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ARCHIV
FÜR
NATURGESCHICHTE.
GEGRÜNDET VON A. F. A. WIEGMANN,
FORTGESETZT VON W. F. ERICHSON.
IN VERBINDUNG MIT
PROF. DR. GRISEBACH IN GÖTTINGEN UND
PROF. Dr. LEUCKART IN GIESSEN.
HERAUSGEGEBEN
vVoN
Dr. F, Ha TROSCHEL,
PROFESSOR AN DER FRIEDRICH-WILHELNMS-UNIVERSITÄT ZU BONN.
ZWEI UND ZWANZIGSTER JAHRGANG.
Ersier Band,
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BERLIN, 1856.
VERLAG DER NICOLALT'SCHEN BUCHHANDLUNG,
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Bar. DARK HATSMRAKUN AA
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Inhalt des ersten Bandes.
Beiträge zur Kenntniss der Medusenfauna von Nizza. Von
Rud. Leuckart. (Hierzu Taf. Iundl.) . ..»..
Uebersicht der Aale. Von Dr. J. Kaup in Darmstadt . . .
Uebersicht der-Gymnotidae. Von demselben. (Hierzu Taf. III.
BEA RE SE
Ueber die Schwimmblasen von Carapus inaequilabiatus Val.
Von demselben, mit einem Zusatze vom Heraus-
geber. (Hierzu Taf. II. Fig. AundB) . ...
Einiges über die Unterfamilie Ophidinae. Von demselben
Careinologische Beiträge (Peloplastus n. gen., Micippe Leach,
Paramithrax Miln. Edw., Othonia Bell., Pisa Leach, Naxia
Miln. Edw., Lambrus Tab; Chalaepus n. gen., Poly-
eremnus n. gen., Trapezia Latr., Lupea Leach, Eucte-
nota n. gen., Ocypode Fabr., Acanthoplax Miln. Edw.,
Rhaconotus n. gen., Uca, Gecarcinus, Boscia, Dilocarei-
nus Miln. Edw., Teiphusa Miln. Edw., Scytoleptus n. gen.,
Monolistra n. gen.). Von Dr. Gerstaecker. (Hierzu
ee Dein sr. Ch
Studien über Organisation und Systematik der Ctenophoren.
Von Prof. Gegenbaur. (Hierzu Taf. VII--VII.) . .
Ueber die Entwickelung von Chiton. Von S. Loven. Aus
dem Schwedischen übersetzt vom Herausgeber. (Hierzu
ee ee
Die Hectocotylenbildung bei Argonauta und Tremoctopus, er-
klärt durch Beobachtungen ähnlicher Bildungen bei den
Cephalopoden im Allgemeinen. Von Prof. Japetus
Steenstrup. Aus dem Dänischen übersetzt vom Her-
ausgeber. (Hierzu Taf. Xu. XL) . . 2. 2.2...
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IV Inhalt.
Bemerkungen über neue Europäische Säugethiere ( Arvicola
leucurus Gerbe, Arvicola Selysii Gerbe, Arvicola iberi-
cus Gerbe, Sorex chrysothorax Dehne, Micromys agilis
Dehne, Myoxus speciosus Dehne, Musculus mollissimus
Dehne). Von Prof. J. H, Blasius . ...
Zur Anatomie des Orang-Utang und des Chimpanse. Von Prof.
WESEN: ne Ne ab tee Kar ran, Ye
Ueber die Gattung Mormops. Von Prof. W. Peters
Neue Annulaten. Beschrieben von Dr. Kinberg .
Vergleichende Betrachtungen über die Nester der geselligen Wes-
pen. Von Dr.K. Möbius in Hamburg. (Hierzu Taf. XU)
Seite
310
321
P.
Beiträge zur Kenntniss der Medusenfauna
von Nizza.
Von
Rud. Leuckarkt
Hierzu Taf. I und II.
Unter den mancherlei verschiedenen Thieren, die der
Nizzaer Fischer in seinem Dialekte mit dem Namen „Car-
marine“ bezeichnet, nehmen die Medusen mit den übrigen -
Cuvier’schen Akalephen die erste Stelle ein. Man mag
schon hieraus erschliessen , wie häufig und massenhaft diese
Geschöpfe die ruhigen Buchten des Miltelmeeres in der Umge-
gend von Nizza bewohnen. Es giebt Tage, (namentlich gegen
Ausgang Winters), an denen die Oberfläche des Meeres im
wahrsten Sinne des Wortes von ihnen bedeckt ist, Wäh-
rend meines Aufenthaltes in Nizza (März, April, Mai) war die
Zeit dieses massenhaften Auftrelens schon vorüber, indes-
sen habe ich wohl niemals eine Excursion gemacht , ohne
zahlreiche kleinere oder grössere.Medusen und andere Akale-
phen in Menge anzulreffen *).
*) So gross der Reichthum des Nizzaer Golfes an pelagischen
Thierformen ist, so selten hat man verhältnissmässig Gelegenheit den
einen oder andern Repräsentanten der eigentlichen Küstenfauna zu
erhalten. Es gilt dies namentlich auch für Polypen, sowohl: für
die Anthozoen als für die Hydroiden, die polypenförmigen Ammen
der nacktäugigen Scheibenquallen. Von ersteren habe ich ausser
verschiedenen Arten des Gen. Actinia (namentlich A. rubra, concen-
trica, efloeta, viridis, carciniopados u. a.) nur noch eine kleine in-
teressante Form aus der Familie der Xenien beobachten können, die
ch Archiv f. Naturgesch. XXI. Jahre. 1. Bd. 1
2 Leuckart:
Durch P&ron, Risso, Verany, Wagner, Milne
Edwards u. A. haben wir bereits mehrfache Nachrichten
über die Medusenfauna von Nizza erhalten; dass diese aber
noch lange nicht ausreichen, uns ein vollständiges Bild von
dem Reichthume des Nizzaer Golfes zu geben, wird wohl aus
den folgenden Blättern zur Genüge hervorgehen. Die meisten
der von den erwähnten Zoologen beobachteten Formen sind
mir nicht aufgestossen, dagegen zahlreiche andere, die den-
selben entgangen sind. Und doch habe ich diesen Thieren
nicht einmal eine besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Was
ich über dieselben mittheile, ist nur nebenbei und in Stunden
gesammelt, die ich bei mancherlei anderen umfassenderen Un-
tersuchungen gelegentlich erübrigen konnte. Ich darf des-
halb auch wohl auf die Nachsicht‘ 'meiner Leser rechnen,
wenn hier und da einmal die Beschreibung meiner Arten
nicht so vollsländig sein sollte, als ich es selbst jetzt wün-
schen möchte,
Ich halte mich im Folgenden ausschliesslich an die klei-
neren, sogenannten nackläugigen Medusen, da meine Beobach-
tungen über Pelagia und Rhizostoma, die einzigen Repräsen-
tanlen aus der Gruppe der Steganophlhalmidae, die ich an-
Iraf, nur wenig Neues zu Tage förderten.. Meine Beobach-
tungen über Ctenophoren sind allerdings an einer grösseren
auf der Unterseite der Ufersteine (be i Beaulieu) hinkriecht und von
mir deshalb besonders hervorgehoben wird, weil sie das Schicksal
gehabt hat, mit einer ganzen Reihe verschiedener Genusnamen be-
zeichnet zu werden. Das Thier, das ich meine, ist die von Pallas
entdeckte Tubularia cornu copiae, die von Cavolini (Pflanzenthiere
Tab. IX. Fig. 12) sehr treiflich abgebildet ist und von Blainville
mit vollkommenem Rechte zum Typus eines eigenen Genus Cornula-
ria erhoben wurde. Mit den übrigen Tubularien, die bekanntlich Hy-
droiden sind , hat unsere Art, (wie die Tub. solitaria Rapp = (e-
rianthus membranaceus Haime), ein unverkennbares Anthozoon, auch
nieht das Geringste zu schalfen. Dagegen kann es keinem Zweifel
unterliegen, dass das Blainville’sche Genus Cornularia weder von
Rhizoxenia Ehrbg. noch von Evagora Phil. verschieden ist. Diese
beiden Genera müssen eingezogen werden; ihre Arten bilden mit der
Tubularia eornucopiae (für die ich den Namen Cornularia Pallasii vor-
schlagen möchte) drei: wohl charakterisirte Species desselben , Ge-
schlechtes.
Beiträge zur Kenntniss der Medusenfauna von Nizza. 3
Anzahl von Species angestelll (Beroe Forskalii, Cestum Ve-
neris, Eucharis multicornis, Cydippe ovata, Cydippe n.sp. —
klein, nur zwei Linien lang, mit schönen, blau gefärbten Fang-
fäden — und Eschscholtzia cordata*) 2), haben auch manches
Neue ergeben, indessen halte ich dasselbe zurück, weil ich
weiss, dass wir in Kurzem von anderer Seile eine umfassen-
dere Abhandlung über diese interessanten Geschöpfe zu er-
warten haben.
Geryonia exigua (Quoy et G.) Less.
(Tab. I. Fig. 1.)
Ich glaube ‚kaum zu irren, wenn ich unter dem vor-
stehenden Namen eine kleine Medusenform beschreibe , die
um Nizza, während meines ganzen Aufenthaltes, zu den häu-
figsten gehörle und auch später in Genua von mir. beobach-
tet wurde. Die Darstellung von Quoy und Gaimard ist
freilich (vergl. Isis 1828. 8. 342. Tab. V. Fig. 5) sehr apho-
rislisch und unzureichend, so dass man die wahre Ger.
(Dianaea) exigua darnach von. den verwandlen Formen kaum
unterscheiden kann, aber schon die weite Verbreitung unse-
rer Art macht die Identität derselben mit der Geryonia von
Gibraltar sehr wahrscheinlich. Jedenfalls sind beide, sehr
nahe mit einander verwandt — freilich auch mit. der Ger.
appendiculata, die Forbes (l. c. p. 37) an der englischen
Küste beobachtete und vielleicht nur desshalb so bestimmt als
neu beschreibt, weil er nicht wusste, dass’ eine Reihe von
Charakteren, die er hier auffand, auch bei anderen (allen?)
Geryonien vorhanden sind.
Der Mantel unseres Thieres ist halbkugelförmig, ziem-
lich diek, namentlich in seinem oberen Segmente, und von
ausserordentlicher Durchsichtigkeit. Bei den grössten Exem-
plaren, die ich auffand, maass er im Zustande der Ruhe fast
1% im Durchmesser. Während: der Contraction ist derselbe
*) Die Beschreibung von Kölliker (Zeitschrift f, wiss. Zool.
IV. S.315) passt bis auf die Färbung. Meine’ Art war ganz durch-
sichtig, nur an den Enden jeder queren Flimmerreihe mit einem klei-
nen rothen Pigmentlleck versehen. (Sehr nahe verwandt, vielleicht
identisch mit unserer Eschscholtzia ist die von delle Chiaje, Mem.
etc. Tab. CVI. Fig. 15 abgebildete Callianira diploptera.)
4 Leuckart:
natürlich verkleinert, die Höhe dagegen gewachsen, die Mantel-
öffnung verengt, so dass man dann die Geslalt unseres Thieres
mit Quoy und Gaimard fast kugelförmig nennen könnte.
Der Magenstiel hat eine ganz ansehnliche Entwickelung und
ragt bei ausgewachsenen Exemplaren wohl mit der Hälfte
seiner Länge über den Mantelrand hervor. Er ist schlank
und walzenförmig,, nach dem Magengrunde nur wenig ver-
jüngt, an seiner Ursprungsstelle mit einem breiten und kur-
zen, kegelförmigen Basalslücke versehen. Der Magen-
sack ist klein, kaum länger als eine Linie, und vierzipflig.
Er hat in der Ruhe die Gestalt einer schlanken Glocke, kann
diese aber auf alle mögliche Weise verändern, namentlich
auch beim Anhängen (an die Wände des Gefässes u. s. w.)
den ganzen Magensack in Form einer viereckigen Platte oder
Scheibe ausbreiten. Untersucht man dann die untere Fläche
der Platte (Taf. II. Fig. 18), die also die Innenfläche des
Magens ist, so bemerkt man auf derselben vier Rinnen oder
Spalten, die in einiger Entfernung von dem Mittelpunkte be-
ginnen und in radiärer Richlung nach den Ecken der Platte
hinlaufen, während ihres Verlaufes aber allmählich immer
seichter werden und schliesslich verstreichen, noch bevor
sie an dem Rande der Scheibe angelangt sind *). Diese
Spalten sind die Mündungsstellen der vier Radialgefässe, die
bei den Geryonien bekanntlich in gleichen Zwischenräumen
an dem Magenstiele emporsleigen und erst später auf die
muskulöse Innenlläche des Mantels (den Schwimmsack, sub-
umbrella Forb.) übergehen. Nach der Darstellung von Will
soll bei verwandten Medusen oberhalb des Magengrundes
noch ein eigener trichterförmiger Hohlraum vorkommen, aus
dem die Radialgefässe ihren Ursprung nehmen, ich habe
solchen aber weder hier noch bei einer anderen Art aulfin-
den können. Bei allen Discophoren, die ich untersuchte, ent-
sprangen die Radialgefässe direct aus dem Magengrunde. Dass
*) Begreiflicher Weise berechtigt uns diese Bildung aber nicht
im Geringsten, die Geryonien nach der Organisation ihrer Mundappa-
rate mit den Rhizostomiden zusammenzustellen, wie man vielfach ver-
sucht hat, Die Geryonien besitzen vielmehr einen einfachen Mund,
wie die Mehrzahl der Discophoren,
Beiträge zur Kenntniss der Medusenfauna von Nizza. 5
die Gefässe der Medusen überdiess nicht, wie esWill angab,
von einem zweiten Gefässapparate umhüllt sind , ist heute
ziemlich allgemein anerkannt. Ich kann in dieser Beziehung
meine frühern durch Forbes, v.Siebold, Kölliker u.A.
bestätigten Angaben nur wiederholen, auch noch hinzufügen,
dass ich gleichfalls bei den Rippenquallen vergebens nach
den sog. „Blulgefässen“ gesucht habe.
Das Ringgefäss verläuft, wie gewöhnlich, in der Peri-
pherie. des Mantels, oberhalb des Randsaumes, dessen Breite
schon die Schnelligkeit unseres Thierchens vermuthen lässt.
Wo die Radialgefässe in dieses Ringgefäss übergehen, be-
findet sich ein fadenförmiger hohler Tentakel , der sich bis
zu mehreren Zollen verlängern kann, aber auch gelegentlich
(unter, entsprechender Diekenzunahme) bis auf '/,“ verkürzt.
In solchem verkürzten Zustande erscheinen diese vier Fäden
wie geringelt, ein Umstand, der vorzugsweise daher rührt,
dass die Angelorgane, die in denselben eingebettet sind und
eine verhällnissmässig ganz ansehnliche (/,;,) Grösse be-
sitzen, eine regelmässige ringförmige Gruppirung einhalten.
Die Verkürzung der Fäden geschieht vorzugsweise durch die
Action ‚eines Muskelgewebes, das unter der glashellen Ober-
haut gelegen ist und aus Längsfasern gebildet wird. Die
Verlängerung dagegen durch Füllung des Tentakelrohres aus
dem Inhalte des Gefässsystems, also durch eine Art Ereclion,
wie bei vielen anderen Medusen. Bei oberflächlicher Betrach-
tung scheint sich die Zahl der Randfäden auf die oben er-
wähnten Gebilde zu beschränken, wenn man unser Thierchen
indessen näher untersucht, so wird man in der Milte zwi-
schen diesen vier Tenlakeln — also auch in der Milte zwi-
schen den Radialgefässen — noch vier andere vorfinden, wie
bei Ger. appendieulata. Die histologischen Verhältnisse bei-
der Tentakelarten sind dieselben, aber abweichend ist es,
dass die Interradialtentakel nicht nur schr viel kürzer (sie
messen kaum mehr als 1) und starrer sind, sondern sich
auch hornförmig nach der Kuppel der Mantelglocke zu em-
porkrümmen. Dazu kommt noch, dass der Insertionspunkt
derselben etwas höher liegt, äls der der Haupttentakel. Wäh-
rend die letzteren unmittelbar auf dem Rande des Mantels
aulsilzen und somit gewissermassen eine Verlängerung des-
6 ? Leuckart:
selben darstellen, bleibt zwischen der Wurzel der Interra-
dialtentakel und dem:Rande ein kleiner Zwischenraum, der
von einer Gehörkapsel eingenommen wird. Eine eben 'sol-
che Kapsel steht auch neben den Haupitentakeln, aber nicht
unterhalb derselben, sondern zur linken :Seite (bei herab-
hängendem Magensliele).
Die Gehörkapsel (Tab.]. Fig. 4) misst etwa Y/;,’ und
stellt ein sphärisches Bläschen dar, dessen hintere Fäche etwas
abgeplattet ist und von der Strömung des Ringgefässes: be-
spühlt wird. . Die vordere Wand ist nicht unbeträchtlich ver-
dickt und trägt ein zweites kleineres Bläschen (Y;,), das
in die Kapsel hineinhängt. Dieses innere Bläschen enthält
die Ololithen *), einen grösseren Hauptotolithen ('/,,0‘) von
sphärischer Gestalt und: zwei kleinere Nebenotolithen, die
demselben anliegen, so dass die Gehörsteine unserer Geryo-
nia ganz dasselbe Aussehen haben, wie die des unpaaren
Gehörorganes von Monocelis unter den Turbellarien **).
Die Geschlechtsorgane („Magenanhänge“ der älteren
Zoologen) sind von: blalt- oder herzförmiger Gestalt, wie bei
den übrigen echten Geryonien und in vierfacher Anzahl vor-
handen. . Sie liegen im Umkreise der Radialgefässe und sind
mit ihrem abgestumpften äusseren Ende dem Mantelrande bis
auf geringe Entfernung angenähert.
Neben den ausgebildeten und geschlechtsreifen Indivi-
duen dieser Art kamen in Nizza auch zahlreiche frühere Ent-
wickelungszustände zur Beobachtung, die eine ziemlich voll-
ständige Uebersicht der Formveränderungen erlaubten, denen
unsere Thiere (wie die meisten übrigen Medusen) in der er-
sten Zeit ihres freien Lebens unterliegen **%).
*) So sagt auch Kölliker (Fror. N. Mitt. 1843. S. 83), dass
der Otolith von Geryonia „in einem kleinen gestielten Bläschen“ ent-
halten sei, „das an der Innenwand der grösseren Blase“ festsitze.
**=) Die Zahl der Turbellarien mit unpaarem Gehörorgan kann
ich durch einen schönen Proporus von der Nizzaer Küste, den ich
seines breiten dunkelvioletten Rückenstreifens wegen Pr. vestitus
nenne, vermehren.
***) Ganz ähnliche Beobachtungen hat Gegenbaur (zur Lehre
vom Generationswechsel u. s. w, S.18 Anm.) für Ger. proboscidalis
mitgetheilt,
Beiträge zur Kenntniss der Medusenfauna von Nizza. f
Die kleinsten Exemplare , "die mir zu ‘Gesicht kamen,
massen kaum 1 im Durchmesser und zeigten (Fig. 2) eine
so abweichende Bildung, dass sie ohne Kenntniss der 'Zwi-
schenformen wohl'schwerlich für junge Geryonien gehalten
werden würden. ‘Der Mantel war nur wenig gewölbt und mit
aufgewulsteler Kuppel versehen, aber ohne eigentlichen Stiel
und sonstige Zeichen einer früheren Befestigung. Der Ma-
gen war klein und ohne Lippen, eine papillenförmige Her-
vorragung, die in der Tiefe der Mantelhöhle auf einem brei-
ten und kurzen, conischen Zapfen aufsass. Der Magenstiel
fehlte einstweilen ‘noch: vollkommen, während (dagegen die
Gefässe bereits ihre spätere Entwickelung besassen. Atch
die acht Randfäden waren: schon vorhanden , auffallender
Weise aber ‘gerade von umgekehrter Entwickelung: Die
Radialtentakel waren ausserordentlich klein und stummelför+-
mig, während die Interradialtentakel dagegen eine ganz
unverhältnissmässige Grösse besassen. Hornförmig gekrümmt,
wie im entwickelten Zustande, erreichten sie mit ihrer Spitze
beinahe die Höhe der Schirmkuppel. Es scheint demnach,
dass diese Tentakel (nach Art der „provisorischen Organe“)
schon ausserordentlich frühe zu ‘ihrer völligen Ausbildung
kommen, vielleicht schon zu einer Zeit, in der die späteren
Haupttentakel noch nicht einmal angelegt sind. Die Angel-
organe derselben sind etwas kleiner, als im. entwickelten
Zustande, und — was auch für die spätere Zeit gilt —
namenllich an der äusseren Fläche angehäuft, so. dass diese
dadurch ein unregelmässiges und runzliges Aussehen an-
nimmt. An der Basis dieser Inlerradialtentakel lassen sich
bereils die Gehörkapseln unterscheiden *) , nur sind diesel-
ben mit allen ihren Theilen etwa um die Hälfte kleiner, als
späler. Die den Radialtentakeln entsprechenden Gehörkapseln
sind noch nicht gebildet.
#) Die eigenthümliche Bildung dieser Gehörkapseln, oder viel-
mehr der Otolithen, die unsere Art so auffallend auszeichnet (wie sich
Ger. appendiculata in dieser Hinsicht verhält, geht aus der Beschrei-
bung von Forbes nicht deutlich hervor), ‚war das erste Merkmal,
das mich einen Zusammenhang der ‚beschriebenen kleinen Medusen
mit der Ger, exigua vermuthen liess,
8 Leuckart:
Die späteren Veränderungen lassen sich hiernach leicht
überblicken; sie. bestehen vorzugsweise in der Bildung des
Magenstieles, der sich allmählich auf der Spitze des koni-
schen Zapfens, an dem der Magen befestigt ist, hervorschiebt,
und in der weiteren Entwickelung der Radialtentakel mit den
anliegenden Gehörkapseln. Individuen von % Durchmesser
zeigen sich schon deutlich als junge Geryonien, obgleich ihr
Magenstiel noch keineswegs seine spätere Länge besitzt. Die
Geschlechtsorgane bilden sich erst bei etwa 3'/,” im Durch-
messer.
Wie alle Geryonien, sind unsere Thiere sehr gefähr-
liche Räuber, wie sich schon aus ihrer gewaltigen Schwimm-
fähigkeit und der Bewaffnung mit Angelorganen,, die auch
in den ‘Mundlappen vorkommen, von vorn herein vermu-
then lässt.
Geryonia proboscidalis (Forsk.) Eschsch.
(Tab. I. Fig. 3.)
Obgleich dieses Thier schon oftmals beobachlet und
seiner äusseren Form nach aus älteren Beschreibungen auch
hinlänglich bekannt ist, will ich doch ‘noch einige Worte
darüber hier anführen.
Das auffallendste Kennzeichen unserer Art ist, abge-
sehen von seiner sehr ansehnlichen Grösse, die Sechszahl,
in der sich die einzelnen Organe derselben (Mundzipfel, Ra-
dialgefässe, Geschlechtsorgane u. s. w.) wiederholen. Man
hat desshalb bekanntlich vorgeschlagen, unser Thier zum Ty-
pus eines eigenen Genus (Liriope Less.) zu machen, allein
ich glaube nicht, dass wir hierzu berechligt sind. Finden
wir doch bei den radiären Thieren mit dem Numerus vier
die Sechszahl auch mitunter als individuelle Abweichung vor-
herrschen *). Sonstige Eigenthümlichkeiten aber, durch wel-
che die Aufstellung eines eigenen Genus gerechlfertigt wer-
*) So beruht auch die Liriope cerasiformis Less. gewiss nur
auf einer solchen abnormen Form von Ger. exigua, wie schon die
Entdecker derselben, Quoy und Gaimard (a. a. O.), vermutheten,
Beiträge zur Kenntniss der Medusenfauna von Nizza. 9
den könnte, fehlen gänzlich. Ich habe mich sogar über-
zeugt, dass unser Thier mit denselben Interradialtentakeln
ausgestaltet ist, wie die Ger. exigua, auch eine ganz con-
forme Gruppirung der Gehörkapseln hat, nur dass natürlich
auch in diesen Gebilden die Sechszahl, die den ganzen Or-
ganismus beherrscht, sich ausprägt *). Die erstern stehen,
wie bei Ger. exigua, in der Milte zwischen den sechs Ra-
dialtentakeln, die sich bis auf mehrere Fuss verlängern kön-
nen und mit zahlreichen, ziemlich regelmässig in ringförmi-
gen Querwülsten zusammengruppirten Angelorganen von ob-
longer Gestalt (1/0‘) bedeckt sind. Freilich sind diese
Interradialtentakel sehr klein, so dass sie leicht der Unter-
suchung entgehen können, kaum grösser als bei der vor-
hergehenden Art, und hornförmig, wie hier, nach oben em-
porgekrümmt. Die Gehörkapseln zeigen im Wesentlichen
gleichfalls dieselbe Bildung **),, nur sind sie grösser (Kap-
sel = 1/40“, innere Blase = !/,,‘, Otolith = Y,s’’‘): und
ohne die beiden kleinen Hülfsotolithen, die unsere Ger. exi-
gua so auffallend auszeichnen.
Der Magen, der auf dem Ende des höchst eleganten
und ansehnlichen, conischen Stieles oder Rüssels aufsitzt, hat
im ausgestreckten Zustande fast die Länge eines Zolles und
eine schlanke ceylindrische Bildung, kann sich aber durch
Querrunzelung an seinem Grunde reichlich bis auf die Hälfte
dieser Länge verkürzen. Eine Färbung fehlte den beobach-
teten Individuen; sie waren beständig mit allen.ihren Thei-
len (ausgenommen die opacen Geschlechtsorgane) glashell
und durchsichtig.
*) Forbes hat in seiner Beschreibung der G. proboseidalis
(Ann, nat, hist. 1851. T. XV. p. 196) diese Interradialtentakel über-
sehen und die Gehörkapseln für Ocellen ausgegeben.
#®) Bei Geryonia (Geryonopsis Forb.) pellueida Will,(?) glaubte
ich früher bemerkt zu haben, dass die — hier mehrfachen — Otoli-
then einzeln auf einem warzenförmigen Bläschen befestigt zum Theil
auch in dasselbe hineingesenkt seien (Beitr. von Frey und Leu-
ckart 5.39) — es kann jetzt kaum zweifelhaft sein, dass hier gleich-
falls ganz dieselbe Bildung vorkommt,
10 Leuckart:
Aglaura Peronii Lt.
(Tab. I. Fig. 5.)
Unter den von Peron bei Nizza beobachteten kleinen
Medusen, die in den Annales du Museum T. XIV. beschrieben
sind, findet sich u. a. als Repräsentant eines neuen Genus
Aglaura eine interessante Form, die Peron als Aglaura he-
mistoma aufführt. Es ist dieselbe, für die ich hier mit Un-
terdrückung des ziemlich nichtssagenden Speciesnamens die
obige Bezeichnung gewählt habe. Die Charakteristik von
Peron ist leider nicht vollkommen ausreichend, auch nicht
vollkommen genau — doch kann kaum ein Zweifel sein, dass
wir Beide dasselbe Thier vor Augen gehabt haben. Sollte
das übrigens auch nicht der Fall sein, so gehört doch meine
Art ganz bestimmt zu dem Gen. Aglaura, das sich von allen
übrigen Medusen durch die „huit organes allonges, eylin-
droides, flottant librement dans l’interieur de la cavil& ombrel-
laire* zur Genüge unterscheidet. Nach Peron hat nur Risso
unser Thier beobachtet, in gewohnter Weise sich aber dar-
auf beschränkt, bei seiner Beschreibung Peron zu copi-
ren *).
Der Mantel unseres Thieres ist weit und glockenförmig,
eben so hoch, als breit ‚(bis 3°). Die Kuppel erscheint
etwas abgeflacht, Von dem Rande der Kuppel, der sich gewöhn-
lich deutlich abselzt, verengt sich der Mantel allmählich bis zu
seiner Basis, meist freilich nicht eben sehr beträchtlich. Die
Substanz des Mantels ist äusserst dünn, so ‚dass unser Thier
augenblicklich zusammenfällt, sobald man es aus dem) Was-
ser hervorhebt. In der Achse der weiten Mantelhöhle hängt
bis etwa auf die Mitte der Höhe ein ziemlich schlanker, klö-
pfelartiger Zapfen herab, dessen obere solide Hälfte eine
unmittelbare Forlselzung des Mantels ist, während die untere
einen flaschenförmigen Magensack darstelll. Der Magensack
unseres Thieres ist also wie bei Geryonia oder noch besser,
wie bei Circe, an die sich überhaupt. das Gen. Aglaura am
*) Uebereinstimmend mit demGen. Aglaura ist Lessonia Eyd. et
Soul., die auf ihrer Entdeckungsreise eine L. radiata aulfanden. (Voy.
de la Bonite Zool. Zoophyt. Pl.1. Tome II. p. 637.)
Beiträge zur Kenntniss der Medusenfauna von Nizza. 11
meisten anreihen dürfte, von einem besonderen Sliele ge-
tragen. An der Grenze zwischen diesen beiden Abschnitten
sitzen nun die acht ovalen oder kolbenförmigen Forlsälze,
die das Genus Aglaura so auffallend auszeichnen und nach
meinen Untersuchungen die Geschlechlsorgane *) darstellen
(Fig. 6.)
Der flaschenförmige oder oblonge Magen hat eine weite
Mundöffnung und im Umkreise derselben vier verhältniss-
mässig ganz ansehnliche Zipfel oder Arme, die an der Basis
zusammenfliessen und einen eigenen Abschnitt bilden, der
sich mit dem_vorderen sog. Rüssel den Schwimmpolypen ver-
gleichen lässt und auch gleich diesem die mannichfachsten
Gestalten annehmen kann. Namentlich sieht man diesen Rüs-
sel sich nicht selten manschettenförmig über den eigentichen
Magensack nach oben zurückschlagen. Die Innenfläche der
Arme und des ganzen Rüssels lrägt zahlreiche mächtig. ent-
wickelte Flimmerhaare, die sich nach hinten ganz scharf ge-
gen die gewöhnlichen kleinen Cilien des‘ Magensackes sab-
setzen. Aus dem Grunde dieses Magensackes enispringen,
wie bei Circe, acht Gefässe , die in gleichen Entfernungen
von einander am Stiele emporsteigen und von da auf die
Innenfläche des Mantels übergehen, bis sie nach Art der ge-
wöhnlichen Radialgefässe im Rande des Mantels durch ein
Ringgefäss vereinigt werden.
Die Tentakel unseres Thieres sind äusserst kurz und
stummelförmig, aber nicht (wie P&eron und Risso für die
Agl. hemistoma angeben) in zehnfacher Anzahl, sondern in
sehr beträchllicher Menge entwickelt. Ich zähle meistens
6% 8 + 8 Randfäden, d. h. zwischen je zwei Radialfäden
6 Interradialfäden. Angelorgane von gewöhnlicher Form feh-
len diesen Fäden, doch finden sich in denselben zahlreiche
kleine zugespitzte Körperchen (1,50), die durch ihre scharfe
Begrenzung und ihr sonstiges Aussehen an Angelorgane er-
innern und auch wohl analoge Bildungen sein dürften.
In der Mitte zwischen je zweien Radialtentakeln trägt
unsere Aglaura ein Gehörbläschen, einen kurzen und tenla-
kelartigen Fortsalz (elwa von der halben Länge der übrigen
*) Eydoux und Souleyet halten dieselben (1. 1.) für Tentakel,
12 Leuckart:
Tentakel) mit einem sphärischen Otolithen von 1/00 4 der in
das äussere kolbenförmige Ende desselben eingebeltet ist *)
und von einer dicht anliegenden Zelle umschlossen wird
(Fig. 7). Bewegungen wurden an dem Otolithen nicht "be-
obachtet; ich habe überhaupt bei keiner meiner Scheiben-
quallen einen beweglichen Otolithen gefunden **),
*). Das Gehörbläschen hat hier und in anderen Fällen so au-
genscheinlich eine tentakelartige Bildung , dass eine morphologische
Beziehung zu den Randfäden dadurch höchst wahrscheinlich wird.
Ich glaube, man kann es als ein ziemlich feststehendes Gesetz aus-
sprechen , dass die Gehörbläschen der Scheibenquallen entweder in
die Wurzel von ausgebildeten Tentakeln eingelagert sind oder die
Stelle von Tentakeln vertreten (sehr deutlich z. B. bei Pelagia) und
dann nicht selten noch mehr oder minder tentakelartig gebaut sind.
Das letztere gilt namentlich auch von den Gehörbläschen der sog.
Steganophthalmidae, deren Bildung, wie mir scheint, bisher nur un-
vollständig, zum Theil auch unrichtig dargestellt ist. Nach meinen
Beobachtungen an Pelagia (Tab. I. Fig. 8.) besteht das „Randkörper-
chen“ dieser Thiere, wie beiAglaura, aus einem verkümmerten Rand-
faden mit innerer flimmernder Höhle, die mit einem dünneren und za-
pfenartigen Ausläufer des Ringgelässes communicirt und im äusser-
sten Ende einen gelbpigmentirten Haufen kleiner sechsseitiger Otoli-
then einschliesst. Im Umkreise dieses Haufens bemerkt man eine
zarte Hülle, die der Tentakelwand anliegt. Eine Ausmündung nach
Aussen, wie man sie wohl angenommen hat, fehlt, dagegen glaube
ich ganz entschieden (gegen Kölliker a. a.0.) die Communikation
mit dem Ringgefässe oder vielmehr mit dem erwähnten Ausläufer des
Ringgefässes behaupten zu können. Die Communicationsöffnung liegt
auf der oberen Fläche des Gehörbläschens, und ist bereits von R.
Wagner (Icon. zoot. T. XXXIL fig. 32 b. — Fig. 22 ist eine ziem-
lich verunstaltete Darstellung —) gesehen, irrthümlicher Weise aber
als „Stiel der Crystalldrüse“ gedeutet worden. Die Ehrenberg'-
schen „Markknoten“ werden sich wohl auf den Stiel des stummelför-
migen Auriculartentakels redueiren. Der Pigmentfleck, der an den
Randkörperchen von Medusa vorkommt, hat mit dem Gehörbläschen
schwerlich einen physiologischen Zusammenhang. Wir dürfen den-
selben wohl als „Augenflleck“ ansehen und seine Anlagerung an das
Gehörbläschen mit dem analogen Verhältnisse bei Monocelis lineata
vergleichen. Nach Gegenbaur (Compt. rend. du 23. Sept. 1853)
giebt es sogar Arten, bei denen dieser Pigmenthaufen mit einer bre-
chenden Linse versehen ist. (Pelagia gehört freilich bestimmt nicht
zu diesen Arten, obgleich G. sie darunter auführt.)
*#) Auch nicht bei Pelagia, obgleich hier die Innenwand der
Beiträge zur Kenntniss der Medusenfauna von Nizza. 13
Der Schwimmsaum ist von sehr beträchtlicher Breite,
ein Umstand, der uns milsammt der auffallenden Geräumig-
keit der Mantelhöhle die schnelle Ortsbewegung unseres Thie-
res zur Genüge erklären dürfte.
Die eigenthümliche Entwiekelung der Geschlechtsorgane
ist schon oben erwähnt worden; sie ist so abweichend und
auffallend, dass sie unser höchstes Interesse in Anspruch
nimmt. Statt in. die Substanz des Mantels oder die Wan-
dungen desMagens eingebellet zu sein, wie'sonst ganz con-
stant bei den nacktäugigen Medusen, stellen die Eierstöcke
und Hoden unseres Thieres äussere kolben- oder knospen-
förmige Anhänge dar, die etwa '/,“ messen und in acht-
facher Anzahl kranzförmig den Grund des Magensackes um-
geben. Ein jeder Anhang umschliesst eine weite Höhle, die
mit dem Innenraume des Magensackes zusammenhängt. In
seinen dicken Wandungen enthält derselbe zahlreiche Eier
oder Samenkörperchen, ungefähr in derselben Weise einge-
beitet wie in den Wandungen des klöpfelförmigen Kernes
bei den Geschlechtsthieren der Diphyiden. Ob man diese
Geschlechisorgane auch vom morphologischen Standpunkte
mit den Geschlechisorganen der übrigen Medusen ver-
gleichen darf, will ich dahin gestellt sein lassen. Ich
muss gestehen, dass sie auf mich einen anderen Eindruck
machen. In Anbetracht der Erfahrung, dass der Magen bei
einer Anzahl von nackläugigen' Medusen die Bildungsslälte
für eine Knospenbrut abgiebt, möchle ich unsere Anhänge
für Knospen halten, die, stalt zu einer vollständigen indivi-
duellen Entwickelung zu kommen, in ihrer primitiven Form
verharren und nach Art der Geschlechtskapseln bei den Hy-
droiden mit Eiern oder Samenkörperchen sich anfüllen. Un-
sere „Geschlechtsorgane“ würden dann als „Geschlechtsthiere“
zu belrachten sein und zwar als sessile Geschlechtsthiere,
die mil ihrem Multerthiere eine polymorphe Colonie zusam-
menselzen. Das Verhältniss zwischen diesen Anhängen ‘und
der Meduse, die sie lrägl, würde sich bei unserer Art sodann
auf einen Generalionswechsel reduciren, freilich nur auf einen
Gehörkapsel ein Flimmerepithelium trägt (das jedoch nur bis an den
fest eingebetteten Otolithenhaufen reicht).
14 { Leuckart:
„unvollständigen Generalionswechsel“ im Gegenbaur’schen
Sinne; Vom anatomischen und auch vom physiologischen Stand-
punkte lässt sich, glaubeich, gegen eine solche Ansicht kaum
etwas einwenden. Ich würde sie noch mit grösserer Be-
stimmtheit aussprechen , wenn wir wüssien, dass die Kno-
spenbildung auch in anderen Fällen bei den Scheibenquallen
einen Generalionswechsei vermittele. Einstweilen fehlt mit
solcher Thalsache zugleich noch das Zwischenglied,, welches
den ‚Polymorphismus oder unvollständigen Generalionswech-
sel, wie ich ihn bei unserer Aglaura vermuthe, zu der ein-
fachen Knospenbildung der verwandten Formen hinführt.
Calyptra*) umbilicata noy. gen. et nov. sp.
(Tab. I. Fig. 9. 10.)
Eine Meduse, die ich in keinem mir bekannten Genus
unterbringen kann, die nicht einmal recht in eine der bisher
unterschiedenen Familien hineinpasst, obgleich sie in man-
cher Beziehung an das Gen. Thaumantias und die verwand-
ten Formen erinnert **). Der Mantel unseres Thieres ist
schirm- oder schildförmig, mit einer flachgewölbten,, in der
Mitte jedoch nabelarlig vorspringenden Kuppel und ziemlich
steil abfallenden, niedrigen Seitenrändern. Seine Höhe be-
trägt elwa 21/,“, der grösste Durchmesser, der im contra-
hirten Zustande etwa in die Mitte dieser Höhe fällt, da-
gegen reichlich fünf bis sechs Linien. Die Substanz ist
mässig dick und — abgesehen von dem nabelförmigen Vor-
sprung, der durch Aufwulstung dieser Masse entsteht — an
allen Stellen so ziemlich gleich entwickelt. Der musku-
löse Schwimmsack , der die Unterfläche des durchsichtigen
und elastischen Mantels bekleidet, zeigt (namentlich an den
Seitenrändern) eine beträchtliche Stärke und scharf abge-
grenzte deutliche Fasern, die in radiärer wie in concenlri-
#) zakuntoe, Deckel.
**) Lütken stellt das Gen. Thaumantias in die Familie der
Aequoreaden, was man wohl kaum gut heissen kann. Eher könnte
man sie mit Forbes zu den Geryoniden bringen , obwohl es mir am
passendsten scheint, sie mit Calyptra und Slabberia zu einer eige-
nen kleinen Familie zu vereinigen.
Beiträge zur Kenntniss: der Medusenfauna von Nizza. 15
scher Richtung verlaufen. Die Zahl der Radialgefässe beträgt
acht, nicht vier, wie bei Thaumantias und den verwandten For-
men. Noch auffallender aber ist die Bildung des Magens, der
als ein höchst beweglicher rüsselförmiger Cylinder: von an-
sehnlicher Länge in der Achse des Mantels herabhängt und mit
seiner unteren Hälfte den Rand der Manlelöffnung überragt.
Eine ähnliche ‚Bildung charaklerisirt bekanntlich die Gen.
Sarsia und Slabberia, aber beide besilzen nur eine einfache
kreisrunde Mundöffnung ohne Lippen, während sich bei un-
serem Genus an der Spitze des Magens die vier Mund- oder
Lippenzipfel des Gen. Thaumanlias vorfinden. » Es ist, als
wenn der Magensack der Thaumanliasarten bei unserem Thiere
zu einem langen Cylinder ausgewachsen wäre. Auf der
Aussenfläche des Magens steht ein deutliches Flimmerepithe-
lium, während man im Innern, unter der Muskelschicht, ei-
nen äusserst dicken Zellenbelag findet, der das Lumen des-
selben beträchtlich verengt. Der Grund des Magens, aus dem
die, acht Radialkanäle hervorkommen, liegt: im Miltelpunkte
des Mantels.. Das Ringgeläss, das die Radialgelässe zu ei-
nem zusammenhängenden Systeme abschliesst, speiset auch
zugleich die Randfäden, die bei unserem Thiere freilich in
hohem Grade rudimentär sind. Ausser den acht Radialten-
takeln finden sich freilich noch acht Interradialtentakel, aber
die einen wie die anderen (die ersteren sogar noch mehr, als
die letzteren) sind äusserst kurz und siummelförmig , auch
ohne deutliche Angelorgane. Selbst im ausgestreckten Zu-
stande messen dieselben noch lange nicht 1°. Es gilt das
auch für die Interradialtentakel, die, wie bemerkt, die grös-
sern sind und die andern vielleicht um das Doppelte ihrer
Länge übertreffen. Zur Linken der einzelnen Interradialten-
takel findet sich ein Gehörbläschen (von '/,,“%) mit einem
sphärischen Otolilhen von '/,;‘, der fest darin eingebettet
ist und wahrscheinlich, wie bei Geryonia u. a., noch von ei-
ner besonderen Zellenhülle "umgeben wird.
Der Schwimmsaum hat eine sehr beträchtliche "Breite
und bildet bei der Contraclion .des Mantels einen mehr als
linienlangen conischen Aufsalz der Mantelöffnung. Unsere
Thiere sind mil einer grossen Schwimmfähigkeit begabt.
Die Geschlechtsorgane liegen, wie bei Thaumanlias und
16 Leuckart:
Slabberia, im Umkreise der Radialgefässe. Ihre Zahl beträgt
also acht. Sie haben eine rundliche oder eiförmige Gestalt
und sind dem Ursprunge der Gefässe mehr angenähert, als
dem Ende: derselben.
Die kleinsten Individuen dieser Form, die zur Beobachtung
kamen (2’‘), waren nicht nur geschlechtslos, sondern auch noch
ohne herabhängenden Magensack. In der Tiefe der Mantelhöhle
fand sich hier an der Stelle des späteren Magengrundes eine
weite, von ringförmigen Rändern umgebene Oeffnung, deren
Innenraum einsiweilen als Magensack funclionirte, aber be-
reits die Radialkanäle in vollständiger Anzahl hervorkommen
liess. Ueberhaupt glichen unsere Thiere sonst schon voll-
kommen den ausgewachsenen Individuen. Natürlicher Weise
fanden sich auch zahlreiche Formen mit weiterentwickeltem,
aber immer noch unvollständigem Magenrohre, die nament-
lich auch zur Genüge bewiesen, dass die zipfelförmigen Lip-
pen schon ziemlich frühe, lange vor dem vollständigen Ab-
schlusse des Längenwachsthums zur Entwickelung kommen.
Thaumantias corollata nov. sp.
(Tab.1. Fig. 11.)
Eine zierliche, schön und regelmässig gewölbte Form,
die einige Aehnlichkeit mit Forskal’s Medusa cruciala hat
und vielleicht auch von Risso dafür gehalten wurde. Es
ist wenigstens kaum anzunehmen, dass diese so sehr häufige
Meduse den langjährigen Beobachlungen des letzten entgangen
sei. Der Mantel ist uhrglasförmig, glashell und mässig dick.
Er misst fast 1° im Durchmesser und hat eine Höhe, ‘die
hinter der Hälfte dieses Durchmessers nur wenig zurück-
bleibt. Der Magensack, der bei allen Thaumanliasarten be-
kanntlich in der Tiefe der Mantelhöhle liegt und sich durch
seine Kürze auszeichnet, hat eine fast glockenartige Bildung.
Er ist mit einer weiten Mundöffnung versehen, deren Ränder
sich etwas kräuseln und in vier ziemlich ansehnliche Zipfel
ausziehen. Aus dem: Grunde, des Magensackes entspringen
vier Gefässe, die den Zwischenräumen zwischen den Mundzi-
pfeln entsprechen und den gewöhnlichen Verlauf haben, wie
gewöhnlich auch in der Peripherie des Mantels mit einem
Ringgelässe communieiren.
Beiträge zur Kenntniss: der Medusenfauna von Nizza. 17
Die Tentakel sind kurz, höchstens 2 lang, dafür aber
in einer ausserordentlich grossen Anzahl entwickelt. Bei den
ausgewachsenen Individuen zähle ich fast 250, elwa 60 zwi-
schen je zweien Radialgefässen, doch sieht man auch hier
noch immer neue Tentakel zwischen den alten hervorkno-
spen. Die Tentakel sind hohl und peitschenförmig und mit
einem keulenarlig verdickten Basaltheile versehen, der sich
häufig durch einen schwarzen und ziemlich umschriebenen
Augenfleck auszeichnet. Ich finde solche Augenflecke vor-
zugsweise an den grösseren Randfäden, ganz constant na-
menllich an den vier Tentakeln, die den Radialgefässen ent-
sprechen, und jedem dritten oder vierten Interradialltentakel.
Gehörorgane fehlen; auch brechende Medien konnten nir-
gends in den Augenflecken aufgefunden werden. Die Angel-
organe sind klein (/yso‘) und bauchig und vorzugsweise
in der äusseren Hälfte des-Fadens, auch in den Mundrändern
vorhanden.
Ausser den eben beschriebenen Tentakeln findet sich
übrigens, wie bei der von Forbes enldeckten Thaumantias
pilosella (der sich unsere Species auch in der Vielzahl der
Tentakel nähert), noch eine zweite Art von kleineren Rand-
fäden *), die ohne ‚bestimmte Ordnung , aber meist einzeln
stehen und in der Regel nach innen gegen den schmalen
Randsaum umgeschlagen. sind, während die übrigen Ten-
takel, zwischen denen, sie angebracht sind, meist gerade
herabhängen. Ich weiss übrigens nicht, ob man diese Ge-
bilde mit Recht den eigentlichen Randfäden zurechnen darf.
So viel ist jedenfalls sicher, dass sie nicht nur durch ihre
fast mikroskopische Kleinheit, sondern auch durch ihre solide
Beschaffenheit und ihren einfachen zelligen Bau, auch durch
die Abwesenheit der Basalanschwellung und der Augen-
flecke von den eigentlichen Randfäden sich hinlänglich unter-
scheiden.
Die Geschlechtsdrüsen sind unmittelbar an dem Ur-
sprunge der Radialgefässe angebracht und von ganz ansehn-
licher Breite, so dass sie auf den ersten Blick milsammt dem
®) Die Arten mit zweierlei Randfäden bilden bei Forbes das
Subgenus Cosmetica.
Archiv f. Naturgesch. XXI. Jahrg. 1. Bd. 2
18 Leuckart:
Magen leicht für ein zusammenhängendes vierlappiges Ge-
bilde gehalten werden können. Das äussere Ende, der Drü-
sen ist elwas verjüngt und reicht bis über die Milte der Ra-
dialgefässe hinaus.
Phialidium *) wirigiouns nov. gen. eb n. Sp.
7 f Tr
Eine Thaumantias im weiteren Sinne des Wortes, die
mir indessen mit anderen, bisher bei Thaumanlias beschrie-
benen Arten hauptsächlich deshalb ein eigenes Genus zu bil-
den scheint, weil statt der Augenflecke bei derselben Ge-
hörorgane vorhanden sind.
Mit einem stark abgeplalteten, hellen und durchsichtigen
Mantel, der ungefähr 5—6” misst und dabei eine Höhe von
kaum 2% hat. Die Mantelsubstanz ist ziemlich dünne, nur
in der Mitte, oberhalb des Magensackes etwas verdickt, so
dass sie hier am weitesten in die Mantelhöhle vorspringt. Der
Magensack selbst ist eylindrisch (im entleerten Zustande, im
vollen dagagen fast kugelförmig) länger, als bei Thauman-
tias corollata und mit einem vierzipfligen Munde versehen.
Er hat in der Regel eine helle meergrüne Färbung. Ring-
und Radialgefässe wie bei Th. corollata. Die Tentakel sind
kurz und hohl, auch an der Basis verdickt, aber ohne Au-
genflecke. Ihre Zahl wächst mit dem Alter, ist jedoch, wie
gewöhnlich bei den Thaumantiasarlen mit abgeplaltelem Man-
tel, nur beschränkt. Individuen von etwa 4% besitzen in
der Regel 16 Tentakel, die abwechselnd etwas grösser und
kleiner cäller und jänger) sind. Zu den grösseren gehören
die vier Radialtenlakel, die wahrscheinlich von allen Rand-
fäden zuerst gebildet werden. Später geht der Grössenun-
terschied dieser Tenlakel verloren, aber dafür entstehen zwi-
schen ihnen dann neue Tenlakel, die ihrerseits wiederum
leicht eine Zeitlang an ihrer geringeren Ausbildung sich er-
kennen lassen. Die grösseste Tentakelzahl, die ich beobach-
tete ist 32 (4 x 7 +4) — wir dürfen diese auch wohl als
die Normalzahl ansehen, obwohl dieselbe keineswegs immer
ganz vollständig ist. Sehr häufig wechselt die Zahl sogar
in den einzelnen Interradialräumen desselben Thieres um 1
*) Vgl. piekıs, Schale.
Beiträge zur Kenntniss der Medusenfauna von Nizza. 19
oder 2. So zähle ich z. B. bei einem ausgewachsenen In-
dividuum in einem solchen Raume 7, in einem zweilen 6, in
den beiden anderen nur 5 — mit den vier Radialtentakeln
im Ganzen also 27. Die Angelorgane sind klein, wie bei
Thaumanlias corollata ( so‘), nur schmaler. Sie finden
sich namentlich in dem Endfaden, der in der Ruhe spiralig
gerollt ist, weniger häufig dagegen in dem verdickten Basal-
heile. Auch die Mundzipfel tragen solche Angelorgane, ja
sogar die Wände des Magensackes und der Gefässe, wenn-
gleich letztere nur spärlich.
Die Gehörorgane slehen,, wie bei Th. dubia Köll. und
Th. planata (Gergonia planala Will.), am Mantelrande zwi-
schen den ‚Tentakeln, bei voller Tentakelzahl je eines zwi-
schen zweien solchen Anhängen. In früherer Zeit (bei 16
Tentakeln) finden sich dagegen in der Regel zwei Gehör-
bläschen zwischen je zweien Tentakeln, Verhältnisse , die
mitunter sogar hier und da — doch meist nur bei unvoll-
ständiger Entwickelung der Randfäden — auch später noch
beobachtet werden können. Im Wesentlichen zeigen diese
Apparate denselben Bau, wie bei Geryonia; sie sind (Fig. 14)
rundliche Kapseln ('/,,”) mit einem sphärischen Otolilhen
Ch”), der fest und unbeweglich in eine eigene zweite
Zellenhülle eingebeltet und an dem äusseren Rande der Kapsel
befestigt ist. Mitunter triffi man in den Gehörbläschen auch
auf zwei Otolithen und zwei Zellenhüllen, die dann dicht
neben einander befestigt. sind *). Der Schwimmsaum' ist
sehr rudimenlär, so dass er leicht übersehen werden kann.
Die Geschlechtsorgane sind verhältnissmässig klein und
von eiförmiger Gestalt. Sie liegen in weiter Entfernung von
dem Magensacke, in der Nähe des Scheibenrandes und zei-
gen nicht selten dieselbe grünliche Färbung, die ich schon
oben bei dem Magensacke erwähnt habe.
#) Bei Pelagia kommen nicht selten förmliche Zwillingsbläschen
vor, zwei, an ihrer Innenfläche mehr oder minder weit verwachsene
Auriculartentakel, die aus einem gemeinschaftlichen Stiele ihren Ur-
sprung nehmen und auch eine gemeinschaftliche Communicationsöfl-
nung mit dem Ringgefässe haben.
20 Leuckart:
Oceania pileata (Forsk.) Per.
(Tab. II. Fig. 3.)
Obgleich Lesson die von Forskal entdeckte Medusa
pileala zum Typus eines eigenen Gen. Tiara gemacht hat und
als Tiara papalis beschreibt, halte ich es doch mit Forbes
für das Passendste, diesem Thiere und den verwandten den
— freilich vielfach gemissbrauchten — Genusnamen Ocea-
nia zu lassen. Zu den Verwandten dieses Thieres rechne
ich aber nicht etwa bloss die Oc.? ampullacea, dieLesson
als T. Sarsii mit unserer Art demselben Genus zuzählt, son-
dern alle jene Formen, die mit der Oc. pileata durch die
Bildung des Magens und die gleichmässige Gruppirung der
Randfäden übereinstimmen *) und theils (mit anderen frem-
den Formen) dem Gen. Oceania zugerechnet werden, theils
auch zur Aufstellung einiger besonderer kleiner Genera Ver-
anlassung gegeben haben. Zu letzteren gehört namentlich
auch (ausser Pandea Less.) das Lessonsche Gen. Turris =
Conis Brdt. **), das noch Forbes aufrecht erhält, freilich
ohne es weiter von dem Gen. Oceania unterscheiden zu kön-
nen, als durch die Mehrzahl der Randfäden und die stärkere
Entwickelung des Muskelgewebes. Wie wenig diese letzteren
Charaktere durchgreifen, mag man daraus entnehmen, dass
wir unsere Oceania pileata, die doch Forbes selbst als
den Stammhalter des Gen. Oceania ansieht, nach ihnen mit
völligem Rechte auch dem Gen. Turris zurechnen könnten.
Ich glaube nicht, dass die Verschiedenheiten in Zahl und
Bildung der Tentakel zur Aufstellung besonderer Genera aus-
reichen. Man mag immerhin nach ihnen und anderen Cha-
rakteren das Gen. Oceania in kleinere Gruppen theilen, aber
diese werden nach ihrem systematischen Werthe kaum mehr,
*) Dass sich diese Uebereinstimmung auch in der Anordnung
des Gefässapparates und der Geschlechtsorgane aussprechen muss,
versteht sich von selbst.
*#) Vorausgesetzt, was schr. wahrscheinlich ist, dass die „sehr
zahlreichen feinen Gefässe“, deren Anwesenheit Brandt, wie es
scheint, nur aus der Mertens’schen Abbildung erschlossen hat, in
Wirklichkeit fehlen und von vier weiten Canälen vertreten sind,
Beiträge zur Kenntniss der Medusenfauna von Nizza. 2
als Untergatlungen darstellen. Auch auf die Anwesenheit
des tuberkelartigen Aufsatzes an der Kuppel des Mantels
darf man, meiner Meinung nach, kein allzu grosses Gewicht
legen. Allerdings sind die Oc&anies appendicul&s von Peron
(denen bekanntlich auch unsere O. pileata zugehört) wohl
ohne Ausnahme Arten des Gen. Oceania in unserem Sinne,
aber daneben giebt es auch andere ohne „Knopf“, und selbst
Arten, deren einzelne Individuen in dieser Beziehung man-
cherlei Verschiedenheiten darbielen,, wie z. B. die nächst-
folgende.
Während meines Aufenthaltes in Nizza gehörte die Oc.
pileata zu den häufigeren Medusen. Ich habe selten eine
Exeursion gemacht, ohne eine grössere Anzahl derselben an-
zutreffen. Die grössesten derselben massen (mit dem Knopfe)
reichlich 117, und trugen Randfäden, die sich bis zu 4— 5%
verlängern, aber auch bis auf 1’ zusammenziehen konnten.
Der Mantel unseres Thieres ist, wie bei ben Oceaniden
ohne Ausnahme , von einer stark gewölbten glockenartigen
Bildung, etwa eben so breit als hoch und an der Oeffnung
ein wenig zusammengezogen. Der Höcker ist kegelförmig,
mit stumpfer Spitze und breiter Basis, aber deutlich (durch eine
Ringfurche) gegen den Mantel abgesetzt. Er hat eine ganz
ansehnliche Grösse und nimmt reichlich ein Drititheil der
Körperhöhe in Anspruch. In histologischer Beziehung schliesst
sich dieser Höcker unmiltelbar an den Mantel an. Er be-
steht aus ganz derselben Hyalinsubstanz *) und darf mil
vollkommenem Rechte als ein Aufsatz oder eine Aufwulstung
des Mantels betrachtet werden. Von einer eigentlichen „Be-
weglichkeil* desselben kann keine Rede sein. Er entbehrt
aller Muskelelemente und kann höchstens durch den Andrang
des Wassers in eine zilternde Bewegung versetzt werden.
«Wie bei den übrigen Oceaniden hat der Magen unse-
rer Art eine sack- oder glockenförmige Gestalt und eine
runzlige Beschaffenheit; seine Grösse ist so ansehnlich,, dass
er die Mantelhöhle zum grossen Theile ausfüllt. Dazu kommt
#) Wahrscheinlich eine Modification des Zellgewebes im Rei-
chervschen Sinne, wie ich schon bei einer andern Gelegenheit (Zool,
Unters, Ill. $.7) ausgesprochen habe,
92 Leuckart:
eine. zimmetbraune; Färbung, die diesen Körpertheil vor
allen übrigen auszeichnet. Der Mund ist stark einge-
schnürt, aber. ausserordentlich dehnbar und mit. vier ge-
kräuselten Zipfeln ‚versehen, die eine ziemlich ansehnliche
Entwickelung ‚haben. Aus dem oberen Ende des Magen-
sackes entspringen vier breite, fast bandarlige Radialge-
fässe, die den gewöhnlichen Verlauf einhalten und im Um-
kreise der Mantelöffnung durch ein gleichfalls bandarliges
Ringgefäss zu einem gemeinschaftlichen Sysieme vereinigt
werden. Die Wandungen dieser Gefässe sind dick (aber ein-
fach) und mit zahlreichen ‚unregelmässigen Ausbuchtungen
von zahn- oder zipfelförmiger Gestalt versehen, so dass die
Gefässe (namentlich. die Radialgefässe) dadurch ein eigen-
ihümliches zackiges Aussehen annehmen. Bei jungen Exem-
plaren wird auch der Mantelhöcker von einem Gefässe durch-
selzt, das zwischen den vier Radialgefässen aus dem Magen-
grunde hervorkommt und in der Achse des Höckers verläuft,
aber allmählich sich stark verengt und blindgeschlossen en-
digt, noch bevor es die Spitze des Höckers erreicht hat.
Sonder Zweifel stammt. dieses Gefäss aus den früheren
Zeiten der Entwickelung. Es ist, der UVeberrest des Stielge-
fässes, durch den unser Thier früherhin mit seiner polypen-
förmigen Amme, an der es hervorknospete, zusammenhing.
Der Höcker selbst ist nichts Anderes, als der Stiel der Me-
dusenknospe, der nicht verschwindet, sondern zeitlebens
persistirt und. an Grösse immer mehr zunimmt *).
Die Muskelhaut des Mantels (die bekanntlich, wie bei
allen Diskophoren , die Innenfläche bekleidet und eine Art
‚ Sehwimmsack darstellt) hat eine ansehnliche Dicke und be-
steht aus breiten Fasern oder Balken von körniger Beschaf-
fenheit. Zur. Befestigung des Magensackes dienen vier förm-
liche Mesenterien , die unterhalb der Radialgefässe von der
Kuppel der Mantelhöhle herabsteigen und sich als bandarlige
*) Eschscholtz (System S.98) zog es bekanntlich in Zweifel,
ob dieser Knopf (nach Brandt ein Rudiment der Luftkammer bei
den Siphonophoren) wirklich ein integrirender Theil unserer Meduse
sei und war sogar geneigt, darin ein eigenes parasitisches Thier zu
vermuthen.
Beiträge zur Kenntniss ‚der Medusenfauna von Nizza, 23
Streifen bis an die Ausschnitte zwischen den Mundzipfeln ver-
folgen lassen. Zu den Seiten dieser Streifen (also in vier
Paaren) liegen die quergefalteten, gleichfalls streifenförmigen
Geschlechtsdrüsen, die bekanntlich bei allen Oceaniden in die
Wandungen des Magensackes eingebettet sind. Die Eier sind
ohne Dotterhaut, ein Umstand, der auch von Gegenbaur
bei anderen Oceaniden angemerkt ist.
Die Innenfläche des Magens ist mit zahlreichen Zolten
oder warzenförmigen Vorsprüngen besetzt, die der inneren
Epitheliallage anzugehören scheinen. Aeusserlich von dieser
Lage unterscheidet, man eine deutliche Muskelhaut, die aus
förmlichen Faserzellen von spindelförmiger Gestalt gebil-
det wird.
Die Zahl der Tentakel wächst mit dem Aller ünserer
Thiere. Die jüngsten Exemplare, die ich beobachtete, be-
sassen nur vier, die der Eintriltsstelle der Radialgefässe in
das Ringgefäss gegenüber lagen. Zwischen diesen vier Rand-
fäden kommen dann später in der Mitte noch vier andere
hervor; die Zahl der Tentakel steigt auf 8, dann auf 16 und
32 (4x7 + 4), obgleich sich die älteren Randfäden he-
ständig durch eine beträchtlichere Länge vor den übrigen,
besonders den jüngsten Nachschüben, auszeichnen.
Die Tentakel sind bekanntlich hohl und lassen eine
deutliche Muskelhaut erkennen. Bei der Contraction legen sie
sich meist in dichte Spiralwindungen auf einander. Die An-
gelorgane sind sehr klein und von ovaler Gestalt, ohne deut-
lichen Faden, Nichts destoweniger gehören unsere Thiere
„zu den gefrässigsten Räubern, die man niemals ungestraft mit
anderen seltenen Thierformen in demselben Pocale zusammen
lassen darf.
Gehörkapseln fehlen *), eben so Augenflecke, es müsste
denn sein, dass man die bräunliche Färbung der etwas ver-
dickten Wurzel an den Randfäden als Zeichen von der An-
wesenheit eines derarligen Sinnesorganes deuten wollte, wie
es allerdings häufig geschieht.
#) Forbes beobachtete solche bei- einigen Arten seines Gen,
Oceania neben den sog, Augenflecken.
24 Leuckart:
Oceania coccinea n. sp.
Eine zweite, um Nizza sehr, viel seltenere Art, (vielleicht
Oceania Lesueuriana Risso?), die in den allgemeineren Form-
und Bildungsverhällnissen, auch in der Grösse mit der O. pi-
leata übereinstimmt, aber schon auf den ersten Blick durch
die schöne carmoisinrothe Färbung ihres Magensackes sich
unterscheidet. Dazu kommt, dass der Höcker des Mantels sehr
viel rudimentärer ist und in manchen Individuen entweder voll-
kommen fehlt oder doch nur durch eine leichte buckelförmige
Verdickung der. hyalinen Mantelsubslanz repräsenlirt ist. Ein
Gefässrudiment in diesem Höcker wurde niemals nachgewie-
sen. Die zipfelförmigen Forlsälze im Umkreise des Mundes sind
kürzer, aber dafür noch zierlicher gefaltet. Die Tentakel sind
äusserst zahlreich und bilden einen dichten Besatz des Man-
telrandes, scheinen aber etwas kürzer, als bei der vorigen
Art. Die verdickte Wurzel der Randfäden ist auch. hier
gelblich gefärbt. Die Bildung der Gefässe und der Mesen-
ierien, die Muskulalur des Mantels und Magensackes u. s. w.
ganz wie bei Oc. pileala.
Bougainvillea Koellikeri Gegenb,
(Tab. II. Fig. 2.)
Streng genommen eine Lizzia im Sinne von Forbes
()..c. p.64) und von Gegenbaur, der. dieselbe gleich-
zeilig mit mir in Messina beobachtele und als neu erkannte
(zur Lehre vom Generalionswechsel bei Medusen und Poly-
pen $. 22) ursprünglich auch als Lizzia Koellikeri beschrie-
ben. Aber schon Gegenbaur bemerkt dabei , dass Lizzia
und Bougainvillea (Hippoerene Mrt., Margalis Steenstrp.) kaum
von einander zu trennen seien und in demselben Genus ver-
einigt werden müssten. Der einzige Unterschied zwischen
beiden besteht darin, dass Lizzia acht, Bougainvillea dage-
gen nur vier Tentakelbüschel besitzt, ein Unterschied, der
jedoch höchstens zur Aufstellung zweier Unlergenera gebraucht
werden dürfte.
Auch darin muss ich mit Gegenbaur übereinstim-
men, dass unser Thier mit seinen nächsten Verwandlen in
die Familie der Oceaniden einzureiben sei. Forbes rechnet
Beiträge zur Kenntniss der Medusenfauna von Nizza. 25
die betreffenden Medusen zu der Familie der Sarsiaden; es
will mir indessen scheinen, als wenn sich diese Familie,
wenigstens in dem ursprünglichen Sinne, nicht werde auf-
recht erhalten lassen *). Jedenfalls darf man die Sarsiaden,
auch die Arten des lypischen Gen. Sarsia, nicht so weit von
den Oceaniden abtrennen, wie man es nach Forbes gewöhn-
lich zu thun pflegt.
Unsere B. Koellikeri gehört zu den grösseren Formen
ihres Geschlechtes und theilt mit diesen (z. B. Boug. Macloviana
Less. s. Hippocrene Bougainvillii Brdt., auch Hippocrene su-
pereiliaris Agass.) die ansehnliche Entwickelung, Zahl und
Grösse der Randfäden und Mundtentakel. Unter den Ar-
ten der Subgen. Lizzia steht sie in dieser Beziehung bis
jelzt ganz isolirt da. Nach Gegenbaur beträgt die Höhe
derselben 5— 7’, der Querdurchmesser 4—6 Die von
mir beobachteten Exemplare waren allerdings kleiner (von
2—4/44 hoch und fast eben so breit), aber sie waren auch
geschlechtslos, aller Wahrscheinlichkeit nach also auch noch
unausgewachsen. Die Glocke unseres Thieres ist stark ge-
wölbt, fast kugelförmig und von ansehnlicher Dicke, so dass
die Schwimmhöhle sehr viel weniger geräumig erscheint, als
man nach der äusseren Gestalt vielleicht vermulhen sollte.
Der Magen ist sackförmig, wie bei den übrigen verwandten
Formen, und auf einem keineswegs ganz unansehnlichen za-
pfenförmigen Stiele angebracht, so dass er (mit seinem
Zapfen) fast die ganze Schwimmhöhle ausfüllt, wenigstens im
jugendlichen Zustande **), Aus dem Magengrunde entsprin-
gen vier deulliche Gefässstämme, die in gleichmässigen Zwi-
schenräumen an dem Zapfen bis an den Grund der Schwimm-
höhle emporsteigen und von da auf die Innenfläche des Man-
tels (subumbrella Forb.) übergehen. Das Ringgefäss, in wel-
*) So ist z. B. jedenfalls auch das Gen. Mooderia Forb. eine
Oceanide, wie schon Lütken, der eine besondere Familie der Bou-
gainvilleae annimmt und diese zunächst auf die Oceaniden folgen
lässt, erkannt hat (vgl. videnskabelige Meddelelser 1850. p. 24).
#=) Bei ausgewachsenen Thieren scheint @as nach der Abbil.-
dung von Gegenbaur (Tab. II. Fig. 1) viel weniger der Fall
zu sein.
26 Leuckart:
ches sie einmünden, ist gleichfalls von einer ganz ansehn-
lichen Stärke.
Gegenbaur nennt den schön carmoisinroth 'gefärb-
ten Magensack unseres Thieres „fast vierkanlig“, ich möchte
ihn eher als „sternförmig“ bezeichnen, da an demselben vier
breite und tiefe Hohlkehlen hinlaufen, die zwischen den Ra-
dialgefässen ihren Ursprung nehmen und bis an die'ver-
engle, aber sehr dehnbare Muudöffnung sich verfolgen las-
sen. An den Seiten dieser Hohlkehlen kommen später ‚die
band- oder streifenförmigen Geschlechtsorgane hervor *);
einstweilen sieht man hier nur viele Runzeln und -Quer-
fallen, wie bei Oceania. Jeder Hohlkehle entspricht ein ’an-
sehnliches Büschel von Mundfäden, die gleichfalls carmoisin-
rolh gefärbt sind und sich sonder Zweifel als ein Analogon
der Mundzipfel bei den Arten des Gen. Oceania, als „verä-
stelle Mundzipfel«, betrachten lassen **). In der That besteht
auch ein jedes dieser Büschel aus einem einfachen, ziemlich
ansehnlichen Stamme, der sich nur durch mehrfach wieder-
holte dichotomische Theilung in einen Haufen dünnerer Fä-
den aufgelöst hat. Im Ganzen zähle ich sieben solcher Thei-
lungen; ein jeder dieser Stämme läuft also in eine Anzahl
von 1285 kleinen Aesten aus: Jedoch muss hervorgehoben wer-
den, dass diese Aeste immer kürzer werden, ‘je weiter
sie sich von der Wurzel des gemeinschaftlichen ' Stammes
enlfernen. Die Aeste lelzter Ordnung sind kaum elwas Ande-
res, als die paarigen Endspitzen der vorhergehenden Zweige.
Der Haupistamm dieser Tasterbüschel ist übrigens so kurz,
dass man leicht von acht paarweise an der Wurzel zusam-
menhängenden Büscheln, stalt der vier, wie wir sie angenom-
men haben , sprechen könnte.
Nach den Beobachtungen von Busch (8.20) giebt es
Bougainvilleen, die ihre Mundfäden in ähnlicher Weise, wie
etwa die Rhizopoden ihre Körperfortsätze, einziehen können,
aber unsere B. Koellikeri gehört nicht zu diesen Arten. Die
*) Von Mertens (und Brandt) für „Nebensäcke des Magens“
gehalten, wenigstens wüsste ich kaum, was die vier kleinen Neben-
säcke, die mit den vier grossen abwechseln , anderes sein könnten.
**) An die Anwesenheit von „Saugmündungen“ auf den Spitzen
dieser Armen (Brandt) ist nicht zu denken.
Beiträge zur Kenntiniss der Medusenfauna von Nizza, 27
'
Mundfäden derselben zeigen beständig die gleiche Bildung.
Man mag die Thiere in den verschiedensten Situalionen be-
obachten, man mag sie auf diese oder jene Weise reizen;
die Mundfäden werden niemals eingezogen.
Was die Substanz dieser Fäden betrifft, so besteht diese
aus grossen Zellen, die mit den Zellen des Pflanzenparen-
chymes einige Aehnlichkeit haben. Muskelfasern fehlen; die
Zellen selbst sind ohne Zweifel der Sitz der Bewegung. Die
Oberfläche der Arme trägt ein zarles Flimmerepithelium, an
dem äussersten, eliwas geknöpften Ende, auch eine Anzahl
(8—10) von vorragenden Spitzen oder Stacheln, wie schon
Busch hervorhebt. Offenbar sind das dieselben Gebilde,
dieAgassiz beiB.(Hipp.) supereiliaris als Angelorgane be-
schrieben hat, mit denen sie auch wirklich im Aussehen eine
grosse Aehnlichkeit haben. Ich würde sie gleichfalls gerne
für Nesselzellen halten, wenn es-mir gelungen wäre, mich
von.der Anwesenheit eines Nesselfadens bei ihnen: zu über-
zeugen.
Die Randfäden unserer Art bilden, wie schon oben her-
vorgehoben wurde, acht Büschel, die zur Hälfte den vier
Radialgefässen entsprechen, zur andern Hälfte ‚aber in der
Mitte zwischen denselben angebracht sind. Ein jedes Büschel
setzt, sich aus 8—12 (im erwachsenen Zustande nach Ge-
genbaur aus 10—15) langen Fäden zusammen, die in einfa-
cher Reihe neben einander stehen und mit ihren (elwas ver-
diekten) Wurzelenden zu einem Polster von halbmondförmi-
ger Gestall verschmolzen sind. In der Regel sind’ diese
Randfäden neben der Körperscheibe emporgerichtet, ‘wie es
Gegenbaur abgebildet ‘hat, so dass unser Thier einen
ausserordentlich zierlichen Anblick darbietet. "Die Beweg-
lichkeit dieser Fäden ist überhaupt geringer, wie sonst wohl
bei den Oceaniden; ein Umsland, der sich aus der soliden
Beschaffenheit derselben hinreichend erklären möchte. Vor-
zugsweise gilt solches von der Basalhälfte der Fäden, we-
niger von dem dünneren Ende, das sich. beträchtlich ver-
längern kann und in der Ruhe meist spiralig aufrollt. Die
mittleren Fäden jedes Büschels sind die längsten, rechis und
links stehen immer kürzere, bis die; äussersten endlich 'blosse
siummellörmige Hervorragungen darstellen.
28 Leuckart:
Die histologische Struktur ist im Wesentlichen wie die
der Mundfäden. Auch das Parenchym der Randfäden besteht
aus grossen Zellen, nur nehmen diese hier in der Regel die
ganze Breite der Fäden ein, so dass die Wände derselben
wie Scheidewände („Querbalken“ Busch) ‘aussehen. In der
struklurlosen äusseren Bedeckung finden sich zahlreiche kleine
Angelorgane von !/,;0“ Die Wurzel eines jeden Tentakels
trägt, wie.bei den übrigen verwandten Formen, einen tiefro-
then, fast schwarz’ aussehenden Pigmenifleck. Sonstige Sin-
nesorgane fehlen:
Die Randhaut'ist'von ziemlich ansehnlicher Entwickelung.
Euphysa (?) globator n. sp.
(Tab. II. Fig. 4.)
Das niedliche Thierchen, das ich hier mit dem voran-
stehenden Namen bezeichne, habe ich leider nur ein einzi-
ges Mal zur Betrachtung bekommen. Es ist nach der Achn-
lichkeit mit der von Loven (dieses Archiv 1837. 1. S. 321)
gegebenen Beschreibung und Abbildung ohne Zweifel der
Abkömmling einer Syncoryne. Ob es dagegen mit Recht als
eine Euphysa bezeichnet werden könne, will ich weniger be-
stimmt entscheiden. Jedenfalls fehlt ihm der grosse über-
zählige Tentakel („supplementary large tentacle“), der bei
der E. aurata (l. c. p.71) neben dem einen der vier kurzen
Randfäden ansitzt und von Forbes zu den charakterislischen
Merkmalen des Gen. Euphysa gerechnet wird. Aber mögli-
cher Weise war dieses Anhängsel bei dem einen Exemplare,
das mir zu Gesicht kam, zufälliger Weise verloren gegangen,
obgleich ich an ‘demselben keine Spuren einer Verstümme-
lung bemerkt habe.
Der durchsichtige Mantel unseres Thierchens ist glok-
kenförmig, an der Oeffnung etwas verengt, vierkantig und
auf dem Scheitel in einen ganz ansehnlichen schlanken Stiel-
fortsalz ausgezogen. Mit dem Stiele beträgt die Höhe des-
selben fast eine Linie, ohne ihn etwa 2/,. “Der Magen ist
schlank , flaschen- oder rüsselförmig, mit verjüngtem Mund-
ende, aber ohne alle Lippenfortsätze, wie bei Sarsia. Er hat
etwa die Länge der Schwimmhöhle, die ziemlich geräumig
ist, und zeigt eine gelbliche Farbe, ‘Aus dem Grunde des
Beiträge zur Kenntniss der Medusenfauna von Nizza. 29
Magens entspringen die gewöhnlichen vier Radialgefässe, die
unter den Kanten der Mantelglocke hinlaufen, ausserdem aber
auch noch ein unpaares Slielgefäss, das in der Längsachse
des Körpers emporsteigt und sich fast bis an die Spitze des
Stieles verfolgen lässt. Im Rande des glockenförmigen Man-
tels das gewöhnliche Ringgefäss. Der Randsaum scheint zu
fehlen.
Die vier Tentakel, die den vier Ecken des Mantels ent-
sprechen, sind kurz und zottenarlig, an ihrer verdicklen Wur-
zel etwas lingirt, ober ohne eigentlichen Augenfleck. Ueber-
haupt hat es den Anschein, als ob unser Thierchen besonde-
rer Sinnesorgane enibehre. Auch die Ortsbewegung scheint
eben nicht mit übermässiger Schnelligkeit vor sich zu gehen.
Dagegen besitzt unser Thierchen die Fähigkeit der Kugelung,
wie ich sie bei keiner anderen Meduse beobachtet habe. So-
bald man es reizt oder unsanft berührt, schliesst es die Oeff-
nung der Mantelglocke, indem es die Ränder derselben mit
den Tentakeln nach innen umschlägt, und bildet eine gleich-
förmig kuglige Masse, aus der am oberen Pole nur noch der
Stielfortsalz hervorragt (Fig 5).
Ueber die Geschlechtsverhällnisse weiss ich nichts an-
zugeben. Das Exemplar, welches ich beobachtete, war noch
geschlechtslos und hatte sich vielleicht erst vor kurzer Zeit
von seiner Amme losgelöst. Nach Forbes sollen sich die
Geschlechtsorgane im Umkreise des Magengrundes entwickeln.
Steenstrupia lineatan. sp.
(Tab. IL. Fig. 6.)
Bekamntlich hat Forbes dl. e. p.72) die kleine eigen-
Ihümlich gebaute Meduse, die Steenstrup (Generations-
wechsel u. s. w. 8. 22) als den wahrscheinlichen Abkömm-
ling. der Coryne fritillaria St. beschrieben hat, zum Typus
eines eigenen Gen. Steenstrupia gemacht. Die bisher bekann-
ten Formen dieses Genus stammen ohne Ausnahme aus den
nordischen Gewässern, von Island (Steenstrup), Norwe-
gen (Sars) und Schottland (Forbes); dass sie aber auch
den wörmeren Meeren nicht abgehen, beweist die oben ge-
nannte Art, die mir einige Male, aber doch im Ganzen nur
selten, bei Nizza in’s Neiz ging.
30 Leuckart:
Unser Thierchen misst etwa */,‘“ und hat einen hya-
linen glockenförmigen Mantel, der sich nach unten etwas er-
weitert:und vier gelblich weisse Streifen zeig! , die den Verlauf
der vier Radialgefässe andeuten und von zahlreichen kleinen
Pigmentkörnern 'herrühren. Der Rand des Mantels ist vier-
eckig und an denEcken in einen Tentakel ausgezogen. Drei
dieser Tenlakel sind stummelförmig, kurz und dick, auch nur
wenig abgesetzt, während sich der vierte in einen ansehn-
lichen cylindrischen Anhang verlängert, der im zusammen-
gezogenen Zustande spiralig gewunden ist und dann unge-
fähr der Höhe der ganzen Glocke gleichkommt. Die Kuppel
der Glocke trägt einen kurzen Stielfortsalz, der von der Wur-
zel: bis zur Spitze ziemlich dieselbe Dieke hat, aber nicht
senkrecht steht, sondern unter einem spitzen Winkel abgeht,
und zwar nach jener Richtung, die dem Insertionspunkle des
langen Randfadens gegenüber liegt.
Der Mantel hat eine verhältnissmässig ganz’ ansehnliche
Dicke, und birgt eine Schwimmhöhle, die von einem fla-
schenförmigen weiten Magen fast völlig erfüllt ‘wird. Der
Mund ist einfach, ohne Lippen und sonslige Fortsälze und am
verjüngten Ende des Magens gelegen, mit dem er gelegent-
lich ‘aus der Oeffnung des Mantels hervorgestreckt werden
kann. Die Färbung des Magens ist schmutzig gelb.
Was die Anordnung der Gelässe betrifft, so ist diese wie
bei unserer Euphysa. Wir unterscheiden vier Radialgelässe
mit einem Ringgefässe und ein Slielgefäss, das auch bei den
von Forbes beobachteten Arten vorkommt, aber, wie es
scheint, nicht richtig erkannt wurde. (Forbes nennt die-
ses Gefäss a chord, presenling a tabulur appearence.)
Die Tentakel werden von einer Verlängerung: des: Ring-
gefässes durchsetzt, auch der lange, oben beschrieheneRand-
faden, in dem: zahlreiche kleine Angelorgane von rundlicher
oder ovaler Gestalt (40 — soo’) eingebettet sind. Sinnes-
werkzeuge fehlen.
Die Geschlechtsverhältnisse der Steenstrupien sind lei-
der noch nicht vollkommen: aufgeklärt. Steenstrup vermu-
thel,, dass sich die Genitalien an der Basis des langen Ten-
takels entwickeln — die Steenstrup’sche Form besitzt
übrigens statt eines solchen 'Tentakels deren zwei dicht ne-
Beiträge zur Kenntniss der Medusenfauna von Nizza, 3
ben einander —, und wirklich zeigt unsere Art, wie die
Steenstrup’sche an dieser Stelle eine ansehnliche Ver-
diekung, in der ich indessen vergeblich nach deullichen Ge-
neralionselementen gesucht habe. Der Inhalt dieser Anschwel-
lung (die übrigens bei unserer Art keine Lappenbildung
zeigte), bestand bei den zwei oder drei Exemplaren, die ich
untersuchte, ganz gleichmässig (wie auch St. bei seiner Art
fand), aus einer körnig zelligen Masse im Umkreise des Ten-
takelgefässes. Die histologische Struktur dieser Masse ist
aber immerhin sehr auffallend, und wohl im Stande, der
Vermulhung von Steenstrup einigen Anhaltspunkt zu
geben.
Forbes schweigt über die Generalionsapparate von
Steensirupia , stallet aber seine beiden Formen an den vier
Ecken des Mantelrandes mit einem „drüsigen Körper“ aus, in
dem man vielleicht die Generationsapparale vermulhen könnte,
Aber diese Drüsen sind offenbar, wenigstens an dreien Ecken,
nichts Anderes als die oben beschriebenen rudimenlären Ten-
takel, deren Zahl von Forbes nur auf den einen langen
Tentakel beschränkt wird („a single tentacle developed from
one of the glands only“).
Pyzidium *) truncalum noy. gen. el n. sp.
(Tab. 11. Fig. 7.)
Ein kleines und höchst eigenthümliches quallenarliges
Wesen, das ich nur ein einziges Mal auffischte und an die-
ser Stelle einreihe, obgleich ich wohl weiss, dass es sich
eben so wohl von den voransiehenden, als auch den folgen-
den Formen in mehrfacher Beziehung sehr auffallend unler-
scheidet. Freilich kommen manche dieser Unterschiede wohl
nur auf Rechnung einer unvollständigen Entwickelung, da es
keinem Zweifel unterliegen kann, dass unser Thierchen bald
nach der Isolation von seiner larvenarligen Amme beobach-
tet wurde.
Der Leib unseres Pyxidium hat eine halbkugelförnige
Gestalt und misst etwa '/, in der Höhe, ?/,”” in der Breite,
#) ausldioy, die Dose,
32 Leuckart:
Die Kuppel trägt einen kurzen cylindrischen Stiel, der unler
spitzem Winkel abgeht, auch nicht genau in der Achse des
Körpers, sondern excentrisch angebracht und der einen Sei-
tenfläche merklich genähert ist. Der Basalrand des Leibes
oder Mantels, wenn man lieber will, zeigt acht kurze höcker-
oder stummelförmige Fortsätze, die. in gleichen Zwischen-
räumen stehen und als Tentakelrudimente in Anspruch ge-
nommen werden dürfen. Eine eigentliche Schwimmhöhle
fehlt, indem der weile und halbkugelförmige Magen die ganze
Mantelhöhle ausfüllt und mit der Innenwand des Mantels fest
zusammenzuhängen scheint. Der Mund stellt eine einfache
Oeffnung dar, die in der Milte eines ringförmigen Diaphrag-
ma angebracht ist. Mit einer Randhaut ist dieses Diaphragma
nicht zu verwechseln, obgleich es seiner Lage nach leicht
dafür gehalten werden könnte, da es nur wenig höher, als
sonst die Randhaut (die hier fehlt), angebracht ist. Es stellt
die untere Magenwand dar, wie man schon daraus abnehmen
kann, dass es die gelblich-braune Pigmentirung des übrigen
Magensackes theilt. Im geschlossenen Zustande ist die Mund-
öffnung nur klein und kaum wahrzunehmen. Sie nimmt
dann die Spitze des elwas trichterförmig herabhängenden Ma-
gensackes ein, besilzt aber eine ganz ausserordenlliche Dehn-
barkeit.
Ein eigenllicher Gefässapparat fehlt unserem Thiere.
Die Stelle der Radialgefässe wird durch acht kurze und weite
Ausstülpungen des Magensackes vertreten, die bis in die Ten-_
takelrudimente hineinragen. Eine ähnliche Ausstülpung selzt
sich nach oben in den Stielfortsatz der Kuppel fort.
Unter dem Mikroskope erscheint die äussere Körper-
Näche unseres Thieres mit kleinen Wärzchen oder kernarli-
gen Körperchen besetzt, die vermulhlich die ersten Anfänge
von Angelorganen darstellen.
Von Sinneswerkzeugen und Geschlechtsapparalen war
bei unserem Thiere keine Spur vorhanden. Die Bewegung
desselben ist äusserst langsam, mehr eine passive, ein Trei-
ben mit den Wellen, als eine eigenlliche Schwimmbewegung,
wie bei den übrigen Medusen.
Beiträge zur Kenntniss der Medusenfauna von Nizza. 33
Aeginopsis mediterranea J. Müll.
(Tab. II. Fig. 8. 9.)
Unter dem voranstehenden Namen hat J. Müller vor
einigen Jahren (Archiv 1851. S. 272. Tab. XI) eine kleine
Meduse beschrieben , die nicht nur durch ihre Formverhält-
nisse, sondern in einem noch höheren Grade auch durch die
Art ihrer Entwickelung auf dem Wege einer einfachen Mela-
morphose (ohne Generalionswechsel) in auffallender Weise
sich auszeichnet. Dieselbe Meduse ist mir in Nizza, wo sie
auch von J. Müller beobachtet wurde, zu wiederholten Malen
auf verschiedenen Entwickelungsstufen zu Gesicht gekommen.
Es glückte mir sogar, unsere Meduse im geschlechtsreifen
Zustande aufzufinden und somit die Angaben von Müller
zu compleliren. Uebrigens hat schon Kölliker einige Mo-
nate vor mir in Messina geschlechtsreife Individuen unserer
Art beobachtet und (Zeitschrift für wiss. Zool. IV. S. 320)
als Aeginopsis bituberculata? beschrieben. Die Vermulhung,
dass diese Meduse und die Müller’sche zusammengehören,
kann ich vollkommen bestätigen ; ich finde zwischen beiden
keine anderen Unterschiede, als höchstens in der Grösse.
Kölliker giebt die Grösse seiner Exemplare auf 3—44,
die Länge ihrer zwei Arme auf 12— 16° an; die Individuen,
die ich beobachtete, maassen dagegen im grössten Durchmes-
ser ihres Mantels bis höchstens 2'/,, während die Arme
meist nur 4—5’, in einigen seltenen Fällen bis 8 lang
waren. (J. Müller fand — im Sommer — Individuen von 3
mit Armen, die den grössten Durchmesser des Körpers 3—4
Mal an Länge übertrafen , also beiläufig Thiere von densel-
ben Dimensionen, wie Kölliker, aber beständig im unrei-
fen Zustande, ohne Geschlechtsorgane und Randkörperchen.)
Der durchsichtige Mantel unseres Thieres ist glocken-
förmig und ziemlich solide, namentlich in der Mille, wo er
zwischen den beiden Armen nicht selten zu einem förmlichen
Zapfen von conischer Gestalt sich aufwulstet, wie es von
Mertens bei Aeginopsis Laurentii abgebildet ist. Schon
Kölliker hat auf diese Bildung aufmerksam gemacht, doch
sind mir, namentlich unter den jüngeren Thieren auch Ex-
emplare vorgekommen, die einen einfach halbkugelförmig
Archiv f, Naturgesch XXI. Jahrg 1. Bd. 3
34 Leuckart:
gewölbten Mantel besassen. Aber auch in diesen Fällen ist
die Kuppel des Mantels von ansehnlicher Dicke, so dass die
Schwimmhöhle sehr viel flacher gewölbt ist, als man nach
den äusseren Contouren vermulhen könnte. Der Rand des
Mantels ist mitunter etwas gelappl, in anderen Fällen auch
vollkommen ganzrandig, aber immer mit einem ‚ziemlich brei=-
ten Schwimmsaume versehen. _J. Müller scheint diesen
Schwinmsaum für die Magenwand, die Oeflnung desselben
für die Mundöffnung gehalten zu haben, es kann indessen
keinem Zweifel unterliegen, dass ausser ‘demselben noch ‚ein
besonderer kurzer und weiter Magensack. in. der Tiefe, der
Schwimmhöhle vorkommt, Schon Kölliker hat, auf die
Anwesenheit desselben hingewiesen; ich habe ihn milunter
von Speise und Speisebrei ganz ausgedehnt gefunden. ‚Der
Durchmesser des Magens reicht von der Wurzel des einen
Armes. bis zu ‘der des andern, Die Mundöffnung ist voll-
kommen einfach , ohne Spur von Armen. oder Forlsälzen,
kann sich aber sehr beträchtlich erweitern, so dass Jann der
Magen mil seinen niedrigen Wänden kaum mehr als einen
ringförmigen Wulst darstellt Der geschlossene Magen ist
nestförmig mit einer vorspringenden Mundpapille. , Im Um-
kreise des Magens irift man nun bei den ausgewachsenen
Individuen (Fig. 9) die Geschlechlsorgane, die die. ganze, Pe-
ripherie der Subumbrella einnehmen und aus acht rundlichen
blatt - oder scheibenförmigen Säcken mit Eiern oder; Sa-
menkapseln bestehen. Durch die Entwickelung . dieser Ge-
schlechtsorgane nimmt der Rand, des Magensackes ‚ein acht-
lappiges Aussehen an; es hat sogar den Anschein, ‚als
wenn (diese Lappen noch eine Strecke weit zwischen: den Ge-
schlechtsorganen und dem Mantel, hinlaufen. Indessen gestehe
ich, dass ich über, das Verhalten ‚der ‘peripherischen Theile
am Verdauungsapparate nicht, völlig in’s Reine, gekommen
bin. (In einigen Fällen schien es mir, als wenn unser Thier
mit acht Radialgefässen versehen sei, von denen je eines in
der Milte eines Geschlechtsorganes hinliefe.) _Die Randkör-
perchen, die den kleineren und geschlechtslosen Individuen
abgehen, entsprechen der Mittellinie der Geschlechtsorgane
und erscheinen als, kleine kolbige Forisätze, in denen je
ein sphärischer Otolith von '/,g’ enthalten ist, Randfäden
Beiträge zur Kenntniss, der, Medusenfauna von Nizza. 35
fehlen bekanntlich ; die Stelle dieser Anhänge ‚wird von zwei
horn- oder armarligen Fortsälzen vertreten, die in symme-
trischer Entwickelung rechts und links: auf dem Rücken der
Glocke etwa in der Hälfte ihrer.Neigung hervorkommen und
sich mit ihren verdünnten Enden meist bogenförmig nach
unten herabkrümmen. Die Wurzel der Arme durchsetzt die
ganze Dicke des Mantels und lässt sich bis auf die Ausklei-
dung des Magensackes verfolgen. Die eigenthümliche Struk-
iur dieser Arme ist schon von J. Müller hervorgehoben
worden: sie sind solide und scheinen ihrer Hauptmasse nach
aus grossen hellen Zellen zusammengeselzt zu sein, deren
Wände die ganze Breite des Achsenstranges einnehmen und
ein Art Gilterwerk zusammenselzen. Uebrigens sind diese
Arme trolz ihrer Starrheil keineswegs unbeweglich. Man
sieht dieselben nicht nur in den verschiedensten Stellungen,
sondern kann sich auch überzeugen, dass sie — wie ich
mehrfach auf das Entschiedenste beobachtete — nach Art
der Ruder beider Ortsbewegung thätig sind. Während der
Contraclion des Mantels schlagen die Arme nach hinten, bis
sie mit ihrer inneren Fläche die Wand der Glocke berüh-
ren, wie es’ auch bei Brandt (l. c. P. VI mitten auf der
Tafel) von Aeginopsis Laurentii abgebildet ist.
Ob unser Thierchen übrigens mit Recht dem Gen. Ae-
ginopsis beigezählt wird, will ich nicht entscheiden. Die
Verwandischaft mit Aeg. Laurentii ist allerdings ganz unver-
kennbar, aber der von Brandt hervorgehobene Charakter
des Gen. Aeginopsis „die Gegenwart von vier kleinen Armen
im Umkreise der Mundöffnung“ trifft nicht zu. Finden sich
wirkliech'keine weiteren Verschiedenheiten zwischen Aeginopsis
und Aegina, so wird unser Thier dem’ letzteren ‘Genus 'ange-
reiht werden wüssen — doch in diesem Falle möchte das
vonBrandt aufgestellte Genus auch wohl kaum einen ande-
ren ‘Werth, als den eines Untergeschlechtes haben. Zur Ver-
gleichung mit unserer Art verweist schon J. Müller auf
Carybdaea 'bitubereulata Quoy el Gaim. aus dem Indischen
Ocean, die Kölliker sogar für- identisch damit 'ausgiebt.
Es ist 'wahr, nach den vorhandenen Beschreibungen ( die
Abbildung von Q. et G. konnte, ich nicht einsehen) lassen
sich beide Formen nicht ‚auseinander halten, indessen ist es
36 Leuckart:
nichts desto weniger gewiss vollkommen gerechlfertigt, un-
sere miltelmeerische Form so lange mit einem besonderen Na-
men zu bezeichnen, bis die Uebereinstimmung mit jener Tro-
penform hinlänglich festgestellt ist.
Cunina monetan. sp.
(Tab. I. Fig. 13.)
Eine Medusenform, die eine auffallende Aehnlichkeit mit
der von Brandt beschriebenen Polyxenia flavibrachia hat,
so dass ich fast geneigt bin, auch diese als eine Art des
Eschscholtz'schen Genus Cunina zu belrachten *). Der
Mantel unseres Thieres besteht aus einer dicken und soliden
Scheibe von Hyalinsubstanz, die 9—10°+ im. Durchmesser
misst, und aus einem ringförmigen Schwimmsaume von ziem-
licher Breite , der in der Ruhe wie ein kurzer und. dünn-
häuliger Cylinder auf dem Rande der Scheibe aufsilzt und
sich nach unlen zu allmählich elwas verjüngt. Die Höhe
dieses Cylinders ist annäherungsweise dieselbe, wie, die Dicke
der Scheibe, eiwa 2’. Die Ortsbewegungen werden, wie
es scheint, ausschliesslich durch die Zusammenziehungen dieses
Cylinders bewerkslelligt, sind aber. im Allgemeinen nur we-
nig energisch. Gewöhnlich sieht man unser Thier im Was-
ser äquilibriren.
Die Körperscheibe ist flach gewölbt, ebenso wohl an der
oberen wie an der unteren Seiteund mit einem dicken abge-
rundeten Rande versehen. Ich habe solche Scheiben einige Male
nach der Auflösung der übrigen Theile frei im Wasser floltirend
aufgefischt, und glaube jelzt, dass es dieselben Gebilde sind,
die Riss o irrthümlicher Weise für eine Porpila gehalten und als
P. monela beschrieben hat („corpore. lentiforme, hyalino, pel-
lucido, vitreo. iridescente“). Im Umkreise des Scheibenran-
des stehen 16 ziemlich starre Tentakel oder Arme, die un-
gefähr ‚die Länge des Scheibendurchmessers haben und nach
Art der Randfäden in ganz gleichmässigen Entfernungen ne-
ben einander angebracht sind. Sie sind bei dem ruhenden
Thiere grade ausgestreckt, doch etwas nach unten geneigt,
und bilden somit gewissermassen einen Strahlenkranz, der
*) Forbes stellt freilich die von Brandt beschriebene Art
mit Polyxenia Alderi zusammen, doch, wie ich glaube, mit Unrecht,
Beiträge zur Kenntniss der Medusenfauna von Nizza. 37
die Scheibe umgiebt und unserem Thiere ein sonderbares Aus-
sehen verleiht. Der Bau der Arme ist, wie bei Aeginopsis
mediterranea; sie sind solide, im Innern gegitterte Stäbe, die
mit ihrer haken- oder schnabelförmig gekrümmten und zu-
gespitzten Wurzel die Substanz der Scheibe bis auf die In-
nenfläche durchsetzen. Die Nulritionsapparate unserer Cu-
nina bestehen, wie schon Eschscholtz ganz richtig er-
kannt hatte, aus einem weiten, aber äusserst niedrigen Ma-
genraume mit breiten Nebensäcken, die der Zahl der Arme
entsprechen und so gruppirt sind, dass diese letzteren je
milten über einem Nebensacke eingepflanzt sind. Die Mund-
öffnung unseres Thieres habe ich niemals im geschlossenen
Zustande beobachtet, sondern beständig weit klaffend, so
dass man durch sie hindurch den Grund des Magensackes
in seiner ganzen Ausdehnung überschauen konnte. Die
Wände des Magensackes bilden in diesem Zustande einen
kurzen nach unten zu verjüngten Cylinder, der von der
Unterfläche der Scheibe in den von dem Schwimmsaume
umschlossenen Raum hineinhängt und nur die äussere Pe-
ripherie der Scheibe (von elwa 1'/,) frei lässt. Dieser
peripherische Saum der Scheibe im Umkreise des Magens
trägt nun (Tab. II. Fig. 12) die Nebentaschen des Verdau-
ungsapparales, die den Radialgefässen der übrigen Medu-
sen entsprechen, so wie die Geschlechtsorgane. Die ersteren
sind schon oben erwähnt worden; sie sind wohl eben so
breit, als lang, von oben nach unten deprimirt, also niedrig,
und mit abgerundeten vorderen Ecken versehen. Die Ge-
schlechtsorgane,, gleichfalls 16 an der Zahl, sind zweilappig
oder hufeisenförmig, mit einem millleren nach aussen zu ge-
kehrten Ausschnilt, und der Art gruppirt, dass dieser Aus-
schnitt dem Zwischenraume zwischen je zwei an einander
anliegenden Magensäcken entspricht. Die beiden Lappen der
Geschlechtsorgane verlheilen sich also auf zwei anliegende
Magensäcke. So kommt es denn, dass die Arme unseres
Thieres beständig zwischen zweien Geschlechlsorganen ein-
gepflanzt sind, während sie bei Aeginopsis dagegen mitten
auf einem Geschlechlsorgane aufsilzen. Die Gehörbläschen
enthalten einen einfachen Otolilhen und sind am Ende der ein-
zelnen Magensäcke, unterhalb der Arme, angebracht,
38 Leuckart;
Cunina (?) costata n, sp.
Obgleich ich über diese Art nur einige wenige und un-
genügende Miltheilungen machen kann, da mir meine darauf
bezüglichen Notizen und Zeichnungen bis auf ein Paar. Be-
merkungen, ich weiss nicht wie und wo, abhanden ge-
kommen sind , trage ich doch kein Bedenken, dieselben zu
veröffentlichen, weilsie, gleich den vorhergehenden Beobach-
tungen, eine Medusengrüppe betreffen, deren Repräsentanten
bisher fast ausschliesslich auf fernere Zonen beschränkt zu
sein schienen. Unsere Art ist um Nizza eben nicht selten,
häufiger als C. monela, gleich dieser aber in den Pokalen
rasch vergänglich, so dass man die Untersuchung möglichst
bald nach dem Einfangen vornehmen muss, Der Mantel ist
glockenförmig mit stark verdickter Kuppel und ziemlich ebe-
ner Seitenfläche, von ähnlicher Bildung, wie bei Aeginopsis
mediterranea. Der Rand desselben trägt 14 ziemlich tiefe
Einschnitte und über je einem Einschnilte einen langen und
steifen Arm oder Tenlakel, der meist gerade absteht, wie
bei C. monela und auch im Baue und: Befestigung mit den
Armen dieses Thieres übereinslimmt. Die Länge der Tenta-
kel ist etwas grösser, als der Durchmesser des Mantels; sie
beträgt 4, während der letztere nur 3'/,‘ misst. -Die Bil-
dung der Verdauungsapparate und der Geschlechtsorgane ist,
so viel ich mich erinnere, wie bei C. monela, indessen weiss
ich nicht, ob die Tentakel in den Zwischenräumen zwischen
den peripherischen Aussackungen des Magens oder millen, auf
demselben aufsitzen. Bekanntlich würde davon abhängen, ob
unsere Art dem Gen. Cunina oder Aegina zugerechnet wer-
den müsste. Am Rande des Manlels befindet sich ein schma-
ler Schwimmsaum, äusserlich vor demselben aber noch eine
Anzahl von 14 buckelförmigen Vorsprüngen , auf denen vier
oder fünf rippenarlige Firsten neben einander herablaufen.
Die Bildung der Vorsprünge und Firsten erinnert mich an
die „herabhängenden mit Fallen versehenen Magenlappen“,
die Eschscholtz (8.118) bei seiner Polyxenia eyanosty-
lis beschrieben hat.
Beiträge zur Kenntniss der Medusenfauna von Nizza. 39
Paryphasma *) planicusculum nov. gen. et n.sp.
(Tab. II. Fig. 10.11.)
Ich glaubte eine Zeitlang ‚dass dieses Thier dem Gen.
Aequorea beigesellt werden könnte und hatte dafür schon
den Namen: Aegq. biparlita gewählt, als ich mich überzeugte,
dass ‚die Bildung‘ und Anordnung der Arme doch wohl
schwerlich eine solche Vereinigung»erlauben möchte. Nichts
desto weniger entschloss ich mich. nur mit: Widerstreben, ein
eigenes Genus für unsere Form aufzustellen, zumal ich die-
selbe nur im unvollständig, entwickelten Zustande (in diesem
freilich sehr häufig) ohne Geschlechtsorgane, beobachtet
habe. Der Mantel unseres Thieres besteht gewissermassen
aus zwei Theilen, einer oberen soliden Scheibe und einem
unleren zarten und niedrigen Seilentheile, der sich dem
Scheibenrande anhängt und, wie der Schwimmsaum. von Cu-
nina monela, nach unten herabhängt, sich aber in seinem
Verlaufe nicht. allmählich wie dieser, verengt, sondern viel-
mehr etwas erweitert. Uebrigens kann kein: Zweifel darüber
obwalten, dass dieser Seitentheil einen integrirenden Ab-
schnitt des Mantels darstelle, einmal weil er die periphe-
rischen Anhänge des Magensackes in sich einschliesst, und
sodann auch, weil er seinerseits gauz deutlich noch mit einem
besonderen, wenn auch nur schmalen Schwimmsaume verse-
hen ist #*). Die Scheibe misst; etwa 1'/,“ im Durchmes-
ser und stellt gewissermassen eine schwach gebogene. con-
vex-concave Linse. dar, deren Ränder unter spitzem Winkel
sich berühren. Im Umkreise dieses Randes stehen 24 kurze
und gegitterte Tentakel, die mit ihrer Wurzel, wie bei Cu-
nina u. a., in die Substanz der Scheibe hineingesenkt sind
und neben dem unteren saumförmigen Abschnilte des Man-
tels herabhängen. Die Länge dieser Tenlakel ‚entspricht bei-
läufig der Höhe des Mantelsaumes (elwa = '/,“), doch scheint
es, als wenn sich dieselbe gelegentlich eiwas vergrössern und
verkleinern könnte. Der Magensack nimmt die ganze un-
tere Fläche der Mantelscheibe in Anspruch, ist aber niedrig
und hat in der Mitte eine einfache runde Oeffnung, die sich
#) naolyaoue, ein angewebter Saum am Rleide.
#=) Ebenso verhält sich die Aequorea rhodoloma Brdt., die wohl
gleichfalls eine Art meines Gen, sein dürfte,
40 Leuckart: Beiträge zur Kenntniss (d. Medusenfauna u. s. w.
in hohem Grade 'verengern und erweilern ‘kann. | Aus der
Peripherie des Magensackes entspringen 24 dünne Radialka-
näle, je einer unter der Wurzel eines Tentakels, die bis an
das untere Ende des Mantelsaumes reichen. Ein Ringgefäss
scheint nicht vorhanden zu sein. Sinneswerkzeuge fehlen;
sie bilden sich vielleicht, wie bei Aeginopsis, erst später,
während der Geschlechtsreife.
Giessen, August 1854.
Erklärung der Abbildungen.
Tab. 1.
Randkörperchen von Pelagia noctiluca.
Calyptra umbilicata (von unten gesehen).
Fig. 10. Dieselbe im Profil, mit stark verkürztem Magen.
Fig. 11. Thaumantias corollata. \
Fig. 12. Phialidium viridicans.
Fig. 13. Cunina moneta.
Fig. 1. Geryonia exigua im geschlechtsreifen Zustande.
Fig. 2. Geryonia exigua im Jugendzustande.
Fig. 3. Geryonia proboscidalis.
Fig. 4. Gehörkapsel von Geryonia exigua.
Fig. 5. Aglaura Peronii.
Fig. 6. ‘Magen mit Geschlechtsorganen von Agl. Peronii.
Fig. 7. : Gehörorgan von Aglaura Peronii,
. 8.
9.
Tab. II.
Fig. 1. Oceania pileata.
Fig. 2. Bougainvillea Koellikeri (die mittleren drei Tentakelbüsche
sind hinweggelassen).
Fig. 3. Magensack mit Anhängen, von unten gesehen (die Anhänge
nur theilweise ausgezeichnet).
Fig. 4. Euphysa (?) globator.
Fig. 5. Dieselbe im zusammengezogenen Zustande.
Fig. 6. Steenstrupia lineata.
Fig. 7. Pyxidium truncatum.
Fig. 8. Aeginopsis mediterranen,
Fig. 9. Dieselbe im geschlechtsreifen Zustande, von unten gesehen.
(Die Tentakel sind hinweggeblieben.)
Fig. 10. Paryphasma planiusculum (von den Tentakeln sind nur die
beiden seitlichen gezeichnet).
Fig. 11. Dasselbe von. unten.
Fig. 12. Magensäcke und Geschlechtsorgane von Cunina sek:
Fig. 15. Scheibenförmig ausgebreiteter Magen von Geryonia exigua.
Uebersicht der Aale.
Von
D. 9. Kaup
in Darmstadt.
Die Abtheilung der Aale enthält langgestreckte, Schlan-
gen ähnliche Formen, ohne eine Spurvon Bauchflossen. Der
Anus liegt gegen die Mitte oder, wie‘.bei, den Synbranchidae,
gegen das Schwanzende hin. ‚Sie zeigen keine regelmässige
Beschuppung und wo Schuppen auflreten, wie bei Anguilla
und Amphipnous, so sind sie rudimentär und kreuz und quer
in.der Haut.
Ihr Skelet ist vollkommen knöchern, allein ohne Bauch-
rippen., Die bezahnten Nasenbeine vertreten den Intermaxil-
larknochen, der nur bei: den Congeridae rudimenlär in den
Weichtheilen über den Lippen verborgen ist,
Um diese Abtheilung natürlich zu machen, müssen aus-
ser Ophidium und Ammodytes, die Genera Alabes, Sacco-
pharynx, Gymnarchus und die Familie Gymnotidae und Le-
ptocephalidae entfernt werden.
Die Gymnotidae sind als die niedrigste Familie zu ud
Physostomen zu stellen und die Peitsche des Sternarchus ist
als eine einseilig utrirte Entwickelung der Fellflosse der Sal-
monidae anzusehen. Sternarchus mit seiner normalen kleinen
Schwanzflosse ist als die höchste Form zu betrachten. Die
Leptocephalidae bilden ebenfalls die tiefste’Stufe der Ordnung,
wohin die Familie Esoeidae ‘gehört. Ein Genus aus dem Mit-
telmeere zeigt alle Charaktere der Leplocephalidae, allein hat
Bauchflossen. Ich habe es Esunculus Costai genannt.
42 Kaup:
Ich weiss Gymnarchus, Alabes und Saceopharynx bis
jetzt nicht zu stellen.
Ordo Apodes.
I. Seclio. Cryptomyeteren.
Mit einem hinteren Nasenloche, was sich als verborge-
ner Schlitz im Rande oder an der inneren Seite der weichen
Lippe befindet.
Iste Familie. Opisuridae.
Unterfamilie Ophisurinae,
Mit konischer Schwanzspitze ohne Flosse.
a) Mit einreihigen Zähnen auf allen Knochen.
1) Genus Leöuranus Blkr.
Ohne Vomerzähne.
1) Leiuranus colubrinus Kp.
Muraena colubrima' Bodd. ‘apud Pal. "Beitr. XI, 'p.'56,
Tab. 11. Fig. 3. Mur. annulata, Thunb. Gymnoth. annulatus,
Syst. p. 527. Ophis. fasciatus Lac., Ophis. colubrinus et vi-
mineus (juv.), Richards. Ophis. mullizonus Cuv. (Par. Mus.),
Leiuranus Lacepedit et Stelhopterus vimineus Blkr.
b) Auf dem Vomer mit einer oder zwei Reihen Zähne,
oder unvollsländigen zwei Reihen.
2) Genus Centrurophis Kp.
Ein transparenter Dorn an der Schwanzspitze.. , Brust-
flosse ziemlich entwickelt. Nasenzähne überreichen den Un-
terkiefer.
2) Centr. spadiceus Kp.
0. spadiceus Rich. ‚Ereb. et Terr, Report, p. 313.
3) C. remicaudus Kp.
0. remicaudus Bibron.
Die vorderen Theile des Kopfes mit vertieften Närbchen.
4) ©. bangko Ky.
0. bangko Blkr. Add, zu seinen Muraeniden.
5) C. grandoculis Kp.
©. grandoeulis Cant. Mal. Fish, p: 1306. Pl, 5. Fig. 3.
Uebersicht der Aale. 43
6) C. brasiliensis Kp.
Anguilla brasiliensis, Par. Mus.
Aehnelt remicaudus, allein der Kopf ist gestreckler, ohne
Narben. Die Entfernung von der Schnauze zum Kiemenloch
ist kürzer als vom letzteren zum Anfange der Rückenilosse.
Färbung gelblichbraun , schwärzlich punktirt. Ganze Länge
410, wovon der Schwanz 230; bis zum Mundwinkel 12, bis
zum Kiemenloche 34; bis zur Rückenflosse. 74, Brusiflosse
8 Mm. lang. Rio Janeiro! durch Quoy und Gain.
7) ©. macrochir Kp.
O..macrochir Blkr.. Muraeniden p. 26.
Dr. Bleeker sagt: „dente nasali unico.“ Sind vielleicht
in zwei Reihen gestellle abgebrochen und ist nur der erste
unpaarige an seinem Exemplare stehen geblieben.
3) Genus Poecilocephalus Kp,
Drei Nasenzähne, die den Unterkiefer nicht überrei-
chen; 3 auf der Mesiallinie, von welchen die vorderen klei-
ner und quer gestellt sind. 11 Gaumenzähne in einer gebo-
genen Linie, welche. den letzten der Mesiallinie erreicht; 11
auf dem Vomer;; 18 auf den Mandibulae. ‘Kopf ohne Läpp-
chen an der Oberlippe und mehr rundlich. Brusiflosse sehr
kurz; Rückenflosse in der Nähe der Brustflosse beginnend.
8) P. Bonaparti Kp.
Eine sehr bunte Form; Kopf und Kehle mit einem Nelz
von schwarz begrenzten Flecken. , Körper mit 18 schwarzen
Bändern. Am Bauche schwarze Flecken.
Amboina durch Quoy und Gaimard, Par. Mus,
b) Mit zwei Reihen Zähne. auf: dem Nasenbein und
Anfange des Unterkiefers.
A) Genus Microdonophis Kp.
Alle Flossen sehr entwickelt, 'Zähnchen sehr klein
und spitz.
0) M. altipennis Kp.
38 Zähne auf dem Palatinum; 45 auf den Mandibulae.
Viele Zähnchen auf dem Vomer, nach hinten wegen ihrer
Kleinheit schwer zu zählen. Oben schwärzlich, unten gelb-
lich; Rücken - und Analflosse schwärzlich gerandet. Brust=
44 Kaup:
flosse schwärzlich , etwas länger als der Unterkiefer, mit 16
Strahlen.
Macassar. Pariser und Leydener Mus.
c) Nur zwei Reihen am Anfange der Mandibulae.
5) Genus Coecilophis Kp.
10) .O.;compar Kp.
O. compar. Rich. Er. u. Terr. p. 105.
Sumalra. Brit. Mus.
d) Zwei Reihen auf dem Palatinum, eine Reihe auf
dem Vomer und Mandibulae.
6) Genus Ophisurus Lac. Quv. (part)
11) O. serpens Lac. Cuy. Rich.
Er. u. Terr. p. 106.? Fauna jap. p. 264. Pl. 115. fie. 1.
7) Genus Herpetoichthys Kp.
Mit fast gleich langen Kiefern und siumpfer Schnauze.
Rachen breit. Augen näher der Schnauze als dem Mund-
winkel. Kopf von oben nach unten zusammengedrückt, so
dass die Augen mehr nach oben als seitlich gerichtet er-
scheinen. Die vorderen Nasentuben am Rande der Schnauze.
Brustflossen ziemlich kurz.
12) H. ornatissimus Kp.
Kopf mit unregelmässigen dunklen Flecken. Eine weisse
Querlinie von Flecken; am Hinterkopfe' mit zwei Längsrei-
hen. Zwischen Auge und Schnauze weisse gebogene Linien.
16 — 17 schwarze runde breite Flecken nächst der Seiten-
linie, welche durch ein anderes Band mit runden Flecken
von verschiedenen Grössen getrennt sind.
Malabar durch Dussumier. Par. Mus.
13) H. regius Kp.
Ophisurus regius ‚Shaw. , Rich. Er. u. Terr.
14) A. sulcatus Kp.
Die ganze Haul zeigt verliefte Streifen und Punkte, die
namentlich deutlich am Kopfe und Halse sind. Brustflosse
doppelt so. lang ‚als der Durchmesser des grossen Auges.
Die entwickelte Rückenflosse beginnt vor der: Spitze der
Brusillosse. Rücken bis zum, Schwanze mit 19 grösseren
Flecken, zwischen welchen: nächst. dem Rücken eine Reihe
Uebersicht der Aale. 45
kleinerer sich befindet. Längs dem weissen Bauche und dem
Rande der Analflosse zwei Reihen unregelmässig BaathlIer
noch kleinerer Flecken.
8) Genus Brachysomophis Kp.
Die kleinen Augen stehen über dem ersten Fünftel des
grossen Rachens. Vordere Nasentube ungewöhnlich verkürzt.
Kiemenlöcher gross und nahe zusammenstehend. ' Brustflosse
kurz, von der Länge der Schnauze bis zu den Augen. Rand
der Lippen mit Wärzchen.
15) Br. horridus Kp.
Ein grösseres Exemplar des: Pariser Museums ist oben
schwärzlich, unten weisslich; die entwickelte Rückenflosse
gelblich mit bräunlichen Punkten und Streifen marmorirt. Anal-
flosse gelblich, Brusiflosse punktirt.
Ein junges Exemplar des Leydner Museums hat am ‘Hin-
terkopfe eine Querlinie von :5 schwarzen Punkten und längs
der Seitenlinie bis fast ans. Ende des Schwanzes schwarze
Punkte. 1
Das Pariser Exemplar kam \von Olaheile durch Les-
son und Gaimard.
London, Paris, Leyden.
9) Genus Elapsopis Kp.
16) E. versicolor Rich. Er. und Terr. p. 103.
Molukken. London, Paris.
e) Zwei Zahnreihen auf dem Gaumen und Unterkie-
fer. Eine auf dem Vomer.
10) Genus Mystriophis Kp.
Anfaug der Schnauze löffelförmig. Die vordere rudi-
menläre Nasentube ist dahin placirt, wo die Schnauze sich
erweitert. Augen auf der Mitte der Rachenlänge.
17). M. rostellatus Kp.
0, rostellatus Rich. Er. et Terr. p..105.
Senegal. Paris, London.
M. porphyreus Temm. et Schleg. Fauna jap: t. 116 un-
terscheidet sich durch ‚ein 11—12 Linien ‚längeres ' nacktes
Schwanzende, das, bei ‚rostellatus ‚nur 3 Linien lang, ist,
46 Kaup:
11): Genus Muraenopsis Lesueur.
18) M. ocellata Les. Journ. Ac. Sc. of’ Ph. V. Pl. 4. fig.3.
Ophis. ocellatus Rich. Er. et Terr., 'Oph. remiger
d’Orb. Voy. Poiss. pl. XIL fig. 2.
Mexiko, Süd-Amerika.
19) .M, discellurus Kp.
©. discellurus Rich. Sulph. p. 106. P. 48. fig, 2,3, 4.
Report 1845. p. 312.
China. Brit. Mus.
20) M. triserialis Kp.
Auf bräunlichem Grunde der Kopf und die Kehle mit
runden schwarzen Flecken. ZweiReihen von grösseren run-
den Flecken längs der Dorsal- und Seilenlinie, eine drilte
Reihe Flecken bis zum Anus. Bauch silberfarbig, fein punk-
tirt und bräunlich gestreift.
Süd-Amerika oder stiller Ocean. Haslar Mus.
12) Genus Echiophis Kp.
21) E. intertinctus Kp.
©. interlinelus Rich. Er. et Terr.
O. maculalus Par. Mus.
Martinique., London, Paris.
13) Genus Scytalophis Kp.
22) S. magnioculis Kp.
0. brasiliensis Par. Mus.
Das Auge doppelt so gross als bei der folgenden. Das
Läppchen an der vorderen Nasenlube weniger entwickelt.
St. Croix und Brasilien. Paris, Leyden.
23) S. parilis Kp.
0. parilis Rich. Er. et Terr. p. 105.
Ein langes Hautläppchen an der vorderen Nasentube.
Brasilien, Westindien, Surinam. London, Leyd., Par.
f) Alle Zähne sind spitz und zahlreich ‘und stehen
auf den Nasenbeinen, Gaumen, Vomer und Unter-
kiefer in zwei Reihen.
14). Leptorhinophis Kp.
Schnauze zugespilzt. Vordere Nasenlube "kurz und her-
abhängend. Hinteres Nasenloch im Rande derLippe vor dem
Uebersicht der Aale. 47
Auge. Augen auf der Mitte des Rachens,) ‚Brustflossen ı ..-
wickelt. . 'Anal- und Rückenflossen verschmälern: sich ‚gegen
den Schwanz, allein erheben sich vor dem nackten Schwanzende.
24) L. Gomesi Kaup.
Ophisurus Gomesi Castelneau pl. 44. fig. 2%
Auf den Nasenbeinen 5 Zähne,,wovon: der erste un-
paarig; 16 auf,der äusseren, 23 auf der inneren Reihe des
Gaumens. Auf dem Vomer im Ganzen elwa 42, die sehr un-
regelmässig gestellt sind. Im Unterkiefer 25 auf: der äusse-
ren und 18 auf der inneren Seile.
Grün, am Rücken und Kopfe dunkler ‚mit unzähligen
Punkten... Unter der, Seilenliuie gelblichgrün. Rücken- und
Analflosse am Rande dunkler. Brusiflosse.dunkelgrün. Schwarze
Poren am Rande der Oberlippe. ‚Von der schwärzlichen Kinn-
haut Punklstreifen zur Kehle,
Totallänge 460. . Schwanz 290; zum Mundwinkel 16,
zum Auge 7, zur Rückenflosse 64,, zum Kiemenloche 43;
Länge der Brusiflosse 16. Körperhöhe 16.
25) L. marginatus Kp.
Ophiurus marginalus Peters Arch. 1855. p. 272—273.
Grün, am Rücken dunkler, am 'Bauche grünlichgelb.
Rückenflosse schwarz ı gerändert. »Brust- und ‚Afterflosse
blassrolh; die letztere mit schwarzem Rande,
B.. 21. P. 11..:Di 460-480. A. 270.
Totallänge 610. Schwanz 345, bis zum Mundwinkel 10%/,,
zum Auge 5, zur Brusillosse 36, zur Rückenflosse 40. Kör-
perhöhe 12 Mm.
Fundort Inbambane in’ Ost-Afrika.
g) Mit runden stumpfen Zähnen in mehreren Reihen.
Kopf meist stumpf mit kurzem Rachen:
15) Pisodonophis Kp.
a) Einfarbige.
26) P. cancrivorus Kp.
0. cancrivorus et sinensis Rich. Er. et Terr. p. 97—98.
Pl. 50. fig. 6—9. 0. baccidens: ‚Cant.\ Mal. Fish.
P:320. Pl, 5. fig. I,
Indien und’ Mauritius; London, ‘Paris,
Kaup:
27) P. boro Kp.
O. boro, harancha, hyala, Ham. Gang. Fish. p. 20
21. 363. Gray Ill. Ind. Zool. 1. t. 95. fig. 1. 2.
O. immaculata, acuminata, puncticulata Swains.
O..boro, harangua, hyala, rosiratus elıminimus McClell.
0. boro et hyala Rich. Er. et Terr, p. 99. 102. Can-
tor et Bleeker.. O.. bengalensis Par. Mus. Conger
microstomus Eyd. et Soul. Bonite I. p. 205. pl.9.
fig. 3.
Paris, London.
28) P. pallens Kp.
0. pallens Rich. Er. et Terr. p. 101. London.
29) P. rutidoderma Kp.
0. rulidoderma Blkr. Mur. p.30. Asien.
30) P. rutidodermatoides Kp.
0. rulidodermatoides Blkr, Muraeniden. Asien.
31) P. Medlellandi Kp.
O. Mctlellandi Blkr. Muraeniden. Asien.
32) P. hypselopterus Kp.
0. hypselopterus 'Blkr. Muraeniden. Asien.
33) P. brachysoma Kp.
0. brachysoma Blkr. 3de Bydr. p. 38. ' Asien.
34) P. Schaapi Kp.
O. Schaapi Blkr. Addit. d. Mur. p. 53. Asien,
35). P. Hoeveni Kp.
0. Hoeveni Blkr.
36) P. potamophilus Kp.
0. potamophilus. Blkr, . Addit..d.. Mur.
37), P. breviceps Kp.
0. breviceps Rich. Er. el Terr.
38) P. lumbricoides Kp.
0. lumbricoides Blkr. Mur. p. 32.
0. breviceps Cant. nec Rich.
ß) Mit runden Flecken.
39) P. maculatus'Kp.
O. maculatus Cuv., O. ophis Lac., pardalis Val. in
Webb et Berth. Can. p. 90. Pl, 16, fig. 2.
Uebersicht der Aale. 49
40) P. guttulatus Kp.
Martinique... Par. Mus.
Rückenflosse am Hinterkopfe beginnend. Brustflossen sehr
kurz, breiter als lang mit 20 Strahlen. Drei Reihen weisser
Flecken über den Körper. Die Zahl der Flecken in der Ju-
gend geringer als im Alter, wie bei maculalus.
41) P. oculatus Kp.
Oph. oculatus Schleg. Leyd. Mus.
Aehnelt semicinctus, allein mit kürzerem Kopfe und
kürzeren Brusiflossen, die breiter als lang sind. Am Kopfe
verschiedene Reihen weisser schwarz begrenzter Flecken.
Der Anfang der Schnauze mit einfachen schwärzlichen Flek-
ken ohne weisses Centrum. Am Hinterkopfe drei grosse
Flecken, deren Centrum dunkel gefleckt ist, Längs der Rük-
kenflosse 29 geaugte Flecken. Jeder dieser Flecken zwischen
und unter zwei obere gestellt.
Curagao. Leyd. Mus.
) Gebänderte.
42) P. semicinctus Kp.
0. semicinctus Rich. Er. ei Terr. p. 99.
Gambia und Goree. London, Paris.
45) P. fasciatus Kp.
O. fasciatus Rich. Muraena fasciala Thunb. Spic. Ichth.
t.2. fig. 1. Gymnothorax fasciatus, Syst. p. 529.
0. alternans Quoy et Gaim, Freye voy. Pl. 45. 2.
Unterfamilie Sphaegebranchinae.
Wurmähnliche Formen, deren Kiemenlöcher an der Kehle
sehr nahe zusammenstehen.
16) Genus Lamnostoma Kp.
Die Haiähnliche zusammengedrückte und zugespilzle
Schnauze zeigt die Nasenlöcher am unteren Rande. Die Na-
senlöcher stehen in kleinen Tuben, haben eine ohrförmige
Geslalt mit einem Läppchen, das von aussen nach innen ge-
richtet ist.
Archiv [. Naturgesch. XXII. Jahrg. 1. Bd. 4
50 Kaup:
44) L. pietum Kp.
Dalophis orientalis McClell.
Manli bukaropaum, Russ. 1. t. 37.
Dekan, Leyden.
45) L. bicolor Kp.
Mit breiter plötzlich zugespilzter Schnauze. Am Hin-
terkopfe ein Querband von Poren. In einem Bogen eine
Reihe Poren über der Kehle zur Seitenlinie. Eine mehr ge-
rade Linie mit 10—12Poren beginnt in der Nähe des Mund-
winkels, allein geht nicht über das Kiemenloch. Obere Theile
dunkel, die unteren weisslich; nächst der Seitenlinie dunkel
punktirt, Der Schwanz elwas länger als der Körper.
Borneo. Leyden.
17) Genus Anguisurus Kp.
Schnauze mehr cylindrisch zugespilzt mit offenen Na-
senlöchern ohne Tuben.
46) A. punciulatus Kp.
Schnauze höher als breit. Kopf weisslich marmorirt mit
weisslichem Querbande am Hinterkopfe. Verschiedene weisse
Flecken bis zur Dorsalfllosse. Längs der. Seitenlinie eine
Reihe mit unter sich verbundenen weissen Tüpfeln. _Dorsal-
flosse weisslich. Die oberen Theile derselben bläulich, fein
schwarz punklirt; unten weisslich. Schwanz kürzer als der
Körper.
Java. Leyden.
18) Genus Sphagebranchus Bl.
Dalophis Raf. Cant. Blkr.
Die vorderen Nasenlöcher in kurzen Tuben. Schnauze
mehr rund und nicht zusammengedrückt. Brustflossen rudi-
dimentär oder fehlen gänzlich.
47) Sphagebranchus imberbis Delar.
An. d. Mus. XIll. p. 360. t. 25. fig. 18.
Dalophis bimaculata Raf. Caralt. T. 7. fig. 2.
Sphagebr. imberbis et oculatus Risso p. 196. (nach
Bonap.).
Zeigt eine kaum sichtbare Brustflosse mit drei Strahlen,
die individuell fehlt. Das grösste Exemplar von Toulon durch
Herrn L. Kiener war 655 Mm. lang.
Uebersicht der Aale. 51
48) Sp. rostratus Bl. tab. 419. fig. 2. ? Surinam.
49) Sp. brevirostris ‘Peters. Mossambique.
Archiv. 1855. p. 273.
Unterscheidet sich, wie schon der Name ausdrückt, durch
kürzere Schnauze von roslralus.
50) Sp. moluccensis Kp.
Dalophis moluccensis Blkr. Ceram.
51) Sp. polyophthalmus Kp.
Dal. polyophthalmus Blkr. Priaman.
52) Sp. marmoratus Kp.
D. marmoratus Blkr. Sumatra.
53) Sp. anceps Kp.
D. anceps Cant. Pinang.
Da alle der alten Welt angehören, so glaube ich, dass
die Angabe Surinam bei rostralus ein Schreibfehler ist; soll
vielleicht Sumatra heissen.
19) Genus Cirrhimuraena.Kp.
Die ganze Oberlippe mit einer grossen Zahl irregulärer
kurzer Bartfäden, Zähne ‚einreihig mit zwei Reihen auf dem
Palatinum.
54) C. chinensis Kp,
Die Oberlippe mit elwa 17 kurzen Bartfäden. Brust-
flosse schmal und länglich. Auge über der Mille des Ra-
chens. Zähne sehr fein. *)
London, Leyden.
20) Genus Callechelys Kp.
Mit kurzem ovalen Kople, mehr gesireckter plaltgedrück-
ter Schnauze und sehr kurzem Unterkiefer. Vordere Na-
senlöcher in abwärts hängenden kleinen Tuben, die hinteren
mit einem. kleinen Läppchen bedeckt. Keine Brusiflosse. Rük-
kenflosse sehr entwickelt, weniger die Analflosse. Nur ein
grosser Zahn auf den Nasenbeinen; er ist verlängert, stumpf
und rückwärls gerichtet. Acht Zähne in den oval geboge-
nen Palalinknochen. Gegen 10 auf dem Vomer, von wel-
*) Quid Sph. oatastomus Syst, p.536 „Rostro acuto, cirrhis 4
capite perloratis«. Otaheite.
52 Kaup:
chen die 6 vorderen zwei Reihen bilden. 24 rings im Un-
terkiefer.
55) C©. Guichenoti Kp.
Auf lichtblauem Grunde schwarz gefleckt und punktirt.
Gegen das Schwanzende hin herrscht, die schwarze Farbe
vor. Flossen weiss mit irregulären schwarzen Flecken. To-
tallänge 475, Schwanz 175 Mm. Ich habe. diese Art nach
Herrn Guichenot genannt, welchem ich vielen Dank für
alle seine freundliche Bemühungen schulde.
Otaheite. Par. Mus.
21) Genus Ichthyapus Barnev.
Ohne alle Flossen. Schnauze haiähnlich verlängert mit
kurzem zugespitziem Unterkiefer. Gegen den Anfang der
unteren 'Schnauzenansicht hin sitzen die grossen runden, son-
derbar ausgezackten Tuben mit den vorderen Nasenlöchern,
deren Ränder wie bei einer Knospe nach innen gerichtet sind.
Augen mitten über dem Rachen. Körper mit vertieften Haul-
furchen slalt der Flossen *). Seitenlinie deutlich mit weit
von einander abstehenden Poren.
56) J. acutirostris Barn. Guer. Rev. Zool. Juill. 1847.
Hohes Meer nächst dem Aequator. Par. Mus.
22) Genus Ophisurapus Kp.
Gleicht der vorigen, allein die vorderen Nasenlöcher
sitzen in gewöhnlich gestalteten Tuben. Die punktförmigen
Augen mehr nach der Schnauze hin. Alle Zähne klein und
spilz. Zwischen dem Schlitze der Schnauze die Nasenzähne
Die Zähne der Mesiallinie endigen am Anfange der Pala-
tinzähne, Keine Zähne auf dem Vomer.
57) O. gracilis Kp.
Noch dünner und gestreckter als aculirostris. Schwanz
bedeutend länger als der Körper. Bis zum Mundwinkel 6, zum
Kiemenloche 17, zum Anus 102, Schwanz 148 Mm.
Woher? Par. Museum.
In die Nähe gehört vielleicht
*) Schneider sagt p. 536 bei catastomus: „Linnaeus forte in
exemplo diu in liquore vinoso condito, nee pinnas in fossula recon-
ditas, nec cirrhos videre potuit, quae erat Forsteri suspicios
a
Uebersicht der Aale. 53
58) Sphagebranchus quadratus Rich.
Sulph. Pl. 52. fig. 8—15.
Weniger gestreckt mit zwei Reihen Vomerzähne.
Unterfamilie Wyrophinae.
Rücken- und Analflosse umgeben wie bei den Aalen
den Schwanz,
23) Genus Myrophis Lütken.
Mit zwei langen Reihen unregelmässig gestellter Zähne
auf Palatinum: und Vomer. Drei Paar Zähne auf dem Nasen-
beine; kurze jedoch deutliche Brusiflossen. Vier Kopfslänge
beginnt die Rückenflosse.
59) M. longicolks Kp.
Anguilla longicollis Cuv. Regn. an. Lac£p. II. fig. 3.
unter dem falschen Namen M. myrus.
M. punctalus Lütken, Arch. 1852. p. 270.
Das 375 Mm. lange Exemplar der Pariser Sammlung
stammt aus Surinam. Das von Lütken beschriebene war
6 844 (dänisches Maass) lang.
24) Muraenichthys Bleeker.
Ohne Brusiflossen. Zähne stumpf konisch und kör-
nerarlig.
60) M. gymnopterus Bikr.
Muraenoiden p. 42. Verh. Bat. Gen. XXV. p. 52.
Der junge Fisch hat Jen Kopf stumpfer als der alte.
Java (Bleeker), Macassar (Leyd. Mus.)
25) Genus Myrus Kp.
Mit Brusiflossen. Rückenflosse nächst der Spitze der
Brusiflosse beginnend. Zähne in mehreren Reihen ohne
Ordnung.
61) M. vulgaris Kp.
Mur. myrus Linn. N. 5. Gmel. 1134. Risso Ichth. d.
Nice p.30. Syst. p. 488. Conger myrus Cuv. Rich.
Er. et Terr. p. 108. Costa Fauna Nap. t. 29. Eche-
lus punclatus Raf. 65. 171. t. XVII. fig. 1. Bonap.
4 cat. meth. N. 324.
Nach der äusseren Erscheinung ein Conger, allein nach
der Stellung der hinteren Nasenlöcher gehört er hierher.
54 Kaup:
ll. Sectio. Phaneromycteren.
ll. Familie Anguillidae.
Unterfamilie. Anguillinae,
In dieser Subfamilie treten undeutliche Schuppen in der
Haut auf, die im trocknen Zustande sie deutlicher zeigt, als
im frischen Fische, wo sie durch den Haulschleim verdeckt
werden.
26) Genus Anguilla Thunb.
Mit hechelförmigen. Zähnen auf den Nasenbeinen, Gau-
men, Vomer und Unterkiefer. Die der Nasenbeine und Vo-
mer bilden eine Fläche.
Man kann sie in mehrere, kleine Seclionen zerfällen.
a) Grossäugige mil kurzer Schnauze und langer, nach
dem Kopfe sich hinziehender Rückenflosse.
62) A, Kieneri Kp.
Mit ungewöhnlich grossen Augen, deren Diameter elwas
länger als die Schnauze ist. Sie stehen so hoch, dass auf
der Stirn zwischen beiden Augen eine bedeutende Concavität
entsteht.
Ich habe diese Art, welche von allen die interessan-
teste ist, nach Herrn Kiener genannt, der sie bei Toulon
zuerst aufgefunden hat.
63) Anguilla Cuvieri Kp.
Le Pimperneaux Cuv.
? A. cloacina Bonap. Cat. meth. p. 38.
Von dieser Art sagt Cuvier „qui l’a plus ä proporlion
(le bec), et dont les yeux sont plus grand qu’aux autres.“
Im Vergleiche mit dem folgenden zeigt sie kleinere Au-
gen; sie ist eine stärkere Form mit .dunkelgrünem Rücken
bis zur Seitenlinie; unter dieser silberfarbig.
64) A. Bibroni Kp.
Hat engeres Maul, grössere Augen und geringere Zahl
mehr konischer Zähne, schlankeren Körper und schwarze
Brustflossen. Oben dunkelgrün, Seiten silberfarbig, Bauch
gelblich. Um den Anus schwarz.
Sicilien durch Bibron. Par. Mus.
Uebersicht der Aale. 55
65) A. Savignyi Kp.
Schön olivengrün ohne silberfarbige Seiten.
Neapel. Par. Mus., durch Herrn Savigny.
Quid A. septembrina Bon. Cat. meth. p. 38.
b) Mit längerer Schnauze, in die der Diameter des
Auges mehr als einmal geht. Dorsalflosse weit
nach dem Kopfe hin reichend.
a. Europäer.
66) A. capitone Val. Par. Mus. Neapel.
67) A. morena Val. Par. Mus. Neapel.
68) A. melanochir Val. Par. Mus. Tiber.
69) A. marginata Kp. Par. Mus. Valencia.
70) A. microptera Kp. Par. Mus. Algesiras.
71) A. ancidda Kp. Par. Mus. Sicilien.
72). A. mediorostris Yarr. Par., Lond. England.
73) A. altirostris Kp. Par. Mus. Ausfluss der Seine.
74) A. platycephala Kp. Le Verniaux et l’anguille plat
bec, Cuv. Par. Mus. Abbeville.
75) A. latirostris Yarrell. Par., London.
76) A. aculirostris Yarr. Ang. long. bec Cuv.
ß. Africaner.
77) A. nilotica Kp. Par. Mus.
78) A. aegyptiaca Kp. Par. Mus.
79) A. callensis Guich. Par. Mus. Algier.
80) A. canariensis Val. Par. Mus.
y. Asiaten.
81) A. mälgumora Schleg. Leyden.
82) A. celebensis Kp. Paris.
83) A. marmorala Quoy ct Gaim. Freyc. voy. p. 241.
A. Elphistona Syk., bengalensis Gray, varie-
gata McClell., guttala Cuv. ex Voy. de Peron.
d. Amerikaner,
84) A. novaeorleanensis Kp. Par. Mus.
85) A. tenuirostris Dek. Par. Mus. Nordamerika.
86) A. punctatissima Kp. Par. Mus. Niagara.
87) A. cubana Kp. Par. Mus,
88) A. novaterrae Kp. Par. Mus.
56
Kaup:
80) A. texana Kp. Par. Mus.
90) A. Wabashensis Kp. Par. Mus. Wabash.
&. Neuholländer.
91) A. Auclandi Rich. Lond. Mus.
92) A. labrosa Rich. Lond. Mus.
Arten, die in diese Seclion gehören, allein von denen
keine Notizen exisliren, wo sie gesammelt sind.
93) A. fasciata Kp. Die einzige Art mit breiten
tief schwarzen Querbinden.,, Aus der
allen Collection des Leydner Museums.
94) A. macrops Kp. Par. Mus.
95) A. angustidens Kp. Par. Mus.
96) A. eurylaema Kp. Par. Mus.
c) Mit den Charakteren der vorigen unterscheiden sie
sich durch die breiten Knochen, worauf die Zähne
sitzen.
97) A. Delalandi Kp. Cap im grossen Fischllusse. Pa-
riser Museum.
98) A. megastoma Kp. Mulgran. Arch.
Hierher gehört vielleicht Muraena macrocephalaRapp.
Würzburger Jahreshefte IV. p. 142. Port Natal.
d) Mit kurzer Rückenflosse,, die fast oder über dem
Anus beginnt.
99) A. Dussumieri Kp. Paris.
Rückenflosse elwas hinter dem Anus beginnend.
100) A. Mowa Blkr. _ Muraenoiden p.22. Java.
101) A. Bleekeri Kp. Paris. Indien.
102) A. Cantori Kp. Paris. Bombay.
103) A. malabarica Kp. Par. Mus.
104) A. sidat Blkr. Mur. p. 17. Java.
105) A. australis Rich. Er. el Terr. p. 113. Pl. 45. 7—13.
106) A. Dieffenbachi Gray, Er. et Terr. p. 113.
Zur Unterscheidung dieser 57 Arten habe ich an 30
Porträts mit den Gaumen -, Nasen- und Vomerzähnen in mei-
nem grösseren Werke gegeben. Da diese nolhwendig zur
Unterscheidung gehören und hier nicht gegeben werden kön-
Uebersicht der Aale. 57
nen, so musste ich die Diagnosen der meisten Arten hier
weglassen.
Ich halle bis jetzt keine Gelegenheit McClelland’s
neue Aale durch seine Beschreibungen kennen zu lernen und
muss es dahin gestellt sein lassen, ob nicht die eine oder
die andere indische Art mit denen von McClelland zu-
sammenfällt.
III. Familie. Muraemidae.
Ohne Brustflossen mit seitlichen Kiemenlöchern und
stumpfem Schwanze. Meist grosse Formen.
Unterfamilie Murneninae.
Mit nur einer Reihe Zähne auf fast allen Knochen des
Rachens, namentlich auf den Gaumenbeinen.
27) Genus Huraena Linn.
Eine Reihe Zähne auf dem Nasenbein, drei in einer
Reihe auf der Mesiallinie.
a) Mit einreihigen Vomerzähnen.
107) Muraena helena Linn.
Bl. t. 153. Enc. meth. t. 23. fig. 79. Rich. Er. et
Terr. p. 80. pl. 49. fig. 1—6 (Austral. Var.) M. len-
tiginosa Jen. Beagle p. 143. M. punctata, Cast.
Pl. 42. fig. 5, variegata et punclata Raf., fulva et
gultala Risso nach Bonap. Cat. meth. p. 39. Scheint
in allen Meeren vorzukommen.
108) M. vermicularis Pet. Arch. 1955. p. 271.
109) M.nubila Rich. Er. et Terr. p. 81. Pl. 46. fig. 6—10.
110) M. schismatorhynchus Blkr. Diagn. Besch. Sumatra.
111) M. sagenodeta Rich. Er. et Terr. p. 81.
112) M. reliculata Cuv. Bl. 416. Syst. 528. Er. et Terr.
p- 82.
113) M. ocellata Rich. Er. et Terr. p. 82. pl. 47. fig. 6—10.
Pisc. bras. Spixi p. 91. t.L. b. fig. 6-9. M.
pintade Quoy et Gaim. vog. d. Freyc. pl. 52.
fig. 2. Voy. of Beagle p. 145. Muraenophis
variegala Tab. 42. fig. 2,
58 Kaup:
114) M. tristis Kp. Niger. London,
115) M. Richardsoni Blkr. Muraenoiden,
116) M. similis Rich. Er, et Terr. p.83.
117) M. punctata Rich. Er. et Terr. p. 83. Gymnoth.
punctatus Bl. et Schn. Syst. p. 526.
118) M. pseudothyrsoidea Blkr. Muraen. Muraenophis
de Coromandel Lesch. im Par. Mus.
119) M. mauritiana, Kp. Bourbon et Mauritius. Par. Mus.
120) M. nigrolineata Kp. Marquisenins. Par. Mus.
121) M. marmorea Val. Muraenophis marmoreus Val.
Ven. pl. 14. fig. 1.
122) M. flavimarginata Kp. Bourbon, ‚Par. Mus.
123) M. elegantissima Kp. ? Australien. Par. Mus.
124) M. interrupta Kp. Rothes Meer. Par. Mus.
125) M. python Kp. Alrika. London.
126) M. venosa Kp, Timor. Leyden.
b) Mit zwei Reihen Vomerzähne.
127) M. favaginea Cuv. Gymnoth. favag. Syst. p. 525.
t.105.. Thaerodontis reticulalus MedQlell.
Im Pariser Museum existirt ein Individuum in. Spiritus
aufbewahrt, das nur eine Reihe von I1—12 Zähnen mitten
auf dem Vomer zeigt; ein trockenes Exemplar zeigt jedoch
zwei Reihen, die sich nach dem Schlunde hin vereinigen.
Cuvier, der:nur das erste im Spiritus untersucht hat, rech-
net sie zu den Arten mit einer Reihe Vomerzähne und Mc.
Clelland zu den Arten mit zwei Reihen. Diese ungewöhn-
liche Variation überraschte mich ‚sehr und ich ‚untersuchle
beide Individuen mit der allergrössten Sorgfalt, ohne jedoch
eine specifische Verschiedenheit finden zu können. Ich halte
jedoch die zwei Reihen für normal und die eine Reihe für
abnorm, was sich bei einer Untersuchung an einer grossen
Zahl als richtig herausstellen wird.
128) M. tigrina Rüpp. All. 1.30. fig. 2. Par. Mus.
129) M. J. Mülleri Kp. Mol. Archip. Leyden.
130) M. Troscheli Blkr. Muraenoiden. Sumatra.
131) M. chrysops Kp. Otaheite, Par Mus.
28) Genus Siderea Kp.
Auf der Mesiallinie nur ein kurzer konischer Zahn, Auf
Uebersicht der Aale. 59
dem Vomer zwei Reihen kürzerer, körnerarliger Zähne, die
nach hinten in einem spitzen Winkel zusammenlaufen, Rachen
ziemlich eng.
a) Einreihige Zähne auf den Nasenbeinen und mit
zweireihigen Zähnen auf der Symphyse des Unter-
. kiefers.
132) S. Pfeifferi Kp.
Muraena Pfeifferi Blkr. Mur. Macassar, Celebes,
Ceram.
b) Mit zwei Reihen Nasen- und einreihigen Maxil-
larzähnen *).
133) S. pantherina Kp.
Mur. pantherina Lac. t. V., picla Thunb., atomaria
Sol., M. pratbernon Quoy et Gaim, Freyc. voy. Pl. 52.
fig. 1. Er. et Terr. p. 84. M. siderea et lila Rich,
Er. et Terr. p. 84—85. Pl. 48. fig. 1—5.
Unterfamilie. Thyrsoideinae **),
Zwei Reihen Gaumenzähne, wovon die innere in der
Zahl der Zähne sehr variant ist.
29) Genus Enchelynassa Kp.
Siehe Archiv 1855. p. 212. tab. X. fie. 3.
134) E. Bleekeri Kp. Leyden. Stiller Ocean.
30) Genus Eurymycetera Kp.
Das vordere Nasenloch in seiner Tube weit über die
Schnauze hinausragend und diese am Ende erweitert. Hin-
teres Nasenloch über den Augen, trichterförmig mit umge-
schlagenem Rande.
135) E. crudelis Kp. Leyden. Java.
*) M. diplodon Peters Arch. 1855. p. 272 muss näher verglichen
werden.
®®*) Es ist eine missliche Sache manche Arten dieser Unterfa-
milie richtig zu placiren, weil durch das Alter bei einigen Arten die
innere Reihe defekt wird. oder wo alle innere Zähne verloren gehen,
Hier ist es dann nothwendig, von diesen Arten grössere Suiten zu
besitzen.
60 Kaup:
31) Genus Enchelycore.Kp.
Die Mitte des tief gespaltenen Rachens kann wegen der
Länge der Zähne nicht geschlossen werden. Vordere Nasen-
tuben ungewöhnlich kurz, ragen nicht über die Lippen und
besitzen keine Klappe. Hinteres Nasenloch vor den Augen,
länger als breit und hat fast den 4-7 Durchmesser des
Auges.
136) E. euryrhina Kp. Par. Mus. Woher ?
32) Genus Thyrsoidea Kp.
Haben nichts ausgezeichnetes in der Bildung der Na-
sentuben, Rachen geschlossen. Die innere Reihe der Pala-
tinzähne mehr oder weniger zahlreich.
a) Mit einreihigen Nasen- und Vomerzähnen.
a) Mit netzförmiger Zeichnung.
137) Th. macrops Kp. Par. Mus.
138) Th. isingleenoides Kp.
Mur. isingleenoides Blkr. Mur. Sumatra.
139) Th. griseobadia Kp.
Mur. griseobadia Rich. Sulph. p. 108. Pl. 48. fig. 1.
China. Leyden, London.
140) Th. tessellata Kp.
Mur. tessellata Rich. Sulph. p. 109. Pl. 55. fig. 5—8.
Blkr. diagn. Beschr.: Sumatra.
141) Th. cancellata Kp.
Muraena cancellata Rich. Er. et Terr. p. 87. PI.46.
fig. 1—5. Blkr. diagn. Beschr. Sumalra.
M, Valencienni Eyd. et Soul. Bonile T. 1. p. 207,
pl. 8. fig. 1.
Australien (Rich.), Sumatra (Bleeker), Madeira (Dr.
Smith), Cap Upstart (Brit, Mus.), Sandwichinseln
(Eyd. et Soul.).
142) Th. tenebrosa Kp.
Mur. tenebrosa Banks et Sol. M. SS. Rich. Er. el
Terr. p. 84.
ß) Gefleckte.
143) Th. moringua Kp.
Mur. moringua Cuv. Er. et Terr. p. 89.
Uebersicht der Aale. 61
Mur. marlinicensis, Par. Mus. Muraenophis curvi-
lineala et caramura Cast. Pl. 42. fig.2.Pl.43. fig. 1.
Bermudas, Golf von Mexico, Martinique etc.
144) Th. stellifer Kp.
Mur. stellifer Er. et Terr. p. 86.
145) Th. bullata Kp. ;
Mur. bullata Rich. Er. et Terr. p. 86. Muraeno-
phis tigrina Cuv. (Par. Mus.), leopardina et me-
lanostigma (Leyd. Mus.). Java. London, Ley-
den, Paris.
Sehr wesentlich von isingleena verschieden.
146) Th. longissima Kp.
; Die Länge desKopfes bis zum oceiput geht in der To-
lallänge 20mal. Bombay. (Par. Mus.)
y) Mehr einfarbige.
147) Th. lineopinnis Kp.
Mur. lineopinnis Rich. Er. et Terr. p. 89. Murae-
nophis Vicine Cast, Pl. 42. fig. 4.
Puerto cabello.. London, Paris.
148) Th. maculipinnis Kp.
Auf der entwickelten Rückenflosse mit mehr horizonta-
len schwarzen Linien und unregelmässig geformten schwar-
zen Flecken.
Goldküste. (Leyd. Mus.)
ö) Gebänderte.
149) Th. colubrina Kp.
Mur. colubrina, Commers. Rich. Er. el Terr. p. 68.
Tab. 19. fig, 1.
Socielälsins. Brit. Mus.
b) Einreihige Nasal-, zweireihige Vomerzähne.
150) Th. arenata Kp.
Muraena Ihyrsoidea Rich. Sulph. p. 111. pl.49. fig. 1.
Er. et Terr. p. 91. Cant. Mal, Fish. p. 330.
Mur. arenalus Cuv. (Par. Mus.)
Ich bezweifle es sehr, dass diese Figur die von Sir
Richardson beschriebene Art darstellt. Sie ist nach einer
Zeichnung des Herrn Reeves. China. Brit. Mus,
62 Kaup:
151) Th. sathete Kp.
Mur. sathete Ham. Gangesf, p. 17 u, 363. Ic. Hardw.
ined. No. 318, obere Figur. Mur, salhete Rich.
Er. el Terr. p. 91. Cant. Mal, Fish. p. 331.
Indien. Brit, Mus.
152) Th. ceramensis Kp.
Mur. ceramensis Blkr. Muraenoiden.
Wahai, Ceram (Bleeker) , Java (Kuhl), Nouhiva
(Par. Mus.).
153) Th. Boschi Kp.
Mur. ‚Boschi Bleeker Muraenoiden, Sumatra (Blkr.)
154) Th. prosopeion Kp.
Mur, prosopeion Bleeker diagn, Beschr, Priaman.
(Sumalra).
155) Th. multifasciata Kp.
Nasenzähne: 12 sehr regelmässig geformt in einem
Halbzirkel.
Mesiallinie: 2, der hintere der längste.
Vomerzähne: 21, die sechs vorderen Paare bilden eine
doppelte schief gestellle Reihe; sie sind kurz, aber spilz.
Palatinzähne: 13 auf der äusseren, 3 dünnere und län-
gere auf (der inneren Reihe.
Unterkiefer: 20, 4 beweglich nach innen an der Symphyse.
Die vordere Nasenlube reicht über die Lippe und die
hintere hat einen schmalen nach hinten gerichteten Rand.
Die Augen von milllerer Grösse, gehen 1’, in die Länge
der Schnauze und stehen näher der Schnauze als dem Mund-
winkel. Dorsalllosse beginnt über dem Kiemenloche.
c) Zwei Reihen Nasen-, eine Reihe Vomerzähne.
156) Th. A. Dumerili Kp.
Mur, gultala Rich., Mur. punclalus, (Par. Mus.)
Sir Richardson verwechselt diese Art mil Lema-
muraena gullala. Ich habe sie nach meinem verehrlen Freunde
Professor August Dumeril als ein schwaches Zeichen
meines Dankes genannt,
157) Th. microdon Kp.
Mit stumpfem Kopfe, geschwollener Schnauze und sehr
kurzen vorderen Nasentuben. Die kleinen Augen in..der Mitte
Uebersicht der Aale. 63
des Rachens. Rückenflosse über dem Kiemenloche beginnend.
Die 6 inneren Nasenzähne sind die grösseren; 20 Palatin-
zähne auf der äusseren, 5 auf der inneren Reihe. Unterkie-
fer mit 20; 4 grössere nach vorn auf der Innenseite. Dun-
kelbläulich violett mit schwarzen unterbrochenen geäslelten
und venenarligen schwarzen Linien. Quer über den Hinter-
kopf eine Reihe Poren, welche sich in zwei kurze Längsli-
nien nach den Augen hin fortselzen. Länge 480 Mm., wo- _
von der Schwanz 240 wegnimmt.
158) Th. chlorostigma Kp.
Mit runden Hühnerschrot ‘grossen gelben, schwarz be-
grenzien Tüpfeln, die vollkommen regelmässig und gleich
weit von einander gestellt sind, und nur gegen den Schwanz
hin weiter auseinander stehen. Nur das Ende des Schwan-
zes mit einer zackigen Querbinde von gelblicher Farbe.
Auf dem Vomer 12 konisch kurze Zähne, der erste der
dickste.
Ein grosses schönes Exemplar von den Sechellen ist
620 Mm. lang, wovon der Schwanz 340 wegnimmt.
Diese Art kann nicht mit der punctala verwechselt wer-
den, die eine echte Muraena ist. Par. Mus.
159) Th. Blochi Kp.
Mur. Blochii Blkr. Muraen.
Sumalra (Blkr.), Borneo (Leyd. Mus.)
160) Th. miliaris Kp.
Kopf sehr kurz und stumpf; vordere Nasentuben unge-
wöhnlich kurz. Rachen kurz; seine Länge geht nur 1'/, in
die von der Schnauze zum Kiemenloche. gemessen.
Gleicht meleagris Shaw, allein die gelblichen. nadel-
kopfgrossen Punkte sind kleiner, regelmässiger, auch ist der
Kopf stumpfer und der Rachen weniger weit geöffnet.
Gleicht ebenfalls der A. Dumerili, allein die Punkte ste-
hen bei miliaris viel näher beisammen und der Kopf ist bei
der Dumerili viel gestreckter.
Ein Exemplar von Marlinique zeigt am Schwanzende
arabeskenarlige Figuren, die aus zusammengeschmolzenen
Punkten bestehen. Totallänge 480, wovon der Schwanz 250
wegnimmt. : Par. Mus.
64 Kaup:
161) Th. flavopicta Kp.
Mit 10—11 kleineren konischen Nasenzähnen in der
vorderen, mit 3 grösseren auf derinneren Reihe. 3 auf der
Mesiallinie; 10 auf dem Vomer, der erste dicke stumpf ; 15
auf der äusseren, 8auf der inneren Reihe der Palalinknochen;
20 auf jeder Hälfte des Unterkiefers, 8 auf der inneren Reihe
nächst der Symphyse, welche noch eine nicht complete Reihe
von vier besilzt, die sich an die zweite Reihe anlehnt. Die
niedrige Rückenflosse beginnt am Hinterkopfe. Kopf kurz;
Augen miltelmässig; vordere Nasentube kurz; die hintere
über dem vorderen Augenwinkel ist klein, oval mit erhabe-
nem Rande.
Grundfarbe gelb mit unzähligen schwarzen Punkten,
zickzack und ästige Hieroglyphen ähnliche Figuren bildend.
Vom Mundwinkel zum Kiemenloche bilden die Punkte schwarze
Längsstreifen. Spitze des Schwanzes gelb.
Länge 390 Mm., wovon der Schwanz 210 Mm.
Diese Art ähnelt Siderea pantherina.
Brasilien. Par. Mus.
162) Th. unicolor Kp.
Muraenoph. unicolor Delar. Annal. d. Mus. XII.
pl. 25. fig. 15. M. Cristini Risso, monaco Cocco,
Muraena unicolor Bon. Cat. meth.
Mittelmeer, Madera, Madagascar etc. Par. Mus.
d) Zweireihige Nasen - und Vomerzähne.
163) Th. meleagris Kp.
Mur. meleagris Shaw, nat. misc. pl. 220. Gen.
Zool. p. 32. Er. et Terr. p. 93.
Südlicher Ocean. Brit. Mus.
164) Th. grisea Kp.
Muraenophis griseus Comm. Lac. Tom. V. pl. 19.3.
Muraena bilineala et geomelrica Rüpp. Atlas und
neue Wirbelth. p. 84.
Diese Art hat den Herren Ichthyologen viel zu schaf-
fen ‚gemacht, da die Beschreibung wie Abbildung von Lac&-
pede viel zu wünschen übrig lässt. Ohne das Original von
Commerson untersucht zu haben, wäre es mir unmöglich
Uebersicht der Aale. 65
gewesen zu ermitteln, dass die Rüppell’schen Arten syno-
nym mit ihr sind.
Djetta (Rüpp.), Mauritius und Bourbon (Par. Mus.).
165) Th. tile Kp.
Muraenophis lile Ham. Gangesfish 18 et 363.
Muraena lile, vermiculata *) et gracilis Rich. Er.
et Terr. p. 92. Hardw. Ic. ined, 303. (juv.) 301
et 310. fig. 108 ist sathele.
166) Th. prasina Kp.
Muraena prasina Rich. Er. et Terr. p.93.
167) Th. irregularis Kp.
Braun mil grossen schwarzen irregulären Flecken. Flos-
sen gelblich, 16 Zähne auf der äusseren, 7 auf der inneren
Reihe des Palalinum, 10 in zwei Reihen auf dem Vomer,
wovon der erste und letzte der grösste. Totallänge 470, Schwanz
240 Mm.
Brasilien. Par. Mus.
33) Genus Limomuraena Kp.
Kurze Thyrsoideen, deren hintere Nasentuben noch län-
ger als bei Mur. helena sind.
165) L. guttata Kp.
Mur. gultata Banks et Sol. M. SS. Ic. pict. Park. II. I.
Bibl. Banks. Sow fish of Madeira, Trans. zoo.
Soc. II. p. 192. Er. et Terr. p. 90.
Mur. pavonina Rich. Sulph. p. 110. pl. 53. fig. 12.
Muraena pardalis Temm. et Schleg. Fauna jap.
p- 268. 1.119. Calamaia paum. Rüss.
Indien. London, Leyden, Paris.
34) Genus Polyuranodon Kp.
Auf den Nasenbeinen 14 Zähne in einer Reihe. 3 Rei-
hen spitzer Zähne auf dem Palatinum; 5—6 in einer Reihe
auf dem Vomer. Unterkiefer vorn mit 4, hinlen mit 2 Reihen.
169) P. Kuhli Kp.
Mur. polyuranodon Blkr.
Ceram (Bleeker).
*) Die Muraena vermiculata von Peters gehört in die Nähe
von Mur. helena.
Archiv f, Naturgesch, XXI. Jahrg. 1. Bd. 7
66 Kaup:
35) Genus Channomuraena Rich.
Ichthyophis seu Neltastoma (olim) Rich.
170) Ch. vittata Rich.
Ichth. viltatus Rich. Sulph. p, 114. pl. 63. fig, 7 et 9.
Asien. Brilt. Mus.
36) Genus Huraenoblenna Lac.
Ichthyophis Less.
171) M. tigrina Kp.
Ichth. tigrinus Less. Cog. pl. 12.
Oualan, Hafen Carterat (Quoy eb Gaim.).
Molukken (Leyd. Mus.) Celebes (Forster).
Ich kenne die M. olivacea Lac. nicht.
37) Genus Poecilophis Kp.
Sind Muraenen, deren Zähne mehr rund und stumpf und
mehr oder weniger pflasterarlig ‚gestellt sind. Flossen: noch
deullich zu erkennen.
Sie repräsenliren die Pisodonophis der Ophisurinae. Die
Mehrzahl sehr bunt.
172) P. variegatus Kp.
Mur. variegala Rich. Er. et Terr. p. 94.
Echidna variegala Forst. Enchir. 31. Genus 5. 1788.
ld. anim. cura Lichtenstein p. 181. (1844) Mu-
raena nebulosa Thunb. diss. p.7. t.1. fig. 2.
Syst. p. 528. Gymnoth. echidna Syst. p. 526.
Hardw. le. ined. Mus. Brit. pl. 306. Muraena
minor Temm. et Schleg. Fauna jap.Pl. 115. fig. 2.
M. ophis. Rüpp. All. 1.29. fig.2. Rich. Er. et
Terr. p. 93. Peters Archiv, 1855. p. 270.
173) P. catenalus Kp.
Muraena calenatus Rich. Er. et Terr. p. 95,
Gymnoth. caltenalus Bl. 415.,Syst. p..528.
Muraenoph. ondule Lac. V. 19.2,
Südamerika, Bermudas, Trinidad. Lond., Paris, Leyd.
174) P. polyzonus Kp.
Mur. polyzonaRich. Sulph. p. 112. pl. 55. fig. 11—
14. Er.et Terr. p.95. Mur. sordida Cuv. Regn.
an. p. 352. Seba 11. 69, 4.
London, Paris.
Uebersicht der Aale. 67
Andere sind mehr einfarbig, indem die helleren Flecken
weniger in die Augen fallen:
175) P. Peli Kp.
Kopf stumpf und kurz. Die kleinen Nasentuben mit
weisslichem Rande. ' Zwei Poren: über den»vorderen Nasen-
iuben, ,ö an.der. Oberlippe, 6 an der Unterlippe; alle mit
deutlichen: weisslichen Monden umgeben, - Schwanz unbedeu-
tend kürzer‘ als der Körper, so lang,.als der Körper vom Mund-
winkel bis 'zum Anus.
Schwärzlich mit unzähligen. ‚gelbbraunen ‚Spritzflecken
auf der Dorsalflosse und längs des Rückens. , Auf,der Dor-
salllosse noch schwarze unterbrochene Längsstreilen und Rei-
hen gelblicher Punkte. Nasenzähne 13, 3 kleinere zwischen
den 3 hinteren; 3 ‚auf der Mesiallinie, wovon der letzte der
dickste.. , Vomerzähne in 2 Reihen, die sich den Nasenzäh-
nen und denen der Mesiallinie anschliessen. Die rudimentäre
Palalinbeine mit 2 unregelmässigen Reihen etwas spilzerer
und mehr gestreckler Zähne. Unterkiefer mit 16 Zähnen;
9—11 an der vorderen Hälfte nach aussen.
Goldküste durch Herrn Pel' im abaane Museum,
176) P, delicatulus Kp.
Nasenbeine mit 13 Zähnen im Halbzirkel; Mesiallinie mit
2 Zähnen ; Palatinum mit 14 kürzeren nach aussen und 10 grös-
seren nach innen. Vomer mit 2 Reihen, die seitlich eompri-
mirt sind; 8 links, 6 rechis. Unterkiefer mit 14; 14 äussere
am Anfange,
Grundfarbe schwärzlich mit einem Netzwerke über den
ganzen Körper, das unregelmässig ist, Totallänge-200, Schwanz
95 Mm,
Molukken., Leydener Mus;
177) P. fascigula kp.
Mur. faseigula, Peters Archiv 1855. P: 271.
175) P. Lecomtei Kp. .
Steht der Peli nahe, allein unterscheidet sich durch den
Mangel weisser Monde um die Poren des Kopfes, und diiss
die hinteren Nasentuben mehr nach hinten als nach 'vorn
gerichtet sind. Farbe schwarz, längs des Körpers‘ mit run-
den Augenkreisen und Hieroglyphen von gelbbrauner Farbe.
68 Kaup:
Ein’ anderes Individuum zeigt nur wenige gelbbraune Punkte;
ein sehr jugendliches Exemplar ist'mil Längsreihen, gelbbrau-
ner Punkte über und über bedeckt.
Gabon durch Herrn Aubry-Lecomte.,, Paris,
38) Genus Gymnomuraena Lac.
Achneln Poccilophis, allein sind ohne alle Flossen. ' Die
Zähne der Nase, Mesiallinie und des Vomers bilden eine
Fläche, die der einer benagelten Schuhsohle gleicht. 'Pala-
tinknochen wie deren Zähne rudimentär. Der Körper ge-
streckt und weiss gebändert.
179) G. fasciata Kp.
Muraenophis fasciatus Hardw. Te. ined.
Unterscheidet sich von der länger bekannten Zebra durch
grössere Zahl von Zähnen, die der Fläche einer stark be-
nagelten Sohle eines Jägers gleicht. Körper mit 100—114
Bändern.
Von Muscat. Brit. Mus., Pariser Mus.
180) G. zebra Lac.
Zebraeel Shaw. Nat. Mis. 101.
Gymnoth. zebra, Syst. p. 523. — Gymnomuraena
cerclee Lac. V. p. 649. pl. 19. fig. 4. Rich.
Er. et Terr.
Die Zahnfläche gleicht der Sohle eines zierlichen Damen-
pantoffels.
Sumalra (Shaw), Neu-Brit. (Commerson), Madagascar
(Quoy. et Gaim.).. London, Paris.
39) Genus Aphthalmichthys Kp.
Gleichen Moringua, allein nur mit einer Spur von Flos-
sen gegen das Ende des Schwanzes. ‘Augen durch die Haut
verdeckt und desshalb undeutlich; Unterkiefer ‘dicker und
länger als die Schnauze. Nasentuben kurz; die hinteren kön-
nen geschlossen werden. Schwanz am Anfange so dick als
am,Ende;, 11’ Zähne. im Oberkiefer, von welchen die. 7 Na-
senzähne die längsten. 5 Vomerzähne in einer Reihe. Gegen
10—1?2 Zähne im Unterkiefer.
181). A. javanicus Kp.
Sehr verlängert und wurmförmig,. . Der Körper ist 11—
Uebersicht der Aale. 69
12.Mm. hoch, allein hat eine Totallänge von 920 Mm., wo-
von der Schwanz 260 Mm. wegnimmt. Von der Schnauze zum
Kiemenloche 49 Mm.
Um Java gemein. London, Leyden.
40) Genus Uropterygius Rüpp.
Oben wie unten mit 2 Reihen feiner Zähne, wovon die
äussere kurz, an der Spilze gekrümmt, die innere mehr gerade
und doppelt so hoch ist. Auf dem Vomer eine Reihe von
7 spilzen gekrümmten Zähnen. Nur die eiwas erweilerte
Schwanzspitze mit einer Flosse.
182) U. unicolor Rüpp. Taf. 20. fig. 4.
Mur. microptera Blkr. Muraenoiden.
Ich kenne drei Exemplare von Bourbon in der Pariser
Sammlung, die jedoch nicht einfarbig, sondern schwarz mit
"unzähligen gelblichen feinen Punkten und Strichelchen ver-
sehen sind; über dem Operculum verlaufen sich einige
schwärzliche Längslinien; am Rande beider Kiefer einzelne
kleine blaue schwarz umgebene Fleckchen.
Dr. Rüppell sah den vorderen längeren Zahn der Me-
siallinie für einen Vomerzahn an.
Frankfurt, Paris.
41) Genus Apterichthys Dum.
Caecilia Lac., Sphagebranchus Bl.
183) Apt. coecus Dum.
Delar. Ann. d. Mus. t. 13. pl. 21. fig. 6.
C. Branderiana Lac. T.2. p. 135.
Sphagebr. coecus Syst. 505.
Muraena coeca Linn. Syst. nat. p. 426.
‚ Allanlischer Ocean. Paris.
42) Genus Moringua Gray.
154) M. Raitaborua Cant.
Cant. Nat. Tyd. IV. Bat. 1853. Pl. 1.
Rataborua Hamiltoni J. E. Gray Zool. Misc. p. 9.
Rataborua Hardwicki, J. E. Gray l. € Ill. ind. Zool.
Eat: 2:
Muraena railaborua Ham. p. 25 et 364 (juv.)
M. raktaboruya Ham. M. SS. Draw. (juv.)
Moringua linearis J. E. Gray l, c. Tab: 11. fig. 1.
79 Kaup:
Pterurus maeulatus et linearis Swains., ‚Nat. ‚hist.
fish; 11. p. 334 et 335. fig. It bu, cc;
Ptyobranchus arundinaceus, Gulhrianus (ad.).ery-
Ihraeus, multidentalus, parvidentalus, gracilis et
brevis: (juv.).. MeClell. Calc. Journ. N. H. V.
p: 200—202. 221.223, Pl.IX. fig. 3—6. ‚Pl.X.
h0..1.,2;
Die. Zusammenstellung dieser Synonymie ist von Dr-
Cantor, der-sich um ‚die Indische Ichthyologie grosse Ver-
dienste erworben hat.
185) M. bicolor Kp.
Zeigt wie.die vorige kleine jedoch erkennbare Brust-
Nlossen,, allein unterscheidet sich durch Färbung, und dass
die Dorsal- und Analflosse von gleicher Länge ist. Der An-
fang beginnt auf dem drilten Theile des Schwanzes. ‚Unter-
kiefer länger als die Schnauze. ‚Oben 9, unten 6 Zähne,
ziemlich lang, spilz und rückwärls gekrümmt, , Oben und das
Schwanzende dunkel: mit Spuren von Bändern und Flecken,
unten silberfarbig.
Totallänge 360. Schwanz 108, Anal- und Dorsalflosse
24 Mm.
Timor. Leyden,
186) M. lumbricoides J. E. Gray (Brit. Mus.).
Gleicht der folgenden, allein zeigt ein grösseres Maul,
plötzlich zugespilzte Schnauze, sehr rudimentäre kaum sicht-
bare Brusiflossen. Die Analflosse beginnt nicht direkt hinter
dem Anus, allein ist wie die Dorsalllosse bestimmter ent-
wickelt. Die Augen weniger deullich. Es ist eine dünnere
Form mit elwas kürzerem Schwanze.
Totallänge 268. Schwanz 93, bis zum Kiemenloche 26.
China. Brit. Museum.
187) M. lumbriciformis- Kp.
Eine vollkommen eylindrische Form mit kurzem Kopfe
und; spilzer Schnauze, Seitenlinie wellenförmig. Die Anal-
flosse beginnt direkt hinter dem Anus. Flossen fast linien-
arlig und nur nächst der Spilze des Schwanzes. Länge 255.
Schwanz 96, bis zum Kiemenloche 25.
Indien, Brit. Museum.
ge die
Uebersicht:der Aale. 71
4te Familie. Congeridae.
Gleichen den Anguillidae, allein sind ohne Schuppen
und Jie Rückenflosse reicht bis nahe an den Hinterkopf. Der
Schwanz ist sehr in die Länge gezogen und zugespilzt. Meist
mit Brusiflossen, die nur bei einem Genus bis jetzt fehlen.
In der weichen Haut der Schnauze liegt der zahnlose Inter-
maxillarknochen.
45) Genus Congermuraena Kp.
Das hintere Nasenloch vor der Mille des Auges. Das
grosse Auge über dem Mundwinkel. Zähne flach, rund, in
mehreren Reihen. Brustflossen.
188) C. habenala Kp.
Congrus habenatus Rich, Er. et Terr. p. 109.
Pl. 50. fig. 1—5. f
189) C. balearica Kp.
M. balearica Delar. An. d. Mus. 13. p. 327: t. 20.3.
Conger CassiniRisso.Hist. nat. p. 203. Ichth. p. 91.
Echelus cineiara 'Raf. Conger 'mierostoma Cast,
pl. 43. fig. 4. Costa Fauna Nap. t. 33. Bon. Cat.
melh. p. 38.
Diese Art findet sich im Mittelmeer und Süd-Amerika.
190) C. mystax Kp.
M. mystax Delar. 1. c. p.328. t. 23. fig. 10.
Conger mystax Cuv.
44) Genus Uroconger Rp.
Vorderes Nasenloch ohne Tube; das hintere schlitzförmig
nächst dem Auge. Lüngs dem Rande der Oberlippe eine Reihe
schlitzförmiger Poren. Schwanz ungewöhnlich verlängert.
Zähne ähnlich Myrus, sehr fein in 2—3 Reihen. Nasen- und
Vomerzähne in 2 Reihen. Die vorderen Zähne des Unter-
kiefers durchbohren die Oberlippe, welche sie nicht be-
decken.
191) U. lepturus Kp.
Congr. lepturus Rich. Sulph. p. 108. Pl. 56. ig. 1—6,
Ereb. et Terr.
72 Kaup:
45) Genus Conger Cuv.
Die vorderen Nasenlöcher in kurzen Tuben nächst der
Schnauze; die hinteren vor den grossen Augen. ‚Die Vo-
merzähne, Nasenzähne und die an der Spitze des Unterkiefers
in Haufen und zugespilzt. Die des Gaumens und des Unier-
Kiefers gleich gross, nahe aneinander gestellt und meissel-
förmig, so dass sie eine lange Schneide. bilden.
192) C. vulgaris Cuv.
Congrus vulgaris et leucophaeus Rich.
Muraena conger Linn., Bl. 155. Echelus grungusRaf.
Cong. communis Costa. Conger vulgaris Yarrell
p- 402.
193) Conger niger Risso.
Hist. nat. p. 201. Echelus macropterus Raf. Car.
64. 165. Bon. Cat. meth. p. 38.
Beide im Mittelmeere und der Nordsee, werden sehr
gross und schwer.
194) Conger altipinnis Kp.
Der ‘gemeinen Art sehr ‘nahe, allein die) ungefleckte
Brustflosse überreicht ‘den Anfang der sehr hohen Rücken-
flosse, Diese ist fast'so hoch, wie der Rachen lang ist, Der
Schwanz ist stumpfer, allein das Ende mit sehr langen Strah-
len, welche ebenfalls die Länge des Rachens haben.
Totallänge 480, Schwanz 300, Brustilosse 20, Länge des
Rachens 20 Mm.
Bourbon. Par. Museum.
195) ©. marginatus Val. j
Eyd. et Soul. Bonite I. p. 201. pl. 9. fig. 1.
196) C. mullidens Castelneau Pl. 44. fig. 1.
Süd-Amerika. Par. Museum,
197) C. oceidentalis Dek. New-York Fn. fig. 172.
Smithsonian report 1855. p. 351.
195) ©. Verreauxi Kp.
Das Ende der schmalen Brusiflosse reicht nicht zum An-
fange der Rückenflosse. Schwarz mit bräunlicher Seitenlinie.
Totallänge 305. Schwanz 140, bis zum Kiemenloche 40,
Brusiflosse 12 Mm. lang.
Uebersicht der Aale. 73
Nach meinem: verchrten ‘Freunde Julius Verreaux
genannt, welcher ihn in Australien sammelte,
Par. Museum,
199) €. orbignyanus Valenc.
d’Orb. voy. Poiss. t. 12 fig. 1.
Mit niedriger Rückenllosse, die eine Brustflossenlänge hin-
ter der Brusiflosse beginnt. Der Diameter des langen Auges
geht eiwas über zweimal in die Länge der Schnauze. Die
Rückenflosse hat die Höhe vom Durchmesser des Auges.
Totallänge 670, Schwanz 410, Rachen 33, bis zum
Auge 24, bis zum KiemenloChe 94, Brusiflosse 25 Mm.
Süd-Amerika.
200) ©. brasiliensis Kp.
Die Rückenflosse beginnt eine Brustflossenlänge hinter
der Spitze der Rückenflosse. Die Nasen- und Vomerzähne
gehen in einem spitzen Winkel in den Rachen. . Das Auge
mit seinem Diameter gelit 1'/, in die Länge der Schnauze.
Totallänge 710, wovon der Schwanz 460 wegnimmt.
Pariser Museum.
Ich habe weder den Conger punctus Jenn., den Cong.
anago, urolophus, uropterus Temm. et Schl. noch den C. chi-
lensis Guich. gesehen, und wage daher nicht sie aufzu-
führen.
46) Genus Congerodon Kp.
Auf den Nasenbeinen 8 unregelmässig gestellte Zähne
in 2 Reihen, wovon die äusseren der hinteren Reihe die
längsten sind. Auf den Gaumenbeinen 2 Reihen, wovon die
innereReihe, aus 27 bestehend, bis fast zum Mundwinkel geht
und länger als die äussere ist. Die äussere gehl über den
Mundwinkel und besteht aus 47 Zähnen, wovon die hintersten
die kleinsten.
‘Im Unterkiefer 3 Reihen. Die innerste ist die kürzeste
und besteht aus 6 Zähnen, wovon die hinteren die längsten,
etwa 36—37 in jeder der 2 übrigen Reihen. Auf dem Vo-
mer 16, wovon der erste der. längste ist und auf beiden Sei-
ten einen kürzeren Zahn hat, Nasenlöcher vor dem Auge
und den Nasenbeinen geöffnet, ohne Tuben, Brustilossen klein
24 Kaup:
und schmal. Die ziemlich entwickelte Rückenflosse "beginnt
über den Brustflossen.
Auf der Mitte der Länge des Unterkiefers ein ‚Hautläpp-
chen, welches sich haarähnlich zuspitzt und über den Rand
wegragt. Ob es zufällig oder wesentlich ist, konnte ich nicht
ermilteln.
201) C. indicus Kp.
Totallänge 215, Schwanz 139, bis zum Mundwinkel 10,
bis zum Kiemenloche 26. Der Schwanz spitzi sich sehr
fein zu.
Aus dem indischen Meere, Par. Mus.
47) Genus Muraenesoz Medlell.
Meist mit gavialähnlich verlängerler Schnauze, deren
löffelförmig gebildete Nasenbeine über den Unterkiefer weg-
ragen. Hinteres Nasenloch entfernt vom Auge. Die gros-
sen Augen mitten über dem Rachen. Vomer erhöht mit ei-
ner Furche, in welcher die längeren Zähne stehen. Reihen
kleinerer stumpfer Zähnchen begleiten die verschiedenen Rei-
hen auf ‚den Gaumenbeinen und dem Unterkiefer. Die läng-
sten Zähne auf den Nasenbeinen und der Spitze des Unter-
kiefers. Erreichen eine bedeutende Länge und sind sehr
räuberisch.
202) M. pristis Kp.
Conger talabon Cant. et Blk. (nec Russel nee Cuv.).
Muraenesox lanceolalus, exodon, serradentala, exo-
denta McClell. Cant. Mal. Fish. p. 112.
Am Unterkiefer nach aussen und nach oben die Zähne
wie eine Säge gerichtet.
Asien. Paris, Leyden.
203) M. bagio Kp.
Conger talabon Cuv. Russ. 38. Conger bagio Cant.
Mal. Fish. p. 316. Mur. bagio Ham. 24. 364.
M. tricuspidata Ham. (bagio), bengalensisMeClell.
Congrus Iricuspidatus Rich. Sulph. 105. pl. 51. fig. 2.
Er. et Terr. p. 111. Conger oxyrhynchus Eyd. et
Soul. Bon. t. 1. pag 203. Pl. 9. Fig. 2. Ophisure
long museau Q. et Gaim. Voy. Freye. pl. 51,
fig. 1. (mit verstümmeltem Schwanze).
Asien; Paris, London, Leyden,
Uebersicht der Aale. 75
204) M. savanna Kp.
Conger savanna, Cuv. Par. Mus.
La Savanne de Martinique Cuv.Regn. an. in d. Note.
Conger limbatus Castelneau.
Mit breiterer Schnauze, deren Haut wie die des Unler-
kiefers zellig wie ein Schwamm genarbt ist, das sich erst
gegen den Anus und die Bauchseite verliert.
London, Paris, Leyden,
Ich hatte in Paris nur diese drei Arten in grosser Zahl
zum! Vergleiche und: muss desshalb'billen, die Arten curvi-
dens, brevieuspis 'et-protervüus Rich. Er.,et Terr..einer noch-
maligen Prüfung mit bagio zu unterwerfen, indem diese Art
in,der Länge der Schnauze ‚und Zahl der Zähne ‚sehr varürl.
48) Genus Nettastoma Raf.
205) N. melanura Raf.
Car. t. 16. fig. 1. Muraenophis saga Risso p. 193.
Ichth. fig. 39.
Nach Bonap. wäre auch M, maculata hierher zu ziehen.
Cat. Meth. p. 39.
Es ist ein wahrer Conger ohne Bruslflossen. Schnauze
sehr verlängert. Das hintere Nasenloch schief vor den Au-
gen und kann durch den häutigen oberen Rand’ geschlossen
werden. Das grosse Auge über‘ dem Mundwinkel. Körper
eylindrisch mit . verlängertem _spilz zulaufendem Schwanze.
Dorsal- und Analflosse. deutlich. Die Zähne sind fein, dünn,
hechelförmig in 6—7 Reihen, nehmen nach innen an Länge
zu und sind beweglich. Nasenbein kurz mil zusammenge-
drängten Zähnen, die einen Zirkelabschnitt einnehmen. /Die
Zähne des langen Vomers nehmen an Zahl und Länge nach
hinten zu und stelien in irregulären Längsreihen.
Alle Flossen schwarz gesäumt, wie bei fast allen Cön-
gerinae. In Sammlungen selten, da sie in den grössten Tiefen
des Mittelmeeres lebt und nur geangelt werden kann.
76 Kaup:
öte Familie. Synbranchidae.
Ohne Flossen. Die beiden Kiemenlöcher unter der Kehle
in einer gemeinschaftlichen Höhle.
49) Genus Amphipnous J, Müll.
206) A. cuchia J. Müll.
Vergl. Anat. d. Myx. Abh. d. Ac. zu Berl. 1839.
p. 244.
Unibranchaperlura cuchia Ham. 'p. 16. pl. 16: fig. 4.
Synbr. euchia Cuv. Regne. an. Il. p. 354.
Synbr. cachia Swains II. p. 336.
Ophichthys punctatus, Pneumabranchus striatus,
leprosus et albinus McClell. Dondoo-Paum Russ.
35. Cant. Mal. Fish. p. 338 in der‘ Note, Blee-
ker Muraenoiden.
50) Genus Unipertura Lac. J. Müll.
Gleicht ‚Monopferus, ‚allein: mit 4 gefranzten Kiemenbö-
gen. Die quere Kiemenhaut, die Kiemenlöcher und deren
Scheidewand bedeckend, bildet einen winkeligen oder.ovalen
Ausschnitt. Ohne Luftsäcke und Schwimmblase.
207) U. laevis Lac.
Lac. tom. V. 17. 54. 1. 3.
Synbr. immaculatus Cant. et Bleeker (nec Bloch).
Ophisternon bengalensis McClell.
Tetrabranchus microphthalma Blkr.
Das Exemplar der Pariser Sammlung, nach welchem. La-
cepede dieses Genus aufgestellt hat, zeigt einen feinen Mes-
serschnitt über den Kiemen,. so dass der Gründer dieses
Geschlechts die Unterscheidungsmerkmale genau erkennen
konnte; obgleich er in seiner Beschreibung vergass sie zu
erwähnen. 5
Betrachtet man das Kiemenloch, wie es Bloch bei Synbr.
immaculalus abbildet, so ist es klar, dass dieser Fisch aus
Süd-Amerika nicht hierher gehört.
Uebersicht der Aale. MT,
51) Genus Synbranchus Bl.
208) S. marmoratus Bi. t. 418. Syst. 524.
S. pardalis Val, d’Orb. voy. Poiss. Pl. 13. fig. 1.
S. villatus Cast. Par. Mus.
209) S. cayennensis Kp.
?S. immaculatus Bl.
52) Genus Monopterus Lac.
Mit nur drei Kiemenbögen. Ohne Luftsäcke unter der
Haut des Hinterkopfes.
210) M. javanicus Lac.
Monopt. laevis Rich. Sulph. 116. cinereus p. 117.
Pl. 52. fig. 1—6. Ophicardia phayriana McClell.
Ophicard. et Synbranchus xanthognathus Rich.
S. grammicus.;Cant, Synbr. marmoralus Temm.
et Schl. Monopterus marmoralus Rich.
Uebersicht der Gymnotidae.
Von
D. 9» Kaup
in Darmstadt.
Hierzu Taf. III. Fig. 1—10.
Die Gymnotlidae lassen sich wie folgt charakterisiren:
Aalähnlich, mit rundem Rücken ohne Flossen. Enl-
wickelte Brustflossen. Sehr ausgebildete Analflusse, die den
Anus sehr weit nach vorn unter die Brust oder sogar bis
zur Kinnhaut gedrängt hat; nach hinten geht dieselbe bis
ans Schwanzende, oder lässt eine dünn zulaufende Schwanz-
spitze frei. Die Strahlen sind gegliedert und gegen die Spitze
einfach oder doppelt gegabelt. Meist ist der Körper seitlich
‘comprimirt. Alle zeigen eine kleine birn- oder herzförmige
Blase unter dem 2ten bis Aten Halswirbel. Diese ist doppelt.
Die äussere dick, allein leicht zerbröckelnd , enthält eine
dünne durchsichtige mit Gallerte angefüllte Blase, die frei in
der äusseren herumschwimmt und leicht aus dieser heraus-
genommen werden kann. Diese Blase steht mil Gehörknö-
chelchen in Verbindung und steht durch einen dünnen Strang
meist mit der Schwimmblase, die sehr in die Länge gezogen
ist, in Berührung. Dieser Strang zertheilt und fixirt sich an
den Magen.
Ich kann die vordere birnförmige Blase mit ihrer filzi-
Kaup: ‚Uebersicht der Gymnotidae. 79
gen Textur für nichts anderes halten als für das häutige La-
byriuth, wie wir es bei den höheren Mollusken wahrneh-
men *).
Die Männchen haben meist ein Zäpfchen hinler dem
Anus und die Weibchen eine fast gleiche Oeffnung für
die Eier. i
Die Gymnotidae haben ferner Zähne auf dem Zwischen-
oder Unterkiefer, selten hechelförmige auf den Gaumenbeinen
(individuell), keine auf dem Vomer. Bei den Rhamphichthys
fehlen alle Zähne.
Ihr Schultergürtel ist am Kopfe aufgehängt. Vom Ö5len
Wirbel an ausgebildete Rippen, die Bauchhöhle umgebend **).
Magen mit Blindsack und Blinddärme. Ihre Eierslöcke sack-
förınig und ihre Ausführungsgänge abweichend von den Aalen
(J. Müller).
Sie bilden folgende 5 meist von J. Müller und Tro-
schel zuerst scharf unlerschiedene Genera.
1) Sternarchus Schneid. Mit kleiner normaler Schwanz-
llosse.
2) Rhamphichthys J.M. et Tr. Ohne alle Zähne,
3) Sternopygus J.M. et Tr. Mit hechelförmigen Zähnen,
4) Carapus J.M. etTr. Geschuppt mit einer Reihe Zähne.
5) Gymnolus Linn. 'Schuppenlos.
1) Genus Sternarchus Schneid.
1) Sternarchus albifrons Schn.
Bl. et Schn. Syst. p. 497. 1.94.
Gyınn. albifrons Pall. spie. VII. p..36. t. V], 1.
2) Sternarchus Bonaparti Castelneau. Par. Mus. (Fig. 1).
#) Siehe ein Weiteres in dem vortrefflichen Aufsatze von Prof.
_ Reinhardt: Arch. 1854. p. 169. Bei dem Carapus fasciatus, und
zwar in dem Exemplare, welches Valenciennes als inaequilabia-
tus bezeichnet hat, findet sich zwischen der ersten und zweiten Blase
eine dritte, von ähnlicher Gestalt wie die erste. Vergl. hierzu die
folgende Abhandlung.
#©) Es wäre von grossem Interesse, eine complette anatomi-
sche Monographie der 5 Genera der Gymnotidae zu haben,
80 Kaup:
Die kürzesie Art mit plötzlich abgestutztem Schwanze,
Jessen. Analflosse fast zur Schwanzflosse reicht. Der Rachen
ist bis hinter die Augen geöffnet und der Anus am vorderen
Drittel des kahnförmigen und ausdehnbaren Unterkiefers. Die
Peitsche ‘zeigt an den seitlichen Rändern mit dem nackien
Auge erkennbare schwarze Tüpfel. Da kein losgerissener
Muskel auf seiner unleren Fläche Flecken analog der Kör-
perfarbe zeigen kann, so ist die von. Cuvier aufge-
stellte und von Herrn Reinhardt verlheidigle ‘Ansicht
irrig. Nach letzterem soll diese Peilsche durch Manipulationen
im Spiritus losgerissen werden und der lebende Fisch nie
die Peitsche zeigen. So viele Exemplare ich auch von drei
verschiedenen Arten gesehen habe , so war die Peilsche bei
allen gleichweil auf dem Schwanzrücken entspringend. Wären
sie erst durch Manipulalionen frei geworden, so müssle es
doch auch Exemplare geben, wo sie nur Iheilweise gelrennt
wäre. Mehr als wahrscheinlich, ja fast gewiss ist die Annahme,
dass die Peitsche im Leben des Fisches durch den Körper-
schleim in seiner Rinne fest gehalten wird und dass diese
erst frei wird, indem der Spiritus dem Schleime die Fixirkraft
genommen hat. Man kann auch fragen, welchen Manipulatio-
nen ein Fisch im Spiritus unterworfen wird, um Muskel los-
zureissen. Man bringt einen Fisch aus verdorbenem Spirilus
in einen besseren, und durch ein solches kann doch kein
Muskel losreissen. Die Erklärung, die Herr Reinhardt
giebt, wie diess so gleichmässig geschehen soll, ist mir nicht
klar geworden.
3) Sternarchus oxyrhynchus J. M. et Tr.
Hor. ichth. p. 16. Tab. ll. (vortrefflich).
Schnauze dünn, lang, nach unten gebogen mit klei-
nem Munde.
Die längste und complicirteste Form.
Englisch Guiana, im unteren Essequibo, im Berliner und
Pariser Museum,
Da diese drei Arten sich so wesentlich in der Kopf-
und Körperform unterscheiden, so kann ich dem Sternarchus
brasiliensis, der so nahe dem albifrons steht, keinen grossen
Glauben schenken, und diess um so weniger, da dieser bra-
Uebersicht der Gymnotidae. 8
siliensis nur mit der einen vorhandenen Abbildung von Pal-
las verglichen werden konnte.
2) Genus Rhamphichthys J. M. et Tr.
a) Mit kurzer Schnauze, mit Anus am hinteren Drit-
tel des Kopfes und Analflosse, die nicht bis zur
Kiemenspalte reicht.
4) Rh. Artedi. Kp. (Fig. 2).
Seba Ill. Tab. 32. N. 2.
Die freie Schwanzspilze geht 5—6mal in die Totallänge
und der quere Durchmesser des Körpers geht fast 2mal in
seine Höhe.
Aus der Mana im franz. Guiana. Par. Mus.
Die Beschreibung wie Abbildung im Seba ist ganz gut
und es ist zu verwundern, dass die älteren und neueren
Autoren diese Art übersehen haben.
5) Rh. J. Mülleri Kp. (Fig. 3).
Die freie Schwanzspitze geht nur 3—4mal in die Total-
länge und der quere Durchmesser des Körpers geht fast 3mal
in die Höhe des Körpers. Es ist eine schlankere Form als
die vorige mit elwas kürzerem Kopfe und seitlich gestellten
Augen, die bei Artedii mehr nach oben gerichtet sind. Sie
ist ebenso bunt als die vorige, allein Oberkopf und Rücken
sind einfarbig schwärzlich.
Zwei Exemplare aus der Cayenne, wovon das grössere
19 Zoll lang ist. Pariser Museum.
b) Arten mit längerer Schnauze. Anus unter oder
vor dem Auge. Analflosse vor der Kiemenspalte
beginnend.
6) Rh. lineatus Kp. (Fig.4).
Carapus lineatus Cast. Pl. 47. fig. 1.
Anus am vorderen Drittel des Kopfes mit verstecktem
comprimirtem Zäpfchen. Brustflosse so lang als vom Auge
zum hinteren Nasenloche. Körper '/, so breit als hoch. Kopf
‘ohne alle Zeichnung, ebenso die Flossen. Körperseite mit 4
dunklen Längsstreifen.
Der Schwanz an dem einzigen Exemplare ist plötzlich
abgeslulzt, was ich einer Verstümmelung durch einen Raub-
fisch zuschreibe. Par. Mus.
Archiv f. Naturgesch. XXI. Jahrg. 1. Bd. 6
82 Kaup:
7) Rh. pantherinus Kp. (Fig. 5).
Carapus pantherinus Cast. Pl. 46. fig. 3.
Kopf bunt mit hoch aufsteigender Stirn, mässig langer
Schnauze und Anus am vorderen Drittel des Kopfes. Brust-
flosse reicht nicht zum hinteren Nasenloche vom Auge an
gemessen. Um die Brusiflossen nach dem Anus hin und ein
Streifen längs dem vorderen Theile der Analflosse blau. Brust-
flosse schwach gebändert, Analflosse fast einfarbig zeigt nur
Spuren von Linien und Bändern. Par. Mus.
8) Rh. marmoratus Kp. (Fig. 6).
Carapus marmoralus Cast. (Par. Mus.).
Gleicht der vorigen, allein die Schnauze ist gestreckter
und der Anus mehr nach dem Auge hin. Die Stirn weni-
ger steil aufsteigend und der Kiemendeckel ohne Flecken.
pantherinus marmoralus
Dimens.: Kopf bis zur Kiemenspalte 73 78
von der Schnauze bis zum Auge 39'/, 4
bis zum Anus . . 2... 27 35
bis zur Analllosse. . . . 47 54
9) Rh. Reinhardti Kp. (Fig. 7).
Anus hinter der Mitte der langen Schnauze mit äusser-
lich sichtbarem ziemlich grossem Zäpfchen, Gesicht und Kie-
mendeckel ohne Zeichnung, Rücken der Schnauze und des
Kopfes schwarz gefleckt. Ueber den Rücken schwärzlich ge-
fleckt mit helleren Tüpfeln. Längs der Seitenlinie ein schwar-
zer Streifen. Zwischen der unteren Bauchseite und der Sei-
tenlinie ein breiter gelber Streifen, der sich nach dem
Schwanze hin verliert. Brusiflosse ohne, Analflosse mit un-
regelmässig lichteren Streifen, gegen die Spilzen hin düster-
braun mit runden lichteren Tüpfeln.
Woher ? Pariser Museum.
Aus der verstlümmelten Schwanzspitze geht ein 20 Mm.
langes Hautläppchen hervor, das zeigt, dass das Schwanzende
verletzt sich reprodueiren kann, ähnlich wie bei Lacerten,
Geckonen. °
10) Rh. Blochi Kp. (Fig. 8).
Rh. rostratus J. M. et Tr.
Gymnotlus rostralus Bl. et Schn. syst, p. 522. t. 106.
Uebersicht der Gymnotidae. 83
Seba III. T.32. No. 5.
Carapus rostratus Cuv.
Kopf und Körper bunt. Anus mit Zäpfchen 3—4 Mm.
unterhalb des Auges. Schnabel vom Kopfe abfallend und ,
der Kopflänge wegnehmend.
Ich kenne nur das an der oberen Schnauze verslüm-
melte Exemplar, fast gänzlich verbleicht, der Berliner Samm-
lung, nach welchem die Abbildung in dem Systema gegeben
ist; hier zeigt dieser Fisch irrig Andeutungen von Zähnen
und einen geschuppten Kopf.
11) Rh. R. Schomburgki Kp. (Fig. 9.
?R rostralus J. M. et Tr.
Die sehr lange Schnauze mit der Stirn in fast gleicher
Linie. Anus wenigstens 12 Mm. unterhalb der Augen. Brust-
flosse '/, so lang als die Kopflänge von der Schnauze zum
Saume des Kiemendeckels gemessen. Kopf mit gelblicher
Zeichnung auf bräunlichem Grunde. Farbe schwärzlich mit
grauweissen Schuppen. Längs der Seilenlinie ein breiter
schwarzer Streifen, Analflosse nach den Spilzen hin fast
schwarz mit lichteren Längslinien. Sie zeigt 430 Strahlen.
Totallänge 956 Mm. oder 34. Schwanz ohne Analflosse 220 ;
Kopf bis zum Saume des Kiemendeckels 116, vom Auge zur
Schnauze 71, von der Schnauze zum Anus 63, zur Anal-
flosse 84. Länge der Brusiflosse 27 Mm.
Körper '/, so breit als hoch.
Die Angabe der allzugrossen Variation der Analstrah-
len beruht sicher auf einer Verwechselung.
Das Pariser Exemplar hat zwei gleiche grosse Oeffnun-
gen und war demnach ein Weibchen.
Britisch Guiana im Demerara durch die Gebrüder Schom-
burgk, nach welchen diese Art eine Länge von 4—6 Fuss
erreicht.
Ich habe diese Art nach Sir Robert Schomburgk
genannt, dem die Wissenschaft vieles verdankt.
12) Rh. Schneideri Kp. (Fig. 10).
Anus senkrecht unterhalb des Auges mit einem Zäpf-
chen nicht grösser als der Kopf einer feinen Stecknadel. Mit
ungewöhnlich langer Schnauze, die ?/, der Kopflänge weg-
84 Kaup:
nimmt. Kopf, Kiemendeckel und Körper sehr bunt gefleckt.
Brust- und Analflosse mit unregelmässigen schwarzen Bän-
dern und runden Flecken.
Zwei Exemplare aus Cayenne durch Herrn Melinon
im Pariser Museum.
3) Genus Sternopygus J. M. ei Tr.
13) St. macrurus J. M. et Tr.
L. c. p. 14. Bloch 157. 2.
Bl. et Sch. Syst. p. 522.
Carapus macrurus Cuv. 1. c. p. 357. i
Car. arenatus Eyd. et Soul. Bonite I. p. 24. pl. 8.
fig. 1.
St. Marcgravi Reinh. 1. c. p. 180.
Variirt sehr. Die Exemplare, nach welchen der arena-
tus aufgestellt ist, zeigen gegen den Schwanz hin einen gel-
ben breiten Längsstreifen. Die normale Färbung ist gelb-
braun mit unzähligen dunklen Punkten und häufig am Nacken
über der Kiemenspalte mit grossem rundlichen schwarzen
Fleck mit und ohne weisse Tüpfel. Ein kleines Exemplar
durch Sir Schomburgk in der Pariser Sammlung ist
schwärzlich mit queren Streifen und Längsstrich nächst der
Rückenkante. Ich habe viele Exemplare gesehen, allein nie
ein Exemplar mit den runden Flecken, wie es Bloch abbil-
det. Analflosse 230—310.
Lebt wahrscheinlich in allen Flüssen von Süd-Amerika
und lässt sich durch die Augenleder sehr leicht von der fol-
genden unterscheiden.
14) Sternopygus virescens Kp.
Sternarchus virescens Val. d’Orb. Voy. Pl. 13. 2.
Sternopygus tumifrons M. et Tr. ]. c. p. 14.
Sternopygus microstomus Reinh. ]. c. p. 181.
Der kleine aufgesperrte Mund hat etwa den Durchmes-
ser des Auges. Anus milten unter dem Kopfe.
Zwischen Analflosse und Seilenlinie zwei dunkle Strei-
fen und ein verwaschener auf der Analtlosse (Berliner Exem-
plar). Das Pariser Museum hat ein fast schwarzes Exemplar.
Brasilien. See Lagoa santa (Reinhardt).
f
Uebersicht der Gymnotidae. 85
15) Sternopygus lineatus M. et Tr.
L. c. p. 14.
Mund klein, Anus nächst der Kiemenspalte. Mit kür-
zerer Schnauze und elwas grösserem Maul, dessen ganzer
Zwischenkiefer mit einem SIreifen hechelförmiger Zähne be-
legt ist. Der Körper ist mehr comprimirt und der Schwanz
länger.
Das Berliner Exemplar war noch sehr jung, mit zwei
dunklen Streifen längs und über der Analllosse.
Britisch Guiana, See Amucu durch die Brüder Schom-
burgk. Berliner und Pariser Museum.
16) Sternopygus Troscheii Kp.
Sternopygus virescens M. et Tr. ]. c. p. 14.
Die längste und comprimirteste Form mit dem grössten
Maule, das aufgesperrt den Unterkiefer länger als den Ober-
kiefer zeigt. Anus etwas hinler der Kiemenspalte. Der
haarähnlich sich zuspitzende Schwanz geht dreimal in die
Länge des Körpers. Berlin und Paris.
4) Genus Carapus M. et Tr.
Breite plattgedrückte Schnauze mit einer Reihe spitzer
Zähne. Körper mit ziemlich grossen Schuppen.
Steht Gymnotus am nächsten, in der Form des Kopfes,
der Nasenlöcher und dass die Analflosse bis nahe an das Ende
des Schwanzes reicht.
17) Carapus fasciatus M. et Tr.
Loc. eit. p. 13.
Gymnotus faseciatus Pall. spic. VII. p. 37.
G. brachyurus Bl. t. 157. 1.-
G. carapo Syst. p. 521.
C. brachyurus et fasciatus Cuv. p. 357.
C. inaequilabiatus Val. d’Orb. Voy. Poiss. pl. 14.
Seba Ill. T. 32. N. 1.
Mit etwa 21 schwärzlichen schiefen Querbinden, die sich
zuweilen (vielleicht in höherem Alter) in runde Flecken
auflösen.
18) Carapus albus Kp.
Gymnolus albus Pall. ]. c. p. 36.
86 Kaup:
Gmel. 1137. N. 7.
Syst. p. 523.
G. coerulescens Seba t. 32. fig. 3.
Schwanz länger und allmählich sich zuspitzend. Oben
30—40, unten 50—56 spilze Zähne. C. fascialus zeigt oben
nur 26—30, unten 36—38 Zähne.
Die Seba’sche Figur hat den Fehler, dass die Augen
etwas zu weit nach hinten gestellt sind.
Die Speciesbezeichnung ist wahrscheinlich nach einer
Varietät oder total verblichenem Individuum gebildet. Die
Färbung ist fast schwarz mit Spuren von Querbinden, na-
mentlich auf dem Schwanze. Ein Exemplar aus Cayenne
zeigt den Kopf gefleckt. Von diesen Flecken zeigt das Se-
ba’sche Exemplar einen auf dem Kiemendeckel.
5) Genus Gymnotus Linn.
Mit sammetweicher Haut ohne eine Spur von Schuppen.
Oben mit etwa 50, unten mit gegen 60 spilzen Zähnen; oben
eine zweite Reihe von etwa 6 Zähnen hinter den mitlleren.
An der Symphyse des Unterkiefers 2 kleine Reihen nach
innen wie bei Unipertura. Brust- und Analflosse mit dicker
Haut, welche die Strahlen verhüllt.
19) @. electricus Linn.
Bl. t. 156. Seba Ill. 34. 6. (besser).
Oben schwärzlich, unten. weisslich. Auf der Analflosse
mit bunter schwarzer Zeichnung.
Durch die Haut sind 334-350 Strahlen in der Anal-
flosse zu fühlen.
Ausser diesen 19 Arten führt v. Humboldt noch den
Gymnotus aequilabiatus auf, den die berühmten Verfasser der
Horae ichthyologicae in das Genus Sternopygus verweisen.
Da ihn jedoch v. Humboldt schuppenlos beschreibt und
abbildet, so kann er nicht wohl hierher gehören. Wahr-
scheinlich bildet diese Art aus dem Magdalenenflusse eine
eigene Gruppe, was jedoch nicht eher ermittelt werden kann,
bis diese Art wieder aufgefunden ist.
Von dieser sagt v. Humboldt bei der Analflosse:
Pinna analis totum abdomen occupans, in caudae apicem non
excurrens, sed ante caudam desinens, radiis 5. Die 5 Sirah-
Uebersicht der Gymnotidae. 87
len der Analflosse ist ein Druckfehler, indem die Zehner und
Hunderte vergessen worden sind. Soll 185 heissen, was aus
der unterscheidenden Diagnose von G. albifrons zu ersehen ist.
Diese Art ist oben grün, unten silberweiss mit violelten
Punkten und obere und unlere Theile sind durch einen weis-
sen Längsslrich geschieden. Beide Kiefer von gleicher Länge
mit feinen Zähnchen.
Ausser dieser Art bin ich nicht im Klaren mit der Ab-
bildung, welche Seba 32. fig. 2 gegeben hat. J. Müller
und Troschel ciliren sie bei macrurus, allein die Kopfform
in dieser Figur gleicht mehr einem Carapus als Sternopygus.
Zu dieser hier im Auszuge gegebenen Monographie be-
size ich das reiche Material der Pariser und Berliner Museen,
wofür ich den Herren Professoren Dume&ril, Vater und
Sohn , sowie Herrn Geh. Rath Lichtenstein meinen ver-
bindlichsten Dank hiermit sage.
Erklärung der Abbildungen.
Taf. III. Fig. 1. Kopfprofil von Sternarchus Bonaparti Castelneau.
Fig. 2. Desgleichen von Rhamphichthys Artedir Kp.
Fig. 3. Desgleichen von Rhamphichthys J. Mülleri Kp.
Fig. 4. Desgleichen von Rhamphichthys lineatus Kp.
Fig. 5. Desgleichen von Rhamphichthys pantherinus Kp.
Fig. 6. Desgleichen von Rhamphichthys marmoratus Kp.
Fig. 7. Desgleichen von Rhamphichthys Reinhardti Kp.
Fig. 8. Desgleichen von Rhamphichthys Blochi Kp.
Fig. 9. Desgleichen von Rhamphichthys Schomburgki Kp.
Fig.10. Desgleichen von Rhamphichthys Schneideri Kp.
Ueber die Schwimmblasen von Carapus
inaequilabiatus Val.
Von
Dr. 3, Kaup
in Darmstadt.
Hierzu Taf. III. Fig. A und B.
In dem Innern des grossen Exemplares, nach welchem
Herr Professor Valenciennes seinen Carapus inaequilabia-
tus aufgestellt hat, und welchen die Autoren der Horae Ich-
thyologicae für synonym mit facialus halten, fand ich die
hier (Fig. A) abgebildeten drei Blasen. An diesem Exemplare
waren leider die übrigen Eingeweide entfernt und ich kann
desshalb nicht sagen, in wiefern die mittlere Blase mit dem
Magen in Verbindung gestanden hat.
Ich habe bei einigen kleineren Exemplaren von etwa
Schuh-Länge , eine Länge in der sie häufig in Museen vor-
kommen, nach der mittleren Blase gesucht, ohne sie zu fin-
den; einige derselben waren bereils im Innern sehr verdor-
ben und es liess sich desshalb überhaupt nicht viel sehen.
In die Augen fallende Kennzeichen fand ich bei dem
grossen Exemplare, dem Carapus inaequilabiatus nicht, und
ich sah nur die Zähne, wovon viele fehlen, deren Haullöcher
jedoch noch sichtbar sind, etwas konischer, kürzer, weniger
gedrängt stehend und minder zahlreich als bei Carapus
fascialus.
Ob diese Kennzeichen dem Alter zuzuschreiben sind,
wage ich nicht mit Bestimmtheit zu sagen, indem ich leider
Kaup: Ueber die Schwimmblasen von Car. inaequilabiatus. 89
nur dass’ eine grosse Exemplar kenne, welches in d’Orbigny
abgebildet und von Valenciennes leider allzu kurz be-
schrieben und ohne Angabe ist, in welchem Flusse d’Orbigny
es gesammelt hat.
Die hier gegebene Abbildung der Blasen ist in halber
natürlicher Grösse, so dass man mit dem Zirkel die Grössen-
verhältnisse ermitteln kann.
Die erste Blase ist doppelt, die äussere dick, filzarlig
und leicht zerbröckelnd; die innere, in der äusseren lose
aufgehängt, ist mit einem Schleime ausgefüllt.
Die mittlere quer aufgehängte ist durch einen ziemlich
dicken Strang mit der ersten verbunden, allein ich zweifele,
ob dieser Strang hohl ist, denn er scheint nur wie eine
Sehne der Basis der ersteren angeheftet zu sein. Diese mitt-
lere Blase, die dünnste und durchsichtigste von allen ist mit
Luft erfüllt,
Die dritte, die längste hat eine, ziemlich derbe Textur
und hängt nur mit zwei dünnen Fäden mit der mittleren zu-
sammen.
Ich gebe die Zeichnung so gut als ich sie geben konnte;
vielleicht dass dieselbe andere anregt, den in allen Samm-
lungen befindlichen fascialus näher zu untersuchen. Zeigt
eine sorgfällige Untersuchung, dass letztere die miltlere Blase
nicht besitzen, so muss der Carapus inaequilabiatus in seine
alten Rechte wieder eingesetzt werden und man muss ihn für
eine eigene im Aeusseren schwach unterschiedene Art halten;
im-entgegengeseizten Falle muss er als Synonym von C. fas-
cialus J. Müll. et Tr. betrachtet werden.
Zusatz des Herausgebers.
Angeregl durch die obige Aufforderung des Herrn
Verfassers, habe ich das Exemplar des Carapus fasciatus,
welches im Bonner zoologischen Museum aufbewahrt wird,
auf die Schwimmblase untersucht. Dieses Exemplar ist 10
Rhein. Zoll lang. Ich fand das Verhalten der Schwimmblase
50, wie sie auf Taf. III, Fig. B in natürlicher Grösse dar-
90 Kaup:
gestellt ist. Die zweite Schwimmblase hat eine spindelför-
mige Gestalt, ist 4 Zoll lang und an der weitesten Stelle 4
Linien weit. Von da verschmälert sie sich nach vorn schnel-
ler, nach hinten langsamer. Sie erstreckt sich in eine Höh-
lung unter der Wirbelsäule in den Schwanz, die ausschliess-
lich für sie bestimmt zu sein scheint, und in der sie mit vie-
len Fäden an die Wandungen derselben angeheltet ist. Von
ihrer vorderen Spitze entspringt ein Ausführungsgang von
8 Linien Länge, der sich einige Linien vor dem Magen in
die obere Wand des Schlundes einsenkt. Die erste Blase
zeigt die gewöhnliche Einschnürung und den vorderen Ein-
druck; von ihr entspringt ein sehr dünner aber ziemlich fe-
ster Faden, der sich zu dem Ausführungsgange der hinteren
Schwimmblase begiebt und sich 5 Linien von seinem Ur-
sprunge an der Blase mit ihm verbindet. Ob dieser Faden
solide oder ein hohler Gang sei, habe auch ich an den Wein-
geistexemplaren nicht entscheiden können.
Demnach ist bei Carapus faseiatus der Schwimmblasen-
apparat vollkommen dem von Reinhardt geschilderten Ty-
pus entsprechend. Um so auffallender muss es daher sein,
dass bei einer so nahe verwandten Form wie der Carapus
inaequilabialus es ist, eine so bedeutende Abweichung in
diesem Organe stallfinde. Wenn ich früher einmal (dies
Archiv 1852. 1. S.228) den Maifisch von der Finte durch
eine Verschiedenheit der Schwimmblase gegen specifische
Vereinigung habe verwahren können, so handelte es sich
doch damals nur um Grössenverschiedenheiten, und wenn
bei nahestehenden Arten (wie Scomber pneumotophorus und
scombrus) die Schwimmblase vorhanden sein oder fehlen
kann, so ist das wohl nicht so auffallend, als wenn bei ver-
wandten Arten eine so grosse Organisalionsverschiedenheit
vorkommt.
Da nun ein Irrihum des Herrn Dr. Kaup, der das ein-
zige bekannte, von d’Orbigny eingesammelte Original-Ex-
emplar des Pariser Museums vom Carapus inaequilabialus
Valenc. untersucht und die Zeichnung selbst entworfen hat,
nicht anzunehmen ist, auch die Bildung der Schwimmblase
dieses Fisches wohl kaum als individuelle Monstrosität betrach-
tet werden kann, so tritt hier die erste Eventualität des Ver-
as au
Ueber die Schwimmblasen von Car. inaequilabjatus. 9
fassers ein, nämlich dass Carapus inaequilabiatus Valenc. in
seine alten Rechte wieder eingesetzt und als eine selbststän-
dige Art angesehen werden muss.
Nachdem dies festgestellt worden ist, werden sich auch
gewiss andere Charaktere zur Unterscheidung der beiden Ar-
ten auffinden lassen,
Uebrigens war es mit grosser Wahrscheinlichkeit vor-
auszusehen, dass diese Eventualität eintreten musste, da ja
schon Reinhardt einen Carapus, den er sich ausser Stande
sah, mit Sicherheit von der älteren Art zu unterscheiden,
auf die Schwimmblase untersucht, und dieselbe nach dem
Typus der übrigen Arten dieser Familie gebaut gefunden
halte.
Bei dieser Gelegenheit habe ich auch bei dem Bonner
Exemplare von Gymnotus electricus die Schwimmblase nach-
gesehen , weil die Angaben über diesen Fisch aus der Zeit
vor Reinhardt’s Untersuchungen herstammen, und der
Letztere diese Art nicht selbst nachsehen konnte. Das Exem-
plar ist 20:/, Zoll lang.
Die Schwimmblasen des Zilteraales sind in der That
vollkommen ähnlich gebaut, wie die der meisten übrigen
Arten dieser Familie. Die vordere Blase ist reichlich 6 Li-
nien lang und 4 Linien breit, hat die gewöhnliche mittlere
Einschnürung,, ist vorn in der Mitte etwas eingedrückt, und
hinten abgerundet. Der von ihr abgehende Faden ist sehr
dünn, aber haltbar , denn er ist beim Herauspräpariren aus
den ihn umgebenden Häuten nicht zerrissen. Er ist bis zu
seiner Verbindung mit dem Ausführungsgange der zweiten
Blase 6 Linien lang. Die zweite Schwimmblase ist 13 Zoll
6 Linien lang und erstreckt sich weit in eine Höhlung unter
der Wirbelsäule in den Schwanz, reicht weiter nach hinten
als das electrische Organ; ihre hintere Spilze ist vom Schwanz-
ende nur noch 2'/, Zoll entfernt. Bei dieser Länge hat diese
Blase eine Weite von etwa 6Linien, läuft vorn in eine ziem-
lich spitze, hinten in eine stumpfe Spitze aus. Von dem
vorderen Ende dieser zweiten Blase entspringt der Luftgang,
welcher sich nicht von der Blase aus aufblasen liess, geht
nach vorn und hat bis zu der Stelle, wo er sich mit dem
Faden der ersten Schwimmblase vereinigt, eine Länge von
92 Kaup: Ueber die Schwimmblasen von Car. inaequilabiatus.
fast 1 Zoll 7 Linien, istsehr eng und nur wenig weiter als
der Faden der ersten Blase. Wie lang der noch übrige Theil
des Luftganges bis zur Einmündung in den Schlund ist,
kann ich nicht angeben, da derselbe beim Herauspräpariren
durchschnitten war.
Dass diejenigen Forscher, welche sich früher mit der
Anatomie des Zilterwelses beschäftigt haben, die Verbindung
der Schwimmblasen unter einander und mit dem Schlunde
hicht richtig erkannt haben, ist dadurch erklärlich, dass die
dünnen Gänge in den sehr festen, fast lederartigen Häulen
des Peritonaeums eingebeltet liegen, und erst zur Anschauung
kommen, wenn man sie aus ihnen herauspräparirt. Dies geht
jedoch leicht an, da sie in ihnen ziemlich frei wie in einer
Scheide liegen, und selbst eine hinreichende Festigkeit besitzen.
Am sichersten gelingt es, wenn man die Präparation von dem
vorderen Ende der zweiten Schwimmblase beginnt.
Erklärung der Abbildungen.
Taf. III. Fig. A. Die Schwimmblasen von Carapus inaequilabiatus Valenc.
Fig. B. Die Schwimmblasen von Carapus fasciatus Cuv.
Einiges über die Unterfamilie Ophidinae.
Von
D. ., Kaup
in Darmstadt.
In der Pariser Sammlung befindet sich eine grosse Zahl
von einem kleinen Fische aus dem Miltelmeere, den Cuvier
in seinem Regne animal Fierasfer denlalus genannt und den
er durch zwei Hakenzähne in jedem Kiefertheile charakteri-
sirt hat.
Da mir das Genus Echiodon des Herrn Thompson
fraglich erschien, und ich vermulhen musste, dass das E. Drum-
mondi identisch mit dem Fierasfer dentalus Cuv. ist, so un-
tersuchte ich sämmtliche Exemplare und fand, dass diese Art
alle nur mögliche Formeln in iz a der Eckzähne dar-
stell. Bei komplelten fand ich > > Eckzähne ‚ die paar-
weise beisammen siehen ünd einen ee Raum zwischen
sich haben. Jedes Paar steht so eng aneinander geschlossen
da, dass man ohne Lupe keine Trennung wahrnehmen und
beide leicht für einen nehmen kann. Bei anderen Individuen
zeiglen sich, wiees Yarrell abbildet, oben zwei Paare, unten
auf jeder ee ein Eckzahn; noch andere besitzen
un oder —ı ; Eckzähne.
Orte Al desshalb entweder defekte Exemplare un-
tersucht, oder, was auch möglich ist, 2 Zähne für einen ge-
nommen.
Indem Echiodon Drummondi in allen übrigen Beziehun-
94 Kaup:
gen mit dem Fierasfer dentatus Cuv. übereinstimmt, so ist
anzunehmen, dass Echiodon Drummondi als Synonymum von
leizterem zu betrachten ist; es ist ferner wahrscheinlich, dass
dieser Fisch nur im Mittelmeere lebt und dass der an der
irischen Küste gefundene — ein verirrtes Exemplar war.
In dem Miltelmeere lebt ferner der Typus des Genus
Fierasfer, welchen Cuvier irrig für das Ophidium imberbe
von Linne hält, obgleich er in der Note sagt, dass er das
Ophidium imberbe der nordischen Ichthyologen, wie Schö-
nefelds in den Wernerian Tr. T. I. T. 11. Fig. 2 nicht
kenne.
In denselben Transactions ist Vol. 1. p. 95. pl. 4. fig. 2
von Montagu unter dem Namen Ophidium imberbe Linn.
ein Fischehen abgebildet, das Yarrell p.412 copirt hat.
Weder dieser Fisch noch der von Pennant, den Yar-
rell als Vignelte p. 414 und Schneider in seinem Systeme
pl. 90. fig. 1 als Ophidium imberbe copirt darstellt, haben die
geringste generische Aehnlichkeit mit dem Fisch, welcher im
Mittelmeere existirt, und zu welchem nach Cuvier der Gym-
notus acus Gmel. und der Notopterus Fontanesi Risso gehört.
Von dieser Arl giebl Risso eine kenntliche Abbildung in
seiner Ichihyologie von Nizza Tab. IV. Fig. 11.
Da diese Art auf keinen Fall das Ophidium imberbe
von Linne oder der nordischen Ichthyologen darstellt, so ist
es eine Nothwendigkeit, den vagen Namen imberbe für diese
Art fallen zu lassen und dass man sie Fierasfer acus nennt,
indem diese Speciesbezeichnung die älteste ist.
Vergleicht man Fierasfer acus mit F. dentalus, so wird
man augenblicklich finden, dass beide ‚nicht generisch ge-
trennt werden können, obgleich sie einige unbedeutende Mo-
difikalionen in der Zahnbildung zeigen, die in keine Be-
trachtung kommen können, da sie in allen übrigen Punkten
vollkommen übereinslimmen.
Das nämliche gilt von dem Genus Oxybeles Rich. Hälte
Sir Richardson wie Dr. Bleeker Gelegenheit gehabt,
den Ox. Homei mit den zwei Arlen des Millelmeeres zu ver-
gleichen, so würden sie sicherlich gefunden haben, dass
Homei zu Fierasfer Cuy. gehört. .
In den Caratteri von Rafinesque ist p. 19. No.45 und
Einiges über die Unterfamilie Ophidinae. 9
Pl. XV. fig.4 ein Ophidium punctatum abgebildet und be-
schrieben, das in die Nähe von dem Oph. imberbe Monlagu,
Yarr. und dem von Pennant abgebildeten gehört.
Da die Beschreibung wie Abbildung höchst mangelhaft
sind, so muss diese Art wieder aufgefunden werden, um sie
mit Sicherheit einzurangiren.
Ebenso kenne ich die Originalbeschreibung des Ophi-
dium sligma Lay et Benn. und die von Bonaparte in
seinem Cat, melh. erwähnten Oph. Rochei und Broussonnelli
Müll. nicht,
Nach diesem Vorausgeschickten gehe ich zu dieser Un-
terfamilie selbst über.
Unterfamilie @Ophidinae.
Gadus ähnliche Formen , die aalähnlich keine Bauch-
flossen haben und deren Rücken- und Afterflosse den Schwanz
ohne Unterbrechung umgeben.
I. Genus Machaerium Richardson.
1) M. subducens Rich.
Er. et Terr. p. 72. Pl. 44. fig. 1—6.
Il. Genus Ophidium Linn.
Der geschuppte Körper zeigt den Anus am Ende des
vorderen Drittels oder an der vorderen Hälfte. Zwei Paar
am Zungenbein angeheftete Bartfäden; die 2 und 2 mit ein-
ander nach der Wuzrel verbunden sind. Schwimmblase.
2) Oph. brevibarbe Cuv.
Regn. an. p. 359. Uebers. p. 468.
An der Spitze der Schnauze ein kurzer herabgeboge-
ner Dorn.
Beschr. Mit starken Zähnen , geschupptem Hinterkopf
und Opereulum und langem spitz zulaufendem Schwanz,
Rücken- wie Allerflosse schwarz gesäumt,
Länge 200 Mm., wovon der Schwanz 123 wegnimmt.
Brasilien, ?ganz Süd-Amerika.
3) Oph. brasiliense Valenc. Par. Mus.
Mit kurzen Barllfäden, die nich! zur Brust reichen. Zähne
96 Kaup:
stärker als bei einem barbatum von doppelter Länge. Nur
die Rückenflosse schwarz begrenzt.
4) Oph. Vasalli Risso.
Hist. nat. p. 212. chrysocephalum Raf. p. 19. N. 46.
Occiput und Operculum mit Spuren von Schuppen. Die
4 Bartfäden von gleicher Länge. Ohne schwarze Säume
an der Rücken - und Aflterflosse. Mittelmeer,
5) Oph. barbatum Linn.
Bloch 159. fig. 1. Yarr. p.415. O. physocephalum Raf.
No. 45,
Die zwei vorderen Bartfäden kürzer. Fleischfarbig mit
schwarz eingefasster Rücken - und Analflosse. Ohne Schup-
pen auf dem Operculum.
6) Oph. marginatum Dekay.
New-York Fn. Pl. 52. No. 169.
Grau mit seillich dunklen Längsstreifen. Analflosse am
Anfange mit weisser, am Ende wie die Rückenflosse mit
schwarzer Borde. Zeigt nach Dekay Aehnlichkeit mit den
Gadidae, namentlich mit Brotula. Die Fischer nennen ihn
desshalb den kleinen Cusk.
IIl. Genus Cepolophis Kp.
Gleichen den vorigen, haben jedoch weder Schuppen noch
Barlfäden. Anus an der vorderen Hälfte des Körpers. Sie
unterscheiden sich von Fierasfer Cuv., dass der Anus nicht
wie bei diesen am Brusibeine steht, und dass die Vomer-
zähne nicht vorspringen, sondern am Grunde des Gaumens
liegen; auch ist der Körper weniger degenartig verlängert.
6 Kiemenhaulstrahlen.
7) €. viridis Kp.
Oph. viride Fabr. Fn. groenl. p. 141. No. 99.
Gmel. 1147. No. 3.
Anus fast am Ende des ersten Drittels desKörpers. Der
mehr ovale Kopf geht 6—7mal in die Totallänge. Die Dor-
salllosse beginnt am Ende der Brusiflossen und der Schwanz
endigt in eine ziemlich stumpfe Spilze.
Farbe grün mit unzähligen feinen dunkeln Punkten, nur
mit der Lupe zu erkennen.
Einiges über die Unterfamilie Ophidinae, 97
Totallänge 148; bis zum Anus 53, zum Anfange der Rük-
kenflosse 31. Länge des Kopfes von der Schnauze‘ zur Spitze
des Kiemendeckels 22 Mm.
P. 11. D. 87. A. 68. C. 10.
Ein Exemplar durch Professor Reinhardt in der Pa-
riser Sammlung.
8) C. Montagui Kp.
? Oph. imberbe Linn. No.2. Gmel..1147.
Montagu Wern. Mem. Vol.I. p. 95. pl. 4. fig. 2.
Yarr. p. 412.
Länge etwa 3 Zoll. Kopf rund, kurz und stumpf. Die
Dorsalllosse beginnt über der Wurzel der Brustflosse, Anus
fast in der Mille des Körpers. Purpurbraun, längs der Basis
der Analllosse gegen 10 mit der Lupe sichtbare bläulich
weisse regelmässig gestellte Fleckchen, die wahrscheinlich
ein Zeichen der Jugend sind. , Brusiilosse blass, Schwanz-
flosse schwärzlich.
P. 11. D. 77. A. 44. C. 18.oder 20. Nach Montagu.
Ich habe, wie bereits bemerkt, diese Art nicht geschen
und die Galtungscharaklere nach: viridis. formulirt,
IV. Genus Fierasfer Cuv.
Oxybeles Rich, ‚Bleeker. Echiodon Thomps. Yarr.
Anus auf dem Brustbein. Vomer vorn am Gaumen hök-
kerarlig vorspringend, mit stumpfen oder seitlich comprimir-
ten Zähnchen in Terrassenform. 7 Kiemenstrahlen ‚ keine
Schuppen.
9) Fierasfer acus Kp.
Fierasfer massiliensibus Brunnich. 13. No, 24.
Gymnolus acus Gmel. 1140. No. 9.
Notopteras Fontanessi Riss. Ichth. d. Nice p. 82.
tab. IV. fig. 11.
Ophid. fierasfer Riss. Hist. nat..IIl.p. 212.
Oph. fulvescens Raf. Car. p. 38. No.282.
Fierasfer Fortanessi Cost. Fn. Nap. t.20 (bis)
Fierasfer imberbis Cuv. Regn, an.
Swains, Fish. fig. 77 et 130.
Mit sehr schlaukem Körper, der in einen langen spitz
Archiv S. Naturgesch. XXI, Jahrg. 1. Bd. m
98 Kaup:
zulaufenden Schwanz ausläuft. Unter der Seitenlinie, soweit
die Eingeweide reichen, gegen 15 Silber - oder Goldflecken;
einzelne mit_schwarzen Tüpfeln. Am Kopfe ‚und Seiten bis
zum Schwanzende schwarze Tüpfel und ‚Punkte, ‚die auf dem
Rücken zuweilen schwärzliche zackige Querbindchen bilden.
Auf dem Zwischenkiefer nach vorn 2 Reihen hakenförmige
Zähnchen, die nach dem Mundwinkel mehr glassandarlige
stumpfe Reihen bilden. Auf dem in die Länge gezogenen
Vorsprunge des Vomers ein Haufen spitzer Zähnchen, wovon
die mittelste Reihe die längsten enthält; sie sind seitlich we-
nig comprimirt, mehr rund und an der Spilze schwach ge-
krümmt. Die Gaumenbeine mit glassandartigen Zähnchen. Am
Unterkiefer mehrere Reihen kurzer Zähnchen, wovon die äus-
sere die längsten enthält.
Risso sagt, dass die Zunge rauh sei, was nur vom
hinteren Theile, wo die Kiemenbögen beginnen, richtig ist;
auch beschreibt er irrig das Praeoperculum als gezahnt, was
auf einer Täuschung beruht, indem zuweilen auf diesem eine
silberfarbige zackige Zeichnung sichlbar ist.
Die Eingeweide liegen in einem brillant silberglänzenden
Sack mit kleinen schwarzen Ringpunkten, die öfters durch die
Bauchhaut durchleuchten.
Totallänge 195. Kopf bis zur Spitze des Kiemendeckels 26,
bis zum Anus 22, bis zur Rückenflosse 43. Länge der Brust-
Nlosse 12'),.
P. 18. D. 140. A. 170-(Risso).
10) Fierasfer dentatus Cuv.
Regn, anim. Tom. II.
Echiodon Drummondi Thomps. Proc. zo0l, Soc. 1837.
p. 55. Trans. Vol. I. Pl. IH. p. 207. pl. 38. Yarr.
Br. F. Tom.Il. p. 417 mit 2 Fig.
Mit zwei Paar Hakenzähnen im Ober - wie Unterkiefer.
Die übrigen Zähne sind slumpf und gleichen aufgestreulem
Glassande. Der Anus liegt unter der Mitte der Brusiilossen-
länge und die Rückenflosse beginnt ein wenig. weiter nach
dem Kopfe hin. Färbung rölhlich ; Seiten getüpfelt; der hin-
tere Theil der Flossen wie der Schwanz schwärzlich. Iris,
Operculum und Bauch glänzend silberfarbig.
Einiges über die Unterfamilie Opkidinae. 99
Das irländische Exemplar war 11 Zoll.lang, eine Grösse,
die ich. an keinem Exemplare des Mitielmeeres gesehen habe.
D. 180. A: 180. Caud. 12. P. 16 (mach Thompson). \'
11) Fierasfer Homei Kaup.
Oxybelus Homei Rich. Er. et Terr. pl. 44. fig. 7—19.
Oxybelus Brandesi Bleeker N. Tyd. v. N. Ind. 1850
p- 43.
Die grossen Zähne des Vomers auf der mittleren ‚Reihe
seillich comprimirt und unter sich zusammenhängend. Die
äussere ‚Zahnreihe des Unterkiefers:, länger. als,,die übrigen.
An. der ‚Symphyse ‚des ’Zwischenkiefers 2 grössere, Zähnchen.
Gleicht mehr dem acus als dem dentalus, allein hat einen
stumpferen Kopf und seine Länge geht in die Totallänge 6!/,mal,
während sie bei acus mehr als 7mal hineingeht. Ueber Rük-
ken und Seilen feine Punkte, die am Rücken am dicksten.
Der silberglänzende Sack der Eingeweide mil mehr zer-
streulen Ringpunkten. Unter der Seitenlinie an 15 Silberflecken,
die wie bei acus gegen die Brustflosse einen Goldschein zu-
weilen haben.
Insel Guam (durch Quoy et Gaim.), Marlinique (durch
Pichard), Insel Bourbon, Banda-neira (Bleeker),
Timor u. Australien (Richardson). Brit. und Pa-
riser Museum.
12) Fierasfer boraborensis Kp.
Die Länge des Kopfes geht 10—11mal in die Total-
länge. Auf dem Vomer eine runde Gruppe grösserer Zähne.
Eine der grössten.
Totallänge 330. Von der Schnauze zur Kiemenspalte
und Anus 31. Brusiflosse 9 Mm. lang.
Von Bora-bora durch Less. u. Garn. Par. Mus.
13) Fierasfer parvipinnis Kp.
Eine hässliche Form mit stumpfem Kopfe, der oben
_ flach und an den Seiten der Wangen angeschwollen ist.
Brusiflosse sehr klein; Analllosse niedrig, am niedrigsten die
‚ Rückenflosse. Der Kopf geht in die Totallänge 9mal.
Auf dem kurzen vorspringenden Vomer terrassenförmig
aufsteigende Zahnreihen, die seitlich nich comprimirt sind,
100 Kaup: Einiges über die Unterfamilie Ophidinae.
Die übrigen zahntragenden Knochen mit 2—3 Reihen, die
nichts ausgezeichnetes darbieten. Totallänge 270, Kopf 30,
Brustflosse nur 7Mm. lang. Gelblich fleischfarbig mit dunk-
leren Punkten.
Hafen Carterot, Neu-Irland durch Quoy et Gaim.
V. ‚Genus Encheliophis J. Müll.
Keine Brusiflossen; Anus hinter der Kiemenhaut, die 6
Strahlen besitzt.
14) E. vermicularis J. Müll.
Monatsbericht d. Acad. zu Berl. 1842. p. 205.
Vier Zoll lang, nach dem Schwanze hin spitz zu-
laufend.
Carcinologische Beiträge.
Von
Dr. A. Gerstaecker
Hierzu Taf. IV— VI.
Die folgenden Notizen über eine Anzahl Malacostraceen
verdanken zunächst ihre Entstehung der Bearbeitung der
earcinologischen Sammlung des Berliner Zoologischen Mu-
seums, mit welcher der Verf. seit einigen Jahren unter An-
dercın beschäftigt ist. Für die systematische Kenntniss der
Crustaceen ist diese Sammlung in sofern von besonderem
Interesse, als sie die von Herbst beschriebenen und abge-
bildeten Arten in dessen Original-Exemplaren besitzt und da-
her über manche von späteren Autoren unrichtig oder gar
nicht erkannte Art den besten Aufschluss geben kann. Ein
solcher ist hier für eine Reihe der von Herbst beschrie-
benen Malacostraceen und besonders von Brachyuren, die den
grössten Theil seiner Sammlung ausmachten, gegeben wor-
den: freilich bei weitem nicht von allen, die z.B. in Milne
Edwards Histoire naturelle des Crustaces als zweifel-
haft oder nicht zu entziffern aufgeführt werden. Der Grund
hiervon ist ein zwiefacher: erstens sind bei weitem nicht
alle von Herbst beschriebene Arten in ihren typischen
Exemplaren mehr vorhanden und zweitens stellten sich bei
dem Versuche, manche derselben, besonders jüngere Exem-
plare, auf die Arten der neueren Autoren zurückzuführen, oft
Zweifel entgegen, die bei den oft sehr aphorislischen und un-
genauen Beschreibungen der letzteren nicht so leicht zu besei-
102 Gerstaecker:
tigen waren. In letzterer Beziehung schien es daher oft gera-
thener, einem elwaigen Missgriffe das Belassen beim Alten vor-
zuziehen. Da jedoch in dem hier gegebenen Beitrage gerade
die interessanleren Formen näher berücksichtigt und aufge-
klärt worden sind, so wird er den Systemalikern gewiss nicht
ganz unwillkommen sein. — Da sich bei Bestimmung der
hiesigen Cruslaceen-Sammlung auch mehrere noch unbeschrie-
bene Formen vorfanden, so sah sich der Verf. veranlasst,
auch deren Bekanntmachung hier beizufügen und wählte dazu
besonders solche aus, die sich als Verbindungsglieder ver-
schiedener Gruppen innerhalb einer Familie oder Galtung her-
ausstellten und somit, gleichsam: »systemalische Lücken aus-
füllten. Endlich fand sich. auch noch mehrfach Gelegenheit,
diese oder jene Art nach den Verschiedenheiten, welche Ge-
schlecht und Altersstufen bedingen, zu betrachten und den
Nachweis einer hierdurch hervorgerufenen Vervielfältigung
der Arten zu liefern. ' In dieser Beziehung‘ ist der Krilik in
der Carcinologie noch ein weites Feld eröffnet und es kann
nicht ‘genug auf die‘ Nolhwendigkeit‘ hingewiesen werden,
die an einer bestimmten Lokalität sich vorfindenden Arten
nach grösseren Reihen von Exemplaren festzustellen.“ Erst
dann wird sich zur Genüge zeigen, wieviele der neuerdings
aufgestellten Arten als’ Abänderungen einer längst bekannten
anzusehen sind.
Fam. Oxyrrhyncha Latr. Edw.
Peloplastus nov. gen.
(Taf. I.)
Eine sehr ausgezeichnete neue Brachyuren-Form, wel-
che durch den allgemeinen Bau des Körpers, die’ Mundtheile
und die Form des Abdomen mit der Gallün& Doclea Leach
in nächster Verwandtschaft steht, sich aber durch die nie-
dergedrückte Schale und die abgeplalteten, breiten Beine 'auf-
fallend genug von dieser unterscheidet: Der Körper ist ver-
kehrt herzförmig, breiter als lang, Nachgedrüekt; die Ober-
fläche der Schale 'ist uneben, mit ziemlich bestimmt abge-
grenzten Gegenden, von welchen besonders die Regiones
Carcinologische Beiträge. 103
branchiales durch beträchtlichere Wölbung 'hervortreten. Die
Magen- und Herzgegend bilden zwei hintereinander liegende
Vierecke, die sich mit ihren Spitzen berühren. Die Grenzen
der einzelnen Gegenden sind durch zahlreiche körnige Tu-
berkeln, nach vorn hin durch scharfe, kurze Dornen bezeich-
net. Die Seitenränder der Schale sind flach ausgebreitet und
treten seitlich vor den Kiemengegenden hervor; sie erschei-
nen in ihrer hinteren Hälfte wellenförmig gebogen. Die Au-
genhöhlen sind nach aussen von einem breiten, scharfen, mit
der Spitze nach innen gebogenen Zahn begrenzt, ihr oberer
und unterer Rand tief eingeschnilten, Die Stirn ist trapezoidal,
fast doppelt so breit als lang, nach vorn verengt und'an der
Spitze mit zwei kurzen, breiten und stumpfen Zähnen bewaff-
net, welche in der Mitte klaffen.. Die Augenstiele sind an
der Aussenseite der Stirn in einer Aushöhlung eingelenkt,
kurz; die Cornea nimmt fast ihre ganze untere, vordere und
hintere Wölbung ein. Die äusseren Fühler (Fig.2 a) sind
auf dem vorderen Theile der Stirn, aussen an der Basis der
beiden Zähne eingelenkt; sie sind sehr kurz und erreichen
kaum die Hälfte der Länge jener Zähne. Ihr erstes Glied
ist quer, mit der Stirn verwachsen, das zweile dick, etwas
abgeflacht, um die Hälfte länger als breit, das dritte nur
halb so breit und auch nur halb so lang als das zweite, die
Geissel dreigliedrig, sehr kurz. Die inneren Fühler (Fig. 2 by
sind an der unteren Seite der Slirn in einer viereckigen Ver-
tiefung eingelenkt und’ an der Basis durch einen spilzen,
dreieckigen, gekielten Zahn von einander geschieden; sie be-
stehen aus zwei fast gleich langen, cylindrischen Basalglie-
dern und einer sehr kurzen Geissel. — Die Mundöffnung ist
viereckig, vorn gerundet; .der Vorderrand derselben tritt in
der Mille mil einem stumpfen Winkel nach hinten heraus.
Das erste Glied der äusseren Kieferfüsse hat fast die Form
_ eines Parallelogramms und ist nicht ganz doppelt so lang
als breit; sein Innenwinkel tritt nach vorn gerundet hervor.
Das zweite Glied (Fig. 2) ist quer, nach hinten und innen
schräg abgeschnitten, am Vorderrande mit einem rundlichen
Vorsprunge, an dessen Innenseite das drilte, ‘kleine, quer
viereckiye Glied eingelenkt ist; die Geissel besteht aus zwei
gleich langen Gliedern, von denen das letzte scharf zuge-
*
104 Gerstaecker:
spitzt ist. — Jederseits von der Mundöffnung zieht sich eine
mit Dornen bewaffnete, geschwungene Linie quer gegen den
Vorderrand der Kiemengegenden. hin.‘ ‚Der Hinterleib. des
Weibchens (welches allein vorliegt) ist kreisrund und bedeckt
die ganze: Sternalgegend; ‚er besteht aus sieben vollständig
getrennten Ringen, «welche vom ersten. bis zum sechsten an
Länge zunehmen; der letzte Ring ist elwas kürzer als der
vorhergehende und vorn in regelmässigem Bogen gerundet.
Ueber die Mitte der fünf hinteren Ringe verläuft je eine wul-
stige Querleiste, welche gegen die Seiten hin allmählich un-
deutlicher wird. — Die Beine sind langgestreckt und in allen
ihren einzelnen Theilen flachgedrückt. Die Schenkel des
zweiten bis vierten Paares sind beträchtlich länger als die
des ersten und fünften; die des zweiten und vierten fast von
gleicher Länge, und durch den des dritlen nur um ein We-
niges übertroffen; ‚der .des fünften Paares fast: nur halb so
lang als der des. drilten.und zugleich nur halb so, breit als
an den vorhergehenden. Die Tibien und Tarsen zusammenge-
nommen sind am zweiten und ‚dritten. Fusspaare fast gleich
lang, am vierten schon beträchtlich kürzer, am fünften sehr
kurz, nämlich kaum um die Hälfte länger als der entspre-
chende Schenkel und wie dieser sehr schmal. ‚Das. Endglied
aller Tarsen ist sehr scharf zugespitzt und dreikantig, auf der
inneren oberen Fläche mit einer Längsfurche. Die Schee-
ren sind. verhältnissmässig kurz (beim Männchen, nach. der
Analogie. zu schliessen, vermuthlich: bedeutend länger);. ihr
Schenkel ist 2'/,mal kürzer als der des drilten Fusspaares,
dreikanlig, mit einer unteren, inneren und äusseren Fläche;
die Tibia ist halb. so lang als der Schenkel, der Carpus we-
nig länger und die Scheeren. selbst so lang, als Tibia und
Carpus zusammengenommen. Letztere sind schmal, in glei-
chem Sinne gebogen , spitz, ihr Innenrand gezähnelt.. Alle
Schenkel sind längs des Vorder- und Hinterrandes mit zahl-
reichen, kurzen Dornen heselzt; vier Längsreihen solcher
Dornen finden sich auf der Tibia und dem Carpus der
Scheeren.
Von Doclea unterscheidet sich unsere Gallung, abgese-
heu von der niedergedrückten, flach ausgebreiteten Form des
Cephalothorax, durch die kurz abgeslulzie Stirn, welche das
Carcinolngische Beiträge. 105
Niveau der Augenhöhlen nicht weit überragt, durch den grös-
seren Umfang und den tiefen Einschnilt des Hinterrandes der
letzteren, durch die Längenverhältnisse der äusseren Fühler
und endlich durch die breiten, plaltgedrückten Beine, wie
sie bei keiner der bis jetzt bekannten *Gallungen ‚aus der
“Gruppe Macropodinae Milne Edwards vorkommen.
Die Gatllung ist auf ein einzelnes weibliches Exemplar,
welches dem Berliner Museum als aus den Asialischen Meeren
stammend von Pallas übergeben wurde, gegründet; die
Art, durch Grösse und Gestalt sehr ausgezeichnet, scheint,
da sie bisher noch nicht beschrieben ist, zu den Seltenhei-
ten zu gehören; ich nenne sie nach dem Entdecker:
Peloplastus Pallasii.
(Taf. I. Fig. 1).
Die Schale ist 3%, Zoll breit und 3'/, Zoll lang; der
vordere Theil an der Basis der beiden Augenhöhlen misst in
der Breite 1 Zoll S Linien, die Basis der Stirn '10 Linien,
die Breite der Schale am Vorderrande der Kiemengegenden
3 Zoll. Die Farbe des ganzen Thieres ist matt lehmgelb,
der Cephalothorax am Rande und an einzelnen Stellen ‘der
Oberfläche hell rolhbraun. Letztere ist mit zerstreuten Körn-
chen bedeckt, welche sich besonders an der hinteren Grenze
der Kiemen - und Herzgegend anhäufen und sich überhaupt
an den Grenzen der eingelnen Gegenden zu grösserer Dich-
tigkeit ansammeln; ebenso zeigen sie sich am Hinlerrande
der Schale und an den Seitenrändern der Slirn. Der vordere
Theil der Seitenränder der Schale so wie die Kiemengegen-
den sind mit starken und spitzen Dornen besetzi; fünf solche,
obwohl kleinere, finden sich auch auf einem hervortretenden
Wulst an der Basis der Augenhöhlenzähne. Die beiden Zähne
der Stirn bilden fast gleichseitige Dreiecke mit; abgestumpf-
ter Spilze. Die Schenkel des Scheerenfusspaares messen
1° 244, Tibia und Carpus zusammen 1° 144, die Scheere
selbst 1” 2’. Die Schenkel der übrigen Fusspaare bieten
folgende Längenverhällnisse dar: am zweiten ‘2’ 6, am
dritten 2 7, am vierten 2 5%, am fünften 1 5; wäh-
rend die grösste Breite derselben‘ am zweiten bis: vierten
Paare 8’ beträgt, misst sie am fünften nur 4% Alle Schen-
106 Gerstaecker:
kel sind oben vom Hinterrande bis fast zur Mitte und am Vor-
derrande mit zahlreichen, kurzen Dornen besetzt, auf der
Unterseite ganz glalt; an den Schienen ist nur der’ Hinter-
rand mit einer doppelten Längsreihe von Körnchen bedeckt,
die beiden Tarsenglieder dagegen fast glatt.
Micippe Leach.
Milne Edwards hat cHist. natur. des Crustaces 1.
5.329 ff.) von der Galtung Micippe Leach zwei Arten als be-
sondere Gallungen abgesondert, indem er auf den Cancer 'su-
pereiliosus Herbst seine Galtung Criocareinus und auf Mieippe
platipes Rüppell seine Gattung Paramieippe gründete. So sehr
auch, wenigstens die erstere (Criocarcinus) durch ihre aben-
teuerliche Form eine solche Abtrennung auf den ersten Blick
zu rechtferligen scheint, so ergiebt sich doch bei genauerem
Vergleiche der bis jetzt: bekannt gewordenen Mieippe-Arten
sehr entschieden, dass die von Milne Edwards aufge-
stellten generischen Merkmale keineswegs slichhaltig sind und
sich auf specifische reduciren lassen. Die Gallung Paramicippe
soll’ sich nämlich nach Milne Edwards von Micippe sens.
strict; durch sehr kurze Beine, durch die Form des zweiten
Gliedes der äusseren Fühler und durch die Bildung der Au-
genhöhlen unterscheiden. Was nun den ersten Charakter‘ be-
trifft, so vereinigtMilne Edwards gerade im Widerspruche
mit diesem die Micippe (Cancer) crislata Linn. mit der Mi-
eippe philyra Herbst zu einer Gattung, während doch die er-
stere beträchtlich lange, die zweite äusserst kurze Beine hat.
Sollte also der Charakter von generischer Bedeutung sein, so
müsste mindestens Micippe philyra Herbst zur Gattung Para-
micippe gezogen werden. ‘Den zweiten Unterscheidungscha-
rakter der beiden Gallungen, die Form des zweilen Gliedes
der äusseren Fühler betreffend‘, so soll dieses bei Parami-
eippe kurz, dreieckig und flachgedrückt sein; bei Micippe
wird seine Bildung nicht" weiter von Milne Edwards in
Betracht gezogen. "Vergleichen wir jedoch in Bezug 'hier-.
Jauf die beiden vom Verf. unter 'Micippe' vereinigten Arten,
/ so finden wir, dass das genannte Fühlerglied bei M. cristala
durchaus cylindrisch und schmal, bei M. philyra dagegen
kaum länger als breit, flach und schuppenförmig ist, Es
Carcinologische Beiträge. 107
würde daher Micippe philyra Herbst auch in dieser Hinsicht |
zur Gattung Paramicippe Edw. gehören. Stimmen nun end-
lich die beiden erwähnten Arten im dritten von Milne Ed-
wards herangezogenen Charakter, nämlich in der Bildung
der Augenhöhlen überein? Keineswegs; bei M. philyra sind sie
nämlich allseilig geschlossen , so dass die kurzen Augen-
stiele ganz in denselben eingebeltet liegen, bei M. cristata
dagegen sind sie unten offen, so dass die langen Augen-
stiele nach unten frei heraustreten können. Wenn nun Mi-
eippe philyra Herbst auf Grund der beiden ersten Charaktere
zu Paramieippe gezogen werden müsste, so würde sie sich
durch ‘den letzteren wieder davon ganz enifernen, denn bei
dieser Gattung, giebt Milne Edwards an, können die Au-
gen nicht in die Augenhöhlen zurückgeschlagen werden; dass
die Augenstiele hier übrigens unbeweglich sein sollen, beruht
ohne Zweifel auf einem Irrthume.
Aus den angegebenen Verhältnissen geht deutlich her-
vor, dass, wenn Paramicippe von Micippe generisch verschie-
den sein soll, auch die beiden von Milne Edwards unter
Micippe vereinigten ‘Arten eine gleiche Trennung erleiden
müssen. Eine solche scheint mir jedoch keineswegs gerecht-
fertigt, wenn man nicht der heutzutage allerdings sehr in Auf-
nahme gekommenen Zersplitterungssucht, bei der die Wis-
senschaft keinen Gewinn haben kann, folgen will; vielmehr
glaube ich alle von Milne Edwards aus der Gattung Mi-
cippe (im Leach’schen Sinne) entfernten Arten wieder dar-
unler vereinigen zu müssen, indem sich bei genauerem Ver-
gleiche derselben herausstellt, dass die zur Aufstellung von
Galtungen benutzten Kennzeichen sich nicht nur in den ver-
schiedensten Combinalionen bei ihnen vorfinden, sondern auch
“allmählich in einander übergehen. Die Arten, welche mir zu
diesem Nachweise vorliegen , sind: Micippe cristata Lin.,
philyra Herbst, supereiliosa Herbst (Galtung Criocareinus Edw.),
Thalia Herbst und eine neue Art aus dem rothen Meere, die
weiter unten als M. miliaris beschrieben werden soll. Es
ist zuvörderst zu bemerken, dass alle diese Arten nicht nur
im Habilus, sondern auch in den auffälligsten Merkmalen,
- wie besonders in der sehr eigenthümlichen und ganz verein-
zeit dastehenden Bildung der Stirn, in den Mundtheilen bis
108 Gerstaecker:
ins kleinste Detail, in der Insertion der Fühler und Augen,
und endlich in der Bildung des Hinterleibes bei beiden Ge-
schlechtern die vollkommenste Uebereinstimmung zeigen. Was
nun 1) die Form des zweiten Gliedes der äusseren Fühler
betrifft, so ist dasselbe bei Cancer superciliosus Herbst sehr
lang, dünn und eylindrisch, bei Cancer Thalia Herbst, crista-
tus Linn. und Micippe miliaris nob. schon beträchtlich kürzer,
etwas flachgedrückt und gegen die Spitze hin leicht »erwei-
tert, bei Cancer philyra Herbst endlich ganz kurz, breit und
vollkommen flach. Bei Paramicippe Edw. soll es nach sei-
ner Angabe ebenfalls ganz kurz dreieckig oder herzförmig
sein; die Uebergänge von der einen Form zu der anderen
sind hiermit also gegeben und der aus den Fühlern herge-
nommene Charakter mithin ohne generischen Werth. 2) ist
die Bildung der Augenhöhle in allen fünf Arten ihrem We-
sen nach genau dieselbe; die aussergewöhnliche Entwicke-
lung derselben bei Criocareinus Edw. fällt: allerdings beim
ersten Anblick sehr auf, stellt sich jedoch bei Vergleich mit
den übrigen Arten doch nur als eine specifische Eigenthüm-
lichkeit heraus. Bei allen fünf Arten sind nämlich die Augen-
höhlen von der Basis der Stirn schräg nach vorn und aus-
sen gerichtet und vom Seitenrand der Schale durch einen
tiefen. Einschnitt gelrennt; sie sind oben, vorn und hinten
mit einem kleineren oder grösseren Zahne besetzt, zwischen
welchen die Vertiefung, aus welcher die Augenstiele ent-
springen , liegt. Zum Einlegen. der letzteren sind die Vor-
derecken der Schale unterhalb ausgehöhlt und diese Aushöh-
lung erstreckt: sich bei allen Arten bis zu dem ersten tiefen
Einschnitte am Seitenrande der Schale, welcher durch einen
grossen Zahn gebildet wird. Die Länge dieser Aushöhlung
richtet sich natürlich nach der jedesmaligen der Augensliele,
welche bei Micippe philyra Herbst und miliaris nob. kurz,
bei M. cristala Linn. von milllerer Länge und bei M. Thalia
und superciliosa Herbst sehr lang sind. Vergleicht man nun
die Gruppen, welche diese Arten nach der Bildung der Füh-
ler, mit denen, welche sie nach der Augenhöhlenbildung ab-
geben, so sieht man leicht, dass beide keineswegs mit ein-
ander correspondiren. Den besten Beweis geben hierfür M.
Thalia und supereiliosus, die sich durch die Augenhöhlen
Careinologische Beiträge. 109
einanger nähern, während. sie sich durch die Fühler von
einander entfernen. Will mau also nicht jede einzelne Art
zu einer Gallung erheben, so muss man sie alle vereinigt
lassen.
Neben der oben erwähnten neuen Art aus dem rolhen
Meere lasse ich hier auch eine Beschreibung des noch we-
nig gekannten Cancer Thalia Herbst, welche Milne Ed-
wards muthmasslich zu Paramicippe bringt, folgen:
1. Micippe Thalia.
Cancer Thalia Herbst, Naturgeschichte der Krabben und
Krebse, Taf. 58. Fig. 3.
Das einzige weibliche Exemplar der Herbst’schen
Sammlung, welches aus Oslindien stammt, misst von der Spilze
der Stirnhörner bis zu den beiden Dornen des Hinterrandes
der Schale 18 Linien, in der grössten Breite 12 Linien. Die
Stirn ist elwas weniger slark geneigt als bei den übrigen Ar-
ten und theilt sich in zwei seitlich divergirende, scharf zu-
gespitzte und leicht nach hinten gewandte Hörner. Die drei
Zähne der Augenhöhle sind sehr kurz und undeutlich, stumpf,
knopfarlig. Unmittelbar. hinter derselben ist der Seitenrand
der Schale mit drei Zähnen bewaffnet, von denen der erste
sehr schmal, stielförmig, der zweite sehr gross, zugespitzt,
mit breiter Basis, der dritte nach der Seile und zugleich
etwas rückwärts gewandt und stumpf ist. Ausserdem ist der
Seitenrand der Schale noch am Ende der Kiemengegenden
mit einem langen, slielflörmigen, rückwärts gewandten Zahne
beselzt; vor ‘diesem stehen zwei kleinere, hinter’ ihm noch
vier von gleicher Grösse, nämlich zwei in der Mitte des’ Hin-
terrandes dicht bei einander, und einer jederseits in gleicher
Entfernung von diesen und dem grossen Zahne. Die Ober-
fläche der Schale ist sehr uneben, die einzelnen Gegenden
deutlich durch Vertiefungen abgegrenzt und gewölbt, überall
mit warzenarligen Tuberkeln, welche auf den erhabenen Thei-
len am stärksten ausgeprägt sind, besetzt. Die Beine sind
eylindrisch , das dritte etwa von der Länge der Schale, die
übrigen kürzer. Die Farbe ist blass rosenroth,
110 Gerstaecker:
2. Micippe miliaris nov. spec.
Das Männchen dieser Art ist 11 Linien lang und 9 Li-
nien breit, das Weibchen 14 Linien lang und 12 Linien breit.
Die Stirn ist bei ersterem schräg abfallend, bei letzterem fast
verlikal herabgesenkt und an der Spitze in zwei divergirende
_ Zähne gespalten, welche beim Weibchen spitzer und stärker
nach aussen gewandt erscheinen als beim Männchen. , Eine
schwache Längsfurche, welche von dem vorderen Einschnilte
der Stirn ausgeht, .ersireckt sich fast bis zum Niveau der
Augenhöhlen. Die Zähne der Augenhöhlen sind kurz und
stumpf, ‚der obere noch am deutlichsten ausgeprägt. Die Au-
gensliele sind lang und erreichen fast die Spilze des zweiten
am Seilenrande der Schale befindlichen Zahnes. Das zweite
Glied der äusseren Fühler ist etwa dreimal so lang als breit,
abgeflacht, gegen die Spitze hin leicht 'erweilert. Hinter den
Augenhöhlen stehen zwei sehr scharfe und grosse, schräg
nach vorn gerichtete Zähne; ihnen folgen zunächst ‘drei
kleine zahnartige, dicht bei einander liegende Höcker. : Hin-
ter diesen erweilert sich die Schale merklich und zeigt fünf
spilze Zähne, von denen die beiden: vordersten näher an
einander liegen, die übrigen durch grössere Zwischenräume
getrennt sind; sie erscheinen bis auf den letzten, der zugleich
länger und nach hinten gerichtet ist, spitz. Die Oberfläche
ist mässig gewölbt und bietet: ausser zwei liefen Gruben zur
Seite der Magengegend keine auffälligen Unebenheiten dar;
sie. ist überall mit gedränglen, hirsekornarligen Granulationen
bedeckt und mit gelbem Toment bekleidet. Die Beine sind
kurz, cylindrisch, dicht tomentirt; das zweite Paar’ am läng-
sten und etwa der Länge des Cephalolhorax gleichkommend,
Paramithrax Milne Edwards.
Zu dieser Gattung stellt Milne Edwards (Hist. nat.
d. Crust. I. p. 325) fraglicher Weise den ihm unbekannten
Cancer ursus Herbst (Nalurgesch. d. Krabben und Krebse I.
S. 217. Taf. 14. Fig. 86). Eine nähere Untersuchung des
Herbst’schen Original-Exemplars hat mich von der Rich-
tigkeit dieser Stellung überführt; die Art gehört der zweilen
Abtheilung der Gallung an, welche sich dadurch charakte-
Careinologische Beiträge. 111
risirt, ‚dass die Augenhöhlen auf der Unterseite nur einen
Einschnitt zeigen, und dass die Augen beim Zurückschlagen
den äusseren Winkel derselben erreichen. — Bell hat (Trans-
act. of Ihe zoolog. society of London. Vol. Il. p. 52. Taf. 10.
Fig. 2 u. 3) unter dem Namen Mithrax ursus eine Art von
den ‘Gallopagos -Inseln beschrieben und abgebildet, unter
welcher er‘ den Cancer ursus Herbst als Synonym 'cilirt. Es
ist aber bei Vergleich der Herbst'schen Art mit der Bell’-
schen Abbildung leicht ersichtlich, ‚dass beide weder der Art
noch der Gallung nach identisch sind, wovon: sich übrigens
Bell schon aus der Herbst’schen Figur hälle überzeugen
können. So unvollkommen dieselbe auch ist, so giebt sie
doch die Eigenthümlichkeilen der Art sowohl in der allge-
meinen Körperform als in der Struktur der Schalen - Ober-
fläche durchaus charakteristisch wieder und die Unterschiede
von der Bell’schen Abbildung sind so: auffallend , dass das
Zusammenziehen beider von Seiten des Letzteren kaum zu
begreifen ist, Zur näheren Charakteristik der Herbst’schen
Arl mag folgende ergänzende Beschreibung dienen:
Paramithraz ursus.
“Cancer ursus Herbst, Naturgeschichte u. s. w. I. S. 217.
Taf. 14. Fig. 86.
Der Cephalothorax ist 11/, Zoll lang und bei den Kie-
mengegenden 1'/, Zoll breit und hat einen birnförmigen Um-
riss, das schmale Ende nach vorn gekehrt. Die Stirn ist
mit zwei divergirenden, ziemlich kurzen und breiten Hörnern
bewehrt, welche sich zwar nach vorn etwas verschmälern, am
Ende aber breit abgestulzt erscheinen. Der obere Augenhöhlen-
rand zeigt nach hinten zwei Zähne, von denen der hintere
elwas länger und schärfer ist als der vordere. Unmittelbar
hinter der Augenhöhle ist der Seitenrand der Schale mit
einem sehr grossen und breiten, schräg nach vorn gerichte-
ten Zahne bewaffnet, welcher in gleichem Niveau mit dem
leizten Zahne der Augenhöhle endigt. Ausserdem finden sich
drei Zähne an den Seitentheilen der Regio gastrica und
ebenso viele am vorderen Theile der Regiones branchiales;; von
diesen drei Zähnen ist jedesmal der vorderste grösser als
;
112 Gerstaecker:
die beiden folgenden. Die Oberfläche ist, besonders auf der
Regio gastrica, stark bucklig gewölbt’und überall mit grös-
seren und kleineren runden, warzenarligen Tuberkeln be-
deckt; die grössten unter ihnen liegen auf der Grenze zwi-
schen der Regio gastrica und den Regiones branchiales,
ausserdem ein durch Grösse bemerkbarer dicht innerhalb der
drei Zähne der ersteren Gegend. Die Schenkel des ersten
(Scheeren-) Fusspaares sind dreikantig und auf der obe-
ren Kante mit vier Zähnen bewaffnet, die nach vorn an
Grösse und Schärfe zunehmen. Im Uebrigen sind die Schee-
ren, einen oder zwei stumpfe Zähne am Hinterrande der Ti-
bia ausgenommen, glalt, die Schneiden der Scheere selbst
zugespilzt. Die hinteren Fusspaare sind zotlig behaart, fast
drehrund, die Tibien kurz, nach vorn dreieckig erweitert,
oben der Länge nach gefurcht. — Das vorliegende einzige
Exemplar ist ein Weibchen und stammt nach Herbst aus
der Südsee.
Obwohl dieHerbst’sche und Beell’sche Art, wie schon
eben erwähnt, zwei verschiedenen Gattungen angehören,
möchte es dennoch bei der nalıen Verwandtschaft beider
‚ zweckmässig erscheinen, den von Bell angenommenen Arl-
namen M. ursus zu ändern; die Art dürfte nach dem Be-
|schreiber am besten Mithrax Bellii zu nennen sein.
Othonia Bell.
Die Gattung Olhonia wurde von Bell (Transact. of Ihe
zoolog. sociely ofLondon, Vol.Il. p. 55) aufgestellt und dar-
unter zwei Arten, durch Cumming von den Gallopagos-
Inseln mitgebracht, unter dem Namen O. sexdentata und
quinquedentata beschrieben und auf Taf. 12. Fig. 1 u. 2 ab-
gebildet. Die Unterschiede, welche der Verf. zur Auseinan-
derhaltung dieser beiden Arten aufstellt, redueiren sich im
Wesentlichen auf zwei Punkte: 1) die Zahl der Zähne am
Seitenrande des Cephalolhorax, bei der einen Art sechs, bei
der anderen fünf, und 2) die beträchtlichere oder geringere
Grösse, indem die Länge der Schale bei der einen Art fast
einen Zoll, bei der anderen nicht viel über einen halben Zoll
betragen soll. Das letztere Merkmal kann natürlich gar nicht
in Betracht kommen, da es eben nur verschiedene Allersstu-
Careinologische Beiträge. 113
fen bezeichnen könnte; aber auch das erste, die Zahl der
Zähne, ist.nach drei mir vorliegenden Exemplaren der hie-
sigen Sammlung keineswegs zur Aufstellung zweier Arlen
geeignet, indem sie sich bei sonsliger vollkommnerer Ueber-
einslimmung der Exemplare als schwankend herausstellt. Zwei
der von mir verglichenen Individuen, die sowohl in der
Grösse als der breiteren Form des Cephalothorax viel eher
mit Olh. sexdenlala Bell als mit dessen ©. quinquedentata
übereinslimmen, zeigen nämlich nur fünf Zähne, und es ist
sogar ersichllich, dass diese nicht einmal an den beiden
Seiten eines und desselben Individuums ganz übereinslimmend
gebildet sind. Auch ihre Form scheint einigen Schwankun-
gen und Veränderungen nach dem Alter unterworfen zu sein,
denn bei grösseren Exemplaren sind sie mehr spitz und ge-
krümmt, bei kleineren dagegen stumpfer und breiter. Ich kann
daher nach der Veränderlichkeit der mir vorliegenden Exem-
plare auch Othonia sexdentala und quinquedenlala Bell nur
für verschiedene Altersstufen und Abänderungen einer und
derselben Art halten, wofür übrigens schon das Vorkommen
an einer und derselben Lokalität spricht. — In Betreff des
dafür zu wählenden Namens ist hier die Entscheidung leicht,
da die Art keineswegs neu, sondern schon von Herbsi,
Nalurgeschichte u. s. w. ll. 8.152. No. 171 unter dem Namen
Cancer mirabilis beschrieben und ihr Cephalolthorax auf Taf. 37.
Fig. 3 durchaus kenntlich abgebildet worden ist. Ein Ver-
gleich der Herbst’schen Exemplare mit der Bell’schen Ab- '
bildung selzt die Identität »beider Arten ausser Zweifel. Es
würde also nach dem Gesetze der Priorität der Name Olho-
nia mirabilis einzuführen. sein und als Synonyme Cancer mi-
rabilis Herbst und Olhonia sexdentata et quinquedentala Bell
dazu geselzt werden müssen.
Pisa Leach.
Milne Edwards führt (Hist, nat. d. Crust. 1.5. 309) unter
dieser Gallung zwei ihm unbekannle Herbsl’sche Arten auf,
nämlich dessen Cancer hirlicornis (Nalurgeschichte u. s. w. Ill. 4.
5.4. No. 255. Taf. 59. Fig. 4) und Cancer Pleione (ebenda
II. 3. 5.52. No. 249. Taf. 58. Fig. 5). Die erstere dieser
beiden Arten, Cancer hirlicornis, gehört in der That der Gat-
Archiv. (, Naturgesch. XXI, Jahrg. 1. Bd. 8
en
114 Gerstaecker:
tung Pisa Leach an und ist von Pisa corallina Risso nicht
specifisch verschieden; die Herbst’sche Valerlandsangabe
beruht wohl ohne Zweifel auf einem Irrihume. Milne Ed-
wards erwähnt auch der Aehnlichkeit jener Art mit Pisa
corallina, glaubt sie aber davon Irennen zu müssen, weil er
in der Herbst’schen Abbildung Dornen an den Beinen zu
erkennen glaubt. Solche sind jedoch an den Herbst’schen
Originalexemplaren nicht wahrzunehmen, vielmehr sind die
Beine, wie bei den verwandten Arten P. armala Latr., Gib-
sii Leach etc., nur mit Höckern besetzt, welche Haarbüschel
tragen. — Die zweite Art, Cancer Pleione Herbst, gehört da-
gegen nicht zur Gallung Pisa, sondern würde wegen der slark
divergirenden Stirnhörner, der Inserlion der äusseren Füh-
ler an deren Unterseite und dem nur einmal eingeschnillenen
oberen Augenhöhlenrand zu Naxia Milne Edwards zu brin-
gen sein. Da sie den Carcinologen nicht näher bekannt zu
sein scheinl, gebe ich hier eine wiederholte Beschreibung der-
selben:
Nazia Pleione.
(Taf. II. Fig. 1 u. 2).
Cancer Pleione Herbst, Nalurgeschichte u. s. w. Ill. 3.
S.52. No. 249. Taf. 58. Fg.5.
Die vier mir vorliegenden Exemplare derHerbst’schen
Sammlung messen von der Spilze der Stirnhörner bis zum
Hinterrande des Cephalolhorax 11 bis 16 Linien, in der gröss-
ten Breite der Kiemengegenden 6 bis 10 Linien. Der Cepha-
lothorax ist birnförmig, gewölbt, die einzelnen Gegenden sei-
ner Oberfläche wulsiig erhaben. Die Stirn ist von einer
breiten Längsfurche durchzogen, die hinter den Augenhöhlen
endigt;; die Regio gaslrica zeigt zwei hinter einander liegende
grössere, stumple Tuberkeln und zu jeder Seile des vorde-
ren noch zwei kleinere, die Regio cardiaca einen vorderen
und zwei neben einander liegende hintere. Die Regiones
branchiales sind auf ihrer oberen Wölbung mit fünf in einem
Halbkreise liegenden kurzen aber starken, am Seilenrande
mit vier dünneren Dornen bewaffnet; unter lelzleren zeich-
net sich der hinterste durch beträchtllichere Länge aus. Auf
der Regio genitalis endlich stehl ebenfalls ein stumpfer,
Carcinologische Beiträge. 115
zapfenförmiger Höcker, von welchem jederseits eine erhabene
Leiste ausgeht, die mit dem linterrande des Cephalothorax
parallel verläuft. Auf der Unterseite stehen zu jeder Seite
von der Mundöffnung drei stumpfe Zapfen, von denen die
beiden grössten auch von oben her fühlbar sind. Der Hin-
terleib des Weibchens ist kreisrund und bedeckt den ganzen
Sternaltheil des Cephalothorax; das fünfte und sechste Seg-
ment sind besonders lange; der des Männchens ist schmal und
nach vorn beträchtlich verengt. — Das Vaterland ist nach
Herbst Ostindien.
Naxia dican!ha de Haan (Fauna Japonica), Taf. 24. Fig. 1
ist dieser Art sehr nahe verwandt und unlerscheidet sich
nur durch etwas schmalere, länglichere Form und den Man-
gel der Höcker und Dornen auf der Oberfläche des Cepha-
lolhorax.
Lambrus Leach.
Milne Edwards eitirt (Hist. nat. d. Crust. I. S. 355)
zu seinem Lambrus prensor, von dem er. sagt: „Carapace
deprimee et rugueuse“ als Synonyme den Cancer pransor
Herbst! (Taf. 41. Fig. 3) und die Parlenope regina Fabricius
(Entom. syst. Suppl. p. 353). Dass die leizieren beiden Ar-
ten identisch sind, geht daraus hervor, dass Herbst seine
erste Beschreibung (Bd. Il. S. 170. No. 202) nach einem in
der Lund’schen Sammlung zu Copenhagen befindlichen Ex-
emplare, welches später auch von Fabricius beschrieben
wurde, entwarf. Das der zweiten Herbst’schen Beschrei-
bung (Bd. Ill. 3. S.33) zu Grunde gelegte Exemplar befindet
sich im Berliner Museum und passt besser mit der treffenden
Fabriecius’schen Diagnose („Thorax ovalus, foveis duabus
dorsalibus impressis, margine poslico spinis novem elongalis
validis eincto“) als mit der sehr unvollkommenen Herbst'’-
schen Figur (Taf. 41. Fig. 3) zusammen. Durch diese mag
auch vielleicht Milne Edwards geläuscht worden sein,
indem er darauf eine (mir übrigensiunbekannte) Art mit nie-
dergedrücktem, runzligem Cephalothorax bezog. Von allen
Lanibrus-Arlen ist gerade der Cancer pransor Herbst beson-
ders durch glatte, hochgewölbte Oberfläche, welche sich durch
zwei liele Furchen in drei scharf abgesonderte Parlieen theilt,
116 Gerstaecker:
ausgezeichnet, und daher ist aus der von Milne Edwards
gegebenen Beschreibung seines Lambrus carenalus leicht zu
ersehen, dass diese Art der wirkliche Cancer pransor Herbst
ist. Eine genauere Charakteristik des leizteren nach dem
Herbst’schen Original - Exemplare wird die Identität beider
leicht erkennen lassen :
Lambrus pransor.
Cancer pransor Herbst, Naturgeschichte u. s. w. Il.
S. 170. No. 202. Taf. 41. Fig.3 (1796). — Ebenda
Ill. 3. S. 33.
Parihenope regina Fabrieius, Entomol. syst. suppl.
p. 353. (1798).
Lambrus carenatus (nec prensor) Milne Edwards, Hist.
nat.-d. Crust. ]. p.35S. No. 8.
Der Cephalothorax ist durch zwei tiefeLängsfurchen in
drei Hauptfelder getheilt, von denen jedes der Länge nach
leistenarlig erhaben erscheint; die Oberfläche ist fast glalt
oder nur mit schwach eingestochenen Punkten besetzt. Die
Stirn ist zugespilzt dreieckig, oben ausgehöhlt, jederseits mit
einer schwachen, stumpfen Spitze versehen. Die Vorder-
ränder der Kiemengegenden sind mit sieben stumpfen und
kurzen Kerbzähnen besetzt, der Hinterrand der Schale mit
neun Zähnen, von denen die fünf mittleren klein, die beiden
vorderen jederseils dagegen sehr gross sind. Der erste von
diesen, welcher den Hinterrand gegen die vorderen Seilen-
ränder abgrenzt, ist flach und fast gerade nach aussen ge-
wandt, der zweite mit einer erhabenen Kante verschen uud
schräg nach hinten gerichtet. Die Mittellinie des Cephalo-
thorax ist auf der Herz- und Magengegend mit drei stum-
pfen, zahnarligen Höckern besetzt. Die Scheeren sind auf
ihren Flächen fast glalt, der obere und äussere Rand mit
flachgedrückten, sehr grossen und spilzen Zähnen bewaffnel,
die zuweilen weiler aus einander stehen und dann kleinere
Zähne von gleicher Form zwischen sich haben. Der Innen-
rand ist fein körnig gezähnt. ;
Die Abweichungen, welche die Herbst'sche Beschrei-
bung und Abbildung von der eben gegebenen Charakteristik
Carcinologische Beiträge. 117
zeigen, können nur als Ungenauigkeilen angesehen werden,
wie denn auch Herbst von seiner ersten Beschreibung selbst
sagt, dass sie nur flüchlig gemacht sei. So giebt Herbst
z. B. an, dass der Hinterrand der Schale ausser den beiden
grossen Dornen jederseits noch sechs kleinere Zähne in der
Mitte zeige, während sich von diesen in Wirklichkeit nur
fünf finden. Dass die Stirn hinter ihrer Spitze noch einen
Dorn habe, ist dahin zu berichtigen, dass ein solcher jeder-
seits neben der oberen Aushöhlung steht.
Für den Lambrus prensor Milne Edwards (a. a. O. I.
5.358. No. 7), dessen Name zu ändern ist, schlage ich die
Benennung Lambrus Edwardsü vor.
Eine mit Lambrus pransor Herbst sehr nahe verwandte
Art ist L. validus de Haan (Fauna Japonica). Auch hier ist
die scharfe Theilung des Cephalothorax durch zwei Furchen
in die Augen fallend, doch ist die Oberfläche nicht glatt,
sondern mil zahlreichen, warzenarligen Erhabenheiten be-
setzt. Das Berliner Museum besitzt davon ein Exemplar aus
China von Meyen, welches mit der de Haan’schen Be-
schreibung und Abbildung genau übereinslimmt.
Fam. Cyelometopa Edw.
Zwei der ausgezeichneteren Herbst’schen Arten die-
ser Abtheilung, welche Milne Edwards (Hist. nat. d.
Crust. 1. p. 404) als ihm unbekannt bei seiner Gattung Pano-
paeus anführt und dieser frageweise unterordnet, sind der
Cancer trispinosus (Naturgeschichle u. s. w. Ill. 3. S. 43.
No. 241. Taf. 57. Fig. 4) und Cancer ochtodes (ebenda I.
S. 158. No. 66. Taf. 8. Fg. 54). Was die erste dieser beiden
Arten anbelrifft, so zeigt sie allerdings einige Verwandtschaft
mit der Gattung Panopaeus Edw., unterscheidet sich aber von
derselben durch äusserst langgestreckte, schlanke Beine und
ebenso durch die Bildung der Stirn, der Augenhöhlen und
des Hinterleibs. Von den mir bekannten Gallungen zeigt
Galene de Haan, welche (Fauna Japonica p. 19) auf den Can-
cer bispinosus Herbst gegründet ist, entschieden die grösste
Aehnlichkeit mit dem Cancer Irispinosus Herbst, und zwar
118 Gerstaecker:
ausser der allgemeinen Körperform besonders in der Stirn-
bildung und der Länge der Beine. In Rücksicht auf die An-
lage der Augenhöhlen und die Form des Hinterleibs, welche
von Galene wesentlich abweichen, kann es jedoch gerecht-
ferligt erscheinen, eine eigene Gallung darauf zu gründen;
diese nenne ich:
Chalaepus noy. gen.
Der Cephalolhorax hat die Form eines unregelmässigen,
queren Sechseckes, dessen Miltelecken durch einen scharfen
Zahn angedeutet sind; die vor diesen liegenden, vorderen
Seitenränder sind ausserdem noch mit zwei scharfen Zähnen
bewaffnet, von denen der vorderste den Aussenwinkel der
Augenhöhlen einnimmt. Die Oberfläche ist vorn leicht gewölbt,
hinten mehr abgeflacht und schräg abfallend; die Regiones
branchiales sind nach innen durch zwei schräge Längslurchen
begrenzt, die Regio gaslrica nach hinten jederseits durch ei-
nen kurzen, aber liefen Querstrich angedeutet. Die Stirn ist
wie bei Galene mit vier stumpfen Spitzen versehen, von de-
nen die äusseren am Innenwinkel der Augenhöhlen, die in-
neren nahe der Mittellinie dicht bei einander stehen; die
Senkung der Stirn ist aber bei weilem nicht so beträchtlich
wie bei jener Gallung, indem sie nur schwach geneigt und
mit scharfem Vorderrande versehen ist. Während ferner bei
Galene die Augenhöhlen nur halb so breit als die Slirn,
ringsum geschlossen und den Augenstielen eng angepasst sind,
beträgt ihre Breite bei Chalaepus mindestens zwei Dritttheile
der Stirnbreite und haben daher die Augenstiele einen be-
trächllichen Spielraum in ihrem Innern. Der Unlerrand der
Augerhöhlen erscheint tief ausgeschnilten und endigt nach
innen in einen scharfen, gerade nach vorn gerichteten Zahn,
an den sich unmillelbar das Basalglied der äusseren Fühler
anschliesst. Der obere Rand ist ebenfalls weit ausgerandet
und wird nach aussen, wie schon erwähnt, durch den ersten
grossen Zahn des Seitenrandes begrenzt. Die Einlenkung
der beiden Fühlerpaare ist wie bei Galene, nur dass die in-
neren nicht wie dort durch einen gleichbreiten Vorsprung
des Untergesichts, sondern dureh eine scharfe Spitze von
einander geschieden werden, Ebenso stimmt auch die Bil-
u
Carcinologische Beiträge. 119
dung des äusseren Kieferfusspaares mit Galene überein; eini-
germassen abweichend ist nur der Palp (Tarsus), an dem das
zweite Glied länger und mehr ceylindrisch, das dritte derber
und weniger zugespilzt erscheint. Schr verschieden ist da-
gegen der Hinterleib und die Sternalplalte bei dem Männchen
der vorliegenden Gallung gebildet. Letztere ist fast kreis-
rund, vorn leicht zungenarlig ausgezogen, die beiden vor-
dersten Ringe vollständig mit einander verschmolzen und fast
die Hälfte der ganzen Länge ausmachend, das dritte nach in-
nen stark verschmälert, fast zugespilz. Am Hinterleibe sind
die sieben Ringe vollständig getrennt, die beiden der Basis
zunächst gelegenen auf die Hinterseite des Körpers gerückt;
die Ringe vom drillen bis sechsten werden allmählich etwas
schmäler; der vierte bis sechste sind gleich lang, der sie-
bente sehr schmal, lanzenarlig zugespilzt und in eine Grube
des zweiten Sternalringes, welche jedoch nur die Basis des-
selben einnimmt, eingesenkt. Die Beine sehr lang und flach-
gedrückt, der Sckenkel des drillen Paares am längsten, der
des vierten und fünften fast gleich lang und etwas länger
als der des zweilen; der Vorderrand aller vier Schenkel ist
an der Spilze in einen kurzen Dorn ausgezogen, ihr Spitzen-
rand tief eingekerbt; das letzte Tarsenglied ist um seine
Axe gedreht. Das Scheerenfusspaar ist äusserst kräftig ent-
wickelt , die Tibien fast dreieckig, kurz, innen mit einem
scharfen Zalıne, die Scheeren selbst auf der Schneide mit
slarken Tuberkeln besetzt.
Chalaepus trispinosus.
Cancer trispinosus Herbst, Naturgeschichte u. s. w. III.
3. 8.43. No. 241. Taf. 57. Fg. 4.
Die Herbst’sche Abbildung stellt das Thier in natür-
licher Grösse dar und giebt seine Charaktere ziemlich tref-
fend wieder: nur die Farbe ist zu dunkel; sie erscheint an
dem Herbst’schen Original-Exemplare, vielleicht in Folge
des Alters, blass knochengelb. Die Länge des Cephalotho-
rax beträgt 3, die Breite 3%, Zoll. — Das Vaterland ist nach
Herbst’s Angabe Oslindien.
Die zweite oben erwähnte Art, der Cancer ochtodes
120 Gerstaecker:
Herbst, bietet noch weniger Verwandtschaft mit der Gallung
Panopaeus dar, sondern würde vielmehr der Gattung Xantho
imMilne Edwards’schen Sinne beigezählt werden müssen.
Von de Haan (Fauna Japonica) ist diese Gallung nun mit
Recht in mehrere Ablheilungen gesondert worden und eine
gleiche Ablrennung würde auch für den durch manche Eigen-
thümlichkeit ausgezeichneten Cancer ochtodes Herbst nö-
thig sein.
Polycremnus nov. gen.
Die Gatlung stimmt mit Xantho im Milne Edwards’-
schen Sinne durch die Bildung und den Sitz der äusseren
Fühler, die zweilappige Stirn und die kurzen, gedrungenen
Beine überein, zeigt aber ausser dem habituell verschiedenen
Cephalothorax auch Unterschiede in der Form der Augenhöh-
len und des -Hinterleibs. Durch die hohen, dreikanligen
Scheeren und die weit hervorgezogene Stirn bietet sie die
meiste Verwandtschaft mit Halimede de Haan dar, doch ist
letztere, abgesehen von der sehr verschiedenen Form des Ce-
phalothorax, noch bei weitem mehr hervorlrelend und auch
beträchtlich schmaler. Eine tiefe, bis zur Regio gaslrica
reichende Längsfurche theilt nämlich die Stirn in zwei seit-
liche, längliche, gleichbreite Wülste, welche vorn einzeln
stumpf abgerundet sind, mit scharfem Rande endigen und auf
der Unterseite die inneren Fühlergruben weit überragen. Ein
kleiner Lappen an ihrer Aussenseite nahe der Basis, welcher
sich durch eine schwache Längsfurche absondert, bilden den
inneren und zum Theil den hinteren Rand der Augenhöhlen.
Letztere sind äusserst klein, mit fast kreisrunder Oeffnung und
überall scharfen Rändern ; ihr oberer Rand ist, wie bei der
Xantho-Gruppe gewöhnlich, mit zwei feinen, nicht klaffenden
Spalten versehen. Auf der Grenze zwischen dem Ober- und
Unterrand zeigt sich ein etwas lieferer Spalt, der jedoch
keine merkliche Unterbrechung in der Umgrenzung der Au-
genhöhle hervorruft. Die äusseren Fühler sind an der Unter-
seite zwischen der Stirn und dem inneren Augenwinkel ein-
gefügt und können sich mit ihrer Geissel in den inneren
Spalt der Augenhöhle einlegen; ein Unterschied von der bei
Xantho beobachteten Bildung besteht darin, dass ihr erstes
Careinologische Beiträge. 121
Glied durch seine Länge die Spilze des inneren Augenwin-
kels erreicht; die beiden folgenden sind sehr klein und füh-
ren eine Jange dünne Geissel. Die Form des Cephalothorax
ist ein queres Sechseck, dessen vordere und hintere Kanten
sehr lang, die beiden seitlichen dagegen sehr kurz sind ; letz-
tere werden von je zwei dicken, knolligen Anschwellungen
des Seitenrandes ganz eingenommen. Das erste (Schenkel-)
Glied der äusseren Kieferfüsse ist auf der Aussenseite von
einer liefen und scharfen, schräg verlaufenden Furche durch-
zogen. Die Scheerenfüsse sind stark entwickelt, dreikanlig,
am Hinlerrande der Schenkel, dem oberen, kammartig erha-
benen Rande des Carpus und auf der oberen Zange der
Scheere selbst mit dicken, knollenarligen Tuberkeln beselzt.
Die Beine sind im Verhältnisse kaum länger als bei Xantho,
die Schenkel jedoch schmaler und kaum flachgedrückt , am
Vorderrande fein bedornt. An der Sternalplatte ist der erste
und zweite Ring in ‘der Milte verwachsen, an den Seiten
durch einen Schlitz getrennt , beide zusammen so lang wie
die übrigen miteinander, an der Innenseite der Vorderhüf-
ten beulenarlig aufgetrieben. Beim Männchen ist der zweite
Hinterleibsring sehr kurz und durch den ersten und dritten
seitlich eingeschlossen; beim Weibchen zwar ebenfalls kurz,
aber seitlich frei. Der letzte Hinterleibsring ist im männli-
chen Geschlechte lanzettlich zugespilzt.
Polycremnus ochthodes.
Cancer ochtodes Herbst, Naturgeschichte u. s. w. I.
S. 158. No. 6b. Taf. 8. Fig. 54.
Cancer ochlodes Fabricius, Entomol. syst. II. p. 455.
No. 58.
Galene (?) ochtodes Adams el White, Zoology of
the Voyage of H.M.S. Samarang, Cruslacea p. 43.
Taf.X. Fig.2.
Im hiesigen Museum befinden sich vier von Herbst
herrührende Exemplare .dieser Art, drei Männchen und ein
Weibchen. Der Cephalothorax ist fast um die Hälfte breiter
als lang, leicht gewölbt, auf der vorderen Hälfte mit einigen
122 Gerstaecker:
flachen wulstigen Erhebungen, auf der Grenze zwischen der
Regio gastrica und cardiaca mit zwei seillichen Längsein-
drücken. Der Seilenrand wird von zwei dicken Tuberkeln,
die durch einen beträchtlichen Zwischenraum getrennt sind,
eingenommen und-der Vorderrand zeigt unmittelbar vor dem
ersten jener Tuberkeln noch eine Einkerbung. Fünf knol-
lenarlige Erhöhungen, die gegen die Spilze an Grösse zuneh-
men, bezeichnen den oberen und hinteren Rand der Schen-
kel des Scheerenfusspaares; zwei gleiche nehmen den inne-
ren, vorderen Winkel der Tibia, fünf den oberen Rand des
Carpus und drei den entsprechenden der oberen Scheere
ein; die Aussenfläche des Carpus zeigt ausserdem noch eine
Anzahl flacherer Erhebungen. Die Farbe des Thieres ist
blass graubraun, die Extremitäten fallen mehr ins Weissliche.
Die Herbst’sche Abbildung zeigt, abgesehen von ihrer
Rohheit auch mehrfache Unrichligkeiten; besonders sind die
durch die beiden grossen Höcker scharf ausgeprägten Seiten-
ränder des Cephalothorax sehr mangelhaft wiedergegeben und
dadurch die habituelle Eigenthümlichkeit des Thieres verwischt;
überhaupt ist der ganze Körper im Verhältnisse zu lang und
nach hinten nicht stark genug. verengt. Die vorhandenen
Exemplare stehen der Abbildung fast um ein Drititheil der
Grösse nach.
Die von Adams und White (a. a.0.) gegebene Ab-
bildung stellt ein junges Thier der Herbst'schen Art dar,
zu der sie unzweifelhaft gehört; auch hier ist jedoch kei-
neswegs der eigenthümliche Charakter deutlich hervorgeho-
ben. Mit der Gattung Galene, zu der die genannten Autoren
die Art fraglicher Weise stellen, hat sie nichts gemein.
Trapezia Latr.
Zwei von Herbst beschriebene Arten, die dieser Gat-
tung angehören, nämlich dessen Cancer rufopunelalus (Taf. 47.
Fig. 6) und Cymodoce (Taf. 51. Fig. 5) sind von späleren
Autoren vielfach verkannt und verwechselt worden , wes-
halb ich hier einige Bemerkungen zu ihrer näheren Kennt-
niss beibringen will; zugleich lasse ich die Beschreibung
zweier neuen, im hiesigen Museum befindlichen Arten folgen.
Zu den Gallungscharakleren von Trapezia, wie sie Milne
Carcinologische Beiträge. 123
Edwards cHist. nat. d. Crust. I. p. 427) angiebt, lässt sich
Folgendes hinzufügen. Bei allen mir bekannten Arten ist
die rechte Scheere sowohl etwas länger als auch in ihren
einzelnen Theilen kräftiger als die linke; besonders ist der
rechte Scheerenschenkel stels breiter und stärker gezähnt,
die Zangen der Scheere selbst etwas länger und stärker ge-
krümmt. Beim Männchen ist der 3te bis öte Hinterleibsring
mit einander verschmolzen und nur durch schwache, seit-
liche Einkerbungen bezeichnet; beim Weibchen hingegen ist
der Hinterleib sehr breit, alle sieben Ringe desselben voll-
sländig gelrennt und anLänge allmählich zunehmend, so dass
der erste der kürzeste, der letzte der längste und von halb-
kreisförmigem Umrisse ist. — Nach Milne Edwards sol-
len bei einigen Arten die äusseren Kieferfüsse in der Milte
der Mundöffnung klaffen; solche Arten sind mir nicht be-
kannt, vielmehr ist die Mundöffnung sowohl bei den hier
näher charakterisirten Herbst’schen als den beiden neuen
Arten vollständig durch die Kieferlüsse geschlossen.
1. Trapezia rufopunctata.
Cancer rufopunctalus Herbst, Naturgeschichte u.s. w.
III. 1. S. 54. No. 206. Taf. 47. Fig. 6.
Trapezia rufopunclata Jacquinot, Lucas Voyage au
pöle sud et dans l’Oceanie. Zoologie. Tome ll.
p- 41. Crustaces Pl.4. Fig. 8.
? Grapsillus maculatus Mac Leay, Illustr. of the zoology
of Soulh Africa, Invertebrata p. 67. No. 31.
Der Körper ist sehr flachgedrüekt, glatt, glänzend, von
gelblicher Grundfarbe, auf der überall (auf der Ober-, Un-
terseile und den Beinen) zahlreiche, kleine rundliche men-
nigrolhe Punkte ziemlich gedrängt stehen. Von den sechs
hnen der Stirn sind die beiden mittleren klein, dicht ne-
‚ben einander stehend, scharf und mit der Spitze ein wenig
nach aussen gewendet; der jederseils zunächst folgende ist
sehr breit, ebenfalls scharf und beträchtlich mehr hervortre-
tend als die beiden millelsten, seine innere Kante fast dop-
pell so lang als die äussere, beide aber geradlinig; der äus-
serste Zahn, welcher die Augenhöhble nach innen begrenzt,
124 Gerstaecker:
tritt wieder weiter zurück, ist stumpf, mil abgerundeter äus-
serer Kante, übrigens fast ebenso gross als der vorherge-
hende. Die beiden Zähne des Seitenrandes sind scharf und
deutlich, der zweite etwa in der Mitte der Länge gelegen.
Der Arm der rechten Scheere ist merklich breiter als der
der anderen Seile und am Vorderrande mit drei grösseren
und zwei kleineren Zähnen besetzt, von denen der leizte,
nahe der Spitze, sehr stumpf ist; der linke Arm dagegen
zeigt sechs viel kleinere, fast gleich gestaltete Zähne, von
denen nur der äusserste von den übrigen entfernt und stumpf
ist. Ebenso ist die Tibia, der Carpus und die Zangen der
rechten Scheere elwas länger und stärker als auf der linken
Seite, die untere Zange an der Spitze aufgebogen und über
die obere herübergreifend; die Zähne an der Innenseite bei-
der Zangen sind auf der rechten Seite ebenfalls deutlicher
ausgeprägt. Die Schenkel der übrigen (Gang-) Beine sind
sehr flachgedrückt und ziemlich erweitert. — Die Länge des
Cephalothorax beträgt 10 Lin., die Breite 12 Lin. Das ein-
zige männliche Exemplar aus der Herbst’schen Sammlung
stammt angeblich aus Ostindien.
Die Herbst’sche Figur stellt das Thier in natürlicher
Grösse dar, enthält aber mehrfache Ungenauigkeiten; der
Cephalothorax ist in derselben viel zu stark nach hinten ver-
engt und der Zahn am Seitenrande viel zu tief eingeschnit-
ten. Die Verschiedenheit der beiden Scheeren ist allerdings
in der Figur angedeutet, doch sind sie auf die entgegenge-
selzte Seite verlegt worden, wahrscheinlich durch Schuld des
Zeichners, der das Thier, wie er es vor sich hatte, auf die
Platte brachte *).
Trapezia rufopunctala Jacqg., Lucas (a. a. 0.) stimmt
der Abbildung nach genau mit demHerbst’schen Original-
Exemplare überein; die Grundfarbe, die Kleinheit und Häu-
figkeit der rothen Punkte, die Zahnung der Stirn und der
Schenkel sind vollkommen treffend wiedergegeben. Nach den
beiden Verfassern stammt das hier abgebildete Exemplar von
*) Dieser Fehler kommt bei den Herbst’schen Abbildungen
öfter vor, und ist wohl zu beachten, da er bei Bestimmungen leicht
irre leiten kann.
Careinologische Beiträge. 125
den Marquesas-Inseln und übereinstimmende soll das Pariser
Museum von der Ostküste Afrikas (Zanzibar) besitzen. Dem-
nach scheint ‚die Art eine weile Verbreitung zu haben, und
es wäre wohl möglich, dass sie an der Ostküste Afrikas bis
zum Cap herunterginge; dann könnte auch wohlMacLeay’s
Grapsillus maculatus, wieKrauss dies vermulhet (Süd-Afri-
kanische Cruslaceen $. 36) auf diese Art bezogen werden,
obwohl aus der sehr kurzen Beschreibung hierüber FügbiR
Bestimmtes zu erschen ist.
Speeifisch verschieden ist dagegen von der Herbst’-
schen Art ohne Frage die Trapezia rufopunclala Dana (Uni-
led States exploring expedilion, Crustacea I. p. 255. Taf. 15.
Fig. 3) von Taiti, bei welcher der Verfasser die Herbst’-
sche Art gleiches Namens als Synonym cilirl. Die Grund-
farbe des Körpers ist hier rein weiss und die rothen Flecken
sehr gross, durch weile Zwischenräume getrennt; besonders
sind in dieser Beziehung vier sehr grosse, quergestellte Flecken
auf der Mitte des Cephalothorax auffallend , die sich an dem
Herbst’schen Exemplare nicht vorfinden. Abgesehen von der
Färbung und Zeichnung, die vielleicht nach den Individuen
variiren könnte, bietet übrigens die Dana’sche Figur auch
noch mehrere wesentliche Form-Unterschiede dar. Der Sei-
tenzahn des Cephalolhorax liegt hier vor derMitle, die äus-
seren Stlirnzähne (zunächst der Augenhöhle) sind spilz und
aussen nicht gerundet, der letzte Zahn am rechten Scheeren-
Schenkel sehr gross und spitz, alles Verhältnisse, die mit
dem Herbst’schen Exemplare im Widerspruche stehen. —
Könnte eine von den vier rolhgelleckten Trapezia-Arten Dana’s
auf den Cancer rufopunclalus Herbst bezogen werden, so
wäre es noch am ersten dessen Trapezia maculala. (Crusla-
cea 1. S. 256. Taf. 15. Fig. 4); doch sind auch hier die ro-
then Flecken sowohl grösser als weitläufiger gestellt und die
Binke Scheere ist die grössere, so dass das Zusammenziehen
beider immer nicht ohne allen Zweifel vorgenommen werden
könnle.
2. Trapezia Cymodoce.
Cancer Cymodoce Herbst, Naturgeschichle u. s. w.
III. 2. 8. 22. No. 220. Taf. 51. Fig. 5.
126 Gerstaecker:
Der Körper ist etwas mehr gewölbt als bei der vorigen
Art, glatt, bräunlich gelb. Die Stirn bildet, wenn man von
dem äussersten Zahn jederseils, der weiter zurücklritt, ab-
sieht, fast eine gerade Linie, in welcher nur die beiden klei-
nen Mittel- Zähne, welche übrigens sehr kurz und stumpf
sind, eine Unterbrechung machen; die beiden zunächst nach
aussen gelegenen bilden nur eine leicht gerundele Hervor-
ragung mit vier sehr feinen Kerben. Die durch einen deul-
lichen Einschnitt /abgeselzien Aussenzähne sind ebenfalls
kurz und abgestümpft. Die beiden Zähne des Seitenrandes
sind schar[ und deutlich, der letzte liegt weit hinfer der Mitte
der Körperlänge. Der Arm der rechten Scheere ist mit acht
Zähnen, von denen die drei millleren gross sind, der linke
dagegen nur mil vier grösseren Zähnen beselzt; der rechte
Carpus ist wohl um die Hälfte breiter als der linke, die Zan-
gen der Scheere in der Form fast auf beiden Seiten gleich,
nur rechts bedeutend stärker. — Der Cephalothorax des ein-
zigen männlichen Exemplares der Herbst’schen Sammlung,
das angeblich aus Ostindien stammt, ist 5 Lin. lang und 6
Lin. breit,
Die Herb st’sche Figur stelll das Thier in vergrös-
serlem Massstabe dar und enthält ebenfalls Unrichligkeilen,
die leicht zu falschen Schlüssen veranlassen können; so hat
z. B. weder der Cephalolhorax im Niveau des zweiten Sei-
tenzahnes eine Querleiste, noch der Carpus der Scheeren
zwei Längsleisten, wie sie in der Abbildung angegeben sind.
Auch ist der Körper im Verhältnisse viel zu breit und die
Zähne der Stirn zu sehr markirt.
Ob TrapeziaCymodoce Dana (Cruslacea I, $. 257. Taf. 15.
Fig. 5) zu der Herbst’schen Art gleiches Namens gehört,
muss ebenfalls sehr zweifelhaft erscheinen; die Mittelzähne der
Stirn sind hier sehr breit, breiter als die zunächst nach aus-
sen gelegenen, der Seilenzahn liegt weit vor der Mitte der
Körperlänge, der Cephalothorax ist sehr stark nach hinten
verengt, alles Merkmale, welche das Herbst’sche Original-
Exemplar nicht darbielet,
3. Trapezia corallinan. sp.
Eine durch die Farbe und den Glanz der Körper-Ober-
Carcmologische Beiträge. 127
fläche besonders ausgezeichnete neue Art, welche von War-
scewicz in Veragua zu mehreren Exemplaren gesammelt und
dem hiesigen Museum überlassen wurde. Der Körper ist blass
korallenrotli, spiegelblank, die beiden Zangen der Scheeren
schwarzbraun. Der Cephalolthorax ist breiter als lang (das
grösste Exemplar 8 Lin. breit und 6 Lin. lang) , besonders
auf der hinteren Hälfle ziemlich gewölbt, vom zweiten Zahne
des Seilenrandes an nach hinten stark verengt, dieser selbst
sehr kurz und stumpf und vorn durch eine Querfalle der
Oberfläche markirt. Der Seilenrand zwischen diesem und
dem ersten Zahne hat ebenfalls die Richlung nach innen,
während er bei der vorigen Art gerade nach vorn verlief,
und dadurch dieser ein mehr viereckiges Ansehen verlieh.
Die Stirn ist in ähnlicher Weise wie bei Tr. Cymodoce ge-
bildel, nur dass der äussere Zahn zunächst der Augenhöhle
verhällnissmässig weniger gegen die übrigen zurücklrill, son-
dern mit diesen zusammen eine fast regelmässige, wellige
Bogenlinie.bildet; auch ist hier der zweite Zahn jeder Seile
sehr schwach entwickelt, aber sehr breit und mehrfach ein-
gekerbt, der äussere stumpf abgerundet. Die Zahnung am
Vorderrande der Scheerenschenkel ist auf beiden Seiten fast
gleich, indem sich vier stumpfe Zähne vorfinden , die, nur
am rechten Schenkel elwas grösser sind. © Die Schenkel der
übrigen Beine sind elwas erweilert, die Tibien und Tarsen
am Vorderrande dünn behaart. — Es liegen Exemplare bei-
der Geschlechter vor, die in der Form keine Unterschiede
darbielen.
4. Trapezia subdentata.
Der Cephalolhorax ist 7 Lin. lang und 8 Lin. breit. Der
Seitenrand bildet einen regelmässigen Bogen, welcher durch
en sehr schwachen und sltumpfen zweiten Zahn kaum un-
‚lerbrochen wird; die Oberfläche ist vorn ganz eben, hinten
nur leicht gewölbt. An der Stirn liegen die vier millleren
Zähne fast in einer Linie, die beiden äusseren treten mehr
zurück; die beiden zunächst der Mittellinie sind hier im Ver-
hältnisse ziemlich breit, die zunächst nach aussen folgenden
daher elwas schmaler als bei den vorhergehenden Arten,
128 Gertstaecker:
aber ebenfalls leicht eingekerbt. Die Schenkel der Scheeren
zeigen an ihrem Vorderrande jederseits vier Zähne, von de-
nen der innerste breit und spilz, die übrigen schmaler und
stumpf sind; die Zangen der Scheeren sind. auf beiden Seiten
fast gleich, während der Carpus rechts stärker entwickelt
ist. — Zwei Exemplare, im Rolhen Meere von Hemprich
und Ehrenberg gesammelt, haben eine röthlichgraue Farbe;
die Geschlechter sind nicht verschieden.
Von den beiden Milne Edwar ds’schen Arten aus dem
Rothen Meere CHist. nat. d. Crust.1. p. 429) unterscheidet sich
diese Art folgendermassen: Von Tr. ferruginea dadurch, dass
die Maxillarfüsse die Mundöffnung ganz verschliessen,, von
Tr. digilalis ausser durch die Farbe auch durch das Vorhan-
densein des wenngleich sehr stumpfen und undeullichen Sei-
tenzahnes, der bei jener fehlen soll.
Der Cancer glaberrimus Herbst (Naturgeschichle u. s. w.
I. p. 262. Taf. 20. Fig. 115) -ist in der Sammlung des hiesi-
gen Museums nicht mehr vorhanden. Latreille hat ihn
ebenfalls zu seiner Gallung Trapezia gezogen, während Milne
Edwards (Hist. nat. d. Crust. I. p. 430) ihn zu Grapsus brin-
gen zu müssen glaubt. Mit letzterer Galtung hat er weder
in der Form des Cephalothorax noch in der Bildung der
Scheeren irgend welche Aehnlichkeit, wenigstens so viel sich
aus der Herbst’schen Figur ersehen lässt. Mit Trapezia
steht er jedenfalls in der nächsten Verwandtschaft, obwohl
er sich durch die Bildung der Stirn, welche mit zahlreichen
kleinen Zähnchen beselzt ist, wieder davon entfernt. In neue-
ster Zeit hat Dana (Cruslacea l. p. 261) darauf die Gallung
Tetralia gegründet, welche er gewiss mit Recht neben Tra-
pezia stellt und hauptsächlich nach der Stirnbildung davon
abtrennt. Zu dieser würde ausser den drei von Dana be-
schriebenen Arten auch Trapezia serralifrons Jacq., Lucas
(Voyage au pöle sud et dans l’Oc£anie Ill. p. 47. Pl. 4. fig. 20)
zu ziehen sein.
Lupea Leach, Dana.
Die von de Haan (Fauna Japonica) aufgestellten Un-
tergallungen innerhalb der Gallung Lupea der früheren Au-
Careinologische Beiträge. 129
toren sind, wie schon von Dana richtig bemerkt wird, zum
Theil auf so unwesentliche und durch Unterschiede im äus-
seren Habilus keinesweges unlerslülzte Merkmale gegründet,
dass es geralhen scheint, mehrere derselben, besonders aber
Neptunus, Pontus und Achelous wieder einzuziehen; da die-
selben gerade auf diejenigen Arten gegründet sind, welche
den Stamm der Gallung Lupea Leach ausmachten, so möchte
auch dieserName am besten für sie beizubehalten sein. Die
Beschreibung einiger neuen Arten der hiesigen Sammlung möge
bier ihren Platz finden.
1. Lupea exasperata.
Sie misst in der grössten Breite 4 3°, in der Länge
24 3%, Die vier Stirnzähne sind stumpf, die beiden mitt-
leren kleiner und weniger hervorragend als die äusseren,
aber untereinander durch einen tieferen Einschnitt getrennt
als von jenen. Die Einschnitte der Augenhöhle sind wie ge-
wöhnlich nicht klaffend, der innerste Zahn sehr breil, nach
innen mit breiter und stumpfer Spitze hervorlretend, welche
aber nicht das Niveau der Slirnzähne erreicht, der :äussere
weit hervorgezogen, lang dreieckig zugespilzt. Die Zähne
des Seitenrandes sind elwa so lang als breit, die vorderen
stumpfer, die hinteren allmählich spitzer und zugleich mit
breiterer Basis, der letzte nur wenig länger als der vorher-
gehende, schräg nach vorn gerichtet. Der Cephalothorax ist
uneben, der innere Theil der Kiemengegenden, der zunächst
an die Regio cardiaca grenzt, bauchig gewölbt, die Ober-
Näche unbehaarl, überall mit feinen Körnchen beselzt, die
nach vorn sparsamer aber auch zugleich stärker werden;
zwei Querlinien auf der Regio gastrica und eine von der
hinteren ausgehende geschwungene Linie auf den Regiones
branchiales, die an der Spitze des letzten Seitenzahnes en-
digt, sind ebenfalls mit solchen sehr dicht gedrängten Körn-
Üchen besetzt. Die schrägen Furchen zwischen der Regio
gastrica und den Regiones branchiales sehr tief ausgeprägt;
der Hinterrand des Cephalothorax in seiner ganzen Ausdeh-
nung, besonders stark zu beiden Seiten gekörnt. Die Schee-
ren sind sehr kräftig, die Schenkel mit vier Zähnen am Vor-
derrande, die nach der Spitze hin allmählich grösser und
Archiv [, Naturgesch. XXII, Jahrg. 1. Bd. 9
130 Gerstaecker:
schärfer werden, zwischen diesen so wie am Hinterrande ge-
perlt. Die Schienen am Innenrande ohne Dorn, die Basis
des Carpus mit einem sehr stumpfen, dicken, höckerarligen
Zahne. Der Carpus ist oben und aussen, die obere Zange
der Scheere nur oben mit geperlten Längsleisten besetzt; es
ist bald die rechte, bald die linke Scheere stärker entwik-
kelt. Zweites Glied der äusseren Maxillarfüsse und die Form
des männlichen Hinterleibs wie bei Lupea dicanlha und spi-
nimana,
Diese Art ist bei Puerto Cabello häufig und wurde von
Appun in Mehrzahl gesammelt.
2. Lupea pudica.
Der Cephalothorax ist 2 5 breil und 1 3 lang.
Die vier Zähne der Stirn sind kurz aber spitz, alle fast in
demselben Niveau, die inneren durch einen ebenso tiefen un-
ter einander getrennt als von den äusseren. Der innere Au-
genhöhlenzahn Iritt fast ebenso weit nach vorn als die Slirn-
zähne, ist aber an der Spitze abgestumpft; der äussere da-
gegen ist durchaus scharf zugespitzt, etwas nach aussen ge-
wandt und bedeutend länger als die folgenden des Seiten-
randes; dieser erscheint nämlich nur schwach gesägt, die
einzelnen Zähne sehr kurz und in der Milte fein zugespilzt
Der letzte Zahn ist wohl dreimal so lang als der vorherge-
hende, an der Basis breil, scharf dreieckig zugespilzt. Die
Oberfläche ist unbehaart, auf dem hinteren Theile vollkom-
men glalt, nach vorn mit äusserst feiner und spärlicher Gra-
nulation bedeckt, flach und gleichmässig gewölbt, von Farbe
blass rosenrolh, nach hinten mehr gelblich. Das Scheeren-
fusspaar ist sehr langgestreckt und schlank, der Schenkel
desselben am Vorderrande mil vier spitzen, nach aussen ge-
krümmten Zähnen beselzt, die von der Basis gegen die Spitze
hin durch immer grössere Zwischenräume getrennt sind;
letztere sind geperll und mil Haarlransen besetzt, die Hinter-
kante des Schenkels glatt, an der Spitze stumpf. Die Tibia
ist innen mil einem scharfen, aussen mil einem slumpfen und
kurzen Dorne besetzt; ein spilzer Zahn steht auch aussen an
der Basis des Carpus, welcher oben mit drei, aussen und
innen je mil einer erhabenen Längsleiste versehen ist. Das
Careinologische Beiträge. 131
hintersie Fusspaar ist in seinem ganzen Umfange, am zweiten
bis vierten die Hinterkante der beiden Tarsenglieder lang ge-
wimpert. Der Hinterleib des Männchens ist wie beiL. pelagica
allmählich verschmälert, das zweite Glied der äusseren Ma-
xillarfüsse wenigstens so lang als breit, am Innenwinkel
ausgeschnilten.
Diese Art stammt von der Küste Brasiliens.
Euctenota nov. gen.
(Taf. V. Fig. 3 u. 4).
Das Hauptunterscheidungszeichen dieser Gallung von
Lupea, mit der sie in der Bildung des Cephalolhorax und im
Habitus durchaus übereinstimmt, liegt in der schmalen Stirn,
welche anslalt mit vier nur mit zwei Zähnen bewaffnet ist.
Auf die beiden kleinen Stirnzähne, welche den mittleren der
Gallung Lupea entsprechen, folgt nämlich nach aussen so-
gleich der innere Augenhöhlenzahn, an dessen Aussenseite
der Augenstiel eingelenkt ist. Mit dieser abweichenden Stirn-
bildung ist auch eine Modifikalion der Augenhöhlen verbun-
den; die Spalten ihres oberen Randes sind nämlich nicht wie
bei Lupea einfache Schlitze, sondern klaffen nach vorn, so
dass die äussere Porlion des breiten Innenzahnes zugespitzt,
der Mittelzahn aber dentlich von den beiden anderen ge-
rennt und nach vorn verschmälert erscheint. Der äussere
Zahn Irilt weit nach vorn hervor, ist geradeaus gerichlet und
innen schief abgestutzt; die übigen Zähne des Seitenrandes
sind auffallend lang und beiderseits mil dichten Wimperhaa-
ren beselzt, welche auch die Unterseile des Cephalotho-
rax beiderseits von der Mundöffnung bedecken. Die Form
des männlichen Hinterleibs weicht von den übrigen Lupei-
den-Gallungen dadurch ab, dass das letzte Glied in eine
lange und feine Spitze ausgezogen ist, Das zweite Glied der
äusseren Maxillarfüsse ist bedeutend länger als breit, vorn
am Innenwinkel schräg abgestulzt. Das Scheerenfusspaar ist
von mässiger Länge und im Verhältnisse kräflig gebaut. —
Die einzige mir bekannte Art ist:
Euctenota mezicana.
Grösste Breite des Cephalolhorax 2 10°, Länge 1 3%,
Die beiden Slirnzähne klein und stumpf, der Einschnilt, wel-
132 Gerstaecker:
cher sie Irennt, viel weniger lief, als der zwischen ihnen
und dem inneren Augenhöhlenzahn; dieser stumpf dreieckig
und weiter nach vorn hervortretend als die Slirnzähne. Der
Mittelzahn des oberen Augenhöhlenrandes dreieckig, vorn
schief abgeslulzt, der äussere lang, gerade nach vorn ge-
richtet, mit stumpfer Spitze, gegen den mitlleren hin schräg
abgeschnitten. Die drei ihm zunächst folgenden Zähne des
Seitenrandes lang und schmal, gegen die Spilze verengt,
aber abgestumpft, schräg nach vorn und aussen gerichlet;
die vier folgenden an der Basis breit, allmählich spilzer wer-
dend, mit concavem Vorder- und convexem Hinterrande, der
letzte sehr lang und scharf zugespilzt, fast gerade seilwärls
gerichlet. Sowohl die Zwischenräume aller dieser Zähne als
die ganze Unterseite des Cephalolhorax zu beiden Seiten von
der Mundöffnung mit dichter grauer Behaarung bekleidet.
Die Oberfläche sehr leicht gewölbt, ohne besondere Uneben-
heiten, durchaus haarlos und glatt, knochenfarbig; eine Reihe
eingedrückter Strichelchen längs der vorderen Seitenränder
in einiger Entfernung von den Zähnen. Der Schenkel des
Scheerenfusspaares überragt nicht bedeutend die Spitze des
letzten Seitenzahnes; er ist am Vorderrande mit drei schar-
fen Zähnen besetzt, von denen der ersie zunächst der Basis
nur klein ist; der Hinterrand an der Spilze mil einem stum-
pfen Tuberkel. Die Tibia nach innen und die Basis des Car-
pus nach aussen mit einem scharfen Zahne, ersterer dünn,
letzterer kräftig und stark gekrümmt; der Carpus auf der
Aussenseile mit scharfhöckrigen Längsleisten versehen. Die
Zangen der Scheere mässig lang, fein zugespilzt und gegen
das Ende elwas um ihre Axe gedreht. Der Vorderrand der
Schenkel des Scheerenfusspaares, der Hinlerrand des Tarsen-
gliedes der drei folgenden und das letzte Paar in seinem ganzen
Umfange mit Schwimmhaaren beselzt. — Vaterland: Mexiko,
Fam. Catometopa Edw.
Ocypode Fabr.
Milne Edwards unterscheidet (Hist. nat, des
Crust. Il, p. 48 und Annales des sciences natur. XVII.
p- 141) diejenigen Ocypode-Arten, bei welchen sich die Au-
Careinologische Beiträge. 133
genstiele über die Cornea hinaus in einen griffelartigen
Fortsatz verlängern, hauptsächlich nach zwei Charakteren:
1) ob die Zangen der Scheere gegen das Ende allmählich
spitz zulaufen oder sich daselbst verbreitern, und 2) nach der
Länge des griffellörmigen Augenfortsalzes, — Ueber den
Werth des ersten Charakters kann ich kein Urtheil fällen, da
mir Arten mit unlerwärts erweiterten Scheeren nicht vorlie-
gen; der zweite, betreffend die grössere oder geringere Länge
der Augengriffel, ist jedoch nach meinen Beobachtungen kei-
neswegs als zur Unterscheidung von Arten brauchbar , we-
nigstens wenn er nicht durch andere Merkmale unterstützt
wird. Das Berliner Museum besitzt nämlich u. a. drei Exem-
plare der Ocypode ceratophthalma Pallas, welche mileinan-
der von Meyen auf Manila gesammelt worden sind und die
bei sonstiger vollkommener Uebereinstimmung die beträcht-
lichsten Verschiedenheiten in der Länge des Augengriffels zei-
gen. Bei dem einen derselben, einem Weibchen, kommt
die Länge des Griffels kaum der Hälfte der Länge des Au-
genstieles gleich und misst elwa 2'/, Linien; von den beiden
Männchen hat das eine den Griffel von der Länge des Au-
genstieles (6'/, Lin), das andere noch beträchtlich länger
als diesen nämlich 8 Lin. Ebenso schwankt bei diesen drei
Exemplaren die Krümmung des Griffels; während er bei dem
einen Männchen deutlich seine concave Seite nach aussen und
hinten wendet, liegt diese bei dem anderen nach vorn und
innen. Nur die Stärke des Griflels ist bei allen drei Exem-
plaren gleich. — Dass übrigens eine solche Verschiedenheit
in der Entwickelung des Augengriffels eine bei dieser Art
öfters vorkommende Erscheinung ist, beweist der Umstand,
dass auch Dana in der kürzlich erschienenen United States
exploring expedilion, Crustacea, Atlas, Taf. 20. Fig.3 und 4
ein Weibchen abbildet, welches fast gar keine griffelartige
Verlängerung zeigt und ein damit sonst übereinstimmendes
Männchen, bei dem der Griffel sehr lang ist. Das erste be-
nennt er Ocypode brevicornis Edw., das zweite bezeichnet
er als „var.? longicornula“; beide sind aber, wie die Bildung
der Schenkel und des Cephalothorax zeigt, nicht vom Cancer
ceratophlhalmus Pallas verschieden.
Da sich hiernach die Länge des Griffels bei einer und
134 Gerstaecker:
derselben Art als durchaus unbeständig herausstellt , fällt die
Unterscheidung von Arten nach diesem Merkmale allein fort,
und glaube ich somit Ocypode d’Urvillei Guerin (Voyage de
la Coquille, Crustaces Pl. I. fig. 1) und brevicornis Milne Ed-
wards CHist. nat. d. Crust. Il. p. 48) bei gänzlichem Mangel
anderer Unterschiede als idenlisch mit dem Cancer ceralo-
phthalmus Pallas bezeichnen zu dürfen. Diese Art scheint
übrigens eine weite Verbreitung zu haben, indem ein von
Peters bei Mossambique aufgefundenes Exemplar der hie-
sigen Sammlung mit denen von Manila vollkommen überein-
stimmt; Milne Edwards giebt ausserdem auch Ostlindien
und China als Fundorle an,
Wenn Milne Edwards (a. a. O0.) auch Aegypten
als Vaterland der genannten Pallas’schen Art angiebt, so
ist dies wohl ohne Zweifel ein Irrthum, der auf Verwechse-
lung zweier zwar nahe verwandten, aber dennoch constant
verschiedenen Arten beruht. Eine Reihe von Exemplaren,
dievon Hemprich und Ehrenberg aus dem rothen Meere
stammen, sind nämlich von der Pallas’schen Art speeifisch
verschieden, und wenn man, wozu kein Grund vorliegt, nicht
annehmen will, dass im rothen Meere sich beide Arten vor-
finden, so hat Milne Edwards unter seiner Ocypode ce-
ratophlhalma zwei Arten vermengt. $o viel mir bekannt, ist
die bezeichnete Aegyptische Art noch nirgends unterschie-
den und es möge daher ihre nähere Charakteristik hier Platz
finden:
Ocypode aegyptiaca nov. spec.
Ocypode ceratophthalma? Milne Edwards, Hist.
nat. d. Crust. II. p. 48. — Annales des se. nat.
XVII. p. 141. (pro parte.)
Die Art unterscheidet sich von ©. ceratophthalma durch
folgende Merkmale: 1) Die Schenkel des zweiten bis vierten
Fusspaares sind nicht, wie bei ©. ceratophthalma, gegen die
Spitze stark verschmälert, sondern in ihrer ganzen Länge
gleich breit. 2) Das vorletzte Glied der Tarsen ist nur am
zweiten Fusspaare auf der Mitte der Unterseite mit einer
Längsbürste versehen, während bei O. ceratophihalma so-
wohl das zweite wie das dritte Fusspaar mit zwei sol-
Careinologische Beiträge. 135
chen Bürsten beselzt ist, von denen die erste am Vorderrande,
die zweite in der Mitte der Unterseite des genannten Gliedes
liegt. Zugleich ist das vorletzte Glied der Tarsen an den
vier hinteren Fusspaaren bei der Aegyplischen Art beträcht-
lich breiter und mehr flachgedrückt als bei O. ceratophthalma.
3) Der Griffel der Augen unterscheidet sich von dem der
Asialischen Art sehr auffallend durch seine viel geringere
Dicke , welche kaum die Hälfte von jener belrägt; seine
Länge variirt hier ebenfalls, obwohl in geringerem Grade.
Bei acht mir vorliegenden Exemplaren schwankt dieselbe
zwischen 2'/, und 3'/, Linien. — Im Uebrigen sind keine
besonders in die Augen springende Unterschiede zwischen
beiden Arten zu bemerken, wie denn überhaupt die Gallung
Ocypode in Belreff der Form ihres Cephalothorax sehr uni-
form gebildet ist. Im Allgemeinen ist jedoch der Körper
bei O. aegyptiaca mehr abgeflacht und die Vorderecken der
Schale trelen durchweg mehr zurück. Während sie nämlich
bei 0. ceratophihalma mit dem Seilenrande der Schale gleich
weit nach aussen hervortreten oder diesen sogar seitlich
überragen, sind sie bei O. aegypliaca stels mehr nach innen
gerückt als dieser. Hierdurch tritt ‚zugleich bei O. cerato-
phthalma die Spitze als dreieckiger , flach abgesetzter Gipfel
hervor, während bei O. aegypliaca der ganze Vorderrand
der Schale bis zu den Ecken abgellacht erscheint. Die Ein-
drücke und Furchen der Oberfläche sind bei O. aegyptiaca
deullicher ausgeprägt, und besonders die beiden Furchen,
welche die Regio gastrica seitlich begrenzen, weiter nach
hinten verlängert.
Bei der Achnlichkeit beider Arten könnte es übrigens
vielleicht zweifelhaft erscheinen, welche von beiden der
wirkliche Cancer ceratophlhalmus Pallas sei, Aus seiner
langen aber keineswegs charakleristischen Beschreibung (Spi-
eilegia Zoologica Fasc. IX, p. 83) ergiebt sich für die Unler-
scheidung der beiden Arten allerdings gar nichts; in der
Abbildung jedoch (ebenda Taf. 5. Fig.7) ist die Verschmä-
lerung der Schenkel nach der Spitze hin, ferner die Dicke
des Augengriffels und endlich die hervortretenden Ecken des
Cephalothorax ganz charakteristisch ausgedrückt. Endlich
bürg! auch „ie Pallas’ische Angabe des Vaterlandes (Osl»
136 Gerstaecker:
Indien) für die Identität seiner Art mit unseren Asialischen
Exemplaren. Auf dieselben ist auch Ocypode ceratophlhalma
Desmarest (Consid. gen. sur les Crustaces Taf. 12. fig. 1)
und der Cancer cursor Herbst (Naturgeschichte u. s. w. I.
S. 74. Taf. 1. Fig. 8u. 9) zu beziehen.
Ocypode arenaria Catesby, Edw.
Von dieser allgemein bekannten Art aus Central- Ame-
rika, welche sich durch den gänzlichen Mangel des Augen-
griffels auszeichnet, erhielt das hiesige Museum vor Kurzem
eine Anzahl sehr junger Exemplare, welche vom Apotheker
Gollmer in Caracas gesammelt wurden. Alle sind männ-
lichen Geschlechtes und messen im Cephalothorax der Länge
nach 3 bis 5 Linien. Der Körper hat in diesem Jugendzu-
stande schon fast ganz dieForm der erwachsenen Individuen,
nur ist er mehr flachgedrückt, noch weich, halb durchsich-
tig und entbehrt der Granulationen der Oberfläche. Die Be-
haarung der Tibien und Tarsen ist noch sehr fein und spar-
sam; die Bürsten an den einander zugewandten Flächen der
Hüften des dritten und vierten Fusspaares sind ebenfalls
schon in der Anlage vorhanden. Die Augen sind auffallend
gross und tief schwarz gefärbt. Der Cephalolhorax und die
Beine sind schwarzbraun gefleckt; diese Flecken sind auf den
Schenkeln unregelmässig und zerstreut, auf dem ersten Tar-
sengliede hingegen bilden sie zwei regelmässige Querbinden.
Bei allen fünf Individuen ist die eine Scheere in demselben
Maasse kräftiger entwickelt, wie bei den ausgewachsenen;
bei vieren ist die linke Scheere die grössere, bei einem hin-
gegen die rechte. — Auch an vier erwachsenen Exempla-
ren finde ich eine solche Unregelmässigkeil vor; zwei Weib-
chen haben die grosse Scheere auf der rechten, von zwei
Männchen das eine auf der rechten, das andere auf der
linken Seite. Es findet also bei der vorliegenden Art nicht,
wie es bei den meisten Galtungen der Fall ist, eine bestimmte
Geselzmässigkeit in der Entwickelung der beiderseitigen Schee-
ren statt, sondern beide Geschlechter variiren in dieser Be-
ziehung ohne irgend welche Regel.
Die schwarze Fleckung des Körpers scheint übrigens
bei den Arten der Gallung Ocypode im jugendlichen Alter
Carcinologische Beiträge. 137
allgemein vorhanden zu sein; die von Dana (Cruslacea I.
p. 324. Pl. 20. Fig. 1) beschriebene und abgebildete Ocypode
pallidula von Tongatabou, welche hierin den Jugend-Exem-
plaren der Ocyp. arenaria vollkommen ähnelt, dürfte sehr
wahrscheinlich der Ocypode ceratophthalma als Jugendzu-
stand angehören. Dana bezieht übrigens diese Art auf
Ocypode pallidula Hombron et Jacquinot (Voyage au pöle
sud et dans l’Oceanie, Atlas, Cruslaces Taf.6. Fig. 1), welche
beträchtlich grösser und keine schwarze Fleckung mehr zeigt.
Im Texte desselben Reisewerkes ist letztere Art von Lucas
als Jugendzustand von Ocypode cordimana Edw. angenom-
men worden, wahrscheinlich wegen des Mangels der Augen-
griffel. Es bliebe jedoch noch zu untersuchen, ob die Arten,
welche diese Augengriffel im ausgewachsenen Zustande ha-
ben, auch schon in der Jugend damit versehen sind, und
sollte dies nicht der Fall sein, so wäre es immerhin möglich,
dass die Jacquinot’sche 0. pallidula eine Mittelstufe zwi-
schen der Dana’schen und der ausgewachsenen O. ceralo-
phthalma wäre.
Acanthoplax Milne Edw.
Milne Edwards hat (Archives du Musee d’hist. na-
tur. Tome VII. p. 162 und Annales des scienc. nat. 3, ser.
XVII. p. 151) unter dem Namen Acanthoplax insignis eine
neue Ocypodinen - Art beschrieben , welche nach ihm eine
eigene, obwohl mil Gelasimus nahe verwandte Gattung bil-
den soll. Als Unterschied von letzterer Gallung wird nur das
eine Merkmal hervorgehoben, dass die Regiones branchiales
des Cephalothorax mit einer Reihe knopfartiger Tuberkeln
geziert sind, welche bei Gelasimus fehlen. Dass ein so ganz
speeifisches, man könnte sagen zufälliges Merkmal, keinen
‚hinreichenden Grund zur Aufstellung einer eigenen Gattung
‚geben kann, liegt auf der Hand, und einen anderen generi-
(schen Unterschied von den schmalstirnigen Gelasimus aufzu-
finden, ist mir wenigstens nicht geglückt. Ich kann vielmehr
an einer neuen, weiter unlen zu beschreibenden Art, die
von Warscewicz in Veragua aufgefunden und dem hiesi-
gen Museum überlassen worden ist, direkt nachweisen, dass
Acanthoplax Edw. von der Gatlung Gelasimus, oder wenig-
138 Gerstaecker:
stens von denjenigen Arten dieser Gattung, bei denen die
Stirn schmal und linienförmig ist, nicht füglich getrennt wer-
den kann. Diese Art steht nämlich erstens durch ihre Zier-
rathen am Cephalothorax in der Mitte zwischen Acanthoplax
insignis Edw. und Gelasimus Maracoani Marcgr. , indem bei
ihr nur die geschwungene Kante der Regiones branchiales
mit perlarligen Erhabenheiten beselzt ist, der Seilen- und
Hinterrand des Cephalothorax dagegen derselben entbehren.
Ausserdem zeigt sie aber, da das vorliegende Exemplar ein
Männchen ist, (während Milne Edwards seinen Acan-
thoplax insignis nur im weiblichen Geschlechte kannte) in
der Bildung der grossen Scheere die vollkommenste Ueber-
einstimmung mit Gelasimus Maracoani Marcgr. und seinen
Verwandten, indem diese von ungeheurer Ausdehnung, elwa
dreimal so lang als der Carpus, sehr breit und besonders
flachgedrückt erscheint. Soll also, wie Milne Edwards
(Annales des scienc. natur. Tome XVIII) es thut, der Gela-
simus Maracoani und die übrigen Arten mit schmaler Stirn
unter Gelasimus verbleiben, so muss auch Acanthoplax in-
signis dazu gestellt werden; oder soll dieser generisch ab-
getrennt werden, was zwar nicht durch die Eigenthümlich-
keit des Cephalothorax, aber durch die Bildung der Stirn und
Scheeren gerechlfertigt werden könnte, so müssten auch die
bezeichneten Arten, welche in diesen Charakteren überein-
stimmen, zu Acanlhoplax gezogen werden. Man würde dann
die Gallung Gelasimus auf diejenigen Arlen einschränken,
welche bei Milne Edwards (a. a. 0.) seine Gruppe C.
bilden; diese zeichnen sich, nach den mir bekannten zu ur-
theilen, durch breite Stirn, minder stark entwickelte Schee-
ren beim Männchen, verhältnissmässig kürzere Beine und be-
sonders stark erweiterte Schenkel aus. Möglich jedoch, dass
sich bei Vergleich einer grösseren Reihe von Arten auch in
diesen Merkmalen allmähliche Uebergänge nachweisen las-
sen. — Die oben erwähnte neue, mit Acanthoplax insignis
Edw. nahe verwandte Art ist:
Gelasimus (Acanthoplax) excellens n. sp.
Der Cephalothorax ist trapezoidal, kürzer als bei A. in-
siguis und nach. hinten stärker verengl. Zwei sehr tiefe und
Carcinologische Beiträge. 139
breite symmelrische Furchen auf der Mitte des Rückens stel-
len zusammen fast die Form einer Leier dar. Der Vorder-
rand ist leicht geschwungen, fein gekörnt, die Vorderecken
nach aussen und vorn hervortretend, aber kaum das Niveau
der Stirn erreichend. Der Hinter- und die Seitenränder sind
glatt, ohne Tuberkeln, die beiden geschwungenen Seitenlinien
der Oberfläche mit 7 bis 8 perlenarligen Erhöhungen be-
seizt, von denen die hinterste am stärksten ist. Die linke
Scheere ist die stark entwickelte; ihr Schenkel zeigt drei
Kanten, eine obere und untere scharfe und eine hintere ab-
gerundete; die untere ist mit fünf zapfenarligen Erhöhungen
versehen, der Trochanter ebenfalls mit einer solchen, elwas
grösseren an seiner Spitze. Die Aussenfläche des Carpus ist
mit grossen, glalten und flachen Tuberkeln besetzt. Von
den Scheeren selbst ist die untere, festsitzende auf der Aus-
senseile mit fleckiger , tomentartiger Behaarung bekleidet,
innen dagegen vollkommen glatt; ihr oberer Rand ist nahe
der Einlenkung der beweglichen Scheere tief halbmondförmig
ausgeschnillen, dann bis zur Spitze fast geradlinig; beide
Ränder sind mit perlenartigen, gegen die Spitze allmählich
kleiner werdenden Knöpfchen beselzt, welche auch die an
der Innenseite verlaufende Leiste begleiten. Die bewegliche
Scheere hat einen unleren geradlinigen und einen oberen,
sichelförmig gebogenen Rand; ersierer so wie die Längs-
leiste der Innenseite sind hier ebenfalls mit perlenarligen
Höckern geziert, letzterer jedoch fast glatt; auch ist die
Aussenfläche hier ebenso glatt wie die innere. Beide Schee-
ren endigen an der Spitze mit einem dünnen, konischen,
fast geraden Zahne. Die kleine Scheere der rechten Seite
ist wie bei dem von Milne Edwards abgebildeten Weib-
chen des Ac. insignis und den Gelasimus-Arten gebildet; die
untere Kante ihres Schenkels ist mit zwei ziemlich scharfen
Zähnen bewaffnet. Die Schenkel der drei folgenden Fuss-
paare zeigen ebenfalls an der Unterseite je drei scharfe
Zähne; die des letzten hingegen sind unbewehrt. Durch
diese Bewaffnung der Schenkel ist die vorliegende Art auf-
fällig von der Milne Edwards’schen unterschieden , bei
welcher der Schenkel des letzten Fusspaares ebenfalls an
der Unterseite und. die beiden vorlelzten auch auf der Ober-
140 Gerstaecker:
seite vor der Spitze Zähne tragen. Letztere ist bei unserer
Art auf allen fünf Fusspaaren mit dichtem grauen Filze be-
deckt, welcher sich auch noch auf die Schienen und das
erste Tarsenglied erstreckt.
Rhaconotus nov. gen.
(Taf. V. Fig. 5.)
Durch die seitwärls nicht geschlossenen Augenhöhlen,
die klaffenden äusseren Maxillarfüsse, die Form und Skulptur
des Cephalothorax und die netzarlige Granulalion seiner Un-
terseile beiderseits von der Mundöffnung steht die hier zu
beschreibende neue Gallung in nächster Verwandtschaft mit
der Gruppe Sesarmacea Milne Edw., von deren bisher be-
kannt gewordenen Gattungen sie sich jedoch durch die
schmale Stirn und die aussergewöhnliche Länge der Beine
unterscheidet. In letzterer Hinsicht, und besonders durch die
eigenthümliche Form der Scheeren, nähert sie sich habituell
der Gallung Gonoplax, mit der sie im Uebrigen wenig ge-
mein hat. — Der Cephalothorax ist breiter als lang, vier-
eckig, an. den Seiten mit vier Zähnen bewaffnet, von denen
die beiden hintersten sehr schwach und nur durch leichte
Einkerbungen bezeichnet sind; die Oberfläche ist durch tiefe
Eindrücke getheilt, von denen jederseils zwei Querfurchen
den Einschnitten der beiden vorderen grossen Zähne des
Seitenrandes entsprechen ; die Regio gastrica , cardiaca und
genitalis sind schmal und von den breiten Regiones bran-
chiales ebenfalls durch liefe, geschwungene Furchen abge-
sondert. Die Breite der Stirn kommt hinten derjenigen der
Augenhöhlen gleich, ihr Vorderrand misst jedoch kaum den
vierten Theil der ganzen Breite des Cephalothorax; derselbe
ist etwas herabgezogen und stumpf dreieckig zugespilzl. Der
obere Augenhöhlenrand hat die Form eines liegenden S,
der untere ist scharf, deutlich gesägt und verläuft wie bei
Sesarma mit dem oberen parallel, bis er sich im Niveau des
zweiten Zahnes des Seilenrandes allmählich verliert. Die
Augenstiele sind länger als bei Sesarma , erreichen jedoch
bei weitem nicht den äusseren Winkel der Augenhöhle. Die
äusseren Antennen sind unmittelbar an der Innenseite der)
j
Careinologische Beiträge. 141
Augenstiele eingelenkt und nicht von der Augenhöhle ausge-
schlossen; ihr erstes Glied ist kurz und breit, das zweite
stiellörmig, länglich, das drilte und vierte allmählich dünner
werdend, und zwar das vierte um die Hälfte länger als das
dritte, ‚die Geissel um die Hälfte länger als die beiden letzten
Glieder des Schaltes zusammengenommen. Die inneren An-
tennen sind jederseits von der Spitze der Slirn eingefügt, ihr
erstes Glied um die Hälfte länger als das zweite, beide ge-
krümmt, die Geissel äusserst kurz und gefranst. Der Vor-
derrand der Mundhöhle tritt in der Mitte gerundet hervor.
Die äusseren Maxillarfüsse klaffen noch bei weitem mehr als
bei Sesarma; ihre beiden ersten Glieder (Femur und Tibia)
sind schmal, länglich viereckig, das zweile wie bei Sesarma
durch eine liefe Diagonalfurche und eine erhabene Linie längs
des Innenrandes ausgezeichnet. Das drilte Glied ist verhält-
nissmässig gross, fast so breil wie das zweite, doch nur halb
so kurz als dieses, vorn und aussen abgerundet; am Palp
(Tarsus) ist das erste Glied gegen die Spitze dreieckig er-
weitert, das Endglied länglich eiförmig und an der Spilze lang
behaart. Die zur Seite der Mundöffnung gelegenen Flächen
des Cephalothorax sind fein netzarlig gekörnt und von zwei
Querfurchen durchzogen ; die erste liegt unmiltelbar hinter
dem unteren Augenhöhlenrand und ist zunächst die Mund-
öffnung sehr tief; die zweile verläuft etwa über die Mitte
und ist ziemlich flach. Der Hinterleib des Männchens kommt
an Breile dem dritten Theile des Sternums gleich, der des
Weibchens bedeckt die Sternalplatte in ihrer ganzen Breite;
die einzelnen Ringe sind in beiden Geschlechtern vollstän-
dig gelrennt. Die Beine sind auffallend lang, die Schenkel
des vierten Paares fast so lang wie die grösste Breite des
Cephalothorax, die des drillen ein wenig, und die des vier-
ten, welches das kürzeste ist, um die Hälfte kürzer ; ihr Vor-
der- und Hinterrand ist mit kleinen scharfen Zähnen besetzt,
die gegen die Basis verschwinden. Mit der Länge der Schen-
kel steht an den einzelnen Fusspaaren die des vorlelzien
Tarsengliedes in gleichem Verhältnisse, indem es ebenfalls
am vierten Paare am längsten, am zweiten dagegen am kür-
zesien ist; sein Vorderrand ist mit zwei Reihen scharfer
Zähne bewaflnet, die durch eine Furche gelrennt sind, sein
142 Gerstaeckert
Hinterrand ist abgerundet und mit langen Haaren beselzt.
Das letzte Tarsenglied ist an den vier Gangbeinen seitlich
zusammengedrückt, scharf zugespilzt und an der vorderen
und hinteren Kante gewimpert. Die Scheeren sind beim
Männchen stark, beim Weibchen schwach entwickelt; bei er-
sterem ist die rechle Seite die stärker ausgebildete; ihr
Schenkel ist so lang wie der Cephalothorax, dreikantig mit
einer oberen, vorderen und hinteren Fläche, der Vorderarm
(Tibia) kurz, dreieckig, an der Innenseite schwach gezähnt,
der Carpus so lang wie der Schenkel, mit einer oberen und
unteren scharfen Kante und einer äusseren und inneren
schwach gewölbten Fläche; auf der inneren tritt in der Mitte
noch eine stumpfe, durch einige Zähne bezeichnete Kante
hervor. Die Finger der Scheere sind wenigstens um die
Hälfte kürzer als der Carpus, beide in gleichem Sinne und
nach unten gebogen, scharf zugespitzt, innen gesägt. Die
Scheere der linken Seite ist übereinstimmend gebildet, nur
in allen Theilen halb so klein; noch bei weilem schwächer
ist die Entwickelung beider Scheeren beim Weibchen.
Die einzige mir bekannte Art dieser Gattung ist:
Rhaconotus crenulalus.
Es liegen mir ein männliches und zwei weibliche Exem-
plare vor, von denen das erste im Cephalothorax 15 Lin.
breit und 11 Lin. lang, die beiden letzteren 11 Lin. breit und
8 Lin. lang sind; der Körper des Männchens ist daher im
Verhältnisse kürzer und breiter als beim Weibchen, neben-
bei auch mehr flachgedrückt. Die Oberfläche ist ausser den
Furchen mit zerstreuten grösseren und kleineren Punkten be-
setzt, stellenweise glalt. Der obere Rand der Augenhöhlen
so wie die Zähne des Seilenrandes sind fein gesägt, lelztere
so wie der untere Rand der Augenhöhlen mit dichten Haa-
ren gewimpert, Von den vier Zähnen des Seitenrandes ist
der vorderste aussen gerundet und bildet einen sehr liefen
Einschnitt; die folgenden sind geradlinig, die beiden letzten
zwar ebenso lang als die vorhergehenden, aber nur sehr
schmal abgesetzi. Das ganze Thier zeigt im getrocknelen
Zustande eine blass knochengelbe Farbe, zuweilen mit einem
Careinologische Beiträge. 143
rölhlichen Anfluge auf dem Rücken des Cephalothorax und
blassrothen Zeichnungen auf den Scheeren des Männchens.
Der Fundort ist unbekannt,
Uca una Marcgr.
Milne Edwards unterscheidet (Hist. nat. d. Crust. II.
p- 22) zwei Arten der Gallung Uca in folgender Weise: 1)
Uca una. „Seitenränder des Cephalothorax mit einer etwas
vorspringenden, fein gezähnelten Kante; Flächen zur Seite
der Mundöffnung stark gekörnt; driltes Fusspaar ein wenig
länger als die übrigen.“ 2) Uca laevis. „Seilenränder des
Cephalothorax kaum markirt, Flächen zur Seite der Mund-
öffnung glatt, Füsse des Männchens sehr gross, die des zwei-
ten Paares ein wenig länger als die übrigen.“ Die letztere
Art unterwirft der Verf. (Archives du Museum d’hist. natur.
Tome VII. p. 185) noch einmal einer sehr ins Einzelne ge-
henden Beschreibung und giebt davon auf Taf. 16 eine Ab-
bildung, welche das ihm ausschliesslich bekannte Männchen
darstell. — Schon vor mehreren Jahren, als ich die Cru-
staceen - Sammlung des hiesigen Museums auf die Milne
Edwards’sche Hist. nat. des Crustaces durchnahm, schien
es mir nach den Exemplaren unserer Sammlung unzweilel-
haft, dass Uca una und laevis Edw. nur die verschiedenen
Geschlechter einer und derselben Art seien und zwar erstere
das Weibchen , letztere das Männchen. Bei der Uca laevis
giebt Milne Edwards ausdrücklich an, nur männliche
Exemplare vor sich zu haben; bei Uca una thut er des Ge-
schlechtes zwar keiner Erwähnung, doch passen die hervor-
gehobenen Charaktere ganz genau auf die mir vorliegenden
weiblichen Individuen, und alle von ihm bei dieser Art eilirten
Abbildungen stellen ebenfalls nur Weibchen dar. Die von Milne
Edwards neuerlich gegebene Abbildung seiner Uca laevis
stimmt, mit Ausnahme des zweilen Fusspaares, welches augen-
scheinlich zu kurz gezeichnet ist, mit den mir vorliegenden
Männchen ebenfalls so genau überein, dass über die ldentilät
beider gar kein Zweifel obwalten kann. Es wäre nun aller-
dings immer noch möglich, dass ich von Uca una nur Weibchen,
von Uca laevis dagegen nur Männchen vor mir hätte; hiergegen
spricht jedoch der Umstand, dass die funlzehn Exemplare unse-
144 Gerstaecker:
rer Sammlung, von denen fünf Weibchen, die übrigen zeln
aber Männchen sind, alle von einer und derselben Lokalität in
Brasilien stammen, und dass überdies zwischen beiden gar
keine wesenllicheren Unterschiede, als solche, die von der
Geschlechtsdifferenz abhängen und in ähnlicher Weise viel-
fach unter den Brachyuren vorkommen, exisliren. Bei den
Männchen zeigt sich nämlich der Cephalothorax verhältniss-
mässig breiter und kürzer, nach hinten stärker verengt, seine
Seitenränder vollständig abgerundet und verwischt, die Un-
terseite glatt, die Beine mit dichlen Bürstenliaaren besetzt
und unter ihnen das zweite am längsten. Beim Weibchen
dagegen ist der Cephalothorax plumper und kürzer, nach hin-
ten weniger verschmälert, der Seilenrand durch eine deut-
liche Leiste markirt und scharf gezähnt, die Unterseite ge-
körnt, von den wenig behaarten Füssen das drille Paar elwas
länger als das zweite. Es kann somit das Zusammengehören
der beiden Ed wards’schen Arten als verschiedene Geschlech-
ter einer und derselben Art gar nicht bezweifelt werden, oder
es müsste denn erst der Nachweis zweier specifisch ver-
schiedenen dadurch geliefert werden, dass von beiden Männ-
chen und Weibchen, die unter einander in den angegebenen
Merkmalen übereinstimmen, existiren.
Gecarcinus lateralis Edw.
Von dieser durch ihre schöne Färbung ausgezeichneten
Art erhielt das hiesige Museum eine Reihe von Exemplaren
beider Geschlechter und in verschiedenen Altersstufen , wel-
che in mehrfacher Hinsicht von Interesse sind. Die ausge-
wachsenen Männchen unterscheiden sich zuvörderst von den
Weibchen, gerade wie bei Uca una, dadurch, dass der Sei-
tenrand des Cephalothorax vollkommen abgerundet und stumpf
ist und höchstens sich dicht hinter der Augenhöhle einige
feine Kerbzähne auffinden lassen. Beim Weibchen hingegen
findet sich eine scharfe Kante im Verlaufe des Seitenrandes,
welche mit dichten körnigen Zähnchen besetzt ist und sich
nach unten und hinten in feine parallele Längsrunzeln fort-
setzt. Auffallend ist esnun, dass bei zwei mir vorliegenden
jungen Männchen (7 Lin. lang, 3 Lin. breit) die erwähnte Bil-
dung des Cephalothorax ganz nach Art der erwachsenen
Carcinologische Beiträge. 145
Weibchen beschaffen ist, indem sowohl die scharfe Seitenkante
als auch die Längsrunzeln deutlich ausgeprägt sind. Ausser-
dem sind bei ihnen auch noch beide Scheeren von gleicher
Grösse, während bei allen von mir. beobachleten erwachse-
nen Individuen die linke, stets grösser und kräfliger entwik-
kelt ist; beim Weibchen ist dies nur in geringem; Grade der
Fall, beim Männchen hingegen zeigt die linke durchweg das
doppelte Volumen der rechten. — Die schöne violelte Fär-
bung des Cephalothorax scheint nach den Individuen: in ihrer
Ausdehnung sehr zu variiren. Bei den beiden jungen Männ-
chen und einem ausgewachsenen Weibchen ist. nur; die vor-
dere Hälfte mit Ausnahme des breiten Vorder- und Aussen-
randes und auf. der hinteren Hälfte drei gelrennte, in einer
Querlinie stehende ‚Flecken rolhgefärbt; bei, anderen fliessen
die hinteren drei #lecken unter einander sowohl als mit dem
vorderen zusammen, und es bleiben so ausser den breiten Rän-
dern, die übrigens auch hier und da mit Roth, gewaschen
erscheinen, nur zwei viereckige Flecken, jederseits einer
hinter der Regio gastrica weiss. Bei einem besonders schön
gefärblen weiblichen Exemplare aus Veragua endlich ist die
ganze Ober- und ein Theil der Seitenflächen des Cephalo-
ihorax ‚schön purpurroth, und erstere zeigt acht, scharf abge-
grenzle, rein weisse Flecken, nämlich einen grossen jeder-
seils hinter den Augenhöhlen, zwei etwas kleinere hinter der
Regio gaslrica und zwei punklförmnige, zu jeder Seite auf
der Grenze zwischen der Regio ‚gastrica und den Regiones
branchiales.
Boscia dentata Edw.
Die Vergleichung einer grösseren Anzahl Exemplare
dieser Art in ‘verschiedenen: Altersstufen, welche sämmtlich
von einer und derselben Lokalität stammen, nämlich von
Caraccas, wo sie vom Apolheker Gollmer gesammelt wur-
den, hat mich davon überzeugt, dass eine Unterscheidung
mehrerer Arten, wie sie Milne Edwards (Annales des
seiene. nal. 3. ser. Tome XX. p. 207) nach der stärkeren
oler schwächeren Denticulation des scharfen Seitenrandes
des Cephalothorax, der Zahnung der Schenkel und der Be-
schaffenheit der beiden Querleisten der Stirn vornimmt, ge-
wiss mit grosser Vorsicht zu handhaben ist, indem alle diese
Archiv [L. Naturgesch. XXI. Jahrg. 1. Bd. 10
146 Gerstnecker:
Theile nicht nur nach dem Alter, sondern oft auch bei gleich
entwickelten Individuen beträchllichen Variationen unterwor-
fen sind. — Von den mir vorliegenden Exemplaren messen
die grössten im Cephalothorax der Länge nach 1“ 8%, der
Breite nach 9% 5, ‘die kleinsten dagegen nur 8 und
1?” 14. ° Die Männchen und Weibchen zeigen in allen Al-
tersstufen den Unterschied , dass bei ersteren der Cephalo-
thorax im Verhältnisse breiter und kürzer , bei weilem mehr
abgeflacht ist, und dass die Furchen,, welche die Regio ga-
strica von den Regiones branchiales abtrennen , bei weiten
tiefer und deutlicher ausgeprägt erscheinen. Die slärkere
oder geringere Entwickelung der Scheeren auf der einen
oder der anderen Seite scheint zu variiren; bei allen mir
vorliegenden Männchen findet sich zwar die grössere Scheere
stets auf der rechten Seite, doch ist sie bald schr belrächt-
lich grösser als die linke, bald nur wenig von dieser ver-
schieden. Unter den Weibchen dagegen ist eins, bei dem
beide Scheeren fast gleich gross, und eins, bei dem die
linke beträchtlich stärker entwickelt ist; bei den übrigen
ist ebenfalls die rechte die kräftigere. — Was die Zahnung
des Seitenrandes am Cephalothorax betrifft, so ist dieselbe
desto schwächer, je jünger die Exemplare sind, bei den klein-
sten ist sie kaum bemerkbar ; hiermit Hand in Hand geht die
Zahnung an der Vorderkante der Schenkel, welche ebenfalls
bei erwachsenen Individuen viel deullicher ausgeprägt ist als
bei jungen. Von den beiden Stirnleisten ist selbst bei den
grössten von mir beobachteten Individuen nur die obere in
ihrer ganzen Ausdehnung deutlich und gleichmässig gekörnt,
die untere hingegen nur an beiden Enden. Je kleiner nun
die Exemplare werden, desto mehr nimmt auch die Granu-
lation der oberen Leiste ab und sie selbst verliert allmählich
immer mehr an Schärfe; zuweilen rückt sie auch mehr als
gewöhnlich an die untere Stirnleiste heran. Solche Exem-
plare slimmen nun genau mit Milne Edwards’ Beschrei-
bung seiner Boscia denticulala aus Cayenne (a. a. O. S. 208.
No. 3) überein, die milhin, da sich die allmählichsten Ueber-
gänge von ihr zu der wirklichen Boscia ‚dentata von den An-
tillen nachweisen lassen, nur als Abänderung derselben be-
trachtet werden kann. Ob die beiden übrigen Milne Ed-
Carcinologische Beiträge. 147
‚wards’schen Arten, Boscia Ghilensis''von Chile ‘und :macropa
aus Bolivia, welche übrigens der Beschreibung nach auf ähn-
lichen Charakteren begründet sind, nicht ebenfalls: nur. als Lo-
kalvarietäten zu betrachten sind ‚muss ich’ dahinstellen, da
mir. Exemplare aus’ diesen Ländern nicht: vorliegen. ' Jeden-
falls ist die Art nicht unbeträchllichen Schwankungen unter-
worfen, wie dies vier aus Mexiko stammende Exemplare der
hiesigen Sammlung beweisen. Bei einem Weibchen unter
ihnen ist der Cephalothorax auffallend und 'gleichmässig ge-
wölbt, so dass die Furchen zwischen .der Regio gaslrica und
den Regiones branchiales ganz verschwunden sind, die obere
Querleiste der Stirn ist dicht an die Randleisie herangerückt
und zeigt keine Unebenheiten; der Körper und die Scheeren
sind vollkommen’ glalt,' der Arm hat unregelmässige stumpfe
‘Zähne am Vorderrande. Bei den drei ‚Männchen 'dagegen ist
der Cephalothorax ganz -llachgedrückt, die Furchen deutlich
und.lief, das Uebrige wie‘ beim Weibchen. : Nach‘ Milne
Edwards müsste ‚diese Varielät'ohne Zweifel’ auch zu einer
‚eigenen Art erhoben werden, wofür ich meinerseits keine ge-,
nügenden Gründe aufzustellen: wüsste.
Dilocarcinus Nilne Edwards.
Diese von MilneEdwards (Archives du Musee d’hist.
natur. 'VIl.p. 178)) bekannt ‘gemachte Gallung von Flusskrab-
ben, welche durch die eigenthümliche Bildung des Hinter-
leibs, an' dem die mittleren Ringe "in ‘beiden Geschlechtern
vollkommen mit einander verschmolzen sind, sehr ausgezeich-
net ist, enthält daselbst vier sämmtlich aus Brasilien ıstam-
mende Arten, welche als neu ‚beschrieben und abgebildet
‚werden. © Zweii derselben sind ‘am Seitenrande des Cepha-
lothorax mit sieben, die beiden anderen mit fünf Zähnen be-
waffnet. Von: jeder dieser Gruppen ist’mir eine Art bekannt,
von ersterer Dilocarcinus Castelnaui; von letzlerer-Diloc. pi-
clus. Ausserdem besitzt das hiesige Museum noch ‚eine fünfte
neue, Art, welche jederseits am Cephalolhorax nur mit 4 Zäh-
nen bewaffnet ist und in der Zeichnung der Oberfläche»mit
Dil. pietus Edwards die nächste Verwandtschaft darbietet.
Was den Dilocareinus Castelnaui Edw. betrifft, so ist
‚diese Art nicht neu, sondern schon von Gronovius (Zo00-
148 Gerstaecker:
phylacium Gronovianum p. 222)) als Cancer No. 956 beschrie-
ben und dessen Beschreibung von Herbst (Nalurgeschichle
u. s. w. I. p. 155) in der Uebersetzung copirt worden; lelz-
terer hat ihm den Namen Cancer seplemdentalus gegeben.
Die Gronovius’sche Beschreibung charakterisirt den Krebs
ganzı vortrelflich, indem die Beine als „natatorio-cursorii*
und der Hinterleib als „breit und nur mit einem Quergelenke
nahe der Spitze versehen“ bezeichnet wird. Die Synonymie
der Art würde also folgende sein:
Dilocarcinus septemdentatus.
Cancer septemdentalus Herbst, Nalurgeschichle u. s. w.
1. p. 155.
Cancer No, 956. Zoophylacium Gronovianum p. 222.
Dilocareinus Caslelnaui Milne Edwards, Archives du
Museum d’hist. natur. VII. :p. 182. Pl. XIV. fig. 5.
Das hiesige Museum besitzt zwei männliche Exemplare
aus der Herbst’schen Sammlung, welche mit‘ der Grono-
vius -Herbst’schen Beschreibung genau ‚übereinstimmen,
ohne dass Herbst sie seiner Beschreibung zu Grunde ge-
legt zu haben scheint, indem er (a. a. O.) sagt, dass er die
Art nur aus Gronovius’ Beschreibung kenne; wahrschein-
lich hat er sie erst in spälerer Zeit erhalten. Mit der Milne
Edwards’schen Abvildung seines Dil. Castelnaui stimmen
die beiden genannten Exemplare ebenfalls ohne irgend einen
Zweifel überein , nur dass derselbe die beiden Vorderwinkel
der Mundöffnung als ganzrandig angiebt, während sie bei
unseren Exemplaren mit einigen stumpfen Zähnen beselzt
sind. Jedenfalls kann dieser geringfügige Unterschied, wel-
cher vielleicht nach den Individuen variirt, nicht zur Unter-
scheidung zweier Arten als genügend betrachlet werden,
und es ist daher unzweifelhaft, dass die Edwards’sche Art
auf die alle Gronovius-Herbst’sche zurückgeführt wer-
den muss.
Die oben erwähnte neue Art mit vier Zähnen am Ce-
phalolhorax jederseils ist:
Dilocarcinus pardalinus nov. spec.
Diese Art ist doppelt so gross als Dil. piclus Edw., in-
Careinologische Beiträge. 149
dem der Cephalothorax in der Länge 1‘ 8, in der Breite
1/4 9444 misst; der Körper ist verhältnissmässig höher ge-
wölbt und plumper gebaut als bei jenem. Die vier Zähne
des Seitenrandes nehmen von vorn nach hinten an Grösse
und Breite allmählich ab und sind sehr spitz; sie stehen in
gleichen Abständen von einander, und der lelzte liegt noch
weit vor der Mitte der Körperlänge. Die Furchen auf der
Oberfläche sind deutlicher als bei Dil. pietus ausgeprägt. Die
Farbe ist dunkel ockergelb; die rothen Punkte, mit denen
die Oberfläche ebenfalls gezeichnet ist, stehen nicht wie bei
Dil. pietus einzeln, sondern sind zu kleinen Rosetten nach
Art des Leoparden- Felles vereinigt. Die Stirn ist auf glei-
che Weise wie bei D. pietus gebildet, nur in der Mitte we-
niger lief ausgebuchtet; auch erscheinen die Zähne am unte-
ren Rande der Augenhöhlen mit Ausnahme des ersten klei-
ner und undeutlicher. Die Beine sind von der Farbe des
Körpers und ebenfalls mit blutrothen Flecken, die aber keine
Ringe bilden, besäet. Das Endglied der Tarsen ist am lelz-
ten Fusspaare beträchtlich. breiter als an den vorhergehenden,
und wie das vorletzte, an der Innenseite mit dichten Haaren
besetzt. Von den Scheeren ist die der rechten Seite die
stärker entwickelte ; der obere. Arm derselben am Innen-
rande nicht gezähnt, während an. der linken: beide Arme ab-
wechselnd mit einem grösseren und zwei kleineren Zähnen
bewehrt sind. »— Das vorliegende Exemplar ist ein Weib-
chen, an dessen Hinterleib nur der erste und lelzte Ring
frei, die übrigen mit einander verwachsen sind. Der Fund-
ort ist unbekannt, doch kann Süd-Amerika wohl mit Sicher-
heit als Vaterland angenommen werden, da alle übrigen Ar-
ten der Gallung dorther stammen.
Telphusa Milne Edwards.
Die Arten dieser Flusskrabben - Gattung, welche aus-
schliesslich den wärmeren Gegenden des alten Conlinents
eigen zu sein scheinen, sind wegen der grossen Aehnlich-
keit, welche sie unter einander darbieten, von den verschie-
denen Autoren häufig mit einander vermengt worden und da-
her ihre Synonymie in, grosser Verwirrung. Die Hauptur-
sache hieryon ist, dass man oft neue Arlen von einer weit
150 Gerstaecker: vn)
entfernten Lokalität ohne: genauere Prüfung auf schon be-
kannte ‚bezog, wie'z. B. Herklots (Addilamenta ad faunam
careinologicam Alricae occidentalis p.5) eine Art von Guinea
mit ‚dem‘ Cancer aurantius Herbst aus 'Ostindien für identisch
hielt, Krauss seine‘ 'Telphusa perlata von Port ‘Natal mit
ebenderselben Art identificirte (Süd= Afrikanische Orustaceen
pP: 37),;:de Haan'eine Japanische Art auf die Telphusa Be-
rardii Edw. aus Aegypten beziehen 'zu dürfen glaubte. "Eine
Vergleichung‘'der Exemplare einer bestimmten 'Lokalität stellt
jedoch zur Genüge: heraus, dass dieselben immer‘ wieder
einer anderen Art’ angehören, und dass. mithin eine weite
Verbreitung der Arten, besonders über verschiedene Welt-
theile in dieser Galtung nicht, oder ‚wenigstens nur in sehr
beschränktem Maasse'statlfindel.'' Von allen bekannten Arten
sind aber besonders zwei vonHerbist beschriebene und ab-
gebildete, nämlich ‘dessen Cancer aurantius (Naturgeschichte
u.s»w.lll. 1.p.'59. Taf.'48, Fig. 5) (und: Cancer'hydrodro-
mus (ebenda Hl. p. 164. No.'192. Taf. 41.' Fig: 2) 'am ‘meisten
unrichtig erkannt und verwechselt worden. ' "In der zweiten
Art hat sogar Milne Edwards‘ (Hist. "nat: d. Crust. Il.
p- 29) eine Art der Galtung Cardisoma zu erkennen geglaubt.
Nach den Original-Exemplaren der HerbsV’schen Sammlung
stellt sich über dieselben Folgendes heraus:
1. Telphusa hydrodromus.
Cancer hydrodromus Herbst, Nalurgeschichte u; s.'w.
IL; »p..164.. No. 192. Taf. 41: ‚Fig. 2.
Cancer''senex ?. Fabricius, Entom. .syst.'suppl. -p: 340.
No. 22,
Telphusa grapsoides Milne Edwards, Annales des sci-
ences natur, 3. ser. XX. p. 212.
Diese Art gehört in die zweite Milne Edward s’sche
Gruppe, bei welcher die Crista postfronlalis des Cephalotho-
rax in der Mitte unterbrochen ist und der milllere Theil vor
den beiden seitlichen hervortritt. Zwei männliche Exemplare
der Herbst’schen Sammlung messen 13 Lin. in der Länge
und 16 Lin. in der Breite. Die Stirn ist schwach geneigt,
in der Mitte sehr leicht ausgebuchtet, der mittlere Theil der
Carcinologische Beiträge. 151
Stirnleiste tritt ‚etwa um eine Linie vor‘ den seillichen her-
vor, ist. durch, eine liefe aber kurze Rückenfurche. in zwei
Hälften gelheilt, von denen jede eine geschwungene, wenig
erhabene, nach aussen verschwindende Linie bildet. : Die
seillichen Theile der Crista sind zuerst ebenfalls geschwun-
gen, treten.an ‚der ‚Grenze der Regio gastrica elwas nach
hinten zurück und verlaufen dann in gerader Richtung nach
aussen, wo sie, ohne den Seitenrand zu erreichen, hinter dem
zweilen Seitenzahne endigen; sie sind mehrfach leicht einge-
kerbt, aber nicht 'geperlt oder gezähnt. Die beiden Zähne des
Seitenrandes sind scharf und wohl entwickelt, der Seilenrand
hinter dem zweiten bildet eine scharfe, erhabene Leiste, die
nach hinten: allmählich verselhwindet; seitlich von derselben
sind die Kiemengegenden von scharfen Querrunzeln durchzogen.
Die Tibia der Scheerenfüsse ist nur mit einem langen und spit-
zen Zahne ‚bewaffnet, die, Tarsen der Gangbeine sind breit,
stumpf zugespitzt, ohne Leiste auf der Oberseite.
Von allen Arten, welche Milne Edwards (Annales
des sciences nalur. Tome XX) unter der Abtheilung mit, un-
terbrochener Crista frontalis aufführt, stimmt seine Telphusa
grapsoides am besten mit dem Cancer hydrodromus Herbst
überein; die verhällnissmässig geringe Breite des Cephalo-
Ihorax und die stark gerielien Kiemengegenden, welehe der
Verf. hervorhebt, passen auf denselben vollkommen.
Ob der Cancer senex Fabr. zu dieser oder der Telphusa
indica auct. gehört, lässt sich schwer entscheiden, da Fa-
brieius über die Bildung der hinteren Stirnleiste nichts
angiebt; mit dem Cancer aurantius Herbst ist er aber wohl
am wenigsten als synonym zu verbinden.
2. Telphusa aurantia,
Cancer auranlius Herbst, Naturgeschichte u. s. w. Ill.
2. p. 59. No. 210. Taf. 48. Fig. 5.
Telphusa Leschenaultii ? Milne Edwards, hist. nat. d.
Crust, Il, p. 13. No.5. — Annales des sciences
nalur. 3. ser. Tome XX. p. 211. No. 10.
Alle Autoren, welche diese Art ciliren, haben sie ganz
und gar. verkannt, wozu allerdings die in mehrfacher Be-
152 Gerstaecker:
ziehung unrichlige Herbst’sche Figur Anlass gegeben ha-
ben mag. Es ist nämlich bei derselben die Crista postfron-
talis ebenfalls in der Mitte unterbrochen und der mittlere Theil
vor den seitlichen hervortretend, während sie alle Auloren
als ganzrandig annehmen. Es kann daher der Cancer au-
ranlius Herbst weder zu Telphusa indica Latr., wie esMilne
Edwards (Hist. nat. d. Crust. Il. p. 13 und Annales des
sciences nalur. 3. ser. Tome XX. p. 209) thut, noch zu Tel-
phusa perlala nach Krauss (Südafrikanische Crustaceen p. 37),
noch zu Telphusa aurantlia Herklols (Additamenta ad fau-
nam carein. Afric. occid. p.5) gezogen werden, und 'muss
daher auch der Name der letzteren Art geändert werden. —
Das einzige Exemplar der Herbst’schen Sammlung, ein
‚Männchen, misst 9 4% in der Breite und 1° 8 in der
Länge. Schon aus diesen Maassen ist zu ersehen, dass diese
Art im Cephalothorax sehr kurz und breit ist, und dass, da
die beiden Aussenzähne der Augenhöhlen nur 14 444 von
einander entfernt sind, der Seitenrand sich gleich hinter der
Stirn sehr stark rundet; 'er ist ausserdem durchaus glatt und
stark abgerundet, selzt-sich auch nach hinten in keine deut-
lichen Querrunzeln fort. Der mittlere Theil der Crista post-
frontalis ist zwar ganz deutlich von den seitlichen getrennt,
tritt aber nur elwa um '/, Lin. weiter als diese nach’ vorn;
er ist durch eine kurze und seichte Längsfurche in zwei
Hälften getheilt, welche als leicht geschwungene, glatte, nicht
sehr erhabene Linien erscheinen. Die Seitentheile sind 'eben-
falls ungekerbt, verlaufen vom mittleren Theile aus bis zur
Grenze der Regio gaslrica ganz gerade, dann plötzlich un-
ter einem slumpfen Winkel schräg nach vorn, bis sie’ an der
Basis des zweiten Zahnes, ohne den Seitenrand des Cepha-
lothorax zu erreichen, endigen. Die ganze Oberfläche des
Cephalothorax ist kissenarlig gewölbt, ganz besonders auf den
seitlich stark hervortretenden Kiemengegenden; da er nach
hinten sehr stark verengt ist, hat er einen breit herzförmigen
Umriss. Von den Scheeren ist die rechte fast doppelt so
gross als die linke; die Tibia ist auf beiden Seiten nach in-
nen mit zwei stumpfen Zähnen bewaffnet, von denen der vor-
dere beträchtlich grösser ist; die Zangen der rechten Scheere
sind weit 'klaffend indem die obere stark. sichelförmig_gebo-
Carcinologische Beiträge. 153
gen ist, die der linken schliessen sich fast aneinander! ‘An
den’ vier Gangbeinen sind die Tibien auf der Oberseite ‚mit
einer scharf erhabenen Längsleiste versehen, das erste Tar-
senglied am Hinterrand mit zwei bis drei Zähnen, das lelzte
Glied sehr schmal, scharf zugespilzt, mit erhabener Längs-
leiste und beiderseits ‚scharf gezähnt. Die. Farbe des: Kör-
pers ist lebhaft rothhraun, die Scheeren an der. Innenseite
und die Füsse mehr schwarzbraun, — Das Valerland ist nach
Herbst Oslindien.
Die Herbst’sche Figur stellt das Thier. in natürlicher
Grösse und Farbe dar; unrichliger‘ Weise ist die ‚grosse
Scheere auf die linke Seite verlegt, der Körper ist: im vorde-
ren Theile nicht breit genug und daher hinten nicht stark
genug verengl; die Stirn ist zu lief ausgebuchtet; endlich
ist die Crista postfrontalis in der Mitte nicht deutlich unter-
brochen, wie es in der Nalur der Fall ist, sonst ist übrigens
ihr Verlauf ‚und ihr Verhältniss zu den beiden Zähnen des
Seitenrandes richtig dargestellt.
Von allen bis jetzt: beschriebenen Arten späterer Aulo-
ren lässt sich, wie ich glaube, nur Telphusa. Leschenaulti
Milne Edwärds' mit. einiger Wahrscheinlichkeit auf den Can-
cer auranlius Herbst beziehen, obwohl wegen der kurzen und
ungenauen Beschreibung derselben die Identilät beider im-
mer nicht mit vollkommener Sicherheit festzustellen ist. Die
Angaben Milne Edwards’s, dass der Cephalothorax sehr
gewölbt, der Seitenrand und die Kiemengegenden: glalt, der
mittlere ‚Theil der Crista nur wenig vor, den seitlichen, her-
vortretend erscheint , passen auf das Her bst'sche. Exemplar
vollkommen, ‚ausserdem stimmt auch ‚das Valerland überein.
Ich schliesse ‚hieran die Beschreibung einer neuen Art
von. den Philippinen :
3 Telphusa subquadrata n. sp.
Der Cephalolhorax ist fast quadralisch,, nämlich 8 Lin.
lang und 9 Lin, breit, auf. der Oberfläche nur sehr leicht
gewölbt, die Stirn nur schr wenig geneigt, in der Mitte ein
wenig ausgebuchlet. Die Crista postfrontalis ist sehr schwach
ausgeprägt, besonders in ihrem mittleren Theile, der übri-
gens deutlich vor den seitlichen hervortritt ; er ist durch
154 Gerstaecker:
eine Längsfurche gelheilt, die sich bis auf die Stirn fortsetzt:
Ihre Seitentheile gehen zuerst vom miltleren aus etwas schräg
nach hinten, dann plötzlich unter einem Winkel nach vorn,
um an der Spilze des zweiten Seitenzahnes zu endigen. Die
Seitenränder sind nur sehr leicht gerundet und Ireten seit-
lich nicht sehr weit über den zweiten Seitenzahn hervor; sie
sind bei ihrem Beginne dicht und fein gekerbt, und 'es ge-
hen von ihnen nach innen auf die Oberfläche des Cephalo-
thorax feine Querrunzeln aus, welche nach hinten: immer
stärker werden und sich auch auf die untere Fläche der
Kiemengegenden forlselzen. Die Furehen der Oberseite des
Cephalothorax, welche die Regio gastrica nach den Seiten und
nach hinten begrenzen, sind tief und breit. An den Schee-
renfüssen sind Schenkel und Tibien auf der Aussenseite schup-
penartig gerunzelt, die letzteren am Innenrande mit zwei
Zähnen, von denen der erste gross und spitz ist; die linke
Scheere ist bedeutend grösser als die rechte und ihre Zan-
gen am Innenrande nahe dem Gelenke mit drei grossen,
stumpfen Zähnen, von der Form der Mahlzähne, besetzt. Die
Schenkel der vier Fusspaare sind mit Tuberkeln auf der
Oberseite besetzt, die Beine im Ganzen schlank und kaum
erweitert. — Das Vaterland ist Manila.
Fam, Astacini de Haan.
DeHaan hat (Fauna Japonica, Crustacea p. 142) rich-
tig nachgewiesen, dass der Mangel einer beweglichen Schuppe
an der Oberseite der äusseren Fühler, auf Grund dessen
Milne Edwards seine „Thalassiniens“ von den „Aslaoiens“
als eigene Gruppe abtrennt, hierzu nicht von genügender Be-
deutung sei, zumal da bei sonst vollkommner Vebereinstim-
mung im Gesammtbaue des Körpers dies Merkmal sich nicht
einmal als durchgreifend herausstelle. Bei der Gattung Axia
nämlich ist durch das Vorhandensein eines kleinen bewegli-
chen Dornes am Basaltheile der äusseren Fühler der Ueber-
gang zwischen beiden Bildungen gegeben. Auch die sub-
terrane Lebensweise, welche die Thalassinier charakterisiren
soll, ist ihnen keineswegs ausschliesslich eigenthümlich, da
einige Australische Astacus - Arten, auf welche Erichson
Carcinologische Beiträge. 155
dieses Archiv Jahrg. 1846) die Untergattung Engaeus’ ge-
gründet ‘hal, 'mit' ihnen hierin übereinstimmen. ' Ebenso
schwankend ist die dünnere oder consistentere Rörperbe-
deckung; während die meisten der eigentlichen Thalassinier
eine schlaffe, dünnhäutige Schale besitzen, ist die Bedeckung
bei der grössten bekannten Art, der Thalassina 'scorpionides,
vollkommen "hart und kalkig; und auf der anderen" Seite
zeigen wieder die sublerranen Astacus-Arten eine weit dün-
nere und zartere Oberhaut als die über der Erde lebenden.
In dieser Beziehung steht auch die hier zu charakterisirende
neue Gallung zwischen ‚der Mehrzahl der Thalassinier und
Astacinen in der Mitte, indem ihre Körperoberfläche von le-
derarliger Consistenz , die stark entwickelten Scheeren da-
gegen von vollkommen hornarliger Beschaffenheit sind.
Dureh den Mangel der respiratorischen Anhänge an der
Unterseite des Abdomen würde sich die neue Gattung zu-
nächst den „Thalassiniens Cryptobranchides“ Milne Edwards
einreihen und 'zwar derjenigen Abtheilung‘, welche innere
Fühler mit langen Geisseln besitzen. Durch die breiten Sei-
tenlamellen der Schwanzflosse und das scheerenförmige zweite
Fusspaar würde sie mit Callianassa und Axia zunächst über-
einstimmen; 'sie unterscheidet sich aber von der ersteren,
mit der sie in der Form des Körpers grosse Aehnlichkeit
hat, durch den nicht erweiterten Tarsus des dritten Fusspaa-
res und durch consistentere Körperbedeckung, von letzterer
durch den Mangel des beweglichen kleinen Dornes am Ba-
saltheile der äusseren Fühler. ‘Ich nenne die Gattung:
Seytoleptus nov. gen.
(Taf. VI. Fig. 1-4).
Der Gephalothorax ist seitlich zusammengedrückt, die
Regio gastrica nach hinten durch einen ziemlich tiefen Ein-
druck jederseits von der Rückenlinie begrenzt, diese nach
vorn mit einer erhabenen Leiste versehen, welche über dem
Stirniheile in einen scharfen Zahn endiet. Die Stirn fällt
von jenem Zahne aus schräg ab und läuft an seinem vorde-
ren Ende ebenfalls in einen scharfen, etwas nach oben ge-
gerichteten Zahn aus, dem sich nach unten unmittelbar der
Ausschnilt für die Augen anschliesst. Diese sind schr klein,
156 Gerstaccker:
nur wenig aus ‚der Augenhöhle hervorlretend,, kurz kegel-
förmig, mit kleiner Cornea. Die oberen (inneren) Fühler 'be-
stehen aus einem kurzen, dreigliedrigen Schaft, welcher un-
mittelbar unter dem Augapfel eingelenkt ist und zwei gerin-
gelten, langen. Geisseln, elwa von %/, der‘ Länge des Cepha-
lothorax. Das erste Glied‘ ‚des Schaftes ist länglich, fast so
lang als die ‚beiden folgenden zusammengenommen; diese
sind so lang als breit und die Spilze des zweiten liegt elwa
in ‚gleichem Niveau mit der Spitze des Stirnzahnes, An den
unteren (äusseren) Fühlern, die etwas unterhalb der vorigen
eingelenkt sind, ist der Schaft lang, fast von ?/, der Länge
der oberen Fühler; sein erstes Glied kurz, eylindrisch, etwa
doppelt so lang als breit, das zweite sehr lang, flachgedrückt,
das drilte ebenfalls länglich und flach, doch nur von !/, der
Länge des vorkergehenden; die vielgliedrige, starke Geissel
ist mindestens um die Hälfte länger als der Schaft. “Die
äusseren Kieferfüsse (Fig. 2) sind langgestreckt, fussförmig,
die beiden ersten Glieder länglich und blatlartig, mit aufge-
bogenen Seiltenrändern, das dritte herzförmig, das vierle
länglich viereckig, das lelzie klauenförmig, zugespitzt; alle
sind an der Innenseite mit langen, dichten Haaren gewim-
pert. Das an der Aussenseite der Basis eingelenkte Flagel-
lum besteht aus einem länglichen Basalgliede und einer viel-
gliedrigen ‚Geissel, welche mit. ihrer Spilze das Ende des
zweiten‘ Fussgliedes elwas überragt. Das zweile Maxillar-
fusspaar ist. sehr. klein, im Ganzen kaum länger als. das erste
Glied des äusseren Paares; die drei letzien Glieder sind. kurz
und sehr gedrängt an einander gereiht. Das Scheerenfuss-
paar der rechten Seite ist von 'auffallender Grösse, fast so
lang wie der Körper mit Ausnahmerder Schwanzflosse, der
Carpus mit den Scheeren allein länger als der Cephalotho-
rax; alle einzelnen Theile desselben sehr breit und plump.
Der Trochanter und Schenkel sind innen ganz flach, oder
sogar leicht concav, aussen gewölbt, mit schneidend schar-
fem Ober- und Unterrande, ersierer am Schenkel bogenför-
mig gerundet. Die Tibia ist sehr kurz, dreimal so breit als
lang, oben erweitert, unten zugespilzt, ‚beiderseits leicht ge-
wölbt. Der Carpus ist um die Hälfte länger als breit, mit
oberer und unlerer ‚abgerundeter Kante, die Zangen ‚der
Carcinologische Beiträge. 157
Scheere um die Hälfte: kürzer, die obere eiwas länger und
an der Spilze etwas über ‚die unlere übergreifend; beide am
Innenrande vor der Mille mit, einem zahnarligen Vorsprunge
und zwischen diesem und der Spitze leicht ausgeschnillen. ‚Das
Scheerenfusspaar der linken Seite isb zwar kaum kürzer als
das rechle, aber in allen Theilen ganz schmal, fast linear; der
Carpus vollkommen parallel, wenigstens viermal so lang als
breit, die Zangen der Scheere sehr klein, bis auf die ge-
krümmlte Spitze längs des Innenrandes dicht aneinanderschlies-
send. Die übrigen Fusspaare sind flachgedrückt, die Schen-
kel der beiden miltlleren am breilesten , der ‚des, lelzien am
schmalsten und zugleich bedeutend kürzer‘, als; die übrigen.
Der Tarsus des zweiten Paares ist in eine, kleine Scheere
verwandelt, deren Zangen, kurz und. breit sind und, genau
schliessen. Am dritten und vierten Paare ist das erste Glied
des Tarsus langgesireckt, gegen die Spitze hin verschmälert
und am unteren Rande mit hornigen Zähnen; besetzt, die zu
vier Paaren in gleichen Abständen gestellt sind; hinter, die-
sen folgt am drillen Fusse noch ein einzelner ,. am vierlen
noch zwei einzelne solche Zähne (Fig. 3).. Das Nagelglied
ist an diesen beiden Fusspaaren kurz und schmal und an der
Aussenseite ebenfalls mt drei bis vier hornigen Zähnchen
besetzt. Am fünften Fusspaare ist das erste Tarsenglied ‚sehr
lang und schlank , fast. überall gleich breit, an der Spitze
mit einem Büschel dichter Haare beselzt, sonst, ebenso wie
das Nagelglied unbewehrt. Der Hinterleib ist bis zur Schwanz-
flosse nicht viel länger als der Cephalothorax, auf dem Rük-
ken breit abgerundet, die seitlichen Lamellen breit und, vom
Mittelstücke durch Längswülste abgesetzt. An der Schwanz-
llosse ist die mittlere Lamelle eiförmig, hinten leicht zuge-
spilzt und am Ende abgerundet, die seitlichen breit eiförmig,
stumpf abgerundet, jede mit einer mittleren, erhabenen Längs-
leiste. Die dünnhäutigen Abdominalfüsse (Fig.-4) sind sehr
schmal und bestehen aus einem länglichen Basaltheile, wel-
cher nach aussen eine gegliederle Geissel, nach innen ein
zweiles noch schmaleres Glied mit zwei Geisseln führt, von
denen die eine sehr kurz und fast fadenförmig gestaltet ist.
An diesen Füssen sind beim Weibehen, wie gewöhnlich, die
zahlreichen Eier befesligt,
158 Görstneicklen:
Sceytoleptus serripes.
(Taf. VL. Fig. 1).
Der Körper ist auf der Oberseite mit vereinzelten lan-
gen Haaren beselzt, an den Rändern der Seitenlamellen des
Hinterleibs und der Schwanzflosse leicht gefranst. Die Mit-
tellinie der Regio 'gastrica wird von einer erhabenen,, aber
abgestumipften Längsleiste eingenommen, welche auf dem
hinteren Theile verschwindet und nur wieder auf dem Querein-
drücke, der die Regio gastriva nach hinten begrenzt, her-
vorlritt; nach vorn 'endigt sie in einen aufgerichteten Zahn,
der zugleich die obere Grenze des schräg abfallenden Stirn-
theiles bildet: 'Jederseils von dieser erhabenen Mittelleiste
verläuft durch eine breite Furche getrennt noch eine schwa-
che, leicht geschwungene erhabene Linie, die sich nach vorn
allmählich mehr erhebt und in gleichem Niveau mit der milt-
leren ebenfalls in einen, obwohl viel schwächeren Zahn en-
digt.' In der Mitte der Stirn liegt über dem unleren grossen
Zahne’ (Schnabel) noch ein kleinerer und ein gleicher jeder-
seits zur Basis des Schnäabels dicht über und zugleich etwas
hinter der Augenhöhle. Die mitllere Lamelle der Schwanz-
tlosse ist durch zahlreiche runzlige Unebenheiten rauh; auf
dem Querdrucke nahe der Basis derselben stehen zwei scharfe,
zahnarlige Hervorragungen. An der zweiten Lamelle jeder-
seils ist die wulstarlig erhabene Mittellinie mit einer Reihe
nach hinten gerichteter, scharfer und kurzer Dornen besetzt,
auf den seitlichen ist sie glatt und viel weniger erhaben. —
Ein weibliches Exemplar von 2:/, Zoll Länge aus Südafrika,
wahrscheinlich von Port Natal.
Fam. Sphaeromidae Edw.
Milne Edwards ıtheilt diese ‚Familie «Hist. nat.'d.
Crust. Ill. p.. 199) in zwei Gruppen nach der Bildung der Ce-
phalothoraxfüsse, nämlich: 1) in, Sphaeromidae: ungniculalae,
bei. denen alle Füsse. mit einem. kleinen , ‚einfachen: Nagel-
gliede endigen und 2). in Sphaeromidae ‚cheliferae, ‚bei de-
nen. nur ‚die fünf ‚letzten Fusspaare auf diese Art gebildet
sind, die beiden ersten dagegen in eine kleine Scheere 'en-
digen. Die im folgenden charakterisirte, durch den Mangel
Careinologische Beiträge. 159
der Augen sehr ausgezeichnete Gallung würde sich hiernach
der zweiten Gruppe einreihen, welche bei Milne Edwards
nur die einzige ‚Gallung Ancinus umfasst; mit Jieser stimmt
sie auch in der allgemeinen Körperbildung, und besonders in
der Form des Abdomens und dessen sichelförmigen Fussan-
hängen wesentlich überein, unterscheidet sich aber, abgese-
hen von dem Mangel der Augen und geringeren Unterschie-
den'in ‘der Fühlerbildung, dadurch, dass nicht die beiden
ersten Fusspaare, sondernnur das zweite in eine Scheere
verwandelt ist, während das erste, obwohl in seinen einzel-
nen Theilen beträchtlich verkürzt, mit den hinteren Paaren
übereinstimmend gebildet erscheint. Durch Einreihen dieser
Gattung unter die Sphaeromidae cheliferae Milne Edwards,
‚würden daher auch die Charaktere dieser Gruppe dahin er-
weitert werden müssen, dass die fünf hinteren Fusspaare slels
einfach, die beiden vorderen dagegen in’ ihrer Bildung
schwankend erscheinen.
Monolistra nov. gen.
(Taf. VI. Fig. 5—14).
Der Körper ist halb cylindrisch, fast gleich breit, zum
Zusammenrollen geeignet. Der Kopf (Fig. 6) ist:viereckig,
doppelt so breit als lang, die Stirn in einen abgerundeten
mittleren Fortsalz verlängert, zu dessen Seiten die Fühler
eingelenkt sind. Die Augen fehlen gänzlich. Die inneren
(hinteren) Fühler (Fig. 6@) bestehen aus drei eylindrischen
Basalgliedern, von denen das erste und zweite an Länge
gleich, das dritte um die Hälfte länger ist; dieselben wer-
den allmählich dünner und das drilte trägt am Ende eine
kurze Geissel, welche aus sechs allmählich an Dicke abneh-
menden Gliedern besteht. Die äusseren (vorderen) Fühler
Fig. 65) haben vier Basalglieder ; das erste ist am kürze-
sten ‘und dreieckig, die folgenden allmählich an Länge zu-
nehmend und cylindrisch , das vierte fast so lang als das
zweile und drilte zusammengenommen. Ihre Geissel ist 'be-
trächtlich länger als die der hinteren Fühler und besteht aus
acht Gliedern, die nach der Spilze hin an Länge zu-' und 'an
Dicke abnehmen. Die Oberlippe hat fast die Form eines
Fünfecks und ist zu jeder Seite so wie in der Mitte des Vor-
derrandes ausgeschnilten, Die Mandibeln (Fig. 7) sind gross
160 Gerstaecker:
und: stark, an. der, Spilze ‘mit zwei, ‚kräftigen, dreispilzigen
Mahlzähnen ‚versehen, welche zwischen sich ein lanzettliches,
lang 'gewimpertes Blältchen (Fig. 7 a) führen, das sich gegen
die untere ‚Kaufläche herabbiegt. Der. nahe ihrer Basis ent-
springende Palp (Fig. 7 b) hat ein langes, fast eylindrisches
Basal- und zwei; kürzere Endglieder,, ‘von denen das letzte
an der Spitze breit abgeslutzt und lang gewimpert: ist. Die
Unterlippe (Fig. 8) ist zweilappig, die beiden Lappen kreis-
förmig und dickfleischig, am Vorderrande mit Haaren beselzt.
Die Maxillen des ersten Paares (Fig. 9) bestehen aus zwei
schmalen, langgestreckten Lamellen, von denen die innere
kleinere an.der: Spilze mit feinen Haaren, die äussere grös-
sere mit; starken zahnarligen, gekrümmten Borsten besetzt
ist, Die Maxillen des zweilen Paares (Fig. 10) zeigen drei
neben ‚einander eingefügle Endlamellen, von denen die. bei-
den äusseren rhombisch, die innere lanzeltlich ‚gestaltet ist;
letztere ist an der Innenseile, erstere am Vorderrande mit
langen Haaren beselzt. Die Maxillarfüsse (Fig. 11) bilden
eine langgestreckle, am Aussenrande slark geschweilte, vorn
abgerundele ‚und gewimperte Platte; ihr Taster (Fig. Il a)
ist gross, fächerlörmig, ‚die einzelnen Glieder an der, Basis
dreieckig, nach innen in einen langen gekrümmtien und an
der Spilze behaarten Forlsatz ausgezogen. Diese ausserge-
wöhnliche Bildung deulet unzweifelhaft auf eine Vermehrung
des Tastgefühls hin, welche durch den Mangel der Augen
gefordert wird.
Von den sieben Ringen des Cephalolhorax ist der erste
der längste und zugleich beträchtlich. schmaler als die fol-
genden; die drei folgenden sind gleich lang, die drei letzten
werden allmählich kürzer und nehmen auch zugleich an Breite
ab. Die seillichen Fortsälze aller Ringe sind stumpf abgerun-
det. Die sieben Fusspaare zerfallen in zwei kürzere vordere
und fünf hintere langgestreckle. Das erste Paar (Fig. 12)
stimmt in seiner Anlage ınit den fünf hinteren überein, nur
dass seine einzelnen Theile im Verhältnisse kürzer und ge-
drungener erscheinen; es ist nämlich nur das vorletzte Glied
langgestreckt und: eylindrisch,, während die drei vorherge-
henden kaum länger als breit und von dreieckiger Form sind.
Sein lelzles Glied trägt einen einfachen gekrümmten Nagel,
Carcinologische 'Beiträges | > 161
die. vorhergehenden sind mit ‚mehreren kurzen: Dornen be-
waffnet. . ‚Die, Füsse des, zweiten Paares (Fig. 13): weichen
nach vorn. von ‚den ‘übrigen! darin ab, dass sie zum Greifen
eingerichtet sind ; ‚das vorlelzte: Glied: ist nämlich sehr breit,
herzförmig ‚oder! dreieckig, und gegen seine breite Endkante
schlägt sich ‚das letzte, »sichelförmige. Glied ein, dieses ist
ander Spitze; ebenfalls’ mit einem Nagel bewaffnet, der je-
doch. viel grösser und \'stärker! als am ‚ersten Fusspaare ist.
Um mehr Halt zu, gewinnen, lehnt sich. ‚das letzte eingeschla-
gene Glied an einen dreieckigen Fortsatz des vorletzten,
welcher etwa in der Mille seiner Vorderkante hervortlrilt.
Auch an diesem zweilen Fusspaare erscheinen die dem Schee-
rengliele vorausgehenden beiden Glieder noch kurz und
dreieckig; an den fünf folgenden dagegen (Fig. 14) trilt eine
schlankere und gestrecklere Form auf. Die drei ersten, un-
miltelbar auf den Schenkel folgenden Glieder sind an densel-
ben etwa doppelt so lang als breit und ‚gegen die Spitze
keulenarlig verdickt, das vorleizte langgestreckt und cylin-
drisch, das leizie kegelförmig und am Ende mit einem Na-
gel versehen.
Der Hinterleib besteht nur aus zwei Gliedern; das erste
ist sehr kurz, ringförmig, an den.Seilen etwas. erweitert und
zur Aufnahme des letzten‘ Cephalothorax-Ringes oben ausge-
höhlt; das zweite sehr gross, 'schildförmig, nach hinten schräg
abfallend, am Ende breit abgerundet und in der Mitte mit
einem dicken, erhabenen Wulste versehen. _Jederseits nicht
weil hinter der Basis ist. das. ‚letzte Abdominalfusspaar, hier
das einzige entwickelte, eingelenkt, welches aus einem kur-
zen, viereckigen Basal- und einem langen, schmalen, leicht
sichelarlig gebogenen Endgliede besteht.
Die einzige bis jelzt bekannte Art dieser Gallung, wel-
che von F. Schmidt in den unterirdischen Höhlen Krains
aulgelunden wurde, nenne ich:
Monolistra coeca.
(Taf. VI. Fig. 5).
Sie ist 5 bis 6 Linien lang, 2'/, bis 3Linien breit, von
blassgelber Körperlarbe (bei Spiritus- Exemplaren), glalter
Oberfläche, auf der nur beiderseils von der Mille einige
Archiv f. Naturgesch, XXIL. Jahrg. 1, Bd. 11
162 Gerstaeeker: Careinologische Beiträge.
schwache Längsrunzeln zu bemerken sind. Die grösste Breite
des Körpers liegt in der Gegend des dritten und vierlen Ce-
phalothorax- und dann wieder beim ersten Abdominalringe ;
vom zweiten Cephalothoraxringe trilt nach vorn eine merk-
liche Verschmälerung ein. Die wulstartige Erhabenheit des
letzten Abdominalringes ist stumpf kegelförmig und überragt
den Hinterrand desselben um ein Weniges. Das sichelför-
mige Fusspaar übertrifft den letzten Hinterleibsring elwas an
Länge, ist deutlich nach innen gebogen und endigt in eine
stumpfe Spitze.
Erklärung der Abbildungen.
Taf. IV.
Fig. 1. Peloplastus Pallasii, t/, nat. Grösse.
Fig. 2. Der Stirntheil des Cephalothorax von unten gesehen.
d. Aeussere Fühler. 5. Innere Fühler. c. Acussere Ma-
zillarfüsse.
Taf. V.
Fig. 1. Naxia Pleione. Stirntheil des Cephalothorax von oben ge-
sehen.
Fig. 2. Derselbe von unten.
Fig. 3. Euctenota mexicana, nat. Grösse, Cöphalothorax.
Fig. 4. Männlicher Hinierleib derselben,
Fig. 5. Rhaconotus crenulatus, Männchen, nat. Grösse.
Taf. VI.
Fig. 1. Scytoleptus serripes, Weibchen, nat. Grösse.
Fig. 2. Aeusserer Maxillarfuss desselben.
Fig. 3. Tarsus des dritten Fusspaares desselben.
Fig. 4. Abdominalfuss desselben,
Fig. 5. Monolistra coeca, dreifach vergrössert.
Fig. 6. Kopf derselben von vorn gesehen. a. Hintere Fühler. b.
Vordere Fühler.
Fig. 7. Mandibel. a. Blattartiger Anhang. b. Palp.
Fig. 8. Unterlippe.
Fig. 9. Maxille des ersten Paares.
Fig.10. Maxille des zweiten Paares.
Fig.11. Maxillarfuss. a. Palp desselben.
Fig.12. Erstes Fusspaar des Cephalothorax:
Fig.13. Zweites Fusspaar desselben.
Fig.14. Drittes Fusspaar desselben.
Studien über Organisation und Systematik
der Ctenophoren.,
Von
Dr. €. Gegenbaur,
Professor in Jena,
(Hierzu Taf. VILVIN).
Es gehört gewiss zu den dringendsten Postulaten der Wis-
senschalt nach jeder grösseren Reihe von Detailforschungen
oder nach Aufdeckung wichliger, wenn auch scheinbar ver-
einzeller Thatsachen, die daraus gewonnenen Resultate in
Einen Focus zu sammeln und aus dem Gesammibilde uns die
jeweilige Anschauung zu formuliren, , Je näher wir der Er-
kenntiniss des typischen Planes gerückt sind, desto klarer
und einfacher erscheint uns ‚der Organismus, selbst unter den
complicirtesten Beugungen der Form, welche letztere gleich-
sam nur die Hülle des in ihr geborgenen und ihr zu Grunde
liegenden Typus vorstellt. Mit ‚der Erkennung des Typus
ist zugleich die Basis für die Vergleichung in grösserem
Massstabe gewonnen , und wir bilden. uns durch Abwägen
der Verwandischaftsverhällnisse der, einzelnen Typen unter
einander, die allgemeine Anschauung über Ihierische Lebens-
form aus, i
Für die Abtheilung der Ctenophoren: ist ‚dieser Bauplan
schon länger erkannt, wodurch so viel wenigstens festge-
stellt ist, dass sie mit den Medusen ‚und den einer Abthei-
lung davon zuzurechnenden Ammenthieren , so wie mit den
won Ehrenberg als Anthozoön vereinigten Polypen eine
164 Gegenbaur:
einzige, harmonisch gegliederte, grössere Thiergruppe bilden,
durch welche sich der einheitliche Typus von den einfach-
sten Anfängen an in die mannichfachsten Modifikalionen
ausstrahlend, hindurch zieh. Leuckart, dem ich in die-
ser Auffassung folgen muss, bezeichnet diese Thiergruppe
bekanntlich mit dem Namen der Cölenleraten.
Eine in der Richtung der Längsachse des Körpers sich
in letzteren erstreckende verdauende Höhle, die von ihrem
Grunde in ein radiär verlaufendes Canalsystem sich forlselzt,
ist im Zusammenhalte mit der Eiform des Körpers das We-
senllichste der typischen Verhältnisse der Rippenquallen.
Hiezu kommt noch die Formirung von rippenartigen Vor-
sprüngen auf der Oberfläche des Leibes, die vom Mundpole des
Körpers bis zum entgegengeselzten Pole verlaufen, und die
sehr häufig dem Thiere einen strahligen Typus aufprägen,
der aber in den meisten Fällen in einen bilateralen über-
geht. Ueberall, wo Tenlakel oder Fangfäden auftreten, sind
diese nach bilateraler Symmetrie geordnet, so dass nur die
tentakellosen, somit (wie auch aus noch anderen Gründen)
eine niedere Organisalionsstufe einnehmenden Beroiden den
Radiärtypus in der Körperform kundgeben. “Bei den Cydip-
pen ist die Strahlthierform äusserlich nur durch das Fangfä-
denpaar gestört, doch zeigen sich auch hier schon , durch
die ungleiche Länge. der Schwimmplätichenreihen , so wie
durch Bildung von Fortsätzen des Körpers (Eschscholtzia)
die Uebergänge zur Bilateralsymmetrie, die dann ihren Gi-
pfelpunkt in den Calymniden und Cestiden erreicht.
Alle seitlichen Ausbreilungen, mögen sie als zipfelar-
tige Anhänge, oder als breite oft sogar den eigentlichen
Körper an Mächligkeit weit übertreffende Lappen erscheinen,
sind nur Fortsätze der Körpersubstanz selbst, und gehen,
durch keine Grenze geschieden, stets in den Mitteltheil
des Körpers über. Es ist desshalb nicht wohl zu rechtfer-
tigen, diese Lappen als eine Mantelbildung anzusehen, wie
diess' von Mertens geschah, dar dahin kam, bei der jeg-
liche Körperfortsätze entbehrenden Gattung Ildya (Beroö
Esch.) den Körper „nur im Rudimente vorhanden“ anzuneh-
men, während doch gerade hier der Körper seine grösste
Selbsiständigkeit bewahrt,
Studien über Organisation u. Systematik d. Ctenophoren. 165
Mertens:hatte die Lappenbildungen vom Auswachsen
einer äusseren (nicht exislirenden) Schichle abhängig sich
vorgestellt, und musste dann, in consequentem Verfahren, ‘da
wo keine Lappenbildung sich zeigt, das ganze Thier von
dieser Schicht sich eingehüllt denken, so dass dann auf den
eigentlichen Körper nur ein Minimum von Masse kömmt.
Die Körpersubstanz der Rippenquallen besteht, wie
längst bekannt, aus einem durchsichtigen, selten Pigmente
einschliessenden Gewebe von gallertartiger ‚Consistenz, wel-
che die Thiere ausserhalb des Wassers ‚sogleich, oder (wie
bei den Beroön) sehr bald zerfliessen macht, und auch in-
nerhalb ihres Mediums nach eingetretenem Tode eine sofor-
tige Auflösung bedingt. — Im Wesentlichen fand ich bei
allen untersuchten Arten (6) gleiche, Verhältnisse, so dass
eine Schilderung. des Körperparenchyms recht gut im Allge-
meinen gegeben werden kann. Es besteht nämlich aus ei-
ner homogenen Grundsubstanz, in welche sich
mannichfach geformte Zellelemente oder deren
Derivate einbetben, die Zellen erschienen als blasse
aber doch scharf umschriebene, sternförmig ausgezackte oder
nur mit wenigen Fortsätzen versehene, oder einfach spindel-
förmige Körperchen, die oft in bedeutender Entfernung von
einander liegen, und durch ihre Ausläufer mit, einander ver-
bunden sind. Ein Kern ist zwar nicht. bei allen gleich. leicht
aufzufinden, lässt sich aber bei vielen selbst ohne Reagenlien
entdecken , und zeigt sich dann so in das Zellenkörperchen
gelagert, dass er — besonders bei der Spindelform — oft den
ganzen Hohlraum zu erfüllen scheint. Er besitzt stets dunkle
Contouren, und ist von ovaler oder runder Gestalt. — Die
als Fortsätze dieser Körperchen auftretenden Fasern erschei-
nen anfänglich, dicht bei ihrem Abgange, hohl, nehmen aber
allmählich einen soliden Charakter an, so dass sie etwa 0,0144
weit von ihrem Ursprunge nur einfache Contouren aufwei-
sen. ‚Nicht selten sieht man diese Fasern in ein pinselarli-
ges Büschel unendlich feiner Fibrillen, die man mit einer
lamellösen Ausbreilung verwechseln könnte, wenn man die
einzelnen Fibrillen nicht auf verschiedenen Höhen beobach-
tele. Ganz ähnliche Verhältnisse hat auch M. Schultze
aus der Gallertscheibe der Medusen beschrieben.
166 Gegenbaur:
Die Distanzen der Körperchen von einander, und somit
die Weite der durch ihre anastomosirenden' Ausläufer gebil-
deten Maschenräume, wechseln je nach den Arten, die man
zu beobachten hat, oder sogar auch nach den einzelnen Kör-
perpartien. Was ersteres betrifft, so fand ich die durch
grössere Weichheit des Körpers sich auszeichnende Gallung
Eucharis mit den weitesten Maschen versehen, ebenso eine
einmal beobachtete Mnemia , dagegen besitzt eine neue den
Mnemien nahe, die ich Eurhamphaea vexilligera *) benenne,
die engsten, namentlich an den schnabellörmigen. Fortsät-
zen **) des hinteren Körperendes ***), die auch eine grös-
sere Resistenz bieten als die übrigen Theile. Das Maschennetz
giebt das Gerüste ab für die vollständig hyaline Grundsub-
stanz, die nirgends eine Organisalionsspur erkennen lässt.
Auf Behandlung mit Essigsäure bildet sich in ihr ein fein-
körniger Niederschlag, , der an gewissen Stellen eine förm-
liche Trübung und Undurchsichtigkeit produeirt.
Dass das eben beschriebene Gewebe des Körperparen-
chyms den Bindesubstanzen +) anzureihen sei, habe ich schon
*) Diese so wie einige andere mir neu, oder doch noch nicht
vollständig bekannt scheinenden Ctenophoren, sollen weiter unten
zoologisch beschrieben werden, während das Resultat der von mir
mehr oder minder vollständig angestellten anatomischen Untersuchung
in die allgemeine Schilderung der Organisationsverhältnisse einzu-
flechten gestaltet sein möge.
#*) Leuckart und ich haben auch im Hautkörper der He-
teropoden eine analoge Beschaffenheit der Maschennetze beobachtet,
indem wir in den festeren, von jener Substanz gebildeten Höckerchen,
auch immer zahlreichere Zellenkörperchen auffanden.
*#=#) Ich bezeichne als „hinteres Körperende“ das dem Mund-
pole entgegengesetzte, gleichviel ob das Thier mit dem Munde vor-
anschwimmt oder nicht.
+) Ich glaube nicht zu weit zu gehen, wenn ich hier anfüge,
dass die wohl feststehende Thatsache von der Bindegewebsnatur eines
grossen Theils der Körpermasse der Colenteraten (wenigstens der Me-
dusen, Siphonophoren und Rippenquallen) für die Wertherkenntniss der
Bindesubstanzen im Thierreiche von hoher Bedeutung sei. Ihr an Masse
überwiegendes Verkommen im Leibe niederer Thierformen (auch die
Echinodermenlarven gehören hieher), die nur eine geringe Organent-
faltung aufweisen, zeigt uns klar, wie diese Gewebe als das Körper-
Studien über Organisation u. Systematik d. Ctenophoren. 167
bei einer anderen Gelegenheit ausgesprochen, und dort auch
früherer Zustände dieses Gewebes Erwähnung gethan. Bei
sehr jungen Thieren fand ich nämlich das ganze Netzwerk
viel deutlicher, und besonders die Ausläufer der Zellen mit
doppelten Contouren einLumen begrenzen, so dass das Ganze
ein System zarter, miteinander vielfach anastomosirender Röhr-
chen vorstellte. Die Gallung zu der diese nur 0,45% gros-
sen, ziemlich glatten Thiere gehören, vermochte ich nicht zu
bestimmen. Sie werden weiter unten noch einigemale er-
wähnt werden müssen.
Die Bewegungen der Ctenophoren werden sowohl
durch die im Körper vorhandenen contractilen Elementar-
theile (Muskeln) als auch durch besondere Organe vermittelt,
welch letztere unter dem Namen der Schwimmplältchen be-
kannt sind. Diese in vier (wie bei Cestum) oder acht Längs-
reihen (wie bei den meisten übrigen) auf den rippenartigen
Vorsprüngen des Körpers angebrachten Organe, deren Cilien-
natur seit Will alle Beobachter annehmen , sitzen auf be-
sonderen hyalinen Querleistchen, die gewissermassen als
Einlenkestellen dienend, mit der Körpersubstanz in inniger
Verbindung siehen, wenn sie auch nur als Epithelialgebilde
angesehen werden müssen. Die Länge und Breite dieser
Schwimmplättchen ist sehr variabel; ich konnte von einem
einfachen feinen Wimperhaare an, bis zu 0,6” breiten, und
über 1,44% langen Plättchen alle Uebergänge beobachten. Bei
jungen Thieren sind sie stels ganzrandig, vorne regelmässig
abgerundet und selbst bei slarken Vergrösserungen noch
völlig homogen; ausgewachsene Thiere zeigen den vorderen
Rand dagegen häufig ausgezackt, ja die Plältchen durch ver-
schieden tiefe Längs - Risse mehr oder minder vollständig in
einzelne Parlieen geschieden, so dass es den Anschein hat
als ob ein einziges, auf diese Art gespallenes Wimperplätt-
gerüste erscheinen, das um so einfacher und einförmiger ist, je we-
niger Organe sich anbildeten, und um so complicirter, aber auch
dem Erkennen schwieriger zugänglich, je mannichfacher die Organe
sich in dasselbe hineingebildet haben. So findet der allmähliche Ue-
bergang von einer „Grundsubstanz“ zu einer blossen „Binde sub-
slanz“ in der aufsteigenden Thierreihe stalt,
168 Gegenbaur:
chen aus, mehreren Wimperhaaren gebildet sei, welche Zu-
stände ich nicht ‚als ein normales Verhalten, sondern als eine
durch äussere Einwirkungen hervorgerufene Zerfaserung ‚an-
sehen muss,
Unter den Schwimmplättchenreihen, ‚verläuft stels ein
Gefässkanal, aus welcher Verbindung. Agassiz (Contribu-
tions to the natural history of. North America , Part. Il.) den
Schwimmplättchen auch eine‘ die. Respiralion bethätigende
Funktion vindicirt, nachden er sehr ausführlich die Verbindung
der Athmung mit der Bewegung durch. das ganze ‚Thierreich
nachwies., Es ist nicht zu leugnen, dass diese Annahme im
Allgemeinen hier ihre Berechtigung hal, aber gewagt dürfte
es sein, diese Analogie in ‚speziellem Eingehen auf die Am-
bulacra der Echinodermen auszudehnen, da den Wimperplätt-
chen nur die Vermiltelung eines: rascheren Wechsels des die
Körperoberfläche umgebenden Mediums zugetheilt , werden
kann, indess die Ambulaera. der Echinodermen dem Respi-
rationsprozesse in viel mehr directerer Weise zu dienen ge-
eignet sind.
Die Wimperplälichen sind, in ihren Bewegungen der
vollen Willkür des Thiers unterworfen, sie bewegen sich bald
reihenweise, bald selbst nur auf einzelnen Abschnilten einer
Reihe. Die Bewegung geht nur von der Basis aus vor sich,
das Plättchen, auf seiner übrigen Ausdehnung, beugt sich nur
vermöge seiner Elastieität, es vermag aber nicht elwa nur mit
dem vorderen Theile, oder nur ‚mit der, Spitze selbstständig
zu schwingen, wie diess Wimperhaare, die durchweg Con-
tractilität besitzen, zu ihun vermögen, so dass hieraus eine,
wenn auch nur in der Richtung. der Entwickelung liegende
Verschiedenheit von den Wimperhaaren im ‚engeren. Sinne
entspringt. Wie die Bewegungen der Clenophoren zu Stande
kommen, ob durch Contraction und Expansion des Körpers,
oder durch die Schwingungen der Schwimmplättchen, scheint
bis jelzt noch nicht ausgemacht zu sein. Eschscholtz
nimmt ausschliesslich die Bewegung der Schwimmplältchen
als locomotorisches Agens an. Agassiz scheint sich gleich-
falls dieser Annahme hinzuneigen, Lesson dagegen lässt
die Contraclilität des Körpers wirken, und auch Will schliesst
sich dieser Ansicht an, indem. er die Rolle ‚der, Schwimm-
Studien über Organisation u. Systematik d. Ctenophoren. 169
plättchen‘ als Bewegungsorgane nur für die Jugendzeit dieser
Thiere staluirt, und durch Versuche sowohl als Beobachtung
die Wirkung der Contraclilität gewisser Körperpartien für
die Ortsbewegung nachwies. Meine, Beobachlungen führen
mich zu einer Vereinigung der beiden verschiedenen An-
sichten. Die, Ortsbewegung findet fast immer durch eine
Combination der Thätigkeit der Schwimmplättchen mit Ver-
änderung der Körperform statt. Es kann aber auch ebenso
gut nur einer dieser Factoren wirken, und ich. sah. oftmals
in ihren ‚Umrissen sich völlig gleichbleibende Cydippen von
nicht sehr geringer Grösse durch das rasche Spiel ihrer
Wimperkämme sich heben oder Drehungen um die Achse
vollführen, oder nach den verschiedensten Richtungen sich
fortbewegen. Ausschliesslich: wird aber in der Jugend die
Orisbewegung durch die hier verhältnissmässig am grössten
erscheinenden :Wimperplättchen vollführt. - Beim ausgebilde-
ten Thiere ist es aber nicht das zwischen Körpervolum und
der Grösse der Wimperplättchen bestehende scheinbare Miss-
verhältniss, nach welchem letzteren. ein Theil ihrer Funktion
abgenommen und auf den Körper selbst übertragen zu wer-
den scheint , sondern es ist die nunmehr vollendete Ausbil-
dung contractiler Elemente, der zufolge auch der Körper durch
energischere Zusammenziehung und Expansion zur Ortsbe-
wegung beiträgt. Thiere, deren:specifisches Gewicht nur um
ein Geringes über das des umgebenden Mediums. sich, er-
hebt , bedürfen ‚nur eines relativ ‘kleineren Kraftaufwandes,
um ‚Ortsbewegungen zu äussern, und die Bedingnisse zu die-
ser Krafläusserung sind vollständig in den ‘Wimperplättchen
gegeben, deren Gesammtoberfläche auch bei den grössten
Rippenquallen, immer in einem respectabeln Verhältnisse zur
zu: bewegenden Körpermasse:- steht.
Eine kleine Berechnung mag hievon den deutlichsten
Beweis liefern. Nehme ich bei Eurhamphaea vexilligera etwa
450 ‚Wimperplättehen für sämmtliche 8 Reihen an, wobei ich
nur die entwickelten, die über 1’ Länge besitzen, in An-
schlag bringe, und setze, für jedes (bei 0,6 Breite und
1,4‘ Länge) 1“ Oberfläche, so erhalte ich als die Ge-
sammilfläche dieser kleinen Ruder elwas über 3], also eine
Widerstand leistende, Fläche, die, wenn wie Ruder wirkend,
170 Gegenbaur:
bei einem kaum 3 Kubikzoll haltenden Thiere, von fast mit
dem umgebenden Medium gleichem specifisichen Gewichte
Ausserordentliches zu leisten im Stande ist. Allerdings ist
aber hier nicht zu vergessen, dass noch eine Summe von
Kraft durch die Elastieität der Schwimmplättchen, nament-
lich ihrer freien Enden, abzurechnen ist, so dass vielleicht
nur noch die Hälfte bleibt, die aber leicht ersichtlich , im-
mer noch eine ausreichende sein muss.
Die merkwürdigen Gestaltveränderungen und unendlich
mannichfachen Evolutionen, welche diese Thiere ausführen,
haben durch Agassiz eine so genaue und durch bildliche
Darstellung trelflich unterstützte Beschreibung gefunden, dass
ich hierüber kaum mehr zu äussern vermöchte. Es kommen
aber nicht alle Formveränderungen des Thiers auf Rechnung
der unter der Oberfläche verlaufenden Muskelstrata, sondern
ein grosser Theil wird auch durch Contractionen des Darm=
kanals (Magens) bewerkstelligt; was besonders bei den mit
weiter Verdauungshöhle versehenen Bero@n häufig zu beob-
achten ist.
Bezüglich der Muskulatur bemerke ich, dass ich bei
Cydippen die von Agassiz beschriebene Anordnung fand,
bestehend in Längsreihen von sehr langen Bändern oder
spindelähnlichen Formen, die theils zwischen den Rippen,
theils unter denselben verlaufen, und in der Nähe der Mund-
öffnung in kreisförmig gelagerte Bündel, d.h. in einen Sphin-
cter zusammenlaufen. Bei Eurhamphaea vexilligera sind die
Längsbündel nur an einer relativ kurzen Strecke zu beob-
achten, unter den auf die schnabelförmigen Fortsätze sich
erstreckenden Schwimmplältchenreihen waren sie nicht: mehr
zu erkennen.
Der Gastro - Vascularapparat der Ctenophoren
zeigt durchgehends eine bilaterale Symmetrie, und hat diese
selbst bei den sonst radiär gebauten Beroen in den beiden
am hinteren Leibesende angebrachten Oeffnungen angedeutet.
Im Allgemeinen ist dieser Apparat derart gestaltet, dass die
bald sehr weite (Beroiden), bald auch wieder äusserst schmale
und enge (Bolina) verdauende Höhle, sich mit einer hinter ihr
gelegenen Cavität, durch eine von einem Sphincter umgebene
Oeffnung verbindet, so dass das Thier nach Belieben die
Studien über Organisation u. Systematik d. Ctenophoren. 171
Contenta der Verdauungshöhle in jenes zumeist als „Trich-
ter“ bezeichnete Cavum überzulassen oder von selbem ab-
zuschliessen im Stande ist,
Von dem Trichter aus strahlen die den mit Seewasser
gemischten Chymus führenden Kanäle, dem Verlaufe der Rip-
pen folgend, durch den Körper, und vereinigen sich entwe-
der sämmtlich oder nur zum Theil in einen um den Eingang
liegenden Ringkanal. Dieses Verhalten, welches ich als Iy-
pisches erklären zu müssen glaube, kommt auf sehr verschie-
dene Weise zu Stande, und es ist nicht immer leicht die
mannichfachen Formen des Gastrovascularapparates , wie ihn
Milne Edwards, Will und Agassiz beschrieben, dar-
auf zu reduciren, oder ihn daraus entstehend sich vorzustel-
len. Sehen wir von Beroö& ab, wo diese Formverhällnisse
am ausgebildetsten und auch am reinsten vorkommen, so
treffen wir bei den Cydippen (Pleurobrachia rhododactyla
Agass.) die vier vom Trichter ausgehenden Kanalslämme sich
in Kanäle theilend, von denen je einer unter einer Rippe ver-
läuft, diese erstrecken sich sowohl gegen den Mundpol als
auch zum Trichterpole hin, ohne jedoch in einen Ringkanal
sich zu vereinigen. Es ergiebt sich hieraus eine merkwür-
dige Analogie mit dem Kanalsysteme gewisser medusenförmi-
ger Gemmen der Siphonophoren und Hydroiden, bei denen die
ersten Anfänge der typischen Kanalbildung in radiären, gleich-
falls zu keiner Vereinigung gelangenden Kanälen sich dar-
stellen, und die dadurch als Uebergangsformen für die mor-
phologische Auffassung jener einer zweiten Generation gleich-
kommenden Sprösslinge so belehrend sind. Völlig ausgebil-
det ist dagegen dieser Ringkanal bei den Calymniden, nur
wird die Darstellung hier durch das Eingehen der Kanäle in
die complieirten,, als Mundschirme oder tentakelarlige Fort-
sälze vom Körper aus sich bildenden Lappen um vieles ver-
wickelter. Werfen wir einen prüfenden Blick auf das von
Milne Edwards dargestellte Kanalsysteın der‘ Lesueuria
vitrea, so zeigt sich zwar die Ringbildung um den Mund in
sehr quergezogener Form angedeutet, aber es ist unmöglich,
sich aus der Beschreibung oder der Abbildung die Schlies-
sung des Ringes vorzustellen, da nur der Hauptverlauf der
Kanäle, nicht aber ihr Verhalten an den Umbiegungsstellen
172 Gegenbaur:
angegeben ist. Viel weiter hat Will bei Eucharis den Ka-
nalverlauf zur Bildung eines „Ringgelässes“ verfolgt, welches
hier freilich den weiten Bogen des Lappenrandes in’ sich
schliesst. Aus Agassiz Beschreibung lässt sich für Bo-
lina salata Ag. eine ähnliche Anordnung erkennen. Ausge-
prägter trat sie mir aber bei Euramphaea vexilligera entge-
gen, wie aus folgender Beschreibung des Gastrovaseularap-
parales zu ersehen ist.
Die verdauende Cavität stellt einen langgestreckten,
glatten Schlauch vor (Fig. 3e), der eiwas über den Ur-
sprung der schnabelförmigen Leisten hinaus sich. nach hinten
erstreckt um dort nach einer schmalen Einschnürung in den
sogenannten „Trichter“ überzugehen, der hier als ein rund-
licher aber durch..den Abgang zahlreicher Kanäle etwas un-
regelmässig gestalteter Sinus sich erweitert. Untersucht man
den Magenschlauch von der schmalen Seite des Thiers , so
erscheint er, wenn leer, als ein ganz schmaler Streifen
(Fig. 1 e), indem seine Wandungen platt aneinander liegen.
Seine Ausdehnung in die Breite wird erst dann sichtbar,
wenn man das Thier von der breiten Seitenfläche aus (Fig. 2.e)
betrachtet. Eine von dem Trichter aus sich fortselzende den
Magen umgebende Höhle, wie sie sich bei. vielen ‚anderen
Rippenquallen nachweisen lässt, konnte ich nicht entdecken,
sondern es erschien mir das glashelle Körperparenchym als
allseilige Begrenzung der musculösen Magenwand.
In ‚der Verlängerung der Achse des Magens setzt sich
der Trichter noch ine nen anfänglich engen, dann weiter
werdenden Kanal fort, der zwischen den beiden schnabelför-
migen Fortsätzen nach aussen mündet. Die auf diese Weise
mögliche Communication der Höhlung des Trichters mit dem
umgebenden Medium ist keine beständige, sondern: sie ist
abhängig von der Thäligkeit eines am Ursprunge des Kanals
aus dem Trichter befindlichen Schliessmuskels, so dass, wäh-
rend der grösste Theil. des Kanals frei vom Wasser bespült
werden kann, nur an seinem vordersten dem‘ Trichter näch-
sten Theile ein Verschluss eingerichlet sich zeigt.
Von der Peripherie des Trichters kann man 6 Kanäle
abtreten sehen, zwei (Fig. 3 9!) entspringen einander gegen-
über von der oberen Trichterhälfte, treten elwas nach aussen
Studien über Organisation u. Systematik d. Ctenophoren. 173
in das Körperparenchym und verlaufen parallel an der brei-
ten: Seile'des Magens nach aufwärls zum Munde, wo sie in
den 'oben beregten Kreiskanal einmünden. 'Es sind diess die
Analoga der von Agassiz bei Cydippe (Pleurobrachia Ag.)
längs des Magens beschriebenen Gefässröhren, die aber dort
gleich ‘den Rippenkanälen blind geendigt sind. . Von den’ 4
übrigen Kanälen ist folgendes zu bemerken; ‚ein ziemlich
weiles, horizontal abtretendes Slämmchen (g?) theilt sich bald
nach seinem Ursprunge in zwei gleichstarke Aeste, von de-
nen einer gleichfalls horizontal verlaufend gegen eine der
auf den beiden breiten Körperseiten gelegenen Schwimmplatt-
reihe sich richtet, um dort in den unler ihr gelegenen Ka-
nal (g*) rechlwinklig einzumünden. Der andere Ast ver-
läuft ziemlich steil nach abwärls, und begiebt sich an den
Ursprung einer Schwimmplallreihe, die zunächst der vom
vorigen Asle versorglen liegend, an einer der Längskanten des
Thieres herabläuft (g*), trilt so die Schwimmplältchenreihe
begleitend an den Mundschirm (Fig.4) herab, wo er in ge-
wundenem Verlaufe eine eigenthümliche Figur bildet, und sich
schliesslich mit dem von der anderen Seile kommenden ver-
einigt. Die Windungen ‚dieses Kanalverlauls, die in ähnli-
cher Weise bis jelzt bei allen mit einem Mundschirme 'ver-
sehenen Rippenquallen beobachtet wurden, sind besser. aus
der Abbildung (Fig. 4) zu ersehen, auf die ich desshalb statt
aller Beschreibung verweise. Von den die auf den breiten Seiten
des Thiers gelegenen Schwimmplattreihen begleitenden Kanä-
len Irelen die einer Seite unter spilzem Winkel in die. schna-
belförmigen Forlsälze ein, um sich an deren Ende, zu ver-
einigen (Fig. 3 9°), und eine einfache Verlängerung in den
wimpelarligen Anhang einzusenden. _ Der nach vorne zu ge-
richtete Theil derselben Kanäle setzt sich in je einen der
zungenförmigen Läppchen fort (9°), begleitet dort; den aus
der Schwimmplaltreihe modifieirlen Winmpersaum um den. gan-
zen freien Rand jenes Läppchens, wendet sich sodann gegen
die Mundöffnung, und verbindet. sich schliesslich mit dem
Ringkanale, Dass die zungenförmigen Läppchen („Auricles“
Agassiz) nicht den beiden grossen Mundlappen (dem Mund-
schirme) angehören, sondern selbstständige Bildungen sind,
diess dürfte durch den Kanalverlauf bewiesen, werden, , Das
174 Gegenbaur:
gesammte Gastrovascularsystem flimmert im Innern, jedoch
sind die Cilien so fein, dass sie nur an gewissen Stellen mit
Sicherheit erkannt werden können, dagegen ist die durch sie
hervorgebrachte Strömung der Molecüle oder andere grös-
sere feste Theilchen einschliessenden Flüssigkeit überall zu
sehen und zugleich wahrzunehmen, dass diese Bewegungen
hier nicht durch Contraelilität der Kanalwandungen zu Stande
kommen, wie solches Agassiz bei Cydippe (Pleurobrachia)
beobachtet hat.
Während der Durchmesser der Kanäle, so lange sie im
Parenchym des Körpers verlaufen , oder selbst wenn sie im
Mundschirme fast dicht unter der Oberfläche ihren Weg neh-
men, immer ein gleicher ist, so ändert er sich mit dem
Verlaufe unter einer Schwimmplättchenreihe , dass er unter
der Basis eines jeden Schwimmplättchens sich ‘dieser ent-
sprechend ansehnlich erweitert, um dann in den Interslilien
bis auf den gewöhnlichen Durchmesser sich wieder einzu-
schnüren, wie diess auch von Milne Edwards, Agassiz
und von Will erkannt worden ist. Auch die Kanalwandun-
gen sind hier verändert, sie erscheinen nicht nur um ein
beträchlliches dicker, sondern setzen sich auch äusserst di-
slinct von dem benachbarten Körperparenchym ab. Ihre
Zusammenselzung aus kleinen rundlichen Zellen ist nicht zu
verkennen. An den eingeschnürlen Stellen, also immer zwi-
schen zwei Schwimmplätichen, sitzen den Kanalwandungen
jederseits mehrere rundliche Gruppen hochrother Pigment-
zellen auf, durch welche die für unsere Eurhamphaea vexilli-
gera charakteristische Zeichnung zu Stande kömmt.
Als ein für die Organisation des Gastrovascularap-
parales der Rippenquallen charakteristisches Moment möchte
ich hier die Ausmündung am Trichterpole hervorheben , die
nunmehr für eine Anzahl von Arten nachgewiesen ist: Ihre
Bedeutung ist wohl für die Füllung des Trichters und seiner
Kanäle mit Wasser, so wie für die quantilalive Regulirung
des Inhalts derselben Theile von Wichtigkeit, und steht mor-
phologisch gleich mit der Oeffnung im Fusse der Süsswas-
serpolypen. Ihr unpaares Vorkommen bei dem von mir dar-
auf untersuchten Thiere, so wie ihr paariges bei den von
Will, M.Edwards und A gassiz beobacliteten, steht mit
Studien über Organisation u. Systematik d. Ctenophoren. 175
anderen Organisationsverhältnissen in Verbindung. Dass sie,
wie Einige annelimen wollen, als After funelioniren, ist eine
nicht wohl begründbare Annahme, der die ganze Analogie
entgegensteht, Es gelangen die in der Magenhöhle exIra-
hirten, ferner unbrauchbaren Stoffe nicht einmal regelmässig
in den Trichter, sondern werden zum Munde wieder ausge-
stossen; was in den Trichter gerälh , kommt mehr zufällig
dahin, wenn die Communicalionsstelle zur Aufnahme der
Chymusflüssigkeit sich öffnet, und ebenso thun sich ‘auch
dessen äussere Mündungen niemals auf, einzig um „Kothbal-
len“, unter welchen doch nur die aus‘ dem circulirenden
Chymus abgeschiedenen, nicht resorbirbaren Bestandtheile
hier verstanden werden können, nach aussen zu lassen, son-
dern die hier und da excernirten festen Partikel gelangen
immer zugleich mil einem austretenden Flüssigkeitsquanlum
aus den Trichteröffnungen, die dann wieder einer gewissen
Menge von Seewasser, gleichsam zum Ersalze, den Eintritt
gestalten. So wenig der physiologische Wertli des ganzen
Kanalsystems für jetzt nach allen Seiten hin völlig richtig
abgegrenzt werden kann, so wenig ist diess auch für dessen
Oeffnungen möglich, denn wir finden hier wie bei so vielen
niederen Thieren, die verschiedensten Thäligkeiten in der
wunderbarsten Combination. Auch Galle bereitende Theile
scheinen nicht zu fehlen, wenigstens können wir eigenthüm-
liche mit röthlicher, brauner oder gelber Flüssigkeit gefüllte
Zellen, die auf der Innenfläche der verdauenden Cavilät sit-
zen, hiezu rechnen. Bei einer jungen Cydippe fand ich sie
faltenarlig vorspringende Längsreihen formiren (Fig. 5 e).
Als zum Ernährungsapparate, wenn auch in indirekter
Weise, gehörige Organe sind die Fangorgane zu rech-
nen, die bei der grösseren Anzahl der Ctenöphoren vorhan-
den sind. Als solche führe ich erstlich feine einfache Fäd-
chen an, welche den Mund der Calymniden umstehen; Agas-
siz Iraf deren wenige, auf zwei Gruppen vertheilt, bei Bo-
lina. Bei Eurhamphaea fand ich eine ganze Reihe jederseits
am Aussenrande der Lippen, und eben solche scheitien auch
bei Leucotho@ vorhanden zu sein.‘ Bei Eurhamphaea sind sie
sehr contraelil. Eine audere Art der Fangorgane stellen die
in besondere Scheiden zurückziehbaren Senkfäden vor, die
ge Gegenbaur;
zumeist noch mit secundären Fäden beselzt, eine grosse Con-
traclilität ‚besitzen und bis zu. äusserst belrächllicher Länge
sich auszudehnen ‚im ‚Stande sind. Eschscholtz! hat sehr
richlig beobachtet, wenn er diese Erscheinung vorzüglich auf
den ‚Umstand begründet, dass die Senkfäden bei der Expan-
sion. ‚mit, der im. Gefässsysteme des Thieres enthaltenen Flüs-
sigkeil. gefüllt werden; Mertens, der durch Injection: keine
Resultate erzielen konnte, widerspricht dem mit, Unrecht.
Ich ‚sah bei Cydippen, die eine mikroskopische Untersuchung
unversehrt zuliessen, bei der jedesmaligen ‚Entfaltung des
Senkfadens ‚einen mächtigen Strom. ‚der. im! Gasirovascular-
system. befindlichen Flüssigkeit in der zum Ende der Senk-
fädenscheide tretenden Kanalforlsatz schicken, und sich von
da in den den Fangfaden durchziehenden Kanal mit dersel-
ben Schnelligkeit begeben, mit der der Fangfaden jeweilig
aus der Scheide gerollt: ward. Hiebei ist Ursache mit Wir-
kung nicht verwechselt, denn wenn auch beide hier 'schein-
bar unzerlrennlich sind, so ist doch ebenso begreiflich, dass
eine in so grossem Massstabe erfolgende Ausdehnung. in ‚die
Länge bei gleichbleibendem Querdurchmesser nur durch Aus-
füllung der. hohlen Achse bedingt sein kann. Durch diese
Einrichtung — die Füllung von hohlen Cylindern — wird
somit ausser grösserer Beweglichkeit und beliebiger Längen-
entfallung. derselben erreicht als durch solide Gebilde. Cie-
nophoren, Medusen und Siphonophoren haben diese Einrich-
lung gemeinsam. Mit den Senkfäden der letzteren stimmen
die unserer Thiere am meisten überein.
Ausser den der Senkläden entbehrenden Beroiden und
einiger zu Mnemia und Bolina zu rechnenden, sind alle Cte-
nophoren mit solchen versehen, und zwar zumeisl mit zweien,
die nach .bilateraler ı Symmelrie vertheilt sind., So bei den
Cydippiden , Cestiden.,. dann bei Eucharis mullicornis u. a.
Leucolhoö formosa besilzi. deren 6, wovon zwei, welche; ohne
secundäre Anhänge sind , von je einem: mit leizteren: ver-
sehenen Paare in die Milte genommen werden. Der ein-
fache unpaare Faden jeder Breitseile ist, analog dem. .Fa-
den von. Eucharis; die ‚anderen. sind ‚new. auftrelende | Ge-
bilde, Die, Enden der Senkfäden: sind mit Nesselzellen be-
selzt, aus denen der. ‚spiralig aufgerollie Faden: durch Ein-
Studien über Organisation u. Systematik d. Ctenophoren, 177
wirkung von Süsswasser leicht zur Anschauung gebracht
werden kann.
Die Senkfadenscheide stellt einen von aussen nach in-
nen eingeslülpten, in derMitte bauchig erweiterten Kanal vor,
der sich aussen an sehr verschiedenen Stellen , bald dem
Wurzel-, bald dem Trichterpole näher, öffnet ; seine innere
Mündung aber stets gegen den Magengrund, oder gegen den
Anfang des Trichters gerichtet zeigt, woselbst sich auch der
Senkfaden inserirt. Bei einer kleinen Cydippide (Owenia
rubra Koell.) habe ich die Verbindung genauer untersucht,
und fand den Senkfaden im Grunde seiner in der Mitte eine
Strecke weit rolh pigmenlirten Scheide, sich in zwei Schen-
kel theilen, und mit jedem derselben zu einem schon im Pa-
renchym des Thieres gelegenen weissen Punkte forlsetzen,
den das Mikroskop in eine Menge dicht gruppirter und mit
dunkeln Contouren versehener Zellen auflöste. Von diesen
Stellen aus ersireckten sich Faserzüge durch die Tentakelschen-
kel, zwischen denen dann der Kanal als Forlselzung des Ga-
strovascularsystem sich in den Senkfaden begab. Von den
weissen Flecken aus ging auch ein Zug scharf umgrenzter
Zellen auf den Senkfaden selbst über, setzte sich continuir-
lich auf den Ueberzug des Fadens fort, wobei es sich dann
zeigte, dass aus ihnen Nesselzellen wurden. Es sind somit
die vier weissen Flecke Häufchen von jungen Nesselzellen,
die auf die hier sprossenden Senkfäden übergehen und sich
auf ihre Oberfläche vertheilen. Diese Zellgebilde entstehen
also hier viel früher als das Senkfadenstück , für welches
sie bestimmt sind. Beiläufig sei auch hier bemerkt, dass die
in der Nähe des Senkfadenursprunges sich findende rothe
Pigmentirung nicht der Fangfadenwurzel, wie Kölliker
(Zeitschr. f. wiss. Zoologie Bd. IV. p. 315) angiebt, sondern
der dort sich gleichfalls in zwei Aeste spallenden Scheide
zukommt.
Andere speciell als. Tenlakel oder Fangfäden anzuse-
hende Gebilde giebt es bei den Rippenquallen nicht, denn
weder die in ihrer Bedeutung noch nicht aufgeklärten erecli-
len Läppchen am Trichterpole der Beroiden (vorzüglich bei
ldya [Beroö] seplentrionalis Mert.) können hieher gehören,
noch auch die zungen- oder öhrchenförmigen Gebilde (Au-
Archiv f. Naturgesch, XXII, Jahrg. 1. Bd, 12
178 Gegenbaur:
ricles Agass.) bei den Bolinen u. s. w., welchen Agassiz
eine homologe Identität mit den Senkfäden ertheilt. Das
Vorkommen dieser „Oehrchen“ bei Leucothoö formosa , wel-
che noch wirkliche Senkfäden besilzt, so wie der oben schon
einmal berührle Gefässverlauf in diesen „Oehrchen“, weisen
nach, dass keineswegs von einer Homologie mit den Senkfä-
den die Rede sein kann. Es sind einfache, an einer Rippe ent-
stehende und den dort verlaufenden Kanal mitnehmende Er-
hebungen oder Forlsätze des Körpers, die sich weder deh-
nen und zusammenziehen, noch sonst merkliche Formverän-
derungen äussern können. Ich stelle sie mit den Mundschir-
men der Calymniden, bei denen sie sich auch finden, in
gleiche Kategorie.
So weit die über die Rippenquallen angestellten , ge-
nauen Untersuchungen gehen, wurden die Tentakel oder
Senkfäden entweder als einfache Fäden nachgewiesen, oder
man erkannte an diesen noch secundäre, kürzere Fäden in
einer Reihe angebracht. Die Angaben über baumförmige
Verästelungen dürften daher wohl aus ungenauen Beobach-
tungen enisprungen sein, wie diess auch aus den betreffen-
den Zeichnungen, z. B. von Leucothoö formosa erhellt. —
Eine eigenthümliche Form von secundären Anhängen habe
ich bei einer Cydippe (Cydippe hormiphora mibi) zu beobach-
ten Gelegenheit gehabt: die beiden weisslichen Senkfaden-
stämme sind mit zahlreichen secundären Fädchen besetzt, die
der grössten Mehrzahl nach mit den schon längst bekannten
Formen übereinstimmen. Zwischen diesen, nach je einem
Abschnitte von 10—15 folgend, sieht man besondere Kör-
per (Fig. 10%) angeheftet, von lanzeltförmiger oder plalt-
gedrückt spindelähnlicher Gestalt, elwa 2 Länge haltend
und mit einem kurzen Stiele direkt mit dem Haupifaden ver-
bunden ; das enigegengeselzle, freie Ende ist meist stark
zugespilzt. Jederseits am Rande dieser Körper (Fig. 116)
erheben sich 8—-10 von hinten nach vorn an Länge abneh-
mende ceirrhenarlige Forlsälze,, die wie der ganze Körper,
äusserst beweglich sind und sich bald nach dieser, bald nach
jener Richtung hin krümmen und strecken, so dass der ganze
Anhang einer kleinen Eolidie nicht sehr unähnlich erscheint.
Die Färbung der Anhänge ist hochgelb, und zeigt sich vor-
Studien über Organisation u. Systematik d. Ctenophoren, 179
züglich an den seillichen Cirrhen, von wo sie sich auch
saumarlig auf den Rand des Körpers erstreckt, und gegen
die Mille der Oberfläche zu allmählich abnimmt. Das Innere
des ganzen Anhanges ist hohl und steht mit dem Kanale im
Haupifaden in Verbindung. Sowohl die Cirrhen als derRand
des Anhanges sind dicht mit 0,005 grossen runden Nes-
selzellen bedeckt, die eine glalle Fadenspirale umschliessen.
Schnellt der Faden hervor, so zeigt er die Eigenthümlich-
keit sich nicht sogleich zu strecken (Fig. 12 8), wie diess
alle übrigen von mir untersuchlen Nesselfäden thun, sondern
verharrt noch längere Zeit in einer langgezogenen Spiral-
form. Es ist diese Beobachtung nicht etwa an unreifen Zel-
len gemacht, sondern an solchen, die zu den grössten ge-
hörten, an den äussersten, d. h. ältesten Anhängen sich be-
fanden , somit gewiss als völlig ausgebildet angesehen wer-
den mussten. Das beim Hervorschnellen innerhalb des Bläs-
chens bleibende Ende steht mit einer Anzahl runder Körn-
chen im Zusammenhange, die brombeerarlig gruppirt sind
(Fig. 12 #8), Es besitzen diese Anhänge eine grosse Le-
bensfähigkeit, sie bewegen sich abgerissen noch lange selb-
ständig, ja ich konnte sie so mehrere Tage lang in frischem
Seewasser erhalten. Durch diese Eigenschaft schienen die
ersten immer abgerissen bei einem Fischzuge mit dem fei-
nen Nelze erbeuteten mir als ein Räthsel, welches sich erst
nach dem Auffinden der vollständigen Thiere zu meiner Be-
friedigung löste. Dass diese Anhänge als Angelorgane gute
Dienste ihun müssen, ist leicht ersichtlich; sie wurden auch
zu öfterenmalen angelroffen wie sie kleine Krustenthiere oder
junge Medusen in tödlicher Umarmung hielten.
Ueber das Nervensystem ist man seit R. Grant’s
erster Angabe von einem um den Mund verlaufenden Ner-
venringe bei Cydippe, noch zu keinem Abschlusse gekom-
men, denn wenn auch Milne Edwards, Will und Frey
und Leuckart (Beiträge zur Kenntniss wirbelloser Thiere)
dem widersprechen und das Nervensystem in einem am Trich-
lerpole, unter dem Gehörbläschen liegenden ganglienartigen
Organe erkannt haben wollten, so stellten sich diesen wie-
der andere Forscher entgegen, die wie Agassiz und Köl-
liker (Zeitschr. f. wiss. Zoolog. Bd. IV) nichts von einem
180 Gegenbaur:
Nervensysteme auffinden konnten, welche Einsprache gerade
von Seile Agassiz um so schwerer ins Gewicht fällt als
wir diesem eine grosse Reihe sorgfältiger Beobachtungen
über die Rippenquallen verdanken. Negative Beobachlungen
können aber nie entscheidende sein, und müssen zurück-
treten, wenn genau untersuchte Thatsachen ihnen gegen-
über gestellt werden können. — Was meine Erfahrungen
angeht, so bestimmen mich diese zu einer Verlrelung dessen,
was Milne Edwards zuerst hierüber aufstellte. Ich fand
bei Cydippen in der Theilung des Trichterendes, bei Eu-
rhamphaea um das ungetheilte Trichterende zwei gelbliche
Knötchen, die im ersten Falle dicht neben einander lagerten,
im anderen Falle aber durch Comissuren mit einander ver-
bunden waren, so dass sie eine Art Ring um den Trichter-
kanal bildeten. Von diesen, vom übrigen, benachbarten Kör-
perparenchym scharf abgegrenzten Bildungen , die ich als
Ganglien ansehen muss, gingen feine Fädchen ab, deren
Verlauf ich nicht bei allen gleich gut verfolgen konnte. Am
deutlichsten sah ich diese Fädchen bei Eurhamphaea, sie be-
geben sich zu den Schwimmplättchenreihen, halten sich hier
dem Kanale oberflächlich aufliegend genau in der Median-
linie und zeigten an jedem Schwimmplättchen eine dreieckige
mit der Spitze immer wieder in die Fortsetzung des Fadens
verlaufende Anschwellung. Kölliker hat dieses Verhältniss
auch bei Eucharis gesehen, wollte aber die Deulung dieser
Fäden als Nerven nicht anerkennen, da weder Verästelung
noch Communicalion der einzelnen Stränge von ihm beob-
achtet ward. Die Vereinigung dieser Fäden findet sich aber
in der Nähe des Trichters, in den schon beschriebenen Gan-
glien, und eine Verästelung ist nicht nolhwendig, wenn man
die Bedeulung dieser Fäden ausschliesslich für die Schwimm-
plättchen anerkennt. Ihr Fehlen spricht daher nicht gegen die
Nervennalur, vornehmlich wenn durch den Zusammenhang
mit den Ganglien einmal ein so wichliger Anhaltspunkt ge-
wonnen ist. Das Verhalten dieser Nervenfäden, denn so
dürfen wir sie bezeichnen, ist für die Aclionen der Schwimm-
plältchen von grosser Bedeutung, nicht nur dass sich heraus-
stellt, dass hiedurch die Schwimmplättchenreihen von einem
gemeinschafllichen Centrum aus 'innervirt werden können,
Studien über Organisation u. Systematik d. Ctenophoren. 181
also die der Willkür unterworfenen Bewegungen auch ana-
tomisch sich begründen lassen, sondern auch weil aus der
unter jedem Schwimmplältchen statlhabenden und mit dessen
Basis dicht verschmolzenen Anschwellung des Nervenfadens,
in welcher Zellen in grösserer Masse nicht zu verkennen
sind, sehr innige Beziehungen zu jedem einzelnen Schwimm-
plättchen sich ergeben. Für jedes derselben bildet der Nerv
ein Ganglion, welches sich quer unter der Basalleiste des
Plättchens hin erstreckt und an diese die Anregung zur Be-
wegung vermiltelt. Histologisch lässt sich kaum eine Grenze
finden zwischen deutlich Zellen enthaltender Nervenanschwel-
lung und der homogen scheinenden, gelblichen Basalleiste
selbst *). Auch kann hieraus erklärt werden, warum losgelrennte
Wimperplättchen noch längere Zeit ihre selbständigen Bewe-
gungen bewahren. — Es sind bei Agassiz Andeulungen,
dass auch er die acht Costalnerven gesehen habe. Ich habe
hier die acht feinen Forlsätze im Sinne die nach Agassiz
von den Enden der unter den Rippen verlaufenden Kanäle
gegen den Trichter hin laufen, und dort in ein letzteren um-
gebendes Ringgefäss einmünden sollen. Erwägt man, dass
eine solche Anordnung bei keiner der bekannten Ctenopho-
ren vorkömmt, so wie dass auch unser Aulor mit nichts
weniger als Bestimmtheit diese Beobachtung ausspricht, so
wird man eingestehen, dass eine Verwechselung hier leicht
möglich war, vergleicht man aber hiemit das von mir oben
milgetheille, so wird man eine staltgchabte Verwechselung
mit Nerven sogar zugeben müssen. Dieselbe Anordnung des
Nervensystems habe ich auch bei einer sehr jungen Rippen-
qualle, die noch keine breiten Schwimmplältchen entwickelt
halte, gesehen. Hier lagen unter dem Gehörbläschen zwei
runde nur an einer kleinen Stelle sich berührenden Knöt-
chen, in einiger Entfernung von dem blinden Ende der Ma-
genhöhle. Von jedem Knölchen gingen zwei Stämme ab,
®) Es erinnert mich diese Einrichtung, nämlich die innige Ver-
bindung von Nerven mit Wimperorganen, lebhaft an die merkwürdi-
gen Wimperorgane der lleteropoden und Pteropoden. Auch hier geht
der Nerv in eine ganglionäre Masse über, welche gegen die Ober-
fläche hin anscheinend immer homogener werdend, daselbst mit Wim-
perhaaren besetzt ist.
182 Gegenbaäur:
die nach oben und aussen gewendet, sich bald wieder theil-
ten, so dass an jede der acht Knoten ein Zweig davon ab-
gegeben ward. Diese Zweige waren äusserst dünn, leicht
faserig erscheinend, und nur wenig gegen das umgebende
Parenchym abgegrenzt. Bei anderen, um die Hälfte kleine-
ren (0,2) Cienophoren (Cydippen) war keine Spur eines
Nervensystemes vorhanden, obgleich schon ein Gehörbläs-
chen gebildet war, und auch Senkfäden, so wie breite
Schwimmplältchen sich gebildet halten. Meine Beobachtun-
gen bezüglich des Nervensystems stimmen also ziemlich mit
den Will’schen Untersuchungen überein, und besläligen diese
namentlich für den Verlauf unter den Schwimmplätichenrei-
hen, woselbst ich noch für jedes Schwimmplättchen eine
Ganglienbildung des Nerven staluiren muss. Ueber die übrige
Vertheilung der Nerven in dem Körper, ihr Verhalten an dem
Magen u. s. w. liegen mir keine Notizen vor.
Die Sinnesorgane der Rippenquallen theilten seit
längerer Zeit das Geschick derer ihrer Verwandten, der Me-
dusen, indem man die betreffenden Theile bald für Sehwerk-
zeuge, bald für einen Hörapparat ansah. Prüft man die hier-
über vorliegenden Beobachtungen, so kann man kaum länger
daran zweifeln, dass fast sämmtlichen bis jetzt untersuchten
Rippenquallen ein Gehörbläschen zukomme, welches in der
Nähe des Trichters entweder auf dem Nervencentrum oder
doch in enger Verbindung mil demselben gelagert sei. Die
Angaben von Milne Edwards über Lesueuria sind die ein-
zigen, aus denen nicht evident hervorgeht, dass diese Thiere
mit einem Gehörbläschen versehen seien, während das, was
in derselben Abhandlung über Bero& gesagt ist, sicher auf
ein solches zu beziehen is. Es heisst dort: „un point
spherique de couleur rouge et d’aspect granuleux, qui ren-
ferme plusieurs corpuscules cristalloides.* — Auch die Un-
tersuchungen von Agassiz, der über die ganze Gegend
unter dem Trichter nicht vollständig zu einem genügenden
Abschlusse gekommen zu sein scheint, lassen das Vorkom-
men eines Gehörbläschens ausser Zweifel, besonders wenn
man die beigegebenen Abbildungen (vorzüglich Pl. 3. Figg. 9.
10. Pl. 8. Figg. 1. 7. 9) in Betrachtung zieht. Freilich wird
auch hier diess Organ als „Eye-speck“ aufgeführt.
Studien über Organisation u. Systematik d. Ctenophoren. 183
Will dagegen und neuerdingsKölliker sprechen sich
mit Bestimmtheit für das Vorhandensein eines Gehörbläschens
aus, und letzterer sah noch bei Eschscholtzia cordata „ne-
ben der Gehörkapsel zwei braunrothe Pigmentflecken, die
jeder wie einen hellen Körper zu enthalten schienen, und an
Augen von Scheibenquallen erinnerien« Dieser von mir
gleichfalls gemachten Beobachtung zufolge, ergeben sich für
die Rippenquallen ähnliche Verhältnisse, wie ich es an einem
anderen Orte (Müller’s Archiv 1856. Hft.II) von den Medu-
sen auseinanderselzte, mit dem Unterschiede, dass bei den
Ctenophoren wohl Gehörbläschen ohne augenarlige Gebilde,
und diess in bei weitem der Mehrzahl der Fälle, aber keine
Augenbildungen ohne Gehörbläschen vorzukommen scheinen,
so dass sie also nur mit den höheren Medusen hierin ver-
glichen werden können. Eurhamphaea vexilligera liess mich
umsonst nach dem Gehörbläschen umsehen, es scheint zu
fehlen, und damit steht wohl auch die einfache Ausmündung
des Trichters im Zusammenhange, indem sonst das Gehör-
bläschen genau zwischen die Theilung des Trichterendes sich
einlagert.
Die Grössenverhältnisse des Gehörbläschens fand ich
schwankend zwischen 0,007—0,04. Letztere erkannte ich
an Cydippen (C. pileus?). Die Otolithen werden von Will
als „Krystalle“ bezeichnel, als welche ich sie jedoch in kei-
nem der untersuchten Fälle zu erkennen vermochte, sie stell-
ten sich vielmehr immer als rundliche, oft auch unregelmäs-
sig gestaltete Concretionen dar. Die Zahl dieser Coneretio-
nen varüirl, und wie ich dafür halten muss, nach dem Alter
des Tliers, so dass während junge, nur 0,2” grosse Cydip-
pen deren nur 4—5 halten, ich bei Erwachsenen 20—30
zählen konnte. Einmal besass eine junge aber doch schon
0,7% grosse Rippenqualle einer nicht näher bestimmbaren
Gatlung nur eine einzige kugliche Concretion, welche über
die Hälfte des Gehörbläschens erfüllte. Die Otolilhen liegen
meist auf einem Häufchen inmitten des Bläschens, selten wa-
ren sie vereinzelt; Bewegungen habe ich an ihnen ebenso-
wenig gesehen als Will, habe mich aber auch überzeugt,
dass der Grund dieses Ruhezustandes nur in dem Mangel von
Cilien und nicht in einer etwaigen Befestigung der Concre-
184 Gegenbaur:
tionen an die Bläschen-Wandung gesucht werden muss. Also
wiederum ein Umstand, den die Ctenophoren mit den höhe-
ren Medusen gemein haben.
Ein sehr eigenthümliches Verhalten zeigt sich am Ge-
hörbläschen junger Cydippen; diess lagert hier genau am
unteren Ende des Körpers, dicht auf der hier ganz nahe
unter die Körperoberfläche tretenden Trichterhöhle, und kann
förmlich aus dem Leibe hervorgestülpt werden (Fig. 5 x), so
dass es nur mit einem kleineren Theile seines Umfanges mit
dem Körper selbst in Verbindung steht. Auch Einziehungen
erfolgen und dann formirt es in die Trichterhöhle einen buk-
kelförmigen Vorsprung.
Geschlechtsorgane. Unter den sämmtlichen von
mir untersuchten Rippenquallen fand ich nur im Herbste ge-
schlechtsreife vor, während den Winter hindurch entweder
nur Spuren, oder völliger Mangel der Geschlechtsorgane zu
beobachten war. Es bilden sich also — und diess haben
auch Andere vor mir aufgestellt, — die Geschlechtsorgane
nur zu gewissen Zeiten, welcher Umstand auch hier, wie es
schon für gewisse Abtheilungen der Medusen versucht ward,
für die Bedeutung dieser sogenannten Geschlechtsorgane ver-
werthei werden kann. Wie aus den Beobachtungen von
Krohn (Fror. n. Not.,1841J), Will und Kölliker (l. c.)
hervorgeht, liegen die Geschlechtsorgane längs der Rippenge-
fässe, und bestehen eigentlich nur aus der ausgebuchteten,
durch die Geschlechtsprodukte geschwellten Wandung der
betreffenden Kanäle, wie diess namentlich aus Kölliker’s
Angaben über Eucharis erhellt, durch welche im Uebrigen
die Beobachtungen von Will, namentlich über die herma-
phrodilische Natur dieser Theile ihre Bestätigung finden, Meine
Beobachtungen sind an Owenia Köll. und Cydippe angestellt,
bei welch’ ersterer ich den Sachverhalt etwas anders fand,
als er von Kölliker beschrieben wurde. Hoden und Eier-
stöcke finden sich innerhalb der Wand jedes der acht Rip-
penkanäle, allein sie stellen hier keine einfachen Schläuche
vor, sondern zerfallen je in eine Reihe über einander lie-
gender länglicher mit den entsprechenden Enden sich berüh-
render Capseln, die mit den belreffenden Produkten erfüllt
sind; sie Jiegen nicht nach aussen von dem Kanallumen, zwi-
Studien über Organisation u. Systematik d. Ctenophoren, 185
schen diesem und der Schwimmplältchenreihe, sondern nach
innen davon, gegen die Leibesachse des Thiers, so dass
durch ihre Bildung die relative.Lage des Gelässkanals gar
nicht alterirt wird. Es reichten diese Kapselreihen bei Owe-
nia bis zu den weissen Flecken, von denen, wie oben ein-
mal erwähnt ward, die Senkfadenschenkel ihren Ursprung
nehmen.
Dass die Geschlechtsprodukte, Samen und Eier, nicht
durch besondere Ausführgänge entleert werden, sondern dass
immer der bezügliche Rippenkanal diesen Dienst versieht,
davon konnle ich mich in einem Falle überzeugen, wo der
Kanal eine ganze Strecke weit mit haarförmigen Spermato-
zöen erfüllt war.
Wie bei den Medusen (jener Abtheilung, die ich unter
der Benennung der Craspedota abgrenzte), sehen wir hier die
Geschlechtsprodukte in der Ausstülpungen bildenden Wan-
dung des Gastrovascularapparales entstehen, und zwar stels
nur in jener Abtheilung, welche den Radiärkanälen des Me-
dusenschirmes analog ist. Für eine engere Vereinigung der
Cienophoren mit den Medusen dürfte hiedurch ein Anhalts-
punkt mehr gefunden sein.
Die bis jetzt über die Entwickelung der Ctenopho-
ren bekannten Thatsachen beschränken sich bloss auf einige
Angaben hinsichtlich der Furchung (C. Vogt, Ocean und
Mittelmeer), so wie auf Beobachtung von sehr jungen Thie-
ren, aus deren schon sehr dem ausgebildeten Zustande nahe
gerückten Form gefolgert werden konnte, dass hier weder
ein Generationswechsel noch ein irgend ausgeprägler Lar-
venzustand (Melamorphose) sich bei der Entwickelung be-
theiligen möchle. Nur Agassiz glaubt an das Inzwischen-
Irelen einer Ammenzeugung, und denkt sich die 'Thiere am
Trichterpole im früheren Zusammenhange mil einer geschlechts-
losen Form.
Sehr junge Rippenquallen wurden von J. Müller beob-
achlet, auch von Kölliker. Wenn letzterer solche aber als
Larven bezeichnet, so dürfte das nicht wohl zu begründen sein,
da die Kleinheit sowohl als die noch nicht erfolgte Ausbil-
dung einzelner Organe zu der Bezeichnung der Larve nicht
ausreichend ist. Attribute eines Stadium larvalum sind nicht
186 Gegenbaur:
erwähnt. — Ob diese 1/,—'/“ messenden Thierchen ent-
weder einen sehr einfachen Entwickelunesgang, oder eine
schr frühzeitig auftretende, und schnell ablauferde Metamor-
plıose beurkunden, ist noch keineswegs dargelhan, und ich
will versuchen durch Mittheilung meiner Beobachtungen ei-
niges für die Entscheidung dieser Fragen mir von Belang
erscheinende Material zu liefern.
Meine Untersuchungen betreffen mehrere, von einander
sehr verschiedene Thierformen,, die ich, um Verwechselun-
gen vorzubeugen, gesondert von einander vorführen werde,
und wenn auch manches davon, wie ich selbst recht gut er-
kenne, noch recht lückenhaft sich ausnimmt, so dürften sie
doch der Mittheilung nicht unwerth sein, jedenfalls aber zu
weileren Nachforschungen veranlassen. Die häufigste Form,
und zugleich diejenige, von welcher der meiste Aufschluss zu
erlangen ist, stellt nur ein 0,08% grosses Wesen vor, von
ovaler oder rundlicher Gestalt, jedoch durch sehr lebhafte
Bewegungen sehr in den äusseren Umrissen wechselnd. Die
Körpersubstanz ist gelblich getrübt, und zeigt in der Mitte
eine röthlichbraue Färbung, die seitlich scharf abgegrenzt
erscheint, und in der Richtung der Längsachse einen gros-
sen Theil des Körpers durchzieht. An dem einen Pole ver-
liert sich diese Färbung. Hier sitzt ein rundes helles Bläs-
chen, dem entsprechend die Körperwand häufig sich vor-
treibt, und in ihm liegen 6—9 ovale Concrelionen, die zu-
weilen in eine zilternde, aber, wie sich ergiebt keineswegs
durch Cilien hervorgerufene Bewegung gerathen. Wir er-
kennen alsbald hierin ein Gehörbläschen (Fig. 13 kj. Am
entgegengeselzten Pole, den ich als den oberen bezeichne,
sieht man zwei oder auch vier schmale sehr veränderliche
Wülste, zwischen denen eine Oeffnung vorhanden ist. Es ist
die Mundöffnung, die in die relativ ziemlich weite, von dem
vorhin erwähnten rothgefärblen Gewebe umgrenzte Magen-
höhle führt. Die Oberfläche des Körpers trägt acht Reihen
mit elwas verbreiterler Basis beginnender, dann aber sich
fein zuspitzender Cilien in der Weise angeordnet, dass im-
mer zwei benachbarte Reihen in der Nähe des Gehörbläs-
chens beginnen, je zwei andere entfernter davon. Die Zahl
der Cilien beträgt für erstere 8—10, für letztere 10—15;
Studien über Organisation u. Systematik d. Ctenophoren. 187
diese reichen dann weiter auch herauf bis in die Nähe des
oberen Körperendes, an dem die Mundöffnung sich befindet.
Die Länge der einzelnen Cilien oder jungen Schwimmplält-
chen ist bedeutend, sie beträgt 0,01%“. Die einer Reihe
beugen sich meist alle auf einmal. Von den mannichfachen
Gestaltveränderungen, welche das Thierchen durch Contrak-
tionen bewirkt, ist die Einziehung der beiden Pole die häu-
figste. Gehörbläschen und Mundöffnung werden dann unsicht-
bar. Beim Strecken wird der Körper mehr eylindrisch, und
das Gehörbläschen wird dabei weit hervorgeltrieben, Auch
quere Einschnürungen treten auf, so wie sich auch zuwei-
len Längsfurchen bilden, von welchen vier mit tief ein-
springenden Winkeln, zwei aber nur als flache Rinnen er-
scheinen. In den tieferen Furchen, die durch eine zwischen
je zwei Cilienreihen entstandene Einziehung sich bildeten ,
sitzen dann je zwei Reihen der Cilien, die bei Betrachtung
von oben wie vier Büschelpaare sich darstellen. Bei diesen
Evolutionen werden im Innern des Körpers zuweilen einige
dunklere Stellen bestimmter abgegrenzt, die für die nähere
Bestimmung der jungen Ctenophore von Belang sind. Wenn
man nämlich aus dem bisher gegebenen noch nicht wissen
konnte, ob das Thierchen den Cydippen oder Beroen ange-
hört, vorzüglich weil keine Senkfäden sich zeigten, die viel-
leicht später sich noch bilden könnten, so wird diese Frage
entschieden, als ich einmal nach längerer Beobachtung eines
solchen kaum grösseren Wesens am Ende des vorderen Kör-
perdritttheils an zwei einander gegenüber liegenden Stellen
einen blassen mit feinen Körnchen beseizten Faden hervor-
kommen sah, der immer länger und länger ward und sich
unter meinen Augen zu einem wohlgebildeten aber einfachen
Senkfaden entrollte (Fig. 13 h,h). Hiernach konnte ich bei
einiger Ausdauer im Zuwarlen die Tentakel fast in jedem
Falle wahrnehmen, das ruhende, unbehelligte Thier liess sie
nach einiger Zeit hervorlreten,, und gab so seine Verwandt-
schaft mit den Cydippen kund.
An demselben Thiere sah ich bald darauf aus dem Munde
zwei kolbenförmige, oben abgeblattete Lappen (Fig. 13 y,y)
hervorkommen, mit denen es lebhaft um sich schlug und
sogar beträchtliche Ortsveränderungen damit zu Stande
188 Gegenbaur:
brachte, dann aber wieder sie ausgestreckt ruhen liess. Die
geringste Erschütterung des Objectträgers liess die Lappen
schnell wieder verschwinden, und es währte dann lange bis
sie wieder zum Vorschein kamen. lch konnte diese beiden
Organe ziemlich weit, bis zum Beginne der Färbung der
verdauenden Höhle längs ihren Contouren verfolgen, und
dann hatte es den Anschein, als ob sie in besonderen Ver-
tiefungen, gelrennt von einander sich inserirten, jedoch bei
der Undurchsichtigkeit des umgebenden Gewebes und der
wegen der Zartheit des ganzen Wesens bestehenden Erfolg-
losigkeit einer versuchten Compression, war eine nähere Be-
stimmung unmöglich. Es ist mir mehr als wahrscheinlich,
dass diese Lappen auch in jüngeren Thieren vorhanden wa-
ren, denn die ich darauf untersuchte, zeigten an der Magen-
wand zwei dunkle oval umschriebene Partien etwas hinter
der Mundöffnung beginnend, und hierin dem contraclilen
Lappengebilde entsprechend. Im ausgebildeten Thiere ist mir
kein hierauf beziehbares Organ bekannt geworden, und ich
finde auch in der Literatur nur eine einzige Angabe, die mit
einiger Sicherheit hier sich anschliessen kann. Es ist der
paarige häulige Anhang (appendice membraneux) den Milne
Edwards im Magen von Lesueuria vilrea beschrieben, und
als zum Geschlechtsapparale gehörig gedeutet hat. Leider
ist über die näheren Verhältnisse dieser Anhänge nichts Nä-
heres milgetheilt, so dass es dahingestellt bleiben muss, ob
sie in diesem Thiere einen hervorstreckbaren Apparat vor-
stellen wie bei unseren jungen Cydippiden, oder ob sie als
die persistirenden vielleicht nur in anderer Richtung funclio-
nirenden Reste dieses dem Jugendzustande zukommenden Ap-
parales sind.
Da ich bei älteren %/,* grossen Thieren, die sich conlinuir-
lich in jene mit den Magenanhängen versehene Form zurück-
verfolgen liessen, durchaus nichts mehr von der in Rede ste-
henden Einrichtung vorfand, so muss ich annehmen, dass
diess nur vorübergehende Organe sind, deren Werth nur für
eine gewisse Entwickelungsperiode wesentlich ist, und mit
der ällmählichen Ausbildung des Thieres schwindet. Die häu-
ligen Organe im Magen von Lesueuria stellen vielleicht sol-
che Gebilde vor.
Studien über Organisation u, Systematik d. Ctenophoren. 189
Bezüglich ihrer Bedeulung schien mir die Annahme
begründet zu sein, dass, so wie sie anatomisch mit der ver-
dauenden Höhle in Verbindung siehen, sie auch in ihrer
Funktion mit dem Ernährungsapparate zusammenhängen, dass
nämlich ihre sehr rasch erfolgenden Bewegungen, das Aus-
strecken und Einziehen, welch’ ersteres von einer Erweite-
rung des Magens, besonders einer Vergrösserung der Mün-
dung desselben, begleitet ist, einen Wasserstirom nach innen
hervorrufen und mit diesem Nahrungstheile dem Magen zu-
führen lassen, Lassen wir selbst diese Fragen bei Seite, so
lernen wir doch zwei nicht unwesentliche Verhältnisse ken-
nen: Erstlich dass im Entwickelungsverlaufe mancher Cle-
nophoren Organe auftreten, die nur eine vorübergehende Be-
deulung besitzen. Die damil versehenen Formen sind dess-
halbLarven; es besteht eineMelamorphose. Zwei-
tens erhalten wir in der beschriebenen Einrichtung einen
Anhaltepunkt zur Erkennung früherer Zustände, jener Sta-
dien also, wenn die Cilienreihen und Senkfäden noch unaus-
gebildet sind und dadurch der Ctenophorentypus uns ver-
hüllt erscheint. So lange die Entwickelung nicht in direk-
lerer Weise, vom Eie aus, verfolgt werden konnte , muss
solches Verfahren gerechlferligt erscheinen, und wenn es
uns der Erkenntniss dieser Wesen und ihrer Bildungsge-
selze auch nur einen einzigen Schritt näher bringt.
Unter den von W. Busch (Beobachtungen über Ana-
tomie und Entwickelung niederer Thiere) beschriebenen Lar-
venformen (p. 130) giebt es eine, die mit unseren Cleno-
phorenjungen den Besitz des hervorstülpbaren Organes ge-
mein hat, Es ist die Calliphobe appendiculata, ein 1%, ,—1/z
grosses Thierchen, dessen Oberfläche mit Cilien bedeckt ist,
und dessen dem Munde gegenüber befindliches Ende einen
langen Wimperbusch trägt. Es liegt, nach dem was ich oben
miltheilte, nahe, hierin die Larve einer Rippenqualle zu er-
kennen, wenn nicht Calliphobe noch durch zahlreiche in die
Haut eingestreute Nesselzellen sich auszeichnete, ein Um-
stand, der bis jetzt für die Ctenophoren noch nicht beob-
achlet ward, der aber ebenso eine vorübergehende Eigen-
schaft sein kann als Wimperbusch und kolbenförmige Lap-
pen, Busch möchte in Calliphobe einen jungen Polypen
190 Gegenbaur:
erkennen, weil sie nur eine einzige Oeffnung besilzt, aber
diess gilt ja auch für den Ctenophorentypus, während die
Entwickelung der Polypen, so weit sie bis jetzt bekannt ist
nicht zu Gunsten der Verwandtschaft dieser Thiere mit Calli-
phobe gestaltet erscheint. Dass die stäbchenförmigen Nes-
selzellen kein Hinderniss sein können, um in Calliphobe das
Thier zu erkennen, für weiches sie die Magenlappen deuten
lassen, dafür werde ich am Schlusse dieser Abhandlung noch
einen schlagenden Beleg anführen können. Vielleicht gelingt
es Anderen den Entscheid zu liefern, ob das, was ich durch
blosse Vergleichung herzustellen versuchte, richlig war oder
nicht. Jedenfalls durfte mir hier die Herbeiziehung von Cal-
liphobe in die bis jetzt so dürftig bekannte Entwickelungs-
reihe der Ctenophoren nicht erlassen bleiben.
Ich hahe mich an vielen anderen Formen von jungen
Rippenquallen überzeugen können, dass das Stadium des Be-
sitzes der hervorstreckbaren Lappen bei diesen enlweder
völlig fehlt, dass also ein Theil der Rippenquallen ohne Me-
tamorphose sich entwickelt, oder dass jenes Stadium in eine
sehr frühe Periode gerückt ist: Eine ganze Reihe der ver-
schiedensten Formen, selbst solche, die noch blosse einfa-
che und kurze Wimperhaare Irugen, liessen nichts von den
Lappen erkennen. Von diesen will ich nur eine, die zu den
häufigeren gehörl, hier näher beschreiben. Es waren runde,
oder auch flaschenähnlich gestaltete Thiere (Fig.5) von
0,18—0,24°“ Länge, deren durchsichliger Körper den schon
ausgebildeten Magen und die Senkfäden gelblich durchschim-
mern liess. Die weite Mundöffnung stülpte sich häufig mit
ihren Rändern nach aussen, und führt in einen mit reichli-
chen dunkler gefärbten Längsfalten versehenen Magen (e),
dessen erweiterter Grund bis zur halben Länge des Thier-
chens reicht und dort durch eine Oeffnung in einen ovalen,
hellen Hohlraum (f) von ziemlicher Grösse führt, in dem
ich den sogenannten Trichter erkennen muss, der somit als
die erste Andeulung des Vascularsystems auflritt. Er war
gegen den unteren Pol hin mit ganz dünnen Wandungen ver-
sehen, und sass dort auch dem Gehörbläschen (k) ganz
oberflächlich auf. Seitllich am Trichler lagen die beiden Ten-
takelscheiden (), in deren Grunde die Ursprungsstelle des
Studien über Orgenisation u, Systematik d. Ctenophoren. 191
Senkfadens durch eine Fortsetzung des Trichters sich zu er-
kennen gab. Der Senkfaden (h) selbst erreichte ausgedehnt
die 3—Ö5fache Länge des Körpers, und war reich mit secun-
dären Fädchen beselzt. Die acht Schwimmplätichenreihen (a)
sitzen zu je zweien einander genähert nahe am Endpole;
ihre Plättchen, deren für jede Reihe 5—7 sich Ireffen, sind
beträchtlich breit, und nur durch ihre Grösse von jenen gros-
sen Cienophoren unterschieden.
Ein vielleicht nicht unzeitgemässer Versuch, auch das
zoologische Material, welches bis jetzt über die Rippenqual-
len bekannt wurde, zu sammeln und zu einer systemalischen
Verwerthung zu gebrauchen, dürfte wohlan der höchst nolh-
dürftigen Kenntniss, die wir von vielen, namenllich in einer
früheren Zeit beschriebenen Thieren haben, scheitern, wenn
man nicht eine durchgreifende Sichtung des Brauchbaren vom
Unbrauchbaren vornehmen will. Der für eine Galtung (Po-
Iyptera) geihane Ausspruch Blainville's: „e’est une coupe
£elablie d’apres une figure incomplete, ei dont il est difficile
de se faire une juste idee“ gilt für eine grosse Anzahl von
Rippenquallen, so dass nur die einigermassen befriedigend
beschriebenen bei einer Eintheilung berüchsichligt werden
können.
Die Bildung von zwei grösseren nach dem Umfange
der Magenhöhle unterschiedenen Abtheilungen, wie solches
zuerst zum Theil Eschscholtz, dann van der Hoeven
(Handb. d. Zoologie) andeuteten, und Leuckart (Nachträge
und Berichtigungen zu vorigem) durch die Aufstellung der Ord-
nungen Eurystomata und Stenostomata bestimmter ausgeführt
hat, halle ich zwar behufs der ersten Orientirung für zweck-
mässig, jedoch wegen mancher gerade auch in den treffen-
den Charakteren sich findender Uebergänge dürfte sie sich
nicht slichhallig herausstellen. So fand ich Eschscholtzia
cordata Köll. und eine Cydippe, mit einem beträchtlich wei-
ten Magen versehen, der sich ganz nach Art der Beroön
umzuslülpen vermochte.
Die allgemeine Körperform, natürlich unter Berücksich-
tigung der Veränderlichkeit derselben bei gewissen Galtun-
‘ gen, der Besitz oder Mangel von Lappen, Senkfäden so wie
192 Gegenbaur:
die Zahl der Schwimmplältehenreihen dürften Charaktere zur
Eintheilung darbieten. Die Anordnung des Vascularappara-
tes läuft mit diesen Verhältnissen parallel, so dass mit der
näheren Bezeichnung der äusseren Körperverhältnisse auch
zugleich das Verhalten des vom Trichter ausgehenden Kanals
gegeben ist. Beispiele sind hier die Bolinen, Mnemien, die
Beroen u. a., wie das oben schon angegeben ward.
Bei einer zoologischen Betrachtung kann daher von die-
sen Organisationsverhältnissen abgesehen werden. Für die
Schwimmplättchenreihen ist die gegenwärtige Summe von
genaueren Angaben noch nicht ausreichend ; ältere Beobach-
ter scheinen hierauf weniger geachtet zu haben, ja eine
Vergleichung mancher Abbildungen lässt den Verdacht ent-
stehen, dass irgend andere Theile dafür angesehen wur-
den. So scheint z. B. die Anordnung der beiden mit-
telsten Schwimmplättchenreihen von Alcino& papillosa delle
Chiaje (Chiaja napolitana Less.), so dem ganzen Plane der
Ctenophoren zuwider, dass ich hier eine slallgefundene Ver-
wechselung mit inneren Theilen, mit den Contouren der ver-
dauenden Cavität, annehmen möchte. Ich halte desshalb, vor-
läufig die Beiziehung der Schwimmplättchenreihen für allzu-
gewagt.
Für die systematische Uebersicht möge mir geslallel
sein, folgende Eintheilung vorzuschlagen:
Seitliche, die Cilien tragende, flü-
Körper mit Forlsälzen gelförmige Anhänge.
oder lappenarligen An- 1. Callianiridae.
hängen versehen. Bald | Zwei lappenarlige Fortsätze seit-
mit, bald ohne Senkfäden. lich am Munde.
2. Calymnidae.
Körper bandarlig der Quere nach
Körper ohne lappige R g der O0
& verbreitert.
Anhänge oder Forlsälze 3. Cestidae.
um die Mundöffnung;; stels | Körper oval oder rundlich.
Senkfaden. 4. Cydippidae.
Ohne lappige Anhänge. Körper oval länglich.
Nie Senkfäden. 5. Beroidae.
Studien über Organisation u. Systematik d. Ctenophoren. 193
1. Callianiridae.
Es ist diese Familie die einzige, die noch nicht gehö-
rig untersucht ist, und desshalb hier eine nur sehr proviso-
rische Stellung einnehmen kann. Sie wird repräsentirt durch
die Gattung Callianira Per.
2. Calymnidae.
Zwei grosse um den Mund gestellte, zuweilen auch über den
Mund sich ausbreitende Lappen, Mundschirme, in denen noch
gewisse Kanäle verlaufen, begründen mit der meist von zwei
Seiten her elwas comprimirten Körperform den besonderen
Charakter dieser Familiee An der Basis der Mundschirme
sitzt noch jederseits ein schmaler, zungenförmiger Anhang,
in welchen gleichfalls die Kanäle sich hineinerstrecken. Senk-
fäden kommen bei Leucotho@ und Eucharis vor. Von den
hieher zu rechnenden Gallungen Calymna, Mnemia, Axio-
tima, Bolina, Eucharis, Leucotho@, Alcinoe, (Delle Chiaje)
Chiaja und Lesueuria, bilden Mnemia und Bolina so verwandte
Formen, dass sie vereinigt werden müssten, wenn man die
für erstere Gattung von Eschscholtz gegebene Beschrei-
bung so wie auch aie bezüglichen freilich sehr dürfligen Ab-
bildungen mit dem, was Mertens und Agassiz über Bo-
lina mittheilen, in Vergleichung zieht. Es würde dann für
diese der ältere Name Mnemia festzuhalten sein. Auch Al-
einoe Mert. ist hier beizuziehen. Bei einer künftigen Revi-
sion der Arten muss auch Eucharis Tiedemanni von E. mul-
ticornis geschieden werden, die erstere stellt eine selbstän-
dige Gallung vor, die sich sehr an Lesueuria anschliesst,
während E. multicornis nur eine jüngere Form von Chiaja
neapolitana Less. (Alcinoe papillosa Delle Chiaje) repräsen-
lirt. Ich habe die letztere beobachtet, und mir angemerkt,
dass man aus dem die mächtigen Mundschirme gegen den
Körper hin umschlagenden Thiere die Formverhällnisse von
Eucharis herausfinden kann.
Als neue Gallung füge ich den Calymniden die schon
mehrmals oben erwähnte Eurhamphaea bei, die ich folgen-
derweise charakterisire:
Eurhamphaea vezilligera.n. gen. et sp.
Der längliche Körper ist von zwei Seilen zusammenge-
Archiv f, Naturgesch, XXI. Jahrg. 1. Bd, 13
194 Gegenbaur:
drückt, von der Milte der breiteren Seiten springt je eine
sehnabelförmig nach aussen gekrümmie Crista vor, die sich
beträchtlich über das hintere Körperende hinaus verlängert
(Fig. 1, 2.@) und dort mit einem hochrothen contraclilen Fa-
denanhange (£), auf den die Artbenennung anspielt, verse-
hen erscheint. Am Mundpole setzen sich die schmalen Sei-
ten in ‚zwei breite, abgerundete Mundschirme (b) fort, die
entweder mit ihrem vorderen Theile sich gegenseilig be-
rührend und deckend über den Mund geschlagen, oder aus-
einander gehalten, sogar auch gegen den Körper umgeschla-
gen gelragen werden. Jederseils an der Basis dieser Schirme,
jedoch ausschliesslich der breiteren Seite des Thieres ange-
hörig, sitzt ein schmaler. zungenförmiger Anhang (auricle
Agass. ), der immer gegen die Medianlinie der breiten Kör-
perlläche gerichtet ist, Seine Aussenfläche ist elwas gewölbt,
die gegen den Körper sehende aber glalt, oder auch elwas
ausgehöhlt. Die Beweglichkeit dieser vier Anhänge so wie
auch der beiden Mundschirme ist. eine geringe, Veränderun-
gen in der Lage erfolgen nur langsam, so dass sie beim
Schwimmen ‚als Faktoren schwerlich. in Betracht kommen
können.
Vorn zwischen beiden Schirmen ragt der von wulsligen
Lippen umgebene Mund (Fig. 1 d) vor, der eine nach der
Breite des Körpers gerichlele Querspalte bildet. An der Basis
der Lippen befinden sich conlraclile feine Fädchen in einer
Reihe stehend.
Am hinteren Theile des Leibes ist zwischen den beiden
schnabelförmigen Fortsätzen eine liefe Einsenkung, in deren
Grund der Trichter sich öffnet.
Die acht Schwimmplättchenreihen sind derart vertheilt,
dass je zwei Paare den breiten Seilen, zwei andere Paare den
schmalen Seitenflächen angehören. Die ersteren beginnen
hinten an der Spitze der schnabelförmigen Forlsätze, bege-
ben, sich unter allmählicher Divergenz auf der betreffenden
Fläche dieser Fortsälze auf die breite Körperseite, um hier
parallel mit einander bis unter die Basis der „Ochrchen“ sich
fortzusetzen. Hier werden sie um vieles schmaler, so dass
die einzelnen Plältchen nur noch mit der Lupe erkannt wer-
den können, wenden sieh mit: slumpfwinkliger Biegung nach
Studien über Organisation u. Systematik d. Ctenophoren. 195
aussen gegen die Längskante des Körpers, um dann wieder
nach innen biegend als ein Saum jener langen aber kaum in
die Breite entwickelten Wimperhaare den Umfang der „Oehr-
chen“ zu umziehen, und an deren innerem oberen Ursprungs-
winkel zu enden.
Die beiden übrigen Paare der Schwimmplättchenreihen
nehmen ihren Ursprung jederseils am hinteren Körperende
zwischen den dort vorspringenden schnabelförmigen Fortsät-
zen, so dass sie nur von der schmalen Seite aus gesehen
werden können. Von hier verlaufen sie etwas divergirend
und zugleich an Breite gewinnend, längs den Seitenkanten
bis zur Basis der Mundschirme, wo je ein Paar sich elwas
zusammenneigt, und auf den beireffenden Mundschirm sich
fortselzt, wo sie, nachdem hier wiederum die Plältchen in
blosse Cilien sich umwandeln, eine zweischenklige Figur
bilden und nach einem kurzen Verlaufe enden. Jede dieser
seitlichen Reihen ist von ihrem Ursprunge an durch einen
hellrothen Streifen ausgezeichnet, der aus einzelnen je zwi-
schen zwei Schwimmplättchen liegenden Pigmentflecken zu-
sammengeselzt ist, und sich auch noch auf den Mundschirm bis
nahe an dessen freien Rand hin verlängert, nachdem schon
eine Strecke vorher die begleitende Wimperlinie verschwun-
den ist. Zwischen den Enden der beiden Pigmentpunktrei-
hen, wird jeder Mundschirm noch durch einen kurzen, senk-
rechten rothen Strich markirt.
Die Körpersubstanz dieser Ctenophore ist bis auf die
elwas resistenten Schnabelfortsätze äusserst weich, wie Gal-
lerte, und zeigt nur im vorderen Abschnitte , besonders in
der Umgegend des Mundes eine einigermassen ansehnliche
Contractilität. Bis auf die vorhin beschriebenen pigmenlir-
ten Stellen und den maltgelb gefärbten Gastrovascularappa-
ral, der schon oben näher berücksichligt ward, ist der ganze
Körper durchsichlig, fast glashell mit einem Stich ins Bläu-
liche, so dass das Thier im Meere äusserst schwer wahrzu-
nehmen ist. Mit dem eintretenden Tode zeigt sich, wie bei
allen Rippen- und Scheibenquallen, eine Veränderung des
den ganzen Körper bedeekenden Epithels (plattenförmige Zel-
len), welches sich weisslich trübt und so die im Leben stalt-
findende Durchsichtigkeit aufhebt.
196 Gegenbaur:
Die. Länge des Körpers beträgt von dem Rande der
Mundschirme bis zur Spitze der Schnabelfortsätze 37—3 7,
Es wurden zwei Exemplare beobachlet, beide an einem
Tage, im Monate Februar.
3. Cestidae.
Die Bandquallen bilden durch den seitlich zusammen-
gedrückien Körper, der jegliche Lappenforlsälze entbehrt, den
Uebergang von den Calymniden zu der nächsten Familie, den
Cydippen. Die Compression combinirt sich hier mit einer
ausserordenllichen Entwickelung in die Breite, durch welche
eben die Bandform bedingt wird, welche diese Thiere so
ausgezeichnet charaklerisirt. Von Schwimmplättchen sind nur
vier Reihen vorhanden. Zwei zusammengeselzle Senkfäden
treten in der Nähe der Mundöffnung nach aussen. ‚Es sind
die Cestiden wohl die einzigen Rippenquallen, bei denen die
Schwimmplättchen als Locomotoren eine ganz untergeordnele
Rolle spielen, indem die Orisbewegung, wie ich mehrfach
beobachlete, durch Windungen und ‚mannichfallige Biegun-
gen des bandförmigen Körpers erfolgt. Es darf aber auch hier
nicht vergessen werden, dass alle diese acliven Orlsverän-
derungen nur unbedeutender Natur sind im Zusammenhalte
mit jenen, die durch Meeresströmungen veranlasst werden.
Die einzige hieher gehörige Gallung ist Cestum.
4. Oydippidae.
Als Familiencharakter habe ich den auf dem Quer-
schnilte rundlichen oder nur wenig von der Seile her com-
primirten Körper, der der Lappen um den Mund entbehrt,
acht Schwimmplältchenreihen und zwei Senkfäden besitzt,
aufgestellt, und glaube so diese Gruppe möglichst scharf
umschrieben zu haben. Einige seitlich etwas comprimirle
Formen, wie Eschscholizia, vermitteln die Verwandtschaft zu
den vorigen Familien.
Wegen der meist regelmässigen Körperform , der auf
rippenarligen Vorsprüngen sitzenden Schwimmplättchen und
des Mangels besonderer Fortsätze stellen die Cydippiden den
Typus der Ctenophoren in der äusseren Form am reinsten dar.
Von Gattungen zähle ich hieher: Neis Less., Ocyro&
Rang, Merlensia Less., Anais Less,, Eschscholtzia Less.,
.
Studien über Organisation u. Systematik d. Ctenophoren. 197
Janira Oken, Cydippe auct., Pleurobrachia Agass., Bero& Mert.,
Owenia Köll.
Fast sämmtliche Genera sind jedoch auf äusserst unzu-
verlässige oder doch unwesentliche Merkmale gegründet, und
die Anführung von einem abgeplatteten, oben oder unten zu-
gespitzten, da oder dort eingezogenenKörper unler den Gat-
lungscharakleren liefert genug Beweis, dass die Beobachtung
nur von einzelnen oder nur momentan gesehenen Thieren
hergenommen sein mussle, denn jeder, der sich für längere
Zeit der Mühe unterzieht, die Thiere in ihrem Elemente zu
beobachten, dem können die vielfälligen Gestallveränderun-
gen nicht entgehen, unter denen ein und dasselbe Indivi-
duum zu verschiedenen Zeilen sich darstellt. Ein Thier mit
tief eingezogenen Intercostalräumen, erscheint ganz anders
wie wenn es dieselben hervorbläht, und die Schwimmplätt-
chen in tiefen Furchen birgt. Hiezu kommen noch Verlän-
gerungen und Verkürzungen der Längsachse nach beiden Po-
len hin, womit die äusseren Conlouren vielfach sich wan-
deln. Endlich ist noch die grosse Verletzbarkeit in Betracht
zu ziehen, und wie solche verstümmelte Thiere so leicht für
selbständige Formen genommen worden sind. Eine verstüm-
melte Cydippe ist offenbar lanira hexagona Oken.
Die Benulzung der Körperumrisse, namentlich in dem
Verhältnisse, wie sie von Lesson (Acalephes) verwerthet
sind, halte ich aus besagten Gründen für unzureichend
bei der Aufstellung der Genera; ebenso die Länge der ver-
schiedenen Rippen , welche letztere doch nur als Artunter-
schiede zu gebrauchen sind. Bei allen, theilsaus eigener An-
schauung, theils aus Vergleichung von Abbildung und Be-
schreibung vou mir kennen gelernten Cydippiden ist die Länge
der einzelnen Schwimmplättchenreihen eine sehr verschie-
dene, aber dabei durch so viele Zwischenglieder hindurch-
irelend, dass man, diese Verhältnisse zum Ausgangspunkte
nehmend , fast jede Form zur besonderen Galtung erheben
müssle.
Zur Anstrebung einer syslemalischen Ordnung der hier
in Betracht kommenden Galtungen, erlaube ich mir erstlich
die Körperform , so. weit diese nämlich durch Contractions-
zuslände keinen Veränderungen unterworfen ist, und dann
198 Gegenbaur:
die Verhältnisse der Senkfäden als Eintheilungsbasis in Vor-
schlag zu bringen. Beides sind leicht in die Augen sprin-
gende Merkmale, und gleicher Zeit auch mit anderen Orga-
nisalionszuständen gepaart, so dass durch sie je eine typische
Form repräsenlirt wird.
Bezüglich der Körperform lösen sich jene ab, welche
durch seilliche Compression und die Verlängerung der hin-
teren Körperparlie in zwei zapfenförmige Fortsälze sich
einigermassen an die Familie der Calymniden anschliessen.
Es gehört hieher die von Kölliker als Eschscholtzia cor-
data beschriebene Ctenophore, welche ich als Gallungsreprä-
sentanlin unter diesem Namen lassen muss, während ich die
übrigen von Lesson und Kölliker darunter aufgezählten
daraus entferne, und sie unter zwei andere Gallungen ver-
theile.
Die anderen mit rundlichem oder ovalem Körper ver-
sehenen Cydippiden bringe ich nach der Senkfädenform in
zwei Gallungen, die eine davon umfasst Alle mit verästelten,
d. h. mit secundären Anhängen besetzten Senkfäden ausge-
rüstelen Cydippen, die andere, Mertensia, jene, deren Senk-
fäden einfach sind. Da Mertensia Less. unter die Galtung
Cydippe zu rechnen ist, so hälle ich für die von mir con-
stituirte einen neuen Namen wählen müssen, ziehe aber vor,
den einmal vorhandenen Namen zu verwenden, um die ohne-
hin schon bestehende Verwirrung nicht noch mit neuen Na-
men zu vermehren.
Die Gallung Cydippe enthält ausser sämmllichen Arten
des Eschscholtz, dann die Mertensien des Lesson, so
wie die Beroön, mit „verästelten“ Senkfäden, die Mertens
aufführt. Auch Pleurobrachia rhododactyla Agassiz und Esch-
scholtzia pectinata Köll. rechne ich hieher.
Als Mertensia mihi führe ich Bero& glandiformis Mert.
eEschscholtzia glandiformis Less.) und Owenia *) rubra
Köll. auf.
Ich lasse hier die Beschreibung zweier Cydippiden fol-
*) Owenia ist als Gattungsnamen schon einem Cephalopoden ver-
liehen (Prosch, in Kongle danske Videnskab. Selskab Skrifter öte
Räkke. 1847).
Studien über Organisatiö iv Systematik d. Ctenophoren. 199
gen, von denen eine neu ist, die andere einige weitere Mil=
theilüngen nicht überflüssig erscheinen lassen dürfte. Diese
letztere ist:
Eschscholtzia cordata Köll.
Wie ich die Gatlung Eschscholtzia auffasse und sie von
den übrigen, glatlleibigen Cydippiden trente, wurde vorhin
auseinandergesetzt. Was ich über diese sehr häufig beob-
achtete zierlich gebaute Rippengualle mir notirle, kann als
eine Ergänzung der Beschreibung von Kölliker betrachtet
werden. (Vergl: Zeitschr. f, wiss. Zoologie Bd: IV. p. 315)
Der Körper ist herzförmig, indem er sich am Trichterpole in
zwei elwäs nach aussen gebogene Zapfen (Fig. 8 «) verlän«
gert, zwischen denen in einer tiefen Einbuchtung die Aus-
mündung des Trichters gelagert ist. Zugleich ist der Kör-
per von zwei Seiten her comprimirt. Am Mundpole erscheint
er eniweder zugespilzt oder quer abgeslulzt je nach den ver-
schiedenen Contraclionszuständen der Oeffnung der verdauen-
den Höhle.
Die acht Schwimmplältchenreihen sind derart vertheilt,
dass je zwei an den elwas abeerundelen in die zapfenförkti-
gen Verlängerungen des Körpers übergehenden Seitenkanten,
und je zwei andere sehr der Miltellinie genähert auf der
Breitseite angebracht sind. Sie sind vofi ufigleicher Länge,
denn die auf den Breitseiten enden am'Rände der Ausbüch-
tung zwischen den Zapfen, während die auf den vier Kan-
fen angebrachten noch auf den Ursprung der Zapfen über-
gehen, und ih eine bis tahe ans Ende der letzferen verfole-
bare Wimperlinie sich fortsetzen. Ale acht Reihen bepitihen
atif gleicher Höhe, fämlich etwas hinfer dem vörderen Kör-
perdrititheile.
Die Oberfläche des Körpers ist mit feinen carmoisinro-
fhen Pigmentfleckchen übersäet, die unter den einzelnen
Schwimmplättchen in Querreihen angeordnet erscheinen. Auch
die Wanding des weiten, zum Theile unistülpbaren Magens
(Fig. 8e) zeigt eine röthliche Färbung, ebenso die beiden
Senkfäden («h) und ihre Scheiden,
Die letzteren öffnen sich an den Schmalseilen, etwa am
Beginne des letzten Körperdritttheils in gleicher Höhe mit
200 Gegenbaur:
der Einbucht und lassen hier die sehr dehnbaren Senkfäden
hervortreten, die mit äusserst zahlreichen feinen Fädchen
beselzt sind. Es belaufen sich diese an einem Senkfaden
bis auf 100. Der Senkfaden vermag sich bis aufs 10—15fache
der Körperlänge auszustrecken, kann aber wieder so einge-
zogen werden, dass. er als eine unbedeutende Masse die
Tentakelscheide auslüllt (Fig. 9).
Die Gestallveränderungen dieser Cienophore sind sehr
mannichfallig, ‚das Auseinanderweichen der beiden Zapfen
so wie ihre gegenseilige, Annährung,, das Oeffnen, Hervor-
strecken, Umschlagen ‚und Einwärtsbiegen des Mundrandes,
sind Erscheinungen, die im wechselnden Spiele aufeinander
folgen. Das Thier schwimmt ‚stets mit: dem Munde. nach
oben, und bewegt sich vorzüglich vermittels der Thätigkeit
seiner Schwimmplättchen, die sehr lebhaft irisiren.
Die Abbildungen Figg. 8, 9 auf Taf, VIIL sind jn nalür-
licher Grösse,
Cydippe hormiphora n. spec.
Die Körperform dieser Cydippe (Fig. 10) ist oval; der
Längsdurchmesser des durchsichtigen Körpers ‚beträgl im Mit-
tel 11/,°. Die acht Schwimmplättchenreihen sind alle von
gleicher Länge und verlaufen ‚über etwas mehr als 2/, der
Körperoberfläche, in der Art, dass sie vom Mundpole eben-
soweit entfernt beginnen, als sie am Trichlerpole endigen.
Gegen den letztern hin laufen sie in feine Linien aus.
Am letzten Drilttheile des Körpers treten die beiden
Senkfäden aus, die mit einer dichten Reihe secundärer Fäd-
chen beselzt sind... Unter den letzteren findet man Formen,
die in regelmässigen Abständen, etwa zwischen 10—15 ein-
fachen Fädchen. silzend, von diesen bedeutend abweichen,
indem 'sie von lanzeltförmiger Gestalt, seitlich noch mit Cir-
rhen beselzt sind, deren nähere Beschreibung schon oben
eingeschaltet ward.
Von dieser Art wurden vier Exemplare beobachtet.
5. Beroidae.
Die Beroiden repräsentiren den bis jetzt bekannten ein-
fachsten Ctenophorentypus, indem der Körper weder in Lap-
pen u. s. w. sich ausziehl, noch mit Tentakeln oder Senk-
Studien über Organisation u. Systematik d. Ctenophoren. 201
fäden versehen ist, dabei zeigen sie die grösste Contraelili-
täl, und verändern demgemäss ihre Gestalt nach allen Rich-
lungen, so dass hier eine Diagnose der Gallungen oder Arten
nach‘ den Körperumrissen am allerwenigsten zulässig ist. Alle
hieher zu rechnenden genauer bekannten Thiere gehören
einer einzigen Gattung (Bero&) an. In dieser sind Bero&,
ldya, Cydalisa und Medea zu vereinigen , Gattungen, in de-
ren bei Lesson angeführter Diagnose schlechterdings keine
wesentliche Differenz gefunden werden kann. Mit welcher
Kritik dieser Autor bei der Systematik der Rippenquallen zu
Werke ging, erhellt zu Genüge aus der Belrachlung der den
Rippenquallen angehängten Abiheilung der „unächten Be-
roiden.*
Obgleich ich nicht der Meinung sein kann, dass die
oben besprochenen Galtungen und die aus ihnen formirten
Familien das bis jetzt über die Ctenophoren Beobachtete auch
nur einigermassen erschöpfen, so möchte ich doch für besser
erachten, mich hiebei zu bescheiden, indem ich vorzog, eine
mir nicht näher bekanntgewordene Form lieber zu überge-
hen, als ihr eine unrechte Stellung anzuweisen. Ueber
eine nicht geringe Zahl von Gattungen und Arten dürfte noch
lange nicht abgeurtheilt werden können. Dass aber selbst
die allgemeine Charakteristik der Ctenophorengruppe noch
nicht sicher begründet ist, und wir dieselbe noch viel wei-
ter fassen müssen als man bisher gewohnt war, diess glaube
ich durch Beschreibung eines Thiers darlegen zu können,
welches nach meinem Urtheile für die ganze Abtheilung von
Wichtigkeit ist.
Von Ende August an bis tief in den Winter ‚hinein
fischte ich bei meinem Aufenthalte zu Messina von der Mee-
resoberfläche nicht selten ein eiförmiges 1—3° grosses Ge-
schöpf von röthlicher Farbe, dessen durch acht sanftgewölbte,
nur wenig vorspringende Längsrippen ausgezeichneter Kör-
per eine ziemliche Contraclilität besass, die sich durch häu-
fige, aber stets langsam auftretende Aenderung der Formbe-
schaffenheit äusserle. Lelztere wechselte zwischen Eiform
und Kugelgestalt. Die beträchtliche Undurchsichligkeit des Kör-
perparenchyms liess nur undeutlich innere Organe wahrneh-
202 Cegenbaur:
men, als welche man dann, ohne dem Thiere durch Com-
pression Gewalt anzulhun, einen gelblichen, vom spitzen
Pole bis nahe zum gegenüberstehenden stumpfen durchzie-
henden Achsenstrang erkannte, der sich bald als ein am
spitzen. Pole geöffneter Schlauch wahrnehmen liess. Es
schien diess offenbar die Magenhöhle des Thieres. Um die
Mundöffnung (Fig. 7 d) liefen die acht Längsrippen des Kör-
pers in ebensoviele Papillen aus, deren jede mit einem gel-
ben Flecke geziert war,
Das Thier bewegte sich äusserst langsam, wie es den
Anschein hatte, mittels Cilien, und diese ergaben sich auch
bei der näheren Untersuchung. Die ziemlich derben und auch
dicken Integumente enthielten zahlreiche senkrecht auf die
Längsachse des Thieres gestellte Nesselzellen, und waren mit
einem sehr feinen Wimperüberzuge bedeckt. Ob dieser
überall am Körper sich fand, oder nur auf gewisse Stellen
beschränkt war, habe ich mir leider nicht angemerkt.
Wenn auch nach der radiären Anlage der Gesammlform
und dem Verhalten der verdauenden Cavilät hier: ein Thier
aus der Abtheilung der Coelenteraten zu vermulhen: stände,
so wäre doch ‘aus der mehr äusseren Untersuchung nichts
für seine Zuständigkeit zu den Rippenquallen mit Sicherheit
gegeben; diese tritt aber hervor, und zwar mit Entschieden-
heit, sobald man eine sorgfältige Compression anwendet und
sich dadurch über die inneren Organisalionsverhältnisse nä=
heren Aufschluss verschafft hat. Man wird dann vor Allem
Reihen von grossen hellen Zellen gewahr (Fig. 6 D), die in
diehten Streifen an der Magenwand anlıegen und den rippen-
arligen Vorsprüngen der Körperoberfläche zw entsprechen
scheinem, obgleich sie keineswegs in dieMagenhöhle hinein-
ragen.
Ausser diesen Zellenstreifen bemerkt man noch zwei
dunkle, knäuelförmig gewundene Stränge, die mehr dem
stumpfer Körperpole genähert sind. Diese Theile sind von
Entscheidung für die Bestimmung des Thiers. Bei vermehr-
tem Drucke löst sich nämlich jeder, Knäuel in einen zick-
zackförmig zusammengelegten olivenfarbenen Strang auf, der
an einer bestimmten Stelle, — es ist etwa die Mitte der Kör-
perlänge — naclı aussen Irill. Man kann nicht leicht im die-
Studien über Organisation us ‘Systematik d. Ctenophoren. 203
sen Strängen Tentakelgebilde/ oder: Senkfäden 'verkennen
(Fig. 6 h).
Schwieriger ist die Deutung. 'der' hellen grossen "Zellen,
die nicht etwa wie Leberzellen , innerhalb der 'verdauenden
Cavität, an deren Wänden sässen, sondern die vielmehr dem
Leibesparenchym selbst anzugehören scheinen. Ich glaube
nieht weit zu fehlen, wenn ich sie als Geschlechtsorgane ver-
gleiche, denn mit Eiern haben sie die grösste Aehnlichkeit,
da ich aber in seiner Anzahl ‘dieser: Thiere. stets nur solche
eiähnliche Zellen fand, und: keine dem männlichen Geschlechte
angehörigen Elemente erkannt habe, so hüte ich mich wohl,
aus der blossen 'Aehnlichkeit ‘die Bedeutung in bestimmter
Weise erklären zu wollen.
Sind diese Geschöpfe nun 'als Larvenformen oder jugend-
liche Zustände einem anderem Thiere 'angehörig, oder stellen
sie eine schon vollendete Form vor?: Diese Fragen können
in folgenden Erwägungen beantwortet werden. Die Prüfung
der Körperform, das Verhalten der verdauenden Höhle leh-
ren, das hier Thiere vorliegen, die. nur zu) den Coelenteraten
gezählt werden können, und die durchaus kein’Merkmal auf-
weisen, welches sie unter eine: von Echinodermen, Würmern
oder Mollusken bekannte. Form, sei diese im ausgebildeten
oder im unentwickelten. Zustande, zu 'rechnen. erlaubte; Un-
ter den Coelenleraten,, die‘ allein noch-erübrigen, sind Antho-
zoen und Medusen durch das bei unserem Thiere sich tref-
fende Vorkommen von bilateralen Tentakeln ausgeschlossen,
und es bleiben nur die Ctenophoren , für welche gerade der
Senkfadenbesitz von Wichtigkeit ist, „,
Die Annahme eines blossen Jugendzustandes einer Rip-
penqualle findet, in.der niederen..Ausbildung.. des fraglichen
Thiers nicht nur nicht keine Unterstützung, ‘sondern die tiefe
Organisationsstufe ist es’ gerade, die mir sehr eindringlich
für die Selbständigkeit dieser Form zu sprechen scheint.
Die Cydippiden, und zu diesen allein könnfe sie gehören,
zeigen schon sehr frühe die Differenzirung des, Trichters,
des Gehörbläschens, der Schwimmplättchen. (vergleiche oben),
während von allem dem hier, bei, einem: relativ’ sehr grossen
Thiere, nichts entwickelt ist.. Ein weiterer Gegengrund liegt
in der so eigenthümlichen Hautstruktar, die'ebenfalls bis jetzt
204 Gegenbaur:
kein. Analogon ‚unter, den Cydippiden besitzt. Somit wären
wir denn gezwungen, in jenem Thiere einen eigenthümlichen,
zwar den ‚Cienophoren. angehörigen, jaber von allen bekann-
ten Formen ‚doch sehr abweichenden Typus anzunehmen, der
durch den ‚höchst, einfach ‚ organisirten Ernährungsapparat;,
dem Mangel sensitiver Organe und der Schwimmplältchenrei-
hen sich ausdrückt, und bei äusserlich . ganz radiär angelegtem
Körper‘ durch die Tentakel die Bilateral-Symmelrie offenbart.
Sind jene hellen, grossen Zellen wirklich zu einem Ge-
schlechtsapparate gehörig, ‘so entspricht dieses Verhältniss
wiederum dem Ctenophorenplane, nach welchem diese Organe
stels mit irgend einem Abschnitte des Gastrovascularsystems
in Verbindung stehen. Der Mangel des sonst mit dem Ma-
gen communicirenden, aus! ihm 'hervorgehenden Kanalsystems
müsste dann das Auftreten der Geschlechtsorgane am blind-
schlaucharligen Magen selbst, ‘der hier potentia den gesamm-
ten Gastrovascularapparat vorstellt, nolhwendigerweise be-
dingen,
Ich schlage für dieses Thier, welches ich in der Litte-
ratur bis jelzt vergebens suchte, den Namen Sicyosoma ru-
tilum vor ‚und betrachte ‘es als den Repräsentanten des nie-
dersten Organisationstypus der Ctenophoren, welche nament-
lich durch‘ den Mangel der Schwimmplättchen und des Ka-
nalsystems sich allen anderen Familien der Rippenquallen ge-
genüberstellt.
Erklärung der Abbildungen.
1. Eurhamphaca vezilligera n. gen. et sp. von der schmalen
Seite, etwas: verkleinert.
2. Dasselbe Thier von der Breitseite aus gesehen.
3. Gastrovascularapparat;des nämlichen Thiers.
4. Kanalverlauf in einem der Mundschirme.
In Fig. 3 Fortsetzung der Kanäle.
5. Junge Cydippe, vergrössert.
6. Sicyosoma rulilum n. gen. et sp., vergrössert.
7. Dasselbe von unten gesehen.
8. Eschscholtzia cordata Köll., wenig vergrössert, mit ausge-
streckten Senkfäden.
Studien über Organisation u. Systematik d. Ctenophoren. 205
9. Dieselbe mit eingezogenen Senkfäden, von der Schmal-
seite gesehen.
10. Cydippe hormiphora n.sp., nat. Gr.
il. Angelorgan vom Senkfaden der vorigen.
12. Nesselfäden aus dem Angelorgane.
13. Junge Cydippide.
Bezeichnung für alle Figuren gültig:
PFrrPemsassau:
Mundpol.
Trichterpol. Bu
Rippen - Schwimmplättchenreihen.
Mundschirm.
Oehrchen.
Mundöffnung.
Magenhöhle.
Trichter.
Vom Trichter entspringende Kanäle.
Senkfäden.
Senkfadenscheiden,
Gehörbläschen.
Geschlechtsorgane (?).
Ueber die Eutwickelung von Chiton,
Von
Ss Lovenm
aus dem Schwedischen *) übersetzt
vom
rare
Hierzu Taf. IX.
Während eines Besuches an unseren westlichen Schee-
ren vor drei Jahren halle ich Gelegenheit die Entwickelung
von Chiton marginalus Penn. (Ch. cinereus L. nach Forbes
und Hanley) zu untersuchen.
Einige Individuen der genannten Art, welche ich ge-
fangen hielt, hatten an kleinen Steinen ihre Eier gelegt, lose
vereinigt zu Haufen von sieben bis sechzehn. Jedes Ei ist
von einer Hülle umgeben, Fig. 1 und 2, welche, gefaltet und
gleichsam blasig, eine bedeutende Dicke hat, ungefähr der
Hälfte des ganzen Radius entsprechend. Alle Stadien der
Furchung waren bereits durchlaufen, und die innerste runde
Höhlung der Hülle umschloss noch bei einigen einen ausge-
bildeten munteren Embryo, Fig. 2 und 3.
Der Eınbryo von 0,18 millim. Länge, im Ganzen eiför-
mig und ohne Spur einer Schale, ist durch einen rundum
gehenden Eindruck in zwei fast gleich grosse Hälften ge-
*) Öfversigt af kongl. vetenskaps - Academiens Förhandlingar.
1855. p. 169.
Love&n: Ueber die Entwickelung von Chiton. 207
theilt, und an diesem Eindrucke sind die Cirren befestigt,
durch deren Schwingungen er sich bewegt. In der Mitte des
vorderen Theiles sieht man ein Bündel ganz feiner Fasern,
welche kaum einige Bewegung zeigen. Der hintere Theil
enthält zwei dunkle Punkte, die Augen, eins jederseits in der
Nähe des Eindruckes, und gewöhnlich ist nur eins zugleich
sichtbar. Die allgemeine Gestalt des Thieres ist elwas ver-
änderlich, der hintere Theil streckt zuweilen eine zapfenför-
mige Verlängerung hervor, wie man es in Fig. 2 sieht. Um
die Eiertrauben schwärmten einige kürzlich ausgeschlüpfte
Junge, von welchen zwei in Fig. 4 und 5 abgebildet sind.
Die Gestalt ist nur langstreckiger als da sie noch in ihrer
Hülle eingeschlossen waren ; am Ende sieht‘ man feine Flim-
merhaare tragen, welche jedoch wahrscheinlich vorher ge-
genwärtig waren, und ihr Faserbündel,, Fig. 16, ist ausge-
streckt und schwingt sich bisweilen, aber langsam. Nichts
deutet noch den werdenden Chiton an. Aber nun begimt,
Fig. 6 und 7, der hintere Theil des Thieres stärker zu wach-
sen als der vordere , welcher mehr kenisch wird, und die
Seite des Fusses unterscheidet sich besonders dadurch, dass
die entgegengesetzte, die Rückseite des Manlels, sich durch
Querfurchen in Glieder theilt, von denen sieben deutlich
sind, und innerhalb welcher zahlreiche Körner hervortre-
ten, als die erste Anlage der Schale. Der Vordertheil be-
kommt zersitreute Stacheln und dergleichen zeigen sich auch
am Rande des Mantels. Das Thier krümmt sich häufig, ist
noch ganz weich, und schwimmt nur #). Aber bald darauf
fängt es an auch zu kriechen, Fig. 8 und 9. Durch Einsen-
kung des Mantels an der unteren Seite, im ganzen Umfange,
hat sein Rand sich vom Fusse getrennt, dessen Scheibe frei
ist, Fig. 9. Die Augen, deutlicher als früher, liegen an der
Bauchseite,, Fig. 9, aber schimmern noch an der Rückseite
durch ##). Die Glieder des Mantels sind schärfer abgetheilt,
®) Der Cirrenkreis ist niemals in der Weise unterbrochen, wie
er nach Fig. 5 und 6 vermuthet werden könnte. Er ist daselbst nicht
vollständig abgebildet, weil er in der Originalzeichnung theilweise
ausgelassen worden ist,
®*) Zu stark ausgedrückt in Fig. 8 und 10,
208 Loven:
und.ihr Rand trägt zahlreichere Stacheln. Der mehr. koni-
sche Vordertheil ist noch ziemlich gross und mit kleinen
Stacheln besetzt, jedoch grösstentheils an der Oberseite. Noch
bemerkte ich keine Spur der Mundöffnung, und noch sah man
das Thier bald schwimmen, bald kriechen. Inzwischen ha-
ben sich in den Gliedern des Rückens die ersten Schichten
der Schalen abgesetzt, Fig. 10, schmale Bogen mit unglei-
chen Rändern, von welchen ich noch nicht mehr als sieben
sah, die drei oder vier vorderen fast gleich lang, ‘die darauf
folgenden schnell abnehmend. Zu dieser Zeit scheinen die
Cirren wegzufallen. ‘Sie werden nämlich bei der: Form, wie
man sie in Fig. 11: sieht, vermisst. Hier sind nun bedeu-
tende Veränderungen eingelreten. Man sieht, dass der Vor-
dertheil nicht mehr konisch ist; auch ist der Haarbüschel
nicht mehr vorhanden, den er früher trug.. Stalt dessen ist
der Kopf vollständig entwickelt, mit dem nun geöffneten
Munde, und. vor diesem die gebogene Falte, ‘welche: sich’ bei
dem erwachsenen Thiere findet. An den Seiten sitzen. die
Augen jelzt von deutlichen Erhöhungen getragen , mit: Pig-
ment und Linse wie Fig. 15 zeigt. Der Fuss hat etwas zu-
genommen, aber noch hat er nicht seine bleibende Grösse
im Verhältnisse zum Kopfe erreicht. Von Kiemen zeigt sich
noch keine Spur, aber da wo sie kommen sollen , beobach-
tete man eine dichtere Menge von grossen Zellen. Der Man-
tel. ist über, den Kopf vorgeschoben ; man sieht schon eine
der Schalen vor den Augen, Dieses Vordrängen des Mantels
sieht man deutlich von oben: in Fig. 12, 13 und 14. Die
erste von diesen hat noch bloss sieben deutliche Schalen.
Vor der ersten von ihnen sieht man ein mit kleinen Stacheln
besetztes Feld, das ist das was noch oben von dem koni-
schen Vordertheile des Embryo sichlbar ist. Dieses Feld hat
in Fig. 13 sehr abgenommen, in derselben Zeit, wo hinter
der siebenten Schale die achte hervortritt, und ist ganz und
gar bedeckt in Fig. 14, wo die Schale sich so sehr nach
vorne gedrängt hat, dass die lelzte achte mit ihrem ganzen
Umrisse deutlich ist.
Untersucht: man nun, die Bildung der Schale genauer;
so bemerkt man erstens, dass sie sich von Anfang an, mit
Ausnahme der achten, fast gleichzeilig anlegt, nämlich so,
" Veber die 'Entwickelung von Chiton. 209
dass die vorderen im Anfange im Verhältnisse zu den hin-
leren eine Grösse haben, welche sie nachher nicht beibehal-
ten sollen. Die vorderste bildet nämlich, Fig. 10 einen gleich
langen Querbogen wie die zweite ‘und dritte. Aber dieses
Verhältniss ist schon in Fig. 12 verändert, und wird es noch
mehr in Fig. 13 und 14; die erste nimmt daselbst nicht mehr
dieselbe Breite des Thieres ein wie die drei folgenden, und
das Oval wird dadurch bestimmter, dass nunmehr die hin-
teren Schalen an Breite zunehinen. Auch in Betreff der
Gestalt sind die vordersten Schalen zeitiger als die hinteren;
in Fig 14 hat die vorderste bereits ihren halbmondförmigen
Umriss erlangt, ehe die hinterste mehr als angelegt ist. —
Zweitens sieht man, dass die‘ Schalen’ zuerst als schmale
Schichten mit unregelmässig welligen Rändern auftreten, und
an Dicke und Umfang dadurch zunehmen, dass sich unter
die ersten Schichten neue, allmählich grössere legen. Allein
Fig. 12 zeigt, dass jede Schale bald zwei tiefe Einschnitte
bekommt, ineisurae laterales Middendorff, die an ihrem vor-
deren Rande liegen, eine‘ an jeder Seite. Wenn sich nun
vom Mantel neue Schichten absetzen, werden diese Ein-
schnitte, von oben gesehen, allmählich geschlossen, und las-
sen nur die Spur von ihrem innersten Theile zurück , aber
es ist mehr als wahrscheinlich, dass die untere, gegen den
Mantel gewendete Seite der Schale durch diesen Zuwachs
eine nach vorn und aussen laufende, mit Gruben versehene
Furche erhalten muss, eine sulura lateralis porosa Midd. Die
ineisurae buccales der vordersten Schale sind in Fig. 13 u. 14
angelegt, aber unregelmässig, ohne tiefe Einschnitte. — Fer-
ner scheint es das arliculamentum Midd. zu sein, wie es
zuerst angelegt wird; was das legmentum betrifft, so sah ich
nicht eine deutliche Spur. Es zeigt sich übrigens, dass we-
nigstens bei Chiton marginatus die Schalen nicht aus vier
Arliculi zusammengefügt sind, und noch weniger findel sich
irgend einige Stütze für die Meinung, dass die hinterste
Schale die eigentliche Schale sei, analog mit Patella , und
dass die vordersten überchüssig entstanden seien.
Was schliesslich den Mantelrand betrifft, so habe ich
davon nur das zu bemerken, dass seine Stacheln sich ganz
unregelmässig zeigten, indem sie selten überall vorhanden
Archiv f. Naturgesch. XXII, Jahrg. 1. Bd. 14
210 Love&n: Ueber die Entwickelung von Chiton.
waren, sondern meist nur stellenweis. Sie müssen nicht mit
der später auftretenden Bedeckung des Manlels verwechselt
werden.
Von inneren Theilen konnte nichts mit einiger Sicher-
heit unterschieden werden, wegen der Undurchsichtigkeit der
äusseren Theile.
Vergleicht man nun diese Entwickelung mit der von
anderen Mollusken, dürfte es leicht in die Augen fallen, dass
der Wimperkreis, womit das Thier sich in seinem ersten
schwimmenden Stadium bewegt, den Wimpern des Velum’s
bei den Jungen anderer Gasteropoden und Acephalen ent-
spricht. Aber das Velum ist bei Chiton nicht zu einem brei-
ten Segel entwickelt, welches ausgespannt werden kann.
Stalt dessen hat ein anderer Theil eine bedeutende Grösse
erlangt, nämlich der vordere konische Theil, der den Haar-
büschel trägt. Dieser ist nämlich, was ich bei den Meer-
Acephalen den „birnförmigen Körper“ genannt habe, der ein
„lagellum® trägt. Eben dieser hat seine Lage in dem Kreise
des Velum, und dasFlagellum, obgleich bei ihm einfach, hat
dieselbe geringe Beweglichkeit. Das Velum verschwindet bei
vielen Mollusken , soweit es nicht‘ als Mundtentakeln oder
Labialpalpen übrig bleibt. Vielleicht findet sich ein Ueber-
bleibsel davon in der Haulfalle, welche bei Chiton später den
Kopf umgiebt.
Die Hectocotylenbildung bei Argonauta
und Tremoctopus, erklärt durch Beobach-
tung ähnlicher Bilduugen bei den Cephalo-
poden im Allgemeinen.
Von
Prof. Japetus Steenstrup,
Aus dem Dänischen *) überselzt
vom
Herausgeber.
Hierzu Taf. X. und XI,
Diese Abhandlung ist eigentlich nur als eine etwas aus-
führliche Erklärung der Figuren auf den zwei sie begleilen-
den Tafeln zu betrachten.
Der Haupizweck dieser Figuren ist mehr der , die Na-
lurforscher aufzufordern, um an den Thieren selbst das Ver-
halten wiederzufinden, auf welches sie im Allgemeinen die
Aufmerksamkeit hinleiten, als durch sie ein erschöpfendes Bild
der Einzelnheiten zu geben, denn diese möchten in liebsten
solchen Figuren vorbehalten werden, welche nach lebenden
Thieren oder doch nach frisch gefangenen Individuen ent-
worfen werden könnten; zum grossen Theile sind sie daher
als Contourfiguren gehalten, in welchen nur die einzelnen
Theile, von denen ein anschaulicheres Bild wünschenswerth
war, mehr ausgeführt worden sind.
#) Kongelige Danske Videnskabernes Selskabs Skrifter, 5. Rälkke,
natury, og. math. Afdeling, 4. Bind. 1856.
212 Steenstrup:
Der Gegenstand, den sie darstellen, ist eine früher
kaum beobachtete, oder wenn sie beobachtet sein sollte, doch
nicht gehörig beachtele wesentliche Abweichung von dem
symmelrischen Bau, welcher sonst in so hohem Grade die
Tintenfische auszeichnet, indem man nämlich finden wird,
dass bei allen männlichen Individuen der ganzen gros-
sen Gruppe derselben das eine der vier den Kopf umgeben-
den Armpaare, an der einen Seile des Thieres nicht bloss
anders gebildetistalsan der enigegengeselzien
Seite, sondern sogar an dieser Seiltein einer
kürzeren oder längeren Strecke seiner Länge
auf eine so eigenthümliche Weise ausgebildet
ist, dass man nicht daran zweifeln kann, dass der Arm da-
durch zu einer bestimmten Wirksamkeit geschickt werde,
von der nicht angenommen werden kann, dass sie von einer
untergeordneten Bedeutung für das: Thier sei, weil seine
Umbildung bei einer so grossen Anzahl von Arten der Klasse
Statt findet, und bei jeder natürlichen Gallung ihr eigenthüm-
liches Gepräge trägt.
Wenn man die Umbildung von Form zu Form verfolgt,
sieht man nach meiner Meinung deutlich , dass der Arm mit
seinem eigenihümlichen Bau, ganz oder zum Theil in den
Dienst der Fortpflanzung eintritt, und in dem ersten Falle
sogar ganz ungeschickt für die Rolle wird, die er sonst zu
spielen hat, nämlich ein Werkzeug für die Bewegung (Schwim-
men oder Kriechen) oder das Ergreifen der Nahrung zu sein.
Dieser umgebildete Arm verräth also dadurch seine nahe Ver-
bindung mit ‘der Hectocolylenbildung bei den beiden Oclo-
podengallungen Argonauta und Tremoctopus Delle Chiaje, da
die neueren Untersuchungen von Filippi, Verany, Vogt
und Heinr. Müller es ja ausser Zweifel geselzt haben,
dass der Hectocotylus oder das schmarotzende Wesen, wel-
ches man so oft auf Argonauten- und zuweilen bei Tremo-
ctopus-Weibchen gefunden hat, — und welches man zuerst
nach Delle Chiaje für ein Schmarotzerthier oder einen
Eingeweidewurm angesehen halte, aber später nach Kölli-
ker’s scharfsinniger Zusammenstellung für einen umgebilde-
ten männlichen Cephalopoden,, der bestimmt sei ein Schma-
rolzerleben auf seinem Weibchen zu führen, -—- durchaus
Die Hectocotylenbildung bei den Gephalopoden. 213
nicht ein vollständiger Organismus ist, sondern nur ein Arm
des männlichen Cephalopoden, der sich zum Zweck der Be-
fruchlung von ihm ablöset und samenerfüllt an das Weibchen
festheftet. Um diese Hectocotylenbildung, die in den letzten
3—4 Jahren so sehr die Aufmerksamkeit der Naturforscher
in Anspruch genommen hat, richtiger aufzufassen und im
Zusammenhange zu verstehen, werden demnach die Beob-
achtungen, welche ich hier vorlege, einen wichtigen Schlüs-
sel abgeben ; aber mit dem Interesse, welches sie in dieser
Hinsicht haben, vereinigen sie auch, wie es mir scheint, eine
nicht geringe Bedeulung in systematischer Hinsicht. Das
hier angeführte Verhalten giebt nämlich einen leitenden
Fingerzeig mehr für die Auffassung davon, was innerhalb
dieser Klasse nalturgemäss zusammengehört, was nicht, und
in manchen Fällen bietet es gute Artcharaklere zwischen nahe
stehenden Arten dar, abgesehen von dem Werthe, den es
gerade als äussere Kennzeichen bei Individuen innerhalb der-
selben Art hat, besonders da man bisher solche vermisst hat,
und diese dabei so leicht fasslich und in die Augen fallend
sind, dass man schwer seine Verwunderung darüber zurück-
halten kann, dass sie nicht früher beobachtet und zur Geltung
gebracht worden sind.
Nach diesen wenigen einleitenden Worten gehe ich un-
mittelbar zu der Schilderung der wesentlichsten in den Fi-
guren auf den beifolgenden Tafeln dargestellten Formver-
schiedenheilen in dieser Umbildung über, indem ich bloss
die Bemerkung vorausschicke , dhss in der Ordnung, worin
ich sie mittheile, ich mich zum Theil. durch die Zeitfolge
habe leiten lassen, worin sie sich mir dargeboten haben.
Darin liegt also ursprünglich der Grund, dass ich die
Gallung Loligo Lam. zuerst erwähne; denn durch meine ver-
gleichenden Untersuchungen unserer nordischen Arten wurde
ich zuerst dieses Verhalten. gewahr; übrigens haben mir aber
forlgeselzte Untersuchungen gezeigt, dass ich auch nalurge-
mäss von dieser Galtung ausgehen kann.
Bei der Gattung Loligo Lam. restr. (und also mit
Abzug der Arten, worauf d’Orbigny später die Gallung
Ommatostrephes gegründet hal), haben sämmtliche Arten, die
214 Steenstrup:
ich zu untersuchen Gelegenheit gehabt habe *), den äusser-
sten Theil des vierten linken Arms (linken Baucharms) so
umgebildet gehabt, dass die Saugnäpfe, welche sich an dem
entgegengeselzten Arme in stets abnehmender Grösse gerade
bis zur Spitze fortsetzen, hier allmählich verschwinden, wäh-
rend die Stiele, woran sie sitzen, umgekehrt an Grösse zu-
nehmen und zu langen kegelförmigen Papillen werden, was
dem äussersten Theile des Armes ein eigenes kammähnliches
Ansehen giebt. Diese Papillen scheinen immer am stärksten
an dem auswendigen Rande des Armes entwickelt zu sein,
während die, welche zu der Saugnapfreihe an dem inne-
ren **) Rande des Armes gehören, in längerer Strecke eine
Spur von Saugnäpfen übrig behalten.
Bei der ansehnlichsten Art der Gattung Loligo, der
sogenannten. allanlischen Form von Loligo vulgaris Lam.,
aber einer Form, welche eine wirklich selbstständige Art
ist, welcher ich in ‚einer anderen Abhandlung den Na-
men .L. Forbesü Stp. beigelegt habe, hat der vierte linke
Arm des Männchens 23 Paar Saugnäpfe regelmässig und ent-
sprechend den Saugnäpfen an derselben Strecke des rechten
Armes entwickelt; aber von dem 23. Paare an nimmt die
Grösse der Näpfe plötzlich ab, und bereits das 27. und 28.
Paar hat sie so klein, dass sie nur mit Hülfe der Lupe deut-
lich erkannt werden können; hierauf verschwinden die Saug-
näpfe ganz, während sich die muskulöse Wurzel des Stieles
zu einer Höhe erhebt, die 3—4mal so gross ist wie ihre ge-
wöhnliche, und zu einer kegelförmigen langstreckigen Pa-
*) Ausser den Tintenfischen in den beiden Museen, deren Ver-
waltung ich vorstehe oder an denen ich betheiligt bin, nämlich dem
zoologischen Universitätsmuseum und dem Königlichen naturhistori-
schen Museum, habe ich durch das wohlwollende Entgegenkommen
meines Collegen, Etatsraths Eschricht, für diese Untersuchungen
auch das Material uneingeschränkt benutzen können, was das zoo-
tomische Museum der Universität von dieser Klasse besass.
*%*) Unter „innerem“ und „äusserem“ Rande der Bauch - und
Rückenarme wird hier immer der verstanden, welcher der Mittelebene
des Thieres am nächsten oder fernsten liegt; bei den beiden Seiten-
armpaaren wende ich den Ausdruck „oberen“ und „unteren“ an, um
die beiden entsprechenden Ränder der Arme oder die Reihen der längs
ihnen stehenden Saugnäpfe zu bezeichnen.
Die Hectocotylenbildung bei den Cephalopoden. 215
pille wird. Es sind ungefähr 40 Paar Papillen, und ebenso-
viele Paare Saugnäpfe sind also umgebildet worden; sie neh-
men an Länge in beiden Reihen gegen die Spitze hin ab,
aber die, welche längs dem äusseren Rande des Armes ge-
stellt sind, sind im Anfange verhältnissmässig mehr verlän-
gert, wogegen die späteren in einer gewissen Strecke der
umgebildeten Parlie des Armes verkürzt werden und wie
niedrige Sägezähne am Rande desselben liegen. — S.Taf.X.
Fig. 2 ®).
*) Die Artkennzeichen zwischen Loligo vulgaris Lam. und Lo-
lıgo Forbesii Stp. nimmt man am besten von der Grösse und Form der
Saugnäpfe an den Tentakeln; diese sind nämlich an L. vulgaris aus
dem Mittelmeere, so wie d’Orbigny und Verany sie beschreiben
und abbilden, und so wie sie sich auch bei einer Form von unseren
Küsten wiederfinden, die allerdings für L. vulgaris angesehen werden
darf, sehr gross in den beiden mittelsten Reihen, und sehr klein in
den Seitenreihen, so dass ein Querschnitt dieser letzten nur die Hälfte
von dem der ersten, und ihre Höhe nur ein Drittel von jenen be-
trägt, während bei L. Forbesü Stp. die Saugnäpfe der mittelsten Rei-
hen kaum die der Seitenreihen im Querschnitte und in der Höhe
übertreffen, und es im Ganzen aussieht, als wenn die Tentalelkeule
vier gleich grosse Reihen von Näpfen hätte. Im Vergleiche mit den
Saugnäpfen der Arme sind die Näpfe der mittelsten Tentakelreihen
bei Loligo vulgaris 2—3mal so gross wie die grössten Näpfe an dem
dritten Arme, während sie bei L. Forbesii kaum ein Drittel grösser
sind. — Der Hornring in den mittelsten Reihen der Saugnäpfe bei L.
vulgaris hat nur die eine Hälfte des Umkreises feingezähnt, während
die andere Hälfte zahnlos ist oder nur eine Gruppe von 4—-5 kleinen
stumpfen Zähnen trägt (bei unserer nordischen Form sind diese sogar
die einzigen Zähne am Hornringe) ; bei Loligo Forbesii trägt der Ring
rundum zahlreiche spitze Zähne, in der Regel abwechselnd grösser und
kleiner. Bei diesem haben auch die Näpfe der Seitenreihen den
Hornring ganz besetzt mit gleichgrossen Zähnen , während bei L.
vulgaris der lornring hier hohe spitze Zähne in der höheren Hälfte
hat und fast zahnlos in der niederern ist. In der Farbenzeichnung
hat ferner L. Forbesii das Auszeichnende, dass die Farbensäcke sich
zu langen linienförmigen Flecken oder Streifen an den Seiten des
Vorderrückens vereinigen und ebenso längs der Bauchfläche herab.
Diese langen dunklen Zeichnungen und die fast gleichgrossen Saug-
näpfe der Tentakeln unterscheiden somit auf den ersten Blick diese
Art von dem eigentlichen L. vulgaris. Von beiden Arten habe ich
an unseren Küsten nur die Männchen untersuchen können; bei uns
216 Steenstrup:
Bei dem Männchen einer anderen dänischen Loligo-Art,
welche ich als den L. vulgaris Lamarck’s und der späleren
ist L. Forbesi die gemeinere ‚und die grössere. Die gewöhnlichen
Exemplare ‚sind mindestens mit den Tentaleln 24 Zoll lang; bis zu
den Spitzen der Arme 20”; bis zur Wurzel der Arme 15“; der Man-
tel = 1 Fuss.
Die Abbildungen, welche mit Sicherheit Loligo Forbesü vor-
stellen, sind:
Forbes and Hanley, British Mollusca. Vol. I. tab. LLL.
Adams (Henry and Arthur), The genera of recent Mol-
lusca. Pl. IV. fig. 3.
am ersten Orte unter dem Namen L, vulgaris Lam., am letzteren un-
ter dem Namen Loligo magna Rondel.
Es ist auch diese Art, welche ich in einem Holzschnitte in
meiner Abhandlung über den „Seemönch* (Sömunken) abgebildet
habe, und es ist, nach den Saugnäpfen zu urtheilen,, möglicherweise
auch die Art, welche von Borlase (the natural history of Cornwall)
dargestellt ist.
Da Rondelets Bezeichnung „Loligo magna“ keine systema-
tische Benennung in dem Linne&’schen Sinne ist, kann dieser von
Leach, Gray und Anderen aufgenommene Name nicht als be-
rechtigt vor L. vulgaris angesehen werden, wenn er auch nicht aus
dem Grunde, den d’Orbigny anführt, verworfen werden kann, weil
es auch andere grosse Arten gäbe; am wenigsten kann dieser Name
auf die neue Art übertragen werden, welche nach der Meinung der
südeuropäischen Malacologen eine atlantische im Mittelmeere nicht
vorkommende Art ist, welche Rondelet demnach kaum mit seiner
L. magna gemeint haben konnte. Es scheint mir sogar im Ganzen
sehr zweifelhaft, ob dies überhaupt ein Loligo gewesen ist, sowohl
wenn man die Abbildung betrachtet, z. B. die langen Tentakeln, als
auch in Betracht des Ausdruckes über die Flossen : „pinnulae latiores
sunt, quam in Sepia, non totam alvum ambientes, et in angulum acu-
tum in lateribus desinentes‘, welche Worte weiterhin näher durch die
Ausdrücke über die Flosse von Sepiola erläutert werden; denn über
diese heisst es: „nec figura nee situ pinnis Sepiarum et Loliginum
similis, neque enim angusta longaque totam alvum ambit, ut in se-
püs, neque lata et in acutum angulum terminatur, ut in loliginibus,
sed rotunda, parva, utrinque veluti adnata modicam alvi partem oc-
cupat, neque ad extremum usque corporis protensa“ p.250. Alles
das deutet auf Ommatostrephes hin, worauf wohl auch die Worte:
„eorpore in acutum desinente* noch besser passen als auf einen Lo-
Die Hectocotylenbildung bei den Cephalopoden. 217
südeuropäischen Schriftsteller ansehe, obgleich sie in einzel-
nen Punkten nicht vollständig mit den ausführlicheren
Beschreibungen stimmt, finde ich Uebereinstimmung zwischen
dem rechten und linken Arme des vierten Paares bis zum
18. oder 19. Paare, wo eine merkliche Verlängerung des
Saugnapfstieles beginnt. Diese nimmt nun mehr und mehr
gegen die Spitze des Armes hin zu, indem die Saugnäpfe
mehr und mehr verschwinden und der Stiel als eine lange
und kegeförmige Papille übrig bleibt. Die Papillen sind im
Ganzen genommen etwas länger und kräftiger als bei der
vorhergehenden Art, sie weicht auch von dieser Art darin
ab, dass die ausserordentlich kleinen, ringlosen Saugnäpfe
in einer etwas längeren Strecke sichtbar sind, und ferner
darin, dass die Papillen in der inneren Reihe wohl im An-
fange die kleineren sind, aber später die längeren werden,
namentlich gegen die Spitze hin, und hier biegen sie sich
hinein nach der Mittellinie des Armes, oder greifen gleich-
sam über nach der Reihe an der entgegengesetzien Seite,
wo die Papillen genau in demselben Maasse niedriger und
dicker geworden sind, und, wie bei der vorhergehenden Art,
wie Sägezähne längs dem Rande des Armes liegen. Auch
bei dieser Art erscheinen elwa 40 Paar Saugnäpfe auf die
angegebene Weise umgebildet zu sein.
Von Loligo Pleii d’Orb. , der von den Antillen ist, be-
sitzt das Museum unglücklicherweise nur ein Exemplar, wel-
ches früher stark eingetrocknet gewesen ist, aber es ist doch
leicht zu erkennen , dass bei dieser Art die Umbildung mil
ligo, selbst wenn sie im Gegensatze zu dem Körper von Sepia ange-
wendet werden.
Ich habe diese grösseste Art. unserer europäischen Meere und
zugleich die Art, an welcher ich zuerst die merkwürdige Umbildung
des Armes bei den Männchen beobachtete, Loligo Forbesii genannt, nach
Professor Edward Forbes; ich habe dadurch nicht bloss daran
erinnern wollen, dass sich diese Art in seinem oben genannten aus-
gezeichneten Werke abgebildet findet, sondern zugleich an die Ver-
dienste dieses aussergewöhnlich begabten Mannes um die Naturge-
schichte im Allgemeinen und um die Kenntniss der Seethiere im Be.
sonderen.
218 Steenstrup:
dem 19. Paare beginnt, und völlig so stark hervortritt, wie
bei den beiden vorhergehenden.
Bei anderen Arten von Loligo sind nicht beide Reihen
von Saugnäpfen an der Spitze des Armes so gleichförmig
dieser Umbildung unterworfen, sondern nur die eine Reihe
von Saugnäpfen giebt die vorher erwähnten Papillen ab. Un-
ter den Arten, welche ich zu untersuchen Gelegenheit ge-
habt habe, ist dies namentlich bei zwei Arten von der bra-
silianischen Küste der Fall, L. brasiliensis Bl. und L. brevis Bl.,
nebst einer Art, die gut zu d’Orbigny’s Beschreibung von
seinem L. gahi passt, und welche daher wahrscheinlich aus
dem stillen Ocean stammt.
Von der letztgenannten Art ist der Arm in Fig.3 ab-
gebildet. Der linke Arm findet sich normal gebildet bis zum
14. Saugnapfe; darauf beginnen die Stliele in der äusseren
Reihe der Saugnäpfe sich unverhältnissmässig zu verlängern,
aber sie tragen noch kleine mit Hornringen ausgerüstele
Saugnäpfe bis zum 22. Paare, wo der Stiel ganz papillenför-
mig ist, und so sind auch alle die übrigen Stiele, welche auf
ihn (etwa 26) bis zur Armspilze folgen; doch kann man
unter einer stärkeren Vergrösserung einen nadelslichförmi-
gen Punkt an dem Ende jeder Papille erblicken, als letzte An-
deutung für den verschwundenen Saugnapf. In der inneren
Reilıe setzen sich die Saugnäpfe mit deutlichen Hornringen
fast bis zu der Armspilze fort (mit einer Lupe lassen sie
sich wenigstens fast bis zu ihr verfolgen) , aber sie rücken
immer auf höhere und höhere Stiele, so dass sie ganz die
Papillen der enigegengesetzten Seite überragen. Noch mag
bemerkt werden, dass an der inneren Seile von jeder Papille
ein Hautkamm oder ein Haulflügel zu der Mittellinie des Ar-
mes herabläuft, und von da sich unter einer schrägen Linie
— denn die Näpfe stehen bekanntlich in den beiden Reihen
in alternirender Stellung — in einen ähnlichen Hautkamm
nach der inneren Seile jedes Saugnapfslieles an der ent-
gegengeselzten Seite fortseizt. Diese Hautflügel beginnen
bereits vom 14. Paare an sich zu entwickeln *).
*) Von diesen Hautllügeln konnte wegen ihrer Winzigkeit keine
Figur gegeben werden.
Die Hectocotylenbildung bei den Cephalopoden. 919
Bei Loligo brevis Bl. ist das Verhalten wesentlich das-
selbe; verschieden scheint mir zu sein, dass die Saugnäpfe,
welche in der inneren Reihe bis zur Spitze bleiben, nicht von
völlig so verlängerten Stielen gelragen werden, dass die Pa-
pillen, welche besonders im Anfange sehr lang sind, erst
mit dem zwanzigsten Paare auftreten, und dass der Hautkamm
minder entwickelt ist, obgleich allezeit kenntlich.
Loligo brasiliensis Bl., wovon das Museum zwei männ-
liche Exemplare von Rio durch Prof. Dr. Krojer besitzt,
trägt beide Reihen der Saugnäpfe an dem linken Baucharme
regelrecht entwickelt bis zum 14. Paare, und die innere
Reihe setzt sich eigentlich auf dieselbe Weise bis zur Spitze
fort (mit 35 Paar); aber in der äusseren Reihe nehmen sie
schroff an Grösse ab; vier zeigen wohl noch die Saugnäpfe
ganz deutlich mit einem wenig entwickelten Hornring, aber
dann folgen Papillen, die sehr niedrig aber ziemlich dick in
der Wurzel sind, bis zur Spitze.
Bei den genannten sechs Arlen ist kein in die Augen
fallender Unterschied zwischen dem linken und rechten Bauch-
arm unterhalb der Partie des Armes, die in jene sonderbare
Umbildung eingegangen ist, vorhanden, aber bei Loligo me-
dia Linn., der die Saugnäpfe an den Mundzipfeln (Mundfli-
gene) entbehrt, und daher von Gray als eine eigene Gattung
unter der wenig brauchbaren Benennung Teuthis #) aufgeführt
worden ist, ist es dagegen der Fall (Fig. 1), indem der linke
Arm unterhalb jener Partie, die übrigens nicht sonderlich von
der bei Lol, Forbesit und Lol. vulgaris beschriebenen ab-
weicht, ganz und gar mit ganz kleinen Saugnäpfen ausgerü-
slet ist, während der rechte grosse trägt. Der äussere Ge-
schlechtsunterschied zwichen Männchen und Weibchen ist
also hier noch grösser als bei einer der anderen Arten, und
wir können daher um so leichter den Zwiespalt zwischen
®) Gray undAdams, die ]. c. als Autorität für die Gattung den
Namen Aristoteles hinzufügen , müssen freilich vergessen haben, so-
wohl dass es schwierig ist, und man könnte fast sagen unmöglich,
für den Augenblick zu entscheiden, was Aristoteles mit seiner Teu-
this meint, als auch, dass Linn& längst den Gattungsnamen Tenthis auf
einen Fisch angewendet hat.
220 ‚ „Steenstrup:
d’Orbigny und Verany in Hinsicht auf das Verhalten die-
ser Art, zu. dem von Lelzigenanntem. aufgestellten Lol. Mar-
morae ablhun: Sowohl in seinem grossen in Gemeinschaft
mit Ferussa.e, herausgegebenen Werke über die Cephalo-
poden, ‚wie in seinen „Mollusques vivants et fossiles* behaup-
tet nämlich d’Orbigny, dass die Weibchen unserer Art die
kurzflossigen Formen seien, welche Verany L. Marmorae
genannt hat, und. die Männchen dagegen die langflossigen
Formen, welche Lamarck Lol. subulata nannte ; aber diese
Behauptung erweisen die ‚obengenannten Geschlechtsunter-
schiede als durchaus unrichlig, indem Männchen und Weib-
chen von diesen beiden genannten Formen vorkommen und
von, allen Uebergängen zwischen ihnen. Ich kann also: d’Or-
bigny’s Anschauung nicht meinen Beifall geben, aber kann
doch auch..nicht ‚mit Verany diese beiden Formen als zwei
verschiedene Arten betrachten, da ich in einer Reihe von
13 Individuen sowohl alle Uebergänge als auch ein bestimm-
tes ‚Verhältniss zwischen der. Verlängerung. des Hinterleibes
und, der Flossen und der ganzen Grösse des Thieres finde,
weshalb. ich geneigt sein muss, diese äusseren Formver-
schiedenheiten als Ausdruck für ein mehr oder minder vol-
lendetes Wachsthum, und daher die genannten Arten als
Altersformen zu betrachten.
Da durch die ‘7 obengenannten Arten die Gattung Lo-
ligo sowohl in allen ihren wesentlichen Formen, als auch in
allen ihren. verschiedenen. Verbreitungsbezirken repräsentirt
wird, glaube ich nicht, dass man die Annahme für unbegrün-
det halten kann, dass bei allen ihren Arten der vierte linke
Arm .(Baucharm) auf eine ähnliche Weise umgebildet und in
einem Theile ihrer Länge mit Papillen versehen gefunden
werden ‚wird.
Die Gatlung Sepioteuthis Bl. steht in jeder Bezie-
hung so nahe bei Loligo, dass sie vor manchen Naturforschern
kaum ihr Recht, als eigene Gallung zu bestehen, behaupten
kann; es war daher zu vermuthen, dass sie auch in den
Formen der Fortpflanzungsorgane sich an die Arten von Lo-
ligo anschliessen würde. Das scheint sie auch zu thun, soweit
man. nach der einen Art urtheilen kann, welche ich in einer
grösseren Anzahl von Exemplaren zu unlersuchen Gelegen-
Die Hectocotylenbildung bei:den Cephalopoden. 921
heit gehabt habe: Sepioteuthis sepioidea Bl. von den Antil-
len *). Wie Fig. 4 zeigt, ist, der linke Baucharm wirklich
nach Analogie mit den Loligines umgebildet, aber, doch‘ mit
seinem besonderen Gepräge,, indem die Sliele in der äusse-
ren Reihe der Saugnäple zu zusammengedrücklen blallförmi-
gen Papillen umgewandelt sind, die durch eine ‚schräge Haul-
brücke mit. den zu. stumpfen Erhöhungen umgewandellen
Wurzeltheilen der Stiele in der entgegengeselzten Saugnapfz
reihe verbunden sind. Die Umbildung beginnt, etwa mit, dem
30. Napf und umfasst elwa 28, Paar Näpfe. — Ferner ‚muss
hervorgehoben werden, dass der rechte Baucharm des ‚Se-
pioteulhis-Männchens auch merklich verschieden von dem,des
Weibchens dadurch ist, dass er in seinem äussersten Drittel
mit so kleinen Saugnäpfen. beselzt ist, dass sie kaum sicht-
bar sind, und es ist daher zu vermulhen „dass; der rechle
Arm bei der Gallung Sepioteuthis den linken in der: Rolle
unterslützl, welche er auszuführen hat,
An die Gallungen Loligo und Sepioleulhis, welche nach
d’Orbigny ein Gruppe für sich \ bilden, ‚knüpfe ‚ich noch
eine Gallung, gegründet auf zwei kleinen Cephalopodenarten,
welche so sehr den, Gestalten gewisser kleiner ‚Loligines
gleichen, z. B. L. brevipinnis Les., dass es mich nicht wun-
dern sollte, wenn es nahe stehende Formen wären, die unter
diesem Namen beschrieben, sind. Sie bilden indessen eine
sehr charakteristische kleine Gattung für sich, "welche, nach
meiner Meinung dicht neben Loligo . gestellt; werden muss,
obgleich sie eines der bisher als wesentlich für die Loligo-
gruppe angesehenen Merkmale entbehrt, ‚nämlich Muskelseile
am Trichter, und in dieser Hinsicht schliessen sie sich an
die Sepiola - Rossiagruppe an, denen sie sich auch sehr im
Baue der Saugnäpfe annähern, indem: diese. nicht ‚das. kleine
erhabene Band rund um den Hornring. haben, welches sich
immer bei Loligo und Sepioteuthis findet. Aber in allen an-
*) Von den übrigen Arten der Gattung, die alle aus dem Indi-
schen Ocean und seinen grossen Buchten stammen, habe ich kein
Männchen untersuchen können. Ich will bei der Gelegenheit bemer-
ken, dass ich noch nichts von dem durch die Galatheaexpedition ge-
wonnenen Material in die Untersuchung gezogen habe.
222 Steenstrup:
deren Beziehungen scheinen es mir echle Loligines zu sein.
Um an diese nahe Verwandtschaft zu erinnern, habe ich
einsiweilen diese Gattung Loliolus genannt, ein Name,
der ein Diminutiv von dem „Lolius“ ist, von dem Loligo
nach Gaza herzuleiten sein soll. Bei beiden diesen Lolio-
lusarten, deren Männchen Fig. 5 und 6 abgebildet sind, und
welche sich leicht von einander durch die verschiedene
Grösse der Saugnäpfe am zweiten und drillen Arme unter-
scheiden, ist nun auch der linke Baucharm umgebildet, aber
in einem weit höheren Grade als bei den beiden vorigen
Gatlungen, da er nämlich in seiner ganzen Länge nicht die
mindeste Spur eines Saugnapfes hat , indem die Fläche, auf
der die Saugnäpfe sitzen sollten, sogar zu einer zusammen-
gedrückten stumpfzähnigen Kante geworden ist; man findet,
dass alle Zähne dieser Kante aus den verschmolzenen Wur-
zeltheilen der Stiele der inneren Saugnapfreihe entstanden
sind, während die Stiele der anderen Saugnapfreihe kaum
die schwächste Spur übrig gelassen haben. Fig. 5° stellt den
linken Baucharm von Loliolus typus Stp., von der auswen-
digen Seile gesehen, etwas vergrössert dar; die kleinen vor-
stehenden Punkte sind die einzige Spur der Saugnäpfe und
Stiele der äusseren Reihe. Fig. 6° stellt denselben Arm von
Loliolus affinis Stp., gleichfalls vergrössert dar; ich habe an
diesem gar nicht solche Punkte finden können, aber darf de-
ren völligen Mangel nicht behaupten, da das Exemplar leider
etwas schlaff is. Die Anzahl der umgebildeten Saugnäpfe
mag nach der Anzahl der Zähne etwa 26 bei jenem, 20 bei
diesem gewesen sein *).
*) Zur näheren Bestimmung der Arten führe ich noch an, dass
beide ein breites, freiliegendes inneres Rückenschild haben , welches
an. Gestalt am meisten dem bei d’Orbigny abgebildeten Rücken-
schilde von Loligo brevis und Loligo brevipinna, Tab. XIII. Fig. 6
und Tab. XV. Fig. 3 ähnelt. Doch ist das Blatt bei den Loliolus-Ar-
ten vielleicht etwas breiter im Verhältnisse zum Stiele; der Stiel hat
einen scharfen Kiel bei L. iypus, während beide, Männchen und
Weibchen von L. affınis, den Stiel etwas breiter und mit mehr abge-
rundetem Rücken haben. — Mein Loliolus iypus ist ohne alle Vater-
landsangabe; Lol. affinis fand sich in einem Glase mit der Bezeich-
Die Hectocotylenbildung bei den Cephalopoden. 223
Die Gattung Sepia gehört bekanntlich bei d’Orbigny
zu einer ganz anderen Gruppe als die vorigen Gattungen,
aber esist doch bei dieser Galtung noch dasselbe Armpaar,
welches bei den männlichen Individuen diesen Mangel an
Symmetrie darbietet, und der Arm an derselben Seite des
Thieres, der umgebildet wird; aber anstatt dass es dort die
Spitze des Armes oder die äussere Hälfte desselben war,
welches der Sitz der Umbildung war, ist es hier der Grund-
theil oder die unterste Hälfte.
Vergleicht man nämlich den rechten und linken Bauch-
arm an einer männlichen Sepia officinalis Linn., so wird
man sogleich sehen, dass das unterste Viertel des linken
Armes, wie Fig. 7 es zeigt, ein eigenes Ansehen hat. An-
statt der rechte Arm grosse und vollständige Saugnäpfe hat,
die auf einander in vier vollständigen Reihen folgen und an
Grösse von der Spitze des Armes einwärls gegen seinen
Grund zunehmen, hat der obengenannte Theil des linken Ar-
mes nur die zwei bis drei untersten Saugnäpfe in jeder Reihe
normal entwickelt; die darauf folgenden sieben bis acht Näpfe
in jeder Reihe sind dagegen entweder ganz klein geworden
oder wohl gar fast verschwindend. Das Erste ist der Falı
mit den beiden innersten Reihen, in welchen die Saugnäpfe
äusserst niedrig sind, indem sie kaum ein Sechstel der ge-
wöhnlichen Höhe der Näpfe haben, während sie doch noch
elwa ein Drittel des Durchschniltes derselben behalten, so
dass sie wie kleine niedrige Tellerchen an einem kurzen und
dünnen Stiele der Innenfläche des Armes angeheftet sitzen;
das Letztere trifft dagegen die beiden oberen, näher nach
des Thieres Rückenseite sitzenden Reihen, deren Saugnäpfe
so klein sind, dass sie leicht übersehen werden können,
wenn man nicht grosse Individuen vor sich hat. An einem
Tintenfische von 11 Zoll. Länge haben sie kaum mehr als
0,5 mm. Durchmesser, und ihre Höhe ist lange nicht so gross.
Die Umbildung des Armes besteht indessen nicht allein in
dem Zurücktreten dieser Saugnäpfe; dieses wird eigentlich
nung: „gelangen vom Gouverneur Christensen auf der Reise vom
Cap nach Tranquebar“, und stammt also aus dem Indischen Ocean.
Es waren zwei Exemplare, Männchen und Weibchen.
224 Steenstrup:
erst recht in die Augen fallend dadurch, dass zwei andere
Beziehungen damit zusammenfallen, Der Arm wird nämlich
an dem genannten Theile viel breiter, sowohl dadurch, dass
der Zwischenraum zwischen den drei oberen Saugnapfreihen
grösser wird, wodurch auch die an sich so äussersl kleinen
Näpfe, die weiter auseinander gerückt werden, unbedeulten-
der erscheinen müssen, als dadurch, dass die Haulborde, die
längs der äusseren Saugnapfreihe sich hinzieht, und welche
an der ührigen Strecke des Armes nur ziemlich schmal ist,
sich hier bedeutend entwickelt und fast ebenso breit wird
wie die Fläche des Armes. Demnächst sind die Muskelpar-
tien, die gleichsam die Wurzel der Napfstiele ausmachen,
oder von denen diese Stiele gleichsam entspringen, auf eine
eigene Weise entwickelt worden, indem sie sich gehoben
haben und wie eine Art Schrägbalken quer über den Arm
liegen und zum Theil einander kreuzen, wodurch eine Menge
Gruben entstehen, welche besonders tief gegen den oberen
Rand sind. Endlich hat die Haut überall in diesen Gruben
und auf den Wällen, die sie trennen, sich zu erhabenen dün-
nen Hautblättern gefaltet, die netzförmig zusammenlaufen und
der ganzen Oberfläche des Armes in diesem Theile eine
gewisse Aehnlichkeit mit der inwendigen Seite eines Kalbs-
magens geben. Dieser grubige und netzförmige Bau der
Oberfläche, der besonders dazu beiträgl, dass die Saugnäpfe
sich dem Auge entziehen, hält sich nicht allein an der ei-
gentlichen Oberfläche des Armes, wo er am stärksten zwi-
schen den beiden äusseren Saugnapfreihen ist, sondern brei-
tet sich von da auf den entsprechenden Theil der Seiten-
borde des Armes aus. Es ist kaum zu bezweifeln, dass die-
ser eigenthümliche Bau eine starke Schleimabsonderung be-
zweckt; aber in welcher specielleren Hinsicht dadurch die
Uebertragung der Samenmasse auf das Weibchen gefördert
werden kann, davon muss die Erklärung späteren Untersu-
chungen vorbehalten werden. — Der zehnte oder elfte Napf
in jeder der vier Reihen tritt plötzlich mit seiner richtigen
Grösse und Gestalt auf, und von da an bis zur Spilze ist
kein merklicher Unterschied zwischen diesem Arme und dem
Arme der entgegengesetzien Seite, oder zwischen den Armen
des Männchens und des Weibchens.
Die Hectocotylenbildung bei den Cephalopoden. 225
Bei Sepia inermis v. Hass., die dem indischen Meere
angehört, aber wovon das Museum nur ein männliches Exem-
plar besitzt, und zwar ein kleines von kaum vier Zoll Länge,
finde ich dieses Verhältniss noch eigenthümlicher entwickelt.
Die unterste Hälfte des Armes (siehe Taf. X. Fig. 8), besitzt
durchaus keine Saugnäpfe, sondern ist in ihrer ganzen Breite
umgebildet gleichwie die äussere Seite des entsprechenden
Armiheiles bei Sepia officinaks, indem eine Menge Gruben
durch mehr hervorragende Hautfalten deutlich genug in Stras-
sen geordnet sind, die quer über den Arm gehen. Die
stärksten Querfalten scheinen die Lage der Muskelparlien an-
zudeuten, wo an sich die Saugnapfstiele heften, und nach ihrer
Anzahl darf man annehmen, dass etwa 20 Querreihen von
Saugnäpfen, verschwunden sind. Beide Ränder des Armes
haben die Neigung sich gegen einander zu falten, und so
gleichsam eine sehr lange Saugplalte oder Greifplalte zu bil-
den. Das erwähnte Exemplar, wonach Fig. 8 gezeichnet ist,
war leider etwas schlaff und minder wohl erhalten; ein bes-
ser erhaltenes kann vielleicht eine Spur von den Saugnäpfen
zeigen, deren Vorhandensein ich verneinen zu müssen ge-
glaubt habe. Jedenfalls macht diese Bildung bei einer indi-
schen Sepia-Art es wahrscheinlich, dass das oben bei Sepia
offieinalis beschriebene Verhalten nicht dieser Art allein zu-
kommt, sondern dass wir hier mit einer der ganzen Galtung
Sepia zukommenden Erscheinung zu Ihun haben.
Von drei anderen Sepia - Arten besilze ich nur Weib-
chen, und bei diesen sowohl wie bei den Weibchen der bei-
den vorigen Arten, gehen die vier Saugnapfreihen, in stets
zunehmender Grösse, bis zu dem Grunde des Armes hin.
Mit der Gallung Sepia gruppirt d’Orbigny die beiden
Hauptgallungen der kleinen Küstenlintenfische: Sepiola Leach
und Rossia Owen; aber in Rücksicht auf das Verhalten der
Arıne, welches wir hier untersuchen, trennen sie sich weit
von einander, wie das Folgende sogleich lehren wird.
Bei einer männlichen Sepiola Rondeletü d’Orb. fand ich
nämlich Folgendes: Von dem ersten Armpaare, oder Rücken-
paare, trug der Arm an der rechten Seile sehr kleine Näpfe
in zwei Reihen bis zur Spitze, und diese Näpfe, welche ganz
regelmässig nach aussen zu kleiner wurden, erreichten an
Archiv f. Naturgesch. XXI. Jahrg. 1. Bd. 15
226 Steenstrup:
Grösse nichl den vierten Theil der grossen kugelförmigen
Näpfe, welche man an dem zweiten und vierten Armpaare
findet, zumal an dem millelsten Theile derselben; darin slimm-
ten sie mit den Näpfen an dem dritten Armpaare überein.
In dieser ungleichen Entwickelung der Saugnäpfe kommt die-
ses mein Sepiola- Männchen auch mit Fig. 5 auf der ersten
Sepiola- Tafel in Ferussac’s und d’Orbigny’s grossem
Werke überein. Der Arm an der linken Seite wich dage-
gen nicht nur von dem ihm gegenüberliegenden ab, sondern
auch von allen anderen Armen an dem Thiere, indem er, wie
meine Fig. 9 zeigt, auf eineeigene Weise so zu sagen in sei-
ner ganzen Länge angeschwollen war. Dieser angeschwol-
lene Zustand halte nach einer näheren Betrachtung darin
seinen Grund, dass die sonst kugelförmigen Stiele der Saug-
näpfe stark verlängert und walzenförmig geworden und mit
einander verwachsen sind; mit den stumpfen Spitzen dieser
Walzen sind Saugnäpfe durch so dünne und kurze Fäden
verbunden, dass sie fast das Ansehen erhalten, als wenn sie
sitzend wären; sie sind im Durchmesser gleich mit ihren
Walzen, so dass sie einander fast mit ihrem äusseren Rande
berühren. Dieses gilt namentlich von der inneren Reihe der
Saugnäpfe, die an Grösse die der äusseren Reihe übertreffen
und über diese hinausragen, was Fig. 9, die diesen Arm
von der Bauchseite gesehen , und Fig. 9%, die in stärkerer
Vergrösserung ein Paar Saugnäpfe von beiden Reihen dar-
stellt, deutlicher zeigt. Die erstgenannte Figur zeigt zugleich
eine an der inneren Fläche des Armes, unten am Grunde,
entwickelte merkwürdige Hautausbreitung, die sehr stark mit
Muskeln versehen und dadurch fähig ist, sich nach den Sei-
ten auszubreiten und sich zusammenzufalten,, und daher als
Greifwerkzeug oder eine Zange wirken zu können scheint.
Sie ist hier mit zusammengeschlagenen Rändern in der dil-
lenförmigen Gestalt dargestellt, welche sie an dem Spiritus-
Exemplare halte. Unterhalb dieser Dille sitzen noch vier
kleine Saugnäpfe von Grösse und Form derer, die an der
Wurzel der anderen Arme sitzen, woraus man also sieht,
dass diese Hautausbreitung dieselbe Stelle an dem Arme hat,
wie die Haulausbreitung an dem Arme der Sepien; dass die-
ser Apparat wesentlich die gemeinschaltlliche Bedeutung wie
Die Hectocotylenbildung bei den Cephalopoden. 227
der beschriebene Theil bei der Galtung Sepia hat, kann ich
nicht bezweifeln. Ich habe bereits erwähnt, dass Fig. 5 auf
der ersten Tafel beiFerussac und d’Orbigny aufs Beste
meine männliche Sepiola in Hinsicht auf den ganzen Habilus
und die starken kugelförmigen Saugnäpfe am zweiten und
vierten Armpaare darstellt; ich will nun bitten diese Figur
nochmals mit der meinigen in Hinsicht auf die Bildung des
linken Rückenarms zu vergleichen, und man wird mir gewiss
die Wahrscheinlichkeit einräumen, dass daselbst für die ei-
genthümliche Form, die dieser Arm in der Figur erhalten
hat, eine Bildung zum Grunde liegen muss, wie die, welche
ich hier beschrieben habe. Da meine Weibchen alle kleine
Näpfe halten, wo das Männchen die grossen besass, und den
linken und reckten Rückenarm sleich entwickelt halten und
somit den übrigen Figuren entsprechen, welche d’Orbigny
von der Art gegeben hat, so betrachte ich nalürlicherweise
die mehrerwähnte Fig.5 als ein Männchen und nicht ein
Individuum mit krankhafler oder monströser Entwickelung
darstellend; so erklärt nämlich d’Orbigny diese seine Fi-
gur *). Ich besilze noch aus dem Miltelmeere eine andere
männliche Sepiola, welche zu derselben Gruppe wie Ronde-
lelii gehörl, indem sie nur zwei Reihen Saugnäpfe an jedem
Arme hal; ihr zweiler und vierter Arm tragen auch grosse
und kugelförmige Näpfe, und ihr linker Rückenarm ist ganz
analog mit dem der vorigen umgebildet, aber sie unterschei-
*) Ueber Sepiola atlantica heisst es bei d’Orbigny p.237 in
seiner Fortsetzung des grosen F&russac’schen Cephalopodenwerkes
(L’histoire naturelle et particulire des Mollusques) : „Cette espece,
de m&me que la Sepiola Rondeletii, est assez sujette ä une maladie
qui consiste en un durcissement et une croissance beaucoup plus
grande des cupules des bras sessiles, qui deviennent quatre fois aussi
gros que les autres, sans que leur cercle eorn& suive la m&me pro-
portion. Cette affection allonge les bras, les fait gonfler, ou les
rend souvent diflormes“, — Auch von Sepiola Rondeletii heisst es in
der Erklärung der Abbildungen p.233 gerade bei den Figuren (5
und 6), welche ich oben als unverkennbar meiner Figur gleichend
angeführt habe: „Fig. 5, Individu malade; ses cupules devenues plus
grosses et plus dures. Fig. 6, Portion de bras alfectö de la maladie
indiquee“,
228 Steenstrup:
det sich von ihr darin, dass die Saugnäpfe am unteren Theile
dieses Armes verhällnissmässig grösser sind, und schroffer an
Grösse nach dem Ende des Armes abnehmen; sie sind dabei
etwas mehr gestielt, und die Grundiheile dieser Stiele sind
nicht so slark verwachsen. Ebenso ist die eigenthümliche
Greifparlie an der Wurzel weniger entwickelt.
Bei der mit Sepiola so nahe verwandten Gallung Ros-
sia war es zu vermulhen, dass das Verhalten des Armes
dasselbe sein müsse. Ich finde auch, dass dies der Fall ist,
was das Paar der umgebildelen Arme betrifft; aber die Um-
bildung selbst ist merklich verschieden. Leider besitze ich
kein Männchen ven den eigentlich europäischen Arten, aber
dagegen habe ich 5 männliche Individuen der Galtung Rossia
von den Grönländischen Küsten untersucht; diese fünf Indi-
viduen gehören bestimmt zwei verschiedenen Arlen an, aber
alle stimmen darin mit einander überein, und weichen von
den weiblichen Individuen ab, welche ich habe untersuchen
können, sowohl von grönländischen wie europäischen Arten,
dass die drei unieren Armpaare, das zweite, dritle und
vierte Paar, bedeutend grössere Saugnäpfe tragen als das
erste Paar, oder die Rückenarme, während dies Paar bei
den Weibchen nicht merklich kleinere Näpfe trägt als die
übrigen, und ferner darin, dass dasselbe erste Paar, der
linke und rechte Arm, die äussere Reihe dieser Saug-
näpfe, in fast zwei Dritteln der Armlänge, auf hohen Stielen
stehend hat, deren Wurzellheile ungemein stark entwickelt
und zusammengedrückt und im schlaffen Zustande fast blatt-
förmig sind; zwischen diesen eigenlhümlichen Stlielen sieht
man Haulfalten sich einschieben, und andere ähnliche Haut-
falten von der Wurzel des Stieles ausgehen, Taf. XI. Fig. 1.
Diese sonderbaren Haulfalten zeigen sich bei näherer Be-
trachlung nur als üppigere Enlwickelungen der Hautwülste, die
bei den Rossien napfförmig den Grund oder den Stiel der
einzelnen Saugnäpfe umgeben, wie es sich zum Theil auch
bei Sepiola findet — Haulbildungen, denen man bisher nicht
hinreichende Aufinerksamkeit geschenkt hat, die aber viel-
leicht denen entsprechen , welche d’Orbigny nach Tile-
sius bei Sepiola japonica Til. beschrieben hat. Eiwa 11
Saugnäpfe sind so an der äusseren Seile des rechten und
Die Hectocotylenbildung bei den Cephalopoden. 229
linken Armes stark emporgehoben, während die übrigen
Saugnäpfe auf niedrigeren aber mit den anderen wesentlich
übereinstimmenden Stielen gelragen werden. Da die soge-
nannte „Deckhaut“ der Saugnäpfe, die ich im Vorigen die
Seitenborde des Armes genannt habe, an der äussern Seite
des Armes sehr stark und breit vor diesen 11 Saugnäpfen
ist, und die erwähnten Haulfalten sich auf sie fortsetzen, so
entsteht einige Aehnlichkeit zwischen dieser Entwickelung
und dem was wir bei Sepia antrafen, gleichwie wir auch
hier die Umbildung in dem unteren Theile des Armes oder
doch vornehmlich in ihm haben. Endlich muss noch be-
merkt werden, dass beide Arme des Rückenpaares bei allen
fünf Individuen so schief nach innen gedrehet sind, dass
dadurch offenbar ein Zusammenwirken zwischen den äusse-
ren Seiten dieser beiden Arme erleichtert wird. Diese bei-
den Arten gehören wohl zu den grössten Arten der Gattung,
da sie gleichgross mit R. palpebrosa Owen sind, mit der die
eine nach meiner Meinung zusammenfallen muss *), aber es
#) Die beiden Arten unterscheiden sich leicht dadurch von ein-
ander, dass die eine äusserst kleine Saugnäpfe an den Keulen der
Tentakeln hat, so wie diese nach Owens Beschreibung und Abbil-
dung bei Rossia palpebrosa @ sein sollen, während sowohl Männchen
wie Weibchen der anderen Art sehr grosse Näpfe an den Keulen ha-
ben; die mittelste Reihe derselben übertrifft an Grösse bedeutend die
grossen kugelförmigen Näpfe an den Armen, durch welche Eigen-
thümlichkeit diese Art auch beträchtlich von allen beschriebenen
Arten abweicht. Dieser ausgezeichneten Form habe ich den Namen
Rossia Mölleri Stp. beigelegt nach unserem verstorbenen Landsmann,
dem um die Grönländische Molluskenfauna verdienten Inspector H. C.
Möller. Nach dem Männchen von dieser Rossia Mölleri sind die
beiden Rückenarme Tab. XI. Fig. 1. gezeichnet.
Auf Anlass dieser und mehrerer anderer Vermehrungen der
grönländischen Fauna, die in dieser Abhandlung berührt werden,
ergreife ich die Gelegenheit ‚in Erinnerung zu bringen, dass sowohl
die Originalsammlung, welche dem verstorbenen Möller als Grund-
lage für seinen Index Molluscorum Groenlandiae gedient hatte, wie
auch seine späteren Sammlungen zu eiuer vollständigeren Bearbeitung
davon, von des Verstorbenen Vater, Herrn Regimentschirurg Möller
dem zoologischen Museum der Universität geschenkt sind, und dass
vorzüglich mit Hülfe des erwähnten Materials von Hrn, 0, Mörch
230 Steenstrup:
ist kaum ein hinlänglicher Grund anzunehmen, dass nicht die
kleineren Arten hiermit übereinstiimmende Verhältnisse zeigen
sollten *).
Die Gattung Ommatostrephes d’Orb.,, gebildet aus
den Arten der älteren Gattung Loligo, deren Augen von dem
deckenden Hautüberzug entblösst sind und deren Bau in ‚man-
cher anderer Beziehung von den Loligoarten im engeren
Sinne abweicht; die Gallung Onychoteuthis Lichtst.. mit
ihrer Untergattung Gonatus Gray und. die Gallung Loli-
gopsis, so wie sie von Ferussac aufgefasst wurde und
von ihm und später von d’Orbigny einen eigenen Begriff
erhielt, der nicht in Verbindung mit den Cephalopoden zu
stehen scheint, auf welchen Lamarck ursprünglich sein Ge-
schlecht Loligopsis gründete, haben mir nicht dergleichen Ab-
weichungen in dem Baue eines einzelnen Armpaares bei den
eine vermehrte und vollständigere Ausgabe von Möller’s Index mit
Originalfiguren vorbereitet wird.
*) Dies bemerke ich mit Rücksicht auf ein in Verany’s Werk
über die mittelmeerischen Cephalopoden beiläufig berührtes Verhalten
bei der eigenthümlichen Rossia dispar Rüpp- Bei dieser kleinen Art,
die zuerst durch ihre ganz unverhältnissmässig grossen Saugnäpfe an
den obersten Seitenarmen (s. Verany l.c. Tab. 23 d, f, g, h) bekannt
geworden war — wofür auch Gray eine eigene Gattung unter dem
Namen Heteroteuthis bildete — sollen nämlich zufolge eines Briefes
an den Verfasser von Dr. Krohn alle die mit jenen grossen Saug-
näpfen versehenen Individuen sich als Weibchen ausgewiesen haben,
während eine in den anderen Beziehungen mit dieser übereinstim-
mende Form, der diese grossen Naugnäpfe fehlen und der der Name
Rossia affınis zugedacht war, nur Männchen dargeboten haben soll.
Unter Voraussetzung der Richtigkeit (?) dieser Beobachtung, bleibt es
eine Frage, ob nicht jene Männchen doch das Rückenpaar erstens
mit kleineren Saugnäpfen als die übrigen drei Armpaare, und zwei-
tens analog mit den Armen bei den obenerwähnten drei Arten zei-
gen. Es verdient eine nähere Untersuchung, ob nicht die beiden von
der Irischen Küste von Ball beschriebenen Rossien, R. Oweniü und
R. Jacobi, welche letztere von Forbes und Hanley zu R. macro-
soma gerechnet wird, sich wie Männchen und Weibchen derselben
Art zu einander verhalten ; wenigstens stimmt jene im Verhalten der
Näpfe mit meinen Männchen, diese mit meinen Weibchen überein. —
Vergl. die Figuren dieser beiden Arten bei Forbes und Hanley
Pl. NNN und SSS.
Die Hectocotylenbildung bei den Cephalopoden. 231
männlichen Individuen dargeboten. Es fehlt jedoch deshalb
nicht an bedeutenden äusseren Verschiedenheiten zwischen
Männchen und Weibchen, so wie es bereits aus Verany’s
Beschreibung und Abbildung der beiden Geschlechter von
Omm. sagittatus Lam. hervorgeht, und wie ich es nach Un-
tersuchung der beiden Geschlechter aus dem Mittelmeere be-
stäligen kann. Es sind inzwischen nicht allein der im Ver-
hältnisse viel kürzere Körper und die viel längeren und stär-
keren Arme, welche hier das Männchen vor dem Weibchen
auszeichnen, sondern es ist auch der bestimmte auffallende
Unterschied, welchen Verany übersehen hat, dass beide
Seilenarme bei dem Männchen mehrmals grössere Saugnäpfe
tragen als die Bauch- und Rückenarme, während sie bei den
Weibchen nicht sonderlich diese Grösse übertreffen. Es sind
daher keinesweges äussere Geschlechtsunterschiede , deren
Vorhandensein ich in diesen Formen in Zweifel ziehen möchte,
aber wohl eine weniger symmetrische Ausbildung eines der
Armpaare in Bezug auf die Fortpflanzung. Doch muss ich
in dieser Hinsicht ausdrücklich bemerken, dass wenn ich
auch Gelegenheit gehabt habe, eine grössere Anzahl von Ar-
ten zu sehen, und namentlich von den sogenannten „Lol-
gopsiden“, welche ich als Gruppe lieber Hyaloteuthier oder
Medusoteuthier nennen würde, nicht weniger als 6 *), von
*) Da diese Gruppe im Systeme noch so wenig Arten zählt,
und da diese Tintenfische im Ganzen zu den sehr seltenen in den
Museen gehören, so wird es kaum überflüssig sein in der Kürze diese
Anzalıl zur Sprache zu bringen. Die angeführten sechs Arten sind
alle atlantisch; zwei von ihnen sind sehr kleine Arten der Gattung
Chiroteuthis d’Orb. mit vieler Uebereinstimmung mit dem in Verany’s
Werk beschriebenen und Tab, 26 abgebildeten Lol. zygaena Ver. und
Lol, vermicularis Rüpp.; zwei andere sind gleichfalls kleine, aber
zur Gattung Leachia Les. gehörende Arten, unter welchen die von
Prosch in den Schriften dieser Gesellschaft beschriebene „Cranchia
(Owenia) megalops Pr.* , und eine andere merkwürdige Art, der ich
den Namen L. Reinhardtii gegeben habe, und welche sich von allen
bisher beschriebenen Arten durch ihre stärkere Ausrüstung mit Knor-
pelleisten am Mantel unterscheidet; ausser einer gezähnten Knorpel-
leiste an der Mittellinie des Rückens herab hat sie an jeder Seite
des Leibes zwei andere gezähnte Knorpelleisten oder Knorpelrippen,
die unter einem spitzen Winkel gerade an den Punkten mit einander
932 Steenstrup:
der Onychoteuthis-Gruppe 2, von der Gatlung Ommatostre-
phes 5 Arten, so habe ich doch nur von sehr wenigen Arten
nämlich einer von jeder der letztgenannten Galtungen, eine
grössere Anzahl Individuen von jedem Geschlecht zur Unter-
suchung gehabt, und es ist so nicht unmöglich, dass ein in
der Hinsicht glücklicher gestellter, und namentlich ein am
Mittelmeere wohnhafter Forscher nachweisen könnte, was ich
nicht habe finden können; jedoch wird die Umbildung in
diesem Falle gewiss auf einen äusserst kleinen Theil des Armes
beschränkt sein *).
Von den auffallenden Formen, welche, wie wir gesehen
haben, ein bestimmter Arm bei den meisten männlichen Ce-
phalopoden der Decapoden-Ordnung annimmt, indem ein sol-
cher besonders für einen eigenen Zweck ausgebildet wird,
wenden wir nun unseren Blick auf die Oclopoden. Haben
zusammen stossen, an welchen der Mantel jederseits mit dem Trich-
ter vereinigt ist; das Verhältniss der Arme ist 3,2,4,1, und sie tra-
gen nur zwei Reihen von Saugnäpfen; die Tentakeln haben, vier Rei-
hen von Saugnäpfen am äusseren Drittel, sich zerstreut auf das mit-
telste Drittel fortsetzend; die Flossen sind endständig, klein und rund-
lich. Von derselben Gattung habe ich endlich eine grosse und sehr
ansehnliche Art von Nordgrönland, Leachia hyperborea Stp. von L.
pavo Les., mit der sie mir am nächsten verwandt zu sein scheint,
durch die Länge der Flossen, die schr schmal sind, den Seiten des
Leibes in halber Länge folgen, und zusammen eine lange lancetför-
mige Figur bilden; durch das gegenseitige Längenverhältniss der
Arme, welches 3, 2,1, 4 ist; durch, die bedeutende Grösse der Saug-
näpfe und die Kürze der Tentakeln, die nur doppelt so lang wie die
eigentlichen Arme sind, unterschieden. Diese neuen Arten sind be-
stimmt, mit mehreren anderen atlantischen Tintenfischen, den Gegen-
stand einer späteren Abhandlung zu bilden. Die sechste Art ist eine
unvollständige Histioteuthis d’Orb.
*) Bei meinen beiden männlichen Ommatostrephes Lam. zeigt
zwar der eine Baucharm eine eigene Form an der Spitze, die auf eine
solche Umbildung hindeuten könnte ; aber da esan dem einen Individuum
der linke, an dem anderen der rechte Arm ist, und da beide Indivi-
duen im Leben an diesen Stellen etwas beschädigt gewesen zu sein
scheinen, so habe ich es nicht als normal rechnen dürfen, um so
mehr, da ich bei männlichen Ommatostrephes ‚anderer Arten nichts
Entsprechendes finden konnte.
Die Hectocotylenbildung bei den Cephalopoden. 233
wir nämlich nicht die Anschauung zurückdrängen können, dass
diese auffallende Ausbildung sehr nahe der Hectocotylenbil-
dung bei den Gallungen Argonauta und Tremoctopus unter
diesen entspricht, so ist es natürlich, dass wir suchen bei
den anderen Galtungen der oclopodenarligen Cephalopoden
eine Spur von der Bildung aufzufinden, um so durch nähere
Uebergänge dieser Anschauung grössere Wahrscheinlichkeit
zu geben.
Wenn wir das Geschlecht der Arten innerhalb der Gat-
tung Octopus selbst untersuchen, und damit den äusseren
Bau desselben vergleichen, finden wir, dass der Arm, welcher
bei den genannten beiden Gattungen „hectocotylisirt“ ist, be-
kanntlich der dritte Arm an der rechten (Tremoctopus) oder
linken (Argonaula) Seite des Thieres, gerade auch bei der
Gallung Octopus anders gebildet ist, als die übrigen Arme,
und namentlich ist es hier stets der Arm an der rechten
Seite, welcher umgebildet worden ist. Dieser Arm ist näm-
lich immer kürzer als der linke, sogar in einem bedeuten-
den Grade, indem er bei den verschiedenen Arten nur drei
Viertel bis die Hälfte der Länge desselben darbietet, und da
er überdiess nicht bloss oft dieselbe Dicke behält, sondern
sogar in seiner äusseren Hälfte muskelreicher ist, hat er auch
oft ein kräfligeres Aussehen. Er trägl weit weniger Saug-
näpfe als der linke, und ist aussen an der Spitze mit einer
eigenthümlichen, meist länglichen Platte ausgerüstet, die bei
den meisten Arten an der einen Seile mit einer grösseren
oder kleineren Anzahl von Querrunzeln oder Rippen mit
zwischenliegenden Gruben versehen ist. Diese Platte ist fer-
ner mit der Schwimmhaut an der Wurzel des Armes durch
Hülfe einer muskulösen Hautborde in Verbindung gesetzt,
welche längs dem Rückenrande des Armes herabläuft, und
diese Borde findet sich sehr oft mit ihrem freien Rande gegen
die innere Seite des Armes aufgerollt, wodurch ein mehr
oder minder geschlossener Kanal gebildet wird, welcher un-
zweifelhaft dazu bestimmt ist, die Spermaltophoren zu der
Endplalte des Armes hinzuleiten. Da dieser Kanal oder Halb-
kanal inwendig ohne Chromatophoren ‘und bei den meisten
Arlen ganz weiss ist, so schliesse ich daraus, dass beim le-
benden Thiere dieser Hautrand in der Regel gegen die Seile
234 Steenstrup:
des Armes gebogen sein wird, so wie es die meisten Spi-
ritus-Exemplare zeigten.
Dies ist wenigstens der Fall bei Octopus groenlandieus
Dewhurst (— O0. arclicus Prosch), von welchem ich bei fünf
Männchen am rechten Arme des dritten Paares nur 41-43
Saugnäpfe finde (während ich an dem entsprechenden linken
Arme 74—79 finde) und eine mit 13—17 Querrippen verse-
hene löffelförmige Greifplatte an seiner Spitze, nebst einem
Hautrande, der sich von dieser bis gegen die Mitte der Bin-
dehaut zwischen dem drilten und vierten Arme erstreckt, wo
der Halbkanal oder Falz, welchen dieser Haufrand bildet,
ebenfalls plötzlich aufhört. Figur 2 auf Tafel XI, die in na-
türlicher Grösse ausgeführt ist, sucht dieses Verhalten an-
schaulich zu machen. a ist die Greifplatte, wie ich sie ge-
nannt habe, durch eine hohe winkelförmige Haulfalte (d) von
dem saugnapfiragenden Theile des Armes geschieden; bb
der Hautrand oder die Haulborde; ce die Stelle wo sie be-
ginnt oder endigt am Rande der Bindehaul *). Eine Samen-
büchse oder Spermatophore ragte an dem einen Exemplare
aus dem Trichter hervor, und war vermulhlich auf dem Wege
zu jenem Hautrande hin, zu welchem sie wahrscheinlich da-
durch gebracht wird, dass sich das obere Ende des Trich-
ters einfach gegen den Anfang des Hauifalzes hinlegt.
Bei einem männlichen Exemplare von Octopus macro-
pus Risso oder O. Cuvieri d’Orb., gesammelt von Professor
Eschricht bei Celte und nun dem zoologischen Universi-
tätsmuseum überlassen, finde ich das Verhalten in soweit mit
©. groenlandicus übereinstimmend, als auch hier der rechte
Arm des dritten Paares weit kürzer als der linke desselben
Paares ist, jener nämlich nicht volle 10 Zoll, dieser gegen
20 Zoll, und sich dabei an der Spitze zu einer 13mm. lan-
gen aber schmalen muskulösen Platte erweitert, die keine
Saugnäpfe hat und durch eine erhöhte Falte von dem saug-
napftragenden Theile des Armes abgegrenzt ist. Obgleich
*) Die Saugnäpfe an allen acht Armen haben etwa dieselbe
Grösse; dass sie in der Abbildung an dem ersten Paare grösser er-
scheinen, rührt von der Richtung her, worin sie der Zeichner gese-
hen hat,
Die Hectocotylenbildung bei den Cephalopoden. 235
das Exemplar etwas schlaff war, so erkannte man doch eine
Neigung am Rande der Endplalte sich wie ein Greifapparat
zusammen zu biegen, aber Quererhöhungen waren nicht zu
sehen, vielleicht nur wegen des erwähnten Conservalionszu-
standes. Unterhalb dieser Greifplalte war der Arm regel-
mässig gebaut, abgerechnet seine stärkere Muskulatur und
Dicke nebst der muskulösen Hautborde an der Seite des Ar-
mes herab.
Eine andere Octopus-Art, die auch aus dem Mittelmeere
stammen soll, aber welche ich auf keine Weise als einen
kleineren O. vulgaris deuten kann, zeigt wesentlich dasselbe;
der betreffende Arm ist in natürlicher Grösse Taf. Xl. Fig.3
abgebildet, mit entfalteter Haulborde, Die Anzahl der Quer-
ribben in der Greifplatte ist 17.
Noch habe ich ausser mehreren Octopus-Arten, deren
Bestimmung mir aus Mangel an hinlänglichem Vergleichungs-
materiale unmöglich gewesen ist, mehrere männliche Indivi-
duen von O. rugosus Bosc von den Antillen untersucht, fer-
ner eine grosse Anzahl männlicher Individuen von Octopus
vulgaris Lam. aus dem Miltelmeere, und einen männlichen
Octopoden von der Chilesischen Küste, der durch die be-
trächtliche Grösse einiger einzelnen Saugnapfpaare an den
Seitenarmen der von diesen Küsten bekannte ©. Fontanianus
d’Orb. zu sein scheint. Bei ihnen allen habe ich gefunden,
dass dieser rechte Arm längs seiner inneren oder unteren
Seite eine muskulöse Hauffalte halte, bestimmt um für die
Leitung von Spermalophoren einen Halbkanal oder Kanal zu
bilden, und am Ende mit einer kleinen napflörmigen Erwei-
lerung versehen war, welche jedoch so unbedeutend war,
dass sie leicht der Aufmerksamkeit entgehen konnte, wäh-
rend der Arm selbst durch die erwähnte zusammengerollte
Hautfalte und durch seine Verkürzung sich dem entgegenge-
selzten Arme gegenüber hinlänglich kenntlich machte, wenn
er auch nicht, wie bei den vorigen Formen, zugleich dicker
ist, sondern in seiner äusseren Hälfte schlanker und zuge-
spilzter erscheint als die übrigen Arme, Ich muss daher
annehmen, dass bei allen Octopus- Arten ohne Ausnahme
dieser dritie Arm an der rechten Seite zur Vebertragung der
Spermatophoren bestimmt ist,
236 Steenstrup:
Besonders muss ich in Betreff von Octopus vulgaris Lam.
hinzufügen, dass fünf von mir untersuchte männliche und
ungemein grosse Individuen alle an ihren Seitenarmen den
14ten, I5ten oder 16ten Saugnapf von einer ganz unverhält-
nissmässigen Grösse haben, und dass das oberste Paar die-
ser Seitenarme ausserdem in der Regel Nachbarnäpfe für
diesen grossen Saugnapf von fast ebenso ansehnlicher Grösse
hatten, wogegen nur bei einem einzigen dieser Exemplare
die Tendenz war, zwei solcher Näpfe an dem untersten Sei-
tenpaare oder dem sogenannten dritten Armpaare zu ent-
wickeln. Dabei war der dritte rechte Arm etwa einen Fuss
kürzer als der dritte linke, aber auch deutlich dünner in seiner
äusseren Hälfte, halle am Ende die zugespilzte Endfläche; die
an der einwärls gewendelen Fläche stark weisse Hautfalte giebt
das Ansehen, als wenn die Seile des Armes durch einen
Längsspalt in zwei Theile gespalten wäre *). Bei keinem
*) Das Verhalten, welches ich hier angedeutet habe, die zuge-
spitzte Form des Armes, die starke Hautfalte längs dem Rückentheile
des Armes, die inwendige stark weisse Farbe dieser Hautfalte und
ihre Aufrollung gegen die Seite des Armes, wovon sie nur durch
eine tiefe Ritze oder Furche getrennt scheint, und zwar von der Spitze
an, endlich die hier erwähnten grossen Saugnäpfe an den beiden
Seitenarmpaaren, und sogar auch an dem Arme, der im Dienste der
Fortpflanzung steht, macht uns drei Stellen bei Aristoteles verständ-
lich, welche Philologen und Zoologen bisher nicht recht haben ver-
stehen können. Diese Stellen zeigen uns, dass Aristoteles bei dem
gewöhnlichen Octopus des Mittelmeeres, seinem Polypus, sowohl die-
ses eigenthümliche Formverhältniss an dem einen Arme gekannt, als
gewusst hat, dass er in Beziehung zur Fortpflanzung stände, wenn
er sich auch bestimmt dagegen äusserte, dass der Same durch den
Arm geleitet würde.
An der einen Stelle sagt Aristoteles ganz kurz über seinen
Polypus: ıaypeosı dE 6 @o6nv ıns Unlelas ıo ze ınv zegaknv £yeıv
nooumxeoregav, xai 10 zakouuevor Uno ıWv dlıuwv aldoioy Ev 15
nAtzrevn Aeuxdv (lib. V. c.10, 1. edit. Schneideri p. 196), welches
übersetzt werden muss: dilfert mas a femina eo, quod habet caput
(i. e. abdomen) oblongius et genitale, quod a piscatoribus vocatur,
in brachio album. Dieser Ausdruck bezieht sich erstens auf den an
einer anderen Stelle in demselben Buche (nämlich V. 6,1. p. 188) ge-
brauchten, worin es auslührlicher heisst: gaot de rıweg zwi 1177 @d-
Die Hectocotylenbildung bei den Cephalopoden. 237
Weibchen, ungeachtet auch hier die Seilenarme unverkenn-
bar die grösseren waren, fand ich solche grosse Saugnäpfe.
beva Eysıy aldoıwdes ı Ev wid twy niezıayuv, &v j dvo ai utyıorar
zoruAndüvss elolv- £ivar de 10 1010010» Wong veugwdes ueygı eis
ueonv ıny nAexzıayny ng00nEyUx0s, üney TE (tlonıyodvaı) es 107
Auzınoa ıjc Inhelas. i. e. aiunt nonnulli, marem in uno brachiorum,
in quo sunt duo maxima acetäbula, quoddam genitali simile habere,
idem esse quasi nervosum, usque ad medium brachium adnatum, et
tolum in narem (fistulam) feminae inseri. Ferner bezieht er sich
auf die, wie man gewiss nun finden wird, genauere Beschreibung des
Armes in dem vierten Buche: O utv oV» noAunous zei wg no0i zai ws
42001 yoyımı reis nhezıayaıs noooayeıaı dE ıwis dvoi eis Untg zov
Orduaros, ı7 d' Loyaın ıwy nAezıarwv, 7 Eotıy Ofurarnıe zei uirn
nagdhevzos avıdv zui £E &zgov dixgia (forı de adın Eni ıy Gayeı“
zehtitaı JE Oayıs 10 Aeiov, ou ne6ow ae xoruAndüves &loL‘) zavım
dt 17 nkerravn yore &v qais oyeicıs. (Lib. IV. I, 6. p. 131) i. e.
polypus vero brachiis et ut pedibus et ut manibus utitur, nam duo-
bus, quae supra os habet, admovet ori cibum, extremo autem bra-
chiorum, quod est aculissimum et solum eorum ex parte candidum et
eui ab apice fissura (est autem haec in spina, spina vero vocalur
pars laevis brachii, e cuius latere anteriore acetabula sunt) — hoc
brachio in coitu utitur.
Dass Aristoteles mit den angeführten Worten eine solche
Bildung gemeint hat, wie ich sie oben bei Octopus, und namentlich
bei 0, vulgaris beschrieben habe, bedarf kaum einer näheren Ausein-
andersetzung; nur Unbekanntschaft mit derselben hat die Naturfor-
scher auf den Irrweg geleitet, wenn sie vermuthet haben, dass Ari-
stoteles einige Kenntniss von dem in den letzten Jahren bei Ar-
gonauta und Tremoctopus gefundenen seltsamen Verhalten gehabt ha-
ben sollte (vergl. v. Siebold, Zeitschrift für wissensch. Zoologie
1853. S.122—124; Roulin Ann. des scienc. nat. 1852. T. XVII.
8.191; Owen lectures on comparat. anatomy 1855. S. 634). —
Des Aristoteles Quellen sind offenbar die Fischer des Mittel-
meers; diese kennen vielleicht noch sehr gut die Fortpflanzungs-
weise der Octopoden, obschon es allerdings ziemlich auffallend ist,
dass die Naturforscher , welche namentlich in den letzteren Jahren sich
so viel mit den Tintenfischen des Mittelmeeres beschäftigt haben, nichts
davon erfahren haben. Plinius scheint mir nur die Ueberlieferungen
von dem berühmten griechischen Philosophen und Naturforscher zu
kennen; er nennt bekanntlich die Arme der Cephalopoden: pediculi,
eirri, crines, brachia und hat über ihre Anwendung im Dienste der
Fortpllanzung bei Polypus oder Octopus folgende Stelle: „omnes bra-
238 Steenstrup:
Diese Ausrüstung der Männchen von Octopus vulgaris
mit einzelnstehenden auffallend grossen Näpfen an gewissen
Armen, bewegt mich die Gattung Oclopus nicht zu verlassen
ohne noch darauf aufmerksam zu machen, dass der oben er-
wähnte 0. Fontanianus d’Orb., der nach d’Orbigny die
einzige bisher an den chilesischen Küsten beobachtete Art
sein soll, und sich von den übrigen Octopus - Arten haupt-
sächlich durch den Charakter auszeichnen soll, den ich bei
unserer gewöhnlichsten Art allen männlichen Individuen, und
zwar in einem ausgezeichnelen Grade zukommend ,' gefuu-
den habe, wahrscheinlich nur nach Männchen aufgestellt, und
vielleicht noch eine Collecliv-Art ist, die aus Männchen von
chiis, ut pedibus ac manibus, utuntur; cauda vero, quae est bisulca
et acuta, in coitu“ (Liber IX. 46) und ‚„polypi (eo@unt) cerine uno fe-
minae naribus annexo“ (Lib.X. 74).
Rondelet, für welchen, wie für den gleichzeitigen Gesner,
Aristoteles eine Hauptquelle ist, für den auch die Erklärung des grie-
chischen Textes eine wichtige Sache ist, äussert sich über jene oben
erwähnten Aussagen des Aristoteles folgendermassen: sed haee som-
nia esse analome certo demonstrat. Mihi saepius polypos dissecanti
nunquam visa sunt acetabula ista maiora in uno brachio quam in alio,
praeterquam in primo et maximo polyporum genere, in quo non duo
in uno brachio sed qualuor in qualuor brachüs acetabula prae ceteris
omnibus marima comperias,, in aliis generibus minime. Quod si se-
men hac emitteretur, necesse foret, meatum aliqguem ab internis par-
tibus hue deductum, foeminam quoque eodem meatu semen excipere
ovaque edere, quae fieri non posse, fatebuntur omnes, qui polypos
viderunt, et ovorum in inferiori alvi loco situs necessario convincit,
alio quam brachii acetabulo ova edi (De piscibus, Lugduni 1554. lib.
XVII. p.511—512). Die vier grossen Saugnäpfe an den Seitenarmen
des Männchens hat also Rondelet richtig bemerkt, aber man kann
nicht recht sehen, ob er sie als einen Geschlechtscharakter angese-
hen hat; er ist jedoch in dieser Hinsicht vor den neueren Forschern
etwas voraus, welche sowohl diese wie auch den brachius copulator
übersehen haben, Bei d’Orbigny finde ich nichts über diese Or-
gane beobachtet; Verany hat die Grösse der Saugnäpfe für etwas
Zufälliges angesehen, indem er wohl richtig anführt, dass „die Saug-
näpfe unmerklich bis zum fünfzehnten zunehmen, der gewöhnlich der
grösste ist“, aber später hinzufügt: „et souventtres disproportionnee
avec celles,; qui la touchent, surtout sur les bras de la troisieme
paire“. l. c, p. 17.
Die Hectocotylenbildung bei den Cephalopoden. 239
mehreren verschiedenen Arten bestehl. Zwei männliche
Octopoden, welche ich von den Küsten Chile’s besitze, bieten
wenigstens neben dem gemeinschaftllichen Charakter, jene
grossen Saugnäpfe an einer beslimmten Stelle der Arme, so
grosse Verschiedenheiten dar , dass sie schwerlich als einer
nalürlichen Art angehörig gedacht werden können; das eine,
ein sehr grosses Exemplar von der Grösse eines gewöhnli-
chen ©. vulgaris, hat 90 Paar Saugnäpfe an dem dritten
rechten Arme, das andere, welches viel kleiner ist, durch
Prof. Kroyer von Valparaiso mitgebracht, hat nur 40 Paar
Näpfe an demselben Arme; das grosse hat eine nur wenig
entwickelte Endplatte, wogegen der hectocolylisirte Arm des
kleineren Exemplares eine langgestreckte, lanzetlförmige End-
platte mit schwachen Querrunzeln trägt, deren Winkel der
früher erwähnten Haulfalte in eine papillenförmige Spilze
(Fig. 4) ausgezogen ist; ferner hat das kleine Männchen jene
einzelnstehenden unverhältnissmässig grossen Saugnäpfe so-
wohl an den Rücken - und Baucharmen wie an den Seitenarmen;
und diese letzten Arme sind nicht dicker als das oberste und
unterste Paar, während das grosse Männchen nur jene Saug-
näpfe an den Seitenarmen hat, welche ein merkliches Ueber-
gewicht über die anderen Arme haben. Da ich nun zugleich
einen weiblichen Cephalopoden besitze, der sich an den klei-
neren anschliesst, aber jene Saugnäpfe entbehrt, glaube ich
berechtigt zu sein, meinen obenerwähnten Verdacht gegen
0. Fontanianus auszusprechen, muss mir aber eine endliche
Entscheidung durch ein reichlicheres Material vorbehalten.
Bis dahin muss ich den Nalurforschern raihen nur behutsam
die ganze Gruppe der Octopoden aufzufassen, welche Gray
hat durch einen Charakter zusammenfassen wollen, der min-
destens theilweise mit dem bisher gegebenen wesenllichsten
Arimerkmale für O. Fonlanianus zusammenfällt; die Männ-
chen von Octopus vulgaris würden nach dem Vorhergehen-
den in diese seine dritte Gruppe kommen, wälrend die Weib-
chen in seiner ersten verbleiben würden *).
%) Gray: Catalogue of the mollusca of the British Museum
pt. I. London 1849. p.14. Von dem gleichfalls in Gray’s dritter
Gruppe stehenden O. oculatus d’Orb. kann ich wenigstens bezeugen,
240 Steenstrup:
Ein männliches Individuum der Galtung Heledone
Leach, welches aus dem Miltelmeere stammt und, da es einen
Cirrus. über dem Auge hat, am ehesten die gewöhnliche A.
moschata Leach sein würde, zeigt, dass diese nahestehende
Gallung eine ähnliche Armbildung hat, welche Tab. XI. Fig.5
genauer darstellt. Der dritte rechte Arın ist, wie bei den
Arten der Gallung Octopus, kürzer und etwas slärker als der
linke; er trägi nur 64 Saugnäpfe, während der entgegenge-
selzte 93 hat, also fast ein Drittel weniger. Eine starke
Hautborde beginnt mitten auf dem Rande der zwischen dem
vierten und drillen Arme ausgespannlen Haut, und verläuft
von da längs dem. Arme bis zur Spitze, wo sich ein von
Saugnäpfen entbösster eigenthümlich entwickelter Endtheil
findet, welcher offenbar der löffelförmigen Platte der Octopo-
den entspricht, aber welcher der Länge nach mit mehreren er-
höhten Längsfalten versehen ist. Das abgebildete Individuum
verdient noch deshalb Beachlung , dass die sieben anderen
Arme am äusssersien Theile nicht mit Saugnäpfen besetzt
sind, sondern mit zwei Reihen Haulblältern, eine Eigenthüm-
lichkeit, welche ich von keiner Heledone angegeben sehe, und
welche mich ‘daher eine Zeitlang in Zweifel setzte, ob ich
nicht vielleicht eine neue und unbeschriebene Heledone vor
mir hälte. _ Da jedoch zwei später untersuchte männliche
Exemplare *), von denen. wenigstens das eine bestimmt aus
dem Mittelmeere war, gleichfalls dieSaugnäpfe an der Spitze
der Arıne entbehrte und an deren Stelle ähnliche Blätter trug,
während ich nicht die geringste Spur von solchen bei den
vielen weiblichen Heledonen aus dem Mittelmeere habe fin-
den können, so nehme ich an, dass diese eigenlhümliche
Entwickelung der Armspitzen allein den Männchen zukommt,
und daher ein Geschlechtskennzeichen ist (s. Fig. 5’).
In dieser Anschauung werde ich nun um so mehr be-
stärkt, als ich bei einer grossen männlichen Heledone von
Bergen, die gewiss H. cirrosa Lam. ist, ganz entsprechende
dass nur die Männchen den sehr grossen Saugnapf an den Seitenar-
men haben,
*) Bei diesen Individuen hatte der dritte rechte Arm resp, 62
und 65 Saugnäpfe entwickelt,
Die Hectocotylenbildung bei den Cephalopoden. 24l
Hautbildungen an den äussersten Enden der Arme finde, wäh-
rend mehrere Weibchen, theils von derselben Localität, Iheils
von anderen Stellen der Norwegischen Küste und von Faerö,
keine Spur davon zeigen. Indessen weichen diese Haullap-
pen bei der letztgenannten Art von denen bei H. moschala
darin ab, dass sie weniger blatt- oder plaltenförmig, mehr
verlängert und dünn, fast wie Cirren oder Fäden sind. Fig. 6
stellt einen kleinen Theil davon von einem der Arme dar,
aber allerdings von einem Exemplare, welches in einem ziem-
lich schlaffen Zustande war.
Gegenüber der grossen Unsicherheit, welche im Erken-
nen der Arten innerhalb dieser Gattung herrscht, wegen
des Mangels an äusseren beslimmten Kennzeichen *), dürf-
ten diese Beobachtungen über die verschiedene Entwickelung
der Armspitzen bei den beiden Geschlechtern und bei ver-
schiedenen Arten auf den richtigen Weg leiten, wenn sie
auf alle beschriebenen Arten ausgedehnt werden.
Durch Hinweisung auf diese besondere Form und Um-
bildung gerade desselben Armes bei den Octopus - und He-
ledone- Männchen , welcher bei den männlichen Individuen
der Galtungen Argonauta und Tremoctopus sich zu einem
sich ablösenden und abfallenden Ueberträger des Samens aus-
bildet, und durch die unverkennbare Uebereinstimmung, die
wieder zwischen der Ausbildung des Octopus- und Heledone-
Armes mit dem Verhalten, welches ich oben bei den männ-
lichen Decapoden **) beschrieben habe, stattfindet, sehe ich
es nicht länger als zweifelhaft an, dass alle diese Entwicke-
lungen in eine Klasse gehören, und alle wesentlich denselben
*) Ein Mangel, der so gross ist, dass die Arten, welche man
für weit von einander entfernt gehalten hat, sich wesentlich darin
unterscheiden sollen, dass die einen einen Cirrus über dem Auge ha-
ben sollen, die anderen nicht (welcher Cirrus jedoch mehr oder we-
niger deutlich immer vorhanden zu sein scheint), während die mehr
nahestehenden Arten sogar nach Spiritus-Exemplaren nicht zu unter-
scheiden sein sollen; Vergl. Verany, Mollusques mediterrandens
p- 15: „car, je l’ai dejä dit, apr&s la mort les deux esp&ces sont, si
je peux m’exprimer ainsi, ind&chiffrables.“
#*) Bei einem meiner Rossiamännchen fand ich zwei schlaffe
Samenbüchsenhülsen zwischen den Hautfalten des Armes.
Archiv [, Naturgesch. XXI. Jahrg, 1. Bd. 16
242 Steenstrupi
Zweck haben, nämlich die Spermatophoren oder die in die-
sen eigenlhümlichen Samenbüchsen enthaltene Samenmasse
auf das Weibchen oder vielleicht auf die Eier zu übertragen.
Ich bezweifle auch nicht, dass, wolern diese Vorausselzung
richlig ist, die eigenthümlichen Uebergänge, welche jede
Gattung darbietet, ihre bestimmte Bedeutung haben und man-
che verschiedene Befruchltungsweisen bedingen; welches je-
doch diese im Einzelnen sind , das muss ‚man den Beobach- -
tungen in der freien Nalur überlassen. Um diese in gewissen
Richtungen auf die Spur zu jeilen, werde ich mir in einer
späteren Sitzung der Gesellschaft erlauben, die Aufklärungen
wiederzugeben, welche mir die Weingeist- Exemplare gege-
ben haben, da man an diesen wenigstens sieht, dass die Ue-
bertragung der Spermalophoren auf eine sehr verschiedene
Weise geschieht, und dass die eigentliche Befruchtung der
Eier bei Manchen auf eine unerwartete und sehr sonderbare
Weise vorgehen muss.
Bevor ich zu einigen allgemeinen Bemerkungen über-
gehe, zu welchen diese Beobachlungen veranlassen , gebe
ich noch eine nähere Beschreibung von einem ganz voll-
ständigen Heelocolylus, oder einem solehen Arme, der nicht
bloss bestimmt ist den Samen zu überlragen, sondern abzu-
fallen und sich mit der ganzen Samenmasse an dem Weib-
chen festzuheften; ich thue dies um so lieber, da man bis-
her nur die Bildung des Heclocotylus bei den grösseren in
tieferem Wasser lebenden Arten von Tremociopus, T. viola-
ceus und 7. Carenae, kennt, dagegen nicht bei den kleine-
ren oceanischen und näher der Oberfläche lebenden Arten
dieser Gallung, für welche man vielleicht vorläufig noch den
d’Orbigny’schen Namen Philonexis beibehalten könnte, und
es gerade eine, von diesen kleinen oceanischen Arten. ist,
nämlich Ph. Quoyanus d’Orb. #), bei welcher ich Gelegen-
heit gehabt habe, den Hectocotylus zu untersuchen.
*) Sollte es sich später ausweisen, dass Ph. semipalmatus Owen
nicht synonym mit der d’Orbigny’schen Art ist, wird der Meinige
vielleicht am ehesten semipalmatus nach Owens Abbildung bleiben.
Ein Männchen wurde mit drei Weibehen von Prof. Reinhardt un-
ter 220 4- nördl, Breite und 24° 40, westlicher Länge gefangen.
Die Hectocotylenbildung bei den Cephalopoden. 943
Bei Philonexis Quoyanus findet sich die Entwickelung
des Hectocotylus darin von dem bekannten bei T. Carenae
abweichend, dass er sich nicht in einer gestielten Hautblase
bildet, sondern in einem grossen und geräumigen Haulsack,
welcher tiefer liegt als die Wurzel des Armes, und wesent.
lich denselben Platz einnimmt, wie die grossen Falten, in
welche die Tentakeln bei den Galtungen Sepia, Rossia u. A.
mehr oder weniger vollständig zurückgezogen und aufgenom-
men werden können. Figur 7, welche ein männliches Exem-
plar dieser Art in dreifacher Vergrösserung darstellt, zeigt
sogleich, dass das Männchen nur sieben Arme hat, die alle
regelmässig entwickelt sind, und dass der fehlende Arm ge-
rade der rechte Arm des drilten Paares ist. Bei näherer
Betrachtung sieht man indessen, dass die Stelle, wo dieser
rechte Arm sitzen sollte, gleichsam aufgeschwollen ist, und
dass durch diese Aufschwellung sowohl das vierte Armpaar
wie der Trichter nicht wenig nach der linken Seite herüber
gedrängt sind. Unter einer Lupe wird man’ leicht gewahr,
dass die Ursache zu dieser Ortsverschiebung ein sehr langer
zusammengerollter Arm ist, der den Raum zwischen dem
Trichter, dem Auge und der Wurzel des Armes einnimmt,
und welcher nur durch eine so dünne und durchsichtige Haut
bedeckt wird , dass man ohne Schwierigkeit mit dem Auge
den Biegungen des Armes folgen und ihre feingefransten
Ränder und die einzelnen Saugnäpfe unterscheiden kann, die
sich gegen die Haut wenden, was jedoch wegen der Auf-
rollungsweise des Armes nur sehr wenige sind. An der
umhüllenden Haut habe ich nicht vermocht mit der Lupe we-
der eine wirkliche Oeflnung, wodurch der Arm hervorkom-
men könnte, noch eine Linie oder einen Eindruck wahrzu-
nehmen, welcher andeuten könnte, wo späler eine Spaltung
stattfinden würde, so wie man es bei T. Uarenae kennt;
aber vielleicht würde diese an dem frischen Exemplare deut-
licher gewesen sein. Nach Oeffnung des Haulsackes durch
einen Schnitt mit einem scharfen Messer war es leicht, den
merkwürdigen Hectocotylus-Arm hervorzuziehen. So hervor-
gezogen stellt ihn Fig. 8 dar. Derselbe war ganz farblos in
seiner ganzen Ausdehnung, wie die bisher beobachteten
Hectocotylen von Argonauta und Tremoeltopus, aber an der
«
244 Steenstrup;
ihn bedeckenden Haut landen sich einzelne Chromatophoren.
Seine Länge übertrifft mehrmals den entsprechenden Arm an
der entgegengeselzien Seile des Thieres, der schon länger
ist als die schr langen beiden ersten Paare, was übrigens
diese Art auszeichnet, und der nicht weniger als 33 Paar
Saugnäpfe trägt, was gleichfalls eine grössere Anzahl ist als
die, welche einer der anderen Arme lrägl. Diese Saugnäpfe
sind fast gleich gross in der ganzen Länge des Armes, gleich-
wie auch der Arm überall ungefähr gleich breit ist. Aussen
an der Spitze schwillt der Arm zu einem saugnapflosen, fast
birnförmigen Theile an, und längs der einen Seile dieser
Anschwellung sieht man schwach eine Furche und eine Haut-
falte, welche letzte eine kurze Strecke am Arm herab verfolgt
werden zu können scheint. Am Grunde der Anschwellung und
dicht bei dem äussersten Saugnapf des Armes entspringt eine
lange Peitsche oder Faden von 55mm, Länge, und deren Ba-
saltheil gleichsam von einer dünnen Scheide umgeben scheint.
— Noch ist zu bemerken, dass dieser Heclocolylus an der
Rückseite längs jedem Seitenrande in einer Längsfurche feine
Hautpapillen trägt, die dicht gestellt sind, und stellenweise
in mehreren dichten Reihen stehen; es waren diese Papillen,
welche dem Arme in seinem zusammengerollten Zustande den
gefransten .Rand gaben, und sie müssen es auch sein, die
als Kiemen betrachtet wurden, als der Heclocolylus als ein
selbstständiger männlicher Organismus angesehen wurde. Ich
habe an diesem Exemplare keine Spur von einer Rückenhöhle
mit einer äusseren Oeffnung auffinden können; aber diese
sollte ja auch wesentlich von der declenden Haut gebildet
werden, wenn der Arm natürlich und von selbst aufgerollt
wird, eine Entwickelungsweise, die keine Schwierigkeit für
die bisher beobachteten Arlen macht, aber von der man sich
doch hier schwer einen klaren Begriff machen kann, wegen
der Form und Stellung des umschliessenden Sackes. Es muss
in der Beziehung erinnert werden, dass der einzige be-
kannte Hectocolylus, an welchen sich meine Form im Man-
gel der Rückenhöhle und im Vorhandensein von „Riemen“
schliesst, der an den Weibchen von Tremoctopus violaceus
von Kölliker gefundene und beschriebene ist, aber des-
sen Entwickelung man noch nicht kennt, da man bisher’ die
Die Hectocotylenbildung bei den Cephalopoden. 245
Männchen von diesem Cephalopoden nicht hat finden kön-
nen *).
Dass dem blasenförmig oder birnförmig aufgeschwolle-
nen Endtheile dieses Hectocolylus die mehrerwähnte End-
platte bei Octopus und Heledone entspricht, ist mir wahr-
scheinlich vorgekommen, und ebenso, dass cer lange Faden
oder „flagellum“, der sich bei allen Hectocotylen findet und
bei allen an derselben Stelle entspringt, nämlich wo der Win-
kel der bei Octopus und Heledone beschriebenen Hautfalte
liest, gerade die Spitze jenes Winkels sein könnte, die mehr
entwickelt und verlängert worden wäre (vergl. Fig. 4 d);
nur darf er dann nicht ein Axentheil sein. Es ist mir auch
wahrscheinlich vorgekommen, dass der muskulöse Hautrand,
der an dem heclocotylisirten Arm bei Octopus und Heledone
die beschriebene Rinne oder Halbkanal bildet, der übrigens
nur eine eigenlhümliche Ausbildung der Haut ist, die in
einer grösseren oder längeren Strecke längs den Armen bei
allen Cephalopoden verläuft, gerade dieselbe Haut sein könnte,
welche bei Argonaula und Tremoctopus Carenae den ganzen
Heclocolylus in seinem eingerollten Zustande einhüllt, und
die bei der späteren Abstreifung des Armes, zufolge der
von Verany und Vogt veröffentlichten Beobachtungen,
zugleich eine Rückenhöhle an der Wurzel des Armes bildet,
wälırend diese Rinne hinsichtlich ihrer Bedeutung eher dem
für die Aufnahme und Uebertragung der Samenmasse be-
stimmten inneren Kanal an der Rückseite des Heclocolylus
entspricht **). Aber alles dieses sind indessen nur Andeu-
lungen. Ich muss mich damit begnügen im Allgemeinen alle
die hier beschriebenen Bildungen und Uebereinslimmungen
*) Die Uebereinstimmung zwischen den Hectocotylen der bei-
den Arten, welche die Schwimmhäute zwischen den beiden obersten
Armpaaren so stark entwickelt haben, kann vorläufig als Stütze für
eine andere Vertheilung der Arten unter die beiden Gattungsnamen
Tremoctopus und Philonexis dienen, etwa so wie Gray, Mollusca of
the british Museum p. 24—27, es versucht hat.
#®) Ich verweise übrigens auf die in den letzteren Jahren be-
reits reiche und interessante Literatur über die drei bekannten Arten
von Jleetocotylen, und besonders auf:
246 Steenstrup:
in dieser Bedeutung für das Thier angezeigt zu haben, und
indem ich es daher Männern, die ein reichlicheres Material
besitzen, und besonders der am Meere selbst und namentlich
am Mittelmeere lebenden Naturforschern, die glücklich genug
sind täglich diese Thiere in der Natur zu beobachten, über-
lasse, die Vergleichung in allen ihren Einzelnheiten durch-
zuführen, will ich an die oben gegebene Reihe von Beob-
achtungen nur noch die allgemeinen Bemerkungen knüpfen,
zu welchen diese mich für den Augenblick besonders aufzu-
fordern scheinen.
Für’s Erste geht es aus diesen Beobachlungen klar her-
vor, dass die Hectocotylenbildung bei den Gallungen Argo-
nauta und Tremoclopus bei weilem nicht ein so paradoxes
Phänomen ist, wie es den Nalurforschern geschienen hat, noch
so plötzlich und ohne Uebergang auftritt, wie es im Anfange
schien und es bisher angegeben worden ist. Vielmehr se-
hen wir, dass das auf den ersten Blick abweichende und
fremde Verhalten , wie überall in der Nalur, so auch hier
durch eine Reihe von Uebergängen sich vorbereitet und ver-
miltelt. Es zeigt sich, dass es nur ein an einzelnen Stellen
stärkerer Ausdruck für das ist, was sich mehr oder minder
deutlich an einer Menge anderer Punkte in der Nähe ausge-
sprochen findet *).
Kölliker: Berichte von der königl. zootomischen Anstalt zu
Würzburg 1849,
Verany: Mollusques mediterran&ens. 1851. P.41. p. 126—128,
lleinr. Müller: Zeitschr. f. wiss. Zool. 1853. p. 1-35 und
p- 346— 558. Taf. I. (vergl. Verhandl. der physikalisch -medicinischen
Gesellsch. zu Würzburg 1851 und Ann. d, scienc. natur. Tom, XV]. 1851.
Verany et C. Vogt: Annales des scienc. nat. Tom. XVII. 1852.
p- 148-185. pl. VI-IX.
Leuckart; Zoologische Untersuchungen II. 1854. p. 91—109,
Taf. I. Fig. 19—22 (vergl. Heinr. Müller: Verbandl. der phys.-
‚medic. Gesellsch. zu Würzburg 1854. p. 332).
*) Die ganze Entwickelungsreihe in diesem Verhältnisse bei
den Tintenfischen hat Achnlichkeit mit der, welche ich über die Auf-
ziehung in der Ordnung der Frösche und Kröten angedeutet habe,
Die Hectocotylenbildung bei den Cephalopoden. 247
Man hat schon ölter bei der Betrachtung des Hecto-
eolyl-Verhaltes bei Argonaula die hier stattfindende Umän-
derung und Umbildung eines Werkzeuges, welches ursprüng-
lich im Dienste der Bewegung und Ernährung steht, in ein
Fortpflanzungsorgan, mit der Veränderung in Form und Ver-
wendung verglichen, welche die Palpen bei den männlichen
Spinnen eingehen, indem gewisse Theile derselben zu löffel-
förmigen Organen umgebildet werden, die zur Aufnahme und
Ueberlragung des Samens auf die Weibchen benutzt werden.
Ebenso nahe, oder vielleicht noch näher als diese von Leu-
ckart, Owen, v. Siebold und Anderen bereils benutzte
Analogie scheint mir jedoch die zu sein, welche sich bei so
vielen Männchen unter den decapoden Krebsen, bei welchen
ein Paar Hinterleibsglieder zu mehr oder minder vollständi-
gen Röhren umgebildet ist, oder die, welche bei den männ-
lichen Rochen und Haien vorkommt, bei welchen es die
Bauchflossen sind, und also ein thäliges Bewegungswerkzeug,
welches sich an der einen Seite zu grossen Leilungsröhren
für den Samen umbilden, In beiden Fällen entsprechen Jie Or-
gane sehr nahe der Bildung bei Octopus und Heledone. Den-
ken wir uns diese langen für die Samenüberlragung gebil-
deten hohlen Röhren bei der Copulalion auf den Weibchen
zurückbleibend, so haben wir den Verhalt bei Argonaula.
Dass Theile des männlichen Gliedes, bestimmt für die eigent-
liche Insemination oder Einbringung des Samens in die weib-
lichen Geschlechlsorgane, bei dieser Einbringung sich ablö-
sen und in den Weibchen bleiben , ist vielleicht nicht ohne
Beispiel; denn bei manchen Insekten wird wenigstens ein
Verhalten angegeben, welches für diese Beziehung ein fern-
stehendes Analogon ist; aber bei den männlichen Insekten,
deren Leben mit der ersten und einzigen Begaltung abge--
schlossen ist, kann natürlich nicht von einem Wiederwach-
sen oder einer Reproduction der verlorenen Theile die
Rede sein.
Dass es übrigens gerade Octopodengallungen sind, wel-
wo offenbar die Kürsorge des Männchens von Alytes obstetricans für
die Eier aus dem geburtshelfenden Beistande entspringt, den alle Ar-
fen ihren Weibehen leisten.
248 Steenstrup:
che uns ein, Beispiel von. einer Regeneration des bei der
Paarung verlorenen Armes gehen, verdient insofern die Auf-
merksamkeit, als man sich hiedurch an eine Verschiedenheit
zwischen Octopoden und Decapoden erinnert, die nicht un-
wesentlich aber bisher noch nichthinlänglich hervorgehoben
ist. Den Decapoden scheint nämlich durchaus
das Vermögen zu fehlen, zufällige Beschädi-
gungen der Arme oder den Verlust von Theilen
derselben durch Wiederwachsen zu erselzen,
während die Octopoden dieses Vermögen im
höchsten Grade besitzen, und ihre Arme, die so vie-
len Feinden ausgesetzt sind und denen von so vielen nach-
gestellt wird , mit derselben Leichtigkeit und Schnelligkeit
wiederwachsen lassen, wie z. B. die Seesterne die ihrigen.
Unter zahlreichen Octopoden habe ich nicht einen ein-
zigen mit abgebissenen oder beschädigten Armen gesehen,
ohne dass ein Wiederwachsen vorbereitet, mehr oder weni-
ger vorgeschrilten, oder sogar vollendet war, und das bis-
weilen an den meisten Armen *). An mehr als hundert De-
*) Ich habe weibliche Individuen gesehen, woran alle acht
Arme verloren gewesen, aber nun mehr oder weniger vollständig
wieder gewachsen waren; und ich habe ein Männchen gesehen, bei
welchem dasselbe an den sieben Armen der Fall war, während nur
der hectocotylisirte Arm unbeschädigt geblieben war; ob hierin etwas
Zufälliges war, oder ob die Octopoden wirklich diesen ihren eigen-
thümlichen Arm nicht so sehr in Gefahr setzen, muss ich unbeant-
wortet lassen; aber es verdient doch bemerkt zu werden, dass, wäh-
rend in der Regel jeder Octopode einen oder ein Paar reproducirte
Arme hat, doch keines der vielen Männchen, die ich untersucht habe,
diesen Arm in einem beschädigten oder wiederhergestellten Zustande
darbot.
Es geht nicht bloss in der Richtung der Axe des Armes so
leicht die Reproduction vor sich; auch ein einzelner Saugnapf oder
eine Gruppe von Saugnäpfen , welche Feinde von den Seiten oder
vom Grunde der Arme abgebissen haben, wächst mit der grössten
Leichtigkeit wieder.
Ich habe bereits im Vorhergehenden auf die Missdeutungen des
Aristoteles aufmerksam gemacht, wenn man ihn so hat verstehen
wollen, als wenn er mit seinen Schilderungen der Fortpflanzungsver-
hältnisse bei seinem Polypus sollte eine Hectocotylusbildung vor Au-
Die Hectocotylenbildung bei den Cephalopoden. 249
capoden, welche ich gegenwärtig untersucht habe ,.habe: ich
dagegen nicht eine Spur von einem Wiederwachsen gefun-
den, wenn ich auch dann und wann sowohl kleine wie grosse
Theile eines einzelnen Armes verloren und die. Wundflächen
geheilt fand.
Aus den verschiedenen Formen des zum Zweck der
Fortpflanzung umgebildeten Armpaares geht es hervor, dass
ein unverkennbarer Zusammenhang zwischen der Stellung und
Ausdehnung, welche der umgebildete Theil des Armes ein-
nimmt, und der nalürlichen Gruppe, zu welcher der betref-
fende Cephalopode gehört, vorhanden ist. Dies spricht sich
besonders deutlich aus, wenn man den beschriebenen Ver-
halt der d’Orbigny’schen Eintheilung der Cephalopoden ge-
genüber steilt.
gen gehabt haben, wie wir sie jetzt bei Argonauta und Tremoctopus
kennen. Hier scheint mir nun der Ort zu sein, um soweit möglich
ein anderes Missverständniss aufzuhellen, welches in Verbindung mit
dem vorigen steht. Roulin (Ann. des scienc. nat. Tom. XVII. p. 189
— 190) nimmt nämlich an, dass es die Beobachtung solcher männli-
cher Octopoden sei, von welchen der Hectocotylus sich abgelöset hat,
und welche daher den einen Arm verloren haben, die die bei Ari-
stoteles angeführte Sage veranlasst hat, dass der Octopus zu gewis-
sen Zeiten, namenlich im Winter, wenn er sich mehr in seine Höh-
len zurückzieht, sich selbst seine Arme abnage, und die Anschau-
ung bei Aristoteles — wodurch er den Ursprung der Sage erklären
will —, dass der gefrässige Aal es sei, der die Arme des Thieres
abbeisse. Der Sage und ihrer Erklärung liegt natürlich weder mehr
noch weniger zu Grunde, als jene häufige und auffallende Beschädi-
gungen und deren Ausbesserungen bei dem gewöhnlichen Octopus,
und des Aristoteles Erklärung ist richtig, da man den Magen der Mu-
raenen mit Stücken der Arme angefüllt findet —: „Ego vero,“ sagt
der vortreflliche Belon, „cum apud Epidaurum semel Muraenas se-
carem, earum ventriculos cirrbis polyporum refertos comperi“ (Petr,
Bellonii [Cenomani] de Aquatilibus, libri duo, Parisiis 1553.
p- 331).
250 Steenstrup:
Octopodes *),
Argonauta linker
Philonexidae { (Philonexis) ) dritter Arm ein Hectocotylus t)
Tremoctopus rechter (feminae polyandrae!)
Octopidae PUpes dritter rechter Arm, hectocotylisirt 2)
Heledone (feminae, monandrae ?)
Decapodes.
[ Rossia (mit dem rechten,
nur in der Mitte)
erster linker Arm hectocotylisirt
(allein, in ganzer
ai ‚Sepiola Länge)
yopsidne ‚Sepia (am Grunde)
‚Sepioteuthis (an der Spitze)
vierter linker Arm hectocotylisirt
Loligo (an der Spitze)
Loliolus (in ganzer Länge)
Ommatostrephes l ıy
Oigopsidae !Onychoteuthis kein hectocotylisirter Arm bisher beob-
Loligopsis achtet.
*) Die von den übrigen Cephalopoden ganz abweichende Form
Sciadephorus Mülleri Eschr. (Cirroteuthis) habe ich hier nicht ange-
führt; ich habe ‚wohl 4. Männchen untersucht, und keine Spur von
den bei Octopus, und ‚Heledone ‚angezeigten Bildungen des Armes ge-
funden, aber darf doch nicht ‚mit ‚Sicherheit behaupten, dass nicht
dergleichen an den lebenden Exemplaren zu finden wäre, Die eigen-
thümliche Consistenz dieser Gattung macht, dass sich die Form aller
Theile. in Weingeist ‚sehr verändert. — Als etwas recht auffallendes
muss ich bemerken, dass meine vier männlichen Exemplare eine gewisse
Partie der kleinen Saugnäpfe am unterenDrittel des Armes gleichsam
abgestreilt hatten, und so kleine tellerförmige Flächen bildend, welches
Aussehen dagegen keines meiner Weibchen darbot, Ob hierin etwa
ein Geschlechtskennzeichen liegen könnte, kann ich nicht sagen. —
Die Gattung scheint, eine eigene; Familie der Octopoden zu bilden,
obschon man aus meinen. hier mitgetheilten Untersuchungen ersehen
wird, dass sie sich an Heledone nicht bloss durch die einzelne Reihe
der Saugnäpfe anschliesst, sondern auch durch die Cirren, welche
ich an der Armspitze von Heledone angezeigt habe, und welche de-
nen bei Sciadephorus am grössten Theile des Armes zu entsprechen
scheinen.
t) Abfallend, farblos, in einem Sacke entwickelt,
2) Sitzenbleibend, gefärbt, frei entwickelt,
Die Hectocotylenbildung bei den Cephalopoden. 251
Diese Zusammenstellung giebt zugleich ein sehr spre-
chendes Zeugniss davon, dass etwas Natürliches in d’Orbig-
ny’s Trennung der zehnarmigen Tintenfische in die beiden
grossen Hauptgruppen „Myopsides« und „Oigopsides“ liegen
muss, obgleich man bisher nicht sehr geneigt gewesen ist,
sie anzunehmen. Durch die Verschiedenheit in dem Fort-
pflanzungs-Verhalt zeigt sich namentlich die Gallung Omma-
tostrephes d’Orb. noch mehr berechtigt, weit von der Gat-
tung Loligo entfernt zu werden, zu welcher selbst neuere
Malacologen, wie Verany und Troschel, sie zu stellen
verharren. Wenn d’Orbigny wiederholt hervorhebt, dass
seine Gallung Philonexis oder Tremoctopus sich wesentlich
von Octopus enlfernt, unter welche ihre Arten ehedem ein-
geordnet waren, und sich zunächst an Argonaula anschliesst,
so zeigt auch der erwähnte Fortpflanzungsverhalt dies voll-
ständig, und es ist in der Hinsicht ganz interessant zu be-
merken, das der vermeintliche Octopus, bei welchem Verany
die vollkommene Hectocotylenentwickelung beschrieben halte,
sich als eine Philonexis oder ein Tremoctopus ausgewiesen
hat, nämlich O0. Carenae Veran. Findet also d’Orbigny's
Eintheilung in grössere Gruppen viele Bestätigung durch das
oben beschriebene Verhalten, so dürfte dies doch mehrere
Fingerzeige für eine vielleicht naturgemässere Begrenzung
einzelner Familien enthalten, und dies gilt namentlich von
der Zusammenstellung der Gallung Sepia mit Rossia und Se-
piola, was auch Manchen weniger natürlich vorgekommen
ist. Die negativen Charaktere, welche diese drei Gattungen
gegenüber den übrigen Myopsiden vereinigten, haben bereits
elwas von ihrer Stärke dadurch verloren, dass der Mangel
der Muskelseile am Trichter bei der kleinen Gattung Lolio-
lus in der Loligofamilie erkannt wurde. Die Berechtigung auf
die Weise, wie es hier geschehen ist, den hectocotylisirten
Arm als einen Maassstab für die natürliche Zusammenstellung
der Formen anzuwenden, liegt in seiner Wichtigkeit für die
ganze Fortpflanzung. Es würde undenkbar sein, dass das
verschiedene Auftreten dieser Umbildung bald an dem einen,
bald an dem anderen Armpaare, bald an der rechten und
bald an der linken Seite, bald an der Spilze des Armes und
bald am Grunde u. s; w. nicht ebenso viele Verschiedenhei-
952 Steenstrup:
ten in der Stelle und der Weise bedingen sollte, auf welche
die Samenmasse auf die Weibchen gebracht würde, und in-
sofern es scheint, dass der Samen kaum unwillkürlich oder
mechanisch, sondern durch bewusste Bewegungen ausgestos-
sen oder auf die Eier ausgegossen wird, auch in der Be-
fruchtungsweise selbst. Was uns in dieser Beziehung ein
einfaches Nachdenken giebt, das wird auch durch Beobach-
tungen bestätigt. Die Samenmasse findet sich wirklich an
sehr verschiedenen Stellen und unter sehr ungleichem Ver-
halten angebracht; dies beabsichlige ich in Kurzem in einer
anderen Abhandlung darzustellen , von der ich hier nur das
allgemeine Resultat vorausschicken will, dass die Galtungen
Sepia, Sepioteuthis und Loligo, also alle die, welche den lin-
ken Baucharm umgebildet haben, die Samenmasse an der
inwendigen Seite der Lippen des Weibchens (membrane buc-
cale .d'Orb.) anbringen, welche daher auch für diesen Zweck
besonders ausgerüstet scheinen, wogegen ich niemals bei
einem anderen Decapoden den Samen an dieser Stelle ange-
heftet gefunden habe, sondern an verschiedenen Stellen des
Mantels oder der Eingeweide, bei Ommalostrephes z. B. tief
in der Mantelhöhle an der Mittellinie des Rückens. Zur Ver-
gleichung mit dem, was hier über Sepia und die Loligines
mitgelheilt ist, muss erinnert werden, dass die Anatomie der
beiden männlichen Nautilus -Exemplare *) eine grosse Ver-
schiedenheit in der Entwickelung der eigenthümlichen Lip-
pentheile an den beiden Seiten des Thieres gezeigt haben,
während sich Aehnliches bei den weiblichen Individuen nicht
findet.
Ungeachtet sich demnach die angeführten äusseren Ge-
schlechtsverschiedenheiten deutlich und wichlig erwiesen haben,
sind sie doch bisher von den Naturforschern nicht aufgefasst
worden; darin wenigstens werden die meisien derselben nach
Lesung des Vorstehenden mit mir einig sein. Zu einer deut-
licheren Anschauung dieses Mangels bei unserer nunmehri-
gen Kenntiniss der Cephalopoden wird es indessen kaum
*) C. van der Hoeven in Tijdschrift voor de Wis- en Na-
tuurk. Wetenschappen I. Deel. 1848. S. 67—75. Pl.I. Fig. 1—3 und
Transactions of de Zoological Society 1850. p. 21—29. pl. 5, 6, 7, 8.
Die Hectocotylenbildung bei den Cephalopoden. 253
überflüssig sein — aber andererseits hoffe ich, dass es für
diesen Zweck auch für völlig ausreichend angesehen werden
wird — zwei Aeusserungen über dieses Verhältniss aus der
allerneuesten Zeit anzuführen; sie sind aus dem vorigen und
aus diesem Jahre, und werden meiner Meinung nach voll-
sländig den Stalus für die Zeit, wo sie niedergeschrieben
wurden, erweisen. In der neuen Ausgabe der „Leclures on
comparalive Anatomy and Physiology, London 1855 hat der
berühmte englische Anatom, Professor Owen, kein anderes
Verhalten bei denOctopoden und Decapoden den oft bespro-
chenen Geschlechtsunlerschieden bei Argonauta an die Seile
zu stellen als Folgendes: „In the Calamary (Loligo. vulgaris)
ihe gladius of the male is one fourth shorter , but is broa-
der Ihan that of Ihe female. The sepium of the .Cuttle (Se-
pia) shows a similar, but not so much, sexual difference in
ils proporlions“ p. 628, und kennt daher von solchen Zügen
nur das nach dem Geschlechte breitere oder schmalere Rük-
kenschild. Noch weniger hat Professor Leuckart diesem
Geschlechtsverhalten von Argonauta und Tremoclopus an die
Seite zu stellen; denn in den in diesen Tagen erschienenen:
„Nachträge und Berichtigungen zu dem ersten Bande von
J. van der Hoeven’s Handbuch der Zoologie, Leipzig 1856
von Rud. Leuckart“, finde ich, dass dieser durch seine
Zusammenstellungen über die Geschlechts- und Fortpflan-
zungsverhältnisse dieser Thiere bekannte Verfasser in Be-
ziehung auf jene beiden Galtungen sagt: „Unter den übrigen
Schnecken sind bis jelzt noch keine Fälle eines geschlecht-
lichen Dimorphismus beobachtet, denn die von Van der
Hoeven hervorgehobene, und (laut brieflicher Miltheilung)
neuerdings besläligte Verschiedenheit der Tasterbildung bei
dem männlichen Nautilus, ..... ., kann doch kaum dem son-
derbaren Verhalten jener Cephalopoden an die Seite geselzt
werden.“
Je mehr nun übrigens dieses Verhalten übersehen worden
ist, um so näher liegt die Frage, wie sie hat der Aufmerk-
samkeit enigehen können, und als Antwort hierauf muss ich
anführen, dass ich annehme, dass sie wirklich öfters von den
Nalurforschern bemerkt worden sein müssen, aber dass diese sie
für krankhafte Entwickelungen oder für zufällige
254 Steenstrup:
Beschädigungen angesehen haben müssen, von welchen
eine Regeneration die Spuren noch nicht verwischt halten,
Dass d’Orbigny bereits als Krankheit gedeutet hat, was
nach meiner Meinung ein Kennzeichen der foripflanzungstähi-
gen Männchen bei der Galtung Sepiola ist, habe ich bereits
angeführt, und dass der kurze hectocoiylisirie Arm von Oclo-
pus und Heledone für einen beschädigien oder verstümmel-
ten Arm angesehen worden ist, dessen verlorener Endtneil
noch nicht ‚ausgewachsen war, scheint mir deutlich genug,
wenn auch millelbar,, aus den zahlreichen Figuren dieser
Tbiere hervorzugehen, welche im Besitlze der Wissenschafi
sind; nicht eine einzige von diesen habe ich bisher mit ei-
nem solchen männlichen Arme finden können, und da es doch
undenkbar ist, dass namentlich unter so vielen, an so ver-
schiedenen Stellen und zu so verschiedenen Zeiten abgebildeten
Octopoden, deren Männchen mir mindestens eben so häufig
zu sein scheinen wie die Weibchen, kein einziges ein männ-
liches Exemplar hälte sein sollen, so müssen die Zeichner
oder Naturforscher ergänzend dem Thiere die ihm vermeint-
lich zukommende Symmetrie wiedergegeben haben. Dieses
letzte gilt auch in Betreff der Form des linken Armes an
den männlichen Loligines und Sepien, und das um so mehr,
als doch mehrere von diesen Figuren nach Text und Unter-
schrift gerade Männchen darstellen, während die Arme sym-
melrisch wiedergegeben sind. Bei den Decapoden kommt
indessen häufig ein Fall vor, der bei der Auffassung der
symmetrischen Entwickelung irreleilend gewirkt haben kann,
indem nämlich grössere Strecken der Saugnäpfe an den Ar-
men, und namentlich an der Spitze derselben, sich während
der gewaltsamen Bewegungen und Ansirengungen des Thie-
res, wenn es sich gelangen oder in grosser Gelahr sieht,
wie abgebissen finden, und mit solchen von Saugnäpfen ent-
blössten Parlien konnte der umgebildete, papillentragende
Theil des Armes bei einem Loligo oder einer Sepioteuthis
wohl verwechselt werden, wenigstens bei einer mehr ober-
flächlichen Betrachtung *).
*) Sowohl bei den Loligo wie bei den Ommatostrephes und
den Onychoteuthis habe ich die Mundhöhle und den Schlund ange-
Die Hectocotylenbildung bei den Cephalopoden. 255
Die vorstehenden Aeusserungen'' dürfen. nur in. Bezie-
hung auf die Kenntniss der Gegenwart von diesem. Verhalten
verstanden werden, und es muss wohl beachtet werden, dass
ein fernes Alterthum es sehr viel besser kannte, ‚Dass Ari-
stoteles und vielleicht Plinius ‘von den; Fischern des; Mittel-
meers besser über einen eigenihümlichen Arm der Galtung
Octopus unterrichtet waren, darauf habe ich bei dieser Gal-
tung aufmerksam gemacht, und gleichfalls auf die Thatsache,
dass er wusste, wozu dieser Arm angewendel ‚wird.
Da sich die Frage so leicht aufdrängt, wie frühzeilig
im Leben des Thieres diese, Umbildung des Armes zu einem
Werkzeuge im Dienste der Fortpflanzung eintrilt, und in wie
weit sie sich. beständig auf demselben Stadium befindet oder
vielleicht Veränderungen zur: Fortpflanzungszeit erleidet , so
muss ich zum Sclilusse noch hinzufügen, dass die zahlreichen
Exemplare, die ich hierauf untersucht habe, mir keine Ver-
anlassung zu der Vermulhung gegeben haben ‚dass irgend
eine Veränderung nach den Jahreszeilen oder nach dem Al-
ter vorgehen sollte. Selbst meine kleinsten Exemplare einer
Art haben mir den Verhalt ebenso gezeigt, wie die grössten,
und ich fühle mich versucht anzunehmen, dass das männliche
Junge der verschiedenen Gattungen und Arien das Ei be-
reils. ausgerüstet mit dem hectocolylisirten Arme verlässt,
der ihm seiner Gallung oder seiner Art gemäss zukommt.
Als Anhänger der Lehre, dass das Geschlecht sich nicht spä-
ter ausbildet, sondern bereits ursprünglich bei den ersten
Bewegungen im Ei vorhanden ist, würde es mir lieber gewe-
sen sein, wenn ich durch direkte Beobachtungen hälte nach-
weisen können, dass das Junge der Cephalopoden das Ei
füllt mit Saugnäpfen und Hornringen oder Hornlaken gefunden, die
ölfenbar demselben Thiere angehörten, und deren Platz an den Armen
noch bestimmt werden konnte. Man sieht: daraus, dass man sehr vor-
sichlig mit der. Angabe sein muss, dass diesen Thieren die Cephalopo-
den als Nahrungsmittel dienen, weil einzelne ‚solcher Hornringe oder
Haken im Magen gefunden werden; werden, dagegen Stücke der
Schnäbel, des Rückenschildes und der Augenlinsen gefunden, wie ich
sie öfters bei gewissen Formen gefunden habe, dann kann keine sol-
che Missdeutung stattfinden.
256 Steenstrup:
mit seinem äusseren Geschlechtsmerkmale verlässt; aber es
hat sich mir nur die’ Gelegenheit geboten, die Jungen einer
Art, nämlich einer Rossia, im Ei zu untersuchen, und alle
diese, welche zu einer und derselben Brut gehörten, schie-
nen mir desselben Geschlechts zu sein, nämlich Weibchen.
Erklärung der Abbildungen.
Tafel X erläutert die Stellung und Form des hectocotylisirten Ar-
mes (brachium copulator) bei den decapoden Cephalopoden.
Fig.1. Loligo media Linn. 4‘. Kopf mit den beiden Baucharmen,
um zu zeigen, dass der vierte linke Arm papillentragend ist
und kleine Saugnäpfe im Verhältnisse zum rechten Arme hat,
Etwas vergrössert.
Fig.2. Loligo Forbesi Stp. 4‘. Die papillentragende Spitze des vier-
ten linken Armes. Natürliche Grösse,
Fig.3. Loligo gahi d’Orb. 5‘. Die Spitze des vierten linken Armes;
die Saugnäpfe sind nur an der einen Seite der Papillen um-
gebildet. Zweimal vergrössert.
Fig.4. Sepioteuthis sepioidea Blv. 5. Die Spitze des vierten linken
Armes.
) in natürlicher Grösse, um das allge-
meine Aussehen dieser neuen Gattung
zu zeigen, und die auflallende Form
des vierten linken Armes, dem alle
Saugnäpfe fehlen.
Fig.5. Loliolus typus Stp. g'
Fig. 6. Loliolus affınis
# Dieser Arın zweimal vergrössert.
Fig. 7. Sepia offieinalis Linn. 2. Baucharme, um die eigenthümliche
Umbildung des vierten linken Armes und seine Verschiedenheit
von. dem rechten zu zeigen. Natürliche Grösse,
7‘. Eine kleine Partie der Hautgruben an dem umgebildeten Theile
dreimal: vergrössert.
Fig. 8. Sepia inermis van Hass. Eine ähnliche Partie, um das Ver-
halten des vierten linken Arms auch hier zu zeigen.
Fig. 9. Sepiola Rondeletüi d’Orb. 4. Das Thier in natürlicher Grösse,
um die natürliche Grösse und das Uebergewicht des ersten
linken Armes über den anderen zu zeigen.
9. Dieser Arm von der Rückenfläche gesehen,
Fig. 9%.
Fig. 9.
Tafel
Fig. 1.
1%
Fig. 2.
Fig. 8.
Die Hectocotylenbildung bei den Cephalopoden. 257
Derselbe Arm von der Bauchfläche gesehen. 7 deutet eine
eigene Hautdille an, etwa dreimal vergrössert.
Ein Paar Saugnäpfe von beiden Reihen an diesem Arme,
um ihre Stellung zu zeigen. Stark vergrössert.
XEH erläutert theils die Stellung und Form des hectocotyli-
sirten Arms (brachium copulator) bei der Decapodengattung
Rossia, theils bei den octopoden Cephalopoden.
Rossia MölleriStp. g“. Die Rückenarme oder das erste Paar,
um die eigenthümliche Verlängerung der Saugnapfstiele an
der mittleren Partie des rechten und linken Armes, und die
stärkere Ausdehnung der Armborde an derselben Partie zu
zeigen. Natürliche Grösse.
Ein Paar Saugnäpfe dieser Partie stärker vergrössert.
Octopus grönlandicus Dewh.,,(=,0.)areticus Prosch.) 5‘. Na-
türliche Grösse, um die Stellung des hectocotylisirten dritten
Armes bei den Octopoden zu zeigen. Die vier Armpaare sind
bezeichnet ’, “, +“, ; die Buchstaben a, b, c, d bezeichnen
in dieser und den folgenden Figuren stets dieselben Theile
des Armes, nämlich: a die Endplalte; 5. b die muskulöse in-
wendig weisse Hautborde, welche durch Aufrollung gegen die
Seite des Armes eine Rinne oder einen Kanal bildet; ec. den
Anfang dieser Rinne; d eine winkelförmige Hautfulte, welche
den saugnapftragenden Theil, von der Eudplatte abgrenzt.
Octopus sp. indeterm. 5“. Dritter, rechter Arm, mit einem
Theil des vierten rechten Armes. Natürliche Grösse.
Octopus sp. mov. 5‘. Die Spitze des dritten rechten Armes.
Natürliche Grösse,
Heledone moschataLeach, 4. Dritter rechter Arm. Natürli-
che Grösse.
Die Spitze desselben, etwas vergrössert.
. Die Spitze von einem der sieben anderen Arme des Männ-
chens, schwach vergrössert.
Heledone eirrosa Lam. 4. Ein Stück‘ der Spitze von einem
Arme des Männchens.
Philonezis Quoyanus d’Orb, £', um zu zeigen, dass'nur sieben
Arme verhanden sind, welche nicht hectocotylisirt sind, und
dass der achte, der zum Hectocotylus umgebildete, in einem
Sack zwischen Auge und Trichter verborgen liegt. Dreimal
verzrössert,
Der Hectocotylus desselben, slärker vergrössert ; a. blasen.
förmiger Endtheil, d. Nagellum, e. Theile der „Kiemen«.
Archiv f, Naturgesch, XXI. Jahrg. 1, Bd. 17
Bemerkungen über neue Europäische
Säugethiere.
Von
3. HM. Blasius,
Professor in Braunschweig.
So wenig es auch auffallen kann, wenn man fortwäh-
rend in den fleissig durchforschlen Gegenden Mitteleuropas
aul,, Neues oder ‚Unbeobachletes aus, den Reihen der, wirbel-
losen Thiere slösst; um so unerwarleter muss ‚es jedoch sein,
wehn’ man'nech neue Arten der Wirbellhiere aufgeführt fin-
det.'s"Es lässt sich zwar nicht leugnen, ' dass die kleinen
Säugelhiere bisher noch sehr ungenügend "beobachtet und
unterschieden waren, dass man für viele derselben sogar bis
jetzt noch kein sicheres Prineip der Unterscheidung aufge-
funden halte; diese Unsicherheit konnte je :doch billiger Weise
nur zu einer um so grösseren Vorsicht im Aufstellen neuer
Arlen führen.
Ob eine Art wirklich neu. und, bis ‚dahin, unbeobachlet
ist, lässt sich nur nach den ‚bisherigen; Beschreibungen und
Darstellungen , oder nach.den Originalexemplaren, ie diesen
zu Grunde gelegt worden sind, entscheiden. ‘Es liegen Bei-
spiele genug vor, dass Thierarten, 'an deren specifischer Be-
rechligung gar nicht zu zweifeln ist, durch die Beschreibun-
sen oder Abbildungen , wenn man die Angaben buchstäblich
nimmt, auf immer unkennllich gemacht, oder zu unergründ-
licher Unbestimmtheit verurtheilt worden sind. Wenn Arten,
von denen nur solche ungenügende Beschreibungen exisliren,
nicht wieder erkannt werden, und späler aufs Neue als neu
auftreten; so liegt dies in der Nalur der Dinge. Nur wo
en Een En
Blasius: Bemerkungen über neue Europäische Säugethiere. 259
den späteren Darstellern Originalexemplare ‚der; früheren
Beschreibungen zu Gebote stehen, ist eine überflüssige Wie-
derholung zu vermeiden; nur nach Originalexemplaren kön-
nen mit voller Sicherheit die Mängel früherer Beschreibun-
gen beseiligt werden. Es kann der Fall eintrelen, ‚dass Ori-
ginalexemplare zu der Ueberzeugung führen, man müsse von
den Angaben der ursprünglichen Beschreibung in wesentlichen‘
Punkten absehen, um die Art festhalten zu können. „Ist eine
neue Arl aber durch ihre Beschreibung oder Abbildung. gänz-
lich unkenntlich gelassen; so, wird Jie Wissenschaft, , wenn
keine Originalexemplare entscheiden können, in der. Lage
sein, gänzlich von ihr abstrahiren zu müssen. Die Art wird
höchstens als unauflösliches Rälhsel , als Stein. des Anstosses,
bis zu ihrem gänzlichen Vergessen ‚ein kümmerliches Bücher-
leben führen können.
In manchen Fällen wird man jedoch: aus, Beziehungen,
die an und für sich Nebensache sind, aus, geographischen
Rücksichten, aus einem Anklammern an untergeordnete, Cha-
raklere, zu einem Urtheile gelangen können, ‚das, alle Gründe
der Wahrscheinlichkeit für sich, hat. Ich glaube, dass man
ein solches Wahrscheinlichkeilsresullat für neue Arten aus
Gallungen, deren Arten mit voller Sicherheit zu unterschei-
den. sind, für volle Sicherheit zu nehmen berechtigt \ist,
so lange die bezüglichen Daten der Beschreibungen, irgend
einen, ‚Zweifel zulassen, im Ganzen, so „lange, sie, die
Höhe der jetzigen Artenunterscheidung, nicht, erreichen.
Man kann annehmen , dass jeder Aulor einer ungenügenden
Beschreibung nach dem Masse ‚seiner Einsicht zu.Werke ge-
gangen ist; jst diese Einsicht ‚nach seiner ‚eigenen. Angabe
lückenhaft und unvollständig, so kann man mit grösser Wahr-
scheinlichkeit, mit Sicherheit annehmen: dass ‚er kein. genü-
gendes Urlheil darüber hat, ob ein nach seiner Ansicht ab-
weichendes Thier zu einer neuen, noch unbesehriebenen Art
gehört, oder als Abänderung zu einer lange bekannten Art
geslelll werden muss. Ist dagegen eine. Besehreibung in
allen zur Unterscheidung wesentlichen, Dingen exact, so, wird
es leicht sein, auch eine isrlhümlich für. neu angesehene
Form richlig unterzubringen. Irrthümer, die in exacter,Form
aullrelen, können der Entwickelung der Wissenschaft nicht
260 Blasius:
schaden, indem sie in der Art ihres Auftretens auch die Mit-
tel’ darbielen, sie wieder zu beseiligen.
- Nicht selten werden Zoologen oder zoologische Lieb-
haber in ihrem Urtheile über neue Arten dadurch irre gc-
führt, "dass es ihnen an genügendem Malerial zur Verglei-
chung fehlt. Wer verwandte Thierarlen nach zahlreichen Indivi-
duen untersucht hat, wird sich gleichzeitig von zwei schein-
bar’einander widersprechenden Nalurgesetzen überzeugt haben
können, davon dass:
1) alle einzelnen Charaktere, Grösse, Körperforin und
Körperverhällnisse, äusserliche wie innerliche, Farben und Far-
bengegensälze, in gewissen Grenzen nach Alter, Jähreszeil,
Lokalität und vielen anderen, oft unerkannten Bezienungen
bei’'einer und derselben Art schwanken können, und
2) dass ungeachlet der Annäherungen, die durch sölche
Schwankungen Zwischen verschiedenen Arten hervorgehen
können, doch nie zweifelhafte Uebergänge zwischen Zwei Ar-
ten 'vorkommnien, ‘sondern jede Species von allen übrigeii
strenge geschieden auftrilt. 3
‘ Baslarde 'sind keine Uebergänge. Wirkliche Ueber-
gänge heben die Arltrennungen von denjenigen Formen aul,
zwischen welchen sie bestehen. Beschreibungen , auch die
ausführlichsten, die nicht immer die besten sind, können ihrer
Natur nach nie ganz erschöpfend sein. Keine einzige Be-
schreibung kann alle Schwankungen individuell charakterisi-
ren, sondern nur nach ihren Grenzen allgemein andeulen. Es
ist erklärlich, wenn Jemand, der nur nach Beschreibungen
urlheilt, und dem wenig Material zur Vergleichung zu Ge-
bote steht, in’emmer beliebigen individuellen Schwankung eine
neue Form erblickt. Sie kann auch wirklich als individuelle
Form'neu, in Beschreibungen unerwähnt sein, und doch in-
nerhalb der Grenzen einer altbekannten Art liegen. Auch
Irrthümer solcher Art lassen sich mit Sicherheit oder doch
mit der ‘grössten Walırscheinlichkeit erledigen. Neue Spe-
cies dieser Art glauben eine Berechtigung oder Beruhigung
indem’ Grundsalze zu finden, dass die Vorstellung von der
Speeies’individuell oder subjecliv sei. Jch halte diesen Grund-
salz nicht" allein für falsch, sondern auch für verderblich,
und 'bin überzeugt, dass er nicht aus gründlicher Untersuchung
Bemerkungen über neue Europäische Säugethiere. 261
zahlreicher Individuen verwandter Arten, sondern aus einer
bequemen, oberflächlichen Belrachtung, ‚oder, sogar, aus ‚einer
willkührlich. sich bescheidenden Nalurphilosophie, a, ,poste-
riori entslanden ist. Alle,Fälle, in denen.ieh durch jahrelang
wiederholte ‚Untersuchungen ‚von zahlreichen Individuen. zu
einer vollen Sicherheit glaube gekommen zu sein,, haben
mich zu, dem .enlgegengeselzlen Resultate geführt.
Beslimmie, eigenthümliche Abweichungen von dem Typus
einer Art erscheinen oft an eine bestimmte Oertllichkeil ‚gebun-
den, und sind dann nicht selten ‚zur Aufstellung neuer Arten
verbraucht worden. Solche Lokalformen, örtliche oder kli-
malische Rassen, haben immer ein beslimmles wissenschafl-
liches Interesse, auch wenn man ihnen jede Arlberechligung
absprechen muss. Dies kaun man aber von Abweichungen,
die auftreten, ohne die Möglichkeit eines bestimmten. Zusam-
menhanges andeuten zu können, nicht behaupten. Ganz olıne
jedes; wissenschaflliche Interesse sind ohne Zweifel alle Ver-
suche, neue Arten aufzustellen,, die nicht auf einer genügen-
den. Kenniniss ‚der vorhandenen Arlen, beruhen, und, auch
nicht auf eine genaue Charakleristik der angeblich neuen Ar-
ten eingehen. Beschreibungen solcher Art sind _prädestinirte
Bücherspeeies, die nicht einmal durch Originalexemplare auf-
geklärt werden können, ‚wenn. nicht, ‚alle Originalexemplare
zur Disposition stehen, falls von ‚solchen, mehr als ein ein-
ziges existirl; denn der ‚Autor könnte ‚leicht Individuen ver-
schiedener Species, der Beschreibung. einer einzigen Bücher-
art, zu Grunde gelegt haben, ‚wie es nachweislich wiederholt
geschehen ist. „Wenn es nicht möglich ist, solche Fälle mit
Sicherheit zu, erledigen; so. scheint .es mir genügend, sie
nach Wahrscheinlichkeitsgründen zu beseitigen, wenn man
nicht gezwungen wird,, sie nach der Nalur der Darstellung
gänzlich. zu ignoriren.
Ich habe diese, Andeutungen ‚ ausgesprochen, um mich
in einigen krilischen Bemerkungen über einige .in den leiz-
ten Jahren als nen aufgestellte Arlen Europäischer Säuge-
‚Ihiere, kurzer fassen zu können.
I, Arvicola leucurus Gerbe.
In der Revue‘ de Zool, 1852. 6. p. 260 giebt Gerbe
969 Blasius!
eine ganz ausgezeichnete Beschreibung einer neuen Feldinaus
aus den Alpen von Barcelonelte. Die Beschreibung liefert
so viele Anhallspunkte für die Beurtheilung dieser neuen
Form, dass ich mich für berechtigt hielt, vor einigen Jahren
auch ohne Kenntniss der Originalexemplare, ohne jede an-
schauliche Untersuchung des Thiers, gegen meinen Freund
Andreas Wagner eine bestimmte Ansicht über ihre Art-
berechligung privatim auszusprechen. Mehrere Originalexem-
plare dieser Thierform und zahlreiche Exemplare, die ich seit
der Zeit in den westlichen Alpen selber gefangen und unter-
sucht habe, sind vollständig überzeugende Belege zu dieser
früher schon ausgesprochenen Ansicht geworden. Diese an-
geblich neue Art slimmt in allen wesentlichen Eigenthümlich-
keiten mit Ärvicola nivalis Mart. oder Hypudaeus alpinus Wag-
ner vollständig überein. Grösse, Körperverhältnisse , Schä-
del - und Gebisseigenthümlichkeiten liegen ganz innerhalb der
Grenzen von A. nivalis. Nur die Farbe ist etwas abwei-
chend, kommt aber in allen Uebergängen zu A. nivalis vor.
Man hät also allen Grund, diese Form nur für eine örtliche
Rasse der A. nivalis zu halten. Ich besilze diese Form aus
den nordwestlichen und westlichen Alpen von Meiringen, der
Umgebung des Genfersees, aus Savoyen und der Provence
in mehrfachen Exemplaren, überall nur aus den eigentlichen
Voralpen des Centralgebirges. Gerbe giebt selber eine
Höhe von 4500 bis 6000 Fuss an. Die eigentliche A. nivalis
kommt dagegen hauptsächlich in den Centralalpen und Pyre-
näen bis zu einer Höhe von 12000 Fuss vor, und fehlt in
den bedeutenderen Höhen der Centralkette der Alpen von Mont-
blanc an bis zu den östlichen Tauern wohl nirgends. Beide
Formen kommen in den westlichen Alpen 'stellenweise neben-
einander vor. Es ist ein allzu unbeslimmter und dadurch
bedeulungsloser Ausdruck, wenn die sonst vortrefliche Be-
schreibüng sagt, das Gebiss sei von dem der A, Savii, in-
‘certus, amphibius und nivalis wenig abweichend. Das Gebiss
ist mit dem von A. nivalis vollkommen übereinstimmend,
nähert sich dem von A. amphibius und rälliceps, und hat mit
dem Gebisse aller übrigen Arten sehr wenig gemein,
Wenn die Beschreibung von Arvicola Lebrunii Crespon.
nicht mit jedem sicheren Anhaltspimikte der Beurlheilung ver-
Bemerkungen über neue Europäische Säugethiere. 263
schont gebliehen wäre; würde ich es für mehr als wahr-
scheinlich halten, dass dieser neue Name auch zu derselben
Art zu ziehen sei.
2. Arvicola Selysii Gerbe.
In der Revue de Zool. 1852. 7. p. 505 liefert Gerbe
eine vortrefilche, sorgfältige Beschreibung dieser Form, die
nach der Zahl der Zitzen und Bildung der Ohren und Augen
nur mit A. sublerraneus oder A. Savii verglichen werden
kann. Grösse und Körperverhältnisse lassen keinen Unter-
schied von A. subterraneus De Selys erkennen. “Auch in
Schädel und Gebiss ist in allen wesentlichen Eigenthümlich-
keiten keine Abweichung von dieser Art zu sehen. Zahl-
reiche Exemplare dieser Art, die ich aus derselben Quelle er-
hielt, aus der Gerbe die seinigen erhalten halte, von Abbe
Caire aus Barcelonetle,, andere, die ich in den westlichen
Alpen, 'inSavoyen selber gefangen, und ein Originalexemplar
von Gerbe, welches ich der freundlichen Mittheilung De
Selys'verdanke, haben mir’ die Ueberzeugung gegeben, dass
diese Form als eine Lokalrasse von A. subterraneus angese-
hen werden muss. Als Unterschiede von A. subterraneus
hebt Gerbe selber hervor: längeres Haar und licht gelb-
liche Weichen, ein breiterer Schädel und &orössere Dimen-
sionen der Augenhöhlen und des Hinterhauptslochs. ' Origi-
nalexemplare De Selys von A. subterraneus aus der Au-
vergne weichen in der Färbung nicht merklich von A! Selysii
ab, während die aus Belgien und Deutschland mehr grau
sind, Elwas längere und dichtere Behaarung haben die Berg-
formen im Gegensalze zu denen der Ebene bei einer und der-
selben Art fast immer. ° Bei ‚manchen Individuen finde ich
auch hierin keinen Unterschied, ‘In den ‚Dimensionen des
Schädels, der Augenhöhlen und des’ Hinterhauptslochs finde
ich solche Schwankungen ‚' dass es mir nach den blossen
Schädeln nicht möglich ist, eine scharfe Grenze zu ziehen.
Obwohl die Schädel der Thiere von Barcelonelte sich in der
Grösse der Augenhöhlen: meist sichtlich auszeiehnen y'so fin-
den sich doch Annäherungen an die nordischen Fornien von
A. sublerraneus vor, die'nur um ein Millimeter abweichen.
Da die Schädel im Allgemeinen bei "beiden Formen 'in viel
264 Blasius:
weiteren Grenzen schwanken, so scheint es mir von der
Natur geboten, solche ‚schwache Abweichungen als Artunter-
schiede nicht hervorzuheben. Der Angabe, dass ‚der. letze
obere Backenzahn ein Prisma auf der Innenseite mehr besit-
zen solle, als A. pyrenaicus,, die sich auch nur in geringen
Färbungsnuangen von A. sublerraneus unterscheidet, kann
ich aufs beslimmieste nach Originalexemplaren, die ich von
DeSelys erhalten, widersprechen. Gerbe erklärt selber,
dass sich A. Selysii von A. incertus De Selys durch 4 Prismen
auf.der Innenseite dieses Backzahns unterscheide, und die-
selbe Zahl von Prismen ‚hal ein Originalexemplar der A. py-
renaicus ebenfalls. Ich würde mir diese Angabe nur. erklä-
ren können, wenn die Prismenzahl dieser Zähne nicht con-
“stant wäre, was meinen bisherigen Erfahrungen widerstreilet.
3. Arvicolaibericus Gerbe.
Die Beschreibung dieser neuen. Art, in der ‘Revue. de
Zool. 1854. p.400 und p. 608 ist nur nach einem ‚einzigen
trockenen Balge des Pariser Museums aus Mureia entworfen,
bietet also natürlich, nicht. so zahlreiche und sichere Anhalls-
punkte zur Beurtheilung dar, wie man in anderen. Beschrei-
bungen von Gerbe zu finden gewohnt ist. Ich habe das
Originalexemplar nich! gesehen, will aber doch einige Be-
merkungen, ‚die beim Durchlesen der Beschreibung ‚auffallen
müssen, nicht unterdrücken. Diese neue Form ist nach Ger-
be’s Angabe der 'A,.incerlus De Selys am nächsten, sogar
bis zum Verwechseln nahe, De Selys erklärt sich in Be-
zug auf A. incertus. selber noch | unentschieden , ‚ob 'man in
derselben eine gute Art ‘oder eine. Lokalrasse von A. Savii
zu erblicken habe, : Nach ‚ Originalexemplaren , die ich..der
freundlichen Mittheilung De Sielys verdanke, scheint mir. das
letztere \anzunehmen. In Bezug: auf A. ibericus ist dies je-
doch nicht von Bedeutung, indem nur von A. incertus Ori-
ginalexemplare zur Vergleichung vorliegen, Als Verschie-
denheiten des A.'ibericus von A. incerlus führt Gerbe an:
bedeutendere. Grösse, stärkeren Kopf und stärkere Füsse,
weniger dunkle und etwas gelblichere Färbung, schärfere Son-
derung der entschieden. weisseren Unterseite und: stärkere
Erhebung der hinteren Schädelregion. Die bedeutendere
Bemerkungen über neue Europäische Säugethiere. 265
Grösse, fast 1'/,‘ Tolallänge mehr, ist nach dem Balge ge-
messen, also nicht ganz zuverlässig. Diese Unsicherheit zeigt
sich sogar im Vergleiche, der Maasse unter, sich ‚ganz auf-
fallend. : Der Kopf soll Sömm. oder 15,5‘ lang sein, wäh-
rend, der Schädel: Fig..6w..7 nur. 11,8 lang angegeben wird,
Eins dieser Maasse ist mit dem. anderen gleichzeitig unmög-
lich. Nun aber; sind die Zeichnungen von Gerbe meist genau
nach den Dimensionen der ‚Wirklichkeit ausgeführt ‚und die
Schädellänge von A. iberieus übertrifft ‚die des in Fig. 1u.2
abgebildeten Schädels von A. incerlus, der. 11,4 lang ist,
nur um 0,4%. Ich. besilze Schädel von A. incerlus, bei de-
nen der Unterschied ‚auf 0,2 herabsinkt.. ‚Der Hinterfuss
von A. iberieus wird zu l8mm., oder 8% angegeben, wäh-
rend der von A..Savii und incerlus nach mehrfachen vorlie-
genden Exemplaren im, Mittel 7 bis 7,54 ist. ı, In, diesen
auch, ;bei einem Balge unveränderlichen Maassen ist, eine, An-
näherung. beider Formen in der Grösse in so hohem Masse
nicht zu verkennen, dass man in diesen Punkten wohl nicht
leicht eine Nöthigung zu specifischer Sonderung finden wird.
Das, in Fig. 8. a, b dargestellte Gebiss stimmt, vollständig mit
dem: überein ,‚welches ich bei zahlreichen A. Savii und in-
cerlus beobachtet habe. Auf, die abweichenden Farbennuangen
würde sicherlich am wenigsten. Werth zu legen sein, da die
so nahe verwandten Formen: auch vielfach abändern und eine
Grenze sehr erschweren, wenn nicht unmöglich machen., Als
einzigen wichligen Anhaltspunkt ‚hätte ‚man ‚dann noch die
verhällnissmässig' grössere Breite. des Schädels und die stär-
kere, Erhebung ‚des 'Hinterhaupts.. ı Dass der Werth dieser
Charaktere sehr, zweifelhaft wird, wenn man bedenkt, dass
diese Eigenthümlichkeiten bei einer und derselben Art, und
besonders auch bei den nächstverwandten, vielfach schwan-
ken, liegt woll auf der Hand. So lange die spanischen kleinen
Feldmäuse nicht nach frischen oder Spiritusexemplaren. gründ-
lich untersucht sind, wird man sich ‚über ihre Arlberechli-
gung noch nicht beruhigen können. Jedenfalls sind die bis
jelzt angegebenen Unterschiede ‚von A. ‚incerlus ‚oder Savii
noch nicht ausreichend, um ein. Artrecht, für, A. ibericus zu
begründen.
366 Blasiuss
4, Sorex chrysothoraz Dehne.
Unter diesem Namen beschreibt Dr. A. Dehne in der
Allgemeinen deulschen nalurhistorischen Zeitung 1855. no. 6,
p. 241 eine Spitzmaus aus der Gegend von Dresden als neue
Art. Nichts kann interessanter sein, als nach den ausgedehn-
ten'Studien und Sammlungen von H. Nathusiltis noch Ge-
naueres von einer neuen Spitzmausart aus der Mitte Europa’s
zu erfahren. Ich selber habe mich seit langer Zeit über die
Arten der Europäischen Fauna zu meiner eivenen Belehrung
sorgfältig in’s Klare zu bringen gesucht, und seit elwa
zwanzig Jahren mit eigener Hand in den meisten Ländern
Euröpa’s zu diesem Zwecke nicht ohne Erfolg gesammelt und
sammeln lassen. 'Sämmtliche Spilzmäuse, die ich in frischem
Zustande oder in Spirilusexemplaren untersucht habe, gesen
800 Exemplare , sämmtliche 'Buropäische Exemplare , die’ ich
in Europäischen Sammlungen gesehen habe‘, gehören) zu
den "bekannten Arten: 'S. fodiens , alpinas, vulgaris) pyg-
mäens , leucodon, Araneus, Elruscus. Das Originalexemplär
von Sorex Anlinorii Bonap. in Türin halte ich für einen in
Spiritus gebleichten Sorex alpinus Schinz. Auch über Cro-
cidura thoracica Savi bin ich nur eine Zeitlang in Zweifel
gewesen. 'Sorex castaneus und labiosus Jenyns kann man
nur mit $. vulgaris zusammenstellen. Sorex ruslicus und
hibernicus Jenyns und Sorex pumilus Nilss. sind identisch
mit S. pygmaeus’Pall. Sorex suaveolens Pall. ist identisch mit
S. Etrüseus Savi. Jede dieser Arten hat eine ziemlich aus-
gedehnte Verbreilung, und fehlt innerhalb deren’ Grenzen an
geeigneten Orten nirgends. Sorex alpinus kommt durch die
ganze Alpenkelte, Crocidura Eiruscus in allen Ländern am
Mittelmeere vor ; die übrigen Arten sind fast in allen 'Län-
dern Europas verbreilel.
Nach Berücksichtigung der vorhergehenden Andeutun-
gen kann das Interesse für diese neue Art nur steigen. Hö-
ren wir nun den Autor! Ich will aus der Beschreibung nur
das hervorheben, was specifisch charakteristisch sein könnte.
„Diese Spitzmaus findet sich sehr'selten in den Ber-
gen am linken Elbufer der Dresdener Gegend ;* der’ Verfas-
ser besitzt ein einziges Exemplar, ein Männchen! Un-
Bemerkungen über neue Europäische Säugethiere. 367
ter Umständen könnte das ausreichen, eine neue Art zu cha-
rakterisiren ! „Sie macht ein nafürliches Bindeglied zwischen
den Untergaltungen Sorex und Crocidura, doch neigt sie
sich nach ihrem Habitus entschieden 'thelir der ersten zu.*
Das ist ein sehr gewichtiges, folgenschweres Wort: denn’ bis
jetzt ist in der ganzen Welt kein solches Bindeglied gefun-
den worden. Wenn ein specieller Nachweis über diese Bin-
destelluing gegeben wäre, so würde das allein ausgereicht
haben, 'eine hete Art zu begründen. Da sich in der Beschrei-
bung Teider ach nieht eine einzige entfernte "Andeulung
vorfindet, worin der Charakter lieses „natürlichen Bindeglie-
des4 besteht; 50 geht man wohl sicher nicht fehl, ‘wenn'man
annimmt,‘ dass der Verfasser diese wichlige Aeusserung
nicht ernsılch gemeint, Sole. nur 'so leichthin ausgespro-
chen habe.
Zur Begrünlting "einer NEON zwischen: den bei-
den genaithten Gattungen würde es'notlliwendig gewesen 'sein,
festzustellen : ob der Schädel hinten stark gewölbt oder flach,
vorn lang verschmälert oder kurz’ zugespitzt, die Oberkiefer-
beine hinfer dem letzten Backenzahn in einen spilzen Kno-
chenfortsatz ausgezogen oder abgerundet, die Stirnbeine ne-
ben der Mittellinie durch eine rundliche Oeffnung durchbohrt
oder nicht durchbohrt,, ‘ob 5’ dunkelgefärbte oder 3 oder 4
weisse einfache Lückenzähne im Oberkiefer vorhanden gewe-
sen seien u. s. w. Ueber Alles das schweigt die Beschreibung.
Dagegen aber ist erwähnt, dass hie und da zwischen
den kürzeren Schwänzhaaren längere Stachelhaare stehen,
dass der Kopf wanz den Charakter von Crocidura trägt, die
Zähne weiss, die Lippen wulstig, die Ohren gross u. s. w.
seien. Man kahn nach diesen Andeutungen , in Rücksicht
darauf, dass die wichtigsten Verhältnisse "beider Gallungen
unberührt geblieben und nur die äusserlichen , augenfälligen
erwähnt sind, die Angabe eines „natürlichen Bindegliedes,
das sich zur Untergallung Sorex neigt“ dahin übersetzen, dass
das vorliegende Exemplar mit Sicherheit zur Unlergaltung Cro-
eidura zu stellen sein wird."
Von’ dieser Gatluhe sind Dis jetzt "Zwei einheimische
Arten bekannt: Or. leueodon und Araneus. Um’div neue Art
ficher Zu begrüfden, hätte sie mit’ beiden genau verglichen
268 Hirtennn Blasius: I doyunlı
werden, ‚,oder. die Beschreibung ‚hälle ‚das. Charakterislische
mindestens erwähnen müssen.
Beide’ Arten unlerscheiden, sich. ausser den äusserlichen
Farbengegensälzen, und der, relaliven, Schwanzlänge, ganz
constant durch das Gebiss und die Schädellorm;. an: mehr, als
drittehalb,:hundert Exemplaren, der ‚einen und gegen ‚hundert
der;anderen ‚Art habe ich. wenigstens. keine ‚wesentliche Ab-
weichung. ‚gefunden.
‚Der drille ‚oder letzte einfache Zahn im Oberkiefer ist
bei Er. | Aranens ‚höher als. die erste Spitze des folgenden Bak-
kenzahnes und steht, ganz frei und unverdeckt, ‚von aussen
der.‚ganzen Breite ‚nach sichtbar, in der Zahnreihe, , während
derselbe Zahn bei,Cr.. leucodon nicht die Höhe der ersien Spilze
des ‚folgenden Backzahns, erreicht, und ‚halb nach, innen ge-
drängt, in der flachen Innenbucht des folgenden Backzahns
eingefügt, von.aussen nur, zum geringen Theil sichtbar«bleibt.
Um .einen festen ‚Anhallspunkt zur, Beurtheilung ‚dieses Ver-
hältnisses zu haben, :betrachle man. den.Schädel so; von ‚der
Seite, ‚dass, die hohen Spitzen ‚des ersten vielspilzigen Backen-
zahns .beiderseils einander decken, Der Rand des Oberkie-
fers verläuft, dieser ‘Verschiedenheit enisprechend,, ‚ bei, Cr.
Araneus, in. ‚einen, ‚gleichmässiggerundelen , flachen Bogen,
während er bei Cr., lJeucodon,, an der Einfügungsslelle dieses
Zahns plölzlich winkelig eingeknickt erscheint, ‚ Der. vordere
Theil des.Kiefers erscheint dadurch, bei ‚Cr. leucodon so kurz
und gedrungen,, dass die ‚vordere, Spitze des. ersten vielspit-
zigen Backenzahnes weit, ‚vor ‚die Mille der, ganzen, Länge
der Zahnreihe: zu, stehen. kommt, ‚während ‚dieselbe Spitze bei
Cr.. Araneus in der Milte ‚der. Zahnreihe ‚steht. _Der Ober-
kieferrand am vorleizien Backenzahne ist siumpf abgerundet
bei, Cr. leucodon, und ‚in ‚eine ‚vorlrelende Spilze ausgezogen
‚bei, Cr.. Araneus. ; Dadurch erhält, die, Gaumenansiclhl, beider
Schädel, eine ganz abweichende Geslalt.
Durch eine Beschreibung, die, wie die ‚vorliegende, auf
alle, diese Verhältnisse, keine. Rücksicht ‚nimmt, wird. schwer-
lich eine Art, auch wenn sie neu sein sollte, als..neue, Art
für begründet:.angesehen, werden können, „Der,,Aulor kann
die Erörterung, der Schädel- und.Gebissverschiedenheiten nur
desshalb übergangen haben, weilsie entweder; ihm. nicht
Bemerkungen über neue Europäische Säugethiere. 269
klar gewesen 'oler weil «er keinen Werth auf dieselben ge-
legt hat. In beiden Fällen ist ‘die Aufstellung‘ einer neuen
Art’'selir leicht‘ genommen worden.
Und dann Kant es bei Beurtheilung der nah
vorzugsweise darauf an, zu sehen, ob die in der Beschrei-
bung erwähnten Eigenthümlichkeiten mit einer bekannten Art
übereinstimmten. Wenn man sich wegen des negativen Cha-
raklers der Beschreibung über die wichligsten Eigenthüm-
lichkeiten beruhigen oder vielmehr hinwegsetzen muss; so
könnte man sich bei Uebereinstimmung der weniger wichli-
gen sicherlich auch beruhigen.
' Die Beschreibung $agt, diese neue Art sei grösser als
Sorex lefragonurüs oder vulgaris, und der Schwanz eben so
slark, aber länger als bei dieser. Um diese Verhältnisse mit
Sicherheit beurtheilen zu können, will ich die vom Aulor
angegebenen Maasse mit denen der drei in Betracht zu Zie-
henden anderen Arten, nach normalen allen Thieren von Mit-
telgrösse in frischem Zustande nach Pariser Mass geinessen,
zusammenstellen ; ga ih
ak umigalgilänsgun. buio: na 4.
Maasse von S. chrysolhorax, 8. leucodon, S. Arancus, S. vulgaris
Totallänge . 4 RO En SE a ha
Körperlänge au 80 "gu gun gu gm gu 74
"Schwanzlange 14.44 7 1a, au 1a, 6,500 u zei
Kopflänge . 14 1,5 11,50 1m
Ohrlängee „3040 Vak Std PR eh hi
‚Hinterluss . 9,04 0,04 64 627
Der Körper ist allerdings um ein geringes grösser, als
der von Sorex vulgaris; dass aber der Schwanz auch länger
genannt wird, widerspricht des Verfassers eigenen Maassen.
Von einer ganz sorglälligen Vergleichung zeugt diese An-
gabe nicht.
Dagegen ist es unverkennbar, dass dies fragliche Indi-
viduum von $. chrysothorax, so genau als man es von zwei
verschiedenen Ihdividuen einer und derselben Art, die von zwei
verschiedenen Zoologen gemessen worden, Veran kann,
mil Crocidura leucodon übereinstimmt. Und eben so klar ıst
es, dass, wenn der Aulor sörglallig gemessen hal, an eine
Vergleichung mit den Deiden anderen Arten, um dieselben
279 f Blasinss 1ada m
zu identifieiren, ‚nicht-zu denken ist. Die übrigen Arten. kom+
men ‚vollends nieht’ in, Betracht.
In der Beschreibung heisst,, es weiler:, „der Oberkiefer
ist bräunlich, rostfarben, das Kinn weiss, Kehle silbergrau,
Brust schön goldgelb , Bauch silhergrau , so, dass diese Far-
ben in, der ‚Mitte des Unterkörpers scharf begrenzt sind;
Zehen weiss, Mille ‚ler Beine silbergrau.* _Das ist, wenn
man ‚sich ‚die goligelbe Farbe ‚der Brust nicht allzu. unbe-
scheiden intensiv denkt, zwar nicht Jie gewöhnliehste, aber
doch eine sehr häufig e. Färbung, von Crocidura leucodon, ‚Ich
habe wiederholt im Verlaufe von wenigen Tagen, 60, bis, SO
Stück Cr, leucodon in frischem Zustande erhalten, unler de-
nen einigemale 6 bis 12 Stück von der bezeichneten Färbung
enthallen waren, die.in allen übrigen Eigenschaflen nicht ‚von
den normalgelärblen Exemplaren abwichen, ‚und, von ‚denen
mehrere ‚durch allmähliche Abstufung und Abschwächung der
gelben Brustlarbe allmähliche Uebergänge. zu der Normallär-
bung darstellten. Obwohl ich, noch, nicht ‚weiss, unter ‚wel-
chen Uinsländen diese gelbliche Färbung der Brust ei Irill,
so bin ich darüber keinen Augenblick ‚im Unklaren geblie-
ben, dass. diese Färbungen von Cr. ‚leucodon, nicht AUsShREN
zu rennen seien.
In.der vorliegenden Beschreibung finde ich nicht eine
einzige Eigenthümlichkeit , die von, Cr, ‚Jeucodon in ‚der be-
zeichneten Färbung abwiche, Dagegen sind mehrere ‚Anga-
ben gemachl, die mit Cr, tan nicht übereinstimmen; an
eine Uebereinslimmung, ‚oder auch, nur an eine Verwandt-
schafl mit Sorex vulgaris ist gar nicht zu denken, M
Das Endresultat, liegt auf der Hand, Hat der Verfasser
die ernslliche Absicht gehabt, ‚den Zoologen, die Ueberzeu-
gung beizubringen, dass ‚das ‚beschr) riebene Individuum yon
Crocidura leucodon specilisch versc Rieden sei, so hal, er nicht
die zureichenden Mitlel, dazu, angewandt. So Jange man in
der Beschreibung einer angeblich nenen 4 Art keine, einzige
Eigenthümlichkeit her rvorgehoben Jindel, ‚in, der diese Ibe, nicht
mit Crocidura leucodon übereinstimmt, ist, ‚man berechligt,
sie bis ‚auf Weiteres, für Crocidura leucodon zu ‚halten.
In einer Nachschrift erklärt Dr. ,L, Reichenbach;
„Ich ‚habe ı mit ‚grossem Vergnügen diese, ‚sehr merkwürdige
Bemerkungen über neue Europäische Säugethiere. 274
‚Entdeckung meines -geehrien ‚Freundes. ‚kennen gelernt, ‚In
Hinsicht) auf die Art: bin ‚ich allerdings kaum in Zweifel ge-
blieben', dass: dieselbe, mit der in ‚meiner vollständigen Na-
turgeschichle: ‚der, Säugelhiere;, Raubsäugelhiere: ‚S. 345 be-
‚schriebenen: und. unter. No,| 720: ‚abgebildeten braunbrusligen
Spilzmaus, Topino, pellirosso : Crocidura Ihoracica Bonap. fauna
ilalica einerlei. ist, folglich ‚diesen, Namen. ‚behallen., muss.
Beschreibung und. Maass slimml,ganz überein. Da aber,Bo-
ma parte, nur), ein einziges Exemplar, in. Toscana „erhalten,
folglich. zweifelliaft ‚blieb „ob dasselbe, nicht) Varietät ‚einer
‚anderen Art (sei, mir auch nicht ‚bekannt ist, ob man, ein
zweites. irgendwo: auffand , so ist: diese Entdeckung eines in-
nerhalbSachsens erlangten Exemplars vom höchsten. Interesse
‚und ein ‚neuer Beweis für die oft ungeahnte, Verbreitung
mancher noch wenig beohachteten Thiere.“
Diese. Ansicht Reichenbac.h's ‚würde sehr ‚geeignet
sein.können, mich in meiner ‚Ansicht über, das beschriebene
Exemplar, wänkend zu wachen, da.Reichenbac.h. in, der
erfreulichen: Lage ‚gewesen ist, Wası fragliche Individuum), per-
sönlich kennen, ızu lernen, „Da. aber, Reichenbach ‚nur
eine ganz allgemeine abweichende Ansicht über, das beschrie-
bene Thier ‚ausspricht, ‚ohne dessen Kennlniss, durch irgend
eine bestimmle.Thalsache zu vermehren, so kann man. wohl
mit Wahrscheinlichkeit, annehmen, ‚dass es; auch ‚von ‚ihm ‚nur
angesehen, nicht auf Jie .enischeidenden ‚Eigenthümlichkeiten
genau untersucht ‚worden isl, Die, beigelügten Acusserungen
können «mir dempach keine Achlichin Gründe darbieten,
meine Scllüsse ‚lür inrig anzusehen. Croeidura Ihoracica Savi
in „Bon. lconegr. .d. L...il. hal eine ‚braungraue Oberseite,
eine weissliehe, mil längeren, dunkelen Haaren untermischte
Unterseile und einlarbigen Schwanz, dessen, relalive Länge
nur dann von Bedeulung, wird, wenn man. weiss, ‚ob das
Thier, frisch gemessen ist. Bonaparte erklärt, dass er
dies Thier für eine Varielät von Cr. Araneus gehalten haben
würde, wenn nicht Savi es für eine neue Art erklärt hälle.
Die Gründe, wesshalb ‚es für eine neue Art anzusehen sei,
fehlen in,allen wesentlichen Rücksichten. Da nun auch Cr,
Araneus,, ‚wie ich, aus eigner Erfahrung weiss, mil gelblicher
Brust vorkommt, und diese Abweichung der Farbe in allen
878 Blasius:
Uebergängen zur normalen Cr. Araneus auftritt, ‚so ist kein
Grund vorhanden, dem Urlheile Bonaparte’s über ein Thier,
das seiner Beschreibung nach mit Or. Araneus’ in der.Färbung
und im Uebrigen übereinstimmt, enlgegenzulrelen.! Durch
die Miltheilungen Reichenbaech’s in oben eitirter' vollstän-
diger Nalurgeschichle wird die 'systemalische Kenntniss der
Cr. theracica Savi, wie sie in der leonografia della "fauna
italica vorliegt, durchaus unvermehrt gelassen. "Sa vi’s An-
sicht von der specifischen Selbsisländigkeit dieser Form, so
lange sie nicht durch überzeugende Gründe gestülzt wird,
kann nicht allein entscheidend sein. ‘Nur Gründe "können
'enischeiden , und die bis jetzt mitgetheilten neigen sich da=
hin, dass man Cröcidura Ihoraeica aller Wahrscheinlichkeit
nach für eine Farbervarieläl von Cr. Araneus anzusehen habe.
Eine solche Wahrscheinlichkeit ist" man gezwungen, so
lange für Sicherheit anzunehmen, bis durch sorefältigere Un-
tersuchung der fraglichen Individuen, — für beide fragliche
Arten sind ihrer zusammen zwei bekannt, — jeder Zweifel
erledigt ist. Da sich in beiden Beschreibungen nur Schlüsse
ziehen lassen, aus dem was milgelheilt ist, nicht aus den
weit wichligeren Eigenthümlichkeiten, die mit Stillsehweigen
übergangen, also wahrscheinlich ununtersucht geblieben sind,
so lassen sich beide Thiere nicht als neu, aber beide auch
nicht als unter sich übereinslimmend ansehen.
5. Micromys agilis Dehne.
„Micromys agilis, Kleinmaus, ein neues Säugelhier der
Fauna von Dresden, aus der Ordnung der Nager. Beschrie-
ben von M. Joh. Friedr. Ant. Dehne, Dr. philos., Mit-
glied mehrerer gelehrten Gesellschaften, nach der Natur ge-
zeichnet von August Harzer. Hofflössnitz bei Dresden.
1841“ ist der Titel eines kleinen Schriftchens, in welchem das
Thierchen zuerst als neue Art auftrilt.
Der Verfasser erzählt, wie er auf einer bolanischen
Excursion nach einem Torfbruche zu diesem Thierchen ge-
kommen, dem einzigen Exemplare, welches der Beschreibung
der neuen Art zu Grunde liegt, beschreibt dann das Exem-
plar und bespricht zulelzt seine systemalische Stellung.
Es heisst S. 9: „Was die systemalische Stellung anbe-
trifft, 'so fällt unsere Maus augenscheinlich mit Mus inulus,
Bemerkungen über neue Europäische Säugethiere. 275
M. betulinus , M. vagus Pall. zusammen; aus diesen nebst
noch einigen mir weniger bekannten Arten kann‘ man’ füglich
eine neue Gallung bilden, und ich nehme keinen ‚Anstand,
diese mit dem Namen Micromys — Kleinmaus — zu bele-
gen; sie macht eine Miltelgattung zwischen Myoxus und Di-
pus, namentlich tamariseinus und 'meridionalis aus.* Ich
möchte nicht behaupten, dass hier mit 'Wenigem Viel gesagt
sei, weil ich eigentlich von einer Mittelgattung‘ zwischen
Myoxus und Dipus, namentlich „tamaricinus und meridionalis“
ganz und gar keine Vorstellung habe, und der Autor zur Auf-
klärung dieser neuen Gattung dem Gesaglen nur noch hinzu-
fügt: „Sollte uns das Glück zu Theil werden, mehrere Indi-
viduen von M. agilis zu bekommen, so hoffe ich auch auf
analomischem Wege mich zu belehren, ob das Thierchen im
inneren Baue mit den Schlafmäusen, mit welchen es äusser-
lich so viel Uebereinstimmendes hat, zusammentrifft.
Ein Galtungsbegriff, in welchem Mus minutus und va-
gus z. B. zusammenfallen, gibt uns auch nicht einmal eine
entfernte Vorstellung von den Gallungscharakteren, von dem
Gebiss dieses Micromys agilis; auch deutet die Beschreibung
keinen einzigen Charakter der Art an. Wir erfahren nicht,
ob sie drei oder vier Backenzähne besitzt, worauf bei dem
Umfange dieser Gattung doch viel ankommen würde, beson-
ders da von einer Mittelbildung nach Myoxus, Dipus und den
Arten von Meriones die Rede ist. Um uns eine ungefähre
Vorstellung von der Art zu machen, sind wir ganz auf die
Beschreibung $.7 und die Vergleichung'S. 10 hingewiesen.
Alle in der Schrift vorkommende Bemerkungen und An-
gaben deuten auf Mus minutus Pall. hin. Daher ist es wich-
tig zu lesen: „Von Mus minulus unterscheidet sich agilis
durch den weit längeren und weniger behaarten, merkwür-
digen, mit beweglicher Spitze versehenen Schwanz, und durch
den ganz gelben Unterkörper.* Ich besitze Mus minutus aus
England, Frankreich, der Lombardei, aus verschiedenen Gegen-
den Deutschlands, aus Ungarn, Podolien, Russland und Sibi-
rien, und habe diese Art bei Braunschweig, am Rhein, in
Franken und der Lombardei zahlreich lebend beobachtet und
gelangen. Bei der Veberschwemmung einer grossen Wiese
dicht vor Braunschweig habe ich, gering angeschlagen, min-
Archiv f. Naturgesch,. XXI. Jahrg. 1. Bd 18
974 Blasius:
destens zwei tausend Stück derselben an ein und demselben
Tage an Grashalmen klelternd sich flüchten ‚sehen. Oefter
habe ich an: geeigneten Stellen in einem Sommer über: zwan-
zig Nester derselben in hohem Grase und niedrigen Büschen
oder im Schilfe gefunden. Ich will damit andeulen, dass ich
Mus minutus in der mannichfalligsten Ausbildung zu: sehen
Gelegenheit gehabt habe. Ich habe zahlreiche Individuen
dieser inleressanlen Art noch vor mir, und finde, dass bei
einigen derselben der Schwanz eliwas kürzer, bei anderen
länger ist als der Körper; bei agilis ist er einige Linien län-
ger als der ganze Körper. Bei Mus minutus ist der ganze
Schwanz beweglich; es kann also gar nicht auffallen, wenn
bei agilis die Spitze beweglich ist. Ich besitze Mus minulus
von schmutzig röthlichgrauer Färbung an. bis zum hellsten
gelbrolh auf der Oberseite; von einer schmulzig - grauweis-
sen, gelblich-rosiweissen, rostgelblichen bis rein weissen Un-
terseite in allen Uebergängen, ohne dass ausser dieser Ab-
weichung in der Färbung irgend eine Verschiedenheit an den
Individuen zu beobachten wäre. Die Farbe der Unterseite
ist Iheilweise vom Alter und der Jahreszeit abhängig, theil-
weise sogar scheint die Natur des Bodens sich schwach fär-
bend mechanisch auf der Unterseite auszusprechen. Das Exem-
plar von Dehne rührt aus einem Torfbruche her.
Ich muss gestehen, dass ich keinen einzigen Unter-
schied von Mus minutus finde. Auch die sehr interessanten
Bemerkungen, dieDr.Dehne nachträglich in demselben 6ten
Hefte der Allg. deutsch. Nalurhist. Zeitung 1. S. 237 über das
Thier giebt, stimmen mit den Eigenthümlichkeiten von Mus
minultus überein. So lange bis wir eine genaue Kenniniss
des Gebisses, und wirkliche specifische Unterschiede dieser
Micromys agilis erfahren haben , ist man gezwungen, diesen
Namen zu den sehr zahlreichen Synonymen von Mus minulus
zu stellen. Das Thierchen hat das seltsame Schicksal erlebt,
dass fast jeder Zoolog, dem es zufällig in die Hände gera-
then ist, es für eine neue Art anzusehen sich gedrungen ge-
fühlt hat. Hier erscheint es zuerst als neue Galtung; frei-
lich in einer Gesellschaft, die nicht allein das Gallungs- son-
dern auch das Artrecht keinen Augenblick in Zweifel ste-
hen lässt.
Bemerkungen über neue Europäische Säugethiere. 275
6. Myozus speciosus Dehne,
Unter diesem Namen ist in der Allgemeinen deutschen
Naturhistorischen Zeitung 1. No. 5. S. 180 eine Haselmaus als
neue Art beschrieben, die Dr. Rabenhorst 1847 bei Tursi
im Basilikate gefangen hat. Auch von dieser neuen Art ist
nur ein einziges Exemplar bekannt,
Der Verfasser vergleicht dieses Thier nur mit M. avel-
lanarius, und man sieht aus den Angaben der Beschreibung,
dass ınan es als speciesberechligt ansehen könnte, wenn es
von dieser Art genügend unterschieden wäre. Um die Di-
mensionen beurlheilen zu können, füge ich den angegebenen
Maassen von M. speciosus unter No. 1, die eines Exemplars
vom Harz von etwa 2000° Meereshöhe unter No. 2, eines
Exemplars, das ich selber in der Umgegend von Messina ge-
fangen, unter No. 3, und eines Exemplars von Braunschweig
unter No. 4 hinzu, sämmtllich nach Pariser Maass.
Maasse von M. speciosus — M. avellanarius
1. 2. 3. 4.
Dhlallänge) \451., 127, 5/4.,.6%44. , 544 Bd. nun, Haufe Bud
Körperlänge ..... 3% 34 ERDE TTIROHNEE
Schwanzlänge ohne
lnnre Ge a DL ORU DL TEL EDIT a U 94
Kopfllänge ... .. 1“ 1” 11,8% 11,54
Zwischen Nasen-
spitze und hin-
term Augenwin-
ee ent: 64 6,544 63344 5
Vorderfuss mit Nagel Ar 4,34 4,210 4,0
Hinterfuss mit Nagel er 7,54 7a 2 22
Die Beschreibung sagt: „Er — der prächlige Haselschlä-
fer — ist, wie die Dimensionen zeigen, um ein Beträchlliches
grösser, als Myoxus avellanarius L“ Die Dimensionen zei-
gen hier im Gegentheile, dass das beschriebene Exemplar nur
‚die Miltelgrösse eines M. avellanarius L. erreicht. Ich weiss
‚zwar nicht, welches Maass der Verfasser angewendet hal;
aber das alte Pariser, ist das grösste, welches von Zoologen
angewendet zu werden pflegt. Und übrigens kommt es für
den, der aus Erfahrung weiss, wie sehr auch Thiere von der
976 Blasius:
vorliegenden Grösse in den Dimensionen schwanken , nicht
sehr auf die absolute Grösse der gewöhnlichen Zollmaasse an.
Die Abweichungen, die durch willkührliche Anwendung ver-
schiedener Messmethoden, durch die Schwankungen in der
absoluten Grösse erwachsener Thiere hervorgebracht wer-
den können, wachsen über die relative Grösse des Maassla-
bes, hinaus. Dass ich wirklich M, avellanarius und durchaus
zoologisch übereinstimmende Exemplare gemessen, weiss ich
aus genauer Untersuchung und aus der Vergleichung der-
selben mit anderen aus Thüringen, England, Schweden, Frank-
reich und der Lombardei. Ferner heisst es: „die Haare des
Schwanzes sind viel länger und stehen lockerer, auch ist
ihre Farbe lebhafter und vollkommen fuchsroth.* Die Haare
der Schwanzspitze werden zu 6“ angegeben; ich habe
Exemplare, an denen sie zwischen 4 und 8° wechseln.
Wer mehrere Exemplare aus verschiedenen Jahreszeiten un-
tersucht hat, wird sicherlich in der Dichtigkeit der Schwanz-
behaarung , und ebensowenig bei dem Schwanken der Ge-
sammtfärbung in der lebhaftern fuchsrothen Färbung, keinen
speeifischen Unterschied suchen. Dann heisst es weiler:
„der weisse Fleck an der Kehle, welchen Myoxus avellana-
rius so deutlich zeigt, fehlt hier gänzlich.“ Auf diesen Un-
terschied würde unter den bisherigen Angaben am meisten
Werth zu legen sein, wenn die Kehlfärbung bei M. avellana-
rius wirklich constant wäre. Das ist sie aber ebenso wenig,
wie die des übrigen Körpers. Ich habe wiederholt M. avel-
lanarius lebend und in frischem Zustande untersucht, und
nicht allein Exemplare mit weisser, sondern auch mit schmut-
zig rosiweisslicher graurostlarbig überflogener, und blass
rothgelblicher Kehle gefunden, die in jeder anderen Bezie-
hung gule normale Haselmäuse waren. Auch alle noch fol-
genden Angaben der Beschreibung heben Eigenschaften her-
vor, die den normalen Haselmäusen zukommen, oder doch
innerhalb der Schwankungsgrenzen dieser Art liegen. Man ist
gezwungen, auch dieses beschriebene Exemplar nicht für neu,
sondern für Myoxus avellanarius zu halten, wenn nicht noch
weit entscheidendere Gegensätze und Abweichungen hervor-
gehoben werden.
Sollte das Exemplar wirklich ernstllich auf eine neue
Bemerkungen über neue Europäische Säugethiere. 277
Arl untersucht werden, so würde vor allen Dingen das Ge-
biss zu beachten sein, da, sich alle Myoxus-Arten im Zahn-
baue bestimmt unterscheiden. Es würde dabei aber wohl
zu beachten bleiben, dass die Gestalt der Zahnkronen bei
einer und. derselben’ Art nach dem Alter durchaus verschie-
den erscheint, und sich ‚sogar, trotz constanter Uebereinstim-
mung im Baue der Zähne, die eine Kieferhälfte ganz anders
zeigt, als die entsprechenden Zähne der andern.
Uebrigens muss ich noch bemerken, dass Myoxus avel-
lanarius vom südlichen Schweden und England an durch Mit-
tel- und Südeuropa ganz allgemein verbreitet ist.
7. Musculus mollissimus Dehne.
Raffinesque-Schmalz, bekanntlich einer der
leichtfertigsten und unzuverlässigsten Zoologen, durch welchen
die Fauna Europa’s mit unenträthselbarer Verwirrung ver-
mehrl worden ist, ehe er den Schauplatz seiner Thätigkeit
in einen anderen Welttheil versetzte, hat in seinem Preeis
eine Galltung Musculus aufgestellt, in welcher er zwei neue
Arten aufführt. Es liegt zwar kein Grund vor, der dagegen
geltend gemacht werden könnte, in der grösseren Art Mus-
eulus frugivorus, vielleicht Myoxus Glis, der in Sicilien sehr
gross vorkommt, in der andern Mus sylvaticus zu erblicken;
bei der anerkannten zoologischen Schwindelei und Oberfläch-
lichkeit von Raffinesque-Schmalz kann es aber kaum
ein Interesse haben, diese Thiere zu deuten. Originalexem-
plare existiren nicht; keine einzige Sammlung in Sieilien hat,
ausser den beiden genannten, Thiere aufzuweisen, die auf
die leichten Angaben des Autors auch nur hindeuten könnten.
Ich selber habe mit Erfolg in Sieilien und bei Neapel kleine
Säugelhiere gesammelt, ohne je eine Spur von Arten zu fin-
den, die nicht anderwärts her schon bekannt gewesen wären.
In der Allg. deutsch. Naturhist. Zeitung I. No.11. p. 443
wird die sehr unbestimmte und apocryphe Gattung Musculus
durch eine neue Art unter dem oben ‚bezeichneten Namen
vermehrl. Dr. Rabenhorst hat diese Maus ziemlich häufig
bei Neapel gefunden, aber nur Albino’s derselben gesehen
und gefangen, die hier unter dem neuen Namen eingeführt
werden; ‚der Beschreibung liegt wieder nur ein "einziges
978 Blasius:
Exemplar, ein altes Männchen, zu Grunde. Der Verfasser ver-
muthet, dass der Pelz in der Normalfarbe weniger fein er-
scheint, da sich Albino’s stets durch seidenhaariges Haar aus-
zeichnen. Auch vermuthet derselbe, dass sie zu den Schlaf-
mäusen gehöre, weil sie noch jelzt im Weingeist zusammen-
gerollt liegt; wenn der Verfasser unter dieser Bezeichnung
Myoxus versteht, so würde eine Untersuchung des 'Gebisses
darüber keinen Zweifel gelassen haben. Um in der Zoolo-
gie den halbverschollenen Galtungsnamen Musculus wieder
einzubürgern würde es driugend nolhwendig gewesen sein,
die Backenzähne genau zu unlersuchen; die Beschreibung
erwähnt kein Wort von denselben, gerade als ob das Thier
keine besitze. Ueber die generische Stellung dieses Thiers
bleibt man also vollständig: im ‚Dunkeln.
Dadurch ist eigenllich jeder weiteren Discussion aller
Halt abgeschnitten. Nur diese gänzliche Unbeslimmtheit der
Stellung kann mich veranlassen ‚auf eine nicht zu verken-
nende Vebereinslimmung'mit einem sehr bekannten Nagelhiere
hinzudeuten,; von‘dem ich ‚unter No. 2: die, Maasse denen’ des
Autors, nach demselben, dem Pariser. Maasstab, gemessen,
hinzufügen will.
Maasse von Musculus mollissimus. %
Totallänge 2. 0 .0% 54h Bl! 514.:119/14
Körperlänge a. us gar m 129
Schwanzlänge .. 0% PEREUL 34
Kopflänge. .. wo. 14 1144
Ohrlänge «ulmun ouinn. 64 Br!
Vorderfussälun mil. .: a4 35/44
Hinterfussuid ua arm au Tr 84
Das Thier, dessen unter No. 2 milgelheille Maasse' so
vollständig, als man‘ es sogar von ein und derselben Art ver-
langen kann, mit den Maassen des Musculus 'mollissimus über-
einstimmen, ist ein mittelgrosses Exemplar ‘einer Hausmaus:
Mus Musculus L. Unter vielen anderen im Jahre 1838 aufge-
zeichneten Maassen, die den Zweck halten, die Allersver-
schiedenheiten unserer Europäischen Species slulenweise zu
verfolgen, fällt dieses mir jetzt ganz zufällig auf. Nachdem
ich nachträglich noch einmal die ganze Beschreibung dieser
neuen Art .durchlese, finde ich, dass sämmtliche Angaben
Bemerkungen über neue Europäische Säugethiere. 279
der Beschreibung sehr wohl von einer weissen Hausmaus ent-
lehnt sein könnten. Nur ein einziges Mal vergleicht der
Verfasser das neue Thier mit Mus Musculus. „Der Vorder-
kopf ist siumpfer, als bei der Hausmaus und Waldmaus, und
man könnle verleitet werden, dies für ein Kennzeichen eines
jungen Thiers zu halten, wenn nicht. die. vollkommen ausge-
bildeten und hervortrelenden Hoden, welche beide zusammen
die Grösse einer miltelmässigen Haselnuss haben, das Gegen-
theil» bewiesen.“ Ich will darauf nur bemerken, dass Jeder,
der weisse Hausmäuse in der Gefangenschaft beobachtet hat,
wissen kann, dass sie schon anfangen sich fortzupflanzen,
ehe sie ihre volle Körpergrösse erreicht haben. Ein etwas
siumpferer Vorderkopf, als einziger Arlunterschied, kann doch
Manchem für ein: einziges Spirilusexemplar etwas bedenk-
lich erscheinen. Sollte es nicht auch möglich sein, ‘dass an
den paradiesischen Gestaden des Tyrrhenischen Meeres die zart-
empfindenden weissen Hausmäuse , 'wie, die. Lazzaroni’s, ihr
Leben unter [reiem Himmel zu geniessen wünschen könnten?
Ich wage es kaum anzudeulen, aber ich halte es für
ganz und gar nicht, unmöglich, dass eine genaue Untersu-
ehung des Gebisses ‚des fraglichen Individuums nicht den ge-
ringsten Unterschied ‘von Mus Museulus L. ergeben könnte;
und dann wäre diese neue Art sicherlich eine weisse Hausmaus.
Von den in Vorigem besprochenen sieben neuen Säu-
gelhierarten halte ich die beiden ersteren, die in. meister-
haften Beschreibungen ‚dargestellt sind, für örtliche, oder
wenn man lieber will, klimatische Rassen der entsprechen-
den , früher schon bekannten ‚Arten; von der. dritten Art,
deren Kenntniss nicht in dem Masse genügend feststeht,
scheint mir dasselbe Verhältniss nicht unwahrscheinlich. An
diesen bestimmten Oertlichkeiten scheinen die herrschenden
Bedingungen regelmässig dieselben Modifikationen hervorzu-
bringen, während der wesentliche specifische Charakter der-
selbe ist, wie der von anderen Oertlichkeilen. Es kann
vom Standpunkte der systemalischen Zoologie nicht gleich-
güllig sein, ob dergleichen, vielleicht auch durchgängig con-
stante Modifikationen für selbstständige Arten, oder für Rassen
einer andern Art angesehen werden; für die exacle wis-
senschaftliche Einsicht, für Naturforschung und Naturbeob-
2980 Blasius: Bemerk. über neue Europäische Säugethiere.
achtung im Allgemeinen ist übrigens beides von gleichem
Interesse. Mit der Einsicht in solche Formen wird unter allen
Umständen die wissenschaftliche Kenntniss der Thierwelt ge-
fördert.
Die Darstellungen der vier letzten Arten sind dadurch
ungenügend, dass sie die Kenntniss des Schädels, des Ge-
bisses der beschriebenen Individuen vollständig unberührt
lassen. Es ist unmöglich, mit Sicherheit zu ermitteln, ob
eine Säugethierart neu ist, wenn man ihr Gebiss nicht genau
kennt, und mit den verwandten Arten vergleicht. Kein Zoo-
log, der Ansprüche darauf macht, dass man seinen Ansich-
ten über Species irgend einen Werth beilegt, kann sich über
diese Anforderungen mit Erfolg hinwegsetzen. Eine beschrie-
bene Thierform kann eine ausgezeichnete neue Art sein: man
kann aber aus der Beschreibung, welche die entscheidenden
Gründe gänzlich unberücksichtigt lässt, die Neuheit der Art
nicht überzeugend’ ersehen. Fehlen in einer Beschreibung
die entscheidenden überzeugenden Thatsachen, so kann man
mit Grund vermuthen, dass die beschriebenen Thiere auf diese
entscheidenden Thalsachen nicht untersucht sind. Und dann,
kann man weiter schliessen, hat sich der Autor wahrschein-
lich nicht in der Lage befunden, über die Neuheit der Art
ein Urtheil sich bilden zu können.
So lange die beschriebenen Exemplare noch exisliren,
lässt sich diesem Mangel oder Uebelstande abhelfen, und
jeder fragliche Punkt zu sicherer Erledigung bringen. Und
das ist der Grund, wesshalb ich auf. das, was die Beschrei-
bungen zu wünschen übrig lassen, aufmerksam machen will.
Das ist der einzige Weg, die Zoologie Europa’s vor neuen
Bücherspecies zu bewahren, die nur den Compilatoren und
literarischen Sammlern zu Gute kommen , während sie dem
Naturbeobachter und Naturforscher ein Gräuel sein müssen.
Bis dahin, dass alle entscheidenden fraglichen Punkte
ahfgeklärt sind, bleibt einem Jeden, der sich seines Urtheils
nicht ganz begeben will , Nichts übrig, als die unvollständig
beschriebenen Thierformen nach den milgetheilten Thatsachen
einzureihen.
Zur Anatomie des Orang - Utang und
des Chimpanse.
Von
Prof, Mayer
in Bonn.
Zu dem Satyrus Orang-Utang von Borneo und Sumatra
(Sat. Sundaicus) und zu dem Troglodytes (Chimpanse) ist in
neuester Zeit bekanntlich ein zweiter Sat. africanus, der Go-
rilla, gekommen, von Dr. Savage 1847 von Gaboon (Fluss
Gabon 110 N. B., früher Riv. de Geves und Geba genannt;
zu unterscheiden von dem Gabon des Königreiches Pongo in
Unter-Guinea am Aequator), aufgefunden, dessen Namen der
gelehrte Entdecker desselben aus Hanno’s Periplus entnom-
men hal. Früher (1625) hat schon der Reisende Batell,
wie es scheint, ‘den Chimpanse und den Gorilla gekannt und
unterschieden.
Die Benennung Troglodytes, welche Linne bekannt-
lich seinem fabelhaften Homo nocturnus gab, und welche
Blumenbach unrichtig (das einzige Unrecht, welches der
grosse Physiologe beging,) auf den Chimpanse übertrug, dürfte
wohl gänzlich aufgegeben werden, da ja überhaupt kein Affe
ein Höhlenbewohner ist. .
Es scheint mir einer logischen Eintheilung der men-
schenähnlichen Affen (Pseudo .anthropomorphes nach Du-
vernoy) angemessener zu sein, den Namen Satyrus (den
man schon in Horaz für Affen gebraucht findet) als Gat-
lungs-Namen zu wählen und nun drei Species als: 1. Saly-
982 Mayer:
rus Mawej, s. Orang- Utang, (Salyrus sundaicus - borneensis
et sundaicus -sumatranus); 2. Salyrus Chimpanse, 3. Saly-
rus Gorilla aufzuführen. Nach Savag e’s Nachrichten könnte
man die beiden afrikanischen Salyren in Salyrus supra-et
infraguineensis eintheilen. Nach Bowdich (1819), Aubry
Lecomte und Dr. Franquet (1854) kömmt aber eine
zweite Unterart von Chimpanse, der Inchego oder Tschego,
ebenfalls kleiner als der Gorilla, vor. Er unterscheidet sich
nach Dr. Franquet vom Chimpanse, dass er kleine Ohren
(Ohrmuscheln) und ein schwarz Gesicht, dieser grosse Ohren
und ein fleischfarben Gesicht hat. Duvernoy (Archives
du Mus. d’hist. nat. Tom. VIl 1855—56) verglich Skelet
und Schädel eines Tschego mit dem eines ebenso jungen Chim-
panse und fand einige Differenzen, wovon die charakterisli-
sche (?) die sei, dass beim Chimpanse die Ferse wenig vor-
springe und die Gelenkfläche des Fersenbeines sehr lang
sei, beim Tschego das Fersenbein stark hervorrage und seine
Gelenklläche dagegen kurz sei. . Ueber den, Aufenthalt die-
ses Tschego sind die Angaben der genannten Reisenden‘ un-
bestimmt und sich widersprechend. Nach Dr. Franquel
kömmt der Tschego, nicht aber der Chimpanse, an ‚dem lin-
ken. Ufer ‚des Gabon und zwar jener mit dem Gorilla vor.
Nach Aubry. soll der Gorilla auch am Cap Lopez bemerkt
werden und wäre er somit ebenfalls, gegen Savage's Ver-
sicherung, in Unter-Guinea zu Hause. Es wäre also die geo-
graphische Verbreitung des Chimpanse und Gorilla noch nä-
her aufzuklären; wobei wie erwähnt der, obere Fluss Gabon
der Engländer in der Bissagos - Bai von dem untern Fluss
Gabon in der Nähe des Cap Lopez zu unterscheiden: wäre.
Ich würde daher unmassgeblich vorschlagen, die Simiae
anthropomorphae ‚oder Satyri einzutheilen und zu benennen,
wie folgt:
1. Satyras Knekias (Czvrxıes flavus, daher auch für Wolf
gebraucht) s. Orang-Utang.
2. Satyrus Adrotes («öoorns erassus) s. ‚Gorilla.
3. Satyrus Lagaros (kay«oos, homo gracilis) s. Chimpanse
und Tschego,
Zur Anatomie des Orang- Utang und des Chimpanse. 283
Ueber die Osteologie des Schädels des Orang-Ulang habe
ich in diesem Archiv (Jahrgang 1845) meine Untersuchun-
gen milgelheilt, sowie einiges Vergleichende über den Sehä-
del des Chimpanse. ' Ueber Schädel und Theile des Skeletes
des Gorilla haben wir die vortrefflichen Arbeiten von Owen.
Es bleibt aber die Vergleichung noch immer nicht abge-
schlossen, so lange nicht Schädel von gleichem Alter und
Geschlecht einander gegenüberstehen. So wird sich wohl
die Capacilät der Schädelhöhle, welche Owen bei dem Orang
und dem Chimpanse zu 28 Kubikzoll, bei dem Gorilla zu
30 Kz. angiebt, zu Gunsten jenes erstern oder wenigstens des
zweiten erhöhen! Kneeland giebt von einem Gorilla nur
27 Kzolle an.. (Annals of nat. hist. Vol. X. 1852.)
Den ersten lebenden Chimpanse, welcher in neuerer
Zeit nach Europa kam (der Salyrus indieus, welchen Tul-
pius (Obs. med. p. 270) abbildete, kam aus Angola und
war, wie es scheint , ein Chimpanse; der erste weibliche
Champonez, der 1739 lebend nach London’ gebracht wurde,
war 21 Monate alt, ® Fuss 4 Zoll hoch; der Boggo, den
Smith am Flusse Scherbro traf, war ebenfalls ein Weibchen
von 6 Monaten), sah ich 1819 in London (Exeter - Change).
Er war ein gegen 2'/, Fuss grosses , kränkliches, zahmes
Thier. Er starb bald darauf; ich bot auf den Leichnam,
mussle aber später hören, dass das College of Surgeons ihn
um einen höheren Preis erstanden habe. Ich sah später bei
Mr. Clift (der Hand von Everard Home), das Skeletchen
bloss erhalten und bewunderte den schön gewölbten Schädel,
in Vergleich eines ungefähr ebenso alten Orang-Schädels des
Hunter’schen Museums. Auch finde ich in meinen Notizen
die Bemerkung, dass das Os intermaxillare am Kiefer des
Chimpanse schon ganz verwachsen, beim Orang aber..noch
gelrennt war.
Ich habe im Jahre 1838 einen Chimpanse von 3 Fuss
3 Zoll in Weingeist erhalten und untersucht. Einiges dieser
"Untersuchungen habe ich bereits veröffentlicht, namentlich
die Anatomie der Zunge und des Larynx. (N. A. A. N. C.
Vol. XX. P, Il. und Vol. XXIII. P, ID, sowie die des Auges
betreffend. (Ueber das Auge der Cetaceen, Bonn bei Henry
ei Cohen 1851,) Ich theile hier nun noch die anderen Be-
284 Mayer:
merkungen, welche ich bei der vergleichenden Section die-
ses Chimpanse und eines jungen Orang niedergeschrieben,
in Kürze mit.
Vorerst erwähne ich jedoch noch einmal als für grössere
Menschen-Aehnlichkeit des Chimpanse sprechend. die mehr
gerundete Zunge desselben, das Dasein der dünnen platten
Uyula, welche dem. Orang fehlt, jedoch nach Duvernoy
auch dem Gorilla zukömmt , die Verkümmerung der Kehl-
säcke !), welche beim Orang so gross, (beim Gorilla wohl
wegen seines fürchterlichen Geschreies Kh-ah, Kh-ah! das
durch die Wälder der Balantes erschallt, nach Duvernoy
vielzellig), ferner die Zartheit der Nickhaut, endlich das
frühe Verwachsen des Intermaxillarknochens, (bei Gorilla
vom Flusse Danger noch getrennt. S. Owen Transact. of
the zool. Soc. Vol, IV. P. 3).
Welche der drei Arten von Satyrus dem Menschen am
nächsten stehe, möchte noch nicht, ganz entschieden sein.
Die meisten humanen Analogieen des Baues scheint der Chim-
panse darzubieten. Doch könnte man auch sagen, dass je-
der. der‘ drei Orangs sich von verschiedenen Seiten her mehr
dem Menschen nähere, der Orang-Utang durch seine Geleh-
1) Tyson erwähnt keinen Kehlsack beim Chimpanse. Ich habe
nur ein Rudiment desselben bei ihm (einem jungen Weibchen) ge-
funden (eine Tasche innerhalb des Kehlkopfes, nieht ausserhalb des-
selben). Vrolik (auch an einem jungen weiblichen Chimpanse)
fand ihn ebenfalls klein und blos links. Duvernoy (Archives du
Museum d’hist. nat. 1855— 56) bemerkte am männlichen und weibli-
chen Chimpanse zwei kleine Säcke. Nur Owen spricht von einem
sehr grossen Luftsack des Chimpanse. Vielleicht ist er erst im hohen
Alter mehr entwickelt, und dürfte also kein grosses Gewicht auf diesen
Unterschied gelegt werden! Wie verschieden überhaupt diese Kehl-
säcke nach Geschlecht, Alter, Varietät der Affen sein mögen, davon
nur ein Beispiel. Bei Ateles Paniseus fand Cuvier einen Kehlsack
unter dem Ringknorpel, dessen Angabe nun auch Duvernoy an
dem Cuvier’schen Präparate bestätigt. Ich sah aber bestimmt an einem
erwachsenen Ateles Paniscus männlichen und einem weiblichen Ge-
schlechtes keinen Sack, sondern eine blosse Erweiterung des Anfanges
der Knorpel der Trachea, (Weiteres vergl. $. 37 m. cit. Abhandlung.)
Ebenso beobachtete ich keinen Kehlsack bei Hylobates leueiscus,
während Sandifort einen solchen beim Syndactylus bemerkte,
Zur Anatomie des Orang-Utang und des Chimpanse. 285
rigkeil, der Chimpanse durch seine Zahmheit, der Gorilla
durch die menschliche 'Form seines Armes und seiner Hand.
(Es gefallen sich noch immer einige Naturforscher in
der Idee, dass der Mensch von den Affen abstamme. Das
Buch der Genesis der Tübetaner führt diese Idee als histo-
risches Factum auf. Der Geologe geht noch weiter und lässt
die ganze Thierwelt in unendlich langen Zeiträumen, stufen-
weise sich von Unten nach Aufwärts entwickeln. Man be-
denkt hiebei nicht, dass gerade die Infusorien -Lager nach
Oben, Riesenthiere zu Unterst liegen, und dass noch Niemand
den Uebergang des Homo diluvii testis von Scheuzer zu
dem Homo unserer Zeit nachgewiesen hat. Es ist überhaupt
als Axiom der Schöpfungsgeschichte der Satz voranzuslellen:
„Die Schöpfung besteht aus in Grösse, Form und Gradation un-
endlich verschiedenen Wesen, wovon Jedes für sich ward,
ist und sich fortzeugt und nicht ‚aus dem Andern ‘sich erst
entwickelt, oder es aus sich gebiert, mit innerer Verwandt-
schaft zu ganzen Geschlechtern und Sippen, nach einem idea-
len Prototyp. Nur an der Grenzlinie dieser Verschiedenhei-
ten findet Vermischung einer Abart mit der andern statt, aber
auch hier sind die Mischlinge meist unfruchibar und sterben
gerne aus.“
Wenn man zu Gunsten jener Idee der stufenweisen Me-
tamorphose der Thiere in den Schöpfungsperioden die That-
sache anführt, dass der menschliche und Thier- Fötus bei
seiner Entwicklung die niederen Stufen der thierischen Bil-
dung durchlaufe, so hat man dabei übergangen, dass gerade
am Anfange des Entstehens der menschliche Fölus seinen
höheren menschlichen Typus vorwaltend zeigt, indem die
edelsten, die Central- Gebilde des Nervensystemes, sich am
frühsten und relativ am mächtigsten zeigen und der Kopf noch
die grössere Hälfte des Körpers ausmacht.)
In Belreff des Ganges des Orang-Utang und der Qua-
‚drumanen überhaupt, ist zu bemerken, dass sie nicht eigent-
lich auf der Handsohle (Vola manus) ihrer Vorderglieder
auftreien, sondern auf dem äusseren Rande, selbst auf dem
Rücken der Handwurzel, Miltelhand und der Finger, was man
Valgimanus nennen könnte. Theilweise gilt dieses auch für
die hintern Extremiläten und zeigt sich noch beim Neger
286 f Mayer:
(Indianer). Die Beugung ist bei den Affen schon überwie=
gend über die Sireckung an der vorderen Extremilät, die dem
Menschen vorherrschend eigen ist; Auch ist die Supinalion
der Knochen des: Vorderarmes dem: Menschen in höherem
Grade möglich, während bei den Säugethieren. die Pronalion
derselben vorherrschend und allmählich ganz permanent oder
fest geworden ist,
Was insbesondere die Organisalion der: Hand: betrifft,
bemerkt man, dass die Zahl der Knochen der Handwurzel
beim Chimpanse (Vrolik), so wie auch‘ bei Tschego‘ und
Gorilla (Duvernoy) nur acht, wie beim Menschen, beträgt
Die Form der Knochen der Hand weichen ‚beim Tschego von
der des Chimpanse ab (Duvernoy).
Die Muskeln, welche die Haud des Orang, Chimpanse,
Tschego und Gorilla bewegen, zeigen unbedeutende Differenzen
unter sich und von denen der menschlichen Hand. (Duvernoy;)
Ich fand auch den Muse. opponens pollieis gut entwickelt. Ue-
berhaupt ist ein: Vorherrschen der Beugemuskeln gegen ‚die
Streckmuskeln vorhanden. So ist beim Chimpanse und Orang
der extensor indieis proprius klein oder fehlt ganz.
Die nun folgenden weiteren Vergleichungen sind mit
Rücksicht eines ungefähr gleich alten Orangs gemacht. ‚Das
Gehirn war leider ganz in einen Brei aufgelöst, in welchem
eine! Menge quadratische Stearinkrystalle sich zeigten. Die 12
Gehirnnervenpaare waren noch erkennllich.: Nach Gr atio-
let soll das Gehirn des Chimpanse nach dem Typus der Ma-
kake gebildet, dagegen die millleren und hinteren Lappen des
Gehirns beim Orang mehr entwickelt sein. Dieses scheint
mit der schönen Wölbung des Schädels beim Chimpanse nicht
übereinzustimmen, ‚Noch bemerke ich, dass die Chorda Tyim-
pani sehr kurz erschien und schon hoch’ oben in den! Ram.
lingualis Vli sich einsenkte. Auch bei den übrigen Säuge-
thieren ist. dieses der Fall: Beim Menschen reicht sie frei
am lielsten herab. Hat diese Verschiedenheit''auf das Sprach-
vermögen Einfluss ?
L,.Schädel
Bei einem Chimpanse-Schädel sind alle Milchzähne des
Unterkiefers und Oberkiefers vollständig zu erblicken, der
Zur Anatomie des ÖOrang-Utang und des Chimpanse. 287
spitze Eckzahn ist schon mit- seiner ganzen Krone heraus,
der dritie Backzahn ist ‘im Austreten, der vierte Backzahn
noch verborgen. Die bleibenden Zähne noch nicht sehr vor-
tretend. Länge des Skeletes 2 Fuss 1'/, Zoll, Alter des Thie-
res elwa gegen 1'/, Jahr. Es wird erstens ein Orang-Schä-
del, bei welchem nur acht Milchzähne entwickelt waren, zur
Seite des Chimpanse- Schädels gestellt. Dessen Skeletchen
misst nur 1 Fuss 4 Zoll und sein Alter mag nicht viel über
zwölf Monate betragen. Ein zweiter Orang-Schädel der Ver-
gleichung hat alle Milchzähne bereits mehr entwickelt, und
wo einige fehlen, sind die Alveoli noch- gehörig weit. Im
Grunde der Schneidezähne sind hier und da die‘ Bohröffnun-
gen der bleibenden Schneidezähne zu sehen und die Zellen
der bleibenden Backzähne etwas angeschwollen. ' Die Länge
des Skeleles mag über 3 Fuss sein.
Ein dritter Orang-Schädel hat alle Milchzähne voll her-
aus, noch keine bleibenden Zähne, die aber'doch schon sehr
vorragende Höcker bilden. Der dritte Backzahn 'ganz ent-
wickelt. Der vierte am Austreten. Sein Skelet misst 312/,
und sein Alter mag gegen drei Jahre betragen }).
1) In Betreff des Orang-Utang haben es die Untersuchungen
von Fitzinger und Lucae wahrscheinlich gemacht, dass es wohl
zwei verschiedene Arten desselben gebe. Es würde aber, wie ich
bereits früher ]. ce, erwähnte, die Geschlechtsdifferenz der Form des
Schädels noch näher festzustellen sein. Ich‘ erwähne bei dieser 'Ge-
legenheit eines wir zugekommenen Schädels von Borneoschen. Orang,
etwa 4 Jahre alt, auf dessen Scheitel sich.der ganzen Länge der Sutura
sagittalis nach ein 24, Zoll langes und '/, Zoll breites Os Wormia-
num eingeschoben befindet, mit drei kleinern an dem Lambda-Winkel
derselben. Die Entwickelung einer Crista sagittalis et lambdoidea
würde wohl dadurch ganz verhindert oder doch sehr beschränkt wor-
den sein. An einem Schädel eines ©. Inuus Gnde ich als bemerkens-
werth, dass dasStirnbein oberhalb ‘der areus supraorbitales durch eine
Quernath getheilt ist A. Wagner (Die Säugethiere u.s. w. 1855.
Supplementband) ist einer Trennung des Orang-Utang in zwei Arten
nicht geneigt (l. c, 8.12).
288 Mayer:
Schädel-Maasse.
Chimpanse Orangl. Orangll. Oranglll.
Circumferenz des
Schädels. \... „|... 12.62 109970 Qu Gm 126
Grosser Durchmes-
ser. vom Oceiput
zumkinn . . . 5 ALERT 744
Gerader Durchmes-
ser vom Oceiput
zur Sliin . . . zu Qu Zu Tu zu Zu gu gu
Vord. Querdurch -
messer von einer
Alamaior oss. sphe-
noid. zur anderen 34.30 Qu gm. gu 6 Ru Hm
Hinterer Querdurch-
messer ober dem
äussern Gehörgang Zu Hu Zu Zum gu gu gu Bu
Höhedurchmesser
von der Sulura
spheno-occip. bis
zum Scheitel . . 290 gm Qu Tu zu 9m zu Qu
Es ergiebt sich aus dieser Tabelle, dass die Circumfe-
renz des Schädels beim Chimpanse grösser, als bei einem
jungen Orang und schon gleich gross, wie bei den viel älte-
ren Orangs war. Der Schädel ist weniger in die Länge ge-
zogen, als der des Orangs, aber scheint auch weniger hoch
oder mehr platt gedrückt zu sein. Dagegen zeichnet er sich
durch die Grösse der beiden Querdurchmesser, durch den
vorderen und hinteren, vor dem des Orangs aus.
Die Ausmessungen und Abwägungen .der Gehirne des
Menschen und der Thiere bilden die mathematische Grund-
lage der Vergleichung des Seelenorganes, auf welche sodann
die Vergleichungen ‘der qualitativen, formalen und organi-
schen Unterschiede basirt werden können. So viel Sorgfalt
bisher namentlich durch Tiedemann und Huschke auf
die Ausmessungen und Abwägungen verschiedener Gehirne
verwendet wurde, so sind die daraus zu ziehenden Resultate
doch noch ohne wissenschaftliche Verbindung und ohne
Früchte für die Physiologie des Geistes. Es fehlt vor Allem
Zur Anatomie des Orang-Utang und des Chimpanse. 289
an einer von den Analomen gemeinschaftlich durchgeführten
Methode für diese Ausmessungen und Wägungen, wie ich dieses
Fehlens schon anderwärts in Belreff der Ausmessungen des
Schädels gedacht habe. Auch wird bei den Charakterisirungen
der Ragen-Schädel so sehr in’s Detail der Formen gegan-
gen, dabei die wesentlichen Gesichtspunkte noch immer über-
gangen, dass solche wohl zur Physionomik der Völker-
slämme brauchbar sind, aber keine feste Grundlage für die
Elhnocraniologie bilden können. Ich möchte als allgemeines
Schema für eine elhnocraniologische Eintheilung die drei Di-
mensionen des Schädels oder der Schädelhöhle und dann die
des Gesichles ( Prosopon ) voranstellen. Demgemäss würde
ich, theilweise nach Retzius, Crania dolicho-cephala, or-
thocephala und eurycephala und prognalha, orihognalha und
eurygnalha Prosopa, als Hauptunterschiede der pars cranii und
pars faciei, aufstellen. Es wäre daher wünschenswerlh, wenn
sich die Physiologen über eine solche gemeinschaftliche Me-
ihode vereiniglen, damit nicht bald in der, bald in jener
Richtung gemessen wird und von keinem gemeinschaftlichen
Gesichtspunkte oder Visierpunkte ausgegangen wird.
Auch selbst die Angaben über Grösse und Gewicht des
Gehirnes haben keinen Werth, wenn nicht zugleich die Grösse
und das Gewicht des ganzen Körpers des vorliegenden In-
dividuums mit angegeben wird. Ferner ist das Alter, die
Constitution und insbesondere das Geschlecht hierbei zu er-
wähnen, und ist es nicht blos hinreichend Rage und Volks-
stamm zu bezeichnen. Die Angabe des Geschlechtes ist in
Betreff des Baues des Schädels und des Gehirnes von gröss-
ter Wichtigkeit, namentlich in Beziehung auf den Menschen
und auch mehr oder minder auf die Thiere (Säugelhiere und
Vögel). Noch ist dieser Geschlechtsunterschied bei der Cha-
rakteristik der Ragen-Schädel unberücksichligt geblieben.
Auch die so eclatante Differenz der Grösse , Form, der Zahl
und Dicke der Windungen u. s, w., des Gehirnes des Man-
nes und Weibes ist nur wenig berücksichligt worden. Und
doch hat in der Regel (es giebt auch Weiber mit dem Schä-
del und Gehirn des Mannes, so wie umgekehrt; bei einem
berühmten Dichter fand ich das Gehirn sehr gross, aber
ganz von weiblicher Form) das Gehirn des Weibes zahlrei-
Archiv I, Naturgesch, XXI. Jahrg. 1, Bd. 19
290 Mayer:
chere, schmälere und zartere Windungen, und ist relativ zum
Körper grösser. Ich glaube eine Bestäligung dieses Geselzes
selbst in Betreff des Gehirnes des Orang-Ulang, so weit die
darüber gelieferten Abbildungen solchen Schluss gestalten
dürften, zu erblicken.
So unterscheiden sich die Abbildungen des Gehirnes
vom Orang-Utang, die Gratiolet Tab. Ill. Fig. 1 und2 gab,
von der auf Pl. III. Fig. 5 und 6 durch Zahl und Schmalheit
der Windungen, dass ich Fig. 1 und 2 für männliche, Fig. 5
und 6 für weibliche Gehirne ansprechen dürfte. Tiede-
mann’s Abbildung ist wahrscheinlich die von einem männ-
lichen Orang. In Betreff des Chimpanse ist Graliolet's
Abbildung (Pl. VI. Fig. 1—8) die von einem Weibchen, die
Schroeder’ v.d.K. für die von einem Männchen zu hal-
ten. Leider ist das Geschlecht nirgends erwähnt.
Nur der exacte Anatom Sandifort giebt es an und
in seiner Abbildung erscheinen die Gyri auch hinreichend
dick. Wenn ich nun aber den absoluten oder beziehungslo-
sen Wägungen des Gehirnes keinen grossen Werth beilegen
kann, so dagegen den relativen, besonders in Betreff des
Gehirns und seiner Theile bei den Thieren. Es fehlt uns
noch eine Beobachtungs-Reihe über die relalive Grösse und
das Gewicht der Lappen, des grossen, des kleinen und des Mit-
tel-Gehirns, namentlich auch des Hirnknotens und der Hirn-
zwiebel zu einander, welche gewiss ihre schönen Resultate
liefern würde, Man müsste hierbei gleichförmig verfahren, das
grosse Gehirn am Crus cerebri, und das kleine am Marksegel
nach auswärls abheben und die drei Gehirntheile abwägen.
In Ansehung des Verhältnisses des Gehirnes zu den Nerven
könnte das Maass der Breite des Ursprungs des Nervus tri=-
geminus, als Grundzahl der Vergleichung , genommen wer-
den. Es hat zwar Tiedemann nach seinen so sorgfälti-
gen Abwägungen des Gehirnes des Negers keinen wesent-
lichen Unterschied zwischen demselben und des Europäers
gefunden, (es bliebe aber immer der etwaige qualitative Un-
terschied der Gehirn-Substanz zu berücksichligen), allein ein
ächler Negerschädel hat für das Gehirn eines Caucasiers ge-
wiss nicht Raum! Interessant ist daher die Beobachtung,
welche Dr. Nott (s. das ausgezeichnete Werk: Types of
Zur Anatomie des Orang-Utang und des Chimpanse. 291
Mankind, Philadelphia 1854), anführt, dass George Combe,
nach einem Abgusse der Schädelhöhle eines Amerikaners
und der eines Europäers, die vorderen und die hinteren Lap-
pen des Gehirns des Ersteren bedeutend schmäler und kür-
zer als bei dem Europäer gefunden haben soll !?
Ausserdem mögen noch folgende Bemerkungen hier ihre
Stelle finden.
Die Zahnbildung beim Chimpanse ist schwächer, besonders
auch der Eckzahn kleiner, spitzer und weniger massig, die
Lücke zwischen dem ‚oberen Eckzahn und dem äusseren
Schneidezahn, worein der untere Eckzahn einpasst, fehlt beim
Chimpanse. Der ganze Kieferzahnrand schwächer und brei-
ler, die Malargrube ausgefüllt, das Jochbein relativ kleiner,
schwächer, ebenso der Jochbogen, insbesondere dessen pro-
cessus temporalis. Die Sutura zygo -maxillaris mehr hori-
zonlal, das luberculum iugale mangelnd. Die Jochgrube
kleiner, kürzer. Dieses selbst als bei Orang 1. Das Nasen-
bein wie beim Orang einfach, an der Wurzel aber breiter
als bei diesem und dem Gorilla vom Danger (Owen). Nase
und Nares sowie Schneidezahnoberkiefer gerade laufend,
nicht eingedrückt (Simus). Die Lamina eribrosa breiter.
Der Proc, frontalis des Oberkieferbeins schmäler und bildet
das Thränenbein vortretend mehr den Thränenkanal als jener.
Proc. mastoideus schwach angedeutet. Margo supraciliaris
und supraorbitalis mehr prominirend. Die Ala magna des
Keilbeins zwar auswärts schmaler, aber ihre Cavilas ce-
phalica breiter, geräumiger. Ein Mentum prominens am
Unterkiefer!
Beim Orang-Utang so wie bei den meisten Affen, nicht
aber (wenigstens noch nicht beim jungen) Chimpanse, befin-
det sich vor dem äussern Gehörgang ein spilzer Fortsatz oder
Zapfen, wohl bestimmt die Bewegung des Unterkiefers nach
rückwärts zu hindern. Beim Menschen fehlt er mit Ausnahme
einiger Negerschädel, wo er sich elwas vorspringend vorfindet.
Er mangelt fast ganz den Wiederkäuern, dagegen ist er
slark entwickelt bei den meisten Carnivoren, noch mehr
bei den Einhufern, besonders gross beim Rhinoceros, Tapir,
obgleich er bei den Schweinsarten vermisst wird. Beim
Menschen ist zur freieren Bewegung des Unterkiefers noch
292 Mayer:
eine Grube hinter der Gelenkfläche für der Condylus des
Unterkiefers vorhanden, welche allen Säugelhieren fehlt.
Zahnbildung und Osteogenesis des Schädels sind über-
haupt schwächer und wohl auch späler eintretend beim Chim-
panse; namentlich sind die Kopfknochen dünner, zarler,
weicher (obwohl das Thier nicht skrophulös war).
Am processus cubilalis des humerus findet sich in des-
sen Mitte auch beim Orang-Utang eine Oeffnung. Beim
Chimpanse findet sich, merkwürdiger Weise, keine solche
Oeffnung. Dagegen sagt Kneeland vom Gorilla, dass
dessen humerus unten rechts, aber nicht links durchbohrt
sei. Duvernoy hat diesen wichtigen Punkt bei Gorilla und
Tschego unbeachlet gelassen. Ich habe dieselbe bei einigen
Negerskeleten angelroffen, jedoch fast immer bei denen von
Negerinnen. Bei den Guanchen und den Buschmännern soll
sie ebenfalls vorkommen. Meistens ist der Knochen an die-
ser Stelle blos sehr dünn. Unter den Carnivoren ist sie
vorzugsweise dem Hundegeschlecht eigen, fehlt dem Löwen
und allen Felisarten, so wie dem Genus Ursus. Beim Hunde
besitzt das Olecranon einen vorderen Forlsalz, welcher beim
starken Strecken des Vorderarmes, beim Scharren, Graben u.
s. w. bis in diese Oeffnung hereintritt und wohl die Ursache
ihrer Bildung ist. Einen ähnlichen Fortsatz zeigt das Ole-
eranon auch bei anderen Säugelhieren, bei denen dieses
Loch zugegen ist, als: beim Biber, Hydrochoerus Capybara,
Marmotta, Sciurus, Lulra, Dasypus u. s. f. Ich möchte
dieselbe foramen intercondyloideum nennen. In Betreff des
foramen supracondyloideum bemerke ich nur zu dem, was
von Otto, Meckel u. A. darüber erwähnt wurde, dass
ich dasselbe bei F. Leo, ligris, pardus, calus, Ursus Meles
(nicht bei Ursus arclos, ferox, americanus), Nasua, Procyon
Lotor, Lutra, bei mehreren Affen, bei Hapale R. (an einem
Skelete, an dem anderen nicht) gefunden habe. Die Frage
über den Zweck oder die Beslimmung dieses foramen su-
pracondyloideum bei einigen Säugelhieren , dürfte wohl auf-
geworfen werden. Da dasselbe sich nur noch bei denjeni-
gen Säugelhieren vorlindet, bei denen noch eine Art der
Pro- und Supination des Vorderarmes vorkömmt und unter
diesen besonders bei solchen Säugethieren, welche bei ihren
Zur Anatomie des Orang- Utang und des Chimpanse. 293
Bewegungen von Höhen herabspringen, wie die Spring-Affen,
die Agilia der Nager, und wie das gesammte Kalzen - Ge-
schlecht, bei Erhaschung ihrer Beute, nicht aber bei gerade-
auslaufenden Carnivoren, bei dem Hunde, Bären u. s. f., so
scheint mir die Bestimmung dieser Oeffnung die zu sein, bei
solchen heftigen und schnellen Sprüngen, die durch sie hin-
durch tretenden Gefässe (Arlterie und Vene) und Nerven zu
schützen, und vor Zerrung und Zerreissung zu bewahren.
Wenn diese Oeffnung aber auch dem Hundegeschlecht man-
gelt, so vertritt jedoch theilweise ihre Stelle ein hervor-
springender Knorren am Condylus internus humeri, mit einer
Rinne daran, welche zu demselben Zwecke, das Ausgleiten
der Arteria ulnaris und des N. med. zu verhülen dienen
kann. Denselben Knorren finden wir auch beim Genus Ur-
sus u. Ss, f.
II. Eingeweide der Brust.
Chimpanse-Weibchen.
Der Herzbeutel ist zart. Das Herz weich und schwach
muskulös. Im rechten Vorhof die Valv. Eustachii und The-
besii schwach angedeutet. Die übrigen Klappen des Ostium
venosum und arteriosum, wie beim Orang-Ulang. Das fo-
ramen ovale ebenfalls geschlossen. Aus dem Arcus Aortae
entspringen aber nur zwei Stämme, wovon der rechte die
Carolis dextra und arteria subclavia dextra, der linke die
Carotis und Subelavia der linken Seite abgiebt. Die Lungen
sind gross aber weich. Die rechte Lunge ist schwach in
zwei Lappen, die linke in drei Lappen getheilt. Das Zwerch-
fell ist schwach muskulös.
Orang-Utang-Weibchen.
Der Herzbeutel ist dicht, Das Herz derb und stark.
Im rechten Ventrikel die dreizipflige Klappe. Seine Wandung
1/, so dünn, als die des liuken Ventrikels. In der Art.
pulm. drei halbmondförmige Klappen. In der Scheidewand
der Vorhöfe das foramen ovale geschlossen. Im linken Ven-
trikel die Valvula bicuspidalis und in der Aorla drei Valvu-
lae semilunares.
Am Arcus Aorlae entspringt ein Truncus anonymus,
der sich in die Carotis sinistra und sodann in die Carotis
294 Mayer:
dextra und subelavia theilt. Die subelavia sinistra entspringt
besonders.
Die Lungen sind gross und derb. Die rechte Lunge
schwach, in zwei Lappen getheilt. Ebenso die linke. Beide
Lungen liegen mit einer sehr breiten Fläche des unteren
Lappens auf dem stark muskulösen, grossen Zwerchfelle auf,
so dass dieses einen slarken Druck auf die Lunge aus-
üben kann.
II. Eingeweide des Unterleibes.
Chimpanse.
Der Magen ist länglichrund und schwachhäutig, der
Blindsack desselben ziemlich markirt. Das Ostium oesophageum
ohne Klappe ; 5/, davon, (die pars cardiaca) der inneren Fläche
glatt; '/, (die pars pylorica) zeigt aber 1 Zoll lange Falten,
welche in der Länge verlaufen mit Zwischenräumen von 2—3
Linien. Keine Ringklappe. Die Muskelhaut schwach.
Die Leber ist wenig gewölbt und von weicher Consi-
stenz. Man unlerscheidet den grossen rechten, den kleinen
linken Lappen, zwischen beiden das Lisamentum rolundum
et lalum; den Lobus quadralus und Lobus Spigelii. Gallen-
blase mässig. Der Duclus choledochus mündet neben dem
Ductus pancrealicus hinter der zweiten Querfalte des Duo-
denums aus. Die Valvulae connivenles des Dünndarms nur
schwach hervortrelend.
Die Milz 21/,° lang, oben 1, unten 1,‘ breit, plalt,
weich, mager. Der Blinddarm ist 1'/, Zoll breit. Der Proc.
vermiformis 21/,‘ lang (Cuvier behauptet derselbe fehle).
Die Grimmdarmklappe ist doppelt, die obere schmal und läng-
lich, die untere halbmützenförmig und nur '/, so lang. Die
Nieren glatt und ohne Reniculis. Der Ureler tritt zwischen
einem grösseren und kleineren Abschnitte der Nieren aus,
er bildet ein längliches Becken im Innern derselben, an des-
sen Basis sich ein einfacher ebenso langer Vorsprung für
den Ausgang der Nierenkanäle vorfindet. Die Nebennie-
ren breit und platt. Die innere weiche Substanz derselben
braungelb.
Orang-Utang.
Der Magen ist mehr rundlich. Der Blindsack weniger
vortretend, die innere Fläche hat dicke Runzeln; die pars
Zur Anatomie des Orang- Utang und des Chimpanse. 995
pylorica hat zarte Längenfalten. Die Muskelhaut sehr dick,
Keine Ringklappe. Die Leber ist diek und sehr gewölbt,
dicht und derb, jedoch ohne (scrophulöse ?) Tuberkeln (wie
Camper sie sah). Vier Lappen, aber der rechle noch etwas
getheilt. Gallenblase ziemlich gross. Das Duodenum zeigt
zwei starke halbmondförmige Querfalten oder Klappen. Der
Ductus choledochus mündet neben dem Ductus pancrealicus
ebenfalls hinter der zweiten Klappe aus. Die Milz dick und
fest, gesund, Die Valvulae conniventes des Dünndarms gross
und zahlreich, Der Blinddarm weniger weit. Der Proc. ver-
miformis kürzer (s. auch Camper Tom. IV, Fig.IX.). Bei-
der Haut sehr derb. Die Grimmdarmklappe doppelt, die
obere länger, die untere etwas kürzer, beide schmal. Die
Nieren ebenso glatt und ohne Reniculis wie beim Chimpanse
aber rundlicher und derber. Der Ureter tritt aus dem Ein-
schnille in der Milte der Niere zu Tage, erweitert sich in
ein ovales Becken in der Niere, in welchem auch ein ein-
facher eben so breiter, die Hälfte der Länge der Niere be-
tragender Vorsprung der Nierensubstanz, alle Harnröhren-
bündel in sich vereint, die an dem gekerblen Rande dieses
Vorsprungs austreten. Die Nebennieren sind schmal,
IV. Weibliche Genitalien.
Chimpanse,
Die Clitoris 6 Linien lang, 2 Linien breit, Die Vorhaut
gross und weit. Die Vulva unterhalb derselben, Das Vesti-
bulum vaginae ohne Hymen. Die Urelhra 5 Linien lang. Die
Urinblase häulig.” Ihr Fundus ist als ein langer Prolapsus in
die Vulva vorgefallen. Die Vagina weit, 6 Linien lang und
ohne besondere Falten. Das Orificium uteri rund mit röhri-
gem Vorsprunge. Der Ulerus dreieckig, platt. Die drei-
eckige Höhle desselben ziemlich plall. Das Ovarium Jänglich,
plalt und gialt. Die Tuba eng. Die Fimbriae klein. Kein
Beutel derselben zugegen. Die Urinblase zeigt am Ostium
urelhrae das Corpus trigonum mit den zwei Orificia ureterum.
Orang-DUlang.
Die Vulva ohne deutliche Schamlippen und ihr Ein-
gang enge. Zwei kleine schwache Fallen und zur Seile
zwei Lacunae an dem Oglium urelhrae. Die Urellra 5 Li-
296 Mayer:
nien lang, glatt. Der Eingang in die Vagina darunter glatt,
ohne Haulfalte. Die Wand der Vagina glatt. Sie ist 1 Zoll
lang. Das Orificium uteri zweilippig. Der Ulerus birnför-
mig, die hintere Fläche knopfartig, convex, die vordere glalt.
Die innere Höhle dreieckig und sehr fallig. Das Ovarium
derb, am unteren Ende frei, gelappt, gewölbt, mit feinen
Graaf’schen Bläschen besetzt. Die Fimbriae klein, ohne Bursa,
das Osteum fein. Daneben eine cavernöse Anschwellung. Die
Urinblase sehr derb. Das Corp. trigonum vortretend und
zwar nahe am Ausgange in die Urelhra. Am Aller ein klei-
ner Appendix oder Vorfall der Schleimhaut.
Wichtiger als das Vorhandensein einer Scheidenklappe
oder der Spur eines Hymens bei den Säugelhieren ist die
Organisation der pars cervicalis (porlio vaginalis) oder des
Uterus communis. Die Vagina ist in der Regel, abgesehen
von ihrer eigenthümlichen Form bei den Beutelthieren , wei-
ter als beim Menschen, ebenso das Veslibulum vaginae geräu-
miger. Bei der Hyäne geschieht ihre Ausmündung in dieses
nur durch eine feine Oeffnung. Beim Igel bildet die Scheide
einen weiten runden Sack. Jene erwähnte besondere Or-
ganisation des Cervix Uteri bei einigen Säugelhieren besteht
in einer schrauben- oder treppenarligen Klappe, mehrere
Gänge bildend, welche ich Cochlidium uterinum s. cervicis
uteri nennen möchte. Schon bei den Affen (Cercopilhecus)
ist eine solche dreifache Schraube vorhanden. Bei Hydro-
choerus Capybara greifen die Treppen in einander. Bei Genus
Vacca und Capra ist diese Treppenklappe sehr entwickelt.
Noch mehr oder noch grösser sind die drei Klappen im Cer-
vix uteri beim Delphin, wovon die hinterste die kleinste, die
vorderste die breiteste ist und einen halben Bogen bildet.
Es verdiente diese Organisation eine nähere Besprechung.
Ich trage hier noch Einiges über die Osteologie und
zwar über die des Beckens des Orang-Ulang und der Säu-
gethiere überhaupt nach.
Das Becken des Orang-Ulang kommt in Betreff seiner
Crelativen) Capacität, der Breite der Hüftknochen, der Weite
der oberen Apertur, der Grösse des Winkels der Schambeine,
der Lage der Sitzknorren u. s. f. dem Becken des Menschen
Zur Anatomie des Orang-Utang und des Chimpanse. 997
am nächsten. Bei Hylobates, dessen Schädel an Rundung
dem des Orangs am nächsten steht, ist auch die Beckenhöhle
noch rundlich, die Silzknorren fallen aber weit nach vorn,
zum Hocken darauf, und der angulus pubis ist fast ein gera-
der. Eine auflallende Ausnahme von diesem Salze macht je-
doch das Becken der Tardigraden. Beim Ai namenllich ist
das Becken relativ viel weiter als das menschliche und steht
merkwürdiger Weise diese Weite nicht im Verhältnisse zu dem
kleinen Kopfe des Thieres. Das Hüftbein desselben und das
Kreuzbein sind sehr breit, das Schambein und Sitzbein, das
oben an das Kreuzbein angewachsen , vorn ganz dünn,
und jenes zeigt (nur ganz frühe) eine kurze ('/,‘) (spä-
ter, wie es scheint, durch ein schwaches knöchernes Mit-
telstück ersetzte) Synchondrose. Beim Unau ist das Darm-
bein schmäler, das Schambein viel breiter, das Becken über-
haupt so wie Schädel, Zahnbau und Gliederbau den Le-
muren ähnlicher. Das Becken des Megatheriums (dessen
schwache Nacken - Wirbel und schmale gerade absteigenden
Rippen einen Panzer- Gürtel’ wohl nicht zu tragen im Stande
sein möchten), kommt mit dem des Ai überein. Das von
Cuvier und Pander - d’Alton vermisste os pubis hat
Owen an den Ucberresten eines bei Lukan 1837 aufgefun-
denen Megalheriums nachgewiesen. Nur ist das Schambein
(s. Phil. Transact. 1855. P. II. Pl. XXII) nicht geschlossen
und weit offen. (Es fehlt vielleicht das vordere Mittelstück
noch?) Uebrigens kann ich die Figur des Beckens Pl. XXII
nicht in Uebereinstimmung bringen mit der Figur des Beckens
an dem Skelete Pl. XVII. Bei allen übrigen Säugelhieren ist
das Becken relativ enger als beim Menschen, besonders eng
ist es bei denjenigen, deren Geburt oberhalb der Symphyse
slalt hat.
Das Becken dient theils zur Anlagerung der unteren
(hinteren) Extremität, Iheils zum Schutze der hypogastrischen
Eingeweide. Das Hüftbein ist dem Schulterblatte analog.
Das Schambein könnte man mit dem Schlüsselbeine, den pro-
cessus coracoides mit dem Silzbeine vergleichen.
Die Beckenhöhle (untere) oder die obere Becken-Aper-
tur richtet sich nach der Form des Kopfes, als welcher dem
Fölus bei der Geburt vorangeht. Sie ist rund beim Men-
298 Mayer:
schen, den Affen und bei dem Ai; länglich für den längli-
chen Kopf des Fötus der übrigen Säugelhiere. Auch das
Kreuzbein ist im Durchschnitte breiter und mehr ausgehöhlt
zu diesem Zwecke beim Menschen. Die untere Beckenaper-
tur wird bei dem Säugethiere wegen der Schmalheit des
Kreuzbeins vom 2ten falschen Wirbel wenigsiens an, und
wegen der Beweglichkeit der Schwanzwirbel, relativ geräu-
miger. Es tritt auch der Thierfötus nach hinten und
oben aus dem Becken, der Menschenfölus nach vorn und
oben unter dem Schambogen. Jener tritt daher dabei in
einer nach vorn und unten convexen Axe des Beckens, die-
ser in einer nach vorn concaven Axe; beide eine Spiraldre-
hung machend, jener das Gesicht nach unten, dieser nach
vorn und oben wendend aus demselben aus. Die Neigung
des Beckens ist bei dem Menschen eine gradwinklige, bei
dem Neger jedoch schon mehr eine schiefe, und noch mehr
beim Orang-Utang, Der Winkel der Schambeinfuge ist beim
Menschen am grössten und die Symphyse kurz oder selbst
relaliv die kürzeste. (Ausnahme: Hylobales, Tardigrada,
Manis, insbesondere Ai.) Diese Symphyse verlängert sich
dagegen bei den meisten Säugethieren und der Angulus pu-
bis wird ein spitzer, ja es selzt sich dieselbe schon bei den
Carnivoren in eine Symphyse des aufsteigenden Astes des
Sitzbeines fort. Bei Pteropus ist abweichend die Schambein-
fuge ganz kurz, ihre Schenkel weichen aber sogleich aus-
einander und die Schenkel des Sitzbeines kommen mit ihren
Knorren unter sich und mit dem Kreuzbeine zusammen , so
dass hier die Geburt auch nach vorwärts slalt zu haben
scheint. Auch beim Ai, Dasypus, Manis ist die Spina ischii
an das Kreuzbein angewachsen. Bei Tr. Rosmarus liegt
diese Spina weiter unten und ist schon als tuber ischii anzu-
sehen. Bei der Phoca aber liegt dieselbe noch hoch oben. Bei
derselben, wie bei Rosmarus, werden die Schenkel des Scham-
beines und des Sitzbeines schon sehr schmal, die Symphyse
sieht nach rückwärts und ist knorpelig. Auch bei Rosmarus
ist sie Jang und früher wohl auch noch eine Synchondrose.
Bei Vespertilio und besonders bei Stenops gracilis bildet die
Schambeinfuge einen Schnabel. Bei letzterem ist der Kie-
fertheil des Schädels ebenfalls: schnabelförmig. Achnliche
Zur Anatomie des Orang-Utang und des Chimpanse. 299
Bildung kommt am menschlichen Becken bisweilen vor. Die
Eminentia oder Spina ileopectinalis, welche bei vielen Säuge-
thieren, selbst bei den Beutellhieren , sehr hervorragt, ist
meines Erachtens Folge des Ansatzes der Sehne des star-
ken Musc. psoas parvus. (Ich erwähne bei dieser Gelegen-
heit, dass ich eine den Beutelknochen analoge Bildung, näm-
lich eine Verlängerung des Tuberculum rami horizonlalis oss.
pubis, welches an einem menschlichen männlichen Becken,
rechts 10 Linien lang, links 8 Linien lang, an einem weib-
lichen Becken rechls 8, links 6 Linien hervorragt, beob-
achtete.) Bei der angegebenen Vereinigung des aufsleigen-
den Astes des Sitzbeines mit dem absleigenden des Scham-
beines wird, da diese Aeste bei grösseren Säugelhieren be-
trächtlich breit sind, eine Art von Halbkanal für den Aus-
tritt des Thierfötus gebildet, so z.B. besonders beim Tapir.
Der Sitzknorren entspricht seiner Bestimmung beim Men-
schen, er ist breit und sieht gerade nach unten. Schon bei
den Affen rückt er etwas nach vorwärts oder wird länger
und bildet einen seitlichen Vorsprung. Bei den übrigen Säu-
gethieren bleibt zwar der Sitzknorren länglich, ist aber meist
mit einem slarken Fortsalze nach aussen versehen und tritt
damit nach auswärls, hinten und aufwärts. Bei einigen ver-
wächst er dann mit dem Schwanzbeine (Pteropus). Beim
Känguruh ist der Sitzknorren sehr klein, wahrscheinlich weil
die processus interverlebrales anteriores der Schwanzwir-
bel hier den Becken- Ausgang schon verengen,, welche zur
Anlagerung der muse. flexores caudae, die dem Schwanze
zum Stützpunkte verhelfen, dienen. Beim Ai, welches nicht
aufrecht geht und auf den Vorderarmen aufsitzt, ist der Sitz-
knorren sehr schwach und ans Kreuzbein angewachsen.
Das Darmbein ist relativ am breitesten und am meisten
‚ausgehöhlt beim Menschen und sieht hier nach vorwärts und
einwärls, Am ähnlichsten dem nıenschlichen ist das des Ai.
Beim Orang-Ulang ist esnoch breit aber schon relaliv hoch.
Bei den Carnivoren dagegen schr schmal, mit seiner Conca-
vitäl nach auswärls sehend. Diese concave Platte des Darm-
beines dient wohl zum Stützpunkte für den Darmkanal, na-
mentlich für den Dickdarm. Daher die Concavität desselben
(nur für den M. iliacus internus noch erforderlich) mit der
300 Mayer:
geringen Evolution des Dickdarmes, bei den Carnivoren schon,
verkümmert. Dagegen finden wir, ein breites Darmbein wie-
der bei den grossen Säugelhieren, namentlich bei den Wie-
derkäuern, dem Lama, dem Pferde, Giraffe, Elephanten, Rhi-
noceros u. s. w., wo der Dickdarm eine grosse Ausdehnung
zeigt. Dass bei dem Menschen und Affen die aufrechte Stel-
lung hierbei mit concurrire, wird ebenfalls zu erwähnen sein.
Das Becken des Ornithorhynchus ist nach dem Typus
des Beckens der Säugelhiere, nicht der Vögel gebildet. Die
Symphyse ist lang (nur der Strauss besitzt eine Synchon-
drosis pubis) der Sitzknorren spitz. Noch länger ist die
Symphyse bei Echidna, Myrmecophaga, Dasypus, Manis, wo
auch der Angulus ossis pubis sehr gross isl.
Die Differenz des männlichen und weiblichen Beckens
oder den Geschlechtsunterschied desselben bei den Säugelhie-
ren betreffend, finden wir denselben mehr oder minder aus-
gesprochen. Bei Ursus americanus habe ich ihn bereils an-
gegeben. (S. Nov. Act. Acad. N. C. Vol. XXVIL. P.1.) Im
Durchschnilte zeigt das weibliche Becken der Säugelhiere
folgende Charaktere: die Darmbeine sind relativ breiler, ebenso
die Flügel des ersten Kreuzbeinwirbels, die Conjugata der
obern Apertur ist grösser, weil das Becken schiefer, die Sitz-
knorren sind schwächer, ihre Distanz oder der Querdurch-
messer der unteren Apertur grösser. Partlicularia hierüber
sind in Doering’s treiflicher Diss, inaug. de pelvi. Berol.
1824 zu finden,
Ich erlaube mir dem Voranstehenden noch einige Bemer-
kungen über den Gorilla nach eigener Conjeclur hinzuzufügen.
Ein ähnlicher Name, wie Gorilla, findet sich für einen
grossen Affen Afrika’s bei den Mandingos, nämlich der von
Toorallas, was wohl im Grunde derselbe Laut (Hug) ist. Es sei
mir aber hier gestallet noch einen kurzen kritischen Blick auf
Hann o’s Periplus zu werfen, da das nalurhistorische Faktum
der Entdeckung des Gorilla eine Bestätigung jenes Periplus
und ein unverwerfliches Zeugniss für die Wahrhafligkeit der
Reise-Erzählung Hanno’s, jenes uralten Dokumentes , das
so oft und schon von Strabo hezweifelt worden ist, ge-
liefert. und den Grenzpunkt nun festgestellt hat, wie weit
Zur Anatomie des Orang-Utang und des Chimpanse. 301
und bis zu welchem Breitengrade Hanno auf seiner Fahrt
gekommen ist.
Hanno’s Periplus oder die Beschiffung der Westküste
von Afrika durch denselben fand wahrscheinlich gegen das
Jahr 510 a. Ch.n. ) slalt. Er fuhr auf Befchl des Senales von
Carthago durch die Säulen des Herkules längs der Westküste
von Afrika, um daselbst Iybisch-phönizische Pflanzstädte zu
gründen. Seine Flotle bestand aus 60 Schiffen, jedes von
50 Rudern 2). Nach einer zweilägigen Fahrt erbauten sie
die Stadt Thymiaterium #). Sie kamen sodann am Vorge-
birge Solois vorbei +) wo dem Neptun ein Tempel errichtet
wurde, legten weiter nach abwärts vier Pflanzstädle an und
gelangten bis zu dem Flusse Lixus 5) wo sie bei dem Noma-
den- Volke der Lyxilen verweilten. Von den Lyxiten nah-
men sie Dollmelscher und Piloten zur weiteren Fahrt mit.
Sie fuhren nun zwei Tage nach Süden und sodann einen
Tag nach Osten ©), wo sie in dem Hintergrunde einer Bucht
eine kleine Insel fanden, auf welcher die Pflanzstadl Cerne ”)
1) Nach Kluge Hannonis navigatio Lips. 1829,
2) Wohl nur die Lastschiffe für Lebensmittel, Weiber, Kin-
der u. s. w.
3) Wo das heutige Mamora oder Mehedia (s. C.Müller's vor-
trefliche Ausgabe der (eographi graeci minores. Paris 1855).
4) Promontorium Solois, wohl das heutige Cap Cantin; (Man-
nert, C. Müller).
5) Fl. Lixus, entweder Fl. Darodus am Cap Non, oder weiter
unten Fl. Drah.
6) Sie mussten nämlich jetzt das Cap Bajador, dessen Brandung
mehrere Meilen weit in die See reicht, umschiffen, (welches den Por-
tugiesen später so viel Schrecken einjagte, dass sie sogleich wieder
umkehrten) und sodann wieder nach Osten um so mehr einlenken,
als sie in den Hintergrund der nach Osten laufenden Bucht einliefen,
um auf der daselbst sich befindenden Insel die Pflanzstadt Cerne zu
gründen.
7) Cerne, Ilerne, die Insel der Reiher, J. des Herons. Andere
nehmen die weiter unten liegende Insel Argouin dafür an. Diese
letztere liegt aber nicht in einem tiefen Meeresarm, ist viel zu gross,
(Cerne hat nur 5 Stadien an Umfang) und von vielen anderen Inseln
umgeben. Auch Jag Cerne nur zwei Tagereisen von den Lixiten
entfernt. Von Cerne nach dem Cap Vert brauchten sie 12 Tage, was
für die nähere Insel Argouin zu viel wäre, aber für die Insel Herne
zutrifft,
302 Mayer:
angelegt wurde. Von Cerne aus unternahmen sie zwei Reisen
nach Süden. Auf der ersten Reise kamen sie an die Mün-
dung des Flusses Chretes ©), in dessen Bucht sie drei In-
seln antrafen, die grösser als Cerne %) waren und in einer
Tagfahrt an dieAusbiegung dieser Bucht, über welche Berge
mit Wald - Menschen beseizt, emporragten,, welche durch
Steinwürfe ihnen das Anlanden verwehrlen '°), Hierauf ka-
men sie in einen anderen grossen und breiten Strom tt),
welcher voll von Crocodilen und Flusspferden war. Von hier
kehrten sie wieder nach Cerne zurück.
Auf ihrer zweilen Reise von da aus schifften sie am
Ufer entlang zwölf Tage lang gegen Mittag, an Aethiopern
vorbei, deren Sprache den Lyxiten unbekannt war. Am letz-
ten Tage langlen sie bei grossen und waldigen Bergen
an '?2), deren Hölzer wohlriechend waren. Sie umschifften
dieses Vorgebirge in zwei Tagen und kamen in eine weite
Bucht '3), an deren flachem Ufer sie die Feuer der Wilden
bei Nacht erblicken konnten. Am Ufer weiter. fünf Tage
segelnd +) kamen sie abermals in eine grosse Bucht '°),
welche die Dollmetscher die des West - Horns !%) nannten.
In dieser Bucht war eine grosse Insel '”) und an derselben
ein Meeressumpf !%), worin eine andere Insel '%) lag. In
8) Fl. Chretes seu Chremetes; Rio St. Jean mit seinen drei
Inseln in der Nähe seiner Ausmündung. Unrichtig giebt Durea de
Lamalle dafür den Senegal an. (S. Ann. des sc. nat. 1855. p. 185.)
9) Also Cerne wieder eine kleine Insel genannt !
10) Wahrscheinlich Affen,
11) Senegal.
12) Das Cap Vert.
13) Die Bucht des Flusses Gambia,
14) Von da bis an den Fluss Domingo.
15) Die Bay der Bissagos-Inseln unterhalb des Ausflusses des
Domingo und des Gabo (früher R. de Gesves und R. de Kurbali, an
deren See der König Kabo wohnte, genannt).
16) Das Cap Tumbali am Ende der Bucht wohl gemeint.
17) Wohl die Insel Bissagos, die zunächst auf ihrer Fahrt am
Ufer liegt.
18) Untiefe, Sandbucht, gegenüber dem Flusse Gabon.
19) Wohl die Insel Sorciere, auf welcher die Wilden (Balantes,
Zur Anatomie des Orang-Utang und des Chimpanse. 308
diese stiegen sie aus. Sie sahen bei Tage nichts als Wäl-
der, aber in der Nacht viele Feuer und vernahmen grosses
Geschrei und Getöse von Hörnern, Pauken und Cymbalen.
Aus Schrecken verliessen sie diese Insel wieder. Nun schnell
heraus segelnd schiflien sie an einem Lande 20) vorüber,
das von Feuer-Rauch erfüllt war und von welchem feurige
Ströme ins Meer fielen *t). Das Ufer war wegen der Hilze
nicht zu belrelen, daher sie schnell weiter segellen. Vier
Tage wurden sie umhergetrieb.en 2) und sahen bei Nacht
das Ufer voller Flammen. In der Mitte erschien eines der Feuer
am höchsten und erkannten sie bei Tage, dass dieses auf
dem höchsten Berge, Theon Ochema genannt, gewesen 2°).
auch später ihre götzendienerische Feste feierten). S. Histoire gen.
des Voyages. Paris 1746. Tom. II. p. 595. (Nach einem Anonymus im
Jahre 1695.) Allgemein wird seit Kluge die Insel Hareng, früher
I. de Kasnabac, dafür angenommen, mit einer kleinen in deren Bucht
liegenden Insel. Allein diese liegt am Ende der Bucht und zu weit
entfernt. Es haben übrigens alle Bissagos-Inseln während der vielen
Jahrhunderte seit Hanno’s Fahrt durch die Alluvionen des Flusses Ga-
bon und Rio Grande sich sehr verändert und mit der Zeit so viele
Sandbänke, Sandbuchten oder Meeresuntiefen (A&urn Ja)laowdns) ge-
bildet, dass man die jetzige Lage der Inseln nicht mit der zur Zeit
Hanno’s identificiren darf, Diese Untiefen sind Sandbänke, welche alle
Inseln umgeben und an vielen Stellen nur 1—2 Faden Wasser haben.
20) Also nicht aussen um die Inseln herum, wie C. Mül-
ler annimmt.
21) Die gewöhnlichen Feuer der Wilden, hier wegen des
Götzendienstes vielleicht stärker. Die Ströme leuchteten davon wie-
der (Mannert). Es kann wohl nicht von vulkanischen Erscheinun-
gen hier die Rede sein, welche sich daselbst (und in der Sierra Leona)
nie gezeigt haben und welche dem Hanno und seinen Gefährten, ver-
traut mit den Ausbrüchen des nahen Aetnas und der Solfatara in der
Nähe Siciliens, die bei Nacht von Carthago aus gesehen werden kön-
nen, ja bekannt waren. Auch war Hanno wohl häufig in Syracus
und seine Frau ja daselbst gebürtig.
22) Es heisst hier nicht Zukeioauer, wir segelten, sondern ge-
Döuevor, indem die Schille entweder von den Strömungen des Klusses
Gabon und Rio Grande hin und her getrieben wurden oder weil eine
hier so häufige Windstille eintrat.
23) Theon Ochema oder das Cap Sagres, dessen hoher Berg
auch den Portugiesen zuerst auffiel, Der Berg des Cap Sierra Leone
304 Mayer: Zur Anatomie des Orang - Utang u. 9. w.
Nachdem sie drei Tage an diesen Feuern vorüber geschifft
waren, kamen sie in die Bucht 2), welche das Osthorn 5)
genannt wird. In dem Hintergrunde dieser Bucht lag eine,
jener oben gedachten ähnliche, Insel 2%), in deren Meeressumpf
eine andere Insel lag, die von Waldmenschen bewohnt war.
Es waren viel mehr Weibchen mit borstigen Haaren, welche
die Dollmetscher Gorillas nannten. „Wir verfolgten sie, konn-
ten aber kein Männchen erhaschen, die über Steinklüfle spran-
gen und sich mit Steinen verlheidigten.“ Sie fingen nur drei
Weibchen, welche ihre Führer bissen und zerfleischlen. Sie
tödteten sie daher, zogen ihnen die Haul ab und brachten
diese nach Carthago ?”). Denn weiter schifflen sie nicht mehr,
da ihnen die Lebensmiltel mangelten.
kann es wegen der Entfernung nicht sein und weil jener Berg in
der Mitte der Feuer lag.
24) Die Bucht der Sierra Leone.
25) Noti cornu, das Cap am Ende der Bucht, Cap Sierra Leone.
26) Im Grunde dieser Bucht liegt die Insel Tamara (I. Konebomba)
mit einer kleinen Insel davor, dem Ausflusse des Flusses Pongo gegen-
über. Diese und nicht die neben der Insel Scherbro oder Cer-
bera liegende Insel-I. de York oder Macaulay, wie C. Müller will,
halte ich für die Insel, wo die Carthaginenser ausstiegen, aus fol-
genden Gründen: a) die Insel Scherbero liegt zu weit unten und hin-
ter dem vorgeblichen Noti cornu. b) Sie und die Insel Macaulay
liegen nicht im Grunde einer Meeresbucht. Dieses ist aber bei der
Insei Tamara der Fall und der Name des Flusses Pongo, an dessen
Ausmündung sie liegt, deutet vielleicht auf den Aufenthalt des Pongo
oder grossen afrikanischen Affen (Gorilla) hin. c) Die Insel Scher-
bero und Macaulay sind bewohnbare Inseln, worauf die Portugiesen
einen Neger-König antrafen. Die Insel, worauf die Gorillas sich auf-
halten konnten, war damals nicht bewohnbar, eine Felseninsel, wie
die Insel Tamara oder die Insel Los Idolos, denn es heisst ja, die Go_-
rillas-Männchen flüchteten sich über die Felsenklüfte (zonurdgeraı
övıes). Endlich kömmt am Flusse Scherbro schon der Quoja Morrow
oder der Chimpanz& vor. (Voyage de Smith p. 52).
27) Nach Plinius VI. 36 waren diese Häute noch kurz vor dem
Falle Carthago’s zu sehen, so dass sie sich 364 Jahre erhalten haben!
Ueber die &attung Wormops.
Von
Prof. W. Peters.
(Monatsber. der Königl. Akad. zu Berlin vom Juli 1856.)
Die Gallung Mormops- wurde zuerst vonLeach (Trans-
aclions of Ihe Linnean sociely of London XIII. 1. p. 76.Taf,
VII) vor 35 Jahren nach einem. angeblich aus Jamaica
stammenden Exemplar aufgestellt und beschrieben. Er gab
an, dass sie ein aufrechtes, mit den Ohren verwachsenes, Na-
senblalt besitze, dass kein Fingerglied des Zeigefingers vor-
handen, dass der Mittelfinger aus vier knöchernen Phalangen
zusammengeselzt, die Ohren gross und verwachsen seien, der
Schwanz kürzer als die Schenkelflughaut sei und mit seinem
Ende frei oberhalb derselben hervorrage. Die beigefügte
Abbildung erläuterte den complieirten Bau der Ohren, der
Lippen und des Nasenbesalzes, des Gebisses und des Schädels.
Neunzehn Jahre nach Leach ist dieselbe Gallung zum
zweiten Male von Gray (Annals of nalural history IV. p. 3)
nach einem in Weingeist aufbewahrten Exemplare aus Cuba
untersucht worden. Seine Beschreibung. weicht sehr von der
Leach'schen ab. Er behauptet, dass sie kein Nasenblalt
besitze, dass sie daher nicht mit den Phyllostomen, sondern
mit den Noclilionen zu vereinigen sei, dass sie den Taphozous
weil näher stehe, am nächsten aber mit Chilonycieris ver-
wand! sei. Als Unterschied zwischen seinem Exemplar und
der Leach’schen Zeichnung giebt er an, dass die beiden
Anhänge vor der Scheibe in der Mille des Kinnes bei dieser
leizteren. grösser und dass die hintere ‚Falle der hinteren
Membran vor dem Kinn einfach anslalt gelheilt dargestellt
Archiv f, Naturgesch, XXIL. Jahrz. 1. Bd. 20
306 Peters:
seien. Er hat ferner eine Beschreibung des Thieres gegeben,
ohne jedoch auf die Proportionen und die Färbnng einzuge-
hen. Seine Beschreibung der Lippen, des vor den unteren
Schneidezähnen liegenden Wulstes, die Deutung sowohl des
an den vorderen als des an den hinteren Ohrrand stossen-
den Hautlappen, und die Angabe, dass das letzte Glied des
Schwanzes verlängert sei, weichen von der bildlichen Dar-
stellung, welche Leach gegeben, ganz ab.
Es war daher eine neue Untersuchung dieser seltenen
Gallung wünschenswerlth. Drei dem hiesigen Museum gehö-
rige in Weingeist aufbewahrte Exemplare aus Cuba lieferten
hierzu ein hinreichendes Malerial. Sie zeigen in allen Thei-
len mehr Uebereinstimmung mit der Leach’schen als mit
der Gray’schen Darstellung.
Auch das, was Gray an der Leach'schen Abbildung
als Fehler des Zeichners tadelt oder als abweichend von sei-
nem Exemplar angiebt, nämlich das, was er Anhänge der
Kinnplatte nennt und welche nichts weiter sind als die dunkel
schaltirten Stellen, neben denen sich die doppelte Kinnfalte
mit der Kinnscheibe verbindet, so wie die Einfachheit der
hinteren mittleren Kinnfalte finde ich unseren Exemplaren
zufolge vollkommen nalurgelreu, so dass nich!s weiter übrig
bleibt, als entweder anzunehmen, dass Gray eine der Leach'-
schen verwandte neue Art unter Händen gehabt habe, oder
dass seine Darstellung die weniger richlige sei. Die zwi-
schen den unteren Schneidezähnen und der warzigen Platte
befindliche Wulst erscheint nicht dreieckig, wie Gray von
seinem Exemplare angiebt, sondern als eine einfache gekrümmte
schmale Linie, wie es die Leach’sche Abbildung zeigt.
Auch in Bezug aul das letzte kurze und nicht verlängerte
(Gray) Schwanzgliedl slimmen unsere Exemplare mit Leach’s
Abbildung überein. Was ferner die von Leach als „Rhi-
nophyllus& betrachtele Haulfalte anbetrifft, so scheint mir
diese Deulung durchaus nicht zweifelhaft, wenn man die
Bildung, welche man bei Nyeteris beobachtet, damit ver-
gleicht, um so mehr, da die Vereinigung der inneren oder
vorderen Ohrränder erst hinter dieser Haulfalte in derselben
Weise wie bei Nyeteris wirklich statifindet, wie es auch die
Leach’sche Abbildung, wenn auch etwas undeutlich, angiebt,
Ueber die Gattung Mormops. 307
Es gehört offenbar diese Falte ebenso wenig, zum, vorderen
Ohrrand, wie der Theil der Lippen, welcher den Mundwin-
kel bildet, als „abgerundeter vorderer Lappen des unteren
Ohrrandes“ (Gray) betrachtet werden. kann.
Obgleich Leach keine specielle Beschreibung der von
ihm M. Blainvillii benannten Art gegeben hat, auch die Pro-
portionen des Körpers und der Gliedmassen sich nicht wohl
aus der von ihm gegebenen Skizze des ganzen Thiers ent-
nehmen lassen, ist doch ‘die Uebereinstimmung mit der von
ihm untersuchten Art so gross, dass ich keinen hinreichen-
den Grund finde, dieselbe als eine von ihr verschiedene Art
zu betrachten.
Mormops hat gar nicht das plumpe Ansehen, welches
man nach den von Leach gegebenen Detailnnsichlen hätle
vermulhen sollen , sondern gehört, sowohl was seine .allge-
meine Körpergestalt so wie seine Gliedmassen anbetrifft, zu
den schlankeren Formen. Der Kopf läuft in gleicher Flucht
mit dem Körper, wie bei den Nociilio,, Taphozous und Em-
ballonura, denen er auch durch die Proportionen des aus der
Rückseite der Schenkelflughaut: hervorragenden Schwanzes
sich nähert. Jedoch warnt die Zusammenselzung des Miltel-
fingers nach Art der Phyllostomata schon vor einer Zusam-
menstellung mit diesen Gättungen.
Die Form des Kopfes, der Bau der Ohren und der Lippen
lässt sich sehr wohl in der Leach’schen Abbildung: wieder
erkennen. Die Ohren sind verhältnissmässig nicht sehr ‚gross,
da ihre grösste Länge nicht %/, der Kopflänge übertrifft. Der
vordere Rand beider Ohren wird durch eine über das Ge-
sicht hingehende Querleiste vereinigt, während ihre vordere
Fläche mit der hinteren Fläche des Nasenbesalzes verwach-
sen ist, wie man deutlich erkennen kann.
Zwar findet sich bei Mormops keine verliefle Gesichts-
grube und die kleinen Vorsprünge um die Nasenlöcher herum
lassen sich nur schwer oder künstlich auf die vorderen Ab-
fheilungen des Nasenapparates von Nycteris oder anderer, Gal-
füngen zurückführen, aber die’ mit den Ohren verwachsenen
Lappen sind deutlich als den hinteren die Gesichtsgrube bei
Nycteris begrenzenden Falten homologe Gebilde wieder zu er-
kennen. Sie hüngen sogar auch schon bei Nycteris, wenn
308 Peters:
auch nicht so fest, mit den Ohren zusammen, so dass mir
kein Zweifel an der Richtigkeit der Leach’schen Deulung
übrig zu bleiben scheint.
Die Schleimhaut des Gaumens bildet acht wulstige Quer-
falten, von denen die hinteren fünf in der Mitte gelheilt sind.
Der Körper ist fein und dicht behaart und die Behaarung
der Bauchseile ist kaum kürzer als die der Rückenseite. Die
vorderen Gliedmassen sind schr gestreckt. Der Oberarm ist
um die Hälfte länger als der Kopf und der Vorderarm, wel-
cher angelegt genau bis zum Ende der vorragenden Unler-
lippe reicht, ist 2'/, Mal so lang wie der Kopf. Der Daumen
ist kurz, sein erstes Fingerglied an der Basis von der Flug-
haut umfasst. Das Mittelhandglied des Zeigelfingers ist ein
wenig länger als das des dritten Fingers und trägt an sei-
nem Ende ein sehr kurzes (von Leach übersehenes), 11/, Mm.
langes Fingerglied, von dessen Ende eine am Rande der
Flughaut verlaufende Sehne bis zum ersten Fingergelenke des
dritten Fingers hingeht. Das erste Fingerglied des Miltel-
fingers ist um mehr als die Hälfte kürzer als das zweite,
welches lelztere um '/, länger ist als die lelzte knöcherne
Phalanx. Das Mittelhandglied des vierten Fingers ist elwa
4 Mm, kürzer als das des dritten Fingers, dagegen ist jedes
seiner beiden gleich langen Fingerglieder um !/, länger als
das erste Glied des drilten Fingers. Das Mittelhandglied des
fünften Fingers ist um so viel kürzer als das Mittelhandglied
des vierten Fingers, wie die Länge des ersten Fingergliedes
vom Mittelfinger beträgt. Der Unterschenkel ist von der
Länge des Kopfes, aber merklich kürzer als der Oberschen-
kel, (wie 11 : 13). Die Füsse sind zart, nicht halb so lang
wie der Unterschenkel; die Zehen sind ziemlich gleich lang,
am Grunde durch eine schmale Haut verbunden; ihr Bau
zeigt nichts Ungewöhnliches.
Die Spornen, welche den Rand der Flughaut einnehmen,
sind nur '/,, kürzer als der Kopf. Der Schwanz hat dieselbe
Länge wie der Oberschenkel und erreicht nur die Mille der
ausgeslreckten Schenkelfllughaul; bei der ruhenden Lage des
Thieres ragen die letzten Glieder des Schwanzes frei aus der
Rückenfläche der Haut hervor. Die Flughäute sind zwar sehr
breit, lassen jedoch das untere Ende des Schienbeins frei.
Ueber die Gattung Mormops. 309
Die Rückseite des Thieres ist schön umberbraun, und
erscheinen die Haarspitzen derselben dunkler, während die
Bauchseite, deren Haarspitzen heller sind, braun mit grauem
Anfluge erscheint.
Die auffallende Gestalt des Schädels ist aus der Leach’-
schen Abbildung sehr wohl zu erkennen. Er stimmt am
meisten mit dem von Chilonycteris überein, nur ist er viel
kürzer und der Schädeltheil viel mehr winklig gegen den
Gesichtstheil abgeselzt, so dass das Foramen magnum nicht
allein ganz nach hinten, sondern selbst noch ein wenig nach
oben gerichlet ist. Den Zahnbau hat Leach im Ganzen
richtig geschildert, wenn er auch nichts von der wförmigen
Bildung der Backenzahnkrone und der Concavität der vor-
deren Fläche der oberen Schneidezähne erwähnt. Das übrige
Skelet stimmt durch die Form der einzelnen Wirbelabthei-
lungen, durch die Breite der Rippen, durch den Längskamm
auf dem Brustbeinkörper, durch die Gestalt des hakigen
Forlsalzes des Manubrium sterni, durch die Gestalt des Bek-
kens, des Schulterblattes und des Oberarmbeins von den be-
kannteren Galtungen am meisten mit Glossophaga (amplexi-
caudata) , durch die breiten Schlüsselbeine am meisten mit
Vampyrus überein, weicht aber durch die geringere Breite
des Manubrium sterni und die grössere Breite der Darmbeine
merklich von ihnen ab. Die Ulna ist sehr rudimenlär und
geht nicht über das erste Driltheil der Speiche hinaus. Das
Wadenbein ist nur durch einen haarfeinen Knochen reprä-
senlirt, aber selbst dieser geht nicht einmal bis zum Knie
hinauf, sondern ist in seinem obersten Drittheil durch einen
sehnigen Faden verlrelen. Die Zunge ist wie bei den Phyl-
lostoma und Vampyrus lang, an der Spitze abgerundel, mil
platten, nach hinten gerichteten Schüppchen bedeckt, zwi-
schen denen sich zerstreute linsenförmige Papillen auszeich-
nen. Die Eingeweide so wie die Begallungsorgane zeigen
ebenfalls am meisten Uebereinstimmung mit den Phyllostomata.
Maasse in Millimetern.
Länge des Thieres von dem Ende des Kopfes bis zur
BEhWwanzliasien, Bean aniga arianne „= 99 ,5066
Buuporden; Kopfunmets EAFBEE KUN) BkumieR „= ori! 00
P EISCHWEENZEBIG Sn ae el = er AR
310 Peters: Ueber die Gattung Mormops.
Länge‘ des! Oberärms (1 .uenin! ante nelmeluell uni] 133
Y „Vorterarmsilsanssh Isextigsraall-Ailsı a,
Daumens (Miltelh. 3. 1. Gl. 2. 2. Gl. 2.) 7
»
” ”
» » ten Fingers (Miltelh. 48'/,. 1. Gl. 11%.) ‚50
a „ ten Fingers (Mittelh. 481/,. 1.61. 9.
2:01,22%%: 1%: Giol71 As Cl dh lern
5» » 4ten Fingers (Mittelh. 45. 1.61.12. 2.61.12.) 69
4 „eöten’Fingers Giv „185.414, 17552. 5119,65.
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2 „ WUnterscheiikelsishnon'.ensaidnlannl senken
5 „il Eussdstade und. mal es
» der Spomen . . can ie
3%h.der Sehenkellüshent: rrlhehes als chf
Fassen wir nun die aus dem Nonstbhenden gewonnenen
Resultate zusammen, so ergiebt sich, dass die Gallung Mor-
mops nicht allein durch ein deutliches Nasenblatt, sondern
auch durch die Beschaffenheit ihrer ‘vorderen Gliedmassen,
durch den Bau ihres Skelets und ‘der Eingeweide sich von
den Chiroptera gymnorhina, namentlich Taphozous, Embal-
lonura und Noctilio entfernt, sich dagegen in der Unvollkom-
menheit ihres Nasenblaltes an Brachyphyllum, in. dem Baue
der Zähne unter den Phyllostomen am nächsten an Vampy-
rus anschliesst, dass sie jedoch mit der Gattung Chilonyecteris
am meisten verwandt ist und mil dieser am passendsten eine
an Brachyphyllum sich anschliessende Gruppe bilden: kann,
welche dann unter den eigentlichen Phyllostomen dem Vam-
pyrus am nächsten stehen würde. Das Herüberziehen der
Gattung Chilonycteris in die Abtheilung der hisliophoren
Handflügler kann um so weniger Bedenken haben, als auch
diese Gattung eine dicke wulstige Querfalte auf dem ‚Nasen-
rücken hat, welche man wenigstens eben sowohl .als ein Na-
senblalt betrachten kann, wie die wulstigen Fallen von, Des-
modus. Ihrem Wesen nach ist sie ja dasselbe, da auch die
dünnhäutigen Nasenblätter anderer Gattungen aus einer Dupli-
catur der Haut zusammengewachsen sind.
Neue Annulaten *).
Beschrieben von
Dr. Kinberg,
Prosector am K. Carolin. Med. Clin. Institut. 1. Arzt der Fregatte
Eugenie während der Weltumsegelung.
Fam. I Aphroditacea,
Gen. Halitea Sav. Aphrodite Aud. et M. Edw.
Tuberculum faciale granulosum sub tenlaculo **) inter
palpos validos; antennae nullae; cirri tenlaculares longi, buc-
cales breves; maxillae carlilagineae parum distinctae; bran-
chiae humiles, parvae; elytrorum paria quindecim in segmen-
is „Mel. 23525508:
Aphrodita L,
Oculi sessiles; dorsum tela tomentoso leclum; selae pe-
dum ventralium numerosae, numquam glochideae,
4. alta n. Corpus allum ; lobus cephalieus rolundatus;
tentaculum breve, articulo basali quarta parte longitudinis
eapilis breviore; selae pedum dorsualium in tela lomentlosa
oceultae; capilli breves albidi.
Hab. in mari atlantico long. occid. 40055’, lat. austr.
22°30°, prope Rio Janeiro, profund. 20— 30 org.
#) Öfversigt af Kongl. Vetenskaps., Academiens Förhandlingar.
1855. Dec.
*®) Tentaculum = antenne impaire; antennae = antennes mi-
toyennes; palpi — antennes externes; eirri buccales — cirri ventra.
les paris secundi pedum,
312 Kinberg:
A. aculeata L. Corpus latum; lobus cephalicus spalhu-
latus, parte basali tenlaculi brevis duplo longior; setae pe-
dum dorsualium validae, longae, telam lomenlosam penelran-
tes; capilli viridi-aenei.
Hab. ad oras Europae.
A. longicornis n. Corpus lalum; lobus cephalicus ro-
tundalus; partem basalem tentaculi longissimi aequans; setae
pedum dorsualium validae, longae, telam lomentosam pene-
trantes; capilli viridi-aenei.
Hab. in mari atlanlico auslrali, exira oslium fluvii
la Plata.
Hermione Blainv.
Oculi pedunculis suffulli sub margine capilis affıxis; tela
tomentosa nulla; pedes elylra ferentes selis glochideis armali,
ventrales selis paucis, bidenlalis.
A. hystrix Sav. Blainv. (Aphrodita) Aud. et M. Edw.
Ann. Se. nat. XXVII. 416. — Lobus cephalicus rolundatus ;
elytra media reniformia, canaliculis aliis divergenlibus, aliis
transversis, cellulisque magnis rolundalis; selae pedum ven-
tralium apice curvae.
Hab. oras Galliae, ad Cherbourg nobis obvia; speci-
men scandinavicum non vidimus.
D. hystricella Quatref.? Cuv. Regne animal, ed. 3, An-
nelides pl. 19, sine descriplione. — Lobus cephalicus late
rotundatus; elylra media oblique reniformia , margine anlico
interno producla, slriis tenuissimis divergenlibus, cellulis
ovalibus sparsis; setae pedum venlralium apice rectae.
Hab. ad oras Syriae, unde Musco Regio misil He-
denborg.
Aphrogenia.n.
Oculi parli basali tenlaculi imposili, laterales ; tela to-
mentosa nulla; selae pedum dorsualium uncinalae, nec glo-
chideae, pedum ventralium paucae, bidenlatae.
A. alba n. Lobus cephalicus latus, brevis ; tenlaculum
palpis paullo brevius; elylra cellulis magnis dense radiala;
selae pedum venlralium duae.
Hab. ad insulam St. Thomae Indiae occidenlalis, 2
Museo regio allulit N Werngren.
Neue Annulaten. 313
Laetmonicen.
Oculi peduneulis suffulli margini anleriori lobi cepha-
liei adnalis; dorsum lela lomenlosa leclum; selae pedum elylra
ferenlium glochideae, ventralium semipennalae.
L. filicornis n. Lobus cephalicus rolundalus, suleis duo-
bus areualis Iriparlilus; tenlaculum filiforme , palpis longius;
elylra media oblique reniformia, cellulis minimis, forma variis.
Hab. ad oram Sueciae occidenlalem. Mus. reg.
Fam. IE. Iphionea,
Tuberculum faciale minutum, inter autennas binas, e su-
perficie faciali productas; tentaculum nullum; palpi crassi,
eirri tenlaculares et buccales graciles; elytra reliculala.
Iphione n.
Eumolpae iphionae Sav.
Oeculi.quatuor; lobus cephalicus in arliculos anlennarum
basales producelus,, lobo longiores ; elyIrorum paria Iredecim;
selae dorsuales subulalae, ventralibus serralis approximalae.
I. ovata n. Antennae, palpi eirrique ciliali, apice al-
tenuali, nec clavati, elytra margine laevia,
Hab. mare pacificum ad Honolulu.
I. muricata (Polynoe) Sav. ( Eumolpe) Blainv. Palpi
eirrique ciliali, ‚clavali,; elylra margine ciliala.
Hab. oras ins. Maurilii et mare rubrum (Sav.).
Fam. HHE. Polynoina.
_ Tuberculum faciale nullum ; tentaculum longum, anten-
nae binae; maxillaemagnae corneae; oculi qualuor; elylrorum
paria 12-35; segmenla elylris carenlia cirro praedita dor-
suali; branchiae nullae.
Lepidonotus (Leach).
Bases anleunarum e margine anleriore lobi cephalici
produclae; elytrorum paria 12(— 139%), dorsum omnino te-
genlia; corpus breve.
L. Pomareae n. Antennae, lobo cephalico duplo lon-
giores, tentaculum; eirrique dorsuales graciles infra apicem
314 Kinberg;
altenuatum inflali; palpi validi, coniei, carinali, scabri, lon-
gitudine tentaculi, selae inferiores longae, infra apicem spi-
nosae; elytra, paria duodecim, margine clavalo - fimbriata.
Hab. ad insulam Tahiti.
L. socialis n. Antennae, lobo cephalico parum longio-
res, eirri tentaculares, buccales et dorsuales infra apicem
subulatum inflali; palpi validi, carinati, ciliali, apiculali; selae
inferiores longae, infra apicem spinoso-serrulatae; elytrorum
paria 12?
Hab. ad insulam Eimeo maris paeifici.
L. Jacksoni n. _Antennae lobo cephalico longiores
tentaculum palpos superans validos, scabros et, ul appendices
reliquae cirrique dorsuales, infra apicem inflatos; selae in-
feriores infra apicem profunde serralae , elylra, paria duode-
cim, margine ciliata.
Hab. ad Port Jackson.
L. margaritaceus n. Antennae lobo cephalico parum
longiores; tentaculum longitudine palporum laevium; bases
cirrorum dorsualium pedes longiludine aequanles; selae in-
feriores brevissimae, infra apicem serrulatae; elylra, paria
duodecim, margine ciliala.
Hab. ad Guajaquil Americae.
L. Johnstoni n. Antennae lobo cephalico longiores;
setae inferiores longae, superioribus tamen breviores , infra
apiccm acule serralae; elylra, paria duodeeim, margine lae-
via, parle externa elevala.
Hab. litora insularum prope Panama.
L. Wahlbergi n. Antennae, lobo cephalico parum lon-
giores, tenlaculum, eirri tentaculares, 'buccales et: dorsuales
anle apicem altenualum inflati; palpi laeves, tentaculum lon-
gum superantes; selae superiores divergentes,, infra. apicem
serralae ; elylra, paria duodecim, tuberculis praedila magnis,
rolundalis, margine elevato.
Hab. ad Port Natal, unde retulit J. A. Wahlberg.
L. caeruleus n. Antennae lobo cephalico parum:lon
giores, palpis breviores scabris, validis; selae inferiores bi
denlalae, infra apicem trapsyerse strialim serralo - spinosae
Neue Annulaten. 315
elylra, paria duodeeim , tubereulis praedila sparsis conicis;
eirri ventrales apicem pedum allingentes.
Hab. ad Rio Janeiro.
L. havaicus n. Antennae lobo cephalico breviores, pal-
pos aequantes, tentaculo longiore, sieut appendices omnes
ante apicem subulalum vix inflatae; elylra, paria duodecim,
macula ınagna nolala, margine ciliala ; cirri ventrales pedum
apices non allingentes; selae inferiores sub apice dente mi-
nimo, infra arcle serralae.
Hab. ad Honolulu.
L. striatus n. Antennae, lenlaculum aecquanles, lobo
cephalico duplo longiores, dimidiam palporum longiludinem
allingentes, ul reliquae appendices et cirri dorsuales, laeves,
eylindricae , apice allenualo; elylra, paria Iredecim?, tenui-
ter granulala, late striata; setae inferiores bidenlatae, infra
apicem serrulatae et serialim trausverse spinulosae.
Hab. ad Port Jackson.
L. indicus n. Antennae lobo cephalico vix duplo lon-
giores, dimidiam palporum longitudinem atlingenles, ut omnes
appendices et cirri dorsales, eilialae, sensim altenualae; ely-
tra, paria 132, spinis curvis aspera, margine breviler ciliala ;
selae superiores annulalim arcle spinulosae, inferiores biden-
lalae, longe serralae.
Hab. in freto Bangka.
Halosydna n.
Bases antennarum a margine anteriore lobi cephaliei
producli, elylrorum paria 15—21, dorsum non omnino te-
gentlia; corpus elongalum.
H. Virginin. Antennae, longiludine lobi cephalici, co-
nicae, apice allenualo; lenlaculum, longitudine palporum, in-
‚fra apicem subulatum inflatum; elylra, paria quindecim, mar-
‚gine brevilimbriata ; setae superiores longae, serrulalae, in-
‚feriores bidentatae, infra apicem scrrulatae et transverse se-
rialim spinulosae,
Hab. ad Honolulu.
U. australis n.. Antennae, palpis dimidio breviores,
316 Kinberg:
tentaculum, antennas superans, eirri lenlaculares et dorsuales
anle apicem subulalum inflali; elylra, paria 21, laevia.
Hab. in mari allanlico exira ostium fluvii La Plala,
H. palagonica n. Antennae dimidiam palporum longi-
iudinem vix allingenles, tenlaculum anlennas superans, cirri
tentaculares et dorsuales ante apicem subulatum inflali; ely-
ira, paria 18, tuberculis rotundalis numerosis obsila; seltae
inferiores bidentalae, infra apicem serralae.
Hab. in sinu York bay freli Magalhaensi.
H. parva n. Antennae tenlaculum fere aequanles, pal-
pis parum breviores; eirri tenlaculares longi, infra apicem
subulatum inflati, elytra, paria 19, brevifimbriala; selae in-
feriores bidentalae, infra apicem arcte serrulatae et spinosae.
Hab. ad Valparaiso, ad insulam Chincha, et ad S.
Lorenzo prope Callao.
H. brevisetosa n. Tentaculum validum, palpi longi et
eirri tenlaculares incrassali, apice allenualo; elylra, paria 18,
lubereulis rotundis paucis praedita, fimbriisque brevibus ; selae
inferiores brevissimae, infra apicem serralae.
Hab. prope S. Francisco Californiae.
Anlinoen.
Bases antennarum sub margine lobi cephalici, anlice
incisi, iuxla tenlaculum affıxae; elylrorum paria 12—15, dor-
sum obtegenlia ; corpus breve.
A. aequisela n. Antennae lobo cephalico plus quam
duplo longiores, palpi cirrique dorsales ciliati, nec incrassati;
setae superiores inferioribus aequales, bidenlatis, infra apicem
serralis et annulalim spinulosis.
Hab. ad Port Natal, unde retulit J. A. Wahlberg.
A. Waahli n. Antennae conicae, lobo cephalico bre-
viores, cum tentaculo duplo longiore, leviter inflato, cirris
tenltacularibus , buccalibus et dorsualibus brevipilosae; palpi
validi laeves; elylra, paria 15, macula magna nolala, margine
laevi; selae inferiores, superioribus longiores, bidentatae, in-
fra apicem serratae.
Hab. ad Port Jackson.
A..pulchellus n. Antennae !obo cephalico lalo lon-
Neue Annulaten, 317
giores, cum cirris tenlacularibus el Jdorsalibus brevipilosae ;
elytra, paria 13, tuberculis praedita minulis areolalis, margine
breviter fimbriata; setae inferiores bidenlatae, infra apicem ser-
rulatae, — Tenlaculum in specimine deest.
Hab. mare allanlicum exlra ostium fluminis la Plata.
A. microps n. Antennae lobo cephalico breviores,
cum tenlaculo duplo longiore, et cirris tentacularibus bre-
vissime cilialae; palpi validi laeves; oculi minuli; elylra,
paria 14, macula notata nigra, semilunari, margine laevi ;
selae inferiores infra apicem serralae, superiores profunde
serralae.
Hab. ad Rio Janeiro.
Harmothoe n.
Bases antennarum, sub tentaculo affıxae, incisuram lobi
cephalici occupanle; elytrorum paria 15, dorsum oblegenlia;
eorpus haud longum.
D. spinosa n. Antennae, longiludine capilis, tenla-
eulo dimidio breviores; palpi crassi, validi, subarliculali ;
appendices omnes lobi cephalici laeves; elytra prope margi-
nem poslicum el exiernum spinulis arınala conicis ; selae in-
feriores paullum longiores, bidentalae, infra apicem arcle et
profunde serralae.
Hab. fretum Magalhaense.
H. scabra (Aphrodita) O. Fabr. F. Gr. 311; (Lepi-
donote) Oerst. Annul. dors. 12. Antennae lobo cephalico
longiores, lerliae parli tentaculi scabri aequales ; palpi longi,
tenues, el, sicul cirri, scabri; spinae elylrorum irregulares;
setae inferiores uncinalae, infra apicem serralae.
Hab. mare atlanlicum boreale.
Hermadion n.
Anlennae ut in Harmothoe; elylrorum paria 15, parlem
mediam dorsi et segmenta posteriora non tegenlia; selae in-
feriores infra apieem serralae; corpus elongalum.
H. Magalhaensis n. Bases anlennarum anle marginem
prominentes lobi cephalici, partem tentaculi basalem acquan-
318 Kinberg:
tis; appendices cephalici, eirri, elytra laevia; margines ely-
trorum reflexi ; selae superiores laeves.
Hab. fretum Magalhaense.
H. longieirratus n. Bases antennarum margine lobi
cephalici occullatae, parte tenlaculi basali longioris; appen-
dices cephalici eirrique omnes ciliali; cirri anales elongali ,
elytra tuberculosa. :
Hab. frelum Magalhaense.
Fam, IV. Acoätea.
Tentaculum breve; oculi duo; maxillae denlibus arma-
tae duobus mediis et pluribus lateralibus; elytrorum paria
39—93, in segmenlis .. . - 24, 26, 28, 30 . . .; segmenla
elylris carenlia cirris praedita dorsualibus.
Panthalis n.
Deates medii conligui ; pedunculi oculorum partem an-
tiecam Jobi cephalici occupantes, longitudine tentaculi; ely-
Irorum paria 39, primis tribus planis dorsum tegentibus, Te-
liquis campanulalis, dorsum medium nudum relinquentibus.
P. Oerstedi n. Palpı longi , laeves; eirri tentaculares
tentaculo longiores; eirri dorsuales pede breviores; sela@
trium ordinum : subulatae, serrulatae: bipennalo-penicillatae:
aristatae; papillae pedum nullae.
Hab. ad oram Sueciae occidentalem.
Eupompen.
Pedunculi oculorum partem anlicam lobi cephalici 06-
cupantes, tentaculo parum breviores; elytrorum paria 95,
plana, tenuia, inverse s. anlrorsum imbricala; pars anlica et
media dorsi nuda, poslica tecla.
E. Grubei n. Palpi longi subarticulali; tentaculum cir-
ris longiludine aequale; selae qualuor ordinum: serrulalae,
subspirales ; bipennato-penicillalae : aristalae: capillaceae.
Hab. prope Guayaquil.
Neue Annulaten. 319
Fam. V. Sigalionina.
Sigalion Aud. et:M. Edw.
Pedes, in segmenlis anlicis, aut elylro aut cirro dor-
suali praedili; in poslicis elytro et cirri dorsuali.
Sthenelais:n.
Lobus cephalicus rotundalus, media parle impressa ten-
taculum excipiens validum, cuius basi antennae affixae; oculi
qualtuor; selae trium-ordinum: selaceae, serrulalae: subula-
tae, serralae: arlieulalae, bidenlalae; papillae elylrorum 'dor-
sum legenlium simplices.
S. Helenae n. Oculi aequales, poslici pone medium
lobi cephaliei siti, invicem propriores quam anlici ; tenlacu-
lum eirris tentacularibus longiusculum; elylra sublus et pe-
des laeves.
Hab. ad Valparaiso.
5. arliculata n. Oculi poslici ante medium lobi cepha-
lici sili, minores et inter se magis quam anlici dislantes; ten-
taculum el eirri tenlaculäres aequali longitudine; palpi longi
arliculali; elylra sublus papillosa; pedes papillis praediti et
tubereulis deplanatis.
Hab. ad Rio Janeiro.
Sigalion (Aud. et M. Edw.)
Lobus cephalicus anlice lalus; lenlaculum nullum; an-
lennae duae breves in margine anteriore lobi cephaliei; oculi
duo (l. qualuor?); selae bidenlalae composilae el simplices
serralae; elylra dorsum oblegenlia margine ramoso-fimbriala.
h S. Edwardsi n. Lobus cephalicus poslice rolundalus,
oeulis ante medium silis; eirri lenlaculares quinlam parlem
-palporum aequanles, pedes inferne cirris ventralibus brevio-
res, papillis praediti et tubereulis deplanalis.
Hab. ınare extra oslium fluvii La Plata.
Leanira n.
Lobus cephalicus rotundatus, sulco medio tenlaculum
exeipiens; antennae nullae; palpi longissimi; oculi duo dl.
320 Kinberg: Neue Annulaten.
qualuor); setae superiores spiraliter serrulatae , inferiores
subulatae,, pectinato - canaliculalae, elylra anleriora dorsum
non omnino legentia, papillis nullis.
L. Quatrefagesi n. Oculi iuxta basem lenlaculi minuti;
palpi longissimi; pedes papillis praedili filiformibus ; cirri ven-
trales breves.
Hab. mare extra oslium fluvii La Plata.
Psammolycen.
Lobus cephalicus anlice in basem produclus crassam
tenlaculi Jongi; anlennae nullae: oculi qualuor (duo?); selae
superiores simplices, gracillimae, serralae; inferiores com-
positae, apice bidenlato - fissae; elytra medium dorsum non
tegentia, arenosa, margine longe fimbriala.
P. Petersi n.. Corpus. Jatum, 'depressum; lobus cepha-
licus poslice lalus; oculi qualuor, quorum poslici maiores,
inter se remotiores; lenlaculum et cirri tenlaculares. aequali
longiludine, selae superiores bidenlalae, apice curvalo.
Hab. ad Mossambigque, unde Museo relulil G. v. Dueben.
P. flava n. Corpus gracile, eylindricum; lobus cepha-
licus poslice conlractus; oculi duo ad basin lenlaculi, .cirros
tenlaculares superanlis; selae superiores versus apicem exli-
mum aduncum allenualae, fissura prolunda, lineari.
Hab. ad Rio Janeiro.
P. Herminiae (Sigalion) Aud. et M. Edw.
Vergleichende Betrachtungen über die
Nester der geselligen Wespen *).
Von
Dr. KM. Wöbius
in Hamburg.
(Hierzu Taf. XI.)
Zu allen Zeiten haben die Zoologen den Nestern der
Wespen ihre Aufmerksamkeit zugewendet. Aristoteles und
Plinius wussten, dass dieselben in der Höhe oder in Höhlen
angelegt und ihre sechseckigen Zellen aus rinden- und spinn-
webarligem Stoffe gebaut werden. : Albertus Magnus
sagt von den Wespen, dass sie in Häusern und unter der
Erde nisten, und dass die Hornissen in Bäume bauen. In
seinem Buche über die Insekten hat Aldrovandus den
Beschreibungen der Wespennester schon Holzschnitte beige-
geben, welche Hüllen und Durchschnitte zwar roh, aber na-
N
*) Hiermit gebe ich nebst mehreren neuen Zusätzen einen Aus-
aug aus meiner Abhandlung: „Die Nester der geselligen
Wespen. Beschreibungen neuer Nester und einiger neuen Wes-
penarten des naturhistorischen Museums zu Hamburg nebst Betrach-
tungen über den Nesterbau im Allgemeinen. Mit 19 color, Kupferta-
feln.“ (Abgedruckt im 3ten Bande der Abhandl, des naturwissen-
schaftlichen Vereins in Hamburg. Daselbst Herold’sche Buchhandlung
1856). Dort findet man die speeiellen Untersuchungen, aus denen die
meisten hier mitgetheilten Resultate gezogen sind mit zahlreichen
erläuternden Abbildungen von neuen oder wenig bekannten Nestern,
Durchschnitten, Baustolfen u. s. w.
Archiv f, Naturgesch, XXI. Jahrg. 1. Rd. %
322 Möbius:
turgemäss darstellen. Aehnlich, doch besser ausgeführt, sind
die Bilder Johnston’s. Auch der fleissige Swammer-
dam hat in seiner Naturbibel Wespennesler abgebildet. Un-
ter allen Schriftstellern des vorigen Jahrhunderts, die diesen
Gegenstand behandelten , glänzt besonders Reaumur, der
das Treiben der heimathlichen Wespen mit unermüdlichem
Eifer belauschte und ein nalurgelreues Bild ihrer Arbeiten
in der ansprechendsten Weise entwarf. Nach ihm haben
Christ, Rösel, Latreille, Curtis, White u.A. Wes-
pennesler abgebildet und beschrieben, ohne dassirgend Einer
die bekannten Nesterarten einer vergleichenden Betrachtung
unterworfen hätte. Diesen Fortschritt gemacht zu haben, ist
das Verdienst Henri de Saussure's, der in seiner Mono-
graphie des Gu£pes sociales, Paris 1853, zahlreiche Abbil-
dungen von Wespennestern giebt und dieselben systemalisch
ordnet. Die Principien seines Syslemes selzle er ausführlich
auseinander in den „Nouvelles consideralion sur la nidifica-
lion des Gu&pes“ (Bıbl. univ. de Geneve 1855. XXVII. p. 89
und Ann. des sc, nat. 1855. Ill. p. 155). Die dort entwor-
fene Eintheilung werde ich späler miltheilen.
Aeussere Form und Befestigung der
Wespennester.
Es giebt lafelförmige, an unleren Blatilächen oder
an Baumstämmen anliegende Nester (Fig. 6. u.8); eylin-
drische und conische, die mit ihrem obern Ende einen
Ast umfassen (Fig. 5); ei- oder kugelförmige, die zwi-
schen Zweigen und Blältern hängen und von diesen durch-
setzt werden (Fig. 7). Die letzte Befesligungsweise ist von
unserer gemeinen Wespe allbekannt und findet sich auch bei
nord- und südamerikanischen Arten. Manche Wespen kle-
ben die Nesthülle oder die freie Wabe nicht unmiltelbar an
den Träger, sondern hängen sie an Säulen auf, wie die kleine
Polybia sedula in Brasilien, die ihre zierlichen ‘Nester oft
unter Blätter bauet (Fig. 4), und eine Nord- und Südame
rika bewohnende Wespe (Polistes annularis), die ihre Wab
nackt an Zweigen befestigt (Fig. 3).
Da die kleinen Nester an dünnen Zweigen oder Blältern;
Vergleich. Betrachtungen üb. d. Nester d. gesell. Wespen. 323
die schweren aber an stärkeren Aesten hängen, so müssen
— wie einfach auch dies uns erscheinen mag — die Grün-
der eines Baues die Fähigkeit besitzen, einen Träger auf-
zusuchen, welcher der Last des vollendeten Nestes ge-
nügt, oder die Vollender haben das Vermögen, das Werk abzu-
schliessen, ehe es die Grenze des Gewichtes überschreitet.
Eine südamerikanische Wespe (Polybia cayennensis Fab.) die
schwere Lehmnester bauet, sucht sich gewöhnlich schief ab-
wärts wachsende Zweige aus, die mit den hozizontal liegenden
Waben einen Winkel von 30—40 Grad bilden, Offenbar hat
ein Zweig in dieser Richtung mehr Tragfahigkeit als in auf-
steigender, da er sich leichter abbrechen als zerreissen
lässt. Jene Wespe befestigt also ihre Bauten nach densel-
ben physikalischen Gesetzen der Festigkeit, die der mensch-
liche Baumeister mit Bewusstsein anwendet. Alle Wespen
verstehen ihre Bauten den Ortsverhältnissen gemäss einzu-
richten; so bauet eine und dieselbe Art unter Blättern flache,
zwischen Zweigen kugelförmige Nester, unvermeidliche Blät-
ter werden in die Hülle aufgenommen und mit Baustoff über-
zogen, und in Baumhöhlen bleibt zuweilen die Hülle weg,
die sonst die Waben schützt.
Die Grösse.
Nicht alle Wespennester bestehen, wie die unserer
gemeinen Wespe und Hornisse, aus umhüllten Waben, es
giebt auch hüllenlose Nester, ganz nackte Zellenscheiben.
Die Waben sind demnach die wesentlichen Theile des Ne-
stes, und von ihrer Grösse und Zahl ist der Umfang dessel-
| ben immer abhängig. Die Zahl der Waben ist bei vielen
Nesterarten schwankend, da sie natürlich mit der Zunahme
der Arbeitswespen, die durch äussere Ursachen gehemmt oder
befördert werden kann, gleichen Schritt hält. Der Durch-
messer der Waben dagegen ist eine viel bestimmtere
Grösse und daher beachtenswerther als die Zahl. So wichtig
aber auch der Durchmesser der Wabe unter den Eigenschaf-
ten des Nesles ist, so steht er doch in keinem bestimmten
% Verhältnisse zur Grösse der bauenden Wespen. Die kleinsten
gemessenen Waben bauet allerdings eine der kleinsten Wes-
pen (Leipomeles lamellaria Möb.), allein die grössten, über
324 Möbius:
11/, Fuss messenden , rühren. von mitlelgrossen Wespen
(Chartergus sericeus: Fab.) her.
Bei den. wenigen bekannten Wespennestern liegen die
Grössengrenzen. viel weiler von einander ab, als bei den
zahlreichen, beschriebenen Wespen. Es giebt Nester, die, den
unbegrenzien Blülhenständen in der Pflanzenwelt vergleichbar,
keinen in ihrem Baustyle begründeten Abschluss erreichen,
indem der Deckel, ‚der die jeweilige unterste Wabe umschliesst,
bald darauf zum Boden einer neuen Wabe dient (Fig. 5).
Solche Nester wachsen ‚oft zu Fusse langen Cylindern an,
wie die durch Reaumur’s Schilderungen bekannten Bauten
der surinamischen Pappwespe (Chartergus chartarius Oliv.).
Doch erlangen auch Nester von anderem Baustyle , wie die
einwabigen einer grossen blauen Wespe «Synoeca cyanea
Fab.), die ihre Zellen unmittelbar auf die Rinde starker Aeste
setzt und dann mit einer Hülle überwölbt, eine Ausdehnung
von drei Fuss; und die kugelförmigen Nester der. Hornissen
und einiger 'südamerikanischer Wespen erreichen einen
Durchmesser von 1—?2 Fuss.
Die Flug- und Fahrlöcher.
Die Fluglöcher, die runden Oeffnungen in der Hülle für
den Ein- und Ausgang der Wespen, nehmen im Allgemeinen
mit der Grösse der Erbauer zu ; sie liegen gewöhnlich nach
unten, doch bisweilen bei Nestern mit ungeschlossener
Hülle, deren Deckel stark gewölbt ist, an der ‚Seite, ‚wenn
nämlich die Wespen das Bestreben haben, das Flugloch am
Rande des Deckels anzubringen (Fig. 4) und nicht im Cen-
trum, wie viele andere thun (Fig.5). In der Lage des Flug-
loches offenbart sich, wie auch in anderen Einrichlungen
der Nester, der Einklang mit physikalischen Gesetzen der
Natur. Durch die nach unten gekehrte Oeffnung kann kein
Regen ins Nest fallen und die warme, in die Höhe steigende
Nestluft nicht so leicht entweichen als durch ein oben an-
gebrachtes Flugloch.
Bei den ungeschlossenen oder deckelwabigen Nestern
tritt die letzte Wabe stets dadurch ins Innere, dass unter ihr
wieder ein neuer Deckel gewölbt wird, sobald der vorher-
Vergleich. Betrachtungen üb, d. Nester d. gesell. Wespen, 325
gehende durch Anbau von Zellen zu einer Wabe geworden
ist (Fig. 4, 5). Alle bei dieser Bauart auf einander gefolg-
ten Deckel halten ein Flugloch, und dieses behalten sie, auch
wenn sie als Wabenböden in das Innere rücken; liegt es im
Centrum des Deckels, so dient es nun als Durchgang, als
Fahrloch zu den oberen und unteren Stockwerken des Ne-
stes (Fig.5). Die meisten Wespen, die solche deckelwabige
Nester bauen, verändern die Fluglöcher nicht, wenn diesel-
ben als Fahrlöcher in das Nest hineingerückt sind; allein
eine kleine brasilianische Wespe (Polybia rejecta Fab.), die
ihr Nest aus bröckeliger Rinde aufführt, befestigt den schar-
fen, zerbrechlichen Rand derselben auf eine merkwürdige
Weise; indem sie ihn abrundet und nach unten einen gegen
3 hohen Ring anselzt. Diesen führt sie aber nicht unun-
terbrochen in einer Flucht fort, sondern schlägt immer, so-
bald er um eine Linie gewachsen ist, seinen Rand (wie bei
Schnür - Oesen) auswärts um. Zulelzt liegen also um die
Röhre jedes fertigen Flugloches drei feste horizontale Ringe
(Fig. 5).
In Nestern mit abgeschlossener Hülle, in denen die
Waben unter - oder nebeneinander an Säulen hängen, sind
die Wabenränder frei und der Raum zwischen ihnen und
der Hülle die breite, Strasse für die emsigen Bauleute und
sorgsamen Brulpfleger (Fig. 7, 8, 9). Hier giebt es also keine
Fahrlöcher, sondern nur Fluglöcher, in der Regel nur eins,
das auch, wie bei den deckelwabigen Nestern , gewöhnlich
nach unlen liegt (Fig. 7, 8).
Die Waben.
Die Waben sind Scheiben von Brutzellen , die durch
ihre Seitenwände zusammenhängen, Bei den meisten hüllen-
losen Nestern (Fig. 2, 3) und bei Nestern mit geschlossener
Hülle (Fig. 7, 8, 9) ist der Wabenboden aus den einzelnen
Zellenböden zusammengesetzt und daher oft gebuckelt, weil
diese nach aussen gewölbt werden, während die Nester mit
ungeschlossener Hülle glatte Wabenböden haben (Fig. 4, 5),
da die glatten Hülldeckel Träger der Zellen geworden sind.
Die meisten Waben sind (nach unten) convex, wenige eben,
die oberste im Neste zuweilen concav (Fig. 1—9).
326 Möbius:
Bei den ungeschlossenen Nestern ist der Ansatz der
Waben gewöhnlich an Furchen in der Seitenwand der Hülle
erkennbar (Fig. 4, 5), oft auch durch Farbenverschieden-
heilen im Baustoffe der älteren und jüngeren Wabe deutlich
bezeichnet; stets jedoch ist das Neue so innig mit dem Alten
verbunden, dass die Kohäsion des Materials in der Ansatz-
linie nicht geringer ist, als an anderen Orten.
In mehrwabigen nackten, wie auch in Nestern mit ge-
schlossener Hülle hängen die Waben an Säulen, deren
Enden sowohl am Träger wie am Wabenboden nach allen
Richtungen breit auslaufen, um eine grössere Befesligungs-
fläche zu gewinnen (Fig. 2, 3,4, 7,8, 9). Sind Zellen einer
höheren Wabe die Träger, so breitet sich der Säulenkopf über
die Ränder derselben aus, ohne ihre Oeffnungen zu ver-
schliessen. Durch den Ansatz der Säule geht also kein Brut-
raum verloren. In der Mitte des Wabenbodens steht die
stärkste Säule, rundherum in ungleichen Abständen die schwä-
cheren Seitensäulen. Da alle Mittelsäulen in einer Flucht
unter einander stehen, so ist die gesammte Wabenlast auf
die oberste, am Träger hängende, zurückverlegt und der Ge-
fahr des Bruches einer oberen Wabe durch das Gewicht der
unteren vorgebeugt (Fig. 9).
In Nestern, deren Waben von einem horizontalen
Pfeiler gehalten werden, der am Rande ungefähr so wie der
Stiel an einem runden Löffel angebracht ist, tritt ebenfalls
eine auffallende Harmonie mit bekannten physikalischen Ge-
setzen hervor. Der Pfeiler ist nämlich mit einem nach oben
und unten breit auslaufenden Fusse an den senkrechten Zweig
angeselzt, an dem das ganze Nest hängt; sein anderes Ende
verfliesst in den Wabenboden. Der freie mittlere Theil des-
selben ist aber nicht rund, sondern hat einen grösseren
senkrechten, als horizontalen Durchmesser ; er ist also nach
dem Principe der angewandten Masse die höchste Tragkraft
abzugewinnen, ausgeführt; denn während die relative Festig-
keit zur Breite nur im geraden Verhältnisse steht, wächst sie
wie das Quadrat der Höhe.
Die Grösse der Zellen, der regulär sechseckigen,
prismatischen Bruträume, hängt von dem Umfange der In-
sekten ab, die sich darin aus dem Ei entwickeln. In der
Vergleich. Betrachtungen üb. d. Nester d. gesell. Wespen. 327
Weite sind alle Zellen, die zur Wohnung von Jungen eines
Geschlechtes dienen, gleich, während die Tiefen oft verschie-
den sind. Diese Verschiedenheit gleichen aber die Larven
dadurch aus, dass sie den Seidendeckel, mit welchem
sie die Zelle vor der Puppenruhe schliessen, in verschiede-
ner, passender Höhe ansetzen. In Nestern mit gleich tiefen
Zellen dagegen findet man alle Deckel gleich hoch ange-
bracht. Der Deckel sowohl wie das noch zarlere Gespinnst,
welches die Zellen auskleidet, sind Gewebe von Fäden mit
breiten Enden und von dünnen Häuten; unregelmässig ver-
flossen und aufeinander gelagerl, erscheinen sie wegen tola-
ler Reflexion des auffallenden Lichtes weiss, während sie
isolirt wasserhell durchsichtig sind. Ihr Stoff löst sich in
Kali, in heisser Schwefelsäure und in Salpetersäure, welche
ihn unter Bildung von Oxalsäure zerselzt; er ist also Sei-
denfibrin.
Die meisten Arten verschliessen die Zelle mit einem
hervortreienden, gewölbten, wenige durch einen straff wie ein
Trommelfell unter dem Rande ausgespannten Deckel. Von
den Arbeitsbienen wird der Seidendeckel aussen mit Wachs
überzogen ; in allen bekannten Wespennestern, eine Art aus-
genommen, bleibt der Deckel so, wie ihn die Larven span-
nen. Eine Pappwespe Südamerikas (Chartergus apicalis Fab.)
nämlich setzt Leisten von Bastfasern (aus denen sie das ganze
Nest aufführt), welche die gegenüberliegenden Seiten oder
Winkel des Zellenrandes verbinden, aussen auf den gespann-
ten Seidendeckel, die das auskriechende Insekt sammt der
selbst gesponnenen Thür durchnagen muss, wenn es seine
Wiege verlässt.
In der Stellung der Zellen gesen den Wabenboden tritt
stets die Tendenz der Wespen hervor, sie rechtwinkelig auf den-
selben zu setzen ; denn jemehr sich der Boden wölbt, desto
schiefwinkeliger stehen die Randzellen, indem sie den Mittel-
zellen parallel laufen oder mit ihnen nur wenig divergiren.
Unter den regulären Figuren, die sich ohne Zwischen-
räume verbinden lassen, haben die Sechsecke bei gleichem
Rauminhalte mit anderen, die diess ebenfalls zulassen, den
geringsten Umfang. _Der Bau sechseckiger Zellen har-
monirt also mit den Geselzen der Raum - und Zeitersparnis.
328 Möbius:
Doch müssen die Wespen nicht unabänderlich sechseckig
bauen. Es giebt Nester (von Polybia sericea Ol.), in denen
die ‚oberste Wabe nicht, wie gewöhnlich, an einer soliden
Säule hängt, sondern an einem Stiele, der aus drei-, vier-,
fünf- und sechseckigen Zellen von verschiedener Weite und
Tiefe zusammengeselzt ist, Durch. diese Befestigungsweise
ersparten die Wespen Material, ohne an Tragkraft zu ver-
lieren, da hohle Cylinder eine grössere Tragkraft besitzen
als solide von derselben Masse, Die zellenbauen(den Insekten
müssen also nicht wie Webmaschinen in unwandelbarer Re-
gelmässigkeit arbeiten; sie können, durch äussere Verhält-
nisse verschiedenarlig angeregt, den vorgezeichneten Grund-
plan in mehrfacher Weise ausführen.
Die Baustoffe.
Das gebräuchlichste Baumaterial sind Pflanzenstoffe;
ihonige Erdarlen werden sellen angewandt. Eine und die-
selbe Wespenart pflegt ihre Nester aus äknlichen Stoffen zu
bauen ; daher stimmen Exemplare der verschiedensten Grösse
und Form: in ihrer Festigkeit und Dicke der Hüllen und Zel-
lenwände überein. Die sehr elastischen papierarligen sind
aus langen Bastzellen, die papparligen aus verfilzten Pflan-
zenhaaren , die weniger elastischen, aber noch biegsamen
aus Gemengen von Gefässbündelfragmenten, Haaren, Bast-
und Rin.enzellen oder nur aus verschiedenen Formen von
Pflanzenhaaren;; leicht zerbrechliche hauptsächlich aus Rin-
denparenchym zusammengesetzt. Diese Stoffe werden durch
einen wasserhellen Mörtel zusammengehalten, der sich in
sehr dünnen häutigen Fragmenten zwischen ihnen verbrei-
tel. In zerbrechliehen Rindennestern ist er reichlicher ver-
wendet als in festen Fasernestern ; bisweilen ist sogar die
innere Fläche der spröden Hülle damit bestrichen, wie mit
einem glänzenden Firnisse, der zugleich alle Poren zwischen
dem Baustoffe verschliesst. Er dient auch zur Befestigung
von Blättern auf der Hülle, wozu er in grösserer Menge
zwischen beide gestrichen wird und zu einer durchscheinen-
den spröden Masse erhärlet, die leichter zerbricht als von
denjenigen Stücken loslässt, die sie vereinigen soll. Dieser
Mörtel ist löslich in Chlorwasserstoffsäure, in Salpetersäure
Vergleich. Betrachtungen üb. d. Nester d. gesell. Wespen. 329
und in Schwefelsäure, aber unlöslich in Kali; er gehört also
zu den Chitinstoffen.
In vielen Nestern bezeichnen helle und dunkele Linien
in der Hülle und in den Zellwänden die Richtungen, in wel-
chen die Arbeiter das Baumaterial auftragen. Man sieht, wie
die Hülle vom Befestigungspunkte aus gürtelarlig aufgeführt
wird und wie die Brutzellen in ringförmigen Schichten wach-
sen. Lange Bastfasern sind oft bündelweise angefügt. Die
arbeitenden Wespen setzen den Baustoff in kleinen Ballen,
die sie heimbringen, mit Hülfe ihrer Kiefer und Vorderbeine
auf, drücken ihn breit und ziehen ihn, indem sie rückwärts
gehen, bandartig aus.
Während die Hülle der bekannten tropischen Wespen-
nester eine dichte Mauer ist, besteht die der unserigen und
eines nordamerikanischen Nestes aus muschelförmigen Lagen,
zwischen denen Luftschichten eingeschlossen sind, die (nach
dem Principe der Doppelfenster) die Ableitung der Wärme
vermindern müssen.
Von der Beschaffenheit des Baustoffes hängt die Farbe
der Nester ab. Die gelben und grauen, überhaupt die bleich-
farbigen, sind aus wasserhellen Bast- und Haarzellen; die
dunkelrothen, grau- und schwarzbraunen aus Rindengewebe
aufgeführt; die gefleckten und gestreiften bestehen aus ver-
schiedenfarbigen Elementen: aus wasserhellen Haar- und
Bastzellen und braunen Rindenzellen ; aus farblosem und brau-
nem Parenchym oder aus farblosen und ‚braunen Haaren.
Eintheilung der Wespennester.
A. Nester ohne Hülle.
1) Der Wabenboden ist un-
mittelbar an den Trä-
ger gebauet: . . - Fig. 1. (Apoica pallida Oliv.)
2) DerWabenboden ist ck
Pfeiler befestigt;
a) diese stehen am Ran-
de des Bodens: . . . Fig. 2. (Polistes annularis L.)
b) siestehen auf derB o-
denfläche: . . Fig. 3. (Polistes versicolor Fab.)
330
Möbius:
B. Nester mit Hülle.
1. Die Hülleist ungeschlos-
sen, unmittelbar oder durch
Pfeiler am Träger befestigt.
Die Wabenböden sind mit der
Seitenwand verschmolzen, da
sie vorübergehend Hülldeckel
waren.
1) Zu den eingeschlossenen
Waben führen Fluglö-
cher durch die Seilen-
wand. %
2) Die Hülle hat nur ein
Flugloch und die in-
nern Waben Fahrlö-
chierzah.: h
I. DieHallststp eschlögs
sen. Das Nest hat keine
Fahrlöcher , sondern nur
ein Flugloch.
1) Der Wabenboden liegt
unmittelbar auf dem
Träger: .. .»
2) Er ist durch Pfeiler He
fesligt;
a) diese stehenamRan-
de des Wabenbodens:
b) sie stehen auf der Flä-
che desWabenbodens ;
«) die Waben hängen
. Fig. 4. (Polybia sedula Sauss.)
. Fig. 5. (Polybia rejecta Fab.)
. Fig. 6. (Polybia pediculata Sauss.)
Fig.7. (Chartergus apicalis Fab.)
neben einander: Fig.8. (Leipomeles lamellariaMöb.)
P) die Waben hängen
unter einander,
die folgende an der
vorhergehenden
Fig. 9. «Polybia ampullaria Möb.)
Aus diesem Versuche eines Systemes der Wespennester
leuchtet hervor, dass die Manniglaltigkeit derselbeu aus der
Verschiedenheit im Anbaue der Waben entspringt. Die Wabe
Vergleich. Betrachtungen üb. d. Nester d. gesell. Wespen. 331
ist das nothwendigste Glied, der Grundgedanke des Nesles,
was auch aus dem Systeme H. de Saussure’s hervorgeht,
von dem ich hier eine Uebersicht folgen lasse.
A. Phragmocyliares ou nids indefinis.
I. Phragm. spheriques.
II. Phragm. reclilignes.
1) Phragm. parfails.
2) Phragm. imparfaits.
B. Stelocyllares ou nids definis.
I. Steloeytt. calyptodomes.
ll. Stelocylt. gyınnodomes.
1) Gibbinides.
2) Reclinides.
3) Lalerinides.
Die Phragmocyltares des Saussure’schen Systems sind
die Nester mit ungeschlossener Hülle des meinigen (B, 1).
Gegen die Unterabtheilungen: Phragm. spheriques und Phragm.
reclilignes haben einige Wespenarten selbst Einspruch erho-
ben, indem sie nach äusseren Umständen bald sphärische,
bald geradlinige (eylindrische) Nester baulen.. Man muss in
das Innere des Nestes eindringen, wenn man seinen Charakter
kennen lernen will. Die Phragm. imperfaits sind deckelwa-
bige Nester mit ınehreren Fluglöchern (B, I, 1). Stelocyt-
tares ou nids definis sind alle säulenwabige Nester, mögen
sie eine Hülle haben (St. calyptodomes) oder hüllenlos sein
(St. gymnodomes). Die unmittelbar am Träger befestigten
nennt Saussure Gibbinides (A, 1); bei den Rictinides ste-
hen die Säulen auf der Fläche (A, 2, b), bei den Laterini-
des am Rande des Wabenbodens (A, 2, a). H. de Saus-
sure lheilt die Wespen nach dem Style ihrer Nester in Grup-
pen ein und will nicht zugeben, dass von verschiedenen Ar-
len einer Gallung die eine deckelwabige, die andere säulen-
wabige Nester baue. Allein die bis jelzt bekannten hinrei-
chend beslimmten Nesterarten (freilich blos 32!) beweisen,
dass verschiedene Arten einer Gallung ungleicharlige Bauten
ausführen können. Wir kennen noch zu wenig Nester, um
über die Beziehung ihrer Gruppen zu den Gruppen der Wes-
pen Geselze aufzustellen. Die Nesterlehre der Wespen ist
noch in der Kindheit; das veranlasste mich auch, weder die
332
Möbius: Vergleich. Betrachtungen u. 3. w.
Saussure’schen Ordnungsnamen anzuwenden, noch neue ein-
zuführen; denn gar zu leicht können theoretische Namen zu
frühzeiligen Fesseln werden, welche die naturgemässe Ent-
wickelung neuer vergleichender Belrachtungen hemmen,
Erklärung der Abbildungen.
Alle Abbildungen sind verkleinerte, schematische Durchschnitts-
bilder.
Fig. 1.
Fig. 2.
Fig. 3.
Fig. 4.
Fig. 5.
Fig. 6.
Fig. 7.
Fig. 8.
Fig. 9.
Die Pfeile bezeichnen die Wege der Wespen.
Ein hüllenloses Nest von Apoica pallida Ol., unmittelbar
um einen Zweig gebaut. Die Seidendeckel sind in verschie-
dener Entfernung vom Rande straff ausgespannt.
Ein Nest von Polistes annularis L. an einem randständigen
Pfeiler ; der Wabenboden besteht aus den vereinigten Zel-
lenböden.
Ein Nest von Polistes versicolor Fab., an einer Säule hän-
gend, die am Wabenboden befestigt ist.
Ein dreiwabiges Nest von Polybia sedula Sauss., jede Wabe
hat ihr Flugloch; auf dem Deckel ist der Anfang. neuer
Zellen zu bemerken,
Ein Nest von Polybia rejecta Fab. Die Fahrlöcher haben
schnürösenförmige Umbiegungen. Am Deckel unten sind die
Anfänge der neuen Wabe und des neuen Deckels zu sehen.
Ein Nest von Polybia pediculata Sauss. Die Zellen sind
horizontal auf einen Baumstamm gesetzt; unten in der Hülle
ist das Flugloch.
Ein Nest von Chartergus apicalis Fab., um einen aufrechten
Zweig gebauet, der auch die breitfüssigen Säulen der Wa-
ben hält, deren Querschnitt bei Q gegeben ist.
Ein Nest von Leipomeles lamellariaMöb., an der Unterfläche
eines Blattes mit drei Waben, deren Säulen an der Mittel-
rippe hängen. Die zarte Hülle ist rundherum am Blattrande
angeklebt und hat an dem einen Ende einen halbmondförmi-
gen Ausschnitt als Flugloch.
Ein Nest von Polybia ampullaria Möb., an der Unterlläche
eines grossen Blattes. Die Nittelsäulen stehen alle unter
einander. Die zweite hat noch einen Randpfeiler von der
Hülle aus erhalten.
Druck von Carl Georgi in Bonn.
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ARCHIV
FÜR
NATURGESCHICHTE.
GEGRÜNDET VON A. F. A. WIEGMANN,
FORTGESETZT VON W. F. ERICHSON.
IN VERBINDUNG MIT
PROF. Dr. GRISEB ACH IN GÖTTINGEN UND
PROF. Dr. LEUCKART IN GIESSEN.
HERAUSGEGEBEN
voR
Di. FE, HM. TROSCHEL,
PROFESSOR AN DER FRIEDRICH-WILHELNS-UNIVERSITÄT ZU BONN,
ZWEI UND ZWANZIGSTER JAHRGANG.
Zweiter Band.
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BERLIN, 1856.
VERLAG DER NICOLAL'SCHEN BUCHHANDLUNG.
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RRANDENW A
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‚Bet. JOKER
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Inhalt des zweiten Bandes.
Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte der Vögel
während des Jahres 1855. Von Dr. G. Hartlaub
Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte der Säuge-
thiere während des Jahres 1855. Vom Herausgeber.
Bericht über die Leistungen in der Herpetologie während des
Jahres 1855. Vom Herausgeber
Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie während des
Jahres 1855. Vom Herausgeber
Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte der Mollusken
während des Jahres 1855. Vom Horausgeber
Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen im Gebiete der
Entomologie während des Jahres 1855. Von Dr. A.
Gerstaecker.
1. Insekten . F c P ‘ . . .
2. Myriapoden . 2 ß F . .
3. Crustaceen : N - & A f e
4, Arschniden . B 4 Ä : . .
Seite
35
59
67
90
121
299
302
316
Iv Inhalt.
Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte der niede-
ren Thiere während des Jahres 1854 und 1855. Von
Prof. Leuckart : & 3 3 = > 7
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Seite
Bericht über die Leistungen in der Natur-
geschichte der Vögel während des
Jahres 1855.
Von
Dr, G. Hartlaub
in
Bremen.
Es gereicht uns zur Freude diesem Jahresberichte die
Versicherung vorausschicken zu können, dass sich die un-
geschwächteste Theilnahme für unsere liebe Ornithologie er-
hält und befestigt, und dass zahlreiche und zum Theil sehr
tüchlige Arbeiten auf dem lilterarischen Gebiele derselben
diese Theilnahme in der erspriesslichsten Weise belhäliglen.
Nicht ohne Erfolg versuchten sich jüngere Kräfte mit aner-
kannten Aulorilälen zu messen; ein edles Ringen, aus wel-
chem , wenn es sich auf dem erhabenen Standpunkte echler
Wissenschaftlichkeit hält, nur Gutes erwachsen kann. Carl
Lucian Bonaparte, ein Name, der mit der Geschichte
der Zoologie selbst innig verwachsen ist, hat, obgleich kör-
perlich schwer gebeugt und noch schwerer, fürchten wir,
bedroht, mit ungetrübter geistiger Kraft für sein Lieblings-
fach gewirkt, und in einer Reihe trefflicher Arbeiten von
neuem die Beweise wahrhaft stupender Specialkenntniss so-
wohl als andererseits geistvoll generalisirender Anschauung
namentlich im Ilinblicke auf Systematik, niedergelegt. Im
hohen Grade verdienstlich, ja dem Kenner von Fach geradezu
Archiv f. Naturgesch. XXII. Jahrg. 2, Bd. A
2 _Hartlaub: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
unentbehrlich ist G. R. Gray’s neuestes Werkchen über die
Genera und Subgenera der Vögel. Für die Ornilhologie Süd-
amerika’s waren in erster Linie Sclater und Burmei-
ster, für die der nördlichen Gegenden desselben Welttheils
Cassin, Baird, Lawrence und Andere thätig. Die Vö-
gel Asiens beschäftigten vorzugsweise F. Moore, Gould,
Burgess, Hodgson, Blyth. Unsere Kenntniss von de-
nen Afrika’s förderten Jules Verreaux, Malherbe,
Cassin, A. Brehm. Die so wenig bekannte Ornitho-
logie der entlegenen Inselgruppen Oceaniens verdankt Bo-
naparte und Gould sehr werthwolle sich auf die Samm-
lungen Edelestan Jardin’s und Macgillivray’s grün-
dende Beiträge. — Die grosse Mehrzahl der als neu bekannt
gemachlen und grossentheils wirklich neuen Arten lieferte
das unerschöpflich reiche Amerika. Als grosser und wesent-
licher Fortschritt ist der Zuwachs zu betrachten, welcher
unserer Bekanntschaft mit der Lebensweise der exotischen
Vögel in immer reicherem Masse zuzufliessen beginnt. —
Aber je höher solcher Gestalt im Einzelnen die Summe unseres
ornilhologischen Wissens aufläuft, um so gebieterischer drän-
gen jene grossen Fragen in den Vorgrund, deren Erledigung
die philosophische Zoologie längst als Nolhwendigkeit erkannt
und sich zur Aufgabe gestellt hat, deren genügende Be-
antwortung aber bis auf diese Stunde ein pium desiderium
bleibt. Was ist Art? sind Subspecies anzunehmen? und wenn
solches der Fall, an welchen äusseren Merkmalen ist
der eine oder andere dieser beiden Begriffe im gegebenen
Falle mit untrüglicher Sicherheit zu erkennen, festzustellen?
warum muss hier eine Species, dort eine Subspecies oder
constante Lokalrasse angenommen werden? Auch hinsicht-
lich des Begriffs Genus herrscht nach wie vor die zügello-
seste Willkühr, und Bonaparte’s Hoffnung, es werde die-
ses Uebel („delire generique* Temm.) „sua ipsius magni-
ludine et redundantia® geheilt werden, sieht ihre Erfüllung in
immer weitere Fernen gerückt.
Dr. B. Altum schreibt gründlich und instructiv „über
den Bau der Federn als Grund ihrer Färbung.“ Cab. Journ.
Jahrg. II. Heft 6,
der Vögel während des Jahres 1855. 3
Die Fortsetzung von Bonaparte's „Conspeclus avium®
ist mit S. 159 eine Unterbrechung erfahren, welche hoffent-
lich nicht von langer Dauer sein wird. Die zuletzt behan-
delte Abtheilung bilden die Ibisse. Mündlicher Versicherung
zufolge wird der unermüdlich thälige Verfasser seine gross-
arlige Arbeit nicht fallen lassen.
M. A. Toussenel: „Ornithologie passionelle ou le monde
des oiseaux“ Vol. I. ©. Des Murs bezeichnet dieses Buch
als eines der ausserordenllichsten; es sei ebenso geistvoll
als erhaben, ebenso philosophisch als poetisch; er nimm! kei-
nen Ansland dasselbe ein „pandaemonium du genie humain“
zu nennen, Man besinnt sich, ehe man an das Studium
eines solchen Werkes geht. Toussenel’s systemalische
Ansichten beginnen mit dem einfachen und gehen von die-
sem zum vollkommneren über, Er betrachtet die Gesammt-
heit der Vögel nach Maassgabe des Mediums, in welchem
jede Abtheilung lebt und sich bewegt. Da aber unser Planet
vor Bildung fester Landmassen in Wasser eingehülll war, so
erscheint es unserem Philosophen ralionell, die ornithologi-
sche Serie mit den Wasservögeln zu beginnen! Vielleicht
Weiteres über’s Jahr.
J. W. v. Müller: „des changments qui s’operent dans
la coloralion des oiseaux“ Rev, et Mag. de Zool. p. 113,
Eines Auszugs nicht wohl fähig. Die an und für sich sehr
nülzlichen Untersuchungen des Verfassers zeigen eine starke
Beimischung von Unsicherem und Problemalischem. Ja, es
laufen grobe Irrthümer unter; so z.B. wenn behauptet wird,
das intensive Roth oder Carmin scheine sich vorzugsweise in
der nördlichen Hemisphäre zu entwickeln !
G. R. Gray: „Catalogue of Ihe genera and subgenera
of birds conlained in the British Museum“ 1. Vol. 1925. Wir
stimmen aus voller Ueberzeugung in das Lob ein, welches
Bonaparte diesem Büchlein ertheill. Dasselbe umfasst
nicht weniger als 2403 Gallungen, von welchen aber nur
elwa 764 wirklich generische Geltung zugesianden wird.
Die übrigen haben für G. R. Gray nur subgenerischen
Werth, Ein treffliches Register erleichtert die Benutzung
des Buches ungemein. Des Verfassers Verdienste um unsere
Kenniniss eines der trockensten Theile der Vögelkunde sind
4 Hartlaub: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
in der That nicht hoch genug anzuschlagen. Das Recht der
Priorität wird mit. rigoröser Strenge durchgeführt und be-
ginnt mit Linne’s „Systema nalurae“ vom Jahre 1735. Die
Comptes rendus de l’Acad. vom 22. Oct. bringen Bona-
parte’s höchst anerkennende Beurtheilung,
„Ornithological Synonyms® oby the late Hugh E.
Strickland; edited by Mrs. H. E. Striekland and Sir
W. Jardine, Bart. etc. Vol.I. Aceipitres. London. Es war
ein mehr als gewagtes Unternehmen, diese Arbeit unseres
verstorbenen, Freundes der Oeffentlichkeit zu übergeben. Wir
könnten aus Stricekland's Briefen den Nachweis liefern,
dass derselbe diese Frucht langjähriger Studien noch keines-
wegs für der Reife nahe hielt, und sind fest überzeugt, er
würde gerechten Ansland genommen haben, dieselbe schon
jetzt dem Heiligthume des Schreibtisches zu entziehen. Sir
William Jardine hat die, wie es scheint, ohne Zögern
übernommene schwere Aufgabe nach besten Kräften zu lösen
gesucht; aber, bei aller Anerkennung für die ausgezeichne-
ten Verdieuste desselben, kann man sich beim Lesen des
Buches der Frage nicht erwähren: waren diese Kräfte noch
ausreichend? — Als besonders mangelhaft wollen wir hier
nur den die geographische Verbreitung betreffenden Theil
der Arbeit bezeichnen. Immerhin bleibt der wissenschaftli-
che Nutzen derselben noch ein sehr erheblicher, und wer
möchte dem vor der Verarbeitung einer solchen Masse des
trockensten Materials nicht zurückschreckenden Fleisse seine
Anerkennung versagen ?
Pucheran: „Memoire sur les Iypes peu connus de
Passereaux dentirostres du Musee de Paris.“ Arch. du Mus.
VII. p. 322. Es bildet diese Arbeit den Schluss einer Reihe
mühevoller Untersuchungen, deren Verdienst in das rechle
Licht gesiellt zu haben wir uns zur Ehre anrechnen, und
deren praktischen Nutzen wir durch einen in Cabanis Jour-
nal veröffentlichten Index zu erhöhen suchten.
Es wäre darnach Graucalus caesius Cuy. von Neucaledonien
eine gute Art (vollständ. Beschr.), Lanius Chalybeus Cuv. — Co-
psychus pluto; Lanius lunulatus Cuv. ein vielleicht unbeschriebener
Ihamnophilus; L. melas Cuv., ebenfalls ein Thamnophilus (Abbild.
pl. 17,Sg.1); L. poecilurus Cuy., desgleichen ein Thamnophilus (Ab-
der Vögel während des Jahres 1855. 5
bild. pl. 17. fig. 2); Muscicapa anthoides sei ein neuer Corythopis;
Turdus sinensis Cuv. — T. mandarinus Bp.; T. atricilla Cuv. — Ixo-
einela olivacea Bl.; Philedon gularis C. (Abb. pl. 18) = Hypsipetes
philippensis Strickl.; Turdus Peronii Vieill. (pl. 19) — Geoeichla ru-
biginosa Müll.; Pyranga icteromelas sei Ploceus bicolor; Platyrhyn-
chus rufiventris V. sei Rhipidura ochrogastra Müll.; Pl. albicollis V.
(pl. 20. fig. 1) — Rh. fuscoventris Franel.; Rhamphocaenus viridis Less.
sei von Madagascar und — Bernieria sp. Bp. — Tropidorhynchus die-
menensis Less stamme von Neucaledonien und sei neu (pl.21); Turdus
Diardi Less. von Cochinchina sei ein wahrscheinlich neuer Garrulax;
Tachyphonus somptuosus Less. (Abhild. pl.23) sei = chloricterus
Vieill. — Muscicapa Delalandi Less. —= Myiothera calcarata Wied;
M. elegans Less. sei eine vielleicht neue Culicivora; M. Gaimardi Less.
von Neuguinea sei eine Tchitrea und stamme aus Madagascar. —
Treffliche Beschreibungen und Messungen.
Prof. Berthold in Göllingen veröffentlichte ein ein-
faches Namensverzeichniss der Vögel des dortigen Museums.
Von Reichenbach’s „Synopsis avium“ erschienen
verschiedene Fortsetzungen, Tafeln sowohl als Text: Spechte
und Colibri's. Es gehört dieses Werk Reichenbach’s bei
mancherlei Mängeln in der Ausführung zu den besten und
nützlichsten der ornilhologischen Litteratur und es ist, wie
schon früher bemerkt, die Vollendung derselben im hohen
Grade wünschenswerlh.
C. Sundevall: „on muskelbyggnaden i foglarnas ex-
tremilater“ aus den Naturforsk. Sällskap. Förhandl. übersetzt
in Cabanis Journal. Eines Auszugs nicht wohl fähig.
J. K. Blumenbach: „Aller Sing- und Stubenvögel
Fang, Wartung und Zähmung; mit einer Abhandlung über
die Vögel im Allgemeinen und einer Anweisung dieselben
so vollkommen auszuslopfen, dass sie wie im lebenden Zu-
stande aussehen. Mit vielen colorirten Abbildungen. Wien.
143 S.
C.L. Brehm: „Der vollständige Vogelfang; eine gründ-
liche Anleitung alle europäischen Vögel auf dem Drossel-,
Staaren-, Ortolan-, Regenpfeifer-, Strandläufer- und En-
tenheerde mit Tag-, Nacht- und Zugnetzen zu fangen ; mit
besonderer Berücksichtigung der Vogelstellerei der Franzosen
und Afrikaner, nebst.einer Uebersicht und kurzen Beschrei-
bung aller europäischen Vögel, unter denen sich viele neue
6 Hartlaub: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Arten befinden.* 1. Bd. 8. 4168. Ein Buch wie es eben nur
der alte Brehm schreiben konnle.
Ch. Joubert: „Chasse aux oiseaux. Manuel de l’oise-
leur ou l’art de prendre, d’elever et d’instruire les oiseaux
soit en voliere, en cage ou en liberle; illusir& de 24 gravu-
res. Paris. 1 Vol. in 16mo.
Lereboullet: „Coup d’oil sur l’organisation, les moeurs,
la distribution geographique et le röle des oiseaux.* Strass-
burg. Brochüre von 48 Seiten.
R. Harbouch: „The birds of the Bible wilh coloured
engravings.“ Philadelphia. 4. 300 S.
Die „Proceedings of the Zoological Society of London®
geben eine Reihe trefflich von Wolf ausgeführter ornitho-
logischer Abbildungen. Auf den Text wird dieser Bericht
verschiedentlich zurückkommen.
J. Cabanis: „Journal für Ornilhologie“ enthält von
hierher gehörigem: 1) Nachträgliches über Nistvorrichtun-
gen für Höhlenbrüter von C. Gloger p. 80-86. 2) „Ein
ferneres Wort über Ausfärben* von v. Homeyer. 3)(C.
Sundevall’s treffliche Arbeit über die Flügel der Vögel
gut und vollständig überselzt. 4) Beiträge zur exotischen
Ornilhologie von den Brüdern Verreaux und vom Ref.
5) „Ueber die Rubrik der Motto’s® von Justiliar Fr. Boie.
Durch alle Klassen und bei den einzelnen Arten durchge-
führt aus den poetischen Ueberlieferungen vieler Nationen.
Sehr interessant. 6) W. Mewes „über die Farbenverände-
rungen der Vögel durch und ohne Mauser“ p. 230 mit Ab-
bildungen. Gründlich, wie es scheint, und darum wichlig.
7) „Der Zug der Vögel“ von Pastor Brehm. Sehr gute
alles wichtigste umfassende Arbeit; ja in ihrer Art die beste
uns bekannte. 8) Ueberselung von Schlegel’s Arbeit
über das Wachsthum und die Farbenveränderungen der Fe-
dern der Vögel, von B. Altum. 9) A. Hausmann „Die
Farbe der Kehle steht mit dem Gesange in keiner Beziehung.“
Eine Ansicht, der wir durchaus beipflichten. 10) Index zu
Pucheran’s „Eludes sur les types peu connus du Musee de
Paris“ von Dr. G. Hartlaub. 11) Ornithologische Bemerkun-
gen von Jusliliar F. Boie u 5 w
der Vögel während des Jahres 1855. 7
Auch die,„Naumannia“ blieb nicht zurück und brachte
1) L. Brehm „über die Ehen der Vögel.“ 2) Hammargren
Bemerkungen zu Brehm’s „über Species und Subspecies.“
3) Dr. Fr. Staude „Grundriss eines natürlichen Systems der
Vögel.“ 4) B. Altum „Planmässiges Sammeln der Vögel und
planmässiges Ausstopfen und Stellen derselben.“ 5) Die Zeich-
nung der Kehle steht bei den Vögeln gewöhnlich mit dem
Gesange in Beziehung“, von C. L. Brehm. Sehr geistreich
aber — nicht durchzuführen. 6) „Ueber Vogelstimmen, in
Briefen an C. Bolle von A.Hausmann. 7) B. Altum „Ueber
Ausstopfen und Stellen der Vögel im Allgemeinen“ u. s. w.
Europa
Dr. A. v. Middendorf: „Die Isopiptesen Russland’s.
Grundlagen zur Erforschung der Zugzeiten und Zugrichtun-
gen der Vögel Russland’s“: Mem. de l’Acad. de St. Petersb,
Se. natur. t. VIll. Und Separalabdruck daraus. Nach sehr
reichem Material an Beobachlungen vom Verfasser, A. von
Nordmann, Gebler in Barnaul, Kessler und Anderen,
und mit Benutzung der vollständigen Litteratur höchst fleis-
sig und geistvoll gearbeitet. Nach der Ansicht v.Midden-
dorf’s richtet sich derZug der russischen Vögel gegen das
Taimyrland, also gegen den magnetischen Pol hin.
Dasselbe wiederhole sich in Amerika. Die Unbeirrbarkeit
der Vögel bei ihrer Wanderung scheine darauf zu beruhen,
dass sich dieselben der Lage des Magnetpol’s klar bewusst
seien und darnach ihre Zugrichlung einzuhalten wüssten; es
wohne ihnen ein inneres magnelisches Gelühl inne. Mehrere
Karten erläutern die Ansichten und Beobachtungen des Verfas-
sers, über deren vollgültigen Werth wir kein competentes
Urtheil zu haben gestehen. Es wird Bezug genommen auf
102 Vogelarten.
C. A. Westerlund: „Öfversigt af Öland’s Foglar och
Amphibier“: Götheborg’s Kongl. Acad. Handl. III. p. 57—72.
H. G. Adams: „Favourite song-birds, a descriplion of
the feallıered songslers of Britain“ etc. ed. II. 196 S.
VonF.O.Morris: „History of British Birds“ erschien der
4te Band. 3308. mit 62 colorirten Abbildungen.
8 Hartlaub: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
R. Morris: „British Game-birds and wild fowl.“ 1 Vol.
in 4. 2125. mit 60 colorirten Kupfertafeln.
Meyer’s „British birds and their eggs“ nimmt raschen
Fortgang und gedieh bis zum 65ten Hefte. Jedes derselben
enthält vier colorirte Kupfertafeln.
Dr. Jaubert: fährt fort die Ornithologie Südfrank-
reichs in kritischer und höchst wissenschaftlicher Weise
zu beleuchten: Rev. et Magas. de Zool. p. 63 u. s. w.
Er hält die Calamoherpe palustris der südlichen Alpen für ver-
“schieden von der unsrigen und nennt sie ©. pratensis. Ausführlicher
über Hippolais pallida Gerbe (= cinerascens Selys), deren Vater-
land die Provinz Oran ; über die neue Calamoherpe brachyptera von
eben daher; über Hippolais Verdoti Jaub. aus Aegypten (der pallida
verwandt); über Sylvia melanocephala, conspicillata, passerina, Lu-
sciniopsis Savii u. s.w. Dann auf S.222 sehr instructiv über Embe-
riza rustica, die fast alljährlich gegen Ende October erscheint. Alle
Kleider werden beschrieben; ferner über E. pyrrhuloides und schoe-
niclus u. s. w. Rutiecilla Cairii ist nach Jaubert nur tithys vor der
ersten Mauser. Mit Recht eifert J. gegen die herrschende Tendenz
die Verbreitungssphäre aller nordafrikanischen Vögel über Spanien
ausdehnen zu wollen. Lanius meridionalis nistet in ganz Südfrank-
reich. Caxicola leucura sei sedentär am Littoral Südfrankreichs, werde
aber immer seltener. Savi halte jetztS. aurita 5' für @ ad. non sta-
pazina.
Vincelot: „Tableau synoplique pour servir ä l’etude de
l’Ornithologie et de l’Oologie de Maine et Loire. Angers. 8.
D. Francisco de Lujan: „Memoria que comprendre
et resumen de los Rabajos verificados etc.“por las differen-
tes secciones de la commission encargada de former el map-
geolog. de la provinc. de Madrid. Darin eine Abhandlung
über die Vögel Spaniens und vorzugsweise der Provinz
Madrid.
A. Machado: „Calalogo de las aves observadas en
algunas provincias de Andalusia.“ Sevilla 1854. Broschüre
von 26.
Dr. Lindermeier: „Natlurhistorische Skizze von Eu-
böa.* Auf S. 401 nach einer sehr ausführlichen allgemei-
nen Einleitung das syslemalische Verzeichniss der dort le-
benden Vögelarlen. Es werden deren 250 aufgezählt.
Dubois: „Planches colories des oiseaux de la Belgique
der Vögel während des Jahres 1855. 9
et de leurs oeufs“ livr. 41—51. Unser Naumann lässt die-
sem Werke in einer ausführlicheren Recension in der Nau-
mannia nicht allzuviel des Guten. Unsere eigene Ansicht
über dasselbe ist des öfteren mitgetheilt.
Ad. Schwab: „Fauna der Vögel eines Theiles von
Mähren und Schlesien nebst Angabe der Brutzeit und des
Zuges,“ sowie auch kurze Beschreibung der Nester und Eier
derjenigen Vögel, die in unserer Gegend brüten, durch eigene
14jährige Beobachtungen und Erfahrungen begründet: Ver-
handl. des zool. botan. Vereins in Wien, 4. Bd. p. 487—534.
Blasius Hanf: „Notizen über einige in der Umge-
bung von Mariahoff in Steiermark vorkommende seltenere
Vögel und über den Farbenwechsel des Schneehuhns# |. c.
p- 617—628.
J. T. Leu: „Die im Regierungsbezirke Schraben und
Neuburg vorkemmenden Vögel.“ Augsburg. Broschüre von
20 Seiten. Es werden 220 Arten namhaft gemacht. Dabei
mancherlei Angaben über Fundord, Brutgeschäft u. s. w.
Die Naumannia hal: 1) Vögel der Umgegend von Lyon,
von Leon Olph. Gaillard auf S44. Es werden 232
Arten aufgeführt. 2) Bemerkungen über die Vögel des Min-
del- und Kamalthales in Baiern, von C. L. Landbeck,
mitgelh. von Pfarrer Jäkel. S. 73. Recht gut. 3) Wal-
lengren’s „Brützonen der Vögel innerhalb Skandinaviens «
Forts. 4) „Die Vogelwelt im letzten Winter,“ von Baron Kö-
nig-Warthausen. 5) Verzeichniss der europäischen Vö-
gel nach den Species und Subspecies, von C. L. Brehm.
6) Dr. A. Hummel: „Ornilhologische Mittheilungen aus
Kurland.* 7) F. P. Brahts: „Vögelfauna von Neuwied.“
Gute ausführliche Arbeit. 8) Auszug aus Bailly’s „Orni-
Ihologie du Savoie.* 9) Blasius: „Ueber verdächtige Ar-
ten im Verzeichnisse der europäischen Vögel.“ Sehr nützlich
und zeilgemäss. An 120 Arten werden als weiterer Be-
stätigung bedürflig namhaft gemacht. Zufälligen Gästen wird
das Bürgerrecht nicht zugestanden. 10) C. F. Wiepken:
„Bericht über eine ornithologische Excursion am Jahdebu-
sen“ u. S. w.
Cabanis Journal für Ornithologie bringt: 1) „Be-
10 Hartlaub: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
merkungen über die Vögel der canarischen Inseln“, von Dr.
C. Bolle. Im hohen Grade anziehend und instructiv.
Ausführlicher über die Lebensweise und das Vorkommen von
Columba laurivora, livia, afra; über Pterocles arenarius auf Fuerta-
ventura, Perdix petrosa auf Fuertaventura und Lauzarote fehlend:
Otis houbara, nur aur Fuertav. ; über Coturnix communis ; Cursorius
isabellinus auf Fuertav. und Lauzarote; Haematopus niger (!) auf
Handia, Lanxar., Fuertav. und Graziosa; über Larus argentatus, Puf-
finus cinereus, P. columbinus auf Lanzarote u. s. w.
2) C. Vangerow: „Versuch einer Uebersicht der
Vögel der Mark.«< Von 234 Arten sollen 161 daselbst brü-
ten. 85) „Die Erstlinge moderner spanischer Ornithologie,“
von Dr. C. Bolle. Giebt im Auszuge die uns bekannten
Arbeiten von Ignazio Vidal und Fr. de los Rios Na-
ceyro. 4) Jäkel: „Der Vögelzug und andere Wahrneh-
mungen über die Vogelwelt Baierns im Jahre 1853—54.* 5)
Briefe aus Helgoland, von Dr. ©. Bolle u. s. w.
E. Vernon Harcourl: „Notes on Ihe Ornithology of
Madeira.“ Ann. and Mag. 1555. p. 430. Eine sehr interes-
sanle Arbeit voll ergänzender Angaben und Berichtigungen
zu früheren Nachrichten Heineken’s und Anderer.
Ausführlich wird über die Lebensweise mancher Arten ge-
sprochen; so über Cypselus unicolor und Columba trocary. Als ganz
neue Art wird ausführlich beschrieben Regulus maderensis Hare.
Lebt ziemlich selten in den Urzedickichten und Lorbeereichenhainen.
Von 100 Arten, die als vorkommend aufgeführt werden, scheinen
nur etwa dreissig als permanent ansässig betrachtet werden zu müs-
sen. Unter den gelegentlich auf dem Zuge daselbst beobachteten
werden merkwürdig genug Porphyrio Alleni und Chizaerhis varie-
gata, beides bekanntlich westafrikanische Vögel, namhaft gemacht;
eine Angabe, die uns dringend weiterer Bestätigung bedürftig er-
scheint.
W. J. Bädeker: „Die Eier der europäischen Vögel
nach der Natur gemalt, mit einer Beschreibung des Nestbaus®,
von L. Brehm. Jede Lieferung giebt 8 Tafeln aus den
Hauptordnungen der Vögel. Der Text ist nur kurz gehalten.
Die Abbildungen sind vortreffich. Hoffentlich wird dieses
Werk eine Aufnahme finden, die zur Forlführung desselben
ermuthigt.
der Vögel während des Jahres 1855. 11
Asien.
Von Gould’s Prachtwerk: „The Birds of Asia“ liegt
der 7te Theil dem Berichte vor.
Derselbe enthält auf 17 Tafeln die meist reich gruppirten
und mit landschaftlichem Beiwerke geschmackvoll ausgestatteten Ab-
bildungen ven Merops viridis, Merops philippinus, Hydrophasianus
sinensis, Accentor nipalensis, A. immaculatus Hodgs. (mollis Bl.), A.
rubeculoides Moore von Nepal; Accentor strophiatus H. mit Andro-
sace sarmentosa; Lerwa nivicola H, schöne Gruppe; Tragopan me-
lanocephalus Gr. in Lebensgrösse ; Suja lepida Bl. von Dr. Gould
aus Sindh eingesandt; Psaltria exilis; Psaltria erythrocephala (Vig.)
auf Andromeda ovalifolia; Psaltria concinna G. n. sp. aus Chusan ;
Psaltria leucogenys, Moore aus Afganistan; Acanthiparus niveogularis
G. n. sp. auf Cornus capitata Wall.; Acanthiparus ionschistos Hodgs.
auf Roydsia suaveolens Roxb. ; Mecistura glaucogularis G. aus China.
Dritte Art der Gattung. M. trivirgata lebt in Japan. — Das Werk
schreitet äusserst langsam vorwärts.
Dr. H. Gould, der talentvolle Sohn des berühmten
Vaters, ging als Naturforscher nach Seinde und die Procee-
dings of Ihe Zool. Society haben einige von dorther an die-
sen gerichtete Briefe mit ornithologischen Notizen. R
Erlegt wurden Cuya lepida, Cypselus affınis, Certhilauda du-
mentorum, Miraflra chendola, Calandrella brachydactyla, Saxicola atro-
gularis und picata, Malacocercus caudatus, Ploceus mangar, Actitis
bypoleueca, Sterna sp. der minuta verwandt,
A. R. Wallace: „On the Ornithology of Malacca.“
Ann. and Magaz. p. 05. Nur kurz, aber sehr hübsch und
offenbar mit Beobachtungstalent und Sachkenntniss geschrie-
ben. Die Vögelfauna Malacca’s ist eine sehr reiche. Sieben
Wochen hindurch wurde von Wallace und seinen Jagd-
genossen gesammelt, und die Ausbeute scheint die Entbeh-
rungen und Anstrengungen der ‚Reisenden im vollsten Maasse
gelohnt zu haben. Die grosse Geschicklichkeil der Malayen im
Abbalgen kaın ihnen sehr zu Hülfe.
Werthvolle wenngleich nur kurze Angaben über die Lebens-
weise mancher Arten, über die Färbung gewisser Weichtheile. Ge-
priesen wird der Gesang von Copsychus mindanensis, Die Mega-
laema Arten leben tukanarlig. Aus den (Gruppen der Ixodinen und
Timaliinen wurden an 40 Arten gesammelt. Pittae kommen nur selten
zur Beobachtung. Der Argusphasan wird fast ausschliesslich in Schlin-
gen gefangen; ihn zu schiessen hält schr schwer u, s. w.
12 Hartlaub: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschi chte
Lieutenant Burgess „Notes on the habits of Indian
Birds“ wurden der Zoological Sociely vom 10ten Januar 1854
vorgelegt: Ann. and Mag. of N. H. XV. p.375. Hier der
Anfang einer durchaus auf selbständige Wahrnehmungen ge-
gründelen sehr werthvollen Arbeit über die Lebensweise zahl-
reicher indischer Vögel, und zwar ganz speciel! über die Fort-
pflanzung derselben. Burgess beschreibt ausführlich das
Nest und die Eier der von ihm beobachteten Arten, und da
die Zahl derselben, wie schon bemerkt, sehr gross ist, so
darf man diesen Beitrag zumal auch von Seiten der Oologie
als besonders wichlig mit Freude begrüssen.
„List of Malayan Birds“ collected by Dr. Th. Cantor,
with descriptions of Ihe imperfeclly known species by Fr.
Moore: Proceed. Zool. Soc. 1854. p. 258. Gute ausführ-
liche Arbeit mit werthvollen biographischen Notizen über ein-
zelne Arten.
B. H. Hodgson: „On the physical geography of the
Himalaja“ aus dem Journ. of the As. Soc. of Bengal in den
Proc. Zool. Soc. of Lond. 1855. p. 124. Enthält, wie von
Hodgson nicht anders zu erwarten stand, auch manches
Ornithologische.
Hodgson nimmt für die Thierwelt des Himalaja drei Haupt-
regionen an und zwar: 1) die unteren Ebenen bis zu der Höhe von
4000. über dem Meere; 2) die Centralregion , von 4000. bis 10000-
Erhebung reichend; und 3) die obere Region zwischen 10000. und
16000. Höhe über dem Meere. Jede dieser drei Regionen wird mehr
oder weniger ausschliesslich von ihren eigenthümlichen Gattungen
und Arten bewohnt. Die Stelz- und Schwimmyögel wandern im
April und October zwischen den Ebenen Indiens und dem Hochlande
Thibet und sind selten im Gebirge aber gemein im Tarai. Die euro-
päischen Typen finden sich, z. B. die Rapaces, namentlich in der
centralen oberen Region, die echt indischen fast ausschliesslich in der
unteren. Hier ist auch, wo die schöngefärbten Arten aus der Familie
der Honigsauger angetroffen werden.
G. Radde: „Thierleben am faulen Meere“ (Siwasch):
Bullet. Soc. Imp. Natur. de Mosc. 1855. p. 150. Nach vor-
ausgegangener allgemein-physiealischer Schilderung der sehr
eigenthümlichen Gegend am faulen Meere beschreibt Radde
in ungewöhnlich anziehender Weise das Thierleben daselbst.
In gewissen Perioden des Jahres ist die massenhafte Anhäufung
der Vögel während des Jahres 1855. 13
von Sumpf- und Schwimmvögeln wahrhaft ungeheuer. Millionen von
Charadrien und Banallen erscheinen um die Zeit der herbstlichen Wan-
derung. Ausführlicher wird über Larus und Sterna gesprochen. Aus
ersterer Gattung kommen 9 Arten vor. Larus cachinnans ist immer
selten. L. columbinus Golaw. erklärt Radde mit Bestimmtheit für
gleichartig mit tenuirostris. Larus melanocephalus und minutus sind
im Frühlinge gemein. Viel über die Lebensweise dieser Arten. Von
Seeschwalben wurden 7 Arten beobachtet. Sterna caspia ist sehr
lokal und nur zu Zeiten gemein. St. macroura liebt die Nähe von
salzigem Wasser u. s. w. Nahrungsmangel und Kälte tödten am Si-
wasch viele Vögel, namentlich viele Enten. Anas boschas, penelope
und acuta unterliegen ziemlich oft. Gegen Ende des Winters und im
ersten Frühlinge erscheinen ungeheure Lerchenschaaren von calan-
dra und leucoptera.
G. Hartlaub: „Zur Ornithologie Indiens-* Cab. Journ.
IV. Eine Zusammenstellung der neuesten Arbeiten über die-
sen Gegenstand.
Afrı ka
Cabanis Journal für Ornithologie bringt: 1) „Sy-
stemalisches Verzeichniss der Vögel Afrika’s von Baron von
Müller;“ sehr dürflige und unvollständige Compilation; fast
nur Namen und ungenügende Angaben über die geographi-
sche Verbreitung. 2) L. Buvry: „Die Wirksamkeit der
neueren Reisenden in Nordoslafrika“ p. 61. Recht interes-
sant. Berichtet zuerst über Heuglin’s Sammlungen vom
oberen weissen Nil, so z. B. auch über Balaeniceps, über
Corylhaix leucolophus und verschiedene andere neue Arlen,
über den Zweck des Kehlsackes bei Olis larda und arabs u. s: w.
Aus der Naumannia wäre hier anzuführen : 1) 'A.
Brehm: „Beiträge zur Ornilhologie Nordoslalrika’s,* mit be-
sonderer Rücksicht auf die in Europa vorkommenden Arten
der Vögel (Raubvögel). 2) „Ornithologische Beobachtungen“
aus Dr. R. Vierthaler’s Tagebuch auf einer Reise durch
Aegypten, Nubien, Dongola und Sennaar u. s. w.
Ein Brief Bonaparte’s an Guerin in der „Revue et
Mag. de Zoologie“ bespricht die ersten Hefte des v. Mül-
ler’schen Werkes „Beiträge zur Ornilhologie Afrika’s.
Es wird nachgewiesen, dass beinahe sämmtliche als neu be-
schriebene Arten v. Müller’s bereits anderweitig bekannt gemacht
14 Hartlaub: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
seien. So sei Spizaetos zonurus — spilogaster Dub., Muscicapa lu=
gubris sei eine Melasoma - Art, Saxicola albicilla und atricollis seien
sehr wahrscheinlich nur xanthomelaena und morio Ehrenberg’s, Gyps
magnificus sei Rüppellii, Muscicapa pallida sei ein Sericolius , Cala-
moherpe macrorhyncha sei stentoria Ehrenb., Carpospiza longipennis
sei Petronia brachydactyla Hempr., Textor sublarvatus sei intermedius
Rüpp., Ploceus rufocitrinus sei badius Cass. und Ruticilla Bonapartei
sei marginella Bp. und mesoleuca Ehrenb. Bonaparte irrt aber,
wenn er Cypselus aequatorialis für gleichartig mit abyssinicus Streub.
erklärt. — v. Müller’s Werk, dem viel Verdienstliches nicht abzu-
sprechen, ist wie es scheint in’s Stocken gerathen. Schade!
A. Brehm: „Reiseskizzen in Nordostafrika.* 3 Bände.
Ein treffliches Werk voll anziehender Beiträge zu unserer
Kenntniss der Vögel jener Gegenden. Der dritte Band ist
besonders reich an lebensvollen Schilderungen aus dem Vo-
gelleben, deren eine das Wandern zum Gegenslande hat.
Allen Freunden der Ornilhologie eine gewiss willkommene
Gabe.
„Faune ornilhologique de l’Algerie“ par A. Malherbe
Metz 1855. 8. Broschüre von AU Seiten, nach den Samm-
lungen Ledoux’s und Anderer mit genügender Sachkennt-
niss bearbeitet.
Von nicht eigentlich europäischen Arten heben wir hervor
Aquila rapax, Falco punicus Levaill., Elanus melanopterus, häufig in
der Provinz Bona; F. ferox Gm. (cirtensis Levaill.); Caprimulgus isa-
bellinus Bona; Malurus numidicus Lev. Explor. Alg. pl.9. fig. 1.;
Hypolais pallida Gerbe; Ruticilla Moussieri, Crateropus Acaziae in
der Provinz Constantine; Garrulus cervicalis Bp. Expl. scienc. Alg.
pl. 6; Alauda clot-bey; Alauda dilopha Temm. Bona; Picus Vaillantii
und numidicus, Emberiza sahari Levaill. (gute Art, die ich in Paris
zu untersuchen Gelegenheit hatte), Exped. sc. Alg. Ois. pl. 9. fig. 2;
Fringilla spodiogenys, Parus Ledouci und caeruleanus, Pica maurita-
nica; Ozylophus algirus Malh. Oran; Turniz albigularis Malh. (?)
Oran;; Ibis calva Gm. Exped. sc. Alg. Ois. pl.9. fig. 2; Carbo Niep-
eii Malh.(?); Otis arabs. Die angeblich neuen Arten sind ausführlich
beschrieben.
Jules P. Verreaux: „Observalions sur les moeurs
des Oiseaux de l’Afrique meridionale et occidentale.“* Rev.
et Magas. de Zool. p. 174 etc. Bei dem Wenigen, was uns
von der Lebensweise afrikanischer und speciell weslafrikani-
scher Vögel bekannt ist, erscheinen diese von einem For-
der Vögel während des Jahres 1855. 15
scher wie Verreaux milgetheilten Beobachtungen von ganz
besonderem Werthe. Dieselben stammen zum Theil aus dem
reichen Schatze eigener Erfahrung, einer Erfahrung, wie sie
eben nur ein zur Hälfte in den Wildnissen dreier Welttheile
verlebtes fast ausschliesslich nalurwissenschaftlichen Studien
gewidmetes reiches Leben zu geben vermochle, zum Theil
aber aus den Mittheilungen geübter Reisenden, welche das
Haus Verreaux zu jeder Zeit an verschiedenen Punklen
unseres Erdball’s unterhält und durch deren Hülfe es ihm allein
möglich wird, die exquisilesien zoologischen Seltenheiten
aller Zonen in seinen Magazinen aulzuspeichern.
Verreaux berichtet über die Lebensweise von Elanus mela-
nopterus, Buceros fistulator, Zanclostomus flavirostris, Cuculus gabo-
nensis ( Fortpflanzung!), Centropus monachus, Dendrobates Lafre-
nayei, Halceyon dryas, Ispidina eyanotis, Corythornis cristatus, Merops
variegatus, bicolor und gularis, Ixos ashanteus, Lanius Smithi, Turdus
pelios etc.
John Cassin: „Descriplions of new birds from We-
stern Africa“ Proceed. Acad. Natur. Sc. of Philadelphia
1855. p. 524. Es werden hier 14 sehr interessanle neue
Arten zu unserer Kennlniss gebracht, welche der talentvolle
Reisende Belloni du Chaillu am Moondaflusse in Gabon
sammelte. Wie wir erfahren, ist derselbe augenblicklich auf
einer neuen wissenschaltlichen Reiseunternehmung begriffen.
Er beabsichtigt von Gabon aus das Quellgebiet des Congo
zu erreichen.
Amerika.
Ueber das Leben und den Haushalt der Vögel in den
Polargegenden bringt Petermann’s Bericht über die Bel-
cher’sche Expedilion zur Aufsuchung Franklin’s sehr in-
teressanle Aufschlüsse.
Wenn, wie längst bekannt, die Zahl der Arten innerhalb die.
ser hochnördlichen Breiten eine nur geringe ist, so war dagegen die
der Individuen an manchen Punkten eine wahrhaft ungeheure. Ge-
wisse Arten wurden überall angetroffen, so die Schneeammer und
Schneehühner, letztere oft in unglaublichen Massen. Man stiess auf
stark besetzte Brutcolonien verschiedener Larus-Arten. Auf den
Cheyne- islands nisteten Anas mollissima und eine Sterna, die ihre
Eier auf dem nackten Felsen von der Sonne ausbrüten liess, Auf
16 Hartlaub: Bericht über die Leistungen in der Nalurgeschichte
den nördlichsten von der Expedition erreichten Punkten, den Polynia-
Inseln, fand man noch zwei Vogelnester. Die Prinz - Patrickinsel
zeigte ein reiches thierisches Leben. Lestris parasilica wurde Lem-
minge jagend, noch unter den höchsten nördlichen Breiten angetrof-
fen. Ueber die Fauna des Wellingtoncanals liegt ein guter Bericht
des Schiflsarztes M’'Cormick vor. Es kamen zur Beobachtung Cor-
vus Corax (sehr selten), Lagopus, Plectrophanes nivalis, eine Frin-
gilla, Tringa maritima, Mergulus alle, Uria grylle, Colymbus septen-
trionalis, Sterna arctica, Larus eburneus, Glaucus argentatus, tridacty-
lus, Anas mollissima und spectabilis, Procellaria glacialis und pela-
gica, eine Ringelgans; auf der Melville-Insel noch ein Falke und
eine Eule.
Elisha J. Lewis: „The American sportsman etc.“,
with noles on the game -birds and wild fowl of America.
ed. 2. mit zahlreichen nicht schlechten Abbildungen. 504 S.
A. Gerhardt: „Ueber die Lebensweise der Vögel
Nordamerikas, welche im Staate Georgien vorkommen.“ Nauın.
p- 380. Wenngleich des Neuen nur sehr wenig enthaltend,
liest man diesen Beitrag eines geübten und enthusiaslischen
Nalurforschers doch mit Befriedigung.
Gloger fährt fort geist- und kenntnissreiche Mittheilun-
gen über Audubon’s Schriften zu machen. Caban, Journ.
P.L. Sclater: „Noles on Ihe 16 species of Texan birds
named by M. Giraud of New-York.* Proceed. Zool. Soc.
1855. März 27. Sehr verdienstlich.
Giraud’s Werk ist bei uns so gut wie gar nicht bekannt.
Nur ein Theil der von ihm als neu beschriebenen und abgebildeten
Arten scheint dies wirklich zu sein. Nicht zu deuten weiss Scla-
ter: Museicapa Lawrencii Gir. pl.2. fig.1, M. fulvifrons Gir. ib.
ig. 2, Sylvia Halseii G. ib. pl.3. fig. 1; die übrigen dreizehn sind
bekannt, aber der von Giraud gegebene Name hat in mehreren Fäl-
len die Priorität.
Von Cassin’s trelflichem Buche „The Birds of Cali-
fornia, Oregon, Texas elc.“ erschien die 8te bis I0te Lie-
ferung und damit für jetzt der Schluss des Werkes, welches
gerade einen slalllichen Band in Grossociav ausmacht. Wie
schon früher bemerkt, giebt es wenig Arbeilen aul dem Ge-
biete der Ornithologie, denen wir, nach unserem Geschmack
und bestem Wissen, so unbedingl und rückhaltslos Lob
spenden möchten, als gerade diesem Werke, Wir betrachten
der Vögel während des Jahres 1855. 17
dasselbe als eine der grössten Zierden unserer Bibliothek und
mögen uns nur ungern der Hoffnung enischlagen, dass kün/-
lig eine Fortsetzung desselben zu Stande kommen werde.
Dr. Gundlach: „Beiträge zur Ornilhologie 'Cuba’s“
nach Mittheilung des Bezirkdirector’s Selzekorn, von Dr.
J. Cabanis, Journ. für Ornilh. Jahrg. Il. Heft 6. Jedenfalls
eine der werthvollsten Arbeiten auf dem seit einigen Jah-
ren stark kultivirten Gebiete der weslindischen Ornilhologie.
Der Verfasser, seit einer Reihe von Jakren auf Cuba ansäs-
sig, hatte die glücklichste Gelegenheit tiefere Einsicht zu ge-
winnen in das Leben und den Haushalt der dort vorkommen-
den Vögel. Die Fortpflanzung derselben war Gegenstand
seiner speciellen Beobachtung und wir verdanken ihm dar-
über zahlreiche und zum grösseren Theile auch neue An-
gaben.
M. Charlton Henry: „Notes derived from observa-
tions made on the Birds of New-Mexico during the years
1854—55.* Proceed. Acad. Nat. Sc. of Philad. April 1855.
In dieser nicht unwichtigen Arbeit führt der Verfasser 170 von
ihm beobachtete Vögel auf, unter ihnen natürlich manche seltnere und in
ihrer Lebensweise noch unvollständiger bekannte: Caprimulgus Nuttalli,
Hirundo thalassina und fulva, Muscicapa nigricans, Pyrocephalus rubi-
neus, Ptilogonys Townsendii und nitens, Toxostoma rediviva, Parus
Wollweberi, minimus; Sialia arctica und occidentalis, Plectrophanes
M’Cownii, Niphaea oregona, Corydallina bicolor, Gymnokitta cyano-
cephala, Nucifraga columbiana, Picus tlıyreoideus, Lophortyx Massena
und Gambelli, Tetrao obscurus, Anas Rafllesii etc. Der Schauplatz
dieser Beobachtungen liegt südlich und nordwestlich von der Tor-
nada del muerto, ferner am Rio de los mimbres,
Sir William Jardine setzt seine „Contributions to
Ornithology“ fort und zwar im Edinb. new philosoph. Jour-
nal Vol. l. p. 118. Er berichtet über eine kleine von Prof.
Jameson auf der öslichen Cordillere Ecuador’s zusammen-
gebrachte Sendung und heilt dessen an botanischen und or-
nilhologischen Beobachlungen reiche Correspondenz mit.
Die Lokalität ist eine sehr interessante und wird ohne Zweifel
noch manches Neue liefern. Gesammelt wurden: Buteo erythrono-
tos, Trogon personatus, Tr. paponinus, Rupicola peruviana, Tanagra
notabilis, Saltator arremonops und einige andere.
P. L. Sclater: „List of a collection of Birds from the
province of Quiyos in Ecuador.“ Proceed. Zool. Soc. Mai
Archiv f. Naturgesch. XXI, Jahrg. 2. Bd. B
1S Hartlaub: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
1854 und Ann. and Mag: p. 279. Eine jener gewissenhaf-
ten Arbeiten Selater’s, die seine ausgezeichnete und un-
gewöhnliche Kenntniss der Vögel Südamerika’s in glänzender
Weise bekunden.
Unter 69 von ihm namhaft gemachten Arten sind mehrere neu,
verschiedene nordamerikanisch, ‚als z. B. Setophaga ruticilla, $. ca-
nadensis, Sylvicola Blackburniae, noch andere ausschliesslich central-
amerikanisch, als z. B. Euchlornis Sclateri, Pipra Isidori u. s. w.
Ecuador besitzt die farbenprächtigsten unter den Vögeln Südamerika’s.
P. L. Sclater veröffentlichte ferner ein meisterliches
Verzeichniss der. bis jelzt um St. Fe de Bogola, auf ziem-
lich beschränktem Gebiete, gesammelten Vögel. Er kennt
deren 435 und konnte sie fast ohne Ausnahme selbst unter-
suchen: 16 Accipilres, 365 Passeres, 37 Scansores, 5 Colum-
bae, 5 Gallinae, 4 Grallae, 3 Anseres.
H. Burmeister: „Systematische Uebersicht der Thiere
Brasiliens u. s. w.“< Zweiter Theil: Vögel. (Erste Hälfte).
Wenn dem gewissenhaften Fleisse und der deutschen Gründ-
lichkeit, womit dieses Werk gearbeitet‘, eine entsprechende
ornithölogische Specialkenntniss zur Seile gestanden hätte,
so würde das den Werth desselben um ein bedeutendes er-
höht haben. Hier liegt aber die schwache Seite der Arbeit.
Der Verfasser kennt so ‚manches nicht von dem, was neuer-
lich über die Vögel Südamerika’s geschrieben; seine Unbe-
kanntschaft 'mit den trefflichen monographischen Arbeiten
Scelater's ist z.B. sehr zu beklagen, denn sie ist die Quelle
verschiedener Irrihümer geworden. Diese mangelhafte Kennt-
niss der nicht deutschen ornilhologischen Litteratur macht
‘es auch vollkommen erklärlich, dass B. die Vögelfauna an-
derer tropischer Länder Südamerika’s, z.B. Columbiens, Peru’s,
Bolivien’s und Centralamerika’s nur in ungenügender Weise
für seine Arbeiten verwerthen konnte. Bei alle dem bleibt
‘der wissenschaftliche Nutzen des Buches ein sehr erheblicher.
Burmeister beschreibt die ihm bekannten Vögel Brasiliens
gut und ausführlich und sein erfolgreiches Bestreben, die
'Gallungen scharf zu charakterisiren, verdient um so höhere
Anerkennung , als ‚gerade hier einer der wundesten Punkte
der ‚ganzen modernen Ornithologie vorliegt. Bonaparte
hat nicht 'eine einzige der zahllosen von ihm creirten ‚Gat-
der Vögel während der Jahres 1855. 19
tungen genügend charakterisirt. Mit ‚besonderem Interesse
haben wir die Einleilung gelesen. . Auch der anatomische
Theil ist sehr werthvoll.
Dr. R. A. Philippi: „Ueber einige Vögel Chile’s.“
Archiv für Nalurgesch. Jahrg. 21. p. 9. Ueber den ornitho-
logischen Theil von Claudio Gay’s grossem Werke wird
sehr ungünslig geurtheilt. Von hohem Interesse ist die Schil-
derung einer Exeursion, welche Philippi nach der Anden-
hochwüsle Alacama unternahm und deren Mühseligkeiten durch
die Entdeckung einer neuen dreizehigen Phoenicopterus-Art
reichlich belohnt wurden. Chile ist dasjenige Land Südame-
rika’s, dessen Vögel am besten bekannt sind.
„Vorläufige Bemerkungen über die Ornis der Provinz
Valdivia in Chile* von Dr.E. v. Boeck. Naum. Viert. Quar-
tal. Recht interessante und ausführliche Arbeit, aber leider
verunstaltet durch zahllose Schnitzer in den terminis techni-
cis. — Auf wessen Rechnung kommen diese Schnitzer ? Lei-
der scheint Dr. Boeck, der Director des Lyceums in Val-
divia ist, von litterarischen Hülfsmilteln nurClaudio Gay’s
sehr in Misscredit gekommenes Werk zu kennen.
Australien.
Von Gould’s Prachtwerk „The Birds of Australia® er-
schien der zweite Supplementband.
Er enthält die Abbildungen von Sceloglaux albifacies Gr., Stri-
gops habroptilus, Platycercus cyanogenys, Malurus amabilis G., Cinclo-
soma castaneothorax G., Merula vinitincta G. von Lord Howe’s Island;
Podargus papuensis Q. G., P. marmoratus G., Carpophaga assimilis,
Manucodia Keraudrenii, Zosterops strenuus und tephropleurus, beide
von Lord Howe’s Island; Eiopsaltria capito, Pomatorhinus ruficeps
Hartl., Ptilotis fasciogularis G., Acanthiza magna G. von Van Diemens-
Land; Tropidorhynchus buceroides Sw., von Nordaustralien.
J. Gould: „Ueber einige Arten von Vögeln, welche
von Macgillivray «B. M. ship Herald) von Lord Howe’s
Island, Isle of Pines und Tristan d’Acunha eingesandt wur-
den. Da die Ornithologie der hier berührten Lokaliläten völ-
lig unbekannt war, so ist diese erste Mittheilung darüber
von nicht geringem Interesse. _ Sämmtliche von Macgilli-
vray gesammelte Arten sind neu.
20 Hartlaub: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Ch. L. Bonaparte: „Note sur les oiseaux des iles
Marquises.* Compt. rend. Ac.Se. tome 41. Nach den Samm-
lungen des Reisenden Edelestan Jardin erhalten wir
hier die erste vollständigere Liste von Vögeln der Marquesas.
Der bei weitem merkwürdigste unter diesen ist die sehr grosse
und höchst merkwürdige neue Taube, welche Bonaparte unter
dem Namen Serresius galeatus in die Wissenschaft einführt. Sodann
werden verzeichnet: Coryphilus dryas, Eudynamis tahitensis, Pomarea
nigra, Tatare otahitiensis, Collocalia fuciphaga, Ptilinopus leucoce-
phalus, Herodias sacra, Charadrius longipes, Totanus oceanicus, Sula
piscator, Phaeton candidus, Anous stolidus, Sterna fuliginosa, Gygis
candida, Daption capensis, Diomedea exulans, D. fuliginosa und Fre-
gata tropica.
ER. Acecipitres.
Die Naumannia enthält: 1) T. Behrens „über Pernis apivo-
rus,* einer um Coburg sehr häufig vorkommenden Art. 2) Ueber
Aquila minuta und pennata, von C. L. Brehm; natürlich zwei Arten.
3) Ueber Agquila pennata, von Graf C. Wodzicki, der nur eine Art
anzunehmen geneigt ist. &) Ueber die hochnordischen Edelfalken,
von Dr. N. Kjärbölling; also über F. groenlandicus, islandicus und
gyrfalco, der nach K. eine kleine ‚östliche nie ganz weisswerdende
Lokalrasse darstellt. 5) Wodzicki: über die Eier von Aquila pen-
nala p. 327.
Cabanis Journal für Ornithologie: 1) „Bemerkenswerthes in
Bezug auf die Färbung der Raubvögeleier,“ von Pastor W, Päss-
ler. Werth und diagnostische Bedeutung; der Flecken u. s. w. Schr
instructiv. 2) „Bemerkungen über einige Falkenarten,“« von A.
Fritsch p.266. (lanarius, peregrinoides, Eleonorae, concolor.)
Der südafrikanische „Tachard * Levaillant’s (Buteo tachardus
Vieill.) wurde bei Sarepta erlegt. Cab. Jouru, p. 94.
Ebendaher sandte Moeschler B. rufinus R. (leucurus) mit
gebändertem Schwanze.
J. Cassın; „Notes on North-American Falconidae, with
descriplions of newspecies.. Proc. Acad.N.Se. Philad. 1855.
p- 278.
Diese vortreffliche und gründliche Arbeit behandelt folgende
Arten: 1) Falco nigriceps Cass. 2) F. polyagrus Cass. 3) Hypotrior-
chis femoralis (in Neumexico von Dr. Heermann beobachtet). 4)
Tinnunculus sparverius, 5) Hierofalco candicans, 6) H. islandicus , 7)
Astur atricapillus, 8) Accipiter Cooperi, 9) A. mezicanus, 10) A. fus-
cus, 11) Buteo borealis, 12) B. Bairdii Cass., 13) B. Swainsonü Bp.,
14) B. calurus Cass., 15) B. elegans Cass., 16) B. oxypterus Cass.,
der Vögel während des Jahres 1855. 21
17) Aquila chrysaetos, 18) Archibuleo lagopus, 10) A. ferrugineus, 20)
Polyborus tharus und 21) Morphnus unieinctus von Texas. Die geo-
graphische Verbreitung der einzelnen Arten ist besonders berück-
sichtigt.
Pernis mudagascariensis Sm. ist nach Bonaparte ein jünge-
rer Vogel von Avicida cuculoides.
Neue Arten: Buteo calurus Cass. ganz schwarz mit braunrothem
Schwanze; Neumexico.— B. elegans Cass. Californien, Neumexico. —
B. ozypterus Cass. Neumexico. — B. erimius Brehm. Naum, p.4. Ros-
seeres (dem rufinus zunächst). — B. anceps Br. ib. p.6 dem commu-
nis verwandt. Blauer Fluss. — Aquila raptor Br. ib. p. 12. Blauer
Fluss. — Agwila Wiedii Br. ib. p.21. Soll Bonelli zunächst kom-
men. Ueber den Werth oder Unwerth dieser neuen Brehm’schen
Arten gelrauen wir uns ohne eigene Untersuchung kein Urtheil zu.
Es werden |. c. von Alfred Brehm noch andere Raubvögel seiner
“ Reise ausführlich und instructiv behandelt. Aguila albicans Rüpp. hält A.
Brehm für eine gute Art. — Asturina Pucherani Verr. Rev. et Mag.
p- 350. Südamerika. — Gymnogenys Malzakii Verr. Nubien ib. p. 348.
pl. 13. — Nisus Toussenelli Verr. Gabon. Cab. Journ. p.101.
Abbild. “Archibuteo ferrugineus Licht. Cass. Illustr. pl. 26 4
und jun. av. mit biographischen Notizen von Dr. Heermann und
Dr. Kern. Nest und Eier vom Consumnesilusse. — Buteo Bairdıi Cass
ib. pl.41. — Ei von Otogyps: Proceed. Zool. Soc. Walter Ann.
p- 78.
H. Calvinand W.Brodrick: „Falcoury in the British
Isles. ı Vol. 8. ınit vielen Abbildungen. 21 Sh.
Strizidae. Cassin’s schon erwähnte kritische Arbeit über
die Raubvögel Nordamerika’s behandelt folgende Eulenarten: 1) Sırar
pralincola Bp. 2) Bubo virginianus mit den Varietäten oder Lokalras-
sen pacificus, arliczs (subarcticus Hoy.) und magellanicus. 53) Scops
asio. 4) Se. M’Callii Cass. n. sp. Westtexas und nördl. Mexiko. 5)
Otus Wılsonianus Less. 6) O. brachyolus. 7) Syrnium cinereum. 8)
S. nebulosum. 9) Nyctale Richardsonüü Bp. 10) N. acadica. 11) N.
albifrons Sh. (= Strix frontalis Licht... 12) Athene hypogaea Bp.
13) Glaueidium infuscatum Temm. (gnoma Wagl.) Oregon, Californien.
14) Nyctea nirea.
Nyetale Harrisii Cass. ist auch noch = Nyetalatinus albipuncta-
tus Kaup. (= Ciccaba gisella Bp.)
Neue Arten; Phalaenopsis Jardinei Bp. Compt. rend. Octob. 55.
p- 6. Quito. Guatemala. — Spiloglauz theomacha Bp. ib. p.6. Neu-
guinea. — Ninor philippensis Bp. ib. p. 7. — Nyctaetos poensis Fraser
Fernando Po. Gute Art.
Abbild. Sceloglauz albifacies Gould. Suppl. Birds of Austral,
I. pl.1.
22 Hartlaub: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Ich halte im Widerspruche mitBonaparte (Compt. rend. 1. c.)
Lichtenstein’s Str. licua für specifisch verschieden von der perlata
Ost- und Westafrika’s.
BE. Passeres.
Caprimulgidae. Eine Uebersicht der „nordamerikanischen
Ziegenmelker“ giebt Cassin: Illustr. part. 9. Auch Chordeiles sapiti
wurde in Texas und Neumexiko gefunden. Eine neue Art ist: Chord.
Henryi Cass. 1. c. von Neumexiko, 10‘ lang.
Abbild. Podargus papuensis und Pod. marmoratus in Gould Birds
of Austr. suppl. II. pl. 7, S.
Cypselidae. Ausführlich und kritisch schreibt über Collo-
calia nidifica Gr. und C. linchi (Horsf.) Fr. Moore im Catal. East
India House p. 98. — Ebendaselbst über Cypselus affinis J. E. Gray
und C. batassiensis J. E. Gray. Letztere Art nistet in den Blüthen-
kolben von Borassus flabelliformis.
Sehr instruetiv schrieb noch über die „Nester der Salanganen“
Bonaparte Compt. rend. Ac. Sc. Dec. 3. 1855. Er unterscheidet:
1) ©. eseulenta sehr selten, Timor, Amboina. Oceanien. 2) troglody-
tes Gr. Philippinen, Malacca. 3) linchi Nicobaren und 4) fuciphaga Java,
Sumatra, Indien.
Neue Art: Cypselus Galileyensis Autin. Naum. p. 317. Eine völ-
lig neue dem Martinet ä croupion blanc Levaillant's entfernt ver-
wandte Art.
Mirundimidae. Ueber die nordamerikanischen Schwalben
und Segler vergleiche man Cassin |. c.
Neu ist: Delichon nipalensis Hodgs. Moore Proc. Zool. Soc. 54.
p- 384. pl.63. Ann. andMag. N. H. p. 225. Congenerisch mit Tem-
mink’s Hirundo dasypus von Borneo.
Todidae. Momolus castaneiceps Gould Ann. p. 373 von Gua-
temala.
Alcedinidae. Wichtig sind „Bemerkungen über das Arran-
gement der Jacamar’s von Phil. L. Sclater: Proceed. Zool. Soc.
Jan. 9. 1855. Als neu werden beschrieben: Galbula fuscivapilla Sel.
pl. 77. Neugranada. — Urogalba amazonum Sclat. ib. Peru. — Bra-
chygalba melanosterna Sclat. ib. p.15. Goyaz in Brasilien. — Galbula
chaliothoraz Sclat. Ann. p. 280. Quijos. Es folgt sodann eine Galbu-
lidarum tabula geographica. Es vertheilen sich die 20 bekannten
Arten in 11 Galbula, 2 Urogalba, 2 Brachygalba, 2 Jacamaraleyon, 2
Jacamerops und 1 Gabaleyrbynchus (noch immer ungemein selten).
Bucconidae. Cassin’s Barbalula Duchalluy vom Moonda-
flusse in Gabon ist = formosa Verr. und B. fuliginosa Cass. ebenda-
her = Gymnobucco Bonaparlei Verr. Näheres darüber in meinem
der Vögel während des Jahres 1855. 23
demnächst erscheinenden „System der Ornithologie Westafrika’s. Tri-
cholaema flavipunctatum J. Verr. ist av. jun. von Pogonias hirsulus Sw.
Zu den interessantesten ornithologischen Entdeckungen der neue-
sten Zeit gehört ein von Prof. Jameson aus Quito eingesandter
gleichsam zwischen den Rhamphastiden und Capitoninen inmitten ste-
hender Vogel: Tetragonops rhamphastinus Sclat. Die Färbung erin-
nert stark an Pteroglossus. Beschreibung.und (leider) nicht colorirte
Abbildung in Edinb. new Philos. Journ. Vol. 1.
P. L.Sclater: „Ueber neue Bucconiden,* Ann. p. 292. (Zool.
Soc. Dee. 13). Daselbst beschrieben: Bucco radiatus; B. striatipeclus;
Dlalacoptila fulvogularis; M. substriata Scl. Neugranada. — Mal. ad-
spersa Scl. Venezuela.
Tenuirostres.
Nectariniadae. Dicaeum Rushiae Cass. vom Moondall. in
Gabon: Proceed. Acad. N. Sc. of Philad. p. 321. Diese neue Form
ist Typus meiner Gattung Pholidornis.
Eine neue Art ist: Conirostrum ferrugineiventre Selat. Bolivien.
Proceed. Zool. Soc. 1855. p. 74. pl. 5.
Trochilidae. Gould: „über die Nester der Colibri’s.*
Ann. and Mag. p. 157. Dieselben sind verschieden nach den Grup-
pen dieser artenreichen Familie. Burmeister’s hübscher Aufsatz
darüber ist Gould nicht bekannt. — Desselben grosses Prachtwerk
über die Trochiliden nimmt seinen guten Fortgang. Wir kennen jetzt
10 Theile.
Reichenbach lieferte als Fortsetzung seines verdienstlichen
Handb. der Ornithelogie eine Anzahl Tafeln mit ganz guten Abbild.
der Trochiliden und eine zweite verbesserte und vermehrte Auflage sei-
ner „Trochilinarum enumeratio ex alfinitate naturali reeiproca primum
ducta provisoria.“
Neue Arten sind Spathura eissiura G. Ann. and Nag. p. 318.
Peru. — Calothoraz micrurus G. ib. p. 319. Peru. 23%“ lang. — He-
liothriz purpureiceps G. Proc. 87. Popajan. — H. phaenoleuca G. ib.
Rio Napo, — Threnetes cervinicauda G. Ann. p. 278. Ecuador.
Meliphagidae. Das Ei von Prosthemadera beschrieb Wal-
ter Ann. p. 73,
Cassin will drei Mohna-Arten unterscheiden, nämlich: 1) M.
nobilis Merr. 2) M. braccata Cass. Reichb. fig. 4099 von den Sand-
wichsinseln und 3) M. angustipluma Peale von Hawai. Letztere Art
zeigı nach Cassin keine Verwandtschaft zu Lesson’s Strigiceps
leucopogon.
Abbild. Ptilotis fasciogularis Gould Birds of Austral. Suppl. Il,
pl. 11. Mangrove - Island. — Tropidorhynchus ' buceroides Swains.
ib. pl. 17. ]
24 Hartlaub: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Certhidae. Neu scheinen zu sein: Cynallazis erythrothorax
Sclat. Proceed. Zool. Soc. p. 75. pl. 866. Coban und Honduras. —
Dendrocolaptes Eytoni Sel. Ann. p. 224. Para. — Campylorhkynchus
hypostictus Gould Proceed. p. 68 vom Utajala. — Rhamphocaenus ci-
nereiventris Selat. Proc. p. 76. pl. 87. Pasto, — Cyphorinus albigularis
Sclat. ib. pl. 83. Panama.
Nach Sclater ist Eylon's Dendrezetastes capituides gleichartig
mit Dendrocolaptes Temminkii Lafren. Cajenne?
Einen hübschen Beitrag zur Naturgeschichte von Tichodroma
phoenicoplera liefert Baron König-Warthausen: Cab. Journ. p.43.
Nest und Eier beschrieben. In Würtemberg kömmt dieser Vogel nicht
eben selten vor.
C. J. Sundevall: über Certhia Costae, Cab. Journ. III. p. 60.
Ist nur Nominalart und kömmt in Schweden immer solcher Gestalt
vor. Dagegen möchte Sundevall die C. brachydactyla für eine
wirkliche Art halten,
Dentirostres.
Luscimiadae. Ausführliches über die Lebensweise von
Copsychus saularis und Kittacincla macroura findet man Horsf. Catal.
Birds East Ind. House p. 275 u. s. w,
Ueber die bis jetzt bekannten Accentor- Arten schreibt Fred.
Moore Proceed. Zool. Soc. Mai 1854. (Ann. p. 285.) Er kennt 1)
alpinus, 2) nipalensis Hodgs., 3) variegatus Bl., 4) modularis, 5) ru-
bidus Schleg., 6) montanellus P., 7) rubeculoides Hodgs. n. sp.,
8) stropiatus Hodgs., 9) immaculatus Hodgs. (mollis Bl.), 10) Hut-
toni Moore n. sp., 11) altaicus Br. und 12) atrogularis Br.
Cyanecula suecica, orienlalis, dichrosterna und Wolfi von B.
Altum: Naum. Zweites Quartal. Alles nur eine Art. Auch Wod-
zicki schreibt darüber und ist derselben Meinung. Cab. Journ.
Neu scheinen zu sein: Horeites major Hodgs. Moore Catal. East
India House p. 323. — Abrornis albogularis Hodgs. Moore ib. p. 340.
— 4. poliogenys Bl. und A. affınis Hodgs. (Ann. p.227). —A. Hodg-
soni Moore ib. p. 412. Nepal. — Oriles leucogenys Moore ib. p. 374.
Alganistan. — Suthora poliotis Bl. ib. p. 379. — Melanoparus funereus
Verr. Cab. Journ. p. 104. Gabon. — Aegilhalus flavifrons Cass. Proc.
Ac. Philad. p. 325. Gabon. — Orites glaucogularis Gould Ann. p. 367.
Himalaja. — ©. niveojularis Gould ib. 369. Nordwestindien. — Syn-
copta tincta Cass. 1. c. Gabon und St. Paulsriver. — Drymoeca Bairdii
Cass. l. c. Gabon. — Rutieilla erythroprocia Gould. Proceed. p. 78.
Erzeroun. — Malurus amabilis Gould Birds of Austr. Suppl. II. pl.4.
— Acanthiza 'magna G. ib. pl. 13. Tosmanien, — Zosterops strenuus
Gould ib. p. 11 und Proc. Zool. Soc. 1555. p..166. Lord llowe’s Island,
— Z. tephropleurus Gould ib. pl. 12. Ebendaher.
der Vögel während des Jahres 1855. 25
Abbild. Sylvia rubricapilla Landb. 4‘. Naum. 1854. Viertes
Quartal.
Turdidae. Neu sind: Cinclosoma castaneolhorar G. Birds of
Austr. Suppl. II. pl.5.— Merula vinitincta Gould Proceed. 55. p. 161.
Lord Howe’s Insel. — Nesocichla eremita Gould Tristan d’Acunha.
ibid. , Steht unserer Schwarzamsel nahe. Beide von Macgillivray ent-
deckt. — Asiatisch: Brachypteryz nipalensis Hodgs. Moore Cat. East
Ind. House p. 397. — Pnoepyga longicaudata Moore ib. p. 398. Afga-
nistan. — Hicrotarsus olivaceus M. ib. 249. Malacca. — M. Cantori
M. p.409. — Criniger ochraceus M. ib. 212. Tenasserim. — C. Can-
tori M. Malacca. — Hypsipetes nicobariensis Moore ib. 217. (= Ixo-
eincla virescens Bl.). — Alcippe Cantori NM. p. 406. Penang. — A.
magnirosiris M. ib. 407. Malacca. — I’yctornis longirostris Hodgs. Moore
ib. 408. Nepal. — Izulus castaneicers M. ib. p. 411. Afganistan.
Ueber Pitlta avensis J. E. Gray vergl. Horsf. Cat. p.398.
Africanisch: Oriolus nigripennis Verr. Cab. Journ. p. 107. Ga-
bon. — Criniger leucurus Cass. Proc. Ac. Phil. p. 328 ist C. indicator
Verr. Cab. Journ. p.105. Gabon, St. Paulsflluss. — C, serinus Verr.
l. e. p. 101 ist zanthogaster Cass. 1. c. p.327. Gabon. — Phyllastre-
phus leucopleurus Cass. 1. c. p. 328. Gabon.
Amerikanisch: Planestieus caesius Bp. Compt. rend. Panama. —
Malacocichla dryas Gould Proceed. Zool. Soc. pl.75. Guatemala, —
Heteroenenys marginata Sclat. Proc. 54. p. 145. St. Fe de Bogota. —
Chamoeza nobilis G. Proceed. p.68. — Formicivara nigrifrons G. Cha-
mieuros. ]. c. — F. erythroptera G. Demerara. — Schistochlamys spe-
euligera G, ib. Ucayale. — Thamnophilus corvinus G. Ucayale. — Th.
melanurus G. ib. Ucayale. — Th. hyperythrus G. Chamicuros. — Gral-
laria hypoleuca Sel. Proc. p. 58. pl. 97. Bogota. — Gr. modesta Scl.
ib. pl. 94. Bogota. — Chamaeza molissima Scl. ib. pl. 95. Bogota. —
Formicirora callinota Scl. ib. pl.96. Bogota.— Dasyihamnus semicine-
reus Sel. p.90. pl. 97. Bogota. — Pyriglena tyrannica G. ib. pl. 98.
Bogota. — P. ellisiana Sel. pl. 100. pl. 109. — P. quirensis Cornal.
Syn. p-12. Quijos. — P. rufiventer Sel. ib. p. 12. (Ann. p. 252.)
Abbild. Harpes redivivus Gamb. in Cass. Illustr. pl. 42.
„Veber das Vorkommen und Nisten der Steindrossel am nörd-
lichen Harz“ schrieb sehr hübsch Dr. Henneeke in Goslar: Naum,
1854. Viert. Quartal.
Ueber das Vorkommen von Calamoherpe locustella im Altenbur-
gischen: Fr. Sehach. Naum. |. c.
„Ueber die europäischen Röthlinge“ von Leon Olph-Gail-
lard: Naum, p. 39.
Muscicapidae. P.L. Sclater: „über die Gattung Culici-
vora Sw.“ Proceed. Zool. Soc. Jan. 9. 1855. Culicivora soll für ste-
nura bleiben; für Polioptila Scl. bleiben die Arten caerulea (mexi-
26 Hartlaub: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
cana Bp.), dumicola V. — boliviana Sel.; leucogastra Wied und bi-
lineata Licht. von Carthagena.
P. L. Selater: „über Todirostrum.“ Proceed. Zool. Soc. p. 67.
Todirosirum spiciferum erhielt Gould von Chamicuros.
P. L. Scelater: „A draft Arrangement of the genus Thamno-
philus.* Edinb. New Philos. Journ. Apr. 1855. Er kennt 39 Arten,
welche sämmtlich kurz beschrieben werden. Synonymie.
Neue Arten. Afrikanisch : Artomyias fuliginosa J. Verr. Gabon.
Sehr interessante neue Form, der indischen Gattung Hemichelidon
verwandt. — Megabias flammulatus J. Verr. Rev. etMag.p. 148. Gabon.
— Platystira minima J. Verr. ib. p. 219. Gabon. — Butalis infuscatus
Cass. Proceed. Ac. Philad. p. 226. — B. epulatus Cass. Gabon. —
Pyenosphrys M’Callii Cass. ib. Gabon. — Muscipeta fulviventris J. Verr.
Cab. Journ. p. 103. Gabon.
Asiatisch: Muscipeta cyaniceps Cass. Proc. Ac. Philad. p. 438.
Philippinen.
Amerikanisch: Thamnophilus ventralis Scel. Südbrasilien }. c. —
Th. corvinus Gould. Ueayale. — Th. transandeanus Sel. Proceed. Zool.
Soc. pl.29, 82. Guayaquil. — Th. leucauchen Scl. Chamicuros. ibid.
pl. 79. — Th. aibinuchalis Sel. Guajaquil. ib. — Th. melanonotus Sel.
ib. pl. 80. St. Martha. — Th. nigrocinereus Scl. ib. pl. 80. Para. —
Tyrannula phoenieura Sel. Ann. p. 252. Quijos. — Todirostrum graci-
lipes Sel. St. Fe de Bogota. Proceed. Z. 5. p. 149. — T. rufilatum
Martl. Cab. Journ. p. 98. Brasilien. — T. nigriceps Sel. Proc. Z. S.
‚pl. 84. fig. 1. St. Martha. — Muscisaxicola flavinucha Lafr. Rev. p. 19.
pl. 3. Chili. — M. albilora Lafr. ib. — M. albimentum Lafr. ib. Die
Gattung zählt jetzt 10 Arten.
Abbild. Culicivora mericana Bp. in Cass. Hlustr. pl. 27. West-
texas. — Cardellina rubra Sw. ib, pl.43. — Thamnophilus caesius
in Proc. Zool. Soc. pl. 82.
Taenioplera striaticollis Sel. ist gleichartig mit Tyrannus rufiren-
tris d’Orb.
Ampelidae. Neue Arten: Leiothrie cinerea Bl. Moore Ca-
tal. E. J. House p. 367. — Vireosylvia frenata Dub. Bull. Ac. Se. Brux.
Febr. 1855. Ocana in Neugranada. — Irena malayensis Moore 1. c.
p- 274. (schon von Lord A. Hay unterschieden).
Abbild. Vireosylvia altiloqua: Cass. Illustr. pl. 37. — Eiopsal-
tria capito in Gould Birds of Austr. Suppl. II. pl. 13.
Laniadae. Der älteste Name für Laniarius lepidus Lass.
Proc. Ac. Philad. p. 327 ist Lanius chloris Valenc.
Conirostres.
Corvidae. „Ueber die systematische Stellung der Corviden*
von Kaup Cab. Journ. II. Heft 6.
der Vögel während des Jahres 1555. 27
Ueber Pica cyanea schreibt ganz interressant Jaubert Rev.
et Mag. p. 128. Ist der Rubilargo der Volkssprache. Die Jungen
vor der ersten Mauser beschrieben. Nistet in diehten Bäumen an
Bächen. Beschreibung der Eier.
„Ueber die Nachahmungsgabe des Eichelhehers im Singen.“
Cab., Journ. p. 87.
Abbild. Gymnokitia cyasıocephala Wied. Cass. Illusir. pl.28. —
Nebst höchst interessanten biographischen Notizen von Dr. Kern
und M. Charlton Henry. Der Vogel frisst gern die Phrynosoma-
arten. Er ist ein eigentlicher Bergvogel. Nebrasca in Neumexiko.
Ist gleichartig mit Cyanocorar Cassinii M'Call. Proc. Acad. Philad.
Steht im Systeme bei Picicorvus.
Sturmidae. Dr. Philippi über NXanthornus cajennensis in
Chile. Trosch. Arch. für Naturg.
Abbild. Manucodia Kerandreni. Gould Birds of Austr. Suppl.
1. pl. 10,
RFringillidae. Auch Bonaparte hält für ausgemacht,
dass Fringilla incerta der junge Vogel von Carpodacus erythrinus sei.
Ausführlich und instructiv schreibt über Emberizu pusilla Jaubert
in. der Rev. zool, p. 1657. Er erklärt sie höchst bestimmt für Embe-
riza lesbia Gm. und E, Durazzi Bp. Verschiedene Kleider werden be-
schrieben, — Auch über Emb. aureola in Südfrankreich, E. pithyornis
und melanocephala vergl. Jaubert Rev. p. 309.
Neue Arten: Chrysomitris xzanthogastra Dub. Bullet. Ac. Brux.
Febr. 1851. Ocana. ,— Cyanolowia concreia, Dub. ib. Mexico. — Py-
renesies personalus Dub. ib. Senegal. — Poliospiza canicapilla Dub. ib.
Senegal. — Cymplectes chrysophrys J. Verr. Cab. Journ. p. 106. Gabon.
Abbild. Ammodromus rostratus Cass. lllustr. p. 38. — Plectro-
phanes M’Cownii Cass. ib. pl.39. — Spermestes nigriceps Cass,, Journ.
Ac. Nat, Sc, Philad. III. pl. Zanzilhar. — Sp. fuscus U. von Borneo.
ibid. fig. bon. — Sehr schöne Abbildung von Oraeginthus pusillus (Pall.)
in Caban, Journ.
Tanagridae. Neue Arten: Arremon erythrorhynchus Selat.
Proceed. Z. Soc. p.83. pl.,89. Bogota. — Tachyphonus zanthopyyius
Sel. ib. pl. 90 (ist Lanio auritus Dub. Bull. Ac. Brux.) — Tanagra
nolabilis Sel. ib. pl.91. Ecuador. — Saltator arremonops Sel. ib. pl. 92.
Ecuador. — Arremon spectabilis Scl. Ann. p. 234. Quijos. — Buarre-
mon virenticeps Bp. Compt. rend. Oct. 22. p.9. — Nemosia albigula-
ris Scl. Proceed. 1855. p. 109. pl.99. — Pyrrota Valeryi J. Verr.
Rev. p. 351. Centralamerika. — Pipilopsis cristata Dub, 1. c. Colum-
bien. — Buarremon latinuchus Dub. ib. Columbien. — Euphonia lon-
gipennis Dub. ib.
Nemosia torquala Düb, ib. ist Dacnis pulcherrima Sclat.
28 Ilartlaub: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Alandidae. Neu dürlten sein: Olocorys ‚peregrina ı Sclat.
Proceed. Zool. Soc. p. 110. pl, 102..Bogota. — Anthus bogotensis 'Sel.
ib, pl. 101.'p. 109.
BEE. Scansores.
Rhamphastidae. Aulacorhynchus caeruleogularis Gould Ann.
p- 390. Veragua.
Wsittacidne. Neu ist: Platycercus cyanogenys Gould Birds of
Austr. Suppl. 1. pl.3. Cap York, Macgillivray. '
Abbild. Ara auricollis Cass. (S- primoli_ Bp.), Journ. Acad. N.
Sc. of Philad. Vol. IH. pl. 12. fig. opt. .— Chrysotis viridigenalis, Cass.
ib. pl. 13. Guayaquil. Ist gleichartig mit coccineifrens, Souanee. —
Psittacula lineola Cass. pl. 14. Mexiko. — Brotogeris aurifrons Cass.
ib. pl. 14. Südamerika. Ist schon anderweitig beschrieben.
Prioniturus flavicans Cass. Celebes ib. p. 155.
Picidae. Zu Reichenbach’s „Spechten“ erschien Text.
Als neu beschreibt Reichenbach: Picumnus hypozantkus R. Mexiko,
p- 344. fig. 4112—13. — P. guttatus R. ib. fig. 4114—15. Mexiko. —
Chloronerpes laenionotus R. ih. fig.4164—65. Brasilien. — Chl. olea-
gineus R. ib. fig. 4467—68. — Chl. Warsewizü Reichl. ib. fig. 4491
—92. — Apternus crisoleucus Brandt. ib. fig. 4197—98. Irtisch. — Pi-
cus freniger R. ib. fig. 4243. Ostindien. — P. fuliginosus Licht. ib.
fig. 4269— 70. Syrien. — Melanerpes zantholarynz Reichb. ib. fig.
4293—94. Mexiko. — Campephilus leucorhamphus Licht. ib. fig. 4327
—23. — C. mesoleucus Licht. ib. 4329—30. — C. regius Licht. ib.
fig. 4331—32. — Tiga baccha R. ib. fig. 4353—54. — Celeus lorica-
tus R. fig. 4495—96. — Cel. semicinnamomeus R. fig. 4397. — 'O."sül-
furiventer R. fig. 4411—12. — Chrysoptilus peruvianusR. fig.449—94.
— Centurus gradalus R. fig. 4417— 19.
Neu ist ferner und sehr interessant: Sasıa africana J. Verr.
Rev. et Mag. p. 217. Gabon. (Typus meines Genus Verreauxia).
Malherbe und Pucheran halten Picus atrothorax Less. für
das Uebergangskleid von varius Rev. p. 21.
Ueber Picus rubricollıs vergl. Hartl. Cab. Journ. p. 100.
Picus major frisst Haselnüsse: Glog. Cab. Journ. p. 89.
Cuculidae. Jules Verreaux: über die Gattung Phoe-
nicophaeus, Rev. et Mag. p. 356. Ph. pyrrhocephalus wird (sub) ge-
nerisch gelrennt unter dem Namen Alectorops. _Eine gute neue Art
ist Ph. aeneicauda J. Verr. von Ceylon.
Abbild. Geococeyx vwiatieus Licht. Cass. Illustr. pl. 36. Mit
schönen Notizen über die Lebensweise des Vogels. — 16 Eier von
Cur. canorus abgeb. Naum. 1854. Viertes Quartal.
der Vögel während des Jahres 1855. 29
Musophagidae. Eine neue Art ist: Colius caslanotus 1.
Verr. Rev. p. 351. Gabon. — Ferner Corytkair leucolophus Heugl.
Oberer weisser Nil. Mus. Francof. Prachtvolle Art mit glattabgerun-
detem Culmen.
EV. Columbae.
Aus Bonaparte’s schon besprochenen grossen Arbeiten über
die Tauben wären nachträglich als neu namhaft zu machen: Ze-
naida bimaculata Gray. Bonap. Compt. rend. Coup d’oeil ete. p. 41.
— 2. chilensis Bonap: ib. — Chaliophaps bornensis Müll. ib. p. 47.
(javanica: jun. 2). — .Ch., Stephani Reichb. Pucher. von den Salomon-
inseln und Neuguinea ist gleichartig mit albifrons Temm. — Janthoe-
nas halmaheira Bp. ib. p.44 ist —= Carpophaga albigularis Temm.
Gilolo, Ceram. — Turtur 'erythrocephalus. Gray. Bp. Consp. p. 60.
Südafrika. — Trocaza Bueryi Bp. l. c. Madera, Marocco.
Ducula paulina Bp. ist — Carpophaga rufinucha Cass.
Neu sind noch; Ptilinopus chrysogaster G. R. Gray Ann. p. 118.
Otaheiti? — Pul. purpureocinelus Gray ib. Vaterland unbekannt, —
Trerolaema Leclancheri Bp. Neuguinea.
Wir beschrieben in Cabanis Journal : Carpophaga poliocephala
Gray und Carpophaga pectoralis Gr., beide von den Philippinen.
Eine gute Arbeit schrieb: Cassin’ über die Carpophaga-Arten
in der Sammlung der Academie von Philadelphia und der der United
States Exploring Expedition in Washington: Proceed. Acad. N. Sc. of
Philad. Dec. p. 227. Es werden hier 22 Arten ausführlich und gut
beschrieben , über das Vaterland derselben interessante Notizen bei-
gebracht, und es ist nur zu bedauern, dass Uassin die Arbeiten B o-
napartes noch nicht vergleichen und benutzen konnte.
Temminks Columba holosericea (Bonaparte’s Gattung Drepa-
nophila) wurde wieder aufgefunden. Macgillivray fand sie auf
der Isle of Pines: Voy. H. M. S. Herald. G. R. Gray CGolumb. Brit.
Mus. p. 8.
Abbild. Carpophaga assimilis Gould Birds of Austr. Suppl. II.
pl. 9.
Bonaparte’s „Coup d’oeil sur l’ordre des Pigeons.“ Separat-
abdruck aus den Comptes rendus, 5358. bat 288 Arten, die in nicht
weniger als 83 Gatlungen vertheilt werden.
V. &allinae.
Ref. war bemüht, die Artselbständigkeit des von v.
Middendorf als Tetrao canadensis des Stanowoigebirges Sibiriens
beschriebenen und abgebildeten Waldhuhns wissenschaftlich 'nachzu-
30 Hartlaub: Bericht über die Leistungen in der Naturgesehichte
weisen: Cab. Journ. p. 39. Der höchst merkwürdigen und .durchans
abweichenden Bildung der Primärschwingen; halber schlägt Ref. für
dieses neue Waldhuhn den; Namen Tetrao- falcipennis vor.
Ueber das Zahlenverhältniss der Geschlechter bei Perdiz cine-
rea vergl. Caban. Journ. p. 66.
Leon Olph Gaillard schreibt in der Naumannia p. 511 zur
Verfärbungstheorie hei Pterocles setarius und über die Stellung der
Pteroclinen im System. Sie seien gewissermassen; kurzbeinige Trappen.
Neu: Perdiz sinaitica Bp. p- 11. In der. Mitte ‚stehend zwischen
P. chucar und P. graeca.
Abbild. Penelope poliocephala Wagl. bei Cass. Illust. pl. 44.
Fr. Malezieux: „Essai sur les differentes races du coq do-
mestique etc.“ Paris. 528.
WI. Struthiones.
In der Sitzung der Pariser Academie der Wissenschaften zeigte
Geoffroy St. Hilaire zwei ganz vollständige Epyornis-Eier, noch
grösser als die schon bekannten, beide durch Herrn Armange auf
Madagascar erhalten.
Prof. Owen: „über die Beinknochen von Dinornis struthioni-
des und Palapteryz gracilis« in Proc. Zool. Soc. Nov. 14. 1854.
WEI. 6Grallae.
Charadridae. Neu ist ohne Zweifel: Chettusia Dinghuni
Jul. Verreaux Rev. et Mag. p. 220 von Natal. — Falcinellus peregri-
nus Müll. Bonap. Consp. 1I. p. 159. Celebes, Java, Sumatra.
Ardeidae. Die Kraniche sind ausführlich behandelt in Bo-
naparte's „Conspectus“ Vol. I. p. 97—125,.
„Tableau synoptique de l’ordre des Ilerodiens“ par Ch. Bo-
maparte: Compt, rend. Ayr. 2. 1855. Bonaparte zählt 185 ihm
bekannte Arten auf, von denen 14 auf Europa, 34 auf Asien, 41 auf
Afrika, 55 auf Amerika und 41 auf Oceanien kommen. Er vertheilt
diese 185 in Gruidae 15, Psophidae 3, Cariamidae 1, Aramidae 1,
Ciconiadae 1% (inclus. 2 Anastomi), Ardeidae 100, Cancromidae 2
Gncl. Balaeniceps) , Scopidae 1, Eurypygidae ?, Phoenicopteridae 6,
Plataleidae 8, Tantalidae 52.
Als neu werden beschrieben: Phoenicopterus Blythi Bp. Indien.
— Ph. erythraeus Jul. Verr. Rev. et Mag. p. 221. Gabon. — Phoen.
andinus Philippi. Chili. Ist dreizehig. Die Parrina der Eingebornen.
Bewohnt sehr einzeln die Salzsee'n der Andenwüste Alacama. Schna-
belform und Färbung ist ganz abweichend. Trosch. Arch. Jahrg. 21.
p- 10. — Ardea pharaonica Bp. Consp. p.113. _ Ist die elwas grös-
sere purpurea Aegyptens. — Herodias Poucheti Bonap. ib. p. 123.
der Vögel während des Jahres 1855. 31
Südamerika; der caerulea nahe stehend. — Bubulius ruficrista Bonap.
ib. p. 121. Madagascar. — B. bacchus Bp. ib. p.127. Malacca, — Ar-
deola podiceps Bonap. Madagascar. p. 134.
Ref. schrieb über Grus hoyianus Cass. in Cab. Journ. IV. p. 336.
Scolopacidae. Neu soll sein: Xylocota Jameson Bp. Quito.
Gray Gen. p. 12. — Achturus naevius Heerm. Californien. Proc. Ac.
Phil. 1854. p. 178.
„Ueber das Meckern der Becassine“ schrieb L. Altum Kaum.
p- 362.
Abbild. Recurvirostra occidentalis in Cass. Illustr. pl. 40.
Rallidae. Ref. über Fulica americana Cab. Journ. p. 99.
WEHE. Anseres.
Anmatidae. E. de Selys Longehamps: „Bemerkungen
über die wahren Gänse Europa’s.“ Naum. 1855. p. 261: 1) Grau-
gänse mit gleichfarbiger Stirn: cinereus L., arvensis, segelum und
brachyrhynchus Baill. 2) Graugänse mit weissem Stirnfleck: inter-
medius, albifrons, minutus, pallipes Sel. (domesticirt in den Parks von
Holland und Belgien). Kurze Diagnosen, in welchen die Farbe der
Füsse, die Farbe und Form des Schnabels hauptsächlich in Betracht
kommen. In späteren Zusätzen zu dieser Arbeit wird noch cin An-
ser leuconyz unterschieden. Für uns sind dies Alles nur Varietäten.
Auch Schlegel kennt diese 8 Arten.
Abbild. Bernicla leucopareia Brandt in Cass. lllustr. pl. 45.
„Zur Naturgeschichte der Oedemia fusca“ von Gadamer: Naum.
p- 89.
Altum schrieb in der Naumannia über die von ihm entdeckte
angebliche Schwanen-Art. Auch Schlegel, der ihn, nach unserer
festen Veberzeugung mit grossem Rechte, für den sehr alten
Vogel von Cygnus Bewickii erklärt.
Colymbidae. Als neu beschreibt Heermann: Podiceps
Californianus: Proceed. Ac. N. Sc. Philad. 1854. p. 178. — Podilym-
bus lineatus Heerm. ib. Californien.
Bonaparte schreibt über Podiceps auritus und Cons. Linne’s
auritus sei arclieus, eine gute Art; für den auritus des gemässigten
Europa schlage er den Namen Podiceps sclavus vor. Eine dritte gute
Art sei nigricollis des östlichen Europa, von Sundevall. Podiceps
Holbölli Brehm’s sei specifisch abzutrennen von rubricollis.
Haridae. Bruch’s „Revision der Gattung Larus“ erschien
in Caban. Journ. IV. p. 374—92. Treffliche ausführliche Arbeit voll
guter kritischer Bemerkungen, und mit zwei Tafeln voll Kopfabbil-
dungen. Bruch kennt 65 Möven-Arten. Er hältBonaparte’s Pro-
cellarus neglectus für den jüngeren Vogel von Larus Heermanni Cass.
32 Hartlaub: Bericht über die Leist. in der Naturgeschichte u. s. w.
Aber dies ist ein Irrthum, wie mich eine kürzlich vorgenommene Un-
tersuchung des Originalexemplares der Pariser Sammlung überzeugte.
Dieses ist jedenfalls ein junger Vogel.
Larus columbinus Golaw. Bullet. Mosc. 1854. p.435. pl. 4 ist
nur tenuirostris Temm. nach Radde.
Neu scheint zu sein: Larus californieus Lawr. Ann, Lyc. of
Newyork 1854. p. 79. Vom St. Joachimsflusse. Ist 23 Zoll lang; Steht
im Systeme bei argentatus und oceidentalis.
Pelecanidae. Alfred Brehm giebt in Cab. Journal für
Ornithologie auf S. 92 die vollständige Beschreibung und Messung
einer sehr grossen von ihm erlegten Pelecanart des innern Afrika’s.
Er nennt dieselbe Pelecanus giganteus. Sie unterscheidet sich auf das
bestimmteste von P. rufescens. Der Schnabel ist volle 16 10 lang.
Scheint wirklich neu zu sein. Brehm beobachtete am oberen blauen
Flusse an hundert Stück dieser gewaltigen Pelecane.
Nach Dr. Heermann’s Zeugniss käme Phalacrocoraz penicilla-
tus Br. vor auf den Ferrea-Leoneinseln, wo zudem auch PA. splen-
dens und Townsendii angetroffen werden.
Neu : Thalassidroma Hornbyi G.R. Gray Ann. and Mag. of Nat.
Hist. p. 78. Nordwestküste Amerikas. — Prion brevirostris Gould Pro-
ceed. Zool. Soc. p. 88. pl. 93.
Bericht über die Leistungen in der Natur-
geschichte der Säugthiere während des
Jahres 1855. 4
Vom
Herausgebern
Nachdem Herr Professor Andr. Wagner in München
vierzehn Jahre hindurch als Mitarbeiter unserem Archiv treu
zur Seite gestanden, und namentlich ‚über die.Klasse der
Säugthiere so ausgezeichnele Berichle erstattet hat, bedaure
ich es schmerzlich, dass eine eiwas veränderte Stellung, zu
der Universität in München diesen anerkannten Säugthier-
kenner veranlasst ‚hat, sich für die Zukunft von ‚zoologischen
Arbeiten loszusagen, und daher auch die Jahresberichle in
unserem Archive nicht ferner zu liefern. Ich habe mich
entschlossen, auch diesen Theil der Berichte selbst zu über-
nehmen, obgleich ich nicht verkenne, dass die ohnehin un-
dankbare und zeilraubende Arbeit noch ‚bedenklicher nach
einem so ausgezeichneten Vorgänger für ‘den Verfasser 'wird.
Die ferligen Jahresberichte sehen so leicht und so einfach aus,
dass man erst selbst sich an einem solchen versucht haben
muss, um zu wissen, wie viele Mühe dazu gehört, die Lite-
ralur nur einigermassen vollsländig zusammenzubringen, wie
viele Zeit man auf die Leclüre, und zwar in den verschie-
densten Sprachen, verwenden muss, um kurz die Resultate
der Schriften vorlegen zu können. Ich sehe wich genö-
Ihigt,, die Nachsicht der Leser des Archives bei diesem er-
sien Male in Betreff der Vollständigkeit um so mehr-in. An-
Archiv f. Naturgesch, XXI, Jahrg. 2. Bd, Ü
34 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
spruch zu nehmen , als ich erst nach meinem diesjährigen
Aufenthalte in Berlin den Entschluss fassen konnte, und da-
her für diesmal auf die mir in Bonn zugängliche Literatur
beschränkt war. Ich werde in dem nächsten Berichte diesen
Mangel wieder gut zu machen suchen.
Ueber den fünften Supplementband von A. Wagner
zu dem Schreber’schen Säuglhierwerke, welcher im Jahre
1855 erschien, ist deshalb hier keine nähere Besprechung
nöthig, weil desselben schon im vorigen Berichte Erwähnung
gelhan. worden ist.
Besonders hervorzuheben ‚sind diesmal die Arbeiten
Brandts in den Memoiren der Petersburger Academie, auf
die wir unten bei den Ordnüngen der Volilantia, Carnivora
und Rodentia zurückkommen. Die letztere Ordnung hat vor-
züglich den Fleiss des Verf. in Anspruch genommen.
Von Van der Hoeven’s mit Recht sehr anerkanntem
„Handboek der Dierkunde* zweite Ausgabe ist im Jahre 1855
auch die Abtheilung erschienen, welche die Säuglhiere 'ent-
hält, und damit das Ganze beendet.
Giebel giebt die Anzahl der lebenden Säuglhiere auf
1135 Arten an, die 359 Gallungen angehören. (Zeitschr. für
die gesammten Nalurwissensch. 1855. p. 24.)
Dareste hat eine drilte Abhandlung über die Win-
dungen des Gehirns bei den Säuglhieren bekannt gemacht.
Annales des sc. mat. Vol. II. 1855. p. 65—111. pl.2 et 3.
Verf. kommt zu dem Resultate, dass nach der Anordnung der
Windüngen sich vier Typen unterscheiden lassen, 1. der Raubthiere,
2. der Primaten, 3, der Wiederkäuer und Pachydermen, dem sich wahr-
scheinlich der der Edentaten anschliesst, 4. der herbivoren Marsupialien,
Derselbe schrieb ib. p. 355—365 über das Gehirn
der Nagethiere und besonders des Cabiai (Hydrochoerus).
Es mag hier kurz erwähnt werden, dass in dem Re-
port of the Cömmissioner of patents for the Year 1854. Agri-
culture. Washington 1855 ein Abschnitt über die Hausihiere
und ihre Zucht abgedruckt ist, (p. 1—58). Es wird gehan-
delt über das Hornvieh, Molkerei, Pferde, Esel, Maulthiere,
Schafe und Wolle, Schafwirthschaft in Spanien, Kentucky
Schaf, Schwein.
der Säugthiere' während des Jahres 1855. 35
In Beziehung auf die geographische Verbreitung sind
folgende Schriften zu erwähnen:
Pucheran glaubt Revue et Mao. de zool. VII. p. 204
den „Equateur de contraction“ Reynauds auch als den zoo-
logischen Aequator annehmen zu dürfen.
„Wenn man auf dem Globus, sagt Jean Reynaud, einen klei-
nen Zirkel zieht, der den zehnten Parallelkreis, wo derselbe den
Isthmus von Panama schneidet, berührt, und gegen den Aequator un-
ter einem Winkel‘ von 15° geneigt ist, so erkennt man leicht, dass
dieser Zirkel eine wichtige Richtungslinie bildet: Er geht durch das
Meer der Antillen, kommt an die Küste von Afrika, an dem: Auslaufe
der grossen Wüste, begleitet sie parallel dem Atlas, berührt das Mit-
telmeer in dem Busen von Tripoli, geht darüber hin nach Palästina,
wo er das todte Meer trifft, streicht durch die Syrische und Persische
Wüste, steigt auf, durch die Bukarei, in die grosse Wüste Kobi und
läuft in das stille Meer im Busen von Corea aus; so dass sich in sei-
nem Laufe die vorzüglichsten Binnenmeere und die: grössesten Wüsten
der Erdkugel finden.“ Es. lässt, sich. ‚allerdings nicht. leugnen, (dass
diese Linie viele zoologische Scheiden: durchläuft, und sie mag. wohl
so ziemlich den Norden. vom Süden trennen.
Fitzinger erstattete der Wiener Academie einen Be-
richt über eine von Herrn v. Heuglin für die kaiserliche
Menagerie zu Schönbrunn aus dem Orient milgebrachte Samm-
lung lebender Thiere. Dieselbe enthält mehrere interessante
und. sellene Thiere, über die der Berichterslalter ‚Notizen
giebt, die unlen näher angeführt werden. Von allen Thieren,
50 Arten in 99 Exemplaren, Säuglhiere, Vögel und 'Amphi-
bien, sind die arabischen Namen beigefügt. Wiener Sitzungs-
berichte XVII. p. 242.
Horsfield machte in den Annals of nat. hist. XVI.
p- 101. kurze Bemerkungen ‚über einige neue oder weniger
bekannte Säuglhier-Arten,. welehe durch Hodgson in Nepal
gesammelt worden sind.
Im Jahre 1853 übergab Hodgson dem Museum der Ostindi-
schen Compagnie eine grosse Sammlung von präparirten Säugthier-
bälgen, besonders aus den. höheren Theilen von Indien, von denen
ein Theil schon 1845 vonGray beschrieben war. Von den in jenem
Verzeichnisse nicht enthaltenen Arten wird nun hier eine kurze Be-
schreibung gegeben. Die neuen Arten sind unten namhaft gemacht;
sie gehören den Ordnungen der Volitantia, Carnivora, Insectivora und
Rodentia an. Die Beschreibungen sind wohl nur vorläufige, und wür-
36 Troschel: Bericht über die Leistungen; in, der Naturgeschichte
den meist kaum geeignet sein, zu wissenschaftlicher; Begründung der
Arten zu genügen,
Unter der Ueberschrift: Fauna der Residenlie Riouw,
met inbegrip der oosikust van Sumalra,en omliggende, landen“
hat de Bruyn Kops in der Tijdschrift voor Indische laal-
land. en volkenkunde Il. 1854. p. 480 auch ein Verzeichniss
der Säugthiere geliefert. Es kommen danach, vor: 13 Qua-
drumana, 6 Chiroptera, 1 Insektenfresser, . 15. Carnivora.,.6
Rodentia, 9 Ruminantia, 5 Multungula, 1..Phoca, 3 Celacea.
Das Verzeichniss ist nach den Malaischen Namen alphabetisch
geordnet.
Pucheran hat in der Revue et Magasin de zoologie
VII. p. 209, 257,.401, 449, 497, 545 eine Skizze über die
Mammalogie des Afrikanischen Continentes begonnen.
Verf. stellt sich besonders die Fragen, 1) ob Afrika als eine
Specialfauna besitzend betrachtet werden kann, 2) welches die be-
sonderen Charaktere der Afrikanischen Mammalogie sind, und 5) in
wie viele Abtheilungen, Bassins oder Centren Afrika getheilt werden
kann. — Er sucht zu erweisen, dass die erste Frage verneint werden
müsse, woraus sich auch der zweite Theil der Frage beantwortet.
Die Grenzen, in denen sich die Eigenthümlichkeit der Mammalogischen
Fauna eingeschlossen findet, sind sehr eng, schon dadurch, dass sie
auf einen Kreis von einer sehr geringen Zahl generischer Typen be-
schränkt sind, von denen fast alle sich an andere Genera anschlies-
sen, welche Asien, Europa, gewisse Theile Oceaniens, Madagaskar
und selbst die Continente Amerikas und Australiens bewohnen. — Die
grösste Beschränkung des Wohnortes findet sich bei den Allen, wel-
che zuweilen an den Enden einer und derselben Zone differiren. Von
einer Region zur andern variiren die Typen in der Färbung, und
diese Abänderungen stehen in Beziehung mit den Temperaturgraden
der Localitäten. Die Vertheilung der Arten hat wellenförmige Li-
nien zu Grenzen, wie dies auch bei den Pflanzen der Fall ist. Jede
Region in Afrika scheint eine Gattung von Nagethieren eigenthümlich
zu besitzen; so das Cap Helamys, der Westen Anomalura, Cricetomys,
Aulacodus, der Osten Acomys, der Norden Ctenodactylus, Diese
Thatsache ist Afrika eigenthümlich.
Pucheran machle der Pariser Academie eine Bemer-
kung über die Säuglhierfauna von Madagascar. Den Haupt-
charakler selzt er in die Neigung der Arten zum Noctambu-
lismus (Comptes rendus XL. p. 192; Revue et Magasin de
zool. VII. p. 40).
der Säugthiere während des Jahres 1855. 37
Als einen Beitrag zur Fauna der Biber-Inseln im Mi-
chigan-See erwähnt Strang Ninth Smithsonian Report p. 282
von Säuglhieren: Rolhe, schwarze und silbergraue Füchse;
letztere sehr selten und theuer; Hasen und Kaninchen; ein
rothes Eichhörnchen, Fischotter sehr selten. Der. Biber ist
ausgestorben. Rennthiere besuchen nur selten die Inseln
über das Eis. Elenn werden an der Ostküste, Bären an
beiden Küsten gefunden.
Head lieferte ein Verzeichniss der ihm bekannt gewor-
denen Säugthiere der Umgegend von Fort Ripley in Minne-
sota. Ninth Smithsonian report p. 201. Unter andern wird
erwähnt, dass Lepus americanus im Jahre 1848 häufig war,
aber seitdem fast ganz verschwunden ist.
In einem schönen Werke: „The U. S. naval astronomi-
cal expedilion to the soulhern hemisphere . during the Years
1849—1852 by Lieut. J. M. Gilliss Washington 1855 ist
ein Abschnitt im 2. Bande p. 153—171 den Säugthieren ge-
widmet und von S. F. Baird bearbeitet.
Zunächst sind diejenigen Arten nebst ihrer Synonymie und ei-
nigen Bemerkungen aufgezählt worden, die von Gilliss gesammelt
worden sind. Unter ihnen ist als besondere Seltenheit Chlamydopho-
rus truncalus in zwei Ansichten abgebildet, und das Leben des Gua-
naco ist geschildert. Dann folgt eine Aufzählung der sämmtlichen
bekannten chilesischen Säugthiere, deren Zahl sich auf 60 beläuft,
nämlich 7 Chiroptera, 12 Rapacia, 6 Pinnipedia, 1 Marsupiale, 25 Ro-
dentia, ? Edentata, 3 Ruminantia, 4 Cetacea.
Paul Gervais stellte Untersuchungen über die fos-
silen Säuglhiere Südamerika’s an. Er erslaltete über diese
Arbeit, welche in dem Reisewerke von de Castelnau et
Weddell erscheinen soll (nunmehr wohl schon erschienen ist
aber noch nicht von mir benutzt werden konnte), der Pari-
ser Academie Bericht. Keine Amerikanische Säugthier - Art
hat zugleich auf dem alten Continent gelebt, ebensowenig in
Nordamerika.
Pictet beschrieb in den M&moires de la Soc. de phys.
et d’hist. nat. de Geneve XIV. I. p.69—090 zwei Missgebur-
ten, von einem Schweine und einem Schafe.
838 Troschel: Bericht über die Leistungen in: der Naturgeschichte
Quadrumana.
Simiae eatarrhinae. Von Duvernoy sind in den
Archives du Museum d’histoire naturelle Tome VIII. p. 1—248
die wichtigen drei Abhandlungen erschienen, auf welche schon
im Berichte über das Jahr 1853 Rücksicht genommen ist,
indem der Verf. schon damals in den Comptes rendus vor-
läufige Kenntniss davon gegeben halte: „Des caracleres ana-
tomiques des grands singes pseudo -anthropomorphes.* Zu
diesen Abhandlungen gehören 16 Tafeln.
Die erste Abhandlung zerfällt in vier Abschnitte. Der erste
derselben behandelt die osteologischen Charaktere: des Schädels der
Gattungen Troglodytes, Orang und Gibbon, der zweite das übrige
Skelet, der dritte beschäftigt sich mit den Abweichungen des Ske-
letes des Gorilla, im vierten sind die Resultate aus den Vergleichun-
gen der drei ersten gezogen. Diese Resultate, dass nämlich Troglo-
dytes, Chimpanse und Tschego verschiedene Arten seien, dass der
Gorilla eine besondere Gattung bilden müsse, und die Ansichten über
die systematische Stellung sind bereits in dem vorhin erwähnten Be-
richte (dies Archiv 1854. II. p. 8) näher bezeichnet worden.
Die zweite Abhandlung bildet in ihrem ersten Theile ein Sup-
plement zu der Osteologie des Gorilla, und beschreibt besonders die
Ligamente der Articulationen der Bewegungsorgane; im zweiten Theile
werden die Muskeln der Extremitäten geschildert. Ein dritter Theil
enthält das Resume aus den beiden vorhergehenden.
Die dritte Abhandlung endlich enthält wieder vier Abschnitte.
Im ersten werden nach neuem Materiale das Gebiss und der Schädel
im Allgemeinen verglichen; Verf. sieht darin eine Bestätigung der
generischen Trennung des Gorilla und Troglodytes, so wie die spe-
eifische Verschiedenheit des Troglodytes Chimpanse und Troglodytes
Tschego. Im zweiten Abschnitte wird die Myologie des Gorilla fort-
gesetzt, indem die Muskeln der Wirbelsäule und des Kopfes, die Kau-
muskeln, die Muskeln der Respiration, und die Gesichtsmuskeln näher
beschrieben werden. Im dritten Abschnitte werden der Larynx, die
mit ihm zusammenhängenden Luftsäcke und die männlichen Geschlechts-
organe beschrieben. Der vierte Abschnitt liefert eine kurze Ueber-
sicht über die früheren anatomischen Arbeiten und endlich die schliess-
lichen Resultate der in diesen drei Abhandlungen niedergelegten Be-
obachtungen.
Aus diesem letzteren heben wir nur Folgendes hervor, Der
Verf. hat eine neue Methode angewendet, das Vorspringen der Schnauze
nach Arten und Gattungen, nach Alter und Geschlecht zu verglei-
chen; er misst den Abstand des vorderen Randes des äusseren Ge-
der Säugthiere während des Jahres 1855. 39
hörganges von dem Alveolarrande des mittleren Schneidezahnes der-
selben Seite und vergleicht die Hälfte dieser Entfernung mit der Ent-
fernung des Gehörganges vom Augenhöhlenrande. Danach zeigen der
Orang von Sumatra und von Borneo, so wie auch der Tschego, der
Chimpanse und der Gorilla Differenzen. Die Abnutzung der Backen-
zähne ist immer grösser an der Innenseite des Ober- und an der
Aussenseite des Unterkiefers, wie hei den Wiederkäuern und Verf,
schliesst daraus auf ein seitliches Kauen. Der Zahn, welcher bei den
Affen der neuen Welt hinzutritt, ist der dritte Backenzahn ; dieser
ist auch bei Hapale vorhanden, denen der letzte Backenzahn fehlt, ein
Beweis, dass ihr Gebiss doch nach dem Typus der Affen der neuen
Welt gebaut ist. Die Finger der Alfen haben weniger Unabhängig-
keit in ihren Bewegungen als beim Menschen. Wer Chimpanse, Go-
rilla, Orang-Utang und Siamang haben zwei Luftsäcke am Larynx, die
übrigen Affen der alten Welt nur einen. Den Unterscheidungsmerk-
malen zwischen Chimpanse und Tschego wird hinzugefügt, dass der
obere Eckzahn bei letzterem ‚eine enge Fuge hat, die dem ersteren
fehlt. Zur Unterscheidung der Gattungen Troglodytes und Gorilla
wird besonders hervorgehoben, dass bei ersterer der letzte obere
Backenzahn der kleinste der drei hinteren ist, und nur zwei äussere
und einen inneren Höcker hat nebst einem hinteren Vorsprung, der
sich beim Tschego zu einem Höcker erhebt, und dass der letzte un-
tere Backenzahn nur vier Höcker nebst einem hinteren Vorsprung
hat. Beim Gorilla dagegen hat der letzte obere Backenzahn vier
Höcker nebst einem hinteren Vorsprung, und der leizte untere Backen-
zahn hat drei äussere Zacken, zwei innere Höcker und eine sechsie
hintere Zacke; er ist ebenso gross wie der vorhergehende.
Ricard erinnerte an einen Arlikel über den Gorilla
von Ford, den dieser 1851 in der Academie zu Philadelphia
vortrug, und theilte ihn nun Revue et Mag. de zool. VII. in
der Ueberselzung mit.
Semnopitheeus Nestor soll nach Fitzinger aus Hinterindien
stammen. Wiener Sitzungsber. XVII. p. 242.
Prosimii, |n einer sorglälligen Inauguraldisserlalion
„Eenige vergelijkend-ontleedkundige Aanteekeningen over den
Otolicnus Peli, Leyden 1855. 8. lieferie Hoekema Kingma
schätzbare Beiträge zur Ana'omie dieses von Temmink im
Jahre 1553 aufgestellten Halbaffen,
Nach einer ausführlichen Beschreibung der äusseren Theile
folgt eine Schilderung des Skeletes, der Muskeln, des Darmkanales,
des Gelässsystemes, der Athemorgane, Geschlechtswerkzeuge mit den
Harnorganen, des Gehirns und der Sinnesorgane; also eine ziemlich
40 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
volletändige anatomische Untersuchung. Eine beigefügte Tafel 'erläu.
tert den Text.
Volitantia. \
Brandt schrieb Me&m. de l’acad. de St. Petersbourg VII.
1855. p. 25—42 über die Handflügler des Europäischen und
Asialischen Russland’s mit besonderer Beziehung auf die Ge-
schichte ihrer Entdeckung, ihre Synonymie und geographische
Verbreilung.
Die aufgeführten ‘Arten sind : Miniopterus Schreibersii Natter. ;
Vesperugo noctula Daub., Leisleri Kuhl, Kuhlii Natt., pipistrellus Daub,,
Nathusii Blas. Keys., serotinus Daub., turcomanus Eversm. , diseolor
Natt., 'borealis Niss.; Vespertilio murinus Schreb., Bechsteinii Leisi.,
Natteri Kuhl, mystaeinus Leisl., Daubentonii Leisl., Brandtii Eversm.
(den Verf. von der vorigen Art nicht zu unterscheiden vermag), da-
syenemus Boie; Plecotus auritus; Synotus barbastellus Daub.; Rhino-
lophus ferrum equinum Daub., elivosus Kretschm , hippocrepis Herrm.
— In Russland sind, mit’ Ausnahme des V. turcomanus, der asiatisch
st, nur solche Arten angetroffen, die bereits in Europa nachgewie-
sen waren. Russland ist ärmer an Fledermausarten als Europa; Dy-
sopes fehlt ihm bisher ganz.
Leconte beschrieb in Proc. Philadelphia VII. p. 431
die Fledermäuse Nordamerika’s.
Er will in den Schriften Rafinesque’s, F. Cuvier's und
Bachman’s beträchtliche Irrthümer gefunden haben. Die Falten
in dem äusseren Ohre und die Haare an den Zehen hält er nicht für
gute Art-Charaktere ; auch die geringe Abweichung in der Zahl der
Zähne hält er nicht für hinreichend, um sie für verschieden zu er-
klären. Ernimmt folgende Arten an: Vespertilio noveboracensis L.
(V. rubellus Beauv., monachus und tessellatus Raf., Nycticejus Atalapha
und Atalapha americana Raf., Tapbyzous rufus Less.), P. cinereus
Beauy. (V. pruinosus Say), V. crepuscularis Le Conte (V. creeks F. Cuy.),
V. fuscus Beauv. (V.arcuatus Say, V. gryphus F. Cuv.), V. carolinensis
Geoflr., V. ursinus Temm., V. phaiops Temm., V. Caroli Temm., V. pul-
verulentus Temm. (V. Audubonii Harl., noctevagans Le Conte), V. subulatus
Say, V. lucifugus Le Conte, V. Georgianus Cuv., V. macrotis le Conte,
V. pallidus n. sp. unterscheidet sich durch vier untere Schneide-
zähne, Rhinopoma carolinensis Geoflr. (Nycticea cynocephala Le Conte,
Molossus cynocephalus und fuliginosus Cooper). — Was Bachman
unter seiner V. monticola meint, hat er nicht entdecken können; des-
sen V. virginianus scheint humeralis Raf. zu sein; dessen V. Leibii
und Californicus sind ihm unbekannt. Folgende Arten von Rafi-
nesque vermag er nicht zu bestimmen: V. cyanopterus, melanotis,
der Säugthiere während des Jahres 1855. 4
calcaratus, phaeops, megalötis, mystax. ‘Cuvier’s V. Salarii ‚könnte
fuscus, und dessen subflavus könnte Carolinensis sein ; dessen crassus
konnte er nicht bestimmen. Temmincks VW. erythrodactylus blieb
ihm unbekannt.
Obgleich der Verf. des vorigen Berichtes einer Arbeit
von Lichtenstein und Peters: Ueber neue merkwürdige
Säugelhiere des k. zool. Museums. Berlin 1855. (Separatab-
druck aus den Schriften der berliner Akademie 1854. p. 81
— 99) Erwähnung gelhan hat, indem.er auf die Erscheinung
der Abbildung von Centurio flavigularis und Antilope leucotis
hingewiesen hat, so vermisst man doch die Anzeige von der
in genannter Abhandlung neu aufgestellten Gattung von Fle-
derthieren Hyonyeteris Lichtst. et Pet.
Durch Schädel und Gebiss ist diese Gattung mit. Vespertilio
Blas. et Keys. und Furia verwandt, durch ‚die Flughäute und gelapp-
ten Spornen mit Vesperugo und Nycticejus.. _Eigenthümlich ist sie
durch die abgestumpfte Schweinsschnauze, die grossen Haftscheiben
und die Beschaffenheit der Phalangen. Die Verf. geben ihr folgende
Charaktere : Dentes primores supra quatuor geminati, lacuna intermedia
seiuncti, apice bifidi, infra sex contigui trifidi. Canini distincti longiores
conici , euspidibus einguli ‚binis. Molares supra, infraque utrinsecus
seni,. cuspidati, superioribus anterioribus discretis, ternis posteriori-
bus ‚tritoribus, coronide W,formi. Lingua mediocris. Rostrum in pro-
boscidem brevem cum disco apicali supra marginato productum; nari-
bus inferis ensiformibus. _Labia tumida, marginibus late reflexis.
Auriculae disiuncetae , latae, trago et antitrago instructae. _ Patagia
membranacea lata; lumbaria pedibus usque ad ungues adnata. Pata-
gium anale integrum. Cauda patagio anali innata, articulo ultimo e
margine eius pro@minente. Pollex liber, unguiculatus, disco adhaesivo
lato ‚instructus. Metacarpus digiti secundi brevissimus, quartam me-
tacarpi tertii partem vix aequans, Digitus tertius praeter metacarpum
e phalangibus tribus osseis compositus. Digitus quartus et quintus
biartieulati. Pedes. pentadäctyli, disco adhaesivo plantari instructi ;
digiti, pedis omnes e binis tantum phalangibus compositi, palama con-
nexi, terlio et quarto fere coadunati. Calcaria longa lobata. — Die
einzige neue Art H. discifera erhielt das Berliner Museum, von Puerto
Cabello. Sie ist abgebildet.
Folgende neue Arten wurden von Hodgson in der
Ordnung Volitanlia aufgestellt. Annals nat. hist. XVI. p. 102.
Vespertilio siligorensis nahe verwandt mit V. mystacinus. Schnauze
spitz mit einem Bart an der Unterlippe. Ohren oval, schwach aus-
gerandet und etwas spitzig, Tragus länglich spitz. Flughäute von der
42 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Basis der Zehen entspringend. ‚Oben einfarbig dunkelbraun, unten
dunkelbraun mit‘ Hellbraun | getüpft. Flughäute braun, Vorderarm
17 3". Tibia 64/406 Der längste ‚Finger 2 4... — Vespertilio, dar-
jelingensis. Unterscheidet sich von der vorigen durch die mehr aus-
gerandeten Ohren,,| mit ıdeutlichem Lappen am Grunde, durch etwas
kürzere Tibia, oben dunkler und kastanienbraun getüpft. — Plecotus
darjelingensis (p. 103) sehr nahe verwandt mit Pl. monochrous Hodg.
— Nycticejus nivicolus oben hellbraun, unten dunkelbraun, an den
Seiten der Kehle heller; Ohren lang, zu einer stumpfen Spitze ver-
schmälert. Diese Art wird mit N. ornatus und Tickelii Blyth ver-
glichen.
Inseetivora.
Eine Abhandlung von Blyth über die indischen Spitz-
mäuse im Journ. of Asialio Soc. of Bengal 1855. p. 22-33
ist bereits in A: Wagners fünftem, Supplementbande zu
Schreber’s’$äugthieren, unter ‚den. Zusälzen und Berichli-
gungen p. 802 ausgezogen worden.
Verf, zählt für Indien 19 Arten auf. Von ihnen gehören 15 der
Untergattung Crocidura an (darunter S. heterodon aus den Khasya-Ber-
gen, micronyce von Kemaon und Landour , nudipes von Tenasserim,
atralus aus den Khasya- Bergen, melanodon von Caleutta neu) ; eine
Art S. macropus Blyth — S. feroculus Kelaart bildet ein neues Sub-
genus Feroculus, mit 30 ganz weissen Zähnen, untere Schneide-
zähne gesägt, Schwanz kurz behaart, mit zerstreuten langen Haaren ;
eine fernere Art S. nigrescens Gray bildet gleichfalls ein neues Sub-
genus Soriculus Blyth, die im Gebiss mit Crossopus übereinkommt,
aber sich von ihr durch die nicht gewimperten Füsse unterscheidet.
Zwei Arten sind dem Verf. zweifelhait.
Sorez saturatior Hodgson Annals nat. hist: XVI, p. 110 soll von
S. Griffithii Horsf, durch längeren und mehr eylindrischen Schwanz
verschieden sein. $. leucops Hodgson ib. unterscheidet sich‘ durch
einen Schwanz mit weisslicher Spitze, der länger ist als Rumpf
und Kopf.
Templeton beschrieb Proc. zool. soc. July 1853. Annals nat.
hist, XV. p. 238 als neue Art Sorex? purpurascens von Indien. Es
ist nur die Färbung des Pelzes beschrieben. Der Schwanz ist zwei
Drittel so lang wie der Körper.
Carnivora,
Pucheran machle einige Notizen über Raubthiere in
der Revue et Mag. de Zool. VII. p. 392 bekannt, die sich be-
sonders anf die Berichtigung der Synonymie und Begrenzung
der. Arten beziehen.
der Säugthiere während: des Jahres 1855, ; 43
1. ‚Ursus pyrenaieus und collaris sind verschiedene Arten; der
von Geoffroy'beschriebene Ursus arctos: Var. von Kamtschatka ist
specifisch verschieden. ‘2. Ein: junges: Individuum von ‚Ceylon hält
Verf. für neu, und nennt es U. inornatus, weil ‚es; kein Weiss am
Rumpfe hat. 3. Die Tsehndi’schen Arten von Nasua hält Verf. für
begründet, N. leucorypha' Tsch.,—= N, narica ‚Geoflr, . 4, Mustela ni-
valis L. und Mustela vulgaris Var. Pall. sind zwei verschiedene Ar-
ten. ‘Die Exemplare vom nördlichen: Afrika mit, schwarzem Quaste
am längeren Schwanze bilden eine eigene Art P. numidicus. 5, Pa-
radoxurus crassiceps wird beschrieben. ' 6. Mangusta ‚urinatrix Sm.,
Herpestes paludinosus Cuv. nicht: ‚verschieden von lchneumon major
Geoffr.; I. ruber Geoffr. verschieden von I. javanieus, wohl — Herp.
ochraceus Gray. Das von Prevost und Desmurs in der Reise des
Capt. Lefevre als Herp. gracilis Rüpp. abgebildete Exemplar ist
eine neue Art H, ochromelas. Dagegen ist, der von Gu&rin in der
Exploration en Abyssinie abgebildete Herp. Galinieri = H. gracilis
Rüpp. juv., 7. Genetta senegalensis, tigrina, felina, pardina hält Verf.
für speeifisch verschieden, ebenso G. alra — Viverra maculata Gray.
8. Ichneum’a nigricauda n. sp. vom Senegal, Schwanz oberhalb und
an der Spitze schwarz. Vielleicht gehöre Ehrenbergs Herp. len-
eurus juv. hierher. 9. Cynalopex turcicus — Canis corsac. 10, End-
lich fragt Verf., ob Lynx pardina in Portugal mit der des südlichen
Spaniens identisch sei?
Mustelina. Brandt hat in den Mem. ‚de l’acad. de
St. Petersbourg VII. p.-3. selbstständige Mittheilungen über
den äusseren Bau des Zobels im Vergleiche mit dem des
Baum- und Steinmarders gemacht.
Der Zobel ist auf drei Tafeln in verschiedenen. Varietäten, M.
Martes auf der vierten Tafel dargestellt. . Verf. hält den amerikani-
schen Zebel nicht für eigene Art, sondern für eine mehr gelbbraune,
weniger dicht behaarte Abänderung der Mustela zibellina, da er in. den
Verhältnissen der Körpertheile keine Differenzen entdecken konnte,
Zum Schlusse fügt derselbe eine nach strenger Vergleichung abge-
fasste Schilderung des Zobels, des Baum- und des Hausmarders bei.
Mustela strigidorsa llodgson. Annals nat. hist. XVI. p.107 von
Sikim ist 12” lang, braun mit gelblichweissen Lippen, Kopf, Rücken.
und Bauchstreif.
Hodgson erwähnt eine von ihm für neu gehaltene Art Aonyz
sikimensis in Annals nat. hist. XV]. p. 109, welche sich von der ge-
wöhnlichen indischen Art durch hellere braune Farbe, die ins kasta-
nienbraune zieht, unterscheidet; das Exemplar ist jedoch nicht gut
genug conseryirt, um eine genaue Beschreibung zuzulassen.
Viverrina, ‚Herpestes taenionotus Smith, welche bisher mit
44 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
H. zebra Rüppell verwechselt wurde, unterscheidet sich nach Fitzin-
ger durch den‘ ocherfarbenen Bauch und den Mangel: des weissen
Längsstreifens auf demselben. Wiener Sitzungsber. XVII. p. 245.
Pucheran kündigte kurz eine neue Art Bdeogale nigripes vom
Gabon an, die ganz 'weiss ist mit schwarzen Gliedmassen. ‘Er for-
dert die Mammalogen auf, ihm über die Arten dieser Gattung Nach-
richt zu geben, damit er diese in einer Monographie der Säugethiere
des westlichen Afrika benutzen könne. Revue et Mag. de Zool. VII.
p-. 111.
Viverra Poortmanni Pucheran Rev. de Zool, VII. p. 154. Simil-
lima V, Civettae, sed maior, vittaque oculari nigra nasum non trans-
eunte. Vom Gabon,
Genetla servalina Pucheran Revue de zoo]. VII. p. 154. "Laete
rufa, maculis colli, dorsi, lateribus nigris, numerosissimis; artubus
fere ex toto nigris; cauda longa, annulis latis nigris, strietis albes-
centibus, praedita. — G. Aubryana ib. Albescens, fulvolavata; cauda
longissima, nigro et albescenti fulvo annulata; artubus fere ex toto
nigris. Beide von Gabon. — @. rubiginosa ib. Griseo albescens,
fulvo lavata; 'maculis dorsalibus fere ex toto rubiginosis; cauda, ad
basin quatuor annulis rubiginosis, quatuor deinde nigris, praedita.
Vom Cap.
Pachyura occidentalis Pucheran Revue de zool. VII. p. 154. Su-
pra rufescens, infra dilutior; cauda, basi crassa, tertiam corporis par-
tem tantum superante, — P. aequalorialis ib. Supra nigrescens, in-
fra dilutior; cauda, ad basin parum crassa, dimidiam corporis partem
superante. Beide vom Gabon.
Hodgson hata. a. 0. zwei Arten von Paradoxurus unter-
schieden. Die eine P. strictus ist grau mit einem Stich ins Rostfar-
bige, hat jederseits am Kopfe zwei weisse Flecken; besonders unter-
scheidet sie sich durch fünf schwarze Längsstreifen auf dem Rücken;
ist verwandt mit P. Palassii und misst 23“ bei einer Schwanzlänge
von 25“. — Die andere Art P. quadriscriptus ist grau mit einem Stich
ins Rothbraune; vier scharf begrenzte Linien erstrecken sich vom
Nacken auf den Rumpf" und haben jederseits eine kürzere unterbro-
chene Binde. Die Mitte des Nasenrückens, ein scharfbegrenzter schma-
ler Strich vom Augenwinkel, der Nacken, die Füsse und das Ende
des Schwanzes sind schwarz. Kopf und Körper 26, Schwanz 24“.
Canina. Fitzinger erwähnt zwei seltene klimatische Va-
rietäten des Hundes, nämlich‘ Canis leporarius aegyptius, der ägyp-
tische Windhund, dessen sich die Araber zur Jagd bedienen, und Ca-
nis sagax africanus. Wiener Sitzungsber. XVII. p. 246.
Unter dem Namen'Lupus laniger unterscheidet Hodgson einen
indischen Wolf von 4 Fuss 4 Zoll Länge, dessen Schwanz 11 Zoll
lang ist. Er-ist, oben schmutzig gelblich, unten blassgrau. Ohren
der Säugthiere während des Jahres 1855. 45
gross und spitz und aussen mit. dichtem bräunlichen Pelze bedeckt,
Der Pelz ist am Rücken dicht und zu kleinen Büscheln geformt, an
den Seiten zottig, wie. .es. Bewohnern. kalter ‚Gegenden zukommt.
Annals nat. hist. XVI. p. 107.
Van der Hoeveen erweisetin.einer.Abhandlung „Over
het geslacht Icticyon Lund (Cynalicus Gray), dass diese Gal-
tung, welche Burmeister zu den Wieseln gestellt hat,
dennoch in die Hundefamilie gehöre (Wis- en natuurk. Verh.
der konink. Akademie. Ill. 1355).
Er hebt die grosse Uebereinstimmung der Schädeltheile mit den
Hunden hervor, und zeigt auch dadurch, |dass, bei einigen Hunde-
schädeln, z. B. C. sumatrensis, die Zahl der Höckerzähne variirt,
dass das einzige Merkmal, welches die Gattung leticyon den Wieseln
näher bringt, nämlich das Vorhandensein nur eines Höckerzahns oben
und unten, nicht entscheidend sein könne. Zur Vergleichung ist ne-
ben dem Schädel von lcticyon venaticus Lund auch ein Dachsschädel
und die Kiefer von Canis alpinus und Azarae abgebildet.
Felina. v.Heuglin brachte ein altes Weibchen von Hyaena
striata nach Wien, welches in Kairo zwei Junge ‚geworfen hatte,
Wiener Sitzungsber. XVII. p. 244.
Die indische 'Hyäne (Hyaena virgata) soll nach Horsfield
(Annals nat. hist. XV]. p. 107) von der Hyaena striata nicht zu un
terscheiden sein.
Ernst Bekker hat eine besondere kleine Schrift:
„der Stachel des Löwen an dessen Schweifende ;, nach genauer
Untersuchung, unter wörtlicher Beifügung älterer und neue-
rer Angaben, mit naturgelreuen Abbildungen ‚und einem An-
hange neuerer Entdeckungen. Darmstadt 1355“ herausgegeben.
Als Resultat dieser Untersuchung, ergiebt, sich, dass der Löwe
wirklich einen Stachel am Schwanzende besitzt, Jass jedoch der Löwe
sich mit demselben weder verwundet, noch: schlägt. Von anderen
Thieren, die ähnliche Bildungen am Schwanzende besitzen , erinnert
Verf. an Gould's Beschreibung eines Nagels von Macropus unguifer
und fraenatus und fügt nach eigener Beobachtung Bos urus und fünf
Allen hinzu, welche letzteren den Gattungen Semnopithecus und Co-
lobus angehören.
Nach einer Notiz in Natuurk.. Tijdschr. Ned. Indie IX. p. 522
wurde aul Java ein Tiger mit, vier Jungen. getödtet. Man.hatte. bis-
her geglaubt, dass ein Tiger nie mehr als,zwei Junge. werfe,
Fitzinger hält eine Katzenart, welche in: zwei! prachtvollen
Exemplaren in der Kreutzberg’schen Menagerie gehalten wurde , für
neu, und nennt, sie Kelis Poliopardus,. ‚Sie, wird mit; F. onga und Par=
A6 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
dus verglichen ‚ist aber kurzbeiniger und’ dunkel fahlgrau mit’ dicht=
stehenden schwärzen Flecken bedeckt; sie ist "abgebildet, und'ist
afrikanischen Ursprunges.' Wiener Sitzungsber: XVH. p. 295.
Kollar zeigte im Zool.-bot. Vereine za Wien V. p. 5% an,
dass in der Nähe von Wien eine wilde Katze als Seltenheit geschos-
sen sei,
Nicht ohne Interesse für die Forlpflanzung der Varietä-
ten sind ‚einige Beobachtungen, welche Le Conte an einem
Kater wahrnahm, der zu der ungeschwänzten Varietät der
Isle of Man ‚gehörte. Eine Kalze 'gebar vonihm zwei‘ Junge,
deren eines einen Schwanz von halber gewöhnlicher Länge,
das andere gar keinien Schwanz besass; ein andermal' brachte
sie drei Junge zur Welt, von denen zwei der Muller gli-
chen, das drilte, wie der Vater schwanzlos war, Eine an-
dere junge Kalze brachle bei ihrem. ersten Wurfe. vier Junge,
die alle schwanzlos waren. Proc. Philadelphia VII. p.24.
Von, Cynailurus Soemmeringii Rüpp.? bemerkt Fibzinger,
dass er. sich‚durch höhere Beine, dunklere Färbung, einem: ander
Spitze etwas buschigen Schwanz und schwächere Rückenmähne deut-
lich ‚von C; guttatus Wagn. unterscheide. . Seine 'ausserordentliche
Zahmheit wird gerühmt., Wiener Sitzungsber. XVII. 'p. 245.
Rodentia.
Brandt hat die systematische Stellung der Gattung
Cheiromys öder Chiromys zum Gegenslande einer kurzen Be-
sprechung gemacht. Bulletin de l’acad. de St. Petersbourg
1854. p. 282.
Gebiss, Anfügung des Unterkiefers, Lage der Zitzen und Habi-
tus reden der Stellung unter den Nagern das Wort. Dagegen spre-
ehen die Bildung der Hirnkapsel, der geschlossene Augenring, die
Lage des Hinterhauptsloches, die Beschaffenheit des Jochfortsatzes des
Oberkiefers und des Jochbeines, die Bildung des Thränenbeines, die
Lage des Gehörganges und die früh verschmolzenen Zwischenkiefer
für die Anreihung an die Quadrumanen. Dieser letzteren Ansicht
sind auch die mehr nach vorn gerichteten Augen, die Ohren, die
Hände an den Gliedmassen günstig. Verf. entscheidet sich nicht be-
stimmt, und hält es für möglich, Chiromys als besondere Ordnung
Leptodactyla s. Opistochires zwischen Quadrumanen und Nager zu
stellen. , Wenn Verf. aus diesem Vebergange dem Schluss ziehen will,
dass die Nager vor. den Fledermäusen auf die Affen folgen sollten,
so ist das wohl zu weit gegangeny und lässt: sich“ um! so weniger
der Säugthiere während des Jahres 1855. 4
rechtfertigen, als man ziemlich allgemein die Auorditing der Thiere
in einer Reihe aufgegeben hat. Da nicht die Anzahl, sondern die
Wichtigkeit der Chäräktere it fraglichen Fällen die Entscheidung ge-
ben muss, 30 glaube ich die in Frage stehende Gättung noch immer
den Nagethieren beiordnen zu müssen.
Lienard beschrieb einen lebenden jungen Aye-Aye
(Chiromys madagascariensis) von elwa 4 Monaten. Comptes
rendus XL; Revue de zool. VII. p. 436. — Von demselben
Thiere im erwachsenen Zustande lieferte Vinson ib. p. 478
eine Beschreibung. Es. hat; einen 'eigenthümlichen. Geruch,
schläft am Tage, wurde Nachts sehr unbändig;; später wurde
es zahmer , aber auch traurig und kränklich; ‘es: war sehr
Jüstern nach Kaffe mit Milch und Zuckerwasser.
Sehr umfassende „Unlersuchungen über die craniologi-
schen Enlwickelungsstufen und die davon herzuleitenden Ver-
wandischaften und Classifiealionen, der Nager der. Jetziwelt
mit besonderer Beziehung auf die Gallung Castor“ haben wir
Brandt zü verdanken, Mem. de l’acad. de St. Petersbourg
VII. 1855. p.125—336 mit I2 Tafeln.
Nachdem Verf. die allgemeinen craniologischen Charaktere der
Nager, und die bei der Charakteristik leitenden Grundsätze festge-
stellt hat, geht er die einzelnen Familien durch. Es geht für unse-
ren Zweck nicht an, dem Verf. in seinen einzelnen Betrachtungen
zu folgen, und wir begnügen uns, einen kurzen Auszug aus dem
p- 291 aufgestellten Systeme zu geben. Die Nager stehen durch die
Gattung Chiromys mit den Quadrumanen, durch Phascolomys mit den
Marsupialien, durch Hyrax mit den Vielhufern und durch die Hasen
mit einigen Wiederkäuern in Beziehung. Die Nager zerfallen in vier
Unterordnungen, deren Typen die Gattungen Sciurus, Mus, Hystrix
und Lepus sind, und die Sciuromorpha, Myomorpha, Hystrichomorpha
und Lagomörpha genannt werden.
1. Sciuromorpha. Ihr Schwanz ist immer weich behaart.
Stirnbeine meist breit und haben fast immer am hinteren Rande des
Orbitalrändes einen Fortsatz. Der Processus zygomaticus des Ober-
kiefers meist einfach, eine Lamelle darstellend, nur ausnahınsweise
mit doppelter Wurzel. Der Malar- Theil der Kiefer ganz knöchern.
Die Infraorbital-Löcher meist von einer kurzen Röhre eingeschlossen,
um die Hälfte kleiner als die Nasenöllnungen. Die Processus 'pte-
rygoidei horizontal. Das knöcherne Gaumenbein meist zwischen den
Bäckzälinen vollständig. Die Foramina incisiva den Sehmeidezähnen
genähert, Der Angulas des Unterkiefers aus seinem Unterrände her-
vorgehend, meist viereckig, Dahin nur die Familie der Sciuroiden,
48 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
die in zwei Unterfamilien zerfällt, je nachdem die Backenzähne Wur-
zeln besitzen oder nicht, Rhizodontes s. Sciurini (Sciurus L., Xeros
Ehrenb., Tamias Ill.; — Pteromys Fr. Cuv., Sciuropterus Fr. Cuv. —
Anomalurus —. Arctomys. ‚et; Spermophilus Fr. Cuy.) und Prismato-
dontes s. Haploodontes (Haploodon Rich.).
2.) Myomorpha. Schwanz meist schuppig, sparsam. behaart.
Die Stirnbeine besonders vorn schmal oder mittelmässig, nie am Ur-
bitalrande mit einem Fortsatz. Der Processus zygomaticus des Ober-
kiefers doppelt, eine dreieckige meist oben breitere unten engere
Spalte einschliessend. Die Processus pterygoidei fast perpendiculär
oder horizontal. Der Malartheil der Kieler neben oder vor den stum-
pfen Infraorbital-Löchern mit einer spaltförmigen Thränenkanal-Oell-
nung und sehr häufig nur zum Theil durch eine häutige Membran ge-
schlossen. Der knöcherne Gaumen vorn immer ganz, hinten nicht
selten ausgerandet. Die Foramina incisiva den Backenzähnen mehr
genähert. Der hintere Fortsatz des Angulus des Unterkiefers aus dem
ganzen Unterrande hervorgehend und dreieckig. Dahin sechs Fami-
lien: 1. Myozoides mit der Gattung Myoxus. 2. Castoroides mit der
Gattung Castor. 3. Sciurospalacoides mit den Gattungen Ascomys Licht,
und Tomomys Pr. Max. 4. Myoides, zerfällt in Rhizodontes s. Murini
mit fünf Sectionen (a. Mures subsciuroides, @) Mures proprii mit den
Gattungen Mus, Pelomys, Acodon, Phloeomys, Dendromys, Steatomys,
Pseudomys, Drymomys, Hapalotis, Reithrodon , Hesperomys, Acomys,
Saccostomus; $) Mures myoschizodontes mit der Gattung Neotoma
Say;,y) Mures submerioniformes mit den Gattungen Sigmodon, My-
stromys, Malacothrix, Euryotis; d) Criceti mit den Gattungen Crice-
tomys und Cricetus. b. Mures merionilormes s. Arvicolini mit den
Gattungen Gerbillus, Meriones, Rhombomys und Psammomys. c. Pe-
ragnathi seu Mures sciurospalacoides mit den Gattungen Peragnathus
und Saccomys.. d. Hydromyes s. Mures castorini mit der Gattung Hy-
dromys. e. Smintbi s. Hystrichomyes mit der Gattung Sminthus) und
Prisimatodontes s. Arvicolini mit den Gattungen Arvicola, Lemmus und
Ondatra. 5. Spalacoides zerfällt wieder in Rhizodontes (Gatt, Spalax,
Rhizomys, Heterocephalus, Bathyergus, Georychus, Heliophobius und
Prismatodontes (Gatt. Ellobius, Myospalax). 6. Dipodoides mit vier
Subfamilien a. Jaculini (Jaculus Wagn.), b. Dipodini (Dipus, Scirte-
tes, Platycercomys), c. Pedetini (Pedetes), d. Macrocolini (Macroco-
lus und Dipodomys Gray ?).
3.. Hystrichomorphka. Der Processus zygomaticus des
Oberkiefers besteht aus zwei schmaleren hakenförmigen Wurzeln, de-
ren untere niemals die Form eines senkrechten Blattes hat, wie bei
den typischen Myomorpha. Infraorbital-Löcher sehr ‚gross, dreieckig
oder nierenförmig, unten meist viel breiter, grösser als die Nasenöll-
nungen. Die äussere Thränenkanal-Veilnung meist, vor dem, Processus
der Säugthiere während des Jahres 1855. 49
zygomaticus des Oberkiefers oder unter ihm, selten vor ihm. Die
Pars genalis der Kiefer Sach mit knöcherner Substanz geschlossen.
Die Stirnbeine zwischen den Augenhöhlen erweitert. Der knöcherne
Gaumen zwischen den Backenzähnen niemals, hinten meist dreieckig
ausgeschnitten, Die Foramina incisiva mässig oder ziemlich ‚klein.
Die hinteren Winkel des Unterkiefers meist aus der äusseren Wand
hervorgehend, meist einen dreieckigen, nach hinten verlängerten Fort-
satz bildend. Dahin vier Familien: 1. Hystrichoides mit zwei Sub-
familien Philogaei (Gatt. Hystrix L.) und Philodendri (Gatt. Erethi-
zon, Chaetomys und Cercolabes. 2. Spalacopodvides mit zwei Subfami-
lien Echinomyes s. Rhizodontes (Gatt. Petromys, Capromys, Plagio-
don, Dactylomys, Cercomys, — Aulacodes, — Loncheres, Echinomys,
Nelomys, Holochilus Br.; Mesomys, — Carterodon, — Myopotamus)
und Octodontes s. Arhizodontes (Gatt. Octodon, Ctenomys, — Cteno-
dactylus — Spalacopus Wagl., Schizodon, — Habrocomus). 3. Chin-
chılloides s. Eriomyoides mit zwei Subfamilien Urobii s. Eriomyes
monticolae ((att. Eriomys Licht, Lagidium Meyen), und Homalobii s.
Erimyes planicolae (Gatt, Lagostomus). 4. Hemionychoides mit zwei
Subfamilien Dasyproctini (Gatt. Dasyprocta, Coelogenys) und Cavini
(Gatt. Cavia, Dolichotis, — Hydrochoerus).
4. Lagomorpha. Von allen Nagethieren durch die bekann-
ten 4 oberen Schneidezähne unterschieden. _Der Processus zygoma-
ticus.des Oberkiefers mit einfacher nicbt blattartiger Wurzel. Die
Infraorbital-l,öcher klein, viel kleiner als die Nasenöffnungen. Die
obere äussere Thränenkanal- Oeffnung hinter. dem Processus zygoma-
ticus des Oberkiefers. Der Wangentheil des Oberkiefers grossentheils
nur durch Haut geschlossen. Der knöcherne Gaumen erscheint zwi-
schen den Backenzähnen wie ein queres knöchernes schmalvierecki-
ges Joch. Die Foramina incisiva gross oder sehr gross, fast herz-
lörmig, hinten breiter, zwischen den vorderen Backenzähnen. Die
hinteren Winkel des Unterkiefers bilden hakenförmige Fortsätze , die
aus dem ganzen Unterrande entspringen. Dahin nur eine Familie La-
geides mit zwei Subfamilien Lagomyes (Galt. Lagomys) und Leporini
(Gatt. Lepus Linn.).
Sceiurina. Horsfield beschrieb Annals nat. hist. XVI.
p- 113 ein neues Eichhörnchen Seiurus M’Clellandıi aus der Sammlung
von Hodgson und bemerkt dabei, dass es nach seinem Habitus, ver-
schmälerten Schwanz, fein gefransten Ohren der Amerikanischen Gat-
tung Tamias gleiche; es bleibe zu untersuchen, ob es Backentaschen
habe oder nicht. Das Thier ist oben bräunlich, unten schmutzig gelb-
grau, auf dem Rücken eine schwarze Längslinie; jederseits eine braune
hellgelblich gerandete Linie.
Auch Baird hat drei neue amerikanische Arten dieser Gattung
aufgestellt Proc. Philad. VII. p. 331— 333. Sciurus limitis von Texas
Archiv f. Naturgesch. XXI. Jahrg. 2. Bd, D
50 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
hat vier obere Backenzähne, ist oben zimmetfärbieg und schwarz ge-
mischt, der Schwanz hat drei schwarze Ringe; Sc. castanonis von
den Mimbres mit 5 bleibenden oberen Bäckerizähnen, ist oben dunkel
kastanienbraun , sonst aschgrau und bleifarbig gemischt, Augenlieder
und Unterseite weiss; keine Ohrbüschel. ‘Sc. Suckleyi von Puget-
Sound, Schwanz kürzer als der Körper ; Ohrbüschel; oben kastanien-
braun mit schwarz gemischt, eine dunkle Linie längs den Seiten;
Schwanz am Ende schwarz:
In der Gattung Tamias stellte Baird Proc. Philadelphia VII.
p 332 und 334 zwei neue Arten auf: Tainias dorsalis von den Mim-
bres; Schwanzrübe nicht halb so lang wie der Körper, Schwanzhaare
sehr lang, schwarzbraun mit weisser Spitze, nur der Mittelstreif und
ein äusserer Längsstreif dettlich. — Tamias Cooperi. Schwanzrübe
etwas länger als der halbe Körper, Ohren gross; drei deutliche und
zwei ininder deutliche Rückenstreifen mit hellgrauen Zwischenräu-
men. Ostseite des Cäscade-Gebirges, Washington Territory.
Spermophilus Couchii ist eine neue Art von Baird Proc. Phi-
ladelphia VII. p. 332, Ganz schwarz, Schwanz zwei Drittel der Kör-
perlänge. Santa Caterina in Mexiko. — Sp. Gunnisohi ib. p. 334.
Ohren sehr kurz, Daumen mit wohlentwickelter Kralle, Schwanz sehr
kurz, ‘/, des Körpers. Oben hell leberbraun, gemischt mit aschgrau,
hellbraun und schwarz. Rocky-Mountains. — Nach dem Verf. ist Sp.
spilosöma Bennet irrthümlich von Audubon und Bachman für den
Jugendzustand Yon mexicanus angesehen. — Sp. grammurus Say wurde
in Texas und Beecheyi Richards. in Californien aufgefunden.
Castorina. Beiträge zur näheren Kenntniss der Gal-
tung Castor von. Brandt Mem. de l’acad. de St. Petersbourg
Vi. 1855. p. 4376.
In Anerkennung des grossen Interesses, welches die Frage ge-
währt, welche Thiere des nördlich europaisch - asiatischen Continents
mit denen des nördlich amerikanischen Continents der Art nach iden-
tisch oder verschieden seien, hat Verf. sorgfältige Nachforschungen
über den Biber angestellt. Es stand ihm ein ziemlich reiches Mäte-
rial an Bälgen und Schädeln zu Gebote. Der erste Abschnitt behan-
delt die Frage, ob der Amerikanische Biber von dem Europäisch-
Asiätischen verschieden sei. Er kommt zu dem Ergebnisse: 1) dass
von den Kuhl’schen, Oken’schen und frühern ‘Brandt - Ratzeburg'-
schen äusseren Merknialen keins für die Artunterscheidung brauch-
bar erscheint; 2) dass in der relativen Körpergrösse die 'amerika-
nischen Biber nach den vorliegenden Erfahrungen von dem Euro-
päischen sich nicht wesentlich unterscheiden dürften ; 3) dass in Be-
zug auf das Verhälmiss der Kopf-, Ohr-, Fuss- und Schwanzbil-
dung cs dem Verf. »bis jetzt nicht gelungen ist, durehgreifende Merk»
der Säugthiere während des Jahres 1855. 51
male nufzufinden; 4) dass dagegen beim Vergleiche von 8 Schädeln
europäischer Biber mit 5 Schädeln von Bibern der Amerikanischen
Nordwesiküste sich mannigfache, zum Theil sehr auffallende, con-
stante Unterschiede zwischen den alt- und neuweltlichen Bibern her-
ausstellen; 5) dass manche dieser Schädelunterschiede auch Abwei-
chungen im äusseren Baue bedingen dürften; und 6) dass die be-
kannte formelle, histologische, zwischen den alt- und neuweltlichen
Bibern stattGndende Abweichung der Vorhautsäcke und ihres schon
im äusseren Ansehen abweichenden Sekretes ebenfalls einer artlichen
Verschiedenheit beider das Wort zu reden scheinen. Ausführliche ver-
gleichende Diagnosen und drei Tafeln mit Abbildungen veranschauli -
chen die Verschiedenheiten. Aus den längeren Diagnosen heben wir
nur die an die Spitze gestellten hervor:
Castor fiber. Rostrum longius; dentes incisivi dilatati, superio-
rum singuli partis alveolaris anterioris tertia parte sublatiores; oculi
inter se, nec non a rostri apice remotiores; nasus in parte anteriore
plerumque magis depressus; arcus superciliares magis prominentes.
Castor americanus. Rostrum brevius ; dentes ineisivi minus di-
latati, superiores partis alveolaris anterioris tertiam partem circiter
aequantes; oculi inler se, nec non apici nostri magis approximati;
nasus, ut videtur, paulo convexior ; arcus superciliares minus promi-
nentes,
In dem zweiten Abschnitte dieser Abhandlung: spricht Verf. über
die Variation einzelner Knochen des Biberschädels. als schlagendes
Beispiel der zuweilen sehr beträchtlichen individuellen, gestaltlichen
Abweichung der Schädelknochen einzelner Tbhierarten.
Eine sehr gelehrte Abhandlung von Brandt (ib. p. 77—
124) „Blicke auf die allmählichen Fortschritte in der Gruppi-
rung der Nager mil specieller Beziehung auf die Geschichte
der Gallung Castor, besonders des altwelllichen Bibers, ist rein
historischer Nalur und daher keines Auszuges fähig. Eine
Angabe des Inhalts der einzelnen Kapitel möge eine Vorstel-
lung von dem Umfange der Untersuchungen geben.
1. Ueber die Kenntnisse , welche die alten Perser, Egypter,
Griechen und Römer vom: altweltlichen Biber und den von ilım her-
stammenden Producten besassen. 2. Einige Worte zur Geschichte des
Bibergeils und des Bibergeilöls. 3. Nachrichten, welche die natur-
geschichtlichen Schriftsteller des Mittelalters und der neueren Zeit bis
auf Ray über den Biber mittheilten. 4. Mitiheilungen über die Gat-
tung Castor und ihre Verwandten, als Versuch einer geschichtlichen
Entwickelung der Classification der Nager und der Biber ins beson-
dere, von Ray bis zur neuesten Zeit (bis zum Jahre 1850). 5. Kri-
tischer Rückblick auf die verschiedenen Nager-Eintheilungen. 6. Kri-
52 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
tischer Rückblick auf die verschiedenen Classificationen der Gattung
Castor.
In denselben Petersburger academischen Schriften fin-
den sich noch drei kleine auf die Kenntniss des Bibers be-
zügliche Schriften von Brandt: p. 337. Bemerkungen über
die. Beziehung des. altweltlichen Bibers bei verschiedenen
Volksslämmen, besonders über das Wort Castor und Fiber,
sowie über Castorion und Castorium (der'Name Castor ist
danach von dem Indischen Kasturi, Moschus, auf den Biber
überlragen), — p. 343 Beiträge zur Kenntniss des Bibers bei
den Arabern, — und endlich p. 367 Millheilungen über den
Biber, wohl richtiger die Fisch- und Meerolter aus chinesi-
schen Schriftstellern, nach Stanislas Julien.
Sciurospalacina. Parvin gab einige Nachricht von der
Lebeusweise des Geomys bursarius. Ninth Smithsonian report’ p. 293,
Dieses Thier gräbt lange Höhlen in die Erde, ‘zwei Fuss unter der
Oberfläche und oft meilenweit, und macht in passenden Entfernungen
Ausgänge unter einem Winkel von 450 zur. Oberfläche. Durch diese
trägt es in seinen laschen den Schmutz heraus und verstopft sie dann
wieder mit Erde bis zu seinem Hauptgange, so dass zuletzt seine
Höhle einen langen gewundenen Gang darstellt. Seine Nahrung, Wur-
zeln u. dgl. sammelt es in tiefen Höhlen für‘den Winter. Es ver-
lässt seine Gänge fast nie,
Als neue Arten dieser Gattung beschrieb'Baird Proc. Phila-
delphia VII. p.332 G. Clarkii, obere Schneidezähne ‚mit einer tiefen
Grube in der Mitte; Vorderfüsse fast gleich den hinteren, zweite
Kralle der Hand reicht so weit wie die vierte; Backentaschen klein;
Pelz weich und voll. Rio grande. — G. breviceps, eine schmale Furche
der oberen Vorderzähne nahe dem Innenrande, und eine viel breitere
in der Mitte des übrigen Raumes, Vorderfüsse länger als die hinteren,
ihre zweite Kralle reicht nur zur Mitte der vierten; Backentaschen
weit; Schädel kurz, breit; oben dunkel kastanienbraun. Morehouse
Parish, Louisiana.
Thomomys laticeps Baird n. sp. Proc. Philadelphia VII. p. 335.
Backentaschen mässig, Schwanz fast halb so lang wie der Körper,
Füsse gross und breit, Krallen an der Hand dünn; die Kralle des Dau-
mens reicht fast zur Mitte der Hand. Schädel sehr breit, Schnauze
kurz. Oben gelblich rothbraun. Humboldt-Bay.
Nurina. lHodgson stellte Annals nat. hist. XVI.. p. 112 drei
neue Mäuse auf: Mus tarayensis, dunkelbraun mit schwachem Glanze,
Kopf verlängert, Schwanz kürzer als der Körper, unterwärts rostlar-
biggrau ; nur ein Exemplar. — Mus plurimammis soll sich besonders
der Säugthiere während des Jahres 1855. 53
durch die grössere Zahl der Zitzen auszeichnen ; man vermisst jedoch
eine Angabe dieser Zahl. — Mus morungensis, durch grossen abge-
stutzten Kopf, kräftigen Körper, langen, spitzen und klein geringelten
Schwanz, sowie durch röthlichschwarze, Farbe charakterisirt.
Auch Pucheran gab in der Revue de zool, VII. p. 206. die
Diagnosen zweier neuer Arten dieser Gattung: Mus hypozanthus, ca-
pite supra, dorso ex magna parte brunneo-rufis; rhinario vivide rufo,
dorso postice eruribusque dilutioribus; infra“ omnino fulvus ; pedibus
fuseis; cauda, corpore longiore, supra nigricante, infra grisea, —
Mus hypoleucus. Supra brunneo-nigricans, parum rufescenti tinctus;
inira albus; pedibus fuscis; cauda, corpore longiore, omnino grisea.
Beide von Gabon.
Reithrodon montanus Baird Proc. Philadelphia VII. p. 335. Halb
so gross wie.die gewöhnliche Maus, Ohren kleiner, dicht und lang be-
haart, Schwanz so lang wie der Körper, dicht mit kurzen Haaren be-
setzt; braun, unten matt weiss. Rocky-Mountains.
Hesperomys Boylii Paird Proc. Philadelphia VII. p. 335. Ohren
sehr gross, fast nackt, Schwanz beträchtlich länger als der Körper
mit einem Haarbüschel an der Spitze, Kopf breit, sehr spitz; braun und
gelblichbraun gemischt. Californien. — H. austerus ib. Schwanz von
der Länge des Körpers, Hinterfüsse länger; bräunlich bleifarbig.
Puget-Sound.
Le Conte beschrieb ib. p.442 gleichfalls zwei neue Arten
der Gattung Hesperomys. Die eine H. cognalns, welche in Georgien
und Südcarolina lebt, ähnelt leucopus und gossypinus, daher stellt
Verf, die Diagnosen dieser drei Arten folgendermassen neben einan-
der: H. leucopus, supra laete badius, interdum prope aurantiacus, sub-
tus niveus, coloribus a se abrupte disiunetis, pedibus postieis anticis
plus duplo longioribus. — H. cognatus, supra nigro -fuscescente, et
fusco variegatus, subtus albidus tanquam _cinereo-mixtns, pedibus
non tam imparibus. — H, gossypinus, supra fuscescente-badius, lateri-
bus dilutioribus, subtus .cinerascente -albidus ; corporis magnitudine
valde a duobus praecedentibus differt. — Die zweite neue Art H. gracilis
ist oben schieferfarbig, Wangen, Kinn, Kehle und Unterseite weiss,
Unterseite der Vorderschenkel bräunlich; Schwanz länger als der Kopf
und Körper. Michigan.
Aus der Gattung Neotoma stellte Baird drei neue Arten anf
Proe. Philadelphia VII p. 333 u. 335: N. mezicana, Ohren sehr gross,
Füsse klein, Schwanz °/, der Körperlänge mit kurzen steifen Haaren,
Pelz lang und sehr weich Hell gelbbraun, Füsse und Unterseite weiss.
Chihuahua. — N. micropus, Schwanz kaum zwei Drittel der Körper-
länge, sparsam behaart; Schädel breiter und Füsse kürzer als bei flo-
ridana, Schiefergrau, unterhalb weiss, Mexiko. — N, oceidentalis 000-
per MS., N. Drummondii Aud. et Bachm, Shoalwater-Bay, W. T,
54 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Sigmodon Berlandieri Baird Proc. Philadelphia VII. p. 333.
Schwanz von der Länge des Körpers; graugelbbraun. San Antonio,
El Paso und Nordmexiko,
Perognathus flavus Baird n. sp. von EI Paso. Proc. Philadel-
phia VII. p. 332; kleiner als die Hausmaus, Schwanz fast so lang wie
der Körper, Hinterfüsse kurz; oben gelblich lederfarbig, unten schnee-
weiss an den Wurzeln der Haare.
Dipoda. Dipodonys montanus Baird Proc. Philadelphia VII.
p- 334. Schwanz kräftig, etwas länger als der Körper, mit einem
dunklen Streifen oben und unten, die weissen Seitenstreifen reichen
bis ans Schwanzende; auf dem Schwanze ein Haarkamm bis zur Spitze;
Körper oben gelhlichbraun. Massachusetts. — Verf. charakterisirt hier
auch D. agilis Gambel von Californien.
Leporina, Auch zwei neue Hasen hat Baird Proc. Phila-
delphia VII. p. 333 beschrieben : Lepus Washingtonii von Puget-Sound
und Shoalwater-Bay und Lepus Trowbridgü aus Californien.
Edentata.
Leidy hat die fossilen Reste einiger Faulthiere beschrie-
ben, „A Memoir on Ihe extinet sloth tribe of Northamerica.*
Smithsonian contributions to knowledge Vol. VII. 1855.
Sehr ausführlich sind die Knochen von Megalonyx Jeffersonii
Harl. beschrieben (p. 3—45 und pl. 1—13); ausserdem Megalonyz dis-
similis Leidy nach zwei Zähnen aufgestellt (pl. 14. fig..5—8), welche
in der Nähe von Natchez gefunden worden, Ereptodon priscus Leidy
(pl. 14. fig. 9—10) nach einem einzelnen Zahn von Natchez, Mylo-
don Harlani Owen <pl. 14. fig. 1-3), Megatherium mirabile Leidy
(pl. 15). Letztere Art sieht Verf. für verschieden von der südameri-
kanischen MN. Cuvieri an.
Nodot stellte in der Nähe von Glyptodon eine neue fossile
Gattung Schistopleurum auf, die im Systeme zwischen Glyptodon
und Polypeutes stehen muss. Sie enthält drei Arten Sch. typus, gem-
matum und tuberculatum (Gl. tuberculatum Owen). Von der Gattung
Glyptodon kennt Verf. 10 Arten. (Comptes rendus XLI; Revue de
zool. VII. p. 427.
Gulliver machle auf die Grösse der Blutkügelchen
von Myrmecophaga jubata aufmerksam (Proc. zool. soc. 1854.
Jan., Ann. nat, hist. XV. p. 381).
O wen legle der Zoological sociey of London eine
Anatomie des amerikanischen Ameisenbären Myrmecophaga
jubala vor, nach einem erwachsenen weiblichen Exemplare,
welches über neun Monate in dem Londoner zoologischen
der Säugthiere während des Jahres 1855. 35
Garten gelebt halte. Die vollständige Abhandlung wird mil
zahlreichen Abbildungen in den Transaclions der Gesellschaft
erscheinen (Annals nat. hist. XVI. p. 374).
Solidungula.
Geoffroy St. Hilaire zeigte der Pariser Academie
an, dass die Menagerie durch eine neue Art Equus hemippus
bereichert sei, welche zwischen Palmyra und Bagdad gefan-
gen und dort äusserst selten sei. Sie hält die Mitte zwischen
E. hemionus und caballus (Comptes rendus XLI. Dec., Revue
de zool. VII. p. 593).
Pachyderımata.
Halbertsma veröffentlichte in den Verhandelingen der
koninklijke Akademie van Wetenschappen II. eine Abhand-
lung: Bijdrage tot de zieklenkundige ontleedkunde der tan-
den (Beitrag zur pathologischen Anatomie der Zähne). Sie
ist von 5 Tafeln mil Abbildungen von Elephantenzähnen be-
gleitet.
Wyman hat in The U. S. naval astronomical expedition von
Gilliss II. p. 275 ein Fragment des Unterkiefers von Mastodon Andium
Cuv, beschrieben und abgebildet. Auch ist daselbst der sechste Bak-
kenzahn von Mastodon Humboldtii und das Fragment eines Femur von
Mastodon beschrieben.
Lapham beobachtete an einem Exemplare von Mastodon gi-
ganteus sieben Backenzähne oben und unten. Boston Proc. V. p.133.
— Darüber machte Warreu (ib. p. 146) seine Bemerkungen, und
erklärt die vermehrte Zahl der Backenzähne für einen Zufall.
Gray bildete die Hörner eines zweihörnigen Rhinoceros ab,
die muthmasslich einer neuen Art angehören, der er den Namen Rhi-
noceros Oswellii beilegt, Die Hörner stammen aus dem Innern von
Südafrika; das vordere Horn ist lang, dick und nach vorn gebogen,
31 Zoll lang; das hintere fast viereckig 11 Zoll lang. Proc. zool. soc.
1853 March ; Annals nat, hist. XV. p. 142.
Der im Berichte von 1852 p. 19 erwähnte Choeropotamus pictus
Gray ist von Gray selbst als identisch mit $us penicillatus Schinz
erkannt und nunmehr Ch. penicillatus genannt worden, Er .charak-
terisirt die Gattungen Sus, Babyrussa. und Potamochoerus, zu welcher
letzteren die obige Art, und Sus africanus Schreb. (S. larvatus F..Cuv.)
gehören. Proc. zool. ‚sec, 1852 Dec.; Annals natı hist, XV. pı 64,
56 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Ruminantia.
Marsh hielt, einen Vortrag über das Kameel vor der
Sınilhsonian Institution, welcher manche inleressante Nolizen
enthält. Ninth Smithsonian report p. 98— 122.
Powell schilderte das Leben des Hirsches von Maine.
Proc. Philadelphia VII. p. 342.
Dieser Hirsch, dessen systematischer Name nicht genannt ist,
verlässt Mitte Mai seinen Winteraufenthalt , und nähert sich den Seen
und Flüssen. Er liebt das Wasser, in welches er oft geht, um die
Wasserpflanzen und Wurzeln zu fressen. Die zweijährigen Kühe
werfen ein Junges, die drei- und mehrjährigen dagegen stets zwei,
sehr selten drei. Ende September beginnt die Brunst. Wenn es Eis
zu frieren anfängt, ziehen sich die Hirsche in die Gebirge zurück.
Wenn tiefer Schnee fällt, wählen sie einen geschickten Ort, und
weiden hier dicht bei einander. Ein solcher Hirsch-Hof (yard) hält
oft 100 Acres, in den letzten Wochen der Saison aber nur etwa zehn,
Die alten Hirsche leben einsam; die jüngeren leben bisneun in einem
Hofe. Verjagt fliehen sie in einer Reihe, indem jeder genau in die
Fussstapfen des Vorgängers tritt, Dieser Hirsch wird selten älter als
15 Jahre. Er geht gern auf den Fackelschein los, was bei der Jagd
benutzt wird. Er lässt sich leicht zähmen.
Pucheran hat zwei Exemplare des Cervus Philippinus Ham.
Smith, welche seit 1851 in der Menagerie zu Paris lebten, beob-
achtet. Er beschreibt das Männchen, das Weibchen und die von ihnen
geworfenen Jungen. Verf. hält die Art für verschieden von C. Marian-
nus, indem bei letzterem das Geweih schlanker aber entwickelter ist.
Aber die Art darf fortan nicht mehr in derselben Abtheilung bleiben
wie der Muntjac. Die so häufigen Verkrüppelungen der Geweihe
schreibt er dem Reiben der Haut zu, wodurch in dieser, die die Haupt-
rolle beim Wachsthume spielt, die Circulation gehemmt werde. Re-
vue et mag. de zool. VII. p. 49.
Unter den Wiederkäuern der oben erwähnten Heuglin’schen
Sammlung lebender Thiere bezeichnete Fitzinger ]. c. p. 247 vier
Arten als neu, nämlich: Adenota megaceros Heuglin von Bahr el abiad,
unter dem 7. Grad nördlicher Breite, ausgezeichnet ausser der abwei-
chenden Färbung durch das mächtige Gehörn des Männchens; Hircus
Gazella Fitz., die in der Färbung mit der gemeinen Gazelle Aehn-
lichkeit haben soll, gleichfalls von Bahr'el abiad; — Hırous the-
baicus Fitz. aus Aegypten, ausgezeichnet durch den weit vorste-
henden Unterkiefer und die langen’ hängenden Ohren; — Ovis cye-
nütica Fitz. unterschieden durch den überaus stark gewölbten Na-
senrücken, den bis zum Boden reichenden Schwanz und .die reichliche
der Säugtbiere während des Jahres 1855. 57
Wolle des Vliesses. Wird als Hausthier gehalten und dürfte wohl
nur Varietät sein.
Geoffroy St. Hilaire las eine Note über eine Heerde An-
gora-Ziegen, welche in den Besitz der Societ& d’acclimatisation durch
den Emir Abd-el-Kader gekommen war. Comptes, rendus. XL. p. 865.
Walter Adam hat der Linnaean. Society eine Abhandlung;
„On the osteological relations observable among a few speeies. of the
bovine family“ vorgelegt. Er hat die Skelete von Bos Bantiger von
Java, Bibos Gaurus von Nepaul und Bison americanus in beiden Ge-
schlechtern, so wie von den Männchen des Auerochsen aus Lithauen,
des Cap’schen Büffels und des kurzhörnigen Bülfels vom Gambia un-
tersucht. Er hat die basilare Länge des Schädels als Einheit des Maas-
ses angenommen, diese in 72 Theile getheilt, und so alle Skelettheile
tabellarisch verglichen. Annals nat. hist. XV, p..309,
Ueber die Hörner des Galla- Ochsen oder Sanga brachte Gray
eine Notiz bei. Proc. zool. soc. 1852.Dec.; Annals nat. hist. XV. p. 66.
J. E. Gray erwähnt eines sehr grossen Schädels mit den Hör-
nern von Bos arne, welcher im Innern von Assam erlegt war. Der
Schädel mass 2-4, die Länge der Hörner 12. 2”, die Entfernung ihrer
Spitzen 6 8”. Proc. zool. soc. Jan. 1855; Annals nat. hist. XV],
p- 230.
Pinnipedia.
Owen hat ein Exemplar von Trichechus Rosmarus,
welches in dem zoologischen Garten zu London im Oclober
1853 starb, analomisch untersucht. Er hebt die grosse Stärke
der flussenförmigen Füsse hervor, wodurch das Wallross’ fä-
hig ist, den Körner vom Erdboden zu erheben und wirklich
zu gehen. Das Thier war ein Weibchen, und besass vier
Zilzen, 2 am Bauche und 2 in den Weichen. Das Milch-
2
zahngebiss ist ee BR 1er als das’ normale Gebiss wird
garal aaa ping h I
3.0.3.0,3 angegeben. Die Zahl der Zähne kann aber
auch bis 26 zunehmen. Proc. zool. soc. 1853. Nov.; Ann. nat.
hist. XV. p. 226.
Bei derselben Gelegenheit, wo ein lebendes Wallross
in London beobachtet werden konnte, hat Gray alle bishe-
rigen Abbildungen vom Wallross, von den ältesten Ges-
ner’schen und Olaus Magnus’schen an, die abenteuerlich ge-
nug aussehen, in Holzschnilten wiedergegeben. Proc. zool,
soc. 1853; Annals nat; hist. XV. p. 339,
58 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Naturgesch. etc.
Cetacea.
Ueber die Stellung, welche Guitton den Celaceen im
Systeme anweist (vergl. den vor. Bericht p. 6) spricht sich
Bureau aus. ‘Revue et Mag. de Zoologie VIL p. }. Die
Wallfische , wie Guitton, mit den Affen zu vereinigen,
scheint dem Verf. doch auch sehr schwierige. Er möchte
“ eine Wasser-Abtheilung wieder herstellen, so dass dann die
eigentlichen Wallfische einen Uebergang zu den Edenlaten,
die, Sirenen zu den Pachydermen, Tapir und Nilpferd,, das
Wallross zu dem Elephanlen, die Robben zu den Fleischfres-
sern bilden würden. — Guitton versucht seine Ansicht
über die Stellung ib. p. 264 noch ferner zu verlheidigen.
Ich überlasse dem Leser das Raisonnement des Verf. selbst zu
beurtheilen.
Im Mai 1853 strandete bei Dundrum eine ganze Heerde
von Delphinen von 10 bis 19Fuss Länge. Es waren 6 Weib-
chen und drei-Männchen., Von einigen sind die Masse durch
Gulliver verzeichnet, auch ist die Analomie eines Fölus
gegeben. Die Thiere scheinen Delphinus globiceps gewesen
zu sein. Proc. zool. soc.. 1853. May; Annal nat. hist. XV.
p. 218:
Eine neue fossile Art Rorqual zeigte P. Gervais Annales
des sc. nat. JII, 1855. p. 338 an. Sie ist auf einen Unterkiefer ge-
gründet, der bei Montpellier gefunden wurde.
Der Schiffsführer Breuning beobachletle mit seinen
Passagieren ein vermulhlich wallfischarliges Ungeheuer unter
36° südl. Br. und 3° östl. Länge, welches sie auf 120 Fuss
Länge und 40 Fuss Breile schälzten. Es lag auf der Ober-
fläche des Meeres und erschien von Weitem wie eine Insel.
Natuurk. Tijdschr. Ned. Indie IX. p. 523.
Bericht über die Leistungen in der Herpe=-
tologie während des Jahres 1855.
Vom
Herausgeber
In den Archives duMuseum. d’hist, nat. VII. 1855. p. 193
— 319 ist enthalten: Nolice, historique ‚sur la Menagerie des
Reptiles du Museum d’hist. nat. ct. par Aug. Dumeril.
Diese Abhandlung enthält eine Aufzählung aller Reptilien, die
in der Menagerie gelebt haben, und eingestreule Beobach-
lungen über, Lebensweise, Entwickelung , Gift der Schlangen
u. del. m. Auf die Einzelnheilen hier näher einzugehen
verbietet der Raum.
Valenciennes und Fremy haben die Eier der Re-
plilien auf ihre Zusammensetzung untersucht. Journ. de Phar-
macie August 1854, übersetzt in Silliman Amer. Journ. XX.
p. 65. In den Schildkröteneiern fanden sie einen Stoff, den
sie Emydin nennen. In den Froscheiern soll Ichthin wie
in den Eiern der Selachier vorkommen.
Aus dem Jahre 1853 ist noch nachzutragen, dass von
v. Gallenstein eine Aufzählung des Reptilien von Kärn-
ten in Canaval’s Jahrbuch des naturhistorischen Landesmu-
seums von Kärnten Jahrg. II. p. 1—20 erschienen war.
Der Graf de Sinety veröffentlichte in der Revue ct
Mag. de Zoologie VII. p. 129 ein Verzeichniss der Reptilien
aus dem Departement Seine-et-Marne. Es enthält 5 Echsen,
5 Schlangen, 9 ungeschwänzte und 6 geschwänzte Balrachier.
Nach Gustav Radde’s Schilderung des Thierlebens
60 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Herpetologie
am faulen Meere (Bull. de Moscou 1855. p. 159) ist der salz-
durchdrungene Boden sehr arm. Nur wenige Eidechsen be-
leben die kleinen Inseln im Siwasch; an seinen Ufern hat
Verf. nie einen Batrachier gesehen, und selten Coluber-Arten.
Bleeker theilte in der Natuurk. Tijdschr. for Nederl.
Indie IX. p. 511 ein Verzeichniss von Reptilien aus der Re-
sidentschaft Palembanz auf Sumatra mit. Es enthält 7 Ech-
sen, 15 Schlangen, 1 Frosch. Zwei neue Arten Lophyrus
sumalranus, und Simoles purpurascens. (Xenodon- purpurascens
Schl.) werden nur genannt,. und sollen späler beschrieben
werden.
Wie man oft das Nächstliegende übersieht, so ist die
Uebersicht der auf seiner Reise‘ (nach ‘Mossambique) gesam-
melten Amphibien von Peters (Monalsberichte der Berliner
Academie 1854. p. 614) im vorigen Berichte ausgelassen wor-
den, 'obgleich sie in unserem Archiv 1855. 1. p. 43 wieder
abgedruckt ist. Die neuen Gällungen und Arlen sind unten
der Vollsländigkeil wegen namhaft gemacht.
Von Amphibien kommen nach Head Ninth Smithsonian
report p. 292 bei Fort Ripley, Minnesota Coluber sirlalis und
eine Naller (adder) vor. Die Klapperschlange ist sehr sellen.
InGilliss „The U. S. naval astronomical expedilion
to the soulhern hemisphere. Washington 1*55* sind im 2.
Bande p. 207—229 durch Girard diejenigen Amphibien aus-
führlich beschrieben und abgebildet, worden, welche bereits
im VII, Bande der Proceeding’s of Ihe Academie of nat.
science. ‚of Philadelphia 1854 aufgestellt waren. Neue Arlen
sind hier nicht hinzugefügt.
Hallowell beschrieb im Journal of ihe Academy of
nat. sc. of Philadelphia Ill. p. 33 ‚unter .dem Titel Contribu-
tions lo Soulh American Herpelology, eine neue Eidechse und
einige.neue Schlangen und liess drei von ihnen ‚auf, zwei Ta-
feln abbilden. _Die Arten sind unten namhaft gemacht.
In‘ der zweiten Ausgabe von: „Esplorazione delle re-
gione aequatoriale Jungo. il Napo ‚ed il fiume' delle Amazzoni
da Gaetano Oseulabi. Milano 1855* ist p. 305 ein Ver-
zeiehniss'der ‚Reptilien, bearbeitet von Carnalia, wieder-
während des Jahres 1855; ıl 61
holt, auf welches bereits im vorigen Berichte p. 111 aufmerk-
sam gemacht worden ist.
H. G. Dalton hal eine „History of Brilish Guiana Lon-
don 1855* in zwei Bänden herausgegeben. _ Im. 2. Bande
p- 360 findet sich, ein, Abschnitt über die. Reptilien dieses
Landes. Die vorkommenden Reptilien ‚werden ‚unter Benul-
zung des Reisewerkes von Richard Schomburgk und mit
manchen Nolizen über ihren Aufenthalt, ihre Häufigkeit,
Grösse u. dgl. aufgezählt, jedoch in einer nicht eigentlich
wissenschaltlichen Form.
Saurii.
Doleschall schrieb über. das Stimmorgan von Platy-
daclylus gullatus Natuurk. Tijdschrift for Nederl. Indie VIII.
p- 147.
Auch hier ist der Kehlkopf das Stimmorgan; ihm fehlt der
Kehldeckel und es sind nur ein Paar Stimmbänder vorhanden, welche
eine ziemlich weite Stimmritze bilden. Die Lultröhre ist kurz und
vorn mit zahlreichen Muskelchen bedeckt, die in keiner genauen Ver-
bindung mit der Stimmbildung stehen. Für die starken Töne ist ein
über den ganzen Grund der Mundhöhle ausgespanntes Organ vorhan-
den, welches aus folgenden Theilen besteht: 1) eine faserige elasti-
sche Haut, die von der ganzen Länge der linea mylohyoidea des Un-
terkiefers beginnt, den Boden der Mundhöhle nach vorn begıenzt,
sich ferner an den Kehlkopf und an die Lultröhre festheltet und nach
binten in die fascia colli übergeht. Sie ist unten mit Muskeln be-
deckt, welche zu ihrer Spannung beitragen. Man könnte sie Trom-
melfell nennen. 2) Von dem Vorderrande des Kehlkopfes beginnt ein
. fibrocartilaginöses, nach hinten in zwei Hörner auslaufendes Organ,
durch dessen Spannuug das Trommelfell und die Luftröhre in die Länge
gezogen werden. Die Hörner heiten sich an den Winkel des Unter-
kiefers. Vorn liegt jederseits neben diesem Organe ein ungleichsei-
tig viereckiger Muskel, der zur Spannung der Haut beiträgt. 3) Je-
derseits zwischen den Hörnern und dem Musculus masseter liegt auf
dem Trommelfell ein fast haarfeines knorpliges elastisches Stiltchen,
welches nach vorn hammerlörmig endigt, und sich hier an das Trom-
melfell anheftet. 4) Endlich befindet sich noch an der Aussenseite
des Halses, jederseits am Hinterkopfe ein eilörmiges kalkiges Pläut-
chen, welches durch einen starken Muskel an die Halswirbel und
vorn durch ein Ligament an das Trommellell angeheltet ist. Sobald
in dem Kehlkoplfe ein Ton hervorgebracht ist, braucht dieses Verstär-
62 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Herpetologie
kungsorgan nur in Mitschwingung gebracht zu werden, um das starke
Geschrei, wodurch der Gekko bekannt ist; hervorzubringen.
Pachydactylus punctatus, Hemidactylus platycephalus und Diploda-
elylus piclus sind neue Arten aus der Familie der Geckonen von Pe-
ters dies Archiv p.44.
Schlegel unterschied in nächster Verwandtschaft von Lophy-
rus tigrinus drei nene Arten L. Kuhlii von Java, L. sumatranus von
Sumatra und L; Bornensis von Borneo., Bijdragen tot de Dierkunde
Heft Ill. 1851.
Die Gattung Pachycercus (vergl. vor. Bericht p.417) ist von
A. Dumeril als identisch mit Hoplocercus Fitz, erkannt worden,
und die Art muss daher H. spinosus Fitz. heissen. Revue de zool.
1855. p. 155.
Aus der Familie der Agamen stellte Peters Archiv p.45 auf:
Hoplurus Bernardi von Madagaskar, Chalarodon madagascariensis n.
gen., Agama mossambica und armala.
Die Familie der Lacerten bereicherte Peters um zwei neue
Gattungen Archiv p.46. Ichnotropis mit zwei Arten squamulosa
und macrolepidola und Tracheloptychus mit einer Art T. mada-
gascariensis.
Von demselben sind ferner ib. als neu beschrieben: Ger-
rhosaurus robustus; Euprepes margarilifer, depressus, laverlıformis, c0=-
morensis, elegans; Eumeces afer; Herpetosaura arenicola n. gen.;
Amphisbaena violacea.
Serpentes.
H. E. Linck, die Schlangen Deutschlands. Stutigart
1855. 8.
In einer Einleitung werden die Eigenschaften , Eigenthümlich-
keiten und das Leben der Schlangen im Allgemeinen geschildert.
Dann folgen die Schilderungen der vier Arten europäischer Schlan-
gen, der Ringelnatter Coluber natrix p. 43, der Schwalbacher Natter
Coluber flavescens p. 65, der Schlingnatter Coronella laevis p. 79,
der Kreuzotter Vipera Berus p. 92, und als Anhang der Blindschlei-
che ;p. 158. — Von der Ringelnatter wird behauptet, dass sie keine
Milch zu geniessen gezwungen werden könne, auch wird die Erzäh-
lung von dem Bannen der Frösche durch diese Schlange ernstlich be-
stätigt, hauptsächlich auf Grund der Erzählung eines Gensdarmen.
Das Fleisch ist als Nahrungsmittel ungeniessbar, und ‚ein Hund war
nicht dahin zu bewegen es, obgleich wohl zubereitet, zu Iressen, —
Die Sehwalbacher Natter ‚klettert vortrefllich und ist die einzige deut-
sche Schlange von der Verf. zugiebt, dass sie Flüssigkeit zu sich
nimmt. — Von der Schlingnatter wird eine eigenthümliche Bewegung
während des Jahres 1855. 63
der Augäpfel angezeigt. Sie soll mehrmals im Jahre heeken; vor-
züglich langstreckige Thiere, Eidechsen und Blindschleichen fressen;
deren sie sich durch Uhnschlingang bemächtigt. — Die Kreuzolter
wird nie über 2%, Fuss lang. Mehrere Vergiltungsfälle werden ge-
schildert. Wichtig ist der Nachweis, dass die schwarze Otter V. pre-
ster nicht speeifisch verschieden sei. Verf. fand sie mit der gewöhn-
lichen Kreuzotter in Begattung, und fand ein andermal in einer schwar-
zen Olter 11 Eier, welche junge Kreuzottern enthielten.
Beiträge zur Nalurgeschichte der deutschen Schlangen
von E. Dursy. Dies Archiv 1855. 1. p. 283.
Dieser Aufsatz ist durch die so eben angezeigte Schrift veran-
lasst, und bringt manche Berichtigungen. Namentlich sollen alle
Schlangen trinken; die Bannkralt wird bezweifelt; die Angabe, dass
die glatte Natter nur Nachts ihr Mahl verzehre, widerlegt u. dgl. m.
Jacquart hat die Circulalionsorgane von Python mo=
lurus beschrieben und abgebildet. Annales des sc. nat. qua-
trieıne Serie. Tome IV. p. 321. pl. 9-11.
Borland berichtet über die Fütterung einer Boa Constrictor
mit einem Kaninchen, welches ohne begeifert zu werden in 50 Mi-
nuten verzehrt wurde. Boston Proc. V. p. 210.
Brainard hielt vor der Smilhsonian Inslitulion (Ninth
Smilhsonian report p. 123—130) ‚einen Vortrag ‚über die Na-
tur und Heilung des Schlangenbisses und der Wunden von
vergilleten Pfeilen.
Er neigt sich der Meinung zu, dass Schlangengift ein wesent-
licher Bestandtheil des Pfeilgiltes sei, da es ganz ebenso wirke. Er
hat beobachtet, dass die Blutkügelchen durch den Biss einer Schlange
oder das Woorara -Gilt in ihrer Form verändert werden, so dass
sie unregelmässig, eingeschnitten und zum Theil unvollständig er-
scheinen; dadurch sei das Blut unfähig gemacht in den feinen Gefäs-
sen des Gehirns zu cireuliren, hemme dessen Thätigkeit und erzeuge
den Tod. Als Gegenmittel empfiehlt Verf. die Wunde mit einer Lö-
sung von Jod in Jodkalium zu waschen und Schröpfköpfe über die
Wunde zu setzen, um die Absorption zu verhindern; wenn die Wunde
tief ist, räth er die Lösung unter die Haut zu injiciren, Dabei wird
Alkohol innerlich zu trinken empfohlen.
Auch Gilman hal Untersuchungen über das Schlan-
gengilt angestellt (Sl. Louis med. and sung. Journ., daraus
Anuval ol scienlifie diseoyery, ediled by David Wells. Bo-
sion and London 1855. p. 370).
Verf, kam zu dem Resultate, dass das Schlangengilt alles or-
64 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Herpetologie
ganische Leben, pflanzliches wie thierisches, zerstört, dass Alkohol in
Berührung mit dem Gift gebracht, bis auf einen gewissen Punkt, ein
Gegengilt ist, dass Schlangen die Kraft besitzen kleine Thiere zu be-
zaubern, dass diese Kraft identisch mit dem Mesmerismus sei, dass das
Blut kleiner Thiere, durch Schlangengilt zerstört, sehr ähnlich mit
dem ‚von Thieren, welche vom Blitze erschlagen oder durch Blausäure
getödtet sind, ist; ‚es verliert die Fähigkeit: zu coaguliren und. kann
nicht lange vor Fäulniss bewahrt werden.
Als Michaelisprogramm der hamburgischen Realschule
erschien von J. G. Fischer eine Abhandlung: „Die Familie
der Seeschlangen.* Hamburg 1855. 4.
Verf. handelt zuerst über die zoologischen Charaktere der See-
schlangen, und bespricht die allgemeine Körperform, die Kopfschilder,
Schuppen, Bauchschilder, Zähne und Farbe. Bei der Betrachtung der
Zähne wird auf die Thatsache aufmerksam gemacht , dass alle Meer-
schlangen: nicht nur wirkliche Giftzähne mit Kanal besitzen, sondern
auch, wie bereits Schlegel beobachtet hat, ausserdem eine äussere
Furche. Sie stimmen darin mit den übrigen Proteroglyphen überein.
Alle bis jetzt bekannte Wasserschlangen haben hinter dem Giftzahne
eine nach den Arten wechselnde Zahl kleinerer solider Zähne, bei
denen Verf. überall eine vordere Furche fand. Auch Platurus fascia-
tus, dem bisher diese soliden Zähne ganz abgesprochen worden sind,
besitzt einen solchen jederseits; bei den übrigen Arten ist die Zahl
verschieden von: 4 bis 14; Hydrophis schistosa hat 4, H. gracilis 14,
— Im systematischen Theile werden 1 Platurus, 3 Aipysurus, 1 Aca-
lyptus, 1 Astrotia n. gen., und 14 Hydrophis aufgeführt, von denen
die drei letzten der Untergattung Pelamis angehören. Die Gattungen
Disteira Lac&p. und Pelamis Daud. sind wieder mit Hydrophis verei-
nigt, die nach der Bildung der Schuppen und Bauchschilder in die
Untergattungen Hydrophis und Pelamis algetheilt ist. Hydrophis schi-
zopholis Schmidt erscheint als selbstständige Gattung Astrotia. Der
Gattung Aipysurus hat Verf. Stephanohydra fusca Tschudi als dritte
Art hinzugefügt. Hydrophis pachycerca ist eine neue Art; H. annulata
ist ebenfalls als neue Art aufgeführt. In einem zweiten Abdrucke in
den Abhandlungen des naturw. Vereins in Hamburg lll. 1856, wel-
cher von 5 Tafeln begleitet ist, betrachtet Verf. die letztere Art als
Varietät von H. pelamidoidea Schleg.
Schlegel unterschied in einer kleinen Abhandlung „over
eenige nieuwe soorten van vergiflige Slaugen van de Goudkusi“ in
Verslagen der koninklijke Akademie Ill. p. 312 von Vipera nasicornis
zwei neue Arten: Vipera rhinoceros (Cerastes nasicornis Hallowell)
und Y. chloroechis beide von Ober- Guinea, Während V. nasicornis
zwei, ja drei hornförmige obere Nasenschilder und stark gekielte
.
während des Jahres: 1855. 65
Schuppen besitzt, hat V. rhinoceros nur ein hornförmiges oberes Na-
senschild und schwach gekielte Schuppen. _V. chloroechis weicht
mehr ab, hat einen comprimirten Rumpf, ‚einen Greifschwanz, und ist
lebhaft grün gefärbt,
Derselbe stellte bereits 1851 in Bijdragen tot de Dierkunde
Heft III, wie hier nachträglich ,bemerkt werden mag, eine neue Art
Eryz Reinhardti von der Goldküste nach einem Exemplare des Ber-
liner Museums auf.
Dierophis quinquelineatus, Zamenis tricolor, Elapoides fasciatus,
Elaps zonatus und Elaps divaricatus sind neue Arten von Hallo.
well Journal Ac. Philadelphia III. p.33. Sie stammen sämmtlich
von Honduras; die ersten drei sind abgebildet.
VonPeters wurden |]. c. folgende neue Schlangen aufgestellt:
Onychocephalus dinga, mucruso, mossambicus, Irilobus; Stenostoma lon-
gicaudum, sculifrons; — Homalosoma variegatum, Lycophidium semian-
nulis, Coronella semiornala, olivacea; — Uriechis nigriceps, lunulatus,
Rhamphiopkis rostratus; — Naja mossambica, Vipera superciliaris.
Batrachii.
Eine Abhandlung von Marcusen über die Cloake und
Harnblase der Frösche Bull. de l’acad. de St. Petersbourg XI.
1853. p. 33 mil einer Tafel, ist damals im Jahresberichte
übersehen worden.
Ueber die Drüsen und glatten Muskeln in der äusseren
Haut von Rana temporaria schrieb Hensche Zeilschr. für
wiss. Zoologie VII. p. 273.
Er unterscheidet zweierlei Drüsen, von denen die Drüsen am
Daumenballen des Männchens als eine dritte Art verschieden sind.
Er scheint geneigt, die glatten Muskeln in der Haut mit den Drüsen
und Pigmenten in Beziehung zu bringen.
Durkee sprach über die Zierlichkeit und Vorsicht, mit
der Rana pipiens seine Nahrung ergreift. Nach Brewer
soll derselbe Frosch junge Enten fressen. Boston Proc. V.
p- 211.
Davies erwähnt eines Falles, wo unter etwa zwei
Dulzend Froschlarven vom gemeinen Frosche, zwei derselben
sich nur unvollständig entwickelten; ihre Hinterbeine began-
nen sich zu entwickeln, aber machten keine Fortschritte, die
Vorderbeine entwickelten sich gar nicht; so blieben sie von
März bis in den October, wo sie starben. Annals nat. hist.
XVI. p. 465.
Archiv f, Naturgesch, XXII, Jahrg. 2. Bd, E
66 Troschel: Bericht über die Leistungen u. s. w.
A. Thomas hat in den Annales des sc. nat. IV. 1855. p. 365
den beiden bereits von Steenstrup unterschiedenen Arten Rana
oxyrrhina und platyrrhina, welcher er den Namen temporaria erhält,
eine dritte Art R. agilis hinzugefügt. Dieselbe war zuerst von Mil-
let 1828 in der Faune du dep. de Maine et Loire als R. temporaria
unterschieden, während die echte temporaria flaviventris genannt
wurde. Das Männchen von R. agilis hat zwei Stimmsäcke wie bei
R. temporaria, die Zunge ist kleiner, die Schnauze ist weniger stumpf
als bei temporaria, und der ganze Kopf ist länger und weniger schlank
als bei oxyrrhina, die Hinterbeine sind länger und weniger dick als
bei temporäria, und noch grösser als bei oxytrlina. Einige Bemer-
kungen über die Lebensweise und Abbildungen sind beigegeben.
Le Conte veröffentlichte in den Proc. Philadelphia VII.
p. 423 einen descripliven Catalog der Frösche (Ranina) der
Vereinigten Staaten.
Verf. glaubt viele Irrthümer in der Herpetologie seines Vater-
landes wahrgenommen zu haben, und zieht viele Arten ein, indem
er sie nur als Synonyme anderer ansieht. Namentlich weist er auf
die Veränderlichkeit der Farhen hin und stellt die Forderung, dass
zahlreiche Exemplare lebend beobachtet werden müssen, um eine ge-
nügende Beschreibung geben zu können. Er nimmt als gültige Ar-
ten an: 9 Rana, worunter R. conspersa aus Pennsylvanien und R. ca-
pito (abgebildet) aus Georgien neu, 1 Telmatobius, 2 Acris, 2 Cho-
rophilus, 7 Hyla, 1 Scaphiopus, 4 Bufo, 1 Engystoma. Einige Arten,
die er nicht lebend beobachten konnte, werden nicht aufgeführt.
Peters stellte I. c. folgende neue Batrachier auf: Rana mos-
sambica, Cystignathus argyreivittis, Pyzicephalus edulis, marmoratus ;
— Chiromanlis zerampelina n. gen., Hyperobius birittatus, taenia-
tus, marginalus, argus, flavoviridis, Teltensis; — Engysioma marmora-
tum, Breviceps mossambicus.
Premorel will einen Salamander (S. maculosa) in den Arden-
nen seine Eier auf den Rücken einer Kröte legend beobachtet haben
(Soc. des science. nat. du Grande Duch& de Luxemburg 1855. p. 209).
Charles Mann bemerkte in Betreff der Lebensweise von
Amblystoma opacum Bd., dass sie Eier legen, über denen die Thiere,
Männchen und Weibchen gekrünmt liegen. Ninth Smithsonian report.
p: 294,
Hoy beschrieb einen Salamander Amblystoma luridum aus Wis-
consin, Ninth Smithsonian report p. 295.
Bericht über die Leistungen in der Ichthyo-
logie während des Jahres 1855.
Vom
Herausgeber.
Seit dem Jahre 1848 sind unter dem Titel: „Bijdragen
tot de dierkunde, uitgegeven door het genootschap Nalura
arlis magisira le Amsterdam“ sechs Hefle erschienen, in de-
nen auch einige ichthyologische Beiträge enthalten sind. Diese
Hefte waren mir bisher nicht zugänglich gewesen, ich trage
daher das Hierhergehörige am entsprechenden Orte nach.
Der erste Band ist hiermit abgeschlossen.
Günther lieferte in unserem Archive p. 196 Beiträge
zur Kenntniss unserer Süsswasserlische. Sie beziehen sich
auf Perca fluvialilis, Acerina Cernua, Lucioperca sandra und
wolgensis. Leiztere werden genau unterschieden.
Der Graf de Sinety hat in der Reyue et Mag. de
Zoologie VII. p.231 die Fische, welche im Departement
Seine-et-Marne leben, aufgezählt, Das Verzeichniss enthält
2 Percoiden, 3 Cataphraclen, 16 Cyprinoiden, 1 Esox, 3 Sal-
monen, 1 Ciupeacee, 1 Gadoiden, 1 Muraenoiden, 1 Acipea-
ser, 3. Cyelostomen, zusammen. 32 ‚Arten.
In einer Schilderung des Thierlebens am faulen Meere von
Gustav Radde (Bull. deMoscou 1855. p. 159) wird beslä-
tigt, dass der untere Siwash sowohl, wie der westliche kei-
nen Fisch ernährt, ‚Bei Tschungar fängt man noch vier Ar-
ten, nämlich Mugil cephalus, 2 Pleuroneclen und einen Syn-
68 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie
gnalhus; sie ziehen bis dahin aus dem Asow’schen Meere.
Gastrerosteus Fischeri Arndt ist nicht im faulen Meere, wohl
aber in Schlammsalinen bei Perecop gefunden.
Peters gab in den Monatsberichten der Berliner Aka-
demie 1855. p. 428 eine Uebersicht der in Mossambique be-
obachlelen Seefische und zählte in dem Verzeichnisse 197
Arten auf. In unserem Archiv 1855. I. p. 234 ist dasselbe
mit Hinzufügung der Süsswasserfische abgedruckt Dadurch
ist die Zahl der Arten auf 238 erhöht worden.. Die neuen
Arten sind unten der Vollständigkeit wegen namhaft gemacht,
obgleich die Abhandlung selbst unsern Lesern zugänglich ist.
Bleeker hat wiederum die Wissenschaft durch zahl-
reiche ichihyologische Beilräge bereichert, und die Kenntniss
der Fauna des Indischen Archipels bedeutend gefördert. Ge-
wiss wird jeder Zoologe die Nachricht freudig aufnehmen,
dass wir die Hoffnung hegen dürfen, derselbe werde recht
bald nach Europa zurückkehren , um unter grossarliger Un-
lerstützung der Holländischen Regierung in einem Prachl-
werke alle seine ichthyologischen Schätze und Erfahrungen
zusammen zu tragen, und dadurch der wissenschaftlichen
Benulzung erst recht zugänglich zu machen.
Im 8. Theile der Naluurkundig Tijdschrift voor Neder-
landsch Indie. Balavia 1855 erschienen folgende ichthyolo-
gische Abhandlungen von Bleeker.
p. 151. Achlste Bijdrage tot de kennis der ichlhyolo-
gische Fauna van Borneo. Zoelwalervisschen van Bandjer-
masin. Eine Sammlung von C. Helfrich gab hierzu die
Veranlassung. Verf. kennt nunmehr 224 Arten von Borneo.
Sie sind sämtlich aufgezählt. Von 16 Arlen ist der nähere
Fundort unbekannt; von Bandjermasin sind 106 Arten bekannt;
von Duson 1, Pengaron 23, Prabukarta 10, Sampit 36, Pon-
lianak 45, Sambas 67, Pamangkat 28. Die beiden Heckel’-
schen Cyrene-Arten gehören zur Gallung Dangila, und C.
ocellata Heck. ist idenlisch mit D. microlepis Bleeker. Die
fünf neuen Arlen sind unten genannt.
p. 169. Derde Bijdrage tot de kennis der ichthyolo-
gische Fauna van de Kokos-Eilanden. Durch eine Sendung
von J, 0. G, Ross slieg die Zahl der Arten von den Ko-
während des Jahres 1855. 69
kosinseln auf 61. Vier Arten sind neu, von ihnen bildet eine
eine neue Gallung der Panzerwangen.
p. 294. Vijfde Bijdrage tot de kennis der ichthyolo-
gische Fauna van Ternate. Verf. erhielt von Goldmann
eine Sammlung von 58 Arten, unter denen 2 neue, wodurch
sich die Zahl der von Ternale bekannten Arten auf 146 hob.
p- 305. Bijdrage tot de kennis der ichthyologische Fauna
van de Batoe-Eilanden. Von dieser Inselgruppe, welche an
der Westküste von Sumalra liegt, erhielt Verf. durch Major
Schwenk eine Sammlung von 76 Arten. Will man diese
zur Fauna von Sumalra rechnen, so würde die Anzahl der
Arten derselben um 40 vermehrt werden, und auf 662 stei-
gen. ‘9 Arten von ihnen sind als neu beschrieben.
p- 334. Von den Tausend -Inseln , nördlich von Java,
sind dem Verf. Fische bekannt geworden, die fast alle auch
bei den Inselchen nördlich von Batavia vorkommen,
p- 335. Von Tiku an der Westküste Sumatra’s wurde
dem Verf. eine Anzahl Fische übersandt, die meist schon
von Sumalra bekannt waren.
p- 391. Zesde Bijdrage tot de kennis der ichthyologische
Fauna van Amboina.. Durch eine Zusendung des Herrn
Hoedt wurde die Zalıl der Arten dieser Insel von 362 auf
428, und die der Fische von dem Molukkischen Archipel
überhaupt auf 712 erhoben. 17 Arten sind als neu beschrie-
ben und unten namhaft gemacht.
p- 434. Zevende Bijdrage tot de kennis der ichlhyolo-
gische Fauna van Celebes. Verf. erhielt zwei neue Sendun-
gen von Fischen aus Celebes, eine von Herrn Mock von
Manado, eine andere von Herrn van Assenraad von Bon-
thain. Dadurch stieg die Zahl der bekannten Arten auf 390,
worunler 243 von Macassar, 82 von Bulucomba, 34 von Bon-
(hain, 6 von Maros, 30 von Kema, 2 von Tondano und 87
von Manado. 4 Arten sind neu.
p. 445. Vierde Bijdrage tot de kennis der ichthyolo-
gische Fauna van de Kokos-eilanden. In Folge einer neuen
Zusendung des Hrn. Ross ist die Artenzahl von dieser Gruppe
auf 89 angewachsen. 4 Arten sind neu.
70 _Troschel: Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie
p. 552 bringt einen Index der im’ 8. Bande der Naluurk,
Tijdschr. beschriebenen Species in systematischer Ordnung;
es sind deren 68.
Ferner erschienen im 9. Bande derselben Zeitschrift von
demselben Verfasser:
p- 65. Tweede Bijdrage tot de kennis der ichthyologi-
sche Fauna van de Baloe-eilanden. ‚Dadurch steigt die An-
zahl der bekannten Arten von den Batu-Inseln auf 91, die
von Sumatra auf 669. ‚Zwei Arten ‘sind neu.
p: 105. Tweede Bijdrage tob de kennis der ichthyolo-
gische Fauna van Halmaheira (Gilolo). Eine Sendung von 28
Arten durch Goldmann erhöhte die Zahl der von Halma-
hera bekannten: Arten auf 89. Zwei sind wiederum neu.
p- 113. Nieuwe Bijdrage tot de kennis der ichthyolo-
gische Fauna van Sumbawa. Durch Piller erhielt Verf 15
Fischarten. von dort, so dass er nunmehr 57 Arten von Sum-
bawa kennt.
p: 155. In der Kürze werden einige Fische von Ter-
nate genannt, durch welche die Zahl‘ der Arten auf 151
steigt.
p- 181. Tweede Bijdrage tot de kennis. der ‚ichthyolo-
gische Fauna van Baljan. ‚Es handelt sich um eine kleine
Sammlung von Fischen, die im süssen Wasser gefangen wur-
den, mit Hinzufügung deren Verf. nunmehr 83, Arten‘ von
Batjan kennt. Zwei Arten sind neu.
p- 257. Nalezingen op de Vischfauna van Sumalra.
Visschen van Lahat en Sibogha. Von P. L. Yan Bloemen
Waanders erhielt Verf. 51 Arten Süsswasserfische von Lahat,
tief im Innern von Palembang; von S. Serie erhiell er 55
Arten von Simbogha an der Nordwestküste, Es ist eine in-
teressanle Thatsache, dass alle dem Verf. bekannte Arten
Homalopltera von Java noch bei Lahat auf Sumalra leben,
während derselbe früher nur eine Homaloptera von Sumalra
kannte, welche auf Java noch nicht gefunden worden ist.
Tief im Innern von Palembang lebt ein heringsarliger Fisch,
aus dem Verf. eine neue Gattung bildet. Auch aus der Kar-
pfenfamilie werden durch dieses Material drei neue Gallun-
gen gegründet. 6 Arten sind ncu. Verf, kennt nunmehr von
während des Jahres 1855. 71
Sumatra 653 Arten, und mit Einschluss der Balu-Inseln, die
in geographischer Hinsicht zu Sumatra gehören, 697.
p: 281. Achtste Bijdrage tot de kennis der ichthyolo-
gische Fauna van Celebes. Der Verf. erhielt durch Van
Oven 118 Arten aus den Gewässern von Macassar, 8 Arten
durch Jansen von Amoerang im nördlichen Celebes, durch
Mogk 10 Arten aus dem süssen Wasser von Sawangan und
45 Arten von Manado. Vier Arten sind neu. Es sind nun
454 Arten von Celebes bekannt; davon kommen auf Macas-
sar 292, Bonthain 32, Bulucompa 80, Maros 6, Manado 131,
Kema 29, Tondano 2, Amurang 9, Sawangan 8, unbe-
slimmt 9.
p- 391. Verslag van eenige verzamelingen van visschen
van Oost-Java. Durch eine ganze Anzahl kleiner Zusendun-
gen aus verschiedenen Punkten der Insel durch die Herren
Broekmeyer, Van Deventer und Hartzfeld wurde
die Zahl der von Ost-Java bekannten Arten auf 246 erho-
ben. Eine Anzahl neuer Arten wird bei dieser Gelegenheit
beschrieben.
p- 415. Negende Bijdrage tot de kennis der ichthyolo-
gische Fauna van Borneo. Zoelwatervisschen van Pontianak
en Bandjermasin. Hiernach kennt Verf. nunmehr 65 Arten
von ersterem, 121 von letzterem Orle. 6 neue Arten.
p-431. Bijdrage tot de kennis der ichthyologische
Fauna van het eiland Groot-Obij. Bekanntlich ist Gross-Obij
die grösste Insel einer südlich von Batjan und nördlich von
Buru gelegenen Gruppe. Dieselbe war bisher völlig unbe-
kannt in ichthyologischer Beziehung. Verf. empfing durch
Goldmann 32 Arten von dort. Von ihnen waren 7 Ar-
ten dem Verf. noch nicht von den Molukken bekannt, drei
sind neu.
p- 491. Derde Bijdrage tot de kennis der ichihyologi-
sche Fauna van Batjan. Eine dem Verf. zugesendete Samm-
lung von Bernelot Moens bestand aus 55 Arten Seefische und
17 Arten Süsswasserfische. Von ihnen waren 52 neu für
die Fauna von Baljan, 13 neu für die Fauna der Molukken,
zwei neu für die Wissenschaft. Das Verzeichniss sämmlli-
cher Arten von Batjan enthält 135 Arten.
72 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie
p- 527 ist endlich wieder ein Verzeichniss aller ‘der in
diesem Bande beschriebenen Fische mil Hinzufügung des
Fundortes gegeben.
Bleeker machte ferner eine Abhandlung über einige
Fische von Vandiemensland in Verhandelingen der koninklijke
Akademie van Wetenschapen II. 1855 bekannt. Er wurde durch
die Erwerbung von acht Fischen von Hobarttown durch Hrn.
Goetzee veranlasst, die Neuholländischen Fische in einem
Verzeichnisse zusammenzustellen. Danach sind von Austra-
lien (ausser Polynesien) 336 Fische bekannt, wovon 2386 auf
Neuholland, 71. auf Neuseeland, 70 auf Vandiemensland, 8
auf die Norfolksinseln und 5 auf die Aucklandsinseln ''kom-
men, während 103 dieser Arten, also weniger als der drille
Theil auch ausser Australien gefunden worden, und daher 233
Arten ‚Australien eigenthümlich sind. Von den obengenann-
ten 8 Arten sind vier für Vandiemensland neu, und zwei ha-
ben Gelegenheit zur. Aufstellung zweier neuen Galtungen ge-
geben, s. u. Dieselben sind abgebildet.
Von einer „Synopsis of Ihe Ichthyological Fauna of Ihe
Pacific slope of North America, chiefly' from Ihe collections
made by the U. S. Exploring Expedition under the command
of Capt. C. Wilkes, with recent additions and comparisons
wilh Eastern types“ hat Agassiz in Silliman Amer. Journ.
XIX. p.71 und 215 den Anfang geliefert, Dieser beschäftigt
sich ausschliesslich mit den Cyprinoiden, und bei diesen. fin-
den sich unten einige nähere Angaben über diese. Arbeit.
Von Fischen ‘kommen auf und an den Biber-Inseln im
Michigan-See nach Strang Ninth Smithsonian Report p. 282
vor: Bachforellen in den kleinen Strömen häufig; die ‚kleinen
Seen auf den Inseln ‚sind fischreich,, namentlich ‚an Barschen,
Catostomus und Grystes. Im Michigan-See um die Inseln. kom-
men vor Acipenser die im Winter unter dem Eise mit Speeren
gelangen werden, Hechte, Salmo siskowit und amelhyslus, wel-
cher letztere um den ersten November laicht, und eine Art
Coregonus unter dem Namen whitefish ausserordentlich häufig
und nächst dem Siskowit am meisten geschälzt; ihre Fischerei
wird beschrieben; eine andere Art unter dem Namen herring
ist kleiner, beide werden eingesalzen, lerner-Lota und Pomolis.
während des Jahres 1855. 73
Ueber die bei Fort Ripley, Minnesota vorkommenden
Fische findet sich von Head eine kurze Notiz Ninth Smith
sonian report p. 192.
Baird erslattete der Smithsonian Institution Bericht
über die Fische, welche er an den Küsten von New-Jersey und
Long-Island im Sommer 1854 beobachtete. Das Verzeich-
niss umfasst 67 Arten, unter denen mehrere neue, die un-
ten namhaft gemacht werden. Bei den einzelnen Arten sind
Bemerkungen über Färbung, Vorkommen u. s. w. gegeben.
Ninth Smithsonian report p.317—353.
In „Eighth annual report of Ihe regenis of the univer-
sity of Ihe State of New-York on. the condition of the stale
Cabinet of natural history, made to Ihe Senale , January 15,
1855. Albany 1855.“ ist p. 49—69 ein Verzeichniss der Fi-
sche enthalten, welche im Staate New-York leben , wie sie
in Part. IV der New- York-Fauna von Dekay beschrieben
sind. Ihrer sind 292 Arten. Diesem Verzeichnisse ist ein
Anhang mit. solchen Fischen, die seitdem. in .deın Staale, ent-
deckt sind, hinzugefügt, wodurch die Zahl der Arten. auf
355 steigt.
In H. G. Dalton’s „History of Brilish Guiana, London
1855“ wurden p. 336 des zweiten Bandes die Fische bespro-
chen, mit besonderer Benutzung des Schomburgk'schen Wer-
kes, und mit den dort gegebenen Namen in populärer Schil-
derung. Die Autoren sind bei den wissenschaftlichen Be-
nennungen nicht hinzugefügt.
In der zweiten Ausgabe der „Esplorazione delle re-
gione equaloriale lungo il Napo ed il fiume delle Amazzoni
da Gaeltano Osculati. Milano 1855€ findet sich p. 309 ein Ver-
zeichniss der Fische von Cornalia bearbeilet, welches 70
Stachelflosser, 8 Pharyngognathen, 2 Anacanthinen , 33 Phy-
sostomen und 1 Plectognathen enthält. Die neuen Arten von
De Filippi sind schon im vorigen Berichte erwähnt,
In Gilliss’ „The U. S. naval astronomical expedilion
to Ihe soulhern hemisphere, Washington 1855* hat Girarıd
im 2. Bande p. 230—253 die Fische bearbeitet. Daselbst sind
die bereits in den Proceedings Acad. nal, science. of Phila-
delphia VIL. p, 196 sqq.. charaklerisirten Fische beschrieben
76 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie
und auf sechs Tafeln abgebildet. Nur eine neue Art der
Gallung Trichomycterus ist hinzugefügt, s. unten.
Die Untersuchungen von Knox ergaben, dass die Nah-
rung mancher in grossen Schaaren lebender Fische, wie der
Heringe, fast ausschliesslich aus Enlomostraceen bestehe. An-
nals XVI. p. 56,
Valenciennesund Fremy haben die Eier der Wir-
bellhiere auf ihre Zusammenselzung unlersucht. Was die
Eier der Knorpelfische betrifft, so ist das Eiweiss in allen
Beziehungen verschieden von dem der Vogeleier , in dem
Dotter entdeckten die Verf. einen eigenen im Wasser unlös-
lichen Stoff in Form von Täfelchen (Krystallen) den sie Ich-
thin nennen. Er besteht aus Kohlenstoff 51%, Wasserstoff
6,7%/,, Stickstoff 15%, , Phosphor 1,9%,, Sauerstoff 25,4%..
Journal de Pharmacie May 1854, übersetzt in Silliman Amer,
Journ. XIX. p. 42. — In demselben Journal de Pharmacie
Juni 1854. p. 415, Sillim. Am. Journ. XIX. p. 238 handeln
die Verf. von denEiern der Knochenfische. In Karpfeneiern
fanden sie Felltröpfchen, in deren Mitte lafelförmige Körnchen
schwammen, die löslich in Wasser, also von Ichthin ver-
schieden sind; diese Substanz wird Ichthidin genannt. Durch
Zusatz von Wasser scheidet sich ein anderer Körper in sy-
ruparliger Form aus, der im Wasser unlöslich ist. Er wird
Ichthulin genannt, und soll sich später in Eiweiss umwandeln.
Diese Stoffe bedürfen noch weiterer Untersuchung !
Bruch hat bei den Forellen, Salmo fario, und auch bei
Salmo salar eine Mikropyle gefunden und abgebildet (Zeit-
schr. für wiss. Zoologie VII. p. 172).
Ueber den grossen Felttropfen in den Eiern der Fische
schrieb A. Retzius in Öfversigt af kon. Vetensk. Akad.
Förhandl. 1854; daraus Müller’s Archiv 1555. p. 34.
Aubert veröffenllichle seine Beobachtungen über die
Entwickelung des Herzens und des Blutes im Hechteie. Zeit-
schr. für wiss. Zoologie VIl. p. 345, Taf. XVII.
Ueber eine Monstrosität eines Fisches, welcher nicht ge-
nannl ist, berichtete Quatrefages der Pariser Academie
im März 1855. Sie bestand aus zwei kleinen Fischen, wel-
während des Jahres 1855. 75
che an einem Dotter hingen, und bei deren einem der Kopf,
beim anderen der Körper missgebildet war. Bemerkungen
darüber finden sich in den Annals nat hist. XVI. p.47. Da-
ran knüpfte sich eine Discussion, an der sich Coste,
Geolfroy St. Hilaire und Serres belheiligten. _ Com-
ptes rendus XL. p. 626, 868 und 993. Auch Lereboullet
und Vrolik sendeten Bemerkungen zu dieser Frage ein (ib.).
Huxley sucht zu zeigen, dass die Ansicht von der
progressiven Entwickelung des thierischen Lebens in den
Erdperioden in der Weise, dass sie der Entwickelung der
Individuen entspräche, nicht begründet sei, er macht beson-
ders darauf aufmerksam, dass in der Entwickelung der Fische
der. heterocerke Zustand der Physostomen nicht. der frühste
sei, sondern dass ihm zuerst ein -homocerker vorhergehe
(Annals nat, hist, XV. p. 69).
Teleostei.
Acanthopteri,
Pereoidei. Dufoss& bestäligt die Angabe. Cuvier’s,
dass Serranus scriba, cabrilla und hepatus Zwilter seien, in-
dem jedes Individuum Eier legen und sie selbst befruchten
soll. Comples rendus XLI. Dec.; Revue de Zool. Vll. p. 591.
Günther ist geneigt, die verschiedenarlige Beschup-
pung der Brust von Acerina cernua für Altersverschiedenheit
zu hallen. Dies Archiv p. 199.
Ueber die Lebensweise des Grystes fascialus im Ohio
gab John Eoff einige Nolizen in Ninth Smilhsonian report
p. 259. Er wird meist drei Pfund, selten 7 Pfund schwer
und ist sehr schmackhaft.
An neuen Arten wurden in dieser Familie aufgestellt;
Von Bleeker Tijdschr, Nederl. Indie: Apogon hypselonotus
VII. p.309 von den Batu-Inseln; Ambassis batjanenensis IX. p. 196
von Batjan; Serranus urophthalmus VIII. p.310 Batu-Inseln, bontoi-
des und Hoedtii VIII. p.405 von Amboina, Goldmanni IX. p.434 von
Oby, macraspilos IX. p.499 von Batjan; Mesoprion pomacanthus VIII
p- 407 von Amboina; Cirrhites oxycephalus VII. p. 408 von Amboina;
Holocentrum melanotopterus’ IX. p. 302 von Celebes,
76 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie
Von Peters.l. c. Serranus flavogullalus , melas, squamipinnis,
abdominalis, Goliath.
Von Holbrook Journal Acad. Philadelphia III. p.47 ; Pomo-
tis elongalus, speciosus und marginalus aus St. Johns River in Florida;
alle abgebildet; der Name speciosns ist bereils von Baird und Gi-
rard für cine Texanische Art verwendet; Bryllus fasciatus aus St.
Johns River, Florida und gloriosus aus Südcarolina, Georgia und dem
Cooper River; Calliurus floridensis aus St. Johns River.
Von Baird Ninth Smithsonian report p.325: Pomotis chaeto-
don und Centrarchus pomotis von New-Jersey.
Pel beschrieb in Bijdr. tot de dierkunde |. c. Heft 2. 1851
einen neuen Polynemus macronemus mit 5 feinen Brustflossenstrahlen
von Guinea. Eine andere neue Art des Leydener Museums P. qua-
tordecimfilis von Borneo wird hierbei erwähnt, Beide gehören mit
P. longifilis in die Gruppe, bei der die feinen Brustflossenstrahlen
länger sind als der Körper.
Ebenda Heft 4. 1852 beschrieb Schlegel seinen P. multifilis.
Diese Art war schon in der Fauna japonica beiläufig erwähnt, und
ist wohl die eben erwähnte P, 14filis von Pel.
Pseudochromides. Neue Arten von Bleeker Tijdschr.
Nederl. Indiö: Plesiops ozycephalus VIII. p. 320 von Batu; Pseudo-
chromis zanthochir VIII. p. 443 von Celebes; Cichlops trispilos IX.
p. 110 von Halmaheira.
Etheostomacena. Boleosoma Baralti ist eine neue Art von
Holbrook Journal ‚Acad. Philadelphia III. p.56. pl. VI. Fig. 3 aus
Florida und Georgia.
Scleroparei. Ransom hat der Royal Sociely seine
Beobachtungen über die Befruchtung des Eies vom Stichling
vorgelegt. Er hat die Mikropyle, das Eintreten der Sperma-
tozoen und die ersten Veränderungen, welche darauf folgen,
beobachtet. Annals nal. bist. XV. p.229. — Warington
schilderte in lebendiger Weise die Anstrengungen, welche das
Stichling-Männchen (Gaslerosleus leiurus) macht, um die eben
ausgeschlüpfie Brut zu schützen, die wegen ihres Doltersak-
kes noch sehr unbeholfen schwimmen. Ib. XVl. p. 330.
Folgende zwei neue Gattungen wurden in dieser Familie von
Bleeker gegründet:
Gnathanacanthus Verh. Akad. Amsterdam. Caput corpus-
que compressa; spinae capite nullae; cristae oceipitales seiunctae
ossa interspinosa amplectentes. Dentes maxillis parvi pluriseriati, vo-
merini palatinique nulli; pinnae dorsalis et analis a caudali seiunctae,
dorsalis verlice incipiens, in parte spinosa profunle incisa; radii pin-
während des Jahres 1855. 77
nis omnibus simplices , liberi nulli, ventrali 1 . 5; spinae ‚anales 3;
membrana branchiostega radiis 7. Verwandt mit Agriopus, Blepsias,
Peropus, Taenianotus und Sthenopus. Auch die Art G. Goelzeei ist
neu und stammt von lHobarttiown an der Mündung des Flusses
Derwent.
Amphiprionichthys Nat. Tijdschr. ned. Ind. VIII. p. 172,
Caput corpusque compressa ; dentes maxillis parvi pluriseriati, vome-
rini palatinique nulli; ossa suborbitalia, praeoperculum operculumque
aculeata; operculum et suboperculum exigua membranam branchioste-
gam sexradiatam non tegentia; apertura branchialis ampla verticalis;
pinnae dorsalis et analis a caudali seiunctae, dorsalis unica partem
spinosam et radiosam inter emarginala; pinnae ventrales thoracicae
rudimentariae; radii dorsales, anales caudalesque fissae, radii pecto-
rales simplices uniti; spinae anales duae. Soll den Habitus von
Premnas und Amphiprion haben. A. apistus von den Cocos-Inseln.
An neuen Arten wurden aufgestellt: von Schlegel in Bij-
dragen tot de dierkunde 1. c. Heft V. 1852 Peristedion laliceps von
Amboina; — von Peters|.c. p.433 Plalycephalus pristis, Scorpaena
mossambica und Apistus binotatus.
Seiaenoidei. Neue Arten wurden beschrieben :
Von Bleeker Tijdschr. Nederl. Indie: Corvina jubata VIIT. p. 160
von Borneo; Umbrina amblycephalus Will. p.412 von Amboina; Dia-
gramma chrysolaenia IX. p. 303 und Scolopsides leucotaenioides VIII.
p- 439 von Celebes.
Von Peters |. c. p. 434: Corvina dorsalis,
Von Baird und Girard Ninth Smithsonian report p.332: Lo-
boles emarginalus von New-Jersey.
Sparoidei« Neue Arten: Sargus auriventris Peters l. c. p.
435; — Leihrinus Moensi Bleeker Tijdschr. Nederl. Indi& 1X. p. 435
von Oby; — Upeneoides moluecensis ib. VIII. p. 409 von Amboina.
In der Maeniden- Gruppe stellten Baird und Girard Ninth
Smithsonian report p. 334 eine neue Galtung auf: Eucinostomus
Mund klein und sehr vorstreekbar, und vorgestreckt eine konische
Röhre bildend; Lippen dünn; Gaumen und Zunge zahnlos; Deckel-
stücke ungezähnt; der zweite Stachel der Alterflosse ist schwächer
als bei der verwandten Galtung Gerres. E. argenteus von New-Jersey.
Squamipennes. Neue Arten: Chaelodon nigripinnis Peters
l. ce. p. 428; — Chaetodon semeion Bleeker |. ec. VII. 450 von den
Cocos-Inseln; Pempheris Schwenku ib. p.314 von Batu.
Habyrinthici, Bleeker beschrieb 1. c. als neu: Anabas
oligolepis VILI. p. 161, Polyacanthus Helfrichüi ib. p. 162; Ophioce-
phalus melanopterus IX. p. 420; alle drei von Borneo.
Atheriuncei. Atherina afra Peters ]. c. p. 436,
78 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie
Mugiloidei. Neue Arten von Bleeker: Mugil heterochei-
los 1: e. IX. p. 198 von Batjan und M. brachysoma IX. p. 399 von Pa-
surian in Ostjava.
Scomberoidei. Hogg berichtete der Linneau Society, dass
in der Tees-Bay ein grosser Thunfisch von 480 Pfund gestrandet war.
Annals XVI. p. 213.
Auzis thynnoides und Decaplerus lajanc VIII. p. 301 von Ternate,
Decapterus kurroides ib. 420 von Amboina und Selar Brockmeyeri IX.
p. 398 von Pasuruan in Ostjava sind neue Arten von Bleeker.
Ferner gründete Bleeker ib. VIII. p. 417 in. der Caranxgruppe
eine neue Gattung Uraspis.. Dentes intermaxillares biseriali; den-
tes, vomerini, palatini, linguales nulli; linea lateralis scutis spiniferis
armata; pinnae spuriae nullae; praeoperculum edentulum, membrana
branchiostega radiis 7. ‚U. carangoides Amboina,, Verf, zweifelt nicht,
dass auch Caranx helyolus C. V. und Caranx micropterus Rüpp. in
diese Gattung gehören.
Teuthides, ' Amphacantkus vulpinus und puellus sind von
Schlegel Bijdragen tot de dierkunde V. 1852 beschrieben und abge-
bildet worden. Beide von Ternate.
Bleeker stellte l. c. als neu auf: Priodon‘ heracanthus VIII.
p-421 von Amboina; Amphacanthus tetrazona ib. p.441 von Celebes.
Gobioidei. Diese Familie wurde durch folgende neue Ar-
ten bereichert:
Von Peters]. c. p. 441: Gobius obscurus, capistralus, signalus,
atherinoides ; Callionymus marmoralus.
Von Bleeker l. c.: Gobius decussatus VII. p. 442 von Cele-
bes, zanthotaenia IX. ‚p. 308: von Celebes, oxypterus IX. 400 aus dem
See Grati in Ostjava; Eleotris eyanostigma VIII. 452 von den Cocos-
inseln, heteropterus IX. 422 von Borneo, Apocryptes brachypterus IX.
A401 aus dem See. Grati, in Ostjava, borneensis IX. 421 von Borneo;
Echeneis remoroides IX. 70. von Batu.
Bilennioidei. Bleeker stellte Tijdschr. Ned. Indie VII.
p: 318 eine neue Gattung Dinemalichthys auf: pinnae dorsalis,
pectorales, ventrales, analis caudalisque radiis omnibus articulatis, dor-
salis indivisa, ventrales filiformes uniradiatae iugulares, caudalis li-
berä; corpus squamosum; cirri nulli; dentes maxillis, vomerini et
palatini pluriseriati; apertura branchialis amplissima ; membrana bran-
chiostega radiis 6; operculum aculeatum,. Verwandt mit den Gattun-
gen lluocoetes und Phucocoetes. D. iluocoeteoides von Batu.
Ausserdem beschrieb Bleeker als neue Arten: Petroskirtes
hypselopterus VIII. 423 Amboina; Salarias arenatus VIII. 173 von den
Cocosinseln; $. phaeosoma ib. p. 317 von Batu.
während des Jahres 1855. 79
Peters beschrieb 1. c. p.439 als neu: Peiroskirtes cynodon,
barbatus und elongatus.
Pediculati. Aus den Arten von Chironectes, welche keine
Vomer- und Gaumenzähne besitzen, Ch. hirsutus €. V., laevis C. V,,
politus Richards. bildete Bleeker Verh. Akad. Amsterdam II. eine
neue Gattung Brachionichthys. Caput corpusque compressa; 08
anticum ; dentes intermaxillares et inframaxillares; dentes vomerini
et palatini nulli; apertura branchialis angusta rotunda pone pinnam
pectoralem; rostrum filo libero; pinnae dorsales 2 membranaceae,
spinosa integra vera cephalica; pinnae ventrales iugulares; arcus
branchiales 4; membrana branchiostega radiis 6. B. hirsutus ist be=
schrieben und abgebildet.
Als neue Arten stellte Bleeker Tijdschr, Nederl. Indie auf:
Antennarius Lindgreeni VIII. p. 192 von Banka, A. moluccensis VII.
424 von Amboina.
Aulostomi. Peters unterschied eine neue Art Amphisile
brevispina 1. c. p.450 in dieser Familie.
Anacanthini.
Dumeril las in der Academie des sciences de Paris
am 15. August „Allgemeine Betrachtungen über die Kehlflos-
ser oder Pteropoden, eine Unterordnung der Fische, welche
die einzige Abtheilung der Stenopes bilden. Wir verweisen
auf den Auszug in den Comptes rendus Vol. XLI.
Gadini. Filippo de Filippi hat in der Zeitschr, fi wiss.
Zoologie VII. p. 170 die Schwimmblase von Oligopus ater Risso be-
schrieben, die einen muskulösen Apparat besitzt, keinen Ausführungs-
gang hat, und mit den Gadiden und Ophidien verglichen wird. Dieser
Fisch hat mit der Gattung Oligopus Lacep. nichts gemein, gehört
vielmehr zu den Gadinen in die Nähe von Brotula und erhält von dem
Verf, den Namen Gadopsis.
Ophidini. Fierasfer neglectum ist eine neue Art von Pe-
ters]. c. p.451.
Pleuronectane. Neue Arten von Bleeker Tijdschr. Ned.
Indie: Rhombus pavo und cocosensis VIII. 177 von den Cocosinseln.
Pharyngognathi.
Labroidei cycloidei. Neue Arten von Bleeker Tijd-
schr. Nederl. Indie: Gomphosus melanotus VIII. 457 von den Cocosin-
seln, Julis celebieus IX. 313 von Celebes, J. (Halichoeres) phaiotae-
nia und Vrolikii VIII, 322 von Batu, Callyodon hypselosoma VIII. 425
von Amboina,
80 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie
Peters beschrieb als neu: Cossyphus opercularis, taeniops, fila-
menlosus |. c. p. A5l.
BMoicenoti., Eine Abhandlung von. Girard „Nolice
upon Ihe ‚viviparous fishes inhabiling he Pacific coast of
North America, wilh an enumeralion of the species observed.
Proc. Philadelphia April 1855 ist in unserem Archiv 1855. I.
p. 34% übersetzt worden.
Bei Gelegenheit der Ueberselzung der Abhandlungen von
Gibbons und Girard über ‚die Holconoli hat Referent
in einer Anmerkung geglaubt, die in diese Familie gehöri-
gen 14 Galtungen am passendsten nach der Zahl der Zahn-
reihen in denKiefern übersichtlich ordnen zu können, Archiv
1855. I. p. 353.
Eabroidei ctenoidei. Neue Arten von Peters |. c
p- 455: Pomacentrus annulalus, Glyphisodon fallaz und sculplus.-
Neue Arten von Bleeker Tijdschr. Ned. Indie: Amphiprion
perideraion 1X. 437 von Obij, Dascyllus ‚polyacanthus IX. 503 von
Batjan. s
Scomberesoces. Haeckel hat bei den Eiern der
Scomberesoces eine sehr eigenthümliche Schicht von Fa-
sern zwischen Dotler und Dollerhaut entdeckt, welche aus
einer Wurzel entstehen, und sich je nach den Gallungen in
verschiedener Weise winden und ordnen. Müller’s Archiv
für Anat. 1855. p. 23. Taf. IV u. V.
Physostomi.
Siluroidei. Die Welse, welche Valencienes 1851
aus Preussen lebend nach Paris übergesiedelt halte, befinden
sich in einem grossen Reservoir von Marly ganz wohl, und
haben merklich zugenommen. Comptes rendus XLI; Revue
de Zool. VII. p. 475.
Holbrook beschrieb eine neue Art Pimelodus marmoralus
Journ. Acad. Philadelphia III. p. 54 von Altamaha, Georgia.
Bleeker stellte Tijdschr. Ned. Indie folgende neue Arten auf:
Arius microcephalus IX. 423 von Borneo, Limelodus plalypogonides
IX. 272 von Sumatra, Chaca bankanensis VIII. p. 165 von Borneo.
Kner hat in den Wiener Sitzungsberichten XVII. p. 92 von
der Gattung Aspredo, von der er A. sexcirrhis Cuv. Val. beschreibt,
den A. verrucosus als eigene Gattung Bunocephalus durch folgende
während des Jahres 1355. Ss
Merkmale getrennt: Vorderrücken höher, Schwanz kürzer und höher
als bei Aspredo, Haut durchaus warzig, Oberkopf und Rücken mit
rundlichen Höckern , Afterflosse wenig strahlig. Der genannten Art
wird eine neue B. hypsiurus aus dem Rio branco hinzugefügt. Hier-
auf wird Chaca lophioides beschrieben. — Dann beschreibt der Verf.
ausser drei schon von Valenciennes aufgezählten Arten der GatZ
tung Callichthys auch eine neue C. sulcatus, die vielleicht mit C.
longifilis Val. synonym sein soll aus dem Rio branco. — Die Gattung
Doras hält Verf. vorläufig noch nicht generisch spaltbar, wenn nicht
die spitzschnauzigen Arten unter dem Namen Oxydoras vereinigt wer-
den könnten. Er beschreibt dann die 18 Arten des Wiener Museums,
unter denen folgende neu: D. dentatus aus Surinam, a/fınis aus dem
Rio branco, asterifrons Barra do Rio negro, Heckelü Rio negro, mu-
rica Cujaba, lithogaster Forte do Rio branco, fimbriatus Rio Guapor&,
punctatus Matogrosso und Rio Guapor&, brevis Barra do Rio negro,
kumeralis ebendaher,, stenopeltis Rio negro, lipophtkalmus Rio negro,
Orbignyi Rio de la Plata. Alle sind abgebildet. — Endlich handelt
Verf. über die Gattungen Plotosus, Saccobranchus und Trichomycterus
und unterscheidet von letzterer eine neue Gattung Pareiodon mit
einer neuen Art P. microps aus Borba. Die Gestalt ist langstreckig;
jederseits am Munde zwei kurze Eckbarteln,, im Zwischenkiefer und
Unterkiefer eine Reihe flacher Schneidezähne mit convexem Rande ,
Gaumen zahnlos; Zwischendeckel mit starken Dornen besetzt.
Eine neue Gattung aus der Familie der Welse stelite Kner
Wiener Sitzungsber. XVII. p. 313 auf: Clarotes, caput cataphractum
a fronte ad os terminale valde declivum; pinna dorsalis secunda ra-
dio osseo et numerosis articulatis suffulta; cirrhis 8, corpus nudum.
Die Art €. Heuglini ist 22 Zoll lang, und hat sich in der Nähe von
Chartum, einige tausend Schritte vom Flusse entfernt, bei Gelegen-
heit des Grabens eines Brunnens im Sande eingewühlt, lebend ge-
funden ; sie ist abgebildet.
Trichomycterus Macraei Girard in Gilliss U. S. naval astron.
expedition II. p. 245 wurde bei Uspullata an der Ostseite der Cordil-
leren in 7000 Fuss Höhe gefunden.
Ueber das electrische Organ des Zitterwelses machle
Marcusen eine Miltheilung,. Bull. de l'acad. de St. Peters-
bourg Xll. 1854. p. 203.
Cyprinoidei. Von Rusconi wurde in Pavia 1854
ein posihumes Werk : „Ueber die Entwickelung der Cyprinen
nach ihrem Ausschlüpfen aus dem Ei, und Anleilung zur
künstlichen Befruchtung der Fische. Fol.“ herausgegeben.
Nach den Untersuchungen von Agassiz über die Cy-
Archiv, f. Naturgesch, XXI, Jahrg. 2. Bd. F
82 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie
prinoiden des westlichen Abhanges von Nordamerika, gehö-
ren die Arlen dieser Erdgegend zu den natürlichen Gruppen
der Catostomi und Chondrostomi ; und sind daher wesentlich
verschieden von den Arlen dieser Familie, welche die Flüsse
und Seen der alten Welt bevölkern. Silliman Amer. Journ.
XIX. p.71 u. 215.
In der Gruppe Catostomi nimmt Verf. nach Untersuchung der
Schlundzähne, die in Holzschnitt abgebildet sind, die folgenden Gattun-
gen an: 1) Carpiodes Rafinesque mit 4 Arten deren Synonymie
aufgeklärt wird; 2) Bubalichthys Agass. mit 5 Arten; 3) Ich-
ihyobus Raf., wohin Cat. Bubalus Raf. Sclerognathus Cyprinella Val.
und zwei neue Arten J. Raurhi von Burlington, Jowa und J. Stol-
leyi vom Osaga-River; 4) Cyeleptus Raf. (Rhytidostomus Heckel) ;
5) Mozostoma Raf., deren zahlreichen auf drei reducirten Nomi-
nal-Arten eine neue M. tenue hinzugefügt wird; 6) Ptychosto-
mus Agass. mit 4 Arten; 7) Hylomyzon mit einer Art H. nigri-
cans, die unter verschiedenen Namen beschrieben ist; 8) Catosito-
mus Forster, deren Arten nicht gesichert sind, denen jedoch eine
neue C. occidentalis von St. Francisco hinzugefügt ist.
In der Gruppe Chondrostomi zählt Verf. die Gattungen: 1)
Acrocheilus Agass. mit einer Art A. alutaceus aus dem Columbia-
River; 2) Ezoglossum mit einer Art; 3) Campostoma Agass,
mit 5 Arten; 4) Pimephales Raf. mit einer Art; 5) Hyborhyn-
chus Agass. mit einer Art H. nolatus, wenigstens kann Verf. die
zahlreichen Exemplare von verschiedenen Localitäten nicht unter-
scheiden ; 6) Hybognathus Agass. mit einer neuen Art H. nuchalis.
Eine nähere Charakteristik dieser Gattungen verbietet der die-
sen Berichten gesteckte Raum, und ich enthalte mich deren um so
mehr, als sie in einer ziemlich verbreiteten Zeitschrift enthalten sind.
In der Hist. nat. des poissons hat Valenciennes alle diese Gat-
tungen in vier vereinigt. Seine Gattung Selerognathus umfasst die
Gattungen Carpiodes, Ichthyobus und Bubalichthys; sein Catostomus
vereinigt Cycleptus, Moxostoma, Ptychostomus, Hylomyzon und Cato-
stomus.
Von solchen Formen, die Valenciennes unter Leuciscus ver-
einigt, unterscheidet Verf. 1) Chrosomus Raf., 2) Luzilus Raf.
(Stilbe de Kay, Leucosomus Heckel), 3) Ptychocheilus Agass. mit
zwei neuen Arten Pt. gracilis und major, 4) Mylocheilus mit einer
neuen Art M. lateralis.
Eine Fortsetzung dieser Untersuchungen steht zu erwarten.
Lobeo setigerus C. V. trennt Bleeker Natuurk. Tijdsch. IX,
p- 263 als eigene Gattung Luciosoma: corpus elongatum lucioideum;
caput acutum, rictu amplo; cirri labiales et maxillares ; labia tere-
während des Jahres 1855. s3
Va integra; maxilla inferior hamata; pinna dorsalis ex parte pinnae
anali opposita, radio simplice postico gracili flexili edentulo; pinnae
pectorales subhorizontaliter insertae. Dahin L. setigerum und eine
neue Art L. spilopleura von Sumatra.
Aus Lobocheilos heterorhynchos, Cyprinus gotyla und Bangana
falcata bildete Bleeker ib. p. 368 eine neue Gattung Schismato-
rhynchos, die sich von Lobocheilos und Labeo durch eine eigen-
thümliche Bildung des Unterkiefers unterscheidet, der zweihörnig und
durch einen tiefen Einschnitt in eine untere und obere Hälfte ge-
theilt ist.
Eine dritte Gattung gründete Bleeker ib. p.270 auf Barbus
kalopterus. Er nennt sie Epalzeorhynchos: Os inferum rictu
parallelogrammico; rostrum valde prominens carnosum; labium ro-
strale crenulatum; labia vera nulla; plica menti Jobum carnosum mar-
ginem oris versus directum elficiens; cirri 4 rostrales et labiales;
radius dorsalis et analis simplex posticus cartilagineus gracilis flexi-
lis edentulus.
Neue Arten von Bleeker Tijdschr. Ned. Indie: Barbus ambly-
cephalus VIII. 166 von Borneo, javanicus, macrophthalmus und platy-
soma 1X. 403 von Java; Leuciscus leptosoma 1X. 269 von Sumatra ;
Capvela letrazona 1X. 262 von Sumatra, javanica und Deventeri IX.
412 von Ustjava; Rohita brachynotopierus IX. 266 von Sumatra; Sy-
stomus apogonvides und lawak 1X. 410 von Java, albuloides IX. 425
von Borneo.
Cyprinodontes. Einer Beobachtung über einen nur 2Zoll
langen lebendig gebärenden Fisch aus Louisiana von Dowler fügte
Agassiz die Bemerkung hinzu, dass dies Poecilia multilineata Les.
sei. Silliman Journ. XX. p. 135; Annals nat. hist. XV. p. 206.
Neue Arten: Hydrargyra Luciae Baird von New -Jersey und
Cyprinodon parvus Baird et Girard von Long-Island. Ninth Smithsonian
report p. 344.
Salmones. JohnDavy hat Beobachtungen über die Be-
fruchtung der Eier der Salmoniden angestellt (Transact. of the
Royal Soc. of Edinburgh XXI. Part. I. p. 1); dieselben werden
nach dem Ablegen befruchtet. In einer ferneren Abhandlung ib.
Part. ll. p. 245 machte er verschiedene Beobachtungen über die
Salmoniden bekannt, die sich an eine frühere Abhandlung des
Verf. anschliessen und manche Punkte berichtigen oder erwei-
tern. Er hat die Schwimmblasen und die darin enthaltene Luft
unlersucht; er nimmt die frühere Ansicht, die weibliche Ge-
schlechtsöffnung sei nach der Laichzeit durch eine feine Mem-
bran geschlossen, zurück; er handelt über die Brutstellen
84 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie
und sagt, fliessendes Wasser sei nicht nolhwendig; die Brut-
zeit dauerte vom 25. November bis in den Januar , doch
schlüpften die Jungen nicht an demselben Tage, sondern
zwischen dem 8. und 22. Januar aus; Verf. stellte über ihre
Lebensdauer und ihre Fülterung Versuche an. Endlich wird
die Frage behandelt, ob der Parr eine eigene Species sei,
wogegen sich Verf. erklärt.
John Davy machte ferner Beobachtungen über ie
Eier des Lachses in Beziehung auf die Verbreitung der Art.
Proc. Royal Soc. VII. p. 362; Annals nat. hist. XVI. p. 205.
Die Resultate stellt Verf. in folgenden Sätzen hin: 1) Die Eier
können nur kurze Zeit, nicht eine Stunde, bei gewöhnlicher Tempe-
ratur der trockenen Luft ausgesetzt werden, ohne ihr Leben zu ver-
lieren; mehrere Stunden jedoch bei niedriger Temperatur und feuch-
ter Luft. 2) Die Lebenskraft der Eier erhielt sich ebensogut in mit
Feuchtigkeit gesättiger Luft, wie im Wasser. 3) Die Eier können in
Eis eingeschlossen werden, ohne getödtet zu werden, wenn die Tem-
peratur nicht so niedrig wird, dass sie gelrieren. 4) Die Eier, so
wie die junge Brut, können eine Temperatur von 80—82° in Wasser
ertragen, verlieren jedoch die Lebenskraft bei 84 oder 85°. 5) Eier
und junge Brut werden durch eine Lösung von Salz von dem Gewichte
des Seewassers schnell getödtet. — Verf. schliesst, dass nach dem
zweiten Satze bei Regen oder Nebel die Eier leicht an einem Reiher
oder einer Otter hängen bleibend, von einem Gewässer zum anderen
übertragen werden können, ja selbst bei Schnee und Frost.
logg las in der Linnean Sociely über die äussere
Membran der unbefruchleten und befruchteten Eier des Lach-
ses. Annals XV. p. 307.
Ein Salmo lemanus Cuv., welcher wie Coste mittheilt,
in seinen Apparaten im College de France geboren war, legte
im Alter von2Y, Jahren 1065Eier, die von einem Salmo fario
L. von 19 Monaten befruchtet wurden. Comples rendus XLI;
Revue de zool. VII. p. 532.
Der Seestint (Osmerus marino-eperlanus) kommt auch
in den vom Meere vollständig gelrennien Süsswasser- Land-
seen Masurens vor. Siebenter Bericht des Vereins für die
Fauna der Provinz Preussen März 1855. p. 50, aus den Neuen
Preuss. Provinzial-Blältern.
Clupeacei. Hyrtl hat bei einigen Gatlungen der Clu-
pcaceen ein accessorisches Kiemenorgan gefunden , welches
während des Jahres 1855. 85
mit der von ihm bei Heterotis beschriebenen Kiemenschnecke
Aehnlichkeit hat. Es findet sich bei Clupanodon aureus,
Kowala albella, Chaloessus chacunda, Melelta thryssa, Sar-
dinella anchovia und Gonostoma javanicum. Daran schlies-
sen sich Angaben über die Zahl und Gruppirung der Appen-
dices pyloricae bei einer Anzahl von Gallungen dieser Fa-
milie. Wiener Silzungsberichte XVII. p. 163 im Auszuge;
die Abhandlung selbst mit 3 Tafeln stehtin den Wiener Denk-
schriften X. p. 47.
Clupeichthys nov. gen. Bleeker Natuurk. Tijdschr. Ned.
Indie IX. p. 2741: Ussa supramaxillaria maxillam superiorem maxima
parte conslituentia; ossa ıntermaxillaria bene evoluta prominentia;
rictus magnus; dentes intermaxillares, supramaxillares, palatini, pte-
rygoidei, linguales; pinna dorsalis tota ante analem sita; pinnae ven-
trales; pinna analis vera et spuria; membrana branchiostega radiis 6.
Die Art Cl. goniognathus lebt in den Flüssen bei Lahat auf Sumatra.
Harengula hypselosoma von Amboina ist eine neue Art von
Bleeker ib. VIII. p. 427.
RMormyri. Marcusen legte der Petersburger Aca-
demie eine vorläufige Mittheilung aus einer Abhandlung über
die Familie der Mormyreu vor. Bullclin de l’acad. de St. Pe-
tersbourg Xll. 1854. p. 1.
Diese Fische besitzen das relativ grösste Gehirn, weshalb sie
Verf. Maerenkephali nennt. Er ist nicht abgeneigt auch den Gymnar-
chus in diese Familie zu setzen. Bei den Valeneiennes’schen Arten
findet Verf. manches zu erinnern. Die Zahl der Flossenstrahlen fand
er variabel, namentlich bei den Arten, wo die Zahl gross ist. Das
sogenannte elektrische Organ bei Mormyrus, über welches interes-
sante Aufschlüsse gegeben werden, hält er für nicht elektrisch, son-
dern für ein besonderes Sinnesorgan. Die Müller’sche Gattung Mor-
ınyrops wird angenommen, eine neue Petrocephalus hinzugefügt,
und die drei Gattungen folgendermassen charakterisirt:
Mormyrus Linn. Dentes in apice emarginati in intermax. et
maxilla inf.; dentes acuti in anteriore corporis oss. sphenoid. parte
et lingua. Cerebrum maxime evolutum; hemisphaeria cum tribus
lobis (ant. , med. , et post.) mediam et inferiorem cerebri partem
omnino tegentes. Caput elongatum; rostrum longum, vomer proces-
sibus anterioribus oss. palatini omnino tectus. Species: M. Caschive
Hasselg., oxyrhynchus Geoffr., Kannume Forsk., longipinnis Rüpp.,
Hasselquistii Geoffr., Geoffroyi Val., Jubelini Val., Bachiqua Val.,
Rume Val., Nacra Val.
Mormyrops Müll. Dentes acuti aut in apice emarginati in
86 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie
intermax. et max. inf., dentes acuti in corpore oss. sphen. ant, et
lingua. Caput minus elongatum ; nee non rostrum. Cerebrum minus
evolutum. In posteriore parte inter lobum posteriorem pars corp.
quadrig. posterior et cerebellum. Vomer osse palatino non tectus.
Species: M. anguilloides Linn., Tuckeyi Val., cyprinoides Linn. (la-
biatus G.) elongatus Rüpp., abbreviatus Val.
Subgenus. Morm. dorsalis Geoflr. Dentes in intermax. et max.
inf. emarginati, in lingua et antcriore parte corporis oss. sphenoidei
globosi.
Petrocephalus n. gen. arabice ras el hagar, quod est caput
saxatile. Dentes in max. inf. et in intermaxillari emarginati; in lingua
et anteriore parte corp. oss. sphenoid. acuti. Cerebrum minime evo-
lutum ; inter lobos anteriores anterior corpor. quadrig. pars et inter
lobos posteriores posterior corporum quadrigeminorum pars et cere-
bellum visibiles. Vomer osse palatino non tectus, Caput superficie
superiore quadrilatera, obtusum; rostrum inferiorem versus partem;
frons prominens; os inferiore parte. Species: P. bane, Dequesne Val,
Joannisii Val., Ehrenbergii Val., Bovei Val., Isidori Val,
Muraenoidei. Kner legte dem bot.-zool. Vereine in Wien
V. p.57 eine brasilische Art Muraenophis vor, welche ein grosses
Stück Zeug verschluckt hatte, das den ganzen Darm erfüllte und
wahrscheinlich seinen Tod herbeigeführt halte, als Belegstück von
grosser Lebenszähigkeit.
In der Familie der Muraeniden stellte Lowe (Memoires des
savants etrangers de St. Petersbourg VII. 1854. p. 171 eine neue
Gattung auf: Leptorhynehus. Caput scolopaciforme , collo elon-
gato distinetum; maxillis in rostrum tenue productis, utraque dentibus
minutissimis limae instar scabra, rictu pone oculos diducte. Nares
oculis contiguae, approximatae, simplices, nec tentaculatae. Oculi
magni. Corpus nudum,, anguilliforme, compressum, gracile, elonga-
tum ; postice longissime attenuato - productum, filiforme, apice acuto.
Aperturae branchiales sat magnae, ante pinnas pectorales oblique
deorsum fissae. Pinnae pectorales distinetae lanceolatae, vix magnae ;
pinna dorsali ad nucham paullo ante, anali ad gulam paullo post pin-
nas pectorales incipiente; ulraque usque ad apicem caudae continuata,
membranacea, nec cute cooperla, sed radiis sat validis distinctis. Die
Art L. Leuchtenbergii lebt bei Madeira. — Brandt lieferte eine
Abbildung dazu, taufte aber den Gattungsnamen in Belonopsis um,
indem der von Lowe vorgeschlagene bereits mehrfach bei den Rep-
tilien, Vögeln, Fischen und Käfern verwendet ist.
Kaup gründete in unserem Archiv 1855. p.213 eine neue Gat-
tung Enchelynassa nach einem Exemplare, als dessen Vaterland
er die Carolinen oder den Indischen Ocean vermuthet. Die Art heisst
E. Bleekeri.
während des Jahres 1855. 87
An neuen Arten wurden folgende beschrieben:
_ Von Bleeker Tijdschr. Nederl. Indie: Muraena Agassisi und
micropoecilus VIII. p.458 von den Cocosinseln; melanospilos IX. p. 279
von Sumatra ; Moringua macrockir IX. p. 71 von Batu.
Von Peters |. c. p.459: Muraena fascigula, vermicularis, di-
plodon‘; Ophiurus marginatus;; Sphagebranchus brevirostris.
Symbranchii. Kaup berichtigte in diesem Archiv p.59 die
Synonywie von Symbranchus immaculatus und Ophisternon bengalensis,
Plectognathi.
Vergleiche die „Uebersicht über die Species einiger Fa-
milien der Plectognalhen“ von Kaup in diesem Archiv p. 215.
Ostraciones. In dieser Familie zählt Kaup 26 Arten auf,
die er in 5 Gattungen vertheilt; Cibolion Kp. mit 6 Arten, Lae-
tophrys Swains. mit 3 Arten, Ostracion Linn. Kaup mit 7 Arten
unter denen O. oviceps neu, Acerana Gray mit 9 Arten in vier
Untergattungen, darunter A. Grayi neu, Centaurus Kp. mit 1 Art.
Balistini. Die Balistinen im engeren Sinne umfassen nach
Kaup 21 Arten, die sich in vier Genera vertheilen: Pyrodon Rüpp.
mit 1 Art; Melichthys Swains. mit 3 Arten; Balistes Linn. mit
12 Arten und Balistopus Tilesius mit 5 Arten.
Von der „Monographie de la famille des Balistides“ von
Hollard erschien in den Annales des sc. nat. 4. Ser. IV.
p- 5 der Schluss (vergl. den vor. Bericht p. 450).
Dieser Abschnitt behandelt die Untergattung Aluteres mit 11
Arten; unter ihnen neu: A. Holbroocki vielleicht identisch mit A.
aurantiacus Dekay, culifrons von New- York und Bahia, conve-
zifrons, anginosus aus dem Indischen Ocean und von Australien,
Heudelotii vom Senegal, venosus von Neu -Irland. — In einem An-
hange werden einige Bemerkungen hinzugefügt: Triacanthus ano-
malus Temm, Schl. bilde eine besondere Untergattung ; — Bleeker's
T. Russelii und rhodopterus seien — brevirostris, dessen Nieuhofi sei
von brevirostris nur durch die Länge des Schwanzes verschieden, des-
sen oxycephalus sei = angustifrons Holl.; — T. striliger Cantor sei
— longirostris Holl. — In Betreff der Gattung Balistes erwähnt Verf.
der von Kaup angenommenen Gattungen. Er spricht sich gegen die
Vereinigung von gulturosus, calolepis, lineopunctatus und elongatus
zu einer Art aus, welche Kaup curassavicus nennt, ebenso gegen
die Vereinigung von maculatus, breyissimus, angulosus und longissi-
mus. Weniger hat Verf. gegen die Vereinigung seines reticulatus mit
viridescens. Kaup’s forcipatus sei nicht der des Willughby, sondern
stellatus Lacöp.
838 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie
Ausserdem wurden in dieser Familie als neue Arten beschrie-
ben : Monacanthus curlorhynckus und eryptodın von Bleeker Na-
tuurk. Tijdschr. VIII. p. 430 von Amboina und M. frenatus Peters Mo-
natsber. der Berliner Acad. 1855. p. 464.
Gymnodontes. Die Gattung Diodon zerfällt Kaup |. c.
in 5 Gatttungen: Diodon L. mit 9 Arten, worunter D. melanopsis
und maculifer als neue Arten figuriren, Dicotylichthys Kaup mit
1 neuen Art D. punctulatus, Cyelichthys Kaup mit 2 Arten, dar-
unter ©. cornulus neu, Cyanichthys mit 1 Art, Chilomycierus
Bibr. mit 3 Arten.
A. Dumeril veröffentlichte in der Revue de: zool. VII.
p- 274 eine von Bibron unvollendet hinterlassene Arbeit
über die Gymnodonten (Diodon und Telrodon).
Die Gattung Diodon bildet eine besondere Familie und ist in
zwei Gruppen getheilt. 1) Trirkizacanthi mit dreifacher Wur-
zel der Stacheln, mit 9, 2) Dirhizacanthi mit 6 Arten. Eine
Art D. reticulatus Linn. trennt er als besondere Gattung Chilomy-
eterus mit zweilippigen Naslöchern.
Die Familie Tetrodoniens enthält 53 Arten in 15 Gattungen.
Von diesen hat Bibron vier ohne Diagnosen nur mit Namen bezeich-
net: Stenometopus mil 11 Arten, Aphanacanthus mit 1 Art,
Epipedorhynchus mit 3 Arten und Dickotomycterus mit 1
Art. Die übrigen 11 Gattungen tragen eine Diagnose: Promeco-
cephalus mit 6 Arten, Dilobomyeterus mit 11 Arten, Tetro-
don mit 4 Arten, Amblyrhynchotes mit 4 Arten, Geneion mit
1 Art, Catophorhynchus mit 2 Arten, Batrachops mit 1 Art,
Monotretus mit 1 Art, Ephippion mit k Art, Xenoptierus mit
1 Art, Rhynchotes mit 6 Arten.
Eine Vergleichung dieser Gattungen mit denen, welche in-
zwischen anderweitig, z. B. von J. Müller gegründet sind, und
welche sehr nahe gelegen hätte, wird vermisst, Natürlich können
dieselben nur von dem Augenblicke ihrer Veröffentlichung an einen
Prioritätsanspruch machen. Zahlreiche neue Arten sind nur dem Na-
men nach genannt, und können daher gar keine Priorität geltend
machen, daher habe ich sie auch hier nicht namhaft gemacht.
Bleeker beschrieb aus dieser Familie in Natuurk. Tijdschr.
Nederl. Indie als neu: Tropidichthys ianthinopterus VIll. p.429 von
Amboina und Arothron melanorhynchus IX. p. 111 von Halmaheira, —
Desgleichen Peters Tetrodon (Anosmius) ocellatus und taenialus Mo-
natsber. der Berliner Akad. p. 462.
während des Jahres 1855. 8
Lophobranchii.
Aufmerksam gemacht durch die schnelle undulirende Be-
wezung der Rückenflossen von Syngnalhus, Hippocampus und
Umbra, untersuchte Kner (Bol.-zool. Verein zu Wien V.
p-. 57) die Muskulatur der Rückenflosse dieser Fische.
Neue Arten: Syngnathus brachysoma Bleeker Tijdschr. Nederl,
Indie VIII. 327 von Batu, S. Helfrichü ib. IX. 419 von Boıneo, S.
(Ichthyocampus) mossambicus Peters ]. c. p. 465. — Solenostoma bra-
chyurus Bleeker l. c. VIll. 433 von Amboina.
Ganoidei.
Poey hat die Schwimmblase des Lepidosteus Manjuari,
welcher auf Cuba lebt, untersucht, und in den Annals of the
Lyceum of nal. hist. of New-York VI. p. 133 beschrieben,
nachdem er einige Bemerkungen über Cyprinodonten vorher-
geschickt hal.
Er ist der Meinung, dass die Schwimmblase der Fische über-
haupt, und namentlich des Lepidosteus der Respiration diene. Sie ist
roth, sehr gefässreich, an beiden Enden zweilappig. Sie ist mit dem
oberen Theile der Aorta und noch inniger mit zwei Hohlvenen ver-
bunden, welche die Arterie begleiten. Eine Injection füllte alle kleine
superficiellen Arterien, die dickeren Venen blieben weiss, Der Fisch
blieb in einem Gelässe mit Wasser ohne Bewegung und machte in
jeder Minute 40 Athembewegungen; alle 5 bis 8 Minuten kam er an
die Oberfläche, um einen Mund voll Luft zu nehmen, und nach einer
Secunde kamen einige Luftblasen: aus der Kiemenspalte.
Selachii.
Squati. Wyman unlersuchte einen 6!/, Zoll langen
Foelus von Zygaena. Er halle die Gestalt des erwachsenen
Thiers, nur der Kopf war weniger regelmässig, alle Flossen
waren wohl entwickelt, zwischen den Brusillossen war der
Rest des Doltersackstieles. Das Exemplar war vermuthlich
aus dem Oviduct genommen. Boston Proc. V. p. 157.
Majae, Peters beschrieb l.c. p. 466 als neue Art Torpedo
fuscomaculata von Mossambique.
Bericht über die Leistungen in der Natur-
geschichte der Mollusken während des
Jahres 1855.
Vom
Herausgeber
Von der Küster’schen Ausgabe des systemalischen
Conchylien-Cabinels von Martini Chemnitz brachte das Jahr
1855 die Lieferungen 141—148. Der Text führt die Gat-
tung Bulimus bis zu No. 326, giebt ferner die Galtung Suc-
cinea mit 40 Arten, den Schluss vom Trochus (No. 319—430),
woran sich Xenophora mit 12 Arlen schliesst, eine Fortset-
zung der Gallung Unio (No. 79—90), die Gallung Trunca-
tella mit 16 Arten und Paludinella Pfr.
Von Pfeiffer’s „Novitates conchologicae“ erschienen
im Jahre 1855 das 3. und 4.Heft, wie früher mit deutschem
und französischem Texte. Das drille Heft bringt die Abbil-
dungen von 3 Helix, 4 Auricula, 1 Cyclostomus, 9 Bulimus,
3 Achalina, 1 Clausilia, I Succinea, — das vierte Helt die
von 4 Bulimus, 8 Helix, 1 Ennea, 1 Vilrina, 3 Auricula, 1
Achatina, 1 Melampus, 2 Cassidula.. Neue Arlen sind nicht
darunter; die meisten sind schon früher in den Malakozoolo-
gischen Blättern charakterisirt worden.
Von Lovell Reeve’s Conchologia iconica or -figures
and descriplions of Ihe shells of Molluscous animals erschie-
nen während des Jahres 1855 die Lieferuugen 139—150. Sie
brachten den Schluss der Gatlung Patella mit 144 Arten auf
42 Tafeln, die Gallung Nalica mit 143 Arten auf 30 Tafeln,
Troschel: Bericht über die l.eist. in der Naturgeschichteu.s. w. 91
Lutraria mit 18 Arten auf 5 Tafeln, Donax mit 63 Arten auf
9 Tafeln und Nerila mit 85 Arten auf 19 Tafeln.
Von Agnes Catlow's Popular Conchology ist 1854
eine neue Ausgabe erschienen, in der das Sysleın von Phi-
lippi’s Handbuch angenommen ist.
Agassiz untersuchte bei mehreren Mollusken, namenl-
lich bei Pyrula carica, P. canaliculata und Macira solidissima,
das Wassergefässsystem, und fand, dass besonders durch den
Fuss Wasser in das Gefässsystem eindringe. Zeitschr. für
wiss. Zoologie VII. p. 176. Bei Purpura geschieht es durch
eine grosse Oeffnung in der Mille des Fusses , die sich in
dem Fusse veräslelt, bei Mactra durch zahlreiche feine Po-
ren, die durch enge Gänge sich zu einer weilen Höhle ver-
einigen.
In Beziehung auf die geographische Verbreitung der
Mollusken und auf Faunen , sind die folgenden Schriften zu
erwähnen.
Als Inaugural-Disserlation erschien von v. Martiens
eine ausgedeiinle und interessanle Abhandlung: „Ueber die
Verbreitung der europäischen Land- und Süsswasser-Gaste-
ropoden.* Tübingen 1855. 8. 144 5.
Verf. handelt über die allgemeinen Lebensbedingungen, Ein-
fluss des Lichtes, chemische Einflüsse, den näheren Aufenthalt der
Schnecken, die Grenzen der Verbreitung. Er unterscheidet dann im
nördlichen Europa 1) die Polarzone und Alpenregion , 2) die Zone
und Region der Nadelwälder, 3) die Zone und Region des Laubhol-
zes, 4) das mitteleuropäische Tiefland; er schliesst daran Betrachtungen
über Ausdehnung und Grenzen unserer Fauna, so wie über entspre-
chende Faunen ‘anderer Erdiheile.e. Im südlichen Europa unterschei-
det er die Berggegenden und die Küstengegenden des Mittelmeeres,
und handelt darauf von der Ausdehnung und den Grenzen der Mit.
telmeerfauna, und schliesslich von den der südeuropäischen entspre-
chenden Faunen der westlichen und der südlichen Hemisphäre. — Mit
kurzen Worten auf den Inhalt näher einzugehen erscheint nicht thun-
lich, und begnügen wir uns die Lectüre der Abhandlung selbst zu
empfehlen.
William Clark hat „A history of Ihe british marine
teslaceous Mollusca, distributed in their natural ordre on Ihe
basis of the organisalion of Ihe animals London 1855. 8.*
herausgegeben. Die bereits in den Annals abgedrucklen
92 Troschel: Bericht über die Leistungen in der
Abhandlungen des Verf. sind darin aufgenommen. Seine sy-
stemalischen Ansichten, wie sie im Eingange des Werkes
entwickelt sind, beruhen grossentheils auf Vorstellungen, die
dem gegenwärtigen Stande der Wissenschalt keinesweges
entsprechen, so dass sehr unnalürliche Gruppen gebildet
werden. So werden die sämmtlichen Acephala lamellibran-
chiala als Zwilter ohne Begaltung bezeichnet. Als Cervi-
cobranchiala werden in der Familie Patellidae die Galtungen
Patella, Acmaea, Pileopsis, Calyptraea, Emarginula, Fissu-
rella, Puncturella, Haliolis sehr unnatürlich vereinigl; zu den
Trochoiden, die zwiltrig sein sollen, werden Trochus, Phasia-
nella, Seissurella und Valvala gezählt; die Cyclostomiden
werden zu den Kammkiemern gebracht u. s. w. — Eine ein-
gehende Kritik dieses Buches findet sich Annals nat. hist.
XV. p.349.
Gwyn Jeffreys fügte einem früher (1840) von Ey-
ton milgelheillen Verzeichnisse, welches 32 Arten Land-
und Süsswasser-Mollusken von Shropshire enthielt, 22 Arten
hinzu. Die sämmtlichen britischen Arten schälzt er auf das
Doppelte. Annals nat. hist. XVI. p. 464.
Thompson fand Diodonta fragilis bei Weymulh. Ebenso
Galeomma Turtoni und eine Tritonia, die er für T. Hombergii
hält. Annals XVI. p. 379.
Histoire nalurelle des Mollusques terresires et fluviatiles
de France, contenant des etudes generales sur leur anatomie
et leur physiologie et la description parliculiere des genres,
des especes et des varieles par Moquin-Tandon. Illusire
de 54 planches dessines d’apres nalure et grav&es. Paris
1855. 8.
Dieses in vieler Hinsicht sehr verdienstliche Werk besteht aus
zwei Bänden und einem Atlas in demselben Formate. Als das nicht
geringste Verdienst möchte ich hervorheben, dass das Ganze im Laufe
des einen Jahres begonnen und vollendet ist, so dass es also gleich-
sam aus einem Gusse vor uns liegt. Der erste Band behandelt das
Allgemeine ; im ersten Buche p. 19—274 das Anatomische und Phy-
siologische des Thieres, im zweiten die Schale, im dritten die Ano-
malien der Mollusken, im vierten den Nutzen der Mollusken, im fünf-
ten das Sammeln und Conserviren der Mollusken, im sechsten die
Systematik, im siebenten die Litteratur. Diese letztere bringt ein
n
Naturgeschichte der Mollusken während des Jahres 1855. 95
sehr vollständiges Verzeichniss der hier einschlagenden Schriften. Es
ist nicht thunlich hier näher auf den Inhalt dieser einzelnen Bücher
einzugehen. Es verdient jedoch besonders hervorgehoben zu wer-
den, dass zahlreiche anatomische Details der einzelnen Gattungen und
Arten in zierlichen Abbildungen dargestellt sind, die sich vorzugs-
weise auf den Geschlechtsapparat und die Kiefer beziehen, ohne das
Nervensystem, die Sinnesorgane, die Circulation, die Athmungsor-
gane, den Nahrungskanal u. s. w. zu vernachlässigen. Es ist somit
ein reicher Schatz für die Anatomie der französischen Mollusken in
diesem Werke niedergelegt, den kein Malacozoolog wird übersehen
dürfen. — Der zweite Band bringt dann den speciellen Theil. Vie
Gasteropoden werden zunächst in zwei Tribus: Ungedeckelte und Ge-
deckelte getheilt; die ersteren zerfallen in Pulmones (Limaciens, Co-
limaces und Auriculaces) und Pulmobranches (Limneens), die letzte-
ren in Pulmones (Orbaces) und in Branchiferes (Peristomiens, Valva-
tides und Neritacks.. Von Acephalen gehören hierher die Nayaden,
Cardiaceen und Dreissenaceen. Danach kommen in Frankreich Mol-
lusken aus 11 Familien vor, die wiederum in 28 Gattungen zerfallen.
Die Zahl der französischen Arten vertheilt sich folgendermassen in
die Familien und Gatlungen:
1. Limaciens: 8 Arion (3 Lochea und 1 Prolepis und 4 zwei-
felhafte Arten), 13 Limax (2 Amalia, 6 Eulimax und 5 zweifelhafte
Arten), 2 Parmacella, 1 Testacella.
2. Colimaces: 6 Vitrina (3 Hyalina, 3 Helicolimax); 5 Succi-
nea, 15 Zonites (1 Conulus, 1 Calcarina, 12 Aplostoma, 1 Verticillus) ,
78 Helix (4 Delomphalus, 2 Carocollina, 2 Trigonostoma, 1 Jacosta;
1 Helicodonta, 2 Corneola, 2 Chilostoma, 1 Vortex, 1 Lucena, 15 Ze-
nobia, 13 Helicella, 8 Otala; 1 Arianta, 1 Helicogena, 1 Fıuticicola,
4 Hygromane, 3 Heliomane, 3 Tachea, 1 Cryptomphalus, 2Coenatoria,
1 Cantareus; 3 Petasia, 4 Theba; 2 Cochlicella), 11 Bulimus (2 Ena,
1 Bulimulus, 1 Chondrula, 2 Gonodon, 1 Azeca, ? Cochlicopa, 1 Aci-
eula, 1 Rumina), 14 Clausilia (3 Marpessa, 3 Papillina, 8 Iphigena),
23 Pupa (1 Balea, 14 Torquilla, 4 Sphyradium, 4 Odostomia), 9 Ver-
tigo (7 Isthmia, 2 Vertilla).
3. Auriculaces: 4 Carychium (1 Auricella, 1 Ovatella, 2 Phytia).
4. Limneens: 12 Planorbis (1 Segmentina, 1 Hippeutes, 5 Gy-
rorbis, 3 Gyraulus, 1 Batlıyomphalus, 1 Coretus), 4 Physa (1 Dia-
stropha, 2 Bulinus, 1 Nauta), 8 Limnaea (1 Amphipeplea, 3 Gulna-
ria, 4 Lymnus), 3 Ancylus (2 Ancylastrum, 1 Velletia).
5. Orbaces: 8 Cyclostoma (2 Ericia, 6 Pomatias); 4 Acme
(2 Auricella, 2 Platyla).
6. Peristomiens: 12 Bythinia (10 Bythinella, 2 Elona), 2 Pa-
ludina,
7. Valvatides: 4 Valvata.
94 Troschel: Bericht über die Leistungen in der
8. Neritaces: 1 Nerita.
9. Nayades: 5 Anodonta, 11 Unio (1 Margaritana, 10 Lym-
nium).
10. Cardiaces: 6 Pisidium, 5 Cyclas.
11. Dreissenad&s: 1 Dreissena,
Ein alphabetisches Inhaltsverzeichniss macht den Schluss des
werthvollen Buches. Neue Arten kommen darin nicht vor. Alle Fa-
milien, Gattungen und Untergattungen sind gründlich charakterisirt ;
die Arten sämmtlich ausführlich beschrieben, wobei meist auch be-
sondere Rücksicht auf das Thier und seine Anatomie genommen ist.
Ueberall ist die Synonymie ausführlich behandelt.
Drouet zählte die Land- und Süsswasser - Mollusken
des continentalen Frankreichs auf (Mem. de la Soc. roy. des
sc. de Liege X. 1855). Es enthält 340 Arten. Vergl. die
Anzeige von dieser Schrift in den Malak. Bl. p. 158.
Folgende französische Schriften, die sich auf einzelne
Faunen beziehen, sind mir nicht zugänglich und nur aus
einer Anzeige in der Revue de z00l. bekannt geworden.
Prodrome d’histoire nalurelle du departement de Var.
Premiere partie Draguignan 1853. Mollusques vivanls ter-
resires et fluvialiles p. 125—134. par Panescorse. Das
Verzeichniss umfasst 132 Arten in 23 Gallungen.
Note sur quelques especes de Mollusques terresires et
fluvialiles par Cotteau. Bulletin de la Soc. des sciences
nalurelles et historiques de l’Yonne 1854.
Catalogue des especes et principales variles de Mol-
lusques terresires et d’eau douce observees jusqu’a ce jour ä
l’etat vivant dans le departement de la Creuse (Bulletin de
la Soc. des sciences nalurelles de la Creuse 1854) par de
Cessac. Enthält 66 Arten in 20 Gallungen.
Jeffreys machte Bemerkungen über die Schweizer
Mollusken, Annals nat. hist. XV. p.20 und fügte am Schlusse
ein Verzeichniss von 55 Schweizer-Arten hinzu, die nicht in
Britannien vorkommen, ünd ein zweites von 28 die noch nicht
als schweizerisch angegeben sind.
Nachträglich mag hier auf eine Abhandlung von v. Gal-
lenstein „Kärntens Land- und Süsswasser-Conchylien (mit
Ausnahme der Nacktschnecken)*“ hingewiesen werden, die
freilich schon 1852 in Canavals Jahrbuch des naturhistori-
Naturgeschichte der Mollusken während des Jahres 1855. 95
schen Landesmuseums von Kärnten p. 57—134 erschienen
ist. Einige neue Arten sind aufgestellt. In einem Anhange
ist eine Anleitung für angehende Sammler gegeben.
Beilrag zur Molluskenfauna von Tirol; Uebersicht der
von den Gebrüdern Josefund Paregrin von Strobel
in Tirol gesammelten Land - Schnecken, nebst Angabe ihrer
Fundorte und ihrer Nord- und Südgrenze gegen das Donau-
und das Po-Thal. Zool-Bot. Verein in Wien V. p. 153.
Das Ganze ist in Tabellenform gehalten. In der ersten Co-
lumne steht der Name, in der zweiten die Grenze gegen Süden, in
der dritten und vierten die Fundorte in Süd- und in Norl-Tirol, in
der fünften die Grenze gegen Norden. Das Verzeichniss umfasst 2
Arion, 5 Limax, 3 Vitrina, 2 Succinea, 33 Helix, 6 Bulimus, 18 Pupn,
1 Balea, 12 Clausilia, 1 Carychium, 1 Cyclostoma, also im Ganzen
89 Arten, die 11 Gattungen angehören. Davon scheinen 17 dem Nord-
abfalle und 5 dem Südabfalle zu fehlen, 67 sind beiden gemein. Wei-
tere Erläuterungen der Tabelle und Folgerungen sind von P. Stro-
bel unterzeichnet.
Nach einem Berichte von Fitzinger über eine noch
ungedruckte Mollusken-Fauna von Tirol von Gredler leben
daselbst im Ganzen 115 Arten, nämlich: Succinea 4, Vilrina 3,
Helix 50, Achalina 4, Bulimus 3, Pupa 19, Verligo 9, Ba-
leal, Clausilia 15, Carychium I, Cyclostoma 1, Pomalias 2,
Acicula 3. Darunter befinden sich 4 neue Arten. Dem Be-
zirke von Innsbruck sind 7, dem von Bozen 30 Arlen eigen-
thümlich, während 45 in beiden Bezirken zugleich vorkom-
men; Südtirol ist also überwiegend reicher an Arlen als
Nordtirol. Die neuen Arten sollen namhaft gemacht werden,
wenn die Arbeit selbst erscheinen wird. Wiener Sitzungsbe-
richte XV. p. 287.
Catalogo deiMolluschi terrestri a Juvialili vivenli nelle
provincie Venele di E. C. de Betta e P. D. Martinati.
Verona 1855. 1028. und 1 Tafel. Mir nur aus der Anzeige
in den Malak.-Bl. p. i91. bekannt.
Es werden 150 Arten aufgezählt, nämlich: 1 Arion, 6 Limax,
2 Vitrina, 2 Succinea, 49 Helix, 3 Achatina, 6 Bulimus, 15 Pupa,
1 Balea, 16 Clausilia, 1 Carychium, 2 Acicula, 2 Pomatias, 1 Cyclo-
stoma , 1 Auricula, 11 Limnaeus, 1 Physa, 10 Planorbis, 1 Segmen-
tina, 2 Ancylus, 3 Valvata, 13 Paludina, 1 Melania, 1 Pyrgula, 5 Ne.
ritina, 9 Anodonta, 1 Alasmodonta, 8 Unio, 3 Cyclas, 3 Pisidium,
Einige neue Arten werden unten nambaft gemacht.
96 Troschel: Bericht über die Leistungen in der
In der Öfversigt af Kongl. Vetenskaps-Akademiens För-
handlingar 1855. p. 49 ist ein Beilrag zur Kenntniss der wir-
beilosen Thiere der Ostsee von Lindström enthalten. Da-
selbst ist auch ein Verzeichniss von 13 Mollusken gegeben,
und dabei finden sich einige, freilich unvollsländige Angaben
über die Entwickelung von Neritina fluviatilis (s. unten).
v. Wahl die Süsswasser-Bivalven Livlands im Archiv
für die Naturkunde Liv-, Est- und Kurlands. Dorpat 1855.
Maack veröffentlichte Notizen über einige Land- und
Süsswassermollusken, gesammelt auf einer Reise zu den Pri-
valgoldwäschen des lenisseischen Kreises und zum Baikal;
begleitet von einem Zusalze vom Academiker v. Midden-
dorf. Bull. de l’acad. de St. Pelersbourg XI. 1853. p. 368.
Da dieser Aufsatz, in welchem 26 Arten aufgezählt sind, in
dem damaligen Berichte übersehen worden ist, so trage ich
ihn hier nach.
Bourguignat gab ein Verzeichniss von Conchylien,
die in der Krim und in der Türkei durch Raymond gesam-
melt waren. Revue de zool. VII. p. 556. Es enthält 42 Ar-
ten Helix und 16 Arten Bulimus. Mehrere ncue unter ihnen
sind unten namhaft gemacht.
Roth lieferte in den Malak. Bl. 1855. p. 17 ein Spi-
cilegium molluscorum orientalium annis 1852 et 1853 colle-
elorum. Es enthält: 1 Daudebardia, 35 Helix, 12 Bnlimus,
1 Achalina, 1 Azeca, 1 Tornatellina, 4 Pupa, 12 Clausilia,
1 Cyclostomus, 4 Limnaeus, 1 Isidora, 5 Planorbis, 1 Ancy-
lus, 1 Paludina, 2 Bylhinia, 3 Amnicola, 2 Melania, 3 Me-
lanopsis, 2 Nerilina, 1 Unio, 1 Cyrena. Mehrere der neuen,
unten namhaft gemachten Arten sind auf 2 Tafeln abgebildet.
Baer veröffentlichte einen Aufsalz „über das Wasser
des Kaspischen Meeres und sein Verhältniss zur Mollusken-
Fauna (Bullelin de l’acad. Imp. des sc. de St. Pelersbourg
1855. 13, 14, und daraus Ermans Archiv für wissensch. Kunde
von Russland XIV. Bd. p. 627.
Verf. spricht sich gegen die Ansicht aus, dass die Mollusken-
fauna des Kaspischen Meeres im Absterben begriffen sei. Das Vor-
kommen so vieler leeren Schalen erklärt er dadurch, dass dieselben
gegen die Verwitterung so lange Widerstand leisten. Die Zahl der
Naturgeschichte der Mollusken ‘während des Jahres 1855. 97
Arten ist sehr gering, es sind bekanntlich mehrere Arten der Gat-
tung Cardium, Pholadomyen, Paludina vivipara und ausserdem von
Schnecken ‚nur zwergarlige Formen. Diese Erscheinung scheint er
mit dem geringen Salzgehalte in Verbindung zu bringen. Er will
es jedoch nicht damit erklären, da ebenda doch ganz grosse Muscheln
erzeugt werden. Dass die untere Wolga so wenige und so verküm-
merte luftathmende Gasteropoden zeigt, möchte der Verf. durch das
sehr trübe Wasser erklären. Während daselbst Unionen, Anodonten,
Dreissena und Paludina vivipara gedeihen, sind von Planorbis, Lim-
naeus und Physa nicht nur wenige Arten, sondern auch wenige In-
dividuen zu sehen, und alle diese sind meistens klein.
In den Annals nat. hist. XVI. p. 465 findet sich eine
Notiz von M’Andrew über Spitzbergische Mollusken, deren
derselbe 14 Arten durch Goodsir bekommen halle. — Wood-
ward macht dazu eine Note über die sonst von Spitzbergen
bekannt gewordenen Arten.
Pfeiffer lieferte in den Malak. Blättern p.98. „Bei-
träge zur Molluskenfauna Westindiens.“ Verfasser erhielt neue
Beiträge von den Inseln Jamaica, Cuba, Tortola, St. Croix,
St. Thomas, welche ihn in den Stand setzten von einigen
Arten das bisher unbekannte specielle Vaterland anzugeben,
und eine Reihe neuer Arten zu beschreiben.
Pfeiffer: hatte durch genaues Studium der im British
Museum befindlichen Originalsammlungen ‘d'Orbigny’s Gele-
genheit, krilische Bemerkungen über die von d’Orbigny be-
schriebenen Landschnecken von Cuba zu geben (Malak. Bl.
p- 90), die'um so wichliger sind, als sie von einem so gründ-
lichen Kenner ausgehen. Auf die Einzelheiten hier einzuge-
hen ist nicht möglich.
Shuttleworth veröffentlichte in Annals New York
1854 p.68 ein Verzeichniss der Land- und Süsswassercon-
ehylien von St. Thomas. Es enthält 42 Arten, nämlich 6 He-
lix, 3 Bulimus, 5 Stenogyra, 2 Achalina, 1 Spiraxis, 1 Pupa,
1 Macroceramus, 1 Cylindrella, 1 Succinea, 2 Cyclostoma,
3 Helieina, 3 Truncatella, 2 Planorbis, 2 Physa, 1 Ancylus,
1 Amnicola, 3 Nerilina, 3 Melampus, 1 Pedipes, 1 Odostomia.
Bland giebt ib.p. 74 in einer Note über die geographi-
sche Verbreitung der Landschnecken von St. Thomas an, dass
von den 25 Arten nur 4 St. Thomas eigenthümlich seien,
Archiv f, Naturgesch. XXII. Jahrg. 2, Bd. G
98 Troschel:; Bericht über die Leistungen in der
während 17 auch in Portorico gefunden worden sind, und 9
auch auf St. John leben.
Der kleine Abschnitt in H. G. Dalton’s, „History of
British Guiana“ über die Mollusken, p. 325 des zweiten Ban-
des, ergiebt, dass in Brilish Guiana Argonauta Argo häufig
auf den ruhigen Gewässern des Demerara segeln soll, eine
Angabe, die wohl bezweifelt werden muss. Pteropoden sol-
len in diesem Lande nicht vorkommen. Einige Gasteropoden
werden genannt, meist dieselben, welche in Richard Schom-
burgk’s Reisewerke erwähnt sind.
Gould hat in Gilliss’ naval astronomical expedition I.
p. 263 ein einfaches Verzeichniss der gesammelten chilesischen
Conchylien geliefert. Es enthält nur 58 Arten.
Cephalopoda.
Ein posihumes Werk von Risso „Mollusques cephalo-
podes vivanls observes dans, le parage medilerrancen du
comi& de Nice“, welches der Neffe des Verf. herausgegeben
hat, ist mir nicht zugänglich geworden.
Macdonald halte Gelegenheit bei Isle of Pines ein
frisches weibliches Exemplar von Naulilus umbilicalus, bei
Observatory Island zu beobachten. Das Thier ist grösser und
länger als das von N. pompilius. Die Längslamellen an dem
mittleren Lappen der äusseren Lippenfortsätze sind durch eine
Grube in zwei seilliche Reihen gelheilt, und die enisprechen-
den. Lamellen zwischen den inneren Lippenfortsätzen sind et-
wa 17 an Zahl und von beträchtlicher Dicke. Im Auge fand
er keine Linse und stalt des Glaskörpers eine mehr. schlei-
mige Masse. Das Gehörorgan ‚besteht aus zwei sphärischen
Kapseln mit kleinen. elliplischen Otolilhen. Lilien wurden. in
den Kapseln nicht, beobachtet. Die Anhänge an den Kiemen-
venen, welche er für Nieren hält, denen er aber auch die
Function beilegt, den Blullauf durch die Kiemen zu regeln,
sind fast cylindrisch und an den freien Enden elwas erwei-
tert, und tragen einen gelalteten und trichterförmigen Haul-
fortsalz mit gekerblem Rande. Proc. Royal Soc. VII. p. 311.
Annals nal, hist. XV. p. 361.
Naturgeschichte der Mollusken während des Jahres 1855. 99
Heteropoda.
Ein grosses Verdienst um die Kenntniss dieser Abthei-
lung von Schnecken hat sich Gegenbaur erworben. Er
handelt in einem besonderen Werke „Untersuchungen über
Pteropoden und Heteropoden, ein Beilrag zur Anatomie und
Entwickelungsgeschichte dieser Thiere. Leipzig 1855. 40.4
p- 101—155 über die Heteropoden nach einem Material, wel-
ches er in Messina beobachtet hatte.
Er hat die Gattung Atlanta in ? Arten, Carinaria mediterranea,
fünf Species Pterotrachea und eine Firoloides untersucht. Neu ist
Pterotrachea scutata. Zuerst giebt Verf. eine Anatomie der Gattung
Atlanta und beschreibt auch einige Entwicklungsstadien. Die Larven
besitzen zwei Wimpersegel, deren jedes in drei Lappen zerspalten
ist, Auch von Carinaria und Pterotrachea wurde eine ausführliche
Anatomie geliefert, von letzterer Gattung auch die Entwickelung ver-
folgt. Nach vollendetem Furchungsprocesse bildet sich ein Wimper-
kranz, die Anlage des Velum’s, der den vorderen Theil umgiebt; un-
ter ihm wächst der konische Fuss, der bald einen Deckel trägt, her-
vor und es bildet sich ein Gehäuse, das wie ein tiefer Napf den
Hintertheil des Körpers umgiebt. Das Segel entwickelt sich zu zwei
seitlich vorragenden Lappen, die Hörbläschen werden deutlich sicht-
bar, und bald treten die Embryonen aus der Eierschnur hervor, um
als Larven frei im Wasser zu schwärmen. Dann wurde noch eine
Erhebung des segeltragenden Vordertheils beobachtet und das Auftre-
ten der Augen. Bis dahin war die Entwickelung von Carinaria und
Pterotrachea dieselbe, die der ersteren Gattung wurde dann nicht,
die der letzteren jedoch noch etwas weiter verfolgt.
Referent hat in diesem Archiv p.298 von der Gattung Fi-
roloides diejenigen Arten generisch getrennt, welche keine Fühler
besitzen, und sie Firolella genannt. Zwei neue Arten derselben
F, graeilis und F. vigılans wurden beschrieben.
Gasteropoda.
Williams hal seine Untersuchungen über den Mecha-
nismus der Wasseralhmung und über den Bau der Alhmungs-
organe bei deu wirbellosen Thieren (vergl. d. vor; Bericht
p-478) in den Annals nat. hist. XV. p. 315 und 404 fortge-
selzt, und behandelt hier die Gasteropoden,
Er zeigt zunächst, dass bei den schalentragenden Schnecken
die Abdominalgegend des Körpers von dem Athmungsprocesse völlig
100 Troschel: Bericht über die Leistungen in der
ausgeschlossen sei, indem weder die umhüllende Membran noch die
Vertheilung des Blutes dafür spräche. Es findet sich zwar immer
Wasser zwischen Schale und Thier, dieses diene aber nur zur Er-
leichterung der Bewegung des Thieres in der Schale. Es ist eine
Differenz der Acephalen und Cephalophoren, dass bei den ersteren
der Mund, bei den letzteren der After in der Kiemenhöhle liegt; dass
bei den ersteren die Ernährungs- und Athmungshöhle vereinigt, bei
letzteren die Athmungs- und Cloacalhöhlen identificirt sind. Das
Herz ist vom untersten Gasteropoden bis zum höchsten Cephalopoden
gleich hoch organisirt. Wenn das Athmungsorgan symmetrisch ge-
baut ist, dann hat das Herz zwei Vorkammern (Chiton, ‚Fissurella,
Emarginula , Haliotis, Tethys, Janus und minder vollständig bei den
Eoliden) ; bei allen anderen Gasteropoden ist die Vorkammer einfach.
Das Herz liegt bald rechts, bald links, bald in der Mitte; es liegt
vor den Kiemen (Prosobranchiata) oder hinter ihnen (Opisthobran-
chiata), empfängt aber das Blut immer unmittelbar aus dem Athmungs-
organ. Verf. geht dann auf die verschiedene Lage der Athemhöhle
und auf die Richtungen der Wasserströme ein. Ich kann hierbei die
Bemerkung nicht unterdrücken, dass wenn Verf. als Beispiel, dass in
einer Familie grosse Verschiedenheit der Lage der Kiemenhöhle vor-
komme, die Gattungen Emarginula, Patella, Acmaea, Pileopsis, Ca-
lyptraea, Fissurella, Puncturella und Haliotis aufführt, derselbe sich
auf einem längst aulgegebenen systematischen Standpunkte befindet.
— Es wird ferner hervorgehoben, dass die Blutgelässe und die Blut-
körperchen bei den Lamellibranchiaten viel weiter und grösser sind
als bei den Gasteropoden. Wie in der Thierreihe nach oben die Blut-
kügelchen immer kleiner und zahlreicher werden, in demselben Ver-
hältnisse nehmen die Blutgefässe im Durchschnitte ab, und werden
mehr und mehr getheilt und vervielfältigt, bis zuletzt bei den höhe-
ren Thieren das Kaliber der letzten Kapillargefässe wenig den Durch-
messer der einzelnen Blutkügelchen übertriflt. Bevor Verf. hierauf
zur Betrachtung der einzelnen Gruppen übergeht, erwähnt er, dass
Vermetus, Dentalium und Magilus , so wie Siliquaria Kiemen wie die
Kammkiemer besitzen, und begreift nicht, dass sie Tubulibranchiaten
sein sollen. Auch hier hält wieder Verf. an der alten Cuvier’schen
Classifikation fest, die längst aufgegeben worden ist. — Hierauf geht
der Verf. zur Beschreibung der Kiemen der einzelnen Gruppen über,
und behandelt die Familien Chitonidae und Patellidae, in welche letz-
tere ausser Patella auch die Gattungen Emarginula, Fissurella,
Acmaea, Propilidium und Haliotis gezogen werden, welcher systema-
tischen Anschauung natürlich die Beschaffenheit der Kiemen selbst
widerspricht.
In Abel’s „Aus der Nalur. Band 6. Leipzig 1855“ hat ein
ungenannler Verfasser in populärer Schilderung „die Zunge
Naturgeschichte der Mollusken während des Jahres 1855. 101
der Weichthiere® beschrieben (p. 1—32), und zugleich Abbil-
dungen in Holzschnitt von den Reibmembranen von Helix po-
malia, Limax agreslis, Planorbis corneus, Physa hypnorum,
Cyclostoma elegans , Paludina vivipara, Bylhinia tentaculala
und Neritina fluviatilis gegeben.
Pulmonata operculata.
Bland machte die Entdeckung , dass Arten der Gal-
iungen Stoastoma, Lucidella, Trochatella, Helicina und Pro-
serpina die Spindel und die inneren Scheidewände zerslören,
wahrscheinlich um mehr Plalz für die Entwickelung ihrer Or-
gane zu gewinnen. Annals New York 1354. p. 75.
Cyclostomaeea. Benson bildete Annals nat. hist. XV.
p- 13 aus Pterocyclos biciliatus Mouss., Cyclotus rostellatus Pfr., Cy-
clostoma spiracellum Ad. et Reeve und Cyclotus tubuliferus Pfr. eine
Gattung Opistoporus: Operculum calcareum, circulare, crassiuscu-
Jum, multispiratum, duplex, utrinque concaviusculum; disco interno,
epidermide cornea lubrica vestito, externo calcareo , scabro; duobus
lamina spirali, erecta recurva interposita, iunctis; anfractuum inter-
stitiis interne vacuum praebentibus; margine circumdante concavo.
Testa depressa, orbicularis, late umbilicata, sutura pone aperturam
tubulo exserto, pervio munita. Peristoma duplex, externum expan-
sum, superne aulice subfornicato -alatum, internum superne interdum
emarginatum breviterque incisum. — Verf. knüpft daran Bemerkun-
gen über einige andere Gattungen der Cyclostomaceen, und beschreibt
die Deckel einiger Arten.
An neuen Arten wurden in dieser Familie aufgestellt: Von
Redfield Cyclostoma inornatum Annals Lyceum New - York 1854.
p- 131 von Guadeloupe. — Von Haines: Pierocyclos Housei ib. V.
p- 157, pl. 5. fig. 12—15 von Siam; Megalomastoma Myersü ib. fig. I—11
von Siam; Cyelostoma distortum ib. fig. 5—8 von Siam. — Von Bour-
guignat: Cyclostoma (Leonia) Gaillardotii Revue de zool. VII. p. 333.
pl.8. 6g8.5—7 aus Syrien. — Von Pfeiffer: Chondropoma Sanla-
erusense, Cyclostoma basicarinalum und chordiferum von St. Croix.
Malak. Bl. p. 101.
Benson hat nun auch den Deckel bei mehreren Arten von
Diplommatina gefunden. Er sitzt sehr tief im Innern der Schale, so
dass er leicht übersehen werden konnte und nur bei dem Zerbrechen
der letzten Windungen zu finden war. Bei dieser Gelegenheit wird
eine neue Art D. Australiae von Südaustralien beschrieben. Annals
XV. p.329. — Hutton sah sogar das lebende Thier von Diplomma-
102 Troschel: Bericht über die Leistungen io der
tina folliculus den kleinen Deckel auf dem Rücken des Fusses tra-
gen, ib. XVI. p. 300.
Truncatellacea. Küster stellte eine neue Art Trunca-
tella marginata von Borneo in der neuen Ausgabe des Martini-Chem-
nitz’schen Conchylien-Cabinets Lief. 148 auf.
Proserpinacen. Nachdem Poey in seinen Memorias
Vol. I. p. 392 nach der Kenntniss des Thieres die Galtung
Proserpina zu einer eigenen Familie erhoben halle, zeigt
Bland Annals Lyceum nat. hist. New-York VI. p. 140, dass
diese Familie in die Nähe der Helicinaceen gestellt werden
müsse, obgleich ihr der Deckel fehle. Er hat vollkommen
recht!
Ctenobranchiata.
Macdonald machle in der Royal soe. of London Be-
merkungen über die Analomie von Macgillivraya pelagica und
Chelotropis Huxleyi Forb. Er schreibt ihnen doppelte Kie-
men zu, von denen die einen frei vorn am Kopfe liegen
(Annals nat. hist. XV. p. 232). Aus. einer späleren Bemerkung
Cibid. p- 359) geht klar hervor, dass dies Kopfsegel sind, und
dass daher diese Thiere Larvenzustände von Gasleropoden
sind, deren weitere Entwiekelung ihre Zugehörigkeit entschei-
den muss.
Krohn hat seine Echinospira diaphana von Neuem un-
tersucht. Er hält sie nunmehr für ein noch schr junges Thier,
bei dem sich neben den Wimpersegeln des Larvenzuslandes
bereits der Fuss entwickelt hat. Die beiden Kiefer und die
Radula sind abgebildet; letztere wird mit Bulia und mit Co-
riocella verglichen. (Da die Beschaffenheit der Kiemen auf
einen Kammkiemer hindeuten, so möchte ich nach den vor-
liegenden Angaben die Gallung in die Nähe von Coriocella
setzen.) Unser Archiv 1855. I. p. 1.
Unter dem Namen Jasonilla beschrieb Macdonald eine
neue Gattung pelagischer Cephalophoren, welche er wegen der ge-
wimperten Kopfanhänge mit Chelotropis und Nacgillivraya vergleicht.
Proc. Royal Soc. VII. p. 308; Annals nat. hist. XVI. p. 206. Die ein-
zige Art J. M'Leayiana wurde bei Port Jackson gefangen. Die Schale
wird an Gestalt mit Argonauta verglichen, hat einen Durchmesser
von’ weniger als !%, Zoll, ist durchsichtig, knorplig, vollkommen sym-
metrisch und trägt vier Reihen konischer Tuberkeln; die Windungen
lassen eine centrale Durchbohrung ; die Mündung umfasst die letzte
Naturgeschichte der Mollusken während des Jahres 1855. 103
Windung beträchtlich, die Aussenlippe ist tief eingeschnitten. Der
Kopf ist von 8 Wimperarmen umgeben, der Mund hat zwei seitliche
Kiefer mit scharfen Zahnvorsprüngen am WVorderrande. Zwei Tenta-
keln mit den Augen am Grunde der Aussenseite. Eine kammförmige
Kiemenreihe. Ein kugliger Otolith in jedem Hörbläschen. Auf der
Zunge jederseits eine Reihe gezähnelter Haken, die mit denen der
anderen Seite alterniren. (Diese Gattung erinnert auffallend an Krohn’s
Echinospira, wenn sie nicht-mit ihr identisch ist.)
Paludinacea. Speyer schrieb eine Inaugural-Dis-
sertation über die „Zootomie der Paludina vivipara“ Marburg
1855 mit 2 Steindrucktafeln, in welcher die einzelnen Or-
gane ausführlich beschrieben werden.
Amnicola protea und longingua Gould Colorado Desert Proc,
Boston V. p. 129. — A. Carpentieri Roth aus Attika. Malak. Bl. p. 52,
Anthony hat folgende 50 Arten der Gattung Melania aus den
westlichen Staaten Nordamerika’s beschrieben Annals New-York 1854
p:-80: M. athleta, viridula, hastala, iota, allipela, lalitans, villata, ni-
grocincla, subangulata, brunnea, virens, ampla, ambusta, arachnoidea,
eliminata, baculum, incrassala, ercavala, casla, tezlilosa, curvilabris,
elegantula, pupoidea, lecla, imbricala, pagodiformis , eximia, cristala,
proscissa, lorulosa, planogyra, gradala, fastigiata, vicina, pallidula,
rhombica, angulata, tabulata, clara, fusco-cincta, plena, compacta,
glans, planospira, undosa, consanguinea, coronilla, corpulenta, neglecta,
gracilior. — M. exigua Conrad aus Californien Proc, Philadelphia VII.
p- 269. — M. judaica Roth aus einem Bache beim todten Meere. Ma-
lak. Bl. p. 53.
Layard hat die Gallung Paludomus nach der Structur
des Deckels in vier Gallungen zerfällt (Proc. zool. soc. 1854.
March; Annals nat. hist. XVI. p. 133), und charakterisirt sie
folgendermassen :
1. Paludomus Swains. lebt in ruhig fliessendem oder ste-
hendem Wasser. Deckel hornig , dreieckig - eiförmig, mit dem Apex
oberhalb und schwach geneigt, concentrisch gestreift, Nucleus subcen-
tral, links. 22 Arten, darunter P, laevis und palusiris von Ceylon
von Layard, die übrigen meist von Reeve.
2. Ganga Layard. Lebt in langsam fliessendem Wasser. Deckel
hornig, dreieckig-eiförmig, Apex oberhalb, schwach geneigt, concen-
trisch gestreift, Nucleus subcentral, rechts. 3 Arten.
3. Tanalia Gray. Lebt in reissendfliessenden Gebirgsströmen.
Deckel hornig, dreieckig - eiförmig; Apex seitlich, blättrig , Nucleus
seitlich, rechts. 11 Arten, darunter T. Reevei und similis von Ratna-
püra und eiolacea von Ceylon, von Layard, die übrigen von
Reeve.
104 Troschel: Bericht über die Leistungen in der
4. Philopotamis Layard. Lebt amphibisch in felsigen Strö-
men, Deckel hornig, dreieckig-eiförmig, Apex oberhalb, aus wenigen
Windungen, Nucleus subbasal rechts. 3 Arten, darunter P. regalis und
Tkiaitesii von Ceylon, von Layard.
Anculosa Anthonyi Redfiell Annals New-York 1854. p. 230 aus
dem ‚Holstein-River bei Knoxville. — Anculotus carinalus Layard von
Bombay Annals XVI. p. 140. — Anculosa ampla Anthony Annals Lye.
New-York V. 1855. p. 159. pl.5. fig. 22. 23 von Alabama.
Clark hat Annals XVI. p. 114 Assiminea Grayana nach-leben-
den Exemplaren beschrieben, und ist der Ansicht, die Gattung Assi-
minea müsse mit Truncatella vereinigt werden. Bei dieser Gelegen-
heit wird auch die in ihrer Gemeinschaft vorkommende Rissoa ana-
tina beschrieben, die Verf. als zunächst verwandt mit R. ulvae und
ventrosa ansieht. — Gray spricht sich ib. p. 183 gegen die generi-
sche Vereinigung von Assiminea mit Truncatella aus, und dann sucht
sich Clark p. 272 in gereiztem Tone dagegen zu rechtfertigen , in-
dem er die Gattung Truncatella in weiterem Sinne fasst als dies ge-
wöhnlich geschieht. — Gray erörtert dann wieder p.422 den Be-
griff von (senus überhaupt, und erweist durch Nebeneinanderstellung
einiger Charaktere, dass Truncatella und Assiminea nicht zu einem
Genus vereinigt werden können.
Marsenincen. Coriocella punclata und iuberosa sind ncue
Arten von Stimpson Proc, Philadelphia Mai 1855, erstere von Ou-
sima, letztere von China.
Pedicularidae. Gould stellte eine neue Art Pedicularia
decussata auf, die an der Küste von Georgia und Florida mit dem
Schleppnetze gefischt wurde, und die er mit Purpura monodonta und
madreporarum, welche er in die Gattung Leptoconchus bringt, ver-
gleicht. Proc. Boston soc. p. 126.
Alata. Freyer unterschied Wiener Sitzungsberichte XV.
p- 21 von Pterocera Chiragra fauce brunnea, albocostata diejenige Form
als neue Art Plerocera Koohü, welche er als fauce rosea , in fundo
albido-striata, labio et labro laevissimis kennzeichnet.
Buccinea. Im Report of Ihe 24. meeling. of Ihe Bri-
tish Association for ‘Ihe advancement of science held at Li-
verpool in September 1854. London 1855 erschien p. 108 eine
Bemerkung über die Entwickelung des Eındbryo von Purpura
lapillus.
Verf. beobachtete viele Eikapseln. Sie enthielten 500 bis 600
Dotterkörper, die das Ansehen von Eiern haben, von denen aber nur
12—30 Embryonen sich entwickeln, die 20- bis 30mal die Grösse
des Eies haben, von dem sie herstammen. Koren und Danielsen
kamen bei ihren Untersuchungen zu der Ansicht, dass nach der Zer-
Naturgeschichte der Mollusken während des Jahres 1855. 105
klüftung der Dotterkörper das Ganze zu einer Masse verschmelze,
dann sich aber wieder in gestielte Fragmente theile, die zu Embryo-
nen werden. Verf. ist ganz anderer Ansicht. Er hat kleine freie
Embryonen vor der Conglomeration der Eimasse beobachtet und sich
überzeugt, dass sie unabhängig von dieser erzeugt sind. Sie besit-
zen bald einen Mund zwischen ihren Wimperlappen, und dieser führt
durch einen weiten Schlund mit innerer Flimmerung in eine tempo-
räre Leibeshöhle. Nun heften sich die Embryonen an die couglome-
rirte Eimasse, und fressen sie auf. Die Körper, welche nach der
Zerklüftung in die conglomerirte Masse verschmelzen, ist Verf. ge-
neigt als unvollkommene Eier zu betrachten.
Sace behandelte in dem Bulletin de la Soc. industrielle
de Mulhouse 1855. p. 305 (mir nur aus einer Anzeige in der
Revue de zool. VII. p. 537 bekannt) die Geschichte des Pur-
pur der Allen.
De Soulcy erkennt in dem Buccinum des Plinius eine
Art der Gattung Purpura, in der Purpura des Plinius den Mu-
rex brandaris. Bullelin de la Soc. d’hist. nat. du deparlement
de la Moselle. 1855.
Rhipidoglossata.
Neritacen. Ueber die Entwickelung von Neritina flu-
vialilis hatLindström in Öfversigt af Kongl. Vetensk. Akad.
Förh. 1855. p. 49 einige Beobachtungen gemacht.
Die befruchteten Eier werden zu 30—40 in einer gemeinsamen
Kapsel abgelegt; sie werden an Steinen, Algen oder anderen Schnek-
ken befestigt. Die Dotter gehen eine Zerklüftung ein. Als Ergeb-
niss von allen in die Kapsel gelegten Eiern entwickelt sich jedoch
nur ein Embryo ; denn in allen älteren Kapseln, welche man öffnet,
findei man nur einen einzigen Embryo (so gross, dass er fast seine
Kapsel ausfüllt), während man in den neugelegten Kapseln eine grosse
Anzahl von den kleinen Kiern findet, welche möglicherweise, jedes
für sich, unzureichend für die Bildung eines Embryo sind. Neben
den Embryonen werden in einem zeitigen Entwickelungsstadium in
den Kapseln Ueberbleibsel der Furchungsmasse und der Dotter gefun-
den, während neben den mehr ausgebildeten, die bald die Hülle ver-
lassen sollen, keine solche gesehen werden. Dienen sie etwa dem
Embryo als Nahrung? Das Junge von Neritina durchläuft seine Me-
tamorphose im Ei, wie Leydig es von Paludina nachgewiesen hat.
Man findet Embryonen mit zwei gleichgrossen Segeln von elliptischer
Form und bedeutend grösser als es bei Paludina der Fall ist, mehr
an die der Seeschnecken erinnernd. Aber die Ränder werden nicht
106 Troschel: Bericht über die Leistungen in der
mit freiwillig schwingenden Wimpern bekleidet, ausser den noch nach
dem Tode des Thieres flimmernden Cilien. In diesem Zeitpunkte
zeigt die Larve, neben deutlich ausgebildeten Hörbläschen auch Au-
gen. Aber das Segel wird nachher absorbirt und die meisten ent-
wickelten Jungen, welche bald ausschlüpfen sollen, haben das Anse-
hen der älteren Thiere,
A. Schmidt machte Bemerkungen über Neritina Jordani Butt-
ler und verglich die Zungen mehrerer Arten, welches Letztere frei-
lich ohne Abbildungen nicht recht fruchtbar sein möchte, Malak. Bl.
p- 108.
Cyclobranchiata.
Acmaeacen. Gray bemerkte über Lottia zebrina und scurra,
dass die Kieme der ersteren frei in der Nackenhöhle flottirt, während
die der letzteren mit ihrem Aussenrande an dem Mantel befestigt ist,
weshalb Verf. geneigt ist, sie als Typus einer eigenen Gattung Scur-
ria anzusehen. Annals nat. hist. XV. p. 238.
Chitonidae. Eine Abhandlung von Love&n über die Ent-
wickelung von Chiton marginatus Penn. (Ch. cinereus L.) Öfversigt
Kongl. Vetensk-Akad. Förh. 1855. p. 169 ist in unserem Archiv 1856. 1:
pP: 206 in der Uebersetzung mitgetheilt worden.
Clark hat Einiges von der Entwickelung von Chiton
cinereus beobachtet, aber wie es scheint, die Vorgänge nicht
ganz richlig aufgefasst. Annals nat. hist. XVl. p. 446.
Verf. sah einen Chiton am 21. Juli Eier legen, die bereits am
25. munter in dem Gefässe umherschwammen. Beim Beginne der Be-
wegung verloren die Eier ihre kuglige Gestalt und wurden länglich.
Es soll nun bei der schwimmenden Bewegung das Thier zur Hälfte
aus seiner Hülle hervorragen, indem die vordere Haut umgeschlagen
ist und einen Reifen bildet, der das Thier in zwei Sectionen theilt,
Bei starker Vergrösserung konnten die vier vorderen Schalstücke
wahrgenommen werden. Am 26. Juli waren schon die fünf vorde-
ren Schalstücke deutlich, die drei hinteren waren noch bedeckt, aber
durch die umhüllende Membran zu erkennen. Am 29. und 30. fiel
die Hülle ganz ab, und der Embryo hatte ganz die Gestalt des Chi-
ton. Während dieser Entwickelungsphasen waren keine accessorischen
Organe vorhanden ausser dem gewöhnlichen Wimperreifen. Verf.
neigt hiernach auch zu der Ansicht, dass Chiton zu den Cyclobran-
chiaten Mollusken gehört, was nach meiner Meinung längst ausser
allem Zweifel war.
Pulmonata.
Moquin- Tandon trug der Pariser Academie seine
Naturgeschichte der Mollusken wälırend des Jahres 1855. 107
Beobachtungen über die Spermatophoren der zwillerigen Land-
schneeken vor. Er zeigte, dass sie schon Lister bekannt
waren; der Verf. selbst halle! sie bereits 1851 und 1852 be-
schrieben. Er beschreibl sie von Helix aspersa und Arion
empiricorum (Comptesrendus ÄLI;, Revue de zool. VII. p.537).
Der Geschlechtsapparat ‚ der-Stylommatophoren in laxo-
nomischer Hinsicht gewürdigt;von Adolf!Schmidt. Aus
dem 1. Bande der Abhandlungen ' des naturwiss. Vereins für
Sachsen und Thüringen in Halle. Berlin 1855.
Nachdem Verf., die ‚Nothwendigkeit anatomischer Studien zur
Begründung eines natürlichen Systems darzuthun versucht hat, indem
er auf die Mannichfaltigkeit des Gebisses (Kiefer) und der Zungen
(Reibmembran) hingewiesen, auch manche Einzelnheiten berührt
hat, geht er näher auf die Schilderung der verschiedenen For-
men des Geschlechtsapparates der „Stylommatophoren,“ d.h. Limaceen
und Heliceen zusammen, die er nicht trennen zu können meint, ein.
Es wird eine ansehnliche Anzahl von Arten abgebildet und beschrie-
ben, und es ist sehr zu loben, dass; Verl. durch die gleiche Lage der
Theile in allen Figuren die Vergleichung bequem und: die Differenzen
auffallend gemacht hat. Auf das Einzelne kann hier natürlich nicht
eingegangen werden. Eine zweite Folge wird am Schlusse ver-
sprochen.
Von den Katalogen des britischen Museums ist im Jahr
1855 erschienen: „Catalogue of Pulmonata in the collection
of the British Museum Part. I.,< mir aber noch nicht zu Hän-
den gekommen.
Limacea, Eine kleine Schrift von Grateloup ,„Di-
stribulion geographique, de la famille des Limaciens. Bordeaux
1855. 33 S. in 8.%, ist mir nur. aus einer Anzeige in den
Malak. Bl. p. 186 bekannt geworden.
Verf. zählt 151 lebende und 8 fossile Arten in 13 Gattungen
auf: 23 Arion, 59 Limax, 1 Limacellus, 12 Testacella, 13 Parmacella,
3 Gaeotis, 22 Vaginulus, 3 Onchidium, 3 Tebennophorus, 2 Eumelus,
3 Plectrophorus, 3 Meghiniatiom, 1° Veronicella. Nachgetragen wer-
den 4 Limax und 1 Tebennophorus.
Melicea. Pfeilfer hat in den Malak. Bl. p. 112— 185
den Versuch gemacht, eine Anordnung der Heliceen nach
natürlichen Gruppen zu geben. Erhältes für wahr, das die
Natur nur Familien und vielleicht Arten, nicht aber Gallun-
gen geschaffen hal, und meint, es bleibe nichts übrig, da
wir einmal ein System bedürfen ‚; als, künstliche und natürli-
108 Troschel: Bericht über die Leistungen in der
che Grenzen auf eine möglichst consequenle Weise zu com-
biniren. Wenn gleich ich von der Aufgabe des Systemali-
kers doch eine andere Vorstellung habe, so gebe ich gern
zu, dass die Heliceen, namentlich wenn man das Werk rein
eonchyologisch anfasst, ganz besondere Schwierigkeiten bie-
ten. Es ist immerhin sehr erfreulich den Versuch eines so
ausgezeichnelen Heliceen -Kenners zu besitzen. Jeder Art
ist die Nummer von des Verfassers Monographie beigefügt,
und dadurch die Wiederholung der Charaktere vermieden.
Eine Anzahl neuer Arten ist in Noten unter dem Texte cha-
rakterisirt; sie werden unten namhaft gemacht.
Julius Busch schrieb als Inauguraldisserlation „Ad
analomiam nonnullorum Heliceorum agri Bonnensis Symbo-
lae. Bonnae 1855.
Der Verf. hat besonders die Mundtheile und die Geschlechts-
organe von einer Anzahl Arten untersucht, die freilich nur eine ver-
hältnissmässig sehr geringe ist. Er glaubt jedoch schon danach vier
Gruppen unterscheiden zu können, die er folgendermassen charakte-
risirt: 1) Zunge gross, elliptisch oder oval, mit stumpfen höckerigen
Zähnen, ohne Dornen; Kiefer fest, stark gekrümmt, mit 3—6 Leisten.
Pomatia, Archelix, Arianta. — 2) Zunge vorn gerade, hinten gerun-
det, Seitenzähne spitz; Zähne mit kleinen Stacheln versehen; 6 oder
mehr Leisten an den Kiefern. Gonostoma, Chilotrema, Xerophila. —
3) Zungenmembran verhältnissmässig klein, elliptisch, die spitzen
Zähne mit Dörnchen verehen, die Seitenzähne längliche Querstäbe
bildend; Kiefer gross, mit 6 oder mehr Leisten; zwei Liebespfeile.
Fruticola. — 4) Zunge verhältnissmässig klein, in drei Längstheile
getheilt; die Zähne auf der mittleren Partie stumpf und höckerig, auf
den seitlichen lang und spitz; die Zähne mit kleinen Dornen verse-
hen. Hyalina und Patula.
Bourguignat hat die Geschichte der Gattung Dandebardia in
der Revue de zool. VIl. p. 317 zusammengestellt und weist nach,
dass dieser Name vor Helicophanta die Priorität hat. Er stellt die Gat-
tung im Systeme zwischen Testacella und Vitrina und setzt die Sy-
nonymie der Arten auseinander. Er nimmt 5 Arten an, unter denen
D. Gaillardotii aus Syrien neu; sie ist. pl. 7. fig. 14—19 abgebildet.
— D. syriaca Roth Malak. Bl. p. 21 aus Syrien-
Vitrina Siamensis Haines Annals Lyc. New- York V. p. 158
von Siam.
Sireplazis prostrata Gould MS. von Westafrika ist von Pfeif-
fer Malak. Bl. p. 172 charakterisirt.
Bland berichtigt Annals Lyceum nat. hist. of New-York VI.
Naturgeschichle der Mollusken während des Jahres 1855. 109
p- 151 die Vaterlandsangaben ‚einiger Helix - Arten und anderer Land-
schnecken.
Boll zeigte an (Archiv des Vereins in Meklenburg 1855. p. 162),
dass Helix explanata Müll. in Baiern gefunden und neu fär die deut-
sche Molluskenfauna sei» Ebenda,finden sich Notizen über die Ver-
breitung einiger Schneckenarten im nördlichen Deutschland. Ferner
wird behauptet, Helix nemoralis, die sich nur. in Gartenanlagen finde,
sei aus dem mittleren Deutschland eingeschleppt.
Bland bringt Helix opalina Adams, die Pfeilfer als eine Pro-
serpina aufgeführt hat, wieder zu Helix und. nennt sie. IH. infortu-
nata Annals Lyceum New-York 1854. p. 78.
Ferdinand Schmidt beschrieb Abhandl. ‚des zool.-bot. Ver-
eins in Wien V. p.1 eine neue ‚Schnecke Helix Hauffeni aus den Höh-
len in Krain, bei der Verf. keine Augen wahrnehmen konnte.
Ausserdem wurden in der Gattung ‚Helix folgende neue Arten
aufgestellt: Von Gould N. aeruginosa und in/umata von San Fran-
cisco. Boston Proc. V. p. 127. — Von Bourguignat Revue de zool.
VI. p.556: H. Carascaloides von Gallipoli, ovularis von Andrinopel
pl. 16. fig. 7—9, muscicola von (onstantinopel ib. fig. 10—12, subob-
structa von Beicos in Anatolien fig. 4—6, Cruzyi von Sebastopol, —
Von Roth Malak. Bl.: H. jebusitica p.24 und prasinata p. 31 aus
Syrien. — Von A. Schmidt ib. p.70: H. Stauropolilana aus dem
Kaukasus, Pampelonensis aus Spanien. — Von Pfeiffer Malak. Bl.:
H, transitoria p.99 von Cuba, santacruzensis p. 104 von St. Croix,
tabida p. 106 vom Nelgherrie-Gebirge und ceratomma vom Kaukasus.
Tomigerus Venezuelensis Pfr. Malak. Bl. p. 148 von Venezuela.
Moquin-Tandon schrieb eine kritische Note über den Namen
Bulimus, dessen Ursprung er Adanson, nicht Scopoli, zuschreibt, be-
absichtigt jedoch nicht seine ursprüngliche Bedeutung (Bulinus —
Physa Drap.) wiederherzustellen. Revue et Mag. de Zool. WII.
p- 238.
Bulimus Alerander Crosse Revue et Mag. de Zool. VII. p.34
von Neu-Caledonien. — In einer späteren Notiz desselben Verf. ib.
p- 80 über die Bulimus von Neu - Caledonien,, deren er 8 Arten auf-
zählt, wird ausser dem vorigen noch eine neue Art B. Danieli be-
schrieben und abgebildet. — B. subdetritus von Varna, Levaillantia-
nus von Andrinopel, Raymondi (pl. 15. fig. 1—4) von Eidos im Bal-
kan, Raynevalianus (ib. fig. 5—9) von Gallipoli Bourgignat Revue
de zool. VII. p.568. — B. ezlinctus und Rüsei Pfeiffer Malak. Bl.
p-103. Taf. IV von St. Croix. — B.Ochsenii Dunker aus Chili, Agren-
sis Kurr von Agra in Hindostan, apertus Pfr. ib. p. 107. — B. Cordo-
vanus von den Anden bei Cordova, ceyathostomus von Westafrika, den-
sus von Ostindien, Rothi aus Griechenland sind neue Arten von Pfeif-
fer Malak. Bl.
110 Troschel: Bericht über die Leistungen in der
Bulimus deeollatus und Achatina octona will A. Schmidt
(Geschlechtsapparat den Stylommatophoren) p.5 zu einer neuen Gat-
tung Sira auf Grund der Uebereinstimmung der Reibmembran ver-
einigen.
Nach Bland Annals Lyceum nat. hist. New - York VI. p. 147
kommt Pupa bicolor Hutt., die in Ostindien, Ceylon u. s. w. lebt,
auch auf St. Thomas in Westindien vor. Verf. hält sie für einge-
schleppt. (Vergl. auch Pfeiffer in Malak. Bl. p. 105.) — Pupa ru-
dis und latilabris Pfeiffer Malak. Bl. p. 103. Taf. V. von St. Croix, —
P. Sennaarensis Pfeiffer ib. p. 177 von Sennaar.
Pfeiffer zählte die Arten der Gattung Papa, welche er der
Gattung Ennea H. et A. Adams einreiht auf. Malak. Bl. p.58. Er
giebt der Gattung folgende Diagnose: Testa rimata, oblonga , ovata
vel subeylindracea, albida vel hyalina, subvaricosa; apertura parvula,
semiovalis; columella plicata; paries aperturalis plerumque lamina
unica munitus; peristomatis margines subaequales, dexter repandus,
plerumque dentatus et scrobiculatus. Dahin werden 63 Arten gezählt,
unter denen neu: E. anodon, Reeveana, Albersi von Port Natal, obo-
vala von Liberia, Pirrieri aus Indien, ceylanica von Üeylon. Diese
neuen Arten sind bereits in Proc. zool. soc. 1854 und 1855 als Pupae
beschrieben. — Ferner charakterisirte Pfeiffer ib. p. 173 Ennea
Planti, Dunkeri, Gouldi und Xrausi von Natal.
Bland machte Annals Lyceum nat. hist. of New - York IV.
p- 150 auf die eigenthümliche Structur der Axe bei mehreren Arten
der Gattung Cylindrella aufmerksam. Bei C. elatior ist sie spiral und
die Windungen gleichen einer Wendeltreppe, die statt einer Säule um
einen hohlen Treppenraum geht; bei anderen Arten hat die Axe spi-
rale Lamellen, bei pruinosa zwei, bei Oviedoiana d’Ürb. drei bis acht,
bei strangulata eine sehr grosse. Die Axen von vier Arten sind ab-
gebildet.
Cylindrella megacheila ib. p. 155. pl. 5. fig.1. 2 und amelhystina
ib. fig. 3. & sind neue Arten von Chitty von Jamaica. Die früher
vom Verf. C. Adamsiana genannten Art wird ebenda in C. Baquieana
umgetault. — C. planospira, cyclostoma, Camoensis Pfeilfer Malak. Bl.
p- 99 von Cuba. — C. chordata (Trachelia) Pfeiffer ib. p.102 von
St. Croix.
Azeca zacynlhia Roth von der Insel Zacyntlus Malak. Bl. p. 39,
Tornatellina Hierosolymarum Roth von Jerusalem ib.
Achatina Wallacei von Borneo, Darnaudi von Sennaar, Senna-
riensis ebendaher, Skiplayi. vom Nilgherrie - Gebirge Pfeiler Malak.
Bl. p. 168. — A. Janü De Betta l. c, (A. acicula Jan.) von Venedig,
Newcomb beschrieb Boston Proc.V. 218 folgende Arten der
Gattung Achatinella von der Sandwichinseln: A. physa, undulata, ni-
Naturgeschichte der Mollusken wöhrend des Jahres 1855. 111
gra, telrao, succinela. — Desgleichen in den AnnalsLyceum nat. hist.
of New-York VI. p. 142 A. zebra, humilis, petricola, fusoidea, pusilla,
Dwightii und Remiü, — Pfeiffer veröffentlichte in den Malak. Blät-
tern 1855. p.1 weitere Beobachtungen über die Gattung Achatinella,
und stellte folgende neue Arten auf, von denen Einige neue Gruppen
darstellen: A. amoena, cerea, denlala, candida, cinerosa, macrostoma,
Fricki, plarospira, monacha, vidua. — Ihnen fügte Pfeiffer ib. p. 64.
folgende hinzu: A. multicolor, attenuala, Swainsoni, Sowerbyana, do-
lium, Forbesiana, rudis, fusiformis, napus , ventrosa, pulchella, gracilis,
erassidentala, valida, globosa, conspersa, obelavata.
In 'Öfversigt af Kongl. Vetensk. Akad. Förh. 1855, p. 79
hat Walmstedt über die Galtung Clausilia und ihre in
Schweden vorkommenden Arten mit- Anführung einer für
Schwedens Molluskenfauna neue Art geschrieben.
Es kommen in Schweden mit Sicherheit 6 Arten vor, von de-
nen drei Cl. laminata Mont. (bidens Drap.), nigricans Mat, Rack. (ru
gosa Nilss.) und plicatula Drap. dem ganzen mittleren westlichen
und nördlichen Europa gemein sind. Die anderen drei Arten Cl. la-
biata Mont., ventricosa Drap. und plicata Drap. hält Verf. dagegen
für eingewandert aus dem europäischen Continent, auf welchem sie
ihre nördliche Grenze bereits in dem mittleren Frankreich , Hessen
und Sachsen haben, und andererseits im südlichen Schweden wieder
auftreten.
Fuss beschrieb eine neue Clausilia madensis aus Siebenbürgen
(Verh. des siebenbürgischen Vereins 1855. No.8). — Cl. cylindrelli-
formis Bourguignat Revue de Zool. VII. p.330. pl. 7. fig. 10—12 aus
dem Innern des Libanon. — Cl. Ehrenbergii von Beirut, Kephissiae
und Pikermiana aus Attica sind neue Arten von Roth Malak. Bl.
p-44. — Cl. Sennaarensis Pfeiffer ib. p. 181 von Sennaar. — Cl. so-
lidula Pfeiffer ib. p. 182 (Cl. Cretensis Friv.) von Creta. — CI. Pa-
roliniana De Betta ]. c. p. 69. tab. I. fig. 12.
Auriculacea. Freyer beschrieb in den Wiener Sitzungs-
berichten XV. p. 18 fünf neue sehr kleine Arten Carychium, welche
durch Erjavec, einem jungen Naturforscher, in verschiedenen Grot-
ten und Höhlen Krains gesammelt worden sind. Einige sind glatt: C.
Freyeri Schmidt, alpestre,; andere sind schräggerippt: C. Frauen-
feldi, pulchellum; die lünfte Jängsgerippt und zweizähnig: C. costa-
tum. Alle sind in verschiedenen Ansichten abgebildet.
Pfeiffer stellte Malak. Bl. 1855. p.7 drei neue Auricula-
ecen auf: Auricula Gangetica aus dem lHooghly-River bei Calcutta,
Cassidula Bensoni von Sincapore, Melampus Sinoaporensis ebendaher.
Limnaeacea,. James Lewis machte einige Bemerkungen
über amerikanische Arten der Gattungen Physa und Limnaeus, Er
112 Troschel: Bericht über die Leistungen in der
findet eine Differenz zwischen den Exemplaren von Physa elongata
aus den verschiedenen Gegenden, und will die westliche Form P.
elongatina nennen. — Ferner hält er L. catascopium, emarginata und
elodes für Localvarietäten einer und derselben Species. Proc. Boston
soc. V. p. 120.
Physa bullata aus Oregon, humerosa in Colorado Desert- und
Pecos-River, virgata Gould aus dem Flusse Gila. Boston Proc. V.
p- 128.
Isidora lamellosa Roth Malak. Bl. p.49 aus Aegypten.
Tlanorbis ammon und gracilentus Gould Colorado Desert. Proc.
Boston V. p. 129. — Pl. fontinalis Roth von der Insel Poros, Malak.
Bl. p. 50.
Limnaeus atlicus Roth Malak. Bl. p. 48 aus dem Kephissus in
Attica. — L. Tommasellii Meneghini bei Betta etMartinati l. c. Fig. 13.
Benson lieferte eine emendirte Beschreibung seiner bereits
1842 aufgestellten Gattung Camptoceras (vergl. den Bericht über das
Jahr 1843. p. 354) und bildete die Art C. terebra in Holzschnitt ab.
Annals nat. hist. XV. p.9.
Notobranchiata.
Stimpson stellte in Proc. Philadelphia VII. p. 379 folgende
zwei neue Gattungen von Nacktkiemern auf:
Gymnodoris, limaciformis, laevis; Polycerae affınis, sed ap-
pendicibus branchiarum veloque carens, diversa; branchiae etiam sim-
plices. G. maculata von Loo Choo.
Hemidoris, pallium postice adnatum, reliqua ut in Doridibus.
H. coeruleata von China.
Ausserdem charakterisirte derselbe ib. folgende Arten: Eolis
. humilis von China, Polycera? ramulosa von China, Idalia tentaculata
von China, Doris indurata und gibberosa von China, olivacea von Loo
Choo, Rogersii von Kikaisima, areolata von Boninsima, nigra von Loo
Choo und Kikaisima, latens von Loo Choo, Onchis fruticosa von Ki-
kaisima. — Ferner ib. p. 388: Eolis cacaotica von Australien, Trito-
nia pallida vom Cap, Triopa lucida vomCap, Goniodoris? obscura von
Port Jackson, Doris obtusa und ezcavala von Port Jackson.
Aplysia laevigata von Ousima, Notarchus cirrosus von China und
lineolatus von Loo Choo sind neue Arten von Stimpson Proc. Phi-
ladelphia VII. p. 378.
Placobranchus guttatus ib. von Loo Choo.
Macdonald hat die Gattung Phyllirhoe anatomisch untersucht,
an Exemplaren, die er bei Lord Howe’s Insel und bei Norfolk-Insel
gefangen hatte. Er ist geneigt die von Quoy und Gaimard,
Eschscholtz und d’Orbigny unterschiedenen Arten mit P. buce-
Naturgeschichte der Mollusken während des Jahres 1855. 113
phala Peron zu vereinigen. Schliesslich wird über die Verwandtschaft
mit den Gasteropoden , Pteropoden und Heteropoden gehandelt, ohne
zu einem festen Resultate zu kommen. Proc. Royal Soc. VII. p. 363.
Annals XV. p.457.
Monopleurobranchiata.
Bourguignat stellte Revue et mag. de Zool. VIl.
p- 23 das Bekannte über‘ die Galtungen‘ Gundlachia Pfr., Latia
Gray und Valenciennia Rousseau (fossil) zusammen, ohne
eben viel Neues beizubringen.
Clark hat die Ihiere von Ancylus lacustris und fluviatilis be-
schrieben und vergleicht sie mit Limnaeus pereger. Er stellt sie zu
den Limnaeaceen. Er sucht zu zeigen, dass die Beschaffenheit der
Zungen keine wichtige systematische Bedeutung habe, was ich ihm
natürlich keinesweges zugeben kann. Annals nat. hist. XV. p. 278.
Ancylus verruca Benson Annals nat. hist. XV. p. 12. aus Vor-
derindien. — A. elatior Anthony Annals’Lye. New-York V. p. 158.
pl.5. fig.20..21 von Kentucky. — A. Cumingianus Bourgiugnat Revue
et mag. de zool. VII. p. 33 von Vandiemensland.
Pteropoda.
Sehr schälzbar 'sind die „Untersuchungen über Pleropo-
den und Heteropoden“ von Gegenbaur, deren schon oben
in Betreff der‘ Heteropoden Erwähnung gethan:ist. Die er-
sten 100 Seiten des Werkes sind den Pteropoden gewidmet.
Dem Conspectus systematicus am Schlusse des: Buches’ zufolge
hat Verf. aus der Familie der Hyaleaceen 3 Arten Creseis, ? Cleo-
dora und 4 Hyalea beobachtet. Unter ‚letzteren ist H. complanata
als neu beschrieben; sie ist identisch mit meinem Pleuropus longi-
filis. Aus der Familie der Cymbulien drei Arten Cymbulia, unter
denen cirroptera und quadripunctala neu, und 2 Tiedemannia. Aus der
Familie der Clioiden kamen ihm 2 Arten Clio und 3 Pneumodermon
vor. Die beiden ersteren sind neu: Cl. mediterranea (ist identisch mit
meiner Cliopsis Krohnii) und flavescens; unter den letzteren ist eine
Pn. ciliatum neu. — Wichtiger als das Systematische der Arbeit ist
das Anatomische und Physiologische. Hier kann nur Einiges kurz
hervorgehoben werden, Den schalenlosen Pteropoden spricht Verf.
auch den Mantel ab, weil die Haut nirgends eine Duplicatur bilde
vielleicht nicht ganz mit Recht, weil die Thiere den ganzen Kopf
einziehen können, wobei dann eine Duplicatur rund um den Hals
deutlich wird). Eine Wimperleiste, die constant in der Mantelhöhle
Archiv f. Naturgesch. XXII, Jahrg. 2. Bd, H
114 Troschel: Bericht üben die, Leistungen in der
zu finden ist, möchte Verf. als ein eigenthümliches Sinnesorgan deu-
ten, Speicheldrüsen kommen nur den Pneumodermen zu, Eine Le_
ber ist immer vorhanden, bei Creseis acicula erscheint sie in Form
eines in den Magengrund führenden Blindsackes. Kiemen besitzt nur
Hyalea und Pneumodermon, kiemenlos sind Cleodora, Creseis, Cym-
bulia, Tiedemannia und Clio. Alle besitzen einen eigenthümlichen
Wimperapparat, der bei den beschalten in der Mantelhöhle, bei den
nackten vor der Oeffnung des Excretionsorganes angebracht ist. Her-
vorragendes Interesse gewähren die Beobachtungen über die Entwik-
kelung. Die schalentragenden entwickeln sich nach dem Typus der
Gasteropoden, haben zwei grosse Wimpersegel, die nackten besitzen
bekanntlich drei Wimperkränze um den Leib, die Entwickelung wurde
von Hyalea und Cleodora (p. 29—39), von Tiedemannia (p. 66-68)
und Pneumodermon (p. 90—100) geschildert, und verweisen wir auf
diese interessanten Abschnitte selbst.
In der Zeitschr. für wissenschaflliche Zoologie VII. p. 162
ist von. Vogt die Entwickelungsgeschichte eines Cephalopho-
ren geschildert und durch Abbildungen erläutert worden, den
Verf. wegen eigenthümlicher flügelarliger Fortsälze, die sich
am Grunde des Fusses ausbilden, auf einen Pteropoden zu
beziehen geneigt ist. Eine concentrisch gestreifte, kegel-
förmige Schale, die freilich später verloren geht, schien diese
Deutung zu unterstützen. — Gegenbaur' spricht. sich ib.
p: 165 gegen die Pleropodennaltur dieser Larven aus, und
möchte sie eher für Larven von Gasteropteron halten. Bei
dem Zweifel über Zugehörigkeit derselben stelle ich sie jedoch
hier vorläufig zu den Pteropoden.
Brachiopoda.
Davidson „Einige Bemerkungen über die Brachiopo-
den.* Annals nat. hist. XVI. p. 429.
Verf. macht hier einige nachträgliche Bemerkungen zu seinem
Werke über die britischen fossilen Brachiopoden. Er bespricht zu-
erst die Veränderungen, welche er im Systeme vorgenommen hat,
bevor die Arbeit ins Französische und ins Deutsche übersetzt wurde
und giebt eine Tabelle der acht Familien mit ihren Gattungen. Dann
folgt der Nachweis, dass die Entdeckung der Art, wie die Brachiopo-
den ihre Schaleu öffnen und schliessen, Quenstedt gebühre, dessen
Abhandlung (unser Archiv 1835) in England unbeachtet geblieben
war. Kerner werden die Beobachtungen von O0. Schmidt (vergl.
unseren vor. Bericht p. 476) mitgetheilt. Endlich werden Waldheimia
ar
Naturgeschichte der Mollusken während des Jahres 1855. 115
septigera Loven, Terebratella Spitzbergensis Davids., Morrisia Da-
vidsoni Deslongchamps n. sp. von Tunis und Rhynchonella Grayi Wood-
ward n. sp. von den Feedjee-Inseln beschrieben und abgebildet.
Barrett berichtete über die Brachiopoden, welche er
mit dem-Schleppnetze an der Küste von Norwegen gefangen
hat, und bildete die vier Arten in Holzschnilt ab. Annals
nat. hist. XVI. p. 257.
Lameilibranchiata.
Woodward: bildete Annals nat. hist. XV. p.99 die
Thiere folgender Muscheln in Holzschnilt ab: Glycimeris siliqua,
Psammobia pallida, Tridacna crocea und Cypricardia rostrala.
— .Desgleichen, ib.;XVI. p. 22: die von Solen javanicus, Glau-
conome rugosa, Anomia ephippium, Placuna placenla, Ana-
tina subrosirala und Modiolarca lrapezina.
Laeaze - Duthiers hat eine ausführliche Abhand-
lung ‚über das: Bojanus’sche Organ der. Muscheln geliefert.
Annales des ‚sc, nat; 4. Ser. IV. p. 267 mit 3: Tafeln.
Es wird die Lage zu den übrigen Organen: des Thieres,' die Be-
ziehung zu, denGeschlechtsorganen, die sich bald. in das Bojanus’sche
Organ öffnen, bald mit ihm eine gemeinsame Oeffnung haben, bald
getrennte Oeffnungen besitzen, dann die Circulation, indem ein gros-
ser Theil des Blutes durch das Organ fliesst, endlich die innere Struk-
tar und-Textur beschrieben. Ueber die physiologische Bedeutung, des
Organes spricht sich Verf. nicht bestimmt aus, und er vermeidet es
ihm einen Namen beizulegen, der seine Function präjudicirt; er lässt
ihm einfach die Benennung des Bojanus’schen Organes. Seine Stu-
dien hat Verf, an Arten der Gattungen Lutraria,' Corbula, Mactra,
Spondylus, Chama, Lueina „ Petricola, Unio , Arca, Modiola, Cardita,
Pandora , Peetunculus, Pecten, Cardium angestellt, also an einer
ziemlich beträchtlichen Anzahl verschiedener Formen., Die Deutung
dieses Organes von Keber, der es für eine Schalendrüse (vergl. un-
ser Archiv 1852. II. p. 298) hält, ist dem Verfasser unbekannt.
Lacaze-Dutlhiers hat die Geschlechtsorgane. de
Austern in der Pariser Akademie, mib.,mehr Delail geschil-
derl, als es in seiner früheren Abhandlung über die. Gene-
ralionsorgane der Muscheln geschehen konnte.’ Die: Auster
ist eine zwiltrige Muschel mit verschmolzenen Drüsen. Die
verschiedenen Verhältnisse der einen der Geschlechtsdrüsen
erklären das verschiedene Aussehen, welches die Schriftstel-
116 Troschel: Bericht über die Leistungen in’der
ler zu enigegengeseizien Meinungen geführt hat. Comptes
rendus XL. p. 415; Revue etMag. de Zool. VII. p. 141.
Van Beneden spricht sich (Comples rendus XL.
p-547; Revue de Zool. VII. p. 142) über denselben Gegen-
stand dahin aus, dass die Austern, da sie nur im Alter von
drei oder vier Jahren Eier hervorbringen, und die Sperma-
tozoiden sich bei ihnen so früh zeigen, anfangs wirklich
männlich sind, und, erst viel später weiblich oder zwillrig
werden. Die Spermatozoiden, welche sich während einer
Saison entwickeln, scheinen erst in ‘den folgenden in Func-
tion zu treten. Van Beneden siellte'seine Untersuchungen
an Osirea hippopus an.
Ostreacea. Busk erhielt von der Küste von Pembro-
keshire eine monströse Austerschale , welche zum Theil wie
eine Schale von Pholas candida gebildet war (Annals nat.
hist. XV. p. 91). Gray erklärt diese Erscheinung (ib. p. 210)
so, dass die Auster auf der innern Seile einer Pholas candida,
auf welcher sich eine Membranipora oder Flustra befunden
hatte, ausgebildet 'halte..; Nachdem Hen:slow eine, elwas an-
dere Erklärung (ib. p. 314) gegeben halte, stimmt er jedoch
später (p. 385) der Gray’schen Erklärung bei.
Pectinen. Acton beschrieb eine neue Art aus dem Golf von
Neapel Pecten Philippü in einer besonderen kleinen Schrift Ricerche
eonchiologiche. Napoli. Ottobre 1855. Sie ist auch abgebildet.
NWajades. Lacaze-Duthiers erklärte die Anodon-
ten für, gelrennten Geschlechts, behauptet aber, dass; sie aus-
nahmsweise ‘auch zwillrig sein können , und „meint dadurch
das von Van Beneden behauptete Zwilterihum zu erklä-
ren, Annales des sc. nat. 4. Ser. IV. p. 381.
Anodon horda Gould Boston Proc. V. p.229 aus dem Comanche
River in Texas,
Unio Grandensis aus dem Riogrande, Taumilapanus aus dem
San Juan-River und Pearlensis aus dem Pearl-River sind neue Arten
von Conrad Proc. Philadelphia VII. p. 256. — U. bracteatus, pe-
trinus und manubrius Gould Boston Proc. V. p. 228 aus Texas, — U.
Hueti Bourguignat Revue de zool. VII. p. 332. pl. 8. fig. 1—4 aus dem
oberen Euphrat in Armenien. — U. depressa Lesson Voy. de la Co-
quille wird von Küster Il. c in U. Lessoni umgetauft,
Etheriacea. Von Gray findet sich eine kleine Noliz
Naturgeschichte der Mollusken während des Jahres 1855. 117
über Acoslaea Guadasana d’Orb.; er bestätige, dass So-
werby die Galtung Mülleria nach einem unvollständigen
Exemplare dieser Art beschrieben habe. Annals nat. hist. XVI.
p- 290.
Modiolarcacea, Gray, welcher früher die Gattungen
Crenella und Modiolarca in einer Familie Crenellidae vereinigt hatte,
hat sich überzeugt, dass beide Gattungen sehr verschieden sind, und
nennt nun die Familie Modiolarcadae. Die Mantellappen sind verei-
nigt, vier Kiemen hinten verwachsen; Fuss länglich, am Grunde ab-
gestutzt, am unteren Ende lancettförmig, vorn scharf, mit einer mitt-
leren Höhle für den Byssus. Typus ist Modiola trapezina Lam. —
In einer Note bemerkt er, dass diese Gattung von Valenciennes
Phaseolicama, und von Gould Gaimarda genannt worden ist. Annals
nat. hist. XVI. p. 228.
Mytilacea. Marcel de Serres glaubt, alle Arten der
Gattung Dreissena seien ursprünglich Seethiere. Comptes rendus XL.
p- 549; Revue de zool. VIl. p. 144 und p.574. Er stellt hier eine
neue Art D. bassamensis von Guinea auf.
Cycladea. Leydig hat in Müller’s Archiv für: Anat.
1855. p. 47 über Cyclas' cornea geschrieben. " Er 'bespricht
das Histologische der Schale, das Nervensystem mit dem Ge-
hörorgan, den Verdauungsapparat, die Circulalionsorgane,
bei denen er den Blutlauf in den reifen Embryonen. beobach-
ten, so wie Theile des Wassergelässsystemes sehen konnte,
ferner die Respirationsorgane:, in: welche er nie Blutkügel-
chen treten sah und ‚daher geneigt scheint, die Natur der
Kiemen. als solche zu bezweifeln, \\die Harnorgane und die
Fortpflanzungsorgane..» Auch, über die Entwickelung wird ge-
handelt.
Lewis unterscheidet in der Gattung Cyclas drei Gruppen.
Boston Proc, V. p. 122.
Cyclas nobilis Gould ib. p.229 ist eine neue Art aus Californien.
— Prime hält Cyclas elegans Adams und Cyclas; rhomboidea Say
für identisch, Annals Lyc. New-York 1854. p. 66.
Deseriplion des Pisidies (Pisidium) observees ä l’etat
vivant dans la region’ aquitanique du sud-ouest de la France
par Gassies. Actes de la Soc. Linn. de Bordeaux XX. 1855.
Es werden 14 Arten beschrieben, unter denen vier neu sein
sollen: P. intermiedium, pallidum, Jaudouinianum, globulosum.
118 Troschel: Bericht über die Leistungen in der
Cessac' beschrieb ‚im Bulletin de ‘la Soc. des se. nat. de la
Creuse 11.,1855,, zwei neue 'Pisidien; P. Baudonianum und. Bonna-
fouzianum.
Prime stelle bereits in Annals of the Lyceum of nat. hist, of
New-York 1854. p. 64 als neu auf: Pisidium cicer, conlortum, Nove-
boracense sämmtlich aus Nordamerika.
Conchae. Cytherea Loroisii Hupe Revue de Zool. VII.
p- 468.
Corbulacea. Corbula rostrato - costellala Acton Ricerche
eonchiologiche. ‘Napoli 1855 aus dem Golf von Neapel, ist ab-
gebildet.
Pholadea. Caillaud hat von Neuem, seine Beob-
achlungen auf das,Bohren, der Pholaden gerichtet und ‚die Re-
sultate in den Annales ct. de Nantes Aout 1855 'veröffent-
licht: Proc&d& employe par les Pholades dans leur perforalion.
Verf. hat eine Anzahl Pholaden, yon der Küste von Poulignen,
die in Gneiss bohren, in Glasgefässen in Gneissstücke gesetzt, in de-
nen er Löcher gemacht hatte, und hat, mit grosser Wachsamkeit ihre
Werke beobachtet. Er hat gesehen, wie das Thier arbeitet, wie es
mitıden Rauhigkeiten der Schale den Stein abraspelt, und sich über-
zeugt, dass; eine Pholas im. 14 bis 15, Arbeitsstunden ihre Wohnung
um vier Millimetres ‚vertiefte, Nach diesen genau beschriebenen Er-
fahrungen darf es wohl nicht länger bezweifelt werden, dass die Pho-
laden ausschliesslich mechanisch mit. ihren Schalen bohren, indem
sie sich bald nach rechts, bald nach links umdrehen.
Tunicata.
Stimpson stellte folgende Tunicaten von Japan und China
in den Proe. Philadelphia VII..p. 377 auf: Ascidia tubifera und cal.
cala, Chisascus pellueidus und papillosus, Molgula labeculifera,
Cynthia salsumensis, delicatula, ocellifera, gemmalta und araneosa. —
Die neue Gattung ist folgendermassen charakterisirt: Schizascus
tuniea exterior fissa; parte posteriore complanata, cavum alterius
tamquam operculo claudente et siphones retractos celante; aperturae
sexangulatae.
Ferner wurden ib, p. 387 von demselben aufgestellt: Cynthia an-
gularis vom Cap, C. laevissima, sabulosa und dumosa; Molgula incon-
spieua, Ascidia sydneiensis und swceida, sämmtlich von Port-Jackson.
Gegenbaur hat in der Zeitschr. für wiss. Zoologie
VI. p. 407 Bemerkungen über die Organisation der Appen-
dieularien niedergelegt,
Er hat Artem unterschieden, und als neue Arten benannt und
Naturgeschichte der Mollusken während des Jahres 1855. 119
abgebildet: A. furcata (Eurycercus pellucidus Busch), atrocerca,
cophocerca und coerulescens. Durch die Schilderung des anatomischen
Verhaltens dieser verschiedenen Arten kommt er zu dem Resultate,
dass diese Thiere nicht Ascidienlarven, sondern selbstständige Thiere
seien, die als niedrigste Formen der Tunicaten gleichsam den Lar-
venzustand der Ascidien repräsentiren. Er stützt sich, selbst wenn
man geneigt wäre, das Abwerfen des Schwanzes, das Schwinden des
Gehörbläschens und eine Drehung des Darmkanals anzunehmen, be-
sonders auf die grossen runden Athemspalten mit ihren absteigenden
Röhren, auf den Mangel von Gefässen und das an beiden Enden ge-
schlossene Herz.
Ueber den Entwickelungscyclus von Doliolum, nebst Be-
merkungen über die Larven dieser Thiere hat Gegenbaur,
welcher früher schon einige Andeutungen hierüber gemacht
halte (vergl. dies Archiv 1854. I. p. 188) in einer ausführ-
lichen Abhandlung seine Erfahrungen veröffentlicht und die-
selben durch schöne Abbildungen erläutert. Zeitschr. für
wiss. Zoologie VII. p. 283.
Nachdem Verf. die Anatomie von Doliolum Troschelii beleuch-
tet hat, schildert er ausführlich den Keimstock. Diese Art stellt eine
ungeschlechtliche Thierform dar, und erzeugt durch Knospenbildung
an seinem Keimstocke eine zweite, aber dimorphe Generation. Rechts
und links sitzen löffelförmige gestielte Thiere, Lateralsprösslinge, und
auf der Medianreihe sitzen tönnchenförmige Thiere, die sich aus zu
3 bis 6 zusammengruppirten Knospen entwickeln (Doliolum Ehren-
bergii Krohn). An dem Stiele dieser letzteren finden sich wiederum
Knospen, die sich als die Anfänge einer neuen Generation ergeben.
Es sind daher dreierlei geschlechtslose Generationen in einem einzi-
gen Thierstocke vereinigt. Verf. beschreibt nun noch drei andere
Formen mit Keimstock, die von D. Troschelii verschieden sind, und
die wohl anderen Species angehören. Diese alle sieht Verf. als die
erste Generation an. Sie haben alle neun Muskelreifen, von denen der
siebente und achte auf dem Rücken offen sind, ihre Kieme ist schräg
von oben nach unten ausgespannt und nur von wenigen Athemspalten
durchbrochen, ihr Keimstock entspringt von der Rückenfläche. Die
zweite Generation hat zweiFormen, nämlich die sehr durch ihre Löf-
felform abweichenden Lateralsprossen und dieMediansprossen. Letztere
haben nur acht Muskelreifen und der Keimstock entspringt vom Bauche.
Dahin Dol. Ehrenbergii und Mülleri Krohn. Endlich ist noch eine dritte
Generation bekannt, welche wahrscheinlich aus der zweiten Generation
durch Knospung am Keimstocke entsteht. Sie hat acht geschlossene
Muskelreifen und Geschlechtsorgane. Dahin die geschlechtlichen For-
men von D. Ehrenbergii Kr,, Mülleri Kr., denticulatum Q. et G. Hux-
120. Troschel: Bericht üb. d. Leistungen etc. während d. Jahres 1855.
ley. Aus ihren Eiern entsteht die erste Generation. _ Was aus den
Lateralsprossen wird, ist unbekannt. — Endlich wird auf eine Ab-
weichung von der Krohn’schen Beobachtung über die Larven hinge-
wiesen, indem Verf. Larven mit Schwänzchen sah, die am Rücken
entspringen, ja selbst einmal eine Larve beobachtete, die ein Rücken-
und ein Bauchschwänzchen besass. Diese letzteren Beobachtungen
werden wohl noch weiterer Aufklärung. bedürfen ; nach der Abbil-
dung hat, es ganz das Ansehen, als sei der dorsale Schwanz der
Keimstock, und die zweischwänzige Larve möchte leicht eine Larve
sein, die den Schwanz noch ‚besitzt, und zugleich schon den Keim-
stock zu entwickeln begonnen hat.
Bericht über die wissenschaftlichen Lei-
stungen im Gebiete der Entomologie wäh-
rend des Jahres 1855.
Von
Dr. A. Gerstaecker
in Berlin.
1. Insekten.
Das wichtigste allgemeine Resultat, welches die Mikro-
skopie der letzten Jahrzehnde erreicht hat, besteht darin
nachgewiesen zu haben, dass die primiliven Elemente aller
den beiden organischen Nalurreichen angehörenden Körper
in ihrem Wesen durchaus übereinstimmen und dass die Na-
tur zur Herstellung ihrer verschiedenarligsten Formen sich
steis der einfachsten und unter sich übereinstimmendsten
Mittel bedient hat. Dass die Botanik hierin der Zoologie in
mehrfacher Beziehung vorausgeeilt ist, möchte Irotzdem, dass
Schleiden (Grundzüge der wissenschaftlichen Botanik) in
öfterer Wiederholung seinen Fachgenossen das Gegentheil
vorwirft, wohl kaum zu bestreiten sein; mindestens müsste
dies für einen der wesentlichsten Theile der Physiologie, die
Kenntniss vom Befruchtungsakte zugegeben werden, der in der
Botanik bereits seit länger als dreissig Jahren bekannt ist,
während er in der Zoologie erst gegenwärlig eine festere
Gestaltung anzunehmen beginnt. Auch in diesem Vorgange
weisen die neuerlich im Bereiche der Thiere angestellten
Untersuchungen eine vollkommene Analogie zwischen beiden
Nalurreichen nach; denn gerade wie bei den Pflanzen der
Pollenschlauch sich als befruchtendes Element durch die Mi-
kropyle der Samenknospe zur Vermilllung eines innigen Con-
122 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
taktes mit dem weiblichen Keime hineindrängt, so findet nach
den reichhaltigen und fast zu gleicher Zeit angestellten Un-
tersuchungen von Meissner und Leuckart über das Ei
der Gliederthiere ein Eindringen der Spermatozoön in den
Dolter statt, und zwar durch eine ganz ähnliche, die beiden
Eihäute durchsetzende Oeffnung , welcher hier in gleicher
Weise der Name einer Mikropyle beigelegt wird. Die
beiden Abhandlungen, in welchen jene wichtige Entdeckung
niedergelegt ist, sind: 1) Beobachlungen über das Eindrin-
gen der Samenelemente in den Dolter, No. ll. von G. Meiss-
ner (Zeitschrift für wissenschaftlliche Zoologie, VI. Band,
p- 272—295. Taf. 1X.) und 2) Ueber die Mikropyle und den
feineren Bau der Schalenhaut bei den Insekteneiern, zugleich
ein Beitrag zur Lehre von der Befruchtung, von R. Leu-
ekart (Archiv für Anatomie und Physiologie, Jahrgang 1855.
p- 90—264. Tal. VII—-Xh. — Während dem ersteren der
beiden Verfasser hauptsächlich das Verdienst ‘gebührt, das
Vorkommen der Mikropyle an den Eiern der Gliederthiere
zuerst nachgewiesen zu haben, (sie wird von ihm an 17 In-
sekten verschiedener Ordnungen und unter den Crustaceen
an Gammarus pulex beschrieben und dargestellt) — gewährt
die Abhandlung von Leuckart durch den ausserordentlichen
Reichthum an Untersuchungen zugleich die Ueberzeugung, dass
jener Apparat wenigstens bei den eigentlichen Insekten eine
ganz allgemeine Verbreitung hat, wenn er sich auch sowohl
derLage als der Zahl der Oeffnungen nach in sehr. mannig-
facher Weise darstellt. Der Verf. hat ihn bei 180 verschiede-
nen Arten nachgewiesen und bei mehreren zugleich das Mo-
ment des Eindringens der Spermalozoön, welche sich in Form
eines Pfropfes zusammengeballt in die Mikropyle hineinsen-
ken, beobachtet. Der Nachweis dieses Vorgangs, welcher
auch von Meissner an einem Ei der Musca vomiloria ge-
sehen wurde, das sich in der Vagina gerade bei der Mün-
dung des Receplaculum seminis vorfand, ist deshalb von gros-
ser Bedeutung, weil er die Nalur der Mikropyle ausser allen
Zweifel stellt; denn bei einigen anderen Thieren war zwar
die Mikropyle selbst schon geschen worden (Holothurien,
Seesierne, Würmer, Bivalven), der Akt des Eindringens der
während des Jahres 1855: 123
Samenfäden durch dieselbe dagegen noch unbekannt, Da
die Leuckart’sche Arbeit von weil beträchtlicherem Umfange
als die Meissner’sche ist und diese mit in Belracht zieht, so
wird es genügen, sie hier vorzugsweise,zu berücksichligen und
einen kurzen Ueberblick über ihre Hauptresullate zu geben.
Während Meissner nach den von ihm untersuchten Insekten-
eiern zu der Ansicht gelangt war, dass der Mikropylen-Apparat stets
eine einfache und an dem oberen Eipole gelegene Veflnung darstelle,
die sich. je nach den Arten nur durch verschiedene Struktur ihrer
Umgebung auszeichne, hat sich Leuckart durch Untersuchung eines
grösseren Materials davon überzeugt, dass sowohl die Lage der Mi.
kropyle als auch die Anzahl solcher Oeffnungen bei verschiedenen
Insekteneiern eine sehr verschiedene sei, und zwar in der Art, dass
die Anordnung des Mikropylen-Apparates eine den natürlichen Insek-
tengruppen entsprechende ist, so dass man aus derselben sogar nö-
thigen Falls sichere Schlüsse auf die systematische Stellung zwei-
felhafter Formen machen kann. Die einzige Insektenordnung , bei
welcher Leuckart die Mikropyle durchweg als einfache, am vor-
deren Pole gelegene Oellnung gefunden hat, sind die Diptera; in
allen übrigen kommen entweder überwiegend (Hemiptera, Neuroptera,
Coleoptera) oder beständig mehrere Oeffnungen vor (Lepidoptera,
Hymenoptera). Am vorderen Pole oder wenigstens nicht weit von
ihm entfernt liegen diese Oelfnungen bei den Hemipteren, Lepidopte-
ren und: Coleopteren, in einigen Fällen zugleich am hinteren Pole
bei den Neuropteren, gewöhnlich in grösserer Entfernung von dem
vorderen Pole und zwar entweder nur auf der convexen Bauchfläche
oder im ganzen Umkreise des Eies bei den Orthopteren. Wo meh-
rere Oellnungen vorhanden sind, stehen sie bald unregelmässig ne-
ben einander, bald kranzförmig, oft auch in einer gemeinschaftlichen
Centralgrube (Lepidoptera) ; die Canäle durchbohren bei regelmässi-
ger Stellung der Mikropylen die Eihäute meist in radiärem Verlaufe,
sonst mehr ‚oder weniger senkrecht. Nur bei den Hymenopteren, wo
sich lange, aber äusserst feine Canälchen finden , verlaufen diese in
fast paralleler Richtung eine Strecke weit unter der Oberfläche des
Chorion dahin, so dass ihre inneren Oellnungen fast mit dem Mittel-
punkte des vorderen Poles zusammenfallen, während die äusseren in
einiger Entfernung von demselben an der Rückenfläche gelegen sind
und gewöhnlich eine ziemlich regelmässige Bogenreihe zusammen-
setzen. — Die Untersuchung der Mikropyle bei den Insekteneiern
machte zugleich ein näheres Eingehen auf die Struktur der Eihäute,
ihre Anhängsel, die Beschaffenheit der Oberfläche und die verschie-
denen Formen der Eier nöthig, und der Verf. hat somit durch spe-
cielle Untersuchung uller dieser Verhältnisse bei den von ihm beob.
124 Gerstaecker:; Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
achteten Arten gleichsam eine vollständige Monographie des Insek-
teneies geliefert. Da die innere (Dotter-) Haut sich durchweg als
homogene, zarte Membran darstellt, so war es vorzüglich das Chorion,
welches durch die Mannigfaltigkeit seiner feineren Texturverhältnisse
besonderes Interesse darbot und auf dieses ist denn auch neben dem
Mikropylen-Apparat der grösste Theil der Untersuchungen des Verf.
gerichtet gewesen; eine Reihe der interessantesten Formen , welche
sich hierbei vorfanden, sind auf den der Arbeit beigegebenen Tafeln
dargestellt.
Eine zweite für die Befruchtungs- und Fortpflanzungs-
Theorie der Insekten höchst wichtige Entdeckung ist die von
Dzierzon schon seit längerer Zeit vermuthele, und neuer-
lich durch die Untersuchungen von Leuckart und von
Siebold ausser allen Zweifel. gesetzte Thalsache, dass bei
den Bienen neben einer Fortpflanzung durch. befruchtete Eier
eine solche auch ohne vorhergegangene Befruchtung statt-
findet. ‘Wenn die Möglichkeit eines solchen Vorganges bei
einem und demselben Individuum schon an und für sich die
grösste Verwunderung erregen muss, so wird dieselbe noch
durch die besondere Beziehung, in welchem die befruchte-
ten und unbefruchteten Eier der Bienenkönigin zu der dar-
aus entstehenden Nachkommenschaft stehen, vermehrt. Alle
unbefruchteten Eier liefern nämlich ausschliesslich Drohnen,
die befruchteten dagegen Königinnen und Arbeiter. Die prak-
tische Bienenzucht hatte für dieses Verhalten schon seit lan-
ger Zeit die schlagendsten Beweise geliefert, indem es fest-
gestellt war, dass Königinnen mit verkümmerten. Flügeln, die
also den Hochzeitsflug nicht ausüben konnten und daher für
die Befruchtung durch die Drohnen nicht "befähigt waren,
Eier abgelegt halten, aus denen sich Drohnen entwickelten ;
ein gleiches war auch an Königinnen beobachtet worden zu
einer Zeit, wo sich keine Drohnen im Stocke befanden.
Solche Königinnen erwiesen sich nun durch die anatomische
Untersuchung als unbefruchtet, d. h. ihr Receptaculum seminis
war nicht mit Spermatozoen angefüllt. Dagegen zeigte sich
die Samentasche strotzend von Samen angefüllt bei einer Kö«
nigin, die so eben vom Hochzeitsfluge zurückkehrend erbeutet
wurde und sich durch die in der Vulva zurückgebliebene,
beim Begallungsakte abgebrochene männliche Ruthe als be-
während des Jahres 1855. 125
fruchtet zu erkennen gab. Eine solche durch eine Drohne
befruchtete Königin hal es nun ganz in ihrem Belieben, un-
befruchlete oder befruchtete, d. h. Drohnen - oder Arbeiter-,
resp. Königinnen-Eier abzulegen; sie wird durch die grös-
sere oder geringere Weite der Zelle, in welche sie den Hin-
terleib hineinbringt, jedesmal dazu bestimmt, ob sie das dem
Eierstocke entschlüpfende Ei der Einwirkung der in der Sa-
mentasche befindlichen Spermalozoön aussetzt oder nicht. Hier-
mit im Einklange steht auch die Thatsache , dass unter ge-
wissen Umständen auch Arbeiter-Bienen Eier ablegen kön-
nen, aus denen sich aber nur Drohnen entwickeln, wie dies
schon aus der Unfähigkeit der Arbeiter, begallet zu werden,
hervorgeht. Leuckart fand bei einer Drohneneier legen-
den Arbeitsbiene auf der rechten Seite sechs und auf der
linken fünf Eierstocksröhren mil vereinzelten reifen Eiern
und wies auch eine rudimenläre Samenlasche bei derselben
nach. (Ref. berichtet über diese im Jahrgange 1854 und
1855 der Bienenzeitung niedergelegten Beobachtungen nach
v. Siebold’s erst im Jahre 1856 erschienener Abhandlung:
„Wahre Parthenogenesis bei Schmelterlingen und Bienen,“
indem ihm die genannte Bienenschrift, als in der hiesigen
Königl. Bibliothek nicht vorhanden, unzugänglich war.) —
Den direkten Beweis dafür, dass die Drohnen-Eier nicht be-
fruchtet, die Arbeiler-Eier dagegen befruchlet werden, mussle
die Untersuchung derselben in Bezug auf das Eindringen der
Spermatozoön durch die Mikropyle liefern; v. Siebold hat
dieselbe (Parthenogenesis p. 113—120) an einer beträchtli-
chen Zahl von Eiern beider Geschlechter angestellt, und im
Innern einer grösseren Anzahl weiblicher Eier Spermatozoen
nachgewiesen, die dagegen in den männlichen durchweg
fehlten.
Nachdem Schiödte an zwei merkwürdigen Brasiliani-
schen Staphylinen Galtungen zuerst das Vorkommen viviparer
Coleopteren nachgewiesen halle, theille Perroud in diesem
Jahre eine ähnliche Beobachtung mit, die er an zwei Chry-
somelen (Gallung Oreina) angestellt hal. Einige weibliche
Individuen von Oreina speciosa und superba wurden von ihm
lebend in ein Behältniss gesetzt, in dem sich nach Verlauf
126 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
einiger Stunden kleine Larven fanden , die augenscheinlich
dem stark angeschwollenen Abdomen der Käfer- Weibchen
entschlüpft waren. Die etwa mögliche Annahme, dass sie die
Eihülle gleich nach dem Ausschlüpfen aufgezehrt hälten, wurde
durch die anatomische Untersuchung einer Anzahl der weib-
lichen Chrysomelen widerlegt, von denen jede zwei bis drei
Larven ohne irgend welche Eihülle in ihrem Abdomen be-
herbergte. (Annales de la soc. Linneenne deLyon ll. p. 402 ff.
„Notice sur la viviparilE ou l’ovoviviparite des Oreina' spe-
ciosa et superba.*)
Das Vorkommen von Spermatophoren bei den Insekten
war bisher nur durch vereinzelte Beobachtungen festgestellt
und die Einbringung derselben in die weiblichen Genitalien
gänzlich unbekannt. Von Wichligkeit ist daher die Entdek-
kung dieses Aktes bei Grylius campesiris und domesticus,
welche von Ch. Lespes gemacht und in einem „Memoire
sur les spermatophores des Grillons“ (Annales des sciences
naturelles T. III. p. 366 ff.) mitgetheilt worden ist. Nach der
Beobachtung des Verf. zwängt das Männchen beim Coitus
eine kleine hornige Blase, die in eine dünne und von einem
feinen Canale durchbohrte Lamelle endigt, aus seiner Geni-
talöffnung hervor und applicirt dieselbe in die Vulva des
Weibchens. Ihre Anheftung weht in der Weise vor sich,
dass nur die Lamelle in den Hinterleib des Weibchens ein-
geführt wird, während die Blase selbst ausserhalb bleibt.
Die mikroskopische Untersuchung der lelzteren wies innerhalb
einen hohlen Raum nach , der mit zahlreichen Spermatozoen
angefüllt war. Diese entleeren sich nach nnd nach durch
den feinen Canal der Lamelle in die inneren weiblichen Ge-
nitalien, bis die leergewordene Blase allmählig einschrumpft
und zuletzt abfällt. Das Männchen kann in kurzen Zwischen-
räumen (z. B. schon 10 Minuten nach dem Coilus) von neuem
einen solchen Spermalophoren ablegen, auch hat der Verf.
durch leichten Druck auf das Abdomen den erneuten Aus-
trilb’eines solchen bewirken können. Im Momente des Her-
austretens aus der männlichen Geschlechtsöffnung ist der Sper-
matophor hell von Farbe und von weicher Beschaffenheit; in
kurzer Zeit nimmt er jedoch die später mehr hornige Con-
=
während des Jahres 1855. 127
sistenz und bei Gryllus campeslris auch eine bräunliche Farbe
an; (bei Gr. domeslicus ist seine Farbe bleibend weiss). Die
Bildung der Spermatophoren erfolgte den Beobachtungen des
Verf. gemäss in einer hufeisenlörmig gekrümmten Blase,
welche in dem Genitalring des Männchens gelegen ist und
in deren oberes Ende das Vas deferens mündet ; ihr unleres
Ende. stehl dagegen mit dem Copulalionsorgane selbst in Ver-
bindung. Die Spermatozoen zeigten sich fadenförmig , aber
steis unbeweglich; nur bei Berührung mit Wasser zogen sie
sich in Form einer Schleife zusammen; die Vereinigung zu
Bündeln, wie sie bei anderen Insekten vielfach beobachtet
worden ist, wurde ebenfalls vermisst. — Einen Bericht über
diese Abhandlung und einen kurzen Auszug. der hauplsäch-
lichsten. Beobachtungen des Verf. hat auch Quatrefages
der Pariser Akademie der Wissenschaften vorgelegt. (Com-
ples rendus T. XLI. p. 381.) — In einem zweiten Aufsalze
„Deuxieme note sur les spermatophores du Gryllus sylvestris®
(Annales des sciences nalurelles T. IV, p. 244 ff.) bemerkt der
Verf. , dass er das oben beschriebene Befruchtungsorgan in
ähnlicher, wenn auch, etwas modificirter Weise, auch. bei
Grylius sylvestris: aufgefunden habe, und:theilt: ausserdem die
Beobachtung mit, dass die Spermatozoen im Receplaculum se-
minis erwachsener Weibchen in veränderter Gestalt auftre-
ten und in diesem Zustande, welcher für die Befruchtung
nolhwendig erscheine, sich auch durch schnelle Bewegungen
auszeichnelen. — Ref. will bemerken, dass die Beobachlung
von dem Vorkonmen der Spermatophoren am weiblichen Geni-
talapparate der Grylien nicht neu, sondern schon von Yer-
sin (Bullet. de la soc. Vaudoise III) gemacht worden ist;
das Organ wird dort aber als „Utricule seminale“ bezeich-
nel und seine wahre Bedeulung nicht angegeben.
Von vielem. Interesse für die Physiologie des Nerven-
systems der Insckten ist eine. Abhandlung von Fabre, die
unter dem Titel: „Observalions sur les moeurs' des’ Cerceris
et sur la cause de la longue conservalion des Coleopleres,
dont ils approvisionnent leurs larves“ im IV. Bande der An-
nales des sciences nalurelles p. 129—150 erschienen ist. Ob-
wohl von der speciellen Naturgeschichte der Gallung Ceree-
128 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
ris ausgehend, gewährt die Arbeit zugleich so mannigfache
und interessanle Blicke in die Biologie der Insekten im All-
gemeinen, dass mir ihre nähere Erörterung hier am Orte zu
sein scheint.
Schon L. Dufour hat auf die Eigenthümlichkeit aufmerksam
gemacht, dass Cerceris bupresticida einzig und allein auf den Raub
von Buprestiden ausgehe, um dieselben ihren Larven als Nahrung vor-
zulegen, und dass diese von ihr durch einen Stich getödteten Käfer noch
längere Zeit eine vollständige Beweglichkeit der Gliedmassen behiel-
ten und zugleich keine Spur von innerer Verwesung zeigten. Ohne
den Grund dieser sonderbaren Erscheinung weiter zu verfolgen, be-
gnügte sich Dufour mit der Annahme, dass die von der Cerceris
dem Käfer eingeimpfte Flüssigkeit ein Antisepticum sei, und empfahl
sogar Behufs Herstellung eines analogen Mittels für den täglichen
Gebrauch die Analyse derselben. Fabre hat nun durch sehr scharf-
sinnige und sorgfältige Beobachtungen festgestellt, dass eine solche
antiseptische Eigenschaft dem Sekrete der Cerceris keineswegs eigen
sei, sondern dass die Fortdauer der vegetativen Funktionen des ge-
tödteten Körpers einzig und allein von einer eigenthümlichen Bildung
des Nervensystems bei letzterem abhänge. — Um das von Dufour
aufgegebene Räthsel zu lösen, war es vor Allem nöthig sich darüber
Kenntniss zu verschaffen, auf welche Art die Cerceris ihren Raub
tödtete. Zu diesem Zwecke beobachtete der Verf. lange Zeit hin.
durch das Treiben einer grossen Cerceris-Art, die er unter dem Na-
men C. Dufourii beschreibt (die aber nach Dufour, dem sie über-
schickt wurde, gleich C. tuberculata Villers — vespoides Rossi —
maior Spinola ist), und welche sich ausschliesslich mit dem Raube
des bekannten Cleonus ophthalmicus beschäftigte. Das Einsammeln
dieses Käfers von Seiten der Cerceris ist erstaunlich; mit grösster
Leichtigkeit trägt das Insekt einen Körper durch die Luft, der fast
doppelt so schwer als es selber ist; wurde ihm der Raub bei der
Rückkehr zum Neste vom Beobachter abgejagt, so kehrte es schon
nach 10 Minuten mit einem neuen zurück, und dies wiederholte sich
bei demselben Individaum acht Mal hinter einander. Durch das er-
wähnte Manöver und das Zerstören eines Nestes konnte sich Fabre
mit Leichtigkeit fast 100 Cleonus verschaffen, während es ihm nach
tagelangem Suchen nur mit Mühe gelungen war, drei Exemplare des-
selben in seinen gewöhnlichen Schlupfwinkeln aufzustöbern. Der Um-
stand, dass alle der Cerceris abgejagten Cleonen schon getödtet waren,
veranlasste F., ihr bei ihrer Rückkehr aus dem Neste einen lebendigen
vorzuschieben, den sie jedoch verschmähte; als sie jedoch abermals
mit einem neuen Leichnam zurückkehrte und diesen vor die Oeflnung
des Nestes legte, um ihn bei den Beinen hineinzuziehen, wurde schnell
während des Jahres 1855. 129
der todte Cleonus‘ mit einem lebenden vertauscht und die Wespe
machte sich auch in der That daran, letzteren zu erobern. Indem sie
ihn mit. den "Beinen ergriff und ihre Mandibeln in seinen Rüssel
schlug, suchte sie mit dem Hinterleib seine Bauchseite.. zu 'erreichen
und senkte den ‚Stachel in die Einlenkungsstelle des Prothorax; ‚in
demselben Momente: lag der Käfer regungslos Ja, Eine wiederholte
Beobachtung des nämlichen Vorgangs ergab stets.das gleiche Resultat;
stets war es dieselbe Körperstelle, welche, die Wespe zu verwunden
suchte. Es drängte hierbei sich sogleich die Frage auf, weshalb
wählt sie gerade diesen Ort, um ihr Gift einzuflössen, wäre nicht
mancher andere eben so geeignet dazu? Gewiss nicht; die Mörderin
weiss den Nagel auf den Kopf zu treifen, denn gerade an der Ein-
lenkungsstelle des Prothorax liegt bei den Curculionen sowohl wie
bei den Buprestiden (ausserdem auch bei einigen anderen Käferfor-
men): die fast’zu einer gemeinsamen Anschwellung 'concentrirte Reihe
der Brust- und Bauchganglien, und ein ‚richtig, geführter Stich in
dieselbe muss sogleich eine Sistirung der animalen Funktionen des
Thieres herbeiführen. Dass in dieser engen Verkettung der Knoten
des Nervensystems auch der Knoten der hier schwebenden Frage zu
suchen sei, hat der Verf. durch mehrfache Versuche ausser Zweifel
gesetzt. Ein künstlicher Stich in diese Gegend, z. B. mit kaustischem
Ammoniak, bringt: ganz dieselbe Wirkung und auch eben so schnell
hervor, als der von einer Cerceris herrührende: vorausgesetzt aber,
dass man zu dem Experiment ein Insekt nimmt, bei dem die bezeich-
nete Concentration der Ganglien vorhanden ist, also z. B. die eben-
genannten ausgenommen, einen Scarabaeus, Hister, Scolytus u. a. Bei
anderen, wo die Ganglien durch grössere Zwischenräume getrennt
sind, ist die Wirkung eines solchen Stiches eine sehr verschiedene;
sie besteht z.B. bei Carabicinen, Longicornen und Melasomen nur in
heftigen Zuckungen, die bald aufhören, bis der Käfer nach einigen
Stunden wieder ganz auf dem Platze ist. Nur wenn der Stich zu
tief geführt ist oder öfter wiederholt wird, tritt Tod ein. Das Fort-
dauern der vegetativen Kunctionen ist bei Buprestiden, Curculionen,
Scarabaeiden u. s. w. ganz dasselbe bei der Verletzung mit kaustischem
Anımoniak, wie nach dem Stiche der Cerceris; die Ausscheidungen
des Darmkanals setzen sich noch eine Woche lang fort, bis er eben
entleert ist; durch angebrachte Reizmittel, wie Benzo&- Tinctur und
besonders die Voltaische Säule, erlangen auch die Fühler und Beine
- auf kurze Zeit ihre Bewegungen wieder, wenngleich dieselben immer
nur schwach bleiben. — Aus den von ihm selbst und von Dufour
beobachteten Fällen glaubt der Verf. schliessen zu dürien, dass sich
die verschiedenen Cerceris-Arten ausschliesslich solcher Insekten zum
Raube bedienen, bei denen die angegebene Concentration der Ner-
venganglien Statt hat. In der That scheinen diese auch hauptsächlich
Archiv, f. Naturgesch, XXI, Jahrg, 2. Bd. 1
130 Gerstaecker:-Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
von ihnen verfolgt zu werden, denn von Westwood ist ein der
artiger Fall bei Strophosomus und von Lätreille bei Lixus beobach-
tet worden; aher gerade eine der häufigsten Arten, nämlich Cerceris
ornata nährt nach Walkena&rs Beobachtung ihre Larven mit Ha-
lietus- Arten und bei diesen findet sich die Ganglienkette in der ge-
wöhnlichen Weise, nämlich mit getrennten Knoten. Hier dürfte also
die Tödtungsweise in anderer Weise vor sich gehen und wäre die
Beobachtung derselben von grossem Interesse.
Der gänzliche Mangel des Nervensystems bei einem In-
sekte so wie überhaupt, bei irgend einem Thiere wäre eine
Thatsache,, die allen Erfahrungen ‚der Physiologie auf das
Entschiedenste 'widerspräche. Wenn daher L. Dufour in
eirrer „Note sur l'absence dans le Nemoptera lusitanica d’un
systeme nerveux appreciable“ (Annales des sciences nalurel-
les T. IV, p. 153 ff.) bekannt macht, dass er bei Nemoptera
lusitanica nach, mehrfach wiederholten sorgfälligen Untersu-
ehungen keine Spur ‚eines Nervensystems habe entdecken
können ‚so .kann..dies bei der ‚anerkannten Tüchtigkeit des
gewiesten Entomotomen nur zu dem Schlusse Anlass geben,
dass das Auffinden desselben mit besonderen Schwierigkei-
ten verbunden ist, nicht aber, dass es überhaupt fehlt. Dass
das Nervensysiem der Nemoplera äusserst subtil sei, lässt sich
schon aus dem ungemein schlanken Bau des ganzen Thieres
von ‚vorn herein. schliessen, obwohl die starke Entwickelung
der Vorderflügel andererseits wieder auf ein,eben nicht sehr
minuliöses zweites Brustganglion hinweisen ‚könnle.
Ein Aulsatz von Newman, belitelt: „Memorandum on
the Wings-Rays of Insecls“ (Transaclions of Ihe enlomologi-
cal..sociely Ill. p.225 f,) enthält nichts Neues über diesen
Gegenstand, sondern bewegt sich nur in. Belrachlungen über
längst abgeschlossene Thalsachen, Dass die Flügeladern der
Insekten weder Nerven, noch Blutgefässe, noch Tracheen
sind, bedarf heut zu Tage wohl keiner ‘Erörterung mehr,
sondern man weiss allgemein, dass sie diese Organe in glei-
cher, Weise wie jeder andere Körperlheil in ‚sich schlies-
sen, : Es ist daher auch vollkommen gleichbedeutend, ob man
die: Flügeladern Costae, 'Nervi oder Venae nennt, da alle
diese Ausdrücke riur aus der Analogie entnommen sind und
die Form-Aehnlichkeit bezeichnen sollen.
während des Jahres 1855. 131
Reinhardt machte eine Mittheilung über eine bei La-
" goa Santa in Brasilien von ihm beobachtete Käferlarve, wel-
che ein starkes phosphorescirendes Licht ausstrahlt. (Vi-
denskab. Meddelelser [ra den naturhist. Forening i Kjöben-
hayn 1853, auch überselzt von Creplin in der Zeilschrift
für die gesammten Naturwissenschalten, 5. Bd. p. 208 ff.)
Die Larve ist 1%, Zoll’lang und hat einige Aehnlichkeit mit
Lampyriden-Larven, ohne jedoch mit ihnen übereinzustimmen; ihr
Leuchten ist besonders dadurch merkwürdig , dass das ausgestrahlte
Licht von zweierlei Farbe ist, nämlich roth am Kopfe und grünlich
an zwei Stellen der Leibesringe. Die Larve scheint schon Azara
bekannt gewesen zu sein, wenigstens beschreibt derselbe das zwei-
farbige Licht an Kopf und Rumpf ganz übereinstimmend. Das zu der
Larve gehörende ausgebildete Insekt kennt R. nicht, glaubt aber,
dass es ebenfalls leuchtende Eigenschaften besitzen werde; die Larve
ist ausführlich beschrieben worden.
Reichhaltige Untersuchungen über die histologischen Ver-
hältnisse der Gliederthiere hat F. Leydig in einer grösse-
ren Abhandlung: „Zum feineren Bau der Arlhropoden“ (Ar-
chiv für Anatomie und Physiologie Jahrg. 1855. p. 376-480,
mil Taf. XV bis XVII) veröffentlicht. Sie, verbreilen ‚sich
über die äusseren Körperbedeckungen, über das Muskel- und
Nervensystem , die Sinnesorgane, von denen besonders das
Auge eindringlich behandelt ist und zuleizt über die ver-
schiedenen Eingeweide-Systeme. Der Verf. hal seine Unter-
suchungen behufs der Herausgabe einer vergleichenden Hi-
stologie angestellt und sich Iheils an dasjenige Material ge-
halten, was ihm gerade zur Hand war, theils solches ausge-
wählt, wo frühere Untersuchungen noch wesentliche Lücken
erkennen liessen; es theilt sich‘ daher der Inhalt der Arbeit
in Bestätigung, resp. Widerlegung früherer Forschungen und
in Bekanntmachung, neuer Thalsachen.
Zu letzteren gehört u.a. der Nachweis von zahlreichen Canäl-
chen, welche die Körperbedeckung der Arthropoden wie es scheint
allgemein in senkrechter Richtung durchsetzen; sie geben sich bei
der Flächenansicht als schwarze Punkte zu erkennen und erscheinen
bei Vertikalschnitten von zweifachem Kaliber, nämlich als weitere
und engere, letztere an Zahl beträchtlich überwiegend. Der Verf.
hat sie bei den Crustaceen (Malacosiraca und Entomostraca), den
Arachniden, Myriapoden und Insekten in gleicher Weise aufgefunden.
132 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Zuweilen erweitert sich ihr oberes Ende in eine Ampulle, wie bei
den Onisciden und bei Locusta, zuweilen auch beide Enden, wie bei
Ixodes. Das untere Ende nimmt in seiner Länge gewöhnlich einen
fadenartigen Fortsatz der unter der Chitin- oder Kalkhaut liegenden
weichen Membran auf; das obere Ende stösst auf die an der Ober.
fläche befindlichen Haare, oder wenn solche fehlen, mündet es frei
daselbst. Die Canäle sind in der Regel mit einem Ernährungsfluidum
angelüllt, zuweilen, wie bei den Wasser-Insekten, mit Luft. Bei den
Bärenraupen finden sich in der Haut auch Absonderungsdrüsen, deren
Mündung in jene Canäle übergeht, und die somit ihr Sekret auch den
damit communicirenden Haaren mittheilen; von diesem Sekrete rührt
demnach der Reiz, welchen die abbrechenden Haare auf die mensch-
liche Haut ausüben. — Alle Arthropoden - Muskeln ohne Ausnahme
haben sich dem Verf. als quergestreift dargestellt; wo diese Quer-
streifung geleugnet worden ist, wird sie bei Zusatz von Alkohol nach
einiger Zeit ebenfalls erkannt. — An dem Gehörorgane (?) der Acri-
dier findet der Verf. die eigenthümliche Struktur des Ganglions mit
seiner eigenthümlichen strahlenförmigen Endigung. in derselben Weise,
wie es v. Siebold beschrieben hat; dagegen. leugnet er das Vor-
handensein eines häutigen Labyrinths, indem er das dafür gehaltene
Organ als Wand einer Tracheenblase anspricht. — Eine wiederholte,
sorglältige Untersuchung des zusaminengesetzten Arthropoden - Auges
veranlasst den Verf. zu folgender Parallele mit dem Wirbelthier-
Auge: die Hornhaut und die linsenförmigen Wölbungen nach innen
entsprechen der Hornhaut und Linse des Wirbelthier-Auges, die Kry-
stallkegelsubstanz (incl. helle Masse hinter der Hornhaut, Schale des
Krystallkegels, Krystallkegel selber) sammt dem kantigen Nervenstab
sind gleich dem Stratum bacillosum im Wirbelthier-Auge; das Seh-
ganglion hat seinAnalogon in jenen Schichten der Retina, welche aus
Körnern, Zellen und Nervenfasern sich zusammensetzen. (2?) Die
Pigmente sind gleich der Choroidea und Iris und die quergestreiften
Muskeln finden ihr Aequivaient in den muskulösen Elementen der Iris
und Choroidea, Er folgert daraus, dass das facettirte Auge nicht einer
Anzahl einzelner dicht aneinander gerückter Augen entspricht, son-
dern ein Einzelauge vorstellt. — Besonders zu erwähnen ist eine ei-
genthümliche Augenbildung, die Leydig bei Prionus gefunden hat;
hier ist nämlich die Hornhaut sehr dick (1%““), schwarz und undurch-
sichtig, unter ihr kein Pigment. Beim Vertikalschnitt zeigt sich, dass
ihre äussere Fläche in starken Halbkugeln hervorspringt, die sich nach
innen durch eine zweite Wölbung zu einer Linse vervollständigen, .
welche allein durchsichtig ist; hinter jeder Linse ist die dicke Horn.
haut trichterförmig ausgehöhlt und zwar so, dass die Spitze des Trich-
ters gegen ihre Innenseite, welche daher vielfach durchlöchert er-
scheint, gewendet ist. Auf diese Art wird im Grunde kein zusam-
während des Jahres 1855. 133
mengesetztes, sondern eine Anzahl einfacher, zusammengehäufter
Augen hergestellt.
Die Chitin-Gebilde im Thierkreise der Arthropoden von
A. Menzel. Zürich 1855. 4. 42 pag., c. tab. 1. — Der Verf.
hat in dieser für einen weiteren Leserkreis berechneten klei-
nen Schrift in sehr entsprechender Weise unsere bisherigen
Kenntnisse über die Verbreitung des Chitin unter den niede-
ren Thieren so wie die chemische Zusammensetzung und die
mikroskopische Struktur der dasselbe enthaltenden Gehilde
zusammengestellt und durch einige von ihm selbst angestellte
Beobachtungen, welche besonders die Struktur der äusseren
Körperbedeckung betreffen, erweitert, Mit dieser im Zusam-
menhange werden auch die Haare, Schuppen und ähnliche
in engerer Beziehung zu ihr stehende Gebilde, und zuletzt
der Digeslionsapparat, so weit er hier in Betracht kommt,
bei den einzelnen Classen der Gliederthiere erörtert. Zu
letzteren werden auch hier nach Leydig’s Vorgang, aber
gewiss ohne Berechtigung die Rolatorien gezählt. — Auf der
beifolgenden Tafel ist eine Reihe von Abbildungen zur Er-
läuterung der mikroskopischen Struktur der Crustaceen- und
Arachniden-Haut gegeben.
Als Insekten, in denen Fadenwürmer beobachtet wor-
den sind und die in v. Siebold’s Aufzählung fehlen, erwähnte
Mahler (Silzungsberichte des zoologisch-botanischen Ver-
eins zu Wien p.76) Ocypus megacephalus Nordm. und die
Raupe von Amphidasis belularia.
Interessante. Monstrositäten von Insekten wurden von
Perroud (Annales de la soc. Linneenne de Lyon ll. p. 325)
und vonLetzner (33. Jahresbericht der Schlesischen Gesell-
schaft für ‚vaterländische Cultur p. 106 beschrieben.
Der von Perroud erwähnte Fall betrifft einen Rhizotrogus
aestivus, der am linken Vorderbein neben der gewöhnlichen Tibia
noch Stummel von zwei anderen solchen, und am rechten Hinterbeine
drei ausgebildete Tibien zeigte. — Letzner besitzt eine Chrysomela,
an deren linken Fühler die sieben ersten Glieder normal, von da an
aber die übrigen alle doppelt vorhanden sind und zwei neben einan-
der verlaufende Stränge bilden.
Wright, On Fungi parasilic on Insects, with peculiar
reference Io some Jately .discovered Irish speeimens (Natural
134 Gerstaecker: Bericht üb. d, Leistungen in d. Eutomologie
history rewiew VI. p. 55 ff). Unter den angeführten Insek-
ten, auf welchen sich Pilzbildungen zeigten , ist besonders
ein Othius fulvipennis erwähnenswerth, an dem Hinterleib
und Beine dicht mit fadenarligen Pilzen bedeckt, während
Kopf, Thorax und Flügeldecken ganz frei davon waren.
Ueber die Gallen hat Frauenfeld in den Silzungs-
berichten der Akademie der Wissenschaften zu Wien, Ma-
them. naturwiss, Classe, XV. Bd. p. 255—266 einen vortreff-
lichen Aufsatz geliefert, in welchem er einen Versuch macht,
die durch Insekten an den Pflanzen verursachten Auswüchse
nach ihren Haupttypen und Waächsthumsverhältnissen nalur-
gemäss zu gruppiren. Der Verf. spricht sich zuvörderst ge-
gen das Verfahren von Kalchberg und Hammerschmidt
aus, welche die Gallen als „Pflanzenauswüchse“ mit anderen
ganz heterogenen Gebilden, welche an Pflanzen ohne Ein-
wirkung von Insekten entstehen , zusammengeworfen haben.
Die wirklichen Gallen, welche als eine durch thierische Ein-
wirkung entstandene und zum Schulze und zur Nahrung der
thierischen Brut bestimmte Pflanzenwucherung aufgefasst wer-
den müssen, glaubt der Verf. drei Haup!gruppen zutheilen zu
müssen. Die erste derselben bilden die umhüllenden Gallen,
d. h. solche, die nie im Innern irgend eines Pflanzentheiles
entstehen und keine nach aussen verschlossene Larvenwoh-
nung enthalten, (Blatttaschen und Zapfenrosen an den Enden
der Zweige, Blatteinrollungen, Verbildungen der Blüthen-
theile, die Schlauchzelle an der Cerr - Eiche); die Erzeuger
derselben sind Coleopteren, Dipteren (meist Tipularien), Rhyn-
choten und Acariden, dagegen kein Hymenopteron. Eine
Nebengruppe, welche sich der ersten eng anschliesst und mit
ihr darin übereinstimmt, dass die Gallen ebenfalls nicht ganz
von einer Verbindung nach Aussen abgeschlossen sind, ent-
hält solche Bildungen, die im Innern des Gewebes der Pflan-
zenlheile entstehen (an Achselknospen, Blaltrippen, im Fruchl-
boden von Syngenesisten u, s. w.); die Erzeuger sind Diplera,
und zwar neben Tipularien hauptsächlich Trypela - Arten. —
Die zweite Hauptgruppe bilden die einschliessenden Gallen ;
sie sind dadurch charakterisirt, dass sich nie eine natürliche
Oeflnung an ihnen bildet, so dass die Bewohner genölhigt
während des Jahres 1855. 135
sind, sich durchzufressen. ' Sie’ kommen an sehr. verschiede-
nen Theilen der Pflanze ‚an Samen‘, Blältern,, Stengeln und
Wurzeln vor und zeigen eine grosse Manniglaltigkeit in. Form
und Consistenz ; ihre höchste: Entwickelung, erreichen. sie. in
den Holzgallen. » Ihre Erzeuger sind’Diptera, Coleoptera,und
vor allen Hymenoptera; sie zerfallen ‘wieder in, solche. mit
nicht begränzter und in solche mit rings abgeschlossener, ‚oft
aus sehr hartem Gewebe bestehender Kammer. ”— ‚Der drit-
ten Hauptgruppe fallen endlich die 'gegliederten Gallen an-
heim, welche im Inlande ‘nur schwach verlreten sind; sie
sind entweder unvollkommen,d.h. 'sie bestehen ‚nur;in einer
Aussackung der .Blattfläche, ‘oder vollkommen, d. h, in, sich
abgeschlossene; beide besitzen einen Deckel, der sich bei
der zweiten Art von selbst: loslöst, um. das Insekt herauszu-
lassen; ihre Erzeuger: sind Ceeidomyien. — Es wäre. zu) wün-
schen ‚dass der..Verf; der: sehr. ‚gehaltvollen Abhandlung,
welcher über die Gallen langjährige Studien angestellt ‚hat,
später eine mehr ins Specielle gehende Zergliederung ‚seines
Systems veröffentlichte, wozu ‘ihm das grosse in, seinem Be-
sitze befindliche Material die, beste Gelegenheit, bietet. — In
Beireff der Angabe des Verf., dass Gymnetron eylindrirostris
am. Stengel von Verbascum keine äusserlich sichtbare Ver-
änderungen hervorbringe, muss Ref. bemerken, dass ihm selbst
eine entgegengeselzte , Beobachtung zu, Gebote steht; die
Stengel, in denen 'er den Käfer in grosser Anzahl fand, wa-
ren in weiter Ausdehnung, ‚oft bis zur Wurzel ‚hinab, mit
dicken, knolenarligen Anschwellungen behaftet.
Derselbe widmele auch auf seinen: Reisen. in. Dalmatien
und Aegypten den Pflanzengallen besondere ‘Aufmerksamkeit
und theilte über die sie erzeugenden Insekten mehrfache in-
teressante Beobachtungen in den. Verhandlungen des zoolo-
gisch-bolanischen Vereins. zu Wien, V. Bd. p. 13 und 149
mit. („Beitrag zur Insektengeschichte* und „Beobachtungen
über Insekten-Metamorphosen.*)
Eine ebenfalls beachtenswerthe Arbeit über Pflanzen-
Gallen und die sie erzeugenden Insekten lieferte Kirchner
im Ölen Jahrgange der Lotos p. 127, 157, 202,236 ff. unter
dem Titel: „Die Gallen - Auswüchse des Budweiser Kreises,
136 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
nebst nomineller Angabe der Gallenerzeuger und deren
Schmarotzer.“ — Nach einer allgemeinen Betrachtung der ver-
schiedenen Gallenformen in Bezug auf ihren Gehalt, den Ort,
welchen sie an der Pflanze einnehmen und ihre innere Be-
schaffenheit, giebt der Verf. ein sehr reichhaltiges Verzeich-
niss der von ihm mit Gallen behaftet gefundenen Pflanzen in
alphabetischer Ordnung, beschreibt bei jeder Art die Beschaf-
fenheit des Auswuchses, nennt das Insekt, von welchem er
erzeugt ist und zählt auch endlich die Parasiten desselben,
wenn solche daraus erzogen worden sind, auf. Die Zahl.der
vom Verf. aus Gallen erzogenen Insekten-Arten beläuft sich
auf etwa 130, von denen er auch mehrere, wie z.B, einige
Trypela, Cynips u. a. für neu hält.
Endlich hat auch Westwood (nach einer Notiz in
den Proceedings of Ihe entomological sociely p. 88) im Gar-
dener’s Chroniele eine Arbeit über Gallen unter dem Titel:
„An Essay on the British Ink - Galls“ geliefert, über welche
Ref. nichts Näheres miltheilen kann, da jene Zeitschrift in
den hiesigen Bibliolheken nicht gehalten wird.
Curtis theilte (Proceedings of the entomol. soc. p 43)
„Notes on Ihe economy of various Insects“ mit; sie bezie-
hen sich auf die Zucht verschiedener Insekten aus mehreren
Pflanzenarten (Anthemis, Senecio,, Inula, Carduus, Juncus,
Artemisia, Pistacia) und geben zugleich Nachricht von eini-
gen für England neuen Arten, die in Deutschland gerade
nicht zu den selteneren gehören.
Notizen über die Lebensweise einer Anzahl Kurländi-
scher Insekten aller Ordnungen gab Kawallin der Ento-
mol. Zeit. p. 227 ff.
Histoire des melamorphoses de divers insecles par E.
Perris (Memoires de la sociele royale des sciences de
“ Liege T. X. p. 233—230. Pl.5 et 5 bis.), enthält die Be-
schreibung der ersten Stände und der Entwickelungsge-
schichte von 11 Coleopteren und 2 Dipteren; eine mil gros-
ser: Sorgfalt ausgeführte und manches Interessanle enthal-
tende Arbeit.
Auch Heeger hat in den Sitzungsberichten der Akad.
der Wissenschaften zu Wien‘XVIll."Bd. seine. Beiträge zur
während des Jahres 1855, 137
Naturgeschichte der Insekten Oeslerreichs abermals mit einer
neuen Reihe von Arten fortgesetzt.
Goureau zählte (Bullelin de la soc. entomol. p. 35)
die von ihm aus Hyponomeula padella, malinella und evony-
mella erzogenen Schmarotzer auf.
Es sind: Pimpla scanica Grav., Ichneumon brunnicornis Grav.,
Campoplex sordidus Grav., Anomalon tenuicorne Grav., Mesochrous
splendidulus Grav., 1 Eneyrtus und 1 Eulophus. In den Nestern die-
ser Schaben lebt ferner eine Tachinenlarve, welche den Raupen und
Puppen nachstellt; endlich werden letztere auch von Filarien heim-
gesucht.
Derselbe zählte (ebenda p. 37) die Parasiten auf, wel-
che von Signoret aus verschiedenen Blaltläusen (Gallun-
gen Aphis, Coceus, Chermes, Aspidiolus) erzogen worden
sind. Die meisten sind Braconiden, besonders Aphidius und
Elassus, andere Chaleidier, wie Encyrius, Chiloneurus, Co-
runa elc.
„Die in und an dem Körper des lebenden Menschen
vorkommenden Parasiten“ ist der Titel eines von F. Küchen-
meister herausgegebenen Lehrbuches (Leipzig 1555), in
welchem auch die menschlichen Parasiten aus der Ordnung
der Insekten und Arachniden ausführlich behandelt und die
bisherigen Kenntnisse über dieselben sowohl in zoologischer
als pathologischer Beziehung vollständig zusammengelra-
gen sind.
Nördlinger, die kleinen Feinde der Landwirthschaft,
Stuttgart, Cotta 1855, ein Werk, welches nach dem Titel
speciell auch auf die der Landwirthschaft schädlichen Insek-
ten näher eingeht, hat dem Ref. zur näheren Einsicht nicht
vorgelegen.
Aus demselben Grunde kann nur dem Titel nach ange-
führt werden: E.Emmons, Agriculture of New-York, com-
prising an account of Ihe classification, composition and di-
stribution of the Soils and Rocks and of Ihe climate and
agricultural produclions of the State, togelher with descrip-
tions of the more common and injurious Inseets. Vol. V. The
Insects of New-York. Albany 1854. — Das Werk ist in
Silliman’s American Journal XIX. p. 247 angeführt, wo es
von Le Conte in Bezug auf die darin enthaltenen Coleo-
138 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistangen in d. Entomologie
pteren näher besprochen wird. ‘Aus dem hier Gesagten geht
hervor, dass die Arbeit eine ohne gehörige 'Sachkenntniss
angefertigte Compilation ist, der ein wissenschafllicher Werth
nicht beigelegt werden kann,
Von Bremi wurden: in der „Gartenflora Deutschlands
und der Schweiz“ (auch abgedruckt in’ der Entomol. Zei-
tung p. 313 ff.) einige entomologische Abhandlungen mit be-
sonderem Bezuge auf Garlenkunst verfasst. Sie betreffen ei-
nige. allgemein als schädlich bekannte Insekten, geben Mittel
zur Vertilgung der Blallläuse an die Hand, behandeln die
Verbreitung der ‚Insekten ‚durch Einführung neuer Pflanzen
und das Angreifen ausländischer Gewächse durch: inländische
Insekten.
Kawall stellte (Kurländische landwirthschaftliche Mit-
theilungen XVl. Jahrg. 1555. No. 1V u. 11). ein Verzeichniss
der dem Getreide schädlichen Insekten mit besonderer. Be-
rücksichligung der in Kurland als schädlich nachgewiesenen
Arten zusammen. _Ueberhaupt sind dem Verf. als schädlich
bekannt geworden.: 20, Arten für Roggen, 22 für Waizen,
10 für Gerste und 5 für. Hafer, ‚Von diesen kommen. aber
einerseits einige zugleich auf. mehreren Getreide-Arten vor,
andererseits sind viele. so selten, dass sie für Kurland kaum
als schädlich betrachtet werden können.
Eine Schrift über den Ursprung der Traubenkrankbeit,
die von L. Monier unter dem Titel: „Description du Pedi-
eulus vinealis, cause de l’oidium ‚et traitement de celle ma-
ladie, Paris 8.“ erschienen is, wird von Gu&rin (Revue et
Magasin de Zoologie VII. p. 594) ‚besprochen. Hiernach hält
der Verf. kleine durchsichtige Körperchen, die sich an den
erkrankten Weinstöcken in Menge auf den Blättern vorfinden
und sich bei mikroskopischer Untersuchung als krankhafte
vegelabilische Exsudate herausstellen, irriger Weise für die
Eier eines Insekts, das zugleich massenhaft auf den Wein-
stöcken lebt; dieses wird als Pediculus vinealis beschrieben.
Guerin hat darin junge Poduren-Larven erkannt, die ohne
Frage nur durch jenes Exsudat angelockt werden.
Das Bestreben, zunächst den Umfang der vaterländi-
schen Insektenfaunen festzustellen, oder wo dies bereits ge-
während des Jahres 1855, 139
schehen war, durch periodische Nachlräge dieselben zu er-
gänzen, hat verschiedene nützliche Unternehmungen hervor-
gerufen. Der zoologisch-botanische Verein zu Wien hat als
Beilage zum 5. Bande seiner Verhandlungen einen „Bericht
über die Oesterreichische Literatur der Zoologie, Botanik
und Paläontologie aus den Jahren 1850—53* (Wien 1855. 8.
376 $.) herausgegeben, in welchem der Bereich der Glieder-
thiere von p. 20-56 berücksichtigt wird. Nicht nur alle im
Oesterreichischen Kaiserstaate während der genannten Jahre
erschienenen Arbeiten werden hier angeführt und mehr oder
weniger ausführlich analysirt, sondern es sind auch aus aus-
wärtig erschienenen Werken und Aufsätzen, die auf die Oe-
sterreichische Fauna bezüglichen Notizen ausgezogen und in
systematischer Reihenfolge zusammengestellt. Eine jährliche
Fortsetzung dieser sehr zweckmässigen Berichte wird von
der Redaktion derselben in Aussicht gestellt. — In England
hat H. T. Stainton mit dem ersten Theile seines „The En-
-tomologist’s Annual for 1855, comprising nolices of the new
British Insects detectet in 1854,“ London 1855. 8. ein’ glei-
ches Unternehmen angebahnt; ‚es sind hier bisher nur die
Ordnungen der Lepidoplera, ‚Hymenoptera und Coleoptera
berücksichtigt worden, wahrscheinlich weil sich für die übri-
gen noch kein geeigneter Bearbeiter gefunden hat und das
den Engländern eigenthümliche partikularistische Interesse dem
Einzelnen das Ueberschreiten bestimmter Grenzen verbietet,
Die Lepidoptera sind vom Herausgeber selbst, die Hymenoptera
von F. Smith und die Coleoptera von W. Janson in Angrill ge-
nommen worden, Der erstere giebt eine Aufzählung der seit 1835,
und sodann der im Jahre 1854 in England aufgefundenen neuen Ar-
ten, ausserdem noch Bemerkungen über Britische Tineiden; Smith
verzeichnete die seit Kirby’s Monographie entdeckten Englischen
Apiarien und die nach Shuckard’s Essay aufgefandenen Hymenoptera
fossoria; Janson endlich stellte die seit Stephens’s Systematic Ca-
talogue als Englisch festgestellten Coleopteren zusammen,
Die günstigsten Resultate in Betreff der Feststellung ih-
rer Fauna hat bis jetzt vielleicht die Provinz Preussen er-
zielt, freilich durch die gemeinschaftlichen Bestrebungen der
ausgezeichnetsten Forscher, wie v. Siebold, Zaddach,
Hagen, v. Frantzius u A. darin unterstützt, ı Ein „Sie=
140 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
benter Bericht des Vereins für die Fauna der Provinz Preus-
sen, März 1855“ giebt uns über die in den letzten drei Jah- -
ren gemachten neuen Entdeckungen im Gebiete der ganzen
Zoologie ausführliche Mittheilungen und geht u. a, auch spe-
eiell auf die einzelnen Classen und Ordnungen der Glieder-
thiere ein. Hervorzuheben ist hier zuvörderst ein Verzeich-
niss der dort von Elditt’aufgefundenen Thysanuren, welche,
von Lucas in Paris einer genauen Bestimmung unterworfen,
sich auf 40 Arten belaufen. Von schon früher katalogisirten
Ordnungen sind die Neuropteren mit 5'Hemerobiden und 26
Phryganiden vermehrt, die Zahl der Coleopteren von 2145 auf
2327, die der Dipteren durch’ 39 neu hinzugefügte auf 452
gebracht worden; die Lepidopteren wurden mil 33 Macro-
und 119 Microlepidopteren bereichert.
Haliday gab (Natural history rewiew VI. p. 59.) eine
Aufzählung und Beschreibung bemerkenswerther Insekten,
die neuerlich in der Grafschaft Kerry in Irland aufgefunden
worden sind. Es finden sich darunter mehrere neue Arten,
welche auf einer 'beifolgenden Tafel abgebildet sind. („De-
scriptions of Insects figured and references to plates illustra-
ting the notes on Kerry Inseeis“ by A. Haliday.)
Hogan, Notes on various Inseets captured or obser-
ved in the neighbourhood of Dingle, Co. Kerry, in July 1854
(ebenda p. 50 ff). Eine Aufzählung der interessantesten In-
sekten der genannten Lokalität, nach den verschiedenen Hö-
hen (Meeresküste, submontane und monlane Region) zusam-
mengestellt.
Eine von Christoph in der Entomol. Zeit. gegebene
Notiz über einige im hohen Norden (Baring-Insel und Banks-
Land) beobachtete Insekten verliert dadurch an Interesse,
dass keine genaue Bestimmung der Arten stattgefunden hat;
übrigens ist es allein die Ordnung der Lepidoptera, welche
die Aufmerksamkeit auf sich gezogen hal.
Fuss selzte seine Beiträge zur Insektenfauna Sieben-
bürgen’s durch Aufzählung neuerlich aufgefundener Arten
aus den Ordnungen der Rhynchoten, Orthopteren, Neuropte-
ren, Hymenopteren und Coleopteren fort; wie früher sind
bei den einzelnen Arten Notizen über Vor!iommen, Lebens-
u‘
während des Jahres 1855. 141
weise u. s.W. gegeben. (Verhandlungen und. Mittheilungen
des. Siebenbürger Vereins: zu Hermannstadt VI. Jahrg. p. 20 ff.)
Ueber die Insektenfauna von Malacca und Borneo machte
Wallace einige allgemeine Miltheilungen im Zoologist
p- 4636 und 4803 ff. Sie betreffen hauptsächlich die Ordnun-
gen der Coleopteren und Lepidopleren und unter diesen
auch nur die auffallenderen Formen , welche die Aufmerk-
samkeit der Reisenden zuerst auf sich ziehen.
Coquebert setzte seine „Observations entomologiques
sur divers insecles recueillis ä Madagascar“ in den Annales
de la soc. entomol. Ill. p. 167 ff. mit zwei neuen Abhandlun-
gen „Sur les moeurs des Orycles de Madagascar et sur deux
especes de Scolia, qui vivent au depens des larves de ces
Oryclies“ und „Bombyx de Madagascar, qui fournissent de la
soie“ fort,
Auf Madagascar finden sich mehrere grosse Oryctes-Arten (vom
Verf. in den Annales de la soc. entomol. 1852 beschrieben) , deren
Larven grosse Verwüstungen in den Kokos-Wäldern anrichten; man
findet hier oft Stämme mit armdieken Löchern und mit Hunderten
solcher Larven. (Der Verf. hebt dies besonders im Gegensatze zu
unseren einheimischen Oryctes-Arten hervor, welche nie als Wald-
verderber auftreten ; jedenfalls aber nur aus dem Grunde, weil sie in
der Gerber-Lohe, in Mistbeeten u.s. w. einen willkommeneren Zu-
fluchtsort gefunden haben, als ihn die Bäume, die sie ursprünglich
jedenfalls auch bewohnt haben, gewähren können.) Die Oryctes-
Larven in Madagascar finden an zwei Scolia - Arten mächtige Feinde,
welche sich auf gleiche Weise von ihnen ernähren, wie dies schon
von Passerini bei der Europäischen Scolia hortorum nachgewiesen
worden ist, Die beiden Scolien so wie die Larve des Oryctes Simiar
werden von Coquerel beschrieben und abgebildet.
In der zweiten Abhandlung beschreibt Coquerel drei Bom-
byces, deren Raupen gesellschaftlich auf Leguminosen (Sutria Mada-
gascariensis, Mimosa Lebbek u. a.) leben und zu ihrer Verpuppung
grosse gemeinschaftliche, taschenförmige Gespinnste anfertigen , in
denen wie gewöhnlich die einzelnen Cocons sitzen. Aus letzteren
verferligen die Madagascaresen Stoffe, die sich ebenso durch Glanz
als durch Dauerhaftigkeit auszeichnen sollen.
Derselbe beschrieb in Gu£rin’s Revue et Magasin de
Zoologie VII. p. 365 und 422 ff. drei merkwürdige Insekten-
formen, welche im Innern der Feigen von Ficus terragena
auf der Insel Bourbon leben. Ihre Form ist nach der auf
142 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Taf. 10 gegebenen Abbildung so paradox, dass ihre systema-
tische Stellung vor der Hand noch zweifelhaft gelassen wer-
den muss. Es sind kleine Thiere von 2 bis 3 mill. Länge,
Nlügel- und augenlos, nur mit Mandibeln (?) und mit kurzen
Fühlern versehen, die nur aus drei bis vier Gliedern be-
stehen.
Zwei derselben, welche Coquerel unter dem Namen Apo-
erypta paradoxa und perplexa beschreibt, führen am Ende des nach
hinten sich kegelförmig erweiternden Hinterleibs zwei kiemenähnliche
Anhänge, in welche die beiden grossen Tracheenstämme der Leibes-
höhle zu endigen scheinen. Bei der dritten Art, die Sypoerypta eoeca
genannt wird, ist der Hinterleib an der Basis kugelig und endigt in
einen langen, dünnen Schwanz. Eine Verwandtschaft der letzteren
mit der Gattung Scleroderma Westw., welche der Verf. zu finden
glaubt, existirt nicht im Entferntesten, wie dies nicht nur aus der
ganzen Körperbildung, sondern auch aus der Form der Fühler und
der Mundtheile leicht zu ersehen ist. In Betreff der als Apocrypta be-
schriebenen Form kann es wohl kaum einem Zweifel unterliegen,
dass man es hier mit Larvenzuständen zu thun hat, obwohl Coque-
rel angiebt, dass er während mehrerer Monate keine Veränderung an
den Thieren wahrgenommen habe.
Einzelne Beilräge zur Kenntniss der Insektenfauna des
äqualorialen Süd-Amerika sind in der Esplorazione delle re-
gione equaloriali lungo il Napo ed il fiume delle Amazzoni,
da Gaelano Osculali, Milano 1854 enthalten. Dieselben be-
stehen 1) in einer Aufzählung von Lepidopteren, die bei
Quilo beobachtet wurden (p. 135) ; 2) in einem von Spi-
nola angeferligten Verzeichnisse von Coleopteren und Hyme-
nopteren aus derselben Gegend (p. 202—204) ; unter den-
selben sind 25 Arten als neu bezeichnet, jedoch mit Aus-
nahme einer neuen Malacodermen-Gatlung nicht beschrieben;
3) in einem Verzeichnisse von Dipleren, welche Rondani als
neu erkannt und in den Nuovi Annali delle Scienze Nalurali
di Bologna 1350 beschrieben hat (p. 240). Auf letztere ist
hier ‘besonders aufmerksam zu machen , da die belreffende
Arbeit in dem Berichte über die Entomol. Leistungen des
Jahres 1850 nicht erwähnt worden ist. Eine daselbst von
Rondani aufgestellte neue Tachinarien - Gattung Blepharo-
poda ist hier ebenfalls beschrieben. — Die von Osculati
gesammelten Coleopteren liegen ausserdem noch in speciel-
während des Jahres 1855. 145
ler Bearbeitung von Guerin Meneville im 5. Bande des
zoolog.-botan. Vereins zu Wien vor und sind an ihrem Orte
näher berücksichtigt worden.
Ohne jede wissenschaltliche Bedeutung sind die Mit-
theilungen, welche H. G. Dalton in seiner History of Bri-
tish Guiana, London 1855. Vol. 11. p. 265 ff. über die Fauna
und insbesondere auch über die Gliederthiere dieses Landes
giebt. Ref. glaubt des Werkes überhaupt nur aus dem Grunde
hier erwähnen zu müssen , um ‚den Leser, der darin etwas
vermulhen ‚sollte, vom. Nachsuchen ‚abzuhalten. Abgesehen
davon, dass nur auf die allerbekanntesten und auffälligsten For-
men Rücksicht genommen ist, über welche nicht einmal etwas
Nennenswerthes. nilgetheilt wird, trägt die ganze Abhandlung
so sehr den Stempel der Unkenntniss und Flüchtigkeit, dass
der Verf. gewiss besser gelhan hälle, über den ganzen Ge-
genstand zu schweigen. So z.B; theilt, er gewisse Lamelli-
cornen, wie Celonia , Melolontha u.s. w. hoffentlich nur aus
Versehen den Heleromeren zu, spricht. von Mantis religiosa,
Xylocopa violacea , Grylius campestris ‚als in British Guiana
häußg vorkommenden Arten uss. w.; nicht einmal die Na-
men der bekanntesten ‚Insekten sind richtig wiedergegeben,
und sehr komische Irrthümer, wie z.B. Julius Maximus (statt
Julus) finden sich fast auf jeder Seite,
A manual .of natural history for Ihe use of travellers,
being a description of Ihe families of the animal ’and vege-
table kingdom, by Arthur Adams. London 1854. — Diese
Schrift ist dem Ref. nur aus einer Anzeige in den Procee-
dings of the entomol. soc, p. 6% bekannt geworden; nach
Newman’s Bericht über dieselbe sind 150 Seiten darin der
Entomologie gewidınet.
Eludes entomologiques, redigees par V. de Mot-
schulsky, IV. Annee , Helsingfors 1855. — Sie enthalten
u. a, Nachrichten über die coleopterologischen Sammlungen
von Linne und Fabricius, die ohne Belang sind und
deren Art der Ablfassung wenig Vertrauen auf Zuverlässig-
keil erweckt; sie verbreiten sich übrigens nur über eine
Anzahl von Carabieinen. 2) Synonymische Mittheilungen
über einige Mannerheim’sche und Motschulsky’sche Arten
144 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
(für Liebhaber!). 3) Eine Tafel mit Abbildungen verschiede-
ner Coleopteren, meist 'Seydmaeniden und Pselaphiden, die
auch Namen erhalten haben aber sonst nicht beschrieben
sind. — Man kann hier nur fragen: Wozu soll das Alles ?
Ueber die Entomologische Nomenklatur und ihre Will-
kührlichkeiten hat sich Stein (Entomol. Zeit, p. 289) aus-
gelassen und einige Vorschläge zur Verbesserung besonders
der Gattungs- und Familien-Namen gemacht; z.B. wird für
die auf oowr«, deouu, Teuau. 5. w. endigenden Gallungen ein
consequenler Gebrauch des sächlichen Geschlechts mit Recht
empfohlen. Für die Familien beansprucht er durchweg die
Griechische Endigung ides (Coleoptera) oder idae (Diptera ele.),
was ‚aus dem Grunde nicht angeht, als man lateinischen
Wörtern nicht griechische Endigungen anhängen kann. Da
unsere Nomenklatur lateinisch ist und schon im Alterlhume
Griechische Worte latinisirt worden sind, aber nicht umge-
kehrt, so könnten (die Familien-Namen, falls sie gleichmäs-
sig gebildet werden sollen, nur eine lateinische Endung (also
inae', aceae), erhalten. Uebrigens würden die lateinischen
und griechischen 'Endigungen sehr gut neben einander be-
stehen können, wie'sie ja’auch in der Botanik allgemein an-
genommen worden sind.
Für die Geschichte der Entomologie ist das bereits von
anderen Seiten als vorzüglich anerliannte Werk von J. B.
Meyer „Aristoteles Thierkunde, ein Beitrag zur Geschichte
der Zoologie, Physiologie und alten Philosophie“ (Berlin 1855)
von hohem Interesse. In Betreff der Gliederthiere, welche
hier mit besonderer Vorliebe und Ausführlichkeit behandelt
sind, macht der Verf. die gewiss sehr begründete Ansicht
geltend, dass ein Systematisiren derselben im Sinne der Neu-
zeit dem Aristoteles durchaus fern gelegen habe, und dass
besonders eine beabsichtigte Feststellung von Insekten - Ord-
nungen oder Familien mit Zugrundelegung der Flügel oder
gar der Mundtheile, wie sie ihm von Oken u. a. gleichsam
unlergeschoben worden sei, aus seinen Schriflen nirgends her-
vorgehe. Es würde dies dem Wesen der Aristotelischen
Werke auch gar nicht entsprechen, da sich dieselben nur
mit einer allgemeinen Physik der Thiere, aber nicht mit einer
während des Jalıres 1855. 145
Kenntnissnahme specieller Formen beschäftigen und die lelz-
tere: der Systemalik vorzüglich als Basis dienen muss. In
gleicher Weise tritt der Verf. auch sehr: richlig der voreili-
gen oder unbegründeten Deulung der einzelnen Arisloteli-
schen ‘Arten. entgegen, über ‘die. mit wenigen Ausnahmen
nicht viel Sicheres festgestellt werden kann und die zum gros-
sen Theile gewiss: nur als’ Collektivnamen: anzusehen sind,
wie dies schon aus ihrer geringen ‚Zahl (kaum 80 im ganzen
Insektenreiche) deutlich hervorgeht. ‚ Bei der. durchaus all-
gemein philosophischen Richtung, die. Aristoteles’ Schriften
eharaklerisirt, konnten nur solche Formen seine Aufmerksam-
keit 'auf sich ziehen, welche durch: ihre Beziehung zu der
übrigen ‘Natur, ‘durch ihre: Nützlichkeit, Schädlichkeit, ihr
Zusammenwirken u. s. w. ein näheres Interesse beanspruch-
ten, und wie vortrelfliche Beobachtungen über solche bei ihm
zu finden sind, lässt sich aus den zahlreichen, im vorliegen-
den Werke mit grosser Umsicht excerpirten Stellen leicht er-
sehen.
Coleoptera.
Catalogue of Coleopterous Insects in Ihe collection of
Ihe Brilish Museum. Part VIll. Longicornia Il. London 1855.
by A. White (p. 175—412. Tab. V—X.) — Der vorliegende
Theil ist in gleicher Weise wie der erste (vor zwei Jahren
erschienene) abgefasst, indem er nicht nur die im British Mu-
seum vorhandenen Longicornen verzeichnet enthält und un-
ter diesen für die als neu erkannten Beschreibungen liefert,
sondern auch bei jeder Galtung die überhaupt bisher be-
schriebenen Arten mit Angabe der sie enthaltenden Werke
anfülırt. Er erstreckt sich über die zweite Hälfte der Ceram-
byces genuini und den Anfang der Lamien. Die ganze An-
lage der Arbeit ist nicht von der Art, dass man daran bei
der Beurlheilung einen strengeren wissenschaftlichen Maass-
stab legen könnte; einerseits folgen die allerdings sehr zahl-
reichen und keineswegs leicht aneinanderzureihenden Gal-
lungen der eigentlichen Cerambyeinen in sehr bunler Reihen-
folge und ohne irgend welche Berücksichtigung ihrer nähe-
ren Verwandtschaft auf einander und zweilens ist eine Fest-
Archiv f, Naturgesch. XXIt, Jahrz. 2, Bd, K
146 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
stellung der bisjetzt sehr leicht angedeuteten und meist auf
vereinzelte Arten begründeten Serville’schen Gattungen nicht
vom Verf. vorgenommen worden. Die natürliche Folge da-
von ist, dass einmal oft neue Arten solchen Gatlungen un-
tergeordnet worden sind, denen sie nicht angehöven , und
zweitens neue Gallungen geschaffen worden, deren Charak-
tere gegen die schon bestehenden nicht deutlich hervortre-
ten, in sofern letztere nämlich oft kein abgeschlossenes Ganze
bilden. : Hiervon abgesehen, so hat der Verf. aber auch nicht
einmal den Umfang. der Gruppe richtig: aufgefasst, denn er
lässt eine Reihe von Gattungen ‚ die ihr angehören, die, aber
freilieh von Serville u. a. irrthümlicher Weise z. B. unter
den Lepturen untergebracht worden sind, wie Distenia , Co-
meles, ferner auch Stephanops, Stenoderus, Tessarromma
Newm. (Meropachys Hope) u. s. w. ganz fort. Auch in der
Aufzählung der bis jelzt beschriebenen Arten hat der. Verf,
keine Vollständigkeit erzielt, obwohl "hier der Auslassungen
gerade nicht übermässig viele zu bemerken sind. Die im
Catalog von Dejean und in der Sammlung von Chevro-
lat befindlichen Arten scheint er für hinreichend bekannt zu
halten, indem er sie nur dem Namen nach anführt, und nicht
weiler beschreibt. Was die Beschreibungen der neuen Arten
betrifft, so sind sie meist recht. Ireffend und zur Besliimmung
wohl ‚geeignet; nur muss, man, wie gesagt, eine Art nicht
immer unler der Galtung suchen, welcher sie in Wirklich-
keit angehört. Nicht selten liessen sich die als neu beschrie-
benen. Arten des Verf. auf schon bekannte zurücklühren.
Die für die bekannten Arten zusammengeslellle Synonymie
ist nicht ohne Fleiss, zuweilen aber, doch nicht mit der ge-
hörigen Critik behandelt. — Jede der sechs beifolgenden Ta-
feln enthält neun bis zehn Species recht kenntlich abgebildet
und zwar sind hierzu besonders die Repräsentanten neuer
Gallungen oder sonst ausgezeichnete Arten gewählt worden.
Von Gattungen, welche, hei White sehr verschiedenartige Ele-
mente in sich vereinigen, sind u. a. zu nennen: Rhopalophora (Ce-
ramh. speeiosus und axillaris Klug sind davon auszuscheiden) , Cos-
misoma (muss auf diejenigen Arten beschränkt bleiben, wo das fünlte
Fühlerglied stark gekrümmt und mit einem Haarbüschel versehen, die
vorhergehenden Glieder an der Aussenseite nahe den Gelenken eben-
während des Jahres 1855. 147
falls dicht behaart sind; Disaulax Serv. ist damit zu vereinigen), Or-
thostoma (die Arten mit Haarbüscheln am sechsten Fühlergliede bil-
den eine eigene Gattung Cosmocerus Sery.), Eriphus (auf die Arten
mit kurzen und dicken Fühlern zu beschränken) , Eburodacrys (ent-
hält unter mehreren wirklichen Eburien auch einen Coccoderus), Ma-
lacopterus (enthält einen Eurymerus), Callidiopis (Callidium signiferum
Newm, ist darin fremd) u. s. w. — Von Arten früherer Autoren werden
z.B. vermisst: Cerambyx albicornis Fab. unter Orthostoma, Stenoco-
rus spinicornis Fab. Oliv. unter Elaphidion , Ceramb. varicornis Klug
unter Odontocera, Hesthesis ornata Saund. unter dieser Gattung, ete.
— Unter den als neu beschriebenen Arten fallen mit bereits bekannten
zusammen : Acyphoderes sericinus White = A. aurulentus Kirby var.,
Odontocera chrysozone White — Necydalis fasciata Oliv., Eriphus
plagiatus White — sellatus Buq., Cosmisoma subvirescens White —
C. aeneicolle Er., Malacopterus flavosignatus White = Eurymerus
eburioides Serv., Eburodacrys megaspilota White‘ = Eburia virgo
Newm. ete. — Mit Unrecht als synonym zusammengezogen sind; Rhi-
notragus. marginatus) Perty) und dorsiger Germ., Cosmius ochraceus
Perty und Gosmisoma sceopulicorne Kirby, Trichophorus lippus Germ.,
und flavosignatus Dej. u. a. — Wenn eine grosse Anzahl dem Verf.
unbekannter Arten bei, unrichtigen Gattungen untergebracht ist, so
mag dies eben, wo die blosse Beschreibung wenig Anhalt bot, leicht
zu entschuldigen sein; wo aber treffende Abbildungen vorhanden wa-
ren, wie z. B. bei den Brasilianischen Molorchus - und Stenopterus-
Arten von Klug, hätte eine etwas, eindringlichere ‘Kritik leicht das
Richtige an die Hand gegeben.
Die „Insecta Saundersiana,, or. Characters ‚of undescri-
bed Insects in the collection of Wu. Saunders,“ von denen
in den lelzten Jahren vier Hefle, welche ‚die Beschreibung
neuer Dipteren enthielten , erschienen waren, sind jetzt mit
einem neuen Helte fortgesetzt: worden, in welchem H..Jekel
eine Reihe neuer Arten aus den Familien. der, Bruchiden und
Anthribiden beschrieben: hat. (Inseeta.Saundersiana , Coleo-
ptera. Curculionides Part. l. By Henri. Jekel. London, J. van
Voorst 1855.) Das Hett ist, wie die früheren, mit zwei von
Westwood lithographirten Tafeln ausgestaltet, welche die
interessanlesten der beschriebenen Arlen abgebildet enthalten ;
der Inhalt desselben wird bei den betreffenden Familien näher
berücksichtigt werden.
Von Burmeister’s „Handbuch der Entomologie* ist
nach achtjähriger Unterbrechung die zweite Abtheilung des
148 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
vierten Bandes : (Berlin 1855) erschienen, welche die Bear-
beitung der Phyllophaga chaenochela enthält. Aus der Vor-
rede ersehen wir mit Bedauern, ‚dass der geschälzte Verf.
eine Forlselzung seines Werkes als unwahrscheinlich hin-
stell, um so mehr, als mit der Bearbeitung der letzten noch
übrigbleibenden Lamellicornen-Gruppe eine der umfangreich-
sten und beliebtesten Familien der Coleopteren abgeschlossen
vorläge. Da die Anlage und Ausführung des Werkes aus
den früheren Bänden hinreichend bekannt ist, würde es über-
flüssig sein, hier noch einmal darauf einzugehen. Was auch
an denselben vorzüglich von Seiten der Specifiker im Ein-
zelnen bekritelt worden ist, das Verdienst bleibt dem Verf.
unbestrilten, in der Bearbeitung der Lamellicornen ein Werk
geliefert zu haben, welches in der Gesammtdarstellung so wie
in der geistreichen Auffassung des Einzelnen in seinem Ver-
hältnisse zum Allgemeinen vielleicht unerreicht dasteht. — Der
Inhalt des vorliegenden Bandes ist am gehörigen Orte näher
dargelegt worden.
Von ‚monographischen Arbeiten, welche sich über ganze
Familien oder Gruppen der Coleopteren ausdehnen, sind in
diesem Jahre ferner fortgeselzl oder vollendet worden: 1) de
Marseul, Essai monographique sur la famille des Histerides
(Annales de la soc. entom. de France, Tome Ill.) — 2) Bohe-
man, Monographia Cassididarum mit dem drillten Bande
(Stockholm 1855) geschlossen. — 3) Rhipiphoridum Coleo-
pterorum familiae disposilio syslemalica (Berolini 1855. 4,
cum tab. I) vom Ref. — Alle drei Arbeiten sind an ihrem
Orte näher in Betracht gezogen worden.
Die Genera des Col&opteres d’Europe von Jacquelin
du Val und Migneaux sind mit monatlichen Lieferungen
regelmässig forlgeselzt worden und sind darin nach Been- ||
digung der Familie der Curculioniden die ersten Familien
der Coleopteren , nämlich die Cicindelen , Carabicinen, Dy-
tisciden, Hydrophiliden, Silphen u. s. w. in Angriff genom- |
men worden. Einen näheren Bericht über die Arbeil behalte
ich mir für das nächste Jahr vor.
Von Küster’s „Käfer Europas“ ist dem Ref. bis jelzt
kein neues Heft zu Händen gekommen.
während des Jahres 1855. 149
Von Wichtigkeit für die Kenniniss der Süd-Italienischen
Coleopteren-Fauna ist eine Reihe coleopterologischer Arbeiten
vonA. Costa, welche schon seit mehreren Jahren nach und
nach erschienen, aber erst jetzt unter folgendem Titel in den
deutschen Buchhandel gelangt sind: Fauna del Regno di Na-
poli, ossia Enumerazione di tulli gli animali che abitano le
diverse regione di quesio regno etc., di 0. G. Costa. Co-
leotteri per Achille Costa. Partel.a, con XXIV tavole.
Napoli 1849-54. 4. — Der Verf. hat sich ‘bei der Abfas-
sung seiner Arbeit möglichst freie Hand gelassen, indem er
die Coleopteren-Fauna Neapels nicht in systematischer Rei-
henfolge abhandelt, sondern vereinzelte, meist kleinere Fa-
milien und oft sogar nur millen aus diesen herausgegriffene
Gruppen durch Aufzählung und Beschreibung der darin ent-
haltenen Neapolitanischen Arten veröffentlicht. Der Ausfüh-
rung des Werkes lässt sich eine gewisse Sorgsamkeit nicht
absprechen, eher vielleicht ein Vertrautsein des Verf. mit
seinem Gegenstarde; vor Allem ist hier seine fast gänzliche
Unbekanntschaft mit der Literalur des wissenschaftlichen Eu-
ropa’s zu erwähnen, durch welche die Ausarbeitung in vieler
Beziehung mangelhaft ausfallen musste. In manchen Fani-
lien reicht seine Bekanntschaft mit den Auloren nicht über
Fabricius, Olivier und Latreille hinaus und nur bei
einer, nämlich den Oedemeriten hat eine Durcharbeitung
des Materials nach einer Arbeit der Neuzeit stattgefunden.
Dass somil die als neu aufgestellten Arten des Verf. einer
sorglälligen Critik zu unterwerfen sind und die Synonymie
in vielen Fällen vermehren werden, ergiebt sich von selbst;
auf der anderen Seite wird aber die Süd-Europäische Fauna
durch das vorliegende Werk um eine nicht geringe Anzahl
neuer und zum Theil auch bemerkenswertlher Arten bereichert.
Für die Bestimmung der neuen und die Beurtheilung der
bereits bekannten Arten sind die zahlreichen Abbildungen in
slark vergrösserlem Maassstabe von wesentlichem Nutzen; sie
sind zwar nicht künstlerisch vollendet, aber nichts destowe-
niger meist recht charakteristisch zu nennen. — Da das
Werk Wenigen zugänglich sein dürfte, so gebe ich hier einen
vollständigen Ueberblick über seinen Inhalt und verweise
150 Gerstaecker: Bericht üh. d. Leistungen in d. Entomologie
in Betreff .der Specialien auf die einzelnen Familien, wo ich
über die.neuen Arten nähere Angaben gemacht habe.
1) Uebersicht der Scarabaeidea Neapels (44 pag.): 4 Scarabaeus
(Ateuchus), 2 Gymnopleurus, 1 Sisyphus, 2 Copris, 1 Bubas, 3 Oni-
tis, 3 Oniticellus, 10 Onthophagus. — 2?) Uebersicht der Agestidea
(A pag.): 2 Pentodon. — 3) Pachypidea (!!): 1 Callicnemis (steht
hier jedenfalls sehr am unrechten Orte) und 2 Pachypus. — 4) Tro-
gidea (10 pag.): 3 Trox und 1 Hybosorus. — 5) Geotrupidea (14 pag.):
1 Ceratophyus und 5 Geotrupes. — 6) Cetoniidea (32 pag.): 7 Ce-
tonia, 1 Aethiessa, I Oxythyrea, 1 Tropinota, — 7) Trichiidea (16, pag.):
1 Osmoderma, 1 Valgus, 2 Trichius, 2 Gnorimus. — 8) Lucanidea
(12 pag.)« 1 Lucanus, 1 Dorcus, 1 Platycerus, 1 Sinodendron. — 9)
Mordellidea (32 pag.): 1 Myodites, 2 Emenadia, 1 Tomoxia, 7 Mor-
della, 5 Mordellistena, 1 Natirrica, 7 Anaspis, 2 Plesianaspis. — 10)
Oedemeridea (36 pag.): 1 Sparedrus, 1 Nacerdes, 1 Anoncodes, 1
Asclera, 11 Oedemera, 1 Oedemerina und 1 Stenostoma. — 11) Sal-
pingidea (12 pag.): 1 Mycterus, 1 Salpingus und 2. Rhinosimus, —
12) Coceinellidea (112 pag.) und 13) Endomychidea (16 pag.), die
beiden letzteren Familien schon im Jahresberichte über 1850 be-
sprochen.
Die Coleopteren-Fauna Schwedens wurde durch meh-
rere kleine Arbeiten von Thomson in der Öfversigt of
Kongl. Vetenskaps Akademiens Förhandlingar p. 193 , 317
und 335 ff., welche einzelne Familien und Gallungen behan-
deln, zur näheren Kenntniss gebracht. (Siehe Staphylinidae,
Trichopterygii und Cyphonides!)
Die von Klug und dem Ref. unternommene ‚Bearbei-
tung der von Peters in Mossambique aufgefundenen Co-
leopleren ist nunmehr beendigt und ‚die Diagnosen der bis
jetzt noch nicht veröffentlichten neuen Gattungen und Arten
in. den Monalsberichten der Akademie der Wissenschaften
1855. p. 83, 265 u. 5. w. abgedruckt worden. Die daselbst
charakterisirten Arten gehören den Familien der Bupresten,
Elateren, Malacodermen,, Clavicornen, Lamellicornen , Xylo-
phagen, Cureulionen, Longicornen und Chrysomelinen an.
Einige aus Mossambique stammende Arten sind auch
wieder von Bertoloni in seiner „Ilustrazione dei prodolli
nalurali del Mozambico, Dissertazione V.“ (Memorie dell’ Aca-
demia delle Scienze .dell’ Instituto di Bologna „ Vol. Vl., un-
ter obigem Titel übrigens auch im Separatdruck erschienen,
während des Jahres 1855. 151
Bologna 1856), beschrieben werden. ‚ ‚Obwohl diese. Arbeit
eigentlich erst dem nächsten: Jahresberichte angehört, mag
sie. der besseren Uebersicht wegen zusammen mil: der vori-
gen in Belracht gezogen werden, zumal da einige Arlen in
beiden gleichzeitig publieirt worden sind. Aus den äusserst
weitschweifigen Beschreibungen ‚des Verf. , welche zugleich
einen ‚gänzlichen‘ Mangel jeder Sachkenntniss zur, Schau ira-
gen, wäre: übrigens. eine Bestimmung,.der Arten unmöglich,
wenn dieselben nicht auf zwei beigegebenen Tafeln, die frei-
lich ebenfalls Viel zu wünschen übrig lassen, abgebildet
wären. ‘
Notes sur ‚quelques nouvelles ‚espöces de ‚Col&opteres,
qui habitent les possessious: frangaises. du nord de l’Afrique,
par Lucas. (Guerin Revue et Magasin de Zoologie VII.
p- 290 ff.) — Die hier beschriebenen: Arten gehören den La-
mellicornen, Tenebrioniten und Cureulionen an.
Description de quelques Col&oplöres nouveaux d’Europe
et du nord de l’Algerie, par L.Fairmaire (ebenda p. 107 f.):
Dieselben Arten, welche. hier nur kurz diagnoslieirt sind,
werden in den Annales de la soeiete enlomol,. de. France Ill.
p- 307—322 ausführlicher beschrieben und zum, Theil auf
schon bekannte zurückgeführt. (Reelifications et descriplions
d’especes nouvelles de Coleopleres ‚de la faune mediter-
rande,) i
Especes nouvelles ou peu connues ‚de Coleopteres, re-
eueillies par F, de Sauley. dans son ‚voyage en orient et
deerites par L. Reiche et F. de Sauley. (CAnnales de la
soc. entomol. de France Ill. p. 561-645, mit Taf. 22.) —
Die neuen Arten, welche das im vorigen Jahre erschienene
Verzeichniss der von de Saulcy im Orient gesammelten
Coleopteren darbot, werden hier mit Einschluss einiger noch
weniger lesigeslellten älteren Arten sorgsam beschrieben und
zum Theil auf der beifolgenden Tafel abgebildet. Bis jetzt
sind die Familien der Carabieinen und Dylisciden abgehan-
delt worden.
Für Nord-Amerika fährt J. Le Conte durch Bearbei-
tung neuer Familien und Galtungen der Coleopleren eifrig
fort, die dortige Fauna zu erläulern, . Die diesjährigen Pro-
152 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
ceedings of Ihe academy of natural sciences of Philadel-
phia Vll. bringen Arbeiten über die Familien der Hydrophili-
den, Lalhridier und Pyrochroiden, so wie über die Gattungen
Amara und Hydroporus. (Siehe diese!)
Descriptions of a few species of Coleoptera supposed
to be new, by Ph. Uhler. (Proceedings of the academy of
nalural sciences of Philadelphia VII. p. 415 ff.) Die hier be-
schriebenen Arten sammen sämmtlich aus Nord-Amerika.
Catalogue des Inseetes Col&opleres, recueillis par M.
Gaetano Osculati pendant son exploration de la region
equatoriale, sur les bords duNapo el de ’Amazone, par Gu &-
rin-Meneville, (Verhandlungen des zoolog.-botan. Ver-
eins zu Wien, Bd.V. p.572—612.) — Eine Aufzählung von
407 Coleopteren in systemalischer Reihenfolge nebst Beschrei-
bung der darunter befindlichen neuen Arten; von den be-
reits bekannten fiel ein grosser Theil mit den von Erich-
son in seinem Conspeclus Insect. Peruan. und vonLatreille
in v. Humboldt’s Recueil d’observations ete. beschriebenen
zusammen. — Die Namen der neuen Arten sind bei den ein-
zeinen Familien angeführt worden.
Descriptions de dix especes nouvelles de Coleopteres,
reeueillis dans Ja republique Doniinicaine, par A. Salle (An-
nales de la sociele entomol. de France Ill. p. 363 ff.) Die-
selben gehören den Familien der Elateriden , Cureulioniden
und Cerambyeiden an.
Einige neue Arten aus Venezuela wurden von de Ro-
jas in Guerin’s Revue et Magasin de Zoologie VII. p. 160
sehr kurz und unzulänglich charaklerisirt.
Einen grossen Reichthum an Beschreibungen neuer in-
ländischer sowohl wie ausländischer Käfer-Arten enthält der
im Jahre 1855 erschienene zweite Theil der Annales de la so-
eiel€ Linneenne de Lyon. Die Verfasser derselben sind Mul-
sant, Perroud, Godart, Guillebeau u.a. Zum gröss-
ten Theile sind es Beschreibungen einzelner neuer Arten,
welche, da sie gewöhnlich von zwei Autoren in Compagnie
verfasst sind, auch eine diesem Umstande entspreehende
Länge (oft von vier bis fünf Seiten) erlangt haben, ohne
dass man ihnen dabei eine besondere Güle zuerkennen könnte;
während des Jalıres 1855. 153
die den Beschreibungen vorangeschickte sogenannte Diagnose
ist in der Regel schon allein lang genug, um die Charaktere
der Art zu enthalten, und ist daher entweder sie selbst oder
die darauf folgende eigentliche Beschreibung überflüssig. Die
Verf. scheinen hier mit der Quantität die Qualität aufwägen
‚zu wollen, was jedoch für denjenigen, der eine Art bestim-
men will, ein sehr übles Ding ist.
Gehin, Coleopteres nouveaux ou peu connus. Premiere
decade, Buprestiens. (8. pl. col.) ist dem Ref. nur aus einer
Anzeige im Bullet. de la soc. entomol. Ill. p. CXIX bekannt
geworden.
Perris beschrieb (Bulletin dela soc. entomol. de France
II. p. LXXVIT u. ff.) sieben neue im Departement des Landes
von ihm aufgefundene Coleopteren.
Calalogus Coleopterorum Europae. Herausgegeben vom
entomologischen Verein zu Steltin. 5le Auflage. Stettin 1855.
Diese neue Ausgabe ist von €. A. Dohrn besorgt und sind
in derselben die neuerdings hinzugekommenen Entdeckungen
sorgsam nachgelragen. Die „Genera incertae sedis“ hätten
wohl ohne Schaden etwas mehr reducirt werden können, da
z. B. über die richtige Stellung von Leiestes unter den
Endomychiden, von Pyenidium (= Oochrotus Luc.) unter den
Tenebrionilen u. s. w. kein Zweifel bestehen kann.
Als Beiträge zur geographischen Verbreitung der Eu-
ropäischen Käfer sind folgende Lokalfaunen zu erwähnen:
1) Gobanz: Zur Coleopterenfauna der Steiner Alpen
und des Vellachthales (Verhandl. des zoolog.-botan. Vereins
zu Wien V. p.733 ff.) gab ein Verzeichniss der von ihm im
südöstlichen Kärnthen aufgefundenen Käfer. Die Dürftigkeit
desselben spricht sich leieht in folgenden Gattungen aus:
2 Amara, 4 Hydroporus, 1 Anisotoma , 1 Catops, 4 'Ceuto-
rhynchus, 4 Apion, 4 Hallica u. s.w. Nichts desto weniger
glaubt der Verf. daraus ergiebige Schlüsse für die Abhän-
gigkeil der Fauna von der Gebirgsformalion ziehen zu
können. (!)
2) Clasen setzte (Archiv des Vereins der Freunde der
Naturgeschichte in Mecklenburg , 9. Heft p. 116—157) seine
vor zwei Jahren begonnene Uebersicht der Käfer Mecklen-
154 Gerstaecker; Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
burgs einerseits mit Aufzählung der Curenlionen, 'anderer-
seits mit Nachträgen zu den schon früher behandelten Fa-
milien fort. Die Familie der Curculionen, ‚bis zu deren Schluss
das Verzeichniss 1454 Arten enthält, ist in Mecklenburg. recht
reichhaltig vertreten und enthält ausser: mehreren dem See-
strande eigenthümlichen Arten (Apion difforme, Oliorhynchus
alroapterus u. a.) auch einige der Mark «Brandenburg feh-
lende Gattungen, wie Barynolus, Tropiphorus, Molytes. Reich
ist u. a. die Gattung Phylobius (8 Arten ‚und diese meist
häufig); von selteneren. Arten der. ‘früheren. Familien: sind
neuerdings aufgefunden worden: Phloeostichus denticollis,
Ptinus 'hololeueus, Choragus Sheppardi u.a.
3) Endrulat gab (Entomol. Zeit. p.. 185) einen Nach-
trag zu seinem Käfer - Verzeichniss der Nieder-Elbe ‘durch
Aufzählung einer Reihe nachträglich bei Hamburg aufgefun-
dener Arten.
4) Zu Zebe’s Synopsis der deutschen ‚Coleopteren-
Fauna gaben Schmidt - Goebel mil besonderem Bezuge
auf das Vorkommen einer Reihe von Arten in Böhmen, und
Kriechbaumer durch Bemerkungen über die in der Schweiz
und Süd-Deulschland einheimischen Cieindelen , Nachlräge.
(Entomol. Zeit. p. 212 u. 214).
5) Catalogue des inseetes Coleopteres du canton de
Saint-Sauyeur en Puisaye (Yonne) par Robineau-Des-
voidy, 1854—55. 8. ist dem Ref, ‚nur jaus einer Anzeige iu
Guerin’s Revue et Magasin de Zoologie VIL, p. 540 bekannt
geworden. Nach dem daselbst gegebenen Berichte, enthalten
die bis jetzt erschienenen Fascikel eine Aufzählung ‚der Lon-
gicornen, Donacien, Clythren, Crioceriden , :Galerucarien,
Eumolpiden und Hispiden und sind die einzelnen Arten mit
Notizen über Fundorte, Nahrungspflanzen u. s. w. versehen.
6) Deiaplace, Calalogue «des Colöopteres du depar-
tement des Hautes- Alpes (8. 48 pag.) ist in Zuchold’s Bi-
bliolheca hist. - nat. angezeigt, dem Ref, aber nicht zuge-
kommen.
Seriba theilte (Entomol. Zeit. p. 295) mit, dass er in
Tabaksballen aus Venezuela, die er seit mehreren Jahren zu
untersuchen Gelegenheit nahm, bereits über 200. verschiedene
während des Jahres 1855, 155
Käfer-Arlen gefunden habe. Die unter denselben befindlichen
Staphylinen, 23 an Zahl, zählte er daselbst auf und beschrieb
die bisher noch unbekannten Arten. (Siehe diese Familie!)
Cicindeletae. Die sich schon längere Zeit ‚hinziehende
Diskussion über die Identität der Cieindela Ritchii Vig. und Audouini
Barth., so wie über die neuerlich hinzugefügte Cic. Peletieri, ist von
mehreren Seiten: in.den Annales de la.soc. entom. III. und in Gue-
rin's Revue et Magasin de Zoologie VII. fortgesetzt und endlich durch
Truqui (Note pour servir ä la distinction et a la synonymie des
Cieindela Ritchii et Peletieri) in der letzt erwähnten Zeitschr. p. S6 ff.
durch eine mit grosser Präcision angestellte Untersuchung und eine
Zusammenstellung und Würdigung aller über die Streitfrage beige-
brachten Ansichten erledigt worden. Zu Cicind, Ritchii Vig. (mit lang-
gestrecktem Körper, bis zur Spitze grob punktirten Flügeldecken,
gelben Lippentastern und erweiterten Endgliedern der Fühler in bei.
den Geschlechtern) gehören als Synonym: C. Audouini Barth., Ghil.,
Laphyra Audouini Dej. Lac. und. Cicind. Ritchii Westw. Dagegen
sind zu Cie, Peletieri (mit nur an der Basis punktirten Flügeldecken,
kürzerem Körper, einfachen Fühlern und schwarzen Lippentastern),
welche schon im J. 1847 von Lucas als eigene Art erkannt und
beschrieben wurde, heranzuziehen: Cic, Ritchii Erichs. Ghil. Lucas
(Explor. de l’Algerie) und Lacordaire (Rev. zool.). — Auf diese
Auseinandersetzung erwiderte, Reiche (ebenda p.156), ‚dass unter
einer grösseren Anzahl von Exemplaren der Cie. Ritchii Vig. sich
ebenfalls mehrere mit einfachen Fühlern befunden hätten und dass
also bei dieser Art die Form der Fühler kein sicheres Merkmal zur
Unterscheidung abgebe. Bei Ansicht dieser Exemplare erkannte je-
doch Trugui darin eine dritte Art, die zwar der Cic. Ritchii sehr
ähnlich, aber in beiden Geschlechtern durch einfache Fühler und kür-
zere Tarsen charakterisirt sei. Gu&rin beschrieb diese Art (ebenda
p- 254) unter dem Namen Cie. Truguü; sie steht zwischen den beiden
oben genannten Arten in der Mitte, indem sie mit C. Ritchii die lang-
gestreckte Körperform, die gelben Lippentaster und die Punktirung der
Flügeldecken, mit C. Peletieri die einfachen Fühler gemein hat.
Mehrere neue Arten sind von Chaudoir in seinen Memoires
sur la famille ‚des Carabiques (Bulletin de la soe. imp. des nat. de
Moscou XXVII. 1. p. 112 ff.) beschrieben worden; sie gehören eigent-
lich schon dem vorigen Jahresberichte an, wo sie durch Versehen
des Seizers ausgelassen sind. Es sind folgende: Cicindela. lacerata
von Florida (mit C. marginata Fab. nahe verwandt), albicans und
semicincla von der Moreton-Bay in Australien, olivaces von Cuba,
amoenula vom Amazonenstrome, misella aus Columbien, egena vom
Amazonenstrome, (grösser als C, acompsa Chaud,, von der zugleich
156 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
das Männchen beschrieben wird), papillosa. aus Mexico und Mega-
lonıma flavicans von der Moreton-Bay; letztere Art würde zu Disti-
psidera Westw. gehören, welche Chaudoir mit Megalomma verei-
nigt. — Ausserdem giebt der Verf. über einige von Le Conte auf-
gestellte Arten Nachricht; u. a. zieht er ©. sigmoidea Le €. als Va-
rietät zu C. trifasciata Fab. und C. cuprascens Le C. als Varietät zu
C. blanda.
Dietrich (Entomol. Zeit. p. 334) findet in der verschiedenen
Form der Oberlippe ein sicheres Unterscheidungsmerkmal für die ein-
heimischen Cicindelen - Arten; er beschreibt diese Unterschiede bei C.
sylvicola, riparia und chloris, welche letztere er von C. sylvicola für
specifiech verschieden hält (was indessen nicht der Fall ist).
Carabicini. Chaudoir hat (Bulletin de la soc. imp. des
naturalistes de Moscou Ann&e 1855. No.]. p. 1—110) seine „Memoires
sur les Carabiques“ mit einem fünften Theile fortgesetzt, in welchem
er eine Zergliederung der bisherigen Gattung Scarites in mehrere
vornimmt. Nach Vorwegnahme der Gattung Scaraphites M. Leay, de-
ren Namen er in Scariphites umändert, stellt er die bisher unter Sca-
rites vereinigten Formen als Gruppe Scaritidae mit folgenden Cha-
rakteren hin: „Ligula retracta, pone menti dentem abscondita, eius-
demque paginae superiori arcte adhaerens, valde concava, postice
hispida, utrinque in dentem setigerum producta; paraglossae barbatae,
angustae, ligulam longe superantes.“ Die zehn Gattungen, welche
der Verf, bildet, zerfallen in solche, bei denen die Maxillen an der
Spitze abgestumpft, und in solche, wo sie spitz und mit Haken ver-
sehen sind. Bei ersteren sind die Mandibeln innen gezähnt (Oxy-
lobus n.g., Geoscaptus n. g., Ochyropus Schiödte,, Cryptoscaphus n.g.
und Haplotrachelus n. g.) oder crenulirt (Dyscherus n. g. und Stor-
Ihodontus n. g.). Bei Oxylobus ist das vorletzte Glied der Lippen-
taster kurz, bei den vier folgenden Gattungen dagegen verlängert;
Geoscaptus und Uchyporus kommen darin überein, dass das letzte
Glied der Vordertarsen verlängert ist, bei Cryptoscaphus und Haplo-
trachelus dagegen erscheint es kurz; im Uebrigen unterscheiden sie
sich dadurch, dass der Thorax bei den einen hinten gezähnt, bei
den anderen unbewaffnet ist. Dyscherus und Storthodontus werden
nach der Verschiedenheit der Lippentaster festgestellt, die bei erste-
rer Gattung dick und kurz, bei letzterer dünn und lang sind. — In
der zweiten Abtheilung mit spitzen Maxillen ist bei Crepidopterus
n. g die Oberlippe gross und abgeflacht, bei Taeniolobus n. g. und
Scarites sens. striet. sehr kurz und uneben. Die beiden letzten Gat-
tungen unterscheiden sich wieder dadurch, dass bei Taeniolobus das
vorletzte Glied der Maxillartaster kurz , bei Scarites ebenso lang als
das letzte ist. — Unter der Gattung Uxylobus werden drei neue Ost-
indische Arten, unter Geoscaptus eine einzelne chenfalls neue ‘Ostin-
während des Jahres 1855. 157
dische Art beschrieben ; Ochyropus ist auf O. gigas Schiödte (= Feist-
hamelii Laferte) vom Senegal beschränkt. Cryptoscaphus ist auf Scar.
subeylindrieus Laf. gegründet, welchen Namen der Verf. in C. bino-
tatus umändert. Zu Haplotrachelus gehören ausser Scar. ovipennis
Chaud. vier neue ebenfalls vom Cap stammende Arten; Dyscherus
ist auf Scar. costatus Klug von Madagascar ‚, Storthodontus auf zwei
neue ebendaher stammende Arten gegründet. ‚Zu Crepidopterus gehö-
ren von bekannten Arten Scar. Goudotii Guer. (= cephalotes: Klug)
und eribripennis Chaud.; eine dritte Art ist neu. Taeniolobus um-
fasst 21 Arten, von bekannten z. B. Scar. planatus Dej., laevicollis
Dej., corvinus Dej. u. a., Scarites endlich 61 Arten, darunter zahl-
reiche neue. Von den Arten früherer Autoren sind dem Verf. 28 un-
bekannt geblieben, welche er am Schlusse seiner. Arbeit namhaft
macht. — So weit der Inhalt der Arbeit, deren Ausführung im Einzel-
nen Ref. die vollste Anerkennung zollt. Was jedoch die vom Verf,
aufgestellten Gattungen betrifft, so kann ich von den mir bekannten
keine einzige als solche anerkennen, indem ich für eine Gattung
wesentliche Unterscheidungsmerkmale beanspruchen muss, d. h.
solche , wie es die von Chaudoir benutzten nicht sind. Was die
stumpfe oder spitze Endigung der inneren Maxillarlade betrifft, so
werden durch dieses Merkmal die habituell. übereinstimmendsten Ar-
ten, wie die unter Dyscherus und Crepidopterus gestellten (alle von
Madagascar) von einander unnatürlich getrennt. Zwischen den „Man-
dibulae dentatae“ und „crenulatae“ ist oft eine so geringe Differenz,
dass man nicht weiss, welcher von beiden Abtheilungen eine Art zu-
ertheilen; da diese beiden Eigenschaften aber sogar einmal auf die
verschiedenen Geschlechter derselben Art (Ochyropus gigas Schiödte)
fallen, so erscheint ihre Bedeutung um so misslicher. Dass der
„Thorax postice muticus“ und „dentatus® noch viel veniger von Be-
lang ist, leuchtet schon aus der doppelten Wiederkehr in je zwei
Gattungen ein, und wie man „etwas längere und dünnere“ Palpen
von „etwas dickeren und kürzeren“ unterscheiden soll, weiss ich
ebenfalls nicht. Der Verf. hätte also die zehn neuen Gattungsnamen
ersparen können, olıne seiner Arbeit dadurch irgend etwas von ihrem
Werth zu rauben.
Eine beträchtliche Anzahl neuer Carabicinen aus dem Orient
ist vonL.Reiche und F. de Saulcy (Annales de la soc. entom. III.
p- 561 ff, beschrieben worden: Leistus abdominalis aus Palästina, Pro-
erusies punctulatus von Syra, Calosoma punclivenire von Morea, Cy-
mindis tabida und pallida aus Palästina, corrosa von Damascus, si-
nuata vom Peloponnes; Iscariotes n. g. fast von derForın eines Dro-
mius, von dieser Gattung durch einfache Klauen unterschieden; an
den langgestreckten Fühlern ist das dritte Glied länger als das
erste. Art: I. Hierichonticus von Jericho und dem todien Meere, —
158 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Dromius mutabilis von Beirut (auch von Alexandria), virgalus aus
Palästina, Lebia arcuata aus Palästina, Coptodera plagiata von Beirut,
Brachinus Sichemita vom Jordan, Berytensis von Beirut, hebraicus von
Nablus , Siagona longula, Ditomus bucidus, Samson, cribratus, Aristus
perforatus sämmtlich aus Palästina, Pachycarus aculeatus von der In-
sel Syra, Chaudoirii von Athen (von P. cyaneus durch kürzeren, ge-
drungeneren Bau und den Mangel eines: Zahnes am Kinn unterschie-
den, Licinus Hierichontieus und Chlaenius palaestinus vom Jordan,
Pristonychus parallelocollis und nigritus von Beirut, Anchomenus ap-
prozimatus ebendaher, Olisthopus orientalis aus Griechenland, minor
ebendaher und aus Syrien, Feronia eyanella, Bonvoisini, languida,
puncligera vom Jordan, graeca von Athen, minuta vom Peloponnes,
(anhangsweise wird Argutor neapolitanus als neue: Art beschrieben),
longula, Berytensis von Beirut, praelonga und fuscicornis vom Jordan,
rebellis vom Peloponnes, Zabrus tumidus aus Griechenland, Damasce-
nus aus Syrien‘, helopioides von Nablus, longulus vom Peloponnes,
Opkonus violaceus von Beirut, cribrellus von Damask, Harpalus Cai-
phus und pharisaeus aus Palästina, Bembidium guttigereum vom Beirut,
rugieolle von Jerusalem, lueidipes: vom Jordan. — Ausser diesen neuen
Arten werden noch einige von Klug in den Symbol. phys. und von
Chevrolat in der Rev. de Zool. 1554 aufgestellten von Neuem
beschrieben.
Le Conte hat unter dem Titel: „Notes on the Amarae of the
United States (Proceed. of theacad. of nat. scienc. of Philadelphia VII.
p- 346— 356)“ eine Bearbeitung der Nord-Amerikanischen Arten der
Gattung Amara unternommen. Für die Abgrenzung von Gruppen hat
der Verf. jetzt die von Zimmermann benutzten Unterschiede ange-
nommen, nur dass er die Untergattung Percosia als nicht hinlänglich
verschieden mit Celia vereinigt. Zwei von ihm früher als Curtonotus
laevicollis und elongatus beschriebene Arten werden hier unter Lei-
rus, Isopleurus hyperboreus und septemtrionalis unter Bradytus, seine
Untergattung Triacna unter Amara sens. striet., mehrere Acrodon-Ar-
ten endlich unter Celia aufgeführt. Veberhaupt ist die Arbeit in sy-
nonymischer Hinsicht von besonderer Wichtigkeit, imdem durch Ver-
gleich typischer Exemplare verschiedener Autoren manche Zusammen-
zieliung, so wie andererseits auch manche Feststellung bisher zwei-
felhafter Arten stattgefunden hat. Aus eigener Anschauung sind dem
Verf. im Ganzen 49 Nord-Amerikanische Arten bekannt geworden und
diese hier gründlich auseinandergesetzt. Sie vertheilen sich auf die
Zimmermann’schen Abtlieilungen, welchen der Verf, mit Recht den
Gattungswerth absprieht, folgendermassen:: Leiocnemis 1 Art (Zabr.
avidus Say = Am, confinis Dej.); Leirus 10 Arten, darunter neu:
A. lacustris, Jacobina und stupida; Bradytus 5 Arten, darunter A. Ore-
gona neu; Amara 17 Arten, davon neu: A. longula mit dreispaltigem
während des Jahres 1855. 159
Dorn an den Vorderschienen, und A. inepta, crassispina, conflala,
subpunetala mit ungetheiltem Dorne; Celia 16 Arten, davon neu: 4.
farcta , harpalina und rectangula. Von mehreren bereits früher be-
schriebenen Arten mussten ausserdem die Namen geändert werden,
da dieselben irriger Weise mit anderen identificirt worden waren.
Zwei prächtige neue Arten der Gattung Carabus sind: €. coe-
lestis Stewart aus Clıina, mit C smaragdinus und Lafossei in Form und
Sceulptur nahe verwandt (Annales de la, soc. entom. Ill. p. 75. Abbil-
dung auf Taf. 7) und €. Olympiae Sella aus Piemont, nach der Abbil-
dung aus der Verwandtschaft des C. Hispanus und Adonis, vom Verf.
jedoch dem C. purpurascens gegenübergestellt, (Revue et Magasin de
Zoologie p. 469. Taf. 11).
Fernere neue Arten sind: Apiodera elegans und Agra Osculatii
Guerin vom Amazonenstrome (Verbandl. d. zoolog.-botan, Vereins zu
Wien V.), Leistus crenatus Fairmaire von Sicilien und Pristonychus
melittensis Fairmaire von Malta (Revue et Magas. de Zool. p, 107 und
Annales de la soc. entom. Ill. p- 307), Oodes gracilior Fairm. aus
Frankreich, dessen nochmalige ausführlichere Beschreibung von Lam-
bert in den, Annales de la soe. Linneenne du Depart. de Maine, et
Loire J. p. 197 mitgetheilt wird; Zeistus Revelierii Mulsant et Guille-
beau aus Corsica (Annales de la soc. Linn&enne de Lyon Il. p. 157);
Harpalus seriatus Mulsant et Godart aus der Krim (ebenda p. 261).
Jaequelin du Val hat inden Annales de la soc. entomol. Ill.
p- 647-675 einen längeren »Aufsatz veröffentlicht, der als Nachtrag
zu seiner Monographie der Bembidien dient. Er antwortet darin zu-
nächst auf die Schaum’sche Critik seiner Arbeit und begründet noch.
mals die von ilım aufgestellte Synonymie einzelner Arten. Ferner
bespricht er einige in Dawson’s Geodephaga britannica und Fairmaire
et Laboulbene’s Faune frangaise enthaltene Bembidien, und endlich
trägt er die Beschreibung der in seiner Monograpbie nicht entbalte-
nen (meist von Russischen Autoren aufgestellten) Arten nach. Da
die Einzelnheiten der Arbeit ohne näheres Interesse sind, erscheint
ihre weitere Erörterung hier nicht am. Orte.
Schiödte hat in einer Abhandlung betitelt: „Om Slaegten
Broscosoma Kosenh. og dens Forhold til den nordiske Form Misco-
dera Eschscl.“ (Kongel. Danske Videnskabernes Selskabs Förhandlin-
ger 1555. p. 351 1.) die nahen Beziehungen zwischen Broscocoma und
Lioehiton (Miscodera) erörtert und besonders auf die grosse Achn-
liehkeit in der Bildung der Unterlippe (auf p. 355 von beiden Gat-
tungen im Holzschnitt dargestellt) aufmerksam gemacht; er will beide
als Arten einer und derselben Gattung (Miscodera) vereinigt. wissen.
Blindestens ist die weit getrennte Stellung beider Formen in keiner
Weise gerechtfertigt.
160 Gerstaecker: Bericht ülı. d. Leistungen in d. Entomologie
Suffrian hat die Deutung des Linne’schen 'Carabus granulatus
nebst der von Linn& als Varietäten dazu gezogenen Arten nochmals
einer umsichtigen und ausführlichen Besprechung in. der Entomolo-
gischen Zeitung p. 146 ff. unterworfen.
Nach Fairmaire (Annales de la soc. entomol. II. p. 307 M.)
ist Pterostichus alpicola Mulsant mit Pt. Hagenbachi Sturm identisch.
Dytiscidae. Le Conte hat in den Proceedings of the
acad. of natural sciences of Philadelphia VII. p. 290—299 sämmtliche
ihm bekannte Nord- Amerikanische Hydroporus-Arten in einer analyti-
schen Tabelle zusammengestellt und zugleich eine grössere Anzahl
neuer Species beschrieben. (Analytical table of the species of Hydro-
porus found in the United States, with descriptions of new species.)
Mit Einschluss der dem Verf. aus eigener Anschauung nicht bekannten
Arten sind bis jetzt im Ganzen 82 aus den Vereinigten Staaten be-
kannt geworden, in der vorliegenden "Tabelle aufgenommen 73; sie
werden von Le C. zwölf Gruppen zuertheilt, für welche die allge-
meine Körperform, die vorhandenen oder fehlenden Eindrücke des Tho-
rax, die Form und Rundung des Kopfschildes u. s. w. benutzt wer-
den. Die schon früher von Say, Melsheimer, Aube, Kirby
und dem Verf. selbst beschriebenen Arten werden nur in der Tabelle
aufgeführt, wo ihre Charaktere analysirt sind; über einige derselben
werden nachträglich noch Bemerkungen mitgetheilt und hier zu-
gleich die neuen Arten beschrieben. Die Namen der letzteren sind:
Hydroporus faretus von Massachusetts, acaroides von lllinois und; Ken-
tucky, granum, pullus und inconspicuus aus Louisiana, flavigollis von
New-York, seitulus vom Oberen See, venustus aus Nord - Carolina,
spurius von Vermont, semirufus von Nebraska, lineolatus aus Illinois,
viltatus von Nebraska, vitiosus aus lllinois, sublonsus vom Oberen See,
collaris ebendaher, concinnus von Nebraska, pulcher von Alabama,
difformis aus Georgien, turbidus aus Massachusetts, palruelis von Ne-
braska, nubilus von.Illinois, discoideus von Fort Laramie und mellitus
von Vermont.
Von Reiche und de Saulcy (Annales de la soc. entom. Il.
p- 637 ff.) wurden folgende neue Arten beschrieben: Cybister Jorda-
nis und Hydatieus fusciveniris aus dem Jordan, Noterus converiusculus,
Hydrocanthus diopkihalmus, Hydroporus laeviventris und exornalus' aus
Bächen in der Umgegend Beirut's.
Ueber die in England einheimischen Arten dieser Familie wur-
den mehrere Mittheilungen im Zoologist for 1855 gemacht: Von
Clark „Notes on certain British Hydrocantharidae“ (p. 4769 M.) und
„Synonymie List of‘ the British Carnivorous Water Beetles, together
with critical remarks and notices of foreign allied species.“ (p. 4846 ff.)
Letztere Uebersicht enthält: 6 Dytiscus, 1 Cybister, 1 Pelobius, 2 Aci-
während des Jahres 1855. 161
lius, 4 Hydaticus, 7 Colymbetes, 6 llybius, 19 Agabus, 2 Noterus,
2 Laccophilus, 1 Hyphydrus, 1 Unemidotus, 46 Hydroporus, 11 Hali-
plus, (5 Gyrinus und 1 Orectochilus). — An diese Aufzählung schloss
Curtis (p.4916 ff.) eine Reihe von Bemerkungen, welche sowohl
synonymische Erörterungen als Angaben über das Vorkommen mch-
rerer Englischer Arten enthalten. —]Von Wollaston ist Hydropo-
rus elongatulus Sturm auch in England aufgefunden worden (ebenda
p- 4655).
Kawall (Entomol. Zeit. p. 228) glaubt Hydroporus umbrosus
Gyll. und tristis Payk. in Begattung gefunden zu haben.
„Verzeichniss der in der Wolga-Uralischen Fauna beobachteten
Wasserkäfer“ von E. Ballion. (Bulletin de la soc. imp. des natura-
listes de Moscou, Ann&e 1855. No. 3. p- 227—244.) — Die Zahl der
hier namhaft gemachten und mit Bemerkungen über ihr Vorkommen
versehenen Arten beträgt 80, nämlich: 1 Cybister, 2 Acilius, 7 Hy-
datieus, 6 Dytiscus, 9 Colymbetes, 5 Ilybius, 17 Agabus (darunter
eine unter dem Namen Ag. Eversmanni als neu beschriebene, mit A.
femoralis Payk. nahe verwandte Art), 3 Laccophilus, 2 Noterus, 1
Hyphbydrus, 23 Hydroporus und 4 Haliplus.
Gyrinites. Von Sceriba, wurde (Entomol. Zeit. ‚p. 280)
Gyrinus Suffriani als neue Art aus Süddeutschland beschrieben; sie ist
mit G. marinus nahe verwandt, doch nur. ‚halb so. gross und von mehr
elliptischem Umriss.
Palpicornia. Die Nord - Amerikanischen Arten dieser Fa-
milie hat Le Conte in einer „Synopsis of the Hydrophilidae of the
United States (Proceed. of the acad. of nat. seiene: of Philadelphia VII.
p. 356— 375) einer gründlichen Bearbeitung unterworfen. Zuvörderst
giebt der Verf. in einer analytischen Tabelle eine Uebersicht der
Gattungen, welche nach der Bildung der hinteren Tarsen fünf Grup-
pen: Spercheides, Helophorides, Hydrophilides, Hydrobides und Sphae-
ridiides zufallen. Die beiden ersten so wie die letzte dieser Grup-
pen entsprechen den gleichnamigen Erichson’schen Abtheilungen, die
dritte umd vierte den Hydrophilinen’ des letzteren. Le Conte unter-
scheidet seine Hydrophilides von den‘Hydrobides dadurch, dass bei
ersteren die hinteren Tarsen zusammengedrückt und das: Metasternum
hinten gestachelt, bei den letzteren die hinteren Tarsen nicht zusam-
mengedrückt und das Metasternum einfach erscheint. Von Europäi-
schen Gattungen fehlen in Nord- Amerika mehrere, wie'sich aus der
folgenden Uebersicht ersehen lässt: 1) Helophorus 8 Arten, von de-
nen: Ö bereits von Le Conte, Say und Mannerheim beschrieben
und zwei: H. nitidulus und linearis neu sind. — 2). Hydrochus 11 Ar.
ten, darunter neu: A. callosus, squamifer , inaequalis, ezcavalus und
simplex. — 3) Uchthebius 7 Arten, mit Ausnahme von 0. fossaltusn.
Archiv [. Naturgesch. XXIl, Jahrg. 2. Bd. L;
162 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
sp- schon bekannt. — 4) Hydraena 3 Arten, davon zwei von Kie-
senwetter beschrieben und H. punelata neu. — 5) Laccobius 2 Ar-
ten, L. ellipticus neu. — 6) Berosus 14 Arten; neu sind: B. miles,
aculeatus, subsignatus, pantherinus, fralernus, infuscatus, ordinalus,
pallescens und altus. — 7) Hydrophilus 10 -Arten; AH, limbalis, cali-
fornieus, sublaevis, miztus, ellipticus und siriolatus werden als neu be.
schrieben. — 8) Hydrocharis Latr. (von Le Conte als besondere
Gattung wieder hergestellt) 2 Arten: H. obtusatus Say und lineatus
n.sp. — 9) Philhydrus 13 Arten; darunter neu; H.lacustris, pectoralis,
eristatus, carinalus, diffusus , perplexus, ochraceus und bifidus. — 10)
Hydrobius 7 Arten; neu sind: H. tumidus, insculptus, regularis, seria-
tus, digestus, alle mit Igliedrigen Fühlern. — 11) Cyclonotum 2 Ar-
ten: ©. estriatum Say und C. cacli n. sp. — 12) Cercyon; von die-
ser Gattung werden vorläufig nur zwei neue Arten: C. pubescens und
capillatum beschrieben, indem Le C. zur Feststellung der gemeineren
Arten noch kein hinreichendes Material hat; erwähnt wird noch, dass
zwei Europäische Arten in Nord- Amerika vorkommen: C. centrima-
culatum (— C. mundum Melsh.) und anale (= C. maculatum Melsh.).
— 13) Megalosternum mit einer neuen Art: M. costatum. — 14)
Cryptopleurum ebenfalls mit einer einzelnen Art: C. vagans n. sp.
Ackermann beschrieb (Annales de la soc. Linneenne du de-
partement de Maine et Loire I. p. 197) als neue Art: Berosus Salmu-
riensis, bei Saumur aufgefunden.
Cussac machte (Annales de la soc. entomol. Ill. p. 245) in-
teressante Mittheilungen über die Copula und das Ablegen der Eier
von Hydrobius fuscipes Linn. Letztere werden in einzelnen Päck-
chen zu 20 bis 24 abgelegt und durch Fäden an Wasserpflanzen be-
festigt.
Silphales. Die Gattung Silpha wurde mit zwei neuen Arten
bereichert: f
Silpha Levaillanti Mulsant et Godart aus der Krim (Annales de
la soc. Linneenne deLyon II. p. 279) und Silpha anticola ‚Guerin vom
Amazonenstrome (Verhandl. d. zoolog.-botan. Vereins zu Wien V).
Eine Uebersicht der bis jetzt bekannten Europäischen Arten der
Gattung Adelops Tellkampf gab Miller in den Verhandlungen des
zoolog.-‚botan. Vereins zu Wien V.Bd. p.505. Sie zerfallen a) in
solche, bei denen die Glieder der Fühlerkeule verlängert sind: 1)
Adelops Milleri Schmidt (ebenda V.Bd. p.1 von F. Schmidt be-
schrieben) aus der Pasiza-Grotte in Krain, 2) A. Khevenbülleri Mil-
ler. 3) Freyeri nov. spec. aus der Grotte Dolga jama. 4) globosus
nov. spec. aus der Grotte Ledenica. 5) byssinus Schiödte. 6) acu-
minalus noy. spec. aus der Grotte bei‘ Treffen. — b) in solche, bei
denen die Glieder der Fühlerkeule (3 bis 10) kurz, quer sind: 7)
Schiödtei Kies. 8) ovatus Kies. 9) montanus Schiödte, 10) Aubei
während des Jahres 1855. 163
Kies, — Sämmtliche Arten sind, mit Diagnoseny. die neuen zugleich
mit kurzen Beschreibungen versehen ; zu, einer! sicheren Bestimmung
der äusserst ähnlichen Arten möchten dieselben, jedoch wobl kaum
hinreichen.
Kraatz berichtete (Entomol. Zeit. p. 166), dass Catopsimorphus
pilosus Muls. — C. arenarius' Hampe sei.
Aus der Anisotomen-Gruppe machte Fairmaire (Bulletin de
la soc. entomol. III. p: XXX und LXXV) drei neue Französische Ar-
ten bekannt: Anisofoma ornata, lucens und Hydnobius Perrisii
Die Naturgeschickte der ersten Stände von Liodes castanea
Herbst beschrieb Perris in den M&moires de la soc. roy. des scien-
ces de Liege, T.X. p. 233 und bildete dieselben auf Taf.5 ab. Die
Larve gleicht sehr der von Agathidium und lebt wie diese in Pilzen
(Reticularia hortensis).
Seydmaenides, Eine in mehrfacher Hinsicht ausgezeich-
nete neue Gattung dieser Familie ist der von Pirazzoli bekannt
gemachte Leptomastar hypogeum, ein in Italien ayfgefundenes Thier-
chen, welches in einer eigenen kleinen Schrift: „Coleopteri ltalici
genus noyum Leptomastax, curante Doct. Pirazzoli, Forocornelii
1555“ beschrieben und abgebildet. worden. ist, 4rösse und Körper-
form, Einlenkung und Bildung der Beine (mit ‚fünfgliedrigen Tarsen)
sind ganz wie bei Scydmaenus; die Fühler sind jedoch durch stär-
kere Verlängerung des ersten Gliedes geknickt, der Kopf in die Quere
gezogen, die Mandibeln äusserst lang und dünn, sichellörmig, nach
der Art von Lucanus aus dem Kopfe heraustretend, die Maxillarpalpen
nur dreigliedrig, das letzte Glied stark birnförmig erweitert; die Au-
gen fehlen, doch findet sich nach Angabe des Verf. ander: Basis der
Mandibel jederseits eine Ocelle. Beim Männchen sind die beiden
letzten Hinterleibssegmente bogenlörmig ausgeschnilten.
Pselaphidae. Die unterirdischen Höhlen Krains lieferten
auch für diese Familie eine höchst merkwürdige neue Form, welche
durch die abnorme Bildung des Kopfes und der Mundtheile alle bisher
bekannten Gattungen in den Hintergrund stellt. Sie ist von Miller
Verhandlungen des zoolog. -botan. Vereins zu Wien, V."Bd. p. 509,
nebst Tafel) unter dem Namen Machaerites spelaeus beschrieben und
abgebildet worden. Der Kopf ist sehr verlängert, fast doppelt so lang
als breit, an Stelle der Augen mit eckig vorstehenden Wülsten und
zwei Stirnhöckern,, auf denen die Fühler eingelenkt sind; an diesen
ist das erste Glied so lang als die fünf folgenden. zusammengenom-
men, das zweite von der Dicke des ersten, die folgenden viel dün-
ner. Die Maxillarpalpen von enormer Ausdehnung, viel.länger als
die Fühler, die beiden ersten Glieder stark sägeartig gezähnt, das
dritte messerlörmig, dicht gewimpert, (Eine Beschreibung der übri=
164 Gerstaecker: Bericht üb, d. Leistungen in d. Entomologie
gen Mundtheile wird nicht gegeben.) Die Tarsen sind mit einer
Klaue versehen. — Die Art ist 1 Linie lang, glänzend rothbraun und
wurde von F. Schmidt in der Höhle von Struge entdeckt.
F airmaire hat sich nachträglich überzeugt, dass die Gattung
Amaurops nicht zwei, sondern drei Glieder an den Tarsen hat; das
erste ist aber sehr klein. (Annales de la soc. entomol. III. p. 307 ff.)
Paussidae. Vier neue Arten der Gattung Paussus, welche
der Abtheilung mit zweitheiligem Thorax und hinten 'ausgehöhlter
Fühlerkeule angehören, wurden von Westwood (Transact. entomol.
soc. III. p. 81) bekannt gemacht: Paussus pacificus von Ceylon, De-
geerü, Afzelii und Bohemani vom Caffernlande.
Ref. beschrieb (Monatsberichte der Berliner Akademie der Wis-
senschaften 1855. $. 268) Paussus inermis aus Mossambique, mit, un-
getheiltem Thorax und compakter Fühlerkeule und mit P, verticalis
Reiche zunächst verwandt.
Von Mulsant wurde (Annales de la soci@t€ Linneenne de Lyon
II. p. 14311.) Paussus Mariae als neue Art von Tarsus in Caramanien
ausführlich charakterisirt.
Unter dem Namen Gnostus formicicola beschrieb Westwood
(Transact. entom. soc. 111. p. 90. Taf. 8) eine sehr interessante neue Form
von Ameisenkäfern aus Brasilien, deren Stellung im Systeme bis jetzt
noch zweifelhaft erscheint. Die dreigliedrigen Fühler, der in der Mitte
zusammengeschnürte Thorax, die kurzen, flachgedrückten Beine mit fünf-
gliedrigen Tarsen nähern dieselbe augenscheinlich den Paussiden, obwohl
die gewölbten, den ganzen Hinterleib bedeckenden Elytren, so wie die
Bildung des Mundes und der Flügel gegen eine Vereinigung mit dieser
Familie sprechen. Eine Verwandtschaft mit den pentamerischen Xylo-
phagen Latreille's, wie sie Westwood zu finden glaubt, scheint
mir, ferner zu. liegen und schon durch die Lebensweise verneint zu
werden. ‚Von den:drei Füblergliedern ist das erste länglich,, gegen
die Spitze keulenartig verdickt, das zweite kurz, an dem Aussenwin-
kel des ersten eingelenkt, das dritte länger als die beiden vorigen zusam-
mengenommen, ‚cylindrisch, nahe der Mitte eingeschnürt, an der Spitze
gerade abgestutzt. An den Maxillen ist nur eine Lade vorhanden
und auch diese nur schwach entwickelt; die Maxillartaster sind schein-
bar dreigliedrig, indem das kurze erste Glied entweder fehlt oder mit
dem Stamme verwachsen ist.
Staphylinidae. Mehrfache Beiträge zur Artenkenntniss Eu-
ropäischer -Staphylinen gab Kraatz in der Entomologischen Zeitung
p- 20, 165, 330 u. fl. Als’ neue Arten werden beschrieben: Ozxypoda
micans; soror, graeca und longipennis aus Griechenland, assimilis aus
Spanien ‚und rugalipennis von Montpellier. Von synonymischen Be-
während des Jahres 1855. 165
merkungen sind zu erwähnen: Homalota nigrina Aube, =, graminicola
Grav., planaticollis Aube = arcana Er., major, Aub& =, hepatica‘ Er.;
castanea Aub& — hospita Märk, anthracina, Fairm. wahrscheinlich ‚—
puncticeps Thomson, Aleochara nidicola, Fairm. — pulla Er., Bo-
letochara elegans Heer wahrscheinlich — Myrmedonia fulgida Grav.,
Falagria pusilla Heer wahrscheinlich = Fal. nigra Grav., Homalota
gagatina Muls. — fluviatilis Kraatz, Oxypoda, fuscula Muls. = ferru-
ginea Er., Aleochara diversa Muls. — inquilina Märk. ; Sipalia gran-
diceps Muls. gehört nicht dieser Untergattung von, Homalota, an, son-
dern wahrscheinlich in die Nähe von Euaesthetus; Lithocharis rufa
Muls. — fuscula Er. Zugleich berichtet der Verf. über das Vorkom-
men der von Mulsant beschriebenen Staphylinen-Arten in Deutsch-
land. — Unter den von Wollaston (Insecta Maderensia) beschriebe-
nen Staphylinen ist, Homalota luticola Woll. — luridipennis Mannerh.,
currens Woll. — palustris Kies., tantilla Woll. — analis Gray., var.
minor, plebeja Woll, = clientula Er. — „Ueber einige Arten der
Gattung Tachinus Grav.“ : Der Verf. trennt von Tach, humeralis Grav.
(= zulescens Muls.) eine kleinere Art ab, welche von Mulsant als
Varietät oder vielmehr als die eigentliche (kleinere) Stammart jener
angenommen wird; er beschreibt sie als Tachinus prozrimus. , Tachi-
nus marginatus Gyll. gehört nicht als Varietät zu T. subterraneus Fabr.,
sondern ist eine cigene Art.
Thomson gab (Öfversigt af Kongl. Vetensk. Akad. Förhandl.
p- 193—203) eine Uebersicht über ‚die in Schweden vorkommenden
Arten der Gattung Oxypoda. (Öfversigt al de arter tillhörande slägtet
Oxypoda, som blifvit funna i Sverige.) Es kommen hiernach in
Schweden 25 Arten vor, von denen ‚18 zur Gruppe der Fusiformes,
7 zu der der Lineares gehören ; alle Arten sind mit lateinischer Dia-
gnose, die neuen ausserdem noch mit einer ausführlichen schwedischen
Beschreibung versehen, Von letzteren gehören zu den Fusiformes: O,
eurticollis, planipennis, soror (derselbe Name ist auch, von Kraatz
an eine neue Art vergeben) und riparia, zu den Lineares ; O. laticol-
lis und convewicollis,
Mulsant et Rey, Essai specifique sur les Scopaeus des en-
virons de Lyon (Annales de lasoc. Linn&enne deLyon Il. p.161—190.
Pl.l.et Il). — Den beiden Verf. sind ausser ‚den vier von Erich-
son beschriebenen Europäischen Arten der Gattung Scopaeus in der
- Umgegend Lyons noch fünf neue vorgekommen ,, welche in gleicher
Weise wie die bereits bekannten hier ausführlich beschrieben wer-
den. Für die Unterscheidung der Arten fanden sich neben den ‚Diffe-
renzen in Grösse, Gestalt und Färbung auch gute Merkmale in der
Bildung des sechsten Bauchsegments beim männlichen Geschlechte.
Die nenen Arten vertheilen sich auf folgende zwei Unterabtheilun-
gen: a) Kopf fast kreisrund oder verkehrt eilörmig, mit stark abgc-
166 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
rundeten Ainterwinkeln , hinten nicht breiter als bei den Augen, an
der Basis stumpf abgerundet oder leicht abgestutzt; Thorax ohne
Rinne: 1) Se. laevigatus Gyll. 2) Se. apicalis n. sp. 3) Sec. seri-
cans n. sp. — b) Kopf mehr oder weniger viereckig, mit leicht ab.
gerundeten Hinterecken, nach hinten allmählig breiter, an der Basis
jäh abgestutzt oder ausgerandet; Thorax mit feiner Rinne: 4) Se. ru-
bidus n. sp: 5) Se. didymus Er. 6) Se. abbreviatus n. sp. 7) Sc.
cognatus n.sp. 8) Sc. minutus Er. 9) Sc. minimus Er. — Sämmtli-
che Arten sind, zum Theil nach beiden Geschlechtern und mit Hin-.
zufügung der charakteristischen Merkmale auf zwei Tafeln in saube-
ren Umrissen dargestellt.
Schiödte hat die schon vor zwei Jahren vorläufig durch Dia-
gnosen bekannt gemachten Gattungen Corotoca und Spirachtha nunmehr
ausführlich beschrieben und auf zwei von ihm selbst in meisterhafter
Weise ausgeführten Kupfertafeln nebst den dazu gehörigen Details
abgebildet. (Kongel. Danske Videnskab. Selsk. Skrift. 5 Räk. IV. Bd.)
— Die Abhandlung ist auch einzeln unter dem Titel: „Corotoca og
Spirachtha, Staphyliner, som föde levende Unger, og ere Huusdyr
hos en Termit. Ved J. C. Schiödte, Kjöbenhavn 1854. (4.) er-
schienen.
Seriba zählte (Entomol. Zeit. p. 295) drei und zwanzig in
Tabakslagern aufgefundene Staphylinen-Arten auf und beschrieb die
darunter befindlichen neuen; es sind: Tachyporus brevis, flavicollis,
Cuninnensis, Seylalinus rugiceps, Leptacinus glabripennis, Osorius par-
vulüs, Holotrochus punctulatus und glaber.
Derselbe (ebenda p. 280 f.) stellte als neue Arten auf: Homa-
löta planicollis aus Süd - Deutschland und Trogophloeus myrmecophilus,
bei Aschaffenburg in Myrmica-Nestern aufgefunden,
Dietrich (ebenda p. 200) beschrieb zwei neue Paederus-Arten
aus der Schweiz, von denen jedoch P. geniculatus nur eine Farben.
varietät von P. brevipennis Er. ist; die zweite Art P. paludosus ist
mir nicht in Natur bekannt.
Fairmaire stellte (Revue etMagasin de Zoologie VII. p. 107 ff.
und Annales de la soc. entomol. III. p. 307 ff.) Myrmedonia Fernandi
aus Neapel, tuberiventris aus Sicilien und Ocypus bellicosus von Tanger
als neue Arten auf. Die von ihm als Bolitochara elegans beschrie-
bene Art führt er als eine hellgefärbte Varietät aufB. lucida zurück ;
Tachinus pictus Fairm. von Sieilien kommt auch in Algier und auf
Cypern vor; da der Name in der Gattung schon vergeben ist, schlägt
Leprieur dafür die Benennung T. Fairmairei, Truqui T. Iuctwo-
sus Vor.
Wollaston beschrieb (Zoologist 1855, Appendix) Homalota
Cumbrica als neue Art aus Nord-Wales und berichtete (ebenda p, 4655)
über Tachypotüs nitidicollis Steph., eine von Erichson nicht ge-
während des Jahres 1855. 167
kannte Art, die in Irland überall verbreitet, auf dem Continent aber
bis jetzt unbekannt geblieben sei.
Zwei neue Arten der Gattung Staphylinus sind: Staphylinus Lu-
dovicae Mulsant et Godart aus der Krim, zur neunten Erichson’schen
Gruppe gehörend (Annales de la soc. Linneenne de Lyon Il. p. 263)
und Stapkylinus Osculatii Guerin vom Amazonenstrome (Verhandl...d.
zoolog.-botan. Vereins in Wien V).
Die Britischen Arten der Gattung Stenus wurden von Water-
house und Janson in den Transact; of the entomol. soe. Ill. p. 136 ff.
aufgezählt und mit Angaben über Fundorte u. s. w. begleitet. Ihre
Zahl beläuft sich auf 48. Die beiden Verf. gebem zugleich Nach-
richt über die von Kirby im Manuskripte beschriebenen Arten sei-
ner Sammlung, welche meist von Stephens (Illustr. Brit. Entom.)
beschrieben worden sind und redueiren sie (im Ganzen 59 Species)
auf die Eriehson’schen Arten.
Lespe&s theilte (Bulletin de la soc. entomol. III. p. LI) Beob-
achtungen über das Füttern der Lomechusa paradoxa durch Formica
rufa, welche er zusammen in der Gefangenschaft beobachtete, mit;
während die Ameisen an angefeuchtetem Zucker, der ihnen vorge-
legt wurde, speisten, näherte sich eine Lomechusa, schlug mit ihren
Fühlern an den Kopf einer Ameise und diese bot ihr sofort ihren ge-
öflneten Mund dar, um aus demselben den flüssigen Zucker einzusau-
gen. Die analogen Beobachtungen, welche Müller an Claviger an-
gestellt hat, bestätigte Lespe&s ebenfalls.
Histerini. Von de Marseul’s „Essai monographique sur
la famille des Histerides“ sind in den Annales de la soc. entom. T. 111.
p- 85—165, 327—506 und 677—758 drei neue Fortsetzungen erschie-
nen, in welchen die Arbeit bis zur Gattung Saprinus incl. weiterge-
führt wird. Auch in dem vorliegenden Abschnitte hat der Verf. eine
Anzahl neuer Gattungen aufgestellt, für deren Abgränzung hauptsäch-
lich die Verschiedenheiten in der Bildung des Pro- und Mesoster-
num, so wie der Fühler und Beine benutzt worden sind und die sich
auch schon durch den äusseren Habitus meistens recht gut markiren.
Der speciellere Inhalt der Arbeit ist folgender: 1) Careinops n. g.
auf einige von Erichson und Le Conte zu Paromalus gezählte
Arten begründet, z.B. P. pumilio ans Europa, consors und conjunctus
Le C. aus Nord-Amerika, die sielr von den ‚übrigen Paromalus-Arten
schen äusserlich durch die starken, tiefpunktirten Streifen der Flü-
geldecken unterscheiden. Im Ganzen werden 13 Arten beschrieben;
von Europäischen gehört noch Par. minimus Aub& dieser Gattung an.
2) Paromalus mit 12 Arten. 3) Monoplius n. g. von hochgewölbtem,
fast kreisrunden Körper, durch ganz dichte und feine, gleichmässige
Punktirung der Oberseite, quer eiförmige und ungeringelte Fühler-
keule, lincares Prosternum und halbkreisförmiges Mesosternum ausge-
168 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
zeichnet. Eine Art: M. inflatus (Dejean) vom Cap. 4) Pelorus n. g.
Mandibeln kräftig, ungezähnt, Clypeus nach vorn dreieckig. zugespitzt,
Prosternum breit, trapezoidal, Mesosternum kurz, quer, Propygidium
gross, sechseckig, 'Flügeldecken mit eigenthümlicher Streifung, indem
stets zwei sehr tief eingegrabene Streifen sich vorn miteinander ver-
einigen. ‘Eine Art: P. bruchoides vom Senegal. 5) Scapomegas n. g.
mit auffallender Bildung des Prothorax, dessen vorderer Ausschnitt
tief‘ zweibuchtig ist; der Clypeus''sehr schmal und ‚plötzlich vom
Hinterkopfe abgesetzt, die Mandibeln. stark ‚verlängert, rüsselartig
hervortretend; das Prosternum ‚sehr breit, so dass die Mittelbeine weit
gegen die Seiten. hingedrängt werden; der Fühlerschaft birnförmig
erweitert: Zwei Arten:' Sc, auritus von Cayenne und gibbus von Rio
mit eigenthümlicher Flügeldecken-Streifung. 6) Notodoma n.g., von
Ansehen der ‚Gattung Hetaerius nicht unähnlich, aber durch schlanken
Fühlerschaft, ovalen und vierringligen Fühlerknopf und ganz beson-
ders durch die Maxillartaster unterschieden, deren beide erste Glie-
der ganz kurz, knopflörmig, und untereinander gleich gebildet sind,
Eine Art: N. globatum von Hindostan. 7) Hetaerius, 1Art. 8) Eret-
malus,n. g. eine sehr eigenihümliche Form mit verlängerten, ge-
schweiften. Mandibeln, kurzen und stark dreieckig erweiterten Schie-
nen ‚ohne alle. Dornen an den Seitenrändern, cylindrischem Endgliede
der Maxillartaster,, allmählig breiter werdender Fühlergeissel und
viereckigem, ‚ungeringelten, Endknopfe. Auf den Flügeldecken nur
drei ganz kurze Streifen-Anfänge zunächst der ‚Basis. Art: E. Lu-
casii aus Algier. _9) Dendrophilus 2 Arten. 10) Tribalus 6 Arten.
11) Sphaerosama n. g. (vergebener Name!) mit Tribalus nahe ver-
wandt; eine Art: Sph. ovum von Madagascar. 12) Saprinus mit 163
hier beschriebenen Arten; 44 Arten früherer Autoren sind dem Verf.
unbekannt geblieben; es sind demnach jetzt über 200 Arten der Gat-
tung bekannt, ven welchen Erichson kaum 60 beschrieb. Der
Verf. hat die Gattung als eine natürlich abgegränzte in dem von
Erichson vorgezeichneten Umfange, beibehalten und theilt sie in
sechs Gruppen ; die beiden Hauptabtheilungen sind auf die Trennung
oder den Zusammenhang der Stirn mit dem Kopfschilde basirt. — Die
der Arbeit beigefügten Tafeln enthalten wie früher Abbildungen aller
beschriebenen Arten und sind von vorzüglicher Ausführung.
Als neue Arten sind ferner zu erwähnen:
Hister plebejus Klug von Mossambique (Monatsberichte der Ber-
liner Akad. d. Wissensch. 1855).
h Hetaerius punctulatus Lucas aus Algier (Bulletin de la soc. en-
tom. p. IV), dunkler gefärbt und grösser als H. quadratus, in den
Haufen der Formica barbara zusammen mit den Gattungen Merophysia
und Oochrotus lebend.
während: des’ Jahres 1855. 169
Teretrius hispidulus Bremi aus der ‚Schweiz (‚Entomol. Zeit.
p- 196 f.).
Suffrian diagnostieirte (ebenda p. 142) eine vom’ Baikal-See
stammende Hister-Art, die er unter dem Namen 'H. unicolor Fab, er-
halten hat, die aber davon specifisch verschieden ist; für den Fall,
dass |sie noch unbeschrieben ist, ‚schlägt er dafür den Namen AH.
atramentarius vor; sie steht zwischen 'H. merdarius und cadaveri-
nus Er.
Nach Kraatz (ebenda p. 166) ist Hister myrmecophilus Muls,
gleich H. ruficornis Grimm,
Trichopterygii. Die in Schweden einheimischen Arten
dieser Familie verzeichnete Thomson in der Öfversigt af Kongl.
Vetensk. Akad. Förhandl. p. 335—341. (Öfversigt af de arter tillhö-
rande Insectfamiljen Trichopterygia, som blifvit funna i Sverige.) Von
den einzelnen Gattungen ist Trichopteryx mit 10, Ptilium mit 8, Pte-
nidium mit 5 und Sphaerius mit 1 Art vertreten. Neue hier beschrie-
bene Arten sind: Trickopteryz littoralis, Ptilium elongatum (zu der er-
sten Erichson’schen Abtheilung gehörend) und Pienidium turgidum ;
die schon bekannten Arten sind mit lateinischen Diagnosen und aus-
führlicher Synonymie versehen.
Hoffmann untersuchte die Mundtheile von Sphaerius acaroides
und fand die Kiefertaster wie sie Redtenbacher, die Lippentaster
dagegen, wie sie Erichson angiebt; von den Mandibeln stimmte die
eine mit Erichson’s, die andere mit Redtenbacher’s Angabe
überein; die Tarsen fand er an allen drei Fusspaaren dreigliedrig.
(Entomol. Zeit. p. 194.)
Nitidulariae. Von Klug (Monatsberichte der Berliner Akad.
d. Wissensch. 1855) wurde Lordites grammicus als neue Art aus Mos-
sambique diagnosticirt.
Nach Kraatz (Entomol. Zeit. p. 167) ist Meligethes Navicor-
nis Miller — M. flavipes Sturm, und Mel. carinulatus Förster = M.
erythropus Gyll.
Lathridii, Synopsis of the Lathridiides of the United : States
and northern contiguous territories, by J. Le Conte. (Proceed. of
the acad.- of nat. science. of Philadelphia VII. p. 299-305). Die Fa-
milie ist nach dieser Uebersicht in Nord-Amerika durch ‚drei Gattun-
gen vertreten: Corlicaria, Lathridius und Monotoma, und von diesen
wiederum die erste durch 28, die zweite durch 11, die dritte durch
6 Arten. Die von Mannerheim beschriebenen Nord-Amerikanischen
Species sind dem Verf. fast sämmtlich unbekannt geblieben, übrigens
ist ihre Zahl im Verhältnisse zu den hier aufgezählten, fast sämmt-
lich neuen Arten nur gering. Die Corticarien zerfallen in zwei Ab-
fbeilungen; 1) in solche, bei denen das neunte und zehnte Fühler-
170 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
glied beinahe gleich gross sind (26 Arten) und 2) in solche, wo das
neunte bis elfte Glied allmählig an Grösse zunehmen (2 Arten). —
Unter den Lathridien ist bei einer Art das neunte Fühlerglied grös-
ser als das achte, bei den übrigen sind beide gleich gross; die letz-
teren zerfallen in solche mit zweirippigem Thorax (1 Art) und ein-
fachem Thorax (5 Arten); Lathridius filiformis Mann. (europäisch)
kommt auch in Nord - Amerika vor, ist aber wahrscheinlich nur im-
portirt. — Von den 6 beschriebenen Monotoma-Arten sind zwei bereits
von Ziegler und Aubi& beschrieben, die übrigen vier neu,
Lucas gab eine ausführliche Besehreibung und eine Abbil-
dung der von ihm schon im Bulletin de la soc. entomol. 1852 be-
kannt gemachten, aber in diesen Berichten noch nicht erwähnten Gat-
tung Merophysia. (Revue et Magasin de Zoologie VII. p. 335 f.) Das
winzige, nur 1%, mill. lange Thierchen hat eine eigenthümliche Form,
welche durch den. überall gleich breiten Thorax und die vor der
Mitte stark erweiterten Flügeldecken hervorgerufen wird. Die Tarsen
sind drei-, die Fühler achtgliedrig; die Glieder der letzteren sind
mit Ausnahme des dritten und achten kurz, das dritte etwa so lang
wie das vierte bis sechste zusammengenommen, das letzte gross,
beilförmig erweitert. Lucas stellt die Gattung zwischen Holopara-
mecus und Cholovocera, denen sie auch wohl zunächst verwandt, und
mit welchen sie zu der gegenwärtigen Familie zu rechnen ist. Die
Art: M. formicaria ist blass rothbraun, glänzend und wurde in Algier
unter Ameisen aufgefunden. Perris hat sie auch im südlichen Frank-
reich und Rosenhauer in Andalusien aufgefunden.
Wollaston beschrieb Corticaria borealis als neue, Art aus
England (Zoologist 1855. p. 4€55).
Colydii. Hampe beschrieb (Verhandl. und Mittheil. d. Sie-
benbürger Vereins zu Hermannstadt VI. p.97) eine sehr eigenthüm-
liche neue Gattung Pleganophorus, welche sich besonders durch die
Fühlerbildung bemerkbar macht; dieFühler bestehen nur aus 4 Glie-
dern, von denen die drei ersten kurz, quer herzförmig, das letzte
langgestreckt, länger als jene zusammengenommen ist. Die Form des
Körpers ähnelt einigermassen der von Ihrosceus; der Kopf ist breit,
die Augen sehr klein, die Hintereeken des Halsschildes lang ausge-
zogen. Die Füsse sind sämmtlich viergliedrig; die Maxillar- und
Labialpalpen bildet der Verf. Jrei-, resp; zweigliedrig ab, was, wie
schon aus der Abbildung ersichtlich, unrichtig ist. (Durch Ansicht
eines Präparates der Mundtbeile‘, welches mir Hr. Prof. Redtenba-
eher in Wien zeigte, habe ich mich davon überzeugt, dass bei‘ bei-
den Palpen das kleine Basalglied übersehen worden ist.) Die Ant:
Pl. bispinosus' („Oblongo - ovatus;, pumctatus, subtilissime pubeseens,
brunneus, ore, antennis pedibusque dilutioribus, prothoraeis angulis
postieis elongatis, acutis, elytris humeris prominentibus. Long. 1% lin“)
während des Jahres 1855. ın1
wurde bei Hermannstadt an einem alten Eichenstamme gefunden, —
Der Verf. glaubt die Gattnng vorläufig den Colydiern einreihen zu
müssen, hauptsächlich wohlaufGrund der viergliedrigen Tarsen; nach
der Abbildung scheint mir diese Stellung etwas prekär, wenn ich
gleich aus Unbekanntschaft mit dem Thiere selbst nichts Näheres über
seine Verwandtschaft angeben kann.
Wollaston lieferte (Zoologist 1855, Appendix) eine ausführ-
liche Beschreibung der Gattung Deretaphrus Newm. und schliesst sich
in Betreff ihrer systematischen Stellung der Ansicht Erichson’s an,
sie den Colydiern einzureihen. — Newman beschreibt in einer die-
sem Aufsatze sich anschliessenden Notiz zwei neue Arten der Gat-
tung unter dem Namen D. Wollastoni und Erichsoni, erstere von der
Moreton-Bay, letztere von Adelaide in Neu-Holland.
Mhyssodides. Nach Fairmaire (Annales de la soc. en-
tomol. III. p. 307 ff.) ist Rhyssodes sulcipennis Muls. mit Rh. trisul-
catus Germ. identisch.
Cueuwjides. Von Perris wurde eine neue Art: Laemophloeus
Hypobori beschrieben, welche unter der Rinde abgestorbener Feigen-
bäume im Departement des Landes gefunden wird und deren Larve
sich von den Larven des Hypoborus ficus ernährt. (Bulletin de la soc.
entomol. III. p. LXXVIL ff.)
Cryptophagides. Nach Kraatz (Entomol. Zeit. p- 167)
ist Ephistemus palustris Wollaston — E. globosus Waltl und Atomaria
pallida Woll. = A. ferruginea Sahlb.
Dermestimi. Eine neue Art aus Mossambique ist Altagenus
vestitus Klug (Monatsberichte der Berliner Akad. d.: Wissensch. 1855).
Dermestes leopardinus aus der Krim und gulo aus Lyon wurden
von Mulsant und Godart (Annales de la soc. Linneenne de Lyon
II. p.273 ff.) beschrieben.
Byrrhii. Giebel beschrieb (Zeitschrift für die gesammten
Naturwissenschalten V. p. 127) einen angeblich neuen Byrrhus aus
Thüringen, der mit B. ornatus nahe verwandt, sich von ihm durch
mehrere bestimmte Merkmale unterscheiden soll. G. schlägt für die
Art, falls sie sich als selbstständig bewähren sollte, den Namen Byrr-
hus Thuringicus vor.
Lamellicornia, Dynastidae. — Nach Costa (Fauna
del regno di Napoli) kommt ausser Pentodon punetatus in Neapel
noch eine zweite Art dieser Gattung vor, welche er Unter dem Na-
men P. pimelioides beschreibt und auf Taf, 17 abbildet. Sie ist von
glänzend schwarzer Farbe und zeichnet sich durch stark erhabene
Längsleisten auf den Flügeldecken aus; die Stirn ist mit zwei Höckern
besetzt. — Auf derselben Tafel gab der Verf. auch eine Abbildung
von Cullichemis Lätreillei Lap.
172 Gerstaecker: Bericht üb. d, Leistungen in d. Entomologie
Einige neue Arten aus Mossambique. würden: von Klug (Mo-
natsberichte der Berliner Akad. \d. 'Wissensch. 1855) durch Diagnosen
bekannt gemacht: Temnorrhynchus, elypeatus, Heteronychus niger, con-
vinus, alvalus, Trionychus bituberculatus.
Coquerel gab (Annales de la soc. entomol. III. p. 174) eine
Beschreibung des auf Madagascar lelenden Oryctes Simiar und bildete
ihn auf Taf. 10 ab.
Cetoniadae. — Eine ausgezeichnete neue Goliathiden-Form
ist Rhamphorrhina Klug (Monatsberichte der Akad. d. Wiss. 1855),
besonders durch die auffallende, breit schaufelartige Verlängerung des
Kopfschildes beim Männchen bemerkenswerth; der Scheitel ist aus-
serdem mit zwei hakenförmig nach vorn gekrümmten Hörnern besetzt.
Von Dieranorrhina, mit der diese Gattung am meisten verwandt ist,
unterscheidet sie sich, abgesehen von der Kopfbildung, durch die
Form des Metasternum, welches überall gleich breit, länglichviereckig
und an der Spitze gerade abgeschnitten erscheint. — Art: Rh. Peter-
siana 15'/, lin., glänzend und lebhaft grün mit zwei breiten, hinten
zusammenfliessenden, schneeweissen Längsbinden; nur das Männchen
bekannt. — Andere neue Arten von Mossambique sind: Heterorhina
alternata, Discopeltis vidua, Orjthyrea luctifera, Pachnoda cuneata und
virginea.
Die ehen erwähnte’ neue Goliathiden-Gattung ist fast gleichzei-
tig auch von Bertoloni (a. a. 0.) unter dem Namen Ranzania
splendens und zwar nach beiden Geschlechtern beschrieben worden;
beim Weibchen ist das Halsschild. schmaler und daher auch im Ver-
hältnisse Jänglicher als beim Männchen, das Kopfschild zwar ebenfalls
verlängert aber nach vorn schmaler und an der Spitze gerade abge-
stutzt; die Vorderschienen sind am Aussenrande dreizähnig, während
sie beim Männchen nur vor der Spitze schwach zahnartig erweitert
erscheinen. Nach der Abbildung scheint auch sowohl das Schildchen
als die Basis der Flügeldecken in grösserer Ausdehnung von metall-
grüner Farbe zu sein,
Costa beschrieb (Fauna del regno di Napoli), unter den sieben
im Königreich Neapel vorkommenden Arten der Gattung Cetonia sens,
strict. eine unter dem Namen C. incerta als neu und bildete sie auf
Taf, 13 ab. Sowohl nach der Zeichnung als der im vergrösserten
Massstabe beigegebenen Skulptur der Flügeldecken kann Ref. darin
nur eine in Italien stellenweise vorkommende Varietät der C. metal-
lica Fabr. erkennen. — Von einigen anderen Arten sind auf dersel-
ben Tafel bemerkenswerthe Varietäten abgebildet, besonders von Ce-
tonia aurata und Aethiessa loralis.
Schaum bemerkt (Proceedings of the entomol. soc. p. 54),
dass die von Westwood als Heterorhina bicostata abgebildete und
während des Jahres 1855. 173
beschriebene Art nicht mit der von ihm unter demselben Namen be-
kannt gemachten identisch sei und setzt die Unterschiede beider aus-
einander. Er hält eine in Mossambique aufgefundene Art (die oben
erwähnte Heterorhina alternata Klug) für das Männchen der West-
wood’schen Art.
Westwood' machte (Linnaea entomol. X. p. 326) eine neue
Art der Gattung Ischnoscelis Burm. unter dem Namen I. Dohrnii be-
kannt; sie stammt aus dem Innern Mexiko’s. Sowohl die neue als
schon bekannte Art I. Hoepflneri werden mit Hinzufügung der Mund-
theile auf Taf. 2 abgebildet.
Rutelidae. -- Neue Arten aus Mossambique sind: Anomala
lutea, brunnea, lucida, nitidicollis, 'Adoretus tarsalus, sellatus, atrica-
pillus und subcostatus Klug (Monatsberichte der Berliner Akad. der
Wissensch. 1855). ‘
Pelidnota Osculatii und Platycoelia scutellata, neue Arten vom
Amazonenstrome, wurden von Gu&rin (Verhandl. d. zoolog. - botan.
Vereins zu Wien V) aufgestellt.
Melolonthidae. — Die vollständige Bearbeitung dieser
Gruppe ist der Inhalt der zweiten Abtheilung des vierten Bandes von
Burmeister’'s Handbuch der Entomologie. Im Ganzen und Grossen
entspricht der Umfang der Phyllophaga chaenochela der Erichson’schen
Abtheilung Melolonthidae (Insekten Deutschlands), nur dass die von
Erichson hierhin gerechneten Euchiridae, Phaenomerini und Ho-
plides ausgeschlossen bleiben, Die erstere dieser Gruppen bringt Burm.
bekanntlich zu den Melitophilen, die zweite zu den Chasmodiiden
(Rutelidae) und die letzte vertheilt er unter seine Abtheilungen An-
thobia und Phyllophaga systellochela, wozu er durch die Klauenbil-
dung, auf welche er seine Eintheilung hauptsächlich gründete, be-
stimmt wurde, Die übrigen sechs von Erichson aufgestellten
Gruppen der Melolonthiden, nämlich die Pachypodii, Tanyproctini,
Melolonthini, Macrodactylidae, Sericoideae und Sericidae bilden also
den von Burmeister unter obigem Namen vereinigten Formen-Cy-
elus, nur dass ihre Abgränzung mehrfache Modifikationen erfahren
hat. Zuvörderst nimmt Burm. nur fünf Gruppen an, welche nach
der Ausbreitung der unteren Seite des Prothorax und nach der Her-
vorragung der Vorderhüften zwei Hauptabtheilungen bilden. Bei den
Macrodactylidae, Sericidae und Liparetridae nimmt nämlich der um-
geschlagene Theil des Prothorax die Hälfte der unteren Brustkasten-
Näche ein und die Vorderhüften reichen tief unter den Kiel des Pro-
sternum herab; bei den Melolonthiden und Leptopodiden ist der um.
geschlagene Theil des Prothorax nur schmal und die Vorderhüften,
‚welche dadurch mehr wagerecht zu liegen kommen, reichen nicht
merklich unter den Prosternal-Kiel herab. Von den Gruppen der er-
sten. Hauptabtheilung zeichnen sich die Macrodactyliden durch die
494 Gerstaeckor: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
nicht verwachsenen Bauchringe vor den. beiden übrigen. aus; ‚von
diesen haben wieder die Sericiden die Oberlippe mit dem. Kopfrande
verwachsen, die Liparetriden dagegen dieselbe. frei. In der zweiten
Hauptabtheilung sind bei den Melolonthiden die Hinterleibsringe ver-
wachsen, bei den Leptopodiden dagegen frei. Hält man die Burmei-
ster'schen und Erichson’schen Gruppen gegen einander, so entspre-
chen sich die Serieiden beider Autoren in ihrem ganzen Umfange;
ebenso sind die Macrodactyliden und Melolonthiden beider fast über-
einstimmend, nur dass Burmeister den ersteren noch.die Gattung
Diaphylla Er. beizählt, von den letzteren dagegen Liparethrus aus-
schliesst. Diese Gattung. wird von, Burm. mit den. Erichson’schen
Sericoiden vereinigt und dafür, der ‚Gruppen - Name. Liparethridae
aufgestellt. Die letzte Burmeister’sche Gruppe endlich, die, Lepto-
podidae, vereinigt in ‘sich die Pachypodii und Tanyproetini Er.,
die sich auch schon im Habitus äusserst nahe kommen. — Was die
Bearbeitung der Gattungen und Arten betrifft, so fand der Verf, in
dem Blanchard’schen Catalogue de la collection du musee d’hist. nat.
de Paris eine sehr unwillkommene. Vorarbeit, deren Durchdringung
eine ebenso schwierige als undankbare Aufgabe war; besonders aber
waren es die Macrodactyliden, bei denen der Versuch, die zahlreichen
neuen Gattungen und Arten zu eruiren ohne Erfolg blieb, weshalb
der Verf. in diesem Theile unabhängig von jenem, Werke aufge-
treten ist.
Eine mit Clitopa Er. nahe verwandte neue Gattung aus der
Gruppe der Pachypodidae ist Cyclomera Klug. (Monatsberichte der Ber-
liner Akad, d. Wissensch. 1855), welche sich von jener durch den
Mangel der Querleiste des Kopfschildes, rechtwinklige Hinterecken
des Prothorax und stark verdickte Schenkel und Schienen (besonders
beim Weibchen) unterscheidet. Es gehören dazu zwei Arten von
Mossambique: C. dispar,. und castanea. — Ausserdem wurden von
derselben Lokalität folgende neue Arten diagnosticirt ; Clitopa Erich-
sonii, Leucopholis lepidota, Schizonycha livida, consobrina und Trocha-
lus picipes.
Als neue Art aus Baltimore wurde Omaloplia trogiformis von
Uhler (Proceed. of the acad. of nat. sc. of Philadelphia VI. p. 415)
charakterisirt, r
Ueber die Arten der Gattung Chasmatopterus hat Perris bei
Madrid interessante Beobachtungen angestellt und dieselbe in einem
Aufsatze; „Reunion en une seule espece des Chasmatopterus hirtu-
lus et villosulus Jllig.* (Annales de la soc. entomol. 111. p. 273 ff.)
veröffentlicht. Der Verf. berichtet, dass er in der Umgegend von
Madrid zwei als verschiedene Arten betrachtete Chasmatopterus-For-
men, die eine mit schwarzen, die andere mit gelben Flügeldecken in
. Copula beobachtet babe, Erstere, welche das Weibchen ist, hat
während des Jahres 1855. 195
Illiger als Varielät seiner Melol. hirtula angesehen, während er
die letztere (das Männchen) als Mel. villosula beschrieb, Perris
giebt nun eine genaue Beschreibung der Art nach. beiden Geschlech-
tern und ändert ihren Namen. in Ch. Illigeri um, was, wie Reiche
(ebenda p. 235) richtig bemerkt, unnöthig ist, indem ihr der Name
Ch. villosulus verbleiben kann und muss. Mit Illiger's Mel. hirtula
(nach Ausschluss der var. nigra): ist Chasm. hispidulus Graells iden-
tisch und wird also für diese Art ebenfalls der llliger'sche Name bei-
zubehalten sein. Perris glaubt ausserdem, dass, Chasm, paryulus
Graälls — pilosulus ‚Illiger sei,
Glaphyridae. — Als neue Art wurde von Lucas (Revue
et Magas. de Zoologie VII. p. 290 ff.) Glaphyrus pulchellus aus Algier
bekannt gemacht.
Hybosoridae. — Hybosorus crassus Klug ist eine neue Art
von Mossambique (Monatsberichte der Berliner Akad. d. Wissenschaf-
ten 1855).
Geotrupini. — Von Fairmaire wurde (Annales de la soc.
entomol. Ill. p. 307 Il.) eine neue Art der Gattung Lethrus vom Bos-
porus beschrieben, die sich im männlichen Geschlechte durch eine
aufällige Form des Thorax, welcher beiderseits nach vorn armartig
heryortritt, auszeichnet; der Verf. hat dafür den Namen Lethrus bra-
chicollis aufgestellt.
Zur Gattung Geotrupes kommen als neue Arten: Ceralophyus
laeripennis und Geotrupes fimicola Mulsant et Godart, ersterer aus
Spanien, letzterer ohne Angabe des Vaterlandes (Annales de la societe
Linneenne de Lyon 11. p.ı und 277). Die Gattung Ceratophyus wol-
len die Verf, gegen Erichson aufrecht erhalten wissen und theilen
sie sogar noch einmal in zwei Gattungen Ceralophyus und Minolaurus;
zur ersteren gehören die Arten mit einem mittleren Horn am
Thorax des Männchens (G. Ammon, Fischeri, Hoffmannseggii), zur
letzteren diejenigen mit zwei seitlichen Hörnern (G. Typhoeus,
Momus und auch die hier beschriebene neue Art). Eine Widerlegung
dieser Ansicht ist nicht vöthig, da es sich leicht von selbst ergiebt,
dass hier specilische Charaktere zur Bildung von Gattungen benutzt
worden sind; denn G. Ammon, Hoflmannseggii und Fischeri sind
z. B. gar nicht specifisch unterschieden.
.. Aphodiidae. — Mehrere neue Aphodien aus Mossambique
wurden von Klug in den Monatsberichten der Berliner Akad. d. Wis-
sensch. 1555 durch Diagnosen bekannt gemacht: Aphodius picipes,
adustus, dorsalis, connezus, cruenlus, cinerascens, eircumdalus, opalroides
und Chiron volvulus.
Orphnidae, — Eine ebendaber stammende Art ist Orphnus
bilobus Klug (a. a. 0.).
176 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Lucas, Remarques synonymiques sur le genre Ilybalus et obser-
vations sur les esp&ces de cette coupe generique, qui habitent particu-
lierement les possessions frangaises du nord de l’Afrique. (Annal. de la
soc. entom,Ill..p. 535—560.) Die etwas weitschweifige Erörterung des
Verf. über die Synonymie der Gattung Hybalus führt zu dem einfachen
und bekannten Resultate, dass der zuerst von Brulle dafür aufge-
stellte Name Geobius als schon früher vergeben dem Dejean’schen
Hybalus weichen muss. Im Ferneren wird eine nochmalige Charak-
teristik der Gattung und der fünf bereits bekannten Arten derselben
gegeben, denen sich zuletzt die Beschreibung zweier neuen: Hybalus
parvicornis aus Algier und angustalus aus der Asiatischen Türkey
anschliesst.
Coprides. — Klug charakterisirte (Monatsberichte der Berl.
Akad. d. Wiss. 1855) eine neue Gattung Tragiscus, in der Körperform
mit Eurysternus nahe verwandt, aber durch die Insertion der Beine
und die Längenverhältnisse der Tarsenglieder unterschieden; wäh-
rend nämlich schon die Mittelbeine mehr genähert sind, als bei jener
Gattung, treten die hintersten ganz dicht an die Mittellinie heran, so
dass kaum ein Zwischenraum übrig bleibt; an den Füssen ist das erste
Glied länger als die übrigen zusammengenommen und überall gleich breit,
die folgenden dreieckig. Der Scheitel ist beim Männchen mit einem,
beim Weibchen mit zwei Hörnern besetzt. — Art Tr. dimidiatus, 7—8
lin. — Neue Arten von Mossambique sind ausserdem: Ateuchus aeru-
ginosus, infernalis, ebenus, Gymnopleurus chloris, thalassinus , ignitus,
Sisyphus infuscalus, alralus, calcaralus, Onilis Lycophron, uncinatus,
fulgidus, aeruginosus, Oniticellus egregius, Onthophagus pyramidalis,
rangifer, Ardea, flavocinctus, Boschas, loricatus, bicallosus, plebejus,
Aleyon, carbonarius, discolor, auriculalus, anomalus, cruentatus, sugil-
latus, maclatus, suffusus, tenuicornis, erucifer,, nigrilulus, flavolimbatus,
caslaneus, nitidulus, seminulum, Copris Japelus, Rhinoceros, plalycera,
Elphenor, Booles, excavata, Amyntor und evanida.
Bertoloni beschrieb (a. a. 0.) Onitis gigas als neue Art aus
Mossambique; sie ist, soviel sich aus der mangelhaften Beschreibung
und Abbildung erkennen lässt, mit O. tridens Castelnau identisch,
welche das hiesige Museum ebenfalls von jener Lokalität erhielt.
Unter den von Costa (Fauna del regno di Napoli) aufgeführ-
ten Arten dieser Gruppe, welche zum grössten Theile mit den im
südlichen Europa allgemein verbreiteten identisch sind, wird eine,
Onitis pugil als neue Art beschrieben und auf Taf. XIV abgebildet;
sie ist jedoch, wie ein Vergleich der Abbildung mit den typischen
Exemplaren des hiesigen Museums ergiebt, von 0. furciferRossi nicht
verschieden, deren Beschreibung auch genau dazu passt. Diejenige
Art, welche Costa für den 0. furcifer Rossi nimmt und. ebenfalls
abbildet, kann Ref. auch nur für ein schwächer entwickeltes Indivi=
während des Jahres 1855. 12190 197
duum derselben Art halten; wenigstens zeigt ein entsprechendes Ex-
emplar der hiesigen Sammlung ausser der geringeren Entwickelung
des Vorderschenkel - Zahnes keine haltbaren Unterschiede. — "Eine
andere neue Art ist: Oniticellus speciosus Costa (Taf. 15), welche nach
der schlankeren Körperform und der verschiedenen Zeichnung des Tho-
rax von 0. pallipes gut unterschieden zu sein scheint. {
Neue Arten vom Amazonenstrome sind: Canthon sanguinicollis,
serspilotus, quadripustulatus, Copris Cotopari, Onthophagus compressus,
nasutus, Osculatii und Eurysternus pectoralis, von Gu&rin Pe
d. zoolog.-botan. Vereins zu Wien V.) beschrieben.
Trogidae. — Klug diagnosticirte (Monatsberichte der Ber-
liner Akad. d. Wissensch. 1855) Omorgus tuberosus als neue Ars aus
Mossambique. {
Lucanini. — Eine Anzalıl neuer Formen "dieser Gruppe’ hat
Westwood, Descriptions ‘of some new species of Exotic'Lucani-
dae, (Transaet.' entom. soe. 111. p! 197 #.,' Taf. 10 bis’ 12) beschrieben
md abgebildet’ Der ‘merkwürdigen 'Gättung "Colophon’ Westw; fügt
er eine zweite neue Art unter’ dem Namen ©; Thunbergi' vom 'CaffernL
land (?) "zu , welche" durch | ihre "kurze’ und” gedrungene: Form und
besonders durch den seitlich 'stark ’gerundeten Thorax lebhaft an’ Lei
tlirms erinnert. Zugleich giebt’ er ergänzende Bemerkungen üben 'die
schon früher bekafinte Art C Westwoodii' Gray.) Neue Asiatische
Arten sind':"Lucanus‘ Thibelieus und’ biplagiatus ‘aus Thibet, ‘Odontola=
bris Evansii (ob Varietät von 0. emarginätus'Saimders?)' und’ Olado.
gnathus piceipennis, (ob,Varietäk\von Cl, graeilis, Saunders ?), aus China.
(Ref. glaubt nur letztere Art für verschieden vonder Saunder’schen hal-
tem zu müssen ; von ‚ersterer ‚besitzt, die ‚hiesige Sammlung Exemplare,
welche ‚die Abbildungen beider, Autoren, ‚vermitteln. \—, Arten. aus
Süd-Amerika;, Sclerostomus\ ‚hastatus,, neotragus \und ditomoides;; der
erste, aus dem Innern Süd-Amerikas,, die beiden letzten aus, Brasilien,
— Aus Australiens Sclerostomus caviceps von Neu-Seeland; Lissotes
Subgen. noyj, auf Lucanus cancroides Fabr;, Dorcus ‚obtusatus, Westw.
und Lucanus retieulatus Westw. begründet, folgendermassen ‚charak-
terisirt; „Figulo Nigidioque.affine, mandone, maris uncinato, oeulis
ve ro integris rotundatis, vel subintegris, scutelloque minuto subtrigono,
Labrum subporrectum, in medio tuberculo conico instructum. , Men-
tum transversum, angulis anticis lateralibus rotundalis, margine Kntiko
haud emarginato. Labii laciniae elongatae,, setosae, Caput transver-
sum, antice late concayuın, lateribus haud complanato-dilatatis ; ; oculi
rotundati, vix cantho anlice et poslice incisi.“ Als neue Arten dieser
Untergattung werden beschrieben: Lissotes Menalcas aus Neu-Holland,
mit schlanken, sichellörmigen, an der Spitze dreizähnigen Mandibeln
beim Männchen ; L. subtuberculatus und crenatus ebendaher, mit kur-
zen Mandibeln, die an der Indienseite mit einem dicken Zahn bewall“
Archiv f, Naturgesch, XXI, Jahrg. 2. Bd, M
478 Gerstaecker: Bericht üb, d. Leistungen in d. Entomologie
net sind. Ferner: Dorcus (2?) luteus, Pelorides und Figulus liliputanus,
alle drei,ebenfalls aus Nen-Holland. Die Arten sind mit den dazuge-
hörigen Details sämmtlich abgebildet; ebenso der Kopf und die Mund-
heile des weiblichen Streptocerus speciosus aus Chile, welcher ‚aus
Fairmaire's Darstellung bisher nur unvollkommen bekannt war.
Costa beschrieb, (Fauna. del regno di Napoli) unter dem Na-
men Lucanus Barbarossa eine Art,.die nach der Abbildung (Taf. 17)
mit der gleichnamigen Fabrici'schen Species nichts gemein hat; nach
der Fühlerbildung kann sie nur auf L. teiraodon Thunb. bezogen wer-
den, mit deren mässig entwickelten Exemplaren sie im Wesentlichen
übereinstimmt ; das hiesige Musenm besitzt Italienische Exemplare die-
ser Art, die zu der Costa’schen Abbildung wohl passen.
Ferner wurde von Mulsant und Godart (Annales de la so-
siet& Linasenne. de k.yon ll. p..250 ff,) als neue Europäische. Art auf-
gestellt: Zucanus Fabiani ‚aus Süd - Frankreich; sie hat gewöhnlich
eine fünfblättrige,' seltener eine vierblättrige Fühlerkeule und soll
sich ven. L,., cerwus und. Pontbriantii . besonders durch. die Form des
Kopfschildes. unterseheiden. . (Die Selbstständigkeit dieser Art möchte
wohl: vorläufig ‚sehr. zuibezweifeln sein ; eskommen nämlich von Luc;
Cervus zuweilen Exemplare mit scheinbar fünfgliedriger. Fühlerkeule
vor, bei denen jedoch nur das fünfte Glied tief gespalten ist.) — Eine
neue Art der Gattung Dorcus ist D. Truqui Mulsant (ebenda p. 14 1.)
aus. den Apemninen ;.sie,‚scheint nach der Beschreibung mit D, paral-
lelopipedus nahe ‚verwandt zu sein.
Buprestides. Neue Arten dieser Familie sind:
Sternocera luclifera, monacha, Julodis splendens, Acmaeodera
excellens, cönsobrina, sSteraspis aeruginosa, Chrysodema limbala, Bu-
preslis perspicillafis, amaurolica, prorima, ophihalmica, consobrina,
pupillata, pyritosa, aliena, Belionota 'reliculata und nervosa von Klug
(Monatsberichte der Berliner Akad. d. Wissensch. 1855) diagnosticirt.
Lampra Guiraöi (!!) Fairmaire aus Murcia (Revue etMagas. de
Zoologie VII. p. 107 ff. und Annales de la soc. entomol. III. p. 307 ff.);
sie ist der L. rutilans sehr ähnlich.
Lampra hieroglyphica Mulsant et Godart aus Spanien, Anthazia
hilaris Muls. God. aus Griechenland (Annales de la soc. Linn. de
Lyon II. p.5 u. 7) und Lampra mirifica Mulsant (ebenda p. 146) aus
dem südlichen Europa.
Hyperaniha Sallei Rojas aus Venezuela (Revue et Magasin de
Zoologie VIJ. p. 160) und Hyperantha Vargasii Rojas aus Caracas (An-
nales de la soc. entom. II. p. 361. Taf. 15).
Agrilus occidentalis ausIndiana und impressipennis aus Baltimore
von Uhler (Proceedings of the acad. of nat. scienc. of Philad, VII,
p:415 il.) beschrieben,
während des Jahres 1855. 179
Euenemides. Hampe charakterisirte (Verhandl,. d.: zool.-
botan. Vereins zu Wien V. p. 255) eine angeblich neue Gattung Rha-
eopus, welche sich besonders durch das in zwei Lappen getheilte
vierte Fussglied auszeichnen soll; mit Tharopus in der; Gestalt, zu-
nächst verwandt, unterscheidet sie sich von dieser Gattung ausser
der Fussbildung auch durch längere Fühler, an denen das erste und
dritte Glied langgestreckt, das zweite kurz, die folgenden ziemlich
gleich lang und schwach gesägt sind. Die Art: Rh. cinnamomeus
4'/, lin. stammt aus Oesterreich. — Aus der Beschreibung, welche
der Verf. von seiner Art giebt, lässt sich leicht erkennen, dass die-
selbe mit Eucnemis Sahlbergii Mannerh. zusammenfällt; die erwähnte
Bildung des vierten Tarsengliedes ist hier allerdings etwas auffallen-
der als bei den übrigen Arten der Gattung Microrrhagus, ich sehe aber
darin keinen Grund für die Aufstellung einer neuen Gattung, ‚da alle
übrigen Merkmale von Rhacopus genau mit Microrrhagus überein-
stimmen.
Elaterides, Von Sall& wurde (Annales de la soc. ento-
mol. Ill. p. 363 ff.) eine neue Gattung Eudactylus aufgestellt, ihre we-
sentlichen Merkmale jedoch kaum hervorgehoben; die Fühler sind
vom dritten Gliede an gesägt, das vierte und fünfte Tarsenglied an
allen Füssen herzförmig erweitert. Die Art, welche auf Taf. 14 ab-
gebildet ist, zeigt eine schöne chromgelbe Färbung, der Kopf, die
Basis des Halsschildes und der Flügeldecken so wie auch die Spitze
des letzteren ist schwarz. Die Art stammt von St. Domingo und 'ist
mir in Natur nicht bekannt, so dass ich über ihere nähre Verwandt.
schaft nichts angeben kann. — Eine neue Art von derselben’ Lokali-
tät ist Alaus nobilis (ebenda beschrieben uud auf Taf. 14 abgebildet).
Neue Arten aus Mossambique, von Klug in den Monatsberich-
ten der Berliner Akad. d. Wissensch. 1855 diagnostieirt, sind: Diere-
pidius nubilus, adspersulus, Physorrhinus dubius, Agrypnus infuscatus,
Cardiophorus taenialus, vestitus, laterilius und rufescens.
Semiolus affinis und striatus vom Amazonenstrome wurden von
Gu&rin (Verhandl. d. zoolog.- botan. Vereins zu Wien V.) und Se-
miolus Caracasanus aus Venezuela von de Rojas (Revue et Magasin
de Zoologie VII. p. 160) charakterisirt,
Description de quelques especes d’Elaterides par E. Mulsant
et Guillebeau (Annales de la societ& Linneenne de Lyon II.
p- 17—32.) — Die hier beschriebenen Arten stammen zumeist aus Süd-
Frankreich und der Schweiz; es sind folgende: Cratonychus, ampli-
thorax von Narbonne, aspericollis' aus Sicilien, swleicollis aus, Süd-
Frankreich, Athous acutus vom Mont-Pilat, villiger ebendaher, frigidus
aus den Busses Alpes, melanoderes ebendaher, syloalious von Briangon,
tomentosus ebendaher, pallens von Grande-Chartreuse, flavescens eben-
daher und von Chamouni, herbigradus vom Mont =Pilat, | castanes-
180 Gerstaecker: Berich: üb. d. Leistungen in d. Entomologie
cens (!!) von Beaujolais, semipallens aus der Schweiz, Ampedus rufi-
ceps aus Frankreich (Isere), Cryptohypnus consobrinus aus der Schweiz,
gracilis von Lyen, Diacanthus micans (ob — subaeneus Redt. oder
xanthodon Märk. ?) ohne Angabe des Fundorts.
Von denselben wurden (ebenda p. 317 ff.) beschrieben: Cardio-
phorus curtulus und Ampelus melanurus aus Frankreich.
Von Mulsant und Godart (ebenda p. 265 (f.): Agrioles mona-
chus aus der Krim.
Suffrian ‚machte (Entomol. Zeit. p. 277) darauf aufmerksam,
dass: die Färbung der Flügeldecken nicht hinreichend sei, um Corym-
bites ceupreus und aeruginosus zu trennen, da von beiden Arten ganz
metallisch gefärbte ‚und ebenso gelbgefleckte Exemplare vorkämen,
Vielmehr müsse zu ihrer Unterscheidung die Punktirung der Flügel-
decken, .die, sehr wesentliche Unterschiede darbiete, zu Hülfe genom-
men werden. Nach letzterem Merkmale stellt sich dem Verf. ausser
jenen beiden, noch eine dritte, dem. C. aeruginosus sehr ähnliche Art
heraus, die bis jetzt nicht als solche erkannt worden ist; er selzt ihre
Unterschiede auseinander, ohne ihr einen Namen beizulegen.
Janson theilte (Transaet;.ofthe entomol. society Il. p.222) über
die von Curtis .im/vorigen Jahre beschriebenen Englischen Elateren
synonymischeBemerkungen mit, ‚Ectinus gagates, ist — Ampedus lugens
Redt;; Elater punctato-lineatus;— Cratonychus niger Fab., Elater ni-
grinus,, =; Ampedus; nigrinus,Germ., Cardiophorus formosus wahr-
scheinlich nur, Varietät ,von Card. sexpunctatus Illig. und Aplotarsus
cothurnatus =; Ampedus, subcarinatus Germ,
Nach «Schau m's. Vermuthung | (Proceed. ' of the ‚entomol._ sac.
p. 85), wäre, Elater nigrinus; Curtis eher ‚mit Ampedus obsidianus und
brunnicornis. Germ, ‚als. mit Amp,.; nigrinus Payk., zu vereinigen; in
Elater ‚punctato -lineatus, Curt. glaubt er Ampedus scrofa Germ. zu
erkennen. (?) .
Kraatz, berichtet .(Entomol, Zeit. p. 166),. dass Crepidophorus
anthracinus,Mulsant mit ‚Athous ‚Soveolatus:Hampe, und dieser wieder
mit Athous mutilatus Rosenhauer identisch ist.
Kawall (Entomol. Zeit, p. 228) ‚bestätigte die, Beobachtung,
dass Elateren auch -Blauläuse fressen; er hat. dieselbe Erfahrung an
Elater tessellatus, ephippium und elongatulus in Kurland geniacht.
Von Perris wurde die; Larve ‘des’ Cryptohypnus riparius Fab,
häufig unter Steinen am Rande leines Sees in. den Pyrenäen, und zwar
zusammen mit Nymphen und ausgebildeten Käfern gefunden; er giebt
davon in’ den'Me&moires ‚de 'la sociele royale des sciences de Liege,
Tome X: p.'236 f}. eine ausführliche Beschreibung und auf Taf.ö Ab-
bildungen; ob’ die Larve. carnivor 'oder phytophag ist, hat der Verf,
nicht beobachtet.
während des Jahres 1855. 181
Cyphonides. Thomson, Öfversigt af de arter inom! Insect-
familjen Cyphonidae, som’ blifvit funna i Sverige.’ (Öfversigt af Kongl.
Vetensk. Akad.‘ Förhandl. p. 317—322.) Nach’ der vom Verf. 'gege-
benen Uebersicht kommen in Schweden nur die Gattungen Cyphon
mit 13 und Scirtes mit 1 Art vor. Ob die Arten der ersten Gattung
durchweg begründet sind, muss sehr bezweifelt werden ; mindestens
genügen die kurzen Diagnosen, durch welche sie festgestellt werden,
nieht zur sicheren Erkennung., Den Cyph. .coaretatus Payk. zerfällt
der Verf. z. B. in 5 Arten, welche darin ‚übereinkommen,, (dass die
Flügeldecken drei schwach erhabene, Längsrippen zeigen, und dass
die Unterllügel schwarzbraun gefärbt sind; bei dreien derselben: C.
coarctatus Payk,, nitidulus n. sp. und palustris n. sp. sollen die Flü-
geldecken gleichmässig, bei zweien: C. pallidiventris n. sp. und fus-
eicornis n. sp. in der Umgebung des Schildchens dichter und feiner
punctirt sein. Dem Ref. ist es nicht gelungen, diese Arten unter den
hiesigen Exemplaren des C. coaretatus, welche in Grösse und Fär-
bung allerdings stark variiren, aufzufinden. — Die übrigen für Schwe-
den angegebenen Aretn sind » 'C.’pallidus' Fabr:, marginatus Fabr.,
lividus Fabr., Bohentani Mannerh., variabilis Thunbs, pallidulus Bohem.,
padi Lin. und serricornis Müller.
Eyceides. Neue Arten sind: Lycws euspidatus Klug von Mos-
sambique (Monatsberichte der Berliner Akad. 'd. Wissensch. 11855) und
Calopteron gracile, speciosum und’ binotatum Guerin vom Amazonen-
strome (Verhandl; d. zoolog.-botan.. Vereins zu Wien V.) '
Lampyrides. Luciola‘ obseuripennis, eisteloides, bimaculata,
eincticollis und ezigua' Klug‘(a.' a; 0.) sindneue ‘Arten von Mossam-
bique, Megalophthalmus marginalus, Pholinus subcostatus und. Lucidota
Oseulatii Guerin (a, a. 0.) vom Amazonenstrome,
Telephorides. Von Spinola wurde RP Esplora-
zione delle regioni aequatoriali p. 203) eine neue Gattung Boeoscelis
aufgestellt, welche mit Phengodes und Actenista in der nächsten Ver-
wandtschaft steht; von ersterer unterscheidet sie sich dadurch , dass
die Seitenfortsätze der einzelnen Fühlerglieder, obwohl wi
viermal so lang als das Glied selbst, nicht spiralförınig zusammenge-
rollt sind, von letzterer durch frei hervorragenden, horizontalen Kopf,
von beiden durch die Längenverhältnisse Jer mitlleren und hinteren
Tarsen, die länger als die entsprechenden Schienen sind. Die ein-
zige Art: B. Oseulatii stammt von den Ufern des Napo it der Pro-
vinz Quito.
Meiyrides. Zweineue Arten sind: Malachius pulchellus Klug
(zur Gattung Altalus Er. gehörend) aus Mossambique (Monatsberichte
der Berliner Akad. d. Wissensch. 1855) und Malachius stolatus Mul..
sant et Godart aus der Krim (Annales de la soc. Linndenne de
Lyon Il. p. 205).
182 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Pierris entdeckte die Larve von Ebaenus albifrons Fab. unter fau-
lenden Substanzen, ‚wo»sie,sich‘von jungen’ Poduren, Porcellionen u, a.
ernährt; sie gleicht, sehr denen von Malachiüs-und Anthocomus.. Eine
ausführliche ‚Beschreibung, und ‚eine Abbildung. derselben wurde in
den''M&moires, de\la ‚soeiet& royale..dessciences de:LiegeX. p. 241.
Bl.5 gegeben.
"» @lerii: In Gleichem ‘wurde die Larve des Tarsostenns unil
vittatus Rossi von Perris (ebenda p. 238) beschrieben und auf Taf. 5
abgebildet; sie lebt in den Gängen, welche von Lyctus-Larven ge-
böhrt werden und nährt sich von letzteren.
Ptiniores. Vom Ref. wurden Ligniperda congener, cylin-
drus ‚und Sinozylon conigerum als neue Arten von Mossambique dia-
gnosticirt (Monatsberichte der Berliner Akad. der Wissenschaften 1855.
p- 268.) f
Von Bremi (Entomol. Zeit. p. 329): Ptinus Otti vom St. Bern-
hard, 7000- hoch, unter Steinen aufgefunden, beschrieben.
Azambre fand Ptinus' sexpustulatus in grösserer Anzahl; in
verlassenen 'Nestern ' von’ Andrenen ‚ und. anderen. Hymenopteren, wo
sich zugleich auch die Larve aufhielt; ‚(Bullet..de la soc. ‚entomol. Ill.
p- LIL.).— ‚Eine. solche Lebensweise ‚scheint mehreren Arten der Gat-
tung eigen zu sein, denn in hiesiger Gegend findet sich‘ Ptinus cre-
natus ausschliesslich. in Bienenhäusern.
Nach Roger (Entomol.; Zeit.‘ p. 308) zeigen die Ptinen eine
auffallende Indifferenz gegen Kälte, indem sie noch.bei 12:bis 14° R.—
frei an Wänden sitzen und bei Berührung ‚davon laufen.
ELymexylones. Atraclocerus frontalis Klug ist eine neue
Art von Mossambique (Monatsberichte der Berliner Akad. d. Wissen-
schaften 1855).
Melnsoma. Description des Omocratates et des Heliopatha-
tes, derniers insectes de la tribu des Pandarites, par E. Mulsant et
C. Rey. (Annales de la soc. Linneenne de Lyon II. p. 77—143). Es
werden hier dieselben Arten der Gattungen Omocrates, Meladeras und
Heliopathes beschrieben, welche schon im fünften Hefte der Etudes
entomologiques derselben Verfasser enthalten sind. (Siehe den vori-
gen Jahresbericht !)
Von Lueas wurde im Bulletin de la soc. entomol. p. XXXIV
eine vorläufige Notiz über eine in Algier aufgefundene neue Tentyri-
den-Gattung. Micipsa gegeben, welche mit Tagona zunächst verwandt
ist, bei der aber das dritte Fühlerglied die beiden folgenden nicht an
Länge übertrifft und die Augen rund und stark convex sind. — Eine
ausführlichere Beschreibung und. eine Abbildung der Gattung gab der
Verf. im 10. Bande der Memoires de la societe royale des sciences
während des Jahres’ 1855. 183
de Liege p. 294 ff. — Die Art M. rufifarsis hat nach der Abbildung fast
die kurze, gedrungene Form einer Pimelia ünd "ist 9 mill. lang.
Derselbe gab (Rev. et Magas. de Zool. VII. p. 335 If.) eine aus-
führliche Beschreibung der schön im Bullet. de la soc. entom. 1952
vorläufig von ihm bekannt gemachten Galtüng Oochrofis, auf die hier
um so mehr aufmerksam zu machen ist, als sie in deni’ beirefferklen
Jahresberichte nicht‘ erwähnt worden ist. Es ist dies dieselbe Gat-
tung, welche als Pyenidium Er.'i..lit. allgemein bekannvist und die
auch im südlichen Europa vorkommt." ’E rielison hat im Jahresbei
richte ‘von 1846. p. 114 seine Gattung Pycnidium für identisch mit
Myrmecobius Luce: erklärt, ‘doch ist’ leiztere nach ausdrücklicher Anl
gabe des Autors, pentamerisch, Pyenidiüm aber 'heteromerisch, ' Dass
Pyenidium Er. mit Oochrotus kuc. identisch ist, Jässt' sich’ dureh’ Verl
gleich der Erichsön'schen Exemplare mit der'Lücas’schen Beschreibung
leicht ersehen; übrigens ist in der vom Verf. gegebenen Abbildung
(Taf. 9. fig, 1) wahrscheinlich aus), Versehen ) das \mittkere Fusspaar
statt des hinteren tetrameriseh gezeiehnet.; Lucäs hat äuch die Münd-
theile beschrieben und abgebildet und diese rechtfertigen die'Stellung
der Gattung unter. den Tenebrioniten vollkonimen;;.der ihr. vom‘ Verf.
angewiesene Platz neben Phyletus ist nach der ‚Bildung des; Kopfes
und der Form der Palpen durchaus zu billigen. Die Art: 0. unico-
lor lebt in Algier in Ameisennestern und ist, äusserst flink; das hie-
sige Museum besitzt auch Exemplare aus Sicilien und Andalusien.
Als neue Arten. wurden ‚ferner, von Lucas, hekannt,gemacht;
Tentyria Godartiana, Otii, acuminipennis ,.Mulsantii, longiecollis; und
gibbicollis aus Algier (Revue et Magasin ‘de Zoologie, VIl: p..290 M.),
Vom Ref. (Monatsberichte der Berliner Akad. d. Wissetisch
1855): Opatrum angusticolle und Cossyphus grandicollis aus' Mos=-
sambique.
Von Bertoloni (Illustr. del prodoti natur; del Mozambico) :
Heleroscelis Savii „Castaneo-fuscus, pünctätissimus , elytris interrupte
tuberculato-costatis,“ ebendaher.
Von Fairmaire (Revue et Magas. de Zool. VIf. p. 108 und
Annales de la soc. entomol. IN.'p. 307 MJ: Platydena parallela aus
Bieilien.
Von Mulsant in Verbindusg mit Rey, Godart tu. A. (Annales
de la soc. Linn&enne de Lyon Il.): Helops superbus (p. 152) von Cot-
sica, Pandarinus (subg. Diehromima Friv.) foraminosus von Creta
(p. 194), Mycetockares fasciata aus den Bässes Alpes (p. 255), Ulorma
Perröudii aus Frankreich und der Schweiz (p. 421).
Von de Rojas (Rev. et Magas. de Zool. VI. p. 1605: Sphe-
niseus Cherrolutii aus Venezuela.
Reiche bemerkte (Bullet, de la 8oc. entomol. p. CXF), dass
484 Gerstaecker+;Bericht;üh..d. Leistungen in d. Entomologie
die Gattung ‚Cnemeplatia,,Costa nicht mit, Coxelus und Diodesma, in
näherer, Verwandtschaft,stehe, sondern mit, Diej ean’s Opatrinen-Gat-
tung Sclerum identisch ‚sei; bekannte, Arten dieser Gattung sind z. B.
Opatrum, orientale und ‚ferrugineum Fabr.
11" „Zur, Kenntniss. der Larven „dieser Familie, wurden folgende Bei-
träge geliefert: li
Notes pour\servir- ä l’histoire des Tenebrions, par Mulsant et
Guillebeau.(Annales de la soc. Linndenne de Lyon 11 .p 94f.):
Es’ werden.hier'die.Larven 'von'Tenebrio obscurus «und transversalis
beschrieben, von denen die erste'in Kastanienbäumen; die letztere in
Eichen lebt. 'Die:Larve des':T. | transversalis: "unterscheidet “sich von
denen des: T, obscurus, 'molitor «und opacus dadurch ‚:dass/ihr letztes
Körpersegment nur in, ei me»'Spitze endigt,ı während sich »bei jenen
zweissölche finden: »(Vergl» damit :Westwood undHagen, Jahres,
bericht für 1853|) "
‚Lu oas'/lieferte (Annales’ de’la soc. entomol.‘llI: p. 248) ‚eine
ausführliche Beschreibung! dererstem‘Stände 'von’Tribolium castaneuin
und'bildete dieselben auf’ Taf. 13" ab.) ''Die'»Larven zeigten sich als
Zerstörer von Schmetterlingen; ’ die aus Abyssinien) eingesandt 'wurden:
ON Ependa"p. 243 beschrieb "Cüssac die Verwändlungsgeschichte
det Myeetochures Ninearis, tie übrigehs Schon durch Bouch bekantit
geworden ist, und bildere die ersten Stände auf Taf. 18 ab.
Die Larve von Sphindus 'Gylienbali fand Perris zusammen mit
denen"der'Liodes! castanea in Retieülaria hortensis’imd''beschrieb sie
ausführlichimten'M&moires «de Ta soc: royale des sciences de Liege X.
p- 251 1; Abbildung auf Taf.'5."% Einen sicheren Schluss Auf die sy-
gtematische Stellung des ‚Käfers', wagt -P.-ausı/der ‘Larvemnicht zu
ziehen... » Aqua au 9 “ dayO
Melandryadune. Kraatz theilte (Entomol, Zeit.'*p.373)
mit, dass : Cönopalpus'testaceus Oliv;: und Navicollis Gy» in "Begattung
gefunden‘ worden ‚sind und’ daher. nur 'alsndien beidem Geschlechter
einer und derselben Art anzusehen seien; wahrschemlich ist"auch (O!
Nigorsii Steph, damit identisch“ — Eine nur.halb ‚so ;grosse Art mit
bläulich schimmernden Flügeldecken und nach, vorn, und, hinten.gleich-
mässig stark verengtem Halsschilde, die in verschiedenen Gegenden
Deutschlands aufgefunden worden ist, unterscheidet, en unter dem Na-
men, C. brevicollis.
Wollaston gab im Zoologist p-4655. Nachricht über das Vor-
kommen der Orchesia minor Walker (= 0. scepicola‘ Rosenh.) in Eng-
land; sie lebt besonders auf Prunus spinosa und erscheint meistens
im, Herbst, (Juli bis,Oktober);
Perris beschrieb (M&moires de la soe. roy. des sciences de
Liege X. p. 24811.) noch einmal die Larveı der, Dircaca laeyigala (dis-
während des Jahres 1855. 185
color Fab.) und bildete sie auf Taf,5 ab. Sie ist bereits von Erich-
son bekannt gemacht worden,
Lagriarine. Eine schöne neue Art aus Mossambique ist
Lagria aeruginea des Ref. (Monatsberichte der Berliner Akad. der
Wissensch. 1855).
Nachdem die Larve und Entwickelungsgeschichte der Lagria hirta
schon vor zwei Jahren (siehe Jahresbericht über 1853) von Heeger
ausführlich erörtert worden ist, bildet sie in diesem Jahre wiederholt
den Gegenstand von zwei Darstellungen, Sie wurde zunächst von Per-
ris (M&moires de la soc. roy. des sciences de Liege X. p. 255 ff.) in
Gemeinschaft mit der Larve von Lagria lata beschrieben und auf Taf.
5 bis abgebildet; die der letzteren Art ist ihr im Ganzen sehr ähn-
lich, aber nach vorn beträchtlich breiter. Perris glaubt die Lar-
ven für carnivor halten zn dürfen, ohne jedoch darüber direkte Beob-
achtungen gemacht zu haben. — Zweitens wurden von Mulsant und
Guillebeau „Notes pour servir ä l’histoire des Lagries“ in den
Annales de la soc. Linn&enne de Lyon II. p. 65ff. veröffentlicht, in
welchen zunächst ebenfalls die Larve der Lagria hirta beschrieben
und zugleich dieSynonymie des ausgebildeten Insekts in grosser Voll-
ständigkeit zusammengetragen worden ist. ‘ Ausserdem beschreiben
die Verf. noch die Larve einer zweiten Art, die sie für neu ansehen
und unter dem Namen Lagria atripes näher charakterisiren; sie findet
sich in Süd-Frankreich.
''Pyrochroides. Le Conte lieferte(Proceed. acad. natural
sciences of’ Philadelphia VII. p. 279-—277) eine „Synopsis of the Py-
rochroides of the United States,“ in welcher er zunächst eine Aen-
derung in Betreff der Gränzen dieser Familie vornimmt. Eine Erwei-
terumg besteht darin, dass die von La Ferte& den Anthicinen beige-
sellten Gattungen Eurygenius, Stereopalpus, Macrartlıria und Xylophi-
Ius vom Verf. zur gegenwärtigen Familie gezogen werden und zwar
aus dem Grunde, weil sie von ersteren durch ausgerandete Augen und
parallele Parapleuren abweichen, durch diese Merkmale sich aber ge-
rade den Pyröchroiden. anschliessen sollen. — Was. die Parapleuren
betrilft;,s0 sehe ich keinen einigermassen: erheblichen Unterschied in
ihrer, Bildung bei beiden: Familien; die!’ Angen: von‘ Xylophilus z. B.
weichen aber jedenfalls noch ‚bei. weitem nicht so sehr ‚von denen
der, übrigen ‚Anthieinen ab, als ‚unter den Pyrochroiden die von Pyro-
chroa gegen Dendroides. Es ist also hier auf weniger: erhebliche
Merkmale Gewicht gelegt worden, als die sind, wodurch jene La-
fert@'schen Gattungen den Anthieinen eingereiht werden; bei letzteren
sind nämlich die Mittelhüften klein und in die Brust eingesenkt,
auch durch einen deutlichen Fortsatz des Sternums getrennt; bei den
Pyrochroiden hingegen sind sie gross, ganz frei und in der Mittellinie
zusammenstossend, Ausserdem ist bei letzteren der Hinterleib fast
186 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
häutig und alle Segmente gleich lang, bei den Anthicinen dagegen
hornig und das erste Segment stark verlängert. Es kann daher eine
Erweiterung der Pyrochroiden auf Kosten der Anthieinen nicht wohl
zulässig erscheinen , vielleicht wäre es aber am geeignetsten, beide
Familien zu vereinigen. — Auf der anderen Seite ‚hat der Verf. die
Gattung Pytho, obwohl: sie in Nord-Amierika durch einige Arten ver-
treten ist, nicht mit in seine Bearbeitung hineingezogen, einen Grund
hierfür aber nicht angegeben, — Die eigentlichen Pyrochroiden, auf
welche die Familie beschränkt bleiben muss, sind in Nord-Amerika
durch fünf Gattungen vertreten: 1) Pedilus Fischer mit 10 Arten: P,
punctulatus n. sp., collaris Say (Anthicus) , lugubris Say (Pyrochroa
infumata Hentz), labiatus Say, pulcher Le Conte, impressus Say,
guttula Newm., Newmani Le Conte (lugabris Newm.), elegans Hentz
und fulvipes Newm. 2) Pyrochroa Geoflr. mit 2 Arten; P. flabel-
lata Fabr. und femoralis n. sp. 3) Schizotus Newm, mit 1 Art:
Sch. cervicalis Newm. 4) Dendroides Latr,. (Pogonocerus Fischer)
mit 4 Arten: D. canadensis (bicolor Newm.), concolor n. sp., te=
staceus n. sp. und ephemeroides Mannerh. ; letztere, die dem Verf,
unbekannt ist, steht seinem D. testaceus sehr nahe und kommt. auch
in den Rocky-Mountains vor: 5) .Nematoplus n, g. von den vorigen Gat-
tungen dadurch unterschieden, dass die Klauen mit, einem langge-
streckten, fadenförmigen Anhang versehen sind: die Tarsen sind lang-
gestreckt, dünn, an den Maxillar- und Labialpalpen das letzte, Glied
eirund und abgestutzt. Eine Art: N. collaris. (Diese Gattung, welche
dem Ref. nicht bekannt ist, könnte vielleicht noch zu den Anthicinen
gehören.) — Von den zu ‘den Anthicinen. gehörenden Gattungen ist
Eurygenius Laf. durch ‚3 (E. Wüdi n. sp., murinus Hald. und ‚con-
strictus Le Conte), Stereopalpus Laf. durch 3 (Mellyi Laf,, badiipen-
nis n. sp. und gullalus n. sp.), Macrarthria Newm. durch, 2 ,(murina
Fabr. und confusa n. sp.) und Xylophilus Bon. durch 6 Arten in den
Vereinigten Staaten vertreten; von letzteren sind neu: X. Melsheimeri,
nolatus, piceus und basalis.
Anthicinis Truqui hat im XVI. Bande der Memorie della
Reale Accademia delle scienze di Torino die von ihm in Syrien und
auf Eypern aufgefundenen Anthicinen aufgezählt und die darunter be-
findlichen neuen Arten beschrieben und abgebildet. (Die Arbeit ist
unter dem Titel: „Anthicini insulae Cypri et Syriae, auetore E. Tru,
qui, Taarini 1855« in 4. ec, tab, 1 color. auch einzeln erschienen)
Auch in Bezug auf die hier behandelte Familie zeigen die genannten
Lokalitälen eime ziemlich ausgedehnte Vebereinstimmung der Arten
niit der Süd-Euröpäischen Fauna, wie sich aus der Uebersicht der in
der Arbeit aufgeführten Arten leicht ergiebt: Notoxus 5 A., davon
1 A. neu; Mecynotarsus 1 A. bekannt, Myrmeeosoma 4 A. bekannt,
Anthicus 30 A., darunter 14 A, neu, Ochthenomus 3 A., davon 1A,
während des Jahres 1855, 187
meu. — Die Beschreibungen der nenen Arten sind sorgsam, die Ab-
bildungen äusserst fein und sauber und besonders durch schönes Co-
lorit ausgezeichnet.
Vesicantia. Courbon, Observations sur les Col&opteres
vesicants des environs de Montevideo (Comptes rendus de l’academie
des sciences de l’Institut de France, Tome 41. p. 1003 ff.) giebt Mit-
theilungen über die vesikatorischen Eigenschaften dreier Canthariden-
Arten, welche in der Umgegend von Montevideo vorkommen. Sie
werden als Lytta adspersa Klug, I. vidua Klug und L. cavernosa
Reiche i. lit. bestimmt und unter diesen Namen beschrieben, indem
der Verf. die beiden ersten für unbeschrieben hält. Besonders ist es
die erste Art, welche eine bei weitem stärkere blasenziehende Ei-
genschaft besitzt als die einheimische Lytta vesicatoria. — Gue&rin
weist (Revue ct Magasin de Zoologie VII. p.586) nach, dass die
erste Art schon von Klug beschrieben, die zweite aber von der
Klug’schen Art gleiches Namens verschieden sei; er beschreibt letz-
tere daher unter dem Namen Canth. Courbonii als neu.
Nemognatha flavipennis Uhler ist eine neue Art aus Virginia
(Proceed. of the acad. of nat. scienc. of Philadelphia VII. p. 415 ff.).
Unter dem Namen Meloö rufipes beschrieb Bremi (Entomol.
Zeit. p. 196 ff.) eine angeblich neue Art von Zürich, die jedoch nach
Kraatz (ebenda 1856. p. 179) sich nur als ein unausgefärbtes Exem-
plar des Meloö violaceus herausgestellt hat.
Rhipiphorides. Ref. hat in einer Bearbeitung dieser Fa-
milie (Rhipiphoridum Coleopterorum familiae disposilio systematica,
Berol. 1855. 4. tab. 1) zuvörderst eine Abtrennung von den Mordellen,
mit denen sie bisher fast allgemein vereinigt worden ist, vorgenom-
men. Wenn diese schon durch eine durchweg abweichende Bildung
der Fühler, Mandibeln und beider Palpen gerechtfertigt erschien, so
stellte sie sich auch besonders deshalb als nothwendig heraus, als die
von den Mordellen abweichende, bei den sonst sehr heterogenen
Gattungen der Rhipiphoriden aber übereinstimmende parasitische Le-
bensweise der ersten Stände auf eine in der Natur selbst begründete
Familien-Eigenthümlichkeit hinzudeuten schien. Dass übrigens durch
einige Formen, wie Trigonodera auf der einen und Rhipiphorus auf
der anderen Seite eine gewisse Annäherung an die Mordellen statt.
findet, kann durchaus nicht in Abrede gestellt werden. — Es könnte
von denjenigen, welche die Strepsipteren für Käfer zu halten geneigt
sind, dem Bearbeiter ein Vorwurf daraus gemacht werden, dass er
nicht auch diese der Familie der Rhipiphoriden, mit der sie in der
Lebensweise der Larven doch die grösste Analogie zeigen, einver-
leibt habe. Er kann darauf nur erwidern, dass er mit dieser Ab-
sieht an eine Untersuchung der Strepsipteren gegangen ist, sich aber
188 Gerstaecker; Bericht üb. d; Leistungen in d. Entomologie
‚von der Unmöglichkeit einer solchen Vereinigung, welche nur eine ober-
flächliche Anschauungsweise befürworten kann, überzeugt hat. — Was
die Eintheilung der Familie betrifft, so stellen sich zunächst vier durch
sehr scharfe Charaktere bezeichnete Gruppen heraus. Die erste der
Ptilophorini zeichnet sich sogleich durch die Entwickelung der Flügel-
decken, welche hier den ganzen Körper bedecken, aus; ausserdem
liegt das Schildchen frei zu Tage, die Augen sind ausgerandet, die
Fühler beim Männchen gekämmt, beim Weibchen gesägt, die Klauen
meistens dicht gezähnt. Es gehören dazu 7 Gattungen: Trigonodera
Dej. (13 A.), Geoscopus n. g. (1 Art vom Cap) , Pelecotoma Fisch.
(2 A.), Clinops n. g. (1 Art vom Cap), Ancholaemus n. g. (1 Art
aus Brasilien), Euctenia n. g. (1 Art aus Neu-Holland), Ptilophorus
Dej. (5 A.) und vielleicht auch Ctenidia Cast., die dem Ref. nicht
aus eigener Anschauung bekannt ist. — Die zweite Gruppe Rhipidiini
ist durch die Augen des Männchens, welche den ganzen Kopf ein-
nehmen, die rudimentäre Bildung der Mundtheile und die stummel-
artigen Flügeldecken desselben, ausserdem durch .die larvenähnliche
Form des Weibchens bezeichnet. Die einzige Gattung Rhipidius um-
fasst 3 Arten. — Die dritte Gruppe Myoditini, die ebenfalls nur die
einzige Gattung Myodites mit 4 Arten umfasst, weicht von allen
übrigen durch die weite Entfernung aller llüften von der Mittellinie
ab, und schliesst sich durch die verkürzten Flügeldecken der vori- '
gen im HNabitus eng an. — Die vierte Gruppe der Rhipiphorini end-
Jich charakterisirt sich dadurch, dass das Schildehen durch einen Vor-
sprung des Thorax bedeckt ist, dass die Klauen. an der Spitze ‚gespal-
ten, sind und die Flügeldecken, welche ‚das Ende; des Körpers nicht
ganz erreichen, an der Naht klaffen. Die,beiden ihr untergeordneten
Gattungen sind Metoecus Dej. mit 1 und Khipiphorus Fabr. mit ‚40
Arten. Die Feststellung der Arten der letzten Gatlung, ist wegen
der grossen Veränderlichkeit der Körperfarbe. schwierig, und sind dem
Verf. deshalb auch mehrere Arien der früheren Autoren unbekannt
oder zweifelhaft geblieben. — Der auf der beifolgenden Tafel, Fig. 7
abgebildete Ptilophorus ist Pt. nervosus aus Neu-Holland, und nicht,
‚wie im Texte irrthümlich angegeben, Pt. Dufourii.
Costa gab (Fauna del regno di Napoli) Beschreibungen und
Abbildungen (Taf,;19), von Myodites subdipterus (Z'Q), Emenadia fa-
bellata und bipunctata nov. spee.; die letztere ist jedoch nicht neu,
sondern — Rhipiphorus: bipunctatus Fabr., der bisher nur aus Asien
und Alrika bekannt war.
NMordeillonae. Die im Königreich Neapel vorkommenden
Arten dieser Familie hatCosta (Fauna del regno di Napoli) ausführ-
lich beschrieben und abgebildet, und zugleich eine Zersplitterung der
Gattungen Mordella und Anaspis vorgenommen , welche beim Mangel
wesentlicher Unterschiede nicht zu billigen ist, Den meisten An-
28
während des Jahres 1855. 189
spruch auf generische Abtrennung von Nordella scheint noch die Gat-
tung Tomozia Costa mit einer Art: T. bucephala (Taf. 20. fig. 1) zu
haben, bei welcher das Endglied der Fühler bcilförmig und an der
Spitze abgestutzt erscheint; im übrigen ist auch hier Alles mit Mor-
della übereinstimmend, denn die verlängerten Mitteltarsen, welche der
Verf. als charakteristisch hervorhebt, zeigen sich bei anderen Arten
(z. B. Taf. 20. fig. 5) in gleicher Weise. — Unter der Gattung Mor-
della im engeren Sinne beschreibt Costa im Ganzen 7 Arten: M.
coronala n. sp. (ist eine nicht seltene Varietät der M. fasciata Fabr.),
M. interrupla n. sp. (ist die gewöhnliche Form der M. fasciata Fabr.),
N. fasciata (eine mir unbekannte Art, aber nicht gleich der Fabrici’-
schen Art dieses Namens), M. basalis n.sp. (eine ausgezeichnete, mir
nicht bekannte Art), M. aculeata Lin., M. brevicauda n. sp. und M.
perspicillata n. sp. (nach der Abbildung wohl schwerlieh von M. bi-
punctata Germ. verschieden). — Die folgenden ‚Arten trennt Costa
als Mordellistena noy. gen. ab, dessen Charaktere durch „Corpus ma-
gis compressum, latitudine altius, pronoto longitudine haud latiore;
subquadrato, elytris angustis, apice subacutis“ festgestellt werden,
also rein habituell sind. Die fünf hierher gerechneten Arten sind:
M. stricta n. sp., purpurascens n. sp. (offenbar — Mord. pumila Gyll.),
pieipes (eine durch hellgefärbte Beine ausgezeichnete Aıt, im hiesigen
Museum aus Sicilien), confinis n. sp. und minima n. sp. — Ferner:
Natirrica nov. gen. „Antennae subfiliformes, scutellum vix ullum,
omnino obtectum.“ Die Abbildung der Art N. meridionalis n.sp. zeigt
eine gewöhnliche Mordella; die Beschreibung lässt auf Mord. brun-
nea Fabr. schliessen, bei der das Schildchen jedoch sichtbar, wenn
auch klein ist. — Anaspis, 7 Arten, davon neu: A. labiala (eine
kleine, durch hellrothe Vorder- und Mittelschienen ausgezeichnete
Art, im hiesigen Museum aus Sieilien), melanostoma: und: vulcanica,
letztere eine elegant gelärbte, ‘mir unbekannte Art: Die An. macu-
lata Costa ist = A. obscura Marsh. ; diese sowohl als besonders A.
humeralis wird auf Taf. 23 in mehreren schönen Varietäten abgebil-
det. — Endlich wird auf Anaspis thoracica und flava, die der Verf
als besondere Arten betrachtet, eine neue Gattung Plesianaspis be-
gründet, bei der das 3te bis öte Abdominalsegment des Männchens
gespalten sein und vom 2ten und 3ten je zwei fadenförmige Anhäng-
sel entepringen sollen; mir ist diese Bildung bisher” nicht bekannt
geworden.
©edemeritne. Von Costa (Fauna del regno di Napoli)
wurden mehrere neue Neapolitanische Arten dieser Familie beschrie-
ben und abgebildet: Sparedrus Orsinii (Taf. 9) von etwas anderer Ge-
stalt als Sp. testaceus, auch am Thorax gelb, mit gleichfarbiger dich-
ter Behaarung bedeckt; Anoncodes meridionalis (Taf. 9) schwärzlich
erzfarben, mit bläulichen Flügeldecken; Oedemera angusticollis (Taf. 10)
/
190 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
graugrün mit dunkeln Beinen und in der Mitte gelblichen ‚Flügel-
decken, marginata (Taf. 10) der vorigen ähnlich, von mehr schwarz-
brauner Körperfarbe, maculiventris (Taf. 10) der O. melanopygia Schmidt
ähnlich, doch der Bauch gelb mit schwarzen Seitenllecken, pusilla
(Taf. 11) Kopf braun, Thorax rothgelb, Flügeldecken fahlgelb, Beine
grün mit gelben Vorderschienen und Schenkelspitzen. — Auf Oede-
mera lurida Gyll. gründet Costa eine eigene Gattung Oedemerina.
Für Stenostoma rostrata führt er den älteren Petagna’schen Namen
St. coerulea (Rhinomacer) ein.
Kawall machte (Entomol, Zeit. p. 275) Mittheilungen über das
Vorkommen und das Eierlegen des Calopus serraticornis. Ein Weib-
ehen legte etwa 30 längliche Eier von 1’ Länge in der Gefangen-
schaft zwischen Kieferspänen ab und kittete dieselben mit leimigen
Fäden zusammen.
Von Mulsant und Godart wurde (Annales de la soc. Linne-
enne de Lyon II. p. 278) Mycterus ruficornis als neue Art aus der Krim
beschrieben.
Salpingides. Costa beschrieb (Fauna del regno di Napoli)
folgende Arten als neu: Rhinosimus Genei, Taf. 12. fig.3 (nicht Fig. 4,
wie irrthümlich im Texte angegeben ist), ist nach Beschreibung und
Abbildung ohne Zweifel mit Rhin. ruficollis Panz. identisch. Ferner
Rhinosimus Spinolae, Fig. 4 (nicht Fig. 5) fällt ebenso sicher mit
Rhin. planirostris Fabr. zusammen. Sollten diese beiden Arten selbst-
ständig sein, so müssten sie den angeführten älteren ungemein ähn-
lich sehen; da aber Costa von diesen gar nichts erwähnt, so
scheint ihm von ihrem Bestehen überhaupt nichts bekannt gewesen
zu sein.
Bruchetae. Die Artenkenntniss dieser Familie ist durch
Beschreibung einer grösseren Reihe neuer Arten, welche sich in der
Saunder’schen Sammlung befinden und von Jekel (Insecta Saunder-
siana, Coleoptera ParsI) bearbeitet worden sind, wesentlich gefördert
worden; dagegen bedürfen die zahlreichen daselbst aufgestellten neuen
Gattungen gewiss noch einer sehr gründlichen Prüfung, indem sich
mehrere, welche dem Ref. aus eigener Anschauung bekannt waren,
wenig haltbar erwiesen; es gilt dies besonders von der Gruppe der
Anthribiden , welche in ähnlicher Weise wie die Clerier durch die
grosse Wandelbarkeit einzelner Körpertheile leicht zu einer über-
triebenen Zersplitterung Anlass geben und daher mit gehöriger Um-
sicht behandelt sein wollen. — In der Bruchiden- Gruppe hat der
Verf. ‘nur eine neue Gattung aufgestellt, welehe auch gut begründet
zu sein scheint; sie heisst Caryopemon mit einer Art: C. hierogly-
phicus aus Ostindien, hat wie Caryoborus verdickte Hinterschenkel und
gekrümmte Hinterschienen, aber sehr kurze Fühler, welche vom: öten
während des Jahres 1855. 101
Gliede an stark nach innen gesägt erscheinen. Auch durch die läng-
lich eiförmige Körperform und den rhomboidalen, in der Mitte stark
nach hinten ausgezogenen Thorax weicht sie habituell von Caryobo-
rus ab. Die übrigen neuen Arten sind: Bruchus Balesii vom Amazo-
nenstrome, capreolus und Saundersii aus Süd-Amerika (?), republica-
nus von Corlu, Dominicanus von St, Domingo, paleatus aus Brasilien,
Pachymerus quadridens aus Columbien, plagicornis aus Brasilien (?),
Spermophagus Sallei von St, Domingo, virens von Cayenne und reli-
eulalus aus Brasilien. — In der Anthribiden-Gruppe zieht Jekel zu-
erst die beiden Schönherr’schen Gattungen Phloeotragus und Ptychode-
res in Betracht und glaubt von der ersteren die drei Süd- Amerika.
nischen Arten Sehönherr's, z. B. Ph]. prasinatus trennen zu müs-
sen, was aber für die genannte Art jedenfalls nicht angeht, da sie
in allen Punkten mit den Arten der alten Welt übereinstimmt. Indem
Jekel diese drei Arten mit zu Ptychoderes zieht, theilt er diese
Schönherr’sche Gattung nach unwesentlichen Unterschieden in. der
Form des Rüssels in drei Gattungen Piychoderes sens. strict., Hyp-
selotropis und Tribotropis und letztere Gattung wieder nach speci-
fischen Merkmalen in vier Untergattungen: Tribotrepis, Eclatotro-
pis, Tropipygus und Stenomelopus, Als Typus von. ribotropis wird
Phloeotragus prasinatus, von Tropipygus dagegen der durch langge-
streckte Fühler ausgezeichnete Phl. speciosus Klug i. lit, aufge-
stellt; beide sind aber nach allen wesentlichen Charakteren wirk-
liche Phloeotragus. Der Verf. hätte an Statt dieser. Zersplitterung
besser gethan, die beiden Schönherr’schen Gattungen Phloeotragus und
Ptychoderes zu vereinigen, indem ihnen kein wesentlicher Unterschied
zu Grunde liegt; denn die Verlängerung der Fühlergrube nach unten
ist bei sonstiger Uebereinstimmung ein Merkmal von geringer Wich-
tigkeit, besonders auch deshalb, weil sie z. B. bei Phloeotragus al-
bicans Schh. ebenfalls schon angedeutet ist. Bei einer derartigen
Vereinigung beider Gattungen würden die Arten mit längerem, schma-
leren Rüssel und verlängertem letzten Fühlergliede beim Männchen
eine besondere Gruppe bilden, zu der ausser den Arten der alten
Welt auch Phloeotragus prasinatus und speciosus aus Süd - Amerika
gehören müssten. Die hierher gehörigen, von Jekel als neu be-
schriebenen Arten sind: Piychoderes depressus aus Brasilien, Colum-
bianus von Bogotä, callosus und miztus von Cayenne, obsoletus aus
Brasilien, Hypselotropis Balesii vom Amazonenstrome, Tribotropis co-
micollis, punctulatus und speciosus (Klug) aus Columbien. — Hierauf
folgen mehrere mir unbekannte neue Gattungen : Dendrotrogus noy.
gen., mit Eucorynus nahe verwandt, doch mit nur dreigliedriger Füh-
lerkeule (eineArt: D. hypoerita aus Indien ?), Camaroderes noy. gen.,
"mit Brachytarsus, Eugonus und Phaenithon zugleich verwandt, von
ersterer Gattung durch ausgerandete Augen, von letzterer durch die
19% Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Fühlerkeule unterschieden; eine Art: C. viduus von Para. Basitropis
nov. gen., auf Eugonus nitidicollis Chevr. i. lit. gegründet, in Java
und Ostindien einheimisch; Ancylotropis nov. gen., von der schlanken
Form eines Phloeotragus mit stark verlängerten Fühlern; eine Art:
4A. Waterhousei aus Neu-Holland. — Nach Beschreibung einer neuen
Art: Deuterocrates griseopielus von Guinea giebt der Verf. sodann
eine monographische Uebersicht der Arten der Gallung Stenocerus
Schönh., von welcher er St. collaris aus Java und St. Garnotii aus
Guinea ausschliesst; die zahlreichen neuen Arten sind: Stenocerus te-
studo von Cayenne, longulus und migratorius aus Brasilien, mezicanus
aus Mexiko, Amazonae (ist der wirkliche St. robustus Dej. Cat.) von
Cayenne und dem Amazonenstrome, tessellatus und brunnescens aus
Columbien, verticalis aus Brasilien, angulicollis und Blanchardi aus
Columbien. — Fernere neue Arten sind: Gymnognathus vicinus von
Para, Cratoparis pardalis vom Rio-Negro, leopardus aus Brasilien, Sal-
lei aus Columbien, Ajax vom Amazonenstrome, torguatus aus Mexiko,
luridus von Cayenne, Corrhezerus Hector vom Amazonenstrome, dor-
somaculatus von D’URyehne; Camptotropis nov. gen. auf Corrhecerus gra-
eilicornis Dej. i. lit, gegründet, zugleich mit einer zweiten neuen
Art: CO. bristis Chevr. i. lit. aus Brasilien, Phaenithon bajulus Dej.
Cat. von Cayenne, irroratus vom Amazonenstrome, 'mediocris ohne An-
gabe des Vaterlandes. — Die am Schlüsse aufgestellte neue Gattung
Araeocorynus mit einer Art: A. Cummingii von Manila, lässt sich von
Araeocerus Schönh. nicht generisch trennen.
Curculionides, Unter den vom Ref, in den Monatsberich-
ten der Berl. Akad, d. Wissensch. 1855. p. 83 If. durch Diagnosen
bekannt gemachten Curculionen aus Mossambique wurden drei zu ei-
genen Gattungen erhoben: 1) Mitopkorus n. g. zur Schönherr’schen
Gruppe der Brachyderides gehörig und sich von allen bekannten Gat-
tungen derselben durch aussergewöhnlich dünne und lange Fühler
auszeichnend; der Schaft derselben erreicht nämlich zurückgeschlagen
fast die Basis des Thorax, und die Geissel, welche aus 7 Gliedern
und einer dreigliedrigen Keule besteht, übertrifft jenen noch an Länge,
Die Fühlergrube erweitert sich stark gegen dieAugen hin; der Rüs-
sel, fast von Kopflänge, ist von der Stirn durch eine Querfurche ge-
schieden; beim Männchen sind die Hinterschenkel etwas verlängert,
— Art: M. pruinosus. 2) Tetragonops n.g. aus der Gruppe der Cry-
ptorrhynchiden, mit Zygops und Sphadasmus nahe verwandt. Die
Augen liegen auf der Stirn, sind fast quadratisch, ganz flach und
stossen nahe der Basis des Rüssels fast zusammen. Die Fühler sind
zwischen der Basis und der Mitte des Rüssels eingelenkt, haben einen
ziemlich kurzen Schaft, und an der Geissel sind nur die fünf ersten
Glieder länglich, die beiden folgenden dagegen ganz kurz; die Brust
mit deutlicher, tiefer Rüsselfurche, die Schienen an der Basis leicht
während des Jahres 1855. 193
gezähnt. — Art: T. fascieularis, 1?/, lin. 3). Leplobaris n. g. aus. der
Gruppe der Baridier, und von Baridius selbst durch länger gestreckten,
fast parallelen Körper unterschieden; die Fühler vor der Mitte des
Rüssels eingelenkt, ihr Schaft die Augen nicht erreichend, die Geissel
Tgliedrig, das 2te Glied fast doppelt so lang als das erste, die übrigen
ganz kurz, quer; die Augen tief unten gestellt; die Vorderschenkel
leicht gekeult, der erste und zweite Ilinterleibsring verwachsen, —
Art: L. castaneus 2 lin. — Ausserdem wurden ebenda folgende neue
Arten diagnostieirt: Apoderus nigripes, Ceocephalus latirostris, Bra-
chycerus annulatus, congeslus, erosus, Microcerus spiniger, subcaudalus,
albivenler , Spartecerus quadratus, capucinus,. Siderodactylus flavescens,
Alecides olivaceus und Rhina amplicollis.
Von Saunders und Jekel wurden mehrere neue Australische
Cureulioniden in den Annales de la soc. entom. 11l. p. 259 ff. beschrie-
ben und auf Taf. 15 abgebildet. Besonderes Interesse nimmt eine neue
Gattung Hybomorphus in Anspruch, welche nach der Abbildung eine
grosse Form-Aehnlichkeit mit der Melasomen-Gattung Erodius darbie-
tet. (Eine Achnlichkeit mit der Copriden - Gattung Circellium, wie
sie die beiden Verf. finden, liegt wohl ferner.) Sie gehört zu den
Cryptorhynchiden Schönherr's und stimmt mit diesen in der Bil-
dung des Rüssels überein; die zur Aufnahme desselben an der Un-
terseite des Thorax befindliche Furche ist tief, aber nicht scharf be-
gränzt; an der Fühlergeissel ist das erste Glied langgestreckt, das
zweite kaum halb so lang, die folgenden kurz, knopflörmig, eng an-
einander gereiht. Das Schildchen fehlt, die Flügeldecken sind ver-
wachsen, der Körper ist fügellos. Die Art: H. melanosomus stammt
von Lord Howe-Island. — Fernere neue Arten sind: Elytrurus ala-
tus und marginatus von den Neuen Hebriden, Isomerinthus barbipes
von Lord Howe-Island, Trigonops dispar, Orthorhinus laetus und Lese-
leuci von den Neuen Hebriden, variegatus aus Neu-Holland.
Unter dem Namen Sophrorhinus Duvernoyi beschrieb Rouzet
(Annales de la soc. entomol. p. 79) eine ebenfalls zu der Cryptor-
rhynchus - Gruppe gehörige Gattung und Art, die sich von Cryptor-
rhynchus durch die Länge des zweiten Fühlergliedes, welches zwei-
mal so lang als das erste ist, und die Längenverhältnisse der Abdo-
minalsegmente, von denen das zweite eben so lang ist als das erste,
unterscheiden soll. Die auf Taf. 7 abgebildete. Art stammt aus West-
Afrika und hat gerade keine besonders charakteristische Form, sondern
zeigt ganz den Habitus eines eigentlichen Cryptorrhynchus.
Ref, setzte (Beiträge zur Kenntniss der Curculionen, Entomol.
Zeit. p. 167.11.) die Unterschiede der drei bis jetzt bekannten Arten
der Gattung Bradybatus Germar auseinander; die dritte hier zuerst be-
schriebene Art Br. subfasciatus aus dem südlichen Europa ist von
Schönherr fälschlich als der wirkliche Brad. Creutzeri Germ. an-
Archiv [. Naturgesch. XXI. Jahrg. 2. Bd. N
19 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie-
gesehen worden, dagegen dieser als Varietät zu jenem gezogen. Br.
Kellneri Bach ist neuerdings auch mehrfach bei Berlin aufgefunden
worden. — Ferner charakterisirte Ref. eine neue Europäische Curcu-
lionen-Galtang Aypoglyptus, vom Ansehen eines Hylobius, doch mit
langem, dünnen Rüssel gleich Erirhinus, an dem die Fühlerfurchen fast
ganz auf der Unterseite verlaufen, so dass sie nur durch eine schmale
Leiste getrennt werden. Art: /yp. piclus von Corfu, in der Art der
Textur und Zeichnung der Flügeldecken einem kleinen Hylobius nicht
unähnlich. — Endlich wies derselbe nach, dass der Curc. arcticus Payk.
nicht zu Hylobius, wie Schönherr es thut, sondern zu Lepyrus ge-
zogen werden muss, was nicht nur die Lebensweise, sondern auch
die vollkommene Uebereinstimmung mit den übrigen Arten dieser Gat-
tung zur Genüge darthut; wahrscheinlich ist auch der sibirische Le-
‚pyrus Anotatus Schönherr’s nur eine Lokalvarietät von dessen Hylo-
bius areticus.
An einzelnen Arten wurden ferner als neu beschrieben:
Von Bremi (Entomol. Zeit. p. 196 f.): Polydrosus penninus mit
P. undatus nahe verwandt, von den Penninischen Alpen 6000’ hoch
(möchte wohl mit P. fulvicornis oder rufipes zusammenfallen), Rhy-
tirrhinus alpinus vom St. Gotthard, Omias negleetus (ist nach Kraatz
ein unausgefärbter Lissomus ovatulus) aus der Schweiz.
Von Perris (Bulletin de la soc. entomol. p. LXXVH f.): Si-
bynes Silenes aus dem Departement des Landes; diel.arve lebt in den
Früchten von Silene pratensis.
Von Fairmaire (Revue et Magasin de Zoologie VII. p. 107.
und Annales de la soc. entomol. Ill, p. 307 ff.): Cleonus Miegii von
Madrid und Balaninus rufosignatus aus Südfrankreich; letzterer wird
später vom Verf. wieder auf B. ochreatus Schönh, zurückgeführt.
Von Mulsant undGuillebeau (Annales de la soc. Linn. de
Lyon Il. p: 159): Attelabus atricornis aus Corsica,
Von Lucas (Revue et Magasin de Zoologie VII. p. 2901.) :
Pachycerus tessellatus, Otiorhychus Naudinii und Holchorinus albomar-
ginatus aus Algier.
Von Bertoloni (Illustr. del prodotti naturali del Mozambico) :
Oryptorhynchus ebeni aus Mossambique. „Griseus, scabroso - squama-
tus, thorace antice linea mediana longitudinali extuberante, nigra,
splendente, elytris albo purpureoque nebulosis, macula postica sub-
sphaerica albo-purpurea.®
Von Guerin (Verhandl. d. zoolog.-botan. Vereins in Wien V.):
Platyomus Bourcieri, fuscalus , viridivittatus, Heilipus Osculatü, Lepro-
somus deplanatus, complanatus, margaritatus, Diorymerus armatus vom
Amazonenstrome.,
Von Sall& (Annales de la soc. entomol. III. p. 268): Prepodes
während des Jahres 1855. 195
albosquamosus und Baridius tabaci von St. Domingo, beide auf Taf. 14
abgebildet.
Von Uhler (Proceed. of the acad. of nat. scienc. of'Philadel-
phia VII. p. 415 ff.): Sphenophors sculptilis und Chlorophanus (?) un-
dulatus aus Baltimore, Baridius pubescens aus Virginien.
Kraatz widerlegte (Entomol. Zeit. p. 372) die von Erich-
son mehrfach vertretene Ansicht, dass Rhinomacer attelaboides als
Männchen zu Diodyrrhynchus austriacus gehöre, erstens dadurch, dass
letztere Art in Gegenden fehle, wo erstere häufig sei, z.B. auch bei
Berlin (Ref. hat hier neuerdings auch den Diodyrrhynchus aufgefun-
den); zweitens durch leichte Unterschiede in Punktirung und Behaa-
rung, die übrigens bei der sonst sehr ausgesprochenen Verschieden-
heit beider Arten nicht beweisend wären ; drittens durch den Nach-
weis, dass bei den verschiedenen Exemplaren des Diodyrrhynchus Un-
terschiede in der Insertion der Fühler vorkommen, die er als sexuell
anspricht (die aber jedenfalls sehr wenig in die Augen springen).
Bei Rhinomacer hat er keine sexuellen Unterschiede auffinden kön-
nen. — Mir scheint hierdurch ein „endgültiger* Beweis von der ge-
nerischen Verschiedenheit der beiden Arten nicht geliefert zu sein.
Ref. hat sich aber durch die mikroskopische Untersuchung der Ge-
schlechtsringe beider Arten überzeugt, dass sowohl von Khinomacer
als Diodyrrhynchus wirklich Männchen und Weibchen vorhanden sind;
während bei letzteren deutliche äussere sexuelle Unterschiede Telılen,
liegen sie bei Rhinomacer frei zu Tage; das Männchen hat nämlich
auf den beiden vorletzten Bauchringen einen dicht weiss behaarten
Mittellleck, der dem Weibchen mangelt, Die beträchtlichen Verschie-
denheiten in den Mundtheilen beider Arten rechtfertigen auch die
Aufstellung zweier Gattungen vollkommen,
Jekel bemerkte (Bulletin de la soc. entomol. p. XXVI), dass
der von Jacquelin du Val als neu aufgestellte Barypeithes rufipes
mit Omias sulcifrons Schönh. identisch sei, und reihte hieran Bemer-
kungen über eine natürliche Systematik der Curculionen und über:
die Merkmale, welche zu diesem Zwecke einer besonderen Beachtung
werth sind; mit grossem Rechte hebt Jekel hier neben der Bildung
der Fühlerfurche, der Fühler, der Tarsen u. a. auch ganz besonders
die des Hinterleibes hervor, welche von Schönherr fast gar nicht
beachtet worden ist. — Ref, hat sich durch längeres Studium der
Curculionen von der Wichtigkeit der Hinterleibsbildung ebenfalls
überzeugt und glaubt, dass mehrere Gruppen, welche von Schön.
herr bunt durch einander geworfen worden sind, wie z.B. die Cry-
ptorrhynchiden und Geutorrhynchiden sich durch jenes Merkmal sehr
bestimmt abgränzen lassen.
Nach Pfeil (Entomol. Zeit. p.305) wird Marmaropus Besseri bei Neu-
stadi-Eberswalde und Stettin auf dem gemeinen Sauerampfer gefunden,
196 Gerstaecker: Bericht üb d. Leistungen in d. Entomologie
s Frauenfeld fand die Larve des Apion tubiferum in erkrank-
ten Blüthen von Cistus monspeliensis in Dalmatien. (Verhandl. d. zoo-
log.-botan. Vereins zu Wien V. p.20.)
Cussac beschrieb die. ersten Stände des Ceutorhynchus Ra-
phani; die Larve lebt im Stengel von Symphytum offieinale. (Annales
de la soc. entomol. III. p. 241. Abbildung der ersten Stände auf
Taf. 13.) — Auch in hiesiger Gegend ist der Käfer auf Symphytum
bäufig zu finden.
Haimhofen fand die Larve des Geutorhynchus sulcicollis in
Gallen-Auswüchsen der Wurzel von Alyssum incanum und erzog die
Käfer daraus. (Sitzungsberichte des zoolog.-botan. Vereins zu Wien V.
p- 128, Verhandlungen p. 525.)
Ueber den Schaden, den die Larve des Otiorhynchus sulcatus
an Farnkräutern in Treibhäusern anrichtet, handelte Newman (Pro-
ceed. of the entomol. soc. p. 100.)
Bostrichini. Neue Arten aus dem Departement des Landes,
von Perris (Bulletin de la soc. entomol, p. LXXVIL ff.) beschrieben,
sind: Aylesinus Thujae, Aubei und Tomieus Coryli.
Vom Ref. (Monatsberichted. Berliner Akad. d, Wissensch, 1855):
Hylesinus pusillus aus Mosambique.
Von Guyon (Zoologist p. 4815): Bostrichus bispinus (Megerle
i. lit.), nach einem einzelnen in England aufgefundeneu Exemplare
beschrieben. Nach der Beschreibung zu urtheilen. ist diese At =
bidens Fabr., während diejenige Art, welche Guyon.als B. bidens
betrachtet, und die er mit der seinigen in Vergleich zieht, mit B. bis-
pinus Ratz. identisch sein dürfte; jedenfalls kann schon der Name,
als an eine andere Art vergeben, nicht bestehen bleiben.
Letzner fand eine süsse Mandel: von mehreren lebenden Bo-
strichus dactyliperda Fab. bewohnt und durchfressen (33ster Jahres-
bericht der Schlesischen Gesellschaft für vaterländische Cultur, 1855.)
ELongicornia. Eine wesentliche Bereicherung an neuen
‚Gattungen und Arten hat diese Familie durch A. White’s Catalogue
of Coleopterous Insects etc. Pt. VIII, und zwar gegenwärtig in den Ab-
theilungen der Cerambyces genuini und Lamien erhalten.
Ferner durch Chevrolat, welcher in Gu£rin’s Revue et Ma-
gasin de Zoologie VII. p. 178, 2582 und 513 ff. mehrere Süd-Ameri-
kanische, besonders aber zahlreiche neue Arten von Old - Calabar
(Guinea) beschrieb; die darunter neu aufgestellten Gattungen sind
vorläufig nicht näher charakterisirt worden.
Endlich auch durch Perroud „Description de quelques especes
nouvelles ou peu connues et creation de quelques nouveaux genres
dans la famille des Longicornes“ (in den Annales de la soc. Linne-
enne de Lyon II. p. 327 u. 365 ff.).
Prionii. — Neue Arten dieser Gruppe sind: ,
während des Jahres 1855. 197
Prionus Besikanus Fairmaire (Annales de la soc. entomol. III.
p- 307 ff.) von der Besika-Bay, auf der Krim-Expedition entdeckt.
Solenoptera femorata Salle (ebenda p. 270) von St. Domingo,
auf Taf. 14 abgebildet,
Pyrodes nigricornis Guerin (Verhandl. d. zuolog.-botan. Vereins
zu Wien V.) vom Amazonenstrome.
Die Larve und Nymphe des Aegosoma scabricorne wurden von
Mulsant und Gacogne in den Annales de la soc. Linn&enne de
Lyon II. p. 149 ff. beschrieben; erstere lebt in den angegangenen
Stämmen verschiedener Bäume, wie Linden, Pappeln, Kastanien u. a,
Der Käfer entwickelt sich zu Ende des Juli und zu Anfang des
August.
Cerambyces genuini. — Mehrere neue Gattungen so wie
eine grosse Anzahl neuer Arten dieser Gruppe wurden von White
(Catalogue of Coleopterous Insects Pt, VIII) beschrieben und zum
Theil abgebildet. Die neuen Gattungen sind: 1) Ommata nov. gen.,
vom Verf. zwischen Odontocera und Acyphoderes Serv, gestellt, mit
langgestreckten, zugespitzten, breit klaffenden Flügeldecken,, langen,
keulenfömig verdickten Schenkeln, an der Spitze buschig behaarten
Hinterschienen, länglichem, fast cylindrischen Thorax und den Körper
an Länge übertreffenden Fühlern, deren fünf letzte Glieder eine lang-
gezogene Keule bilden; die Augen stossen in der Mitte der Stirn zu-
sammen. Eine Art: O. elegans aus Venezuela. ?) Eryihroplatys nov.
gen. folgt auf Rhinotragus Germ., eine durch gelrungene Form des
Körpers, der Fühler und Beine, so wie besonders durch die nach
hinten stark erweiterten und schön gezeichneten Flügeldecken aus-
gezeichnete Form. Die Art: E. corallifer stammt von Santarem in
Brasilien. 3) Homalomelas nov. gen. auf Cerambyx gracilipes Parry
gegründet, 4) Stenhomalus nov. gen, steht hinter Methia Newm.; eine
winzige Form mit breitem Kopfe und vorgequollenen Augen, der den
vorn und hinten eingeschnürten Thorax seitlich überragt; Fühler länger
als der Körper, alle Glieder einfach und langgestreckt; Flügeldecken
mit rechtwinkligen Schultern, viel breiter als der Thorax, hinten ge-
meinsam abgerundet. Art: St. fenestratus 3'/, lin. aus China. 5) Me-
rostenus nov. gen., eine schlanke, Obrium - ähnliche Form ohne be-
sondere Auszeichnung, mit einer Art: M. productus von Jamaica.
6) Dore nov.gen., vor Clytus gestellt, mit welcher Gattung sie keine
babituelle Aehnlichkeit hat, ebenfalls ohne auffallende Charaktere;
Art: D. thoracica aus China. 7) Pentomacrusnov. gen. eine habituell
eigenthümliche Gattung mit sehr langen, allmählig verdünnten Füh-
lern, länglichem, vorn und hinten verengtem Thorax und sehr stark
verdickten, unten zahnartig erweiterten Schenkeln ; Flügeldecken mit
Clytus-ähnlicher Bindenzeichnung. Eine Art: P, femoratus 7 lin. von
Jamaica, 8) Romaleum nov, gen., in der Form mil Stromatium und
198 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Hesperophanes wesentlich übereinstimmend, von beträchtlicher Grösse;
Fühler etwa von Körperlänge, das dritte Glied langgestreckt, die
folgenden allmählig kürzer werdend. Art: R. operarium, 28 lin. von
Ostindien (?). 9) Eburophora noy. gen. fast vom Umrisse einer Do-
nacia; Fühler die Mitte der Flügeldecken erreichend, das fünfte bis
siebente Glied länger als das dritte und vierte; Thorax länglich, vorn
und hinten verengt, beträchtlich schmaler als die Flügeldecken, die
sich nach hinten zuspitzen und am Ende klaffen. Art: E. ocloguttata
aus Australien. 10) Lepidisia nov. gen., der vorigen Gattung sehr
ähnlich und vielleicht nicht generisch davon zu trennen; an den Füh-
lern ist das fünfte Glied das längste, das dritte und vierte fast gleich
lang. Art: L. bimaculata aus Australien. 11) Temnosternus nov. gen.,
an die Gattung Tmesisternus nahe herantretrend, der sie der Verf.
auch voranstellt; Kopf breit mit kleinen Augen, Fühler fast von Kör-
perlänge, ihr drittes und viertes Glied am längsten ; Thorax und Flü-
geldecken flachgedrückt, ersterer trapezoidal, lelztere breit, hinten
schnell verengt und einzeln zugespitzt. Art: T. planiusculus aus Au-
stralien. 12) Pascoea nov. gen., ebenfalls mit Tmesisternus nahe ver-
wandt, von eigenthümlicher Form; der Thorax sehr kurz, quer, in
der Mitte jederseits gedornt, Vorder- und Hinterecken rechtwinklig
heraustretend; Kopf ebenfalls breit, rhombisch, so dass ein verengter
Hals gebildet wird, hinter den Augen jederseits mit einem schräg nach
vorn und aussen gerichteten, griffelartigen Fortsatze; Fühler von mehr
als Körperlänge, drittes und viertes Glied besonders verlängert, in
verschiedener Richtung geschwungen; Flügeldecken länglich, gleich
breit, vom hintersten Viertheil an verengt und einzeln zugespitzt.
Art: P. Idae von Ceram. — Neue Arten sind ferner aus folgenden
Gattungen beschrieben: Tomopterus ?, Heliomanes ?, Stenopterus 1,
Odontocera 8, Acyphoderes ?, Rhinotragus 3, Rhopalophora 1, Li-
stroptera 3, Ancylocera 1, Cosmisoma 1, Ozodes 4, Piezocera 3,
Stenygra 1, Ibidion 25, Phyton 1, Ceresium 5, Clytus 16, Tillomor-
pha ?2, Eriphus 2, Eburida 1, Stromatium ?, Hesperophanes 3, Calli-
dium 5, Uracanthus 1, OVemona 1, Leptocera 1, Enicodes 1.
Von Perroud wurden folgende neue Gattungen aufgestellt:
1) Tetraommaltus n. g. (a. a. O0. p. 390) steht in der Mitte zwischen
Gracilia Serv. und Leptidea Muls., und unterscheidet sich von diesen
durch den schmalen, linearen Prothorax, die stärker zusammengedrück-
ten Schenkel, durch die Längsverhältnisse der Fühlerglieder, von de-
nen das dritte bis fünfte von gleicher Länge sind, und besonders
durch die vollständig getheilten Augen, die daher zu vieren vorhan-
den zu sein scheinen. Eine Ert: T. filiformis von Pondichery. — ?
Apiogaster n. g. (p. 393) mit Oregostoma Serv. und Rhinotragus Germ,
verwandt, aber durch die Form der Fühler und des Thorax unter.
schieden; erstere sind länger als der halbe Körper, das zweite Glied
während des Jahres 1855. 00
um die Hälfte kürzer als das erste, das dritte dreimal so lang als
das zweite und wenigstens so lang als die beiden folgenden zusam-
men. Der Thorax ist verlängert, eylindrisch, oben auf zwei Dritt-
theilen seiner Länge bucklig gewölbt; die Flügeldecken nach hinten
eiförmig erweitert, die Schenkel länger als die Schienen und an der
Spitze stark gekeult. Eine Art: A. rufiventris aus Brasilien, 10 mill.
lang. — 3) Sphingnotus n. g. auf Imesisternus mirabilis Boisd. ge-
gründet, der allerdings von den übrigen Arten der Gattung, mehrfach
abweicht; ausser dieser Art werden noch zwei neue als Sph. insignis
von San Cristoval (Australien) und Mniszechii von Amboina (?) dar-
unter beschrieben, über deren Berechtigung Ref. einige Zweifel hegt,
da hauptsächlich Unterschiede in der Färbung angegeben werden; zwei
Exemplare des Tm. mirabilis der hiesigen Sammlung, beide von Neu-
Guinea stammend und gewiss derselben Art angehörend, sind nämlich
sehr verschieden gefärbt, das Männchen schön grün und blau mit
schneeweissen Haarllecken der Flügeldecken, das Weibchen (durch
schwächere Fühler und Beine kenntlich) dunkel erzfarben, ins Vio-
lette schimmernd und mit gelblichen Haarflecken. An letzteres scheint
der Sphing. insignis von Perroud nahe heranzutreten. — Als neue Ar-
ten des Verf, sind ferner zu nennen: (p.329 ff.) Clytus jucundus, di-
stinguendus und Rhaphidera graciis von Pondichery, (p.365 fl.) Li-
topus notalicollis von Port Natal, Eburia rufobrunnea von Guatemala,
Phoracantha gracilis von Van Diemensland, Callirrhoe decora von Neu-
Holland, Sphaerion terminatum (Dej.) aus Brasilien und vicinum aus
Columbien (hierbei diskutirt der Verf, die Charaktere der Gattung
Sphaerion Serv. und Nephalius Newm., welche bis jetzt noch ein sehr
buntes Gewirre verschiedener Arten enthalten), Achryson ornalipenne
von Guadeloupe, Callidium (?) 12signatum aus Brasilien, Clytus insig-
nitus aus Brasilien.
Ref. diagnostieirte (Monatsberichte der Berliner Akademie der
Wissenschaften 1855. p. 265) folgende neue Arten aus Mossambique:
Cerambyz incultus, Callichroma heterocnemis, leucorrhaphis, ruficrus,
Compsomera speciocissima. Closteromerus insignis und Obrium murinum.
Chevrolat beschrieb (Revue et Magasin de Zoologie VII.
p- 178 1f.): Listroptera carbonaria und (horacica von Caracas, atra (Dej.
Cat.) aus Brasilien und tenwis aus Mexiko. Ferner von Guinea (Old-
Calabar): Corethrogaster annulipes, Oeme nigrita, Smodiecum ebeninum;
(ebenda p. 2852 1.) : Xystrocera femorata, Cordylomera ruficornis, Cal-
lidium (?) sphaericolle, Listrocerum nov. gen. aspericorne (die neue
Gattung ist nicht beschrieben), Hesperophanes (?) puberulus, Distenia
apicalis; (ebenda p. 513 1f.): Parastemia clavata, Callichroma chryso-
grammum, Closteromerus rufiventris und Xystrocera cyanella.
Eine neue Art von St. Domingo wurde ferner von Salle in
%00 -Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
den Annales de la soc, entom. Ill. p. 270 beschrieben und auf Taf. 14
abgebildet: Eburia sericea.
Eine von Bertoloni (a. a. 0.) unter dem Namen Hammati- '
cherus serralicornis beschriebene und aus Mossambique stammende Art
scheint nach der Fühlerbildung mit H. denticornis Fab. identisch zu sein;
ihre Diagnose lautet: „Antennis complanatis, argute serralis, glabris,
oculis nigris, splendentibus, lineato-punctatis (sehr merkwürdige Ei-
genschaft!), thorace spinoso, tuberculato -rugoso, piloso -tomentoso,
elytris pedibusque rufis, tomentosis.“
Cerambyz Manderstjernae wurde als neue Art aus der Krim von
Mulsant und Godart (Annales de la soc. Linneenne de Lyon.
p- 250) beschrieben.
Von Mulsant wurden (ebenda p. 191 ff. und 258 f.) die Lar-
ven von Oxypleurus Nodieri und Hesperophanes nebulosus beschrie-
ben; erstere lebt in Kienstöcken und bohrt in diese fast cylindri-
sche Gänge hinein; letztere in Feigenbäumen und zwar im Inneren
der Rinde.
Lamiariae. — Perroud charakterisirte (Annales de Ja soc.
Linneenne de Lyon ]1.) folgende neue Gattungen dieser Gruppe:
1) Trigonoptera n.g. (p.336) zunächst Megahasis, von schmalerer Statur,
mehr verlängertem Thorax von kegellörmiger und gewölbterer Form ;
Art: Tr. maculata von Neu- Guinea. 2) Lopkoptere n. g.' (p.352)
mit Lachnia und Coptops Serv. zunächst verwandt, doch mit scharfem
Dora in der Mitte der Halsschildseiten, nach hinten in Form eines
Dreiecks verlängertem Mesosternum, und erhabenen Tuberkeln und
Leisten auf Thorax und Flügeldecken. Art: L. spectabilis von Port
Natal. 3) Trachelophora u.g. (p. 357) soll mitPelargoderus und Gnoma
in nächster Verwandtschaft stehen. Art: Tr. curvicollis von Java. —
Die ebenda beschriebenen neuen Arten sind ferner: Monohammus lo-
gatus aus Neu-Holland, Ceroplesis taeniatus von Port Natal, Tragoce-
phala amabilis ebendaher, Apomecyna albomaculata von der Insel Wood-
lark, Exocentrus tessellatus von Pondichery, Praonetha signata von der
Insel Woodlark.
Zwei neue Gattungen wurden auch vom Ref. (Monatsberichte
der Berl. Akad.’ d. Wiss. 1855. p. 266) aufgestellt: 1) Cymaluran. g.
schliesst sich durch die an der Aussenseite tief ausgeschnittenen Mit-
telschienen zunächst an Leprodera und J'achystola Dej. an, unter-
scheidet sich aber durch sehr schmale, langgestreckte Körperlorm
und am aufälligsten durch die Form der Flügeldecken, welche an
der Spitze abgestutzt sind und deren Innen - und Aussenwinkel ein-
zeln abgerundet erscheinen; besonders der letztere tritt nach hinten
deutlich hervor. Art: ©. bifasciala von Mossambique; anhangsweise
‚wird ‚eine zweite Art: C. scoperia von Port Natal beschrieben. 2)
Jihaphidopsis n. g. auf Ceroplesis Klugii Dej. Cat, (C. ornata Klug i. 1.)
während des Jahres 1855. 201
begründet, mit einer neuen Art: Rh. melaleuca. — Neue Arten von
Mossambique, ebenda beschrieben, sind ausserdem : Ceroplesis militaris,
Tragocephala frenata, Zographus hieroglyphicus, Oberea sculellaris und
pallidula.
Eine neue Art der Gattung Oberea von Mossambique charakte-
risirte auch Bertoloni (a. a. OÖ.) unter dem Namen O. Alessandrini
folgendermassen : „O. dimidia cireiter parte antica corporis fulvo-ein-
H namomea; postlica, antennis, oculis, mandibulis tibiisque posterioribus
j nigris.“ Abbildung Taf. 2. fig.5. Sie ist nach der Abbildung um die
Hälfte grösser als. scutellaris des Ref., der sie übrigens in der Fär-
bung der Flügeldecken ziemlich nahe steht.
Einige neue Gattungen charakterisirte ferner White (Catalogue of
Coleopt. Ins. in the collect. of the Brit. Mus.). 1) Pteridotelus nov. gen.
stimmt ganz mit Acanthoderes überein, und ist nur durch eine abnorme
Füblerbildung ausgezeichnet, indem die sechs letzten Glieder kurz und
an der Spitze zahnartig erweitert sind. Art: Pt. laticornis aus Vene-
zuela. (Nach den Exemplaren des hiesigen Museums scheint mir eine
Abtrennung der Art jvon Acanthoderes nicht genug begründet.) 2)
Acantkotritus nov. gen. auf eine schöne, auch im hiesigen Museum
befindliche Art aus Brasilien gegründet, die sich besonders durch die
zahnartige Erweiterung der Spitze des dritten und vierten Fühler-
gliedes auszeichnet. Ref. glaubt die Art (4A. dorsalis White) nicht
von Phacellocera Dej. trennen zu können, mit der sie in allen gene-
rischen Charakteren übereinkommt; White hat übrigens nur das eine
Geschlecht beschrieben; beim anderen sind die Erweiterungen der
genannten Fühlerglieder viel beträchtlicher, breit scheibenförmig. —
Folgende Gattungen sind ferner mit neuen ‘Arten bereichert: Aniso-
pus 1, Steirostoma 4, Acantlıoderes 6, (Acanthoderes Swederi White,
n. sp. ist nach der Abbildung wohl nicht von A. Daviesi Swed. ver-
schieden), Sceleronotus I, Acanthocinus 1, Eutrypanus 3, Acgomor-
phus 2, Alphus 1, Macıonemus 1, Trypanidius 1, Leiopus 11, Proba-
tius I, Aleidion 4, Desmiphora 1, Trigonopeplus 2, Anisocerus 6.
Chevrolat beschrieb (Revue et Magasin de Zoologie VII.
p-175) folgende neue Arten aus West - Afrika (Old - Calabar): Mono-
hammus Ihomsoni, Pachystola annulicornis, arcuala, Tragocephala Ga-
lathea, Sternolomis Murrayi, Prosopocera myops, Tecton (nov. gen.)
quadrisignatum, Temnoscelis (nov. gen.) Waddeli (beide neue Gattun-
gen sind nicht charakterisirt, es soll aber noch in Zukunft gesche-
hen!), Phrissoma bufo, Varmena callısona, Glenea quinquelineata und
carneipes, — Ferner (ebenda p. 282 1.) von derselben Lokalität: Mo-
nohammus viridipennis, Proctocera (nov. gen.) scalaris, (die Gattung
Proctocera soll neben Tragocephala stehen, ist aber nicht näher be-
schrieben), Mesosa ,?) rubida, Mesosa \?) femoralis, Sophronica (Dej.)
calceata; Acridocephala nov.’ gen., neben Colobothen zu stellen ; Kopf
202 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
vorn abgestutzt, etwas gewölbt, oben verengt, zwischen den Fühlern
zweispitzig; Augen gerundet, hinten vereinigt; Fühler an der Basis
geuähert, das dritte Glied sehr lang; Thorax unbewaflnet, zweimal
eingeschnürt, seitlich mässig gerundet erweitert; Schildchen mittel-
gross, halbrund; Flügeldecken viel breiter als der Thorax, mit recht-
winkligen Schultern, an der Spitze abgestutzt; Abdomen fünfglied-
rig, das erste Segment doppelt so lang als die folgenden: Art: A.
bistriata. Ferner: Sphenura larifuga, Obereopsis obscuritarsis (diese
neue Gattung steht zwischen Oberea und Isoceles und ist auf Saperda
modesta Fab. gegründet), — Ferner (ebenda p. 513 ff): Eazocentrus
occidentalis, Monohammus irrorator, sparsulor, Eurysops nov,gen. Esaü
(die neue Gattung soll mit Cerosterna verwandt sein, ist aber nicht
charakterisirt), Ceroplesis Hecate, Tragocephala (?) signaticornis, Tra-
gocephala (?) jaguarita, Phymasterna quadripunctata, Nemotragus Cala-
baricus und atralus.
Ferner wurden an neuen Arten aufgestellt:
Anisocerus stellatus, Acanthoderes antennalus , Colobothea Oscu-
latii, Hemilophus brachialis, tuberculicollis und frontalis vom Amazo-
nenstrom, von Gu&rin (Verhandl. d. zoolog.-botan. Vereins zu
Wien V.)
Acanthoderes Morrisit und Dorcaschema Wildii von Baltimore,
von Uhler (Proceedings acad. nat. science. of Philadelphia VII.
p- 415 fl.).
Sternotomis Thomsonii von Madagascar, von Buquet (Annales
de la soc. entom, III. p. 77, auf Taf. 7 abgebildet).
Pogonocherus decoralus aus den Pyrenäen und Dorcadion Lor-
quinii aus der Sierra Nevada, von Fairmaire (Annales de la soc.
entom. II. p.307 1.): derselbe berichtet zugleich, dass Aedilis xan-
thoneura Muls. mit Astynomus Edmondi Fairm. identisch ist.
Von folgenden Arten wurden die ersten Stände und die Entwicke-
lungsgeschichte beobachtet und beschrieben :
Exocentrus balteatus von Perroud (Annales de la soc. Linne-
enne de LyonlI. p.321); die Larve lebt in vertrockneten Aesten von
Lindenbäumen.
Leiopus nebulosus von Heeger (Sitzungsberichte der Wiener
Akad. d. Wissensch. XVII. p. 36 1.); die Larve lebt vom Juni bis
Oktober unter der Rinde verschiedener Obstbäume, wie Aprikosen,
Birnen, Aepfel u. s. w. und verpuppt sich im Herbste oder im näch-
sten Frübjahre. Abbildung auf Taf. 2.
Agapanthia suturalis von Perris (Memoires de la soeiete royale
des seiences de Liege X. p. 244); die Larve ist von eigenthümlicher
Gestalt, indem die beiden hinteren Thoraxsegmente sehr kurz und
breit sind, so dass sie über die darangränzenden bucklig hervortre=
während des Jahres 1855. 203
ten; sie lebt in den Stengeln von Melilotus macrorrhiza. Abbildung auf
Taf. 5.
Lepturetae. — Neue Arten sind:
Desmocerus aureipennis und Leptura militaris Chevrolat (Revue
et Magas. de Zoologie VII. p. 178 ff.) von den Rocky Mountains.
Leptura saucia Mulsant et Godart (Annales de la soc. Linn&enne
de Lyon II. p. 282) aus der Krim,
Chrysomelinae. Sagrides. — Als neue Art wurde vom
Ref. (Monatsberichte der Berliner Akad. d. Wissensch. 1555) Sagra
festiva von Mossambique diagnostieirt; sie steht mit Sagra bicolor
Lacord. in nächster Verwandtschaft.
Clythrides. — Eine neue Art des Ref. von Mossambique
ist: Clythra (Diapromorpha) Tettensis, ebenda diagnosticirt,
Cryptocephalides. — Eine neue Gattung wurde vomRef.
unter dem Namen Acolastus errichtet und zwar auf eine aus Mossam-
bique stammende Art: A. callosus, welche in naher Verwandtschaft
zu Pachybrachys steht, sich aber von allen bis jetzt bekannten Arten
durch grosses, flaches, dreieckiges und scharf zugespitztes Skutellum
unterscheidet. Ausserdem geben ihr auch der breite Kopf, die sehr
grossen Augen, die ziemlich kurzen Fühler, welche kaum den Hin.
terrand des Thorax überragen, und der quergezogene, nach vorn kaum
verschmälerte Thorax ein eigenthümliches Ansehen. (Monatsberichte
der Berliner Akad. d. Wissensch. 1855.)
Von Zebe (Entomol. Zeit. p. 25) wurde eine neue in der Graf-
schaft Glatz auf Salix caprea lebende (Art unter dem Namen Crypto-
cephalus saliceti beschrieben ; sie nähert sich im Baue dem Cr. quer-
ceti, in der Zeichnung dem Cr. frontalis am meisten.
Suffrian berichtete (ebenda p. 275) nach Untersuchung von
Original-Exemplaren über mehrere bisher nicht revidirte Arten Fol-
gendes: Cryptocephalus insignis Payk. = nitens Linn,, Cr. Mariae
Mulsant — signatus Oliv., Cr. lepidus Mulsant = tetraspilus Suflr.
und Cr. centrimaculatus Suffr. — Rossii var.
Eumolpides. — Aus dieser Gruppe wurden folgende neue
Arten bekannt gemacht:
Vom Ref. (Monatsberichte der Berliner Akad. d. Wissensch.
1855): Corynodes Dejeanii, Pachnephorus flavipes und Colasposoma cre-
nulatum aus Mossambique.
Von Gu&rin (Verhandl. d. zoolog.-botan. Vereins zu Wien V.):
Endocephalus geniculatus und flavipennis vom Amazonenstrome.
Von Uhler (Proceedings of the acad. of nat. scienc. of Phi-
ladelphia VII. p. 415 fl.) : Pachnephorus viticolus (sit!) aus Baltimore.
Chrysomelae genuinae. — Monograph of the Australian
species of Chrysomela, PhyHocharis and allied genera, by J. $. Baly.
204 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
(Transaet. entomol. soc. III. p 170 . Pl. 14.) Der vorliegende erste
Theil der Arbeit enthält die Gattungen Phyllocharis Dalm. mit 6 Ar-
ten, Diphyllocera Westw. mit 1 Art, Lamprolina nov. gen., auf Phyl-
locharis aeneipennis Boisd. errichtet, von Phyllocharis durch einfache
Klauen, längere, dünnere und nur an der Spitze etwas verdickte Füh-
ler, seitlich fast gerale abgeschnittenes, quer viereckiges Halsschild
unterschieden; ‚ausser der genannten Boisduval’schen Art werden noch
drei andere beschrieben. — Eulina nov. gen. mit gezähnten Klauen,
sehr langen und dünnen Fühlern, von langgestreckter, schmaler Kör-
perform, welche einige Aehnlichkeit mit Lema darbietet, indem der
Thorax beträchtlich schmaler als die Basis der Flügeldecken und seit-
lich fast gerade abgeschnitten ist. — Eine Art: E. Curtisü. — Chal-
colampra Blanch. mit 9 Arten. — Einige der als neu beschriebenen
Formen sind auf Taf. 14 nebst den dazugehörigen Details abgebildet.
— Die Eintheilung der Phyllocharis-Arten in solche mit rothen,
schwarzgefleckten und schwarzen, rothgefleckten Flügeldecken, wie
sie der Verf, vornimmt, ist wegen der Veränderlichkeit mehrerer Ar-
ten gar nicht durchführbar; z. B. lässt sich Phyll. flexuosa des Verf.
unter beide Abtheilungen bringen, und Phyll. eyanipennis, die er der
zweiten Gruppe zurechnet, ist gewiss nur eine Farben - Varielät von
Ph, cyanipes Fabr. (der ersten Gruppe angehörig), wie dies Ueber-
gangsstufen der hiesigen Sammlung erkennen lassen.
Eine neue Gattung Ceralces wurde vom Ref. (Monatsberichte
der Berl. Akad. d. Wiss. 1855) auf eine neue aus Mossambique stam-
mende eigenthümliche Chrysomelen - Form begründet, welche durch
die gegen die Spitze keulenförmig verdickten Fühler so wie durch
das gewölbte Halsschild, das zugleich beträchtlich schmaler als die
Basis der Flügeldecken ist, eine grosse habituelle Aehnlichkeit mit
denEumolpiden darbietet; da jedoch sowohl das dritte Tarsenglied un-
gespalten als die Klauen einfach. sind, kann sie nur den eigentlichen
Chrysomelen beizezählt werden. Eine bekannte Art: C. ferrugineus.
— Ausserdem wurden ebenda Polysticta conflxens und Plagiodera egre-
gia als neue Arten von Mossambique aufgestellt.
Einige Süd-Amerikanische Arten, vom Amazonenstrome stam-
mend, wurden von Gu&rin (Verhanil. d. zoolog.-botan. Vereins zu
Wien V.) bekannt gemacht: Doryphora Oseulatüi, fulvicornis, laco-
eincta, Bourcieri, bivittala, Humboldtwi, congregala und suturella. Eine
neue Gattung Dorysterna unterscheidet sich von Doryphora dadurch,
dass sich die Fühler vom siebenten Gliede an plötzlich erweitern und
eine abgeflachte Keule nach Art der Gattung Platycorynus bilden. Eine
Art: D. Bourcieri. Ferner: Polyspila flavilarsis, scalaris, Plagiodera
encausläa, Germari und laeniata.
Eine neue Europäische Art ist Timarcha maritima Perris (Bul-
während des Jahres 1855. 205
letin de la soc. entom. II. p. LXXVILf.), aus dem Departement des
Landes ; die Larve lebt auf Galium arenarium.
Suffrian bemerkt (Entomol. Zeit. p. 142), dass die von ihm
beschriebene Chrysomela ignita nicht mit dem neuerdings untersuch-
ten Original- Exemplar der Olivier’schen Art gleiches Namens iden-
tisch sei; er ändert daher den Namen seiner Chr. ignita, der für die
Olivier’sche Art verbleiben muss, in Chrys. resplendens um.
Letzner beschrieb (33. Jahresbericht d. Schlesischen Gesellsch.
für vaterl. Cultur 1855. p. 106) die ersten Stände von Phratora vitel-
linae und theilte Beobachtungen über ihre Entwickelungsgeschichte
mit; die Larve lebt auf Salix fragilis, viminalis und anderen Arten.
Die von Heeger beschriebene Larve, welche dieser Art zugeschrie-
ben wird, gehört ihr nicht an. — Ebenda p.109 gleichfalls die ersten
Stände von Chrysomela viminalis; die Larve lebt auf Salix aurita.
Perroud gal (Annales de lasoc. Linneenne de Lyon II. p. 407)
die Beschreibung der Larve von Oreina superba Oliv.; sie lebt auf
Laserpitium latifolium.
Gallerucariae. — Zwei interessante neue Gattungen dieser
Gruppe charakterisirte Ref. in den Monatsber. der Berl. Akad. d. Wiss.
1855. Die erste, Cerochroa n. g. zeichnet sich auffallend durch sehr
kurze und dicke Fühler aus, an denen nur das erste Glied verlängert,
die übrigen jedoch, besonders vom vierten an ganz kurz und breit,
eng aneinander schliessend und mit dichtem Toment bekleidet sind.
Auch die ganze Form des Körpers ist eigenthümlich, nämlich sehr ge-
wölbt, vorn zugespitzt und hinten stark verbreitert. Das Metaster-
num tritt keilförmig nach vorn heraus, die Klauen sind an der Spitze
gespalten. — Art: C. ruficeps. — Die zweite, Diamphidia n. g. bietet
einen deutlichen Uebergang zwischen den eigentlichen Gallerucarien
und den Halticinen dar, indem sie die Sprungbeine der letzteren mit
der Grösse und Form der ersteren in sich vereinigt. An den ziem-
lich derben Fühlern ist das 4te bis Ste Glied innen etwas erweitert,
an den vorderen Tarsen das erste Glied herzförmig, an den hin-
tersten länglich -dreieckig; die Klauen sind an der Basis scharf ge-
zähnt. — Art: D. femoralis. — Andere neue Arten von Mossambique,
ebenda diagnosticirt, sind: Galleruca divisa, Monolepta flaveola, discoi-
dea und trivialis,
Gu&rin beschrieb ( Verhandl. d. zoolog.-botan. Vereins zu
Wien V.): Aspicela Osculatii, rugosa, Bourcierü und nigroviridis als '
neue Arten vom Amazonenstrome.
Dohrn gab (Linnaca Entomologica X. Taf. 2) eine Abbildung
des merkwürdigen Loxoprosopus ceramboides Guerin nach beiden Ge-
schlechtern; das Weibchen unterscheidet sich von dem Männchen
durch nicht verlängerte Fühler, kürzeren Kopf und breiteren Thorax;
ein Exemplar desselben befindet sich im hiesigen Museum,
206 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Hispidae. — Die Larve der Hispa testacea Linn. wurde von
Perris (Memoires de la soc. roy. des sciences de Liege T.X. p. 260)
beschrieben und auf Taf. 5 bis dargestellt. Sie minirt die Blätter von
Cistus salvifolius, wie dies schon an mehreren Amerikanischen Arten
von Harris nachgewiesen worden ist. In der flachen und breiten
Körperform tritt sie den Cassida-Larven sehr nahe, zeigt aber ausser
dem Kopfe nur zwölf Körpersegmente.
Cassidariae. — Boheman’s Monographia Cassididarum ist
mit dem dritten Theile (Stockholm 1855) nunmehr beschlossen wor-
den; derselbe enthält den Schluss der die dritte Gruppe des Verf,
bildenden Gattungen, nämlich: Hybosa mit 5, Charidotis mit 45, Lac-
coptera mit 21, Psalidonota mit 8 und Coptocycla mit 407 Arten. —
Mit dem Abschlusse dieses Werkes ist die systematische Entomologie
abermals durch eine Arbeit bereichert worden, wie sie die den Schwe-
dischen Fachgenossen eigene Ausdauer und Mühseligkeit schon mehr-
fach zu Tage gefördert hat, und die sich durch den ungemeinen Fleiss,
welcher auf die Ausarbeitung der Einzelnheiten verwandt ist, jenen
rühmlich zur Seite stellt. Durch das sehr bedeutende Material, wel-
ches dem Verf. zu Gebote gestanden und die gründliche Durcharbei-
tung der bisherigen Literatur ist die Species-Kenntniss der Cassiden
auf einen Standpunkt gebracht, der für den grössten Theil der Co-
leopteren bis jetzt noch in das Reich der Wünsche gehört, In un-
gleieh geringerem Maasse scheint mir dagegen die systematische Ein-
theilung der vorliegenden Gruppe, und zwar besonders die Feststel-
lung der einzelnen Gattungen zum Ahschluss gebracht zu sein. Unter-
wirft man z. B. die vom Verf. aufgestellten drei Hauptabtheilungen
einer näheren Prüfung, so sieht man leicht, dass die dafür hervor-
gehobenen Unterschiede „capite prominulo“ und „capite omnino ob-
tecto“ etwas sehr Unbestimmtes und zur sicheren Trennung wenig
Geeignetes haben; besonders deutlich wird dies bei einem Vergleiche
der Gattungen Poecilaspis (Trib. II) und Physonota (Trib. II), deren
Arten habituell übereinstimmen und zum Theil in der Ueberdeckung
des Kopfes durch den Thorax sich fast bis zum Unmerklichen nähern.
Von den übrigen Merkmalen, welche der Verf. zur engern Eintheilung
der Cassiden verwandt hat, scheint mir die Bildung der Klauen, wel-
che bei den Chrysomelinen überhaupt, und bei der vorliegenden Ab-
theilung ganz besonders grosse Verschiedenheiten darbieten, das ge-
eigneiste zu sein, viel weniger wohl die Hervorragung des Meso-
sternum, die bei sonst eng verwandten Formen schwankt und über-
haupt als ein wenig prägnantes Merkmal geringere Beachtung verdient,
Gar zu gering angeschlagen oder vielmehr kaum berücksichtigt hat der
Verf. aber die Einlenkung der Fühler, welche bald hoch, bald tief
am Kopfe, hier eng aneinander, dort von der Mittellinie entfernt an-
getroffen wird, und welche für auch sonst übereinstimmende Formen
während des Jahres 1855. 207
sehr bezeichnend ist. Durch dieses Merkmal werden z. B. die Gat-
tungen Canistra, Mesomphalia etc. mit den nahe verwandten, bei
Boheman aber ziemlich weit entfernten Gattungen Selenis und Omo-
plata eng verbunden; ebenso Cassida mit Charidotis, die ich nicht
generisch zu trennen weiss, während bei B. die durch breite Stirn
und auseinanderstehende Fühler bezeichneten Gattungen Asteriza und
Hybosa dazwischen eingeschlossen sind. Was die Bildung der Füh-
ler selbst und besonders die Längenverhältnisse der einzelnen Glie-
der betrifft, so hat der Verf. hierauf jedenfalls für die Abgränzung
der Gattungen öfters einen zu übertriebenen Werth gelegt. So lässt
sich z. B. die Gattung Spilophora nicht gut von Calyptocephala tren-
nen, wie dies die nach den Arten schwankenden Längenverhältnisse
der Fühler deutlich zeigen; sollen sie aber nach rein habituellen
Merkmalen auseinandergehalten werden, so müsste Calyptocephala ni-
gricornis jedenfalls zu Spilophora gebracht werden. Ju gleicher
Weise wäre nach der Ansicht des Ref. eine Vereinigung der Gattun-
gen Tauroma, Desmonota, Canistra und Dolichotoma vorzunehmen.
Bei Tauroma sollen nämlich nach Angabe des Verf. die Antennen
„haud incrassatae,“ bei Desmonota dagegen „apicem versus fusiformes,
incrassatae“ sein; im Widerspruche hiermit finde ich aber die Fühler
bei Tauroma bicornis, eximia, coracina u. a. in viel höherem Grade
gegen die Spitze hin verdickt, als z. B. bei Desmonota dentipes. Es
wird dadurch klar, dass der Verf. die Gattung Tauroma nicht nach
den Fühlern aller darin enthaltenen Arten, sondern vielmehr nach der
eigenthümlichen Form der Flügeldecken, die allerdings etwas Ver-
lockendes hat, zusammengesetzt, übrigens aber zugleich einige in
letzterer Beziehung abweichende Arten, wie Taur. antiqua und sca-
brosa, besonders aber T. malachitica,, darunter vereinigt hat. Wie
wenig Gewicht übrigens für die Abscheidung von Gattungen auf die
grössere oder geringere Länge und die Verdickung der Fühler hier
zu legen war, hätte der Verf. an den mannigfachen Verschiedenhei-
ten, welche in dieser Beziehung die von ihm unter Desmonota ver-
einigten Arten darbieten, leicht ersehen können; man vergleiche
hierzu nur die Fühler von Desm. dentipes und bicorninta! Was die
Gattungen Canistra und Dolichotoma betrifft, so existirt allerdings
ein Unterschied darin, dass bei ersterer die fünf, bei letzterer die
sechs ersten Glieder der Fühler glänzend und glatt sind; da sie
aber in allen übrigen Merkmalen ganz genau übereinstimmen und
nicht einmal habituelle Unterschiede zeigen, so wäre eine Vereini-
gung jedenfalls natürlicher, zumal deshalb, weil Dolichotoma sich
ihrerseits wieder nicht von den beiden oben bezeichneten Gattungen
unterscheiden lässt. — Eine gleiche Bewandtniss, wie bei Tauroma
“und Desmonota, hat es mit der Trennung der Gattungen Omoplata und
Omaspides ; die für Omoplata- angegebenen Charaktere sind zwar aus
908 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
der Fühlerbildung einiger Arten, wie O. aulica, normalis, nupta etc.
entnommen, passen ‚dagegen nicht auf O. marginata Linn. u. a.; die
Fühler der letzteren Art sind ganz wie bei Omaspides clathrata ge-
bildet, und wird daher diese Gattung auf naturgemässem Wege mit
Omoplata zu verschmelzen sein. — Wenn der Verf, so auf der einen
Seite wesentlich übereinstimmende Arten verschiedenen Gattungen zu-
ertheilt, fehlen andererseits auch nicht Beispiele, wo verschiedene
Elemente vereinigt worden sind. Ein solches zeigt sich in der Gat-
tung Calaspidea, welche sich durch stark erweitertes Endglied der
Tarsen, unter dem die Klauen verborgen liegen, auszeichnen soll.
Diesen Charakter finde ich aber nur bei C. grossa , venosa und Co-
lumbiana, nicht aber bei C. discors und parellina ; die letzteren stim-
men in der Tarsenbildung ganz mit Mesomphalia überein, deren Arten
sie sich auch schon äusserlich eng anschliessen. — Die hier ange-
führten Beispiele mögen der Ansicht des Ref., dass die Sichtung und
nähere Begründung der Cassiden-Gattungen durch das Boheman’sche
Werk noch keineswegs abgeschlossen sei, zur Stütze dienen; bei der
gründlichen und sorgsamen Feststellung der Arten, welche der. Verf.
geliefert hat, wird übrigens eine derartige Nachhülfe ein Leich-
tes sein,
Zwei neue Europäische Cassiden - Arten sind: Cassida filaginis
Perris (Bulletin de la soc. entom. Il]. p. LXXVII ff.) aus dem Depar-
tement des Landes, deren Larve auf Filago gallica lebt; ferner Cas-
sida alpina Bremi (Entomol. Zeit. p. 196 ff.) aus den Schweizer Alpen,
7000° hoch.
Von Gu&rin wurden (Verhandl. d. zoolog.-botan. Vereins zu
Wien V.) Canistra Osculatii und Dolichotoma Bohemani vom Amazo-
nenstrome beschrieben.
Erotylenae. Neue von Gu&rin beschriebene Arten sind:
Aegithus consularis, Bourcierü, Erotylus Cornaliae und Gkilianii vom
Amazonenstrome (Verhandl. d. zoolog.-botan. Vereins zu Wien V).
Coccimellinae. Gehin, Catalogue synonymique des Coc-
einelliens observ&s dans le departement de la Moselle ist dem Ref.
nur aus einer Anzeige im Bulletin de la soc. entomol, p. CXIX be-
kannt geworden, wo er ohne Angabe der Jahreszahl angeführt wird.
Die Larve von Gryphinus piceus Com. wurde von Perris un-
ter Rinde zwischen faulenden Substanzen aufgefunden, wo zugleich
viele Poduren sich vorfanden; ob sie sich von diesen ernährt, wurde
nicht beobachtet. Eine Beschreibung und Abbildung derselben ist in
den Memoires de la soc. roy. des sciences de Liege, T.X. p. 270.
Pl.5 bis gegeben worden.
während 'des Jahres 1855. 209
Orthoptera.
List of Ihe specimens of Brilish Animals in the colle-
elion of Ihe British Museum. Part. XVII. Nomenclalor of Ano-
plura, Euplexoptera and Orthoptera. London, printed by or-
der of Ihe Irustees. 1355. — In diesem von A. White zu-
sammengestelllen Namensverzeichnisse sind die bisher in
England aufgefüundenen Orthoptera und Dermatoptera nach
der im Fischer’schen Werke angenommenen Nomenklatur (auch
mit Hinzufügung der dort: festgestellten Synonymie) aufge-
führt: Wie sich aus ‘der nördlichen Lage Englands leicht
schliessen lässt, ist seine Orthopteren - Fauna eine ziemlich
dürftige ; sie umfasst nämlich 4 Forficula , 9 Blaltariae (da-
von 4 eingeführt), 5 Achelidae, 10 Locustariae und 26
Aecridii.
Yersin hat in einer „Note sur la derniere mue des
Orthopteres“ (Bulletin de la soc. Vaudoise des sciences na-
turelles, Avril 1855) die zuerst von Charpentier festge-
stellten Untersehiede zwischen ' der Flügelbildung bei den
Larven und ‚den lmagines gewisser 'Orthopteren, welche be-
sonders bei den Arten mit: rudimentären Flügeln: in Betracht
kommen, durch. fortgesetzte Untersuchungen zu begründen
und zu erweitern gesucht. Als ein ‚sicheres Criterium über
den Larven- oder Imago-Zusland einer; Art hebt er hervor,
dass die Hinterflügel selbst bei solchen, wo; sie während des
ganzen Lebens kurz bleiben, im Zustande des ‚vollkommenen
Insektes fächerarlig gefaltet, bei der Larve hingegen nur ge-
rippt seien. Dieser Unterschied ist allerdings richlig, doch
scheint der Verf. nicht beachtet zu haben, dass bei der Larve
nur deshalb die fächerartige Faltung der Flügel nicht be-
merkbar ist, weil sie noch von einer besonderen Hülle um-
geben sind, die erst bei der letzten Häutung abgeworfen
wird. — Ein anderes wichtiges Criterium ist bekanntlich die
Lage der Flügeldecken und Hinterflügel zu einander, welche
bei der Larve gerade eine umgekehrle als bei der Imago ist;
den Uebergang des einen Zustandes in den anderen, der
bisher noch nicht genügend dargelegt war, hat-Yersin auf
eine recht anschauliche Weise durch schematische Figuren
Archiv f, Naturgesch. XXII, Jahrg. 2. Bd, [0]
210 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
nachgewiesen. Es findet nämlich eine Drehung der Flügel-
rudimente, die als Ausstrahlungen der Thorax-Peripherie be-
trachtet werden können, in einem Halbkreise slalt, wodurch
es sich erklärt, dass bei der Larve, wo beide Flügel nach
vorn gewandt sind, die hinteren über, beim vollkommenen
Insekte, wo sie sich nach hinten umschlagen, dagegen unter
den Flügeldecken zu liegen kommen.
Eine Anzahl neuer ausländischer Orlhopteren aus ver-
schiedenen Familien hat Stal in der Öfversigt af Kongl.
Vetensk. Akad. Förhandl. p. 347—353 beschrieben. Einige
derselben bilden zugleich neue Gattungen, welche den Fa-
milien der Forficulina, Achelidae, Locuslariae und Acridii an-
gehören.
Fieber setzte seine „Ergänzungsblälter zur Synopsis
der Europäischen Orthoptera“ im öten Jahrgange der Lotos
p- 65 ff. in der im vorigen Jahresberichte angegebenen Weise
-fort. Der vorliegende Theil behandelt die Familien der Gryl-
lodea, Xyodea und Forficulariae.
Einen Beitrag zur Orthopteren-Fauna der Krim gab Ha-
gen (Entomol. Zeit. p. 109) durch Aufzählung von vierzehn
daselbst gesammelten und von Fischer bestimmten Arten.
Eine ausgedehnte und von seltener Literaturkenntniss
zeugende Monographie der Termiten-Familie begann derselbe
im 10. Bande der Linnaea entomologica; der bis jetzt er-
schienene Theil bringt ausschliesslich eine Zusammenstellung
der die Familie betreffenden Literatur. (Siehe Termitina !)
$
Forficulina. Stal beschrieb (Öfvers. af Kongl. Vetensk.
Akad. Förhandl. p. 347) vier neue von Wahlberg im Caffernlande
aufgefundene Arten: Forficesila liturata, Forficula Amaculata, natalen-
sis und ochropus.
Derselbe machte (ebenda p. 348 if.) mehrere neue Forficulinen
verschiedener Länder und darunter auch einige neue Gattungen be-
kannt: 1) Aneistrogaster n.g. mit flachgedrücktem, behaarten Körper,
langgliedrigen Fühlern und hinten abgerundetem Thorax; das dritte
bis fünfte Hinterleibssegment verlängert sich jederseits am Hinterwin-
kel in einen nach hinten gerichteten Dorn, das letzte ist quer qua-
dratisch. An den Tarsen ist das erste Glied so lang als die beiden
folgenden zusammengenommen, das zweitesehr kurz. Art: A. Iuctuo-
sus von Rio Janeira. (Von bekannten Arten würde hierhin z. B. Forf.
während des Jahres 1855. ! 211
appendiculata Charp. zu rechnen sein; das hiesige Museum besitzt
ausserdem noch eine dritte ebenfalls Süd - Amerikanische Art.) — ?)
Cylindrogaster n. g. mit langgestrecktem, schmalen, behaarten Körper ;
der Kopf breiter als der Thorax, die Augen gross, kuglig, an den
Fühlern die einzelnen Glieder mit Ausnahme des ?ten bis äten ver-
längert; der Hinterleib cylindrisch, an der Spitze kuglig, das letzte
Bauchsegment fast halbkreisförmig. Art: C.'graeilis von Rio Janeiro.
— Die neuen Arten sind ferner: Forficesila elegans von Neu-Granada
(nur Varietät von Forf. procera Burm.), zanthopus von Rio Janeiro,
Psalidophora insignis von Neu-Granada, Korficula speculigera von Net-
Granada, geniculata von Java (gleich Forf. indica Burm.), wittjeollis
aus China, vigilans und amoena von Java, Sparatia rufina und nigrina
von Rio Janeiro.
Blattina. Stal beschrieb (Öfversigt af Kongl. Vetensk. Akad.
Förhandl. p. 351): Blabera luctuosa aus Mexiko, monstrosa aus Brasi-
lien und Blatta gloriosa von Sierra J,eona als neue. Arten.
Mantodea. Von Lucas wurde (Revue et Magas. de Zool.
Vi. p. 103 ff.) eine neue Art der Gattung Eremiaphila aus dem Sü.
den Algier’s unter dem Namem E. denticollis zuerst nach einem ein-
zelnen Exemplare und nachträglich (ebenda p. 395) nach beiden Ge-
schlechtern beschrieben. — Zugleich bemerkte L., dass Arten wie
sie in dieser Gattung von Lefebvre und neuerdings vonBrisout
de Barneville nach Larven- und Puppenzuständen beschrieben
worden seien, in der Systematik keine Geltung haben’ könnten, da
aus solchen Exemplaren die Charaktere der Imago nicht zu erkennen
seien. Auf denselben Gegenstand bezieht sich auch ein Aufsatz des
Verf, in den Annales de la soc. entomol. III. p. 7591. , betitelt: „Un
mot sur les organes sexuels des Örthopteres employ&s comme cha-
ractöres pour distinguer l’&tat parfait ou non parfait de ces insectes,«
der nur zu dem Zwecke geschrieben ist, um Brisoutde Barne-
ville zu überzeugen, dass die von ihm beschriebene Eremiaphila
eine Larve sei, was dieser nicht zugeben will.
Ueber die Paarung und das Eierlegen der Mantis religiosa machte
Kollar (Sitzungsberichte d. zooleg.-botan. Vereins zu Wien V, p.95)
einige Mlittheilungen, Bei der Paarung sitzen die Thiere nicht auf-,
sondern neben einander (also wie Panorpa); das Weibchen frass nach
derselben das Männchen und später noch ein’ zweites hinzugesetztes
auf. Die Eier wurden nach sechs Tagen abgelegt und zuvor eine
milchweisse Substanz zum Zusammenkitten derselben abgesondert.
Achetidae, Stal stellte (a. a. 0. p. 351) eine neue Gat-
tung Hirpinus auf, für welche folgende Charaktere angegeben wer-
den: der Kopf ist klein, oben convex, zwischen den Fühlern zusam-
mengedrückt- bucklig; die Augen oval, die Fühler doppelt so lang
21% Gerstaecker: Bericht üb. d.Leistungen in d. Entomologie
als der Körper, das Basalglied gross und dick, die Palpen der Maxil-
len sehr ‚lang, ' ihr. Endglied schief abgestutzt. Der Thorax fast quer,
an den Seiten herabgebogen, erweitert, vorn schmaler als hinten. Die
Deckflügel flach, länger und breiter als der Hinterleib, mit breitem,
herabgeschlagenen Vorderrand; die Schwanzborsten fast von Leibes-
länge; . die Beine lang und schlank, die Hinterschenkel mässig ver-
dickt, die Hinterschienen unten stachlig, in der Mitte mit drei län-
geren Dornen. Art: H. afer von Port Natal.
Hocustariae. Clonia Stal (a. a. 0. p.352) ist eine neue
mit Listroscelis durch die langgedornten Beine nahe verwandte Gat-
tung, jedoch schon habituell durch schmaleren, mehr verlängerten
Körper unterschieden. Der Kopf ist von oben gesehen quadratisch,
etwas gewölbt, zwischen den Fühlern mit scharfer Spitze hervortre-
tend, die Stirn schräg nach hinten abfallend ; die Augen kuglig her-
vorgequollen; der. Thorax verlängert, hinten breiter, in der Mitte
zusammengedrückt, Meso- und Metasternum zweistachlig; die vorde-
ren Beine mit langen Doppeldornen, die hintersten mit kurzen Säge-
zähnen, die Tarsen stark verbreitert. — Eine Art: ©. Wahlbergii von
‚Port Natal, im hiesigen Museum auch vom Cap.
Yersin berichtigte in einer „Note sur le Xiphidium fuscum“
(Bulletin de la soc, Vaudoise des sciences naturelles, Avril 1855) die
Angaben Fischer’s über die Bildung der Cerci bei Xiphidium fus-
cum, welche. nicht, wie sie in dessen Werke dargestellt sind, ein-
fach, sondern in.der Mitte des Innenrandes mit einem langen, platten
Dorne bewaflnet sind. — Ausserdem erwähnt er einer Varietät dieser
Art, welche er in der Provence aufgefunden hat, die sich ausser
beträchtlicherer Grösse auch durch Unterschiede in den Längsver-
hältnissen des äusseren Genitalapparates heider Geschlechter unter-
scheidet. Beide Notizen sind durch beigefügte Abbildungen der be-
treffenden Organe erläutert.
Acridioden. Eine neue mit Mesops nahe verwandte Gat-
tung machte Stal (a. a. O. p. 353) unter dem Namen Amycus be-
kannt; sie ist wie jene, von linearer Gestalt und stimmt auch durch
den verlängerten Kopf mit ihr überein; leicht kenntlich ist sie durch
die Fühlerbildung: die Fühler sind neungliedrig, die beiden ersten
Glieder kurz, die folgenden llachgedrückt, stark verbreitert, an der
Aussenseite., je in einen Zann auslaufend, das letzte länglich, eylin-
drisch. Kopf und Thorax sind auf der Oberseite mit durchlaufenden
Längsrippen versehen, (der verstere vorn abgerundet. Die Deckflügel
sind an der Spitze zugeschärlt. — Zwei Arten von Port Natal: A.
zanthopterus und rhodiopierus , letztere Art im hiesigen Museum auch
vom Cap. — Ausserdem werden beschrieben: FPoecilocerus porosus
und Pelasia rubro-ornata von Port Natal, Monachidium superbum von
während des Jahres 1855. 215
Honduras , Tetiie Mellerborgi ‘von Javaz;' im letzterer Art’ 'vermuthet
der. Verf. wegen der drei vorletzten verbreiterten Fühlerglieder den
Typus einer eigenen Gattung.
Termitina, Unter den Entomologischen Arbeiten, über wel-
che Ref. in: diesem Jahre, zu berichten hatte , nimmt 'ohne Frage die
von Hagen (Linnaea entomologica X. p. 1’und 270 ff) begonnene
Monographie der Termiten ‘den’ ersten Rang ein; ‘das Ausland ‘kann
sich an derselben ein: Muster nehmen und‘ erkennen ‚ was ‘deutscher
Fleiss und deutsche Gründlichkeit zu leisten im Stande ist, Der Verf,
holt, um die sich gestellte Aufgabe 'nach allen’ Seiten hin erschöpfend
zu behandeln, weit aus“ und beginnt’ mit Untersuchungen über den
„Ursprung und die Verschiedenheit’ in der Benennung‘ der Termiten.«
Sowohl was sich bei Griechischen’ und Römischen "Autoren auf diese
Thiere deuten lässt, als auch‘ die Namen‘, welche die verschiedenen
Nationen aller Erdtheile ihnen beigelegt‘ haben, ' werden hier'zusam-
mengestellt.‘ Sodann geht der Verf, zu einer Zusammenstellung’ der
sehr ausgedehnten‘ und in einer ‚grossen Anzahl der verschiedenar-
tigsten: Werke zerstreuten‘ Literatur, so weit sie die Biologie der Fa-
milie, betrifft, über. Hier werden zunächst ‘die aus 'dem'Alterthume
stammenden Nachrichten über (Termiten , oder vielmehr. solche Anga-
ben, aus denen man auf Termiten ‚schliessen kann, "angeführt; eine
Sicherheit über die Bekanntschaft der Alten mit diesen Thieren lässt
sich nirgends gewinnen, wenn sie ‚sich auch aus einzelnen Notizen
als nicht unwahrscheinlich ergiebt. Von«besonderem Interesse war die
Untersuchung , ob. im Mittelalter die Termiten schon in Europa be-
kannt gewesen sind, ‚indem. ‚dies ‚für ihre ursprüngliche Verbreitung
einen wesentlichen Anhalt .bieten musste; leider liess sich hierüber
nichts Gewisses ausmitteln, Was über: die /Termiten ' der anderen
Welttheile während, des Mittelalters und. bis auf König (1779) sich
aulfinden liess, ist, in einem zweiten, ‘und die neuere Literatur (seit
jener Zeit) in einem dritten Abschnitte zusammengestellt; für Asien
ist es besonders König, für Afrika Smeathman,'deren Beobach-
tungen an Ort und Stelle von wesenlichem Belang sind und die hier
in der erforderlichen Vollständigkeit wiedergegeben und besprochen
werden. Europa, als der jüngste Sammelplatz der: Termiten‘, wird
hier zuletzt in Betracht gezogen; seine, Literatur, beginnt mit Rossi
und endigt mit Quatrefages, — In gleicher Weise wie: für die
Biologie der Termiten stellt: der, Verf, im. folgenden Abschnitte die
Literatur über ihre Systematik zusammen ; ‚sämmtliche von den 'ver-
schiedenen Autoren, von Liune& bis auf Walker beschriebene und
abgebildete Arten werden hier einzeln, namhaft gemacht und kritisirt;
mit einer gleichen Zusammentragung der sich, auf, die Paläontologie
und Anatomie der Familie beziehenden Literatur schliesst der bis jetzt
vorliegende Theil der Arbeit, welche in gleicher Weise zu Ende ge=
214 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
führt, sowohl wegen der kosmopolitischen Bedeutung des darin 'be-
handelten Gegenstandes als der klassischen Ausführung eine der vor-
züglichsten in der Entomologischen Literatur zu werden verspricht.
Libellulinae. „Ueber die Zahl der Odonaten und ihre
Verbreitung“ gab Hagen (Entomol. Zeit. p. 131 ff.) schätzenswerthe
Mittheilungen. Der Verf. berechnet die Zahl der gegenwärtig in den
Europäischen Sammlungen vorhandenen Odonaten auf 1000 bis 1100,
von denen etwa 100 Arten auf Europa kommen; schätzte man selbst
das Verhältniss der Europäischen Arten zu denen der übrigen Welt-
theile auf 1:25, wie sich dies für die Calopteryginen herausgestellt
hat, aber kaum für die übrigen Gruppen anzunehmen ist, so beliefe
sich das Maximum der muthmasslich existirenden Arten auf 2500. —
In Betreff der Verbreitung Europäischer Arten über andere Welttheile,
so ‚sind solche bisher nur im: westlichen Asien und nördlichen Afrika
aufgefunden worden ; ein Vorkommen in Nord - Amerika ist noch bei
keiner einzigen Art mit vollkommener Sicherheit festgestellt worden.
Die,,am. weitesten verbreitete Europäische Art ist Anax formosus , der
in ganz Europa und Afrika vorkommt. Von aussereuropäischen Arten
haben ‚die’ grösste ‚Verbreitung Libellula flavescens (in den Tropenge-
"genden Asiens,; Alrikas und. Amerika’s), Libellula Tillarga und Anax
mediterraueus.(Asien.und Afrika), Libellula Sabina (von Klein-Asien
bis: China).
Eine Uebersicht der Odonaten Meklenburgs gab Füldner im
Archiv’des Vereins der‘Freunde der Naturgeschichte in Meklenburg,
9. Heft p: 49.1.0 — Es sind dem Verf. im Ganzen 49 Arten als in
Meklenburg einheimisch ‘bekannt geworden, von denen W auf die
Gruppe derLibelluliden , 9 auf die der Aeshniden und 14 auf die der
Agrioniden kommen. Bei einer Vergleichung der Libellen-Fauna Mek-
lenburgs mit‘ der von Hannover und Ostpreussen stellt sich heraus,
dass) 35 Arten allen drei Gegenden gemein sind. Zum: Schluss giebt
der-Verf. drei Tabellen, welche eine Analyse der norddeutschen Gat-
tungen und Arten und die Angabe der wesentlichsten Längenmaasse
für die einzelnen Arten (Hinterleib, Hinterllügel, Flügelnaht u. s. w.)
enthalten.
Die in der’ Umgegend von Saumur vorkommenden Libellulinen
wurden vonAckermann und Courtiller in den Annales de la so-
eiete Linneenne du departement de Maine etLoire, I. Annde (Angers
1854), p. 196 verzeichnet; es sind nur die Namen ohne Autoren an-
gegeben; ihre Zahl beträgt 48. 4
Eiphemerinae. Die Gattung Oligoneuria Pictet unterwarf
Hagen (Entomol. Zeit. p. 262.) einer ins Einzelne gehenden sorg-
fältigen Untersuchung nach den beiden bis jetzt bekannt gewordenen
Arten O. anomala und Rhenana. Von letzterer Art, welche bei Basel
an den Ulern des Rheins alljährig in grosser Menge erscheint, lagen
während des Jahres 1855. 215
dem Verf. Imago und Subimago beider Geschlechter vor. Von be-
sonderem Interesse ist eine bis jetzt ohne Analogie dastehende Bil-
dung der Flügel, indem sich nämlich ‚der Innenrand in Form eines
schmalen, freiliegenden Bandes, das bis zum dritten. Hinterleibsseg-
mente reicht, loslöst; ferner der Umstand, dass Vorder- und Hinter-
flügel wenigstens in ihrem Aussentheile fest aneinander haften, was
Imhoff sogar veranlasste, nur zwei Flügel anzunehmen, die sich
später in vier spalten sollen. Hagen bemerkt sehr richtig, dass dies
eine nach allem bisher Bekannten ganz unhaltbare Annahme sei. Da
beide Flügel an der Basis stets getrennt und ihre Insertion am Meso-
und Metathorax ganz regelrecht ist, so kann nur ein festes Zusam.
menhaften durch bis jetzt nicht bekannte Ursachen angenommen wer-
den. — Ausser einer nochmaligen Beschreibung der beiden bis jetzt
bekannten Arten giebt der Verf. auf Taf. 3 eine Darstellung der ver-
schiedenen Entwickelungsstufen von Oligoneuria Rhenana, so. wie der
einzelnen charakteristischen Körpertheile der Gattung.
Thysanura,
Lepismenae, Unter dem Namen Atelura formicaria beschrieb
v. Heyden (Entomol. Zeit. p. 368) eine neue Gattung und Art aus
dieser Familie, welche in den Nestern der Myrmica cespitum im
Schwarzwalde aufgefunden wurde. Ihr Körper ist länglich, eiförmig,
am Ende mit drei kurzen, wenig gegliederten Schwanzborsten verse-
hen, die Fühler elfgliedrig, die Kiefertaster fünf-, die Lippentaster
viergliedrig, die Tarsen dreigliedrig. — Am nächsten steht die Gat-
tung der von Gervais aufgestellten Untergattung Lepismina, welche
sich jedoch durch vielgliedrigen Fühler davon unterscheidet. Die Art:
A. formicaria ist 1'/, bis 2“ lang, von Farbe gelb, seidenglänzend,
Parasita.
Die in England vorkemmenden Pediculinen und Mallo-
phagen sind von A. White in dem schon oben erwähn-
ten List of Ihe specimens of British Animals in the collection
of the British Museum, Part. XVII. Nomenclator of Anoplura etc.
London 1855 zusammengestellt worden; der Catalog ist ein
blosser Auszug der Arinamen aus dem bekannten Denny’-
schen Werke über die Anopluren England’s,
Von historischem Interesse ist ein Aufsatz des verstor-
benen Chr. Nitzsch „Zur Geschichte der Thierinsekten-
kunde,“ welchen Giebel in der Zeitschrift für die gesamm-
ten Naturwissenschaften, -Bd. 5. p. 269 ff. aus dem literarischen
216 Gerstaecker: Bericht; üh. .d. Leistungen in d. Entomologie
Nachlasse des berühmten: Verfassers: veröffentlicht ‚hat; der-
selbe enthält‘ eine Darlegung seiner. langjährigen‘ Studien
über diese Insekten-Ordnung, deren Resultate leider nur'in
sehr beschränkter Weise der Oeffentlichkeit übergeben wor-
den sind,
Neuroptera.
Brauer hat abermals durch mehrere Beiträge in den
Verhandl. d. zoolog.-bolan. Vereins zu Wien V. p. 479, 701
und, 777 ff. „die Nalurgeschichte der inländischen Neuroptera
bereichert. ..Zuvörderst; sind es wieder die ersten Slände und
die’Entwickelungsgeschichte mehrerer Arten , wie.Ascalaphus
Macaronius‘, ''Manlispa pagana und Acanthaclisis' oceitanica,
welche der Verf. theils ganz neu entdeckt, theils durch fort-
geselzte Beobachtungen vervollständigt hat. (Siehe das Nä-
here unter Hemerobini!) Ferner liefert er an einigen Haupt-
repräsentanten.der einzelnen. Familien und Gruppen, ‚wie an
Limnophilus, ‘Bittacus, "Boreus, Mantispa und Formicaleo. eine
vergleichende Anatomie der Abtheilung Planipennia und ver-
wendet die hierbei erlangten Resultate zur näheren Begrün-
dung der schon früher von ihm aufgestellten Gruppen. Eine
bildliche, Darstellung der anatomischen Details ist auf fünf
der Abhandlung beigefügten Tafeln gegeben. — Endlich, giebt
er’eine Aufzählung: der bis jetzt in. der, Umgebung. Wiens
aufgefundenen Neuropteren:
Von den anatomischen Verhältnissen der untersuchten Gattun-
gen erweist sich als wichtig für die Systematik besonders der Tra-
ctus intestinalis und zwar hauptsächlich die Bildung des Schlundes
und Magens. Bei den Panorpaten findet sich ein fester, aus steifen
Haaren bestehender Cylinder im Schlunde, aber kein Schlundanhang ;
beides fehlt dagegen bei den Sialiden. -Die Rhaphidien haben einen
im Prothorax verdiekten Schlund und einen ziemlich ‚grossen Schlund-
anbang, die Megaloptera (Mantispa, Coniopteryx und die Hemerobini)
haben einen Saugmagen und einen kugligen Vormagen hinter demsel-
ben. — Die Wiener Neuropteren - Fauna umfasst von Trichopteren :
16 Limnopbiliden und 10 Phryganiden (die Isopalpiden sind noch nicht
verzeichnet worden) ; von Planipennien: 1 Boreus, 3 Panorpa, 1 Bit-
tacus, 2 Sialis, 5 Rhaphidia, 1 Inocellia, 1 Mantispa, 1 Coniopteryx,
1 Osmylus, 1: Sisyra, 1 Drepanopteryx, 11 Hemerobius, 17 Chrysopa,
1. Ascalaphus, 1, Formicaleo und 2 Myrmeleon. —.Die schon von
während des Jalıres 1855. 217
Westwood vertretene und von Brauer angenommene Trennung
von Rhaphidia und Mantispa, von. denen die erstere, zu. den Lepto-
phyen, die letztere zu den Megalopteren gestellt wird, scheint dem
Ref. trotz der Verschiedenheit in der Bildung der Mundtheile bei den
Larven, auf welche Br, hauptsächlich seine Ansicht stützt, dennoch
nicht recht naturgemäss. Die Bildung des Prothorax und das Flügel-
geäder sind bei beiden Gattungen so analog, dass eine Trennung
beider nur künstlich vorgenommen werden kann; Rhaphidia würde
ferner mit den Megalopteren in dem Vorhandensein des Saugmagens
übereinstimmen, der allen bis jetzt bekannten Leptophyen fehlt, und
dieLarve, welche gleich allen übrigen Megalopteren-Larven im Trock-
nen lebt, zeigt trotz der verschieden gebildeten Fresswerkzeuge in
der ganzen Körper- und Extremitätenbildung eine bei weitem grös-
sere Uebereinstimmung mit der von Mantispa und den Hemerobinen,
als mit denen der Panorpaten und Sialiden. Rhaphidia und Mantispa
würden daher wohl am passendsten die erste Gruppe der Megalopte-
ren bilden.
Hemereobini. Brauer hat (Beiträge zur Kenntniss der
Neuropteren, a. a. U. p.479) die Entwickelungsgeschichte des Asca-
laphus Macaronius durch Auffinden der erwachsenen Larve und des
Cocons vervollständigt. Letzteres fand er nahe an der Erde, an
Pflanzen festgesponnen; es ist kugelförmig, schön blauweiss, sehr
dünn gesponnen und leicht zusammendrückbar; sein Durchmesser be-
trägt fünf Linien. Von der Nymphe wird eine ausführliche Beschrei-
bung gegeben; wie bei Myrmeleon bleibt die Nymphenhaut beim Aus-
kriechen der Imago im Cocon stecken. — Auf einer beigefügten Ta-
fel sind die Nymphe und das Cocon abgebildet. — Auch von Mantispa
pagana hat der Verf. das Cocon aufgefunden; es war in einer klei-
nen, einen Zoll tiefen, cylindrischen Grube in derErde versteckt und
zwar zwischen Gras; es ist oval, ziemlich fest und aus grünlich
weissen Fäden gesponnen, fünf Linien lang, drei Linien breit und
aussen von einem mehr losen Gespinnst umgeben. Die im Verhält-
nisse grosse Nymphe zeigt wie die der vorigen Art beträchtliche Ab-
weichungen in den Mundtheilen von der Imago, welche der Verf.
näher erörtert; ebenfalls abgebildet. — Ganz neu ist die Verwand-
' Jungsgeschichte der Acanthaclisis occitanica, welche Brauer (ebenda
p- 777 #1.) beschreibt; die Larven nebst den Cocons wurden von Bach-
mann in Preussen, am Ostseestrande aufgefunden. Die erstere gräbt
keinen Trichter im Sande, sondern verräth ihren Aufenthalt nur da-
durch, dass in ihrer nächsten Umgebung sich reiner weisser Sand
findet, während das übrige Terrain mit Kieferabfällen und sch warzen
Erdstückchen bedeckt ist; sie geht gleich gut vor- und rückwärts
und hat, wie die Larve von Myrmelcon, Analanhänge, stimmt auch
im Uebrigen wesentlich mit dieser überein; das letzte Ilinterleibs-
218 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
segment ist jedoch kuglig. Das Cocon von 8 Linien Länge, ist ku-
gelförmig und wie bei Myrmeleon aussen mit Sand übersponnen, —
Die ausführliche Beschreibung aller früheren Stände mit Ausnahme
des Eies ist durch Abbildung auf einer beigefügten Tafel erläutert.
Lö&on Dufour hat eine anatomische Untersuchung der Ne-
moptera lusitanica vorgenommen und einige Notizen darüber in den
Annales des sciences naturelles T. IV. p. 153 f. mitgetheilt. Dass ihm
das Auffinden des Nervensystems nicht gelungen ist und er deshalb die
Abwesenheit eines solchen vermuthet, wurde schon oben mitgetheilt.
Im Uebrigen haben die anatomischen Verhältnisse der Nemoptera eine
grosse Uebereinstimmung mit den zunächst verwandten Neuropteren
ergeben. Der Vormagen fehlt, die Contenta des Tractus intestinalis
lassen auf eine flüssige Nahrung schliessen (?), die Tracheen sind
sparsam und durchweg röhrenartig, woraus Dufour auf geringes Be-
wegungsvermögen schliesst.
Schneider bestritt (Entomol. Zeit. p. 72) die Richtigkeit der
Beobachtung Hagen’s, wonach bei Chrysopa zuerst das Ei und dann
erst der Stiel, auf dem es später sitzt, zu Tage gefördert wird; er
schreibt diese Abnormität dem Umstande zu, dass die von Hagen
beobachteten Exemplare an Nadeln gespiesst und daher nicht im Voll-
besitze ihrer physischen Kräfte waren. Die von ihm selbst beim
Eierlegen beobachteten Chrysopen producirten stets zuerst den Stiel
und diesem folgte erst das Ei selbst.
Der Curiosität wegen ist hier noch zu erwähnen: „Description
scientifique de la vie du Myrmeleon sous les trois Etats de la larve,
de nymphe et d’insecte parfait, par J. P. Coinde. Lyon 1855. 12.«
Dies 28 Seiten umfassende Schriftchen , dessen Inhalt sich bei etwas
gedrängterem Drucke leicht auf eine gewöhnliche Oktavseite bringen
liesse, entspricht seinem Titel wenigstens in so fern nicht, als die
darin enthaltene Beschreibung des Myrmeleon keineswegs wissen-
schaftlich ist. Wir erfahren daraus nur, dass drei Lebenszustände des
Thieres existiren, über welche in wenigen Worten allgemein Bekann-
tes gesagt wird.
Panerpatae. Brauer (Verhandlungen d. zoolog.- botan.
Vereins zu Wien V. p. 722) unterschied drei in Oesterreich vorkom-
mende Panorpa-Arten, nämlich ausser P. communis zwei neue Arten:
P. montana und variabilis Bremi. Von der P. montana hat Br. auch
neuerlich die Larve aufgefunden, die sich nach mündlicher Mittheilung
durch ein constantes Merkmal, nämlich durch verschiedene Färbung
des Mundes, von derjenigen der P. communis unterscheidet,
Phryganodea. Hagen versuchte (Entomol. Zeit. p. 2041.)
eine nähere Bestimmung und Kritik der von Pietet beschriebenen
Phryganiden ; es lagen ihm dabei eine Anzahl von Pictet selbst ‚be-
nannter Iypischer Exemplare vor.
während des Jahres 1855. 219
Hymenoptera,
Die Verzeichnisse der im British Museum enthaltenen
Hymenopteren sind in diesem Jahre mit drei neuen Heften
fortgesetzt worden, welche von F, Smith bearbeitet sind.
Es sind folgende:
1) Catalogue of British Hymenoptera in the collection
of ihe British Museum, by F. Smith. Part. I. Apidae, Bees,
London 1855. 248 pag. 11pl. — Dieses Bändchen enthält
eine vollständige systemalische Bearbeitung der in England
einheimischen Andreneten und Apiarien und wird den Samm-
lern der inländischen Hymenopleren eine sehr willkommene
Erscheinung sein. Von besonderer Wichtigkeit ist die Ar-
beit für die Synonymie dieser Familien, indem nicht nur die
Kirby’sche Monographie der Englischen Bienen darin eine
erneute Durcharbeilung erfahren hat, sondern auch die Arten
der conlinenlalen Autoren zum Theil nach Vergleich von
Original-Exemplaren gemustert und mit den Kirby’schen Ty-
pen verglichen worden sind. Sämtliche Gattungen und
Arten sind von Neuem sorgfältig beschrieben worden, was
um so erwünschler ist, als eine nicht geringe Anzahl in we-
nig verbreiteten Englischen Zeitschriften zuerst bekannt ge-
macht worden ist und daher eine ziemlich beschränkte Ver-
breitung erfahren hat. Auch über die Lebensweise und Na-
turgeschichte der bekannteren Foren hat.der Verf. theils be-
reits Bekannles kurz zusammengelragen, theils manche neue
Beobachlung mitgelheilt. — Die beigefügten Tafeln enthalten
für das Studium der Apiarien sehr geeignete Abbildungen;
ausser einer Anzahl charakteristischer Arten enthalten sie
Darstellungen aller. wichtigeren Körpertheile, besonders der
Mundtheile, welche 4 Tafeln einnehmen, ferner der Flügel,
der Schienen, der Endsegmente des Abdomens u. s. w.
2) Catalogue of Hymenopterous Insects in the colleetion
of Ihe British Museum. Part. II, Apidae. London 1854. (p. 199
—465. pl. VII X11.) — Dieser Theil bildet die Fortsetzung
des im vorigen Jahresberichte erwähnten und enthält eine
Aufzählung der übrigen im Brilish Museum vorhandenen Apia-
rien. Wie in jenem, so sind auch bier die bekannten Arten
nur namentlich und mit Hinzufügung der Synonymie aufge-
220 Gerstaecker: Bericht üb. d, Leistungen in d. Entomologie
führt, die neuen ausführlich. und. meist kenntlich beschrie-
ben. Die Bestimmung nach den Beschreibungen des Verf.
wird dadurch etwas erschwert, dass er keine Diagnosen giebt
und in solchen Galtungen, wo sich, wie z.B. bei Coelioxys,
nach der Form des Schildchens, der verschiedenen Zahnung
des letzten Abdominalsegmentes u. s. w. sehr gule Unterab-
theilungen bilden lassen, die Arten nicht nach dergleichen
leicht kenntlichen Merkmalen, sondern nach dem Vaterlande
aneinanderreiht. Bei sehr nahe verwandten Arten wäre hin
und wieder eine mehr vergleichende Beschreibung erwünscht
gewesen und dadurch wohl mancher Zweifel über die sichere
Bestimmung einer Art gehoben worden, wie sie dem Ref.
z. B. bei mehreren südamerikanischen Coelioxys- Arten mit
rother Basis des Abdomens aufgestossen sind. Bei Xylocopa
ist das Zusammengehören der beiden oft auffällig verschie-
denen Geschlechter, die vonFabricius, Lepelletier u.a.
öfter als eigene Arten beschrieben worden sind, durch die
Arbeit des Verf. ebenfalls nicht nachgewiesen worden, ob-
wohl man durch Vergleich der von derselben Lokalilät stam-
menden Exemplare bei mehreren Arten hierüber zu ziemlich
sicheren Schlüssen gelangen kann. Im Uebrigen ist die
Durcharbeilung der Literatur eine recht sorgsame, wenn sie
auch hin und wieder nicht ganz vollständig gegeben ist; z. B.
würde für Pasites Schotlii Fabr. wohl besser der Name P.
„atrata Fabr. (Nomada atrala Fabr.) anzuwenden sein, da
letzterer für ausgefärbte, d.h. tief schwarze Exemplare der-
selben Art aufgestellt worden ist, während der erstere die
rostrothen Individuen bezeichnet; auf die schwarze Stammart
(im hiesigen Museum nach dem typischen Exemplare von
Fabricius als seine Nomada atrala bestimmt) ist auch wohl
ohne Zweifel Pasites atra Spinola zu beziehen, welche schon
Latreille als synonym heranzieht, von Smith aber als
eigene Art aufgeführt wird. — Von neuen Galtungen enthält
der vorliegende Theil im Verhällniss nur wenige; sie sind
an ihrem Orte aufgeführt worden. Von den sechs das Werk
begleitenden Tafeln enthalten ‘die beiden ersten Darstellungen
neuer Arten, die übrigen die Anatomie der Mundtheile einer
Reihe von Gallungen und die Hauptiypen des Flügelgeäders.
während des Jahres 1855. a2
3) Calalogue of Hymenopterous Insects in Ihe collection
of the British Museum. Part. Ill. Mutillidae and Pompilidae.
London 1855. (206 pag. 6 pl.) — Mit der vorigen Arbeit in
der Art der Ausführung übereinstimmend, enthält dieser Band
die Familie der Mutillarien im engeren Sinne (d.h. die Gal-
lungen Mulilla, Apterogyna, Bradynobaenus, Myrmosa, Me-
thoca und Scleroderma). ferner die Scolielae und die Pompi-
lidae. Weshalb der Verf. unter Helerogyna nur die Mutilla-
rien und nicht auch die Scolieten begreift, und letzlere dage-
gen mit den Pompiliden zu einer Abtheilung vereinigt, ver-
stehe ich nicht; die Verwandtschaft der beiden ersten Grup-
pen ist doch schon nach der sehr charakteristischen Ver-
schiedenheit der Geschlechter viel grösser, als die der Sco-
lien mit den Pompiliden, — Nach näherer Durchsicht der Ar-
beit mit Bezug auf die hiesige Sammlung’kann ich derselben
nicht eine gleiche Sorgsamkeit wie den beiden vorigen nach-
rühmen, wenigstens nicht in allen Theilen. Am besten schei-
nen mir die Mulillarien durchgearbeitet zu sein, viel weni-
ger gründlich die Scolien, wo der Verf. sich zu sehr auf
Andere verlassen und oft die nölhige Kritik ausser Augen
gelassen hat. Zweckmässig ist bei der Anordnung der Sco-
lien-Arten die Aufstellung verschiedener Gruppen, wie sie
nach dein Flügelgeäder von Klug angegeben worden sind,
indem dadurch die Bestimmung sehr erleichtert wird; leider
hat der Verf. bei Pompilus,,yo eine solche Anordnung nach.
wesentlichen Öharackteren, Mllnach der Bildung der Klauen
noch viel nolhwendiger gewesen wäre, dieselbe unterlassen,
und so kommt es, dass hier eine grössere Anzahl seiner als
neu beschriebenen Arten nicht mit Sicherheit zu eniziffern
is. Eine richlige Krilik zeigt der Verf. durch Einziehung
mehrerer von Lepelletier unler den’ Scolien und Pompi-
liden aufgestellten unhaltbaren Galtungen. — Die sechs bei-
folgenden Tafeln enthalten zum grössten Theile Darstellungen
bemerkenswerther Arten, ausserdem auch Illustralionen des
Flügelgeäders und anderer charakteristischer Theile.
Was die Synonymie der Scolien und besonders die Kritik über
die Vereinigung der beiden Geschlechter zu einer Art betrifft, so hat
Smith der neuerdings erschienenen Arbeit von Burmeister zu
viel Glauben geschenkt und‘ neben manchem‘ Richtigen auch vieles
99 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Falsche in die seinige aufgenommen. Hierher gehört z. B. die gänz-
liche Verwirrung in Betreff der beiden Geschlechter von Se. collaris
und thoracica Fab.; zu letzterer (9) gehört als Männchen Scolia
eriophora Klug, mit welcher Burmeister's Sc. senilis, aber nicht
die Fabricische Art gleiches Namens identisch ist. Fernere Synonyme
zu Scolia thoracica sind: Colpa ferruginea Lepell. für das Männchen
und Campsomeris aureicollis Lepell. für das Weibchen. Mehrere
kleine von Klug in den Symbol. phys. beschriebene Arten sind
durchaus scharf von einander geschieden, z. B. Sc. fasciatella Klug
(dazu als Weibchen Scol. aureola Klug gehört) von Se. antennata Klug;
sie werden aber von Smith nach Burmeister’s Vorgang unrich-
tiger Weise als eins zusammengezogen; von dergleichen Fehlern
liesse sich eine ganze Reihe aufzählen.
Melanges hymenopl£rologiques par H. de Saussure.
I. Vespides , Crabronides, Bembecides, Scolides. (Memoires
de la societe de physique et d’histoire nalurelle de Geneve,
Tome XIV. 2. (1855.) p. 1—67. c. tab, 1.) —Den Inhalt dieser
Arbeit bilden kritische Bemerkungen über eine Reihe von
Gattungen und Arten aus den im Titel namhaft gemachten
Familien, ferner ergänzende Beschreibungen von bisher noch
mangelhaft bekannten und endlich auch von mehreren neuen
Arten. Die vortrefflichen Beschreibungen des Verf. sind durch
die Schärfe, mit welcher die wesentlichen Charaktere einer
Art hervorgehoben werden, zur sicheren Bestimmung wohl
geeignet und können insofern als Muster hingestellt werden;
in einigen Fällen liessen sich die als neu beschriebenen Arten
auf bereits bekannte zurückführen, einige andere (z. B. in
der Gatlung Scolia) waren gleichzeitig von Smith im Ca-
talogue of Hymenoplerous Insects aufgestellt und charakle-
risirt worden. Nähere Mittheilungen darüber finden sich bei
den einzelnen Familien. — Die den Aufsatz begleitende Tafel
stellt 17 der als neu beschriebenen Arten in sehr naturge-
treuer Weise dar. (Ein Separat- Abdruck dieser Arbeit mit
colorirter Kupfertafel ist unter demselben Titel mit der Jah-
reszahl 1854 erschienen.)
Förster hatin den Verhandlungen des naturhistorischen
Vereins der Preussischen Rheinlande und Westphalens XII.
p. 226—258 eine zweite Centurie neuer Hymenopleren mit
Beschreibung von zwanzig Arten verschiedener Familien, die
in ziemlich ‚bunter Reihe auf einander folgen, begonnen. Die
während des Jalıres 1855. 223
meisten derselben stammen aus Ungarn und Klein-Asien, wo
sie von Friwaldsky gesammelt worden sind. Eine der
als neu beschriebenen Galtungen, die irriger Weise den Ve-
sparien beigezählt wird, nämlich Aclastocera , fällt mit dem
längst bekannten Polochrum repandum Spinola zusammen und
ist unter den Heterogynen näher besprochen worden.
Smith gab (Entomologist’s Annual 1855. p. 75 ff.)
Nachricht über die vonStephens in seinem Syslemalic Ca-
talogue als neu aufgeführten .Hymenoplera aculeata. Sie
stellen sich in der Regel als das andere Geschlecht, zuwei-
len als Varietäten bereits durch Linne , Fabricius, Pan-
zer, Shuckard undvan derLinden bekannt gemachter
Arten heraus.
Ueber schmarotzende Hymenopteren machte Kirchner
in einem kleinen Aufsatze „Hymenopterologischer Beitrag zur
Physiokratie* (Lotos, 5. Jahrg. p. 187) interessante Milthei-
lungen; sie betreffen eine Reihe von Parasiten, welche aus
verschiedenen Insekten erzogen worden sind und stellen u. a.
fest, dass selbst Schmaroizer drilten Grades vorkommen.
Eine Raupe von Papilio Cralaegi wurde von einem Microga-
ster, dessen Larven zum Theil von einem Hemileles, und diese
abermals von einem Pteromalus bewohnt. Es kommt nach K.
auch vor, dass eine und dieselbe Schmarotzer-Art als Parasit
ersten und zweiten Grades auftrill; ein Pteromalus wurde aus
den Raupen einer Tinea und zugleich aus Microgaster-Puppen,
die jene Raupen bewohnt hatlen, erzogen.
Apiarine. Eine systematische Bearbeitung der Englischen
Apiarien und Andreneten lieferte F. Smith unter dem Titel: „Cata-
logue of British Hymenoptera in the collection of the British Mu-
seum, Part. I. Apidae. London 1855.“ Die schr gediegene Arbeit wird
auch für ausserenglische Hymenopterologen von wesentlichem Nutzen
sein, da sich bei näherer Durchsicht der Englischen Bienenfauna eine
ausgedehnte Uebereinstimmung mit der deutschen und überhaupt mit
der nordeuropäischen erkennen lässt. In Betreff der Anlage des Bu-
‚ches verweise ich auf die oben gegebene Notiz (siehe Hymeno-
ptera!). Von besonderem Interesse ist ein Zwitter der Anthophora
acervorum, welchen Smith auf Taf.5 von der oberen und unteren
Seite darstellt; er gehört zu den gemischten Hermaphroditen und
giebt sich ausser in der geschlechtlichen Verschiedenheit der Beine
224 Gerstaecker: Bericht üb, d, Leistungen in d. Entomologie
auch in einer fleckenartig vertheilten Färbung beider Geschlech-
ter kund.
Derselbe errichtete (Catalogue of Hymenopterous Insects in the
colleetion of the British Museum, Part. II. Apidae), folgende, neue Gat-
tungen: 1) Serapis noy. gen. steht zwischen Anthidium und Chelo-
stoma und stimmt mit ersterer Gattung durch die kurze, gedrungene
Körperform wesentlich überein; der Kopf ist fast von Thoraxbreite,
kurz, vorn fast gerade abgeschnitten, die fünf letzten Abdominalseg-
mente jederseits in einen kurzen Dorn endigend; die Maxillartaster
zweigliedrig, das erste Glied kurz, knopflörmig, das zweite lanzett-
lich und an der Spitze mit zwei langen Borsten besetzt; die Lippen-
taster viergliedrig, die beiden ersten Glieder sehr lang, die letzten
ganz kurz, vor der Spitze des zweiten eingefügt; Vorderflügel mit
einer Marginalzelle, welche fast so lang als die beiden Submarginal-
zellen zusammengenommen ist, Eine Art: S. denliculatus aus dem
Innern Süd-Afrika's 2) Exoneura nov. gen. steht neben Allodape
Lepell., mit der sie in der eigenthümlichen abgestutzten Form des
Hinterleibs übereinstimmt; sie weicht jedoch durch zweispaltige
Klauen und das Flügelgeäder ab; der erste rücklaufende Nerv wird
von der zweiten Submarginalzelle aufgenommen, der zweite und
ebenso die dritte Diskoidalzelle sind verschwunden. Eine Art: E.
bicolor aus Australien. 3) Leiopodus nov. gen. vom Habitus eines
Epeolus; Kiefer- und Lippentaster viergliedrig; Thorax gerundet,
breiter als der Kopf; Vorderflügel mit einer Marginal - und drei Sub-
marginalzellen, von denen die erste schief quadratisch, die zweite
grösser und nach vorn stark verengt ist; Abdomen verlängert kegel-
förmig, Beine und Klauen einfach. Eine Art: L. lacerlinus aus Süd-
Amerika, 4) Eurytis nov. gen. mit viergliedrigen Lippen- und ein-
gliedrigen Kiefer-Tastern, einer Marginal- und drei Submarginalzellen
der Vorderflügel, verlängertem und an der Spitze gezähnten Dorn
der Mittelschienen; die Gattung steht zunächst bei Liogastra Perty
und umfasst eine Art: E. funereus aus Brasilien. 5) Melissa nov. gen.
auf Crociea rufipes Perty und Mesocheira ornata Spin, gegründet. 6)
Thalestria nov. gen., nächst Mesocheira Lepell., mit viergliedrigen
Lippen- und eingliedrigen Kiefertastern, einer Marginalzelle in den
Vorderflügeln, die fast so lang als die drei Submarginalzellen zusam-
mengenommen ist; der Schienendorn einfach. Eine Art: Th, smarag-
dina von Para. 7) Osiris nov. gen. von langgestrecktem Körper,
nackt, ohne Sammelorgane; Kiefertaster fünl-, Lippentaster vierglie-
drig; Vorderflügel mit einer Marginal- und drei Submarginalzellen;
am Hinterleibe des Weibchens ist das sechste Segment verborgen, der
Bauchtheil des siebenten vorgezogen, der Stachel so lang als der
Hinterleib; beim Männchen sind nur 6 Hinterleibssegmente sichtbar,
das siebente verborgen, Zwei Arten; O. pallidus und variegalus aus
während des Jahres 1855. 225
Brasilien. 8) Xenoglossa nov. gen. zwischen Melissodes und Oxaea,
mit sehr grossen, genäherten Ocellen, Agliedrigen Lippen- und äglie-
drigen Kiefertastern, fast gleich langen Fühlern in beiden Geschlech-
tern und keulenartiger Geissel;' eine Marginal- und zwei Submargi-
nalzellen; Hinterschienen leicht erweitert und lang gebürstet, Klauen
zweitheilig. Eine Art. X. fulca aus Mexiko. 9). Habrophora nov.
gen. zwischen Saropoda und Anthophora; Lippentaster vier-, Kie-
fertaster sechsgliedrig; eine Marginal-. und drei Submarginalzellen;
der erste Nervus recurrens verbindet sich mit dem zweiten queren
Cubitalnerv, wodurch eine Abtrennung von Antlophora nöthig wird.
Zwei Arten: H. zonatula und esonata aus Albanien. — Die zahlrei-
chen neuen Arten brauchen hier nicht angeführt zu werden, da das
Werk für das Stulium der Familie unentbehrlich ist.
Scehenck, Ueber einige schwierige Genera und Species aus
der Familie der Bienen. (Jahrbücher des Vereins für Naturkunde im
Herzogthum Nassau, X. Bd. p. 137—149.) — 1) Ueber Bombus pra-
torum Linn. und die Varietäten dieser Species. 2) Ueber Bombus
Derhamellus und Rajellus (dieselben werden als zwei verschiedene
Arten hingestellt). 3) Die Varietäten von Bombus agrorum (es wer-
den deren sieben aufgezählt, die meist von Kirby mit eigenen Species-
Namen versehen worden sind). 4) Ueber Coelioxys, besonders die
Männchen dieses Genus. Der Verf. hat hier die Bestimmungen der
früher von ihm beschriebenen Arten (derselben Zeitschrift IX. Bd.)
mehrlach geändert; seine daselbst als C. lanceolata Nyl. aufgeführte
Art hält er jetzt für davon verschieden und neant sie C. oblusala;
aus demselben Grunde wird für die frühere C. Adentata der Name
C. denticulata, und für C. elongata der Name C. stigmalica gesetzt.
Mit der E. recurva des Verf. fällt als synonym C. aurolimbata Förster
zusammen; neben der C. alata Först. beschreibt er noch eine neue
Art unter dem Namen C. ambigua. — Am Schlusse giebt der Verf.
eine analytische Tabelle der Männchen und der Weibchen, über deren
Zusammengehören ihm bis jetzt wenig bekannt ist; die Schwierigkeit
in der Feststellung der Arten liegt hier übrigens viel mehr in der
richtigen Verwerthung der sehr verwickelten und ausgedehnten Syno-
nymie als in der Verschiedenheit der Geschlechter, welche in der
Skulptar oft ziemlich guten Anhalt zur Vereinigung darbieten. — Der
Arbeit schliesst sıch ein alphabetisches Register über sämmtliche Ab-
handlungen des Verf., die Nassauischen Bienen betreffend, an.
Von Förster wurden (Zweite Centurie neuer Hymenopteren)
als neue Arten beschrieben: Dasypoda pyrotrichia aus Klein - Asien,
Megachile bucephala von Creta, Phileremus rufiventris aus der Türkey
und Ammobates ertraneus aus Klein-Asien.
Poey bemerkte (Revue et Magas. de Zool. VI. p. 187), dass
er in seinen Memories sobre la historia natural de Ja isla de Cuba,
Archiv S. Naturgesch, XXI, Jahrg. 2, Bd, pP
226 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Habana 1854 (einem in den hiesigen Bibliotheken nicht vorhandenen
Werke, das dem Ref. daher unzugänglich war) irrthümlicher Weise
die unbefruchteten Weibchen der Tragona fulvipes für Männchen ge-
halten und als solche beschrieben habe; die wirklichen Männchen,
welche ihm erst später bekannt geworden sind, unterscheiden sich
nur durch ein überzähliges Fühlerglied, sind aber im Uebrigen den
Geschlechtslosen sehr ähnlich.
Die Naturgeschichte der Honigbiene, zum Theil mit besonderem
Bezug auf praktische Bienenzucht, ist in mehreren Schriften behan-
delt worden:
A. Menzel, Naturgeschichte der gemeinen Haus- und Honig-
biene als Grundlage einer rationellen Bienenzucht. Zürich 1855. 8.
58 pag. c. 4 tab. — Eine interessante Schilderung der äusseren und
inneren Organisation, der Physiologie, des Staatenlebens u. s. w., wel-
che der Beachtung sehr zu empfehlen ist.
Busch, Die Honigbiene. Eine Darstellung ihrer Naturgeschichte
in Briefen. Gotha 1855. — hat dem Ref. bis jetzt zur näheren Ein-
sicht nicht vorgelegen.
Desborough setzte seine Beobachtungen über die Lebens-
dauer der Hausbiene fort und theilte (Transact. of the entomol. soc. 111.
p- 187) die von ihm gewonnenen Resultate mit; er stellte fest, dass
die Königin ohne wiederholte Begattung drei Sommer hintereinander
Eier ablegte, was übrigens schon vor ihm ausgemacht war. Von In-
teresse ist aber, dass die Menge der Brut mit den Jahren bedeutend
zunimmt; im ersten Jahre betrug sie in dem von Desborough be-
obachteten Falle 7060, im zweiten 23,701, im dritten 31,332, also
in allen drei Jahren zusammen über 62,000. Es wäre von Interesse,
diese Beobachtungen weiter lortzuselzen, um festzustellen, wie lange
Zeit die Fruchtbarkeit des im Receptaculum seminis befindlichen Sa-
mens vorhält,
Einige Beobachtungen über die Kämpfe der Bienenköniginnen
theille de Beauvoye („Leitre sur les moeurs des abeilles,* Annales
des sciences naturelles T.1V. p. 151) mit; sie enthalten nichts we-
sentlich Neues.
Caron, Nouveaux proc&des pour l’exploitation fructuense des
abeilles, avec 1 pl. St. Quentin 1854. 8. und A. de Farriere, les
abeilles et l’apiculture, avec 32 vignettes, Yaris (enthalten in der Bi-
blioth&que des chemins de fer, 5 ser.) sind dem Ref. nur dem Titel
nach bekannt gewoıden.
Vespariae. Eine Classifikation der Wespenbauten hat H. de
Saussure in einer Abhandlung betitelt: „Nouvelles considerations
sur la nidifieation des Gu&pes,“ enthalten in der Bibliotheque univer-
selle de Geneve, Science. phys, et natur. Tome XXVIIL. p. 89 —123 (im
während des Jahres 1855. 27
Auszuge auch abgedruckt in den Annales des sciences naturelles III,
p- 153.) versucht. Er theilt zunächst alle Nester in zwei Haupt-
gruppen, je nachdem sie ihrer Anlage nach ins Unendliche fortgesetzt
werden können (Nids indefinis, Phragmocyttaris) oder von vorn her-
ein abgeschlossen sind (Nids definis, Steloeyttaris). Das Wesen der
ersteren besteht darin, dass sie von einer Hülleumgeben sind, welche
mit den einzelnen Waben in innigem Zusammenhange steht, d. h. die
Aussenwand aller Waben selbst bildet; in der untersten Wabe findet
sich ein Flugloch, welches die einzige Communikation nach aussen
ist. Ein solches Nest ist zwar nach dem Ansetzen einer neuen Wabe
stets abgeschlossen, kann aber durch, Wiederholung dieses Vorgangs
fortwährend vergrössert werden. Bei derzweiten Nestergruppe fehlt
entweder eine Umhüllung gänzlich, oder wenn sie vorhanden ist, steht
sie wit den Waben. in keinem Zusammenhange, sondern ist von die-
sen durch einen freien Raum getrennt; nachdem die Umhüllung, ein-
mal angefertigt ist, kann das Nest nieht mehr erweitert werden. —
Die unbegränzten Nester (Phragmocyttaris) unterscheidet der Verf. wie-
der in sphärische, d. h. in solche, die sich nach drei Richtungen hin
ausbreiten und dadurch die Form einer Kugel annehmen, — und in
geradlinige, wo jede folgende Wabe mit der vorhergehenden parallel
liegt. Die geradlinigen Phragmoeytiaren zerfallen abermals in voll-
kommene (parfaits), d.h. solche, die sich stark der Länge nach aus-
dehnen, indem sie eine grosse Anzahl aufeinander folgender Waben
enthalten und frei an einem Zweige hängen, und in unvollkommene
(imparlaits), d. h. solche, die nur aus einer oder zwei Waben beste-
hen, sich der Breite nach ausdehnen und an einem flachen Gegen-
stande angeheftetsind. Von vollkommenen Phragmocyttaren sind dem
Verf. 3 Arten bekannt: 1) mit konischem Boden und centralem Flug-
loche, von zusammengedrückt eylindrischer Form, nach unten konisch
erweitert (Chartergus) ; 2) mit ebenem Boden und seitlichem Flug-
loche, von sehr konischer Form (Tatua); 3) von unregelmässiger,
birn - oder eiförmiger Gestalt (Polybia), Unvollkommene Phragmo-
eylaren giebt es zwei Arten: 1) mit deutlicher, mehr oder weniger
freier oberer Decke und seitlichem Flugloche (Polybia sedula); 2)
ohne selbstständige obere Decke (Synoeca). — Die zweite Hauptgruppe
der begränzten Nester (Stelocyttaris) zerfällt je nachdem eine Hülle
vorhanden ist oder fehlt, in „Calyptodomes“ und „Gymnodomes.“ Die
ersteren haben entweder eine blattarlige, aus concentrischen Lagen
bestehende Hülle und hängen dann frei, oder eine zellige, unregel-
mässige Hülle und sind dann subterran. Die letzteren sind immer
frei der Luft ausgesetzt, sehr leicht gebaut und meist an einem Stiele
befestigt; ist dieser central, so nennt der Verf. die Nester „Rectini-
des,“ ist er lateral, „Laterinides“ und fehlt ein eigentlicher Stiel,
sondern ist die (einzige) Wabe an eine halbkuglige Kuppel angehef-
228 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
tet, „Gibbinides.* Die „Rectinides“ treten in zwei Arten auf, nämlich
mit mehreren Waben und mit einer einzigen; die Laterinides mit vier
Arten. — Am Schlusse erwähnt Saussure noch einer Nestbildung,
die sich unter keine seiner Abtheilungen unterbringen lässt; sie be-
steht nämlich in einer Axe, von der mehrere Waben lateral ausge-
hen, und welche ausserdem noch von einer unregelmässigen spindel-
förmigen Hülle umgeben ist, die aber in keinem Zusammenhange mit
den Waben steht; es ist dies offenbar eine Combination der Stelocyt-
tares calyptodomes mit den Gymnodomes laterinides. — Der Auszug
der Arbeit in den Annales des sciences naturelles ist von einer Tafel
begleitet, auf welcher der Verf. schematische Figuren zur Versinn-
lickung der verschiedenen Nesterformen gegeben hat. — Es frägt sich,
was bezweckt Verf. mit seiner Classifikation der Wespenbauten? Er
hat sie allein auf eine Anschauung und Vergleichung der Nester selbst
gegründet, ohne zu untersuchen, ob die Form des Nestes eine den
natürlichen Gattungen der Wespen entsprechende ist, d.h. er hat die
Rechnung ohne den Wirth gemacht. In der That gehören nun auch
öfter den Arten einer und derselben Gattung Nester an, welche bei
Saussure in ganz verschiedenen Abtheilungen untergebracht sind,
wie dies vor Kurzem Moebius z. B. für Chartergus und Polybia
nachgewiesen hat, Erst eine ausgedehntere Kenntniss der Nester mög-
lichst vieler Arten wird zeigen können, in wie weit die Form der
Bauten den natürlichen Gattungen der Wespen entspricht.
Saussure beschrieb (Guerin, Rev. et Magas. de Zoologie VII.
p. 371 ff.) einige neue im Londoner Museum befindliche Arten dieser
Familie, von denen eine zur Gründung einer neuen Gattung Smithia
veranlasste. Dieselbe ist mit Elimus nahe verwandt, zeichnet sich
aber durch sehr langgestreckten,, schlanken Körperbau aus; der Kopf
ist gross, gewölbt, der Hinterleib lang gestielt, der Stiel von der Länge
des Thorax; die zweite Cubitalzelle ist gestielt und nimmt die beiden
Nervi recurrentes auf und zwar den ersten derselben an dem Bre-
chungswinkel ihres Hinterrandes. Art: Smithia nalalensis von Port
Natal. — Die übrigen neuen Arten sind: Eumenes mullipictus von Su-
matra, Leptochilus denticulatus aus Mexico, Icaria speciosa und Polybia
Sumalrensis von Sumatra, Chartergus emorlualis aus Brasilien.
Derselbe charakterisirte (Melanges hymenopterologiques p. &)
eine neue Art der Gattung Celonites unter dem Namen C. Cyprius von
der Insel Cypern; er ist nach der Fühlerbildung des Männchens mit
dem Aegyptischen C. Savignyi nahe verwandt, dessen Unterschiede
in der Beschreibung zugleich hervorgehoben werden.
Eine von Fabre (Annales des sciences naturelles T. IV. p. 147)
obne Namen beschriebener Eumenes aus Südfrankreich hat sich als
identisch mit, E. Amedeii Lepell. herausgestellt.
während des Jahres 1855. 229
Lespe&s beobachtete einen Odynerus (die Art wird nicht an-
gegeben), welcher seine Eier in die Zellen einer Anthophora legte und
zur Nahrung derselben Larven von Chrysomela tremulae, je drei in
eine Zelle einschloss. (Bulletin de la soc. entomol. p, LVIII.) — Dass
die Odyneren ihre Brut mit Chrysomelen-Larven füttern, ist übrigens
schon von Westwood und Waterhouse beobachtet worden.
Ebenso treffen die von Nietner über den Haushalt des Eu-
menes Saundersii Westw. gemachten Mittheilungen (Entomol. Zeit.
p- 223 0.) in allem Wesentlichen mit den von Saunders (ransact.
entomol. soc. I.) über diese Art veröffentlichten zusammen; ausser
den grünen Raupen, welche letzterer als Futter für die Brut erwähnt,
nennt N. auch Spinnen. Auch einen Pelopoeus hat Nietner in glei-
cher Weise wie Saunders als Parasiten der Eumenes-Larven be-
obachtet, nur dass er diese Gattung gegen die bisherige Annahme den
Ichneumoniden beizählt. (!)
Formicariae. Es ist als eine erfreuliche Erscheinung zu
betrachten, dass sich dem Studium einer so interessanten Familie,
wie es die Ameisen sind, und über welche unsere Kenntniss zu-
gleich noch vielfache Lücken enthält, in den letzten Jahren mehrere
tüchtige Kräfte zugewandt haben. Fast gleichzeitig sind drei inlän-
dische Ameisenfaunen erschienen, nämlich eine Oesterreichische von
Mayr, eine Englische von Smith und eine Französische von Ny-
lander; letztere gehört jedoch erst dem nächstfolgenden Jahresbe-
richt an. Durch alle drei wird die Gattungs- und Arten - Kenntniss
wesentlich gefördert, und wenn in ersterer Hinsicht die Autoren zum
Theil recht widersprechende Ansichten an den Tag legen, so kann
dies auch nur für die Ermittelung des Richtigen von Nutzen sein. —
Von den vorliegenden Arbeiten bietet schon in Betracht ihrer Reich-
haltigkeit am meisten Interesse die Mayr’sche dar, welche unter dem
Titel: „Formicina austriaca, Beschreibung der bisher im Oesterreichi-
schen Kaiserstaate aufgefundenen Ameisen, nebst Hinzufügung der in
Deutschland, der Schweiz und in Italien vorkommenden Arten“ im
fünften Bande der Verhandlungen des zoologisch-botanischen Vereins
zu Wien p. 273—478 enthalten ist. Der Verf., welcher sich dem Stu-
dium der Ameisen speciell seit mehreren Jahren gewidmet hat, lie-
fert damit eine Abhandlung, welche in faunistischer und systemati-
scher Beziehung gleiche Beachtung verdient. Die ungemeine Reich-
haltigkeit der Fauna Oesterreichs, welche in anderen Insekten - Ord-
nungen hinreichend bekannt ist, und die sich aus seiner günstigen
Lage im Herzen Europas, besonders aber aus der grossen Mannigfal-
tigkeit seines Terrains zur Genüge erklärt, wird durch die hier gege-
bene Uebersicht seiner Formicarien von Neuem bestätigt; es sind
nämlich bereits 67 Arten von Ameisen bekannt geworden. Die um.
sichtige Benutzung eines 50 beträchtlichen Materials und besonders
230 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
die Untersuchung und Verwerthung mehrerer bis jetzt wenig berück-
sichtigter Körpertheile hat Jenn auch den Verf. zu mehrfachen Nodi-
fikationen der bisher üblichen Gattungen geführt, deren Zahl sich be-
trächtlich vermehrt hat. Besonders trifft eine derartige Bereiche-
rung die Abtheilung der Myrmieiden, wo der Verfasser eine Keststel-
lung der Gattungen u. a. nach der Zahl der Tasterglieder versucht,
aber hier die Zersplitterung vielleicht zu weit getrieben hat; wenig-
stens sind die Merkmale, welche zur Begränzung der Gattungen For-
micoxenus, Myrmeeina, Tetramorium und Leptothorax (sämmtlich mit
4—5gliedrigen Maxillar - und 2gliedrigen Labialpalpen) angegeben
werden, wohl gar zu subtil und äusserlich, um sich allgemeine An-
erkennung zu verschaffen. — Uebrigens sind es noch zwei Momente
in der Arbeit des Verf., wodurch die Kenntniss der Familie wesent-
lich gefördert worden ist; erstens, dass er sich von einem grossen
Theile seiner Arten alle drei Geschlechter zu verschaffen gewusst hat
und zweitens, dass zur Feststellung der Synonymie die typischen
Exemplare der neueren Autoren auf diesem Felde verglichen worden
sind. — Der Inhalt der Arbeit ist in Kurzem folgender: In einem vor-
angeschickten allgemeinen Theile verbreitet sich der Verf, über den
Aufenthalt, die Nahrung, Lebensweise, die ersten Stände und die Ent-
wickelung, die geographische Verbreitung, über den Nutzen und Scha-
den und endlich auch über die Gäste der Ameisen. Der specielle
Theil enthält zunächst eine Gesammt.- Charakteristik. des Körpers der
Ameisen, die Feststellung der Gruppen und Gattungen nach den drei
Geschlechtern und zuletzt die ausführliche Beschreibung der Arten.
Letztere vertheilen sich folgendermassen: a) Formieidae. 1) Formica
27 A. .2) Tapinoma 3A. 3) Hypoclinea nov. gen., auf. Form. Apun-
etata Linn. gegründet, 2.A. 4) Monocombus nov. gen., ‚auf Form.
viatica Fabr. gegründet, 1 A. 5) Polyergus 1A. — b) Poneridae.
6) Ponera 1A. —c) Nyrmicidae. 7) Myrmica 7 A.S8) Formicorenus noy.
gen. (als vox hybrida unzulässig!) auf Myrmica, nitidula Nyl. gegrün-
det, 1 A. 9) Tetramorium n. g: auf Myrmica Kollari Mayr und: cae-
spitum Latr. gegründet, 2 A. 10) Leptothoraz n. g., auf Form. uni-
fasciata Latr., Myrm. acervorum Nyl. und a, gegründet, 12 A. 11)
Myrmecina 1A. 12) Diplorrkoptrum n. g. auf Form. fugax Latr, ge-
gründet, 1 A. 13) NHonomorium n. g. auf eine einzelne neue, nur
im Arbeiterstande bekannte Art gegründet. 14) Oecophthora ,1 A.
15) Atta 3 A. 16) Aphaenogaster 1 A. 17) Crematogaster 2 A. —
Neben den ausführlichen Beschreibungen sämmtlicher Gattungen und
Arten hat der Verf. auch für beide analytische Tabellen zusammenge-
stellt, welche für das, Auffinden der einzelnen Arten grosse Erleich-
terung gewähren werden, besonders da sie auf die verschiedenen
Stände einzeln angefertigt sind. Anhangsweise sind neben den Oe-
sterreichischen Arten auch noch mehrere andere, meist aus Italien
während des Jahres 1855. 231
stammend, beschrieben worden; eine die Abhandlung begleitende Ta-
fel enthält eine Darstellung der verschiedenen Flügeltypen der Amei-
sen, über deren selten vorkommende Aberrätionen der Verf. (ebenda,
Sitzungsberichte p. 8) auch einige Notizen giebt.
Die zweite diesjährige Arbeit ist: Essay on the genera and
species of British Formieidae by FL Smith. (Transaet. entomol. soc.
111. p. 95—135 mit Tafel 9.) Eine Lokal-Fauna von einem bewähr-
ten Kenner, wie F. Smithres ist, bearbeitet, ist selbst, wenn sie wie
die vorliegende wenig Neues darbietet, stets dankbar anzunehmen, Der
grösste Theil der bisher in England aufgefundenen Arten ist dem
Verf. in allen dreiGeschlechtern bekannt gewesen und sind dieselben
in der vorliegenden Arbeit durch sorgsame Beschreibungen kenntlich
gemacht. Als besonders, verdienstlich sind auch die Angaben des
Verf. über Lebensweise, Vorkommen, Zeit des Erscheinens der Männ-
chen u, 3. w. hervorzuheben. In Betreff der Bestimmung der einzel=
nen Arten haben ihm typische Exemplare von Förster und Nylan-
der zu Gebote gestanden. Als der Englischen Fauna angehörig sind
bis jetzt bekannt geworden: 3 Formica, 2 Tapinoma (davon neu Tap.
polita), 1 Ponera, 14 Myrmica (davon neu Myrmica laevigata), 1Myr-
meeina und 2 Stenamma. — In synonymischer Hinsicht ist hervorzu-
heben, dass von den von Curtis neuerdings beschriebenen Myrmica-
Arten (siehe vorig. Jahresber.!) Myrm. rubra Curt. = seabrinodis
Nyl., vagans Curt. —= ruginodis Nyl., perelegans Curt. — suleinodis
Nyl. ist.
Descriptions of some species of Brazilian Ants belonging of
the genera Pseudomyrma, Eeiton and Myrmica, with observations on
their economy by Mr. Bates, by F. Smith. (Transact, entomol.
soc. lII. p. 156 fl. Taf. 13.) Die neuen hier beschriebenen Brasiliani-
schen Arten sind: Pseudomyrma unicolor, lermilaria, maculata, seri-
cata,, elegans, niyrioeps, oculala, pallida, Eciton rapaz , crassicornis,
simillima , legionis, Myrmica saevissima, alle nur im Arbeiterstande
bekannt. Nur eine Art: Psewdomyrma cephalica beschreibt der Verf.
in allen drei Geschlechtern und bemerkt, dass die früher von ihm
aufgestellte Gattung Tetraponera (Annals of nat. hist. 2. ser. IX.) ein-
zuziehen sei, da das ihm allein bekannte Weibchen sich als zu Pseu-
domyrma gehörig herausgestellt habe. In Betreff der Lebensweise
von Pseudomyrma hat Bates in Brasilien die interessante Beobach-
tung gemacht, dass die Arten in den Haufen verschiedener Termiten-
Arten leben, und zwar colonieenweise in getrennten, ziemlich grossen,
elliptischen Räumen in den oberen Schichten der Termiten-Haufen;
jede Colonie ist nur von wenigen Individuen gebildet, die Puppen sind
nicht in Cocons eingeschlossen.
Eine kurze Notiz über die Lebensweise der Formica nigra Linn,
gab Danicll in denProcgelings of theLinnean society 1854. pi 290,
232 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
„Notes on the habits of the common garden ant, Formica nigra Linn.“
— Ueber dieselbe Art berichtete Wake field (ebenda p. 293), dass
er sie Tage und Nächte lang damit beschäftigt gesehen, die Samen
von Viola odorata in ihre Vorrathskammern einzutragen; er glaubt
daraus schliessen zu dürfen, dass die ältere Ansicht die richtige sei,
wonach die Ameisen Wintervorräthe sammeln sollten.
Heterogyma. Zahlreiche neue Arten aus den Gattungen
Mutilla, Tiphia, Myzine, Scolia ete. sind von Smith im Catalogue of
Hymenopterous Insects in the Coliection of the British Museum Part. III,
(siehe oben!) beschrieben worden; ihre specielle Aufführung wird
nicht nöthig sein, da das Werk für das nähere Studium der Familie
unentbehrlich ist.
für die Arten-Kenntniss der Gattungen Scolia und Elis hat auch
de Saussure (Melanges hymenopterologiques p. 29 ff.) eine Reihe
von Beiträgen geliefert. Der Verf. nimmt nach Verwerfung der be-
kannten l.epelletier'schen und Gu£rin’schen unhaltbaren Gattungen
Colpa, Campsomeris , Cosila etc. die beiden obigen Gallungen an,
indem er unten der ersteren die Arten mit einem Nervus recurrens,
unter der zweiten diejenigen mit zwei solchen begreift. Jedenfalls
ist aber die Vereinigung der letzteren unter der einzigen Gattung
Scolia, wie sie zuerst von Klug vorgenommen und neuerdings auch
von Burmeister und Smith adoptirt worden ist, viel natürlicher,
da ausser dem Flügelgeäder, welches hier fünf verschiedene und un-
ter sich gleichwerthigen Typen zeigt, keine wesentlichen Unterschiede
vorliegen. Als neue Arten aus der Gruppe der Scolia bidens Linn.,
A4maculata Fabr. und nobilitata Fabr., von denen mehrere Farbenva-
rietäten besprochen werden, beschreibt der Verf.: Scolia frontalis aus
Neu-Holland, eine schöne auch im hiesigen Museum vorhandene Art,
die mit Sc. coronata Smith zusammenfällt, und Sc, Penangensis von
Pulo Penang, ebenfalls in der hiesigen Sammlung. — Zur Gruppe der
Se. tridens und unifasciata Fabr. gehören: Se. Picteti und fulvifrons aus
Ostindien , Savignyi aus Aegypten, Jurinei und indica aus Ostindien
(letztere im hiesigen Museum auch von Ceylon, doch mit schwarzer
Behaarung des Halses), tubereuliventris aus Neu-Holland , Cypria und
consobrina von der Insel Cypern. Unter mehreren Bemerkungen über
bereits bekannte Arten ist zu erwähnen, dass der Verf, Scolia aulica
Burm. auf die ältere Sc. dubia Say zurückführt. — Unter Elis wer-
den beschrieben : E. consanguinea aus Neu-llolland, gehört ohne Frage
als Männchen zu Scolia bimaculata Smith (Weibchen), E. coxtinua
von Marseille (ich sehe in der Beschreibung und Abbildung keine Un-
terschiede von Sc. quinqueeincta Fabr., welche dieselbe Wandelbar-
keit des Flügelgeäders zeigt, wie sieSaussure hervorhebt), E. la-
tiventris aus Brasilien (die Beschreibung passt auf gewisse Abänderun-
gen der Scol. fuscata Klug), E. pulcheil« aus Brasilien, eine neue auch
während des Jahres 1855. 233
in der hiesigen Sammlung befindliche Art, E. Tasmanensis aus Van-
Diemensland (in der hiesigen Sammlung auch von Adelaide und Port
Philipp), E. graeilis, fallar, sericea und dimidiatipennis ohne Vater-
lands-Angabe, crinita von Port Natal.
Von Coquerel (Annales de lasoc. entom, Ill. p. 170) wurden
zwei neue Arten: Scolia oryelophaga und carnifer von Madagascar
beschrieben und nebst Larve und Puppe auf. Taf. 10 abgebildet. Die
Larven beider Arten nähren sich von grossen Oryctes-Larven.
Förster (Zweite Centurie neuer Hymenopteren p. 247) be-
schrieb Aclastocera Friwaldskyi als neue Gattung und Art aus Ungarn,
die jedoch mit Polochrum repandum Spinola (Inseet. Ligur. 1806)
identisch ist und nicht wie Förster glaubt, den Diplopterygien, son-
dern den Heterogynen beizuzählen ist. Aus welchem Grunde sie zu
den Wespen gebracht worden ist, weiss ich nicht, da ihr die beiden
charakteristischen Merkmale derselben, nämlich die geknieten Fühler
und die gefalteteu Vorderflügel, fehlen und nur die schwarzgelbe Fär-
bung einige entfernte Aehnlichkeit mit ihnen darbietet. Unter den He-
terogynen steht Polochrum in der nächsten Verwandtschaft mit Sapyga.
Eembecides. Stizus caffer wurde als neue Art vom Cap der
guten Hoffnung von Saussure (Melanges hymenopterologiques p. 28)
beschrieben und abgebildet.
Crabronites. De Saussure bereicherte diese Familie
(Melanges hymenopt£rologiques p.6 ff.) mit einer Anzahl neuer Arten
aus verschiedenen Ländern und gab verschiedene Notizen über die
Abgränzung einzelner Gattungen und der innerhalb derselben zu er-
richtenden Abtheilungen für eine natürliche Gruppirung der Species.
In der Gattung Cerceris wird eine schön gefärbte Art aus Van - Die-
mensland unter dem Namen C. australis beschrieben; das hiesige Mu-
seum besitzt dieselbe auch aus Neu-Holland, und zugleich einige ihr
nahe verwandte. — Mit Philanthus will der Verf. die Gattung Tra-
chypus Klug wieder vereinigt wissen (was von Klug selbst übrigens
auch schon vorgenommen worden ist), indem er die Arten mit lang-
gestrecktem Hinterleibe, worauf sie begründet ist, nicht für wesent.
lich verschieden von denen mit sitzendem Abdomen ansieht. Dagegen
ist jedoch einzuwenden, dass die erwähnte Bildung des Hinterleibes
bei Trachypus nicht nur sehr auffällig ist und ohne Uebergänge zu
den gewöhnlichen einheimischen Arten dasteht, sondern auch einer
ganzen Reihe Süd-Amerikanischer Species (15 im hiesigen Museum)
in gleicher oder wenigstens ziemlich analoger Weise eigen ist. Zu
den beiden bis jetzt bekannten Arten von Trachypus (Gomesii Klug
und Phil. petiolatus Spinola, die übrigens nicht wie Saussure glaubt
als synonym zusammenfallen, sondern selbstständige Arten bilden),
werden zwei neue: Phil, Romandi aus Brasilien und Patagonensis aus
dem nördlichen Patagonien kinzugelügt, beide dem Rel, unbekannt,
234 Gerstaecker:; Bericht üb. d, Leistungen in d. Entomologie
Zur Gattung Pison fügt der Verf. eine neue Art: P, australis aus Neu-
Holland, deren Unterschiede von P. Spinolae Shuck. mir nicht recht
einleuchten wollen. — Für die Gattung Palarus werden ergänzende
Charaktere zu ihrer näheren Feststellung beigebracht und die bis jetzt
bekannten Arten aufgezählt, unter denen aber die von Klug in den
Symbol. phys. beschriebenen und auf Taf. 47 abgebildeten fehlen. Da-
her fällt auch die vom Verf. als neu beschriebene Art P, Spinolae
mit P. dongalensis Klug zusammen. — Auch über die Charaktere der
Gattung Tachytes geht der Verf. nähere Erörterungen ein und stellt
nach den verschiedenen Form - Verhältnissen, welche Kopf, Thorax
und Hinterleib darbieten, vier Abtheilungen innerhalb derselben auf.
Aus jeder dieser Abtheilungen wird eine neue Art beschrieben: Ta-
chyles lachyrrhostus, australis und femoratus aus Neu - Holland, nata-
lensis von Port Natal. Die Gattung Astata wird mit zwei neuen Ar-
ten: A. Spinolae (A. abdominalis Spin.) und Chilensis, beide aus Chile,
bereichert, Hieran schliesst sich die Beschreibung einer neuen Gat-
tung Tachyrrkostus, die mit den beiden vorhergehenden in naher Ver-
wandtschaft steht, aber durch die Bildung der Fühler und Augen so
wie das Flügelgeäder wesentlich abweicht. Die Fühler bilden eine
gebogene Keule (en massue arquee) und sind kurz, nur von Kopf-
länge; die Augen sind nicht ausgerandet und von einander entlernt;
in den Vorderflügeln eine Radialzelle mit einem kleinen, offenen An-
hängsel und vier Cubitalzellen, von denen die erste sehr lang ist und
den ersten rücklaufenden Nerv aufnimmt, Zwei Arten aus Neu-Hol-
land: T. viridis und cyaneus.
„Ueber Hoplisus punctuosus Eversm. und Hoplisus punctatus
nov. spec.“ von ©. L. Kirschbaum. (Der Kais. Naturforschenden
Gesellschaft zu Moskau zur Feier ihres Ö50jährigen Bestehens vom
Verein für Naturkunde im Herzogthum Nassau. Wiesbaden 1855. 4.
7 pag.) — Der Inhalt dieses Schriftchens bildet die ausführliche Be-
schreibung einer von Kirschbaum am Rhein gefangenen, eigen-
thürmlichen Art der Gattung Hoplisus, welche H. punctatus genannt
wird ; sie ist mit H. pulchellus Wesm. und noch mehr mit H. pun-
ctuosus Eversm. nahe verwandt, mit letzterer vielleicht identisch,
was jedoch nach der kurzen Eversmann’schen Beschreibung nieht mit
Sicherheit zu ermitteln ist. Die genaue K.'sche Beschreibung wird
zum Nachweis der Verschiedenheit oder Gleichheit beider Arten die
besten Dienste leisten.
Eine von Fabre (Annales des sciences naturelles IV. p. 147)
beiläufig unter dem Namen Cerceris Dufouriana beschriebene Art aus
Südfrankreich hat sich als identisch mit C. tubereulata Villers, eine
zweite, nicht benannte als mit C. minuta Lepell, zusammenfallend
herausgestellt. — Die (cbenda) gegebene interessante Beschreibung
während des Jahres 1855. 235
der Lebensweise der Cerceris-Arten ist schon oben näher »berücksich-
tigt worden.
Nach Goureau (Bulletin de la soc. entomol.' III. p. VID baut
CGemonus lethifer sein Nest an die Stengel von Dipsacus sylvestris
und versorgt, wie dies schon bei anderen Arten bekannt ist, seine
Zellen mit Blattläusen. Goureau glaubt, dass Cemonus lethifer mit
€. unicolor Lepell. Latr. identisch sei, sich aber von C. unicolor Jur.
unterscheide,
Spheginne. Smith hat (Catalogue of Hymenopterous In-
sects in the collection of the British Museum Part. 11) in der Gruppe
der Pompiliden zwei neue Gattungen aufgestellt: 1) Maurillus nov.
gen., zwischen Ferreola und Salius stehend, eine sehr auffallende
Form, die sich durch den ungewöhnlich dicken und breiten Kopf und
den sehr kräftigen, nach aussen schräg abgestutzten Fühlerschalt aus-
zeichnet; Vorderflügel mit einer Marginal- und drei Submarginalzel-
len; Hinterleib sitzend, breiter als der Thorax, vorn stumpf abge-
schnitten, Eine Art. M. australis von der Nordwestküste Australiens,
9) Notoryphus nov. gen., zwischen Salius und Planiceps, mit sehr
langgestrecktem Pro- und Metathorax, grossen, ovalen Augen und
verlängerter, vorgezogener Öberlippe ; Vorderflügel mit einer Margi-
nal- und dreiSubmarginalzellen ; Abdomen sitzend, hinten zugespitzt.
Drei Arten aus Brasilien: N. saevissimus, Iyrannicus und rirosus. —
Für Micropteryx Lepell. (mehrfach. vergebener Name) stellt. der Verf.
den Namen Parapompilus, für Pallosoma Lepell..(Priocnemis. et Hemi-
pepsis pars Dahlb.) den Namen Mygnimia auf; Typen dazu sind Sphex
severus Drury, flava Fabr. u. a. — Zahlreiche neue Arten sind be-
bonders in den Gattungen Poınpilus und Pepsis beschrieben worden.
Boie (Entomol. Zeit. p. 48) erzog Pompilus melanarius v. d.
Lind. aus Rohrstengeln; die Puppen lagen zu drei bis fünf in einem
Stengel über einander und waren durch Schichten von Spänen ge-
trennt.
Chrysidides., Kawall beobachtete, dass Chrysis, ignita
ihre Eier in die Nester von Odynerus legt und die daraus entstehen-
den Larven von letzteren mit Nahrung versehen, lässt. (Entomol. Zeit.
p- 260.) Das Letztere würde mit Lepelletier's Beobachtung , wonach
die Chrysiden-Eier in schon erwachsene Wespenlarven abgelegt wer-
den, nicht übereinstimmen; die Beziehungen zwischen Odynerus uni
Chrysis sind übrigens schon von Westwood (Transact.; entom. soc. I)
erörtert worden.
Chaleidines Unter dem Namen Dicelloceras. vibrans beschrieb
Menzel (Entomol. Zeit. p.270) eine schr ausgezeichnete Form,
welche sich durch breiten, von oben gesehen quer eylindrischen Kopf
mit seitlichen grossen Netzuugen und besonders auflällig gebildete
236 Gerstaecker: Bericht üb. d, Leistungen in d. Entomologie
Rühler auszeichnet. Dieselben sind tief am Gesichte und nahe bei ein-
ander eingefügt, haben ein kurzes, kleines Wurzelglied, einen schei-
benartig ausgebreiteten Schaft. (2te Glied) und eine breite, aus acht
dicht behaarten Ringen bestehende Geissel, welche auf einem klei-
nen, schmalen Wendegliede: sitzt. Mit diesen Fühlern ist das Thier-
chen im ‘Leben in fortwährender, wippender Bewegung begrilfen ; da
die Flügel ganz verkümmert sind, vermag es. nicht zu fliegen. Es
wurde bei Zürich mit dem Schöpfer gefangen und fand sich schon in
Schellenberg’s „Gattungen der Fliegen“ unter dem Namen „Mira mu-
cora“ abgebildet. Eine neue Abbildung gab Menzel auf Taf.2 der
Entom. Zeit. — In Betrelf der Art, so wies Ruthe (ebenda 1856.
p-47) darauf hin, dass sie schon Dalman bekannt gewesen und von
ihm als Encyrtus platycerus beschrieben worden sei,
Förster beschrieb (a. a. 0. p.239 11.) Haltichella bidens aus
Klein-Asien, tuberculata, sexdentata und subarmata als neue Arten aus
Ungarn.
Coquebert (Revue et Magas, de Zool. VII. p. 426): Chal-
cis (?) explorator von Isle Bourbon; sie scheint den oben erwähnten,
in Feigen lebenden Insekten nachzugehen, und lebt wenigstens mit
ihnen zusammen.
Kawall (Entom, Zeit. p. 231) erzog Encyrtus scutellaris Dalm.
aus Coceus tiljae in Kurland.
Proctotrupii. Förster (a. a. 0. p. 245) gab eine Be-
schreibung des Männchens von Ismarus Halidayi ; es stammt aus
Ungarn.
Cynipides. Derselbe (a. a.0. p.256) beschrieb Eucoila de-
cipiens, sculplurata und rufula als neue Arten aus der Umgegend
Aachens.
Echneumeonides. Ruthe, „Beiträge zur Geschichte der Ichneu-
moniden“ (Entom, Zeit. p. 51) machte eine neue Gattung Grypocentrus
bekannt, welche durch das (wenigstens beim Weibchen) ansteigende
erste Hinterleibssegment in der äusseren Form mit Hemiteles überein-
stimmt, aber wegen des nicht vorragenden, dicken Bohrers und weil der
Hinterleib mehr sitzend als gestielt ist, besser den Tryphonen einzureihen
ist. Die vom Verf. aufgestellten Charaktere lauten: Abdomen subpetiola-
tum, basi ascendens. Terebra crassa apice hamata, ceteroquin recta aut
subeurvata, abdomen haud superans. Arcola irregulariter quinque-an-
gulata aut nulla. Os, clypeo plus minusve elevato, semiapertum. Vier
Arten, die sämmtlich aus der Umgegend Berlins stammen: Gr. ein-
etellus, ineisulus , albipes, basalis, alle von 2 Linien Länge und dar-
unter. — Ferner werden als neue Arten (ebenda p. 79 fi.) beschrieben:
Chalinocerus mancıus in beiden Geschlechtern bekannt, (zugleich giebt
R. eine ausführliche Beschreibung von Chal. defeetivus, von dem das
F v
während des Jahres 1855. 237
Weibchen Gravenhorsts Lissonota defectiva, dasMännchen Ratzeburgs
Chalinocerus longicornis ist), Phytodiaelus elegans, Tryphon aberrans
und Trachyderma breve, ebenfalls alle aus der Umgegend Berlin’s.
Auch Boie in seinen „Beobachtungen und Bemerkungen“ (En-
tomol. Zeit. p. SQ. ff.) gab eine Reihe werthvoller Beiträge zur Kennt-
niss der inländischen Ichneumoniden, welche ausser der Beschreibung
einer Anzahl neuer Arten vielfache Beobachtungen über Entwicke-
lung und Wol:nthiere, über Veränderlichkeit in Färbung, Flügelge-
äder u.s. w., endlich auch mehrfache synonymische Notizen enthal-
ten. Neue Arten sind: Ichneumon Circes aus der Puppe von Pap.
Circe, vanessae, Tryphon eupitheciae aus Puppen von Eupithecia mi-
nutata, Cryptus filipendulae aus der Puppe von Zygaena filipendulae,
salurniae aus der Puppe von Saturnia carpini, arundinis aus den Pup-
pen von Cossus arundinis, graminellae aus der Puppe von Psyche
graminella, Hemiteles trichocampi aus Blattwespen-Raupen. (Trichocam-
pus), phloeas aus der Puppe von Lycaena Phloeas, populneus, Phyga-
deuon volucellae aus einer Volucella-Puppe, Pimpla bicolor aus den
Raupen von Noctua obsoleta, heraclü in Wurzeln von Heracleum,
worin Puppenhülsen der Depressaria heracleella lagen; Campoplex
Cajae aus jungen Exemplaren der Raupe von Bomb. Caja , oryacan-
ihae aus der Raupe von Noctua Oxyacanthae,, Anomalon menyanthidis
aus Puppen von Noctua menyanthidis, zanthum aus der Puppe von
Noctua obsoleta? oder ripae?, scabridum, Ophion arlemisiae aus den
Puppen von Noctua artemisiae. — In Betreff der beiden Ratzeburg’-
schen Gattungen Chalinocerus und Cubocephalus bemerkt Boie, dass
dieselben mit lion und Cylloceria Schiödte (1839) zusammenfallen;
dies würde auch auf die Benennung der oben erwähnten Ruthe’schen
Art Einfluss haben.
Auch Kawall (Entomol. Zeit. p. 230) lieferte mehrfache Bei-
träge über die Wohnthiere von Ichneumoniden, die in Kurland von
ihm erzogen wurden. Die meisten sind aus Lepidopteren - Puppen
erhalten; Cryptus rufulus Gray. schmarotzte in den Larven von Phyto-
nomus rumicis,
Derselbe zählte (Correspondenzblatt des Naturf, Vereins zu Riga
8. Jahrg. No.4) die in Kurland bis jetzt beobachteten Ichneumoniden,
zugleich mit Berücksichtigung der Livländischen, Arten, auf. Das
Verzeichniss enthält: Ichneumon 94 Arten, Ischnus 1A., Mesoleptus 18,
Tryphon 32, Exochus 10, Scolobates 1, Trogus ?, Alomya 1, Hoplis-
menus 2, Cryptus 45, Phygadeuon 20, Mesostenus 1, Hemiteles 23,
Pezomachus 16, Phytodiaetus I, Mesochrous 4, Plectiscus 1, Glypta 8,
Lissonota 19, Polysphincta 4, Clistopyga 1, Pimpla 17, Ephialtes 6,
Rhyssa 4, Trachyderma 1, Metopius 3, Bassus 18, Orthocentrus 1,
Banchus 3, Exetastes 0, Coleocentrus 1, Campoplex 26, Paniscus 2,
Anomalon 8, Ophion 7, Trachynotus 1, Pachymerus 1, Cremastus 4,
9338 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Porizon'7, Acoenites 2, Xylonomus 3, Xorides 1, Odontomerus 2,
Echthrus 2.
Förster machte (2te Centurie neuer Hymenopteren) zwei neue
Gattungen Ctenockira und Xenodocon bekannt. Die erste gehört der
Pimpla-Gruppe an, ist mit Schizopyga, Clistopyga u. s. w. durch den
Mangel der Areola zunächst verwandt, unterscheidet sich aber von
diesen durch gekämmte Klauen; ausserdem‘ ist auch das Metanotum
regelmässig und scharf gefeldert. Die einzige Art: Ct. bisinuata
stammt aus Ungarn. — Die zweite Gattung Xenodocon schliesst sich
zunächst an’ Campoplex Grav. an, von welcher sie sich durch vorra-
gende Oberlippe so wie durch die grosse pentagonale Areola unter-
scheidet; das letzte Fussglied der Hintertarsen ist auf der Unterseite
nicht weit vor der Spitze mit vier starken Dornen bewaffnet. — Art:
X. ruficornis aus Ungarn. — Ausserdem beschreibt der Verf. vier aus
Ungarn stammende Arten der Gattung Anomalon als neu: Anomalon
vieinum, propugnalor, melanops und brevicorne.
Ichneumonologica miscellanea, auctore C. a (Bulle-
tins de l’acad&mie royale des sciences de Belgique XXI, 2. p. 362—
435.) — Diese Arbeit enthält die Beschreibung einer grösseren Reihe
neuer oder bisher unvollständig bekannter Arten, welche dem Verf.
aus Schweden (Boheman), Preussen (v. Siebold), Bayern und
der Schweiz (Kriechbaumer) zur Ansicht gesandt worden sind;
der grösste Theil derselben ist nach einzelnen Exemplaren aufgestellt
und daher nach des Verf. eigenem Gesländnisse noch einer näheren
Prüfung und Feststellung benöthigt. Die beschriebenen Arten gehö-
ren folgenden Untergattungen an: Ichneumon (35 A.), Hoplismenus
(1 A.), Amblyteles (4 A.), Ilypomecus (1 A.), Eurylabus (1 A.),
Platylabus (3 A.), Apaeleticus (2 A), Gnathoxys (1 A.), Dicoelotus
(3 A.) Phaeogenes (14 A.), Diadromus (2 A.) und Ischnus (1 A.).
Doumerc erzog aus den Puppen von Hemerobius perla einen
kleinen Ichneumoniden von 1!/, lin. Länge, den er (Bulletin de la
soc. entomol. p. LXXXI) als Microgaster (soll Dichrogaster heissen)
perlae diagnostieirt. — Nach Sichel gehört die Art der Gattung
Acoenites an und dieser giebt unter der Benennung Acoenites perlae
nochmals eine veränderte Diagnose von derselben; sie zeichnet sich
von den übrigen Arten der Gattung durch eigenthümliche Textur des
Metathorax und sehr grosses Stigma der Vorderllügel aus.
Evaniales. Förster beschrieb (Zweite Centurie u. s. w.
p. 228) Stephanus anomalipes als neue Art aus Ungarn; sie unter-
scheidet sich von A. coronatus Jur. durch einen weissen Ring der
Legeröhre und dreigliedrige Hinterlarsen,, deren erstes Glied stark
verdickt. erscheint.
Braconides, Ruthe setzte seine Beiträge zur Kenniniss
während des Jahres 1855. 239
der Braconiden (Entomol. Zeit. p. 291) mit der Beschreibung zweier
neuen Arten: Erothecus discolor und Ascogaster pallida, beide von Frei-
enwalde, fort. — Ausserdem beschreibt er (ebenda p. 327) das nach-
träglich von ihm aufgefundene Männchen seiner Gattung Dimeris,
welches geflügelt ist. Bei diesem tritt die Stirn mit den Fühlern
noch mehr als beim Weibchen hervor und das zweite Hinterleibsseg-
ment ist deutlich länger; im Vorderllügel zwei Cubitalzellen, die in-
nere Diskoidalzelle an der Spitze geschlossen , der Parallelnerv in-
terstitial.
Kawall (Entomol. Zeit. p. 231) erzog lleleon ruspator Linn.
aus der Larve von Leptura Afasciata, Bracon variegator Nees und
Anobium abietis zusammen aus Zapfen von Pinus abies, woraus wohl
zu schliessen ist, dass ersterer ein Schmarotzer der Anobium- Lar-
ven ist.
Taphaeus conformis Wesm. wurde von Haimhoffen aus den
Larven von Ceutorrhynchus suleicollis Gyll. erzogen. (Sitzungsberichte
d. zoolog.-botan. Ver. zu Wien V. p. 128.)
Urocerata. Boie gab (Entomol. Zeit. p. 48) eine verglei-
chende Beschreibung der beiden Geschlechter von Xyloterus fuscicor-
nis Fabr., welchen er in Mehrzahl aus frischem, gesunden Holz von
Weissbuchen erzog.
Tentbredinetne, Ein ebenso schön ausgestattetes als dem
Inhalte nach gediegenes Werk über die ersten Stände dieser Familie
hat Brischke unter dem Titel: „Abbildungen und Beschreibungen
der Blattwespen-Larven mit Berücksichtigung ihrer Entstehungsge-
schichte und des Schadens, den sie an land- und forstwirthschaftlichen
Gewächsen anrichten“ begonnen. Der Arbeit, von welcher die erste
Lieferung in 4°., enthaltend zwei Bogen Text und drei Tafeln, (Ber-
lin, Nicolai 1855) erschienen ist, mag als einen sehr speciellen und
für eine geringe Anzahl von Liebhabern berechneten zuerst ein glück-
licher Fortgang gewünscht werden. — Sie ist nicht systematisch an-
gelegt, sondern bestimmt in einzelnen Lieferungen zu erscheinen,
welche eine sorgfältige Darstellung und Beschreibung einer Anzahl
beliebiger Arten, über welche der Verf. gerade Gelegenheit hatte Be-
obachtungen anzustellen, enthalten sollen. Jede Art wird zugleich
mebst ihrer Nahrungspllanze, an der die Form des Frasses zu erken-
nen ist, abgebildet, In dem ersten bis jetzt vorliegenden Hefte sind
im Ganzen achtzehn Arten abgehandelt, nämlich: Tenthredo obesa
Klug, Nematus Salicis Linn. , perspicillaris Klug, Allantus scrophula-
riae Linn., Hylotoma ustulata Linn., Nematus ventralis Panz., Cla-
dius viminalis Fall., albipes Klug, diflormis Panz., Hylotoma rosarum
Fabr., enodis Linn., Nematus striatus Hart., alnivorus Hart., Emphy-
tus viennensis Schrank , Lyda depressa Schrank, Nematus myosotidis
Fabr., Allantus trieinetus Fabr., Empbytus cinctus Linn,
240 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Boie vermuthet (Entomol. Zeit. p. 50), dass unter dem Namen
Lyda elypeata Klug zwei verschiedene Arten, eine mit 24 und eine
andere mit 22 Fühlergliedern vermengt worden seien; die erste Zahl
wird von Ratzeburg, die zweite von Hartig angegeben. Aus
einem auf wilden Kirschen gefundenen Gespinnste mit Blattwespen-
raupen erzog B. nur Individuen mit 24 Fühlergliedern und zwar von
beiden Geschlechtern; ein anderes auf Mespilus oxyacantha befindli.
ches, welches nicht so glänzend und von mehr brauner Farbe war,
hält er für das der zweiten Art, doch kam davon nichts zur Ent-
wickelung. — Ferner gab derselbe Zusätze zu der Beschreibung bei-
der Geschlechter von Astatus satyrus lllig.
Haliday gab (Natural history rewiew VI. p. 60) eine genaue
Beschreibung von Melicerta ochroleuca Stephens, welche Art auch in
Irland vorkommt. Den Gattungsnamen Melicerta, nicht mehr als sechs-
mal vergeben, ändert er in Heptamelus um.
Menzel hielt in der Gartenbaugesellschaft zu Zürich einen
Vortrag „über den Afterraupenfrass der Kohl- oder Weissrüben-Blatt-
wespe, Athalia centifoliae, und über Blattwespen überhaupt mit be-
sonderer Rücksicht auf Gartenkultur und Landbau“, welcher unter diesem
Titel auch abgedruckt ist (Zürich 1855). Es wird darin ein ausführli-
cher Bericht gegeben über die Verheerungen, welche die genannte
Blattwespe in der Schweiz angerichtet hat, über die ihre Vermehrung
begünstigenden Bedingungen, so wie über die Mittel und Wege sie
zu beseitigen. Darauf geht der Verf. auf die Naturgeschichte der
Blattwespen im Allgemeinen ein, erörtert diejenigen Pllanzen - Fami-
lien und Gattungen, welche von ihren Larven am meisten heimge-
sucht werden und zählt zuletzt diejenigen Arten auf, welche sich den
Garten-Obstbäumen besonders schädlich erwiesen haben.
Kawall (Entomol. Zeit. p. 231) bestätigte durch mehrfache
Beobachtungen die Erfahrung Ratzeburg's, dass die Tenthredineten
insektivor seien.
Diptera.
Die unermüdliche. Schreibelust F. Walker’s hat uns
in diesem Jahre abermals mit einer umfangreichen Arbeit über
Dipleren versehen, welche den 7ten Band (oder das 3. Sup-
plement) des List of the specimens of Dipterous Insects in
the collection of the Brilish Museum (London: 1855) bildet.
Der vorliegende Theil enthält die Familie der Raubfliegen mit
Ausnahme der Dasypogon - Gruppe, welche schon am Ende
des öten Bandes abgehandelt wurde, und ist in Betreff seiner
Ausführung ganz nach dem Beispiele der beiden vorherge-
während des Jahres 1855. 31
henden abgefasst. Er ist auch in sofern nichts weniger, als
was sein Titel besagt, denn man ersieht aus demselben nicht
einmal, welche Arten sich im British Museum befinden. Das
einzige Verdienst was man dem Verf. zugestehen kann, ist,
dass er das bis jelzt ziemlich zerstreule und mit der Zeit zu
einer nicht unbeträchtlichen Ausdehnung angewachsene Ma-
terial mıt Fleiss zusammengetragen hal; übrigens ist auch
dies nicht in der erforderlichen Vollständigkeit geschehen, da
z. B. die neueren Arbeien von Loew und selbst das schon
vor vier Jahren erschienene 4te Supplement von Macequart’s
Dipleres exoliques in seinem Werke nicht berücksichtigt wor-
den sind. Handgreifliche Irrihümer, wie sie im vorigen Jah-
resberichte bei Besprechung der beiden letzten Bände her-
vorgehoben wurden, fehlen auch in dem vorliegenden nicht
und können aus dem einfachen Grunde, dass man über Un-
bekanntes kein Urtheil fällen kann, gar nicht Wunder neh-
men. Der auffallendste und derjenige, der zugleich den be-
sten Beweis für die in der Arbeit des Verf. waltende Critik
liefert, ist wohl der, dass die beiden Geschlechter der Cra-
spedia splendidissima nicht nur unter zwei verschiedenen
Gallungen, sondern sogar unter zwei Gruppen der Raubflie-
gen aufgeführt werden. Das Männchen dieser Art (La-
phria splendidissima Wied.) steht nämlich bei Walker
unter Laphria sens. striet. (Gruppe der Laphrien), das da-
zugehörige Weibehen (Craspedia Audouini Macq.) dagegen
unter Craspedia (Gruppe der Asilici); bekanntlich ist aber
gerade diese Art eine der schönsten, grössten und ausge-
zeichnelsten der ganzen Familie! — Was die beschriebe-
nen Arlen betrifft, so scheinen sie, trolzdem dass der Verf.
die von Macquart neuerdings aufgestellten nicht gekannt
hat, von diesen durchweg verschieden zu sein, wenigstens
hal Ref. keine darauf zurückführen können: eher scheinen
einige mit Wiedemann’schen Arten zusammenzufallen, wie dies
2. B. bei Laphria fervens und saeva Walker (gleich L. Rein-
wardli Wied.) wohl keinem Zweilel unterliegen kann. —
Die analylischen Tabellen der nach den Welttheilen abgeson-
derlen Arlen bieten wenig Erleichterung zum Auffinden dar,
was sich aus: der Unbekanntschaft des Verf. mit vielen der-
selben leicht erklären lässt.
Archiv [. Naturgesch. XXI. Jahrg. 2, Bd. 10)
349 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Das schon im vorigen Jahresberichte angekündigte fünfte
Supplement von Macquart's Dipleres exoliques nouveaux
ou peu connus (Extrail des memoires dela societe des scien-
ces etc. deLille) Paris, Roret 1855 enthält abermals die Be-
schreibung von etwa 200 neuen Arten in der am Verf. be-
kannten Weise; dieselben gehören der Bigol’schen Sammlung
an und stammen meist aus dem Iropischen Alrika, Nord-
China, Neu-Holland und Ballimore. Ueber einige neu aufge-
stellte Gallungen wird bei den einzelnen Familien berichtet und
dort auch zugleich der Inhalt der zweiten Hälfte des yierlen
Supplements (1851) berücksichligl werden.
Der fünfte Supplementband ist diesmal mit einer „Introduction, «
wie sie der Verf. nennt, versehen, welche insofern bekannt zu wer-
den verdient, als sie uns mit den Grundsätzen bekannt macht, wel-
che Macquart bei der Abfassung seiner Publikationen befolgte.
Auf den ihm von Loew gemachten Vorwurf, dass seine Arten zu
kurz und unzureichend beschrieben seien, erwidert er, dass ausführ-
liche Beschreibungen nur bei Monographieen nötbig seien; in einem
allgemeinen Werke, wie seine Hist. nat. d. Dipieres, seien sie we-
der nothwendig noch bei dem beschränkten Raume möglich. (Dann
bätte M. doch jedenfalls gut gethan , die sehr entbehrlichen neuen
Arten, die nach seinen Beschreibungen doch nicht zu erkennen
sind, wegzulassen!,. In der Abfassung seiner Dipteres du nord
de la France und der Dipteres exotiques glaubt er sich als einen
würdigen Nachfolger von Meigen und Wiedemann bewährt zu
haben, indem er die Beschreibungen dieser zum Vorbilde genommen
und sie sogar noch öfter verbessert habe (!!). Zugleich sich auf
eine Critik der Walker’schen und Loew’schen Arbeiten einlassend,
hält Macquart die des ersteren für sehr sorglältig abgefasst und zur
Bestimmung der Arten im Ganzen hinreichend (seine Bestimmungen
möchten dann wohl nicht weiter her sein als seine Beschreibungen!);
den letzteren stempeln seine Werke zwar auch zu einem namhaften
Dipterologen, doch habe er bei Bearbeitung der Asilici eine kleine
Querader der Flügel zu berücksichtigen vergessen, welche namhafte
Unterschiede bei den einzelnen Arten zeigt. Der Verf. der Raubllie-
gen-Monographie wird sich diese Critik gewiss schwer zu Herzen
nehmen.
Von Zetterstedt’s Diplera Scandinaviae disposila et
descripla ist in diesem Jahre ein zwöllter Band erschienen,
welcher sich als ein driltes Supplement mit Nachlrägen und
Berichligungen für sämmlliche elf früheren Bände ankündigt. ,
— Der bei weitem grösste Theil des vorliegenden Bandes
während des Jahres 1855. 243
beschäftigt sich damit, für die in den früheren beschriebenen
Arten neue Fundorte innerhalb des Skandinavischen Reiches
anzugeben, ist also für ausserschwedische Dipterologen nur von
geringem Interesse. Eine zweite Bereicherung des Werkes
besteht darin, dass alle seit seinem Erscheinen publicirten
schwedischen Arten aufgenommen und von Neuem charaklte-
risirt worden sind. Endlich wird auch eine Anzahl neuer
Arten, besonders aus den Familien der Tipularien und An-
ihomyziden beschrieben ; die lelzteren sind gehörigen Orls
angeführt worden.
Loew’s „Neue Beilräge zur Kenntniss der Dipteren“
sind in diesem Jahre mit einem dritten Beitrage (enthalten
im Programme der Realschule zu Meserilz 1855) fortgesetzt
worden, welcher eine Bearbeitung der Gallung Bombylius
enthält. — Ausserdem hat der Verf, auch in den Verhand-
lungen des zoologisch-botanischen Vereins zu Wien V, Bd.
zwei kleinere Abhandlungen über die Gallungen Sargus und
Eumerus veröffentlicht, welche an ihrem Orte näher berück-
sichligl worden sind. — Einige neue Arten aus Griechen-
land sind endlich auch von demselben in der Entomol. Zei-
lung p. 39 beschrieben worden.
Neue llalienische Dipleren sind von A, Costa (Annali
seienlifici Vol. 1. 1854) beschrieben worden. „Frammenti di
Entomologia Napolelana, Artlicolo I. Nuove speeie di Ditteri.“
Da dem Ref. die genannte Zeitschrift in den hiesigen Biblio-
theken nicht zugänglich war, muss er sich auf die Anführung
des Titels beschränken.
Zur Kenniniss der Oesterreichischen Dipteren- Fauna
lieferten wieder Egger und Schiner mehrfache, Beilräge
in den Verhandlungen des zoologisch-botanischen Vereins zu
Wien 5. Bd. Beide machten Mittheilungen über die in der
Umgegend des Neusiedler - Sees vorkommenden Zweiflügler,
die schon zum Theil einen mehr südeuropäischen Charakter
erkennen lassen und zugleich in grosser Individuen-Zahl auf-
treten. (p. 65 und 74 der Sitzungsberichle.) — Egger be-
schrieb ferner einige in Oesterreich aufgefundene neue Ar-
ten aus den Familien der Asilici und Muscariae (Verhandl.
p.5 ff.) und Schiner seizte seine Aufzählung der Oesterrei-
944 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
chischen Dipteren mit den Familien der Xylophagiden und
Stratiomyiden fort (ebenda p. 613 ff.); wie in dem früheren
Theile der Arbeit sind neben den Oesterreichischen Arlen
auch die übrigen Europäischen aufgeführt und mit der nö-
Ihigen Literatur versehen worden.
Tipulariae. Eine neue Gattung aus der Chironomus-Gruppe
wurde von Haliday (Natural history rewiew VI. p.62) unter dem
Namen Clunio bekannt gemacht; sie lebt am Seestrande und läuft
daselbst mit halb aufgerichteten Flügeln, die stets in zitternder Be-
wegung sind, herum, ohne jedoch jemals zu Siegen. Ihre Charaktere
sind: „Proboscis obsoleta, antennae 1larticulatae, articulo tertio et
ultimo elongatis; alae alutaceae, venis longitudinalibus furcatis binis,
transversis nullis; tarsi postiei articulo tertio subelongato.* Die Art:
Cl. marinus, *%/, lin. lang, aus Irland ist auf einer beifolgenden Tafel
abgebildet; sie ist neuerlich auch von Frauenfeld an der Küste
Dalmatiens aufgefunden worden.
Neue Arten von Zetterstedt (Dipt. Scandinav. XII) beschrie-
ben sind: Simulia humeralis, Rhyphus minor, Cordyla canescens, Chi-
ronomus melancholicus, gracillimus, halteralus, brevicornis, Ceratopogon
minulissimus, lugubris, griscolus, ephippium, tarsatus, Cecidonyia Win-
nerizüi, nigricornis, Sciara flavicauda , Tipula pieticornis, Platyura ni-
griventris und zonala, Leia posticata und Mycetophila ferruginea.
Von Macquart (Dipt. exot. 5. Suppl.): 1 Tanypus, 1 Pachyr-
rhina, 2 Tipula, 1 Rhamphidia und 1 Bibio.
Von Perris wurde (M&emoires de la soc. roy. des sciences de
Liege X. p. 274 ff.) unter dem Namen Cecidomyia entomophila eine
neue Art dieser Gattung beschrieben, welche von ihm mehrfach in
Insektenkasten lebendig angetroffen wurde; die Larve nährt sich von
den Excrementen der kleinen Acarinen, welche sich ebenfalls öfter
in den Insektensammlungen vorfinden und ist ausgewachsen 1'/, mill.
lang; fast dieselbe Grösse hat auch das ausgebildete Insekt. Eine Ab-
bildung aller Stände ist auf Taf. 5 bis, Fig. 101—106 gegeben.
Eine Abhandlung über den Heerwurm, welche hauptsächlich
von historischem Interesse ist, lieferte A. Berthold in den Ab-
handlungen der Königl. Gesellschaft der Wissenschaften zu Göttin-
gen VI. Bd., Physikalische Classe p. 399—88 mit 1 Tafel, unter dem
Titel: „Der Heerwurm, gebildet von Larven der Thomas - Trauermücke,
Sciara Thomae.“ Den Hauptinhalt derselben bildet eine Zusammen-
stellung der bisher über das Phänomen des Heerwurms gegebenen
Nachrichten und eine auf eigener Anschauung sich stützende Beschrei-
bung desselben; am Schlusse werden auch die einzelnen Stände des
Insektes, welches ihn erzeugt, ausführlich beschrieben und auf der
beigegebenen Tafel abgebildet,
während des Jahres 1855. 245
Asilici: Folgende neue Arten dieser Familie wurden auf-
gestellt:
Stenopogon Graecus von Loew (Entomol. Zeit. p. 39).
Stichopogon Frauenfeldii, Mochtherus Schineri und Lophonotus
tridens aus Oesterreich von Egger (Verhandl. d. zoolog. botan. Ver.
zu Wien V. p.5 ff.).
Asilus glaucus, mit A. melampodius nahe verwandt, aus Oeland
von Zetterstedt (Dipt. Scandinav. X11).
Ferner von Macquart (Dipt. exot. 5. Suppl.) aus folgenden
Gattungen: Microstylum 3, Dasypogon 3, Acnephalum 1, Senobasis 1,
Laphria 3, Mallophora 2, Trupanea 4, Proctacanthus ?, Ommatius 1,
und Asilus 11.
Empides. Von Macquart (Dipt. exot. 5. Suppl.) wurde
Empis pilitibia vom Cap, von Zetterstedt (Dipt. Scand. XII) Empis
einerea als neue Art von Öeland beschrieben.
Leptides. Atheriz pusilla Macquart ist eine neue Art von
Neu-Holland. (Dipt. exot. 5. Suppl.)
BDolichopodides. Von Zetterstedt (Dipt. Scand. XII)
wurde Rhaphium pygmaeum (‘, lin.) von Smoland und Dolichopus
nigritibialis von Oeland als neue Arten aufgestellt.
Von Haliday (Natural history rewiew VI. p. 63): Dolichopus
praeteztatus n. sp. aus Kerry in Irland: „Pallide viridi-aeneus, anten-
nis nigris, arista glaberrima, pedibus flavis, tarsis postieis fuscis, basi
flavis, alis apice nigro-marginatis, alulis pallide ciliatis, lamellis ob-
tusis fuscis, 2*/, lin.“ und Aphrosylus celtiber n. sp. ebendaher: Obscure
schistacens, femoribus apice, posterioribus fere totis rufo-piceis, an-
tennis nigris; mas: lamellis fuscis, longe crinitis, tarsi antiei articu-
lis 2 primis subincrassatis. 2%, lin.“
Von Macquart (Dipt. exot. 5. Suppl.): Psilopus tuberculicor-
nis von den Marquesas.
Tabanii. Eine neue Gattung ist Cadicera Macquart (Dipt.
exot. 5. Suppl.), welche sich von Pangonia durch tief stehende und
kurze Fühler unterscheidet; dieselben sind auf einem Höcker unter-
halb der Mitte der Kopfhöhe eingelenkt, nach unten geneigt und be-
stehen aus einem eilörmigen ersten, ganz kurzen und queren zwei-
ten, und einem zugespitzten, achtringligen Endgliede, welches die
beiden ersten zusammen nicht an Länge übertrifft. Die Palpen sind
gerade nach vorn, der schlanke und ziemlich lange Rüssel dagegen
nach abwärts gerichtet; die Augen nackt. — Die einzige Art: C.
rubromarginata stammt aus Australien. — Von neuen Arten beschreibt
derselbe ausserdem: 7 Pangonia, 20 Tabanus und 3 Chrysops; die
Pangonia albonotata des Verl. ist nach der Beschreibung mit P. gultala
Donoy. identisch,
M6 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Stratiomyidae. Nach der von Schiner (a. a. 0.) gege-
benen Aufzählung der im Kaiserthum Oesterreich aufgefundenen Ar-
ten dieser Familie stellt sich ihre Zahl folgendermassen heraus: 1 Al-
liocera, 8 Stratiomys-, 15 Odontomyia, 11 Oxycera, 1 Ephippium, 1
Clitellaria, 3 Cyclogaster, 8 Nemotetus , 8 Sargus, 3 Chrysomyia, 2
Pachygaster, 6 Beris, 2 Xylophagus, 1 Pachystomus, 3 Subula und 1
Coenomyia. — Die Arten sind sämmtlich nach den Loew’schen Ar-
beiten festgestellt und ihre Richtigkeit dadurch verbürgt, ihre Syno-
nymie so wie Notizen über ihre Verbreitung sowohl in Oesterreich
als im übrigen Europa mit Fleiss und Umsicht zusammengetragen. In
Betreff der systematischen Anordnung der Gattungen so wie der Fest-
stellung ihres Umfangs kann Ref. in mehrfacher Hinsicht sich nicht
mit dem Verf, einverstanden erklären. Eine Trennung der Xylopha-
gen von den Stratiomyiden zu einer eigenen Familie ist durchaus
unnalürlich, wie dies schon die übereinstimmende Bildung der Lar-
ven, z. B. von Xylophagus und Subula mit Clitellaria und Cyphomyia
auf das Entschiedenste zeigt; überdem bildet Beris im Zustande
des ausgebildeten Insekts einen dirckten Uebergang zwischen beiden,
indem sie in der Flügelbildung wit den Stratiomyiden, in der Ringe-
lung des Hinterleibs mit den: Xylophagen übereinstimmt. Der Verf.
hätte daher besser gethan, dem Scharfblicke Latreille's, der zu-
erst beide richtig. vereinigte, Gerechtigkeit widerfahren zu lassen.
Die eigentlichen Stratiomyiden theilt der Verf. in solche, wo vier
und in solche, wo drei Hinterrandsnerven aus der Diskoidalzelle ent-
springen; zu der ersten rechnet er aber auch Odontomyia, obwohl
hier stets der eine, zuweilen sogar zwei Hinterrandsnerven fehlen,
so. dass die Gattung, wenn jene Eintheilung überliaupt zweekmässig
erscheint, was ich nicht glaube, jedenfalls eher zu der zweiten Ab-
theilung gebracht werden müsste. Die Gattung Alliocera kann. nicht
beibehalten werden, da sie nur auf ein specifisches Merkmal gegrün-
det ist, sondern muss mit Stratiomys vereinigt werden, und selbst die
hergebrachte Abtrennung von Üdontomyia ist misslich, obwohl sie
für die Europäischen Arten noch am ersten in Anwendung gebracht
werden kann. Von Einzelheiten sei erwähnt, dass Stratiomys splen-
dens Fabr. nicht zu Udontomyia gehört, sondern wegen ganz hete-
rogenen Flügelgeäders als eigene Gattung abzutrennen ist, und dass
Clitellaria pacifica Meig. sowohl nach dem Flügelgeäder als dem Man-
gel der Dornen des Schildchens nicht mit Clitellaria Dahlii in einer
und derselben Gattung stehen kann. Ueberhaupt kann der Gallungs-
name Clitellaria unter den Europäischen Arten nur auf Str. ephippium
angewandt werden. — Am Schlüsse seiner Arbeit hat der Verf. eine
analytische Tabelle zur Bestimmung der Oesterreichischen Arten ge-
liefert, welche mit Nutzen angewandt werden kann.
Eine durch Reichhaltigkeit von Beobachtungen und musterhafte
während des Jahres 1855. 347
Auseinandetsetzung gleich ausgezeichnete Arbeit über Sargus hat
Loew (Verhandl. des zöolog.-botan. Vereins zu Wien V. p. 131—148)
unter dem Titel: „Einige Bemerkungen über die Gattüng Sargus@ ge-
liefert. Der Verf. geht zuerst auf die Europäischen Arten näher ein
und bespricht hier besonders zweifelhafte Arten, als welche $. nube-
culosus Zeit., coeruleicollis Meig., nitidus und minimus Meig. bezeich-
net werden. Als neue Arten werden beschrieben: Sargus frontalis,
durch die ganz dunkeln Beine mit S. nigripes Zett. verwandt, döch
durch die metallisch grüne Färbung der Schenkel bestimmt unterschie-
den, $.; angüstifrons nur durch viel schmälere Stirn von S. flavipes
Zett. unterschieden, und S. albibarbus ebenfalls mit hellen Beinen, aus
Dalmatien stammend ; die beiden ersten Arten sind deutsche. Zwei
ebenfalls blassbeinige Arten aus Nubien, den Euröpäischen sich nähe
anschliessend, sind 8. fübercilatus und Chrijsis, beide von Rüppel
entdeckt. — Unter den Chrysomyien Macquart’s ist Sargus melampo-
gon Zeller — Chrys. speeiosa Macq., und Chr. eyaniventris Zett.
wahrscheinlich nicht von S. pallipes Meig. verschieden. — Bei Be-
trachtung der exotischen Sargiden geht der Verf. vorzüglich auf die
Verschiedenheiten in der Fühlerbildung ein, welche hier grosse Man-
nigfaltigkeit zeigt. Mit Recht werden Eudmetä und Acrochaeta Wied.
mit verlängertem dritten Fühlergliede hier mit in den Kreis der Be-
trachtung gezogen, doch scheint es dem Ref., dass auch Hermetia
Wied., welche der Verf. unberücksichtigt lässt, hier abgehandelt wer-
den muss. Eine neue Gattung, von jenen durch bewallnetes Schild-
chen und achtgliedrige Fühler (d. h. sechsringliges drittes Fühlerglied)
unterschieden ist Analcocerus, in Brasilien einheimisch ; als typisch
wird eine Art: A. atriceps, 41/, Lin. beschrieben. — Bei den übrigen
Sargiden ist das dritte Fühlerglied nicht in mehrere deutlich geschie-
dene Ringe aufgelöst, und auch hier zerfallen die Gattungen in sol-
che mit bedorntem und unbewehrtem Schildchen. Unter den letzte-
ren sondert der Verf. diejenigen Arten mit nicht zusammenstossenden
Augen des NMännchens und seitenständiger Fühlerborste, bei denen das
zweite Fühlerglied an der Innenseite zaplenförmig über das dritte
herübergreilt und die sich zugleich durch nicht metallische Körper-
Oberlläche auszeichnen, als eigene Gattung Plectiscus ab; eine typi-
sche Art dieser Gattung ist Sargus testaceus Fabr., als neue werden
beschrieben: Plectiscus apicalis und eingulatus von Pulo-Penang, niti-
dipennis von Venezuela, pomaceus aus Chile, (Nach dem hiesigen Mu-
seum hat diese Gattung zahlreiche Repäsentanten in Nord-Amerika.)
Die Arten mit einfachem zweiten Kühlergliede zerfallen in solche,
wo die Punktaugen in gleicher Entfernung von einander stehen und
in solche, wo das vordere Punktauge weiter vorgerückt ist. Unter den
ersteren stellt der Verf. zwei Gattungen auf: 1) Merosargus von dü-
sterer, nicht metallischer Färbung und kürzen, ziemlich diekschenk-
248 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
ligen Beinen; hierher gehören Sargus obscurus Wied. und fasciatus
Fabr. und zwei neue hier beschriebene Arten: Merosargus tristis und
luridus aus Venezuela. (Das hiesige Museum besitzt eine grössere
Anzahl mittel- und südamerikanischer Arten, die hierher gehören.)
2) Chrysonolus auf Sarg. bipunctatus Scopoli gegründet. — Von Cliry-
somyia Macq. will der Verf. die kleinen Arten mit fast nackten Au-
gen, wie Chrys. polita u. s. w. ebenfalls als eigene Gattung Micro-
chrysa abtrennen, welcher jedoch kaum der Rang einer Untergattung
zugetheilt werden kann. — Die Gattungen Analcocerus und Plectiscus
sind auf einer beigegebenen Tafel nebst ihren Fühlern abgebildet
worden.
Macquart errichtete eine neue Gattung Anacanthella, welche
mit Beris nahe verwandt sein soll, sich aber durch fast lineare Stirn
beim Männchen, ungedorntes Schildchen,, breiten, fünfgliedrigen Hin-
terleib, vier von der Diskoidalzelle ausgehende Hinterrandsnerven und
durch zwei kleine Spitzen am Ende der Mittelschienen davon unter-
scheidet. — Allerdings würden diese Charaktere die neue Gattung
wesentlich von Beris unterscheiden, doch spricht schon die Zahl der
sichtbaren Hinterleibsringe sehr gegen eine nähere Verwandtschaft
mit derselben. Die Art A. splendens, 2t/, lin. ist goldgrün mit rothen
Beinen und stammt von Adelaide. — Aus derselben Familie werden
ausserdem noch 1 Cocenomyia, 1 Beris, 2 Cyphomyia, 2 Hermetia,
1 Stratiomys, 2 Odontomyia, 2 Chrysochlora und 5 Sargus als neue
Arten beschrieben. (5. Suppl. p. 35.) — Von den beiden Cypho-
ınyien ist C. violacea nach der Beschreibung unmöglich zu entziflern,
©. flavispinis gewiss nicht von C. alhitarsis Wied. verschieden ; Chry-
sorhlora similis ebensowenig wie Sarg. vespertilio Fahr. dieser Gat-
tung angehörig, da dieselbe von Latreille auf eine metallglänzende
Art mit sehr verschiedener Fühlerbildung gegründet ist.
Nemotelus signatus Friwaldsky, eine neue Art aus Ungarn wurde
in den Verhandl. d. zoolog. - botan. Vereins zu Wien V. p.51 be.
schrieben und auf einer beifolgenden Tafel abgebildet; sie ist fast
von der Grösse des Nemotelus proboscideus l.oew.
Bombyliarii. Loew hat in einer Arbeit über Bombylius
(Neue Beiträge zur Kenntniss der Dipteren) einerseits die Europäi-
schen Arten dieser Gattung, die sich mit Inbegriff von 32 hier zuerst
beschriebenen jetzt auf 71 belaufen, durch scharfes Hervorheben ihrer
specifischen Charaktere so wie durch Sichtung der hier grosse Schwie-
rigkeiten darbietenden Synonymie festzustellen versucht, andererseits
mit Hinzuziehung einer Anzahl besonders charakteristischer exotischer
Formen, die verschiedenen Modifikationen, welchen die systematisch
wichtigen Körpertheile in dieser Gattung, besonders aber das Flügel-
geäder, unterworfen sind, auseinandergesetzt. Wie bei den Raubflie-
gen, so hat der Verf, auch hier die sich auf Grund jener Modifika-
wälrrend des Jahres 1855. 249
tionen herausstellenden 9 Sektionen mit eigenen Namen belegt und
ihnen den Werth von Untergattungen, die später, wie er glaubt, den
Rang von Gattungen erhalten werden, beigelegt. Dass das letztere
bald genug durch einen der Englischen oder Französischen Diptero-
logen geschehen wird, daran zweifelt Ref. allerdings nicht einen
Augenblick; ob es aber der Wissenschaft zu irgend einem Nutzen
gereichen kann, ist eine Frage, die wohl noch sehr zu erwägen
wäre. Es lassen sich allerdings über die Begränzung weiterer oder
engerer systematischer Gruppen, die wir mit dem Namen Gattung be-
zeichnen, im Grunde gar keine Regeln aufstellen, da sie als rein
künstiche der Natur, die nur Arten geschaffen hat, stets mehr oder
weniger Zwang anthun ; vielmehr muss, da jede specielle Form eine
eigenthümliche Auffassung erfordert, eine angemessene Systematik
jedesmal aus dem wissenschaftlichen Takte des Bearbeiters entsprin-
gen. Dies auf Bombylius angewandt, glaubt Ref. diese Galtung im
Meigen’schen Sinne festhalten zu müssen und zwar deshalb, weil sie
trotz der vielfachen und in der That sehr pıägnanten Verschiedenhei-
ten ein sehr fest in sich abgeschlossenes Ganze bildet, dessen rich-
tige Auflassung durch eine zu weit getriebene Zersplitterung nur ge-
hemmt wird. Es liegt dem Ref. natürlich fern, mit dieser seiner
Meinungsverschiedenheit, die sich nur auf die äussere Form bezieht,
der Arbeit des Verf., die von Neuem seine Meisterschaft in diesem
Fache bekundet, in irgend einer Weise zu nahe treten zu wollen;
vielmehr benutzt er nur diese Gelegenheit, um sich gegen eine jetzt
allgemein eingerissene Methode auszusprechen, die der Wissenschaft
um so mehr Gefahr droht, als sie leicht in die sinnloseste Spielerei
ausarten kann. (Vergl. Gould’s und Reichenbach’s Trochili-
den u. a.) — Die Bombylier sondern sich bekanntlich in solche, wo
die erste Hinterrandszelle geschlossen, und in solche, wo sie olfen
ist. Unter den ersteren bildet Loew aus denen mit drei Unterrands-
zellen die Gruppe Triplasius (B. bivittatus, n. A. vom Cap), aus denen
mit zwei solchen die Gruppen Bombylius sens. striet. mit längerer
vorderer Basalzelle und Systoechus, wo beide Basalzellen gleich lang
sind. Die Arten mit offener erster Hinterrandszelle zerfallen in fol-
gende Gruppen: a) mit 3 Unterrandzellen: Sobarus (B. anomalusWicd.)
der Körper von gewöhnlicher Gestalt, die Flügel nach der Basis hin
verschmälert, und JPlatamodes (depressus n. A. von Valparaiso), der
Körper kurz und flach, die Flügel nach der Basis hin nicht verschmä-
let. b) mit 2 Unterrandzellen: Legnotus (trichorrhoeus u. A. aus
Syrien) mit erweiterten Flügeln, Seinar mit nicht erweiterten, an der
Basis keilförmig verschmälerten Flügeln (S. sphenopterus n. A. aus
Valparaiso), Sparnopolius mit nicht erweiterten Flügeln und ohne
Stachelborsten auf der Unterseite der Hinterschenkel (z. B. B. fulvus,
conlusus, caminarius und bieinetus Wied.) und endlich Dischistus mit
250 Gerstaecker; Bericht üb. d, Leistungen in d. Entomologie
Stachelborsten auf der Unterseite der Hinterschenkel (z.B. B. mystax
Wied., minimus Schrank u. a.). — In Betreff der Synonymie der Eu-
ropäischen Arten ist hervorzuheben, dass der Verf. die Mikan’schen
Arten, von denen nur fünf von den späteren Autoren richtig erkannt
waren, kritisch gedeutet und in ihr Recht wieder eingesetzt hat. Die
als neu beschriebenen Arten hier einzeln namhaft zu machen, er-
scheint überflüssig, da die Arbeit als eine klassische den Dipterolo-
gen unentbehrlich ist.
Unter dem Namen Lasioprosopa Bigotii machte Macquart (Dipt.
exot. 5. Suppl.) eine neue Gattung aus Neu-Holland bekannt, welche
durch den verhältnissmässig schlanken Bau und den breiten Kopf ei-
nigermassen an Mulio erinnert, sich aber durch eigenthümliche lange
und dichte Behaarung des Gesichts so wie durch die Fühlerbildung
auffallend unterscheidet. An den letzteren ist besonders das zweite
Glied sehr dünn und langgestreckt, cylindrisch, das dritte etwas kür-
zer und spindelförmig. Der Rüssel ist kaum von Kopflänge, dünn,
die Endlippen scharf zugespitzt. — Ausser dieser neuen Gattung wer-
den ebenda 9 Exoprosopa, 7 Anthrax, 1 Comptosia, 11 Bombylius,
1 Usia und 1 Cyllenia beschrieben.
Cyrtosia obscuripes Loew ist eine neue Art aus Griechenland.
(Entomol. Zeit. p. 39).
Blenopii. Macquart beschrieb Jlenops dispar von Baltimore
als neue Art, (Dipt. exot. 5. Suppl.).
Syrphici. Macquart beschrieb (Dipt. exot. 5. Suppl.) eine neue
Gattung Toromerus aus der Verwandtschaft von Xylota und’ Syritta, bei
der die Hinterschenkel ebenfalls verdickt und ihre Schienen bogenförmig
gekrümmt, beide jedoch ohne alle Zähnelung sind; die Fühler sind tief
herabgedrückt, so dass die Stirn zwei Dritttheile, das Untergesicht
nur ein Dritttkeil des Kopfes einnimmt. Auch das Flügelgeäder zeigt,
was der Verf. nicht hervorhebt, Unterschiede, indem die 2te bis Ate
Längsader nicht bei den Queradern endigen, sondern den Flügelrand
erreichen. Art: 7. notatus von Baltimore, — Von meuen Arten be-
schreibt derselbe ausserdem: 1 Aphritis, 7 Eristalis, 2Merodon, 1 Tro-
pidia, 1 Eumerus, 1 Syritta, 3 Syrphus, 1 Sphaerophoria, 1 Chrysoga-
ster und 1 Psilota.
Loew „Ueber die Gattung Eumerus“ (Verhandl. des zoolog.-
botan. Vereins zu Wien V. p. 657 ff.) theilte über die von Ron-
dani in den Annales de la soc. entomol. VIII. beschriebenen Arten
dieser Gattung nach Vergleich von Original- Exemplaren folgende
synonymische Bemerkungen mit: Eumerus Delicatae Rond. — E.
pulchellus Loew, angusticornis Rond., = basalis Loew, nivipes
Rond. — argyropus Loew, uncipes Rond. eine selbstständige neue
Art. Ausserdem wird die Beschreibung der bisher unbekannten Weib-
während des Jahres 1855. 351
chen von E. tarsalis Loew und annulatus Panz. und beider Geschlech-
ter von E. tricolor Meig. gegeben. Zur Gruppe mit seitlich rothem
Hinterleibe kommt ferner als neue Art: Eumerus sinuatus von Wien,
zu derjenigen mit schwarzen Hinterleibe: E. longieornis aus Ungarn;
von beiden sind dem Verf. nur Weibchen bekannt. Der von Schi-
ner beschriebene E. elegans (Männchen) dürfte vielleicht mit E.
flavitarsis Zeterst. (Weibchen) zusammenfallen.
Zetterstedt charakterisirte (Dipt. Scand. XII) als neue Art:
Eristalis (d. h. Cheilosia Meig.) rwfitarsis; sie soll der Cheil. canicu-
laris sehr ähnlich sein, sich aber durch ganz nackte Fühlerborste und
anders gefärbte Tarsem unterscheiden.
Sehiner beschrieb (Sitzungsberichte d. zoolog.-botan. Vereins
in Wien V. p.68) das bis jetzt noch unbekannte Weibchen von He-
lophilus peregrinus Loew.
Conopidae. Ausser fünf neuen Conops-Arten, von denen
eine aus Arabien, die übrigen von Vandiemensland staınmen, beschrieb
Macquart (Suppl.1V. p. 164) eine neue Gattung Pleurocerina, wel-
che sich dadurch auszeichnet, dass der Kopf in einem langen, scharf
zugespitzten, schmalen Fortsatz verlängert ist, an dessen Seiten die
sichelförmigen, aus drei eng aneinanderschliessenden Gliedern beste-
henden Fühler eingelenkt sind; sie tragen an der Spitze eine kurze,
zweigliedrige Borste. Die einzige Art: Pl. faseiata stamnit ebenfalls
aus Vandiemensland. — Ausserdem beschreibt der Verf. noch eine
neue Myopa aus Arabien.
Oestracea. Eine recht ausgezeichnete neue Form dieser Familie
wurde von Macquart (Suppl. IV. p.165) unter dem Namen Aulacephala
bekannt gemacht; sie gehört zw denjenigen Gattungen, wo zwei Quer-
adern nahe der Flügelspitze existiren ; dieselben sind aber stark Slör-
mig geschwungen „ und laufen nieht, wie bei den übrigen, schräg
gegen die Flägelspitze, sondern sind umgekehrt gegen die Flügel-
wurzel hin gerichtet; sie treten um so auflallender hervor, als sie
dunkel gefleckt sind. Körper und Kopf sind fast nackt, der Rüssel
ınit den Palpen hervorragend, wenngleich kurz, das Untergesicht mit
durchlaufender, scharter Mittelleiste, an den Fühlern das dritte Glied
oval, mit langer, ungefiederter Borste. (Macquart giebt letztere
fälschlich als kurz an, wahrscheinlich nach einem lädirten Exemplar.)
Die Art: A. maculithorar stammt von Madagascar ; das hiesige Museum
besitzt eine zweite aus Südafrika.
Eine zweite von demselben Verf. hier ebenfalls untergebrachte
neue Gattung Clenostylum mit gestieltem Hinterleibe, langen, schlan-
ken Beinen, geraden, den Hiuterrand erreichenden Längsadern der
Flügel und nur einer Querader (nämlich der zweiten) kann schon
nach diesen Charakteren nicht zu den Üestraceen gehören und wird
sicher der Familie der Muscarien überwiesen werden müssen; die
252 Gerstaecker: Bericht üb, d. Leistungen in d. Entomologie
sehr kurzen, verborgenen Fühler allein, die überdies noch eine lang
gehiederte Borste tragen, können den ihr angewiesenen Platz gewiss
nicht rechtfertigen, besonders da, nach der Abbildung zu urtheilen,
weder ihre Einfügung, noch die ganze Form des Gesichtes eine Ver-
wandtschaft mit den Oestraceeen bekundet. Die Art: C. rufum stammt
vom Amazonenstrome,
Rondani „Degli Estridi del Cavallo“ (Nuovi annali delle
scienze naturali di Bologna, Ser. IIi. Tom.IX. p. 67 fl.) setzte zur
Widerlegung einer vom Prof. Lissona in Turin aufgestellten Be-
hauptung, dass die verschiedenen Oestrus-Arten des Pferdes als Va-
rieläten eine und derselben Species angehörten, die Unterschiede von
G. Equi, haemorrhoidalis und ferruginatus Zett. auseinander und bil-
dete die Flügeladerungen im Holzschnitte ab. Einem Entomologen
dürfte übrigens die Verschiedenheit jener Arten wohl schwerlich
zweifelhaft sein,
Muscariae. Eine grössere Anzahl neuer Gattungen so wie
zahlreiche ausländische Arten dieser Familie wurden von Macquart
(Dipt. exot. 4. und 5. Suppl.) beschrieben.
Aus der Gruppe der Tachinarien: 1) Aprotheca n. g. mit Mi-
eropalpus durch die kleinen Taster verwandt; Kopf von Körperbreite,
Untergesicht tief eingebogen, Fühler dieses fast erreichend, Augen
behaart, Hinterleib oval, beim Männchen convex, beim Weibchen
etwas niedergedrückt; die Vena externo-mediana jenseits des Kniees
fast gerade, ohne Anhang. — Eine Art: A. rufipes von Van-Diemens-
land. — 2) Exopalpus n. g. (vox hybrida!) aus der Verwandtschaft
von Echinomyia, Gonia u.a., von denen sie sich durch spatellörmige,
das Untergesicht weit überragende Palpen unterscheidet; Stirn des
Weibchens breit, Fühler vorstehend, ihr 2tes Glied schmal, das dritte
etwas länger und keilfömig, die Borste dreigliedrig, zweimal gekniet;
Augen behaart; Vena externo-mediana unter scharfem Winkel gebro-
chen, die zweite Querader geschwungen und beim letzten Viertheil
zwischen der ersten und dem Knie in ihr mündend. Art: E. bicolor
aus Columbien. — 3) Gonistylum n. g. mit nackten Augen, starken
Stirnborsten, die in zwei Reihen jederscits herabsteigen ; Fühler fast
die Mundöffnung erreichend ; ihr tes Glied dreimal so lang als das
zweite, mit dreigliedriger, schwach geknieter Borste; Vena externo-
mediana rechtwinklig gebogen, die zweite Querader zu zwei Dritt-
theilen zwischen der ersten und dem Knie mündend; Hinterleib oval,
ohne Borsten auf der Mitte der Segmente. Art: @. ruficorne aus Bra-
silien. — 4) Polychaeta n. g. (der Name ist von Zetterstedt längst
unter den Dipteren vergeben!) die Stirn jederseits mit drei Reihen
Borsten, die Fühler nicht die Mundöffnung erreichend, ihr Wies Glied
etwas verlängert, das dritte dreimal so lang als das 2te, mit drei-
gliedriger, geknieter Borste; Augen behaart, Ilinterleib kurz oval,
während des Jahres 1855. 253
ohne Borsten in der Mitte der Seginente. Art: P. nigra von Vandie-
mensland. — 5) Chlorogaster n. g., mit Nemorea verwandt, aber durch
nackte Augen, nicht hervorspringenden Mundrand, breitere Stirn beim
Männchen u. s. w. unterschieden; die Fühler nicht die Mundöllnung
erreichend, ihr drittes Glied um die Hälfte länger als das zweite;
Hinterleib oval mit Borsten auf der Mitte des zweiten und dritten
Segments; die Flügel am Aussenrande mit einem Dorne. Art: Chl.
tasmanensis von Vandiemensland. — 6) Choeteprosopa n. g. von Ma-
sicera durch schwach hervorspringende Stirn, durch die kleinen Haare,
welche die Augen nach innen begränzen, durch die Verhältnisse der
Füblerglieder, von denen das zweite länglich, das dritte doppelt so
lang ist als das zweite, und durch die kürzere Form des Hinterleibs
unterschieden, von Exorista durch nackte Augen sich entfernend. Art:
Ch. cyanea von Minas Geraös. — 7) Teretrophora durch lange, hor-
nige, etwas gebogene Legescheide beim Weibchen ausgezeichnet;
vierter Abdominalring verlängert; Augen nackt, an den Fühlern das
zweite Glied verlängert, das dritte doppelt so lang als das zweite;
im Uebrigen mit Phorocera und Degeeria nahe verwandt. Art: T.
fasciata von Vandiemensland. — 8) Blepharella n. g. (der Name soll
bezeichnen, dass die Fliege gewimperte Schienen hat!!) Augen
nackt, drittes Fühlerglied mehrmals länger als das zweite; von Fa-
bricia durch breitere Stirn beim Männchen, ovalen Hinterleib ohne
Borsten auf der Mitte der Segmente, gewimperte lHinterschienen und
das Flügelgeäder unterschieden; die Vena externo-mediana ist in ge-
rundetem Winkel gebrochen und die zweite Querader mündet am Ende
des zweiten Drititheils zwischen der ersten und dem Kniee, Art: Bl.
lateralis von Pondichery. — 9) Platytaenia n. g. von Myobia und Ta-
china durch sehr breite Stirnbinde beim Weibchen, und die Verhält-
nisse der Fühlerglieder, von denen das zweite und dritte fast gleich
lang sind, unterschieden. Art: Pl. maculata von Vandiemensland. —
10) Leptostylum n.g. im Habitus der Gattung Myobia gleichend, doch
sind die Fühler länger, den Mund erreichend, die beiden ersten Glie-
der kurz, das dritte fünfmal so lang als das zweite, die Borste haarig,
und an der Basis verdickt; auch sind die Augen behaart. Art: L.
pulchellum von Bahia, — 11) Trichostylum n. g. ebenfalls mit Myobia
verwandt, mit behaarter Fühlerborste, nackten, ziemlich kleinen Au-
gen und fast die Mundöllnung erreichenden Fühlern, deren drittes
Glied viermal so lung als das zweite ist. Art: Tr. rufipalpis aus
Neu-Holland. — 12) Prosopochaeta n. g. aus der Verwandtschaft von
Zophomyia, von der sie sich auffallend dadurch unterscheidet, dass
die Stirnborsten bis zum unteren Ende des Gesichts sich erstrecken ;
ausserdem sind die Augen und die Fühlerborste nackt, letztere bis zum
ersten Viertheil ihrer Länge verdickt. Art: Pr. nitidiventris aus Chile.
— 13) Ochropleurum n,g. nahe verwandt mit Wiedemannia , doch ist
%54 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
der Hinterleib nicht zusammengedrückt und die erste hintere Zelle
der Flügel nicht geschlossen; die Fü hlerborste ist behaart, die Füh-
ler erreichen nicht die Mundöffnung, ihr drittes Glied ist dreimal so
lang als das zweite. Art: 0. javanum von Java. — 14) Megistoga-
ster n. g. auf Tach. Beelzebub Wied, gegründet, durch Jen dünnen,
langgestreckten Hinterleib ausgezeichnet. ‘Zwei neue Arten: M. fus-
eipennis von Java (vb das Männchen von T. Beelzebub ?) und analıs
vom Amazonenstrome. — 15) Torocnemis n. g. (d,. Suppl.) in mehre-
rer Hinsicht mit Myobia verwandt, aber durch die Länge des Rüssels,
nackte Fühlerborste,, Jange Beine und gebogene Hinterschienen un-
terschieden. Art: T. vittata von Adelaide. — 16) Sumpigaster n. g-
(soll heissen „mit zusammengedrücktem Hinterleib;# ist das Wort von
ovunıcöo abgeleitet, so ist die Bildung in der That ächt französisch!)
von schmaler, gestreckter Körperform , mit nackten Augen, kurz ge-
fiederter Fühlerborste,, das dritte Glied der Fühler sechsmal so lang
als das zweite; von Hyposthena, mit der die Gattung nahe verwandt
sein soll, unterscheidet sie sich dureh breitere Stirn des Männchens
und dadurch, dass auf der Mitte der Hinterleibssegmente Borsten ste-
hen. Art:.S. fasciatus aus Neu-Holland. — Von neuen Arten Jieser
Gruppe sind ferner beschrieben: 1 Dejeania, 4 Echinomyia, 3 Jurinia,
2 Hystricia, 6 Micropalpus, 6 Gonia, 4 Nemorea, 1 Chrysosoma, 7
Exorista, 12 Masicera, SPhorocera, 2 Degeeria, 2 Tachina, 1 Myobia,
1 Heterometopia, 1 Ocyptera, 1 Elomyia und 1 Hyalomyia.
Aus der Gruppe der Deziarien : 1) Ptilostylum n. g. von Rutilia
durch breiteren Kopf, fadenförmige,, zuttig behaarte Palpen, kurze
Antennen mit gefiederter Borste, an denen die beiden ersten Glieder
besonders kurz sind, und die senkrecht gestellte erste Querader der
Flügel unterschieden. Art: Pt. albomaculatum von Vandiemensland.
— 2) Grapholostylum n. g. von der vorigen und yon Rutilia durch
kurz behaarte Fühlerborste, von ersterer auch durch schiefe erste Quer-
ader der Flügel unterschieden. Art: Gr. dorsomaculatum ebenfalls
von Vandiemensland. — 3) Platytropesa n.g. hier ist die Fühlerborste
wieder langgefiedert, die Fühler selbst höher eingelenkt, ihr letztes
Glied sechsmal so lang als das vorhergehende, die Stirnleiste breit,
mit weiter Furche, die Augen nackt, der Hinterleib ungefleckt. Art:
Pl. auriceps aus Neu-Holland.. — 4) Chetogaster n. g. (der Verf.
braucht wahrscheinlich diese falsche Schreibweise, weil die richtige,
Chaetogaster schon vergeben ist!) durch sehr relative Charaktere von
Rutilia unterschieden, soll die Gattung in anderer Hinsicht auch Ver-
wandtschaft init den Tachinarien zeigen. Art: Ch. violacea aus Neu-
Holland. — 5) Gnadochaeta n. g. (soll wohl Gnathochaeta heissen !)
durch die mit einer Reihe Borsten besetzten Backen charakterisirt;
durch die nackte Fühlerborste mit Gymnochaeta zunächst verwandt,
Art: Gr. coerulea von Minas Geraös. — 6) Dichaelomelopia n. 8.
während des Jahres 1855. 255
(Suppl. V.) durch zwei sehr lange Borsten auf der Stirn ausgezeich-
net, ebenfalls mit nackter Fühlerborste. Art: D. rufiventris von Port
Natal. — An neuen Arten werden ausserdem beschrieben : 7 Rutilia,
1 Diaphania (welche Gattung hier wieder hergestellt wird), 1 Micro-
tropesa, 1 Gymnostylia, 3 Dexia und 3 Prosena,
Aus der Gruppe der Sarcophagen: 1) Microcerella (!) n. g. mit
auffallend kurzen Fühlern, die nur bis zur Mitte des Gesichts reichen,
deren drittes Glied doppelt so lang als das zweite und deren Borste
mackt ist. Art: M. rufomaculata aus Chile. — 2?) Catapicephala n.g.
(abermals eine schöne Ableitung von zetranıclw) stimmt mit Cyno-
myia in der lebhaften Metallfarbe des Körpers überein, unterscheidet
sich aber durch niedergedrückten Kopf, durch das auf zwei Dritttheile
mit Borsten gerandete Gesicht und gleiche auf dem Hinterleibe. Art:
C. splendens von Java. — 3) Tozotarsus n. g- ebenfalla Cynomyia
nahestehend, das erste Glied der Hinterlarsen ist aber gekrümmt und
die Fühler kürzer. Art: T. rufipalpis aus Chile. — Neue Arten sind
ferner: 1 Phryssopoda, 12 Sarcophaga, 1 Agria, 2 Cynomyia.
Aus der Gruppe der Muscarien sind nur neue Arten beschrie-
ben, nämlich: 1 Stomoxys, 3 Idia, 3 Rhynchomyia, 11 Calliphora, 6
Ochromyia, 20 Lueilia, 8 Pyrellia, 4 Musca, 4 Pollenia und 4 Cyr-
toneura.
Aus der Gruppe der Anthomyien: 1) Microchylum n. g. (die
richtige Bildung Microchila ist schon vergeben!) wird von Aricia durch
kleine Endlippen des Rüssels, vorspringende Mundöllnung, kurz be-
haarte Fühlerborste und die Verengung der ersten hinteren Zelle der
Flügel unterschieden. Art: M. vestitum von Bahia. — 2?) Brachyga-
sterina n. g. durch die Kürze des Hinterleibs, des Gesichts und der
Fühler, deren Borste zugleich nackt ist, von Aricia abweichend. Art:
Br. violaceiventris aus Chile. — 3) Brachypalpus n. g. (vox hybrida
und schon zweimal vergebener Name, einmal sogar von Macquart
selbst!) unterscheidet sich vor allen anderen Gattungen dieser Gruppe
durch stark gebogene und behaarte Hinterschienen, von Aricia auch
noch durch nackte Fühlerborste und die Kürze der Palpen. Art: Br.
pilosus aus Australien. — 4) Leucomelina n. g, nicht scharf unter-
schieden. Art: L. pica von Minas Geraös. — 5) Craspedochaela n.g.
auf Anthomyia punctipennis Wied. gegründet. — 6) Macrochaela n. g.
durch etwas verdickte Schenkel, die wie die Schienen mit äusserst
langen und dicken borsten besetzt sind, ausserdem durch zwei ver-
einzelte lange Borsten auf dem Scheitel und über der Einfügung der
Fühler ausgezeichnet. Art: M. rufipes aus Neu-Holland. — Aus be-
kannten Gattungen sind ferner beschrieben: 7 Aricia, 3 Spilogaster,
4 Hydrotea, 5 Limnophora, 2 Lispe, 1 IHylemyia, 1 Chortophila, 7 An-
thomyia und 2 Coenosia.
Aus der Gruppe der Cordyluren: 1) Chaelura n. g. (vergebe-
256 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
ner Name!) von Cordylura durch die Länge des dritten Fühlergliedes,
die gebogenen Hinterschienen und einen Büschel langer Borsten am
Ende des Hinterleibs unterschieden. Art: Ch. rufipes aus Uruguay. —
2) Ortkostylum n.g- (vergebener Name!) das dritte Fühlerglied sechs-
mal so lang als das zweite, mit verdickter, unter rechtem Winkel ab-
stehender Borste; Hinterleib ziemlich kurz , gleich breit, stumpf ab-
gerundet. Art: O. rufipes aus Aegypten. — Ausserdem n. A.: Cordy-
lura geniculata aus Amerika,
Aus den Gruppen der Scato- und Sciomyziden nur neue Ar-
ten: 1 Scatophaga, 1 Dryomyza, 6 Sapromyza, 8 Sciomyza und ?
Helomyza.
Aus der Gruppe der Psilomyiden eine neue Gattung Ectecephala
mit einer Art: E. albistylum aus Süd-Amerika; dieselbe ist mit Eu-
rhina Meig. und Trigonometopa Macq. zunächst verwandt, und zeichnet
sich durch breite, kegelförmig hervortretende, an der Spitze abge-
rundete Stirn aus; vorn an derselben sind die langen, vorgestreckten
Fübler getrennt eingefügt; die beiden ersten Glieder sind gleich lang,
cylindrisch, das dritte doppelt so lang als jene zusammen, zugespitzt,
mit innenstehender, nackter Borste.
Aus der Gruppe der Ortaliden: 1) Campigaster n.g. (Suppl. V.)
eine durch die stark verdickten Schenkel recht ausgezeichnete Form,
die sich zugleich durch den halbkugligen Kopf von den übrigen Gat-
tungen unterscheidet; von Ropalomera weicht sie durch halbkreisför-
miges, mit Borsten eingelasstes Schildchen, nackte Füsse, und die
Fühler, deren drittes Glied mindestens viermal so lang als das zweite
ist, ab. Art: C. testaceus aus Neu-Holland. — ?) Meracantha n. g.
(längst vergebener Name!) von Dacus durch gestielten Hinterleib,
etwas verdickte und mit Stacheln besetzte Borsten und geschweilte
Hinterschienen abweichend. Art: M. maculipennis aus Ostindien. —
3) Tozura n. g. mit Urophora verwandt, von der sie sich durch die
Kürze des Gesichts, die Form des dritten Fühlergliedes, das vorn
gerade, hinten gerundet ist und die eigenthümliche Biegung der Le-
geröhre unterscheidet. Art: T. maculipennis von Vandiemensland. —
4) Epicerella n. g. von Arinia durch die Einlenkung der Fühler ober-
halb der Mittellinie der Augen unterschieden. Art: E. gutlipennis von
Vandiemensland. — 5) Conopsida n. g. auf Cepbalia femoralis Wied.
gegründet. — Neue Arten aus folgenden Gattungen: 1 Oxycephala,
4 Platystoma, 1 Richardia, 1 Nerina, 5 Senopterina, 1 Ortalis, 12
Urophora, 6 Tephritis, 1 Terellia, 3 Arinia, 3 Sepsis und 1 Diopsis.
Aus der Gruppe der Leptopoditen: Toxopoda n. g. mit Tanypeza
verwandt, doch durch vorspringenden Mundrand und geschwungene
Schienen abweichend ; die Füsse sind sehr verlängert. Art: T. nitida
aus Aegypten. — Ausserdem werden 6 neue Calobata beschrieben.
Aus der Gruppe der Lauxaniden: 2 Lonchaea, 1 Lauxania, 1
während des Jahres 1855. 257
Ulidia, 1 Celyphus; von Hydromyziden: 3 Notiphila, 2 Ephydra; von
Geomyziden: 1 Piophila, 1 Drosophila und Silba n. g., mit Piophila
nahe verwandt, 1 Art: S. virescens von Isle Bourbon; endlich von
Oseiniden 6 neue Chlorops.
Rondani errichtete (Esplorazione delle regioni equatoriali da
G. Osculati p. 240) eine neue Tachinarien- Gattung Blepharopoda, die
er folgendermassen charakterisirt: „Letztes *Fühlerglied fast doppelt
so lang als das zweite; Borste nackt, die beiden ersten Glieder der-
selben sehr kurz; Augen deutlich haarig ; die Stirnborsten nicht bis
zu den Backen herabsteigend, die Knebelborsten die Mitte des Ge-
sichts nicht erreichend; hintere Querader jenseits der Mitte der Mit-
telzelle, diese ohne Anhang; Abdomen nur am Rand der Segmente
mit Borsten; Hinterschienen mit dichten und ziemlich langen Wim-
pern besetzt.“ — Art: Bl. pilitarsis von Quito. (Die Gattung würde
nach den angegebenen Charakteren mit Blepharipeza Macq. nahe ver-
wandt sein.)
Macquart hat seine „Nouvelles observations sur les Dipteres
d’Europe de la tribu des Tachinaires“ (Annales de la soc. entom. de
France T. Ill. p. 21—47 und p. 177—204) mit zwei neuen Fortsetzun-
gen beendigt. Wenngleich auch diese Arbeit des jetzt verstorbenen
Verf. in der Charakterisirung der Arten viel zu wünschen übrig lässt,
so giebt sie doch abermals ein Zeugniss für sein Talent und seinen
richtigen Blick in diesem Zweig der Entomologie. Mit richtiger Er-
kenntniss der Mängel, welche die Meigen’sche Anordnung der Tachi-
narien darbietet, hat der Verf. es versucht, eine natürliche Gruppirung
derselben vorzunehmen, und hat z. B. alle Gattungen, welche mit
einem schlanken Körperbau und meist glänzend schwarzer Körperfarbe
eine geschlossene erste Hinterrandszelle verbinden, zu einer beson-
deren Gruppe vereinigt; es sind dies: Clista, Peteina, Fallenia, Try-
phera, Leucostoma, Scopolia und Plesina mit nackter, Anthracia, Rhi-
nophora und Meianophora mit behaarter Fühlerborste. In gleicher
Weise sind auch die schlankeren Gattungen mit offener Zelle und ge-
fiederter Borste, wie Erebia, Labidigaster, Hypostena, Uromyia und
Nedoria zusammengestellt und diesen vielleicht nicht mit Unrecht die
Meigen’schen Dexiarien-Gattungen Nyctia und Morinia beigesellt wor-
den. Der Verf. hat von allen behandelten Gattungen von Neuem eine
Charakteristik gegeben, sie mit einer beträchtlichen Anzahl neuer Ar-
ten vermehrt und zugleich mehrere neue Gattungen aufgestellt. Der
Inhalt der Arbeit ist folgender: 1) Hypostena Meig. 4 Arten, wovon
3 neue. 2) Agculocera n.g. (der Name muss, wenn er lateinisch sein
soll, Ancylocera heissen), Augen und Fühlerborste nackt, erste Hin-
terrandszelle olfen, Fühler kurz, kaum die Mitte des Gesichis errei=-
chend, drittes Glied doppelt so lang als das zweite, vorn in ein Nä-
gelehen („onglei“) endigend. 1 Art; A, nigra aus der Schweiz,
Archiv C Naturgesch. XXI. Jahrg. 2. Bd, R
258 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
3) Gymnöstylina n. g. Augen und Fühlerborste nackt, erste Hinter-
randszelle fast offen; Stirn des Weibehens breit, nicht vorspringend,
drittes Fühlerglied doppelt so lang als das zweite. Die Gattung soll
die hauptsächlichsten Charaktere mit den Muscarien tlıeilen, von denen
sie sich aber durch nackte Borste entfernt. Art: @. nitida aus Frank-
reich; schwärzlich grün, glänzend, mit bräunlichen Flügeln. 4) Uro-
myia Meig. I Art. 5) Medoria Meig. 7 Arten, davon eine neu,
6) Nyctia Meig. 2 Arten. 7) Calobatemyia n. g: (famoser Name!)
Beine verlängert, Hinterschienen ziemlich dick ; Augen nackt, Füh-
lerborste nur oben kurz behaart; Stirnborsten nur bis zur Basis der
Fühler herabsteigend, diese nicht den Mundrand erreichend, das dritte
Glied etwas concav, kaum doppelt so lang als das zweite. Art: C,
nigra aus der Schweiz, 8) Morinia Meig. 4 Arten. 9) Mierosoma n.g.
von der vorhergehenden Gattung durch dünne Palpen, das fast gleich
lange zweite und dritte Fühlerglied, die nackte Borste und geschlossene
Hinterrandszelle unterschieden. Art: M.nigra aus der Schweiz, 10) Clista
Meig. 7 Arten, davon eine neu. 11) Peteina Meig. 1 Art. 12) Fallenia
Neig. 2 Arten, davon I neu. 13) Tryphera Meig. 3 Arten. 14) Plesio-
neuran.g. Augen und Borste nackt; Zelle geschlossen, sehr kurz ge-
stielt, ganz an der Klügelspitze mündend; zweite Querader steil, weit
nach innen gerückt; Fühler anliegend, nur die Mitte des Gesichts errei-
chend. Art: P. incisuralis aus Frankreich, 15) Anthracia Meig. 2 Arten,
davon I neu. 16) Mierecheilosia n. g. mit Tryphera, Rhinophora und
Leucostoma nahe verwandt, von ersterer durch vorspringenden Mund-
rand, längere Fühler und nackte Augen, von Rhinophora durch be-
haarte Fühlerborste und den Mangel der Borsten längs der Augen,
von Leueostoma durch die Länge der Palpen, die vorspringende Stirn
und die Länge der Fühler unterschieden. Von allen dreien entfernt
sie sich durch den Rüssel, der kürzer als die Palpen ist und sehr
kleine Endlippen hat, — Art: M. nitida aus der Schweiz. 17) Rhi-
nophora Meig. 10 Arten, davon 4 neu. 18) Leucostoma Meig. 11 Ar-
ten, davon 4 neu: 19) Scopolia Meig. 5 Arten, I neu. 20) Brachy-
stylum n. g. von Scopolia durch die Länge des dritten Fühlergliedes
(sechsmal so lang als das zweite) und die kurze und dicke Borste
unterschieden ; Gesicht nicht gewimpert, doch steigen die Stirnborsten
bis zur Mitte des Gesichts herab; Augen nackt, erste Hinterrandszelle
geschlossen, ziemlich lang gestielt: Art: Br. nigrum aus Belgien
21) Plesina Meig, 1 Art. 22) Melanophora Meig. 3 Arten, davon
2 neu,
Eine Reihe neuer Scandinavischer Arten wurde von Zetter-
stedt (Dipt. Scand. XI) beschrieben und zwar aus der Tachinen-
Gruppe: Tachina obseureila, rufolibialis, conjugata und Rhinopkora
Tugubris; von Muscarien : Cyrtoneura piela, von der bekannten C. ma-
culata durch weisse Schüppchen und grauen Hinterleib des Männ-
während des Jalıres 1855. 259
chens unterschieden; (Ref. hat beide Geschlechter dieser oder einer
sehr ähnlichen Art auch am Neusiedler See bei Wien gefunden) ; aus
der Gruppe der Anthomyien u. s. w.: Aricia bisignata , hyalinipennis,
caudata, paralleliveniris, melalarsata, nitidicauda, alulala, opacula, An-
thomyia interruptella, Ephydra megastoma, vitligera, Cordylura aricioi-
des, Lonchaea parvula und pallıpennis, Scalophaga tarsella, Hetero-
myza opomysina, Limosina larsala, Geomyza griseola, Oscinis fasciella,
Leucopis geniculala, albipuncta, Agromyza flavicornis, aenescens, He-
teroneura piclipes, Trineura trochanterata und subquadrifasciala.
Egger machte (Verhandl. d. zoolog.-botan. Ver. zu Wien V.
p. 9.) in einem Aufsatze betitelt: „Beobachtungen über die Wan-
delbarkeit des Flügelgeäders und folgeweise Unanwendbarkeit der-
selben bei Bestimmung einiger Gattungen und Arten“ darauf aufmerk-
„sam, dass bei Panzeria lateralis die Mittelzelle bald offen, bald ge-
schlossen, bald mehr oder weniger gestielt vorkomme, und dass in
seltenen Fällen sogar beide Bildungen an den Flügeln eines und des-
selben Exemplares zu bemerken seien; er vermuthet, dass Meigen
seine Tachina argyreata auf Individuen mit olfener Zelle gegründet
habe. — Dieselbe Veränderlichkeit hat E. auch bei Tach. vertiginosa
beobachtet, die daher auch von einigen zu Baumhaueria, von ande-
ren zu Frontina gestellt worden sei; endlich auch bei Pollenia ru-
dis, von der gewöhnlich kleinere Exemplare eine ganz geschlossene,
inittlere eine eng geöflnete und grosse eine weit geöffnete Mittelzelle
besitzen ; in der kleinen Varietät mit geschlossener Zelle vermuthet
E. die Musca varia Meig.
Derselbe beschrieb Onesia fulviceps als neue Art aus Dalmatien
(ebenda p.5 1), welche jedoch nach Schiner zur Gattung Idia ge-
hören und wahrscheinlich mit Idia cyanescens Loew zusammenfal-
len soll.
Nach demselben (ebenda Sitzungberichte, p. 76) findet sich Echi-
nomyia NMarklini Zett. auch auf dem Schneeberg in Oesterreich. (Die
hiesige Sammlung besitzt diese Art auch aus dem Harzgebirge; die
Harzer und Oesterreichischen Exemplare stimmen mit einander über-
ein, weichen aber von den Lappländischen besonders in der Färbung
des Hinterleibs etwas ab.)
Trypeta strigilata und macrura wurden als neue Arten aus Grie-
chenland von Loew (Entomol. Zeit. p. 39) beschrieben.
Haliday charakterisirte (Natural history rewiew VI. p. 64) als
neue Art: Geomysa eingulata; die Diagnose lautet: „Ferruginca, ni-
tida, thoracis vittis lateralibus abdominisque cingulis fuscis, articulo
tarsorum extremo apice nigro, alis immaculatis, 1 lin.“ Aus Kerry
in Irland, — Ferner giebt er eine nochmalige Beschreibung seiner
Canace nasica, die am Meeresstrande lebt,
960 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Schiner erzog Piophila Casei, atrata und petasionis zusam-
men aus Schinkenfett und hält sie daher für Abänderungen einer Art,
(Sitzungsberichte d. zoolog.-botan. Ver. p. 37).
Frauenfeld beobachtete Auswüchse an Gnaphalium angusti-
folium in Dalmatien, aus denen sich eine Trypeta-Art entwickelte,
die mit Tr. terminata Meig. zunächst verwandt, aber bestimmt davon
verschieden ist; Fr. belegt sie vorläufig mit dem Namen Tryp. Ma-
mulae. Die Larve von Tryp. femoralis R. D. fand derselbe in den
Blüthen von Phlomis fruticosa Linn. und Tryp. longirostris Loew in
dem Fruchtboden von Inula viscosa Linn. (Verhandl. d. zoolog.-botan.,
Ver. zu Wien V. p. 16).
Kawall (Entomol. Zeit. p. 129) fand Trypeta signata Meig. in
Kurland die Früchte von Lonicera tartarica anstechend und später in
diesen auch die Larve.
Perris beschrieb (M&moires de la soc. roy. des sciences de
Liege X. p. 274.) die ersten Stände von Platystoma umbrarum und
gab eine Abbildung derselben auf Taf.5bis. Die Larve wurde von
ihm in der Erde unter faulem Holze gefunden und nährt sich ohne
Zweifel von Humus; ihr Vorkommen fällt in den April.
„Die Kohlfliege, Anthomyia Brassicae“ (?) ist eine Notiz von
Fölkersahm (Bulletin de la soc. imp. des naturalistes de Moscou
1855. No. 3. p. 251) überschrieben, welche über den Schaden, den
eine Fliegenlarve den jungen Kohlarten und vorzüglich den Kohlrü-
ben zufügt, handelt. Eine Beschreibung der Art ist nicht gegeben
worden.
Corincen. Diese Familie wurde durch einige sehr interes-
sante neue Formen bereichert. Macquart (Dipt. exot. 4. Suppl.)
machte unter dem Namen Brachylarsina flavipennis eine mit Strebla
Wied. verwandte neue Gattung bekannt, welche nur vier Längsadern
der Flügel besitzt; die erste geht von der Wurzel zur Mitte des Aus-
senrandes, die zweite entspringt etwa am Ende des ersten Dritttheils
der vorigen und endet ebenfalls vor der Spitze; die dritte erstreckt
sich von der Wurzel bis zur Spitze des Flügels und ist mit der zweiten
durch eine Querader verbunden; die vierte endlich entspringt wie-
der aus der dritten, endet am Innenrand und hängt mit der letzte-
ren abermals durch eine Querader zusammen; der Flügelrand ist in
seinem ganzen Umfange gewimpert. Die Augen sind gross und nur
durch einen schmalen Stirnstreilen getrennt, die Fühler kurz, kreis-
rund, die Tarsen sehr kurz mit zwei Klauen und zwei Pelotten. —
Die Art stammt aus Algier; ihr Wohnthier ist unbekannt. — Andere
neue Arten sind ferner: Ornithomyia asialica, tasmanensis (ohne Frage
mit OÖ. nigricornis Erichs. identisch), Nycteribia aegyptia und (Suppl.5.)
Strebla avium von Papageien und Tauben auf St. Domingo, Hippobosca
während des Jahres 1855. 261
albomaculata von Australien. — Die neue Strebla ist nur 1 Lin. lang,
ganz rostroth mit gelblichen Beinen und eben solchen Flügeln ; lei-
der hat der Verf. es unterlassen, davon eine ausführliche Beschrei-
bung besonders in Bezug auf die generischen Charaktere zu geben,
was um so nothwendiger war, als die Wiedemann’sche Figur im Kopf
und den Flügeln jedenfalls sehr unvollkommen, wenn nicht geradezu
unrichtig ist,
Eine zweite neue Gattung, mit der Macquart’schen in der gan-
zen Körperform , der Kürze der Tarsen, der Wimperung des Flügel-
randes und selbst in der Aderung der Flügel sehr nahe verwandt,
ist Raymondia Frauenfeld (Sitzungsberichte der Akad. d. Wissensch.
zu Wien, Mathem. naturw. Classe, XVIIT. Bd. p. 320 f.). Sie unter-
scheidet sich von Brachytarsina durch den gänzlichen Mangel der Au-
gen, durch das Vorhandensein deutlicher Halteren (die wenigstens
von Macquart nicht angegeben werden) und endlich durch kleine
Differenzen des Flügelgeäders; die erste Längsader schickt nämlich
nahe an der Basis des Flügels einen kleinen Ast zum Aussenrande,
die zwischen der dritten und vierten Längsader liegende Querader
ist winklig gebrochen und giebt noch einem zwischen jenen beiden
verlaufenden Längsnerven den Ursprung. An eine Vereinigung die-
ser Gattung mit Strebla Wied., wie sie neuerlich von Kolenati
(die Parasiten der Chiropteren, Brünn 1956) und einem etwas vorei-
ligen Critiker des Wiener „Wanderer“ (September 1856) vorgenommen
worden ist, kann schon in Rücksicht auf das ganz verschiedene Flü-
gelgeäder nicht gedacht werden; viel eher würde sie sich mit der
Macquart’schen Brachytarsina identifieiren lassen, mit der sie wenig-
stens die wesentlicheren Merkmale gemein hat; ob die angegebenen
Differenzen als specifische oder generische anzusehen sind, wird die
Zukunft und das Auffinden neuer Arten lehren. Die beiden von
Frauenleld in Aegypten entdeckten sind: R. Kollari auf Rhino-
poma microphyllum, 3 mill. und R. Huberi auf Rhinolophus tridens,
1 mill. lang. — Die Unterordnung der Gattung Raymondia unter die
Gruppe der Hippobosciden, wie sie der Verf. vornimmt, kann gewiss
nur als eine vorläufige gut geheissen werden; sie wird vielmehr im
Vereine mit Brachytarsina, Strebla und einer der letzteren nahe ver-
wandten Gattung, die das hiesige Museum von Cuba besitzt, eine
eigene den Hippoboseiden gleichwerthige Gruppe bilden müssen, die
sich durch sehr verschiedene Einlenkung der Fühler und ganz eigen-
thümliches Flügelgeäder auszeichnet.
Ueher die Ortsbewegung der Nycteribien gab Frauenfeld
(ebenda p. 326) interessante Notizen; er widerlegt die allgemeine An-
nahme, dass sich diese Fliegen gleich gut auf dem Rücken wie auf
dem Bauche fortbewegen können, durch Experimente, die er mit
ihnen anstellte. Auf den Rücken gelegt, waren sie nicht im Stande
262 Gerstaecker: Bericht üb, d. Leistungen in d. Entomologie
sich fortzubewegen, ja nicht einmal sich umzudrehen, sondern wurden
sogar in diesen ihren Bemühungen so matt, dass sie in die gewöhn-
liche Lage zurückversetzt, regungslos liegen blieben.
Von Courtiller wurde (Annales de la societ& Linneenne du
departement de Maine et Loire I. Ann&o p. 196) eine neue Art der
Gattung Olfersia unter dem Namen O. Courtilleri Fairmaire i. lit. be-
schrieben und auf Taf. 15 abgebildet; nach den angegebenen Maassen
ist die Art grösser als Ö. ardeae; die Körperfarbe ist glänzend dun-
kelbraun mit etwas bronzefarbenem Schein. Sie wurde auf einem bei
Saumur geschossenen Tachypetes minor gefangen. .
Nach Leuckart’s Untersuchungen (Bulletin de l’acad. roy.
des seiences de Belgique XXI) entwickeln sich die Larven der Pupi-
paären auf die gewöhnliche Weise in der zu einem Fruchthalter er-
weiterten Scheide, bleiben aber bis zu ihrer Geburt in den Eihüllen
eingeschlossen. Die Ernährung derselben geht in der Art vor sich,
dass Mund und Stigmata mit der Eihülle in eine offene Verbindung
treten, wodurch auch zugleich die Respiration ermöglicht wird. Den
Nahrungsstoff liefern zwei voluminöse Anhangsdrüsen der weiblichen
Pupiparen, welche dicht über der Scheide in den Eiergang münden
und ein Sekret absondern, welches die Larven unter lebhaften Schluck-
bewegungen durch die vordere trichterförmige Oellnung der Eihäute
einsaugen.
Lepidoptera.
List of Ihe specimens of Lepidopterous Insects in Ihe
colleclion of Ihe Brilish Museum, by F. Walker, Lepidoptera
heterocera , Pt. IHI—VI. London 1855. — In den vorliegen-
den vier Bändchen hat der Verf. als Fortsetzung zu den im
vorigen Jahresberichte erwähnten damit fortgefahren, die
Bombyciden im Sinne der älteren Auloren zu bearbeiten, und
zwar, nachdem die Gruppe der Lilhosien schon in jenen ab-
gehandelt war, gegenwärlig die Gruppen der Arcliiden (Eu-
prepien), Lipariden, Notodonliden, Limacodiden, Salurniden,
Endromiden und Bombyeiden im engeren Sinne. Was die
Zusammenstellung dieser Gruppen unter dem Colleklivnamen
„Bombyces“ betrifft, so macht Walker zwar gleichsam als
Entschuldigung die sehr richlige Bemerkung, dass die Arc-
tiiden mit den Lithosien und Zygaeniden weit näher ver-
wand! seien als mil den eigentlichen Bombyeiden und mit
jenen zusammen besser eine eigene Familie bilden müssten;
irotzdem analysirt er aber ihre Charaktere, die in sofern
während des Jahres 1855. 263
auch eiwas sehr Unbeslimmtes erhalten, unter den Bomby-
ciden, zu denen er übrigens auch die Cossiden und Hepia-
liden heranziehtl, Es hat daher die schr wünschenswerthe
Feststellung der weiteren Abtheilungen dieser Lepidopteren
durch Walker’s Arbeit auch keine Förderung erfahren;
während für die Abgränzung von Gallungen so viel gesche-
hen ist, als sich dazu, wie es bei fast jedem Mangel einer
früheren Bearbeitung natürlich ist, ein reiches Feld darbot.
Uebrigens kann auch hier nur der Wille etwas zu leisten,
nicht aber die Art der Ausführung immer Anerkennung ver-
dienen, denn man wird sich bei Zusammenstellung der vom
Verf. unter einer Gallung vereinigten Arlen leicht davon über-
zeugen, mit wie geringer Orilik er oft zu Werke gegangen
ist Nur wenige Gallungen, welche sich nämlich durch den
übereinstimmenden Habilus der Arten leicht als solche er-
geben’ und die auch meist schon von Hübner richlig auf-
gefasst worden sind, werden in den von Walker angenom-
menen Gränzen verbleiben können.
In manchen Fällen hat der Verf. seine Gattungen auf Charak-
tere gegründet, die nicht allen Arten zukommen und daher als un-
brauchbar gelten müssen ; dies ist z. B. mit seiner Gattung Euprepia
der Fall, welche er auf Eupr. pudica und eine verwandte Amerika-
nische Art beschränkt und sie auf Grund der ungefiederten männlichen
Fühler von Arctia absondert. Dieser Charakter passt nun allerdings
auf die einheimische Eupr,. pudica, nicht aber auf die damit verei-
nigte Eupr, docta aus Mexiko (übrigens — Chelonia proxima Gucrin
lconogr.), deren Männchen stark gekämmte Fühler hat. — Nicht
selten sind Arten unrichtigen Gattungen zugetheilt, z.B. Chelonia he-
migena Grasl., welche zur Gattung Trichosoma gehört, während sie
W. zu Arctia stellt. — Die Gattungsnamen, welche der Verf. neu ge-
schallen hat, sind meist sinnlose Zusammensetzungen beliebiger Buch-
staben, und möchten wohl noch zu ertragen sein, wenn sie nicht mit
geringen Veränderungen öfter wiederkehrten, z. B. Ammalo und Am-
matho, Are und Areas u. s. w. Eine Gattung Empusa Hübn. kann
neben der viel älteren Orthopteren-Gattung gleichen Namens nicht be-
stehen. Solche Zeugnisse von Sorglosigkeit könnte ein Critiker, der
in Specialia eingehen wollte, haufenweise vorführen, besonders wenn
er sich auf die Terminologie der Diagnosen und vor Allem auf ihr
Latein einlassen wollte; denn wenn man auch hier den einen oder
anderen Lapsus dem Setzer in den Schuh schieben möchte, so scheinen
doch oft wiederkehrende und selbst constante Verwechselungen, z.B,
von „illum® mit „illud“ u. ‘a. wohl einen tieferen Grund zu haben,
%64 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Nach dem Beispiele des Londoner und Pariser Museum
hat auch die St. Petersburger Entomologische Sammlung da-
mit begonnen , einen Calalog ihrer Insekten zu veröffentli-
chen. Der erste Theil desselben, welcher den Anfang der
Lepidopteren erhält, liegt unter dem Titel: „Catalogue de la
collection entomologique de l’academie imperiale des sciences
de St. Petersbourg , Lepidopteres, lere parlie: les Diurnes®
von E. Menetries vor. (Ein zweiter Titel, unter dem das
Werk mit einem Vorwort von Brandt erschienen ist, lau-
tet: Enumeralie corporum animalium musei imperialis acade-
miae scienliarum Pelropolitanae. Classis Insectorum. Ordo
Lepidopterorum. Pars I, Lepidoptera diurna. Pelropoli 1855.)
Der Catalog enthäll eine Aufzählung sämmtlicher im Peters-
burger Cabinet enthaltenen Rhopaloceren mit Einschluss der
Hesperien, deren Arten-Zahl sich auf 1105 stellt. (Das Ber-
liner Museum besitzt deren 3600.) Für die Reihenfolge der
Arten ist das Doubleday-Westwood’sche Werk zum Vorbilde
genommen und bei jeder einzelnen Species eine treffende
Beschreibung und Abbildung cilirt worden. In einem An-
hange finden sich mehrere neue oder noch unzureichend
bekannte Arten beschrieben und auf sechs colorirten Tafeln
kenntlich abgebildet; zu letzteren gehören auch mehrere der
jüngst von Bremer beschriebenen Chinesischen Arten, wel-
che auf Taf,5 und 6 abgebildet sind. Die als neu be-
schriebenen Arten sind ihres Orts einzeln namhaft gemacht
worden.
Aus den Abbildungen lässt sich leicht ersehen, dass einige der
als neu beschriebenen Arten mit bereits bekannten zusammenfallen;
so ist z, B. Sericinus fasciatus Brem. nur das Weibchen von S. Te-
lamon Donov., ferner Colias Wosnesenskii Menetr. eine nicht selten
vorkommende Varietät von C. Cesonia Boisd., von deren regulären
Individuen sie sich nur durch grössere Ausbreitung der schwarzen
Farbe auf den Vorderflügeln unterscheidet; Terias hecabeoides und
Aesiope Men. nur lokale Varietäten von T, Hecabe, deren erste übri-
gens schon von Boisduval als T. suava, die letzte als T. blanda
beschrieben worden ist. Mesosemia coelestina M£n. fällt mit der be-
kannten M. (Hesperia) Geminus Fabr. zusammen, und ebenso Charis
Sylvestra Men. mit Lemonias Ptolemaeus Fabr. — Die Richtigkeit der
Vaterlands-Angaben muss bei einer Reihe von Arten als sehr zwei=
felhaft angeschen werden, denn es ist gewiss Thais Cerisyi noch nie
während des Jahres 1855. 265
in der Schweiz, wahrscheinlich auch noch nicht in Sicilien, P. Eu-
pheno gewiss nicht in Oesterreich und Satyrus Anthelea ebenfalls
nie in der Schweiz gefunden worden.
Herrich-Schäffer's „Systemalische Bearbeitung der
Schmetterlinge von Europa, zugleich als Text, Revision, und
Supplement zu J. Hübner’s Sammlung Europäischer Schmel-
terlinge“ ist mit dem fünften Bande (Regensburg 1853— 1855)
geschlossen worden. Derselbe ist den „Schaben und Feder-
molten« gewidmet, und enthält 50 Bogen Text mit 132 Ta-
feln, beide in 4. — Bei der Anlage sowohl des vorliegen-
den Bandes als überhaupt des ganzen Werkes ist der Verf.
von der gewiss gerechlferligten Ansicht ausgegangen, dass
sich Schmelterlinge viel besser durch Ireffende Abbildungen
als durch die ausführlichste und genaueste Beschreibung
kenn!lich machen lassen und da die meisterhafte Ausführung
der Tafeln diesen Zweck vollkommen erfüllt, so ist gerade
für die schwierige Familie der Tineiden zur sicheren Be-
stimmung der Arten das Werk gewiss geeigneter als alle
früheren Arbeiten, welche überdem sich nur auf einzelne Ab-
theilungen erstrecken. Damit wird nun aber freilich nicht
dem Titel des Werkes entsprochen, welcher „eine systema-
tische Bearbeitung“ ankündigt und dadurch zu anderen An-
forderungen berechligt. Die Art, wie das Werk seit einer
Reihe von Jahren in die Oeffentlichkeit getreten ist, genügt
schon allein um darzuthun, dass die Abbildungen seinen
eigentlichen Inhalt und der nachträglich herausgegebene Text
nur eine ziemlich unwesentliche Zugabe ausmachen. Der-
selbe Umstand ist zugleich Schuld daran, dass Text und Ta-
feln in der Reihenfolge nicht mil einander harmoniren, indem
z. B. die Crambiden unter den Tineiden abgebildel, dagegen
im Texie als völlig abgelrennte Familie behandelt sind. Auf
diese Art ist die Benutzung des Werkes sehr erschwert wor-
den und das Auffinden von Einzelheiten sehr umständlich. —
Eine durchgreifende systematische Eintheilung der Tineiden
aufzustellen, ist dem Verf. nach seinem eigenen Gesländnisse
nicht gelungen; er hal sich daher darauf beschränkt, möglichst
natürliche Gruppen, für welche das Flügelgeäder in erster In-
stanz massgebend gewesen ist, abzugränzen; zu weiteren Un-
terablheilungen sind die Verschiedenheiten in den Tastern,
266 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Fühlern u. s. w.. benutzt worden. Nach der Einleitung und
den darin kundgegebenen Ansichten über Systematik zu ur-
theilen, scheint der Verf. jedoch über den grösseren oder
geringeren Werth mancher Charaktere mit sich selbst nicht
zu einem genügenden Abschlusse gekommen zu sein, und
die natürliche Folge davon ist, dass seine einzelnen Grup-
pen nur einen sehr unbestimmten Umriss erhalten haben oder
gleichsam nur angedeutet sind, und dass neben ihnen noch
diese und jene Gallung zurückbleibt, deren Stellung ilım
zweifelhaft ist. Die wesentlichsten Veränderungen, welche
der Verf. in der bisher üblichen Zusammenstellung der Fa-
milie vorgenommen hat, sind an ihrem Orte (siehe Tineae!)
kurz angedeutet worden.
Von den „Lepidopterorum exolicorum species novae aut
minus cognilae“ desselben Verf, sind fünf neue Lieferungen
der ersten Serie (Lief, 13—17) und eine der zweiten Serie
(Lief. 4) erschienen. In denselben werden wie bisher nur
Abbildungen neuer Arten gegeben, deren Namen auf der
Rückseite des Umschlages abgedruckt sind; der dazu gehö-
rige Text, welcher nach dem Erscheinen der 50. Tafel ge-
liefert werden sollte, fehlt dagegen noch immer, obwohl jene
Zahl schon bei weitem überschritten ist. Der Verf. thäte
gewiss besser daran, nach Art der Hewilson’schen Exolic
Buiterflies Text und Tafeln gleichzeilig herauszugeben, wenn
es auch nur aus dem Grunde wäre, seinen neuen Arten die
Priorität des Namens zu sichern. Es ist nämlich schon jetzt
ein beträchtlicher Theil derselben in dem unterdess erschie-
nenen Calalogue of Lepidoplerous Insects von F. Walker
unter anderen Namen beschrieben worden. Da die bisher
erschienenen Tafeln ein buntes Gemenge von Arten aus den
verschiedensten Familien enthalten, so kann der Text sich
doch nur auf Artbeschreibungen einlassen und jedenfalls keine
weilgreifende systemalische Untersuchungen enthalten. —.Die
Abbildungen sind ebenso nalurgelreu als technisch vollendet
und können sich dem Besten, was in dieser Art geleistet ist,
zur Seite stellen. f
Für die Kenniniss der ersten Stände Süd-Amerikanischer
Lepidopieren sind Sepp’s Surinaamsche Vlinders , naar het
während des Jahres 1855. 267
leven geteekend (Papillons de Surinam, dessines d’apres na-
ture), von denen in neuester Zeit der dritte Theil beendet
worden ist, nicht ohne Interesse. Das Werk beschränkt sich
nur auf Abbildungen, indem der (holländische und fanzösi-
sche) Text fast ausschliesslich mit Angaben über die Fulter-
pflanzen der Raupen, die Dauer ihres Puppenzuslandes u. 5. W.,
seltener mit kritischen Bemerkungen über Stoll’sche und
Cramer’sche Arlen angefüllt ist. Was die systemalische Be-
siimmung der Arten betrifft, so ist bei denselben auf die
Fortschritte der Neuzeit keine Rücksicht genommen, sondern
noch die längst verlassenen Collekliv - Galtungsnamen Pha-
laena, Papilio etc. in Anwendung gebracht, _ Man kann auch
nicht einmal den Abbildungen eine besondere Sorgfalt und
Sauberkeit nachrühmen , indem sie oft hart im Colorit und
ungenau in der Grösse sind; sie sind aber trotzdem nicht
ohne Werth, da sie einerseits eine Reihe bisher unbekanu-
ler Arten, andererseils aber stets mit dem Schmeiterlinge '
auch die Raupe und ihre Nahrungspflanze vorführen. Von
wie &rosser Wichtigkeit die Kenntniss der ersten Stände für
die Systemalik der Lepidopteren ist, haben die neueren Sy-
stemaliker gebührend anerkannt und somit wird auch der Zu-
wachs, den das Werk hierfür liefert, nicht ohne Nutzen sein,
Da alle hier abgebildeten Raupen und Schmellerlinge. durch
die Zucht als zusammengehörig constatirt sind , so hat der
Verf. auch manche von der Merian und von Stoll einge-
führte Irrthümer berichligen können. — Da das Werk We-
nigen zugänglich sein wird, gebe ich hier die Uebersicht
seines Inhalts nach den Familien:
1) Rhopalocera. — Papilio Polycaon und Piranthus Cram., richtig
als / und Q derselben Art angeführt (Taf. 147. 148). — Papilio Al-
busta Sepp (Taf. 141) ist eine Pontia und von Monusta Cram. nicht
specifisch verschieden. — Pap. Liriope Cram. (Taf. 119) eine Meli-
taea. — Pap. FabiusCram, (Taf. 130). — Pap. Dirce Cram. (Taf. 145)
und Dirceoides Sepp (Taf. 149), beide zur Gattung Gynaecia Doubl.
gehörig und sich äusserst ähnlich, aber in den Raupen unterschieden.
(Nach Stoll’s Angabe gehören diese verschiedenen Raupen den bei-
den (jeschlechtern derselben Art an, was insofern interessant wäre,
als ein zweites Beispiel der Art meines Wissens noch nicht bekannt
ist.) Bei Vergleich mit Cramer ergiebt sich übrigens, dass die von
Sepp für neu gehaltene Art (P. Dirceoides) die wirkliche Dirce
268 Gerstaecker: Bericht üb. d, Leistungen in d. Entomologie
Cram. ist, während seine Dirce als neue Art hingestellt werden müsste.
— Pap. Jatrophae Cram. (Taf. 150), zur Gattung Anartia Doubl. ge-
hörig. — Pap. Saphorae Cram. (Taf. 143) eine Morphide. — Pap. Cal-
lispe Cram. (Taf. 133). — Pap. nigrocinctus Sepp (Taf. 106) eine Ery-
eine, wahrscheinlich zur Gattung Mesene Doubl. gehörig, ob neu?
ist wegen der mangelhaften Abbildung nicht zu bestimmen. — Vap.
Caricae Cram. (Taf. 111) die bekannte Erycinide. — Pap. Mammeae
Sepp (Taf. 113) scheint eine neue Art derselben Gruppe. — Pap. Cu-
pido Sepp (Taf. 122) ist = Cupido Linn. — Pap. IdasCram. (Tal. 104)
ist Hesperia Idas — Mercurius Fab. — Pap. Uraniae Sepp (Taf. 126)
ohne Zweifel = Hesperia Arcalaus Cram. — JPap. Barcastus Sepp
(Taf. 138) wird von Hesperia Acastus Cram. unterschieden, womit er
jedoch einerlei ist. — Pap. flavomarginatus Sepp (Taf. 142), nach der
Abbildung eine schöne, in der hiesigen Sammlung nicht vorhandene
Hesperia.
2) Sphingides. — Sph. rustica Cram. (Taf. 101). — Sph. vitis
Cram. (Taf. 116) ist Sph. Jussiaeae Fab.
3) Chelonariae. — Phalaena crucifera Sepp (Taf. 103) mir un-
bekannt. — Phal. obscura Sepp (Taf. 109) ebenso. — Phal, leucostigma
Sepp (Taf. 112) ein Euprepien-artiges Thier, in der hiesigen Samm-
lung nicht vorhanden. — Phal. involuta Sepp (Taf. 115) eine schöne
mir ebenfalls nicht bekannte Glaucopide, schneeweiss mit rothem Hin-
terleib. — Phal. Elaeodendri Sepp (Taf. 121) eine kleine Spilosoma -
ähnliche Euprepie. — Phal. Almon Stoll (Taf. 123) die bekannte Glau-
copis. — Phal. Archias Sepp (Taf. 124) scheint zur Gattung Eucercon
Hübn. zu gehören. — Phal. cognata Sepp (Taf. 131) scheint dersel-
ben Gattung wie die obige Phal. Elaeodendri anzugehören.
4) Bombyces. — Pbal. epigena Cram. (Taf. 102) und Phal. Deo-
lis Cram. (Taf. 117) zur Gattung Rosema Walk. gehörig. — Phal. Mo-
lina Cram. (Taf. 118) aus der Saturnien - Gruppe. — Phal. speculifera
Sepp (Taf. 135) und Phal. firmiana Sepp (Taf. 136) zwei ausgezeich-
nete, mir unbekannte Formen. — Phal. ovina Sepp (Taf. 105) ist eine
Liparis , vielleicht L. Sparshalli Curtis. — Phal. gibbosa Sepp (Taf.
129) ein Limacodes mit sehr merkwürdiger Raupe.
5) Noctuae. — Phal. netrix (Taf. 108) soll das Männchen zu
Ph. netrix Cram. sein, was nicht gut denkbar ist; nach der Raupe
scheint die schön gezeichnete Art in die Nähe der Gattung Acro-
nycta zu gehören. — Phal. Caladii (Taf. 120) ist eine Plusia, und mit
der einheimischen P]. Jota nahe verwandt.
6) Geometrae. — Phal. decussata Sepp (Taf, 132) unbekannt.
7) Pyralides. — (Die hierher gehörigen Arten sind zum Theil
als den Tortrices angehörig bezeichnet, aber alle sehr entschiedene
Pyraliden.) Es sind: Pkal. stigmatalis Sepp (Taf. 107), sovialis Sepp
während des Jahres 1855. 269
(Taf, 114), flavicinctalis Sepp (Taf. 128), trizonalis (Taf. 134) und lineo-
lata (Taf. 140).
8) Tortrices. — Phal. griseana (Taf.125) und pisidii (Taf. 146).
9) Tineidae. — Phal. cicadella (Taf. 110), megana (Taf. 127) ob
Tortrix ?, anonella (Taf. 137) und Renselariana Cram. (Taf. 139).
10) Pterophoridae. — Phal, didactyla Surinamensis (Taf. 144);
der Verf. hält diese Art für eine Varietät der Europäischen Alucita
didactyla.
Von Freyer’s „Neueren Beiträgen zur Schmelterlings-
kunde mit Abbildungen nach der Natur“ sind in diesem Jahre
das 109. und 110. Heft mit Taf. 641—650 erschienen; es
sind darin auch einige neue Arten beschrieben worden.
Die von Peters in Mossambique gesammelten Lepido-
pteren hat C. Hopffer zu bearbeiten begonnen und sind
vorläufig die Rhopalocera durch Diagnosen in den Monats-
berichten der Berliner Akad. d. Wissensch. 1855 bekannt ge-
macht worden.
Lederer lieferte (Verhandlungen des zoologisch-bota-
nischen Vereins zu Wien V. Bd. p.97 ff.) einen „weiteren
Beitrag zur Schmetterlingsfauna des Altaigebirges in Sibirien,“
in welchem er die von Kindermann während seines fer-
neren Aufenthaltes im Allai gesammelten Arten aufzählt und
die darunter befindlichen neuen beschreibt und abbildet. —
Es ist dieser Beilrag von besonderem Interesse für die geo-
graphische Verbreitung der Insekten in Asien, indem er von
Neuem die Erfahrung besläligl, dass in der nördlichen Hälfte
Asiens eine weile Ausdehnung sowohl von Gallungen als von
Arten nach der geographischen Breite stallfindet. Bei wei-
tem der grösste Theil der im Altai vorkommenden Lepido-
pleren stimmt mit denen des miltleren Europa und besonders
der süddeutschen Gebirgsländer überein; alles Neue. zeigt
aber entschieden den Europäischen Habilus.
Desselben „Beilrag zur Schmellerlingsfauna von Cypern,
Beirut, und einem Theile Klein-Asiens“ (ebenda p. 177-256,
mit Taf. 1—5) bringt ausser der systemalischen Aufzählung
der schon bekannten eine beträchtliche Anzahl neuer Arten
zu unserer Kenniniss, welche im Wesentlichen den Charak-
ter der Süd-Europäischen Fauna an sich tragen. Die Arbeit
270 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
zerfällt in drei Abschnilte, indem jede der genannten Loka-
litäten in Bezug auf ihre Fauna besonders abgehandelt wird:
1) Verzeichniss der von F. Zach auf Cypern gesammelten
Schmelterlinge (p. 180—187). Die Insel ist auffallend arm
an Arten, welche mit drei Ausnahmen sämmtlich schon be-
kannt sind und mit Europäischen zusammenfallen. 2) Ver-
zeichniss der von F. Zach bei Beirut gesammelten Schmet-
terlinge (p. 187—234). Neben einer Anzahl besonders Süd-
Europäischer Arten kommen hier zahlreiche dem Orient ei-
genlhümliche vor, unler denen eine beträchlliche Anzahl
neuer. 8) Verzeichniss der von A. Kindermann in den
J. 1848 -59 um Samsun, Amasia, Tokat, Siwas und Diarbe-
kir gesammelten Schmetterlinge. Eine ziemlich reichhallige
Fauna, doch nur wenige neue Arten und ausschliesslich aus
den Familien der Microlepidopteren. — Die in beiden Arbei-
ten beschriebenen neuen Species sind an ihrem Orte einzeln
namhaft gemacht worden.
Mann verzeichnete (ebenda V. Bd. p. 529—572) die
von ihm in Corsica während seines Aufenthalts daselbst im
»J. 1855 gesammelten und beobachteten Lepidopteren. Bei
dem besonderen Interesse, welches die Faunen der Inseln über-
haupt dJarbieten, ist das vorliegende Unternehmen um so
mehr erspriesslich, als es zu einer Vergleichung mil der
Fauna der neuerlich durch Ghilianiund Staudinger so
gründlich durchforschten Nachbar - Insel Sardinien Anlass
giebt, die gewiss mannigfache interessante Resultate liefern
wird. Neben nicht zu verkennender Uebereinstimmung im
Allgemeinen zeigt die Fauna Corsica’s doch auch nicht un-
beträchtliche Abweichungen von der Sardinischen, wie ihr
z. B. von besonders bemerkenswerthen Arten Pap. Hospiton
abgeht; dagegen sind andere , Sardinien ebenfalls charakte-
risirende Arten, wie Vanessa Ichnusa und Deilephila Dahlii
auch auf Corsica einheimisch. — Die Punkte der Insel, wel-
che von M. besonders durchforscht worden sind, sind Ajac-
eio, Corte (im Mittelpunkte gelegen) und Bastia. Die Auf-
zählung der Arten erstreckt sich auf sämmtliche Familien
der Lepidopteren und weist auch unter den: Microlepidopte-
ren mehrere neue auf, die hier beschrieben sind; die be-
während des Jalıres 1855. am
kannten sind mit Angaben über Zeit und Ort des Vorkom-
mens, Nahrungspflanzen u. s. w. versehen.
Von de la Harpe’s Faune Suisse, Lepidopteres ist in
XIV. Bande der Neuen Denkschriften der allgemeinen Schwei-
zerischen Gesellschaft für die gesammien Naturwissenschaften
(Zürich 1855) eine neue Fortselzung erschienen; dieselbe
umfasst: 1) Ein „second suppleient aux: Phalenides de la
Faune Suisse,“ welches nachträgliche Bemerkungen über eine
Reihe von Geometriden und ein vollständiges systematisches
Verzeichniss der in der Schweiz vorkommenden Arten die-
ser Familie enthält. 2) „Faune Suisse, Lepidopteres. V. Py-
ralides.“ enthält eine Uebersicht der Schweizer Pyraliden mit
krilischen Bemerkungen über die Synonymie der einzelnen
Arten so wie mit Angaben über ihr Vorkommen und ihre
Verbreitung. Die Arltenzahl beläuft sich auf 169, welche auf
29 Gattungen verlheilt sind. Auf einer beifolgenden Tafel
sind einige neue oder wenig bekannte Arten. abgebildet.
„Zur Fauna der Nieder-Elbe.€ Verzeichniss der bisher
um Altona und Hamburg gefundenen Schmelterlinge, mit An-
gabe der Fundorte und sonstigen Bemerkungen, von H. Tes-
sien. Hamburg 1855.
Das Verzeichniss erstreckt sich auf die Familien der Papiliones,
Sphinges, Bombyces, Noctuae und Geometrae; ausser den Fundorten
sind auch Notizen über die Flugzeit der Falter und die Nahrungs-
pflanzen der Raupen beigebracht. Die Hamburger Fauna beläuft sich
auf 73 Diurna, 30 Sphinges, 94 Bombyces, 223 Noctuae und 173 Geo-
metrae. — Es ist doch wohl nur ein Irrthum, wenn der Verf. Lycaena
Polysperchon als var. von Lyc. Optilete anführt. — Einige berichti-
gende Bemerkungen zu dem Verzeichnisse gab Hering (Entomol.
Zeit. p. 302).
Staudinger, Beitrag zur Lepidopteren-Fauna von Ober-
Kärnthen, (Entomol. Zeit. p. 374 1.) gab einen ausführlichen
Bericht über die von ihm auf dem Gross-Glockner, beson-
ders in der Umgegend von Heiligenblut beobachteten und
gesammelten Lepidopteren; es wird dabei vorzüglich auf die
vertikale Verbreitung der Arten Rücksicht genommen.
Boll machte in einem zweiten Nachtrage zum Ver-
zeichnisse der Meklenburgischen Lepidopteren einige neuer-
dings aufgefundene Arten namhaft und stellte einen Ver-
272 Gerstaecker: Bericht üh. d. Leistungen in d. Entomologie
gleich zwischen der Hamburgischen und Meklenburgischen
Fauna an. (Archiv des Vereins der Freunde der Nalurwis-
senschaften in Meklenburg 9. Heft, p. 155 ff.)
Im zehnten Hefte der Jahrbücher des Vereins für Na-
iurkunde im Herzogihum Nassau (Wiesbaden 1855), p. 87—
126 finden sich „Nachträge und Berichligungen zu dem im
sechsten Hefte der Jahrbücher enthaltenen Verzeichnisse der
Schmelterlinge, die in der Umgegend von Wiesbaden vor-
kommen ‚“ deren Verf. sich nicht nennt. (Wahrscheinlich
Scheuck.) Das hier gegebene Verzeichniss, welches mit Be-
merkungen über Flugzeit, Vorkommen, Häufigkeit u.s. w. der
einzelnen Arten begleitel ist, erstreckt sich nur auf die-Ma-
erolepidopteren bis zum Schlusse der Geometriden.
Guillemot de Thiers, Catalogue des Lepidopleres
du departement du Puy-de-Döme, Clermont-Ferrand 1854. 8.
(128 pag.) findet sich in Zuchold’s Biblioth. hist.-nat. an-
gezeigt, ist dem Ref. aber aus eigener Anschauung nicht be-
kannt geworden.
Ohne wissenschaftliches Interesse ist die Aufzählung der
in der Umgegend von Saumur beobachteten Tagfalter und
Schwärmer, welche von Courtiller in den Annales de la
soeiele Linneenne du deparltement de Maire et Loire. I. Annee
(Angers 1854) p. 195 geliefert wird; das Verzeichniss ist
nicht nur sehr dürflig, sondern auch die Arten nur mit fran-
zösischen Namen aufgeführt.
Von Wood's Index enlomologieus, or a complete illu-
strated catalogue of Ihe Lepidoplerous Inseels of Great Bri-
tain hat Westwood eine neue Ausgabe begonnen. (A new
and revised edition, wilh figures of Ihe newly discovered
species, by J: O0. Westwood. No. 1 and 2. London 1855.)
Nach Newman’s Bericht in den Proceed. of Ihe entomol.
soc. p. 62 enthält dieselbe fünf neue Tafeln mit 180 Abbil-
dungen von Arten, die in der früheren Ausgabe fehlen,
Hawker gab (Zoologist p. 4650) eine Aufzählung der
bei Horndean von ihm aufgefundenen Papilioniden und Sphin-
giden (sehr dürftig!) und Asworth (ebenda p. 4814) machte —
eine Anzahl seltener in Wales vorkommender Lepidopteren
namhaft.
während des Jahres 1855. 273
Wocke zählte (33ster Jahresbericht der Schlesisch. Ge-
sellsch. für vaterl. Cultur p. 120) eine Anzahl seltener und
für Schlesien neuer Lepidopteren auf, von denen einige klei-
nere und weniger gekannle auch näher beschrieben werden.
v. Prittwitz theilte in der Entomol. Zeit. „Bemerkun-
gen über die geographische Farbenverlheilung unler den Le-
pidopteren“ mit und versuchte darin den Nachweis bestimm-
ter Gesetze für die Flügelfärbung nach der geographischen
Breite. — So wenig im Allgemeinen zu verkennen ist, dass
die sogenannten ganzen Töne, nämlich Roth, Gelb und Blau
in scharfer Sonderung mehr den Tropen, in Vermischung
dagegen mehr den gemässigten und kallen Regionen eigen
sind, so wird sich elwas allgemein Gülliges in dieser Bezie-
hung doch schwer feststellen lassen und es heisst jedenfalls,
das Wesen der organischen Nalur ganz verkennen, wenn
man ihr auf einem Felde, wo sie sich augenscheinlich die
ausgedehnteste Freiheit gestellt hat, bindende Gesetze un-
terschieben will.
Der Verf. führt zur Begründung seiner Ansicht zahlreiche und
zum grossen Theil recht geschickt ausgewählte Beispiele an, die aber
ebenso oft nur scheinbar schlagend sind; z. B. weist er an den
drei Europäischen Papilio-Arten nach, wie die Intensität des Gelb und
Roth nach Norden (Podalirius) abnimmt, sich dagegen nach Süden
(Alexanor) vermehrt. Hierauf ist erstens zu erwidern, dass die süd-
liche Varietät des P. Podalirius, welche an den Küsten des Mittel-
meeres vorkommt, also gerade dieselbe Breite wie P. Alexanor be-
wohnt, viel blasser ist als die nördlichen Exemplare. Ziehtman aber
zweitens die exotischen Arten mit in Betracht, so fällt die ganze
Hypothese zusammen, denn hier ergiebt es sich, dass die drei Euro-
päischen Arten gar nicht mit einander in Vergleich gestellt werden
können, da sie drei verschiedenen, im Auslande zahlreich vertrete-
nen Gruppen angehören ; und hier fällt P. Podalirius gerade einer
Gruppe zu, deren tropische Formen (Brasilien) die aller farblosesten
und zugleich die am dünnsten beschuppten sind. Durch diese Thatsache
erhält zugleich die Theorie des Verf., dass dünn beschuppte Flügel
dem Norden eigen seien (Dor. Apollo), einen derben Stoss. — Aber
selbst unter den Europäischen Arten liessen sich dem Verf. mehrere
Beispiele anführen, die seiner Gesetzmässigkeit in der Farbenvertheilung
eben nicht das Wort reden ; er vergleiche nur die Schottische hochroth
gelarbte Varietät des Lyc. Hippotho& (als L. dispar bekannt) mit der
viel blasseren Stammart, wie sie in Deutschland vorkommt, und im
Archiv [ Naturgesch, XXIL. Jahrg. 2. Bd. 5
274 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Gegensatze dazu die fahl gefärbten Lappländischen Exemplare der
L. virgaureae mit den lebhaft rothgoldigen Deutschlands! Ein so
diametraler Gegensatz bei zwei ganz nahe verwandten Arten zeigt
wohl sehr entschieden, dass die hier obwaltenden Einflüsse uns bisher
verborgen sind und dass die geographische Breite dabei nichts er-
klärt. — Auch gegen die Dämpfung der Töne beim Weibchen spre-
chen mehrere Beispiele, u. a. gerade bei den Lycaeniden, wo sie
sonst Regel ist; das Weibchen der Thecla quercus hat eine scharf con-
centrirte blaue Färbung (ganz in derselben Weise zahlreiche Brasi-
lianische Arten), während das Männchen eine malte und zertheilte
zeigt. — Diese Ungebundenheit der organischen Natur, welche durch
ein einzelnes Beispiel oft gleichsam muthwillig ein scheinbar festste-
hendes Gesetz umwirft, ist der Grund, weshalb bisher alle Teleologen
an ihr gescheitert sind.
Als Ergänzungen zu Koch'’s Arbeit über die Verbrei-
tung der Europäischen Schmelterlinge erschienen einige Be-
merkungen von v. Pritiwitz über das Erscheinen Europäi-
scher Arten in Amerika (Entomol. Zeit. p. 36) und einige
Berichtigungen von Zeller (ebenda p. 68), welche unrich-
tig bestimmte Arten betreffen.
Die in Seopoli’s Entomologia Carniolica beschriebenen
und abgebildeten Lepidopteren unterwarf Zeller einer kri-
tischen Bestimmung (Enlomol. Zeit. p. 233 ff.)
Rhopalocera. W. Hewitson’s „Exotic Butterflies, being
illustrations of new species“ sind mit fünf neuen Lieferungen (Part.
12—16) fortgeführt worden, welche wie die früheren sich durch Sau-
berkeit und Treue der Abbildungen so wie durch die Gediegenheit
des Textes auszeichnen. Es ist auch als besonders zweckmässig zu
rühmen, dass der Verf. aus schwierigen Gattungen eine grössere An-
zahl nahe verwandter Arten nebeneinander vorführt, wie es diesmal
2. B. bei den Gattungen Ithomia und Catagramma der Fall ist.
Standfuss, Bemerkungen über einige an den Küsten von
Spanien und Sicilien fliegende Falter. (Entomol. Zeit. p. 151f.) Der
Verf. verbreitet sich besonders über die Bedingungen, unter denen
die Tagfalter an jenen J,ocalitäten vorkommen, und stellt Vergleichun-
gen der daselbst gesammelten Exemplare mit denen anderer Län-
der an.
Nizzoli, Lepidotteri diurni del Montovano. Dissertazione in-
augurale, Pavia 1854. 8. (36 pag.) ist dem Ref. nur dem Titel nach
bekannt geworden.
Von Westwood’s „The Butterflies of Great Britain, with their
transformations delineated and described“ ist im Jahre 1855 eine
zweite Auflage erschienen.
während des Jahres 1855. loan} ” 29
Equites. — Eine schöne neue Art der Gattung Ornithoptera
wurde unter dem Namen 0. Brookiana von Wallace (Proceed, entom,
soc. p. 104) beschrieben und vonHewitson ‚(Exotic Butterflies Pt, 16)
abgebildet ; eine neue Art des letzteren (ebenda) ist Papilio Idaeoides
von den Philippinen.
Von Herrich-Schäff.eer (Lepid. exot. ser. Il. Lief. 4) wur-
den abgebildet: Papilio Phorbanta Linn, Q von Mauritius und. dispari-
lis Boisd. 4‘ von Isle Bourbon.
Pieridae. — Neue Arten von Menetrie&s (Catal. d. ]. coll.
de St. Petersbourg) beschrieben und abgebildet, sind: Colias Wosne-
senskii aus Neu - Californien (gleich Cesonia Bsd. var.), Fieldii vom
Himalaya, Terias Jaegeri, hecabevides und Aesiope von Haiti, die bei-
den letzten wohl nur Varietäten von T. Hecabe, welche weit ver-
breitet ist,
Pieris Thysa, Eunoma, Simana, Anthocharis Pallene und Terias
Zoe Hopffer sind neue Arten von Mossambique. (Monatsber, d. Berl.
Akad. 1855.)
Anthocharis, Belia ist neuerdings auch in, England (Worcester-
shire) aufgefunden worden. (Natural hist. rew. VI. p. 48.)
In:mehreren Nummern des Zoologist 1855 wurde von Haw-
ker, Newman,Bree, Doubleday, Douglas, Stainton und
Greene in grosser Ausführlichkeit die Frage diskutirt, ob Colias Rha-
mni in einer oder zwei Generationen ‚aultrete. Die Ansicht New-
man's, dass nur eine Generation stattinde, wird besonders von Stain-
ton bestritten, und doch ist sie die richtige; in hiesiger Gegend lebt
wenigstens die Raupe nur einmal im Sommer und es ist daher gewiss -
nicht anzunehmen, dass sie in England zweimal crscheine.
Heliconidae. — Zahlreiche neue Arten der Gattung Itho-
mia wurden von Hewitson (Exot. Butterll. Pt. 12—16) beschrieben
und abgebildet: Jıhomia Giulia und Lavinia aus Neu-Granada, Aletta,
Latilla, Kedema aus Venezuela, Nero und Zea aus Mexiko, Andromica
aus Venezuela, Oto von Guatemala, Cesleria aus Columbien, Edessa
und Adasa aus Brasilien, Timna und Agnosia aus Venezuela, Cymothoe
Klug i. 1. aus Caraceas, Adina und Zavaleta unbek. Vaterl., Artena
aus Mexiko, Philoclea aus Brasilien (= Sao Hübn.), Florula von Ca-
yenne, Stella und Mergelena aus Neu-Granada, Virginia und Telesto
aus Mexiko, Alida unbek. Vaterl., Peninna aus Bolivia, derasa von
Nicaragua, Elara und Inachia vom Amazonenstrome, Cleora von Gua-
yaquil, Fimbria aus Neu-Granada, Tolosa aus Mexiko, Galata unbek,
Waterl., Jihra vom Amazonenstrome, Allalia und Ardea aus Bolivia,
Erruca von Rio Grande, Esula und Oneida aus Neu-Granada, Salonina
aus Bolivia. — Von bereits bekannten Arten wurden zur ‚besseren Un-
terscheidung gegen die neuen’noch einmal beschrieben und abgebil-
%76 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
det: Ithomia Morgane Hübn,, Dercetis Doubl., Makrena Hew., Cyria-
nassa Doubl., Flora Cram., Hippodamia Fab., Victorina und Cotytto
Guer., Phono Hübn., Diaphana Drur. und Coeno Doubl.
Von Menetries wurde (a. a. 0.) als neue Art: Heliconia
Demophoon von Nicaragua (im hiesigen Museum aus Mexiko) beschrie-
ben und abgebildet.
Acraeidae. — Acraea Oncaea und Cabira, n. A. aus Mos-
sambique wurden von Hopffer (a. a. O0.) diagnostieirt.
Nymphalidae. — Ebendaher sind: Neptis Marpessa, Roma-
leosoma Neophron, Alterica Theophane, Harma Achlys und Concordia
Hopffer (Monatsber. d. Berl. Akad.).
Von Hewitson wurden beschrieben und abgebildet: Cata-
gramma Beckeri aus Brasilien, Sinamara von Cayenne, Tera aus Co-
lumbien, Patara, Gabaza und Vaninka aus Neu-Granada, Eluina aus
Venezuela, Chaseba aus Bolivia, Mionima aus Neu-Granada, Agrias
Phalcidon vom Amazonenstrome und Nymphalis Calydonia von Ma-
lacca. — Von bekannten Arten werden hier nochmals abgebildet: Ca-
tagramma Cynosura Doubl. 4‘, Brome Boisd. und Lyca Doubl.
Neue Arten von Menetrie6s (a. a. O.) sind: Melitaea Theona
aus Nicaragua, Apatura Callianira und Siderone Elloys ebendaher,
letztere von S$. Ithys durch gleichmässig hellgefärbte Flügel unter-
schieden.
Von Herrich-Schäffer (Lepid. exot. Lief. 4) wurden ab-
gebildet: Cybdelis Naeris und Tatila Bsd. i. 1. aus Mexiko, Empyrea
Bsd. (ist — Sydonia Godart) und Sophronia Enc. aus Brasilien.
Von Jul. Müller wurde (Entomol. Zeit. Taf, 1) eine Varietät
des Männchens von Melitaea Didyma (ein Albino, wie er in dieser
Gattung öfter vorkommt) und die Raupe der Vanessa Y-album abge-
bildet; letztere wurde auf Birken gefunden und damit gross gezogen.
Satyridae. — Mycalesis Eusirus und Evenus Hopffer sind zwei
neue Arten aus Mossambique (a. a. O.).
Eryceinidae. — Von Hewitson wurden (Exot. Butterflies
Pt. 12—14) beschrieben und abgebildet: Eurygona opalescens, opalina,
Euphaös, Utica, Euploea, Eunaeus und Euoras, sämmtlich aus Brasi-
lien, und zugleich von bekannten Arten: Eurygona Midas Fahr. und
Arbas Cram.
Von Menetries (a.a.0.): Lyropteryz Cephise von Nicaragua,
Symmachia Castalia, Emesis fastidiosa, Nymphidium Erymanthus (viel-
leicht nur var. von N. Acherois Doubl.), Charis Sylvestra, Mesosemia
eoelestina (ist die bekannte Hesp. geminus Fab.) und Limnas Erythrus,
sämmtlich aus Brasilien, Limnas Melantho von Nicaragua.
Lyeaenidae. — Neue Arten von Mossambique sind: Dipsas
während des Jahres 1855. 277
Antalus, Jolaus Orejus und Caeculus, Lycaena Calice, Sybaris, Joba-
tes, Osiris und Asopus Hopffer (Monatsberichte d. Berl. Akad. 1555).
Lycaena Wosnesenskii n. A. von Kamtschatka, wurde von M&-
netries (a. a. 0.) beschrieben.
Thecla Friwaldskyi Lederer ist eine neue Art vom Altai, Ly-
caena Gamra und Galba Lederer von Beirut. (Verhandl. d. zoolog.-
botan. Vereins zu Wien V. p.96 und 177 ff.)
Wallengren wies (Öfvers. af Kongl. Vetensk. Akad. Förhandl.
p- 205) nach, dass Linne&’s Papilio Argus und Idas, die als Männchen
und Weibchen derselben Art angehören, nicht die Lycaena Argus der
Autoren seien, sondern auf Lyc. Aegon gedeutet werden müssen.
Hesperidae. — Von Mene&tri&s wurden (a. a.0.) Pyrrho-
pyga Sceylla aus Nicaragua, Socrates und varicolor aus Brasilien, Go-
niurus Evenus aus Brasilien und decussata von Haiti als neue Arten
beschrieben und abgebildet.
Von Hopffer (a. a. O.): Abantis (n. g.) Tettensis, Pamphila
Philander, Fatuellus, lugens, Herilus und Pyrgus Diomus als neue Ar-
ten von Mossambique diagnostieirt. Die neue Gattung Abantis ist bis
jetzt nicht näher charakterisirt worden.
Hesperia Nomas, hypoleucus und Zelleri Lederer sind drei neue
Arten von Beirut (Verhandl. d. zoolog.-botan. Vereins zu Wien V.
p- 177 1. Taf. 1).
Sphingides. Lederer machte eine neue Art der Gattung
Deilephila unter dem Namen D. syriaca bekannt, welche bei Beirut
vorkommt und in der Zeichnung der Flügel einigermassen an die
Gattung Smerinthus erinnert; sie ist von der Grösse der D. porcel-
lus. Ferner drei neue Sesien: S. fervida aus Cypern, S. azonos und
pipiziformis von Beirut. (Verhandl. d. zoolog.-botan. Vereins zu Wien V.
p- 177 ff. Taf5 und 2.)
Newman gab (Zoologist p.4928) Nachricht über das Vorkom-
men der Sesia scoliaeformis Borkh. in England, welche er irriger
Weise der Gattung Trochilium beizählt; er entwirft eine nochmalige
ausführliche Beschreibung der Art.
Koch glaubt den Umstand, dass Sphinx Atropos seit mehreren
Jahren in Meklenburg gefehlt habe, der Kartoffelkrankheit zuschrei-
ben zu dürfen, welche gerade von jener Zeit an dort aufgetreten sei.
(Archiv des Vereins der Freunde der Naturwiss. in Meklenburg 9. lleft.)
Da der Schwärmer jedoch überhaupt selten ist und in der Regel nur
nach längeren Pausen zahlreicher auftritt, so möchte dies wohl auch
bier als die näher liegende Ursache des Fehlens anzunehmen sein.
Chelonariac. Von Herrich-Schäffer wurde (Lepidopt.
exot. Lief. 13—17) eine grössere Anzahl neuer Arten dieser Familie
abgebildet; Amyoles anthracina, Oopaena scapularis, Gnophadla triseriata,
278 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Haemalerion (?) braco Bsd., Chrysostola helus Bsd. und. humilis, Cor-
rebia ceramboides, Cercophora caudata F. aus Brasilien, Syntomis vi-
treata aus Ostindien, Natalii Bsd. und reseeta aus Süd - Afrika, fene-
strata Drury aus Nord-China, Thyretes caffraria und, amazonula, Syn-
tomis longipes Bsd, ‚aus Afrika, Antomolis lateritia Bsd. von Cayenne,
Synlomis abdominalis aus Brasilien, Charidea costulata aus Venezuela,
confinis Bsd., ligrata, nivea Bsd., seruba Bsd. und texta Bsd. aus Bra-
silien, Creatonotus divisus Vaterl. unbekannt, Phegoptera porphyrea Bsd.
und guttifera von Hanckock, jugunda Bsd., mandus Bsd. und squalida
Bsd. aus Brasilien, decrepida Mor. aus Venezuela, Phegoptera flavo-
punctata Bsd. aus Cayenne, nera Bsd., punciularis Bsd., depicta Bsd.,
piperita Bsd. und flavostrigata Bsd. aus Brasilien, Glaucopis Vulcanus
Bsd. aus Mexiko, Laemocharis Lucelius Cram., Ada Bsd., zanthogaster
Perty, forficula Bsd. und tricincia aus Brasilien, Ctenucha virgo Bsd.
von den Antillen.
Lederer gab Beschreibungen und Abbildungen von folgenden
neuen Arten: Nudaria Altaica und Seliha ochracea vom Altai, Nola
erasperala von Cypern, Zygaena Graslini, Hypeuthina fulgurita, Arctia
Oertzenii und Ocnogyna clathrata von Beirut. (Verhandl. d. zoolog.-
botan, Vereins zu Wien V. p. 96 und 177 ff. nebst Tafeln.)
Lithosia rica aus der Schweiz wurde von Freyer (Neuere
Beiträge, Heft 109) als neue Art beschrieben und abgebildet.
Keller machte (Entomol. Zeit. p. 337) Mittheilungen über die
Erziehung der Raupe von Euprepia Matronula,
Dorfmeister setzte seine Beobachtungen über die in Steyer-
mark vorkommenden ‚Zygaenen in den Verhandl. d. zoolog.-botan.
Ver. zu Wien V. p. 87 il. fort und gab eine genaue vergleichende
Beschreibung ihrer Raupen (im Ganzen von neun Arten). Auch giebt
er fernere Gründe für die Identität von Zyg. Peucedani, Ephialtes,
Trigonellae und ihrer Zwischenformen an.
Bombyceides. Neue von Herrich-Schäffer (Lepidopt.
exot. Lief. 13—17) abgebildete Arten sind: Automeris plicata, Eacles
melanostigma, Adelocephala subangulata , convergens und dimidiata aus
Brasilien, Heniocha paleacea aus Süd - Afrika, Automeris tridens und
Dirphya. costosa aus Brasilien, Heleromorpha costipuneta vom Cap, Chry-
sopyga chrysoeoma Nor, von Venezuela, Ochrogaster lunifer aus Au-
stralien, Chrysopyga undulata von Kio Janeiro, Diastema straminea von
Port Natal, Catochria catocaloides aus Süd-Afrika, Notodonta cuculli-
fera, kistrionica ‚eentralis und wiolascens aus Brasilien, georgica aus
Georgien, Laelia, Australasiae, Forthesia limbalis und semiochrea aus
Neu -Holland, Orgyia tephra Hübn. vom Cap, und Panthea? nobilis
aus, Afrika,
"Goqueren beschrieb (Annales de la soc. entomol.. IH, p. 528 1,)
während des Jahres 1855. 279
drei neue Arten, deren Gespinnste nach seiner Meinung zur Gewin-
nung von Seide nutzbar sind: Bombyx Radama und Diego von Mada-
gascar und Bomb. Panda von Port Natal. In der Puppe der beiden
ersten lebt eine Pyraliden-Raupe parasilisch, deren Schmetterling als
Chilo carnifer n. sp. beschrieben wird.
Von Newman wurde (Appendix to the Zoologist for 1855) als
muthmasslich neue Art aus Australien: Bombyz (Doratifera?) Ozleyi
charakterisirt; sie ist nahe verwandt mit Doratifera vulnerans Westw.
Ziparis Carbonis aus derSchweiz wurde von Freyer (Neuere
Beiträge Heft 109) als neue Art beschrieben und abgebildet.
Psyche Ecksteinii Lederer und Psyche Zelleri Mann sind zwei
neue Arten aus der Umgegend von Pesth, Psyche Bruandi Lederer
eine neue Art von Beirut. (Verhandl. d. zoolog.-botan. Ver. zu Wien V.
p- 177 €. und 755.)
Descriptions of some species of Lepidopterous Insects belonging
to the genus Oiketicus, by J. 0. Westwood. (Proceedings of the
zoological society of London XXI. p. 219—243. Pl. 33—37.). — Den
beiden von Lansdowne Guilding unter der Gattung Oiketicus
beschriebenen Arten: O. Kirbyi und MacLeayi fügt Westwood hier
eine Reihe neuer hinzu, welche er einer ausführlichen Beschreibung
unterwirft. (Die Tafeln der Proceed. of the zool. soc. fehlen in dem
Exemplare der hiesigen Bibliothek.) Die von Saundersals 0. elon-
gatus aufgestellte Art wird hier nochmals unter dem veränderten Namen
0. Saundersii Westw. beschrieben und zugleich über deren Larve aus-
führliche Mittheilungen gemacht. Neue Arten sind ferner: Oiketicus
lübneri, Lewinü, Boisduvalii, Herrichii, sämmtlich aus Australien, O.
Doubledayi und Crameri von Ceylon. Für die schon früher von
Templeton beschriebene Art 0, tertius von Ceylon stellt West-
wood den Namen 0. Templetonii auf. — Am Schlusse giebt der Verf.
eine analytische Tabelle zur Bestimmung der Arten, welche zwei
Hauptabtheilungen zufallen. Die erste enthält Männchen mit halbge-
kämmten Fühlern und stark verlängertem Hinterleibe und Flügeln;
hierher gehören: 0. Saundersii, Kirbyi und Templetonii, Bei der
zweiten sind die Fühler des Männchens bis zur Spitze doppelt ge-
kämmt, Leib und Flügel kurz oder nur mässig lang; hierher gehören
die übrigen Arten.
Descriptions ‚of some new species of exotic moths belonging
or allied to the genus Saturnia, by J. 0. Westwood (Proceed. of
the zoolog. soc. of London XXI und Annals and magazine of natural
history XV. p. 204 ff.) — Die hier beschriebenen nenen Arten sind:
Saturnia Orisaba, Jorulla, Lavendera, Calleta, Chapata aus Mexiko,
Zacateca und Sapalosa von Bogotä, Janeira von Rio Janeiro, Pluto
aus Venezuela, Thibeta aus Thibet und Melvilla von Melville Island,
280 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Gu&rin bemerkte (Revue et Magasin de Zoologie VII. p. 300),
dass Bombyx Assamensis Helfer (schon im Jahre 1837 im Journal of
the asiatie society of Bengale beschrieben) von Westwood im
Orient. Cab. unter dem Namen Saturnia Assama abermals als neue
Art publieirt worden sei, und dass ebenso des letzteren Saturnia Ny-
thimnia mit Bomb. Bauhiniae Guer. Iconogr. identisch sei.
Derselbe hielt in der Pariser Akademie der Wissenschalten (mit-
getheilt in der Revue et Magas. de Zool. VII. p. 292 und im Bullet.
de la soc. entomol. p. LV ff.) einen Vortrag über die Einführung des
Chinesischen Seidenwurms in Europa, Die Raupe lebt auf Eichen
und ihr Cocon liefert eine ausgezeichnete Seide; die Cocons sind
durch Missionaire nach Frankreich geschafft worden und aus densel-
ben auch Exemplare beiderlei Geschlechts hervorgegangen, eine Be-
gattung jedoch bisher nicht erzielt worden. Die Spinner - Art, wel-
cher die Raupe angehört, ist bis jetzt noch nicht bekannt; Gu&rin
giebt (Rev. et Magas. de Zool. Taf 6) eine Abbildung derselbeu und
beschreibt sie unter dem Namen Saturnia lernyi; sie ist der Sat. My-
litta Fabr. zunächst verwandt.
Mehrfache Mittheilungen sind auch über die Zucht der Saturnia
Cynthia in Europa behufs ihrer Einführung und Anwendung zur Seide-
Produktion in den Proceedings of the entomol. soc., in Gu&rin’s
Revue et Magas. de Zoologie, in den Comptes rendus de l’Institut de
France, im Bulletin de la soc. entomologique , in der Spener’schen
Zeitung zu Berlin (1856) u. a. gemacht worden. Man fütterte die
Raupen mit Ricinus communis, den sie eifrig frassen; sie machten
vier Häutungen durch, verspannen sich z. B. auf Malta und in Ita-
lien vom Februar bis zum März, lieferten Mitte April’s den Schmet-
terling, und dieser legte auch Eier ab, welche sich wiederum zu Rau-
pen entwickelten. — Zwei Abhandlungen, welche über die Zucht die-
ser Art ausführlichere Auskunft geben, sind: 1) O0. G. Costa, Storia
naturale della Saturnia Cynthia, volgarmente detta Bombice del Ri-
eino, del modo di educarne i bachi e della seta ch’essi producono.
Napoli 1854. 8. 27 pag. c. tav.1. — Auf der Tafel ist der Schmet-
terling, die Raupe in ihren verschiedenen Stadien auf der Futter-
pflanze und das Cocon abgebildet. — 2) Griseri, Relazione sulle
tre educazioni del Baco di Seta del Bombyx Cynthia e sulle cultura
del Ricino per l’alimentazione dei bachi. Torino 1855. 8. Diese Ab-
handlung ist dem Ref, nur dem Titel nach bekannt geworden. —
Ueber denselben Gegenstand sind auch noch fernere Mittheilungen von
Mazzanti in den Nuovi annali delle scienze naturali di Bologna X.
(1854) p. 306 gemacht worden.
In der letztgenannten Zeitschrift wird auch ausführliche Nach-
richt gegeben über ein dem Ref. nicht zugekommenes Werk: Mono-
grafia de) Bombire del Gelso pubblicata dal Prof, Emilio Corna-
während des Jahres 1855. 281
lia, 4. c. 15 tab. lith. — Nach den dort gemachten Mittheilungen
liefert das Werk eine vollständige Monographie der Seidenraupe und
zerfällt in vier Theile, von denen der erste die Geschichte und Zoo-
logie des Thieres, der zweite die Anatomie der Raupe, Puppe und
des Spinners, der dritte die Physiologie und der vierte die Pathologie
(Krankheiten, Monstrositläten und Parasiten) behandelt.
Die Lebensweise der Ptilophora plumigera erörterte B. Smith
im Zoologist p. 4562.
Ebenda diskutirte J. Scott noch einmal die Frage, ob die
Psychiden zu den Spinnern oder Tineen zu rechnen seien und kommt
zu dem Resultate, dass ihre Verwandtschaft zu den letzteren jeden-
falls eine nähere sei. Die neueren Untersuchungen über die Psychiden
scheint der Verf. nicht zu kennen und er hält sich überhaupt in sei-
ner Beweisführung sehr an Unwesentliches; das Fehlen ‘der Flügel
beim Weibchen, meint er z. B., beweise nicht, dass die Psychiden
Spinner seien, denn es könnten auch wohl noch flügellose Tagfalter
und Sphingiden entdeckt werden. (Allerdings nicht unmöglich, aber
sehr unwahrscheinlich!)
Noctuae. „Les Noctuelites de la Russie,“ par le Dr. Evers-
mann. (Bulletin de la soc. imp. des naturalistes de Moscou, Annee
1855. No. 3. p. 129—203.) Die im Vorliegenden begonnene Aufzäh-
lung und Beschreibung der in Russland einheimischen Eulen soll eine
Fortsetzung zu den vom Verf. in Gemeinschaft mit dem verstorbenen
Fischer v. Waldheim begonnenen, aber bisher nicht weiter fort-
gesetzten „Lepidopteres de la Russie“ bilden. Sie bietet weiter kein
Interesse als höchstens ein faunistisches dar, indem ausser einer
neuen Leucania, die unter dem Namen L. stigmatica beschrieben wird
und von den südlichen Ausläufern des Ural stammt, nichts Unbekann-
tes darin geliefert wird. Das Auffälligste ist die von den früheren
Autoren abweichende Anordnung der Gattungen und die Aufstellung
von Gruppen, welche aber nicht den geringsten wissenschaftlichen
Werth haben, da ihnen keine eingehende Untersuchung zu Grunde
liegt. Sie sind vielmehr nach Gutdünken zusammengestellt, wie dies
z. B. aus der ersten Gruppe des Verf., die er als „Bombycoides“ be-
zeichnet, einfach hervorgeht; diese umfasst nämlich die Gattungen:
Asteroscopus, Gonoptera, Calpe, Cymatophora, Trachea, Iaspidea und
Thyatira. Es fehlt bier nur noch eine Gattung aus der Catocala-
Gruppe, um eine Auswahl der verschiedenartigsten Eulen - Formen
vollständig zu machen. — Um den Inhalt des vorliegenden Theiles
der Arbeit darzulegen, führe ich auch noch die folgenden, bis jetzt
abgehandelten Gattungen an: die zweite Gruppe „Acronyctides“ um-
fasst Diphtera, Acronycta und Bryophila, die dritte „Leucanides“ die
Gattungen Simyra, Nonagria, Leucania und Mytbimna. Die Fortset.
zung der Arbeit soll nächstens erfolgen.
282 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Eine Reihe neuer Arten dieser Familie wurde von Lederer
(Verhanäl. .d; zoolog. - botan. Ver. zu Wien V. p. 06. ff. und 177 ff.)
beschrieben und auf'‚dem beifolgenden Tafeln abgebildet: Graphophora
eminens, Agrolis foeda, Hadena arida, Folia erpressa, Orthosia circum-
ducta vom Altai, Pericyma squalens von Cypern, Bryophila labecula,
Spintherops exsiccata, Charadrina latebrosa, Thalpochares Phoenissa und
psilogramma von Beirut,
Eine neue Art aus Südfrankreich ist Heliothis maritima de Gras.
lin (Annales de la soc. entomol. III. p. 65); sie ist mit Hel. dipsacea
nahe verwandt, ihre Raupe frisst die Samenkapseln yon Spergularia
marina und media, ‚Abbildung aller Stände auf Taf. 7.
Freyer (Neuere Beiträge Heft 109 und 110) gab eine Beschrei-
bung und Abbildung von Cucullia Prenantkis und Noctua Jaspidea
nebst ihren Raupen.
Zweineue in England aufgefundene Arten sind: Agrotis Aswor-
thii Doubleday (Proceed. entomol. soc. p. 94), womit die in Stain-
ton’s Entomologist's Annual unter dem Namen Spaelotis Vallesiaca
abgebildete Art identisch ist; und Miana ezxpolita Stainton. (Entomo-
ligist’s annual for 1855).
Milliere gab eine Abbildung und Beschreibung einer interes-
santen Varietät der Catocala Electa, bei der die Vorderflügel mehr ins
Gelbbraune fallen, während das Roth der Hinterflügel in ein lebhaf-
tes Gelb verwandelt ist, (Annales de la soc. entomol. III. p. 205.
Taf. 11) und Constant bildete ebenda drei auflallende Abänderungen
der Noctua Gothica ab.
Möschler setzte (Entomol. Zeit. p. 211) die Unterscheidungs-
merkmale von Heliothis nubigera und peltigera auseinander, und be-
merkt, dass erstere als um Sarepta fliegend, der Europäischen Fauna
angehört.
Keller beschrieb (ebenda p. 339) die Raupe von Anthophila
Wimmeri, welche er am Garda-See auf Artemisia campestris zur Herbst-
zeit antraf.
Nach Kollar (Verhandl. d. zoolog.-botan. Vereins zu Wien V.
p- 697) trat Apamea basilinea im Jahre 1855 in grosser Menge als
Verwüsterin des Roggens im Oesterreichischen Schlesien auf.
Geometrae,. Von HBerrich-Schäffer wurden folgende
neue ausländische Arten (Lepidopt. exot. Lief. 13—17) abgebildet:
Craioplera veslianaria aus Brasilien, Melinodes detersaria aus Colum-
bien, Acrotomia viminaria aus Mexiko, Macrogonia igniaria, Cidaria
siurnularia und Emploecia bifenestrata aus Brasilien, Cabira ochro-
purpuraria aus Venezuela, Odezia kaemalaria aus Mexiko, Abrazas
triseriata von Java, Calospila hyalaria, Epiplema acutangularia , Go-
nodonlis recliseclaria, Crocypus perlucidaria, Srmaeopus serrilinearia,
während des Jahres 1855. 283
Ptychopoda tergeminaria, Zanelopteryr aculeataria, Dosithea discopun-
etaria sämmtlich aus Brasilien, Zonosoma prunelliaria und. lateritiaria
aus Venezuela, Pompeja australiaria von Neu-Holland, Fidonia disco-
loraria aus Brasilien, Hypochroma brepharia aus Süd - Amerika, Ora-
toptera vilaria, Microsema trifilaria, Phyle arcuosaria von Rio-Janeiro,
Geometra albiangularia aus Ostindien, musivaria, Thalera includaria,
productaria und Geomelra translucidaria aus Brasilien, albociliaria aus
Venezuela, Eucrostis rufociliaria vom Cap, Geomelra abortivaria von
Cincinnati, Trigrammia Anotaria, Microgonia rhodaria und Acrosemia
eulpecularia aus Brasilien, Hemagalma chilonaria aus Neu - Holland,
Zonosoma binocellaria und Graphidipus fulvicostaria von Venezuela,
Pierocypha gibbosaria, Eucosmia combustaria, anguslaria und Oligo-
pleura malachitaria aus Brasilien, Nedusia albipennaria und acinaci-
daria von Venezuela, Melrocampa amicaria von Cincinnati, aniliaria
und apricaria von Venezuela, Probote alienaria aus Süd - Amerika,
Plagodes serinaria von Cincinnati, Hygrochroma olivinaria, Macaria
triplicaria, Microgonia vestitarıa und polygrapharia aus Brasilien, Me-
linoessa eroesaria von Silhet, riolacearia und Gnophos diffiniaria von
Venezuela, armataria von Hanckock.
Von Lederer wurden (Verhandl. d. zoolog.-botan. Vereins zu
Wien V. p. 96 ff. und 177.) folgende neue Arten beschrieben und
abgebildet: Synopsia phaeoleucaria und Cidaria melaniclerata vom
Altai, Acidalia inclinala, coenosaria, Synopsia deliciosaria , Gnophos
Poggearia, Eubolia pumicaria, perviaria, Cidaria Schneideraria und
cerwssaria von Beirut.
Von Mann (ebenda p.529 f.) aus Corsica: Acidalia carnearia,
mit A. infirmaria Ramb. zunächst verwandt, Eupithecia perfidata uud
glaucomictata.
Von Freyer (Neuere Beiträge Heft 110): Cidaria ferrugaria
Treitschke und spadicearia, von der vorigen als eigene Art abgetrennt
(ob gleich C, ferrugata Hübn.?).
Von Bruand (Bulletin de la soc. entomol. p.LIX): Larentia
Millierata aus Frankreich.
Keller beschrieb (Entomol, Zeit. p. 336) die Raupe der Idaea
dealbata; sie lebt im Mai auf Wegerich und ‚Geisklee.
Schneider setzte seine Aufzählung der in Schlesien: einhei-
mischen Geometriden fort und zwar mit den Gattungen: Acidalia 27 A.
Boletobia 1 A., Zonosoma 8 A., Timandra 1.A. und Pellonia 1 Art.
(Söster Jahresbericht der Schlesisch. Gesellsch, für. vaterl. Cultur
p- 115.)
P'yralides. Neue Arten von Lederer (a. a. O.) beschrie-
ben und abgebildet, sind: Asopia subustalis, Botys ruficostalis , penta=
dalis, rupicapralis und Nymphula thyridialis von Beirut, Pyralis con-
secralalis und Teyostome venuslalis aus ‚Klein»Asien. .
284 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Stenia infidalis Mann, mit St. carnealis nahe verwandt, ist eine
neue Art von Corsica (a. a. O. p. 529 f ), Simaöthis parietariae, Eu-
dorea atomalis und gracilalis Stainton (Entomologist's annual p. 42)
n. A. aus England, Botys eyanalis und Eudorea sciaphilella de la Harpe
(Faune Suisse) n. A. aus der Schweiz, Chilo carnifer Coquerel (An-
nales de la soc. entomol. p. 534) n. A. aus Madagascar.
Tertrices. NeueArten von Lederer (a. a. 0.) sind: Tor-
Iriv exsulana und Cochylis cultana vom Altai, Coceyz scabidulana,
Retinia thurificana und Grapholitha e/[usana von Beirut, Grapholitha Hor-
nigiana aus der Wiener Gegend.
Von Mann (ebenda): Cochylis languidana, impurana, penlacli-
nana, roseofasciana, Penthina allheana, Paedisca mancipiana und quag-
gana von Corsica, Tortriz aurofasciana aus Steyermark und Kärnthen.
v. Hornig beschrieb (Verhandl. d. zoolog,-botan, Vereins zu
Wien V. p. 129) die ersten Stände von Cochylis posterana (die Raupe
in den Blüthenköpfen von Carduus acanthoides), C. rubellana (in den
Blüthen von Antirrhinum linaria) und C. dubitana (in den Blüthen-
köpfen von Picris hieracioides).
Goureau erzog aus den Köpfen von Dipsacus sylvestris die
Penthina gentianana. (Bulletin de la soc, entomol. p. VI.)
Wocke zählte (33ster Jahresbericht der Schlesisch. Gesellsch.
f vaterl. Cultur p. 118) die in Schlesien einheimischen Arten der
Gattung Penthina auf; es sind deren bis jetzt 25 gefunden worden.
Tineina. Ein Werk, welches eigentlich schon dem vorigen
Jahresberichte angehört hätte und das sich bereits in den Händen
aller derjenigen Lepidopterologen befindet, welche sich mit den klei-
nceren Formen speciell belassen, sind die Insecta Britannica,, Lepido-
ptera Tineina, by H. T. Stainton, London 1854. Es wird darin
eine vollständige systematische Bearbeitung der in England bis jetzt
aufgefundenen Arten dieser Familie gegeben, welche nicht nur ein
grosses faunistisches Interesse darbietet, sondern auch für das Aus-
land in sofern von Bedeutung ist, als einerseits eine beträchtliche
Anzahl neuer Arten hier zum ersten Male beschrieben wird, anderer-
seits aber auch die Feststellung der Gattungen und der natürlichen
Gruppen der Tineen wesentlich gefördert worden ist. Von’ Gruppen
nimmt Stainton unter den Tineiden im Ganzen dreizehn an: Exa-
patidae, Tineidae, Hyponomeutidae , Plutellidae, Gelechidae, Glyphi-
pterygidae, Argyresthidae, Ornichidae, Coleophoridae, Elachistidae,
Lithocolletidae, Lyonetidae und Nepticulidae. Zur sicheren Bestim-
mung der Gattungen sind zehn dem Werke beigefügte Tafeln von
grossem Werthe, welche die sehr charakteristische Kopf- und Pal-
penbildung so wie das Flügelgeäder aller beschriebenen Formen in
vergrösserten Abbildungen darstellen. Die neunte Tafel bringt aus-
während des Jahres 1855. 285
serdem eine Reibe bemerkenswerther Arten, die zehnte eine Auswahl
von Raupen zur Anschauung.
The natural history of the Tineina. By H. Stainton, assi-
sted by Prof. Zeller and J. W. Douglas. Volume I. containing
Nepticula ‚Part. I. Cemiostoma Part. I. London, Paris, Berlin 1855. 8,
338 pag. 8 tab. color. — Der Verf. beabsichtigt in. dem vorliegenden
Werke eine Naturgeschichte der Familie der Tineiden zu liefern, die,
wenn sie in gleicher Weise wie der erste bis jetzt erschienene Band
fortgesetzt wird, in der That ihres Gleichen sucht., Sie ist nicht nur
in 4 Sprachen (Englisch, Französisch, Deutsch und Lateinisch) abge-
fasst, wodurch sie sich eine weite Verbreitung in der Entomologischen
Welt sichert, sondern auch mit reichhaltigen und eleganten Abbildun-
gen ausgestattet, welche das Erkennen und Bestimmen dieser winzi-
gen Thierchen sehr erleichtern, Der Verf. will übrigens keineswegs
ein systematisches Werk liefern, sondern es ist zunächst seine Ab.
sicht, die Kenntniss der Arten zu lördern, diese aber in ihrem gan-
zen Umfange ; er nimmt daher für's Erste nur solche Arten auf, de-
ren Naturgeschichte ihm durch alle Stadien vollständig bekannt ist
und erörtert bei jeder einzelnen ausführlich das Auffinden der Raupe
und des Schmelterlings, die Lebensweise der Raupe vom Ei bis zur
Verpuppung, die geographische Verbreitung, die Synonymie u, s. w.
Dass bei einer so umfassenden Bekandlung des Stofls das Werk ein
äusserst bändereiches werden muss, versteht sich von selbst, und es
ist kaum zu erwarten, dass es in derangebahnten Weise wird zu Ende
gebracht werden können. Der vorliegende erste Band enthält die
Beschreibung von nur 24 Arten, nämlich 21 Nepticula und 3 Ce-
miostoma, welche auf 8 beigegebenen Tafeln sämmtlich in vergrös-
sertem Massstabe abgebildet sind; ausser dem vollkommenen Insekt
ist auch jedesmal die Raupe und deren Cocon so wie ein Blatt ihrer
Nahrungspflanze dargestellt, und zwar letzteres in dem Zustande, in
welchen es die Raupe durch die Art ihres Frasses versetzt, Gerade
bei den Blattminirern ist die ausserordentliche Manniglaltigkeit in der
Anlage ihrer Gänge von besonderem Interesse und daher eine bild-
liche Darstellung in so naturgetreuer Weise, wie sie der Verf. giebt,
sehr dankenswerth.
Herrich-Schäffer (Systematische Bearbeitung der Schmet-
terlinge von Europa, Bd. V) trennt von den Tineiden, wie sie bisher
aufgefasst wurden, zwei kleine Gruppen als selbstständige Familien
ab, nämlich: 1) die Canephoriden, welche die Gattungen Fumea Haw,
und Epichnopteryx Hübn., und anhangsweise noch die Gattung Ly-
pusa Zell. umfassen; dieselben sind von Zeller, und gewiss sehr
richtig, den Psychiden zugetbeilt worden, werden aber von Her-
rich-Schäffer, trotzdem dass er sich in der Einleitung mit dieser
Stellung einverstanden erklärt, noch unmittelbar neben den Tincen
286 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
abgehandelt. 2) Die Micropterygiden mit der einzigen Gattung Mi-
eropteryx, welche der Verf. nach der Uebereinstimmung in der Flü-
gelrippen- und Fühlerbildung als ein Analogon von Hepialus be-
trachtet und an das Ende der ganzen Ordnung , hinter die Pteropho-
riden stellt. '—- Unter den so abgegränzten Tineiden im engeren Sinne
werden nach dem Flügelgeäder drei Hauptgruppen aufgestellt: Bei
der ersten finden sich in Vorder- und Hinterflügeln eine eingescho-
bene Zelle, die den beiden übrigen fehlt (wenigstens stets im Hinter-
flügel); die zweite ist nur negativ charakterisirt, indem sie Arten
mit breiten, an der Spitze abgerundeten Hinterflügeln enthält, denen
in Vorder- und Hinterflügeln die eingeschobene Zelle fehlt (Hypo-
nomeutiden und Hypsolophiden); bei der dritten ist die erste Rippe
der Vorderflügel an der Wurzel nicht gegabelt. Von den Gattungen
der ersten Gruppe, welche Zeller als Tineacea plicipalpia verei-
nigt, schliesst Herrich - Schäffer die Gattung Euplocamus aus,
da ihr die jenen eigene Palpenbildung abgeht, und theilt sie der
zweiten Abtheilung, wo die Palpen rudimendär sind oder fehlen, zu.
Einige andere von Zeller seinen Tineaceen (der ersten Gruppe
Herrich-Schäffer’s im Grossen entsprechend) zuertheilte Gattungen
werden von letzterem zu der zweiten Gruppe gebracht,
Zeller setzte seine Arbeiten über diese Familie mit einer
sorgfältigen Beschreibung der Arten der Gattung Butalis fort (Lin-
naea entomologica X. p. 169—269). Der Verf. nimmt die Gattung
Butalis in der Ausdehnung an, wie sie von Stainton (Insecta Bri-
tannica) festgestellt worden ist, schliesst dagegen mehrere von Lie-
nig, Boyer, Heinemann, Herrich-Schäffer und Lederer
dorthin gebrachte Arten, die er einzeln namhaft macht, davon aus.
Die in der vorliegenden Arbeit beschriebenen Arten, welche sich
auf 49 belaufen, zerfallen in zwei sehr ungleiche Gruppen; bei der
ersten (mit 47 Arten) sind die Hinterflügel fein zugespitzt und lang-
franzig, bei der zweiten (mit nur 2 Arten) an der Spitze leicht ab-
gerundet. Von den Arten der ersten Gruppe haben 29 Arten ein-
farbige, höchstens an der Spitze satter gefärbte Vorderlügel, die
übrigen hell oder dunkel gefleckte; nach der verschiedenen Anlage
dieser Flecken und nach der Homonomität oder Heteronomität ihrer
Beschuppung errichtet der Verf. wieder drei Unterabtheilungen mit
resp. 10, 6 und 2 Arten. Für die Feststellung der einzelnen Arten
hat der Verf. hier zuerst besonderes Gewicht auf die Färbung und
Form des männlichen Afterbüschels gelegt.
Derselbe gab (ebenda p. 145—168) einen Nachtrag zu seiner
im vorigen Bande derselben Zeitschrift gelieferten Uebersicht der
Cryptolechia - Arten ; derselbe besteht in der ausführlichen Beschrei-
bung von 13 neuen, im hiesigen Museum befindlichen exotischen Ar-
ten dieser Gattung, welche aus Mexiko, Columbien, Brasilien und
während des Jahres 1855. 287
Neu-Holland stammen ; ausserdem sind noch Zusätze zu einigen schon
früher beschriebenen gegeben.
An einzelnen neuen Arten wurden ferner beschrieben :
Plutella excisella vom Altai, Crambus tessellus, desertellus, Ane-
rastia ichorella‘, Myelois biflexella und converella, Hapsifera(?) par-
cella, Anchinia spare'la und largella, Oecophora temperatella, Butalis
inclusella und desidella, Apiletria luella,, :Depressaria comitella . und
Ihoracica, Choreutis lascivalis und Elachista sumptuosella aus Beirut,
Myelois pumicosa aus Diarbekir, von Lederer (Verhandl. d. zoolog.-
botan. Ver. zu Wien V. p.96, 177 ff., nebst Abbildungen).
Myelois afflatella, Nemotois chalcochrysellus, Anchinia cyrniella,
Oecophora lavandulae und quadrifariella, Depressaria altricornella und
selaginella, Roeslerstammia fumociliella, Eglanteriella und Lithocolletis
endryella aus Corsica, von Mann (ebenda p. 529 ff.).
Gelechia viscariella, Elachista poae und Gregsoni, Lithocolletis
vasciniella, Neptieula Weaveri und prunelorum aus England, von
Stainton (Entomol. Ann. p. 43 If.).
Derselbe gab (Annales de la soc, entomol. III. Taf. 11) eine
Abbildung der Elachista Treitschkiella nebst ihrer Raupe und eines von
letzterer minirten Blattes.
Derselbe lieferte unter dem Titel: „Entomological botany with
more especial reference to the plants frequented by the Tineina« (Zoo.
logist for 1854—55) eine Aufzählung derjenigen Pflanzen, welche
den Raupen der Schmetterlinge und insbesondere denen der Tineen
zur Nahrung dienen; die der letzteren sind bei jeder Pflanze nam-
haft gemacht und zugleich über die Art ihres Frasses und ihrer Le-
bensweise Nachricht gegeben.
Die Naturgeschichte der Coleophora serenella F. R. wurde von
Heeger (Sitzungsberichte der Wiener Akad. d. Wissensch. XVIII.
p- 39 ff.) bekannt gemacht. Die Raupe minirt die Blätter von Colutea
arborescens und hat zwei Generationen im Jahre.
Kollar berichtete (Sitzungsberichte d. zoolog.-botan. Ver. zu
Wien V. p. i11), ‚dass Gelechia pyrophagella, welche bisher nur als
dem Getreide schädlich bekannt war, auch den Mais verwüste.
Die in Schlesien vorkommenden Gracilaria- Arten, 16 an Zahl,
wurden von Wocke (33ster Jahresbericht der Schlesisch. Gesellsch.
f. vater]. Cultur p. 124) aufgezählt.
Pterophoridae. Drei neue Arten aus Corsica sind: Ple=
rophorus giganleus, semiodaciylus und icterodactylus Mann (Verhandl,
d. zoolog.-botan. Vereins zu Wien V. p. 529 f.).
988 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Hemiptera.
Stal hat seine Bearbeitung der von Wahlberg im
Kaffernlande ‚gesammelten Hemipteren mit Bekanntmachung
der Arten. durch Diagnosen in der Öfversigt af Kongl. Ve-
tensk. Akad. Förhandl. p. 27—46 und p. 89—100 fortgesetzt,
Es sind daselbst die Familien der Heteropteren von den Co-
reoden an und die der Homopteren bis zu den Cicadellinen
abgehandelt.
Derselbe beschrieb (ebenda p. 181—192) eine grössere
Anzahl neuer Hemiplteren verschiedener Familien und aus
verschiedenen Ländern, welche wie die in der vorigen Ar-
beit enthallenen an ihrem Orte einzeln angeführt werden,
Derselbe unternahm (ebenda p. 345 ff.) eine Deulung
sämmtlicher von Thunberg in seiner „Disserlalio novas
insectorum species sistens,* ferner in der „Disserltalio de He-
mipleris roslralis Capensibus“ und endlich in seinen „Inseclo-
rum hemelytrorum tria genera* beschriebenen Hemipteren, in-
dem er ‚die einzelnen Arten theils auf die älteren Auloren
zurücklührte, theils ihre Stellung in den neueren Gallungen
nach Ansicht der Original- Exemplare nachwies. Die von
Thunberg beschriebenen Arten belaufen sich auf 42.
Eine grössere Arbeit, welche die Kenntniss der einhei-
mischen Rhynchoten wesentlich fördert, hal Kirschbaum
unter dem Titel: „Rhyncholographische Beiträge, I. Die Capsi-
nen der Gegend von Wiesbaden“ in den Jahrbüchern des
Vereins für Nalurkunde im Herzogihum Nassau, X. Heft (Wies-
baden 1855) p. 161—348 geliefert; dieselbe ist an ihrem
Orte näher berücksichligt worden.
Description de quelques Hemipleres homopleres nouveaux
ou peu connus, par E. Mulsant et C. Rey (Annales de la
soc. Linneenne de Lyon II. p. 196—249). — Die hier aus-
führlich beschriebenen Arten gehören den Familien der Ful-
gorinen und Cicadellinen an und stammen sämmtlich aus dem
südlichen Frankreich ; auf mehrere derselben wurden zugleich
neue Gallungen begründet. ‘Näheres bei den genannten Fa-
milien.
Pentatomidae. Von Signoret wurde (Annales de la
soc, entomol. Il. p. 60) cine neue Gattung aus der Gruppe Asopides
während des Jahres 1855. 289
aufgestellt, welche durch die Jamellenartige Erweiterung der seitli-
chen Kopflappen in nächster Verwandtschaft mit Macrorhaphis Dall.
und Phyllochirus Spin.‘ steht. Von Phyllochirus unterscheidet sich
die neue Gattung Leptolobus ‚dadurch, dass die beiden Kopflamellen
schräg aufgerichtet und ganz, abgeplattet sind, einen freien, scharfen
Rand zeigen und mit einander eine Rinne bilden, die hinten breiter
ist als vorn, Die Augen treten weit hervor und scheinen fast ge-
stielt; der Bauchdorn ist kurz. Eine Art: L. Murrayi von Old-Ca-
labar. Abbildung ‚derselben auf Taf. 7.
Eine Auzahl neuer ausländischer Arten machte Stal (a. a. O.
p- 151 1.) bekannt: Callidea coelestis von Madras, Pachycoris scurrilis
aus Mexiko, Brachyplatys Cingalensis von Taprobana , Coptosoma ni-
gropunclalum aus, Sierra Leona, Paramecocoris binolatus ebendaher,
gasiricus aus Ostindien, Aednus circumflezus unbek. Vaterl., Macropy-
gium flavopustulatum und Antiteuchus luciuosus ebenso, Pentaloma prin-
cipalis aus Mexiko, Halys aus China, Sirachia sculpticollis aus Sierra
Leona, Eurysaspis Signoretii vom Senegal, Edessa albidicornis und
capreola aus Brasilien, bos ausllonduras, Aceratodes flavovirens, albo-
marginalus und flavomarginatus von Minas Geraös.
Derselbe gab (ebenda p. 359) eine nochmalige Beschreibung
von Cimex: Stockerus Linn., der auf Java, Malacca und im südlichen
China einheimisch ist, und stellle seine sehr verwickelte Synonymie
fest. Die Art ist unter folgenden Namen beschrieben worden: Von
Gu&erin als Scutellera dilaticollis, von Hahn als Chrysocoris Stollii,
von Germar als Caliidea abdominalis, von Amyot und Serville
als Galostlia Stockerus und von Dallas als Callidea dilaticollis.
Coreodes. Neue Arten vom Kaffernlande, von Stal (a.
a,0.) beschrieben, sind; Elasmogaster brunnescens, Niclis caslanicor-
nis, caffra, vidua, tomeniovirgala, griseosericans, grallatoria, lugubrina,
natalensis und amicta mit innen erweiterten Hinterschienen und un-
bewallnetem Thorax, furva, Bohemani und validipes mit beiderseits
eckig erweitertem Thorax, foliacipes mit beiderseits erweiterten Hinter-
schienen; Physomerus lugens und granosus, Petalocnemis pachycerus,
Paryphes hilarus, Philonus nigrovittatus und Natalensis, Serineilha moe-
sta, Hypselopus annulicornis und linearis, Alydus crassifemur und fla-
voviltalus, Enthelus leucosticlus, leucopoecilus und sordidus, Neides ma-
lacaipus, Hydara gracilicornis, Gonocerus lituripennis und caffer, Cla-
‚ vigralla muricala, Natalensis, tomenticollis und pilosicollis, Corizus pi-
losicollis, Natalensis, puncticornis und nigromaculatus und Acanthocoris
denticulatus.
Derselbe charakterisirte (ebenda p. 183 1.) folgende neue Ar-
ten verschiedener Länder: Spartucera costicollis, Crinocerus rubro-or-
nalus und lugens aus Brasilien, subtlomentosus unbek. Vaterl., Metapo-
dius Iuctuosus aus Mexiko, bicoloripes aus Columbien, Paryphes luni-
Archiv £. Naturgesch, XXI, Jahrg. 2. Bd, m
990 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
collis aus Brasilien, caesareus unbek. Vaterl., amabilis von Minas Ge-
ra&s, Diaclor cincticollis unbek. Vaterl., Anisoscelis vezillatus aus Co-
lumbien, Microbasis (?) rufiventris von Sierra Leona, Hypselonotus li-
nealicollis von Minas Gera&s, Serinetha Sinae aus China, Discogaster
Drewseni und Clavigralla pulchra aus Brasilien.
Lygaeodes. Neue Arten von Stal (ebenda p. 186) sind:
Physopelta bimaculata vonJava, Largus marginieollis aus Brasilien und
morio aus Columbien.
Von demselben (ebenda) aus dem Kaffernlande: Lygaeus fecia-
lis, lemniscatus, delicatulus und villosus, Rhyparochromus turgidifemur,
nigromaculatus und caffer mit trapezoidalem Thorax, dessen Vorderrand
breiter als der Kopf ist, marginipennis, umbrifer, patruelis, nigropicius,
curvipes, crassifemur, apicalus, paganus und Natalensis mit schmale-
rem oder ebenso breitem Vorderrande des Thorax wie der Kopf;
Atractophora fusifemur, Oxycaraenus Fieberi und albidipennis, Mieropus
fusconervosus, brevicornis, ochripes und linearis, Geocoris amabilis,
Odonlopus nigrocruciatus, Pyrrhocoris nigriceps und pectoralis, Derma-
linus limbifer und tartareus, Dysdercus nigrofasciatus.
Derselbe wies (ebenda p. 390) nach, dass Thunberg unter
den vier Varieläten seines Cimex Augur vier verschiedene Arten be-
schrieben habe; die var. @ ist — Lygaeus (Odontopus) Coquebertii
Fab., die var. & ist der eigentliche Dysdercus Augur Thunb., die
var. y und d’ beschreibt Stal als neue Arten unter dem Namen Dysd.
Thunbergi und thoracicus.
Haliday (Natural history rewiew VI. p. 61) gab eine Abbil-
dung und eine ausführliche Beschreibung von Cryptostemma aliena
Herr.-Sch. ; den schon vergebenen Galtungsnamen ändert er in Dipso-
coris um. — Nerrich-Schäffer und Meyer haben beide die
Ocellen bei der Gättung übersehen und letzterer bringt sie deshalb
mit Zweifel zu den Capsinen; Haliday glaubt, dass sie zu den Ly-
gaeoden gehöre und am meisten mit den Anthocorinen verwandt sei.
Capsini. Für die Artenkenntniss dieser Familie in Betreff
der einheimischen Species ist die von Kirschbaum (a. a. 0.) un-
ternommene und mit grossem Fleisse ausgeführte Bearbeitung der in
der Gegend von Wiesbaden vorkommenden Capsinen von Wichtigkeit.
Der Verf. beginnt seine Arbeit mit einer Aufzählung der in der ge-
nannten Lokalität vorkommenden Species, deren Zahl sich im Ganzen
auf 154 beläuft; davon kommen 7 auf die Gattung Miris, 8 auf Lo-
pus, 7 auf Phytocoris, 1 auf Myrmecoris und 131 auf Capsus. Bei
jeder Art sind Bemerkungen über das Vorkommen, Häufigkeit, Fut-
terpflanzen, Zeit des Erscheinens u. s. w. beigefügt. Hierauf folgt
eine Schilderung der Familie im Allgemeinen, welche auf alle ein-
zelnen Körpertheile näher eingeht und bei diesen zugleich die syste-
matische Bedeutung ihrer Verschiedenheiten hervorkebt, Den bei wei-
während des Jahres 1855. 291
tem grössten Theil der Arbeit nimmt eine sehr ausführliche und sorg-
sam angefertigte analytische Tabelle der Gattungen und Arten ein. Was
die ersteren betrifft, so nimmt der Verf. nur die oben genannten fünf
an, wiewohl er zugiebt, dass eigentlich nur Miris und Phytocoris ge-
nügend abgeschlossen, dagegen Lopus und Capsus viele heterogene
Elemente enthalten, deren Sonderung jedoch grosse Schwierigkeiten
mit'sich bringt. Zur leichteren Vebersicht und Bestimmung der sehr
zahlreichen Capsus-Arten werden innerhalb dieser Gattung fünf Ab-
theilungen gebildet, denen auch eigene Namen beigelegt sind. Bei
der ersten Abtheilung, welcher schon von Hahn (obwohl nicht in
derselben Ausdehnung) der Name Cyllecoris gegeben worden ist, er-
scheint der Vorderrücken lang und ist entweder durch eine deutliche
Querfurche getheilt oder mit zwei Höckern versehen; er ist vorn
ohne ringförmigen Wulst. Bei den übrigen vier Abtheilungen ist der
Vorderrücken ohne Querfurche und ohne Wülste; mit schmalem, ring-
förmigen Wulst am Vorderrande ist, .er bei. Deraeocoris Kirschbaum
(mit zwei Zellen in der Membran) und bei Monalocoris Dahlbom (mit
einer Zelle); ohne diesen Wulst bei. Leptomerocoris und Eurymero-
eoris Kirschbaum , erstere ‚mit wenig verdickten und kaum breitge-
drückten, letztere mit besonders beim Weibchen sehr verdickten und
breitgedrückten Hinterschenkeln. In die analytischen Tabellen zur
Bestimmung der Arten sind ausser den bekannten auch eine Anzahl
neuer Species aufgenommen, die jedoch am Schlusse der Arbeit noch
ausserdem einer, ausführlichen Beschreibung unterworfen werden;
dieselben sind: Lopus nasutus, Phytocoris dımidiatus, pini und minor,
Capsus (Cyllecoris) quadriguttatus, (Deraeocoris) medıus und lucidus,
(Leptomerocoris) confusus, einnamoplerus, fuscescens, striola, viridiner-
vis, strüicornis, diaphanus , flavinervis und leptocerus, (Eurymerocoris)
sordidus, ochröleueus, concolor, chloropterus, oculatus , suleicornis, ob-
scurüs, juercus, simillimus, betulae, diminutus, albicinctus, salicis, fulvi-
pennis und atropurpureus, , Ueber mehreren der bereits bekannten Ar-
ter werden am Schlusse. der Tabelle noch nähere Bemerkungen, die
Synonymie betreffend, gegeben und die ganze Arbeit mit einem alpha-
betischen Register ‚beschlossen.
Neue Arten von Stal aus dem Kalfernlande (a. a. O.) sind :
Sphinctothorax leucophaeus, Phylocoris hollentollus, Capsus siraminico-
lor, obscuricornis, incomparabilis, ostentans und histricus. — Aus an-
deren Ländern (ebenda p. 186f.): Resthenia dimidiorufa aus Brasilien,
Capsus vitripennis und sobrinus von Java, maculiceps und nilens aus
Südfrankreich, thoracatus von Java, Miris Hedenborgi von Rhodus.
Membranncei, Tropidocheila morio Stal ist eine neue Art
aus Brasilien (a. a. O: p. 187), Zosmenus dilutus, Phyllontocheila Wahl-
bergii und alaticollis, Tropidochela ornatella, Physatocheila Natalensis,
959 Gerstaecker: Bericht ‘üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Elasmognathus Fieberi, Brachyrrkynchus caffer und Acanthia villosa
desselben neue Arten aus dem Kallernlande (ebenda).
Reduvini. Stal stellte (a. a. O. p. 187 1.) eine neue Gat-
tung Haematochares auf; der Kopf ist länglich mit ziemlich kurzem
Halse, die Fühler kürzer als der Körper, gleich dick, fünfgliedrig,
das erste Glied sehr kurz, die Spitze des Kopfes nicht überragend,
das zweite von Kopflänge, das dritte mehr als um die Hälfte kürzer
als das zweite, das vierte mehr als dreimal so lang als das drilte;
der Thorax vorn um die Hälfte schmaler als hinten, unbewehrt, in
der Mitte leicht zusammengeschnürt, die Hinterwinkel gerundet; das
Schildchen unbewehrt, die Vorderschenkel etwas dicker als die übri-
gen, die Tarsen dünn. Eine Art: H. obscuripennis von Sierra Leona.
— Ausserdem beschrieb derselbe folgende neue Arten: Kasahus fla-
vipes aus Brasilien, Pirates atrox von Java, Acanthaspis flavipes von
Tranquebar , bimaculata von Java, ornata aus Ostindien (2), ochropus
Minas Gera&s,, crudelis von Sierra Leona, Reduvius pallidus aus Süd-
Russland , thoracicus von Rhodus, dorsalis aus Nubien, annulatus und
Physorhynchus erudelis von Sierra Leona, lanius von Java, Apiomerus
lanius von Minas Geraes, flavipennis aus Columbien, Pristesanchus Af-
zelii von Sierra Leona, Harpactor armipes von Taprobana, Hedenborgi
von Rhodus, Euagoras trimaculicollis und nigricornis aus Brasilien,
trux von Sierra Leona, Isocondylus fuscipes aus Mexiko, Zelus albo-
annulatus aus Columbien.
Eine fernere neue Gattung desselben, auf eine neue Art vom
Kaffernlande gegründet, ist Oncylocotus Stal (a. a. O.); der Kopf ist
vor den Augen kegelförmig hervorgezogen, in der Nähe derselben
blasig aufgetrieben; die Augen selbst gross, hervorragend; die Füh-
ler kaum länger als Kopf und Thorax zusammengenommen, dick, das
erste Glied schr klein, die Spitze des Kopfes nicht überragend, die
übrigen unter sich gleich lang; der Rüssel um ein Dritttheil kürzer
als der Kopf; der Thorax vorn schmaler, nahe der Mitte zusammen-
geschnürt; die Deckflügel von Hinterleibslänge, ohne Membran; die
Beine mittelmässig, die Vorderschenkel verdickt, die Vorderschienen
gegen die Spitze allmälig erweitert, an der Spitze abgestutzt, die Vor-
dertarsen dicker und kürzer als die hinteren. Eine Art: O. nasutus.
— Fernere neue Arten vom Kallernlande sind: Pirates ochripes , tri-
fenestratus, maurus, rubrieosus, Metastemma perpulchra, puerilis, Glym-
matophora submelallica, morio und rubripes, Nabis caffra, Acanthaspis
bicolorala, rubricosa, ochracea, obscura, cocnosa und quadrisignala,
keduvius nigrofuscus, fuscofemoralus, flavoannulatus, Opinus ochripes,
Pkonergates bicoloripes, Clopophora basilica, limbiventris, Physorrhynchus
bigemmis, patricius und Natalensis, Cleptria cinctiventris und marginipen-
nis, Pantoleistes princeps, Harpactor cinnabarinus, minialus, sobrinus,
scenicus, nigripes, sedulus, tibialis, vapaz, gracilis, latro, patruelis, pu-
während des Jahres 1855. 293
berulus, dimidiatus, caffer , Natalensis, venans, fascivenlris, venustus,
tristis, carbonarius, pullus, ochripes, albopunctalus und nanus, Harpa-
gocoris nigronitens, Phonoctonus nigrofasciatus, Arilus pilipes und atroz,
Sphagiastes horrificus, Laphyetes pellidus, Zaica Wahlbergiü, Oncocepha-
lus annulipes, canvellatus und sordidus, Stenopoda caffra und capensis,
Tribelocephala boschjesmana , Rhapidosoma ambulator, carinalum, eir-
cumvagans, Lopodytes grassator, Emesa Wahlbergii und gracilis.
Remarks on two species of American Cimex, by J. Le Conte
(Proceed. of the acad. of natur. scienc. of Philadelphia VII. p. 404)
enthalten die Beschreibung zweier neuen Arten: Reduvius pungens,
dem Europäischen R. personatus sehr ähnlich, und Conorrhinus san-
guisuga, beide aus Georgien.
Pioteres. Hydrometra ambulator, Tenagogonus albovillatus
und Velia albidotincta Stal (a. a. O.) sind neue Arten vom Kaffern-
lande, Piilomera Cingalensis desselben eine neue Art von Taprobana.
Galgulini. Mononyz limigenus (?) und Pelegonus caffer Stal
sind neue Arten vom Kaffernlande (a. a. O.).
NWepini. Me&moire sur une nouvelle espece de Belostoma (B.
algeriense) et r@llexions sur ce genre d’Hemipteres aqualiques, par
M. L&on Dufour. (Memoires de la societ@ royale des sciences de
Liege, TomeX. p. 186—198. Pl. 1.) Was zunächst die Art betrifft,
welche der Verf. hier unter dem Namen Belostoma algeriense be-
schreibt und abbildet, und die sich von den übrigen Arten der Gat-
tung auffällig durch doppelte Klauen an den Vordertarsen unterschei-
det, so ist dieselbe nicht neu, sondern schon von Spinola in seiner
Tavola sinottica degli insecti etc. (1850) unter dem Namen Hydrocy-
rius Colombiae und kürzlich auch von Stal als Ilyotrephes herculeus
beschrieben worden. Das Insekt, welches wegen seiner bedeutenden
Grösse und seiner scharf ausgeprägten Charaktere nicht leicht zu
verkennen ist, hat gerade wie die Belostomen eine kosmopolitische
Verbreitung, indem Spinola es aus Columbien, Stal aus Süd-Afrika,
das hiesige Museum vom Senegal erhielt; und sowohl dieses Moment
als die ungemeine Aehnlichkeit mit Belostomum könnte zu der Ver-
muthung Anlass geben, dass die zwischen beiden bestehenden Un-
terschiede nur sexueller Natur sind. — Was den weiteren Inhalt
der Dufour’schen Abhandlung betrifft, so giebt der Verf. eine ins
Einzelne gehende Darstellung des Belostomen-Körpers und zwar mit
besonderer Berücksichtigung der Unterschiede, die zwischen seinem
B. algeriense und B. indieum Am. Serv. existiren. Solche finden sich
u. a. auch in der Fühlerbildung; bei beiden Arten senden das zweite
und dritte Fühlerglied einen langen, sichelförmig gekrümmten Ast aus;
das vierte ist bei B. algeriense länglich, ebenfalls sichelförmig, aber
ungetheilt, bei B. indieum dagegen an der Spitze gespalten und nahe
der Basis ebenfalls mit einom gebogenen Asto versehen. lHliermit im
294 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Zusammenhange scheint die verschiedene Form der Fühlergrube zu
stehen ; sie ragt in beiden Fällen von unten her tief in das Innere
des Auges hinein , ist aber bei B, algeriense trichterförmig, bei B.
indieum kuglig. — Ein recht auffallender Unterschied zwischen B.
algeriense und indicum soll nach Dufonr. ferner. darin bestehen,
dass sich bei ersterem ‘an der Bauchfläche des Abdomens jederseits
fünf Stigmata finden, welche bei letzterem fehlen. (Diese Angabe ist
unrichtig: die Stigmata sind auch bei B. indieum vorhanden, aber frei-
lich mehr verborgen als bei B. algeriense ; sie, liegen weiter nach
aussen gerückt, -unmittelbar ‚unter dem Rande der mittleren Bauch-
platten, da wo diese an den ‚behaarten Seitenstreif anstossen.) Sowohl
die Form dieser Stigmata als die Struktur der beiden Endlamellen des
Abdomen, welche hier keine Beziehung zur Respiration zu haben
scheinen, unterwirft der Verf. einer ausführlichen Beschreibung. —
Auf der beigefügten Tafel ist eine Abbildung des genannten. Insekts
so wie mehrerer einzelner Theile desselben gegeben.
Stal beschrieb (a. a. O0.) als neue Arten vom. Kaffernlande:
Naucoris limicola, Diplonychus coenosus und Ilyotrephes herculeus ;
letztere Art ist, wie schon oben erwähnt, mit Hydrocyrius Colombiae
Spinola identisch. .— Ferner: Zaitha lutaria unbekannten Vaterlands.
NWotoneectici. Neue Arten von Stal aus dem Kaffernlande
sind: Anisops Natalensis, perpulcher , apicalis, Notoneeta sobria und
Ploa pullula; eine neue Art aus Neu-Holland ist: Notonerta australis.
Stridulantia. Bei der grossen Veränderlichkeit sowohl in
Farbe als Zeichnung, welcher die einzelnen Cicaden-Arten unterwor-
fen sind, war es ein dankenswerthes Unternehmen von Hagen, die
Europäischen Singeicaden einer kritischen Bearbeitung zu unterwer-
fen ; dieselbe ist in ihrem ersten Theile in der Entom, Zeit. $.340 ff.
enthalten. Der Vergleich eines sehr beträchtlichen Materials, worun-
ter zugleich zahlreiche typische; Exemplare, ‚die ausgedehnte. Lite-
raturkenntniss und die musterhafte Untersuchungsweise des Verf. bie-
ten hinreichende Bürgschaft für die Vorzüglichkeit der Arbeit, wel-
che den ihr zu Grunde liegenden Stoil nach allen Seiten hin in er-
schöpfender Weise behandelt. Bei der Unzuverlässigkeit der Farbe
und Zeichnung, zur sicheren Unterscheidung der Arten hat der Verf,
es sich angelegen sein lassen, sein Augenmerk auf das Auffinden von
Form-Unterschieden zu richten und es ist ihm gelungen, solche im
Geäder der Oberflügel, in ‘der Form des Prothorax - Randes, in der
Form und Grösse der Stimmdeckel beim Männchen, in ‚den. letzten
Bauchsegmenten des Männchens, endlich in der Form und Stellung
der männlichen Geschlechtsorgane festzustellen. In Betreff des Flü-
gelgeäders, so ist es besonders die Basalzelle der Oberilügel, welche
leicht fassliche Unterschiede darbietet und zur Abtrennung von Grup-
pen vortheilhaft angewendet werden kann. Sie ist bald oblong (C.
während des Jalıres 1855. 295
tibialis, haematodes),, bald kaum länger als breit (C. orni), bald fast
quadratisch (C. plebeja). Hiernach und zugleich mit Berücksichtigung
des Ursprungs der beiden Sektoren stellt der Verf. fünf Gruppen un-
ter den Europäischen Singeicaden auf. Die übrigen Merkmale sind
besonders zur Sonderung und Feststellung der einzelnen Arten von
Belang, deren Synonymie, geographische Verbreitung, Lebensweise
u.s. w. vom Verf, ausführlich behandelt werden. In dem bis jetzt vor-
liegenden Theil der Arbeit sind von Arten nur C. haematodes Scop.,
tomentosa Oliv. und plebeja Scop. abgehandelt; über die Fortsetzung,
die im folgenden Jahrgange der Entom. Zeit. enthalten ist, wird der
nächste Bericht melden.
Von Stal (a. a. 0. p. SI ff.) wurden folgende neue Arten vom
Kaffernlande beschrieben: Platypleura Wahlbergüi, Oxypleura sobrina
und patruelis, Cicada Cereris, fusconervosa, pulchella, abdominalis ,
nigricans, luctuosa, longula und elongata.
Desor, Sur l’apparition reguliere des cigales en Amerique
(Bulletin de la soc. des science. natur. de Neufchatel III. p. 68). ‘Der
Verf. bestätigt in dieser kleinen Notiz abermals die Angabe Linnes,
wonach die Nord- Amerikanische Cicada septemdeeim immer nur in
Zeiträumen von 17 zu 17 Jahren erscheint. Diese Periode soll so genau
eingehalten werden, dass alle Zeitungen das Auftreten der Cieade schon
im Voraus verkündigen. Dennoch erscheinen sie in demselben Jahre
nicht an allen Orten, denn im J. 1845 traten sie im Nord-Osten des
Staates New-York, 1849 im Norden desselben, 1850 in New - Yersey
und im Nord - Osten Pensylvanien’s, 1851 in Nittel- und Süd - Pen-
sylvanien, Maryland, Georgien und Virginien auf. — Dieser Wech-
sel der Lokalität mag wohl bei fortgesetzten Beobachtungen näheren
Aufschluss über das periodenweise Erscheinen der genannten Art
geben, denn mit Desor anzunehmen, die Larve lebe 17 Jahre lang,
wäre wohl mehr als gewagt.
Fulgorellae. Mehrere neue südfranzösische Arten wurden
von Mulsant und Rey (Annales de la soc. Linneenne de Lyon II.
p-197 ff.) beschrieben; zwei derselben bilden neue Gattungen: 1)
Conosimus n.g. zur Gruppe Issides Am. Serv. gehörig; “Körper läng-
lich eiförmig, Scheitel leicht quer, vorn stumpf eckig, Stirn länglich,
dreikielig, Augen gerundet, nicht ausgerandet, Ocellen nicht sichtbar,
Deckflügel an den Seiten leicht bucklig, Hinterllügel fehlen, Beine
kurz, fein stachlig.“ Art: C. caelatus von Hyeres. — ?) Peltonotus
n. g. aus derselben Gruppe; „Körper dick, fast eylindrisch, Scheitel
quer, vorn abgestutzt, Stirn breit, dreikielig, Augen quer eiförmig,
Oeellen nicht sichtbar, Prothorax vorn schildförmig erweitert, Schild-
chen sehr gross, von der Breite des Thorax, Decklügel abgekürzt,
dreikielig, fast gleich breit, Hinterlügel fehlen, Beine kurz, fein
stachlig.* Art: P. raniformis aus den Busses=-Alpes. — Die neuen
296 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Arten sind : Dietyophera multireticulata von Lyon, Delphaz tuberipen-
nis von Nimes, Hysteropterum maculifrons aus der Provence , Tettigo-
melra sulphurea von Nimes und impressifrons von Languedoc.
Von Stal wurden (a. a. O.) folgende neue Arten aus dem
Kaffernlande beschrieben: Hypselometopum sumptuosum, Simolettix Wahl-
bergii, Pseudophana vinula, caffra, apicemaculata, Natalensis, casta,
Cereris, Strongylodemas circularis, Cizius selinervis, albipennis und
variegalus mit dreiriefigem Thorax, hottentottus, Natalensis, caffer,
fasciolatus, fuscipennis, moestus mit fünfriefigem Thorax, Embolophora
monoceros, Delphar vilticollis und lugens, Rhinotettix fuscipennis, Am-
blycotis laticeps, Hapalomelus flavipes, Tropidocephala flaviceps, Derbe.
Wahlbergii, nalalicola und lanius, Issus compressus, Colobesthes Wal-
keri, bellulus, Acromelopon costalipenne,, Phalaenomorpha mira, Rica-
nia zonala, lugens, Cystingocephala marginelineata und Tettigomelra
patruelis.
Ferner von demselben (a. a. 0.) aus verschiedenen Ländern:
Aphana resima aus Ostindien, Poeocera semipellueida , rubriceps und
sepulchralis aus Brasilien, Poeeiloptera sobrina von Sierra Leona, ar-
giolus unbek. Vaterl., Derbe albicans aus Brasilien; furcatoviltatu von
Java, Hemisphaerius Schaumi von Taprobana, und Eurybrachys rufiven-
tris aus Neu-Holland.
Signoret characterisirte (Bulletin de la soc. entomol. III. p. V)
eine neue Art der Gattung Phrictus aus Venezuela unter dem Namen
Phr. ocellatus, dem Phr. diadema Linn. ähnlich, aber durch abwei-
chende Dornen des Kopffortsatzes unterschieden; ferner Lystra hypoleuca
n. sp. ebenfalls aus Venezuela, mitL. auricoma Burm. nahe verwandt.
Murchison wies (Proceedings of the Linnean society 1855.
p. 379 1.), in einem Aufsatze: „Notes on the white secrelion of the
Flata limbata and on its relation to the Insect-White-Wax of China“
nach, dass die im Handel unter dem Namen „Weisses China-Wachs“
verbreitete Substanz wirklich das Produkt von Flata limbata sei und
nicht, wie Hanbury behauptet, von Coceus Pela und sinensis Westw.
erzeugt werde. Die Häufigkeit der Flata in China, so wie die Ue-
bereinstimmung der mikroskopischen Struktur der wachsarligen An-
hänge des Körpers mit dem China-Wachse stellt dies ausser Zweifel.
Membracina. Neue Arten von Stal (a. a.0.) sind: Cen-
trotus validicornis, bilinealus, spinicornis und quadripunctatus aus dem
Kaffernlande.
Cicadellina. Signoret hat seine schön ausgestattete „Re-
vue iconographique (des Teltigonides“ in den Annales de la soc. entom.
de France T. III. mit vier neuen Fortsetzungen (p. 49—60, 225—240,
507—528 und 765-832) nunmehr beendigt. Es sind darin die vier
letzten vom Verf. angenommenen Gruppen der Gattung abgehandelt,
während des Jahres 1855. 297
nämlich die zweite Gruppe mit 47, die dritte mit 9, die vierte mit 5
und die fünfte mit 9 Arten. In einem Nachtrage beschreibt der Verf.
ausserdem 50 neue Arten, welche ihm nach Beginn seiner Arbeit aus
verschiedenen Sammlungen zugekommen und von denen die meisten
dem hiesigen Museum entlehnt sind; 17 Arten früherer Autoren, die
ihm aus eigener Anschauung nicht bekannt sind, werden schliesslich
noch namhaft gemacht, so dass sich die Zahl der bis jetzt bekannten
Tettigonia-Arten im Ganzen auf 396 stellt. Es wäre nicht ohne In-
teresse gewesen, die geographische Vertheilung der Arten auseinan-
derzusetzen, um zu zeigen, wie unendlich reich Süd-Amerika gegen
alle übrigen Länder damit versehen ist. — Die in dem vorliegenden
Theile der Arbeit enthaltenen Arten sind wie früher sämmtlich auf 5
sorgsam ausgeführten Tafeln dargestellt. Ein sich über alle Arten
der Gattung erstreckendes Namens - Register erleichtert das Auffinden
derselben in den verschiedenen Bänden der Annales, indem es zu-
gleich auch auf die dazugehörigen Abbildungen verweist.
Von Mulsant und Rey wurden (Annales de la soc. Linneenne
de Lyon II. p. 213 ff.) neben mehreren neuen südfranzösischen Arten
auch drei neue Gattungen dieser Familie charakterisirt: 1) Chias-
mus n. g. „Körper länglich, Scheitel dreieckig, Stirn länglich, fast
gleich breit, Augen gross, quer, Ocellen deutlich, Prothorax kurz,
quer, SchildeLen dreieckig, Deckflügel an der Spitze ausgebuchtet,
sich kreuzend, Beine verlängert, gedornt.* Art: Ch. translucidus von
Marseille. — 2) Stegelytra n. g. „Körper dick, hinten zusammenge-
drückt, Kopf stumpf dreieckig, Scheitel ausgehöhlt, Stirn verlängert,
fast gleichbreit, Augen gross, hinten über die Scheibe des Thorax
verlängert, Ocellen deutlich, nach vorn gerückt, Prothorax kurz, quer,
Schildchen gross, dreieckig, Decklügel nach hinten ansteigend mit
erhabener Naht, Beine verlängert, stachlig.« Art: St. alticeps aus
der Provence, — 3) Proceps n. g. „Körper verlängert, fast linear, Kopf
verlängert, sehr spitz dreieckig, Stirn verlängert, an der Spitze leicht
verschmälert, Augen gross, fast eiförmig, quer, Prothorax kurz, quer,
Schildchen dreieckig, Deckflügel verlängert, hinten sich ein wenig
kreuzend und nach aussen umgeschlagen, Beine verlängert, stachlig.“
Art: Pr. acicularis von Hyeres, (Die charakteristischen Formen des
Kopfes dieser Gattungen sind auf einer beifulgenden Tafel abgebildet.)
— Die neuen Arten sind: Piyelus notatus aus der Provence, Bytho-
scopus usiulatus von I.yon, ocularis von Ilyeres, sinuatus von Marseille,
Jassus cyclops aus der Provence, haemaloceps (!!) von Hyeres, didy-
mus von Bresse, Alhysanus quadrinotatus von Beaujolais, Deltocepha-
lus medius von Lyon, lutews aus den Basses Alpes, Typhlocyba luna-
ris, bisignata und rorida von lly&res, stigmalipennis, nivea und pun-
elulum von Avignon.
Stal beschrieb (a. a. O0.) als neue Arten: Monecphora posti-
298 Gerstaecker: Bericht üb. d, Leistungen in d. Entomologie
cala aus Brasilien, Tettigonia rubrotaeniata aus Honduras, cinctoviltata,
Drewsenii und sexpustulata von Minas Geraös, sulurella von Manila
und Thamnotettix malaya von Malacca.
Ferner aus dem Kaffernlande : Rhinaulax lugens, Monecphora
fascicollis, rubida, postiea,, funebris, vwbella und vidua , Aphrophora
africana, ‚Piyelus Linnei, Fabricii, hottentottus, hyalinipennis, actuosus,
Natalensis, umbrosus, latiusculus, prolizus, peragrans, Tettigonia Signo-
relii und actwosa, Bohemania (neu eingeführter Name für den schon
vergebenen Euryprosopum Stal), sobrina und patruelis, Penthimia vi-
nula und bella, Acocephalus punctiger, vilticollis, misellus, blennus, fu-
nebris, viduus, Selenocephalus decurtatus, Coelidia lineoligera,, fuscova-
ria, Platymetopus rubrolineatus, Deltocephalus flavovirescens, Jassus
rorulenlus, amoenus und dilectus, Athysanus severus und capieola, By-
thoscopus olivacescens und bimaeulieollis.
Psyliodes, Mink machte (Entomol. Zeit. p. 370) eine
zweite Europäische Art der Gattung Livia aus der Umgegend Cre-
feld’s unter dem Namen Livia Crefeldensis bekannt; sie weicht von
L. juncorum auffallend in der Fühlerbildung ab. Die beiden ersten
Fühlerglieder sind nämlich nur wenig untereinander verschieden und
das zweite nur ein Dritttheil so lang als die acht folgenden zusam-
imengenommen. Die Art ist häufig an nassen Orten im Grase.
Heeger beschrieb (Sitzungsberichte d. Akad..d. Wissensch. zu
Wien XVII. p.43 ff.) die Naturgeschichte einer neuen Art: Psylla
suceinota, welche nebst ihren Entwickelungsstadien auf Taf. 4 abge-
bildet ist; sie lebt auf Ruta graveolens.
Aphidina, Von C. L. Koch's „die Pflanzenläuse, Aphiden,
getreu nach dem Leben abgebildet und beschrieben“ sind in diesem
Jahre drei neue Hefte (5. bis 7.) erschienen. In diesen werden die
Arten der Gattung Aphis, im Ganzen 72, zu Ende geführt und ausser-
dem folgende Gattungen abgehandelt: Siphonophora Herr. - Sch, mit
36 Arten, Drepanosiphum mit 4 Arten, Callipterus mit 11 Arten, Dryo-
bius mit 2 Arten und Lachnus mit 3 Arten. Wie in den früheren
Lieferungen sind sämmtliche beschriebene Arten recht naturgetreu ab-
gebildet.
Coceinas Heeger erläuterte (Sitzungsberichte der Akad.
d. Wissensch. zu Wien XVII. p. 33.) die Naturgeschichte und die
ersten Stände von Aleurodes immaculata Steph., oder wenigstens von
einer Art, die er für diese zu halten geneigt ist, da sie auf Hedera
helix lebt. Sie ist mit Aleurodes- chelidonii Latr. nahe verwandt,
unterscheidet sich aber im vollkommenen Insekt durch den Mangel
der grauen Makeln auf den Flügeln und im Larvenzustand durch zahl-
reiche kurze Dornen sowohl am Seitenrande als auf dem Rücken. Die
verschiedenen Entwickelungsstadien sind auf einer beifolgenden Tafel
abgebildet.
- während des Jahres 1855. 299
2. Myriapoden,
Ueber die Geschlechtsorgane und die Entwickelung der
Myriapoden hat M. Fabre in einer Abhandlung: „Recherches
sur l’analomie des organes reproducteurs et sur le develop-
pement. des Myriapodes“ (Annales des seiences nalurelles,
T. UI. ‚p. 257—316) werthvolle neue Untersuchungen ange-
stellt und dadurch die früheren von Treviranus, Stein
Gervaisu. s. w. gemachten Beobachtungen zum Theil be-
stätigt und in mehrfacher Hinsicht erweitert.
In Betreff der weiblichen Geschlechtsorgane der Chilognathen bestä-
tigt der Verf. das Vorhandensein zweier (varien, wie sie von Stein,
Treviranus u.a. gefunden worden sind; dass Newport und v. Sie.
bold nur ein einziges gefunden haben, rührt daher, dass sie den aller-
dings nur einfach yorhandenen Sack (Sac ovarique des Verf.), in welchem
die beiden Ovarien eingeschlossen sind, für letztere selbst angespro-
chen haben. Dass in der That zwei von einander getrennte Ovarien
existiren, lässt sich sehr deutlich bei Craspedosoma nachweisen, wo
jedes in einen einzelnen Sack eingeschlossen ist. Receptacula semi-
nis sind dem Verf. bei Craspedosoma zu zweien, bei Polyxenus zu
einem aulgestossen ; sie fehlen dagegen bei Glomeris, Julus, Poly-
desmus ; die beiden kleinen Drüsen, welche Stein bei Julus als sol-
che ansieht, haben nach F. eine andere Bedeutung. Die äussere Ge-
nitalöffnung, welche bei allen Chilognathen zwischen dem zweiten
und dritten Körperringe liegt, zeigt zwei Modifikationen; bei Glomeris
und Polyxenus liegen die Vulvae frei und haben die Form einer
Warze, die dicht hinter der Wurzel des zweiten Fusspaares liegt; bei
Polydesmus, Julus und Craspedosoma liegen sie in einer Grube (Fos-
seite genitale) versteckt, so dass sie bei Zusammenziehung des Thie-
res ganz und gar zurücktreten, indem dann die beiden Lippen der
Grube hermetisch aneinanderschliessen. Im Grunde dieser Grube zei-
gen sich zwei gelbliche Körper von abgestulzt konischer Form, die
das Ihier aus- und einziehen ‚kann; in ihrem Innern verläuft ein
Gefäss, das bei Polydesmus die Form eines dünnen, geschlängelten
Canals, bei Julus die einer Ampulle hat; die Bedeutung dieses Ge-
fässes ist dem Verl. unbekannt. — Die männlichen Chilognathen ha-
ben stets nur einen einzelnen sehr langgestreckten Hoden, der hei-
derseits mit gestielten Bläschen besetzt ist; so ist es bei Glomeris,
wo von Stein irrthümlicher Weise zwei angegeben werden; bei
Polydesmus und Julus besteht er aus zwei seitlichen Strängen, die
durch kurze quere Canälchen verbunden werden, so dass gleichsam
das Bild einer Leiter hervorgerufen wird. Besonders zu erwähnen
p
ist auch, dass der Verf, bei Craspedosoma sehr bewegliche, capil-
300 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
läre Spermatozoen beobachtet hat, während bei den übrigen Gattun-
gen bisher nur kurze, spindelförmige und bewegungslose gefunden
worden sind. Sehr interessant sind die Beobachtungen, welche der
Verf. über den Coitus bei Julus und Polydesmus angestellt hat; es
war nämlich eine bisher unerklärte Erscheinung, dass die Ausfüh-
rungskanäle der Hoden in den zweiten Leibesring münden, während
die männlichen Copulatiousorgane am siebenten hervortreten. Das Männ-
chen nähert nun, bevor es das Weibchen besteigt, durch Windungen
des Körpers sein siebentes Körpersegment dem zweiten und nimmt
mit den Copulationsorganen einen Tropfen Samenflüssigkeit, der aus
den Oeffnungen des letzteren hervortritt, auf; sodann vollzieht es den
Coitus, indem es die Ruthen des siehenten Segmentes in die weibli-
chen Vulvae (am zweiten Segmente gelegen) einsenkt. Die Dauer
des Coilus beträgt eine Viertelstunde und zwar wird er sowohl von
Männchen als Weibchen zu wiederholten Malen mit anderen Indivi-
duen vollzogen. — Das Wachsthum und die allmähligen Formverän-
derungen von Julus, Polydesmus, Polyxenus und Glomeris, wie sie
nach den verschiedenen Häutungen auftreten, hat der Verf. eben-
falls durch fleissige Beobachtungen verfolgt und die bisher noch be-
stehenden Lücken in der Kenntniss dieser Verhältnisse vollständig aus-
gefüllt; die Einzelnheiten hier anzulühren verbietet der Raum und
müssen wir deshalb den Leser auf die vom Verf. recht übersichtlich
in einer Tabeile zusammengestellte Zunahme der Beine und Körper-
segmente verweisen.
Bei den Chilopoden ist im Gegensatze zu den Chilognathen das
Ovarium einfach, übrigens ebenfalls in einen Sack eingeschlossen ;
die Beobachtung Dufour's, dass bei Lithobius dieser „Sac ovarique“
innen durch eine Scheidewand getrennt sei und dadurch auch eine
Trennung in zwei seitliche Ovarien statifinde, hat der Verf. nicht be-
slätigt gefunden. Der Ovariensack endigt hinten bei Lithobius und
Scutigera in zwei Oviducte, die das Rectum einschliessen, bei Sco-
lopendra, Cryptops und Geophilus dagegen in einen einzigen. Ue-
berall finden sich zwei Receptacula seminis, aber nach den Gattun-
gen von verschiedener Form: nämlich keulenförmig und mit hakig
gekrümmtem Ende bei Sculopendra, birnförmig bei Cryptops, oval
oder sphärisch bei Geophilus. Von accessorischen Drüsen, die in den
unteren Theil des Ovidukts einmünden, sind bei Lithobius und Scu-
tigera zwei Paare, bei den übrigen Chilopoden nur ein Paar vorban-
den. Dass sie nicht, wie Straus-Dürkheim behauptet, mit der
Urinsekretion zusammenhängen, geht daraus hervor, dass sich bei der
Probe auf Murexid, die der Verf. wiederholt angestellt hat, niemals
eine rothe Färbung zu erkennen gab. F. glaubt, dass sie dazu die-
nen, um durch ihre Absonderung die Eier zu schützen und aneinan-
Jerzuhalten und besonders um den Zufluss des männlichen Samens
während des Jahres 1855. 301
zu befördern. (Weshalb finden sie sich dann aber auch beim Männ-
chen ?2) Ihre Form ist in der Regel länglich und aus vielen Läpp-
chen zusammengesetzt, sehr eigenthümlich bei Cryptops, wo sie zwei
lange feine Gelässe bilden, die an ihrer Innenseite eine grössere
Anzahl kleiner runder Bläschen, durch ziemlich grosse Zwischen-
räume getrennt, tragen. — Die ausführliche Darstellung, welche der
Verf. von dem Geschlechtsapparate der männlichen Chilopoden giebt,
enthält viele interssante Einzelnheiten,, weicht aber im Ganzen nicht
wesentlich von den Beobachtungen der früheren Autoren ab; von
Interesse ist das Vorkommen sehr voluminöser Spermatophoren (3 mill.
bei Scolopendra, 1 mill. bei Geophilus) und die nach den Gattungen
verschiedenartigen Aufrollungen der noch unentwickelten Spermato-
zoen, welche aus den beigegebenen Abbildungen aın Besten zu erse-
hen sind. In Bezug auf die Befruchtung der Chilopoden, die bisher
ganz im Dunkeln lag, ist die folgende Beobachtung des Verf. bemer-
kenswerth: er fand im September, zu welcher Zeit überhaupt die
Begattung sämmtlicher Myriapoden staltzufinden scheint, in einem
Behältniss, worin er zahlreiche Geophilus-Individuen beider Geschlech-
ter bewahrte, feine Netze in der Art von Spinngeweben und in der
Mitte jedes dieser Netze ein weisses Kügelchen; die mikroskopische
Untersuchung wies dasselbe als ein Samentröpfchen mit zahlreichen
Spermatozo@n nach. Da allen männlichen Chilopoden die Copulations-
organe fehlen, scheint die Befruchtung des Weibchens nur durch Auf.
nalıme dieser Samenkügelchen zu erlolgen. Den Schluss dieses, zwei-
ten Theils bilden wieder die Beobachtungen des Verf. über das Wachs-
thum der Chilopoden. — Die Arbeit ist mit 4 Tafeln ausgestaltet,
welche eine Darstellung des Genitalapparates der verschiedenen Gat-
tungen enthalten.
Peters hat die von ihm in Mossambique aufgefunde-
nen Alyriapoden in den Sitzungsberichten der Berliner. Aka-
demie der Wissenschalten 1855. p. 75—83 durch ausführliche
Beschreibungen bekannt gemacht; unter den 14 aufgezählten
Arten hat sich nur eine (Helerostoma Irigonopoda Leach) als
bereits bekannt ergeben, alle übrigen sind neu.
Aus der Familie der Chilognatha: Spirostreptus gigas, semilu-
naris, flavıfilis, siylifer, ornalus, dimidiatus, Spirobolus erassicollis, lu-
eluwosus, lolydesmus mossambicus und Strongylosoma aculeatum.
Aus der Familie der Chilopoda: Scolopendra mossambica, Piy-
chotrema (neu aulgestellter Gatlungsname für Branchiostoma Newp.)
afrum und Geophilus bilineatus.
Einige neue Arten aus der Umgegend von Avignon hat auch
Fabre in seinem oben erwähnten Aulsatze (Annales des sciences
naturelles T. Ill. p. 20V und 255) anhangsweise beschrieben.
302 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Es sind folgende: Julus aterrimas, 40—50 mill. lang, mit 47—
52 Körperringen, Geophilus ilicis (Männchen 80 mill., mit 96 Fuss-
paaren, Weibchen 70 mill., mit 72 Fusspaaren) und Geophilus 'convol-
vens (Männchen 62 mill., mit 66 bis 68 Fusspaaren, Weibchen 70 mill.,
mit 75—86 Fusspaaren).
3. Crustaceen.,
On Ihe homologies of the carapace and on Ihe structure
and function of Ihe anlennae in Cruslacea. By. C. Spence
Bate. (Annals and magaz. of natural history XVl. p. 36 ff.)
— Der Verf. bezieht sich in seinen Beobachtungen über den
Cephalotliorax und die Funktion der Fühler bei den Crusta=
ceen stels auf Milne Edwards, ohne die nach ihm er-
schienenen Arbeiten, z. B. die von Leuckart über die Ge-
hörorgane angestellten Beobachlungen, zu kennen und zu
berücksichligen. , Daher kommt es, dass seine Bemerkungen,
die an und für sich ganz richlig und das Ergebniss. recht
sorgfältiger Untersuchungen sind, nichts wesentlich Neues
enthalten, Er weist z. B. nach, dass die sogenannte Sutura
cervicalis stels die Gränze zwischen dem dritten und vierten
Körp iringe bildet, d, h. das unlere Anlennen-Segmen! von
dem Mändibularsegment trennt, und dass sie bei den Macrou-
ren auf der Oberfläche, bei den Brachyuren dagegen auf der
Unterseite des Cephalolhorax liege. Dass die inneren Fühler
dem Gehöre, die äusseren dem Geruche dienen, weist er
hauptsächlich aus Wahrscheinlichkeitsgründen nach; in den
ersteren will er ein Analogon der Cochlea bei den höheren
Thieren gefunden haben, welches jedoch aus harter, kalkar-
tiger Substanz besteht; das von Leuckart beobachtete häu-
tige Bläschen scheint ihm nicht aufgestossen zu sein. — Die
vom Verf. besprochenen Verhältnisse sind auf Taf. 1 und 2
durch eine Reihe von Abbildungen versinnlicht worden.
Dana hal die Resultate seiner Untersuchungen über
die geographische Verbreilung der Crustaceen, welche in der
United Stales exploring expedilion ausführlich dargelegt sind,
auszugsweise in Silliman’s American Journal of science and
arts, Vol. XIX. p. 6 und Vol. XX. p. 165 und 349 ff. milzu-
theilen fortgefahren. Da Ref. im letzten Jahresberichte nur
einige Nolizen über die Verbreitung der Decapoden wieder-
während des Jahres 1855. 303
geben konnte, mögen hier auch die niedrigeren Ordnungen,
welche in den vorliegenden Abschnillen behandelt sind, eine
kurze Berücksichtigung finden, zumal das ausführliche Werk
wegen seiner Kostspieligkeit und Seltenheit wohl Wenigen
zugänglich sein möchte. — Der Verf. verbreitet sich (a. a. 0.
Vol. XIX) zunächst über die von ihm angenommenen Abthei-
lungen der Tetradecapoda und Entomostraca, d. h. über alle
Krebse, die nicht Podophthalmen sind, und betrachtet ihre
Vertheilung nach der geographischen Breite. Sodann (a. a.
0. Vol. XX) stellt er die Anzahl der Arten, wie sie sich auf
drei von ihm angenommene Verbreilungsbezirke vertheilen,
zusammen; diese Bezirke sind: 1) die Küsten und Meere
Amerika’s; 2) die Küsten Europa’s und West-Afrika’s von
Grönland bis zum Cap Horn; und 3) die Küsten des Indi-
schen und stillen Oceans (mit Ausnahme der Küste Ame-
rika’s). Endlich wird noch ein Vergleich der Cruslaceen-
Fauna verschiedener Lokalilälen angestelll und diejenigen
Arten, welche an mehreren Orten zugleich vorkom ul-
gezählt, hieran auch zugleich die Diskussion der
Wanderung oder gleichzeitige Entstehung an mehr
ten der Erdoberfläche geschlossen.
Die Vertheilung der Isopoden und Amphipoden nach geo-
graphischen Breite steht im geraden Gegensatze zu derjenigen der
Decapoden; war bei letzteren ein Zunehmen der Arten gegen den
Aequator in starkem Grade bemerkbar, so zeigen sich die Hedrio-
phthalmen in weit grösserer Anzahl ausserhalb der Tropenzonen. Nimmt
man auch an, dass die nördlichen Meere auf diese meist kleineren
Thiere bei weitem sorgfältiger untersucht sind, so ist das Verhältniss
von 521 aussertropischen zu 146 tropischen Arten doch schon ein
sehr schlagendes für den Reichthum der kälteren Zonen. Bemer-
kenswerth ist auch die Armuth an eigenthümlichen Gattungen in den
Tropen, indem z. B. von 49 Isopoden-Gattungen nur 19 den letzte-
ren und sogar nur 4 ihnen ausschliesslich zukommen; ebenso enthalten
von 50 Gammariden-Galtungen nur 17 zugleich tropische Arten und 9
derselben sind den Tropengegenden ausschliesslich eigen. Unter den
Isopoden sind die Jdotaeiden die entschiedensten Kaltwasser - Bewoh-
ner, denn sie sind achimal so stark in den aussertropischen Gegenden
verireten; die Oniscoden dagegen nur siebenmal, die Cymothoaden
sogar nur etwas mehr als doppelt so stark. Die Sphaeromier sind fast
durchweg auf das kalte Wasser, die Hyperiden dagegen zumeist auf
die Tropen beschränkt, Zugleich ist es für Isopoden und Amphipoden
304 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
bezeichnend, dass die grössesten Arten nicht in den Tropen, sondern
mehr im Norden vorkommen und dass hier zugleich die Individuen-
Anzahl in der Regel eine viel beträchtlichere ist. Die Behauptung
des Verf., dass für den Norden eine stachlige Oberfläche der Körper-
bedeckung sowohl bei den Amphipoden als auch bei den Podophthal-
men charakteristisch sei, muss Ref. bestreiten; die Palinuren, welche
unter, den Macrouren die stachligsten sind, zeigen sich gerade als
recht eigentliche Tropenbewohner und unter den Oxyrrhynchen sind
wohl ebenso viel, wenn nicht mehr recht stachlige Gattungen den
Aequatorialgegenden eigen. — In Betreff der Entomostraceen lassen
sich bis jetzt noch so gut wie gar keine genügenden Ansichten über
ihre Verbreitung gewinnen, da ihr Vorkommen noch zu wenig er-
forscht ist; bei den Cyelopiden, welche Dana besonders stark be-
reichert hat, stellt sich ein entschiedenes Ueberwiegen der Arten in
der gemässigten Zone heraus ; es sind nämlich bis jetzt fast doppelt
so viel aussertropische Arten bekannt geworden, — Die Zusammen-
stellungen, welche der Verf. nach den drei oben erwähnten Verbrei-
tungsbezirken gemacht hat, verlieren dadurch wesentlich an Interesse,
dass diese Bezirke, welche allein nach der geographischen Länge
festgestellt sind, jedes inneren Zusammenhanges entbehren; wenn es
e Meerbewohner im Ganzen schwerer hält, abgegränzte
te aufzustellen als dies bei den Landthieren der Fall ist,
h die Annahme umschränkterer Bezirke jedenfalls ‚eine
sicht in die hier zu berücksichtigenden Verhältnisse ver-
n demselben Masse wie die Crustaceen- Fauna Ost- und
kas eine deutliche Uebereinstimmung mit der des südlichen
Asiens zeigt, findet sich eine ebenso grosse Gleichlörmigkeit zwischen
den Arten der einander zugewendeten Küsten Nord-Asiens und Nord-
Amerika’s und ferner zwischen denen der Inselgruppen des stillen
Oceans mit den Küsten Süd-Amerika’s; und gerade diese Bezirke sind
es, welche der Verf. künstlich getrennt hat,
Catalogue of Crustacea in the colleclion of Ihe Brilish
Museum. Part. I. Leucosiadae, by Thomas Bell. London
1855. Dieses 24 Seiten starke Heftchen ist nur ein kurzer
Auszug aus einer grösseren Arbeit desselben Verfassers,
welche in den Transaclions of Ihe Linnean sociely, Vol. XXI.
p. 277—314, mit Taf. 30—34, erschienen ist und eine voll-
ständige Monographie der Gruppe der Leucosien liefert. Wäh-
rend in letzierer, die an ihrem Orte eine nähere Besprechung
erfahren wird, eine vollständige Beschreibung der einzelnen
Arten gegeben wird, enthält der Catalog des British Mu-
seums nur eine Aufzählung derselben mil Hinzufügung von
während des Jälıres 1855. 305
lateinischen Diaenosen und der belreffenden Literatur; die im
Museum enthaltenen Arten sind, wie gewöhnlich, eigens be-
zeichnet. (Ausserdem finden sich die Diagnosen sämmtlicher
Arten auch in den Proceed. of the Linnean society 1855.
p-429 ff, und in den Annals of natural history 1856 ab-
gedruckt.)
Die Crustaceen -Fauna der nördlichen Küsten Europa’s
wurde durch Liljeborg und Lindström theils mit einer
Anzahl neu enldeckter Formen bereichert, theils durch ge-
nauere Feststellung schon anderwärls bekannt gemachter Ar-
ten näher erörtert. Der erstere hal (Öfversigt af Kongl. Ve-
tensk. Akad. Förhandl. 1855. p. 117—158. „Om Hals - Cru-
staceer vid Kullaberg i Skäne*“) seine schon im Jahre 1852
veröffentlichte Crustaceen-Fauna von Kullaberg in Schweden
durch einen reichhaltigen Nachtrag vervollständigt, in wel-
chem besonders die Cumaceen unter den Decapoden, ferner
die Amphipoden, Isopoden und Parasiten Bereicher
neuen Arlen erhalten haben. — Letzterer hat (ebend
in einem „Bidrag till kännedomen om Östlersjöns in
fauna® eine Reihe von Cruslaceen aufgezählt, die)
Schwedischen Küste der Ostsee von ihm beobachtet
und unter denen sich auch einige neue Amphipoden, die "aus-
führlich beschrieben werden, vorfanden; für einige schon
bekannte Arten sind ausserdem synonymische Bemerkungen
und Berichligungen beigebracht.
Zur näheren Kenntniss einiger an den Englischen Kü-
sten beobachteten Orustaceen lieferte Gosse in seinen „No-
tes on some new or little known marine animals“ (Annals
and magazine of natural history XVl. p. 50 und 307 ff.) einige
Beilräge. In denselben wird u. a. auch eine neue Art der
Gallung Cyamus beschrieben.
A Collection of Documents on Spitzbergen and Green-
land (London 1855) enthält in einem Anhange auch die bis
jelzt in Spitzbergen und Groenland beobachteten Thiere und
unter diesen auch die Crustaceen von A. White aufgezählt.
Die Zahl der letzteren beläuft sich im Ganzen auf 36 Arten,
nämlich: 1 Lithodes, 1 Crangon, 1 Sabinea, 8 Hippolyte,
4 Calanus, 1 Cetochilus, 1‘Talitrus, 1 Anonyx, 1 Lysianassa,
Archiv f. Naturgesch. XXI, Jahrg. 2. Bd, U
306 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
1 Acanthonotus, 5 Gammarus, 1 Leucotho@, 1 Metoecus,
1 Caprella, 1 Cyamus, 1 Arclurus, 1 Tanais, 1 Lernaeopoda,
1 Lernaea, 2 Nymphon und 1 Balanus.
Contributions towards a knowledge of the Marine In-
vertebrate Fauna of Ihe coasts of Rhode Island and New-
Jersey, by J. Leidy, (Journal of Ihe academy of nalural
sciences of Philadelphia 111. Pt.2. p. 135— 152) enthalten unter
anderen auch eine Aufzählung der an den bezeichnelen Lo-
kalitälen aufgefundenen Crustaceen, unter denen eine Art als
neu beschrieben wird.
Eine Anzahl Crustaceen aus den Ordnungen der Am-
phipoden, Laemodipoden und Isopoden wurde vonJ. Stimp-
son in den Proceedings of Ihe academy of nalur. seienc.
of Philadelphia VII. p. 375 ff. und 385 ff. durch kurze Beschrei-
bungen bekannt gemacht. — „Descriplions of some of the
new marine Inverlebrala from Ihe Chinese and Japanese Seas“
und „Descriplions of some new marine Inverlebrala.€' Die
i en Aufsalze bekannt gemachten Arten sammen meist
und von Australien.
ımarda, zur Naturgeschichte Aegyptens, (Denk-
sc der Kais. Akad. d. Wissensch. zu Wien VII. 2. p.1—28)
theilt die Resultate seiner Untersuchungen über (die mikro-
skopische Thierwelt Aegyptens mit und giebl auch eine Ue-
bersicht der daselbst beobachteten nieıleren Crustaceenfor-
men. Ausser einigen neuen hier beschriebenen Daphnoiden
sind Cyclops vulgaris , Cypris fusca und pubera und in den
Natron - Seen nahe der Libyschen Wüste 'Artemia. 'salina in
Menge beobachlet worden.
J.Lubböck, On the Freshwater Entomostraca of South
America (Transaclions of Ihe enlomological soeiely Ill. p.232 ff.
Taf. 15). — Der Verf. giebl eine Uebersicht über die bis jetzt
aus Süd-Amerika bekannt gewordenen Entomostraceen, deren
Zahl sich mit Einschluss einiger neuen, die hier beschrieben
werden, im Ganzen auf 14 Arten stellt.
Nach demselben (ebenda) sind in den Proceedings of
ihe Royal society of Van Diemensland,, January 1853, einer
in den hiesigen Bibliotheken nicht vorhandenen Zeitschrift,
von King mehrere Australische Süsswasser-Entomostraceen
während des Jahres 1855. 307
beschrieben worden, nämlich: 4 Alona, 2 Eurycercus, 2 Chy-
dorus, 2 Dunhevedra n. g., 1 Macrothrix, 2 Moina und 4
Daphnia.
Dareste stellte in einer Abhandlung „Memoire sur
les animaleules et aulres .corps organises, qui donnent a la
mer un couleur rouge“ (Annales des sciences nalurelles T. 11.
p: 179 ff) alle Beobachtungen, welche die das Meer roth fär-
benden Crustaceen-Gattungen Grimolhea und Celochilus betref-
fen, in einer historischen Uebersicht zusammen,
Decapoda.
Brachyura. Catometopa. — Le Conte beschrieb eine
neue Art: Gelasimus minar von der Küste von New-Jersey und gab
zugleich eine ausführliche Charakteristik von Gelasimus pugilator Bosc.,
einer in Nord-Amerika häufigen Art. (Proceedings of the acad. of nat.
science. of Philadelphia VII. p. 402.)
Oxystomata. — Horae carcinologicae, or Notices of Cru-
stacea. I. A monograph of the Leucosiadae, with observations on
the relations, structure, habits and distribution of the famil jr, arre-
vision of the generic characters and descriptions of new
species. By Thomas Bell. (Transactions of the Lin
ciety Vol. XXI. p. 277—314, mit Taf. 30—34.) Es ist dies
ausgeslattete Arbeit abermals ein Beweis von dem ausserord®Htli-
chen Reichthume der Englischen Sammlungen, weniger vielleicht
von einer gründlichen Kritik ihrer Bearbeiter. Wenn der Verf. in
der Einleitung, wo er über die nächsten Verwandtschaften der Leu-
cosien handelt, ihre engeren Beziehungen zu den Matutoiden de
Iaan’s leugnet und dagegen Aehnlichkeiten mit Pinnotheres fin-
det, so heisst das, nur nach dem äusseren Ansehen urtheilen und
nicht nach Untersuchungen ; eine Uebereinstimmung in der Mund-
bildung zwischen Pinnotheres und den Leucosien, welche Bell u. a.
hervorhebt, existirt nicht im Entferntesten, vielmehr wird die Gat-
tung gerade durch dieses Merkmal auf das Entschiedenste den Grap-
soiden beigesellt; ebenso verhält es sich mit der Bildung der Stirn,
der Augen u. s. w. — Was den speciellen Theil der Arbeit betrilft,
so ist das von den früheren Autoren bearbeitete Material sorgsam und
vollständig zusammengetragen und benutzt worden, die sehr zahl-
reichen neuen Formen durch gute Abbildungen und ausführliche Be-
schreibungen kenntlich gemacht. Ob die Unterscheidungsmerkmale,
welche der Verf. zur Feststellung seiner Arten anführt, überall stich-
haltig sein werden, scheint dem Ref, sehr zweifelhaft; wenigstens
sind sie zuweilen, wie z. B. bei Leucosia pallida, obscura, marmorea,
punctata, alfınis so schwach, dass sie weder aus den Abbildungen
308 Gerstaecker: Bericht üb, d. Leistungen in d. Entomologie
noch aus den Beschreibungen deutlich zu erkennen eind; ohne Frage
werden diese Arten sich als Altersverschiedenheiten oder geringe Ab-
weickungen von der bekannten L. craniolaris herausstellen. Gleiche
Bewandtniss wird es auch mit mehreren Arten der Gattung Myra ha-
ben; die Myra carinata des Verf, ist mit dem Cancer punctatus Herbst
identisch, wovon das Original-Exemplar sich in der hiesigen Königl.
Sammlung befindet; und diese wird sich andererseits wieder nicht gut
von Myra fugax als Art abtrennen lassen. Sehr geringfügige Form-
unterschiede scheinen bei allen diesen Gattungen nicht von specifi-
scher Bedeutung zu sein und der Verf. hätte darauf um so weniger
Gewicht legen sollen, als er z. B. in der Gattung Ixa zwei viel ver-
schiedenere Arten, I. cylindrica und megaspis als Varietäten betrach-
tet, indem er Uebergänge von der einen Form zur anderen beobach-
tet hat. Uebrigens bringt die Arbeit des Verf., von diesen gewiss
nicht haltbaren Arten abgesehen, dennoch viele neue und zwar zum
Theil sehr ausgezeichnete Formen zu unserer Kenntniss, so dass auf
einige auch besondere Gattungen errichtet worden sind; nämlich :
1) Leucosilia n. g. auf Guaia Jurinei Saussure gegründet, von kug-
liger Form, Stirn mit zwei divergirenden Zähnen, Regio intestinalis
mit einem Zahne, Augenhöhlen mit drei Spalten, Scheeren ziemlich
stark 'u | nur von mittlerer Länge. 2) Myrodes n. g. von ovalem
it ausgerandeter Stirn und drei Zähnen am Hinterrande der
Augenhöhlen mit drei kurzen Spalten, Scheeren mit breitem
und langen, gebogenen, inuen stark gezähnten Zangen. Eine
Art: M. eudaciylus von den Philippinen. 3) Phlyxia n. g. Schale
rhomboidal, hinten mit drei Höckern; Augenhöhle oben ausgerandet,
mit zwei Spalten, die Fühlergruben mit ihnen communicirend; das
zweite Fühlerpaar verlängert; Hinterleib in beiden Geschlechtern vom
öten bis Öten Segmente verwachsen. Drei Arten von Neu - Holland
und Neu-Seeland. 4) Lithadia n. g. von rhomboidaler Form, die ein-
zelnen Regiones bucklig erhaben, die Stirn zweitheilig, aufgebogen ;
Augenhöhlen oben und aussen olien, Fühlergruben schief; Scheeren-
füsse kräftig mit höckrigen Armen und gekieltem Carpus; beim Männ-
chen ist der Ste bis öte Hinterleibsring verwachsen. Eine Art: L. Cu-
mingiüi aus Central-Amerika. 5) Nursilian.g. von ähnlicher Form wie
Nursia, doch weniger seitlich erweitert; die Augenhöhlen zweispal-
tig, aussen ollen, die Fühlergruben schiel; Scheerenfüsse schlank mit
geschwollenem Carpus und langen, feinen Zangen. Eine Art: N. den-
tala aus dem Indischen Ocean.
NWotopoda. White gab eine vorläufige kurze Charakteri-
stik einer neuen Qalifornischen Art der Gattung Lithodes, für die er
den Namen Lithodes (Petalocerus) Bellianus vorschlägt. (Proceedings
of the Linnean society 1854. Annals and magaz. of nat. hist, XV.
p- 307.)
während des Jahres 1855. 309
Pagurini. Liljeborg (Öfvers. af Kongl. Vetensk. Akad.
Förhandl. p. 56) stellte eine neue Art Paqurus chiroacanthusnach einem
8 mill. Jangem Individuum auf; ohne Frage wird sich dieselbe als
Jugendzustand einer schon bekannten Art ergeben.
Loricata. Gu&rin machte unter dem Namen Psewdibacus
Veranyi eine ausgezeichnete neue Form dieser Familie in der Revue
et Magas. de Zoologie VII. p. 137 11. Taf.5 bekannt, Sie stammt von
der Küste Nizza’s und unterscheidet sich von Ibacus hauptsächlich
dadurch, dass der Cephalothorax seitlich hinter den Augen nicht jenen
tiefen Einschnitt zeigt, der diese Gattung so auffallend charakterisirt;
überhaupt ist der Cephalothorax äusserst breit und kurz, fast halb-
kreisförmig,, das Postabdomen dagegen im Verhältnisse sehr schmal.
Die Lage der Augen stimmt mit der bei Ibacus überein; sie liegen näm-
lich fast in gleicher Entfernung vom Seitenrande und der Mittellinie.
Die inneren Fühler sind etwas kürzer als die äusseren, welche wie
gewöhnlich lamellenartig ausgebreitet und vorn zugespitzt sind.
Astacini. Descriptions of new species of Astacus from Geor-
gia, by J. Le Conte. (Proceed. of the acad. of nat. science. of
Philadelphia VII. p. 400—402.) — Es werden hier acht neue Arten,
sämmtlich aus Georgien stammend, unter den Namen: A. treglodytes,
spiculifer, fossarum, maniculatus, penicillatus, angqustatus, lalimanus
und advena beschrieben und zugleich eine nochmalige Charakteristik
des A. Blandingii Harl. gegeben. — Sollten diese so wie”die von
Girard neuerlich beschriebenen Arten wirklich speeifisch ' unter-
schieden sein, so böte Nord-Amerika einen ganz aussergewöhnlichen
Reichthum in dieser Gattung dar; Ref. hat sich seinerseits noch nicht
einmal von der Artverschiedenheit der wenigen von Erichson auf-
gestellten Arten überzeugen können. — Für die Unterscheidung der
hier beschriebenen Astaci benutzt Le Conte die Formverschieden-
heiten des Schnabels und der Scheeren, so wie die Grösse der Areola
suturalis; auf das letztere Merkmal legt er besonders Gewicht, da es
bei den Exemplaren einer und derselben J.okalität stets constant ist.
Den Gattungsnamen Cambarus verwirft der Verf., indem er die Un-
terschiede, die Erichson zur Abtrennung von Astacus hervorge-
boben hat, für unwesentlich hält.
Carides. Lindström (Öfvers. af Kongl. Vetensk. Akad.
Förhandl. p. 56) glaubt den Palaemon rectirostris Zadd. und P. Leachii
Bell für den wahren Pal. squilla Linn. halten zu müssen.
Waripgton hat den Palaemon serratus längere Zeit in einem
Aquariuin lebend beobachtet und theilt über seine Lebensweise, die
Art zu fressen und zu schwimmen, seine Häutungen u. s. w. interes-
sante Notizen mit. („Observations on the natural history and habits
of the Common Prawn, Palacmon serratus, by R. Warington,«
Annals and magaz. of nat. hist, XV. p. 247.)
310 Gerstaecker; Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Cumacea. Von Liljieborg (Öfversigt af Kongl. Vetensk.
Akad. Förhandl. p- 118 ff.) wurden Cuma tumida, ampullacea, rubi-
cunda und Leucon nasicoides als meue Arten von der Schwedischen
Küste beschrieben; ausserdem werden auch Cuma lucifera Kroyer und
Leucon nasica Kroyer nochmals charakterisirt,
Amphipoda.
Gasmmarina. Liljeborg trennte (Öfvers. af Kongl. Vetensk.
Akad. Förhandl. p. 135) eine von ihm, früher fraglich als: Ampelisca Esch-
richti Kroyer beschriebene Art von dieser Gattung ab und errichtete für
dieselbe eine eigene unter dem Nanıen Haploops ; sie unterscheidet sich
von jener durch nur zwei, sehr kleine einfache Augen (bei Ampelisea
finden sich deren vier), ferner durch die Einfügung der unteren An-
tennen, welche den oberen nicht so genähert sind wie dort, durch
die Bildung des dritten und vierten Fusspaares, deren drittletztes
und vorletztes Glied verschmolzen sind und zusammen mit dem Wur-
zelgliede gleichsam einen beweglichen Finger bilden. Am siebenten
Fusspaare ist ausserdem das erste Glied klein, länglich, fast recht-
winklig, das fünfte äusserst klein, fast rudimentär. Von den beiden
dieser Galtung angehörigen Arten ist die erste H. tubicola früher vom
Verf, irrthümlicher Weise als Ampelisca Eschrichti, die zweite H.
carinala' als das Männchen der vorigen angesehen worden., — Die
Charaktere der nahe verwandten Gattung Ampelisca und der von ihm
früher beschriebenen Art A, macrocephala, legt der Verf. des Verglei-
ches halber noch einmal ausführiich dar. Ebenso giebt er eine noch-
malige Beschreibung seines Gammarus longipes, wogegen er den
früher von ihm beschriebenen G. maculatus, der sich als synonym
mit G, obtusatus Montagu herausgestellt hat, einzieht. Als neue Ar-
ten werden aufgestellt; Ampelisca laevigalta, lenuicornis, Gammarus
erythrophthalmus, macronyz und von schon bekannten, die sich in Ge-
sellschaft der vorigen bei Kullaberg finden, Leucothoö articulosa
Montagu, Ischyroceras minulus Liljeb., Erichthonius dilformis Edw,
(= Podocerus Leachii Kroyer) und Laphystius sturionis Kroyer einer
nochmaligen ausführlichen Beschreibung unterworfen.
Eine ebenfalls an der Schwedischen Küste aufgefundene neue
Gattung Bathyporeia charakerisirte Lindström (ebenda p. 59). Sie
zeichnet sich durch die Bildung der oberen Antennen aus, deren er-
stes Glied gross, angeschwollen, nach unten schräg abgestutzt,ist und
an dessen unterer Seite die beiden folgenden kleinen Glieder des
Schaftes eingelenkt sind; der Geissel- Anhang, ist sehr klein. Der
Schaft der unteren Antennen ist dünn und fast doppelt solang als der
des ersten Paares. Das erste Fusspaar ist schwach entwickelt, sehr
kurz und mit starkem Nagelgliede versehen, das zweite doppelt so
v
während des Jahres 1855. 311
lang und ohne Nagelglied, die beiden folgenden fast gleich, mit lan-
gem krummen Endgliede und rudimentärem Nagel; am fünften end-
lich ist der Schenkel gross, schildförmig, das dritte Glied lamellen-
artig, das fünfte ohne Nagel. Das sechste Abdominal-Fusspaar hat
eine ganz kurze, blattartige innere und eine stark entwickelte äussere
Endlamelle, deren erstes Glied lang und ziemlich breit, das zweite
schmal und griffelförmig ist; beide sind an der Innenseite mit langen
gefiederten Borsten besetzt. — Eine Art: B. pilosa. Als zweite Art
der Gattung Pontoporeia Kroyer wird ferner P. affinis beschrieben ;
sie unterscheidet sich von P.. femorata hauptsächlich durch den Man-
gel.der Borsten am fünften Hinterleibssegmente. — Die. charakteri-
stischen Merkmale der beiden beschriebenen Arten sind auf Taf.2 ab-
gebildet.
Von Stimpson (Proceed. of the acad. of nat, science. of Phi-
ladelphia VII. p. 375 ff.) wurden folgende neue Arten beschrieben:
Phozus geniculatus und obtusus von Japan, Dercothoe (?) produetus (!)
von Tanegasima, Amphithoe filigera von Loo Choo, Gammarus flabelli-
fer und tenuicornis ebendaher, Leucothoe stylifera von Japan, Allor-
chestes rubricornis und penicillata von Ousima, japonica von Japan,
Orchestia pollicifera von Loo Choo, Corophium contractum von Japan.
— Ferner (ebenda p. 394): Iphimedia obesa, Oedicerus fossor und
Gammarus rubromaculatus von Australien, Leucothoe affınis und Ano-
nyz variegalus vom Cap.
Schiödte wies (Kongel. Danske Videnskab. Selsk. Förhandl.
1555. p. 349 ff.) nach, dass die in England aufgefundene Art der Gat-
tung Niphargus mit dem aus der Adelsberger Höhle stammenden Niph.
stygius nicht identisch sei, sondern eine eigene Art bilde. Der Verf.
nennt sie Nipkargus aquiler und bildet sie neben der anderen in ver-
grössertem Massstabe ab; sie ist nur 3 bis 4 Linien lang und unter-
scheidet sich von N. stygius durch gekielten Rücken, schmalere Epi-
meren aller Cephalothoraxringe und gleiche Breite des Sten bis 10ten
Körperringes.
Von Bartels wurde (Verhandl. d. naturhist. Vereins der Preus-
sischen Rheinlande und Westpbalens XII. p. 113) ein Fall mitgetheilt,
wo eine grössere Anzalıl von Gammarus pulex (16 Stück !), nachdem
sie längere Zeitin dem Magen eines Bauernmädchen gelebt und durch
ihre Bewegungen heftige Zufälle erregt hatten, vermittelst eines
kräftigen Purgirmittels durch den Darm entleert wurden. Da die
Grösse der entleerten Thiere sehr verschieden war, nämlich zwischen
2 und 9 Linien variirte, so glaubt B. eine Vermehrung derselben in-
nerhalb des Magens annehmen zu dürfen. — Troschel zweifelt in
einer Nachschrift zu jener Erzählung an der Richtigkeit der Beob-
achtung, und glaubt, dass derselben eine Täuschung, zu Grunde liege,
welche Annahme jedenfalls ‚viel für sich hat,
312 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Caprellina. Als neue Arten wurden von Stimpson (Pro-
ceed. of the acad. of Philadelphia VII. p: 383 und 395) beschrieben:
Cuprella luctator von Tanegasima, gracılis von Japan und: solitaria
vom Cap.
Cyamidae., Gosse beschrieb (Annals and magaz. of nat.
hist. XVI. p. 30) Cyamus Thompsoni als neue Art aus der Weymouth-
Bay in England; sie ist durch sehr kurze Fühler und die Bildung des
vordersten Fusspaares ausgezeichnet, welches in demselben Masse wie
die übrigen entwickelt und mit ihm ganz gleich gestaltet ist. Die
Körperringe sind sehr schmal, die Appendices der beiden mittelsten
sehr klein und einfach, das vorletzte Glied aller Füsse stark 'erwei-
tert und die Endklaue sehr dick und stark gekrümmt. — Nach diesen
Verschiedenheiten dürfte die Art wohl sogar generisch von Cyamus
zu trennen sein.
Esopoda.
Idothaeidae,. Neue Arten von Stimpson (Proceed. of
the acad. of Philadelphia VII. p. 395) beschrieben sind: Anihura po-
lita von den Vereinigten Staaten, punclala, catenula und laevigata
vom Cap.
Pranizidae. Hesse hat nach einer Mittheilung in den
Sitzungen der Pariser Akademie der Wissenschaften (Comptes rendus
T. XLI. p. 970 und Gu&rin’s Rev. etMagas. de Zoologie VII. p. 534)
durch Untersuchungen festgestellt, dass Praniza nur ein Jugendzu-
stand von Anceus ist. Nähere Angaben über den Gegenstand sind bis
jetzt nicht gemacht.
Liljeborg gab (Öfversigt af Kongl. Vetensk. Akad. Förhandl.
p- 132) eine nochmalige Beschreibung von Praniza coeruleata Montagu
und charakterisirte als fragliche neue Art: Anceus ozyuraeus (ob
gleich Cancer maxillaris Montagu ?). Bestätigt sich die Erfahrung
von Hesse über das Zusammenfallen beider Gattungen, so möchte
auch wohl der hier beschriebene Anceus der Jugendzustand von Pra-
niza coeruleata sein.
Bopyrini. Cepon distortus Leidy wurde als neue Art von
der Küste Nord-Amerikas und als ein Bewohner der Kiemenhöhle von
Gelasimus pugilator im Journal of the acad. of nat. scienc. of Phila-
delphia Ill. 2. p. 152 beschrieben und auf Taf. 11. fig. 26 abgebildet.
Branchiopoda.
Cladocera. Zaddach machte (dieses Archiv XXI. p. 159 ff.
Taf. 8—9) eine sehr interessante neue Gattung dieser Familie unter
dem Namen Holopedium gibberum bekannt, welche sich von den übri-
gen Daphnoiden auffallend durch die Form der Ruder-Antennen un-
terscheidet, die hier nicht zweiarmig, sondern ungetheilt‘sind und aus
vier gegen die Spitze hin allmählig verschmälerten Gliedern beste.
während des Jahres 1855. 313
hen. Die drei ersten Glieder sind fast gleich lang, das letzte um
ein Drititheil kürzer; dasselbe trägt an seiner Spitze drei lange ge-
fiederte Borsten. Von sehr eigenthümlicher Form ist die Schale des
Thieres; sie ist auf der Rückenseite ‚sehr hoch bucklig gewölbt,
und daher beträchtlich breiter als lang: es kommt diese Ausdehnung
in der Breite fast ausschliesslich der Eier-Bruthöhle zu gut, welche
einen sehr bedeutenden Umfang hat und von den 7 bis $ darin be-
findlichen Eiern bei weitem nicht ausgefüllt wird. Die Kiemenfüsse
sind wesentlich lang gestreckt und in der Form denen gewisser Phyl-
lopoden nicht unähnlich. — Sowohl die äussere als innere Urganisa-
tion des etwa */, Linie langen, bei Königsberg in stehendem Wasser
aufgefundenen Thierchens wurde von Z. einer sorgsamen Darstellung
unterworfen, welche auch manche für die Anatomie der ganzen Fa-
milie wichtige Details enthält.
Einige neue Arten aus Aegypten wurden von Schmarda (Denk-
schriften der Akad. der Wissensch. zu Wien VII.2. p. 1—28) beschrie-
ben und abgebildet: Daphnia echinata, acutirostris und Lynceus ma-
erorhynchus.
Ausserdem wurde Daphnia brasiliensis von Lubbock (Transact.
of the entomol. soc. Ill. p.232 ff.) als neue Art aus Brasilien be-
schrieben.
Phyllopoda. Notes on palaeozoic bivalved Entomostraca,
by T. R. Jones. I. Some species of Beyrichia from the Upper Silu-
rian Limestones of Scandinavia (Annals and magaz. of nat. hist. XVI.
p-81f.). 2. Some British and foreign species of Beyrichia (ebenda
p- 163 ff.). — Der Verf.,, welcher nach M’Coy’s Vorgang die Beyri-
chien als Phyllopoden und zwar muthmasslich als zur Familie der
Limnadien gehörig betrachtet, theilt dieselben nach der Beschaffen-
heit ihrer Schalen-Oberfläche in drei Gruppen: Simplices, Corrugatae
und Jugosae. In der ersten Abhandlung über Skandinavische Arten
werden beschrieben: a) Jugosae: 1) B. Buchianan. sp., 2) B. tuber-
culata Klöden mit 2 Varietäten B. nuda und antiquata. 3) B. Dal-
manniana n.sp. 4) B. Maccoyiana n.sp. 5) B. Salteriana n. sp. —
b) Corrugatae: 6) B. Wilckensiana n. sp. mit einer var, plicata. 7)
B. siliqua n. sp. — c) Simplices: 8) B. mundula n. sp. — Im zwei-
ten {heil der Arbeit, welcher die Britischen und einige fremde Ar-
ten behandelt, sind enthalten: a) Jugosae: 1) B. complicata Salter
mit einer var. decorata. 2) B. Klödenii M’Coy mit zwei Varietäten:
B. antiquata und torosa. 3) B. lata Vanuxem. 4) B. Bussacensis Jo-
nes. — 6) Corrugatae: 5) B. Ribeiriana n. sp. 6) B. affinis n. sp.
7) B. Barrandiana n. sp. — €) Simplices: 8) B. strangulata Salter
mit drei Varietäten. 9) B. bicornis n. sp. 10) B. seminulum n. sp.
11) B. simplex Jones und 12) B. mundula Jones. — Alle neue sowohl
als schon bekannte Arten sind auf Taf. 5 und 6 abgebildet.
314 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Lophyropoda.
Ostracoda. Beitrag zur Kenntniss der Ostracoden, von Dr.
Seb. Fischer. (Abhandlungen der math.-phys. Klasse der Bayeri-
schen Acad. d. Wissensch. VII. 3. p. 637—666, mit 2 Tafeln.) — Der
Verf. macht zuvörderst einige ‘anatomische Bemerkungen über die
Familie, z. Th. mit besonderem Bezug auf die von Zenker ange-
stellten Untersuchungen und theilt die Beobachtung mit, dass bei Cy-
pris fusca sieben Generationen ohne Zuthun von Männchen stattfan-
den, ebenso dass Cypris fusca mit Männchen der Cypris punclata in
Begattung getroffen wurden. Von neuen Arten wurden. beschrieben:
Oypris socialis von Palermo, declivis aus Aegypten, hystriz von beiden
Lokalitäten zugleich (ob Jugendzustand der C. biplicata Koch ?), pra-
sina von Palermo, Madeirensis von Madera, exzserta von Palermo und
Alexandria, Palermitana, nitens, triangularis und rivularis von Pa-
lermo, ezsculpta und Mareotica von Alexandria, aspera von Madera.
— Eine neue Gattung aus der Cytheriden- Gruppe wird Paradozo-
sioma genannt, weil bei ihr die Mundtheile zu einem konischen Kör-
per verschmolzen sind, der in der Mitte einen röhrenförmigen Canal
enthält, an dessen unterer Oeffnung sich ein Kranz von Börstchen
befindet; Antennen, Füsse und sonstige Bildung wie bei Cythere, nur
ein einfaches Auge. Art: P. dispar, (,30‘“Jang von Madera, zwischen
Seepflanzen auf Klippen, die vom Wasser bespült werden, aufgefun-
den. — Fernere neue Arten sind: Cythere maculata und lucida eben-
falls vom Gcstade Madera’s, und Asterope groenlandica. Die neuen
Arten sind nebst den dazu gehörigen Details auf zwei Tafeln abge-
bildet; auch über einige schon früher beschriebene werden noch nä-
here Mittheilungen gemacht.
Baird beschrieb (Proceedings of the zoological society of Lon-
don XXI. p. 6) als neue Art: Cypris triangularts aus Kordofan, Die
Diagnose ist nach einem eingetrockneten Exemplare gemacht und zur
Erkennung der Art nicht genügend; der Name dieser oder der gleich-
namigen Fischer’schen Art würde zu ändern sein, falls sie nicht als
eins zusammenfallen.
Cypris australis und brasiliensis sind ferner zwei vonLubbock
(Transact. of the entomol. soc. JLl. p. 232 1.) beschriebene neue Ar-
ten aus Brasilien.
Zur Kenntniss der fossilen Ostracoden hat Reuss wieder Bei-
träge geliefert. In seinen „Beiträgen zur Charakteristik der Tertiär-
schichten des nördlichen und mittleren Deutschlands“ (Sitzungsberichte
der Wiener Akad. d. Wissensch. XVill. p. 197 if.) giebt er Beschrei-
bungen von folgenden neuen Arten: Bairdia subfalcata, seminotata,
Hagenowi, Cytheridea heierostigwa, Cythere meJiolaris, tenuimargo,
während des Jahres 1855. 315
gibberula, obliquata, Iyrata, Jugleri, brevieula, eonfluens und mono-
ceros auf Taf. 9 und 10 abgebildet.
Copepoda. Eine "neue Art der Gattung Pontia wurde von
Ouchakoff unter dem Namen Ponliea Wacarinensis („Pontie de Wa-
carino“) im Bulletin de la soc. des naturalistes de Moscou 1855. No. 3.
p. 2451. beschrieben. Sie ist besonders durch ihr abweichendes Vor-
kommen im süssen Wasser bemerkenswerth, indem sie in kleinen Tüm-
peln bei Wacarino (Distrikt Wessiegonsk) gefunden wurde.
Diaptomus Brasiliensis wurde als neue Art von Lubbock
(Transact. of the entomol. soc. Il. p. 232 fl.) beschrieben und ab-
gebildet,
Siphonostomata.
Pandarini. Von van Beneden erschien (Bullet. de l’acad,
roy. des sciences de Belgique XXU. 2. ‚p. 523 fr) eine, ausführliche
Beschreibung und vergrösserte Abbildung von Cecrops Latreillei Leach,
welche Art von ihm an den, Kiemen des Orthagoriscus mola in bei-
den Geschlechtern gefunden worden ist, Der'Verf., vermuthet, dass
die von den „Autoren“ unter‘ diesem Namen. beschriebene Art von
der seinigen verschieden sei, weil dieselben ‚den Thynnus als Wobn-
tbier angeben. Dies ist jedoch nur. bei Milne, Edwards der Fall,
während z. B. Nordmann (Nikrographische ‚Beiträge), den Cecrops
ebenfalls auf Orthagoriscus fand; auch stimmt die von van Bene.
den gegebene Abbildung so genau mit der Latreille’schen überein,
dass an eine Verschiedenheit der Art nicht zu denken ist.
Lernaeadae. Die im vorigen Jahresberichte erwähnte in-
teressante Entdeckung von 0. Schmidt, ‚dass Peltogaster durch sei-
nen Jugendzustand sich als unzweifelhafter Schmarotzerkrebs er-
weist, ist in diesem Jahre auch vonLindsitröm: (Öfversigtaf Kongl.
Vetensk. Akad. Förhandl. p. 361) unabhängig von jener. ersten Beob-
achtung gemacht worden. Auf Taf. 13, sind. die ‚Larven. dargestellt
ganz wie sie 0. Schmidt beschrieben hat; von den drei Fusspaa-
ren ist das erste einlach, die beiden hinteren gabelförmig gespalten,
alle drei mit langen Ruderborsten besetzt.
Denselben Gegenstand betreffen auch J. Stveenstrup’s „Be-
merkungen über die Gattungen Pachybdella Dies. und Peltogaster Rathke,
zweier auf dem Hinterleibe von Krabben und Krebsen schmarotzenden
Thierformen.* (Oversigt over det Kongl. Danske' Videnskab. Sels-
kaps Forhandl. 1.1854, und übersetzt von Creplin in diesem Ar-
chiv XXI. p. 151.) Der Verf, weist darin nach , dass die Gattung Pel-
togaster Rathke (— Pachybdella Diesing) sehon von Cavolinii.).
1787 unter dem Hinterleibe von Krabben gefunden und deutlich be-
schrieben und abgebildet worden sei, und dass ihm sogar der Ju-
316 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
gendzustand in,Form eines, deutlichen, Krebsthieres bekannt gewesen
sei. — Die Beziehung, welche Steenstrup zwischen Liriope Rathke
und Peltogaster vermuthet, nämlich dass erstere ein Entwickelungs-
stadium des letzteren sei, und dass deshalb auch Peltogaster den Iso-
poden beizuzählen sei, wird nach Kenntnissnahme der Schmidt’schen
Entdeckung (ebenda p. 6%) wieder aufgegeben; das Verhältniss von
Liriope zu seinem Wobnthiere bleibt demnach bis jetzt unaufgeklärt,
4. Arachniden.
Araneidea.
Leon Dufour beschrieb (Annales de la soc. entomol. III.
p-1ff.) Epeira thomisoides und Theridion ardesiacum als neue Arten
aus Frankreich; beide sind auf Taf. 5 abgebildet. Zugleich bezeichnet
Duf. die Annahme Walkenaers, dass die beiden Geschlechter des
von ihm beschriebenen Theridion dispar zwei verschiedenen Arten
angehören sollen, nämlich das Männchen zu Th. Paykullianum Walk.
und das Weibchen zu Th. triste Walk., als unrichtig; beide seien un-
zweilelhalt die Geschlechter einer und derselben Art.
Mygale luctuosa Lucas (ebenda p.15) ist eine neue Art aus
Spanien, zur Walkenaer’schen Abtheilung der Digitigrades inermes
gehörig und mitMyg. Calpeiana nahe verwandt, Abbildung auf Taf.5.
Descriptions of two nearly discovered species ol Araneidea,
by J. Black wall (Annals and magaz, of nat. hist. XVI. p. 120).
Die beiden hier beschriebenen Arten sind: Ciniflo humilis und Neriene
affinis, beide aus England.
Ebenda p.329 wurde: Salticus Blackwalli als neue Englische
Art von Clark beschrieben.
F. Walker, List of Spiders found at Piercefield near Chepstow
(Zoologist p.4561). — Eine Aufzählung der an der genannten Lo-
kalität beobachteten Araneiden, deren Zahl sich auf 57 beläult.
Phalangita.
Monograph on the British Species of Phalangiidae or Harvest-
men. By. R. H. Meade, (Annals and magaz. of nat. hist. XV. p.393 f.
Pl. 10—11.) Der Verf. liefert hiermit eine recht. gründlich gearbei-
tete Aufzählung und Beschreibung der in England vorkommenden Pha-
langier, deren Zahl sich nach ihm auf 15 stellt. Die von Koch
gegründeten Gattungen, die wohl besser als Gruppen zu betrachten
sind, sind vom Verf, angenommen worden, zum Theil aber dafür
ältere Namen wieder eingeführt, Die vom Verf, neu aufgestellte Gat-
tung Megabunus (auf Phalangium cornigerum Hermann basirt) ist wohl
während des Jahres 1855. 317
durch die geringe Abweichung in der Bildung der Palpen kaum ge-
rechtfertigt und bliebe, wenn sie einmal bestehen soll, wohl besser
auf die zweite Art des Verf. M. insignis beschränkt, welche wenig-
stens durch die abweichende Form des Cephalothorax und des Augen-
höckers eine habituelle Verschiedenheit darbietet. — Die als in Eng-
land vorkommend beschriebenen Arten sind: 1) Phalangium. cornutum
Linn,, urnigerum Herm., parietinum de Geer, canescens Koch und mi-
nultum n. sp. 2) Megabunus corniger Herm., und insignis n. sp. 3)
Opilio hystrix Latr., ephippiatus Koch , agrestis n. sp. und terricola
Koch. 4) Leiobunus rotundus Latr. 5) Nemastoma bimaculatum Fahr,
und chrysomelas Herm. 6) Homalenotus 4dentatus Fabr, — Die bei-
folgenden Tafeln geben charakteristische Darstellungen der Körper-
zeichnungen, der Augenhöcker, Taster und Beine.
Pseudoscorpiones.
Die Kenniniss dieser Ordnung sowohl in Bezug auf Analo-
mie als Systemalik hal A.Menge durch eine vortreflliche Ar-
beit, betitelt: „Ueber die Scheerenspinnen , Chernelidae*
(Neueste Schriften der naturforschenden Gesellschaft in Dan-
zig, fünften Bandes zweites Heft, Danzig 1855. 42 pag. mit
5 Tafeln) in Aufschwung gebrachl. Der Verf. giebt darin zu-
nächst eine sorgfältige Schilderung des ganzen äusseren und
inneren Baues dieser Thiere, theilt-Beobachtungen über ihre
Lebensweise mit und beschreibt zuletzt, die einzelnen. Gat-
lungen und Arten der Danziger Gegend. Ein genaues Siu-
dium der lebenden Scheerenspinnen und ein Vergleich der-
selben mit den in Bernstein eingeschlossenen hal auch hier
das Resultat geliefert, dass lelziere durchweg von den jetzt
lebenden speeilisch verschieden , wenngleich denselben oft
nahe verwandt! sind. Um bei der Aufzählung und Beschrei-
bung der einzelnen Arten die dem Bernslein angehörigen leicht
kenntlich zu machen, hat der Verf. sie durch ein + bezeich-
net (das übrigens bei mehreren fehlt). Auf den fünf beige-
fügten Tafeln sind sämmtliche beschriebene Arten stark ver-
grössert abgebildet und die anatomischen Verhältnisse durch
zahlreiche Abbildungen erläutert.
Die innere Anatomie der Pseudoscorpionen, für die der Familien-
name Chernetidae vorgeschlagen wird, betreffend, so ist das Nervensy-
stem der Beobachtung des Verl. entgangen , die Anordnung der Mus-
keln dagegen wird in den ‚Hauptsachen geschildert und dargestellt;
318 Gerstaecker: Berichtüb.d. Leistungen in d. Entomologie
sie ist derjenigen 'bei ‘den eigentlichen Spinnen sehr ähnlich. Be-
sonders ergiebig’ sind die Untersuchungen ‘des Verf. über das Ver-
dauungssystem; der“Mund ist: zum ‚Saugen eingerichtet und es fehlen
die Kiefer und ' die Oberlippe ; «unten »wird er durch eine viereckige
Unterlippe geschlossen‘, von deren Witte sich eine längliche, vorn
spitz zulaufende' Platte (erhebt, die als Zunge bezeichnet wird. Der
Schlund ist durch einen rinnenförmigen , hornigen Canal unterstützt;
der Magen hat jederseits.zwei weiche, weissliche Seitenlappen, wel-
che wie die beiden zur-Seite, des Darmes liegenden Leberlappen aus
Zellen ‚und Fettkügelehen ‚bestehen (und daher wohl riehtiger als ab-
sondernde Drüsen anzusehen sind). Der Darm bildet in seinem mitt-
leren Theile eine)'Schlinge und erweitert sich vor dem’ Alter 'sack-
artig ; Einmündungen von Harngefässen' wurden nicht beobachtet. —
Bei allen Arten kommen Spinndrüsen vor; sie liegen am Anfange
des Hinterleibes unterhalb‘ der Geschlechtsößfnungen und ihre Aus-
führungs - Canäle münden über oder unter den äusseren Geschlechts-
öffnungen. — Ein Herz wurde nicht mit Bestimmtheit ermittelt, die
schon von Audouin und vw, Siebold nachgewiesenen ‚Luftröhren
werden näher, beschrieben ;; ebenso die Fortpllanzungswerkzeuge, de-
ren. Ausführungsgänge in beiden Geschlechtern mit zwei Oellnungen
am zweiten Hinterleibsringe ‚ausmünden.
Die von Menge beschriebenen Arten fallen nach ihm fünf
Gattungen zu, von denen zwei hier zuerst aufgestellt, die übrigen
näher begränzt werden. Es sind folgende: 1) Chthonius Koch mit vier
Augen, länglich viereckigem Kopfbrustschild, Fortsätzen an den Brust-
plätten der Taster hinter der Unterlippe und Scheeren von der Länge
des Kopfbrausttheiles. (Eine lebende und‘ eine Art im Bernstein.) 2)
Obisium Allig.; , Ebenfalls vier Augen, Kopfbrustschild länglich vier-
eckig, elf Hinterleibsringe, ‚Fortsätze an ‚den Bruststücken der Taster
neben der Unterlippe, Scheeren kürzer als der Kopfbrusttheil. (Eine
lebende und eine Bernstein- Art.) 3) Chelifer Latr. Zwei Augen,
Kopfbrustschild dreieckig, vorn parabolisch abgerundet, Füsse mei-
stens mit deutlichen Schenkelringen. (Zwei lebende und vier Bern-
stein-Arten.) 4) Cheiridium Menge. Zwei sebr kleine, verborgene
Augen, Kopfbrustschild' dreieckig, vorn mit abgestumpfter Spitze, zehn
Hinterleibsringe, ‚Hüften und Oberschenkel der beiden letzten Fuss-
paare kaum merklich, verdickt, Bedeckung krustenartig. (Typus ist
Chelifer muscorum Leach, ausserdem eine Art im Bernstein.) 5) Cher-
nes Menge. Augen fehlen, Kopfbrustschild dreieckig, vorn parabo-
lisch abgerundet, Füsse mit deutlichen Schenkelringen. (Von leben-
den Arten gehört dazu" Scorpio cimieoides Fabr., eine zweite vom
Verf als Ch: 'oblongus beschriebene und endlich noch eine im Bern-
stein befindliche Art,)
|
während des Jahres: 1855. 319
Acarina.
Eine klassische Arbeit über diese Ordnung hat Nico-
let im VII. Bande der Archives du Museum d’histoire nalu-
relle.p. 331—482 unter dem Titel: „Histoire nalurelle des
Acarieus, qui se !rouvert aux ‚environs de Paris“ begonnen.
Der bis jetzt vorliegende Theil des Werkes, welcher die erste
Familie der „Acariens terresires ou acriens,“ nämlich die
Oribatiden behandelt, bringt durch eine Fülle wichtiger Be-
obachtungen eine so grosse Umgestaltung der bisher herr-
schenden Ansichten über ihre Systemalik zuWege, dass unsere
Kenntniss dadurch gleichsam in ein ganz neues Stadium tritt.
Nicht.allein die gesammile äussere und innere Organisalion
dieser Thiere hal der Verf. einer sorgfältigen Prüfung und Dar-
stellung unterworfen, sondern auch die Entwiekelung der ein-
zelnen Arten, deren verschiedene Altersstufen u. a. von Koch
nicht nur als besondere Species belrachtet, sondern selbst
verschiedenen Gallungen und Familien untergeordnet worden
sind, auf das Genaueste verfolgt. Die Arbeit ist von zu hohem
wissenschaftlichen Interesse, um nicht hier näher auch in
ihren speciellen Theilen durchgegangen zu werden.
Die Familie der Oribatiden , wie sie der Verf. hier feststellt,
entspricht in ihrem Umfange der Latreille’schen Gattung Oribata und
dem grössten Theile von Hermann’s Gattung Notaspis. Sie zeichnet
sich vor den übrigen Acarinen- Familien durch die harte, hornige
Körperbedeckung und ausserdem sehr wesentlich durch das Vorhan.
densein zweier naplartiger Respirationsöflnungen an der Basis der
Oberseite des Cephalothorax, welche einem langen borstenartigen
Organe seinen Ursprung geben, aus. An dieser Eigenthümlichkeit
lassen sich auch die oft ganz heterogen gebildeten Jugendzustände
aller Oribatiden als solche erkennen. Die Entwickelung der Embryo-
nen beginnt schon im Mutterleibe und ist beim Ablegen des Eies be-
reits so weit vorgeschritten, dass das Ausschlüpfen bald nachher er-
folgt; das junge Thier zeigt, wenn es das Ei verlassen hat, stets nur
drei Fusspaare,, indem nämlich das zweite der Reihenfolge nach in
dieser Periode noch fehlt; allein die Gattung Hoplophorus Koch, eine
auch in anderen Beziekungen abweichende Form, macht hiervon eine
Ausnahme und schlüpft sogleich mit 4 Fusspaaren aus. Das noch
fehlende 2te Fusspaar erscheint erst nach der ersten Häutung, nach
welcher sich so wie nach jeder folgenden überhaupt die ganze
Körperform wesentlich ändert, bis das Thier seine bleibende Gestalt
320 Gerstaecker: Bericht üb. d.Leistungen in d. Entomologie
mit der Geschlechtsreife erhält. Es finden jedoch hier zwei Modifika-
tionen statt; bei der einen Abtheilung der Oribatiden, welche sich im
erwachsenen Zustande durch seitliche lamellöse Fortsätze des Cepha-
lothorax auszeichnet, sind die Larven bis zur letzten Häutung von
ganz heterogener Körperform; bei der zweiten hingegen, wo jene
Anhänge fehlen, sind sie dem erwachsenen Thiere schon von Jugend an
mehr oder weniger ähnlich und nähern sich ihm bei jeder folgenden
Häutung immer mehr. Zu diesem Resultate hat der Verf. natürlich
nur durch genaue Verfolgung der allmähligen Entwickelung einer
Reihe von Arten gelangen können urd hat auf diese Weise folgende
von Koch aufgestellte Gattungen und Arten als Jugendzustände ande-
rer nachgewiesen: Nothrus doliaris, Murcia acaroides und trimaculata
Koch sind Larvenzustände von Oribates, Celaeno spinosa K. von Pe-
lops acromios, Celaeno plicataK. ebenfalls von Pelops spec., Hypoch-
thonius rufulus K. von Leiosoma ovata, Hypochthonius pallidulus K.,
ebenfalls von Leiosoma spec , Damaeus torvus K. von D. genicula-
tus, Nothrus palliatus und bistriatus K, von N. palustris, N. furcatus
und segnisK. von N. bicarinatus, N. runeinatus und sinuatus K. von N.
horridus, Alle diese Larvenzustände lassen sich abgesehen von der
geringen Grösse durch hellere Färbung und wenig resistente Körper-
Bedeckung erkennen; die meisten zeichnen sich ausserdem durch tief
quergefurchte Oberfläche aus und alle sind bis zur letzten Häutung
monodactyl, abgesehen davon, ob sie im erwachsenen Zustande eine
oder drei Klauen am letzten Tarsenglied führen. — Nachdem der
Verf. so die Embryologie der Oribatiden abgehandelt und die ihm
bekannt gewordenen Jugendzustände sorglältig beschrieben hat, geht
er in einem folgenden Abschnitte zur anatomischen Beschreibung des
ausgebildeten Individuum über. Beim Eingehen auf die einzelnen
Theile des Hautskelets hebt er besonders diejenigen Eigenthümlich-
keiten hervor, welche den passendsten Anhalt zu einer natürlichen
Systematik der Familie liefern; als solche werden u.a. die seitlichen
lamellösen Fortsätze des Cephalothorax , welche die eine der beiden
Hauptabtheilungen unter den Oribatiden charakterisiren, ferner die
Form der in den beiden Respirationsöffnungen sitzenden Borsten, in
Gleichem auch die der beiden Borsten, welche an der Basis des Ce-
phalothorax zwischen jenen Oelfnungen entspringen, (vom. Verf. als
„Ppoils interstigmataires“ bezeichnet) hervorgehoben. Von sekundärer
Wichtigkeit in Bezug auf die Systematik ist dem Verl. die Bewaflnung
der Tarsen mit 1 oder 3 Klauen; als rein specifische Merkmale da-
gegen betrachtet er die Bekleidung, z.B. des Ilinterleibs mit Bor-
sten oder andern Hautfortsäten, welche von Koch unrichtiger Weise
als genereller Charakter angesprochen worden ist. Von deutlich
ausgeprägten Sinnesorganen ist dem Verf. nichts aufgestossen ; in den
beiden „poils interstigmataires“ glaubt er Tastorgane zu erkennen, da
fu
während des Jahres 1855. 321
bei Berührung derselben mit einer Nadel das Thier sich zusammen-
kauerte. Eine Spur von Augen ist nicht vorhanden; dass dieses Or-
gan nicht in den beiden napfartigen Oeffnungen an der Basis des
Cephalothorax zu suchen ist, wie es von früheren Autoren gesche-
hen, zeigt die anatomische Untersuchung; es mündet nämlich ihre
innere Oelfnung in einen Luftsack und in 4 dünne Tracheenstämme,
welche die ganze entsprechende Körperhälfte mit Luft versehen. Aus-
ser diesem Respirationssystem ist dem Verf. von inneren Organen nur
der Tractus intestinalis und der Genitalapparat näher bekannt gewor-
den, Der erstere besteht aus einer Speiseröhre, die sich nach unten
in einen mit Längs- und Querfalten versehenen Kropf erweitert, aus
einem meist stark entwickelten Chylusmagen, der sich von der Spei-
seröhre durch eine ringartige Einschnürung deutlich absetzt, aus einem
kurzen und ziemlich dünnen Intestinum und einem Rectum, das fast
die Länge des Magens hat; der ganze Tractus geht in ziemlich gera-
der Richtung vom Munde zum After. Von besonderem Interesse ist
es auch, dass der Verf. in der Leibeshöhle der Oribatiden oft Grega-
rinen angetroffen hat; es fanden sich zwei Arten, von denen die eine
als Gregarina oribatarum beschrieben und abgebildet wird; ausser-
dem wurde im Magen eine kleine Art der Gattung Angiostoma auf-
gefunden, welche der Verf. als A. annulata abbildet.
Die Systematik der Oribatiden betrelfend, so nimmt Nicolet,
wie schon oben erwähnt, zwei Hauptabtheilungen an. Bei der ersten
finden sich lamellöse Anhänge auf der Oberfläche oder an den Seiten
des Cephalothorax. Die ihr angehörenden Gattungen zerlallen wie-
der in solche, wo der Hinterleib Nüügelartige, bewegliche Ausbreitun-
gen hat (Pelops Koch und Oribata Latr.) und in solche, wo diese
Ausbreitungen fehlen (Leiosoma n. g., Cepheus Koch und Notaspis
Herm.). — Die neue Gattung Leiosoma (schon mehrfach vergebener
Name!) unterscheidet sich von den beiden folgenden dadurch , dass
die drei Klauen der Tarsen nicht gleich lang sind, sondern dass wie
bei Pelops und Oribata die mittlere Klaue grösser als die seitlichen
erscheint. — Die zweite Hauptabtheilung, welche der Dornen oder
lamellösen Anhänge des Cephalothorax entbehrt, umfasst Gattungen
mit tridactylen und monodactylen Tarsen; erstere sind: Eremaeus Koch
und Nothrus Koch, letztere: Damaeus Koch, Tegeocranus n. g., Her-
mannia n. g. und Hoplophora Koch. Die Gattung Tegeocranus un-
terscheidet sich von Damaeus durch die Beine, welche kürzer sind
als der Körper, Hermannia von Hoplophora dadurch, dass der Cepha-
lothorax mit dem Abdomen verschmolzen und unbeweglich ist. — Die
Zahl der bei Paris bis jetzt aufgeflundenen Oribatiden beläuft sich
auf 56, die sich folgendermassen auf die einzelnen Gattungen ver-
theilen: Pelops 5, Oribates 15, Leiosoma 6, Cepheus 3, Notaspis 3,
Eremaeus 3, Nothrus 6, Damaeus 5, Tegeocranus 3, Hermannia 3 und
Archiv f. Naturgesch. XX1l, Jahrg. 2. Bd, V
322 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Hoplophora 3; eine beträchtliche Anzahl derselben sind hier zum er-
sten Male beschrieben. — Sämmtliche Arten sind auf zehn die Ab-
handlung begleitenden Tafeln in stark vergrössertem Massstabe abge-
bildet; dieselben enthalten zugleich Darstellungen der anatomischen
Verhältnisse, aller dem Verf. bekannt gewordenen Jugendzustände,
der embryonalen Entwickelung derselben und zahlreicher für die Sy-
stematik wichtiger Details; alle Abbildungen sind von vorzüglicher
Schönheit. — Möge diese in ächt wissenschaftlichem Sinne ausge-
führte Arbeit zur Erweiterung unserer Kenntnisse über diese eben so
interessanten als schwierig zu beobachtenden Thiere bald mit einem
zweiten Theile fortgesetzt werden !
Hydrachnidae. (osse machte „Notes on some new or
little-known marine animals,“ Annals of natural historyXVl. p.27 f.)
eine neue Acarinen-Galtung Halacarus bekannt, welche er irrthüm-
licher Weise der Familie der Oribatiden zurechnet, wie sich dies
schon aus ihrer Lebensweise im Meere, ausserdem aber aus ihrer
ganzen Organisation ergiebt. Von den vier Fusspaaren stehen zwei
am vorderen und zwei am hinteren Ende des Leibes, und alle sind
am Tarsus mit zwei einfachen, gekrümmten Klauen versehen. Durch
das klauenartige Endglied derPalpen würde sich die Gattung der Fa-
milie der Hydrarachnen beigesellen, für welche Stellung zugleich ihr
Aufenthalt im Wasser spräche; freilich weicht sie in anderer Hin-
sicht auch wieder wesentlich ab. Der Rüssel, welcher kopfähnlich
abgesetzt ist, erscheint fein zugespizt und umschliesst zwei dünne,
fadenförmige Mandibeln; die Augen sind zu zweien vorhanden, seitlich
gelegen. — Die beiden vom Verf, beschriebenen und auf Taf. III ab-
gebildeten Arten: H. rhodostigma ‘/,,“ und cienopus %/,,‘ lang, schei-
nen mehr als specifisch verschieden zu sein, und könnten nach den
Abweichungen, welche sie in der Form des letzten Palpengliedes,
der Beine und der Tarsenklauen darbieten, füglich generisch getrennt
werden. Uebrigens hat der Verf. die hierauf bezügliche Litteratur
wenig durchgearbeitet und es scheint daher die Neuheit der beschrie-
benen Formen keineswegs verbürgt. — Als neue Art wird von ihm
ausserdem Pachygnathus nolops "/,,'' lang (ebenda p. 306. Taf. 8) be-
schrieben und abgebildet.
R. M. Bruzelius, Beskrifning öfver Hydrachnider som före-
komma inom Skäne. Lund 1854. — Diese Arbeit ist dem Ref. nicht
weiter bekannt geworden als durch Anzeige ihres Titels in der Öfver-
sigt al Kongl. Vetensk. Akad. Förhandl. p. 174.
Sarcoptides. Eine mit vorzüglichen Abbildungen ausge-
stattete Abhandlung über die Anatomie, Physiologie und Entwicke-
lungsgeschichte der Krätzmilbe lieferte Bourguignon in den Me-
moires presentes par divers savans ä l’academie des sciences de l’In-
während des Jahres 1855. 323
stitut imperial de France, Sciences math. et phys. Tome XII. p. 1—168,
unter dem Titel: „Trait@ entomologique et pathologique de la gale de
l’homme.“
Pyenogonidae.
Krohn, Ueber das Herz und den Blutlauf in den Py-
enogoniden (dieses Archiv XXI. p. 6 ff). — Der Verf. be-
stäligt das Vorhandensein eines deullichen Herzens, welches
von Zenker zuerst bei Nymphon nachgewiesen wurde, auch
an einer Phoxichilus-Art. Es ist durch zwei Paare seitlicher
tiefer Einbuchtungen in drei Kammern getheilt, welche von
vorn nach hinten an Grösse abnehmen. Auf dem Grunde
jeder Einbuchtung findet sich eine für den Durchtritt des
rückkehrenden Blutes bestimmte Oeffnung, so dass also vier
solcher Mündungen bestehen. Die vordere Kammer erwei-
tert sich vor dem Augenhügel bedeutend und steht wahr-
seheinlich mit der Leibeshöhle in Verbindung.
Von Gosse wurde (Annals and magaz. of nat. hist. XVI. p. 30)
Phozichilidium olivaceum als neue Art aus der Weymouth-Bay in Eng-
land beschri eben.
Bericht über die Leistungen in der Natur-
geschichte der niedern Thiere während der
Jahre 1854 und 1853.
Von
Dr. Rud. Leuckart,
Professor in Giessen.
Von Compendien über vergleichende Anatomie haben
wir zu erwälnen:
Owen Lectures on comparalive anatomy and physio-
logy of Ihe invertebr. Animals 1855.
Rymer Jones, general outlines of the animal King-
dom 1855, beide in zweiter, dem Stande unserer heutigen
zoologischen Kenntnisse — namentlich über niedere Thiere —
jedoch nur unvollkommen angepasster Auflage. (Vgl. hierzu
die Recension in Ihe Brit. and for. Medico -chirurgic. Review
1856. Juli p. 1 ff.)
O0. Schmidt, Handbuch der vergleichenden Anatomie
Jena 1855, als Leitfaden für Studierende sehr empfehlens-
werth, erschien in dritter, vermehrter und verbesserter
Auflage.
J. Bona Mayer macht „Aristoteles Thierkunde“ zum
Gegenstande einer besonderen Darstellung (Berlin 1855) und
liefert damit einen äusserst wichtigen „Beitrag zur Geschichte
der Zoologie, Physiologie und alten Philosophie.“
Entwickelt nicht nur in eben so scharfsinniger, wie gelun-
gener Weise die Principien der Aristotelischen Naturforschung und
deren Zusammenhang mit der ganzen philosophischen Weltanschauung
des grossen Stagiriten, sondern erschliesst uns auch durch eine spe-
cielle Erörterung der einzelnen Hauptstellen ein tieferes und besseres
Verständniss der Aristotelischen Werke.
Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichteu.s, w. 325
Giebel’s Abhandlung „über den Artbegriff« (Zeitschrift
für die gesammten Naturwissenschaften 1855. VI. S.437) be-
rücksicht nur die höheren Thiere und dürfte auch für diese
kaum irgend elwas Neues von Bedeulung enthalten.
Nouvelle classification zoologique basee sur les appareils
et les fonctions de la reproduclion, par Dr. E. Guitton,
Rev. et Mag. de zool. 1854. p.49, 113, 177, 241, 305, 353,
401, 449, 497 und 577.
Verf. glaubt das einzig natürliche Princip der Classification in
der Art der Fortpflanzung und dem Baue der Geschlechtsorgane ge-
funden zu haben, und sucht die Berechtigung seiner Ansicht durch eine
specielle Anwendung derselben auf die Systematik der Wirbelthiere,
besonders der Säugethiere nachzuweisen. Die Wirbellosen werden
dabei nur ganz oberflächlich berücksichtigt — aber dieses Wenige
genügt vollständig, um den Standpunkt des Verf. und die Bedeutungs-
losigkeit seines Principes zu kennzeichnen. Zuunterst kommen die
Infusorien und Helminthen, die durch Urerzeugung entstehen, auf diese
die Radiaten, die durch Theilung oder Knospung sich vermehren, so-
dann die Mollusken mit ihrem ‘Hermaphroditismus und schliesslich die
Artieulaten, die auf doppeltgeschlechtlichem Wege ein „unvollständiges
Ei“ produciren oder mit anderen Worten eine Metamorphose durch-
laufen.
Ueber die chemische Zusammensetzung der skelelbilden-
den Substanzen auch bei niederen Thieren ( Arthropoden, Mu-
scheln, Hornpolypen) vgl. Fremy, Annal. chim. phys. XLXXX.
Derselbe untersucht in Gemeinschaft mit Valencien-
nes die chemische Zusammenselzung der Ihierischen Eier
und findet, dass diese in den einzelnen Gruppen sehr auffallende
Verschiedenheiten darbietet. Journ. Phar, 1854. p. 321 ff.
Clapar£öde liefert eine Zusammenstellung der neueren
Untersuchungen und Entdeckungen über die Befruchtung des
thierischen Eies, resp. das Eindringen der Samenkörperchen
in dasselbe. Bibl. uniyv. de Geneve 1855. T. XXIX. p. 214.
Ebenso eine kritische Darstellung der gegenwärtigen An-
sichten über den Generalionswechsel , eben das. 1854. XXVI
p. 220.
Der von Allen Thompson verfasste Arlikel Ovum
in Todd’s Cyclopaedia of Anat. and Physiol. Supplem. ent-
hält cp. 6—42) gleichfalls eine vollständige Zusammenstellung
326 Leuckart: Bericht üb. d, Leistungen in d. Naturgeschichte
der älteren und neueren Beobachtungen über diesen Gegenstand
und erläutert dieselben mit zahlreichen, trefflich ausgeführten
Holzschnitten.
Auch von Quatrefages erhielten wie eine Abhand-
lung über den Generationswechsel und die Entwickelungs-
formen - der Thiere im Allgemeinen. Les melamorphoses, exir.
de la Revue des deux Mondes 1855. T. III u. IV.
Eine populäre, höchst elegant geschriebene Darstellung, die
auch wissenschaftlich nicht ohne Werth ist, obwohl sie weder neue
Thatsachen bietet, noch auch besondere neue Gesichtspunkte eröffnet.
Verf. unterscheidet dreierlei verschiedene Entwickelungsformen: die
Entwickelung im Eie ohne freie Metamorphose (transformation), die
Entwickelung mit freier Metamorphose (me&tamorphose- proprement
dite) und die mit Generationswechsel (geneagenese). Die letztere wird
mit Carpenter u.A. als ein blosses Wachsthumsphänomen betrach-
tet, während andererseits die Existenz einer Metamorphose bei gewis-
sen Thieren, wie das schon früher vom Ref. geschehen ist, auf eine
unzureichende Ausstattung des Eies zurückgeführt wird. (Beiläufig
mag hier übrigens erwähnt sein, dass auch schon vor Ref. manche
Zoologen eine solche Ansicht ausgesprochen haben. So, wie ich
sehe, Joly, Cpt. rend. 1843. p.47 und besonders Tiedemann bei
Besprechung der Herold’schen Entwickelungsgeschichte der Schmet-
terlinge in den Heidelberger Jahrbüchern 1816. S. 80.)
Ehrenberg berichtet über die fast vier Jahre fort-
lebenden mikroskopischen Thiere in der Erde des Monla Rosa,
Monatsber. der Berl, Akad. 1855. S. 225.
Valenciennes spricht über das Bohrvermögen zahl-
reicher wirbelloser Thiere, besonders Echinodermen und Mol-
lusken, Cpl. rend. T.XXXIX. p.640 (l’Inst, 1854. p. 351).
Ueber denselben Gegenstand handelt M. de Serres Ibid.
p- 865. T.XL. p. 1313 (l’Inst. 1855. p. 234).
Dareste ‚liefert eine Zusammenstellung zahlreicher
eigener und fremder Beobachtungen /jüber die von Thieren
und Pflanzen abhängenden rothen und weissen Meeresfärbun-
gen, Ann. des sc. nat. 1855. T. Ill. p. 179—242.
Solche Meeresfärbungen rühren her ;von Algen| (versch. Arten
des Gen. Trichodesmium), Entomostraken (Cetochilus australis),4,De-
capoden (Grimotoe), Noctilucen undjverwandten Thieren, von Bacil-
larien, Protococcen, von Salpen, Appendicularien und Infusions-
thierchen.
Leydig’s „kleinere Miltheilungen zur thierischen Ge-
der niederen Thiere während der J. 1854—1855. 327
webslehre“ in Müller’s Arch. 1854. S. 296-347 enthalten manche
wichtige und interessanteMittheilungen über den feineren Bau
gewisser Wirbellosen und werden unten, so weit sie uns
hier angehen, noch besonders angezogen werden.
J. Müller, über verschiedene Formen von Seethieren,
Archiv 1854. S. 69 ff. Taf. IV—VI ist nach einer früheren Mit-
theilung in den Monatsber. der Berliner Akademie (1853)
schon in dem vorjährigen Berichle berücksichligt.
€. Mettenheimer’s Abhandlung „über den Bau und
das Leben einiger wirbellosen Thiere aus den deutschen Mee-
ren“ in den Abhandlungen der Senkenberg. naturf. Gesellsch.
in Frankfurt 1854. S. 1—15 enthält Beobachtungen über Me-
dusa aurila, Thalassema echiurus, Aphrodite aculeata, Nocli-
luca miliaris und Lucernaria (n. sp.?). Wir werden später
auf dieselben zurückkommen.
Der achte Band von Gay, hist. fisica y politica de
Chile Paris 1854 behandelt die niederen Thiere von Chili
(Würmer und Radiaten). Die hier beschriebenen neuen Spe-
cies sind an den belreffenden Stellen unseres Berichtes auf-
geführt.
Gleiches gilt von Stimpson, Synopsis of the marine
Inverlebrata of Grand Manan, Smithson. Contribulions to
knowledge VI. 1854, so wie: on some remarkable marine
invertebrata,, inhabiling the shores of South Carolina in den
Proc. Bost. Soc. (V. p. 110—117) und Deseriptions of some of
the new ıarine invertebrala from Ihe Chinese and Japanese
Seas, in den Proc. Acad. of Philad. VII, 1855. May and
June. (Sonst hal der Jahrgang dieses Journals von uns
noch nicht benutzt werden können.)
Gosse, a manual of marine Inverlebrala for the british
Isies Part I. London 1555 ist mir nicht zu Gesicht gekommen,
soll aber ausser den Cruslaceen auch die Würmer und Ra-
dialen behandeln.
Wrights Verzeichniss der bei Dublin vorkommenden
Zoophyten in den Proc. Dubl. Univ. zool. Assoc. 1854. (Rev.
nal. hist. I. p. 244) führt auf: 1 Coryne, 5 Tubularinen, 25
Serlularinen, 7 Campanularinen, 3 Pennatulinen, 1 Ocel-
line, 7 Aclinien, 56 Bryozoen.
3238 Leuckart: Bericht üb. d, beistungen. in d, Naturgeschichte
Die Notes on new species and localities of microse.
organism. by Bailey in den Smithson. Contrib. 1855. T. VII
beireffen fast nur Diatomeen und andere Pseudoinfusorien.
Vermes
(mit Einschluss der Helminthen).
Huxley macht einige Angaben über das sog. Wasser-
gefässsystem der niederen Würmer und erklärt dasselbe für
einen Respiralionsapparat, der vielleicht auch zugleich zur
Ausscheidung des Harnes diene. On the vascular System of
the lower Annulosa. Rep. br. Assoc. (held 1854) 1855.
p- 109.
Die „Bemerkungen über einige Helminthen und Meer-
würmer“ von Grube in diesem Arch. 1855. I. S. 137—159.
Taf. VI u. VII, so wie der „Zoologisches“ überschriebene Auf-
satz von Leydig in Müller’s Arch. 1854. $. 284 enthalten
Beobachtungen über Strudel- und Rundwürmer, die späler
noch besonders berücksichtigt werden sollen.
Die Nalurgeschichte der Eingeweidewürmer *), ihre
Wanderungen und Entwickelungsgeschichte wird von v. Sie-
bold besprochen, Band- und Blasenwürmer. Leipzig 1854.
S.1. (Eine ähnliche Darstellung ist einige Jahre früher auch
vom Ref. erschienen: Parasilismus und Parasiten in Vierordi’s
Arch. für phys. Heilkunde XI. 199—259.)
Von welcher Bedeutung die Parasitenlehre für die prak-
tische Mediein sei, geht besonders deutlich aus dem interes-
santen Aufsalze von Griesinger über die Entozoenkrank-
heiten des Orients hervor: Vierordt’s Archiv 1854. S.554f.
*) Wir bedauern, den Lesern unseres Archives die Jahresbe-
richte über Eingeweidewürmer von 1847—1854 , die sich der frühere
Herr Verfasser ausdrücklich vorbehalten hatte, schuldig bleiben zu
müssen, haben aber den gegenwärtigen Herrn Berichterstatter ge-
beten, die wichtigsten der in dieser Zeit erschienenen Arbeiten
nachträglich noch in so weit zu besprechen, als sie für die Ent-
wickelung unserer heutigen helminthologischen Kenntnisse massgebend
gewesen sind, Die Red.
der niederen Thiere während der J. 1854-1855. 329
(Die Beobachtungen unseres Verf. betreffen besonders An-
ehylostomum duodenale und Distomum haematobium, welches
leiztere unter anderen neuen Helminthen des Menschen von
Bilharz in Cairo entdeckt ist, Zeitschrift für wiss, Zool. IV.
8.55—77. Taf. V.)
Die menschlichen Eingeweidewürmer behandelt Kü-
chenmeister: die in und an dem Körper des lebenden
Menschen vorkommenden Parasiten I. 1855.
Gros, Eludes helminthologiques in der Gazelte des
hopilaux 1854 sind Ref. nicht zu Gesicht gekommen.
Der Rapport sur le concours pour le grand prix des
seiences plıysiques pour 1853 par Qualrefages in den
Ann. des sc. nat. 1854. I. giebt ausser einer gedrängten Ue-
bersicht über die geschichtliche Entwickelung unserer hel-
minthologischen Kenntnisse eine Analyse zweier von der Kais.
Akademie gekrönlen heiminthologischen Preisschriften, als de-
ren Verf. sich van Beneden und Küchenmeister erge-
ben haben. Wir werden auf diese Arbeiten unten, bei den Tre-
maloden und Cestoden zurückkommen und bemerken nur noch,
dass die eine derselben, die von van Beneden, aufKosten
der k. Akademie gedruckt und (nach brieflicher Miltheilung
des Herrn Verf.) in Kürze erscheinen wird.
Baird’s Catalogue of Entozoa; with Plates 1853 ist mir
nicht zugekommen, dagegen finde ich in den Ann. nal. hist.
XV. p. 69. (Proc. Zool. Soc. 1853.) die Beschreibung von
einer Anzahl neuer Helminthen aus der Sammlung des Brit-
tischen Museums, die der Verf,, wie es scheint, aus diesem
Werke zusammengestellt und entlehnt hat. Wir werden spä-
ter, bei den einzelnen Helminthengruppen, diese Formen auf-
fühen.
Gastaldi beschreibt in den Cenni sopra alcuni nuovi
elminti della Rana esculenta, Torino 1854. mit 2 Taf. eine
Anzahl neuer Würmer aus den Ordnungen der Tremaloden
und Cestoden , die weiter unten an den betreffenden Stellen
noch besonders erwähnt werden. Die Beobachtungen des
Verf, müssen unser Interesse um so mehr erregen, als sie ein
neues Beispiel: liefern, wie die Schmarotzer gewisser Thiere,
hier des gemeinen Wasserfrosches, nach dem geographischen
Vorkommen in auffallender Weise wechseln.
330 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Krämer publieirt (illustr. med. Ztg. III. Heft 6) eine
Reihe „fragmentarischer Notizen und Abbildungen zur Hel-
minthologie,“ besonders über Nematoden,
Ebenso liefert Creplin in den Abhandlungen der na-
turf, Gesellschaft zu Halle 1853. I. eine Beschreibung der Ein-
geweidewürmer des Dicholophus cristatus.
Annelides,
1. Chaetopodes.
Polychaeti s. branchiati. An die Spilze unseres Be-
richles stellen wir die hübsche Abhandlung von Max Mül-
ler „über Sacconereis helgolandica“ in J. Müller’s Arch. für
Anat. 1855. S. 13—23. Taf. II u. III.
Enthält eine sehr sorgfältige Beschreibung des Baues und der
Entwickelung einer schon in dem letzten J.B. (S. 326) erwähnten Wurm-
form, die, wie wir seitdem durch Krohn (Müller’s Arch. 1855. S. 489)
erfahren haben, zu Autolytus prolifer gehört und die geschlechtlich
entwickelte Generation dieses Wurmes darstellt. Das Männchen, das
von Müller nur vermuthungsweise als solches in Anspruch genom-
men wurde, ist am Kopfe mit zwei kräftigen zangenartigen Anhängen
versehen und auch sonst noch in mehrfacher Beziehung vom Weib-
chen verschieden. Spermatozoen finden sich nur in den drei ersten
Körpersegmenten. Die Jungen entwickeln sich bekanntlich in einem
grossen Sack am Bauche des Weibchens. Sie tragen während der
späteren Zeit des Larvenlebens drei schwach entwickelte Wimper-
reifen.
Aus einer nachträglichen Bemerkung von J. Müller (Archiv
1855. S.490) erfahren wir, dass schon Slabber einen Borstenwurm
mit Eiersack beobachtet und als Scolopendra marina abgebildet habe.
Von C. Meitenheimer erhalten wir einige Notizen
über den inneren Bau von Aphrodite aculeala, besonders die
Beschaffenheit des Darmkanales , Abhandl. der Senkenberg.
Gesellsch. I. S. 8.
Unter dem Rückenfilze trägt die Haut der Aphrodite zahlreiche
kleine hohle Kegel, die an der Spitze offen sind und nach unserem
Verf. zum Ein- und Ausströmen des Wassers in die Leibeshöhle
dienen.
Huxley liefert unter der Ueberschrift: on a herma-
phrodite and fissiparous species of tubicolar annelid (Edinb.
der niederen Thiere während der J. 1854—1855. 331
new Phil. Journ. 1855. p. 113. c. Tab.) eine Darstellung des
äusseren und inneren Baues von Protula Dysderi n. sp.
Die Enden der Kiemenfäden tragen eine kleine Anschwellung,
in die zahlreiche kleine längliche Körperchen ( vielleicht Nesselor-
gane Ref.) eingelagert sind. Ausser den Blutgefässen besitzt Protula
in der Mittellinie der Bauchfläche einen flimmernden Längskanal, der
nach der Vermuthung des Verf. in der Nähe des Afters nach Aussen
führt. Eine ähnliche Bildung fand Verf. bei Phyllodoce (Ref. verweist
hier auf den Flimmerkanal von Amphicore J. B. XX. S.316). Eier
und Samenkörperchen entwickeln sich ohne Hülfe besonderer Organe
von den Querscheidewänden der Leibeshöhle und zwar in demselben
Thiere neben einander, die Samenfäden in den (2) vorderen, die Eier
in den (12) hinteren Fächern des Mittelkörpers. Die ungeschlecht-
liche Fortpflanzung geschieht in ähnlicher Weise, wie bei Filograna,
indem die hintere Hälfte des Körpers sich absetzt und durch Entwicke-
lung eines Kopfgliedes zu einem selbstständigen Thiere wird. An
einen Generationswechsel ist nicht zu denken: die Mutter zeigt zur
Zeit der Prolification bereits kleine, aber doch unverkennbare Eier.
Gosse ist nach eigenen Beobachtungen im Stande, diese An-
gaben Huxley’s vollständig zu bestätigen. Ann. nat. hist. XVII.
p- 312.
Quatrefages, sur la generation alternante des Syllis,
Annal. des sc. wat. 1854. Il. p. 142 —151. Pl. IV.
Eine specielle Darlegung der schon früher in aphoristischer
Kürze publieirten Beobachtungen über die ungeschlechtliche Fortpflan-
zung zweier Syllisarten, S. armillaris (? Ref.) und Spec. dub. (Mit
Syllis prolifera Krohn — J. B. XX. 5.319 — scheint keine dieser
Arten identisch zu sein) Verf. deutet seine Beobachtungen jetzt im
Sinne des Generationswechsels, bezeichnet aber sonderbarer Weise
das Geschlechtsthier dabei immer als Amme. WUebrigens ist dieses
Geschlechtsthier, das immer nur in einfacher Zahl seiner Mutter an-
bängt, nicht nur durch die Generationsflüssigkeiten, die es enthält, son-
dern auch durch mancherlei andere äussere und innere Eigenthüm-
lichkeiten ausgezeichnet. Es soll sogar ohne Pharynx sein und einen
einfachen cylindrischen Darm besitzen, der nach der Ablösung allmäh-
lich immer mehr atrophire. Die erste Bildung des Sprösslings wurde
vom Verf. nicht beobachtet, doch vermuthet derselbe jetzt, dass er
nicht durch eine Theilung des mütterlichen Körpers, sondern vielmehr
durch eine Knospung am Hinterleibsende seinen Ursprung nehme,
(Die Beobachtungen von Krohn, wie auch die vom Ref. und ande-
ren ausserfranzösischen Forschern sind dem Verf, unbekannt ge-
blieben.)
Auch Gosse beobachtete eine — von Syllis prolifera und Au-
332 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
tolytus verschiedene — Syllis im Theilungsakte (S. tubifex Gosse), so
dass man fast vermuthen sollte, dass alle Arten dieses Geschlechtes
‚eine Prolification besässen. Ann. nat. hist. XVI. p. 31.
Max Schultze liefert in den Abhandlungen der na-
iurforschenden Gesellschaft zu Halle 1855. II. S. 213—223.
Taf. IX eine neue ausführliche Darstellung seiner — schon im
vorigen J.B. S. 320 erwähnten — Beobachtungen „über Jie
Entwickelung von Arenicola piscatorum mit Bemerkungen über
die Entwickelung anderer Kiemenwürmer.“
Von den letzteren erwähnen wir hier namentlich die Beobach-
tungen des Verf. über die Larven der viviparen Nereis diversicolor
und des Autolytus prolifer (Sacconereis helgolandica Max Müll.), die
mit den verschiedenen Larvenzuständen der Arenicola auf der beige-
gebenen Tafel abgebildet sind.
Ueber die nach dem Loven’schen Typus sich entwickelnde
Larve von Phyllodoce vgl. die gelegentliche Bemerkung von
M. Müller, Arch. für Anat. u. Physiol. 1855. S. 17. Anm.
Ref. berichtet „über die Jugendzustände einiger Anne-
liden® (dieses Arch. 1855. I. S.63. Tab. Il, übersetzt in Ann.
nat. hist. XVI. p. 259).
Mit Bemerkungen über die schon von Busch gesehenen (). B.
Bd. XX. S. 321) Larven von Nerine longirostris, über Mesotrocha
(Chaetopterus) und den Jugendzustand von Alciope Raynaudii.
M. Müller verfolgt die weitere Entwickelung der bis-
her nur im Larvenzustande bekannten Mesotrocha und über-
zeugl sich, dass dieselbe zu Chaelopterus gehöre. Sitzungsber.
der Berl. Akad. 1855. S.395, ausführlich in Müller’s Arch.
1855. S. 1—13. Tab.1.
Die flügelartig entwickelten Rückenanhänge von Chaetopterus
(zehntes Fusspaar) entstehen dieht hinter den Ruderorganen derLarve.
J. Müller beschreibt drei Arten des von ihm schon
früher aufgestellten Larvengeschlechtes Mitraria und macht
den Versuch, diese sonderbaren Thierformen auf den Loven’-
schen Typus der Annelidenentwickelung zu reduciren. Gleich-
zeilig wird auf die Aehnlichkeit der Mitrarien mit dem Eh-
renbergischen Rotiferengenus Cyphonaules hingewiesen. Arch.
1854. S.88. Tab. V. u. VI.
Gänzlich räthselhaft bleibt dagegen die von J. Muller als
Actinotrocha bezeichnete Thierform, für die sich einstweilen über-
haupt noch keine Beziehungen ausfindig machen lassen. Ebendas. S. 84.
der niederen Thiere während der J, 1854—1855. 333
Ebenso Cyclopelma longiciliatum, über dessen zusammenge-
setzten Bau J. Müller mehrfache neue Angaben macht. Ebendas.
S. 96.
Leydig vermehrt die Zahl der auf der äusseren Haut
flimmernden Kiemenwürmer durch Entdeckung einer kleinen
Serpula (n.sp.) mit Wimperkränzen, die er vom Mantel eini-
ger miltelmeerischen Ascidien ablas. Müller's Arch. 1855.
S.313.
In Stimpon’s Synopsis of the marine inverlebrata of
Grand Manan werden 42 Chätopoden (mit 22 neuen Arten)
aufgeführt und beschrieben.
Auch Gay beschreibt in der Historia fisica di Chile
T. Vill. p. 15—34 eine Anzahl neuer Chätopoden und liefert
von mehreren derselben eine Abbildung.
Peters berichtet über die von ihm an den Küsten von
Mossambique aufgefundenen Anneliden (17 Arten unter denen
11 neu). Berl. Monatsber. 1854. S.610 und dieses Archiv
1854. 1. S. 38.
Ebendaselbst (1855. I. 8.381—136. Taf. III—V) veröf-
fentlicht auch Grube einen sehr reichhaltigen Aufsatz mit
„Beschreibungen neuer oder wenig gekannter Anneliden.“
Für die Familie der Aphroditen verweisen wir auf die
wichlige Abhandlung von Kinberg nya slägten och arter
af Annelider, Ofvers. k. Velensk. Förhandl. 1855. T. Xll.
p- 381, wo folgende neue Arten charakterisirt sind:
Aphrodite alta Rio Jan. ; A. longicornis La Plata; Aphrogenia
(n.gen.) alba St. Thomas; Laetmonice (n.gen.) filicornis Westk. von
Schweden; Iphione (n. gen.) ovata Honululu; Lepidonotus Pomareae
Tahiti; L. socialis Ins. Eimeo; L. Jacksoni Port Jackson; L. marga-
ritaceus (Juayaquil; L. Johnstoni Panama; L. Wahlbergi Port Natal ;
L. coeruleus Rio Janeiro ; L. havascus Honululu; L. striatus Port Jack-
son; L. indieus Bangka; Holosydna (n.gen.) Virgini Honululu; H.
australis La Plata; HM. patagonica Magelhäns -Str.; H. parva Valpa-
raiso; H. brevisetosa St. Franzisko; Antinoe (n. gen.) aequiseta Port
Natal; A. Waahlii Port Jackson; A. pulchellus La Plata; A. microps Rio
Janeiro; Harmothoe (n. gen.) spinosa Magelhäns - Str.; Herma-
dion (n. gen.) Magelhaensi Magelhäns-Str.; H. longieirratus eben-
dah., Panthalis (n. gen.) Oerstedi Schweden; Eupompe (n. gen.)
Grubei Quayaquil; Sthenelais (n.gen.) Helenae Valparaiso; St. arti-
eulata Kio Janeiro; Sigalion Edwardsi La Plata; Leanira (n. gen.)
334 Leuckart: Bericht üb. d, Leistungen in d. Naturgeschichte
Quatrefagesi La Plata; Psammolyce (n.gen.) Petersi Mossambique;
Ps. flava Rio Janeiro.
Die neuen Genera tragen nachstehende Diagnose:
Aphrogenia (e tribu Aphroditaceorum). Oculi parti basali tenta-
culi impositi, laterales; tela tomentosa nulla; setae pedum dorsualium
uncinatae, nec glochideae, pedum ventralium paucae, bidentatae.
Laetmonice (e tribu Aphroditaceorum). Oculi pedunculis sufulti
margini anteriori lobi cephalici adnatis; dorsum tela tomentosa tectum;
selae pedum ferentium glochideae, ventralium semipennatae.
Iphione (e tribu Iphioneorum). Oculi.quatuor, lobus cephalicus
-in arliculos antennarum basales produetus, lobo longiores; elytrorum
paria tredecim; setae dorsuales subulatae, ventralibus serratis appro-
ximatae. Hierher auch als Spec. Eumolpe muricata Blainy.
Halosydna (e tribu Polynoinorum). Bases antennarum margine
anteriore lobi cephalici producti; elytrorum paria 15—21, dorsum non
omnino tegentia; corpus elongatum.
Antinoe (e tribu Polynoinorum). Bases antennarum sub margine
lobi cephalici, antice ineisi, iuxta tentaculum affixae; elytrorum pa-
ria 12—15, dorsum obtegentia; corpus breve.
Harmothoe (e tribu Polynoinorum). Bases antennarum sub ten-
taculo affıxae, ineisuram lobi cephalici oceupante; elytrorum paria 15,
dorsum obtegentia; corpus haud longum. Hierher auch Lepidonote
scabra (Fabr.) Oerst.
Hermadion (e tribu Polynoinorum). Antennae ut in Harmothoe;
elytrorum paria 15, partem mediam dorsi et segmenta posteriora non
tegentia ; selae inferiores infra apicem serratae; corpus elongatum.
Panthalis (e tribu Aco&teorum). Dentes medii contigui; pedun-
euli oculorum partem anticam lobi cephalici oceupantes, longitudine
tentaculi; elytrorum paria 39, primis tribus planis dorsum tegentibus,
reliquis campanulatis, dorsum medium nudum relinquentibus.
Eupompe (e tribu Acoöteorum). Pedunculi oculorum partem
anticam lobi cephalici occupantes, tentaculo parum breviores; elytro-
rum paria 95, plana, tenuia, inverse s. antrorsum imbricata; pars an-
tica et media dorsi nuda, postica tecta.
Sthenelais (e tribu Sigalioninorum). Lobus cephalicus rotundatus;
media parte impressa tentaculum excipiens validum, cuius basi anten-
nae affıxae; oculi quatuor; selae trium ordinum: zetaceae, serrulatae;
subulatae, serrulatae ; articulatae, bidentatae. Papillae elytrorum dor-
sum tegentium simplices.
Leanira (e tribu Sigalioninorum). Lobus cephalicus rotundatus,
sulco medio tentaculum excipiens; antennae nullae; palpi longissimi;
oculi duo; selae superiores spiraliter serrulatae, inferiores subulatae,
pectinato-canaliculatae; elytra anteriora dorsum non omnino tegentia,
papillis nullis.
der niederen Thiere während der J. 1854—1855. 335
Psammolyce (e tribu Sigalioninorum). Lobus cephalicus antice in
basem productus crassam tentaculi longi; antennae nullae; oculi
quatuor (duo?) ; setae superiores simplices, gracillimae, serratae, in-
feriores compositae, apice bidentato-fissae; elytra medium dorsum non
tegentia, arenosa, margine longe fimbriata.
Weitere neue Arten aus der Familie der Aphroditeae: Polynoe
chilensis, P. virens, P. fasciculosa aus Chili, Gay |. c. p. 15—17.
Tab. I. fig.1—-3. Polynoe glauca Peters a. a. 0. Pol. malleata von
Triest, P. tuta und P. vitata aus Sitcha, Grube a. a. 0. S.81— 83
Acoötes lupina Süd-Carolina, Stimpson, Proc. Bost. Soc. V. p. 116.
Polyodontes gulo (Rüpp.) n. sp. aus dem Rothen Meere, Grube a.
a. 0. S.33—090. Eine Form, die zwischen Polyod. maxillosus Ranz.
und Acoötes Pleei Aud. et Edw. in der Mitte steht, so dass es Verf,
jetzt für natürlich hält, die beiden Gen. Polyodontes und Acoe-
tes unter dem gemeinschaftlichen Namen Polyodontes, mit einander
zu vereinigen und dafür eine neue Diagnose aufzustellen, die fol-
gender Massen lautet: Corpus vermiforme, depressum, elytrophorum,
elytris segmento 2do, 3io, 5to et ceteris imparibus alfixis, segmentis
interiectis cirros dorsuales gerentibus, lobus capitalis tentaculis fron-
talibus 2 vel 3, lateralibus inferioribus 2, oculis petiolatis 2 munitus,
segmentum buccale utrinque cirris tentacularibus 2 protentis instru-
clum, pharynx exsertilis ex cylindrato depressa bilabiata, margine
antico papillis brevibus coronato, media maxime producta, filiformi,
maxillis uncinatis serratis 4; pinnae fasciculis setarum 2 vel 3, cirro-
que ventrali et dorsuali aut elytro instructae, interdum papillis dor-
sualibus ornatae, setae simplices, superiores pectinatim collocatae,
fortiores, minus prominentes, praeter eas interdum fasciculus setarum
capillarium, s. inferiores penicillum minutum componentes, tenerae
fortioribus longiores. An diese Diagnose schliesst sich sodann eine
neue Charakteristik der drei bekannten Species: P. maxillosus Ranz.,
P. gulo (Rüpp.) Gr. und P. Pleei (Aud. et Edw.) Gr.
Sigalion ooulatum, Peters a. a. 0. S. 38.
Pholoe tecta, Stimpson |. c. p.3l.
Palmyra debilis Villa franca, Grube a. a. 0. S.90. Taf. III.
fig. 4.
Aus den übrigen Familien der Rückenkiemer haben wir folgende
neue Arten zu erwähnen:
Chloeia egena hab.? Grube a. a. 0. $.92.
Notopygos crinita Grube von St. Helena, eine schon in den „Fa-
milien der Anneliden“ aufgeführte (J. B. XX. S. 324) neue Form,
die hier (a. a. 0. 5. 93) charakterisirt wird. Für das Gen. n. stellt
Verf. folgende Diagnose auf: Corpus ex ovali oblongum, validum,
depressum, segmentis magnis, ano dorsuali, a segmento postremo re-
moto, lobus capitalis crassus, subtus per longitudinem sulco divisus,
336 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
tentaculis anticis 5, oculorum paribus ?, os inferum, segmenta bucca-
lia caruncula dorsuali ornala; tubercula setigera utrimque disticha,
eirro dorsuali et ventrali munita, sursum spectantia , setae simplices,
penicillos magnos componentes, branchiae dorsuales, cirratae, ad ba-
sin penicillorum superiorum sitae.
Amphinome incarunculata, Peters a. a. O0. S.39.
Zu den Amphinomeen scheint auch das sonderbare nov. Genus
Cryptonota zu gehören, das Stimpson, der dasselbe neu auf.
stellt, folgendermassen charakterisirte: Body broat, oval; segments very
narrow; head minute, papilliform, placed ad about the anterior fourth of
the length of the animal; single median lentacle short much narrower
than the head; eyes two at the base of the tentacle. Back entirely
covered by the crowded dorsal setae, leaving only a median line of
separation, which terminates anteriorly atthe head and posteriorly not
far from the margin. The dorsal pinnae are thus transverse in the
middle and longitudinal at the extremities of the body, as if radiated
from the two points forming the extremities of the dorsal line. The
ventral pinnae are short and provided with strong hooked setae.
They completely surround the ventral surface of the animal. The
mouth is at about the anterior sixth of the animal below, and from
it the anterior feet radiate, as from the head above. The branchiae
probably ressemble those of Euphrosyne, to which genus this has
perhaps the nearest relations. Sp. Cr. citrina, Stimpson |. c. p. 36.
Diopatra longissima hab.? Grube a.a. 0.S. 94. Tab. Ill. fig. 6.
Eunice afra, E. punctala, E. simplex, E. mossambica, Peters
a.a.0. S. 39. 49. Eunice Oerstedi, E. vivida, Stimpson |, c. p. 35.
Eunice aenea, Gay l.c. p. 19. Tab. 1. fig. 4
Lysidice punclata Triest und Villa franca, Grube a. a. 0.
Ss. 93.
Evonelle (n. gen.) bicarinala, Stimpson l.c. p.34 ist sehr
nahe mit Oenone verwandt.
Nereis abyssicola, N. Iris, N. denticulata, N. grandis, Stimpson
ebendas. p. 33. 34. Nereis Gayi, Gay |. c. p.22. Tab.I. fig. 5.
Eichwald beschreibt N. brevimana Johnst. in dem Rigaer
Correspondenzblatt VI. S.108 und Grube die N. (Heteronereis) he-
teropoda Cham. et Eysenh. a.a. 0. S. 06.
Dendronereis (n. gen.) arborifera, Peters a.a. 0. S. 40.
Das neue Genus unterscheidet sich von Nereis dadurch, dass die Cirren
des 13—23. Körperringes zu grossen Kiemenbüscheln verästelt sind.
Lycastes quadraticeps, Gay l. c. p.25. Tab. I. fig. 7.
Staurocephalus (n. gen.) rubrovitlatus Triest, Grube a.a.0,
5. 97. Tab. III. fig. S—12, eine Art, bei der die Kopflappen der Ne-
reiden in ansehnliche Seitenanhänge ausgewachsen sind.
der niederen Thiere während der J. 1854—1855. 337
Nephthys ingens, Stimpson |. c. p. 33.
Phyllodoce transatlantica, Gay 1. e. p. 26.
Lepadorrhynchus (n. gen.) brecis aus dem Mittelmeere,
Grubea. a. 0. S. 100. 101. Tab. Ill. fig. 13—16. Gleichfalls schon
früher (Fam. der Anneliden) vom Verf. kurz charakterisirt. Bei
einigen Exemplaren waren die beiden ersten Se@mentanhänge in kneip-
zangenantige Haftapparate verwandelt; wie Verf. — wohl mit Recht —
vermuthet, eine Auszeichnung der männlichen Individuen.
Ozydromus (n. gen.) fasciatus, Grube a. a. O. S. 98-99,
Tab. IV. fig. 1 u. 2. Triest-und Villa franca. Mit Castalia verwandt,
aber mit 5, Fühlern und ohne ‚oberes Borstenbüschel und Züngelchen.
Glycera carnea, Gay 1. c. p.28., Tab. 1. fig.1. Gl. virides-
cens Stimpson.l..c. p.33. Ueber Glycera Meckelii Aud.? (oder
Gl. fallax Quat.) vgl. Grube.a. a, O. S. 101—104.
Syllis stenura, Gay l.c. p. 24. Tab. 1. fig.6.; S. spongicola
Triest, Grube:a. a. O0. $.104.; 8. tubifer, Gosse Annals nat. hist.
XVI. p. 31. Eine zweite ebendaselbst von G. beschriebene neue Art
des Gen. Syllis, S. longiseta, gehört zu Exogone Oerst.
Crithida (n. gen.) thallassina, Gosse (ibid. XVI. p. 308) ist
ein männliches Individuum von Autolytus prolifer (Sacconereis hel-
golandica M. Müll. s. oben S. 330).
Vergl. über Autolytus ferner noch Grube a. a. 0. S. 105.
Leucodore ciliata Johnst. var. minula (?) Grube ebendas. 106.
aus -Dieppe:
Heteroeirrus (n. gen.) saricola, Gr. a.a.0. S. 108. Tab. IV.
fig. 11, beiVilla franca. Eine neue, vielleicht mit Lumbricus cirratu-
lus Delle Ch. identische Wurmform, die Verf. zwischen Spio und Cir-
ratulus stellen möchte.
Cirratulus Blainvillei Gr. (Cirronereis filigera Bl., wahrschein-
lich ‚auch Lumbrieus filigerus Delle.Ch.), a, a. 0. 8. 110. Triest. —
C. australis, Gay.l. ec. p..29.
Aonis villata, Gr. a. a. 0. S. 110. Vaterland unbek.
Die von mir beschriebene Aonis Wagneri (J. B. XVI. S. 361)
ist nach Grube eine Spio, vielleicht Sp. erenaticornis Mont. Ebenso
erkennt derselbe die von ihm früher (Act. Echin. Würm. des Mittelm.
8.69) beschriebene Aricia Latreillei jetzt als n. Sp.; A. laevigata, a.
a. 0. S.112. Tab. IV. fig. 6—8.
Das neue Gen. Clytia Gr. unterscheidet sich von Aonis durch
den Mangel der ansehnlichen Lippenblätter an den Borstenbündeln und
die freie Bildung der Kopflappen. Nov. sp. Cl. simplex bei Villa franca,
a. a. 0. S. 114. Tab. IV. fig. 9. 10.
Ophelia glabra, Stimpson |, c. p. 33.
Siphonostoma grande und S. minultum, Gay]. c. p.35. 36. —
Archiv f. Naturgesch, XXI, Jahrg. 2, Bd. W
338 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Siph. asperum, Tecturella (n. g.) flaccida .(Siph. vaginiferum ?),
Brada (n. gen.) granosa, Br. sublaeris, Stimpson 1. c. p. 32. Die
beiden neu aufgestellten Genera dürften kaum von Siphonostomum zu
trennen sein.
Arenicola natalis Chelsea, Girard Proc. Bost. Soc. V. p.88;
A. ceristata, ‚durch ihr& colossale Grösse ausgezeichnet, Stimpson
ibid, p. 114.
Die Gruppe’ der Capitibranchiatae hat keinen so grossen
Zuwachs an neuen: Arten. erbalten.
Grube beschreibt ausser Terebella nebulosa Mert. und T. lutea
Risso als neu: T. viminalis von Palermo, T. triserialis aus Sicilien
und Villa franca, T. corallina Villa fr. und T. peetinata aus dem Mit-
telmeere. A. a. 0. S. 115—120. -Terebella brunnea n sp. , Stimpson
l. c. p. 31.
Lumara (my gen.) flava, Stimpsonm: ibid. p: 30 dürfte trotz
der Anwesenheit von Augen auf dem ersten Wimperringe kaum von
den zweikiemigen Terebellen zu trennen 'scin.
Das neue Gen. Calymmatops Peters vist eine Terebella, de-
ren Kiemen von ‚dem Rande einer eigenen blattförmigen Duplicatur
entspringen. C. granulatus, Peters a, a. 0.8.41,
Polycirrus (n. gn.) Medusa, Grube a. a. 0. $.120 ist von
unserem Verf. schon früher (Fam. der Anneliden $. 137) kurz charak-
terisirt worden.
Crossostoma (n. gen.) Midas, Gosse Ann. nat. hist. XVI.
ps 310. Tab. VI. p. 7—12 ist mit Amphitrite Gunneri Sars (Amphicteis
Gr.) identisch.
Sabellaria pennata n. sp. aus.Mossambique, Peters a.a. 0.8.42.
Sabella mossambica, Peters ebendas. 8.42%. — 8. Zonalis,
Stimpson l.c. p«30 (= Tubularia penicillis ©. Fabrieius).
Eriographis borealis, Gr. Fam. der Annel. S. 139, ist wie Verf.
jetzt hervorhebt (Arch. 1855. I. S. 122), identisch mit der vonKoch
in Renieri’s Nachlass beschriebenen Myzicola infundibulum (auch wohl
Trombetta divisa Ren. und Sabella infundibalum Delle Eb.).
Protula media, Stimpson ibid.— Pr. Dysderi, Huxley Edinb.
new phil. Journ. 1855. p. 155. Tab. I.
Vermilia serrula, Stimpson I.c. p. 29, nur nach dem Gehäuse
beschrieben.
Der Deckel von Serpula (Galeolaria) caespitosa Lam. wird ab-
gebildet bei Grube a. a. ©. V. fig. 4.
Spirorbis chilensis, Gay 1]. ec. p.34. — Sp. quadrangularis,
Stimpson |. c. p. 30.
Unter dem Namen Stoa stellt M. de Serres ein neues Genus
Spirorbis-artiger Tibicolen auf, die parasitisch auf den dieken Scha-
der niederen Thiere während der J. 1854—1855. 339
len oceanischer Bivalven ‚leben und dieselben nach verschiedenen
Richtungen hin durchsetzen (Ann, des sc. nat. 1855. IV. p. 238). Die
Gehäuse dieser Thiere ‚charakterisirt ‘Verf. mit: folgenden Worten :
Tube testac& contourne en. spirales ‚erbieulaire et irreguliere, 'd’une
forne discoide, renll&e et. convexe; dernier tour delache du premier,
et se prolongeant parlois en un tube ‚droit; ouverture ovalaire, ter-
minee par un opereule solide, ‚calcaire, conique et surcharge. Verf.
unterscheidet drei verschiedene Arten: St. ammonitiformis, St. spi-
rulaeformis und St. perforans. (Das Thier von’ Stoa ist vom Verf.
nicht beobachtet — es dürfte. die Aufstellung eines neuen Genus dem-
nach einiges Bedenken haben, ‚um so mehr als die Anwesenheit eines
kalkigen, mit dichten Spirallinien gezeichneten Deckels fast mehr auf
eine Schnecke, als auf einen Borstenwurm hindeutet. In der That be-
schreibt d’Orbigny — nach einer Angabe Shuttleworth’s ibid.
p- 319 — einen Vermetus (Spiroglyphus Daud.) ‚corrodens, der, wie
Stoa, die Schalen zahlreicher tropischer Muscheln: durchlöchert.)
Gosse beschreibt (Ann.' nat. hist. XV. p.33. Tab. IV) ‚ausser
Othonia Fabrieii Johnst.. (Amphicora''Sabella Ehrbg.) noch zwei an-
dere neue — augenlose — Arten dieses: Geschlechtes, 0. Bairdii und
0. Johnstoni, und charakterisirt das Gen. folgendermassen :
„Gill-fants two, composed of’ several soft, thick curled-inward,
pectinated,, eiliated ‚stems set’ like a star around the mouth; body
composed: of twelve to thirty-five'segments, ‚all furnished with lateral
peneils or bristles, ‚buth without hooks ‘( ? Ref.). Animal inhabits a
membranous tube,sopen at both ends, „which it ofter forsakes.«
Die von Grube als neu beschriebene Fabricia gracilis, a. a. 0.
$. 123, dürfte wohl mit Amphicora 'mediterranea wege (J. B. XX.
5. 328) zusammenfallen.
Oligochaeti s. Lumbrieini, Die Gruppe der Regenwürmer
hat in dem jungen belgischen Zoologen d’Udekem einen
fleissigen und geschicklen Bearbeiter gefunden. Wir verdan-
ken demselben eine ganze Reihe, von. vortrefflichen Monogra-
phieen, die unsere Kenntnisse über den Bau und die Ent-
wickelungsgeschichte dieserThiere bedeutend gefördert haben.
Die erste dieser Monographieen ist die schon im vorig.
J. B. erwähnte „histoire nat. de Tubifex des ruisseaux“ in den
Möm. couronn. de l’Acad. roy. de Belgique T. XXVI. 38 S.
und 4 schön ausgeführte Tafeln. Sie enthält ausser einer hi-
storischen Einleitung eine vollständige, sehr delaillirie Ana-
tomie und Entwickelungsgeschichle, so wie schliesslich eine
zoologische Charakteristik des Gen. Tubifex und insbesondere
des T. rivulorum.
340 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d, Naturgeschichte
Die „schleifenförmigen Drüsen“ werden vom Verf. in derselben
Weise beschrieben, wie von Gegenbaur ()J. B. XX. S. 329), nur
dass die beiden grossen Flimmerkanäle, die letzterer gleichfalls diesen
Drüsen zurechnet, hier — und zwar gewiss mit Recht — als Samen-
leiter in Anspruch genommen werden. Das Gefässsystem besteht aus
einem Rückenstamme und einem Bauchstamme, die in den einzelnen
Segmenten durch seitliche 'Gefässbögen unter sich zusammenhängen,
Der siebente Gefässbogen ist stark erweitert und fungirt als Herz.
Auch einige andere Gefässbögen (besonders die des 10-12. Ringes,
die neben den Geschlechtsorganen liegen), zeigen in ihrer Entwicke-
lung gewisse Abweichungen. Besonders interessant sind die Mitthei-
lungen ‚unseres Verf. über den Bau der Generationsorgane, der frei-
lich sehr verwickelt ist und auch vielleicht nicht in jeder Beziehung
vollständig erkannt wurde. Der Hoden erscheint als eine unpaare
sackförmige:Drüse, die am weitesten nach vorn liegt und zur Zeit
der Reife ihren Inhalt in die Leibeshöhle ausleert. Von da gelangen
die Samenfäden in die mächtig entwickelten Samenleiter, deren Ende
mit einer trompetenförmig erweiterten , freien Oellnung versehen ist.
Vor der äusseren Geschlechtsöffnung, die jederseits am elften Ringe
gelegen ist, zeigen diese Samenleiter eine ansehnliche faschenförmige
Erweiterung (Geschlechtskloake Verf.), der in der Mittellinie eine für
beide Leitungsapparate gemeinschaftliche, langgestreckte und beutel-
artige Samenblase anhängt. Rechts und links von dieser Samen-
blase findet man die beiden schlauchförmigen Ovarien mit den Eikei-
men. Die Reifung der letzteren geschieht in einem besonderen un-
paaren Fruchthälter, der die Samentasche einschliesst, ohne damit aber
in offener Communication: zu stehen. In ähnlicher Weise scheinen
die Ausführungsgänge dieses Fruchthälters die äusseren Erweiterungen
der Samenleiter scheidenartig zu umgeben. Die beiden grossen Blind-
säcke vor der Geschlechtsöffnung betrachtet Verf. als Schalerdrüsen;
ihr Inhalt soll nicht, wie man wohl angenommen hat, aus Spermato-
phoren, sondern aus fadenförmig verfilzter Schalensubstanz bestehen
c? Ref.). Die Eier sind bekanntlich immer zu mehreren in eine ge-
meinschaftliche Schalenkaut eingeschlossen und besitzen — im Ge-
gensatze zu den Eiern der Regenwürmer — eine schr beträchtliche
Grösse.
Die Beobachtungen d’Udekem’s beschränken sich übri-
gens nicht. auf, dieses, eine Genus; ‚wir erhielten, von. dem-
selben auch eine zweite nicht minder wichlige und interes-
sante Abhandlung: developpement du lombrie terrestre (Ibid.
T. XXVII), eine gekrönte ‚Preisschrilt, deren Hauptresultate
schon vor dem Drucke durch den Berichterslalter, Prof, van
Beneden, in den Bull. de l’Acad. de roy. de Belgique T.XX.
der niederen Thiere' während 'der‘J. 1854— 1855. 341
No. 11. uns bekannt geworden sind. (Obwohl die’ Publikation
dieser Abhandlung eigentlich erst in das Jahr 1856 fällt,
nehmen wir doch keinen Anstand, darüber hier gleichzeitig
mit dem Berichte van Beneden's zu releriren.)
Zum ersten Male erhalten wir hier eine genügende, wenn auch
vielleicht nicht; ganz vollständige Darstellung vom Baue der Ge-
schlechtsorgane bei dem.Regenwurme, diesen so gemeinen und so
vielfach untersuchten Geschöpfe, zum ersten Male namentlich auch
eine Beschreibung der Ovarien, die’ von ‘allen früheren Beobachtern,
bis auf unseren Verf., übersehen und irrthümlicher Weise in diesem
oder jenem Theile des männlichen: Geschlechtsapparates gesucht wur-
den. Die Hoden ‚bestehen (wie: in neuerer: Zeit auch wohl ziemlich
allgemein angenommen ‚wird) ‚aus; den. bekannten drei Drüsenpaaren,
die sogleich: bei, Eröffnung (des Wurmes oberhalb‘ des Magens auffal-
len. Dieselben haben eine einfache sackförmige Bildung und enthal-
ten Samenmasse auf den «verschiedensten: Stufen‘ der » Entwickelung.
Zwischen diesen Hoden liegen vier paarweise gruppirte, limmernde
Trichter, deren vielfach gefaltete Wandungen sich: mit ihrer konischen
Spitze in gleichfalls flimmernde Kanäle: fortsetzen. Diese Kanäle sind die
Samenleiter. Am Anfange sind dieselben knäuelförmig gewunden, bis
sie schliesslich einen gestreckten Verlauf annehmen und sich jederseits
zu einem einlachen Gange vereinigen, der-im 15. Segmente ausmündet.
Die freie Trichteröfluung soll übrigens nach der Darstellung unseres Verf.
keineswegs zur Aufnahme der Samenläden dienen; Verf. beschreibt
vielmehr an jedem Hoden einen besonderen kurzen Ausführungsgang,
mittels dessen diese Drüse in den Hals der Trichter einmünden, die
beiden ersten Hoden in den Hals des. vorderen Trichters, der letzte
Hode in den des zweiten. Die Ovarien sind (und Meissner, wie
Schmidt und Ref, haben. bereits. Gelegenheit gehabt, diese, That-
sache zu bestätigen, Zeitschr. für wiss. Zool, VI. S.238) zwei kleine
birnförmige Drüsen, die im zwölften Körperringe neben dem Nerven-
strange gelegen sind und nach hinten in einen Ausführungsgang sich
verlängern, deren Ausmündung und letzte Endigung unserem Verf.
unbekannt geblieben sind. Zu den Hoden und Ovarien gesellen sich
sodann noch einige accessorische Gebilde, unter denen besonders die
Samentaschen und Schalendrüsen zu.nennen sind. Die ersteren, die
in früherer Zeit gewöhnlich für Hoden gehalten wurden, liegen im
neunten und zehnten Segmente, Sie stehen. mit dem männlichen Ap-
parate in keinem Zusammenhange, sondern werden bei der Begattung
von Aussen gefüllt, obgleich Verf. über die Ausmündung derselben
und die Uebertragung der Samenmasse im Unklaren geblieben (Ref.
hat an der vorderen Bauchseite der Regenwürmer zur Brunstzeit nicht
selten kleine spindelförmige Gebilde angetrolfen , die mit Samenläden
842 Leuekart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
gefüllt waren und wohl als Spermatophoren zu betrachten sein dürf-
ten. Sie scheinen dieselben Gebilde zu sein, die man früher als Pe-
nis ansah und die nach den Beobachtungen von F. Müller und Hoff.
meister bei Criolilus zu einer sehr ansehnlichen Ausbildung ge-
langen.) Die. „Schalendrüsen,* die paarweise im 8—11. Segmente an-
getroffen werden, sind eigentlich blosse vergrösserte Borstensäckchen.
Sie enthalten eine Anzahl sehr kräftiger Borsten, die nach Aussen
vorgestreckt werden können und bei der Begattung als Stimulations-
apparate fungiren, ausserdem aber auch grössere und kleinere rund-
liche Ballen einer zähen, gelblichen Substanz, die nach der Vermu-
thung unseres Verf. zur Fabrikation des Cocons dienen. Die Bildung
dieses Eibehälters hat Verf. übrigens ebenso wenig direkt beobachten
können, wie das Ablegen und die Befruchtung der Eier ; er glaubt
indessen mit Bestimmtheit annehmen zu dürfen, dass die Uebertragung
der bei den Hirudineen bekannten Verhältnisse auf die Regenwürmer
unzulässig sei.
Die Entwickelung derRegenwürmer zeigt nur wenig auffallende
Verhältnisse. Wir verweisen für die Vorgänge derselben auf das
Original und erwähnen bloss‘, dass die Ausbildung des Embryo vom
Kopfe immer weiter nach hinten schreitet. ‘Die erste Anlage des
Kopfes lässt sich schon sehr frühe als eine Verdickung des Blastoderma
erkennen. Die Bildung der schleifenförmigen Kanäle geschieht gleich-
falls frühe, viel früher, als’die ‚der Blutgefässe, die sich kaum ein-
mal bei dem ausschlüpfenden' jungen 'Wurme erkennen lassen. Die
Eier der Regenwürmer 'sind Anfangs bekanntlich ausserordentlich
klein, aber die Masse derselben wächst während der Entwickelung
durch Absorption des Eiweisses, das neben den Eiern in der Schalen-
haut des Cocons eingeschlossen ist, so dass der junge Wurm beim
Auskriechen ganz ansehnlich ist, * Uebrigens kommt in der Regel nur
ein einziges Ei in dem 'Cocon' zur Entwickelung, da die übrigen,
meist schon frühe, absterben.
Auf diesen ersten, dem Gen. Lumbricus gewidmeten Abschnitt
der d’Udekem’schen Monographie*folgt eine, zum Theil freilich mehr
aphoristisch gehaltene Darstellung vom Baue der Weschlechtsorgane
und der Entwickelung der übrigen vom Verf. beobachteten Lumbriei-
nen: Enehytraeus vermicularis und E. galba, Chaetogaster diaphanus,
Nais proboscidea , Tubifex rivulorum und Euaxes obtusirostris. Die
Generationswerkzeuge von Tubifex sind von unserem Verf, schon in
der vorher erwähnten Monographie dargestellt worden; wir beschrän-
ken unsere Bemerkungen daher auf die übrigen hier erwähnten
Species.
Enchytraeus besitzt einen unpaaren Hoden, der, wie überall
bei den Lumbrieinen, im vorderen Abschnitte des Körpers liegt und in
seiner Bildung mit der unpaaren Samenblase von Tubifex überein-
der niederen Thiere während der J. 1854—1855. 343
stimmt. Wie die letztere von dem Uterus, so wird bei Enchytraeus der
Hoden vom Ovarium umgeben, aus dem ‚jederseits ein kurzer und
trichterförmiger Ausführungsgang hervorkommt. Mit diesem Ausfüh-
rungsgange an derselben Stelle (im 12. Segmente) öffnet sich der Sa-
menleiter, der eine sehr beträchtliche Länge hat und mit einem drü-
sigen Anfangstheile aus dem vorderen Abschnitte des Hodens her-
vorkommt. Die Schalendrüsen erreichen eine beträchtliche Entwicke-
lung und liegen vor den Geschlechtsorganen (Speicheldrüsen der frü-
heren Autoren). sie enthalten ein faseriges Sekret, das zur Umkapse-
lung der einzelnen Eier dient.
Bei Chaetogaster fehlen die Geschlechtsdrüsen, indem Sperma-
tozoen und Eier hier frei in der Leibeshöhle (im zweiten und dritten
Körpersegmente) ihren Ursprung nehmen. Zur Ausfuhr der ersteren
dienen zwei ansehnliche Samenleiter mit einem freien Flimmertrich-
ter am Ende und einer Drüsenanschwellung vor der Mündung. Auf
welche Weise die Eier nach Aussen gelangen, ist Verf. unbekannt
geblieben, er vermuthet ein Platzen des betreffenden Segmentes. Die
abgelegten Eier sind einzeln in eine Kapsel eingeschlossen, die auch
hier von zwei Drüsensäcken abgesondert wird, und mittelst eines
kurzen Stieles auf fremden Gegenständen befestigt,
Nais proboscidea konnte nur unvollständig untersucht werden,
doch glaubt sich Verf, davon überzeugt zu haben, dass Hoden und
Eierstock in ähnlicher Weise, wie bei Enchytraeus, in einander ein-
geschachtelt sind. Vor den Geschlechtsorganen liegen ein Paar beu-
telförmige Drüsensäcke (Hoden v. Siebold), deren faseriger Inhalt
auch hier zur Umhüllung der Eier. Letztere werden, wie bei Chae-
togaster, ‚einzeln an fremden Gegenständen befestigt und sind am vor-
deren freien Pole mit einem kleinen cylindrischen Aufsatz ‚(nach der
Abbildung mit einer Oeffoung am Ende, etwa einer Micropyle? Ref.)
versehen,
Die Geschlechtsorgane von Euaxes hat Verf. nicht selbst unter-
sucht; er versucht es indessen, die Darstellung von Menge mit sei-
nen Erfahrungen an den übrigen Lumbricinen in Einklang zu bringen.
Eine dritte Abtheilung unseres Werkes giebt ‘eine vergleichende
Uebersicht über den Bau der Geschlechtsorgane ‘bei den Lumbricinen
im Allgemeinen, aus der wir hier nur das Eine hervorbeben , dass
der Verf. bei allen von ihm untersuchten Arten die Anwesenheit
eines Sattels, d. h. einer ringförmigen Schicht von Drüsenzellen in
der Nähe der Geschlechtsapparate nachweisen konnte.
Die Description d’une nouvelle espece d’enchylraeus par
d’Udekem (Bull. Acad. roy, de Belg, T. XXl. No. Liu. 12.
mit 1 Taf. Abbild. handelt über. die Arten des Gen. Enchy-
traeus. Verf, beschreibt dabei eine neue: belgische Form,
344 Leuckart: Bericht-üb. d. Leistungen in.d, ‚Naturgeschichte
die er wegen der Anwesenheit eines deullichen Muskelma-
gens als E. ventriculosus bezeichnet.
Die Beschreibung dieser Art beschränkt sich nicht bloss auf den
äusseren Bau, sondern berücksichtigt in gleicher Weise auch die in-
nere Organisation, bes. den Darm, die Nieren (Schleifenkanäle), das
Nervensystem und die Geschlechtsorgane.
Meissner macht (Zeitschrift für wiss. Zool. Vl. S.238)
die Bemerkung, dass die Samenbehälter ‚von Lumbricus,, die
jederseits in der Furche zwischen dem 9. und. 10, wie zwi-
schen dem 10. und'11. Ringe durch eine feine Oeffnung nach
Aussen münden, bei der Begaltung nicht bloss mit Sperma
gefüllt werden, sondern auch die Eier aufnehmen. Im In-
nern dieser Blase geht nach der Darstellung unseres Verf.
auch die Befruchtung vor sich, indem sich die Samenfäden
in. die nackte, linsenförmig abgeplaltete Dollermasse ‚einboh-
ren, (Die Darstellung M.'s steht ‚mit d’Udekem in sofern
im: Widerspruche, ‚als leizterer die Bier noch im Cocon, bis
zur Ausbildung der’Embryonen, von einer Dolterhaut umhüllt
sein lässt.)
Nach den Beobachtungen von Leidy pflanzt sich Siy-
laria fossularis den Sommer über ausschliesslich durch Thei-
lung fort.. Erst im Herbste, wo die Fähigkeit dieser unge-
schlechtlichen Vermehrung erlischt, bekommen die Individuen
zwillerhalte Geschlechtsorgane. A flora and fauna wilhin
liv. Anim., Smithson. Contrib. V. p. 11. Anm.
Newport findet die Angaben von Bonnet und Spal-
lanzani über das Reproductionsvermögen von Lumbricus
terrestris vollkommen bestätigt. Ann. nat. hist. XIII. 1854.
p- 423. (Proc. Linn. Soc.)
Von systematischen Arbeiten haben wir zu erwähnen:
Nouvelle classification des Annelides setigeres abran-
ches par d’Udekem (Bullet. Acad. roy. de Brux. T. XXII.
No. 10).
Enthält eine Schilderung des äusseren und inneren Baues der
Lumbrieinen und ihrer Familien, so wie eine kurze Charakteristik der
vom Verf. beobachteten Genera und Arten. Verl. unterscheidet vier
Familien : die der Lumbricinen, Tubificinen, Enchyträen und Naidinen,
von denen die drei ersten sich ausschliesslich durch betruchtete Eier
foripllanzen, während sich die vierte auch zugleich auf ungeschlecht-
der niederen Thiere während der J. 1854—1855. 345
lichem Wege vermehrt, wesshalb Verf. auch geneigt ist, die ganze
Ordnung zunächst in zwei Unterordnungen Agemmes und Gemmipares
zu vertheilen. Beschrieben werden folgende Arten: Tubifer rivulo-
rum (Saenuris variegata Hoff.) d’Ud., T. Benedenii n. sp., T. hyalinus
n.sp-. , T. elongalus n.sp., Enchytraeus vermicularis Hoffm., E, galba
Hoflm., E. ventriculosus d’Ud., Dero digitata Müll., D. obtusa n. sp.,
Nais probosceidea Müll., N. elinguis Müll., N. barbata Müll. , N. ser-
pentina Müll., N. appendiculata n. sp., Chaetogaster diaphanus Gryth.,
Ch. Linnei Baer, Ch. Mülleri d’Ud. (Nais vermieularis Müll.).
Auch Gay beschreibt einige neue Lumbricinen: Nais Carolina,
Lumbricus luteus, L. valdiviensis Hist. fis. di Chile VIII. p. 39—43.
Von Grube erhalten wir eine Beschreibung von Lumbricus lit-
teralis n. sp., der ersten im Salzwasser (bei Villa fanca) lebenden
Art des Gen. Lumbricus. Dieses Arch. 1855. I. S. 127. Taf. VI.
fig. 7—10.
Noch interessanter ist die ebendas. (S. 129) beschriebene und
(Taf. IV. fig. 11—15) abgebildete Alma (n. gen.) nilotica Rüpp. , die
durch Habitus und Lebensweise am meisten an Euaxes erinnert, auf
der hinteren Körperhälfte aber mit Rückenkiemen versehen ist. Cor-
pus vermiforme, segmentis brevibus, numerosis, posticis branchiferis,
lobus capitalis ex trigono rotundatus, tentaculis nullis; setae simplices,
brevissimae, binae, utriusque distichae, branchiae breves, bifurcae vel
subramosae, marginibus dorsi affixae. Sp. nilotica lebt in den schlam-
migen Gräben der Umgegend von Cairo nach den Nilüberschwem-
mungen.
Anhangsweise erwähnen wir hier noch den von Gay
und Blanchard beschriebenen Peripatus Blainvillei n. sp.
Hist. fis. di Chili VIII. p. 57. Tab. Ill. fig. 2.
2. Gephyrei.
Was wir über den Bau dieser Thiere und ihre Nalur-
geschichte erfahren haben, beschränkt sich auf einige Mit-
Iheilungen von Mettenheimer über Thalassema echiurus
(Echiurus vulgaris) in den Abhandlungen der Senkenberg.
Gesellschaft 1854. I. S.6. Tab.l. fig. 16 und von Philips
über Priapulus, Rep. br. Assoc. 1854. p. 70.
Letzterer, der einen Priapulus lebendig zu beobachten Gelegen-
heit hatte, macht auf die abwechselnden Zusammenziehungen und Er-
weiterungen des Schwanzanhanges aufmerksam und glaubt diese von
einer wechselnden Anfüllung mit Flüssigkeit herleiten zu müssen,
Eiwas ‚reichhalliger. sind unsere Erfahrungen über die
346 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d: Naturgeschichte
Zoologie dieser Thiere ausgefallen. Wir erwähnen hier vor-
zugsweise:
0. Schmidt, über Sipunculoiden (Gephyrea Quatref.)
Zeilschrift für die gesammte Nalurwissenschaften 1854. Ill,
S. 1. Tab. I. II.
Enthält Beschreibungen und Abbildungen von Phascolosoma gra-
nulatum Lt., Sipunculus capitatus Rathke, Lesinia farcimen n. gen.
etn.sp., Priapulus caudatus. Zool. Dan., Echiurus vulgaris Sav., mit
einigen Notizen über den inneren Bau von Lesinia, Priapulus und
Bonellia. Bei letzterer wird die respiratorische Bedeutung der in die
Kloake einmündenden baumförmigen Organe in Abrede gestellt, Verf.
hält dieselben für Secretionsorgane.
Das Gen, nov. Lesinia (Schmidt |. c.) unterscheidet sich
von Phascolosoma durch die Abwesenheit des einstülpbaren vorderen
sog, Rüssels. Sp. L. farcimen bei Lesina.
Sipunculus nudus n.sp. und S. oylindrieus n. sp.; Gay hist, fis,
di Chile VIII. p. 55. Tab. I. fig. 7 u.8.
Stimpson beschreibt (Proc. Bost. Soc. V. p. 113) zwei neue
amerikanische Formen aus der Familie der Echiuren: Thalassema ame-
ricanum und Ancistropus (n. gen.) sanguineus. Die erstere ist
durch die mächtige Entwickelung ihres Rüssels ausgezeichnet, wäh-
rend die andere dieses Rüssels entbehrt und sich hierdurch, wie auch
durch die Abwesenheit der hinteren Borstenkränze von Echiurus, dem
sie sonst (auch in anatomischer Beziehung) sehr ähnlich ist, unter-
scheidet. Die Charakteristik des neuen Gen. lautet, wie folgt:
Ancistropus St. Corpus elongatum, wutrieulare, cylindricum,
papillosum ; uncinis duobus anticis instructum. Proboseis nulla. Os
simplex, terminale, in tubulum membranaceum protractile. Anus in
extremitate corporis caudali locatus.
Das Gen. Ochetostoma Lt. fällt nach J. Müller, der das Ori-
ginalexemplar zu untersuchen Gelegenheit fand, mit Thalassema zu-
sammen. Archiv für Anat. und Phys. 1855. $. 97.
Sternaspis fossor n.sp., Stimpson Synops. Inv. Gr. Man, p. 29.
Peripatus Blainvillei n. sp., Gay |. c, p.59. Tab. IIL, fig. 2.
3. Chaetognathi.
Für die kleinere Gruppe der hieher gehörenden Thiere
haben wir dieses Mal nur die Abhandlung von Busk über
den Bau der Sagitla bipunctata in den Quarterly Journ. Mier.
Soc. 1555. 4. T. XIII. p. 14. Pl. II: anzuführen, die in allen
wesentlichen Punkten die Angaben von Krohn und Wilms
der niederen Thiere während der J. 1854—1855. 347
bestätigt, für unsere deutschen Leser aber kaum etwas Neues
von Erheblichkeit enthalten dürfte,
4. Nemaitodes,
Gordiacei. Die Erweiterungen, die unsere Kenntniss
über den Bau der Nematoden erfahren haben, beziehen sich
zunächst und vorzugsweise auf die Gruppe der Gordia-
ceen, über welche wir zwei vorltreffliche, in anatomischer,
wie, histologischer Beziehung gleich wichlige Arbeiten ‚von
Meissner erhalten haben:
Beiträge zur Anatomie und Physiologie von Mermis al-
bicans, Zeitschrift für wiss. Zool. V, S. 207—285. Tab. XI—
XV. und:
Beiträge zur Anatomie und Physiologie der Gordiaceen,
Ebendas. VII. S. 1—145. Tab. I—VIN mit Untersuchungen
über Mermis nigrescens ($.8) und Gordius ($. 47),
Die wesentlichste Auszeichnung der Gordiaceen besteht be-
kanntlich in der Bildung des Verdauungsapparates. Ein eigentlicher
Darmkanal (mit After) fehlt. Statt dessen besitzen die Gordiaceen
einen sehr ansehnlichen sog. Zellenkörper (Fettkörper), d. h. einen
zelligen Schlauch, der sich durch die ganze Leibeshöhle hinzieht und
diese sogar bei Gordius so vollständig ausfüllt, dass die übrigen Ein-
geweide davon umschlossen werden und in besonderen Aushöhlungen
desselben gelegen sind. Bei Mermis nigrescens enthält dieser Zellen-
körper im Innern noch ein freies Lumen; in den übrigen Fällen bei
Mermis albicans und Gordius, ist derselbe dagegen ganz parenchyma-
tös und yon einer dicht gedrängten Menge grosser, fast pflanzlich
aussehender Zellen 'gebildet. Ein unmittelbarer Zusammenhang mit
der engen Mundölfnung findet sich nur bei Gordius, der einen kurzen
und einfachen trichterförmigen Oesophagus besitzt, während sich. bei
Mermis ein complicirt gebauter, sehr eigenthümlicher Leitungsapparat
zwischen Mund und Zellenkörper einschiebt. Von einem Blutgefässsy-
steme ist nirgends eine Spur; höchstens, dass man die bei M. albicans
frei zwischen den Organen in der Leibeshöhle befindliche geringe
Menge Flüssigkeit als Blut beanspruchen könnte, Dagegen besit-
zen die Gordiaceen ohne Ausnahme einen sehr ansehnlich entwickel-
ten Secretionsapparat. Bei Gordius stellt derselbe einen einfachen
Längsschlauch dar, der der Bauchfläche des Körpers angenähert ist
und an beiden Enden durch eine Oellnung nach Aussen führt. Mermis
besitzt dagegen drei solcher Längsschläuche, einen ventralen und zwei
seitliche, die dicht auf dem Hautmuskelschlauche aufliegen und der
348 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen‘ in. d. Naturgeschichte
äusseren Oeflnungen entbehren. Das Secret wird hier nicht in flüs-
siger Form ausgeschieden, sondern in Form von rundlichen, festen
- Concretionen in die Zellen des betreffenden Organes abgelagert. Von
besonderem Interesse ist die Entdeckung eines sehr ansehnlich ent-
wickelten Nervensystemes, das bisher bei den Nematoden mit Sicher-
heit noch niemals aufgefunden wurde, obgleich es nach den Unter-
suchungen unseres Verf. wohl nirgends bei diesen Thieren fehlen
dürfte. Der Hauptcentraltheil dieses Nervensystems besteht aus einem
ganglionären Schlundringe, der sich bei Gordius gleich hinter der
Mundöffnung, im Umkreise des kurzen Oesophagus findet, bei Mermis
aber etwas nach hinten, am Anfangstheile des Zellenkörpers ange-
troffen wird. Bei Mermis ist dieser Theil auch sehr viel deutlicher,
als bei, Gordius, und noch mit; zwei Paar. accessorischen Ganglien
(Hirnganglien M.) versehen, die vor demselben liegen und mit den
sechs Papillen des vordern Körperendes, die unser Verf. deshalb auch
für Sinnesorgane halten möchte, zusammenhängen. Aus diesem Schlund-
ringe entspringt nun weiter ein System von Längsstämmen , das sich
nach hinten bis in das Schwanzende des Körpers hinein verfolgen
lässt und hier (wenigstens bei Mermis) eine zweite ganglionäre Ver-
diekung zeigt. Im Verlaufe der Längsstämme lassen sich dagegen
keine Ganglienkugeln nachweisen. Die Nervenstämmchen, die aus
diesem Bauchstrange unter rechtem Winkel hervorkommen, sind sehr
zahlreich und dürften von früheren Beobachtern wohl für Ringmus-
kelfasern (die den Nematoden fehlen) gehalten sein. Gordius be-
sitzt nur einen einzigen Längsnervenstrang, der in der Mittellinie der
Bauchfläche herabläuft und dicht oberhalb des Hautmuskelschlauches
angetroffen wird. Bei Mermis findet sich ausserdem auch noch ein
medianer Rückenstamm. Mermis albicans zeigt noch insofern eine
Abweichung, als der Bauchstamm hier durch zwei Seitenstämme ver-
treten ist, die zwischen den beiden seitlichen und dem mittleren Se-
cretionsorgane herablaufen. Dazu kommt aber noch ein besonderer
dünner Bauchnervenfaden oberhalb des ventralen Secretionsorganes,
ein N. splanchnicus, der bei M. nigrescens mit dem Hauptstamme, der
übrigens die gleiche Lage hat, verschmolzen ist. Als besondere Aus-
zeichnung besitzt Gordius noch einen eigenen Faserstrang, der zwi-
schen dem Bauchnervenfaden und dem Drüsenschlauche herabläuft,
aber keinenfalls nervöser Natur ist. Verf. ist über die Bedeutung die-
ses Gebildes (Bauchstrang M.) in Zweifel geblieben. (Durch seine La-
gerung in der Nähe des Nervensystems und die Anwesenheit einer
eigenen Scheide erinnert derselbe einigermassen an die Chorda der
Wirbelthiere; möglich, dass derselbe in ähnlicher Weise auch als
elastischer Apparat bei den Bewegungen des Gordius in Betracht
kommt. Ref.) Männliche und weibliche Organe, die überall auf
zweierlei Individuen vertheilt sind, haben bei Gordius den gleichen
der niederen Thiere während der J. 1854—1855. 349
Bau. Sie bestehen aus zwei langen und geraden Röhren, die in den
Zellkörper herablaufen und eine kurze Strecke vor dem Hinterleibs-
ende zu einem gemeinschaftlichen Canale zusammenkommen. Die Ge-
schlechtsorgane von Mermis sind complicirter gebaut und schliessen
sich mehr an die Bildung der übrigen Nematoden an. Sie bestehen
in den männlichen Individuen nur aus einem einzigen Canale. Die
Geschlechtsöffnung der Weibchen liegt etwa in der Mitte des Körpers,
die der Männchen am hinteren Leibesende. Die männlichen Mermithen
besitzen auch zwei Spiculae, wie die übrigen männlichen Nematoden,
während die Rolle dieser Gebilde bei dem männlichen Gordius theils
durch die gegabelte Form des Hinterleibsendes, theils auch durch
zahlreiche papillenförmige Haftwärzchen im Umkreise der Geschlechts-
öllnung vertreten ist. Die Spermatozoen der Gordiaceen sind steck-
nadelförmig , aber bewegungslos, wie die der übrigen Nematoden.
Die Eier entstehen durch Ausstülpung aus einer ursprünglich einfachen
Zelle und hängen später noch gruppenweise, in grösserer Menge, zu-
sammen. Der Stiel, der diesen Zusammenhang vermittelt, stellt nach
der Abtrennung eine Mieropyle dar, durch welche die Samenkörper-
chen in das Innere des Eies einschlüpfen. Die Entwickelung der
Embryonen geht bei Mermis nigricans fast bis zur vollkommenen Aus-
bildung im Innern des mütterlichen Körpers vor sich. Bei den übri-
gen Arten beginnt dieselbe erst später, nachdem die Eier abgelegt
sind, was bei Mermis (einzeln) in die feuchte Erde, bei Gordius (zu
Strängen oder Klumpen vereinigt) in das Wasser geschieht. Die aus-
gebildeten Embryonen von Gordius haben eine von den Aelteren sehr
abweichende Gestalt. Sie sind kurze, plumpgebaute Würmer mit einem
einstülpbaren doppelten Hakenkranze und einem projectilen Stilette
am vorderen Körperende. Verf, beobachtete, wie diese Geschöpfe
durch die Thätigkeit ihrer Bolrrapparate in das Innere von Epheme-
renlarven u. a. Wasserbewohner eindrangen und sich im Innern die-
ser Wirthe eine ‚Strecke weit vorwärts bewegten, um sich später an
dieser oder jener Stelle einzukapseln. Ueber die weitern Schicksale
dieser Embryonen, die einstweilen noch immer ihre ursprüngliche Ge-
stalt besitzen, haben die Untersuchungen des Verf.’s keinen Aufschluss
gegeben. ,
Ueber die Einwanderungen der Mermithen in ihre Wirthe sind
schon früher v. Siebold (Uebers. der Arb. und Veränd. der schles.
Ges. f. vaterl. Cultur 1850. $.38; auch Zeitschrift. für wiss. Zool. V.
5. 201) ähnliche direkte Beobachtungen bekannt geworden.
Ueber das Vorkommen der Gordiaceen in Insekten hat
v. Siebold zu verschiedenen Zeiten Miltheilungen gemacht:
Entomolog. Zig. 1848. 8.292; 1850. S.329; 1854. $. 103.
Ebenso Frauenfeld in den Wiener zool.-bot. Verhandlun-
gen All. 5.124 und Mahler ebendas. V. S.76.
350 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Von besonderem Interesse ist dieMittheilung v. Siebold’s von
dem Vorkommen eines lebenden Gordius im Darmkanale des Menschen
— wohin derselbe freilich wohl nur durch ein zufälliges Verschlucken
mit dem Trinkwasser gelangt sein dürfte — (a. a. 0. 1855. $. 107).
Auch in Suceinea fand v.Siebold Mermis albicans in grosser Menge
(Zeitschrift für wiss. Zool. V. $.206). Ref. will hier erwähnen, dass
er.im, verflossenen Sommer auch bei Gammarus pulex eine anderthalb
Zoll lange Mermis (Fil. attenuata) angetroffen hat.
Ueber das durch eine gleichzeitige, massenhafte Aus-
wanderung von Mermis nigrescens bedingte Phänomen des
sog. Wurmregens berichtet van Beneden, Bull. Ace. roy.
de Belgique T. XX. No.7.
Die Beobachtungen und Angaben Krämer’s über Mer-
mis nigrescens und Gordius aquaticus (Ill. med. Zeitg. Ill.
S.285 ff.) können den umfassenden und sorgfältigen Unter-
suchungen Meissner’s gegenüber kaum auf eine nähere Be-
rücksichtigung Anspruch machen.
Das ebendas. beschriebene und abgebildete M erinthoidium
(0. gen.) mueronalum Chironomi plumosi ist augenscheinlich nur eine
unentwickelte, noch mit ihrer Schwanzspitze versehene Mermis al-
bieans.
Die Diagnose der Gen. Gordius und Mermis wird nach den Un-
tersuchungen Meissner’s durch v. Siebold folgendermassen fest-
gestellt (Zeitschrift für wiss. Zool. VII. S. 142):
Gordius. Corpus longissimum filiforme, Os traetus intestina-
lis coeci minimum, terminale, subcentrale. Apertura genitalis: maris
et feminae caudalis, pene nullo.
Mermis. Corpus longissimum filiforme. Os tractus intestina-
lis coeci minimum, terminale, centrale, Apertura genitalis maris pene
corneo, duplice munita, ante extremilatem caudalem sita. Apertura
genitalis feminae in regione corporis media.
Als gute Arten werden aufgeführt bei Gordius — statt der 118,
die hier Diesing unterschieden haben will — 3: G. aquaticus L.,
G. subbifurcus v. Sieb., @. tricuspidatus L&on Duf. (G. gratianopolen-
sis Charv.), über die man auch Meissner a. a. 0. VII, $.47 ver-
gleichen möge; beiMermis — statt Diesing’s 17 Arten — deren 2:
M. albicans v. Sieb. und M. nigrescens Duj,
Die von Gay «hist. di Chile VII. p. 109) und Baird (Annals
nat. hist. XV. p. 71) beschriebenen neuen Arten bedürften grösstentheils
noch einer kritischen Prüfung : Gordius chilensis Gay, G. plalyura Baird
von Jamaica (?), G. verrucosus Baird von Afrika (?), G. violaceus
der niederen Thiere während der J. 1854—1855. 351
Baird , aus Carabus violaceus und @. pusiulosus B. aus Blaps obtusa,
G. sphaerula von Indien und G. faseiatus von Amerika.
Auch Moebius beschreibt einen mit Gordius nahe verwand-
ten Schmarotzer aus Blabbera gigantea von Angustura: Chordodes
(Crepl.) pilosus n., Zeitschr. für wiss. Zool. VI. S.430. Tab. XVII.
Ueber das Vorkommen von Gordiaceen in Nord- Amerika be.
richten Leidy und Girard Proc. Acad. nat. sc. Vol.V. 1850. p. 98
und VI. 1851. No. 11. Vgl. auch Leidy Flora and fauna within liv.
anim. in den Smithson. Contrib. to knowledge Vol. V. p.6. Anm.
Mermis spiralis n. sp. aus einer l,ocustine von Rio Janeiro und
M. rigidus n. sp. von unbekanntem Herkommen, Baird I. c. p. 71.
Strongyloidei. Dass das Vorkommen eines Nerven-
systems bei den Nemaloden nicht bloss auf die Gruppe der
Gordiaceen beschränkt sei, konnte schon nach den Unter-
suchungen Meissner’s (Ss. 0.) nicht länger bezweifelt wer-
den, zumal derselbe auch bei verschiedenen Spuhlwürmern
mehrfache Spuren eines solchen Apparates aufgefunden halte.
Allerdings ist schon vor Meissner von Otto, Blan-
chard u. A. den Nematoden ein Nervensystem zugeschrie-
ben worden (es hat sich jetzt sogar herausgeslellt, dass die
von diesen Forschern beschriebenen Längsstämme wirklich
dem Nervensysteme angehören), allein es fehlte noch immer
an dem histologischen Nachweise, dass solches auch mit
Recht geschehen sei. Es muss desshalb als sehr verdienst-
lich erscheinen, wenn wir sehen, dass das Nervensystem der
Nematoden von Wedl zum Gegenstande einer eigenen Un-
tersuchung gemacht wird, Sitzungsber. der kais. Akad. der
Wissensch. XVII. S. 298. Cum lab.
Die Anordnung dieses Apparates ist im Wesentlichen dieselbe,
wie bei den Nematoden. Es findet sich auch hier ein ganglionärer
Schlundring, der den vorderen Theil des Oesophagus umfasst, aber
nur sehr wenig deutlich ist, mit einem mittleren Bauch - und Rücken-
strange und einem Schwanzganglion oberhalb des Afters gegen die
Rückenseite hin (das aber nicht immer nachgewiesen werden konnte).
Nur in sofern bestelt eine Abweichung von den Gordiaceen, als die
Längsstränge nicht fasrig sind, sondern aus zahlreichen, zusammen-
hängenden Ganglienzellen gebildet werden. Die peripherischen Ner-
ven entspringen unter rechtem Winkel. Bei manchen kleineren Ne-
matoden konnte das Nervensystem übrigens nur bruchstückweise er-
mittelt werden.
Von Leydig erhielten wir einige Angaben über den
352 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
inneren und äusseren Bau von Oncholaimus rivalis n.sp., O.
echini n. sp. und Enoplus n. sp. „Ueber einige Rundwür-
mer“ in Müllers Arch. 1854. S.291. Tab. XI. fig. 8-13.
Das Schwanzende von Enoplus enthält in beiden Geschlechtern
ein drüsiges Organ, dessen Secret in Form einer hellen klebrigen
Substanz hervortritt und zum Ankleben dient. (Aehnliche Drüsen
finden sich bei verschiedenen anderen Nematoden, auch bei Asc. lum-
bıicoides, dessen Männchen überdiess noch mit 6—8 weitern Drüsen-
säcken neben der Geschlechtsöffnung versehen ist.)
Für Enoplus vgl. man ferner auch die Abhandlung von
Berlin, über einen neuen Wurm aus der Gruppe der An-
quillulae, ebendas. 1853.
Lieberkühn liefert ebendas. 1855. S. 314—336. Tab.
Xll. XII: „Beiträge zur Anatomie der Nematoden“ mit einer
sehr sorgfälligen Darstellung vom Baue des merkwürdigen
Genus Tetrameres Crepl. (Tropisurus s. Tropidocerca Dies.).
Das in den Drüsen des Vormagens bei Fulica und Anas schma-
rotzende Weibchen nimmt durch die mächtige Entwickelung der Ge-
nitalien (im geschlechtsreifen Zustande) eine sehr eigenthümliche Ge-
stalt an; es verwandelt sich in ein plattgedrücktes Sphäroid, aus dem
an zwei gegenüberliegenden Punkten Kopf und Schwanz hervorragen.
Vier Längsfurchen, die an dem kugligen Mittelkörper hinlaufen, ent-
sprechen den vier Längsmuskelsträngen, zwischen denen sich die
Körperbedeckungen nach Aussen vorgedrängt haben. Die Mundhöhle
ist tonnenförmig; der Magen stark erweitert und mit Blutkörperchen
angefüllt, deren Farbestoff fast alle inneren Organe durchtränkt hat,
Ein wulstförmiger Schlundring scheint dem Nervensysteme anzugehö-
ren. Die Geschlechtsorgane bestehen aus zwei mehrfach gegliederten
langen Röhren, die eine kurze Strecke vor dem After durch ein gemein-
schaftliches Endstück ausmünden, Eine beutelförmige Anhangsblase
fungirt als Samenblase, doch finden sich die Samenkörperchen auch
in den inneren Geschlechtswegen weit verbreitet. Die Eier sprin-
gen mit einem Deckel auf und enthalten einen cylindrischen Embryo,
der sich nach hinten etwas verjüngt und schliesslich in vier kleine
Spitzen ausläuft. Das vordere Körperende trägt gleichfalls eine Spitze,
die eingezogen und wieder vorgestossen werden kann. Das muth-
massliche Männchen dieses sonderbaren Wurmes ist lang und faden-
förmig (6 Mill., während das Weibchen nur 3 misst) und mit vier
Längsreihen von Stacheln besetzt, deren Spitzen nach hinten gerichtet
sind. Der Magen hat die gewöhnliche Bildung und enthält niemals
Blutkörperchen. (Das Männchen lebt auch nicht im Innern der Ma-
gendrüsen, sondern frei im Schleime des Prorentriculus.) Das Sa-
der niederen Thiere während der J. 1854—1855. 355
mengefäss ist einfach vorhanden und mündet zugleich mit dem Mast-
darme durch den After nach Aussen. , Rechts und links liegen neben
dem After zwei besondere Oellnungen für die beiden Spieula, die
eine ungleiche Entwickelung besitzen und je in einer eigenen Scheide
stecken. Aehnlich fand es Verf. bei einer Anzahl anderer Ascarisarten,
nur dass die Oeffnungen der Spicula bisweilen mit dem After zusam-
menfallen.
'" Ob die beschriebene Species mit Tetrameres haemachrous Cr.
(Spiroptera inflata Mehl.) identisch sei ‚ ist'schwer zu entscheiden,
doch macht Verf, 'daraufıaufmerksam, dass die betreffende Wurm-Form
jedenfalls in. mehreren Arten existire. So schmarotzt z.B, in Corvus
cornix eine nahe verwandte (durch Bildung der Mundhöhle und Mund-
Öffnung, der Schwanzspitze und Eischalen aber doch bestimmt ver-
schiedene) Species.
Davaine macht (l’Instit. 1855. p. 330; Cpt. rend. 1855.
T. 41. P.435) die interessante Entdeckung, dass die unter
dem Namen „Nielle du ble= in Frankreich bekannte Krankheit
des Weizens durch Milliarden kleiner Nemaloden (wohl Vi-
brio trilici Ref.) bedingt werde, die BELROR der Schale des
Kornes sich entwickeln.» /
Wird das kranke’ Korn gesäet, ''so 'erwächen" die Würmer aus
dem Scheintodte, in den. sie durch, das’ Austrocknen ‚der Frucht ver-
setzt wurden, zu neuem Leben, Sie verlassen dann ihre Hülse ‚und
besteigen die jungen Halme, die inzwischen, aufgegangen sind, um
hier schliesslich geschlechtsreif zu werden und ihre Eier in das Pa-
renchym der einstweilen noch unvollständig entwickelten Blüthe abzu-
setzen. Unter dem Einflusse dieser Eier und der daraus horvorschlü-
pfenden Jungen entwickelt sich dann die Frucht zu einer Art Galle,
deren Inhalt fast ausschliesslich aus lebendigen Geschöpfen besteht.
Meissner macht den Versuch, seine Beobachlungen
über die Bildung der, Eierslockseier bei,den Gordiaceen auf
die übrigen Nemaloden« zu-überltragen und zieht die Anwe-
senlieit der sog, Rhachis im Eierstocke in Zweifel, Zeitschrift
für wiss. Zool, V. S. 275. Auch später wird diese Ansicht
gegen Bischoff (Widerlegung des ...... behaupteten
Eindringens der Spermatozoiden in das Ei, Giessen 1854)
noch aufrecht erhalten und, das Eindringen ‚der kugellörmi-
gen Samenkörperchen durch die Mikropyle behauptet, ‚(eben-
das. VI. 5. 208 1f.), während, Bischoff dagegen in einer
neuen Abhandlung über Ei- und Samenbildung' bei Asc. my-
slax ebend.S. 377 fl.) den Irrihum der Meissner’schen Anga-
Archiv f, Naturgesch. XXI. Jahrg. 2. Bd, B
354 Leucekart: Bericht üb. d, Leistungen in. d, Naturgeschichte
ben: specieller nachzuweisen sucht. Eine weitere Berücksich-
tigung dieses Streites würde-uns hier zu weit führen, doch
glaubt Ref. noch so viel anführen zu dürfen, dass er sich in
fast allen Punkten ganz entschieden auf Bischoff’ Seite stel-
len muss, Namentlich glaubt, derselbe mit Bischoff behaup-
ten zu können, dass die Eier der belreffenden Nematoden erst
allmählich durch Umlagerung des Keimbläschens entstehen und
beständig: ohne: Mikropyle, sind. «Von. Bedeulung für diese
Verhältnisse ist auch das bei einigen Arlen,' Asc. lumbricoi-
des und A. megalocephala, zu beobachtende Vorkommen einer
männlichen Rhachis. Ref.)
Aehnliche Beobachtungen macht Wedl über die Ent-
wieckelung. der Eierstockseier bei ‚einem Spulwurme aus dem
Lungensacke von Tropidonotus natrix, dessen Junge sich eine
Zeit lang (wie auch. die Jungen von Ascaris, nigrovenosa)
bei künstlicher Fütterung mit Speisebrei im Leben erhalten
liessen. Wiener Sitzungsber. XYVI. S. 404.
Ebendas. (S. 402) publieirt Verf. ‚einige ‚Mittheilungen
über. die. Eihülle. von -Hedruris androphora,
Ercolani und Vella suchen die Frage nach der Ent-
wickelung und Wanderung der Nematoden auf experimentel-
lem Wege zu erledigen (Cpt. rend. T.38. p. 79. und Ann.
nat. hist. Vol. XIV. p. 156, l’Inst. 1854. p. 245).
Die Eier und Embryonen der Nematoden besitzen ‚eine grosse
Tenacität und bleiben, selbst nach völliger Auftrocknung und mehrtä-
giger Aufbewahrung in Spiritus lebend. Eine eigentliche Metamor-
phose findet nicht statt, obwohl sich z.B. die Bewaffnung von Stron-
gylus armatus erst spät, nach fast schon vollendeter Entwickelung,
bildet. Die in den Darm eines Thieres importirten Eier bleiben zwi-
schen den Zotten hängen und verweilen: hier eingebettet in die
Schleimhaut so lange, bis die Embryonen sich. entwickeln, und von
da schliesslich wieder in den Darm zurückkehren. ‚Solche eingebet-
tete Embryonen findet man z.B. im Darme der Kaninchen (Oxyuris),
im Blinddarme des Pferdes (Strongylus) u.s.w. (Sollte hier keine
Verwechselung mit eingekapselten Nematoden stattgefunden haben?
Ref.) Asc. megalocephala entwickelt sich nach den Experimenten
der Verf. in den Lungen der Hunde,
In einem zweiten Berichte (Cpt. rend.. T. 39. p. 43) refe-
riren die Verff. über die Fortsetzung ihrer Experimente.
Sie machen die Beobachtung , dass die Embryonen der vivipa-
der niederen Thiere' während der J. 1854—1855. 355
ren Nematoden, so wie die Eier der übrigen Arten nicht an. denjeni-
gen Ürten, an denen die Mutter sie absetzte,; zur vollen Entwickelung
gelangen, sondern vorher eine Zeit lang im Freien zubringen müs-
sen. Bei einigen Nematoden, deren Eier im Darmschleime stationär
geblieben waren, erfolgte nach Uebertragung in das Wasser eine ra-
sche Entwickelung. Auch in einem faulenden Strongylus auricularis
konnten die Verf. die Entwickelung der Eier verfolgen. Die Em-
bryonen dieses Wurmes lebten mehrere Wochen hindurch im Wasser.
Aehnliche Embryonen fanden ‘die Verf. oftmals in unreinem Wasser,
auf Hühnerhöfen u. s. w., wesshalb dieselben denn auch glauben, dass
viele sog. Vibrionen und Anguilluliden junge Nematoden seien,
An diese letzten Beobachtungen schliesst sich auch die Angabe
von Nelson (über die Fortpflanzung von Ascar. mystax in den Phil,
transact. 1852. 1. p.584) und Bischoff (Widerlegung u. s. w.
$.33), dass die Entwickelung der Eier von Ascaris mystax sogar
bei Aufbewahrung in Terpentinöl und Spiritus vor sich gehe.
Ebenso beobachtete Richter (nach brieflicher Mittheilung an Kü-
chenmeister, Parasiten des Menschen I. S.226, und an Ref.), dass
die Eier von Asc. lumbricoides erst nach fast jahrlangem Aufenthalte
im Wasser einen Embryo im Innern entwickeln. Das Ausschlüpfen
dieser Embryonen scheint aber erst nach der Ueberführung in den
Darmkanal vor sich zu gehen. (Versuche , die Ref. in Betreff dieser
Frage mit Richter'schen Embryonen anstellte, haben leider kein ent-
scheidendes Resultat geliefert.)
Ercolani, Storia genelica e metamorfosi delle Stron-
gilo armalo. Con tavola. Torino 1854 (Dal giornalo di Vete-
rinaria 1853. X.) ist Ref. nicht weiter bekannt geworden.
Vulpian, note sur les he&matozoaires filiformes de la
grenouble commune, Cpt. rend. Soe. biol. 1854, I. p. 123.
In allen Fällen, in denen Verf. die oben erwähnten Parasiten be-
obachtete (8 Mal unter 40 Fröschen), fand ders. in der Nähe des Her-
zens zugleich eine ausgebildete lange Filarie mit zahllosen Embryo-
nen im Fruchthälter, die mit jenen Blutwürmern auf das Vollkommenste
übereinstimmten.
Wenn wir auch vielleicht noch immer weit davon entfernt
sind, die Lebensgeschichte und Wanderungen der Nemaloden
vollständig zu kennen -—— wichlig in dieser Beziehung sind noch
die schon 1852 publieirten Beobachtungen Stein's in der
Zeitschrift für wiss, Zool. IV. S.196 —, so leidet: es doch
keinen Zweifel, dass wir dem Ziele viel näher sind , als
Gros, der seine abenteuerlichen Behauptungen über die Me-
lamorphose der „aus Tremalodeneiern. hervorkommenden®
356 Leuckart: Bericht üb, d. Leistungen in d.'Naturgeschichte
Opalinen in Nematoden immer auf’s Neue wiederholt und so-
gar behauplet, dass die eingekapsellen Rundwürmer niemals
von ihres Gleichen, sondern beständig von anderen Thieren
abstammten! Ann. des sc. nat, 1854. T. Il. p. 36—39; Cpt.
rend. T. 38. p. 1069. Ausführlich. im, Bull. Soc. imper. de
Moscou 1855. p. 204— 220.
Ueber den Bau und die Naturgeschichle der bei'dem
Menschen schmarotzenden Nematoden handelt Küchenmei-
ster in seinem Werke von den in und an dem Körper des
lebenden Menschen vorkommenden Parasiten I. S. 224—359.
Tab. VIIL— VIII.
Wir verweisen hierbei namentlich auf die Untersuchungen über
Trichocephalus und Trichina spiralis, so wie über Oxyuris vermicu-
laris 5‘, der nach Zenker's ‚hier mitgetheilten Beobachtungen kei-
neswegs so, selten ist, wie man wohl hier und da annimmt, Die Tri-
china spiralis hält Verf. für den Jugendzustand von Trichocephalus. Ob-
gleich auch Meissner dieser Ansicht ist (Zeitschr. von Henle und
Pfeuffer, 1854., S. 248), glaubt Ref, dennoch, dass hier ein Irrthum
obwalte. _Es ist wahr, die Abbildung, die Luschka, der unsere
Trichina zuerst genauer untersuchte (Zeitschr. für wiss. Zool. Ill. S. 69)
von dem Verdauungsapparate unseres Thiers geliefert hat, erinnert in
hohem Grade an den Darm von Trichocephalus, allein Ref. glaubt
sich davon überzeugt zu haben, dass die perlschnurförmigen An-
schwellungen, die den Anfangstheil des Tractus auf der Abbildung
von Luschka so auffallend auszeichnen, keineswegs dem Oesopha-
gus zugehören, wie bei Trichocephalus, sondern blosse zufällige Ein-
schnürungen des Chylusdarmes darstellen, die nicht selten sogar feh-
len und gelegentlich auch in der hinteren Hälfte des Darmes vor-
kommen. Der muskulöse Ocsophagus ist kurz und wenig auffallend.
Dass die Trichina mit Mund und After versehen ist, was Luschka
in Abrede stellt, ist:schon von K. berichtigt worden, Ref. will auch
noch hinzufügen, dass er dievon Luschka gezeichnete zwei klei-
nen blindfadenartige Ausstülpungen am Darmkanale niemals gesehen
hat. Dass dagegen der von Luschka aufgefundene Blindschlauch
die erste Anlage der späteren Geschlechtsorgane sei, kann kaum be-
zweifelt werden. Sein vorderes dünnes Ende enthält häufig einen
gelblichen Zellenhaufen (das „kernartige Gebilde“ früherer Beobach-
ter) und läuft schliesslich in einen dünnen Strang von Zellen aus.
Robin halle Gelegenheit, eine in Paris extrahirle, le-
bende Filaria medinensis zu untersuchen. Cpt. rend. Soc. biol.
1855. 11. p. 35.
Im Innern des Wurmes fand Verf. nur einen mit junger Brut
der niederen Thiere während der J. 1854—1855. 357
erfüllten Oviduct, sonst aber keinerlei Eingeweide, auch keinen Darm,
obwohl die Embryonen sulchen sehr deutlich erkennen liessen. Die
Mundöffnung ist von drei kleinen Papillen umgeben. (Meissner hat
bei den ausgewachsenen Filarien inzwischen den Zellenkörper der
Gordiaceen entdeckt.)
Ueber die Kenntniss der Alten von dem Medinawurme, beson.
ders dessen Identität mit den. „‚fenrigen. Schlangen“ ‚der Juden in der
Wüste vgl. die litterar. -historischen Untersuchungen von Küchen-
meister, Parasiten $. 305 ff.
Ueber die durch das Vorkommen von Anchylostomum
duodenale Dub. (Strongylus 4-dentatus v. Sieb.) im mensch-
lichen Dünndarme erzeugten Krankheiten berichtet Griesin-
ger, Vierordt's Arch. 1854. S. 554.
Wie Küchenmeister, so liefert auch Wedl und
Krämer eine Abbildung und Beschreibung des männlichen
Oxyuris vermieularis, Patholog. Histol. S. 780 und illustr. med.
Zeitg. 111..S.281. Ebendas.' macht Letzterer auch einige An-
gaben über die Eier von Oxyuris curvula und über Ascaris
maculosa JS:
Neue Arten sind, nur wenige beschrieben. So (abgesehen von
den oben schon erwähnten Gordiaceen):
Hemipsilus amphacanthus (Rayera hispida Rob. ?), eine frei le-
bende Anguilluline von Dieppe, Grube dieses Arch. 1855. I. S. 152.
Tab. VI. fig. 7—9.
Daenitis micropogonis; Gay hist. di Chile VIII. p. 105.
Rhabditis (?) testudinis, Faivre Cpt. rend. Soc. biol. 1854. I.
p- 126.
Ozyuris allodapa n. sp. aus Dicholophus eristatus, Creplin a.
a. O., Ascaris plerophora n. sp. ebendaher.
Pseudalius filum lebt nach den Beobachtungen von Davaine
nur im rechten Herzen und den Lungenarterien des Delphins. Der
in den Bronchien schmarotzende Wurm ist davon verschieden und
bildet nach unserem Verf, ein neues Gen. Heteroderma. Eine
Beschreibung dieser beiden Würmer vgl. Cpt. rend. Soc. biol. 1854. 1.
p- 117.
Ascaris similis aus dem Magen eines antarctischen Seehundes;
A. laevissima von unbekanntem Herkommen und Asc. bifaria aus Korea,
Baird Ann. nat. hist. XV. p. 69.
Asc. bicuspis aus Scyllium Catulus, Wedl Sitzungsber. der Wien.
Acad. XVI. S. 388. Ebend. Beobachtungen über Ascar. rigida Duj., Ne-
matoideum natrieis Crepl. (Strongylus denudatus Rud.?), über ein
Trichosoma aus der Harnblase der zahmen Katze und mehrere ge-
358 Leuckart, Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
schlechtslose, bei Fischen eingekapselte Formen (Arten des Diesing’-
schen Gen. Agamonema): Auch bei Peeten Jacobaeus fand unser Verf.
einen geschlechtslosen, mehrere Gentimeter langen Nematoden.
Die von Kraemer gelieferten Abbildungen von Trichina canis
und Tr. falconis Nivi bieten für Reduction dieser Jugendformen leider
keinerlei bestimmte Anhaltspunkte (Il. med. Zeitg. VI. S. 293.)
Lieberkühn bildet zwei Nematodenformen aus dem Regen-
wurme ab, eine grössere (Mem. cour. Acad. roy. Brux. T. III. P. XXVI.
Pl. XI. fig. 13) und eine kleinere (fig. 12), welche’ letztere sich durch
den Besitz, eines langen und dünnen nadelförmigen Schwanzanhanges
auszeichnet.
Auch d’Udekem liefert eine Abbildung der beim Regenwurm
schmarotzenden Nematoden und beobachtet einige Phasen ihrer Ent-
wickelung. Develop. du lombric. 1. I. p. 40. Tab. II. fig. 22. 23.
5. Acanthocephala.,
Alles, was wir für (diese Ordnung zu erwähnen haben,
beschränkt sich auf eine Beobachtung Wedl's über die Eier
von Echinorhynchus pristis und Ech. pumilio (a. a.'0. S. 402)
und auf Diesing’s Ech. lamelliger n, sp., der sich durch
die Segmentirung seines Leibes und''die Anwesenheit von
viereckigen Lamellen an den mittleren Segtnenten sehr aul-
fallend auszeichnet (Wiener Sitzungsber. XII. S. 681. Tab. 1).
Platodes.
41. Hirudinei.
Fermond, monographie des sangsues medicinales Pa-
ris 1854 — in deutseher Uebersetzung von Schmidt: die
Blutegelzucht oder Anlegung künstlicher Blutegelsümpfe. Wei-
mar 1855 — ist Ref. nicht zu Gesicht gekommen, ‚scheint
aber mehr die Bedürfnisse des Pharmaceuten und Mediciners,
als die des Naturforschers zu berücksichtigen. Ein Gleiches
gilt wohl auch von
Laurent, memoire sur l’hirudiniculture. St. Germnain-
en-Lage 1854.
Gegenbaur untersucht (Würzburger Verhandl. d.phys.
med. Gesellsch. VI. S. 329) die Schleifencanäle der Hirudi-
neen und überzeugl sich, dass dieselben im Wesentlichen
den Typus der Seilendrüsen bei. den Regenwürmern wie-
derholen.
der niederen Thiere während der J. 1854—1855. 359
Die auffallendste Verschiedenheit dieser Canäle besteht darin,
dass dieselben nicht völlig, isolirt neben einander verlaufen, sondern
unter sich in Communication treten und dadurch zu einer eigenthim-
lichen Labyrintbildung Veranlassung geben. Die inneren stark flim-
mernden Mündungen der einzelnen Canäle (auf die wahrscheinlich
auch die längst bekannten rosetten- und’ arabeskenartigen Flimmer-
organe gewisser Hirudineen zurückzuführen sind), flottiren mittelst
eines kurzen hohlen Stieles frei in der Leibeshöhle.
Faivre entdeckte in den Magenwandungen des Blut-
egels ein System anastomosirender Nervenfasern mit einge-
sprengten Ganglienzellen. Observalions. histologiques sur le
grand Sympalhique de laSangsu medicinale. Ann. des sc. nat.
1855. IV: p: 249. (l’Inst. 1855. p.428.)
Nach demselben Verf. finden sich zwischen Darm und
Leibeswand des Blutegels nicht selten Eier eines noch unbe-
kannten Parasiten. Cpt. rend. Soc. biol. 1854. I. p. 143.
Ueber die Blutegelfauna Chili’s vgl. Gay hist. fisica di Chile
T. VII. p.47 ff. Tab.1I. Von neuen Arten sind hier beschrieben:
Hirudo cylindrica n. sp. p. 47. Tab. II. fig.3. — H. tessellata
n. sp. p. 47. — H. gemmata n. sp. p. 48. Tab. 11. fig. 4.
Blennobdella depressa.n. gen, et. n. sp. p. 49.
Glossiphonia triserialis n. sp. p. 50.
Temnocephala chilensis n. gen. etn.sp. p. 52. Tab. II. fig. 5.
Die neuen Genera Blennobdella und Temnocephala tragen fol-
gende Diagnose:
Blennobdella Gay (e fam. Hirudineorum): Corpus oblongum,
depressum; annulis distinctissimis. Oculi nulli,
Temnocephala Gay (e fam, Branchiobdelleorum). Corpus ob-
longum, antice in, digitis divisum ; annulis, parum distinctis. Oculi duo.
Wahlberg beschreibt gleichfalls zwei neue Arten des Gen.
Sanguisuga, S. javanica und S. chloronata, von denen die erste in
Java zu medicinischen Zwecken gebraucht wird. Öfvers. K. Vetensk,
Akad. Förh. XII. p. 233.
Durch die Untersuchungen von Peters (Berl. Monätsber. 1854.
$. 607. und dieses Arch. Bd. XXI. Th. I. S. 35) hat sich herausgestellt,
dass das Gen. Bdella sich weder durch die geringere Augenzahl, noch
auch durch die Abwesenheit der Zähnelung an den Kiefern von Hirudo
unterscheidet. Als einziges wesentliches Merkmal dieses Genus bleibt
die tiefe Längsfurche der Oberlippe, die sich nach hinten erweitert,
um die Kieferscheiden zu umfassen. Obgleich sich nun eine Andeu-
tung dieser Fürche gleichfalls schon bei Hirudo findet, glaubt Verf.
dennoch die Savigny’sche Gattung beibehalten zu müssen, besonders
360 Leuckart:,Berichtüb.,d. Leistungen ind, ‚Naturgeschichte
da dieselbe nur auf Afrika;beschränkt ‚zu sein scheint., Als neu be-
schreibt Verf, dabei Bd..aequinoctialis aus Mossambique u.;s. w., 50
wie Bd. trifasciata Ehrbg.
Unter, dem, Namen Monopus medusicola beschreibt Gos se ‚(Ann.
nat. „hist..XNV..p. 227. Pl. VII. B) eine neue kleine bei, Willsia stellata
schmarotzende Blutegelform, .die_Ref. jedoch für einen. mit Dist.'pa-
pillosum ‚Dies. ‚(D. Beroes) ‚verwandten.Plattwurm: halten möchte, Die
Charakteristik des neuen Gen, Monopus lautet wie folgt: Body ‚soft,
subeylindrical, depressed; anterior sucker imperfect; posterior a.circular
disk (at the extremity of a short thick truncate column), distant, one
third of the length from the anal extremity, on the ventral side. Eyes
eight, set arount the frontal margin of the anterior disk. (Später
werden die Augen „hyaline“ ‘genannt; die 'beigegebene Abbildung
zeigt statt der Augen acht Papillen am Kopfrande.)' -Intestinal canal
straight, ‚simple ;-anus. terminal. ‚(Die letzte Angabe würde)allerdings,
wenn, sie vollständig begründet wäre, die Stellung des Gosse’schen
Thierchens bei den Hirudineen sichern.) Das Thierchen ist nicht eine
Linie lang und von pellucider Beschaffenheit. Die vordere Hälfte ist
geringelt.
Malacobdella auriculae n. sp. aus Auricula Brugieri bei Gay
hist. fis. di Chile T. VII. p. 67.
2.’ Trematodess
Für, die Anatomie der Tremaloden verweisen wir auf die
Beobachtungen G. Wagen er’s über „verschiedene Distomeen
(Müller’s Arch. 1852. S. 555. Tab. XVD, auf Kölliker über
Tristoma papillosum..in-dem zweiten: Ber,; von. der.zoolom.
Anslalt zu Würzburg 1849. 8. 215 -T'haer de polyslomo: ap-
pendiculato dissert. inaug.' Berol. 1851 (Müller’s-Arch.! 1850.
S.602) und auf Aubert über das Wassergefässsystem , die
Geschlechtsverhältnisse, die Eibildung des Aspidogaster con-
chicola, in der Zeitschrift für wiss. Zool. VI. S. 349—376.
Tab. XlVu. XV. von denen aber nur die letztere Abhandlung
in den Bereich unseres Jahresberichtes fällt.
Verf. bestätigt die — nach des Ref. Wissen zuerst von H.
Meckel (Müllers Arch. 1846. $.2) festgestellte — Thatsache, dass
das sog. Wassergefässsystem der Irematoden mit den Excretionsorga-
nen zusammenhänge und als peripherischer Theil; ‚dieses Apparates
zu betrachten sei. Ein Nervensystem wurde, nicht aufgefunden. Es
soll nach unserem Verf. fehlen. Der Genitalapparat, zeigt,den ge-
wöhnlichen Typus der, Trematoden, einen Hoden mit; zweien Vasa de-
ferentia, ‚vom denen das eine in den Anfangstheil, des Fruchthalters
der niederen Thiere während der J. 1854—1855. 361
einmündet. Der Keimstock bezeichnet Verf, als „Eierstock#; er macht
darauf aufmerksam, dass es nicht bloss das Keimbläschen sei, wel-
ches in diesem Gebilde seinen Ursprung nehme, sondern das ganze,
einstweilen aber noch dotterlose Ei. Die Zahl der Dotterstöcke ist
sehr ansehnlich. Von besonderem Interesse ist die Beobachtung, dass
der. Embryo von Aspidogaster — wie schon nach Dujardin’s An-
gaben über denselben sehr wahrscheinlich war — auf direktem Wege,
ohne Metamorphose und Generationswechsel, sich entwickelt. Nur
ist anfangs der Saugnapf klein und einfach, wie bei Distomum; ein
Umstand, der — in gleicher Weise, wie die Lage der Geschlechts-
‚ölfnung — gegen die neuerlich von Keber (Mikr. Unters, über die
Porosität der Körper 1854. S.45) vorgebrachte Behauptung spricht,
dass der Bauchsaugnapf unserer Thiere eigentlich ein „Rückenschild“
sei. . Bei dem jungen Aspidogaster beobachtete unser Verf. vor dem
Saugnapfe ein Paar feste und scharf contourirte, eingekapselte Kügel-
chen, offenhar dieselben Gebilde, die Vogt früher (Ann. des sc. nat.
1549. T. XII. p. 198) als wahrscheinliches Gehörorgan in Anspruch
genommen hatte. Verf. hält diesen für „Sesecretionsorgane, die den
Primordialnieren der höheren Thiere entsprächen.“
Wedl macht einige Miltheilungen über den inneren Bau
von Monostomum foliacum, nach denen — so wenig erschö-
pfend dieselben auch sind — die Stellung dieses Thieres un-
ter den Tremaloden völlig gerechlferligt erscheint. Wiener
Sitzungsber. XVI. 8. 3809. (Der in die Seiten des Körpers her-
ablaufende „Streif“ ist nach den Untersuchungen des Ref.,
die übrigens nur an Weingeistexemplaren angestellt sind, in
seiner grösslen, unteren Hälfte Hauptstamm des Exerelions-
organes, oben, bis zu der von Wedl angenommenen: Spal-
tung, wahrscheinlich Nervensystem.)
G. Wagener veröffentlicht einige Nolizen über. die
Eier und Embryonen von Monostomum (MN. filum Duj.?) aus
Exocoetus. Müller’s Arch. 1854. S. 10. Anm.
Die Eier springen mit einem Deckel auf und enthalten einen
Embryo ohne Wimpern, dessen Kopfende mit einem Kranze von. 6—10
feinen Stacheln oder Haken umgeben ist. Der Wurmkörper konnte
nur in Bruchstücken aus seiner Cyste hervorgezogen werden.
Ganz ähnliche Eier und Embryonen beobachlele Da-
vaine in einer Cyste aus der Kiemenhöhle von Sciaena
aquila, ohne jedoch die Anwesenheit eines Wurnes in der
Cyste zu erkennen und die Natur der Eier bestimmen zu
können. Cpt. rend. 1854. I. p. 141.
362 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d: Naturgeschichte
Auch Wedl macht einige Mittheilungen über die Eier
von Monostomum foliaceum, Distoma polymorphum, D. signa-
tum und D. mentulatum. Wiener Silzungsber. XVI. S. 399.
Im Innern des noch von der Eischale umhüllten Embryo von D.
signatum wurde eine deutliche Flimmerbewegung wahrgenommen.
Unsere Kenntnisse von der Entwickelungsgeschichte der
Tremaloden waren bereits zur Zeit des letzten, über Hel-
minihen in diesem Archive veröffentlichten Jahresberichtes
(Bd. XVI, 1848) zu einem gewissen Abschlusse gelangt. Schon,
damals konnte es als ausgemacht angesehen werden, dass
die Trematoden, wenn auch vielleicht nicht ganz allgemein,
so doch in der bei Weitem grösseren Mehrzahl der Fälle auf
dem Wege eines complicirten Generationswechsels ihren Ur-
sprung nehmen. Man halte die Cercarien als die Larvenfor-
men der Distomeen erkannt, man halte die Entwickelung der-
selben im Innern ‚von schlauchförmigen sog. Sporocysten oder
auch besonderen, mit Mund und Darm versehenen, unver-
kennbaren Thieren (Redia de Filippi’s) verfolgt; man sah
sich durch eine Reihe von ‚weiteren Beobachtungen berech-
ligt, diese Sporocysten oder Redien in eine mehr oder ‚min-
der direkte Beziehung zu den aus den Eiern der Trematoden
hervorkommenden infusorienarligen Embryonen zu selzen.
Durch die seitherigen Beobachtungen ist diese Anschau-
ungsweise im Allgemeinen vollkommen gerechtfertigt worden.
Hier und dort ist allerdings 'ein Zweifel an der Richtigkeit
derselben aufgetaucht, allein immer ‚ nur. bei solchen Zoolo-
gen, die sich prineipiell, wie es scheint, gegen die. Fort-
schritte unseres Wissens und Erkennens abgeschlossen haben.
Wir werden uns weiter unten davon überzeugen, dass gele-
gentlich selbst heute noch solche Zweifel laut werden.
Unter den Helminthologen , die sich neuerdings durch
ihre Untersuchungen auf diesem Gebiete ein grosses Verdienst
erworben haben, nennen wir vor allen Anderen van Bene-
den, de Filippi, de la Valette und G. Wagener.
Die Untersuchungen des Ersteren, die derselbe in sei-
ner grossen, von der Akademie gekrönten Preisarbeit nie-
dergelegt hat, sind einstweilen nur durch den von Quatre-
der niederen Thiere während der J. 1854—1855. 363
fages darüber abgestalteten Bericht bekannt geworden (Ann.
des sc. nat. 1854. 1. p. 25 ff.).
Obgleich wir uns die näheren Mittheilungen über diese Unter-
suchungen bis zur Publication des betreffenden Werkes vorbehalten
müssen, wollen wir hier doch wenigstens so viel hervorheben, dass
es nach den Beobachtungen unseres Verf. auch Trematoden giebt,
die sich auf direktem Wege, ohne Generationswechsel, ja selbst ohne
Metamorphose entwickeln. So namentlich die zu der Gruppe der Po-
Iystomeen gehörende Udonella Caligorum (Amphibothrium Kroyeri Lt.),
die von Siebold freilich — aber irrthümlicher Weise — für einen
mit Branchiobdella verwandten Blutegel hält. (Gleiches gilt auch,
wie wir neuerlich durch G. Wagener und Ref. erfahren haben,
von Gyrodactylus, ja wahrscheinlicher Weise sogar von der ganzen
Gruppe der Polystomeen.)
de Filippi hat seine reichen Erfahrungen über Trema-
todenentwickelung in zweien den Memoiren der Turiner Aka-
demie (Tom. XV. u. XVI) einverleibten Monographieen be-
kannt gemacht (M&m. pour servir & l’hist. genelique des Tre-
matodes. Turin 1854 und deuxieme 'mem. etc. Tur. 1855),
von denen sich die erste auch in den Ann. des sc. nat. 1854.
II. p. 255—285. Pl. 10 u. 11 abgedruckt findet.
In der ersten dieser Monographieen berichtet Verf. über fol-
gende (mit provisorischen Namen bezeichnete, meist neue) Ent-
wickelungsformen: Cercaria microcolyla aus Paludina vivipara und
achatina, C. vesiculosa Dies. aus Paludina vivipara, Cercaria ma-
erocerca aus Cyclas cornea, C. gibba aus Lymnaeus pereger, Cerc.
echinatoides aus Paludina vivipara, Cerc. neglecta aus Lymnaeus pere-
ger, Distoma paludinae impurae, D. Iymnaei auricularıs, besonders
ausführlich über C. microcotylea und C. echinaloides. Die zweite Mo-
nographie enthält Beobachtungen über Cercaria armata (?) aus Lym-
naeus palustris, C. virgula aus Paludina impura, C. coronata aus Lym-
naeus palustris und stagnalis, über Planorbis vorter, über Diplodiscus
Diesingii und Distoma buccini mutabilis, Cerc. echinocerca aus Bucci-
num Linnaei und Distoma renale aus Helix aspera.
Wie der Verf. in den angehängten allgemeinen Betrachtungen
(auch Ann. des sc. nat. 1855. T. III. p. 111) weiter auseinander setzt,
gehören die hier beschriebenen Cercarien zu zwei verschiedenen Typen,
die sich durch mancherlei Eigenthümlichkeiten ihrer Organisation und
Entwickelungsweise von einander unterscheiden. Die Cercarien des
ersten Typus (©. microcotyla, vesiculosa, macrocerca, gibba, armata und
virgula) sind ohne Ausnahme mit einem Mundstachel versehen und
entwickeln sich in einfachen Sporocysten, die, wie Verf. bei C. vir-
gula auf das Entschiedenste beobachtete, durch Metamorphose aus
364 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
einem infusorienartigen Embryo hervorgehen und sich nicht selten
(wie die Sporocysten von C. vesiculosa) durch Theilung vermehren.
Bei der Einkapselung umgeben sich diese Cercarien durch Abtrennung
ihrer Oberhaut mit. einer dünnen Hülle, unter der sie zu wachsen
fortfahren. Die Cercarien des zweiten Typus entbehren des Mund-
stachels, sind dafür aber oftmals (C. echinatoides, coronata) mit einem
Stachelkranze versehen. Sie entwickeln sich in Redien mit Magen-
schlauch und flimmernden Canälen (C. coronata) und bilden bei der
Verpuppung durch die secretorische Thätigkeit einer eigenen subcutanen
Zellenschicht diekwandige Kapseln, in denen sie ohne weitere Ent.
wickelung bis zur Ueberführung in den Darmkanal eines anderen
Wirthes verharren. Ueber die Entwickelung der Redien lauten die
Beobachtungen unseres Verf. verschieden. Während er anfangs (C.
echinotoides) geneigt war, dieselben gleichfalls aus einer einfachen
Metamorphose von infusorienartigen Embryonen herzuleiten, glaubt er
späterhin, freilich nur auf Grund einer einzigen und noch dazu un-
vollständigen Beobachtung (C. coronata) den Angaben von Siebold’s
über die endogene Bildung der Redien sich anschliessen zu müssen.
Von besonderem Interesse ist die Beobachtung, dass es zahlreiche
Distomen giebt, die sich.gleich Anfangs zu ihrer späteren schwanz-
losen Form entwickeln. (Die erste Beobachtung dieser Art ist übrigens
schon vor Filippi von v. Siebold bei den Sprösslingen von Leu-
eochloridium gemacht (D. holostomum). Vergl. Zeitschrift für wiss.
Zool.IV. S.425.) Auch bei diesen Arten sind übrigens die Ammen
bald Sporocysten, wie in der Mehrzahl der Fälle, bald Redien (D..
Paludinae impurae).
für die Reduction der Cercarien auf die dazugehörenden aus-
gebildeten Trematoden bieten die Beobachtungen unseres Verf. nur
geringes Material. Nur so viel wird in dieser Beziehung ausser Zweifel
gestellt, dass Diplodiscus Diesingii die Larvenform von Amphistomum
subelavatum im Darmkanale der Tritonen ist. Verf. beobachtete an
manchen Exemplaren dieses Wurmes, die wohl erst vor Kurzem ein-
gewandert waren, noch die beiden grossen, mit deutlichen Linsen
versehenen Augenflecken, die den schon auf einem frühen Entwicke-
lungsstadium aus seiner Redia ausschlüpfenden und längere Zeit frei
lebenden Diplodiscus so auffallend auszeichnen. Für C. virgula, die sich,
wie C. armata, in Larven von Perliden u.a. derartigen Insekten ver-
Puppt, vermuthet Verf. die ausgebildete Form in dem D. maculosum der
Schwalben. Uebrigens glaubt Verf., dass es eine Anzahl von Cercarien-
formen (besonders des zweiten Typus) gebe, die vielleicht niemals,
oder doch nur selten, zur vollständigen Entwickcelung gelangten und
bloss durch die Fortpflanzungsfähigkeit ihrer Ammen erhalten würden.
Er macht sogar den Versuch, das sonderbare Dist. tardum, das er ge-
nauer beschreibt und äls eigene, durch ein Paar seitliche Saugnäpfe
der niederen Thiere während der J. 1854—1855. 365
ausgezeichnete Form (Tetracotyle) erkennt, mit diesen Vorgängen
in Zusammenhang zu bringen und vermuthet, dass dieses merkwürdige
Geschöpf, das Verf. in manchen Redien (C. echinatoides) zwischen
den Cercarien antraf, dazu bestimmt sei, später neue Kedien hervor-
zubringen. (? Nach brieflicher Mittheilung von G. Wagener ist
Tetracotyle ein selbstständiges, zu den Holostomeen gehörendes Thier,
dessen Seitennäpfe später verkümmern, Was deFilippi bei diesem
Thiere als Darm beschreibt, ist Excretionsorgan. Ref.) In anderen
Fällen entsteht im Innern der Redien unmittelbar eine neue Redie,
(©. coronata), wie es früher schon von V, Carus beobachtet worden
ist. (Zur Kenntniss des Generationswechsels 1849. S. 12.)
Die mit zwei vorzüglich gelungenen Kupferlafeln aus-
gestaltele treffliche Inauguraldisserlalion von de la Valette
St. George „Symbolae ad Trematodum evolulionis histo-
riam“ Berol. 1855
enthält nach einer Einleitung über die Embryonalzustände der
Trematoden, in welcher Verf. auch u. a. die Möglichkeit einer direk-
ten Entwickelung bei diesen Thieren hervorhebt und durch die Be-
obachtung eines mit rudimentären Saugnäpfen versehenen Distomum-
embryo wahrscheinlich zu machen sucht, eine sehr sorgfältige Be-
schreibung vonC. echinifera (= C. echinatoides de Fil.), C. echinata,
C. spinifera aus Planorbis corneus, C. armata, C. ornata aus Planor-
bis, C. pugnax (= C. microcotylea deFil.), C. vesiculosa, C. graci-
lis, C. furcata, C, ocellata aus Lymn, stagn., C. cristata ebendaher
und ©. ephemera (flava). Verf. hat sich auf das Bestimmteste über-
zeugt, dass die Cercarien nur ein einziges, dem Excretionsapparate
zugehöriges Gelässsystem besitzen, dessen Zweige sich in manchen
Fällen auch in den Schwanz hinein erstrecken., Bei den Kedien ent-
deckte Verf, eine unpaare, neben dem Kopfende gelegene Oellnung
zum Ausschlüpfen der Cercarien. Ein besonderes Interesse verdienen
die von unserem Verf. (mit geringerm Glücke auch schon früher von
de Filippi l. I. p. 19) angestellten Fülterungsversuche, die in allen
denjenigen Fällen ein günstiges Resultat lieferten, in denen mit einge-
kapselten Trematoden experimentirt wurde, während die freien Cer-
carien jedes Mal dem Verdauungsprocesse unterlagen, Schon eine
halbe Stunde nach der Fütterung konnte Verf. (bei Warmblütern, bei
Kaltblütern später) das Ausschlüpfen der Trematoden aus ihren Cysten
beobachten. Die Cerc. echinifera scheint im Darmkanale der Sper-
linge reif zu werden (Dist. echiniferum de la Val.), obgleich man
hier bisher noch kein bestacheltes Distomum angetroffen hat, während
sich Cerc. echinata nach den Experimenten unseres Verf. in das Dist,
echinatum der Enten und die Cerc. ephemera in das Monostomum fla-
vum der Sumpfvögel verwandelt.
366 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in: d. Naturgeschichte
Unter den auf Tab. II abgebildeten Cercarien finden sich auch
die durch ihre Formen sehr ausgezeichneten C. dichotoma, C,setifera
und C. elegans, die J. Müller im Mittelmeere aufgefischt und schon
früher (Arch. für Phys. 1850. 8.496) beschrieben hat,
Ueber die Beobachtungen G. Wagener’s werden wir
erst später, wenn die von der Niederländischen Akademie
inzwischen gekrönte Arbeit dieses ausgezeichneten Helmin-
thologen erschienen sein wird, ausführlicher berichten. Was
wir bis: jetzt darüber wissen, beschränkt sich auf eine kurze,
der zweiten Abhandlung von de Filippi (p. 24) angehängte
Mittheilung.
Wagener unterscheidet bei den Distomeen zwei verschiedene
Entwickelungstypen. Im ersten Kalle entsteht aus den Eiern ein Em-
bryo ohne Flimmerhaare, der sich in einfacher Weise durch Vergrös-
serung, oft auch durch gleichzeitige Verästelung, in eine Sporocyste
verwandelt. Im anderen Falle zeigt der Embryo ein Flimmerkleid,
auch im Innern flimmernde Gefässe und mitunter selbst (Monotom. ca-
pitellatam) einen Darmkanal mit Pharyx. Die Amme nimmt dann im
Innern des Embryo ihren Ursprung und erscheint in der Regel als
eine Redie mit Darm und Flimmergefässen.
Weiter erfahren wir durch diese Mittheilung, dass die C. ma-
erocerca deFil. zu Dist. cygnoides gehöre, dessen Entwickelung Verf.
durch alle einzelnen Phasen hindurch verfolgen konnte. Ebenso ist
Dist. duplicatum wahrscheinlicher Weise die Larvenform von D. tere-
ticolle und Cerc. histrionella die von Dist. ferox. In der Haut von
Diplodiscus fand Verf. die bekannten Stäbchen der Turbellarien (die
auch de Filippi gesehen hat, ohne sie jedoch als solche zu erken-
nen). Das Gefässsystem von Diplodiscus mündet jederseits in der
Schwanzspitze nach Aussen.
Ausserdem erwähnen wir hier noch der mit schönen
Abbildungen ausgestatteten Abhandlung von Lacaze-Du-
thiers über eine neue, in Ostrea schmarotzende Art des
Larvengenus Bucephalus (B. Haimeanus) und deren Entwicke-
lung in verästelten Sporocysien, Ann. des sc, nat. 1854. 1.
p.294. Tab. VI. «In Betreff des B. polymorphus und dessen
Entwickelung vgl. hierbei Hessling, in den Münch. illustr.
med. Zeitg. I. S. 311. Taf. XIl.)
Trolz diesen Beobachtungen fährtDiesing immer noch
fort, die Cercarien als ausgebildete,.wenn auch geschlechts-
lose Trematoden zu betrachten. Das Abwerfen des Schwan-
zes und die Entstehung in besonderen, andersgebauten Thieren
der niederen Thiere während der J. 1854—1855. 367
kann. derselbe freilich nicht läugnen; er sucht diese 'Thatsa-
chen mit seiner Anschauungsweise durch die Hypothese in
Einklang zu bringen, dass jener Schwanz sich nach Abtren-
nung vom Vorderleibe durch Ausdehnung und Sporenbildung
im Innern in eine Sporocyste oder Redie verwandele. Wie-
ner Silzungsber. 1853. XV. 8. 377.
Ueber den Bau und die Nalurgeschichte der im mensch-
lichen Körper schmarotzenden Trematoden handelt Küchen-
meister in seinem Werke über die menschlichen Parasiten
1. S. 179—223.
Verf. behandelt hier ausser den bekannten Dist. hepaticum und
lanceolatum, so wie den immer noch problematischen Dist. ophthal-
mobium und Monosiomum lentis auch die von Bilharz in Aegyp-
ten neuerlich (Zeitschr. für Zool. IV. S.59 .) entdeckten D. hetero-
phyes und D. haematobium, das letztere nach eigenen Untersuchungen
an Weingeistexemplaren.
Fasciola gigantea n. sp. aus den Gallengängen der Gieraffe,
3 Zoll lang, Cobbold Edinb:. new phil. Journ. 1855. I. p. 262.
Tab. VII.
Dist. microcephalum n. sp. aus dem Magen von Acanthias vul-
garis, Baird Ann. nat. hist. XV. p. 74.
Auch Wedl beschreibt einige neue eingekapselte Trematoden,
unter denen namentlich die eine Art, Monostomum biparlitum, aus der
Kiemenhöhle von Thynnus vulgaris unsere Aufmerksamkeit in Anspruch
nimmt. Form und Ban errinnert an das getrennt geschlechtliche Di-
stomum Okenii Köll. (Ber. der zootom. Anstalt zu Würzburg S.55)
aus der Kiemenhöhle von Brama Raji, wenigstens an das Weibchen
mit seinem ansehnlichen, durch die Geschlechtsorgane mächtig aufge-
triebenen Hinterleibe. Wie Dist. Okenii lebt auch Wedl’s Monosto-
mum häufig zu zweien in derselben Cyste, doch wird vom Verf. nicht
angegeben, ob diese beiden Exemplare etwa in Form und Bildung
verschieden seien. Die übrigen beobachteten Formen waren noch
nicht geschlechtsreif; sie wurden bei Rhombus laevis (in Flossen und
Darmwand, ein Monostomum) und bei Belone vulgaris (im Herzbeu-
tel, ein Distomum) gefunden. Gleichzeitig macht Verf, einige Anga-
ben über Dist. megastoma Rud. und D. polymorphum Rud. Wiener
Sitzungsber. XVI. S. 375.1.
Gastaldi beschreibt gleichfalls mehrere eingekapselte neue
Distomumarten und zwar aus den Muskeln des Piemontesischen Was-
serfrosches: D. tetracystis, D. dillusocaleiferum und D. acervocalciferum,
und lieferte davon eine durch Abbildungen erläuterte Beschreibung
(Cenni etc, p. 4—7.) Die erstere dieser Arten ist durch die Anwe-
368 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
senheit von vier wenig (entwickelten, contractilen Drüsen ausgezeich-
net, die. sich, mittelst eines Ausführungsganges in die Mundhöhle
öffnen; sie ist wohl dieselbe, deren Jugendzustände von de Filippi
beobachtet und als Cercaria mierocotylea beschrieben wurden (siehe
oben). Bei- der zweiten Art ist die Haut mit zahlreichen ovalen Kalk-
körperchen versehen, wie sie bekanntlich sehr allgemein bei den Ce-
stoden vorkommen, hier und daaber auch sonst schon bei Trematoden
beobachtet sind (bei Diplostomum rhachieum). Die dritte Art, deren
Benennung — wohl nicht ganz passend — von dem mit Körnern an-
gefüllten Hauptstamme des Excretionsorganes hergenommen ist, lässt
trotz ihres eingekapselten Zustandes und ihrer Isolation in den Cysten
einen Hoden und Oviduct mit Eiern erkennen (wie es auch Pon-
taille bei einem solchen Distomum aus Triton beobachtete, Ann. des
se. natur. 1851. T.XV. p.p. 217).
Ebendaselbst liefert Gastaldi auch (p. 9—12) eine neue,
mehrfach berichtigende Beschreibung und Abbildung yon Codonoce-
phalus mutabilis Dies. (Amphistoma urnigerum Rud.).
Diesing veröffenticht eine „Revision der Cercarieen,«
Wien. Sitzungsber. 1855. XV. ‚S.377—400.
Nachträge zu dem betreffenden Abschnitte in Diesing’s Syst.
helminthum, mit Aufzählung und ‘Charakteristik der von Filippi
(1. Abhandlung) u. A. seither beschriebenen Arten. Verf. führt 30
Arten auf.und vertheilt diese in 9 Genera, unter denen auch Leuco-
chloridiam sich befindet, obwohl die übrigen Ammengenera jetzt (als
isolirte, in Sporenbehälter umgewandelte Schwänze, vgl. oben’. 367)
getilgt und bei den zugehörenden Cercarien untergebracht sind.
Die Angaben Speyer's über die bei Paludina schmarotzenden
Cercarien (bei Gelegenheit der Zootomie der Paludina vivipara, In-
auguraldissert. Marburg 1855. $.37) sind völlig unbrauchbar.
Grube beschreibt (dieses Arch. 1855. 1. 8.137. Tab. Vl. fig. 1)
einen eigenthümlichen Schmarotzer von Scomber, der in vieler Be-
ziehung mit Octobothrium scombri übereinstimmt, aber nur vier in
einer Längsreihe stehende Saugnäpfe hat. (Wahrscheinlich, wie auch
Verf. anzunehmen geneigt scheint, ein verstümmeltes Exemplar dieses
Plattwurms.)
Ebendaselbst ($.140) stellt Grube für das sehr interessante,
von Guido Wagener (Müllers Arch. 1852. S. 543) entdeckte darmlose
Trematodengenus Amphiptyches folgende Diagnose auf: Corpus ob-
longum, depressum, margine laterali longe plicato, antice in foveam
angustam haud perforalam, postice in infundibulum plicatum exiens,
vulva ventrali, apertura tubulata dorsuali ad basin inlundibuli. Her-
maphroditi intestino nullo, vasis reticulatis per totum corpus diffusis.
Sp. A. urna Wag. hab. intest;, Chimaerae monst. Nizza.
der niederen Thiere während der J. 1854—1855. 369
3. Cestodes,
Die Ordnung der Bandwürmer ist von allen Helminthen-
- gruppen diejenige, über die sich unsere Anschauungen und
Kenntnisse seit 1847, seit dem Erscheinen des letzten Jah-
resberichtes über diese Thiere, am meisten umgeslaltet ha-
ben. Wir bedauren, dass es uns der Raum unserer Blätter
nicht geslaltet, alle Ei einzelnen hier in Betracht kommen-
den, zum Theil sehr interessanten Beobachtungen und Entdek-
kungen herbeizuziehen und auf solche Weise eine vollstän-
dige geschichtliche Entwickelung unserer heutigen Cestoden-
kenntnisse zu versuchen. Stall dessen müssen wir uns begnü-
gen, einige der wichligsten der von 1848—1854 erschiene-
nen Arbeiten über Bandwürmer hervorzuheben und ihre Be-
ziehungen zu dem heutigen Standpunkte unserer Wissenschaft
mit wenigen Worten zu bezeichnen.
Vor allen erwähnen wir hier die ausgezeichnete Ab-
handlung von van Beneden, les vers Cestoides on Aco-
iyles, Brux. 1850 (Mem. de l’Acad. roy. de Belg. T. XXV)
Avec 24 Pl., ein Werk, in welchem uns der Verf. nicht bloss
eine ganz neue, durch zahlreiche Arten repräsentirle Band-
wurmfauna aus dem Darmkanale der Plagiostomen vorführt,
sondern auch den anatomischen Bau dieser UTestoden und
ihre Entwickelungsgeschichte einer ausführlichen Darstel-
Jung unlerwirft. Verf. betrachtet die Bandwürmer als darm-
lose Trematoden und sucht diese Ansicht namentlich durch
eine speciellere Analyse des Geschlechtsapparates und die
Parallelisirung des bekannten Gefässsystems mit dem Excre-
tionsorgane der Trematoden zu unterstülzen. Aus den Eiern
der Bandwürmer entsteht zunächst — und zwar, wie Verf.
meint, auf direktem Wege — der sog. Kopf (Scolex), der
eine Zeit lang isolirt lebt und sich erst späterhin durch fort-
geselzie Knospenbildung in einen gegliederten Bandwurm
(Strobila) verwandelt. Der letztere ist also kein einfaches
Thier, wie man früher gewöhnlich annahm, sondern eine
„Colonie von zahlreichen Geschlechlsthieren (Proglollis) , die
sich nach einander an dem ammenarligen Kopfe entwickelt
haben und erst A nach erlangter Geschlechtsreife, sich
abtrennen.
Archiv f. Naturgesch. XXII. Jahrg. 2. Bd. Y
370 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Zu einer sehr ähnlichen Anschauungsweise kommt auch v.
Siebold in seiner Abhandlung über den Generalionswech-
sel der Cestoden, Zeitschrift für wiss. Zool. 1850. II. S. 198,
die auch in zoologischer Beziehung, besonders in Beilreff des
Gen. Tetrarhynchus (Anthocephalus), sehr beachlenswerth ist.
Verf. hebt aber noch weiter hervor, dass die Embryonen in
den Eiern der Cestoden ganz allgemein, so weil seine Un-
tersuchungen reichten, eine von den späteren Bandwurmkö-
pfen verschiedene Gestalt besässen, dass also zwischen dem
Embryonenzustande und dem des isolirt lebenden Kopfes noch
eine Zwischenstufe vorhanden sei, die wahrscheinlich bestän-
dig in einem von dem späteren Bandwurmiräger verschiedenen
'Thiere durchlaufen werde. Die Blasenwürmer hält Verf., wie
er das schon früher (J.B. XV. S. 387) angedeutet — und auch
Ref. in diesem Arch. 1848. I. S.7 ff. ausführlicher zu be-
gründen versucht halte — für verirrle und krankhaft (was-
sersüchtig) entarlete Bandwürmer resp. Bandwurmammen, die
sich erst nachträglich in ihr blasig degenerirtes Schwanz-
ende hineingestülpt hätten.
An diese Abhandlung von v. Siebold’s schliesst sich
sodann die Beobachtung von Stein, der (Zeilschr. für wiss.
Zool. 1852. IV. S. 205) äusserlich am Darme der Mehlkäfer -
einen kleinen encyslirten Bandwurm fand, welcher durch seine
Bildung an einen Blasenwurm erinnerte, auf seiner Schwanz-
blase aber noch deutlich die sechs släbehenförmigen Embryo-
nalhäkchen erkennen liess. Die Beobachtung jüngerer Ent-
wickelungsstufen liess keinen Zweifel, dass der mil dem spä-
teren Hakenkranze versehene Bandwurmkopf sich, im Innern
des ursprünglichen Embryonenkörpers bilde.
Dass dasselbe Gesetz auch für die echten Blasenwürmer
gelte, die Bildung der sog. Schwanzblase bei diesen Thieren
also keineswegs erst nachlräglich vor sich gehe, war übri-
gens schon im vergangenen Jahrhunderle von Götze (Ver-
such einer Nalurgesch. der Eingeweidew. 1782. S. 245) be-
obachtet und auch bereits vor Stein von G. Wagener,
Enthelminthica, Dissert, inaug. Berol. 1848. p. 30, zum zwei-
ten Male entdeckt worden.
Noch bevor übrigens Stein’s Beobachtungen bekannt
der niederen Thiere während der J. 1854—1855. 371
geworden waren, halle eine andere wichlige Entdeckung die
allgemeine Aufmerksamkeit der Zoologen auf die Cestoden
hingewendel. Es war die Entdeckung von Küchenmei-
ster, dass sich die Finnen im Darmkanale geeigneter Thiere
mit Verlust ihrer Schwanzblase zu vollsländigen, geglieder-
ten und geschlechtsreifen Tänien entwickelten, eine Entdek-
kung, durch welche der — noch immer vielfach geläugnete
— genelische Zusammenhang der Blasenwürmer mit den
Bandwürmern ausser allen Zweifel geselzt wurde. Küchen-
meister hat seine ersten Beobachtungen über Band- und
Blasenwürmer vorzugsweise in zwei Schriften niedergelegt:
Ueber die Umwandlung der Finnen in Bandwürmer in
der Prager Vierteljahresschrift 1852. I. 8. 106 ff. und
Ueber Cestoden im Allgemeinen und die des Menschen
insbesondere, hauptsächlich mit Berücksichtigung ihrer Ent-
wiekelungsgeschichte , geogr. Verbreitung, Prophylaxe und
Abtreibung. Zittau 1853.
Verf. lieferte in denselben übrigens nicht bloss eine Dar-
stellung von der Umwandlung der Finnen in Bandwürmer, son-
dern sucht auch im Gegensalze zu v. Siebold die Blasenwür-
mer mit teleologischen und embryologischen Gründen als ganz
normale und constante Entwickelungszuslände gewisser Band-
wurnmspecies nachzuweisen. Cyst. pisiformis gehört nach den
Beobachtungen und Experimenten unseres Verf. zu der Tae-
nia serrala — anfänglich war Verf. übrigens über die spe=
eifische Natur der aus Oyst. pisiformis gezogenen Bandwür-
mer etwas unsicher —, Cyst. fasciolaris zu T. crassicollis.
Ebenso wahrscheinlicher Weise Cyst. cellulosae zu T. solium,
deren Hakenbildung genau mit der der Schweinefinne über-
einstimmt. (Die zweite umlangreichere Schrift unseres Verf.
enthält in ihrem speciellen Theile eine Beschreibung der
menschliehen Bandwurmarten, unter denen eine neue haken-
lose, früher mit T. solium zusammengeworfene Species: T.
mediocanellala.)
Die Entdeckung Küchenmeister’s wurde alsbald von
anderer Seile bestätigt und erweitert. Zunächst von v. Sie-
bold, der nach einem kurzen Referate über die von ihm
(mit Oyst. pisiformis, Coenurus und Echinococcus) angestellten
372 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Experimente in der Uebers. der Arb. und Veränd. der schle-
sischen Gesellsch. f. vaterl. Cultur 1852. S. 45 seinen Schüler
Lewald veranlasste (de Cyslicercorum in taenias melamor-
phosi Diss. inaug. Berol. 1852), die Umwandlung des Cyst.
pisiformis in Taenia serrala genauer zu verfolgen und weiler
auch selbst über denselben Gegenstand (Zeitschrift für wiss.
Zool. 1853. IV. S. 400), so wie über die aus Echinococeus
veterinorum gezogene kleine Tänie, T. Echinococeus v. S.,
cebendas. S. 409) eine Reihe von Miltheilungen machte,
Auch van Beneden wiederholt die Küchenmeister’-
schen Versuche (Ann. des sc. natur. 1854. I. p. 26) und
weiss sogar eine eigens von der Pariser Akademie zur Prü-
fung dieser Verhältnisse niedergesetzte Commission fast voll-
sländig — nur ein einziges Mitglied, Valenciennes, äus-
sert einige Bedenken — von der. Richligkeit seiner Anga-
ben zu überzeugen (I’Instit. 1855. p. 149; Cyst. rend. T. XL.
p- 997).
Obgleich nun nach solchen Erfahrungen die genelischen
Beziehungen der Blasenwürmer zu den Cestoden billiger Weise
nicht länger mehr bezweifelt werden konnten — in Die-
sing werden wir freilich später noch einen hartnäckigen
Gegner dieser Thalsachen kennen lernen —, so war damit
doch die Frage nach der Stellung der Blasenwürmer in dem
Entwickelungscyclus der Cestoden noch nicht entschieden.
Küchenmeister nahm dieselbe, wie oben schon angeführt
wurde, als normale Entwickelungszustände in Anspruch, die
sich unmittelbar aus dem sechshakigen Embryo hervorbilden
sollten.
In ähnlicher Weise äussert sich vanBeneden in seiner
grossen helminthologischen Preisarbeit (l. c.), bis jetzt leider
nur durch ein ziemlich aphoristisches Referat bekannt ge-
worden. Verf., der die Entwickelungsgeschichte der Cestoden
jelzt unter dem Gesichtspunkte eines mehrlach wiederholten
Generalionswechsels auffasst, unterscheidet hier drei ver-
schiedene Zustände, den sechshakigen Embryo als Gross-
amme (Proscolex v. Ben.), den Cysticercus als Amme (Scolex)
und die einzelnen geschlechtsreifen Glieder des Bandwurms
als ausgebildelen Cestoden (Proglollides). Freilich scheint
der niederen Thiere während der J. 1854— 1855. 373
es, dass dieses Schema in manchen Fällen weniger vollstän-
dig eingehalten werde; wenigstens vermuthet Verf., dass
sich der sonderbare Caryophyllaeus auf einem einfacheren,
mehr direkten Wege entwickle.
Anders urtheilt dagegen v. Siebold, der den Blasen-
wurmzustand noch immer ( Zeitschrift für wiss. Zool. IV.
S. 407) für abnorm hält und seine frühere Anschauungsweise
nur in sofern modifieirt, als er die Finnen jetzt nicht mehr
für „krank,“ sondern bloss für „entartel* erklärt. Derselben
Auffassung begegnen wir in der neuesten Abhandlung von
Siebold’s „über die Band- und Blasenwürmer“ Leipzig 1854,
übers. in den Ann, des sc. nat. 1855. IV. p. 48 ff., die übri-
gens in sofern auch ein allgemeines Interesse hat, als Verf.
hier seine zahlreichen, an verschiedenen Orten schon früher
publieirten Erfahrungen über die Wanderungen und die Meta-
morphose der Helminthen zusammenstellt. i
Im Wesentlichen sind die hier über die Entwickelungsge-
schichte der Cestoden niedergelegten Ansichten dieselben, die Verf.
schon in seiner Abhandlung über den Generationswechsel ausgespro-
chen hatte, nur dass dabei noch die Angaben von Stein über die
Entwickelung des späteren Bandwurmkopfes im Innern des sechsha-
kigen Embryo verwerthet sind. Auf die Ansichten von der Ent-
stehung der Blasenwürmer übt dieser Umstand in sofern Einfluss, als
Verf. jetzt die „hydropische Ansammlung von Wasser“ nicht mehr in
dem Schwanzende des Scolex, sondern — wie das schon Stein an-
gedeutet hatte — innerhalb des zu der Schwanzblase (receptaculum
capitis v. Sieb.) umgewandelten Embryonalkörpers vor sich gehen
lässt. Die Ursache dieser Entartung ist unserem Verf. nach wie vor
eine „Verirrung,“ d. h. die Einwanderung des sechshakigen Embryo
in einen Wirth, der den Entwicklungsbedingungen desselben nur un-
vollständig entsprechen konnte. Nach den Gründen für eine solche
Auffassung sucht der Leser freilich vergebens ; Verf. hat eine nähere
Prüfung der betreffenden Frage unterlassen und eine Rechtfertigung
seiner Änschauungsweise trotz der veränderten Sachlage für unnö-
thig — vielleicht auch unmöglich — gehalten.
Was der Verf. in dieser Abhandlung an neuen Beobachtungen
mittheilt, bezieht sich ausschliesslich auf die Umwandlung der Finnen
in Bandwürmern, auf einen Process, durch welchen es den Blasen-
würmern möglich wird, auch trotz ihres „hydropischen Receptaculum
unter günstigen Umständen noch das Ihrige zur Erzeugung geschlecht-
licher Cestoden beizutragen.“ (Verf. scheint bei solcher Aullassung
zu vergessen, wus schon K; hervorgehoben hatte, dass die als „ver=
374 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
irrt“ und „hydropisch“ bezeichneten Blasenwürmer fast ausschliesslich
in solchen Thieren vorkommen, die den Wirthen der dazu gehören-
den späteren Bandwürmer zur Nahrung dienen und überdiess in sol-
cher Menge vorkommen, dass es der Annahme einer weiteren Zufuhr
gar nicht bedarf, um die Zahlenverhältnisse der letzteren hinreichend
zu erklären.) Die Fütterungsversuche, über welche der Verf. be-
richtet,’ betreffen den Cyst. pisiformis, Cyst. tenuicollis, Cyst. cellu-
losae, Coenurus cerebralis und Echinococcus veterinorum. Es ge-
lang, alle diese Blasenwürmer, auch den Cyst. cellulosae, im Darm-
kanale der Hunde zu einem gegliederten, meist auch geschlechtsrei-
fen Bandwurme zu erziehen. Am wenigsten günstig warcn die Er-
gebnisse dieser Experimente bei dem Cyst. cellulosae , die in den
meisten Fällen missglückten und auch niemals zur Production eines
geschlechtlich entwickelten Wurmes hinführten. (Ref. sind, wie
auch Küchenmeister solche Fütterungen mit Cyst. cellulosae nie-
mals geglückt.) Was den Verf. aber in hohem Grade überraschte,
war die Aehnlichkeit der aus Cyst. cellulosae im Hundedarme gezo-
genen Tänien sowohl mit der T. serrata als auch mit T. solium, eine
Aehnlichkeit, die Verf. veranlasste, die in seiner Sammlung aufbe-
wahrten Exemplare von T. solium genauer mit T. serrata zu ver-
gleichen und dann später zu der Ueberzeugung brachte, dass der
"gemeine Menschenbandwurm mit T. serrata identisch
sei. Auch an den aus Cyst. tenuicollis und Coenurus hervorgegan-
genen „ellenlangen Tänien“ konnte Verf. keinerlei specifische Unter-
schiede von T. serrata auffinden — er betrachtet alle diese Bandwürmer
als Repräsentanten derselben Art und trägt nicht einmal ein Bedenken,
denselben auch noch die T. marginata des Wolfes, die T. crassiceps des
Fuchses und die T. intermedia des Marders hinzuzugesellen. Alle
diese Tänien bieten, wie die Blasenwurmformen des Cyst. pisiformis,
C. tenuicollis, C. cellulosae und Coenurus, nach der Ansicht des Verf,
„blosse Raceverschiedenheiten dar, welche durch den verschiedenen
Boden bedingt werden, den die Jugendzustände derselben zu ihrer
weiteren Entwickelung vorfinden, je nachdem die Brut derselben ent-
weder in dieses oder jenes Thier einwandert“ (S. 99). Obgleich man
vermuthen sollte, dass eine so gewichtige Behauptung, wie die eben
angeführte, wohl nicht ohne die triftigsten Gründe ausgesprochen
worden sei, vermisst man doch auch hier die scharfe und genaue Be-
weisführung, die wir sonst in den Schriften v. Siebold’s zu finden
gewohnt sind. Verf. hat es sogar unterlassen, was doch am nächsten
lag, die Form, Zahl und Grösse der Haken bei den in Betracht kom-
menden Tänien einer sorgfältigen vergleichenden Analyse zu unter-
werfen; er würde im anderen Falle wohl schwerlich so schnell über
die Identität derselben abgeurtheilt haben.
Wir haben oben die Verdienste hervorgehoben, die sich
der niederefi Thiere während der J. 1854—1855. 375
Küchenmeister durch seine Experimente um den Nach-
weis von der Bandwurmnatur der Finnen erworben hat. Wir
müssen ferner noch hinzufügen , dass es demselben im wei-
teren Verlaufe seiner Untersuchungen auch gelungen ist, durch
Verfütterung reifer Bandwurmeier an geeignete Thiere diese
letzieren mit Blasenwürmern zu inficiren.
Das erste Experiment dieser Art wurde bereits im Jahre
1853 mit T. Coenurus angestellt. Verf. verfütterte die reifen
Endglieder dieses Bandwurmes an einem zweijährigen Ham-
mel und beobachtele 15 Tage späler bei demselben die er-
sten Erscheinungen der Drehkrankheit. Bei der Section, die
am vierten Tage der Krankheit vorgenommen wurde, fanden
sich an der Oberfläche des Gehirtis und im dritten Ventrikel,
theils frei, theils in Exsudatmasse eingebeltet, 15 kleine
Blasen von der Grösse eines Hirse- bis Hanfkornes, die
Verf., und zwar, wie sich später herausstellte, mit Recht, für
junge Coenuren hielt. Vgl. Günsburg’s Zeitschr. für kl. Me-
diein 1853. p.448; Ann. des sc. nat. 1854. 1. p. 33. (An
letzterem Orte findet sich ein Referat über die von Küchen-
meister inzwischen immer weiter fortgesetzten Cestoden-
untersuchungen, deren Zusammenslellung von der franz. Aka-
demie mil dem zweiten Preise gekrönt wurde.)
Auf Anregung der Königl. Sächsischen Regierung wur-
den diese Experimente späler in Gemeinschaft mit Prof. Hau b-
ner fortgeführt und auch auf die übrigen Blasenwürmer un-
serer Hausihiere ausgedehnt. (Vgl. Gurli und Hertwig,
Magaz. für die ges. Thierarzneikunde 1854 und 1855 an
versch. St.) So wurde in vielfach wiederholten Versuchen nicht
bloss der Coenurus cerebralis aus Taen. Coenurus (a. a. O.
1854. S.248 u. 375, 1855. S. 114), sondern auch der Cysti-
cereus pisiformis aus T. serrala (ebendas. 1854. S. 367),
Cyst. tenuieollis aus T. e Cyst. tenuicolli (ebendas. $. 372)
und- Cyst. cellulosae aus T. Solium (ebendas. 1855. S. 100)
erzogen, während man dagegen durch Fülterung von T. ser-
rala oder T. e Cyst. tenuicolli niemals ein Schaf drehkratik
machen und durch T. Coenurus oder T. Solium niemals die
“ Kaninchenfinne produciren konnte, wie es doch wohl nach
der v. Siebold’schen Identitätslehre der Fall sein - müsste,
376 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
(A. a. O0. S.368 Anm.) Die Versuche über die Erziehung
von Echinococcus veterinorum bei Schafen (ebendas. 1855.
S. 111) sind unseren Experimenlatoren bisher noch immer
missglückt; das einzige Resultat, welches dieselben — in
zwei Fällen — nach Fülterung mit T. Echinococcus erzielten,
bestand in der Anwesenheit zahlreicher tuberkelarliger Knöt-
chen in der Leber, die unsere Verf. von der eingewanderlen
aber frühzeitig abgestorbenen Cestodenbrut herleiten. Ganz
ähnliche Knötchen fanden sich auch nicht selten nach Fülte-
rung mit anderen Bandwurmeiern , und oftmals (besonders
nach Fülterung mit T. Coenurus und T. e Cyst. tenuicolli)
in den verschiedensten Körpertheilen, was wohl auf eine
weite Verbreitung der Embryonen im Körper der späle-
ren Finnenträger rückschliessen lässt. Sonst übrigens fehlt
es unseren Verf. an posiliven Beobachtungen über die Wan-
derungen dieser Brut; es ist eine blosse Vermulhung, wenn
sie annehmen, dass die erste Einwanderung derselben aus
dem Darıne durch den Ductus choledochus in die Leber und
von da auf direktem Wege weiter in die verschiedensten Or-
gane vor sich gehe.
Bei dem hohen een und praktischen In-
leresse, welches diese Experimente besitzen, konnte es nicht
fehlen, dass dieselben auch von anderen Beobachlern ange-
stellt und geprüft wurden.
Ref. halte schon vor Veröffentlichung der Küchenmei-
ster’schen Erfahrungen (Okt. 1853) ein derarliges Experiment
eingeleitet und konnte gleichzeitig mit den ersten Publika-
tionen von Küchenmeister und Haubner (Gurli’s Mag.
1354. 8.258, Zeitschrift für wiss. Zool. VI. S. 139) über die
künstliche Erziehung des Cyst. fasciolaris aus den Eiern von
Taen. crassicollis berichten. -
Ebenso war es van Beneden bereits vor Küchen-
meister und Haubner gelungen, ein Schwein durch Füt-
terung mit Taenia Solium finnig zu machen. Ann. des se.
nat. I. p. 109. (Cpt. rend. T. 58. p. 692).
Am häufigsten wurden die Experimente mit T. Coenurus
wieierholt und zwar grösstentheils mit Küchenmeister’schen
Materialien, wie in Löwen (von van Beneden), in Copen-
der niederen Thiere während der J. 1854— 1855. 377
hagen (von Eschricht), in Giessen (vom Ref.), in Berlin
(von Gurlt) und in Wien (von Röll), und zwar an allen
genannten Orten mit dem günsligsten Erfolge. Vgl. Gurlt’s
Magaz. 1854. S. 504, wie auch — für die drei erstgenannten
Versuchsorle — van Beneden, Bullet. acad. roy. de Belg.
T. XXI. No. 7; l’Inst. 1854. p. 347.
Gegenwärtig dürfte in Deutschland wohl kaum noch
irgend eine bedeutendere Veterinärschule existiren, an der
die Küchenmeister’schen Versuche nicht mehrfach geprüft und
besläligt worden wären. Nur eine einzige Slimme hat sich
meines Wissens bis jetzt gegen Küchenmeister erhoben,
und auch diese nur gegen die eine, freilich immerhin sehr
wichtige Angabe, dass es zur Production gewisser Blasen-
würmer stets derselben zugehörenden Bandwurmformen be-
dürfe und umgekehrt. May behauptet nämlich (Gurlt’s Mag.
1855. S. 223), dass es ihm gelungen sei, aus Coenurus cere-
bralis die Taenia serrata und umgekehrt aus dieser Tänie
wieder (beim Rinde) den Coenurus zu erziehen. Ebenso soll
sich die Schweinefinne im Darme der Hunde mehrfach zu der
Taen. e Cyst. tenuicolli entwickelt haben. Indessen scheint
es Ref. in gleicher Weise, wie Küchenmeister (vergl.
K.s Kritik der May’schen Versuche in Moleschott’s Unters.
zur Naturgesch. des Menschen und der Thiere I. S. 362), dass
sich Verf. bei den Bestimmungen seiner Präparale mehr-
fache Ungenauigkeiten und Irrthümer zu Schulden kommen
liess und auch bei Anstellung seiner Experimente so wenig
mit der nöthigen Umsicht und Sorgfalt zu Werke gegangen
ist, dass die Resultate derselben in mehrfacher Beziehung
angefochten werden können. Namentlich gilt dieses von den
letzterwähnten Experimenten , bei denen Finnen verwendet
wurden, die vier und resp. zehn Tage in Wasser aulbewahrt
gewesen waren. Bei Anstellung derartiger Experimente darf
ınan überhaupt nicht Alles und Jedes, was man in dem ge-
fülterten Thiere vorlindet, von der vorhergegangenen Fülte-
rung ableiten wollen. Die Sicherstellung des Resultates ver-
- langt in allen Fällen eine umsichtige Prüfung der in Betracht
kommenden Verhältnisse und wird im Allgemeinen um so
schwieriger, je längere Zeil zwischen der Füllerung und der
378 Leuckart: Bericht üb. d. Leistangen in d. Naturgeschichte
Section verstrichen ist. Die Taen. e Cyst. tenuicolli, die
Verf. aus seinen Schweinefinnen erzogen haben will, wurden
aber erst 4 und resp. 14'/, Wochen nach der Fülterung ge-
funden,
Um übrigens die Identität des Cyst. cellulosae mit der
Taen. Solium über allen Zweifel zu erheben, hat Küchen-
meister einem zum Tode verurtheilten Delinquenten 72 Stun-
den vor der Hinrichtung und später zahlreiche Schweinefin-
nen (freilich auch schon 140 und 130 Stunden vorher 6 Stück
Cyst. pisiformis und I Cyst. tenuicollis) beigebracht. Bei der
Section fanden sich 10 junge, 4—6 Millimeter lange Tänien
mit kaum vernarblem Hinterleibsende, die sich wenigstens
theilweise — die grössere Anzahl derselben war ohne Ha-
kenkranz — ganz unverkennbar als T. Solium auswiesen. Vgl.
Wiener med. Wochenschrift 1855. No.1. oder Ann. des sc.
nat. 1855, II. p. 377.
Die Inauguraldissertation Goldberg’s: Helminthum
disposilio systematica. Berol. 1854
enthält in ihrem biologischen, Theile eine ziemlich kritiklose
Zusammenstellung, resp. Uebersetzung der Arbeiten von Küchen-
meister, v. Siebold, Lewald u. A., ohne alle selbstständigen
Untersuchungen, Der systematische Theil ist ein fast wörtlicher Ab-
druck aus Diesing’s Syst. helminthum, nur dass die Gen. Cysticer-
cus, Coenurus und Echinococcus dabei ausgefallen sind. Für die -
Bandwürmer mit Blasenwurmzustand schlägt Verf. den neuen Genus-
namen Taeniea vor.
Berg, nonnulla de evolulione cestodum Gryph. 1854 ist -
mir nicht zu Gesicht gekommen, soll aber gleichfalls nur eine
Zusammenstellung der neueren Untersuchungen enthalten.
Ebenso wenig habe ich bisher die von Eschricht in
der Tidskrift for Velerinairer Il. p. 1 publieirte Abhandlung
über die Entwickelung der Finnen und Bandwürmer einsehen
können, < Ein Auszug dieser Abhandlung findet sich in He-
ring’s Reperlor. der Thierheilkunde 1855. XVI. S. 89—95.
Derselbe enthält eine kurze Geschichte der wichtigsten Ent-
deekungen über die Entwickelungsgeschichte und die Wan-
derungen der Cestoden und einen Bericht über die mit glück-
lichem Erfolge in Kopenhagen angestellten Experimente über
die künstliche Erziehung von Coenurus.
.
der niederen Thiere während der J. 1854—1855. 379
Während die Beobachtungen und Experimente von Kü-
cehenmeister ausschliesslich auf das Gen. Taenia Bezug
haben, sind andererseits aber auch, von G. Wagener, die
oceanischen Formen der Cestoden zum Gegenstande umfas-
sender Untersuchungen gemacht worden: „die Entwickelung
der Cestoden nach eigenen Untersuchungen,“ in den Verh.
der K. L. C. Akad. XXIV. Supplement. Mit 22 Steindruck-
tafeln.
Unter den vorausgeschickten Bemerkungen über den anatomischen
und histologischen Bau der Cestoden erwähnen wir namentlich der Be-
obachtungen über das sog. Gefässsystem, das sich (wie Verf. schon 1848
in den Enthelmintica beschrieben hatte) keineswegs auf die bekannten
Längs- und Querstämme beschränkt, sondern mit zahlreichen Verästelun-
gen den ganzen Körper durchzieht und in den feinsten (oft wandungslo-
sen) Zweigen deutliche Flimmerläppchen erkennen lässt. Die Samen-
fäden bilden sich in hellen Hohlräumen, die Verf. in gewissen Bil-
dungszuständen niemals vermisst hat. Ausser ihnen und den Keim-
stöcken unterschied Verf. sehr allgemein auch noch im Rande der Glie-
der Gebilde von rundlicher oder dendritischer Gestalt, deren Inhalt
mit dem Dotterinhalte der Eier übereinstimmte. An den Embryonen
von Tetrarhynchus corollatus sah Verf. statt sechs Häkchen deren nur
vier. In anderen Tetrarhyncheneiern konnten keine Embryonen be-
obachtet werden.
Was uns Verf. in seinem Werke über die verschiedenen Ent-
wickelungszustände der Cestoden mittheilt, ist eine Fülle der schön-
sten und interessantesten Beobachtungen, für die wir demselben im
höchsten Grade verpflichtet sind. Freilich machen uns dieselben meist
nur mit einzelnen, früheren oder späteren Phasen aus der Entwicke-
lungsgeschichte bekannt, doch das ist ein Missstand, der in der Na-
tur solcher Untersuchungen liegt und nur durch jahrelangen Aufent-
halt an der Sceküste einigermassen aus dem Wege geräumt wer-
den kann. In vorliegendem Werke ist dieser Missstand aber um so
fühlbarer, als der Text desselben kaum mehr, als eine Erklärung
der allerdings mit Meisterband gezeichneten Abbildungen darstellt. Mit
Absicht, wie es scheint, hat sich Verf. eines jeden weiteren Excur-
ses enthalten; er hat sogar unterlassen, seine Beobachtungen zu einem
allgemeinen Bilde zu verarbeiten und dadurch unsere Ansichten über
die eigentliche Geschichte der Cestodenentwickelung zu berichtigen
und zu erweitern.
Mag es dem Ref, erlaubt sein, seinen Bericht über dieses wich-
tige Werk in die Form einer solchen allgemeinen Uebersicht zu klei.
den — selbst auf die Gefahr hin, den subjectiven Ansichten des
3850 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Verf. dadurch in dieser oder jener Beziehung vielleicht zu nahe zu
treten.
In der Bauchhöhle verschiedener Fische, auch eingekapselt in
der Leber und anderen Organen fand Verf. nicht selten ($.50) kleine
ovale Säckchen von Millimeterlänge und darüber, mit Kalkkörper-
chen und einem maschenreichen Gefässnetze. In einem Falle besass
dieses Säckchen auch ein Paar lange Sauggruben und Härchen auf
der äusseren Haut, während hinten ganz constant eine Ausmündung
des Gefässapparates mittels eines kurzen contractilen Schlauches be- .
obachtet wurde. Diese Gebilde (einfache Cestodenblasen W.), sind
die frühesten Entwickelungsstufen, die unserem Verf. zu Gesicht ka-
men. Ueber die Beziehungen derselben zu den hakentragenden Embryo-
nen konnte nichts Näheres eruirt werden, dagegen überzeugte sich
Verf. auf das Entschiedenste und bei zahlreichen Arten, dass der
spätere Bandwurmkopf im Innern dieser Blasen seinen Ursprung
nimmt. Ueber die Art, wie dieser Kopf entsteht, fehlen genauere
Angaben, doch scheint Verf. anzunehmen, dass sich zunächst am vor-
deren Ende der Blase eine Einsenkung bildet, und dass im Grunde
dieser Einsenkung der spätere Kopf hervorknospet. Bei Cyst. fasciolaris
($. 43) und pisiformis geht die Bildung des Kopfes nach unserem Verf.
auf dieselbe Weise vor sich, wie denn auch die sog. Schwanzblase die-
ser Thiere in jeder anderen Beziehung der oben erwähnten „einfachen
Cestodenblase« gleichzusetzen ist. Auch die Entwickelung von Echi-
nococeus (S. 34) würde man hier anreihen können, wenn man die Brut-
kapseln desselben den erst erwähnten Einsenkungen gleichsetzen wollte,
Im ausgebildeten Zustande ist das Verhältniss des Cestodenko-
pfes zu seiner Mutterblase resp. der Einsenkung derselben, ein ver-
schiedenes, mitunter sogar bei den einzelnen Arten desselben Ge-
schlechtes. So findet man z. B. Tetrarhynchen (S. 5%), bei denen
sich die Einsenkung der Mutterblase nach Ausbildung des Kopfes voll-
ständig geschlossen zeigt und der Kopf selbst ganz isolirt im In-
nern liegt, neben anderen , bei denen der ursprüngliche Zusammen-
hang zwischen Kopf und Einsenkung und Mutterblase bleibt, und der
Kopf dann gelegentlich nach Aussen hervorgestreckt werden kann,
wie bei den Cysticerceen. Zu diesen letztern gehört u, a. auch der
Anthocephalus elongatus, dessen beträchtliche Längenentwickelung
ausschliesslich auf Kosten der Schwanzblase zu schieben ist. Umge-
kehrt giebt es aber auch Tetrarhynchen mit kleinerer und schmächti-
ger Schwanzblase, die den ausgebildeten Kopf nicht einschliesst,
sondern als ein blosser Anhang desselben erscheint. In allen diesen
Fällen besitzt die Schwanzblase übrigens einen pulsirenden Schlauch,
der nur im ersten Falle nach Ausbildung des Kopfes, wie es scheint,
verschwindet, um dann von einem neuen Schlauche im hinteren iso-
lirten Ende des Tetrarhyachuskopfes ersetzt zu werden. Durch die
der niederen Thiere während der J. 1854—1855. 381
Anwesenheit eines solchen pulsirenden Schlauches schliessen sich
diese isolirten Tetrarhynchusköpfe nun an die zahlreichen, von un-
serem Verf. im Darme verschiedener Fische beobachteten Scolices an,
die ebenfalls wohl nur als isolirte Köpfe von Bothoiocephalen u. a.
derartigen Cestoden zu betrachten sein dürften. (Für die Annahme,
dass diese Scolices etwa direkt aus den Eiern ihrer Geschlechtsthiere
sich entwickelten, fehlt wenigstens einstweilen noch ein jeder bestimm-
ter Anhaltspunkt. Beachtenswerth aber ist die Angabe unseres Verf.,
dass gewisse Formen dieser Scolices mit einziehbarem Kopfende einen
Uebergang zu den Cysticereusblasen zu vermitteln scheinen.) Mit
dem ersten Gliede geht später auch dieser pulsirende Schlauch ver-
loren; nur bei Ligula ($S. 22) und Caryophyllaeus, die niemals Glie-
der bilden, bleibt derselbe zeitlebens.
d’Udekem beschreibt (Bull. Acad. roy. Belg. T. XXII.
No. 10. Av. Tab.) zwei hakenlose neue Scolexformen aus der
Leibeshöhle von Tubifex rivulorum und Nais proboscidea.
In beiden liess sich ein vielfach verästeltes Gefässsystem mit
Foramen caudale und pulsirendem Endschlauche beobachten. Eine
Schwanzblase fehlt, wenn man nicht etwa den eigenthümlich gestiel-
ten Anhang an dem Hinterleibsende der zweiten Form, den Verf. nicht
zu deuten weiss, als solche in Anspruch nehmen darf. Die Thiere
lagen frei (d. h. ohne Cyste) und ausgestreckt in ihren Wirthen und
zeigten ziemlich energische Bewegungen. |
Huxley, on Ihe analomy and development of Echi-
nococcus velerinorum. Ann. nat, hist. XIV. p.379—393.
(Proc. zool. Soc. 1854) im Auszuge auch Quarterly Journ.
Nier. soc. 1. p. 239).
Die Echinococeuscysten bestehen aus zweien Häuten, einer äus-
seren vielfach geschichteten, elastischen Membran (Ectocyst) und einer
inneren Körnerschicht, die von Gefässen durchzogen wird (Entocyst).
Die erstere ist nach Verf, eine secundäre Umlagerung, die, wie die
Cysten der eingekapselten Distomen u. s. w. erst nachträglich durch
Exsudation gebildet wird. Die gelässreiche Körnerschicht ist die Bil-
dungsstätte der eigentlichen Echinococeen,, die theils unmittelbar auf
ihr, theils auch in eigenen kleinen Bläschen (secondary cysts), mit-
unter auch zugleich auf der äusseren Fläche derselben (? Ref.) her-
vorknospen, Im Innern dieser Echinocoecen beobachtete Verf. (wie
früher schon Lebert und Virchow) eine deutliche Flimmerbewe-
gung, ohne jedoch die Gefässe, in denen die Flimmerhaare ange-
bracht sind, unterscheiden zu können. In den Echinococcusbläschen
liessen sich dieselben jedoch deutlich nachweisen. Einzelne isolirte
Häkchen, die Verf. auf der inneren Cystenhaut vorfand, sollen nicht
von abgestorbenen und aulgelösten Echinococcusköpfchen herrühren,
382 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
sondern an Ort und Stelle, gewissermassen als verunglückte Pro-
dukte einer Knospung , entstanden sein (?). Ebenso bestreitet Verf.
die Ansicht, dass die Kalkkörperchen der Echinocoecen und Cesto-
den überhaupt als Concretionen zu betrachten seien; er hält diesel-
ben für Gebilde, die den sog. Angelorganen der Turbellarien u, a.
niederen Thieren entsprächen und nur hier und da abnormer Weise
verkalkten. (Ref. erinnert daran, dass diese Gebilde bei den Cysti-
cercen schon vor völliger Entwickelung des Kopfes als unverkenn-
bare Kalkkörperchen sich nachweisen lassen, Allerdings ist der
Kalk derselben an eine organische Substanz gebunden, allein das ist
meines Wissens schon lange und allgemein anerkannt.) Was der Verf.
über die Entstehung der Echinococcen aus einer verirrten, und ent-
arteten Tänie beibringt und auch durch einige schematische Figuren
zu begründen sucht, ist wenigstens als veraltet zu bezeichnen. Die
neueren Entdeckungen auf diesem Gebiete scheinen dem Verf. unbe-
kannt geblieben zu sein, obwohl er die Litteratup über Echinococcen
sonst sehr sorgfältig zusammengetragen und benutzt hat.
Referent giebt (Annal. des sc. nat. 1855. T. Ill.
p. 351. Pl. 10) eine vorläufige Uebersicht seiner Untersuchun-
gen über die Entwickelungsgeschichte der Blasenwürmer
cbesonders Cyst, pisiformis) und schildert dabei besonders
die allmählige Bildung des Bandwurmkopfes im Innern der
Schwanzblase. Wir werden im nächsten J. B. ausführlicher
auf diese Untersuchungen, die inzwischen in einem eigenen
Werke erschienen sind, zurückkommen.
Ercolani und Vella beobachteten gleichfalls die er-
sten Zustände des Cyst. pisiformis und beschrieben dieselben
unter der Form eines umgestlülpten Tänienkopfes ohne Haken
und Schwanzblase (? Ref.) Cpt. rend. T. 58 p. 780.
Davaine, rech, sur les hydatides, les echinococques
et le coenure, Compt. rend. et mem. Soc. biol. 1555. U.
p-. 158—173.
Enthält: nicht sowohl neue Beobachtungen, als neue Betrachtun-
gen über die Entwickelungsgeschichte der Echinococcen, die Verf.
unter dem Gesichtspunkte des Generationswechsels aufzufassen ver-
sucht, indem er die Mutterblase derselben (hydatide) als Amme und die
Köpfchen als ausgebildete Brut in Anspruch nimmt. Die Schwanz-
blase. der Coenuren (und Cysticercen) hält Verf. für ein von jener Mut-
terblase verschiedenes Gebilde.
van Beneden berichligt seine frühere Darstellung von
den Geschlechisorganen der Cestoden und betrachtet jetzt,
der niederen Thiere während des J. 1854—1855. 383
übereinstimmend mitM.Schultze (Verh. der Würzb. physik.
med. Gesellsch. 1853. IV, $.227) die hellen grossen Blasen der
Progloltiden als Hoden, die sog. Hautdrüsen als Theile des
Dotterstockes. Bull. de l’acad. de Brux. 1854 Mars, l'Inst.
1854. p. 252. (Diese Beobachtungen stammen aus dem Jahre
1852 und sind bereils damals in der Brüss. Akademie deponirt
worden.)
Wedl beschreibt die Eier von Echinobothrium typus,
Phyllobothrium (Tetrarhynchus) gracile n. sp., Echeneibo-
thrium minimum und Taenia perfoliala, und giebt auch einige
Notizen über die Entwickelung derselben, ohne diese jedoch
vollständig zu erkennen. Silzungsber, der Wien. Akad. XV.
S. 395. (Auch Wagener beschreibt einige interessante
Eiformen von Cestoden a. a. 0. S. 18.)
0. Schmidt, über den Bandwurm der Frösche und
die geschlechislose Fortpflanzung seiner Proglolliden, mit zwei
Tafeln. Berlin 1855, bes. Abdruck aus der Zeitschr. für die
ges. Nalurwissenschaften Bd. V.
Verf. glaubt durch seine Untersuchungen zu der Annahme be-
rechtigt zu sein, dass T. dispar auch in der Proglottidenform ge-
schlechtslos bleibe und die mit den sechs Häkchen bewaffneten Em-
bryonen nicht ausEiern, sondern aus blossen einer Befruchtung durch
Samen nicht bedürftigen Keimen entwickele. (So sehr Ref. mit dem
Verf. darin übereinstimmt, dass die Embryonalentwickelung der Ce.
stoden durch mancherlei sehr eigenthümliche Züge ausgezeichnet sei
— er verweist hierbei auf das betreifende Capitel seiner inzwischen
erschienenen Abhandlung „über die Blasenbandwürmer 1856“ — kann
er doch die Ansicht von der ungeschlechtlichen Natur der Proglotti-
den um so weniger theilen, als auch die T. dispar mit Organen aus-
gestattet ist, die bei anderen Tänien in unverkennbarer Weise als
Penis und Vas deferens fungiren. Wenn Verf. niemals bei seinen
Untersuchungen die Anwesenheit von Samenfäden nachweisen konnte,
so scheint das zunächst nuf dafür zusprechen, dass T. dispar keines-
wegs zu den mit Leichtigkeit zu analysirenden Objecten gehört. Wir
würden diesem Umstande nur in dem Falle eine grössere Bedeutung
beilegen können, wenn es dem Verf. gelungen wäre, die Organisation
seines Wurmes, und namentlich die Bildung der Keimorgane, in einer
sonst völlig erschöpfenden Weise zu entzillern.)
Sehr auffallend und abweichend von den bisher be-
kannten Vorgängen der Cestodenentwickelung sind die An-
gaben Brull&'s über die Fortpflanzung von Ligula. Obser-
334 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
vat. sur les Ligules, Cpt. rend. T.39. p. 773 (UInst. 1854.
p- 365).
Nach unserem Verf. gebiert nämlich die Ligula des Cyprinus
alburnus, die derselbe in grosser Menge beobachten konnte, lebendige
Junge, die einige Millimeter messen und ihrem Aussehen nach mit den
Spermatozoen des Menschen verglichen werden (also wohl cercarien-
artig sind Ref.). Die Entwickelung dieser Thierchen geschieht in
besonderen kleinen, neben der Seitenlinie gelegenen Taschen, die
einzeln durch eine Oeffnung nach Aussen führen. Eier, aus denen
sich diese Junge entwickelten, konnten nicht beobachtet werden.
(Möglich also, dass es sich hier um eine Brutbildung aus Keimkörnern
handelt Ref.) Ausser den beiden Längsgelässen besitzt L., wie unser
Verf. gleichfalls angiebt, ein sehr reichliches Netz von dünnen
Gefässen.
Für die menschlichen Cestoden verweisen wir hier auf
die betreffenden Abschnilte in Küchenmeister’s Werke
„über die in und an dem Körper des lebenden Menschen vor-
kommenden Parasiten“ I. S.8—178, wo auch die aus den
” neueren Beobachlungen sich ergebenden praklischen Gesichts-
punkte (in Betreff der Prophylaxe u. s. w.) eine gehörige
Würdigung gefunden haben, wie denn überhaupt in diesem
Werke vorzugsweise den Bedürfnissen des Arztes Rechnung
getragen ist. Ausser den bekannten menschlichen Cestoden
finden hier auch T. mediocanellala Küchenm. und. T. nana
Bilh. ihre Berücksichtigung. Von Entwickelungsformen wer-
den ausser dem Cyst. cellulosae auch noch der Cyst. tenui-
collis und die zwei von unserem Verf. hier als Sp. scolici-
pariens und Sp. altrieipariens aufgeführten Echinococcusfor-
men beschrieben. Der v. Siebold’schen Lehre von der Iden-
tität der Taen. Solium mit T. serrata u. s. w., wird auf das
Entschiedensie widersprochen, theils auf Grund der oben an-
geführten Fülterungsversuche, theils auf Grund der Verschie-
denheiten in der Zahl und Bildung der Haken, die Verf. auf
Tab. IV von allen hier in Betracht kommenden Formen ab-
bildet.
Die Abhandlung von Stich „über das Finnigsein leben-
diger Menschen, in den Annalen des Charilekrankenhauses 1854.
V. 8. 154 hat ein fast ausschliesslich ärztliches Interesse.
Diesing, „über eine nalurgemässe Verlheilung der
Cephalocotyleen.“ Wien, Sitzungsber. 1854. Bd. XIII. S.556-616,
der niederen Thiere während der J. 1854—1855. 385
Enthält eine Darstellung vom Baue der Cestoden im Allgemei-
nen und im zweiten speciellen Theile eine Aufzählung und Charak-
teristik der nach dem Erscheinen des I. Bandes des Systema helmin-
thum neu hinzugekommenen Gattungen und Arten. Eine beson-
dere Berücksichtigung finden dabei namentlich die von van Bene-
den in seinem klassischen Werke über die Bandwürmer der Rochen
und Haie (s. o. S. 369) beschriebenen Formen. Nach Methode, Form
und Inhalt darf die ganze Abhandlung als ein Nachtrag und Supplement
zu dem betreffenden Abschnitte aus dem Systema helminthum unseres
Verf. angesehen werden. Neue Arten sind nicht beschrieben, dage-
gen wiederum zahlreiche neue Benennungen für Species und Genera
. in Vorschlag gebracht worden. Den wichtigen neuen Entdeckungen
über die Entwickelung ist dagegen kaum irgend welche Rechnung
getragen; die verschiedensten Entwickelungsstufen der Cestoden sind,
wie früher, einzeln, als Repräsentanten besonderer Arten und Genera,
_ aufgeführt worden.
Weit werthvoller, als dieser systematische Versuch, sind
die sechs meislerhaft ausgeführlen Tafeln mit Cestodenab-
bildungen, die Diesing in dem neunlen Bande der Denk-
schriften der Kaiserl. Akademie publieirt hat. Sie beziehen
sich auf die von unserem Verf. im Systema helminthum T. I
beschriebenen neuen Arten, die meist von Natlerer in Bra-
silien gesammelt sind und fast alle zu den ausgezeichnelsten
Cestodenformen gehören. Wir lassen hier die Namen der-
selben folgen: Eustemma caryophyllum, Rhopalophorus coro-
nalus und horridus, Gyrocolyle rugosa, Sparganum (Ligula)
replans , Zygobolhrium megacephalum, Pterobothrium hetera-
canthum , Syndesmobothrium fragile, Sciadocephalus megalo-
discus, Amphoteromerphus peniculus , Peltidocotyle rugosa,
Aspidocephalus scoleciformis, Peritrachelius insignis , Oncho-
cera reliculata, Diaphanocephalus strongyloides und costatus
Rud., Deletrocephalus dimidiatus. Die beigegebenen Diagno-
sen sind Wiederholungen der älteren Beschreibungen, auf die
wir hier verweisen.
In G. Wagener’s oben besprochenem Werke werden ausser
zahlreichen Entwickelungsformen verschiedener Tänien, Tetrarhynchen
und anderer unbestimmter und neuer Cestoden ferner noch abgebildet:
Ligula Proglottis n. sp. aus dem Dickdarme von Scymnus nicaeensis
(Tab. 1. fig. 11—13), L. tuba v. Sieb. aus Cyprinus tinca (fig. 14)
L. simplieissima aus Cyprinus Brama (Tab. Il. fig. 15), Dibothrium mi-
erocephalum aus Orthagoriseus (Tab. VII. fig. 77), Dib. sp.? aus Cen-
Archiv f. Naturgesch, XXI. Jahrg. 2. Bd 4
3866 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
trolophus pompilius (fig. 78), D. heteropleurum Dies. ebendah. (fig. 79), =
D. (Echinobothrium) typus v. Bened. aus Raja aspera (fig. 80), D.
plicatum aus Xiphias (Tab. VII. fig. 94), Tetrarhynchus viridis n. sp.
aus Scymnus nicaeensis (Tab. XIV. fig. 187), T. lingualis? v. Ben. aus
Scyllium stellare (Tab. XV. fig. 191), T. zuficollis Eysenh. aus Raja
aspera (fig. 197), T. sirialus n. sp. aus Myliobatis aquila (Tab. XV.
fig. 202), T. sp. ? aus Trygon pastinaca (Tab. XX. fig. 252), T. sp.? aus
TIrygon bueco (Tab. XXI. fig. 254), Tetrabothrium sp.? aus Carcharias
Rondoletii (Tab. XXI. fig. 270), T, vertieillatum aus Mustelus vulgaris
(Tab. XXIl. fig. 274).
Auch Wedl liefert Abbildungen und Beschreibungen einiger
Cestoden : Acanthobothrium erassicolle aus Trygon paslinaca, Phyllo-
bothrium gracile aus Torpedo marmorata, Rhynchobolhrium tenue aus
Myliobatis aquila (= Tetrarhynchus striatus Wag.), mit Bemerkungen
über Tetr. longicollis u. a, m. Sitzungsber. der k. Akad. der Wiss,
Bd. XVl. S. 371. Tab. I.
Baird charakterisirt folgende neue Cestoden: Tetrarhynchus
rugosus aus einem Salmo, T. sirangulatus von einem unbekannten Wohn-
thiere aus Chusan , .Taenia Bremseri aus dem Bengalischen Crokodil,
T. calva aus Lagopus scoticus, T. Goetzü aus?, T. Zederi aus Apte-
nodytes, Bothriocephalus antarclicus aus einem Robben. Ann, nat.
hist. XV. p. 74.
Als besonders interessaut und wichtig für die Artenkenntniss
der Tänien erwähnen wir ferner noch einer mit schönen Abbildungen
ausgeslalteten Abhandlung von Wedl in den Sitzungsber. der Wiener
Akad. Bd. XVII. S.8. Verf. beschreibt hier sechszehn, grösstentheils
neue Formen, die er während eines mehrmonatlichen Aufenthalts an
der Theiss in Ungarn aufgefunden hat: Taenia micrancristrota n. Sp.
aus Cygnus atratus, T. pyriformis n. sp. aus Gallinula crex, T. oma-
laneristrota n. sp. aus Platalea leucorodia, T. globulus aus Scolopax gal-
linula, T. multistriata Rud. aus Podiceps nigricollis, T. cheilaneristrota
brevirostris n. sp. aus Ardea stellaris, T. campylancrisirota n. sp. aus
Ardea cinerca, T. Urceus n.sp. aus Ibis falcinellus, T. acanthoryncha
n. sp. aus Podiceps nigricollis, T. filirostris aus Platalea leucorodia,
T. cheilancristrota longirostris aus T. purpurea, T. macrorkyncha Rud.
aus Podiceps minor, T. inflata Rud. aus Fulica atra, T. papilla n. sp.
aus Ardea purpurea, T. macropeos n. sp. aus Ardea nyelicorax, T.
angustata Rud. aus Meles taxus, letztere mit lächenständiger Geschlechts-
ölfnung (wie Try perlata Götze).
Taenia brachyrrhynchus n. sp. aus Dicholophus cristatus, Ore-
plin.a.a. O.
Unter dem Namen Ligula ranarum beschreibt Gastaldi (Cenni
etc. p.8. Tab, ll. fig. 1) einen schr ausgezeichneten, bis 17 Cent.
langen Cestoden, den er 20 Mal in 100 Fällen zwischen den Muskeln
der niederen Thiere während der J. 1854—1855. 387
des Piemontesischen Wasserfrosches antraf. Der Schmarotzer besitzt
am vorderen Körperende einen Saugnapf, zeigt aber ausser einem
ansehnlich entwickelten Gefässsysteme keinerlei innere Organe. Er
stellt natürlicher Weise einen unreifen Jugendzustand dar, der wohl
erst nach Ueberführung in den Darın eines anderen Thieres zur ge-
schlechtlichen Entwickelung gelangt.
Die von Kraemer (Ill. med. Zeitg. Ill. $S.295) beschriebene
Proglottis neonati, die etwa 12 Stunden nach der Geburt einem sonst
gesunden Kinde in grosser Menge abging, gehört wahrscheinlich in
die Kategorie der Pseudohelminthen. Jedenfalls ist die Vermuthung,
nach der die betreffenden Bildungen „isolirte zwerghalte Glieder einer
Taenia (solium)* seien, entschieden eine irrige.
4. Turbellarii.
Planarieae, J. Müller beobachtete die schon frü-
her (J. B.XX. 5.344) von ihm beschriebene Larvenform mit
Räderlappen bei einer zweiten marinen Planaria, die in ihren
späteren Entwickelungsstadien als ein Stylochus (St. luteus
n. sp.) erkannt wurde. Archiv für Anat. 1854. p. 75.
Girard, researches upon Nemerleans and Planarians
T.1. Philad. 1854 ist ein Separalabdruck der bereits im vo-
rigen J.B. von uns angezogenen Abhandlung über Entwicke-
lung von Planocera elliplica.
Leydig beschreibt einige neue oder nur unvollständig
gekannten Strudelwürmer und macht über den Bau derselben
manche interessante Mittheilung, Müller’s Arch. 1854. S. 284.
Taf. Xl.
Stenostomum Coluber n. sp. (Tab. XI. fig. 1). Das sog. Wasser-
gelässsystem besteht nach Verf. aus zwei Längsgefässen, die beide am
Hinterleibsende durch eine gemeinschaftliche Oeffnung ausmünden und
im Kopfe schlingenförmig in einander übergehen, (Vgl. hierzu meine
Mittheilungen über das Wassergefässsystem von St. leucops im J.B. XX.
8.350.) Die Anwesenheit von Wimpergrübchen ist nicht hervorge-
hoben, Augenflecken fehlen,
Derostomum Catenula Leyd. (Tab. XI. fig.2). Die von Dujes
entdeckte und seitdem nicht wieder gesehene Catenula lemnae, in
der unser Verf. eine Kette zusammenhängender kleiner Strudelwürmer
erkannte, die je mit einer unpaaren Otolithenkapsel und einem eige-
nen Nahrungskanal versehen waren. Letzterer bestand aus einem-
ziemlich langen und schlanken, flimmernden Schlunde und einem wei-
ten und schlauchartigen, blind geendigten Magen. (Ref. kann übri-
388 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
gens den Vorschlag des Verf., die Catenula dem Gen. Derostomum
einzureihen, auf keine Weise billigen. Unter den bis jetzt bekannten
Turbellariengenera möchte überhaupt wohl keines sein, dem wir dieses
interessante Thierchen anschliessen könnten; der Genusname Cate-
nula darf mit Fug und Recht wohl bleiben.)
Monocelis bipunclata n. sp. mit zwei isolirten Augenflecken
(ohne Linsen) vor dem unpaaren Gehörorgane, aus dem Busen von
Genua.
Die ebendaselbst beschriebene Planaria gonocephala Duj. ist
von Oersted’s Pl. cornuta, die Verf. damit vereinigen möchte, be-
stimmt verschieden.
Von Grube erhielten wir eine sorgfältige Beschreibung und
Abbildung von Thysanozoon Brocchi (Risso) Gr. mit einer Diagnose
des betreffenden Genus (= Eolidiceros Quatref.) und den bis jetzt be-
kannten zwei Species: Th. Diesingii Gr. und Th. Brocchi. Dieses
Arch. 1855. I. 5. 140. Tab. VI. fig. 4. 5. h
Ebenso eine sehr gelungene Abbildung von Orthostomum ru-
brocinctum, Grube ebendas. Tab. VI. fig. 6.
Stimpson charakterisirt eine Anzahl chinesischer Seeplana-
rien: Eurylepta interrupla n. sp., E. guitato-marginata n.sp., E. ful-
minala n. sp., Stylochus corniculatus n. sp., St. reliculatus n. sp.,
Leptoplana sparsa n. sp., L. acuta n. sp., L. obscura n. sp., L. trul-
laeformis n. sp., L. collaris n. sp. Proc. Acad. Phil. 1855. June.
Auch Girard beschreibt einige neue Turbellarien, Synopsis of
Grand Manan by Stimpson: Typhlolepta acula und Leptoplana elli-
psoides. L. c. p. 27. Tab. II. fig. 16.
Gay’s hist. fisica di Chile T. VIII enthält gleichfalls die Be-
schreibung einiger neuen Planarien: Polycelis leneoliger und P. rosei-
maculata (p. 72) und Polyeladus Gayi (p. 70. Tab. Il. fig. 1), die
letztere eine colossale Landplanarie, mit weissem Streifen auf dem
schwarzen, gelbgesäumten Rücken. Der Beschreibung der letzteren
Art sind (von Blanchard) auch einige anatomische Bemerkungen
beigefügt.
Nemertini. Den inneren Bau der Nemerlinen belref-
fend, so erklärt sich jelzt auch Grube für die Richligkeit
der Rathke’schen Deulung von Rüssel und Darm. Der Rüssel
soll, wie Verf. vermuthel, nicht bloss dazu dienen, die Beule
zu ergreifen und zu tödten, sondern auch sie auszusaugen
und dasFluidum dann in den Mund zu bringen. (Scheint aber
doch bei der Bildung des Rüssels in den bewaffneten Arten
kaum anzunehmen. Ref.) Dieses Arch. 1855. 1. S. 144.
Ueber die von Busch als Alardus caudalus beschriebene
der niederen Thiere während der J. 1854— 1855. 389
junge Nemerline und ihr Vorkommen im Innern von Pilidium
vergl. J. Müller Arch. 1854. S. 78.
Die Frage, ob die Anwesenheit des Alardus im Innern des im-
mer noch so räthselhaften Pilidium auf ein genetisches Verhältniss
dieser beiden Thiere hindeute, wird vom Verf. mit besonderer Be-
tonung der Schwierigkeiten, die solcher Annahme entgegenstehen,
erörtert, -
J. Müller berichtet gelegentlich (Arch. 1854. S,83) über die
grossen, bei Triest vorkommenden Nemertinen: Meckelia somalolomus
Valencinia ornata, Meckelia urlicans n. sp., die letztere (Subgen. nov.
Cnidon), mit kolossalen Nesselorganen in den Wänden des Rüssels.
Grube beschreibt ausser den schon früher von demselben be-
obachteten Meckelia annulata (= Meckelia Knerii Dies. J.B.XX. S. 354)
und Nemertes purpurea Johnst. als neu: Meckelia auranliaca, Ophio-
cephalus auripunctatus und Nemerles laclea, die erste und letzte aus
der Bucht bei Villa franca, die dritte aus dem Ochotskischen Meere.
Dieses Arch. 1855. I. S. 146—153. Tab. VII. fg. 1—4.
Girard beschreibt folgende neue Nemertinen:
Poseidon affınis, Nareda (n. gen.) superba, Omatoplea Stimp-
soniü, Stimpson Inv. of Gr. Manan p. 28.
Das neue Genus Nareda charakterisirtsich nachGirard durch
folgende Kennzeichen: Body elongated, sub-cylindrical. Head obtu-
sely triangular in front, neck slightly contracted; one pair of roun-
ded ocelli. 3
Ebenso charakterisirt Stimpson aus den Chinesischen Gewäs-
sern: Nareda serpenlina n. sp., Meckelia piperala n. sp., M. cingu-
lata n. sp., M. albo-viltata n. sp., M. sinensis n. sp., M. rubella
n. sp., M. nigra n. sp. Proc. Acad. Phil. 1855. Juny.
Valencinia phalaerata und Borlasia rufescens nn. sp. aus Chili,
bei Gay |. c. VIII, p.63 u. 64.
Ueber Prorhynchüs fluviatilis eine neue deutsche Süsswasserne-
mertine vgl. Leydig, Müllers Arch. 1854. S. 290. Taf. XI. fig. 7.
Ob das von Grube unter dem Namen Lithocryptus (n. gen.)
prasinus beschriebene Geschöpf, das derselbe ınit Nemertinen u. a.
Würmern aus den Spalten und Höhlungen der Kreidefelsen bei Dieppa
hervorzog, gleichfalls in diese Gruppe gehört, muss Ref. mit Verf.
unentschieden lassen, doch ist er der Ansicht, dass dasselbe noch
viel weniger den Gephyreen zugezählt werden könne. Es dürfte
nach Ansicht des Kef. einstweilen sogar noch zweifelhaft sein, ob
es sich her überhaupt um ein selbstständiges Thier und nicht bloss
um ein thierisches Organ handelt. Kef. gesteht wenigstens, dass Be-
schreibung und Abbildung auf ihn eher den Eindruck eines isolirten
Nemertinenrüssels machen ‚, -als den eines vollständigen Thieres. Die
390 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen ind. Naturgeschichte
z
grüne Färbung scheint diese Deutung allerdings kaum zu unterstützen,
doch giebt es auch sonst pigmentirte Nemertinenrüssel, wie Ref. z.B.
einen solchen bei einer neuen, schwarzbraunen Meckelia in Nizza
beobachtete. Das Pigment war in diesem Falle bräunlichgrau, Die
Diagnose, die Grube seinem problematischen Geschöpfe giebt, ist
folgende:
Litkoeryplus n. gen. Corpus paene filiforme, molle, inerme,
stricturis duabus transversis tripartitum, ore antico, ano postico, cam-
panulae instar amplificato, tubo iniestinali recto, parte anteriore pro-
tractili, papillis obsita. Sp. L. prasinus Gr. Dieses Arch. 1855. I.
p- 154. Tab. VII. fig. 5—8.
Ciliati.
4. BRotiferi.
Wir haben im vergangenen Jahresberichte (XX. 8. 357)
der Ansicht von Lancaster erwähnt, nach der die Räder-
thiere, wie früher schon von Burmeister und Dana be-
hauptet war, den Cruslaceen zuzurechnen seien. Seildem ist
ein anderer weit gewichtigerer Vertheidiger dieser Ansicht
aufgetreten, Leydig, der, nach einer gründlichen Unter-
suchung des Räderthierbaues die betreffenden Geschöpfe forlan
als „Wimperkrebse* bezeichnet wissen will und seinen Vor-
schlag durch eine ganze Reihe von Gründen zu unlerslülzen
sucht (Zeitschrft für wiss. Zool. Vl. S. 108). C. Vogt, der
diese Gründe einer Cflik unterwirft Ceinige Worte über die
systematische Stellung der Rädertlhiere, ebendas. Vll. S. 193),
kommt jedoch zu dem Resultate, dass die Stellung der Rä-
derthiere bei den Würmern immer noch als die nalürlichste
erscheinen möchte. -
Obgleich nun dieser Versuch von Leydig in der That
wohl verfehlt sein dürfte, so kann doch darüber kein Zweifel
obwalten, dass die Arbeit unseres Verf. (über den Bau und die
systematische Stellung der Räderthiere, a. a. 0. S. 1—120.
Taf. I-IV) zu dem Wichtigsten gehört, was seit Ehren-
berg’s klassischen Untersuchungen über die Räderlhiere
veröffentlicht ist. Durch zahlreiche und umfassende Beobach-
tungen (von fast 50 verschiedenen Arten) sieht sich Verf. -
im Stande, nich! bloss unsere Kenntnisse über diese Thiere
der niederen Thiere während der J. 1854—1855. 391
mit einer Fülle von neuen, mehr oder minder wichtigen Thal-
sachen zu bereichern, sondern auch ein vollständiges und
getreues Bild von den Organisalionsverhälllnissen derselben
zu entwerfen, wie wir es bisher noch nicht besessen haben.
Ein besonderes Interesse gewinnt die Arbeit noch durch die
Bestäligung der Brighiwell-Dalrymple’schen Entdeckung über
die Geschlechtsverhältnisse der Räderhiere, über die wir be-
reils im letzten J. B. (S. 360) referirt haben.
Die Existenz von Doppel- und Vielräderthieren im Sinne Eh-
renberg’s wird von unserem Verf. in Abrede gestellt. In allen
Fällen, wo überhaupt ein Räderorgan entwickelt ist — es giebt auch
Formen ohne solche, nur mit wimpernder Mundspalte — bildet dieser
einen zusammenhängenden, einfachen Wimperkreis, dessen beide
Schenkel in die Mundöffnung hineinführen. Dagegen finden sich nicht
selten noch gewisse accessorische Wimpersäume oder auch Wimper-
läppchen. Die äussere Haut des Körpers besteht aus einem mehr oder
minder festen Chitinpanzer. An dem Verdauungsapparate, der jedoch
nur bei den weiblichen Rotiferen gefunden wird, unterscheidet Verf.
einen Schlundkopf mit Kiefern, Schlund, Magen und einen Darm, der
an der Basis des Füsses auf der Rückenfläche durch einen After resp.
Cloake ausmündet. In manchen Fällen fehlt aber auch Darm und
Alter, so dass der Magen dann blindsackarlig geschlossen ist (Notom-
mata myrmeleo, N. anglica, N. Sieboldii n. sp., Ascomorpha helvetica
und A. germanica n.sp.). Als Blut ist die helle, mitunter auch röth-
lich oder gelblich gefärbte Flüssigkeit zu betrachten, die in der —
nach Aussen völlig abgeschlossenen — Leibeshöhle enthalten ist und
hier und da auch deutliche Körperchen erkennen lässt. Die Seiten-
kanäle mit den Flimmerläppchen und der centralen Blase betrachtet
Verf. als Respirationsorgan. Das centrale Nervensystem besteht aus
einem ziemlich ansehnlichen, bisweilen auch gelappten Schlundgang-
lion, von dem eine Anzahl symmetrisch entwickelter Nervenstämmchen
ausstrahlen, ohne sich jedoch zu einem Schlundringe oder einem un-
paaren Bauchstrange zu vereinigen. Ein Theil dieser Nerven tritt an
die Haut und zwar an bestimmte, durch die Anwesenheit von eigen-
thümlichen starren Borsten ausgezeichnete Stellen, die bald nur auf
der Kopffläche, bald auch an den Seitentheilen des Körpers oder in
der Mittellinie des Rückens vorkommen. In ihrer speciellen Ent-
wickelung sind diese Stellen manchfach verschieden; sie sind bald
grubenartig vertieft, bald auch auf besondern retractilen Hörnchen
(den sog. Siphonen oder Respirationsröhren, durch die man früher
irrthümlicher Weise das Wasser in die Leibeshöhle eindringen liess)
gelegen. Dass diese Gebilde als Sinnesorgane fungiren, kann wohl
kaum bezweifelt werden; Verf; hält sie für Tastorgane — man könnte
392 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
dieselben mit Bezugnahme auf die schönen Entdeckungen von M.
Schultze in den Berl. Monatsber. Nov. 1856. auch vielleicht als
Geruchsorgane in Anspruch nehmen und aus der anatomischen Bil-
dung derselben gar mancherlei Momente für solche Deutung hervor-
heben Weitere Sinnesorgane der Räderthiere sind die schon von
Ehrenberg für Augen gehaltenen Pigmentflecken, in denen Verf.
bei vielen Arten /constant in den paarig vorhandenen Augenflecken)
eine Linse nachweisen konnte. Die Muskeln haben nicht selten eine
sehr entschiedene Querstreifung, wenigstens an manchen Stellen. Im
neugeborenen Räderthiere fand Verf. in der Gegend der Cloake oftmals
einen Haufen von Körnern oder krystallförmigen Bildungen, die er
für Harnconcremente bält und in den Enddarm verlegt. Der Eierstock
liegt unterhalb des Darmes. Die männlichen Individuen besitzen einen
birnförmigen Hoden und einen muskulösen, geraden Ausführungsgang
(Penis), dessen Anfangstheil von einer Drüsenmasse umgeben ist.
Verf. beobachtete die männlichen Exemplare der schon oben erwähn-
ten schönen und grossen Notommata Sieboldii, die nicht bloss durch
ihre geringere Grösse und ihren abweichenden inneren Bau, sondern
namentlich auch durch zwei Paar armartiger Fortsätze von konischer
Gestalt von den Weibchen verschieden waren. Durch eine scharfsinnige
Interpretation älterer Angaben macht Verf. es übrigens sehr wahrschein-
lich, dass solche Rotiferenmännchen auch schon früher mehrfach beob-
achtet sind, und dass namentlich Enteroplea hydatina Ehrbg. das Männ-
chen von Hydatina senta, so wie Notommata granularis das von Not.
Brachionus (Brachionus urceolaris Weisse) sein dürfte. In Betreff der
Entwickelung bemerkt Verf., dass die Rotiferen in vielen Fällen eine
Metamorphose durchliefen,
Unter den Einzeln - Darstellungen unscres Verf. erwähnen wir
als besonders ausführlich und wichtig die Beschreibungen von Stepha-
noceros (S. 5—14), Notommata myrmeleo (S. 20—24), N. Sieboldü
(S. 24—35), N. centrura (S.33—37), Brachionus ($.47—53) und
Euchlanis (S. 56-60).
An diese ausgezeichnete Arbeit, auf die wir später
noch einmal in dem systematischen Theile unseres Berichtes
zurückkommen werden, schliesst sich sodann die nicht min-
der interessante Abhandlung von Cohn über die Fortpflan-
zung der Räderthiere an, Zeitschrift für wiss. Zool. VII.
S. 431—486. Taf. XXIII u. XXIV.
Was uns Cohn hier mittheilt, dient grösstentheils zur Bestä-
tigung der Angaben Leydig’s, nicht bloss in Betreff der über die
Natur von Enteroplea hydatina und Notommata granularis ausgespro-
chenen Vermuthung, sondern namentlich auch in Betreff der Leydig’-
schen Darstellung vom Baue der Räderthiere im Allgemeinen, die
der niederen Thiere während der J. 1854—1855. 393
Verf. an Hydatina senta, Brachionus urceolaris u. Br. militaris zu prü-
fen Gelegenheit fand. Aus der sehr detaillirten Beschreibung unse-
res Verf. heben wir besonders hervor, dass sich derselbe bei Br. mi-
litaris auf das Bestimmteste davon überzeugen konnte, wie die con-
tractile Blase, die hier eine sehr beträchtliche Grösse und eine zwei-
kammerige Bildung hat, nicht bloss ihren Inhalt im Augenblicke der
Contraction nach Aussen entleert, sondern sich auch bei der nach-
folgenden Erweiterung von Aussen wieder füllt. Die Harnconcre-
mente Leydig's finden sich nach unserem Verf. ausschliesslich
bei männlichen Räderthieren und nicht in dem Darme, der hier fehlt,
sondern in einem eigenen sackförmigen Behälter, der an der Wand
des Hodens festgewachsen ist. Wenn Leydig diesem Gebilde bei
neugeborenen Räderthieren eine weitere Verbreitung giebt, so rührt
das daher, dass L., wie Verf. nachweist, bei einigen Brachionusarten
männliche Individuen ausschlüpfen sah, ohne dieselben als solche zu
erkennen. Auf diese Fälle stützt sich L. auch (wenigstens zum Theil),
wenn er den Rotiferen eine Metamorphose zuschreibt; die männlichen
Brachionusarten sind ‚nicht bloss sehr viel kleiner, als die zugehö-
renden Weibchen, sondern auch sonst sehr abweichend gebaut, na-
mentlich ohne Panzer und mit kurzem, stummelförmigem Schwanze,
der sich nur wenig von dem cylindrischen Leibe absetzt.
Von besonderem Interesse ist die Beobachtung unseres Verf.,
dass die männlichen Eier der Rotiferen an Grösse beträchtlich hinter
den weiblichen zurückbleiben und immer nur — worauf auch schon
Dalrymple und Leydig bei ihren Formen hinwiesen — von be-
sonderen Individuen producirt werden. Ja, nach den Angaben unse-
res Verf. sollen auch die sog. Wintereier von eigenen Individuen ge-
legt werden, doch widerstreitet dem die Beobachtung von Leydig,
dass man die (sonst vivipaare) Notommata Sieboldii durch eine mehr-
tägige Hungerkur beliebig zur Production von Wintereiern veranlas-
sen könnte (a. a. 0. $. 29). Mit dieser Beobachtung fällt auch, nach
der Ansicht des Ref., die Hypothese unseres Verf., dass die gewöhn-
lichen dünnschaligen Eier der Rotiferen keine wirklichen Eier, son-
dern blosse „ungeschlechtliche Fortpflanzungskörper“ darstellten, und
dass die Individuen, die dergleichen Keime producirten, nicht sowohl
Weibchen, als vielmehr geschlechtslose Ammen seien. Schon die
Entwickelung und Organisation dieser dünnschaligen Eier dürfte zur
Widerlegung dieser Hypothese hinreichen, denn die Keime der Aphi-
den, mit denen Verf. dieselben zusammenstellt, verhalten sich, wie
die übrigen bis jetzt bekannten Keimkörner, in dieser Beziehung ganz
anders. (Nach Burnett sollen gerade umgekehrt die Wintereier
der Rotiferen als Keimkörner zu betrachten sein, Silliman’s Amer.
Journ. 1854. p. 78.) Eine andere Frage ist es, ob die Eier der Ro-
tiferen vor ihrer Entwickelung beständig der Befruchtung bedürfen
39 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
und nicht vielleicht, wie die der Daphnien — denen Verf. unrichtiger
Weise denselben Generationswechsel zuschreibt, den er den Rotiferen
vindieiren möchte — gelegentlich spontan sich entwickeln, doch dürfte
es einstweilen noch an jedem Materiale zur Entscheidung dieser
Frage fehlen.
Gosse „on the siruclure, funelions and homology of
the manducalory organs in ihe Class Rolifera“, Proc. roy.
Soc. 1855. p. 245 (Ann. nat. hist, XV. p. 357, l’Inst. No. 1131.
1855. p. 311).
Verf. liefert eine detaillirte Darstellung von der Zusammenset-
zung dieser — bisher nur ungenau erforschten — Gebilde bei Bra-
chionus und verfolgt die Abänderungen derselben bei den übrigen
Arten der Räderthiere. Er weist nach, dass sich alle hier vorkom-
menden Verschiedenheiten auf einen gemeinschaftlichen Plan zurück-
führen lassen und sucht die betreffenden Theile mit den Kiefern der
Insekten zu parallelisiren. Auf Grund dieser Analogie glaubt Verf.
an eine systematische Beziehung der Rotiferen zu den Insekten, ob-
wohl er andererseits auch die Verwandtschaft derselben mit den Bryo-
zoen hervorhebt,
Auch Cohn hat in der vorher erwähnten Abhandlung den Kie-
ferapparat von Hydatina und Brachionus zum Gegenstande einer beson-
ders genauen Untersuchung gemacht.
Die Systemalik der Roliferen bedarf gegenwärtig einer
gründlichen Revision, die freilich ihre grossen Schwierigkeiten
hat, so dass selbst Leydig, der doch nach seinen Arbeiten
dazu vielleicht noch aın ersten berufen war, davon Umgang
genommen hal. Manche der von Ehrenberg aufgestellten
Genera, wie Nolommala, Eosphora, Diglena u. a. sind entweder
gar nicht oder doch wenigstens in ihrer bisherigen Umgren-
zung nicht mehr zu gebrauchen,
Leydig hält es für das Natürlichste, die Rotiferen nach ihrer
Körperform, ob diese cylindrisch, ob sackförmig oder zusammen-
gedrückt, einzutheilen und in den so gebildeten Gruppen die weiteren
Unterscheidungsmerkmale von der Beschaffenheit, An - oder Abwesen-
heit des Fusses zu entlehnen. Für die weitere Ausführung dieser
Ideen verweisen wir auf S. 113—117 a. a. 0.
Die von Leydig neu beobachteten Arten sind folgende: Flos-
cularia appendioulata (wahrscheinlich identisch mit der im letzten J.
B. erwähnten F. cornuta), Notommata Sieboldüi (am besten wohl mit
dem Genusnamen Ascomorpha Perty zu bezeichnen), N. tardigrada ,
Euchlanis hyalina (?), E. unisetata. Polyarthra trigla Ehrbg. und P. pla-
typtera sind nach unserem Verf. identisch. Die Floscularia appendi-
der niederen Thiere während der J. 1854—1855. 395
culata beobachtete ich hier um Giessen öhne Gallerthülle, so dass
ich fast annehmen möchte, dass dieses Thier, wie die Stentoren. bald
mit, bald ohne Scheide angetroffen werde.
Nachträglich mögen hier noch die von Schmarda in den
Denkschriften der kais. Akad. zu Wien 1850. J. beschriebenen neuen
Rotiferen erwähnt werden: Heptaglena (n.gen.) digilata, Amphi-
bolidina (n. gen.) megalotrocha, Anuraea longicornis, Brachionus
diacanthus. Die neuen Genera werden in folgender Weise charak-
terisirt:
Heptaglena Schm. Animal ex hydatineorum familia, ocellis
7 sessilibus, 1 occipitale, 6 frontalibus in duos acervos dispositis, pede
furcato.
Amphibolidina Schm. Animal. ex Philodinaeorum familia,
proboscide et pede simplice, bullis (glandulis) circa pharyngem dispo-
sitis rubris insigne.
Weisse bemerkt, dass die von ihm beschriebene Mastigorceca
lunaris mit Bothriocerca affinis Eichw. identisch sei; ebenso Triarthra
cornuta Weisse und Tr, breviseta Gosse. Zeitschrift für wiss. Zool. VII.
5. 341.
Limnias annulatus n. sp., Bailey Smithson. Contrib. VII. p. 4.
2. Bryozon.
Huxley stellt die Bryozoen mit zahlreichen anderen
Zoologen zu den Mollusken und glaubt namentlich auch eine
nahe Verwandtschaft derselben mit den Brachiopoden nach-
weisen zu können. (Bekanntlich hat schon Hancock auf
einige Analogieen im Baue dieser beiden Gruppen aufmerk-
sam gemacht, Vgl. J.B. XX. S. 365.)
Von Busk erhielten wir eine hübsche Abhandlung über
den Bau und die Funktionen der sog. Avicularien und Vibra-
eularien, Transact. microsc. Soc. 1854. II. p. 26.
Diese Gebilde sind weiter verbreitet als man früher annahm,
finden sich aber doch nur bei den Arten mit einer klappenförmig be-
weglichen Lippe an der Oeffnung der Thierzelle (Cheilostomata Busk).
Sie zeigen in ihrer Form und Verbindung mit den Thierzellen man-
cherlei auffallende Verschiedenheiten, die von der Systematik mit
Nutzen verwerthet werden können. Bei den Avicularien trägt die
Innenfläche des unbeweglichen Fortsatzes ein Büschel feiner und stei-
fer Borsten, die dem schon früher (im letzten J. B.) erwähnten pro-
blematischen Körper im Innern aufzusitzen scheinen und vielleicht als
Gefühlsorgane zu deuten sind. Der funetionelle Werth dieser Gebilde
besteht vorzugsweise in -der Abwehr von Feinden, der der Vogel.
396 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
köpfen auch vielleicht im Ergreifen von Nahrungsstoffen. Bei den
Solenariaden und Lunulithen kommen die Vibracularien möglicher
Weise auch als Bewegungsorgane in Betracht.
Kingley beschreibt die Avicularien (lobacco-pipes) von No-
tamia bursaria als neue, bisher unbekannte Gebilde, Annals nat. hist.
1854. XIII. p. 347. 2
Was wir sonst über Bryozoen zu erwähnen haben, ist
ausschliesslich systematischer Art. Vor allen anderen ge-
hört hieher der zweite Band des schon im vorigen J.B. er-
wähnten „Catalogue of marine Polyzoa in Ihe Collection of
the brilish museum“ 1854 mit den Familien der Membranipo-
riden, Celleporiden, Eschariden, Vinculariaden und Solenaria-
den, deren einzelne Arlen, wie in dem ersten Bande — °
freilich nur nach Form und Bau ihrer Hautgebilde — be-
schrieben und abgebildet sind. Das Werk von Busk ist das.
vollständigste, welches wir über Bryozoen besitzen und für
ein specielleres Studium dieser Thiere unentbehrlich, wie aus
der nachfolgenden Uebersicht wohl deutlich hervorgeht.
Polyzoa infundibulata.
#. Cheilostomata. (Aperture of the cell filled with a
thin membranaceous or calcareous velum; a crescentie mouth
with a moveable lip.)
$ Articulata.
$$ Uniserialaria.
Fam. Catenicellidae (Cells connected by flexible joints).
Gen. Catenicella. Cells arising one from the upper and back
part of another by a short corneous tube, all facing the same way,
and forming dichotomously divided branches of an erect phytoid po-
lyzoary; cells at each bifurcation geminate; cach cell with two late-
ral processes usually supporting an avicularium. Ovicells either sub.
globose and terminal, or galeriform and placed below the opening
of a cell in front.
€. lorica n. sp.* — C. ventricosa n. sp.* — C. hastala n. sp.*
— €. aurita n. sp. — C. amphora n. sp.* — C. plagiostoma n. sp.*
— €. cribraria n. sp.* — C. margarilavea n. sp.* — C. formosa n.
sp-* — C. perforata n.sp. — Ü. ringens n.sp. — C. elegans n. sp.*
— €. cornula n. sp.* — C. umbonata n. sp — C. gibbosa n. sp.*
— €. taurina n. sp. — C. carinala n. sp.“ Alle Arten aus der
Südsee.
Gen, Alysidium n. Cells connected by short corneous tubes,
der niederen Thiere während der J. 1854—1855. 397
of which two arise from a single cell at each bifurcation. Avicula-
ria single and anterior or double and lateral (or altogether wanting?)
A. parasiticum n. sp. Südafrika. — Alysidium Lafontii (Aud.)
Spanische Küste,
Gen. Calpidium n.* Cells with an avicularian on each side,
with two or more, usually three, distinct apertures,
arising one from the upper part of another in a linear series, all fa-
eing the same way and forming dichotomously divided branches of an
erect phytoid polyzoary; cells at the bifurcation single.
C. ornatum n. sp.* Bass-Str.
$$ Bi-multiserialaria.
Fam. Salicornariadae. (Cells disposed around an imagi-
nary axis, forming cylindrical branches of a dichotomously dividel,
erect polyzoary.)
Gen. Salicornaria. Front of cell much depressed, surroun-
ded by an elevated ridge, by which the surface is divided into ‚more
or less regular rhomboidal or hexagonal spaces; no aperture.,Avicu-
laria disposed irregularly.
S. farciminoides Johnst. Europ. Küsten. — S. gracilis Busk.
Engl. — S. tenuirostris n. sp.* Südsee. — S. malvinensis n.sp. Falk-
lands-Inseln. ;
Gen. Nellia n. Front of cell convex, with a distinct raised
border; a large aperture. Ovicells ?
N. oculata n sp.* — N. simplex n. sp.* Beide aus der Tor-
res-Str. u. 5. w.
Fam. Cellulariadae. (Cells disposed in the same plane,
forming linear branches of a dichotomously divided, phytoid, erect
polyzoary.) ‚
Gen. Cellularia Busk. Cells bi-triserial, more than four in
each internode; oblong or rhomboidal, contiguous; perforated behind.
Without avicularium or vibraculum, unless rarely the former on the
upper and outer angle of the cell.
©. cuspidata (C. monotrypa n.sp.*) Busk. Südsee. — C. Peachü
Busk. Engl. Küste. — C. ornala n. sp. Algoa-Bay.
Gen. Menipea Lamx. Cells oblong or elongated and attenua-
ted downwards ; imperforate behind, with a sessile avicularium fre-
quently absent on the upper and outer angle, and one or two sessile
avicularia on the front of the cell below the aperture.
M. fuegensis n. sp. Falklands-Ins. u. s. w. — M. ternata (Ell.
and Sol.) Engl. Küsten. — M. cirrata (Esp.) Lamx. Südafr. — M.
iriseriata n. sp. ebendah. — M. multiseriata n. sp. Vaterl. unbek, —
M. patagonica n. sp. Falklands-Ins.
398 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichie
Gen. Serupocellaria v. Ben. Cells rhomboidal, with a si-
nus om the outer and hinder aspect; each furnished with a sessile
avicularium at the upper and outer angle, and with a vibraculum
placed in the sinus on the outer and lower part behind. Aperture
ovale or subrotund, spinous above, with or without a pedunculate
operculum, Cells biserial and numerous in each internode.
S. cervicornis n. sp.* Cumberlands-Ins. — Sc. diudema n. sp.*
Moreton-Bay. — Sec. scrupea Busk. Engl. Küste. — Sc. Macandrei
n. sp. Span. Küste. — Se. cyelostoma n sp.* Bass-Str. — Sc. ferox
n. sp.* Ebendah. — Sc. scruposa (Pall.) v. Ben. Europ. Küste.
Gen. Canda Lamx. Cells rhomboidal, sinuated on the outer
side for the lodgment of a vibraculum. No avicularium on the upper
and outer angle,
C. arachnoides Lamx. Südsee. — C. reptans (L.) Busk. Engli-
sche Küste.
Gen. Emma Gray. Cells in pairs or triplets. Opening more
or less oblique, subtriangular, partially filled up by a granulated cal-
carecus expansion. A sessile avicularium (sometimes absent) on the
outer side below the level of the opening.
E. erystallina G. — E. trieellata n. sp.“ Beide in der Bass-Str.
$ Inarticulata s. Continua.
$$ Uniserialaria,
Fam. Serupariadae. (Cells uniserial, Junctions rigid or of
the same consistence as the cells. Polyzoary usually loosely adnate.)
Gen. Seruparia Ok. Cells decumbent; aperture oblique,
subterminal. Branches given off from the front of a cell below the
aperture.
Sc. chelata (L.) Busk. Europäische und Austral. Küsten.
Gen. Hippothoa Lamx. Cells decumbent, adherent; branches
given off from the sides of the cells.
H. calenularia Johnst. Europ. Küsten. — H, divaricata Lamx.
Europ. Küsten. — H. patagonica n. sp. Patagonien,
Gen. Aetea Lamx. Cells tubular, ergct, scattered, rising from
a creeping fistular fibre adnate to a foreign base. Aperture terminal
or subterminal.
Aet. anguina (L.) Lamx. Europäische Küste u. s. w. — Aet.
dilatata n. sp.* Torres-Str. — Aet. ligulata n. sp. Patagonien. — Aet.
truncala n. sp. Küste Arran.
Gen. Beania Johust. Polyzoary confervoid,, subcorneous or
calcarecus, Cells arising one from another by a slender filiform tube
given off from the lower part of the cell, which is open in front;
the edges of the opening furnished with hollow spinous processes
der niederen Thiere während der J. 1854—1855. 399
arching over the opening, Mouth terminal with a dentiele on
each side. “
B. mirabilis Johnst. Engl. Küste. — B. ausiralis n. sp. Patagon.
Küsten,
$S$ Bi-multiserialaria.
Fam. Fareiminariadae. (Cells disposed round an imagi-
nary axis, alternate, forming cylindrical branches of an erect, dicho-
tomously divided, continuous polyzoary.)
Gen. Farcimınaria n. Corneous, flexible; margin of cell
much raised; aperture occupping the whole front of the cell. Ovicell
eueullate.
F. aculeata n. sp. Neuseeland.
Fam. Gemellaridae. (Cells apposite in pairs.)
Gen. Gemellaria v. Ben. Cells jointed back to back; all
the pairs facing the same way. Aperture oval, slightly oblique; at
the bifurcation each cell of the primary psir giving off one of the
secundary pair.
G. loricata (L.) Sav. Europ. Küsten.
Gen. Didymia n.* Cells joined side to side. Aperture large,
oval, wholly anterior. Cells all facing the same way. Ata bilur-
calion each cell of the primary pair giving off one of the secundary
pair at tlıe summit,
D. simplex n. sp.* Bass-Str.
Gen. Dimetopia n.* Cell joined back to back. Aperture
oblique; each pair looking in a direction at right angles with that
of the next. At a bifurcation the pair being disjoined, each of the
disjoined cells gives olf a secundary pair.
D. spicala n.sp.* — D. cornuta n.sp.* Beide in der Bass-Str.
Gen. Notamia Busk. A pair ol tabacco-pipe shaped avicu-
laria visible above each pair of cells, each arising from the inferior
tubular prolongation of one of the cells in the pair next above.
N, bursaria (L.) Flem. Engl. Küste.
Fam. Cabereadae. (Polyzoary dichotomously divided into li.
gulate, bi-multiserial branches; on Ihe backs of which are vibracula
or avicularia, one common to several cells; avicularia sessile.)
Gen. Caberea Lamx. Cells bi-multiserial, in the latter case
quincuncial. Back of branches covered with large vibracula, which
are placed obliquely in iwo rows, diverging in an upward direction
Irom the middle like, where the vibracula of either side decussate
with those of the other. Avicularia, when present, sessile on the
front of the cell,
©, rudis n, sp.* Bass-Str. — C.Boryi n. sp.“ Cumberlands-Ins.,
400 Leuckart, Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Patagonien u. s. w. — C. Hookeri (Flem.) B. —? C. lata n. sp.*
Australien. ;
Gen. Amastigia n. An avicularium to about each three cells
on the back of the branches. No vibracula.
A. nuda n.sp. Terra del Fuego.
Fam. Bicellariadae. (Polyzoary dichotomously divided into
narrow ligulate, bi-or multiserial branches. "No vibracula. Avicula-
ria, when present, pedunculate and articulated. Polyzoary ercet
phytoid.)
Gen. Bicellaria Bl. Cells turbinate, distant. Aperture di-
rected more or less upwards. Several spines, marginal or dorsal.
B. ciliata (L.) Bl. Europ. Küsten. —B. gracilis n. sp.* Bass-Str.
— B. grandis n. sp. Ebendah. — B. tuba n. sp. Ebendaher.
Gen. Halophila Gray. Cells contiguous, attenuated dounwards,
much expanded upwards with a large plain ei unarmed.
H. Johnstoniae Gr. Bass-Str.
Gen. Bugula Ok. Cells elliptical (viewed behind), closely
contiguous, bi-multiserial; aperture very large; margin simple, not
thickened. Avicularia, when present, pedunculated and articulated
(frequently coloured red or blue.)
B. neritina (L.) Ok. Engl. Küste, Austral., Rothes Meer u.s. w.
— B. flabellata (Gr.) Busk. Europ. Küsten. — B. avicularia (L.) Ok.
Europ. Küsten. — B. plumosa (Pall.) Busk. Engl. Küste. — B. dentala
(Lamx.) Busk. Austral., Süd-Afr. — B. Murrayana (Johnst.) Busk.
Engl. Küste.
Fam. Flustradae. (Polyzoary flexible, expanded, foliaceous,
erect, sometimes decumbent and losely attached. Cells multiserial,
quincuncial or irregular.)
Gen. Flustra (L.) Lamx. Cells contiguous; on both sides of
the frond.
Fl. foliacea L. Europ. Küsten. — Fl. papyracea Ell. Engl. Küste.
— Fl. truncata L. Engl. Küste. — Fl. oclodon n. sp. Spanische Küste.
— FI. denticulata n. sp. Austral.
Gen. Carbasea Gr. dCells contiguous, on one side only of
the frond.
C. papyracea (Pall.) Gr. Engl. Küste. — C. pisciformis n. sp.
Tasmania; C. armata n. sp. Südafr. — C. cribriformis n. sp.* Cum-
berland’s Ins. — C. dissimilis n. sp. Tasmania. — C. episcopalis n. sp.
Bass-Str. — C. bombycina (L.) Busk. Südafr. — C. ovoidea n. sp.
Patagonien. — C. elegans n.sp. Tasmania. — C. indivisa n. sp. Neu-
seeland.
Gen. Diachoris n.* Cells disjunet, each connected with six
der niederen Thiere während der J. 1854—1555. 401
others by tubular processes; frond sometimes partially adnate and
decumbent.
D. erotali n. sp.* Bass-Str. — D. magellanica n. sp. MRgEN En
Str. — D. inermis n. sp. Neuseeland.
Fam. Membraniporidae. (Polyzoary membranaceo-calcare-
ous or calcareous, expanded, encrusting, sometimes foliaceous, con-
torted and suberect. Cells horizontal, quincuncial or serial.)
Gen. Membranipora Johnst. Polyzoary inerusting or sub-
erect, foliaceous and contorted, spreading irregularly. Cells more or
less irregularly disposed or quincuncial, with raised margins ; a grea-
ter or less extend of the front membranaceous and flexible.
M. membranacea (L.) Bl. Europ. Meere. — M. pilosa (]..) Johnst.
Europ. Meere. — M. coriacea (Esp.) Gr. Europ. Meere. — M. umbo-
nata n. sp. Vandiemensland. — M. lıneata (L.) Busk. Europ. Meere.
M. Flemmingii Busk (Flustra membranacea Zool. Dan.) Europ. Meere.
— M. Rozieri (Aud.) Busk. Rio de Janeiro. — M. Rosselii (Aud.)
Busk. Orkney. — M. calpensis n. sp. Gibraltar. — M. stenostoma n.sp.
Tasmania. — M. cervicornis n. sp. hab.? — M. Lacroizii (Sav.) Busk.
Europ. Meere. — M, cyclops n. sp. Neu-Seeland. — M. monostachys
n. sp. Brittische Küste. — M. magnilabris n. sp. Algoa-Bay. — M.
galeata n. sp. Falklands-Ins.
Gen. Lepralia Johnst. Polyzoarium adnate, erustaceous, sprea-
ding from a centre in a more or less circular form; composed of con-
tiguous or connected, calcareous decumbent cells, the walls of which
are complet in frond.
I... Armatae.
A. Species having avicularia.
a. Median and single.
* Avicularium superior (above the month).
L. Brogniartüi (Aud.) Busk. Engl. Küsten.
** Inferior (below the mouth).
L. Landsborovii Johnst. Engl. Küsten. — L. galeata n.sp. Falk.
lands-Ins. — L. reticulata Macgillivay. Engl. Küste. — L. marionensis
n. sp. Marion-Ins. — L. auriculata Hass. Orkneys u. s. w. — L. con.
einna n. sp. Covelands-Ins. — L. verrucosa Thomps. Schottland, — L.
violacea Johnst. Engl. Küste.
3. Avicularia either double or, if single, on one side of
the cell; on every cell or irregularly distributed on
th e polyzoary.
L. spinifera Johnst. Ins. Wight u. 8.w. — L. trispinosa Johnst.
Engl. Küste. — L. coceinea (Zool. Dan.) Johnst. Irland u. s. w. — L.
linearis Hass. Engl. Küste, Mittelländ. Meer. — L. alata n. sp. Cap
Archiv f. Naturgesch. XXI. Jahrg. 2. Bd, AA
402 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Horn. — L. monoceros n. sp. Magellans-Str. — L. bicristata n. sp.
Cap Horn. — L. margaritifera Quoy et Gaim.. Tierra del Fuego,
B. Species having vibracula.
L. ciliata (L.) Johnst., Britt, Mittelmeerische, Amer. Küsten. —
L. Gattyae Landsbor. Engl. Küste. — L. Hyndmanni Johnst. Engl. Küste.
— L. personata n. sp. Falklands-Ins. — L. depressa n. sp. Aegei-
sches Meer. — L. Lyallü n. sp. Neu-Seeland.
II. Inarmatae.
a. With oral spines.
L. variolosa Johnst. Engl. Küste. — L. nitida (Fabr.) Johnst.
Engl. Küste. — L. annulata (Fabr.) Johnst. Engl. u. schott. Küsten —
L. bispinosa Johnst. Engl. Küste. — L. Peachii Johnst. Engl. Küste.
— L. ventricosa Hass. Engl. Küste. — L. melolontha Landsbor. Engl.
Küste. — L. innominata Couch. Engl Küste. — L. punctata Hass.
Eng. Küste.
ß- With an unarmed mouth. i 4
L. figularis Johnst. Engl. Küste. — L. pertusa Johnst. Engl.
Küste. — L. Pallasiana (Lamx.) Busk. Engl. Küste. — L. ceucullata
n. sp. ? Aegeisches Meer. — L. labiosa n. sp. Falklands - Ins. — L.
labrosa n. sp. Engl. Küste. — L. simplex Johnst. Engl. Küste. — L.
adpressa n, sp. Chiloe. — L. Malusii (Aud.) Patagonien u. s. w. —
L. granifera Johnst. Engl. Küste. — L. hyalina (L.y Thomps. Engl.
Küste. — L. diserela n. sp. Falklands- Ins. — L. annularis (Pall.)
Busk. Cap der guten Hoffnung.
Fam. Celleporidae. (Polyzoarium composed of cells more or
less vertical to the axis or plane, heaped together, or irregularly
overlying each other.)
Gen. Cellepora l.. Polyzoarium calcareous, rigid, adnate or
erect; composed of urceolate, subereet, contiguous cells, heaped to-
gether irregularly or arranged quincuncially,. An ascendent rostrum
on one or both sides of the mouth, furnished with an avicularium.
* Adnate, globose or spreading. %
C. pumicosa L. Europ. Meer. — C. Hassallii (Johnst.) Gr. Engl.
Küste. — C, vitrina Johnst. Engl. Küste. — C. bispinala n. sp. Tas-
mania. — C. mamillata n. sp. Patagonien,
** Erect.
C. ramulosa L. Engl. Küsten. — C. Skenei Ell. et Sol. Engl.
Küste. — C. fusca n. sp. Bass-Str.
Fam. Escharidae. (Polyzoarium erect, rigid, foliaceous and
expanded, lobate or reticulated. Cells disposed quincuncially in the
same plane, on one or both sides of the polyzoarium.)
Gen, Eschara Ray. Polyzoarium foliaceous and expanded,
der niederen Thiere während der J. 1854—1855. 403
or branched and sublinear. Cells disposed on both surfaces, back to
back, immersed, coalescent, horizontal to the plane ofthe axis.
* Polyzoary more or less expanded, foliaceous.
E, foliacea (Ell.) Lamk. Engl. und Mittelländ. Meer. — E.
eonlorta n. sp. Algoa-Bay.
** Polyzoary divided into branching lobes.
E. urceolata n. sp. Algoa-Bay. — E. platalea n. sp. Bass-Str. —
E. lichenoides Seba Bass-Str. — E. fuegensis n. sp. Tierra del Fuego,
E. decussata M. Edw. Australien. — E. flabellaris n. sp. Algoa-Bay.
— E, gracilis Lamx. Bass-Sir. — E. giganlea n. sp. Patagonien, —
E. cervicornis (Ell. et Sol.) Busk, Eng, Küste.
Gen. Retepora Lam. Polyzoarium foliaceous, calcareous, reti-
eulated. Cells immersed, opening on one- surface alone.
R. cellulosa (Cav.)Lamx. Mittelländ. Meer. — R. beaniana Busk. °
Engl. Küste. — R. phoenicea n. sp. Bass-Str.
Fam. Vinculariadae. (Polyzoarium rigid, caldareous, anar-
tieulated; cells disposed alternately around an imaginary axis, forming
dichotomously dividing branches. Surface of polyzoary not areolated.)
Gen. Vincularia Bl. Branches of polyzoarium not tubular ;
front of cells surrounded by ;a raised border, arcuate above, nearly
straight below. Ovicells immersed, opening above the mouth of the
cell upon which they are placed. £
_V. ornala n. sp. Patagonien,
Fam. Selenariadae. (Polyzoary more or less regularly or-
bieular, convex on one side, plane or concave on the other, probably
free. Furnished with large and powerful vibracala probably loco-
motive, often having araneons particles affixed in the centre of the
under surface.) Ä
Gen. Cupularia Lamx. Each cell throughout the polyzoa-
rium with a vibracular cell at-the apex.
©. guineensis n. sp. Neu-Guinea. — C. Owenü (Gr.) Busk. Afri-
kan, Küste, — C. Lowei n. sp. Madeira. — C. stellata n. sp. Philip-
pinen. — C. pyriformis n, sp. St. Vincent.
Gen. Lunulites n. Cellsarranged in series radiating from the
centre and bifurcating as they advance; vibracula in linear series al-
ternating with those of the cells.
L. gibbosa n.sp. Cap Capricorn. — L. capulus,n. sp.* Ebendah.
— L. philippinensis n. sp. Philippinen. — L. cancellata n.sp. Ebendah,
Gen. Selenaria n. Oulya certain number of cells dispersed
Abroughout the polyzoary furnished with vibracula. The front of each
cell, #0 furnished, covered by a cribriform calcareous expansion; others
arched above, contracted below ; under surface of polyzoary marked
with grooves.
8. maculata n.sp.* Bass-Str.
404 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
(Die mit n. sp.* bezeichneten Arten sind bereits früher von
Busk in den Voy. of Rattlesnake — vgl. J. B. XX. S.444 — be-
beschrieben worden.)
Weitere neue Arten beschrieb Busk in dem Quarterly Journ.
Microsc. Soc. XI. p. 254 (Tab. I u. Il); Salicornia borealis von West-
grönland ; Menipea arctica ebendaher; Membranipora Sophiae aus der
Assistance-Bay; Lepralia scutulata Westgrönland; Tubulipora ventri-
cosa ebendaher; Discophora ciliata Assistance-Bay und Westgrönland.
Ebenso:
Onchophora hirsula nov.gen. et n. sp. Neu-Seeland; O. tu-
bulosa aus dem ao Meere, O. mulica n. sp, Philippinen (? oder
Australien) XII. S. 322. Tab. IU. IV.
Onchirhieit cells ventricose, Bunteedn! not bordered by a
raised margin. Ovicells inconspicuous, (Zu diesem Genus bringt
Busk auch zahlreiche, bisher bei Cellaria aufgeführte fossile Formen.)
Farella gigantea n. sp. Tenby; Anguinella palmata, v. Ben. XIII.
p- 93. Tab. V u. VI.
Auch Hincks, Gosse und Stimpson beschrieben neue
Bryozoeen. j
Halia n.gen. e fam, Scrupariad. Hincks Ann. nat. hist. XV.
p- 128. 2 F
Polypidom ‘adherent, creeping, corneous, branched; cells de-
cumbent, adnate, irregularly disposed along the fibre, to which they
are altached at the base or by a short stalk. Sp. n. H. praetenuis
Hincks.
Derselbe Verf. liefert ]. c. auch eine Beschreibung des bis da-
hin unbekannten Thieres von Beania mirabilis.
Nolella n. gen. e fam. Vesiculariad. Gosse ibid. XVI. p. 35.
Cells erect, subeylindrical, springing singly, but closely, from
an undefined polymorphous incrusting mat; tentacles eighteen, BralE
a bell.
N. stipata n. gen. 1. c. Tab. IV. fig. 29.
Tubulipora crates n. sp., T. divisa n. sp., Idmonea pruinosa n.
sp., Orisia cribraria n. sp., Hippothea rugosa n. sp., Lepralia candida
n. sp., L. crassispina n. sp., L. labiata n. sp., L. rubens n. sp., Ge-
mellaria dumosa n. sp., Flustra solida n. sp. Stimpson Synops.
Invertebr. Gr. Manan p. 17—19.
Die voranstehenden Referate beziehen sich ohne Ausnahme auf
marine Bryozoen; in Betreff der Süsswasserformen haben wir nur zu
erwähnen, dass Leidy eine verbesserte Diagnose seines Genus Ur-
natella (J. B. XX. S. 373) aufgestellt und eine neue nordamerikani-
sche Art des Gen. Plumatella, Pl. vesicalaris, beschrieben hat. Proc.
Acad. Philad. VII. p. 191.
der niederen Thiere während der J. 1854— 1855. 405
Die Charakteristik von Urnatella lautet jetzt folgendermassen:
Coenoecium consisting of a series of segments up to eighteen in
number, and forming free, semi-erect, curved stems, altached only by
the base of the lowest segment. Segments, excepting the three last
ones, simple urniform; the antepenultimate and the penultimate ob-
long, with simple or compound branches of the same form; the last
segment or active polype is campanulate and is supplied with cylin-
drical, ciliated armes arranged in a circle around the mouth.
Echinodermata.
Unser diesjähriger Bericht über Echinodermen erscheint,
im Vergleiche mit dem früheren, ausserordentlich arm.
Was die Gruppe dieser Thiere im Ganzen betrifft, so
haben wir nur auf Krohn’s „Beobachtungen über Echino-
dermenlarven“ (Müller’s Arch. 1854. S. 208) hinzuweisen, die
sich vorzugsweise auf Spatangoidlarven und auf Tornaria (J.
B. XX. S. 352) beziehen.
1. Holothurida.
Ueber den Bau und die Entwickelung der mit einer
einfachen Micropyle versehenen Holothurieneier vgl. ausser
den früheren Angaben J. Müller's (vierte Abhandlung über
Echinodermenentwickelung S. 42) die Beobachtungen vom
Referenten in Bischofs Widerlegung des ...... Eindrin-
gens der Spermalozoiden S. 39 und von Leydig in Müller’s
Arch. 1854. S. 306, so wie die Bemerkungen J. Müller’s
ebendas. S. 60.
Stimpson beschreibt in seiner Synopsis Inv. Gr. Manan p. 16
als neu: Ocnus Ayresii.
Ebendaselbst erfahren wir, dass Bothryodactyla grandis und B.
affınis Ayr. (J. B. XX. S.389) zu Pentacta frondosa Jäg. gehören,
dass ferner Duasmodactyla Ayr. mit Thyonidium und Trochinus Ayr.
mit Chirodota identisch sei. Dagegen bildet Chirodota arenata nach
unserem Verf. den Typus eines besonderen Geuus, für welches der-
selbe den Namen Caudina in Vorschlag bringt.
406 Leuckart: Berieht‘üb. d: Leistungen in d: Natürgeschichte
=) Echinida:
Ueber den feineren Bau von Echinus esculenlus erhal-
ten wir durch Leydig Mittheilungen. Müller’s Arch. 1854.
S. 309: R
Wir heben daraus die Bemerküng hervor, dass die Leibeshöhle
mit ihrem Inhalte, nach der Meinung des Verf., dem Wassergefässsy-
stem zugerechnet werden müsse, da sie nicht bloss dieselben körperli-
chen Elemente enthalte, wie jenes Gefässsystem, sondern auch fast
allenthalben mit Flimmerhaaren ausgekleidet sei. Auch die äussere
Oberfläche der meisten inneren Organe ist mit Flimmern besetzt.
Ebenso auf der äusseren Haut die Pedicellarien. Die Angabe von
Krohn, dass die Ambulacralbläschen ein deutliches Gefässnetz ent-
hielten, bezeichnet Verf. als irrtbümlich.
J. Müller publieirt als siebente Abhandlung über die
Metamorphose der Echinodermen seine Untersuchungen „über
die Gallungen der Seeigellarven“ mit neun Kupfertafeln. Ber-
lin 1855. <Abh, der k. Akad. d. Wissensch. in Berlin 1554.)
Die hier mitgetheilten Untersuchungen sind grossentheils schon
früher (Arch. 1853. 8.472, J.B.XX. S. 392) im Auszuge bekannt ge-
macht; sie beziehen sich auf die Larven des Gen. Echinus und spe-
ciell des Ech. brevispinosus, auf eine der Gattung Echinocidaris ver-
wandten Larve, auf die Larven der Spatangoiden und des Echinocya-
maus pusillus (vgl. über letztere auch Arch. für Anat. 1855. S. 67).
Für die speciellere Kenntniss der Pluteusformen und die systematischen
Beziehungen derselben ist diese Abhandlung von grössester Wich-
tigkeit.
Krohn’s neue Beobachtungen über Spatangoidlarven (Müller’s
Arch. 1854. $.208) und deren Entwickelung sind schon oben kurz’
erwähnt worden.
Robert berichtet über das Vorkommen des Echinus
lividus in selbstgegrabenen Steinhöhlen- (Compt. rend, T. 39.
p- 639) und veranlasst dadurch einige Bemerkungen von Va-
lenciennes über das Bohrvermögen von Cidaris Savignyi
u.a. niederen Thieren.
Gray, Catalogue gf Ihe Echinidae or Sea-Eggs ist mir
ebenso wenig zu Gesicht gekommen, wie desselben Verf.’s -
List of british Radiata (1848).
Der erste Band des Catalogue ü. s. w. behandelt die ifregulä-
ren Seeigel Und enthält eine vollständige Charakteristik der bekannten
Genera und Species. Die neüch Arten (wohl dieselben, die J. B. XX:
5.396 von uns erwähnt wurden) sind besonders abgebildet.
der niederen Thiere während der J. 1854— 1855. 407
Ein Gleiches gilt von Aradas, Monographia degli Echi-
nidi vivent e fossili di Sieilia, Catania 1850 u. 1851. (Be-
sonders abgedruckt aus den Alti della Academia Gioenica.)
Peters veröffentlicht seine Untersuchungen „über die
an der Küste von Mossambique beobachteten Seeigel und ins-
besondere über die Gruppe der Diademen“ (J. B. XX. S. 394)
in den Abhandlungen der K. Akad. der Wissensch. in Berlin
1854, mit einer Tafel Abbildungen.
Michelin erkennt in dem Spatangus ( Schizaster Agass. )
atropos Lam. den Typus eines neuen Gemus Moera und beschreibt
zwei weitere neue Arten dieses Geschlechtes: M. Lachesis aus Te-
xas und M. Clotho aus Californien. Revue et mag. de Zoologie 1855.
T. VII p. 245.
Diagnosis gen. nov. Moera Mich. Teste ovale, globuleux,
gibbeux, subpolygonal; cing sillons dorsaux &troits, allonges, pro-
fondement enfonc&s, vesiculeux interieurement, et au fond desquels
se trouvent les ambulacres, composes de deux doubles rang&es de
pores disposes dans un sillon anguleux. Les trois parties interamhu-
lacraires anterieure et posterieure sont creusdes vers l’appareil api-
eial. Ambulacre impair plus large, avec quatre pores genitaux. Tu-
bereules nombreux, disposes en lignes se dirigeant plus ou moins
regulierement vers le centre de chaque plaque. Radioles un peu
eourbes, transparentes ayant de cing ä sept millimetres de longueur ;
celles inferieures plus courtes, terminees en spatule. Sommet apicial
subcentral. Bouche bilobee, submarginale, ayant le bord &pais. Anus
posterieur median ellipsoide, termine en pointe en haut et en bas. La
bouche et l’anus fermes par des pieces mobiles. Deux fascioles,
l’une sous_anale,-venant rejoindre les deux ambulacres pairs ante-
rieurs; l’autre, plus large, suivant exactement le bord des ambu-
lacres.
A. d’Orbigny dringt (Rev. et mag. de Zool. 1854. p. 16) auf
Restitution der im Jahre 1732 von Breyn aufgestellten Genusnamen
Echinometra (statt Echinus und Cidaris), Echinoconus (statt Conulus
oder Galerites), Echinocorys (statt Galea oder Ananchytes), Echinan-
thus (statt Clypeaster oder Echinolampas), Echinospatagus (statt Spa-
tangns und Toxaster), Echinobrissus (statt Nucleolites) und Echino-
discus (statt Rotula Ag.). Nach denselben Gesetzen der Priorität will
er auch das Agassiz’sche (fossile) Genus Disaster fortan als Collyrites
Desm. (1837) benannt wissen,
3. Asterida.
In der schon oben erwähnten siebenten Abhandlung
408 Leuckart: Bericht üb; d. Leistungen in d. Naturgeschichte
über Metamorphose. der Echinodermen berichtet J. Müller
über das Wassergefässsystem von Bipinnaria, das aus zwei
ursprünglich getrennten, grossen und wimpernden Säcken
besteht, die durch den Rückengrund ausmünden. A.a. O0.
S. 34.
Ebendaselbst beschreibt J. Müller eine zweile, neue
Art des Larvengenus Brachiolaria, das sich durch die An-
wesenheit von Papillen in der ganzen Länge der Arme un-
terscheidet. A. a. 0. S. 35 (Arch. für Anat. u. Physiol 18594,
S. 95).
Die Bipinnarien scheinen sich nach demselben Verf. (Arch.
für Anat. und Physiol. 1855. S.87) bald zu Seesternen mit
After (Archasterida), bald auch zu afterlosen Alten (Aslero-
peelinida) zu entwickeln. In Betreff der nordischen B. aste-
rigera wird nach der Gestalt der Stacheln ein Zusammenhang
mit Solaster furcifer vermulhet.
Krohn beschreibt die Müller'sche Tornaria in einem
weiter vorgerückten Stadium. Müller’s Arch. 1854. S. 24. Tab. X.
fig. 1.2. Vergl. hierzu die Bemerkungen J, Müller’s eben-
das. 1855. 8.87, wo auch die Möglichkeit einer Beziehung
der „wurmförmigen Asterienlarve* (J. B. XX. S. a zu Tor-
naria besprochen wird.
Nach den Beobachtungen von Stimpson besitzt Ptera-
ster mililaris unter der Rückenhaut fünf Interambulacralkanäle,
die durch den Porus analis ausmünden und durcli letzleren
in derselben Weise, wie die sog. Lungen der Holothurien ab-
wechselnd mit Wasser gefüllt und-entleert werden. Synops.
Inv. of Gr. Manan p. 15.
Ebendaselbst werden (p. 14) als neue Arten beschrieben: Aste-
racanthion littoralis und A. albulus.
4. Ophiurida.
J. Müller entdeckt, wie früher den Steinkanal der
Ophiuren, so auch jetzt die äussere Ausmündung desselben,
die am linken Rande des einen mit dem Umbo versehenen
Mundschildes gelegen ist. Arch. für Anat. 1854. S. 591 und
. siebente Abhandlung über die Metamorph. der Echinodermen
8. 33,
der niederen Thiere während der J. 1854—1855. 409
Auch bei den Ophiurenlarven ist ein Rückenporus vorhanden
und keineswegs abwesend, wie von unserem Verf. früher (J. B. XX.
S.404) vermuthet wurde. Siebente Abhandl. über die Met. der Echi-
nod. $. 32.
Lütken lieferte eine „vorläufige Uebersicht der Ophiu-
ren des grönländischen Meeres,“ Videnskab. Meddelelser 1854.
p- 95—104, übersetzt (von Creplin) in der Zeitschrift für
die gesammten Nalurwissenschaften 1855. Bd. V. S. 97.
Wichtig nicht bloss wegen der Aufstellung einer Anzahl neuer
Arten, sondern namentlich auch wegen der präcisen Charakteristik der
betreffenden Gattungen und mancher kritischen Bemerkung über Mül-
ler-Tröschel’s Asteridenwerk.
Als grönländisch werden aufgeführt: Amphiura Holboelli n. sp.,
Ophiura squamosa n. sp., Oph. nodosa n. sp., Oph. albida Forb., Oph.
coriacea n. sp., Oph. Sarsi n. sp., Oph. arclica n. sp., Ophiocten
(n. gen.) Kroyeri n. sp., Ophiopholis scolopendrica M. Tr., Ophiacantha
groenlandica M. Tr., Ophiothriz fragilis.
Die ersten vier Gattungen, Amphiura, Ophiura, Opbiocten und
Ophiopholis werden folgender Maassen umgrenzt:
A. Schlangensterne, deren Hautdecke auf der Rückenseite der
Scheibe aus zahlreicheren kleineren Schuppen und 10 grösseren Ra-
dialzellen 'besteht, welche Schuppen und Platten von keiner ober-
flächlichen Bekleidung überzogen sind.
1) Amphiura Forbes (pro parte). Die Scheibe hat keinen Aus.
schnitt und keine Papillenreihe am Grunde der Arme ; die Mundschilder
sind klein, die Mundwinkel weit und olıne Papillen. Das erste Paar
Armfüsse sitzt an dem für solche gewöhnlichen Platze. (Die Arme
sind sehr lang, dünn und sehr beweglich.)
2) Ophiura (Linck. Agass.) Forbes (p.p.). Am Grunde der Arme
findet sich ein Ausschnitt in der Rückenseite der Scheibe, welcher
mit einer in der Mitte unterbrochenen kammförmigen Papillenreihe
besetzt ist. Die Mundschilder sind überaus gross und besetzen einen
grossen Theil der Armwinkel, die Mundwinkel sind eng und die brei-
ten dreikantigen Stücke zwischen ihnen mit Papillen gerandet. Das
innere Paar Armfüsse sitzt dicht am Mundwinkel, welcher die Form
eines Y dadurch bekommt, dass die Poren von jenem sich in ihn
hinein öffnen. (Die Arme sind steifer und von Mittellänge.)
B. Schlangensterne, deren Schuppen und Radialplatten mit der
Rückenseite der Scheibe ganz oder theilweise mit Flecken, Körnern
oder Stacheln bedeckt sind. :
3) Ophiocten Lik., verhält sich hinsichtlich der Ausschnitte im
Scheibenrande der Papillen, Mundwinkel und des ersten Paares Arm-
füsse wie die Gattung Ophiura, doch mit dem Unterschiede, dass die
40 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Näturgeschichte
Ausschnitte weniger tiefe Ausbuchtungen des Scheibenrändes sind
und ihr Papillenkamm in der Mitte nicht unterbrochen ist. Die Schup-
penbekleidung auf dem Rücken ist mit flachen Körnern und runden
strahlenförmig geordneten Flecken bedeckt, so dass nur ein Theil der
Radialplatten sichtbar wird. Die Arme sind lang, dünn mit Platten
bedeckt und: tragen kurze platte Stacheln.
4) Ophiopholis Müll. et Tr. (p. p-). Die Schuppenbekleidung auf
dem Scheibenrücken ist zum Theil mit Körnern, zum Theil mit run-
den, strahlenweise geordneten Flecken bedeckt. Die Mundwinkel sind
schmal und mit Mundpapillen besetzt; die Rückenplatten der Arme
mit einem Halbkreise von Plättchen gerandet; ihre Seitenstacheln
kurz und platt. Die Ausschnitte im Scheibenrande, und die Papillen-
kämme fehlen, während die Mundschilder verhältnissmässig klein sind.
(Ebenso bei Ophiacantha und Ophiothrix.)
Das von Gould im der Fauna von Messachüsets beschriebene
Euryale sceutatum Bl. ist nach Stimpson (Synops. Inv. Gr. Nan
p- 12) eine neue Art: Eur. Agassisü St.
5. Crinoidea.
Nach Stimpson findet sich Alecto Eschrichii M. Tr. auch an
der nordamerikanischen Küste. Synops. Inv. Gr. Man. p. 12.
Für die Kenntniss fossiler Crinoiden sehr wichtig sind die „Be-
merkungen über die Petrefakten der älteren devonischen Gebirge am
Rheine“ von Zeiler und Wirtgen, Verh. des naturhist. Vereins
der pr. Rheinlande 1855. S.1.
Coelienterata
Ueber die Coelenteraten im Allgemeinen haben wir die-
ses Mal Nichts zu berichten. Ebenso wenig über die erste
Gruppe dieser Thiere, die Rippenquallen oder Clemophoren.
Hydrasmedusae.
Die Entwickelungsgeschichte der Hydrasmedusen wurde
durch Gegenbaur behandelt: zur Lehre vom Generations-
wechsel und der Fortpflanzung bei Medusen und Polypen,
Würzbg. 1854. 68. mit 2 Tafeln Abbildungen (Separalab-
druck aus den Verhandlungen der physie. medic. Gesellschaft
zu Würzbg, IV. S. 154 ff.),
der niederen Thiere während der J. 1854-1855. Ali
Die Beobachtungen, die Verf. in dieser interessanten Abhand-
lung mittheilt, liefern mäncherlei neue Materialien für die Naturge-
schichte unserer Thiere und werden weiter unten noch näher zu be-
rücksichtigen sein (sind zum Theil auch schon in. dem letzten J. B.
angezogen). Sie führen unseren Verf. zu einer Reihe von allgemei-
nen Resultaten, die mit den vom Ref. schon früher mehrfach ent-
"wickelten Anschauungen in allen wesentlichen Punkten übereinstim-
men. Die schliesslich beigefügte tabellarische Darstellung aller bis
jetzt über den Generätionswechsel der Medusen bekannten Thatsachen
ist leider sehr wenig vollständig, wie eine Vergleichung mit unserem
leizten J. B. zur Genüge nachweist.
Ueber den Bau der Gallerischeibe der Medusen vergl.
ausser Virchow, Archiv für palholog. Anat. VII, S. 558
besonders Max Schultze, Silzungsber. der nalurf. Gesell-
schaft zu Halle Ill. S. 18 (oder Müller’s Arch. 1856. S. 311).
Durch die hier mitgetheilten Untersuchungen ist es ausser Zwei-
fel gestellt, dass die Substanz dieser Gallertmasse (wie früher schon
von Ref., Gegenbaur und Kölliker behauptet war) nach ih-
ren histologischen Charakteren der Gruppe des Bindegewebes zuzu-
rechnen sei.
21. Acalephae.
; Die Gruppe, die wir unter dem vorstehenden Namen
hier aufführen, umfasst nur die sog. höheren Scheibenquallen
(Phanacocarpae Eschsch., Gymnophthalmata Forb.) und kei-
neswegs die ganze Menge dieser Thiere. Die kleineren sog.
nackläugigen Medusen werden später, in der Ordnung der
Hydroiden, ihre Berücksichtigung finden.
Mettenheimer berichtet über die Eier und Embryo-
nen („flimmernde Eier“) von Medusa aurita, so wie über den
Bau der Brutsäcke bei den weiblichen Thieren. Abhandlun-
gen der Senkenb. Gesellschaft 1854. 1. $. 2.
Gegenbaur, über die Brut von Cassiopeia a. a. O.
Ss.2f. °
Die Beobachtungen unseres Verf. reichen bis zur Ausbildung
der Polypenform und sind ihrem wesentlichen Inhalte nach schon im
vorigen J. B. (S. 416) erwähnt worden.
Die Beobachlungen Gegenbaur's schienen eine
neue Besläligung für die Ansicht zu sein, dass sich alle hö-
heren Medusen auf dem Wege des Generalionswechsel aus
412 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
einer einfachen polypenförmigen Amme entwickelten. Spä-
tere Untersuchungen von Krohn haben aber gezeigt, dass
Pelagia noctiluca ohne Vermittelung einer Ammengeneration
durch direkte Metamorphose des flimmernden Embryo ent-
steht. Müller’s Arch. 1855. S. 491. Tab. XX.
Der flimmernde Embryo von Pelagia besitzt bei seiner Geburt‘ '
bereits Mund und Verdauungshöhle. Die Scheibe entsteht durch Aus-
wachsen des vorderen Körperrandes; sie ist anfangs stark gewölbt
und achtlappig, wie bei den Jugendzuständen von Medusa, Cyanea u.a.
Durch die Bildung von Nebensäcken (anfangs 8, später 16) verwan-
delt sich der Larvenmagen in den späteren Centralraum des Gastro-
vascularapparates. Das embryonale Flimmerkleid geht erst mit der
Abplattung der Körperscheibe verloren.
Peach macht die Beobachtung, dass gewisse kleine
Fische sich bei nahender Gefahr gern in die Genilaltaschen
von Cyanea flüchten. Ann. nat. hist. XIV. p. 462. (Proc. Linn.
Soc. 1854.)
2. Hydroidena.
Wenn wir hier in der Ordnung der Hydroiden nicht
bloss die früher ausschliesslich mit obigem Namen bezeich-
neten Polypoiden , sondern auch die sog. nacktäugigen Me-
dusen aufführen, so geschieht das desshalb, weil gegenwär-
tig wohl noch schwerlich Jemand an dem genelischen Zu-
sammenhange dieser beiderlei Thierformen zweifeln kann,
Wir verweisen hierbei namentlich auf Gegenbaur’s oben
erwähnte Abhandlung, in der das Verhältniss der Medusen
zu (den Hydroiden eine sehr gründliche Besprechung findet
und nach zahlreichen neuen Beobachtungen (Medusensprossung
an Hydroiden S. 9—21, Entwickelung der Medusenbrut zu
neuen Hydroiden S. 21—30) mit aller Entschiedenheit von
dem Standpunkte des Generalionswechsels aus gedeutet wird.
Auch die sog. Geschlechtsöorgane der Hydroiden, die immer
nur bei gewissen Arlen, hier aber, wie es scheint, constant
vorkommen, finden in diesem Sinne ihre Erklärung; Verf.
weist nach (S. 30—50), dass dieselben durch eine Reihe von
Zwischenformen auf das Innigste an die frei lebenden Medusen
sich anschliessen und desshalb denn auch mit vollem Rechte
als Analoga derselben betrachtet werden dürfen. Unter sol-
der niederen Thiere während der J. 1854—1855. 413
chen Umständen, so schliesst Verf., ganz wie Ref. das schon
früher geihan hatle, „ist also bei allen Hydraspolypen ein Ge-
neralionswechsel zu slaluiren, der bald in ausgebildelem
Grade, bald nur in der Anlage — gleichsam versuchsweise ——
zu Stande kommi.“ Um den Unterschied zwischen diesen beiden
Formen des Generalionswechsels (mit frei lebenden Geschlechis-
thieren oder Medusen und mil sessilen Geschlechlsthieren oder
Geschlechtskapseln) hervorzuheben, schlägt Verf. vor, den letz-
tern als einen „unvollkommenen Generationswechsel“ zu be-
zeichnen. In diesem Sinne spricht derselbe bei den betreffenden
Thieren auch von einer „unvollkommenen ersten“ und „unvoll-
kommenen zweiten Generalion.* Ref. will über diese Auf-
fassungsweise nichl mit Verf. rechten, glaubt aber, dass die
Eigenthümlichkeilten jenes sog. „unvollkommenen“ Generalions-
wechsels in der von ihm aufgestellten Theorie des Polymor-
phismus bereils vor Verf. ihre Erledigung gefunden halten.
(Vgl. hier auch J. B. XX. S. 431.)
Dass es unter den sog. nackläugigen Medusen auch Ar-
ten giebt, wie wir schon im letzten J. B. (8.420) gesehen
haben, die sich ohne Generalionswechsel entwickeln, wie Pela-
gia, kann uns von der Vereinigung dieser Scheibenquallen
mil den Hydroiden nicht abhalten, obwohl diese T'hatsache
spälerhin vielleicht noch einmal in der Systemalik der Hydras-
medusen ihre Berücksichtigung findet.
- Proles medusiformis. Die Beobachtungen Gegenbaur’s
über die Entwickelung von Trachynema (a. a. 0. S. 50—55)
sind nach einer früheren Mittheilung bereits im letzten J. B.
S. 420 angezogen worden.
Gleiches gilt von den Mittheilungen.. über Knospenbil-
dung bei Cunina prolifera a. a. 0. S.55—58. (). B. XX.
5. 422), so wie über die Entwickelung der von Lizzia Köl-
likeri und Oceania armala abstammenden Brut zu Hydroidpo-
lypen, a. a. O. S. 21—30.
J. Müller macht darauf aufmerksam, dass Arachnitis albida Sars
bereits von Tilesius gekannt und als Nereus hydrachna abgebildet
sei. Archiv für Anat. 1854. $. 97,
Ebendas, wird für Kölliker’s Gen. n. Nausithoe der von J.
Müller schon 1852 aufgestellten Geschlechtsnamen Octogonia in
Anspruch genommen,
414 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Forbes beschreibt eine Aequorea aus dem Schottischen Meere,
die — nach einem kritischen Excurse über die Forskal'sche Medusa
acquorea und die verwandten Formen — als Aequorea Forskalea Per.
et Les. bestimmt wird. Ann. nat. hist. XIV. p. 294. (Proc. Zoolog.
Soe. 1851.)
Proles hydriformis. Von Allman erschien eine ausführ-
liche, in anatomischer, wie auch histologischer. Beziehung
sehr wichtige Abhandlung über Cordylophora: on Ihe Anatomy
and Physiology of Cordylophora in den Phil. Transact. roy.
Soc. Vol. 143. p. 367—384. Pl. 25 u. 26.
Die Leibessubstanz von Cordylophora besteht nach unserem Verf.
(und ebenso fand es derselbe auch bei allen übrigen Hydroiden) aus
zwei verschiedenen Lagen, ‚einer äusseren (ectoderm) und einer inne-
ren (endoderm) , die beide einen unverkennbaren Zellenbau haben.
Der Polypenstock, der dem Ectoderm aufliegt, ist structurlos und darf
wohl als ein Secretionsproduct desselben betrachtet werden. Das
Endoderm erreicht im Innern die Polypenköpfe, der sog. Magenhöhle,
seine stärkste Entwickelung und bildet ‘hier mehrere vorspringende
Längswülste. Die Auskleidung der gemeinschaftlichen Körperhöhle
stellt eine unmittelbare Fortsetzung dieses Endoderm dar. Ebenso
auch die Auskleidung der Tentakelhöhlen, die keineswegs fehlen, wie
man auf den ersten Blick vielleicht annehmen möchte, Flimmerhaare
konnte Verf. trotz der bekannten Erscheinung des sog. Kreislauls im
Körperstamme (coenosarc) nirgends auffinden. Männliche und weibliche
Genitalkapseln sind auf demselben Stammeneben einander angebracht.
Sie sind ganz gleichmässig gebaut und erscheinen als abgeschlossene,
ovale Bläschen, in deren Achsen ein bruchsackartiges,Divertikel der
Körperhöhle,hineinhängt, während sich in denWandungen ein System
verästelter Kanäle verbreitet, die gleichfalls aus diesem Hohlraume
hervorkommen. Die Eier, die sich in jeder Kapsel in mehrfacher An-
zahl entwickeln, durchlaufen nach der Befruchtung einen Furchungs-
process und verwandeln sich schliesslich in sog. Planulae, die nach
Aussen hervorbrechen und sich wieder in kleine Polypenstöcke um-
bilden. Zum Schlusse versucht Verf. die theoretische Deutung die-
ser Erscheinungen. Er stellt, die verschiedenen Reproductionsarten der
Hydroiden ‚(Medusenbrut und Genitalkapseln) zusammen und spricht
sich in der schon im vorgangenen J. B. ($. 431) näher angezogenen
Weise für die Medusennatur der Genitalkapseln aus.
W. Thompson hebl die Analogie in dem Fortpflan-
zungsprocesse der Pflanzen und Hydroidpolypen hervor und
beschreibt dabei die beireffenden Vorgänge an Campanularia
‚gelatinosa, ‚©. geniculata und C. volubilis. Ann. nat. hist,
XIV. p. 313 (Proc. Bot. Soc. Edinb. 1854.)
der niederen Thiere während der J. 1854—1855. 415
Bei der ersten Art entstehen im Innern der reproductiven Indi-
viduen („the capsule of female individual) gewöhnliche Eier mitKeim-
bläschen, die sich allmählich in fimmernde Embryonen verwandeln,
bei der zweiten dagegen statt der Eier — und homolog mit densel-
ben (? Ref.) — medusoide Anhänge mit einem Embryo, in der drit-
ten Art endlich förmliche kleine Medusen, die sich nach ihrer Ent-
wiekelung schliesslich abtrennen und ein selbstständiges Leben be-
ginnen,
Die Beobachlungen Gegenbaur’s über die Medusen-
sprossung an Hydroiden beziehen sich auf Syncoryne ‚cleo-
dorae n. sp., Campanularia sp. dub. und Eudendrium ramo-
sum. A.a. 0. 5.9—21.
-
Der Sitz dieser Knospung ist bei der ersten, auf dem Gehäuse
von Cleodora 3-cuspidata schmarotzenden Form — wie bei Perigony-
mus Sars — der gemeinschaftliche Stamm des Medusenstockes.
Sessile Geschlechtsthiere, sog. Geschlechtsorgane fand derselbe
Verf. bei der schon von Kölliker beschriebenen Tubularia ()J. B.
XX. S.457) und bei zwei neuen Arten des Gen. Campanularia. A. a,
0. S- 30—50.
Besonders interessant ist der letztere Fall, insofern hier die
Geschlechtsthiere sich nicht an besonderen proliferirenden Individuen
entwickeln, wie bei den übrigen Campanularien, sondern in direkter
Weise an dem gemeinschaftlichen Stamme hervorkommen, dabei aber,
nach Art der proliferirenden Individuen von einer festen Kapsel um-
schlossen sind. Der hohle Zapfen im ‚Innern dieser Organe ist in
vier Längskanäle zerfallen, die wir wohl den vier Radialgefässen der
Hydrasmedusen vergleichen dürfen (Ref.). Dasselbe beobachtete Verf,
auch bei den Geschlechtskapseln der zweiten (mit C. gelatinosa v.
Ben.) verwandten Campanularia. Die Kölliker'sche Entdeckung von
dem polypenförmigen Jugendzustande der proliferirenden Individuen
(J. B.XX. S.439) wird vom Ref, bestätigt.
Ueber die Fortpflanzung von Serlularia pumila handelt
Lindström, Overs. k. Velensk. Ak, Forlıandl. Xll. p. 365.
Tab. XI.
Die proliferirenden Individuen produciren immer nur ein einzi-
ges, männliches oder weibliches, medusoides Geschlechtsthier.
Leydig’s „Bemerkungen über den Bau der Hydren«“ in
Müller’s Arch. 1854. S. 270 beziehen sich vorzugsweise auf
die mikroscopischen Structurverhältnisse dieser Thiere.
Verf. liefert die unzweifelhaftesten Beweise von dem Irrthume
der im vor.J.B, ($S. 433) angezogenen Ecker’schen Angaben. Er zeigt,
dass eben sowohl die Haut, als auch das unter der Haut liegende ei.
416 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
gentliche Leibesparenehym der Hydra einen Zellenbau besitze. Die
Zellen der Haut sind ziemlich platt und im Innern mit einem deut-
lichen Kerne versehen, während der übrige Körper aus grossen Zellen
gebildet wird, die mit ihren Wänden unter sich zu einem Netz- oder
Fachwerke verwachsen sind und ausser dem wandständigen Kerne noch
einen Haufen brauner oder (bei H. viridis) grüner Körnchen enthalten,
Die Wandungen des Fachwerkes scheinen einer selbstständigen Con-
tractilität zu entbehren und einen elastischen Apparat darzustellen, der
sich freilich wohl vielfach bei den Bewegungen des Thiers, die zunächst
nur von dem contractilen Zelleninhalte (Sarcode) ausgehen, bethei-
ligt. Das oben geschilderte Körperparenchym begrenzt unmittelbar den
inneren Höhlenraum des Körpers (den auch Leydig ausschliesslich _
als Leibeshöhle in Anspruch nimmt), nur dass sich an gewissen Stellen
noch ein sehr zartes Flimmerepithelium erkennen lässt. In der Haut
liegen, und zwar eingeschlossen in Zellen, zwei Arten von Nessel-
organen, kleine, cylindrische (die bei Coryne ausschliesslich vor-
kommen) und grössere von birnfömiger Gestalt. Die Oeflnung in
der Fussscheibe, deren Anwesenheit von vielen neuern Beobachtern
geläugnet wurde, hat unser Verf. (wie früher schon Hancock, des-
sen Untersuchungen derselbe nicht gekannt hat) wieder aufgefunden.
Allman, on the structure of Hydra viridis. Report bri-
tish. assoc. (held 1853) 1854. p. 64.
Verf. spricht sich hier von Neuem auf das Entschiedenste ge-
genEcker aus und beschreibt die Zellen ebensowohl des Eetodermes,
als auch des Endoderms in einer mit Leydig wesentlich übereinstim-
mender Weise. Die Anwesenheit von Flimmerhaaren im Innern wird
in Abrede gestellt.
Ayres beschreibt die drei bis jetzt bekannten nordamerikani-
schen Arten des Gen. Hydra: H. gracilis Agass., H, carnea Ag. und
H. tenuis n. sp. Die erstere und letztere ist grün, wie H. viridis, wäh-
rend H. carnea in ihrer Färbung mit H. fusca übereinstimmt. Proc, .
Bost. Soc. 1854. p. 104.
E. Forbes hebt in einer kurzen Notiz (Ann. nat. hist. XII.
p-32) die schon im letzten J. B. von Ref. angemerkte Identität von
Spadix purpurea Gosse mit Myriothela arctica Sars hervor (vergl. J.
B. XX. 5.443). ;
Ein mit Myriothela nahe verwandtes, aber doch bestimmt ver-
schiedenes Thier ist Acaulis (n. gen.) primarius, Stimpson Sy-
nops. mar. Inv. Gr. Man. p. 10. Tab. I. fig. 4, das vom Verf. in
zweierlei Entwickelungszuständen beobachtet wurde. Im ersten, jün-
geren Zustande gleicht dasselbe einer Myriothela mit verkürztem Hin-
terende und zahlreichen isolirten Medusenknospen zwischen den acht
langen Tentakeln und den Mundanhängen. In dem späteren Zustande
der niederen Thiere während der J. 1854—1855. 417
waren die Polypen mit breiter Basis befestigt und ohne Tentakelkranz,
dafür mit weiter entwickelten Medusenknospen versehen.
Von Steenstrup erhielten wir die Beschreibung einer neuen
tropischen Form des Gen. Corymorpha, C. Januarii Steenst., die sich
nicht bloss durch ihre colossale Grösse, sondern auch die beträchtli.-
chere Anzahl der Tentakeln und eine abweichende Bildung der Me-
dusenknospen von der arclischen Cor. nutans Sars (Ellisia flos maris
Forb. et Goods.) unterscheidet. Vetenskab. Meddelels. 1854. p. 46.
und — von Creplin übersetzt — Zeitschrift für die ges. Naturwis-
sensch. 1855. V. S. 198.
Ebendaselbst hebt Verf. hervor, dass Sars unter der Bezeich-
nung Cor. nutans wahrscheinlicher Weise zwei verschiedene Species
beschrieben habe, von denen die eine wohl als Cor. Sarsii bezeich-
net werden dürfte. (Nach gelälliger brieflicher Mittheilung des Herrn
Prof. Steenstrup hat Sars bei der letzten Versammlung der skandi-
navischen Naturforscher in Christiania die Richtigkeit dieser Bemer-
kung selbst zugegeben.)
Tubularia chiloensis n.sp., Gay hist. is. di Chile VIII. p. 456.
Eudendrium cingulatum n. sp., Stimpson I. c. p.9.
Die Charaktere desGen. Cordylophora werden durch Allman
in folgender Weise festgestellt: Polypi tentaculis numerosis sparsis
teretibus. Capsulae genitales subsessiles in ramulis ultimis pone po-
Iypos affıxae. Polyparium pergamentaceum, ramosum, stolone fistuloso
repente fixum. Embryo liber, subeylindrieus universe ciliatus. Sp.
€. lacustris Allm. hab. in aquis duleib. Angl. (Phil. Transact. 1. c.).
Unter den von Stimpson bei Grand Manan gefundenen (13)
Sertularinen finden sich folgende neue Formen:
Plumularia tenerrima St., Sertularia latiuscula St., S. producta
St, Grammaria (n. gen.) robusta St., Gr. gracilis St. (L. c. p. 8).
Das neue Gen. Grammaria trägt folgende Diagnose :
Polypidom rectilinear, elongated, cylindrical, composed of ag-
gregated tubes, generally without branches, which, when they occur,
are of the same character, as that, from which they spring. Cells
arranged on all sides, in more or less regular and equidistant longi-
tudinal rows, giving a sectivn of the stem a star-like appearence.
(Die Polypen werden ebenso wenig beschrieben, wie die prolifrenden
Zellen.) y
Weitere neue Arten sind: Sertularia imbricata aus Grönland,
Busk Quarterly Journ. mier. Soc. 1855. XI. p. 254 und S. alata aus
Schottland, Hincks Ann. nat. hist. XV. p. 127. Pl. II.
Ebendaselbst liefert Hincks auch eine Beschreibung der Ach-.
selzellen von Campan, integra mit Abbildung des Thierstocks, . co
p- 130. Tab. III. ;
Archiv f. Naturgesch. XXI. Jahrg. 2. Bd. £ BB
#8 Leuckart: Bericht üb. (d. Leistungen in d. Naturgeschichte
8. Siphonophora.
Zunächst erwähnen wir hier zwei Abhandlungen über
die Siphonophoren von Nizza:
Rech, sur les animanx infer. de la Medilerranee. Par
Ch. Vogt. Prem. mem. _ Sur les Siphonophores de la mer
de Nice. Geneve 1854. Mit A Tafeln in Farbendruck. (Se-
paralabdruck aus den Möm. de I’Instit. Genevois T. 1.) und
R. Leuckart zur näheren Kenniniss der Siphonopho-
ren von Nizza, Berlin 1859. Mit 3 Kupferlafeln. (Separat- '
alldıuck aus dem Archiv für Naturgeschichte 1854. Th. ].
8. 249 ff.)
Die erste Abhandlung enthält Beschreibungen von Velella spi-
rans, Physopbora bydrostatica, Agalma 'rubra YVgt. (Agalmopsis pun-
ctata Köll), Ag. punctata Vgt. (= Apolemia uvaria), Stephanomia
(Forskalia Köll.) contorta,, Hippopodins luteus Vgt., Praya diphyes
Vgt., Galeolaria aurantiaca Vgt. (= Diphyes quadrivalvis Gegenb.),
Ahyla trigona Vgt. (= Abyla pentagona) und Diphyes sp.? (= Diph.
acuminata Lt. ; nach ‘Verf. der männliche Stamm von Abyla). Beson-
«ders sorgfältig ist die Darstellung ‚der drei zuerst genannten Arten.
Die ‚übrigen Formen sind, wie es scheint, von unserem Verf. nur
flüchtig und oberBächlich untersucht worden, so dass die Beschreibung
derselben nicht bloss: sehr lückenhalt, sondern auch vielfach unrichtig
ist, wie Ref, in der oben erwähnten zweiten Abhandlung, die denselben
Gegenstand behandelt, zur Genüge gezeigt hat. (Herr Vogt scheint
freilich zu glauben, dass er durch absprechende Urtheile, durch Ver-
dächtigung, Hohn und Spott gegen seine wissenschaftlichen Gegner die
eigenen Irrthümer und Fehler bemänteln könnte — auch gegen Ref. hat
Verf, dieses Manoeusre in Anwendung gebracht —, allein nachgerade
weiss man zur Genüge, was ıman von solchen Reminiscenzen aus der
Paulskirche zu halten hat.) Wie Ref. und Gegenbiaur (vgl. 3. B.
XX. S. 449), so sah auch Verf. von dem gemeinschaftlichen Stamme
der Abvla die hinteren Anhangsgruppen sich ablösen ünd nach Art
der Eudoxien frei unberschwinimen. Er bestreitet demnach auch die
Essentiellität der sog. monogastrischen Diphyiden, hat aber von die-
sen Geschöpfen eine so wenig vollständige Erkenntniss, dass er kein
Bedenken tägt, die Eudoxia campanula Lt. als den Jugendzustand der
Galcolaria aurantiaca zu beschreiben. Von besonderem Interesse sind
die Beobachtungen über die Entwickelung der bei Velella statt der
sog. Geschlechtsorgane hervorknospenden Medtsenbrut, 'die Verf. bis
zur Ablösung beobachten konnte. Die Vermuthung, dass das'Forskal’-
che Gen. Rataria zu Velella gehöre und den Jugendzustand dieser
der niederen Thiere während der J. 1854—1855. 419
Siphonophore darstelle, ist vollkommen begründet, wie Ref. durch eine
ganze Suite der schönsten Entwickelungsformen, die er der Güte des
Herrn Prof. Burmeister verdankt, bestimmt beweisen kann.
Die Arbeit des Ref. behandelt ausser den von Vogt beschrie-
benen Formen (von denen freilich die Physophora hydrostatica nicht
selbstständig. untersucht werden konnte) noch Agalma Sarsii Köll., Ag.
elavatum n. sp. und Forskalia ophiura n. sp. Die Galeol. aurantiaca
Ngt. glaubt Verf. in der Physophora filiformis von Delle Chiaje und
die Praya diphyes in ‚der Physalia cymbiformis desselben Forschers
wieder erkannt zu haben; er bezeichnet diese beiden Arten demnach
als Gal. filiformis und Praya eymbilormis. Ebenso führt derselbe den
mittelmeerischen Hippopodius (H. neapolitanus Köll., H. luteus Vogt)
mit Rücksicht auf den ursprünglichen Forskal’schen Namen als Hip-
popodius gleba auf. Der jedesmaligen Beschreibung ist eine kurze
Diagnose der Arten, so wie eine, den neueren Kenntnissen angepasste
Charakteristik der Genera und Familien vorausgeschickt. Solcher Fa-
milien unterscheidet Verf. drei: 1) Calycophoridae mit den Diphyiden
und Hippopodiiden, 2) Physophoridae und 3) Velellidae. Von einzel-
nen neuen Angaben heben wir hier nur die Beobachtung hervor,
dass der zweizeilige Schwimmkegel Jer Hippopodiiden an einer eige-
nen, von dem übrigen Körperstamme verschiedenen Achse befestigt
ist, so wie ferner die Bemerkungen über den Mechanismus der Nes-
selkuöpfe (S. 19).
Was die Auffassung des Siphonophorenbaues im Allge-
meinen betrifft, so sind die Verff. der voranstehenden Ab-
handlungen wenigstens insofern derselben Ansicht, ‚als sie
sich beide sehr entschieden für die Polyzootie der betreffenden
Geschöpfe aussprechen. (Auch Velella ist beiHerrn Vogt jeizt
plötzlich zu einem Thierstocke ‚avaneirt.) Herr Vogl behaup-
tel sogar, die polypenarlig zusammengeselzie Natur der Si-
phonophoren zuerst entdeckt zu haben und ‚beschuldigt Ref.,
dass er diese Ansicht von ihm enllehnt habe. Es scheint
übrigens , als wenn Herr Vogt bei solcher Behauptung zu-
nächst nur seine französischen Leser im Auge gehabt hat,
denn dem deutschen Publıkum grgenüber ist es in der Wirk-
lichkeit doch selwas gar zu stark, wenn ‚derselbe seine Rei-
“ sebilder „Ocean und Mittelmeer“ zwei Jahre voraus dalirt,
um seine Prioritätsreclamalion zu begründen. “(Veber die
geschichtliche Entwickelung dieser Ansicht vergl. J. B. XX.
8..451.) j
Yon einem ‚Polymorphismus, wie ihn Ref, noch in
4390 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
=
oben erwähnter Abhandlung den Siphenophoren zuschreibt
(S. 121) und auch Gegenbaur im Wesentlichen jetzt an-
erkennt (zur Lehre vom Generalionswechsel u. s. w. S. 49),
will aber Herr Vogt Nichts wissen; er erklärt die Annahme
desselben mit dürren Worten für Unsinn („ce serail choquer
le bon sens“). Nur die. schwärmenden: Geschlechtsanhänge
und die: Taster ‘(ausgenommen freilich bei Physophora ,' bei
denen Herr V. dieselben für Deckstäcke ausgiebty' sollen
neben den polypenförmigen Schluckmäulern individuelle Bil-
dungen repräsenliren — als wenn sich diese von den übrigen
sog. „Organen“ des Siphonophorenkörpers in irgend einer
wesenllichen Weise unterschieden!
Auch Quatrefages spricht sich nach Beobachtungen
an Physalia gegen die Zulässigkeit eines Polymorphismus aus.
Er nennt die Lehre des Ref. (ohne dieselbe aber, wie es
scheint, anders als aus dem Vogl’schen Verdammungsurtlheile
zu kennen) eine „offenbare Ueberlreibung“ und glaubt sogar,
dass man nicht. einmal die zusammengeselzte Nalur der $i-.
phonophoren mit zwingenden Gründen beweisen könne, Trolz-
dem erklärt derselbe schliesslich die sog. Saugröhren und die
Geschlechtsbläschen für Individuen «individus nourriciers et
proligeres) — streng genommen freilich eine Inconsequenz,
da Verf. die physiologische -Selbstständigkeit der Existenz
zum Criterium der Individualität macht und nicht einmal die
Knospe einer Hydra vor ihrer vollständigen Entwickelung als
Individuum’ gelten lassen will.
Die eben erwähnte Abhandlung von Quatrefrages:
mem. sur l’organisation des Physalies ist in den Annal. des
sc. nat. 1854. II. p. 107—142. Pl: III u. IV (auszugsweise
auch PInstit. 1854. No. 1072, Cpt. rend. T. XXAIX. p. 2)
publicirt.
Verf. überzeugte sich, wie Huxley (dessen Beobachtungen
unserem französischen Zootomen unbekannt geblieben sind), dass der
Luftsack der Physalien wirklich durch eine Vellnung nach aussen führt.
Er sah die Luft aus dieser Oeflnung hervortreten, fand den Behälter
aber nichts desto weniger eine Viertelstunde später wieder gefüllt und
schliesst aus dieser Beobachtung auf eine ziemlich regelmässige Ent-
leerung und Füllung zu respiratorischen Zwecken (? Ref.). Die Exi-
stenz besonderer geschlossenen „Tentakelbläschen“ wird in Abrede
der niederen Thiere während der J. 1854—1855. 421
gestellt; Verf. erklärt diese Gebilde für gewöhnliche Saugröhren (mit
Mundflönung) und stattet auch die ührigen, echten Saugröhren mit einem
Tentakel aus. Leberwülste, wie sie Olfers und Ref. im Innern der
sog. Saugröliren beschrieben haben, konnte Verf. nicht auffinden; da-
für aber erklärt er die zahlreichen kleinen Schläuche, die man früher
wohl für unentwickelte, einstweilen noch mundlose Saugröhren ge-
halten hatte, für frei nach Aussen herabhängende Leberschläuche.
(Ref. kann dem Verf. in allen diesen Behauptungen nicht Recht ge-
ben. Er hat sich durch nochmalige Untersuchungen auf das Be-
stimmteste überzeugt, dass die Tentakel niemals an der Basis
der Polypen stehen, sondern mit besonderen geschlossenen — freilich
sonst sehr polypenartigen — Schläuchen, den sog. Tentakelbläschen,
zusammenhängen. Ebenso sind die Leberwülste im Innern der Poly-
pen ganz unverkennbar, Was die scheinbar unentwickelten Polypen
betrifft, so dürften diese, wie das von Ref. auch schon anderwärts
ausgesprochen ist, grossentheils mit den sog. Tastern der Physopho-
riden übereinstimmen.) Die gruppenförmig zusammenhängenden Ge-
nitalbläschen beschreibt Verf. — gleichfalls übereinstimmend mit
Huxley — als kleine medusenartige Glöckehen. Geschlechtsstoffe
konnten in denselben niemals aufgefunden werden; Verf. vermuthet,
dass sie sich, vor der Geschlechtsreife abtrennen und zu wirklichen
Medusen entwickeln.
Polypi,
1. Calycozoa.
Mettenheimer beschreibt ein Lucernaria (n. sp.?) mit
acht gleich weil enlfernten Armen, wie L. auricula, aber ohne
Randkörperchen (vielleicht L. campanulata Lam.), die er in
Helgoland beobachtete. Abhandlungen der Senkenberg.: Ge-
sellsch. V. S. 15. Tab. I. fig. 5—11.
Der innere Bau ist nicht ganz richtig erkannt. Die vier hoh-
len, hier dunkelrothen Längsmuskeln mit den aufsitzenden Fäden
beschreibt Verf. als Ovarien, während er die wirklichen Ovarien
(resp. Hoden), die in der Kopfscheibe gelegen sind, als Seitensäcke
der Magenhöhle in Anspruch nimmt. Die Nesselkapseln werden für
Spermatozoen gehalten. (Es scheint, dass dem Verf. die älteren Be.
obachtungen von Sars n. A. unbekannt geblieben sind.)
Nachträglich mögen hier auch noch die — im leizten
J. B. übersehenen — Beobachlungen, R.. O wen’s über den
Bau von Lucernaria inauriculala n. sp. erwähnt sein, Rep. br.
Assoe. Birmingh. 1849, p. 78.» r
Die holılen- Längsmuskeln- werden als Gofbese in Anspruch ge»
49% Leuckart: Bericht: üb. d; Leistungen in di Naturgeschichte
nommen; die in der Mitte: des Fusses,, wie an den Enden’ der einzel-
nen Tentakel ausmündeten und eine körnige Flüssigkeit enthielten.
Die Generationsorgane sollen innen Samenkapseln, aussen aber Eier
einschliessen,
Stimpson fand die kucernaria quadricornis Müll. au der nord-
amerikanischen (Synops. Inv. Gr. Man. p.8), Gosse an der britti-
schen Küste (Ann. nat. hist, XVI. p. 313).
2. Anthozoa.
Von anatomischen Untersuchungen erwähnen wir beson-
ders J. Haim:e, memoire sur Je Cerianlhe, Ann. des sc,
nat. 1854. I. p. 321—359. Tab. VII u: VIM.
Eine vollständige , zoologisch - anatomische Beschreibung eines
sehr interessanten, mit Edwardsia nahe verwandten röhrenbewohnen-
den Polypen, aus’ der wir hier zunächst Folgendes hervorheben. Das
Gehäuse bestent ausschliesslich aus verfilzten Fadenzellen , die bei
unserem Thiere in reichlicher Menge und mit zahlreichen Verschie-
denheiten in Form und Grösse vorkommen. Herzen und Ganglien
konnten nicht aufgefunden werden. Ebenso wenig Gefässe. Dagegen
beobachtete Verf. sehr deutlich die auch von anderen Polypen be-
kannte Circulation von körnigen Elementen in den Tentakeln und den
Seitentaschen der Leibeshöhle. Die Scheidewände zwischen diesen
Seitentaschen sind zahlreich, aber nur kurz, so dass sie das Hinter-
leibsende nicht berühren. Der Magen ist unten weit offen und, wie
bei den Actinen, mit zwei Längsfurchen versehen , die seitlich durch
ein Paar Falten begrenzt werden. Aher nur die eine dieser Längs-
furchen zeigt hier, bei Cerianthus, ihre volle Entwickelung. An die
beiden Seitenwülste derselben schliessen sich nach hinten zwei ei-
genthümlich modifieirte Scheidewände, die bis zu einer Oeffnung des
hinteren: Leibesendes hinführen. Weber die Bedeutung dieses merk-
würdigen Apparates ist Verf. in Zweifel geblieben. Die Mesenterial-
filamente sind hohle Röhren und sollen, ein Secret liefern, das die
Verdauung unterstützt, Die Tentakel iragen vor ihrem Ende an der
inneren Fläche eine deutliche Oeflnung. Cerianthus ist ein Zwilter,
indem Eier und Samenkörperchen; gleichzeitig neben. einander an den
unteren Enden, der Scheidewände bereitet werden. Sie entstehen in
Kapseln, wie bei den, übrigen Anthozoen, aber männliche und weib-
liche Kapseln sind ohne alle Ordnung vertheilt. Eine eigentliche, freie
Metamorphose fehlt, wie bei Actinia. Die Larven verweilen eine
längere Zeit in der Leibeshöhle und werden erst geboren, wenn sie
mit Mund und vier ungleich langen Tentakeln versehen sind, durch
deren Hülfe sie sich schwimmend umherbewegen. (Ref. hat schon
im vorigen J. B. S.461 erwähnt, dass diese Larven von Busch un.
ter dem provisorischen Namen Dianthus nobilis beschrieben sind.)
der niederen Thiere: während der J. 1854— 1855. 423
Die Entwickelung der Actinien wurde von Lacaze
Duthier und gleichzeilig von J. Haime untersucht, wel-
che beide in den Conipt. rend. T. 39. p. 434 u. 437 eine Ue-
bersicht ihrer Beobachtungen geben. (Ueberselzt in den Ann,
nat. hist, XV. p. 78. e. XIV. p. 395.);
Der Embryo ist anfangs infusorienartig und mit Flimmerhaaren
versehen, die sich (nach Haime) auch noch eine Zeit lang an, dem
bereits festsitzenden Thigre . unterscheiden lassen. Mund und Leibes-
höhle entstehen dureh Aushöhlung des Körperparenchyms. Die: Bil-
dung der Scheidewände im Innern geht der Entwickelung: der Tenta-
kel voraus. Lacaze Duthier, der diese Vorgänge besonders ge-
mau untersuchte, beobachtete anfangs nur zwei solche, Scheidewände,
die den Körper in zwei ungleiche Hälfte theilten, sah diese Zahl aber
bald durch neue Theilung der Hälften auf 4 und 6 steigen. (Auch
Haime berichtet, dass zwei Scheidewände sich früher und stärker
als die übrigen entwickelten. Sie liegen nach seiner Darstellung ein-
ander gegenüber und entsprechen den beilen Commissuren der Mund-
ölfnung, so dass sich in diesem Verhältnisse eine förmliche seitliche
Symmetrie ausspricht,) Der Mund ist inzwischen. etwas in die Länge
gezogen und mit seinen Winkeln nach der Mitte der beiden primiti-
ven Körperhälften gerichtet. Nachdem die Zahl der Scheidewande auf
12 gestiegen, tritt die Bildung der Tentakel auf, die gleich anfangs
in sechsfacher Anzahl hervorkommen. Ebenso die Mesenterialfäden.
Haime bestätigt die Existenz getrennter Geschlechter bei den
Actinien, giebt aber an, bei A. pedunculata bisweilen in einem weib-
lichen Thiere einzelne Spermatozoenkapseln gefunden zu haben und
umgekehrt in einem männlichen Thiere einzelne Eikapseln.
An diese lelzte Angabe schliesst sich eine zweite Ab-
handlung von J.Haime an, Observations sur quelques points
de l’organisation des Aclinies, ibid. p. 595.
Die Beobachtungen betreffen die Poren gewisser Actinien, die
Warzen von A. coriacea, die für förmliche Saugnäpfe erklärt wer-
den, die blauen Figmentlecke an, der Kopfscheibe von A. equina,
die Tentakel, Geschlechtsorgane und Mesenteriallilamente,, und zwar
besonders das Verhältniss dieser Gebilde zu den verschiedenen Cyclen
der Scheidewände im Innern der Leibeshöhle, Der obere dickere
Theil der Mesenterialflamente soll mit dem unteren gewundenen Ende
derselben in keinem unmittelbaren Zusammenhange stehen, auch einen
verschiedenen Bau haben. Die Actinien mit durchlöchertem Mantel
besitzen sogar noch eine dritte Art solcher Filamente, die nur mit
ihrem einen Ende den Scheidewänden aufsitzen,, sonst aber frei in
der Leibeshöhle flottiren und Eure nach hir (durch Ban und
Poren) hervortreten.
4% Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d, Naturgeschichte
Valenciennes giebt eine vorläufige Uebersicht über
eine von ihm verfasste Monographie der Gorgoniden; Cpt.
rend. T. 41. p.7 (l’Inst, 1855. p. 239, Ann. nat, hist, T.XVI.
p--177.)
Den zoologischen Theil dieser Arbeit werden wir weiter un-
ten besprechen ; einstweilen sei hier nur so viel erwähnt, dass Verf.
die Bildung der Kalkkörperchen und die Beschaffenheit des Achsen-
skelets, zum Gegenstande besonderer detaillirter Untersuchungen ge-
macht hat. Letzteres ist in chemischer Beziehung ebenso wohl von
der gewöhnlichen Hornsubstanz, wie von dem Arthropodenchitin ver-
schieden und stellt eine eigene Substanz (Cornein) dar.
VonHollard, der sich bekanntlich auch um die Anatomie
der Aclinien sehr verdient gemacht hat (vgl. J.B.XX. S. 456),
erhielten wir unter dem Titel: Etudes zoologiques sur le genre
Aclinia eine vortrelfliche Beschreibung mehrerer diesem Ge-
nus zugehöriger Arten mit einer Darstellung vom Baue der
Aclinien im Allgemeinen, ihrer Nalurgeschichte und ihrer Ver-
wandischaften. (Rev. et Mag. de Zool. 1854. p. 225, 285 u. 623.)
Wir entlehnen aus dieser Arbeit nachfolgende Uebersicht.
Genre Actinia. Animaux cylindrac&s, largement appuy&s par
leur disque inferieur sur le sol inond&, deployant autour de la bou-
che de nombreux tentacules simples et tubuleux, coniques ou fusi-
formes, disposes sur plusieurs rangs au-dessus de chacun des ordres
de loges qui rayonnent entre le canal alimentaire et la region cylin-
drique du tronc, Bouche ellipsoide, oflrant a chaque extr&emite de
son grand diametre un double bourrelet commissurial.
Sect.A. Especes A cycles tentaculaires r&guliers, ayant le par--
tie cylindrac&e du trone munie de vesicules adhesives (Gen. Cri-
brina Ehrbg.).
Hieher die vom Verf. beschriebene A. senilis L. (A. holsatica
Müll., A. coriacea Cuv.); A. pedunculata Penn. (A. bellis Ell.), A.
pentapetalata Pen. (A. dianthus Ell.). 2
" Sect. B. Espöces a cyles reguliers, ä peau depouryue de ve-
sicules adhesives.
Sp. A. equina L. (A. mesembryanthemum EIl.).
Sect. C. Espöces a tentacules plus ou moins irrögulierement
distribu&s sur le disque qui les porte, ces appendices &tant d’ailleurs
trös longs et imparfaitement retractiles sous l’abri des parties sup6-
rieures du corps (Genr. Anthaea Johnst., Anemonia Risso),
Sp. A: viridie L. (A. cereus Rapp., A. edulis Risso).
Gosse möohte (Proc, Linn. Soc. Il, p. 372, Ann. nat, hist. XVI.
der niederen Thiere während der J. 1854—1855. 425
p- 293) die Actinien über drei Genera vertheilen : Sagartia, Bunodes
und Actinia (s. st.) und zwar nach folgenden Charakteren:
Sagartia .n.gen. Actiniae basi adhaerentes; tentaculis coni-
cis facile retractilibus; sphaerulis marginalibus nullis. Corpus ever-
rucosum, filamenta capsulifera e poris emittens; filis urticantibus bre-
vibus, pilorum fasciculis dense armatis. Sp. britt.: A. viduata, Troglo-
dytes, Aurora, candida, rosea, nivea, venusta, parasitica, bellis, dian-
thus, vielleicht auch A. aurantiaca und pulchella.
Bunodes n. gen. Actiniae sphaerulis marginalibus nullis ;
corpus verrucosum; cute coriacea; filamentis missilibus nullis; filis
urticantibus longis simplicibus; tentaculis plerumque crassis , conicis,
obtusis. Sp. britt.: A. gemmacea, thallia, clavata, crassicornis, monile
(erassicornis iuyv. ?), Chrysoplenium ?, alba ?, miniata ?.
Actinia s. st. Sphaerulae capsuliferae ad disci marginem
seriatae; corpus everrucosum, poris filamentisque missilibus destitw-
tum; cute laevi. Sp. britt.: A. mesembryanthemum, margaritifera,
Chiococca.
Jordan, some account of the Actiniadae found upon the Coast
near Teigumouth, Devon. Ann. nat. hist. XV. p. 27
enthält Beschreibungen von Act. mesembryanthemum, A. alba,
A. Troglodytes, A. aurantiaca n. sp. (bekanntlich hat schon Delle
Chiaje eine A. aurantiaca beschrieben Ref.), A. pulcherrima n.sp.?
(mit A. rosea Gosse verwandt); A. parasitica, A. clavata (var. rosa-
cea Gosse); A. coriacea ; A. dianthus; A. Cereus,
‚Auch Gosse beschreibt drei neue brittische Actinien: A. au-
rora, A. venusta und A. thallia Ann. nat. hist. XIV. p. 280.
In Gay’s hist. fis. de Chile VIII. p.454 werden 16 Actinien
aufgeführt, unter denen 6 neue: A. capillata, A, ostraearum, A. tae-
niala, A. annulata, A. cinerea und A, punctata.
An der Küste von Grand Manan fand Stimpson (Synopsis etc.
p- 7) unter 6 Actinien 3neue: A. carneola (Tab. 1. fig. 1), A. obtrun-
cata und A. sipunculoides, von denen die letztere durch eine sehr
schlanke Form und die geringe Entwickelung ihrer Sohle ausge-
zeichnet ist, R
Weitere von Stimpson beschriebene Actinien sind:
Aclinia radiata Japan; A. nigropunciata Ousima; A. inornala
China; A. multicolor China; A. napensis Loo Choo, Cancrisocia
(n, gen.) ezpansa China ; Proc. Act. Phil. 1855. May. Die letzte Art
bildet eine, wie es Ref. scheint, mit Act. carciniopados nahe ver-
wandte Form, deren Genuscharaktere nach unserem Verf, folgender-
massen lauten: Tentacula simplicia elongata, omnino retractilia. Basis °
valde dilatata, pellicula oblonga, coriacea, separabili instructa. Haec
velamentum dorsale cancri (G. Dorippe) format.
426 Leouckart: Bericht üb. d. Leistungen in d, Naturgeschichte
Coryacles heterocera n. sp., Thompsom Ann. nat. hist. XV.
p- 314.
Gosse stellt ein mit Edwardsia nahe verwandtes neues Gen.
Peachia auf (Proc. Linn. Soc. Il. p. 372, Ann. nat. hist XV. p. 293
und charakterisirt dasselbe folgendermaassen : Corpus eloagatum, sub-
eylindrieum, pyriforme s, fusiforme, ditrematum, liberum;; tentaculis
paucis, brevibus (disci diametrum haud superantibus), crassis conicis
uniserialis; oviductu in tubereulum conicum desinente.
Sp: n. P: hastata Gosse. Corpore roseo, lineis aequalibus pal-
lidis, tentaeulis 12 albo-hyalinis, seriebus 2 parallelis macularum sa-
gittatarum, brunnearum notalis, disco cireulis duobus macularum brun-
nearum V-formium eineto, oviductus papillis unmerosis aggregalis.
(Vielleicht gehört zu diesem Genus auch Actinia chrysanthellum
Peache.)
Edwardsia collaris n. sp., E. brevicornis n. sp., E. elavata n. _
sp, E. rubricollum n. sp., E. eretata n.sp. aus den Chinesischen Ge-
wässern, Stimpson, Proc. Acad. Phil. 1855. May. A
Das früher als new von Gosse aufgestellte Genus Scolacan-
thus soll nach den neueren. Bemerkungen des Verf. (Ann. nat, hist,
XVI. p. 294) mit Edwardsia zusammenfallen, obwohl man nach Kör-
perform und Durchbohrung des hinteren Leibesendes, — wie. Ref.
auch schon im: vorigen J. B. XX. 8.464 hervorgehoben hat — eine
Identität mit Cerianthus Delle Ch. vermuthen sollte,
Nach J. Haime bildet übrigens dieses Genus ÜCerianthus’ mib
Moschata Ren. (und Ilyanthus Forb.) den Typus einer eigenen von den
Actinien wohl zu unterscheidenden Familie, die ]. c. p. 351 und 388
fulgendermaässen charakterisirt wird:
Fam. Cerianthidae. Zoanthaires malacodermes simples, li-
bres, depourvus d’une cavit& pedieuse contractile, ayant les tentacules
simples, inseres les uns au pourtour du disque peristomien, les au-
ires pres du bori labial, et dont toutes ou presque toutes les James
mesenteroides ne se prolongent pas jusqu’au fond de la cavite vis-
c£rale. inter
Genre Cerianthus Delle Ch. Coralliaire simple, habitent dans
un tube feutre et flexible, qu'il secrete & la surface de sa peau.
Corps cylindroide, libre posterieurement, oü il pr&sente une petite
ouverture ceentrale. Tentacules marginaux simples similaires, eylin-
dro-coniques, adhesifs et non retractiles; la bouche entourde d’ap-
pendices labiaux en meme nombre que les prec&dents, mais beaucoup
plus petits qu’eux.
Sp. €. memhranaceus (Tabularia membranacea Gmel.) ©. eornu-
copiae Delle Ch. Corps lisse, presentant une ou deux bandes latera-
les claires; disque tentaculiföre 'entoure d’une liquo fonode; tentacus
der niederen -Thiere während der J. 1854—1855, 427
les tr&s nombreux, gröles, annelö&s. Long. 15—20 Centim. Hab.
Mittelmeer.
In die Nähe von Cerianthus gehört wahrscheinlicher Weise auch
die nordamerikanische Actinia producta, Stimpson Proc. Bost. Soc,
V. p. 110, die im Schlamme lebt und ihren Körper bis: auf 8—10 Zoll
verlängern kann, so wie die schon oben’ erwähnte A. sipunculoides
desselben Verf.
Anthelia lineata n. sp., Cornularia auranliaca n. sp., Alcyonium
agaricum n. sp-, Nephthya coccinea n. sp., Veretillum clavatum n. sp.
aus den Chinesischen und RN Gewässern beschrieben von
Stimpsonl. c. #77
Valenciennes theilt Gogh: Cpt. rend. T. 41. p. 12) die Gruppe
der Gorgoniden nach der Beschaffenheit des Achsenskelets in zwei
Familien:
A. Fam. des Gorgonacees; l’axe ne faisant pas effervescence
par l’action de l’acide chlorhydrique.
B. Fam. des Gorgonellacees; l’axe ou le selerobase faisant
effervescence dans l’acide chlorhydrique.
In, der ersten Familie unterscheidet derselbe:
Gen. Gorgonia: les cellules des Polypes s’ouvrent sur un petit
tubereule du, sclerenehyme saillant sur la tige. Mit 15 Arten.
Gen. Pleraura: les cellules ouvertes par un trou simple
perc& sur le sclerenchyme, sans saillies ni levres. Mit 25 Arten.
Gen. Eunicea: les cellules en saillies tubuleuses sur le
- sclerenchyme et ouvertes sous une sorte de l&yre plus ou moins con-
tractee. Mit 8 Arten.
Gen. Pterogorgia: Cellules en serie, ouvertes des deux cötes
d’une tige comprimee. Mit 4 Arten.
Gen. Phycogorgia: Sclerobase dilate en feuillets membraneux
semblables a un fucus et couvert d’un sclerenchyme cribl& de pores
cellulaires. 1 Art.
Gen. Hymenogorgia: le sclerenchyme &tal& en lames folia-
c6es sur un sclerobase ä tiges simples, rameuses, arrondies, greles,
non reunies. 1 Species,
Gen. Phyllogorgia: Sclörenchyme &tal& en expansions folia-
c6es sur un sclörobase ä rameaux fröquemment anastomoses. 2 Arten.
Gen, Rhipidigorgia: Sclerenchyme sur des branches ar-
rondies du scherobase,, formant, par leurs fröquentes anastomoses un
reseau Nabelliforme. Mit 8 Arten.
Zu der zweiten Familie gehören die Genera:
Iunceella: ä tiges droites en baguettes, couvertes de cellu-
les polypiföres öparses sur le solörobase. 6 Arten.
438 Leuckart: Bericht üb. d, Leistungen in d. Naturgeschichte
Ctenocella: le selerobase s’allongeant en baguettes droites
et pectinees d'un seule cöl6 de la tige principale. 1 Art.
Gorgonella: le sclerobase ramifi& en fines branches rameu-
ses et trds divisees. 5 Arten,
Die Arten sind namentlich aufgeführt, aber nicht näher charak-
terisirt. Unter ihnen viele nn. sp.
Poriferae.
Schäffer liefert einige Bemerkungen über Spongilla
fluvialilis in den Verh. des nat. Vereins der pr. Rheinl. 1855.
S. 49. Die Spongilla wird für eine Colonie einzelliger Algen
erklärt, die in ein Netzwerk von Kieselnadeln eingebellet sei.
Ehrenberg scheint die Sarkode der Spongien für
Amöben zu halten, die „nur parasilisch in abgestorbenen
Spongillen-Schwämmen, wie Fliegenmaden in Pilzen , oder
wie Cercarien in Schnecken , Schlupfwespenlarven in Raupen,
massenhaft vorkommen.“ Berl. Jahresber. 1855. S.273.
Carter entdeckt die Spermatozoen von Spongilla, Ann.
nat. hist. XIV. p. 334. Tab. XI.
Tethyum pyriforme n. sp., Gay hist. de Chile VIII. p. 472.
Protozoa
Ehrenberg veröffentlicht die ausführlichen Resultate
seiner Untersuchungen „über das organische Leben des Mee-
resgrundes bis in 10,800 und 12,000 Fuss Tiefe.“ Berl. Mo-
nalsber. 1854. S. 54—75.
Die untersuchten Grundproben enthielten: (42 Polygastern,)
40 Polyeystinen und 19 Polythalamien, von denen (10 Polygastern,)
17 Polycystinen and 9 Polythalamien neu waren. Die Schalen zeigten
einen unversehrten urganischen Inhalt, der sich zum Theil nach Auf-
° lösung der äusseren Hülle isolirt darstellen liess; ein Umstand, der
unseren Verf. zu dem Schlusse berechtigt, dass die betreffenden Ge-
schöpfe wirklich an Ort und Stelle gelebt haben.
„Weitere Ermittelungen über das Leben in grossen Tie-
fen de: Oceans“ (Ebendas. S. 305—323) geben eine Ueber-
sicht über die von Ehrenberg in Grundproben des Aegei-
schen Meeres (bis 1380 Fuss Tin) aufgefundenen Thier-.
reste, i & "77 Fig
der nlederen Thiere während des J. 1854—1855. 429
In einer drilten hieher gehörigen Abhandlung (ebendas.
1855. S. 175) wird „über den Meeresgrund aus 12,900 Fuss
Tiefe« berichtet.
Was unser Verf. in den voranstehenden Arbeiten mit-
theilt, bildet ein Glied aus der Kelte jener umfangreichen Un-
tersuchungen über das mikroskopische ‘Leben, die unseren
Verf. schon seit länger als einem Decennium beschäftigen und
in dem inzwischen erschienenen Prachtwerke: „Microgeologie;
das Erden und Felsen schaffende Wirken des unsichtbar klei-
nen selbstständigen Lebens auf der Erde* (Leipzig 1854 mil
41 Kupfertafeln in gr. Folio) einen vorläufigen Abschluss ge-
funden haben. Verf. bezeichnet dieses Werk selbst als einen
„zweiten, praktischen“ Theil seines berühmten Buches über
die Organisalion der Infusorien und in der That darf es sich
demselben in jeder Beziehung als ein würdiges Seilenstück
anschliessen. Wie uns in jenem Werke zum ersten Male die
ganze unermessliche Fülle der mikroskopischen Formenwelt
entgegentral, so zeigt uns die „Microgeologie“ in plastischen
Zügen die unermessliche Entfaltung des mikroskopischen Le-
bens und seine Bedeutung für die mannichlachsten almosphä-
rischen und tellurischen Erscheinungen. In ihren Resultaten
grossarlig, sind die Untersuchungen unseres Verf. im Ein-
zelnen nicht minder klassisch zu nennen.
Cohn’s Aufsatz über „die mikroskopische Welt“ im
elften Bande der „Gegenwarl“ 1855. S.706—811 ist eine im
besten Sinne populäre Darstellung unseser heutigen Kenntnisse
über die mikroskopischen, pflanzlichen und thierischen Or-
ganismen, in welchen nichl bloss deren Bau, Entwickelung
und Lebensweise, sondern auch deren Beziehungen zu dem
Erdkörper und seinen Bewohnern in einer ebenso anziehen-
den, wie belehrenden Weise behandelt werden.
Schneider’s „Beiträge zur Naturgeschichte der Infu-
sorien“* in Müller's Arch. 1854. 8.191 ff. (auch laleinisch:
Syınbolae ad infusoriorum hist. nat. Dissert. inaug. Berol. 1854
so wie ins Englische übers. Ann. nat, hist. XIV. p. 311) ent-
halten Beobachtungen über Polyloına uvella und Dilflugia
enchelys und werden weiter unlen noch besonders von uns
angezogen werden,
430 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen iin.d. Naturgeschichte
Die „Untersuchungen über die Entwickelungsgeschichte
der mikroskopischen Algen und Pilze“ von Cohn (Nov. Act.
Acad. C. L. Vol. XXIV. P.I. 1854. S. 101-256) bewegen
sich auf dem Grenzgebiele .des ‚thierischen ‚und pßanzlichen
Lebens und verdienen die volle Aufmerksanıkeit ‚auch der
Zoologen. Wir werden späler, bei den Flagellaten, ‚mehr-
fach Gelegenheit finden, auf diese wichlige Arbeit zurück-
zukommen.
Durch die Beobachtungen und Experimente von Mor-
ren «(de l’absorption de l’azole par les animalcules et les
algues, Cpt. rend. T. 38. p. 932) ist das inleressante Faklum
festgestellt, dass die Infusorien (Verf. nennt dıe Monadinen,
Cyptomonadinen, Astasiaeen und Enchelysarlefi) ebensowohl
slickstoffhallige Substanzen aus ‚dem Wasser ‚absorbiren, als
auch im Sonnenscheine Sauerstoff ausscheiden. So lange den-
selben slickstoffhallige Substanzen (thierische Stoffe, auch ge-
wisse Ammoniaksalze) in hinreichender Menge gebolen wer-
den, bleiben sie beweglich, während sie im anderen Falle in
einen Ruhezustand verfallen, in dem sie ‚allerdings gleich-
falls noch eine slickstolhallige Nahrung bedürfen, gleichzei-
tig aber auch nach gewöhnlicher Pllanzen-Arl mehr Kohlen-
säure aufnehmen.
1. Infusoria.
Wie wir bereits in dem vorjährigen Berichte erwähnten,
hat Stein seine Beobachtungen und Entdeckungen über In-
fusorien inzwischen in einem selbsisländigen Werke „die In-
fusionsthiere, auf ihre Entwickelungsgeschichte untersuchi®,
Leipzig 1854 (in Quart 265 S. VI Kupfertafeln) niedergelegt.
Der Hauptinhalt dieses wichtigen Werkes besteht aus den schon
früher hervorgehobenen Untersuchungen über die zu der Gruppe der
Vorticellinen und Acineten gehörenden Thierformen, die hier von
Neuem ausführlich dargelegt und mit zahlreichen weiteren Beobach-
tungen (Trichodina, Ophrydium u..a,) bereichert sind. Dazu kommen
dann ferner noch Untersuchungen über Colpoda cucullus, Chilodon
eucullus, Opalina, Paramaecium burseria (Loxodes), Nassula ambiqua
und Glaucoma scintillans, sowje über Volvox und Chlorogonium eu.
chlörum, überall mit besonderer Berücksichtigung der Entwickelungs-
verhältnisse,
Bei der Darstellung seiner Untersuchungen hat Verf. den histo=
nn ne
Eee
der niederen Thiere während der J. 1854—1855. 431
rischen Weg eingeschlagen; ‘wir ‘hätten im Interesse des Lesers und
auch des Werkes eine mehr systematische Anordnung gewünscht, bei
-der die allgemeineren Resultate mehr hervorgetreten wären und .der
Leser nicht genöthigt würde, den Verf. auf allen den Kreuz- und
Querwegen zu begleiten, die doch einmal eine jede Untersuchung
zurücklegen muss, bevor sie an ihrem Ziele anlangt.
Eine grosse Rolle in dem vorliegenden Werke spielt die sog.
Acinetentheorie, nach der die Acineten, wie bekannt (J. B. XXI.
S. 83), als Metamorphosenstufen in den Entwickelungskreis der Vor-
ticellinen gehören sollen. Verf. beschreibt zahlreiche neue, zum Theil
höchst interessante Formen von Acineten, sucht diese beständig auf
‚bestimmte Vorticellinen zurückzuführen, hat aber niemals auf direktem
Wege, weder die Umwandlung von Vorticellinen in Acineten, noch
das Auswachsen der von den letzten stammenden Schwärnspröss-
Iınge in Vorticellinen beobachtet.
Bei Colpoda und Glaucoma sah Verf. nach der Einkapselung
ein Zerfallen in zwei und mehr (Colpoda) Theilsprösslinge, die sich‘
bisweilen (Colpoda) noch in ihrer Muttercyste von neuem einkapsel-
ten. Chilodon producirt dagegen im eneyslirten Zustande -eınen
Schwärmsprössling, der sich unter Theilnahme (durch Metamorphose?)
des Kerns bildet, wie das auch nach unserem Verf, bei Loxodes der Fall
ist. In Betrell der Cystenwand hebt Verf. hervor, dass dieselbe nach
ihren Reaktionen entweder Cellulose oder doch ein der Cellulose
nahe verwandter Stoff zu sein scheine.
Wir bedauren uns hier auf diese wenigen Notizen beschränken
zu müssen, die kaum im Stande sind, 'einen Ueberblick über die rei-
‚che Fülle neuer Ihatsachen zu bieten, die in jedem Abschnitte dieses
wichtigen Werkes uns entgegentieten. Was in descriptiv zoologischer
Beziehung hier noch hervorzuheben wäre, soll später in dem 'syste-
matischen Theile unseres Berichtes angegeben werden.
Ausser Stein hal sich in neuerer Zeil besonders Lach-
mann mil den Infusionsthierchen abgegeben. Wir erhielten
von demselben eine schr ausgezeichnete Inauguraldisserlelion:
de infusoriorum imprimis vorlicellinorum struclura. ‚Berol. 1855
«überselzt und ‚mit manchen wichligen Zusätzen bereichert in
Müller’s Arch. 1856. S. 340 -349. Taf. Xlll, XIV), deren
reicher Inhalt uns den Verf. als einen ebenso lleissigen, wie
‚genauen Beobachter kennen lehrt. _
Verf. bestreitet (und gewiss mit'Recht) die Lehre von der'Ein.-
‚zelligkeit der Infusionsthierohen ; er vindicirt denselben eine ziemlich
zusammengesetzie Struktur, deren vollständige Analyse bei der Un-
432 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
zulänglichkeit unserer optischen Hülfsmittel dermalen aber noch nicht
möglich sei. Die Centralmasse des Infusorienkörpers besteht nach der
Darstellung unseres Verf. aus einer weiten, mit Chylus und Nah-
rungsstoflen erfüllten Leibeshöhle, in die vom Munde aus meist, wie
bei den Polypen, ein kurzes Rohr (Vesophagus) herabhängt.‘ (Nur
bei Trachelius Ovum setzt sich dieses Rohr wirklich, wie schon Eh-
renberg behauptete, in einen baumarlig verzweigten Darmkanal fort.)
Ein After konnte überall nachgewiesen werden, doch bietet die Lage
desselben vieleVerschiedenheiten. Derselbe findet sich bei denVorticellen
z.B. in der weiten sog. Pharyngialhöhle (vestibulum) neben dem Munde,
bei anderen Arten am hinteren Körperende u. s. w. Der Inhalt der
Leibeshöble zeigt bei allen Arten eine continuirliche Rotation, wie
das von Loxodes längst bekannt ist. Auch bei einer Anzahl Mona-
dinen und Cryptomonadinen wurde eine Nahrungsaufnahme beobach-
tet, wie denn Verf. auch kein Bedenken trägt, diese und andere der-
artige mit contraktiler Blase versehenen Geschöpfe (auch Euglena,
bei der Verf. diese Blase gleichfalls auffand) für Thiere zu halten.
Bei den Actineten fungiren nach der Entdeckung Lachmann’s — und
Ref. kann dasselbe bestätigen — die Strahlen als Saugröhren, durch
deren Endöflnung der Körperinhalt der gefangenen Thierchen in die
Verdauungshöhle hinübertrit. Was den Strudelapparat der Vorticel-
linen betrifft, so besteht dieser überall aus einer spiraligen Doppel-
reihe von Flimmerhaaren, deren Anordnung von früheren Beobach-
tern, auch von Stein, nur unvollkommen erkannt worden. Mit der
contractilen Blase sah Verf. bei mehreren Arten , bes. Stentoren, ein
ziemlich complicirtes Gelässsystem im Zusammenhange; er hält diesen
Apparat für allgemein verbreitet und erklärt den Inhalt derselben für
eine Blutflüssigkeit. Die Bildung der Schwärmsprösslinge geht überall
nach unserem Verf. im Innern des Nucleus oder eines Nucleusstückes
vor sich und keineswegs auf die von Stein beschriebene Weise.
Dass diese Sprösslinge von ihren Mutterthieren meist verschieden aus-
sehen, ist bereits bekannt, aber neu und wichtig zur Beurtheilung der
Stein’schen Actinetentheorie ist die Thatsache, dass die Schwärm-
sprösslinge der Acineten wieder zu Acineten und nicht etwa zu Vor-
ticellinen auswachsen.
Dasselbe beobachtet auch Cienkowsky, note sur la theorie
des Acinetes deMr. Stein, Bull. phys. math. de l’Acad. St. Petersbg
No. 307. T. XIII. p. 297. Cum tab.
v. Siebold liefert durch Publikation eines Auszugs aus
Guanzati's Osseryal. e sperienze inlorno ad un prodigioso
animalaccio delle infusioni (Opuscoli scelli T. XIX. 1716.
p. 3—21) den Nachweis , dass dieser Forscher’ schon Ende
des vergangenen Jahrhunderts die Einkapselung eines Infu-
P2
der niederen Thiere während der J. 1854—1855. 433
sionslhierchens, Proteus (Amphileptus moniliger) sehr genau
beobachtet habe. Zeitschrift für wiss. Zool. VI. S. 432.
Bei dieser Gelegenheit möchte Ref. auch auf Göze’s
Beobachtungen über „Infusionsithiermülter* (Anhang zu Bon-
nel’s Abhandl. aus der Insektologie 1774. 8.417) hinweisen,
die noch älter sind und in gleicher Weise zeigen, dass den
früheren Forschern auch die Bildung von Schwärmsprösslin-
gen nicht gänzlich entgangen ist.
. Cienkowsky, über Cystenbildung bei Infusorien, Zeit-
schrift für wiss. Zool. VI. S. 301. Taf. X u. XI. (Bull. Acad.
St. Petersbg. 1855. p. 301. Anm.)
Verf. beobachtete den Einkapselungsprocess fast bei allen von
ihm untersuchten Infusorien, sobald er dieselben für einige Zeit in
einer mit Wasserdunst geschwängerten Athmosphäre absperrte. (Auf
ähnliche Weise hat auch Ref. die Einkapselung künstlich hervorru-
fen können, Vgl. J.B.XXI. S. 92.) Bei Nassula (deren Arten: N. or-
nala, viridis, aurea nach Verf. nur verschiedene Altersstufen reprä-
sentiren) zerfällt der Inhalt der Cyste in mehrere rundliche Kugeln
oder Zellen (Sporen Verf.), in denen — wie das Stein auch bei Vor-
ticella microstoma gesehen hat, J. B. XXI. S. 88 — zahllose kleine
monadenartige Gebilde ihren Ursprung nehmen. Das Ausschwärmen
derselben geschieht mittelst schlauchartiger Auswüchse, die von den
Sporen aus die Cystenwand durchbrechen. Auch in der Cyste von
Stylonychia pustulata u. a. sah Verf, mehrere rotirende Kugeln ent-
stehen. In anderen sehr ähnlichen Cysten beobachtete er Trichoda
Iyneeus, die nach der Vermuthung unseres Verf. wohl die Jugend-
form verschiedener Stylonychien und Oxytrichen darstellen dürfte.
Auch Schneider liefert einige Angaben über den Eneysti-
rungsprocess bei Infusorien, Stylonychia pustulata, Euplotes Charon,
Pontotrichum lagenella. Müller’s Arch. 1854. S. 200.
Allmann, on the ıstructure of Bursaria. Report br.
Assoc. (held 1853) 1854. p. 65.
Ohne etwas Neues von Bedeutung beizubringen, entscheidet
sich Verf, nach seinen Beobachtungen an Bursaria für die Einzellig-
keit der Infusionstbiere. Auch macht derselbe einige Angaben, die
darauf hindeuten, dass er — ohne, wie es scheint, von den Unter-
suchungen Stein’s zu wissen — die Geburt von Schwärmsprösslingen
beobachtet habe.
In einer zweiten Abhandlung über Bursaria leucas (Rep.
br. Assoc. 1855. p. 105, Quarterly Journ. micr. Soc, 1855.
No. Xl. p. 177) wiederholt "Allmann die — früher schon
Archiv L. Naturgesch. XXI. Jahrg. 2. Bd. cc
434 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
von O. Schmidt, J. B. XXI. 8.93, gemachte und seither
auch von Anderen wie z.B. Lachmann bestätigte. — Ent-
deckung von der Anwesenheit von Angelorganen bei Infuso-
rien. (Die Angabe, dass diese Angelorgane bei Zusatz von
Essigsäure u. s. w. ihre Fäden nach Aussen hervorschnellen,
ist nach den Beobachtungen des Ref. unschwer zu bestätigen.)
Busch veröffentlicht einige „Beiträge zur Anatomie
von Trichodina ‚ Müller’s Arch. 1855. S. 357. Taf. XIV. A,
und beschreibt dabei die von Lachmann (Ss. o.) für alle
Vorticellinen nachgewiesene spiralige Bildung des Strudel-
apparales. In einigen Exemplaren wurde statt des bandar-
tigen Nucleus ein rundlicher, mit Körnern erfüllter Schlauch
gefunden. _
Auch Davaine beschreibt den vorderen Wimperkranz
von Trichodina als eine Spirallinie und zwar nach Exempla-
ren, die er in der Harnblase von Tritonen auffand. Cpt. rend
Soc. biol. 1854. I. p. 170. -
Das Vorkommen von Trichodinen in der Harnblase nack-
ter Amphibien ist auch von Gros beobachtet, dessen Torqua-
tina nichts, als dieses Infusorium ist. In der neuen, schon
oben erwähnten Abhandlung dieses Forschers (Bull. Soc. im-
per. de Moscou 1855. p. 204—247. Tab. I u. Il) wird aus-
. führlich dargestellt, wie sich dasselbe aus den Epilhelial-
- zellen der Harnblase entwickle und nach einiger Zeit sodann
in eine Opaline verwandeln. (Auch Stein denkt übrigens
an einen genelischen Zusammenhang zwischen den Tricho-
dinen und Opalinen, Infusionsthiere S. 178.) Dass letztere
nach unsefem Verf. aber auch gelegentlich aus Trematoden-
eier ausschlüpfen und-durch Einkapselung schliesslich in die
sog. Trichinen des Froschdarms übergehen sollen, ist schon
oben (S$. 355) von uns hervorgehoben.
Ueber den Bau der neuerlich so vielfach untersuchten
Noctiluca miliaris erhielten wir eine Abhandlung von Hux-
ley (Quarteriy Journ. Mier. Soc. 1854. p. 49. C. tab.) und
Webb (Ibid. 1855. p. 102).
Ersterer entdeckte bei unserem Thiere eine hornige Mundbe-
wallnung in Gestalt einer gezähnelten Platte. Die Existenz von Va-
cuolen wird in Abrede gestellt; Verf. glaubt sich von der Anwesen-
der niederen Thiere während der J. 1854—1855. 435
heit eines scharf begrenzten Darmapparates hinter der Mundöffnung über-
zeugt zu haben und beschreibt auch eine besondere unter dem Munde
‚gelegene Afteröffnung. Die passendste Stellung von Noctiluca ist
nach H. nicht bei den Rhizopoden,«sondern unter den Infusorien, wo
es freilich eine besondere Familie ausmache.
Webb bestätigt die Anwesenheit einer hornigen Mundbewaff-
nung, beschreibt diese aber als einen konischen Zapfen, der sich von
Zeit zu Zeit aufrichte und gegen die Mundöffnung einschlage. Er be-
stätigt auch die Anwesenheit eines förmlichen Darmkanals und be-
schreibt an demselben zahlreiche Aussackungen, die nach ihrer Fül-
lung eine verschiedene Grösse und Lage besitzen und früher wohl
für Vacuolen gehalten wurden. Die Fasern, die den Körper der No-
etilucen nach allen Richtungen durchziehen, sollen sich an der Aus-
senlläche dieser Aussackungen festsetzen.
Mettenheimer’s kurze Beschreibung von Noctiluca
miliaris (Abhandl. der Senkenberg. Gesellsch. I. S. 13) ent-
hält eben nichts Neues.
J. Müller macht auf die Existenz von leuchlenden Kör-
perchen aufmerksam, die ganz das Ansehen einer enceyslir-
ten (geissellosen) Noctiluca haben und in dem Mittelmeere
häufig statt der gewöhnlichen Noctilucen vorkommen. Berl.
Monatsber. 1555. S. 245. Anm.
Weisse liefert „eine infusorielle Selbstbeurtheilung“ (Zeit-
schrift für wiss. Zool. VII.‘ S.340) und bemerkt darin bezüglich der
von ihm als neu beschriebenen Infusorien, dass Epistylis virgaria W.
wahrscheinlich nur den Jugendzustand von Ep. anastatica darstellte,
dass Actinophrys ovata W. wohl nur als veränderte Form von A. Sol
zu betrachten sei, dass endlich Acineta colhurnata W. — A. diadema
St., Orcula trochus W. — Acineta Vort. microstomatis St., Cyelidium
lineatum W. — Coceudina crystallina Perty. Syringogyra viridis W.
ist eine Alge (Spirulina) und Conchularia paradoxa W. ein eben aus
dem Winterei hervortretender Embryo von Alcyonella.
Für die Gen. Epistylis und Opercularia ist nach Stein nicht
Anwesenheit von einerlei oder zweierlei Individuen charakteristisch,
wie Ehrnberg wollte, sondern der Umstand, ob das Peristom mit
Wimpern besetzt ist oder derselben entbehrt. (Infusionsthiere 8.8 f.)
Nach diesem Criterinm ist Ehrenberg’s Epistylis berberina dem Gen.
Opereularia zu überweisen ($. 99).
Ebenso unterscheiden sich die Gen. Carchesium und Zootham-
nium nur dadurch, dass bei ersterem jeder Stiel mit besonderem Mus-
kel beginnt, während bei letzterem alle Stielmuskeln zu einem ge-
meinschaftlichen Systeme zusammenhängen. (Stein ebendas. $. 52.)
436 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Von neuen Arten erwähnen wir zunächst nachträglich noch
Epistylis pusilla, Schmarda Denkschriften der K. Akad. zu Wien I.
Sodann:
Epistylis crassicollis vom Flusskrebs, Stein a. a. 0. S.233.
Opercularia stenostoma auf Wasserschnecken, Stein a. a. 0.
S.74; Op. microstoma auf dem Flusskrebse, Stein ebendas. $.232;
Op. Lichtensteinii auf Wasserkäfern, Stein ebendas. S. 225.
Carchesium pinnatifidum aus dem Mittelmeere, J. Müller Berl.
Monatsber. 1855. 8.252. Anm,
Zoothamnium parasita auf Ephemerenlarven (Carchesium pyg-
maeum Ehrbg.?), Stein a. a. 0. 8.85; Z. affine auf Gammarusarten
des Süsswassers und der Ostsee (Z. arbuscula Ehrbg.?) Stein ebendas.
S. 218.
Spirochona Scheutenüi auf Gammarus aus dem Brakwasser von
Amsterdam, Stein a. a. 0. 5.216.
Cothurnia Sieboldii, C, Astaci, C. curva, alle drei auf dem Fluss-
krebse, Stein a. a. 0. S.229 f. C. (?) perlepida, Bailey Smith-
son. Contrib. VII. wird nur nach der Form und Beschaffenheit des
Panzers charakterisirt. j
Scyphidia physarum n. sp., Lachmann de infus. struct. p. 22.
Adnot. (Müller’s Arch. 1856. S. 348. Anm.) Ebendas. auch Beschrei-
bung der Vorticella (Scyphidia) limacina 0. Fr. Müll. und Bemerkun-
gen über die Dujardin’schen Arten des Gen. Scyphidia.
Vaginicola grandis Perty ist nach Stein kaum von V. crystal-
lina verschieden (a. a. 0. S. 38).
. Lachmann entdeckt ein Paar Stentorinen, bei denen der vor-
dere mit der Wimperspirale (und After) versehene Körpertheil in
einem stablörmigen Fortsatz ausgewachsen ist und bildet daraus das
Gen. Chaetospira. Hieher als Arten Ch. Mülleri und Ch. muci-
cola, beide aus dem Thiergarten bei Berlin. Aehnliche Formen be-
obachtete Verf. auch-an der Norwegenschen Küste (Vorticella ampulla
0. Fr. Füll.) Müller's Arch. a. a. 0. S. 364, 366.
In die Nähe dieser Thiere gehört auch vielleicht das Gen. Tin-
“tinnus Ehrbg., das wegen der vollständigen Bewimperung und der
Bildung des Verdauungsapparates mit den Vorticellinen nicht länger
vereinigt bleiben kann. Vgl. Lachmann ebendas. S. 349. Anm.
Nassula ambigua n. sp., Stein a. a. 0. S.248.
Bursaria blatlarum n. sp. aus dem Darmkanal der Schabe, Stein
a, a. 0. S.42, Anm.
Opalina lumbriei, Stein (Leucophrys striata und L. nodulata Duj.)
a. a. 0. 8.185; O. armala n. sp. ebendas.
Cyeclidium glaucoma Ehrbg. (Enchelys Duj.) ist And Stein
der niederen Thiere während der J. 1854-1855. 437
keine selbstständige Infusorienart, sondern der Schwärmsprössling von
Chilodon. A. a. 0. S. 135.
Leydig beobachtete auf der Haut des grünen Armpolypen ein
kleines (0,004“-) sehr bewegliches. Infusorium mit rundlichem, vorn
leicht abgeschnittenem Körper und zartem Stiele. Müller’s Arch. 1854.
5.271. Anm.
Die von Stein entdeckten neuen Acineten sind ohne systema-
tische Namen geblieben. Wir müssen für dieselben auf das Original-
werk selbst verweisen.
Flagellata. Cohn überzeugt sich von der Richlig-
keit der Ehrenberg’schen Angabe, dass viele, selbst sehr
kleine Monadinen, wenn sie längere Zeit in gelfärblem Was-
ser eultivirt werden, Indigoparlikeln aufnehmen — ähnliche
Beobachtungen macht Lachmann, :s. oben 8.432 —; er
glaubt desshalb, dass eine Anzahl der Ehrenberg’schen Mo-
nadinen immerhin als Thiere zu betrachten seien, obwohl er
andererseils wieder zugiebt, dass dieselben in Bau, Bewe-
gung und Entwickelung von gewissen Pilzschwärmsporen
nicht zu unterscheiden seien. Entwickelungsgesch. der mikr.
Pilzen und Algen a, a. O. S. 162.
Schneider beschreibt in den „Beiträgen zur Nalurge-
schichte der Infusorien“ (Müller’s Arch. 1854. S.191) den
Bau und die Entwickelungsgeschichte von Polyloma uvella
Ehrbg.
P. besitzt im Innern ihres weichen, von einer dünnen Zellhaut
umgebenen Körperparenchyms einen Kern mit Kernkörperchen, zwei
contractile Vacuolen und zahlreiche amylonartige Körnchen, die aller
Wahrscheinlichkeit nach am Orte ihrer Ablagerung entstanden sind
und gelegentlich in einen blauen oder grünen Farbestoff übergehen,
Die Fortpflanzung geschieht (wie bei Chlorogonium) durch Theilung
innerhalb der Zellhülle, wobei in der Regel vier Schwärmsprösslinge
gebildet werden. Ausser dem Schwärmzustande besitzt unser Geschöpf,
das Verf. wegen der Beschaffenheit der Hüllhaut (Abwesenheit von
Cellulose) und Anwesenheit der contraktilen Vacuolen für ein Thier
bält, einen Ruhezustand, aus dem es nach vorhergegangenem Auf-
trocknen durch Erregung einer Fäulniss wieder erweckt werden kann.
Ueber die chemische Beschaffenheit der Öystenwand wird Nichts mit.
getheilt.
Nach Cohn’s Untersuchungen ist Polytoma uvella dem Gen.
Chlamydomonas einzureihen und von den übrigen Volvocinen nur
durch Farblosigkeit und Aufenthalt in faulendem Wasser ausgezeichnet.
Entwicklungsgesch. u. s.. w. 8. 137.
438 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Ueber Bau und Entwickelung von Gonium pectorale und
die Volvocinen im Allgemeinen vgl. Cohn a..a. 0. S. 163 ff.
Der Entwickelungsgang von Gonium ist im Wesentlichen der-
selbe, wie bei den übrigen Volvocinen, ein Wechel von ruhenden und
beweglichen Zuständen. In letzterem Zustande besitzt Gonium auch,
wie von Volvox schon in unserem vorjährigen Berichte erwähnt wurde
(XXI. S. 100), eine contraktile Blase, deren Anwesenheit nach unse-
rem Verf. aber noch kein hinreichender Beweis für die thierische
Natur der Volvocinen ist.
Auch. Stein beobachtet die ruhenden Zustände von Volvox und
glaubt in diesem Geschlechte eine zweite Art, V. minor, unterschei-
den zu können. Infusionsthiere $. 42.
Derselbe bestätigt die Beobachtungen von Weisse
über die Brutbildung bei Chlorogonium euchlorum. Ebendas.
S. 188.
Die Untersuchungen W eisse’s über den Lebenslauf der
Euglenen sind schon im vorjährigen Berichte XXI S. 101 er-
wähnt worden.
Nach den Untersuchungen von Angström (Öfvers. af
Kongl. Vetensk. Akad. Förh. 1853. p. 246 und Poggendorf’s
Annalen 1854. S.475) verhält sich der grüne Farbestoff der
Euglenen (und Spongien) in Bezug auf das Lichtspectrum,
das demselben entspricht, genau wie das Chlorophyll der Al-
gen und abweichend von dem der Phanerogamen.
Henfrey glaubt sich davon überzeugt zu haben, dass
der sog. „rolhe Augenfleck“ gewisser Infusorien und Schwärm-
sporen nur eine optische Erscheinung sei und bei genauer
Einstellung des Focus als farbloses Körnchen erscheine. Ann.
nal. hist. Vol. XIV. p. 232. (Proc. Linn. Soc. 1853.)
Cohn beschreibt die merkwürdige pilzarlige Anthophysa
Mülleri Bory (Volvox vegelans Müll., Epistylis? vegetans
Ehrbg. , Stereonema Kützing) und deren Köpfchen, die aus
einer grösseren Zahl von Monaden- oder Cercomonaden-ähn-
lichen Geschöpfen zusammengeselzt werden, wie das früher
schon Dujardin beobachtet halte. Die losgelösten Köpfchen
bewegen sich mittelst ihrer Geisseln und sind sehr wahr-
scheinlich = Uvella uva Ehrbg. Entwickelung der mikr. Al-
gen und Pilze S. 110 ff.
Uvella bodo gehört nach der Mehrzahl ihrer Geisseln zu dem
Gen, Phacelomonas. Stein a. a. 0. 8.191. aa
der niederen Thiere während der J. 1854—1855. 459
Nach den Untersuchungen von Kölliker und Scan-
zoni ist Donne’'s Trichomonas vaginalis keinesweges eine
abgestossene und veränderte Flimmerzelle, wie man bisher
gewöhnlich annahm, sondern wirklich ein selbstständiges
Wesen.
Die Beschreibung Donn &’s wird von unseren Beobachtern voll-
kommen bestätigt. Trichomonas besitzt einen.ovalen oder birnförmi-
gen Körper mit einem stielförmig verdünnten, wenig contraktilen
Ende und einigen Flimmerhärchen und längeren Fäden am entgegenge-
setzten Ende. Eine Mundöfllnung konnte nicht beobachtet werden.
Das Körperparenchym ist feimkörnig, ohne Kern und contraktile Blase.
Das Vorkommen dieses Geschöpfes ist nach unserem Verf. sehr häufig
und steht keineswegs in einer specifische Beziehung zu syphilitischen
Alfectionen, obwohl leucorrhoische Zustände die Entwickelung dessel-
ben allerdings begünstigen, Cpt. rend, 1855. p. 1076. (Ann. nat, hist.
XV. p.464 oder l’Inst. 1855. p. 167.)
Davaine beobachtete in den frischen Fäcalmassen von
Cholerakranken mitunter (ein Mal auch bei einem Diarrhoi-
schen und einem Typhuskranken) grosse Mengen von Cerco-
monaden, die beim Erkalten rasch abstarben. Cpt. rend. Soc.
biol. 1854. 1. p. 129. 4
De Filippi bemerkt, dass er bei seinen Füllerungs-
versuchen mit encyslirien Trematoden die Kapseln der ab-
gestorbenen Exemplare im Mastdarme der Frösche gewöhn-
lich mit Monaden (und Opalinen) erfüllt gesehen habe, ob-
gleich es ihm unmöglich gewesen sei, in der Cystenwand eine
Oelfnung nachzuweisen. Mem. pour servir ä l’hist. gen. des
Trematodes I. p. 28.
Was die Vibrionen betrifft, so sind diese nach Cohn’s Un-
tersuchungen mit aller Bestimmtheit dem Pflanzenreiche zu überwei-
sen. Bacterium termo (Vibrio lineola Ehrbg.) ist die bewegliche
Schwärmform eines mit Palmella und Tetraspora verwandten Wasser-
pilzes (Zoogloea Cohn), während Vibrio spirillum (Spirochaeta pli-
eatilis) dem Gen. Spirulina zugehört und Vibrio bacillus sich mit an-
deren verwandten Formen dem Gen. Beggiatoa (Oscillaria) anreiht.
Entwickelung u. s. w. a. a. 0. 5. 117 Il.
=. Rhizopodn.
Von Auerbach erhielten wir eine ausführliche Arbeit
über den inneren Bau oder, wie Verf. sagt, „die Einzelligkeit
der Amöben“, mit Beobachlungen über zahlreiche, zum Theil
440 Leuckart, Bericht üb. d. Leistangen in d. Naturgeschichte
neue Arten, Zeitschrift für wissensch. Zool. VII. p.365—430.
Taf. XIX—XAXll.
Verf. überzeugt sich, dass der Körper der Amöben von einer
sehr zarten und strukturlosen, äusserst dehnbaren Membran überzogen
ist, die sich sogar noch an den Pseudopodien nachweisen lässt; er
findet im Innern derselben ganz constant einen bläschenförmigen Kern
mit Kernkörperchen (bei den Arcellen deren mehrere, selbst viele),
und glaubt damit den histologischen Nachweis von der Einzelligkeit
dieser Thiere geliefert zu haben. Die Nahrungsstoffe gelangen mit
Durchbrechung der Zellenwand in das Innere des Leibes und werden
auch auf dieselbe Weise wieder ausgestossen. Ausser den Nahrungs-
stoffen findet man im Innern noch Fettkörnchen u. a. organische Sub-
stanzen, bei einer Art (A. bilimbosa n. sp.) auch Amylumkügelchen,
so wie nicht selten eine oder zwei pulsirende Vacuolen. Durch über-
mässige Anhäufung von Fettkörnern gehen die Amöben (wie andere,
echte Infusionsthierchen) öfters zu Grunde. Die Fortpflanzung geschieht
vorzugsweise durch Theilung. In einem Falle (A. bilimbosa) konnte
Verf. auch eine Einkapselung der kuglig zusammengezogenen Thier-
chen beobachten.
Clapare&de berichtet über Aclinophrys Eichhorni, Mül-
ler’s Arch. 1854. S. 398. Taf. XV (überselzt in Ann. nat, hist,
XV. p.211.)
Actinophrys besitzt, wie schon Ehrenberg und v. Siebold
wussten, eine contraktile Blase, wie solche auch bei anderen Rhizo-
poden, Amoeba und Arcella (bei letzterer sogar in vielfacher Anzahl)
vorkommt. Aber diese Blase (Herz nach Verf.) liegt dicht unter der
Rindenschicht des Leibes, so dass sich letztere bei den Erweiterun-
gen derselben buckelförmig aufbläht. Mund und After fehlen, wie bei
den übrigen Rhizopoden; die Nahrungsaufnahme geht beliebig an
jeder Stelle vor sich, wie auch Kölliker angab, aber nicht dadurch,
dass sich die Nahrungsstoffe mechanisch eindrücken, sondern viermehr
durch die Bildung temporärer Fortsätze („durch Herausschleudern einer
schleimigten Masse“, wie Verf. sagt), die bald als einfache stumpfe
Zapfen, bald als verästelte fingerförmige Ausläufer erscheinen, die
fremden Gegenstände umfliessen und mit der Beute schliesslich wie-
der eingezogen werden. Bei der selir langsamen Ortsbewegung schei-
nen solche Fortsätze nicht gebildet zu werden. Ob Actinophrys aus-
ser der Theilung noch eine andere Fortpllanzungsart besitze, ist Verf,
unbekannt geblieben. Die Anwesenheit einer äusseren Hüllhaut, wie
eines Kernes wird (auch für Amoeba u, s. w.) in Abrede 'gestellt —
Verf. hält es daher auch für ungerechtfertigt, die Actinophrysarten als
„einzellige Thiere“ zu bezeichnen. Auch für die polygastrischen In-
fusorien stellt er die Berechtigung einer derartigen Auffassung in
Abrede.
der Aisderkn Thiere während der J. 1854—1855. Aal
Auch Stein macht einige Mittheilungen über Aclino-
phrys Eichhorni, Infusionsthiere S. 151.
Die Nahrungsaufnahme wurde nicht direkt beobachtet, doch ver-
muthet Verf., dass dieselbe durch die Contraktionen der von ihm
gleichfalls aufgefundenen contraktilen Blase vermittelt werde. Die
Copulation wurde dagegen häufig beobachtet, einmal (bei A. osculata
n. sp.) von sieben Exemplaren. Uebrigens führt diese Vereinigung
nach unserem Verf. niemals zu einer vollständigen Verschmelzung,
sondern nur zur Bildung eines Familienstockes.
Boswell sah eine Actinophrys mit ausgespreitzten Strahlen auf
der Oberfläche des Wassers fortschwimmen (Transact. mier. Soc. II.
p- 25).
Ueber Diftlugia Enchelys vergl. Schneider in den
Beiträgen zur Naturgesch. der Infusorien, Müller’s Arch. 1854,
5.204.
Im hinteren Ende der Leibessubstanz liegt ein röthlicher run.
der Nucleus mit weissem Nucleolus, ein Gebilde, das Verf. auch bei
‘ Amocba auffand und bei allen Rhizopoden vermuthet. Die Nahrungs-
aufnahme erfolgt wahrscheinlich durch den Fuss. Die Fortpflanzung
ist eine doppelte, durch Knospung des Fusses, wobei nicht bloss Dop-
pelthiere, sondern öfters auch zusammenhängende Gruppen von 3—5
Individuen entstehen, die leicht für copulirte Thiere gehalten werden
könnten, und durch Sporenbildung. In letzterem Falle theilt sich die
Körpersubstanz nach Rückziehung des Fusses in zwei und vier fett-
artig aussehende ruhende Kügelchen, die durch Zerfallen der Hüll-
haut schliesslich frei werden. Leider konnten die weiteren Schick-
sale dieser Gebilde nicht verfolgt werden.
Carpenter erörtert den Bau der Foraminilerenschale:
structure des foraminileres, l’Inst. 1854. p. 154.
Verf. hebt hervor, dass die Vermehrung der Kammern bei den
Foraminiferen durch eine Knospung vermittelt werde, die je nach
den einzelnen Formen in Richtung und Ausdehnung mancherlei mehr
oder minder constante Verschiedenheiten darbiete. In vielen Fällen hat
jede einzelne Kammer ihre besonderen Wandungen, wie bei den Nummu-
liten, so dass dann immer doppelte Scheidewände zwischen denselben
vorkommen, während in anderen Fällen diese Scheidewände einfach
sind. Verf. glaubt sogar die ganze Klasse der Koraminiferen hiernach in
zwei Gruppe scheiden zu können, in denen auch gleichzeitig die Ent.
wickelung des Kanalsystems gewisse Verschiedenheiten darbiete,
Eine besondere Berücksichtigung verdienen die wichli-
gen und reichen Beobachlungen von Max Schultze „über
den Organismus der Polythalamien (Koraminiferen) nebst Be-
42 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d, Naturgeschichte
merkungen über die Rhizopoden im Allgemeinen.“ Leipzig
1854. 688. in Folio mit VII illuminirten Kupfertafeln,
Zerfällt in zwei Abschnitte; historische Einleitung, allgemeine
Betrachtungen des Baues und der Lebenserscheinungen der Rhizopo-
den, Bemerkungen zur Systematik und Beschreibung der im lebenden
Zustande beobachteten Arten. Was wir hier zunächst hervorzuheben
haben, bezieht sich ausschliesslich auf den zweiten Theil dieses aus-
gezeichneten Werkes, auf das wir weiter unten nochmals zurückkom-
men werden.
Die Angaben, die Dujardin einst über den Bau der Forami-
niferen gemacht hat, sind durch die Untersuchungen unseres Verf, in
allen wesentlichen Zügen bestätigt worden. Die schalentragenden
Rhizopoden schliessen sich, auch in ihren grössesten Formen, durch
Bau und Lebenserscheinungen genau an die Arten des Genus Amoeba
an. Der Leib ist ohne immere und äussere Organe. Er besteht aus
einer Sarkodemasse mit Körnchen und Fetttröpfchen, an der weder
eine Hülle, noch (mit Ausnahme von Gromia oviformis) ein Kern, noch
eine pulsirende Blase entdeckt werden konnte. Die Fähigkeit der
Pseudopodienbildung kommt übrigens ausschliesslich, wie es scheint,
auf die helleren peripherischen Schichten des Körpers. Das wunder-
bare, periodisch wechselnde Spiel dieser Pseudopodien wird vom Verf.
durch Wort und Bild auf anschauliche Weise dargestellt; man glaubt
sie vor sich zu sehen, diese Thierchen, mit ihrer Ätmosphäre von
Sarkodefäden, die hier sich unter den Augen des Beobachters ver-
ästeln, dort zu einem Maschenwerke oder zu einem zackigen Sterne
zusammenfliessen und schliesslich wiederum verschwinden, In jedem
einzelnen Faden sieht man während seines Wachsthums eine regel-
mässige Strömung von auf- und absteigenden Körnchen, die in
raschem Strome einander nachfolgen. Die Nahrung besteht vorzugs-
weise aus Diatomeen, deren Farbestoff Verf. auch noch im Innern
des Rhizopodenkörpers nachweisen konnte. Wo die Löcher der Schale
zu klein sind, um feste Nahrung durchzulassen, geht die Verdauung aus-
serhalb der Schale in der Sarkodemasse der im Umkreise der Nahrung
zusammenfliessenden Pseudopodien vor sich. Von einem complieirten
Röhrensysteme in der Substanz des Gehäuses fand Verf. bei den von ihm
untersuchten Arten keine Andeutung. Ebenso wenig konnte er die
Zusammensetzung der Schale aus einzelnen Spiculis bestätigen. Wohl
aber entdeckte er eine Art (Polymorphina silicea), deren Schale nicht
aus Kalk, sondern aus Kieselerde besteht. In Betreff der Frage nach
der einfachen oder polyzootischen Natur der gelkammerten Rhizopo-
den entscheidet sich Verf. dahin, dass die Schale immer nur von einem
einzigen Individuum bewohnt sei. Die Kammern sind nach unserem
Verf. blosse Abtheilungen eines gemeinschaftlichen Thierleibes, obwohl
..;
- der niederen Thiere während der J. 1854—1855. 445
dieselben, wie Verf. zugiebt, in manchen Fällen einen hohen Grad
von Selbstständigkeit erreichen.
Die „Beobachtungen über die Fortpflanzung der Polylha-
lamien“ dessen Verf., Sitzungsber. der naturf. Gesellsch. in
Halle 1855. Aug. (Müller’s Arch. 1856. S. 165. Taf. VI), dür-
fen wir als Nachtrag zu dem voranstehenden Werke ansehen,
Verf. sah aus dem Ueberzuge einer schon seit 8—14 Tagen unbe-
weglichen Miliola etwa vierzig junge Thiere dieser Art mit einkammriger
Schale hervorkommen und überzeugte sich, dass der ganze Inhalt des
Mutterthieres verschwunden war. Bei einer neuen Nonionina mit
Kieselpanzer (N. silicea) fand Verf. in den Kammern der letzten Win-
dung zahlreiche runde, mit einer Kieselhülle umgebenen Kugeln, die
er gleichfalls für Junge hält und mit gewissen, schon früher (Urga-
nism. der Foram. $.27) von ihm in mehreren Arten beobachteten
schwarzen Kugeln in Zusammenhang bringen möchte,
Ehrenberg ist über diese letztern Kugeln (die auch
Ref, in abgestorbenen Rhizopoden häufig beobachlele) sehr
abweichender Meinung. Er hält dieselbe — wie es Ref.
scheint, mit Recht — für anorganische Bildungen (Eisensi-
likatkugeln), die sich erst nach dem Tode bildeten und sich
oftmals bis zur völligen Ausfüllung der Kammern anhäuf-
ten. Berl. Monalsber. 1855. S. 173.
Diese Angabe Ehrenberg’s hängt mit der Entdeckung
“ zusammen, das der sog. Grünsand aus Sleinkernen verschie-
dener Polythalamien bestehe (ebendas. 1854. S. 354), bei
denen in wohlerhaltenen Exemplaren mitunter sogar die Ver-
bindungsröhren zwischen den einzelnen Kammern und die
allerfeinsien Canäle der Zellenwände ausgefüllt sind (eben-
das. 1855. S. 87). Durch Hülfe derartiger Objecle war es
unserem Verf. möglich, den Verlauf und die Bildung der
Schalenkanäle bei verschiedenen Polylhalamienformen (be-
sonders den schwieriger zu untersuchenden Helicosteginen,
Orbitoiden, Orbituliden, Nummuliten und Alveolinen) genauer,
als das früher vielleicht möglich war, zu untersuchen. (Eben-
das. 1855. S. 292, 487 u. 552.)
Für die Einzelnheiten verweisen wir auf das Original; wir
wollen hier bloss hervorheben, dass dieses Canalsystem in vielen
Fällen äusserst complieirt ist und entschieden complicirter, als man
— vielleicht mit Ausnahme von Carter (vgl. J. B. XXI. S. 1059) —
früber anzunehmen geneigt war. Ueber die Bedeutung dieses Canal.
444 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
system lässt uns Ehrenberg im Unklaren; er sieht die Anwesen-
heit derselben einstweilen nur als einen Beweis von der „zusam-
mengesetzten Organisation“ der Polythalamien an und spricht sich
bei dieser Gelegenheit denn auch mehrfach sehr entschieden gegen
die Zusammenstellung der Polythalamien „mit dem Proteus der Poly-
gastern“ aus. Neue Thatsachen werden hier freilich nicht beige-
bracht, ein einfaches Berufen auf die im Jahre 1838 erschienene
Arbeit unseres Verf. dürfte heutigen Tages wohl nur den wenigsten
Zoologen ein genügender Beweis sein.
M. Schulze spricht in Betreff jenes Canalsystems die (bis auf
Weiteres gewiss vollkommen berechtigte) Ansicht aus, dass dasselbe
dazu diene, die contraktile Substanz des Polythalamienkörpers nach
Aussen gelangen zu lassen und in der Schale selbst nach den ver-
schiedensten Richtungen zu verbreiten. Sitzungsber. der naturf. Ge-
sellsch. in Halle. Aug. 1850.
An diese Untersuchungen Ehrenberg’s schliesst sich die
Darstellung von Carter über die Bildung und den Verlauf
des in der Schalenwand von Alvcolina melo (fossil) befind-
lichen Canalsystemes. Ann. nat. hist. 1854. S. XIV. p. 99.
Tab. III.
Carpenter beginnt die Herausgabe seiner umfassen-
den Untersuchungen über Polythalamien, Researches on the
Foraminifera ; Part I. General introduction and Monograph of
the Genus Orbitolites (Proc. roy. Soc. 1855. N. 14. p. 47 ff.
oder Ann. nat. hist. XVI. p. 207).
Die scheibenförmig abgeplattete Schale von Orbitolites besteht
aus zahlreichen rundlichen Zellen, die in concentrischen Reihen um
eine grössere Centralzelle angeordnet sind und eben sowohl durch
radiäre, wie auch durch concentrisch verlaufende Canäle unter sich in
Zusammenhang stehen. In vielen Fällen bilden diese Zellen nur eine
einzige Schicht, in anderen aber mehrere über einander liegende und
gleichfalls durch Canäle zusammenhängende Schichten. Doch scheint
es kaum, dass diese zwei Typen specifisch verschieden seien. Die
Poren, aus denen die Pseudopodien hervorgestreckt werden, stehen
nur am Rande, bald in einer einzigen Reihe, bald in mehreren. Der
Inhalt dieses Gehäuses besteht aus einer von Sarkode gebildeten Masse,
ohne gesonderte Organe, mit der Fähigkeit der Pseudopodienbildung.
Was die Fortpflanzung betrifft, so möchte Verf. gewisse kleine Sar-
kodeballen, die mitunter einzelne Zellen anfüllen, für Sporen (gem-
mes) und andere kleine, in feste Hüllen eingeschlossene Körper für
Eier halten.
Auch Jeffreys publieirt Beobachtungen über Forami-
n
der niederen Thiere während der J. 1854—1855. 445
niferen, Notes on Foraminifera, Proc. roy. Soc. 1855. Juny,
Ann. nat. hist. XV. p. 209.
Verf. bestätigt die Annahmne von der einfachen Struktur des
Rhizopodenkörpers, ebenso auch die Existenz von Sporen, kann aber
die von Carpenter als Eier beschriebenen Bildungen nicht als
solche anerkennen. Er hält dieselben vielmehr für die Ueberreste
der abgestorbenen Thiere. (Sind wohl die oben erwähnten Eisen-
silicatkugeln.) Die Ortsbewegung ist äusserst langsam, kaum %, Zoll
in 24 Stunden, auch giebt es Arten, die durch dünne Sarkodefäden
zeitlebens angeheftet sind (Lobatula, Rotalia, Planorbulina).
Ueber brittische Foraminiferen vgl. Williamson, Rep.
br. Assoc, (held 1854) 1855. p. 113.
Was die Systemalik der Foraminiferen betriflt, so glaubt
Jeffreys dieselben in fünf Familien theilen zu kondehi La-
genadae, Nodosariadae, Vorticiolidae, Textuilariadae und Mi-
lioladae. L. c. p. 211.
M. S. Schultze liefert nach einer kritischen Prüfung
der früher aufgestellten einzelnen Familien eine vollständige
systematische Uebersicht über die Rhizopoden und stellt da-
bei folgendes Schema auf (a. a. 0. $.37—53):
A. Nuda, Gattungen: Amoeba (Noetiluca ?).
B. Testacea,
I. Molothalamia. Gehäuse einkammrig; das Thier unge-
theilt, der einfachen Höhlung der Schale entsprechend.
1. Fam. Lagynida. Eine beutelförmige, kalkige oder mem-
branöse, nicht fein poröse Schale mit grosser Oellnung. Gatt. Arcella,
Difflugia, Gromia u. s. w.
2. Fam. Orbulinida. Eine kuglige kalkige Schale ohue grös-
sere Oellnung, an der ganzen Oberlläche fein durchlöchert. Gatt.
Orbulina d’Orb.
- 3. Fam. Cornuspirida. Eine kalkige Schale, wie ein Planor-
bis- Gehäuse gewunden, mit einer grossen Oeflnung. Gatt. Cor-
nuspira.
1. Polythalamia, Gehäuse vielkammrig, das Thier aus
Segmenten gebildet, welche durch Brücken unter einander zusam-
menhängen,
A. Helicoidea. Die Kammern in einer Spirale angeordnet.
4. Fam. Miliolida. ‘Jede Kammer nimmt eine halbe Windung
ein, die einzelnen Windungen entweder in einer Ebene oder in ver-
schiedenen Ebenen aufgewickelt. Die Schale besitzt nur eine grös-
sere Oclinung am Ende der letzten Windung; feinere Poren fehlen,
Gatt, Uniloculina, Biloculina, Miliola u._s. w.
y
446 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
5. Fam. Turbinoida. Die Kammern sind in der Art spiral ge-
ordnet, dass das Gehäuse einer Helix oder Turbo gleich sieht. Die
Windung ist nur auf einer Seite der Schale sichtbar. Einige sind so
in die Länge gezogen, dass die Kammern wie in zwei Reihen alter-
nirend neben einander liegen. _Die Schale besitzt eine grössere Oell-
nung an der letzten Kammer und ist fast immer an der ganzen Ober-
fläche fein durchlöchert.
Hieher als meist artenreiche Gruppen die Rotalida, Uvellida,
Textilarida, Cassidulinida.
6. Fam. Nautiloida. Die Kammern sind in der Art spiral ge-
ordnet, dass das (iehäuse im Allgemeinen einem Nautilus oder Am-
monites gleich sieht. Die Windung ist auf beiden Seiten der Schale
sichtbar oder auf beiden Seiten verdeckt. Die vordere Wand der
letzten Kammer besitzt eine grössere oder mehrere kleinere Oeffnun-
gen, der übrige Theil der Sehale ist meist fein durchlöchert.
Auch hieher eine Anzahl kleinerer Gruppen: Cristellarida, No-
nionida (mit den Nummuliten), Peneroplida, Polystomellida,
7. Fam. Alveolinida. Kuglige, ei- oder gerstenkornförmige
Schalen, aus spiraligen Röhren zusammengesetzt, deren jede einer
Cornuspira gleicht und mit einer besonderen Mündung am Ende der
Windung versehen‘ ist. Die Röhren hängen alle unter einander durch
Verbindungsöffnungen zusammen und sind ausserdem durch unvollstän-
dige Querscheidewände (nach Art der Nonioninen) abgetheilt. Die
Lage dieser nur in geringer Anzahl vorhandenen Querscheidewände
und der Verbindungsöffnungen ist durch Linien, welche in der Rich-
tung von Meridianen über die Schale laufen, bezeichnet. Gatt.
Alveolina.
8. Fam. Soritida. Scheibenförmige, vielzellige Schalen, nur
im Centrum mit einer Andeutung einer helicoiden Windung, sonst cey-
eloid d. h. gleichmässig am ganzen Scheibenrande fortwachsend. Die
braun durchscheinenden,, fein porösen Schalen aus kleinen Kammern
gebildet, die in der Richtung gerader oder bogenförmiger Radien unter
einander zusammenhängen und am Scheibenrande jede mit einer grös-
seren Oeflnung versehen sind. Gatt. Sorites, Orbitolites u.s. w. auch
Cycloline.
B. Rhabdoidea. Die Kammern in einer graden oder wenig
gebogenen Linie, in einfacher Reihe über einander gethürmt.
9. Fam. Nodosarida. Stabförmige Gehäuse, deren Kammern
in einer Reihe über einander liegen und durch eine grosse Oelinung
unter einander zusammenhängen; eine eben solche Oeffnung an der
letzten Kammer. Die Schale meist dick, wahrscheinlich immer von
feinen Porencanälen durchbohrt. Gatt, Glandulina, Nodosaria u. s. w.
C. Soroidea. In unregelmässigen Haufen gruppirte Kammern.
10. Fam. Aceryulinida. Meist kuglige, ganz unregelmässig an
der niederen Thiere während der J. 1854—1855. 447
einander gelagerte, ziemlich gleich grosse Kammern mit fein durch-
löcherter Schale und einigen grösseren Oeflfnungen an unbestimmten
Stellen. Gatt. Acervulina.
Ueber die systematische Vertheilung der Soritinen, Helicosori-
nen (Orbitoiden) und Helicotrochinen (Nummuliten) handelt Ehren-
berg, Monatsber. der Berl. Akad. 1855. S. 288. Anm.
Einzelne Arten:
Auerbach beschreibt ausser Amoeba radiosa E. et Duj. und
A. piinceps Ehrbg. eine Am. bilimbosa n.sp. und A. actinophora n. sp.
und bemerkt, dass Am. guttula Perty — nicht E. — wahrscheinlich
nur den Jugendzustand von A. princeps darstelle.
Amoeba porrecta n. sp., (Schultze Organism. der Rhizopoden
S.8. Taf. VII. fig. 18) ist möglicherweise, wie Verf. vermuthet, der
Jugendzustand einer späterhin beschalten Rhizopode. Ebendaselbst
Taf. VII. fig. 20 Amoeba globularis n.sp. und fig. 21 A. polypodia, alle
drei aus dem Salzwasser des adriatischen Meeres.
Amoeba vermicularis Weisse ist nach neueren Angaben des
Verf. wahrscheinlich A. limax Duj. Zeitschrift für wiss. Zool. VII.
5.341.
“ Actinophrys oculata n. sp., Stein Infusionsthiere $. 157.
Arcella Okeni Perty fällt nach Weisse (a. a. 0.) mit Arcella
uneinatn W. zusammen.
In M. Schultze’s grossem Rhizopodenwerke werden weiter fol-
gende lebend beobachtete Arten beschrieben (S. 54-68) und abgebildet:
Gromi& oviformis Duj., Gr. Dujardiniin.sp., Lagynis (n. gen.)
baltica n. sp., Squamulina (n. gen.) laevis n. sp., Miliola obesa
n. sp., M. Anconensis n. sp., M. cyclostoma n. sp., M. tenera n. sp.,
_ Rotalia Veneta n. sp., R. Freyeri n. sp., Rosalina varians n. sp.,
Polymorphina silicea n. sp., Teztilaria picta n. sp., Polystomella stri-
gilata d’Orb., P. gibba n.sp., P. stella borealis (Ehrbg.) Sch., Acer-
vulina (n.gen.) inhaerens n.sp., A. globosan.sp., A. PIE, n. sp»
Dazu kam später noch die schon oben erwähnte Nonionnina
silicea.
Die Diagnosen der neuen Genera sind folgende:
A Lagynis Sch. (e fam. Lagynidum), einkammrig; Schale mem-
branös, elastisch, retortenförmig ; Körper farblos, durchsichtig, aus
einer grossen Schalenöllnung wenige, äusserst feine, hier und da ver-
ästelte Fortsätze aussendend.
Squamulina Sch. (e fam. Lagynidum). Schale einer plan-
eonvexen flachen Linse gleichend, mit der planen Ebene fesigehef-
tet, kalkig, eine einfache, ungetheilte Höhlung einschliessend. Eine
Mer > Oeffnung auf der convexen Seite ; feine Poren fehlen.
Acervulina Sch,‘ (e fam, Acervulinidum). Vielgestaltige, un-
nn
448 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
regelmässige, freie oder angeheftete Gehäuse, aus stark gewölbten
Kammern zusammengesetzt, die durch weite Oeflnungen untereinander
zusammenhängen. Schale dick und gleichmässig durchlöchert. Einige
grössere Oeffnungen pflegen an wechselnden Stellen der Schalenober-
fläche in den Winkeln zweier sich berührender Kammern vorzu-
kommen.
Nach der Schale allein charakterisirt der Verf. (S.40) das neue
Genus Cornuspira (e fam, Cornuspir.). Schale kalkig, wie ein
Planorbisgehäuse gewunden, solide oder fein porös, scheibenförmig,
auf beiden Seiten gleich, eine einfache, ungetheilte Höhlung ein-
schliessend. Eine grosse Oellnung am Ende der Windungen. Nn. sp.
C. planorbis, C. perforata.
Ehrenberg beschreibt gleichfalls 10 neue Foraminiferen:
Aspidospira profundissima, A. abyssicole, Globigerina ternata,
Grammostomum sp. dub., Gr. pupilla Orci, Phanerostomum ailanticum,
Planulina obscura, Piygostomum Orphei, Spiropleurites (n. gen.)
nebulosus, Sp. plalystomus, Uvigerina plicata, sämmtlich aus der Tiefe
des Meeres. Berl. Monatsber. 1854. S. 247.
Das neue Gen. Spiropleurites trägt folgende Charaktere;
Cellularum serie primum spirali, dein erecta, apertura laterali ad ba-
sin cellulae mediam, alterna in cellulis alternis.
Schliesslich sei auch noch auf die prachtvollen Abbildungen fos-
siler Polythalamien in der Microgeologie, bes. Taf. 21—32 ver-
wiesen.
An die Rhizopoden reihen wir hier anhangsweise noch
eine Reihe von sonderbaren,, kieselpanzerigen Geschöpfen,
‚deren nähere Kenntniss wir besonders den Untersuchungen
von J. Müller verdanken. Zunächst die Polyeystinen, die zu-
erst von Ehrenberg entdeckt (Berl. Monalsber. 1847. S. 54)
und in zahlreichen Formen beschrieben sind, von den übri-
gen Zoologen aber bisher fast ganz allgemein als isolirte
Skelettheile anderer Organismen betrachtet wurden , bis es
Müller gelang, dieselbe lebend (im Hafen von Messina) zu
beobachten. Vgl. Berliner Monatsber. 1855. S. 251 und be-
sonders 671. :
J. Müller beobachtet fünf verschiedene Formen: Haliomma po-
Iyacanthum, H. hezacanthum, Eucyrlidium zanclaeum, Dictyospyris
messanensis, Podocyrlis charybdaea, die alle fünf als neue Species
Ehrenberg’scher Gattungen erkannt werden. Sie leben, wie alle
Polyeystinen am Grunde des Meeres, werden von da aber gelegentlich
durch Strömung und andere Bewegungen der See emporgetrieben,
Der Inhalt der Kieselschale besteht aus einer weichen dunkelgefärb-
der niederen Thiere während des J. 1854-1855. 449
ten, meist braunen Substanz, die nicht immer das ‚ganze Gehäuse aus-
füllt und beim Zerquetschen einzelne Zellen erkennen lässt. Dazu
kommen noch äusserst zarte und durchsichtige Fäden, die von der
durchlöcherten Schale ausstrahlen und (wie die Strahlen von Acti-
nometra und Actinophrys) wohl als direkte Fortsetzungen des Kör-
pers betrachtet werden dürfen. Eine Bewegung konnte an diesen Fä-
den niemals beobachtet werden; sie waren, weich, aber ausgestreckt.
Ehrenberg selbst fügt "zu den zahlreichen, schon früher auf-
- gestellten und charakterisirten Polycystinen zwei neue Genera Ceno-
sphaera und Spongodiseus und dreissig neue Species hinzu. Berl. Mo-
natsber. 1854. S. 240-247.
In der Microgeologie ist besonders Taf. 36 für die Kenntniss der
Polyceystinenschalen wichtig.
Den Polyeystinen lassen wir Huxley’s Thalassicollen
(J. B. XXI. S. 96) folgen, die gleichfalls von J. Müller
beobachtet wurden. Ebendas. 1855. S. 229 ff.
Die Thalassicollen, die zuerst vonMeyen untersucht wurden
(Sphaerozoum Meyen) sind gallertartige, im Meere flottirende Körper-
chen, in deren Substanz eine wechselnde Anzahl grösserer, von einem
Kieselskelete umgebener Zellen eingelagert ist. Dieses Kieselskelet
besteht bald aus einzelnen, isolirten Spicula, die an die Kieselnadeln
der Spongien sich anschliessen (Tkhalassicolla Mäll.), bald auch aus
einer dünnen und zerbrechlichen gefensterten Schale (Collospkaera
Müll.). Meist finden sich in der Nähe der grossen Zellen — zwi.
schen den Spicula oder dicht unter der Schale — auch noch kleinere
hellgelbe Zellen, die dann und wann in der Zweitheilung angetrof-
fen wurden und möglicher Weise auch allmählich in die grossen
Zellen sich verwandeln, obwohl sie chemisch (in ihrem Verhalten.
gegen Jod und Schwefelsäure) davon verschieden sind.
Ueber die Natur dieser merkwürdigen Bildungen wurde aber
ebenso wenig etwas Bestimmtes ermittelt, wie über die Entstehung
und Fortpflanzung derselben.
Nach der Bildung des Skelets könnte man bald (Thalassicola)
an eine Beziehung zu den Spongien, bald auch (Sphaerocolla) zu den
Polycystinen denken — man könnte sich sogar versucht fühlen, Col-
losphaera geradezu für eine Colonie von Polycystinen zu halten, aber
einstweilen fehlt, bei dem scheinbaren Mangel einer jeden Eigenbe-
wegung, sogar noch der Nachweis, dass die betreffenden Bildungen
überhaupt als Thiere anzusehen seien. Was die Th. nucleata Huxl,
anbetrifft, die des Kieselgerüstes entbehrt und nur einen einzigen
Kern in ihrer Gallertmasse einschliesst, so dürfte diese mit den übri-
gen Thalassicollen wohl schwerlich zu vereinigen und vielmehr den
gleichfalls schon von Meyen beschriebenen, freilich nicht minder
räthselhaften Physematien zugehören.
Archiv f. Naturgesch, XXI, Jahrg. 2. Bd. DD
450 Leuckart: Bericht üb. d, Leistungen in d. Naturgeschichte
Nach Müller’s weiterer Entdeckung giebt es übrigens
auch solitäre pelagische Kieselorganismus mit Gallerthülle an
den Körpern: Acanthometra n. gen. Ebendas. S. 248-951
und S. 674—676 (leizten Orles nach Beobachtungen von Cla-
parede).
Diese in mehrfachen Formen (A. multispina M. aus dem Mittel-
meer, A. echinoides Cl., A. pallida Cl. und E. arachnoides Cl. von der
Bergenschen Küste) beobachteten mikroskopischen Organismen bestehen
aus einem starrem, mehr oder weniger pigmentirten Körper, von dessen
häutig begrenzter Oberfläche eine Anzahl Strahlen abgehen, die an
die Strahlen von Actinophrys erinnern, sich aber — nach Clapare&de
— leise krümmen, verlängern und verkürzen und dadurch eine, frei-
lich nur sehr langsame Ortsbewegung herbeiführen. Jm Innern des
Körpers entdeckt man zellige Einlagerungen, die sich (bei A. echi-
noides) in chemischer Beziehung genau wie die kleinen Zellen von
Thalassicolla verhalten. Das Kieselgerüste besteht aus einer Anzahl von
langen’ und spiessförmigen, bisweilen (A. arachnoides) verästelten Na-
deln, die im Mittelpunkte des Körpers mit keilförmig zugeschnittenen
Enden auf einander stossen und in verschiedener Anordnung von da
bis über die Oberfläche des Körpers ausstrahlen. In manchen Fällen
sind diese Kieselnadeln mit einem Centralkanal versehen, durch den
ein weicher tentakelartiger Strahl hindurchläuft. Zwischen den Sta-
cheln liegt eine mehr oder weniger mächtige Gallertschicht, die von
den Strahlen durchsetzt wird. Wenn diese Schicht sehr stark ausge-
bildet war, fehlten die Strahlen mitunter vollständig.
Ueber Entwickelung und Verwandtschaft von Actinometra liess
sich ebenso wenig, wie bei Thalassicolla etwas Bestimmtes feststellen,
doch scheint es fast, als wenn die sonderbaren von Müller im Darm.
kanale von Comatula früher entdeckten Kieselgerüste (die von spätern
Forschern als Bacteriastrum und Actiniscus bezeichnet wurden) zu
einer verwandten Thierform gehörten.
3. Gregarinae.
Was wir in neuerer Zeit über Gregarinen erfahren ha-
ben, verdanken wir vorzugsweise den Untersuchungen von
Lieberkühn, ‚der seine Beobachtungen über diese Geschöpfe
und besonders deren Entwickelungsgeschichte in mehreren
Abhandlungen niedergelegt hat. Die Hauptarbeit desselben ist:
Evolution des gregarines par N.Lieberkühn, T. XXVI
des M&m. couronn. de l’Acad, roy. de Belgique 1855. p. 1
—46. Pl. I—XI. (Eine gedrängt Uebersicht über den Haupt-
der niederen Thiere während der J. 1854—1855. 451
inhalt dieser Abhandlung enthält das Referat von van Be-
neden, Bull. Acad. de Belg. T. XX. No. 12. oder l’Institut.
1854. p. 190.
Verf, behandelt zunächst dieFrage, ob zum Zwecke der Einkapse-
lung und Sporenbildung bei den Gregarinen stets eine Copulation von
zweien Individuen vorhergehen müsse, wie das Stein (vergl. J. B.
XXI. S. 107) behauptet hatte, und kommt zu dem Resultate, dass
schon ein einzelnes Thier für diese Vorgänge genüge. Bei dem Regen-
wurme, dessen Gregarinenfauna den Verf. zumeist beschäftigte, fand der-
selbe Gregarinenkapseln, die nur einen einzigen Kern enthielten und
olfenbar auch nur von einem einzigen Individuum abstammten. Ueberdiess
beobachtete Verf. nicht selten, wie die zwei, in einer gemeinschaft-
lichen Cyste eingeschlossenen Ballen, die St. als die Körper zweier
ursprünglich isolirter Individuen ansieht, sich ohne weitere Verschmel-
zung selbstständig in Psorospermien (Pseudonavicellen) umbildeten, Die
Art dieser Umwandlung zeigt übrigens mancherlei Verschiedenheiten.
Bald wird dieselbe durch einen förmlichen Theilungsprocess vermit-
telt, bald geht sie ohne solchen vor sich. Im ersten Falle zerfällt
der körnige Cysteninhalt in immer kleinere und zahlreichere Ballen,
die sich dann durch Verflüssigung der Körner und Umbildung einer
äusseren Hülle in Psorospermien verwandeln, während sich im an-
deren Falle gleich von Anfang an (im Umkreise des fast unverän-
derten Cysteninhaltes) eine Anzahl gelber Bläschen bildet, die zur
Umwandlung in Psorospermien nur einer äusseren festen Hülle be-
dürfen. Nicht selten kann man alle die einzelnen Phasen der Psoro-
spermienentwickelung in derselben Cyste neben einander beobachten.
Was aus den reifen Psorospermien weiter wird, war bisher nicht
beobachtet; cs war eine blosse Vermuthung, wenn die früheren Un-
tersucher eine direkte Metamorphose derselben in neue Gregarinen
annahmen. Nach L. ist diese Vermuthung eine unrichtige. Er beob-
achtete, dass der diaphane Inhalt der Psorospermien nach einer län-
geren Zeit der Ruhe in immer zahlreichere und kleinere Theilchen
zerfällt, die sich schliesslich zu einem kugligen Haufen zusammen-
ballen, Solche Kugeln fand Verf. nicht selten neben leeren Psoro-
spermien noch frei im Innern der Umhüllungscysten. Grösse, Form
und mikroskopische Beschaffenheit dieser freien Kugeln sind nun nach
L. genan dieselben, wie bei den bekannten contraktilen Körperchen,
die, einzeln oder auch zu grösseren Haufen zusammengeballt, in der
Leibeshöhle der Regenwürmer vorkommen und von den früheren Be-
obachtern für Blut- oder Isymphkörperchen gehalten wurden. Verf,
glaubt sich daher berechtigt, diese letzteren als eine weitere Entwicke-
lungsstufe der aus den Psorospermien stammenden Kugeln anzusehen ;
er erklärt dieselben für „amöbenartige Geschöpfe“, und lässt sie sich
schliesslich wieder in Gregarinen verwandeln, In der That existiren
452 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
nun, nach den Beobachtungen des Verf., mancherlei auflallende Mit-
telformen zwischen diesen Amöhen und gewissen Gregarinen des Re-
genwurmes, namentlich auch Gregarinen ohne darstellbare Umhüllungs-
membran, die nach Amöbenart stumpfe und spitze Fortsätze bilden
und langsam wieder einziehen.
Die Psorospermien der Kaninchen (die früher bekanntlich so
häufig für Entozoeneier gehalten wurden), entwickeln sich nach den
Beobachtungen des Verf. (p. 27—35) auf eine sehr ähnliche Weise,
Sie entstehen in eigenen Cysten, und zwar durch Zerklüftung des fein-
körnigen Inhaltes und bilden in ihrem Innern schliesslich eine scharf
begrenzte Kugel. Hier und da wurden diese Kugeln auch frei von
unserem Verf. beobachtet. (Man vergleiche hierbei auch die Beobach-
tungen G. Wagner’s, Entw. d. Cestoden a, a. 0. S.40.)
Für die Psorospemienceysten der Fischkiemen sucht Verf, schliess-
lich (p.36—38) nach eigenen und fremden Beobachtungen den glei-
chen Entwickelungsgang nachzuweisen,
Die späteren Arbeiten unseres Verl. beziehen sich
hauptsächlich auf die Bildung und Entwiekelungsgeschichle
der Psorospermien. Müller’s Arch. 1854. 8. 1-24.
Tab. I u. II, mit Fortsetzung ebendas. S. 349-368. Tab. XIV.
oder Bull. Ac. roy. de Bele. T.XX. No.3 und No. 7. (Y’Inslit,
1854. p. 230 u. 340.)
Enthalten meist Beobachtungen über die Psorospermien der
Frösche und Fische und dürfen gewissermassen als Nachträge zu der
vorhergehenden Abhandlung betrachtet werden. Als besonders wich-
tig dürfen wir hervorheben, dass es Verf. jetzt gelungen ist, für die
amöbenartige Natur der jungen Gregarinen die unzweideutigsten Be-
weise zu liefern. Verf. konnte sich nicht bloss in vielen Fällen von
der Anwesenheit‘ solcher amöbenartiger Körperchen im Innern der
reifen Psorospermien überzeugen; er sah diese Körperchen auch (bei
Fröschen, S. 3, und Gobio, $.354) aus den klaffenden Schalen der
Psorospermien ausschlüpfen und nach Amöbenart sich fortbewegen.
Sie sind diaphane Geschöpfe von komogener Beschaffenheit und bis-
weilen mit einem Kerne versehen, von echten Amöben jedoch da-
durch verschieden, dass sie niemals eine feste Nahrung in sich auf-
nehmen. Auffallend ist die grosse Aehnlichkeit dieser Gebilde mit
den farblosen Blutkörperchen, die (wie viele andere thierische Elemen-
tartheile Ref.) diesclben amöbenartigen Fortsätze zu bilden im Stande
sind (S. 12). Verf. gesteht sogar (S, 363), dass er ausser Stande sei,
. diese beiderlei Bildungen nach ihren physikalischen Eigenschaften zu
unterscheiden,
Dass sich die Psorospermien überall nur im Innern eines grega-
rinenarligen Geschöples entwickeln, wie Verf, gleichfalls früher schon
—/
der niederen Thiere während der J. 1854— 1855. 453
behauptet hatte, erhält nicht minder seine Bestätigung. Nur darf man
nicht überall bei diesen Geschöpfen (wie bei den echten Gregarinen)
Kern und derbe, deutlich nachweisbare Umhüllungshaut voraussetzen.
Das amöbenartige Wesen, das sich (in einfacher Anzahl oder zu meh-
reren) im Innern der Psorospermien entwickelt hat, wächst allmählich ;
es bildet sich in ihm eine feine immer reichlicher werdende Körnchen-
masse aus, die Bewegungsfähigkeit erlischt und jetzt erscheint es als
eine starre mannichfaltig geformte Substanz, deren Inhalt sich in
Kügelchen ballt und schliesslich in neue Psorospermien verwandelt,
Wie schon Leydig nachgewiesen hatte, ‚geht die Bildung dieser
Psorospermien hier im Innern der Furchungskugeln (mitunter in mehr-
facher Zahl) vor sich,
Eigenthümlich verhalten sich die Psorospermienbehälter auf
der Haut von Gasterosteus ($.354), in denen die amöbenartigen Keime
durch Umwandlung der Psorospermien selbst — unter gleichzeitigem
Schwund der Umhüllungsmembran — ihren Ursprung nehmen.
Die Psorospermien der Kaninchen gehen (8,7) bei längerer
Aufbewahrung im Wasser eine eigenthümliche Veränderung ein, in-
dem sich der Kern derselben theilt und neue Psorospermien mit dia-
phanen Körperchen im Innern bildet, In manchen Fällen entwickeln sich
diese diaphanen Körperchen auch unmittelbar im Innern des Kernes,
In mancher Beziehung abweichend sind die Resultate,
die A. Schmidt in Frankfurt über Gregarinen gewonnen
hat. „Beilrag zur Kenntniss der Gregarinen und deren Ent-
wickelung“, in den Abhandl. der Senkenberg. Gesellschaft
1854. Mit einer Tafel.
Verf. untersuchte die Gregarinen der Regenwürmer und be.
schreibt von diesen ausser Monocystis agilis St. noch M. magna n.
sp-, M. cristata n. sp., M. nematoides n. sp. (aus Lumbr. agricola)
und M. porrecta n. sp. (aus L. rubellus). Eine Verschmelzung zweier
Individuen glaubt Verf. bei M. agilis,, die derselbe vorzugsweise be-
obachtete, in Abrede stellen zu dürfen. Er betrachtet, wie Lieber-
kühn, die Gregarinenkapseln mit zwei Kugeln als Resultate eines
Klüftungsprocesses. Auch bei einer freien Gregarine wurde einmal
die Abschnürung eines kugligen Stückes beobachtet. Die Entwicke-
lungsgeschichte der Pseudonavicellen ist Verf, unbekannt geblieben; er
findet auch nach sorgfältiger Untersuchung der in der Leibeshöhle des
Regenwurms enthaltenen Flüssigkeit keinen Grund, die periodisch ver-
änderlichen Lymphkörperchen für Thiere und Abkömmlinge der Gre-
garinen zu halten. Dagegen glaubt derselbe die M. agilis durch alle
Wöchsthumsstufen hindurch bis zu kleinen unscheinbaren Zellen ver-
folgt'zu haben, die theils frei in der Hodenflüssigkeit, theils auch
einzeln in den Entwickelungszellenhaufen der Samenfäden vorkom-
454 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte etc.
men. Die peripherischen Zellen dieser Haufen, die sonst in lange Sa-
menfäden auswachsen, verwandeln sich bei Anwesenheit der jungen
Gregarinen. im Innern der Centralzelle, in ein kurzes Haarkleid, das
später von den Parasiten abgestreift wird; ein Vorgang, der auch _
schon früher beobachtet und als Häutung der Gregarinen' beschrieben
war. (Ref. hat durch die Güte des Verf. Gelegenheit, einige dieser
Entwickelungsphasen beobachten zu können.)
Auch d’Udekem giebt gelegentlich einige Notizen über die
Psorospermienbehälter der Regenwürmer, so wie über eine riesen-
hafte Monocystis aus dem Flimmertrichter (Monocystis magna Sch ).
Wie es scheint‘, hält derselbe die kleine Monocystis des Hodens (M.
agilis) für die Jugendform der letzteren, er behauptet wenigstens,
dass letztere anfangs im Hoden lebe und erst von da allmählich bei
zunehmender Grösse herabsteige. Developpement du lumbrie 1. c.
p: 12. Tab. I. 7—17,
Leydig beobachtet eine Stylorhynchus n. sp. im Darmkanale
einer mit Seirus elaphus Duj.. verwandten Milbe. Müller’s Arch. 1850.
5.447, Anm.
Zum Schlusse unseres Berichtes erwähnen wir noch
einer Arbeit von Kloss „über Parasiten in der Niere von
Helix“, Abh. des Senkenb. Vereins 1854. S. 190—213. Taf.
XV u. XVI, die ein Gebilde betrifft, das sich möglichenfalls
— ein bestimmtes Urtheil über die Natur desselben dürfte
einstweilen kaum möglich sein — den Gregarinen anschliesst.
Verf. beobachtete zwischen den Nierenzellen verschiedener He-
lixarten kleinere und grössere dotterartige Kugeln, die in eine be-
sondere, meist mit Borsten besetzte Cyste eingeschlossen waren, und
trotz ihrer Bewegungslosigkeit — wenn wir die Verwandtschaft mit
Gregarinen festhalten dürfen — als thierische Geschöpfe betrachtet
werden müssen. Diese Kugeln zerklüften sich, wenn sie eine be-
stimmte Grösse erreicht haben; sie zerfallen in zahlreiche kleine,
scharf begrenzte Bläschen, die als Keimkörner bezeichnet werden und
ausser einem Kerne im Innern schliesslich eine Anzahl von 4-6 be-
weglichen stäbchenartigen Körpern erkennen lassen. Diese letzten er-
innern an Lieberkühn’s Amöben (obgleich die Bewegungen der-
selben nach Verf, einen anderen Typus zeigen), während die „Keim-
körner“ wohl den Pseudonavicellen gleich gesetzt werden könnten.
In günstigen Fällen sieht man die Stäbchen ausschlüpfen und nach
einiger Zeit zur Ruhe kommen, wobei die stäbchenförmige Gestalt in
eine kuglige sich verwandelt.
Druck von Carl Georgi in Bonn.
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