Halleschen
naturf. Gesellschaft 1869. S. 19—26.
Gre eff beobachtet Rhabditiden in faulenden Kar-
toffeln und glaubt dieselben als Krankheitsursache in An-
spruch nehmen zu dürfen. Sitzungsber. des naturhist.
Vereins der preuss. Rheinlande. Bonn 1869. S. 71. (Auch
Ref. kennt dieses Vorkommniss, hat aber in seinen Fällen
je nach den Fundorten verschiedene Arten in den Kar-
toffeln vorgefunden.)
Unter dem eigenen Genusnaraen Eubostriclius
beschreibt Gre eff (Untersuchungen über merkwürdige
Formen des Arthropoden- und Wurmtypus, Archiv für
Naturgesch. 1869. I. S. 117. Tab. VII) zwei frei lebende
merkwürdige Nematoden, die sich besonders durch eine
eigenthümliche äussere Bekleidung auszeichnen, durch
eine Hülle, die aus einer Lage dicht mit einander ver-
filzter oder verklebter Härchen oder feiner Borsten be-
steht, die wellen- oder lockenförmig den Wurm um-
schliessen , ohne damit verschmolzen zu sein. Es han-
delt sich hier offenbar um eine Ausscheidung der Haut,
deren Bildung jedoch nicht beobachtet werden konnte,
da dem Verf. bloss einige erwachsene Thiere zur Beob-
achtung kamen. Mund und After haben eine terminale
Lage.
der niederen Thiere während der J. 1868 — 1869. 297
Euh. ßliformis n. Nordsee, 8. Mm. lang, E. phalacrus n. Lan-
zarote, kleiner, mit Oesophagealbulbus und nacktem Kopfende.
Ebendas. (S. 116) erwähnt Greeffauch, dass er
sowohl an verschiedenen Stellen der Nordseeküste, wie
auf den canarischen Inseln sehr häufig die von Clapa-
rede und M e czni ko ff beschriebenen Genn. Chaetosoraa
und Rhabdogaster aufgefunden habe. Die am Kopfende
angebrachten beweglichen Haken und der Stäbchenap-
parat der Bauchfläche (der übrigens mehr zum Anheften
als zur Kriechbewegung zu dienen scheint), vermitteln
den Uebergang zu dem Gen. Desmoscolex, dessen Ver-
wandtschaft mit den Nematoden nach den eingehenden
Untersuchungen und den interessanten Mittheilungen un-
seres Verf.'s (ebendas. S. 108 — 116. Tab. VI) keinem wei-
teren Zweifel unterliegen kann. Am auffallendsten mar-
kirt sich diese Verwandtschaft in dem innern Bau, der,
soweit er eruirt werden konnte, kaum irgend welche
Verschiedenheit von dem Verhalten der Nematoden er-
kennen liess. Verf. lässt allerdings Darm und Geschlechts-
organe nicht auf der Bauch-, sondern der Rückenseite
des Thieres ausmünden, allein dem Anscheine nach ist
das ein Unterschied mehr der Nomenclatur, als des topo-
logischen Verhaltens. Jedenfalls ist die sog. Rückenseite
unserer Thiere auch insofern mit der Bauchfläche der
Nematoden identisch, als sie den in Form einer einfachen
Röhre entwickelten männlichen und weiblichen Genital-
apparat enthält. Das Männchen besitzt, wie die männli-
chen Nematoden, eine C'loake mit zwei Spicula. Die
Spermatozoen bilden eine „körnige" Masse und die Eier
werden, wenigstens bei' D. minutus, nach dem Ablegen
noch eine Zeitlang neben der Geschlechtsöffnung an der
Körperhaut umhergetragen, ein Umstand, der auch wohl
die von unserem Verf. hervorgehobene eigenthümliche
Borstenbildung des weiblichen neunten Segments erklä-
ren dürfte. Dieselbe Art trägt auch in dem Zwischen-
raum zwischen dem dritten und vierten Segmente ein
Paar Augenflecke. Die Borsten des D. minutus sind
selbstständig beweglich, förmliche Kriechborsten, am Rük-
ken und Bauch aber durch eine verschiedene Bildung
298 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
ihres Endstückes aiisgezeiclinet. Ausser dem D. minutus
beschreibt übrigens Verf. noch eine Anzcahl anderer mehr
oder minder verwandter Arten^ die sich besonders durch
die Zahl ihrer Ringe, die Form des Kopfes und die Anord-
nung resp. Bildung ihrer Borsten unterscheiden: D. ne-
matodes n. mit 37 Ringen und verhältnissmässig nur we-
nigen einfachen Borsten, D. alclelpJius n. ähnlich, aber
mit 70 dicht auf einander folgenden Segmenten, D. chae-
togaster n. mit 4 Kopf- und 8 Paar ziemlich gleichmässig
vertheilten Bauchborsten. Bei D. nematoides ist der Kopf
ganz ohne Borsten. Das neue Genus Tricho derma
hat auf dem geringelten plumpen Leibe statt einzelner
Borsten einen dichten Borstenbesatz, wodurch es auf den
ersten Blick eine gewisse Achnh'chkeit mit manchen
Ichthydinen des süssen Wassers erhält, die noch dadurch
vergrössert wird, dass es sich , gleich diesen Thieren,
nicht selten in bogenförmiger Krümmung zusammenzieht
und in dieser cigenthümlichen Form eine längere Zeit
verharrt. Die einzige Species Tr. oxycaudatum hat so
ziemlich dieselbe Grösse oder vielmehr Kleinheit (0,3 Mm.),
wie die verwandten Arten der Dcsmoscolex-Gruppe.
Während die voranstehend angezogenen Formen in
gewisser Beziehung die Nematoden mit dem Annelidty-
pus verbinden, glaubt unser Verf. in den von ihm gleich-
falls genauer studirtcn Echinodcren (ebcndas. S. 72 — 100.
Tab. IV u. V) mehr eine Annäherung an den Arthropo-
denbau und namentlich an die Verhältnisse gewisser Co-
pepodenformen zu erkennen. Freilich darf dabei nicht
ausser Acht bleiben, dass die Verwandtschaft mit den
Nematoden hier viel weniger frappant ist. Wenn man
auch vielleicht die Bildung des Kopfes und die von un-
serem Verf. zuerst beobachtete zangenartige Pharyngeal-
bewalfnung in dieser Hinsicht nicht allzu hoch veran-
schlagt, selbst von der Furca-artigen Bildung des Hin-
terleibsendes und den auf die äussern Bedeckungen auf-
gesetzten Borsten absieht, so bleibt doch die Duplicität
der weiblichen Geschlechtsorgane und deren Ausmün-
dung neben dem After ein Verhältniss, dem wir bis
jetzt bei den Nematoden nichts Aehnliches zur Seite
der niederen Thiere während der J. 1868—1869. 299
setzen können. Die männlichen Organe sind leider un-
bekannt geblieben; der Verf. glaubt jedoch eine herma-
phroditische Vereinigung mit den Ovarien auf das Ent-
schiedenste in Abrede stellen zu müssen. Die Embryonen,
die sich bereits in dem untern Abschnitte des sackför-
migen Ovariums entwickeln, haben durch ihre einfache
Cylinderform und ihre schlingenförmige Zusammenbie-
gungen anfangs eine auffallende Aehnlichkeit mit jungen
Nematoden, allein diese Aehnlichkeit wird dadurch ge-
trübt, dass statt der einen Schwanzspitze ziemlich bald
deren zwei auftreten, mit langen haarartigen Fortsetzun-
gen, die also schon entschieden an das furcale Schwanz-
segment der Mutterthierc erinnern. Auch an dem Kopf-
ende erfolgt eine Veränderung darin, dass die Lippen-
ränder aus einander weichen und nun eine mehr oder
minder trichterförmige Mundöffnung präsentiren, die aber
gelegentlich wieder geschlossen w'ird. Später bildet sich
in dieser Mundöffnung noch eine stiletartige Spitze, die
bald etwas hervorgezogen, bald aucl) ganz zurückgezogen
wird. Dass die Echinoderen nach diesen Beobachtungen
noch länger als Lfirvenformen betrachtet w^erden könnten,
ist natürlich unmöglich. Greeff giebt denselben folgen-
den Gattungscharakter: Körper gestreckt, walzenförmig,
auf dem Rücken convex, zuweilen mit einer auf einige
Segmente beschränkten schwachen medianen Längsfurche,
auf der Bauchflächc stets abgeplattet und durch eine vom
3. — 4. Segmente nach hinten ziehende breite Längsrinne
concav. Besteht aus einem Chitinpanzer von 12 oder 11
hinter einander liegenden Segmenten, von denen der Kopf
und die drei folgenden ungetheilte Ringe darstellen, w^äh-
rend die acht übrigen durch eine auf der Bauchfläche
befindliche mediane und zwei seitliche Längstheilungen
in drei Stücke zerfallen sind, in eine concave Dorsal-
(Tergal-) und zwei Ventral- (Sternal-) Platten. Fusswerk-
zeuge fehlen vollständig, ebenso sonstige äussere Anhänge
mit Ausnahme von mehrern kleinen seitlichen und einer
oder zweien gabiig auseinander tretenden langen und
kräftigen Schwanzborsten. Der bulböse Kopf, rundum
mit langen zurückgebogenen Haken besetzt, kann, wie
300 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
bei den Echinorhynchen, ganz In die Leibeshöhle zurück-
gezogen und in rascher Folge wieder ausgestreckt wer-
den. Er trägt auf seinem Scheitel eine rundh'che Mund-
öffnung, die in einen geräumigen^ mit eigenthümlicheu
zweigliedrigen Zangen bewaffneten und ebenfalls ausstülp-
baren Schlundkopf führt^ auf den ein nach hinten ver-
laufender Darm folgt, der am Körperende mit einem After
nach Aussen mündet. Das Nervensystem besteht in einem
hufeisenförmig den Oesophagus umgreifenden Gehirn-
ganglion, das in der Regel zwei oder mehrere rothe
Augenflecke trägt. Die Echinodercn sind vivipar, die
weiblichen Geschlechtsorgane liegen paarig zu den Seiten
des Darmes. Embryonen nematodenförmig. Entwicke-
lung wahrscheinlich ohne besonders auffallende Metamor-
phose. Kriechen auf dem Meeresgrunde und vermögen
nicht zu schwimmen. Die Artcharaktere — Verf. be-
schreibt ausser E. Dujardinii Clap. und E. nionocercus Clap.
als neu nach Eck. setigera aus Ostende , E. canariejisis
aus Lanzarote, E. horealis aus der Nordsee, E. lanugi-
nosa ebendah. — gründen sich auf die Zahl der Segmente,
auf die Stellung und Zahl der grösseren Borsten, so wie
die feinere Bekleidung des Chitinpanzers und die Anzahl
der Augen.
Auch Mec zniko ff bestätigt (Bullet. Acad. imper.
Petersbourg T. XIV. p. 357), dass die Echinodercn ausge-
gebildctc und geschlechtsreife Thiere sind, nimmt aber
die von Greeff als Embryonen beschriebenen Gebilde
als Samenkörperchen in Anspruch. Die Weibchen, die in
äusserer Gestaltung den Männchen vollkommen gleich
sind, enthalten in ihren zwei Eierstöcken je nur ein ein-
ziges Ei von ansehnlicher Grösse. Eine Metamorphose
scheint nicht vorzukommen: es giebt wenigstens sehr
kleine, noch ungefärbte und ganz durchsichtige, unreife
Echinodercn, die mit den erwachsenen völlig überein-
stimmen. Die reifen Samenkörper zeigen übrigens bei
den einzelnen Arten (deren Verf. ausser Ech. monoceros
und E. Dujardinii — wohl verschieden von der gleich-
namigen Art Greeff's — noch eine neue E. hrevispinosay
beobachtete), mancherlei Verschiedenheiten. Bei E. Du-
der uiedcreu Thiere während der J. 1868— 186U. 301
jardinii j^ind dieselben fadcnai'lig verlängert und mit
einem kleinen flimmernden Sclnvänzchen versehen^ wäh-
rend sie bei E. brevispinosa in Form dicker, nach hinten
sich verjüngender Körper erscheinen, deren vorderes abge-
stumpftes Ende einen kleinen gefurchten Zapfen trägt.
Acanthocephali.
Schneider's Bemerkungen „über den Bau der
Akanthocephalen" (Archiv für Anat. u. Physiologie 1868.
S. 584 — 597) betreifen ausser dem Ge fässapparate beson-
ders die Muskulatur und das Nervensystem und machen
uns mit einer Reihe sehr eigenthümlicher ßildungsver-
hältnisse bekannt. Namentlich gilt dieses von der Mus-
kulatur, die nach den Darstellungen des Yerf.'s noch
weit merkwürdiger ist^ als die der Nematoden. Die Fa-
sern oder vielmehr richtiger die hohlen Cylinder, welche
mit ihren Queranastomosen die bei den Kratzern bekannt-
lich doppelte Muskel läge, die äussere Ringfaserschicht
und die innere Längsfaserschicht, zusammensetzen, sind
nämlich nicht etw^a, wn'e man vielleicht vermuthen könnte,
gleich den Muskelfasern der Nematoden als einzelne
Muskelzelien aufzufassen , sondern blosse cylindrische
Anhäufungen contractiler Substanz, die den in Form
von Platten entwickelten Muskelzellen aufsitzen. Am
deutlichsten ist das in der Längsmuskelschicht, die sich
in fünf hinter einander liegenden Zonen solcher Muskel-
platten auflöst, von denen jede sich durch den Besitz
eines (einzigen) Kernes als eine einfache Zelle ausweist,
als eine Zelle freilich, die bei Echinorhynchus gigas, der
bei den anatomischen Untersuchungen des Verf.'s vor-
zugsweise zu Grunde gelegt ist, in der letzten Zone bis
über Fusslänge (!) heranwächst. Die Zahl der in den
einzelnen Zonen sehr regelmässig zusammengruppirten
Zellen steigt dabei von 1 auf 2, 4 und 8. In der Ring-
muskulatur unterscheidet Verf. nur vier Zonen, von denen
die drei vorderen je nur zwei Kerne enthalten, wäh- '^
rend die letzte dagegen, die den bei weitem grossesten
Theil des Körpers überspannt, sehr zahlreiche Kerne be-
302 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
sitzt, die mit den beiitelförmigen Auftreibungen der Mus-
kelcylinder, in welche sie eingebettet sind, gewöhnlich
durch die zwischen den Mnskelplatten bleibenden Lük-
kenräume hindurch in die Leibeshöhle hineinragen. Bei
Ech. gigas bilden diese Dnrchbruchstellen jederseits zwei
Längsreiben, über welche die Beutel dann hinauswuchern,
um sich im Innern der Leibeshöhle durch zahlreiche
Anastomosen zu einer schnurförmig zusammenhängenden
Masse zu verbinden. Da die Beutel und die damit zu-
sammenhängenden Muskelbündel hohl sind, so wird durch
diese Einrichtung ein directer Verkehr mit der Leibes-
höhlenflüssigkeit ermöglicht. Dazu kommen noch zwei
Längsgefässe, die zwischen den beiden Muskelschichten
in der Medianline des Rückens und Bauches hinlaufen
und die Quermuskeln mit zahlreichen kurzen aber weiten
Canälen versorgen, so wie vier dünnwandige durch Er-
weiterung gewöhnlicher Muskelröhren entstandene Längs-
kanäle in der innern Muskellage. Was das Gefässsjstem
der Haut betrifft, so zerfällt dieses in zwei vollständig
von einander abgetrennte Abschnitte , von denen der
eine sich auf den Kopf und die Lemnisken beschränkt,
während der andere über den übrigen Körper sich ver-
breitet. Die Strömungen des ersten Abschnittes hängen
von dem Muskelüberzuge der Lemnisken ab, dessen ana-
tomische Anordnung übrigens in den einzelnen Arten ver-
schieden ist. Auch die zwei Muskellagen des Rüssel-
sackes verhalten sich nicht bei allen Arten gleichmäs-
sig. In Bezug auf das Nervensystem erwähnen wir hier
nur der Thatsache, dass man die Faserzüge desselben bis
in das Schwanzende hinein verfolgen kann. Bei den
Männchen bilden diese Fasern neben der Muskelglocke
der Bursa sogar ein Paar sehr ansehnlicher Ganglien,
eine Bildung, die, wie Ref. hinzufügt, in ähnlicher Weise,
nur schwächer, auch neben der weiblichen Scheide sich
nachweisen lässt.
Jarjinski liefert in russischer Sprache eine mit
Abbildungen begleitete Darstellung vom Bau des Nerven-
systemes bei den Echinorhynchen (Verhandl. der Peters-
burger N. F. V. Zool. S. 298— 311).
der niederen Thiere vvähi-end des J. 1868—1869. 303
Linde man 11 will (rnssischcs Archiv für gcriclitl.
Medicin 1867. Dec.) den Echinorhynchiis gigas nicht bloss
bei Schweinen, sondern an den Ufern der Wolga auch
häufig beim Menschen und bei Fischen (!) gefunden haben
und lehrt sogar, dass die letzteren eigentlich die natürli-
chen Träger dieses Parasiten sein, indem dieser nur da-
durch in den Menschen gelange, dass seine Eier zufällig
(bei der culinarischen Behandlung der Fische, selbst
mittelst des jahrelang aufbewahrten trockenen Fischflei-
sches) importirt würden. Der Verf. scheint, wie von dem
Bau der Echinorhynchen (J. B. 1865. S. 245), so auch
von der Entwickelung derselben sehr unvollkommene
Kenntnisse zu besitzen.
Echinorhynchus eperlani Rud. wurde von Kessler
immer nur eingekapselt und unreif in der Leibeshöhle
von Osmerus gefunden und darauf hin als muthmassliche
Jugendform zu Ech. pachjsomus Rud. gestellt. Ausser-
dem lebt noch Ech. clavula, Ech. angustatus und Ech. glo-
bulosus bei den Fischen des Onegasees. L. c. p. 124 — 127.
2. P 1 a t 0 d e s.
Schwalbe bestätigt die Thatsache, dass die Tur-
bellarien, Cestoden, Trematoden bandartige homogene
Muskelfasern ohne Kerne besässen. Bei den Hirudineen
fand er dagegen nicht blosse Kerne und eine in grosser
Menge dieselben umschliessende Marksubstanz, sondern
auch eine aus radiär gestellten Blättern zusammenge-
setzte Rindensubstanz. Verf. vergleicht die Bildung mit
dem bekannten Muskelbau der Nematoden und ist ge-
neigt, die einzelnen Radialblätter je einer Muskelfaser der
übrigen Plattwürmer gleich zu stellen, so dass darnach
die bei denselben ohne besondere Gruppirung in der
Grundsubstanz des Körpers vertheilten Fasern bei den
Hirudineen gruppenweis um einen gemeinschaftlichen
Bildungsmittelpunkt, einen Kern, angeordnet w^aren. Ar-
chiv für mikrosk. Anat. Bd. V. ö. 216—220.
3 04 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Hirudinei.
Valllant handelt ^,sur ranatomie de la Pontobdella
verrucata" und beschreibt dabei die Zahl und Bildung
der Segmente, die Hautdrüsen, den Darmkanal und die
Geschlechtsorgane. Die Speicheldrüsen, die an dem
Mundsaugnapfe ausmünden, sollen zur Bildung des Co-
cons beitragen. Der Chylusmagen mit seinem Blindsacke
wird als eine Art Kropf betrachtet, in dem das genos-
sene Blut keinerlei Veränderungen eingehe, wogegen
die Verdauung in den verästelten (und drüsigen) Anhän-
gen des Enddarmes geschehe. An der scheinbar drü-
sigen üebergangsstelle des schlauchartigen Ovariums in
den Oviduct münden 5 — 7 Canäle , die vielleicht in ein
besonderes System von Hautdrüsen führen und vom Verf.
als Dotterstöcke (?) in ^Anspruch genommen werden.
Cpt. rend. T. 67. p. 77 — 97, Annais and Mag. nat. bist.
Vol. IL p. 170.
B i d d c r's „Untersuchungen über das Blutgefäss-
system einiger Hirudineen" (Dorpat 1868. 42 Seiten in
Octav mit 1 Kupfertafel, Inauguraldissertation) beziehen
sich auf Nephclis und Clcpsine, besonders auf erstere, und
bringen u.a. eine auf zahlreiche Beobachtungen gestützte
Beschreibung der rosettenförmige „Flimmerorgane", die
bei diesem Thiere bekanntlich in besondere blasige Er-
weiterungen der zwischen den pulsirenden Seitengefässen
und dem ventralen Medianstamme verlaufende Querana-
stomosen eingelagert sind. Ohne irgendwelchen Zusam-
menhang mit den — vom Verf. übrigens nur unvoll-
ständig beobachteten — Schleifen kanälen erscheinen die-
selben als eine aus Zellen gebildete scheibenförmige
Verdickung der Gefässwand , an welcher sich zehn
blumenblattartig gestellte Zapfen erheben. Ein jeder
Zapfen enthält einen hellen Kern , dessen Umgebung
ein mehr oder minder deutlich gestricheltes Aussehen
hat, während die übrige Masse von einem körnigen
(und membranlosen) Protoplasma gebildet wird. Der
Vorderrand der Zapfen ist eingeschnitten und zeigte
in einigen Fällen einen deutlichen Flimmerbesatz. Es
der niederen Thiere während der J. 1868—1869. 305
hat überhaupt den Anschein^ als wenn das betreffende
Organ nach Jahreszeit u. .^. w. mancherlei Verschieden-
heiten darbiete. Ucber die Function desselben istVcrf.
im Unklaren geblieben, doch denkt derselbe an die Mög-
lichkeit, dass es auf die Mischung des Blutes einen Ein-
fluss ausübe. Vielleicht, dass es sich mit den sog. Klap-
pen in dem (bei Nephelis bekanntlich fehlenden) Rücken-
gefässe von Piscicola und Clepsine vergleichen lässt, die
freilich in ihrem Bau nicht unbeträchtlich differiren. Ein
Bauchgefäss Hess sich bei Clepsine nicht auffinden, wohl
aber ein Sinus, der, wie die (nicht contractilen) Seiten-
gefässe, grosse Massen ansehnlicher Blutkörperchen ent-
hielt, Gebilde, die in dem (contractilen) Rückenstamme
vollständig fehlten. Die vonLeydig an letzterm beschrie-
bene Endöffnung konnte Verf. nicht bestätigen; es exi-
stiren nach demselben entweder gar keine Communica-
tionen mit den übrigen Bluträumen, oder nur so enge, dass
die Körperchen nicht hindurchpassiren.
Ratzel publicirt eine „vorläufige Mittheilung über
die Entwickelungsgeschichte von Lumbricus und Nephe-
lis^ (Zeitschrift für wissenschaftl. Zoologie Bd. XIX.
p. 281 — 283) und sucht die Embryonalbildung dieser bei-
den Thiere darin auf ein gemeinschaftliches Schema zu-
rückzuführen. Dabei wird u. a. behauptet, dass der Dot-
ter von Nephelis keine Furchung durchlaufe,, wie sie von
Rathke beschrieben ist und auch ohne sonderliche Mühe
sich nachweisen lässt, sobald man frisch gelegte Eier
beobachtet. Offenbar, dass Verf. die ersten Stadien der
Entwickelung gänzlich übersehen hat. Im üebrigen
müssen wir unsere Bemerkungen bis zur Veröffentlichung
der in Aussicht gestellten ausführlichen Arbeit des Verf.'s
zurückhalten. Nur so viel sei noch erwähnt, dass die
Entstehung des Primitivstreifens auch hier von einer
fortgesetzten Prolification der schon in früher Entwicke-
lungsperiode unterscheidbaren sog. colossalen Zellen ab-
geleitet wird. Nach den an einer andern Stelle (ebendas.
S. 276) mitgetheilten Bemerkungen soll diese Prolifica-
tion von dem Kerne der Zellen ausgehen.
Ebendas. (S. 269) handelt Verf. auch von den Kör-
306 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
permuskeln der Hiriidlneen und den embryonalen Mus-
kelfasern der Nephelis. Yergl. dazu unsere Bemerkung
auf S. 268.
Baird liefert ^descriptions of some new suctorial
Annelides in the collection of british Museum^ (Proeeed.
zool. Soc. 1869. p. 310 — 316) mit Diagnosen von Brau-
chellion ichthyhifolium von unbekantera Fundort, Br,
lineare von einem nordaastralischen Mustelus sp., Br.
jpunctatum von einem Myliobates der nordaustraliscben
Küste, Pontohdella afra St. Vincent, P. planodiscus Pa-
tagonien, P. variegata ebendas. , von einem Rhinobates,
Aulastotno. planion Cuba, A. eximio - striatiim von unbe-
banntem Fundort, Hirudo inGonoinna Ceylon, i7. Lowei
Borneo, H. Belcheri ebendas., H, maciilata Siam, H. as-
similis Honkong, H. seiuicarinata Vancouver Ins., H,
laevis unbekannt woher, Heterohdella (n. gen.) mexi-
cana, Glossiphonia rudis Gr. Bären- See, GL trisulcata und
GL Gimiciformis beide von unbekanntem Fundort.
Das Gen. Heterohdella trägt als Diagnose: Body compo-
sed of 160 rings. Male organ situated between the twenty-ninth
and thirtieth rings, female between the forty eighth and forty ninth.
Eyes five pares — three situated on first ring, one on second and
one on fifth. Anus rather small, round and distinct, situated bet-
ween the fourth and fifth last ring, in the centre, a little abowe
the ventral sucker, which is obliquely terminal and so placed as to
have a ventral aspect.
Gleichzeitig wird die Branchiobdella branchiata mit ihren ge-
fiederten Kiemen zum Typus eines eigenen Genus Eubranchella
erhoben.
Kessler beobachtete am Onegasee (1. c. p. 109 —
116) Hirudo medicinalis, Aulacostoma gulo, Nephelis vul-
garis, Clepsine 6-oculata, Cl. heteroclita, Cl. costata, Gl.
bioculata, Piscicola respirans, so wie die interessante vorn
jederseits mit 5 Doppel paaren hakenartig gekrümmter
Borsten bewaffnete Acanthobdella peledina Gr.
Trematodes.
Mecznikoff macht Untersuchungen über die Em-
bryologie vonGyrodactylus (Bullet. Acad. imper. St. Pe-
der niederen Thiere während der J. 18G8— 1869. 307
tersbourg T. XIV. p. 61 — 65) und kommt dabei zu der
üeberzeugung; dass die Bildung der Tochter und des
sog. Enkels nicht, wie Wagener (J. ß. 1860. S. 268)
wollte, an eine nachträgliche selbstsländige Entwickelung
übrig gebliebener Furchungskugelreste anknüpft, sondern
ziemlich gleichzeitig geschieht, und zwar aus der ge-
meinschaftlichen Masse übereinstimmender Embryonal-
zellen, die sich dabei in eine peripherische, zur Tochter
werdende und eine centrale , den sog. Enkel liefernde
Partie sondern. Die Enkelanlage zeigt ebenfalls bald
nach ihrer Differenzirung, noch vor dem Erscheinen der
Chitinhaken, im Innern einen grossen ovalen Zellenhaii-
fen, welcher den Urenkel repräsentirt, und auch in die-
sem lässt sich schon eine neue auf gleiche Weise ent-
standene (fünfte) Generation nachweisen. Mit der Ent-
wickelung der Cercarien, die, wie auch Verf. bestätigt,
immer nur aus den Derivaten einer einzigen (bilweilen
amöboiden) Zelle der Amme ihren Ursprung nehmen,
kann man unter solchen Umständen den geschilderten
Vorgang nicht vergleichen, wohl aber mit der Entwicke-
lung von Monostomum, dessen Flimmerhüile trotz ihrer
weniger selbstständigen Individualität ein vollständiges
Analogon des Gyrodactylus darstellt. Auch die Flimmer-
haut der ßothriocephalusembryonen dürfte hier als Homo-
logon angezogen werden können ; sie verhält sich zu dem
Gyrodactylus, wie das Flimmerkleid der Desorschen Ne-
mertes zu dem Pilidium, die Ref. bereits vor Jahren als
morphologisch gleichwerthige Bildungen bezeichnet hat.
Lacazc Duthiers nimmt (^Cpt. rend. T. 67. p.410)
den Inhalt des sog. Keimstockes bei den Trematoden als
ein entschiedenes Ei in Anspruch und spricht damit eine
Ansicht aus, die in Deutschland — Verf. kennt über die
Eibildung der Trematoden nur die Arbeiten von van
Beneden — schon seit lange allgemein recipirt ist.
Das Gen. Cyclatella van Ben. (J. B. 1863. S. 92)
muss verschwinden, seitdem sein Autor selbst hervorge-
hoben hat, dass es mit Loxosoma zusammenfalle und nur
in Folge einer Missdeutung dieses Thiers aufgestellt sei.
Le commensalisme 1. c. p. 22.
308 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Ausser Gyrodactyliis elegans imd Dlplozoon para-
doxum trifft Kessler bei den Wlrbelthieren des Onega-
sees noch Distomum cylindricum und D. tereticoUe^ so
wie das von letzterm nicht verschiedene D. rosaceiim
Nordm. L. c. p. 127—130.
Olsson beschreibt unter den von ihm beobachteten
Trematoden als neu : Distomum (Dicrocoelium) furcige-
rum aus Pleuronectes Limanda, D. viviparum aus Pleuronec-
tes microcephaluS; D. commune aus Labrus, Sebastes, Cottus
u. a. Fischen, D. increscens aus Scomber , Merluccius,
Hippoglossus, D. (Brachycoelium) ruhellum aus Labrus
maculatus, D. (Brachylaimus) botryophoroji aus Cyclopte-
rus Lumpus, Argentina silus und Molva abyssorum, D.
bergense aus Muraena anguilla, D. felis aus Anarrhichas
lupus. Entozoa, iakttagna hos IScandinaviska hafsfiskar
1. c. p. 15 — 59. Neben den äusseren Charakteren hat Verf.
überall auch den anatomischen Verhältnissen gebührende
Rechnung getragen.
Distomum Jachsonii n. airs der Leber des indischen
Elephanten, Cobbold, p]ntozoa p. 79 mit Holzschnitt.
Das von Ratzel (Archiv für Naturgesch. 1868. 1.
S. 153) als neu aufgestellte Monostomum Isahellimcm aus
der Schädelhöhle von Gadus Aegleiinus ist nach der bei-
gegebenen Beschreibung offenbar nichts Anderes als
Gasterostomum gracilescens, dessen Häufigkeit im Neurilem
des Schellfisches wir schon im letzten J. B. S. 280 her=
vorgehoben haben.
M'Intosh fand im Ommatoplea alba neben dem
Hirnganglion ein Mal ein eingekapseltes Distomum mit
grossem Bauchnapfe. Transact. roy. Soc. Edinb. Vol. XXV.
P. 2. p. 353. Tab. XIV. fig. 10.
Ebenso sah auch Ke ferst ein bei den von ihm
beobachteten Seeplanarien nicht selten eingekapselte
Distomen. Beiträge zur Anatomie und Entwickelungsge-
schichte einiger Seeplanarien. S. 22.
Cestodes.
Mecznikkoff liefert den Nachweis (Bullet. Acad.
imper. St. Petersbourg T. XHI. p. 290), dass Koch nur
der niederen Thiere während der J. 1868—1869. 309
mit Unrecht die Existenz einer besondern Hülle im
Umkreis des sechshakigen Embryo von Bothriocephalus
proboscidens geleugnet hat, und nimmt dieselbe trotz
Abwesenheit der Flimmerbekleidung als Analogon der
embryonalen Flimmerhaut von Bothriocephalus latus und
Monostomum in Anspruch. Ob dieselbe freilich mit glei-
chem Rechte der sog. serösen Hülle der Insektenem-
bryonen verglichen werden könne, ist eine andere Frage,
auf die wir hier nicht näher eingehen wollen.
Die Keimzelle der reifen Eier allein unterliegt der Klüftung,
während der dieselbe umgebende körnige Dotter daran keinen
Antheil nimmt Aus dem Haufen der blassen Zerklüftungszellen
sondern sich bald zwei mit grösseren Kernen versehene Zellen ab,
die sich — ebenso bei den Eiern von Taenia cucumerina — an beiden
Eipolen fixiren und erst am Ende des Embryonallebens verschwin-
den. Hat die ganze Masse der Embryonalzellen nach vollendeter
Klüftung die runde Form angenommen, dann theilt sich dieselbe in
einen centralen Kern, den späteren Embryo, und eine peripherische
Schicht, die den Anfangs deutlichen Zellenbau allmählich verliert
und die spätere ümhüUungshaut darstellt.
Die Eier von Schistocephalus dimorphus entwickeln
nach 24 — 25 Tagen im Wasser einen sechshakigen Em-
bryo, der wie bei Bothriocephalus im Freien ausschlüpft
und mittelst einer locker anliegenden Flimmerhülle um-
herschwimmt. Die Bewegung ist ungewöhnlich rasch,
aber, wie es scheint, nur von kurzer Dauer, v. Wi He-
rn oes-Su hm in Zeitschrift für wiss. Zoologie Bd. XIX.
S. 469—472. Tab. 35.
Knoch berichtet über einen neuen. Fund von Bo-
thriocephalus latus bei einem jungen mit flimmernden
Embryonen, embryonenhaltigen Eiern und zerschnittenen
Proglottiden dieses Bandwurmes gefütterten Hunde und
nimmt denselben als einen neuen überzeugenden Be-
weis in Anspruch, dass die Entwickelung hier ohne
Zwischenwirth stattfinde. (Bullet. Acad. imp6r. St. P6-
tersbourg T. XIV. p. 178.) Der Beweis würde allerdings
überzeugend sein, wenn Verf. in seinem Hunde, der vier
Wochen lang bis zu seinem Tode an jedem dritten Tage
mit voraussichtlich grossen Massen von Keimen gefüttert
wurde, nicht bloss drei Würmer (2 Köpfe und ein
Archiv für Naturg. XXXV. Jahrg. 2. Bd. ü
310 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
8' langes Exemplar, das diese Lauge auch binnen vier
Wochen erreicht haben muss !) , sondern deren eine er-
kleckliche Menge auf den verschiedensten Entwickelungs-
stadien aufgefunden hätte. Wie jedoch die Sachen auch
nach diesem Experimente liegen, wird Hr. Knoch sich
nicht wrundern dürfen, w^enn man die Beweiskraft seiner
Angaben so lange in Zweifel zieht, bis derselbe sich ver-
anlasst sieht, seine Versuche nach einer besseren Methode
anzustellen, und bis er schlagendere Resultate beibringt.
Eine ausführliche Beschreibung des aufgefundenen
reifen Wurmes in Robin's Journal de l'anatomie et de la
Physiologie 1869. p. 142—146.
van Beneden beobachtete bei einem Delphinus
delphis in der Specklage zahlreiche Hohlräume, die von
einer 2 — 5 Centimeter grossen Cyste eingenommen wur-
den. Im Innern der letztern lag je ein Phyilobothrium-
scolex, der mit seinem Kopf in eine Schwanzblase zu-
rückgezogen war, die Larvenform eines Cestodcn also,
der im ausgebildeten Zustande nur bei gewissen grossen
Haifischen vorkommt. Cpt. rend. T. 67. p. 1051. (Wahr-
scheinlich handelt es sich hier um den sog. Cysticercus
delphini , der bisher nur sehr unvollkommen unter-
sucht ist.)
Panceri sah auf der Körperhaut von Brama Raji
einen Dlbothriumscolex und vermuthet mit Rücksicht auf
die Angabe Cl apared es, nach der dieser einst den Scolex
eines Phyllobothrium — vielleicht dieselbe Form, die
nach Panceri in dem Gastrovasculärapparat von Cydippe
lebt — frei im Wasser schwimmend angetroffen habe,
dass derselbe in Folge einer activen Wanderung dorthin
gelangt sei. Rencond. R. Accad. di Napoli 1868. Febbrajo.
Nach Ra tzel (zur Entwicklungsgeschichte der Cesto-
den, Archiv für Naturgeschichte 1868. S. 138—147. Mit
Abbild.) beherbergt Tubifex rivulorum — an gewissen
Localitäten — vorn in seiner Leibeshöhle, da, wo die
Geschlechtsorgane und Geschlechtsproducte gefunden
werden, ziemlich häufig einen zu Caryophyllaeus gehö-
renden Cestoden. Der Parasit wurde in verschiedener
Entwickelung beobachtet. In seiner einfachsten Form er-
der niederen Thiere während der J. 1868—1869. 311
scheint er als ein Körper von keulenförmiger Gestalt
(0,9 Mm. lang, 0,3 Mm. breit), der einen homogenen Zel-
lenbau hat, und am hinteren Ende des stielförmig ver-
jüngten Leibes sechs ßtnbryonalhäkchen trägt. Auf
einer späteren Entwickelungsstufe ist dieser stielförmige
Theil zu einem drehrunden Anhange geworden, der durch
eine tiefe Einschnürung von dem beträchtlich gewachse-
nen platten und zungenförmigen Vorderleibe getrennt
wird. In letzterem erkennt man bereits eine histologische
Differenzirung. Man unterscheidet eine deutliche Muskula-
tur und ein Gefässsystem, dessen acht Hauptstämme durch
Queranastomosen unter sich in Verbindung stehen, und
hinten mittelst eines gemeinsamen kurzen Stammes in
den Schwanzanhang (Schwanzblase) einzumünden scheinen.
Die grösseren Parasiten, die bis zu 2 und 2V2Mm. mes-
sen — mit Einschluss der Schwanzblase, welche unge-
fähr ein Dritttheil dieser Länge beansprucht — , enthalten
ausserdem noch eine Reihe von Organen, die Verf. gewiss
mit vollem Rechte als Geschlechtsorgane (Hoden, Dotter-
stöcke, Cirrusbeutel) deutet, obwohl er keinerlei ent-
wickelte Zeugungsstoffe 'darin auffand. Es ist desshalb
denn auch sicherlich verfehlt, wenn Verf. seinen Parasi-
ten in dieser Form für ein völlig entwickeltes Thier hält,
den „ersten Cestoden, der in einem wirbellosen Thiere
geschlechtsreif werde" und „alle seine Entwickelungssta-
dien in demselben Träger durchlaufe". Die Schwanzblase
mit ihren Haken mag dem Parasiten bei seinen Bewe-
gungen immerhin als Fixationsapparat dienen, sie ist
trotzdem nach aller Analogie kein bleibendes Organ (wie
Verf. nach dem seiner Form gegebenen Namen Gar.
appendiculatus annimmt), sondern ein vergängliches Ge-
bilde, das ebenso wie die Schwanzblase der übrigen Cesto-
denlarven bei dem Uebergange in den definitiven Träger
verloren geht. Und nach der Ansicht des Ref. ist auch
der Ratzel'sche C. appendiculatus nichts Anderes, als eine
solche Larve, und zwar die Larve des gemeinen C. muta-
bilis. Die Anwesenheit von Geschlechtsorganen steht die-
ser Auffassung durchaus nicht im Wege, da die einge-
kapselten Distomeen ebenfalls schon in ihrem Zwischen-
312 Leuckart: Bericht üb. d, Leist. in d. Naturgeschichte
wirthe ihre Genitalien bekommen und je nach Umstän-
den mehr oder minder weit ausbilden. Trotz der irr-
thümlichen Auffassung behält übrigens die Beobachtung
unseres Verf.'s ein grosses Interesse, nicht bloss, weil
sie uns die Jugendformen eines bis dahin seiner Ent-
wickelung nach vollkommen unbekannten Cestoden ken-
nen lehrt; sondern namentlich auch desshalb, weil sie
uns zeigt, dass die Bildung des späteren Bandwurmko-
pfes keineswegs in allen Fällen durch Knospung an der
Innenfläche des sechshakigen Embryo, sondern gelegent-
lich auch durch eine äussere Knospung vor sich geht.
(Nachträglich sehe ich übrigens, dass die schon 1854 von
d'Udekem — J. B. Bd. XXII. S. 381 — in Tubifex
rivulorum und Nais proboscidea beobachteten Scolexfor-
men gleichfalls auf unseren Caryophyllaeus zu beziehen
sind. Bei dem grossesten Exemplare, das 7 Mm. maass,
war die Schwanzblase bereits in dem Zwischenwirthe ver-
loren gegangen.)
Dass die Öüsswasserlumbricinen auch sonst noch
vielfach mit der Entwicklungsgeschichte und den Wan-
derungen der Cestoden complicirt sind, beweist (ausser
der älteren Beobachtung von G. Wagen er — J. B.
1853. S. 34 — ) die weitere Beobachtung Ratze l's, dass
in der Leibeshöhle von Lumbriculus variegatus bei Carls-
ruhe durchaus nicht selten ein kleiner Cysticercus von
0,42 Mm. vorkommt {0. lumhriculi n.) j der auf seinem
cylindrischen Rostellum 10 kleine Haken trägt und wahr-
scheinlich von einer Vogeltänie abstammt. Ob übrigens
die Beschreibung und Deutung des Verf.'s überall die
richtige ist, mag dahin gestellt bleiben, aber so viel ist
gewiss, dass die äussere Hülle des Cysticercus, wenn sie
wirklich die Schwanzblase darstellt, wie Verf. meint,
nicht bloss hinten mit dem Halse des Wurms in Verbin-
dung stehen , sondern auch vorn eine Einstülpungsöff-
nung besitzen muss. Ratzel a. a. O. S. 147, 148 mit
Abbild.
Dieselbe Entwickelungsweise, die Ratzel für den
Caryophyllaeus nachgewiesen hat, findet sich nach M e 1-
nikoff (über die Jugendzustände von Taenia cucumerina,
der niederen Thiere während der J. 1868—1869. 313
Archiv für Naturgeschichte 1869. I. S. 62—69) auch bei
der Taenia cucumerina, die ihre Jugendzustände in Tri-
chodectes canis durchläuft. Auch hier entsteht der spä-
tere Scolex durch Auftreibung, rcsp. Knospung an dem
sechshakigen Embryo , nur dass dieser, wie es scheint,
hier früher zu Grunde geht. Die Finne des Bandwur-
mes zeigt keine Spur einer sog. Schwanzblase und ist
nichts Anderes, als der spätere Kopf mit eingezogenem
Saugnapf und Restellum. Dass die aufgefundene Finne
zu der Taenia cucumerina gehörte, wurde nicht bloss
durch die Identität der Hakenbildung, sondern auch auf
experimentellem Wege nachgewiesen.
Der schon im letzten Jahresberichte erwähnte viel-
köpfige Blasenwurm ausLumbricus wird jetzt von Mecz-
nikoff ausführlich beschrieben und abgebildet (Verhandl.
der Petersburger N. F, Y. Zool. p. 263—271. Mit 1 Tafel).
Er lebt in der Leibeshöhle und enthält 1 — 13 Köpfchen,
die im ausgebildeten Zustande lose im Innern einer ziem-
lich dicht anschliessenden Blase liegen und 12 lang ge-
streckte Haken auf einem rüsselartigen Rostellum tragen.
Die ersten Entwickelungsstadien erscheinen unter der
Form einer kleinen Kugel, die unter einem dicken Cu-
ticularüberzuge einen Haufen wasserheller Zellen ein-
schliesst. Durch Aufhellung im Centrum verwandelt
sich dieser Körper sodann in eine Blase, an deren inne-
rer Zellenwand die Kopfanlagen zum Vorschein kom-
men. Anfangs einfache solide Höcker, bilden dieselben
im Innern sehr bald eine Höhlung, die durch Verdickung
und Auftreibung des der Anheftungsstelle gegenüber-
liegenden Wandsegmentes eine glockenartige Gestalt hat.
Es ist übrigens nur der zapfenförmig verdickte Boden
der Glocke, der den eigentlichen Scolex liefert, da die
Seitenwände derselben, die Verf. wohl mit Recht der
Brutkapsel des Echinococcus vergleicht (und als Analo-
gen des sog. Insektenamnion betrachtet) , während des
Wachsthums des Zapfens sich immer mehr verdünnen
und zusammenfallen, bis sie schliesslich, nachdem sie eine
Zeitlang noch als dünner Verbindungsstrang mit der
Mutterblase existirt hatten, gänzlich zu Grunde gehen.
314 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Nach dem Schwinden der Brutkapsel bildet die Kopfan-
lage einen frei im Innern der Mutterblase liegenden ovalen
Körper, der später eine Spaltung in Haut und Muskelblatt
zeigt, sodann im Innern hohl wird und allmählich in einen
cylindrischen hinten etwas angeschwollenen Cestoden
sich verwandelt. Saugnäpfe und Haken entstehen an der
freien Aussenfläche des Vorderleibes, der sich erst nach
Ausbildung derselben in das hintere erweiterte Ende zu-
rückzieht. Verf. betrachtet diesen hinteren Theil des
Körpers als Schwanzblase und schliesst aus der Coexistenz
derselben mit einer Brutkapsel, dass diese beiden Gebilde
keine morphologische Analogie besässen, indessen zeigt
die Anwesenheit reichlicher Kalkkörperchen zur Genüge,
dass die vermeintliche Schwanzblase nur den hintern Theil
des Kopfes darstellt , der betreffende Scolex also, wie
der von Taenia cucumerina, den schwanzblasenlosen For-
men angehört. Der Versuch , in der Ente den hier
beschriebenen interessanten Scolex zur Strobilabildung
zu bringen, schlug fehl; vielleicht, dass eine Fütterung
am Maulwurf oder Spitzmaus ein günstigeres Resultat
geliefert hätte.
Sangalli beschreibt (delP Echinococco del fegato,
Memorie del reale istit. lombardo. Vol. XL 1868. 12 S.)
drei Fälle von p]chinococcus beim Menschen. In einem
dieser Fälle handelte es sich um den Ech. granulosus oder
scolecipariens mit Köpfchen, deren Verfütterung an Hunde
jedoch ohne Erfolg blieb.
Der multiloculäre Echinococcus ist nach Klebs als
eine pathologische Form zu betrachten, deren Vorkommen
nach den bis jetzt bekannt gewordenen 25 Fällen fast
ausschliesslich auf die Schweiz und das südliche Deutsch-
land beschränkt ist. In dem von Klebs selbst beob-
achteten Falle durchzog der Echinococcus die Scheide der
Leberarterie, vermuthlich die hier verlaufenden Lymph-
wege. Handbuch der pathologischen Anatomie S. 576.
Wie früher Böttcher (J. B. 1864. S. 259), so be-
obachtet jetzt auch Lindemann (vergl. das russisch
geschriebene Archiv für gerichtliche Medicin 1867. Dec.)
einen Coenurus aus dem Muskelfleische des Hasen,
der niederen Thiere während der J. 1868—1869. 315
nur lässt er dessen 600 Köpfchen sehr regelmässig in
sechs Doppelreihen angebracht sein und keine grössere
Häkchen tragen. Der Blasen wurm wird unter dem Na-
men Coenurus Lowtzowi als neu beschrieben und auf das
Resultat eines — nichts sagenden — Fütterungsexperi-
mentes hin als Jugendzustand der Taenia cucumerina (!)
in Anspruch genommen. Denselben Blasenwurm will
Verf. auch in einem dem Diaphragma eines am Nerven-
fieber verstorbenen Menschen entnommenen Parasiten
erkannt haben, eine Angabe, die jedoch eben so un-
wahrscheinlich ist, wie die Behauptung , dass sich der
Mensch mit den Eiern der Taenia cucumerina zu inficiren
im Stande sei.
Cobbold reproducirt (Entozoa p. 18—39) seine
schon anderweitig veröffentlichten Experimentaluntersu-
chungen über Blasenbandwürmer und macht dabei einige
weitere Mittheilungen über die Finne des Schafes, die
er für den Abkömmling einer noch unbekannten bewaff-
neten Taenia des Menschen hält.
Auch Ger lach berichtet über die von ihm mit
den Eiern von Taenia Solium und T. mediocanellata an-
gestellten Fütterungsversuche und folgert aus den Resul-
taten derselben, dass die Schweine nur in der Jugend
finnig werden können. In einem Falle wurde die Füt-
terung mit fünf Wochen alten, im Wasser aufbewahrten
Proglottiden vorgenommen, und trotz des fauligen Zu-
standes noch ein eclatantes Resultat erzielt. Jahresber.
der K. Arzneischule zu Hannover IL 1869. S. 66. lieber
die Entwicklung der Finnen hätte Verf. in dem Parasi-
tenwerke des Ref. sehr eingehende Beobachtungen finden
können.
Zürn stellt mit den Gliedern von Taenia medio-
canellata gleichfalls einen Fütterungsversuch an, der das
zum Experiment benutzte Kälbchen in der vierten Woche
tödtete. Zeitschrift für Parasitenkunde I. S. 364.
Krabbe berichtet (ügeskrift for Laeger 1869. VII.
Nr. 7) über 100 Bandwurmfälle in Kopenhagen und Däne-
mark, von denen 53 auf Taenia solium, 37 auf T. medio-
canellata, 1 auf T. cucumerina (T. elliptica?), 9 auf Bo-
316 Leuckart: Bericht üb. d. Leiet, in d. Naturgeschichte
thriocephalus latus kamen. Von 58 Kranken waren 31
zwischen 20 und 40 Jahre alt, und von 60 E'ällen betrafen
18 das männliche, 42 das weibliche Geschlecht. Die durch-
schnittliche Länge der Taenia solium belief sich auf
150 Ctm. und die der T. mediocanellata auf 296, doch
fanden sich unter den erstem Exemplare von c. 400, un-
ter den letztern Exemplare von c. 600 Ctm. und darüber.
Nach Panceri lebt die bisher bloss beim Hunde
beobachtete Taenia Echinococcus auch im Darmkanale des
Schakal. Rencond. Reale Accad. Napoli 1868. Febbrajo.
Feuereise n's „Beitrag zur Kenntniss der Tänien"
(Zeitschrift für wissenschaftl. Zoologie 1868. Bd. XVIII.
S. 161—205. Taf. X) handelt über die Tänien der Gans,
besonders Taenia fasciata und setigera, deren Bau sorg-
fältig, namentlich auch in Betreff der Geschlechts-
organe, beschrieben wird. Beide erweisen sich als nahe
verwandte Arten, die nicht bloss in der Bildung des Ko-
pfes, der Länge ihres Rüssels, Einfachheit des Haken-
kranzes, geringere Zahl der Haken u. s. w., sondern auch
in der Dreizahl der Hoden, der beträchtlichen Entwicke-
lung der Samenblasen, sowohl der männlichen — die sogar
doppelt sind, indem auch der Cirrusbeutel eine solche
einschliesst — wie der weiblichen, in der Grösse des Cir-
rusbeutels u. s. w. übereinstimmen. Dotterstöcke und Keim-
stock zeigen bei beiden Arten eine beträchtliche Entwicke-
lung. Die erstem sind zwei einfache, aber nur oberflächlich
gelappte Säcke, während der letztere einen grossen run-
den oder ovalen Körper repräsentirt, der sich von hinten
zwischen die Dotterstöcke einschiebt. Der Uterus er-
scheint als ein weiter Hohlraum. Allem Anschein nach
bilden diese zwei Arten den Typus einer eigenen Gruppe,
der auch die T. sinuosa und microsoma, die T. infundi-
buliformis der Hühner, T. crenata des Spechtes und an-
dere langrüsselige Formen zugehören dürften. Ob auch
die T. lanceolata der Gans dieser Gruppe zuzurechnen, ist
zweifelhaft, obwohl die Hoden hier gleichfalls in dreifa-
cher Anzahl entwickelt sind, und auch der Bau des Cir-
rusbeutels trotz seiner geringeren Grösse manche An-
knüpfungspunkte bietet.
der niederem Thierc wiUireiid der J. 1868—1869. 317
Bei dem Interesse und der "wissenschaftlichen Be-
deutung^ welche die Frage nach dem Herkommen und
der Entwickelungsgeschichte der Bandwürmer in der
letzten Zeit gewonnen hat, ist es gewiss doppelt verdienst-
lich, wenn Krabbe sich der Aufgabe unterzieht, die bei
den Vögeln bekanntlich in grossester Menge lebenden
Tänien einer näheren Untersuchung zu unterbreiten. Al-
lerdings sind bis jetzt schon mehr als anderthalb hun-
dert Arten dieser Thiere von den Zoologen namhaft ge-
macht, aber die vorliegenden Beschreibungen sind so
ungenügend, dass es in der Mehrzahl der Fälle kaum
möglich ist, dieselben wiederzuerkennen. Verf. hat sich
desshalb bemühet , die Bestimmungen, so weit das an-
ging, durch Untersuchung von Originalexemplaren fest-
zustellen und ist dadurch in den Stand gesetzt, das ihm
vorliegende reiche Material in möglichst ausgiebiger Weise
zu verarbeiten. Es sind nicht weniger als 123 Arten, die
Verf. beschreibt, und unter ihnen 58, die hier zum ersten
Mal in das System eingeführt werden, Körperform und
Grösse, Haken, Genitalbildung und Embryonalentwickelung
bieten zur Charakteristik derselben hinreichende Anhalts-
punkte, und sind denn auch überall von unserem Verf.
in genauester Weise berücksichtigt worden. Die Diagno-
sen sind lateinisch, die Beschreibungen leider in dänischer
Sprache gegeben, doch dürften die erstem in Verbindung
mit den zehn Tafeln Abbildungen für die Bestimmung
überall ausreichen. Die ersten zwanzig Arten, die bei
Schwimm- und Wadvögeln leben, haben durchschnittlich
20 (12—32) Haken, die in zwei mehr oder weniger scharf
abgesetzten Reihen stehen^ trotzdem aber so ziemlich die-
selbe gestreckte Form besitzen. Die unregelmässig alter-
nirenden Genitalöffnungen enthalten einen cylindrischen
und schwach mit Haaren besetzten Penis. Hierher Tae-
nia socialis n. sp. aus Uria troila, T. armillaris Rud., T.
Sternina n. sp. aus Sterna macroura, T. porosa Rud., T,
dodecacantha n. sp. aus Larus minutus, T. larina n. sp.
aus Larus tridactylus , A. micracaniha n. ebendaher, T.
campy lacantha n. aus Uria grylle, T. multiformis Crepl.
T. pyriformis Wedl, T. Nymphaea Schrank, T. micro-
318 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
phallos n. ap. ausVanellus cristatus, mit rundlichen Eiern,
und T. microrhyncha n. sp. aus Machetes pugnax, T. cla-
vigera n. aus 8trepsilas interpres, T. variabilis Rud. , T.
Citrus n. sp. aus Scolopax gallinago, T. ericetorum n. sp.
aus Charadrius pluvialis, T. globulus Wedl und T. pia-
tyrhyncha n. sp. aus Totanus calidris mit gestreckten Eiern.
Zu den letztern gehört auch der bekannte Cysticercus
arionis, der nach Küchenmeister in Totanus hypo-
leucos reif wird. Unser Verf. beschreibt denselben als
T. arionis, obwohl er vielleicht als Jugendform zu mehre-
ren verwandten Arten gehört. T. cingulifera n. sp. aus
Totanus callidris hat 40 kleine Haken, während T. ae-
gyptiaca n. sp. aus Cursorius isabellinus und T. hacUli-
gera n. sp. aus Scolopax rusticola eine Doppelreihe von
je zehn langen, fast stäbchenförmigen Haken besitzen.
Ganz ähnliche Haken kommen (in bloss zehnfacher An-
zahl) bei T. laevis ßl. und T. villosa BL, so wie bei T.
stylosa Rud. und T. fringillorum Rud. wieder, die in an-
derer Hinsicht freilich sehr verschieden sind. Taenia
embryo n. sp., T. stellifera n. sp. und T. paradoxa, alle
drei bei Scolopax major, tragen eine einfache Reihe
mit 14 länglichen Haken und zeigen auch sonst eine
grosse Uebereinstimmung. Ebenso sind T. laevigata Rud.,
T. coronata Crepl. und T. nilotica n. sp. aus Cursorius
isabellinus in gleicher Weise durch die beträchtliche
Grösse und die längliche Form ihrer Haken ausgezeich-
net. Eine andere Gruppe wird durch T. unilateralis Rud.
(= T. campylancristrota Wedl), T. macropeos Wedl ( =
Gyporhynchus pusillus Nordm.), T. urceus Wedl, T. sco-
lecina Rud. und T. transfuga n. sp. aus Platalea ajaja
gebildet. 8ie haben 20 Haken in zweien Reihen, die
eine merklich verschiedene Form zeigen und nur un-
vollständig sich zurückziehen können. Taenia capito Rud.
(non Dujardin) und T. omalancristrota Wedl, gleichfalls bei
Reiherarten, unterscheiden sich bei ähnlicher Hakenbil-
dung durch unregelmässig alternirende Stellung der Ge-
schlechtsöffnungen. Die sonst bei den Schwimm- und
Wadvögeln vorkommenden Tänien sind mit einem Kranze
von gewöhnlich 10 gleichmässig entwickelten Haken be-
der niederen Thiere wahrend der J. 1868 — 1869 319
waffnet und mit wenigen Ausnahmen (T. polymorphaRiid.
und T, laevis Bloch) durch die einseitige Stellung ihrer
Geschlechtsöffnungen ausgezeichnet, bilden aber nach
der Form ihrer Haken wieder mehrere kleinere Grup-
pen. So haben die einen (T. retirostris n. sp. aus Strep-
silas interpres , T. megalocephaia aus Tringa alpina, T.
megalorhyricha nn. sp. aus Tringa maritima, T. teres n. sp.
aus Anas moUissima, T. inflata Rud., T. capitellata Rud.,
T. atiatman. sip. aus Anas boschas — mit T. malleusRud.,
die Verf. für eine blosse Missbildung hält — , T. setigera
FrÖhl., T. liophallos u. sp. aus Cygnus atratus, T. tenui-
rostris Rud., T. minuta n. sp. aus Phalaropus, T. longi-
rostris Rud., T. cryptacantha n. sp. aus Glareola pratin-
cola, T. nitida n. sp. aus Tringa maritima, T. brachyce-
phala CrepL, T. lanceolata Bl., T. microsoraa Cpl., T. si-
nuosa Zed., T. gracilis n. sp. aus Anas boschas, T. fas-
data n. sp. aus Anser cinereus, T. fragilis aus Anas
crecca — die vier letztem mit 8 Haken und einer eigen-
thümlichen Anordnung der Geschlechtsorgane — T. octa-
cantha n. sp. aus Anas clypeata, T. polymorpha Rud., T.
laevis BL, T. villosa BL, T. acanthorhyncha Wedl, T.
macrorhyncha Rud., T. multistriata Rud.) Haken, die
durch die Länge ihres hinteren Wurzelfortsatzes ausge-
zeichnet sind und beim Zurückziehen des Rüssels ihre
Spitze nach hinten kehren, während die übrigen kürzere
Haken und Wurzelfortsätze tragen, die entweder gleiche
Länge besitzen oder zu Gunsten des vordem ungleich
sind. Hieher zunächst T. furcifera n. sp. , die gleich
den drei letztgenannten Arten in Podiceps lebt und trotz
der abweichenden Hakenform damit auch verwandt ist,
T. capillaris Rud., so wie ferner T. fusus n. sp. aus La-
rus glaucus, T. cirrosa n. sp. aus Larus canus, T. reour-
virostrae n. sp., T. himantopodis n. sp., T. microcephala
Rud., T. hrachyphallos n. sp. aus Tringa, T. amphitricha
Rud., T. filum Goeze, T, orassirostris n. sp. aus Scolopax,
T. clandestina n. sp. aus Haematopus, die trotz der ver-
schiedenartigen Bildung ihres Penis und ihrer Eier zu-
sammengehören, und T. rhomboidea Duj., T. grönlan-
dica n. sp. aus Anas glacialis , T. aequabilis Rud., T,
320
Leuckart: Bericht üb. d. Leist, in d. Naturgeschichte
Creplini n. sp. aus Anser arvensis, T. coronula Duj., T
micrancristota Wedl, T. fallax n. sp. aus Anas moHiV
sima, die gleichfalls eine besondere kleine Gruppe bil-
den, die auf die Enten beschränkt ist. Die Tänien der
Landvögel sind von denen der Wasservögel verschieden,
aber bis jetzt noch nicht in genügender Weise zu grup-
piren. Verf. beschreibt von ihnen T. Dujardinn n. sp.
aus Turdus musicus, T. Motacillae brasiliensis Rud. und
T. Motacillae cayanae Rud., sodann T. Büharzi n. sp. aus
Sylvia galactodos, T. farcirninalis ßatsch (= T. undulata
Duj.), T. serpentulus Schrank (nonDujardin), T. angulata
Rud. (= T. serpentulus Duj.), T. coronina n. sp. , die
meist bei Krähen leben und durch die Zehnzahl ihrer
Haken und die einseitige Gruppirung ihrer Geschlechts-
öffnungen als nahe Verwandte sich erwreisen, T. stylosa
Rud., T. fringillarum Rud., T. lina Göze, T. parallelepi-
pida Rud., T. megacantha Rud., T. constricta Molin, T.
affinis n. sp. aus Corvus frugilegus, T, colUculorum n. sp.
aus Hirundo riparia, T. cyathiformis Fröhl., T. undulata
Duj., T. candelabriua Göze, T. producta n. sp. aus Picus
viridis, T. parvirostris n. sp. aus Hirundo urbica, T. Lew
charti n. sp. , die trotz ihrer Verwandtschaft mit den
Tänien der Landvögel bei dem Reiher gefunden ist, T.
depressa v. Sieb., T. crateriformis Göze, T. triangulus n.
sp. aus Turdus sp., T. campanulata Rud., T. longiceps
Rud., T. meropina n. sp. aus Merops superciliosus, T. ho-
realis n. sp. aus Emberiza nivalis, T. trigoiiocephala n. sp.
aus Saxicola oenanthe, T. infundibuliformis Göze (non
Dujardin), T. parina Duj., T. cesticillus Molin (= T. in-
fundibuliformis Duj.), T. circumvallata n. sp. aus Perdix
cothurnix, T. aiistralü n. sp. aus Dromaius novae Hol-
landiae, T. circumciiicta n. sp. auffallender Weise wieder
aus einer Reiherspecies, Ardea garzetta, T. urogalli Mo-
deer (=:T. tumensMehl. und T. microps Dies.), T. cras-
sula Rud. (incl. T. sphenocephala Rud.) , T. leptosoma
Dies., T. frontinaDuj. (= T. crateriformis Rud. ex parte).
Die acht letztgenannten Species, die grösstentheils bei
Hühnervögeln und Verwandten schmarotzen, bilden wie-
der eine kleine Gruppe, die sich durch einen halbkugel-
der niederen Thiere während der J. 1868—1869. 321
förmigen, mit zahlreichen — meist über 100 — kleinen,
zweizeilig gestellten Haken mit grosser Vorderwurzel
zur Genüge cliarakterisirt und wahrscheinlich auch T.
cantaniana Pol., vielleicht selbst die T. proglottina Da-
vaine in sich aufzunehmen hat. Krabbe, bidrag til
kundskab om fuglenes Baendelormc. 120 Seiten in Quart
mit 10 Kupfertafeln. Kopenhagen 1869. Aus den Vi-
denskab. Selsk. Skr. 8. Bd. VI.
Unter dem Namen Ophryocotyle proteusn. gen. et
n. sp. beschreibt Friis in den Vidensk. Meddel. Kbhvn.
for 1869, p. 121 — 124. Tab. I. eine 6—25 Mm. lange
Taeniade aus Tringa alpina, Charadrius hiaticula und La-
rus canus, deren Scheitel statt des gewöhnlichen Rsü-
sels ein ovales Schild besitzt, das durch quere Furchen in
fünf neben einander liegende Segmente getheilt ist.
Der gewellte Rand des Schildes trägt eine Reihe von
vielleicht tausend kleinen Haken mit grosser Vcrderwur-
zel. Auch die Saugnäpfe sind im Innern mit kleinen
Häkchen versehen , wie das bekanntlich auch bei den
Bandwürmern unserer Hühnervögel der Fall ist.
Krabbe's Abhandlung über den nicht minder merk-
würdigen Idiogenes otidis (J. B. 1867. S. 287) wird in's
Englische übersetzt, Ann. and Mag. nat. bist. T. IV. p. 47
-51. PL III.
üeber Tetrahothrium norvegicum n. aus Spinax ni-
ger und BotJiriocephalus angusticeps n. aus Sebastes nor-
vegicus vergleiche Olsson 1. c. p. 9 u. 12. Ebende-
sclbst Mittheiiungen über andere Fischcestoden im er-
wachsenen und jugendlichen Zustande.
Cjathocephalus truncatus Pall. wird von Kessler
(im Gegensatze zu Rudolph i und Dicsing) als eine
selbstständige Wurmform in Anspruch genommen. L.
c. p. 136.
Turbellarli.
Ou lianin berichtet in der Moskauer Naturforscher
Versammlung über die von ihm in der Sebastopol-Bucht
aufgefundenen grösstentheils neuen Turbeliarien (12 Ne-
322 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
mertinen, 6 Dendrocoelen, 38 Rhabdocoelen), und erör-
tert dabei eine Reihe von anatomischen Verhältnissen. So
beschreibt derselbe u. a. bei mehreren Rhabdocoelen eine
deutliche Cuticula und (Monocelis, Mesostomum) willkürlich
bewegliche Flimraerhaare. Er erwähnt bei Schizoprora
venenosa eines Stridulationsorganes und zahlreicher Haut-
drüsen^ überzeugt sich bei einigen Rhabdocoelen und
Dendrocoelen von der Anwesenheit einer flimmernden
Leibeshöhle, und findet bei Nemertes lactea ein bisher
übersehenes laterales Organ. Enterostomum besitzt nach
dem Redner zwei isolirte Geschlechtsöffnungen und Dot-
terdrüsen, die von den Ovarien getrennt sind. Beider-
lei Geschlechlsproducte werden gleichzeitig entwickelt.
Was bei Prothiostomum elongatum bisher für Samenblase
gehalten wurde, soll eine andere Bedeutung besitzen.
Eine vivipare Nemertine schien Embryonen durch innere
Knospung ohne Befruchtung zu erzeugen.
Rhyuchocoeli. M'Intosh veröffentlicht in den Trans-
act. roy. Soc. Edinb. T. XXV. P. 2. p. 305— 604. Tab. IV
— XIV eine Abhandlung „on the structure of the british
Nemerteans", in welcher nicht bloss der anatomische, son-
dern auch der histologische Bau dieser Thiere eingehend
besprochen wird. Im Ganzen schliesst sich Verf. dabei
an die bei uns schon seit längerer Zeit gültigen An-
schauungen an, doch fehlt es natürlich nicht an Anga-
ben, die Zweifelhaftes bestätigen oder Irrthümliches be-
richtigen. So unterliegt es nach Verf. keinem Zweifel,
dass die sog. Reservestacheln im Rüssel der bewaffneten
Arten nur mit Unrecht diesen Namen tragen, da der Haupt-
stachel gleich von vorn herein an seiner späteren Stelle
entsteht und hier auch durch Neubildung ersetzt wird,
wenn er verloren geht. Was Ref. und Andere bei den
unbewaffneten Arten als hintere Hirnganglien beschrieben,
(Boeck's Gehörorgan J. B. 1868. S. 289) ist nach unserm
Verf. ein beuteiförmiges Anhangsorgan der Kopfspalte
(Seitenorgan Keferstein, cephalic sac), das als Drüse ge-
deutet wird und auch bei den bewaffneten Arten vor-
kommt, hier aber vor dem Hirne gelegen ist. üeber-
haupt sind bewaffnete und unbewaffnete Arten nicht
der niederen Thiere während der J. 1868—1869. 323
bloss durch die Ausstattung des Rüssels — den Verf.
übrigens niemals als Greiforgan agiren sah — und die
Bildung des Hirns von einander verschieden, sondern
auch sonst vielfach abweichend organisirt. So öffnet sich
der Mund bei den erstem vor, bei den andern dagegen
hinter der Kopfcommissur des Hirns. Die Muskulatur
hat bei den letztern eine viel ansehnlichere Entwicke-
lung, wie den auch die Contractilität weit auffallender
ist. Der Unterschied erstreckt sich sogar auf die An-
ordnung der Muskelschichten, deren man bei den Bor-
lasiaden drei Lagen unterscheidet, zwei longitudinale und
eine circuläre, während die Ommatopleiden der äusseren
Längsfaserschicht entbehren. Umgekehrt ist dafür aber der
Rüssel der bewaffneten Formen viel complicirter gebaut,
so dass Verf. in demselben — natürlich zunächst nur in
dem vorderen Abschnitte — sieben Schichten zu unter-
scheiden vermochte, die bei den unbewaffneten Arten
(durch Vereinfachung der äusseren , hauptsächlich von
Längsfasern gebildeten Lagen) auf fünf reducirt werden.
Die seitlichen Nervenstämme, die bei den sog. Ommato-
pleiden im Innern des Hautmuskelschlauches liegen, ver-
laufen bei den Borlasiaden zwischen der Ringfaserschicht
und den nach Innen darauf folgenden Längsfasern. Selbst
auf die Anordnung des ßlutgefässapparates — von sog.
Wassergefässen wird Nichts erwähnt — erstreckt sich der
Unterschied dieser beiden Gruppen, indem die bewaffneten
Arten drei einfache Längsstämme besitzen, die an den En-
den in einander übergehen und vorn noch eine rücklaufende
Schlinge für den Kopf abgeben, die Borlasiaden aber die-
ser Schlinge entbehren, dafür aber vorn (im Umkreis des
zarten und flimmernden Schlundes, den Verf. fortwäh-
rend Wasser einziehen und ausstossen lässt) ein compli-
cirtes System von Anastomosen besitzen. Bei den letz-
tern finden sich auch bogenförmige Querschlingen zwi-
schen den Gefässen, die den erstem fehlen. Die von
Desor zuerst beobachtete Entwickelungsweise mit flim-
mernder Larvenhaut ist auf die Gruppe der Borlasiaden
beschränkt, während die Ommatopleiden und Cephalothri-
ciden ohne solche ihren Ursprung nehmen und höchstens
324 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
vorn oder hinten Anfangs mit einem provisorischen Flim-
merbüschel ausgestattet sind. Dass die Nemertinen das ver-
loren gegangene Hinterende ersetzen, ist bekannt Aber
auch die isolirten Zwischenglieder ergänzen sich in ein-
zelnen Fällen (Borlasia octoculata) oder bleiben doch nach
Vernarbung der Bruchflächen Monate lang am Leben, so
dass nicht selten die Geschlechtsproducte inzwischen zur
vollen Entwickelung kommen. (Vergl. hierüber auch den
Aufsatz unseres Verf.'s im Proceed. Linnaean Soc. 1868.
June). Ebenso wird der Rüssel nach etwaigem Verluste
schon nach kurzer Zeit wieder vollständig ersetzt, indem
sich von der Rüsselöffnung ein Zapfen erhebt, der immer
weiter in die Rüsselscheide hineinwächst und sich ana-
tomisch, wie histologisch dabei differenzirt. Bei den
Ommatopleiden sieht man neben dem neu knospenden
Rüssel gelegentlich die Ueberreste des abgestossenen in
der Rüsselscheide umhertreiben und allmählich zerfallen.
In seinem Aufsatze on the affinities and Classifica-
tion of the IS^emerteans (Proc. roy. Soc. Edinb. Vol. VI.
p. 545 — 549) sucht derselbe Verf. die Resultate seiner
anatomischen Untersuchungen für die Systematik zu ver-
werthen. Mit Schnitze unterscheidet derselbe zunächst
zwei Unterordnungen Enopla und Anopla, nur dass er
dabei nicht bloss auf die Unterschiede in Rüsselbewatf-
nung und Hirnbildung, sondern auch auf die Structur
des Hautmuskelschlauches, die Lage des Nervenstranges,
die Anordnung des Muskelapparates und die Entwicke-
lungsweise Rücksicht nimmt. Die erste Gruppe enthält
nur eine einzige Familie, die der Ommatopleiden (Bor-
lasia Keferst), mit Formen , die bald einen kurzen und
dicken Leib mit verhältnissmässig langem Rüssel, bald
auch einen verlängerten Leib mit verhältnissmässig kur-
zem Rüssel besitzen. In der Gruppe der Anopla nimmt
Verf. drei Familien an: die Borlasiden (= Nemertes
Keferst.), Meckeliden und Cephalothriciden, von denen
die erstero wieder eine Anzahl von Unterfamilien ein-
schliesst.
Nach Marion (histol. du syst, nerveux desNömer-
des, Cpt. rend. T. 68. p. 1474) enthält die Rindenschicht
der niederen Thiere während der J. 1868—1869. 325
des Nemertirienhirncs zahlreiche kleine, theils apolare,
theils auch multipolare Zellen, die nach Einwirkung von
Osmiumsäure deutlich werden, hei denjenigen Arten aber
fehlen sollen, bei denen die beiden Seitenstämme an Ihrem
Innenrande von einer körnigen (nicht zelligen) Pulpa be-
gleitet werden.
Nachdem wir bereits vor einiger Zelt aus der sonst
ganz hermaphroditischen Gruppe der Planarien ein Paar
getrenntgeschlechtlicher Arten kennen gelernt haben,
erfahren wir jetzt durch die Untersuchungen von K e-
ferstein, dass es unter den sonst zweigeschlechtlichen
Nemertinen auch Zwitter giebt (Nachrichten d. K. Ge-
sellsch. der Wissensch. zu Götting. 1868. S.27, Archiv für
Naturgeschichte 1868. S. 102—105 mit Abbild, „über eine
Zwitternemertlne von St. Malo"). Der Wurm, an dem
Verf. seine Beobachtungen anstellte, gehört zu dem Gen.
ßorlasla Kef. {B. hermaphroditica n. sp.) und besitzt eine
Länge von etwa 10 Mm. Die vordere Körperhälfte des-
selben enthielt männliche, die hintere weibliche Organe
von gewöhnlicher Form und Lagerung. Da übrigens die
Samenfäden in dem einen Exemplare, das zur Untersu-
chung kam, bereits vollständig entwickelt waren, so
könnte man vielleicht an die Möglichkeit denken, dass die
sog. Hoden blosse Samentaschen darstellten, allein das,
was wir über die Geschlechtsverhältnisse der Nemertinen
wissen, macht diese Vermuthung In hohem Grade un-
wahrscheinlich. Das Seitenorgan stand mit einem wimpern-
den Kanal In Verbindung, der von der Kopfspalte aus in
dasselbe sich einsenkte und bei einer anderen Art nach
vorhergehender Knäuelung In die Körperhöhle zu mün-
den schien, so dass Verf. dadurch an die sog. Segmen-
talorgane der Borstenwürmer erinnert wurde.
Wie Keferstcin, so beobachtete auch Marlon
eine hermaphroditische Nemertlne (Compt. rend. 1869.
T. LXLX. p. 5 f.) Annal. and Magaz. nat. bist. Vol. IV.
p. 136). Dieselbe besitzt im ausgestreckten Zustand eine
Länge von 15 Mm. und wird als Borlasia Kefersteini be-
schrieben (mit 4 linsentragenden Augen und Rüsselbo-
Archiv f. Naturg. XXXV. Jahrg. 2. Bd. V
326 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
waffnung). Männliche und weibliche Zeugungsproducte
entstehen auf gewöhnh'che Weise zwischen den Leber-
schläuchen und der Körperwand und zwar in ganzer Kör-
perlänge. Fundort Marseille.
Mecznikoff untersucht die erste Bildung des Ne-
mertinenkörpers bei Pilidium (Bullet. Acad. imp^r. St.
Petersbourg T. XlII. p. 288) und überzeugt sich, dass
dieselbe an vier — schon von J. Müller gesehene —
saugnapfartige Hauteinstülpungen anknüpft, die sich zu
förmlichen Taschen entwickeln, deren Boden dann durch
Verdickung und ümwachsung des Magens zu der Wand
des NemertinenkÖrpers wird, während der mehr periphe-
risch gelagerte dünnere Theil in eine „amnionartige^
Umhüllung der jungen Nemertine sich verwandelt. Ref.
sieht in dem hier geschilderten Verhalten den directen
Beweis für die Richtigkeit der von ihm schon früher
ausgesprochenen Vermuthung, dass die so eigenthümh'che
Entwickelung der Nemertinen und Echinodermen im We-
sentlichen auf einer nachträglichen Bildung des Keim-
streifens beruhe und somit denn zunächst an die Meta-
morphose der Blutegel — und Chätopoden — sich an-
schliesse.
In der später erschienenen ausführlichen Abhandlung
über Nemertinenentwickelung (Mem. Acad. imper. St.
Pötersb. T. XIV. Nr. 8. p. 50 ff.) beschreibt Verf. auch
die von Kowalewsky beobachtete Erabryonalentwicke-
lung einer Pilidium bildenden Nemertine, aus der hervor-
geht, dass die Larve ihre definitive Bildung schon vor
der Anlage des späteren Wurmes annimmt. Sie wird
in Form einer flimmernden sog. Embryonalblase geboren,
die dann durch Einstülpung einen Darm entwickelt und
neben der Einstülpungsstelle die charakteristischen Lap-
pen bildet. Uebrigens muss die Entwickelung mittelst
Pilidiumzustandes ziemlich weit verbreitet sein, da Ver-
fasser aus dem Schwarzen Meere und dem Mittel-
meere nicht weniger als fünf verschiedene Formen von
Pilidien kennt. Die Einzelheiten der Nemertesentwicke-
lung übergehen wir in unserem Berichte, da sie — von
der niederen Thiere während der J. 1868—1869. 327
den obigen Mittheiliingen abgesehen — Qur wenig Neues
enthalten. Nur so viel sei erwähnt, dass sich die Epider-
mis des Wurmes ziemlich frühe von der darüber hin-
ziehenden Muskelschicht isolirt und durch locale Zellen-
wucherung das Hirn aus sich hervorbildet. Darauf hin
möchte Verf. denn auch die Epidermisverdickung unter
dem Flimmerschopfe von Pilidium als ein embryonales
Hirn in Anspruch nehmen.
Auffallender Weise betrachtet van ßeneden in
seiner Abhandlung über den Commensalismus die junge
Nemertine nach wie vor als Gast des Pilidium. L. c. p. 17.
Pharyngocoeli. Keferstein's ^Beiträge zur Anato-
mie und Entwickelungsgeschichte einiger Seeplanarien
von St. Malo" (38 S. in Quart mit drei Kupfertafeln, Göt-
tingen 1868, aus dem XIV. Bande der Abhandl. der
Königl. Gesellsch. d. Wiss. zu Göttingen) beziehen sich
auf Leptoplana tremellaris, Eurylepta Argus und E.
cornuta und enthalten namentlich in histologischer Hin-
sicht manche neue Detailangabe. Unterhalb der von
birnförmigcn Drüsen und Schleimstäbchen (nicht Nes-
selkapseln) durchsetzten Cutis beschreibt Verf. eine struc-
turlose Basilarmembran, die wohl richtiger als Cutis be-
trachtet wird, während Keferstein's Cutis mit ihrer
Cuticula die Epidermis darstellt. Auch der Darm be-
sitzt eine structurlose Grundmembran , der eine Zellen-
schicht aufliegt, die je nach dem Füllungsgrade verschie-
den deutlich ist. Der Darminhalt tritt auch in die Sei-
tenzweige über, so dass diese keineswegs ausschliesslich
als Lebern gedeutet werden dürfen. In der Peripherie
des Darmes und auch sonst bemerkt man deutliche Spu-
ren einer Leibeshöhle, die allerdings durch die Einge-
weide und Sagittalmuskeln sehr beengt ist. Blutgefässe
fehlen, und auch Wassergefässe sind dem Verf. unbe-
kannt geblieben. Die Augen enthalten hinter der Linse
noch eine besondere klare Substanz, die von dem Chorioi-
dealbecher umschlossen ist und als innere Retina betrachtet
wird. In das weibliche Gcschlechtsatrium führen zahl-
reiche lange und verzweigte bisher übersehene Drüsen-
328
Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
schlauche, die oft schon dem blossen Auge sich bemerklich
machen und zur Absonderung der die gelegten Eier um-
hüllenden Eiweissmasse dienen. Die Samenfäden sollen
unabhängig von dem Kern der Samenzellen ihren Ur-
sprung nehmen. Die Entwickelung geht ohne Metamor-
phose und provisorische Organe vor sich, indem die
schon früher rotirende Embryonalkugel durch Abplattung
allmählich zum definitiven Thier wird. Nach der Acht-
theilung besteht der Dotter aus vier grossen und eben so
vielen kleinen Ballen, von denen die letzteren durch rasch
fortgesetzte Theilung in die peripherischen Körperschich-
ten sich verwandeln.
Vaillant, rem. sur le develop. d'une planaire den-
drocoele, Polyceris laevigata, Montpell. 1868, mit einer
Tafel, ist Ref. nicht zu Gesicht gekommen. Enthält wahr-
scheinlich nur eine ausführliche Darstellung der schon
im letzten J. B. angezogenen Untersuchungen.
Die seit 0. Fr. Müller nur selten beobachtete
Planaria terrestris wird eben sowohl von Lubbock
(Journ. Linn. Soc. 1868. p. 193) in England, wie von
bteenstrup in Dänemark (Videnskab. Meddel. for 1869.
p. 169-198) aufgefunden. Einer privaten Mittheilung
zufolge soll dieselbe auch in der Nähe von Frankfurt a. M.
nicht selten vorkommen.
Zu den Landplanarien gehört wahrscheinlicher
Weise auch das von Gray (Ann. and Mag. nat. bist.
Vol. III. p. 141 beschriebene Oth elos t oma Sysmondsii
aus Gaboon, das sich von Dunlopea vornämlich durch die
kuglige Form und die Kleinheit seines Kopfes unterschei-
den soll.
Ulianin erwähnt in seinen Mittheilungen über die
pelagische Fauna des schwarzen Meeres einer- Rhabdo-
coelenlarve (Convoluta ?) von blendend gelber Farbe, mit
Gehörbläschen und langen Wimperhaaren, die eines be-
sonderen differenzirten Darmes entbehren und dadurch
der Organisation der Infusorien den Uebergang machen
soll. Sitzungsprotocolle der K. Gesellsch. der Freunde der
Naturwissensch. 1869. S. 61.
der niederen Thiere während der J. 1868—1869. 329
Die von demselben Verf. ebendas. beschriebene
und abgebildete platte Larve mit Ncsselkapseln und neun
Flimmerkränzen gehört möglicher Weise gleichfalls einer
Planarienform an. Die in einer Längsreihe an einander
gefügten vier oder fünf kugligen Körper im Innern des
durchsichtigen Leibes sind vielleicht auf den (gelapp-
ten?) Pharynx zu beziehen. Auffallend ist freilich der
Umstand, dass die Fliramerkränze an den Rändern förm-
licher Segmente angebracht sind.
3. € i 1 i a t i.
Rotiferi.
Unter dem Namen Jihinops (n. Gen.) vitrea .be-
schreibt Hudson (Ann. and Mag. nat. bist. 1869. T. IIL
p. 27—30. PI. II) ein zu der Fam.ilie der Hydatineen ge-
höriges neues Räderthicr, dessen conischer Rädeiapparat
in der Mitte der Rückenhälfte einen kurzen rüsselförmi-
gen Zapfen mit dem Augenpaare trägt. Die Cilien des
Räderapparates sind in zwei Reihen geordnet und haben
in beiden ein verschiedenes Aussehen.
Grenacher beschreibt die Floscularia campanulata
Dobie und sucht den Nachweis zu liefern, dass die Ehren-
bergische Fl. proboscidea davon nicht verschieden sei.
Allerdings muss man dann annehmen, dass bei der Be-
schreibung der letztern mancherlei Irrthümer untergelau-
fen sind. Es gilt das namentlich in Betreff des Räder-
apparates, der nur fünflappig ist und einen continuirli-
chen Wimperbesatz trägt, dessen Cilien freilich an den
Seiten der Lappen an Länge etwas abnehmen und in der
Mitte der Einschnitte so klein sind, dass man sie nur mit
starken Vergrösserungen erkennen kann. Noch merk-
würdiger ist übrigens das Räderorgan von Microdon cla-
vus Ehrbg., den man wohl am besten als Repräsentanten
einer besonderen kleinen Familie betrachtet. Nicht bloss
dass der runde, nicht ooförmige Wimperkranz der Re-
tractilität entbehrt und in continuirlicher Bewegung ist,
330 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
es findet sich nach innen von dem Rande der Wimper-
scheiben im Umkreis des Mundes noch ein zweiter von
starken Borsten gebildeter Kreis, der freilich in der Sa-
gittalebene unterbrochen ist und nach den Seiten zu
immer grössere Borsten aufzuweisen hat. Für gewöhn-
lich ruhend machen diese Borsten zu Zeiten schlagende
Bewegungen, durch die das Thier dann mit äusserster
Schnelligkeit vorwärts geschnellt wird. Triarthra lon-
giseta hat quergestreifte kräftige Muskelfasern. Dass die
kolbenförmigen Organe im Fusse von Brachionus u. a.
Räderthieren Drüsen sind, ist bereits bekannt; Verf. fügt
weiter hinzu, dass dieselben als Kleb- und Kittdrüsen
functioniren, mit deren Hülfe die Thiere ihr Fussende
auf fremden Gegenständen fixiren. Die mit Spitzen be-
setzten seitlichen Sinnesorgane haben nach den Untersu-
chungen des Verf.'s wenigstens bei den Brachioniden und
Euchlanidoten eine allgemeine Verbreitung. Einige Beob-
achtungen über Räderthiere in der Zeitschrift für wis-
sensch. Zool. Bd. XIX. S. 483-498. Tab.XXXVIL
Nach Ray Lan cas ter lebt in der Leibeshöhle der
den Kanal bewohnenden Synapten ausser einer Tricho-
dina ein parasitischer Rotifer mit Saugnapf am Hin-
terende, vielleicht Repräsentant eines eigenen Genus.
Quarterly Journ. microscop. sc. 1868. T. VHI. p. 54 mit
Holzschnitt.
Ebenso berichtet Are h er (ebendas. p. 72) über eine
Brachionide, die wohl am besten dem Perty'schen Ge-
nus Polychaetus zugerechnet wird, aber nur vier lange
Stacheln trägt und am ganzen Rande des Schildes ge-
zähnelt ist. Zur Bezeichnung wird der Name PoLychae'
tus spinulosus vorgeschlagen.
Bryozoa.
Schneider ist der Meinung (Archiv für mikros-
kop. Anatomie Bd. V. S. 275), dass die Bryozoen zu den
Gephyreen gestellt werden müssten, und bezieht sich da-
bei auf die Aehnlichkeit, die nicht bloss zwischen ge-
der niederen Thiere während des J, 1868 — 1869. 331
wissen Larvenformen von Sipnncnliden und Bryozoen
(Actinotrocha und Cyphonautes — worüber später — ),
sondern auch den ausgebildeten Thieren obwalten und be-
sonders in der bogenförmigen Krümmung des Darmka-
nales, dem System der Retractoren und der Tentakel-
krone sich aussprächen. Zwischen einem gefässlosen Si-
punculiden und einem Lophopus, so erklärt Verf., sei kein
anderer Unterschied vorhanden, als dass man bei erste-
rem einen Längsnervenstamm finde, der bei letzterm nach
unseren bisherigen Untersuchungen zu fehlen scheint.
Diese Vereinigung mit den Gephyrcen schliesse übri-
gens die Möglichkeit nicht aus, auch die Tunikaten mit den
Bryozoen zusammenzufassen, obwohl die Verwandtschaft
dieser beiden Gruppen nicht bewiesen und jedenfalls un-
gleich entfernter sei, als die von ihm betonte.
Was Schneider hier als eine systematische Mög-
lichkeit andeutet, die Einreihung der Tunikaten in die
Abtheilung der Würmer, ist inzwischen von Häckel
und Gegen b au r wirklich versucht worden. (Vergl.
S.214.)
Nach All man sollen die Bryozoen dagegen am
meisten mit den Lamellibranchiaten verwandt sein, wie
daraus erhelle, dass der Polypid von Rhabdopleura, einer
neuen marinen Form mit hufeisenförmigem Tentakelkranze,
in der Jugend von zwei fleischigen Lappen bedeckt sei,
die nach Aussen an den Tentakeln ansässen und offen-
bar einen Mantel darstellten, während die beiden Hälften
des Tentakelapparates als Segel zu betrachten seien. Bei
der weitern Entwickelung der Knospe geht übrigens dieser
Mantelapparat bis auf einen kleinen schildförmigen Ueber-
rest an der Hämalseite des Federbusches verloren. Proc.
roy. Soc. Edinburgh Vol. VI. p. 439, Quarterly Journ.
micr. sc. 1870. p. 62.
H y a 1 1 hat uns die Fortsetzung und den Schluss seiner
bereits im vorigen Bande angezogenen Arbeit über die
amerikanischen phylactolämen Süsswasserbryozoen gege-
ben (Proceed. Essex Instit. Vol. IV. p. 198). Er geht —
nachdem er in den früher besprochenen Heften die Dar-
332
Leuckart: Bericht üb. d.Leist. in d. Naturgeschichte
Stellung des Baues der Leibeswand vollendet - zur Schil-
derung des Muskelsystemes über. Seine Darstcllunff
stimmt im Allgemeinen mit der Allman'schcn, ist in den
i)eta, s aber bedeutend reicher, wie denn überhaupt den
Details mehrfach eine übermSssige Wichtigkeit beigelegt
wird. Neu .st es, dass Verf. in jedem Arme des Lopho-
phors ein starkes Muskelbündel beobachtet haben will
das er als ,Lophophoric Flexors" benennt. Besonderes'
Interesse erweckt die Schilderung des Nervensystems,
das Verf. als contractu beschreibt. Es ist ihm gelungen
weit mehr peripherische Ausläufer des Centralnervensy-
stems zu entdecken, als alle früheren Forscher. So beob-
achtete er u. a. Nervenfäden, welche zu dem Epistom,
dem Lophophor, der Tentakelscheide und dem Darmtractus
treten. Das Vorhandensein eines geschlossenen Schlund-
ringes wird (in üebereinstimmung mis All man) geleug-
net. Das Centralnervensystem selbst soll aus zwei late-
ralen .symmetrisch zur Mittelebene gelegenen Ganglien
bestehen, die von einer mitunter allerdings (bei Frede-
ncella) ungemein verkürzten unpaaren Commissur ver-
bunden seien. An dem Darmkanale unterscheidet Verf
durchgängig vier Schichten: eine innere grosszellige
Schicht, eine kleinzellige Schicht, eine Ringmuskellage
und em äusseres mit Muskelfasern belegtes Epithel, in •
dessen hat es den Anschein, als wenn die Darstellung
unseres \ erf.'s auf einer etwas unvollkommenen histolo
gischen Untersuchung beruhe. Besonders zweifelhaft ist
die Existenz der kleinzelligen Schicht und des Muskel-
belagä auf dem Epithel. In dem Abschnitt über die Ho-
mologicen der Bryozoen mit den übrigen Thieren, resp
deren systematische Stellung betont Verf. die Verwandt-
schaft mit den ßrachiopoden, indem er es versucht, die
Anordnung der Muskulafnr bei beiden Thierklassen als
entsprechend hinzustellen. Von grossem Interesse, wenn
auch etwas verwirrend reichhaltig, ist die vergleichende
labeile über die anatomischen Details der einzelnen Ge-
nera. Zur besseren Uebcrsioht gruppirt er die sämmtli-
chen Organe in drei Systeme oder Regionen:
der niederen Thiere wälircnd der J. 1868—1869. 333
1) die Coenoecial or reprodnctive Region (Leibes-
wand, Funiculus mit Stcatoblasten);
2) die Evaginatory or perigastric Region (Darmtractus
und Muskulatur nebst Tcntakelscheide) und
3) Lophophoric or ncural-Region (Lophophor und
Nervensystem) ;
eine Eintheilung, die mehr practisch nützlich ist, als in
den Verhältnissen begründet erscheint. In den zu dieser
synoptischen Tabelle gegebenen Erläuterungen bespricht
Verf. auch nebenbei die systematische Stellung der von
ihm sehr richtig aus der Gruppe der phylactolämen Bryo-
zoen entfernten Genera Urnatella und Pedicellina (von
ersterem Genus giebt Verf. auch zwei Abbildungen nach
noch unpublicirten Zeichnungen Leidy's), die er als per-
manent invaginirte Bryozoen betrachtet wissen will und
den niedrigsten Polyzoentypus repräsentiren lässt. In
dem Schlussworte über die Systematik der Species er-
wecken wiederum Schilderungen der prächtigen Pectina-
tella magnifica und der Cristatella ophioidea besonderes
Interesse.
H. Nitsche giebt in seiner Inauguraldissertation:
„Beiträge zur Anatomie und Entwickelungsgeschichte der
phylactolämen Süsswasserbryozoen, insbesondere von Al-
cyonella fungosa Pall.^ Berlin 1868. 57 S. mit 3 Tafeln
(auch abgedruckt im Archiv für Anatomie 1868. S. 465 —
522) eine eingehende und genaue histologische Darstellung
des Baues dieser Thiere. Im Grossen und Ganzen mit
den Ansichten übereinstimmend, welche AI Im an in sei-
ner bekannten Monographie der Süsswasserbryozoen nie-
dergelegt hat, ergänzt und berichtigt er diese in man-
chen Einzelheiten.
In Betreff der histologisch-anatomischen Einzelheiten sei hier
hervorgehoben, dass Nitsche den Bau der Tentakeln genauer stu-
dirt hat und nachweist, dass die Innenfläche derselben von einer
Fortsetzung des Wimperepithels der Mundhöhle, ihre Aussenfläche
dagegen von der Fortsetzung der Zellenlage der äusseren Leibeswand
bedeckt wird. Das Nervensystem beschreibt er als einen siegelring-
förmigen Schlundring, dessen Verdickung ein starkes Horu für jeden
334 Leuckart: Bericht üb. cl T.eist. in d Naturgeschichte
Arm des Lophophors abgiebt. Von jedem HorDe gehen dann wieder
feine Nerven ab, welche zwischen je zwei Tentakel treten.
Den interessantesten TJbeil der Arbeit bildet die
Darstellung der ßildungsgeschichte der Statoblasten.
Diese schon seit langer Zeit bekannten, an dem Funiculus
sich bildenden, mit einer Chitinschale versehenen Daiier-
knospen erscheinen zunächst als kleine Kernklümpchen,
-welche sich von dem hinteren Ende eines wurstförmigen,
unterhalb des Epithels des Funiculus liegenden Keim-
stockes abscheiden. Bald trennt sich ein jedes Klümpchen
durch eine äquatoriale Furche in zwei Hälften. In der einen
Hälfte bildet sich, indem die Kerne sich an der Wandung zu
einer einfachen Schicht gruppiren, in der Mitte eine Höhle,
während die Kerne selbst sich mit Protoplasma umgeben und
zu Zellen umbilden. Diese Hälfte, die cystogene Schicht,
flacht sich nun unter beständigem Breitenwachsthum ab, brei-
tet sich auf der durch Vermehrung der ursprünglichen Kerne
sehr gewachsenen dickeren, der sogenannten Bildungsmasse,
wie ein Kuchen aus, und beginnt nun in ihr sehr flach
gewordenes Lumen eine feine Chitinlamelle abzusondern.
Allmählich wächst sie immer weiter, mit ihr die Chitin-
lamellc ; schliesslich umwächst sie beinahe ganz die Bil-
dungsmasse, ihre innere Zelllagc verschwindet allmählich,
und die Bildungsmasse erscheint nun umgeben von einer
linsenförmigen Chitinkapsel, welche in der dem Funicu-
lus zugewandten Seite ein Loch hat und nach aussen von
einer Zellenlage umgeben ist, der äusseren Schicht der
cystogenen Hälfte. In der rings um den scharfen Rand
der Linse liegenden Zone beginnen nun die Zellen sich
zu strecken und in den Intercellularraum Chitin abzu-
sondern, wodurch die Anlage des bekannten Schwimm-
ringes der Statoblasten gebildet wird. Der Statoblast
wird endlich durch die Schliessung des noch vorhande-
nen Loches an seiner einen Seite und den offenen Enden
des Schwimmringes vollendet, fällt vom Funiculus ab und
lässt nach einiger Zeit ein junges Thier ausschlüpfen, das
sich auf eine noch nicht näher bekannte Weise zu einer
neuen Alcyonella entwickelt.
der niederen Thiere während der J. 1868—1869. 335
Schwcalbe schlicsst sich in Betreff des histologi-
schen Baues der Bryozoenmuskeln an die Angaben von
Nitsche an und erweitert dieselben dahin, dass die
Kerne auf der Oberfläche der contractilen Substanz, nicht
innerhalb der letztern liegen. Querstreifungen wurden
nirgends beobachtet. Archiv für mikroskop. Anat. Bd. V.
S. 227.
Den vorläufigen Mittheilungen Nit seh e's über Pe-
dicellina entnehmen wir die Thatsache, dass bei diesem
seitlich symmetrisch gebauten Thiere der After wirklich
innerhalb des Tentakelkranzes liegt. Das hufeisenförmige
Gebilde, welches All man für einen Lophophor gehal-
ten, ist nichts als eine Flimmerrinne , von der w^ohl das
Wimperepithel der Tentakel , nicht aber diese selbst
ausgehen. Tentakelscheide und Retractoren fehlen, wess-
halb die Arme denn auch nicht zurückgezogen, sondern
bloss eingeschlagen und eingerollt werden können. Die
mit einer Art parenchymatösen Gewebes ausgefüllte
Leibeshöhle enthält paarige Hoden und Eierstöcke, de-
ren Ausführungsgang in eine ßruttasche führt. Auf
Grund dieser bedeutenden Abweichungen von dem ge-
wöhnlichen Verhalten der ßryozoen glaubt Verf., dass
Pedicellina mit Loxosoma und Urnatella eine besondere
Gruppe bilden müsse, für die er den Namen Endoprocta
vorschlägt. Sitzungsber. der Gesellsch. naturforschender
Freunde in Berlin 1869. März.
Ebenda hebt Nitsche hervor, dass Bugula flabel-
lata, B. plumosa und Bicellaria ciliata Zwitter seien, da
die Eier nicht in den Ovicellen, sondern innerhalb der
Thierzcllen entständen und erst nach der Befruchtung in
die ersteren übertreten, wo sie sich dann zu eigenthümlich
gebauten Larven umwandelten.
Mit der Darstellung von Nitsche stimmt auch die
Beschreibung, die Uli an in in den Bullet. Sog. impör.
Mose. 1869. p. 425—440. PI. V u. VI über den Bau der
Pedicellinen gegeben hat. Die einzige Differenz zwischen
beiden Forschern besteht darin, dass Uli an in unsere
Thiere für getrennt geschlechtlich hält. Was Nitsche
336 L e u c k a r t : Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
als Hoden in Anspruch nimmt, sah ül. immer nur mit einer
körnigen Massen gefüllt, die dem körnigen Inhalte der
reifen Eier glich, so dass er geneigt ist, die betreffen-
den Organe als Dotterstöcke zu deuten. (Ref. hat sich an
den von Nitsche angefertigen Präparaten mit aller
Bestimmtheit davon überzeugt, dass diese sog. Dot-
terstöcke in der That Sperma enthalten.) Ein Exemplar,
das anstatt der Bruthöhle oberhalb des Magens einen
langen gebogenen Sack voll sich bewegender Sperma-
tozoon enthielt, wurde als Männchen betrachtet. Stiel
und Zweige enthalten deutliche Muskelfasern und sind
desshalb auch mit einer freilich nur geringen Contractilität
begabt. Die neben der Geschlechtsöffnung auf einem
Zapfen der Bruthöhle in grösserer Menge ansitzenden
Eier enthalten ausser dem mehr oder minder weit ent-
wickelten (zerklüfteten) Dotter fast regelmässig noch ein
Paar beweglicher Samenfäden. Die schwärmenden Em-
bryonen sind von einer verhältnissmässig hohen Ent-
wackelung. Sie zeigen einen hufeisenförmig gekrümmten
Darm und .sind von einer kelchförmigen Cuticula be-
deckt, aus deren weitem Vorderende sich der mit dem
Darmtracfus verbundene Thcil des Embryonalleibes in
Form eines flimmernden Kragens hervorzustülpen vermag.
Das gegenüberliegende spitze Ende des Kelches und
der eine Seitenrand sind gleichfalls von einer Oeffnung
durchbrochen, aus der je ein (starrer?) Cilienknopf her-
vorgestreckt werden kann, der einer ganglienartigen (Mus-
kel-?) Masse aufsitzt. Der Uebergang in den definitiven
Ruhrzustand scheint sehr rasch vor sich zu gehen und
ist von einem Abwerfen des Cuticularskelets begleitet.
Verf. fand diese Skclete abgestossen in seinen Aquarien
neben jungen Pedicellinen mit noch unentwickeltem Ten-
takelkranze und eben sprossendem Stiele. Die Untersu-
chungen des Vorf. wurden vornämlich an Ped. echinata
angestellt, die neben P. belgica an der Neapolitanischen
Küste vorkommt.
Der in unsern Berichten mehrfach erwähnte räth-
selhafte Cyphonautes, der von seinem ersten Entdecker
der niederen Thiere wählend der J. 1868—1869. 337
als ein Räderthier beschrieben, dann aber (von Semper
und Claparede) als eine Lamellibranchiatenlarve In.
Anspruch genommen wurde, ist durch die Untersuchun-
gen Schneider's jetzt als die Schwärmlarve eines Bryo-
zoon und zwar als die der weit verbreiteten Membrani-
pora pilosa erkannt worden. So wenigstens die eine,
von Schneider beobachtete und in ihrer Entwickelung
Schritt für Schritt verfolgte Form, neben der aber noch
einige andere durch Grösse, Gestalt und Skulptur der
Schale unterschiedene Formen vorkommen, die wahr-
scheinlicher Weise gewissen nahe verwandten Arten zu-
gehören. Den Körper des Thiers schildert Verf. als
eine seitlich stark zusammengedrückte Glocke, die einen
Hohlraum (Vorhof) in sich einschliesst, in dessem Grunde
die MundöfFnung gelegen ist. Der Darm verläuft von
da in gerader Richtung unterhalb der einen Körperfirste
nach dem Glockenrande, um hier, von einem nach innen
eingebogenen, sonst aber vollständig geschlossenen Wim-
perschirm umgeben , durch einen After auszumünden.
Dem letztern gegenüber liegt am unteren Ende der zwei-
ten Körperfirste (des ScLlussrandes) eine gleichfalls stark
flimmernde kegelförmige Muskelmasse, die Verf. als ein
saugnapfartiges Haftorgan in Anspruch nimmt. Ein ova-
les, neben dem Darme gelegenes Gebilde, das den jun-
gen Thieren fehlt und von Claparede als Schliessmus-
kel gedeutet wurde, dürfte wohl am besten mit den späte-
ren Schicksalen des merkwürdigen Thieres in Beziehung
gesetzt werden. Um den Bau desselben verständlich zu
machen, vergleicht Schneider es mit einer Actinotro-
cha, bei welcher der Schirm glockenförmig den ganzen
Leib umwachsen habe. Das ovale Organ, der Saugnapf
und die den beiden Seitenflächen aufliegenden Schalen
finden dabei allerdings keine Vertretung. Nachdem das
Thier in der hier geschilderten Cyphonautesform eine
Zeitlang geschwärmt hat, geht damit in wenigen Stunden
eine merkwürdige Voränderung vor sich. Es setzt sich
— wahrscheinlich mit dem Saugnapfe — an fremde Ge-
genstände fest und contrahirt sich so stark, dass die bei-
338 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
den Schalen an dem Darmrande aus einander weichen
und sich mit verschränkten Schliissrändern schildförmig
über die weiche Masse des Körpers ausbreiten. Gleich-
zeitig aber ist die früher geschilderte innere Organisa-
tion verloren gegangen, der Körper in eine scheinbar
structurlose körnige Masse verwandelt, in der man nur
undeutlich einen oval abgegrenzten Haufen (vermuthlich
den Ueberrest des Saugnapfes) unterscheiden kann. Nach-
dem auch der letztere verschwunden ist, stellt der Kör-
per eine gleichmässig entwickelte Zellenmasse von elli-
psoidischer Scheibenform dar, an deren Peripherie eine
anfangs zarte, aber bald sich verdickende Umhüllungs-
haut hervortritt, die durch Ausscheidung gebildet wird
und die Cyphonautesschale noch eine Zeitlang festhält.
Diese Umhüllungshaut wird dann durch Verkalkung zur
Bryozoenzelle. Ist dieselbe bis auf die Anfangs noch
fehlende Mundöffnung fertig, dann beginnt die Zellen-
masse im Innern sich zu differenziren und in ein Zoid
mit Darm und Tentakelapparat umzuwandeln. Schon
achtundvierzig Stunden nach dem Festsetzen der Larve
ist die Metamorphose vollendet und der Cyphonautes zu
einer Membranipora pilosa geworden, die bereits an drei
oder vier kreuzweis einander gegenüberstehenden (frü-
her nicht verkalkten) Stellen zu knospen beginnt. Die
Entwickelung dieser Knospen geschieht in gleicher Weise,
wie die des ersten Thieres, mit dem die später hinzu-
kommenden Zoide bis auf das inconstante aborale auch in
übereinstimmender Richtung gelagert sind. Das letztere
trägt den Tentakelkranz nicht nach vorn, sondern nach
hinten und bildet auch alle neuen Knospen in diesem
Sinne weiter. In einzelnen Fällen verändern auch die
lateralen Knospen die Richtung ihres Wachsthums derart,
dass sie der Längsachse ihres Stammthieres rechtwink-
lig aufsitzen (Membr. catenularia Sm.). Dass auch die
Zahl und Grösse der Stacheln auf das Mannichfaltigste
variirt, ist schon früher bekannt gewesen. — Fasst man
das Wesentliche dieser merkwürdigen Entwickelungsweise
zusammen, dann kann man sagen, dass Membranipora pi-
der niederen Thiere während der J. 1868—1869. 339
losa einen Embr5''o mit differenzirten Organen besitzt, die
nach einiger Zeit des freien Lebens durch Histolyse zu
Grunde gehen, so dass der Körper zu einer Zellenscheibe
wird, aus der dann durch eine zweite Differenzirung das
ßryozoon hervorgeht. Die Unterschiede dieser Entwicke-
lungsweise von der der übrigen Bryozoen würden dann
darin bestehen, dass der organenlose Ii]mbryo der letztem
gleich von Anfang an zur zoidbildenden ZcUscheibe würde.
(Allem Vermuthen nach wird übrigens auch bei andern
Bryozoen, z. ß. Loxosoma und Pedicellina, eine compli-
cirtere Metamorphose vorkommen.) Zur Entwickelungs-
geschlchte und systematischen Stellung der Bryozoen.
Archiv für mikroskop. Anat. Bd. V. S. 260—271. Tab. XVI.
Auch Mecznikoff beobachtet die hier geschilderte
Metamorphose von Cyphonautes, kann dabei aber die —
für Bugula inzwischen (1870) von Nitsche bestätigte —
Ansicht von dem totalen Verschwinden der Larvenorgane,
resp. der Neubildung der definitiven Organe nicht theilen.
Derselbe bezieht sich dabei auf Wahrnehmungen bei an-
deren Bryozoen, deren Larven keineswegs in der Weise
von Cyphonautes abweichen, wie es Schneider annimmt,
indem dieselben überall nicht bloss eine innere, von be-
sonderen Wandungen bekleidete Höhle, sondern auch ein
fussartiges Organ besitzen, welches dem bewimperten
Saugnapf von Cyphonautes entspricht. Ausserdem tra-
gen die Larven der Chile- und Ctenostomen noch einen
ebenso geformten und gelagerten Flimmerknopf, wie er
bei Cyphonautes vorkommt. Einige Bryozoenlarven zeich-
nen sich (wie z. B. die von Acamarchis) auch durch den
Besitz von vier mit Crystallkörpern versehenen Augen
aus , doch sind derartige Eigenthümlichkeiten eben so
selten, wie der Besitz einer doppelten Schale. Nach-
richten von der K. Gesellsch. der Wissensch. in Göttin-
gen 1869. S. 227—229.
Im Gegensatze zu der Annahme, dass die Bryozoen
mit hufeisenförmigem Federbusche auf das Süsswasser
beschränkt seien, beschreibt Allman (Proceed. roy. Soc.
Edinb. Vol. VI. p. 439, Quarterly Journ. micr. sc. 186^.
340 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgesctichte
p. 57 — 63. Tab. VIII) eine derartige Form aus der Mee-
restiefe der Schottischen Küste. Freilich unterscheidet sich
diese marine Art von den bis jetzt bekannten Geschlech-
tern durch den Besitz eines besonderen schildförmigen
Fortsatzes, der nach Aussen von den Tentakeln der Häraal-
seite des Federbusches aufsitzt, und in der Jugend zwei
fleischige Lappen darstellt, die den Polvpoiden zwischen
sich nehmen und durch ihre symmetrische Stellung, wie
ihre Form an die Mantellappen der Lamellibranchiaten
erinnern, so dass Verf. diese Thiere — wie schon oben
bemerkt' — den Bryozoen für nahe verwandt hält. Die
neue Form trägt den Namen Uh abd op leur a (n. gen.)
No7^mamii und wird mit folgender Genusdiagnose in das
System eingeführt:
Conoecium consisting of a braiiched adherent membranous
tube, in whose walls along their adherent side a rigid chitinous
rod extends, and whose branches terminale each in a free open tube
through which the polypide emerges. Lophophore hippocrepial,
with a shield-like process on the haemal side of the tentacles. Po-
lypides connected to the chitinous rod by a flexible cord or funicu-
lus. (Der in die Wand der Skeletröhre eingelagerte Chitinfaden
erinnert den Ref. an die sog. Achse des Graptolithenskelets, die bis-
her ohne alle Analogie war.)
Parfitt berichtet über eine brittische Alcyonella,
die zwischen A. fungosa und A. Benedeni in der Mitte
steht, möglichenfalls aber eine blosse Varietät der er-
stem ist. Annais and Mag. nat. bist. Vol. XI. p. 77.
Das Brakwasser der Londoner Victoria Docks ent-
hält nach Kent's Beobachtungen (Quarterly Journ. mi-
crosc. sc. 1870. p. 34 — 39. PI. IV) eine interessante neue
Art ctenostomatischer Bryozoen, die auf den ersten Blick
einige Aehnlichkeit mit der gleichfalls daselbst vorkom-
menden Bowerbankia densa hat, sich aber bei näherer
Untersuchung nicht bloss durch die grössere Länge der
(acht) Tentakel und die vollständige Abwesenheit des
Kaumagens, sondern auch durch den continuirlichen Zu-
sammenhang des perigastrischen Höhlenapparates unter-
scheidet und durch letzteren Charakter in auffallender
der niederen Thiere während der J. 1868 — 1869. 341
Weise an die siisswasserbewohnendcn sog. Federbusch-
polypen anschiiesst.
Verf. bringt für seine Art die Bezeichnung Victorella (n.
geu.) pavida in Anwendung und betrachtet dieselbe als Repräsentanten
einer eigenen Familie, Homodiactidao, die er von den Alcyonidiaden
und Vesiculariaden durch folgende Diagnose abtrennt: polypidom
horny, tubulär; cells not deciduous nor separately distinguishable,
but throughout freely coramunicating, their terminations flexible and
invertible. Die neu beschriebene Art ist von unbedeutender Grösse
und kriecht mit ihrem unregelmässig verästelten Stamme auf den
Polypenstöcken von Cordylophora hin.
Ebenso lebt nach Stolitzka (Extr. Proceed. Asiat.
Sog. Bengal. July 1868) auch in dem ßrakwasser von
Port Canning ii. s. w. eine sonst marine Bryozoenform,
die Verf. als Meinhraiiipora hengalensis bezeichnet.
Die Beschreibung ist nicht genau und ausreichend, indem
Verf. nur bemerkt, dass das Polyzoarium meist nur aus einer Lage
flacber hexagonaler Zellen bestehe, die in alternirenden Reihen
angeordnet seien. Die Statoblasten (?) sollen eine grünliche Fär-
bung besitzen, lieber die Bildung der Polypiden im Innern der
neuen Randzellen wird kaum etwas Neues beigebracht. Sollte die
hier als neu beschriebene Form vielleicht mit Carter's Hislopia la-
custris (J. B. 1858. S. 191) identisch sei?
Smitt veröffenth'cht in der OtVersigt af K. Vetens-
kaps-Akademiens Förhandlingar 1867. Bihang S. 1—230.
Tab. XXIV— XXVIII, den Schlnss seiner Monopraphie
über die Schwedischen Meeresbryozoen, der den Escha-
rinen gewidmet ist. (Die Pedicellinen, sind von unserem
Verf. vorläufig unberücksichtigt geblieben.) Von der
Eintheilung, welche der Verf. dieser wegen Härte und
Undurchsichtigkeit ihrer Zoöcien der mikroskopischen
Untersuchung schwer zugänglichen Abtheilung der Chi-
lostomen zu Grunde legt^ möge die folgende Uebersicht
der Unterordnungen und Familien einen Bogriff geben.
Dieselbe weicht in manchen Punkten von der bisher ge-
bräuchlichen- ab, da bei der Bildung der Gruppen we-
niger der nach den Ansichten des Verfassers früher zu
sehr berücksichtigten Form der Stöcke, als vielmehr der
Gestalt des Zooeciums Rechnung getragen wird. Ausser-
dem nur noch die Bemerkung, dass Verf. auch in diesem
Archiv für Naturg. XXXV. Jahrg. 2. Kd. W
342 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Theile seines Werkes eine grosse Anzahl bisher unbe-
kannter Jugendformen beschreibt^ die meist der Tata-
form von Membranipora nahe verwandt sind.
Ordo Chilostomata.
Subordo III. Escharina: Zooecia vulgo calcarea, quadrata
vel semiovata in piano accretionis coloniae decumbentia aperturam
lateralem praebent, cuius magnitudo operculi magnitudinem fere
aequat, nulla maiore area frontali zooecii relicta.
Farn. Escharioporidae. Zooecia planata, rhombica (demum
subcylindrica ampulliformia) frontem praebent primarie fissam vel
poro mediane pertusam, aperturam praebent semicircularem (vel
demum tubuliformem) margine proximali rectam iutegram.
Gen. Eschariopora (d'Orb.) , Porina (d'Orb.) , Anarthro-
pora (Sm.).
Farn. Myriozoidae: Zooecia prima planata, quadrangularia vel
parum convexa, abscisse rhombica vel ovalia, postremo cylindrica
vel fusiformia aperturae marginem proximalem concave curvatum vel
demum rectum, medio sinuatum praebent.
Gen. Escharella (d'Orb.).
Subg. Escharella s. str.
» Herentia (Gray).
Gen. MoUia, Myriozoum.
Farn. Escharidae : Zooecia aperturam primitivam semiellipti-
cam, vulgo ad latera proxiraaliter constrictam (claviformem) vel
semicircularem vel rotundam, secundariam vero aperturam, ubi ex-
stat, claviformem pro aviculario mediano immerso proximaliter si-
nuatam praebent.
Gen. Lepralia (Jonst.) , Porella (Gray), Eschara (Ray),
Escharoides (M. Edw.).
Fam. Discoporidae: Zooecia rhombica vel ovalia aperturam
semiellipticam vel semicircularem postremo breviorem (transversa
elongatam rotundato-quadrangularera) mucrore proximali munitam
praebent. Gen. Discopora.
Subordo IV. Celleporina: Zooecia calcarea rhombica vel
ovata, plus minus ad planum accretionis coloniae erecta et inaequa-
liter acervata aperturam terminalem praebent.
Fam. Celleporidae : Zooecia in coloniam lamelliformem vel
tuberosam et irregulärem, serpentem vel; ramis rotündatis zooeciis
vagis exstructis erectam componuntur.
Gen. Cellepora, Celleporaria.
Fam. Reteporidae. Zooecia ovato-cylindrica secunda in stir-
pem reticularem componuntur. Gen. Retepora.
der niederen Thiere während der .T. 1868—1869. 343
Als neu beschreibt Verf. Escharella porifera, Myriosoon cru-
staceum, Lepralia spatimlifera, L. hippopus (?), Forella aciitirostris,
Discopora sincera.
Kirclienpaur beschreibt in dem zweiten Catalog
des Museum Godefroy (p. XXVI— XXXIV) eine Anzahl
neuer Bryozocn, zumeist aus Australien: Salicornia ptlosa,
Onchopora salicornioides, Farciminaria p^mctata aus Süd-
afrika, Eachara spongiaeformis (eine Art, die ein faust-
grosses, kugelförmiges Conglomerat dichtstehender Blätt-
chen oder Lamellen bildet), E. reniformisj Retihorner a
(n. gen.) Graeffei, H. afjinü, B. plicata , B. parasitica,
H. dentataj R. corhicula, Hornera atistralis, Idmonea fla-
hellata, Serialaria (?) semispiralis.
Das neue Gen. Betihornera, das in den Australischen Ge-
wässern weit verbreitet zu sein scheint, schliesst sich einerseits an
die Eschariden, andererseits an die Tubuliporiden an, steht zwischen
beiden in der Mitte und bildet einen Uebergang zwischen den Chi-
lostomeen und den Cyclostomeen. Besonders charakteristisch ist
für dasselbe die netzförmige Gestaltung des Stockes, die aus einer
Verwachsung der Aeste und Zweige resultirt. Kirchenpaur
giebt demselben folgende Diagnose : Stock kalkig, unbiegsam, auf-
recht, netzförmig. Zellen nur auf einer Seite des Stockes, fast
röhrenförmig, eingesenkt. Mündung endständig, röhrig, vorragend,
etwas nach vorn gekrümmt.
Die Notes on some rare british Polyzoa von Norman
(Quarterly journ. microsc. sc. T.VIII. p. 212 — 222) enthalten
Beschreibungen und Abbildungen von 22 Bryozoen, unter
denen als neu aufgeführt werden : Menipea Jeffreyaiiy
M. Smittii aus Spitzbergen, Hippothoa expansa, Bugula
calathus, Hemieschara stricina, H. sanguinea, Celleporella
Lepralioides.
Mac Gillivray charakterisirt in den Proceed. Roy.
Soc. Victoria 1868 acht und vierzig neue Arten Austra-
lischer Bryozoen, die später in den Memoirs of Museum
ausführlicher beschrieben werden sollen. Zwei neu auf-
gestellte Genera {Dictyopora und Pet7'ali a) gehören
zu der Familie der Eschariden.
Po u r4a 1 e s beschreibt aus der Meerestiefe von Flo-
rida als neu: Vincularia margaritacea, Faroimia cereuSj
344 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte etc.
Cellepora reticulata, C sigillata, Cancla (Cellarina Ben.)
retifortnis, C. cor^iigera, Id^nonea flexuosa. Contribu-
tion etc. p. 110.
Sars erwähnt in seinem Verzeichnisse norwegiscber
Tiefwasserthiere als neu Pustulipora producta, Flustra
ahyssicola, Hai o philu s (n. gen.) mirabilts. L. c. p. 255.
Pro LI t, new Bryozoa , Transact. acad. St. Louis
1866. Vol. IL p, 410; ist Ref. nicht näher bekannt ge-
worden.
Bonn, Druck Ton Carl Georgi,
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