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ARCHrr
FÜR
NATURGESCHICHTE
GEGRÜNDET VON A. F. A. WIE GM ANN
FORTGESETZT VON W. F. ERICHSON.
IN VERBINDUNG MIT
PROF. DR- LEU CK ART IN LEIPZIG
HERAUSGEGEBEN
Db. f. h. troschsz.,
PROFESSOR AN DER FRIEDRICH- WILHELMS-UNIVERSITÄT ZU BONN.
NEUN UND DREISSiaSTER JAHRaANG.
Erister Band.
Mit 13 Tafeln.
Berlin, •
Nicolaische Verlagsbuchhandlung.
' 1873.
Druck von Carl Georgi in Bonn.
Inhalt des ersten Bandes.
Seite
lieber die Entwickelungsgeschichte des Distomiim nodulosum
Zed. Von Dr. 0. vonLinstow in Ratzeburg. Hierzu
Taf. 1 1
Ueber Felis GuiQa Molina und über die Schädelbildung bei
Felis Pajeros und Felis Colocolo. Von Dr. R. A. Phi-
lipp i. Hierzu Taf. II und III 8
Ueber den Bau der Echinoideen. Von S. Loven. Aus dem
Schwedischen übersetzt von Troschel. . . • . . 16
Ueber die Familie Triglidae nebst einigen Worten über die
Classification. Von J. J. Kaup. , . . . . 71
Einige neue Distomen und Bemerkungen über die weiblichen
Sexualorgane der Trematoden. Von Dr. 0. von Lin-
st o w in Ratzeburg. Hierzu Taf. V. . . . . 95
Die Cetoniden der Philippinischen Inseln, beschrieben von
Dr. Otto Mohnike. Hierzu: Taf. VI— XI. . . .109
Von den Sinnesorganen der Insecten im Allgemeinen, von
Gehör- und Geruchsorganen im Besondern. Von Dr.
A. Paasch .... 248
Einige Bemerkungen zur Metamorphose des Pilidium. Von
0. Bütschli. Hierzu Tafel XII. Fig. 1—9. . . 276
:i:io9S
IV Inhalt.
Seite
Beitrag zur Keimtniss der inneren Struktur der Tubipora
musica L. Von Mag. W. D y b o \v s k i. Hierzu Taf. XII.
Fig. I und II , .284
Einige neue Nematoden nebst Bemerkungen über bekannte
Arten. Von Dr. von L in stow in Ratzeburg. Hierzu
Taf. Xni 293
Die Familie der Echinocidariden. Von Troschel. (Schluss) . 308
lieber die Entwickelungsgeschichte des Distouiiiui
nodulosum Zed.
Von
Dr. 0. TOD Liust«w
in Ratzeburg.
Hierzu Taf. I.
Mit der Entwickelungsgescliichte der Trematoden
haben sich so zahlreiche wie hervorragende Forscher be-
schäftigt (v. Sie hol d, Steenstrup, deFilippi, Mou-
linie, de la Valette, Wagener, Pagenstecher,
Leu ckart), dass wir über das Allgemeine derselben völlig
aufgeklärt sind, doch ist die Zahl der Trematoden-, spe-
ciell der Distomen-Species noch immer eine verschwin-
dend kleine, deren Naturgeschichte wir ohne Lücken
kennen, d. h. wir unterscheiden eine grosse Zahl von Di-
stomen, sowie eine weit kleinere von Cercarien, ,ohne zu
wissen, wie die einzelnen Formen zu einer Species zu-
sammengehören.- Fast überall liest man daher in Die-
sing's „Berichtigungen und Zusätzen zur Revision der
Cercarinen" unter der Beschreibung der einzelnen Arten:
„Status perfectus ignotus^, und diejenigen, die hiervon
eine Ausnahme machen, sind besonders :
Glenocercaria flava Dies. Jugeudzust. v. Monostoraum flavum Mehlis.
Cercaria armata v. Sieb. » > Distomum endolobum Duj.
Cercaria microcotyla de Fil. » » Distomum tetracystis Gast.
Cercaria macrocerca de Fil. » » Distomum cyguoides Zed.
Cercaria ornata de la Val. » » Distomum clavigerum Rud.
Cercaria echinata v. Sieb. » » Distomum echinatum Zed. .
Diplocotyle mutabilis Dies. » » DiplodiscussubclavatusPies.
Cercariacum Paludinae im-
purae inerme de FiJ. » i> Distomum perlatum Nordm.
Archiv f. Naturg. XXXIX. Jahrg. 1. Bd. 1
2 V. Linstow:
Ausserdem wird von manchen Cercarien vermuthet,
sie möchten den Jugendzustand dieses oder jenes Disto-
mum vorstellen, was Behauptungen ohne grossen wissen-
schafth'chenWerth bleiben. Der einzige Weg, hier klar zu
sehen, ist natürlich nur der des Experiments, indem man ein-
gekapselte Cercarien an dasjenige Thier verfüttert, welches
als Wirth des Distomum bekannt ist, das man zu erziehen
hojfft; die Erziehung der Cercarien in Schnecken oder
Muscheln durch Verfütterung von Trematodeneiern an
dieselben stösst auf fast unüberwindliche Schwierigkeiten.
Diesen Weg betrat ich zuerst, indem ich eine grosse
Anzahl Exemplare mit Eiern gefüllter Distomum nodu-
losum in ein Gefäss mit Wasser that, welches ich durch
Hineinlegen von Elodea canadensis (Anacharis alsinastrum)
frisch erhielt, und dann verschiedene Wasserschnecken
hineinthat, in der Hoffnung, in denselben Redien oder
Sporocysten aus den Embryonen der Distomeneier er-
wachsen sehen zu können. Zuförderst untersuchte ich
nun die Eier öfter, in denen sich ein Embryo entwickelte
(Fig. 1), der sich lebhaft bewegte und durch einen grossen,
schwarzen Pigmentfleck in der Mitte des Körpers sehr
ausgezeichnet ist Die Distomen selber lösten sich bald
im Wasser auf, nur die Eier übrig lassend. Auf die Em-
bryonalentwicklung brauche ich nicht weiter einzugehen,
da Wagener ^) dieselbe genau angibt, doch fand W. statt
des einen Pigmentfleckes deren zwei, was ich nie gesehen
habe, auch zeichnet er (1. c. Fig. 6) nur einen. Nach 2
bis 3 Tagen verlassen schon die ersten Embryonen die ge-
deckten Eier, doch ist es sehr schwer, sie zu beobachten,
weil sie schnell über das Gesichtsfeld des Mikroskopes
hinschwimmen mittels ihres Wimpcrkleides; ihre Gestalt
ist sehr wechselnd, bald ist sie langgestreckt, bald mehr
viereckig (Fig. 2), und zeigen sie an der Vorderseite des
Körpers einen zurückgezogenen Kopfzapfen. Die beste
Gelegenheit zur näheren Beobachtung der Embryonen
gaben mir einige durchsichtige Borstenwürmer, welche
1) Naturkundige Verhandelingen der Wetenschappen te Har-
lem, XIII. Deel, pag. 2G, 27 u. 102. tab. XXI. fig. 3—7.
tJeber die Entwicklungsgesch. des Distomum nodulosum Zed. 3
dieselben verschlungen hatten; im Magen oder Darm
dieser Thiere verloren jene sofort ihr Flimmerkleid, der
Kopfzapfen stülpte sich constant vor, und am hinteren
Körperende zeigte sich eine helle Blase (Fig. 3). Da die
Form bei 6 oder 8 in dieser Lage beobachteten Exem-
plaren constant dieselbe war, so glaube ich, dass diese
Form auch die ist, welche der Embryo in der Schnecke
annimmt, in der er sich weiter entwickelt, denn auch in
den Borstenwürmern lebten sie, und hatten wohl keine Ah-
nung davon, dass es ihr Schicksal sei, verdaut zu werden.
Meine Untersuchungen der mit den Eiern zusammenleben-
den Schnecken (Lymnaeus, Paludina, Planorbis, Valvata etc.)
lehrten mich bald, dass auf diesem Wege kein Resultat
zu erzielen sei, denn die meisten Exemplare enthielten
Cercarien, aber immer andere Arten, so dass nicht zu
sagen war, ob eine resp. welche von den Eiern des Di-
stomum nodulosum abstammte. — Bei weitem am häufig-
sten aber fand ich eine mit einem Bohrstachel bewaffnete
Art in Paludina impura, deren Bildung des Mundsaug-
napfes an die von Distomum nodulosum erinnerte.
Diese Cercarie (Fig. 5), die ich Gercaria nodulosa zu
nennen vorschlage, hat einen sich nach vorn verjüngenden
ßohrstachel (Fig. 6), welcher im hintersten Drittel am
dicksten ist, und hier eine etwas vorspringende Leiste
zeigt; er sieht nur mit der Spitze aus den allgemeinen
Decken hervor. Der Mundsaugnapf ist grösser als der
Bauchsaugnapf, und zeigt am unteren Rande eine eigen-
thümliche Bildung, die mich an das Dist. nodulosum er-
innerte ; es sind das 4 stark lichtbrechende nach vorn
sich verjüngende, eiförmige Körper, und von den 4 Stielen,
in die sie auslaufen, gehen vorn je zwei ineinander über;
hierüber unten mehr. — Hinter dem Bauchsaugnapf liegt
ein heller, hufeisenförmiger Körper, der zum Excretions-
apparat zu gehören scheint. Der Schwanz ist wellenför-
mig begrenzt mit dunkler Mittellinie und heller Hüll-
membran, und zeigt, wie das ganze Thier, bei Bewegungen
die grössten Formveränderungen. Die Haut ist mit reihen-
weis gestellten feinen Pünktchen besetzt, die ich aber
nicht als Stacheln erkennen kann. Diese Cercarien ent-
4 V. Linstow:
stehen in ganz strukturlosen Sporocysten, die oftmals
einen an den oben beschriebenen Kopfzapfen erinnernden
Vorsprimg zeigen (Fig. 4), und sich, wie ich oftmals be-
merkt habe, durch Quertheilung vermehren. Die Zahl
der in ihnen enthaltenen Cercarien ist immer eine geringe,
manchmal beherbergen sie nur eine einzige. Die Cerca-
rien werden auch von den oben erwähnten ßorstenwür-
mern gefressen, wie ich aus halb verdauten Resten im
Innern derselben sehen konnte. In Paludina impura kap-
seln sich die Cercarien unter Verlust des Schwanzes ein
(Fig. 7), wobei auch der Bohrstachel aufgelöst wird; ich
habe die Einkapselung mehrere Stunden lang beobachtet
und dabei den Stachel unter meinen Augen verschwind-en
sehen. Die Kapsel ist stark, doppelt, und ist die innere
dünnwandiger und zugleich dunkler als die äussoi-e. Man
findet Exemplare von Paludina impura, welche nur Sporo-
cysten und freie Cercarien, oder solche, die nur einge-
kapselte Cercarien, oder solche, die alle drei Formen zu-
gleich enthalten.
Die Kapseln nun verfütterte ich in massiger Menge an
vier kleine Barsche, welche aber alle 2 Stunden nach
dieser Mahlzeit starben. Den ersten secirte ich 6 Stunden^
nach dem Experiment, fand aber nichts in ihm, was an
die Kapseln oder deren Insassen erinnerte. Die anderen
drei Opfer der Wissenschaft behielt ich in frischem Wasser
48 Stunden, worauf ich sie, freilfch mit wenig Hoffnung
auf ein positives Resultat, untersuchte. Einige Parasiten
des Darms, wie Echinorhyachus angustatus, Triaenophorus
nodulosus, Cucullanus elegans waren noch am Leben,
was mir neuen Muth gab, und in der That fand ich in
dem Darmschleim bei zweien der Fische eine Anzahl
ebenfalls noch lebendor ganz kleiner Distomen (fig. 11),
die sich deutlich als Distomum nodulosum auswiesen.
Ihre Länge betrug nur Vs Millimeter, der Mundsaugnapf,
mit 6 Wülsten besetzt, war grösser als der Bauchsaug-
napf; zwischen beiden zeigte sich schwarzes Pigment
in zwei Gruppen geordnet, und am Schwanzende waren
stark lichtbrechende kleine Kugeln zu bemerken; ausser-
dem fanden sich Schlundkopf und Darm in gewöhnlicher
lieber die Entwickluno-soesch. des Distomum nodulosum Zed.
ö ö
Form. Im Darm des Barsches werden die DIstomen
nuix gcsclilecLtsrcIf, die Eier gelangen mit den Fäces in's
Wasser, und so ist der Kreislauf ^obne Zwisebenwirth''
hergestellt.
Zur Charakteristik der Art bemerke ich noch Fol-
gendes: Der ßauchsaugnapf ist stets kleiner als der Mund-
saugnapf, und zwischen beiden findet sich immer schwarzes,
körniges Pigment, das bald diffus vcrtheilt ist, bald sich sym-
metrisch links und rechts in zwei Haufen sammelt (Fig. 9 und
11), und mitunter bilden zwei grössere Pigmentkörner den
Mittelpunkt dieser Haufen (Fig. 10). Am Hinterleibsende
zeigen sich zahlreiche, aus mehreren Zonen bestehende,
stark lichtbrcchendc Kugeln (Fig. 8, 10, 11), die mit dem
Excrctionsgcfässsystem in Verbindung zu stehen scheinen.
Betreffend die specifische Ausstattung des Mundsaug-
napfes, so ist dieser eigentlich nicht, wie Di csing ^) sagt,
„(os) nodulis sex cinctum^, sondern es sind nur vier, und
die knieförmig geknickte Verbindung zwischen jo zweien
bildet D ie sing's mittlere noduli (Fig. 9 — 11). Denkt man
sich nun die 4 ovalen Körper der Cercarie (fig. 5) vor-
gestülpt, so dass sie aus dem Inneren des Saugnapfes
an dessen Rand treten, so hat man dieselbe Bildung, wie
das Distomum sie zeigt. Gefunden habe ich letzteres
seltner in Acerina cernua, häufig in Perca fluviatilis, und
zwar nur in grossen Exemplaren dieses Fisches, so dass
das Auffinden in jenen beiden kleinen Individuen um so
mehr auf deren Ursprung hinweist. Diesing^) führt
als Fundort ferner Aspro vulgaris, Aspro Zingel, Lucio-
perca Sandra, Esox lucius und Barbus communis an.
Sehr auffallend war es mir nun aber, das Distomum
noch unter einer anderen Form zu finden; an der Aussen-
fläche des Darras nämlich von Acerina cernua fand ich
dünne Kapseln, welche zerdrückt junge Exemplare von
Distomum nodulosum austreten liessen (Fig. 8 — 10) alle
Charaktere desselben zeigend, und waren in einigen Dotter-
und Keimstock, Hoden und Cirrusbeutel bereits entwickelt
1) "Systema helminthum, Band I, pag. 380.
2) L. c. pag. 380.
6 V. Linstow:
(Fig. 8 und 10). — Ganz dieselben Kapseln mit demselben
Inhalte fand ich neben freien jungen Distom. nodul. der-
selben Entwicklungsstufe im Darm von Perca fluviatilis,
wohin sie offenbar mit einem dieselben enthaltenden
Exemplar von Acerina cernua gekommen waren, das be-
reits verdaut war. Die Kapseln sind viel dünnwandiger
als die aus Paludina impura, ferner viel grösser (0,4 Mm.
im Durchmesser zeigend, während letztere nur 0,07 Mm.
haben), und endlich ist wie bemerkt der Insasse viel weiter
entwickelt als bei jenen (vergleiche Fig. 10 und 11).
Diese Thatsache erkläre ich mir so : es wird zwei
Arten der Uebertragung von den Cercarien in die Fische
geben; bei der ersten frisst ein solcher eine Paludina im-
pura, welche eingekapselte Cercarien enthält, deren Kap-
seln verdaut und dadurch die Insassen befreit werden,
die sich dann im Darm zu Geschlechtsreife entwickeln;
bei der zweiten verschlingt Acerina cernua eine Schnecke,
die freie Cercarien enthält, oder solche wandern selbst-
ständig in den Fisch ein, w'orauf sie sich mittels ihres
Bohrstachels durch die Darmw^and hindurchbohren, und
sich an deren Aussenseite einkapseln, bei welcher Wan-
derung durch den Darm sie an Grösse zunehmen, weil
sie in dem für sie bestimmten Ernährungsmaterial sich
befinden. Auf diese Weise kommt auch der Bohrstachel
zur Geltung, der sonst ganz überflüssig scheint, und halte
ich somit Leuckart's ^) Ansicht, dass nur eingekapselte
Distomen übertragbar sind, nur in sofern für richtig, als
man hinzufügen muss : „übertragbar, um sich frei im
Darm zu entwickeln^, denn eine Einkapselung muss aller-
dings immer erst stattfinden. Geräth also eine noch freie
Cercarie in ihren definitiven Wirth, so kann sie auch in
demselben am Leben bleiben, kapselt sich aber in dem-
selben ein.
Die Ansicht Filippi's ^), nach der das Distoma
1) Menschliche Parasiten, Band I, pag. 518.
2) Troisieme Memoire pour sorvir ä l'histoire genetique des
Trematodes (M. de l'Ac. d. sc. de Turin, serie II, tom. XVIII, pag. 14,
tab. II, flg. 12—13.
Ueber die Entwicklungsgesch. des Distomum nodiilosum Zed. ^
Planorbis carlnati der Jugendzustand von Distomum no
dulosum sein soll, ist mithin eine irrthümliche.
Erklärung der Abbiltluugeu.
Taf. I.
Fig. 1. Vergr. 350. Ei mit entwickeltem Embryo.
Embryo mit Flimmerkleid.
Embryo ohne Flimmerkleid mit vorgestülptem
Kopfzapfen.
4. » 90. Keimschlauch mit 2 Cercarien aus Paludina
impura.
Freie Cercarie.
Deren Bohrstachel.
Eingekapseltes Distomum aus Paludina impura.
Eingekapseltes Distomum, frei im Darm von
Perca fluviatilis. a. Hoden.
9u. 10. B 90. Aus solchen Kapseln herausgedrückte Disto-
men aus Acerina cernua u. Perca fluviatilis.
a. Hoden, b. Keimstock, c. Cirrusbeutel.
11. » 90. Angefüttertes Distomum aus dem Darm von
Perca fluviatilis.
lieber Felis (üiiiiia Noliiiii iiihI über die Schädel-
biidiiiig bei Felis Pajeros und Felis Colocolo.
Von
Dr. R. A. Fhilippi.
Hierzu Tafel II und III.
Molina sagt in der ersten Ausgabe seines Saggio
sulla storia natnial del Chili p. 295: ;,Die Guigna (ita-
lienische Schreibart für das Spanische guiiia, sprich Giiinja)
ist von falber (fulvo) Farbe, angenehm verziert mit schwar-
zen runden Flecken von vier bis fünf Linien Durchmesser,
welche sich auf den Schwanz ausbreiten", und p. 341 sagt
er: ^Felis Guigna cauda elongata, corporis maculis Omni-
bus orbiculatis. Dies ist Alles, indessen ist es hinrei-
chend, um in der guina die kleine wilde Katze der süd-
lichen Provinzen Chilc's zu erkennen. Molina sagt zwar
auf derselben Seite: „die Guigna und der Colo,colo . . .
ähneln in der Gestalt der Hauskatze, aber sind etwas
grösser, und ihr Kopf und ihr Schwanz sind dicker",
wählend die wilde Katze Valdlvia's, welche, meines Er-
achtens, Molina mit dem Namen Cruigna bezeichnet hat,
bedeutend kleiner ist; allein Moli na hat es nie sehr genau
mit den Massen genommen, und bekanntlich sein Werk
grösstentheils aus dem Gedächtniss geschrieben, so dass
auf diese Verschiedenheit kein Gewicht zu legen ist.
In Gay's bekanntem Werk über die Fauna Chile* s
Philippi; Ueb. Felis Guiua Molina u. üb. d. Schädelbild, etc 9
lesen wir Vol. I, p. 70 von unserer Katze : ;,di*ese Art,
welche wir nach Herrn Pö pp ig (Fr oriep's Notizen,
welche ich nicht nachsehen kann Ph.) beschreiben, ist
von Molina in seinem Compendio de la Historia natural
de Chile angezeigt worden, der ihr ein Fell von bren-
nend hochrot her Farbe (encendido) zuschreibt, das
auf angejiehme Weis mit runden, schwarzen Flecken von
4 bis 5 Linien Durchmesser verziert ist, die sich auch,
sagt der Verf., bis zum Ende des Schwanzes erstrecken.
[Wie man fulvo durch encendido, d. h. brennend
roth übersetzen kann ist mir unbegrciliich Ph.] Obgleich
die Art, welche wir unter dem Namen guina erhalten
haben, und die wir für identisch mit der Felis Pajeros
der Zoologen halten, der runden schwarzen Flecken auf
dem Rücken e r mang e 1 1, so haben wir doch einige Gründe
[welche ? Ph.] um zu glauben, dass es dieselbe Art wie
die des Molina ist. Herr Popp ig hält sie im Gegentheil
für eine blosse Varietät des Marnay Azara's, d. h. der
Felis tigrina der Autoren. Den reisenden oder einhei-
mischen Zoologen liegt es ob, unsere Zweifel aufzuklären,
und aus dem Verzeichniss der Säugetbiere diese Art aus-
zustreichen, w^enn unsere Meinung sich bestätigt.^
Diese Meinung der Herrn Gay und Gervais ist
aber eine irrige; zwischen der in Gay's Werk gut ab-
gebildeten F. pajeros und der Molina'schen Guiiia ist kaum
eine andre als die generische Aehnlichkeit. Die Herrn
haben letztere gar nicht gekannt, und sich durch den
einheimischen Namen Guina oder Huiiia verführen lassen,
welcher im Lande beiden Katzenarten gegeben wird, und
welcher — sonderbarer Weise — in dem Wörterbuch
der chilenischen Sprache des Jesuiten Andres Febres
fehlt.
Ich gebe nun eine Uebersetzung der Beschreibung,
wie sie bei Gay a. a. O. nach Pöppig gefunden wird.
„DasThicr hat die Oberseite des Körpers von gelb-
lich grauer Farbe, und ebenso die Vorderseite der Füsse.
Kinn, Brust, Bauch und Unterseite des Schwanzes sind
weisslich. Zahlreiche, unregelmässige Flocke von drei
bis fünf Linien Durchmesser und von russbrauner Farbe
10 PhililJpi:
sind auf dem Rücken und auf den Seiten so gestellt, dass
sie schiefe Linien bilden. Die Stirn [richtiger wäre wohl:
die Nase und die Gegend zwischen den Augen — Ph.]
ist ungefleckt, von einem schwärzlichen Ring umgeben,
der von einem Ohr bis zum andern reicht. [Dieser
schwärzliche Ring fehlt dem von mir abgebildeten Exem-
plar gänzlich.] Die Schniirrborsten sind weiss. Ein weiss-
lieber, dreieckiger Fleck an jeder Seite neben den Nasen-
löchern [der sich beim abgebildeten Exemplar bis zum
vordem Augenwinkel hinzieht Ph.]. Die Gegend zwischen
den Nasenlöchern und dem Innern Augenwinkel ist schwarz.
[Dieser schwarze Fleck ist sehr auffallend Ph.] Die Backen
haben drei bis fünf deutliche, schmale, schwarze Streifen.
Vier bis fünf ununterbrochene Streifen auf dem Hinter-
haupt, die zwischen den Ohren [bei meinem Exemplar
schon bald über den Augen Ph.] anfangen, und sich bis
auf die Schultern fortziehen, wo sie in den Rückenflecken
übergehen. Die [dunkelbraunen] Ringel des Schwanzes
sind unten unterbrochen; [ich zähle deren 10 bis 11 Ph.]
Krallen weiss. Augen sehr schwarz. — Länge 2 Fuss
8 Zoll, wovon der Schwanz beinah ein Drittel ist^. Das
von mir gezeichnete, nicht völlig ausgewachsene Exem-
plar ist mit dem Band mass gemessen nur 2672 Zoll lang,
und kommen auf den Schwanz davon 8 Zoll. Die Ober-
lippe ist an den Seiten von den Hundszähnen an schwärz-
lich. Die Vorderbeine haben aussen vier bis sechs braune
Binden, gebildet aus mehr oder weniger zusammenfliessen-
den Flecken, auf der Innern Seite sind nur etwa drei
ununterbrochene Binden. Aehnlich verhalten sich die Hin-
terbeine, doch sind die dunkeln Binden der innern Seite
weniger ausgeprägt. Die Füssc selbst sind hellbraun.
Der obere Rand der ziemlich kurzen Ohren ist aussen
mit einem breiten schwarzen Saum eingefasst. Das Woll-
haar ist braungrau ; das Borstenhaar am Grunde von der-
selben Farbe nach oben halb oder schwarzbraun mit fal-
bem Ring vor der Spitze; auf dem Rücken ist es 1 Zoll
4 Linien lang.
Mit den beiden andern wilden Katzen Chile's, der
F. Pajeros und F. Colocolo, hat die kleine F. Guina keine
üeb. Felis Guiüa Molina u. üb. d. Schädelbild, bei Felis Pajeros etc. 11
Aehnlichkelt in der Färbung; F. Geoffroyi unterscheidet
sieb sogleich durch bedeutendere Grösse; wie es sich
aber mit den Unterschieden zwischen F. Guiiia und F.
tigrina verhält, und ob Popp ig recht hat, wenn er die
erstere für eine Varietät der letzteren zu nehmen geneigt
ist, kann ich nicht sagen, üeber das Vorkommen dieser
Katzenart kan^i ich nur sagen, dass sie in der Provinz
Valdivia sehr häufig ist, und oft in die Höfe kommt, um
Hühner zu rauben, ja selbst in die Häuser schleicht sie
sich um Fleisch zu stehlen. In einzelnen Jahren erscheint
sie schaarenweis, und man hat mir erzählt, dass ein Mal
über 20 in dem grossen Fleischscharren der Stadt Valdivia
in einem Morgen erschlagen sind. Das Thier wird leicht
zahm und zutraulich, während F. Pajeros gefangen eine
ungemeine Wildheit bewahrt, und selbst wenn sie schon
mehrere Monate im Käfig zugebracht hat, noch jedesmal,
sobald jemand in ihre Nähe kommt, faucht und gegen
das Gitter anspringt. Merkwürdig ist es, dass F. Guina
sehr häufig in einer kohlschwarzen Varietät vorkommt,
an der man mit Mühe die Spuren der dunkleren Flecke
entdeckt. In unserm Museum sind zwei helle gefleckte
und zwei schwarze einfarbige Exemplare aufgestellt; von
der ersteren ist das ältere, vollkommen ausgewachsene,
in sitzender Stellung ausgestopft, daher ich es vorgezogen
habe, das jüngere Exemplar abzubilden.
Ich besitze von F. Guiiia leider nur einen nicht aus-
gewachsenen Schädel, dem das Hinterhauptsbein fehlt.
Derselbe ist etwa 2 Zoll 10 bis 11 Linien lang gewesen
bei einer Breite von 1 Zoll 9V2 Linien zwischen den
Jochbogen. Auf den ersten Blick fällt auf, dass der
Schläfenmuskel sehr schwach gewiesen ist; denn der Joch-
bogen zeigt eine geringe Wölbung nach aussen, und die
Ansatzstelle des Muskels auf Stirn und Scheitelbein ist
nicht wohl zu erkennen, während sie bei den mir vor-
liegenden Schädeln von F. Colocolo eine merklich erha-
bene Kante, bei dem von F. Pajeros auf dem Scheitel
eine ziemlich hohe crista bildet. In der Seitenansicht er°
blickt man auf dem Scheitelbein die Andeutung einer
erhabenen Linie, welche vielleicht die Begrenzung des
12 Philippi:
öchläfenniuskcls iiiulcutct, und von der der andern Seite
volle 16 Linien entfernt ist, dies winde einen ausseror-
dentlich sclnvachen Muskel ergeben. Betrachtet man den
Schädel von oben so fällt sogleich die sehr tiefe Grube
auf, welche sich zwischen beiden Stirnbeinen da zeigt,
w^o die Nasenbeine sich anfügen, und sich bis auf das
erste Viertel der letzteren fortsetzt. Die Nasenbeine sind
sehr kurz, und ist die Naht zwischen beiden Stirnbeinen
2V2mal so lang wie die Nasenbeine, während sie bei der
Hauskatze etwa lV2nial so lang, bei F. Colocolo 2mal so
lang ist. Bei F. Pajeros sind die Nasenbeine verhältniss-
mässig noch kleiner. Die Nasenbeine der F. Guiiia sind
breiter als bei den andern beiden chilenischen wilden
Katzen. Betrachtet man den Schädel von der Seile, so
fällt die starke Wölbung des Schädeltheiles auf, und dass
der vordere Theil vom obern Drittheil des Stirnbeins bis
zur Spitze des Nasenbeins eine grade Linie bildet; die
Gehirnhöhle ist demnach verhältnissmässig gross, doch
sind diese Verhältnisse wohl bei einem vollständig aus-
gewachsenen Schädel verschieden. Das Foramen infra-
orbitale steht sehr schief. Die Hinterränder der Gaumen-
beine stossen unter einem sehr spitzen Winkel zusammen.
Der untere Reisszahn zeigt hinten heinen Ansatz an sei-
nem Gründe.
Die Zeichnung gibt die Unterschiede dieses Schädels
von denen der F. Pajeros und F. Colocolo genügend zu
erkennen, und will ich daher nur auf die Ilauptunter-
schiede aufmerksam machen, die ihn von dem der flaus-
katze unterscheiden. Erstens: Stirn- und Nasengegend
sind bei F. Guiiia stark gewölbt, w^is besonders in der
Seitenansicht des Schädels auffällt; zweitens: die Nasen-
beine sind sehr viel kürzer; drittens: bei der Hauskatze
treten der Jochfortsatz des Stirnbeins und der Stirnfort-
satz des Jochbeins nahe an einander, während sie bei der
Guiiift ziemlich weit von einander entfernt bleiben; vier-
tens: der Jochbogon ist bei der Hauskatze viel breiter,
und tritt viel weiter nach aussen vor, indem der Sehläfen-
muskel weit stärker ist; fünftens: der Unterkiefer ist bei
der Hauskatze weit länger; sechstcns: der Hinterrand
Üeb. Felis Guiua Molina u. üb. d. Schädelbild. bei Felis Pajeros etc. 13
der beiden Gaumenbeine erscheint im Ganzen quer ab-
gestutzt, wenn er auch einen doppelten Bogen zeigt,
während — wie oben bereits bemerkt ist — bei F. Guina
die Ränder beider Gaumenbeine einen spitzen Winkel
bilden.
Was nun die Schädel von F. Pajeros und F. Colo-
colo betrifft, so haben beide ziemlich die gleiche Länge,
der von Pajeros ist aber weit höher und im Seheitel ge-
wölbt, während F. Colocolo einen flachen Scheitel hat.
Die beiden erhabenen Linien, welche die Schläfenmuskei
begrenzen, vereini'gen sich beim Colocolo erst an der
Spitze des Hinterhauptsbeines, und stehen, wo sie über
die Naht zwischen Stirnbein und Scheitelbein laufen,
7 Linien auseinander ; im vordem Drittheil bilden sie eine
stark erhabene Kante. Ganz anders ist dies bei F. Pa-
jeros; hier vereinigen sie sich bereits dicht hinter der
erwähnten Naht, bis wohin sie sehr schwach sind, und
bilden dann eine wahre, lamellartige crista, die auf dem
Hinterhauptsbein drei Linien hoch ist. Bei dieser Art ist
auch die quere crista des Hinterhauptsbeines weit stärker
erhaben als bei F. Colocolo. Die Ursache dieser Ver-
schiedenheit ist offenbar die grössere Entwickehing des
musculus temporalis bei F. Pajeros, womit auch die stär-
kere Ausbiegung des Jochbogens zusammenhängt, daher
der Kopf in der Gegend des Jochbogens bei dieser Art
weit breiter als bei F. Colocolo ist. Bei letzterer ist die
Entfernung zwischen den beiden Rändern der Augen-
höhlen weit breiter als bei F. Pajeros, und die Nasen-
beine sind in ihrer Hälfte dreimal so breit wie bei dieser,
und flach, wogegen bei F. Pajeros der Schnauzentheil
des Gesichtes auffallend zusammengedrückt erscheint;
auch ist er kürzer als bei F. Colocolo, namentlich die
Nasenbeine. Die Augenhöhlen sind beim Colocolo weiter.
Die Schneidezähne stehen bei F. Colocolo geneigt, und
sind — entsprechend der grösseren Breite der Schnauze
— etwas breiter als bei F. Pajeros, wo sie vollkommen
senkrecht stehen. Die Backenzähne sind bei F. Colocolo
entschieden dicker und kräftiger, und ihre Zacken etwas
breiter als bei F. Pajeros. Der Höckerzahn des Ober-
14 Philippi:
kiefers ist bei F. Colocolo zweimal so gross als bei der
andern. In den Eckzähnen kann ich keinen Unterschied
entdecken.
Betrachtet man die Schädel von der Seite, so fällt
vor allen Dingen die grössere Höhe der Stirngegend bei
F. Pajeros auf, welche sich in einer gleichmässig gebo-
genen Wölbung bis zur Nasenöffnung fortsetzt, während
bei F. Colocolo die Stirn etwas niedriger als der Hinter-
kopf und dann bis zur Nasenöffnung in gerader Linie
abfallend erscheint. In der Quere sind die Stirnbeine
bei F. Colocolo flach, bei F. Pajeros stark gewölbt. Der
Jochbogen ist bei F. Pajeros nicht nur, wie oben ange-
geben, weit mehr nach aussen gebogen, sondern auch
weit kräftiger, namentlich der Jochfortsatz des Stirnbeins
und der Jochfortsatz des Schläfenbeins, und der erstere
nähert sich dem Stirnfortsatz des Jochbeines mehr als
bei F. Colocolo.
Von unten betrachtet zeigen die Schädel geringere
Verschiedenheiten; am auffallendsten ist die grössere
Länge des Gauraentheiles des Zwischenkieferknochens bei
F. Colocolo, und die bedeutendere Grösse seines Loches.
Der Unterkiefer zeigt weniger Verschiedenheit, doch
ist er bei F. Pajeros entschieden kürzer und kräftiger;
seine Höhe in der Gegend des zweiten Backenzahns be-
trägt 6 Linien, bei F. Colocolo nur ÖVs Linien; die Länge
des untern Randes vom hintern untern Winkel bis zum
Kinnwinkel gemessen bei F. Pajeros 2 Zoll und eine
halbe Linie, bei F. Colocolo eine Linie mehr. Mit einem
Wort die Beisswerkzeuge sind bei F. Pajeros weit kräf-
tiger entwickelt als bei F. Colocolo, womit seine grosse
Wildheit zusammenhängt ; am schwächsten sind sie offen-
bar bei F. Guiria.
Unser Museum besitzt von F. Pajeros noch einen jungen
Schädel, der nur 3 Zoll 3 Linien lang ist, und noch keine cri-
stas auf dem Hinterkopf zeigt. Man sieht aber an ihm die
zusammengedrückte Nasengegend und die senkrechte Stel-
lung der Schneidezähne so gut wie an dem ausgewachse-
nen, ebenso ist die Stirn bereits stark gewölbt. Der Joch-
bogen ist noch schwach, dünn und schmal.
Ueb. Felis Guißa Moliua u. üb. d. Schädelbild, bei Felis Pajeros etc. 15
Ich füge scliliessHeh die Dimensionen der beiden
Schädel von F. Colocolo und F. Pajeros bei:
F. Colocolo. F. Pajeros.
Länge des Schädels . . 3 Zoll 11 Lin. 4 Zoll — Lin.
Breite in der Gegend der
Jochbogen 2 „ 9^2 ^ 11 „
Höhe des hintern Theiles 1 „ 6 „ 1 „ 1^/2 „
„ „ vordem
über den Backenzähnen 1 „ 6 „ 1 „ 8V2 r
Erklärung der Abbildungen.
Taf. II.
Fig. 1. Felis guiGa Mol.
» 2. Schädel derselben Art von oben gesehen.
» 3. Derselbe von der Seite gesehen.
Taf. III.
Fig. 1. Schädel von Felis Colocolo von olien gesehen.
» 2. Derselbe von der Seite gesehen.
B 3. Schädel von Felis Pajeros von oben gesehen.
» 4. Derselbe von der Seite gesehen.
Santiago im April 1872. ^
Tebei* den Bau der Echinoideen.
Von
S. Loyeii.
Aus Ofversigt af kongl. Vetensk. Akad. Förliandlingar
1871. No. 7. übersetzt von Troscbel.
Hierzu Taf. IV.
Ausser den bekannten äusseren Organen^ Augen,
Stacbeln, Pedicellarlen, Clavulae der Fasciolen, Tenta-
keln, Kiemen, besitzen die jetzt lebenden Ecbinoideen ein
Organ anderer Art, welcbes bisher übersehen worden
ist, obgleich es so allgemein vorkommt, dass man es nur
bei Cidaris vergebens sucht. Es sind sehr kleine knopf-
förmige Körper, sphäroidische, ellipsoidische oder etwas
unregelmässige Kugeln, 0,11 bis 0,375 Mm. in der grössten
Dimension, mit einem kurzen Stiel versehen, der beweg-
lich auf einem kleinen wenig vorstehenden Höcker be-
festigt ist. Sie dürften nicht ganz unpassend Sphäridien
genannt werden können. Sie sind glashell, glänzend,
hart, solid, und mit pigmentreichem Bindegewebe, Epi-
thelium und einer flimmernden Cuticula bekleidet. Ihr
Stiel hat die für die Ecbinoideen typische Netztextur,
welclie mehr oder minder deutlich und zusammenhängend
sich um ihren Ausgangspunkt ausbreitet. In der Rich-
tung der Axe der Kugel sieht man nicht selten eine
Röhre, die sich in ihrem oberen Pol öffnet, und einfach
Loven: lieber den Bau der Echinoideen. 17
oder mehr oder minder regelmässig verästelt ist. Sehr
viele Kugeln haben auf ihrer Oberfläche kleine Erhaben-
heiten, Höcker, Spitzen, und viele zugleich Vertiefungen,
die bald seicht sind, bald sich konisch tief einsenken,
gegen die Axe. Aber der grösste Thcil der Kugelmasse
ist aus sehr zahlreichen und sehr dünnen concentrischen
Schichten gebildet, und es gibt solche, die nichts anderes
als diese enthalten. Von einer schwachen Säure wird
ihr fester Inhalt aufgelöst, so dass nur das Epithel übrig
bleibt.
Die Sphäridien gehören ausschliesslich den Ambu-
lakren (Radien) an, und bei allen Gattungen, die sie be-
sitzen, vermisst man sie niemals auf den peristomialen
Platten, aber sie sind ungleich an Zahl und Verbreitung in
der Richtung vom Munde. Sie nehmen immer eine be-
stimmte Stelle ein. Bei den Spatangiden stehen sie, meist
unbedeckt, eine, zwei oder mehrere in einer kleinen
Gruppe, am Fuss der Cirrtentakel der Mundarea, an ihrer
gegen die Mittelsutur des Ambulacrums gewendeten Seite,
um so entfernter von da, je weiter vom Munde, besonders
auf dem Bivium, nicht selten auf jeder der ersten Platten
vier, drei oder zwei, auf jeder der nächstfolgenden ge-
wöhnlich nur eine, bei Plagionotus, Brissus, Schizaster
und Moera (Gualtieria?) auf dem Bivium zahlreicher, in
Vertiefungen, oder wie Perlreihen in kleinen verlängerten
wohl begrenzten Rinnen. Aber bei Lovenia sind die
einzelnen Sphäridien unter Hügeln verborgen, welche an
ihrer Spitze eine kleine schmale Queröffnuug haben.
Eine solche Bedeckung, bei den Spatangiden eine
Ausnahme, ist die Regel bei den Cassiduliden und Cly-
peastriden. Rhyncholampas caribaearum Lam., Pygor-
rhynchus pacificus Agass. und andere haben auf jeder
Platte der fünf ersten Paare in jedem Ambulacrum ein
Sphärid, welches allmählich von der äusseren Lage der
Schalensubstanz überwachsen wird, die endlich bloss eine
feine Ritze offen lässt.
Die Clypeastriden zeigen 2 Typen. Echinarachnius,
Dendraster, Lobophora, Mellita, Encope, Rotula, Laga-
num, Scaphechinus, Echinocyamus haben in jedem Radius
Archiv f. Naturg. XXXIX. Jahrg. 1. Bd. 2
18 Loven:
bloss ein einziges Sphärid^ gemeinsam für seine beiden
Peristomplatten; und meist, bereits bei sehr jungen Indi-
viduen; in einer Crypta in der Schalenmasse verborgen.
In der Nähe des Peristomrandes, welcher in der Mitte eine
über die zv^rei grossen Mundtentakelporen etvsras vorsprin-
gende Partie hat, sieht man hinter derselben eine kleine
mehr oder weniger deutlich gewölbte Erhöhung. Wenn
man diese aufbricht, findet man ein Sphärid mit dem
Stiele an der inneren gegen den Mund gelegenen Oberfläche
einer gerundeten Höhle angeheftet, welche die Verbindung
nach aussen entweder nur durch einen feinen Kanal hat, oder,
bei Rotnla, durch eine ziemlich weite Oeffnung, welche zum
Theil von aus ihrem Rande hervorschiessendcn Spitzen
verdeckt wird. Bei Echinarachnius ist diese Höhle durch
ein vertikales sehr dünnes Häutchen in zwei Hälften ge-
theilt, welches von den in der Naht vereinigten Kanten
der Platten auszugehen scheint. Anders ist es bei Cly-
peaster und Arachnoides; sie haben zwei Sphäridien in
jedem Ambulacrum, eins in jeder seiner zwei Peristom-
platten. Bei beiden fehlt am Rande die vorstehende
Partie, und die beiden Poren der grossen Tentakeln lie-
gen sichtbar, nicht wie bei den vorigen an einer gegen
den Mund qner abschüssigen Fläche, aussen an einer
mehr ebenen und offenen Oberfläche, welche nirgends
den Anschein von der Gegenwart von Sphäridien dar-
bietet. Bei Clypeaster kann man nur bemerken, dass
auf einen Abstand von den Tentakelporen, doppelt so
gross wie der vom Rande, die grossen Stachelhöcker
einen Zwischenraum zwischen sich lassen, unbedeutend
grösser als anderwärts, aber nicht getrenn.t durch die
Anordnung kleiner Höckerchen und Poren. Durchbricht
man die äusserste Lage der Schale, dann findet man in
beiden Platten eine kleine Höhle, und in dieser ein Sphä-
rid, wie bei den vorigen gestellt. In der breiten glatten
Rinne, welche bei Arachnoides die Mitte jedes Ambula-
crums einnimmt, deutet nichts die Lage von Sphäridien
an, aber man findet sie verborgen in der Schale in dem-
selben Abstand von den Poren wie bei Clypeaster.
Echinoneus hat, an den Tentakelporen auf der ersten
Ueber den Bau der Echinoideen. 19
und zweiten Platte, einzelne kugelrunde Sphärldien, welche
unbedeckt in seichten Vertiefungen sitzen. Sie gleichen
darin, wie in vielem Anderen, den regulären Echinoideen.
Bei den meisten von diesen sind die Sphäridien zahl-
reich und abwechselnd auf die beiden Plattenränder der
Ambulakren vertheilt. Echinus Flemingi, E. esculentus,
Toxopneustes dröbachensis, Loxechinus albus, Tripneustes
ventricosus, Echinometra lucunter, Amblypneustes ovum
haben ihre meist ellipsoidischen Sphäridien in den Nähten
geordnet, mit der Längsachse fast parallel mit der Ober-
fläche der Schale. Bei Temnopleurus, Salmacis und Mes-
pilia ist ihre Form sphäroidisch und sie stehen in den
Mündungen der tiefen Gruben in den Winkeln der Plat-
ten. Bei allen diesen Echiniden ist die Reihe der Sphä-
ridien auf beiden Seiten getrennt von den Tentakelporen
durch die Beihen der grossen Stachelhöcker. Bei Dia-
dema dagegen (Astropyga) sitzen die Sphäridien an den
Tentakelporen, und die Höckerreihe der Stacheln liegt
zwischen ihnen und der Naht. Allerdings ist Echinoci-
daris abweichend, welcher in jedem Ambulacrum bloss
ein einziges Sphärid hat, in einer runden Nische in der
Naht, ganz nahe dem Rande. Bei Cidaris sind die Sphä-
ridien nicht aufgefunden.
Dieses Organ, bei mehreren Gattungen so wohl und
eigenthümlich verwahrt, — Brissopsis lyrifera scheint seine
unbedeckten Sphäridien durch Zusammenneigen der näch-
sten kleinen Stachelchen über ihnen zu schützen, — kann
nichts anderes sein als ein Sinneswerkzeug, vermuthlich
dazu bestimmt, die Veränderungen wahrzunehmen, welche
in dem umgebenden Wasser vorgehen und die Stoffe,
welche dasselbe aufgelöst oder angeschlemmt enthält,
also ein Geschmacksorgan. Brissopsis lyrifera hielt sie
von Zeit zu Zeit ganz stille, darauf folgte eine halbe
Drehung, plötzlich hörte die Bewegung um die Anhef-
tung auf. Der starke Nervenstamm, welcher inwendig
neben der Naht in jedem Ambulacrum verläuft, gibt ab-
wechselnd Zweige ab, einen auf jeder Platte. Jeder sol-
cher Zweig geht neben dem Tentakelgefäss in den Platten-
Perus hinein, und durch diesen hinaus auf die äussere
20 L o V e n :
Seite der Schcalc. Auf diesem Wege düi^fte er beide,
Tentakel und Sphärid, mit Nerven versehen, obgleich es
nicht geh'ngt diese darzustellen. Leichter ist es, bei Bris-
sopsis lyrifera, besonders auf dem Bivium, zu beobachten,
wie sich der Nerv, in der Nähe wo er durch den Perus
heraustritt, auf der äussern Seite der Kalklage, unter
dem darüber liegenden Bindegewebe, in eine grosse An-
zahl Zweige theilt, welche strahlförmig und in diagonaler
Richtung den vordem Theil der Platte durchlaufen, um
sich zu den dabei gelegenen Stacheln des Interradiums
und andern äusseren Theilen zu verbreiten. Am deutlich-
sten zeigt sich diese Verzweigung auf der dritten am
Sternum gelegenen Platte des ßiviums, welche mehr als
andere frei von Stacheln sind.
Die Sphäridien treten^ wie es scheint, später als die
Stacheln und Pedicellarien auf, bei sehr jungen Spatan-
giden (Brissopsis lyrifera, Echinocardium ovatum) zuerst
ein einziges auf einer peristomialen Platte des Ambula-
crums, darauf eins auf der andern Platte u. s. w., alles in
Uebereinstimmung mit der Ordnung, welche für die Dis-
position der Ambulacralplatten in der ganzen Klasse
herrscht, und welche, wenigstens bei allen jetztlebenden
Echinoideen, durch eine für alle gemeinsame Formel aus-
gedrückt werden kann. Diese Ordnung ist folgende:
Wenn man einen Spatangus, welche Art es sei, mit
dem Munde nach oben hält und das unpaarige Interradium
nach hinten, und zählt die zehn Peristomplatten der Ambu-
lacren, indem man von links nach rechts geht (d. h. von
des Thieres rechter Seite nach seiner linken) um die
Mundöffnung der Schale herum , und bezeichnet zu-
gleich in jedem Ambulacrum I, II, III, IV, V, die Platte,
welche man zuerst antrifft mit a, die andere mit b, dann
wird man finden, dass die Platten la, IIa, Illb, IVa, IVb
grösser sind, und zwei Poren, zwei Tentakel tragen, wäh-
rend Ib, IIb, Illa, IVb, Va kleiner und mit nur einem
Perus, einem Tentakel versehen sind. Unter der An-
nahme, daas jede Ambulacralplatte ursprünglich nur einen
Tentakel, einen Perus hätte, würden also die Platten der
ersteren Reihe, obgleich keine Naht entdeckt werden
üeber den Bau der Echinoideen. 21
kann, zusammengesetzt oder binär sein, die der letzteren
einfach oder primär, wie alle übrigen Ambulacralplatten.
Ganz auf dieselbe Weise verhalten sich die Cassiduliden ;
auf den binären Platten liegt der eine Porus in der äus-
seren Ecke.der Platte. Dass bei den Ciypeastriden die Peri-
stomplatten der Ambulacren derselben Regel folgen,
sieht man an ihrer ungleichen Grösse, indem la, IIa, Illb,
IVa, Vb grösser sind als Ib, IIb, Illa, IVb, Va, und
Clypeaster rosaceus hat an den kleineren einen einzigen,
an den grösseren zwei Tentakelporen, welche sich durch
ihre Grösse von den zahlreichen locomotiven Tentakeln
unterscheiden. Hält man einen Echinoneus in der ange-
gebenen Stellung lind zählt auf dieselbe Weise, dann
tritt dieselbe Ordnung hervor. Die Peristomplatten la,
IIa, Illb, IVa, Vb sind grösser, haben zwei Poren, einen
vollständigen Doppelporus und einen, welcher marginal
und zur Hälfte abgebrochen ist ; Ib, IIb, Illa, IVb, Va
dagegen sind kleiner und tragen bloss einen einzigen
Doppelporus. So ist bei den irregulären Echinoideen das
Peristora des Triviums unsymmetrisch im Verhalten zu
der vorn-hinten Achse ; von ihren sechs Ambulakralplatten
hat die rechte Seite des Thieres zwei einfache und eine
binäre, die linke zwei binäre und eine einfache. Das
Bivium dagegen schliesst symmetrisch das unpaarige In-
terradium ein. Rechts und links bestimmt sich hier durch
die Lage der Analöffnung ; daneben, mit Ausnahme der
Ciypeastriden, durch die Platte des Madreporiten, bei den
regulären zeither durch diese allein.
Von den fünf Scheitelplatten (Genitalplatten) fehlt
den Spatangiden die hintere, welche sonst ihre Stelle am
Ende des unpaarigen, analen, Interradiums hat. Sie ist
nicht zur Entwickelung gekommen, wie auch nicht die
Geschlechtsdrüse, welche sonst wie die vier anderen
durch sie ihren Ausführungsgang haben würde. Bei
allen bekannten jetzt lebenden Spatangiden, wie es mit
Ausnahme einer einzigen Gattung scheint, ist ihre Stelle
von dem Madreporiten, dem Seihapparat des Wasserge-
fässsystemes, eingenommen, welcher sich im hintern Theile
des Scheitels ausbreitet, meist einen grösseren Platz ein-
22
Lo ven:
nimmt als eine der vier Scheitelplatten, nach hinten un-
mittelbar an die letzten Platten des analen Interradiums
anstösst, von denen er umfasst wird, imd die Augen-
platten des Biviums und die seitlichen Scheitelplatten
von einander trennt. Keine Naht bezeichnet eine Grenze
Fig. 1.
Echinocardium cordatum Penn.
Abatus Philippii n.
Schizaster fragilis Dub. Kor.
Hemiaster expergitiis n.
zwischen der rechten vordem Scheitelplatte und dem Ma-
dreporiten und wenn dieser eine grössere Ausbreitung hat,
ist es diese Platte, welche zuerst darin eingeht, bei einigen
zu einem geringen Theil, wie bei Meoma ventricosa, bei
anderen, z. ß. Brissopsis, zu einem grösseren Theil, hier
und da, z. B. Schizaster fragilis Düb. Kor. so vollständig,
dass der Genitalporus ausbleibt und mit ihm die Geschlechts-
drüse des vorderen rechten Interradiums. Die nächsten
in der Reihenfolge zu verschwinden sind der Genitalporus
und die Geschlechtsdrüse der linken vorderen Scheitel-
platte, und wenn, wie bei Abatus Philippii n. und Palae-
ostoma mirabile Gray nur zwei Genitalporen übrig bleiben,
dann liegen diese in den lateralen Scheitelplatten. Eine
Anordnung wie diese, dass der Madreporit, nach hinten
Ueber der Bau der Echinoideen. 23
ausgedehnt; die Augenplatten des Biviums von einander
trennt, kommt unter den Spatangiden der Eocen-Zeit vor,
nicht allein bei den meisten von denen, welche auch der
Jetztzeit angehören, sondern zugleich bei gewissen, z. B.
Prenaster, Macropneustes, welche bereits in der jüngeren
Schicht der Kreideformation aufgetreten sind. Die Gat-
tungen dagegen, welche eigentlich dieser Formatien an-
gehören, und darin ihre höchste Entwickelung erreichen,
zeigen durchgehends eine andere Disposition der Schei-
telplatten und des Madreporiten; indem dieser nicht das
hintere Interradium öffnet, sondern davon durch die Ocu-
larplatten des Biviums getrennt ist, welche sich begeg-
nen und einander berühren, w^ie auch bei den meisten
die lateralen Scheitelplatten. Unter den bekannten Spa-
tangiden der Jetztzeit hat nur einer diesen antiken Cha-
rakter, Hemiaster expergitus n., der während der Reise
der schwedischen Korvette Josephine im Jahr 1869 von
Smitt und Ljungman auf Josephinas Bank entdeckt
wurde, 38^ 7' u. Br., 9« 18' w. L., 550 Faden tief, auf
Lehmboden. Diese Gattung, von vsj^elcher man bisher
meinte, als sei sie während der miocenen Tertiärperiode
ausgestorben und als habe sie ihre höchste Entwickelung
in der Kreideperiode erreicht, ist charakterisirt durch
den rundlich' ovalen Umfang, welcher bei einer Länge
von 14 Mm. eine Breite von 13 Mm. hat, durch die an-
sehnliche Höhe nach hinten zu von 10 Mm., durch die
Lage des Pcriprocts hoch oben auf der hinteren Seite,
die einzige peripetale breite Fasciole, welche einen ovalen
Kreis bildet, die kurzen breiten Petala, die Bivium-Hälfte
so lang wie die vordere, und, zum grossen Unterschied
von Abatus, durch den Madreporiten, welcher die vordere
rechte Scheitelplatte einnimmt,^ aber nach hinten nicht
das unpaarige Interradium öffnet, sondern davon durch
die beiden Ocularplatten des Biviums und die lateralen
Scheitelplatten abgesperrt ist. Das Individuum ist jung,
so dass die vier Genitalporen die Scheitelplatten noch
nicht durchbrochen haben, und der Madreporit nur wenige
Poren hatj aber das Peristom ist nierenförmig und die
Lippe steht vor. Die Ambulakren sind auffallend schmal,
24 Loven:
WO sie unter die Fasciole gehen. Die Schale ist äusserst
dütin und zerbrechlich.
Bei den regulären Echinoideen öffnet sich der After
innerhalb des senkrecht über dem Munde durch die
Scheitel- und Ocularplatten gebildeten Kreises, und die
Corona, welche davon in keinem Theile berührt wird,
entwickelt ihre Arabulakren und Interradien gleichmässig.
Die scheinbar regelmässig strahlige Form ist ursprünglich
durch den Madreporen-Apparai gestört, welcher mit sei-
nem Siebe eine der Scheitelplatten durchdringt, welche
alle später während des ersten Wachsthums des Thieres
von den Ausführungsgängen der Genitaldrüsen durchbohrt
werden. Dass gerade hier die Scheitelplatte, welche den
Madreporiten enthält, die vordere rechte ist, und dass,
wie daraus hervorgeht, die ideale Längsachse durch das
unpaarige Ambulakrum geht, das wird dadurch bestätigt,
dass einzig und allein durch eine solche Theilung zwischen
rechts und links dieselbe Formel für die Platten des Pe-
ristomrandes bei den regulären wie für die irregulären
gültig ist. Am deutlichsten sieht man das bei sehr jungen
Individuen, wo die primären Platten noch unterschieden
werden können.
Wenn man einen jungen Toxopneustes dröbachensis
von 3 bis 6 Mm. Durchmesser aufwärts hält, und das so
bestimmte unpaarige Ambulacrum nach vorn, und man
geht die Peristomplatten in derselben Reihenfolge durch,
welche bei der Untersuchung der irregulären Echinoideen
befolgt wurde, dann findet man nicht bloss, dass alle
Peristomplatten zusammengesetzt sind, — sie mögen da-
her Grossplatten heissen — , sondern auch, dass la, IIa,
Illb, IVa, Vb alle ternär sind, d. h. jede besteht aus drei
noch unterscheidbaren Primärplatten, während Ib, IIb,
Illa, IVb, Va binär sind, aus zwei Primärplatten gebildet.
So sind auch hier die Peristomplatten der Reihe la . . . Vb
grösser als die der Reihe Ib . . . Va, und haben auch
mehr Poren. In beiden Reihen hat die erste Primärplatte
zwei Poren, ein vollständiges Porenpaar und eine, welche
nur aus einer Bucht am Rande selbst besteht, und es
kann angenommen werden, dass diese Primärplatte eine
Ueber den Bau der Echinoideen. 25
Vereinigung von zwei auf einem noch weit jüngeren Sta-
dium getrennten Platten ist, von denen die zuerst ge-
bildete, wie alle anderen, einen vollständigen Doppel-
porus hatte, welcher dann beim Wachsthum an den Rand
gerückt, reducirt worden ist, indem ihr oberes Rohr ge-
schlossen, das untere abgescheuert, und dadurch in nur
eine mehr oder minder tiefe Buchf verwandelt wurde.
Siehe Taf. IV, Fig. 2—8.
Die primären Ambulacralplatten sind bei den Lati-
stellae theils ganz, d. h. solche, welche den ganzen Ab-
stand zwischen dem Interradium und der Mittelnaht des
Ambulacrums einnehmen, theils halbe, solche, welche von
dem Interradium bis etwa zur Mitte der ganzen reichen,
und da in mehr oder weniger deutlicher Spitze endigen
Die Grossplatten des Peristoms der Ambulakralreihe
la . . . Vb bestehen bei sehr jungen Individuen meist
aus einer ganzen adoralen, einer halben intermediären und
einer ganzen aboralen Primärplatte, aber bisweilen sind alle
drei ganz; in der Reihe Ib . . . Va sind beide Primär-
platten immer ganz.
Die Ordnung, welche in dem Ambulacrum an dem
Peristom herrscht^ kehrt auch an dessen Spitze wieder.
Die Corona eines jungen Toxopneustes dröbachensis von
4 Mm. Durchmesser und 2,4 Mm. Stoma, zeigt das Verhal-
ten, wie es aus untenstehender Tabelle hervorgeht, welche
für jede Grossplatte die Anzahl ihrer Primärplatten an-
gibt, von denen die halben in Parenthese eingeschlossen sind.
Man sieht, dass die Anzahl der Primärplatten in
26 Loven:
jeder Grossplatte sich vom Peristom gegen den Scheitel
hin vergrössert. In den Reihen der Serie la . . . Vb ist
die Zunahme nicht ganz regelmässig, sondern in den
Grossplatten 3 und 4 etwas ungleich, was individuell sein
mag, aber die Reihen des Bivium la und Vb stimmen
vollkommen überein, selbst in der letzten Platte, da auch
das Trivium eine Gruppe von gleich ausgebildeten Platten
bildet. In der Serie Ib . . . Va dagegen ist die Zunahme
überall dieselbe. In der Grossplatte 3 haben einige In-
dividuen l.(2.)3.
Die älteste in der Corona ist in jeder Reihe die
Peristomplatte 1, jünger jede davon entferntere Platte,
und die jüngste ist die, welche an die Ocularplatte des
Scheitels stösst. Die jüngste hat nicht dieselbe Ordnungs-
zahl in beiden Reihen der Serien. In den Reihen def
Serie la . . . Vb ist es die sechste, in denen der Serie
Ib . . . Va die siebente, mit der vielleicht individuellen
Ausnahme Ib, so dass diese Serie, welche im Peristom
eine Primärplatte weniger hat als die Serie la . . ♦ Vb,
in ihrem hinzuwachsenden Ende eine oder mehrere mehr
hat als diese, indem nicht nur die G rossplatte 6 vollendet,
sondern auch die Grossplatte 7 angelegt ist.
Jede Grossplatte entsteht so, dass an dem aboralen
Rande einer vorhergehenden abgeschlossenen Grossplatte
sich die erste Primärplatte der neuen absetzt, an diese
die zweite u. s. w. Alle Primärplatten, selbst die halben,
sind ursprünglich in ihrer ersten Anlage ganze Platten,
d. h. sie reichen von dem Interradium bis zur Mittelnaht
des Ambulakrums. Später, während der ganze Complex
von Primärplatten, welcher die Grossplatte bildet, in die
Breite wächst, und schon ehe er durch die letzte Primär-
platte abgeschlossen ist, nimmt die intermediäre in ihrem
Wachsthum ab, und während sie ihre Lage in der Grenze
des Ambulakrums gegen das Interradium beibehält, ent-
fernt sich ihr verschmälertes Ende von ihrer Mittelnaht.
Die zuerst gebildete von diesen Intermediären ist stets
die kleinste, die später hinzugekommene allmählich grösser,
und daher kommt es, dass die ganze Gruppe von inter-
mediären Primärplatten die Gestalt einer dreiseitigen
lieber den Bau der Echinoideen. 27
Figur erhält, deren Spitze gegen die Mitte der Gross-
platte nur aus dem zuletzt hervorschiessenden Ende be-
stellt. Es ist auch aus allem diesem deutlich, dass diese
intermediären Platten nicht später hinzukommen, nicht
sekundär oder eingekeilt, sondern dass sie in der Reihen-
folge mit den zwei äussern ganzen Platten gebildet wer-
den. x\ber diese wachsen in weit höherem Verhältniss,
so dass sie bald einander berühren, wo die intermediären
aufhören, den grössten Theil der Area der Grossplatte
und ihren ganzen Rand an der Mittelsutur ausmachen.
Die jüngsten Grossplatten sind merklich länger in
der Richtung vom Scheitel zum Peristom, als breit. Aber
in dem Maasse, wie jede Grossplatte wächst und gleich-
zeitig sich vom Scheitel entfernt, wird sie breiter im
Verhältniss zu ihrer Länge. Die grösste Peripherie der
Corona ist immer so gelegen, dass die halbe Anzahl der
Platten, und etwas darüber, ventral ist, d. h. zwischen
ihr und dem Peristom liegt, während der Abstand von
ihr bis zum Peristom immer geringer ist, als bis zum
Scheitelringe. Während des Wachsthums schreitet somit
eine Zusammendrückung der ventralen Platten von oben
nach unten fort, und so stärker je älter sie sind, und im
Verein mit der Bewegung, welche daneben in jeder
Grossplatte stattfindet, bildet sich ihre Form auf eine re-
gelmässige Weise um, und verändert zugleich die Lage
der Poren. Bei den jüngsten Individuen, welche unter-
sucht worden sind, haben alle Tentakelporen (mit Aus-
nahme der allerersten abgebrochenen) ihre Stelle an
der Naht gegen das Interradium, und die, welche einer
und derselben Grossplatte angehören, bilden zusammen
einen Bogen von schwacher nach aussen convexer Bie-
gung. Dies sind die primordialen Porenbogen. Aber
die Tentakelporen beginnen sehr bald sich zu verschieben,
und eine andere Lage einzunehmen und schliesslich andere
secundäre Bogen zu bilden, welche für das ganze Leben
des Thieres dieselben bleiben, und sind so bezeichnend,
dass man sie zu Gattungscharakteren benutzt hat. Das
Charakteristische für das Endresultat dieser Verschiebung
ist, dass die Poren der ganzen Primärplatten, auch im Ver-
28 Loven:
hältniss zu der Grösse der Platte, eine grössere Bewe-
gung haben als die halben. Jeder Porus, welcher zu
einer ganzen Primärplatte gehört, entfernt sich allmählich
von ihrem Rande und nähert sich der Mitte. Innerhalb
jeder Grossplatte ist diese Bewegung am stärksten auf
der ersten adoralen Primärplatte, und vereint mit einem
Ziehen nach unten; auf der letzten aboralen Primärplatte
findet dieselbe Verstossung statt, jedoch in geringerem
Grade. Unter den intermediären halben Platten ist die
Verschiebung der Poren gar nicht oder fast unmerklich
auf der ersten, bedeutender und zunehmend bei den fol-
genden. Somit verschiebt sich, wenn eine Grossplatte
aus einer ersten ganzen Primärplatte, 1, drei interme-
diären (2, 3, 4) und noch einer ganzen Platte 5 zusam-
mengesetzt ist, der erste Porus am weitesten nach innen,
fast bis zur Mitte der Platte, der zweite behält seine ur-
sprüngliche Stelle bei, der dritte hat sich ganz unbedeu-
tend nach innen gezogen, der vierte etwas mehr, der
fünfte noch mehr. Aber von dieser ungleichen Bewegung
wird es eine Folge, dass der erste Porus nicht mehr dem
ursprünglichen Porenbogen angehört^ sondern sich davon
getrennt hat, und in einen neuen Bogen eingegangen ist
und ihn abschliesst, einen secundären, dessen übrige
Glieder aus den Poren der vorhergehenden Grossplatte
bestehen, mit Ausnahme der ersten. Die Bogen von 3, 4, 5,
6 oder 7 Poren, welche Toxopneustes charakterisiren,
und in denen die Anzahl der Poren auf der Zahl der in-
termediären Platten beruht, wird also immer von dem
zweiten Porus in einer Grossplatte bis zu dem ersten der
folgenden einschliesslich gerechnet. Diese Veränderun-
gen des Ambulakrums sind in Fig. 2 — 8 dargestellt.
Im Peristom scheint, selbst bei Individuen von ge-
ringer Grösse, durch die Verschiebungen alle Ordnung
verschwunden zu sein. Das ist jedoch nur scheinbar so.
Eine genaue Untersuchung zeigt, dass sich Alles nach
demselben Gesetz ordnet.
Die Peristomplatten der Serie la . . . Vb zeigen
folgende Umbildungen. Der rudimentäre Doppelporus 1,
welcher nur als eine Bucht am Rande selbst übrig bleibt,
üeber den Bau der Echinoideen. 29
schiebt sicli allmählicli vor der Mitte der ersten Platte
vorbei und wird immer mehr unansehnlich. Denn wäh-
rend die Corona gegen ihren Scheitelpol hin wächst, ver-
schwindet Etwas von ihrer festen Substanz am Rande des
PeristomS; wo ihre Kalklage langsam resorbirt wird, was
zur Folge hat, dass der Porennapf; welcher sich dahin
zieht, gleichsam angefressen wird, und einen grösseren
oder kleineren Theil seines Walles verliert. Der voll-
ständige Doppelporus, 2, in der ersten Primärplatte (l,i),
welche eine Ganzplatte ist, schiebt sich, wie sie, von der
Naht gegen die Mitte und nähert sich zugleich dem Rande,
um da nach und nach einen guten Theil des Walles um
seine untere Röhre zu verlieren, nachdem die obere all-
mählich angefüllt und blind geworden ist. Diese beiden
Poren, 1 und 2, bilden fortdauernd ein Paar für sich.
Die zweite Primärplatte (1,0) ist eine Halbplatte; ihr
Perus (3), entfernt sich sehr unbedeutend von seinem
ursprünglichen Ort, beginnt den ersten deutlichen secun-
dären Bogen, aber nähert sich, durch starke Abnahme
und Unterdrückung der ersten Primärplatte, dem Rande,
wo auch er in seiner Reihe einen Theil seines Walles
verliert. Die dritte und letzte Primärplatte der ersten
Grossplatte (1,3) ist wieder Ganzplatte, und ihr Perus,
4, schiebt sich auch nach innen, und weiter als der vor-
hergehende. Der Perus 5, welcher zu der ersten Primär-
platte der zweiten Grössplatte gehört (2,i), ist als solcher
wieder der meist bewegliche, wandert weit von der Naht,
und schliesst den ersten secundären Bogen der drei Poren
3, 4, 5. Der Porus 6, der auf der intermediären Halb-
platte 2,2 liegt, bleibt auf seiner Stelle wie der erste des
zweiten Bogens, wieder von drei Poren, von welchen
der zweite, 7, in der Primärplatte 2,3 sich nicht unbedeu-
tend nach innen zieht, obwohl nicht so sehr wie der
dritte, Porus 8, welcher zur Primärplatte 3,i gehört. Mit
dem Porus 9, Primärplatte 3,2, fängt wieder ein dritter
Secundärbogen von vier Poren an, welcher sich nach
derselben Regel bewegt wie die vorigen, nämlich 9, Platte
3,2, 10, Platte 3,3, 11, Platte 3,4 und 12, Platte 4,i. Wäh-
rend dessen, dass diese Verschiebungen vor sich gingen,
.30 L o V e n :
sind gleichzeitig die Grossplatten 1, 2 und 3 immer stärker
zusammengedrückt worden. Bei einem Individuum, Fig. 2,
machen sie zwei Drittel der ganzen Höhe der Corona
aus, und die grösste Peripherie fällt in die Nähe der
Naht zwischen 2 und 3; bei Fig. 3 liegen sie alle unter
der Linie der grössten Peripherie, nehmen weniger als
die Hälfte der Höhe der Corona ein und ihre Breite ist
etwas grösser als ihre Höhe. Besonders die erste Gross-
platte, 1, die Peristomplatte, wird stark zusammengedrückt,
ihre Poren bleiben zurück im Wachsthum, ihre obere
Röhre wird kleiner oder schliesst sich, Perus 2 verliert
im Peristomrande immer mehr von seinem Wall, Perus 3
geht allmählich denselben Weg, die Stachelhöcker ver-
schwinden ganz und gar oder zum grössten Theil, und
bei dem Individuum Fig. 6 ist die Naht zwischen den
Grossplatten 1 und 2 verschwunden, sie sind verschmolzen
zu einer einzigen binären Grossplatte der zweiten Ord-
nung, 1+2, zusammengesetzt aus sechs Primärplatten,
welche nun nicht mehr unterschieden werden können, und
der grosse Staöhelknopf, den sie trägt, ist der, welcher
ursprünglich der Grossplatte 2 angehörte. Bei dem In-
dividuum Fig. 7 ist diese doppelte Grossplatte 1+2
noch mehr zusammengedrückt worden, von dem Perus 2
ist nur die Hälfte übrig, vom Perus 5 wenig mehr. Nun
versehwinden immer mehr die Nähte der Primärplatten
innerhalb der Grossplatte 3 und in dem Individuum Fig. 8
ist auch diese vollständig mit 1 + 2 zusammengeschmol-
zen zu einer einzigen ternären Platte der dritten Ordnung,
1 + 2 + 3, zusammengesetzt aus elf Primärplatten, folg-
lich mit 11 Poren versehen, so gestellt, dass sie gezählt
werden können 1, 2; 3, 4, 5; 6, 7, 8; 9, 10, 11 und, um
diesen Bogen zu beschliessen, 12 auf der folgenden Gross-
platte, 4, d. h. in Gruppen von 2, 3, 3, 4 u. s. w. Die
Gestalt dieser grossen zusammengesetzten Platte ist nun
so geworden, dass sich die Breite zur Höhe ungefähr
wie 1 : 0,7 verhält. Bei dem jüngsten Exemplare Fig. 2,
wo die drei Platten freilich getrennt sind, verhält sich
die Breite zu ihrer gemeinschaftlichen Länge wie 1 : 2,25.
In den ersten Coronalplatten, welche zur Serie
Ueber den Bau der Echinoideen. 31
Ib . . . Vca gehören, gehen entsprechende Umsetzungen
vor, mit nur solchen Abweichungen, die darauf beruhen,
dass die Grossplatte 1 aus nur zwei Primärplatten be-
steht. Auch hier verschmelzen, wie es scheint, fast früher
als in der Serie la . . . Vb, die Platten 1, 2 und 3 mit-
einander. Die durch Verschmelzung schliesslich entste-
hende ternäre Grossplatte der dritten Ordnung hat dann
zehn Poren so geordnet, dass sie gezählt werden können
1,2; 3,4; 5,6,7; 8,9,10, und um den Bogen abzuschliessen
11 auf der nächsten Grossplatte 4; — folglich 2,2,3,4 u. s. w.
Man erkennt die Peristomplatten der Serie Jb . . . Va
an der zweiten Ziffer; sie ist 2, aber 3 in der Serie
la . . . Vb, und dies Kennzeichen ist constant bei den
Latistellae, welche sich dadurch orientiren lassen. Der
vierte Bogen, welcher hier vier Poren hat, hat bei einem
oder dem andern Individuum nur drei, d. h. die Gross-
platte 3 hat nur eine intermediäre Primärplatte. Einige
Variabilität scheint hierin zu herrschen.
Bei den Echiniden sind die Tentakelporen Doppel-
poren. Innerhalb eines von einem mehr oder weniger
erhöhten Wall begrenzten ovalen Hof oder Napf münden
zwei aufrechte Gänge aus, durch welche die Wasserlei-
tung zu dem Tentakel geht. Ihre Mündungen auf der
Innenseite der Schale sind bedeutend weiter entfernt als
die äusseren. Diese Gänge durchbohren also die Dicke
der Schale in schiefer Richtung. Vergleicht man die
Stellung der äusseren Mündungen mit den inneren auf
derselben Platte von ungleichem Alter und Dicke, so
findet man, dass die inneren nicht so sehr ihre Lage ver-
ändern, wie die äusseren, so dass die Gänge, welche bei
den jüngeren den kürzesten Weg von innen nach aussen
nehmen, beim Wachsthum allmählich in schiefer Richtung
nach der Mitte gezogen werden, in demselben Maasse,
wie die äussern Mündungen sich verschieben. Die Be-
wegung, welche in der Substanz der Platte stattfindet,
ist also nicht in ihrer ganzen Masse dieselbe, und hat je
näher der äusseren Seite eine überwiegende Richtung
nach der Mittelnaht des Ambulakrums.
32 L 0 V e n :
So wächst, bei Toxopnenstes dröbachensis, das Am-
bulakrum uDtcr gleicLmässig fortschreitenden Verände-
rungen der Platten und Poren, aber selbst bei dem grösstea
Individuum erkennt man an ihrer Form und Gruppirung
im Peristom den verschiedenen Charakter der beiden un-
gleichen Serien. Die Zahl, mit w^elcher die Disposition
der Poren bei dieser Art bezeichnet werden kann, in der
Serie la . . . Vb : 2,3,3,4 u. s. w. und in der Serie ; Ib . . . Va :
2,2,3,4 u. s. w., findet sich nicht bloss bei den gattungs-
verwandten Arten wieder, wie Toxopnenstes brevispino-
sus, T. lividus, sondern auch bei Loxechinus albus, Echi-
nus esculentus, Lyteqhinus variegatus, Tripneustes ven-
tricosus, Boletia heteropora, Amblypneustes ovum, Temno-
pleurus toreumaticus, in der That überall bei den Lati-
stellae, sogar bei den Echinometrae. In der Disposition
der Poren um das Peristom kehrt bei der westindischen
Echinoraetra lucunter L. dieselbe Zahl mit in die Augen
fallender Deutlichkeit wieder. Der Madreporit liegt, wie
bei allen andern, im vordem rechten Interradium, und
die vorn-hinten Achse des Thieres fällt nicht, wie Job.
Müller zu finden vermeinte, mit dem längsten Durch-
messer der ovalen Schale zusammen, sondern ist schief,
wie Agassiz annahm, denn der Längsdurchmesser geht
durch das Ambulakrum 1 und das entsprechende Interra-
dium 3, und in seiner senkrechten Ebene liegt die Bo-
genlinie für die Wölbung der Schale. Symmetrisch sind
dagegen Heterocentrus und Colobocentrus, bei welchen
der kurze Schalendurchmesser zugleich die vorn-hinten
Achse ist, in deren Richtung auch das Peristom verlän-
gert ist, an der hinteren Bucht am tiefsten. Es ist die
Stellung, welche Joh. Müller bei dieser Gattung als
die richtige annahm. Aber die Lage, welche der Madre-
porit dadurch erhält, hielt er für eine Ausnahme von der,
welche er als die normale sowohl bei Echinus wie bei
Cidaris ansah, im linken hinteren Interradium. Das ver-
hält sich nicht so. Mit Ausnahme von den Clypeastriden
ist bei allen Echinoideen der Zusammenhang des Madre-
poriten mit der vorderen rechten Scheitelplatte constant.
Üeber den Bau der Ecbinoideen. 33
Ist seine Lage zu fäll Igor weise unbekannt, so findet man
sie bei den Latistellae aus der Formel für die PorensteK
lung der peristomialen Platten, und damit die vorn-hintere
Achse der Schale, und die Eintheilung in ein Trivium
und ein Bivium.
Die Latistellae haben in der Mundhaut zehn freie
Porenplatten. Man könnte fragen, ob nicht diese sehr
frühzeitig von der Corona abgelöst worden sind, ehe sich
noch die Auriculao entwickelten. Genaue Untersuchungen
unter günstigen Umständen müssen die Antwort geben.
Ein kleiner Toxopneustes dröbachensis, 2 Mm. im Durch-
messer, hat bereits die fünf Paare grosser Platten in der
Mundhaut, jedes Paar vor einem Ambulakrum, Fig. 9.
Von diesen zehn Platten sind die der Serie Li . . . Vb
grösser, aber entbehren der Tentakelporen, die anderen
fünf der Reihe Ib . . . Va dagegen kleiner und jede
mit ihrem Perus und ihrem Tentakel versehen, d. h. diese
letztere Reihe ist hier, wie immer der ersteren an Grösse
nachstehend, an Entwickelung voraus. Auf einem noch
viel früheren Stadium, Fig. 10, wenn das Echinus-Junge,
0,6 Mm. im Durchmesser, keinen Ueberrest seines Pluteus
mehr zeigt, aber noch keine Andeutung weder von Mund
noch von After verräth, bewegt es sich, wie wir durch
Job. M ü 1 1 e r's Untersuchungen erfahren haben, vermittels
fünf grosser mit Saugscheiben versehener primordialen
Tentakeln, welche in gleichem gegenseitigen Abstände
aus unbedeutenden Vertiefungen nicht weit vom Rande
der ventralen Oberfläche des linsenförmigen Körpers her-
vorgehen, w^elche gegen den Pluteus gewendet gewesen
war. Innerhalb dieser grossen Tentakel liegen in einem
Kreise fünf Paar Kalknetz-Schciben von rundlicher, nach
innen länglicher Gestalt. Jede Scheibe hat nahe ihrem
aboralen Ende eine deutliche, gleich begrenzte, ovale,
nach aussen spitzige OeiJ'nung, über welcher einer von
den zehn kleineren Tentakeln steht, Fig. 12, 13. Diese
fünf Paar Scheiben können nichts anderes sein, als die
Anlagen der ersten primären Ambulakralplatten, um so
viel mehr, als zwischen den Paaren, nahe der Peripherie,
fünf kleinere fast trianguläre Scheiben sich einschieben,
Archiv f. Naturg. XXXIX. Jahrg. 1. Bd. 3
34 Loven:
welche dann der erste Anfang der Interradien sein wer-
den. Jeder der fünf grossen primordialen Tentakeln hat
seine Basis in der Linie, welche jedes. Paar der zehn
kleineren später hinzugekommenen theilt, da wo die Mit-
telsutur des Ambulakruras künftig ausgehen soll. Können
diese fünf einzelnen Tentakel etwas gemeinsames mit den
Tentakeln der Mundhant haben, welche auch zuerst ein-
zeln auftreten? Krohn sagt, sie werden resorbirt, ver-
schwinden, früher als der Mund sich öffnet, und die zehn
paarigen Tentakel werden an ihrer Stelle Bewegungs-
organ ^).
Die hier gegebene Erörterung von der Entwicke-
lung und den Veränderungen der Ambulakren bei den
Latistellae zeigt, dass beim Wachsthum des Echinus beide
Reihen der Primärplatten, gleichsam getragen von einem
langsam fortschreitenden Strom, sich von den Punkten
an den Ocularplatten, wo sie entstehen, wie von ihrer
Quelle sich gegen das Peristom nieder bewegen. Da
begegnen sie den Aurikeln, welche zu den Kauorganen
gehören, nicht zur Corona, mit ihren an der Innenseite
der ältesten Platten festgewachsenen Basen. Durch ihren
Widerstand geschieht es, dass bei den Latistellae das
Peristom die feste Grrenze der Corona gegen die Mund-
haut wird, und dass bei ihrem Wachsthum und dem gleich-
zeitigen Druck der Primärplatten nach unten, das Ge-
dränge entsteht, welches die regelmässigen Vorschiebun-
gen, Verrückungen und festen Verschmelzungen der
Platten zur Folge hat, die die Lage der Poren scheinbar
verwirrt machen.
Anders verhalten sich die Angustistellae, die Cida-
riden. Bei ihnen sind alle Primärplatten der iimbulakren
ganz, bleiben es immer, und unter einander deutlich un-
terscheidbar durch Nähte, die durch keine Verschmelzung
vertilgt werden. Sie sind daher während des ganzen
Lebens so, wie die Primärplatten bei den Jungen der
Latistellae in ihrer ersten Anlage, und bilden eine schmale,
fast gleich breite, einfache und ungestörte Folge, welche
1) Müller's Archiv 1851, p. 351.
lieber den Bau der Echinoideen.
35
mit regelmässigen Biegungen, die nicht ursprüngliche
Bogen sind, sondern von den alternirenden Rändern der
grossen Interradialplatten bestimmt werden, zwischen
diesen langsam in der Richtung gegen den Rand der
Corona herabrücken. Da leisten die Basen der Aurikeln
keinen Widerstand. Sie ruhen ganz und gar auf den In-
terradien, zu den Seiten der Ambulakralstrasse, die sie so
offen lassen, dass kein Hinderniss eine Verschiebung oder
Ausdehnung in die Breite hervorruft. Im Gegentheil,
wenn eine Primärplatle im Ambulakrum den Rand der
Corona erreicht, löst sich die Naht auf, welche sie bisher
mit der nächstfolgenden Platte verband, sie wird frei,
und fliesst wie aus einer Flussmündung heraus in die
Mundhaut. Zu gleicher Zeit erfolgt eine Veränderung
Fig. 2.
Cidaris hystrix, Ambulacrum III; die neunte Platte Ib ist im Begriff
sich abzulösen ; ihre Nebenplatte la ist bereits frei und ist in eine
Lamelle übergegangen.
36 Loven:
in ihrer Form. Der bogenförmige Auswuchs an der Innen-
seite jeder Platte, welcher um so höher ist je näher dem
Peristom, wird resorbirt^ wenn er sich iöst^ und ver-
schwindet schnell. Die Platte nimmt an ihrem unteren
Rande ab und ihr Stachelhöcker vermindert sich, aber
sie nimmt stark an Breite gegen das Tnterradium zu, und
an Höhe, und verdünnt sich auf diese Weise zu einer
Lamelle, einer Schuppe, welche sieb mit ihrem unteren
Rande über ihre Vorgängerin legt. Die Poren kommen
dadurch in einer allmählich tieferen Einsenkung zu liegen,
werden transversal ausgezogen, und verändern ihre gegen-
seitige Stellung zur longitudinalen. In den auf diese
Weise entstehenden Schuppenreihen in der Mundhaut
der Cidariden sind die Paare, welche den Mund zunächst
umgeben, die ältesten Platten, die übrigen haben sich, jede
in ihrer Reihenfolge, von der Corona abgelöst, und nach
und nach die Anzahl der Lamellen in jeder Reihe vermehrt.
Der grosse Unterschied zwischen den Cidariden und
Latistellae liegt in dieser verschiedenen Bewegung der
Ambulakren. Darin, dass diese bei den ersteren am Peri-
stom das Ambulakrum in seine Elemente, die Primärplatten,
auflöst, und sie in freie dachziegelartige Lamellen über-
gehen lässt, ist sie allerdings der homologen Bewegung ent-
gegengesetzt, welche bei den Latistellae mit ihrer Vereini-
gung zu Grossplatten endigt, welche im Peristom zu einem
festen Ringe verschmelzen. Und doch herrscht darin auf
das deutlichste dasselbe Gesetz wie bei allen übrigen Echi-
noideen. Eine genaue L^ntcrsuchung zeigt, dass von den
ältesten Schuppen, welche zunächst den Mund umgeben,
die der Serie la, IIa, Illb, IVa, Vb angehörigcn ein wenig
grösser sind als die, welche die Serie Ib, IIb, Illa, IVb,
Va ausmachen. Verfolgt man die Reihen aufwärts, gegen
die Corona hin, so findet man, dass die früheren überall
mit ihren Seitenrändern die späteren bedecken und wenn
man die Corona erreicht, sieht man, dass diese Lage der-
selben davon herrührt, dass die Platten der ersteren Serie
später an den Rand kommen, und nicht eher anfangen
sich abzulösen, als nachdem ihre Nebenplatten aus der
späteren Serie bereits vollständig frei sind und sich in
üeber* den Bau der Echinoideen. 37
die dachziegelartigen Reihen derMimdhautzii ordnen begin-
nen. Und diese Verschiedenheit lässt sich durch das ganze
Ambulakriim erkennen. Von jedem Plattenpaar kommt
immer die, welche der Serie la . . . Vb angehört, nach
der aus der Serie Ib . . . Va, und von dem an den Ocu-
larplatten neugebildeten Paar ist immer die Platte der
ersten Serie minder ausgebildet als die der späteren,
oder sogar noch nicht angelegt. Bei einer Cidaris hystrix
von 28 Mm. Durchmesser ist die Anzahl der Platten vom
Munde zum Scheitel
in la : 54 aber in Ib : 55
„ IIa:54V3 „ „ IIb:55V2
;, Illb : 54 „ „ Illa : 54 V2
„ IVa : 56 „ „ IVb : 56 V2
„ Vb : 56 „ ,, Va : 56V2.
Vergleicht man mit den Latistellae die verschiedenen
Gruppen der irregulären Echinoideen, dann kommt Echi-
noneus ihnen im Bau der Ambulakren am nächsten. Alle
Poren sind Doppelporen. Ebenso haben bei den Spa-
tangiden und Cassiduliden die Peristomplatten der Serie
la . . . Vb zwei Poren, d. h. sie bestehen aus zwei sehr
frühzeitig verschmolzenen Primärplatten, die der Serie
Ib . . . Va bloss einen, und in der ersteren ist der un-
terste Porus marginal und abgebrochen, und hat oft seine
obere Röhre obliterirt, wie bei den Echiniden. Aber die
Mundhaut ist ohne Porenplatten. Obgleich die Poren-
reihe einfach ist, wechseln doch ganze und halbe Platten
mit einander in regelmässiger Reihenfolge, welche nicht
dieselbe bleibt vom Scheitel bis zum Peristom. Die neu-
gebildeten Platten sind ganz, darauf ordnen sie sich in
Gruppen von drei, zwei halbe aborale und eine ganze
adorale. Allmählich wächst die obere der ersten aus und
wird ganz^ und umfasst zusammen mit der adoralen die
halbe intermediäre. Aber diese Gruppen vereinigen sich
nicht in der Nähe des Peristoms zu Grossplatten durch
die Verschmelzung der Nähte, wie bei den Latistellae.
Darin stimmt wieder Ecbinoncus mit diesen überein,
dass die Veränderung der Platten, welche eine Folge
ihres Wachsthums unter Hinzukommen neuer nach oben
38 Loveii:
bin ist, auf eine gleichmässige Weise ilurch das ganze
Ambulakrum vor sich geht, welches auch vom Pcristom
bis zum Scheitel überall keine anderen Tentakel trägt
als cylindrischc mit Saugscheiben, in welchen ein Kalk-
nctz-Ring liegt. So ist es nicht bei den andern drei
Gruppen von irregulären Echinoideen, wo die Kiemen,
bei den Cassiduliden und Clypeastriden in allen fünf Am-
bulakren, bei den Spatangiden in den meisten Fällen in
den vier paarigen, einen Antheil haben, die beim Wachs-
thum die blattartigc Form annehmen, welche den Namen
Petalum bekommen hat, während die Platten der Seiten
fast ihre erste Form behalten, und die der Mundarea mit
ihren elgenthümlichen Tentakeln allmählich zusammen-
gedrückt und verändert werden. Während bei den Echi-
niden und Clypeastriden das Perlstom in seinem nahen
Zusammenhang mit den Kauwerkzeugen kreisförmig oder
fünfeckig bleibt, wie es von Anfang an war, wenn es
auch bei einigen, z. ß. Echinometra oder Echinocidaris,
mit dem Alter davon einigermassen abweicht, ist sein
Verhalten bei den Cassiduliden und Spatangiden, welche
keinen Kauapparat besitzen, ein ganz anderes. Bei beiden
verändert es im Wachsthum seine P^rm, — wie es bei
Echinoneus sein mag, bleibt noch zu ergründen. Wenn
Cassidulus noch ganz jung ist, ist das Peristom pentagonal
mit abgerundeten Ecken, und von seinem Rande nehmen
die Ambulakren grössere Theile ein als die Intorradien,
mit Ausnahme des Labrum; bei den Erwachsenen ist das
Verhältniss umgekehrt, indem die Peristomplatten der
Interradien, insonderheit in 2 und 3, beim Wachsthum
aufschwellen und dem Pentagon die eingebogenen Seiten
geben, wie sie für diese Gruppe bezeichnend sind, und
zwischen welchen die keilförmig zusammengedrückten
ersten Platten der Ambulakren die vorspringenden Winkel
umschliessen. iVber der Mund, allmählich transversal ver-
längert, verbleibt in der Mitte seiner nackten Haut. Im
Zusammenhang mit dieser Umbildung des Peristoms steht
die mit dem Alter eintretende Verrückung und Verschie-
bung der näher dem Peristom belegenen Primärplatten, und
die bedeutende Veränderung ihres anfänglichen Verhaltens,
lieber eleu Bau der Echinoideen. 39
wodurch die Disposition entsteht, welche D es or Phyllod
nennt. Es bleibt noch übrig an Individuum von verschiede-
nem Alter ihreEntstehimg und ihrenFortgang zu untersuchen.
Bei den allermeisten jetzt lebenden Spatangiden
stimmen die vier paarigen Ambulakren darin mit einander
überein, dass sie gegen den Scheitel mit Petala endigen,
während das unpaarige vordere Ambulakrum seinen eige-
nen Bau, und bei einer Gattung, Echinocardium, sogar
die sonst nicht vorkommende Abwechslung von ganzen und
halben Platten hat. Es dürften nicht mehr als zwei Gattun-
gen gefunden werden, die hierin eine Ausnahme machen.
Die eine ist Lissonotus fragilis Alex. Agassiz aus grosser
Tiefe zwischen Cuba und Florida. Die andere wurde bei
der Expedition der Corvette Josephine im Jahr 1869 von
Smitt und Ljungmanbei den Azoren vor Villa Franca
in 200—300 Faden Tiefe entdeckt. Eine Aehnlichkeit,
welche dieser Spatangid auf den ersten Anblick von oben
mit gewissen Formen von Ananchytes ovata hat, veran-
lasst den Namen Palaeotropus ; die Art mag P. Josephinae
heissen. Alle fünf Ambulakren liegen in der Ebene der
Schale, ohne die geringste Einsenkung, und sind apetal,
so dass sie alle gegen den Scheitel gleichförmig auf die
Weise endigen, dass ihre jüngsten fünf oder sechs Platten
eine einfache und schmale Reihe bilden, wie man es sonst
nirgends sieht, in welcher jedoch die abwechselnde Lage
der Poren angiebt, zu welcher Seite jede Platte zurechnen
ist. Die Reihen des Triviums stimmen allerdings überein,
die unpaarige ist nicht vertieft, und die dorsale Wölbung
der Schale gleichförmig innerhalb des verkehrt eiförmigen
Umkreises. Diese Charaktere weichen sehr von den jetzt
lebenden Spatangiden ab ; andere stimmen mit ihnen über-
ein. Der Mund hat eine vorstehende Lippe, und das
etwas plattgedrückte Hinterende eine infraanale Fasciola.
Die zwei Genitalöffnungen entsprechen den paarigen hin-
teren Interradien 1 und 4; die Ocularplatten sind sehr
deutlich, aber die Scheitelplatten können nicht unterschie-
den werden, die rechte vordere hat jedoch eine begrenzte
unregelmässige Oeffnung, welche der Madreporit ist. Die
Länge des beschriebenen Thieres ist 11,7 M., die Breite
40 Luven:
9;l Mm. Die Gegenwart einer Fasciola und ein ausge-
bildetes Labrnm vereinigen Palaeotropus mit den Spa-
tangiden, wenn man von ihrer Charakteristik die Petala
und die Verschiedenheit des unpaaren frontah3n Ambula-
krums von den übrigen ausschliesst.
Es gibt keinen jetzt lebenden Öpatangiden, welcher
den Tentakelporus in irgend einer der Platten des fron-
talen Ambnlakrnms entbehrt. Bei allen sind ihre ältesten
ventralen Platten, innerhalb der Mundarea, gleich den
übrigen des Ambulakruras, und die jüngeren näher dem
Scheitel gelegenen, haben mehr oder weniger deutliche
Doppelporen, dadurch dass die langgezogenen Oeffnungen
in der Mitte durch eine von den Rändern hervorgewach-
sene Partie geschlossen sind.
Weil die Spatangiden im Allgemeinen nicht gleich viel
in den verschiedenen Radien wachsen, sondern meist
mehr in der Richtung des Biviums als in der des Tri-
viums, verhalten sich ihre xAmbulakralplatten, welche mit
Ausnahme der peristomialen la . . . Vb immer einfach
oder primär sind, verschieden. Wie bei allen irregulären
Echinoideen hat die Corona eine feste Grenze im Peristom.
Sehr junge Spatangiden von wenigen Millimetern Länge,
welche mehr abgerundet sind als die älteren und den
Mund näher der Mitte haben, haben ein fünfeckiges Pe-
ristom und so nahezu gleichseitig, dass es vermuthlich
auf einem noch früheren Stadium vollkommen gleichseitig
gewesen ist, s. den Holzschnitt Fig. 3. Seine Seiten liegen
alle in der Schalenebene, oder sind, wie bei Hemiaster,
und andern, eben darin eingesenkt. In Uebercinstimmung
mit dieser Form des Peristoms bleiben auch die Antheile
der Ambulakren und Interradien daran. Im Gegensatze
zu dem was bei Cassidulus stattfindet, nehmen die ersten nur
einen geringen Theil ein^ indem sie die Winkel des Penta-
gone umschliessen, die letzteren viel breiter und untereinan-
der fast gleichbreit, bilden den grössten Theil seiner Seiten.
Der Mund ist nun in der Mitte der Mundhaut. Die be-
deutende Veränderung, welcher das Peristom demnächst
unterworfen ist, besteht darin, dass seine Arabulakralplatten
an Breite zunehmen, besonders im Trivium, w^ahrend die
Ueber den Bau der Echinoideen. 41
Peristom platten der paarigen Intcrradien nicht in dem-
selben Maassc in die Breite wachsen, besonders nicht die
des hinteren Paares, und die des unpaarigen Interradiiiins,
des Labrum, sich ausbreitet, hervortritt und sich wölbt, zu
gleicher Zeit wie der Mund, nach und nach verlängert, sich
allmählich nach hinten zieht, so dass dergrössteTheil der mit
Platten belegten Mundhaut vor ihm zu liegen kommt, bloss
ein schmaler Rand hinterwärts, und von der vortretenden
Lippe verborgen wird. Wenn das Individuum ausgewachsen
ist, sind mit Ausnahme des Labrum die Ambulakren des
Triviums am Peristom breiter als die Interradien, bei
Breynia sind sogar die Peristomplatten der paarigen In-
terradien 2 und 3, 1 und 4 ganz und gar vom Peristom
fortgedrängt, und bei Atrapus grandis, Moera atropos und
Micraster cor anguinum die des Paares 1 und 4. Es sind
besonders die paarigen Ambulakren II und IV, deren Pe-
ristomplatten, bei Jungen länger als breit und fast keil-
förmig, bei den älteren breiter als lang sind, und so ver-
schoben, dass, während bei kleinen Individuen von Bris-
sopsis lyrifera von 4,6 Mm. Länge der vordere Rand der
Peristomplatte in den Interradien 1 und 4 fast ganz von
zwei Platten in den Ambulakren II und IV entsprochen
wird, sie bei älteren Individuen drei Platten aufnehmen.
Eine Bewegung findet somit auch hier in den Ambulakren,
gegen das Peristom, zwischen den Interradien statt. Sie
ist nur in geringem Verhältniss kleiner in dem unpaa-
rigen Ambulakrum. Im Bivium ist es anders. Da sind
die beiden ältesten Platten am meisten verdrückt; die fol-
genden behalten noch bei älteren ihre langgezogene Form.
Ein besonderes Verhalten steht damit in Zusammenhang.
Die meisten jetzt lebenden Gattungen der Spatangiden
haben eine infraanale Fasciola, die unter dem Periproct
einen ovalen Kreis bildet, in welchem, wie Johannes
Müller zuerst bei Brissopsis lyrifera beobachtete, lange
Cirrtentakel hervortreten, deren Poren also auch innerhalb
ihrer Umgebung liegen. Hiermit verhält es sich so, dass
bei allen mit Infraanaler Fasciola versehenen Gattungen
In beiden inneren Reihen des Biviums die sechste Platte
und von den folgenden : zwei bei Palaeotropus, Spatangus,
42 L o V e n :
Meoma — welche eine unvollständige Fasciola haben ;
drei bei Maretia, Echinocardium, Lovenia, Brissopsis; Eu-
patagus; vier bei Brissus, Kleinia, Plagionotus, Xantlio-
brissus; und sogar sechs bei Breynia, eine von den übrigen
abweichende Gestalt haben, indem sie gegen die Mittel-
linie der Schale ausgezogen sind, und zusammen einen
vorgestreckten Keil bilden. In der siebenten und fol-
genden Platten ist zugleich der Tentakelporus so verscho-
ben, dass er in die Fasciola gekommen ist. Bei allen
diesen Gattungen ist es nun auch Regel, dass die sechs
ersten Platten der inneren Reihen des Biviums den
äusseren Rändern von Labrum, Sternum und Episternum
entsprechen, den drei ventralen Theilen des unpaarigen
Tnterradiums, und dass das Plattenpaar des Episternums
mit dem nächsten Paar der abdominalen Platten auf beiden
Seiten einen Winkel bildet, Angulus episternalis, welcher
diesen Keil von ausgezogenen Platten aufnimmt, und bei
den verschiedenen Gattungen mehr oder weniger tief
oder offen ist. Ein junges von Brissopsis lyrifera von
4,6 Mm. Länge, zeigt nun in dieser Hinsicht dasselbe
Verhalten wie ein ausgewachsenes Individuum; bei beiden
ist es die fünfte Ambulakralplatte, welche dem Winkel
zwischen Sternum und Episternum entspricht, und die
sechste bis einschliesslich der neunten, welche in den
Episternal- Winkel eingehen, und es ergibt sich daraus,
dass in diesem Theil des Biviums im Wachsthum bei
diesen Platten keine Verschiebung in der Richtung gegen
das Peristom stattfindet, vielmehr sieht man hier die Ani-
bulakralplatten, mit Ausnahme des Peristoms, mit dem
Alter etwas verlängert. Bei den Gattungen, welche keine
Fasciola infraanalis besitzen, wie Schizaster fragilis, De-
soria, Agassizia, Abatus, Atrapus, Ilemiaster, sind die dem
kaum merkbaren, nicht immer auf beiden Seiten gleichen
Angulus episternalis entsprechenden Platten wenig oder
nicht in der Richtung gegQii die Mittellinie der Schale
ausgezogen, sondern haben fast vollkommen die Gestalt
der vorhergehenden, und die Zahl der Platten des Bi-
viums, welche die ganze Länge der drei ventralen Theile
des unpaaren Intcrradiums einnehmen, ist unbestimmt,
Ueber den Bau der Echinoidecii. 43
bei Schizaster sieben, bei Atrapus sechs, bei Abatus sieben
und eine halbe auf der linken, sechs und eine halbe auf
der rechten Seite, bei Desoria acht und eine halbe, bei
x\gassizia sechs und eine halbe. Am bedeutendsten ist
diese Unregelmässigkeit bei Palaeostoma Gray, wenigstens
bei jungen Individuen, Erwachsene stehen nicht zu Ge-
bote. In dieser ganzen Gruppe ist somit die Ordnung
besonders in den Interradien viel weniger strenge und
symmetrisch^ als bei denen mit einer infraanalen Fasciola.
Diese letzteren scheinen vorherrschend unter den lebenden
Spatangiden zu sein, aber waren, wie es scheint, unter
denen der Kreideperiode nur durch eine Gattung, Micraster,
vertreten, deren übrige Gattungen entweder die Fasciola
entbehren, oder sie penpetal oder zusammengesetzt, und
somit wahrscheinlich eine minder regelmässige Anordnung
der Platten haben.
Eine stark niedergedrückte Körperform, die Nähe
der beiden Flächen, der ventralen und der dorsalen zu
einander, ihre Verbindung inwendig durch Vorsprünge,
Pfeiler, Bogen und Kämme; die Ausbreitung der sehr
zahlreichen Tentakelporen auch auf den Interradien ; der
Madreporit, welcher bei den meisten alle fünf Scheitel-
platten aufnimmt; die Lage der Genitalporen nicht immer
in den Scheitelplatten, sondern von ihnen getrennt in
den Interradien, alles dies sind Charaktere, welche unter
andern die Clypeastriden von den übrigen irregulären
Echinoideen entfernen. Sie nähern sich andererseits den
regulären durch die Gegenwart von Kiefern, durch die
darauf beruhende geringe Veränderlichkeit des Peristoms
zur Gestalt im Wachsthum, und deren centrale Lage auf
der ventralen Oberfläche, gegenüber dem Fünfeck der
Scheitelplatten und Ocularplatten auf der dorsalen, worin
bloss der abnorme Dendraster und einige wenige andere
abweichen. Erwachsene haben auch in mehreren Gat-
tungen alle fünf Ambulakren gleich, während in anderen
das Bivium sich einigermassen geltend macht, bereits früh
oder allmählich mit den Bewegungen und Veränderungen
in Gestalt und Grösse der Platten, welche hier beim
Wachsthum bedeutender sind als bei anderen Echinoi-
44 L 0 V e n :
dcen. L. Agassiz und Johannes Müller beobach-
teten wie bei den Clypcastriden die Corona sieh am
Munde „vereinfacht", wie die Platten mehr an Breite als
an Länge zunehmen, wie bereits Philipp i über Echi-
nus anmerkt, und wie dies am meisten von den Ambu-
iakralplatten gilt, welche ;,sich mit eiannder verbinden."
Regulär, bei denen alle fünf AmbuJakren gleich
sind, — und mit Ausnahme des Periproctes im Wesent-
lichen auch alle Interradien — , sind im entwickelten
Zustande Echinocyamus pusillus und Laganum depressum,
welche beide alle fünf Interradien zusammenhängend ha-
ben, in ununterbrochener Plattenfolge, nebst Encope Va-
lenciennesi und E. Stockesi, Clypeaster rosaceus und Sto-
lonoclypus prostratus, bei welchen in allen Ambulakren,
Bivium wie Trivium, die Platte 2 bei den ersteren, die
Platten 2 und 3 bei den letzteren so in der Breite aus-
gedehnt sind, dass zwischen ihnen, in ihren äusseren
Kanten, alle Ambulakren einander gegenseitig berühren,
einen geschlossenen Kreis bilden, und die Interradial-
platte 2 und folgende von 1 trennen, die am Peristom
Thoil nimmt, welches hier, wie bei allen diesen Gattungen
vollständig ist, d. h. aus zehn Ambulakralplatten und
fünf Interradialplatten zusammengesetzt.
Irregulär, mit einem vom Trivium verschiedenen Bi-
vium, sind Mellita (hexapora) und Rotula (Rumphii), bei
welchen die Platte 2 in la und Vb sich nicht nach innen
erweitert, und deshalb das unpaarige Interradium nicht
unterbricht, dessen Plattenfolge zusammenhängend ist,
w^ährend die erstere im Trivium und in Ib und Va die
Platten 2 und 3, die letztere im Trivium die Platte 2 und
und in Ib und Va die Platten 2 und 3 so erweitert hat,
dass sie einen bloss in dem unpaarigen Interradium offenen
Ring bilden, durch welchen die Plattenfolgen der vier
paarigen Interradien unterbrochen werden und in jeder
von denselben die Peristomplatte 1 weit von den folgenden
getrennt wird. In einer entgegengesetzten Weise sind
Echinorachnius parma und Lobophora irregulär, bei wel-
chen die Platten 2 in la und Vb mehr erw^eitert sind als
die im Trivium und in Ib und Va, so dass das unpaarige
lieber den Bau der Echinoideen. 45
Interradium in weit grösserem Maasse unterbrochen ist
als die paarigen. Auch alle diese haben das Peristom
vollständig, zusammengesetzt aus zehn Ambulakralplatten
und fünf Interradialen. Arachnoides steht darin allein,
dass seine ältesten Ambulakralplatten so stark in die
Breite erweitert sind, dass in allen fünf Interradien die
Platte 1 vom Peristom verschwunden ist, v/elches nur
aus den zehn ersten Ambulakralplatten besteht, welche
mit den zwei oder drei folgenden einen breiten geschlos-
senen Ring bilden, der die Interradien weit entfernt.
Aber auch hier macht das Bivium sich geltend, wenn
auch in geringem Maasse. Zwischen den Platten 2 in
la und Vb ist ein kleiner Raum offen gelassen für die
zwei ganz kleinen und verschobenen Platten des unpaa-
rigen Interradiums.
Während bei den Echiniden, Echinoneus und den
Cassiduliden die Schale nahezu regelmässig ist, und in
stetigem Wechsel zwischen Ambulakren und Interradien,
und bei den Spatangiden die ersteren nur selten so über-
hand nehmen, dass sie die letzteren vom Peristom ver-
drängen, ist also bei den Clypeastriden der Uebergriff
der Ambulakren Regel, und die Interradien sind bei
den meisten derselben durch sie unterbrochen. Es ist
von Wichtigkeit nachzusehen, ob diese Eigenthümllchkeiten
bereits dem frühsten Alter zukommen, oder beim Wachs-
thum entstehen.
Eine Meilita hexapora von 6,5 Mm. Länge hat grossen
Abstand zwischen den Reihen la und Vb, so dass das
Interradium zwischen ihnen frei liegt und breiter als bei
den älteren, aber die Platten 2 in Ib und Va des Biviums
und im ganzen Trivium sind bereits so erweitert worden,
dass sie einen zusammenhängenden Kreis bilden, der von
den Peristom-Interradialen 1 die folgenden ausschliesst.
Jedoch erst bei noch bedeutenderer Grösse ist auch die
Platte 2 so verbreitert, dass sie in diesen Kreis eingeht,
und diese Zunahme deutet an, dass Meilita bei einer noch
geringeren Grösse alle ihre Ambulakren getrennt haben
dürfte. Dies findet in der That bei Echinarachnius parma
statt. Ein junges Individuum desselben von 6,5 Mm.
46 L o V e n :
Länge, hat alle fünf Ambulakren gleich, nnd ihre Platten
2 sind noch nicht so breit, dass sie auf die Gestalt der
Interradien einwiikcn, \velche alle frei sind, zusammen-
hängend in ununterbrochener Folge. Aber bei 34 Mm.
Länge haben im Bivium die Platten 2 von la und Vb so
zugenommen, dass sie einander berühren und das un-
paarige Interradium unterbrechen, jedoch ist noch bloss
in den Interradien 1 und 4 die eine von Platte 2 von
der Berührung mit Platte 1 ausgesperrt. Es lässt sich
hiernach also annehmen, dass die reguläre Gestalt mit
fünf gleichen Interradien bei den Clypeastriden die pri-
mordiale ist, die von Echinocyamus und Laganum beibe-
halten wird, aber von welcher Encope, Clypeaster und
Stolonoclypus, Mellita und Rotula, Echinarachnius und
Lobophora, nebst x\rachnoides im Wachsthum abweichen,
die fünf letztgenannten unter gleichzeitiger Anlage eines
Biviums. Das Drücken gegen das Peristom beim Heran-
wachsen und die Zunahme und starke Vermehrung neuer
Platten in den für die Kiemen bestimmten Petala, haben
an diesen Veränderungen grossen Antheil. Der „Aequa-
tor" ist nicht derselbe während des ganzen Lebens des
Thieres. Man sieht durch Vergleichung mehrerer Echi-
narachnien von verschiedenem Alter, wie von der Platte,
durch welche die Peripherie geht, ein grösserer Theii
allmählich nach der ventralen Fläche übergeht, bis die
folgende da sichtbar wird, und das Periproct, welches
anfangs dorsal ist, wird schliesslich zur grösseren Hälfte
ventral. Auf diese Weise wird das Stoma der Schale,
wie bei den Echinen, kleiner im Verhältniss zum ganzen
Thier. Bei einer Mellita hexapora von 6 Mm. Breite ist
das Quermaass des Stoma etwa 0,13 der Scheibe, bei
8 Mm. 0,1, bei 35 Mm. 0,04, bei 80 Mm. 0,034.
Dieselbe Ordnung, welche durch die Formel für
die beiden Serien der ambulakralen Peristomplatten aus-
gedrückt wird, macht sich auch im Auftreten der Sphä-
ridien geltend. Bei den Spatangiden, z. B. Brissopsis
lyrifcra, zeigt sich die erste auf der einporigen Peristom-
platte in jedem Ambulakrum, ganz nahe der Naht, und
neigt gewöhnlich nach der zweiporigen Platte hinüber..
Ueber den Bau der Echinoideen. 47
Während noch das Peristom fünfeckig und der Mund
nur sehr wenig von der Mitte der Mundhaut entfernt ist,
ist bei Echinocardium ovatum auch auf der zweiporigen
Peristomplatte ein Sphäridium aufgetreten, welches jedoch
noch viel kleiner ist als das erste. Die Serie la . . . Vb
kommt also auch hier nach der Serie Ib . . . Va. Hat
sich der Mund so sehr nach hinten geschoben, dass er
fast die Lippe berührt, dann zeigt fedes Ambulakrum ein
drittes Sphärid auf Platte 2 in der Serie Ib . . . Va,
und wenn der Mund anfängt von der überneigenden
Lippe verdunkelt zu werden, kommt, wie es scheint zuerst
auf den paarigen Reihen des Triviums, die vierte hinzu,
auf Platte 2 in der Serie la . . . Vb. Ein ganz junger
Cassidulus Caribaeorum von 4 Mm. Länge hat bereits
zwei Sphäridien, — deren verschiedene Grösse kenn-
zeichnet, dass das der einporigen Peristomplatte das ältere
ist, — und von 7 Mm. vier, alle sichtbar in tiefen Gruben.
Hat er zwölf Mm. Länge erlangt, dann sind, sechs Sphä-
ridien vorhanden, aber dann ist auch die für diese Gruppe
eigenthümliche Ueberwachsung eingetreten. Eine äussere
Lage Schalensubstanz von unregelmässig netzförmigem
Gewebe, fast einem Schaum ähnlich, breitet sich auf der
Oberfläche der Schale aus; man sieht es am deutlichsten
auf der Sternalregion des unpaarigen Interradiums, wo
es von der Mitte jeder Platte ausgeht und sich über ihre
Grenzen erstreckt, in kleinen schlängelnden unregel-
mässigen Bergketten, um schliesslich bei den Erwachsenen
die ebene Oberfläche mit kleinen zerstreuten Löchern zu
bilden, welche dieser Gattung eigen ist. Auf dem Am-
bulakrum sieht man diese überwachsende Lage erst die
Ränder der Vertiefungen erhöhen, in denen die Sphäridien
sitzen, und dann Auswüchse davon bilden, welche die-
selben nach und nach bedecken, und gleichwie das erste
Sphärid jeden Paares in der Serie Ib . . . Va auftritt,
so ist es auch dieses, welches in seiner Ordnung zuerst
bedeckt wird, und dann das der Serie la . . . Vb, so
dass sie in der Ordnung, wie sie entstanden sind, über-
wachsen werden. Toxopneustes dröbachensis mag wieder
zeigen, wie die Sphäridien bei den Latistellae entstehen,
48 L o V e n :
s. Taf. Fig. 1 — 8. Ein Individuum von drei Mm. hat auf
jedem Ambulakrum zwei Spliäridlen, eins, das älteste, 1,
auf der ersten Prlmaiplaltc dei binären der Serie Ib . . . Va,
nahe ihrem Rande; ein zweites auf der ternären der
Serie la . . . Vb. Bei einer Grösse von sechs Mm. ist
ihre Anzahl vier, 1 steht noch näher dem Rande seiner
Primärplatte 1, und 2 wie vorher, und zwei neue sind
aufgetreten: 3 auf der ^zweiten Primärplatte der binären
Grossplatte der Serie Ib . . . Va, und 4 auf der dritten
Primärplatte der ternären der Serie la . . . Vb, 3, welche
ganz ist, nicht auf 2, welche intermediär und halb ist.
Wenn das Thier noch ein wenig gewachsen ist, hat
es auch vier Sphäridien, aber nicht 1, 2, 3, 4, son-
dern 2, 3, 4, 5. Die binäre Grossplatte der Serie
Ib . . . Va, deren beide Primärplatten verschmolzen, ist
in hohem Grade niedergedrückt worden, und ihr Sphärid,
das zuerst entstandene, welches am Rande ihrer Primär-
platte 1 stand, ist verschwunden. Das Sphärid 2 ist noch
übrig, aber hat sich unter dem fortschreitenden Verschie-
ben dem Rande genähert, 3 steht wie vorher auf der
binären Grossplatte der Serie Ib . . . Va, und 4 auf der
ternären der Serie la . . . Vb; und ein neues ist auf der
Primärplatte 1 der Grossplatte 2 von Ib . . . Va hinzu-
gekommen. Diese Sphäridien 2, 3, 4, 5 sind noch gegen-
wärtig, nachdem die Grossplatten 1 und 2 beider Serien
zu secundären Grossplatten verschmolzen sind, und das
Thier elf Mm. gross geworden ist (Fig. 6). Aber bei
einem etwas grösseren von fünfzehn Mm. Durchmesser,
welches fünf Sphäridien hat, sind diese nicht 2, 3,
4, 5, 6, sondern 3, 4, 5, 6, 7, denn das Sphärid 2,
welches sich immer mehr dem Rande genähert hat, ist
verschwunden, ein Sphärid 6 ist hinzugekommen, vor-
muthlich auf der Primärplatte 1 der (jrossplatte 2 in der
Serie la . . . Vb, und noch eins, 7, vermuthlich auf der
Primärplatte 1 der Grossplatte 2 in der Serie Ib . . . Va.
Schliesslich bei einer Grösse von 52 Mm., wenn die Pe-
ristomplatten der Ambulakren Grossplatten der dritten
Ordnung sind, welche aus 1, 2 und 3 vereinigt bestehen,
dann haben ihre sechs Sphäridien die Ordnungsnummern
Ueber den Ban der Echinoideen. 49
3, 4, 5, 6, ly 8, von denen die letzte^ wie es scheint, der
Primärplatte 1 der Grossplatte 3angehört. So sind bei der Re-
sorption, welche am Rande des Peristoms stattfindet, zwei
Sphäridien verloren gegangen und ein Stachel mit sei-
nem Höcker.
So ist die Asymmetrie im Skelett der Echinoideen
im Verhalten zu ihrer vorn-hinten Achse, ausgedrückt
in jedem Ambulakrum in ihren beiden nebengeordneten
Plattenreihen, am auffallendsten in der Anlage, Grösse,
Gestalt, Veränderung und Bewegung der Peristomplatten
und der nächst folgenden w^ährend des Wachsthums, in
der Zahl und Lage ihrer Poren, in der Reihenfolge des
Entstehens und Verschwindens der Sphäridien, und sie
wird wahrscheinlich nicht trügen, wenn sie naher er-
forscht wird, in dem Verhalten der Stacheln und der
Pedicellarien. Sie hebt in der That den radiären Bauplan
auf, und legt die Homologien zwischen den Spatangiden
und Echiniden an den Tag, dass selbst unter der späteren
scheinbar strahligen Form, im ßivium, welches symme-
trisch ein unpaariges Interradium umfasst, eine bilaterale
Anlage auf beiden Seiten um eine vorn-hintere Achse
gefunden wird, welche in allen verschiedenen Gruppen
der Klasse dieselbe bei dem ausgebildeten Thierc ist.
Wenn man im Peristom von Toxopneustes dröba-
chensis, Fig. 1, oder irgend eines andern Echiniden die
fünf Platten la, IIa, Hib, IVa, Vb und die fünf Ib, IIb,
Illa, IVb, Va mit geraden Linien verbindet, w^erdon in
dem Kreise zwei untereinander gleich grosse, ähnliche
Fünfecke eingeschrieben, von denen jedes drei benach-
barte Winkel gleich gross hat. Diese zwei Fünfecke
sind so gestellt, dass die Seite ^la Vb dem unpaarigen
Interradium gegenübersteht, und dem Madreporiten gegen-
über die mit ihm homologe Seite IIb Illa; dass die vier
Seiten, welche in beiden Fünfecken gleich grosse aber nicht
homologe Winkel umfassen, zwei und zwei parallel sind,
aber die Seiten, welche für die zwei verschieden grossen
aber homologen Winkel gemeinsam sind, einander schnei-
den ; und zugleich so, dass die beiden Fünfecke mit ihren
^Aussenlinien eine Figur bilden, welche symmetrisch ist,
Archiv f. Naturg. XXXIX. Jahrg. 1. liä. 4
50
Loven:
nicht im Verhältniss zu dem Durchmesser des Stoma,
welches mit der vorn-hinteren Achse des Thieres zusam-
menfällt, sondern nur im Verhältniss zu einem Durch-
messer ato^ welcher durch den Punkt geht, wo diese zu-
letzt genannten Seiten einander schneiden, so dass alle
Linien, welche die homologen Winkel der beiden Fünf-
ecke verbinden, nämlich IVa mit IVb, Illb mit Va, Vb
mit Illa, la mit IIb, Ib mit IIa, einander parallel sind
und senkrecht gegen denselben Durchmesser, und dass
folglich, wenn das eine Fünfeck um diesen Durchmesser
Fig. 3.
Mundarten bei einem Jungen von Brissopsis lyrifera. Sph. bedeutet
die Spliäriden.
wie um eine Achse gedreht wird, es mit dem andern
zusammenfällt. Auf dieselbe Weise erhält man in dem
pentagonalen Peristom mit abgerundeten Ecken eines
Spatangus-Jungen zwei Fünfecke von gleicher Beschaffen-
heit, 8. Fig. 3, und es leuchtet ein, dass dasselbe bei dem
typischen, ebenfalls pentagonalen Peristom der Clypea-
striden und Cassiduliden der Fall ist. Der Diameter aw
lieber den Bau der Echinoideeii. 51
geht, wenn er verlängert wird, durch das Ambulakrum IV
und das Interradiura I.
Die Interradien sind die Plattenreihen des Perisoms,
verschiedenartig von dem Ambulakrum in VVachsthum
und Bewegung. Wenn man durch Kochen in Soda-
lauge vorsichtig ihre Platten bei Spatangus purpureus,
Brissopsis lyrifera und Echinocardium ovatum trennt,
findet man, dass mehrere Platten an den adoralen Kanten
mit einer halbmondförmigen Lamelle versehen sind, welche
innerhalb des aboralen Randes der vorhergehenden Platte
hineinschliesst, die an ihrer Innenseite eine entsprechende
Vertiefung hat. Spatangus hat eine solche Lamelle an
der dritten und vierten Platte der frontalen, an der dritten,
vierten und fünften der lateralen; Brissopsis an der dritten
und vierten der frontalen, an der dritten, vierten, fünften
und sechsten der lateralen in der hintern Reihe ; Echino-
cardium an der dritten Platte der lateralen in der vor-
deren Reihe. Ohne Zweifel findet dasselbe bei vielen
Spatangiden statt, vielleicht auch bei anderen irregulären
Echinoideen. Es ist ein Zeichen, dass die Platten der
Interradien gewissermassen Schuppen sind, obgleich sie
vielleicht niemals so fungiren, wie die Schuppen im Pe-
risom der Holothurien und Crinoideen.
In hohem Grade gegenseitig übereinstimmend sind
die Interradien bei den Echiniden, in deren Perisom sie
immer mit zwei Platten eingehen, einer grossen und einer
kleinen. Man kann ihre Lage meist nur bei jungen Echi-
niden beobachten. Toxopneustes dröbachensis zeigt bei
Jungen constant, dass, wenn man das rechte laterale In-
terradium des Thieres mit 1 bezeichnet und somit das
unpaarige mit 5, die kleinere Perisomplatte und die
grössere neugebildete an der Scheitelplatte zu la, 2a, 3b,
4a, 5a, die grössere peristomiale und die kleinere neuge-
bildete an der Scheitelplatte zu Ib, 2b, 3a, 4b, 5b gehört.
Es ist das Interradium 3, das linke frontale des Thieres,
welches die Lage der Platten umtauscht, s. Fig. 1. Man
findet leicht, dass eine solche Disposition symmetrisch auf
beiden Seiten um einen Durchmesser ist, welcher durch
das Ambulakrum I und das Interradium 3 geht, derselbe
52 Loven:
welcher die Längsaclise bei Ecliinometra ist, und in deren
senkrechter Ebene sie die Bogealinie der Wölbung hat.
Während bei Echinoneus die Interradicn in den
Formen und dem gegenseitigen Grössenverhältniss der
Platten viel Aehniichkeit mit den Echiniden haben, so
dass sogar das unpaarige, obgleich durchbohrt von dem
grossen Periproct, doch in hohem Grade mit den paarigen
übereinstimmt, findet indessen in Beziehung auf die Pe-
ristomplatten eine bemerkenswerthe Verschiedenheit statt,
welche verzeichnet zu werden verdient, damit sie bei
jungen Individuen näher untersucht werde, gleichwie so
vieles andere bei diesem Thier, der schiefe Mund, die
Kiemen u. s. w. In das Peristom gehen nämlich die In-
terradicn 1, 3, und 5 mit einer einzigen Platte ein, 2 und
4 mit zwei Platten, und wenn man das Peristom des
Echinoneus auf einen Kreis reducirt, ist auch diese Stel-
lung symmetrisch zu dem Durchmesser, welcher durch
das Ambulakrum 1 und das Interradium 3 geht.
Alle übrigen irregulären Echinoideen haben in je-
dem Interradium nur eine einzige Platte im Peristom.
Die Disposition der Interradicn ist symmetrisch im Ver-
hältniss zur vorn-hinteren Achse des Thieres, welche
auch seine Längsaxe ist, und durch das unpaarige Am-
bulakrum III und das paarige Interradium 5 geht, —
mit einer constanten Abweichung bei den Spatangiden,
ohne Abweichung bei den Clypeastriden und Cassiduliden.
Während in diesen beiden Familien alle vier paarige In-
terradicn in hohem Grade einander gleichen, sind überall
die zwei frontalen gegenseitig und die beiden lateralen
untereinander vollkommen symmetriscli, und das unpaa-
rige Interradium ist von ihnen wenig verschieden, die
Platten nach Maass und Form analog, an einer Stelle
ausgescheuert, gleichsam zerfressen, für das Periproct,
welches während des ganzen Lebens des Thieres von den-
selben Platten umgeben ist. So in hohem Grade bei
Laganum und Echinocyamus, welche die eine der jüngsten
Platten, die an die Scheitelplatte stösst, gross und zuge-
spitzt haben. So auch bei Clypeaster, Stolonoclypus, En-
cope, Mellita, Echinarachnius, Arachnoides, bei welchen
lieber den Bau der Echinoideen, 53
die jüngeren Platten immer kleiner und kleiner sind, und
die, welche an den Schcitelplatten liegen, sehr klein und
gleich gross, divergirend und zwisch'en sich die Genital-
porcn aufnehmend.
Vieles von allem diesem ist ganz anders bei den
Öpatangidcn. Die frontalen Interradien sind bei allen
lebenden Gattungen symmetrisch, und zwischen ihnen
und den lateralen ist eine deutliche Uebereinstimmung.
Sind die Platten 2 in den frontalen sehr gross, die fol-
genden sehr kurz, wie bei Breynia, Lovenia, Eupatagus,
Plagionotus, Maretia, Öpatangus, Echinocardium, dann
zeigt sich dasselbe Verhalten in den lateralen Interradien,
nähern sich die Platten der frontalen, einer fast gleich-
seitig pentagonalen oder hexagonalen Form, dann gilt
dasselbe bei den lateralen. Aber umgekehrt sind die
lateralen Interradien nicht ganz gleich, stets unsymme-
trisch auf beiden Seiten der Längslinie, und immer ist
es das rechte seitliche Interradium, 1, welches das ab-
weichende ist. Die Spatangiden, welche unter den jetzt
lebenden die zahlreicheren zu sein scheinen, aber in der
ältesten Zeit der Familie ganz wenig vertreten waren,
Prymnodesmii, welche eine Fasciola infraanalis und die
Ambulakren meist regelmässig haben, sind eben die, bei
denen diese Asymmetrie am strengsten eingehalten ist.
Alle ihre Gattungen haben in dem rechten lateralen In-
terradium, in seiner hinteren Reihe, la, eine Platte we-
niger als in derselben Reihe des linken, 4b; die drei
ersten Platten des rechten, die Peristomplatte 1 und die
zwei folgenden, entsprechen den vier ersten der linken, der
Peristomplatte 1 und den drei folgenden, 2, 3, 4. Eine der
drei im Interradium la muss daher als aus zwei Platten zusam-
mengesetzt angesehen werden, und es ist deutlich, dass es
die zweite ist, welche also mit 2 -f 3 bezeichnet werden
muss, aber sowohl die Platte 1 wie die Platte 4 und zuweilen
die Platte 5 tragen dazu bei, die Lücke zu ergänzen, welche
entsteht, da die linke 2 + 3 nicht so gross ist wie die
rechte 2 und 3 zusammen genommen. In den meisten
Fällen ist die erstcre ebenso gross wie die beiden fol-
genden, so bei Brissopsis, Maretia, Lovenia, Eupatagus,
54 Loven:
Echinocardium, und bei diesen ist zugleich die Platte 4
an beiden Seiten gleich gross; bei Breynia, Plagionotus,
Spatangus, Xanthobrissus, Micraster, Palaeotropus, Meoma
— welche bloss eine halbe Fasciola infraanalis haben —
ist die Platte 2 -f 3 der rechten Seite etwas kleiner als
2 und 3 der linken zusammen genommen, und da ist es
die Platte 4 der rechten, bei Micraster, Echinocardium
und Palaeotropus mit dieser auch Platte 1, bei Meoma
Platte 5, welche grösser ist als die entsprechende Platte
auf der linken Seite, und die Lücke ausfüllt. Bei Brissus
ist auf beiden Seiten die Platte 2 in Ib und 4a so gross
und so nahezu gleichseitig pentagonal, dass sie die Platte 2
in la und 4b von jeder Berührung mit Platte 1 weg-
drängt, und zugleich ist Platte 2 in Ib viel grösser als
in 4a, so dass sie einen nicht geringen Theil von dem
Maass beträgt, welches erfüllt werden muss um 2, 3, 4
in 4b zu entsprechen ; auch ist hier 2 4- 3 in la bedeu-
tend kleiner als 2 und 3 in 4b zusammen genommen, und
4 in la grösser als 4 in 4b.
Die andere Gruppe von Spatangiden, welche jetzt,
so weit wir weissen, weniger reich an Gattungsformen
ist, Prymnadeti, welche keine Fasciola infraanalis haben,
ist in der Hinsicht, um die es sich liier handelt, viel we-
niger regelmässig. Fünf Gattungen gleichen darin meh-
reren der Prymnodesmii, dass sie Platte 2 + 3 der rechten
Seite im Interradium la ebenso gross haben wie 2 und 3
der linken zusammen genommen, und zugleich Platte 4
auf beiden Seiten gleich gross, so Agassizia und Schi-
zaster, oder, wie Moera, Abatus und Plemiaster, Platte
2 4- 3 in la kleiner als 2 und 3 in 4b, und daher die
Platten 1 und 4 der rechten Seite, bei Hemlastcr auch 5,
etwas grösser als die der linken. Aber drei andere Gat-
tungen sind viel abweichender. Desoria hat Platte 2 des
Interradiums la verschmolzen, nicht mit Platte 3 in der-
selben Reihe, sondern mit Platte 2 in Ib, und dasselbe
findet bei Atrapus statt, und bei der vorigen ist zugleich
Platte 2 in 4b von Platte 1 getrennt. Aber am meisten
abweichend ist Palaeostoma. Während alle anderen Spa-
tangiden, in jedem Interradium, zunächst hinter der Pe-
lieber den Bau der Echinoideen. 55
risomialplatte 1 ein Paar Platten haben, 2, hat diese die
Platte 2 einfach sowohl in den frontalen wie in den la-
teralen Interradien, und daher ist es, im Interradium 1,
nicht in la wo die Platten 2 und 3 verschmolzen sind,
sondern in der Reihe Ib.
Dieses ist die Verschiedenheit, welche das rechte
Interradium 1 bei allen bekannten Gattungen der jetzt
lebenden Spatangiden zeigt. Es ist allerdings deutlich,
dass es nicht die linke Seite ist, welche eine Platte mehr
hat, sondern die rechte, welche eine weniger hat, und
dass da, innerhalb eines Bezirkes nicht weit vom Peri-
stom, aber getrennt davon, die normale Bildung der
Platten gestört wird. Es ist in der Richtung des Inter-
radiums, wo der Diameter liegt, in Beziehung zu welchem
die Ambulakren symmetrisch angelegt sind. Ob dieser
Diameter möglicherweise die heterologe Stellung angibt,
welche das noch in seiner Larve weilende Echinoderm
zu dieser gehabt hat, eine Primordialachse, von welcher
es später zu einer anderen übergegangen ist, vorn-hinten
Achse ; ob diese abweichende Verschmelzung gewisser
Platten an einer Seite des Thieres möglicherweise einen
Zusammenhang mit dem Ereigniss haben kann, wo das
Echinoderm Magen und Darm seiner Larve in sich auf-
nahm, das sind Fragen, welche bei den weiteren Unter-
suchungen über die Entwickelung der Echinodermen,
die wir gegenwärtig nur in allgemeinen Zügen kennen,
in Erinnerung gebracht zu werden verdienen.
Das unpaarige Interradium weicht weit mehr von
den paarigen bei den Spatangiden ab, als bei den übri-
gen irregulären Echinoideen. Es hat einen viel selbst-
ständigeren Bau, und seine ungleichen Platten sind im
Wesentlichen symmetrisch, diiFerenziren sich für ver-
schiedene Functionen. Die erste, die Perisomplatte, bei
Jungen kaum abweichend von denen der paarigen Am-
bulakren, bildet sich zum Labrum aus, mit welchem das
Thier bei seiner Wanderung in den weichen Meeresboden
die Masse von Schlamm aufsammelt, welche beständig
seinen Darmkanal füllt. Hinter dem Labrum folgt das
Sternum, gleichsam alle folgenden Glieder von zwei paa-
56 Luven:
rigcn [Matten, verselieii mit kräftig beweglichen, mehr
oder weniger niderföi migen Stacheln, mit denen das
Thier sich fortbewegt; und hinter dem Stcinum das Epi-
sternum, und die lange Reihe der meist zahlreichen ab-
dominalen Platten, welche bei den meisten jetzt lebenden
Gattungen an dem Madreporiten endigt, oder bei He-
mlastcr und manchen ausgestorbenen von ihm durch die
Angenplatten oder Schcitelplattcn getrennt ist, wenn
diese sich hinter dem Madrepriten berühren.
Das Labrum ist bei den meisten sehr kurz, so dass
es mit seinen äusseren Rändern nur die erste zweiporige
Radialplatte aufnimmt, bei anderen, Maretia, Lovenia,
Breynia, Eupatagus, Atrapus, Palaeostoma, so nach hinten
verlängert, dass es den zwei oder drei ersten Radialplatten
entspricht. Das Sternum bietet, am deutlichsten bei den
Prvmnodesmii , einen gewissen Gegensatz gegen die
Platten 2 der paarigen Interradien dar, indem es gewöhn-
lich klein ist, wenn diese sehr gross sind, so bei Breynia,
Plagionotus, Enpatagus, Lovenia. Sein Verhältniss zum
ßivium ist bereits erwähnt. Die Platten des Episternum
sind bei derselben Gruppe nach hinten verschmälert oder
zugespitzt, und ihr äusserer Rand bildet mit dem äusseren
Rande des ersten Paares der Abdominalen an jeder Seite
den Angulus episternalis, in welchen die ausgezogenen
Platten des Biviums hineinschli essen. Sehr tief ist dieser
Winkel bei Eupatagus, Breynia, Plagionotus, Maretia,
Echinocardium, Xanthobrissus, Palaeotropus, weniger tief
bei Lovenia, Brissus, Meoma, Brissopsis, Spatangus. Ganz
gering ist er bei Micraster aus der Kreide, wo er sich
zuerst zeigt, und welcher die Episternalplatten von bei-
nahe derselben Form hat wie die übrigen Abdominal-
platten, so wie das Verhalten bei den Prymnadeti ist,
wo der ganze hintere Theil des unpaarigen Interradiums,
z. ß. bei Hemiaster, durch seine Einförmigkeit eine ge-
wisse Aehulichkeit mit derselben Partie bei den Cassi-
duliden hat. Diese Gruppe der Spatangiden hat auch
darin eine Verschiedenheit von den Prymnodesmii, dass
die Platten des unpaarigen Interradiums, wclclie der linken
Seite angchöron, merklich länger sind als die der rechten
lieber den Bau der Echiiioideen. 57
Seite. Schon die linke SteiJialpIatte scliiesst bei den
meisten nach hinten vor der recliten vorbei, wenn nicht,
sind Epiöternnm und alle folgenden Glieder verlängert.
Bei Palaeostoma geht diese Verschiedenheit noch weiter,
indem die linke Platte des Episterniims mit nahezu ihrer
ganzen Länge hinter der rechten liegt, nnd fast ebenso
alle folgenden. Eine Folge davon ist ein Vorschiessen,
durch welches das Periproct, welches auch hier während
des ganzen Lebens des Thieres wenigstens vorn von den-
selben Platten begrenzt wird, nicht immer symmetrisch
cingcfasst ist, d. h. an einer Seite eine geringere Anzahl
Platten seinen Rand erreicht, und dann ist es immer die
linke Seite, welche eine Platte mehr giebt als die rechte,
üeberhaupt bemerkt man, dass bei den Spatangiden die
linke Seite die überwiegende ist.
Vergleicht man eine ganz junge Brissopsis lyrifera^
4,6 Mm. lang, mit einer erwachsenen, dann sieht man,
dass die paarigen Interradien bei ihr bereits ihre bleibende
Form angenommen haben, nur dass die ältesten Platten,
die des Peristoms, verhältnissmässig breiter sind, die
Platten 2 ein w'enig länger als bei der Erwachsenen, und
dass in der frontalen die kleine elf oder zehn Platten;
die grosse dreizehn hat, weil am Ende zwei kleine Platten
hinzu gekommen sind. In den lateralen zählt man bei
beiden zehn Platten. Weit mehr hat sich das unpaarige
Interradium verändert. Labium und Sternum sind bei
beiden gleich, das Episternum bei der kleinen sehr kurz^
sein hinterer Rand sehr schmal, und die präanale Platte,
die welche nicht in das Periproct eingeht und welche
von allen Platten der Schale sich am meisten verändert,
ist noch dreimal so lang wie breit, während bei der er-
wachsenen ihre Länge und Breite fast gleich sind. Anale
sind bei dieser 5—8, bei der jungen 5 — 9; die ganze An-
zahl der Platten bei der jungen vierzehn, bei der älteren
fünfzehn. Es zeigt sich hier, dass die Interradien bei den
Spatangiden sich hauptsächlich durch das Wachsthum
der einzelnen Platten vergrössern, sehr wenig durch das
Hinzukommen neuer Platten bei den Scheitelplatten.
Jede Platte hat einen Nucleus, der sich oft als ihr Umbo
58 L o V e 11 ;
zu erkennen gibt und inwendig von Anwachsciirven um-
geben ist.
Untersucht man eine MelHta hexapora von 6,5 Mm.
Länge neben einer erwachsenen von 85 Mm., dann findet
man, — abgesehen von den Veränderungen in den Inter-
radien der Ventralseite, welche eine Folge des Auswachsens
der Ambulakren auf ihre Kosten sind, — dass alle Inter-
radien bei der kleinen neun bis zehn Platten haben, bei
der grossen dreizehn oder vielleicht zwölf, weil es kaum
möglich ist, sich zu überzeugen, in wiefern die Platte,
durch welche die Peripherie geht, durch eine Naht in
zwei getheilt ist, oder nicht. Auch hier ist das unpaarige
Interradium, obschon nicht so sehr wie bei Brissopsis,
von den übrigen verschieden. Der Hiatus (Lunula), wel-
cher sich früh in diesem Interradium findet, — alle übrigen
liegen in den Ambulakren, und sind noch nicht entstan-
den — ist bei der jungen fast zirkelrund, bei der er-
wachsenen lang und schmal, und verrückt sich beim
Wachsthum so, dass er bei der ersten von den ventralen
Platten 2 und 3 begrenzt ist, und von den dorsalen 5, 6
und 7, jedoch bei der erw^achsenen von denselben ven-
tralen 2 und 3, aber von den dorsalen 6, 7 und 8, weil
die dorsalen sich allmählich dem Rande nähern, und da
sogar gewissermassen ventral werden. Das Periproct,
welches wie das Stoma bei der jungen verhältnissmässig
viel grösser ist, . als bei der erwachsenen, ist rund bei der
ersteren und vorn von einem schmalen Rande der Platte 2
umgeben, welcher allmählich vei'schwindet, so dass schliess-
lich die Platte 1 die vordere Grenze der bei der erwachse-
nen ovalen OefFnung ausmacht. Das Verhalten, dass die
Anzahl der Plattenpaare in den Interradiea bei den Er-
wachsenen bloss in geringem Maasse dieselbe bei den
jüngsten übersteigt, ist auch bei den Cassiduliden und
regulären Echiniden leicht zu beobachten, während bei
allen die Vermehrung innerhalb der Ambulakren weit
bedeutender ist, und ausserordentlich gross in den Petala
der irregulären, in welchen sie vervielfacht wird. Man
überzeugt sich bald, dass bei allen Echinoideen die Inter-
radien und die Ambulakren selbstständig jedes für sich
lieber den Bau der Echinoideen, 59
wachsen und sich bewegen, die ersteren als das platten-
belegte Perisom, die letzteren als unfreie Arme.
Bei Brissopsis lässt sich leicht sehen, dass die peri-
petale Fasciola über dieselben Interradialplatten bei den
Erwachsenen wie bei den Jungen streichen^ über die
Platten 4 und 5 in den frontalen, 6 und 7 in den late-
ralen, und über die zehnte Platte des unpaarigen, und sie
hält sich bei beiden auf derselben Ambulakralplatte im
ßivium, der 14ten oder löten, in den paarigen Radien
des Triviums auf der 9ten oder lOten, aber schiebt sich,
wie es scheint, in dem unpaarigen Ambulakrum von den
Platten 4 und 5 auf 5 und 6. So geht auch die Fasciola
infraanalis bei jung und alt über die Platte 3 des unpaa-
rigen Interradiums, das Episternura, nnd seine Platten 4
und 5, so wie über die Platten 6, 7, 8, 9 der inneren
Reihen des Biviums. Die Fasciola wächst also fast gleich
mit den Platten der Schale, aber nicht vollkommen, da
sie sich ein wenig auf der Platte verrückt, innerhalb
deren Grenzen sie verbleibt. Auf der Innenseite der
Schale sieht man keine Andeutung von ihr, sie nimmt
nicht einen Zwischenraum zwischen den Platten der
Schale ein, sondern ist ganz und gar äusserlich, gehört
einer Schichte der Schale an, welche nach aussen von
der d-er Stacheln liegt. Denn man sieht bisweilen, z. B.
bei Agassizia, wie sie, vollkommen unbeschädigt und
ganz, Gruppen von Stachelhöckern bedeckt, welche wie
durch einen Flor vollkommen wieder zu erkennen sind
nach Form und Anordnung, und an Grösse denen der-
selben Gruppe, die unmittelbar ausserhalb ihres Randes
Stacheln tragen, wenig nachstehen. Oder man sieht, z. B.
bei Plagionotus, einen Riss in ihr; und durch diesen sticht
die unterliegende Lage mit ihren Stachelhöckern hervor.
Sie hat den quergehenden während des Wachsthumes
entstandenen Bruch ausgebessert, da verändern ihre dich-
ten Höckerreihen die Richtung, und zuweilen fällt eine
solche Fuge mit der Naht zwischen den unterliegenden
Platten zusammen, zuweilen nicht, dann geht die Fasciola
unverändert darüber. Die peripctale wie die infraanale
Fasciola umzäunen bestimmte Tentakelformen, deren Gren-
60 Luven:
zen sie nicht übersteigen. Die peripetalc schliesst bei
ßrlssopsis in dem unpaarigen Ambiilakrum die kräftigen
Tentakeln mit ringförmigen Kalkscheiben ein, in den
paarigen die Kiemen ; die infraanale bildet die Grenze
zwischen den grossen mit Girren besetzten, den Platten
der inneren Reihen des Biviums angehörenden Tentakel,
welche so ausgezogen sind, dass ihre Poren innerhalb
des Kreises fallen, und den einfach fingerförmigen^ welche
von den iVmbulakralplatten der Seiten ausgehen. Wenn
man die ganz äussere Lage der Faseiola sieht, wie sie
über bereits ausgebildete Stachelhöckcr fortgeht, wie das
kräftigste äussere Grgan nur innerhalb ihres Kreises her-
vorsteht; wie bei gewissen Gattungen, Plagionotus, Eu-
patagus, ßreynia, die Höcker der Schale, welche auf einer
Seite um die von ihr bezeichnete Grenze klein und
wenig entwackelt sind, auf der andern plötzlich gross und
stark ausgeprägt auftreten, und wenn man zugleich den
Gegensatz zwischen den Verschiedenheiten der so ge-
schiedenen Bezirke bei den Spatangiden, und der durchge-
henden Einförmigkeit bei den Cidariden, Cassiduliden und
Echinoneus, welche gar keineFasciolahabenjbetrachtet, dann
wird man zu der Frage veranlasst, ob nicht ein Pläutchen,
welches vielleicht den grössten Umkreis der Schale er-
reicht, die Seiten der dorsalen Oberfläche bedeckt, und
da bei einigen Formen die Entwickelung der Stacheln
hemmt, aber vor seinem Rande, der die Faseiola ist, zwei
Felder für die äusseren Organe und die harten Bildungen
der Schale frei lässt, eins um den Scheitel herum, ein
infraanales. Aber damit ist wenig gesagt; die Faseiola
ist ein noch unerklärtes Organ. Sie ist eine Randlinic
(., Saumlinie"), sagt Johanne s M üller, mit dem Flimmer-
saum der Larven darin vergleichbar, dass sie geschlossene
Schlingen bildet, und darin, dass sie eine äusserst leb-
hafte Flimmerbewegung zeigt. Ihre sammetartig dichten
und gleich hohen Clavulae, deren Stiel es ist, welcher
flimmert, nicht der gerundete und weiche Kopf, wie be-
reits J. Müller beobachtete, sind in hohem Grade em-
pfindlich, und wenn einige wenige berührt werden, kom-
men sofort mehrere in eine gemeinsame Wellenbewegung.
Ueber den Bau der Echinoideen. 61
P'ür die wiclitige Frage, ob das Echinoderm sie nnd das sie
begrenzende Häutchen aus seiner Larve herübergebracht
hat, verdient es erinnert zu werden, dass die infraanale
Fasciola und die laterale (Desor) einander ausschliessen.
Auf der dorsalen Oberfläche kommen bei allen jetzt
lebenden Echinoideen die fünf Ambulakren und die fünf
Interradien mit einem Kreise von fünf Augenplatten und
typisch fünf Scheitelplatten zusammen. Die letzteren sind
Genitalplatten genannt worden, weil in den allermeisten
Fällen die Ausführungsgänge der Geschlechtsdrüsen in
Ihnen ihre äusseren Oeffnungen haben, die Genitalporen,
und sie sind als zu den Fortpflan^ungsorganen gehörig
aufgefasst worden. Aber sie sind nicht mehr ein Theil
derselben als die Platten des unpaarigen Interradiums
von den Ernährungsorganen, deswegen weil sie der After
bei den irregulären Echinoideen durchbohrt. Man kann
sich leicht überzeugen, dass die Platten, welche hier bis-
her Scheitelplatten genannt worden sind, bei den noch
nicht fruchtbaren Jungen vorhanden und fertig gebildet
sind, und beobachten wir erst später, wenn die Geschlechts-
drüsen reif sind, ihre Ausführungsgänge, Eileiter oder
Vasa deferentia, sie von innen durchbohren. Der Madre-
porit dagegen wird zeitig angelegt, während des Larven-
zustandes, und ist untrennbar von den Scheitelplatten,
während die Genitalporen in gewissen Fällen sich von
ihnen entfernen. Je grösseren Antheil das Wassergefäss-
system an den Scheitelplatten hat, desto geringer ist der
der Geschlechtsorgane, und umgekehrt, wenn der Antheil
des ersteren gering ist, iist der der letzteren gross. Bei
den Spatangiden bleibt der Genitalporus in der Platte aus,
dahin breitet sich der Seihapparat von seinem centralen
Gebiete aus, so dass von den normalen fünf niemals mehr
als vier übrig bleiben, bei einigen nicht mehr als zwei.
Wenn, wie bei Laganum, der Madreporit, welcher sich
bei einigen Arten dieser Gattung in einer verzweigten
Spalte öiFnet, die Mitte des sternförmigen Kreises ein-
nimmt, oder, wie bei Echinocyamus, aus nur einem ein-
zigen Perus besteht, und wenn zugleich, wie in diesen
beiden Gattungen, die Interradien mit der einen sehr
62 L o V e n :
grossen und keilförmigen Platte des letzten Paares endigen,
liegen die Genitalporen in den Scheitelplatten nahe ihrem
Rande, aber wenn der Madreporit weiter ausgebreitet ist,
so dass er den ganzen Stern des Scheitels einnimmt,
liegen sie, wie bei Mellita, zwischen den Scheitelplatten
und Interradien, oder wie bei Clypeaster, gänzlich in
diesen und von dem Scheitel durch deren zwei oder drei
letzte Platten getrennt. Cotto hat vor langer Zeit die
wichtige Beobachtung gemacht, dass auch ein Echinid,
Goniopygus, die Genitalporen ausserhalb der Scheitel-
platten an deren Spitze hat ^), aber bei allen übrigen
Echiniden führen alle fünf Scheitelplatten jede ihren
Genitalporus, und der Madreporit ist auf nur eine von
ihnen beschränkt, 2, die vordere rechts. Es lässt sich
nicht bezweifeln, dass der Madreporit und der Steinkanal
dadurch in diese gebracht sind, dass der Darmkanal, der
bei den irregulären seine vom Periproct umgebene Anal-
öffnung in dem unpaarigen Interradium nimmt, und nur
in diesem, aber da auf jedem Punkte von der Nähe
des Mundes bis er den Kreis der Scheitelplatten und
Augenplatten durchschneidet, sich bei den Echiniden
in der Mitte dieses Kreises öffnet, der sich um ihn herum
schliesst. Während der Mund, welcher sich früher öffnet,
bei allen Echinoideen dieselbe Lage im Verhältniss zu
den Ambulakren und Interradien, und sein Peristom selbst-
ständig aus dazu geeigneten und regelmässig denselben
Platten in einer gesetzmässigen Ordnung gebildet hat,
hat die Analöffnung einen in hohem Grade veränderlichen
Platz, umgeben von ausgescheuerten Platten, in welchen er
beimWachsthum einen allmählich grösseren Raum einnimmt.
Bei einem Jungen von Toxopneustes dröbachensis
von 5 Mm. bilden die Scheitelplatten einen geschlossenen
Kreis, jeder vor ihrem Interradium, und in ihren ein-
springenden Winkeln sitzen gleich regelmässig die fünf
Platten, welche die Augen tragen. Ebenso ist auch das
1) Echinides fossiles du departement de la Sarthe. 152, t, 2G f.
2. 154, t. 27f. 25. Echinides fossiles du Dep. de l'Yonne II. p. 50,
t. 52, flg. 14. Bull. Soc. geol. 2. serie, XVI, p. 162.
lieber den Bau der Echinoideen. 63
Verhalten bei völlig ausgewachsenen Individuen von Echi-
nus, Sphaerechinus und Psammechinus, wie bei den Sale-
niden. Aber bei Toxopneustes und den meisten anderen
wird diese primordiale und normale Anordnung bald
gestört. Die Augenplatten des Biviums werden allmählich
in den Kreis hineingedrängt, an beiden Seiten um die
unpaarige Scheitelplatte des Interradiums, 6, zwischen
dieser und 1 auf der rechten Seite und 4 auf der linken.
Die Augenplatte I ist es, welche zuerst den inneren Um-
kreis erreicht, demnächst die Augenplatte Y, so bei den
meisten Gattungen, Loxechinus, Lytechinus, Heliocidaris,
Tripneustes, ßoletia, Salraacis, Echinocidaris, Acrocladia,
Echinometra; bei Amblypneustes und Mespilia kommen
sie dem ganz nahe. Von den Augenplatten des Triviums
nähert sich IV dem inneren Umkreise, welche ihn bei
mehreren erreicht, auch II nähert sich ihm, aber in ge-
ringerem Maasse, und III, die Augenplatte des unpaarigen
Ambulakrums ist beständig davon entfernt. Bei Diadema
berühren dagegen alle Augenplatten mehr oder weniger
vollständig die Afterhaut. Diese Veränderung rührt un-
zweifelhaft davon her, dass das Periproct durch Resorption
besonders der Scheitelplatten 1 und 5, und durch Aus-
spannung, schneller und stärker erweitert wird, als die
Breite der Scheitelplatten zunimmt, und dass die Augen-
platten, auf welche das Wachsthum wie eine vis a tergo
wirkt, in ihren Zwischenraum hinein schiessen. Die
Scheitelplatte 2, welche den Madreporiten birgt, ver-
grössert sich mehr als die anderen und hält die Augen-
platten II und III zurück.
Die Analöffnung kommt bei den Spatangiden und
Echiniden auf verschiedene Art vor. Ganz junge Indi-
viduen der ersteren haben das Periproct viel mehr dorsal
als die älteren, so in hohem Grade bei einem 2,025 Mm.
langen Spatangus purpureus, welche Art keine peripetale
Fasciola hat. In so frühem Stadium ist das Periproct fast
rund, mit dem After ziemlich in der Mitte. Die Anal-
haut ist dicht mit dünnen dachziegelartigen Schuppen be-
legt, welche Kreise bilden, zu innerst einen von langen
schmalen spitzigen Lamellen, die um den After conniviren,
64 L o V e n :
um diesen einen oder mehrere v.on grösseren dreikantigen
Schuppen, zu äusserst einen Kreis von noch grösseren
Stücken. Bei nicLieren Gattungen wachsen von diesen
später vorzugsweise die adoralen, so dass sich das Peri-
proct allmählich verlängert^ und der After mehr excen-
trisch in aboraler Richtung zu liegen kommt. Anders
ist es bei den Echiniden.
In seiner Schrift über die von Pourtal es in grosser
Tiefe zwischen Florida und Cuba gesammelten Echinoi-
deen the.ilte Alexander Agassiz mit, dass in einem
sehr frühzeitigen Stadium, wo jedoch der Mund mit seinen
Kiefern bereits entwickelt ist, bei den Echiniden das
Analsystem von einer einzigen subanalen Platte geschlossen
ist, welche sich vor den Genital- und Augenplatten zeigt,
und lange mehr vorstehend bleibt als die anderen Platten,
welche hinzukommen, um das erweiterte anale System zu
bedecken ^). Der pentagonale oder etwas gerundete Raum,
welcher von den fünf Scheitelplatten umgeben ist, wird
nämlich in diesem Stadium von einer einzigen unpaarigen
Scheibe eingenommen. Wenn darauf bei einem jungen
Toxopneustes dröbachensis die Stelle sich für den After
vorzubereiten beginnt, geschieht dies nicht in ihrer Mitte,
sondern excentiisch, ausserhalb von ihr. Der Rand der
Scheitelplatten 1 und 5 wird resorbirt, und zwischen ihm
und der centralen Scheibe entsteht ein Zwischenraum,
der von der weichen durchscheinenden Haut erfüllt wird. In
diesem bildet sich ein Paar freier länglich runder Kalk-
stücke, welche nicht mitderScheibe verschmelzen, als ihren
Zuvvachs. Während das Periproct sich erweitert, so dass
es oval in einer schiefen Richtung wird, und die Scheibe
sich ein wenig an ihrem freien Rande hebt, aber beständig
mit dem entgegengesetzten an der Scheitel platte 3 be-
festigt bleibt, tritt in dem erweiterten Zwischenraum
wieder ein Paar rundlicher Stücke auf, und ein anderes
an den Scheitelplatten 2 und 4, und dadurch dass mehrere
solche hinzukommen, immer kleiner und kleiner, vermehrt
l) Contributions of the Fauna of the Gulf stream etc. p. 281,
284, 285. Aus Mem. Amer. Acad. IX. 12.
lieber den Bau der Echinoideen. 65
sich ihre Anzahl, während die ursprüngliche Centralscheibe,
welche selbst unbedeutend wächst, noch lange durch ihre
Lage und Grösse erkennbar ist. Endlich ist das Periproct zu
einer grossen ovalen Ocffnung ausgescheuert, die Kalk-
stücke, welche seine bedeckende Haut dicht erfüllen, sind
sehr zahlreich, und die umgebenden Platten sind stark
erodirt. Die AnalöfFnung, welche nicht eher fertig wird, als
bis die Vermehrung der Kalkutücke in der Haut ziemlich
vorgeschritten ist, liegt immer in der Spitze der allmählich
konisch in die Höhe stehenden Haut mehr oder weniger
excentrisch, normal in der Richtung gegen das Ambula-
krum I, und das ovale Periproct hat in der Regel seinen
längsten Durchmesser in derselben Richtung, vom Inter-
radium 3 zum Ambulakrum I, derselben mit der Längs-
achse der Schale bei Echinometra, und in Beziehung auf
welche die Peristomplatten der Interradien bei den Lati-
stellae symmetrisch geordnet sind.
Diese in dem centralen Gebiete innerhalb des Kreises
der Scheitelplatten auftretende Bildung von harten Kalk-
gewebestücken, welche in dem frühsten Stadium einer
einzigen Scheibe den Ursprung giebt, aber demnächst beim
Wachsthum sich mit Regelmässigkeit aufgetrennte Centra
zur Bildung zahlreicher freien immer kleineren, in ihrer
Textur mit der ersten Scheibe übereinstimmenden Stücke,
vertheilt, diese ganze Bildung, obschon in nahem Zusam-
hange mit dem Austreten des Analrohres, gehört doch
nicht zu seiner Entwickelung, sondern zu der des Haut-
skelettes, und der Complex von harten Theilen, welche
daraus entstehen, ist ein selbstständiger Theil von diesem.
Sie findet sich bei den Saleniden, nicht frühzeitig aufge-
löst in getrennte kleinere Theilc, sondern auf immer zu-
sammenhängend und fest, in der pentagonalen Scheibe
wieder, welche hier regelmässig den centralen Raum ein-
nimmt. Beim Austreten des Analrohres wird sie zum
Thcil durch Resorption an ihrem hinteren Rande erodirt,
aber noch mehr die hinter ihr liegende Scheitelplatte, bei
Heterosalenia und Salenia 1 und 5, in der normalen Rich-
tung zum Ambulakrum I, bei Acrosalenia, Goniophorus
und Peltastes nur die Scheitelplatte 5, wie es von C o 1 1 e a u
Archiv f. Naturg. XXXIX. Jahrg. 1. Bd. 5
66 Loven:
erörtert worden ist, welcher zuerst diese wie sämmtliche
übrigen Formen der Echiniden- richtig orientirte, wie es
hier bestätigt worden ist Es ist nicht eine bei dieser
Gattung hinzugekommene überzählige Platte, sondern ein
normales Skeletstück, welches bei ihnen während des
ganzen Lebens des Thieres seine ursprüngliche, durch
das Andrängen des Analrohres nur wenig veränderte
Gestalt beibehält, während es bei den übrigen Echiniden
sich sehr frühzeitig zu einer biegsamen Bedeckung um-
ändert, oder, wie bei Diadema, ganz verschwindet. Es
erscheint wahrscheinlich, dass sorgfältige Untersuchungen
zeigen werden, dass diese selbstständige Centralscheibe
bei den irregulären Echiniden in dem, bei manchen von
ihnen, Pygurus, Clypeus u. s. w. sehr grossen, von dem
Madreporiten durchdrungenen Mittelfelde des Scheitels
wieder gefunden werden kann.
Weist man die Vorstellung ab, dass die Scheitel-
platten ein Anhang der Geschlechtsorgane, und die Cen-
tralscheibe des Darmkanales sind, sieht man diese bei
jungen Echiniden in ihrem ursprünglichen Zustand, und
betrachtet man zugleich den Scheitel der Saleniden als
ganz, nicht vom Periproct ausgescheuert, dann erhält man
eine Disposition dieser Skelettheile, deren Homologie zu-
nächst bei einem Echinodcrm von einer Klasse zu suchen ist,
welche als weit getrennt von den Echinoideen angesehen
wird. Der nur als fossil bekannte Marsupites, ein Crinoid
ohne Stiele hat in dem dem Munde entgegen gesetzten
Pol eine einzige fünfeckige dicht von den fünf Basalia
umschlossene Scheibe. Das ist dieselbe Anordnung, wie
bei den Echinus-Jungen und bei den Saleniden. Die
Centralscheibe und die Basalia, wie die übrigen Platten
bei Marsupites, haben Streifen und Rinnen, welche, win-
kelrecht gegen die Nähte, bis auf die Mitte der Platte
verfolgt werden können, und aufs deutlichste hervortreten,
wenn ihre äusserste Kalklage angefressen ist. Aber dieses
Verhalten ist keine Eigenthümlichkeit für Marsupites oder
die zahlreichen Crinoideen, bei welchen sie vorkommt.
Untersucht man genau die Centralscheibe und die Schei-
telplatten bei kleinen Echiniden, so findet man vollkommen
Ueber den Bau der Echinoideen. 67
dieselbe Structur. Sie kann schon auf der Oberfläche
bei auffallendem Licht wahrgenommen werden, aber ist
in hohem Grade deutlich bei durchgehendem Licht und
zweckmässiger Behandlung. Man sieht die fünfeckige
Platte in fünf dreieckige Felder getheilt, welche deren
fünf Seiten zu Basen, und ihre Spitzen in deren Mitte
vereinigt haben, und das netzartige Gewebe ist in jedem
Felde so geordnet, dass gerade und parallele Stäbe, senk-
recht gegen die Basis schmale Zwischenräume zwischen
sich haben. In der Mitte der Platte kommen die Stäbe
und Zwischenräume der verschiedenen Felder zusammen,
und vereinigen sich, indem sie einander kreuzen, in ein
dichtes und scheinbar geordnetes Maschenwerk, aber in
den Nähten sieht man die der einen Platte denen der
andern mit derselben Richtung sich begegnen. Dieser
Bau findet sich in allen Platten bei den Echinoideen
regulären und irregulären, wieder, und ist derselbe wie
der bei den Cystideen längst bekannte. Bei den fossilen
Saleniden sieht man diese Streifen sehr allgemein, und
der parallele Stabbau im Innern ist in hohem Grade
deutlich bei einer lebenden Salenia aus grosser Tiefe bei
den Antillen, welche, gleichwie einen Pygaster aus der-
selben Tiefe und zahlreiche andere werthvoUe Gegen-
stände, unser Reichsmuseum den gewissenhaften und un-
ermüdlichen Forschungen des Dr. Axel Goes zu dan-
ken hat.
Ein anderer Zug, welcher die Homologie zwischen
der Basis des Marsupites mit dem Scheitel der Saleniden
ausdrückt, liegt in den erhöhten Leisten, welche bei beiden
die Mittelpunkte der Platten verbinden. Kaum bieten
die kräftig ausgebildeten Scheitelplatten der Saleniden
irgend welche „Sculptur'^, die nicht in gleicher Form
sich bei den Crinoideen wiederfindet. Weil nun die Cen-
tralscheibe bei den Echiniden-Jungen und Saleniden als
homolog mit der bei Marsupites anzusehen ist, sind die
fünf Platten, welche sie einfassen, und welche hier Schei-
telplatten heissen, aber sonst Genitalplatten genannt wer-
den, in der That als Basalstücke, Basalia, zu deuten, und
die Augenplattcn in ihren einspringenden Winkeln als
68 L o V e n :
Radialstücke, Radialia. Ein Calyx ist in seinen wesent-
lichen Theilen vorhanden, durch seine Lage in dem
dem Munde entgegengesetzten Pole, seine Zusammen-
setzung und seine den Crinoideen homologe Ötructur.
Aber weil ein Echinoidee ein freies Thier ist, das seinen
Mund gegen die Fläche wendet, wo es seine Nahrung
nimmt, wird der Calyx zum Scheitel des Hautskeletes an-
statt seiner Basis. Er nimmt die^ neugebildeten Platten
der Corona auf, die Basalia begegnen den Enden der
Interradien, die Radialia denen der zuwachsenden Ambu-
lakren. Bei den P]chiniden, welche ihre AnalöfFnung da
haben, wo der Stiel der Crinoideen befestigt ist, ist der
Kelch nach seiner Form normal und wieder zuerkennen,
bei den Clypeastriden ist er meist ganz und gar von dem
Madreporiten durchdrungen, der die Nähte der Stücke
vertilgt, und bei den irregulären, mit verlängerter Vorn-hin-
ten-Axe und einem ausgebildeten Bivium, Echinoneus,
Cassiduliden und Spatangiden, wird er immer mehr ab-
norm, und war in der Jura- und Kreide-Zeit, bei den
Collyritiden, aufgelöst, so dass die zwei Radialen, welche
dem. Bivium begegnen, durch das Peristom von ihm ge-
trennt wurden. Er fehlt jedoch bei keiner Form von
Echinoideen.
Erklärung der Abbildungen Tafel lY.
Fig. 1. .
Ein junger Toxopneustes dröbachensis von 4 Mm. vom Pe-
ristom gesehen. I, II, III, IV, V Ambulakren, 1, 2, 3, 4, 5 Inter-
radien In der Mitte des Mundes mit den Zähnen; um ihn herum
in der Mundhaut zehn freie Porenplatten, zwei für jedes Ambula-
krum, von denen die fünf, welche vor la, IIa, Illb, IVa, Vb liegeu,
merklich grösser sind als die andern. Die Peristomplatten la . . . Vb
und Ib . . . Va sind durch gerade Linien verbunden, und dadurch
in dem kreisrunden Stoma zwei Fünfecke eingeschrieben, symmetrisch
nur im Verhalten zu dem Durchmesser «w. Die Platten des Scheitels.
am Interradium 2 anhängend, wo der Madreporit seine Stelle hat,
mit der Centralsclieibe d c. Der innere Umkreis bereits erweitert
Ueber den Bau der Echinoideeri. 69
und verläng-ert in der Richtung gegen das Ambulakrum I, durch
Resorption der Scheitelplatten 1 und 5 an ihren inneren Kanten ;
in dem Zwischenraum zeigen sich kleine Stücke von Kalkgewebe.
Die Scheitelplatten sind noch nicht von den Genitalporen durchbohrt.
Von den Augenplatten hat sich I bereits zwischen 1 und 5 einge-
drängt, und II nähert sich dem inneren Umfange.
Fig. 2—8.
Toxopneustes dröbachensis, Ambulakrum III; seine Verän-
derungen während des Wachsthums, 1, 2, 3 u. s. w. Primärplatten
und Tentakelporen; 1, 2. 3 u. s. w. Grossplatten; 1, 2, 3 u. s.w.
Sphäridien; 1, 2, 3 Stachelhöcker,
Fig. 2. Junges von 3 Mm. Tentakelporen noch in fast ganz
unveränderten primordialen Bogen. Zwei Sphäridien.
Fig. 3. Junges von 6 Mm. Tentakelporen bereits deutlich
in secundären Bogen geordnet. Vier Sphäridien 1, 2, 3, 4. Peri-
stomplatten unterdrückt. Stachelhöcker 1 in al sehr im Abnehmen
begriffen.
Fig. 4. Junges, etwas grösser. Die Peristomplatten mehr
unterdrückt; in al sind beide Primärplatten verschmolzen. Das
Sphäridium 1 ist verschwunden, 5 hinzugekommen. Der Stachel-
höcker 1 in a sehr klein, der in b im Abnehmen.
Fig. 5. Junges, noch etwas grösser. In a sind die Gross-
platten 1 und 2 zu einer binären Peristomplatte verschmolzen; in
b sind die Nähte der Primärplatten verschwunden. Der Stachel-
höcker 1 in al ist fort, in bl im Abnehmen.
Fig. 6. Junges von 11 Mm. Durchmesser. Bei diesem, wie
bei den folgenden hat die Grossplatte o in a nur drei Primärplatten.
Die Grossplatten 1 und 2 auch in b zu einer Binärplatte verschmol-
zen. Stachelhöcker 1 verschwunden sowohl in a wie in b.
Fig. 7. Junges Individuum von 15 Mm. Die binären Gross-
platten 1 -f 2 in beiden Reihen unterdrückt. Stachelhöcker 2 im
Abnehmen.
Fig. 8. Erwachsenes Individuum von 52 Mm. Durchmesser.
Die Grossplatteu 1, 2 und 3 in beiden Reihen zu ternären Peristom-
platten verschmolzen. Ein Sphäridium, 8, hinzugekommen. In b
noch; wie es scheint, ein Ueberbleibsel vom Stachelhöcker 1.
Fig. 9.
Stoma eines ganz jungen Toxopneustes dröbachensis von 2 Mm.
Durchmesser. Von den freien Platten in der Mundhaut haben die,
welche la, IIa, Illb, IVa, Vb angehören, noch keine Poren gebildet.
Ein Sphärid in jedem xVmbulakrura, auf Ib . . . Va.
70 Loven: Ueber den Bau der Echinoideen.
Fig. 10.
Junges von einem nordischen Echiniden von 0,6 Mm. Durch-
messer. Bauchseite. Pigraentflecke fortgelassen. Stacheln bloss zum
Theil ausgeführt. Kein üeberbleibsel der Larve. Keine Spur von
Kiefern, weder Mund noch After. Fünf grosse primordiale Tentakel,
welche nach Krohn bald verschwinden. Innerhalb derselben fünf
Paar kleinere, permanente. Ein jeder solcher steht über einer Kalk-
netz-Scheibe, der ersten Primärplatte im Ambulakrum. Aussen und
zwischen ihren Paaren liegen andere Scheiben, wahrscheinlich die
Anlagen der Interradien. Nach einem in Weingeist aufbewahrten
Individuum.
Fig. 11.
Einer der fünf grossen primordialen Tentakeln mit Scheibe,
und in dieser ein Kalknetzring. In der Wand der Röhre Muskel-
fäden in der Länge und Quere.
Fig. 12.
Einer der kleineren permanenten Tentakeln des Jungen Fig. 10,
mit der Scheibe und einem Theil des Kalknetzes, welches unter
seinem Boden liegt.
Fig. 13.
Die längliche, nach aussen spitzige Oeffnung in dem Kalknetz,
der Porus, p, über welchem der Tentakel steht.
lieber die Familie Triglidae nebst einigen Worten
über die Classification.
Von
J. J. Kaup.
Die Anordnung der Fische bei Cuvier, nach wel-
cher die Percoidae an dem Anfang stehen, kann und darf
man eine völlig ungerechtfertigte nennen.
Sie ist zwar sehr zu entschuldigen, denn die Per-
coidae enthalten in der That eine Menge Genera, die
durch äussere Schönheit und Regelmässigkeit das Auge
eines jeden Systematikers nothwendig bestechen müssen.
Aeussere Schönheit und Regelmässigkeit kann jedoch
keinen Maasstab abgeben, nach welchem man mit grosser
Sicherheit die Formen zu ordnen im Stande ist.
In der Systematik kann nur das Eine Gesetz
gelten, dass diejenigen Formen die höchste Stufe in ihrer
Classe einnehmen können, welche am deutlichsten das
höchste anatomische System, das der Nerven, das erste
Sinnesorgan (Auge), die erste Körperregion (Kopf,) ma-
nifestiren. Nach diesem steht die Familie der Hominidae
an der Spitze der Säugethiere und der ganzen Schöpfung,
die grosse Familie der Psittacoidae am Anfang aller Vögel,
die Chamaeleonidae an der Spitze aller Amphibien, die
Papageyfische, Scaroidae, mit den Labridae am Anfang
aller Fische und endlich die Cephalopodoidae an der
Spitze aller Mollusken. Schluss des ersten Reichs der
72 Raup:
wahren Tbiere. Um zu beweisen, dass die Percoidac
nicbt an den Anfang aller Fische gehören können, darf
man nur die Unterfamilie Dactylopterinae der Familie
Triglidae betrachten, in welcher am schlagendsten das
zweite anatomische System, das der Athmung,
das 2te Sinnesorgan das Ohr und die 2te Kör-
perregion die Brust mit den vorder en Ex tr emi-
täten zur praed ominirenden Entfaltung ge-
kommen ist.
Gehören nun die Dactylopterinae zu der Unterord-
nung Trigloidae und letztere zu der grossen Abtheilung
Percoidae, so können letztere nicht an die Spitze der
ganzen Classe der Fische gestellt werden, sondern müssen
sich mit dem 2ten Rang in ihrer Classe begnügen. Da
der Name Acanthopterygiae ein nicht genügender ist, so
musste ich diese Benennung in Sternichthyes (Brustfische)
umwandeln. Eine Benennung, die eine tiefere Begrün-
dung in sich trägt, als die ältere.
Es kann nach den anatomischen Systemen zu schliessen
nicht gleichgültig sein, welche Ordnung am Anfang,
welche am Ende ihrer Classe gestellt ist. Steht nämlich
eine solche irrig an der Spitze oder Ende ihrer Classe,
so ist es doch handgreiflich, dass alle übrigen nothwendig
falsche Stellungen einnehmen müssen.
Ein vollkommen schlagendes Beispiel geben die
Rapaces an dem Anfang aller Vögel. So lange diese
an der Spitze der Vögel stehen, ist an eine natürliche
Classification der ganzen Classe nicht im entferntesten
zu denken. Man betrachte nur die Reihenfolge, welche
der grosse Cuvier einzuhalten gezwungen war, indem
derselbe nach veralteten Ansichten die Rapaces an die
Spitze stellte, und auf diese die Passeres folgen Hess, die
er mit dem Raubvogeltypus der Passeres, mit den Würgern
Laniidae nach Linn^schen x\nsichten zu verbinden sich
bestrebte. Andere, nicht weniger glücklich, glauben den
Stein der Weisen gefunden zu haben, indem sie den
Raubvogel- oder Pelikantypus der Schwalben — die Ca-
primulgidac, als Verbindungsglied der Rapaces und
Passeres fälschlich betrachteten. Durch die irrige Stellung
Ueb. d. Familie Trig-lidae nebst einig Worten üb. d. Classification. 73
der Passeres nächst den Rapaces war Cu vi er nothwendig
gezwungen, die sogenannten Scansores hinter die Passeres
zu stellen. Die Folge davon war, dass die Papageien
ans Ende derselben gedrängt und durch analoge Formen
mit den Hühnern verbunden wurden. Formen, die das
aller klei n st e Gehirn und in Folge von diesem die
dümmsten von allen Vögeln sind.
Eine unnatürlichere, allein consequentere Eintheilung
ist doch wohl kaum denkbar, und diese hätte doch schon
längst jedem Naturforscher die Augen öffnen können,
dass auf diesem vielbetretenen Wege, mit analogen For-
men Ordnungen, Familien u. s. w. zu verbinden, Nichts
auszurichten ist. Ein Hauptanstoss, welchen man
an meiner Eintheilung nimmt, ist der, dass ich die Ra-
paces, als Nerven-, Augen- und Kopfvögel über die Nata-
tores gestellt habe. Vielleicht hätte diese Stellung einiges
Glück gemacht, wenn ich mit den jetzigen Ansichten
geliebäugelt hätte, indem ich die fischfressenden und stoss-
tauchenden Pandioninae ans Ende aller Rapaces gequetscht
und die Haliaetinae diesen hätte vorangehenlassen. Ausser
dem Eckzahn des Schnabels und ihre meist räuberische
Lebensart haben die Laniidae nichts mit den Rapaces zu
schaffen. Ebenso haben die Caprimulgidac ausser dem
düsteren Gefieder und nächtlicher Lebensart keine un-
mittelbare Verwandtschaft mit den Strigidae. Was ge-
nannte Formen gemeinschaftlich zeigen, sind Analogien
und keine Affinitäten. Diese Analogien mussten
auftreten, indem sie dieselbe Grundform offenbarten.
Etwas anders ist es mit den räuberischen Lestridae,
denn diese zeigen als Vorspiele der Rapaces die sehr
entwickelte Wachshaut des Schnabels, die wir bei allen
Psittacoidae und bei allen Rapaces wiederfinden. Diese
Schnabeiwachshaut ist ein Zeichen ersten Ranges und
dieses Zeichen ist mit ein Grund, den Rapaces als Sub-
ordo der Ichthyornithes und den Lestridae als Fann'lie
der Longipennen den ersten Rang zu ertheilen i).
In der ganzen Ordo Passeres gibt es nur eine
1) Alle Rapaces mit Ausnahme von Paudion haben die äussere
74 Kaup:
kleine Gruppe bei den Alcedidae, die Stosstaucher und
Fischfresser sind, während bei allen Familien der
Falconoidae Genera auftreten, die Fischfresser sind.
Pandion als reinster Fischfresser ist zugleich ein ge-
wandter Stosstaucher und Rostrharaus zeigt bei alleiniger
Fischnahrung den charakterischen Kammnagel an der
Mittelzehe wie alle Totipalmati; ob er Stosstaucher ist.
konnte bis jetzt nicht ermittelt werden.
Nach den jetzigen Ansichten haben meine Gründe,
die Rapaces an die Spitze der Natatores zu stellen, grade
so viel Werth, als die, nach welchen die Laniidae oder
Caprimulgidae als Verknüpfungspunkte mit Familien der
Passeres mit den Rapaces betrachtet werden.
Meine Methode hat jedoch vor allen älteren den
Vorzug, dass sie nach philosophischen Gründen die Ra-
paces als Frass oder Ernährungsvögel an den Anfang
des 4ten Stammes als Nerven-, Augen- und Kopfvögel ge-
stellt hat und dass konsequent alle 4 Subordines,
die unter ihnen stehen, die übrigen niederen
Systeme offenbaren. Meine Eintheilung des 4ten
Stammes der Vögel ist folgende;
IV. Stamm Ichthyornithes.
I. Subordo : Rapaces als Nerven-, Augen- und Kopfvögel,
— Carnivora.
IL „ Longipennes, Cuv. als Respiration-, Ohr-
und Brustvögel, — Pinnipedia.
III. „ ßrachypteri, Cuv. als Knochen-, Nase- und
Rumpfvögel, = Sirenia.
IV. „ Totipalmati, Cuv. als Ernahrungs-, Zunge-
und Bauchvögel, = Zeuglodontia.
V. „ Lamellirostres, Cuv. als Haut-, Sexual- und
Beckenvögel, = Cetacea ^).
Zehe mit der mittleren durch eine Spannhaut verbunden, die ein
Rest der Schwimmliäute der Palmipedes ist. Letztere sind bei Ta-
chypetes schon äusserst verkürzt. Bei keinem Passeres ist eine
solche entwickelte Spannhaut nachzuweisen, ausser bei den Capri-
mulgidae, die den Pelikantypus manifestiren.
1) Die Illiger'sche Reihenfolge von den Cetaceen durch die
Ueb. d. Familie Triglidae nebst einig. Worten üb. d. Classification. 75
Jeder Yerguch die Rapaces oder die Carnivora anders
stellen zu wollen, miiss mit strengster Nothwendigkeit
scheitern. Bonaparte, der mir folgte, indem er die
Edelfalken an die Spitze aller Rapaces versetzte, beging
jedoch einen schwer zu entschuldigenden Fehler, indem
er die Rapaces direkt unter die Psittacoidae ordnete; er
schnitt zwei total verschiedenen Stämmen die Köpfe ab
und trennte so die übrigen Scansores von den Papageien
und die Raub- oder Frassvögel von den Longipennen etc.
Wie lange trotz allen meinen Erörterungen gegen
die handgreiflich richtige Stellung der Papagaien an die
Spitze aller Vögel noch, allein hoflPentlich vergeblich,
operirt wird, das wissen allein die Götter. Dasselbe
Schicksal mit den Papagaien werden die Papagaifische,
Scaridae, verbunden mit den Labridae theilen und Jahr-
zehnte werden noch vergehen, bis man zur allgemeinen
Einsicht gelangt, dass diese und nicht die sogenannten
Percoidae an den Anfang aller Fische gehören.
So gewiss das anatomische System der Athmung
unter das System der Nerven, das Sinnesorgan Ohr unter
das Aug, die Körperregion Brust mit den vorderen
Extremitäten unter die Region Kopf, sich ordnet, so
sicher wie die Classe der Vögel , als Manifestationen
der Athmung, des Ohres und der Brustregion den
2ten Rang einnimmt, ebenso sicher muss den Passeres
als den Offenbarungen desselben anatomischen Sy-
stems, desselben Sinnesorgans und derselben Körper-
region als Ordo der 2te Rang gegeben werden. Nach
denselben Gesetzen müssen die Fissirostres (1. Musci-
capoidae, 2. Hirundinoidae, 3. Eurylaimoidae, 4. Cora-
cioidae, 5. Ampeloidae) die 2te Unterordnung bei den
Passeres bilden, ebenso müssen 2) die Hirundinoidae
in die 5 Familien: a) Hirundinidae, b) Cypselidae,
c) Podargidae, 4. Caprimulgidae und 5. Steathornidae zer-
fallen. Nach vollkommen gleichen Gesetzen müssen die
Pinnipedia zu den Carnivora ist eine wohlbegründete. Schon der
Parallelismus der Ichthyornithes mit dem 4ten Stamm der Mam-
malien beweist die Richtigkeit der Stellung der Rapaces etc.!!
76 ' Raup:
Cypvseilclae Nro. II in 5 ünterfnmilien getrennt werden.
A u f d i e s e m allein richtigen Wege kommt man
zu dem Endresultat, dass in den Salanganen, Collo-
calia G. Gray die Grundform von allen Vögeln
zn finden ist, d.h. in welcher am deutlichsten der
Respiration-, Ohr- und Brustvogel mit den längsten Flü-
geln, auf Kosten sehr kurzer Füsse, sich offenbaret hat.
Ebenso augenscheinlich ist bei den Säugcthieren in
den Chiioptera das Respiration-, Ohr- und Brustthier mit
den längsten vorderen Extremitäten, d. h. Vogeltypus,
zum Vorschein gekommen und ich betrachte den Plecotus
auritus als die Grundform der ganzen Unterordnung, so
lange bis eine andere Art entdeckt sein wird, die noch
längere und noch komplicirtere Ohren besitzt. Dieses
Genus Plecotus und die Unterordnung Chiroptera gibt
sich und allen Glires: 1) Noctugrada^ 2) Chiroptera, 3) Mar-
supialia, 4) Insectivora und 5) Rodentia den 2ten Rang
in der Classe der Säugethiere. Alle hierher zu zählende
Formen machen auf das für keine falsche Systematik be-
fangene Auge den Eindruck von Mäusen oder Ratten ^)
und fast in allen Subordines treten Formen mit Schweb-
häuten zwischen den Extremitäten, als Nachklänge des
Vespertilion- oder Vogeltypus auf.
Die nämliche Manifestation des Respiration-, Ohr-
und Brustthiers oder kürzer gesagt Vogeltypus tritt in
der Classe der Amphibien und zwar in den Pterodac-
tylidae der Pterosaurier auf und diese geben sich als
Subordo und der noch festzustellenden Ordo den 2ten
Rang.
In diese zweite Ordo der Amphibien, die ich Pneuma-
tosaurii nenne, gehört als eiste Subordo die Geckonen,
welche J. G r a y Nyctysaura als Tribus genannt hat und ich
Nyctysaurii als Subordo nennen werdcr. Diese Formen
zeigen mit der ersten Subordo des 2ten Stammes Glires
der Säugethiere mit den Noctugrada (Lemuren) durch vor-
springende nächtliche Augen mit kurzen Augenliedern
1) Was schou der Sprachgebrauch ausdrückt: Fledermäuse,
Beutelratteu. Kanguruhratlen, Spitzmäuse u. s. w.
Ueb. d. Familie Triglidae nebst einig. Worten üb. d. Classification. 77
\md durch nächtliche Lebensart und Insektennahrung in
die Augen fallende Analogien. Wie bei den Lemuren
noch eine Andeutung zum Flugthier in den (jaleopithe-
cidac vorhanden ist, so finden sich bei den Geckonen
zwei (jrenera Üroplates fimbriatus Sehn, von
Madagaskar und Ptychozoon honiolocephala
Kühl von Java, welche Spannhäute zwischen
den vorderen und hinteren Extremitäten be-
sitzen, die sie beim Springen von h ö h e r e n P u n k-
ten als Fallschirm wi e Galeo p ithecus benutzen«
Durch ihre nächtliche Lebensart, grosse glanzlose Augen,
sind beide Gruppen von zwei total verschiedenen Classen
unheimliche Geschöpfe, wie alle Nachtthiere. In der
ganzen Olasse der Fische mögen wir suchen, wie bereits
erwähnt ist, so lange wir wollen, so werden wir kein
anderes Genus finden, welches deutlicher und handgreif-
licher das Respiration-, Ohr- und Brustthier, d. h. den
Vogeltypus vorstellt, als das Genus oder die Subfamilie
D acty lo pt erinae\ !
Die nah verwandten Subfamilien Peristethinae, Prio-
notinae und Triglinae zeigen 2 — 3 fingerähnlich gebildete
Strahlen vor der Pectoral, mit welchen sie auf dem Boden
des Meeres herumkriechen. Die, Stellung und der Ge-
brauch dieser Finger erinnert an den Gebrauch des Dau-
mens der Chiropteren, mit dessen Hülfe sie auf Ebenen
sich ziemlich rasch fort bewegen und sich überall anhän-
gen können.
Die Dactylopterinae zeigen die grösslen in zwei
Parthien getheilte Brustflossen ^), deren Strahlen bis an
die Wurzel in zwei dünne elastische getrennt sind. Ihre
Membranen haben eine solche Dehnbarkeit, dass sie aus-
gebreitet so breit als lang sind und fast die Schwanz-
spitze erreichen. Mit solchen flügelartigen Pectoralen er-
heben sich die bekannten Arten in die Luft, um eine
kurze Strecke in grader Richtung zu fliegen. Ausser
1) Eine analoge Flossenbildung zeigen die Exocoetinae der
Bauchflosser: ebenso Apistus alatus, welcher jedoch zu den Tri-
gloidae gehört.
78 Kaup:
dieser vogelartigen Eigenschaft ist die Brustflosse, wie
der Flügel der schönsten Vögel, rait den brillantesten
P^arben geschmückt.
Die Knochen, welche dem Carpiis entsprechen, sind
mehr verlängert, als bei den Triglen (Ciiv.). Die Mus-
keln des Carpus müssen ebenfalls stärker sein, sonst
könnten sie sich nicht aus dem Wasser erheben und
fliegen.
Man darf sie daher mit Fug und Recht Brust- oder
Flugfische nennen.
Die Schwimmblase, Anfang der Lunge, ist klein
und in zwei Lappen getheilt, die abgerundet sind. Jeder
Lappen mit einer Verlängerung, die in einer Höhle des
Kopfes endigt (Cuv.). Es ist zu bedauern, dass Cuvier
diese Höhle nicht genauer beschrieben und keine Ohr-
steine nachgewiesen hat. Günther, Vol. I, p. 23, be-
schrieb bei Myripristis adustus Bleek. den Zusammenhang
der Schwimmblase mit den Gehörorganen viel genauer.
Man vergl. ferner Rud. W^agner's Lehrbuch der vergl.
Anatomie.
Man kann daher alle Genera, die eine ähnliche Bil-
dung, öfters noch komplicirter besitzen, Ohr- und Ath-
mungsfische nennen und denselben den 2ten Rang geben.
Die Notizen zur Begründung des 2ten Ranges der
Dactylopterinae könnten bei weitem gründlicher sein,
wenn z. B. die 5 Subfamilien der Triglinae nach ihren
praedominirenden anatomischen Systemen genau unter-
sucht wären. So raüsste das Gehirn des Cephalacanthus
mit den Gehirnen der 4 übrigen Familien mit Bild und
Wort versinnlicht sein.
Da es nun keinem Zweifel unterworfen sein kann,
dass die Trigloidae die nächsten Verwandten der Per-
coidae sind, und beide einer in sich rund abgeschlossenen
Ordnung angehören, die ich Sternichthyes nenne ^), so
1) Die Benennung Acanthopterygii muss nothwendig im Laufe
der Zeit ganz aufgehoben werden, da es zu viele Fische gibt, bei denen
man in Verlegenheit kommt, ob man ihre Strahlen Stacheln oder
weiche Strahlen nennen soll.
Ueb. d. Familie Triglidae nebst einig. Worten üb. d. Classification. 79
muss diese Ordo, was die Benennung schon andeutet, als
die Offenbarungen des Respirations-, Ohr- und Brust-
fisches, den2ten und keinen andern Rang ein-
nehmen. Dagegen muss in dieser zweiten Ordo Ster-
nichthyes die Unterordnung, wohin Dactjlopterus gehört,
mit Nothwendigkeit den 2ten Rang ebenfalls erhalten.
Diese Unterordnung nenne ich Trigloidae, weicheich in fol-
gende 5 grössere Familien zerfalle. Da die Mehrzahl der Ge-
nera sich in kleinere Gruppen zertheilen lässt, denen
man früher oder später den Rang von Genera nicht ver-
sagen kann, so erlaube ich mir, die typischen Genera als
Subfamilien aufzuführen. Wer gegenseitiger Meinung ist^
kann unbeschadet bei den altern Benennungen vor der
Hand verweilen, bis ihn ein tieferes Eingehen bei mono-
graphischen Bearbeitungen eines andern belehren wird.
Die Grundformen der Trigloidae sind in folgenden
Familien zu finden: 1. Agriopodinae, 2. Scorpaeninae,
1) Hoplostetbus und Monocentris stehen bei Cuvier richtig
in der Nähe von den Triglen,
80 K a u p :
3. Hoplichthinae, 4. Dactylopterinae, 5. Holocentrinae.
Nach den von diesen abstrahirten Merkmalen müssen die
einzelnen Subfamilien ihren Rang erhalten, sobald diese
eine grössere oder minder grössere Zahl dieser Charaktere
wiederholen. Die Agriopodinae ^ind meist mittelgross
und gestreckt mit glatter oder rauher Haut und zeigen
die grösste Zahl von Dorsalstrahlen (28 — 34), wovon 16
— 20 dornig sind. Letztere beginnen über den hochste-
henden Augen und der 2te bis 5te Stachel ist ungewöhn-
lich hoch und bildet einen förmlichen Kamm. Der Kopf
zeigt eine vorgestreckte Schnauze mit engem Munde.
Alle seitlichen Knochen des Kopfes besitzen keine Dornen
als Waffe. Die Pectoral zeigt nur 9 einfache Strahlen,
indem die verästelten fehlen. Die Anal mit 8 — 10 Strah-
len, wovon 1—2 einfach sind ohne Stacheln zu bilden.
Die wohlgebildete Ventral hinter dem Anfang der Pec-
toral ist von der Anal weit entfernt. Diese Charakte-
ristik wird jedoch bedeutende Modifikationen erleiden
müssen, wenn in dieser noch sehr armen Familie mehr
Formen entdeckt sein werden. So erhalten bei den Api-
stinae die zwei Arten : A. taenianotus Cuv. und Tetra-
roge crista-galli Günth. den 5ten Rang als Genus Abla-
bys, Kp. Durch die 17 Dorsalatacheln, von weichen der
2te— 4te sehr hoch ist und einen Kamm über den Augen
bilden ; ferner durch die stumpfe Bewaffnung des Kopfes,
klein und rauhschuppige Haut und lang gestreckte Ge-
stalt. Die Entdeckung der drei fehlenden Arten wird
die Existenz dieses Genus bestätigen. In der 4ten Fa-
milie Scorpaenidae zeigen die Synanceinae und nament-
lich Pelor durch 15—17 Stacheln in der Dorsal, nackte
Haut, vorgestreckte Schnauze, hochsitzende Augen Ana-
logien mit Agriopus.
In der 3ten Familie zeigen die Hemerocoetinae durch
sehr grosse Zahl von Dorsalstrahlcn (39) entfernte Ana-
logien mit Agriopus. xVlle Strahlen sind weich und ge-
gliedert. Dr. G ünth er entfernt dieselben von den Acan-
thopterygii, ob mit Recht oder Unrecht kann nur die Zu-
kunft entscheiden; er zeigt allerdings Aehnlichkeit mit
den Ophioceplialidae, allein Günthcj' gesteht selbst,
Ueb. d. Familie Triglidae nebst eini^. Worten üb. d. Classification. 81
dass es zweifelhaft sei, ob es ein Acantho- oder Mala-
copterygii ist. Vol. III, p. 484.
In der 2ten Familie Triglidae zeigt das 5te Genus
von den Triglinae die grösste Zahl Dornen und weiche
Strahlen in der Dorsal und zwei Arten fast nackte Haut
mit Querfältchen.
In der Iten Familie Berycidae zeigt Günther's
Genus Anoplogaster eine nackte Haut mit Tuberkeln
und steht desshalb in der 2ten Subfamilie Hoplostethinae
auf der 5ten Stelle.
Der 4te Tvpus ist unter den Scorpaeninae und zwar
unter denen mit Palatinzähnen zu finden. Sie zeigen einen
grossen Kopf mit ungewöhnlicher dorniger Bewaffnung
und eine sattelförmige Vertiefung hinter den Augen-
kreisen.
Nach einem von diesen Charakteren stellt sich die
Familie Trichodontinae in der 5ten Familie an die 4te
Stelle. Zu bedauern ist es, dass wir so wenige Formen
aus dem Meer von Kamtschatka kennen, das noch eine
reiche Ausbeute verspricht und sicher noch ähnliche Ge-
nera birgt. Bei der 3ten Familie Tlatycephalidae stellt
sich die Unterfamilie Platycephalinae an die 4te Stelle
durch die starke Bewaffnung des Kopfes, namentlich am
Praeoperculum.
In der 2ten Familie Triglidae zeigen die Prionitinae
den dornigsten Kopf und nur sie zeigen ausgebildete Pa-
latinzähne. In der ersten Familie Berycidae zeigt die
Subfamilie Polymyxinae ausser Palatin- auch Pterogoid-
zähne. In dem Genus Polymyxia zeigt sich die geringste
Bewaffnung des Kopfes und es ist daher zu vermuthen,
dass in dieser Unterfamilie noch Genera sich finden wer-
den, die eine stärkere Bewaffnung aufzuweisen haben.
Der 3te Typus, d. h. der Knochenfisch ist deutlich in den
Monocentrinae der Berycidae, in den Peristethinae der
Triglidae, in den Hoplichthinae der Platycephalidae und
in den Oreosominae der Scorpaenidae ausgesprochen.
Nur bei den Agriopodidae ist derselbe noch aufzufinden.
Archiv f. Naturg. XXXIX. Jahrg. 1. Bd. 6
82 Knnp:
Den 2ten Typws^ den Respiration, Ohr oder den
ßrustfisch sehen wir in Hoplostethinae ^)^ Dactylopterinae,
Ptcroinae und Apistinae seiir deutlich. Bei den Platy-
cephalinae scheint dieser Typus zu fehlen, wenn nicht
ßembras ein untergeordnetes Genus ist, bei weichem die
Pectoral nicht entwickelt ist und welches sich daher wie
die meisten Genera der Apistinae zu dem Apistus alatus
verhält.
Der erste Typus enthält nur wohlgeformte Unter-
Familien, wie die schönen Holocentrinae, Cephalocanthinae
und Sebastinae. Bei den Platycephalidae und Agriopo-
didae fehlt diesei" Typus bis jetzt.
Andeutungen zu Divisionen sind bei folgenden Fa-
milien zu finden.
Bei den Dactylopterinae zeigen die Arten Orientalis
Cuv., macracanthus und chirophthalmus Bleek., einen
isolirten langen Stachel im Winkel der Flügel des Hin-
terkopfs und sie unterscheiden sich allein hierdurch von
dem europäischen. Ich nenne dieses Genus Mastig o-
p kor US. Bei den Peristethinae zeigt der P. orientalis,
Schleg. einen völlig dornenlosen Kopf und eine
einzige niedrig fortlaufende Dorsal, die wie die Anal nur
Stacheln zu haben scheint. Man kann dieselben unter
dem Namen Poly cantiGit f hys abtrennen. Der breit-
köpfige Peristethus RiefFeli -) mit einem Dorn am hinteren
Theil der Augenhöhle und Hinterkopf, langem runden
Dorn am Praeoperkel und Dörnchen auf der Mitte der
Stirn, dessen erste Dorsal sich von der 2ten wenig unter-
scheidet, bildet ebenfalls ein eignes Genus, das man Sa-
tyr iGhtltys nennen kann. Hierher ist noch zu zählen:
1) Cuv. et Val., Tom IV. p. 478, beschreiben ziemlich aus-
führlich die Gehörorgane von Hoplostethus.
2) Bei meinem Exemplar kreuzt sich der rechte Praeoperkei-
vorspruiig mit dem linken, was nur zufällige Monstrosität ist. Diese
ist durch keinen Fehler des Trocknens entstanden, da der ganze
Kopf knöchern und in einem seiner Theile sich ganz unmöglich ver-
schieben konnte.
üeb. d. Familie Triglidae nebst einiof. Worten üb. d Classification. 83
Peristethus laticeps, Schleg. ? moluccensis Bleeker.
Unter den Prionotinae finden sich einige, die an Scor-
paena durch die sattelförmige Vertiefung hinter den
Augen erinnern und wohin Prionotus carolinus und japo-
nicus Bleek. gehören. Ich nenne diese Sag efiocephalus,
Sie zeigen die Pectorale sehr verlängert Bei andern
Arten sind die Pectorale so kurz, dass sie kaum den An-
fang der Anal erreichen. Hierher gehören horrens, bi-
rostratus. Man könnte sie Dinichthys nennen.
Bei den Triglinen habe ich eine genauere Trennung
vorgenommen und alle Arten kurz beschrieben. Die Ver-
anlassung zu dieser speciellen Durchführung war die
neue Art von Barbados, welcher ich ihren positiven Rang
zu geben mich bemüht habe.
Es wäre zu wünschen, wenn jeder Zoologe bei jeder
Beschreibung einer neuen Art ähnlich verfahren wollte.
Auf diesem zwar etwas schwierigen W"eg würden wir
auf dem schnellsten Wege zu einem natürlichen System
gelangen und jede Willkür verbannen können. Ueber-
blicken wir zum Schluss alle Familien und ünterfamiiien
der Trigloidae, so ergibt sich, dass alle diese Formen
eine wohl ausgebildete Bauchflosse haben, die meistens
5 weiche Strahlen besitzt. Nur bei Monocentris reduciren
sich die weichen Strahlen auf drei, indem der Dorn sich auf
Kosten der Zahl und Bildung der weichen entwickelt hat.
Bei Dactylopterus zeigen sich ebenfalls nur vier weiche
Strahlen, die sich ebenfalls auf Kosten der ungeheuer ent-
wickelten Brustflossen vermindert haben. Bei den Ho-
locentrinae mit den Genera Holocentrus, Myripristis und
Rhynchichthys sehen wir 7 ; bei den Hoplostethinae (Ho-
plostethus, Trachichthys und Anoplogaster) 6 ; bei Poly-
mixinae 6 — 7, allein bei den Berycinae 7 — 13 Ventral-
strahlen! Aus der Unterordnung Trigloidae habe ich
die Heterolepidina als nicht hierher gehörig entfernt.
Ebenso die Genera Enneopterygius Rüpp., Aploactis
Schleg., Trichopleura Kp., Hemiptripterus Cuv., Amphi-
prionichthys Blkr. und Micropus Gray, (vielfach verge-
bener Name).
Alle diese meist kleinen Genera gehören nicht zu
84 Kaup:
den Trigloidae, sondern sind Theile der grossen Familie
Cottoidae.
Nehmen wir nach den vorausgegangenen Bemer-
kungen die Famih'e Trigh'clae In Angriff, in welcher das
Genus Dactylopterus die (Grundform ist. Dieses Genus
oder Subfamilie gibt sich als solche, der Familie Triglidac
und der Unterordnung Trigloidae, so wie der Ordo Ster-
nichthyes den 2ten und keinen andern Rang.
Die 8ubfamilicn der Triglidae stellen sich, je nach-
dem sie höhere oder niedere anatomische Systeme, Sinnes-
organe und Körperregionen manifestiren, wie folgt:
1. Die Cephalocanthinae mit grossem x\uge, kurz und
steil abfallendem Kopf offenbaren den Nerven-, Augen-
und Kopffisch.
II. Die Dac tylop t erinae mit den möglichst grössten
Pectoralen, mit welchen sie vogelartig aus dem
Wasser sich erheben und eine kurze Strecke in der
Luft fliegen können, offenbaren den Vogeltypus, d. h.
das Respirations-, Ohr- und ßrustthier.
HI. Die Peristethinae mit Knochenpanzer sind die Re-
präsentationen des Knochensystems, der Nase und
des Rumpfes, mahnen an die Amphibien.
IV. Die Prionitinae sind die einzigen mit deutlichen
Palatinzähnen und dokumentiren den eigentlichen
Raubfisch.
V. Die Triglinae. Sie repräsentiren den eigentlichen Haut-,
Sexual- und Heckenfisch und nur bei ihnen treten
Formen auf, die fast nackt sind; sie zeigen die grösste
Zahl von Rücken- und Analstrahlen.
Aus dieser Rangordnung, welche bei Cuvier die
umgedrehte ist, ergibt sich, dass die Günther'sche Abtren-
nung von Peristethus, Dactylopterus und Cephalacanthus
und die Zufiigung der Cottusähnlichen Agonidae keine
glückliche genannt werden kann, denn die nahe Verwandt-
schaft dieser fünf Sectionen ist eine längst erkannte und
durch Cuvier eine sanktionirte. Selbst die zweitheilige
Pectorale bei Cephalacanthus und Dactylopterus weist
auf die nahe Verwandtschaft mit Peristethus mit 2 ge-
trennten fingerähnlichen Strahlen hin. Eine Anordnung,
lieb, d Familie Triglidae nebst einig. Worten üb. d. Classification. 85
wclcLc letztere von den Trlglen trennt, zeigt eine grosse
Neigung zu einem künstlichen System.
Das Genus Lepidotrigla Günth. musste ich über-
gehen, da es nicht gleichwerthig mit den übrigen ist.
Vergleicht man es mit Trigla und streicht alle gemein-
schaftlichen Charaktere durch, so bleiben nur die etwas
grösseren Schuppen übrig.
Selbst als Genus war es nicht verwendbar, da es
aus verschiedenen Elementen zusammen gesetzt ist. Streng
genommen müsste meinen Palaenichthys der Name Le-
pidotrigla, mit aspera an der Spitze, gegeben werden,
allein aspera ausgenommen, zeigt weder poeciloptera
noch polvommata die grösseren Schuppen der aspera
oder des Genus Lepidotrigla. Die grösseren Schuppen,
Dornen an den ersten Stacheln der vorderen Dorsale,
sowie Kleinheit des Körpers ist für mich ein Zeichen
des ersten Rangs. Ich habe desshalb die folgenden
*Ä.rten : Peronii, vanessa, aspera und lineata in ihren ent-
sprechenden Abtheilungen an die Spitze gestellt. Nach
meiner Meinung zeigten bei der Schöpfung alle Sub-
familien u. s. w. eine gleiche Zahl von Arten, welche
die Zeit von vielleicht Millionen Jahren sehr gelichtet
hat. Obgleich seit vielen Jahrzehnten nur der einzige
Cephalacanthus entdeckt ist, so ist trotzdem noch Hoff-
nung vorhanden, dass noch einige Arten aufgefunden
werden. Cuvier und Valenciennes kannten im Jahr
1829 nur den einen Peristethus cataphractus, während
Günther im Jahr 1860 sechs Arten aufzählt. Die Zahl
der Prionotus-, Dactylopterusarten ist seit Cuvier auf
das Doppelte gestiegen. Die Unterfamilien aus Dacty-
lopterus, Peristethus und Prionotus gebildet, lassen wie
Trigla eine feinere Eintheilung zu. Es ist vorderhand
gleichgültig, ob man diese Genera oder Subgenera nennt,
und denselben Namen gibt, oder ob dieselben mit Zahlen
oder Buchstaben bezeichnet werden. Die feinere Ein-
theilung hat den Vortheil, dass die verwandten Arten
zusammen kommen und dass man bei der Charakteri-
sirung der Arten nicht bei jeder Art das zu wiederholen
braucht, was bereits in der Sectio oder in dem Genus
86 Kaup:
gesagt Ist, wodurch alle Lehrbücher eine so unaöthige
Weitschweifigkeit erhalten. Manche Werke könnten un-
beschadet der Deutlichkeit auf ein Drittel des Raums
reducirt werden.
V. Subfamilie Triglinae der 2ten Haupt-
familic Triglidae.
Diagn.: Keine Palatinzähne oder nur Spuren der-
selben. Körper gestreckt. Drei freie Finger vor den
Pectoralen.
Sie zerfallen in 5 Genera, die in allen Oceanen
vorkommen.
1. Genus Micro tri gl a.
Kleine Formen von 4 — 5 Zoll Länge, schief abfal-
lendem Kopf ohne lyraförmig Miisgeschnittene Schnauze.
Schuppen von massiger Grösse und am Rand gezähnelt.
Lateral mit starken Dornen bewaffnet. Erste Dorsal mit
9 Stacheln, 2te mit 14 selten 15 weichen Strahlen. Auf der
ersten Dorsal ein schwarzer Fleck, der weiss begrenzt ist.
1. Art, die wie aspera und lineata einen steil ab-
fallenden Kopf zeigen wird, fehlt bis jetzt und existirt
möglicherweise bereits in Sammlungen.
2. Art. Trigla papilio Cuv. et Val. IV, p. 80,
pl. 73.
Erster und zweiter Dorsal stachel stark, etwas ge-
knickt gebogen und deutlich gezähnelt. Ein nierenför-
miger schwarzer Fleck zwischen dem 4ten bis 7ten Stachel.
Stacheln der Rückenkante deutlich und aufgerichtet.
Die Pectoral reicht bis zum 7ten i\nalstrahl. Länge
5 Zoll. Indien.
3. Art. Trigla Sphynx Cuv. et V. p. 83.
Die Stacheln der ersten Dorsal schwach, allein die
der Rückenkante stark und aufgerichtet. Ein runder
schwarzer Fleck zwischen dem 4ten und 6ten Dorsal-
stachel. Länge 472 Zoll. ? Indien.
4. Art. Trigla phalaena C. et V. p. 83.
Die Stacheln der ersten Dorsal schlank, allein die
der Rückenkante kaum vorragend. Fleck auf der ersten
üeb. d. Familie Triglidae nebst eiuiy. Worten üb. d. Classification. 87
Dorsal wie bei Papilio, allein rund. Dorsal mit 15 wei-
chen Strahlen. Länge 5 Zoll. ? Indien.
5. Art. Trigla plen racan thi ca Rieh., Er. et
Terr. pl. XVI, fig. 1-4.
Die Stacheln der ersten Dorsal stark, die 2 ersten
stark gezähnelt. Rückenkante mit starken deutlich auf-
gerichteten Stacheln. Lateral mit ziegeiförmigen Schuppen
und nach oben gerichteten Stacheln.
Das von Sir Richardson beschriebene Exemplar
wurde in Zinnchlorid gesandt, in weichem der Dorsalfleck
erloschen ist. Länge 5 Zoll. Sidney.
2. Subgenus Chelidonichthys.
Die Praeorbitalplatten der schief abfallenden Schnauze
etwas vorspringend mit stumpfen Zähnchen. Stacheln
des Pracoperculum und Operculum kurz. Erste Dorsal
mit schlanken Stacheln; der vordere völlig glatt, oder
etwas rauh. Erste Dorsal mit 9 — 10, 2te mit 1.16 wei-
chen Strahlen. Anal mit 15 — 16 Strahlen. Schuppen
sehr klein. Lateral etwas verspringend ohne Dornen.
Sie erreichen eine Länge von 8 Zoll bis zu einem Fuss
und darüber.
1) Trigla Peronii Cuv. p. 53.
Pectoral auf der Körperseite nach der Wurzel hin
mit grossem schw^arzen Fleck, der mit weissen Tropfen
umgeben ist. Spitze der ersten Dorsal schwarz. 7 —
8 Zoll. Indien.
2) Trigla Kumu, Less. et Garn. Coq. pl. 19, Cuv.
p. 50, Fauna jap. pl. 14a, f. 3.
Pectoral wie vorige gezeichnet, reicht bis zum 10.
Dorsalstrahl. Erste Dorsal einfarbig. Obere Körper-
theile aurora-, untere silberfarbig; auf ersterer dunkler
röthere Flecken. 11 — 15 Zoll. Neuseeland und Australien.
3) Trigla hirijndo Bl. t. 60, Cuv. p. 40.
Pectoral auf der Körperseite schwarz mit blauem
breiten Saum am Ende, reicht bis zum 7ten und 8ten
Analstrahl. Längs des Rückens ohne Flecken. Länge
19". Europa.
4) Trigla pictipinnis Kp. nov. spec.
8H Kaup:
Pcctoral auf der Köiperscitc wie Pcronil und Kumii
gezeichnet und reicht bis zum 7ten und 8ten Analstrahl.
Erste Dorsal einfarbig mit glatten Ötncheln. Vier
schwarze Flecken längs der Stachelkante des
Rückens und 2 Flecken auf der Lateral, den 2
ersten Dorsal flecken parallel. Ein schwarzer
Punktfleck vor dem ersten Dorsalstachel; ein ähnlicher
Fleck unter der hinteren Hälfte des Auges. Oben röth-
lich braun, längs der Mitte gelb und am Bauch weiss.
Länge 1 Fuss. Barbados. Hamburger Museum.
5) Trigla capensis Cuv. p. 55.
Pectoral auf der Körperseite einfarbig schwarz wie
bei hirundo. Erster Dorsalstachcl etwas rauh. Der 2te
länger als der Raum zwischen dem vorderen Nasenloch
und dem Winkel des Praeoperculum. Die Pectoral reicht
bis zum 7ten Dorsalstrahl. Körper bräunlich roth. Er-
reicht eine Länge von 20 Zoll.
3. Subgenus Lyrichthys.
Lepidotrigla (part.) Günther.
Die Praeorbitalplatten springen über der Schnauze
vor, was an Feristcthus mahnt. Tr. lyra zeigt Spuren
von Palatinzäbnen ^).
In dieser Section treten unverhältnissmässig grosse
Augen auf.
l)Tr. vanessa Rieh., Trans. Zool. Soc. p. 83,
pl. 5, f. 1.
Lepidotrigla vanessa Günth. p. 197.
Mit regelmässiger Beschuppung, dorniger Lateral,
kurzer Schnauze mit konkavem oberen Profil. Die Prae-
orbitale mit einem divergirenden dreieckigen Dorn. Die
gefleckte Pectorale reichen bis zum 7ten Analstrahl. Auf
der ersten Dorsal mit schwarzem Fleck zwischen dem
5ten und Sten Stachel. Keine Dornen an den Augen-
kreisen. Die Dornen der Rückenkante deutlich vorragend
und nach hinten gerichtet.
D. 11.17, A. 17. (Günther) Richardson gab durch
1) Nur an getrockneten Exemplaren oder Skeletten zu sehen.
Uel>. li. Familie Triglidae nebst einig. Worten üb. d Classification. 89
einen Schreibfehler fast die nämliche Formel von polyom-
niata, die er kurz zuvor beschrieben hatte.
Australien. Wie Peronii wiederholt diese Art die
Microtrigla.
2) Trigla Bürge ri Öchleg. Fauna jap. pl. 14,
f. 1 u. 2.
Lepidotrigla Bürgeri Günth. p. 198.
Mit normalen Augen, deren Diameter IV2 in die
Höhe des Kopfes unter den Augen gemessen geht. Stirn
zwischen den Augen etwas breiter als die Augenhöhle.
Die Schnauze fällt wie bei hirundo schief ab, ohne einen
Buckel wie bei lyra und hemisticta zu bilden. Die sehr
divergirenden kurzen etwas gebogenen Vorsprünge der
Praeorbitalen sind 2 Augenhöhlendiameter von einander
entfernt. Dorn des Praeoperkels wie Operkel kurz.
Schulterdorn mit scharfem Kiel zweimal so lang als der
Diameter der Augenhöhle.
Die Dornen der Rückenkante so deutlich wie bei
lyra. Die Dornen der ersten Dorsal lang und schlank.
Die Pectoral ohne Flecken reicht bis zum 4ten Anal-
strah 1, Oberkörper röthlich, unterer weisslich, ohne jede
Spur von Flecken. Länge 11". D. 9.16. An. 16.
Japan.
3) Trigla hemisticta Schieg. Fn. jap. pl. 14, B.
pl. 14, f. 3 u. 4.
Die abnorm grossen Augen ohne Dornen am
oberen Rand der Augenhöhle sind so gross,
da SS der Diameterdcr Augenhöhle so gross ist,
als die ganzeSeite des Kopfes unter den Augen
gemessen hoch ist. Die Vorsprünge der Praeorbitale
sind kurz, fein gezähnelt und stehen einen halben Dia-
meter dei* Augenhöhle von einander entfernt. Der Dorn
des Praeoperkels ist kurz und sein Kiel geht nicht bis
zum Anfang derselben. Der Dorn des Operkels dagegen
ist sehr lang und hat eine Länge mit dem Operkel, die
IV2 dem Augenhöhlendiameter gleich ist; er läuft fast
parallel mit der Rückenkante und ist bedeutender als der
der Schulter. Die Stacheln der ersten Dorsal ungewöhn-
lich stark und gedrungen. Die gewöhnlichen Dornen
90 Kau}):
der Riic kenkante bilden gewöhnliche iSchild-
chcn, die nicht über die Haut voisp ringen :
Beide Dorsale wie der rothbrannc Rücken schwarz
gefleckt. Pectorale gelbh'ch, die mittleren Membranen
schwarz. D. 7. 11. A. 11, Länge 11". Japan.
4) Trigla lyra L.
Augen gross. Augenhöhle vorn und hinten gedornt
und so lang als unter dem Auge der Kopf hoch ist.
Zwn'schen den Augen so breit als der V2 Diameter der
Augenhöhle. Die Vorsprünge der Praeorbitale divergiren
und stossen in einem stumpfen Winkel zusammen und
zeigen unter kleineren 4 transparente Dornen, wovon die
mittelsten die längsten sind.
Der Dorn des Praeoperkulum ist kurz, allein sein
gezähnelter Kiel geht tief in die Wangen hinein. Der
Dorn des Operkeis schief nach unten gerichtet, ist mit dem
Operkel so lang, als der Diameter der Augenhöhle.
Schulterdorn ganz abnorm lang, dolchartig mit rauhem
Kiel und fast doppelt so lang als der Praeoperkeldoru
mit dem Praeoperkel. Die Dornen der ersten Dorsal
stark, allein schlanker als bei voriger. Iter und 2ter am
vorderen Rand gezähnelt. Die Dornen der Rückenkante
sehr deutlich. Die Pectoral reicht bis zum 4ten Anai-
strahl. Einfarbig roth. Länge 15—24". D. 9. 16—17.
A. 16—17. Mitteimer und England.
4. Subgenus Palaenichthys.
Lepidotrigla (part) Günther.
Ohne lyraförmige Verlängerung der Schnauze. Kopf
ungewöhnlich bewaffnet, wodurch sie sich leicht von
Chelidonichthys unterscheiden, die in überspringender
Verwandtschaft zu ihnen stehen. Die Mehrzahl zeigt
ungewöhnlich feine Schuppen. Bei keiner Art zeigt sich
in der ersten Dorsal ein schwarzer Fleck, noch eine be-
waffnete Lateral.
1) Trigla asper a Cuv. p. 77. Lepidotrigla aspera
Günth. p. 196.
Kopf kurz und steil abfallend» An dem vorderen
Rand der Augenhöhle 2 und an dem hinteren 1 Dorn.
Hinter diesem ein tiefer sattelförmiger Einschnitt (der
Ueb. d. Familie Triglidae nebst einig. Worten üb, die Classification. 9l
an Scorpaena- und einige Prionotusarten erinnert). Auf
den Schläfen ein Dorn. Der Dorn des Praeoperkcls ist
klein ohne Criste. Der Operkel hat einen sehr spitzen
Dorn, ohne sehr verlängert zu sein. Das Scapularbein ist
sehr spitz und am inneren Rand gezähnelt. Der Stachel des
Humerus ist ziemlich lang und zugespitzt. Dornen der
Rückenkante deutlich. Schuppen grösser wie gewöhnlich,
am Rand gezähnelt. Dorsalstacheln schlank, die 2 vor-
deren gezähnelt. Pcctorale etwas gebändert, reichen bis
zum 4ten Analstrahl. Farbe roth. D. 9. 15—16. A. 15.
Länge 4". Mittelmeer.
2) Trigla poeciloptera Val. Cuv. p. 47.
Kopf schief abfallend. Der Kiel des Praeoperkel
geht mit in die Wangen hinein und endigt mit 2 kleinen
Dornen. Ausser den zwei vorderen Dornen der Augen-
höhle zeigt sich noch ein Dorn am hinteren Ende und
hinter diesem auf der Seite des Kopfes noch zwei scharfe
hinter einander stehend. Auf dem hinteren Rand des
Kopfes befinden sich noch zwei Dornen und ein iso-
lirter auf der Mitte der Schnauze. Rückenkante
deutlich gezähnelt. Die Pectoral reicht bis zum 4ten
Analstrahl und zeigt auf der Körperseite und nach
der Wurzel hin einen schwarzen grossen Fleck, mit
weissen Tropfen. Schuppen sehr klein. D. 9. 17. A. 15.
Grösse 4 Zoll. Mittelmeer — Canal und schwarzes Meer.
3) Trigla polyommata Rieh. Trans. ZooL Soc.
IIl, p. 87, t. 5, f. 2.
Praeorbital, Suprascapula, Coracoid, Operculum und
Praeoperculum mit sehr starken und langen Stacheln.
Der sehr konkave Raum zwischen den Augen so breit
als der Durchmesser des Auges. Dorsal mit derben
Stacheln und ohne Randstacheln an der entsprechenden
Rückenkante. Die Pectoral mit verschiedenen schwarzen,
weisseckigen Flecken auf der Körperseite, reicht bis zum
10. Analstrahl. Schuppen sehr klein. D. 7. 13. An. 12.
Van Diemensland.
4) Trigla pauciradiata ßennett. Proceed. Zool.
Soc. 1835, p. 91.
Trigla pinna priore dorsali sex radiata; sulco dor-
92 Kaup:
sali foitltc)' anuato: pinnis pectoralibu« ina*i;ni.s, interne
coenilei«, fasciis iindiilatis apiccm versus niaciilaque infra
medium saturatioribiis^ hac albo guttulata. D. 6.16. A. 15.
Long. tot. IOV2 nnc. ; capitis 2V2; capitis alt. I72;
cranii lat. 1. Caput leniter declive: ossa suborbitalia an-
tice Tix promineritia tuberculisve parvis 4 — 5 munita.
Kleinasien, Trapezunt.
Dr. Günther glaubt, dass diese Art poeciloptera
sein könnte, wenn die Zahl der Dorsalstacheln eine zu-
fällige sein sollte. Gegen diese Meinung spricht die
Grösse von pauciradiata, w^elche die kleine poeciloptera
niemals erreicht. Polyommata zeigt 7 Dorsal stacheln und
CS kann daher ailch eine Art mit 6 geben.
5. Genus Tri gl a (wahre Triglen).
öie zeigen die feinsten Schuppen, allein die Lateral
mit grösseren, die gekielt oder gestrichelt, sind. Die
Praeorbitale nicht vorragend mit stumpfen Zähnen. Die
Bewaffnung des Kopfes ist gering.
Bei ihnen tritt die möglichst grösste Zahl von Dor-
sal- und Analstrahlen auf und sie zeigen die kürzesten
Pcctorale, die auf der Körperseite niemals den schwarzen
weiss getropften Plecken besitzen.
Alle Arten leben in den europäischen Meeren.
1) Trigla 1 ine ata Linn.
Mit kurzem steil abfallenden Kopf und sehr
hohen Wangen. Dornen des Praeoperkel wie Operkel
kaum erkennbar. Die Schuppen der Lateral ziemlich
gross und rund mit gezähneltem Kiel. Die Körper-
seiten mit vertikalen Hau t fält clien. Erster, zwei-
ter und zuweilen der dritte Dorsalstachel rauh. Die
Pectoral reicht bis an den 7ten oder 8ten Analstrahl,
Membranen der ersten Dorsal ohne Flecken. Körper
roth, braun gefleckt. Pectoral mit blau gefleckten Bän-
dern. D. 10— 11. 16—17. An. 16. Erreicht selten einen
Fuss.
2) Trigla obscura L., lucerna Brunn.
Mit schief abfallendem Kopf, die Schuppen der
Lateral breit und gestrichelt. Stacheln der ersten Dorsal
schlank und glatt; der 2te Dorn zeigt Ya der Kör-
üeb. d. Familie Trig^lidae nebst einig. Worten üb. d. Classification. 93
perlänge. Die Dornen der Rückenkante springen wenig
vor und haben eine einfache JSpitze. D. 10.17 — 18. A.
17, Erreicht 8". Der lange 2te Stachel der ersten Dorsal
erinnert entfernt an Dactylopterus.
3) Trigla gurnardus Linn.
Mit schief abfallendem Kopf. Dornen des Kopfes
am stärksten entwickelt. Die 4 — 5 ersten Stacheln der
ersten Dorsal sind rauh. Die Dornen des Rückens sprin-
gen unbedeutend vor. Erster Dorsal mit schwarzem Fleck
gegen die Spitze zu. Die graue Pectoral erreicht nicht
die Anal und ist so liäng als die Ventral.
D. 8—9.19. A. 18—19. Länge 1 Fuss.
4) Trigla cuculus Bloch.
Aehnelt sehr dem vorigen, allein zeigt kaum be-
merkbare Dornen an dem ersten und zweiten Dorsal-
Stachel. Die Stacheln der Rückenkante sind nicht gekerbt.
D. 9. 19. A. 19. Ob Jugend der vorigen bleibt
noch sehr zweifelhaft.
5) Trigla Pini Bloch.
Mit kurzem steil abfallenden Kopf. Die fast glatte
Lateral wird wie bei lineaKis von Hautfältchen vertikal
durchschnitten. Dornen der Rückenkante vorspringend.
Die Pectoral reicht bis zum otcn und 4ten Analstrahl.
Einfarbig röthlich. D. 8—9.18. A. 16—17.
94 Kaup: Ueb. d. Farn. Tri^lid. nebst einig. Wort üb, d. (Jlassifioation.
Vergleich der Aufzählung der Arten nach Cuvier,
Günther und Kaup.
Cuvier et Val.
Trigla pini.
1) lineata.
» hirundo.
» poeciloptera.
K Kumu.
)^ Peronii.
» capensis.
5> lyra.
» gurnardus.
» cuculus.
>' lucerna.
)' aspera.
» papilio.
» phalaena.
y> sphynx.
G ü u t h e r,
1. Lepido trigla aspera.
2. » papilio.
3. '- phalaena.
4. )> sphynx.
5. » vanessa.
6. » Bürgeri.
7. Trigla Pini.
8. » lineata.
9. « hemisticta,
10. » pleuracanthica.
11. » hirundo.
12. » capensis,
13. « poeciloptera.
14. )- pauciradiata.
15. » Kumu.
16. y> polyommata.
17. » guruardus.
18. » cuculus.
19. » lyra.
20. » obscura.
Die Trigla Brandesii Bleek.
kenne ich leider nicht.
Kaup.
1. Micro trigla papilio.
2. » sphynx.
3. )) phalaena.
4. » pleuracanthica.
5. Chelidonichthys Peronii.
6. » Kumu.
7. » hirundo.
8. p pictipinnis.
9. y> capensis.
10. Lyrichthys vanessa.
11. » Bürgeri.
12. » hemisticta.
13. » lyra.
14. Palaenichthys aspera.
15. 1 poeciloptera.
16. » polyommata.
17. » pauciradiata.
18. Trigla lineata.
19. » obscura.
20. » gurnardus.
21. » cuculus.
22. "» Pini.
I
Einige neue Distomen und ßeinerkungen über die
neiblielien Sexualorgane der Trematoden.
Von
Dr. von LiiistoM
in Ratzeburg.
Hierzu Tafel V.
1. Distomiim pellucidum nov. spec.
Diese grosse, schöne Art, fleischfarbig und mit
durchscheinendem Körperparenchym, fand ich im Oeso-
phagus von Gallus domesticus, den sie in 5 Exemplaren
bewohnte, und hielt ich die Art Anfangs für identisch
mit Distomum ovatum, mit dem sie nahe verwandt ist.
Eine genauere Untersuchung belehrte mich indessen eines
besseren, zu der schon der Fundort aufforderte, da Di-
stomum ovatum zwar auch im Haushuhn, aber nur, wie
in allen von demselben bewohnten Arten, in der Bursa
Fabricii zu finden ist.
Der in die Augen fallendste Unterschied zwischen
beiden Arten liegt in der relativen Grösse der beiden
Saugnäpfe, indem der Durchmesser des Mundsaugnapfes
sich zu dem des ßauchsaugnapfes verhält bei Dist. pellu-
cidum wie 1 : 1, bei Dist. ovatum aber wie 1 : 2. Da
ich die Art nicht besser als durch einen genauen Ver-
96
L i n s t o w
gleich mit dem allbekannten D. ovatum schildern ,zu
können glaube, so gebe ich im folgenden einen solchen:
D i s t o m u m p e 1 1 ri c i d ii m .
Liiuge 9 Mm.
Breite 5 Mm.
Durchmesser des Mundsaug'-
iiapies 0,18 Mm.
Durchmesser des Bauclisaug-
napfes 0,2 Mm.
Verhältuiss beider Durchmesser
zu einander wie 1 : 1,18.
Die Darmschenkel überragen
die Hoden um deren duppelte
Länge.
Die Dotterstöcke reichen von
hinten gerechnet bis zum hinteren
Rande des Bauchsaugnapfes.
Längendurchmesser der Eier
0,0311-0,0344 Mm.
Die Eileiterwindungen sind
locker neben und durcheinander
hergeschlungen, so dass das Thier
im hinteren Drittel völlig durch-
sichtig ist.
An der hinteren Körperhäli'te
mit starken 0,043 Mm. langen
Stacheln besetzt.
Distomum ovatum.
Länge 6,5 Mm.
Breite 3 Mm.
] Durchmesser des Mundsaug-
napfes 0.06 Mm.
; Durchmesser des Bauchsaug-
} napfes 0,126 Mm.
j Verhältniss beider Durchmesser
[ zu einander wie 1 : 2,1.
I Die Darmschenkel überragen
'. die Hoden um deren einfache
i oder halbe Länge.
! Die Dotterstöcke reichen von
hinten gerechnet bis an den wov-
j deren Rand oder an die Mitte
I des Bauchsaugnapfes.
j Längendurchmesser der Eier
1 0,0246—0.0262 Mm.
I Die Eileiter Windungen sind im
I hinteren Drittel des Thieres eng
j an einander gepresst, wodurch
I dieses hier gelb und völlig uu-
j durchsichtig wird.
I Im ausgewachsenen Zustande
i ohne Stacheln. WedP) ist der
< einzigste, der eine Bewaffnung
angibt; ich habe sie nie gesehen.
obgleich ich viele Exemplare
untersucht habe.
1) Anatomische Bemerkungen über Trematoden. Sitzungsber.
d. k. Akad. XXVI, 1857, pag. 241—42. tab. I. fig. 1. Die Beschrei-
bung und Abbildung sind übrigens voller Irrthümer, wenn Dist.
ovatum gemeint ist, so dass ich fast vermuthe, dass eine andere
Art beobachtet ist. Der Darm theilt sich bei D. ovatum nicht, wie
Wedl für seine Species ausdrücklich bemerkt und zeichnet, gleich
hinter dem Bulbus, sondern in halber Entfernung zwischen diesem
und Bauchsaugnapf; der Darm ist viel kürzer bei D. ovatum, als in
der Fig. 1 gezeichnet ist; die Dotterstöcke in der Wedl'schen Art
Einig. Distom. u. Bemerk, üb. d. weiblich. Sexualorg. d. Trematod. 97
Ausser den bereits angegebenen Charakteren ist, um die
Beschreibung zu vervollständigen, noch folgendes zu be-
merken. Der Darm gabelt sich in der Mitte zwischen
den beiden Saugnäpfen, und zeigt in seinen beiden Schen-
keln grosse, blasige Ausbuchtungen; sein Inhalt, wahr-
scheinlich halbverdautes Hühnei'blut, Ist, wie bei Dist.
ovatum, dunkelbraun, an den ausgebuchteten Stellen tief
schwarz. Die Hoden, eiförmig und etwa von der Grösse
der Saugnäpfe, liegen neben einander. Die beiden Vasa
deferentia vereinigen sich über dem Bauchsaugnapf zu
einem gemeinsamen Gang, der in die obere Samenblase
tritt; diese liegt links vom Mundsaugnapf, ist sehr lang
und reicht fast bis an den Vorderrand des ßauchsaug-
napfes. Die beiden langen Ausführungsgänge der Dotter-
stöcke treffen sich in der Mitte des Körpers und ergiessen
ihren Inhalt in den kleinen kugelförmigen Eibildungs-
raum; in diesen führt auch der durch eine mehrlappige
Drüse gebildete Keimstock sein Product, dessen Ausfüh-
rungsgang vorher die Mündung der unteren Samenblase
aufgenommen hat. Der Eibildungsraum ist von der blassen
strahlenförmig gebauten, aus gekernten Zellen gebildeten
Schalendrüse umgeben; von ersterem aus entspringt nUn
der Eileiter, der Anfangs sehr dünnwandig ist, später
aber eine sehr dicke, muskulöse Wandung bekommt, und
nach vielen Krümmungen, in denen sich nach dem Ende
zu eiförmige Ausbuchtungen zeigen, vorn dicht neben
und nach aussen von der männlichen Geschlechtsöffnung
endet. Die Eier sind schon beim Heraustreten aus dem
Eibildungsraum mit einer blassen Schale umgeben, und
ist ihr Inhalt Anfangs körnig und schwärzlich von Farbe,
später erscheinen sie graulich und endlich gelb. Die
reifen Eier sind gedeckelt und erscheinen an der Deckel-
seite abgeplattet, an der anderen Seite spitz. Muskelfa-
sern, meistens einige eng an einander gelagert, durch-
ziehen den Körper nach allen Richtungen, doch sind an
viel weiter noch vormals bei D. ovatum; Vesicula seminalis inferior
und Keimstock werden übrigens zusammengeworfen und mit ersterem
Namen belegt.
Archiv f. Xatiivg. XXXIX. Jahr?. 1. I5n. 7
98 V. Linstow:
der Körperoborfläche 4 Richtungen vorwaltond, die longi-
tudinale, die transversale und 2 schräge, die sich zu den
ersteren in denselben Winkel stellen. Die untere Samen-
blase ist ein sehr dickwandiges, auffallendes Organ, das
aus dem Eileiter mit Samen gespeist wird, und seinen
Inhalt in den Ausmündungsgang des Keimstocks ergiesst.
Die weiblichen Geschlechtsorgane in ihrem Zusam-
menhange habe ich noch bei keiner Distomum-Art so
klar übersehen können, wie bei der vorliegenden, auch
D. ovatum ist dazu wegen der massenhaften Anhäufung
von Eiern, die das Gesichtsfeld verdunkeln, sehr wenig
geeignet, und will ich im Anschluss an das Gefundene
die weiblichen Fortpflanzungsorgane der Trcmatoden, be-
sonders der Distomen, einer kurzen kritischen Revision
unterwerfen.
Der Dotterstock hat bei Dist. pellucidum die ge-
wöhnliche Form, ist aber im Verhältniss zu andern Arten
sehr wenig ausgedehnt, wie überhaupt die Eierproduction
eine wenig reichliche ist.
Der Keimstok liegt, wenn wir die Vereinigungs-
stellc der beiden Ausführungsgänge des Dotterstockes
als Mittelpunkt ansehen, rechts und unterhalb dieser
Stelle, und ist eine aus Lappen bestehende Drüse, in der
man schon die Keimbläschen von aussen durchschimmern
sieht. Früher ist dieses Organ häufig verkannt; so zeich-
nete Küchenmeister^) für Dist. hepaticum auf tab. V,
fig. 2 g', dasselbe irrthümlich doppelt und hielt es für
Hodenwindungen, welche die Vesicula seminalis interna
verträten, während Mehlis 2) es bei Dist. lanceolatum
für einen dritten Hoden hielt; bei Dist. lanceolatum be-
zeichnet Küchenmeister den Keimstock als Vesicula
seminalis interior, und Wedl ^) bei Dist. echinatnm als
innere Samenblase, wie derselbe^) meiner Vermuthung
1) Die in und an dem Körper des lebenden Menschou vor-
kommenden Parasiten.
2) Leuckart. Die menschlichen Parasiten l, pag. 597.
3) Anatomische Untersuchungen über Trematoden. Sitzungsber.
a. k. Akad. d. W. XXVI, pag. 245, tab. I, fig. 5 d.
4) Ibid. fig. 4, n und d.
Einig. Distom. u. Bemerk, üb. d. weihlich. Sexualorg. d. Trematod. 99
nach bei D. crassiusculum innere Samenblase und Keim-
stock mit einander verwechselt.
Die zum weiblichen Genitalapparat gehörige Samen-
blase (Vesicula scminalis inferior oder interior oder in-
terna, Receptaculum seminis) erinnert sehr an das gleich-
namige Organ der Insekten, z. B. der Schmetterlinge,
hat aber hier die Aufgabe, die Keimblaso vor der Um-
hüllung mit Dottersubstanz zu befruchten, wie solches
von van Beneden ^) bei Distomum aeglefini beobachtet
ist, während bei den Insekten der Same beim Vorbei-
gleiten der Eier bei dem Ausführungsgange der Blase
mit diesen in Berührung tritt und durch die" Älicropyle
des fertig gebildeten Eies in dasselbe hineinschlüpft.
Küchenmeister kennt die Samenblase bei Dist. hepa-
ticum nicht und bezeichnet, wie oben angeführt, den Keim-
stock als Vesicula seminalis interna, ebenso wenig bei
Dist. lanceolatum, wo der Keimstock, wie bereits bemerkt,
für die Vesicula seminalis interior gehalten wird (tab. V,
flg. 111). Leuckart dagegen beschreibt die Samenblase
bei Dist. lanceolatum neben dem Keimstock (p. 598,
fig. 199), und bemerkt dabei, dass sie direct aus dem hin-
teren Hoden gespeist werde. Eine directe Verbindung
zwischen Hoden und Samenblase sind ferner beobachtet
von Walter ^) bei x\mphistomum, von Wage n er ^) bei
einer in Uranoscopus scaber vorkommenden Art, von dem-
selben^) bei Dactylogyrus amphibothrium, von Melni-
ko w ^) bei Distomum ocreatum, von Zell er ^) bei Disto-
mum squamula ; dagegen stellt Wagen er dies Verhält-
niss als die Ausnahme hin, van Beneden läugnete 1858
eine solche Communication ganz und Stein '') stellt bei
D. polymorphum die Communication zwischen männliclien
1) Bull. Acad. roy. Beige tome IV, No. 4. l'Tnstit. 1858,
p. 159 u. 223.
2) Archiv für Naturgeschichte 1858, I, pag. 269—297.
3) Ibid. 1860, I, pag. 165—194.
4) Natuurkundige Verhandelingen etc. XIII pag. 90.
5) Archiv für Naturgeschichte 1865, I, pag. 49 — 55.
6) Zeit8chr. für wissensch. Zoologie XVII, pag. 215 — 220.
7) Carus, Icon. zootom. tab. VII, fig. 23.
100 V. Linstow:
und weiblichen Geschlechtsorganen genau so dar, wie
ich sie bei der beschriebenen Art gefunden habe, d. h.
die Samenblase empfängt ihren Inhalt ans der Vagina
(dem vorderen Theile des Eileiters) und steht mit dem
Hoden durchaus in keiner Verbindung. Es ist klar^ dass
diese Art, den Samen aufzunehmen, die einfachste und
am leichtesten erklärliche ist; derselbe wird bei der Copula
in die Vagina, d. h. in das Ende des Eileiters ergossen,
und von diesem in die Samenblasc geführt, aus der er
gelegenth'ch zur Befruchtung der Keimbläschen heraus-
tritt; dem entsprechend ist auch das Ende des Eileiters
bis zu dem Ausmündungsgange in die Samenblase bei
D. pellucidum ganz von Samen erfüllt, der in dem langen
folgenden Abschnitte derselben gänzlich fohlt; schon bei
schwachen Vergrösserungen sieht man die Eier in dem
kleinen vorderen Abschnitt des Eileiters von der bräun-
lichen Samenflüssigkeit umgeben, während dieselben den
langen hinteren Abschnitt allein erfüllen. Bei den Arten,
die eine directe Verbindung zwischen Hoden und Samen-
blase zeigen, ist nicht recht ersichtlich, wozu hier noch
eine vordere Samenblase nebst Cirrusbeutel und Cirrus
dienen sollen (Dist. lanceolatum), da ja die Copula zur
Befruchtung unnöthig ist, und ist auch hier vielleicht
eine Selbstbefruchtung wohl nur die Ausnahme, gleichsam
ein Nothbehelf, der zur Geltung kommt, wenn nur ein
Individuum den betreffenden Wirth zur Zeit bewohnt,
se dass eine Copula nicht möglich ist, die übrigens von
Cobböld ^) bei Distomum conjunctura direot beobachtet
ist. Eine Befruchtung von aussen, d. h. per vaginam,
scheint mir überhaupt nur bei Anwesenheit eines Recepta-
culum seminis von Erfolg sein zu können, welches also
wohl ein sehr häufig vorkommendes aber oft übersehenes
Organ ist; denn dass der Same von der Mündung des
weiblichen Geschlechtscanales durch alle Windungen des
Eileiters hindurch nach dessen x^nfangspunkt, wo doch
die Befruchtung geschieht, geführt werden sollte, ist kaum
denkbar. Auch Distomum ovatura hat diese Snmenblasc,
1) Journ. proceed. Limi. Soc. Zool. Vol. V, pag. 255.
£iijig. Diötum. u. Bemerk, üb. d. weiblich. Sexualorg. d. Ti-ciuatod. IUI
WO sie aber schon schwerer aufzufinden ist, und leicht
für einen Lappen des Keimstocks gehalten werden kann,
von dem sie sich nur durch eine etwas röthlichere Fär-
bung und Mangel der Keimbläschen unterscheidet, wo-
durch sie ein gleichförmiges Aussehen bekommt. Eine
Öamenblase (Vesicuia seminalis Inferior) habe ich ferner
beobachtet bei Dist. nodulosum, arrectum, echinatum, re-
curvatum, trigonocephalum, wo sie zwischen Keimstock
und voiderera Hoden Hegt ; bei Dist. mesosternum findet
sie sich zwischen Keimstock und linkem Hoden, der
etwas weiter nach hinten liegt als der rechte. Wag euer ^)
bildet sie für Dist. xanthosomum ab. Bei einem jungen
Exemplare von Dist. ovatum habe ich auch ihre Ent-
wicklung beobachten können. Die Drüse ist in ihrer
ersten Anlage durchsichtig und farblos und stellt eine
Mutterzelle dar, die in ihrem Innern zahlreiche Toch-
terzellen von verschiedener Grösse mit Kern und Kern-
körperchen enthält, durch deren Auflösung der Hohl-
raum hergestellt wird. Um den Vereinigungspunkt der
beiden Dottergänge ist nun ferner eine nicht unbeträcht-
liche Drüse gelagert, welche ohne Zweifel die Function
hat, die Eischale abzusondern, und die ich daher Scha-
lendrüse benenne. Sie ist von unregelmässig-rundlicher
Gestalt, die Dottergänge gehen mitten durch sie hindurch;
sie besteht aus blassen, gekernten, strahlenförmig ange-'
ordneten Zellen von 0,0197 Mm. Durchmesser, der Kern
von 0,005 Mm. ; die Strahlen sind nach dem Mittelpunkte,
der Vereinigungsstelle der beiden Dottergänge, gerichtet.
Das ganze Organ ist durchscheinend und farblos, und
schwer aufzufinden. Dem entsprechend ist auch Dist.
ovatum die einzige Art, bei der ich ausserdem die Scha-
lendrüse habe sehen können, obgleich ich einige 60 hie-
sige Arten des Genus Distomum darauf untersucht habe.
Küchenmeister hat, wie mir scheint, in seinem Werke
über menschlich-e Parasiten dieses Organ bei Dist. hepa-
ticum gesehen und als Keimstock beschrieben (1. c.pag. 189)
und abgebildet (tab. V, fig. 3b). Lcuckart deutet den
1) NatuurkundigG Veruaudelmgen XIII, tab. XXII, fig. 4.
lü-J V. Lmstü \v :
^kiigligeii Körper", welcher mit unserer 8chalendrüse
identisch ist, ohne Zweifel richtig, und geht aus dessen
Beschreibung (Menschl. Parasiten I^ pag. 482 — 483, 561,
557 — 558) hervor, dass dieses Organ bisher nur bei Dist.
hepaticum und lanceolatum gesehen ist, dass ferner Kü-
chenmeister dasselbe nicht ganz richtig gezeichnet hat,
insofern nämlich „die Ausführungsgänge der Drüsen
strahlenartig auf den gemeinschaftlichen Innenraum ge-
richtet sind", während die Drüsenzellen bei D. lanceo-
latum sich über eine längere Strecke des Eierganges ver-
breiten. Ijeider hat Leuckart keine Abbildung dieses
Körpers gegeben, wohl aber bemerkt derselbe, dass dieser
bei dem Genus Cystotaenia sich allgemein finde, und be-
sitzen wir seit jüngster Zeit eine vorzügliche Schilderung
der Schalendrüse bei Bothriocephalus latus von Sommer
und Landois^), wo sie ebenfalls strahlenförmig gebildet
ist, und sich halbmondförmig um den Ausgangspunkt
der Dotterstöcke und des Keimstoeks legt; früher wurde
der Körper „Knäueldrüse" genannt, und erlitt die mannig-
fachsten Deutungen. Die jüngsten Eier, welche sich im
Anfangstheile dos Eileiters befinden, haben bereits eine
deutliche starke Schale, welche Anfangs glashell, in
üebereinstimmung mit der Schalendrüse, ist. Da man
nun den Bildungsort für Keim und Dotter kennt, musste
es nahe liegen, auch für die Schale der Eier den Ent-
stehungsort aufzusuchen, und ist die Deutung des „kug-
ligen Körpers" und der „Knäueldrüse" wohl eine zweifellos
richtige.
Im Centrum der Schalendrüse ist ein kleiner, kugel-
förmiger Hohlraum, den ich E i bi 1 d u n g s r a u m zu nennen
vorschlage; er ist es wohl, den Leuckart (Menschl. Paras.
p. 561) meint, wenn er bei der Schilderung von Dist. he-
paticum sagt: „Die Eier, die einzeln in dem engen Cen-
tralraum der Schalendrüsc ihren Ursprung nehmen" etc.
— In diesen Raum münden die bereits befruchteten Keim-
bläschen sowie der Dotter ; um ihn ist, wie gesagt, die
1) Beiträge zur Anatomie der Plattwürmer. Heft 1, pag. 23—
24, 48—50, tab. I u. II, o, tab. III, üg. 1, n, o, tab. V, fig. 2, k.
Einig. Distom. u. Bemerk, üb. d. weiblich. Sexualorg. d. Trematod. 103
Schalen drüse gelagert, und aus ihm nimmt der Eileiter
seinen Ursprung, indem sich nun die ersten fertigen Eier
zeigen.
Nach der Diesing'schen Eintheilung der Distomen
würde D. pellucidum zur Abtheilung B, a, y gehören,
(Armatum, corpus planum v. depressum, acetabulum ses-
silc, magnitudine oris), während D. ovatum unter A, f,
a, «, steht, (Inerrae, os haud nodulosum, corpus planum
V. depressum, acetabulum sessile, ore maius). Eine Ein-
theilung, die so nah verwandte Arten trennt, ist aber
nicht haltbar, und würde es wünschenswerth sein, von
der BewaiFnung des Körpers, weil dieselbe nur zu häufig
in der Jugend besteht und in späterer Zeit verloren geht,
ganz abzusehen. Bessere Unterscheidungsmerkmale sind
jedenfalls die Bewaffnung der Umgebung des Mundsaug-
napfes, die Stellung der Hoden hinter- oder nebenein-
ander, gestreckte oder rückwärts gebogene Richtung des
Kopfendes, Lage der männlichen und weiblichen Ge-
schlechtsöffnung in Bezug auf einander und auf die Saug-
näpfe, und deren relative Grösse.
2. Distomum caudatum nov. spec.
In ausgestrecktem Zustande bis 4 Mm. lang und
1 Mm. breit, Körper cylindrisch, nach Art eines Holosto-
rnum gekrümmt; bewohnt den Dünndarm von Erinaceus
europacus. Mundsaugnapf etwas grösser als Bauchsaug-
napf, ersterer 0^31 Mm., letzterer 0,27 Mm. im Durch-
messer; aus dem Schlundkopf entspringt der sich gleich
hier gabelnde Darm; dessen Schenkel ungemein dick-
w^andig sind und ganz bis zum äussersten Hinterleibsende
verlaufen. Beide Saugnäpfe liegen nahe an einander,
kaum um den doppelten Durchmesser des Mundsaugnapfes
von einander entfernt, und liegt der Bauchsaugnapf an
der Concavität der Körperkrümmung. Die Hoden liegen
hinter einander und nehmen den hintersten Raum am Körper
ein. Die grosse Strecke zwischen Bauchsaugnapf und Hoden
füllen die weiblichen Sexualorgane aus. Der Vereini-
gungspunkt der Dottergänge liegt eigenthümlicher Weise
zwischen den beiden Hoden, während die männliche und
104 V. Linstü w:
weibliche GcschlechtsöfFnuDg neben einander diclit vor
dem ersten Hoden sich finden, also weit hinter dem Bauch-
saugnapfe. Körper und Umgebung des Mundsaugnapfes
sind unbewaffnet. Die Eier haben 0,033 Mm. im längsten
Durchmesser. Eigenthümlich ist ein 0,07 Mm. langer,
einziehbarer, schwanzartiger Anhang am Hinterleibsende
von cylindrischer Gestalt mit conischer Spitze.
3. Distomum tectum nov. spec.
Diese Art bewohnt den Darm von Osmerus eper-
lanus; Länge 2 Mm., Breite 0,8 Mm.; der ganze Körper
ist dicht dachziegelförmig mit 0,024 Mm. langen, keilför-
migen Schuppen oder Stacheln besetzt, die eine breite
Basis haben, so dass die Körpercontour einer Säge gleicht.
Die beiden Saugnäpfe stehen einander sehr genähert,
nur um ihren Durchmesser von einander entfernt. Der
Mundsaugnapf hat 0,2 Mm., der ßauchsaugnapf 0,24 Mm.
im Durchmesser. Die massenhaft angehäuften Eier sind
0,025 Mm. lang und 0,013 Mm. breit. Die Hoden liegen
schräg neben einander. Männliche und \v eiblich eGeschlechts-
öffnung neben einander, links vom Mundsaugnapf, dessen
Umgebung unbewaffnet ist.
4. Distomum beleocep halum nov. spec.
In grosser Menge im Dünndarm von Ardea cinerea
gefunden. Der Körper ist 0,7 Mm. lang und 0,3 Mm.
breit und an der vorderen Hälfte mit kleinen Stacheln
besetzt, wozu ich jedoch bemerken muss, dass von den
Geschlechtsorganen nur erst die männlichen entwickelt
waren, und die Thiere daher vielleicht eine beträcht-
lichere Grösse erreichen. Mundsaugnapf mit breiten}
nierenförmig ausgeschnittenen Kragen, der mit 24 Stacheln
besetzt ist, die in 2 Reihen angeordnet und alle 0,033 Mm.
lang sind ; der Mundsaugnapf ist rundlich vorstehend,
wodurch der Kopf Aehnlichkeit mit einer Pfeilspitze be-
kommt. Breite des Kopfes 0,17 Mm.,, des Mundsaugnapfes
0,030 Mm. des Bauchsaugnapfes 0,13 Mm. Die Hoden liegen
hinter einander; unmittelbar vor dem ßauchsaugnapf liegt
Einig. Distom. u. Bemerk, üb. d. weiblich. Sexualorg. d. Trematod. 105
der Cirrusbeutel. Muiidsaugnapf und Schluadkopf sind
durch einen langen canalförmigen Pharynx verbunden.
5. Distom um recurvatum nov. spec.
Aus dem Dünndarm von Anas marila. Das erste,
mit 8tacheln besetzte, Viertel des Körpers ist, ähnlich
wie bei Dist. caudatum, über die Bauchfläche nach hinten
gekrümmt. Diese Körperform und die Grösse der Eier
erinnern an Holostomum. Länge des Thieres, wenn man
es sich gestreckt denkt, 3 Mm., Breite 0,7 Mm. An der
Convexität der Krümmung, also an der Stelle, die von
der Schwanzs'pitze am entferntesten ist, liegt der 0,24 Mm.
lange und 0,14 Mm. breite Cirrusbeutel ; dann folgt, wenn
man nach hinten geht, der kreisrunde Bauchsaugnapf,
der 0,32 Mm. im Durchmesser hält; hierauf die ovale
(innere) Samenblase, die nur anderthalb Mal so 'gross
wie ein Ei ist, dann der bedeutend grössere Keimstock,
und hierauf die hinter einander liegenden Hoden. Sehr
beträchtlich ist die Länge des Cirrus (0,5 Mm.), der nach
der Concavität der Krümmung austritt, und den Körper
quer von einer Seite nach der andern durchsetzend ziem-
lich weit über den Körper herausragt. Die wenig zahl-
reichen Eier sind gross, 0,11 Mm. lang und 0,08 Mm.
breit. Kopf 0,36 Mm. breit, herzförmig, mit 44 Stacheln
besetzt, von denen jederseits die 4 äussersten der Reihe
grösser sind; die 36 kleineren stehen in 2 Reihen, und
zwar so, dass je einer aus den beiden Reihen einander
genähert sind; die grösseren messen 0,07 Mm., die klei-
neren 0,049 Mm. — Kopfsaugnapf 0,13 Mm. im Durch-
messer; der sogenannte Hals ist an der concaven Seite
rinnenförmig ausgehöhlt.
•» Distomumechinatum Zeder
hat 36 Stacheln von gleicher Grösse, in 2 Reihen gestellt,
welche häufig im Alter verloren gehen, ähnlich den
Haken mancher Tänienarten, und das Distomum oxyce-
phalum Rud. ist gewiss nichts anderes als ein solches
stachelloses Dist. echinatum, wie schon Diesing^) ver-
1) Systema Helminthum I, 346.
lOG
V. L in stow:
niiitliet; iiäufig habe ich in Eaten Exemphire mit und
ohne Stacheln am Kopfe gefunden, die übrigens in keiner
Weise zu unterscheiden waren. In Gallus domesticus
habe ich auch Distomum echiiiatum gefunden, und ver-
muthe dalior, dass auch Dist. diLitatum Miram. mit D.
echinatum identisch ist.
Um die Arten des Subgenus Echinostomum gehörig
zu unterscheiden, ist es durchaus nöthig, die Stacheln
des Kopfes zu messen und zu zählen, wie auch zu be-
stimmen, ob die 4 Endhaken an jeder Seite der Reihe
grösser sind als die übrigen, was viel vorkommt, und ob
die übrigen Stacheln in einer oder in zwei Reihen ste-
hen. Eine Uebersicht über diese Verhältnisse bei einigen
Arten gibt die folgende Tabelle:
1) An Cercaria echinifera gemessen.
Einig. Distom. u. Bemerk, üb. d. weiblich. Sexualorg. d. Trematod. 107
lieber die im Jahrgang 1872 pag. 57—58 dieses Ar-
chives beschriebene Taenia hepatica darf ich mir erlauben^
hier einige Bemerkungen zu machen, weil dieselbe von
einigen Seiten für identisch mit Cysticercus fasciolaris
gehalten wird. Diese Vermuthung muss nahe liegen,
weil ich es leider versäumt habe, sie mit dieser seit Ru-
dolph] allgemein bekannten und sehr geraeinen Öpecies
zu vergleichen, und die Unterschiede anzugeben, was ich
hier nachholen will. Wenn ich die vorliegende Art,
die, wie ich schon bemerkte, offenbar eine Tänienlarve
darstellt, nicht Cysticercus benannt habe, so geschah das
aus dem Grunde, weil ich keine öpur einer Blase, auch
die bei Cysticercus fasciolaris nie fehlende Schwanzblase,
gesehen habe. Was nun die Unterschiede von dieser
Art anbelangt, so finde ich dieselben sowohl in der Form
der Haken als auch in deren Anzahl; vergleicht man meine
Abbildung 1. c. tab. III, fig. 1, mit Leuckart's fig. 1, a
und b auf tab. II seines Werkes „die ßlasenbandwürmer"
so wird man die Unterschiede auffallend genug finden;
noch mehr aber bestimmte mich zur Trennung die Anzahl
der Haken, die bei T. hepatica 34, bei Taenia crassicollis
und Cysticercus fasciolaris aber 50 beträgt, eine Diffe-
renz, die sonst bei einer und derselben Art des Genus
Cystotaenia nicht vorkommt.
Erklärung der Abbildungen.
Tafel V.
Fig. 1. Vcrgr. 20. Distomum recarvatum. a. Vcsicula seminalis
inferior.
» 2. » 140. Kopf von Dist. beleocephalum. a. Mundaaug-
napf, b. Schlundkopf.
»3. i> 170. Schwanzartiger Anhang am Hinterleibsende v.
Dist. caudatum.
» .4. j 150. Schuppenzähne der äusseren Bedeckung von
Dist. tectum.
108 V. Liustüvv: Einig. Dist. u. Bern. üb. d. weiblich. Sexiialorg. etc.
Fig. 5. VergT. 5. Distomum pelliicidum. Bei a. die Samenblase,
bei b. der Keimstock.
» 6. » 90. Weiblicher Genitalapparat von Distomum pellu-
cidum. a. Endtheil des Eileiters (Vagina), ausser
den reifen Eiern auch Samen enthaltend, a'
Anschwellung desselben, hier bereits ohne
Samen, b. Verbindungsgang zwischen Eileiter
und Samenblase, c. Sameublase (Vesicula se-
minalis inferior), d. Keimstock, e. Schalen-
drüse, f. f. Ausführungsgänge der Dotterstöcke,
g. Ausmündungsgang der Samenblase in den
Keimstock, h. Eibildungsraum. c. Anfangs-
theil des Eileiters, neugebildete Eier enthaltend.
Die Cetoniden der Philippiiiiseheii Inseln
beschrieben
von
Dr. Otto ilohuike.
Hierzu Tafel VI-XI.
Die nachfolgende Bearbeitung der Cetoniden der
Philippinen und theilweiae auch der Sulu-Inseln schHesst
sich in mehr als einer Beziehung an die Uebersicht an,
welche ich in TroschePs Archiv für Naturgeschichte
von den auf den Sunda-Inseln und Molukken vorkom-
menden Mitgliedern dieser ünterabtheilung der LamelH-
cornien gegeben habe, und kann gewissermassen als ihre
Fortsetzung angesehen werden.
Wie ich in der Einleitung zu jener Abhandlung
bemerkte, war allein der Mangel an zureichendem Material
die Ursache, weshalb ich damals die Cetoniden der Phi-
lippinen unberührt lassen musste. Seitdem aber habe
ich Gelegenheit gehabt dieselben, und zwar nicht allein
fast alle bis jetzt bekannten und beschriebenen, sondern
auch noch eine beträchtlich grössere Anzahl neuer Arten
kennen zu lernen. Hierzu trug besonders der Umstand
bei, dass Herr (jreorg Semper in Altena die Güte hatte,
mir für den Zweck ihrer Bearbeitung alle von seinem
Bruder in jener östlichsten Provinz des Indisch p. \n-c]'
meeres gesammelten Melitophilen zuzusenden.
110 Mohnike:
Diese Sammlung, deren Reichhaltigkeit mich über-
raschte, enthält in 195 Exemplaren 66 Arten, worunter
41 oder vielleicht 42 neue.
Herr A. R. Wallace führt in seinem 1868 er-
schienenen Catologe der Malaiischen Cetoniden, worin
auch die von den Philippinen aufgenommen sind, 32 als
daselbst vorkommende an.
Ich halte diese Angabe aber für nicht ganz genau.
Unter den darin erwähnten finden sich nämlich erstens
zwei Arten, von denen es kaum mehr zweifelhaft ist,
dass sie Bengalen als Vaterland besitzen. Es sind He-
terorrliina dives Westw., {Gnathocera Mac Leay Gor. et
Perch. ; Mystrooeros Biardi Burm.) und Het'erorrMna
C07ifusa WenUx. fCetonia öimac?^/« Wiedem. ; Gnathocera
bwiaculata Gor. et Perch.). Zweitens hat Wallace die
Heterorrlt. biguttata Westw., welche nichts als eine Farben-
varietät von Heterorrh. {Diceros) ornata Hope ist, als
selbstständige Art angeführt. Drittens aber findet sich
in seinem Cataloge nicht der schon 1862 von Gerst-
aecker beschriebene Fhaedimus fMycteristesJ Jagori
und sind von ihm, wie es mir scheint, mit Unrecht Cc-
tonia querula Newman zu Cef, maiidarinea Weber,
Cet. fProtaetia) chlorotica und Cet. ambigua Burm. zu
Get. Mayiillarum Chevrol. gezogen worden. Auch Cet.
Rogeri Burm. halte ich für eine selbstständige und nicht
mit Cet. Guerini Eydoux und Souleyet, identische Art.
Nach dieser Correction des von Wallace gegebenen
Verzeichnisses Philippinischer Cetoniden und mit Hinzu-
zählung der erst neuerdings von We stv/ o od C'a//?/wow«(s
niveo-sparsa genannten, bis jetzt einzigen auf jenen Inseln
entdeckten Cremastochiliden-Art, betrug die Gesammt-
summe aller bekannten und beschriebenen Cetoniden von
denselben 35 Arten, wozu jetzt aus der Semper'scben
Sammlung 41 neue kommen. Ihre Zahl wird hierdurch
also mehr als verdoppelt.
Unter diesen letzteren befindet sich nicht nur eine
beträchtliche Anzahl auffallend schöner und für die be-
schreibende Entomologie merkwürdiger Arten, sondern
es wird auch unsere Kenntniss von der geographischen
Die Cetoiiiden der Philippinischen Insebi. 111
Verbreitung der Cetoiiidoa -Gattungen über die ver-
schiedenen Regionen oder Provinzen des Indischen Insel-
meeres, durch diese ßereicherimg sehr erweitert. Ln
letzterer Beziehung ergeben sieh einige interessante That-
sachen. Es zeigt sich nämlich, dass, wenn man den In-
dischen i\rchipel in fünf zoologische Bezirke theilt, von
denen der erste Java, Sumatra . und Borneo mit den in
der Nähe von ihnen gelegenen kleineren Inseln; der
zweite Timor mit den Nachbar-Inseln Flores u.s. w. ; der
dritte die Molukken mit Inbegriff von Neu-Guinea und
den Aru-Inseln; der vierte Celebes; der fünfte aber die
Philippinen und Sulu-Inseln umfasst, die Jetztgenannte
Region, was die Cetoniden betriiFt_, wie überhaupt in en-
tomologischer Beziehung, eine grössere üebereinstimmung
mit der am weitesten westlich von ihr entfernten erst-
.genannten Region, namentlich mit Java, besitzt, als mit
den ihr viel näher gelegenen, die dritte und vierte Re-
gion bildenden Inseln, nämlich mit Celebes und den Mo-
lukken, besonders aber mit letzteren.
Von den drei bis jetzt bekannten Gattungen wirk-
licher Goliathiden des Indischen Archipels kommen zwei,
Mycteristes und Prigeniaj jede mit einer Art, auf Java,
die dritte aber, PhaedunuSj mit zwei, vielleicht mit drei
Arten, auf Luzon vor. Von den beiden Arten der Gat-
tung Plectroiie findet sich auf jeder der genannten Inseln
eine. Die Macronotiden-Gattungen Clerota und Chal-
cothea gehören der ersten Region ausschliesslich an
und sind auf den Philippinen nicht vertreten, während
von der Gattung Macro7ioia daselbst 14, auf Celebes 5,
in den Molukken 2, auf Timor keine, auf den Sunda-
Inseln dagegen 25 Arten vorkonnmen. Die östlichste
und die westlichste Region des Indischen Archipels be-
sitzen also beide die grosste Anzahl von Vertretern
dieser interessanten Gattung. Ein ähnliches Verhältniss
zeigt die Gattung Cetonia fProtaetia Buvm.J. Von dieser
kommen nämlich auf den Philippinen 32 Arten, worunter
ganz besonders grosse nnd. schöne; auf den Sunda-Insoln
16; auf Timor und Flores 3; in den MolukLcn 1 iin]
auf Celebes 5 vor. Dagegen besitzen die Philippinen
112 Mohnike:
nur 7, die Mohikken 13, die Sunda-Inseln aber 26 Gly-
cyphana- Arten.
Eine grössere Uebereinstimmung zwischen der ersten
Region, namentlich Java, und der fünften ergibt sich
wieder in der Verbreitung der Gattung Lomaptera, Von
dieser finden sich nämlich zwei x\rten, L. striata und L.
pulla auf Java, eine dritte aber, L. cupripes, (L. agni
VVallace), zugleich auf Borneo, Sincapur und Luzon. In
der zweiten Region kommt 'nur eine, auf Celebes keine
Lomaptera-Art vor, während die Molukken mit den Aru-
Inseln und Neu-Guinea 16 Arten dieser für die letzt-
genannte Region charakteristischen Gattung besitzen.
Diese wenigen Bemerkungen genügen für den Be-
weis dessen, was ich oben bemerkte, dass nämlich die
Philippinen, hinsichtlich der auf ihnen vorkommenden
Cetoniden-Gattungen und der Anzahl ihrer Arten, eine
grössere üebereinstimmung mit den Sunda-Inseln, na-
mentlich Java, als mit der Timor-Gruppe, Celebes und
den Molukken zeigen. Alle sich hierauf beziehenden
Einzelnheiten finden sich in der zum Schlüsse dieser
Arbeit mitgetheilten üebersichtstabelle der Verbreitung
der einzelnen Abtheilungen und Gattungen der Cetoniden
über den ganzen Indischeu Archipel. Ich füge nur noch
hinzu, dass die erwähnte üebereinstimmung zwischen den
Philippinen und den Sunda-Inseln sich allein auf die Gat-
tungen, nicht aber zugleich auch auf die Arten bezieht.
In dieser Beziehung besteht eine bemerkenswerthe Ver-
schiedenheit. Es kommen nämlich im Ganzen nur drei
Arten auf den Philippinen und andern Indischen Inseln zu-
gleich vor, und zwar Lomaptera cupripes Waterh. (L.
viridi-aenea Gory et Percli. ; L, iilgro-aenea Waterh. ; Z.
pulla Wallace); Macronoia regia Fs^hv. und Ceto?iia {Hro-
taetia Burm.) mandarinea Weber. Diese Arten sind nicht
nur über alle Regionen des Indischen Archipels, sondern
auch über die nächstgelegenen Küstengegenden des Hinter-
indischen und Indo-Chinesischen Festlandes verbreitet.
Was die Classification betriifft, so finden sich in
Nachstehendem keine Abweichungen von derjenigen,
welche ich meiner oben erwähnten „üebersicht der Ce-
Die Cetoniden der Philippinischen Inseln. 113
tpniden der Sunda-Inseln und Molukken'^ zum Grunde
legte und worin ich im Grossen und Ganzen Lacor-
daire folgte. Allein habe ich mich genöthigt gesehen,
zwei neue Gattungen genuiner Cetoniden den schon be-
stehenden hinzuzufügen. Es sind dieses die Genera Astraea
und Euglypta.
Zu ersteren gehört die Cetonia francolina Dupont,
von welcher schon Burmeister — Handb. d. Ent. Bd. III,
S. 795 — bemerkte, dass sie mit der Cet. felina Gor. et
Perch. von Celebes und der Cei. Rogeri Dup. von Luzon
eine eigene, sich am meisten an Glycyphana anschliessende
Gattung bilden dürfte. Eine genaue, vergleichende Un-
tersuchung auch der Mundtheile dieser drei Arten hat
mir aber gezeigt, dass sie keineswegs zusammengehören.
Cet. felina ist eine wirkliche Glycyphana, da sie alle
dieser Gattung, welche in Nachfolgung von Laco rdaire
gegenwärtig ziemlich allgemein, wie es mir aber scheint
nicht ganz mit Recht, mit der Gattung Euryomia Burm.
vereinigt wird, eigenthümlichen Merkmale besitzt. Cet,
Rogeri dagegen ist, ebenso wie die ihr sehr nahe stehende,
aber doch nicht mit ihr identische Cet. Guerini Eydoux
et Souleyet, eine wirkliche Cetonia oder, wenn man
lieber w^ill, Frotaetia. Cet. francolina aber bildet mit
drei andern Arten, von welchen eine, die von mir
Astraea tigrina genannte, von Blanchard, wie ich
glauben möchte, als Macronota flavopunctata beschrieben
ist, unzweifelhaft eine besondere, sich an Glycyphana
zunächst anschliessende, in einigen Punkten aber auch
an Macronota annähernde Gattung.
Das zweite von mir aufgestellte, Euglypta genannte
Genus, umfasst, gleichwie Astraea, vier Philippinische
Arten. Eine von ihnen wurde von Wallace als Cet.
megaspilota beschrieben. Sehr mit Recht setzte Herr W.,
als Zeichen des Zweifels, ob diese Art auch wohl wirk-
lich der Gattung Cetonia angehöre, ein Fragezeichen
hinter den Gattungsnamen. Schon bei oberflächlicher
Betrachtung der Euglypta megasjjüota sowie der drei
andern, dieser neuen Gattung von mir beigezählten Arten,
noch mehr aber bei der Untersuchung ihrer Innern Mund-
Archiv f. Naturg. XXXIX. Jahrg. 1. Bd. 8
114 Mohnike:
theile, ergiebt sich dass sie nicht zu Cetonia gerechnet
werden können.
Schliesslich erwähne ich noch, dass ich in dieser
Arbeit, in Abweichung von meiner früheren über die
Cetoniden der Sunda-Inseln und Molukken, statt des
Bur m ei s te r'schen Gattungsnamens Profaef IGT, wie solches
auch von Lacordaire und den meisten Entomologen
nach ihm geschehen ist_, den Namen Cetonia gewählt
habe. Als Bur meist er die Gattung Protaetia creirte,
bemerkte er dass ^,der äussere Habitus dieser Gattung sie
so allmählich mit der vorigen (Cetonia) verbinde, dass es
kaum möglich sein würde^ beide von einander zu unter-
scheiden, wenn sich nicht in der Form der galea, des
Kopfes und des Fliigeldeckenendes ziemlich sichere und
konstante Unterscheidungsmerkmale darböten."
Je grösser aber die Anzahl der von mir untersuchten
Cetoniden ist, welche nach ßurmeister zu Protaetia
gehören oder, so weit es neue sind, nach ihm dieser
Gattung zugezählt werden müssten, um so mehr habe
ich mich überzeugen können, dass der Unterschied zwi-
schen den Gattungen Cetonia und Protaetia kein natur-
historischer, sondern wesentlich nur ein geographischer ist.
Alle von Burmeister als charakteristisch für Protaetia
angeführten Merkmale sind durchaus nicht stichhaltig
und constant. Es lässt sich daher das Verhältniss zwischen
dieser Gattung und Cetonia im Ganzen und Grossen so
darstellen, dass die letztere mit wenigen Ausnahmen die
der gemässigten Zone angehörenden, Protaetia dagegen
fast ausschliesslich die zwischen den Wendekreisen vor-
kommenden Arten ein und derselben Gattung umfasst.
Es besteht daher kein Grund die Gattung Protaetia als
solche beizubehalten.
Sectio I. Goliatbidae.
Genus I. P haedimus Westwood.
Westwood. Arcan. entom. I, p. 5.
1. Phaedimus Cumingi Waterhouse.
Phaedimus Cumingi Waterh. Ann. nat. Hist. 1841.
Die Cetonidea der Philippinischen Inseln. 115
p. 221; Transactions entom. Society 1845. p. 36. — Phaedim.
Cumingi AVestwood, Arcana entomologica 1843. I. p. 5,
t. 1. f. 1. </ f. 2 $. — Phaedim. Cumingi Burmeister,
Handbuch d. Eutomol. B. III. S. 176. — Mijcteristes Cu-
mingi Lacordaire^ Genera des Coleopteres Vol. III. p. 476.
— Mycter. Cumingi Wallace, Trans, entom. Soc. 3. Ser.
Vol. IV. 1868. p. 523. — Phaedim. Cumingi Gemmin-
ger et de Harold, Catalogus coleopterorum Tom. IV.
p. 1274.
Mas: Capitis cornu antice convexo postice excavato,
basi tenui, apice dilatato, truncato; thorace valde convexo,
medio inflato, cornu incurvo, compresso, bifido munito;
elytris nitidis, flavo-virescentibiis, planis, leviter ac irre-
gulariter cicatricoso-striatis, postice attenuatis ; capite, tho-
race, cornubus, scutcUo, sutura vittaque in utroque elytro
prope marginem a humero ad gibbum posteriorem decur-
rente laete viridi-aureis, politis, nitidissimis: pygidio vi-
ridi-flavo, nitido ; abdomine punctato, pubescenti, sub-
nitido, virescenti ; pectore viridi - aureo, lateribus la-
nuginoso, medio nitido; femoribus testaceis, splenden-
tibus; tibiis sparsim punctatis, nitidis, testaceis, parte
superiori virescentibus ; tarsis viridi-aeneis, nitidissimis ;
tibiis Omnibus scopa flava, usque ad medium adscendente,
praeditis.
Femina: Capite viridi-aureo, parum nitente, dense
grosseque punctato, marginibus reflexis; clypeo emargi-
nato angulis reflexis; thorace laetc viridi-aureo, nitido,
prope marginem dense, disco sparsim punctato; scutello
nitidissimo, viridi-aureo; elytris nitidis, flavo-virescentibus
dense cicatricoso-striatis, prope scutellum laevioribus; py-
gidio flavo-virescenti; hoc, capite, thorace elytrisque pilis
flavis distanter obsitis ; abdorainis segmentis laete viridi-
aeneis, nitidis,' superioribus parum ultimo penultimoque
plus ac grossius punctatis, punctis pilos flavescentes ge-
rentibus; pectoris lateribus multo minus quam in mare
crinitis, medio laevissimo, viridi-aeneo; femoribus testa-
ceis, splendentibus ; tibiis anterioribus viridi-aeneis, crebre
punctatis, externe tridentatis, mediis posterioribusque bi-
dentatis, viridi-aeneis, apice testaceis ; tarsis aeneis nitidis.
116 Mohnike:
Longitudo maris . . / Mm. 23
„ feminae »21.
Habitat in insula Luzon. — (/ $•
2. Phaedimus Jagori Gerstaecker.
Fhaedimus Jagori Gerstaeck. Wiegmann's Archiv
Jahrg. 28. Bd. I. 1862. S. 362 fg. — Phaed. Jagori Gemm.
et de Harold, Cat. coleopt. Tom. IV. p. 1275. '
Mas: „Phaed. cornu capitis antrorsum deplanato,
basi parum attenuato, apice bifido: thorace parum con-
vexo, antrorsum declivi, nbique subtiliter coriaceo, sub-
opaco, viridi, vitta utrinque crocea subinterrupta : cornu
thoracico capiti incumbente, subtus truncato : scutello
subtiliter coriaceo, flavo, viridi-marginato : elytris ubi-
que subtiliter coriaceis, seriatim punctulatis, flavescenti-
aureis, sutura, margine vittaque laterali viridibus: ab-
domine densissime piloso, segmento quinto scopa pilo-
rum flavescentium vestito ; coxis anticis ferrugineis, ti-
biis extus ultra medium usque tarsisque totis cum un-
guicuiis viridi-metallicis: tibiarum posteriorum scopa fulva
latissima ad basin fere usque adscendente." Gerst-
a eck er.
Longitudo Mm. 20,5.
Habitat in insula Luzon.
Das Männchen, dessen Beschreibung von Herrn
Gerstaecker hier mitgetheilt worden ist, befindet sich
in dem Museum zu Berlin, an welches es von Dr. F.
Jagor geschickt wurde. Meines Wissens ist das Weib-
chen dieses Käfers bis jetzt unbekannt oder doch noch
nicht beschrieben. Da es möglich wäre, dass ein mir
vorliegendes Weibchen einer Phaedimus- Art, welches
von Professor Semper gleichfalls auf Luzon gefangen
wurde, zu Ph. Jagori gehörte, so lasse ich hier die Be-
schreibung desselben folgen, theile zugleich auch eine
Abbildung davon mit. Tafel VI. Figur 1.
Obgleich zwischen diesem Weibchen und dem von
Phaedimus Cumingi, hinsichtlich der Grösse und Körper-
verhältnisseim Allgemeinen, eine grosse Uebereinstimmung
Die Cetoniden der Philippinischen Inseln. 117
besteht, so zeigen beide doch in verschiedenen Einzeln-
heiten eine zu grosse Abweichung von einander, um sie
als einer Art angehörend und das erstere bloss als Varietät
betrachten zu können. Der Kopf desselben ist kürzer
und schmäler wie bei Ph. Cumingi, der vordere Rand-
ausschnitt des Clvpeus weniger tief, die Randspitzen sind
kürzer und ragen weniger nach oben empor. Haupt-
sächlich zwischen den Augen ist der Kopfschild schmäler
wie bei letztgenannter Art und zeigt sich an dieser Stelle
eine kleine, glänzende, ovale Erhabenheit. Auch ist bei
dieser neuen Art der Uebergang der Stirn in den Clypeus
durch eine sehr deutliche, nach vorn convexe Linie an-
gegeben welche sich bei Ph. Cumingi nicht findet. Die
schwielenartige Anschwellung in der Mitte des Clypeus
ist bei ihr v/eniger erhaben wie bei letzterer. Hinsicht-
lich der Sculptur der Kopftheile stimmen beide Arten
überein. Die Oberfläche des Kopfes ist bei der neuen
metallisch grün, wegen der starken Punctur nur wenig
glänzend, mit einem leichten röthlichen Anfluge. Der
Thorax ist bei ihr etwas breiter, viel gewölbter und sind
die Winkel seiner Seitenränder mehr nach vorn gelegen
wie bei Ph. Cumingi. Seine Umrandung ist feiner und
weniger hervortretend wie bei letztgenannter Art. Er
ist von dunkelkirschrother Farbe, in der Mitte sehr wenig,
neben dem vorderen und den seitlichen Rändern stärker
punctirt. Diese Puncte haben einen leichten, grünlich
goldenen Metallschimmer. In demselben stehen, ebenso
wie bei Ph. Cumingi, einzelne gelbe Härchen. Sein Glanz
ist viel geringer wie bei dieser Art. Das Schildchen ist
stark metallisch glänzend, roth mit grünlichem Anfluge.
Die Flügeldecken sind weniger flach v/ie bei Ph. Cu-
mingi. Neben dem Schildchen zeigen sie an jeder Seite
eine leichte Anschwellung, wodurch dieses etwaö" tiefer
liegend erscheint, x\uch befindet sich, zwischen dieser
Anschwellung und dem Scutellum eine vertiefte Linie,
welche, sich nach hinten fortsetzend, auf jeder Flügel-
decke neben der Naht bis zu deren Ende verläuft. Die
Flügeldecken sind hinten geradelinigt ohne hervorstechende
Nahtspitze. Ihre Sculptur ist wie bei Ph. Cumingi und
118 Mohniket
besteht aus sehr dicht neben einander stehenden Reihen
von kleinen oberflächlichen, blatternarbigen Vertiefungen,
welche allein auf den mehrerwähnten Anschwellungen
zu beiden Seiten des Schildchens fehlen. Die Grund-
farbe der Flügeldecken ist ledergelb, aber dunkler wie
bei Ph. Cumingi und anstatt wie bei dieser Art grün
metallisch, röthlich schimmernd, besonders bei schräge
auffallendem Lichte. Ihr innerer Rand, die Naht und
die auf jeder von ihnen von der Schulter bis zu dem End-
buckel, unweit des äussern Randes verlaufende, beiden Ge-
schlechtern der Gattung Phaedimus eigenthümliche Binde,
sind von schwärzlich grüner Farbe mit stark rothem An-
fluge. Das Pygidium ist gelblich grün, metallisch glänzend
mit sehr feinen queren Nadelstrichen. Die Unterfläche
zeigt grosse Uebereinstimmung mit Ph. Cumingi. Der
Bauch ist wie bei diesem grün, ziemlich lebhaft metallisch
glänzend und, mit Ausnahme der beiden letzten Segmente,
nur zerstreut und massig punctirt. An dem vorletzten
Segmente findet sich eine dünne Bürste von gelblichen
Haaren. Die Brust ist in der Mitte glatt und glänzend,
an den Seiten mit ziemlich langen aber nicht dichten
gelblich grauen Haaren bedeckt. Der Mesosternalfortsatz
ist wie bei Ph. Cumingi, klein, wie seitlich zusammen-
gedrückt und weder nach unten noch nach vorn aus-
stechend. Die Oberschenkel sind schaalroth, metallisch
glänzend mit dunkelgrünen Gelenkenden, die Schienbeine
dunkelgrün, metallisch glänzend und an ihrem untersten
Stiele mit schaalrothem Anfluge. Schenkel und Schienen
sind stark punktirt und die ersteren an ihrem hinteren
Rande mit sperrigen Haaren besetzt. Die Vorderschienen
haben oberhalb des Endzahnes zwei starke Randzähne,
die mittleren und hinteren einen. Alle Tarsalglieder sind
dunkelgrün metallisch glänzend. Die Länge von dem
Rande des Clypeus bis zu dem Pygidium beträgt 21 Mm.
Schliesslich bemerke ich noch, dass bei einer ge-
nauen Vergleichung beider Geschlechter von Mycteristes
rhinophyllus mit denen von Phaedimus Cumingii und dem
eben beschriebenen Weibchen, ich denjenigen nicht bei-
stimmen kann die, wieLacordaire, Wallace und Andere,
Die Cetoniden der Philippinischen Inseln. 119
die Gattung Phaedimus mit Mycteristes vereinigt haben
wollen. Die Verschiedenheit zwischen beiden ist jeden-
falls eine grössere als ihre Uebereinstimmung und muss
als generelle angesehen werden. Phaedimus hat, wie schon
von Gerstaecker dargethan wurde, volle Berech-
tigung als eigene Gattung und nicht bloss als Unter-
gattung von Mycteristes dazustehen. Die gezähnten
Vorderschienen, die unverhältnissmässige Länge der Tar-
salglieder der Vorderbeine, welche das doppelte von der
des Hinterfusses beträgt, bei den Männchen, so wie die
eigenthümliche Sculptur der Oberfläche und ihre starke
Behaarung bei beiden Geschlechtern von Mycteristes,
während bei den Männchen von Phaedimus die Vorder-
schienen unbewehrt, die Tarsi der Vorderbeine aber kürzer
als ' die der mittleren und hinteren sind und die Ober-
fläche bei beiden Geschlechtern haarlos und in einem
hohen Grade glänzend ist, auch bei Phaedimus Cumingi
sowohl, als bei Ph. Jagori und dem von mir beschriebenen
Weibchen ein ähnliches aber eigenthümliches und von
dem von Mycteristes durchaus abweichendes Colorit zeigt,
liefern vollgültige Gründe auf, um beide Gattungen von
einander getrennt zu halten.
Sectio II. Coryphoceridae.
Genus I. Diceros Gory et Percheron.
Monogr. des Cet. p. 300.
1. Diceros ornatus Hope.
Diceros ornatus Hope, Proceedings entomol. Society.
1841. p. 33; Transact. entom. Soc. III. p. 280. — Hete-
rorrhina or7iata Westwood, Arcan. Entom. I. p. 140. t. 36.
flg. 6 — 7. — Dicer. ornatus Burmeister, Handb. d. Entom.
B. III. S. 219. — Heterorrh. orjiata Wallace, Transact.
entom. Soc. 3. Ser. Vol. IV. 1868. p. 525. — Heterorrh.
ornata Gemmiuger et de Harold, Catal. coleopt. Tom.
IV. p. 1283.
Mas: Capite nutante, bicornuto, nigro; clypei mar-
gine anteriori vix sinuato; cornubus trigonis, parum re-
120 Mohnike:
clinatis, non divergentibns, externe convexis, ante apicena
dilatatis; antennis nigris; pronoto convexo, nitido, lateribus
punetato, nigro plus minusve rubro-maculato; scutello,
scapulis elytrisque nigris, laevigatis ; bis irregulariter sub-
striato-punctatis, apice parum aciiminatis, macnlis duabus
magnis, oblongis, flavis ornatis; pygidio transversim aci
culato, rubro; pectore abdomineque, segmento hujus ultimo
rubro solum excepto, nigris, lateribus sparsim punctatis;
processu mesosternali longo, inter coxas anteriores pro-
tractO; reclinato ; femoribus rubro-corallinis ; tibiis iner-
mibus tarsisque nigris.
Femina: Capite non bicornuto ; fronte dentato ;
elypeo excavato, margine prominenti, antrorsum altiori,
sinuato, parum reflexo; ceterum corporis totius forma co-
loreque mari simillima.
Longitudo maris cum cornubus .... Mm. 22.
;, feminae „ 19
Habitus in insula Bohol. — c/" $
In meiner „Uebersicht der Cetoniden der Sunda-
Inseln und Molukken^ bemerkte ich auf Seite 12 mit Be-
ziehung auf Diceros Peteli, bei welchem der Thorax
lebhaft kirschroth gefärbt ist, dass die Grösse und Gestalt
der schwarzen Flecken auf demselben durchaus nicht bei
allen Individuen dieselben seien. In einigen, wiewohl
seltneren Fällen sei der Thorax gänzlich ungefleckt, oder
aber es befände sich auf ihm auf jeder Seite, in der
Nähe des Randes, ein grösserer oder kleinerer schwarzer
Fleck, während der Discus roth bliebe. Am häufigsten
werde die Mitte des Thorax von drei grösseren, mehr oder
weniger runden Flecken eingenommen, die entweder
isolirt ständen oder mit ihren Rändern aneinander stiessen
und auf diese Weise eine zusammenhängende breitere
oder schmälere Querbinde bildeten. Aehnlich verhält es
sich mit den rothen Flecken auf dem schwarzen Thorax
bei Diceros ornatus. Auch hinsichtlich ihrer besteht eine
grosse individuelle Verschiedenheit. Bei einigen Stückeö
sind allein die Seitenränder an ihrem unteren Theile roth
gefärbt, während sich bei anderen diese Randflecken in
grösserer oder geringerer Breite nach der Mitte des
Die Cetoniden der Philippinischen Inseln. 121
Thorax hinerstrecken und mitunter eine nur eben unter-
brochene Querbinde bilden. Aber gleich wie bei D.
Peteli die schwarzen, sind bei D. ornatus die rothen Quer-
flecken auf dem Thorax immer näher dem hinteren als
dem vorderen Rande desselben gelegen. Die grösseren
oder kleineren Flecken auf dem Thorax der Diceros-Arten
können bei ihrer Veränderlichkeit nicht als charakte-
ristische Kennzeichen der Species dienen. So ist Hete-
rorrhina (Diceros) biguttata Westwood, — Westwood, Are.
Entom. I. p. 141. t. 36. f. 5 $; Schiaum, Annal. Soc. entom.
de France 1849. p. 252 ; Wallace, Trans, ent. Soc. 3. Ser.
IV. 1868. p. 526 — eine blosse Farbenvarietät von Diceros
ornatus. - Ganz anders verhält es sich mit den rothen
Flecken der Flügeldecken bei D. plagiatus und den gelben
bei D. Peteli, D. ornatus u. a. m. Diese bleiben sich
nämlich bei allen Individuen einer Art immer gleich
und sind bei den kleinsten wie bei den grössten Exem-
plaren constant von derselben relativen Grösse und Gestalt.
Genus IL C oryph ocer a Burmeister,
ßurm. Handb. d. Entom. Bd. III. S. 220.
1. Coryphocera 3Iac Leayi Kirby.
Ceionia Mac Leayi Khhj, Transact. entom. Soc. 1818.
p. 408. tab. 21. f. 11. — Cet. pretiosa Eschscholz, Ento-
mographieen. 1822. S. 23. — CorypJiocera Mac Leayi
ßurmeister, Handb. d. Entom. B. III. S. 226. -- Hete-
rorrhina Mac Leayi Westwood, Arcan. Entom. I. p. 134.
tab. 33. f. 4. — Heterrorh. Mac Leayi Wallace, Transact.
Entom. Soc. 3 Ser. vol. IV. 1868. p. 527. — Heterorrh.
Mac Leayi Gemrainger et de Harold, Catal. coleopt. T.
IV. p. 1283.
C. supra et subtus laete viridis, nitidissima; thorace
aut disco atro-plagiato aut maculis duabus majoribus
minoribusve nigris ornato; elytris planis, fasciis duabus
latis transversis, anteriori scutello interrupta; sutura postice
callosa, femlnae parura, maris maxioie acuminata; pygidio
viridi; femoribus viridibus; tibiis rubris; tarsis nigris;
capite, thorace, eiytrorum apice, pygidio, abdominis pe-
122 Mohnike:
ctorisque lateribus maris parum, feminae magis nigro
punctatis aciculatisque.
Langitudo Mm. 20—25.
Habitat in insulis Luzon, ßohol, Panaon, Camiguin
de Mindanao. — cf $.
Bei dieser bekannten und in den Sammlungen nicht
seltenen Art zeigt sich der Geschlechtsunterschied bei
dem Männchen ausser in seinen zahnlosen Schienen, der
sehr beträchtlichen Zuspitzung des Nahtendes seiner
Flügeldecken, dem längeren Fühlerfächer und seiner viel
geringeren und schwächeren Punctur allenthalben, auch
noch darin, dass bei ihm die an dem Vorderrande des
Clypeus, durch den Ausschnitt desselben gebildeten Ecken
viel schärfer, spitzer und hornartiger hervortreten wie bei
dem Weibchen. Bei den C. Mac Leayi nahe stehenden
Arten, C. sexmaculata Fabr. und C. iraperatrix Mohn, von
Java und Sumatra findet dieses Verhältniss nicht statt.
2. Corypliocera simülima n. sp. Mohnike.
Taf. VI. Fig. 2 u. Fig. 2 a. <^.
C. praecedenti statura multo minor, colore simillima,
clypei forma valde distincta; supra et subtus laete viridis,
nitidissima; capite dense nigro-punctato ; thorace con-
vexiori, maculis duabus nigris ornato; elytris apice in-
tegris, sutura non acuminatis, angulo scapulari, juxta
scutellum, apicemque versus juxta suturam nigro-macu-
lata; abdominis segmentis nigro marginatis; bis, pygidio,
abdomine, pectoris lateribus, femoribus tibiisque dense
nigropunctätis ; tarsis nigris, tibiis femoribusque viridibus.
Longitudo Mm. 17.
Habitat in insula Mindanao. — </•
Diese Art gleicht der vorigen in dem Maasse, dass
man sie auf den ersten Blick für ein ausnahmsweise
kleines Exemplar derselben halten kann. Und doch be-
stehen zwischen ihr und C. Mac-Leayi sehr wesentliche
Unterschiede. Ein sehr wichtiger zeigt sich in der Form
des Kopfschildes. Dcsselbe ist nämlich bei dieser neuen
Art dem von C. laeta Fabr. ähnlich, fast nicht vertieft,
mit einem dünnen, wenig hervorragenden Rande umgeben
Die Cetoniden der Philippinischen Inseln- 123
und vorne nicht ausgeschnitten, sondern kaum einge-
buchtet. Daher fehlen dieser Art auch die beiden bei
C. Mac-Leayi so besonders spitzigen und hervorstechenden
Zähne zu Seiten des Ausschnittes am vorderen Clypeal-
rande. Die Stirnleiste ist bei ihr nur eben angedeutet
als eine glänzende, nach vorne zugespitzte Linie auf der
dicht punctirten Fläche des Clypeus. Die Fühlhörner
sind bei dem vorliegenden Männchen verhältnissmässig
gross und von schwärzlich brauner Farbe. Der Thorax
ist viel gewölbter wie bei C. Mac- Leayi, leicht umrandet,
seitlich zerstreut punctirt. Auch die Flügeldecken sind
weniger flach wie bei der letzteren und erheben sich von
dem Seitenrande nach der Naht zu. Diese ist an ihrer
hinteren Hälfte schwielig hervorragend, an ihrem Ende
aber durchaus nicht zugespitzt. Die Endbuckel erstrecken
sich weiter nach der Naht und treten stärker hervor wie
bei C. Mac-Leayi. x\n ihrem unteren Ende sind die
Flügeldecken zerstreut punctirt. Dasselbe ist mit dem
Pygidium, den Bauchringen und der Brust in dem Maasse
der Fall, dass nur die Mitte des Sternums und der Fort-
satz desselben vollkommen glatt und glänzend erscheinen.
Alle Puncto aber sind schwarz eingestochen. Der Meso-
sternalfortsatz ist wagerecht, bis zwischen die Hüften
des ersten Paares der Beine hervorragend, mit der Spitze
etwas nach oben gebogen. Die Grundfarbe ist allent-
halben ein sehr lebhaftes, glänzendes Grün, ähnlich wie
bei Mac-Leayi. In der Mitte der glänzenden Stirn, ober-
halb des Ursprunges ihrer nur eben angedeuteten Leiste,
befindet sich ein kleiner, schwarzer Punct. Auf dem
Thorax liegen zwei unregelmässig dreieckige, mit ihrer
Spitze nach vorne gerichtete, durch einen breiten Zwi-
schenraum getrennte schwarze Ilecke; sein Schildchen-
ausschnitt ist schwarz gerandet. Das Schildchen ist glän-
zend grün. Die Flügeldecken haben einen feinen schwar-
zen äusseren Rand und auf der Schulterhöhe wie dem End-
buckel einer jeden Seite einen länglichen schwarzen Fleck.
Zwei viel grössere, schief von innen und oben nach unten
und aussen gerichtete liegen neben dem Schildchen,
stossen unterhalb desselben aber nicht zusammen und
124 Mohnike:
bilden keine Querbinde. Etwas unterhalb ihrer Mitte
befindet sich ein beiden Flügeldecken gemeinschaftlicher
querer Fleck, der sich aber nicht soweit nach ihren Sei-
tenrändern erstreckt, wie die hintere Querbinde bei C.
Mac-Leayi. Die Enden dieses Fleckes, der hierdurch
einige Aehnlichkeit mit einem Anker erhält, setzen sich
nach unten bis in die Nähe der schon erwähnten Flecken
auf den Hinterbuckeln fort, während seine Mitte sich zu
beiden Seiten der Naht bis zu deren Ende verlängert.
Die Bauchringe sind oben mit breitem schwarzen Rande
versehen. Der starken, schwärzlichen Punctur allenthalben
auf der Unterseite wurde schon erwähnt. Alle Ober-
schenkel und Schienen sind grün, stark punctirt und
nadelrissig; die Tarsi schwarz. Die Vorderschienen
zeigen die Andeutung eines äusseren Zahnes; die mitt-
leren und hinteren sind gezähnt und am inneren Rande
röthlich braun gewimpert.
3. Goryphooera paupera n. sp. Mohnike. Taf. VI. Fig. 3. ^.
C supra subtusque picea, nitidissima, laevigata; pro-
noti marginibus lateralibus, scapulis, scutello, fascia in
utriusque elytri medio, pygidio, coxis posterioribus, fe-
moribus tibiisque flavo-rufescentibus; tarsis nee non fc-
morum ac tibiorum articulis nigris; tibiis mediis poste-
rioribusque interne flavo fimbriatis; processu mesosternali
forti, protracto, apice parum reflexo.
Longitudo Mm. 24,50.
Habitat in insula Mindanao. — ^. v
Diese Art zeichnet sich durch ihr eigenthümliches
aber einfaches Colorit von den übrigen, meistens in so
glänzendem Farbenschmucke prangenden Coryphoceriden
aus. Der Clypeus ist beträchtlich vertieft und von brei-
ten, hervorragenden Seitenrändern umgeben. Auch die
Stirnschwiele ist kräftig entwickelt und hervortretend.
Der vordere Rand des Clypeus steigt ungleich mehr wie
bei den schon erwähnten Arten, sich nach oben verjün-.
gend, hornartig empor und ist an seiner Spitze kaum
eingebuchtet. Alle diese Thcile, wie auch der ganze
Kopf, sind schwarz und dicht punctirt, die Fühlhörner
Die Cetoniden der Philippinischen Inseln. 125
braun. Der Prothorax ist braunschwarz, ziemlich gewölbt,
in der Mitte sehr glatt und glänzend, seitlich massig
punctirt. Sein umgeschlagener Theil ist von braungelb-
lich rother Farbe. Diese Färbung breitet sich nach der
Oberfläche des Thorax aus und bildet auf jeder Seite
einen Randflecken der oben und in der Mitte ziemlich
breit ist, sich aber nach der Schulter hin sehr verschmä-
lert. In der Mitte dieses Fleckens, neben dem erhabenen
Rande des Thorax, zeigt sich ein verwischter, schwärz-
licher Fleck. Die Schultern und das Schildchen sind
von derselben braungelb röthlichen Farbe, glatt und glän-
zend. Eine eben so gefärbte, mit der der andern Seite
an der Naht zusammenstossende, sich aber nicht bis zum
Seitenrande erstreckende Querbinde zeigt sich in der
Mitte einer jeden Flügeldecke. Dieselben sind pech-
schwarz, flach und verschmälern sich nach hinten etwas,
Ihre Naht ragt an der hinteren Hälfte schwielig hervor.
Sie ist an ihrem Ende zugespitzt und neben ihr verläuft
an jeder Seite eine punctirte Linie. Das Pygidium ist
rothbraun, an seinem Rande mit einer Reihe gelblicher
Haare besetzt. Die Unterfläche ist schwarz, glänzend
und an den Seitentheilen massig punctirt. An dem Ende
eines jeden Bauchabschnittes findet sich ein verwischter
bräunlicher Fleck. Der Mesosternalfortsatz ist mit seiner
hervorragenden Spitze etwas nach oben gebogen. Alle
Oberschenkel und Schienen sowie die Hüften der Hinter-
beine sind gelblich braunroth, ihre Gelenkenden aber
und die Tarsi glänzend schwarz. Die mittleren und hin-
teren Schienen tragen an ihrem inneren Rande einen
röthlichen Haarsaum.
Sectio Hl. Ciymnetidae.
Genus I. Clinteria Burmeister.
Burm. Handb. d. Entom. B. III. S. 290.
Clinteria formosa n. sp. Mohnike. Taf. VI. Fig. 4. $.
Gl. nigra, supra opaca, subtus nitidior; thorace punctis
126 Mohnike:
duobus minimis flave^centibus, elytro utroque maciila la-
teralis magna, triangulär!, aurantiaca ornatis.
Longitudo Mm. 18,
Habitat in insula Mindanao. — ^.
Stirn sammetschwarz. Clypeus glänzender, sehr dicht
und fein punctirt mit wenig vorstehendem vorne nur sehr
wenig eingebuchtetem Rande, in der Mitte etwas er-
haben. Fühlhörner schwarz. Thorax ziemlich gewölbt,
tief sammetschwarz, mit Ausnahme seiner Mitte und
seines hinteren Lappens zerstreut und fein punctirt. Letz-
terer ist kurz und hinten abgestumpft. Auf dem Discus
des Thorax zwei kleine, nur eben sichtbare gelbliche
Puncte. Das Schildchen ist sehr klein und, wie die
Schultern, tief sammetschwarz. Die Flügeldecken ver-
schmälern sich nach ihrem hinteren Ende zu beträchtlich,
sind daselbst rechtlinigt und ohne vorstehende Nahtspitzo.
Sie sind flach, neben dem Schildchen etwas vertieft, wäh-
rend der untere Theil der Naht und die Hinterbuckel
nicht unbeträchtlich hervorragen, Sie sind schwarz und
sammetartig. In der Mitte jeder Flügeldecke befindet
sich neben dem Rande ein grosser, dreieckiger orange-
farbiger Fleck, der sich mit seiner Spitze bis über ihre
Mitte hin erstreckt, ohne jedoch die Naht zu erreichen.
Auf diesen gleichfalls sammetartigen, hellfarbigen Flecken
gewahrt man am deutlichsten die Längsreihen der sehr
feinen und dicht neben einander stehenden eingestoche-
nen Puncte, welche die ganze Flügeldecke einnehmen.
Das Pygidium sowie die Seiten des Bauches und der Brust
sind mattschwarz, letztgenannte Theile in der Mitte da-
gegen glänzend und nicht dicht aber grob punctirt oder
nur blatternarbig. An dem ersten Bauchsegmente zeigt
sich ein punctförmiger gelblicher Randfleck, an dem zwei-
ten nur die Andeutung eines solchen. Der Mesosternal-
fortsatz ragt als ziemlich langes, dreieckiges, vorne ab-
gestumpftes Hörn etwas nach unten hervor. Die Beine
sind schwarz, glänzend, stark punktirt und nadelrissig.
Die Vorderschienen haben unterhalb der Endspitze zwei
Zähne, die mittleren und hinteren nur einen. Letztere tragen
Die Cetoniden der Philippinischen Inseln, 127
an ihrem inneren Rande zugleich einen dünnen, schwära-
lichen Haarsaum.
Genus II. Ag estr ata Eschscholtz.
Eschsch. Zoolog. Atlas I. S. 13.
1. Agestrata Luzonica Eschscholtz.
Agesirata Luzonica Eschscholtz, Zoologischer Atlas
I. S. 13. Taf. 4. Fig. 8. — Agestr. $ple7idens Gory et Per-
cheron, Monographie des Cetoines, p. 306. pl. 59. f. 3. —
Agestr. luzonica Burmeister, Handb. d. Ent. ß. III. S. 309.
— Agestr, luzonica Lacordaire, Gen. d. coleopt. Vol. III.
p. 502. — Agestr. luzonica Wallace, Trans, entom. Soc.
3. Ser. Yol. IV. 1868. p. 534. — Agestr. luzonica Gem-
minger et de Harold, Catal. coleopt. Tom. IV. p. 1294.
A. supra et subtus laete viridi-aurea, nitidissima;
antennarum flabello fusco; pygidio rubro inaurato.
Longitudo Mm. 40.
Habitat in insula Luzon. — cT $.
Diese aufFallend schöne Art unterscheidet sich von
A. orichalcea Linne; A. de Haanii Dupont und A. Parrii
Wallace durch ihre geringe Breite, die sie mit der von
mir beschriebenen A. augusta von Celebes theilt. Zu-
gleich ist ihre Farbe oben wie unten viel lichter, we-
niger grün und mehr metallisch golden glänzend als bei
einer der genannten Arten. Charakteristisch bei ihr ist
die schön roth metallische Färbung dos Pygidiums. Auch
sind bei ihr weder die Schenkel und Schienen, die Hin-
terhüften, seitlichen Bruststücke, Schultern und Enden
der Bauchringe braungelblich, noch die unteren Ge-
lenkenden der Schenkel und Schienen schwarz gefärbt,
wie bei jenen Arten. Die Tarsi sind bei ihr glänzend
broncefarben, nicht viel dunkler als die Schienen. Die
ganze Unterfläche ist bei ihr von derselben hellen, gold-
glänzenden Metallfarbe und ebenso glatt und schimmernd
wie die obere.
2. Agestrata Semperi n. sp. Mohnike. Taf. VI. Fig. 5. d^.
A. praecedenti similis sed multo maior; supra et
subtus viridi-aurea aliquid rufescens, nitidissima; tarsis
128 Mohnike:
aeneis; antennis aeneis, flabello marum longissimo ; elytris
apice prope suturam parum siniiatis, hac acuminata.
Maris longitudo Mm. 53,0.
„ latitudo inter scapulas ., 23,5.
„ longitudo flabelli antennarum . . ^ 10,5.
Feminae longitudo „ 57,5.
„ latitudo inter scapulas .... ,, 24,0.
„ longitudo flabelli antennarum . „ 5,0.
Habitat in insula Mindanao. — ^ $.
Diese von mir nach ihrem Entdecker im östlichen
Theile der Insel Magindanao, Herrn Professor Semper,
genannte Art, übertrifft noch A. de Haanii an Länge
und Breite des Körpers, ist daher von allen bekannten
Agestrata-Arten die grösste. Sie hat mit A. luzonica
die mit der Oberseite durchaus übereinstimmende Fär-
bung ihrer Unterseite und der Beine, mit Ausnahme der
dunkleren Tarsalglieder, gemein. Auch das Colorit ist
bei beiden sehr ähnlich, nur bei dieser neuen Art etwas
mehr röthlich schimmernd, während es bei jener in das
goldgelbliche spielt. Auch ist ihre Oberfläche etwas
weniger glatt und glänzend. Das Pygidiura ist bei ihr
grün und nicht rothmetallisch wie bei jener. Bei dem
Männchen ist dasselbe schmal und kegelförmig, wird auch
von dem hinteren Rande der Flügeldecken überragt; bei
dem Weibchen dagegen ist es breit, länger als bei A.
orichalcea und A. de Haanii, mehr nach unten gesenkt und
stimmt in dieser Beziehung mehr mit dem des Weibchens von
A. luzonica überein. Auf den Flügeldecken lassen sich
unter der Loupe schwache Andeutungen von Punctreihen
erkennen, während ihre Seitentheile eine gröbere Sculptur
zeigen wie die vollkommen glatten von A. luzonica. Auch
ist der dreieckige, durch die Naht in zwei Hälften ge-
theilte Raum zwischen beiden Hinterbuckeln bei dieser
neuen Art verhältnissmässig viel grösser als bei der letzt-
genannten. Die Naht dehiscirt an ihrem untersten Theile
ein wenig. Neben dem Nahtende sind die Flügeldecken
zugespitzt und zugleich etwas eingebuchtet. Die Spitze
sowohl wie die Einbuchtung sind bei den Männchen be-
trächtlicher als bei dem Weibchen. Das Schildchen ist
Die Cetoniden der Philippinischen Inseln. 129
bei dieser Art verhältnissmässig länger als bei A. luzonicn.
Auffallend ist die Länge des Fülilhörnerkolbens bei dem
Männchen. Sie beträgt, wie schon bemerkt wurde, 10,5
Mm., während derselbe bei dem Weibchen nocli niclit
ganz halb so lang ist. Das erste Fühlerglied hat den
hellen goldigen Metallglanz des Kopfes, während der
übrige Theil des Stranges und der Fächer dunkler erz-
farben sind. Der Kopfschild ist durchaus glatt und ohne
alle Punctur. Seine Seitenränder sind breiter, aber nicht
so hoch und scharf wie bei A. luzonica. Der Mesosternal-
fortsatz ist länger als bei A. orichalcea, A. de Haani und
A. augusta, auch vorne nicht, wie bei diesen Arten, zu-
gespitzt sondern abgerundet, ähnlich wie bei A. luzonica.
Genus III. Lornaptera Gory et Percheron.
Monogr. des Cet. p. 43.
1. Lomaptera cupripes Waterhouse.
Lomaptera cupripes Waterh. Proceed. entom. Soc.
1841. p. 27; Transact. entom. Soc. IV. 1845. p. 58. —
Lo7napt. ebejia Dupont. Burmeister, Handb. d. Entom. Bd.
IIL S. 315 fgd. — Lomapf. 7iigr o-aenea ^ ateih. Proceed.
entom. Soc. 1841. p. 27; Transact. ent. Soc. IV. 1845.
p. 38. — Lomapt. viridi-aenea Gorv et Percheron Mon.
d. C^t. p. 309. pl. 60. fig. 5. — Lomapt. Schaumii Eydoux
et Soulejet, Voyage autour du monde de la Bonite. Zool.
Tom. L p. 302. Atl. pl. 2. f. 13. — Lomapt. nüens Blan-
chard, Liste des Cet. du Museum (1842) p. 17. - Lomapt.
pulla Blnnchard, Catalogue de la coUection entomologique
du Museum. Livrais. I. (1850) p. 39. partim. — Lomapt. pulla
Wallace, Transact. ent. Soc. 3. Ser. IV. 1868. p. 356.
partim. — Lomapt. pulla Gemminger et de Harold, Catal.
coleopt. T. 14. p. 1296. partim. — Cetonia nigrita Fröhlich,
Naturforscher. Bd. 26. S. 110; Bd. 29. Taf. 3. fig. 5.
forsitan.
L. magnitudine et colore valde variabilis ; supra aut
nigra aut fuliginosa aut aenea, nitidissima; subtus aut
nigra magis minusve purpurescens, aut cuprea vel aenea;
thorace piano, lateribus punctato, disco laevissimo, lobo
posteriori longo, scutellum paene tcgente; hoc acuto,
Archiv f. Naturg. XXXIX. Jahrg. 1. Bd. 9
130 Mohnike:
minimo; elytris planis, ant glaberrimis aiit basi magis
minusve obsolete sti^Iato-punctatis^ postice latevibus trans-
versim aciciilatis, apice Inter gibbos posteriores subti-
liasime et densissime striolatis^ sutura parum acuminata;
pygidio densissime subtiliter striolato ; abdomine pecto-
reque medio laevibus, lateribus pimctatis variolosisque;
processu raesosterni longo, parura cnrvato. apice reflexo;
femoribus tibiisque nigris saepius rufescentibus, tarsis
nigris; tibiis anterioribus externe tridentatis, mediis et
posterioribns unidentatis, bis interne distanter nigro fim-
briatis.
Longitiido Mm. 23—34.
Habitat in invsulis Mindanao, Babuyanes, Bohol et
Luzon. — cT?-
Ich habe unter den Synonymen dieser weitver-
breiteten Art Cetonia pnlla von Billberg- Schönherr, Sy-
nonym. Insect. Bd. I. 3. App. p. 46 — sowie aiicli Cet.
anthracina von Wiedemann — Zool. Magaz. Bd. IL 1.
S. 83 — weggelassen, weil ich mich bei genauer Ver-
gleichung der von mir in meiner „Uebersicht der Ceto-
niden der Sunda-Inseln und Molukken^ auf Seite 13 als
Lomapt. pulla erwähnten Art aus dem östlichen Java, von
welcher ich jetzt noch eine grosse Zahl von Exemplaren
vor mir habe, mit einer Reihe von Exemplaren der von
mir als L. cupripes beschriebenen von den Philippinen
und Sulu-Inseln, überzeugen musste, dass beide Arten
wesentlich von einander verschieden sind. Dagegen
aber stimmen die Beschreibungen der Cet. pulla von
Billberg und die der Cet. anthracina von Wiedemann un-
gleich mehr mit jener javanischen Art als mit der von
den Philippinen überein. Es scheint mir daher richtig, den
Namen pulla auf die von Billberg und mir pulla, von
Wiedemann aber anthracina genannte Lomapteren-Art zu
beschränken, für die vorliegende von den Philippinen aber
einen andern zu wählen. Ich habe der Benennung „cu-
pripes^, worunter Waterhouse im Jahre 1841 zuerst die
hellfarbigere Varietät dieser Art bekannt machte, vor den
anderen oben angeführten den Vorzug gegeben, weil sie
sich auf eine Eigenthümlichkeit, die sich bei den meisten
Die Cetoniden der Philippinischen Inseln. 131
Individuen dieser Art wiederfindet und daher beinahe
charakteristisch für sie ist, nämlich die mehr oder weniger
rothen oder kupferfarbigen Schenkel und Schienen, be-
zieht. — Wie schon oben bemerkt wurde, variirt die
Lomapt. cupripes in einem hohen Grade mit Beziehung
auf KörpergrössC; Farbe und Sculptnr der Oberfläche.
Ich habe Exemplare von 23 bis zu 34 Mm. Länge vor mir,
solche die tief schwarz sind, dunkelbraune, grünlich
schwarze, und ein hell bronzefarben metallisch glänzendes
Weibchen, bei welchem der Grund, der obere Theil des
äusseren Randes und die Spitze der Flügeldecken tief
kupferroth sind, ganz wie Waterhouse seine cupripes
beschreibt. Bei allen aber sind das Verhältniss der Länge
zu der Breite des Körpers sowie die auffallende Flachheit
des Prothorax und der Flügeidecken dieselben. Letztere
verschmälern sich nur äusserst wenig und sind an ihrer
Spitze fast eben so breit wie an ihrem Grunde. Die
Hinterbuckeln erheben sich durchaus nicht über die Fläche
der Flügeldecken, fallen aber schroff nach dem Hinter-
rande derselben und der Naht zu ab. Der Kopf ist stets
von der Grundfarbe des Thorax und der Flügeldecken;
der Einschnitt des Clypeus halb so lang als letzterer und
massig hoch umrandet. Die schwielige von der Stirn
nach dem Ende des Clypealausschnittes verlaufende
mittlere Erhebung ist glatt und glänzend, die grubige Ver-
tiefung zu jeder Seite derselben bei einigen Individuen
mehr, bei anderen weniger punctirt. Der Thorax ist in
der Mitte sehr glatt und glänzend, seitlich neben dem
feinen, glatten, hervorragenden Rande mehr oder weniger
dicht punctirt. Oben ist dieser punctirte Theil am brei-
testen. Der iiintere Lappen ist lang, an seiner Endspitze
gerundet und bedeckt das schmale, spitzige Schildchcn
fast gänzlich. Die Flügeldecken sind bei einigen Indi-
viduen mit Ausnahme ihres hinteren Seitenrandes und
ihrer Spitze ohne alle Sculptur und durchaus glatt. Bei
anderen zeigen sich auf ihrem Grunde bald stärkere, bald
schwächere schon mit dem blossen Auge zu erkennende
Andeutungen von Punctreihen. Bei einem grossen,
schwarzen Weibchen von Mindanao. erstrecken sich die-
132 Mohnike:
selben bis über die Mitte der Flügeldecken hinaus. Bei
demselben Individuum verläuft auch eine punctirte Linie
an jeder Seite neben der Naht bis zu deren Ende. Bei
anderen Stücken findet sich nur eine Andeutung hiervon.
Der hintere Theil des Seitenrandes der Flügeldecken ist
bei allen quer nadelrissig, bei einigen aber in viel stär-
kerem Masse als bei andern. Durchaus eigenthümlich ist
die Sculptur an der Spitze der Flügeldecken, besonders
zwischen den Hinterbuckeln. Dadurch nämlich dass in
dieser Gegend eine Menge sehr feiner, von aussen nach
innen bogenförmig gekrümmt verlaufender, längerer Nadel-
striche sehr dicht concentrisch neben einander liegen,
erhält diese Gegend, ebenso wie das Pygidium, an dessen
oberen Theil e dasselbe stattfindet während sein unterer
Theil rechtlinigt transversal gestrichelt ist, einen eigen-
thümlichen seidenartigen Glanz. Ich habe diese Art der
Sculptur bei keiner der vielen Lomapteren- Arten des
indischen Archipels in meiner Sammlung wiedergefunden.
Schon Burmeister erwähnt derselben in der Beschreibung
seiner L. ebena Dupont. Die Unterseite ist bei den heller
gefärbten Individuen meistens von der Farbe der Flügel-
decken, bei den dunkleren schwärzlich; bei einem dunkel-
farbenen erscheint sie allenthalben tiefkirschroth. Die
Bauchabschnitte und Brust sind in der Mitte glatt und
glänzend; die ersteren an den Seiten bei den Männchen
wenig, bei den Weibchen viel stärker punctirt, während
die Seitentheile der Brust bei diesen sehr stark, bei
den Männchen aber viel zerstreuter und weniger tief
blatternarbig sind. Der Mcsosternalfortsatz ist lang, zuerst
etwas nach unten, mit der Spitze aber nach oben ge-
bogen. Schenkel und Schienen sind in der Regel mehr
oder weniger kupferig roth und nur ausnahmsweise rein
schwarz. Selbst in den Fällen, wo sie scheinbar schwarz
sind, zeigen sie bei aufiallendem Sonnenlichte meistens
einen röthlichon Schimmer. Die Schenkel sind nadel-
rissig, die Schienen punctirt, bei den Männchen w^eniger
stark wie bei den Weibchen. Die Vorderschienen haben
oberhalb des Endzahnes noch zwei andere, die mittleren
und hinteren am untersten Drittheile einen Zahn. Beide
Die Cetoniden der Philippinischen Inseln. 133
letzteren haben innen einen wenig starken und dichten,
schwärzlichen Haarsaum. — Zum Schlüsse bemerke ich
noch, dass die von mir als L. pulla, in meiner „Uebersicht
der Cetoniden der Sunda-Inseln und Molucken^ erwähnte
Art von der eben beschriebenen hauptsächlich darin ab-
weicht, dass sie weniger schlank und verhältnissmässig viel
kürzer und breiter, oben aber viel gewölbter ist und dass
bei ihr die Spitzen der Flügeldecken, namentlich die Hinter-
buckel derselben anders gestaltet sind. Ihre Sculptur ist
auch allenthalben viel schwächer. Ausserdem zeigt sie eine
viel geringere Grössenverschiedenheit der einzelnen Stücke,
und keine Veränderlichkeit der Farbe. Ich bemerkte
schon mit Beziehung hierauf a. a. 0., wie es mir auf-
gefallen sei unter Hunderten von Individuen dieser Art
auch nicht eines gefunden zu haben, weiches in seiner
Farbe nur Spuren eines üeberganges in Grün gezeigt
hätte. Bei allen Exemplaren welche ich hiervon besitze,
ist die Farbe das nämliche glänzende, tiefdunkle Blau-
schwarz.
Sectio IV. Macronotidae.
Genus I. Flectr one Wallace.
Transact. entom. Soc. 3. Ser. IV. 1868. p. 546.
1. Flectr one nigrocoerulea Waterhouse.
Maoronota nigrocoerulea Waterhouse, Proceed. en-
tom. Soc. 1841. p. 27; Transact. entom. Soc. IV. 1845.
p. 40. — Ckalcothea BarroHana Dupont. Burmeister,
Handb. d. Entom. Bd. 111. S. 319. — Plectrone iiigro-
coeruiea Wallace, Transact. entom. Soc. 3. Ser. IV. 1868.
p. 546. — Plectr. nigrocoerulea Gemminger et de Elarold,
catal. coleopt. Tom. IV. p. 1297.
Plectr. aut coerulescens nigra aut viridis aenea, ni-
tidissiraa; tarsis nigris; elytris foveola media non striolata
impressis; processu mesosterni brevi, lato, obtuso; maris
tibiis anticis mediisque inermibus, posterioribus intus cal-
caratis, foeminae anterioribus extus tridcntatis, mediis et
posterioribus inermibus.
134 Mohnike:
Magnitudo Mm. 25—29.
Habitat in insulis Liizon, Panaon, Mindanao. — ^2'
Von dieser Art liegen mir dunkelblau schwarze und
andere, theils hellere theils dunklere metallisch grüne
Stücke vor. Alle sind sehr glänzend und unterscheiden
sich hierdurch sowie durch Ihre geringere Grösse und
die nicht gestrichelten Vertiefungen in der Mitte ihrer
Flügeldecken von Plectr. tristis von Java, bei welcher
diese Eindrücke immer nadelrissig sind. Auch ist die
letztere, obschon von ihr dieselben Farbenvarietäten vor-
kommen wie von PI. nigrocaerulea , doch stets viel
weniger glänzend.
Genus II. Mac7^onota Hoffmannsegg.
Wiedemann Zoologisches Magazin, Bd. I. 1. S. 15.
1. Macronota regia Fabricius.
Cetonia regia Fabricius, System. Eleuther. tom. IL
p. 159. — öet. zebra ßillberg in Schönh. Synon. Insect.
Bd. I. 3. App. p. 54. — Macronota zebra Schaum, x\nn.
Soc. entom. de Fr. 1844. p. 369. — Macron. regia Gory
et Percheron, Mon. d. Cet. p. 316. pl. 62. fig. 3. — Ma-
cron, depressa Gor. et Perch. 1. c. p. 315. pl. 62. fig. 2. —
Macron. regia Burmeister, Handb. d. Entom. Bd. III. S.
224. — Macron. fraterna Westwood, Transact. entom.
Soc. 2. Ser. III. p. 71. pl. VII. fig. 5, — Macron. ve-
nerea Thomson, Arch. Entom. Vol. I. p. 284. — Macron.
venerea Lacordaire, Genera des Celeopt. Atlas, pl. 39.
fig. 1. — Macron. Apelles Thomson, Mus. scient. Vol. I.
p. 36. — Macron. Forsteni von VoUenhoven, Tydschrift
voor Entom. 1858. I. p. 24. — Macron. regia Wallace,
Transact. entom. Soc. 3. Ser. IV. 1868. p. 552. — Macron.
regia Gemminger et de Harold, Catal. coleopt. t. IV. p.
1299. — Macron. regia Mohnike, Uebers. d. Cet. der
Sunda-Inscln und Mollukken. S. 46.
M. nigra; antennis pedibusque rubris; capite inter
oculos lineis duabas, thorace vittis tribus, utroque elytro
vittis tribus maculaque, pygidio gutta magna flavis ornatis ;
scapulis et scutello fiavis; pectoris abdomlnisque lateribus
flavofasciatis.
Die Cetoniden der Philippinischen Inseln. 135
Magnitudo Mm. 16.
Habitat in insulis Luzon et Mindanao. — (/$.
Die mir vorliegenden Exemplare dieser weit ver-
breiteten Art von den genannten Inseln zeigen eine grosse
üebereinstimmung mit jenen der Molukken, und v^^eichen
so wie diese, sehr von denen von Java und Sumatra ab,
bei welchen die Flügeldecken roth, alle filzigen Zeich-
nungen aber viel feiner sind. Der Körper ist schwarz;
mit Ausnahme der sehr glatten Mitte des Bauches und
der Brust sowie der hervorragendsten Stellen der Flügel-
decken, nur wenig glänzend und allenthalben dicht punctirt.
In den Punkten erheben sich kurze Härchen. Die Fühl-
hörner sind roth ; der vordere Rand des Clypeus ist
massig ausgebuchtet; von dem vorderen Rande des Thorax
verlaufen auf dem Kopfe bis zu den Seitenecken des
Clypeus zwei gleich breite gelbe, vorne zugespitzte filzige
Streifen. Auf dem Thorax zeigen sich drei ähnliche
Streifen, der mittlere von seinem Vorderrande bis zur
Spitze seines hinteren Lappens, die beiden anderen in
geringer Entfernung von seinen Seitenrändern von vorne
n^ch hinten verlaufend. Das Schildchen und die Schultern
sind gleichfalls gelbfilzig. Unterhalb der Spitze des
ersteren nimmt auf jeder Flügeldecke ein anderer gelb-
filziger Streifen seinen Anfang, verläuft neben der Naht
bis zu ihrem Ende um dort mit einer Krümmung nach
aussen sich neben dem untern Ende der Flügeldecke bis
zu ihrem äussern unteren Winkel hin zu begeben. Zwei
andere, kürzere, nur die Hälfte jeder Flügeldecke ein-
nehmende gelbfilzige Längsstreifen umfassen auf jeder
Seite den Schulterbuckel. Zwischen den Enden dieser
Streifen und dem von dem umgebogenen horizontalen
Theile des die Naht begleitenden, befindet sich auf jeder
Seite ein grosser, eben so gefärbter Randfleck. Ein
grosser, runder Fleck zeigt sich in der Mitte des Pygi-
diums. Gleichfalls gelbfilzig sind der umgeschlagene Theil
des Thorax, der vordere und hintere Rand der Mesosternal-
platte, ein Fleck auf der Hinterhüfte und drei oder vier
Querbinden an den Seiten der ßauchabschnitte. Auch
alle hier angeführten gelbgefärbten Streifen und Flecken
136 Mohnike:
sind punctirt, nadelrissig und mit Härchen besetzt. Die
Schenkel, Schienen und Tarsi sind roth^ die Vorderhüften
und Schenkel an dem unteren, die vier hinteren Schienen
an dem innern Rande schwach gewimpert. Vorderschienen
mit drei feinen Randzähnen.
2. Macronota philippwe72sis Waterhouse.
Macro7iota philippiiieiisis Waterhouse, Proceed. entom.
Soc. 1841. p. 27 ; Transact. entom. Soc. IV. 1845. p. 39. ~
Macron. auroguttata Burmeister, Handb. d. Entom. Bd.
III. S. 323. — Macron. philippine^isis Wallace, Transact.
entom. Soc. 3. Ser. IV. 1868. p. 555. — Macron. pJiilip-
pinensis Gemminger et de Harold, Catal. coleopt. t. IV.
p. 1298.
M. nigra; antennis pedibusque rubris; capite flavo-
biiineato; thorace marginibus vittaque mediana flavis or-
nato; scapuHs et scutello flavis; elytris, pygidio^ abdominis
pectorisque iateribus flavo-maculatis.
Longitudo Mm. 16—18.
Habita t in insulis Luzon, Bohol, Panaon. — cT?-
Der Kopf ist vorne breiter, der Einschnitt des Cly-
peus tiefer und seine Ecken sind spitzer wie bei M. regia.
Gleich wie bei letzterer verlaufen von der Stirne nach
vorne zwei gelbe filzige mit ihren Enden etwas diver-
girende Streifen. Sie, sowie die erhabene Mitte des
Clypeus zwischen ihnen, ist dicht punctirt und mit sehr
kurzen Härchen bestanden. Der Halsschild ist schwarz
wie der Kopf, glänzend aber ebenfalls dicht punctirt und
behaart. Ausgenommen hinten wird derselbe neben dem
erhabenen, feinen und glänzenden Rande von einem ge-
bogenen gelben Filzstreifen eingefasst, dessen seitliche
Theile aber nicht ganz bis zu den Schulterecken hinab-
reichen. In einigen Fällen ist dieser Streifen an den
Kopfecken unterbrochen und besteht alsdann aus einem
vorderen und zwei seitlichen Theilen.
Von seiner Mitte entspringt eine breitere gelbe Längs-
bindc welche sich bis in den Anfang des hinteren Lappens
fortsetzt, das Ende desselben aber nicht erreicht und
stets von dem Schildchen durch einen schwarzen Zwischen-
Die Cetoniden der Philippinischen Inseln. 137
räum getrennt bleibt. Mitunter findet sich an Stelle dieser,
oben mit dem Randstreifen zusammenhängenden mittleren
Längsbinde in der Mitte des Thorax, ein grösserer oder
kleinerer gelber Flecken. Die Schultern und das Schild-
chen sind gelbfilzig. An jeder Seite der Basis des letz-
teren liegt ein dreieckiger, mit der Spitze gegen den
Schnlterbuckel gerichteter Querfleck. Ausserdem befindet
sich auf jeder Flügeldecke in der Mitte, dicht neben der
Naht, ein bald viereckiger, bald nach aussen abgerundeter
Flecken, welcher mit dem der andern Seite eine Quer-
binde bildet. Ober- und unterhalb desselben liegen auf
jeder Seite zwei längliche, quere Randflecken. Der untere
Theil der Naht wird, eben wie bei M. regia, auf jeder
Seite von einem breiteren oder schmäleren sich unten
nach aussen umbiegenden Streifen eingefasst. Alle diese
Streifen und Flecken sind filzig, matt, punctirt und nadel-
rissig. Neben ihnen sind die Flügeldecken glänzend
schwarz, aber punctirt und mit sehr kurzen Härchen
besetzt. Die Afterklappe steht ziemlich wagerecht nach
hinten aus, ist mattschwarz, kurz aber dicht behaart, nadel-
rissig und in der Mitte mit einem grossen, runden Flecke
geschmückt. Die Unterfläche ist ziemlich glänzend, in
der Mitte glatt, an den Seiten punctirt und mit Haaren
besetzt. Der nach unten gebogene Theil des Thorax,
der vordere und hintere Rand der Mesosternalplatte, ein
Flecken auf der Hinterhüfte und drei bis vier Quer-
binden auf den Seitcntheilen der Bauchsegmente sind
gleichfalls gelbfilzig. Die Fühlhörner und Beine sind
roth; die vorderen Hüften tragen an dem unteren, die mitt-
leren und hinteren an dem hinteren, die mittleren und
hinteren Schienen an den Innern Rande lange röthliche
Wimpern.
3. Macronota vidua Wallace. Taf. VI. Fig. 6. $.
Macronota vidua Wallace, Transact. entom. Soc. 3.
Ser. IV. 1868 p. 550. — Macron. vidua Gemminger et de
Harold, Catal. coleopt. t. IV. p. 1299.
M. nigra, nitens, supra et subtus densissime punctatis,
punctiä settgeris ; clypeo parum sinuato, angulis rotundatis ;
138 Mohnike:
fronte inter oculos albo bilineato ; thorace linea alba me-
diana, juxta margines laterales aut una aut diiabus li-
ncolfs albis tomentosis ornato; scapulis et sciitello albis,
tomcntosis ; elytro utroque maculis aut quattuor, aut
quinque aut sex, pygidlo gutta mediana, pectoris ab-
dominisque lateribus fasciis transversis albis tomentosis
distinctis; antennis et pedibus nigris.
Magnitudo Mm. 16.
Habitat in insula Mindanao. </$.
Diese Art hat, wie schon Wallace, der sie zum ersten
Male beschrieb, richtig bemerkte, viele Aehnlichkeit mit
Macron. luctuosa van Vollenh., von Ceram und x\mboina,
weicht aber doch von ihr, so wie von den beiden fol-
genden Arten, denen sie auf den ersten Blick ebenfalls
sehr gl<?icht, wesentlich ab. Sie ist mit Ausnahme der
zu beschreibenden weissen, filzigen Flecken allenthalben
von schwarzer Farbe und, ausgenommen die Fühlhörner,
das Stcrnum und die Tarsalglieder, dicht punctirt oder
nadelrissig und mit kurzen Härchen bestanden, dessen
ungeachtet aber ziemlich glänzend. Der vordere Rand-
einschnitt des Clypeus ist unbedeutend, seine Ecken sind
abgerundet. Von der Stirn erstrecken sich zwischen den
Augen nach vorne zwei weisse, unten divergirende Linien,
ähnlich wie die gelben bei M. regia und M. philippinensis.
Sie sind aber meistens viel kürzer und schwächer wie die
gelben bei letztgenannten Arten, fehlen auch nicht selten
ganz. Auf dem Thorax befindet sich ein weisser mittlerer
Längsstreifen. Neben seinem Rande zeigen sich auf
jeder Seite entweder eine längere, mehr oder weniger
verwischte w^eisse Linie, oder zwei kürzere Strichelchen,
wie auf der Abbildung, als Andeutung des gebogenen
Randstreifens von M. philippinensis. Die Schultern und
das Schildchen sind weiss. Auf jeder Flügeldecke be-
finden sich vier bis sechs weisse Flecke. Einer oberhalb
ihrer Mitte neben der Naht 5 ein zweiter, gleichfalls neben
letzterer, unweit ihres P]ndes; ein dritter neben dem Rande
oberhalb des Seitenausschnittes und ein vierter zwischen
diesem und der Spitze des Schildchens. Ein fünfter be-
findet sich gleichfalls mehr in der Nähe des Randes, un-
Die Cetoniden der Philippinischen Inseln, 139
gefähr in der Mitte zwischen beiden Nahtflecken. Mit-
unter, wiewohl nur selten, findet sich noch ein sechster,
kleinerer in dem untern, äusseren Winkel jeder Flügel-
decke. Ausser dem letzteren fehlt der neben der Spitze
des Schildchens am häufigsten. In der Mitte der After-
klappe zeigt sich ein runder Tropfen. Unten sind die
Seiten des ersten, zweiten und vierten Bauchringes, der
vordere und hintere Theil der Metasternalplatte, die Vorder-
hüfte, die Pleura und der urageschLigene Theil des Thorax
weiss gefleckt. Die Beine sind schwächer behaart wie
bei M. regia und philippinensis, die Schienen der beiden
hinteren Paare innen viel weniger lang gesäumt.
4. Macronota propinqua n. sp. Mohnike. Taf. VII. Fig. 1. $.
M. praecedenti similis sed major, nigra, nitida, supra
et subtus, excepto sterno, creberrime punctata et aciculata,
punctis setiferis; clypeo profunde sinuato, angulis rotun-
datis; thorace mediö lateribusque albo-maculato; scapulis
albis; scutelJo basi albo; elytro utroque maculis quattuor
albis, quarum duo suturales, duo marginales, pygidio macula
mediana rotunda, abdominis pectorisque lateribus fasciis
et maculis albis ornatis.
Magnitudo . . . , Mm. 19—20.
Habitat in insula Mindanao. — (/$.
Diese Art unterscheidet sich bei aller scheinbaren
Uebereinstimmung von M. vidua constant durch ihre
Grösse, die ungefähr 4 Mm. mehr wie die von jener
beträgt; durch ihren weniger viereckigen, seitlich mehr
gebogenen und vorne tief ausgebuchteten Clypeus, sowie
auch durch grössere Abflachung des obern Theiles ihrer
Flügeldecken. Während nämlich bei M. vidua die er-
habene zwischen der Naht und- dem Rande jedes Deck-
schildes verlaufende Längsleiste mit zwei Schenkeln ent-
springt, welche in seiner Mitte sich vereinigen, oberhalb
ihrer Vereinigung aber eine dreieckige, spitzige Ver-
tiefung einschliessen, ist dieses bei M. propinqua nicht
der Fall, und findet sich von dieser vertieften Stelle bei
ihr, oben auf der Schulter, nur eben eine Andeutung.
Die Stirn ist bei allen oiir vorliegenden Exemplaren ohne
140 Mohnike:
weisse Linien zwischen den Augen, übrigens, gleich wie
alle andern Kopftheilc; eben so stark punctirt als bei
M. vidua. Der Thorax ist gleichgestaltet mit dem der
letztgenannten Art. Er hat auf seinem Discus einen
runden, und zu jeder Seite desselben neben dem Rande
einen länglichen weissen Filzfleck. Diese Randflecke
fehlen häufig und auch der mittlere ist in einigen Fällen
nur angedeutet. Die Schultern und das Schildchen^ seine
Spitze ausgenommen, sind weiss. Auf jeder Flügeldecke
befinden sich zwei weisse Randflecken und ein in der
Mitte zwischen beiden gelegener dreieckiger Nahtfleck,
der mit dem der andern Seite eine kaum durch die Naht
getrennte Querbinde bildet. Ein zweiter Nahtfleck liegt
weiter nach unten oberhalb der Spitze der Flügeldecke.
Auch er stösst mit dem der andern Seite fast zusammen
und bildet mit ihm ein mit der Basis nach unten, mit der
Spitze nach oben gerichtetes Dreieck. In der Mitte des
Pygidiums befindet sicli ein runder weisser Fleck. Unten
ist die Zeichnung ganz so wie bei M. vidua, wie ausser-
dem auch die Sculptur aller Körpertheile, die Behaarung,
die Gestalt und Behaarung der Beine sowie die Form
des Mesosternalfortsatzes bei beiden Arten dieselben sind.
5. Macro7ioia Mmdanoetisis n. sp. Mohnike Taf. VII.
Fig. 2. $.
M. nigra, nitidissima; elypeo, thorace, elytrorum
basi margineque parum slc distanter grosse punctatis,
punctis non setigeris; thorace, scutello, scapulls, elytris,
pygidio, abdominis pectorisque lateribus albo maculatis ;
tarsis mediis ac posterioribus incrassatis, articulis peni-
cillatis; processu mesosterni brevi apice parum dilatato.
Habitat in insula Mindanao.
Longitudo Mm. 19—21. — c^$.
Diese Art unterscheidet sich von den beiden vorigen,
mit denen sie in der Farbe sowie in der Vertheilung der
weissen Flecken Uebereinstimmung besitzt, hauptsächlich
dadurch, dass sie oben wie unten sehr glatt und glänzend,
nicht wie jene allenthalben dicht und fein punctirt ist,
sondern nur an einzelnen Stellen zerstreute grössere und
^ Die Cetoniden der Philippinischen Inseln. 141
tiefere, mehr grubige Punkte, an dem Körper aber nirgends
einige Behaarung zeigt. Der Clypeus ist vorne nicht so
breit und etwas weniger tief eingebuchtet, seine Mitte
weniger erhaben und glänzender wie bei der vorigen
Art, die Punctur auf demselben viel zerstreuter. Die
Seiten des Thorax sind abgerundeter und weniger acht-
eckig wie bei M. vidua und M. propinqua, sein hinterer
Theil ist weniger tief eingedrückt, der Lappen etwas
kürzer. Seine ganze Oberfläche ist mit grössern, grubigen,
in ihrem Grunde ebenfalls glänzenden, ziemlich entfernt
von einander stehenden Puncten besetzt. In seiner Mitte
befindet sich ein kleiner, viereckiger, wie aus zwei Hälften
bestehender weisser filziger Fleck, der bei einem der mir
vorliegenden Exemplare durch einen kleinen Punct an-
gedeutet wird. Die Schulterblätter und die Basis des
Schildchens sind weiss filzig. Die Flügeldecken sind
neben dem letzteren flach und nur sehr sparsam punctirt;
ihre erhabene Längsleiste ist weniger scharf wie bei den
beiden vorigen Arten. In der Vertiefung zwischen ihr
und der Naht zeigen sie einige, aber auch glänzende
Nadelrisse. Auf jeder von ihnen befindet sich neben der
Naht, ungefähr in ihrer Mitte, ein weisser Fleck, sowie
ein zweiter mehr nach ihrem Ende zu. Unmittelbar
über der Spitze jeder Flügeldecke zeigt sich eine weisse
Qucrlinie. Ausserdem befinden* sich auf jeder, neben
ihrem Rande zwei Querflecken, von denen der obere der
längere ist. In der Mitte des Pygidiums liegt ein runder
weisser Fleck. An der Unterseite, die allenthalben sehr
glatt und glänzend, auch an den Seiten nur wenig punctirt
oder nadelrissig ist, zeigen sich weisse Flecken an dem
umgeschlagenen Theile des Thorax, dem vorderen und
hinteren Rande der Metasternalplatte, dem Vorderrande
der Hinterhüfte so wie auf den Seitentheilen des ersten,
zweiten und vierten Bauchringes. Der Mesosternalfortsatz
ist kurz, an seiner Spitze etwas seitlich erweitert. Die
Vorderschienen haben bei dem Weibchen drei starke
Randzähne; bei dem Männchen nur eine Andeutung des
oberen; die mittleren und hinteren sind bei beiden Ge-
schlechtern mit einem schwärzlichen Haarsaume versehen.
142 Mohnike:
Auffallend dick und an den Gelenken mit Haarpinseln
besetzt sind bei den Weibchen die mittleren und hin-
teren Tarsi.
6. Maoronoia abdominalis n. sp. Mohnike Taf. VII. Fig. 3.
M. nigra; supra sericea, opaca; subtus nitidior; sca-
pulis et scutello albo-marginatis; elytro utroqne juxta
suturae medium raaculis duabus exiguis^ linealisque duabus
quarura una juxta scutellum^ altera prope marginem situ,
albis ornato ; abdominis segmentis albo-marginatis; pro-
cessu mesosterni brevi, apice non dilatato.
Longitudo Mm. 25—26.
Habitat in insula Mindanao. — $.
Eine sich durch ihre Grösse sowie durch ihren ro-
busten Körperbau und ihren sehr entwickelten, sowohl
nach unten als nach den Seiten stark hervortretenden
Unterleib auszeichnende Art. Der Clypeus ist seitlich
iiicht umrandet; vorne tief ausgebuchtet, mit abgerun-
deten Spitzen; die Umgegend der Ausbuchtung glänzend,
der übrige Theil aber so wie auch die. Stirn, matt,
sammetartig schwarz, massig dicht und nicht sehr fein
punctirt. Seine Mitte ist wenig gewölbt und hervor-
ragend. Der Thorax ist achtseitig, fein umrandet, vor
dem Schildchen wenig vertieft, an den Seiten zerstreut
punctirt, schwarz, sammetartig. Die Fühlhörner sind
braun. Die Schultern hinten wcisslich gelb gerandet. Audi
das Schildchen ist mit einem oben feineren, seitlich dickeren,
perlmutterartig schillernden, gelblich weissen Rande um-
geben. Auch der an das Schildchen stossende Theil der
Flügeldecken ist ähnlich gerandet. Die letzteren sind an
ihrer Basis sehr breit, haben einen tiefen Seitenausschnitt
und verschmälern sich nach der Spitze zu beträchtlich. Sic
sind flach, neben der Naht nur wenig eingedrückt; ihre
mittlere Längsleiste tritt kaum hervor, an dem Nahtende
zeigen sie eine kleine Zuspitzung. Tief schwarz und
sammetartig, sind sie nur an ihrem Grunde, hauptsächlich
in der Schultergegend punctirt, während die Naht zu jeder
Seite ihrer ganzen Länge nach von einer feinen einge-
rissenen Linie besrleitet wird, neben welcher sich in der
Die Cetoniden der Philippinischen Inseln. 143
Mitte und unten noch einige kürzere befinden. In der
Mitte zeigt sich ein beiden Flügeldecken gemein-
schaftlicher kleiner Fleck und neben demselben auf jeder
Seite ein anderer, so dass eine kurze Querbinde gebildet
wird. Unterhalb derselben, etwas höher als die Mitte
zwischen ihr und der Nahtspitze, befindet sich auf jeder
Seite ein länglicher, nach oben gerichteter Randfleck.
Das grosse, gewölbte, hervorragende Pygidium ist matt-
schwarz, ungefleckt, quernadelrissig. Der Bauch ist in
der Mitte glänzend, an den Seiten sammetartig, zerstreut
punctirt. Die drei oberen Bauchringe sind seitlich bis
zu ihrer Mitte, der vierte in seiner ganzen Länge mit
einem hintern weissen Rande versehen. Auch die hintere
Hüfte zeigt einen solchen Rand. Die Brust ist in der
Mitte glänzend, an den Seiten matt, allenthalben zerstreut
punctirt und in den Puncten mit röthlichen Härchen
besetzt. Der Mesosternalfortsatz ist kurz, an der Spitze
nicht erweitert und wie von unten nach oben hinauf-
gedrückt. Die Beine sind schwarz, massig punctirt; die
Vorderschenkel an ihrem unteren, die mittleren an ihrem
hinteren Rande dicht röthlich behaart. Die mittleren
Schienen haben in ihrer ganzen Länge, die hinteren nur
an ihrem unteren Theile einen massig dichten Haarsaum.
Die Vorderschienen haben ausser der Endspitze zwei
Randzähne, die mittleren und hinteren einen.
7. Macronota iricolor n. sp. Mohnike. Taf. VII. Fig. 4. ^.
M. praecedenti statura haud dissimilis sed minor;
capite, antennis, pygidio, pectore, pedibusque nigris; sca-
pulis et scutelio nigris marginibus albo-flavescentibus or-
natis; elytris ferrugineis, postice nigris, utroque juxta
marginem fasciolis duabus, medix) macuiis duabus parvis,
albo-flavescentibus distinctis; annulis abdominalibus plus
minusve albo-marginatis.
Longitudo Mm. 20— 2L
Habitat in insula Mindanao. — cf$.
Diese Art steht der vorigen sehr nahe, gleicht ihr
auch in den Körperverhältnissen, ist aber etwas kleiner,
relativ weniger dick und anders gezeichnet. Die Gestalt
144 Mohnike:
des Kopfes und des Clypeus, der vordere Randansschnitt
des letzteren sowie auch die Sculptur aller Kopftheile
zeigen keinen Unterschied, eben so wenig aucli der
Thorax. Alle diese Theilc sind mit Ausnahme des
Kopfschildes sammctschwarz. Das Schildchen ist gleich-
falls schwarz und auf dieselbe Weise wie bei Macron.
abdominalis, aber etwas feiner gelblich weiss umrandet.
Auch die Schultern haben hinten einen solchen Randfleck.
Die Flügeldecken sind zwischen den Schultern sehr breit,
haben einen tiefen seitlichen Randausschnitt und ver-
schmälern sich nach ihrer Spitze hin beträchtlich. Ihre
Farbe ist auf ihren beiden oberen Dritttheilen ein ziemlich
helles BrauU; auf ihrem untersten Drittheile aber Schwarz.
Auch sie sind sammetartig. Die mittlere Längsleiste ragt
auf ihnen noch weniger hervor wie bei der vorigen Art;
dagegen aber sind bei dieser die Hinterbuckel entwickelter.
Die Naht ist wenig geschwollen, ihre Spitze kurz, die
Umgegend ihrer Mitte fast nicht vertieft. Neben ihr
verlaufen einige feine, eingerissene, gekrümmte Linien
von den Schultern zu dem Flügeldeckenende. Die Basis
der letzteren ist sehr spärlich punctirt. In der Mitte einer
jeden Flügeldecke zeigen sich dicht neben der Naht zwei
ffelblich weisse, kleine Flecken, die mit denen der andern
Seite eine kurze Querbinde bilden. Unterhalb und ober-
halb der letzteren befinden sich auf jeder Flügeldecke
zwei kleine längliche Randflecke, von denen die oberen,
welche häufig fehlen, nach unten, die unteren aber nach
oben gerichtet sind. Alle diese Flecken und Linien sind
kleiner und weniger deutlich wie die bei M. abdominalis.
Das Pygidium ist schwarz, ungefleckt und quer nadel-
rissig. Die Unterseite ist glänzend. Die Bauchringe sind
allenthalben zerstreut punctirt und an ihren hinteren
Rändern mit einer weissen Einfassung versehen, die aber
nicht so vollständig ist wie bei der M. abdominalis und
nicht selten fehlt. Auch die Brust, mit Ausnahme der
Mitte, ist allenthalben punctirt und in den Puncten mit
gelblichen Härchen besetzt. Der Mesosternalfortsatz ist
wie bei der vorigen Art und auch die Beine zeigen keine
Abweichung von derselben, mit Ausnahme dass die mitt-
Die Cetoniden der Philippinischen Inseln. 145
leren und hinteren Schienen am inneren Rande gänzlich
ungewimpert sind.
8. Macronota jucunda n. sp. Mohnikc. Taf. VII. Fig. 5.
M. nigra, siipra velutina subtus nitida; tborace lineolis
quattuor punctoque mcdiano albidis; elytris basi raedioque
rnbris, juxta marginem, suturum et apicem maculis albo-
flavescentibus ornatis; pygidio-albo vittato; scutello, sca-
pulis, femoribus posterioribus necnon abdominis segmentis
albo-raarginatis.
Longitudo Mm. 16.
Habitat in insula Mindanao. — $.
Eine in ihrem Colorite der Macron. Malabariensis
— Gory et Percheron Monogr. d. Cet. pl. 63 fig. 3 —
sehr nahe stehende, aber von dieser durch ihre Gestalt
im allgemeinen, besonders aber durch den relativ viel
breiteren Thorax und den ganz anders geformten Clypeus
abweichende Art. Der letztere nämlich ist auffallend
kurz, kaum länger als breit, seitlich mit einem feinen
erhabenen Rande versehen, vorne aber kaum etwas ein-
gebuchtet. Seine Mitte ist nur wenig erhaben, bloss
zwischen den Augen zeigt sich die Spur einer Leiste.
Von allem diesen findet bei M. malabariensis aber das
Gegentheil statt. Der Kopfschild ist allenthalben dicht
und fein punctirt, an seinem vorderen Theile glänzend,
hinten mattschwarz. Die Fühlhörner sind schwarz. Der
Thorax ist achteckig, verhältnissmässig schmal, kaum
gew^ölbt und vor dem Schildchen sehr wenig vertieft.
Er ist sammetartig, schwarz, allenthalben punctirt. Von
dem Augenwinkel sowohl als von der am meisten nach
aussen vorspringenden Stelle des seitlichen Randes er-
strecken sich auf jeder Seite zwei^ gelbliche convergirende
Linien nach dem Discus bin. In der Mitte, zwischen den
beiden unteren von ihnen, befindet sich ein kleiner gelb-
licher Flecken. Die Schultern haben einen hintern
gelblich weissen Rand und ebenso auch das Schildchen.
Der helle Rand des letztern wird sowohl durch dasselbe
wie durch den nächstliegenden Theil der Flügeldecken
gebildet, gleichwie bei M. abdominalis und M. tricolor.
Archiv f. Naturg. XXXIX. Jahr?. 1. Bd. 10
146 Mohnike;
Die Flügeldecken sind oben nicht so breit, seitlich nicht
so tief ausgeschnitten und verschmälern sich nach der
Spitze zu nicht in dem Grade wie bei den beiden vorigen
Arten und bei M. raalabariensis. Sie sind flach, die mitt-
lem Längsleisten ragen wenig hervor, sowie auch die an
ihrem Ende mit einer ganz kleinen Spitze versehene Naht.
Neben der letzteren, in ihrer ganzen Länge, verlaufen
einige eingerissene Linien. Die Seiten der Flügeldecken
sind massig punctirt. An dem Grunde sind sie in ihrer
ganzen Breite und beinahe in einem Drittthcil ihrer Länge
hell rothbraun gefärbt. Diese Färbung setzt sich auch
in der Mitte jeder Flügeldecke nach hinten fort. Ihre
Seiten, von dem Ausschnitte an, ihre Spitzen und der
nächste Raum neben der Naht, von der Spitze des Schild-
chens an, bleiben aber schwarz. Auf jeder Flügeldecke
befinden sich neben dem Seitenrande ein oberer, läng-
licher, ein unterer mehr runder Flecken und an der Spitze,
dicht oberhalb derselben, ein querer Streifen so wie ein
kleinerer Fleck neben der Nahtmitte, alle von gelblich
weisser Farbe. Unterhalb der beiden Flecke, in der
Mitte der Flügeldecken, befindet sich ein beiden gemein-
schaftlicher. Das Pygidium ist mattschwarz, sammetartig
mit einer mittleren weissen Längsbinde. Die Bauchringe
sind glänzend schwarz, an den Seiten stärker wie in
ihrer Mitte punctirt und mit einem hinteren weissen Rande
versehen der sich fast bis zur Mitte erstreckt. Auch die
Seiten der Brust sind stark punctirt, mit einzelnen kurzen
Härchen besetzt. Der Mcsosternalfortsatz ist kurz und
an seiner Spitze seitlich zusammengedrückt. Die Schenkel
der schwarzen, glänzenden, wenig punctirtcn Beine sind
gewimpert, während den Schienen diese Behaarung fehlt.
Die Tarsi sind kurz und fein.
9. Macronota sponsa n. sp. Mohnike. Taf. VIT. Fig. 6.
M. nigra, supra velutlna, opaca; subtus nitida; capiti,
thorace, scutello elytrisque lineolis albis, plus minusve
obsoletis, ornatis; segmentis abdominis albo-marginatis.
Longitudo Mm. 15,5.
Habitat in insula Mindanao. — cT $•
Die Cetoniden der Philippinisclien Inseln. 147
Allenthalben schwarz, oben matt sammetartig, unten
glänzend. Der Elopfschild umrandet, vorn wenig aus-
gebuchtet mit abgerundeten Ecken, in der Mitte, besonders
auf der Stirn, erhaben, neben dieser Anschwellung bei eini-
gen Exemplarenauf jeder Seite die Andeutung einer feinen,
kurzen Linie, übrigens glänzend, dicht punctirt. Der Thorax
achteckig, vor dem Schildchen tiefer eingedrückt wie bei
M. jueunda, nicht sehr dicht punctirt. Neben der unteren
Hälfte seines Seitenrandes eine feine, mit der der andern
Seite etwas convergirende Linie. Zwei noch feinere
und kürzere, gleichfalls unten convergirende Linien ver-
laufen von den Augenwinkeln nach dem Discus, und
unterhalb der letzteren eine vierte in der Richtung von
oben nach unten. Alle diese Linien fehlen häufig theil-
weise oder gänzlich, so dass bei einigen Individuen der
Thorax- ganz schwarz ist. Auch die Schultern sind hinten
mit feinen weissen Linien eingefasst und das Schildchen
wird auf jeder Seite von einem weissen Rande um-
geben. Die Flügeldecken verschmälern sich von dem
Grunde nach der Spitze zu nur wenig und sind neben
dem Nahtende nur sehr wenig zugespitzt. Die mittlere
Längsleiste verläuft auf jeder von ihnen, von der Spitze
des Schildchens an bis zu dem Endbuckel durchaus ge-
radlinigt. Sie ist auffallend hoch und oben scharfkantig.
Zwischen jeder dieser Kanten und der Naht zeigen sich,
die untere Hälfte dieses Raumes einnnehmend, feine, dicht
neben einander gelegene, mit der Naht parallele, einge-
rissene Linien. Auf der Mitte der Naht liegt ein grösse-
rer, dreieckiger, unten zugespitzter beiden Flügeldecken
gemeinschaftlicher Fleck; unterhalb derselben, auf je-
der von ihnen, neben der Naht ein weisses Strichel-
chen, sowie eine weisse Querlinfe oberhalb ihres Endes.
Ausserdem befinden sich auf jeder Flügeldecke zwei
weisse, nach innen convergirende Randstreifen, welche
mit denen der andern Seite den erwähnten grösseren
Flecken in der Mitte der Naht einschliessen. Das Fj-
gidium ist bei den meisten Individuen ungefleckt, bei
einzelnen mit einem weissen Punkte an der Endspitze
und mit feinen queren Nadelrissen versehen. Die Bauch-
148 Mohnike:
ringe sind zerstreut fein pnnctirt und hinten bis zu ihrer
Mitte weiss gerandet. Auch die Hinterhüften haben
diesen weissen Rand gleichwie auch die Parapleuren.
Alle Seitentheile der Brust sind fein und zerstreut punctirt.
Der kurze Mesosternalfortsatz ist vorn nicht ganz so zu-
sammengedrückt wie bei der vorigen Art. Die vorderen
und mittleren Schenkel sind an ihrem unteren und hin-
teren, die hinteren Schienen an ihrem inneren Rande ge-
wimpert.
10. Macronoia pilosa n. sp. Mohnike. Taf. VII. Fig 7.
M. supra viridis, submetallescens, pilis brevibus fla-
vescentibus obsita; subtus aenea, niteus, scjuamulis ac pilis
flavescentibus dense tecta; clypeo quadrato, antice non
sinuato, angulis acutis; processu mesosternali apice aliquid
incrassato; antennis tarsisque nitidis aeneis.
Longitudo Mm. 17.
Habitat in insula Mindanao. — </ $.
Oben grün, matt, mit leichtem Metallschimmer, der
an den Rändern und abgeriebenen Stellen stärker her-
vortritt, allenthalben mit kurzen etwas zerstreut stehenden
gelblichen, anliegenden Härchen bestanden. Unterseite
und Beine, die Tarsen ausgenommen, erzfarben, glänzend,
aber dicht mit kleir\en gelblichen Schuppen und Härchen
besetzt die selbst in der Mitte des Bauches und der Brust
nicht fehlen, an diesen Stellen aber weniger gedrängt
stehen. Auch die Schenkel und Schienen sind mit diesen
Härchen und Schuppen bestanden. Sie alle erheben sich
aus der, die ganze obere und untere Fläche bedeckenden
feinen Punctur. Der Kopfschild ist viereckig, umrandet,
in der Mitte erhaben, vorne ohne Einbuchtung, mit scharfen
Ecken, dicht punctirt und mit Härchen besetzt. Der Thorax
ist achtseitig, fein gerandet und vor dem Schildchen massig
vertieft. Die Flügeldecken sind herzförmig, seitlich wenig
ausoeschnitten und fallen flach von ihrer Mitte nach
dem Rande zu ab. Ihre mittlere Längsleiste so wie die
Naht ragen sehr wenig hervor; das Ende der letzteren ist
nicht zugespitzt. Der Mesosternalfortsatz ist kurz, an seiner
Spitze etwas erweitert und abgerundet. Die Vorderschienen
Die Cetoniden der Pliilippimschen Inseln. 149
sind bei beiden Geschlechtern dreigezähnt, jedoch ist
der obere Zahn bei dem Männchen kleiner wie bei den
Weibchen. Fühlhörner und Tarsi sind glänzend bronce-
färben.
11. Macronota gratiosa n. sp. Mohnike. Taf. VII. Fig. 8.
M. fronte prominente, medio carinato, bilineato, sqiia-
mulis minimis rufescentibus tecto ; clypeo nigro, margi-
nato, antice modice sinuato, angulis rotundato ; thorace
marginato, castaneo-rufescente, densissime punctato, punc-
tis setulas minimas gerentibus, disco guttula flava ornato;
elytris basi latis, apice multo angustioribus, costis et su-
tura modice prominentibus, hac non acuminata, castaneo-
rufis, densissime punctis setiferis obsitis, juxta margines
maculis quattuor totidemqne juxta suturam flavis; pygidio
nigro; transverse dense strioiato, subnitido; abdominis
segmentis nigris, nitidis, lateribus striolatis, punctatis,
flavo raarginatis ; coxa posteriore flavo maculata; pectoris
lateribus dense punctatis, aciculatis, partim pilosis, flavo
tomentosis; processu mesosternali apice aliquid dilatato ;
pedibus nigris, nitidis, femoribus tibiisque mediis ac poste-
rioribus flavo-fimbriatis.
Longitudo ♦ . . . Mm. 16.
Habitat in insula Luzon. — $.
Thorax und Flügeldecken dunkel castanienbraun
mit starkem röthlichen Anfluge, ziemlich glänzend ob-
wohl sehr dicht und fein punctirt und in den Puncten
mit sehr feinen und kurzen gelblichen Härchen besetzt.
Alle übrigen Körpertheile schwarz und theilwelse stark
glänzend. Der Clypeus fein umrandet, dicht punctirt,
mit ziemlich tiefem vorderen Einschnitte, dicht punctirt,
in den Puncten feine Härchen. Seine Mitte Ist etwas
gewölbt. Auf der Stirn befinden sich ein Längskiel so-
wie zu jeder Seite derselben eine kurze gelbliche Linie.
Die Fühlhörner sind schwarz. Der Brustschild ist an
den unteren Seltentheilen und hinten fein schwarz und
glänzend umrandet. Zu Anfange seiner hinteren Ver-
tiefung befindet sich ein kleiner gelblicher Filzfleck.
150 Mohnike:
Das Scliildchen ist iingefleckt. Die Flügeldecken sind
zwischen den Schultern sehr breit, werden aber von dem
Ausschnitte an beträchtlich schmäler und lassen die
Seiten des Unterleibes unbedeckt. Die Längsrippe einer
jeden Flügeldecke entspringt mit zwel^ eine Grube zwi-
schen sich einschliessenden Schenkeln; sie so- wie die
hinten nicht zugespitzte Naht ragen nur wenig hervor.
Auf jeder von ihnen befinden sich vier gelbe etwas ver-
w^ischte Filzilecke, ein oberer neben dem Rande unter-
halb des Ausschnittes, ein zweiter Randfleck nicht weit
unterhalb jenes, ein Nahtfleck In gleichem Abstand von
beiden Randflecken und ein zweiter in der Mitte von
diesem und der Nahtspitze. Das Pygidium ist gross und
nach allen Richtungen stark hervortretend, schwarz, fein
horizontal nadelrissig, von seidenartigem Glänze. Die
Bauchringe sind sehr glatt und glänzend, in der Mitte
sehr wenig, an den Seiten etwas häufiger punctirt, die
vier oberen an den Seiten mit einem gelben Filzrand,
der letzte in der Mitte mit einer gelben Haarbürste ver-
sehen. Auch die Hinterhüften sind gelbfilzig und die
Schultern sowohl oben als unten mit solchem Filze
überzogen. Die Seiten der Brust sind punctirt, nadel-
rissig, mit feinen röthllchen Härchen und theilweise auch
mit gelbem Filze bedeckt. Der Mesosternalfortsatz ist
kurz, an der Spitze aber etwas abgerundet und etwas
seitlich erweitert. Alle Schenkel, sowie die mittleren
und hinteren Schienen tragen gelbliche Haarsäunic; die
Torsalglieder sind schwarz.
12. Maoronota guUulata Wallace. Tab. VII. Fig. 9.
Macronotä guttulata Wallace. Transact. entom. So-
ciet. 3. Ser. IV. 1868. p. 551.
■M. nigra, clypeo elongato, profunde sinuato, angulis
subacuto, punctato; fronte carinato; thorace marginibus
rotundato, subconvexo, punctäto-varioloso, aut nigro aut
magis minusve punctuMs albis asperso; scutello scapulisquc
nigris; elytris antice latioribus, apice valde attenuatis,
mcdio carinatis, sutura parum prominente non acuminata,
Die Cetonideu der Philippinischen Inseln. 151
utroque guttulis albis 25 — 30 ornato; pygidio nigro; ab-
dominis segnientis punctato-variolosis aut nigris aut albo-
marginatls atomisque albis plus miiiusve aspersis; pectoris
lateribus variolosis, processu mesosterni forti, prominente,
compresso; pedibus nigris, tibüs maris inermlbus, foeoiinac
anterioribus dilatatis, externe tridentatis, mediis ac posticis
unidentatis.
Longitudo maris Mm. 16.
„ feminae ^ 19.
Habitat in insnla Mindanao et Laniquin de Minda-
nao. — ^ $.
Diese von Herrn Wallace zuerst beschriebene Art,
von der ich eine Reihe von Exemplaren und beide Ge-
schlechter vor mir habe, hat auf den ersten Blick eine
gros8C Uebereinstimmung mit der folgenden. Bei einer
näheren Vergleichung aber zeigen sie hinreichende Ab-
weichungen von einander, um sie nicht als blosse Varie-
täten sondern als selbstständige, wiev^ohl sehr nahe ste-
hende Arten halten zu müssen. M. guttulata ist, die
näher zu beschreibende Punctur mit weiss abgerechnet,
allenthalben schwarz, oben matt, unten etwas glänzend.
Der Clypeus ist verhältnissmässig lang, leicht umrandet,
vorne tief eingebuchtet mit ziemlich spitzen Ecken, punc-
tirt und glänzend. Die Mitte der Stirn zeigt eine her-
vorragende Leiste und neben derselben, aber nicht bei
allen Individuen, zwei, kurze, aus dicht neben einander
stehenden feinen Puncten zusammengesetzte weisse Li-
nien. Der Thorax ist leicht gewölbt, seitlich abgerundet,
umrandet, in der Mitte und neben den Seitenrändern
grob punctirt und blatternnarbig gegrubt. Diese Vertie-
fungen sind mit einer eigenthümlichen weissen Substanz
ausgefüllt und werden durch sie verdeckt. Wo diese
Substanz durch Abreiben oder Alter verloren gegangen
ist, sieht man die erwähnten Vertiefungen am deutlichsten
und erscheint der Thorax alsdann schwarz. Ein solches
Exemplar, wie ich auch vor mir habe, dürfte das von
Wallace beschriebene gewesen sein, da erder weissen
Puncte auf dem Thorax nicht gedenkt. Die Schultern
sind schwarz mit einem hinteren feinen, weissen Rande,
152 Mohnike:
Das Schildchen ist dreieckig, ungefleckt. Die Flügel-
decken sind zwischen den Schultern breit, werden aber
nach der Spitze zu sehr viel schmäler. Sie haben eine
mittlere Leiste und zwischen dieser und der wenig her-
vorragenden, hinten nicht zugespitzten Naht noch einige
mit letzterer parallel verlaufende Längslinien. Auf jeder
Flügeldecke befinden sich 25 bis 30 kleine punctförmige
weisse Flecken die, gleichwie schon bei dem Thorax be-
merkt wurde, in ebensovielen pockenartigen Grübchen
sich befinden. Das Pygidium ist in der Regel einfach
schwarz, ausnahmsweise aber an seinem oberen Raade
mit zwei kleinen neben einander liegenden weissen Quer-
linien versehen. Die Bauchringe sind an den Seiten
hinten schmal weiss gerändert. Auch die Hinterhüften
und Pleuren zeigen ähnliche feine Ränder. Ausserdem
ist die ganze Unterfläche, kaum die Mitte des Sternums
ausgenommen, dicht pockennarbig gegrubt und erscheinen
in diesen Grübchen, wenn das Thier gegen das Licht
gehalten wird, dieselben weissen Atome wie auf der
Oberfläche. Ausserdem zeigt die ganze untere Seite,
bei schräge auffallendem Lichte einen sehr eigenthüm-
lichen, grün, blau und gelb schillernden Glanz. Hin
und wieder zeigen sich auf ihr auch einzelne, zerstreut
stehende kurze schwärzliche Härchen. Der letzte Bauch-
ring ist mit einem solchen Saume eingefasst. Der Meso-
sternalfortsatz ragt nach unten und vorne hervor, ist
seitlich zusammengedrückt und an seiner Spitze wie
schief von unten nach oben abgeschnitten. Die Vorder-
schienen sind bei dem Weibchen vorne breit und mit
zwei Randzähnen oberhalb des Endzahnes versehen. Die
mittleren haben bei demselben einen Zahn in ihrer Mitte.
Bei den Männchen dagegen sind alle Schienen unge-
zähnt. Hierdurch sowie durch ihre geringere Grösse
und die tiefe Längsfurche in der Mitte ihres Unterleibes
unterscheiden sich die Männchen von den Weibchen.
13. Maoronofa lugtibris n. sp. Mohnike.
Taf. VIII. Fig. 1 ^ Fig. 2 $.
M. nigra, praecedenti valde similis sed diversa ; tho-
Die Cetoniden der Philippinischen Ineehi. 153
racis lateribus medioque guttulls albis densius aspersis;
scapulis ac scuteilo albis ; elytris albo raiilto-guttatis, ma-
ris juxta suturain vittis albis duabus medianis ornatis; ab-
domine pectoreque varioloso-punetatis, lateribus latius albo
fasciatis ; processu mesosternali fortiorc, prominente, com-
presso, apice oblique truncato; tibiis maris inermibus;
feminae anterioribns tridentatis, mediis ac posterioribus
unidentatis.
Longitudo maris Mm. 17.
y, foeminae »20.
Habitat in insulis Panaon, Leyte, Luzon. — ^5.
Bei der grossen Aehnlichkeit dieser Art mit der
vorhergehenden, ist es hinreichend hier allein die Puncte
anzudeuten, worin sie von einander abweichen. Auch bei
dieser Art, von welcher, eben wie von der vorigen, mir
eine Reihe von Exemplaren vorliegt, ist das Männchen
beträchtlich kleiner und schlanker, namentlich zwischen
den Schultern nicht so breit wie das Weibchen. Im h\\-
gemeinen ist diese Art, wiewohl von derselben Länge
wie M. guttulata, doch weniger robust gebaut. Die Kopf-
bildung ist bei beiden dieselbe. Auch der Thorax zeigt
keine andere Verschiedenheit, als dass die grubigen Ver-
tiefungen an den Seiten und in der Mitte gröber sind
und dichter neben einander stehen. Namentlich bei den
Männchen stehen diese mit Weiss bedeckten Grübchen so
dicht neben einander, dass durch sie zwei weisse, oberhalb
des Schildchens in einander fliessende nach den Augen-
winkeln zu divergireude Längsbinden gebildet werden.
Bei den Weibchen ist diese Zeichnung undeutlicher
Sehlldchen und Schultern sind bei beiden Geschlechtern
ganz weiss. Die Sculptur der Flügeldecken ist wie bei
M. guttata; die weiss bedeckten -Grübchen stehen aber
bei den Männchen gedrängter wie bei den Weibchen,
bei welchen sie etwas grösser sind. Ausserdem findet
sich bei ersteren in der Mitte jeder Flügeldecke, dicht
neben der Naht eine weisse Längsbinde. Das Py-
gidium, die Bauchringe und die Brust zeigen eine ähn-
liche Sculptur wie bei der vorigen Art, aber bei auf-
fallendem Lichte nicht das schöne, eigenthümliche Farben-.
154 Mohnike:
spiel dieser letzteren. Dagegen aber sind die Seiten des
Bauclies und der Brust viel breiter weiss gefleckt. Der
Mesosternalfortsatz und die Beine sind wie bei M. guttu-
lata, alle Schienen des Männchens ungezähnt, seine hin-
teren am inneren Rande schwärzlich gesäumt.
14. Macroriota flavopunGtata Blanchard.
Taeniodera flavo-puncfato Blanchard, Catal. d. 1. coli,
entom. du Mus. d'hist. nat. de Paris 1850. p. 41. — Ma-
cronota ßavopwictata Wallace, Transact. entom. Soc. 3.
Ser. IV. 1868. p. 555. — Macro7iota flavopunotala Gem-
minger et de Harold, Catal. coleopt. t. IV. p. 1298.
„Supra nigra, subtus medio nigra, lateribus cinerea,
thoracis vittis quinque maculisque duabus baseos, scapulis
elytrorumque maculis octo aureis. Longitudo Mm. 14.
Habitat in insulis Philippinis." Blanchard.
Ich kenne diese Art zwar nicht durch Anschauung,
zweifle aber sehr ob es wirklich eine Macronota ist und
werde weiter unten Gelegenheit haben auf sie zurück-
zukommen.
Sectio V. Cetouidae geiiiiini.
Genus I. Glyoyphana Burmeister.
Burm. Handb. d. Ent. Bd. IIl. S. 346.
1. Glijcyphana 7'uhromarginata n. sp. Mohnike.
Taf. VIII. Fig. 3.
Gl. nigra, supra opaca, thorace rubro-marginato,
t lytro utroque macula magna, marginal], transversa, flavo;
pygidio maculis duabus trigonis rubris pictis; subtus nitido,
jiunctata, abdominis segmentis, coxis posterioribus, pleuris,
scapulis albo-maculatis.
Longitudo Mm. 16.
Habitat in insulae Mindanao parte occidentali. — $.
Diese Art gleicht der Gl. (Cetonia) torquata Fabr.
in dem Grade, dass ich eine Zeit lang gezweifelt habe
ob sie wohl als selbstständige Art aufgestellt werden
dürfte. Bei genauester Vcrgleichung aber mit einer An-
Die Cetoniden der Philippinischen Inseln. 155
zahl von Stücken jener Art von Java und Sumatra, ergaben
sich mir constante Verschiedenheiten awischen beiden, die
berechtigen sie als Species zu trennen, wie sehr verwandt
und einander nahe stehend sie auch sein mögen. Der Kopf-
schild ist bei der rubromarginata kürzer, gewölbter, feiner
punctirt und an seinem vorderen Rande, neben dem Ein-
schnitte, dicker aufgewulstet. Der Thorax ist flacher, be-
sonders vor dem Schildchen und zeigt, anstatt wie bei
Gl. torquata in seinem ganzen Umfange mit einem gleich-
massig breiten, nur hinter der Stirn und vor dem Schild-
chen etwas unterbrochenen rothen Rand umgeben zu sein,
nur die Andeutung desselben in einem viel schmäleren,
sich nur von den Augenwinkeln bis zu den Schultern
hinerstreckenden, oben wie unten zugespitzten, bloss in
der Mitte etwas breiteren Randstreifen. Auch die Flügel-
decken sind bei ihr etwas flacher, zeigen übrigens an den
Seiten und der Spitze dieselbe Punctur und neben der
Naht dieselben eingerissenen gekrümmten Längslinien wie
die von Gl. torquata. Der gelbe Randfleck ist ganz vne
er bei letztgenannter Art häufig vorkommt. Dass dieser
letzteren die beiden mehr neben der Naht, sowie etwas
näher nach der Spitze zu gelegenen beiden kleineren
gelben Filzflecke, welche in der Regel bei ihr gefunden
werden, doch mitunter fehlen, bemerkte ich schon auf
S. 63 meiner Uebers. d. Cetonid. d. Sunda-Inseln und
Molukken. Das Pygidium ist bei beiden Arten mit zwei
grossen rothen, nur einen schmalen Zwischenraum zwi-
schen sich lassenden Randflecken verziert. Die Unter-
seite ist bei der Gl. rubromarginata weniger dicht punc-
tirt und in den Puncten lange nicht in dem Maasse mit
kurzen röthlichen Härchen besetzt, erscheint daher viel
lebhafter schwarz und glänzender wie bei der andern.
Die weissen Filzflecken auf den ßauchringen, den Hin-
terhüften und den Brustseiten sind bei beiden sehr ähn-
lich, nur bei der rubromarginata grösser und glänzender.
Auch ist diese an der Unterseite der Schultern weiss ge-
fleckt, jene aber nicht. Das Mesosternum bietet einen
wesentlichen Unterschied zwischen beiden, da es bei der
rubromarginata in seiner Mitte eine tiefe Längsrinne, bei
156 Mohnike:
der torquata aber nur eine Andeutung hiervon zeigt.
Die Spitze des Mesosternalfortsatzes ist bei letzterer auch
breiter wie bei ersterer. Die übrigens gleichgebildeten
Beine sind bei dieser auch lange nicht so stark punctirt
und mit hurzen Härchen besetzt wie solches bei der tor-
quata der Fall ist.
2. Glycyjphana aethiesaida White. Taf. VIII. Fig. 4.
Glycyphana aethiessida White, Nomenclature of co-
leopt. insects of the British Museum P. I. 1841. p. 20. —
Euryomia aethiessida Wallace, Transact. entom. Soc. 3.
Ser. IV. 1868. p. 568. Glycyph. aethiessida Gemminger
et de Harold, Catal. coleopt. t. IV. p. 1309.
Gl. nigra, supra opaca ; clypeo marginato, angulis
rotundatis; raedio elevato, densissime subtiliter punctato,
antice nitido; antennis nigris; thorace subconvexo, an-
gulis posterioribus rotundatis, ante scutellum parum si-
nuato, prope angulum anteriorem utriuque macula lon-
gitudinali marginal! flavo ornato ; scapulis flavis; scutello
nigro; elytris subconvexis, sutura parum prominente, non
acuto, utroque macula marginal! transversal! flavo distincto;
pygidio aibo bimaculato; subtu.s nitida, raodice punctata, ab-
dominis nee non pectoris raedio lateribusque albo-maculatis.
Longitudo Mm. 16.
Habitat in insula Luzon. — $.
Oben tief sammetschwarz. Der Clypeus glänzend,
in der Mitte etwas erhaben, sehr fein und dicht punctirt,
vorn ziemlich tief eingebuchtet mit abgerundeten, etwas
aufgewulsteten Ecken. Die Stirn matt, Fühlhörner schw^arz.
Der Thorax breiter als lang, massig convex, mit abge-
rundeten hinteren Ecken, vor dem Schildchen wenig aus-
gebuchtet. An seinem vorderen Rande befindet sich auf
jeder Seite ein von dem Augenwinkel sich nach hinten
erstreckender ovaler Filzfleck von goldgelber Farbe.
Neben dem unteren Ende desselben an dem Seitenrande,
liegen noch ein bis zw^ei kleine, goldgelbe Puncte. Das
Schildchen ist von mittlerer Grösse, dreieckig und unten
zugespitzt. Die Schulterstücke sind oben mit gelbem,
unten mit weissem Filze bedeckt. Die Flügeldecken sind
Die Cetoniden der Philippinischen Inseln. 157
massig gewölbt, hinten abgerundet, daselbst etwas ver-
schmälert, mit wenig hervorragenden Mittelrippen und
an ihrem Ende nicht zugespitzter Naht. Zwischen letz-
terer und den Rippen zeigen sich ähnliche, eingerissene,
gekrümmte Längslinien wie bei Gl. rubromarginata, (jrl.
torquata und den meisten anderen Glycyphanen, aber
weniger deutlich. Oberhalb des ersten ßauchringes er-
streckt sich von dem Rande bis zu der Mitte jeder Flügel-
decke ein länglicher, vor seinem Ende etwas einge-
schnürter Querfleck von goldgelber Farbe. Herr Wal-
lace beschreibt denselben als „a transverse band across
the middle of four fulvous spots the middle ones small.*^
Ungeachtet dieser Verschiedenheit aber halte ich diese
Cetonide für die von Wallace aethiessida genannte, da
sie in allen übrigen Puncten mit seiner Beschreibung
der letzteren genau übereinstimmt und es bekannt ist
wie sehr die Zahl und Gestalt der hellfarbigen Flecken
auf den Flügeldecken der Gljcyphana-Arten individuellen
Abweichungen unterworfen sind. Hierüber habe ich mich
in meiner Uebersicht der Cetoniden der Sunda-Inseln und
Molukken mit Beziehung auf Gl. torquata näher ausge-
sprochen. Das Pygidium zeigt in jeder oberen Ecke
einen kleinen dreieckigen weissen Fleck. Die Unterseite
ist glänzend und, die Mitte ausgenommen, allenthalben
massig dicht punctirt. Die Mitte zeigt sechs weisse Filz-
flecke von denen je zwei auf dem letzten und dem ersten
Bauchringe sowie vor den Hinterhüften auf dem Meta-
sternum gelegen sind. Ausserdem sind die drei obersten
Bauchringe seitlich, der untere Theil der Hinterhüften,
die Mesosternalplatten und die Schultern unten weiss ge-
fleckt. Die Spitze des Mesosternalfortsatzes ist seitlich
erweitert, Schenkel, Schienen -und Tarsi sind schwarz
und glänzend, die ersteren massig punctirt und nadel-
rissig.
3. Qlycyphana pulckerrima n. sp. Mohnike.
Taf. Vni. Fig. 5.
Gl. nigra, subtus nitida, supra opaca; elytro utroque
macula marginali permagna triangulari flavo-aurantiaco
ornato, coxis posterioribus flavo raaculatis.
158 Molinike:
Longitudo Mm. 14—15.
Habltcat In insula Miiidanao. — ^ ^.
Diese auffallend schöne Art weicht von den beiden
vorigen schon durch ihre Gestalt ab, da sie verhältniss-
mässig kürzer, breiter und robuster ist. 8ie ist oben tief
sainmetartig schwarz, unten glänzender. Der Clypeus
*ist ziemlich lang und schmal, sehr deutlich umrandet,
vorne tief eingebuchtet mit abgerundeten Ecken, in der
Mitte erhaben, fein und dicht punctirt, glänzend. Die
Fühlhörner sind schwarz. Der Thorax ist breiter als
lang, ziemlich gewölbt, durchaus ungefleckt, mit feinem,
schwarzem, glänzendem Rande versehen, vor dem Schild-
chen kaum ausgebuchtet, mit abgerundeten Hinterecken
und erscheint bei seinem dichten Sammetüberzuge kaum
punktirt. Das Schildchen ist dreiseitig und von mittlerer
Grösse. Die Schultern sind dicht punctirt und etwas
glänzend; die Flügeldecken hinten nur sehr wenig ver-
schmälert, hinter den Schultern tief ausgebuchtet und
in ihrer Mitte gew^ölbter, während die nicht zugespitzte
Naht, die Rippen und die eingerissenen Längslinien zwi-
schen letzteren und. der Naht, sowie auch die Punctur,
auf ihnen viel weniger deutlich hervortreten wie bei
Gl. torquata und Gl. rubromarginata. Auf jeder von
ihnen befindet sich, mehr wie ihre Hälfte einnehmend,
ein grosser, mehr oder weniger regelmässig dreieckiger,
mit seiner Spitze fast die Naht erreichender filziger Rand-
fleck von schöner gelblicher Orangefarbe. Die Gestalt
dieser Flecken Ist bei allen Individuen nicht dieselbe,
bei einigen sind sie grösser, bei andern kleiner. Bei einem
der mir vorliegenden Exemplare befinden sich ausnahms-
weise unter den grossen Flecken noch zwei andere klei-
nere, mehr halbmondförmige wie auf der Abbildung.
Bei eben demselben zeigen sich auch noch oberhalb der
grossen Flecken auf jeder Seite zwei kleine gelbe Rand-
puncte. Die seitlich hervorragenden Spitzen der Hinter-
hüften sind bei allen gelb gefärbt. Das Pjgidium ist un-
gefieckt, sammetartig, fein punctirt. Die Unterseite ist
massig glänzend; die Bauchringe sind selbst In der Mitte
punctirt und in den Puncten mit sehr kurzen, röthlichen
Die Cetoniden der Philippinischen Inseln. 159
Härchen besetzt. An dem Vorderrande des vorletzten
zeigen sich bei einigen Stücken in der Mitte zwei feine
weisse Querflecke. Auch die Brust, kaum das Sternum
ausgenommen, ist dicht punctirt, nadelrissig und in den
Vertiefungen mit Härchen besetzt. Dasselbe ist auch mit
allen Schenkeln und Schienen der Fall. Die vorderen
und mittleren Schenkel, so wie die mittleren und hinteren
Schienen haben einen röthlichen Haarsaum. Die Tarsi
sind kurz und ziemlich kräftig. Die vorderen Schienen
haben zwei Randzähne, die mittleren und hinteren einen
vor der Endspitze. Der Mesosternalfortsatz ist kurz, seine
Spitze stumpf und seitlich erweitert.
4. Glyoyphana ruhroscutellaris n. sp. Mohnike.
Taf. Vni. Fig. 6.
Gl. nigra, supra opaca ; clypeo nitido, emarginato,
punctato; thorace late rubro-marginato, antice albo-bi-
punctato; scutello rubro; scapulis albo-marginatis ; eljtro
singulo guttula inter humerum etscutellum, raedio maculis
duabus multo majoribus fasciara transversam forraantibus,
prope apicera punctis duobus, flavis ornato; sutura acuta;
pygidio albo bimaculato; subtus nitida; abdominis medio
et lateribus, coxis posterioribus, mesosterni margine antico
et postico nee non huraeri inferiori parte albo maculatis;
processu mesosterni antice valde dilatato.
Longitudo Mm. 13—14.
Habitat in insulis Bohol et Mindanao. — cT ?.
Auch diese Art ist verhältnissmässig kurz, breit und
steht in dieser Beziehung wie in einigen anderen der
vorigen nahe, ist oben aber etwas flacher. Auch bei ihr
ist der Clypeus lang, schmal, mit deutlichem, wie wohl
sehr feinem erhabenem Rande umgeben, glänzend, punctirt
und vorne beträchtlich eingebuchtet. Die Ecken sind
abgerundet, aber aufgewul steter wie bei der vorigen Art.
Bei dem einen der mir vorliegenden beiden Stücke, einem
Männchen, welches aber, wie ich glaube, eine Farben-
varietät darstellt, befinden sich auf der Stirn vier neben
einander liegende kleine weisse Puncte. Der Hnlsschild
ist breiter als lang, sammetschwarz, wenig sichtbar punctirt,
160 Mohnike:
mit einem breiten, lebhaft rothen Seitenrande umgeben
der vor dem Scliiidchen geöffnet ist und mit seinen vor-
deren, zugespitzten Enden nicht ganz die Kopfwinkel
erreicht. Vorn befinden sich auf ihm bei dem Weibchen
zwei, bei dem Männchen aber vier gelbe Puncte, von
denen die in unterer Reihe stehenden kleiner und weiter
von einander entfernt sind. Das Schildchen ist lebhaft
roth, schmal, unten etwas abgestumpft. Die Schultern
sind oben schwarz^ punctirt, unten weissfilzig. Die Flügel-
decken verschmälern sich nach hinten sehr wenig und
sind ziemlich flach. Die Naht und Längsrippen sind kaum
sichtbar, erstere ist beträchtlich zugespitzt. Die Punctur
an der Basis, der Seite und der Spitze der Flügeldecken
ist nur unter der Loupe erkennbar. Auf jeder von ihnen
befindet sich bei dem abgebildeten Weibchen, dessen
Zeichnung ich für die typische halte, auf der Basis, zwi-
schen der Schulter und der Nahtspitze ein gelber filziger
Punct. Bei dem Männchen vertritt die Stelle desselben
ein grösserer gelber halbmondförmiger Querfleck. Etwas
unterhalb der Mitte liegt neben dem Seitenrande ein
ovaler gelber Querfleck und von demselben durch einen
kurzen Zwischenraum getrennt ein zweiter unweit der
Naht. Bei dem Männchen sind diese beiden Flecken
theilweise verschmolzen. Alle vier bilden eine Querbinde
über beide Flügeldecken. Genau unterhalb eines jeden
von ihnen, unweit der Spitze, befindet sich ein kleiner,
gelber Punct. Bei dem Männchen sind die beiden mitt-
leren viel grösser als die äusseren und ist auch der
Raum zwischen der mittleren Binde und den beiden
Flecken auf der Basis der Flügeldecken noch mit ein-
zelnen gelben Atomen bestreut. Bei letzterem ist auch
die Farbe derselben sowie des Thorax nicht das tiefe
Sammetschwarz wie bei dem Weibchen, sondern gebt
mehr in das braunrothe über, und das Roth am Rande
des Thorax und des Schildchens ist ein viel tieferes,
weniger lebhaftes. Das Pygidium ist tief schwarz, fein
punctirt und zeigt^^an jeder Seite einen grossen, von oben
nach unten reichenden weissen Randfleck. Die Bauch-
ringe sind dicht punctirt un^ in den Puncten mit ganz
Die Cetoniden der Philippinischen Inseln. 161
kurzen, schuppenartigen weisslichen Härchen besetzt. Auf
ihnen befinden sich auf jeder Seite, neben dem Flügel-
deckenrande drei und neben der Mitte zwei weisse Flecken.
Diese sind bei dem Weibchen grösser und fiiessen mehr
in einander als bei dem Männchen. Auch die Brust zeigt,
ausgenommen in ihrer Mitte, dieselbe Punctur und Be-
haarung wie der Unterleib. Die Hinterbüften, der vor-
dere und hintere Rand der Mesosternalplatte und der
untere Theil der Schultern sind weiss gefleckt. Auch
die Schenkel und Schienen sind mit Puncten und Här-
chen besetzt. Die vorderen und mittleren Schenkel sowie
die mittleren und hinteren Schienen haben einen röth-
lichen Haarsaum. Die Tarsi sind ziemlich kurz und kräf-
tig. Die Spitze des Mesosternalfortsatzes ist, wie bei Gl.
pulcherrima, seitlich erweitert.
5. Glycyphana cuculus ßurmeister.
QLycyphatia cuculus Burmeister, Handb. d. Entom.
Bd. III. S. 352. — Glycyph. cuculus Schaum, Ann. Soc.
entom. d. Fr. 1849. p. 263. — Euryomia cuculus Wallace,
Transact. entom. Soc. 3. Ser. IV. 1868. p. 575. — Gly-
cyph, modesta Gemminger et de Harold, Catal. coleopt.
t." IV. p. 1310.
Gl. supra viridis, opaca, capite antennisque nigris;
cljpeo nitido, subtiliter punctato, emarginato, angulis ro-
tundatis; thorace partim luteo - marginato, medio bipunc-
tato; scapulis luteo- tomentosis; scutello subacuto; elytro
singulo juxta suturam punctis quattuor, juxta marginem
fasciolis duabus luteis ornato ; pygidio virescente, basi
bimaculato; subtus laete viridis, medio nitidissima, late-
ribus densissime luteo -tomentosis^, pedibus viridibus.
Longitudo Mm. 11.,
Habitat in insulis Luzon, Mindanao, Bohol, Babuya-
nes, Camotes. ^ $.
Bei genauer Vergleichung einer Anzahl von Stücken
dieser Art von den genannten Inseln mit einer noch be-
trächtlicheren von Glycyphana (Cetonia) modesta Fabr.
aus den westlicheren Gebi(|ten der Indischen Inselwelt,
Archiv f. Naturg. XXXIX. Jahrg. 1. Ed. U
162 Mohnike:
habe ich mich überzeugen müssen, dass sie von dieser
wesentlich verschieden und nicht, vv^ie Burmeister und
Wallace vermuthen, Gemminger und von Harold
<aber für gew^iss halten, blosse Varietät derselben ist. Sie
weicht von dieser vielleicht noch mehr ab wie von der
ihr näher stehenden, von mir in meiner Uebersicht der
Cetoniden der Sunda-Inseln und Molukken auf Seite 69
als neue Art aufgestellten Gl. pygmaea. Aber auch zwi-
schen dieser und ihr zeigt sich eine constante Verschie-
denheit, so dass sie als zwischen beiden in der Mitte ste-
hend betrachtet werden muss. Alle mir vorliegenden
9 Stücke von Gl. cuculus sind von derselben Grösse, wäh-
rend unter einer gleichen Anzahl von Gl. modesta von
Java und Sumatra die kleinste 10, die grösste 13 Mm.
lang ist. In dieser Beziehung stimmt sie mehr mit Gl.
pygmaea überein, welche, wie sie, 11 Mm. lang ist und
keine bemerkenswerthe individuelle Grössenverschieden-
heit zeigt. Der Clypeus ist bei ihr länger wie bei der
modesta und pygmaea, sein vorderer Randeinschnitt etwas
tiefer, seine Mitte etwas erhabener. Die Punctur ist bei
allen dreien dieselbe. Bei Gl. cuculus und pygmaea ist
die Stirn sammetartig schwarz, bei Gl. modesta dagegen
stets grün wie der Thorax. Dieser ist bei der letzteren
stets ohne weisse Randeinfassung, welche den beiden an-
dern niemals fehlt und namentlich bei Gl. cuculus vorn
am breitesten ist. Bei modesta und cuculus befinden sich
auf dem Brustschilde zwei weisse Puncto, die bei ersterer
bald grösser, bald kleiner, aber stets vorhanden sind, der
pygmaea aber immer fehlen. Die Schultern sind bei Gl.
cuculus gänzlich , bei Gl. modesta nur an ihrer vorderen
Hälfte mit gelblichem Filze bedeckt. Bei der pygmaea
erstreckt sich dieser Ueberzug weiter nach hinten, lässt
aber einen kleinen Theil der Schultern immer unbedeckt.
Hinsichtlich der Zeichnung auf den Flügeldecken stimmt
Gl. cuculus mehr mit der modesta wie mit der pygmaea
überein. Bei letzterer besteht dieselbe, zwei kleine Puncte
hinter ihrer Mitte neben der Naht ausgenommen, in feinen,
halbmondförmigen Strichelchen an ihrer Spitze und dem
untern Theile ihrer Seiteni:änder. Bei Gl. cuculus be-
Die Cetoniden der Philippinischen Inseln. 1G3
finden sich auf jeder Flügeldecke neben^ der Naht vier
runde weisse Puncte^ der oberste neben der Spitze des
Schildchens, der unterste neben dem Nahtende; ausserdem
am unteren Seitenrande zwei kurze weisse Querbinden
und oberhalb dieser, neben dem Ausschnitte der Flügel-
decke, noch ein Randpunct. Bei der modesta ist die
Zeichnung im allgemeinen dieselbe, die Puncte sind aber
nicht bei allen Individuen von gleicher Grösse. Auch
zeigen sie statt der ununterbrochenen Querbinden am
unteren Seitenrande stets nur einige mehr oder weniger
dicht aneinander gereihte Puncte. Die Zeichnung des
Pygidiums ist bei Gl. cuculus ähnlich wie bei Gl. pjg-
maea und besteht in einem kleinen, halbm.ondförmigen,
gelblich grauen Filzflecken oben in jeder Ecke des
Grundes. Bei Gl. modesta dagegen lassen zwei grosse,
sich über die Afterdecke von oben nach unten ausbrei-
tende Seitenfiecken nur einen schmalen mittleren Streifen
unbedeckt. Dieser letztere ist nur sehr wenig punctirt,
und kaum mit einzelnen Härchen besetzt, während die
Punctur und schuppige Behaarung auf dem entsprechen-
den Theile bei Gl. cuculus viel stärker, am stärksten aber
bei GL pygmaea ist. Die Seitentheile des Bauches und
der Brust sind bei den beiden letzteren Arten mit einem,
sich von dem Pygidium nach dem Thorax erstreckenden,
sehr breiten und ununterbrochenen, gelblichen Filzüber-
zuge bedeckt. Dieser letztere aber bedeckt bei Gl. mo-
desta die Bauchsegmente und Brusttheile nur unvoll-
kommen. Die von dem Filzüberzuge frei bleibende glän-
zende, aber mit kleinen schuppentragenden Puncten be-
deckte Mitte des Bauches und der Brust, ist bei der
pygmaea hell grünlich braun, bei (il. cuculus lebhaft
grün, bei der modesta dunkler grün. Von derselben
Farbe sind auch die Beine der letzteren, die der pygmaea
aber hellbraun, die von cuculus dagegen schwarz. Bei
den beiden letzten ist auch die Punctur und Beschuppung
der Schenkel und Schienen am stärksten. In der Farbe
der Oberseite stimmt Gl. cuculus mehr mit der modesta /
als mit der pygmaea überein, bei welcher letzteren das
Grün viel heller und lebhafter ist. Auch hinsichtlich
164 Mohnike:
der Körperform im Allgemeinen zeigt sich eine grössere
Uebereinstimmung zwischen Gl. cuculus un^ Gl. raodesta
als zwischen jener und der im Ganzen schmäleren und
mehr gewölbten Gl. pygmaea.
6. Olycyphayia vernalis Wallace.
Euryomia vernalis Wallace, Transact. entom. Soc.
3. Scr. IV. 1868. p. 572. — Olycyphana vernalis Gern-
minger et de Harold, Catal. coleopt. t. IV. p. 1311.
;,Supra laete viridis, opaca; elytris singulis maculis
quatuor vel" quinque marginalibus ochreis; subtus nigra,
nitida, convexa, lateribus crusta rufo-ochrea vestitis.
Above, fine green, opaque; clypeus black, shining,
finely punctured, deeply notched in front; thorax imma-
culate, with scattered punctures on thc sides ; elytra trun-
cate at the apex, finely punctate-striate, the outer edges
blackish, ornamented with from threc to five small mar-
ginal spots on each side; pygidium pale ochre, with a
large black spot; beneath shining black, the sides of the
thorax, sternum, and abdomen brondly crusted with pale
reddish -ochre; median line of the sternum elevated and
terminating in a dilated proces: the bind thighs with
an ochreous stripe on the inner edge.
Length 8 Lines.
Hab. Philippine Island (Coli. Parry).
This spccies is allied to E. moluccarum." Wallace.
Ich kenne diese Art nicht und begnüge mich daher,
das von Herrn Wallace über sie mitgetheilte hier wie-
derzugeben.
7. Gh/cyphana robusia n. sp. Mohnike. Taf. VIII. Fig. 7.
Gl. supra viridis,' opaca; clypeo emarginato, angulis
obtusis, nigro, subnitente, dense punctalo; fronte viridi;
antennis nigris; thorace convexo, ante scutellum vix si-
nuato, punctis duobus albis medianis, quattuor marginali-
bus distincto; scapulis antice albo-maculatis; scutello apice
albo-punctato ; elytris eonvcxis, medio maculis albis sex,
margine maculis decem ornatis; pygidio, plaga mediana
trigona excepta, griseo-tomentoso ; subtus nigra, nitida;
abdominis pectorisque lateribus tomento albo - rufescente
Die Cetoniden der Philippinischen Inseln. 165
obtcctis; processu mesosterni antice obtnso, rotundato;
pedibiis nigris, nitidis , femoribus posterioribus margine
postico albo - tomentosis, tibiis mediis posterioribusque
flavo-fimbriatis.
Longitndo Mm. 18 — 20.
Habitat in iiisulis Saraar, Leyte, Mindanao (/ $.
Diese Art steht der Gl. malayensis Guer. nahe, un-
terscheidet sich von dieser schon auf den ersten Blick
nicht allein durch ihre viel gewölbtere Oberfläche, son-
dern auch durch die Zeichnung. In letzterer Beziehung
gleicht sie der von mir beschriebenen, aber noch viel
flacher gebauten Gl. flavopunctato von der Westküste
Borneo*s. Sie ist oben, mit iVusnahme des Clypeus, matt
sammtartig, ihre Farbe ist ein gesättigtes Grün, welches,
wie bei den meisten andern grösseren grlingefärbten Gly-
cyphanen, an den Seitenrändern der Flügeldecken in
eine schwärzliche Tinte übergeht. Der Clypeus ist sehr
niedrig umrandet, schwarz, fein punctirt, in der Mitte
etwas erhaben. Sein vorderer Randausschnitt ist ziemlich
tief, die Ecken sind abgerundet aber nicht aufgesch\vol-
len. Die Fühlhörner sind schwarz, die Stirn ist matt
grün. Der Thorax ist nicht unbeträchtlich gewölbt, brei-
ter als lang, mit etwas hervortretenden Hinter- und Sei-
tenecken. In seiner Mitte befinden sich zwei weisse
Punkte, während in jedem vorderen Winkel, unmittelbar
hinter dem Auge und neben der Mitte des feinen, wenig
erhabenen Seitenrandes, gleichfalls ein weisser Punkt
steht. Die Schultern sind vorn mit weissem Filze ge-
randet. Das Schildchen trägt, gleich wie bei Gl. flavo-
punctato, an seiner Spitze einen weissen Punkt. Die Flü-
geldecken verschraälern sich nach hinten nur sehr wenig;
sie sind gewölbter wie bei den meisten andern Arten, die
Naht erhebt sich kaum etwas über die übrige Fläche
und ist kaum sichtbar zugespitzt. Die auf den Flügel-
decken der Glycyphana-Arten so gewöhnlichen, von der
Schulter nach unten gekrümmt neben einander laufenden
Punktreihen, sind bei dieser mit dem blossen Auge kaum
sichtbar. Auf jeder Flügeldecke befinden sich drei kleine,
punktförmige weisse Flecken, von denen der obere zwi-
IfiG Mohnike:
sehen der 8chiilter und dem Schildcben liegt; ausserdem
vier grössere, länglichere an dem Aussenrande und end-
lich ein kleiner Querfleck auf dem unteren Rande neben
der Naht. Bei einem der mir vorliegenden Exemplare
befinden sich zwischen 'diesen grösseren Flecken noch
einzelne zerstreute weisse Atome. Das Pygidium ist fast
ganz mit grauweissem Filze überzogen, so dass nur in
der Mitte eine dreieckige, schwärzlich grüngefärbte Stelle
offen bleibt. Der Bauch ist schwarz, glänzend, aufge-
schwollen und nach unten hervorragend. Die einzelnen
Segmente sind mit weisslichem, etwas in das ßothe spie-
lendem Filze bedeckt und zwar in der Weise , dass sie
neben der Mitte in ihrer ganzen Breite, weiter seitlich
aber nur an ihren hintern Rändern damit überzogen sind.
Zugleich sind die Bauchringe punktirt und in den Punk-
ten mit sehr kurzen gelblichen Härchen besetzt. Auch
die Mesosternalplatten sind mit solchem Filze überzogen,
grubig punktirt und behaart. Der Mesosternalfortsatz ist
vorn breit aber abgerundet. Auch der umgeschlagene
Theil des Thorax ist filzig. Die Beine sind schwarz,
vordere und mittlere Schenkel, so wie mittlere und hin-
tere Schienen mit gelblichem Haarsaum versehen, der be-
sonders an den Vorderschenkeln sehr dicht und lang ist.
Die Hinterschenkcl haben am Hinterrande einen gelbli-
chen Filzstreifen. Die Vorderschienen sind zweigezähnt,
die Füsse kurz und kräftig.
Genus H. Astraea n. gen. Mohnike.
Bur meist er bemerkte — - Hdb. d. Ent. Bd. 111. S. 795
— bei Erwähnung der Cetonia francolina Dup., dass diese
so wie die beiden folgenden, nämlich C. felina Gor. et
Perch. und C. Rogeri Dup., nicht mit Sicherheit in eine
der von ihm aufgestellten Gattungen unterzubringen wä-
ren und dass, wie er glaube, alle drei eine eigene, sich
an Glycyphana anschliessende Gattung bilden dürften.
Diese Bemerkung ist mit Beziehung aufC. francolina sehr
richtig, weniger aber mit Beziehung auf die beiden an-
deren Arten, zwischen denen und der francolina keine
besondere generelle Uebereinkunft besteht und von welchen
Die Cetoniden der Philippinischen Inseln. 167
die eine , C. felina, alle wesentlichen Kennzeiclien der
Gattung Glycyphana, die andere aber, C. Rogeri, die der
Gattung Protaetia tv'dgt, weshalb sie auch diesen Gattun-
gen zugezählt werden. C. francolinn dagegen so wie
einige andere, derselben äusserst nahe stehende, mir vorlie-
gende Arten, können nicht ohne Zwang einer der bis
jetzt aufgestellten Gattungen eingereiht werden. Ich
fasse sie daher als besondere Gattung hier unter dem
Namen Astraea zusammen.
Diese Gattung erinnert in ihren allgemeinen Körper-
verhältnissen zugleich an Macronota und an Glycyphana,
wozu besonders der kleine, schon an seiner Basis auffallend
schmale, sich nach vorn noch mehr verschmälernde Tho-
rax beiträgt. Derselbe ist an dem Grunde viel schmäler
als der Rumpf zwischen den Schultern, schliesst sich dem-
selben sehr fest und genau an, ist flach, an den Hinter-
ecken ziemlich abgerundet und vor dem Schildchen sehr
wenig ausgebuchtet. Auch die Flügeldecken sind flach
und verschmälern sich gegen die Spitze hin nur sehr
wenig. Die Naht ragt hervor und ebenso die mittlere
Längsrippe, beide sind aber bei frischen und wohlerhal-
tenen Exemplaren viel weniger sichtbar wie bei abgerie-
benen, wo dieselben mehr oder weniger glänzen. Bei
den letzteren kann man auch wahrnehmen, dass der Grund
der Flügeldecken, zwischen der Schulter und dem Schild-
chen, etwas aufgeschwollen, in der Mitte dieser Anschwel-
lung aber vertieft ist und dass die Längsrippe von dem
äussern Theile dieser etwas erhabenen Stelle ihren An-
fang nimmt. Diese Bildung erinnert in etwas an den Ur-
sprung der Längsrippe aus zwei in einander übergehen-
den, mehr oder weniger breiten und in einander ver-
schmolzenen, fast immer aber eine kleinere oder grössere,
mehr oder weniger vertiefte dreieckige Stelle zwischen
sich lassenden Schenkeln auf den Flügeldecken der mei-
sten Macronota-Arten. Ich wiederhole aber, dass dieses
Verhältniss bei abgeriebenen Stücken viel sichtbarer als bei
frischen, noch vollkommen mit ihrem Sammtüberzuge be-
deckten Exemplaren ist. Hinten endigt die Naht in eine
feine Spitze. Der Mososternalfortsatz ist kurz, mit einer
168 Mohnike:
stumpfen, seitlich nicht erweiterten Spitze versehen. Die
Beine sind gewöhnlich; die Vorderschienen unterhalb des
Endzahnes bei dem Männchen mit einem, bei dem Weib-
chen mit zwei Rand zahnen verschen, von denen der obere
sehr klein und mitunter nnr eben angedeutet ist. Auflfallend
und eigenthümlich sind hei dieser Gattung die sehr lan-
gen, häufig bogenförmig gekrümmten inneren Sporen der
Hinterscbienen. Der Kopf ist nicht sehr gross ; der Cly-
peus seitlich nicht mit einem erhabenen Rande umgeben,
wohl aber etwas aufgebogen, vorn stark ausgebuchtet,
mit abgerundeten Ecken, in der Mitte beträchtlich erha-
ben, vor und an den Seiten dieser Erhabenheit vertieft
und allenthalben dicht punktirt.
1. Astraea francoUna Burmeister Taf, Vlll. Fig. 8.
Getonia francolina ßurmeister, Handb. d. Ent. Bd. III.
S. 794. — Get. francolina Wallace, Transact. ent. soc. 3.
Ser. Vol. IV. 1868. p. 588. — Olycyjjliana francolina G^m-
minger et de Harold, Catal. coleopt. Tom. IV. p. 1310.
A. nigra, supra opaca; clypeo emarginato, nitidiore,
densissirae punctato ; fronte albo-bilineato ; thorace antice
lineolis quattuor , medio una abbreviatis , basi guttuHs
duabus albis ; scapulis albis; scutello albo-vittato : elytro
utroque maculis octo, maioribus quattuor suturalibus rai-
noribus vero quattuor marginalibus, albis; pygidio albo
quinque-maculato ; subtus nitida ; abdomine medio tribus,
latere utroque quattuor maculis albis; pectoris lateribus
magis minusve albo-maculatis , grosse punctatis, punctis
setiferis.
Longitudo Mm. 14.
Habitat in insulis Samar cT $.
Der Clypeus ist glänzender wie bei den andern Ar-
ten dieser Gattung, sehr dicht punktirt, vorn tief einge-
buchtet, in der Mitte wulstig erhaben, seitlich etwas vertieft.
Auf der Stirn zwischen den Augen befinden sich zwei
kurze, linienförmige, weisse Flecken. Der Thorax ist wie die
ganze obere Fläche sammetartig schwarz; die Punkte auf
demselben sind nur unter der Loupe sichtbar. Auf ihm lie-
gen, von den Ecken seines Vorderrandes entspringend, zwei
Die Cetoniden der Philippinischen Inseln- 169
kleine^ weisse, nach hinten divergirende Längsstriche und
ein anderes so geformtes Längsstrichclchen neben der Mitte
jedes Seitenrandes; ausserdem eine mittlere, oben wie un-
ten abgekürzte Längsbinde und endlich oberhalb des Schild-
chens zwei weisse Punkte; die Schultern sind oben ganz
mit weissem Filze bedeckt und in der Mitte des Schildchens
zeigt sich eine weisse Längsbinde. Auf jeder Flügeldecke
acht quere weisse Flecken, vier neben der «Naht und ebenso
viele neben dem Aussenrande. Die ersteren sind die
grösseren. Der oberste von ihnen hat eine schiefe Rich-
tung von aussen und oben nach unten und innen. Die
Nahtflecken sind grösser als die am Rande gelegenen.
Die hinten massig zugespitzte Naht und die mittleren
Längsrippen erheben sich nur wenig über die Fläche
der Flügeldecken. Auch einige eingerissene, gekrümmte
Längslinien und Punktreihen neben der Naht sind mit
blossem Auge kaum sichtbar. Das Pygidium bildet ein
gleichseitiges, unten abgerundetes Dreieck, ist schwarz,
grubig, mit fünf weissen Flecken verziert, von denen die
drei grösseren in seinen drei Winkeln, die beiden kleineren
aber in der Mitte der Basis liegen. Die Bauchsegmente
sind glänzend schwarz, zerstreut grob punktirt, mit drei
Flecken in der Mittellinie und vier länglichen Randflecken
auf jeder Seite. Auch die Hinterhüften sind weissge-
fleckt. Die Brustscitcn sind grubig, mit Härchen besetzt und
neben dem Sternum sowohl als oben, mit weissen Flecken.
Auch der umgeschlagene Theil des Vorderrückens und
das Mesosternum an der absteigenden Fläche vor dem
Fortsatze, sind weiss. Die Beine sind kräftig, glänzend
schwarz, nadelrissig, mit kurzen Härchen besetzt, an den
Schenkeln mit weissen Randlinien und ebensolchen Knie-
punkten versehen. Vorderschenkel und Hüften länger
haarig, mittlere und hintere Schienen mit gelblichem
Haarsaume versehen. Die Füsse sind ziemlich lang und
kräftig. Bei dem vorliegenden Exemplare, welches ich
für ein Männchen halte, ist der äussere Sporn am Tibial-
ende auffallend lang und gebogen wie in der Abbildung.
170 Mohnike:
2. Ästraea margaritacea n. sp. Mohnike.
Taf. VIII. Fig. 9.
A. nigra; supra opaca, subtus nitida^ thorace prope Caput
punctis minimis lineolisque quattuor, disco punctulis diiobus,
iuxta scutellum guttis duabus maioribus coeruleo-marga-
ritaceis ornato ; scapulis et scutello margaritaceo-macula-
tis; clytro utroque octo, pygidio tribus, abdomine medio
tribus, latcre utroque quattuor macuHs cocruleo - margari-
taceis pictis; coxis posterioribus, mesosterni lateribus,
prothoracis parte inferiori margaritaceo - maculatls ; pro-
cessu mesosterni brcvi, antice obtuso, non dilatato; femo-
ribus robustis, tibiis apice calcaribus longis munitis.
Longitudo Mm, 13.
Habitat in insula Mindanao cT.
Diese Art ist keine blosse Varietät der vorigen und
unterscheidet sich von ihr durch diQn kürzeren, breiteren,
seitlich weniger aufgebogenen, nach der Stirn zu sich aber
höher erhebenden, weniger glänzenden Clypeus; den kür-
zeren und robusteren Körperbau im Allgemeinen und die
namentlich in den Schenkeln dickeren und kräftigeren
Beine. Auch die Zeichnung ist eine andere. Auf dem
Thorax belinden sich nämlich in den vorderen Winkeln
zwei ganz kleine, kaum sichtbare Punkte ; hinter diesen,
in einem Halbbogen, vier kurze, aber gleich lange, den
Discus nicht erreichende Längslinien; auf dem letzteren
wieder zwei Punkte und unterhalb dieser, vor dem Schild-
chen, zwei grössere runde Flecken. Sie, wie überhaupt
alle Flecken, sind bei dieser Art von einem weisslichen,
wie Perlmutter schillernden Blau. Die Schultern zeigen
an ihrem hinteren Rande und das Schildchen an seiner
Spitze solche Flecken. Jede Flügeldecke trägt acht der-
selben, vier grössere, runde neben der Naht und ebenso
viele kleinere längliche neben ihrem äusseren Rande.
Die Naht und Längsrippe treten bei dieser Art stärker
hervor wie bei der vorigen ; im Uebrigen ist die Sculptur
der Flügeldecken bei beiden dieselbe. Das Pygidium hat
in jeder Ecke einen kleinen Flecken. Der Bauch ist
eben wie bei der francolina sculptirt und, die Farbe ab-
Die Cetoniden der Philippinischen Inseln. 171
gerechnet, in der Mitte wie an den Seiten gezeichnet.
Dasselbe ist mit den Brusttheilen der Fall, nur sind die-
selben weniger dicht gegriibt und behaart. Der Meso-
sternalfortsatz ist kurz, vorn bi-eit und stumpf, aber nicht
seitlich erweitert, die Mitte des Stcrnums his zu der
Spitze des Fortsatzes dicht punktirt und mit kurzen Här-
chen besetzt. Die Beine, namentlich die Schenkel, sind
kräftiger und stärker entwickelt wie bei der vorigen ;
die letztern mit weissen Randstreifen und Kniepunkten
und in dem vorderen und mittleren Paare mit gelblichem
Haarsaum. Die Sporen an den Hinterschienen sind sehr
lang, die inneren zugleich vorne krumm gebogen.
3. Ästraea higuttulata n. sp. Mohnike Taf. IX. Fig. 1.
A. supra nigra, opaca; subtus nigra, nitida; clypeo
breviori, latiori, planiori, antice minus emarginato, subni-
tido, punctato; thorace convexiore, postice latiori, disco
albo - bipunctato; scapulis albo raarginatis; scutello apice
albo-guttato ; elytro singulo iuxta suturam quattuor tribus-
que prope marginem maculis albis ornato ; pygidio nigro,
immaculato; abdomine medio punctis parvis quattuor, latere
utroque maculis duabus albis; coxis posterioribus albo-
maculatis ; pectore medio albo quattuor - punctulato ; pro-
cessu mesosterni brevi, lato.
Longitudo Mm. 15.
Habitat in insula Luzon. (^ ^.
Sie ist von den mir vorliegenden Arten dieser Gattung
die am meisten schlank gebaute und zugleich diejenige, bei
welcher der Thorax hinten am breitesten ist, deshalb bei
ihr das für diese Gattung charakteristische Verhältniss der
beträchtlichen Schmalheit dieses Theiles zu der Breite
des Rumpfes zwischen den Schultern, am wenigsten auf-
fällig erscheint. Der Clypeus ist etwas glänzend, verhält-
nissmässig kurz, breit, in der Mitte wenig erhaben und vorn
nur massig ausgebuchtet. Er ist allenthalben fein und dicht
punktirt. Der Thorax ist, wie schon bemerkt, verhältniss-
mässig breit, beträchtlich von vorne nach hinten gewölbt,
mit einem feinen, glänzenden, erhabenen Rande umgeben
und zeigt auf seinem Discus zwei neben einander ste-
172 Mohnike:
Lende weisse Punkte. Die ganze obere Fläche ist matt,
sammetartig, schwarz. Die Schultern sind mit einer
weissen hinteren Randeinfassung versehen und das Schild-
chen zeigt auf seiner Spitze einen ziemlich grossen weis-
sen Fleck. Auf den von der Naht nach dem Rande hin
etwas gewölbten Flügeldecken, treten die hinten zuge-
spitzte Naht und die mittlere Rippe, zwischen ihnen aber
eingerissene Längslinien deutlich hervor. Das Pygidium
ist gänzlich ungefleckt. Die ganze Unterseite ist glän-
zend schwarz; die Seiten der Bauchringe und der Brust
sind zerstreut punktirt ; die letztere aber ist nicht, wie bei
den beiden vorigen Arten, mit Härchen besetzt. Auf dem
Bauche befinden sich in der Mittellinie vier weisse Punkte,
nämlich zwei auf dem Vorderrande des letzten und zwei
auf dem Vorderrande des ersten Segmentes, die letzteren
zwischen den Hüft- und Schenkelgelenken der Hinter-
beine ; ausserdem auf jeder Seite, auf dem zweiten und
dritten Segmente, ein äusserer, weisser RandflfMjk. Auch
die Hinterhüften sind oben weissgefleckt. Auf dem Mit-
tel- und Vorder -Brustbeine befinden sich ebenfalls vier
weisse Punkte, zwei zwischen den mittleren Hüftgelenken,
neben dem Mesosternalfortsatze und zwei zwischen den-
selben Gelenken der Vorderbeine. Die Entfernung der
beiden Punkte einer jeden Reihe von einander ist bei
allen dieselbe. Der Mesosternalfortsatz ist kurz und vorn
breit, aber nicht seitlich erweitert. Auch der umgebo-
gene Theil des Thorax ist weiss gefleckt. Die vorderen
und mittleren Schenkel zeigen nur die Andeutung eines
Haarsaumes, welcher den mittleren und hinteren Schienen
gänzlich fehlt. Die Vorderschienen haben einen feinen
scharfen Zahn nahe dem Endzahne, die mittleren und
hinteren einen stumpfen Zahn an ihrem unteren Dritt-
theile. Die Sporen an den Hinterbeinen sind bei dieser
Art viel weniger lang und nicht gekrümmt wie bei den
beiden vorigen.
4. Astraea tigrina a. sp. Mohnike Taf. IX. Fig. 2,
A. supra nigra, opaca ; clypeo subnitido, punctato,
medio subelevato, antice emarginato ; fronte flavo - bivit-
Die Cetoniden der Philippinischen Inseln. 173
tato; tborace vittis quinque guttulisqne basalibus duabus
flavis picto ; scapulia flavis; scutello flavo vittato ; elytro
utroque maciilis flavis maioribus octoduplici serie ornato;
pygidio flavo quinque-maculato ; abdomine lateribus late
albo-marginatis; coxis posterioribus^ pectorisque lateribus
magis mfnusve albo-maculatis; femoribiis flavo-marginatls;
tibiis posticis calcaribus longis magis minusve curvatis
munitis.
Longitudo Mm. 14.
Habitat in insuiis Liizon et Samar. ^ $.
Diese Art ist es, auf welche ich mich bezog als ich
oben, bei Erwähnung der von Blan c har d beschriebenen
Macronota flavopunctata einen Zweifel aussprach, ob die-
selbe wohl wirklich eine Macronota sei und nicht einer
andern Gattung angehöre. Seine Beschreibung davon
stimmt mit der von mir tigrina genannten Art hinsicht-
lich der Grösse und Zeichnung in sehr auffallender Weise
überein. Wenn ich dessenungeachtet für die vorliegende
Art, anstatt sie mit Blanchai-d flavopunctata zu nennen,
einen anderen Namen wähle, so geschieht solches allein
für den Fall, dass ich mich irren möchte, obgleich ich
nicht glaube dass solches stattfindet. Diese Art hat im
Körperbau die meiste Uebereinstimmung mit A. franco-
lina, ist oben matt, unten aber glänzend schwarz. Der
Kopfschild ist vorn ziemlich tief ausgebuchtet, wenig
glänzend, puqktirt, aber in der Mitte weniger erhaben
und mit weniger in die Höhe gebogenen Rändern wie
bei letztgenannter. Die Fühlhörner sind schwarz. Von
der Stirn verlaufen nach unten zwei goldgelbe Längs-
binden. Der Halsschild ist hinten viel schmäler und
zugleich von vorn nach hinten weniger convex als bei
A. blpunctata. Auf ihm zeigen sich -fünf goldgelbe Längs-
binden, von denen die mittleren beiden, nach hinten di-
vergirenden, sich bis über den Discus hin verbreitenden,
als Fortsetzung der Längsbinden auf dem Kopfe erschei-
nen. Neben denselben liegen, den unteren Theil des
Seitenrandes bedeckend, eine dritte und vierte, so wie
endlich in der Mitte zwischen den ersterwähnten eine, sich
von dem Discus bis in die Nähe des Hinterrandes erstrek-
174 Mohnike:
kende kürzere fünfte Längsbinde. An jeder Seite der letz-
teren, vor, dem Schildchen, liegt ein gelber Fleck. Die
Schultern sind ganz gelb und auch das Schildchen hat
einen mittleren, von seiner Basis bis zur Spitze reichen-
den Längsfleck. Auf jeder Flügeldecke befinden sich
acht grössere Flecken, vier neben der Naht und ebenso
viele neben dem Rande. Der obere jeder Reihe ist läng-
lich und schief von aussen nach innen gerichtet. Die
hinten zugespitzte Naht, die Längsrippc, die Sculptur der
Flügeldecken verhalten sich wie bei den vorgenannten
Arten. Das Pygidium hat, wie A. francolina weisse,
ähnliche gelbe Flecken an der Basis und im untern Winkel.
Der Bauch ist in der Mitte glänzend schwarz, an den
Selten aber sehr breit mit weisslich gelbem Filze über-
zogen. Li dieser Bedeckung zeigen sich an jeder Seite
drei längliche, schwarze, unbedeckte Stellen. DiePunktur
ist wie bei den andern Arten. Auch die Hinterhüften,
das Mesosternum, die Pleura, die untere Seite der Schul-
tern und der umgeschlagene Theil des Thorax sind weiss-
lich gefleckt. Der Mesosternalfortsatz ist kurz und vorn
breit, bis zu der Spitze fein punktirt. Die Vorderschen-
kel sind stark gewimpert ; die mittleren und hinteren sind
unten und hinten weiss gerandct, haben auch weisse
Kniepunkte; die mittleren und hinteren Schienen sind
mit einem kurzen, anliegenden Haarsaume versehen. Die
Hinterschienen haben bei den meisten der vorliegenden
Stücke lange, meistens mehr oder weniger gekrümmte
innere Sporen. Eine Varietät dieser Art bilden einige,
anstatt schwarz, schmutzig dunkelgrün gefärbte, mit wenig
lebhaften, mehr grünlichen Flecken versehene Exemplare.
Genus in. Euglypta n. gen. Mohnike.
Wallace hat in seinem Cataloge der Malaiischen
Cetoniden eine Cetonia megaspilota beschrlebea , dem
Gattungsnamen aber ein Fragezeichen beigefügt, als Aus-
druck seines Zweifels, ob diese Art wohl wirklich eine
Cetonia sensu strictiori sei. Diese Art so wie drei an-
dere, ihr mehr oder weniger nahestehende, noch unbe-
schriebene liegen mir vor. Die Bildung derselben ist
Die Cetoniden der Philippinischen Inseln. 175
jedenfalls zu eigenthümlich und bietet zu viele, cha-
rakteristische Abweichungen von den besonderen Kenn-
zeichen der Gattung Cetonia dar, mit welcher das von
Burmeister aufgestellte Genus Protaetia jetzt in der
Regel, und zwar mit Recht, wieder vereinigt wird, als
dass sie derselben zugezählt werden dürfte. Ich fasse
deshalb diese Arten hier als neue Gattung unter dem
Namen Euglypta zusammen, deren hauptsächlichste Merk-
male die folgenden sind. Der Clypeus ist auffallend
lang und schmal, nimmt auch meistens, nach vorn zu, noch
mehr an Breite ab. Er ist vorn tief ausgeschnitten, mit
massig stumpfen Ecken, seitlich entweder glatt oder mit
etwas aufgebogenem Rande. Von der Stirn nach vorn ver-
läuft eine ziemlich hohe, anfangs schmälere, später breiter
werdende Leiste mit zwei Schenkeln zu den beiden Lap-
pen neben dem Ausschnitte des Clypeusrandes. Neben
derselben ist die Fläche des Kopfschildes mehr oder we-
niger vertieft. Der letztere ist allenthalben grob aber
nicht dicht punktirt. Der Thorax ist breiter als lang,
hinten und seitlich abgerundet, vor dem Schildchen wenig
ausgebuchtet, vorn beträchtlich verschmälert, von hinten
nach vorn bedeutend gewölbt. Er ist grob punktirt und
wird meistens durch eine sehr schmale, entweder hell
gefärbte oder bloss polirte Linie in zwei Hälften getheilt.
Das Schildchen ist nicht sehr gross, länger als breit und
unten abgestumpft. Die Schultern ragen seitlich stark
hervor und ist der Rumpf hier beträchtlich breiter
wie der Halsschild zwischen seinen hinteren Winkeln,
nimmt aber nach der Spitze der Flügeldecken zu, sehr
beträchtlich an Breite ab. Diese Erscheinung ist beson-
ders bei der einen Art sehr auffällig. Die Flügeldecken
sind flach, zwischen der nach hinten sich mehr erheben-
den und angeschwolleneren, an ihrem Ende mehr oder
weniger zugespitzten Naht und der mittleren Längsrippe,
vertieft. Die letztere erhebt sich, von dem Seitenab-
schnitte an, als schwielige Randkante, da neben ihr
sich die Flügeldecke in einem scharfen Winkel nach
unten umbiegt. Sie begrenzt also die Fläche dersel-
ben. Das Pygidium bildet ein gleichseitiges, unten ab-
176 Mohnike:
gestumpftes Dreieck. Der Bauch ist nach unten und
seitlich kräftig entwickelt, bei den Männchen in der Mitte
abgeplatteter wie bei den Weibchen. Auch die Brust-
theile, besonders das Mesosternum, treten nach unten
kräftig hervor. Der Fortsatz des letzteren ist stark und
ragt bei dem Weibchen mit stumpfer Spitze nach unten
und vorn hervor. Er ist ähnlich gestaltet wie bei Clin-
teria. Die Beine sind nicht lang aber in allen Theilen
kräftig. Die Vorderschienen sind bei beiden Geschlech-
tern am Aussenrande dreigezähnt.
1. Euglypta megaspilota Wallace. Taf. IX. Fig. 3.
Cetonia megaspilota Wallace, Transact. entom. Soc.
5. öer. Vol. IV. 1868. p. 587. — Cet. megaspilota Gem-
minger et de Harold, Catal. Coleopt. Tom. IV.. p. 1327.
E. nigra, supra opaca ; cljpeo longo, angustato, pa-
rum nitido, profimde emarginato ; thorace convexo, pun-
ctato, medio linea, lateribus maculis duabus coerulescen-
tibus opalines örnato ; scapulis apiceque scutelli coerulcs-
centibus ; elytro utroque maculis septem, pygidio gutta
mediana; abdomine pectorequc maculis iateraJibus pictis.
Longitudo . Mm. 16-24.
Habitat in insulis Luzon et Mindanao. (/* $.
Eine schöne, auffallend kräftig gebaute Art, welche,
was die Grösse betrifft, eine nicht unbeträchliche indivi-
duelle Verschiedenheit zeigt. Sie ist schwarz, oben
matt, unten in der Mitte glänzend; allenthalben mit
grossen, schön hellblauen, iridisirenden Flecken bedeckt.
Das Schildchen ist lang, nach vorn schmäler werdend,
vorn tief ausgebuchtet, ohne aufgebogene Ränder, wenig
dicht und ziemlich grob punktirt. Von der Stirn nach
vorn verläuft eine starke Läugsschwiele, an deren Sei-
ten sich Vertiefungen befinden. Die Fühlhörner sind
schwarz. Der Thorax ist von hinten nach vorn stark
gewölbt, mit feinem, erhabenen Seitenrande versehen, an
den hinteren Ecken abgerundet, vor dem Schildchen sehr
wenig ausgebuchtet. In seiner Mitte verläuft, von sei-
nem Vorderrande bis nicht ganz zu der Basis des Schild-
chens, eine sehr schmale, hellblaue Längslinie und neben
Die Cetoniden der Philippinischen Inseln. 177
derselben, auf jeder Seite ein grüner, dreieckiger flügei-
förmiger Flecken. An der Stelle der mittleren Linie, wie
auf der Abbildung, befinden sich bei einigen Individuen
kürzere oder längere, längliche Mittelflecken und auch die
beiden Seitenflecken sind bald grösser bald kleiner. Die
Schultern sind ganz und das Schildchen ist entweder in der
Mitte oder an seiner unteren Hälfte mit dem hellblauen
üeberzuge bedeckt. Alle genannten Theile sind weit-
läuftig grob punktirt. Die Flügeldecken sind zwischen
der Naht und den stark hervortretenden, schwieligen Länga-
rippen vertieft und mit eingerissenen, kettenförmigen
Längslinien bedeckt, ausserhalb der Rippen dicht und
grob punktirt. Die Naht ist hinten stark zugespitzt. Auf
jeder Flügeldecke liegen sieben grosse, blaue, schillernde
Flecken; einer zwischen Schulter und Schildchen, drei
am äusseren Rande und ebenso viele neben der Naht.
Die letzteren sind die grösseren. DasPygidium ist quer
nadelrissig und hat einen grünen, etwas ovalen Mittel-
fleck. Die Mitte des Bauches ist glänzend schwarz; die
Seiten der Segmente sind mit dem blauen, schillernden
üeberzuge bedeckt ; an ihrem oberen Rande zeigen sie
neben einander liegende grobe Punkte. Auch die Hin-
terhüften haben hinten solche Flecke. Die Brust ist mit
Ausnahme des Mesosternums nadelrissig; der Fortsatz
desselben stark nach unten und vorn vorragend, an der
Spitze abgestumpft. Auch die Unterseite der Schulter,
die Pleura und der Hintertheil der Mesosternalplattc
sind mehr oder weniger blaugefleckt. Die kräftigen
Schenkel und Schienbeine sind punktirt und nadelrissig;
die ersteren an den beiden vordersten, die zweiten an
den beiden hinteren Paaren gelblich gewimpert.
2. Euglypta attenuata n. sp. Mohnike Taf. IX. Fig. 4.
E. inter scapulas latior, elytrorum apice valde atti-
nuata; nigra, supra opaca, subtus nitida; pronoto maculis
quattuor, duabus medianis maioribus marginalibus duabus
minoribus, albis margaritaceis ornato ; scapulis et coxis po-
sticis albo-marginatis ; elytro utroque sex, pygidio dua-
Archiv f. Niturf. XXXIX. Jahrg. 1. Bd. 12
178 Mohnike:
bus; abdomine decem, pectore octo maculis albis mar-
garitaceis pictis.
Longitudo Mm. 18.
Habitat in insula Luzon. </ $.
Eine sebr merkwürdige, sich besonders bei dem
Männchen durch die sehr beträchtliche Abnahme des Kör-
pers von den Schultern nach der Spitze der Flügeldecken
zu, auszeichnende Art. Sie ist, wie die vorige, schwarz,
aber matt, unten glänzend und gleichfalls mit hellfarbi-
gen Flecken bedeckt. Der Clypeus ist verhältnissmässig
nicht ganz so lang und schmal wie bei der megaspilota,
sehr viel glänzender, feiner punktirt und seine mittlere,
schwielige Längserhebung anders gestaltet. Neben der-
selben zeigen sich keine längliche vertiefte Stellen; die
Seitenränder und die Ecken neben dem vorderen Rand-
ausschnitte sind mehr aufgebogen. Die Stirn ist matt
schwarz; die Fühlhörner sind wie bei der vorigen schwarz.
Der Thorax ist beträchtlich schmäler als der Rumpf
zwischen den Schultern, an den hintern Ecken und den
Seiten abgerundet, vor dem Schildchen kaum ausge-
buchtet, mit einem sehr feinen, glänzenden, wenig erha-
benen Seitenrande verschen. Er ist in seiner ganzen
Ausbreitung fein aber zerstreut punktirt. Seine Wölbung
von hinten nach vorn ist nicht ganz so beträchtlich wie
bei der vorigen, üeber seine Mitte läuft bei dem Männ-
chen des mir vorliegenden Paares, eine sehr feine, polirte
Längslinie von dem Kopfe bis zur Basis des Schild-
chens. Neben derselben, auf jeder Seite, in der Mitte des
Discus, liegt ein runder, weisser, perlmutterartig schil-
lernder Fleck und etwas hoher, neben dem Rande, ein
zweiter, kleinerer, mehr länglicher. Die Schultern sind
glänzend und haben einen hintern weissen Rand. Das
Schildchen ist bei dem Männchen oben glänzend und
durch eine glänzende Längslinie in zwei mattschwarze
Hälften getheilt, bei dem Weibchen ganz mattschwarz.
Die Flügeldecken verschmälern sich, wie schon bemerkt,
von den Schultern nach der Spitze zu, sehr beträchtlich,
bei dem Männchen noch mehr wie bei dem Weibchen,
sind aber zwischen der Naht und der Mittelrippe nicht
Die Cetoniden der Philippinischen Inseln. 179
ganz so vertieft wie bei der vorigen und in der Vertie-
fung mit einfachen, eingerissenen Längsstrichen, nicht mit
Kettenlinien versehen. Die Naht ist hinten etwas we-
niger zugespitzt. Auf jeder Flügeldecke befinden sich
sechs grosse, weisse, schillernde Flecken ; ein schief von
aussen nach innen gerichteter neben dem Schildchen,
zwei neben der Naht, ein querer oberhalb der Spitze
und zwei runde neben dem Rande. Auf dem Pygidium
befindet sich in jeder Ecke des Grundes ein weisser Fleck.
Die Unterseite und die Beine sind sehr glänzend schwarz,
weniger punktirt und nadelrissig wie bei der vorigen.
Auf den beiden vorderen Bauchringen liegen auf jeder
Seite je zwei weisse Flecken, einer neben ihrer Mitte,
einer neben ihrem Ende und zwei andere, mehr in der
Form eines Querstreifens, neben der Mitte des letzten
Bauchringes. Auf der Brust zeigen sich auf jeder Seite
der Mesosternalplatte drei weisse Flecken und ein vierter
auf der Pleura. Der Mesosternalfortsatz des Weibchens
ist, wie bei der vorigen Art, sehr kräftig entwickelt, nach
vorn wie nach unten hervortretend. Bei dem Männchen
ist er schwächer, kürzer und mit seiner Spitze mehr ho-
rizontal gelegen. Die Beine zeigen keine Abweichung
von denen der vorigen.
3. E. bipLacjiata n. sp. Mohnike Taf. IX. Fig. 5.
E. nigra , supra opaca ; clypeo antice emarginato,
angulis crassioribus, rotundatis, medio elevato, punctato;
antennis nigris ; thorace marginato, undique scrobiculato,
flavo-aurantiaco biplagiato ; scapulis flavis ; scutello apice
flavo-maculato ; elytris punctato-striatis, sutura parum pro-
minente, subacuminata, utroque maculis flavo-aurantiacis
octo, una iusta scutelli basin, quattuor iuxta suturam, tri-
bus prope marginem, picto; pygidio lateribus flavis; sub-
tus nitida; abdominis pectorisque lateribus punctatis, fo-
mento flavo-aurantiaco dense obtectis; processu mesosterni
parum prominente, apice obtuso, incrassato; pedibus nigris,
nitidis, striolatis, punctatis.
Longitudo Mm. 20.
Habitat in insula Isabela Archipelagi Sulu. ^.
180 Mohnike:
Diese Art und die folgende bilden den Uebergang
der Gattung Euglypla zu Cetonia und treten deshalb die
als charakteristisch für erstere bezeichneten Eigenthümlich-
keiten bei ihnen nicht mehr so deutlich hervor, wie bei
den beiden vorigen Arten. Der Clypeus ist verhältniss-
mässig breiter, nicht umrandet, vorn tief ausgebuchtet,
mit stumpfen, etwas angeschwollenen Ecken, in der Mitte
massig erhaben, allenthalben ziemlich grob punktirt. Der
Thorax ist nicht ganz so schmal wie bei der vorigen,
aber doch beträchtlich schmäler wie der Rumpf zwischen
den Schultern, hinten bogig geschweift, vor dem Schild-
chen kaum ausgebuchtet, mit feinem, wenig erhabenem
Seitenrande, in seiner ganzen Ausbreitung narbig punk-
tirt. In seiner Mitte zeigt sich die Andeutung einer sehr
schmalen, glänzenden Längslinie und auf jeder Seite der-
selben ein grosser ovaler, gelblich orangefarbener Längs-
fleck. Zwischen ihnen, in der Mittellinie, unmittelbar vor
dem Schildchen, befindet sich noch ein gelber Fleck. Die
Schultern und die untere Hälfte des Scutellum sind mit
gelbem Filze überzogen. Die Flügeldecken verschmä-
lern sich nach hinten nicht in dem Masse wie bei den
beiden vorigen Arten, fallen auch nicht ganz so schroff
nach den Seiten ab, wegen ihrer weniger scharf hervor-
ragenden Mittelrippe. Sie sind allenthalben mit sehr
deutlichen, dicht neben einander liegenden Längsreihen
eingestochener Punkte bedeckt. Die Naht ragt nicht
sehr hervor und ist nur wenig zugespitzt. Auf jeder
Flügeldecke befinden sich acht orangegelbe Flecke; ein
schief von aussen und oben nach unten und Innen ge-
richteter neben der Basis des Schildchens; ein zweiter
runder unterhalb desselben, etwas von der Naht entfernt,
und drei andere neben letzterer. Der unterste von ihnen
ist ein querer und liegt auf dem Rande der Flügeldec-
kenspitze. Auf dem dreieckigen, dicht puDktirten Pygidium
lassen zwei grosse, seitliche, gelbe Filzflecke nur einen
schmalen mittleren Streifen und die Spitze unbedeckt.
Die Mitte des Bauches und der Brust ist sehr glänzend
' und glatt, die Seiten dieser Theile aber sind sehr deut-
lich grob punktirt und dicht mit gelblichem Filze be-
Die Cetonideiv der Philippinischen Inseln. 181
deckt. Auch die Hfnterhüfte hat einen solchen üeber-
zug. Der Mesosternalfortsatz ist nicht ganz so kräftig
und stark wie bei den vorigen Arten, ragt weniger nach
unten und vorn hervor und hat eine stumpfe, etwas an-
geschwollene Spitze. Die Schenkel und Schienen sind
kräftig, glänzend schwarz, grob punktirt. Die Vorder-
schienen haben oberhalb des Endzahnes zwei Randzähne,
von denen der oberste aber sehr schwach ist.
4. Euglypta multoguttata n. sp. Mohnike.
E. nigra, supra opaca; clypeo emarginato, medio
parum elevato, punctato ; thorace angulis rotundato, sub-
convexo, ante scutellum vix sinuato, grosse punctato, guttis
tribus albo-flavescentibus ornato ; scutello apice albo gut-
tato ; elytris dense punctato-striatis, sutura vix prominente
non acnminata, in utroque guttae novem albo-ilavescen-
tes; pygidio toto tomento fulvo-rufescento obtecto; subtus
nitida; abdominis pectorisque latera punctata, aciculata,
tooiento flavo-rufescente dense inducta; pedibus robustio-
ribus, nilidis ; femoribus tibiisque punctatis; libiis ante-
rioribus tridentatis.
Longitudo Mm. 16.
Habitat in insula Mindanao. c^.
Diese Art ist kleiner als die vorige, steht ihr aber,
was Gestalt und Körperbau betrifft, sehr nahe. Der Cly-
pens ist ziemlich breit, niedrig umrandet, in der Mitte
nur wenig erhaben, vorn tief eingeschnitten mit stumpfen
Ecken, dicht aber eben nicht fein punktirt. Die Fühl-
hörner sind schwarz. Der Thorax ist hinten gebogen,
vor dem Schildchen nicht ausgebuchtet, an den Seiten
niedrig umrandet, mit hinteren abgerundeten Ecken. Er
ist allenthalben dicht und grob punktirt. In seiner Mitte
zeigt sich die Spur einer geglätteten Längslinie und zu
jeder Seite derselben ein kleiner, ovaler, schmutzig gelb-
lich weisser Fleck. Ein dritter, kleinerer, runder Fleck
liegt vor dem Schildchen. Die Schultern sind bei dem
einzigen mir vorliegenden Exemplar ungefleckt, vielleicht
aber abgerieben. Die Spitze des Schildchens trägt einen
182 Mohnike:
ovalen Flecken. Die Flügeldecken verschmälern sich,
gleich wie bei der vorigen Art, nach ihrer Spitze zu
weniger wie bei der megaspilota und attenuata, fallen auch
nicht in dem Masse schroff nach den Seiten zu ab, wie
bei den letztgenannten Arten. Die mittlere Rippe und
die hinten kaum zugespitzte Naht ragen wenig hervor.
Gleich wie bei der vorigen Art sind sie mit sehr deutlich
sichtbaren Punktreihen dicht bedeckt. Auf jeder Flügel-
decke liegen neun weissllch gelbe Flecke, einer neben
der Basis des Schildchens, vier andere unterhalb dessel-
ben neben der Naht, von denen der letzte neben der
Nahtspitze gelegene ein grosser ist; und vier an dem äus-
seren Rande. Das Pygidium ist gänzlich mit schmutzig
röthlichgelbem Filze überzogen. Die Seiten des Bauches
und der Brust haben eine ähnliche breite Decke und sind,
wie bei der vorigen Art, dicht punktirt, während ihre
Mitte glänzend schwarz ist. Die Beine sind kräftig;
Schenkel und Schienen punktirt, die letzteren an den
Vorderbeinen erweitert und an dem Rande mit drei Zäh-
nen besetzt, von denen der mittlere der hervorragendste.
Der Mesosternalfortsatz ist wie bei der vorigen Art, ragt
wenig nach vorne und unten hervor und hat eine stumpfe,
etwas angeschwollene Spitze.
Genus IV, Cetonia Fabricius.
Fabr. System. Entomolog. p. 52.
1. Cetonia manäarinea Weber.
Cetonia wanc/arzVi^'a Weber, Observ. entom. p. 68. —
Cet. atomaria Fabr. Syst. Eleuth. Tom. II. p. 153. — Cet,
atomar io Gory et Percheron. Monogr. d. Cet. p. 204.
pl. 57. flg. 3. — Frotaetia mandorinea Burmeister, Handb.
d. Entom. Bd. III. S. 481. — Cef. ßotüis Newman, En-
tom. Magaz. V. p. 169. — Cet. maiidariyiea Wallace, Trans-
act. entom. Soc. 3. Ser. IV. 1868. p, 584. — Cet. maiida-
Tinea Gemminger et de Harold, Catal. Colcopt. Tom. IV.
p. 1327. — Frot. mandarinea Mohnike, Uebers. d. Ceton.
S. 78.
C. supra fusco-viridis opaca, subtus fusco-aenea nitida;
Die Cetoniden der Philippinischen Inseln. 183
pronoti llmbo postico elytrorumque carinis aliquid rufescen-
tibus; capite, pronoto, scapulis, scutello, elytris, pygidio,
abdominis pectorisque lateribus, femoribus ac tlbiis griseo-
squamosis et variegatis.
Longitudo Mm. 15 — 16.
Habitat in insula Luzon. d^ $.
Ich finde zwischen den mir vorliegenden vier Exem-
plaren dieser Art von Luzon und den zahlreichen, von
mir auf Amboina, Celebes, Borneo, Java und Sumatra,
wo dieselbe stellenweise ausserordentlich gemein ist, ge
sammelten Stücken selbst nicht eine zureichende Ver-
schiedenheit, um die ersteren als topische Varietät dieser
weitverbreiteten Art ansehen zu können. Der Clypeus
ist klein, viereckig, erhaben umrandet, vorn massig ein-
gebuchtet , mit breiten Ecken , grob punktirt, bronce-
farbig mit grünem Anfluge, etwas glänzend; die Stirn
mit kurzer, leistenförmiger mittlerer Anschwellung, punk-
tirt, in den Punkten mit gelblich grauen, kurzen Härchen
besetzt. Der Thorax ist bräunlich grün, matt, mit feinem
glänzenden Rande, vorn und an den Seiten, bis über die
Mitte, mehr oder weniger dicht mit Punkten übersät, in
denen sich kleine, gelblichgraue Schuppen befinden. Frei
von denselben ist ein mittlerer Streifen und der Raum
vor dem Schildchen. Auch auf den Schultern und dem
Schildchen, neben den Seitenrändern des letzteren, be-
finden sich solche Punkte und Schuppen. Die Flügel-
decken haben die Farbe des Brustschildes. Wie auf die-
sem nicht selten der Hintertheil, so zeigen auf jenen
die Naht und die Längsrippen meistens einen mehr oder
weniger röthh'chen Anflug. Die Flügeldecken nehmen nach
der Spitze zu nur wenig an Breite ab ; die Naht erhebt
sich, nach hinten zu, ziemlich beträchtlich und ist stark zu-
gespitzt. Auch die Flügeldecken sind allenthalben, in der
Mitte mehr zerstreut, in der Nähe des Randes dichter
punktirt und geschuppt. Unmittelbar hinter dem Seiten-
ausschnitte, oberhalb des zweiten und dritten Bauchseg-
mentes und neben der Spitze, findet eine dichtere Anhäu-
fung der Schuppen statt, wodurch auf jeder Flügeldecke
zwei breite, gekrümmte, seitliche, halbe Querbinden und
184 Mohnike:
eine dritte hintere, den Raum zwischen dem Hinterbuckel
lind der Naht ausfüllende, gebildet wird. Das Pygidium
ist allenthalben, am meisten aber seitlich, punktirt und be-
schuppt. Die Unterseite ist bronzefarben, glänzend. Die
Baiichringe sind, in ihrer ganzen Ausbreitung, an dem
oberen Rande mit Härchen tragenden Schuppen besetzt.
Ausserdem befinden sich auf jedem von ihnen, neben der
Mitte, zwei grössere, dichte, gelblichgraue Filzflecke. Das
Sternum ist durchaus glatt und glänzend. Dagegen aber
sind der umgeschlagene Theil des Thorax, die Schultern,
die Mesosternalplatte, die Pleura und Parapleura so wie
die Hinterhüften dicht grob punktirt und in den Vertie-
fungen mit längeren Schuppen besetzt. Der Mesosternal-
fortsatz ist kurz, stumpf, seitlich nicht unbeträchtlich er-
weitert. Die Beine sind kurz aber kräftig ; Schenkel und
Schienen sind dicht punktirt und gelbgrau geschuppt.
Die ersteren haben gelblichgraue Kniepunkte und sind,
so wie auch die mittleren und hinteren Schienen, dicht
gezimpert. Bei den letzteren zeigt sich auch auf dem
äusseren Rande, unmittelbar hinter dem mittleren Zahne,
ein kleiner, dichter, gelblichgrauer Haarfleck. — Diese
Art variirt hinsichtlich der stärkeren oder geringeren
Beschuppung, namentlich an der Unterseite, beträchtlich.
So sind z. B. die erwähnten mittleren Flecken der Bauch-
ringe bei einigen Stücken nur eben angedeutet.
2. Cetonia arrogans Wallace.
Cetonia arrogans Wallace, Transact. entom. See. 3.
Ser. IV. 1868. p. 584. — Cet. arrogans Gemmingcr et de
Harold, Catal. coleopt. Tom. IV. p'. 1321.
„C mandarineae similis, sed thorace maculis parvis
rotundatis fulvis ; elytris ad suturam minus spinosis; sub-
tus rufo-maculata et pilis rufis vestita.
Very near C. mandarinea, yet looking very distinct;
also n aar (7. iniricaiay Saund. Above, deepbrown; clypeus
quadrate, punctate, rather wider than in G. mandarinea;
thorax with about sixteen small roundish fulvous spots ;
elytra with numerous small spots grouped in two irregu-
lär curved bands, the apex slightly spined at the siiture;
Die Cetoniden der Philippinischen Inseln. 185
beneath coppery or coppery black, the sides more or
less marked wlth rufous and much clothed with rufous
hairs; the sternal process moderately dilated. — Length
7 lines.
Hab. Phillippine Islands." Waliacc.
Ich kenne diese Art nicht, glaube aber, dass sie der
folgenden, obwohl speciell von ihr verschieden, doch sehr
nahestehend ist.
3. Cetonia mutoguttulata n. sp. Mohnike. Taf. IX. Fig. 6.
C. supra brunnea opaca ; clypeo quadrato, non emar-
ginato, raedio modice elevato, dense punctato; antennis
brunneis ; thorace decem guttulis flavis ornato ; elytris lon-
gioribus apice parum attenuatis, singulo guttulis aut ma-
culis decem vel undecim flavis signatis ; pygidio flavo-
bipunctato ; subtus brunneo-rufescens ; abdomine pectore-
que magis minusve flavo-raaculatis ; pedibus rufescentibus,
genubus flavo-punctatis.
Longitudo Mm. 16.
Habitat in insula Luzon. 5.
Diese Art zeichnet sich durch einen schlanken lang-
gestreckten Körperbau aus und erinnert hierdurch an die
Gestalt der meisten Glycyphana - Arten. Sie ist oben
lebhaft braun und, mit Ausnahme der Kopffläche, matt,
unten gleichfalls braun, aber dunkler, mit einem starken
röthlichen Anfluge, welcher letztere an den Beinen noch
stärker hervortritt, so dass dieselben beinahe kirschroth
erscheinen. Der Clypeus ist viereckig, umrandet, vorn
nicht eingebuchtet, massig glänzend, dicht punktirt, in der
Mitte erhaben. Die Flügeldecken sind braun. Der Thorax
ist vor dem Schildchen ein wenig ausgebuchtet und zeigt
nur eine geringe Abrundung seinier hinteren Ecken. Auf
ihm befinden sich acht oder zehn gelbe, runde Flecken.
Im letzteren Falle zeigen sich auf jeder Seite einer in dem
Augenwinkel dicht an dem vorderen Rande, und unterhalb
desselben vier andere, von denen einer in der Nähe des
Seitenrandes, die übrigen aber mehr nach der Mitte zu
gelegen sind. Die letztere selbst ist durchaus frei von
Flecken. Das Schildchen ist ziemlich gross, unten ab-
186 Mohnike:
gestumpft und ungefleckt. Die Schultern haben hinten
einen gelben Rand. Die Flügeldecken sind lang, hinten
wenig verschmälert, mit massig hervorragender, nicht
zugespitzter Naht, abgerundeten Hinterecken und kur-
zen, nur ihr hinteres Dritttheil einnehmenden Längsrippen.
Auf jeder von ihnen zeigen sich eilf kleine, theils runde,
theils länglichere Flecken. Ein sehr kleiner liegt unter der
Spitze des Schildchens, dicht neben der Naht ; fünf liegen
neben dem seitlichen und unteren Rande und fünf andere
zwischen dem Seitenrande und der Naht. Das Pygidium
ist fein und quer nadelrissig; hat auf jeder Seite einen
gelben Fleck. Die Bauchringe sind seitlich zerstreut
punktirt und in den Punkten mit feinen, gelblichen Här-
chen besetzt. Auf den vier letzten von ihnen zeigen sich
auf jeder Seite zwei gelbliche Punkte, von denen der eine
oben au seinem Flügeldeckenrande, der andere neben
seiner Mitte steht. Auch die Seiten der Brust sind zer-
streut grob punktirt, in den Vertiefungen mit Härchen
besetzt und zeigen auf jeder Seite, in der Mitte vor dem
Hüftgelenke, Im hinteren oberen Winkel der Mesosternal-
platte, auf der Pleura so wie auf dem umgeschlagenen
Theile des Thorax gelbliche Flecken. Der Mesosternal-
fortsatz ist kurz, nach vorn wie nach den Seiten etwas
erweitert aber abgerundet. Die Beine sind ziemlich lang
aber kräftig, Schenkel und Schienen sind kirschbraun,
etwas metallisch glänzend, sehr zerstreut punktirt und
nadelrissig, in den Vertiefungen mit feinen und kurzen,
anliegenden, röthlichen Härchen besetzt. Die Schenkel
haben gelblichweisse Kniepunkte und die hinteren ausser-
dem noch an ihrer Unterseite, neben dem Kniegelenke,
einen hinteren Randflecken. Die mittleren und hinteren
Schienen sind gelblich gewimpert, die vorderen haben drei
äussere Randzähne.
4. Cetonia coeruleo-signata n. sp. Mohnike.
Taf. IX. Fig. 7.
C. nigra, supra opaca, subtus sjbnitida; clypeo mar-
ginato, antice non sinuato, angulis rotundatis, opaco, dense
subtiliter punctato, medio elevato; thorace subconvexo.
Die Cetoniden der Philippinischen Inseln. 187
prope margines laterales punctato, disco coeruleo-bipiin-
ctato ; scutello triangulari; elytris convexis, apice parum
attenuatis , rotnndatis, lateribus punctatis , sütura promi-
nente, postice valde acuminata, carina mediana hiimili ; in
utroque elytro raaculae coerulescentes quinque, una inter
scutellum atque humerum, duo majores marginales, toti-
demque, qiiarum una duplicata, suturales. Pygidium, ab-
domen, pectus, pedes nigra immaculata ; processus meso-
sterni brevis apice dilatato.
Longitudo Mm. 20.
Habitat in insula Mindanao. </.
Diese Art hat in der Gestalt viele Aehnlichkeit mit
C. viridis, ist aber nicht ganz so breit und oben gewölb-
ter. Sie ist tiefschwarz, oben sammetartig matt, unten
glänzender. Der Clypeus ist viereckig, erhaben gerandet,
mit etwas abgerundeten vorderen Ecken, vorn nicht ein-
gebuchtet, mit sich weit nach unten erstreckender aber
nicht sehr hoher mittlerer Schwiele, dicht punktirt und
nicht glänzend. Die Fühlhörner sind schwarz. Der Tho-
rax ist ziemlich kurz, hinten nur wenig schmäler als der
Rumpf zwischen den Schultern, ziemlich gewölbt, neben
den feinen, etwas erhabenen Seitenränderu bis fast zur
Mitte hin weitläuftig punktirt. Wo die Punktur beider
Seiten aufhört, befinden sich, neben einanderstehend,
zwei punktähnliche Flecken von hellblauer, etwas in das
Graue fallender Farbe. Die Schultern und das grosse,
dreieckige, unten ziemlich stumpfe Schildchen sind unge-
fleckt. Die Flügeldecken verschmälern sich nach hinten
nur wenig; ihre Spitzen sind abgerundet, sie selbst ziem-
lich gewölbt, mit nicht stark hervortretender Längsrippe.
Die Naht ragt stärker hervor und ist hinten beträchtlich
zugespitzt. Auf jeder Flügeldecke befinden sich fünf heli-
blaugraue Flecken. Ein kleinerer, runder zwischen der
Schulter und der Mitte dos Schildchens; unter diesem
zwei längliche, etwas von oben nach unten gerichtete seit-
liche Randflecke, von denen der oberste aus zwei neben
einander stehenden Punkten zusammengestellt ist. Die
Seiten der Flügeldecken sind ziemlich grob und weit-
läuftig punktirt. Das Pygidium ist ungefleckt und fem
188 Molmike:
quer nadelrfssig. Bauch und Brust sind gleichfalls un-
gefleckt, seitlich bis zur Mitte hin punktirt und nadel-
rissig, massig glänzend. Der Mesosternalfortsatz ist kurz,
vorn abgerundet und seitlich erweitert. Die Beine sind
wenig lang, kräftig, wenig glänzend und einfach schwarz.
Die Vorderschienen sind dreigezähnt, die mittleren und
hinteren innen schwärzlich gewimpert.
5. Cetonia irr or ata Wallace.
Cetonia irrorata Wallace, Transact. entom. Soc. 5.
Ser. Vol. IV. 1868. p. 588. — C. irrorata Gemminger et
de Harold Catal. coleopt. Tom. IV. p. 1326.
„Nigra nitida, subconvcxa, grosse punctata, Jateribus
albo irroratis ; elytris sinuatis apice truncatis; subtus cor-
pore et femoribus pilis albis vestitis.
Black, shining, sub-convex; clypeus short, with two
upturned teeth in front, wide apart; thorax convex, coar-
sely punctate, the sides broadly irrorated with white ;
scutellum subtriangular, smooth, with a few punctures at
the basal angles; elytra rugosely punctate, and with faint
elevated ridges , dotted and irrorated with white more
densely towards the margins, the apex truncate; pygidium
irrorated with white at the sides; beneath, a white spot
at the lower angles of each abdominal segment ; the
thighs, thorax and body clothed with white hairs; ante-
rior tibiae with two streng teeth below the apex ; the
sternal process abruptly dilated at the end. Length
7 Lines. Habit. Philippine Islands (Coli. Parry).
This insect appears to have some of the charakters
of the African genus Diplognatha, and it will probably
form a new genus between it and true Cetonia. (It is the
Äenopoptocliäus, White, MS.) I refrain, however, from
forming new genera, without a more complete knowledge
of the whole familyl*^ Wallace.
Ich kenne diese Art eben so wenig als die nach-
folgende.
6. Cetonia prooera White.
Protaetia procera White , Proceedings zool. Soc
London 1856. p. 17. tab. XLL fig. 6. — Cetonia procera
Die Cetoniden der Philippinischen Inseln. 189
Wallace, Transact. entom. Soc. 3. Ser. Vol. IV. 1868.
p. 580. — C. procera Gemminger et de Haroid, Catal.
coleopt. Tom. IV. p. 1328.
;,Supra viridi-subsericea, poroso-punctata, albido pau-
lulum submaculata In elytris praesertim , elytris apice
spinoso-productis; subtus laete metallico-viridis, abdomine
plagis 16 albo-pllosls in quattuor ordinibus dispositis.
In size between P. ferruginea and P. regalis; above,
including iipperside of legs, it is of a fine dull, dark
velvety green, which, when rubbed, displajs beneath a
metalHc base, as in many of the Cetonidae, such as Go-
liathus torqiiatus; the edges of the nasus are metallfc.
The heaü and thorax above are thickly and distinctly
poroso-punctate; there is an indication of a gellowish-
white dot near each front angle of the thorax (which dot
may vary in size in other specimens); the elytra have
four dots passing into short transverse streaks on each
side, and a small spot near the suture^ about the middle,
and a short white streak rnidway between the middle and
the spine ; three dots between that and the spine, which
is longer and much more distinct than on the sides of
elytra, transversely pitted in many shallow short waves ;
general surface punctured, the pnnctures chiefly in Striae.
Head small, slightly ridged on sides in front of eyes,
slightly narrower in front and rather deeply grooved
behind front margin. Under side and legs metallic green,
femora and mesothorax acuducted, the latter with two or
three patches of isabella pile ; abdomen irregularly punc-
tured, sraooth, with eight transverse patches of isabella
pile on each side in double columns. Hairs on tibiae
rufous; fore edge of front tibiae and tarsi of all the legs
metallic green. Habit. Philippine Islands (Coli. Cumming).
NB. The figures are of the nature size. This is alluded to
in Dr. Schaum's second liste of Cetonidae, and is quoted
under the above name." White.
7. Cet07iia hifenestrata Chevrolat.
Cetonia hifenestrata Chevrolat, Guerin Rev. Zooi. IV.
1841. p. 223. — Protaetia befenestrata Burmeister, Handb.
190 Mohnike:
d. Entom. ßd. III S. 492. — Cet. gemella Newman, The
Entomologist 1841. art. XXXIX. p. 171. — Cd. indra Hope,
Proceed. entom.* Soc. 1841. p. 33; Annal. natur. Hist.VIII.
1841. p. 303; Transact. entom. Soc. IIL 1843. p.281. —
Cet. bifenestrata Wallace, Transact. entom. Soc. 3. Ser.
Vol. IV. 1868. p. 579. — Cet. bifenestrata Geraminger et
de Harold, Catal. coleopt. Tom. IV. p. 1322.
C. inter huins generis statura maximas, supra aut brunnea
aut fuliginoso-purpurea velutina; clypeo quadrato, margine
antico profunde sinuuto, reflexo, dense punctato, opaco, me-
dio non carinato-elevato; tborace piano, corpore angustiore,
ante scutellum sinuato^ angolis posticis subacutis; scutello
subtriangulari; hoc et scapulis immaculatis; olytris plani.s,
apice vix atteniiatis, subrotundatis, utroque medio iuxta
saturam macula magna subqnadrata flavo-aurea, aliisque
maculis minoribus, suturalibus aut marginalibus magis mi-
nusve ornato ; sutura callosa, prominente, postice valde pro-
ducta, acutissima, carina mediana humiliore; gibbis posterio-
ribus prominentibus; pygidio subtiliter transverse striolato,
aut brunneo flavo-bivittato, aut flavo brunneo-vittato; subtus^
fuliginoso-purpurea sive brunnea, nitidissima, äbdominis
pectorisque lateribus et punctatis et foveolatis, tomento
flavo-aureo magis minusve densius vestitis; processu meso-
sterni brevi, apice rotundato, vix dilatato; pedibus longis,
fortibus, nitidis, purpurescentibus, femoribus tibiisque di-
stanter punctatis, femoribus anterioribus mediisque, tibiis
mediis et posterioribus, rufo-fimbriatis, tibiis anterioribus
bidentatis.
Longitudo Mm. 25—30.
Habitat in insula Luzon. cT $.
Von dieser grossen und schönen Art giebt es hel-
lere , einfach braun gefärbte Individuen, während bei
anderen und, wie es mir wahrscheinlich vorkommt, den
meisten, die braune Grundfarbe viel dunkler ist und einen
Anflug von Purpur besitzt. Sie ist oben gänzlich eam-
metartig matt, unten aber und an den Beinen, mit Aus-
nahme der helleren, mit Filz überzogenen Stellen, stark
glänzend. Der Clypeus ist viereckig, erhaben gerandet,
vorn tief eingeschnitten, mit abgerundeten und aufgeboge-
Die Cetoniden der Philippinischen Inseln. 191
nen Ecken neben dem Einschnitte. Er ist flacK sam-
metartig, matt, braun, dicht punktirt, ohne mittlere lei-
stenförmige Erhebung. Der Prothorax ist schmäler wie
der Rumpf zwischen den Schultern, ziemlich flach, vor
dem Öchildchen massig ausgebuchtet, mit vorspringenden
aber abgerundeten Schulterecken. Er ist allein seitlich
sparsam punktirt. Bei einigen Exemplaren findet sich
neben dem erhabenen Seitenrande des Thorax, von sei-
neu Kopfecken ausgehend, in längerer oder kürzerer Aus-
dehnung die Spur einer gelblichen, filzigen, inneren Rand-
einfassung. Die Schultern und das fast dreieckige Schild -
chen sind matt, braun und ungefleckt. Die Flügeldecken
verschmälern sich, von dem Seitenausschnitte an bis zu
ihrer Spitze, kaum; ihre äusseren, unteren Winkel sind
abgerundet. Sie sind flach und zwischen ihren mittleren
Längsrippen und der Naht beträchtlich vertieft. Die
letztere ist aufgeschwollen, vorragend, breit und an ihrem
Ende sehr scharf und lang zugespitzt. Auf jeder Flü-
geldecke befindet sich ungefähr in ihrer Mitte, zu An-
fang der Vertiefungen, unmittelbar neben der Naht, ein
grosser, unregelmässig viereckiger, bald hellerer, bald
dunklerer, häufig lebhaft goldgelb gefärbter Filzfleck.
Bei einigen Exemplaren liegt in der Mitte zwischen dje-
sem grossen Flecken und der Spitze, ebenfalls dicht neben
der Naht, noch ein viel kleinerer, meistens länglich ge-
stalteter. Ausserdem befinden sich auf jeder Flügeldecke
noch zwei grössere oder kleinere Randflecke, der erste
zwischen den beiden Nahtflecken, der andere unterhalb
des Nahtbuckels gelegen. Das Pygidium ist fein quer
gestrichelt und entweder ganz mit gelbem Filze überzo-
gen, so dass nur eine braune mittlere Längsbinde übrig
bleibt, oder dasselbe ist braun mit zwei gelben Längs-
binden. Wie Burmeister das Pygidium dieser Art
beschreibt, nämlich dass dasselbe bei den Weibchen un-
gefleckt, bei den Männchen aber mit je drei goldfar-
benen Flecken an den Seitenecken verziert sei, von de-
nen die beiden inneren sich gewöhnlich zu einem Winkel
verbänden, habe ich es bei den von mir untersuchten
Exemplaren nicht gefunden. Die Unterseite ist von der
192 Mohniket
Farbe des Thorax und der Flügeldecken, bald heller;
bald dunkler braun, bald sehr glänzend. Die ßauchringe
sind seitlich zerstreut punktirt und daselbst entweder mit
einer sehr breiten, zusammenhängenden Decke von gelbem
Filze überzogen, oder aber auf jedem Segmente befinden
sich jederseits ein vorderer grösserer, ovaler und ein
hinterer, kleinerer, mehr runder Filzfleck. Auch die Hin-
terhüfte ist grösstentheils mit solchem Filze überzogen.
Das Stcrnum ist glänzend braun, der Fortsatz des Me-
sosternum ist nicht sehr gross, gerundet, seitlich kaum
erweitert. Die Pleura, Parapleura, die Mesosternalplatte,
die ünterfläche des Schulterstückes und der umgeschla-
gene Theil des Prothorax sind gleichfalls, bald mehr bald
weniger, mit gelbem Filze bedeckt. Die Beine sind lang
und kräftig. Die Vorderschienen haben bei dem Männ-
chen dicht vor dem Endzahne eine kleine Spitze ; die
Schenkel häufig einen gelben Längsstreifen; immer ha-
ben sie gelbe Kniepunkte. Die vorderen und mittlem
Schenkel so wie die mittleren und hinteren Schienen sind
röthlich gewimpert. Schenkel und Schienen sind bei den
dunkleren Stücken häufig dunkel purpurfarben, bei den
helleren grünlich metallisch glänzend. Die Tarsalglieder
sind verhältnissmässig kurz und haben an den Gelenken
Haarbüschel,
8. Cetonia dubia Wallace.
Cetonia dubia Wallace, Transact. entom. Soc. 3. Ser.
Vol. IV. 1868. p. 582. — Cet. dubia Gemminger et de
Harold, Catal. coleopt. Tom. IV. p. 1323.
„Plana, depressa, lateribus angulatis supra olivaceo-
cuprea, subtus cupreo-aenea; thorace elytrisque albo-ma-
culatis ; processu sternali non dilatato, incurvato.
Above, coppery-olive; clypeus punctate, the anterior
raargin recurved and notched ; thorax subtriangular, punc-
tate, with two linear marks and several spots whitish;
scuteliura elongate, triangulär, with a white band at the
base; elytra flat, subquadrate, the sides angular, with
numerous irregulär spots and linear markings; pygidium
white markedj beneath, bronzy green or coppery, the
Die Cetoniden der Philippinischen Inseln. 193
sides more or less covered with a whitish ernst; tlie ster-
nal process straight, not dilated at the end, incurved in
the (?) female. Lenght 8 — 10 lines. Hab. Philippiue-Islands
(B. M.) — A curious species, much resembling C. Bre-
mii, but at once distinguished by its flatter elytra and
simple sternal process. Two specimens in the British
Museum differ somcwhat in the form of the sternal pro-
cess which may be a sexual difFerence, as they are other-
wise very much alike. Tliis niakes some approach to my
genus Sternoplus.^ Wallace.
Ich kenne diese Art nicht und würde sie für eine
Varietät der folgenden halten, erwähnte Wallace nicht
so ausdrücklich, dass sie durch die eigenthümh'che Form
ihres Mesosternalfortsatzes sich der bis jetzt einzigen Art
einer anderen Gattung, nämlich Sternoplus (Cetonia; Pro-
taetia) Schau mii, White^ von Celebes anschliesse.
9. Cetonia ferruginea Eschscboltz.
Cetonia ferruginea Eschsch. Gory et Percheron, Mo-
nogr. d. C6t. p. 196. pl. 35. fig. 3. — Frotaetia ferruginea
Burmeister, Handb. d. Entom. Bd. IIL p. 491. — Frot.
cinnomomeay Burmeister 1. c. p. 491. — Frot. sybaritica
Newman, The Entomol. 1841. Art. XXXIX. p. 169. —
Cet. ferruginea Wallace, Transact. entom. Soc. 3. Ser.
Vol. IV. 1868. p. 582. — Cet. ferruginea Gemminger et
de Harold, Catal. coleopt. Tom. IV. p. 1323.
C. supra laete ferruginea, opaca, velutina ; subtus
aenea, nitida; clypeo quadrato , marginato, antice non
sinuatO; punctato, medio parum elevato, subnitido; fronte
velutino, aut immaculato, aut punctis minimis sive duobus,
sive quattuor, sive sex flavo-albescentibus ornato; anten-
nis aeneis ; thorace scapulis angustiore, subconvexo, sae-
pius viridi biplagiato, aut imuiaculato aut magis minusve
albo-punctato, ante scutellura sinuato, angulis humerali-
bus subrotundato; scutello subtriangulari, saepius viridi
marginato; scapulis viridibus, punctatis, tomento albido
postice marginatis; elytris parallelis, planis, apice sub-ro-
tundatis, parum punctatis, sutura parum prominente, fine
Archiv f. Natarg. XXXIX. Jahrg. 1. Bd. 13
1 94 M o h u i Ic e :
parnm aciiminata, iuxta suturam saepius virldi-plagiatis, aut,
fascia abbreviata transversa apicali excepta, omnino imma-
culatis, aut punctis lineolisque flavescentlbus et suturalibus et
margiaalibiis, magis minusvc signatis; pygiclio basi qiiattuor,
apice duabus macnlis albido-fiavls ; abdomine lateribus
punctatis, in utroque maculae aibescentes octo diiplici serie
ordinatae ; coxae posteriores tomento albido vestitae ; pec-
toris latere magis minusve albido-tomentoso; processus
mesosterni brevis, apice purum dilatatus ; pedes fortes,
longi, femoribus anticis mediisque, tibiis mcdiis et poste-
rioribus flavo-fimbriatis.
Longitudo Mm. 23—25.
Habitat in insulis Luzon et BoboL ^ $.
Diese Art variirt hinsicbtlich der Zeicbnung sehr
und hat daher zu der Aufstellung- mehrerer Arten, die
später mit Recht wieder eingezogen wurden^ Veranlas-
sung gegeben. Hierher gehören Cctonia cinnamomea
Burra. und C. sybaritica Newman. Nicht so aber scheint
es mir mit C. Bremii Schaum, die von Gemminger
und von Harold gleichfalls mit der ferruginea ver-
einigt wurde, der Fall zu sein. Ich halte dieselbe für eine
selbstständige Art und habe sie deshalb unter die Syno-
nymen der ferruginea nicht aufgenommen. Weiter unten
wxrde ich auf sie zurückkommen. Cet. ferruginea hat
die Grösse und Gestalt der C. marmorata, nur die gross -
ten Exemplare sind etwas länger. Sie ist oben lebhaft
braun, etw^as in das Röthliche spielend, häufig mit zwei
grossen, dunkleren, grünlichen, verschieden gestalteten,
meistens dreieckigen Flecken auf dem Thorax neben des-
sen Mittellinie. Auch zeigen sich solche grünliche Strei-
fen häufig auf den Flügeldecken neben der Naht, und
auch ihre Seitenränder haben n'icht selten diese Färbung.
Ebenso ist auch das Schildchen häufig grün gerandet.
Der Clypeus ist viereckig, mit erhabenem Rande, grob
punktirt, vorn und seitlich braun metalh'sch glänzend, in
der Mitte etwas erhaben. Vorn ist derselbe nicht einge-
buchtet, sondern der erhabene Rand ist daselbst in der
Mitte bloss niedriger als mehr seitlich. Die Stirn ist
braun, matt, sammetartig wie der Thorax und die Flügel-
Die Cetoniden der Philippinischen Inseln. 195
decken, entweder ungefieckt, oder mit zwei, mit vier und,
in einzelnen Fällen, selbst mit sechs kleinen wcisslicli
gelben Punkten, die in einer, in zwei oder drei Reihen
nebeneinander stehen, geschmückt. Der Thorax ist schmä-
ler als die Schultern und selbst als die Flügeldecken
weiter nach hinten ; vor dem Schildchen ausgebuchtet, mit
vorragenden aber doch abgerundeten Schulterecken. Er
ist entweder durchaus ungefleckt oder zeigt einen gelb-
lichen Punkt m jedem Kopfwinkel und neben den Seiten-
rändern, und ausserdem noch entweder bloss zwei neben
einanderstehende Punkte in der Mitte des Discus, oder
aber seitlich von dieser noch zwei bis vier andere. Das
Schildchen ist ungefleckt, die Schulterblätter sind grün,
punktirt, an ihrem oberenRande mit röthlichen Härchen be-
setzt, hinten in grösserer oder geringerer Ausdehnung gelb
geraudet. Die Flügeldecken sind ziemlich flach, verschmä-
lern sich nach der Spitze zu kaum merklich ; die Naht
und die mittlere Längsrippe ragen nur wenig hervor und
die Vertiefung zwischen beiden ist unbedeutend ; erstere
hinten nur wenig zugespitzt. Sie sind entweder, mit
Ausnahme eines längeren oder kürzeren gelblichen Quer-
streifens unmittelbar über ihrer Spitze, gänzlich unge-
fleckt oder zeigen verschiedene gelbliche Punkte und
Strichelchen. Bei den am stärksten gezeichneten befindet
sich auf jeder Flügeldecke ein Punkt zw^ischen Schulter
und Schildchen, ein kleiner Querfleck unterhalb ihrer Mitte
neben der Naht; unterhnlb dieser ein etwas längerer, halb-
mondförmiger und ausserdem di-ei bis vier verschieden ge-
staltete, von denen der zweite der längste ist, neben dem
vSeitenrande. Diejenigen Exemplare, wo entweder nur die
Querlinie an der Flügeldeckenspitze, oder noch ein Punkt
in dem Augenwinkel und an dem Seitenrande des Tho-
rax sich befinden, alles übrige aber ungefleckt ist, bil-
den die C. cinnamomea von Burmeister. Das Pygi-
dium ist grünlichbraun, fein quergestrichclt und mit vier
grösseren Flecken an seinem Grunde, so wie mit zwei
solcher kleinerer an seiner Spitze versehen. Die Unter-
seite ist broncefarben , stark glänzend. Die Bauchringe
sind an ihren Seiten massig punktirt nnd zeigen an jeder
196 Mohnike:
Seite zwei Reihen alternircncler Querflecken, in jeder
Reihe vier, von denen die beiden mittlem der vordersten
Reihe nicht selten fehlen. Auch die Hinterhüfte ist hin-
ten mehr oder weniger gelbfilzig. Die Seiten der Brust
sind punktirt, gestrichelt und mit feinen rötblichen Här-
chen besetzt. Auch die Pleura, Parapleiira und Meso-
sternalplattc sind mehr oder weniger gelbgefleckt. Bei
allen Exemplaren liegt vor den Hinterhüftcn-Schenkel-
gelenken ein gelber Zwilliiigsfleck. Der Mesosternalfort-
satz ist seitlich beträchtlich erweitert. Schenkel, Schie-
nen und Tarsi sind lang und kräftig, braun metallglän-
zend, die ersteren gestrichelt, die Schienen punktirt, beide
in den Vertiefungen mit zerstreuten röthlichen Härchen
besetzt. Die Beine haben weissgelbe Kniepunkte, während
die Schenkel häufig, aber nicht immer, an der Unterseite
längere oder kürzere hintere Randstreifen besitzen. Die
Schienen haben drei Randzähne , von denen bei dem
Männchen der hinterste nur sehr wenig hervorragt und
fast obsolet ist.
10. Cetonia ducalis n. sp. Mohnike. Taf. X. Fig. 1.
C. statura permagna ; supra brunnea, opaca ; subtus
aenea- nitida ; clypeo quadrato, parum emarginato, punctato,
subnitido, hoc et fronte brunneis, opacis, medio non cleva-
tis ; pronoto immaculato, albo-limbato, ante scutellum si-
nuato, angulis scupularibus subrotundatis; elytris subcon-
vexis, apice vix angustatis, carina mediana suturaque ele-
vatis, hac parum acuminata, utroque infra scapulam albo-
limbato fasciolisque albis tribus, duabus suturalibus una
marginali, ornato ; pygidio albo quinque-maculato, rufo
fimbiiato; abdomine maculis albis tomentosis quadruplici
ordlne distincto; pectoris lateribus vix albo variatis, flavo-
pilosis; processu mesosterni rotundato, parum dilatato,
pedibus longiusculis, fortibus ; femoribus omnibus, tibiis
raediis ac posticis flavo-fimbriatis.
Longitudo Mm. 28—51.
Habitat in insula Luzon. — </ $•
Diese Art ist die grösste der mir bekannten eigent-
Die Cetoniden der Philippiniscben Inseln. 197
lichea Cetonien von den Philippinischen Inseln, da sie
selbst Cet. bifenestrata in den meisten Fällen an Länge
und fast immer an Breite übertrifft. Ihr Clypeus ist
viereckig, mit einem niedrigen Rande umgeben, vorn
wenig aber doch mehr wie bei Cet. ferruginea einge-
buchtet, in der Mitte ohne alle Erhebung, dicht und fein
punktirt und nur ganz in der Nähe seines Randes glän-
zend, da sich der matte braune Sammetüberzug von der
8tirn weit nach vorn erstreckt. Die Fühlhörner sind
braun. Der Thorax ist verhältnissmässig nicht so schmal
wie bei der vorigen und fast eben so breit wie die Flü-
geldecken unterhalb ihres Seitenausschnittes, vor dem
Schildcben ausgebuchtet, an den Scbulterecken ziemlich
abgerundet. Neben seinem Rande verläuft , von den
Schultern seinen Anfang nehmend, ein weisser, in der
Mitte des Vorderrandes unterbrochener Filzstreifen. Die
Schultern sind punktirt, braun und mit röthlich gelben
Härchen bestanden. Das Schildchen hat die Gestalt eines
langschenkligen Dreieckes. Die Flügeldecken sind ge-
wölbter wie bei der vorigen Art, verschmälern sich nach
hinten sehr wenig, sind daselbst abgerundet, die Naht,
Mittelleiste und die Endbuckel ragen mehr hervor und die
Vertiefung zwischen den ersteren ist beträchtlicher wie
bei der ferruginea. Auf jeder Flügeldecke befinden sich
in ihrer Mitte, neben der Naht, eine kleine weisse Quer-
linie oder, anstatt derselben, ein Paar neben einander ge-
stellter Punkte und unterhalb derselben, mehr in der
Nähe der Spitze, ein feiner, nach unten gerichteter, weis-
ser Halbmond. Auf der Höhe zwischen beiden befindet
sich an dem Rande eine weisse Querlinie und nicht selten
stehen, wie auf der Abbildung, oberhalb und unterhalb
derselben noch zwei weis se Randpunktc. Das Pygidium
ist fein quer gestrichelt mit vier oberen und zwei unteren
weissen Längslinien, Unten ist dasselbe mit einer dichten
gelblichen Haarbürste besetzt. Die Brust ist an den Sei-
ten punktirt und zeigt daselbst vier Reihen von je vier
alternirenden weissen Flecken, ähnlich wie bei der vori-
gen Art. Die Brustseiten zeigen, mit Ausnahme von dem
umgeschlagenen Theilc des Thorax, kaum hier und da
108 Mohnike:
SpiiroM von weissem Filze ; sie sind nadelrissig gegriibt
und mit röthlichen Härchen besetzt. Der Mesosternal-
fortsatz ist runder und seitlich weniger erweitert wie bei
der ferruginea. Die Beine sind kräftig und ziemlich lang.
Die Schenkel sind nadelrissig, die Schienen stark punk-
tirt. Beide tragen zerstreute Härchen. Alle Schenkel,
so wie die vorderen und hinteren Schienen, haben einen
starken, gelblich-röthlichen Haarsaum. Die Vorderschie-
nen haben drei Randzähne, von denen der hinterste bei
dem Männchen nur eben angedeutet ist.
11. Cetonia papalis n. sp. Mohnike. Taf. X. Fig. 2,
C. supra aterriraa, velutina; subtus nitida, cerasina ;
clypeo quadrato, marginato, antice vix sinuato, deusissime
et subtilissirae punctato , nitido, medio parum elevato;
fronte albo aut bi~ aut quadri-punctato; antennis nigro-
rufescentibus; thorace antice lateribus albo-limbato ; an-
gulis scapularibus raaculis magnis sanguincis, medio vittis
duabus albo-margaritaceis ornato ; scapulis postice marga-
ritaceo-margiantis ; elytris iuxta scutellum, suturam, mar-
ginesque, humero apiceque, maculis lineolisque albo-mar-
garitaceis distinctis, intcr sutnram et carinas medianas
sanguineo-maculatis, sutura postice valde producta, acu-
minata; pygidio subtiliter transvcrsim striolato , rubro,
basi albo quattuor-maculato ; abdominis pectorisque late-
ribus albo variegatis; aciculatis, punctatis; fcmoribus ru-
bris; tibiis nigro-rubesccntibus; tarsis nigris; procossu
mesostcrni parvo^ brevi, apice rotundato. non dilatato.
Longitudo . . . . Mm. 25.
Habitat in insulis Panaon, Bohol, Leyte, Minda-
nao </ $.
Diese, von allen'mir bekannten Cetonien im engeren
Sinne, aus der indischen Inselwelt die schönste, ist zu-
gleich eine der grössten, da sie zwischen Cet. bifene-
strata und Cet. ferruginea die Mitte hält. Sie ist oben,
die näher zu erwälinenden Flecken und Zeichnungen abge-
rechnet, tiefschwarz und sammetartig; unten glänzend und
dunkelkirschrotb, mit Ausnahme der mittleren Brustthcile,
Die Cetonideu der Philippinischen Inseln. 199
welche scbwärzliclier sind. Der Clypeus ist viereckig, um-
randet, vorn tiefer ausgebuchtet wie bei den vorigen Arten,
in der Mitte etwas erhaben, dicht und sehr fein punktirt,
bis zur Stirn hin glänzend. Die letztere ist matt, entwe-
der bloss schwarz oder zeigt zwischen den Insertionsstellen
der Fühljiörner zwei oder vier weisse Punkte. Sind vier
derselben vorhanden, so stehen sie in zwei Reihen und
befindet sich das zweite Paar weiter nach hinten auf dem
Scheitel. Der Thorax ist von der Breite der Flügel-
decken unterhalb des Seitenabschnittes, vor dem Schild-
chen ausgebuchtet und besitzt vorspringende, aber doch
abgerundete Schulterecken. Der obere Theil der Seiten-
ränder wird nach innen von weissen Randstreifen einge-
fasst, welche vorn eine Lücke ofl^en lassen, indem sie
etwas nach innen von den Augenwinkeln aufhören, dabei
aber ein wenig nach hinten gebogen sind. Die ganze
Schulterecke, bis dicht an den Schiidchenwinkel, nimmt
ein grosser, runder, blutrother, ebenfalls sammetartiger,
matter Flecken ein. In der Mitte des Thorax befinden
sich zwei längere oder kürzere weisse, etwas in das gelb-
liche spielende, perlmutterartig glänzende Längsstreifen.
Häufig finden sich hinter denselben, etwas weiter von
einander entfernt, vor den Ecken des Schildchens, noch
zwei, aber kürzere und schmälere Längsstreifen, wie auf
'der Abbildung. Auch sie haben den eigenthümlichen
Pcrlmutterglanz wie überhaupt alle weissen Flecken und
Linien auf der Oberseite dieser schönen Art. Die Schul-
tern sind schwarz, punktirt und haben in der ganzen
Breite eine hintere weisse Randeinfassung. Das Schild-
chen ist länglich, ziemlich gross, unten abgestumpft. Die
Flügeldecken sind ziemlich flach, hinten nur sehr wenig
verschmälert, an der Spitze geradlinigt. Die mittlere
Rippe so wie die Naht ragen nicht sehr hervor und der
Raum zwischen beiden ist nur wenig vertieft. In jedem
dieser Zwischenräume befindet sich ein grosser, blutro-
ther Längsfleck, der aber nicht bis zu dem Ende der
Vertiefung nach hinten reicht. Die Naht ist nach hinten
weit vorgezogen und endigt in einer langen aber nicht
sehr scharfen Spitze. Auf jeder Flügeldecke zeigen sich
200 Mohntke:
noch folgende weisse, perlmutterartig glänzende Zeich-
nungen: Ein kurzer Querstreif neben dem obern Winkel
des Öchildchcns; eine längere Längslinie von der Schulter
schief nach innen und unten, so wie eine andere, in ent-
gegengesetzter Richtung, von der Basis des Schildchens
nach unten und aussen verlaufend und mit der vorher-
gehenden einen spitzen Winkel bildend; zu Anfang der
Vertiefung ein grösserer Querflecken neben der Naht, so
wie ein zweiter, ähnlicher in geringer Entfernung von deren
Spitze. Diese beiden Flecke bilden die obere und untere
Begrenzung der erwähnten grossen rothen Längsflecken.
Zwischen ihnen so wie unterhalb der letzten, liegen, ne-
ben der Naht, noch in dem einen Falle mehr, in dem an-
dern weniger kleinere weisse Flecken und Punkte. Aus-
serdem liegen auf jeder Flügeldecke noch vier Rand-
flecken, von denen der dritte, dessen Lage der Mitte bei-
der grösserer Nahtflecken entspricht, der grösste ist. Alle
weissen Flecken und Striche sind bei den einzelnen
Stücken bald stärker, bald schwächer gezeichnet. Das
Pjgidium ist blutroth, matt, fein quer gestrichelt, mit vier
Längsflecken auf seiner Basis. Die Bauchabschnitte zei-
gen an den Seiten nur eine sehr schwache Sculptur, und
je sechs weissliche Längsflecke, von denen vier in der
hinteren, zwei aber in der vorderen Reihe. Auch die
Hinterhüften sind weiss gefleckt. Auf dem Metosternum
befindet sich vor den Trochanteren der Hinterschenkel ein
Doppelfleck, und sind ausserdem die Pleura, Parapleura,
die Unterseite der Schulterblätter und der umgeschlagene
Theil des Thorax mehr oder weniger weissgefleckt. Der
Mesosternalfortsatz ist kurz, kegelförmig, seitlich nicht
erweitert. Die Beine sind ziemlich lang aber schlanker
wie bei den beiden vorigen Arten-, viel weniger punktirt
und nadelrissig, mit Ausnahme gelblicher Wimpern def
vorderen und mittleren Schenkel so wie der mittleren und
hinteren Schienen, nicht mit Flärchen besetzt. Die Schen-
kel sind dunkel kirschroth , die Schienen und Füsse
schwarz. Die Schienen haben weisse Kniepunkte. Auch
die Randzähne der letzteren sind nicht so herverstehend
und scharf, wie bei der vorigen, namentlich ist solches
Die Cetoniden der Philippinischen Inseln. 201
bei doli Männchen der Fall, wo der oberste Zahn des
vorderen Paares kaum mehr als angedeutet ist.
12. Cetonia leucogranima n. sp. Mohnike.
Taf. X. Fig. 3.
♦ C. umbrina, supra opaca, subtus nitida; clypeo sub-
quadrato, antice parum emarginato, punctato, medio ele-
yato, subnitido ; antennis brunneis; thorace lateribus punc-
tato; ante scutellum sinuato, albo limbato^ medio punctis
duobus, supra scutelli basin lanulis duabus albis signato;
scutello basi albo-limbato; scapulis postice albo margi-
natis ; elytris subconvexis; carina suturaque parum ele-
vatis, hac non acuminata, utroque prope scutellum, su-
turam, raarginemque lineolis albis transversis ornato; py-
gidio albo-adsperso; abdomine parum ac distanter punc-
tato, latere utroque maculis albido-tomentosis octo alter-
nantibus, duplici serie positis variegato; pectoris lateribus
coxisque posterioribus tomento albido adspersis ; processu
mesosterni brevi, non dilatato; pedibus brevioribus; tibiis
anticis tridentatis.
Longitudo Mm. 20.
Habitat in insula Luzon. $.
Oben rein braun, matt; unten braun, etwas metal-
lisch glänzend. Clypeus nicht ganz viereckig mit etwas
abgerundeten Ecken, erhaben umrandet, vorn ein wenig
eingebuchtet , grob punktirt, in der Mitte erhaben ; Fühl-
hörner braun ; Thorax von der Breite der Flügeldecken,
hinter deren Seitenausschnitte, auf jeder Seite mit weis-
sem, von der Schulter bis zu dem Augenwinkel reichen-
den Randstreifen , auf dem Discus zwei weisse Punkte
und unter denselben, vor der Basis des Schildchens, zwei
solche, nach aussen gekrümmte Monde ; die Schultern
hinten mit weisser Randeinfassung; die Flügeldecken hin-
ten sehr wenig verchmälert , mit wenig hervorragender
Mittelrippe und Naht, die letztere ohne hintere Zuspit-
zung. Auf jeder von ihnen eine weisse Querlinie oben
neben der Basis des Schildchens; eine zweite, schräge
von oben nach unten und innen verlaufende, neben der
Spitze des letzteren, zwei andere, quere, weiter unten ne-
202 Mohnike:
bcn der Naht. Zwischen diesen beiden so wie unterhalb
der unteren noch verschiedene weisse Punkte. Ausser-
dem vier quere Randh'nien, von denen die oberste unter-
halb des Scitenausschnittes, die unterste oberhalb der
Spitze gelegen ist und zwischen der zweiten und dritten
noch ein weisser Punkt. Das Pygidiura fein quer gestri-
chelt, an den Seiten mit weissen Atomen bestreut. Die
Bauchringe sind nur wenig und zerstreut punktirt^ mit vier
Reihen von je vier alternirenden, länglichen Seiteiiflecken.
Die Hinterhüften so wie die Mesosternalplatte, die Pleu-
ren, Parapleuren und die umgeschlagenen Theile des
Thorax an einzelnen Stellen mit weisslichem Filze be-
deckt. Alle Seitentheile der Brust ausserdem punktirt und
nadelrissig. Der Mesosternalfortsatz kurz, vorn abge-
rundet, seitlich nicht erweitert. Die Beine ziemh'ch kurz
und nicht besonders stark, braun, metallisch glänzend;
Schenkel nadclrissig, Schienen punktirt, die letzteren an
dem ersten Paare dreigezähnt, keine hellgefärbte Knie-
punkte an denselben.
13. Cetonia pleheja n. sp. Mohnike. Taf. X. Fig. 4.
C. supra brunnea aliquid rufescens, opaca; subtus
aenea, nitida; clypeo subrotundato, marginato, antice si-
nuato, punctato, medio elevato, subnitido; tliorace rofcun-
dato, convexo, albido limbato, disco bipunctato, ante scu-
tellum sinuato ; hoc triangulari ; scapulis postice albo
marginatis ; elytris parallelis, convexioribus, apice rotun-
datls, carina mediana suturaque parum elevatis, hac ali-
quod acuminata, infra scapulas albo-limbatis, punctulis mi-
nimis duodecim albescentibus, quarum duobus inter hu-
merum et scutcllum, totidem prope margines, quattuor
iuxta suturam totidemquc in apice sitis, distinctis; pygi-
dio brunneo, densissimc ac subtilissime transversim strio-
]ato; abdomine laterlbus distanter punctatis, maculis albo-
flavesccntibus tomentosis quadruplici scrie ornatis ; coxis
posterioribus pectorisquc lateribus tomento albido dense
tectis, punctatis; aciculatis, albido-pilosis; processu mcso-
sterni brevi, rotundato; pedibus fortibus, aeneis; femori-
Die Cetoniden der Philippinischen Inseln. 203
bus pimctatis, striolatis, his et tibiis mcdils posterioribus-
que flavo fimbrJatis.
Long'itudo Mm. 18.
Habitat in montibus aitioribns insulae Liizon.
Diese Art, von der mir ein Exemplar vorliegt, -wel-
ches aiifLuzon in einer Höhe von 4000' über der See ge-
fangen wurde, ist oben braun aber etwas heller, nicht
ganz so rein und mehr in das Röthliche spielend als die
vorige. Der Clypeus ist von verticalcr Gestalt, hoch
umrandet, vorn ausgebucbtet, in der Mitte erhaben, grob
piinktirt, etwas glänzend. Die Fühlhörner sind braun.
Der Thorax ist rund, gewölbt, mit weissen, von den Au-
genwinkeln zu den Schultern reichenden schmalen, w^eis-
sen Randstreifen und auf dem Discus zwei kleine weisse
Punkte zeigend. Das Schildchen ist dreieckig, braun, unge-
zeichnet. Die Schultern haben eine schmale, weisse, hintere
Randeinfassung. Die Flügeldecken sind ziemlieh gewölbt,
an der Spitze abgerundet, daselbst kaum verschmälert.
Die mittlere Leiste und die Naht ragen wenig hervor.
Letztere hat eine kurze Spitze. Auf jeder Flügeldecke
befinden sich sechs kleine weissliche Punkte; einer zwi-
schen Schulter und Schildchen, zwei neben der Naht, ein
vierter am Seitenrande auf der Höhe zwischen beiden
letzterwähnten und zwei nebeneinanderstehende auf der
Spitze. Das Pvgidium ist braun, ungefleckt, sehr fein
horizontal gestrichelt. Der Bauch ist in der Mitte bron-
cefarben glänzend, an den Seiten punktirt und daselbst bis
dicht an die Mitte, mit zwei Reihen alternirender Flek-
ken, von denen die äusseren mehr rund, die inneren mehr
länglich sind und von denen jede Reihe nur vier enthält,
besetzt. Die Hinterhüften, Mesosternalplatten, die Pleuren,
Parapleuren so wie der umgeschlagene Theil des Thorax
sind nadelrissig, punktirt, dicht mit weissgelblichem Filze
bedeckt und zugleich mit einzelnen Härchen bestanden.
Der Mesosternalfortsatz ist kurz, rund, seitlich nicht er-
weitert. Die Schenkel sind nadelrissig und «auf ihren
Flächen fein behaart, die vorderen unten, die mittleren
und hinteren hinten kurz gewimpert. Die Schienen ha-
ben gelblich weisse Kniepunkte ; die der Vorderbeine
204 Mohnike:
sind breit und haben drei starke Zähne; die mittleren
und hinteren sind innen kurz aber dicbt gewimpert.
Schenkel, Schienen und Tarsi sind broncefarben.
14. Cetonia lineata n. sp. Mohnike. Taf. X. Fig. 5.
C. supra viridi brunnea, opaca ; subtus nigra, nitida;
thorace brevi, quadrato, antice eraarginato, punctato, me-
dio elevato ; antennis nigro-brunneis; thorace convexo,
undique punctato, ante scutellum emarginato, disco albido-
bipunctato; scapulis scutelloque immaculatis ; hoc trigono ;
elytris valde convexis, parallelrs, apice subrotundatis, ca-
rina mediana suturaque parum elcvatis, undique dense et
öubtih'ter punctato-striatis, maculis duabus marginalibus
fasciaque apicali albo-flavescentibus ornatis ; pygidio trans-
versim striolato, nigro; abdomine nigro, nitido , lateribus
punctato; sterno punctato, aciculato, pilis flavescentibus
vestito, parapleura parteque superiori mesosterni albo-to-
mentosis; processu mesosterni brevi, valde dilatato; pe-
dibus fortibus, brevibus, nigris, tibiis anticis tridentatis,
mediis et posticis interne flavo-fimbriatis.
Longitudo Mm. 20.
Habitat in insula Mindanao. $.
Eine eigenthümliche Art, die hinsichtlich der Ge-
stalt und Grösse unserer Cet. viridis gleicht, aber oben
viel gewölbter ist. Ihre Farbe ist oben ein dunkles mattes
Braungrün mit etwas durchschimmerndem Blau, unten ist
sie schwarz und glänzend. Der Clypeus ist viereckig,
verhältnissmässig kurz mit wenig erhabenem Rande, in
der Mitte etwas erhaben, vorn massig ausgebuchtet, grob
punktirt, ein wenig glänzend. Der Thorax ist stark ge-
wölbt, vor dem Schildchen ausgebuchtet, allenthalben, aber
nicht sehr dicht punktirt, auf dem Discus mit zwei sehr
feinen gelblichen Punkten versehen. Die Schultern und
das ziemlich grosse, dreieckige Schildchen sind ungefleckt.
Die Flügeldecken sind stark gewölbt, hinten abgerundet,
mit sehr i^hwach hervortretender Mittelrippe und hinten
nicht zugespitzter Naht. Sie sind mit ausserordentlich
dicht neben einander stehenden Reihen sehr feiner ein-
gestochener Punkte besetzt, kxxi jeder von ihnen be-
Die Cetoüiden der Philippinischen Inseln. 205
findet sich, zu Anfange Ihres unteren Drittthelles, ein
grosser, hinten breiterer, gelblicher Querfleck und unter-
halb desselben eine, von dem unteren äusseren Winkel
etwas gekrümmt nach der Naht verlaufende, schmale
weisse Binde. Sie wird von der der andern Seite nur
durch die Naht getrennt. Das Pygidium ist ungefleckt,
fein quer nadelrissig. Der Bauch ist an den Seiten zer-
streut punktirt, die Brust seitlich nadelrissig, gegrubt und
mit einzelnen gelblichen Härchen besetzt ; die Mesoster-
nalplatten haben oben und die Pleuren in Ihrer ganzen
Ausbreitung, einen Ueberzug von grauwelssem Filze. Der
Mesosternalfortsatz ist kurz, seitlich beträchtlich erweitert.
Die Beine sind in allen Thellen kurz aber kräftig ; die
Schenkel nadelrissig, die Schienen punktirt, die ersteren
bei dem vorderen und mittleren Paare, die andern bei
dem mittleren und hinteren gelb gewinipert. Die Vor-
derschienen besitzen drei Randzähne. Auch die Tarsalglie-
der sind verhältnlssmässig kurz.
15. Cetonia flavo - varieqata n. sp. Mohnike.
Taf.X. Fig. 6.
C. clypeo brevi, subquadrato, vix emarginato, medio
piano, punctato, viridi, squamulis flavescentibus obsito; tho-
race subrotundo, ante scutellum emarginato, convexo, viridi,
opaco, undique punctis squamiforis tecto, flavo-llmbato, an-
tice vitlis duabuscurvatis, medio guttls quattuor, postIce raa-
culis duabus flavis ornato; scutello viridi, Immaculato; sca-
pulis tomento flavo-marginatls, punctatls; elytris viridibus,
opacis, convexis, punctatls; punctis piliferis, undique maculis
et maioribus et minorlbus, irregularibus, punctisque flavo-
tomentosls variegatis, carina mediana suturaque parum
elevatis, hac non acumlnata ; pygidio transverslm strio-
lato, excepto medio, tomento flavo dense vestito ; abdo-
minis pectorisque lateribus usque ad medium tomento
flavo densissime tectis, hoc viridi-aeneo nitente ; processu
mesosterni brevi, apice subgloboso; pedibus brevibus, for-
tibus; femoribus tibiisque aciculatls et punctatls, magis
minusve flavo-tomentosis; tibiis anticis bidentatis ; mediis
et posticis flavo-fimbriatis, tarsis nigris.
206 Mohnike:
Longitiido Mm. 17.
Flabitat in Insnla Luzon. (^.
Diese Art hat in der Zeichnung, nicht aber in ihrer
Gestalt; einige Aehnlichkeit mit Glycyphana felma Gorv
et Perch. von Celebcs. Sie ist kurz, verhältnissmässig
breit; oben beträchtlich gewölbt. Oben ist sie matt, von
lebhafter hellgrüner Farbe; unten, so weit sie daselbst
nicht mit Filz bedeckt ist, grün metallisch, stark glän-
zend. Der Clvpeus ist kurz, viereckig, nicht hoch um-
randet, in der Mitte flach, vorn nur wenig ausgebuchtet,
punktirt, in den Punkten dicht mit gelblichen Schuppen
besetzt. Der Thorax ist beträchtlich gewölbt, in der Mitte
weniger, an den Seiten dichter punktirt. In allen Ver-
tiefungen kleine Schuppen. Neben seinen Seitenrändern ver-
läuft, von den Schultern an, ein gelber filziger Randstreifen;
wo dieselben in den Augenwinkeln endigen, nehmen
zwei sich nach hinten erstreckende breitere, doppelt ge-
krümmte Längsbinden ihren Anfang. Unterhalb dersel-
ben liegen in einer Qucrlinie vier gelbe Filzflecken
und unter diesen zwei andere, grössere neben der Basis
des Schildchens. Das letztere ist unten zugespitzt und
ungefleckt. Die Schultern sind stark punktirt und so
dicht gelb geschuppt, dass nur die Mitte frei bleibt. Die
Flügeldecken sind gewölbt, an der Spitze abgerundet,
mit einer wenig hervortretenden Mittelrippe und nur we-
nig erhabener, hinten nicht zugespitzter Naht. Sie sind
neben dem Schildchcn, dem Seitenrande, der Naht und auf
der Spitze mit grossen, sehr unregelraässigen, zerrissenen,
inselförmigen Flecken von gelbem Filze und zwischen
diesen, noch mit kleineren Tröpfchen und Punkten be-
deckt. Diese Flecken, wie der grüne Grund zwischen
ihnen, zeigen ausserdem bis zur Mitte hin und selbst in
dieser, zahlreiche Punkte, aus denen sich kleine Härchen
erheben. Das Pygidium ist, einen grünen länglichen Strei-
fen in der Mitte ausgenommen, mit gelbem Füze bedeckt;
mit demselben dichten gelben Filzüberzuge sind die Sei-
ten des Bauches und der Brust allenthalben in dem Masse
bedeckt, dass nur ein ganz schmaler, von dem Anus zum
Mesosternalfortsatzc sich erstreckender grüner, metallisch
Die Cetoniden der Philippinischen Inseln. 207
glänzender Längsstreifen sichtbar bleibt. Dieser letztere
Fortsatz ist kurz und vorn kugelförmig gerundet. Die Beine
sind kurz und kräftig, die Schenkel fast ganz, die Schienen
etwas weniger mit gelbem Filze bedeckt. Nur hier und da
schimmert auf ihnen die dunkle Grundfarbe durch. Die
Vorderscüienen sind bei den beiden mir vorliegenden
Exemplaren, welche ich für Männchen halte, zweigezähnt;
die mittleren und hinteren haben am inneren Rande ziem-
lich lange und dichte, gelbe Wimpern.
16. Cetonia amhigua Chevrolat.
Cetonia amhigua Chevrolat, Guerin, Revue zool. IV.
1841. p.223. — Protaefia amhigua Burraeister, Handb. d.
Eütom» Bd. III. S.422. — Cef. suhviridis Gemminger et
de Harold, Catal. coleopt. Tom. IV. p. 1330.
„Pr. ambigua: viridi-aenea, supra olivacea, opaca ;
pronoti linea intramarginali^ punctis duobus disci, lineo-
lis elytrorura transversis, punctisque flavescentibus ; late-
ribus subtus leucophacis. Longit. 5'^'."
„Auf Luzon, von Cuming. Diese Art hat die Bil-
dung der vorigen (Pr. tac iturna Guerin), ist aber etwas
kleiner, oben ganz haarlos und unten anders gezeichnet.
Der dicht und ziemlich grob bogig punktirte Kopf ist
vorn stark aufgebogen und stumpf zweizackig, besonders
beim Männchen, aber matt und haarlos. Der Vorder-
rücken ist matt olivengrün, gleichmässig zerstreut punk-
tirt, gegen die Spitzen hin etwas gröber, hier neben dem
Rande mit einer schmalen gelblichen Linie geziert, und
auf der Mitte mit zwei kleinen Punkten. Die Schultor-
blätter sind vorn nadelrissig, schuppig, hinten gelb ge-
säumt. Das Schildchen ist punktfrei, matt. Die Flügel-
decken haben eine olivengrüne matte Färbung, einzelne
Bogenstriche in der Vertiefung neben der Naht und eine
dichtere aber ähnliche Punktirung aussen neben der
schwachen Kante zwischen Schulter und Endbuckel. Diese
Gegend glänzt auch ein wenig. Auf jeder Flügeldecke
bemerkt man einen gelben Punkt mitten auf der Schul-
terhöhe, einen Streif am Seitenrande vor dem Ausschnitt,
mehrere kleinere und grössere Randpunkte von da bis
208 Mohnike:
zum Ende, einen Punkt auf dem Endbuckel, zwei in der
Nahteeke, und zwei grössere Querflecke in der Vertie-
fung; den ersten am Vorderrande, den zweiten innen
neben dem Endbuckel , zwischen welchen noch einige
kleine Punkte auftreten. Das Nahtende ist stark zuge-
spitzt. Die Afterklappe ist matt braungrün, nadelrissig,
mit vier gelben Längsstreifen geziert, die am Grunde zu-
sammenfliessen. Die stark glänzende, grünlich erzfarbene
Unterfläche ist an beiden Seiten beinahe ganz gelbgrau,
doch zieht sich am Hinterrande des Bauchrings ein glän-
zender Saum fort, welcher sich am Ende in einen nach
vorn gerichteten Haken ausdehnt. Die Schenkel haben
gelbgraue Randstreifen und die Schienen einen farbigen
Kniepunkt. Der Haarsaum ist an ihnen schwach: die
vorderen haben drei scharfe Randzähne, von welchen die
zwei unteren einander mehr genähert sind.^ Burmeister.
Ich habe das Exemplar im Museum zu Halle, wel-
ches Burmeister vor sich hatte als er diese Beschrei-
bung entwarf, genau untersucht und hierdurch die Ueber-
zeugung erhalten, dass Cet. ambigua wirklich eine selbst-
ständige, eigenthümliche Art ist, die sehr mit Unrecht
von Lacordaire — Gen. des Coleopt. Tom. III. p. 536.
Note 1 — zu Cet. manillarum Chevrol. ; von Gemmin-
ger und von Harold aber zu Cet. perviridis Newm.,
zwei weiter unten zu besprechende Arten, gezogen wurde.
Sie gleicht, wie Burmeister bemerkt, nicht allein in
der Gestalt, sondern auch in dem Colorite und der Zeich-
nung am meisten Cet. taciturna Guerin aus den Molukken,
und steht dieser ohne Zweifel viel näher als irgend einer
anderen der mir bekannten Arten von den Philippinen.
17. Cetonia querula Newman.
Cet07iia querula Newman, The Entomologist 1841.
art. XXXIX. p. 171. — Cet mandarinea Gemminger et de
Harold, Catal. coleopt. Tom. IV. p. 1327.
„Nigro-aenea, nitida, maculis nonnuUis lanuginosis
incertis albidis ; elytra prave striata: striis 5 abbreviatis
prope suturam sltis. Corp. long. 5 unc, lat. 3 unc. ~ In-
habits the Philippine-Islands. A specimen captured by
Die Cetoniden der Philippinischen Inseln. 209
Mr. Cumming is in the Cabinet of the Entomological Club.
This insect Is about the size of tlie wellknown Europaean
species^ Cetonia stictica ; its coloiir is verj dark, but oc-
casionally relieved, especially on the sides of the pro-
thoiax, the logs etc., with a metallic splendonr; the ely-
tra have the elevated longitiidinal ridge so general among
the Cetoniae, and in depresscd space between this and
the suture are fife abbreviated Striae, a single one and
two pairs ; the elytra , mureover, are nearly covered
with coarse but shallow punctures.^^ — Newman.
Diese Beschreibung stimmt keineswegs mit der Cet,
mandarinea Weber in allen Punkten so liberein, dass ich,
ohne das Originalexerapiar gesehen zu haben, mit G em-
rainger und v. Harold dieselbe und die Cet. querula
für identisch halten möchte.
18. Cetonia phüippensis Fabricius.
Cetonia philippensis Fabricius, System. Eleutherat.
Tom. IL p. 152 ; eiusd. System. Entom. p. 49. — Cet. phi-
lippensis Olivier, Entom. Vol. I. p. 34. pl. 10. fig. 97. —
Cet. philippensis Herbst, Coleopt. Vol. III. p. 275. — Cet.
philippensis Schönherr, Synonym. Insector. Bd. I. Th. 3.
S. 136. — Cet. philippensis Gory et Percheron, Monogr.
d. Cet. p. 175. pl. 31. fig. 1. — Frotaetia philippensis
Burmeister, Handb. d. Entom. Bd. III. S. 496. — Cef. phi-
lippensis Wallace, Transact. entom. Soc. 3. Ser. Vol. IV.
1868. p. 581. — Cet. philippensis Gcmminger et de Ha-
rold, Catal. coleopt. Tom. IV. p. 581.
C. supra viridis aenea, nitida; subtus aenea sive
cuprea; clypeo oblongo, marginato, antice sinuato, angulis
reflexis, medio clevato, punctato; thorace linea intra-mar-
ginali maculisque discl quattuor, anterioribus duabus ma-
ioribus , albis ornato ; scapulis postice albo tomentosis;
elytris planis, maris sutura carinaque mediana magis quam
foeminae prominentibus, illa parum acuminata, lateribus
striolatis, basi, iuxta scutellum et suturam nee non prope
marginem maculis transversis albo-tomentosis, irapressis,
ornatis; pygidio trausversim striolato, lateribus tomento
albo tecto ; abdomine maculis tomentosis flavo-albescen-
Archiv f. Naturg. XXXIX. Jahrg. 1. Bd. ' 14
210 Mohnike:
tibus sedecim, serie quadmplici positis, ornato; coxa po-
stica tomentosa; pectoris lateribus magis minnsve tomento
obtecto; processu mesosterni brevi, parum dilatato; pedibus
aeneis ; maris femoribus partim tomentosis; tibiis anticis
in mare uno, in foemina duobus dentibus ante apicem mu-
nitis, mediis et posticis margine interno flavo-fimbriatis.
Longitudo Mm. 20—22.
Habitat in insula Luzon.
Diese längst bekannte Art ist oben dunkelgrün me-
tallisch glänzend^ etwas in das bräunliche spielend, unten
an den nicht mit Filz überzogenen Stellen entweder von
einem mehr kupferrothen oder mehr broncefarbenen Me-
tallglanze. Der Clypeus ist länger als breit, massig hoch
umrandet y vorn ausgebuchtet und, bei dem Männchen
beträchtlicher wie bei dem Weibchen umgebogen ; in der
Mitte etwas erhaben, ziemlich fein, aber bei dem Männ-
chen weniger punktirt. Auf der Stirn befinden sich mit-
unter zwei weissliche Filzflecken. Die Fühlhörner sind
grün^ metallisch glänzend. Der Thorax ist nicht sehr gross,
ziemlich flach, in der Mitte fast ganz glatt, an den Seiten
bei dem Männchen schwächer, bei dem Weibchen stärker
punktirt. Neben dem Rande verläuft von der Schulter
bis zum Augenwinkel eine ziemlich breite, vertiefte, weisse
Linie. Ausserdem befinden sich in der Mitte des Discus
zwei neben einander stehende grössere, und unter diesen,
mehr von einander entfernt, zwei kleinere runde weisse
Flecken. Die Schulterblätter sind punktirt und hinten
weissfilzig. Das Schildchen ist durchaus glatt, ohne
Punkte und Flecken, stark glänzend. Die Flügeldecken
sind neben dem Schildchen vertieft, glatt, bei dem Weib-
chen an den Seiten und auch in der Vertiefung, grob
aber sehr oberflächlich punktirt ; selbst auf dem Discus
stehen noch zerstreute Punkte. Bei dem Männchen ist
die Punktur noch viel undeutlicher und verwischter. Die
Mittelleiste ragt bei dem Männchen stärker, bei dem Weib-
chen weniger hervor, und ist die Vertiefung bei erste-
rem viel beträchtlicher. Die Naht ist bei beiden promi-
nirend, zeigt eine tiefe Rinne und ist bei dem Männchen
stärker, bei dem Weibchen weniger zugespitzt. Auf jeder
Die Cetoniden der Philippinischen Inseln. 211
Flügeldecke befinden sich zwei gelblich weisse Quer-
flecke neben der Naht, der eine zu Anfang der Vertie-
fung, der andere ebenfalls in derselben, neben dem End-
buckel ; ferner unterhalb der letzteren vier kleinere mehr
runde Flecken, von denen die drei oberen in einer Reihe
stehen und nicht selten in einander zu einer Querbinde
verfliessen; ausserdem noch fünf bis sechs am Aussen-
rande, einer neben der Spitze des Schildchens, einer ne-
ben dem Grunde desselben, einer zwischen letzterem und
der Schulter, so wie endlich unterhalb dieser ein grösse-
rer zwischen der Spitze des Schildchens und dem Rand-
ausschnitte. Üas Pygidium zeigt zwei grosse dreieckige
Randflecken, die unten mehr oder weniger tief einge-
schnitten sind und einen schmalen nach oben sich noch
mehr verengerenden Zwischenraum haben. Die Bauchringe
haben auf jeder Seite, in zwei alternirenden Reihen, acht
weissgelbe Querflecken. Die Hinterhüften und Pleuren
sind ganz, die Mesosternalplatten an ihrem vorderen und
hinteren Rande mit solchem Filze bedeckt, wie auch die
Unterseite der Schulterstücke und der umgeschlagene
Theil des Thorax. Diese Filzbedeckung ist bei den Männ-
chen noch dichter und lebhafter gelb gefärbt, wie bei
den Weibchen. Der Mesosternalfortsatz ist kurz, seitlich
etwas erweitert. Die Beine sind metallisch kupfer- oder
broncefarben ; die Schenkel, besonders der hintere, bei
den Männchen häufig ganz mit gelblichem Filze bedeckt,
während bei den Weibchen sich derselbe nur stellenweise
zeigt. Die Schienen haben helle Kniepunkte, die vor-
deren bei dem Männchen unterhalb der Endspitze einen
Zahn, bei dem Weibchen zwei derselben. Die hinteren
und mittleren sind innen gelb gewimpert.
19. Cetonia 'purpurissata n. sp. Mohnike.
Taf. XI. Fig. 1.
C. capite nigro-rubescente, nitido; clypeo profunde
emarginato angulis rotundatis, reflexis, parum ac distan-
ter punctato, medio parum elevato ; antennis nigris; tho-
race nigro-rubro, nitido, lateribus valde sed distanter, disco
laevi minus punctato, linea intra-marginali medioque aut
212 Mohnike:
duabus aut quattuor raacnlis albis ornato ; clytris nitidis,
ceraöino-brunneis, undlque obsolete pimctatis, iuxta scu-
telli basin atque apicera, inter hunc et humerum, iuxta
suturam margiuesque exteriores magis minusve maculis
transversis albis impressis variatis ; sutura prominente,
parum aeuminata ; pygidio tran&versim striolato, lateribiis
tomento albo vestito ; abdomine nitido, laetius cerasino,
lateribus macnlis albis quadruplici ordine picto; pectore
nigro, lateribus punctato-striolatis tomento albo partim
tectis ; processu mesosterni brevi, apice minimo, non di-
latato ; femoribus omnibus tibiisque mediis et posticis
rufo'iimbriatis; tibiis anticis bidentatis.
Longitudo Mm. 20.
Habitat in insula Babuynes. ^.
Diese x\rt unterscheidet sich von der vorigen, ab-
gesehen von der ganz anderen Färbung, schon auf den
ersten Blick dadurch, dass sie kilrzer und verhältnissmäs-
sig viel breiter ist, v^as besonders auffallend ist, wenn
man das schlank gebaute Männchen der philippensis
mit dem dieser Art zusammen hält. Auch der Kopf,
namentlich der Clypeus, ist anders gebaut. Der letztere
ist viel kürzer, eben so breit als lang, vorn auffallend
tief ausgebuchtet, mit runden, aufgebogenen Randecken.
Seine Seitenränder sind niedrig, die Mitte ist etwas er-
haben, allenthalben fein punktirt, seine Farbe ein dunk-
les Rothschwarz. Der Thorax ist ebenfalls von dieser
Färbung, etwas convexer wie bei der philippensis, glatt
und glänzend, wiewohl allenthalben, an den Seiten jedoch
mehr wie in der Mitte, zerstreut punktirt. Neben dem
Seitenrande verläuft ein vertiefter weissfilziger Rand-
streifen, während sich in seiner Mitte, bei dem einen der
mir vorliegenden Exemplare zwei eingedrückte weisse
Punkte , bei den andern vier in zwei Reihen stehende
Flecken, von denen die oberen die grösseren, zeigen.
Das Schildchen ist ohne alle Punktirung, schwarzroth, sehr
glatt und glänzend. Die Schulterblätter sind stark und
dicht punktirt, hinten mit weissem Filzrande. Die Flü-
geldecken sind viereckig, breit, flach, mit wenig hervor-
ragenden Mittelrippen und nur massig erhabener Naht,
Die Cetoniden der Philippinischen Inseln. 213
deren Furche nicht so tief ist wie bei der philippensis.
Dieselbe endigt in einer kurzen, feinen Spitze. Auch
die Vertiefungen neben der Naht sind lange nicht so be-
trächtich wie bei letztgenannter. Die Flügeldecken sind
glänzend, wiewohl allenthalben oberflächlich und obsolet
punktirt, von kirschbrauner Farbe. Jede von ihnen zeigt
einen Querflecken neben der Basis des Schildchens, einen
neben seiner Spitze so wie einen dritten in der Mitte
zwischen ihr und der Schulter. Neben der Naht liegen
unter einander zwei grössere Flecken und auf der Spitze
vier kleinere, von denen die oberen drei in einer Reihe;
ausserdem noch ain Aussenrande drei bis vier andere,
von denen der unterste, dessen Stellung der Mitte zwi-
schen den beiden Nahtflecken entspricht, der grössere
ist. Von allen diesen Flecken sind nur der zwischen dem
Schildchen und der Schulter, so wie die beiden Querflek-
ken neben der Naht constant, wie das eine der Exem-
plare, welche ich vor mir habe, beweist. Das Pygidium
ist roth, fein quer gestrichelt, entweder bloss mit vier
Flecken auf seinem Grunde oder einem grösseren zu
jeder Seite. Die Bauchringe sind bei den Männchen,
welche ich allein kenne, eben wie bei der philippensis,
in der Mitte tief eingedrückt, sehr zerstreut punktirt, von
lebhafter, glänzender, kirschrother Farbe, an jeder Seite
mit zwei Reihen von je vier alternirenden weissen Filz-
flecken verziert. Die Hinterhüfte ist entweder ganz oder
nur zum Theil mit Filz bedeckt. Die Brust ist schwarz-
grün, seitlich mehr oder weniger weiss gefleckt. Im All-
gemeinen ist die Filzbedeckung an der Unterseite dieser
Art ungleich schwächer und weniger dicht wie bei der
vorigen. Der Mesosternalfortsatz hat eine kleine, rund-
liche, seitlich nicht erweitei»te Spitze. Die Beine sind
schlank, Schenkel und Schienen stark punktirt, von
schwarzer Farbe, die Schenkel nicht theilweise mit Filz
bedeckt wie bei der vorigen; sie alle, so wie die mittleren
und hinteren Schienen, sind röthlich gewimpert. Die
Vorderschienen haben, bei den mir vorliegenden beiden
Männchen, unte^' der Endspitze nur einen Zahn.
214 Mohnike:
20. Getonia Bremei Schaum.
Cetonia fProtaetiaJ Bremei Schaum, Annal. d. 1.
Soc. Entom. de France 1844. p.413; ibidem 1849, p. 278.
— Cet, Bremei Wallace, Transact. entom. Soc. 5. Ser,
Vol. IV. 1868. p. 582. — Cei./errw^wea Lacordaire, Gener.
d. Coleopt. Tom. III. p. 536. Not. L — Cet, ferruginea
Gemminger et de Harold, Catal. coleopt. Tom. IV. p. 1323.
,,Purpurea-nigra, opaca, thoracis linea marginah" vit-
tisque duabus disci abbreviatis albidis, elytris albido-ma-
cnlatis, femoribus rufis. Long. 19 millim. (8V2 ligu.)'^
;, Caput nigrum, opacum, punctatum, apice emargina-
tum. Antennae nigrae. Thorax longitudine dimidio latior,
basi supra scutellum profunde sinuatus, lateribüs rotunda-
tis, a medio ad apicem angustatis, postice subsinuatis, pur-
pureo-niger, opacus^ b'nea marginal! vittisque duabus disci ^
anterioris sordide albidis; scutellum elongatum, purpureo-
nigrum, opacum. Elytra subparallel«, postice rotundata,
tarso piano , carina obsoleta laterali, sutura elevata, apice
spinosa, purpureo-nigra, opaca, plaga obsoleta in medio
prope suturam rufescente, maculis septem sordide albidis,
quattuor marginalibus, tertia et quarta maioribus, trans-
versis duabus suturalibus, anteriore humata, septima trans-
versa iuxta scutellum, etiam ad scutelli latera sordidi
albida. Pygidium purpureum punctis quatuor albidis.
Siibtus purpurea-nigra, medio nitida, pectoris abdominis-
que lateribüs sordide alboraaculatis. Pedes nigri, femori-
bus rufis. Sternum planum, apice rotundatum."
„Habitat in insula Manila. Mus. D. de Breme."
^L'individu decrit fait partie de la collection de Mr.
le marquis de Breme. Je mc rappelle en avoir vu un se-
cond au Musee de Berlin." Schaum.
Ich habe drei Exemplare einer Art vor mir, auf
welche diese Beschreibung , abgerechnet einzelne kleine
Verschiedenheiten, die wahrscheinlich nur individuelle
und daher unwesentliche sein dürften, sehr genau passt.
Sie gleichen aber der Cet. ferruginea keinesweges in dem
Masse], dass ich sie für eine blosse Varietät derselben
Die Cetoniden der Philippinischen Inseln. 215
halten kann, welches die Ansicht von Lacordaire,
Gemminger und von Harold hinsichtlich der von
Schaum als Cet. Bremei beschriebenen Art ist.
Die mir vorliegenden Exemplare sind 20 Mm. 9 Lin.
lang, oben schwarz, etwas in das Braune spielend, so dass
man die Farbe „purpureo-nigra'^ nennen kann. Der Thorax
ist wie Schaum denselben beschreibt, nur stehen bei
ihm auf dem Discus, anstatt der „beiden abgekürzten
weisslichen Längsbinden^, bloss zwei solche Punkte, wel-
che bei dem einen Stücke allerdings etwas länglich sind.
Dass diese Verschiedenheit keine wesentliche, bedarf aber
keiner näheren Erörterung. Die Gestalt und Zeichnung
der Flügeldecken meiner Stücke stimmen mit der Be-
schreibung Schau m's überein; dagegen aber vermisse
ich bei ihnen die „plaga obsoleta in medio prope su-
turam rufescens.'' Aber auch diese Differenz kann sehr
wohl nur eine individuelle sein. Das Pygidium ist bei
den mir vorliegenden braun, bei dem einen Stücke mit
vier Flecken auf der Basis, bei dem zweiten mit diesen
und noch zwei andern auf der Spitze, bei dem dritten
mit vier gelblich weissen Längsbinden. Die Unterseite
ist ganz wie Schaum sie beschreibt „purpurea-nigra,
medio nitida , pectoris abdominisque lateribus sordide
albo-maculatis.^ Die Beine sind bei ihnen kupferfarben,
metallisch glänzend. Diese drei Stücke sind ebenfalls von
Luzon.
Hiernach halte ich mich für berechtigt, die Cetonia
Bremei, da ihre Identicität mit diesen Stücken mir kaum
zweifelhaft erscheint , als selbstständige Art und nicht
bloss als eine sehr dunkel gefärbte Varietät der ferrugi-
nea anzusehen.
21. Cetonia Guerini Eydoux et Souleyet.
Protaetia Guerini Eydoux et Souleyet, Revue zool.
d. 1. Societ. Cuvierienne 1839. p. 265; Voyage autour du
monde de la ßonite. Zool. Tom. I. 1841. p. 304. Atl. In-
sect. pl. 2. pg. 14. — Cetonia Guerini Burmeister, Handb.
d. Entom. Bd. III. S. 794. — Gametis ÖweriVm Burm. Lc.
216 - Mohnike:
Bd. V. 8. 556. — Cet. Guerini Wallace, Transact. entom.
Soc. 3. Ser. Voi. IV. 1868. p. 581. — CeU Querini Gem-
minger et de Harold, Catal. coleopt. Tom. IV. p. 1326.
C. supra aut olivacea, autbrunnea, aut brumieo-nigris-
oens, subsericea sive opaca ; clypeo qiiadrato, antice vlx
emarginato, medio parum elevato, yiibnitido, deiise punc-
tato ; hoc et fronte albo-maculatis ; autennis nigris; thorace
parum convexo, supra scntellum emarginato, dimidio an-
teriori attennato, angulis humeralibns rotundatis, undique
dense punctato , linea intra-marginaii alba, disco punctis
albis duobus ornato ; scutello laevi ; scapulis postice albo-
marginatis ; elytris planis, quadratis, dense et subtiliter
punctatis , iuxta scutelli basin et apicem, inter hoc et hu-
mcrum, prope siitnram marginemque exteriorem aibo-ma-
culatis, carinis medianis prominentibus, subnitentibus; su-
tura modice elevata, apice parum acuminato; pygidio la-
teribus albo-maculato ; abdomine lateribus maculis albis
sedecim, qiiadruplici ordine positis, ornato; pectore to-
mento albo magis minusve tecto; processu mesosterni brevi,
dilatato, pedibus aeneis magis minusve virescentibus.
Lougitudo Mm. 17 — 18.
Habitat in insula Luzon. d^ $.
Mit Recht bemerken Eydoux und Souley et von
dieser Art, dass sie der von Guerin zuerst beschriebe-
nen Cetonia taciturna von den Molukken sehr nahe stehe.
Sie gleicht derselben in der That nicht bloss in der Zeich-
nung, sondern noch mehr in ihrer verhältnissmässig kur-
zen und breiten Gestalt. Sie ist oben, mit Ausnahme des
glänzenderen Kopfes, matt, bei Stücken, dis etwas abge-
rieben sind, schwach seidenartig glänzend, von hellerer
cder dunklerer, mitunter selbst schwärzlicher Olivenfarbe.
Der Clypeus ist viereckig, umrandet, vorn so gut wie
nicht ausgebuchtet, in der Mitte sehr wenig erhaben,
überall ziemlich grob punktirt. Bei ganz frischen Exem-
plaren zeigen sich in der Mitte des Clypeus zwei grös-
sere weisse FilzÜecken und zwei andere kleinere, ober-
halb derselben auf der Stirn. Bei anderen Stücken sind
diese Flecken undeutlicher und verwischter. Der Thorax
ist wenig gewölbt, verschmälert sich von der Mitte seiner
Die Cetoüiden der Philippinischen Inseln. 217
Seitenränder nach dem Kopfe zu, bat vor dem Schildchen
eine Ausbuchtung und abgerundete Schulterecken. Er ist
überall ziemlich weitläuftig pimktirt, mit seitlichen weis-
sen Randlinien und zwei ziemlich grossen, weissen Punk-
ten in der Mitte des Discus versehen. Das Schildchen
ist etwas glänzend, ohne Punktirung und Flecken. Die
Schulterblätter sind punktirt und haben eine hintere
weisse Randeinfassung. Die Flügeldecken sind flach,
viereckig, allenthalben und in den Vertiefungen reihen-
weise punktirt. Die Naht ragt massig hervor, hat eine
Furche und sehr kleine Endspitze. Auf jeder Flügeldecke
zeigt sich ein kleiner Querflecken neben der Basis des
Schildchens, ein anderer neben dessen Spitze, so wie ein
dritter zwischen diesem und der Schulter. Ausserdem
liegen zwei grössere, mehr viereckige neben der Naht;
drei bis vier an dem hinteren und ebenso viele längli-
chere an dem Seitenrande. Alle diese Flecken sind bei
frischen und wohlerhaltenen Exemplaren rein weiss, bei
älteren mehr schmutzig weiss oder gelblich, wie auf der
Abbildung im Atlas zu dem zoologischen Theile der
Reisebeschreibung der ßonite. Dieselbe entspricht im
Uebrigen durchaus den mir vorliegenden Stücken. Eydo ux
und Soulejet erklären selbst, I.e. p. 305, dass das ein-
zige von ihnen von Manilia mitgebrachte Exemplar die-
ser Art „etait en mauvais etat de conservation , et il
est probable que, sur des exempiaires plus frais, les taches
que nous indiquous comme jaunätres devaient etre blan-
ches.'' Das Pygidium ist braun, fein quer gestrichelt und
hat zwei weisse Seitenflecken, die einen schmäleren oder
breiteren dunklen Mittelstreifen zwischen sich ofi'en las-
sen. Der Bauch ist heller oder dunkler braun, glänzend,
seitlich schwach punktirt, daselbst mit vier alteruirenden
Reihen von je vier weissen Flecken. Der Mesosternal-
fortsatz ist seitlich etwas erweitert. Die Seiten der Brust
sind punktirt, nadelrissig und, gleich wie die Hinterhüften,
mehr oder weniger mit weissem Filze bedeckt. Die
Beine sind erzfarben, glänzend, bei dem einen Stücke
mehr bei dem andern weniger grünlich. Die vorderen
und mittleren Schenkel, so wie die mittleren und hinteren
218 Mohnike:
Schienen sind gelblich gewimpert. Die Schenkel haben
kürzere oder längere weisse Längsflccken.
22. Cetonia Bogeri Dupont.
Frotaetia liogeri Burnaeister, Handb. der Entom.
Bd. III. S. 796. — Gametis Guerini Burm. 1. c. Bd. V.
S. 556. — Cetonia GiieriniV^SiW&cQ , Transaet. entom. Soc.
3. Ser. Vol. IV. 1868. p. 581. — Cet. Guerini Gemminger
et de Harold, Catal. Coleopt. p. 1325.
C. praecedenti non valde dissimilis sed multo angu-
stior, siipra purpurea, opaca; clypeo quadrato, marginato,
anticc sinuato^ medio eievato , punctato, hoc et fronte
albo-maculatis ; thorace haud permagno, antice multo an-
gnstiore, subconvexo, undiqiie obsolete punctato , intra
margines laterales lineis duabus et disco punctis aut ma-
culis duobus albis ornato ; scapulis postice albo-marginatis ;
scutello levi, viridi, immaculato ; elytris subconvexis, elon-
gatis, apice parum attenuatis, sutura carinisque viridibus,
undiqne punctatis^ iuxta margines laterales et posteriores,
prope suturam scutellumque, nee non inter hoc et hume-
rum albo-macuiatis ; pjgidio purpiireo-brunneo, basi ac
lateribus tomento albo vestito ; abdomine purpurco-nitido,
latere ntroqiie maculis albis duplici serie ornato ; coxis
posticis albo-tomen^osis, pectore purpureo-nigrescente, la-
teribus tomento albo magis minusve tecto ; proccssu me-
sosterni dilatatO; brevi; pedibus viridi-nigrescentibus, niti-
dis; femoribus albo-maculatis, anticis et mediis, tibiis me-
diis Äc posticis flavo-fimbriatis.
Longitudo Mm. 16—17.
Habitat in insula Luzon. J" $.
Diese Art wurde von Burm eist er, nach einem in
der Sammlung von Dupont unter dem Namen Cet, co-
lurakina K\\x^ befindlichen Exemplare, zuerst als selbst-
ständige Art beschrieben, später aber von ihm wie von
Lacordaire, Gemminger und von Harold u. A.
mit der Cet. Guerini vereinigt. Wie es mir scheint, ist
solches mit Unrecht geschehen. Ich habe nämlich zwei
Stücke vor mir, welche mit Burmei ste r's Beschreibung
(Ar Cet. Rogeri sehr übereinstimmen, die aber den
Die Cetoniden der Philippinischen Inseln. 219
Stücken im Museum zu Halle, die von ihm selbst als
Cet. Guerini bestimmt wurden, durchaus nicht gleichen,
um so mehr aber denjenigen, nach welchen ich meine Be-
schreibung der letzteren entworfen habe. Von dieser aber
unterscheidet sich diejenige, welche ich für die ächte und
wirkliche Cet. Rogeri halte, schon auf den ersten Blick.
Es wird genügen hier allein die Unterschiede zwischen
beiden hervorzuheben. Die Rogeri ist viel schlanker ge-
baut, gewölbter und ihre Flügeldecken sind verhältniss-
mässig länger, verschmälern sich auch etwas nach ihrer
Spitze. Der Cljpeus ist vorn viel tiefer ausgebuchtet
wie bei der Guerini und die abgerundeten Ecken sind
aufgebogen. Die Mitte des Clypeus ist nicht flach wie
bei letztgenannter, sondern zeigt seitlich eine vor der Stirn
beginende, keilförmige mit zwei Schenkeln nach den Ecken
neben dem vorderenRandausschnitte verlaufende Erhöhung.
In den vertieften Stellen neben derselben liegen weiss»
filzige Flecken, ähnlich wie bei der Cet. Guerini. Der
Thorax ist bei Cet. Rogeri viel gewölbter, verhältniss-
mässig kleiner, namentlich schmäler, allenthalben dichter
und feiner punktirt. Er, so wie die Flügeldecken haben
eine schöne dunkelpurpurrothe Farbe und die letztere, in
Folge der durch den seidenartigen üeberzug, womit sie
bedeckt sind, durchschimmernden Punktirung, ein eigen-
thümliches granulirtes Ansehen. Die weissen Zeichnun-
gen auf Thorax und Flügeldecken sind bei beiden die-
selben. Schildchen, Naht und bei dem einen auch die
Längsrippen sind grün. Die Vertiefung zwischen den letz-
teren und der Naht ist nicht so beträchtlich, wie bei der
Guerini, auch die Punktirung in derselben nicht so stark.
Das Pygidium hat auf der Basis zwei mittlere, runde Längs-
flecken und auf jeder Seite, neben denselben, einen solchen.
Der Bauch ist bei dem einen Stücke ziemlich hell pur-
purroth, bei dem andern dunkler ; bei beiden seitlich mit
zwei Reihen von je vier alternirenden Randflecken. Die
Unterseite der Brust ist dunkel grünlich schwarz, seitlich
bei dem einen Stücke mehr wie bei dem andern, mit
weissem Filze bedeckt. Die Beine sind ziemlich lang
und kräftig, von schwarzer Farbe, mit etwas röthlichem
220 Mohnike:
Anflug. Die Schenkel haben auf der Aussenfläclic, neben
dem Kniegelenke, kleine weisse Randflecken, die Schienen
weisse Kniepnnkte, wie bei der Guerini. Die Wimperung
derselben ist bei beiden dieselbe. Die Vorderschienen
sind dreigezähnt.
23. Cetonia anovittata Chevrolat.
Cetoma anovittata Chevrolat in Guerin revue zool.
Vol. IV. 1841. p. 223. — Protaetia anovittata Burmeister,
Handb. d. Entom. Bd. III. S. 497. — Cet. chlorü New-
man, The Entomol. 1841. Art. XXXIX. p. 170. — Cet.
olwaoea Newman 1. c. — Cet. anovittata Lacordaire, Gen.
d. Coleopt. Tom. III. p. 536. Not. 1. — Cet. anovittata
Wallace, Transact. entomol. Soc. 3. Ser. Vol. IV. 1868.
p. 582. — Cet. anovittata Gemminger et de Harold, Catal.
coleopt. Tom. IV. p. 1321.
C. supra olivacea, opaca, subins cuprea, nitida; clyp.eo
quadrato, marginato , antice parum sinuato, medio non
valde elevato, punctato, tomento olivaceo vestito, iuxta
marginem anticum solum subnitido ; antennis olivaceis ;
thorace subconvexo , intra marginem lateralem et anti-
cum albido lineato, medio aut bi - aut quattuor - punc-
tato, aut vittis duabus tenuibus albis ornato; scapulis po-
sticc albo-marginatis ; scutello opaco, immaculato ; ely-
tris subconvexis, apice parum attenuatis, subrotuntatis,
carinis medianis minus prominentibus, sutura magis cle-
vata, paium acuminata , inter scutellum et humerum,
prope suturam marginesque et inferiores et laterales, ra-
rius quoquc iuxta scutelli basin atque apicem, aut lineolis
aut maeulis albo-flavesccntibus signatis; pygidio viridi,
vittis flavo-tomentösis ornato; in utroquc abdominis latere
maculae flavescentes tumentosae octo, serie duplici positae;
pectoris lateribus, coxisque posticis tomento flavescente
tectis ; proeessu mesosterni dilatato ; pedibus cupreo-mi-
cantibus ; tibiis anticis in sexu uno et altero tridentatis ;
mediis ac posticis fiavo-fimbriatis.
Longitudo Mm. 20.
Habitat in insula Luzon.
Der Clypeus ist massig hoch umrandet, viereckig,
Die Cetoniden der Philippinischen Inseln. . 221
vorn etwas ausgebuchtet, in der Mitte nur wenig erhaben,
punktirt, bloss in der Nähe des Vorderrandes glänzend, da
der braune matte üeberzug sich sehr weit nach vorn
erstreckt. Die Fühlhörner sind braun. Der Thorax ist
heller oder dunkler olivenbraun, matt, etwas gewölbt, mit
vorspringenden aber abgerundeten Schulterecken, vor dem
Schildchen ausgebuchtet. Neben seinem seitlichen und
meistens auch seinem vorderen Rande verläuft eine feine
weisse Linie, die auf jeder Seite aber erst oberhalb der
Schulter ihren Anfang nimmt. Er ist allenthalben punk-
tirt und in der Mitte des Discus mit zwei, häufig mit
vier, alsdann in zwei Reihen unter einander stehenden
Punkten verziert. In letzterem Falle befinden sich mit-
unter zwischen den beiden Punkten einer jeden Reihe
noch einige weisse Atome, wodurch die Andeutung von
zwei sehr feinen Längsbinden entsteht. Das Schildchen
ist matt und ungefleckt; die stark punktirten Schultern
haben eine hintere weissliche Randeinfassung. Die Flü-
geldecken sind etwas gewölbt, an der Spitze ein wenig
verschmälert und abgerundet. Die Naht ist gefurcht, ragt
ziemlich hervor und hat eine kleine Spitze. Die mittle-
ren Längsleisten sind weniger erhaben, und der Raum
zwischen ihnen und der Naht ist nicht sehr vertieft. Die
Farbe der Flügeldecken ist, wie die des Thorax, ein hel-
leres oder dunkleres Olivenbraun. Auf jeder von ihnen
befinden sich zwischen Schulter und Schildchen ein klei-
nerer oder grösserer, nicht selten kaum sichtbarer, punkt-
förmiger Flecken; zwei Längsstriche oder Längsflecken
in der Vertiefung ; ein rundlicher neben der Nahtspitze
und drei Querflecken an dem äusseren Rande. Zwischen
diesen grösseren liegen häufig noch einzelne kleinere.
Sie alle variiren bei den einzelneli Exemplaren sehr hin-
sichtlich ihrer Grösse und Gestalt. Bei einigen sind die
auf der oberen Hälfte der Flügeldecke ausserordentlich
fein, wie nur eben angedeutet, die unteren aber mond-
förmige, mehr oder weniger gekrümmte Linien; bei an-
deren dagegen beträchtlich breite Querflecken. Bei eini-
gen befinden sich auch noch an der Spitze des Schild-
chens zwei ganz kleine weissliche Flecken, die bei ande-
222 Mohnike:
ren, selbst sonst stark gefleckton, fehlen. Das Pygidium
ist olivenfarbig, fein quer gestrichelt, mit zwei seitlichen
und ebenso viel mittleren, breiteren oder schmäleren
gelblichen, filzigen Längsbinden. Bauch und Brust sind
kupferfarben, stark glänzend ; der erstere hat an jeder
Seite zwei alternirende Reihen von je vier gelben Filz-
flecken. Mit solchen sind auch die Hinterhüften, die
Pleuren, die Mesosternalplatten und der umgeschlagene
Theil des Brustschildes bedeckt. Die Brustseiten sind
dabei nadelrissig und in den Gruben mit Härchen besetzt.
Vor den Trochanteren der Hinterschenkel befindet sich
ein grösserer gelbfilziger Doppelfleck. Die Beine sind
kupferfarben, lang und kräftig, die Schenkel mit gelben
Randflecken, vorn und in der Mitte gewimpert. Die
Schienen zeigen gelbe Kniepunkte; vorn bei beiden Ge-
schlechtern drei Randzähne, in der Mitte und hinten einen
weissen gelblichen Haarsaum.
24. Cet07iia Satrapa n. sp. Mohnike. Taf. XL Fig. 2.
C. supra fusco-viridis, opaca; subtus aenea, nitidis-
sima; clypeo quadrato, altius marginf>to, antice sinuato,
angulis reflexis, iuxta marginem tomento flavescente dense
tecto, medio piano, subtiliter punctato; fronte viridi ; an-
tennis viridibus ; thorace subconvexo, dense et subtiliter
punctato, linea intra-marginali, antice non interrupta, vittis
duabus medianis totidemque maculis infer has et lineam
iutra marginalem huic saepius coniunctis, flavis, ornato ;
scapulis postice flavo-marginatis, punctatis; elytris sub-
convexis, subparallelis ; sutura prominente, postice pro-
ducta, acuminata; iuxta scutellum, Inter hoc et humerum,
prope suturam, apice margineque laterali maculis nume-
rosis, forma magnitudineque variis, flavis, tomentosis varie-
gatis; pygidio tomento flavo tecto, viridi tri-vittato ; ab-
domine in utroque latere maculis flavis octo, duplici serie
ordinatis, alternantibus, anticis maioribus, medium versus
acuminatis, signato; coxis posticis flavo-tomentosis; pecto-
ris lateribus magis minusve tomento tectis; processu me-
sosterni apice rotundato, non dilatato, parvo ; pedibus
aeneis; femoribus tomento flavo-marginatis, anticis et me-
Die C^toniden der Philippinischen Inseln. 223
diis flavo-fimbriatis, tibiis anticis maris ac foeminae biden-
tatis; raediis et posticis flavo-fimbriatis.
Longitudo Mm. 20.
Habitat in insula Camigiiin de Mindanao. ^ $.
Diese Art unterscheidet sich von der Cet. anovittata
sehr wesentlich, wiewohl sie in der Gestalt einige Aehn-
lichkeit mit derselben zeigt. Sie ist oben lebhaft, bald hel-
ler, bald dunkler braungrün, durchaus ohne Glanz und
mit einem so dichten filzigen Ueberziige versehen, dass
die Sculptur des Thorax und der Flügeldecken sich nur
unter einer starken Loupe erkennen lässt. Der Clypeus
ist viereckig, höher umrandet vorn tiefer ausgebuchtet
und mehr aufgebogen, wie bei der anovittata. Seine
Mitte ist ganz flach, fein punktirt. Eigenthümlich sind
bei ihr zwei breite, weissgelbliche, schillernde Streifen, die
zwischen den Augen ihren Anfang nehmend, sich von dem
Rande bis zu den aufgebogenen Winkeln neben der vor-
deren Ausbuchtung erstrecken und nur einen schmalen
Raum zwischen sich unbedeckt lassen. Die Stirn ist grün,
matt, ungefleckt; die Fühlhörner sind dunkelgrün. Der
Thorax ist etwas gewölbt, allenthalben fein nnd dicht
punktirt, seitlich von einem breiten, oberhalb der Schul-
tern anfangenden, hinter dem Kopfe ununterbrochenen,
vertieften gelben Randstreifen eingefasst. Auf der Mitte
des Thorax liegen zwei Längsbinden, die gleichfalls ver-
tieft, bald Länger bald kürzer, meistens aber ziemlich
breit und von unregelmässiger Gestalt sind; unterhalb
derselben zwei Flecken und zwischen diesen und der
Randlinie zwei andere. Nicht selten sind dieselben in
einander verschmolzen, wie auf der Abbildung. Das
Schildchen ist grösser wie das der anovittata, wie bei
dieser ungefleckt. Die Schulterblätter haben einen gelben
Randsaum. Die Flügeldecken verschmälern sich etwas
nach der Spitze zu und sind auch mehr gewölbt und
verhältnissmässig kürzer wie bei der anovittata ; die Naht
ragt beträchtlich hervor und endigt hinten in einer län-
geren Spitze wie bei letztgenannter. Die Mittelrippen
sind nur niedrig. Die Flügeldecken sind neben dem
Schildchen, zwischen diesem und der Schulter, neben der
224 Mohüike:
Naht und an den Seitenrändern so wie auf ihrer Spitze
mit zahlreichen grösseren und kleineren gelben Filzflek-
ken, in deren Gestalt, Grösse und Anzahl eine grosse
individuelle Verschiedenheit besteht, bedeckt. Das Pygi-
diura zeigt, in einer dichten gelben Filzdecke, drei schmale
grüne, nicht ganz nach oben reichende Längsbinden. Der
Unterleib ist sehr glänzend, an den Seiten zerstreut punk-
tirt, und daselbst mit zwei Reihen von je vier, nach der
Mitte hin scharfe zugespitzten gelben Längsflecken verziert,
von denen die der hinteren Reihe sich mit der Spitze an
den unteren, die der vorderen aber mit derselben an den
oberen Rand der betreffenden Bauchringe anlegen. Die
Hinterhüften sind ganz mit gelbem Filze überzogen, wie
auch die Pleuren, die Unterseite der Schultern und der
umgeschlagene Theil des Thorax. Die Mesosternalplatten
sind punktirt, nadelrissig, mit feinen gelben Härchen be-
setzt und am vorderen und hinteren Rande mit Filz be-
deckt. Der Mesosternalfortsatz ist kurz und endigt in
einem runden, seitlich'" nicht d^weiterten Knopfe, der viel
kleiner ist wie bei der anovittata. Die Beine sind erz-
farben, glänzend, Schenkel und Schienen nadelrissig und
punktirt. Die erstem haben gelbe Randstreifen, die bei
einzelnen Stücken fast den ganzen Schenkel einnehmen,
und sind an dem vorderen und mittleren Paare gelblich
gewimpert, eben wie die mittleren und hinteren Schienen.
Die letzteren haben gelbe Kniepunkte und bei beiden
Geschlechtern am Torderrande nur einen Zahn oberhalb
der Endspitze.
25. Cet07iia chlor otica Burmeister.
Protaetia cidoroiica Burmeister, Handb. d. Eatom.
Bd. III. S. 500. — Cetonia suhviridis Newman, The En-
tomol. 1841. Art. XXXIX. p. 170. — Cef., germana New-
man, 1. c. — Cet. Manülarum Lacordaire Gen. d. coUopt.
Tom. III. p. 536. Not. 1. — Cef. Manülarum Wailace,
Transact. entora. Soc. 3. Ser. Vol. IV. 1868. p. 584. —
Cet. subviridis Gemminger et de Harold, Catal. Coleopt.
Tom. IV. p. 1330.
C. supra aut viridis aut viridi-brunnea, opaca ; sub-
Die Cetonider» der Philippinischen Inseln. 225
tus viridi-aenea nitidissima ; clypeo quadrato, marginato,
antice sinuato, subtiliter ac dense punctato, medio piano ;
antennis brunneis ; thorace triangulari^ subconvexo, b'nea
tenui intramarginab punctisque duobiis disci minimis,
albo-flavescentibus distincto ; scapubs punctatis, postice
albo-marginatls; scutello brevi, immaculato; elytris paral-
leb's, subconvexis, apice rotundatis, siitura prominenti^ acu-
minata; inter scutellum et humerum, iuxta suturum, apice
margineque laterab punctatis et b'neoHs albo-flavescenti-
bus ornatis ; pygidio tomento flavo dense tecto; abdomi-
nis lateribus maculis sedecim flavo-tomentosis, quadruplici
Serie, variatls; pectore, sterno excepto, densissime tomento
flavo obducto, processu mesosterni brevi, dilatato, pedibus
viridi-aeneis, nitidis.
Longitudo Mm. 17.
Habitat in insula Luzon. (^ $.
Diese Art, von welcher ich das von ßurmeister
bestimmte Original-Exemplar vor mir habe, gleicht auf
den ersten Blick in hohem Grade jener, die van mir —
üebers. d. Cet. d. Sunda-Inseln und Molukken S. 76 —
als Protaetia Ternatana beschrieben wurde, wiewohl sie
in der Form des Clypeus und des Brustschildes, so wie
auch noch in einigen andern Punkten, sich wesentlich von
ihr unterscheidet. Der Clypeus ist quadratisch, seitlich
niedriger als vorn umrandet, daselbst nicht unbeträchtlich
ausgebuchtet, mit abgerundeten, aufgebogenen Ecken, in
der Mitte wenig erhaben, punktirt, matt ; die Stirne etwas
gewölbter und gleichfalls matt, zwischen den Fühlhörnern
feiner punktirt. Die letzteren sind braungrün. Der Thorax
ist fast dreieckig, ziemlich gewölbt, an den Seiten zer-
streut und gröber, nach der Mitte zu, feiner punktirt, matt,
mit seitlicher, feiner gelblicher ilandlinie, die aber erst
oberhalb der Schulter beginnt, und zwei kleinen, gelbli-
chen Punkten in der Mitte des Discus. Die etwas dunk-
leren, stark punktlrten Schulterblätter haben eine hintere
gelbliche Randeinfa&sung. Das Schildchen ist ziemlich
kurz, matt, unpunktirt, ungefleckt. Die Flügeldecken
sind nicht ganz unbeträchtlich gewölbt, parallel, hinten
gerundet , mit hervorragender, hinten stark zugespitzter
Archiv f. Naturg. XXXIX. Jahrg. 1. Bd. 15
22n Mohnike:
Naht. Die Vertiefung zu beiden Seiten derselben ist
sehr gering. Neben der Naht zeigen sich verschiedene
concentrische, bogenförmige, nach aussen concave, stumpfe,
erhabene Linien. Die Flügeldecken sind allenthalben,
am stärksten aber an den Seiten, ziemlich grob punk-
tirt. Auf jeder von ihnen befindet sich ein kleiner gelb-
licher Punkt zwischen Schildchen und Schulter, zwei
kleine neben einander stehende, mitunter mit einander
verbundene und so eine kleine Querbinde bildende, in
ihrer Mitte neben der Naht; in der Mitte zwischen die-
sen und der Spitze, ebenfalls ein Paar Punkte oder eine
kleine Querbinde, nicht selten von halbmondförmiger
Gestalt ; ausserdem einige Punkte an der Spitze, so wie
einige Strichelchen und Punkte am Seitenrande. Hin-
sichtlich dieser Zeichnung besteht grosse individuelle
Verschiedenheit. Häufig fehlen einige der genannten,
oder aber es ist statt des einzelnen Punktes eine Gruppe
von Punkten vorhanden und es sind dieselben bald stärker
bald schwächer.
Die ganze Oberseite hat eine hellere oder dunklere,
mitunter in das Olivenbraune übergehende, grüne Fär-
bung, ist matt, an abgeriebenen Stellen aber hell metal-
lisch grün schimmernd.
Das Pygidium ist fein quer gestrichelt und derge-
stalt mit gelbem Filze bedeckt, dass allein in der Mitte
kleinere oder grössere grüne Stellen durchschimmern.
Die Unterseite ist in der Mitte sehr glatt und glänzend,
hell metallisch grün, oder mehr kupferfarben. Die Brust-
seiten sind bis zum Sternum mit einer ununterbrochenen
dichten, gelben Filzdecke überzogen ; am Bauche finden
sich jederseits zwei Reihen von je vier Randflecken, von
denen die in der inneren Reihe vorn und hinten zuge-
spitzt sind. Der Mesosternalfortsatz ist seitlich nur wenig
erweitert. Die Beine sind schlank, grün metaUisch glän-
zend, die Schenkel mit gelben Randflecken und gewim-
pert. Die Schienen haben gelbe Kniepunkte; die mitt-
leren und hinteren sind gelb gewimpert, die vorderen
haben auch bei den Männchen drei Randzähne.
Die Getoniden der Philippinischer Inseln. • 227
26. Cetoma Manillarum Chevrolat.
Cetonia Manillarum Chevrolat in Guerin Revue zool.
Tom. IV. 1841. p. 213. — Protaetia Ma7iillärum Burmei-
ster, Handb. d. Entom. Bd. III. S. 497.
C. supra obscura aenea, aliquid viridescens, subni-
tida; subtus obscure-fusca, nitida; clypeo quadrato, margi-
nato, antice vix sinuato, angulis rotundatis, medio eleva-
tiore, undique punctato ; antennis bHinneis ; thorace sub-
convexo, linea intra-marginali alba, disco punctis duobus
albis ornato, dense punctato ; scutello subtriangulari, im-
maculato, non punctato; scapulis punctatls, postice albo-
marginatis ; elytris subparallelis, subconvexis, densissime
subtiliter punctato-striatis , sutura non acuminata, hac et
carinis medianis prominentibus, iuxta scutelli basin et
apicem, inter hunc et humerum, prope suturara, apice et
margine laterali, albo-maculatis ; pygidio striolato, basi et
apice albo-maculato ; abdomine maculis albis sedecim, qua-
druplici serie positis, non alternantibus, distincto ; pectoris
lateribus magis minusve albo-maculatis; processu meso-
sterni parum dilatato ; pedibus fortibus, fusco-nigris, ni-
tidis; tibiis anticis maris et feminae tridentatis.
Longitudo Mm. 17—18.
Habitat in insula Luzon. (^ $.
Die von Burmeister 1. c. als Cetonia Manillarum
Chevrol. beschriebene Art wird von Schaum — Annal.
d. 1. öoc. Entom. de France, 1849. p. 279. — mit der
von Chevrolat selbst, unter diesem Namen in Guerin's
zoologisoher Revue Vol. IV. 1841. p. 223 bekannt ge-
machten, für nicht identisch gehalten, sondern zu Cet.
anovittata Chevrol. gezogen. Ihm stimmen auch Gem-
mi nger und von Harold in ihrem Cataloge Tom. IV,
p. 1321 bei. Nach genauer Vergleichung aber der von
Burmeister selbst als Cet. Manillarum bestimmten
Stücke im Museum zu Halle und anderer mir vorliegen-
der, denselben vollkommen gleichender, mit der in Gue-
rin's Revue mitgetheilten Beschreibung der Cet. Manilla-
rum, finde ich, dass diese Beschreibung weniger mit der
anovittata, als mit den mir vorliegenden Exemplaren der
228 Mohnike:
B 11 r meist er' sehen Cet Manillarum übereinstimmt. Die
letztere ist jedenfalls eine eigenthümliche, unter den vie-
len verwandten Arten von den Philippinen, welche ich
in einer beträchtlichen Anzahl von Exemplaren vor mir
habe, sich als selbstständig darstellende Art.
Sie hat einen ziemlich schlanken und gestreckten
Körperbau, ist dabei aber gewölbter als die Cet. anovit-
tata; oben dunkel erzbraun, matt, bei einigen Stücken
jedoch etwas glänzender, mit einem leichten metallischen
Anfluge. Der Clypeus ist viereckig, massig hoch ge-
randet, vorn sehr wenig ausgebuchtet, mit abgerundeten
Ecken, in der Mitte breit erhaben, allenthalben dicht,
aber ziemlich grob punktirt. Braune Fühlhörner. Der
Thorax ist gewölbt, mit etwas vorspringenden Winkeln in
der Mitte seiner Seitenränder, vor denselben aber kei-
neswegs sehr verschmälert, allenthalben fein und dicht
punktirt, mit ziemlich breiten, schon neben der Basis der
Flügeldecken beginnenden, hinter dem Kopfe nicht zu-
sammenhängenden weissen Randstreifen und zwei grös-
seren weissen Punkten in der Mitte des Discus. Das
Schildchen ist ohne Punktirung und nicht gefleckt, etwas
glänzend. Die stark punktirten Schulterblätter haben eine
weisse hintere Randeinfassung. Die Flügeldecken sind fast
parallel, hinten etwas gerundet, mit stark hervortretender
Naht und eben solchen mittleren Leisten. Der Raum zwi-
schen letztern und der Naht ist stark vertieft ; diese etwas
glänzend, nicht sehr gefurcht, am Ende ohne Spitze.
Die Flügeldecken sind sehr dicht, aber fein punktirt;
hauptsächlich in der Vertiefung bilden diese Punkte deut-
lichere Längsreihen. Auf jeder von ihnen liegen ein
grösserer weisser Filzfleck neben der Basis des Schild-
chens, ein kleinerer, mehr linienförmiger, neben dessen
Spitze und ein dritter zwischen letzterer und der Schul-
ter. Letztere hat, von der dcapula an, eine weisse Rand-
einfassung, die unterhalb des Scitenausschnittes in einen
grösseren Querfleek übergeht. Auf diesen folgen, fast in
gleichen Abständen von einander, längs dem äusseren
und unteren Rande bis zur Nahtspitzc, noch fünf andere,
grössere Querflecken. Der dritte von ihnen ist der
Die Cetoniden der Philippinischen Inseln. • 229
grösste. Seine Lage entspricht der Mitte von zwei grös-
sern neben der Naht liegenden Flecken. Im Allgemeinen
ist die Zeichnung bei dieser Art mehr constant und in-
dividuell nicht so verschieden, wie bei der anovittata und
andern. Das Pygidium ist Orange-farbig gestrichelt und
mit vier weissen Flecken auf seiner Basis, so wie zweien
auf seiner Spitze, gezeichnet. Der Bauch hat auf jeder
Seite die bekannten zwei Reihen von je vier weissen
Randflecken, die aber nicht alterniren und kleiner sind
wie bei der anovittata und andern verwandten Arten.
Auch die Brustseiten sind viel weniger mit Filz überzo-
gen und zeigen nur einzelne weisse Flecken. Sie sind
punktirt und nadelrissig. Der Mesosternalfortsatz endigt
knopfförmig und ist seitlich wenig erweitert. Die Beine
sind schwarzbraun, glänzend, nicht sehr lang aber kräf-
tig. Die vorderen und mittleren sind gelb gewimpert,
die hinteren haben einen weissen Randflecken neben dem
Kniegelenke. Die vorderen Schienen sind bei beiden
Geschlechtern dreigezähnt, die mittleren und hinteren
fein gelb gewimpert und alle mit weissen Kniepunkten
versehen. Die Tarsi sind kur^.
27. Cetonia vener abilis n. sp. Mohnike. Taf. XI. Fig. 3.
C. supra laete viridis, sericea; subtus cuprea, nitida;,
clypeo qnadrato, marginato, antice profundius sinuato, an-
gulis rotundatis, nitido, medio elevato, saepius tomento
viridi tecto, punctato; antennis brunneis; thorace sub-
convexo, flavo-marginato, disco saepius bipunctato ; sca-
pulis grosse punctatis, aut viridibus aut cupreis, saepius
postice flavo marginatis; scutello immaculato, non punc-
tato; elytris subconvexis, parum convergentibus, iuxta
suturam, apice, margineque laterali, maculis flavo-tomen-
tosis magis minusve ornatis ; pygidio basi et lateribus
flavo-tomentosis; abdomine lateribus quadruplici ordine
flavo-maculato ; pectore tomento flavo magis minusve ves-
tito; processu mesosterni dilatato ; pedibus robustis, viridi-
cupreo- micantibus, ,tibiis anticis in utroque sexu triden-
tatis.
230 • M 0 h n i k e :
Longitudo Mm. 21 — 23.
Habitat in insula Luzon. ^ $.
Ich habe die drei mir vorliegenden Exemplare die-
ser Art sowohl mit allen von New man im ;,Entomologi-
sten^ gegebenen Beschreibungen Philippinischer Cetoniden,
als auch mit zahlreichen Varietäten der Cet. ferruginea,
anovittata, chlorotica ßurm. und anderer, sehr sorgfältig
verglichen. Hieraus ergab sich als Resultat, dass ich
diese Art für eine selbstständige, bis jetzt noch nicht be-
schriebene halten muss. Sie ist oben allenthalben lebhaft
blattgrün gefärbt; matt, sammtartig; unten stark me-
tallisch, je nachdem man sie gegen das Licht hält, mehr
grün oder mehr kupferroth glänzend. Der Clypeus ist
quadratisch, massig hoch umrandet, in der Mitte breit,
polsterartig erhaben, punktirt, bis zu dem Vorderrande
matt, mit grünem Ueberzuge. Der Vorderrand allein ist,
mehr oder weniger stark, glänzend, sehr beträchtlich aus-
gebuchtet, mit stumpfen, etwas aufgebogenen Ecken.
Fühlhörner braun. Thorax ziemlich gewölbt, mit gleich-
massig gebogenen, in der Mitte nicht eckigen Seitenrän-
dern und abgerundeten Schulterecken. Neben dem Rande
verläuft ein gelber Streifen, der sich mitunter mit dem
der andern Seite hinter dem Kopfe vereinigt. Seine
Mitte ist entweder leer oder es zeigen sich auf ihr zwei
grössere oder kleinere, mitunter kaum sichtbare gelbe
Punkte. Das Schildchen ist ungefleckt; die entweder
grünen oder kupferbraunen, stark punktirten Schulterblät-
ter haben einen hinteren gelben Rand. Derselbe fehlt
aber dem einen, übrigens durchaus frischen Stücke der
mir vorliegenden. Die Flügeldecken sind ziemlich con-
vex, verschmälern sich nach der Spitze zu ein wenig
und haben eine sehr beträchtliche Vertiefung neben der ^,
Naht, da diese und die mittlere Längsrippe stark hervor-
ragen. Erstere hat nur eine sehr kurze Spitze. Alle drei
mir vorliegenden Exemplare sind verschieden gezeichnet.
Bei dem am stärksten gezeichneten finden sich auf jeder
Flügeldecke ein gelber , rundlicher Flecken zwischen
Schulter und Naht, zwei grössere, viereckige neben letz
terer und ein kleinerer neben ihrer Spitze, ausserdem
Die Cetoniden der Philippinischen Inseln. 231
vier grössere, von denen der dritte am längsten ist,
am Seitenrande. Bei dem zweiten Stücke befinden sich
nur der untere Nahtflecken, der kleinere neben ihrer
Spitze, so wie die vier Randflecken. Das dritte Stück
endlich hat nur den oberen, aber zu einem Punkte ver-
kümmerten Nahtflecken, einen Punkt unter dem End-
buckel, so wie einen etwas grösseren Randflecken unter-
halb des Nahtpunktes. Diese Flecken sind bei allen
gelbfilzig. Die Flügeldecken sind überall, aber sehr fein
und ziemlich weitläuftig punktirt. Das Pygidium ist ent-
weder an den Seiten ganz mit gelbem Filze überzogen,
so dass nur ein mittlerer grüner Längsstreifen übrig
bleibt, oder es hat vier Flecken auf dem Grunde und
zwei auf der Spitze ; oder aber die unteren sind mit den
mittleren auf dem Grunde verbunden. Der Bauch ist
an den Seiten und an seiner Spitze zerstreut punktirt
und hat die bekannten vier Reihen von je vier, alterni-
renden Randflecken. Die Brustseiten sind bei dem einen
Stücke fast ganz, bei den andern nur hier und da mit
gelbem Filze überzogen. Sie sind nadelrissig und auch
mit einzelnen röthlichen Härchen besetzt. Vor den Tro-
chanteren der Hinterschenkel liegt ein gelber Doppelfleck
und auch die Hinterhüften sind entweder ganz oder
theilweise gelbfilzig. Der Mesosternalfortsatz ist ziemlich
breit und seitlich erweitert. Die Beine sind massig lang
aber sehr kräftig. Die Schenkel haben längere oder
kürzere gelbe Randstreifen, die Schienen solche Knie-
punkte. Die letzteren sind an dem ersten Paare bei dem
Weibchen vorn breit, bei dem Männchen schmäler, bei
beiden dreigezähnt. Die mittleren und hinteren haben
wie die vorderen und mittleren Schenkel einen gelben
Haarsaum. Auch die Tarsi sind kurz aber stark gebaut.
28. Cetonia Bohgltca n. sp. Mohnike. Taf. XI. Fig. 4.
C. supra viridis, opaca; subtus obscure aenea, nitida;
clypeo vix marginato, feminae quadrato, maris longiore,
antice profunde sinuato, medio piano, punctato, viridi;
autennis brunneis; clypeo subconvexo, angulis anticis
saepius flavo-aureo maculato ; scutello immaculato; scapulis
232 Mohnike:
punctatis , obscure viridibus, rarius postice aut flavo-punc-
tato ant flavo-marginato, elytris ferainac quadratis, planiori-
biis, raaris snbconvexis, parum convergentibns; in utroque,
inter siituram carinasqiie medianas valde prominentes, pro-
funde depressis, singulo infra medium, iuxtasutnram, macu-
lis duabus magnis hamatis, margine vero maculis aut tribus
aut quattuor, quarum inferiores duo maiores, flavo-aureis
ornato ; sutura feminae inermi, maris acutissime acumi-
nata; pygidio viridi, lateribus magis minusve flavo-tomen-
tosis; feminae abdoraine lateribus quadruplici serie ma-
cularura tomentosarum distincto , maris vero tomento
flavo-aureo dense vestito; pectoris lateribus maris undi-
que dense , feminae partim solum et distanter tomen-
tosis ; processu mesosterni subgloboso, dilatato; pedibus
fortibus, femoribus anticis et mediis , tibiis mediis et
posticis dense flavo-fimbriatis, feminae tibiis anticis tri-
dentatis maris vero bidentatis.
Longitudo . Mm. 20—23.
Habitat in insula ßohol. </ $.
Bei dieser Art, von der ich sechs Exemplare vor
mir habe, findet sich ein mehrfacher Geschlechtsunter-
schied. Bei dem Männchen ist der Clypeus etwas länger
und schmäler, in der Mitte ganz flach, bei dem Weibchen
dagegen mehr angeschwollen, überhaupt breiter und mehr
viereckig ; bei beiden nur sehr niedrig umrandet, vorn
aber tief ausgebuchtet, allenthalben fein und dicht punk-
tirt. Die Fühlhörner sind braun. Der Thorax ist massig
gewölbt, mit gleichmässig bogigen Seitenrändern, sehr fein
und kaum sichtbar punktirt, mitunter mit zwei kleinen
goldgelben Flecken, als Andeutung einer Randlinie, in den
Augenwinkeln. Das Schildchen ist ziemlich gross, grün,
ohne Punktirung und Flecken. Die Flügeldecken sind
bei dem Weibchen viereckig und flacher, bei dem Mann
chen mehr gewölbt und hinten etwas verschmälert. Die
mittleren Leisten und die Naht ragen beträchtlich hervor,
und der Raum zwischen beiden ist stark vertieft. Die
Naht ist gefurcht und bei dem Männchen mit einer star-
ken und scharfen, bei dem Weibchen mit keiner End-
spitze versehen. Auf jeder Flügeldecke liegen in der
Die Cetonideu der Plniippinischen Inseln. 233
Vertiefung, dicht neben der Naht, zweigrosse Flecke; der
obere von runder oder viereckiger Gestalt, der untere
mehr von der Gestalt eines langschenkligen Dreieckes,
mit der Spitze nach unten und aussen gerichtet. Der Mitte
beider entsprechend, ihnen gegenüber, befindet sich ein
breiter und langer, sich oben verschmälernder Randfleck,
während ein zweiter, gekrümmter unter demEndbuckel liegt,
und mit seiner Spitze hart an den untersten Nahtflecken
stösst. Dieser zweite Randfleck fehlt nicht selten. Aus-
serdem befinden sich, unterhalb des Seitenausschnittes,
noch mitunter zwei bis drei kleinere Flecken. Alle diese
Flecken sind von schöner, goldgelber Farbe, wo sie aus-
geblichen sind, mehr weisslich. Das Pygidium ist fein
punktirt, und entweder ganz mit gelbem Filze über-
zogen, so dass nur ein unterer, dreieckiger Ausschnitt
grün bleibt, oder aber es befinden sich in der Mitte des-
selben , von dem Grunde ausgehend , zwei dreieckige
Flecken, und neben ihnen, auf jeder Seite, ein kleinerer,
runder. Der Bauch ist bei den Männchen dergestalt mit
feinem, seidenartigen Filze von hochgelber Farbe bedeckt,
dass nur ein schmaler mittlerer Streifen, die untere Hälfte
des vorletzten Segmentes und das ganze letzte, eine lebhaft
glänzende , dunkle Erzfarbe zeigen. Auch die Brustsei-
ten sind bei dem Männchen dicht und ununterbrochen
mit solchem Filze überzogen. Bei dem Weibchen finden
sich dagegen am Bauche nur die bekannten vier Reihen
alternirender Randflecken ; ein Doppelfleck vor den Tro-
chanteren der Ilinterschenkel, aber auf den Pleuren, Pa-
rapleuren, den Unterselten der Schulterstücke so wie dem
umgeschlagenen Theile des Thorax, nur hier und da fil-
zige Flecken. Der Mesosternalfortsatz ist halbkugelig
seitlich erweitert. Die Beine sind kräftig ; die Schenkel
des Männchens häufiger, die des Weibchens seltener mit
gelben Randstreifen, die Schienen immer mit gelben Knie-
punkten. Die vorderen und mittleren Schenkel, die mitt-
leren und hinteren Schienen haben einen gelben Haar-
saum, die Vorderschienen bei dem Männchen zwei , bei
dem Weibchen drei Randzähne.
234 Mohnike:
29. Cetonia compacta n. sp. Mohnike.
Taf.XI. Fig. 5.
C. supra laete viridi-brunnea, opaca ; subtus brunnea,
nitida; clypeo quadrato, marginato, antice emarginato,
angulis rotimdatis, medio elevato, undique punctato; an-
tennis brunneis; thorace lateribus arcuato, angulis scapula-
ribiis rotundato, convexo, aiite scutellura parum sinuato,
usqiie ad medium punctis minimis piliferis tecto , linea
intra-marginali et punctis medianis aut duobus aut quat-
tuor flavis, tomentosis distincto; scutello triangulari, imma-
culato, non punctato; scapuHs punctatis, pilis flavis dense
vestitis, postice tomento flavo marginatis ; elytris valde
convexis, convergentibus, striato-punctatis, apice rotunda-
tis^ sutura minimo acuminatis; iiac et carinis medianis
parum elevatis, iuxta scutelli apicem, prope suturam, apicc
margineque laterali, maculis flavis, tomentosis, ornatis; py-
gidio punctato, omnino paene tomento flavo obtecto ; ab-
domine punctato, quadruplici serie flavo-maculato; pecto-
ris lateribus aciculatis , pilosis, tomento flavo vestitis;
processu mesosterni apice rotundato, parum dilatato; pe-
dibus fortibus, brevibus, obscure brunneis, femoribus pilo-
sis, bis et tibiis medianis posticisque flavo-fimbriatis, tibiis
anticis tridcntatis; tarsis brevibus.
Longitudo Mm. 18,
Habitat in insula Camiguin prope Mindanao. d^$.
Eine am nächsten der Cet. flavo-variegata stehende,
sich durch ihren kurzen, gedrungenen Körperbau so wie
ihre sehr beträchtliche Convexität auszeichnende Art.
Sie ist oben hellbraungrün mit vorherrschendem Grün
und matt, unten dagegen dunkelbraun und glänzender.
Der Clypeus ist ziemlich klein, quadratisch, stumpf ge-
randet, vorn ausgebuchtet mit abgerundeten Ecken, in der
Mitte schwielig erhaben, allenthalben punktirt. Die Fühl-
hörner sind braun. Der Thorax hat gleichmässig gebo-
gene Seitenränder, abgerundete Schulterecken, ist stark
convex, vor dem Schildchen wenig ausgebuchtet, bis zur
Mitte hin fein, aber nicht dicht punktirt und in den Ver-
tiefungen mit ganz kurzen Härchen besetzt. Er hat einen
Die'Cetoniden der Philippinischen Inseln- 235
seitlichen^ an den Schultern beginnenden, hinter dem Kopfe
unterbrochenen , gelben, filzigen Randstreifen und auf
dem Discus zwei oder vier, in letzterem Falle in zwei
Reihen gestellte gelbe Punkte. Die Schultern sind
stark punktirt, dicht haarig und zugleich mit einem brei-
ten hinteren Randsaume. Das Schildchen ist ohne Punk-
tirung und Flecken. Die Flügeldecken sind stark con-
vex, etwas convergirend, an der Spitze abgerundet. Sie
sind bis zum Discus hin reihenweise punktirt. In der
Vertiefung, die sehr unbeträchtlich ist, bilden diese Punkt-
reihen mit ihrer Concavität nach aussen gerichtete Bogen.
Die mittleren Längsrippen, so wie die Naht, ragen wenig
hervor; letztere hat eine sehr geringe Furche und eine
ganz kleine Endspitze. Auf jeder Flügeldecke befinden
sich folgende Flecken: Ein ganz kleiner oberhalb der
Spitze des Schildchens, unmittelbar neben der Naht; zwei
ziemlich grosse in der Vertiefung gleichfalls neben letz-
terer, so wie zwei andere neben ihrer Spitze; ausserdem
noch ein Flecken oder Punkt auf der Mitte des Grun-
des* zwischen .Schildchen, und Schulter so wie endlich
drei bis vier grössere und verschiedene kleinere neben
dem Seitenrande. Das Pygidium ist nadelrissig, mit Här-
chen besetzt, und so dicht mit gelbem Filze bedeckt, daas
nur in seiner Mitte die dunkle Grundfarbe mehr oder we-
niger durchschimmert. Der Bauch ist allenthalben punk-
tirt, nicht sehr glänzend, auf den letzten Segmenten mit
röthlichen Härchen besetzt, und zeigt seitlich die so häufig
vorkommenden vier Reihen von je vier alternirenden
RandÜecken. Die Brustseiten sind nadelrissig, röthlich
behaart und allenthalben, aber nicht sehr dicht gelbfilzig.
Der Mesosternalfortsatz ist abgerundet, seitlich etwas er-
weitert. Die Beine sind kurz und kräftig; die Schenkel
nadelrissig, behaart, mit gelben Randstreifen, und, w^ie
auch die mittleren und hinteren Schienen, röthlich gelb
gewirapert. Die letzteren haben gelbe Kniepunkte. Vorn
sind sie dreigezähnt. Auch die Tarsi sind kurz aber
kräftig.
23<S Mohnike:
30. Cetonia tenuicollis n. sp. Mohnike.
Taf. XL Fig. 6.
C. supra obscure olivacea, opaca; subtus nigra, ni-
tida; clypeo parvo, subquadrato, antice sinuato, medio
subelevatO; dense punctato ; antennis obscure fuscis ; tho-
race parvo, subrotundo, elytris angustiore, piano, punc-
tato, linea intra - marginali abbreviata, discoque punctis
octo albis ornato ; scapulis punctatis, piJiferis, postice albo-
marginatis ; elytris planis, convergentibus, undique dense
punctatis , lineolis, maculis, punctisque albis permultis
variegatis; carinis suturaque parum prominentibus; hac
non acuminata; pygidio punctato, subpiloso, albo-variegato ;
abdomine albo maculato ; pectoris lateribus aciculatis,
pilosis, maculis nonnullis albidis variatis; processu meso-
sterni aliquid elongato, non dilatato ; pedibus fortibus non
longis ; femoribus punctatis, subpilosis, flavo-fimbriatis;
tibiis mediis et posticis fimbriatis, anticis tridentatis.
Longitudo Mm. 20.
Habitat in insula Camiguin de Mindanao ?.
Der Clypeus ist in der Mitte nur sehr wenig er-
haben, klein, nicht ganz quadratisch, sondern mit etwas
gebogenen Seitenrändern, vorn nur massig ausgebuchtet,
mit stumpfen Ecken , allenthalben punktirt; Fühlhör-
ner dunkelbraun. Thorax klein, hinten schmäler als die
Flügeldecken unterhalb des Seitenausschnittes, mit gleich-
massig gebogenen Seitenrändern, auffallend flach, allent-
halben punktirt, mit weissem, nur bis zum untersten
Drittheil des Randes reichenden Streifen neben demsel-
ben, in der Mitte mit acht gelblichen Punkten, von de-
nen je drei in einer Längslinie, und je einer neben den-
selben liegen. Das Schildchen dreieckig, klein, unge-
fleckt ; die Schultern punktirt mit hinterem weissen Rand-
streifen. Die Flügeldecken flach, etwas convergirend,
hinten gerandet, mit sehr wenig erhabenen Mittelleisten
und Naht; die letztere nicht zugespitzt. Sie sind allent-
halben, aber nicht reihenweise; wie bei der vorigen,
punktirt und mit zahlreichen grösseren und kleineren,
gelblichweissen Punkten, Flecken und Linien zerstreut
Die Cetoniden der Philippinischen Inseln. 237
bedeckt. Ihre Grundfarbe ist, wie die des Thorax und
Kopfes, ein dunkles , mattes , schwärzliches Braun. Das
Pygidium ist braun, matt und nadelrissig, oben mit einem,
in der Mitte getrennten gelblichweissen Filzstreifen, von
dem sich zwei weniger dichte Fortszäte nach der Spitze
hinziehen. Hin und wieder zeigen sich auf dem Pygi-
dium einzelne Härchen. Die Unterseite ist schwarz, der
Bauch glänzend, zerstreut punktirt, mit zwei Reihen schma-
"ler, nicht alternirender Randflecke, von je vier an jeder
Seite. Die ßrustseiten sind nadelrissig, zerstreut mit
röthlichen Härchen besetzt, und zeigen nur an einzelnen
wenigen Stellen weisse Filzflecken. Der Mesosternalfort-
satz ist etwas verlängert, nicht seitlich erweitert. Die
Beine sind ziemlich kurz aber kräftig, die Schenkel na-
delrissig, mit Härchen besetzt und, wie auch die mitt-
leren und hinteren Schienen, gewimpert. Die letzteren
haben weisse Kniepunkte und sind an dem vordersten Paare
dreigezähnt.
31. Cetonia moerens n. sp. Mohnike.
Taf. XL Fig. 7.
C. supra brunneo-nigra, opaca, subtus aut nigra aut
obscure brunnea, nitida ; clypeo quadrato, marginato, an-
tice sinuato, punctato; antennis nigris; thorace convexo,
ante scutellum profunde sinuato, punctato, linea intra-mar-
ginali punctisque disci sex aut octo albis distincto; sca-
pulis postice albo-marginatis ; scutello longo , angusto,
acuminato; elytris convexis, convergentibus, prope scu-
tellum depressis, undique grosse punctatis, sutura carinis-
que prominentibus, gibbis posticis callosis, sutura maris
acuminata, feminae inermi; pygidio nigro, punctato, to-
mento albo magis minusve tecto,. haud rare albo quadri-
vittato; abdominis pectorisque lateribus albo -maculatis;
processu mesosterni maris brevi, rotundato; feminae
longiori, acutiori; pedibus fortibus, longiusculis; tibiis an-
ticis maris bidentatis, feminae vero tridentatis.
Longitudo Mm. 20.
Habitat in insula Mindanao. J' $.
Diese Art unterscheidet sich von der vorigen durch
238 Mohnike:
einen ganz anderen Körperbau und stimmt in dieser Bezie-
hung mehr mit der oben beschriebenen Cet. Sa^trapa über-
ein, kann aber nicht als Varietät dieser letzteren angesehen
werden. Sie ist oben braunschwarz, matt, aber nicht so
dicht wie die meisten andern Arten, mit dem eigenthüm-
lichen, filzigen Ueberzuge bedeckt, so dass der Thorax
und die höheren Stellen der Flügeldecken, einen gewis-
sen, wenn auch nur sehr geringen Grad von Glanz be-
sitzen. Unten ist das Männchen dunkelbraun, das Weib-
chen schwarz, beide glänzend. Der Clypeus ist quadra-
tisch, umrandet, vorn ausgebuchtet, in der Mitte etwas
erhaben, grob und dicht punktirt. Fühlhörner schwarz.
Thorax viel gewölbter, grösser und von anderer Gestalt
wie bei der vorigen ; die Seitenränder bilden an ihrem
vorderen Dritttheile einen stumpfen Winkel. Er ist an
den Seiten dichter, in der Mitte zerstreuter, grob punk-
tirt; vor dem Schildchen tief ausgebuchtet; hat seitlich
und, bei dem Männchen, auch eine vordere weisse Rand-
einfassung und in der Mitte, bei dem Weibchen sechs,
bei dem Männchen aber acht, ähnlich wie bei der vori-
gen Art gestellte, vertiefte weisse Flecken. Das Schild-
chen ist länger, schmäler und spitzer wie bei letzterer.
Die Schulterblätter sind glänzend schwarz, punktirt und
mit einem hinteren, breiten, weissen Randstreifen. Die
Flügeldecken sind ziemlich gewölbt, an der Spitze etwas
convergirend, allenthalben, besonders aber bei dem Weib-
chen, wo die Sculptur überhaupt viel stärker als bei dem
Männchen ist, dicht aber grob punktirt. Die Naht und
Mittelrippen , so wie die hinteren Buckel ragen stark
hervor. Die letzteren sind , besonders bei dem Weib-
chen, stark schwielig aufgetrieben und ohne alle Punktur.
Die Naht hat bei dem Männchen eine ziemlich starke und
kräftige Spitze , bei dem Weibchen keine. Auf jeder
Flügeldecke liegt» oben in der Schildcheneckc ein ziemlich
grosser, weisser Filzfleck, ein anderer, ebenfalls grösserer,
neben der Spitze des Schildchens, ein dritter, kleinerer,
zwischen diesem und der Schulter; zweigrosse, meistens
hakenförmige, der obere nach innen, der untere nach aus-
sen gekrümmt, neben der Naht, in der Vertiefung; zwei
Die Cetoniden der Philippinischen Inseln. 239
oder drei an dem hinteren, und vier, von denen der
dritte, dessen Lage der Mitte der beiden grossen Naht-
flecken entspricht, der grösste ist, an dem Seitenrande.
Alle diese Flecken sind vertieft. Das Pygidium ist
schwarz, punktirt, bei dem Männchen mit vier weissen
Längsbinden, bei dem Weibchen etwas haarig, mit zwei
grossen dreieckigen, nur einen schmalen Zwischenraum
offenlassenden weissen Flecken, in deren jedem sich oben
eine runde schwarze Stelle befindet. Der Bauch ist an den
Seiten zerstreut punktirt und trägt die so häufig vorkom-
menden vier Reihen von je vier alternirenden Randflecken.
Die Hinterhüften sind bei dem Männchen ganz weiss. Die
Brustseiten sind stark nadelrissig und hier und da mit röth-
lichen Härchen besetzt. Vor den Trochanteren der Hin-
terbeine Jiegt ein weisser Doppelfleck und ist die Meso-
sternalplatte auch oben weiss gefleckt. Auch die Pleuren,
die Unterseite der Schulter und der umgeschlagene Theil
des Thorax sind mit solchem Filze bedeckt. Der Meso-
sternalfortsatz ist bei dem Weibchen etwas mehr nach
vorn verlängert und nicht ganz so stumpf und abgerundet
wie bei dem Männchen. Die Beine sind dunkelbraun, bei
dem Weibchen etwas schwärzlich, kräftig und ziemlich
lang; die Schenkel nadelrissig, vorn und in der Mitte nicht
sehr stark röthlich gewimpert, mit weissen Randflecken ;
die Schienen haben weisse Kniepunkte, sind hinten so wie
in der Mitte schwach und kurz gewimpert und haben
vorn bei dem Weibchen drei, bei dem Männchen nur
zwei Randzähne.
Diese Art steht, wie schon oben bemerkt wurde, der
Cet. Satrapa am nächsten, ist aber keine Varietät der-
selben.
32. Getonia incerta n. sp. Mohnike.
Taf. IX. Fig. 8.
C. praecedentibus multo minor, supra obscure viridis,
aenea, subnitida; subtus nigra, subnitida; cljpeo parvo,
quadrato, minime marginato, antice non sinuato, medio non
elevato, dense punctato; thorace subconvexo, angulis hu-
meralibus rotundato, ante scutellum vix sinuato, grosse
240 Mohnike:
punctato, vitta mediana elevatiori, fossisque quattuor ero-
sis distincto ; scapulls permagnis, punctatis; scutcllo minus
punctato ; elytris convexis, convergentibus, gibbis posticis
valde promiuentibus, inter hos et suturam depressis , su-
tura minus elevata non acuminata; pygidio transversim
striolato ; abdomine pectoreque lateribus magis ac den-
sius, mcdio minus punetatis ; processu mcsosterni brevi,
subacuto ; femoribus grosse punetatis; tibiis anticis omnino
indentatis, mediis et posticis unidentatis, rufo-fimbriatis.
Longitudo Mm. 15.
Habitat in insula Mindanao. ^.
Das einzige Exemplar, welches mir von dieser in-
teressanten Art vorliegt, ist leider so schlecht erhalten,
dass sich fast nur noch die Gestalt beschreiben lässt. Die
Farbe ist oben , mit Ausnahme der später zu bespre-
chenden helleren Stellen auf den Flügeldecken , ein
dunkles, schmutziges, beinahe schwärzliches, Grün mit
mattem Metallglanze, unten ein mattes, schmutziges, nur
in der Mitte etwas glänzenderes Schwarz. Da das vor-
liegende Stück ganz abgerieben erscheint, so ist diese
Färbung jedenfalls nicht die ursprüngliche. Der Clypeus
ist nnr niedrig umrandet, vorn nicht ausgebuchtet, in der
Mitte etwas erhaben, allenthalben punktirt. Die Fühl-
hörner sind schwärzlich. Der Thorax ist gewölbt, hinten
gerundet, vor dem Schildchen kaum etwas ausgebuchtet,
allenthalben grob und ziemlich weitläuftig punktirt. In
seiner Mitte verläuft ein erhabener , etwas glänzender
Streifen von dem Kopfe bis zum Schildchen, neben wel-
chem auf jeder Seite drei vertiefte, in frischem Zustande
wahrscheinlich mit weissem Filze bedeckte Stellen lie-
gen. Die Schultern sind gross, stark punktirt. Die Flü-
geldecken sind convex, verschmälern sich nach hinten
beträchtlich und zeigen besonders stärk hervorragende
Hinterbuckel. Die Naht ist massig erhaben und nicht
zugespitzt. Die Plügeldecken sind allenthalben punktirt
und zeigen zwischen den Schultern und dem Scutellum,
neben der Naht, so wie am Seitenrande, vertiefte Stellen,
in denen sich noch die Spuren eines früheren, weissen
Filzüberzuges erkennen lassen. Das Pygidium ist stark
Die Cetoniden der Philippinischen Inseln. 241
punktirt, in seinem gegenwärtigen Zustande ohne Flecken.
Unten ist das vorliegende Exemplar ganz schwarz, die
Stellen, wo früher hellere Flecken waren, lassen sich
nicht mehr erkennen. Die Seiten des Bauches und der
Brust sind stark punktirt. Der Mesosternalfortsatz ist
kurz, etwas spitzig. Die Beine sind kräftig und ziemlich
lang, die Schenkel grob punktirt. Die mittleren und
hinteren Schienen haben einen röthlichen , spärlichen
Haarsaum und einen Randzahn , die vorderen dagegen
sind gänzlich ungezähnt.
Sectio Vi. Cremastochilidae.
Genus I. Cally7iom€s Westwood.
1. Callynomes niveo-sparsa Westwood.
C. atra, supra velutina, opaca, subtus nitida ; clypeo
lato, brevl, arcuato, antice marginato, aliquid reflexo, dense
punctato ; fronte atomis albidls parum sparso ; antennis
fusco-nigris nitidis ; thorace parvo, elytris multo angustiore,
piano, subrotundo, angulis anticis protractis, acuminatis,
scabrose-punctato maculis, partim obsoletis, albidis octo, tri-
plicl serie positis ornato; scapulis grosse punctatis, nitidis,
posticc tenuissime albo-marginatis ; scutello triangulär!;
acutissimo, lateribus albo ; elytris infra humeros attenua-
tis, dein parallelis, planis, iuxta suturam depressis, punc-
tatis, medio marginibusque lunulis maculisque niveis sig-
natis; pygidio triangulär!, perpendiculari, apice reflexo;
abdomine punctato, atomis albis adsperso, segmenti ultimi
lateribus productis, acuminatis; pectore punctato et, late-
ribus et medio, albo-variegatls ; trochanteribus albis; femo-
ribus tibiisque punctatis; Ulis albo-maculatis, his margine
externo unidentatis, tarsis longis, gracillbus, nigris, nitidis.
Longitudo Mm. 17.
Habitat in insula Mindanao. $.
Oben tief schwarz, sammetartig matt, unten etwas
glänzend, mehr schwarzgrau. Der Clypeus ist kurz,
Archiv f. Naturg. XXXIX. Jahrg. 1. Bd. 16
242 Mohnike:
breit, seitlieh convex, vorn umrandet, halbbogenformig
ausgebuchtet, dicht punktirt. Die Stirn ist flach, die Fühl-
hörner sind glänzend schwarzbraun. Der Thorax würde
fast rund sein, ragten nicht die Schulterecken etwas, die
Augenecken dagegen stärker spitzig hervor; er ist flach,
grob punktirt und zeigt acht mehr oder weniger deut-
liche, halbmondförmige weisse Fleckchen, von denen vier
in einer Reihe in der Mitte und je zwei oberhalb und
unterhalb derselben liegen. Das Schildchen ist klein,
dreieckig, mit sehr scharfer und feiner unterer Spitze,
seine Mitte ist schwarz, seine Seiten sind weiss. Die
Schultern sind stark punktirt, glänzend, und haben, von
vorn angesehen, einen sehr feinen, schneeweissen hinte-
ren Rand. Die Flügeldecken sind allenthalben, vornäm-
lich zwischen den seitlich stark hervortretenden Schul-
tern viel breiter als der Thorax; flach, unterhalb des
Schildchens, neben der Naht, selbst beträchtlich vertieft, an
den Spitzen abgerundet und von den stark nach hinten her-
vortretenden iVnalbuckeln an, senkrecht auf das Pygidium
niedersteigend. Sie sind allenthalben dicht und grob aber
nicht tief, narbenförraig punktirt und haben auf jeder
Seite, neben der Naht, eine eingerisseae Längslinie. Auf
jeder Flügeldecke liegt eine, über dem zweiten Bauch-
ringe beginnende, von dem Rande sich schräg nach oben
bis zur Naht erstreckende und daselbst mit der der an-
dern Seite zusammenstossende, aus feinen schneeweissen,
lose aneinander gereihten Linien, Flecken und Atomen
gebildete Querbinde. Unterhalb derselben liegt eine
kürzere neben der Naht, und, eine dritte zwischen den
Hinterbuckeln. Alle drei sind durch feine weisse Atome
längs der Naht miteinander zusammenhängend. Auch auf
den Schultern und neben der Spitze des Schildchens lie-
gen einige solcher Atome. Das Pygidium ist ziemlich
grob punktirt, dreieckig, senkrecht nach unten gerichtet^
seine Spitze etwas nach hinten gebogen. Die Bauchringe
sind punktirt, in der Mitte weniger, an den Seiten stär-
ker und dichter weiss gesprenkelt, und haben eine sehr
feine, untere, weisse Randeinfassung. Der letzte, von den
Flügeldecken nur zum Theil bedeckte Abschnitt, bildet, seit-
Die Cetoniden der Philippinischen Inseln. 243
lieh von deren Ende, zwei scharfe, nach hinten hervor-
ragende Spitzen. Die Brustseiten und selbst das Sternum
sind punktirt und fein gestrichelt, dabei gleichfalls, ob-
wohl in der Mitte weniger dicht, mit weissen Flecken
bestreut. Die Beine sind ziemlich lang und schlank ;
Schenkel und Schienen punktirt, die ersteren mit weissen
Trochanteren und unteren weissen Randstreifen. Die Schie-
nen sind öämmtlich mit einem Randzahn, die Tarsi lang,
schlank, glänzend schwarz.
Nachträgliche Bemerkuug.
Nachträglich sehe ich mich veranlasst, mit Bezie-
hung auf das Weibchen der Phaedimus-Art, welches ich
zu Anfang der vorstehenden Abhandlung beschrieben,
auch auf Taf. VI. Fig. 1 abgebildet habe und hinsichtlich
dessen ich die Möglichkeit äusserte^ dass dasselbe viel-
leicht das Weibchen von Ph. Jagori Gerstaecker sein
könne, aus einem Briefe von Herrn G. Semper in Altena,
vom 3. Jan. d. Jahrs, das folgende mitzutheilen :
„Sie führen mit einem? das dunkle $ des Phaedi-
mus als Ph. Jagori auf. Ich glaube aber, dass es nur
eine Varietät von Ph. Cumingi ist. Ich erhielt von Cu-
mingi nur 4 Stück von 1860 und 1861 von Luzon und
ausserdem circa 80 Stück von Mai 1859 von Lugban auf
Luzon. Unter diesen 80 waren etwa 8 — 10 $ von der
braunen Färbung. Ph. Jagori ist aller Wahrscheinlich-
keit nach von der südlichen Hälfte Luzon's (Camarines),
wo mein Bruder gar nicht gewesen ist und nach der Er-
innerung, die ich von dem Exemplar im Berliner Museum
habe, auch verschieden von meinem braunen ^.'^
Es ist möglich, dass Herr Semper Recht hat und
dass das von mir beschriebene und abgebildete Weibchen,
nichts als eine Varietät von Ph. Cumingi ist. Ich selbst
würde dieses nicht länger bezweifeln, wenn zwischen jenem
Weibchen und dem von letztgenannter Art keine anderen
Unterschiede als bloss in der Färbung beständen. Diese
Unterschiede habe ich oben näher angeführt ; sie sind
21-4 Mohnike:
nicht sehr bedeutend, aber, wie ich glaube, doch genü-
gend um dieses rothgefärbte Weibchen und das bekannte
grün und golden gefärbte von Ph. Cumingl, nicht für
identisch zu halten. Ob dasselbe zu Ph. Jagori gehört, ist
eine andere Frage, die vorläufig nicht beantwortet wer-
den kann. Ich habe deshalb auch nur die leise Vermu-
thung, dass solches vielleicht der Fall sein könnte, ausge-
sprochen.
Auch hinsichlich der Philippinischen Cremastochili-
den-Art, welche ich unter dem Namen „Callynomes ni-
veo-sparsa" Westwood beschrieben habe, muss ich noch
einige Worte sagen. Unter dem einzigen Exemplare dersel-
ben in der mir von Herrn G. Semper zugeschickten Ce-
toniden-Sammlung, befand sich eine Etiquette mit folgen-
der Bemerkung: ,,Callynomes niveo-sparsa Westw. Thes.
Ent. pl. a. fig. 1." In Betreif dieser Etiquette theilt Herr
Semper mir das folgende mit: „Im Juli 1869 war Prof.
West wo od bei mir und nahm 5 Hymenopteren und
l Ooleoptere mit, um sie zu beschreiben. iVnfang Mai
1870 erhielt ich dieselben zurück mit einem kurzen Brief,
worin Westwood erst den Ueberbringer, p]duard
Saunders, bei mir introducirt und darauf schreibt:
„„He is the bearer cf a small box containing the few
rare insects You were so good as to lend my, which I
have drawn and described, and for the usc of which I
return You my best thanks."" — — Der eine Käfer ist
der den Sie mitgehabt haben und ich weiss weiter nichts
über denselben zu sagen. Da die Etiquette lautet „„Thes.
Ent. pl. a. fig. 1"" und oben — unter den Hymenopteren
— pl.^b und pl. c citirt sind, so sollte ich doch meinen,
dass diese Tafeln wirklich publicirt sein sollten. Die
Publication konnte also nicht vor August 1869 stattge-
funden haben. Der Charakter der kleinen Schrift auf
den Etiquetten stimmt mit dem des Briefes von West-
wood, so dass ich mit Bestimmtheit annehme, dass die
Etiquetten von West wo od selbst geschrieben sind."
Es ist mir aber nicht möglich gewesen, sowohl längs
buchhändlerischem als auf anderem Wege etwas Näheres
über den von W es t w o o d, wie Herr Semper für gewiss
Die Cetoniden der Philippinischen Inseln. 24^
hält, eigenhändig citirten, von demselben herausgegebenen
;,Thesaurus Entomologicus^ zu vernehmen. Auch Herr Dr.
E. A. Dohrn in Stettin und Herr L. von Heiden in
Frankfurt a. M., beide im Besitz von so sehr reichhaltigen
entomologischen Bibliotheken, waren nicht im Stande
mich hinsichtlich des genannten Werkes zu unterrichten.
Ich muss also dafür halten, dass dasselbe bis jetzt noch
nicht erschienen ist. Professor W e s t w o o d, an den ich
mich schliesslich selbst wandte, hat mich mit keiner
Antwort beehrt.
Erklärung der Abbildiingeu.
Taf. VI.
Fig. 1. Phaedimus Jagori Gerstaeker. $ (?).
» 2. Coryphocera simillima Mohn. (-^.
» 2a. Kopftheile von Coryphocera simillima. </.
» 2b. Kopftheile von Coryphocera Mac Leayi. ^,
» 3. Coryphocera paupera Mohn. ^T-
» 4. Clinteria formosa Mohn. $.
» 5. Agestrata Semperi Mohn. (^.
B 6. Macronota vidna Wallace. $.
Taf. VII.
Fig. 1. Macronota propinqua Mohn. $.
»2. » Mindanoensis Mohn. $.
»3. » abdominalis Mohn. $.
» 4. » tricolor Mohn. $.
»5. B jucunda Mohn. $.
B 6. » sponsa Mohn.
»7. » pilosa Mohn.
»8. B gratiosa Mohn. $.
»9. B guttulata Mohn.
Taf. \'\\\
Fig. 1. Macronota lugubris Mohn. (^.
» 2. B » Mohn. $.
. B 3. Glycyphana rubromarginata Mohn. $.
»4. » aethiessida White. $.
B 5. B pulcherrima Mohn.
B 6. » rubroscutellaris Mohn.
» 7. B robusta Mohn.
B 8. Astraea francolina Burmeister.
» 9. » margaritacea Mohn.
24G Mohnike:
Taf. IX.
Fig. 1. Astraea biguttulata Mohn.
»2. » tigrina Mohn.
)i 3. Euglypta megaspilota Wallace.
»4. » attenuata Mohn.
»5. » biplagiata Mohn. $.
» 6. Cetonia multogiittulata Mohn. $.
»7. » caeruleo-signata Mohn. ^.
Taf. X.
Fig. 1. Cetonia ducalis Mohn.
j) 2. » papalis Mohn.
,> 3. » leucogramma Mohn. $.
j 4. » plebeja Mohn. $.
» 5. » lineata Mohn. $.
D 6. » flavomarginata Mohn. <^,
Taf. XL
Fig. 1. Cetonia purpurissata Mohn. ^.
»2. » Satrapa Mohn. <^.
»3. » venerabilis Mohn. (/*.
»4. B Boholica Mohn. $.
»5. » compacta Mohn. $.
»6. » tenuicoUis Mohn. $.
»7. » moerens Mohn.
» 8. B incerta Mohn. (/.
i)ie Cetoniden der Philippinischen'^lnsein.
24^
Tabellarisclie Uebersiclit der in den verschiedenen Regionen des
Indischen Archipels vorkommenden Cetoniden-Gattungen nebst
Angabe der Anzahl von Arten, dm-ch welche sie daselbst ver-
treten werden.
Von den Sinnesorganen der Insekten im Allgemeinen,
von (lehör- und Geruehsorganen im Besondern*
Von
Dr. A. Paasch.
Der nachfolgende Aufsatz liegt bereits seit 1846
nach seinen Hauptzügen in meinem Schreibtisch. Er
wurde veranlasst durch eine Arbeit v. Siebold*s in
MüUer's Archiv 1839. p. 49, in welcher er ein eigenthüm-
lichcs Organ am hinteren Kopfganglion bei Cyclas und
einigen anderen Bivalven beschreibt, und es einem Auge
vergleicht. Später (Wiegmann's Archiv 1841. p. 148)
nahm er diese Organe oder Bläschen als Gehörbläschen
in Anspruch. Diese Arbeiten regten mich zu eigenen
Untersuchungen an, und ich legte 1847 das Ergebniss
derselben Herrn Prof. Dr. Erichson zur Begutachtung
vor, der sie mir bald darauf freundlich lächelnd mit den
Worten zurückgab, die Sache könne sich auch wohl noch
anders verhalten. Eine Besprechung wurde durch den
Hinzutritt eines Dritten abgeschnitten, — doch erhielt ich
gewissermassen eine weitere Antwort durch die Ueber-
sendung der Jubelschrift Erich son's für seinen Schwie-
gervater Klug: De fabrica et usu antcnnainm in in-
sectis, in welcher er bekanntlich die Fühlhörner der In-
sekten für deren Geruchsorgane erklärt. Ich zweifelte
nicht daran, dass diese Schrift die Erwiderung von Fach-
männern herbeiführen würde, — dass befähigtere Federn
Paasch: Von den Sinnesoroanen der Insekten u, s. w. 249
die ünwahrscheinlichkeit von Erichson's Schlussfolge-
rnng darlegen würden, und legte meine Arbeit bei Seite.
Viel später las ich in Frorlep's Notizen 1856. 3. Bd. No. 4
folgende Bemerkung: dass die Antennen der Insekten
nicht bloss zum Fühlen dienen, sondern zugleich auch
als Geruchsorgan fungiren, ist gegenwärtig durch das
Experiment und die mikroskopische Untersuchung aus-
ser Zweifel gesetzt. Erichson entdeckte u. s. w.
Es war also bis dahin eine Widerlegung Erichs on's
nicht erfolgt. Seitdem sind nun aber eine Menge sehr
sorgfältiger und schöner Arbeiten erschienen, die uns
vertraut machen mit der Morphologie und Histologie der
betreffenden Theile; allein zum Abschluss ist die Frage:
wo befindet sich das Gehör- und wo das Geruchsorgan?
nicht gekommen. Allgemein anerkannt ist nur, dass die
Antennen der Sitz eines Sinnesorgans seien. Auf dem
bisher eingeschlagenen Wege wird es auch stets zweifel-
haft bleiben, ob man den einen oder den anderen Sinn
hinein verlegen soll. Ich habe deshalb versucht auf einem
andern Wege der Entscheidung näher zu treten. Es sei
mir erlaubt meinen Aufsatz^ so wie ich ihn damals schrieb,
wiederzugeben, und ihn in einer Nachschrift mit Berück-
sichtigung der neueren Arbeiten und eigener Beobach-
tungen wo möglich fester zu begründen.
Wenn wir uns über die Sinnesorgane der niederen Thiere
Rechenschaft geben wollen, so müssen wir sie durchaus im
Zusammenhang mit denen der höheren Thiere betrachten.
Bei den Organen , deren Verrichtungen wir beobachten
können, werden wir, bei aller Formverschiedenheit, nie in
Zweifel sein, was sie sind. Wir werden in den Flügeln
der Vögel die Aequivalente der vordem Gliedmassen
anderer Thiere erkennen, nicht blos weil wir sie als Fort-
bewegungsorgane erkennen, von den fliegenden Vögeln
an bis zum Strauss und Pinguin, sondern weil auch die
Anatomie sie als solche ausweist ; — wir werden in den
Flossen der Fische die Aequivalente der Extremitäten
der Säugethiere erkennen, weil schon ein Vergleich mit
den Walen, den Robben, dem Wallross sie unzweifelhaft
als solche hinstellt, auch wenn wir die Anatomie nicht
250 Paasch:
zu Hülfe nähmen. Bei den Gllederthieren zeigt der Ge-
brauch hinlängh'ch die Bedeutung. — Nicht so liegt es
bei den Sinnesorganen. Die Verrichtungen dieser Organe
liegen unserer unmittelbaren Beobachtung nicht so deut-
lich vor , mit Ausnahme etwa des Geschmacksorganes,
und es bedarf bei ihnen anderer Hülfsmittel, um sie als
das hinzustellen, was sie sind; wir können nur einen Ana-
logien-Beweis führen. Das kann nur dadurch geschehen,
dass wir diese Organe überall da, wo w^ir sie kennen,
genau vergleichen, ihre Formveränderung bei den ver-
schiedenen Thiergruppen, ihre Lage zu einander verzeich-
nen und uns bewusst zu werden streben, wie der Sinnes-
eindruck zur Wahrnehmung kommt. Gehen wir hierin
recht streng zu Werke, weisen wir vor Allem jede will-
kührliche Annahme, jede vorgefasste Meinung von der
Hand, so müssen wir uns mindestens dem Ziele nähern.
Fassen wir zunächst die Sinnesorgane der Wirbelthiere
in's Auge; als solche können wir nur die für Gesicht,
Gehör, Geruch und Geschmack bezeichnen. Das Gefühl
gehört nicht hierher, zur Vermittelung desselben giebt
es kein besonderes Organ; als Gefühlsorgan kann jeder
Körpertheil dienen, der geeignet ist uns durch die un-
mittelbare Berührung mit einem anderen Gegenstand
Kenntniss von dessen Vorhandensein zu geben, — es ist
gewissermassen der ganz allgemeine Ausdruck des Lebens.
Die mit einer harten Umkleidung versehenen Insekten
sind hiervon nicht ausgenommen, da der harte Chitin-
Panzer, der an verschiedenen Stellen von Poren durch-
brochen an der inneren Fläche mit einer empfindenden
Haut ausgekleidet ist, auf welcher über die Chitinhaut
hervorragende Haare stehen , die das Gefühl vermit-
teln. Fassen wir also noch einmal die vier Sinnesorgane
der Wirbelthiere in's Auge, so fällt uns zunächst auf,
dass sie alle am Kopfe^ in unmittelbarer Nähe des Ge-
hirns liegen, und wir sehen sie unmittelbar mit
diesem in Verbindung. Die Lage zu einander ist bei
allen dieselbe: in der Mittellinie sehen wir als G e-
schmacksorgan die Zunge, die durch eine erkenn-
bare Linie andeutet, dass sie eigentlich ein doppeltes
Von den Sinnesorganen der Insekten im Allgemeinen, 251
Organ ist, welches durch Verwachsung zu einem einfachen
geworden ist. Ebenfalls in der Mittellinie, oberhalb der
Zunge, liegt das Geruchsorgan, die Nase, die schon
durch eine Scheidewand in zwei Hälften geschieden ist.
Etwas weiter nach aussen liegt der Gesichtssinn,
die Augen, und noch etwas weiter nach aussen das
Gehörorgan, die Ohren. Bei allen niederen Thieren,
bei denen wir ein oder das andere dieser Organe mit
einiger Sicherheit kennen, haben sie dieselbe Lage, —
ich erinnere an Zunge und Augen bei den Articulaten
und Mollusken, an das Gehörorgan bei Sepien und Mol-
lusken. Ich glaube hiernach ein vollkommenes Recht zu
haben, wenn ich behaupte, dass auch die uns noch un-
bekannten Organe ebenso liegen müssen, und dass alle
diejenigen Gebilde, die man als Sinnesorgane bezeichnet
hat und nicht in ähnlicher Lage nahe am Gehirn und mit
ihm in Ve r bin düng liegen, nicht Sinnesorgane
sind. Die so benannten Organe am Knie des ersten
Fusspaares der Locustiden ist nicht Gehörorgan, ebenso
wenig wie das dafür gehaltene Organ am Metathorax
der Acridier!
Da ich hiernach dem Gehirn zur Bestimmung der
Sinnesorgane eine grosse Bedeutung beilege, so sei mir
erlaubt die Bildung des Gehirnes schematisch in Erinne-
rung zu bringen. Bei den Wirbelthieren besteht dasselbe
aus grösseren Gehirnmassen, gewissermassen Knoten, die
durch verbindende Theile zu Ringen vereinigt sind: die
beiden grossen Hemisphären sind die oberen Gehirnan-
schwellungen, die durch den Balken mit einander verei-
nigt sind. Unter diesen liegt die Brücke mit den Vier-
bügeln und das kleine Gehirn, die unter sich und mit
dem grossen Gehirn durch Aeste^ (Commissuren) verbun-
den sind. Bei allen Wirbelthieren sind diese Theile in
verschiedener Entwickelung sehr leicht wiederzuerken-
nen. Der sogenannte Schlundring der niederen Thiere
besteht ebenso aus Hirnanschwellungen, die durch Stränge
zu Ringen verbunden sind, wie man dies besonders deut-
lich bei einigen Mollusken, z. B. bei Planorbis corneus
sehen kann. Von der unteren Seite des Gehirns, von
252 Paasch:
der Brücke ans, entwickelt sich das Rückenmark ; in
gleicherweise geht aus dem unteren Knoten des Schhind-
ringes der sogenannte Banchstrang hervor, dessen ähn-
liche Bildung und Anlage mit dem Rückenmark nicht zu
verkennen ist. Vom Gehirn gehen bei den Wirbelthie-
ren in sich entsprechender Lage alle Sinnesnerven aus ;
die vom Schhindring ausgehenden Nerven wrerden uns
den Weg zeigen müssen zu den uns noch unbekannten
Sinnesorganen der niederen Thiere ; die uns bereits be-
kannten Sinnesorgane , Augen und Zunge , bekommen
ihre Nerven — erstere aus dem oberen Gehirnknoten,
letztere aus dem unteren.
Nach diesen Vorerinnerungen wollen wir jetzt die
uns zunächst angehenden Gliederthiere betrachten. Die
Zunge giebt sich als solche leicht zu erkennen, da wir
den Mund kennen, und wir sie bei einigen Insekten, z. B.
bei den von ausfliessendem Baumsaft lebenden Käfern selbst
in Thätigkeit sehen können. Obiger Auseinandersetzung
gemäss finden wir sie in der Mittellinie als ein symme-
trisch gebautes häutiges Organ. Die Augen geben sich,
obgleich morphologisch durchaus verschieden von den
gleichnamigen Organen der Wirbelthiere, als solche zu
erkennen — als der Lichtbrechung dienende Gebilde von
halbkugliger Form, und in ähnlicher Lage zum Kopf, wie
die Augen bei den höheren Thieren.
Wo liegen nun aber die Ohren, wo liegt die Nase?
Diese beiden Organe sind noch immer der Gegenstand
verschiedener Behauptungen gewesen. Für mich steht
so viel fest : die Nase muss in der Mittellinie oder doch
ihr zunächst, am Kopfe liegen, die Ohren müssen eben-
falls am Kopfe und mehr nach aussen liegen. — Zunächst
will ich versuchen unsere Insekten bei den Ohren zu
greifen. Wie ist das Gehörorgan bei den höheren Thie-
ren gebildet? Nach akustischen Gesetzen wird die Ue-
bertragung von Schallwellen von einem dünneren Medium
auf ein dichteres, also aus der Luft auf Flüssigkeit oder
feste Körper, am besten durch gespannte Membranen
vermittelt. Demnach wird der aus der Luft herandrin-
gende Sch'iÜ von einer gespannten Membran, dem Trom-
Von den Siunesorganeri der Insekten im Allgemeinen, 253
mclfell, aufgenommen und auf feste Körperchen, die Ge-
hörknöchelclien, übertragen, die ihn, beweglich unter sich
verbunden, wiederum durch eine gespannte Membran
dem Labyrinthwasser im inneren Ohre mittheilen , von
welchem aus er auf die in der Schnecke verbreiteten
Endigungen des Gehörnerven wirkt. Schematisch be-
trachtet, ist also das Gehörorgan eine Aneinanderkettung
fester Theile durch gespannte Membranen, die mit dem
Gehörnerven, der unmittelbar aus dem Gehirn kommt,
in Berührung stehen. Noch etwas anderes verdient be-
rücksichtigt zu werden : im Labyrinthwasser findet sich
der sogenannte Gehörsand, der bei verschiedenen Thier-
klassen sehr verschieden ausgebildet ist und in einer ge-
wissen Beziehung zum äusseren Ohre, und zwar dem
Schallfang desselben, zu stehen scheint, so zwar, dass er
um so stärker wird, je mehr der Schallfang zurücktritt.
Bei den Säugethieren wie beim Menschen,, bei denen sich
eine mehr oder weniger grosse, knorpelige Ohrmuschel
findet, bestehen diese Gehörsteinchen aus einem äusserst
feinen, dem Labyrinthwasser beigemischten Staube. Die
Vögel haben dadurch einen Schallfang, dass die die äus-
sere Ohröffhung umstehenden Federn aufgerichtet werden
können ; — der Gehörsand macht sich schon etwas mehr
bemerkbar. Bei den Amphibien fehlt der Schallfang schon
ganz, allein an dessen Stelle tritt eine Vertiefung als
äusserer Gehörgang, dafür ist der Gehörsand schon sehr
deutlich. Bei den Fischen endlich fehlt Schallfang und
Vertiefung und das Trommelfell liegt in gleicher Ebene
mit der Kopfhaut; — der Gehörsand wird zu Gehörstei-
nen, die oft recht gross sind, z. B. beim Barsch, — die
sogenannten Barschsteiue. Hier ist nun aber die Bil-
dung des mittleren und inneren Ohres schon sehr ver-
einfacht, sie beschränkt sich bei den Myxinoiden auf zwei
halbzirkelförmige Kanäle, die auf einer mit Flüssigkeit
gefüllten Blase befestigt sind. Weiter hinab kennen wir
noch das Gehörorgan der Sepien, welches aus zwei con-
ccntrisch in einander liegenden Bläschen besteht, die
unter sich durch zwischen gelegte Hautcylinder verbun-
den sind ; das Ganze liegt in einer Knorpelkapsel. Hieran
254 Paasch.
schlieööcn yich nun die von v. Siebold zuerst als Ge-
hörorgan beschriebenen Bläschen am unteren Schlund-
ringknoten der Mollusken, und in der That aus dem Ver-
gleich mit dem Gehörorgan der Sepien, der Myxinoiden
und schrittweise \^eiter hinauf nach Bildung und Lage
sind wir berechtigt diese Bläschen als Gehörorgan zu
betrachten. Hierdurch gewinnen wir eine fortlaufende
Reihe von Bildungen: ein allein aus einem Bläschen
mit schwingenden Steinchen bestehendes inneres Ohr
ohne jede Spur eines äusseren Ohres; dann treten feste
Theile in allmählich die späteren Formen vorbildender
Gestalt hinzu, wobei die Steinchen noch bleiben ; dann
die Kette von Gehörknöchelchen mit noch fehlendem
Schallfang; endlich tritt ein Schallfang hinzu und die
Steinchen verschwinden in dem Maasse als jener sich
ausbildet. Gehen wir nun noch einen Schritt weiter,
denken wir uns das aus beweglich mit einander verbun-
denen Gehörknöchelchen bestehende mittlere Ohr nach
aussen gerückt mit noch w^eiterem Zurücktreten des in-
neren Ohres, so würden wir in den Fühlhörnern der In-
sekten das Bild eines solchen Ohres haben, welches sich
ungezwungen als folgendes Glied der oben genannten
Reihenfolge anschliessen würde. Längst beobachtet ist,
dass aus dem oberen Gehirnknoten dicht neben und unter
den Augennerven jederseits ein starker Nerv zu den Fühl-
hörnern tritt. Der Apparat des zur Schallvermehrung
dienenden Labyrinthes wird hier sehr wohl fehlen dürfen,
da es durch die meist sehr grosse Zahl von Fühlergliedcr
mit ihren zahlreichen Trommelfellen ersetzt wird ; auch
kann die feste Umkapselung des Gehirns zur Verstär-
kung des Schalles beitragen. Erichson's Beobachtung,
dass die ersten Fühlhornglieder keine Poren haben und
auch frei sind von dem feinen Haarüberzug, könnte dar-
auf hindeuten, dass diese Glieder eine andere Bestimmung
haben ; ich halte es nicht für unmöglich, dass sie zur
Klärung des Schalles dienen können, indem sieden durch
die Porenmembranen der übrigen Glieder allseitig aufge-
nommenen Schall von Nebenschwingungen befreien und
ihn, gleichsam beruhigt, dem Gehirne zuführen.
Von den Siunesorganen der lusekten im AUgememen. 255
Hat man die Sache so aufgefasst, und beobachtet
man hiernach verschiedene Insekten bei Schallerregung,
so kann man sich in dieser Auffassung nur bestärkt füh-
len. Eine Fliege, die ruhig dahinkriecht, lässt das grosse,
dritte Fühlhornglied am Kopfe herabhängen; erregt man
plötzlich einen Schall, so bleibt sie stehen und erhebt
dieses Fühlhornglied, — sie spitzt die Ohren! In ähnlicher
Weise kann man es bei Bienen, Ichneumonen, bei Käfern
beobachten.
Bedingung zu einem deutlichen und sicheren Hören ist,
dass das Ohr oder vielmehr dessen Trommelfell rein gehal-
ten wird und einen massigen Grad von Trockenheit habe ;
ist uns z. B. beim Baden Wasser in die Ohren gedrungen,
so hören wir nur schlecht und undeutlich ; ist das Trom-
melfell auf andere Weise durch Feuchtigkeit geschwellt
(wie beim Ohrenfluss), so ist das Gehör vermindert. Das
Ohrenschmalz , eine emulsions-artige Substanz, und die
Haare dienen dazu das Eindringen von Wasser, Staub
oder sonstigen ünreinigkeiten möglichst zu verhüten. Sind
die Fühlhörner eines Insektes nass geworden oder durch
Staub überschüttet , so können wir täglich beobachten,
wie sorgfältig sich das Thier dieselben mit Hülfe der
Vorderfüsse reinigt. Schon hier will ich darauf hinwei-
sen, dass die Trommelfelle trocken sein müssen, wenn
sie ihrer Function vollständig sollen vorstehen können,
während die Riechhaut aller Thiere, bei denen wir eine
solche bereits kennen, feucht sein muss.
Nachdem ich hiermit meine Ansicht entschieden da-
hin ausgesprochen habe, dass die Fühlhörner der Insek-
ten deren Gehörorgane sind, bleibt mir noch übrig an-
zugeben, wofür andere Forscher dieselben gehalten ha-
ben, oder wo sie das Gehörorgan^ suchten.
S trau SS - Dürckhcim sagt: das Vorhandensein
der Fühlhörner bei fast allen Gliederthieren mit einei*
festen Haut,, und die grossen Nervenstämme, die zu ihnen
gehen, lassen wohl keinen Zweifel, dass sie der Sitz eines
Sinnes seien. Unwahrscheinlich ist es, dass sie der Sitz
des Geruchssinnes seien, wie Reaumur (Memoire pour
servir ä Fhistoire des insectes, Tom. I. p. 643) es will,
256 Paasch:
oder des Tastsinnes. Dafür, dass sie der Sitz des Ge-
liörsinnes seien, spricht viel, und allgemein hält man
dafür, dass bei Astacus im ersten Gliede der äusseren
Fühler der Sitz des Gehörsinnes sei. Den Arachniden
fehlen die Fühler, bei ihnen mnss daher der Gehörsinn
anderswo gesucht werden.
Trcviraniis (Annalen der Wctterauischen Gesell-
schaft f. d. gesammte Naturkunde, 1. Bd. 2. Heft, 1809)
entdeckte und beschrieb das Gehörorgan der Blatta als
ein einfaches dünnes Trommelfell auf der Stirn vor dem
Grunde jedes Fühlhorns, an welches sich ohne Vermit-
telung eines wasserhaltigen Gehörbläschens die GehÖrner-
venäste der Fühlhornnerven verbreiten.
Johannes Müller (Vergleichende Physiologie des
Gesichtssinnes, p. 438) beschrieb das eigcnthümliche, am
Grunde des Thorax, über dem Ursprünge des letzten
Fusspaares gelegene Organ der Heuschrecken als Ge-
hörorgan.
Ramdo h r (Magazin d. Gesellschaft naturf. Freunde
in Berlin 1811. p. 389) hielt die vorderen Speicheldrüsen
der Bienen für Gehörorgane, — was indessen später ent-
schieden zurückgewiesen wurde.
Comparetti (Schelver's Zeitschrift) spricht von
Säulen und Gängen im Kopfe, die als Gehörorgan dienen
sollen.
Sulzer, Scarpa, Schneider, ßorkhausen,
Reaumur an einer anderen Stelle, Bonsdorf, Bur-
meister in früherer Zeit hielten die Fühlhörner für Ge-
hörorgane, da man das untere Glied der längeren F^ühl-
hörner der Krebse schon immer dafür gehalten habe.
Auch Car US und Ok en sprechen sich in diesem Sinne aus.
Dass von den beschreibenden Entomologen häufig
die Fühlhörner als Ohren betrachtet worden sind, darauf
deuten viele nach der Beschaffenheit der Antennen ge-
bildete Namen; Mann er heim bildete Oligota, Home-
lota; selbst Er ichson bildet Amptotis nach dem gleich-
sam ohrförmig erweiterten ersten Fühlhorngliede dieses
Thieres.
Von den Sinnesorganen der Insekten im Allgemeinen. 257
Wenn nun die Fühlhörner wirklich das Gehörorgan
sind, wo wird dann das Geruchsorgan zu suchen sein ?
Nach den vorn aufgestellten Sätzen wird es am Kopf
liegen müssen und zwar zwischen den Fühlhörnern und
nahe am Gehirn. Auch hierbei sei es mir erlaubt, um
uns das Verhältniss des Geruchssinnes zum übrigen Or-
ganismus in Erinnerung zu bringen, bei den Wirbel-
thieren anzuknüpfen und in schneller Kürze bis zu den
Insekten zu kommen. Bei allen Wirbelthieren, die durch
Lungen athmen, finden wir das Geruchsorgan mit den
Athmungsorganen in Verbindung, und zwar bildet es
gewissermaassen den Eingang zu denselben. Wir werden
deshalb diese mit in den Kreis unsrer Betrachtung
ziehen müssen. Die Art der Athmung ist bei den
Wirbelthieren eine doppelte, sie athmen entw^edor durch
Lungen oder durch Kiemen. Durch Lungen athmen
alle Säugethiere, alle Vögel und die meisten Amphibien.
Durch Kiemen athmen die Fische. Manche Amphibien
athmen im jugendlichen Zustande durch Kiemen, später
durch Lungen (Triton); andere haben beständig Lungen
und Kiemen (Proteus, Menobranchus, SIredon, Siren).
Ebenso haben viele Fische neben Ihren Kiemen acces-
sorlsche Organe, die in einigen Fällen zweifellos als
Lungen betrachtet werden können, in andern nicht (die
Schwimmblase). Im Allgemeinen kann man sagen, alle
Säugethiere und die In der Luft lebenden Wirbelthiere
athmen durch Lungen und die Geruchsorgane bilden den
Eingang zu denselben. Die Fische athmen durch Kiemen,
und das Geruchsorgan, die Nase, steht mit den Kiemen
nicht in Verbindung. Während die Lungen, wie ein
Blasebalg wirkend, die Luft über die Riechhaut hin- und
herstreichen lassen, und dadurcjj, durch das Einziehen,
den Geruch vermitteln, wird die Nase gleichsam eine
Schutzwehr für die Lungen, indem sie riechende und
unathmenbare Stoffe sofort verräth. Die Geruchsorgane
liegen nun überall In Höhlen, deren innere Auskleidung
durch Oberflächenvermehrung mehr oder weniger er-
weitert ist. Je nach dem Geruchsvermögen der Thiere
befinden sich in diesen Höhlen verschieden gestaltete
Archiv f. Naturg. XXXIX Jahrg. 1. Bd. 17
258 Paasch:
Knorpelvorsprünge, die mit Schleimhaut (der Riechhaiit)
überkleidet sind^ auf welcher sich die Riechnerven, deren
Stämme unmittelbar über dem Siebbein liegen, verbreiten.
Bei den Säugethieren mit starkem Spürvermögen, Hunden,
Katzen, sind es baumförmig und vielfach verzweigte
Blätter, bei den Wiederkäuern Rollen, die sich mehrfach
nach oben und unten rollen, bei dem Menschen und bei
den Affen reduciren sich diese Rollen bis auf den Anfang
einer Windung (die Nasenmuscheln). Noch weiter ver-
mindern sich diese Muscheln bei den Vögeln, den Cro-
kodilen und Schildkröten. Bei . den andern Amphibien ist
die Nase ebenfalls durchbohrt, und führt in den Mund,
allein die Durchbohrung ist nicht immer mit Knorpel um-
geben; sie geht z. B. als blosse Durchbohrung durch die
fleischigen Lippen bei Proteus, der darin schon die Blätter-
nase der Fische erkennen lässt, und Menobranchus, ver-
bindet sich aber schon beim Axoloth (Siredon) mit
Choanen. Bei den meisten Fischen liegen die Nasen-
löcher in Form einer Grube oben am Schädel ; sie haben
zur Flächenvermehrung Im Inneren viele Falten, die sich
zu sehr verschiedenen Formen gruppiren : Querblätter, die
durch ein Längsblatt getheilt werden (Rochen), wobei die
einzelnen Blätter oft Nebenblättchen, wie eine Kieme,
haben ; aber die einzelnen Blätter stehen sternförmig gegen
einen centralen Zapfen (Störe) etc. Nun tritt aber in der
Klasse der Fische ein weiterer fundamentaler Unter-
schied hervor, indem zwischen Nasenhöhle und Mund-
höhle eine offene Communication besteht oder nicht. Die
Cyclostomen, Petromyzon und Ammocoetes, haben eine
einfache mittlere Nasenhöhle ohne Scheidewand; von hier
aus ist blos der harte Gaumen durchbohrt und über der
Gaumen-Membran zieht sich eine Röhre hin, die in einen
langen Blindsack ausläuft, ein Spritzsack, zur Herbei-
führung der In diesem Falle, wo die Nase in einer langen
Röhre liegt, zum Riechen nothwcndigen Strömung des
Wassers. Bei den Myxinolden ist der ganze Gaumen,
harter Gaumen und Schleimhaut, durchbohrt, so dass eine
offene Communication mit -der Mundhöhle stattfindet;
die Nasenhöhle ist sehr lang und auch sie kann Wasser
Von den Sinnesorganen der Insekten im Allgemeinen. 259
ausspritzen. Wir finden also in der Klasse der Fische
einen stufenförmigen üebergang von der nicht nach dem
Schlünde hin durchbrochenen Nase durch Petromyzon,
Ammocoeteszu Myxine, zur offenen Comnumicatiou mit dem
Munde und — den Kiemen. Die Verbindung der Geruchs-
organe mit dem Respirations-System ist also nicht gerade
nothwendig, sondern scheint nur bedingt zu werden durch
die Oeconomie des Organismus. Zu diesem Schluss
wären wir durch die Betrachtung der höheren Thiere
gelangt.
Gehen wir nun zu den Insccten über, so finden wir
sofort eine ganz andere Art der Athmung, — sie athmen
durch Tracheen. Die Tracheen sind cylindrische Röhren,
die aus zwei Blättern bestehen, zwischen denen sich eine
Spiralfaser befindet, und deren OefFuungen sich zu beiden
Seiten an den Ringen des Leibes befinden und hier nicht
selten mit einem etwas aufgewulsteten Rand umgeben
sind, Stigmata. Die in diesen OefFnungen beginnenden
Röhren führen in zwei Hauptkanäle, die an beiden Seiten
des Körpers hinlaufen. Aus diesen Behältern führen
feinere Kanälchen in alle Theile des Körpers, wo sie sich
auf das vielfachste und feinste zertheilen. Die Athmung
kommt zu Stande theils durch die Contraction und Ex-
pansion der Spiralfaser, theils durch das Aus- und Ein-
schieben der Leibesringe. Diese ganze Anlage des durch
den ganzen Körper verbreiteten Athmungsorganes wird
durch den sehr eingeschränkten Säfteumlauf bei den In-
sekten bedingt, der sich ausser dem grossen pulsirenden
Rückengefäss auf einige grössere Blutgefässstämme be-
schränkt, die zu den Beinen führen. — Physiologisch
würde sich nun beim ersten Blick nichts dagegen sagen
lassen, wenn man behauptete, im Eingang der Tracheen
befinde sich der Sitz des Geruchssinnes, um so mehr,
wenn man die interessante, oft complicirte Bildung der
Stigmata bei verschiedenen Insekten betrachtet. Und in
der That haben manche Physiologen den Geruchssinn
dorthin verlegen wollen, so auch S traus s -Dürckheim.
Allein abgesehen davon, dass man durchaus keine Nerven
hat nachweisen können, die vom Gehirn aus zu ihnen
260 Paasch:
gehen, widerspricht die zweifellose Thatsache, dass die
Insekten spüren können, dieser Annahme durchaus. Wo
ein Spürvermögen beobachtet wird, kann unmöglich an-
genommen werden, dass der gespürte Stoff allseitig
in den Organismus eindringt. Wir dürfen hier wohl
nicht vergessen, dass bei den Lungen- und Kiemon-
Athmern alle geathmete Luft und alles geathmete Wasser
von einer Seite her, durch Mund und Nase zu den
Lungen oder Kiemen gelangt, und dass auch bei nicht
durchbohrter Nase die den Geruch erregende PMüssig-
keit nur von einer Seite her durch die Nase zur
Nasenschleimhaut kommt. Dies letztere Verhältniss zeigt
uns aber, dass das Geruchsorgan nicht nothwendig mit
den Athmungsorganen verbunden sein müsse; allein die
mit nicht durchbohrter Nase versehenen Fische leben
im Wasser, in welchem der Riechstoff aufgelöst ist und
welches mit dem in einer Grube gelegenen Geruchsorgan
hinlänglich in Berührung kommen kann. Wir werden
uns jetzt am Kopfe der Insekten diejenigen Gegenden
genau ansehen müssen, w^o bei den höheren Thieren die
Nase liegt. Als ich bei Beobachtung der Stubenfliege
das „Spitzen der Ohren^, wie ich es vorher nannte, be-
merkte, beobachtete ich sofort eine zweite Erscheinung,
nämh'ch eine Bewegung im Gesicht der Fliege. Bei ge-
nauerer Betrachtung fand ich, dass zwischen den Augen,
unterhalb der Fühler bis zum Anfang des Saugrüssels eine
verschiebbare Platte liegt, und dass zwischen dieser Platte
und den Augen eine spaltförmige Höhle sich einsenkt,
die bei eingezogenem Rüssel sich vorn um diese Platte
herumzieht; der Rand dieser Rinne ist mit steifen Borsten
besetzt. Untersucht man die diese Rinne auskleidende Haut
näher, so ist sie ziemlich regelmässig gefaltet, und sie
enthält zalilreiche Traclieen-Aestchen und Nerven. Bin
ich nun auch nicht im Staude, eine Luftströmung
durch diese Rinne nachzuweisen, der ähnlich wie sie
durch eine Lunge bewirkt wird, so ist doch klar, dass
durch jede Bewegung der genannten Platte jene Rinne
erweitert oder verengt werden kann, eben so wie durch
jede Bewegung des Rüssels, und dass der dadurch noth-
Vou den Sinnesorganeu der Insekten im Allgemeinen. 261
wendig herbeigeführte Luftwechsel in derselben verhält-
nissmässig eben so starke jca viel stärker ist als bei
den obengenannten Amphibien mit durchbohrten fleischi-
gen Lippen. Ich nehme keinen Anstand in der diese
Rinne auskleidenden Membran das Geruchsorgan der
Fliege zu sehen,
Fragen wir uns nun nach der morphologischen Be-
deutung der beschriebenen P Latte in Vergleich mit den
Mundtheilen der beisscnden "Insekten, zunächst der Käfer,
so kann es keinem Zweifel unterliegen, dass sie der Ober-
lippe, dem labrum supcrius (clypeus Fabr.) der letzteren
entspricht. Vorn am Kopfe eines Käfers, vor der Stirn
und von dieser gewöhnlich durch eine Naht geschieden,
liegt eine Chitinplatte von versehiedener Gestalt, die
Oberlippe; unter dieser Platte liegt eine zweite, zartere,
mehr-weniger pergamentartige oder häutige, von mehrern
Autoren Lefze genannt. Diese Phatte, die die Mundhöhle
von oben deckt, steht häufig vor der derberen Oberlippe
weit hervor (Geotrupes), oft ist sie gegen dieselbe zurück-
gezogen (Copris), immer ist sie, am Umfange wenigstens,
mit Borstenhaaren eingefasst, die in Gruben stehen auf
der dieselbe unten abschliessenden Haut, immer Ist sie, bei
aller sonstigen Verschiedenheit, symmetrisch gebaut,
oft zweitheilig. Zwischen Oberlippe und Lefze liegt hier
also eine ähnliche rinnenartige Vertiefung, wie bei den
Fliegen zwischen dem labrum superius und den Augen
und dem Saugrüssel. Hat man eine grössere Reihe
dieses Organes bei den Coleopteren untersucht, so wird
man sich nicht der Vermuthung entschlagen können,
dass dasselbe eine höhere Bedeutung habe. Bei den
Nekrophoren, die sich bekanntlich durch ein scharfes
Geruchsorgan auszeichnen, ist ^auf der Stirn, von deren
vorderem Rande beginnend, eine bei den verschiedenen
Arten verschieden gestaltete Platte ausgezeicbnet, die, von
gerundeten Rändoi-n umgefasst, selbst etwas vertieft liegt,
auf der Oberfläche spiegelblank ist, und namentlich bei
den schwarzen Arten, germanicus und humator, durch
ihre blassgelbe Farbe sich sehr bemerkbar macht. Unter
262 Paasch:
dieser Platte liegt der von der häutigen Lefze nach unten
geschlossene Raum.
Beobnchtct man nun einen Käfer, der seinem Frasse
zustjebt, z. B. einen Nekrophorus oder Geotrupes, so wird
man stets bemerken, wie er den Kopf erhebt und vor-
streckt, und wie sich die Lefze von der Oberlippe ent-
fernt. Auf mich hat dies stets den Eindruck gemacht,
als ob das Tliier die Nase zum besseren Riechen öffne,
— es schnüffelt. Gewiss ist es bei den höheren Thieren
nicht ohne Bedeutung, dass die Nase unmittelbar über
dem Munde liegt ; sehen wir doch, wie die Thiere ihre
Nährstoffe erst beriechen ehe sie davon fressen. Für
die Insekten hätten wir dann dasselbe Verhältniss. Selbst
die Erscheinung hätten wir als eine gemeinsame, dass
die Nasenöffnung aller luftlebigen Thiere jjiit borsten-
artigen Haaren, Vibrissen, verschen ist. Ich sehe also
in der zarten Haut dieser zwischen labrum supcrius und
Lefze gelegenen Hohle das Geruchsorgan der Insekten.
Beim Nachlesen in der Liteiatiir fand ich in Reil's
Archiv für Physiologie, Bd. X, pag. 427 einen Aufsatz
von Rosenthal, in welchem er eine an der Stirn
unter den Fühlern liegende faltige Membran bei der
Schmeiss- und Stubenfliege beschreibt, zu welcher feine
Nerven gehen, und welche er als das Geruchsorgan
dieser Thiere betrachtet. Ich glaube in dieser Membran
die von mir beschriebene wieder erkennen zu müssen.
Rosenthal will auch Verlust der Geruchsempfindung
nach Zerstörung dieser Membran beobachtet haben. Der
Versuch erscheint mir indess zu gewaltsam, als dass man
den darauf folgenden Beobaclitungen noch Beweiskraft
zuerkennen dürfte.
Lyon et suchte den Geruchssinn in den Fühlern,
fand abei' seiner Zeit wenig Anhang. Erst später fanden
sich mehrere Vertreter seiner Ansicht.
Bast er und später Dumeril, gestützt auf die
Analogie mit höheren Thieren, suchten das Geruchs-
organ im Eintritt in den Respirations-Apparat, ohne ihre
Ansicht durch anatomische Thatsachen oder Versuche
begründen zu können. S t r a u s s - D ü r c k h e i m in seinem
vortrefflichen Werke (Considerations generals sur l'ana-
Von den Sinnesorganen der Insekten im Allgemeinen. 263
tomle comparee des animaux articules, auxquelles on
a Joint l'anatomie descnptlve du Melolontlia vulgaris.
Paris 1828) neigt, wie schon oben angeführt, dieser An-
sicht zn, gesteh!; aber selbst zu, dass er keine Nerven
habe finden könijien, die er als Geruchsnerven hätte in
Anspruch nehmen dürfen.
Tre viranus suchte in der Schleimhaut des Mundes
das Gcruchsorgan.
Bonsdorff de fabrica et usu palparum in Inscctis,
und spater Marcel d e Ö e r r e s (Annales du Mubcum
d'histoire naturelle, toro 17, pag. 427) sucht den Geruchs-
sinn in den. Palpen, und sucht zu beweisen, dass er in
den Stigma-Oeffnungen nicht liegen könne. Er sagt:
das letzte Glied der Palpen sei an der Spitze häutig und
wie ein Sieb durchlöchert, um der äusseren Luft den
Eintritt in's Innere zu gestatten; auf jener häutigen Spitze
verbreiten sich zahlreiche Nerven, auch soll eine Trachee
sich dort finden, die an dieser Stelle eine geräumige
Tasche bildet, von welcher aus zahlreiche Zweige sich
in den Palpen verbreiten, andere sich in den Mund
öffnen. Nach Strauss-Dürck heims Beobachtungen
besteht aber die genannte Communicatlon mit der Mund-
höhle keineswegs.
Der Inhalt vorstehenden Aufsatzes war es, den ich
Professor E rieh so n zur Prüfung vorlegte und aufweichen
ich dessen Arbeit als Antwort erhielt. Da ich glaube
die in meinem Aufsatze ausgesprochene Ansicht in ihrem
ganze Umfange aufrecht erhalten zu können, so werde
ich mich in den folgenden Zeilen mit Erichson's und
den seitdem erschienenen Arbeiten beschäftigen, und die
mir entgegen stehenden Ansichten zu entkräften suchen.
Der morphologische Theil der Erichson'schen Arbeit
ist durch die folgenden Untersuchungen so vollständig
berichtigt und erweitert, dass ich dem nichts hinzuzu-
fügen habe; dagegen werde ich über die Gründe, die
E r i c h s 0 n zu Gunsten des Goruchsorganes beibringt,
einige Bemerkungen machen. In § 13 fragt er: quis est
qui dubitet, quin (foramina) ab aere penetrentur? Nach-
264 Paasch:
dem er selbst im § 2 sehr richtig gesagt hat, porös ab
interiore parte membrana teniii clausos esse, so leuchtet
ein, dass von einem Durchstiömen von Luft, wie sie bei
den Geruchsorganen der luftlebigen Thiere vorkommt,
keine Rede sein kann. In § 15 sagt er, dass diejenigen,
die sich geg<ni die Annahme des Geruchssinnes in den
Antennen sträuben, sich wohl darauf stützen, 1. <lass die
Kühler von einer harten Schale umschlossen seien, und
2. dass sie von den Athnuingsorganen, mit denen das
Geruchsorgan bei den Wirbelthieren verbunden sei, fern
liegen. Beide Gründe w^erden für die Zweifler wohl
nicht maassgebond gewesen sein, denn man wusste ja
schon lange vor Erichson, dass der Chitin-Panzer,
nicht blos an den Antennen sondern auch an andern
Körpertheilen von Poren durchsetzt sei, auf deren sie von
unten her verschliessenden Haut ein Haar steht, z. B.
Dug^s, Physiologie coraparee t. I p. 157, Note. 1838.
Allein es hatte vor ihm noch Niemand daran gedacht
den Sitz einer specifischen Sinnes-Empfindung in die
Antennen-Poren zu legen. Den zweiten Punkt sucht Erich-
son durch den Hinweis auf die Fische zu entkräften;
allein er vergisst, dass diese im Wasser leben, durch
Kiemen athmcn, und mit den luftlebigen Lungenathmern
nicht zu vergleichen sind, weil ihnen, wie vorher schon
angeführt wurde, der Riechstoff schon aufgelöst zuge-
führt wird, während dieser bei den luftlebigen Lungen-
athmern erst in den feuchten Nasenhöhlen durch das
Einathmen Gelegenheit findet durch die Feuchtigkeit
auf die Riechhaiit zu wirken. Bei den frei in die Luft
gestreckten Fühlern, die jedenfalls nicht nass sind, möchte
ich es sehr bezweifeln, dass ein Riechstoff beim Vorbei-
streichen darauf wirken vrird. Dagegen sind sie zur
Aufnahme und Fortpflanzung des Schalles gewiss sehr
geeignet. Wenn Erichson § 17 sagt, dass die die
Poren der Antennen verschliessenden Membranen feucht
seien und dass er oft die Blätter der Fühler bei Mist-
käfern mit ausgetrockneter Lymphe überzogen gefunden
habe, so ist dies nicht der normale Zustand ; beim Mist-
käfer verkleben die Blätter nicht selten durch Schmutz »
Von den Sinnesorp:anen der Insekten im Allgemeinen. 265
sie können aber auch krankhaft durch Lymphe, nament-
lich nach Verletzung, verkleben. — Fast wie ein Scherz
klingt es aber, wenn er in § 18 sagt, dass die Schärfe
des Geruchsverniögens der Insekten sich mehr dadurch
zeige, dass «»ie durch Gerüche getäuscht, als dass
sie dadurch angelockt würden.
Die Gründe also, durch welche Erichson es wahr-
scheinlich machen will, dass die Antennen wirklich der
Sitz des Geruchssinnes seien, erscheinen mir durchaus
hinfällig. Anatomisch-physiologische Gründe bringt er
nicht bei.
Der Engländer Hicks^) führte Erich so ns Be-
obachtungen weiter. Er fand, dass an jeder Pore sich
ein rückwärts erweiterter Sack anschliesst, der mit
Flüssigkeit gefüllt ist, und an welchen der Fühlhornnerv
jedesmal ein Aestchen abgicbt. Er kommt zu dem Schluss,
dass in diesem Organe ein Analogon der Gehör Werk-
zeuge der Orustaccen gefunden sei.
In den Halteren der Diptera glaubt Hicks das
Geruchsorgan gefunden zu haben 2). Hierauf komme ich
später noch zurück.
Nach diesen Arbeiten trat Lespes^) mit einer um-
fangreichen Arbeit auf, die sich über alle Klassen der
Insekten mit Hinzunahme von Larven erstreckt. Bei
allen hat er in verschiedener Vertheilung an den Fühlern
die von Erichson beschriebenen Poren gefunden, die
mit einem Häutchen (er nennt es tympanule). Trommel-
fellchen, geschlossen sind. Er bestätigt darin die Beob-
achtung von Hicks, dass sich an diese Tromraelfellchen
ein Bläschen anlegt, welches innerhalb des Kreises, den
der Umfang des Trommelfells bildet, einen zweiten zeigt.
1) Jonrnal of the Proccedings oftheLinnean society; Zoologie,
pt. II, p. 147 c. tab. 29 u. 30: On a new strnctiire in the antennae
of Insects.
2) Ebendaselbst: Zoologie pt. I. p. 136, pl. 5 und Trans-
actions of the Linnean society of London. Vol. XXII, pt. 2 p. 141
c. tab. 17, 18. On a new organ in Insects.
3) Memoire siir fappareil auditif des Insects in Annales des
Sciences nat. 4 aer. pt. IX pag. 225—249.
266 Paasch:
Innerhalb dieses Kreises sah er nun bei Melolontha albida
noch einen dritten Kreis, den er seiner Lichtreflexe wegen
für einen festen Körper, für einen Otolithen hielt. Es
ist auffallend, dass Lespes selbst nicht schon seinen
Irrthiim erkannte, da er selbst bei Melolontha FiiUo an-
führt, dass hier der Otolith aus einer weichen Masse be-
steht (d'un liquide d'une densite en peu plus grande).
Er bestätigt aber auch welter die Beobachtung von
H i c k s, dass an jedes Bläschen ein Ast vom Antennen-
Nerven, den er sehr genau beschreibt, tritt. Er hebt
ebenfalls die Aehnlichkeit mit dem Gehörorgan der De-
capoden hervor, nur dass bei den Insekten viele solcher
Organe an jedem Fühlhorn sich finden, wie bei den De-
capoden nur eins.
Hierauf trat 0 l a p a r e d e ^) hervor. Er beleuch-
tet besonders den Bau und das Aussehen der Poren.
Während er die optische Erscheinung derselben, wie
Lespes sie angiebt, anerkennt, sei die Auslegung der-
selben falsch. Er weist nach, dass ein Otolith nicht da
ist, dass dieser vielmehr durch die Ansicht des nach
unten sich fortsetzenden Kanals, in welchem das an die
die Pore von unten her verschliessende Membran sich
anlegende Bläschen sich fortsetzt, vorgespiegelt wird,
üebrigens glaubt er das Ansehen dieser Poren durch das
Abgeriebensein von Haaren, oder durch Haare die nicht
zur Ausbildung gekommen seien, erklären zu können.
Für einzelne Fälle m-ig solche Erklärung zutreffend sein,
aber gewiss nicht für alle, namentlich nicht da, wo
zwischen vielen Oeffnungen, aus deren Grunde ein Haar
hervorgeht) grössere Oeffnungen von dem beschriebenen
Ansehen liegen ohne Haar. Vom Verlauf der Nerven
spricht Claparede in seiner Abhandlung nicht. Er
lässt es schliesslich unentschieden, ob in den Antennen
der Sitz des Gehörs oder Geruches sei, scheint sich in-
dessen mehr der Erichson'schen Ansicht zuzuwenden. —
1) Sur les pretendus organes auditifs des Antennes chez les
Coleopteres lamollicorncs et autres Insectes in Journ. des sciences
uat. ser. IV pt. X. p. 236—250.
Von den Sinnesorganen der Insekten im Allgemeinen. 267
Seine Arbeit tr%t also nur zur Förderung der Erkeunt-
niss des Baues der vielbesprochenen Poren bei.
Eine Arbeit von entschieden höherem wissenschaft-
lichen VVerth ist die von Lcydig^). Zunächst macht
Leydig mit Recht darauf aufmerksam, dass ähnlich
scheinende und doch recht verschiedene Dinge mit ein-
ander vermischt vorkommen. Was uns an den Antennen
als Haare oder Borsten erscheint, hat nicht alles dieselbe
Bedeutung, ebenso wenig wie die an denselben sich fin-
denden Grübchen. Einige Haare stellen in Gruben und
hier in Verbindung mit einer gangliösen Anschwellung
des Nerven (Tasthaare); andere sind blosse Erweiterungen
der Epidermis. Die Gruben, wie sie sich an den An-
tennen-Blättern der Lamelllcornen finden, finden sich in
ähnlicher Weise auch an andern Körperstellen. Bei
vielen Käfern sollen aus diesen Gruben stets Dornen her-
vorgehen, die in einigen Fällen sich zu Haaren verlängern,
in andern kurze Kegel bleiben. Bei einigen Hymenoptern
finden sich ausser den die Haare umgebenden Grübchen
eigenthümliche längliche Gebilde, Spalten, die sich nach
unten zu einem ovalen Raum verkürzen und erweitern
und nie ein Haar tragen. Endlich finden sich unter den
Haaren und Borsten helle, stumpf endigende Zäpfchen
oder Cylinder, die sich von den andern auszeichnen. Zu
diesen wenden sich die Enden von Antennen-Nerven,
nachdem sie sich vorher mit Ganglien-Kugeln verbunden
haben. Zäpfchen dieser Art wurden zuerst an den
Fühlern der Phyilopoden, der Daphniden, Isopoden,
dann bei Hymenopteren, Lepidopteren etc. gefunden.
Nach sehr sorgfältiger Beschreibung dieser Dinge sagt
Leydig wörtlich: Durch die anscheinende Verwandt-
schaft dieser Gebilde mit den eigenthümlichen Stäbchen
am Ganglion des Ohres bei Heuschrecken und Gryllen
könnte man wohl dafür stimmen in den Antennen das
Gehörorgan zu erblicken. Allein da bei diesen Thieren
von Müller und v. Siebold schon ein anderes Organ
1) Ueber Geruchs- und Gehörorgan- der Krebse und Insekten
in Müller's Archiv. 1860, p. 265—314.
268 Paasch:
naclige wiesen ist^ welches das Gehör vermittelt, und
nicht an den Antennen liegt, und es wohl möglich ist,
dass auch bei andern Insekten noch ein solches Organ
gefunden werden könnte, so ist Vorsicht nöthig^' (pag.
292). Und etwas weiter: „da man sich aber gezwungen
sieht, in diesen Bildungen ein Sinnesorgan zu erkennen,
so muss es Geruchsorgan sein.'' Es muss jedem
überlassen bleiben, sich mit solcher Schlussfoigerung zu
befreunden. Den direkten Versuch, das Gernchsorgan
zu erkennen, indem man eine mit Aether befeuchtete
Nadelspitze in die Nähe der Stigmata brachte und keine
Wijkung beobachtete, dann in die Nähe des Kopfes ge-
bracht, lebhafte Fühlerbewegung sah, wird man wohl
nicht als beweiskräftig wollen gelten lassen. Gewiss
eignet sich der so flüchtige Aether zu solchen Versuchen
nicht.
Nachdem Leydig-nun die Antennen als Geruchs-
organ erklärt hat, bemüht er sich weiter, auch ein Ge-
hörorgan zu finden, und hierzu weisen ihm die bereits
von Müller als solches bei den Acridicrn bezeichneten
Organe einerseits, und das von Hicks an der Basis der
rialteren bei den Dipteren beschriebene Organ andrerseits
den Weg. Er fand an der Wurzel der Hinterflügel von
Dytiscus marginalis neben der vena scapularis einen
Trupp stärkerer Hautkanäle, die sich nach unten er-
weitern und dort mit einem Ganglion in Verbindung
treten. Der hierher führende Nerv ist nach dem Seh-
nerven der dickste des Körpers. Das an der gedachten
Stelle sich entfaltende Ganglion schliesst in seinen bipo-
laren Elementen in ihren kolbig angeschwollenen Enden
specifische Stäbchen ein, die morphologisch nur zu ver-
gleichen sind mit den Stäbchen der Krystallkegel im
Auge der Arthropoden. Dem Ganglion liegt eine grössei e
Trachee dicht an, die zuweilen zu einer weiten Blase an-
schwillt. In dieses Organ glaubt Lcydig das Gehör-
organ verlegen zu dürfen. Ob die unter den harten
Deckschildern verborgene Stelle sich wohl dazu eignet?
Aus den eigenen Worten von Lcydig geht un-
zweifelhaft hervor; dass die Arbeiten von Müller und
Von den Sinnesorganen der Insekten im Allgemeinen. 269
V. Siebold auf seine Ansicht bestimmend eingewirkt
haben. Es sei mir deshalb gestattet anzuführen, wie
diese Männer selbst sich ausgedrückt haben. Müller i),
nachdem er das am Rückentheil des Metatherox unter
den Flügeldecken gelegene Organ seines Gryllus hiero-
glyphicus sorgfältig beschrieben hat, welches seinem
Baue nach allerdings an ein Gehörorgan erinnern könnte,
sagt: „Sollten diese Theilc das Gehörorgan der Grylle
sein? Nichts widerspricht dem, als dass der Sinnes-
nerv vom dritten Rückenganglion entspringt,^
Wenn er hierauf noch hinzufügt : „vielleicht hat man da-
rum das Gehörorgan bei den Insekten nicht gefunden,
weil man es am Kopfe suchte", so hebt dies den voran-
gegangenen Zweifel nicht auf.
V. Siebold-) di'ückt ebenfalls seine Zweifel aus
in den Worten: dass das Gehörorgan (der Acridier)
mit dem dritten Thoraxganglion in Verbindung steht,
stösst einen Hauptsatz der von der Physiologie ange-
nommenen Regeln um ; doch beruhigt er sich damit,
dass bei den Insekten so manches anders sei. — • Ge-
wiss ist bei den Insekten so manches anders und er-
fordert noch Aufklärung. Sind nicht viele Functionen da,
wofür wir bei den höheren Thieren nichts entsprechen-
des finden, und wozu sie besonderer Organe bedürfen?
Ich erinnere ausser dem. Zirpen an das I^euchten der
Leucht-Insekten. Wenn wir nun sehen, dass v. Siebold
bei nahe verwandten Thieren, den Locustiden, wieder ein
anders gelegenes und anders gebautes Organ als Gehör-
organ beschreibt, welches seinen Nerven vom ersten
Thoraxganglion erhält, der noch dazu den grössten Tlieil
seiner Fasern an Muskeln abgiebt, müssten wir dann-
nicht, wenn wir dies als wahr gelten liessen, allen Glauben
an irgend welche Harmonie gleich bedeutender Organe
bei den Thieren aufgeben, wenn eine solche Verschieden-
heit schon bei dem wichtigsten Organcyclus, dem Hirn- und
1) Joh. Müller, Vergleichende Physiologie des Gesichts-
sinnes, pag. 438.
2) Carl Theodor v. Siebold, üeber das Stimm- und Ge-
hör Organ der Orthopteren in Wiegmann's Archiv. 1844. t. 1.
270 Paasch:
Nerven- System, wodurch das Thier als Tiiler charakterisirt
wird, zngeboii wollten? — Deuten denn jene eigenthüm-
lichen stäbehenartig-en Endigiingen der Nerven so sicher
auf ein Sinnesorgan in unserem Sinne ? Ich möchte das
kaum glauben; sie haben sich schon an so verschiedenen
Stellen des Körpers gefunden und werden sich bei beson-
ders darauf gerichteter Aufmerksamkeit wohl noch an-
derweitig finden. Ihre eigenthümlichen Bildungen bei
den zirpenden Orthopteren hat man früher für Reso-
nanz-Apparate gehalten zur Verstärkung des Schalles,
— und können sie dies nicht sein? Der Umstand, dass
die Weibchen dieselben Apparate haben und nicht zirpen,
spricht nicht dagegen. Haben wir nicht dasselbe bei den
Singv()geln? Die Männchen singen, die Weibchen nicht
oder doch nur ausnahmsweise.
Nachdem nun Leydigsich in Betreff der Antennen
zu Gunsten der Erichson'schen Ansicht ausgesprochen
und sie für Geruchsorgan erklärt hat, tritt in neuester
Zeit L an d 0 i s ^) auf, und erklärt wiederum die Antennen
für das Gehörorgan der Insekten. Morphologisch bringt
er eigentlich nichts Neues, nur zeigt er, dass an der
End-Lamelle des Fühlers vom Hirschkäfer, beim Männchen
sowohl wie beim Weibchen, ausser den grösseren und
kleineren Borsten, die mittelst eines Kugelgelenks in eine
Höhlung des Chitin -Panzers eingelenkt sind, je eine
grössere, mit blossem Auge schon sichtbare Grube an
jeder Seite sich befindet; zu ihr geht ein Nerv und eine
grössere Trachee. Dann zeigt er, wie alle Nerven, die
auch zu den kleineren Grübchen gehen, vorher zu einem
Ganglion anschwellen. Der Ursprung des Antennen-
Nerven liegt am Gehirn etwas unterhalb des Sehnerven.
Die bisher genannten Arbeiten sind vorzugsweise
morphologischer und histologischer Natur. Wir müssen
jetzt noch zweier Arbeiten gedenken fast nur physiolo-
gischen Inhalts, weiche, vereint mit den andern uns erst
erlauben werden die Functionen der Organe richtiger
1) Landois, das Gehörorgan des Hirschkäfers, im Archiv
f. mikroskop. Anatomie von Max Schnitze. Tom. IV. p. 868.
Von de« Sinnesorganen der Insekten im Allgemeinen. 271
ZU beurtlieilen. Eine dieser Arbeiten, von Yersin^) ist
mir nur im Auszüge bekannt geworden. Die darin mit-
getheilten Thatsachen sind aber in Uebereinstimmung mit;
der von Faivre^), aus der ich einiges anführen werde,
was unseren Gegenstand näher berührt. Nachdem er der
Arbeiten von Tr e vi ran u s und Burmeister, dann von
Rengger, Duges, Walkenaer und Dujardin
Erwähnung gethan und ihre Beobachtungen anerkannt
hat, beginnt er mit seinen sehr umfassenden Unter-
suchungen. Unterhalb der Augennerven, am äusseren
Ende jedes Gehirniappens und beim Beginn der An-
schwellung des Verbindungsstranges mit dem unteren
Gehirnknoten, entspringen zwei JServenstämme dicht
nebeneinander; der äussere, ziemlich klein, theilt sich
sehr bald in zwei Aeste, die sich, als Bewegungsnerven,
zu den Muskeln, besonders der Antennen begeben; der
innere, mindestens doppelt so starke Nerv, der sich
seiner Natur nach hauptsächlich als Empfindungsnerv zu
erkennen giebt, tritt in die Antennen ein, nachdem auch er
einige Fasern zu Muskeln abgegeben hat. In der Mitte
des Verlaufs vom Gehirn bis zum Eintritt in die Fühler
bildet er ein Ganglion. Wem sollte hierbei nicht der
nervus acusticus mit dem facialis einfallen? Im Ganzen
beschreibt er neun Paar Gehirnnerven nach Ursprung
und Verlauf, von denen acht die Theile des Kopfes ver-
sehen. Das neunte Paar geht zu einem vorne im Kopfe,
vor dem Gehirn liegenden Ganglion (frontale), aus
w^elchem sich der von älteren Anatomen als nervus
recurrens beschriebene Nerv entwickelt, und weichen
Joh. Müller als den Beginn eines besonderen, dem
n. sympathicus zu vergleichenden Nervensystems erkannt
hat. Der vordere Theil der Gehirnkapsel, am Rande des
1) Y er sin, Recherches sur les fonctions dii Systeme nerveux
dans les animaux articules in Bulletins de la societe Vandoise des
sciences nat. V, N. 39 und 41.
2)Faivre, du cerveau des Dytisques, considere dans les
rapports avec la locomotiou, in Comptes rendus, 6. Avril 1857 und
Annales des sciences nat. ser. IV pt. VIII. p. 245 und IX. p 23.
272 Paasch:
oberen Gehirnknotens liegen zahlreiche Tracheen. Eine
grosse Reihe sehr sorgfältig beschriebener Versuche mit
Verletzungen des Gehirns, Ausschneiden einzelner Theile
in den verschiedensten Abänderungen, Nervendurch-
schneidungen lassen in der That keinen Zweifel aufkom-
men dass Gehirn- und Nervensystem dieser Thiere sich
in überraschender Uebereinstimmung mit denen der höhe-
ren Thiere befinde, und es bleibt uns kein Grund, das
Gehirn der niederen Thiere durch einen besondern
Namen als etwas besonderes zu bezeichnen. Wir er-
kennen, dass in dem oberen Theile des Gehirns der Sitz
des Willens ist, der die Richtung der Bewegungen be-
stimmt und lenkt.
Das Studium aller dieser Arbeiten hat nur dazu ge-
dient, mich in der durch eigene Arbeiten hervorgerufenen
Ansicht, dass die Antennen der Insekten der Sitz des
Gehörorgans seien, zu befestigen. Eben so musste sich
aber auch die Ansicht, dass an der von mir bezeichneten
Stelle das Geruchsorgan liege, tiefer einprägen. Denken
wir an die Beschaffenheit des n. olfactorius der Wirbel-
thiere, wie er jede Aehnlichkeit mit einem gewöhnlichen
Nerven in seiner äusseren Form ablegt, wie fast aus
dem Gehirn selbst die zarten Nervenpartien, ohne vorher
einen von Neurilem eingeschlossenen Strang zu bilden,
in die Riechhaut übergehen, so scheint es mir gar nicht un-
möglich, dass an die so massenhaft zwischen Gehirn und
Oberlippe liegenden Tracheen sich so zarte Nervenpartien
anlegen und den Geruch vermitteln helfen. Die am
labrum supcrius liegenden grossen Gruben, in denen die
vorn beschriebenen Vibrissen stehen, können hierbei
wohl mitwirken. Ich gestehe indessen gern ein, dass ich
bis jetzt nicht anzugeben w^eiss, wo die von mir in jener
Haut beobachteten Nervenfäserchen ihren Ursprung haben.
Hierdurch würde die Uebereinstimmung in der Lage
der für den thierischen Organismus bedeutsamsten Or-
gane hergestellt.
So lange man sich mit der physikalischen Möglich-
keit begnügt, dass die betreffende Sinnes-Empfindung
Von den Sinnesorganen der Insekten im Allgemeinen. 273
durch die morphologische Anlage eines Organes ihren
Ausdruck finden kann, so lange wird ein solches Hin-
und Herschwanken der Ansichten über den Sitz des
Gehör- und Geruchsorganes, wie wir es bisher beobachtet
haben, statt finden müssen. Fasst man aber den Schlund-
ring der niederen Thiere als Gehirn auf und lässt man
eine bestimmte Beziehung des Gehirns zu den Sinnes-
organen wie zu den geistigen Thätigkeiten zu, so muss
ein solches Schwanken aufhören.
Werfen wir jetzt noch einen Blick auf die organische
Natur in ihrer Gesammtheit, auf die Gleichmässigkeit
in ihrer Entwickelung, so wird auch dies unseren Gegenstand
klären helfen. Die ganze organische Welt baut sich auf
und entwickelt sich aus Zellen. Wir vermögen zu beob-
achten, wie bei Pflanzen wie bei Thieren die verschiede-
nen Gewebs-Elemente sich allmählich aus der Zelle
heraus bilden. Bis zu einem gewissen Punkte finden wir
eine überraschende Aehnlichkeit in den Lebensäusserungen
beider grossen Reiche. Der thierische Organismus sondert
sich von dem vegetabilischen durch den Hinzutritt des
Nervensystemsund des davon abhängenden Muskelsystems;
wir suchen deshalb vergeblich bei den Pflanzen nach
Aequivalenten für diese Bildungen. Das vegetabilische
Leben erreicht seinen Höhepunkt in der Fortpflanzung,
und es ist gewiss von hohem Interesse die grosse Ueber-
einstimmung zu beobachten, die in diesem wichtigsten
Vorgang organischen Lebens bei Pflanzen und Thieren
stattfindet. Alle Arten der Fortpflanzung, die wir bei
Pflanzen finden, finden wir auch bei den Thieren, und
bei der vollkommensten, der geschlechtlichen Zeugung,
können wir bei beiden das Vordringen der Spermatozoiden
zum Ovulum beobachten. Der Unterschied, der bei diesem
Vorgang zwischen Pflanzen und Thieren statt findet,
wird durch die den Letzteren verliehene willkürliche
Bewegung herbeigeführt, die ihrerseits bedingt wird
durch das Nervensysem. Willkührliche Bewegung, also
das Zusammenwirken mehrerer Organe zu einem bestimm-
ten Zweck, setzt aber nothwendig einen Mittelpunkt
voraus, von welchem aus deren Thätigkeit geregelt wird,
Archiv f. Natui-g. XXXIX. Jahrg. 1 Bd. 18
274 Paasch:
und diesen Mittelpunkt nennen wir Gehirn (bei den
Insekten bisher Schlundring). Mag dieses Gehirn mor-
phologisch auch noch so verschieden sein, mag es rudi-
mentär erscheinen, histologisch wird es sich immer gleich
zeigen müssen, d. h. es müssen sich die Elementen des
Nervensystems finden. Jene niedrigsten Geschöpfe, deren
sich die Botaniker eben so wie die Zoologen bemächtigen,
werden so lange eine Art Zwischenreich bilden müssen,
bis es gelungen sein v^^ird, ein Nerven-Element als solches
nachzuweisen. Das Erkennungszeichen des Thieres also,
die willkührliche Bewegung setzt natürlich den Willen
voraus, eine dem Gehirn inne wohnende Qualität. Dem
Wollen werden wir uns einen Begehrungstrieb voran-
gehend denken müssen, denn irgend eine Anregung kann
doch erst ein Wollen und irgend eine Richtung das
Wollen erzeugen. Fragen wir nun aber weiter, wodurch
wird der Begehrungstrieb rege gemacht? so werden wir
fast mit Nothwendigkeit auf die Sinne verwiesen^ d. h.
auf einen specifischen Reiz auf das Gehirn selbst, der
geeignet ist eine geistige Thätigkeit auszulösen. Die-
jenigen Theile oder Ausläufer des Gehirns aber, durch
welche dieser specifische Reiz zunächst aufgenommen
wird, sind die Sinnesorgane, die verschieden angelegt
sein müssen nach der Art des Reizes. Einen solchen Reiz
können wir empfangen von aussen her, ohne directe Be-
rührung mit dem den Reiz veranlassenden Gegenstande
z. B. durch Licht und Schall. Wird er bedingt durch
Lichtwellen, so wird durch ein dazu eingerichtetes Organ,
das Auge, der Sehnerv gereizt. Wird irgend ein Ge-
räusch, ein Schall erregt, so wird dieser durch die ent-
stehenden Luftwellen auf ein anderes dazu eingerichtetes
Organ, das Ohr, auf den Gehörnerv übertragen. Andere
specifische Reize wirken durch directe Berührung mit
Sinnesnerven. Kommen in der Luft schwebenden Stoffe
mit der feuchten Riechhaut in Berührung, so wirken sie
dadurch als Geruch auf den Riechnerven, und kommen
endlich eben solche in der Luft schwebende Theilchen
mit der Mundschleimhaut, der Zunge in Berührung, oder
wirken sie in anderer Form direct specifisch reizend auf
Von den Sinnesorganen der Insekten im Allgemeinen. 275
dieselbe, so werden sie dem Gehirn durch den dazu
bestimmten Nerven als Geschmack mitgetheilt. Diese
vier specifischen Reize kennen wir nur, und diese können
nur durch die entsprechenden Organe dem Gehirn zu-
geführt und ausgelöst werden. Was wir Gefühl nennen,
kommt an jedem Körpertheil vor, der überhaupt Nerven
hat, und deshalb haben auch die Sinnesorgane ausser
ihrer specifischen Sinnesempfindung noch Gefühl. Es
kann vorkommen, dass die Sinnes-Erapfindung krankhaft
erloschen ist, das gewöhnliche Gefühl aber fortbesteht,
was sich besonders leicht an Zunge und Nase beobachten
lässt. Diese Erscheinung deutet auch wohl auf einen
näheren Zusammenhang der Sinnesnerven mit dem Ge-
hirn. Müssen wir aber dies zugeben, dann können wir
auch alle jene Organe nicht als Sinnesorgane auffassen,
die ihre Nerven anderswoher nehmen, als unmittelbar aus
dem Gehirn. Ich kann mir sehr wohl einen Sinn ganz
fehlend denken, wie z. B. die Augen bei den Höhlen-
Insekten, nicht aber einen Sinn, der von einem Ganglion
des Rückenmarks innervirt wird.
Einige Bemerkungen zur Metamorphose des Pilidium.
Von
0. Bütschii.
Hierzu Tafel XII Figur 1—9.
Während eines Aufenthalts In Arendal an der
norwegischen Südküste hatte ich Gelegenheit die Ent-
wicklungsvorgänge in den sich dort findenden Pilidien
ziemlich eingehend zu studiren. Ich kannte zu dieser
Zeit die reichhaltige Meczni koff sehe Arbeit ^) über die
Entwicklung der Echlnodermen und Nemertinen nur
dem Titel nach und fand mich deshalb in Bezug auf
diese Untersuchung ohne jegliche vorgefasste Meinung,
wusste auch überhaupt über Pilidium nicht viel mehr
als sich in den Lehrbüchern findet.
Nach einer Arbeit von etwa 14 Tagen fand ich
mich so weit, dass Ich mir die Entwicklung des Nemertes in
dem Pilidium vollständig zu erklären vermochte und als
ich späterhin die Mecznikoff'sche Arbelt zur Einsicht er-
hielt, war ich von der fast völligen üebereinstimmung
meiner Befunde mit den Angaben Mecznikoff's ange-
nehm überrascht.
Die Resultate meiner Untersuchung liefen demnach
im wesentlichen auf eine Bestätigung des uns von
Mecz niko ff geschilderten Entwicklungsgangs des Ne-
1) Memoires de l'academie iraper. de St. Petersbourg. T. XIV.
Nro. 8.
Einige Bemerkungen zur Metamorphose des Pilidium. 277
mertes im Pilidium hinaus, die Punkte, in welchen meine
Erfahrungen mit den seinigen nicht völlig übereinstimmen,
sind untergeordneter Natur. Ihre Erörterung möchte
jedoch vielleicht nicht jeden Interesses bar sein und des-
halb erlaube ich mir denn auf dieselben hier etwas näher
einzugehen.
Es finden sich zu Arendal zwei Arten des Pih'dium,
die häufigere dürfte wohl identisch sein mit dem in der
Nordsee vielfach beobachteten P. gyrans, die andere,
nicht ganz so häufige schliesst sich an das von Pagen-
stecher und Leuckart^) P. auriculatum genannte
Thier an. Die erstgenannte Art hat ganz die Gestalt
des P. gyrans, entwickelt wie dieses in einem gewissen
Alter mehr oder weniger dunkelbraunes, körniges Pig-
ment, besitzt jedoch eine Eigenthümlichkeit, über die ich
nicht recht klar werden konnte, ob sie bei dem eigent-
lichen P. gyrans gleichfalls vorhanden ist. Meznikoff
beschreibt nämlich in seiner Arbeit ein Pilidium von
Odessa, dass sich durch den Besitz eigenthümlicher, mit
starren Börstchen versehener kleiner Zähnchen an der
Wimperschnur auszeichnet. Ebensolche Zähnchen trägt
nun auch das Arendaler Pilidium an der gleichen Stelle,
wie dies auf der Figur 5 angedeutet ist. Die Wimper-
schnur unserer beiden Arten ist stets röthlich pigmentirt
und ebensolches Pigment findet sich gewöhnlich an den
verdickten Epidermisstellen, die den Wimperschopf unse-
rer Thiere trägt. Dieses röthliche Pigment zeigt nun
die Eigenthümlichkeit, dass es sowohl beim Absterben
der Thiere als auch bei Zusatz von Essigsäure sehr schnell
in blaues übergeht.
Was die Ablagerung des dunkeln körnigen Pigments
anlangt, die gewöhnlich erst stattfindet, wenn der Ne-
raertes in dem Pilidium schon eine ziemliche Entwick-
lung erreicht hat, so fand ich bei dem P. auriculatum
nur eine Spur derartigen Farbstoffs und gegen das Ende
der Untersuchungszeit, zeigten sich auch sehr häufig
1) Leuckart und Pagenstecher, Untersuchungen über
niedere Seethiere, Archiv für Anatomie und Physiologie. 1858. p. 558.
278 0. Bütschli:
Thiere, die sich in ihrer Gestalt von P. gyrans nicht
unterscheiden Hessen, die jedoch keine Spur derartigen
Pigments enthielten. Ich blieb unsicher darüber, ob diese
letzteren Thiere sich als eine besondere Art betrachten
lassen, es schien mir häufig, dass sie in der Grösse das
gewöhnliche Pilidium übertrafen, jedoch zeigt auch dieses
Grössenschwankungen, so dass, da meine Aufmerksamkeit
auch vorzugsweise auf die Entwicklungsvorgänge gerichtet
war, ich nicht zu einer sichern Entscheidung kam.
Bekanntlich finden sich in der Leibeshöhle der
Pilidien sehr zahlreich spindelförmige oder mehrfach
verästelte Zellen, die sich von Wand zu Wand oder von
der Leibeswand zu den Verdauungswerkzeugen hin aus-
spannen. Zwei besonders hervorstechende Stränge der-
artiger Zellen heften sich an die polare Epidermisver-
dickung einerseits, andererseits an die Leibeswand zu
jeder Seite der MundöfFnung an. Alle diese Zellen und
Stränge sind muskulöser Beschaffenheit oder doch
wenigstens contractionsfähig, wie dies ja von den beiden
auffallendsten, zuletzt genannten Strängen schon mehr-
fach hervorgehoben wurde. Ich verstehe daher nicht
recht, weshalb Mecznikoff diese beiden Stränge als
Nervenfäden deuten möchte, indem er die Zellenanhäufung,
welche die Geissei trägt, als eine Art Centralnerven-
system betrachtet. Von ihren Contractionen kann man
sich fast an jedem Pilidium überzeugen, und ein gleich-
zeitiges Vorhandensein von Nervenfasern zwischen Muskel-
fasern, wie dies Leuckart und Pagen Stecher anzu-
nehmen geneigt sind, bleibt doch nur Vermuthung.
Die Geissei, welche von deP Epidermisverdickung
getragen wird, ist immer, auch wenn sie nicht zerfasert
ist, sehr fein gestreift und da, wo dieselbe in eine
grübchenartige Vertiefung der Epidermis eingepflanzt
ist, breiten sich diese Streifen allseitig aus, so dass sie
dies Grübchen völlig ausfüllen. Gleichzeitig beobachtet
man an dieser Stelle eine eigenthümliche Anordnung der
Streifen, die sich vielleicht am Besten mit der eines
Haarbüschels vergleichen lässt, das einmal um sich selbst
tortirt ist (Figur 3 und 6). Mit dieser Erscheinung scheint
Einige Bemerkungen zur Metamorphose des Pilidium. 279
auch die eigenthümlicLe Anordnung der secundären
Geissein, in welche sich die eine Geissei häufig spaltet,
im Zusammenhang zu stehen. Ob sich ein jeder der
Streifen der Geissei vielleicht mit je einer der Zellen,
welche die Geissei tragen, in Verbindung setzt, konnte
nicht mit Sicherheit ermittelt werden ; immerhin scheint
dies sehr wahrscheinh'ch, so dass sich die grosse Geissei,
als aus den zusammengeklebten einzelnen Wimperhaaren
einer grossen Anzahl von Zellen entstanden, denken lässt.
Die grossen flachen Epidermiszellen unserer Thiere
gewähren in der Flächenansicht (Figur 1) einen eigen-
thümlichen Anblick, sie erscheinen nämlich von einer
Menge polygonaler Feldchen gebildet; die Erklärung
dieser Erscheinung giebt der optische Durchschnitt einer
derartigen Zelle (Figur 2). Man sieht auf diesem, dass
die äussere Wand einen etwas dickeren Protoplasmabelag
trägt, der zahlreiche kleine, stark glänzende Körperchen
einschliesst und sich durch eine grosse Anzahl feiner
Portoplasmafäden mit der zarteren Innenwand der Zelle
in Verbindung setzt. Diese zwischen beiden Wänden
der Zelle ausgespannten Fäden oder vielmehr kleinen
Protoplasmawände theilen die gesammte Zelle in kleine
polygonale Räume, deren Flächenbild oben beschrieben
wurde. Der Kern scheint regelmässig der Innenwand
der Zelle anzuliegen.
Nicht die gesammte Epidermis des Pilidium besteht
jedoch aus diesen grossen flachen Zellen, sondern dio
Wimperschnur im Allgemeinen, hauptsächlich jedoch
deren seitliche Theile setzen sich aus kleinen, dicht ge-
drängten Zellen zusammen (Figur 9) und es erlangt
diese Erscheinung noch eine besondere Bedeutung da-
durch, weil sich die ersten Anlagen des Nemertes, die
vier Saugnäpfe von Job. Müller, gerade aus solchen
durch dicht gedrängt stehende Zellen ausgezeichneten
Stellen entwickeln, nämlich so ziemlich in den Ecken,
welche die Seitenlappen vorn und hinten mit den soge-
nannten Hinterlappen bilden.
Hier entwickeln sich also die vier saugnapfartigen
Einstülpungen (Figur 9) und bestehen, wovon ich mich
280 0. Bütschli:
deutlichste überzeugt habe, ursprünglich nur aus einer Schicht
kleiner Zellen. Man sieht jedoch bald an der Oberfläche
ihrer verdickten Wand eine geringe Anzahl Zellen, die
sich theilweis in zarte Ausläufer fortsetzen. Es sind dies
Zellen derselben Art, wie sie in der Leibeshöhle so reich-
lich angetroffen werden und das kleine Häufchen der-
selben, das sich jetzt nur an den Saugnäpfen wahrnehmen
lässt, muss als der Ursprung der gesammten Muskulatur
des zukünftigen Nemcrtes betrachtet werden. Ich musstc
dieses Verhältniss hauptsächlich deshalb so betonen, weil
Me cznik 0 ff schon von Beginn ihres Entstehens an die
verdickte Wand der Saugnäpfc mit zwei deutlichen
Schichten zeichnet. Mit dem Fortschreiten der Entwick-
lung des Nemertes, wenn die zu Platten gewordenen,
von der Leibeswand des Pilidium gelösten ^) ehemaligen
Saugnäpfe die Verdauungsorgane der Larve umwachsen,
erhalten die Muskelschiehten dieser Platten jederseits
reichlichen Zuwachs, indem namentlich um den Darm
stets viele der spindelförmigen Zellen angehäuft sind,
die bei der Umwachsung desselben mit eingeschlossen
und zur Bildung eines mittleren Blattes des zukünftigen
Nemertes verwendet werden. Im Princip ist zwischen
meiner und Mecznikoff's Auffassung dieser Verhält-
nisse so gut wie kein Unterschied, nur glaube ich, dass
meine Schilderung dem Thatsächlichen näher kommt,
als die des russischen Forschers. Im Allgemeinen bleibt
das mittlere Blatt des sich bildenden Nemertes immer
verhältnissmässig dünn, aus wenigen Zellschichten be-
stehend.
Eine weitere kleine Differenz besteht zwischen
M e c z n i k o f f und mir in Betreff der Entstehung der so-
genannten Seitenorgane. Dass dieselben aus dem Oeso-
phagus entstehen, wie unser Forscher für wahrscheinlich
hält, kann ich nicht glauben, ich könnte höchstens ver-
muthen, dass sie ähnlich wie die vier Saugnäpfe durch
eine Einstülpung der Leibeswände dicht vor den hintern
Saugnäpfen ihren Ursprung nehmen. Leider habe ich
1) Nicht immer, wie unten gezeigt werden wird.
Einige Bemerkungen zur Metamorphose des Pilidiums. 281
in die ersten Entwicklungsstufen dieses Organs auch
keinen entscheidenden P]inblick gethan, wenn ich jedoch
das Bild Figur 4 betrachte, so kann ich mich des Ge-
dankens nicht erwehren, dass das Seitenorgan wahr-
scheinlich nichts weiter als eine nach oben und innen
gerichtete Einstülpung des vorderen Theils der hinteren
Platten sei. In Figur 4 sieht man das Amnios (die aus
der verdünnten Wand der Saugnäpfe hervorgegangene,
stets braun gefärbte Haut, welche die einzelnen Platten
und schliesslich den gesammten Nemertes umhüllt) sich
über die Oeffnung des Seitenorgans hinwegsetzen und
macht dieses Bild völlig den Eindruck einer Einstülpung
in der oben erwähnten Weise. Dicht vor den Seiten-
organen bemerkt man stets einen Strang der mehrfach
erwähnten spindelförmigen Zeilen, der jedenfalls beim
Zusammenwachsen der hinteren und vorderen Platten
mit in den zukünftigen Nermertes hineinwandert. Die
seitlichen Oeffnungen der Seitenorgane sind stets in der
Ansicht von oben und unten sehr deutlich und auch von
Pagen Stecher undLeuckart schon gesehen worden,
nur vermutheten diese Forscher fälschlicher Weise noch
eine weitere Oeffnung in den Oesophagus. Beim reifen
Nemertes (Figur 7 und 8) stellen diese Organe zwei Säcke
dar, die sich über den Oesophagus bis an den Darm
hinan ziehen und in ihrem Innern tüchtig flimmern.
Die allgemeinen morphologischen Verhältnisse der
weiteren Entwicklung fand ich ganz wie Mecznikoff;
die Entstehung des Rüssels als eine einfache Einstülpung
der Leibes wand kann ich nur bestätigen. Bei dem P.
gyrans jedoch sah ich stets zwei symmetrisch liegende Or-
gane entstehen, von welchen ich weder bei Pagen-
stecher und Leuckart noeh bei Mecznikoff etwas
erwähnt finde. Es sind dies zwei ansehnliche, sich ziem-
lich früh anlegende Ausstülpungen des Oesophagus. Die-
selben liegen jeder&eits nicht hoch über der Mundöffnung.
Beim ausgebildeten Nemertes (Figur 7 und 8x) stellen die-
selben ovale, mit ziemlich dicken Wänden und einer spalt-
förmigen Höhle versehene Gebilde dar, deren Inneres
lebhaft wimpert.
282 C. Bütschli:
Der ausgebildete Nemertes des P. gyrans besitzt
zwei Ocellen, der des P. auriculatum höchst wahrschein-
lich keine; leider kam mir kein ganz reifes Thier dieser
Art zu Gesicht, jedoch lässt es sich wohl daraus schliessen,
dass ein schon deutlich unter dem Amnios flimmerndes
Thier keine Ocellen zeigte.
Bei P. gyrans sah ich gewöhnlich die Schwanzspitze
des ausgebildeten Nemertes nicht umgeschlagen, dagegen
zeigte sich dies bei P. auriculatum und bei dem P. gyrans
ähnlichen jedoch nicht pigmentirten Thier. Vielleicht
dürfte aus letzterer Eigenthümlichkeit ein weiterer Grund
für den besonderen Artcharakter dieser pigmentlosen
Form zu nehmen sein.
Bei dem P. auriculatum zeigt sich eine nicht un-
interessante Eigenthümlichkeit, indem nämlich auch noch
bei dem hoch entwickelten Nemertes zwei zarte zellige
Stränge von der oberen Seite des jungen Wurms, etwas
vor dessen Mitte entspringend, nach den Seitenwandungen
des Pilidium hinlaufen (s. Figur 6, f.). Es sind diese
Stränge jedenfalls die verkümmerten und langausgezogenen
Stiele von zwei der ursprünglichen Saugnäpfe und wie
ich wohl mit Recht annehmen darf — die der beiden
vorderen. Bei P. gyrans zeigt sich keine Spur derartiger
Stränge, die anfänglichen vier Einstülpungen trennen
sich hier von der Leibeswand des Pilidium sehr bald
vollständig.
Kiel, im October 1872.
Erklärung der Abbiidungeu.
Bedeutung der sich wiederholenden Buchstaben:
Einige Bemerkungen zur Metamorphose des Pilidiam. 283
oc. Ocellus.
n. Nervensystem.
epd. Epidermis I i -^x
,/,,,., > des Nemertes.
m. Muskelscmchten I
Fig. 1. Eine Zelle der Epidermis des Pilidium in der Flächen-
ansicht.
» 2. Eine Zelle der Epidermis des Pilidium direct neben der
Geissei im optischen Durchschnitt.
» 3. Basaler Theil einer zerfaserten Geissei mit den beiden
Muskelsträngen; dieselben sind etwas contrahirt, daher er-
scheint die Geisseibasis tief eingesenkt.
» 4. Vorderes Ende einer der hinteren Platten des sich ent-
wickelnden Nemertes.
B 5. Pilidium gyrans, seitliche Ansicht. Die vorderen und hin-
teren Platten haben sich schon vereinigt zu der bekannten
kahnförmigen Anlage des jungen Wurms.
» 6. Pilidium auriculatum mit ziemlich hoch entwickeltem Ne-
mertes. Von oben gesehen, f. die beiden Stränge, welche
den jungen Nemertes noch mit der Leibeswand in Verbin-
dung setzen.
> 7. Junger Nemertes des Pilidium gyrans direct nach dem
Verlassen der Larve gezeichnet.
» 8. Seitliche Ansicht eines reifen Nemertes des P. gyrans in
seiner natürlichen Lage im Pilidium.
B 9. Junges Pilidium gyrans mit den vier Saugnäpfen, snj die
vorderen und sug die hinteren.
Beitrag zur Kenntniss der inueren Struktur der
Tubipora musica L.
Von
Mag. W. Dybowski.
Hierzu Taf. XII Fig. I und II.
Obwohl die Gattung Tubipora L. schon seit dem
XVI. Jahrhundert der Wissenschaft bekannt ist ^) und
die Arten derselben meistentheils zu den allgemein be-
kannten und gewöhnlichsten Formen der Jetztwelt ge-
hören, so sind doch die ihren anatomischen Bau betreffen-
den Verhältnisse noch keineswegs hinreichend erforscht.
Es werden in der That die Tubipora-Arten fast in
keiner Monographie der Korallen und in keinem allge-
meinen zoologischen Werke vermisst. In jeder zoolo-
gischen Sammlung wird die Tubipora wenigstens durch
eine ihrer Arten repräsentirt. Die Anatomie dieser so
sehr interessanten Koralle ist ebenfalls öfters geschildert
worden, doch sind die wichtigsten Verhältnisse ihres
Baues bis jetzt der Aufmerksamkeit der neueren Forscher
ganz entgangen, obgleich schon von den älteren Autoren -)
eine Hinweisung auf dieselben gemacht worden ist. Diese
Angaben sind jedoch ganz der Vergessenheit anheimge-
fallen. Daher denke ich, dass einige Bemerkungen über den
1) Imperato, Hist. nat. 1599. p. 723. Aldrowandi, Mu-
seum metallicum 1648. p. 290.
2)Ellis et Solander, The Natural Hist. of Zoophytes
1786. p. 143. Tab. 27. Parkinson, Or^anic remains of the vege-
tables and animals etc. Vol. 2. Second edit. 1833. p. 57. Tab. 3 P^ig. 2.
Beitr. z. Kenntniss d. inneren Struktur d. Tubipora musica L. 285
inneren Bau der Tubipora, durch welchen sie mit dem
Syringophyllum Organum L. und mit den Syringopora-
Arten (Auct.) aus der palaeozoischen Gruppe manche
Analogie zeigt, nicht ohne Interesse sein werden. Leider
fand ich bis jetzt keine Gelegenheit, das Thier selbst zu
untersuchen ^) ; ich konnte mich nur auf die Untersuchung
seines Gerüstes beschränken; hoffe jedoch dadurch die
Aufmerksamkeit der späteren Forscher auf diesen Gegen-
stand zu lenken.
Die Gattung Tubipora bildet allein unter den Al-
cyonarien die Familie Tubiporidae, M. Edwards (Hist.
naturelle des Coral. Tora. I. p. 130) und besteht aus
sieben ungenau bekannten und meistentheils mangelhaft
charakterisirten Arten. Die allergewöhnlichste Art dieser
Gattung Tubipora musica L., welche mir in einer be-
trächtlichen Anzahl von, aus dem Indischen Ocean
stammenden Exemplaren, zur Untersuchung vorliegt, zeigt
folgende Verhältnisse.
Tubipora musica L.
Halcyonium rubrum indicum; Rumph, Herbarium
amboineuse. T. V. p. 236. Tab. 85. Fig. 2; Tubipora
musica, V/right, 1. c. p. 377—383. Tab. 23.
Corallum tubulatum, Seba, .Thes. T. III. Tab. 110.
Fig. 89.
Tubipora musica (pars), Linn^, Syst. nat. edit. 10
p. 789.
Tubipora musica, Ehrenberg, Korallenthiere p. 56.
Tubipora musica, Dana, Explor.exped. Zooph. p. 633.
Tubipora musica, M. Edwards, Hist. nat, des cor.
Tome I. p. 182.
Der Polypenstock 2) dieser Art zeichnet sich vor
Allem durch eine der Gattung Tubipora eigenthümliche
1) Vgl. darüber: Perceval Wright, Notes on the Animal
of the Organ-pipe Coral (in The annals and Magaz. of nat. Hist.
4. Ser. Vol. 3. 1869. p. 377—383. Tab. 23).
2) Vgl. Dybowski, Monogr. der Zoanth. sclerod. rugosa
etc. (aus dem Archiv der Naturkunde Liv-, Est- und Kurland.
Ser. I. Bl. 5, besonders abgedruckt) p. 12.
286 W. Dybowski:
rothe Farbe und poröse Textur des kalkigen Scleren-
chyms*) aus. Die Form oder Gestalt des Polypenstockes
wird im Allgemeinen durch die Tendenz zur Bildung
verschiedener sphärischer Körper, welche offenbar mit
der Art und Weise ihrer Yermehrung (Knospung) im
Zusammenhange steht, bedingt.
Der Polypenstock erscheint demnach in halb kuge-
ligen, knolligen oder cylindrischen Massen, und nur
selten stellt er mehr oder weniger dicke abgerundete
Platten dar. Die obere Fläche des Polypenstockes ist
entweder ganz flach oder gewölbt. Es zeigen sich auf
derselben zahlreiche kreisrunde, entfernt von einander
stehende Ocffnungen, welche von den oberen Enden
cylindrischer Röhrchen, die über die allgemeine Ober-
fläche des Stockes hervorragen, gebildet werden. Die
Zwischenräume dieser Oeffnungen sind poröse und ganz
ebene. Der Durchmesser der Oeffnungen schwankt
zwischen 0,8 — 1,5 Mm.; ihre Entfernung von einander
ist ziemlich gering und übersteigt nur selten die Dimen-
sion ihres Durchmessers. Betrachtet man den Polypen-
stock von der Seite, so überzeugt man sich, dass er aus
zahlreichen, langen, cylindrischen, vertical und in einiger
Entfernung von einander gestellten, röhrenartigen Indi-
viduen (Sprossenpolypen), von 0,8 — 1,5 Mm. im Durch-
messer, gebildet wird.
Die einzelnen Sprossenpolypen sind durch horizon-
tale, 0,5 Mm. dicke Lamellen verbunden. Diese Lamellen
{Verbindungslamellen) entspringen an der äusseren Pe-
ripherie der Sprossenpolypen in der Weise, dass sie,
deren Zwischenraum ausfüllend, stets auf demselben
Niveau, aber je nach der Tiefe in einer ziemlich ungleichen
Entfernung über einander angeordnet stehen. Die Ent-
fernung der einzelnen Verbindungslamellen von einander
beträgt 2—3 Mm.
Der ganze Polypenstock erscheint somit durch Ver-
bindungslamellen ziemlich gleichmässig geschichtet. Jede
einzelne der neu auftretenden Schichten der Verbindungs-
1) Dybowski, ibid. p, 11.
Beitr. z. Kenntniss d. inneren Struktur d. Tubipora musica L. 287
lamellen hat also bei stätigem Fortwachsen des Stockes
eine gemeinschaftliche Oberfläche gebildet und erscheint
bei der Ansicht von oben als eine die Zwischenräume
der Sprossenpolypen ausfüllende, zusammenhängende
Zwischenmasse.
Ein vertical zur Oberfläche des Stockes gelegener
Schnitt (Längsschnitt) zeigt, dass die Verbindungslamellen
nicht eine compacte, gleichmässige Struktur besitzen,
sondern horizontal sie durchziehende Canälchen enthal-
ten 1). Diese Canälchen erscheinen auf Längsschnitten
als schmale, dicht gedrängte, spaltenförmige Oeflfnungen.
(Fig. I, £.)
Betrachtet man einen der Aussenw^and der Sprossen-
polypen zunächst entnommenen Schnitt, so sieht man
diese Oeffnungen die Aussenwand selbst durchsetzen und
also die Ausmündung der horizontalen Canälchen der
Verbindungslamellen in die Visceralhöhle der Sprossen-
polypen vermitteln. (Fig. I, £', x, £, C)
Die Ausmündung der Canälchen lässt sich noch viel
deutlicher wahrnehmen, wenn durch Eröffnung der Vi-
sceralhöhle eines Sprossenpolypen die innere Oberfläche
blosgelegt wird. Man sieht innerhalb der Visceralhöhle
horizontale Reihen der die ganze Dicke der Aussenwand
durchbohrenden Löcher. (Fig. I, d-.) Diese Reihen
wiederholen sich so oft und so genau in derselben Höhe,
als die Verbindungslamellen (oder die Verbindungsröh-
rensysteme) von aussen entspringen. Die innere Ober-
fläche der Visceralhöhle ist ganz glatt und zeigt keine
besonderen, den Längsscheidewänden entsprechenden
Gebilde.
Innerhalb der Visceralhöhle verlaufen verticale, die
ganze Länge derselben einnehmende, äusserst enge, aber
verhältnissmässig dickwandige Röhrchen, welche einer-
seits gegliedert, anderseits zahlreiche in sie ausmündende
Seitenröhrchen tragen (Fig. I, ß), so dass sie eigentlich
einen Röhrenapparat darstellen. Das Sclerenchym, aus
1) Solch eine Art von Verbindungsorganen habe ich Com-
municationsröhrensysteme genannt. (1. c. p. 48 )
288 W. Dybowski:
welchem der ganze Apparat besteht, zeichnet sich durch
weisse, sehr schwach ins Rothe spielende Farbe ans.
Die Gliederung kommt dadurch zu Stande, dass
die Röhre sich von Stufe zu Stufe ampullenartig- aufbläht
oder aufgetrieben ist. (Fig. I. ö, y, ö'.) Die Ampullen
sind ziemlich verschieden gestaltet, gewöhnlich aber er-
scheinen sie als runde, kugelförmige, von oben nach
unten abgeflachte (Fig. I, a) oder nach derselben Rich-
tung zugespitzte, spindelförmige (Fig. I, /i) Blasen. Ihre
Wandungen sind in der mittleren Zone ringsum durch
eine horizontale Reihe kleiner Löcher (Fig. I, gl) durch-
bohrt, wenn der Durchmesser der Ampullen demjenigen
der Visceralhöhle gleich ist, oder es entspringen daselbst
kleine, horizontal gerichtete Röhrchen {ß), wenn jener
Durchmesser geringer ist. Von oben betrachtet ersciieint
die Ampulle im letzten Falle wie ein sechs- bis acht-
strahliger Stern (Fig. II) dessen Strahlen (/?) die Seiten-
röhrchen sind und die im Centrum befindliche OefFnung
(y) der Einmündung der Röhre entspricht. Besitzt nun
aber die ^Ampulle keine Seitenröhrchen, so erscheint sie
bei der Ansicht von oben als eine in der Mitte durch-
bohrte, gewölbte Lamelle, welche dem Boden der
Zoantharia rugosa, oder Z. tabulata nicht unähnlich ist.
Dieses Verhalten allein scheint M. Edwards gekannt
zu haben, da er in der Charakteristik der Gattung Tubi-
pora (Hist. nat. des Coral. Tome I. p. 131.) sagt: „A l'inte-
rieur il y a d'espace en espace un plancher rudimentaire.^
In seiner ^), wie auch in anderen Abbildungen
(ausgenommen die von Ellis und Solander, a. a. O.)
werden diese Böden ganz falsch dargestellt 2).
Die einzelnen zwischen den Ampullen befindlichen
Abschnitte oder Glieder der Röhren sind kaum 0,2 Mm.
dick, und gehen an beiden Enden in die Ampullen selbst,
entweder unverändert (Fig. I, «) oder allmählich sich er-
weiternd {ß) über.
1) Hist. nat. des Cor. Atlas. Tb. B'. Fig. 6a.
2) Es scheinen alle Abbildungen der neueren Autoren, lauter
Copien von M. E dwards'schen zu sein.
Beitr. z. Kenntniss d. inneren Struktur d. Tubipora musica L. 289
Da die Ampullen mit ihren OefFnungen oder Seiten-
röhrchen genau mit den Verbindungslamellen ;in gleichem
Niveau stehen und diese Oeffnungen oder Seitenröhrchen
den die Wand durchbohrenden Reihen der Löcher ent-
sprecheU; so setzen sie auch die Röhrenapparate im ganzen
Stocke in eine unmittelbare Communication mit einander.
Die Communication wird durch Canälchen der Vcrbin-
dungslamellen (Communicationsröhrensystem) Termittelt.
Die Verbindungslamellen dienen somit zur Verbindung der
Individuen, ferner zur Communication der Röhrenappa-
rate und endlich als ürsprungsstellen der neuen Genera-
tionen. Es geschieht die Neubildung bei Tubipora nicht
durch Kelch- oder Seitensprossung, sondern auf den
Vcrbindungslamellen.
Aus dieser Betrachtung ergeben sich einige Fragen,
deren*^ Entscheidung sehr erwünscht wäre.
1) Welche physiologische Function hat der Röhren-
apparat?
2) In welcher Beziehung steht dieser Apparat zu den
übrigen Organen des Thicres?
3) Aus welchen Theilen des thierischen Körpers wird
der Röhrenapparat ausgeschieden?
4) Entstehen die einzelnen Glieder des Röhrenappa-
rates mit der Aussenwand gleichzeitig oder stehen
sie (wie die Böden der Zoantharia rugosa) mit dem
Zurückschrciten des Thieres in directer Beziehung?
Eine sehr analoge Erscheinung in Betreff der ana-
tomischen Struktur der Tubipora zeigt die silurische
Gattung Syringophyllum M. Edw. et J. Hai me ^), welche
beide jedoch so sehr verscliieden sind, dass man sie nicht
als verwandt ansehen darf.
Der Polypenstock von Synngophyllum Organum L.
besteht aus cylindrischcn, verticalen, entfernt von ein-
ander gestellten Sprossenpolypen.
Die Communicatioiisröhrensysteme dieser Art werden
aus einer Anzahl (24) seitlich sich einander schliessender
1) Monographie des Polypiers fossiles. (Extrait du tome V
des Arch. du Museum d'Hist. nat. p. 449. 1852.
Archiv f. Naturg. XXXIX. Jahrg. l.Iid. 19
290 W. Dybowski:
und auf's Innigste verwachsener Rölirchen gebildet, wel-
che, unmittelbar in die Visceralhöhlen der einzelnen In-
dividuen ausmündend; alle Individuen in eine unmittel-
bare Communication setzen.
Die Röhrensysteme der einzelnen Individuen treten
in der Weise auf, dass sie, die Zwischenräume derselben
ausfüllend und stets auf derselben Höhe nach aussen
entspringend, mit den entsprechenden Rührensystemen
der benachbarten Sprossenpolypen verwachsen.
An der Verwachsungsgrenze der benachbarten Röh-
rensysteme bildet sich eine schmale, seichte, aber deut-
liche Furche, wodurch ein jedes Individuum auf der
oberen Fläche des Stockes ein polygonales (fünf- bis
sechsseitiges) Feld, welches vollständig durch jene Furche
begrenzt ist, darstellt.
Die äusseren Röhrenöffnungen der einzelnen Röh-
rensysteme schliesen sich an ihrer Verwachsungsgrenze
genau an die der benachbarten an.
Es entstehen demnach im ganzen Polypenstockc
schiclitenartig über einander angeordnete Verbindungen
der Sprossenpolypen. Die letzte (oberste) Schicht bildet
somit die obere Fläche des ganzen Stockes. Auf dieser
Fläche erscheinen zahlreiche, kreisförmige, etwas hervor-
ragende Röhrchen (Kelchöffnungen),
Innerhalb der Kelchöffnungen zeigen sich: eine
horizontale Reihe von Poren ^) (Ausmündung der Röh-
rensysteme) und alternirend grössere und kleinere dor-
nige Vorsprünge; äusserlich ist eine jede Kelchöffnung
mit 20—24 radiär angeordneten und nach der Peripherie
divergirenden Runzeln (Leisten) umgeben, welche durch
seichte Furchen von einander getrennt sind. Die Furchen
entsprechen denVerwachsungsgrenzen der seitlich verbun-
denen Röhrchen. Die ganze obere Fläche des Stockes ist
daher mit zahlreichen, sechsseitigen, gefalteten Feldern
bedeckt, welche durch seichte Furchen von einander ge-
1) Bronn et Römer, Lethaea geognostica. Atlas Tah. V. Fig.
12 c. Römer, die fossile Fauna etc. Tal). IV. Fig. 2,
Beitr. z, Kenntiiiss d. inneren Struktur d. Tubipora musica L. 291
trennt werden. In der Mitte eines jeden Feldes steht die
KelchöfFnung.
Auf der inneren Oberfläche der Visceralhöhle stehen
zahlreiche dornige Vorsprünge, welche, in 24 Längs-
reihen angeordnet, die auf der niedrigsten Stufe der Aus-
bildung stehenden Längsscheidewände darstellen. Die
alternirende Anordnung der stärker und schwächer ausge-
bildeten Dornenreihen drückt offenbar den allgemeinen
Charakter der Längssoheidewände aus i).
Die Visceralhöhle der Sprossenpolypcn ist ausserdem
noch mit horizontalen und ganz ebenen Querscheidewänden
(ßöden) 2) versehen. Mi 1 n e Edward s et J. 11 a i m e,
welchen die innere Struktur des Syringophyllum Orga-
num L. ganz unbekannt war, haben es (1. c.) den Zoan-
tharia rugosa unter ihre Familie Cyathophyllidae einge-
reiht. Dass es ab'cr mit den Cyathophylliden nichts Ge-
meinschaftliches hat, zeigte uns schon Römer (1. c.)
und dass es auch zu den Rugosen nicht gehören kann,
davon überzeugt uns* der allgemeine Habitus des Thicres.
Mir scheint Syringophyllum Organum viel näher
den Zoantharia tabulata verwandt zu sein, unter denen
CS eine besondere Unterfamilie bilden muss, die neben
der Unterfamilie Halysitinae M. Edwards et J. Haime
(I. c.) p. 280 zu stellen ist.
Ausserdem darf man die Analogie der Tubipora mit
Syringopora Goldfuss^) nicht verkennen. Es müssen
aber alle drei hier genannten Gattungen nur als ana-
loge und ja nicht als zusammengehörige a n g e-
sehcn werden.
1) Vergl. Dybowski a. a. O. p, 31.
2) Dybowski, 1. c. p. 55.
3) Petref. germ. Bd. I. p. 75. 1826.
292 W. Dyboswki: Beitr. z. Kenntniss d. inneren Struktur etc.
Erkläruug der Abbildungen^
welche in Smaliger Vergrösserung dargestellt sind.
Taf. XII.
Fig. I. Tubipora musica L.
A. B. Zwei neben einander stehende Sprossenpolypen, deren
Visceralhöhle bei A. ganz, bei B. nur im oberen Theile ge-
öfifnet ist.
J. ö'. Der Röhrenapparat.
«. eine kugelförmige, mit Löchern versehene Ampulle;
ß. eine spindelförmige, mit Seitenröhrchen versehene Ampulle;
y. der zwischen zwei Ampullen befindliche Theil der Röhre
(Glied der Röhre).
x, C> *• Der Quere nach durchschnittene Verbindungsla-
mellen, deren horizontal verlaufende Canälchen als Löcher
erscheinen.
^. Eine Reihe der die Aussenwand durchbohrenden Poren.
Fig. IL Ein Sprossenpolyp von oben betrachtet.
«. Die Aussenwand.
ß. Seitenröhre der Ampulle.
y. Ampulle in einer Ansicht von oben.
d\ Einmündungsöffnung der abgebrochenen Röhre.
Einige neue Nematoden nebst Bemerkungen über
bekannte Arten.
Von
Dr. ?on Liustow
in Ratzeburg.
(Hierzu Tafel XIII.
1. TricJiosoma ^) brevispiculum nov. spec.
In fünf Exemplaren fand ich diese Art im Darm von
ßlicca bjoerkna; es waren zwei Männchen und drei Weib-
chen, welche ersteren 3,3, die letzteren dagegen 7,8 Mm.
lang sind ; die grösste Breite beträgt beim Männchen 0,06,
beim Weibchen 0,1 Mm. Zwei auffallende Stachelbänder
trägt diese Art, die seitlich stehen und sich zur Körper-
breite verhalten wie 1 : 2,5 ; sie zeigen an manchen Stellen
Qiierfalten. Sehr gross ist der Raum, den der Zellen-
körper einnimmt, nämlich ^/s der ganzen Körperlänge beim
Weibchen ; beim Männchen ist dieses Organ relativ
weniger ausgedehnt, da seine Länge sich zu dem übrigen,
nicht vom Zellenkörper erfüllten Leibesraum verhält wie
22 : 21. Die einzelnen Zellen sind auffallend kurz, und
verhält sich ihr Längs- zum Querdurchmesser wie 1 : 8,
1) Der gute Rudolphi'sche Name Trichosoma ist später durch
Creplin in Trichosomura latinisirt, durch Schneider aber wieder
eingeführt, und mit Recht, da es kein lateinisches Wort »sojoaum»
gibt, sondern nur das griechische csäfiu.
294 V. Linstüw:
was daiaiif ychliessen lässi, dasö die Exemplare noch
nicht völh'g ausgewachsen sind, wie auch die Weibchen
noch keine Eier zeigen. Das Spicuhnn ist auffallend
kurz und derb, nur 0/25 Mm. lang; die Scheide, die
manchmal mit hervortritt, ist giatt; das Hinterleibsendc
zeigt zwei runde Vorwulstimgen, ähnlich Avie bei der
folgenden Art, nur nicht so stark hervortretend. An der
Verbindungsstelle zwischen Darm und Zellenkörper ste-
hen zwei ovale Bauchspeicheldrüsen. Unmittelbar hinter
dieser Stelle findet sidh beim Weibciicn die Vulva, die
ich nie vorgestülpt gefunden habe; der Körper des Weib-
chens, nach hinten allmählig etwas an Dicke zunehmend,
endet rund.
Von Trichosoma- Arten aus Süsswasserfischen ist
mir nur Tr. tomentosum Dujardin bekannt, das mit der
oben beschriebenen Art nicht identisch Ist; tomentosum,
was wohl so viel wie haarig, w^oUig bezeichnen soll, ist
unsere Art nicht, und mit einem auffallenden liaarbesatz
bildet Dujardin ^) seine Art auch ab; abgesehen von
dieser eigenthümlichen Behaarung ist Dujardin's Art
schmaler, die Vulva liegt weiter nach vorn, und sind die
Wohnthiere andere.
2. Tricliosonta collare nov. spec.
Im Darm von Gallus doinesticus in grosser Menge
gefunden. Das Männehen misst 8,9 Mm. in der Länge
und 0,043 Mm. in der Breite^ das Weibchen resp. 9,5
und 0,066 Mm. Es finden sich zwei Stachelbändcr, die
seitlich stehen , und deren Breite sich zu der des
Körpers verhält w^ie 1 : 3,6; bei überreifen Exemplaren
werden die Bänder undeutlich und verschwinden die
Stacheln. Der Zellenkörpcr nimmt beim Weibchen 2/3
der ganzen Thierlänge ein, beim Männchen verhält sich
die Länge desselben zum übrigen hinteren Abschnitt des
Leibes wie 41 : 48. Die einzelnen Zellen sind bei un-
reifen Exemplaren kürzer als breit. Indem das Verhält-
1) Histoire naturelle des Holminthcs ou vers intestinaux.
p. 22, pl. 2, Fig. E.
Eioige neue Neiiuitoden, 295
nis8 des Längs- zum Querdurchmesser wie 1 : 4 ist, später
sind sie dagegen dreimal so laug wie breit. An dem
Orte, wo der Zellenkörper aufhört, liegen neben ein-
ander zwei grosse, ovale ßauchspeicheldrüssen, welche
fast den ganzen Hohlraum des Körpers ausfüllen, und
zwischen sich nur den dünnen Verbindungsgang zwischen
Zellenkörper und Darm hindurchlassen. Das Kopfende
ist stumpf kegelförmig, und zeigt sich 0,006 Mm. vom
Mundende entfernt eine Haisbandlinie. Der Cirrus des
Männchens ist 1,38 Mm. lang, die Scheide desselben ist
mit ungemein feinen, nach dem Kopfende hin gerichteten
Borsten besetzt (vid. Fig. 1), und tritt oft weit mit dem
Cirrus hervor, bei einem meiner Exemplare 0,48 Mm.
weit; das Hinterleibsende ist zweitheilig mit halbkuge-
ligen Vorsprüngen (Fig. 1), einigermassen ähnlich dem
Schwänzende eines männlichen Gordius aquaticus. Die
Vulva liegt dicht hinter dem Aufhörungspunkte des
Zellenkörpers, und ist bei unreifen Weibchen oft weit
hervorgestülpt; sobald Eier ausgebildet sind, findet sich
dies Heraustreten nicht mehr; das weibliche Hinterleibs-
ende ist abgerundet. Die Eier sind 0,066 Mm. lang und
0,03 Mm. breit.
Die aus Gallus domesticus bekannten Trichosoma-
Arten sind Tr. longicolle Rud. und annulatum Molin.
Von ersterer Art ist diese Spccies darin verschieden, dass
sie au den Echinothecae gehört, während nach Eberth ^)
Tr. longicolle zu den Gymnothccae rechnet, ein breites
ßauchband hat, und die Seitenbänder nur 1 : 6 breit sind ;
Tr. annulatum dagegen wohnt unter dem Epithel des
Oesophagus, und werden übrigens die wichtigen Unter-
scheidungsmerkmale, als die Stachelbänder, die Beschaffen-
heit der Cirrusscheide, nicht erwähnt 2); dagegen stimmt
die Angabe : „apertura vulvae in anterior! corporis parte^,
sowie das „caput epidermide in annulum inflata discretum"
entschieden nicht mit der vorstehend beschriebenen Art.
1) Untersuchungen über Nematoden, p. 57, Tab. VI, Fig. 11.
2) Molin, Prospectus helminthum etc. Sitzungsber. d. Kais.
Akad. d. Wissensch. Wien, 1858. Bd. XXX. p. 156.
296 V. Lins low:
3. Triohosoma oiwpunctatum nov. spec
Im Darm von Sturnus vulgaris gefunden. Es zeigen
sich zwei breite ötachelbändcr, die Scitenbändcr sind,
und im Verhältniss zur Körperbreite einen Durchmesser
von 1 : 2,1 haben. Die Länge des Zellcnkörpers ist sehr
beträchtlich und verhält sich zum übrigen hinteren
Körperabschnitt beim Männchen wie 5 : 4, beim Weib-
chen wie 5:7; ersteres ist G,24 Mm. lang und 0,048 Mm.
breit, letzteres hat eine Länge von 9,5 Mm. und eine
Breite von 0,084 Mm. Am Endpunkte des Zellcnkörpers
stehen zwei Bauchspeicheldrüsen, und mündet hier die
Vulva, die bei unreifen Weibchen glockenartig hervor-
gestülpt ist, bis zu 0,15 Mm. weit. Der Cirrus misst 0,9 Mm;
seine Scheide ist glatt und im zurückgezogenen Zu-
stande regelmässig und schön gewellt. Das männliche
Hinterleibsende hat eine deutliche, zweilappige Bursa,
gestützt von einer Pulpa, die jedcrseits zwei runde Vor-
sprünge zeigt (Fig. 2). Das weibliehe Schwanzende ver-
jüngt sich nach hinten zu etwas und endet rund. Die
Eier sind 0,059 Mm. lang und 0,029 Mm. breit; ihre
Schale ist dicht mit nach dem Eimittelpunkt gerichteten
Stäbchen durchsetzt, so dass die Oberfläche punktirt aus-
sieht. Für
Trichosoma cofitorium Creplin.
kann ich als neuen Wohnort den Oesophagus von Stur-
nus vulgaris anführen.
4. Cucullanus pachystomiis nov. spec.
Aus dem Darm von Bliccopsis rutiloidcs (vgl. den
Anhang). Das Männchen ist 2,9 Mm. lang und 0,11 Mm.
breit, das (unreife) Weibchen misst 3 Mm. in der Länge
und beträgt die grösstc Breite 0,14 Mm. Ersteres besitzt
zwei gleiche, 0,36 Mm. lange Girren, die am vorderen
Ende einen deutlichen Musculus protractor zeigen (Fig. 4).
Das männliche Schw^anzende ist nach der Bauchseite ge-
krümmt und läuft in eine konische Spitze aus ; es zeigt
acht präanale und sehs postanale, vorspringende Pa-
Einige neue Nematoden. 297
pilien jederseitö, welche erstereii in einer Linie stehen,
während von den postnnalcn die erste Papille nach der
MitteHinie, die zweite von derselben etwas abgerückt ist
(Fig. 4). Die Vulva liegt etwas hinter der Körpermitte, und
verhält sich die Länge des durch sie gebildeten vor-
deren Körperabscbnittes zum hinteren wie 14 : 11. Die
Mundöffnung ist trichterförmig (Fig. 3), von sehr starken
Muskelwandungcn umgeben, die direct in den Oesopha-
gus übergehen ; an der Innenwand derselben, an der
8telle ihres grössten Umfanges, zeigt sich eine ringför-
mige Verstärkung. Der Oesophagus besteht aus einem
0,131 Mm. langen und 0,013 Mm. im Durchmesser haben-
den dünneren und einem 0,447 Mm. langen und 0,026 Mm.
im Durchmesser haltenden dickeren, starkwandigeren
Theile, der in den 0,042 Mm. starken Darm übergeht.
Diese Art glaube ich nur im Genus Cucullanus
unterbringen zu können, weil sie zu den Polymyariern
gehört, zwei gleichlange Spicula und acht präanalc Pa-
pillen besitzt, und wenngleich Schneider^) die Zahl
der präanalen Papillen für dieses Genus auf sieben fest-
stellt, so kommen doch bei Cucullanus elegans oft genug
Männchen mit acht vor, wie auch Schneider 1. c. pag. 111
ein Exemplar abbildet, das rechts sieben und links acht
präanale Papillen zeigt; die Mundbildung ist allerdings
eine durchaus andere, als bei Cucallanus elegans, in-
dessen ist dieselbe von Schneider nirgend zur Be-
stimmung der Gattungs- Charactere benutzt worden, und
zeigen auch andere in eine Gattung zusammengestellte
Arten die grössten Verschiedenheiten in diesem Punkte,
w^ie z. ß. Heterakis inflexa und foveolata.
5. Füaria anthuris Sehn.
Zwischen den Magenhäuten von Corvus cornix fand
ich mehrfach eine Filaria, die Männchen 9,5 Mm., die
Weibchen 18—23 Mm. lang, die mit Fil. anthuris nahe
verwandt, aber doch von dieser Art verschieden zu sein
1) Monographie der Nematoden, p. 110.
298 V. Linstow:
schicij, weil die Zahl der Papillen des Mäuncbenö nicht
wie Schneider 1) für genannte Art angicbt 20, sondern
24 beträgt; die Cirren, an Länge ungleich, resp. 22 und
18 Mm. lang, die bis auf etwa Vi ^^^' Körperlänge zurück-
reichenden Halskrausen, die etwas vor der Körpermitte be-
findliche Vulva, die elliptischen, starkschaligen, 0,0926 Mm.
langen, 0,0262 Mm. breiten Eier, Alles dieses stimmte
so aulfallend mit Filaria anthuris, dass ich Bedenken trug,
die gefundene Art von ersterer zu trennen. Die Anord-
nung der Pappillen stimmt ebenfalls mit Sclineider's
Abbildung und sind bei meinen Exemplaren nur Papille
8 und 12, vom Kopfende an gerechnet, mehr vorhanden
als in Schneider's Beschreibung und Abbildung, und
habe ich bei näherer Untersuchung bald Männchen gefun-
den, bei denen die Papille 8 entartet war oder fehlte, und
bei denen die Papille 12 nicht vorhanden oder undeutlich
war; andererseits finde ich meistens die Verhältnisse so,
wie ich sie Fig. 5 abgebildet habe, in welcher Zeichnung
alle x\bstände der Papillen unter einander einzeln ge-
messen und genau eingetragen sind; dass in meiner
Figur, die ich nach Obigem für den eigentlichen Typus
für Fil. anthuris halte, die Cirren zurückgezogen, in der
ISchneider'schen in vorgestrecktem Zustande gezeich-
net sind, brauche ich wohl nicht zu erwähnen. Auch
das Weibchen von Fil.. anthuris besitzt am Hinterleibs-
ende zwei Papillen (Fig. 6).
Hieran schliese ich die Beschreibung zweier Nema-
toden, die ich nur im geschlechtlich unentwickelten Zu-
stande beobachtet habe, und deren Unterbringung in die
richtige Gattung daher eine zweifelhafte bleibt. Nichts
destoweniger bieten beide so auffallende Artmerkmale,
dass ihre W^iedererkennung eine leichte sein wird.
6. (?) Filaria hioolor nov. spec.
Lebt zahlreich unter dem Peritonäalüberzuge des
Magens von Silurus glanis, ein grosser auffallender Nema-
1) 1. c. p. 96.
Einige neue Nematoden. 299
tode von 20 Mm. Länge und 0,38 Mm. Breite. Ein Exem-
plar fand ich auch im Daim von Esox lucius, doch war
auch hier, wie bei den übrigen Individuen aus dem Wels,
die Entwickelung der Geschlechtsorgane eine erst be-
ginnende, so dass ich das Exemplar an diesem Orte für
einen Pseudoparasiten halten muss. Der Körper ist blut-
roth, der Darminhalt schwärzlich, der sehr lange, über Vi
der ganzen Körperlänge einnehmende Oesophagus ist be-
deutend heller gefärbt, als der übrige Körper. Der Ge-
schlecbtstract ist soweit entwickelt, dass man sicher ist,
keine Larve vor sich zu haben, doch lässt er noch nichts
Öpecielles erkennen. Sehr ausgezeichnet ist der Kopf,
der auffallend an einige Filarien erinnert; die Mundöff-
nung nämlich ist von sechs Wülsten umgeben (Fig. 7),
auf deren jedem ein schräg abgeschnittener, griö'elför-
miger Fortsatz steht, und dahinter zeigen sich sechs von
der Oberhaut bedeckte kegelförmige Papillen, die hinter
der Vereinigungsstelie von je zweien der obengenannten
Wülste angebracht sind.
7. (?) Äscaris fissilahium nov. spec.
In dem Darm von Sturnus vulgaris lebend, 3 Mm.
lang und 0,28 Mm, breit. Kopf mit drei. Lippen, deren
jede zwei cjiindrische, abgerundete He rvorragungen trägt
(Fig. 8). Die Vereinigungstellen von je zwei Lippen
sind durch bogenförmige, zierliche Leisten verbunden,
deren Anordnung sich am besten aus einer Betrachtung
der Abbildung ergiebt. Der Schwanz ist stumpf kegel-
förmig, das Rectum mündet 0,18 Mm. von der Schwanz-
spitze entfernt nach Aussen, und ist das Rectum von drei
Drüsen umgeben, wie Schneider (1. c.),für Ascaris mu-
cronata es Tab. XXI. Fig. 11 abbildet. Die Länge des
Oesophagus beträgt 0,48 Mm.
8. Sptroptera euryoptera Rud.
Zwischen den Magenhäuten von Lanius collurio.
Männchen 4 Mm. lang, 0,16 Mm. breit, Weibchen 7 Mm.
lang, 0,25 Mm. breit. Zwischen dem Munde und dem
300 V. Li n stow:
muskulösen Ocöopliagus ein beträchtliclics Vestibu lum. Das
Kopfende ist schlank zugespitzt, und ist der Mund oben
von einer kreisrunden Scheibe bedeckt, die rings am Rande
die allgemeine Körperbedeckung dachförmig etwas über-
ragt; dahinter folgt ein schräger, nach rückwärts gerich-
teter Ring, dessen Hinterrand ebenfalls frei absteht. Die
beiden Spicula sind merkwürdig verschieden an Länge,
da das rechte 0,23 Mm., das linke 0,66 Mm. lang ist; dem
entsprechend ist auch die Breite der beiden die Bursa
bildenden Membranen eine sehr ungleiche, indem die rechte
0,013 Mm. breit ist, die linke dagegen 0,033 Mm., und
ist die linke Hälfte wie ein Mantel nach der Bauchseite
umgeschlagen, und in der iMittc zeigt sie sich durch eine
Längsnaht getheilt. Es finden sich acht präanale und
zwei postanale Papillen mit langgestielter Pulpa jeder-
seits in einer Reihe. Das Schwanzende des Weibchens
läuft in einen abgestumpften Kegel aus. Die elliptischen
Eier haben starke Schalen und sind 0,036 Mm. lang, und
0,023 Mm. breit. Die Art, die in Sc hneider*s Mono-
graphie fehlt, kann nicht in das Genus Filaria gestellt
werden, das durch „zwei ungleiche Spicula und vier
präanale Papillen^ gekennzeichnet wird. Mit vielen
früher unter Spiroptera aufgeführten Arten ist die vor-
stehend beschriebene sehr nahe- verwandt und schlage
ich daher vor, die Gattungscharactere des Genus Spiro-
ptera in Zukunft so zu bestimmen : Poiymyarier, zwei un-
gleiche,Spicula, acht präanale Papillen, Flügel der Bursa
ungleich.
9. Fiiaroides Micslelarum van Ben.
4
Redi: Aniai. viv. 23, vers. 34.
Gordius Martis Werner. Brev. expos. Contin. \, 9,
Tab. VHI, Fig. 20—21.
Ascaris bronchialis Gmelin. Syst. nat. 3031. Nr. 15.
Fusaria bronchialis Zeder, Naturgesch. 116.
Dubium Mustelae Foinae, Martis et Putorii Rudolphi.
Entozoor. bist. III, 263.
Filaria Mustelarum puhnonalis Rudolphi, Synops. 8
Einige neue Nematoden. 301
u. 216. Dujardin Hist. nat. des Helm. pag. 47. Diesing
Syst. heim. II, p. 280. Mölln, Monographia etc. p. 419.
Spiroptera nasicola F. S. Leuckart, Zoolog. Bruchst.
III, pag. 43, Tab. I, Fig. 9, a— b, Tab. II, Fig. 4, a— g.
Dujardin, HIst. nat. des Helm. pag. 88. Diesing, Syst.
heim. II, pag. 225.
Filaroides Mustelarnm van Beneden. Mem. vers. intest,
pag. 267, Tab. XXIII. Gervais et Beneden Zoolog, med.
II, pag. 152. Diesing, Revis. d. Nematoden, pag. 705.
Weijenbergh. Notice sur le Filaroides Must. Archives
neerlandaises III, pag. 428, Tab. XVI. R. Leuckart,
Bericht über die wissensch. Leist. in d. Naturgesch. d.
nied. Thiere, 1868—69. pag. 86. — Ders. Menschliche Para-
siten II, 402.
Diese sehr umfangreiche Litteratur sollte glauben
machen, dass unsere Kenntniss dieses Nematoden zum
Abschluss gekommen sei, und doch ist dieses so wenig
der Fall, dass weder die Bildung des Mundes noch der
männlichen und weiblichen Geschlechtsorgane, noch der
Embryoneu richtig beschrieben ist.
Ich fand diese Art dreimal, zuerst in der Trachea
von Mustela foina, dann in der Nasenhöhle von Foetorius
putorius und endlich in einer Knochenhöhle an der
hintern Grenze des Stirnbeins von Foetorius vulgaris, an
der rechten Kopfseite, ziemlich der Stelle entsprechend,
die Weijenbergh in seiner Fig. I. mit b bezeichnet; es
fand sich hier, als ich den Schädel scelettirte, eine patho-
logische Knochenhöhle, welche die Grenze der Nasen-
höhle beträchtlich überschritten, und so einen Theil des
Gehirns nach hinten verdrängt hatte; die Höhle steht
mit der Nasenhöhle in directer Verbindung, und beher-
Ibergte drei männliche und drei weibliche Exemplare
des Helminthen. Derselbe scheint somit in allen Ath-
mungsorganen des Mardergeschlechtes vorzukommen, und
meistens in Colonieen zusammen zu wohnen.
Die Länge meiner Exemplare beträgt bei den Männ-
chen 8, bei den Weibchen 26 Mm., die Dicke bei ersteren
0,46, bei letzteren 1 Mm., und hat F. S. Leuckart den Ne-
matoden in seiner natürlichen Grösse 1. c. Tab. I, Fig. 9,
302 V. Linst ow:
a — b erkennbar abgebildet. Die Mundtheile sind noch
nicht richtig beschrieben und abgebildet worden, am
wenigsten von Weijcnbergh; die hier geschilderten beiden
appendices triangnlaires haben eine ganz andere Form
als sie Tab. XYI, Fig. 4. n, gezeichnet sind, und mnss
man überhaupt nach Anschauung der Figuren auf der
angeführten Tafel vermuthen, dass dieselben nach einem
sehr mangelhaften Miscroscope gearbeitet sind. Die Mund-
höhle zerfällt in einen äusseren und inneren Theil; der
erste wird gebildet durch eine Einstülpung der äusseren
Decken, der andere, innere aber hat den Oesophagus zum
Boden, und steht als Verstärkung der Seitenwand seit-
lich je ein hakenförmiger Körper, so dass das Ganze, von
oben oder unten betrachtet, wie die Branchen einer soge-
nannten Kneifzange aussieht (Fig. 9). Der sehr stark-
wandige und kurze, nur 0,G2 Mm. lange Oesophagus zeigt
ein deutliches Lumen, wie man es ja meistens bei den
Nematoden sieht, doch deutet Weijenber gh diese beiden
Linien als ein Muskelbündel (un faisceau musculaire dans
les parois du canal). Die Linie p in Fig. 4 desselben
Forschers, die für einen kleinen Canal gehalten wird,
ist nichts anderes als die Muskelschicht. Die Excretions-
gefässöffming ist bauchständig, nahe am Kopfe, bei den
Männchen 0,38, bei den Weibchen 0,56 Mm. von dem
Kopfende entfernt; die Cutis ist hier trichterförmig ein-
gestülpt.
Das Männchen hat, wie Weijenbergh riclitig
angiebt, zwei gleiche Spicula von 0,23 Mm. Länge, — die
aber nicht Frangen tragen, wie Weijenbergh meint
(1. c. p. 432, Fig. 7, z), denn diese Striche stehen auf den
Seitenlamellen der Cirrcn, — und besitzt ausserdem zwei
bauchständige, niercnförmige Wülste, welche jeder fünf
Papillen tragen, von denen zwei seitlich, drei bauchstän-
dig sind (Fig. 10 — 12); die letzteren sind von allen ünter-
suchern bisher übersehen; das Schwanzende läuft in eine
sehr feine Spitze aus (Fig. 10— 12), was schon F. S. Leu-
ckart (1. c. Fig. 4, c) abgebildet, Weijenbergh dage-
gen übersehen hat (1. c. Fig. 7).
Die weibliche Ocschlechtsöffnung hat bisher eben-
Einige neue Nematoden. 303
falls Keiner richtig beschrieben ; van Beneden vermu-
thet sie dicht beim Munde, offenbar eine Verwechslung
mit der Excretionsgefässöffnung, VV e i j e n b e r g h da-
gegen ^4 ^^^ ^^^'^ Kopfe entfernt; die Wahrheit liegt
zwischen beiden Meinungen, denn sie findet sich etwas
hinter der Mitte, so dass der durch sie gebildete vordere
Körperabschnitt sich zum hinteren verhält wie 31 : 29.
Auch hier führt eine trichterförmige ^Einstülpung der
Haut (Fig. 13) in die doppelte Vulva (Fig. 13, a), die mit
einem schwärzlichen Kitt ausgefüllt ist. 8ie führt in
einen autfallenden, cylindrischen Uterus (Fig. 13, b), der
an seinen beiden Endpunkten einige drüsenartige Körper,
trägt (Fig. 13, c); dann folgt zu beiden Seiten je ein aus
einer starken Muskelwand gebildeter kugeliger Körper
(Fig. 13, d), auf den jedcrseits das ebenfalls starkwandige
Ovarium (Fig. 13, e) sich inserirt. Unmittelbar hinter
der Analöffnung des Weibchens befindet sich eine grosse
Papille (Fig. 14, a), die Weijenbergh für die eigent-
liche Analöffnung hält (1. c. p. 431, Fig. 5, f).
Die bekanntlich schon im Weibchen ausschlüpfenden
Embryonen sind 0,246 Mm. lang und 0,015 Mm. breit:
man bemerkt (Fig. 15) eine deutliche Mundhöhle, den
kurzen Oesophagus, den Darmtract mit der Analöffnung
und eine feine, sich plötzlich verjüngende,. pfriemenförmige
Schwanzspitze, endlich jederseits eine Seitenlinie. Die
Embryonen lebten acht Tage lang' nach dem Tode des
Weibchens im Wasser, und bemerkte ich ein Vorstossen
des Pharynx, der als Bohrzahn zu dienen scheint. Ich
verfütterte sie ohne Erfolg an eine Maus , glaube aber
eher, dass die Larve in Fröschen lebt, die ich seiner Zeit
nicht zur Hand hatte.
Dass diese Species ein ^besonderes Genus bilden
muss, steht ausser Zweifel, und dürfte daher kein Grund
vorliegen, den von van Beneden eingeführten Namen
Filaroides abzuändern, die älteren aber (Gordius, Ascaris,
Fusaria, Dubium, Filaria, Spiroptera) sind sämmtlich un-
passend.
Die Aehnlichkeit mit Strongylus (im Sinne Schnei-
ders) ist auffallend, nur dass bei dieser Art die Bursa
304 V. Ti i n s t 0 w :
gleichsam auf zwei getrennte, papillentragende Wülste
eingeseliränkt ist. Die Gattimgsdiagnose für Filaroides
würde daher lauten: Meromyarier, zwei gleiche Spicula,
zwei papillentragende, nierenförmige Wülste, das Weib-
chen mit einem deutlichen Uterus. - *
Nachschrift.
In der Milz von Rana temporaria fand ich nachträg-
lich eine kleine Kapsel, die einen Nematoden einschloss,
welcher höchst wahrscheinlich den Larvenzustand van
Filaroides Mustelarum darstellt. Der 1/2 Mm. lange und
0,049 Mm. breite Wurm hat ein abgerundetes und an der
Spitze trichterförmig eingezogenes Kopfende; das Schwanz-
ende ist conisch zugespitzt. Der Oesophagus hat eine
Länge von 0,197 Mm. und endet mit einer kolbigen An-
schwellung ; auf denselben folgt der Darm und zwischen
diesem und der Muskelschicht findet sich hinter der Kör-
permitte ein kleines, länglich-eiförmiges Organ, offenbar
die Genitalanlage, wie Leuckart dieselbe für mehrere
Nematodenlarven in ähnlicher Weise abgebildet und be-
schrieben hat. Es zeigt sich ferner eine Art Mundkapsel,
die von zwei hellen, zangenförmigen Hervorragungen be-
grenzt wird, welche auffallend an die entsprechenden
Organe von Filaroides Mustelarum erinnern.
Dieser Nematode dürfte identisch sein mit dem von
Hannover ^) unter Nr. 3 (Lille rund Nematodc-Kapsel,
Tab. I Fig. 3) beschriebenen. Genannter Forscher giebt
an, dergleichen Würmer an der äussern Darmwand von
Fröschen gefunden zu haben, aber selten ; er vermulhet
in ihnen den Larvenzustand einer Filarie, und bemerkt,
dass der Einwohner im Verhältniss zur Kapsel gross sei,
was auch auf die von mir gefundene Art passt, so wie,
dass am vorderen Ende des Oesophagus (der übrigens
für die „Leber^ gehalten wird), zwei kleine Knötchen
(to sma Knopper) sitzen, ferner, dass dies Organ nach
1) Jagttagelser over indkapslede Involdsonno hos Froeu. Kjöben-
havn 1864, p. 9.
Einige neue Nematoden. 305
hinten zu kolbig anschwillt, was Alles mit meiner Species
übereinstimmt. An der Aftermündnng findet Hannover
ein kleines Knötchen (en lille Knop), das auffallend an
die Papille am After des Weibchens von Filaroides Muste-
larura erinnert. (Vergl. H.'s Abbildung Tab. I, Fig. 3, die
Zeichnung rechts mit meiner Fig. 14, a.)
Hannover's Art Nr. 2 (Stör rund Nematode-Kap-
sel, Tab. I, Fig. 2), die ich oft in der Leber und an der
Darmwand von Rana temporaria gefunden habe, ist, wie
bereits von Leuckart^) angegeben wurde, eine Ascaris-
Larve, deren Bohrzahn ich deutlich gesehen habe.
Durch Verfütterung von lebenden Embryonen der
Filaroides Mustelarum an Frösche müsste man die Larven
erziehen können; es hat mir aber bisher nicht gelingen
wollen, im Sommer Wiesel, Marder oder Iltisse zu er-
halten, weil deren Pelz nur im W^inter brauchbar ist, und
die hiesigen Förster sich nicht entschliessen können, die-
selben zur Sommerzeit zu erlegen; vielleicht ist ein
anderer Forscher hierin glücklicher.
Die Gelegenheit zur Uebertragung ist häufig genug,
denn dass sich die hiesigen Repräsentanten des Marder-
geschlechts viel von Fröschen nähren, ist allgemein be-
kannt , wie ja auch das Distomum squamula des Iltis
seinen Larvenzustand im braunen Grasfrosch encystirt
verlebt.
Erklärung der Abbildungen.
Tafel XIII.
Fig. 1. Vergrösserimg 500. Männliches Hinterleibsende von Tricho-
soma collare mit einem Bruchstücke des Cirrus und des-
sen Scheide.
3> 2. V. 500. Männliches Hinterleibsende von Trichosoma ovo-
punctatum mit vorgetretenem Cirrus nebst Scheide.
» 3. V. 500. Mundende von Cucullanus pachystomus.
» 4. V. 125. Schwanzende des Männchens von Cucullanus pachy-
stomus , von der Bauchseite gesehen , um die Längsaxe
1) Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen in d. Natur-
gesch. d. niederen Thiere, 1864-65, p. 68.
Archiv f. Naturg. XXXIX. Jahrg. 1. Bd. 20
306 V. Linst ow:
etwas nach^ rechts gedreht um das Vorspringen der Pa-
pillen zu zeigen.
Fig. 5. V. 90. Männliches Hinterleibsende von Filaria anthuris.
V 6. V. 200. Weibliches Hinterleibsende von Filaria anthuris.
» 7. V. 100. Kopfende von (?) Filaria bicolor.
» 8. V. 100. Kopfende von (?) Ascaris fissilabium.
Fig. 9—15. Filaroides Mustelarum.
» 9. V. 300. Kopfende.
Fig. 10—12. V. 350. Männliches Schwanzende.
» 10. von oben.
B 11. von unten.
» 12. von der rechten Seite.
»13. V.90. Weibliche Geschlechtsöffnung, a. Vulva, b. Uterus
c. Drüssen, d. kugliger Körper, e. Ovarium.
9 14. V. 350. Weibliches Hinterleibsende, a. Papille.
»15. V. 300. Embryo.
» 16. V. 330. Kopfende der muthmasslichen Larve von Filaroi-
des Mustelarum aus einer Kapsel in der Milz von Rana
teraporaria.
Ichthyologischer Anhang.
Bliccopsis abramo-rutilus H.
Diesen Bastard von Blicca bjoerkna und Leuciscus
rutilus fand ich in zwei Exemplaren zwischen einer
grösseren Anzahl Stücke von Blicca bjoerkna, Leuciscus ru-
tilus, Perca fluviatilis, Alburnus lucidus, Acerina cernua.
öie waren schlank gebaut, der Rücken war gerade, die
Schuppen silberglänzend, am Rücken blau. Iris ohne
Roth, Mundöffnung oben, dabei eine lange, hinten abge-
stutzte Afterflosse, wie bei den Blicken. Die Länge be-
trug 17,5 und 13,5 Cm., die Höhe 3,2 und 2,3 Cm. Die
Schuppenzahl belief sich in der Längsrichtung auf 50
und 51, von oben nach unten auf Ve und ^s- Di^ Zahn-
formel war 1 . 5—5 . 2 und 5- -5 . 1. Die Zahlen der Flossen-
strahlen waren folgende:
Einige neue Nematoden. 307
Von besonderem Interesse schien es mir, zu unter-
suchen, ob und welche Parasiten diese Bastarde bewohn-
ten, und ob sie etwa dieselben Arten wie die Stamm-
formen beherbergten. Ich fand nun im Darm den oben
beschriebenen CucuUanus pachystomus, Diplostomum cuti-
cola an Haut, Flossen und Kiemen, Diplostomum spec. ?
in der Linse, Agamonema bicolor im Darm, frei und ein-
gekapselt, Gasterostomum fimbriätum (Larve) eingekap-
selt im Fettstreifen.
Bliccopsis erythrophthalmoides JäcJc,
Bastard von Blicca bjoerkna und Scardinius erv-
throphthalmus. Von dieser Form, die eine Blicken-Ge-
stalt und dabei Rothfeder- Färbung trägt, fand ich eben-
falls zwei Exemplare. Sie massen I3V2 und 15 Cm. in
der Länge und 4 und 4V2 Cm. in der Breite. In der
Längsrichtung hatten sie 42 und 43, in der Quere Vs und
Vg Schuppen; die Zahnformel war 3.5 — 5 .3 in beiden
Fällen. Zahl der Flossenstrahlen:
Brust- Bauch- After- Schwanz- Rückenflosse.
\'i5 Vs V12 19 3/
Vi5 Vs Vii 19 %
Die Iris war roth, die Schuppen hatten Messing-
glanz, die Schwanz- und Afterflosse waren intensiv roth,
die Bauchflosse zeigte hochrothe Strahlen, die Brust- und
Rückenflosse waren an der Vorderhälfte roth.
Als einzigen Parasiten fand ich Diplostomum cuticola.
Die Familie der Eehinocidarideii.
Von
Troschel.
Fortsetzung von S. 356 des vor. Jahrganges.
Es erübrigt noch, die im vorigen Jahrgange dieses
Archivs p. 306 bereits kurz charakterisirten Arten genauer
zu beschreiben, und dabei alle Theile der Thiere ins
Auge zu fassen, soweit sie in dem vorliegenden Material
dargeboten sind. Es werden sieb dabei mehr oder
minder brauchbare Differenzen ergeben, diie zum Theil
in der obigen Uebersicht nicht berücksichtigt sind.
Es war nicht wohl thunlich bei diesen Beschrei-
bungen Wiederholungen zu vermeiden, da manche Arten
mit anderen in gewissen Beziehungen übereinstimmen;
auch sind diese Beschreibungen zum Theil vielleicht zu
individuell, zumal in den Fällen, wo nur ein Exemplar
vorlag- Indessen konnte ich mich dieser Beschreibungen
um so weniger enthalten, als ich durch sie die Aufrecht-
haltung mehrerer Arten rechtfertigen muss.
Mir sind seit dem Erscheinen meiner Abhandlung
im vorigen Jahre einige Einwendungen gegen meine
Auffa.ssung der Gattungen und Arten von Echinocidari-
den von sehr achtbaren Forschern zugekommen, die ich
wohl bedenken zu müssen glaubte. Da es ja bei der
Naturforschung niemals auf Rechthaberei ankommen darf,
so würde ich gern einen Irrthum einräumen oder eine
falsche Auffassung zurücknehmen, wenn ich vom Gegen-
Troschel: Die Familie der Echinocidariden. 309
theil überzeugt worden wäre. Ich gehe hier nur auf die
Punkte ein, die sich auf die Haltbarkeit der Gattungen
und Species beziehen. Ich könnte freilich meine Er-
widerungen primatim erledigen, da sie mir brieflich und
sehr freundlich zugekommen sind, glaube aber, dass die
Erörterung dieser Controverse zur Ermittelung des natür-
lichen Sachverhaltes auch in weitern Kreisen nützlich
sein werde.
1. In Betreff der Schwierigkeit die Gattungen
Agarites und Tetrapygus zu unterscheiden wird mir ein-
gewandt, dass Exemplare von derselben Grösse, von der-
selben Localität auf den Interambulacralf eidern nackt,
oder mit Höckern versehen seien und daher für ver-
schiedene Genera gehalten werden könnten. — Ich kenne
solche Exemplare nicht, und würde sie eher für ver-
schiedene Genera halten, als annehmen, dass die nackten
Felder durch Resorption in derselben Art entstanden
wären.
2. Man zweifelt, dass die Lage der Ocularplatten
als generischer Charakter haltbar sei, zumal bei jungen
Echinocidaris nigra alle Ocularplatten von dem Analsystem
ausgeschlossen gefunden würden; bekanntlich sei dieses
Merkmal unter den echten Echinus und den Echinometra
auch sehr variabel. — Soweit meine Beobachtung enreichcn,
ist jedoch die Lage der Ocularplatten sehr constant, nicht
bloss bei den Echinocidaris, sondern auch bei allen
übrigen Seeigeln. Mag sein, dass die früheren Jugend-
zustände den hierin ausgesprochenen Gattungscharaktcr
noch nicht zeigen, weil die dorsale Oeffnung sich erst
allmählich durch Abreiben der Ränder vergrössert, so
finde ich doch denselben bei allen verwachsenen Exem-
plaren vollkommen entscheidend. Es kommen wohl
kleine Abweichungen vor, aber trotzdem erkennt man
immer leicht, dass es sich um eine Abnormität handelt.
Ich meine, dass auch in allen übrigen Familien der See-
igel dieses Merkmal generischen Werth habe, weil es
in derselben Species constant ist.
3. Eine grosse Reihe sogenannter E. loculata von
Liberia sei entschieden nichts anderes als aequituberculata,
310 Troschel:
und viele Exemplare von Westindien und Brasilien seien
mit den mittelmeerischen identisch, woraus es sicher sei,
dass auch pustulosa nichts anderes als aequituberculata
sei. — Frühere Autoren haben die genannten Arten unter-
schieden, das verschiedene Vaterland unterstützt diese
Anschauung, und da ich doch auch bei den mir vor-
liegenden Exemplaren Differenzen finde, wie sie in den
nachfolgenden Beschreibungen angegeben sind, so kann
ich nicht anders, als noch an der Verschiedenheit der
freilich sehr nahe verwandten Arten festhalten. Es kann
hier nicht auf die Erörterung des Begriffes der Species
ankommen, sondern es fragt sich nur, ob die Exemplare
der verschiedenen Localitäten Verschiedenheiten zeigen,
und letzteres glaube ich durch die folgenden Beschrei-
bungen dargethan zu haben. Eine andere Frage ist, ob
diese Verschiedenheiten hinreichend sind, darauf Species
zu gründen. Die Beantwortung derselben will ich der
Zukunft überlassen. Möglich, dass man dafür stimmen
wird, diese Arten als Localvarietäten zu einer Species zu
vereingen. Es wäre recht bequem, nur vier Arten anzu-
nehmen, die unseren vier Subgenera entsprächen. Würde
aber das die Kenntniss der Echinocidariden erschöpfen?
Eine andere Frage ist die, ob die Synonymie von
Echinocidaris loculata zu der Art gehört, die ich als lo-
culata beschreibe. Ich muss zugeben, dass dafür wenige
Anhaltspunkte vorhanden sind, und es mag w^ohl richtiger
sein. Alles was bisher loculata genannt wurde, nach dem
Vorgange von A. Agassiz, mit aequituberculata zu ver-
einigen. Dann muss ich meiner Art von der Goldküste
einen neuen Namen geben. So wird mir von einer sehr
schätzbaren Seite her gerathen. Ich folge diesem Rathe,
und nenne die Art E. africana.
1. Echinocidaris (Agarites) punctulata.
Synonymie.
1734. Cidaris pustulosa Var. Klein Dispos. nat. Echinod.
tab. VI. Fig. E.
1758. ?Echi7ms nodiformis Seba Thesaurus III. tab. X.
Fig. 8, 9, 10.
Die Familie der Echinocidariden. 311
1778. Gidaris pustulosa Var. Klein, Leske tab. XL Fig. D.
1816. Ecki'nus pufictulatus Lamarc k Hist. nat. des anim.
Sans vertebres III. p. 47.
1824. Deslongchauips Encycl. method. Zoophytes 11.
pl. 141. Fig. 5, 6.
1825. Echinus punotulatus Blainville Dict. des sciences
nat. 37. p. 75.
1834. Echinus punctulatus Blainville Manuel d'Actin.
p. 226.
1837. Echinocidaris punotulata Des Mo ii lins Actes de
la soc. Linneenne de Bordeaux Sept. 1837. (Sepa-
ratabdruck p. 306).
1840. Echinus punctulatus hamsirck Hist. nat. des anim.
Sans. Vertebres. 2 Edit. III. p. 363 No. 18.
1846. Echinocidaris (Agarites) punctulatus Agassiz et
Desor Annaies des sciences nat. VI. p. 353.
1862. Echinocidaris punctulata Dujardin et Hup 6 Echi-
nodermes p. 520. No. 2.
1863. Echinocidaris punctulata A. Agassiz Bulletin Mu-
seum comp. zool. No. 2. p. 20.
1863. Echinocidaris Davisii A. Agassiz. Bulletin Mu-
seum comp. zool. No. 2. p. 20.
1863. Echinocidaris punctulata Lütken Vidensk. Med-
delelser fra nat. foren. i Kjöbenhavn p. 97.
1869. Echinocidaris punctulata A. Agassiz Bulletin
Museum comp, zool, No. 9. p. 257.
1869. Echinocidaris punctulata Des Moulins Actes de
la soc. Linneenne de Bordeaux 27. 2. Livrais. pl. 10.
Fig. 1, 2. (Stacheln.)
1872. Arhaoia punctulata A. Agassiz Illustr. Catalogue
of the Mus. of comparat. zool. No. VII. p. 91 und
263 pl. II. Fig. 4, pl. V. Fig. 1-18.
Die Körpergestalt ist rund, zum Pentagonalen ge-
neigt, unten concav mit vertieft liegendem Peristom,
oben niedrig gewölbt, zuweilen kegelförmig. Die Höhe
beträgt fast genau die Hälfte des Durchmessers, oder
übertrifft dieselbe. Das Profil vom dorsalen Pole zur
Peripherie ist gewölbt.
Das Periproct ist unregelmässig eiförmig. Die vier
312 _ Troschel:
Analplatteii fehlen bei den meisten mir vorliegenden
Exemplaren, und bei dem grössten Exemplare, welches
dem Erlanger Museum angehört, dem Klein'schen Orgi-
nalexemplare, sind sie unvollständig erhalten. Nach
der vortrefflichen Abbildung von A. Agassiz, pl. IL
Fig. 4 sind sie rechtwinklig und die sie trennenden Li-
nien bilden den grossen und kleinen Durchmesser des
eiförmigen Periprocts. Der kleine Durchmesser geht von
der Mitte der Madreporenplatte zur linken Ocularplatte
des hinteren Paares, der grosse Durchmesser vom äusseren
Drittel der linken Genitalplatte des vorderen Paares
zum inneren Drittel der rechten Genitalplatte des hin-
teren Paares. Die Analplatten sind ziemlich fein granulirt.
Die Genitalplatten sind ungefähr so breit wie lang-,
und berühren sich alle mit ihren Seitenrändern (Nach
A. Aggassiz, Illustrated Catalogue p, 263 sollen sie häufig
durch die Ocularplatten getrennt sein?). Sie sind gröber
granulirt, als die Analplatten, die Granula sind durch
deutliche Zwischenräume von einander getrennt, und
stehen zerstreut, ohne Neigung zur Linienbildung. Die
Genitalöffnungen sind meist rund, seltner oval, nahe dem
Aussenrande; ihre Entfernung vom Periproct beträgt
meist das vierfache, wie die vom Aussenrande (bei dem
grossen Exemplare des Erlanger Museums stehen sie et-
was weiter vom Aussenrande ab, als an den kleineren
Exemplaren). Die Madreporenplatte ist meist etwas
grösser als die übrigen (jcnitalplatten; sie ist nur am
inneren Rande granulirt wie die übrigen Genitalplatten,
der übrige Theil ist wie von feinen Nadelstichen punk-
tirt, und auf der Oberfläche oft wie abgenutzt.
Keine Ocularplatte erreicht das Periproct. Sie sind
ganz ebenso granulirt wie die Genitalplatten. Sie sind
fünfseitig ; zwei Seiten liegen den Genitalplatten an, zwei
andere grenzen an die jüngsten Interambulacralplatten,
und so würden sie fast genau Quadrate bilden, wenn
nicht durch den Herantritt der Ambulacren die hintere
Ecke dieses Quadrates abgeschnitten wäre, und so die
fünfte Seite entstände. Diese äussere Seite ist dreispitzig,
weil jedcrseits ein Ambulacralporus in sie eintritt, und
Die Familie der Echinocidariden. 313
in der Mitte ein kleiner Fortsatz die erste Ambulacral-
platte berührt. An diesem scheint der sehr kleine kaum
bemerkbare Augenporus angebracht zu sein. Auf der
Oberfläche der Ocularplatten sind mehr oder weniger deut-
lich vertiefte Linien bemerkbar, welche der Platte das
Ansehen geben, als wäre sie aus mehreren Stücken
ziTsammengesetzt. Bei dem grössten Exemplar sind sechs
solcher Abtheilungen von rhomboidischer Gestalt deut-
lich: eines an der inneren Spitze, eines an der äussern
Spitze und zwei an jeder Seite.
Die Ambulacra bilden einfache Reihen der Porenpaare,
die sich zuweilen etwas bogig zwischen den benachbarten
Platten hinabziehen. An der Peripherie sieht es aus, als
müssten sie sich durch einen engeren Raum hindurch-
drängen, werden daselbst unregclmässiger und auf der
Unterseite, wo ihr Raum breiter wird, ordnen sie sich in
schräge Reihen von je drei Porenpaaren. Die Entfer-
nung beider Ambulacren von einander unter der Nische
für das Sphärid ist grösser als der Durchmesser einer
benachbarten Porenplatte.
Die Höcker der Ambulacralfelder bilden zwei Rei-
hen. An der Peripherie sind sie sehr gross; sie stossen mit
ihren Basen an die Höcker derselben Reihe und an die der
andern Reihe, so dass nur einzelne Granula in den Winkeln
zwischen ihnen Platz behalten, die dann haarförmige Sta-
chelchen tragen. Nach demPeristom hin verkleinern sich
die Höcker allmählich, so jedoch, dass sich die derselben
Reihe mit ihren Basen berühren ; zwischen den bei den Rei-
hen wird etwas mehr Raum, so dass hier die Granula eher
eine zusammenhängende Reihe bilden, üeber der Periphe-
rie nehmen die Höcker auch allmählich an Grösse ab,
und bald fehlen sie auf einzelnen Platten ganz, so dass sie
weiter von einander stehen, und dann gänzlich schwinden,
80 dass keine Reihe die Ocularplatte erreicht.
Auf den Interambuiacralfeldern stehen bei kleineren
und mittleren Exemplaren meist nur zwei Höcker auf
jeder Platte an der Peripherie, die dann nahezu die ganze
Höhe der Platte einnehmen. An einer Seite tritt ge-
wöhnlich noch ein kleinerer Höcker hinzu, der dann die
314 Troschel:
Mitte des Feldes einniramt. Eine Regelmässigkeit, welche
Seite die Platte mit diesem überzähligen unsymmetrischen
Höcker einnimmt, findet nicht statt, denn an den vier
eben vorliegenden Exemplaren stimmt keines mit dem
andern übcrein, obgleich in allen Feldern an der Peri-
pherie eine Platte mit drei gegenüber (jedoch alterni-
rend) einer mit zwei Höckern steht, bald an der einen,
bald an der anderen Seite. Bei grossen Exemplaren ver-
mehrt sich die Zahl der Höcker an den Platten der Peri-
pherie auf vier und drei, aber dann in ähnlichem Ver-
hältniss, dass der mittlere kleinere vierte Höcker immer
nur einer Seite des Feldes angehört, derselben Seite
wenn auch mehrere Platten vier Höcker tragen. Auf
der Unterseite werden die Höcker kleiner nach dem
Peristom hin, aber alle nehmen die Höhe ihrer Platten
ein, so dass nur wenige Granula in den frei bleibenden
Ecken stehn können. Ueber der Peripherie sind jeder-
seits nur zwei Platten mit zwei Höckern vorhanden, die
nicht mehr die ganze Plattenhöhe einnehmen, und von
einander getrennt sind, so dass ausser ihnen noch mehrere
grobe Granula auf der Platte stehen. Die übrigen Platten
tragen nur einen Höcker dicht am Aussenrande der Platte
und allmählich nach oben kleiner werdend. Umgeben
sind diese von zerstreuten groben Granula. Schon an
den mit zwei Höckern besetzten Platten über der Peri-
pherie zeichnet sich das innere Ende der Platte durch
den Mangel der groben Granula aus und ist mit viel
kleinerer Granulation bedeckt, die der Stulptur der Ocu-
lar- und Genitalplatten gleich kommt. Nach oben wird
diese nakte Stelle immer grösser. Mit blossen iVugen
sichtbar und deutlich ausgebildet ist der nackte Stern
an den obern fünf Platten, bei genauer Untersuchung
sieht man jedoch, dass er sich über die oberen sieben
Plattenpaare ausdehnt. Bei dem grossen Exemplare,
welches an der Pheripherie vier und drei Höcker auf
den Platten trägt, folgen nach oben jederseits zwei
Platten mit je drei Höckern, dann noch eine oder zwei
mit zwei Höckern und nur drei Platten sind einhöckerig,
aber auch hier reicht der nackte Stern bis auf die fünfte
Die Familie der Echinocidariden. 315
Platte deutlich hinab; mit der Lupe lässt er sich bis auf
die siebente verfolgen. Die kleine Nische für das
Sphärid in jedem Arabulacralfelde, dicht am Peristom,
ist reichlich von Grösse der benachbarten Porenplatten,
massig vertieft, und nicht gleichmässig umwandet, viel-
mehr scheint jederseits über der Basis eine seichte Furche
nach aussen zu gehen, wodurch das Piedestal des Sphärid
mehr vorsteht, als sonst gewöhnlich.
Das Peristom ist gross; sein Durchmesser ist unbe-
deutend grösser als die Hälfte des Schalendurchmessers.
Die Säulen der Mundohren sind am Gipfel ver-
breitert, berühren sich jedoch nicht.
Die Stacheln fehlen bei den meisten der Exemplare,
welche ich zu sehen Gelegenheit hatte, ganz; an dem
grossen (Klein'schen) Exemplare sind noch einige vor-
handen, aber mit abgebrochener Spitze, so dass sich ihre
Länge nicht beurtheilen lässt. A. Agassiz nennt sie lang,
massig dick, häufig den Durchmesser der Schale über-
treffend. An einem Exemplar des Berliner Museums
von Carolina durch Ewald haben die Stacheln etwa die
Länge des halben Durchmessers der Schale, sind rund,
meist am Ende abgestutzt und dort ausgehöhlt, die der
Unterseite glatt und an der Spitze lackirt.
Die Farbe der getrockneten Exemplare ist bräunlieh
grau, die Ambulacren sind dunkler. Die Warzen der
Höcker sind glänzend und heller als die Grundfarbe der
Schale. An einem Exemplar des Stuttgarter Museums
sind die Stacheln am Grunde hell braungelb, nach der
Spitze röthlich braun; die Stacheln der Bauchseite an
der Spitze lackirt, gelblich mit einem Stich ins Violette.
Das Vaterland ist die Westküste Amerikas, Antillen,
Südcarolina und weiter nördlich. Zwei Exemplare im
Museum zu Erlangen aus der Klein'schen Sammlung;
ein Exemplar in der D u n k e r'schen Sammlung von den
Antillen; ein Exemplar im Museum zu Bonn, angeblich
von Surinam, ein anderes von den Antillen; sieben Exem-
plare im Museum zu Berlin von den Antillen, Carolina
und Jamaica; zwei Exemplare im Museum zu Stuttgart;
ein Exemplar im Museum zu Frankfurt a. M.
316 TroscheJ:
Es folgen die Maasse in Millimetern; 1. und 2. aus
der Klein'schen Sammlung; 3. und 4. aus dem Museum
zu Bonn; 5. aus der Dunker'schen Sammlung; 6. aus
dem Museum zu Frankfurt a. M.; 7. und 8. aus dem Mu-
seum zu Stuttgart ;
Durchmesser . . .
Höhe
Durchmesser des Pe-
ristoms ....
Breite der Ambula-
cralfelder . . .
Breite der Interam-
bulacralfelder .. 19 10 13 13 9 16 — —
Längste vorhandene
Stacheln ... -_ — _ — — _ 30 —
2. Echinocidaris (Agarites) stellata.
S V n 0 n y m i e.
1825. Echinus stellattis Blainville Dict. des sc. nat. 37
p. 76.
1834. Echiiius stellatus Bla,'inYi\lG Manuel d'Actinologie
p. 226.
1837. Eckinocidaris stellata Des Moulins Actes de la
Soc. Linneenne de Bordeaux Sept. 1837 (Separat-
abdruck p. 306.
1846. Echinocidaris (Agarites) stellaius Agassi z et D c-
sor Annales des sc. nat. VI. p. 353.
1862. Echinocidaris stellata Duj ardin et Hupe Echi-
nodermes p. 520. No. 1.
1863. ? Echinocidaris longispina Lütken Vidensk. Medde-
lelser nat. Foren, i Kjöbenliavn p. 130.
1867. Echinocidaris stellata Verrill Transact. Connecticut
Acad. I. Part. 2. p. 298.
Die Körpergestalt ist rund, durch die an der Peri-
pherie vorspringenden Ambulacralfelder zum Pentago-
nalen geneigt, unten flach convex, aber mit vertieftem
Peristom, oben niedrig gewölbt. Die Höhe übertrifft die
Hälfte des Durchmessers um ein Geringes. Das Profil
Die Familie der Echinocidariden. 317
vom dorsalen Pole zur Peripherie ist nicht gleichmässig
gewölbt, sondern zum Theil abgeflacht, wodurch sich die
Gestalt dem Pyramidalen nähert. Das Periproct fast
rhombisch. Die vier Analplatten sind verloren gegangen.
Die Genitalplatten sind so breit wie lang, nur die
hintere unpaarige ist breiter als lang. Sie berühren sich
alle mit ihren Seitenrändern. Ihre Granulation ist an dem
einzigen vorliegenden Exemplare abgerieben. Die Geni-
talöffmingen sind eiförmig, etwas länger als breit, näher
dem Aussenrande als dem Periproct; ihre Entfernung
vom Periproct ist etwa doppelt so gross, wie die vom
Aussenrande. Die Madreporenplatte ist etwas grösser
als die übrigen Genitalplatten, mit kleinen Erhabenheiten
bedeckt, und zwischen diesen mit feinen Löchern sieb-
artig durchbohrt. Auf ihr ist die Genital Öffnung weiter
vom Aussenrande abgerückt, so dass diese Entfernung
grösser ist als die Hälfte der Entfernung vom Periproct.
Keine Ocularplatte erreicht das Periproct. Auch
an ihnen ist die Granulation abgerieben, doch scheinen
sie drei Höckerchen getragen zu haben. Sie sind von
dreieckiger Gestalt. Ihre den Genitalplatten anliegenden
Seiten sind ein wenig convex, an ihrer Aussenseite treten
drei Vorsprünge hervor, von denen der mittlere viel
kleiner ist, als die beiden äussern. Die Augenöffnung
liegt hinter dem mittleren kleinen Vorsprunge.
Die Ambulacren bilden einfache gerade Reihen der
Porenpaare, die an der Peripherie wellig werden, indem
je drei Paare sich zu steilen Bogen gruppiren. In dem
in der Nähe des Peristoms erweiterten Theile der Ambu-
lacren lassen sich drei Porenpaare in jeder schrägen Reihe
unterscheiden. Der Zwischenraum zwischen beiden Am-
bulacren unter der Nische für das Sphärid ist so breit
wie eine Porenplatte.
Die Höcker auf den Ambulacralfeldern sind in
beiden Reihen an der Peripherie gross, und nehmen nach
dem Pcristom hin allmählich an Grösse ab. Die Höcker
derselben Reihe berühren sich mit ihren Basen; zwischen
beiden Reihen bleibt ein schmaler geschlängelter Raum,
auf welchem sich eine Reihe Granula hinzieht. Oberhalb
318 Troschel:
der Peripherie werden die Höcker plötzlich kleiner, lassen
grosse Zwischenräume zwischen sich und schwinden erst
in der Nähe des Periprocts in beiden Reihen ganz.
In den Interambulacralfeldern stehn an der Peri-
pherie drei grosse Höcker auf jeder Platte; nur eine
Platte jeder Reihe trägt innen noch einen viel kleineren
Höcker. Diese kleinen Höcker der beiden correspondi-
renden Platten stehn senkrecht über einander und nehmen
die Mitte der Interambulacralfelder ein. So ist es an
allen fünf Feldern des vorliegenden Exemplares. An
der Unterseite werden die Platten und die auf ihnen
stehenden Höcker allmählich kleiner, die Zahl von drei
Höckern auf jeder Platte erhält sich bis auf die letzten
zwei oder drei Platten. Alle diese Höcker nehmen fast
die ganze Höhe ihrer Platten ein, natürlich mit Ausnahme
der oben erwähnten beiden kleinen, die auf der inneren
Spitze ihrer Platten stehen, aber sie lassen doch noch
soviel Platz am ^oberen Rande ihrer Platten frei, dass da-
selbst eine wenngleich nicht überall ganz vollständige
Reihe Granula Platz findet, die sich zwischen je zwei
Höckern zu Häufchen vermehren, und die sich aussen
längs der Ambulacra und innen über die ganze Platte
herabziehen. Auf der Oberseite stehn auch noch eine oder
zwei Platten mit drei Höckern über der Peripherie, von
denen aber der innere Höcker klein ist, dann folgt in
jeder Reihe noch eine oder zwei Platten mit zwei Höckern,
deren innerer sehr klein ist, und endlich folgen oben
noch drei Platten, die nur einen Höcker aussen nahe den
Ambulacren tragen. Diese Höcker der Oberseite sind
von einem Kranze von Granula umgeben. Der nackte
Stern erstreckt sich auf sechs Platten; die Granulation
der nackten Stellen ist abgerieben.
Die Nischen für das Sphärid in den Ambulacral-
feldern sind von Grösse der benachbarten Porenplatten,
vertieft und gleichmässig umrandet. Die Sphäridien
selbst sind an dem vorliegenden Exemplare sämmtlich
verloren gegangen.
Das Peristom hat einen Durchmesser, der ein wenig
kleiner ist, als der Radius der Schale.
Die Familie der Echinocidariden. 319
Die Säulen der Mundohren sind am Gipfel ver-
breitert und berühren sich.
Die Stacheln sind sämrntlich verloren gegangen.
Die Farbe des getrockneten Exemplares ist gelb-
lich grau, der nackte Stern ist roth gefärbt, ebenso die
Genital- und Ocularplatten. Auch die Ambulacra haben
einen Anflug von dieser rothen Farbe.
Vaterland: Panama. Ein Exemplar aus der Samm-
lung des Herrn F. de Loriol ist mir von dem Besitzer
gütigst mitgetheilt v^orden, und nach demselben ist diese
Beschreibung entworfen. Ich habe keinen Zweifel, dass
dies die echte Echinocidaris stellata ist, und ebensowenig
zweifle ich an der specifischen Verschiedenheit von den
übrigen Arten der Unterabtheilung Agarites. Es ist ein
grosses schönes Exemplar, aber leider ist es auf der
ganzen Oberfläche angegriff'en, wie abgescheuert.
Maas&e in Millimetern:
Durchmesser 53
Höhe 27
Durchmesser des Peristoms 24
Breite der Ambulacralfelder ..... 9
Breite der Interambulacralfelder .... 22
3. Echinocidaris (Agarites) Duftesnii.
Synony mie.
1825. Echinus Bufresnii Blainville Dict. des sciences
nat. 37. p. 76.
1834. Echinus Dufresnn Blainville Manuel d'ActinoL
p. 226.
1837. Echinocidaris Diifresnii Des Moulins Actes de
la Soc. Linn. de Bordeaux Sept. 1873. Separatab-
druck p. 306.
1846. Echinocidaris {Agarites) Dufresnii Agassiz et
Desor Annales des sc. nat. VI. p. 353.
1862. Echinocidaris Dufresnii Du j ardin etHup^ Echi-
nodermes p. 520. Nr. 3.
1872. Echinocidaris Dufresnii Alensrnder Agassiz lUustr.
Catalogue of the Museum of compar. zoologie
No. VII. p. 91.
320 Troschel:
Ich glaube diese Art auf zwei Exemplare beziehen
zu dürfen; die Herrn Geh. Rath D unk er in Marburg
gehören; sie bilden die Grundlage der folgenden Be-
schreibung.
Die Körpergestalt ist rund, unten flach, oben niedrig
gewölbt. Die Höhe erreicht nicht ganz die Hälfte des
Durchmessers. Das Profil vom dorsalen Pole zur Peri-
pherie ist gleichmässig gewölbt.
Das Periproct ist fast rhombisch. Die vier Anal-
platten sind rechtwinkelige Dreiecke, die sie trennenden
Linien sind die Diagonalen des Rhombus. Die kleinere
Diagonale geht von der Mitte der Madreporenplatte genau
nach der linken Ocularplatte des hinteren Paares, die
grössere Diagonale vom äusseren Drittel der linken Ge-
nitalplatte des vorderen Paares nach dem inneren Drittel
der rechten Genitalplatte des hinteren Paares. Bei dem
kleineren Exemplare ist das Ganze ein wenig ver-
schoben, so dass die kleinere Diagonale eine etwas ge-
brochene Linie bildet, und die grössere von der linken
Ocularplatte des vorderen Paares nach der Mitte der
rechten Genitalplatte des hinteren Paares verläuft. Die
Analplatten sind fein granulirt.
Die Genitalplatten sind breiter als lang und be-
rühren sich alle mit ihren Seitenrändern, sie sind fein,
aber doch etwas gröber granulirt als die Analplatten.
Die Genitalöffnungen sind rund, näher dem Aussenrande
als dem Periproct; ihre Entfernung vom Periproct ist
etwa doppelt so gross, wie die vom Aussenrande. Die
Madreporenplatte ist etwas grösser als die übrigen Ge-
nitalplatten, und von feinen Oeffnungen, wie von Nadel-
stichen durchbohrt. Auf ihr liegt die Genitalöffnung
viel näher dem Aussenrande.
Keine Ocularplatte erreicht das Periproct. Sie sind
fast noch gröber granulirt als die Genitalplatten und von
dreieckiger Gestalt. Ihre den Genitalplatten anliegen-
den Seiten sind ein wenig convex, an ihrer Aussenseite
sind drei höckerartige Erhebungen sichtbar, wodurch ihr
Ansehen fast breit herzförmig wird. Die Augenöffnungen
sind wenig bemerklieh, sie liegen hinter der mittleren
Die Familie der Echinocidariden. 321
höckerartigen Erhebung des Aussenrandes verborg en. Die
Ambulacra bilden einfache gerade Reihen der Poren-
paare bis zur Peripherie hinab; an der Peripherie selbst
erkennt man schon, dass sie sich in sehr steilen Reihen
von je drei Porenpaaren ordnen, und unterhalb, wo sie
breiter werden, liegen die Reihen von drei Porenpaaren
in schrägen Reihen. Der Zwischraum unter der Spha-
ridnische zwischen beiden Ambulacren gleicht der Breite
einer benachbarten Porenplatte.
Die Höcker der Ambulacralfeider bilden zwei Reihen.
An der Peripherie sind sie gross und hoch und die
Ränder ihrer Basen sind theilweise deutlich crenuiirt.
Die Höcker derselben Reihe berühren sich mit ihren
Basen und zwischen beiden Reihen bleibt ein ganz
schmaler geschlängelter rinnenartiger Raum, in welchem
einzelne zerstreute Granula stehen, die haarförmige
Stachelchen tragen. An der Unterseite werden die Höcker
allmählich kleiner, doch berühren sich diejenigen der-
selben Reihe mit ihren Basen ; zwischen beiden Reihen
bleibt der rinnenartige Raum, der ähnlich wie an der
Peripherie zerstreute Granula trägt. Oberhalb der Peri-
pherie werden die Höcker bald kleiner und von einander
in derselben Reihe entfeint; die eine Reihe schwindet
bald ganz, oder ist nur durch einzelne, bald grössere,
bald viel kleinere Höcker vertreten. Hier und da folgt
auf einen kleineren Höcker wieder ein grö'sserer, doch ist
das Alterniren nicht regelmässig.
Auf den Interambulacralfeldern tragen die Platten
an der Peripherie drei Höcker, deren grosse Basen sich
berühren, die ganze Höhe ihrer Platten einnehmen und
an ihrem Rande theilweise fein crenuiirt sind. Auch an
unserem kleineren Exemplare sind schon drei Höcker
auf jeder Platte vorhanden, nur dass der innere Höcker
an Grösse den anderen noch sehr nachsteht. Zwischen
diesen Höckern finden sich nur einzelne zerstreute Gra-
nula mit haarförmigen Stachelchen. Nirgends findet sich
eine Andeutung der unpaarigen Höcker, wie sie bei E.
punctulata so allgemein sind. An der Unterseite, nach
dem Peristom hin, werden die Platten und mit ihnen
Archiv f. Naturg. XXXrx. Jahrg. 1. Bd. - 21
322 Troschel:
die Höcker alJmählieh kleiner, wobei sich die Zahl von
drei Höckern auf den einzelnen Platten mit Ausnahme
der beiden letzten erhält. lieber der Peripherie ist
noch in jeder Plattenreihe eine Platte mit drei Höckern,
von denen der an der innersten Spitze der Platte ge-
legene oft sehr klein ist und weniger als die Hälfte der
Plattenhöhe einnimmt. Darüber folgen in jeder Reihe
vier Platten mit je zwei Höckern, deren äusserer gross
von ganzer Plattenhöhe, deren innerer klein ist von
halber Plattenhöhe, nach oben sehr klein werdend; dann
folgen noch zwei Platten mit nur einem Höcker, dem
äusseren, der jedoch auch die ganze Plattenhöhe ein-
nimmt; und zuletzt schiebt sich noch eine kleine Platte
ein, die ge.gen die Genitalplatte stösst, die Mittellinie der
Interambulacralfelder nicht erreicht, und höckerlos ist.
Dies sind die im Wachsthum neu sich hinzubildenden
Platten. Auf diesen oberen sechs bis sieben Platten stehn
zwischen den Höckern sparsame zerstreute grobe Granula;
ihre innere kleinere Hälfte ist nackt, mit feiner Granu-
lation bedeckt, wodurch der sogenannte nackte Stern ge-
gebildet wird. Diese Granulation gleicht auf der Platten-
mitte an Feinheit der Granulation der Genitalplatten,
wird aber am Rande etwas feiner.
An unseren beiden Exemplaren ist in einigen
Nischen am Grunde der xAmbulacren noch das Sphärid
erhalten. Es ist kugelrund, glänzend, stark lichtbrechend
und steht mit einem kleinen Stielchen auf seinem Piede-
stal. Die Nische ist reichlich so gross wie die benach-
barten Porenplatten, tief ausgehöhlt, allseitig umschlossen.
Das Peristom ist wie gewöhnlich gross, pentagonal
mit abgerundeten Ecken, und sein Durchmesser über-
trifft die Hälfte des Schalendurchmessers.
Die Mundohren sind an beiden vorliegenden Exem-
plaren verloren gegangen.
Ebenso sind fast alle Stacheln verloren gegangen.
Nur an der Unterseite haften noch einige Reste abge-
brochener Stacheln, von denen nur die Basis übrig ge-
blieben ist, so dass man auf die Länge der Stacheln nicht
schliessen kann. Man erkennt nur, dass diese Stacheln
Die Familie der Echinocidariden. 323
schlank, cylindrisch, längsgestreift und von violetter Farbe
waren.
Die Farbe der beiden Exemplare ist durchaus über-
einstimmend und eigenthümlich, so dass es scheint die
Art könne daran erkannt werden; namentlich ist die
grüne Farbe des nackten Sternes sclion von Blainville
als Kennzeichen der Art angegeben. Die Grundfarbe
der Schale ist bräunlich gelb an den getrockneten Exem-
plaren, ebenso die Höcker und ihre glänzenden Warzen;
der nackte Stern ist gleichmässig grün ; die Ocular- und
Genitalplattcn' sind von derselben grünen Farbe. Die
vier Analplatten sind gelblich mit violetter Spitze.
Vaterland: Chile.
Maasse der beiden Dunker'schcn Exemplare in
Millimetern.
1. 2.
Durchmesser 33 22
Höhe 16 10
Durchmesser des Peristoms ... 18 13
Breite der Ambulacr alfelder ... 64
Breite der Interambulacralfelder . 14 9
4. Echinocidaris (Agarites) alternans n. sp.
Die Körpergestalt ist rund, unten flach, oben nie-
drig kegelförmig. Die Höhe beträgt ungefähr die Hälfte
des Durchmessers; bei dem giössten Exemplar ist sie
geringer, bei den beiden kleineren etwas grösser als der
halbe Durchmesser. Die Wölbung vom dorsalen Pole
zur Peripherie ist geringe, fast flach. Das Periproct ist
fast rhombisch an Gestalt. Die vier Platten, welche es
bedecken, sind rechtwinklige Dreiecke, und die sie
trennenden Linien sind die Diagonalen des Rhombus.
Die kleinere Diagonale geht von der Madreporenplatte
zur linken Ocularplatte des hinteren Paares, die grössere
von dem äusseren Rande der linken Genitalplatte des
vorderen Paares zur rechten Genitalplatte des hinteren
Paares. Die vier Analplatten sind fein granulirt.
Die fünf Genitalplatten sind breiter als lang, und
324 Troschel:
berühren sich alle mit ihren Seitenrändern. Sie sind
ebenso fein granulirt wie die Analplatten. Die Genital-
öfFnuugen sind rund, näher dem Aiisscnrande als dem
Periproct; ihre Entfernung vom Periproet ist fast doppelt
so gross, wie die vom Aussenrande. An einem Exem-
plare zeigt sich die Monstrosität, dags zwei Oeffnungen
in der linken Platte des hinteren Paares vorhanden sind,
die dicht neben einander liegen, nur durch eine schmale
Brücke von einander getrennt. Die Madreporenplatte
ist von den übrigen Genitalplatten w^enig ausgezeichnet;
sie ist jedoch etwas grösser, und dadurch sind die Ränder,
in denen sie mit den benachbarten Genitalplatten zu-
sanimenstösst, etwas länger als zwischen den übrigen
Genitalplatten, auch ist ihre Oberfläche durch kleine
Grübchen unebener.
Keine Ocularplatte erreicht das Periproct. Sie sind
ebenso granulirt, wie die Analplatten und die Genital-
platten. Sie sind dreieckig; die beiden Seiten, welche
den Genitalplatten anliegen, sind gradlinig, die äussere
Seite ist stark gewölbt, w^as den Platten öfters ein rhom-
boidisches Aasehen giebt. Die AugenöfFnung ist wenig
deutlich sichtbar, und liegt ganz am äusseren Rande.
Die Ambulacra bilden einfache Reihen der Poren-
paare von den Ocularplattcn hinab bis über die Peri-
pherie. Gegen den Mund verbreitern sie sich; dort liegen
je drei Paare in einer schrägen Reihe.
Die Höcker in den Ambulacralfeldern bilden zwei
Reihen. An der Peripherie sind sie sehr gross und hoch;
sie berühren sich mit den Höcker derselben Reihe mit
ihren Basen, zwischen den beiden Reihen bleibt ein
kleiner Zwischenraum, der von einer Reihe Granula ein-
genommen wird, auf welchen kleine haarförmige Stachel-
chen stehen. Nach dem Peristom hin werden die Höcker
allmählich kleiner, doch berühren sich die benachbarten
jeder Reihe mit ihren Basen. lieber der Peripherie
werden die Höcker plötzlich kleiner und stehen weiter
von einander entfernt, so dass zwischen denen einer Reihe
ein Raum von mehreren Porenpaaren bleibt, der ebenso
wie der Zwischenraum zwischen beiden Reihen mit groben
Die Familie der Echinocidariden. 325
Granula besetzt ist. Die Höcker beider Reihen stehen
meist alternirend^ und gegen die Ocularplatte hin schwin-
det die eine Reihe ineist ganz.
Auf den Intcrambulacralfeldern tragen die Platten
an der Peripherie je drei Höcker von nicht ganz gleicher
Grösse. Die grössten sind" ebensogross wie die ent-
sprechenden der Ambulacralfelder. Sie berühren sich
und in den Zwischenräumen stehen wenige Granula. Das
gilt auch von den etwas kleineren der Unterseite. Die
Platten oberhalb der Peripherie haben alle eine grosse
höckerlose Fläche, die mit punktförmiger Granulation
bedeckt ist, und einen grossen nackten Stern bildet, der
sich auf 8 bis 9 Platten ausdehnt. Die erste Platte über
der Peripherie hat noch drei Höcker, von denen der
äussere gross ist und fast die ganze Plattenhöhe ein-
nimmt, der mittlere ist kleiner und nimmt mehr als die
Hälfte der Plattenhöhe ein, der innere noch kleiner,
meist nur ein Drittel der Plattenhöhe. Zwischen diesen
Höckern liegen grobe Granula, aber schon an diesen
Platten, den letzten mit drei Höckern, ist deutlich an der
oberen und inneren Ecke ein Raum fein granulirt. Dann
folgt eine Platte mit zwei kleinen Höckern etwa von ein
Drittel der Plattenhöhe, dann kommt eine Platte mit
zwei Höckern, deren äusserer sehr gross ist, fast von
ganzer Plattenhöhe, der innere klein. Die nächste Platte
hat nur einen kleinen Plöcker am Aussenrande, die fol-
gende wieder zwei, von denen der äussere gross, der
innere sehr klein ist. Die folgenden Platten tragen nur
einen kleinen Höckei*. Durch diese Anordnung entstehn
also auf der Oberseite der Interambulacralfelder jeder-
seits neben dem nackten grossen Raum zwei Höckerreihen;
die Höcker der Innenreihe sind alle klein und stehn nur
auf den alternirenden Platten, die der Aussenreihe fehlen
auf keiner Platte, sind aber alternirend gross und klein.
Hierin stimmen alle drei Exemplare überein.
In jedem Ambulacralfelde ist, wie bei allen Echino-
cidaris, dicht am Peristom eine kleine Nische deutlich,
in der das Sphärid liegt, wie es Loven beschrieben hat.
Das Peristom iit gross, pentagonal mit abgerundeten
326 Trosohel:
Ecken. Es hat einen Durchmesser, der etwas geringer
ist, als zwei Drittel des Öchalendnrclimessers.
Die Säulen der Mundohren sind am Gipfel ver-
breitert und berühren sich, wenigstens an dem einen
Exemplare, an welchem sie vollständig erhalten sind.
Von Stacheln ist an den vorliegenden Exemplaren
nicht viel erhalten. Die der Oberseite scheinen alle kurz,
cylindrisch, am Ende abgerundet gewesen zu sein ; die
vorhandenen haben nur eine Länge von 3 Mm. Die läng-
sten vorhandenen Stacheln, die freilich abgebrochen sind,
scheinen an der Peripherie gesessen zu haben. Sie haben
die Länge des halben Schalendurchmessers und besitzen
die lackirte Spitze. An dieser finde ich an einzelnen
Stacheln deutlich drei Längsleisten auf der Unterseite,
der glänzende Ueberzug greift nur wenig auf die dor-
sale Seite herüber. An andern Stacheln ist auch der
Lack der Unterseite glatt, ohne Leisten.
Die Farbe der getrockneten Exemplare ist braun;
die Höcker sind hellbraun, mit glänzender Warze.
Das Vaterland scheint Chili zu sein. Ich kenne
drei Exemplare des Berliner zoologischen Museums. Auf
der Etiquette des grössten Exemplare^; steht von Johannes
Müller's Handschrift „Echinocidaris (Agarites) nov. sp.
Fundort Chili. Lag in einem Kästchen zusammen mit
E. albus Molina. ^' Auch auf den Etiquetten der beiden
anderen Exemplare steht, ebenfalls von Johannes Müller
geschrieben „Echinocidaris (Agarites) nov. sp." Diese Eti-
quetten sind mit Bleistift geschrieben. Später ist mit Tinte
darauf gesetzt: stellata Blv. Wenn es wirklich stellata
wäre, von der ich erst jüngst ein Exemplar aus eigener
Anschauung kenne, dann würden die Beschreiber unfehl-
bar das Alterniren der Höcker in der äusseren Reihe
der Interambulacralfelder beachtet und angemerkt haben.
Nach Lütken und V er rill soll sich bei E. stellata der
nackte Stern nur bis auf die Hälfte der Oberseite er-
strecken, und die Farbe des nackten Sterns wird schon
von ßlainville als roth angegeben. Alles stimmt
dagegen, unsere Art für stellata zu nehmen.
Ich gebe die Maasse der drei vorhandenen Arten :
Die Familie der Echinocidariden. 327
1. 2. 3.
Durchmesser 37 Mm. 29 27
Höhe 17 16 15
Durchmesser des Peristoms . 19 16 14
Breite der Ambulacralfelder .6 6 5
Breite der Interambulacral -
felder 15 12 12
Längste vorhandene Stacheln 18 — —
Öchliessllch sei noch bemerkt, dass das grösste
dieser Berliner Exemplare monströs ist. Es hat hinten
an der Peripherie eine starke Eindrückiing, die sich auf
das hintere Interambulacralfeld und auf das rechte Am-
bulacralfeld des hinteren Paares erstreckt. Dadurch sind
die Platten dieser Region an der Peripherie verdrückt
und unregelmässig verschoben.
5. Echinocidaris (Ägarites) africana d. sp.
Öynonymie.
1872. Eohmocidaris [Ägarites) loculata Troschel Archiv
für Naturgesch. 39. p. 307 i).
Die Körpergestalt ist rund mit geringer Neigung
zum Pentagonalen wegen der etwas vorspringenden
Höcker der Ambulacralfelder, unten wenig concav, fast
flach, oben niedrig gewölbt. Die Höhe entspricht der
Hälfte des Durchmessers. Das Profil vom dorsalen Pole
zur Peripherie ist gewölbt.
Das Periproct ist kreisrund oder eiförmig, jedoch
so dass in letzterem Falle der kleine Durchmesser dem
grösseren wenig nachsteht. Der kleine Durchmesser läuft
von der Mitte der Madreporenplatte zu der linken Ocu-
larplatte des hinteren Paares, oder trifft auch wohl auf
das linke Drittel der hinteren Genitalplatte; der grössere
Durchmessei', oder die Linie zwischen den Analplatten
erstreckt sich vom äusseren Drittel oder Viertel der
1) Wie bereits im Eingänge dieses Aufsatzes erwähnt, glaube
ich die früher für E. loculata genommenen Exemplare von der
Goldküste, richtiger als neue Art beschreiben, und die Blainville'-
sche Art von La Rochelle mit aequituberculata vereinigen zu sollen.
328 Troschel:
Unken Genital platte des vorderen Paares gegen die Mitte
der rechten Genitalplatte des hinteren Paares. Die Anal-
platten sind spitzwinklig und heben sich gegen die After-
ötfniing empor, einen kleinen Kegel bildend; es scheint,
als ob sie sich nicht ganz flach niederlegen könnten.
Die Granulation der Analplatten ist an der Basis der-
selben gröber als an ihrer Spitze. — Das kleinste der
vorliegenden Exemplare zeigt eine Unregelmässigkeit der
Analplatten, indem deren sieben vorhanden zu sein
scheinen. Es ist jedoch nicht sicher, ob die sie trennen-
den Furchen ganz durchgehen, oder sich bloss auf die
'Oberfläche beschränken. Die trennenden Linien verlaufen
so, dass die dem kleinen Durchmesser entsprechenden
wie gewöhnlich von der Mitte der Madreporenplatte nach
der äusseren Ecke der hinteren Genitalplatte hinziehen;
schräg nach vorn liegen dann drei, schräg nach hinten
vier kleinere Platten. Dies ist der einzige mir bekannte
Fall, dass bei einer Echinocidaris ein Zerfallen der Anal-
platten vorkommt.
Die Genitalplatten sind ungefähr so breit wie lang
und berühren sich alle mit ihren Rändern (nur bei einem
Exemplare dringt die linke Ocularplatte des vorderen
Paares mit der abgestutzten Spitze trennend bis an das
Periproct vor). Sie sind grob granulirt mit der Neigung
der Granula zu radienartiger Reihoubildung bis zum Ver-
schmelzen der Granula zu kleinen Leisten. Die Genital-
öfl^'nungen sind klein, rund, nahe dem Aussenrande, ihre
Entfernung vom Periproct beträgt das Dreifache, wie die
vom Aussenrande. Die Madreporenplatte ist etwas grösser
als die übrigen Genitalplatten, und sehr grob granulirt,
höckerig.
Die Ocularplatten erreichen das Periproct nicht,
nur an einem Exemplare drängt sich die linke Ocurlar-
platte des vorderen Paares, wie schon so eben erwähnt,
bis an das Periproct, jedoch nur mit der inneren etwas
abgestutzten Spitze. Dies ist auf Kosten der neben ihr
liegenden linken Genitalplatte des hinteren Paares ge-
schehen, die in diesem Falle auffallend klein ist. Es muss
als eine Monstrosität angesehen werden. Die Ocularplatten
Die Familie der Echinocidariden. 329
sind fünfeckig. Die den Genita! platten anliegenden
Seiten sind etwas convex, die Aussenseite hat drei Vor-
spriinge. Die Granulation der Ocularplatten ist eben so grob
wie die der Genitalplatten und ähnlich wie sie zur Linien-
bildung geneigt. Ausgezeichnet aber sind die Ocular-
platten durch den Besitz eines grösseren rauhen Höckers,
der sich in der Mitte der Platte erhebt, und einem
winzigen fast kugligcn Staeheichen gleicht. Er sitzt auf
der Platte sehr fest, so dass einige Kraft dazu gehört,
um ihn abzubrechen. Ein Stachel ist es nicht, da er
unter sich keinen Höcker als Basis hat. Ich vermisse
diese eigenthiimlichen Gebilde an keinem meiner Ex-
emplare.
Die Ambulacra treten in einfacher Porenreihe von
den Ocularplatten bis zur Peripherie hinab, dann stellen
sie sich in schräge Reihen von je drei Poren, erweitern
sich gegen das Peristora und kommen dem benachbarten
Ambulacrum unter dem Sphärid sehr nahe, so dass der
Zwischenraum viel kleiner ist, als der Durchmesser einer
PorenpLatte.
Die Höcker in den Ambulacralfeldern berühren sich
an der Peripherie mit ihren Basen in derselben Reihe,
zwischen beiden Reihen bleibt ein sehr kleiner Zwischen-
raum, in dem nur wenige zerstreute Granula Platz haben.
Auf der Unterseite w^erden sie schnell kleiner, und lassen
einen etwas breiteren Zwischenraum zwischen beiden
Reihen. Nach oben nehmen sie allmählich an Grösse ab,
und lassen immer grössere Zwischenräume zwischen sich
in derselben Reihe, die mit mehrern groben Granula be-
setzt sind. Beide Reihen setzen sich bis zu den Ocular-
platten fort, schieben sich aber alternirend zwischen die
der anderen Reihe.
Auf den Interambulacralfeldern tragen die Platten
an der Peripherie drei Höcker, die sich mit ihren Basen
berühren und die ganze Höhe ihrer Platten einnehmen.
Auch an unserem kleinsten Exemplare sind an der Peri-
pherie schon drei Höcker vorhanden, nur dass der in-
nerste derselben viel kleiner ist, als die beiden anderen.
Unter der Peiipherie folgt zuerst ein Plattenpaar, welches
330 Troschcl:
vier Höcker trägt, von denen jedoch der innerste und
äusserste sehr klein sind, dann folgt nur noch ein Platten-
paar mit je zwei Höckern. Zwischen den Höckern der
Unterseite stehn einzelne grobe Granula. Ueber der
Peripherie ist noch eine oder zwei Platten mit drei
Höckern, die aber nicht mehr die ganze Plattenhöhe ein-
nehmen, sondern über sich noch Raum für eine Reihe
Granula übrig lassen 5 der innerste Höcker ist klein.
Dann folgen zwei oder drei Platten mit zwei Höckern,
die über sich Raum für einen Zug von mindestens zwei
Reihen Granula lassen, und deren Innenrand horizontal
tief gefurcht ist; den Beschluss nach oben machen drei
oder zwei Platten mit einem Höcker, der am Aussen-
rande der Platte steht, und von einem Kranze Granula
umgeben ist; die innere Hälfte dieser letzten Platten
entbehrt der Granula der bisher erwähnten Art, und ist
feiner granulirt, oder horizontal gefurcht, indem sich die
feineren Granula zu horizontalen Leistchen aneinander
schliessen. Zuweilen sind auch wohl jederseits drei bis
vier Platten mit nur einem Höcker vorhanden, und dann
entsteht ein deutlicherer nackter Stern um den dorsalen
Pol; in andern Fällen ist der Stern nur schwach ent-
wickelt. Obgleich man zweifelhaft sein kann, ob die Art
wirklich zu Agarites zu rechnen sei, glaube ich sie doch
am besten hier unterzubringen, üeber die ersterwähnten
Granula, die zwischen den Stachelhöckern stehen und den
äusseren Theil der Platten bedecken, sei noch bemerkt,
dass sie sehr grob, und höher als breit sind, sie sind
kugelige abgerundete Erhabenheiten, die den oben be-
schriebenen Granula auf der Mitte der Ocularplatten ähn-
lich und fast von gleicher Grösse sind.
Die Nische, in welcher das kugelige Sphärid auf
seinem Stielchen steht, ist kleiner als die benachbarten
Porenplatten, und tief ausgehöhlt, allseitig umschlossen.
Das pentagonale Peristom mit seinen abgerundeten
Ecken hat einen Durchmesser, der halb so lang ist wie
der Durchmesser der Schale. Die Mundhaut ist nackt.
Die Säulen der Mundohren erweitern sich an dem
Gipfel und sind weit von einander entfernt;, ihre Ent-
Die Familie der PiChiuocidaiiden. 331
fernung von einander ist ungefähr gleich der Breite der
erweiterten Enden.
Die Stacheln sind an der Peripherie am längsten,
und halb so lang wie der Durchmesser der Schale.
Hier sind sie rnnd, von der Basis aus ganz allmählich
verschmälert, mit rundlicher Spitze, fein längsgestreift.
Die Stacheln der Bauchseite/sind platt, an der Unterseite
der glänzenden, wie mit Lack* überzogenen Spitze mit er-
habenen Längsleisten (1 — 4) versehen. Oberhalb werden
die Stacheln plötzlich viel kürzer, dick, in der Nähe des
Periproctes bis zum Eiförmigen, namentlich auf den Am-
bulacren. Um dies Verhältniss sicherer festzustellen,
gebe ich die Länge der Stacheln einer Reihe des Ambu-
lacrums vom Peristom bis zur Ocularplatte, deren Zahl
14 beträgt, folgender Weise in Millimetern: 3, 4, 5, 6V2;
8, 8V2; 5, 2, 2, IV2; IV2; IV4, 1, 1. Diese Maasse passen
freilich nicht für alle Stücke, aber sie geben doch einen
Anhalt für die plötzliche Abnahme der Länge oberhalb
der Peripherie.
Die Farbe aller vorliegenden Exemplare stimmt
vollkommen überein. Die Schale nach Entfernung des
Ueberzuges ist weisslich, die Höckerwarzen sind röth-
lich oder braungelb. Die überziehende Haut ist bei
getrockneten Exemplaren schwarz. Die Stacheln sind
schwärzlich, an der Spitze stets heller.
Vaterland: Küsten des Atlantischen Oceans. Vier
Exemplare von der Goldküste im Bonner Museum, durch
Finsch.
Maasse in Millimetern.
1. 2. 3. 4.
Durchmesser 22 22 20 15
Höhe 11 10 10 7
Durchmesser des Peristoms .. 11 12 10 8
Breite der Ambulacralfelder ..5443
Breite der Interambulacralfelder 10 10 8 5
Längste Stacheln 11 11 9 8
332 Troschel:
6. Echinocidaris (Echinocidaris) pustulosa.
öynonymie.
1734. Cidaris pustulosa Klein Dispos. nat. Echinoderma-
tum Tab. VI. Fig. C, D.
1758. 1 EcMims marimis colore Kermesino venusius Scba
Thesaurus III. Tab. X. Fig. 15.
1778. Cidaris imstulosa Klein, Leske Tab. XL Fig. A,
ß, C.
1788. Echinus pustulosus \j\nn^ (am aWn p. 3179 No. 38.
1816. 1 Echinus pusiulosus Lamarck Hist. nat. des ani-
maux Sans vertebres III. p. 49.
1824. Encycl. raethod. pl. 141. Fig. 6, 7. Copie von Klein,
Leske XL Fig. A, B.
1825. Echinus pustulosus Blainville Dict. des sc. nat.
37 p. 75.
1 834. Eclmms pustulosus B 1 a i n v i ] 1 c Manuel d' Act.
p. 226. pl. 20. Fig. 2.
1837. EchinoGidaris pustulosa Des Moulins Actes de
la soc. de Bordeaux Sept. 1837. Separatabbdruck
p. 304. No. 1.
1840. Echinus pustulosus Lamarck Hist. nat. des ani-
maux sans vertebres 2. edit. III. p. 365. No. 24.
1846. Echinocidaris ( Tetrapygus) pustulosa x\gassiz,
Desor Annales des sc. nat. VI. p. 354.
1859. Echinocidaris pustulosa Castelnaii Animanx re-
cuellis dans l'Amerique du Sud VIL p. 97.
1862. Echinocidaris pustulosa Dujardin et Hupe Eclii-
nodermes p. 521. No. 7.
1872. Arbacia pustulosa Alexander Agassi z lllustra-
ted Catalogue of tbe Museum of comp. zool. VIT.
p. 92. z. Tb.
Die folgende Beschreibung entwerfe ich nach dem
Klein'schen Original-Exemplar der Sammlung in Er-
langen, dem einzigen, welches mir von dieser Art zu
Gebote steht.
Die Körpergestalt ist rund, mit der Neigung zum
pentagonalen, unten w^enlgconcav nn't etwas vertieft liegen-
dem Peristom, oben niedrig gewölbt. Die Höhe ist ge-
ringer als der halbe Durchmesser der Schale. Das Pro-
Die Familie der Echinocidariden. 333
fil vom dorsalen Pole zur Peripherie ist nach allen Seiten
hin gleichmassig gewölbt.
Das Periproct ist eiförmig. Die Analplatten sind
nicht mehr vorhanden. .
Die Genitalplatten sind ungefähr so breit wie lang
nnd berühren sich alle mit ihren Seitenrändern. Sie
sind ziemlich grob graniilirt. Die Genitalöffnimgen sind
vrund, verhältnissmässig gross, und sind weniger weit vom
Au&senrande entfernt als ihr eigener Durchmesser. Die
Platten sind pentagonal mit ausgeschweiftem Innenrande,
und von den beiden äusseren seitlichen Ecken verläuft eine
schwache vertiefte Linie zur Mitte des Innenrandes, wo-
durch die Platte in drei Felder zerfällt, in deren äusserem
die Genitalöffnung liegt. Dies erinnert sehr an E. aequi-
tuberculata, obgleich das kleine innere Feld dieser Art
verschwindend klein ist.
Die Ocularplatten erreichen das Periproct nicht.
Sie sind fünfeckig, breiter als lang, ihre den Genital-
platten anliegenden Ränder etwas convex, der Aussen-
rand ausgeschweift, weil der mittlere Vorsprung weniger
weit hervortritt, als die seitlichen. An dem Aussenrande
liegt eine Stelle, die durch gröbere Granula ausgezeichnet
ist; sie ist nach dem Periproct zu umgeben von einem
hufeisenförmigen Räume mit feinerer Granulation, die
etwa mit der Granulation der Genitalplatten überein-
stimmt.
Die Ambulacra verlaufen in gerader Linie vom Peri-
proct zur Peripherie, ordnen sich hier in dem verengten
Räume zwischen den grossen Höckern in steile Bogen
von je drei Porenpaaren und erweitern sich auf der Unter-
seite, wo man je drei Porenpaare in jeder Querreihe
unterscheidet. Der Raum zwischen ihnen unter dem
Sphärid ist nicht erkennbar, da das Peristom durch Zer-
brechen der Schale rundum erweitert ist.
Die Höcker der Ambulacralfelder berühren sich an
der Peripherie mit den benachbarten derselben Reihe
mit ihren Basen. Auf der Unterseite werden sie allmäh-
lich viel kleiner und es tritt eine einfache Reihe Granula
zwischen sie. Auf der Oberseite werden sie ebenfalls
334 Troschel:
nach oben allmählich kleiner bis zum sehr kleinen, und
ihre Zwischenräume werden In demselben Maasse allmäh-
lich grösser, Indem nicht alle Platten mit Höckern ver-
sehen sind. Eine der beiden Reihen schwindet ohne die
Ocularplatten zu erreichen ; dies ist im vorderen Ambu-
lacrum die linke Reihe^ in den beiden Arabulacren des
vorderen Paares die vordere, in den beiden Ambulacren
des hinteren Paares die hintere Reihe. Es muss dahin
gestellt bleiben, ob andere Exemplare sich in dieser Be-
ziehung ebenso verhalten. Der Raum zwischen den
beiden Reihen ist überall breit, halb so breit wie die
Basen der Höcker, und mit einem Zuge von mehreren
Reihen grober Granula besetzt, eine Erscheinung, die ich
bei den zahlreichen Exemplaren von E. aequituberculata
niemals gefunden habe.
Auf den Interarabulacralfeldern tragen die Platten
an der Peripherie fünf bis sechs Höcker. Auch über der
Peripherie folgen noch zwei Platten mit fünf Höckern,
dann eine mit vier, eine mit drei, eine oder zwei mit
zwei und zwei mit einem Höcker. Als eine Monstrosität
sehe ich es an, dass auf den Platten oberhalb nahe der
Peripherie zuweilen ein grosser Höcker über der gewöhn-
lichen Höckerreihe dicht an dem nächstliegenden Ambu-
lacrum vorkömmt. Solcher Plöcker steht noch ausserhalb
der äussersten senkrechten Höckerreihe, und bildet den
Anfang einer zweiten horizontalen Höckerreihe auf seiner
Platte. An dem vorliegenden Exemplare finden sich
solche überzählige Höcker in jedem paarigen Interambu-
lacralfelde, nicht jedoch in dem hinteren unpaarigen.
So entsteht allerdings eine Art von Symmetrie, und es muss
dahin gestellt bleiben ob solche überzählige Höcker etwa
die Regel bei dieser Art sein möchten. An der Peri-
pherie nehmen zwar die Höcker so ziemlich die ganze
Plattenhöhe ein, es finden sich jedoch zwischen den
Reihen mehr Granula als bei aequituberculata und schon
dicht über der Peripherie bilden diese Granula eine zu-
sammenhängende Reihe am oberen Plattenrande. Bereits
auf den Platten mit vier Höckern bleibt über den Höckern
Platz für zwei oder selbst drei Granulareihen, und weiter
Die Familie der Echinocidariden. 335
obeu nehmen die Höcker mir die halbe Plattenhöhe ein,
so dass über ihnen mehrere Reihen, nnter ihnen eine
Reihe Granula steht. Auch zwischen den Höckern der-
selben Platten zieht sich senkrecht eine Reihe Granula
hin. Alle diese Granula sind grob und abgeplattet. An
den drei obersten Platten sind die Granula, welche die
Spitze der Platte bedecken mit einander verschmolzen,
und werden der Granulation der Genitalplatton ähnlich.
Die Nische für das Sphärid ist nur in einem Ambula-
crum, und hier auch nur unvollkommen erJialtcn. Sie
scheint kaum die Grösse ihrer benachbarten Porenplatten
zu haben. Ueber ihre Tiefe und Umgrenzung lässt sich
nicht urtheilen.
Der Durchmesser des Peristoms ist nicht zu er-
mitteln, da die Ränder abgebrochen sind.
Von den Mundohren ist keine Spur mehr vorhanden
Die Stacheln fehlen gänzlich.
Die Farbe des alten, seit sehr langer Zeit in der
Sammlung liegenden, von jedem thierischen Ueberzuge
entblössten Stückes ist braun, unterhalb sehr hell, gelb-
lich. Die Höckerwarzen sind olivengrünlich.
Vaterland: Brasilien. Ein Exemplar in dem zoolo-
gischen Museum zu Erlangen, welches das Original der
Klein'schen Beschreibung zu sein scheint.
Maasse in Millimetern.
Durchmesser 42
Höhe 18
Durchmesser des Peristoms —
Breite der Ambulacralfelder .... 6
Breite der Interambulacralfelder ... 20.
7. Echinocidaris (£chinocidari§) aequituberculata.
Synonym ie.
1825. Echiniis aeqiiiüiberculaUis Blainville DIction. des
sc. nat. 37. p. 76.
1825. Eohinus loculatus Blainville Diction, des sc. nat.
37. p. 75.
336 Troschel:
1825. Eckmus neapolitanus Delle Chiaje Mem. sulla
storia e notoraia degli animali senza vertebre II.
p. 364. Tav. 23. Fig. 11—22.
1826. ? Eckmus ])urpureus Risso Hist. uat. de l'Europe
merid. V. p. 227. No. 25.
1834. Echinus aequituheroulatus B 1 a i n vi 1 1 e Manuel
d'ActinoI. p. 226.
1834. Echinus loculatus Blainville Manuel d'Actinol.
p. 226.
1837. Echinocidaris aequiUihereiilata Des Moulins Actes
de la Sog. Linneenne de Bordeaux Sept. 137 (Se-
paratabdr. p. 306).
1837. Echijiocidaris loculata Des Moulins Actes de la
SOG. Linn. de Bordeaux p. 306.
1837. EcJiinus aequituherculaius Philippi Archiv für
Naturgesch. III. 1. p. 245. Taf. V. Fig. 8.
1840. Echinus neapolitanus Gru be Actinien und Würmer
des x\driat. und Mittelmeeres p. 31.
1841. Echinus neapolitanus Delle (yhiaje Descr. e
Notom. dcgli Animali Invcrtebrati IV. p. 34. Tav.
118. Fig. 11—22.
1846. Echinocidaris (Tetrapygus) aequitnherculaia Agas-
si z et Desor Annales des sc. nat. VI. p. 354.
1851. Echinocidaris neapolitanus Busch Beobacht. über
Anatomie und Entwickelung einiger v^rirbellosen
Thiere p. 88. (Entwickelung.)
1853.. Echinocidaris aequituberculata Ära das Atti dell'
Accademia Gioenia di Catania VIII. p. 172.
1855. Echinocidaris aequituberculata J. Müller Siebente
Abhandl. über die Metamorphose der Echinodermen
p. 10. (Entwickelung.)
1857. Echinocidaris aequituherculaius Sars ßidrag. Mid-
delh. Littoralfauna. Njt Magazin for Naturviden-
skaberne p. 110.
1859. ? Echitiocidaris aequituherctdatus Castelnau A ni-
maux rec. dans l'Amörique du Süd. VII. p. 97.
1861. Echinocidaris aequituberculata Grube, Ein Aus-
flug nach Tricst und dem Quarnero p. 130.
Die Familie dei Echinocidarideu. 337
1862. Echw ocidaris aeqicituhercnlata Du j ardin et Hupe
Echinodermes p. 521. No. 6.
1862. Echinocidaris loculaia Dujardin et Hupe Echi-
nodermes p. 521. No. 5.
1863. Arhacia aequituberculata Alexander Agassi z
Bull. Museum Gomp. zool. No. 2. p. 20.
1863. Arhacia aequituberculata Alex. Agassiz Proceed.
Acad. of Philadelphia p. 355.
1868. Echinocidaris aegtcituherculatus Fl e 11 e r Zoophyten
und Echinodermen des adriatischen Meeres p. 67.
1872. Arhacia pustulosa Alexander Agassiz lUustra-
ted Catalogue of the Museum of comp. zool. VH.
p. 82. z. Th.
Die Körpergestalt ist rund, unten concav mit ver-
tieft liegendem Peristom, oben niedrig gewölbt. Die
Höhe ist etwas geringer als der halbe Durchmesser der
Schale, selten erreicht sie dessen Länge; nie habe ich sie
den Halbmesser übersteigend gefunden. Das Profil vom
dorsalen Pole zur Peripherie ist gewölbt; zuweilen ist
es nach vorne ein wenig steiler gewölbt, als nach hinten,
so dass die vordere Partie etwas höher erscheint als die
hintere. Dies ist nicht sehr in die Augen fallend, es
fiel mir erst bei sorgfältiger Betrachtung auf. Indessen
ist es doch so, dass wenn ich ohne auf die Madreporen-
platte zu achten, an dem entstachelten Seeigel die steiler
gewölbte Seite aufsuchte, dieselbe dem vorderen Ambula-
crum entsprach.
Das Periproct ist eiförmig. Die Analplatten sind
spitzwinklig, und können sich nicht flach niederlegen,
sondern bilden eine kleine vorragende Pyramide. Die
kleine Diagonale geht wie gewöhnlich von der Mitte der
Madreporenplatte zu der linken Ocularplatte des hinteren
Paares, wodurch sich die Lage der grösseren Diagonale,
wie bei den vorhergehenden Species von selbst ergiebt.
Man kann demnach immer eine vordere und eine hintere,
eine rechte und eine linke Analplatte bezeichnen. Die
Analplatten sind feiner granulirt als die Genitalplatten,
mit der Neigung zu radialer Linienbildung.
Archiv für Naturg. XXXIX. Jahrg. 1. Bd. 22
338 Troschel:
Die Genitalplatten sind ungefähr so breit wie lang,
und berühren sich alle mit ihren Seitenrändern. Sie sind
etwas gröber granulirt als die Analplatten. Die Genital-
öffnungen sind rund, verhältnissmässig gross, und liegen
so nahe am Aussenrande, dass ihre Entfernung von diesem
fast immer geringer, niemals grösser ist, als ihr eigener
Durchmesser. An einem Exemplare, das ich selbst in
Messina gesammelt habe, sind an der hinteren Genital-
platte drei Oeffnungen vorhanden, die im Grunde einer
herzförmigen gemeinschaftlichen Oeffnung durch schmale
Brücken getrennt sind. Zwei dieser Oeffnungen sind
dem Periproct zugewendet, eine, die mittlere, dem Aussen-
rande. Kleine, also jüngere Exemplare haben viel klei-
nere Genitalöffnungen. Die Madreporenplatte ist etwas
grösser als die übrigen Genitalplatten. Sie ist auf der
Oberfläche bei ervv^achsenen Exemplaren rauh. Bei den
grösseren Exemplaren bemerkt man auf den Genital-
platten ziemlich deutlich vertiefte Linien, durch welche
die Platte in vier Felder zerfällt. Das innen in der
Mitte liegende ist klein, zuweilen verschwindend ; das
äussere ist ziemlich gross, und enthält die Genitalöffnung,
oft wie von einem deutlichen Wall umgeben ; die beiden
seitlichen Felder nehmen den übrigen vorderen Theil
der Platte ein. —
Die Ocularplatten erreichen das Periproct nicht,
unter den zahlreichen untersuchten Exemplaren nicht in
einem einzigen Falle. Sie sind fünfeckig, ihre den Ge-
nitalplatten anliegenden Ränder etwas convex, der Aussen-
rand mit drei Vorsprüngen. Ihre Granulation gleicht der
der Genitalplatten, und ist wie sie ohne Neigung zur Li-
nienbildung. An jüngeren Exemplaren bis 24 Mm. Durch-
messer findet sich auf der Mitte der Platten ein grösserer
rauher Höcker, ganz ähnlich wie bei E. loculata, bei
grösseren Exemplaren ist er nicht mehr vorhanden.
Die Ambulacra erstrecken sich in ziemlich gerader,
schwach welligen einfachen Porenreihe bis zur Peripherie,
ordnen sich hier in der engen Strasse zwischen den
grossen Höckern in steile etwas schräg gestellte Bogen
von je drei Porenpaaren, und auf der verbreiterten Unter-
Die Familie der Echinocidariden. 339
Seite stehn die Porenpaare in fast horizontalen Reihen
von je drei Porenpaaren. Der Raum zwischen den beiden
Ambulacren unter dem 8phärid ist nicht vöHig der Breite
einer benachbarten Porenplatte gleich; doch auch nicht
viel schmaler.
Die Höcker auf den Ambnlacralfeldern berühren
sich an der Peripherie mit den benachbarten derselben
Reihe mit ihren Basen. Auch auf der Unterseite^ wo
sie gegen den Mund hin viel kleiner werden, berühren
sie sich. Auf der Oberseite^ wo sie ebenfalls nach den
Ocularplatten hin allmählich kleiner werden, bis zum sehr
kleinen, lassen sie bald über der Peripherie einen kleinen
Zwischenraum zwischen sich, der nach oben in demselben
Maasse grösser wird, wie die Höcker kleiner werden»
An den meisten Exemplaren schwindet die eine Reihe
ohne die Ocularplatten zu erreichen. Eine Regel, welche
der beiden Reihen schwindet, lässt sich nicht feststellen,
da es bei den verschiedenen Exemplaren bald die eine,
bald die andere ist. In dem vorderen Ambulacrum ist
es gev/öhnlich die rechte, welche schwindet, in den
paarigen Ambulacren ist es bald die vordere bald die
hintere, und selbst so, dass keinesweges hierdurch immer
eine Symmetrie in den Ambulacren desselben Paares
entstände. Es giebt jedoch auch Exemplare, an denen
sich beide Reihen bis zu den Ocularplatten verfolgen
lassen, wo die Höcker alternirend zw'ischen einander
treten. Ich habe auch Exemplare in Messina gesammelt,
wo die eine Reihe schwindet, und auf den obersten
Platten wieder mit zwei ziemlich grossen Höckern auftritt.
Zwischen den beiden Reihen ist nur ein ganz schmaler
Zwischenraum, in dem nur sparsam einzelne Granula
stehen, meist in den Winkeln zwischen drei zusammen-
stossenden Platten.
Auf den Interambulacralfeldern tragen die Platten
der Peripherie bei grossen Exemplaren fünf Höcker,
zu denen wohl in der Mitte des Feldes noch ein
winzig kleiner hinzukommt. Mittlere Exemplare haben
vier, kleinere nur drei Höcker auf jeder Platte. Nach
oben nimmt die Zahl der Höcker allmählich ab; auf die
340 Troschel:
fünfhöckerigen Platten folgen zwei oder drei vierhöckerige,
dann zwei dreihöckerige, dann zwei zweihöckerige und nur
eine oder zwei oberste Platten jeder Reihe sind einhöckerig.
An der Peripherie nehmen die Höcker die ganze Platten-
höhe ein, und berühren sich mit ihren Basen auch mit
den benachbarten derselben Platte, so dass hier und an
der Unterseite nur einzelne Granula, namentlich in den
Winkeln zwischen drei zusammenstossenden Höckern,
Platz haben. Oberhalb der Peripherie lassen die Höcker
über und unter sich einen schmalen Streifen ihrer PJatte
frei, der mit einer einfachen Reihe grober abgeplatteter
Granula besetzt ist, und indem sich diese Höckerreihen
auch zwischen die Höcker derselben Platte erstrecken,
ist jeder Höcker mehr oder weniger regelmässig von
einem Kranze grober Granula umgeben. Selbst an den
obersten Platten finde ich nicht mehr als eine Körner-
reihe über den Höckern. Die innere Spitze der Platten,
soweit sie vor dem Höcker hervorsteht, ist immer mit den
gleichen Granula bedeckt, wie der Umfang der Höcker,
es ist kein sogenannter nackter Theil der Platte zu unter-
scheiden, und daher ist keine Spur von nacktem Stern
angedeutet.
Die Nische für das Sphärid ist ungefähr so gross
wie die benachbarten Porenplatten, tief ausgehöhlt, all-
seitig umschlossen.
Der Durchmesser des Peristoms ist halb so gross
wie der Durchmesser der Schale. Die Mundhaut ist nackt.
Die Säulen der Mundohren erweitern sich am Ende
nur wenig, und stehen weit von einander.
Die Stacheln sind an der Peripherie am längsten,
halb so lang wie der Durchmesser der Schale. Sie sind
rund, nach der Spitze allmählich verschmälert, spitz, fein
längsgestreift. Die Stacheln der Bauchseite sind platt,
an der Unterseite der glänzenden mit lackartigem Ueber-
zuge versehenen Spitze mit einigen erhabenen Längs-
leisten (meist 4, zwei mittleren und zwei marginalen).
Auch oberhalb der Peripherie sind alle Stacheln gleich-
massig zugespitzt, werden aber nach dem dorsalen Pole
hin allmählich kürzer.
Die Familie der Echinocidariden. 341
Die Farbe ist dunkel, schwärzlich. Nach Entfer-
nung des Ueberzuges ist die Schale lichtbraun, die Am-
bulacron dunkler. Die Höckerwarzen sind braungrau,
häufig röthlicb. Die Stacheln sind schwärzlich mit einem
Stich ins Rothe.
Vaterland: Mittelmeer, bis zu den Canarischen Inseln
und Madeira. Zahlreiche Exemplare im Bonner Museum,
die ich selbst in Messina sammelte; einige andere im
Bonner Museum aus dem Mittelmeer; eins von den Ca-
narischen Inseln durch Prof. Greeff.
Ich wähle für die Maasse fünf Stücke von ver-
schiedener Grösse von Messina (1 — 5), eins aus dem
Mittelmeer (6), und eins von den Canaren. (7.)
Maasse in Millimetern.
1. 2. 3. 4. 5. 6. 7.
Durchmesser ... 51 43 39 24 14 45 48
Höhe 23 21 16 11 6 21 23
Durchmesser des Pe-
ristoms .... 24 22 19 13 8 23 22
Breite der Ambula-
cralfelder ... 7 7 6 4 3 7 8
Breite der Interam-
bulacralfelder . 22 19 17 10 6 21 21
Längste Stacheln . 22 — —— — — — 22
8. Echinocidaris (Echinocidaris) grandinosa.
S y n 0 n y m i e.
1797. Voyage de la Perouse autour du raonde. Atlas
pl. 27 Fig. 5—9, ohne Text.
1846. Echinus grandinosus Valenciennes Voyage au-
tour du monde sur la fregate la Venus, Zoophytes
pl. XL Fig. 1.
1846. Echinocidaris (Tetrapygus) grandinosa Agassiz et
Desor Annales des sciences naturelles VI, p. 354.
1857. Echinocidaris spathtiJiger Philippi iVrchiv für
Naturgeschichte XXIII. I. p. 132.
1859. Echinocidaris grandinosus Castelnau Animaux
recueillis dans l'Amerique du Sud VII. p. 97.
342 T r o s c h e 1 :
1862. Echinocidaris grandinosa D u j a r d i n et Hupe
Echinodermes p. 521. No. 9.
1872. Arhaoia inistulosa Alexander Agasslz IIKistr.
Cataloji^ue of the Museum of comparative zoology.
No. VlI. p. 92. z. Tb.
Verril] zieht In Transactions of the Connecticut
Aeademy I. 2. p. 301 E. grandinosa Vaienc. fraglich zu
E. nigra, was nach allen Charakteren gewiss falsch ist.
Die Körpergestalt ist rund, wegen der mehr vor-
stehenden Höcker der Ambulacralfelder mit einiger Nei-
gung zum Pentagonalen, unten concav mit vertieft liegen-
dem Peristom, oben niedrig gewölbt. Die Plöhe ist gleich
dem halben Durchmesser der Schale. Das Profil vom
dorsalen Pole zur Peripherie ist gleichmässig gewölbt.
Das Periproct ist eiförmig. Die Anal platten sind
an dem Dunker'schen Exemplare nicht erhalten; an dem
Loriol'schen sind sie vorhanden. Sie sind fein granu-
lirt, mit Neigung zur Reihenbildung. Ihre Gestalt ist
spitzwinklig mit abgerundeten Spitzen. Die Lagen der
Diagonalen wie bei E. aequituberculata.
Die Genitalplatten sind breiter n\s lang und be-
rühren sich alle mit ihren Seitenrändern. Sie sind grob
granulirt mit entschiedener Neigung zur Reihenbildung,
wobei die niedrigen dicht an einanderstossenden Granula
vielfach verschmelzen, so dass flache erhabene Reihen
entstehen, die sich strahlenartig um die GenitalöfFnung
ordnen. Auf dem Raum innerhalb der Oeifnung sind
die Granula rundlich und nicht verschmolzen. Die Ge-
nitalöffnungcn sind rund , gross und etwa um ihren
Durchmesser von dem Aussenrande entfernt. Die Madre-
porenplatte ist grösser als die übrigen Geni talplatten, nur
am Innen- und Aussenrande granulirt, dazwischen dicht
fein punktirt. Eine Eintheilung der Genitalplatten in
Felder ist an unserem Exemplare nicht zu bemerken.
Die Ocularplatten erreichen das Periproct nicht.
Sie sind fünfeckig, ihre den Genitalplatten anliegenden
Ränder wenig convex, fast gerade, ihr Aussenrand hat
drei Vorsprünge, die fast gleich weit vorragen. Ihre
Granulation gleicht der der Genitalplatten, indem sich von
Die Familie der Echinocidariden. 343
den Seiten, welche den Genitalplatten anliegen, längere
flache Reifen stralilenartig nach innen ziehen, so dass
nur aussen in der Mitte ein kleiner Haufen wirklicher
Granula vorhanden ist. Diese Reifen sind ebenfalls als
verschmolzene Granula zu deuten. Die Augenötfnung
ist ausserordentlich fein und selbst durch die Lupe nur
bei durchscheinendem Licht zu bemerken; sie liegt hinter
dem mittleren Vorsprunge des Aussenrandes verborgen.
Die Anibulacra bilden auf der oberen Hälfte der
Rückenseite grade Linien; werden dann bogig, wo die
Höcker der Arabulacra grösser werden, ordnen sich an
der Peripherie in der engeren Strasse in steile Bogen
von je drei Porenpaaren, und erweitern sich gegen das
Peristom wie gewöhnlich. Auch hier stchn drei Poren-
paare in einer schrägen Reihe. Der Raum zwischen den
beiden Ambulacren unter dem Sphärid ist breiter als die
benachbarten Porenplatten.
Die Höcker auf den Ambulacralfeldern berühren
sich an der Peripherie mit den benachbarten derselben
Reihe mit ihren Basen, xluch auf der Unterseite, wo sie
schnell kleiner werden, berühren sie sich. Auf der untern
Hälfte dei" Oberseite lassen sie einen sehr schmalen
Zwischenraum zwischen sich, in den sich jedoch nur
selten einzelne Granula hinein drängen;, weiter oben
sind die Höcker dadurch weiter entfernt, dass höckerlose
Platten die beiden Reihen unterbrechen, und so schwinden
beide Reihen, ohne die Ocularplatte zu erreichen. Der
Raum zwischen beiden Reihen ist ganz schmal mit spar-
samen einzelnen Granula, meist in den Winkeln zwischen
drei zusammenstossenden Platten, ganz wie bei E. aequi-
tuberculata; an dem Loriol'schen Exemplare treten die
Reihen etwas weiter auseinander .und lassen an der Peri-
pherie und dicht über derselben zwei Reihen Granula
zwischen sich.
Auf den Literambulacralfeldern tragen die Platten
an der Peripherie an einer Seite fünf, an der andern nur
vier Höcker, und zwar liegen die fünfhöckerigen Platten
bei dem Dunker'schen Exemplar in beiden paarigen
Feldern hinten, in dem hinteren unpaarigen Felde rechts j
344 T r o s c h e 1 :
bei dem Loiiol'schen Exemplare liegen sie in den vor-
deren paarigen Feldern vorn, im hinteren rechten paa-
rigen Felde vorn , im linken hinten, im hintern un-
paarigen Felde rechts. Nach oben folgen zwei bis drei
vierhöckerige, zwei bis drei dreihöckerige, zwei. bis drei
zweihöckerige und zwei einhöckerige Platten. An der
Peripherie nehmen die Höcker die ganze Plattenhöhe ein,
und berühren sich mit ihren Basen auch mit den benach-
barten derselben Platte, so dass hier und an der Unter-
seite nur einzelne Granula in den Winkeln zwischen
den Höckern gefunden w^erden. Oberhalb der Peripherie
lassen die Höcker über sich einen schmalen Streifen
ihrer Platte frei, der mit einer Reihe grober abgeplatteter
'Granula besetzt ist; auch zwischen die Höcker derselben
Platte drängt sich eine ähnliche Höckerreihe ein, so dass
jeder Höcker von einem Kranze grober Granula umgeben
ist. Noch weiter nach oben tritt auch unter den Höckern
eine Reihe Granula hinzu. Die Granula beider Reihen
werden nach oben immer grösser, namentlich länger, so
dass sie senkrechte platte, dicht aneinander geschobene
Leisten darstellen. Diese sind am längsten über den
äusseren Höckern und in dem Zwischenraum unterhalb
der beiden äusseren Plöcker. Der höckerlose innere
Raum der beiden obersten Platten ist mit ähnlichen Gra-
nula bedeckt.
Die Nische für das Sphärid ist kleiner als die be-
nachbarten Porenplatten, tief ausgehöhlt, am Grunde
jederseits mit einem kanalartigen Ausschnitte.
Der Durchmesser des Peristoms ist grösser als der
halbe Durchmesser der Schale.
Die Säulen der Mund obren erweitern sich am Ende
besonders nach innen, und stossen bei dem D unk er' sehen
Exemplare an einander, bei dem Loriol'schen bleiben
sie von einander entfernt.
Die Stacheln sind an beiden Exemplaren sämmtlich
verloren gegangen.
Die Farbe ist im Allgemeinen roth. Die Poren-
reihen sind dunkelroth, die Genitalplatten und die Ocu-
larplatten sind grau und diese Farbe dehnt sich bis auf
Die Familie der Echinocidariden. 345
den oberen Theil der Interambulacralfelder cius, wodurch
ein grauer Stern auf dem dorsalen Pole entsteht. Die
Coronalplatten sind oben roth, unten grau gefärbt, welche
Farbe sich auf die Höcker erstreckt. Dies ist die Veran-
lassung, dass wenn man den Seeigel von oben her be-
trachtet, er ziegelroth aussieht; blickt man ihn von der
Seite und etwas mehr von unten her an, dann erscheint
er heller, mehr graulich. Die Unterseite der Schale ist
weisslich, nur die rothe Farbe der Ambulacren tritt über
die Peripherie herab, um jedoch noch fern vom Peristom
zu verschwinden. Die Warzen der Höcker sind auf der
Oberseite der Schale ziegelroth, auf der Unterseite grün-
lich braun.
Vaterland: Chili. Ein Exemplar in der Dunker'-
schen Sammlung; ein zweites in der Loriol'schen Samm-
Maasse in Millimetern, 1. des D unker'schen, 2.
des Loriol'schen Exemplares.
1. 2,
Durchmesser 36 41
Höhe 18 2t
Durchmesser des Peristoms ... 21 22
Breite der Ambulacralfelder ... 5 7
Breite der Interambulacralfelder . 17 18
Längste Stacheln — —
9. Echinocidaris (Echiaocidaris) aastralis n, sp.
Die Körpergestalt ist rund, unten flach mit kaum
vertieft liegendem Peristom, oben hoch gewölbt. Die
Höhe übertrifft den halben Durchmesser der Schale.
Das Profil vom dorsalen Pole zur Peripherie ist steil
gewölbt.
Das Periproct ist eiförmig-. Die Analplattcn sind
spitzwinklig, abgerundet. Die kleine Diagonale wie ge-
wöhnlich von der Mitte der Madreporenplatte zur linken
Ocularplatte des hinteren Paares; die grössere Diagonale
geht ziemlich genau von der Mitte der linken Genital-
platte des vorderen Paares zur rechten Ocularplatte des
hinteren Paares. Die Granulation der Analplatten zeigt
grosse Neigung zur Reihenbildung.
346 Troschel:
Die Gcnitalplatten sind breiter als lang, und be-
rühren sich alle mit ihren Seitenrändern. Sie sind viel
gröber graniilirt als die Analplatten, und zwischen der
platten verschmolzenen Granulation erheben sich einzelne
zerstreute gewölbte Gi'anula, welche lang gestielte Pedi-
cellarien tragen. Die GenitalöiFnungen sind gross, rund,
ihre Entfernung vom Aussenrande ist geringer als ihr
Durchmesser. Die Madreporenplatte ist grösser als die
übrigen Genitalplatten, nur am Innenrande und an der
äusseren Spitze, zwischen dieser und der Oefi'nung granu-
lirt, übrigens von den Durchbohrungen fein punktirt.
Eine Eintheilung der Gcnitalplatten in B^elder ist nicht
deutlich.
Die Ocularplatten erreichen alle das Periproct nicht.
Sie sind fünfeckig' und grob granulirt mit Granula, die
Pedicellarien tragen. Die an die Gcnitalplatten stossenden
Ränder sind geradlinig, nicht convex; am Aussenrande
treten die beiden seitlichen Spitzen viel weiter hervor
als die mittlere, die sich jedoch in eine dornartige Spitze
auszieht.
Die Ambulacra gehn geradlinig bis zur Peripherie
herab, wo ihre Strasse enger wird. Auf der Unterseite
erweitern sie sich und ihre Porenpaare stehn zu dreien
in Querreihen. Auf dieser erweiterten Partie stehn ein-
zelne Granula zwischen den Porenplatten. Dies finde ich
bei den verwandten Arten, E. aequituberculata, pustulosa
und grandinosa nur ausnahmsweise und ganz vereinzelt.
Der Raum zwischen den beiden Ambulacren unter dem
Sphärid ist doppelt so breit wie die benachbarten Poren-
platten.
Die Höcker auf den Ambulacralfeldern an der Peri-
pherie berühren sich mit ihren Nachbaren in derselben
Reihe mit den Basen; ebenso auf der Unterseite, wo sie
allmählich sehr klein werden. Oberhalb treten sie all-
mählich mehr aus einander, so dass sich anfänglich eine,
weiterhin mehrere Granulareihen zwischen sie schieben.
Beide Reihen erreichen ziemlich vollständig die Ocular-
platten. Der Raum zwischen beiden Höckerreihen ist
beträchtlich, fast so breit wie die Höcker mit ihren Basen.
Die Familie der Echinocidariden. 347
Auf ihm ziehen sich zwei Reihen grober Granula herab,
die um ihre Höcker Bogen bilden und zwischen sich noch
eine schmale Furche lassen, wodurch beide Granula-
Reihen deutlich getrennt werden. An der Peripherie
werden diese Granulareiheu undeutlicher und auf der
Unterseite sind nur zerstreute Granula in einer Reihe
vorhanden.
Auf den Interambulacralfeldcrn tragen die Platten
an der Peripherie sechs Höcker. Nach oben folgen auf
die sechshöckerigen Platten drei oder vier fünfhöckerige,
dann zwei oder drei vierhöckerige, dann zwei oder drei
dreihöckerige, ferner zwei oder drei zweihöckerige und
endlich eine oder zwei einhöckerige. Ein ganz bestimmtes
Gesetz in der Anordnung und Zahl dieser Platten scheint
nicht zu bestehen. An der Peripherie nehmen die Höcker
die ganze Plattenhöhe ein und berühren sich mit ihren
Basen auch mit den benachbarten derselben Platte, so
dass hier und an der Unterseite nur einzelne Pedicellarien
tragende Granula in den V/inkeln zwischen den Höckern
stehen. Oberhalb der Peripherie bleibt über und zwischen
den Höckern Raum für eine Reihe grober, platter, an
einander gedrängter Granula, die sich bald, und zw^ar
schon auf den fünfhöckerigen Platten zu zwei und mehr
unregelmässigen Reihen vermehren. Oben nehmen die
Höcker nur etwa drei Viertel von der Plattenhöhe ein,
und lassen auch entsprechende Räume zwischen sich.
Die Granula, welche die ganze von den Höckern freie
Fläche der Platten pflasterartig bedecken, sind sehr grob,
stehen unregelmässig an einander gedrängt und sind flach
gewölbt.
Die Nische für das Sphärid ist sehr flach, kaum ver-
tieft, seitiich nicht deutlich umgrenzt und gross, so dass
das öphärid ziemlich frei liegt.
Der Durchmesser des Peristoms ist halb so gross
wie der Durchmesser der Schale.
Die Säulen der Mundohren erweitern sich am Ende
mehr nach aussen, und stehn ziemlich weit von einander.
Von Stacheln sind nur wenige Reste erhalten, einige
348 Troschel:
Stumpfe abgebrochener. Daher lässt sich über die Länge
derselben nichts sagen.
Die Farbe des trockenen Exemplares ist braun,
unten heller. Die Höcker sind gleichfalls braun mit einem
Stich ins Grüne.
Vaterland : Australien. Ein Exemplar in der Samm-
lung des Geheimen Bergrathes D unk er in Marburg.
Auf meine Anfrage wegen der Zuverlässigkeit der Vater-
landsangabe erhielt ich die Antwort, dass Herr Dun k er
nicht daran zweifele, da er das Stück mit vielen anderen
australischen Naturalien zusammen in Hamburg gekauft
habe.
Maasse in Millimetern.
Durchmesser 59
Höhe 35
Durchmesser des Peristoms 29
Breite der Ambulacralfelder .... 9
Breite der Interambulacralfelder ... 26
Längste Stacheln ^. . . . —
10. Pygomma (Pygomma) spatuligerum.
Synonymie.
1846. Cidarites spatuUger Valenciennes Voyage Venus,
Zoophytes pl. V. Fig. 2.
1846. Echmoöidaris (Agarites) spaiuUgera Agasaiz et
Desor Annales des sc. nat. VL p. 353.
1854. Echinocidaris spatuUger Gay Historia fisica y poli-
tica de Chile VHL p. 417.
1862. EchmoGidaris spatulifera D u j a r d i n et Hupe
Echinodermcs p. 520. No. 4.
1867. EcldiioGidaris spatuUger a Verrill Transact. Con-
necticut Aead. 1. 2. p. 300.
1872. Arhacia spatuUgera Alexander Agassiz Illustra-
ted Catalogue Museum comp. zool. No. VU. p. 93.
Die Körpergestalt ist rund, unten etwas concav mit
wenig vertieft liegendem Peristom, oben niedrig gewölbt.
Die Höhe gleicht dem halben Schalendurchmesser. Das
Profil vom dorsalen Pole zur Peripherie ist flach gewölbt.
Die Familie der Echinociariden. 349
Dcas Periproct ist imregelmässig elliptisch. Die vier
Analplatten sind spitzwinklig mit etwas ausgeschweiften
Seiten und stumpfer oder abgestutzter Spitze. Die die
Platten trennenden Linien bilden wie gewöhnlich die beiden
Durchmesser der Ellipse des Periproct. Der kleine Durch-
messer geht von der Mitte der Madreporenplatte zur
Mitte der linken Ocularplatte des hinteren Paares, der
grosse von der linken Basalecke der linken Genitalplatte
des vorderen Paares zur rechten Ocularplatte des hinteren
Paares. Die Analplatten sind fein granulirt mit entschie-
dener Neigung zur Reihenbildung; die Reihen ziehen
sich von der Spitze zur Basis der Platten.
Die Genitalplatten sind ungefähr so breit wie lang.
Sie berühren sich meist mit ihren Basen,, nur die der
Madreporenplatte gegenüber liegende linke Ocularplatte
des hinteren Paares schiebt sich mit ganzer Breite zwischen
ihre benachbarten Genitalplatten ein, und tritt mit breitem
Rande an das Periproct. Die Genitalplatten sind eben-
so fein granulirt wie die Analplatten und lassen auch
eine Neigung zur Reihenbildung erkennen, im Allge-
meinen radienartig, doch nicht so deutlich wie auf den
Analplatten. Die Genitalöffnungen sind rund und stehen
etwa um ihren Durchmesser von dem Aussenrande ihrer
Platte entfernt ; ihre Entfernung vom Periproct ist etwa
doppelt so gross, wie ihr Durchmesser. Die Madreporen-
platte ist etwas grösser als die übrigen Genitalplatten
und ihre Seitenränder sind mehr concav ausgebuchtet.
Von den Ocularplatten erreicht die linke des hinteren
Paares das Periproct. Dieselbe ist sechseckig, mit con-
cavem Basalrande, wie er an das Periproct stösst, mit
geradlinigen fast gleich langen Seitenrändern, von denen
jedoch die vorderen nach innen convergirenden die
äusseren nach aussen convergirenden ein wenig über-
treffen, und mit unregelmässig ausgeschnittenem Aussen-
rande, an den die Ambulacren anstossen. Die inneren
Seitenränder nach innen verlängert bilden einen Winkel
von etwa--60^. Die linke Ocularplatte des vorderen Paares
und die rechte des hinteren Paares gleichen einander an
Gestalt. Ihre innere Spitze tritt zwar dem Periproct
B50 Troschel:
ziemlich nahe, erreicht es jedoch nicht; ihre Seitenränder
sind fast geradlinig und stossen in einem Winkel zu-
sammen, der wenig kleiner ist als ein rechter, so dass die
ganzen Platten ein Quadrat bilden, dessen äussere Ecke
unregelmässig abgestutzt ist. Die vordere Ocularplatte
und die rechte des vorderen Paares bleiben v^^eiter vom
Periproct entfernt, als die soeben beschriebenen, und sie
werden selbst unregelmässiger gestaltet, weil der Seiten-
rand, welcher der Madreporenplatte anliegt, mehr convex
ist, ate der auf der entgegengesetzten Seite liegende
Alle Ocularplatten sind gleichfalls fein granulirt, jedoch
durch tiefe Furchen in viele unregelmässige Feldchen
getheilt, die hier und da das Ansehen sehr grober Gra-
nulation annehmen.
Die Ambulacren bilden einfache Reihen der Poren-
paare von den Ocularplatten hinab bis an die Peripherie;
an derselben ordnen sie sich in sehr steile Bogen von je
drei Paaren, unterhalb erweitern sie sich, und ihre Reihen
von drei Porenpaaren sind schräg, viel weniger steil. Der
Raum zwischen beiden Ambulacren unter der Nische
für das Sphärid ist doppelt so gross wie der Durchmes-
ser einer benachbarten Porenplatte.
Die Höcker in den Ambulacralfeldern stehn in zwei
Reihen. An der Peripherie berühren sich die derselben
Reihe mit ihren Basen; ebenso auf der Unterseite, ob-
gleich sie nach dem Peristom hin allmählich kleiner
werden. UnmittelBar über der Peripherie werden sie
plötzlich viel kleiner, und lassen Zwischenräume zwischen
sich, die mit mehreren Reihen Granula besetzt sind. Die
eine Reihe schwindet bald, ohne die Hälfte der Entfer-
nung vom Periproct zu erreichen, die andere schwindet
auf drei Viertel dieser Entfernung, so dass der oberste
Theil des Feldes ganz höckerlos ist. Da die Höcker an
der Peripherie am grössten sind, lassen sie hier zwischen
beiden fleihen nur einen schmalen Raum für eine nicht
sehr gedrängt stehende Reihe Granula. Unterhalb ist
der Zwischenraum wenig breiter. Oberhalb wird zwischen
den kleineren Höckern der Zwischenraum ebenfalls plötz-
lich breiter und breit ffenuo^ um vier Granula-Reihen
Die Familie der Echinocidariden. 351
aufzunehmen. Von da an, wo die eine Reihe schwindet,
hören auch die Granula auf, da die Breite der Felder
sehr gering wird, und nur Raum für die Höcker der
übrig bleibenden Reihe bietet.
Auf den Interambulacralfeldern tragen die Platten
an der Peripherie vier grosse Höcker, zu denen innen
noch ein auffallend kleinerer Höcker hinzutritt. Auf der
Unterseite behalten die Höcker dieselbe Grösse, und
nehmen nur allmählich gegen das Peristom hin an Grösse
ab. Selbstredend werden sie auch auf den Platten am
Peristom geringer an Zahl. lieber der Peripherie folgen
noch drei Platten mit fünf Höckern, dann eine vier-
höckerige, zwei dreihöckerige, eine zweihöckerige und
drei einhöckerige. Nur die unterste der fünfhöckerigen
über der Peripherie besitzt noch drei grössere Höcker,
ihre beiden inneren Höcker sind sehr klein; auf den
sämmtlichea übrigen Platten ist nur der eine äussere
Höcker ziemlich gross, alle übrigen sind klein. Nirgends
ist aber ein Alterniren in der Grösse der Höcker be-
merkbar, wie bei E. alternans, sondern die Höcker bilden
gleichmässige zierliche, senkrechte Reihen. Die Höcker
an der Peripherie und an der Unterseite nehmen die
ganze Höhe ihrer Platten ein, und berühren sich auch
mit ihren Nachbaren derselben Platte, weshalb die Granula,
welche die haarförmigen Pedicellarien-Stiele tragen, nur
eine Reihe bilden und sich nur in den Winkeln zwischen
den Höckern etwas mehr anhäufen. Oberhalb der Peri-
pherie nehmen die Höcker nur einen geringen Theil der
Plattenhöhe ein und stehen am unteren Rande ihrer Platte.
Nur die äusseren Höcker sind noch von Granula umgeben,
die sparsam und unregelmässig bis an den oberen Platten-
rand reichen, über den kleineren Höckern bleibt der
ganze Raum der Platte nackt, oder ist vielmehr ganz
fein granulirt, noch feiner als die Genital- und Anal-
platten, mit deutlichen Querreihen. Der so entstehende
nackte Stern ist eingesenkt und reicht bis in die Nähe
der Peripherie.
Es darf hier nicht unerwähnt bleiben, dass die Valen-
ciennes'sche Abbildung auf den Platten der Interambula-
352 Troschel:
cralfelder an der Pcriplieric ausser der Reihe der grossen
Höcker noch einige kleinere Warzenhöcker, über und
unter der Hauptreihe^ anzeigt. Unsere Bonner Exemplare
zeigen dergleichen nicht, aber ein schönes Exemplar des
Berliner Museums durch von dem Busch hat allerdings
nahe der Peripherie ausser der Hauptreihe noch einige
kleine Höckerchen, die winzige, keulenförmige Stacheln
tragen.
Die Nische für das Sphärid ist vertieft, und nicht
viel grösser als die nächstliegenden Porenpiatten.
Das Peristom ist gross, pentagonal mit abgerundeten
Ecken; sein Durchmesser ist etwas kleiner als die Hälfte
des Schalendurchmessers. Die auskleidende Haut ist
dicht beschuppt. Die zehn um den Mund gelegenen
grösseren Platten sind grob granulirt, und dicht mit Pe-
dicellarien bedeckt. Die Säulen der Mundohren sind
am Ende stark verbreitert, und berühren sich.
Die Stacheln der grossen Höcker an der Peripherie
und an der Bauchseite sind an den vorliegenden Exem-
plaren nicht vollständig erhalten, so dass sich über ihre
Länge nicht urtheilen lässt. Die Stacheln der Oberseite
über der Peripherie sind alle kurz, dick, am Ende abge-
rundet, fast keulenförmig. Die dicksten und längsten
Stacheln stehn hier auf den grössten Höckern, also in
den äussersten Reihen der Interambulacralfelder, und da
erreichen sie höchstens eine Länge von 10 Mm.; auf ;den
kleineren Höckern sind sie viel kleiner, bis zum winzigen.
Die Farbe ist dunkelbraun, ins Röthliche; die von
dem dunkelen üeberzuge entblösste Schale ist gelblich
weiss, auch die Höcker sind von derselben Farbe.
Vaterland: Peru. Drei Exemplare im Museum zu
Bonn, ein Exemplar im Museum zu Berlin durch von
dem Busch.
Maasse in Millimetern.
Durchmesser 64
Höhe 33
Durchmesser des Peristoms 30
Breite der Ambulacralfelder 10
Breite der Interambulacralfelder ... 26.
Die Familie der Echinocidariden. 353
11. Pygomma (Tetrapygus) nigrum.
Synonymi e.
1782. Eohinus niger Moli na Saggio sulla storia naturale
del Chile p. 200 und p. 348.
1 846. Echinus purpurascens Valenciennes Voya ge
Venus pl. 5. Fig. 1.
1846. Echmocidaris {Tetrapygus) nigra Agassiz et De-
sor Annales des sc. nat. VI. p. 354.
1854. Eohinocidaris nigra G a y HIstoria fisica y politica
de Chile VIII. p. 417.
1862. EohinoGidaris nigra Dujardin et Hupe Echino-
dermes p. 521. No. 8.
1867. Arhacia nigra Verrill Transact. Connecticut Acad.
I. 2. p. 301.
Die Körpergestalt ist rund, unten flach, nicht
concav, oben niedrig gewölbt. Die Höhe entspricht
dem i halben Durchmesser der Schale. Das Profil vom
dorsalen; Pole zur Peripherie ist gleichmässig gewölbt.
Das Periproct ist eiförmig, an der Seite der Madre-
porenplatte flacher gebogen, als an der entgegengesetzten
Seite. Die Analplatten fehlen an den Exemplaren des
Bonner Museums.
Die Genitalplatten sind ungefähr so breit wie lang.
Sie sind durch die Ocularplatten getrennt, nur die Ma-
dreporenplatte berührt ihre Nachbarn in einer kleinen
Naht, da sie grösser ist als die übrigen Genitalplatten.
Die Genitalplatten sind fein granulirt, ohne irgend welche
Neigung zur ßeihenbildung. Zuweilen sind sie grob
runzelig und uneben, wodurch dann die Granulirung
weniger deutlich hervortritt. Die Genitalöffnungen sind
gross, rund und stehen sehr nahQ dem Aussenrande, so
dass sie nach aussen nur von einem schmalen Ringe um-
geben sind, der etwa ein Viertel des Durchmessers der
GenitalöfFnung breit ist ; dies gilt auch von der Madreporen-
platte. Die Entfernnng der Genitalöffnung vom Periproct
ist nicht viel grösser als ihr Durchmesser, mit x\usnahme
der Madreporenplatte, wo diese Entfernung wohl das
Dreifache des Durchmessers beträgt.
Archiv f. Naturg. XXXIX. Jahrg. l.Bd. 23
354 Troschel:
Von den Ocularplatten erreichen drei das Periproet,
die linke des vorderen Paares und beide des hinteren
Paares. Diese sind an der inneren dem Periproet an-
liegenden Seite breit, verbreitern sich nach anssen nur
wenig, und stellen breite Vierecke dar, deren Aussen-
seite in der Mitte einen Vorsprung hat. Ihre Oberfläche
ist ähnlich granulirt, v^ie die Genitalplatten; auf dem
äusseren Vorsprunge erhebt sich ein hohes abgerundetes
fast stachelartiges Granulum. Die beiden Ocularplatten,
welche das Periproet nicht erreichen, also die vordere
und die rechte des vorderen Paares sind kleiner als die
übrigen und von dreieckiger Gestalt; in Sculptur sind
sie den anderen ähnlich.
An den Ambulacren lassen sich steile Bogen von
je vier Porenpaaren unterscheiden, wodurch die Ambu-
lacren wellig werden bis an die Peripherie, wo der Raum
zwischen den Höckern enger wird. Unterhalb erweitern
sie sich und ordnen sich in schräge Reihen von vier bis
fünf Porenpaaren, die sich oft unregelmässig an einander
fügen, so dass man zweifelhaft sein kann, ob man je fünf
oder je vier zu einer Reihe zählen soll. Der Raum
zwischen beiden Ambulacren unter der Nische für das
Sphärid ist doppelt so gross wie der Durchmesser einer
benachbarten Porenplatte.
Die Höcker in den Ambulacralfeldern stehn in zwei
Reihen. Die Höcker derselben Reihe berühren sich an
der Peripherie mit ihren Basen. Unterhalb lassen sie
einen kleinen Zwischenraum zwischen sich, in welchem
jedoch keine Granula stehen, die drei oder vier nächst
dem Peristom stehenden Höcker berühren sich wieder.
Auf der Oberseite entfernen sich die Höcker mehr und
mehr von einander, so dass nahe der Peripherie eine
Reihe Granula sich zwischen sie drängt, weiter nach oben
ein Häufchen Granula zwischen ihnen steht, in welchem
man meist zwei Querreihen unterscheiden kann. Die
Höcker sind an der Peripherie am grössten, nach oben
und unten nehmen sie allmählich an Grösse ab. Zwischen
beiden Reihen stehen oben bis zur Hälfte der Entfernung
von den Ocularplatten bis zur Peripherie gar keine Gra-
Die Familie der Echinocidariden. 355
nula, indem sich die alternirenden Höcker beider Reihen
zwischen einander schieben , dann bemerkt man eine
Reihe Granula zwischen beiden Reihen, die jedoch nicht
sehr vollständig ist, auf der Unterseite vermehren sich
die Granula, imd bilden in der Nähe des Peristoms zwei
deutliche und getrennte Reiben. Beide Höckerreihen
erreichen fast vollständig die Ocularplatten. In einer
der beiden Reihen fehlen nur ein oder zwei Höcker,
und'zwar bei verschiedenen Stücken bald links bald rechts.
Auf den Interambulacralfeldern tragen die Platten
an der Peripherie vier grosse Haupthöcker in einer Reihe,
in welcher nach innen sich ein kleinerer fünfter an-
schliesst. Letzterer steht ganz an der inneren Spitze
der Platte, und dadurch, dass die inneren Plattenspitzen
beider Reihen alternirend ineinandergreifen, bilden diese
kleineren Höcker in der Mittellinie der Felder zuweilen
eine ziemlich grade enge Reihe, die sich von der Peri-
pherie eine Strecke weit nach oben und unten erstreckt;
in anderen Fällen treten sie aber auch nicht so nahe in
einander. Die Höcker der Hauptreihe stossen mit ihren
Basen ziemlich nahe aneinander, so dass keine Granula
oder doch nur wenige zwischen ihnen Platz finden. Die
grossen Höcker nehmen fast die ganze Plattenhöhe ein,
aber schon an der Peripherie schieben sich über ihnen
in dem frei bleibenden Winkel zwischen je zweien viel
kleinere Höcker ein, die jedoch gleichfalls deutlich mit
Warzen verschen sind. Diese kleinen Höckerchen bilden
schon dicht über der Peripherie eine zweite Reihe über
den grossen Höckern, aus vier bis sieben Höckerchen
bestehend, und weiter nach oben lassen sich drei, auch
zuweilen vier, unregelmässige Höckerreihen auf den ein-
zelnen Platten unterscheiden. Dadurch bekommt diese
Art ein Ansehen, welches sie auf den ersten Blick von
allen übrigen Echinocidaris- Arten unterscheiden lässt.
Selbstredend nimmt die Zahl der grossen Höcker auf den
Platten nach oben allmählich ab, da die Platten selbst
kleiner werden. Zuerst folgen Platten mit vier, dann
mit drei, endlich mit zwei Haupthöckern, und von nacktem
Stern um das Periproct ist keine Andeutung vorhanden.
356 Troschel:
Auf der Unterseite stelm Granula über und unter den
grossen Höckern, jedoch zerstreut, zuweilen Haufen bil-
dend, auf der Oberseite werden die Granula in allen
Zwischenräumen zwischen den Höckern zahlreicher, stehen
aber nirgends dicht gedrängt. Sie umgeben häufig die
Höcker kranzförmig.
Die Nische für das Sphärid ist vertieft und kleiner
als die benachbarten Porenplatten. Vom Grunde der
Nische läuft eine vertiefte Furche nach aussen.
Das Peristom ist gross, pentagonal mit abgerundeten
Ecken; sein Durchmesser ist etwas kleiner als die Hälfte
des Schalendurchmessers. Die auskleidende Haut des
Peristoms ist an keinem der vorliegendeu Exemplare er-
halten.
Die Säulen der Mundohren sind am Ende stark ver-
breitert, und berühren sieb. -
Von den Stacheln kann ich nichts berichten.
Die Farbe ist dunkelbraun oder violett; die helleren
Basen der Höcker tragen meist violette, zuweilen braune
Warzen.
Vaterland: Peru. Drei Exemplare im Museum zu
Bonn, ein Exemplar im Museum zu Stuttgart, ein mon-
ströses Exemplar im Museum zu Berlin. Letzteres ist
sehr niedrig, die linke hintere Ocularplatte erreicht kaum
das Periproct, die rechte und die linke des vorderen
Paares gar nicht. Die Höckerstellung ist wie bei nigra.
Maasse in Millimetern, 1 — 3 der Bonner Exemplare,
4 des Stuttgarter Exemplares.
Durchmesser .......
Höhe
Durchmesser des Peristoms . .
Breite der Ambulacralfelder . .
Breite der Interambulacralfelder
Beriehtiguugen.
358 Berichtigungen.
Seite 55 Zeile 8 v. o. statt allerdings lies ganz.
»55 »21 t. u. » vorn-hinten lies zu der vorn-hinten.
»55 » 9 V. u. » ungleichen lies verschiedenen.
»55 B 7 V. u. » Perisomplatte lies Perist omplatte.
»55 » 1 V. u. » gleichsam lies so wie.
»56 » 9 V. o. » Madrepriten lies Madreporiten.
» 56 » 15 V. u. » hineinschliessen lies hineinschiessen.
»56 » 8 V. u. » Anale lies Anal.
»59 » 7 V. u. lies : Sie hat quergehende während des Wachs-
thums entstandene Brüche, wo ihre
dichten Höckerreihen ihre Pachtung
verändern,
statt Cotto lies Cotteau.
7 V. o. lies Scheitelplatte des unpaarigen Interradiums.
statt ihn lies sie.
» Wachsthum lies Wachsthum der Ambu-
lacren.
» vor lies hervor.
» Kalkgewebestücken lies Kalkgewebe.
» des Mundes lies der Mund.
» unterdrückt » niedergedrückt.
» unterdrückt » niedergedrückt.
» unterdrückt » niedergedrückt.
» gebildet lies erhalten.
» Dotterstöcke lies Dotterstöcke reichen.
» noch vormals » nach vorn als.
» unterhalb lies oberhalb.
» mesosternum lies mesostomum.
» ; lies ,
Im vorigen Jahrgange:
Seite 308 Zeile 19 v. o. statt leicht lies dicht.
mj.
raf.T.
J.
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o Linstorv del.
C. F. Schmidts Uth.
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5)%i!
ms.
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C F Schmust Utk,.
7^/3.
Taf.ri.
Br Mfec.
Fig. 5.
C.F Schmidt Uth'
ms.
Ta/m.
/%. /
Fi^^.
r^z.
/ 1 \
Fuf.S.
\
Flg. 9.
Dr.M.fec.
M.fec
\
1S7S.
TafJW
Fi^.f.
C.F Sch.7iudö Utk.
/s/s.
Ta/:ßr.
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Drßlfu
C.FSrh/nidt If/^
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